Mbenöausgabe Kr. 27* 44. Jahrgang Ausgabe L Kr.?S kcÄtatbtbiusm«»«md«iue!snivltil« vsd i» btz Morgena�saab« anz«i>ed«x BettatlUa: 99. 68, Ctaftenfltaft« 3 Sttnlpnditt> töat/etf 262- 281 XcL'Staen«: Sojlaldeaiofcal Betfla Devlinev Volksblatt Montoz 17. Januar 1927 verlaß«ud Sazetgenabtitlaaß, Selchiikeszeti b», S U»r Verleger: vorwSrl». Verlag Gmdh. actlln»w 68. Claftcnftuf}« 6 Serasprecher> C»a«ofl 262- 262 2entralorgan der Sozialdemohratirchcn parte» Deut Ich lands Marx verhandelt. Heute nachmittag entscheidende Besprechungen. Rrtchskanzler Dr. Marz Hai dem Reichspräsidenten gestern abend mltgeleilt, daß er den iluftrag, aus Grund des bekannten Zentrnmsbeschluffe» durch Verhandlungen mit den in Jrage kommenden Fraktionen de» Reichstage» die politische Lage und die Mögllchkeilea der Regierungsbildung weiter zu klären, annimmt. Marx will demgemäh heute mlt den Parteiführern wegen der Möglichkeit der vildung einer Regierung der Mitte ver. handeln. wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, will er zunächst mit den Führern der Reichetagsfraktionen der Deutschen Volks- partei verhandeln, um seflzuftellen. ab ein Kabinett der Mitte mit Unterstützung der Sozialdemokraten durchzuführen ist. Der Frak- lionsvarstand.der Deutschen Volkspartei tritt bekanntlich heute vor- mittag zu einer Sitzung zusammen. Mlt den Fraklianssührern der veutschnationalen und der Sozialdemokraten will Dr. Marx erst verhandeln, nachdem er die Ansichten der Deutschen Volkspartei entgegengenommen hat. Die Sitzung des Fraktionsvorftandes der Deutschen Volkspartet begann nach t! Uhr vormittags im Beisein des Reichsautzeuminister» Dr. Slresemaan. Um 2 Uhr war die Sitzung immer noch nlcht mlt einem Beschluß beendet. Am Relchslag verlautete jedoch, daß die Volkspartei zunächst nicht die Absicht Hab«, den Bemühungen Dr. Marx' Schwierigkeiten in den weg zu legen, Stegerwalö will nicht. Eine Rede in Köln.—»Lieber Auflösung als Rechtsregieruug'." Im Lager der christlichen Gewerkschäften spielen sich merkwürdige Dinae ab. Ihr Organ„Der Deutsche" hat in den letzten Tagen mit großem»eiser gegen Marx als Kanzlerkandidaten der Mitte Herrn Stegerwald als Kanzlerkandidaten der Rcchtsregierung proklamiert. Obwohl Stegerwald bis in die letzte Zeit hinein sich gegen die Rechts- regierung ausgesprochen hatte, war schwer anzunehmen, daß eine solche Aktion unternommen werden könne im strikten Gegensatz zu Stegerwald selbst. Das scheint nun aber doch der Fall zu sein, ocnn ein Eigenbericht aus Köln meldet uns folgendes: In Köln sprach am Sonntag nachmittag in einer großen Kund- gebung der Arbeitcrzentrumswähler der ehemalige preußische Ministerpräsident Stegerwald über„Arbeiterzentrumswähler und Politik". Als Gäste waren in der Versammlung u. a. anwesend Minister Hirt siefer, Abgeordneter Giesberts und andere prominente Zentrumsführer. Stegerwald forderte zur Weitcrfüh- rung des Emanzipationskampfes der Arbeiter aus. Das Verhältnis de» Besitzes zum Richtbesih habe sich sehr verschärsl. Die Gleichbe- rechtigung der Arbeiterschaft, die zwar versassungsmäßig festgelegt fei, sei in der Praxis noch lange nicht vorhanden. Das habe u. a. auch der Fall des Kölner Regierungspräsidenten er- wiesen. Oberbürgermeister Adenauer und d�r Landeshauptmann Horton hätten für den Regicrungsprästdentenposten einen vorge- bildeten Beamten verlangt, sie haben aber, so führte Stegerwald aus. vergessen, daß wir nicht mehr in einem Beamtenstaat leben. ZQ Jahre Lebensarbeit gelten schließlich auch so viel wie 4 bis S Jahre approbiertes Akademiestudium. Wenn jeder Kommunal- beamte sich seinen Aufsichtsbeamten selbst wählen konnte, wie Ober- bürgermeister Adenauer das getan habe, so grenze das an Kor- r u p t i o n. Die Zentrumsparlei sei ohne starken Arbeilcranhang nichts, und das treffe für die Wahlen ganz besonders zu. Im Westen Deutschlands bekennen sich 772 000 bis 000000 Arbeiter zur Zentrumspartei. Ohne diese Tatsache wären heute noch keine katho- tischen Beamten in Regierungsstellen. Im Verlauf seiner wetteren Ausführungen lehnte Stegerwald es sür die christlichen Gewerkschaften ab. diese als Schutz gerade für das Bürgertuni gegen die Sozialdemokratie gebrauchen zu lassen. Was die Gleichberechtigung der christlichen Arbeiter in der Zentrumspartei angehe, so sei diese in der Rcichstagsfxaktion vorhanden, auf dem Lande allerdings vielfach noch nicht. Die Arbeiter sollten darum im Kamps unermüd- lich sein und unter Umständen auch nicht davor zurückschrecken. bei kommenden Wahlen eigene Listen au»f zu stellen. Stegerwald kam auch auf die Regierungsbildung zu sprechen und wies darauf hin, daß man die Sozialdemokratie ver- antwortlich zur Regierung mit heranziehen müsse. Sett dem Tode Eberts habe bei der Sozialdemokratie eine Rückentwicklung zum Agitatorischen eingesetzt. Stegerwald wandte sich dann gegen die Deutsche Boltspartei. die er als das Reaktionärste bezeichnete, was in ganz Deutschland vorhanden sei. Der Bildung einer Rechtsregieruug fei die Auflösung des Reichstag» vorzuziehen. Wr stehen also vor der eigentümllchen Tatsache, daß der F ü h r e-r der ckrisllichen Gewerkschafte» w Köln gegen den Bürgerblock spricht, währeird ihn das Organ der christ- lichen Gewerkschaften in Berlin gegen seinen Fraktions- kollegen Marx als Kanzlerkandidaten des Bürgerblocks an- spricht. Westarp bekennt sich zur Monarchie! Die Kräfte, die im„Deutschen" wirksam sind, traten gestern auch in einer Versammlung in Berlin in Erscheinung. In einer„Reichsangestellten-Tagung" der Deutschnationalen Partei sprach unter dem Vorsitz des Herrn Lambach, des Führers der deutschnationalen Hondlungsgehllsen, Graf W e st a r p. Der Gras feierte die Zeit des Kaisertums als eine Zeit des Aufstiegs und des Glücks und sagte, man müsse danach streben, wieder zu einer Staatssorm zu kommen,„die alle nationalen Kräfte zusammenschließe". 9 Noch einem anderen Bericht sagte er wörtlich,„daß unserem Volke die Freiheit nur zuteil werden wird, wenn es sich von der deutscher Wesensart fremden Staatseinrichtung freimacht und zu einer seiner Ucberlieferung und seinen politischen Bedürfnissen entsprechen- den Staatsforn» zurückkehrt." Nach diesem Bekenntnis des deutschnationalen Partei- führers zu einem Programm des aktiven Monarchis- mus durfte es Parteien, die sich noch als„republikanisch" bezeichnen» nicht leicht werden, eine Verbindung mit den Deutschnationalen einzugehen. Westarp und andere erklärten die Sozialdemokratie als „antisozial" und versicherten, daß nur bei den Deutschnatlonalen die richtige soziale Gesinnung zu finden sei. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, in der der deutschnationalen Reichsfogsfraktion der Dank für die Maßnahmen, die zum Sturz der Minderheitsregierung geführt hätten, ausge- sprachen wird. Die Reichsangestellten-Tagung erwarte von der Reichstagsfraktion, daß sie sich jedem Versuch, erneut eine Minderheitsregierung ins Leben zu rufen, widersetze und jede Regierung, die sich nicht auf eine feste Mehrheit mit Ein- schluß der Deutschnationalen stütze, mit allen parla- mentarischen Mitteln bekämpfe. Deutfchlanü unö Polen. Rede des Reichstagspräsidenten Löbe in Lodz. Cobz, 17. Januar.(Eigener Drahtbericht.) An der Jubelfeier der deutschen Sozialistifchrn Arbeitspartei Polens am Sonntag nahm Genosse Reichstagspräsident Löbe teil. Er überbrachte die Glück- wünsche der Deutschen Sozialdemokratischen Partei und bezeichnete als Ausgabe der deutschen Sozialdmokraten in Polen, dank deren Mittler st«llung zwischen den Sozialdemokraten Polens und und Deutschlands, versöhnend sür beide Länder zu wirke». Im Lause seiner Ausführungen wandte sich Genosse Löbe gegen die falsche Auslegung seiner letzten Rede in Danzig durch die natianalsstische Presse und erklärte ausdrücklich, nichts Unfreundliches gegen Polen gesagt zu haben. Die Aufforderung zu Kricgsrüstiingen sei das größte Verbrechen und kein oernünftig denkender Mensch in Deutschland und Polen könne an die Lösung auch nur irgendeiner strittigen Frage durch Krieg denken. Landesgrenzen seien niemals ewig und unterliegen Veränderungen, jedoch sollten diese nur auf rechtlichem Wege und nur im Sinne aller Beteiligten vorgenommen werden. Heut« seien aber die Beteiligten dazu noch nicht bereit. Die Nationalisten suchten immer Vorwänd« zur Verhetzung. Das bewiesen die Fragen Elsaß- Lothringen und polnischer Korridor. Der Strett über diese Iiraaen sei überflüssig und höchst gefährlich. Die Beseitigung von Mißständen, die sich aus dem Bestehen des Ko-ridors ergeben müssen behoben werben, aber nur auf friedlichem Wege. Deutschland und Polen seien aufeinander angewiesen. Deutschland brauche Polens Agrarprodukle und könne durch vergrößerten Export die Arbeitclostgkett minder». Polen wiederum brauche Fertigerzeugnisse und muß Vieh und Landprodukt« ausführen. Durch regen wirtschastlichen Berkehr ««de auch da, persönlich« Sichkennenlernen beider Länder mehr gefördert, wodurch wieder die allgemeinen Beziehungen besser werden. Der Redner schloß mit dem Hinweis auf die Not- wendigkeit wi r t s cho s t l i ch e r Konsolidierung Europas. Der kapitalistischen Entwicklung muß eine starke sozial- demokratisch« Politik entgegengestellt werden. Nach ihm sprach Abg. D i a m a n d sür die polnische Sozial- demokratie, der auf das wiederauslauchende drohende Kriegsgespenst hinwies, das nur durch den gemeinsamen Widerstand aller Nassen- bewußter Arbeiter beseitigt j werden könne. Eine wirtschastliche „Notwendigkeit" zum Krieg läge weder sür Deutschland noch sür Polen vor. da die Getreideerzeugniss« in Deutschland wie in Polen leicht oervielsältigt werden könnten. Die Kapitalisten beider Länder widersetzten sich dem aber, well es sich nicht bezahlt mache. Mit einem Hoch auf die Internationale schloß Genosse Diamand. Weitere Vertreter der PPS. sorderten zur Bildung einer gen« einsamen Front aller sozialistischen Par- teien Polens auf. � vle Serliner Vauerverhanölungen. Marschau. 17. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Abg. Genosse Dr. Diamand, Mitglied der Delegation für die Handelsvertrags- Verhandlungen in Berlin, erklärt« Pressevertretern gegenüber, daß zahlreiche großagrarischc und großindustriell« Kreise Deutschlands den Abschluß eines Handelsvertrags aus Konkurrenzgründen hintertreiben. Falls die neue deutsch« Regierung sich aus die Linke stütze, müsse sie dahin wirken, daß der Vertrag schnell zustand« kommt. Schwierig sei vor allem eine Derständigung in gewissen Zoll fragen, dagegen sei man in der oielumstrittenen Frage des Nlederlassungsrechts einer Einigung bereits nahe. Deutschland erhalte das Meiftbegünstigungs- und Niederlassung»- recht, aber nur für wirtschaftlich litteressterte Personen. Polens innere Lage. Pilfudsti zwischen Reaktion nnd Demokratic. Dom Abg. Dr. Hermann Diamand- Warschau. Die Mairevolution Pilsudstis hat allgemein« n t- täuscht. Keine der Hoffnungen, denen sich die Faschisten. die Kommunisten und selbst die Sozialisten hingegeben haben, ist in Erfüllung gegangen. Pilsudski ist weder Mussolini, noch Lenin, noch ein So- zialistenführer. er ist eben Pilsudski. ein Produkt b e s o n d e- rer, polnischer, sozialer und politischer Verhältnisse. Polen befindet sich in einer seine Existenz ständig be° drohenden geographischen Lage; es grenzt hunderte Kilo- meter weit an große Staaten, die leine Grenzen nicht anerkennen und nur widerwillig dulden. Pilsudski ver- hält sich pessimistisch gegenüber dem europäischen Pazifismus, er traut den Allianzen wenig und dem Landfrieden gor nicht: er mochte ein militärisch starkes, politisch und sozial nicht zerklüftetes Polen haben. Diesen Zweck er- strebte seine Revolution und erstrebt seine Politik. Nun ist aber Polen politisch und sozial, wie übrigens alle Staaten der Welt, nicht einheitlich. Die verschiedenen Kräfte können nicht ohne Gewalt niedergehalten werden: der militärische Ausbau stellt Ansprüche an die Slaatsfinauzen, denen ein wirtschaftlich nicht auf der Höhe stehendes Land nur schwer entsprechen kann. Die Warschauer Arbeiterschaft hat an der Pilsudstischet» Militärreoolution mit der Waffe in der Hand ledhaften An- teil genommen: die Eisenbahner des ganzen Landes haben durch entsprechende Behandlung des Zugverkehrs den Sieg Nilsudskis herbeigeführt, sie erhofften aber für den Fall des Sieges eine soziale und wirtschaftliche Besserung ihrer Lage. Sie sind keine Militaristen und erwarteten nach dem Siege eine Abrüstung, eine Verminderung der Mllitärkosten. D'ese Forderungen aber können bei den De- strebungen Pilsudstis nach einer Klassenharmonie nicht erfüllt werden. Befriedigt ist die landwirtschaftliche Be- völkerung, die die gewaltige Preissteigerung der landwirt- schaftlichcn Produkte mit dem Siege Pilsudstis in Verbindung bringt. Logisch sucht Pilsudski die Extremen beider sozialen RIch- hingen niederzuhalten. Er bekämpft die' extremen Nativna- listen und die sozial reaktionärsten Elemente, ober er sucht den gemäßigten Großgrundbesitz, den einsichtigeren Gwß- kapitalismus für sich zu gewinnen. Es werden Bestrebungen sichtbar, die Arbeiterschaft für eine nichtsozialistische politische und Gewerkschaftsbewegung zu gewinnen, ein Be- streben, das bisher erfolglos geblieben ist. Die polnische Reaktion, die vieles mit den Methoden der Pilsudsti-Regierung gemein hat, die— wenn auch zu weitergehenden Zwecken— den Parlamentarismus beschränken, die Preß- und Redefreiheit aufheben, das demokra- tische Wahlrecht verfälschen, die ganze Macht für die besitzenden Klassen zurückerobern möchte, sucht unausiälliq den Einfluß Pilsudskis in der Armee einzuschränken und orgoni- siert gleich-eiiig eine eigene Kompforganisation. eine faschistische Armee, die unter den Studenten, den Klerikalen in den Städten und den reaktionären Bauern Anhänger findet. Das neue Regime erleichtert der Reaktion ihr Geschäft. Sie ist der Verantwortung für bestehende Mißstände enthoben. sie erreicht ihr Ziel der Bescbränkungen der bürgerlicbcn Frei- heit, der Herabsetzung des Parlamentarismus, der Spaltung der Demokratie— ohne die Verantwortung zu tragen und ohne den oppositionellen Standpunkt zu verlassen. Im Parla. ment kann die Regierung in ihren reaktionären Maßregeln immer auf die Stimmen der von ihr befehdeten National- demokraten mit Gewißheit rechnen. Die Lage der Demokratie in Polen und es scheint, daß die Soziallstiscbe Partei die ein-iae nennenswerte demo- kratische Partei in Polen ist, gestaltet sich unter diesen Verhält- nissen äußerst schwierig. Der 5rampf Pilsudskis mit der ertremen Reakt'vn stumpft naturgemäß die Waffen der sozio- listischen Opposition ab. eine gründliche Niederlage Pilsudskis — nachdem es ihm gelungen ist, die Demokratie zu schwächen und zu sprengen— wäre der Sieg der ertremen Reaktion. Ein Znsammenwirken mit Pilsudski ist ausgeschlossen durch seine absolutistischen Methoden: ein solches Zusammengehen scheint auch Pilsudski nicht erwünscht, da es ihn in seiner Be- wegungsfrecheit beschränken würde. Es sind auch aus stiner Umgebung Elemente ausgeschlossen, welche die Eignung hätten. sich eine eigene Meinung zu bi'den und schon gar sie derjenigen des Marschallpremiers entgegenzusetzen. Für die Gefahr einer Politik, deren ganzer Inhalt die Einsicht und Tatkraft eines einzigen) Mannes ist, fehlt den Nilsudski-Leuten jede Einsicht. Wenn sie auch aus das Glück Nilsudskis schwören, das jeden Mißerfolg ausschließt, so sollten sie doch sich der Einsicht nickt versckließen. daß in dem Augen- blick des Bersagens der physischen Kräfte PiFudsk's Polen ohne lebensfähige, entschlußbereite, tatkräftige Organisation dasteht. Es fehst den Leuten an Nerständn's für die Notwendigkeit eines Faktors der Stetigkeit in der staatlichen Führung. Wenn man auch das Regime Dilsudski nicht als reaktionär in der landläufigen Bedeutung des Wortes nennen kann, so muh man doch zugeben, daß es eine gefahrvolle Unterbrechung in der io�"'"- und politischen Entwicklung Polens bedeutet. Der Rechtsblock für Alaffensthulen l . Ernste Gefährdung der Grundschule. Die bürgerlichen Parteien haben im 12. Ausschuß' gegen Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten eine No- vclle zum Krundschulgcsetz angenommen, noch der dir im Grundschulgesetz festgelegte Ab. bautermin für die B o r s ch u l t l a s s e n der Prioatschulen, nämlich Iabr 1929/30, aufgeschoben wird bis zum Erlaß eines Gesetzes, das die Entschädigungsansprüche der Prioatschulen regelt.» Von sozialdemokratischer Seite wurden die stärksten Ve- denken erhoben. Es wurde betont, daß es v e r f a s s u n g k- w i d r ig ist, die durch den Artikel der Reichsverfassung, ohne Bedingung festgelegte Aushebung der Vorklassen gesetzlich von einem Entschädigungsanspruch abhängig zu machen. Die Sozialdemokraten— und die Demokraten schlössen sich dem an— stellten Anträge, die über das Grundschulqesetz hinaus jede Härte für die Privatschule ausschloß. Obwohl den Privatschulen für den Abbau ihrer Vorschulklassen ft e u n I a h r e Z e i t gelassen war, haben sie meistens nicht nur nicht abgebaut, sondern sogar ihr Vorschulklasiensystem ausgebaut! Immerhin gibt es einzelne Fälle, in denen selbst bei ernsthaftem Willen infolge der Jnftat.ionszeir ein Abbau aus wirtschaftlichen Gründen schwierig gewesen wäre. In solchen Einzelfällen, die behördlich nachgeprüft werden sollten, waren die Sozialdemokraten bereit, ihre. Zustimmung zu einer Hinausschiebung des Abbaues der unteren Vorschul- klassen um ein Jahr zu genehmigen. In der Zwischenzeit würde nach den bestimmten Erklärungen des Staatssekretärs Schulz eine reichsgesetzliche Regelung der Entschädigung vor- genontmen sein. -Die bürgerlichen Parteien inußten zugeben, daß der An- trag der Sozialdemokratie allen bisherigen Ansprüchen ge- wägte. Nichtsdestoweniger beschlossen sie die Verfassung s- widrige unbefristete H i n a u s s ch i e b u n g des Abbaues der Vorschulklassen der Privatschulen. Damit stellten fi.' sich nicht nur schützend vor die besonderen Weltanschauungs- schulen, sondern vor allem vor die vielen privaten Schulunternehmungen, die nur dazu dienen sollten, die Grundschule als Einheitsschule zu sabotieren. Zwar be- teuerten sie auch im Ausschuß ibre warme Liebe zur Grund- schule, doch ihre Mstimnmng beweist, daß das nur Agi- tationsphrasen für die V o1 k s s ch u l l e h r e r in ihren Reihen sind. � Die Sozialdemokratie, die die fiauptträgerin des Grund- schulgedankeus ist. wird dafür Sorge tragen, daß dieses neue Artentat auf die Grundschule der Oesfentlichkcit bekannt wird und durch die Verhandlungen des Plenums noch Möglichkeit abgewehrt wird.■ 4 Ein mannhafter Universitätsrektor. Reinfall der Nationalisten an der Münchencr Universität. Alünchrn. 17. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Seit ll>19 war die M ü n ch. e n e r ll n i v e r s i i ö t bis vor kurzem einer der uu- crschütterlichsten Stützpunkte der bayerischen Reaktion. Der s ch wa rz we i ß r t>t e Nationalismus, großgezogen und stets begünstigt vcyn Gros der Professorenschaft,. feierte gerade hier. seine ungehemmtesten und namhaftesten Triumphe. Mit einiger Genugtuung � sind deshalb die Anzeichen zu vermerken, die dafür sprechen, daß diese nationaliltisch-reaktionäre chochslut im A b e b b« n begriff«,, ist. Schüchtern zeigten sich diese Anzeichen erstmalig beim Ivb i l ä ums fest der Universität im November verigen Jahres, deiüstcher sichttiar aber schon, bei der am Sonnabend abgehollenen Reichsgründungssejcr.." Der gegenwärtige Rektor Noßler, ein ebenso geistreicher wie unerschrockener Schwabe, veranlahte, daß, wie zum ersten Male bf Im Jubiläum, so auch bei. der traditionsmäßigen Reichs- g r ü n.d p» g s f e i c r die schwarzrotgolden« Flagge der deutschen Republik gehißt werde. Daraus drohte der angesagt« Fest- rcdner. Gchehnrat Frank, mit der Weigerung, seine Rede zu I !...... i Der Tanzpalast. Von Jodok. Es geht uns ja eigentlich einen Schmarren an, daß nach vielen einander bestätigenden Meldungen die chagia Sophia in Konstant!- nopel ihren bislang auf geistige Erbauung abzielenden Betrieb ein- zustellen gedenkt. Aber schließlich ist es doch nicht nur von lokalem Intercsst, wenn eine der schönsten und vielleicht die schönste Kirche der Welt, wenn ein Prachtbau, der längst religiöser Begriff geworden ist, alle Tradition über den Hausen und dafür sich in die Arme des Vcrgnügungsbetriebes wirft, wenn er vom Dienst an Allah sang- und klanglos zum Sang, und Klang hinüberwechselt.... Die Hagio Sophia soll Tanzstätte werden. Statt andächtigen Gemurmels soll schneidiger Jazz in ihr erklingen.„Stimmung, Be- trieb, Jubel und Trubel", wird in den Konftanünopeler Zeitungen zu lesen sein,„herrscht ollein in der Hegia Sophia! Ab fünf Uhr volles Orchester,' Famose Küche! Gut gepslegte Weine! Jeden Dienstag die beliebten Eptraüberrafchüngen!" Vielleicht opponieren anfangs wie bei der Abschaffung des Fes einige in den Gesinnungen der Vergangenheit verwurzelte Türken, weinerliche Dinge über den Sitten- und Religionsverfall deklamierend. Aber ihre schwachen Sümmchen werden rasch von den Paukcnschlägen überdröhnt wer- den, die aus der Moschee donnern, und schließlich werden sie den hoffnungslosen Kampf aufgeben. Ja, sie jäireitet machtvoll durch die Welt, die Ungläubigkeit. Der liebe Gott der Ehristen weiß ein Lied davon zu singen, und schließlich liegt es nur auf der Linie der internationalen Uniformie- rung, wenn seine mohammedanische Abart von der Ungläubigkeit nicht unberührt bleibt. Es war einmal, daß das grüne Banner des Propheten zu Kämpfen und Opsertoden hinriß, wie ja auch dos Kreuz einmal zu blutigem Streit begeisterte. Wenn man's heute recht bedenkt, ist soviel nicht herausgekommen dabei, und wenn schon die Geschästsbücher des in der Hagia Sophia einzurichtenden Amüsierbetriebes weniger tief als der Koran sein werden, so dürften sie doch ein aufrichtigeres Bild als er über die letzten FnJgen geben. die die besitzenden türkischen Kreise beschäftigen. Das ist die neue Sachlichkeit, die sich in der Welt durchsetzt, daß die Umschrekbungen immer schroffer abfallen von den Dingen und ihr Wesen immer deutlicher wird. Die Zeit der Mystik ist vorüber. Gott und Alloh und was fönst noch' das olles sind Unbcweisbarkeiten. sind Menlchen- wortc und Ph-intosiewertc. Zieht man den Apparat und das Brimborium ab, worsti sie. seit Jahrhunderten gespannt sind, dann bleibt jenes, bißchen Innerlichkeit übrig, aus der zwar das innerste Wesen der Wert steht, mit der sich aber von den Herren Apparatbedienern und BrimboriunHchwadroneurcn nicht viel ansangen läßt-- und da lassen sie lieber gleich die Jazzkapelle ausspielen. Inzwischen wächst in den Arbeitsstilen der Welt das Evangelium einer neuen Brüderlichkeit heran, dos der Verschwommenheit und Hohlheit gleich abgeneigt ist. ßaktel. v« Rektor voß sich aber nicht einschüchtern, hängt« die Fahne der Rep.vblit hinaus und hielt selbst die Festrede, die mit. ihrqpi hohcp, geistigen Gehalt auf die Versammelten einen tiefen Eindruck mochte. Er sprach, wie wir schon kurz erwähnt haben, über Politik Und Geistesleben, geißelte- dabei rücksichtslos die nör- gelnde,. unfähige Kritik des deutschen Spießbürgers an den politischen Parteien und warnte die Studentenschost davor, siäi weiterhin mit den Phrasen und Mythen eines Nationalls mus zu berauschen, der die germanischen Recken zur Herrschosi über alle anderen geboren erklärt. Allerdings erwarte er auch vom Klaisen- kämpf nicht die Erlösung ioon der Allgewalt der wirtschaftlichen Kräfte des Kapitalismus. Die Feier zeigte aber auch ein weiteres Novum: gegenüber der bisherigen Uebung fehlte diesmal die Teilnahme der sogenannten Chargierten der studentischen Korpo- r at'ro nVn., Der G0»nd dafür liegt darip. daß. der sogenannte Waffenring und die forbentrogenden katholischen Verbindungen im Korpörutionsausschuß flch dem Verlangen"des Rektors nicht fügen wallten, daß auch die paritätischen und die jüdischen Verbindungen gleichberechtigt teilnehmen können, während die nichtfarben- trägenden katholischen Verbindungen sich damit einverstanden er- klärten. Infolgedessen flog der Korporationsausschuß der»tu- denten auf und das Chargieren unterblieb. Schließlich ist noch ein drittes Vorkommnis bemerkenswert: der zur Feier eingeladene ehemalige Kronprinz Rupprecht ver- langte, wie bei der Jubiläumsfeier, den ersten Ehrenplatz. Während es aber damals noch gelang/ein Kompromiß abzuschließen, blieb diesmal dos Ministerium und damit auch der Rektor fest dar- auf bestehen, daß dieser Platz dem ersten Vertreter des Staates., in diesem Falle dem Kultusminister, eingeräumt werde. Die Folge davon war, daß der Herr Kronprätendent auf die Teil- nähme verzichtete und auch kein anderes Mitglied des ehemaligen Königshauses als sein Stellvertreter fungierte. fltaüemische Unfreiheit. Der völkische Unfug a« den Hochschule«. Die Hochschulen in den reichsdeutschen Republiken gewähren keineswegs allen, die die geistige Reife zum Hochschulstudium schul- mähig erworben haben, freien Zutritt. Ausländer, auch wenn sie i n D e u t s ch k a« d geboren und aufgewachsen sind. werden nur mit Genehmigung des'Unterrichtsministers in dem be- treffenden Lande als ordentliche Hörer zugelassen. Aber selbst dann bleiben sie vkä dem ist che Bürger minderen Rechts— sie haben das Wohlrecht zu den Studentenvertretungen nicht und ebensowenig einen Anspruch aus«ine Ermäßigung der Gebühren. Rur dann erhalten sie diele beiden Reckst«, wenn die Berein« aus- landsheutscher Studenten sie als Mitglieder aufnehmen:' dieser Ver- ein an der Berliner Univeesität— und wahrscheinlich ebenso an den meisten deulichen Hochschulen— nimmt Juden nicht auf. weil sie nicht„deutschstämmig" steten— mögen auch ihre Eltern aus rein deutschen Auslandsgebieten eingewandert sein und nicht einmal eine andere Sprache als die deutsche beherrschen! Mag auch, aus Knickermotiven— weil die Eltern nicht deutsche Steuerzahler, also Hochschulerhalter seien!— die. Zulassung wirklich ausländischer Studenten beschränkt sein: aber daß man.Auslands- deutsche" Studenten, die schon hier geboren und zur Schule gegangen sind. i»ur wegen ihrer jüdischen Abstammung minderen Rechtes sein läßt, ist eine flagrante Verletzung des Geistes der Reichsverfasiung. die soiche Unterscheidung ausdrücklich verbiete t. Und wenn Rcichsrecht sogar Landesrecht bricht, wird es wohl auch noch Hakciikrcuzlerunrxcht brechen können!>'. Sozialüemokratiftber Erfolg in Wiesbaüen. Schwere Schlappe der Tcutschnationalen.« Wiesbaden. 17. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonn- tag wurde in Wiesboden der Gemeinderat neu gewählt. Auf- fallend an dem Ergebnis dieser Wahl ist der weitere Aufstieg der Sozialdemokrotie und aus der anderen Seite der ver- hältnismähig ftarke Rückgang der Deutschnationalen. .wozzek"(S t a a t s o p c r). Richt dies ist das Wesentliche, daß der„Wozzek" von Alban Berg in der Staatsoper gut, sehr gut, außerordentlich gespielt, dirigiert' wird. Es ist Kleibers ureigenste, wurzelhosteste Leistung. Erfolg souveräner technischer Herrfchast, intellektuellen Diktatorentums ohne Notwendigkeit starker Gefühlstöne. Wir kennen vom vorigen Jahr die tragenden, ragen- den Kräfte dieser Aufführung, in der uns zuerst die vitale, mit- reißende Spielgewalt der Iohansen ausfiel, in der Schützendorf, Soot, Henke, Abendroth der Sprech- und Singschwierigkeit ihrer Rollen gerecht wurden. Nicht dies ist wesentlich. Aber daß der„Wozzek" trotz des Widerspruchs aller möglichen Cliquen 1926 zehnmal gegeben wurde. daß er jetzt erneut sein Publikum findet, das ist wesentlich. Ein Werk voll von den äußersten und gewagtesten Spannungen. Eni- ladungen, Assekten, ein Werk ultramodernster Problematik, in der die Musik, eins geworden mit dem.Wort Büchners, die Menschen jn ihren Bann zwingt. Der Naturalismus des Dichters ist bestrahlt und gedämpft durch die idealistische Note des Musikers. Unerhörte Kontraste der Dynamik, der sich reibenden Stimmungen, leiser Unter- ton von menschlich-rührende» Momenten, letzte Zuspitzung von Kon- slikten in einer prallen, explosiven Mystik, die so neu anmutet, wie die anotol durchdachte und durchlebte Kontrapunktik. Der„Wozzek" Alban Bergs ist, kurz gesogt, der einzig lebendige und lebensfähige Extrakt oller modernen Musik, mindestens, soweit sie musikdramatisch ausgenutzt wurde. Dieses Werk wird wieder die Köpfe erhitzen. Für oder gegen— das ist einerlei. Nichts anderes steht zur Dis- kussion, als das Ja oder Nein«ner sich durchsetzenden Opern- revolution.„Wozzek" ist die Lokomotive. K. S. Die tiabarellrevue. Durch die stille Hardenbergstraßc schimmert jetzt allabendlich ein magisches Geleucht. Wer Licht und Farbe liebt, wird unwidersteblich angezogen und steht entzückt vor dem Märchen- palost des Renaissancetheaters. Einmal angelockt, tritt der neugierige Straßenpilger ins Inner« und hat seine Freude an der köstlichen Pracht des Feenjchlößchens. Der Jnnenraum hält, was die Fassade verspricht. In dankbarer Erinnerung an das erfolgreiche Bühnenstück, das mit dem Grundstoss zur Erneuerung des' Theaters gegebe» hat, sührtJjer Direktor Tagger die Magazin-Rcoue„Die fleißige Leierin" von Marcellus Echiiier und Paul Strasser in Nachtvorstellungen wieder auf. Die Rcvye ist bekanntlich eine der ersten, in der man auf äußere Prachtentsaltung zugunsten des inneren Gehalies vcr- zickstet hat. Mit entzückend lockerer Hand find in leichten Pinsel- strichen aktuelle Zeitbilder entworfen, und aus der Bühne sprüht es von Uebermut und Witz»nd Ironie.„Die fleißige Leserin" ist für den Augenblick geschasien— vor drei Vierteljahren. Daß heute noch olle 19 Bilder wirken und fröhliches Gelächter bei allen Zu- schauern hervorzaubern, ist ein Beweis wie sicher der Autor in den Wust der Zeitgeschichte emgegriiien hat. Das Lied„Ich kann dich nicht leiden— du kannst mich nicht leiden— loht uns Volksentscheiden" ist beute noch so aktuell wie damals. Die„Valencia", die Parodie aus den„Fröhlichen Weinberg"— man tonn nicht iedes Bild beschreiben, dos lustige Stimmung schafft. Marga Lyon, Kurt v. Wolowsky. Ewald Wsnck— man kann auch nicht alle Darsteller nennen, die in froher Laune die köstliche Kabarettrevue aus die Pein« stellen. dar. gnsgesamt warieit bei«wer Dahlbeteiligunz von rund SO Prezenii 48 Stadtverordnete gewählt. Davon erhielten die Sozialdemokraten 16 statt, bisher 12, während die Deutfchnotioyalen. otm ihren bis- herigen 6 Sitzen ollein vier verloren und sich jetzt mit 2 Mandate» im Stadtparlament begnügen müsien. Die anderen- Mondote ver-> teilen sich wie folgt: Kommunisten 6(5), Demokraten 4(6), Zentrum 7(6), Volkspartei 9(10), Wirtschaftspartei 6(3), Aufwertungspartei 2(0). Bei den Landtreiswahlen behauptete die Sozialdemokratie ihre bisherigen 9 Sitz«, ebenso das Zentrum und die Kommunisten. Die anderen bürgerlichen Parteien büßten dagegen von ihren bisherigen 10 Mandaten drei e i n, so daß sie nur mit 7 Sitzen zurückkehren. Königlich ungarische Einbruchsüiebftähle. Ju Wieu mtb i« Paris. Die Wiener„Arbeiter-Zeiwng" warnt die ungarischen Emt. granten. in Wien vor ungarischen Polizeispitzeln, die sich jetzt an sie herandrängen unh sie sogar bewirten, um herauszubekommen, ob nicht etwa ungarische Arbeiter, die Frankreich infolge der mdnstriellen Krise verlassen müsien, abseits von den„Sammeltransporten" nach' Wien gelangt sind, also auch unter Umgehung der bereits gemeldeten polizeilichen.Quarantäne" und der Internierung nach Ungarn gelangen könnten: dabei spitzeln diese Subjekte auch nach den Abwehr. einrichtungen der deutschösterreichischen Sozialdemokratie gegen die horthyungarische Dauergesahr. In diesem Zusammenhang berichtet unser Bruderblatt, daß die imgarische Polizei eine vollständig« L i st e der Wiener Emi- granten besitzt. Sie hat— wahrscheinlich mit Hilfe der Wiener ungarischen Gesandtschaft— seinerzeit den Kataster der politischen Flüchtlinge aus dem Lokal der sozialdemokratischen De- zirksorganisation Wien VII, die dem ungarischen Flüchtlmgskomtte« Gastfreundschaft gewährte, st e h l e n l a s s e n. Der Einbruch in die Pariser Liga der ungarischen Flüchtling« ist ganz nach derselben Methode verübt worden, so daß da ein System zu bestehen scheint. Von einem Staat, desien Stützen ausländisches Geld fälschen, können solche Methoden nicht mehr überraschen: aber sie sollten die übrige Welt freilich in ihrer Haltung zu diesem Staat und seinen Repräsentimten einigermaßen bestimmen! *. Letzthin hat die deutschösterreichisch« Justiz den ungarischen Flüchtling Michael Iagodits nach Ungarn ausliejern lasien. was wegen angeblichen D i« b st a h l s verlangt worden war. Iagodits. der in der Rätezeit roter Soldat war und deshalb von einem Horthy-Gericht. wegen Erpresiung verurteilt worden ist, ahnte Schlimmes und schnitt sich die Pulsadern auf. Trotzdem liefert« man ihn aus. Obwohl nun nach internationalem Recht ein Ausgelieferter nur wegen des Auslieferungsdelikts verfolgt werden darf, sogar das ungarische Gericht ihn aber von der Diebstahlsanklag« frei- ge f p r o ch« n hat. ist er jetzt von der politischen Polizei i n t e r- n i e r t worden, da er Kommunist sei und beim Grenzübertritt kommunistische Schriften bei sich gehobt habe. Interniert— obwohl Bethlen wiederholt und seierlich dem Ausland oersichert hat. es gebe in Ungarn kein« Internierung mehr! Wafhington-Mexiko-tticaragua. Friedens- und Tchiedsgerichtsvorfchläge. Dioz hat an Sacasa durch die Washingtoner Gesandtschaft von Nicaragua«inen F ri« de ns vo rschlag gerichtet. Vertreter der Liberalen sollen in sein« Regierung eintreten und im Jahre 1928 sollen unter—«nerikanischer Aufsicht Neuwahlen stattfinden. Inzwischen treten in den Dereinigten Staaten selbst immer mehr Stimmen für eine schiedsgerichtlich« Lösung des Konflikts mit Mexiko«in, darunter auch der früher« Staatssekretär Hughes, der unmittelbar« Vorgänger von Kellogg. Int Senat forderten sogar Freunde von Coolidg« die Abberufung Kellogg s. Di« amerikanischen Erdölgesellschaften in Mexiko drohen mit— Prozessen gegen die Regierung Calles. ver Rückgang de, wallisischen. Trotz der großen Zähigkeit. mit der ein Teil der Bevölkerung von Wales an seiner keltiichen Sprache hängt, und den lebhaften Bestrebungen zu deren Erhallung und Pflege ist ihre Verbreitung doch in stetem Rückgang begriffen. Die letzte Zählung hat ergeben, daß unter 2491 888 über drei Jahre alten Bewohnern von 13 Grafschaslen 157 016 nur Wallisisch. 772 185 Englisch und Wallisisch sprechen. Stank abgenommen haben vor allem die nur Wallisisch Redenden: die Zahl der beide Sprachen Beherrschenden hielt sich in den letzten zwanzig Iahren ungefähr auf gleicher Höhe, immerhin mit einer leichten Neigung zum Sinken, während sie im vorhergehenden- Zeitraum«ine steigende Tendenz auswies. Angesichts der Zunahme der Gesomtbeoölkerung bedeutet dies einen erheblichen Rückgang Die Ursachen liegen in der starten Einwanderung und der dadurch bedingten Bevölkerungszunahme in den industriellen Bezirken, denen gegenüber die ländlichen abnehmen. Der Darwinismus bleibt in Amerika strafbar. Der Oberste Gc- richtshoi des Staates Tennesiee hat das lanoerwartete Urteil im Falle des Lcbrers Scopes gesprochen, der bekanntlich wegen Ver- stoße? qegen das im Staate Tennesiee bestehende Verbot, die Ent- wicklungsthcorie öffentlich zu lehren, vcrurteill worden war. Dos Gericht erkannte die Berfasiungsmäßigkeit dieses Gesetzes an, hob das Urteil erster Instanz, durch das Scopes zu hundert Dollar Geldstrafe verurteilt worden war, jedoch deshalb auf, weil eine Geldstrafe von mebr als fünfzig Dollar nur von einem Geschworenengericht auf- erlegt werden könne. Der Verteidiger des Verurteilten erklärte, er werde die Angelegenheit sofort dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten unterbreiten, damit dieser entscheide, ob irgend- welch« Sekten oder Glaudensgemeinschasten tatsächlich das Recht haben sollten, ihre Wellanschauung dem Erziehungssystem eines Staates aufzuzwingen._ VI« erste Woche de» le'ephonvertehr» tordon— Item Jork Jn i>rr erilen Bctriebswache de? neu-inaerickteten drabtloien transatlantischen Tele- pbanverkeh: s sind 125 Gcipiäche zwischen New Flork und London zustande gekommen. Vorträge. In der L-umdoldt-HochickuIe bä!t Mar?? e n t in i ch am Mittwoch. 8 Ubr, LStowitr. 8tä. rinen Vortrag mit Lichtbildern:„Aus UmwegennachKonstantinopel.' Ela Walroß I» Schwede». Jn der Aäde von Gotenburg(Schweden) ging dieser Taae rin riesiges Walroß von 1000 Pinnd'Gewicht an Land. ES war bereit» vor mehreren Tagen von däniichen gi'chcrn an der dänischen Küste gesichtet und verwundet worden. Wie sich jeht herausstellte, balle da» Walroß dabei da» Sebvennögen verloren. Wäre es nicht inlercsiantcr aewrirn, da» Tier ungeichorcn zu lasten? Ist da» Ende unserer Wissen- ichajt der Moid? weiogaewer in Sasel. Tie Allaemein» Baieier Musikgelellschalt. die dl«. Zimonie-stonzerte veraniialt-t, bat Felix Wcingartner zu idrem Di igcnten b-rufen. Gleichzeitig Hai ibn die Kommission von Mufikbost schule und Konlervatorinm zum Direktor der Änitalt gewäbll. Da» Siadtlheaier bat mit ihm einen Vertrag aus eine Reihe von Lpernvorstcllungen abgeschlossen. Lvbwig Hardt gibt leinen Hörern in die'er Saison nur einmal die Gelegenheit, da« Programm leine« Vortragsabend» nach ihrer Wo'st zu bestimmen: DoimerStaz, den 20., in der Komödie, abends 10'/, Uhr, Sozialistischer Abreißkalender- Kinderland 1927 sind vergriffen! Das Attentat auf den Mieterschutz. Scharfe Abrechnung mit Hausbesitzer« und Wirtfchaftspartei. Au einer vom Reichsbund deutscher Mieter gemeinsam mit dem Schutzverband der Arbeits- und lSeschäftshausmieter veranstalteten Demonstration hatten sich Tausende von Berliner Kleingewerbe- treibenden gestern vormittag im Riesensaal« des„Clou' eingesunden, um gegen Minister Hirtsiefers Abbauverordnung zu protestieren. Die Versammlung nahm einen ungemein stürmischen Ver- lauf, ein Beweis, wie sehr auch die Mittelschichten gegen den innner unerträglicher werdenden Druck der chaus- und Grundbesitzer zu rebellieren beginnen. Der erste Redner, Londgerichtsrat' Genosse Rüben, wandte sich, oft von tosenden Beifallskundgebungen unterbrochen, gegen die infame A u s p re s s u n g k a m p a g n e des chaus- b e s i tz e s, die 1914 mit dem Dolchstoß in den Rücken der M ieterschast�chrsn Anfang genommen hat. Die breiten Masien der Mieter, die für die Last der Reparationszahlungen aufgekommen sind, sollen nun auch die fetten Renten der chaus- be sitzer stabilisieren. Innerhalb zweier Zahre sind die Mieten um da, vierfache gesteigert worden.(Pfuirufe.) Die Abbauoerordnung wird, aufs schnödeste mißbraucht, zum Ruin unzähliger Existenzen. Es besteht unbedingte Interessengemeinschaft zwischen Wohnungs- und Ladenmietern. früher wurde das sehr oft verkannt. Sie sind abhängig vom Wohl und Wehe der Konsumentenschaft.(Stürmisches Sehr richtig!) Schütteln Sie das Joch jener Parteien ob, die Sic als Wahlsutter für ihre kapitalistischen, sür ihre skrupellosen Unternehmerinteressen mißbrauchen, die vorgeben, den Mittelstand zu schützen und ihn in Wahrheit dem Ruin entgegensühren. �(Mi- nutenlanger Beifall.) Lassen Sie Herrn Ladendorff(wilder Lärm, audauemde Pfuirufe) und seine Interessenvertre- tung des Hausbesitzeregoismus in Zukunft noch so theatralisch> Mittelstandsinteresien mit. dem Munde. vertreten. Sie wisien nunmehr, woran sie bei diesen Herren sind.(Bravorufe.) Das Mietabbauattentat ist ein Handstreich der famosen Wirt- s ch a.f t.s p a r t e i. Was nutzt es, wenn man die Gewerbesteuer um 50 Proz. ermäßigt, wenn sich der Mietsatz um 100 Proz. erhöht? Die Abbauverordnung bietet nicht den mindesten Schutz vor o f s e- ner Willkür. Nicht einmal die Frage der Räumungsirist ist geregelt. Selbst Luther hat 1924 im Reichstag festgestellt, daß der Reinüberschuß de» hausbesihe» den Standard der Friedenszeit überschreite. Trotzdem haben sie noch nicht genug. Jene Leute, die sich in der Nachkriegszeit wesentlich bereichert haben, wollen aus den elenden versallenen Baracken der Proletarieroiertel erhöhte Renten schinden. Wir stehen hier als Bert reter der Lolksinteresien. gegen die ge- merugefährlichen Pläne de r E i n z«l i n t« r e s s e nt«n. (Starker Beifall.) Wir verlangen gesunde billig- Wohnungen für die Wohnungslasen(stürmischer Beifall), dafür, nicht sür die Rentier- fonds des Hausbesitzes geben wir Geld. Auf der„Gesolei' demonstrierten die Hausbesitzer den früheren„Feinden', man habe in Deutschland so hohe Mietsätze, weil die.freie Wirtschaft' gefesiell sei. (Wilder Lärm Rufe: � Elend«Heuchler, Verräter!) Gegen diese Politik der nationalen Schmach haben die Gewerk- schasten demonstriert.(Bravo!) Es gibt«in Bollwerk gegen die A u s,b e u t u n g der Arbeitnehmer im weitesten Sinne aus- zurichten. Eine gesunde Generation bedingt«in soziale, M i e t r e ch t. Der Mieter hat ein Recht auf den deusichen Grund und Boden. Mieter, hilf dir selber! Mieter, wehr« dich!(Minuten- langer Beifall.) Rechtsanwall Dr. Goeßel setzte sich temperamentvoll mit den Einzelheiten der Abbauverordnung auseinander. Wen hat Herr Hirtsieser gefragt, als er den Mietern sein Danaergeschenk in den Schoß warf.(Wilder Lärm.) Die, die es angeht, sind nicht befragt worden.(Pfuirufe.)' Eine ganze Klaffe toll obdachlos gemacht werden. Dagegen gibt es nur ein: Selbsthilfe. Ein Schutz für den Ladenmieter existiert nicht. Er genießt nicht den Schutz, den die Wohnräume der Polizei- und Finanzämter genießen. Wir verlangen Volkswohlfahrt, keinen Hausbesitzerprosit. Herr..Wohlfohrtsminister'! Die Ver» längerungsklausel hat dos Reichsgericht aufgehoben, die Kündigungs- frift läuft von Vierteljahr zu Vierteljahr. Der Hausbesitz we,ß, wo» auf dem Spiele seht. Diese Verordnung ist der erste große Ansturm aus die Mieter. rechte, die Vlohnungsmleter werden da» nächste Schacher- objekt sein. Man schlachtet die kleinen Geschäste, um den Konzernen freie Bahn zu machen.(Große Erregung.) Was ist das für eine Wirt- s cho f t s p a r t e i, die dte Interessen von Handwerk und Gewerbe so schmählich mit Füßen tritt?!(Wilder Lärm.) Was ist das für ein Minister für B o l k s w o h l s a h r t, der wartet, bis unzählige Existenzen vernichtet sind, um dann eventuell gegen Mißbrauch einzuschreiten?! Es geht an die Kehle des Mieters. Die Verordnung muß fallen.(Minutenlange Zustimmung.) Nunmehr sprachen die Vertreter der Fraktionen. Stürmisch begrüßt, überbracht« Genosse Lüdemann die wärmsten Grüße der sozialdemokratischen La n d to g s f ra k- t i o n. Daß die Sozialdemokratie gegen die unsozial« Verordnung in schärfster Opposition steht, ist selbstverständlich. Machen Sie, so sagte er, weniger dem Minister Hirtsieser, als vor allem Ihren eigenen Industrie- und Handelskammern Vor- würfe; dies« haben zum großen Teil die unselige Verordnung ver- anlaßt.(Stürmische Pfuirufe.) Am Dienstag steht der Autrag der Sozialdemokraten, die Verordnung wieder auszo- heben, im vlenum de» Landtag» znr Abstimmung. (Tosender Beifall!) Sorgen Ste dafür.daß die Parteien unserem Antrag« zustimmen.(Stürmisches Händektatschen.) Der Demokrat Mertens nannte die Verordnung unhallbar und gemeingefährlich, macht« jedoch zum Schluß«inen offenbaren Zurück- zieher, was die erregte Verfannnlung mit minutenlangen Entrüstung?- kundgebimgen quittierte. Nach dem Kommunisten Stolt wurde die Szene zum Tribunal. Von einem bisher kaum erlebten Sturm der Entrüstung empfangen, versuchte der Wirtschafts- parteiler Drewitz, Froktionsführer im Reichstag, zu sprechen, mußte aber unter einem Hagel von Zurufen von seinem Vorhaben Abstand nehmen. Der Volksoorteiler Falz sprach— zu 75 Proz.. für den Mieterschutz, zu 25 Proz. gegeil ihn. Nach ihm bracht« der Versammlungsleiter H ö h n« einen Antrag volksparteilicher Abge- ordneter für Aufhebung des Mieterschutzes zur Ver- lesung. Ein« Well« der Empörung ging durch den Riefensaal. Ein Antrag, der mit aller Schars« die sofortig« Aufhebung der Verordnung vom 11. November verlangt, wurde einstimmig angenommen. Nittelstanö uns Staat. Gestern, Sonntag, fand in den Koinmersölen ein« Mittel- standskundgebung der Demokratischen Partei statt, mit dem Thema: Di« Stellung des gewerblichen Mittelstandes im heutigen Staat». Auf dieser Kundgebung fand die Verstimmung, wenn nicht Empörung, über die Politik der bürger- lichen Rechtsparteien und der sogenannten Wirtschafts- Partei starken Ausdruck, die mit allen möglichen Versprechungen die Stimmen de» Mittelstandes an sich ziehen, um dann, wie bei der Freigabe der gewerblichen Räume, die Interessen des Mittelstandes dem Großkopitol zu opfern. Handelsminister Schreiber betonte u. a. die Notwendigkeit, die Kaufkraft de r breiten Massen zu heben und so den Warenumsatz zu steigern, wenn die Lage des Mittelstandes gehoben werden sollte. Der Syndikus der Berliner Industrie- und Handelskammer, Oskar Meyer, rief den Mittel- stand auf, sich In seinem eigenen und im Interesse des Volkes und seiner Wirtschast in den Dienst der Republik zu stellen. Die Emschließungen, die nach den Referaten angenommen wur- den, verlangen eine gerechtere Dert eilung der Steuer- l a st en, eine energische Förderung des Wohnungsbaues und einen Schutz der gewerbetreibenden Mieter. Ausdrücklich g e- warnt wird vor der Agitation der W i r t s ch a s t s p a r t e i, die durch ihr widerspruchsvolles Verhalten Handwerk und Gewerbe auf das schwerste geschädigt hat. Der Sarmat-Prozeß. Zjnmer»och: Tas Geschäftsgebaren der Staatsbank. Starkes Zengenaufgebot. Am heutigen vierten Derhandlungstage des Varmatprozesies verlor sich die Vernehmung in geschäfttichen Einzelhetten über das Kreditgebaren der Staatsbank. Lorher erklärte Julius Barmat auf Befragen des Vorsitzenden, daß er mn 30 000 Gulden, 10 000 englischen Pfunden und 30 000 Dollar noch Deutschland gekommen sei. Er Hobe diese Devisen im Safe des Bristolhotels untergebracht. Sachverständiger Professor Dr. L e i t- ner: Herr Barmat, können Sie den Beweis dafür erbringen, daß diese Gelder Ihr privates Eigentum waren und nicht aus holländischen Krediten stammen? Angekl.: Ich hatte von Men- delssohn einen Blonkokredit über eine Million Gulden, den ich ober nicht benutzt habe. Außerdem habe ich schon eine Er- klärung der Inkassobonk übergeben, daß ich keine Kredite ge- nprnmen habe. Ich werde aber auch von allen Banken, die in den Büchern erscheinen, derartige Erklärungen beibringen. Vors.: Könnten wir nicht überhaupt die holländischen Bücher be- kommen? Barmat: Das sollte schon bei der Derhabdlung vor dem Untersuchungsausschuß geschehen, es scheiterte aber an der Weigerung der holländischen Steuerbehörde. Sodann äußerte sich Dr. H e l l w i g noch einmal grundsätzlich zu der Kreditgewährung, wobei er sich in scharfen Gegen- iotz zu den Ausführungen des Sachverständigen Staatsfinanzrat Soldat stellte. Er betonte nochmals, daß die Verfügungen nur durch Zufall zur Keuntnis der zuständigen Beamten gekommen seien. Große Unklarheiten beständen auch über die Zeichnungs- berechtigüng, wie überhaupt die grundlegenden Bestimmungen der Staatsbank aus dem Jahre 1772 aus Grund einer Kabinettsorder Friedrichs des Großen stammten. Bei den Sitzungen habe man sich nicht so sehr dasür interesiiert, an wen die Kredite gingen. Die Kredite sür die Amexima habe er, Dr. Hellwig, aber nicht allein bewilligt, sondern immer vorher mit anderen Herren Rücksprache ge- nommen. Oberstaatsanwalt Traut mann: Die Unklarheit über die Dienstbestimmungen der Staatsbank ziehen sich wie ein roter Foden durch die bisherig« Vernehmung. Ich möchte deshalb an- regen, vorweg diese Frage zu vrüfen und möglichst bald außer Staatssinanzrat Soldat den Präsidenten, den früheren Vizepräsiden- ten'Geheimrat Rugge und auch den jetzigen Vizepräsidenten zu hören. Vors.: Ich habe beschlossen, von dem Präsidenten der Staatsbank abwärts alle Beamten zu hören, die über die Bestimmungen der Dienstvorschriften und den Geschäfts- betrieb Auskunft geben können.— Noch der Anklage wurde dann die Entwicklung der Kredite an die Amexima erörtert, die am 30. No- vember 1923 mit 10 000 Rentenmork begonnen, am 8. Dezember um 5000 Mark erhöht wurde und bis 15. Dezember 192Z 273 000 M. erreicht hatte. Dr. Hellwig betonte, daß die Entwertungsklausel nur i» den seltensten Fällen, wenn die Kunden darin einwilligten, zur 'Anwendung gekommen sei. Im weiteren Verlauf der Verhandlung wurde dann in Gemeinschaft mit den Sachverständigen in aller Aus- fiihrlichkett die Kreditbewilligung--- bis Mitte Januar 1924 waren es 4.6 Millionen Rentenmark geworden-2 erörtert. Der Oberstaatsanwalt erklärt in Uebereinfttmmung mit Dr. Hell- wig, daß Zinsen in Höhe von 18 Proz. monatlich be- rechnet worden sind vom Tage der Kreditbewilligung ab, also ohne Rücksicht darauf, ob der Kredit auch in Anspruch genommen wurde. -Im Februar wurde dann, wie der Vorsitzende- feststelltet der Zinssatz vgn 18 Proz. aus 15 Proz. h e r a b g e setzt. Räch Dr. Hellwig ist che Herabsetzung aus. Veranlassung, von Dr.�ühe erfolgt, der der Ansicht war, daß- 15 Proz! im Monat auch.» och au s- reichend waren. Wir konnten die Kredite geben, weil wir Post- gelber bekommen bätten, die wir allen unleren Kunden anboten, für die aber nur die Amexima Bedarf hatte. Dorf.: Am 20. Mörz waren die Kredite auf 6. M il l i o n e n Mark angeschwollen. Wie haben Sie denn nun da sür die Deckung gesorgt? Dr. Hellwig: Die Zusotzkredite sind zum Teil tägliche Gelder geworden. Ich habe erst jcbl erfahren, daß diese löglichen Gelder blanko gegeben worden sin).(Bewegung.) von wem das geschehen ist. weih ich nichi., Ich babe sie nicht gegeben. Bors.: Herr Klenske, von wem haben Sic d'e Gelder denn bewilligt bekommen? Angekl. Klenske(zögernd): Sie wurden telephonisch ob gerufen. Bei wem weiß ich ober nicht mebr. Es kann Dr. Rübe gewesen sein. Vorl.: Es muß doch ober sestgestellt werden können, wer die tätlichen Gelder bewilligt hat. Der Portier wird es doch nicht gewesen sein.(Heiterkeit.) Ist denn wegen der Deckung nie mit Ihnen gesprochen worden? Klenske: Von mir ist nie ein« Esiektendeckung verlangt worden. Wenn es der Fall gewesen wäre, hätte die Staatsbank soviel Effekten haben können, wie sie wollte!_ Leiferöe vor öem Reichsaericht. Nevrsion verworfen, Todesurteile bestätigt. Leipzig. 17. Zanuar.(TU.) Im telferder Attenlalsprozeß Hai der Drille Strafsenat des Relch-gerichls die von den beiden Angeklaolen Schlesinger und Weber eingelegten Revisionen ver- morsen. Die gegen beide Angeklagte ausgesprochenen Tode»- u r l« i l e sind damit bestätigt.— lieber die Verhandlung fragen wir folgendes nach. Unter dem Vorsitz des Reichsgerjchtsrats Buff fand heut« morgen vor dem 3. Strassenat des Reichsgerichts die R« o i f i o n s v« r- Handlung in Sachen der Leiferde-Atientäter Schlesinger und Willi Weber statt. Walter Weber hott«, wie seinerzeit berichtet wurde, das Urteil angenommen. Di« Interessen Schlesingers vertritt R.-A. Dr. Lütge br un>. Der Berichterstatter. Reichsgerichtsrat Kienitz, ho die Stellen der Urteilsbegründung hervor, die fjir die Revisionsverhandlung von Bedeutung sein könnten. R.-A. Dr. Lütgebrun« beginnt sein« Darlegungen mit der Feststellung, daß den Angeklagten, so fluchwürdig ihre/Tat auch gewesen sei, die Recht-gorantien gewöhn.werden müßten. Bei den Revisionsgründen wären drei Gruppen zu unterscheiden: Erstens wäre zu rügen, daß die Angeklagten auf die Veränderung des rechtlichen Gesichtspunktes nicht Hingewielen worden seien. Aller- dings müßte dieser Revifionsgrund fallengelassen werden, nachdem festgestellt worden sei, daß der Vorsitzende noch den Plädoyers der Verteidiger die Angeklagten daraus aiismerksam gemacht habe, daß sie auch wegen sortgesctztcr Handlung verurteilt werden könnten. Die iweit« Gruppe der Revifionsgründe bezieht sich auf. den Um- tond, daß in der Urteilsbegründung nicht der Paragraph genannt worden fei, auf Grund dessen die Verurteilung stattgefunden habe. Dieser Revisionsgrund fei von ausschlaggebender Bedeutung und schließlich sei auch da? Strafgesetz falsch angewendet worden. Die Urteilsbegründung hat es unterlassen, entsprechend dem§ 267 Absatz 3 anzugeben, daß Schlesinger aus Grund des tz 47. d. h. wegen Mit- täterfchast verurteilt sei. So ist das Reichegericht nicht in der Loge, zu prüfen, ob die in der Urteilsbegründung angeführten Tatbestands- Merkmale wirklich auf den tz.47 passen. Di« Urtellsbegründüng Hot die psychologische Prüfung der Tatbestandsmerkmale in bezug auf Schlesinger vorzunehmen unterlassen. Schle- finger hatte erklärt, daß ihm im letzten Augenblick das Bewußtsein, «in Verbrechen-zu begehen, gekommen fei und daß er deshalb nicht mehr fein« Attentatspläne hall« ausführen wollen. Somit besteht für ihn nicht mehr ein« Mütäterschast, sondern höchstens«in« Beihilfe. Schließlich sei auch von größter ausschlaggebender Bedeutung der sachliche Reoistonsgrund. Es genügt nicht, daß die Angeklagten mit Opfern an Menschenleben gerechnet hätten. Diese Vorstellung hat aus ihr« Willensbestimmung einwirken müssen, z. B., wenn sie ge- hofft Hüften, bei der durch die Tötung entstandenen Verwirrung ihren Plünderungsplan leichter ausführen zu können. Der Reichsanwolt erklarte, daß alle Revifionsgründe nichtig seien. Die Reichsgerichtsentscheidungen forderten nicht, daß der Gesetzesparogroph, der zur Anwendung komme.. unbedingt genannt werde. Es genüge, daß aiis der Schilderung der Tat- bestandsmerkmal« zu ersehen sei. welcher Paragraph zur?lnwendung gelangt ist. Aus der ausführlichen Urteilsbegründung sei aber zu ersehen, daß das Gericht die Mittäterschaft des Angeklagten Schle- singer während der ganzen Zeit der Vorbereitung, fo auch während der Tat angenommen Hobe. Der einzige Formfehler, der. zu rügen fei, würde höchstens darin bestehen, daß das Gericht fortgesetzte Handlung angenommen habe, wo es in Wirklichkeit drei selbständige Handlungen gewesen seien, nämlich der Mordversuch am Vortage der Unglücksnacht, zweitens der Mordversuch und drittens der Mord in der Unglücksnacht selbst. Abermals ein Eisenbahnfrevel. Ans der Strecke WilhelmShagen— Erkner. In der letzten Zeit kam es wiederholt vor, daß ,n der Nacht zum Sonntag dumme Jungen Anschläge auf die Eisenbahn- strecken verübten. Zum Glück sind sie jedesmal ohne ernste Folgen abgelaufen. Mehrmals wurden die Uebeltäter von der Kriminalpolizei ermittett und festgenommen. Dabei ergab es sich stets, daß die Burschen betrunken gewesen waren und sich die Folgen ihrer Streiche nicht klargemacht hotten. Auf solche dummen Jungen ist wohl auch ein Frevel zurückzuführen, der am Sonntag früh auf der Strecke Erkner— Wilhelmshagen verübt wurde. Ein Streckenwärter entdeckte ihn gegen S'A Uhr morgens und benachnch- tigte die Kriminalpolizei. Die Feststellungen am Tatort ergaben folgendes: Etwa 500 Meter vor dem Bahnhos Wrlhemshagen haben noch unbekannte Uebeltäter den Bahnkörper erstiegen und. aus diesem enttanggehend, mehrere Signallampen von der Höh« der Masten her- untergelassen und auf die Schienen gestellt. Um nichr bemerkt zu werden, kletterten sie unmittelbar vor dem Bahnhof die Böschung wieder herunter. Sie waren aber mit'dem bereits angerichteten Unfug noch nicht zufrieden. Iensetts des Bahnhofs- gebäudes stiegcn|ie wieder empor und legten nun ei ne S ch we l l e auf das Fernbahnglers. Sie versuchten auch, von einem Stapel neuer Schwellen noch eine zweite herunterzunehmen.und neben die erste zu legen, kamen damit aber nicht zustande, weil ihnen der Block zu schwer war. Ueber das Schwellenhindernis fuhr der Personenzug Bentschen— Warschau, der um 2 Uhr 47 Minuten Berlin verläßt. Glücklicherweise hatten die Attentäter eine öftere, etwas morsch« Schwelle erwischt, die von der Maschine ohne weiteres zermalmt wurde. Bon den auf die Schienen ge- stellten Signallampen wurden mehrere umgefahren, sonst aber kein Unheil angerichtet. Ohne Zweifel handelt es sich wieder um Leute, die beim Zech«! den letzten Zug verpaßt haben und nun zu Fuß nach Hause gehen mußten. Von den Frevlern ist bisher noch kein« Spur gefunden worden. Für ihre Ermittlung hat die Eisenbahnverwal- tung eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Mitteilungen an Kriminalkommissar Johannes Müller im Zimmer 195 des Potizeiprösidiums._ Kleingärtnerprotest. In einer überaus stark besuchten Versammlung in Raddatz Festsälen, Britz, protestierten die Kleingärtner der Kolonien Immergrün, Gemeindeland Britz, Mühsam, D a m m e ck e und noch mehrer« andere gegen die Enteignung ihres Grundbesitzes.. Genosse. R e i n h o l d vom Reichsoerband der Kleingartenvereine wandte sich scharf gegen das starke Vorgehen des Magistrates. Er sprach von den vielen unerfüllt gebliebenen Versprechungen, die den Kleingärtnern gemacht wurden und die jetzt in der Entziehung des Grund und Bodens, den sie sich mühsam in jahrelanger Arbeit nutzbar gemacht hatten, ihre einzige Auswirkung fänden. In einer einstimmig gefaßten Resolution nahmen sämtlich« Anwesenden— etwa 2000 an der Zahl— mit Empörung von den Kündigungen Kenntnis und beauftragten den Bezirksverbond der Kleingärtner zu schärfsten Gegenmaßnahmen. Ein schwerer Zusammenstoß ereignete sich heute vormittag gegen 10 Uhr in Oberschöneweide. Vor dem Hause W i l h e l- minenhosstraß« 6 stieß eine Kroitdroslhte. die eine zweite schleppte, mit einem zweispännigen Geschäftssuhrwerk zusammen. Zwei Mitsahrende, der zwanzigjährige Musiker Alfred R. aus der Pücklerstrobe 2l und eine zweite Perjon, deren Personalien noch unbekannt sind, wurden, lebensgefährlich oerletzt. Die Verunglückten wurden von der Feuerwehr in das Elisabeth- Hospital zu Oberschöneweide geschafft, wo sie bedenklich danieder- liegen. Die P l e r d e hotten so schwereVerletzungen er-' litten, daß sie an Ort und Stelle erschossen werden mußten. Die Schuldfrag« bedarf noch der Klärung. Blühender Kirschbaum. Die ersten allzu frühen Blüten- zw e, g e an einem Kirslbbaum bringt uns ein Leser unseres Blattes, Herr P. Hentschel, aus seinem Garten tn Köpenick, Grünauer Str. 67 Der BaUm steht in einem Obstgarten ganz frei an einer keineswegs geschützten Stell«. Um öie Arbeitszeit im öäckergewerbe. Ein Zentrumsobgeordneler für üvstüodige Wocheaarbeils;eii! B-günstigt durch die groht Acbcttslosiakcit. versuchen die Arbeit- ocber im Bäckcrgcwcrbe, die Gchilsen zu ständiger Mehrarbeit über tue gesetzliche Arbeitszeit hinaus zu zwingen. Da in den vielen Kleinbetrieben jeder einzelne Gehilfe deni direkten Druck des Arbeit- gebers preisgegeben ist, wurden diese Mehrstunden von den Bäcker- meistern größtenteils nicht einmal bezahlt. Diele Klagen an den einzelnen Gerichten waren daher notwendig. Die Organisationen waren gezwungen, mit schärferen Magnahmen und Kontrollen durchzugreifen. Das brachte die Herren Bäckermeister ganz gewaltig in Harnisch, da sie sich in ihrer Prositmocherei bedroht fühlten. In Dortmund luden sie daher zu einer großen Kundgebung trumsreichstags- ' zu eil Ä-nl Refeii noch dem Gewerbesaal ein, zu der der. abgeordnete Nientimp das Referat übernommen hatte. Dessen Ausführungen waren im allgemeinen ein großes Wehklagen darüber, wie schlecht es doch den armen Bäckermeistern gehe. Aur Abstellung dieser Notlage forderte der Herr Referent die sechzig stündige Blochenarbdlszeil. In einer Entschließung wurde die Arbeitszeitverordnung verworfen, da sie«in Hohn für dos Bäckergewerbc fei. Dazu fei bemerkt: Die Arbeitszeitverordnung für das Bäcker- gcwcrbe besteht seit 23. November 1918 unverändert. Die Entwicklung des Bäckergewerbes seit jener Zeit ist derart, daß über die Arbeitszeit nicht geklagt werden kann. Das Bäckergewerbe ist über alle wirtschaftlichen Erschütterungen der letzten Jahr« in einer Weise hinweg gekommen, die geradezu als glänzend bezeichnet werden muß. Die meisten Betriebe haben sich mit Maschinen und allen modernen Einrichtungen ausgestattet. Konkurse von Bäckereien wegen schlechten Geschäitsganoes waren fast nicht zu verzeichnen. Man wird an den einzelnen Orten kaum einmal das Verschwinden einer Bäckerei erlebt haben. Ueberall florierten die Betriebe gut. Daß nun ein Reichstagsabgeordneter, und zwar ein Zentrums- abgeordneter, es fertig bringt, sich als Sprachrohr für eine derart ungeheuerliche reaktionäre Forderung herzugeben, ist erstaunlich. Zumal die Herren Bäckermeister verlangen, daß diese sechzig- stündige Wochenarbeitszeit so verteilt werden soll, daß die Arbeitszeit für die einzelnen Tage willkürlich festgesetzt werden kann. Die Bäckereiarbeiter, und mit ihnen alle rechtlich und sozial Denkenden, werden es nicht zulaffen, daß der Achtstundentag im Bäckergewerbe angetastet wirb. vas soziale Wahljahr. Das Reichs« rbeitsminifterium läßt über fein« nächsten Arbeiten verlauten, daß neben den bekannten großen Sozialgefetzen demnächst der Gesetzentwurs über da» sogenannt« Sozial« Wahl- s a h r fertiggestellt sein wird. Das Gesetz fleht eine V e r« i n h e i t» lichung de r Wahloerioden in der Sozialoersich«- r u n g usw. vor. Außerveni wird in diesen Togen die groß« Denk» schrift des Arbeitsministerium» über das Arbeitsbeschaffungs- Programm, die gemeinsam mit dem Reichswirtschost»- und dem Reichsernährungeministerium zitsammengeftellt wurde, dem Reichstag zugehen. In der Denkschrift find u. a. neue Richtlinien für die Lösung des Bodenkulturproblems aufgestellt und entsprechende Mittel zur Durchführung dieses neuen Programms angefordert. Schließlich ist man dabei, die Ausführungsbeftimmungen zum Arbeits- gerichtsgefetz, dos am 1. Juli in Kraft tritt, fertigzustellen, um das ganz« Gesel Termin vestlos dur> mit Ausführungsbeftimmungen zum festgesetzten "ren zu können. Verhandlungen im Buchbindercigewcrbc. Ueber ein neue» Lohnabkommen zwischen den Luch- bindern und dem Berband Deutscher Buchbindereibejitzer finden am 20. Januar in Eisenach Berhandlungeu statt. Das gegen- wärtige Lohnabkommen hat Geltung bis zum 12. Januar. Die Verhandlungen mit den« Zentralverband Deutscher Kar- tonnagcnsabrikonten über einen neuen Mantelvertrag sowie über ein neues Lohnabkommen beginnen am 23. Januar in Erfurt. Manteloertrag und Lohnabkommen haben Gültigkeit bis zum 31. Januar. Die Tapezierer. Die in, Verl band der Sattler, Tapezierer und Portefeuiller organisierten Tapezierer hatten am Freitag im Dresdener Kasino ihre Jahresbranchenversammlung. Der Bronchenleiter Hegenbart ging in seinem Jahresbericht' zunächst aus die Eni- Wicklung der deutschen Mrtschast im allgemeinen und aus die Ratio- nalisierung im besonderen cm. Aus die Beschästigungslage im Tape- zicrergewerbe während des Vorjahres eingehend, teilte er mit, daß bis zum Dezember 192« durchschnittlich 1090 Ar- beitslose des Tapezierergewerbes auf dem Arbeits- Nachweis eingetraeen waren. Ansang Dezember ging diese Zahl aus 000 und im Laufe des Monats sogar soweit herunter, daß der Nachweis zeitweise de» Bedarf an Facharbeitern nicht decken konnte. Zurzeit sind jedoch schon wiefcw etwa 900 eingetragene Arbeitslose vorhanden. Es besteht auch keine Aussicht, daß in absehbarer Zeit ein Rückgang der Arbeitslosen. zahlen eintreten wird. Es sei bedauerlich, daß in nieten Betrieben trog der großen Arbeitsloscnzahl noch Ueberstunden in nicht unerheblichem Umfang gemacht werden. Dieses Uebersttmdeminwesen einzudämmen, müsse vor allem Ausgabe der Funktionäre und Betriebsräte lein, nicht nur im Interesie der arbeitslosen Berussangehörigen, sondern der im Interesse aller Erwerbslosen liegenden Aktion der Spitzcngewerk- schaftcn zur Wiedereinjührung des Achtstundentages. In der kurzen Diskussion wurde an der Tätigkeit der Branchen- leitung im Berichtsjahre keine Kritik geübt, sondern die Mahnung des Branchenleiters zur Einhaltung der-tk-Stunden- Woche nur noch wirksam unterstrichen. Bei der anschließenden Neuwahl wurde die alte Branckjeitleitung gegen wenige Stimmen wiedergewählt.___ Die vergaebeiter In Oderschlesien.- Kündigung de» Mehrarbeitsabkommens. Hindendurg. 17. Januar. sEigeircr Drahtbericht.) Am Sonntag tagte in Hindendurg eine Reoierkonferenz des Verbandes der Bergarbeiter Deutschland», um zu der beabsichtigten Kündigung des Arbeitszeitabkommens im ober- schlesischen Bergbau Stellung zu nehmen. Als Vertreter des Hauploeritandes sprach Kamerad Schmidt(Bochum), der darauf hinwies, daß das oberschlesischc Revier die niedrig st en Löhne und die höchsten Förderziffern habe. Diese Verteile, sowie die günstige geologische Loge der oberschlcsischen Gruben sichern den Unternehmern Sonderprofit« gegenüber dem Bergbau im Reich. Da» Mehrarbeitsabkommen war 1923 von den Unternehmern gewünscht werden, um die Dortriegsleistun- gen wieder zu erreichen. Die Förderung hat aber inzwischen die Vortriegszjffern um IS Prozent überschrttten. Der Bezirksleiter. Kamerad Franz, trat für eine einheitliche Kampffront ein, wurde dabei allerdings wiederHoll von kom- munistischen Funktionären gestört. Die von 302 Funktionären besuchte Konferenz beschloß ein- stimmig die Kündigung des Arbeitszeitabkom- mens über und unter Tage für den 1. März 1927. Ein« zweite einstimmig angenommen« Entschließung verurteille das Der. halte» der kommuatstische» Funktionäre und er- klarte, daß jeder Funktionär, der i» die kommende» Agitationsver- samnikungen parteipolitische Differenzen hineintragt oder den An- Ordnungen der Bcrbandslcitung nicht Folge leiste, sich das Recht verwirkt, weiter als Funktionär des Verbandes zu arbeiten. Nach Sem Generalsireik. Ein Vertraueasbruch. tondon. 17. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Dos kommunistische Organ„<5u nda y W o r k« r" veröffentlicht den Wortlaut eines großen Teiles des Gesamtberichts des Generalrates der Gewerk- schasten über den Generalstreik, welcher erst nach dem Zusammentritt des außerordentlichen Gewerkschoftskongresies am kommenden Donnerstag zur Deräfsenllichung bestimmt war...Daily H e r a l d" protestiert ain Montag schärfstens gegen diesen ungeheuerlichen Vertrauensbruch und appelliert an die Presi«, die Deröffent- lichung des Gesamtberichts nicht«her vorzunehmen, als vor dem von dem Generalrat bestimmten Zeitpunkt. Ein seltsames Spiel. Sottowlh, 17. Januar.(TU.) Die Regierung hatte' mit der polnifch-schlesischen Industrie ein Abkommen getroffen, wonach bis 31. Januar keine Arbeiterentlassungeu vorgenommen werden sollten. Am IS. Januar ist bei den verschiedcnen Gruben- Verwaltungen mehreren hundert Arbeitern zum 31. Januar gekündigt worden. Roch einer Meldung der „Gazeta Robatnica" hat die Regierung in Warschau den Demcckilmachungskommissar telegraphifch benachrichtigt, daß da» Abkommen zwischen Industrie und Regierung bis zum 1. April verlängert worden sei und die Kündigungen rück- gängig zu machen seien. Wie die„Polonia* heute morgen mitteilt, ist in Industrie kreisen von einer Verlängerung de« Ab- kommen» nichts bekannt. Besonders die Bergarbeiter imPlesserReoier sind von den Kündigungen betroffen worden. Das Arbetlsgerlchlsgeseh vom 23. Dezember 192S. Textaus- gab«, ist vom Ortsausschuß Leipzig des Allgemeinen Deutschen Gewerkschoftsbundes gegen Einsendung von 40 Ps. für das Stück zu bezichen. Bei Mehrbezug wird ein größerer Preisnachlaß ge- währt. Bestellungen an das Gewerkschaftekartell Leipzig, Zeitz« Straße 32, erbeten. Postscheckkonto Leipzig 65 139. Sport. Tonoo�Lorenz allem Spktzeapaar! Nor noch 9 Maaaschafkea im Felde. Tonani-Lorenz haben nun im Sechstagefeld mll zwei Rltnden Vorsprung allein die Spitze! Beide Fahrer haben gut gekämpft und den klaren Beweis gellefert, was es heißt. Jagden durchzuführen. Um Sonnabend Mitternacht ging es los. Schon vorher scheidet die Mannschaft Koch-Rielens auf Grund einer Strafrunde aus der Spitzengruppe aus. Dann geht Goossens kurz vor Mitternacht los. Pelri bremst ab. Prämienkämpse, die bis i--2 Uhr nachts währen, beleben das Rennen. Reue Jagden setzen ein. Petrt zieht ab. gefolgt von Degraeve, bis Hürtgen das Feld wieder zusammenführt. Und nun kommt der große Kampf der Tonani-Lorenz. Der Italiener von Lorenz abgelöst. Der Vorsprung beträgt Runde. mschaden Lorenz zwingt, die Jagd zu beenden. Das Renngericht spricht jedoch der Mannschaft einen Rundengewim» zn. wird als ein Reifenschaden Später gewinnt dann van Kempen leicht«ine Rund«. Di« beide» Nachtwertungen verändern das Bild nur wenig. Tonani-Lorenz bilden allein die Spitze. Der Sonntag. Noch Beendigung der Zwesten Hälfte der Sonntagnachmittag- Wertung gibt Frankcnstein angeblich wegen Sehnenzerrung das Rennen auf.„Buschi" bleibt Ersatzmann. Im Verlauf der 10-Uhr- Abendwertung entfesselt Mac Ramara«ine Jagd, die später von Lacquehay sortgesetzt wird. Tonani ist wie immer auf dem Posten Lacquehay und Degraeve-Thollembeek können nur knapp ihre Ueb«- rundung verhüten. Alle anderen Fahrer sind überrundet, außerdem erhalten Bauer-van Kempen und Behrendt-Skupinski eine Strafrunde. Bauer-van Kempen, die nunmehr 4 Runden zurückliegen, können später wieder Zwgi Runden vom Berlustkonto obstreichen. Dann gibt es einen Protest Goosscns-Stockelynck: sie wollen nicht einsehen, daß auch sie eine Runde verloren haben. Beide Fahrer geben deshalb das Rennen auf. Ihre Ausgabe ist zur Bestrafung beim Sportausschuß des Bundes angezeigt worden. Auch Degraeve gibt wegen Bluterguß im Knie auf. Thollembeet bildet mit Büschen- Hagen eine neue Mannschaft. Nach den beiden letzten Nachtwcrtungcn ergibt sich nunmehr folgender Stand de» Rennen»: Spitze: Tonani-Lorenz 1l2 Punkt«. Zwei Runden zurück: van Kempen-Bauer 276 Punkte, Buschenhagen-Thollern- beek 144 Punkte. Koch-Rielens 106 Punkt«, Wambst-Lacquehay 72 Punkte. Drei Runden zurück: Mac Rama-Petri 113 Pkt. Fünf Runden zurück: Rausch-Hürtgcn 38 Punkte. Sechs Runden zurück: Behrendt-Skuptnski 108 Punkte. Sieben Runden zurück: Seiferth-Manthey 129 Punkt«. Ilm 6 U h r früh sind 269S,730 Kilometer vom Feld« bedeckt. ~ Leider ist es uns wegen Platzmangel nicht möglich, im Augen- blick oll die Dinge zu behandeln, die im 18. Berliner Sechstagerennen recht übel mitspielen, lieber die Geschäststüchtigkest des famosen Direktors Lücke und üb« sportlich nicht einwandfreie Angelegenheiten soll später noch berichtet werden. Rennen zu Ruhleben am Sonnkag. den 16. Januar. I. Rennen 1. Hotmeitlerin B.(SrcpnaSel jr.), 2. Salome, 3. Mö«- Nch. Toto: 6»: 10. Platz: 18, 17, 20: 10. Ferner lieten: Gerharb, Dola Frisco, LiebeSbole, Charley Wortbh, Struwelpeter, Eckilem. 2. R e n n e n. 1. Belwin(JauS jr.). 2. Kammersänger. 3. Erbgraf. Toto: 19: 10. Platz: 15, 21, 55: 10. Fnn« liefen: Cobra lal» lZ.disqn. 80 Pioz. Platz zur.1, Prinz Kuckuck, Pclcr Harvester, BallvnkSnigin, Fla. mingo, Sarmaid. Königsadler. 3. R c n n e n. l. Corirlanu«(Höhne). Z. Biilon Prinz, 3. Friedrich Zier. Toto: 87: l0. Platz: 30. 30. 23: 10. Ferner liefen: Leuchttäfer, Crilpa. C'llartnin Leerberg, Wemllock, Abdullah Silver, Kronsbeere, Hersteller, Erisa, Radiola. Goudster« Mioria. Mallönigln l. Langemann. Morgentau. 4. R e n n e». l. Paron Aarworlbv sI. Mills), 2. Jockl. 3. Blaue Adria. Toto: 33: 10. Platz: 13, 13. 15: 10. Ferner liefen: Cadix AxwoUhy, Frankenllein, Lockung, Trotteur. ».Rennen 1. Weinminze(Heckert), 2. Lintcoit jr.. 3. Harlekin. Toto: 26: 10. Platz: 12, 24, 17: 10. Ferner liefen: Mwz. Winnie, Rollöppchen, Paula Bingen. Iimiene. «.Rennen 1. Jntercffentnb bewährt. Im Knfangzstadium genommen, verschwinden die Kranbhc t».-r. schetnungen sofort. Lt. not. Bestätigung find innerhalb 6 Monaten mehr al, l 500 Gutachten allein au, Krztebreifen«lngegang., barunter o. namhaften prosessoren u. aus ersten Kliniken u. Kranbcnanft. llberrasch. Erfolge! Sra. gen Sie Ihren Krzt! Togal ist in allen Kpotheben erhältlich, preis M. 1.40 IM Ulb.. 0M> Cbinio, 70 Acid. accL ut ad 100 arnxt. Mßmer sTee Sachgemäße Mischungen von hervorragender Qualität, größte Ergiebigkeit— daher Sparsamkeit im Verbrauch SMisdie l>M Cbsrlotienbur« Tlt Uhr: Tnrandol >. Salntiil. i. Igrzwiilnl. LJüldidiVai! Abonn.-Turnus I BeulsöiEJ Theater Norden 10334-M7 8 Uhr: HeidhanltT.iiiieiskiiau von WolfganeQoeu Regie: HeinzHilpert Katnrnerspiele Norden 10JH-37 8 Uhr: Oliapotrida von Uernet-Holenla ßtjie: Heinz Hilpert. Hierauf: Da» Veilchen »on Frani Molnai Regie: Eug. Robert Zentral-Tli. Täglich 8 Uhr; Der große Optreilenerlolg! 9er Trompeter vorn Kein 1. Alternusn. j. Ihin.(LILrl. L. 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Gtldichmelze Ibristionat Aspesickadtislt«(«ddbeptftrnstel.• Der Mensch ist, was er ißt. ■p\ie Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte ergrab unbestritten, daß die Apfelsine unter allen Er- zeug-nissen der Natur den reichsten Gehalt an Vitaminen (Lebensstoffen) besitzt Es hat daher die Verwendung von Apfelsinensaft bis in die früheste Kindheit zurück immer mehr Verbreitung' gefunden. Das Alter wird aus der Apfelsine den Nutzen eines bis in die spätesten Jahre st rken Körpers ziehen. Das Leben soll daher stets und ganz besonders in der sonnenarmen U interzeit vom Genuß der irischen Frucht begleitet sein; sie ist uns nötig wie Licht und Luft. undJhrbleibtgesund! Taglicher Genuß frischer Früchte ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Frische Früchte gibt es zu jeder Jahreszeit.