Nr. 2S■» 44. Jahrg. Ausgabe A Hc. 15 Bezugspreis. Wöcheniliid 70 Pfenni». mondlli® B,- Zleichsmark voraus zahlbar. Hilter Kreujidand tür Dcutlcklauv, Dauzia. Saar, und Memetaebier. Oe?!krr-lch Litauen. Lurcmdur« «L0 Rcichsina:�. nir da» iibrifle Ausland ö.ö0 Reichsmark vro Rvuat. Der.Dorroärts' mit der wustrler- tea Sonntagsbeilage»Bolk und Aeii� (omie de» Beilagen..Unterhaltung lind Wissen".-aus der Kilmwelt". »Frauenstimnie".Der Kinder- freund"..Lug'nd-Borwärts" UN» »Blick in die Bücherwelt" erschein! mochentSglich zweimal. Sonntag» und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Soziolvewofro« SetUn* Morgenausgabe Derlinev Volksblatt �10 Pfennig) Anzeigenpreise: »!c«inlvaltia« Nonvarcllle. «eile SO Pfennig. Retlamciieile Reichsmark.»Kleine anzeigen" tos settqedruckie Wort 22 Pfennig fsuliisssg«wci iittacdrucktc Worte). sedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das etile Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 12 Buch- stoben iiählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt geile 00 Pfennig. Familienonzeiaen für Abonncnteu Keile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächssc Nummer Müssen bis iV? Uhr nachmittags im Lxiuvtaeschaft. Berlin SW 08. Linde». straheZ, abgegeben werden. Geöffnet van 8 Iii Uhr früh bis 2 Uhr nachm. Zentralorgm der Sozialdem okrat» fchen parte» Deutfchlands Ueüaktion und Verlag: Serlin SW. 68, Linöenstraße 5 Fernsprecher: Tönhoff 29:4—297. Sessere Aussichten für Narx� Besprechuugeu mit Scholz, Koch, Erkelenz und.Hermann Müller. Der Aclchäftssührende Reichskanzler Marx empfing gcsicrn um 4 Uhr nachwiliogs Herrn Scholz von der Volksparlei. dann um S Uhr die Demokralen Koch und Erkelenz und schließlich Genossen Hermann Müller, heule vormittag l! Uhr will er den Grasen Westarp empfangen. * Bei den Empfängen der bürgerlichen Parteiführer fallen nallj einem offiziösen Bericht nur sachliche, nicht persönliche sfragen behandelt worden sein. Das ändert nichts an der Tatsache, dog zwischen der demokratischen Reichstagsfroktion und dem Reichswehrminister Dr.(Beßler eine scharfe Spannung besteht. Sie ist noch verschärft worden durch einen Brief G c ß l e r s a n Roch, worin der Mmister bekennt, jenen Artikel des Generals Reinhard vorher gekannt zu haben, gegen den Roch wegen seines die Demo- kratische Partei beleidigenden Inhalts den schärfften Protest erhoben Hot. Genosse. Hennann Müller erinnerte Herrn Marx an die Beschlüsse, in denen die Sozialdeniokratische Partei ihre Bercitschast zu Verhandlungen über die Große Koalition einzutreten erklärte. Demgegenüber verwies Herr Marx auf einen Beschluß der Bolkspartci. der die Große Koalition zurzeit ablehnt. Aus die weitere Frage, ob eine Regiening geplant sei, die nach beiden Seiten die Neutralität wahre, oder ob das geplante.Kabinett eine Unterstützung von links erstreb«, antwortete Herr Marx, daß das Zentrum bereit sei, eine Regierung mit Unterstützung von links zu bilden, daß er aber nicht chrffc, m i e d i e B o l k s p a r t e i zu djefer Frage stehe. 5}err'Marx widersprach mit graßer EntschUden- heil der Behauptung der Rechtspresse. Herr v. Gusrard habe denk Reichspräsidenten erklärt,. daß das Zentrum auch zu. Berhandlungen über eine. Rechtsregierung bereit sei. Der Froktionsvorstand der Sozialdemokratie' tritt heute 4 Uhr nachmittags zufavitneni die Fraktion nwrgen, 12 Uhr mittags. Der Fraktionsvorstand der Bolkspariei beschränkte sich gestern darauf, Herrn C u r t i» s für seine Bemühungen zu danken und ihr Scheitern zu bedauern. Boy weiteren Beschlüssen sah er ab. Om Reichstag wurde gestern erzählt, daß Dr. G e ß l e r nach seinem scharfen Konflikt mit seiner eigenen Partei sich selber a u s d o m Reichswehr m i u i st e r i u m zurück- ziehen wolle. Darin wurde eine gewisse Erleichterung der Lage erblickt, und die Aussichten eines neuen Kabinetts der Mitte unter Marx wurden günstiger beurteilt. Ob dieser Optimismus berechtigt ist, wird von den weiteren Beschlüssen der Bolkspartel und der Sozialdemokratie abhängen. Westarps aktiver Monarchismus. In den gestrigen Verhandlungen spielte auch die letzte Sonn- tagsredc Westarps eine erhebliche Rolle. Namentlich i» der Volkspartei soll es stark verschnupft haben, daß sich der deutsch- nationale Parteiführer nach den Erklärungen, die er Hm» C u r- t i u s abgegeben hatte, so geäußert hat, wie im»Berliner Lokal- Anzeiger" und in TU. zu lesen stand. Nun will es der Graf aber wieder, nicht gewesen sein. Er bezeichnet, wie die»Tägliche Rundschau" beruhigend mitteilt, den Text der ihm so nahestehenden Or- ganc als„nicht authentisch". Stegerwalü. »Der Deutsche", das Organ der chrhtlichen Gewerkschaften, hat in den letzten Tagen eine heftige Kampagne gegen Marx für Steger- wald geführt, und diesen zum Kanzlerkandidaten des Bürgerblocks ausgerufen. Daß dies, nicht in Einklang mit Herrn Stegcrwald ge- fchchen ist, geht aiij der Rede hervor, die er am Sonntag in Köln gehalten hat, und wird auch noch von der»Germama" ausdrücklich festgestellt Stsgerwalds Rede und die HaUung des„Deutschen" zeigen die stark« Spannung ümcrhalb der christlichen Tewerkschasten. .Vejin Übrigens die„Germania"— und noch gröber der ..Deutsche"— es- so' hinstellt, als hätten wir Herrn Stegermald dadurch, daß wir ihn als»gewesenen T i s ch l e r". bezeichneten, herabsetzen wollen, so ist. das eine Methode der Polemik.-die keine Nachahmung verdient. Wir haben festgestellt und wiederholen es, das Stegcrwald als gewesener Tischler überhaupt keine Möglich kell hätte, zu den höchsten Aemiern emporzusteigen, ohne die Arbeit der Sozialdemokratie, die die Barrieren des alten Obrigkeitsstoates zertrümmert hat. Wir nehmen auch nicht an, daß es einem christlichen Arbeiterführer peknliä, sein kann, wenn er daran erinnert wird, daß auch e r einmal an der Hobelbank oder am Schraubstock gestanden hat. Wäre das der Fall— nun dann wäre das für uns ein Grund mehr, ihn recht o f t daran zu erinnern, woher er kommt und wohin er gehört.» Noch immer Gegensatz Srianö-Poincare. Außenpolitische Generaldebatte oder nur Ausschuß- beratungen? Paris. 17. Januar.(Eigener Drahtbcricht.) Wenn auch mit dem Beschluß des letzten Kabinettsrats die Debatte über die auswärtige Politik und die Krise Poincarä-Briand norläufig beigelegt schien, so geht die Polemik in der Presse für oder gegen Briand weiter und scheint in den nächsten Tagen hef- tiger als je wieder aufzuleben. Die Kommissionen des Aus- wältigen von Kammer und Senat haben den ausdrücklichen Wunsch geäußert,«in Exposö Briands über seine Politik zu hören. Briand wird om Mittwoch vor der einen und einige Tage später vor der anderen erscheinen. Man gewinnt aber den Eindruck, daß es schwer sein wird, die Aussprache auf dieses Expose zu beschränken und dem Wunsche zahlreicher parlamentarischer Kreise nach einer Generaldebatte aus dein Wege zu gehen. Trotzdem geben Poincare und einige seiner Minister ihren Widerstand nicht aus und wollen nach wie vor von einer Gene- raldebattc nichts wissen, die die gegenwärtige parlamentarische Mehrheit der Regierung einer starten Belastungsprobe, ja vielleicht vor aller Welt den außenpolitischen, innerhalb des »Kabinetts der nationalen. Einheit" bestehenden Gegensatz zutage treten ließen. Die Frage der Notwendigkeit einer solchen General- debattc wird deshalb ain Dienstag noch einmal vom Minister- rat erörtert werde». Man darf gespannt sein, ob es Poincarc tat- sächlich gelingen wird, seincin Außenminister zu untersagen, die Debatte vor das Parlament zu trogen und dieses gleichzeitig in seinem ureigensten Recht zu beschneiden. Die deutschen Vorschläge zwar„ungenügend", aber der gute Wille anerkannt. park». 17. Januar.(Eigener Drohtbcricht.) Das Int er- alliierte Militärkomitec hat am Montag nachmittag «ine neue Sitzung hinsichllich der deutschen Entwaffnung abgehalten. Daran anschließend wurde an sranzösischer zuständiger Stelle in den Abendstunden erklärt, daß noch Ansicht des Militärkomitees die neuen deutschen Vorschläge zwar»unzulänglich" seien, daß ober das Komitee mit jA e n u g t uu n g von den ernsten Be> m Übung en D e u t-f ch l a n d e., zjj«»<»■(Finigung zu gelangen, Seniums genommen hat. Die Ammoxt des Witttärtomitees auf die deutschen Borschläge wird der deutschen Delegation in aller Kürze übermittelt werden. Arbcitsloscndcwonstration in Paris. Doris. 17. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Am Montag fand auf den großen Boulcparsts eine Demonstration von etwa 20W durch die Wirtschaftskrise arbeitslos gewordener Hotel» und Gasthausangestellten statt, die zu Z u s a m m e n st ö ß« n mit der Po- lizci führte. Die Manifestanten begaben sich, von der Polizei ,zer- sprengt, daraus in kleineren Gruppen nach der Arbeitsbörs«, wo ein« Versammlung stattfand, vor welcher der Sekretär der Nahrung?- mittelgewerkschast s chnelle Hilfe für die Arbeitslosen der Nahrungsmittelbranch« verlangte, die allein in Paris und Umgebung 20 000 Arbeitslose zählt. Am Montag abend Übermittelle ein« Delegation dem Polizeipräsekten die Wünsch« der Gewerkschoften. Belgiens neuer vertrag mit China. Verhandlungen auf der Basis der Gleichberechtigung Vriissel, 17. Januar.(Eig Drahtbericht.) In Belgiens.Haltung gegenüber Ehina ist eine sensattonellc Wendung eingetreten. Aus Verlangen der Pekinger Regjcrung wurden am Montag B e r- Handlungen über einen neuen belgisch-chinesischen Vertrag auf der Grundlage völliger Gleichberechtigung in Peking ausgenommen. Gleichzeitig erklärte die belgische Regjcrung, ihr beim ftaager Schiedsgericht gegen die durch China crsolgtc Nichtigkeitserklärung des bestehenden Vertrages eingeleiteten Verfahren einstellen zu lassen. Damit fügt sich Belgien so ziemlich allen Forderungen Ehinos. Außerdem erfährt der Vertreter des»Snz. Pressedienst" in Brüssel, daß bei der Eröffnung der Verhandlungeii in Peking ei» weiteres recht sensationelles Zugeständnis von Belgien angekündigt worden ist. Ossenbor liegt der belgischen Regierung sehr daran, jetzt,>pa die Beziehungen der Mächte zu China wegen Schanghai zu ernsten Verwicklungen führen können, durch gütliche Rege- lung der Verhällnisse im Fall einer Berschlimmerung der ollge- meinen Lage unbeteiligt zu sein. Brüssel legt Wert auf die Erklärung. daß die Berbandlungen mit Peking keineswegs eine Parteinahme gegen Kant?» bedeuten Im Gegenteil ist mit Sicherhett anzunehmen, daß Konton sowohl von der Pekinger Regierung wie von Belgien über den Verlauf der Verhandlungen unterrichtet wwd vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. Hb, Linjenstr.Z P»Iis-k-ckk»ntz>: Sellin 37 23«— SanOonte; Bnul der»rbeitre.«naeyclt'A und Beamten. Wall sie. OS: Diakonta-Sefrlschait. Sicnafitcnlaffc Linden sie. 3. Znöisches Mufterlänöle. Ein Maharadscha und sein Reich. Bon Franz I. Furtmängler. Vorodo, Mitte Dezeniber. Schön' sind die nächtlichen Bahnfahrten in diesem Lande. Die Wagenabteile, die dem Europäer zur Verfügung stehen und fast ausschließlich von ihm benutzt werden, sind geräumig wie ein gutes Zimmer und ebenso möbliert. Elektrische Ben- tilatoren.machen die Hitze, die übrigens in diesen Monaten nicht sehr groß ist, erträglich, und wer sich des allzu reichlichen Staubes entledigen will, findet iin Eisenbahnwagen nicht mir ein Waschbecken wie in Amerika und Europa, sondern ein regelrechtes Badezimmer. Legt man sich des Abends auf sein Lager und öffnet die Fensterlukc zwei Handbreiten weit, so genießt man. für Stun- den das kaum unterbrochene Bild von dunkelblauem Himmel, Sternen und Palmen, und nur ab und zu tritt aus diesem Bilde der matte Lichtcrschein kleiner Hütten und Dörfer her- vom die ganze Szenerie wirkt wie die Landschaft eines Ge- Wäldes von der Geburt Christi... Baroda, wenige Stunden von Ahmedabad entfernt, ist die IVVOlll) Einwohner.zählende Hauptstadt des gleichnamigen Staates von zwei Millionen Seelen, eines sogenannten„E i n- gebore neu staate s", der von einem"indischen Fürsten nach einer Art von Feudalsystem regiert wird. Die Haupt- straßc der Stadt zeigt dos wimmelnd belebte Bild einer orientalischen Geschäftsstraße mit großen Schattendächern über dem ersten Stockwert der Häuser. Die drei Baum- w o ll-j p i n n e r e i e n und ihre Arbeiter tauchen unter, ohne der Stadt einen besonderen Wesenszug einzuprägen, ohne ihr etwas von dem Charakter eines in die Breite gewalzten Bauerndarfes zu nehmen. Zweistöckige Häuser mit Holz- voranden, Hütten und Ställe stehen zu beiden Seiten der breiten, van Kühen, Ziegen und Hunden belagerten Straßen.. Hat sich das Auge des dahinfahrenden Fremden mit diesem immer gleichmäßigen Anblick vertraut gemacht, so sieht er sich plötzlich in einen modernen europäischen Park mit gepflegtem Rasen und Blumenbeeten, marmornen Fontänen und Statuen versetzt. Es ist der ausgedehnte Schloßpark, in dessen Mitte der Prunkbau des Maharadscha steht— gleichfalls in europäischem Stile erbaut. Ich hätte nie geglaubt, daß der amerikanisch ausschttnde Gentleman, mit dem ich eines Abends auf dem Schiffe pfou- dertc und der im Laufe der Unterhaltung sich als d e r F ü r st von Baroda vorstellte, ein Gebäude bewohnt, das an äußerer und innerer Pracht den Wettbewerb mit den glän- zendsten Fürstcnschlössern Europas bestehen könnte. So europäisch wie die Außenarchitektur sind auch die meisten der zahlreichen Jnnenräumc. Kaum eine antike Statue unserer Museen, welche hier nicht in eherner oder steinerner Nachbildung vertreten ist. Auch hat der Maha- rodscha im Laufe seiner vielen Reisen eine umfassende«uro- päische Gemäldesammlung der verschiedensten Schulen zu- sanimengebracht, besitzt aber honeben auch viele indische Maler- und Bildhouerwerke, die sich in der abendländischen Umgebung um so mirksomer geltend machen. Doch erst der Elefantenstoll mst einem wieder deutlich in die Erinnerung, daß man sich im Bereiche eines indischen Fürsten befindet. Da stehen zwei Dutzend Prachtexemplare von Dickhäutern, die eine Hälfte frisch ge- fangen, wild und bösartig, die andere zu sbbelhasteii Kunst- stücken abgerichtet. Wir sahen einen, der nicht nur Wasser pumpte, den Fächer schwang und allerlei Arbeiten verrichtete, sondern auch auf einer Mundharmonika schlecht und recht die englische Nationalhymne„(lock«iivo tbo llinx" spielte. Der Maharadscha wird an dieser musikalischen Leistung des imperialistischen Trampeltieres wohl unschuldig sein. Wahrscheinlich geht die Initiative dazu auf den schlauen Wärter zurück, der mit dieser Melodie das Herz und die trink- geldspendende Hand englischer Besucher öffnet. Wir trennten uns von dem genialen Rüsselträger. nachdem wir zuvor noch die Belehrung empfangen hatten, daß seine Künstlergage in einer Tagesration von dreißig Pfund Gebäck und einer noch größeren Menge Grünfutter besteht. Darauf wandten wir uns wieder der europäischen Seite des Maharadschareiches zu. Sie hat ihre Grenze nicht am Rande des Schloßparkes, sondern reicht ein ganzes Stück weit ins Volk hinein. Unter allen Ländern Indiens, den indisch wie den englisch regierten, hat bisher allein der Staat Baroda und zwar seit 20 Iahren— die allgemeine Schulpflicht für olle Kinder zwischen 6 und 13 Jahren durchgeführt. Gegenwärtig erhalten im ganzen Lande 200 000 Kinder kostenlosen Unterricht: Dieser erstreckt sich zunächst auf das Lesen und Schreiben ihrer Muttersprache� Mahratti. Gudschratti oder Urdu. Die Bücher sind im Stile der Ele- mentargromniati/en französischer Polksschulen gehalten. Hieran reihen sich die üblichen weiteren Volks schulsächer. sowie Turnen und Handarbeit. Auch für die„Unberührbaren" (die niedrigsten Kasten) bestehen Schulllassen, und da diese Untertasten und Kastenlosen, die seit Jahrzehnten vom Solf der übrigen Rasten in grausamer Weise wie ein Auswurf behandelt wurden, durchweg sehr arm sind, so erhalten deren Rinder außer dem Unterricht auch Nahrung, Kleidung, Behausung und Lehrmittel unentgeltlich. Es besteht in Indien seit einigen Jahren eine Vereinigung mutiger Männer und Frauen, die um einer höheren Volks- gemeinschaft willen sich das Ziel gesetzt haben, die Institution der„Unberührbaren"— von der Gandhi sagt, daß durch dieses Unrecht allein Indien auch das härteste Los verdient hätte— zu zerstören. Dem letzten Kongreß dieser Verelni- gung präsidieete der Fürst von Baroda. In den Berufs- schulen von Baroda arbeiten und speisen die Kinder aller Kasten und Religionen ohne jede Trennung nebeneinander. Merkwürdig genug, wie an der Ausrottung dieses Pestübels der Kastenordnung in Indien so grundverschiedene Mächte wirken: der absolute Feudalherr von Baroda, Gandhi, der Prophet seines Volkes, die Gewerkschaften und—.ohne es zu wallen— der Fabritkapitalismus der Großstädte! Die Kastenordnung war ein gewisses Hindernis, das bei der Einführung des allgemeinen Unterrichts überwunden werden mußte.' Ein gewisses Hemmnis war und ist die Ar- mut großer Teile des Volkes, die es notwendig macht, viele der Schulpflichtigen von Staats wegen zu ernähren, und als Drittes lag im Wege das besonder« Vorurteil gegen den Schulunterricht der Mädchen, dem das Volk sich lange widersetzte. Wer diese Schwierigkeiten kennt, wird das kultu- relle Verdienst, das in ihrer Ueberwindung liegt, um so höher schätzen. Niemand kann bestreiten, daß der Fürst von Baroda allen anderen Regenten des Landes, ob indischen Fürsten oder englischen Gouverneuren, ein kraftvolles Beispiel gegeben hat. Ueber die Volksschulen vßn Baroda schichteti sich söge- nannte„Mittelklassen", in denen Englisch gelehrt wird, als nächste Stufe ein„College" englischer Art und daneben eine Sanskritschule zur Wiedererweckung des Studiums der alten klassischen Jndersprache, die man sachgemäß mit unserem humanistischen Gymnasium vergleichen könnte. Der Förde- rung der Industrie dient ein« Gewerbeschule mit einn Hand- werkerlicl;cn Abteilung im Sinne der deutschen Ge- w erbeschulen und einer technischen Abteilung, die unserem Technikmn entspricht. Dieses Technikum ist ein Bau, dessen Architektur keiner deutschen Stadt Unehre machen würde. Für den praktischen Unterricht beider Abteilungen sind Werkstätten erbaut, in denen elektrisch betriebene Web- stähle, Drehbänke und modernste Werkzeugmaschinen stehen. Es ist unsereinenr als Handwerter eine Freude, diese jungen braunen Kollegen mit Fleiß und Interesse bei ihrer Arbeit zu sehen und durch das Geschick, das sie dabei entfalten, den Beweis dafür zu empfangen, daß es nur einer der unsrigen ähnlichen Schulung bedarf, um dein vielverbreiteten G e- rede von der L e i st u n g s u n f ä h i g k e i t des indischen Arbeiters ein Ende zu machen. Die meisten Nachbeter dieser Redensart vergessen, daß es im heutigen Indien,, von wenig Ausnahmen abgesehen, eine systematische Lehrlingsausbildung nicht gibt, wei der importierte Jndustrialismus die alte Hand- werkstradition des Landes im weitem Umfang gestört hat. Ohne die Sozialüemokratie keine Regierung Tie Meinung eines deutschnationalcn Parlamentariers. In der, Deutsche» Allgemeinen Zeitung" des Herrn Streseinann, der neuerdings ohne die Sozialdemokratie regie- ren zu können glaubt, schreibt der deutschnationale Reichstags- abgeordnete Dr. S t e i n i g e r u. a.: Gewiß ist die Sozialdcmotratie nicht die einzige Vertreterin der Arbeiterschaft. Große Massen der Arbeilerschnst stehen außerhalb der roten Parteien. Aber ebenso gewiß ist, daß trotz der Barmat- und Kutisler-Siandale unmittelbar nach ihnen sich zu den roten Fahnen.7— 10 Millionen Stimmen b e- rannten. Es steht also ein überaus gewaltiger Teil des deutsckien Volkes unter icn.'n Fahnen. Und nach den bisherigen Ersahrungen ist nicht damit zu rechnen, daß da? organisatorische Äesügc dieser Massen in nbsehbarer Zeit zerbrochen werden oder wesentlich A b- b r u ch erleiden wird Ohne die Acbeilermasse, die zum großen Teil in der Sozialdemokralie organisiert ist, ist aber ein Wiederausbau des Reiches und eine einheitliche tzallung gegenüber dem Auslande undenkbar. Wenn der verstorbene Reichspräsident Ebert in der Tat ausgesprochen hat, es dürfe nicht wieder dahin kommen, daß der Arbeite« im Staate seinen Feind sähe» so hat er eines der wahrsten Worte der deutschen Geschichte ausgesprochen. Und wenn der frühere Minister Seoering auzgesprockzcn hat, daß die sozialistischen Arbeiter in dem Bekenntnis zur schwarzrotgoldenen Flagge ein Bekenntnis zu dem durch diese Flagge repräsentierten Staate ablegten, so war es ein Wort von der größten Bedeutung. Auf der audmn Seit« ist nach den bisherigen Erfahrungen nicht damit zu rechnen, daß die Dcutschnationalen unter dem herrschenden Wahlrecht jeiiials eine absolute Stimmenmehrheit erhalten werden. Sie müssen also, wenn sie nicht in der Opposition verharren, sondern den ihnen gebührenden Einfluß gewinnen und dem Willen ihrer Wähler entsprechend sich zur Geltung bringen wällen, auf absehbare Zeit Kam p r o ni i s s e' schließen. Wenn es nicht anders gchl, auch mit der Sozigldcniokratie! Der Vorschlag, Deutschnationale und Sozialdemokratie zusammenzubringen, kommt natürlich für unsere Partei nicht in Betracht. Immerhin zeigen die mutigen Worte Dr. Steinigers— es gehört bei den Deutschnationalen viel. Mut dazu, unbequeme Tatsachen anszusprechen—, daß auch in ihren Reihen andere Urteile über die Regie- r u n g s f ä h i g k e i t der Sozialdemokratie zu finden sind, als die von den Anhängern des Rechtsblocks verfochienen Phrasen._ Zinanzsorgen der Gemeinden. �cr vorläufige Finanzausgleich.— Tie Gewerbesteuer. Die deutschen Städte leiden außerordentlich unter dem Ansteigen der W c y l f a h r t s l a st e n. die in immer größerem Maße auf sie übergehen, je niehr die Zahl der langfristig Erwerbs- losen anwächst, die nicht aus den Mitteln der staatlichen Erwerbs- losenfürforge unterstützt werden. Auch die geplante Neuregelung der Arbeitslosenhilfe durch die E r w e r b s l o s e n o c r s i ch e r u n g würde nach döm Regierungsentwurs keine Erleichterung, sondern eine Erschwerung bringen, da die Dauer der Unterstützungszeit In der Gcsctzesvorlnge auf 26 Wochen begrenzt ist, während ein graßer, wenn nicht der überwiegende Teil der jetzt Erwerbslosen länger ärbeitslos ist oder in den kommenden Monaten aus der Staatssürsorge ausscheidet. Die nicht von der staatlichen Fürsorge oder später von der Versicherung erfaßten Arbeitslosen sollen in erhöhtem Ilinsange den Genieindefinanzen dadurch zur Last, daß diese 2r> Proz. der Krisenfürsorge zu tragen haben. Räch den Erhebungen des Deutschen Ttädtctages müssen allein die preußischen Städte über 30 000 Einwohner damit rechnen, daß sie in diesem Jahre insgesamt ein Defizit von 120 M i l- l: o n e n Mark hoben. Der größte Teil davon geht zurück auf das Anwachsen der Aysgaben für Volkswohlsahrt. Man muß daniit rechnen, daß die Gemeindelosten infolge der steigenden Mieten durch eine Erhöhung der Entlohnung von Beamten, Arbeitern und'Ange- stellten künftig noch stärker in Anspruch genommen werden als bisher. An Ausgaben ist schon deshalb nichts einzusparen, weil die Aufgaben der Gemeinden durch Reichs-uktd Lairdesgcsetzs bestimmt werden und die Steuerschraube schon genügend angespannt ist.' Statt einer Notwendigen Erhöhung ihrer Einuohmcn droht aber den Städten ein Abbau ihrer Einkommensquellen. Die bisher gewährte Eondergarantie des Anteils der Länder und Gemeinden an der llmsatzsteue? soll beseitigt werden. Dieser Plan schneidet außer« ordentlich tief i» die Gestaltung der kommunalen Finanzverhältntsse ein: da nämlich bisher die Erträge der Umsatzsteuer in Preußen vorwiegend zum L a st o n a ü sg l e i ch innerhalb der verschiedenen in Anspruch genommenen Gemeinden verwendet wurden, werden gerade die st a r t belasteten Gemeinden, die im den Ertrag- nissen der Einkommensteuer weniger teilnehmen, durch die Reuregiu lung besonders in Mitleidenschaft gezogen. Aus diesem Grunde werden die G e i a h r c n der vorläufigen Neuregelung auch dadurch nicht herabgemindert, daß die bisherige G e s am t g a r a» t i e des Reiches für die Einnahmen der Länder und Gemeinden aus EinkcHnmcn- und Körperschaitsstcucr uin 300 Millionen Mark erhöht werden soll. Erfreulicherweise ist der Plan, die G e t r ä n t« st e u e r der Gemeinden zu beseitigen, zu- nächst wieder um ein Jahr hinausgeschoben worden. Man versuckit es immer wieder mit v o r l ä u s i g e n Lösungen zum endgültigen Finanzausgleich. Das Bedenkliche aber dabei ist, daß durch einige der jetzt vom Reich und den Ländern geplanten Maßnahmen ein Teil der endgültigen Lösung vorweggenommen wird, ohne daß man weiß, wie sich auf die Dauer die Finanzlage der Gemeinden gestalten wird. Das gilt für die geplante Beseitigung der llmsatzstcuergaraniis durch das Reich, dos gilt aber nach Ansicht des Stödtetagcs auch für die Neuregelung der Gewerbesteuer, die setzt durch Preußen in Angriff genommen wurde. Einuahmcaussälle der Ge- incinden entstehen durch die vorgeschlagene Herabsetzung der G e- w e r b e t a p i t a l st c u c r aus die Hälite. Starke Verminderungen des Steuerertrages sind davon zu erwarten, daß die Betriebe ihre Mi et- und Pachtzinsen als Gcwerbesteuerpilichtigc dem Ertrag nicht hinzuzurechnen brauchen. Der ganze Charakter der Gewerbesteuer wird durch diese Absichten wesentlich geändert. Während sie früher eine Realsteucr mar, die der Stadt einen Gegenwert für die durch den Gewerbebetrieb entstehenden Kosten der Gemeinde bieten sollte, wird sie jetzt der Leistungsfähigkeit des Stcucrpilichttgcn mehr und mehr angepaßt, wird also zu einer Personalsteuor umgewandeii, obwohl dazu nicht der geringste Anlaß vorliegt. Gab doch schon bisher der H ä r t e p a r a g r a p h die Möglichkeit, unwillkommene Benachteiligungen der Gewerbetreibenden nach Möglichkeit cinzu- schränken, während die beabsichtigte Neuregelung große Einnahmen von Gewerbebetrieben der Steuer entzieht. Wenn man jedgch die Einnahmen d?r Städte aus diesen Steuerquellen mindert, die ihnen auserlegten Zlusgaben beibehält und keinen Ausgleich für die wachsenden Kasten der Gemeindchausholte bietet, so wird auf die Dauer die Leistungsfähigkeit der Gemeinden bedroht. Im ganzen genommen ist das Desizit der Städte, das man bisher festgestellt hat, gemessen an den Ausgaben des Reiches und der Länder, nicht einmal überwältigend hoch. Im einzelnen Gemein deHaushalt läßt es sich jedoch inner den gegebenen. Umständen nicht mehr ausgleichen. Dann bleibr als letztes Mittel die Erhöhung der Gewerbesteuer, gegen deren lleberspanrnrng die Industrie— nach Ansicht der Städte mit Recht— Sturm läuft, oder gar die Wiedereinführung der G~» meindezuschläg« zur Rcichscinkommensieucr, die von d.-r Arbeiterschaft aus sozialen Gründen abzulehnen ist. Die Arbeiterschaft, die an der Leistungssähigteit der vollrcick)en Städte das größte Interesse hat, wird also den Warnungen führender Bertreter der Kommunen Ihre Aufmertsamkeit nicht versagen dürfen. Gegen die Mietpreiserhöhung. Gewerkschaften und Industrie. Der Reichsverband der deutschen Industrie und die Spitzengewertschaften werden am Mittwoch im Reichswirtschaftsrat die Frage eines Wohnungsbauprogramms er- örtern. Es ist anzunehmen, daß im Laufe der Verhandlungen auch auf die Forderung einer Mietpreiscrhöhung eingegangen wird. Roch den Darlegungen des Staatssekretärs Dr. Pöpitz in München scheint man im Reichsfinanzministerium sich für eine Mietpreiserhöhung entschlossen zu haben. Demgegenüber fehlt, es nicht an Stimmen, die die schädlichen Rückwirkungen einer Mick- Preissteigerung auch aus den Beschäftigungsgrad in der Jndust�e betonen, da die Erhöhung der Mieten die M a s s e n k a u s k r a ick für Fertigprodukte verringern muß. Der Industrie sind natürlich auch die sozialpolitischen Folgen einer Mietpreis- «rhöhung sehr wohl bewußt, so daß ein positives Ergebnis der Bcrhandlungen zu begrüßen wäre. Moderne Kunst und Kunstbetrachtung. Auf Ciiiladmig der Volksbühne begann Prof. Hermann S a n d k u h l im Hikrsaal des Kunstgewerbemuseums einen Vortrag über„Rt« d e r n e Kunst und K u n st b e t r a ch t u n g'j der am Sonnabend abend beendet werden soll. Pros. Sandkuhl wandte sich scharf gegen den Begriff„moderne Kunst".. Er zitierte das Wort Mar Liebermanns:„Es gibt gute Kunst und es gibt schlechte Kunst, aber es gibt keine moderne Kunst und keine uiimoderne Kunst." Die Kunst hat tausend Möglichkeiten sich auszudrücken, und jeder Künstler wird in jeder Zeit die ihm gemäße wähle». Oft sogar wird der.Künstler, von inneren Momenten dazu bestimmt, seine Ausdrucksiorm ändern. Das tat z. B. mancher, der in seinein Schassen längst anerkannt war, und sich .dann plötzlich der angefeindeten und von weiten Kreisen des Publi- ' kums abgelehnten abstrakten Kunst zuwandte. Wenn er auch hier sich schtiehlich Gebiet erobert«, so lag das os? nicht io sehr daran, daß er wirklich verstanden wurde, sondern daß er plötzlich für„Modern" galt, und damit einen Rainen repräsentierte, den man in seinen , verschiedenen Entwicklungsphascii in seiner Sammlung hoben wollte. Pros. Sandkuhl wandte sich gegen die Sinnlosigkeil solcher Kuisstausfassung. Das Bild, nicht der Name des Künstlers, soll dem Beschauer etwas bedeuten. Vor einem Bilde soll man stehen bleiben, wenn es einem etwas sagt. Ist das aber der Fall, so ist es völlig gleichgültig, van wcni das Bild ist und was für ein Bild«s ist. Wer sich von irgendeinem Kirschbild mehr angezogen fühlt als von einem wirklichen Kunstwerk, der soll sich nihig dies Äitschbild b«> nachten und in seine Wohnung hängen. Denn solange man nicht sühlt. ob ein Bild gut und echt ist, solange bedeutet das Wissen darum in der Stellmrg zum.Kunstwerk nichts. Kitsch kann nur dadurch verschwinden, daß die Beziehungen zwischen Künstler und Publikum sich sestigen. Prof. Sandkuhl versuchte an einigen der sehr zahlreichen Ori- ginalkiinstblättern, mit denen er den Bortrag ergänzte, den Begriff des bestempfunvenen Kunstwerks zu Zeigen. Die historisch« Kunst- cntwicklung, erklärte Pros. Sandkuhl, ist kein Aufstieg und kein Ab- stieg, er gebrauchte dafür«in anderes sehr schönes und sehr treffendes Bild. Er schilderte hohe, verschieden gestaltete Gipfel, die ein- sam ays einem Rebelmecr Heraueragen. Zerreißt aber der Nebel an einer Stelle, so erkeimt man. daß sich uizter Ihm noch viele kleinere, schön gesonnte Höhen erheben, und vah alle zusammen in Ihrem Sninde verwachsen sind. Wer so die Kunst betrachtet, kann der Vergangenheit wie der Gegenwart gerecht werden, und doch sür sich das wählen, was ihm etwas zu sagen hat. Tes. Eine Kommission für die Rationalgalerie? Di« Frage, ob ein« neue Sachverständigenkommission dem Direktor der Notionalgalerie an die Seite gestellt und wie diese zusammengesetzt werden soll, beschäftigt zurzeit wieder die beteiligten Kreise. Seit Jahren hat Gehcimrat Ludwig Iustt seine Ankäufe lediglich in) Ein- vernehmen mit dem vorgesetzte» Kultusministerium vornehmen dürfen, nachdem es ihni im Jahre lOll gelungen war, den Einfluß der„berühmten" Landestunstkommlsston auf die Galerle zu be- seitigen. Das Kultusminister«»!» hat nun vor kurzem«inen Sach- verständigenousschutz befragt, um festzustellen, cb überhaupt wieder eine Kunsttommission wünschenswert sei. Wie man hört, war eine kleine Mehrheit der Anwesenden, die Kunstgelchrten Geheimrat Mar I. Friedländrr, der den Vorsitz führte, Geheimrat Adolf Gold- schinidt, Professor an der Universität, senier die Künstler Prof. Ulrich Hühner und Pros. Wilhelm Gerstel, die die Akademie der Künste vertraten, sür die Einsetzung einer neuen Kommission. Aber es sprachen sich außer de» genannten Bertretern der Akademie all« Anwesenden grundsätzlich dagegen aus, der Akademie der Künste einen Einfluß aus ine Zusammensetzung der Kommission einzu- räumen. In diesem Sinne hat ja auch bei den wiederholten Debatten der letzten Jahre die Oessentlichkcrt immer wieder betont, daß ein Hineinreden der in der Akademie vertretenen Künstlerschaft in die Galcrieleitung und ihr« Ankäufe die Entwicklußg dieser besten Sainmlung iieiiercr Kunst nicht fördern kann— die Ersahrungen, die Hugo von Tschudi und Anton von Werner habe» machen lassen, sind noch unvergessen. Ein Vorschlagsrecht der Akademie der Künste für die Galeriekommission, wie es von der Akademie gewünscht und vom Ministerium ofsenlmr nicht bekämpft wird, würde notwendig zu einer ständigen Einflußnahme der Künstlerschast aus ihre Ver- iretung im Museum führen. Da ist es gewiß besser, man läßt die Beraiitworinttg bei denjenigen, die sie bisher getragen haben, eben bei der Leitung der Galerie selbst. Im anderen Falle dürste es ständig Reibungen und Koniliktc geben, aus denen die Künstlerschaft kaum Vorteil, die Nationalgalerie aber nur Nachteile haben würde. Der leßke Schritt zum reinen Tanzstil. Im Blüthncrsaal gab Vera Skoronel mit der Tanzgruppe der Berthe Trümpy einen sehr interessanten Abend. Zwei Gipfelpuntte: Die Soli der Skoronel, die sich als eine Tänzerin erster Äröß� erwies. Im schmissigen, wuchtigen„Schwertlied" und vor allem in der hüpfenden, ichwebenden, wirbelnden Rhythmik der pracht- vollen„Criolla". Ihre Fehler sind noch: Zu starkes Mitsprechen des Intellekts(an Stelle des reinen Gefühls) und daher, in der Ekstase, zuweilen etwas Gezwungenes. Krampfhaftes, nicht aus tnnersten Tiefen Flutendes. Mängel, die der Tanz„In den Raum geschleuderl" besonders fühlbar machte. Den zwcilcn Höhepunkt bildeten die Gruppentänze im streng abstrakten Stil, von der Skoronel komponiert, von der glänzend geschulten Grupve der Trümpy tadellos ausgeführt.„Variationen über ein mascyinelles Thema', ein musterhast funktionierendes Orchester, in dem jede Tänzerin ihr eigenes Instrument spielt und das Ganz« harmonisch zusammengeht, durch die unsichtbaren Fäden des beherrschenden rhythmischen Grundmotivs geleitet und gebunden. Besonders schön im„Mysterium der Form" mit seinem leuchtenden Aufblühen und sanft verklingenden Zusammenfalten der Gruppengestaltung, und im „Quadrat", dem ergreifendsten Tanzdrama, das. jede» pantomimische und ornamentale Beiwerk verschmähend, in bewegten abstrakten Farbformen«ine erschütternde Tragödie gestaltet. Hier ist dar letzte Schritt zur Vollendung des reinen tänzerischen Stils getan, nach dein die. Entwicklung unserer Zeit streb«. Dem..Tanzspiel", das den zweiten Teil des Programms bildel«, mangelt noch immer die letzte vollendeiidc Ballung und Gliederung. Die einzelnen Sätze bringen in den Motiven Wiederholungen, die monoton wirken, da sie zu wenig variiert und fast gar nicht gegipselt sind. Im Solo und Zwettanz zeichneten sich neben der Skoronel Lisa E za b e l, Elisabeth Schäsfer und Anton Flüeler au». I. S, Rilke-AIastnec. Man weiß nicht recht: Ist es Rilkes Tod, der uns jetzt eine so groß« Zahl von Rilke.F«ic"R beschert,— oder ist es die jähe Erkenntnis seiner Lebendigkeit? Bedeutet diese Häufung von Veranstaltungen zu seinen Ehren den ein wenig schuldbewußten und eiligen Abschied von dem Dichter oder eine stürmische Be- grüßung? Wir müssen es abwarten. Die Veranstaltungen selber beantworten uns in ihrer iingleichwertigkeit diese Frage nicht. Wenn kürzlich Mary Schneider Braillard Rilke las, so war' das nicht 2lb- schied und nicht Willkomin. Es war sesterworbcner glückvollcr Be- sitz, von dem sie uns mitteilt«. So reich beschenkt entließ uns dos Renaissance-Theater trotz einer stil- und stimmungsvoll aufgemachten Feier nicht. Mit Liebe hatte man sich auch dort des Dichters angenonnnen. Aber es war ein wenig von jener Liebe, von der der Dichter im„Motte Laurids Brigge" spricht: die Liebe des Vorbei-Verstehens. Geistreich und warmherzig gab Dr. Robert M u s i l einen Querschnitt durch die ganze deutsche Literatur seit Goethe, um Rilkes Stellung zu ihr und ihn zu zeichnen. Aber seine Rede war unriltisch, von scharfen Witzen, voll Zeittmik, häufig damit vom Thema weit fortschreitend. Etwa eine Stunde währten seine Ausführungen. Der dann folgend« Vortrag aus den Werken des Dichters dauerte nur reichlich halb so lange. Roma Bahn ist dem Münsterplatzt die Verseilung des vom preußischen Staate gcftifititn Beelboven. Preise« crsolgcn. Bei den Konzerldarbietungcn werden die hervorragendsten Mustker und«änger de« Reiches mitwirken. , Ein Dellalozzt'Denkmal will die S:adt Wien anläßlich des 100. Todes- tageS deS borühmlcn Pädagogen errichten, storner tit in Wien die S>- bauiing einer Seelhoven. GcdSchinlS-Tonballe für 10000 Zuhörer und 4000 Mitwirkende und eincS großen Musik und SängerhetmS sür Sc- dürstig« geplant. Für die Tonhall« hat dl« öfterreichliche Regierung berell« «inen geeigneten Baugrund von über S« 000 gm Umfang per Persügung Sie abgeleugneten Sowjetgranaten. Aber es gibt Dokumente! Die krampfhaften Ableugnungsversuche der Kommunisten gegenüber den unbezweifelbaren Beweisen über die Gift- gasfabrikation in Sowjetrußland für die deutsche Reichswehr äußern sich neuerdings in wistten Beschimpfungen aller, die an der Aufdeckung des Skandals beteiligt find. Nachdem Genosse Künstler durch Veröffentlichung seiner Unteredung mit zwei Arbeitern der russischen Bersol- Fabrik wesentlich zur Vervollständigung des Bildes bei- getragen hat, richtet sich der Moskauer Zorn auch gegen ihn. Hie kommunistischen Blätter möchten aus der einen Seite die Veröffentlichung als ein Werk des englischen Imperialismus hinstellen, während sie auf der anderen Seite olles als er- logen erklären. Den deutschen Kommunisten und ihren sowjetrussischen Antreibern wird nun hoffentlich die nachstehend in photo- graphischer Treue wiedergegebene Passierschein der Bersol-Fabrik einiges zu denken geben: 3 i B 0 fl„BEPCOr nponyck D :Z-•ff- EhiaaH cjiyixauisMf sasoaa an,. eMCBHOHUx nocememift -racmö" BO ECXKOe BpCMa BN« H HO-JH. HponyCK aeBcTSHTenew_ wec. HP ABU TIA: 1) Bhbpt npen'asnatrcji b npoxoBnofl. ß raxw« no Tpefiosaaiiio sasonCKOß oxbaxu Ii) nPEfl'HBMTE/Ib HE tfATEW HPABA: I) sxona a oTnecu h roMeursH««, nsy«a?a»ndii, b HaeronmcM nponysue 2) cenaTb kbkhb-bhSo nafipoOKH, c'cmkh c annaparypu h ppoiee, nponatoaHTii ch-.rorpachnpvsanxs, etnn sro«» CBsaans' c ncnonHesneM npaMUX c/ryweCntix o6a aHHoerefl. OTnt;.a JJuprKm�p / r>* /i ynpaedeAaMU 192�r. In deutscher Ilebersetzung lautet dieser Passierschein: Chemische Fabrik„Bersol". Ständiger Passierschein Kr..... gegeben an den Angestellten der Fabrik........ für tägliche Besuche des Territoriums der Fabrik zu jeder Tages- und Nachtzeit. Der Passierschein ist in Kraft bis zum St. Januar H)26. Vorschriften: I. Der Passierschein wird am Eingang so- wie auch aus Forderung der Fabrikwache vorgezeigt. II. Der Inhaber hat nicht das Recht: 1. Abteilungen und Räume zu betreten, die in dem vorliegenden Passierschein nicht genannt sind. 2. Irgendwelche Skizzen, Aufnahmen von der Apparatur usw. vorzunehmen und photographische Ausnahmen zu machen, wenn das nicht mit der Ausübung seiner direkten dienst- lichen Pflichten verbunden ist. Direktor: gez. Ilschatow. Zlbteilungsleiter: Unterschrift unleserlich. IS. Januar 1926. Damit auch dieses Dokument nicht einfach abgeleugpct werden kann, wollen wir seiner Veröffentlichung vorbeugend hinzufügen, daß sowohl die Nummer des Scheins wie der Name des Inhabers von uns aus der Wiedergabe entfernt sind. Der Originalschein, einer der wenigen, die aus Rußland mit fortgebracht werden konnten, ist in sicheren Händen und wird zu gegebener Zeit dem Gericht vorgelegt werden, wenn die Ableugnungsversuche nicht endgültig aus- gegeben werden sollten. Änschulöig verurteilt! Tos Wahlprüfungsgericht rehabilitiert den Lehrer Siebcns. Das Wahlprüfu ngsgerichj beim Reichstag � hat am Montaa die Wahl für Weser-Ems sür gültig erklärt. Dabei wurde auch der Fall des demokratischen Lehrers S i e b e n s in Tannenhausen im Kreise Aurich behandelt. Eicbens ist im Herbst 1S2Z vom Landgericht Aurich zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er angeblich während der Auszählung der Stimmzettel als Wahlvorsteher einen nicht angekreuzten Stimmzettel angekreuzt und der D e u t s ch- 5? a n n o v e r s ch e n Partei(!) zugezählt hoben soll, was als Wahlfälschung hingestellt worden ist. In Wirklichkeit spielte sich der Fall so ab: Nach Feststellung und Verkündung des Wahlresultats und nach telephonischer lieber- mittlvng des Resultats an den Londrat durch Siebens faß dieser noch im Wahllokal— einem Nebenzimmer einer Wirtschaft— mit tcn Beisitzern Im Wahloorstand und anderen Wählern gemütlich beisvmmcn. Als ein Wähler Fritz Götz, der als Parteigänger der Deutsch-Hannoverschen Partei bekannt war, ins Zimmer trat, nahm Siebens einen aui dem Tische liegenden unbenutzten Stimm- Zettel, auf dessen Rückseite vorher van einem der Anwesenden das Wahlresultat zusammengerechnet worden war, in die Hand und sagte in scherzendem Tone:„Den Zettel wollen wir Fritz geben, der hat ja sür seine Partei so wenig Stimmen bekommen." Darüber wurde allseitig herzlich gelacht, auch der Gehänselte lachte mit. Niemand hat dem belanglosen Vorfall Bedeutung beigelegt. Davon, daß der Stimmzettel wirklich von den listenführenden Bei- sitzern in die Liste ausgenommen und mitgezählt worden sei, konnte nach Zeit und Art des Borfalls überhaupt keine Rede sein. Als aber durch eine schriftliche Denunziation gegen Siebens Beschuldigungen wegen angeblicher Unkorrektheiten bei der Reichspräsidentenwahl erhoben und daraufhin ein Strafversohren eingeleitet worden war, wurde auch der scherzhaste Vorfall vpm 7. Dezember mit herangezogen, als Wahlfälschung bezeichnet und Siebcns dafür zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Wahlprüfungsgericht hat jetzt den Vorfall durch«ingehende eidliche Vernehmung sämtlicher Beteiligten ausgetlärk und in folgender Formulierung das Ergebnis festgelegt: Die selbständige Beweisausnahme vor dem Wahlprüsungsge- Ncht hat keinen Anhalt dafür ergeben, daß der behauptete Vorgang, wonach der Wahlvorsteher Siebens einen Stimmzettel gekennzeichnet und geäußert haben soll, dieser Stimmzettel solle der Partei des Wählers Fritz Götz zugute kommen, vor Abschluß der Feststellung des Wahlergebnisses'ftattgesundeii hat. Es hat sich auch kein Beweis dafür ergeben, daß das Wahlergebnis durch eins unzulässige Maßnohme des Wahlvorstehers auch nur bezüglich einer Stimme beeinträchtigt worden ist. Der Lehrer Siebens ist inzwischen begnadigt worden. Die Feststellung des Wahlprllfungsgerichts dürfte ein Gnmd zur Wiederaufnahme des Verfahrens sein. Der Etat ües flrbeitsminifters. Der Ausschuß sür Schaffung von Sozialattachäs. Den/Bericht über den Etat des Reichsarbeitsministeriums er- stattete in der Montagssitzung des Zlusschusies sür den Reichshaus- lall dch- Berichterstatter Genosse hoch. Er hob hervor, daß der G« sä m t z u s ch u ß beim ordentlichen und außerordentlichen Haus- halt 717,8 Millionen betrage und mit dieser Summe um rund 40fJ Millionen Mari gegen den Gesomtzuschuß von 1926(l Mil- l�Vde 119 Millianenz zurückbleibe. Genassc Hoch wies dann auf iric dem Ausschuß zugegangene Zusammenstellung der in Barbe- reitung befindlichen Gesetze des Peichsarbeitsministeriums hin. die nicht weniger als 29 große und kleinere Gesetze umfasse, und betonte, daß der Beamtenttod des Ministeriums für dieses un- neheure Arbeitspensum ein außerordentlich knapper sei. Er wolle ffedoch als Berichterstatter keine neue Veamtenstellen beantragen. Mitbcrichi erstatter?lbg. Crslng(Z.) regte in seinen Aussuhrun- gen unter anderem wiederum die Schaffung von Sozial- a t t a ch ä s an, die in großen Industrieländern den deutschen Ge> sandtschasten zugeteilt werden sollte». � Es wäre eine dankenswerte und für Deutschland sehr nützliche Ausgabe, die Sozialgesetzgebung der großen Industrieländer zu verfolgen. Von besonderer Bedeutung sei die Kontrolle darüber, ob und wie weil in den übrigen großen 2 ndustriclonder» die internationalen Ue hereinkommen in der sozialen Gesetzgebung und in der praktischen Anwendung zur Auswirkung kommen. Durch die Tätigkeit Kcs Arbeitsministsriums seien Deutschland schon oft große Arbeitskompsc erspart geblieben. Das Geld, das das Ministerium koste, trage daher gute Zinsen. Und dos Zentrum werde all denen auf das schärfste entgegentreten, die den Abbau dieses Ministeriums betreiben. Minister Dr. Brauns dankte den beiden Referenten für ihre wohlwollende Gesinnung und bemerkte, daß Soztalattachäs bei fremden Regierungen dringend notwendig seien. In fünf bis sechs Ländern müßten Dauerposten eingerichtet werden, dazu käme» dann noch einig« Stellen sür Herren,- die von Fall zu Fall hier und dorthin geschickt werden könnten. Die Auswahl der betrefsendeu Kräfte mühte im Benehmen mit dem Auswärtigen Amt durch das Rcichsarbcitsministcrium erfolgen. Zu den neuen Stellen, die sich aus der Beteiligung des Deutschen Reichs am Internationalen Arbeitsamt in Genf er- geben, stellten die beiden Berichterstatter Hoch und Ersing die Entschließung, die Regierung zu ersuchen, daraus zu achten, daß tünstig Beamte, vom Reich oder von den Ländern zum Internationalen Arbeitsamt beurlaubt sind, nur dann in Leerstellen eingewiesen werden, wenn der Eintritt in das Internationale Arbeitsamt mit Zustimmung des Reichsarbeitsministeriums erfolgt ist. Bemerkenswert war, daß im Verlaus der Debatte der deutsch- nationale Handlungsgehilsenvertrcter Lambach auch seinerseits dem Minister Aiierkeninmq und Dank sür die Arbeiten seines Mini- steriums aussprach. Bezugnehmend aus die Refolntlon der Bericht- «rstatter wandte er sich dagegen,„daß in Gens nur Söhne der Aristokratie angestellt werden." Beim Ctatskopitel„Sozialversicherung" wiesen die Genossen hoch und Frau Schröder darauf hin, daß die Renten der Invalidenversicherung viel zu gering seien. Eine wesentliche Erhöhung der Leistung«» sei unvermeidbar. Bei der Beratung des betreffenden Gesetzes werde die Sozialdemokratie entsprechende Anträge stellen. Als Niederschlag chrer heutigen Aus- führungcn brachten die Genossen Hoch und Frau Schröder folgende Resolution ein; die Regierung zu ersuchen, dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen, der in Abänderung der Reichs- ncrsicherungsordnung die Witwenrente auf Grund der Invalidenversicherung analog der Angestelltenversicherung allen Witwen zugesteht und die Bezüge der Invalidenversicherung erhöht. Hierzu erklärten die Regierungsvertreter, daß im Jahre 1927 voraussichtlich Rcichszuschüsse zu zahlen sein werden für 1 906 OVO Invalidenrenten mit je 72 M.. 346 666 Witwen- und Witwerrenten mit je 72 M. und 1 676 666 Waisenrenten mit je 36 M. Die G e s a m t b e l a st u n g hieraus werde rund 260 Millionen Mark ergeben, die hier aufgebracht seien. Für Zwecke der Invalidenversicherung seien serner Im Haushalt der allgemeinen Finanzoerwaltung weitere 46 Millionen Mark angefordert. Der Landtag tritt Dienstag, nachmittags 1 Uhr. zu seiner erste» Vollsitzung im neuen Jahre zusammen. Auf der Tagesordnung stehe»«ur kleine Vorlagen. v I Der wiüersinn der Sesatzung. Grzcfinski über seine Rhcinlandreife. Der Preußische Minister des Innern, Grzesinski, ist am Sonntag von seiner achttägigen Rheinland reise nach Berlin zurückgekehrt. Ein Vertreter des„Soz. Pressedienst" nahm Gelegenheit, den Minister über die Eindrücke seiner Reise zu be- fragen. � Grzesinski betonte, daß er selbstverständlich noch nicht in der Lage sei, abschließend über all das, was er tm Rheinland gesehen und erfahren hat, zu urteilen. Dach könne er zunächst als den stärkste» Eindruck feststelln, daß es im Rheinland bei der Bevölkerung einen Streit oder Meinungsverschiedenheit über die republikanischen Staatsform en nicht gebe. Aus allen Schichten der Bevölkerung sei Ihm immer wieder oer- sichert worden,»daß die rheinische Bevölkerung fest und uner- schüllerlich zur deutschen demorratischea Bepublik stände und jeder Versuch, einer Ablösung oder gewaltsamen Versastaug»- änderung die einhellige Ablehnung der gesamten rheinischen Bevölkerung sinden würde. Diese bewußte Einstellung zum Staate, die in Zeiten der Rot und Ichwerster Gefahren in dem unerschütterlichen Festhalten an der deutschen, der preußischen Republik zum Ausdruck kam, legt aber auch dein Staat die Verpflichtung auf, gerade die Landesteile, die durch die Besetzung in den vergangenen Jahren und zum Teil auch heute nach schwere wirtschaftliche Schädigungen erleiden» nach Maßgabe des Möglichen zu unterstützen. „Die besetzten Gebiete haben sür das ganze Deutschland manchmal f a st unerträgliche'Lasten aus sich genommen. Lasten materieller und seelischer Art, von denen wir im unbesetzten Gebiet uns häusig keinen richtigen Begriff inacheu. Gerade mir, dein Sozialdemokraten, der stets ein Betäinofer der Gewaltpolitik war. der stets für eine Politik der friedlichen Verständigung und de« Aus- gleichs eingetreten ist, war es ein gar nicht zu beschneidendes Gefühl, als Ich im deutschen Land, in deutschen Städten plötzlich Formationen fremden Militärs sah.' Dazu kämmt die unendliche wirtschaftliche Schädigung, die diese Gebiete durch die Besetzung erleiden. Immer wieder klang mir aus de» Ausführungen der' Redner der verschiedenen Bevölkerungs- und Berussschichten die erschütternde Not des besetzten Gebietes heraus. Mir scheint es deBhalb die vornehmste Ausgabe aller Politik zu sein, daß sie sich tonzentriert aus das Ziel, bald diesen wahrlich mit Locarno und Thoiry. mit dem Völkerbund nicht in Einklang zu bringenden Zuständen sobald wie möglich ein Ende zu bereiten. Von den Vertretern der arbeit nehmenden Bcvölke- r u n g des rheinischen Gebietes find mir zum Teil erschütternde Klagen vorgebracht worden über die Arbeitslosigkeit, die zum guten Teil im Zusammenhang steht mit der veränderten Grenz- nihrung durch Versailles. Auch hier muh, wenn irgend möglich, sich Wirtsityiit und Staat einigen, um zu Helsen und zu ändern Ich denke vor ollem daran, daß es der vereinigten Initiative von Wirt- schast und Staateoerwallung gelinge» muß, neue Arbeits- ni ö g l i ch k e i t e n zu sinden, neue Produttionsgediete aufzuschließen, um so der arbeitssreudigen und arbeitswilligen Be- völkerung die Möglichkeit einer ausreichenden Existenz zu gewähren. Ich habe in meinen verschiedenen Ansprachen an die Beamten der Bezirksbehörden und an die Vertreter der Bevolkerunf, keinen Zweifel darüber gelassen, daß nach meiner Aussossung die 22 e r- Wallung die Pili cht hat. überall die Wirtschaft Und das Wohl der Bevölkerung zw fordern und nicht durch biireautratischc Maß- nahmen zu hemmen. Der Beamte de» Voltsstaates muß in enger dauernder Berührung mll der Bevölkerung leben, um ihre Bedürf- nisse zu erkennen, ihre Lage zu verstehen, damit schnell und richtig van der Verwaltung cingegrissen werden kann und nicht«in Regieren vom grünen a.isch aus geschieht. Ich brauche wohl nicht zu betonen, daß Voraussetzung dafür für mich ist, daß die Beomkenschost unbesäwdet ihrer in der ver- sassung garantierte» Ucberzeugungsfreiheit voll und ganz ein. treten und tätig sein muß im Sinne de» heutig�, Staates, der demokratischen Republik. Gerpde das— so schloß der Minister seine Darlegungen—, was ich im Rheinland gesehen und erlebt habe, hat mir die Ueberzeugung verliehen, daß diese Zusammenarbeit zwischen den Ver- waltungsbehördcn des Staates und der Bevölkerung sehr wolst und leicht möglich»nd in weitem llnnangc dort schon verwirklicht ist. Es wird mein und meiner Behörde ernstes Bestreben sein, die- Rat des in'seinen. Kern so deutschen Rheinlandcs, die seelischen und materiellen Lasten der überwiegend demokratischen und republika- Nischen Bevölkerung nach Möglichkeit zu mildern. Sarmat-Prozeß. Das Abkommen vom 10. April 1924.— Widersprüche. Im weiteren Verlauf der gestrigen Vcrhaudlimgeu wandt« man sich d«m Abkommen zu, das am 4. April 1924 zwischen Julius Barmat und Dr. Hellwig für die Ämerimo ge- tötigt worden war»nd nach dem der K r e d i t an f 5, 1 M i l l i o- n e n Mark festgesetzt wurde. Davon waren etwa 2,5 Millionen ohne Entwertungsklausel im Gegensatz zn dem anderen Geld mit täglicher Kündigung zu einem billigeren Zinssatz gewährt morden, uns ferner wnrde a»l Grund der deponierten Küstentranspartaktien «in weiterer Kredit bis zu einer Million eingeräumt. Bei der Erörterung dieses Abkommens ergab sich ein wesentlicher Widerspruch zwischen den Aussagen Dr. Hellwigs und Julius Barmat». Julius Barmat erklärte nämlich, daß eine solche Ver- pslichtung gar nicht vereinbart gewesen sei, und daß man auch sofort gegen den Passus In dem Bestätigungsschreiben der Staatsbank protestiert habe. Dr. Hellwig erklärte dagegen, daß wohl bei den Berhand- lungen davon die Rede gewesen sei, daß da» Geld zur LebeusmiUel- finanzierung gelte» sollte. Er habe wohl die F a s s u n g in den, Brief etwa» zu scharf formuliert. In dem Bestätigungsschreiben der Amexima hatte man sich aber, wie sestgestellt wurde, mit den mitgeteilten Bedingunaen«inver- standen erklärt, ahne daß der nichteingeweihte Leser, wie der Bor- sitzende sagte, hätte erkennen können, welche Abmachungen nun eigentlich gelten sollten. I u l i u s Ba r m a t erklärtehcoch, daß er uuter keinen Umständen eine Verpsltchtunq über die Verwendung des Geldes übernehmen wollte, sondern lieber aus den Kredit der Staatsbank verzichtet hätte, während Dr. Hellwig aussagte, daß«r die Aerwendung der Lebensmittelgeichäste als Voraussetzung sür die Abmachung an- gesehen habe. Oberstaatsanwalt Traut mann:„Herr Klensk«, wsiche LebensmiUclgeschäste hat die Amexima damals überhaupt gemocht?" K l e n s k e:„Die Amexima hat gar keine gemacht. Di« Lebensmittelgeschäfte gingen von der Firma Gebrüder Barmat. Amsterdam aus."— Vors.:„Herr Hellwig, der Widerspruch wird doch noch eklatanter, wenn die Amtsima gar keine Lebeiisinttkel- geschäste gemacht hat. Wußten Sie denn nicht, welche Geschäfte van der Amexima getätigt wurden?"-- Dr. Hellwig:„In der Staatsbank war nur bekannt, daß die Amexima auch Lebensmittel- geschäste machie."— R. A. Schwcrsebs:„Das Seid war ober geschäste machte." Zur Klärung der strlitigei, Fragen soll Im Saus« der weiteren Verhandlung Dr. Rühe und Dr. Bernstein gehört «erden. Schieüsspruch für Metalltransportarbelter. Tarifvcrlävgerung— ohne Lohnzulagc. Montag nachmittag wurde vor dem Echlichtungsausschuß über »en Neuabschluß des Lohnabkonunens für die Transportarbeiter der Berliner Metallindustrie verhandelt. 11 l r i ch voin Metollarbeitcrverband begründete eingehend die £ f> r d e r u m'g des MotallkarMs aiif eine Erhöhung der Stundenlöhne der Transportarbeiter und-arbeiterinnen um lO P f c n n ige. Er wies nach, daß die Berliner Metollindustrie licht nur infolge der technischen Umstellung und der. dadurch er »cblich gestiegenen Gewinne in der Lage sei, die gesorderte Lohn irhöbung zu trogen, die Erhöhung der unzulänglichen Löhne sei »ielwehr geradezu eine Notwendigkeit isn Interesse der K c t o l l i n d u st r i e selbst... Rechtsanwalt O p p en h c i m e r, der die Stell u n g n a h m e »er U n t c r n c h m c r begründete, zog zunächst die Ernsthaftigkeit »er gestellten Fnrderimg in Zweifel, die auf eure Lohnerhöhung von lb.61 Broz. hinauslause. Er operierte wieder mit der bekannten Ilrgumentotion, die Krise hätte nicht so lange angeholten und' sich io verschärft, wenn man dem Verlangen der Unternehmer »uf Lohnabbau im Vorjahre gefolgt wäre. Er betonte weiter. »aß die Metollindustriellen zwar e i n c L a h n e r h ö h u n g nicht >ü r u n t r a g b a r halten, jedoch, b e s ü r ch t c t e n. daß die leichte Besserung in der B c s ch ä s t i g u n g s l a g c dadurch e i n c» tarken Rückschlag erleiden würde. Es seien wohl Anzeichen einer weiteren Besserung nori »onden, die ober eine Lohnerhöhung im Augenblick «icht rechtfertigen. Im übrigen sei die Ablehnung der Forderung der Metoll'ndustriellcn im März vorigen. Jahres auf *bbau der I ro nsp o rtarbsiterlöhnc durch den Schlich' inigsausjchuß einer vorweggenommenen Lnhner- sähung gleichzusehen. Zwar sei die Berliner Metollindustrie licht mehr- so krank-wie im Anfang des Vorjahres, sie sei ober mmer noch mit einem Rekonogleszeicken zu vergleichen, der der frholung bedürfe. Die Berliner Metallindustriellen hätten die übsicht, noch beendeter technischer Umstellung und dem Eintritt tberfichtlicher wirtschaftlicher Verhältnisse, nicht nur die Preise. Ihrer Srodukle;u senken, sondern auch die Löhne zu erhöhen,(f) Sie »rauchten jetzt jedoch eine Atempause und würden aus »iesem Grunde jeden Schiedsspruch ablehnen, der eine Lohnerhöhung »usspricht und den sie als eine» schweren wirtschaftlichen Dehler »ctrachte» würden. Nachdem noch der Vorsitzende des VBMI., Herr v. B o r s i g. »essen ablehnende Haltung unterstrichen hatte und im weiteren Vex- vuj der mehrstündigen Verhandlungen keine Einigung erzielt oerden konnte, sölstc der Schlichtunqsausschuß noch längerer Be- utung einen S ch i e ds s p r u ch, der das bisherige Lohn- > b t o m m c» bis z u m 31. Mär z verlängert, zu welchem scrmiu es mit nierzehntägiger Frist gekündigt werden tonn. Den Netallindustricllen empfiehlt der Schiedsspruch, die bis zur letzten iohnerhöhung iw Oktober Il»23 gezahlten Leistungszulagen wieder ju zahlen. Die Erklärungsfrist wurde auf acht Tage festgesetzt. lkia fünfzigjähriger. Der Sekretär der Sozialpolitischen Abteilimg des ADGB., Ge- löste Franz Spliedi, wurde in Hamburg am lb. Januar Ib77 geboren und erlernie drnt dos Tapezicrerhandwerk. Er be- iiiigte stch bald, in hervorragender Weise in seiner Gewerkschait, o daß er zu deren Nürnberger Verbandstage im Jahr« 190»»„ut «er Aertreiung seiner Hamburger Kollegen betraut wurde. Nach liiiem längeren Aufenthalt in London wurde Splicdt zunächst als Hilfsarbeiter im Bureau der Berbandsleitung in Hamburg beichai- lgt und auf dem Verbondstage in Franksuri. a. M. im Juli 1 900 pirn Hauptkasiiercr des Verbandes gemäßst- Drei Jahre später segle der Aerbandsoorfitzende Vesper sein Amt nieder, an dessen £telle Franz Spliedt zum Verbondsvorsitzenden gewählt vurde. Als dann der Typeziererverband sich 1920 mit dem Sottler- »erband verschmolz.>iwurde Splied» dessen 2. Borsigender. Seit dem l. Juli lOZl wirkt Spliedt üi der Sozialpolitisckzen Abteilung des ADGB, und zwar mit gutem Erfolg, Insbesondere »er Kamps gegen die Crwarbslosigkoit, die B e s ch ä s t i g in, g'u n d Enterst iigung der Erwerbslosen, die Bekämpfung des lleberstubdenunwesens und damit der Kampf für den Achtstunden- Vg»st gegenwärtig sein Spezialgebiet. Wir wünschen unsere»« Genossen Spliedt, daß er nach recht lang« seinen Platz im ADGB. ausfüllen kann. �ind seinciRhin- irmüdliche»..rejörmistijchen" Wirksamkeit im Intercg'c der acwerk- istlich organisierten Arbeiterschajt die besten Ers»tgc be-- hieden sein mögen. Ver Internationale Gewerkl'chafis?ongreß. Seine Tagesordnung. Die Tagesordnung des Pariser Gewerkschastskongresses lautet nach den Beschlüssen der Ausschußsitzung des IGB- folgendermaßen: 1. Eröffnungsredc des Präsidenten, 2. Wahl der Mandatsprüsungs- kommission und anderer Kommissionen. 3. Geschäftsbericht des. Bor- stondes, Kastenbericht und Bericht der Revisoren, Berichterstatter Iah..Sasse nboch, 4. der organisierte Ausbau des IGB., Berichterstatter I. O u d« g e e st; 3. Angestellte, Beamte und freie Berufe in der Gewerkschaftsbewegung, Berichterstatter I. O u d c- gccst und G. I. Ä. Smith jr.; 6. Internationale Hilfe bei Lohn- kämpse», Berichterstatter I o h. S a s s c n b a ch: 7. Satzungs- äNderung, Berichterstatter I. W Brown; tz. Erledigung der ein- gebrachten Anträge,!). I» t e rn a t i on a l e r Kamps um den Achtstundentag. Berichterstatter Th. Leiport; 10. Die wirt- schaftliche Weltlage, Berichterstatter E. Mertens, 11. Abrüstungs frage und Kampf gegen Krieg und Militarismus. Berichterstatter L. I o u h a u x; 12. Wahlen. Aussperrung in üer rheinistben Textilinüustrie. verbunden mit der Slagedrohung auf Schadenersah. Barmen, l7. Januar. iWTB.i In dem Konflikt der rechts- rheinischen Textilindustrie hat_ der Arbeitgebcrver- b a n d an die Gewerkschaften ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, daß die in vier Betriebe»�erfolgte Kündi g u n'g der Arbeiterschaft„eine A a m p s in a ß n a h m e" darstelle. die sich, mit dem noch nicht beendeten Schlicht ungsver- fahren nicht vereinbare« loste. Der Arbeitgebernerband erklärt gleichzeitig, daß di«�?lrb«itn«hm«rorganisation«n für h«n«ntstondenen Schade>> verantwortlich gemocht werden würden und außerdem, daß den Mitgliedern des Arbeitgebcrverbande? die-Aussperrung der Arbeitnehmer i n sämtlichen Betrieben der rechtsrheinischen Textilindustrie vorgeschlagen werden soll, wenn bis zum 19. Januar die Kündi- gungen nicht zurückgenominen werden. hesttzern trn Arbeit-Ministerium folgendes: Die Konferenz erklärt, daß zufolge der stets anwachsenden Neuerung wichtiger Levens- mittel einerseits, und zufolge der schlechten Situation der Beio- arbeiter, die durch mehrjährige beschränkte Beichäsligung bewirkt ist, die Forderung der Bergarbeiter nach«iiier 20prozentigen Tcuc- rimgsziilage begründet ist, und die Unternehmer weder in den schriftlichen noch den mündlichen Verhandlungen trotz aller Anstren- gungen die sachliche Berechtigung dieser Forderung bestreiten tonnten. Die vollkommene Ablehnung muß als Ausdruck der hör- teste» Rücksichtslosigkeit der Unternehmer beiirteilt werden. Dieses Borgehen der Grubenbesitzer ist geeignet, die Rege- lung der Streitfragen im Berhandlungswege zu oercitcl». � Die Bergarbeiter beharren aus der Auszahlung cincr Teue- rungszulagc in Höhe eines Wochcnlohnes, die sie gegebenensalls durch ciiicn Streik durchsetzen werde, ,. Da aber die Arbeitgeber und die Regierung eine B c r s ch l e ch t e r u n g der Berg- arbeiterversicherung vorbereiten, wodurch den Berg- arbeitern eine schwere Schädigung für die Zukunft drohe, und es zur Abwehr dieser Bedrohung notwendig werden könnte, zum äußersten Kompsmittel zu schreiten, wurde von der Konferenz be- schlössen, den vorbereiteten Lohnkamps vorläufig aus zu- schieben. Die Bertretcr der kommunistischen Bergarbeitersektloil sprachen sich gegen die Resolution aus. Gescheiterte Verhandlungeu in der Textilindustrie. Di« Bsrhondlvn gen über die Arbeits, zeit in der westsächsi- scheu Textilindustrie sind gescheitert. Das durch Schiedsspruch im April ll>2S festgelegte Msbrorbeilszeitobkommen war von den Gewerkschaften mit Ablauf zum 31. Januar 1927 ge- kündigt worden. In den Verhandlungen über den Neuabschluß eines Vertrages, die dieser Tage in E h e m n i ß statiiaiiden. forderten die Gewerkschaften die Wiedereinführung der 16 stündigen Arbeitswoche. Begründet wurde diese Forderung einmal mit Np: großen Zahl von Arbeitslosen, die wieder Beschäftigung hoben sollen, zum andern damit, daß dcr Textilindustrie mit Rück- ficht auf die zirka 65 Proz. beschäftigten Arbeiterinnen— in der Hauptsache verheiratete Frauen— eine kürzere Arbeitszeit zugestanden werden nzjisse, als in anderen Berufen mit vorwiegend mäunlichen Arbeitern üblich ist. Die verheirätste Frau muß noch neben der neun- bis zehnstündigen Arbeitszeit im Textilbetrieb auch noch ihr«.Hansarbeit verrichten: dazu kommt der Weg vom und zum Betrieb, so daß«in« Gesamtorbeitszeit von ll bis 15 Stun- den pro Tag hereuskommt. Ein unmenschlicher Zustand, desten Folgen sich im Anschwellen der Krankheitszisfern zeige». Schars wurde in den Verhandlungen die gegenwärtig grassie- rcnde- lleberstundenschufterei geggißelt. Es wurde darauf hingewiesen, daß eine«inseitig oom Unternehmer angeardne'e A r- beitszeit bis 70, ja bis 80 Stunden in de r Woche verlangi werde. Dos sei«in glotter Bruch des Zwangs- torisvertrages. Von den Vertretern des Verlehrs- b u n d e s wurde noch die Abschaffung der s e ch s st ü n d i- gen Axb«i,sber«ltschosl..x«rlang>-...■., Die Unternehmer gaben großmliiig zu, daß über 5 3 Stunden hinaus lÜeberstuidsnj»ur gearbeitet Vierden könne mit Z u st i m m u n g der gesetzlichen Betriebsvertretimg der Arbeiterschast. Zugleich verlanglen sie eine z u s ch l a g s f r« i e Erhöhung der verpflichteten Mehrorbeitszeit auf 51 Stunden pro Woche und Festlegung derselben aus die Dauer von 11- Jahren. Zur Begründung erllärten sie. Mehrarbeit müsse geleistet werden, da noch kein« normalen wirtschaftlichen Verhaltnisie bestünden; der schema- tische Achtstündentag sei nicht in allen Branchen anwendbar. Daß bei eineen solchen Gebaren der Arbeitgeber die L«rl)ond!ungen scheitern mußten, liegt auf der Hand. Die Bcrgarheiterbewegung in der Tschechoslowakei. In der am Freitag in Prag obq«halte»e„ Konferenz sämtlicher Vergorbeiterorganiiatianen der Tschechostowokei wurde iolgcnöc Entschließung angenommen:»Die.Konserenz der Vertreter aller Bergarbeitergewerkschostsorgaiiisatianen beschließt iw Sache» des Berichts über das. Ergebnis der Verhandlungen mir den Gruben- Die Stärke der englischen Gewerkschaften. In England bestanden im Jahre 1920. wie eine amtliche Zählung feststellt, nicht weniger als 18 9 eingetragene(also selbständiact G e w e r k s ch a f t- n mit einer Gesamtmit- gliederzahl von 1 117 65 2 Personen. Zu Ende 1921 betrug die Zahl der Gewerkschaiten 1-81. mit einer Mitgliedschaft von 1 156 117. Dos Gesamteinkommen der britischen Gewerk- ichosten betrug annähernd 12 Millionen Pfund(210 Millio- neu Mark», wonon rund 8 Millionen Piund(IM Millionen Mark) aus Beitragen der Mitglieder stammten. Angesichts der durchsichtigen Behauptung der konservativen Presse gegenüber den Gewerkschaften, daß ein größerer Teil der Mitgliedsbeiträge durch die V c r w a l t u n g s k o st« n n-'ichlungen werde, ist die amtliche Feststellung interesiant. daß die Verwaltungs- kosten zirka 10 Broz. der Mitgliedsbeürägc und 25 Proz. der Gesamt- einnähme der Gewerkschaften ausmachten. Die durch die Gewerk- schasten in der Form der sogenannten„politica! Ir.vy obgefiihrten M i t g l> e Hb e i t r ö g e an die Arbeiterpartei beliefen sich aus zwei Millionen Mark.___ Gesperrte Gasiwirtsbekriebe. Wie der Zentraloerband der Hotel-, Restaurant- und EafeangesteUten mitteilt, sind folgende Gastwirts- betriebe für arganisiertc Arbeitnehmer gesperrt: Hackepeter. Schöneberg, Ä'olonnenstr. 6?» Pillator am Äotlhufjcr— Wiesner, Kattbusier Str. 28: Destillation Krüger. Jnh. Krüger und Döring, Wiener Str. 23:MaxundMoritz, Oromen- straße 163: Caie Komet, Jnh. H a r t m a n n. Warschauer Str. 33; Krauses Bierhaus, Bevernftr. 5 am Schlesischen Tor. «MOu»«,. SPD.-Stellm-cke«! An: Dlillrocd). tS. Ianuor. 7 U/it. bei � d Hümmel. Änpbiknf»?. 5. wi6,Nae �crfuumtlung aller Parterqen�sen.... Irtder muft bestimmt amvesend sein.. Der Werbeansschntz., Eattscr. Tapezier« und PortcfeuiZler. Dienst�q. 15. Januar. 7 Übe. im Cocapbif.'ljcn Bereinabaus. Aleranbrinenstr. 44, �cvinrnmlunfl aDer am dem Badeil der unb d?t-Amsterdamer �rwerkschastS'.nternanonale siebenden 5t olleren,'vozu auch Lynivalbistarende cin�sladen sind. In AnbelMcht(Kt michtiaen Tagesordnung wird vost�äbligtr Besuch erwartet. Bund der technischen Ackgestcvten und Bcamtrn. vrtuoerwaltung Ber!'«. 5>eute. Diensttta. tW Ubr, gemeinsame Mitgliaderversammlung ttr �ach- arÜVpeu'Anbitclien. Bauftew�rde und SteimnctUechntter»n der Brauercl Schultdeift-Patzenboser. Lvausseestr. 64. Zteie Gewe. lschastajugcud. Heute. Dicnstag. 18. Januar. V'2 UV, die Gruppen: Utactiititt VUec:©ruppenheirn Städt. Iugendbetm �nsitev strafte. Scsoabend:„Aus«arl Licbtnechts und Rosa Lur«nburgs Schrikten"-- Landsberger Plag:©• Upper»reim' DkfttimenftHtr. 5. Wir icf>n aus Ja«? London:.Am Lchtrnl'Nwege".— Sich enberg: Griwpenbeim Jugendheim Dosio» strake Bar trag:..Der»ampf um d»n Achtstundentag. MtHtiad�buch� koMralle.— Treptow: Gruppen heim Schule Dildenbruchstr. Ac->4(Hort.ümmeri. Eine GewerHtamichtsv?rb'ndluna. Obtrschöneweide.-«rdeitsgemeinschaft im Jugendheim Niede'rschöneVeida, Berliner Str. 31. � ELdkreis: Srngschar bcl öcherkllna. Z>e!:?»l>>,. vanni-rstr. 1k.- S»imbm>: Iuacnbbeini ginienufet 1. iSiiiebibeiii. CUtftentxtbtcUuna de, De-tsche« V-criek'-tmüde-- Iugendbeim cknges. uter if—a.-Zi-kqona B. uarl.. 3;minet 1 LiÄtbivervorrioz:„Cn-.ftea UiN» Jäcliere-s vom joBött*. ilmxcvsit»»Ii Mufikiiirträeen, 3tr5iit liieren»,'d ge» n-cirfttaitlirtiem(Beionn. Die PeronilelNncq iit al* Trkffnunib-feieelichteit de» Oiinenbbcimei qobarin»Nd«erden die Ped»rai« cebeien, die juaenllid-en Nollceen ib�r Beiriede ,mn Bcinck dieser?er- «»itaUui-q.in veranlnssen. Die.Augeudtonrmission. idewerlschaft deutscher?oU«!edie». öennobend. 72. Jänner, 7 Mir, im Satbau» Verlin. Cireie« öpindacer ötraüe. 1 Treppe.- Kimmen 55. Siftung. SaiiHlmktsvlan des Minist, für®., 3. u. f. Posrtienen für Junglehrer in ihm: Berich: der Acunmifston des.KlMtpfbunde» für Geisteskreiheit", Lerantwarlüch ülr Peisii!:. B'rtpr sckiii: Wirtiih'ib s. Slingelhüfee: ibe«eiksch-, sthr.«remaior Perichiitt vrotsreScri ktk sc>r-vcvAe<0ksczic A'i-J,- a»,.-. 7»i,.,» )ad(lat&&€9 \ Bert in. Leipziger Str. 122-125 Xaehrnf! Am IS. Jannnr cctsrhlief nach turr.or Krankheit Herr Ber�werksbositzer Dr. jur. Wilhelm Sauer in Bortin. Der Verstorbene, aus-re stattet mit reichen Kenntnissen und- großen Erfahrungen, hat im Reichskalirat wertvojle Mitarbeit, geleistet. Wir werden ihm-ein cbrcuvoÜes Andenken bewahren- Im Kattien- de« gesamten Reiohskalirats Der Vomltzcndr dca R«ich»balir»i(a Dr. K e ra p n e r. Schatz und Hilfe sofort durph I AvsICSnr nieht fettende 1\3r€S3llÄ Einreibung M. 1J0 lAlioraloriom firaichen, Leipzig. Roßtlraßc 12. M Die Grippe kommt gj infolge L'ebertra�vne durch MmidhAhle und Rachen in den mehschlicnen Körqer.. Sie wtitet, bereits wieder. in einer Reihe von LSnderi». Dagegen vorzubeugen ist t-Iücht eines jeden. Dies geschieht am sichersten durch sofortigen OebrauCh von.-Nymphosan"(gesl gesehd Qianicndc Anekkcnnungen, Preis der Flasche M. i50 Nvhnphosan Perubonbons 80 Pfg. AUclnberptcUer: N;mptio»aa MAscbcaMiNM. floittunns-.Iabait- u.Reklimemarken aegenNaehanmung gesetgl esch. Fei tigt seit 4S Jahr. als Speziailtil Conrad MflUer ScAkeudlu- Leipzig HösennvodBe HOSCIl aus geslreütev Stollen.................... 3.25 Hosen aus gestreiften Satin|g 1« Seilage öes vorwärts Vleastag, IS. Januar 1427 ' Der Holzhausbau ist trotz mehrfacher noch andauernder Der- stlchc. ihn bei uns einzuführen, nie sehr populär geworden. Es ist schwer, den Gründen nachzuforschen, hauptsächlichster scheint der hohe Preis des. Holzes zu sein, so daß dos Holzhaus sich in guter Aus- führung nicht viel billiger stellt als ein Massivbau. Man ist nun dabei, um das Holzhaus billiger aufstellen zu können(wie einem Vortrag des Regierungsbaumcisters a. D. Wentschow zu entnehmen war), die Normalisierungsbestrebungen auf dies« Form des Wohn- Hausbaues auszudehnen. Ein Bauteil ist nur dann normalisterbar, wenn er sich auf der Maschine bearbeiten lätzt, und das Holz ist wohl der einzige Wandbaustoff, der solche Bearbeitung zuläßt. Das Anwendungsgebiet des Holzhauses ist naturgemäß enger begrenzt als das des Steinbaues. Fast immer übertrifft es diesen in drei Punkten: in der beschleunigten Herstellbarkeit, in der unmittelbaren, dabei gesundheitlich unbedenklichen Gebrauchsfertigkeit, in der leichten Heizbarkeit. Das Holzhaus ist beschleunigt herstellbar, weil seine '�Bauausführung in weit höherem Grade von den jeweiligen Witte- rungsverhältnisien unabhängig ist als die des Steinbaues: es ist sofort gebrauchsfertig, weil es unmittelbar nach der Fertigstellung trocken ist— denn es wurde ohne Wasierzusatz errichtet—, es ist leicht heizbar, weil die Holzwand von Natur wärmedicht ist. Gleich- mähige Wärm« läßt sich im Holzhause mit geringeren Kosten schassen als im Steinbau. So erhält das Holzhaus sich selbst und seinen Bewohnern die Gesundheit. Als das gesunde Haus läßt es sich mit wenig Unkosten instand halten, es ist z. B. kein Verputz vorhanden, der in regelmäßigen Zeitabständen erneuert zu werden brauchte. An die Leistungsfähigkeit der Heizung werden nicht übermäßig« An- sorderungen gestellt: Anlage und Betrieb verbilligen sich. Das Holz- haus ist gesundheitlich und wirtschaftlich gleich wertvoll. Die�zer- störungslose Zerlegbarkeit des Holzhauses in seine einzelnen Teile muß ebenfalls zu seinen Gunsten gebucht werden. Die Herstellung der Holzwond erfolgt, abgesehen von«einen, individuellen Abweichungen bei den einzelnen Werken, vorwiegend als hohlwavd, seltener als Vollwand. Die Hohlwand wird häufig m der Art der bekannten Fochwerkswand(Riegelwand) gebaut, mit äußerer und innerer Schalung(Bauart Uhlmann-Ingolstadt, Deutsche Werkstätten-Hellerau, Höntsch-Dresden); sie wird auch als sogenannte Tafelwond errichtet(Bauart Christoph u. Unmack-Niesky, Wolgaster Holzhäuser-Berlin, Kölner Holzbauwerke-Kölch Lohmüller- Güsten): rechteckige Rahmen aus leichten Kanthölzern, beiderseits verschalt, bilden die Wandelemente, aus deren Aneinanderreihung die Wand entsteht. Der Hohlraum kann in geeigneter Form mit Wärmeschutzmassen ausgefüllt werden. Eine besondere Ausführungs- form der Hohlwand ist dadurch gekennzeichnet, daß die beiden Schalungen, bei kräftiger Ausführung in Halbholzschwarten, als selb- ständige Wandteile nebeneinander herlaufen. Da der Hohlraum mil Lehm, ja sogar mit Gesteinmassen, oder mil Beton ausgefüllt wird, läßt sich diese Bauweise als Mischbau bezeichnen(Wallsischbau- Warmbrunn). Der Blockbau verwendet die hölzerne Vollwand (Bauart Christoph u. Unmack). Nach Logik und Sprachgebrauch ist eine Wand massiv, wenn sie im Material homogen ist. Demnach muß man die hölzerne Blockwand als Massiovwnd bezeichnen und das Holzhaus in der Blockhausweise als das massive Holzhaus. Aufbau unö Konstruktion. Im Blockhause finden sich keine vertikalen Konstruktionsleile. Seine Wände bauen sich, wie beim Ziegelbau, in horizontalen Schichten auf, die um das ganze Haus herumlaufen. Dem Vorgang des Betzens wird nirgends entgegengearbeitet, im Gegenteil, die Auflast des Obergeschosses bzw. die des Daches preßt die darunter liegenden Wände in dem Maße zusammen, wie sie beim natürlichen Schwinden des Holzes Neigung zur Undichtigkeit infolge der Fugenbildung zeigen. Es entsteht so gewisiermaßen eine Holzwand aus einem Stück, die die wärmedichleu Eigenschaften des Materlals bis zum äußersten ausnutzt. Bei ausreichend bemessener Wandstärke ist der Blockbau unzweifelhast die beste Aussührungssorm des hölzernen Wohnhauses. Schon die 7 Zentimeter starke Blockwand erreicht bei sorgfältiger Bauart die 38-Zentimeter°Ziegelwand normaler Aus- führung an Wärmedichtigkeit: bei 10 Zentimeter würde sie ihr ohne weiteres überlegen sein. Die wännedichte Ueberlegenheit der hölzernen Hohlwand vor der steinernen beruht weniger auf den Materialeigenschaften, als auf der Unbeweglichkeit der im Hohlraum enthaltenen Luftschicht. Sie ist der Holzwand leichter zu garantieren als etwa der Zieqelwand, aus Gründen, die sich von der Bauart herleiten. Das Bestreben, durch vertikale Unterteilung des Hohl- raumcs Wärmeverluste aus der Strahlung zu verringern, läßt sich leicht verwirklichen. Als Hilfsmaterialien zur Wärmearmierung der hohlen Holzwand haben sich Torfplatten gut bewährt. So ist es erklärlich, daß eine wärmearmierte Holzhohlwand richtiger Bauart bei nur 88 Millimeter Gesamtstärke denselben Wärme widerstand leistet wie eine Ziegelvollwand von 59 Zentimeter Dicke. Auch hier läßt sich die Wirtschaftlichkeit des Holzhauses erkennen. 5euergefährlich l lieber die Feuergefährlichkeit des Holzhauses sind vielfach recht unklare Anschauungen verbreitet. Man hält es für besonders feuer- gefährlich. Allerdings: Holz verbrennt, Stein nicht. Der logische Trugschluß besteht einfach darin, daß man aus der Brennbarkeit des Holzes als Brennmaterial auf die Brennbarkeit des Hauses schließt Hier ist aber das holz kein Brennmaterial, sonder« Baumaterial. Tatsächlich kommt es nicht auf die Brennbarkeit des Materials an, sondern auf seine Entflammbarkeit. Holz ist schwer cntslammbar. namentlich in großen Stücken mit glattgehobelter Obersläche: es bleibt daher wohl immer Zeit, den Brand im Entstehen zu löschen. Hat das Feuer erst eine gewisse Ausdehnung angenommen, dann freilich brennt das Holzhaus ebenso leicht herunter wie gewisie Teile des— Steinhauses, denn brennbare Teile sind in den Zwischen- decken, im Dachverband und anderswo bei beiden Häusern reichlich vorhanden. Die Achtsamkeit der Hausbewohner gewährt hier wie dort den vorbeugenden Schutz: handlich« Feuerlöschapparate stehen zur Verfügung. Ganze Städte will man ohnehin nicht in Holz bauen. * Es wäre müßig, dos Holzhaus gegen den Steinbau auszu- spielen und umgekehrt. Jede der beiden Bauweisen zeigt ihre besonderen Charaktereigenschaften. Wer sie kennt, wird im einzelnen Falle die geeignete Wahl zu treffen wissen. Immerhin: will maü ein wirklich gutes und warmes Haus haben, das in der Anlage und Unterhaltung verhältnismäßig billig ist, so muß man es aus ssol; bauen.* -*- Die Aridericus-Rex Marke und der Kleinagrarier. Man schreibt uns: Wieder fliegen die Katalog« der Samenhandlungen einem ins Haus, und da sie bei der ständig wachsenden Anzahl von Varitäten immer dicker geworden sind, ist vielfach«in« Frankatur mit Zehn- pfennigmarken notwendig. Während die Mehrzahl der Firmen in solchem Fall« die Adlermarke oder zwei Fünspfennigmarken ver- wendet, halten es einig« filr angebracht, die nur von den Reaktionären freudig begrüßte Fridericus-Rex-Mark« aufzupappen. Sie halten das vielleicht für«ine besonder« Schlauheit, wenn sie den aus dem Laude Wohnenden den Anblick der Marke verschaffen, und bedenken nicht, daß der Republikaner diese Frankatur als Provokation be- trachte» wird. Man wird daher den betreffenden Katalog all acta legen und sich an das Studium eines anderen Angebots machen, das nicht unter einer Parteiflagge steht. Die Vunöer der Klara van Haag. 65] van Johannes Vnchholtz. Äus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. Hedwig glaubte, es wäre von einer Erdumseglung die Rede. Ach, das ganze war doch nur ein Traum— oder das Frauenzimmer war verrückt. „Danke, ich will keinen Kaffee," sagte sie wieder wie im {tramn. ,La, aber sind Sie herum gewesen?" „Herum. Nein!" Johan Fors sagte mit großem Eiser:„Doch— jetzt glaube ich bestimmt zu wissen, daß man nur gerade aus und die Treppe hinunter gehen muß, ja." Aber die kleine Lehrerin hatte etwas Ränkevolles zwischen den beiden entdeckt, sie sah unterernährt von emem zum anderen, bedankte sich und ging vergrämt fort. Johan und Hedwig waren allein. Sie reichten sich die Hände. Er hatte seinen festen Malergesellenhanddruck aus asten Tagen. Aber feine Hand war jetzt glatt und fein, und es war etwas wie ein durchgeistigter Schimmer über seine Stirn gekommen. Auch seine- Kleider waren ja nicht die eines Malargesellen. Er lachte und behielt ihre Hand lange, drückte sie auf verschiedene Art und Weise, als wollte er ganz sicher fein, daß es die rechte war. Es gingen Schauer von großer Freude über fein Gesicht. Hedwig sagte:„Ich habe Ihre Briefe nicht beantwortet. Es tut mir so schrecklich seid, daß ich es nicht tat. Es lann sicher niemand den Grund verstehen, außer mir selbst. Aber es tut mir doch so schrecklich leid, daß ich nicht geantwortet habe" „Ach min, lassen Sie uns-nicht von der'leinen Ver- spätung reden." „Verspätung— nein, es kann leider nicht so milde als Verspätung beurteilt werden." „Wie denn sonst? Hier habe ich ja die Antwort. Hier halte ich Ihre Hand, und sie opfern das kleine Händchen. Sie rufen nicht die Polizei, und lassen es ruhig mißhandeln. Fräulein Egholm. welche bessere Antwort hätte ich erwarten können, als daß Sie mich nicht im geringsten verachten, son- Hern im Gegenteil, mich wie Ihresgleichen behandeln!" Iöhan war kein Malergeselle mehr, weder im We'en noch in Worten. Er stand da mit dem Rücksn gegen sein? Bilder, hie die besten Kunstkenner des Landes über alle Grenzen gelobt b-vei-.. Jetzt fürchtete er. daß Hedwig in ihrem Ur-eil perwirr! werden und ihn init seinen Bildern zusammenw scn würde, und deshalb machte er sich besonders klein und demütig in feinen Worten. Hedwig sagte:„Ich sah den alten Mann an. Ich weiß nicht, ob ich kurz oder lange hier gestanden habe. Ich bin gleichsam in einer ganz anderen Welt gewesen, als'.ch das Bild sab." Sie wollte mehr sagen, bekam aber kein Wort heraus. Es glückte Johan, dem von Huldigung Umbrausten, emen ganz roten Kopf zu bekommen, und er ergriff ihre Hand mft einem schamhaften Dank. „Ich will Ihnsn die anderen zeigen," sagte er. „Sehen Sie das hier. In einem Kloster in Italien. Wir sind gegen Abend hingekommen, und uns friert. Darum entzünden wir das Feuer auf den Steinfließen: es sind unsere Zeitungen und Reisebücher, die aufflammen. Aber es nar ein tadelloses Licht— und es ist ein tadelloses Licht. Ich habe es getroffen. Der hier ist Laras, dessen Bilder irgendwo hier drinnen hängen: die anderen sind Ausländer. Zwei, zweieinhalb Stunden Arbeit. Mehr nicht. Oh, ich iverde immer müde, wenn ich das Bild ansehe." Johann trat näher und besichtigte es wie ein Bater sein Kind. Er sprang drei Schritte zurück und besichtigte es wieder. Jedes Bild wurde Hedwig erklärt. Im Grunde lobte er sie alle bis in die Wolken. Darin glich er sich selbst aus der Knarrebyer Zeit. Er lobte nicht, um zu imponieren, sondern um die Freude, zu der ehrlich gekommen war. aus- zuteilen. Seine Augen schimmerten blau wie der Frühlings- Himmel, wenn er erklärte. Hedwig dankte ihm, und gleich darauf dankte er ihr. Das war Uebertreibung und er wußte es. Aber sie hatte so kühle Seidenhände, die so gut zu fassen waren. „Wenn wir etwas weiter gehen, dann treffen wir Frau van Haag." sagte Hedwig. „Ja!" „Sie sind nicht überrascht!"% ,�Ich finde, alles Gute ist mögsich, seit ich Sie traf. Ich .weiß auch wohl, daß sie nach Italien will und alles andere. Denken Sie an die Briefe, die wir uns geschrieben haben. Ja. sie ist mir seit dem Tage, als sie mich entdeckte, eine herrliche Mutier gewesen— hören Sie, wollen wir nicht alle drei in die Welt oder aufs Wasser und von alten Tagen reden „Ja, wenn Frau van Haag will, dann—" „Kommen Sie," sagte Johan Fors mit blanken Augen. Aber sie fanden nicht die, die sie suchten. Es waren so gut wie keine Leute mehr in der Ausstellung. Da fragte Johan den Aufseher:„Haben Sic nicht eine Dame gesehen — eine elegante, schöne Dame— ja, wie soll ich sagen � Fräulein Egholm?" „In weißer Jacke und weiße« Hot.":* l .Loch," sagte der Mann, der einem alten Oberst glich, „das war die, die nach einer Tasse Kaffee herumrannte. Die ist gegangen." Johan und Hedwig brachen in Lachen aus. „Nein, die herumrannte, war eine andere. Haben Sie nicht eine große, schlanke Dame gesehen?" „Ja, es waren zwei, das ist schon richtig. Zuerst kam eine andere, aber dann kam sie wieder mit— der, die Sie meinen, und dann gingen sie zusammen weg. Das ist alles schon richtig," sagte der Oberst und schloß mit einer abtuenden Handbewegung:„Wir haben ja keinen Kaffee hier!" Johan und Hedwig hielten Kriegsrat. Es glich Frau ,van Haag gut, sich mit einem wildfremden Menschen zu- sammenzutun, wenn dieser Mensch nur töricht genug war. Sie würde wohl in einiger Zeit wiederkommen. Aber wann? Eine solche Ausfahrt konnte ja nicht gut aufgeschoben werden, wenn man sie sich in den Kopf gesetzt hätte, meinte Johan und kratzte sich den Nacken. „Ja, aber ist es nicht etwas unverschämt, ohne Frau van Haag zu fahren?" fragte Hedwig. Johan wußte Rat. „Unverschämt! Ja, wer ist denn unverschämt gewesen! Einfach ihrer Wege zu gehen, ohne auch nur ein Wort oder einen Bescheid zu hinterlassen, uns hier außer sich vor Schrecken und Verwirrung stehen und glauben zu lassen, daß ihr ein Unglück Zugestoßen ist. Und das alles nur, um ihren niedrigen Drang nach einer Tasse Kaffee zu befriedigen. Nein, sie hat sich in der Gesellschaft gebildeter Menschen unmöglich gemacht!" Iohans Gesicht zeigte großen Zorn. Hedwig lachte und sagte:„Aber, was sollen wir denn machen?" „Sie schreiben ein paar Worte auf einen Fetzen und geben ihn dem Manne dort!" ,Ia, haben Sie Papier?" Johan riß ein Blast aus seinem Notizbuch. Hedwig bedachte sich, schrieb etwas und reichte es ihm, worauf sie sich beide krümmten und mit schalkhaften Augen lachten. Auf dem Zettel stand: „Ich bin Mit Einem Kaffee trinken gegangen. Warten Sie nicht auf mich. Estschuldigen Sie tausendmal. Hedwig." Kurz darauf strichen Hedwig und Johan in einem großen grauen Auto zur Stadt hinaus nach dem Tiergarten. Sie stiegm aus und Johan beriet sich in Kindlichkeit und Scherz mit dem Chauffeur über ein Mittagessen, das der im Bade- botel bestellen sollte. Johan hatte die Gabe, jeden, den er wollte, zu seinem Freunde zu machen. Der Chauffeur und er waren im Augenblick zwei brave, rotköpfige Jungen, die gemeinsinn mm Ktoeich ausheckten.(Fortsetzung folgt.) öerlin lehnt öle Gasfernversorgung ab. ttx llufsichtarak jyr Berlin«? Städtischen Gaswerte JL-G. Hot tich in einer vierstündigen Sitzung eindringlich mit den Problemen und ZNSglichkeiten der Gasfernoersorgung Berlin» beschästigb Er kam zu dem«in st immigen veschluh, doh ein Anschluh verlin»«« die Gassernvrrsorgung nach den heutigen Angeboten der Ruhr v o r l ä« s i g nicht in Leirachl kommt. Untergrunöbahn nach Lichtenberg. Zustimmung im Haushaltsausschus». In der gestrigen Sitzung de» Haushaltsausschusse, der Stadtverordnetenversammlung wurde der Vor- lag«, detreffend den Bau der Untergrundbahnlinie Alexanderplah— tichtenderg mit vkehrheit zugestimmt. Angenommen wurde in der- selben Sitzung der Drlnglichkeitsantrag der sozial' demokratischen AratUon, betreffend Bewilligung weiterer Mittel für die Fortführung der Schultinderspeisung. DI« Vorlag«, betreffend die Uebernahme der Bürgschaft für eine von der Berliner Strahenbahnbetrjcb»-V. m. b. 6. aus» zunehmende Inlandsanleihe, wurde zurückgestellt. Don den verschiedensten Parteien wurde In der Debatte gewünscht, doh in Zukunft eine allgemeine Anleihe vom Magistrat aufgenommen wird, au» der dann die Bedürsnisie der einzelnen Verwaltungen und städti- schen Betriebe gedeckt werden sollen. Die Erganzungsvorlage, be- treffend den Ankauf des Gutes Düppel und des Jagdschlosses Dreilinden, wurde aus Donnerstag vertagt die neuen Ehrenbürger üer Staüt Serlin. Durch Beschlutz der Gemeindebehörden, des Magistrats und der �tadtverordnetcnoersaminlung, war vor einiger Zeit zwei Stadt- neeordneten. unserem Genossen ch u g o cheimann und dem Demokraten Bamberg, dos Ehrenbürgerrecht verliehen worden. Die künstlerisch ausgeführten Urkunden, in denen die Verleihung ausgesprochen wird, wurde den beiden neuen Ehrenbürgern gestern n»m vbesbürgermeister eingehändigt. das bestätigte Toäesurteil. Toll die Htrafc wirklich vollstreekt werden? Das Beichsgericht braucht« nich- vi«l m«hr als«ine Stunde, um die fünf Revisiarissache» des gestrigen Tages in dem Beratung»- Zimmer zu«riedigen. Wieviel Minuten die fünf Reichsgerichtsräte dazu bedurften, um die UrleilsbegrüiüZung und die Reviflonstlagen in der Leiferdcr Sache zu prüfen ui-d zu beraieu, möge dahingestellt Kleiben. Viele konnten es nicht gewesen sein. So kurz die Beratung, in bündig die Entscheidung: das Reichsgericht schloß sich den Aus- führunqcn des Staatsanwalls an und verwarf i>ie Revision. Datvit ist in dieser Sache das letzte Wort gesprochen, dos ein Gericht über die Zlngetla tn zu sagen hätte. Von einem Wieder- nufnahmeverfahren kann in diesem Fall« keine Red« sein. Di« dazu erforderlichen neuen Tatsachen würden nicht erbracht werden können. ?etzt wird die G na de n Instanz zu prüfen haben, ob die Todes. 'träte an Schlesinger und Will? Weber vollstreckt werden soll. Zu«inigen Monaten dürste die Entscheidung fallen. Bant Standpunkt des Rechts au» dürfte aber das Ergebnis der Reichs- gerichtsoerhandlimg bei dem. der ihr beigewohnt hat. im gleichen Myhe dos Gefühl der Undefriedigtheit hinlerlassen haben, wie die ehovptoerhoMung in szildesheim. Don blieb die Füll« de» psycholo- gischen Material» uua u,ge nutzt t dam Gericht war dadurch der Weg zur Anwendung de» Mordpavagraph-m gevkmet. Am Reichsgericht h« der Vertrerer Schlesingers e» unterlassen, feibst auf Gru.nd der widerspruchsvollen Urteilsbegründung nachzuweisen, daß der Tal- l'eitand des Mordes au? psychologisä)«» Erwägungen hevou» nicht gegeben und von einer Ueberlegung im Sinne, wi« das Gesetz es ersorderl. feine R»de sein konme. Dieser Vorwurf wird höchstens dadurch gemildert, daß dem Verteidiger im Reichsgericht, der in .'Hildeshelm nicht amvelend war, die Eirtfithluna in den gafamten Komplex der Talsachen fehlen mußt«. Die v» lienilichkeit steht jedoch Mieder vor einem Fall, da ungenügend« Verteidigung da» Zustand«. kämmen«in«s Fehlurteils erleichtert hat. Daß es sich hier aber nur um ein Fehlurteil handeln kann, darüber wird niemand, der der childeshenner Hauptoerhandlung beigewohnt hat. im Zweifel Gin. Man mag dem Reichcanwalt glauben, daß er in dieser Dache wie in jeder anderen das lgeletz hob« wahren und da» Recht habe finden wollen. E» war jedoch«in Irrtum von ihm. zu be- haupwn. baß in die fein Urteil das Recht gefunden fe>. Sind nun alle Rechtswege erschöpfk, so bleibt allein der Weg der Gnade. Kavunergerichtsentscheid zum Mietersch»s. Wie der Amtliche Preußisch« Pressedienst mitteilt. Hit da» Kammergericht die folgenden»eueren Rechtsentscheide in Mieter- schutzsachen getrossen: I.Sitz de» M t« t e i n I g u n g» a«m te» sts 13 der Anslührungsocrorduung des preußischen Justizwbrlsters -um Mieterjchutzgssetz vom t5. August IllZch Gejetziammlung Seit« iCiö) ilt da? Gebäude, in dem die Hauptverwaltung der Gemeinde geiührt wird, die das Miet einigungsamt errichtet bat.(17. Ü. 93/26 vom 13. November 1926.)— 2. Zur Er- mittlung des ortsüblichen Mietzinses kann die Her- »nztehung nur eines Vergleiche gegenständ«? genügen.<17.'J. £U/?S vom 13. November 1326.)— 3.§ 3 Absatz 1 de» Neichs- aesetzes über den Geldentwertungoauzgleich bei bebauten Grund- stücken vom 1. Juni>326(Reichsqesetzbiatt l, Seite 251) steht der Umlegung des 100 PraZ. übersteigenden Gemeindezuschlags zur Grundvermögens st euer aui die Mieter nicht entgegen. <17. P. 96/26 vom 13. November 1926.)— 4. Di« Erlaubriis des Vermieters zur Weiterüberlastung von Wohnraunt kann durch das Mieteinlgungsamt nicht mehr ersetzt werden, wenn das Miel- oerhSitni«, sei es auch unter Vorbehalt von Ersatzsaum, aufgehoben ist.<17. D. 37/26 vom 13. November 1926.) Um de« letzte« tSrosche« betrogen. Ein niederträchtiger S ch w i n d l e r hch es in Neukölln und IZer angrenzenden Gegend von Berlin aus Erwerbslose abge- sehen. Er biedert sich mit Gälten in Üekalen an, erfährt, wer von ihnen keine Arbeit hat und bietet diesen Stellung bei der..Mitropa" an. für deren Vertreter er sich ausgibt. Er gibt den Leuten einen mit Tintenstift geschriebenen Zettel mit dem Vermerk:„Herr N. i st etnzu stellen. Befürwortet Neubauer." Dann erzählt er. daß er aus dem Weg« sei. seinen Geburtstag zu feiern, entdeckt aber .plötzlich", daß er sein Geld zu Hause„vergessen" hat. Die über die versprochene Stellung erfreuten Leute Helten Ihm gern auch mit ihren letzten Groschen au». Der Schwindler ist eiwa 26 Jahr« alt und trägt einen seinen dunklen Jackettanzug. Mitteilungen über sein Zlusiauchon an die Neuköllner.tzrimtnalpollzei. „20 Jahre Frauenarbeit." Der Deutsch« Lyzeumtlub setert seinen ztvanzlgsten G«. bunchtog Di« Jd«« der Gründung dies«? Klub? stammt von Eng- loch und Mari« von Lunsen setzt« in Gemeinschaft mit der Eng- känderw Miß Smedietj den Gedanken tu di« Tot um. Das Ehren- Protektorat hoste seinerzeit Earmen-Sykvo irm«, die aus literarischem Gebiete mi« auf dem Gebiet« der Handarbeitstunst, hauptsächlich der Dst,ge und der Verbreitung der Volkskunst, der Vereinigung fördernd zur Deste stand. Dos erkte Heim befand sich in der Potsdamer Araß« IIS Ezhr bald bildeten sich die verichisdenen Kommissionen und Neuorganisationen, deren wichtigste die sozial« Frauenarbeit f&rm Dr. Heyl), wettere» Frauenstudium, der Houssrauenoerein und dar Lerem für Mutter- und Säuglmgsschutz sind Di« heute begm. nende Ausstellung, die bi, 2S. Januar in den jetzigen Klub- räumen, Lützowplatz 8. stattfindet, gibt ein Bild der Frauen- arheit, die innerhalb der 29 Jahre aus den verscksiedenen Gebieten geleistet wurde. Die Voltskunsiabteilung zeigt di« Erhaltung schöner. alter Trachten und Handarbeiten aus Deutschland und fremden Landen, die soziale Kommission ist durch eine Ausstellung ihrer Gruppe Blindenbücherei vertreten. Die internationale Kommission zeigt das Ziisamnienarbeiteii in- und ausländischer Frauenorgonisotionen auf dem Gebiete der Frauenbewegung, des Erziehungswesens und der Humanitären Fürsorge. Bilder. Plastiken und kunstgewerbliche Gegenstände vervollständigen da, Bilp weib- lichen Schossen» aus den verschiedenen Gebieten. Im Rahmen der Iubiläumswoche finden ollabendlich Veranstaltungen in Form von Lichtbildvotträgen, Theateraufsührungen und Vorlesungen statt. Allgemeine Funktionär-Äersammlung heule, Dienstag, den IL. Januar 1927, abends 7 Uhr. in den „Prachtsälen am ZNärcheubrunnen", Am Ariedrichshain 29 32. Tagesordnung: KggierungsbilAung und Sozialdemokratie. Neferenk: peichsiagsabgeordueler WilhelmDikkwavn. Als Ausweis gilt die Funktionärkarte für dos Jahr 1920 mit gleichlautendem Mitgliedsbuch. Oer Bezirksvorstand. Der angeklagte Staötoberinfpektor. „Hörhstverdächtig aber nicht überführt." Besonder« Umstände, unter denen der Direktor der Deutschen Glos- und Spiegelfabrik A.-G. Julius Schön auf die Dring- kichkeitslifte kaip und int Jahre 1323«ine Aierzimmenvohnung im 5ious« Winds ch«idstraß« 41 erhielt, hatten nunmehr«in gerichtliche» Nachspiel in Gestalt einer Meineids- und Bestechungsanklage gegen die beteiligten Personen vor dem Schwurgericht des Landgericht» III. Angeklagt waren wegen Meineides und aktiver Bestechung in Be- omleneigenschafi der Stodtoberinspektor Gustav Schön vom Wohnungeantt Eharloitenburg, wegen passiver Bestechung der An- gestellt« des Wohnungsamtes Wilhelm Hubrig und wegen oltioer Bestechimg Fabrikdirektor Julius Schön, der mit vom Stobt» oberinspettor gleichen Namen» jedoch nicht verwandt ist. Diese» Strafversahren ist der Ausfluß einer Beleidigungsklage, di« aus Antrag des Bürgermeisters in Charlottenburg gegen den Wohnungs- vermittler Ackermann angestrengt worden war. Ackermann hatte schw«r« Vorwürfe gegen die beiden Wohnungsbeamten erhoben, wurde aber vom Amtsgericht Clzarlottei'.b'.irg und von der Straf- kammer sreigesprocheii. In diesen Verhandlungen Halle Stadtober- inspekior Schön unter Eid bestritten, jemals von Direktor«chön mittelbar oder unmittelbar Zuwendungen versprochen oder be- kommen zu haben. Hubrig und Julius Schön hatten ihre Aussage oerweigert. Alle Angeklagten bestritt«», sich irgendwie schuldig gemacht zu haben. Aussehen erregte«s jedoch, als Magistralsrot Dr. Marcus aussagte, daß der Angeklagt« Sladtoberinsoektor �-chön sich im Jahre 1326«ine Villa an der Ostsee gekaust habe Runden zurück:.3. Mae Ramara-Petri 139 Punkte. Pier Runden zurück: 6. La« Kempen-Bauer 325 Punkte. Fünf Runden zurück: 7. Rausch» Huertgen 54 Punkte. Sech» Rur.dcn zurück: 8. Behrendt. Skupinskt 136 Punkte. Acht Runden zurück: Seiferth, Manthey 159 Punkte. j vkenstag IL.?avllar 1927 Unterhaltung unö ÄNissen Seklage ües vorwärts Der Masthinist erzählt—. Bon Max Dorfu, Di« ist wahr: ich bin ein geborener Deutscher, ich fahr« setzt ober schon zwanzig Jahr« aus holländischen Schissen: als Maschinist. Was ich erzählen will, liegt bereit» eine Reih« von Soljren zurück: aber wie eingebrannt lebt es flammend in meinem Er- innen«: mehr erfreuend als traurig. Ich war zweiter Maschinist auf einem alten elenden Reisckahn, «in Schiff von kaum zweitaufend Tonnen Frachtraum. Wir fuhren ständig mit Reis von Java nach Nordeuropa, zurück nach Asten in Ballast, heißt: leer! Unser« Besatzung bestand aus Malaien Be- fatzung heißt hier: Matrosen und Heizer. Wir Weißen waren ja die„Herren Offiziere", alle sehr dünkelhost, himmelhoch trug der Weiß« sein« klassische Nase— herrisch herabschouend aus da» breit« gelbbraun« Antlitz der Asiaten. Und doch waren die Malaien die „besteren Menschen". Wieso? Nun. warten Sie nur. Sie werden schon noch hören. Auch urteilen. Es war Winterzeit. In Aden hatten wir„gekohlt". Kohlen übernommen. Unser Ziel war Hafen Surabaja aus Nordjova. Im indischen Ozean packte uns der winterliche Nardostmonfun bös« in die Flanke. Der. alte leere Reiskahn schaukelt« wie«in tolles Faß. Di« Seen gingen als wilde Brecher über das Schiff hinweg. Die Backbordböt« waren schon fortgerissen. Und der Koch jammert«. daß er kein« Suppe mehr kochen könne: es gab nur noch Steifkost, Labskaufch und so— Uns allen war im Hirnkosten so richtig rammdösig, von der verfluchten Schaukelei her, das dauerte nun schon an die zehn Tag«, und es würde wohl noch mal so lang« dau«n. Denn der Kasten wollte nicht von der Stelle. Die Wo- schinen waren alt wie die Knochen einer Großmutter. Da will dann da» Laufen nicht mehr recht vorwärts gehen. Es war Nacht. Ich lag in der Koje. Ich träumte gerade von den blonden Mädchen in Stockholm— Do weckt« mich Iayara, der mar einer meiner Heizer, Zagam heißt auf deutsch: Palmnuß. „Mynheer, schnell! schnellstens!" rief Zagam Palmnuh mir mit seiner rauhen Gutturalstimme in beide Ohren:„Schnell, schnell— da ist unten was los." Und Jagara zog mich am Arm und Bein der Koje heraus, er nahm es mir nicht übel: daß ich fluchend nwt dem nackten Fuße nach ihm stieß. Wir nun von achtern her— hin zur Maschine, über Deck weg. T-msch! hatten wir'nen Brecher von seither im Nacken, pudelnah schlüpften wir durchs Halbloch hiuein in den öligen qualmigen Maschinenraum. Drunten zischte es—. Aha, ich wußte, was Los war. Der dritte Maschinist,«in geborener Ire ler hieß Jim Toppen), der war schon an der bösen Arbeit. Im Maschinentunnel war das Haupt- dampsrohr undicht. Jagara hielt uns das Licht,'ne Oelfunzel(unser Kasten kannte noch nicht elektrisches). Und da waren wir nun am Dichten und Verpacken,«ingehüllt in Dampf, der Tunnel war weiß von Dampf wie der britische Kanal bei Nebel. HS. Jagara— rufe ich: Hol' du uns mehr Berbandzeug. daß wir has olle Rohr hier dicht kriegen, bring auch'n Armvoll Twist mit, spute dich: du Sanitäter Jagara. wir Herren fenjjte sind hier ortNZvstthrlichen Operieren. Aber das war dir'n böses Operieren am Hauptrohr, das Damplrohr war«in Kranker, der sich nix gefallen ließ, dieser bos- haste Kranke schlug seine Aerzte tot. Pumm! Pifs! Tschtsch! Alles war au». Ich kam nach etwa drei Tagen wieder zu mir. Ich log in meiner Koje ganz in Putzwolle eingehüllt, die Watte an Bord war längst alle verbraucht. Ich war verbrüht. Unterm ausströmenden überhitzten Dapf halle mich Jagara mll eigener Lebensgefahr aus dein Maschinentunnel herausgejchleppt. Das Rohr wollte uns mll seinem glühenden Dampfatem das Leben ausblasen. Bei mir gelang's nicht ganz. Aber der dritte Maschinist war tot. Man hatte ihn schon über Bord geworfen, in eine britisch« Flagge ein- genäht, mit sechs alten Feucrrosten drin, zu sieben waren sie in die Tiefe gefahren, nur etwa kleine 5000 Meter. Jagara war mein guter Pfleger. Ich Holle furchtbaren Hunger. Auch der Geneosr bekam mir gut. Aber mein Fleisch am Körper schmerzte mich sehr, besonders in der Dauchgegend. Das ganze Fell von der Plautze war abgebrüht, ich dacht«: da kommt nun wall'n silberner Deckel üb�r die Gedärme. Auch meine Brust und Arme und Gesicht waren oerbrüht. Später sah ich mich im Spital zu Surabaja wie einen rotgekochtcn Krebs. Im großen Spiegel, der waren die Augen der holländischen.Krankenschwester. Einmal habe ich Krebs die schöne Schwester'n bißchen gekniffen, die wurde wistend: aus Zorn biß sie mich in die Lippen, ich sagte: Uih Pietchen. das is wie'n Kuß., Auch Jagara war verbrüht, aber nicht schlimm. Rur so schlimm, daß er keine Kohlen zu schippen brauchte. Er ward verbrüht, als er mich rettete. Er schleppte mich zuerst aus dem heißen Dampfe heraus. Ms er dann den Jim Toppen noch holen wollte, meinen dritten Kollegen, den Iren, da war es schon zu spät, der Jagara riß dem Jim Toppen den Arm aus: so weich war der schon verkocht. Mensch, Dampf ist was Schreckliches. Wehe, wenn der frei wird, dann rächt er sich dafür, daß wir ihn knebeln und fesseln, unsere Maschinen zu treiben. Ich behaupte, der Damps ist etwas Lebendes und Fühlendes: der Dampf ist die Seele dos Massers! _(Schluß foJgi.) öebelunö Sie ersteZnternotionale (Bach Briefen von Bebel an 2oh. PH. Becker.) Aon P. K o m p f f w c y e r. August Bebel lernte l86z die von Karl Mar; verfaßte Jnauguraladresse der Jmernatianale kennen, und Ende 1866 schloß dqr sich dieser internationalen Arbelleroerbindung an. Er nahm dann Fühlung mit dem alten Nevolutionär Johann Philipp Becker, der seit 1866 i>en.Vorboten" herausgab und die deutsch« Sektion» gruppe der Internationale in Genf leitete. Bebel unterrichtete Becker über die Fortschritte der deutschen Arbeiterbewegung und be- sprach mll diesem die Aussichten für die Fortentwicklung der Lnter- uatipnal». Becker beabsichtigt«, eme Sektion der Internationale in Deutschland zu gründen und den.Dorboten' nach Deutschland zu verlegen. Bebel schrieb ihm daraus am 9. Oktober 186<: Geehrter Freund und Gesinnungsgenosse! Ihre Wünsche bezüglich der Gründung einer Sektion der Intern- Arb.-Gen. werde ich 6» verwirklichen iuchen, werde jedoch in dieser Sache nicht eher etwas tun können, bis der Reichs� tag geschlollen ist und ich wieder deiinitiv hier am Platze bin. Ob Ihr Plan, die Redaktion des„Vorboten" hierher zu verlegen. sich verwirklichen läßt, darüber will ich kein bestimmtes Urteil fällen. Tatsache ist. daß die Schullern derjenigen, welllze sich ernsthaft gm lue sozialdemokratische Bewegung bekümmern, schon so mll Ausgleichende Gerechtigkeit. �' m Lüttwltz: ,3hreu Mann habe« Sie Kapptruppen erschossen!— Tut uichts, ich beziehe fa Pension üafür!" Arbeiten beladen sind, das neues hinzuzunehmen kaum ratsam sein dürfte. Der Mangel an Kräften macht sich gegenüber dem Vielerlei und den vielseitigen Ansprüchen auch bei uns geltend. Indes, ich werde mll Freund Liebknecht und den übrigen Gesinnungsgenossen die verschiedenen Punkte beraten und Ihnen Nachricht zukommen lassen.... .... Im ganzen läßs die Bewegung manches zu wünschen übrig. Die schlimmen Zeiten(Dedienstlosigkeit und Teueung) hallen viele von den vereinen fern, letztere haben insolgedessen mll materiellen Sorgen zu sehr zu kämpsen. Die Diätenlosigtelt der Reichstags abgeordneten legt den Dereinen innerhalb der Wahlbezirke, wo demokratische Abgeordnete gewählt lind, ebenfalls nicht unerhebliche Opfer auf, da ist es denn kein Wunder, wenn die Resultate nach allen Seiten ungenügende sind. Ich fürchte oder hoffe, wie Sic wollen, das alle Staatsgebäude Europos wird über kurz oder lang mit einem gewaltigen Ruck zusammenbrechen, lange tonn es in der bisherigen Weis« nicht fortgehen, da« sühll man selbst in Kreisen. die einer gewaltsamen Umwälzung feind sind. Wir wollen aufpassen, daß aus dem Chaos, was dann folgt, was Tüchtig«, sich heraus. bildet. Mit freundschaftlichem Gruß Ihr A. Bebel Leipzig, den 9. Oktober. Die Verlegung des„Dorboten" nach Deutschland und die Be- gründung«iner Sektion der Internationale in Deutschland ließen sich nicht verwirklichen. Die junge sozialdemokratische Bewegung Deutschlands konnte unmöglich eine besondere internationale Sektion und den„Vorboten" auf ihren schwachen Schultern tragen. Bebel streifte, um das seinem Freunde Becker begreiflich zu machen, häufig iu seinen Briefen die betrübende soziale Lage der deutschen Arbeller, vor allem der Weber, die durchschnittlich in guter Zell bei voller Arbeit kaum drei Täler verdienten. Bebel bedauerte wiederholt, die lebhaft« Streikbewegung der Internationale in der Schweiz nicht unterstützen zu können. Er schrieb am 11. Mai 1868 unter anderem an Ioh. PH. Becker: „Die Lage unserer Arbeller in Sachsen und. wie ich hier sehe. auch in Berlin Ist eine höchst traurig«. Die totale Geschästsstockung seit vorigem Herbst, die jetzt erst langsam ansängt auszuhören, hat unseren Arbeiterstand in«ine verzmeifelle Lage gebracht, die ihm die Unterstützung seiner leidenden Brüder ganz unmöglich macht«. Der Verdienst ist ein so karger, daß man sich erstaunt fragt, wie es nur möglich ist, noch davon zu leben, und dabei ein Druck der Kapsta» listenpartei und ihrer Werkzeug«, der Ihnen aus den Artikeln des ..Demokratischen Wochenblattes" einigermaßen bekannt sein wird. Daß wir letzteres haben, ist«in wahres Glück für uns, es ist ein Ort. wo die Arbeiter ihre gerechten Klogen anbringen können." Bebel spricht für die Internationale in einzelnen Städten und vertreibt den„Vorboten". Er schildert in einem Brief an Becker, wie die Arbeiterschaft durch den«treit um Schweitzer zerklüftet sei, der Streik der Zigarrenarbeiter habe„kläglich" geendet, und die Produktivgenossenschaftsbewegung müsse große Schwierigkeiten überwinden. Bebel meint«:„Es wird schwer hallen, bei unseren vor- faulten demoralisierten Zuständen gesunde Genossenschosten ins Leben zu rufen." Das deutsch« Zollparlament erweckt nach Bebel einen derartig niederdrückenden Eindruck, dag die„Großpreußen gar arg die Kopfe hängen" lassen.„Sehen doch die eifrigsten Mitarbeiter an dem großen Werk," so schreibt Bebel wörtlich an Becker,„nach- gerade ein, daß sie eigenllich nichts ayderes sind als Statisten für den tomtitutioncllen Humbug des Grasen Bismarck."(Brief vom ll. Ma! 1868) Bebel stellte dem drängenden Becker die deutschen Aengste und Sorgen immer eindrucksvoll vor Augen, um ihm wohl zu beweisen, wie beschränkt die deutschen Mittel lür die Forderung dep„Internationalen" wären. Er verbreitete Artikel des„Vor- boten" in dem„Demokratischen Wochenblatt" und in der„Arbeiter- halle" und sandte die Statuten der International« an die unter seiner Leitung stehenden Arbeitervereine. Mehr aber konnte er nickst tun. da'sich ja der deutsche demokratische Sozialismus erst in seinem eigenen Hcimatlande ein Existenzrecht zu erkämpfen hotte. Am 16. Juli 1 8 68 schrieb er dann.u. a. an Ioh. PH. Becker. Geehrter Freund! ____ Was nun meine Ansicht über den Anschluß an die Int. Arb.-Ass. betrifft, so könnte dieser meiner Ansicht nach nur als deutscher Aibeiterverbond in corpore erfolgen, den» jeden einzelnen Verein zu zwingen, der Sektion beizutreten und den vollen Mitgliederbeitrag zu zahlen, ist unmöglich. Die einzelnen Vereine haben aye ihre besonderen Bedürfnisse, die ihre Kräfte voll in An. spruch nehmen, und die nicht geschädigt werden dürfen, soll nicht die ganze Bewegung aus dem Leim gehen. Ich habe daher die Ab- ficht, zu beantragen, daß sich der Bereinstaq mit Zweck qnd Pro- gramm der Ini Arb.-Ass. einverstanden erkläre und den engsten Anschluß an dieselbe erstrebe. Mir wäre wünschenswert, recht bald von Ihnen zu wissen, wie dieser Anschluß am besten bewerkstelligt werden könne, sehr erwünschter wäre e, noch, wenn Sie oder«n anderes Mitglied des Zentralkomitees den Dereinstag besuchen wollten, um an Ort und Stell« Auskunft zu geben und zugleich ein Zeugnis abzulegen für di« Zusammengehärigkell der Arbeller aller Rationen. Ich lade Sie hiermit im Auftrage des Bororts dazu ausdrücklich ein...,, • All Gruß und Handschlag A. Bebe? Leipzig, den 16. Juli 1868 Aus einem Nachwort Bebels zu diesem Briese ersieht man, daß die Hauptbedenken gegen den Anschluß„die etwaigen materiellen Zuschüsse an die Zentralverwal- t u« g" gewesen seien„Liebknecht meint«, da» ließe sich schon so machen, daß besondere Steuern nicht erfordert würden, sondern der einfache Anschluß unter Akzeptierung de» Programms und unter Belassung jeder uns gutdünkenden und den deutschen Verhällnissen entsprechenden Organisation ausreichend sei."(Brief vom 16. Juli 1868.) Der Anschluß an die Internationale, zu dem hier geraten wird, war also außerordenllich lose, und er band die werdende Sozial demokratische Partei nicht an die Zahlung bestimmter Beitrage Der Nürnberger Dereinstag deutscher Arbeitervereine erklärte daher nur seine Uebereinstimmung mit den Hauptprogammpunkten der Internationale. Ms dann Ioh. PH- Decker die deutschen sozialdemo kratischen Arbetter organisatorisch fester an die Internationale knüpfen wollte, schrieb Bebel an Karl Marx, daß ihn die Vorschläge Becker»„etwa? unbehaglich stimmten". Er(Bebel) habe aus diesen Vorschlägen zu ersehen geglaubt,„daß es Becker darum zu tun sei. die Leitung sür Deutschland in bezug auf die Internationale Arbeiter association in die Hönde zu bekommen". Und Bebel bemerkte dann weller in dem Briefe vom 39. Juli 1869 an Marx:„Mein Entschluß war dann auch, auf dem Kongreß das unpraktische, ja unausführ bare, Zell und Geld nutzlos kostend« Projekt zu bekämpfen, und es freut mich nur, an dem Generalrat der Intern. Arb.-Ass. selbst «ine Stütze gefunden zu haben." Ein späterer Brief Bebels an Becker(16. Juli 1869) befaßt« sich mll den Parteistreitigkeiteu in Deutschland und mll den Schritten. die zum Kampf« gegen den Lassalleaner Schweitzer und zur Ein bexufung des Estenacher sozialdemokratischen Kongresses unter not) nn en worden waren. Abermals lud Bebel Ioh. Ph. Becker zum Besuch des Arbeiterkongresses ein. Der Eisenacher Kongreß legte dann 1869 das Programm der Soztaldemotratijchcn Arbeiter partei fest, in'dem sich diese Partei, soweit e» die Vereinsgeseßc gestatteten, als Zweig der Internationalen Arbeiterassociation be trachtet(„sich deren Bestrebungen anschließend"). Der Anschluß der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei an die Internationale Halle im wesentlichen eine rein ideelle Bedeutung. er besagte die Anerkennung bestimmter Grundsätze der Internatio nale durch diese Partei. Er verknüpfte sie weder materiell noch organisatorisch mit der Internationale. Die junge Partei stand ja selbst noch vor den schwersten Existenzkämpfen. Sie Entführung einer Iran Snrch einen Gorilla. Von Zell zu Zell wird von Negern gemAdet, daß Frauen durch Gorilla» entführt werden. Diese Meldunge» werden meist mit Recht bezweifelt. Darum wird es interessieren, von«wem deutschen Augenzeugen eines derartigen schrecklichen Borsalles die Beschreibung der Entführung«iner Frau durch einen Gorilla kennen zu lernen, wie wir sie in einer alten Nummer der deutschen Kolonialwochenschrist„Kolonie und Heimat" finden. Der deutsche Feldmesser Rohr erzählt darüber folgendes: Es war am 1. März 1911, als ich von einer mehrtägigen Dienstreise von Kaunde auf dem Lager des Landmessers Wilhelm bei dem Orte Esumo-Mbetc. hart an der Grenze der beiden gkoßen Stämme Jaundc und Bakolo eint ras, um mich von den ausgestandenen Anstrengungen zu erholen. Ich hatte es mir kaum etwas bequem gemocht, als ich ganz in der Näh« des Buschhauses ein fürckuer liches Schreien und Jammern hörte. Der schwarze Koch des Herrn Wilhelm kam ins Haus gestürzt und rief mir mit allen Anzeichen des Entsetzens zu:.Herr, der groß« Buschmann ist da!" Schnell packte ich meine große Pirschbüchse und rannte in meinen nicht mehr ganz wasserdichten Hausschuhen dem Unhold entgegen. Ms ich aber nach wenigen Minuten an dem Platz ankam, von dem das Geschrei ertönte, bot sich mir ein furchtbarer Anblick. Ein mächtiger Gorilla lag auf einem Schwarzen und richtete sein Opfer schrecklich zu, während die Kameraden, mll Buschmessern bewaffnet, in kurzer Entfernung den Schauplatz umstanden, aber nicht wagten, den Unglücklichen aus der Gewalt des Gorillas zu befreien. Als ich mll meiner Büchse in einer Entfernung von etwa 40 Metern erschien, was der Best!« nicht entgangen war, erhob sich diese kampfberell. Doch das Tier hatte keine Zeit mehr zu einem Angriff. Durch einen Herzschuß gotroffen, wankte es nach drei Schrlltc abseits, um dann zusammenzubrechen. Der Kampf zwischen dem Schwarzen und dem Affen hott« sich nach der Erzählung der Eingeborenen folgendermaßen abgespielt: Das Tier spazierte gemütlich aus dem Busch heraus, um«ne der auf der Farm arbeitenden Frauen zu entfuhren. Diese begann natür- sich fürchterlich zu schreiben. Di« Männer wurden dadurch aus ihrem gewohnheitsmäßigen Schlaf aufgescheucht und eilten der Frau zu Hilfe. Der Affe ließ nun von dem Weib« ab, rächte sich dafür aber an demjenigen, der ihm zu nahe gekommen sein mußte. Dieser Mann, den ich nachher nach dem Hospital der Kameruner Mittelland- Bahn an. der Kribi�-Iaunde-Stratze bringen ließ, halle furckitbare Verletzungen. Beide Hände waren total zu'Vre, aedrückt. Die Waden waren bis auf den Knochen glatt durchgebissen, ebenso die Armmuskeln. Ein Beweis, welch unHeini- liche Kraft solch ein Tier besitzt. Die Weibchen sind von viel geringerer Größe als die Mamtchen. Eine Grippe-Epidemie im 9, Jahrhundert. Die erste Grippe- Epidemie, von der sich«ine Nachricht erholten hat, herrschte, wie die Forschungen Mittwochs feststellten, im Jähre SSS, und zwar trat die Krankhell zuerst in Persien und Mesopotamien auf. wohin sie von Norden her gekommen war. Der allpersssche Thronist Haueza ol Isfahani erwähnt die Epidemie als eine Kranrhsit, die„ein kalter Wmd aus dem Lande des Turtvolles(d. h. aus dem Norden) g«. bracht habe" und der die Menschen töte, weil„seine Käst« sie befiel Sie bekamen Katarrh und gingen zugrunde". Außerdem beschreibt der Throntst die Krankheit so treffend, daß es sich unzweifelhaft tun: um eine Grippe-Evidemie gehandelt Hecken kann, M7.».L*-7 Zrauenrechte im Sport. Unsere junge deutsche Republik Hot den Frauen das gleiche Recht gegeben. Zu den öffentlichen Körperschaften in Reich, Län- dem und Gemerrdcn haben die Frauen das aktive und passive Wahl- recht. Sic können als Abgeordnete gewählt werden und auch öffentliche Aemter jeder Ärt bekleiden. Damit ist eine alte F o r- derung der Sozialdemokratie, daß die Frau dem Mann in politischer, sozialer und kultureller Beziehung gleichgestellt sein muß, zu einem großen Teil in Erfüllung gegangen. Der Kampf der Frau um gleiches Recht ist damit aber keineswegs überslüsfig, sondern im Gegenteil jetzt erst recht aktuell geworden, denn im Hinter- gründe taucht nun die Frage der g? e i ch c n Pflichten auf, ohne die gleiche Rechte auf die Dauer nicht denkbar sind. Dieses neue Aufgabengebiet spiegelt sich sehr deutlich auch innerhalb des Ar- b ei t e rs p o rts. Vom Bürgertum wurde das Verlangen nach Gleichberechtigung der Frau stets abgelehnt: die Frau gehört ins Haus, sie versteht nichts von Politik und öffentlichen Angelegenheiten. Dieser Anschau- ung entsprechend, sind auch die Frauen im bürge'rlichen Sport lediglich Angehörige(wie Jugendliche und Kinder), nicht aber stimmberechtigte Mitglieder! Der Arbeiter sport hat, ent- sprechend seinen ideologischen Grundlagen, den Frauen nicht nur gleiche Mitgliederrechte gewährt, sondern auch Sicherun- gen geschaffer, um eine positive Mitarbeit der weiblichen Mitglieder zu erreichen. Auf dem letzten Bundestag des Arbeiter-Turn- und Sport-Bundes in Hamburg wurde beschlossen: 1. Die Funktionäre innerhalb der Frauenabteilunaen sind von den weiblichen Mitgliedern selbst zu wählen. 2. Zu allen Tagungen müssen die weiblichen Mitglieder entsprechend ihrer Zahl durch weibliche Delegierte vertreten sein. 3. Die Wahlen dieser Delegierten erfolgen in besonderen Zusammenkünsten bzw. durch Urwahl der weiblichen Mitglieder. Diese Beschlüsse zeigen das klare Ziel, die weiblichen Mitglieder positiv au der Bundesarbeit zu beteiligen. In der neuen Bundes- zeitung:.Die Bundesgenossin"(früher„Freie Turnerin") nehmen mehrere Sportlerinnen zu der Frage Stellung und zeigen die noch vorhandenen Schwierigkeiten: viglen Frauen und Mädchen fehlt noch das Vertrauen in das eigene Können: sie fügen sich wohl der Leitung des Mannes, aber eine Genossin als Leiterin? Nein, das ist ganz etwas Neues, das geht nicht, es muß schon ein Mann sein. Vielen Männern erscheint das„Neue" ebenfalls nicht praktisch, sie bestärken die weiblichen Mitglieder in der Indifferenz. Trotzdem gibt es schon Abteilungen, Sportfeste und Kurse, in denen sich die Sportlerinnen selbst leiten. Dieses Prinzip weiter zur Durch- führung zu bringen, ist aber vor allem eine Ausgabe der Frauen und Mädchen selbst, die sich die Worte in der „Bundesgenossin" zu eigen machen sollten:...Wir können etwas leisten, wir können Großes leisten, wenn wir wollen! Wollen wir also? Die Vorgänge beim Arbeitersport zeigen das Bestreben, die Frauen und Mädchen zur Selbstachtung und zum Selbstvertrauen zu erziehen. Aus der Hausfrau und Mutter, deren Gedankengang sich auf das Häusliche beschränkt, soll die M i t g e n o s s i n werden, die aktiv Anteil nimmt am öffentlichen Leben, an der Arbeit in Partei und Gewerkschaft, an den kulturellen, vor allem Schulfragen und am Ausbau der Republik. Vielleicht haben die Frauen schon bisher einen weit größeren indirekten Einfluß gehabt als man nn allgemeinen annimmt und nachweisen kann. Die Franzosen haben die. Meinung, daß man hinter seder besonderen Angelegenheit die Frau als eigentlichen Urheber suchen soll, daher ihr geflügeltes Wort: Chercher la feninie!(Sucht die Frau!) Aus dieser in- direkten Beeinflussung wollen die Frauen heraus und Seite an Seitg mit den Männern direkten Anteil am öffentlichen Leben nehmen. Der Arbeitersport wird aus tatkräftiger Unterstützung dieser Bestrebungen nicht nur selbst Vorteil ziehen, sonden auch vor- bildlich wirken im Interesse der sozialistischen Bewegung. _ F. Stühm. Eine originelle«.Pressestelle". Die Leichlathletikvercinigung verteidigt sich. Die Kennzeichnung der unerhörten Behandlung mißliebiger Zestungen anläßlich des großen Hallensportfestes hat uns von dem .Presiewart" der Leichtathletikvereinigung, Hurtig, einen Schreibebrief eingebracht, der ein bezeichnendes Licht auf die Tätig- keit dieses„Prefsewartes" und seiner„Pressestelle" wirft. Herr Hurtig verwahrt sich gegen den Vorwurf, daß der„Vor- wärts" ausgeschaltet worden sei und betont,„daß sich in der Pressestelle Vertreter(Sportgenosien) der Zeitungen„Vorwärts", „Rote Fahne",„Welt am Abend" und des„Berliner Rundfunk" befunden hätten". Dazu haben wir festzustellen, daß uns von einer solchen Vertretung unserer Zeitung nichts b� k a n n t war und ist. Offenbar will die Leichtathletikvereinigung im Zeitungswesen neue Moden einführen, indem s i« den Blättern vorschreibt, durch wen sie sich vertreten zu lasten haben. In Rußland mag das üblich fein, xn Deutschland wird nian mit dieser Methode wenig Glück haben! Es bleibt also dabei, daß der„Vorwärts" keine offizielle Zeile Propagandamaterial von der Presse st ell« erhalten hat. Die vom„Vorwärts" veröffentlicht« Ausschreibung zu dem Fest mußte erst von uns durch einleitende Bemerkungen den Lesern verständlich gemacht werden. Es bleibt auch dabei, daß der �Vorwärts" t»ine Einladung zum Fest erhalten hat, denn— der„Prestewart" der Leichtathletikvereinigung bestängt es selbst in seinem Brief. Das wäre vergessen worden! Eine schön«„Pressestelle", die so etwas vergißt. Ein« schön«„Presse- stelle" ist es auch, die bei so großen Veranstaltungen, wie es das Hollensportfest war, die Presse nicht dauernd infor- miert, die keine Pressebesprechungen veranstaltet, zu denen die Vertreter der Zeitungen eingeladen und wo sie mit allein Geplanten vertraut gemacht werden, dqmit sie das Gesehene und Gehört« dann werbend im Blatt« mitteilen können. Wenn die. Leitung der„Pressestelle" so«was nicht versteht oder das nicht- be- greifen will, so ist sie für diesen Posten eben ungeeignet und muß im Interesse des Arbeitersportes verschwinden. Wenn die merkwürdige„Pressestelle" vor dem Fest so prompt gearbeitet hätte, wie nachher mit der Versendung von Richtig- stellungen, so wäre dem Arbeitersport und auch dem Hallensports«» mehr gedient worden. Prompt beliefert wurden durch die«inseitig kommunistisch«ingestellte„Presseleitung" nur die k o m m u- nistischen Zeitungen. Das konnte nicht nur durch Augenschein festgestellt werdep, sondern die„Rote Fahne" von gestern früh bestätigt das auch, indem sie zugiebt: „... Wenn sich die Dinge tatsächlich so verhalten(daß der „Vorwärts" boykottiert wurde.— Red. ,.25."), dann wäre der Entschluß der Arbeitersportler. den„Vor- wärts" zu boykottieren, nur zu begrüßen." Dieses Eingeständnis ist äußerst wertvoll für das Vorgehen der «ichtkommunistifchen Arbestersportler. Sie werden sich eiii« so«inseitige Führung der Geschäfte durch die Kommunisten nicht mehr lange gefallen lassen. Im übrigen ist die P'essestelle der Leichtathletikvereinigung nicht p» der Lage, unser« Kritik an der- scnstigen Vorkommnissen beim Hallensportsest zu widerlegen. Sie versucht es mit Eutschuldi- guag« n, die aber so wenig überzeugend sind, daß sie nur an- Hegen, lieber die von uns gerügte kommunistische Pro-j paganda durch Lie-kcs„Proletarischen Gesundheitsdienst", die Dudelsackkapelle der„Roten Frontkämpfer" und die Agitatoren der „Roten Hilfe" schweigt sich der„Pressewort" vollends aus. Wir registrieren das als ein Schuldbekenntnis. Allerdings wäre es zu viel verlangt, von diesen Leuten Besserung zu erwarten. Besse- rung können nur die Sportler selbst bringen, und das werden sie bald tun. Dessen kann die Leitung der Leichtathletikvereinigung versichert sein. Eine �firbeitsgemeinfthost mit Richte'. Wer geglaubt hat. daß die Mitgliedschaft de» Schwimmvereins „Vorwärts", die in ihrer Mehrhest bisher immer tolerant beiden polstischen Strömunc-en gegenüberstand, dies als Marschroute auch in den jetzt politisch viel ruhigeren Zeiten beibehalten würde, wurde durch die Generalversammlung, die am Sonntag im Gewerkschaftshaus stattfand, eines anderen belehrt. Durch An- nahm« eines Antrags, mit dein Turnverein„Fichte" eine Ar- beitsgemeinfchaft zu bilden, soll, wie ein Mitglied, das der KPD. angehört, erklärte, der„Zentrolifationsgedanke" weitere För- derung erfahren. Man will, wie es scheint, in Groß-Verlin einen KPD.-Block innerhalb der Arbeitersportvereine schassen, um die Ge- nossen der SPD. systematisch an die Wand zu drücken. Vorläufig ist es allerdings damit noch nicht so weit und es wird deshalb noch harte Kämpfe geben, des können die jkommunssten versichert sein. Bei den Neuwahlen zeigte sich so recht, in welche Lage der Verein hineinmanövriert worden ist. Die Kommunisten und ihre Nach- läufer im Verein konnten wohl schöne Beschlüsse fassen, den Dorstand zu besetzen, waren sie nicht in der Lage. Der alte Vorsitzende hatte sein Amt niedergelegt. Nun, es wird sich zeigen, welche Früchte dieser Beschluß zeitigen wird: es ist nur zu hoffen, daß dieser Beschluß revidiert wird im Interesse einer einigen und gesunden Fortentwicklung des Z5ereins._ SchwerathleiikkSmpfe. Die Sportliche Vereinigung Nord-Ost Üö lud am Sonnabend zu einem Kampfabend ein, der in jeder Beziehung als geluneen zu bezeichnen ist. Der höhergelegte Ring ließ eine gute Beobachtung der Kämpfe zu. Die Vereine Siegsried 09, Berolina, Borau, Allzeit bereit, Lurich und der erst kürzlich gegründete„Der Ring" fanden sich zu interessanten Box-, Jiu-Jitsu- und Ringkämpsen ein, sie zeigten in den einzelnen Kämpfen, daß der Sporr eine gute Stätte bei ihnen findet. Im Ringen zeigten Gmmski(N-O.) und Schulze(Siegfried) ihre hohe Klasse. In 2,4-t Minuten konnte G. seinen Gegner auf die Schultern legen. Einen schönen Jiu-Jitsu- kamps lieferten Wolf(N.-O.) und Schulze(Allzeit bereit). Er endete unentschieden. Sonstige Resultate; Ringen(Rebtrscmtätl: Rrüflcr tZt.-O.) gegen Schwendtler tBoran). Sieger Krtiger. 3,6 Min. Mcinickv(31.-0.) gegen Podapp(Setclino) noch 10 Min. unentschieden.— IinZits»(gel- ergrau(fit): B. Propg(Lurich) gegen Stirn«. inann(N.-O.) unentschieden.(Leichigewicht): St. Provv(Lurich) gegen Flick (N.-O.) Sieger Flick, 8,25 Min.(Mitteloewicht)! Bortcl(NO.) gegen Doubitz (■anieit bereit). Sieger Barte l. 14,30 Min.— Bozen(Jugendklasse) i Der» linM(R.-O.) und Drohnxinn(Siegfr«d) unentschieden.(Leichtgewicht): Leh- mann(N.-O.) gegen Schläftinann(Lurich) unentschieden. sWeltergcwichtj: Kardeaen(N.-O.) gegen Franke sLirrich) unentschieden. Zbaro(R.-O.) gegen Darin! iwrtrn(Der Nina). Baumg�rtcn Punktsieger. � '_ t f Kommunistische Umtriebe bei den Naturfreunden. Wir wiesen erst'kürzlich darauf' hin, daß unberufene Glinde wieder einmal am Werke sind, die ruhige, aufwärtsstrebende Arbeit der Arbeitersportler zu stören, und berichteten dabei von der not- wendigerweise erfolgten Auslösung der Ortsgruppe Sch wennin- gen iGau Württemverc) des Touristenvereihs„Die Naturfreunde". Im Zusammenhang hiennii setzt natürlich auch neuerdings wieder ein sogenannter Proteststurm ein, für den sich selbstverständlich die kommunistische Presse einsetzt. Die aufgelöste Ortsgruppe Schwen- ningcn erklärt in einem Rundschreiben an alle Örtsgruppeji der Naturfreunde, daß es sich hierbei nur um„Machtpolitik und' Zertrümmerungsmethoden" der Naturfreunde-Reichsleitung handle. Es fei demgegenüber nochmals mit aller Deuttichkeit festgestellt, daß die Mitglieder der aufgelösten Ortsgruppe schon bisher in ihrem ganzen Verhalten gegenüber dem. Gesanitverein ein durchaus unsolidarisches Benehmen zur Schau trugen. Mehr als einmal ist der gan.; selbst- verständliche Beschluß vom Gesamtverein gefaßt worden, daß Gut- haben, Häuser und sonstige Werte der einzelnen Gruppen Eigen- tum des Gesamtvereins seien. Die Ortsgruppe Schwen- ningen aber hat sich diesem klaren'Beschluß stets widersetzt, indem sie es zuließ, ja durch Beschluß unterstrich, daß das der Gruppe ge- hörige Grundstück ganz privat auf die Namen dreier Aereinsange- höriger eingetragen wurde. Zur Begründung dafür wurde öffentlich gesagt, daß man ja nicht wissen könne, ob die Ortsgruppe nicht eines Tages von der Reichsleilung aufgelöst werde und man wolle sich dann die Werte, die in dem 5)au« auf dem Hirzwald niedergelegt sind, nicht entgehen lassen. Man war sich also zweisellos der Wider- rechtlichkeit der parteipolstischen Uintriebe in der dortigen Ortsgruppe längst bewußt. Was deshalb als Gegenwirkung von der Reichs- leitiing aus unternommen wurde, geschah durchaus zu Reckst. N»n kann in allen Versammlungen und Sitzungen der Zlrbeitersportler der „von unten kommende Proteststurm" losgehen, um solcher„Mncht- politik" die sogenannte„geeint« Kraft der organisierten Arbeiter- sportlerschaft" oder wie es sonst lauten mag, entgegenzusetzen. Die Naturfreunde mit der Reichsleitung und der Zentrale in Wien wer- den das zu ertragen wissen und unbekrrt durch kommunistische Quertreibereien ihren als richtig erkannten Weg gehen. ©os««oettfetttfte giinift« fnttrt die Spieler tiicht an, fonAttr twraurrt itur. Stroim ist imrch diesen Sie« wieder in bcdrobliche Rähe gernckt, und«nsi s-.ck Liidtenbe:« sehr in echt nedme». mn die Fildruno zu behalten. Treptow scheint sich ans sein« frilberc Spielstarke zu besinnen. Vorwärts 20 wurde mit 3:1 aus dem Felde acichlaoen. Askania fand in Eadowa nicht den erwarte- ICN Widersiand. Mit 3 i 2 behielt Äsiania die Oberhand. Oderspree erranz durch einen ö: 8-Siez übet Brandenbnrz 02 die Führung in Abteilung V. Oberspree gewann in der Hauptsache duich grösseren Eiser und bessere» Steh. oermögen, während bei Brandenburg der Torwart versagte, und dadurch seiner Mannschaft zu der Siiederlage verhalf. Adlershof vermochte nicht den Siege». laut der Spartaner zu unierbreche». Mit 4: 1 blieben die Lichtenberger Sieget. Tross aller Anstrengungen tonnte Hertha& gegen Johannisthal nur »nentschieden 2: 2 spielen. Frisch-Frei spielte gegen Adlor-Mohlsdors 7: 2. Richterswalde argen Tasmania 2 i 6. Äetsäi« Udorf gegen Wrirzen K: 2. Berliner Sportverein 16 gegen Woltersdorf 1: 2. Lustig-Fidel gegen la Sinti 6:1.— Bezirk Norden: Di« von allen Eingeweihten erwartete und von Staaken befürchtete Ueberraschung trat pünktlich ein. Die Ranener Sparta konnte Staate» knapp mit 3: 2 schlagen. Borusssa fand in Helvetia einen sich verzweifelt wehrenden Gegner. Wenn es Borussia trossdem gelang, seinen Gegner mit 5:2 zu schlagen, so habe» sie es in der Hauptsache ihrer Spiel. ersah runa zu verdank«». Immer mehr schiebt sich Amateure in dkn Vorder- grund. Am Sonntag wurde Fichte-Gesrnribrunnen einwandfrei mit z: z ge- schlagen. Pankow 08 und Arbeiter-Spoitverein 24 trennten sich 2: 0. Hansa argen Minerva 3: 7. Wittenau gegen Adler 12 0: 4. Tegel 24 gegen Wacker 20 1: 6. Beltener Ballspieltlub gegen Sochsenhansen 11: 2. Alemannia gegen Union 4: 0. Viktoria gegen Adler 08 10: 1. Turnverein Pankow gegen Brill 7:2.— Im Südwesten kommt das knappe 1: 0-Resnltat, das der Spitzen- reiten ssteckölln-Britz gegen den mittelmassigen Verew Krrazberg errang, nn«:- wartet. Hat Neukölln jetzt ein« Krise innerhalb des Vereins zu überstehen? Auch Luckenwalde I konnte nur knapp gewinnen. Eintracht wurde mit 2: 0 geschlagen. Potsdam vergab sich sede weiter« Aussicht auf die' Spitze durch die 1: ö-Niederlag«, di« st« von Biandendurg einstecken mussten. Britannia sicherte sich mit einem 4: l-Sieg über Wollersdorf weiterhin di« Führung in Abteilung 0. Teltow spielte gegen Berolina 1: 0. Luckenwald«>' gegen Mariendorfer Epott-Elub 2: 0. Viktoria gegen Jehlendoiser Ballspiel-Elick 4: 0. Wilmersdorf gegen Kirchmöser 10: 2. Frisch-Auf gegen Wacker-Lank» witz 4: 0. Eharlottenburg gegen Fichte.Norb 2: 3. Nuhlsdors gegen Frankenfeld« 3: 1. Kolzenburg gegen Luckenwalde III 0: 3. Nowawes gegen Schmargendorf 0: 0. Jüterbog gegen Neuköllner Ballspiel-EIub 5: 0. „wassersportvcrein Helios." Dieser Täge hat sich in E h a r- l o t t e n b u r g ein Wassersportverein konstituiert, der aus srüheren Mitgliedern der Konuoerciniguncl der Freien Schwimmer Ehar- iottenburg hervorgegangen ist. Er führt den Namen„Helios": die Flagge zeigt auf weißem Grunde den raren Sonnenball und wird nach unten von zwei blauen Wellenlinien abgegrenzt..Der Verein, der dem Arbeiter-Turn- und Sportbund angeschlossen ist, betreibt den Wassersahrsport in jeder Form, er hat Kanusahrer, Segler, Ruderer und Motorbootfahrer zu Mitgliedern. Das Herr- lich gelegene Bootshaus befindet sich m Tiefwerder Nr. 29 bei Spandau, Straßenbahn 54 und 154. Auskünfte und 2lufnahmc bei Wilhelm R o l o f f, Charlottenburg, Nehringftrahe 4s, und Max I a e h n e r, Tel. Dönhoff 292/97. Ve, irksein, elmeisterschasl Reukölln FKSD. Die Vorkämpfe zur �Feststellung der Bezirksriege für 1927 begannen am 16. dieses Mo- nats auf den Bohnen Jteglerheim Oberspree" und werden am 23. beendet sein. Es gehen etwa 299 Kegler an den Start(ge- schoben werden pro Kegler 199 Kugeln), wovon sich 29 Proz. für die Entscheidung über 159 Kugeln placieren können. Die besten zehn Kegler bilden dann die Vezirksriege. Gleichzeitig wird die Figurenmeisterschaft ausgetragen. Sämtliche Kämpfe sind startgeld- frei._ � Zusiballresultate vom 16. Januar.« Di« schön« Witterung am Sonntag föiberte di« ausgerragenen Spiel« srbr. Aua: on<ün:gen Ueberraschungen fehlt« es wieder nicht. Hauptsöchlich iil es wrhl dio /hohe Nie-le-Iage. die der- Spitzenreiter der Abteilung S int 0 s: e u. LifVenberit-j; cin'tcrtcn mitftlcj Den Miulen Stralauern gewng es, eine» 7: U-Siog he auszuho'en. Sita. et/ halt« ffrrdient gewonnen, wenn auch las Reiuttat enpr.s hoch erscheint. Sic Hauptschuld an der Niederlaa: ha: der Lichtenberaer Torwart, der nach dem ersten Tat voll la Minen nervös wurde. Auch ist den Lichte übe vgern m raten, mehr Stühe auf dam Felde m bewahren. Handballbericht vom 16. Januar.» Auf dem Domürieusplatz in Schönebevg stauten sich die 1. 3>!a::nschaf:en von Schone bera Sportableilung und Brandenburg 1. Abteilung, gegenüber. Schöneberg setzt sich nach dem Anwnrs sofort v»v dem Brandenburger Tor fest, kann aber trotz guten Abspielens und vieler Schüsse den Btandenburger Tor- büter nicht aus der 3wbe bringen. Erst zwei Minuten vor der Pause gelingt es dem Halbrechten, durch einen nn haltbaren Schuss Nummer 1 zu buchen. Tov 2 ging gleich nach der Pause gegen den Pfosten und dadurch ins Tor. was auch mit dem 3. Tor geschah. Das 4. Tor erlangte Schöneberg durch die Schuld des Brandenburger Torwächters, der den Ball leicht mit dem Fuss abwehren wollte, aber ihn dabei ins Heiligtum rollen liess. Die technlfch und iörverlich Aeberlegenen waren die Schöneberger. denn bei den Brandenburgern konnte es an Länge nur der Torwächter mit sechs Sä'.öneberger:: gleichtun. Trotzdem Brandenburg öfter in die Sdöhe des Schöneberger Torrs tarn, wurde nichts Zählbares erreicht. Schönebevg konnte nach ein ö. Tor erlangen. Trotzdem das Spiel etwas..körperlich" war. wurde im grossen und ganzen von beiden Mannschaften ruhig und sachlich gespielt und Entscheidungen cher Schiedsrichter fast kritiklos hinoeuommen. Die Sölöneberger Turngenossen sollten ihr doch sscher norhantenes Interesse für das Spiel ihrer Mannickiaftezt wenigstens dadurch bekunden, dass sie als Zuschauer dabei sind. Bei dem vorher statt. gefundenen Spiel den 2. Mairn/chasten konnle es Brandenburg wenigstens zum Ehrentor bringen, dem Echöneberg 3 Tore entgegensetzen konnte. Schüler: Adlersbos gegen Gross. Berlin-Roientlun 2:2(1: 0). Bohnsdorf gegen Wildau 1:0(1: 0). Fichte 13 gegen Fichte 22 0: 0.— Jugend: ASE. gegen Fichte 7 2: 12(0: 5). Lichtenberg l gegen Gross-Be:ssin»Norden 2 1:3(1:2). Wildau geren Pankow I nicht angetreten. Äilda:: II argen Neukölln I 0: 3(0: 2). Fichte 7 II gegen Fichte 3 II 1: 1(1: 0). Alt-Glienicke gegen Sparta I 0:1(0:1). Ficht« 3 1 gegen Gross. Berlin I 4:0(0:0) Fichte 10 I gegen Fichte 20 B 1:1(1:0).— Frauen: Eiäie. Tegel gegen Fiölle 9 A 1:1(0:1). Fichte 5 gegen Gross-Berlin-Nordet: I 1:0(I: 0). Adlershof I gegen Moabit II 2:0(1: 01. Gross-Betlin-Silden gegen Neu- tölln 2 0:3(0:1). Fichte 3 1 gegen Moabit I 0:0. Fichte 3 II gegen Lichtenberg I 0:3(0:1). Fichte I gegen Neukölln Bereinsmännsäiast 0: 4 (0: 1).— Männer: Ficht« 12 gegen Schönebevg Turner 2:2(1:0). Fiötle 16 gegen Ficht« I 1: 1(1: 1). Fichte-Nord I gegen Sparta l 4: 0(2: 0). Fichte, 3lord II gegen Fichte ä 11 11: 0(3: 0> Fichte 16 11 gegen Fi»!« 12 II 2:0 (2: 0). Schöneberg Sportler I gegen Brandenburg I 5:0 sl: OV Schöneberq Sportler II gegen Brandenburg II 3: 1(3:1). Slcinfurlfi I acoci: Fichte 21 0:3(0:3). KupierlLMtmer gegen Fichte' 21 0:4.(0:2). Tegel II gegen Ficht« 13 II 2: 0(2: 0). Tegel' gegen Berlin 12 3:1(2: 1). Afly-cbnf!I gegen Brandenburg I Abt. II 0:3(0:0). Oberspree gegrit Grost» Berlin- Norden I 1:0(0:0). Eiche-Tegel gegen Fichte 13 I 4:0(3:0). Freie Kanufabrer gegen Ruderverein Collegia 2:0(0; 0). Fichte 10 1 gegen tzsi'oss- Berlin-Sitden I 1: 4(0: 3). Fichte 3 II argen Riederschöneweid« 11:3(!_' 3). Fichte 3 m gegen Erkner 1 0: 2(0: 0). Fichte 3 I gegen Stralau 12:1(l>0). Neukölln 2. Abi. gegen Fichte-Süd II 0: 2(0: 1). Fichte 20 Z oeoen Mrabit II 1:0(1:0). Kaulsdorf gegen Erass-Berlin. Norden 34:1<0: 0). Fichte 8 ,1 gegen Adlershof I 1: 12(1: 5). Fichle 22 gegen Biesdorf I 7: 1(4; 0). Rnbeeoerein„«orwSrt«", e. B. Sonntag. 23. Januar; 3 Uhr, Gensroi- versammlutia im Bootshause., Tonvistenvcrej».Die Notnrsreude". Zentrale Wien. Ortsgruppe Berlin: Mittwoch. 19. Januar, pünktlich>48 Uhr. in der Aula der Oderrealschule Wein- meisterstr. 15.(i-eneralvoriammlung. Einlass nur gegen Vorzeigung der Mit- gliedstarte mit Iahrcamarle 1026.— Abt. Friedrichshain: Dienstag. 18. Januar, 8 Uhr. im Heim Eberlilstr. 12, Bunter Abend.— Abt. Feiedennv: Diens. tag. 18. Januar, 8 Uhr, im Heim Offenbaäici Str. 5a.»Anatomie'.— Abt. Norden: Dienstag, 18. Januar, 8 Uhr. im Heim Sonnenburger Str. 20(F. 3). »Neiset�ndrücke in Italien". 2. Teil. iEenosse Hofntann).— Abt. lietgarten; Dienstag, 18. Januar, 8 Uhr, im Heim Wielefstr. 5. Generalnerfa.nmlung.— Abt. Treptow: Dienstag, 18. Januar, 8 Uhr, im Keim Elfenstr. 3. Gesango. gruppe.— Akt. Pankow: Dienstag, 18. Januar, 8 Uhr. im Heim Gö iä). strasse 14(I. 8). Eingang um die Este. Generalversominlung.- Abt. Friedeichs- bagen: Donnerstag, 20 Januar, 8 Uhr. im Scgierhcim. See». Ecke Bellevu:- strasse. Bailesung.— Abt. Prenzlauer Berg: Danneestaa 20. Januar.'.8 Uhr. im Altersheim Danziger Skr. 62. grosser Saal. Lichlbildervorrrag:..Bam Ai-nter. dem harten Mann". Eintritt 20 Pf.— Abt. siirinickeudoif: Donnere. tag. 20. Januar, 8 Uhr, im Kein: Neinickendors-West(Iugeudhauo), Seidel. strasse. Vortrag:»W:Il>e!m Liedknecht".— Abt. Lichtenberg: Dannerotag. 20. Januar. 8 Uhr, im Keim Partaue 10. Bolks:an,zabend.— AV. NCi.'olln; Donnerstag, 20. Januar. 8 Uhr, im Keim Sanderstr. 11,, Entwicklung o:s Ledens". Berliner Arbeiter-Schachklub. Abt. Wrstend. Jeden Donnerstag 8 Uhr Im Restaurant Lüdecke. Ghatlotlenburg. Sophie, Eharloiten, Str. SS(Ecke Potsdamer Strasse). Schachturnier sowie Simulranlniel für Gäste und Anfänger an beliebiger Breltzabl. Freunde und GB„iter sind freundklchst eingeladen. Unter. ficht wird kostenlos erteilt.— Treptower«rbeiter,S>chn»s,ie>er. lln'er Spiel. lokal befindet sich jetzt bei Steininger,("naetzstr. II. Ecke itrl'llstrgssr.. Spiel- tag ieden Donnerstag von 8— 1 Uhr. Ausnahme neuer Milglieder«7: jedem Spieltag. Altersriegenturner. Am Sannabend. 12. Feb'.uar. frirder dos Zusannnen. turnen der Allersriexenturner und.spartler des 1. ftre f:s in der Elt'abetli- sirgsse 56 statt(Gviunasium). Bundesgenossen! Es ist uns gelungen die schöne grosse Salle zu bekommen. Eure Pflicht ist es nun. für guten Besuch zu so'ven und vlluktiich zur Stelle zu sein. Es sind besandere Borhereiiungen getroffen, dass wir noch Erledigung der Tagesordnung ein gemütliches fjn- fanimenfeln haben. Tagesordnung: 1, Berich: ans SanGurif zur AI:erseicge:>. Partie. 2. Brrschiedenes. 3. Oieuiütliches Bcifaninienfcia. «eneealnersammlung der AWtz.(Arbc!, er. Wiutersno.s.Inl. reffen'rtneinschaf«) Gross-Berkin. Donnerstag 3. Februar. 7 Uhr. a!i{ dem Fichte. Sportp.itz in Trevlow, Iahresacneralvrrsominlmia. Anträge sind schriitliä, disVzum 2. bruar abends in den Geschäftsstelle. Welter Nocet. SW. 48.»cffelüt. 5, Hof I oder noch vor der Versammlung beim Geschäftsführer einzureichen. wetterberlchl der öffeullicheu weUordienststclle für Berlin und Umgegend. (Nachdruck verb.) Trübe und regnerisch. Temperaturen über Null.—."für veutschlond: Iiin Osten Frost, sonst noch ziemlich mild und lrübe. Später Nachlassen der Niederschläge. es iotiHf» f/tuiiüüfy, vi' fcvub&t r�t wifotyett'. �fzdm fbefatchvH MeH*cke*t' /mit Mwrwrttstft' Tf/tetH'. Ssttv A/urttffafUUimp mit' ODOL Nr.2S �44.Iahegaag 2. Seilage ües vorwärts vienstag, �8. Januar 1�27 Enöe öes franZösifthen Dumpings. Gefahren für den Staatshaushalt.— Exportvergütungen und K ohleufrachtermätzigungen. Am l. Januar 1926 stand das englische Pfund auf 130 in Paris. Am 21. Juli IQ-zh zahlte man schließlich 24S Franken für ein Pfund Sterling, und heute gilt das Piund nur noch 126 Franken. Dieses Auf und Nieder Hot der französischen Wirtschaß seit Herbst vorigen Jahres schwereStöße verscgr. Die Konkurse mehren s'ch, große Vergnügungsstätten schließen„wegen Reparaturen", um erst wieder zu öffnen, wenn je das englische Pfund„repariert" werden sollte, die Restaurants stehen leer und viele Fabriken soft still. Ihre lln- kästen sind höher als ihre Einnahmen, der Betrieb lohnt sich nicht, und mir die Hoffnung auf bessere Zeiten hindert einftweilcn die völlige Schließung vieler Betriebe. Poincar« hat im Dezember ein B u d ge t aufgestellt, bei dem die Einnahmen um ein kleines die Ausgaben übersteigen. In diesen Bau droht die neue Wirtschaftslage ein großes Loch zu reihen. Denn das Vudgei war natürlich darauf basiert, daß die Ausgaben der Be- völkerung, die Ueberschüsse der Industrie und des Handels aus der vorangegangenen Höhe bleiben. Statt dessen aber muß sich jeder in leinen Ausgaben auf dos äußerste einschränken, Umsätze und Ge- winne gehen scharf zurück, so daß die vielen indirekten und auch direkten Steuern die im Budget vorgesehene Hohe nicht erreichen werden. Das französische Wirtschaftsministerium veröffentlicht soeben den Index für die Engrospreise des Monats Dezember. Der Preisindex stand noch im Juli v. I. auf 733(auf der Basis von 100 für Juli 1914). Zu gleicher Zeit lautete der Preisindex der aus- l ä n d i s ch c n Waren 1074. Die Difterenz enthielt den Dumping- Gewinn des französischen Exportkaufmanns. Aber schon im November lautete der Preisindex für die französischen Waren �98 nd der für die importierten 700: das Exportgeschäft verlor an Interesse. Gegenwärtig ist nun das Verhältnis völlig u m g c- kehrt. Von 698 fiel der Index für die französischen Erzeugnisie auf 648; beginnen, besonders, falls die genannte Tendenz im Januar weiter- hin zu Tage tritt. Andererseits müssen die Exporte aus Frankreich mehr und mehr aufhören. Die Regierung hat zwar nun die Umsatzsteuer für die- französischen Exportate abge schafft, um die Export- fähigkeit Frankreichs zu steigern, aber de? Abgeordnete Peyroux schrieb daraufhin an den Finanzminister Poincare einen Brief und fragte an. wie er sich, jetzt den Ausgleich des Budgets denke. Denn| für die Umsatzsteuer auf Warenexporte ist im Budget ein Posten � von 460 Millionen Franken vorgesehen, der noch durch nichts anderes Französische Daren Importierte Waren Allgemeiner Preisindex Nahrungsmittel.. l. Jnduitriematerialien... Ende Dez. 19» 648 628 641 507 679 (fnbt Nov. 102ft 698 700 698 643 747 Daraus geht hervor, daß die Preissenkung bei den importierten Waren bedeutend größer war als bei den französischen. Ende Dezember stellt sich dadurch der Preisindex für die französischen Waren auf 648, während er für die vom Ausland importierten Produkte auf 628 lautet: der Aassenimport nach Frankreich kann ersetzt worden ist. Auch Herriot hatte seinerzeit mit einem ausgeglichenen Budget- plan aufgewartet. Auch damals hatte man daraufhin schon alles für in schönster Ordnung geHollen. Aber einige Monat« später wurde deutllch. wie sehr man sich oerrechnet hatte. Infolge der ganz neuen Wirtschaftslage ist die Gefahr, daß sich Poincare verrechnet hat, natürlich nvch viel größer. Eine französische Reden der Aufhebung der Umsatzsteuer für Exportwaren sind noch weite re Maßnahmen zur Förderung des Exports und zur Bekämpfung der fühlbar«indringenden aus- ländischen Konkurrenz in Frankreich getroffen worden. So ist eine Verständigung der franzosischen Eisenproduzenten dahin erfolgt, den franzosischen Eiscnoerarbeitern alle für Export waren zu verarbeitenden Rohmaterialien zu einem Vorzugspreise zu liefern. Ganz ähnlich wie bei den Vereinbarungen zwischen den deutschen Eisenverbönden und der deutschen verarbeitenden Industrie werden auch hier die Weltmarktpreise zur Grundlage genommen. Die Rohmaterialien sollen nicht unter den Auslandsnotierungen, wohl aber beträchtlich unter den französischen In l o n d preisen geliefert werden. Ebenso sind zur Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit der französischen Kohlengruben, und um der Absatzstockung der französischen Kohlen zu begegnen, Vorzugseisenbahntarife bis zu 16 Pro.z. für Kohlensendungen aus Nordfrankreich, dem Saargebist und Elsaß-Lothringen nach der französischen Nordwestküstc geschaffen worden, die bisher aus englischen Kohlengruben versorgt wurde. Die offizielle französische Ziffer über die Arbeitslosig- k e r t ist zum 13. Januar gegen die Vorwoche um rund 60 Proz. erhöht. Die Bilanz des französischen Außenbandels blieb im Dezember noch aktiv. Die Einfuhr belisf sich auf 6123, die Ausfuhr auf 5395 Millionen Franken, woraus sich ein Ausfuhrüber- schuß von 272 Millionen Franken ergibt. Die Weltmetallwirtschast. Produktionscntwicklung und Preise. Di« Welterzeugung der wichtigsten Metalle ist in einem Maße erweitert worden, wie man es vor dem Kriege kaum annehmen konnte. Dabei erfolgten nicht nur in der Preisbewegung sondern auch im Verbrauch gewalligc Verschiebungen. Diese VeräldoiMngen werden sehr deutlich durch den Gegensatz zwischen der alten und neuen Welt. � Die Vereinigten Staaten sind zum Beispiel am Der- brauch von Kupfer im Jahre 1913 mit etwa 33 PB»z. beteiligt, im Jahre 1926 dagegen mit etwa 60 Proz. Aus dem starken An- M'wellcn der amerikanischen Verbrouchsziffcrn ist auch die Politik der dortigen Metallerzcuger zu erklären, die amerikanische Erzeu- gung ständig zu erweitern, um sowohl den eigenen Bedarf zu decken als auch die anderen Länder soweit wie möglich im internationalen Geschäft auszuschalten. Bis zum Herbst des vergangenen Jahres kannten die amerikanischen Kupfer-, Blei- und Zinkhütten mit ihrem Geschäft außerordentlich zufrieden sein, denn bis zu diesem Zeit- punkt war der amerikanische Metallverbrauch in allen Industrie- zweigen lo groß, daß die hergestellten Mengen fast ausschließlich vam Inlands absorbiert worden sind. Zum Ende des Jahres 1926 ist ein starker Rückgang eingetreten infolge der schlechteren Be- schästigung vor allein in der amerikanischen Automobilsabrikation. Diese tzatte für die fünf bedautendsten Metalle im Jahre 1925 allein einen Verbrauch von etwa 170 000 Tonnen und im Jahre 1926 von ungefähr 200 000 Tonnen. Der europäische Vervrauch an Metallen dagegen ist durch die deutsche Wirtschaftskrise, durch den Streit in England, durch die Währungskrise in Belgien und Frank- reicb und durch die Schwierigkeiten in Rußland viel geringer als im Jahre 1926. Zum Beispiel konnte Deutschland in den erstm 11 Monaten des Jahres 1925 etwa 133 000 Tonnen Blei. 200 000 Tonnen Kupfer und 100 000 Tonnen Zink einführen. Während derselben Zeit des vergangenen Jahres kamen etwa 82 000 Tonnen Blei, 89 000 Tonnen Zink und nur 128 000 Tonnen Kupfer zur Einfuhr. Um die Lage richtig zu kennzeichnen, ist es notwendig, die Steigerung der Kupfer., Blei- und Zinkerzeugung und den Rückgang des europäischen und in der letzten Zeit auch des amerikanischen Verbrauchs gegenüberzustellen. Die Entwicklung der Zmnwirtfchast und der Zinnpreise ist eine wesentlich günstigere. Den stärk st en Preisrückgang hat Kupfer auszuweisen. Kursbewegung in Reichsmark je 100 Kilo ergibt: lölS 1925 1926 146.20 M. 135,70 M. 134,50 M. Die Erzeugungs- und Verbrauchsziffern folgendes(in Tonnen): Erzeugung(in Tonnen) Derbrauch 1913 1925 1926 1913 1925 1926 Ecköliunq Echiitzuna der Welt 1 209 000 1 500 000 1»0 C00 1 050 000«00 000 1-100 000 T-utlchlandZ 42 000 40 000'TlÖOO 260 000 235 000 145 000 V«r. Staaten 600 000 883 000 900 000 320 000 670 000 720 000 Aus der Zusammenstellung ergibt sich, daß die Kupferpreise den Vorkriegsstand bei weitem unterschritten haben und daß der Die 1927(Januar) 126,50 M. ergeben dagegen europaische Verbrauch, insbesondere der deutsche, eine starke Senkuno aufweist, wähnend die Welterzeugung in ungeheurem Ausmaß erweitert worden ist. Die Bleierzeugung ist zwar nicht in dem Maße wie die Kupserproduttion erweitert worden, doch steht sie in keinem Der- hällnis zum augenblicklichen Stand des Verbrauchs, während die Preise über dem Dorkricgskurs stehen: 1913 1925 1926 1927(Januar) 89,— M. 74.— M. 65.— M. 56,— M. je 100 Kilo Erzeugung-(in Tonne») Verbrauch 1913 1925 1926 1913 1925 1926 . Echaqung Schätzung der D-It 1 200 000 1(600 000 1 500 000 1 200 000 1 510 000 1 400 000 Deutschlands 198 000 70 000 75 000 230 000 193 000 113 000 Der. Staaten 410 000 660 000 670 000 400 000 640 000 620 000 Die Blcivorräte sind sehr erheblich gestiegen. Es ist besonders nach Beendigung der französischen Inflation viel Material, das als Sachwertanlage gekauft worden ist, angeboten worden. Etwas günstiger sieht es in der Zintw irisch aft aus. Die europäische Walzwerkindustrie hatte bis zum November vorigen Jahres out zu tun, inährcnd zum Ende des Jahres ein Rückgang der Beschäftigung eintrat. Man hofft, daß zum Frühjahr ein Aus- schwung der amerikanischen und europäischen Zintwirtschaft eintritt. Die Preisbewegung ergibt hier folgendes Bild: 1913 1925 1926 1927(Januar) 46.— M. 74.— M. 68.— M. 65,— M. je 100 Kilo Erzeugung(in Tonnen) Derbrauch 1913 1925 1926 1913 1925 1926 Schätzung Schätzung der«elt 1001 000.1 130 000 1 200 600 1 000 000 1 200 000 1 100 000 Deutschlands 281 000 59 000 80 000 � 235 000 142 000 100 000 Der. Staaten 315 000 520 000 600 000 280 000 461 000 610000 Die große Derminderumg der- deutschen Zink- erzeuguna im Vergleich zum Jahre 1913 ist daraus zurückzuführen, daß infolge der obcrschlesischen Gebietsverluste der wesent- lichste Teil der deutschen Produktion aus Polen überging. Die Z i n n st a t i st i k zeigt ein wesentlich günstigeres Bild, wie überhaupt in diesem Metoll infolge des großen B e d a r s s der Weißblechindustrie die Lage geradezu glänzend ist. Di« Preise waren in Reichsmark: 1913 1925 1926 1927(Januar) 418,— M. 532,— M. 600.— M. 612.— M. je 100 Kilo Erzeugung(in Tonnen) Verbrauch 1913 1925 1926 1913 1925 1926 Schätzung'Schätzung der Welt: 132 000 145 000 142 000 129 000 147 000 151000 DeuiicblandS: 12 000 1 000 3 000 20000 11000 7 000 Der. Staaten:——— 45000 77 000 82 000 Amerika hat keine eigene Zinnerzeugung und ist infolgedessen vollständig von England abhängig, in dessen Händen sich fast die gesamte Erzeugung befindet. Zusammcnsassend ergibt sich, daß infolge des Ausbaues der Produktionen«ine Uebererzeugung in Zink, Blei und Kupfer entstanden ist, während in Zinn von einer Unterdeckung gesprochen werden muß. Die Schätzung für das Jahr 1926 ergibt bei Zinn eine wettere M i n d c r u n g. der Her- stellung, während der Verbrauch im Gegensatz zu Blei, Zink and Kupfer g e st i e g e n ist. Die internattonale Metallerzeugimg. oic nun eine Schmälerung ihrer Gewinne durch den schaneu Rückgang des allgemeinen Derbrauchs fürchtet, versucht jetzt, durch scharfe internationale Bindungen die Preise zu stabilisieren. Der wichtigste Versuch war bisher der Zusammenschluß her Kupfererzeuger in der Kupfer-Exportoereinigung. Dos Kar- rell hotte bisher keine Erfolge: nur die Wiederbelebung, der eng- lischen Industrie gestattete vom Londoner.Kupfermarkt, aus eine kleine Preiserhöhung, die aber vielleicht als zufällig an;uf/.U>,r, die d merowerlammiong nach dem lgendheun'. Beri. SO, Älipenlaer bot I, Mi! iolgender Tagesordnung ein: Berich! des Borstandes Illr dosIahrjl92S a) Selchäilsderiäii. b) Aassenbericht. Bericht des Auistchtsrai». Untere Senogeulcha t im Jahre 1927. änträge.___ Walgen des Borstandes. Auflichtsrats und drr KiNt-nmarte. Verschieden es. Nerlin. den 18 Januar 1SZ7. Der Vorstand- Strgutz. Der Lmsichtsrar: liex. diao! Oroße SO-Pfa-.-StCcUc itaptlän-aaulabali echt Kopenhatzeaer Qualität Wird nur in Papier�vj rpacktgeliofert Verkaufsstellen Obera!] evoT durch- C. RScher, Berlin, Uchtentv-rger Straße 22 n: Könljstadt huxmlnseratem Vorwarä Stufentungra für diel« Sabril sind Stilla ZW 68. Ciatxaftrafe« 3, Varteinachrichten für Grotz-Serlkn stet» da da, Scjirlsfetretarlat. 2. Hof, 2 Trep. rechts, z- richten «. Srei« Area. am Mltt I.«ortraa: Morste, i. Siesel«!. S «etfammlur.a alter fMialbematMitfif*!! ElltendeitiU« 3nmm, 8 IHir, bei Seim. Utfwp.fc. 29. SoaMorbnuns; .dnist«©cfiifitbunn bot Grundschule-. Seferent Stadt!«, lutmo!„Die alte und die neu« Schul«". Referent Reki-r >islmiian und Borschieten««., 7. stret» SHarlattcnburg. S-ute. D>-nsiaa. 15. Januar. S Uhr. dei Reuner. Wilmeradarker Sir. 2l, Sldunq des Bildunamrusschusse». Ied« Abteilung inuft undebinat vortrete» sein. �....„ II. ftxei» Schbacbera-Friedenau. Seute. rienslan. l«. Januar. 7� uho. in der Lahensallern-Schule. Bel,i-»-r. Ecke Sisenacher Str-K«. Versamllilun« aller«tern. die ihre Sinter für die iveltlich« Schule anznuewet baden. Sablreiche»«rfchtine» wird erwartet.. H.«reis sienkölln. Mittwoch. 19. Januar, vllnitlich 7 Uhr. Schun« de» enaeren Sreisnorstondes im Partetbureou. Erscheinen ist unbedinat erforderlich.— Achtung! Der ffilm.Di« etfmlebe" läuft vom 18. bt» SO. llanuar in den Stern-Lichti vielen. Snrnannltrosse. Wir bitten die Ge- nollinnen unb Genossen drinaend. filr diesen Wim recht rc#« Brovagand» u betreiben.— Acht-ng, Obleute der Zeitunaet-mmilsi-ne»! Mittwoch. 19. Januar, 8 Uhr. Im stdeal-Soslno. Wclchstlstr. 8, Sibuitg. Zeb« Ab- triluna niun vertieten sein. � 17. strei» Lichtcnbera. Donners taq, 20. Januar. 7 Adr. in der Bücherei. Weichselsbr. 28, Kelterer Sinderobend. Eintritt frei! Einlaßkarten sind bei den Zkbteilungsleitcrinnen M dabin. Morgen, Mittwoch, den 13. Januar: 37. Abt. 8 Ubr Sidunq de» engeren Borltande« bei« Genossen Siewert. Kavenchaoener Str.«2. 29. Abt. 8ib Ubr frei Dura. B«nzlauer Alle» 18», Slstuitg der Abteilung». lcituna und der Revisoren. 32. Abt. 714 Ubr de! tlronivbardt Baul�Sinoer-Str. f9, wichtige ssunktionstr- fltiuna. Richtige Tagesordnung. « Wichtiae binar erforderlich Erscheinen aller Funktionär« ist unde. 34. Abt. 7 Ubr wird Im Jugenddrtm Tills ter Str. 4 unser« Aiadergrug»- irössnet. Wir bitten alle Genassen, ibre schnlvfllchtigen Kinder an dieser Beranstaltunq teilnebinen tu lassen. 37. Abt. 7>4 Ubr tm Jugend�elm Eberlulk. 12 Keiterer Abend der Svzlali. sslsclen Ärdcileriugend. Abt. Betersburger Viertel. Wir bitten die®e- nossinnen und Genossen, sich an dieser Beranstaitung recht jablrriib ju bcteiliaen. 38. Abt. Achtung. k!«iiana,lomn,ission»obleute de« Be»Irl« und..Barwtrt»'. Spediteure! Gemeinsam« Eitiung 7>4 Ubr bei Wach«, ffriedenstr. S8. Wichtig« Taaesordnuna.— Achtnna! 8 Ubr wichiige ssunltionärütiima bei Bartusch. iWedenslr. 88. stein Betirksfllbier darf frbleni 44. Abt. Ttadtb«t>rk 84! 7>4 Ubr Zaliladcnd bei Senneiter. Raunynitr. 28. Achtung! Abteilungsleiter Iii iebt Genosse Bartbelmann, Skalißer .. S'rabe 12s ll. Kassierer Genosse Tschope. Naunynftr. dll I. «A Abt. lSchwerhIriae). 7>4 Ubr im Iuaendbeim LIndenskr. 8. L. Sof. 3 Tr.. Generalversammlung. All« Miiqli�ier müssen wegen der wichtige» Tagesordnung destimmt und pünktlich erscheinen. 5».«bt. Ebaelottenburg. 8 Übe bei Liersch. stantslr. 82. fsunktionärssbung. Die Gruppen- und Betirkokaiüerer müssen«benfall» unbedingt erschel! cn. Stulglln. Ürass«. Genoslin. beckstr. 155, stgssendericht. Abteilungsversaniml'ung. Tagesoodnu! Reuwabl der Abteilungsleitung. Er einen t«. aller und Mit- � aliodcr Ist dringend«sorderllch. 133. Abt. Biesdorf. 8 Ubr bei Doratb. SDtatjobiwt Str. 81, Mitgliederversammlung. Slellungnabme*ut Reuwabl der Abteilungsleitung. Erscheinen __ aller Genossinnen und Genossen unbedingt«rfarderllch. 137. Abt. Rcinichenborf-West. 714 Ubr im Volkobaus SchaNtweBerste. 114 «eneralveefammlung. Tagesordnung! 1. Bericht des Borstandes und Reu- wobl desselben. 2. Berichte sämtlicher Kommissionen und Reuwobl der- selben. 3. Bericht der Begirksverordnele». e. Wichtiae Bartewngelegen. beiten. S. verschiedene,. Es Ist unbedingt« Wicht oller Mitgiieder. bell im mt>u erscheinen. Die Begirksfübrer werden dringend grbelen, ZU dicscr Generalversammlung«inguladen. 1.79. Abt. Tegel, Keiligeusee. Rcu.Keiliqensee. Schal, enborf, Siedlung am Bebnb-s KeUtgenste. 8 Ubr vünltlich im Restaurant Jnlbnert Mitglieder- vorsommluna. Tagesordnung: Diskussum über die polltischen Ereigniss,. Gäü« sind berzltchst«tngelaten. awe». 8 Übe i« Eisendabn-Kotel Generelvetfommlung nnd Vorstand«. wabl. Araueuveraostaltuagea am Mittwoch, den 13. Januar: 24. Abt. 714 Ubr im Lokal Schwei,»rbäuschen. Greifswald« Str. 808. Bor- ...®aa»ss und wa« will der Konsum?" Reserent Bruno Grappler. 54. Abt. EbarlottenbuOg. 8 Ubr im Iugentbaim Rossnenssr. 4. Vortrag: ..israu und Partei". Roserentin Ellen Beidler. Schonebera. 77. Abt. 714 Ubr bei Jürgen«, Borbarossasir. 8». Vortrog:.Die Weidenlerbeweaung".— 7».»ht. 7>4 Ubr bei Spoß, SedonÜl. 17. Bortbag! �tärp«rlultur". Rrforentln Llfa Albncht. Durch die technisch einwandfreie Uebertragung der Feier des Berliner Lehrergesangverein«, die er au» Anlaß seines vierzig- jährigen Bestehens am Sonntag, mittag in der Charlottenburger Musikhochschule beging, wurde der Beginn der„Stunde der Lebenden" beträchliich verzögert. Wie immer erwies sich in seinem ein- führenden Vortrag Prof. Adolf Weißmann als Meister«in« gedrängten und dabei erschöpscnden Charakterisierungstunst. Aus dem Programm standen sechs Lieder von Goddai, ein Koniertstück für Bratsche des auch als Pianisten bekannten Rumänen Georges Enesco und eine Sonate Günther Raphaels, alle drei kein« revo- lutionärcn Neuerer, sondern Komponisten, die auch in der Tradition verwurzelt sind, chans M a h l t e s beseelter Bratschevortrag brachte die Sonaten zu starker Wirkung, während die Stimme der Altistin Ria von chessert kalt ließ. Am Nachmittag ein gut zusammen- ~ ilistt'"" i I gesetztes Solistcnkonzert mit Liedern von Schubert, Robert Franz und Schumann. Der Baritonist Gerhard I e t« l i u s war leider nicht ein idealer Interpret, feine Stimme klingt in der Höhe gepreß!. auch lasten Atemtechnik und Ausdruck zu wünschen übrig. Carmen von Scheele-Bidor detonierte, nur Otto U r a ck, der ausg» zeichnete Cellist, bot ungetrübten Genuß, auch Hansi Freudberg zeigte in kleinen Stücken von Mendelssohn, Weber und d'Albert de- achtenswerte Technik. Unter Bruno Scidler-Winkler abends Ouver- türen, Walzer und Märsche von Lanner und Johann Strauß, allen bekannte unverweltte Kompositionen. Hans ch y a n schilderte „Dompteurschicksale" und sprach daneben sestelnd und anregend über Raubtierdressuren im allgemeinen, hochinteressant waren die Aus- führungen des Kriminalkommistars Werneburg über„Gefahren der Landstraße", in denen er eine genau« Klassifikation und psycholo- gische Erklärung der einzelnen Verbrechertypen der Straße gab. In der ZZortragsreih«„Mensch und Arbeit" sprach am Montag abend Gustav E n ck e über das Thema„Was mir der Winkelhaken erzählt, das Togeswerk des Zeitungssetzers". Wie bei den vorher- gehenden Vortrögen kann auch hier wieder sestgestcllt werden, wie einjach und plastisch ein arbeitender Mensch über Ding« seines Berufs zu sprechen versteht. Tatsächlich bedeutet der Zyklus„Mensch und Arbeit" einen Gewinn für den Hörer, der auf diese Weise Ein- blick in Berufe erhält, die ihm sonst vielleicht unbekannt bleiben würden. Encke gibt zuerst einen kurzen Ueberblick über die Eni- Wicklung des. Setzerberufs und entwirit dann ein Bild von der Ent- stehiing der Zeitung im Setzersaal, behandelt die verschiedenen Arten des Satzes und klärt den Hörer über Umbruch, Jnseratensatz und Bildilluftrationen auf. Prot. Dr. Wilhelm W a e tz o l d zeigt in dem Zyklus„Wandlungen des Kunstgeschmacks" die verschiedenen Vc- urtcilungen, denen der Ruhm Rasfaels in drei Iabrhunderten untcr- warfen war, von Dürer, über Vafari, Bernini, Pousfin bis zu de» Razaroncrn und der Gegenwart, zusamnienhängend mit dem Kunst- wollen der einzelnen Perioden. Am Nachmittag liest Eduard Stucken ein Kapitel aus seinem dreibändigen Roman„Die weißen Götter", der die Eroberung Mexikos durch Cortez zum Thema hat. Die Sprache ist hier einfacher als in Stuckens Arthusdramen, der ganze Rhythmus gelöster, aber eine Vorliebe für malerische Worte ist geblieben. Das Kapitel jedoch vermag keinen Eindruck von der Größe des ganzen Werkes zu vermitteln. Zum siebzigsten Geburtstag Wilhelm Kienzls sendet die Funkstunde den„Kuhreigen". ■Kienzl ist heute hauptsächlich als der Kemponist des„Evangcl'mann" bekannt, der Kuhreigen" ist ungerechterweile beinahe vergessen. In der Ersindung nicht so stark wie in dem populären Werk zeigt Kienzls Musik hier aber herbere Umriste, es tritt allerdings das volkstümliche Element weniger hervor, das dem„Evangelimann" gerade zu seinem großen Erfolg verholfcn hat und zu starkem, dramatischem Ausdruck kommt es auch nicht. S Z e I l leitet sehr umsichtig die Ausführung. B ö t« l und Tilly de G a r m o singen den Primus Teller und die kleine Blanchefleur. Sehr zart ist Tilly de Garmo, und Botels Tenor reckt sich manchmal zum Heldenhaften empor. Die ersten Szenen des dritten Aktes kommen zu keiner Wirkung, sie erfordern die Bühne. »4. Abt.«entälln. 7'i Uhr bei Güniber, Eckssllervromenad« 11. Borire«: .Wouenkrankbeiten". Referentin Dr. Wrigod,:ns!i. Zungsozialisten, henke, Dienskag. den 1?. Januar: «Vielgemeinschaft: 8 Ubr im Iunendbetm LInbenssr. 3 wichtige gufammen- fünft.—«rnppe Liiden: 8 Ubr in ber Iinssstischen Eprechünnbe. Llnben- f trabe Z. Kruppenobend. Vortrag:„Reparationsproblem".-- Grupp« Tcmpelbof.Maricndors: 8 Ilbr im Jugend beim Sermanicsir. b— i. Schule. 3, Abend ber Vort-aosreibe. Referent Otto Lamm.— Gruppe Weißens««: 8 Ubr im Junen dl:«im PartslMbe Portraa:..Palästina' Relcrentin Irma Gichenbach. Di» Jugend- und Parteigenossen stnd berzNchst e.nnelnden. »rbeitsqemeinschgft der«inderfrrur.de. Gruppe SchSn-bcrg. frieden»»: Keute. Dienstag, 18. Januar, im Iugendbeim Sauptftr. 15. Osiinarlzimmer. gilt Jüngere: Märchen: für Aelter«: Basteln. | Skerdekaftl See Groß-Serliner Partei-Grganifation 3 Abt. Die Einäscherung unser»? verstorbenen Genossin Berta Artiger, Engelufrr 23, ersolat am Mi�woch. 19. Ionuat. abend» 7 Übt. im Arema- torium Gerichtstrafte. Starke fflrtilumn« e:n>artet der Abtoilunoaporstanb. 32. Abt. Unsere Genossin Auguste Schadwinkel. Rruchtstr, 35. ist verstorben. Einäicl-erung am Donnerotag. 20. Januar, nachintttaa» Hl Ubr, im Slrcmotorium Eerichtstrafte. Wir bitwn die Genossinnen und Genossen um recht»oblreiche Beteillguna. 18t. Abt. Treptow. Unser Genosse Glir A b r g m« k, RieUwlifft. 13, IN im Alter von 58 Jodren verstorben. Ebr« seinem Andenken! Beerdigung de Dieuzt:«. 18. Januar, nachzmitlaas Z'4 Ubr. auf dem Emmouo.Giedbof. Her- manwstr. 129—157. Wir bitten die Genalstniren und Genossen, sich recht zahl- rsich zu beteiligen.________ Sozialistische Arbeiterjugend Groß-SerUa. Ach taug, Zuge»d beirät«»ab Mita-beitee I Sonaobenb. 22. Januar, im Iugendbeim L:nd«nstr. 5. wichiige Iusammentunst. Dr. Otto Juliusdurzer spricht übe?, PstiSoanaliss« unb Inbivibualpgicholooi«". Beginn H3 Ubr. AbteUvagsleiter. liefert die BertchtSboge» und Monatl-prograinm» ab: Heute, Dienskag, 18. Januar, abend« 7K Uhr: Moabit ll: Iugendbeim Schul« Bochumer Gor. 8b. Vortrag:„Alt. Berliner Denkmäler?— Gcsaabbr»»»««! Iugendbeim Zto!« Schul«. Gatbenburgee Str. 1. lo-Alinuten-Referat«.— Webblng-Rarb: Iugendbeim Turiner. Eck« Seest'afte. Bortraa:„Sotialiomuo und Alltag".— Balkan: Iugendbeim Schule Mendel» straft? 2. Bortrag:„Giruelle Iraaen", Z. Teil.— ikalkplab: Iugendbrim Schul« Eberswaldtr Sir. 19. Arbeitsgemeinschast.— Humnnnplad: Iuqeni. beim Scherenberostrafte. Bortrea:.Sozialistisch« Erziebung".— Echonbonste Borssadt! Iitaendbeim Dtiesenrr Str. 22. Vortrog:.Unsere groften Utopisten". ichul« Vlonkenbnrgir Llr. 7»-71. Vnrlrmr„Der 18. I'ütXcr. seine Bede: tung siit die politisch« Sntwickwng Deutschlands".— Pank«»: Iugendbei': Gijrschstr. 14. Ill-Minuten-Refeigte.— Lichtenberg.«»-»- Schwor,»eiftro» ZteichdarSnbnngnkeier in der Aula Parkaue. Programm: Mintärmärsch?, Rezitationen, politische Revue. Eintritt 30 Ps. vortrage, vereine unü Versammlungen. Zbo-Aursu». Ein neuer Kursus der Veltfprach«„Ida" freformirrte, Esve:anto) beginnt Donneretag, 20. Januar, 8 Ubr. in der 1. Volksschule Ma:.- tcusfelsirafte sTempelhofl. Der Kursus ist unentgeltlich. Deutsche« Iatcrnotioaalee Anwolt-Berband, e. V. streitgg, 28. Januar, 8>4 Ubr, in der Deutschen Gesellschast, Schgdowstr. n— 7, Vortrag des Rech: o. auwalts und Notars Dr. Martin Isggc Berlin:„Die Kodifikation des Inlcr» � nationalen Prioatreckst« nach d«n Beschlüssen dar International Law Asiocia» tio», Wien 1928". Giiste baben zutritt. Rrichsb-no der Aiicgsbeschödigten Aricgoteilnebmcr nnd Arlegeeblnt»- bliebe»«», vrtege»»?,«oede» 14. Mriwuch. 19. Ianimr. 8 Ubr, Genero I. »erfamnilung In den Kasttw-Msälen, Pavve.'alle« 15. Geschäflo- und Aussen. bericht. Reuwabl des Borstandes. Ber»i»ig»ag eftemallger Ari-geOgefo-gen« Geoft-BeeN»,«.«. ffrellan. ZI. Januar. 8 Ubr. Im Grsifswalder Hof. tbreifswolder Str. 43, Bersammlun t mit Bartrag de» HeiWt Long über sein« Erlebnisse tn Afrika vor und wäbrrnö des Krieges. üdtr»,« Aufbebrna des gewerblichen Mieterschugk, und doaroen erfolgte Abmedonaftn-stm-n. Entwicklung der Riettirsbildung im nruen Zabr. Lockerung de» Wobnungsmangela-lofte» sprechen wird. Sporut,»»» PI»!»»,«I.Kepubl. 8 liste! L»I»m» S«)stsu»pt«Ist»u» 8 liste: Nniulet. ticliIllsr-TIteaUr 8 Uhr: Wilhelm Teil Städtlsdie IM Chsrlotieaburc 7', Uhr: noifilMtdien des Ererallen ■■Infi«, M. fibzmla, fr. Brian. Abonn.-Turnus I Norden 10334—37 8 Uhr; SeliüiariitT.GseissoaB von WolfaaneOoeu Kchssl«: HelnrHIlperl Kammerspiele Norden 10334—37 8 Uhr: Ollapelrld« von Lernat-Holenla li{«: lielat Milpen. Hierauf; Da» Vcilctiaii von Pranr Molnar Ragl«: Eug. Roben Die Komödie BIsmircK 3414, 7518 7»/, Uhr: tum eruen Maie; Die Perle von Trlsla» Bernard hjii;FgntaUmufi Donnei riag, d. 20. KaditvorstdlDiig. 101 Uhr jtJMwisjnmu. ThiaU.llolleDdirfpl. Kurfürst 2091 8 Uhr lum soo. Male- Klobleute mit Max Adalbert •onsabdid.«L 33., cum ersten Male Max Adalbert in JlttUar»" Ha SemattT-nbn» .Kilnlgvrilt St. asenheide 2110 8 Uht '•Irs.CheneyiEnde Elisabeth Bergner iomOdienhaui Norden 6304 SU..- irflaiirtim ILA.MU1I«. netroDoi> TUeoi Heute 8 Uhr; 0r. Festvorstellung ZirlmisrinzessiQ Anschließend: Gesjllschaftsabenl HMtdeaziüeaier Täglich SV, Jhr: MjgMM Eldistl Jigndlldm ratest, TbaUa.'meaier 8 Uhr OeroroSe gnd der reine Ilaos s'/e Trlanon- Tb. Dr. Stieglitz mit Lobe a. Ebelsbacher Donnerstag. 30. Jan. Premiere Der Mann UllDBUger Ulibmdi.stnrit.ü. Seiet. 1 0. QoUli-sAcn, ör. SüiaQspiei&aD} TOgl.S'/, Uhr: CHARELU- REVUE Sonnt, aaebm. 3 Uhr ungekürzte Vorstllg tu ermäfl. Preisen I Kose-7beater «uvPrezloia HcuesTbealer am Zoo Stpl.5371. 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