ITg. 36 ♦ 44. Jahrg. Ausgabe A Kt. 16 Bezugspreis« � Wöchentlich 70 Mennig, manotlUS 0,- Reich smart voraus jaljlbar« Unter Rteujibanb für Deutlchian», Slciuio, Saar- und Memelaebiet. Oesterreich. Litauen. Luiembur» e.SV Reichsmail, für das lldrige Sluslanö Rcichsmarl pro Monat. Der..Borwärts' mit der illustrier» ten Sonntagsbeilage.Boll und Zeit' iowie den Beilagen»Unierlialiung uno Sincn".Aus der FilmweU", ..Frauenstimme�.Der Kinder- freund"..Lugend-Borwärts" und .Blick in die Bücherlaelt" erscheint wochentäglich gweimal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresss: »Sazialdemolral BetUa" Morgenausgabe � G> Verlinev Volksblatt (lO PfennüT) Anzeigenpreise: Sie«inivaltia« Nonvareille- »eil« 80 Pseilkia. ReName, eile b,— Reichsmark..Kleine An, eigen" dos ietiaedruckle Wort 2Z Pfennig s,uläsiia ,wei fettaedruilie Worte), I-des weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das criie Wort Iii Pfennig, jedes weitere Wort 10 Psennia. Worte Uber lö Buch- siaben»äblen für»wei Worte. ?lrbeitsmarlt Keile 00 Pfennig. Ikamilienan, eigen für Abonnenten - Leile iO Mennig. An, eigen filt die nächste Nummer mllsfen bis V.'i Übt nachmittags im Zxiuvtaeschäft. Berlin SW 08. Linden. strafte 3. abgegeben werden. Geöffnet von biz Uhr iruli bis l> Ufte nachnr. ZentraXovgzn der Sozialdemokratifchen partei Deutrchlands Ueüaktion und Verlag: Verlin EW. b8, Linöenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff ÄSÄ— Ä!»7. Der Konflikt Gefller-Koch verflharfl flch Die Antwort Kochs an Getzler. Der Vorsitzende der demokratischen Reichstagsfraktion, Erich Koch, hat an den Reichsmehrmimster Dr. G e ß l e r heule folgendes Schreiben gerichtet: .S?k»' geehrter Herr Gehlerl Aus Ihrem gefälligen Schreiben nom 1-5. Januar 1927 entnehme ich. dag cherrn General Reinhardt ein« Verunglimpfung der demokratischen Parteiführer fern- gelegen hat. Ich entnehme daraus weiter, daß Sie die g r u n d- faß li che Stellung der Deutschen Demokratischen Partei zur Reichswehr als.einwandfrei" in den> gleichen Sinne bezeiä)- nen, wie ich es in meinem Schreiben an Sie ausgeführt hatte. Bei dieser Sachlage bitte ich, mir aber zu gestatten, nunmehr darauf hinzuweisen, daß es mir danach noch unverständlicher g» worden ist, daß der Artikel des Herrn Generals Reinhardt geschrie- ben werden konnte. Am unverständlichsten ist mir aber nunmehr, daß Sie seine Veröffentlichung gewünscht haben. Es gibt kein« maßgebenden Kreise in der Partei, die der Reichs- mehr feindlich gegenüberständen. Es gibt allerdings Kreise, die Ihrer Tätigkeit in der Reichswehr nicht immer Billigung gezollt haben. Auch daß ich in Breslau zur Frage des Pazifismus ausdrücklich Stellung gcnominon habe, spricht nicht, wie Sie sagen, für eine Spaltung der Partei in dieser Frage, meine Ausführungen find vielmehr in erster Linie deswegen gemacht, uin ähnliche An- griffe von außen her. wie sie jetzt.Herr General Reinhardt erhebt, zurückzuweisen. Meine Haltung, gegen die auch Sie nichts einzu- wenden haben, ist ans den» Parteitag ausdrücklich einstimmig qe- billigt.'. Aber banjuf ftrsurrt es nicht an. In dem Artikel des Generals Reinhardt find die Vorwürfe gegen die Demokratische Partei und ihre Wortführung ü n t c r s chi e d s t 0 s gerichtet. Es wird aus- drücklich ein Strich gezogen. Sie wisien aber ebenso gut wie wir, mit welches Treue wir in schwersten Stunden an Ihnen festgehalten und Sie gestützt haben, wie sehr wir uns jederzeit bemüht haben, Überlauts Stimmen der Kritik einzudämmen. und wie entschieden wir uns in allen amtlichen Verhandlungen trotz mancher Bedenken gegen Ihre.Tätigkeit auf Ihre Seite gestellt haben. Ich bedaure, daß Sie»trotzdem diese einseitige und falsche Darstellung über uns alle haben passieren lassen. Die Wirkung diese» Artikels ist die erwartete gewesen. Ich könnte Ihnen zahllose Zeitungen der Rechtsparteien, ja auch der Deutschen Volkspartei, vorlege», in denen der Artikel Anlaß zu den gehässig st«n Angriffen gegen uns gegeben hat und — das ist noch eine der mildesten Aussühningen, die ich gelesen habe— der Freude Ausdruck gegeben wird, daß der General Reinhardt endlich einmal uns vaterlandslosen und pazi- s i st i s ch e n Demokraten auf die Finger geklopft Hobe. Wenn es Ihre Absicht gewesen ist, uns anzuhalten, einen Kampf um die Seele der Reichswehr zu führen, so ist uns dieser Kamch durch diesen Artikel ganz gewiß nicht ez.- leichtert. Im Gegenteil werden zahlreiche Angehörige der Reichswehr den Artikel des Generals Reinhardt und die kommen- tierenden Stimmen der Rechtspresse lesen und glauben, zu irri- gen Meinungen hingeführt und uns entfremdet werden. Es wird mühsamer und großer Anstrengungen bedürfen, um diesen Eindnick wieder zu verwischen. Mit besten Grüßen Ihr ergebenster (gez.) Erich Koch." Ein» Zcntrumsstimmc zum Konflikt Gctzlcr-Koch. Der dem Zentrum nahestehende„Reichsdienst der deutschen Presse" schreibt:. „Man darf davon ausgehen, daß der Gegensatz zwischen Dr. Geßler und der Demokratischen Partei, anstatt gemildert zu werden, sich praktisch weiter verschärst hat. Daraus ergibt sich logisch, daß die Stimmen innerhalb der Demokratischen Partei gegen Dr. Geßler und fein« ministeriell« Betätigung sich jetzt ver- mmlich der Zahl nach erheblich oermehren werden. Der Wider- stand gegen ein weiteres verbleiben des aegenwärligen Reichswehr. Ministers innerha'b der Regiernng ist in der letzten Zeit wiederholt und sehr deutlich in Erscheinung getreten. In der allerletzten Zeit u a. besonders schroff auf der jüngsten Tagung des demokrati- schcn Parteiausschusses. Wir werden deshalb wohl alsbald näheres darüber erfahren, welche Folgsrungen sich aus der vorbe- halllosen Billigung eines Zeitungsartikels ergeben, der seine Spitze unzweifelhaft in erster Linie gegen die eigene Partei des dem Verfasser vorgesetzten demokratischen Reichswehrministers richtete. Jetzt ist der Reichstag wieder beisammen und die Fraktionen ver- soHmelt, so daß di»', Verhandlungen über die Schassung einer Regierung auf möglichst breiter Basis notgedrungen«in schnelleres Tempo gewinnen werden, und, wie schon einmal gesagt, wird dabei ganz Wesentliches von dem Gang der Ausein- andersetz nngen abhängen, die dieser Briefwechsel zwischen Reinhardt und Geßler einerseits und Koch und die Demokratische Partei andererseits erforderlich macht. Es ist ja auch sonst wünschens- wert, daß der Krise so bald als möglich ein Ende bereitet wird". Um öie Regierung der Mitte. Der soziuldcmokrcrtischc Vorstand läßt der Fraktion die Entscheidung.— Das Zentrum für Mitte. gegen rechts. ver Vorstand der Sozialdemokratischen Reichs- kagsfraktion hat in seiner Aussprache über die polltische Lage am gestrige« Rachmitlag veschlnsjc nicht gefaßt, sondern die Be- schlußsajsung der Fcaktionssihung am Mittwoch überlassen. Der Jraktionsvorstand des Zentrums hol am Dienstag abend nach einer Sitzung, an der auch Dr. Marx teilnahm, folgendes Kommunique ausgegeben: „Das Zentrum setzt mit besonderem Rachdruck die bisherigen Bemühungen um das Zustandekommen einer Regierung der Mitte sort. Alle gegenteiligen Ausstreuungen sind durchsichtige Tendenzmetdunge n." Der Reichskanzler Dr. Marx sehte seine Bemühungen um die Lösung der Regierungskrise mit weiteren Besprechungen sort. Um b Uhr besprach sich der Reichskanzler mit dem Führer der Bayerischen. Volkspartei Abg. Leicht, später mit Gen. Hermann Müller._ Der llanübunü spielt üen wilüen Mann. Will er cinc Ttaatsstreichrezicrung? In Halle a. d. S. hielt gestern der Landbund der Provinz Sachsen eine Versammlung ab, in der Herr Abg. H c p p, Vorsitzender des Landbundes und Mitglied der Deutschen Aolkspartei, eine Rede für die Rochtsrcgierung hielt. Hierauf wurde emstiiranig— also offenbar mit Zustimmung auch des Herrn Hepp— cinc Resolution angenommen, in der es zum Schluß heißt: Acht Jahne long ist ohne den deutschen Bauern re- giert worden. Bon nun ab darf keine Regierung ohneihn gebildet weichen. Wird dieses wiederum durch das parlamentarische Gesiriebe verhindert, so erwarten wir von den Führern der Witt- schäft, daß st« nötMgenfall? über die Köpf« der Por- teien hinweg dem Herrn Reichsprästdent-si Mörmm namhaft mechen werden, die geeignet und willens find, diese Fragen so zu lasen. w>« es dqs Wohl des deutschen Volles erfordert. In den letzten acht Iahren waren alle politischen Par-. teien, mit Ausnahme der Völkischen und der Kommunisten, an der Regierung beteiligt Wenn alle diese Jahre„ohne den deutschen Bauer" regiert worden ist, dann hat keine dieser Parteien, also auch nicht die Volkspartei, die Partei des Herrn Hepp. u«id auch nicht die D e u t s ch n a t i 0 n a l e Partei den Bauern vertreten. Wer vertritt nun eigentlich den Dauer? Daß der L a n d b u n d das tut, wird in neuerer Zeit besonders lebhaft von den Bauern selbst bestritten. Nun will der Londbund der Provinz Sachsen das „Wohl des Volkes" in die eigene Hand nehmen und über die Köpfe der Parteien, das heißt über den Reichstag und die Verfassung hinweg, dem Reichspräsidenten die Männer in Vorschlag bringen, die er für die richtigen hält. Und der volksparteilicher Reichslog-abaeordnete Hepp macht da mit! Er selbst ist für eine Rcchtsregierung, d. h. für eine Regierung, in der der Landbund verstärkten Einfluß hat. Wie so eine Regierung aussieht, davon kann inan sich nach der Probe seiner politischen Reife, die der Landbund der Provinz Sachsen eben abgelegt hat, eine ungefähre Vorstellung machen. Die Krankenfürforge für öeamte. In der Sitzung des 14. Reichstagsausschusses vom 18. Januar kam es zu einer Aussprache über Schaffung einer gesetzlichen Krankensürsorge für Reichsbeamte. Aus dem Reichs- finanzministerium wurde mitgeteilt, daß die Borarbeiten hierzu im Gange seien. Der Dentschc Beanitenbund, der Bund höherer Reichs- beomten und der Verband der Konimiinalbeamtcn Preußens hoben aber gegen die Schassung einer Krankensürsorge durch das Reich Einspruch erhaben und verlangen, daß die Krankenkassen der ein- zelnen Beamtenverbände bestehen bleiben und aus Reichsmitteln unterstützt werden. Diesem Wunsche wurde von sämtlichen Parteien des Reichstages auf das Nachdrücklichste widersprochen. Folgende Entschließung des Abg. Steinkopf(Soz.) wurde nach emgehender Aussprache«instimmig angenommen: Die Reichsregie- ning zu ersuchen, die Arbeiten zur Schaffung einer«inheitlichen gesetzlichen Krankensürsorge für Reichsdeamte mit aller Beschleunigung zum Abschluß zu bringen. vorwärts-verlag G.m.b.H.. Serlin SM. öS, Linöenstr.Z B-tticht Konto: Bctlia 37 53«— BonHonto: Baut der arbeitet, auncftcjtr« sab BrauUeu. ffiolfit. C5:®t»Ionto.®e!cIH4ofl. Drpoliirntagr LtuCcnftr. 3. Der Zelözug gegen örianö. Durch die deutschen Rcchtsblockplänc gefördert. (Bon unserem Pariser Korrespondenten.) Paris, 18. Januar.(Eigener Drahtbcricht.) � In Frankreich ist selten eine deutsche Regie- r u n g s k r i s e mit so großem Interesse verfolgt worden wie die jetzige. Die Ursache dafür liegt nicht nur in dem Verlauf der Verhandlungen zur Läsung dieser 51rise, sondern vor allen: in ihrem Zusammenhang mit der Offensive, die von den französischen Rechtsparteien gegen Briand und seine Außenpolitik mit dem Beginn des neuen Jahres eingeleitet worden ist. Monatelang hatten sich die Organe des Nationalen Blocks auf eine verhältnismäßig zurückhaltende Kritik gegenüber der Politik Briands beschränkt. So konnte man z. B. nach Locarno auch in Rechtsblättern Stimmen vernehmen, di�,ein prinzipielles Einverständnis mit den Grundlinien der an den Ufern des Lagio Maggiore besiegelten Politik zum Ausdruck brachten. In der Kammer sah sich die nationalistische Oppo- sition ebenfalls gezwungen, ihre Borbehalte in stark bejahende Argumente zu hüllen. Als Deutschland dann schließlich in den Völkerbund eintrat, blieb der Rechten wieder nichts übrig, als sich int. Gewand einer diskreten Trauer zu zeigen. Aller- dings erlaubten sich schon damals einige ihrer Blätter die finstersten Prophezeiungen in bezug auf die Folgen der Zu- gehörigkeit Deutschlands zur Genfer Organisation. Immerhin schienen die politisch einflußreichsten Elemente der Rechten weiterhin entschlossen zu sein, sich mit der neuen Außenpolitik abzufinden, ja sie sogar zu fördern, wie es die großen kapi- talistischen Wirtschaftsorganisationen für notwendig erklärten. Jedenfalls war in den letzten Monaten des vergangenen Jahres Briands Stellung so stark, daß kein Ver- treter des Nationalen Blocks eriuthaft daran denken durfte, mit irgendwelcher Aussicht auf Erfolg gegen sie anrennen zu können. Dessen war sich der französische Außenminister auch selbst bewußt, als er im Dezember von Genf aus seine Regie- rung wissen ließ, daß er nicht noch Paris zurückzukehren gedenke, ohne die Aufhebung der Internationalen Militär- kontrollkommission einer Lösung entgegengeführt zu haben und er eher seine Demission geben werde, wenn man ihn hindern würde, das zu tun, was er für notwendig halte. Jetzt liegen die Verhältnisse anders, und es wäre verfehlt, sie besser darzustellen als sie sind oder gar vor den ein- getretenen Veränderungen die Augen zu ver- schließen. Briands Stellung erscheint im Augenblick nicht mehr so unerschütterlich, wie das etwa noch vor einem Monat der Fall war. Der Feldzug, den gewisse hohe Militär s, unterstützt von der Presse des Nationalen Blocks, gegen die„ewigen Konzessionen" des Außemninisters unter- nommen haben, war nicht ganz ohne Erfolg und hat selbst in die bürgerlichen Links kreise Beunruhigung hineingetragen. Es gibt dafür zwei wesentliche Gründe: der eine besteht darin, daß es gelungen ist, einem großen Teil der öffentlichen Meinung, der ursprünglich für die sogenannte„Königs- bcrger Festungsaffäre" nur ein sehr geringes Interesse zeigte, die. Ucberzeugung beizubringen, daß Deutschland eine Aktion gegen Polen vorbereite und sick) nicht auf eine friedliche Lösung der deutsch-polnischen Streitfragen zu beschränken gedenke. Da Polen auch in den französischen Linkskreisen auf Grund alter Tradition und trotz des rcak- tionären Gesichts, das seine Regierungen und seine Politik seit seiner Wiedergeburt oft zeigen, in Frankreich viel Freunde hat, ist eine Atmosphäre entstanden, die das Vertrauen, ohne das Briand seine Politik nicht durchführen kann, unter- gräbt. Wichtiger ist der zweite Grund, und zwar liegt er in der Entwicklung der deutschen Regierungskrise. Man kann die verheerende Wirkung des Versuchs, ein Kabinett mit Einschluß der deutschen Monarchisten zu bilden, in allen Kreisen Frankreichs ohne Unterschied der Tendenz gar nicht mehr tief genug einschätzen. Ja, daß trotz der Enthüllungen über gewisse Zustände in der Reichswehr die Möglichkeit einer Rechtsregierung ernsthaft in Er- wägung gezogen wurde, hat vor allem in den französischen Linkskreisen eine viel stärkere Verblüffung hervor- gerufen, wie es in deren Organen zum Ausdruck kommt. Der gegenwärtigen Außenpolitik Briands"ist zweifellos eine Schranke gesetzt, wenn in Deutschland in diesen Tagen cinc Rechtsregierung das Licht der Welt erblicken würde. Was viel schlimmer ist als die demagogischen Hctzkom- mentorc der Rechtspresse oder von der Linkspresse formn- Herten Bedenk«! und Proteste, das ist das totsächliche Mißtrauen, auf das man gegenwärtig in Unterhaltungen selbst bei Persönlichkeiten stößt, die bisher begeisterte An- Hänger der französisch-deutfchen Freundschaft waren. Die Rechte füblt das und versucht natürlich, die neue Atmosphäre möglichst stark auszunutzen. Es ist z. B. kein Zufall, daß das klerikal-nationalistische„Echo de Paris" gerode die jetzige Zeitspanne auswählte, um eine große Enquete über die„Rheinlandräumung' zu veranstalten, deren von vornherein feststehendes Ergebnis natürlich darin oestehi. daß von Generalen. Politikern und anderen„maß- gebenden Lenien" nachgewiesen wird, was für„gewaltige Gefahren eine vorzeitige Räumung des Rheinlandss für Frankreich mit sich bringen würde". Auch die Forderung, die L e o n D a u d et dieser Tage in der„Action Francaise" erhob und die darauf hinauslief, den Außenminister B r i a n d ohne Zögern wegen Landesverrats zu verhaften(!), ist trotz ihrer krankhaft-maßlafen Uebertreibung bis zu einem gewissen Grade bezeichnend für die Leidenschaften, die gegenwärtig aufgestachelt werden. Die französischen S o z i a l i st e n drängen selbst. verständlich troßdem n a ch w i c v o r auf die Fortsetzung der in Lorarno fsstgelcgten Politik. Aber auch in ihren Reihen herrscht heute durch die Entwicklung der deustchen inner- politischen Lage eine ti'efe Beunrubigung und man bringt hier ebenfalls offen zum Ausdruck, daß die Möglichkeit einer Rechisregierung in Berlin die Lösung des Rheinland- Problems äußerst erschweren würde. Im Fall einer Äammrrdebatte werden die Sozialisten die großen Friedens- pr'nzipien, die sie von jeher verteidigt haben, weiter unein- geschränkt vertreten. Sie können dagegen die Augen nicht verschließen vor den Gefahren, die eine R c ch t s e n t w i ck- l u n a in Deutschland mit sich bringen würde. Slber wie die deutsche Krise auch gelöst werden mag. ihr Perlauf hat jedensalls der französischen nationalistischen Propaganda starken Vorschub geleistet, den Feldzug gegen Briand erleichtert, die Beunruhigung in den Linlskrcisen verschärst und dadurch eine Atmosphäre geschaffen, die einer kosequentcn Wcitersllhrung der zwischen Frankreich und Deutschland angebahnten Vertrauens- und Kriegsabbaupolitik alles weniger als nützlich tst� Neuer Konfiietstoff. Pari». 18. Januar.(Eig. Drahtbericht.) Vor einige» Tagen sprach der a m e r i k n n i s ch c B o t s ch a s t c r in Poris bei Pomcarv vor. Es handelte sich hierbei offenbar um einen o f s i z i e l l e n Schritt, durch den die Regelung der interalliierten Schulden plötzlich wieder in den Vordergrund geschoben morden ist. Die M e i n u n g»- verschiede nhett innerhalb der Regierung der„Nationalen Einheit" diirste sich damit um ei» weiteres erhöhen. Der Minister M a r i» hat sich bereits am Sonntag auf dem Kongreß früherer Kriegsteilnehmer klipp und klar gegen die Ratifizierung ans- gesprochen. Wenn auch P o i n c a r ö i» einem neuen Briese an den Präsi- deuten der Finaiizkommissiaii M o l v p misdriilkiich betont, daß gegenwärtig von Amerika keinerlei Druck auf Frank- reich zur Regelung seiner Schulden ausgeübt werde, so ha: doch die Tatsache, daß Paincani sich oerpskichtet fühlt, derartigen Gerüchten entgegenzutreten, in hiesigen politischen Kreisen überrascht. Man hat den Eindruck, daß es Poincart gelingen wird, eine«ingehende Aus- spräche noch länger hinauszuschieben Vor dieser Debart« über die Schiildenrotifizicrung im Parlament dürite ober der außenpolitisch« Konflikt zwischen Briand und P o i n c a r e cm Wichtigkeit und Gelähriichkeit für das Kabinett zurücktreten. Dieser außenpolitische Konflikt ist am Dienstag im Ministerrat wieder zur Sprache gekommen. Briand Hot nor feinen Kollegen das Cxposc vorgetragen, das er am Mitt- woch vor der Auswärtigen Kominission der Konimer vortragen wird und das dem amtlichen Komnninigiic zufolge«instimmige Zustimmung öesunden hat Man wird sich durch diese Be- schwichiigimgen aber pichi darüber hinwegtäuschen dürfen, daß im Kobinei: nach wie mir sehr ernste Divergenzen über die außenpolitischen Fragen bestehen. Wenn sie bisher noch nicht zu ernstem Konflikt geführt haben, so mag da» daran liegen, daß weder Polncgre noch Briand an einem Bruche Interesse haben und sowohl die Rechte wie die Linke es vorziehen, den Kamps zu einem a n» deren T e r ni i n zu führen. Die unausschiebbare Diskussion über die Rotiiizierung der Schuldenabkommen und die mehr als dringlich geworden« Frage der Wahlreform wird dazu wohl bereits in den nächsten Wochen Gelegenheit geben. Der falsche Prinz. Don peler Schütk. das sächsische Regicrungsprogramm. Eine farblose Erklärung. Dresden, 18. Januar.(Eigener Drahtbericht.) In der heutigen Sitzung des Sächsischen Landtages gab der Ministerpräsident 5)eld eine Regierungserklärung ab, die ziemlich farblos geHallen ist. Der Ministerpräsident führte u..a. aus: Als er vor drei Iahren die Regierung im Landtag einführte, habe er betont, daß die Regierung besonderen Wert darauf lege, alle Kräfte, die aus dem Boden der republitanischen Staatsversoisung ständen, zusammen- fassen und den Gedanken einer Voltsgemeinschaft zum Schutze der Republik unter Aufrechterhaltung van Ruhe und Ordnung als Borbedingung sür eine gedeihliche Entwicklung des Wirtschaftslebenz zu verwirklichen. Die Frage der Staatsform sei heut« nicht mehr Angelegenheit der Parteipoliiik, vielmehr habe die Mehrheit der sächsischen Bevölkerung sich zu der Auffassung diirchgernngcn, daß die wirtschaftliche Gesundung des Staates im Vordergrund stehen und daß sie nur herbeigeführt werden könne auf der Grundlag« der gegebenen Verfassung. Die Beziehungen der sächsischcn Regierung zur R e i ch a r e g i e r u n g. die vor drei Jahren nicht ungetrübt waren, sind w'oder normal geworden. Die sächsische Regierung werde niemals dem Reich versagen, was ihm gebühre, aber andererseits werde sie auch Wert darauf legen, daß sie finanziell und materiell in der Lage bleibe, auf ihrem Zuständig- keitsbereich sich frei zu entsalten. Aus dieseni Grunde bedauere die Regierung, daß ein endgültiger Finanzausgleich nicht zustande gekommen sei, sondern mir eine provisorische Rege- l»ng. Weite Schichten des Volkes leiden heute noch unter großer Rot. Die Arbeitslosigkeit laste auf Sachsen schwerer als auf anderen Ländern. Das Wesentliche sei die Schaifung von Arbeit, also die Bele- bu»g des ArbeitAnarkt�s. sowohl durch staatliche Arbeitsbeschafsüng, als vor allem auch durch Förderung der privaten und öffenilichen Bau- tätigkeit. Die Regierung werde der gesamten Wirtschaft ihre be- sondere Ausmerksgmkeit widmen und dabei insbesondere dem selb- ständigen Mittelstand. Schließlich sei auch noch die Auf- wertungsfrage zu klären, die von der Regierung aufmerksam oerialgt werde. Der Kurs der jetzigen Regierung werde in den wefentlichen Punkten die Fortsetzung des bisherigen Regier u ngskurses fei». Di« letzte Regierung habe diesen Kurs drei Jahre hindurch festgehalten und durchführen können, trotz aller Mißtrauens- und Auflöiungsanträgc, von Parteien, die im letzten Landtag aus parteipolitischen Rücksichten gestellt worden seien, ohne«ine Mehrheit zu finden. Dieses Ergebnis war nur dadurch möglich, daß andere Parteien gemig Verantwortuiigsgefühl dem Staats gegenüber besaßen, die Regierung arbeiten zu lasse,,, obwohl sie in ihr nicht vertreten waren. Die gegenwärtige Regierung sei sich bewußt, daß sie alif die U n t e r st ü tz u n g dieser Kreise in weiterem Maße angewiesen sxi. Sie hoffe daraus, daß sie in allen Kreisen, um des Wohles des ganzen Volkes willen, die erforderliche Unter- stützung finden werde, so daß«o ihr ermöglicht werde, mit Unter- stützung des Landtages die Aufgaben durchzuführen, die sie im Jnter- esse der Wohlfahrt des ganzen Volkes übernommen habe. Mehr soziale l>ilfe! Tie Kommunisten gegen internationale Sozialpolitik In der weiteren Beratung de« liaushalts d«s Reichsorbeits- Ministeriums, die in der Dienstagsitzung des choushallsausschusies de» Reichstags fortgesetzt wurde, gelangten beim Abschnitt Sozial- Versicherung solgende Entschließungen der Genossin S ch.r ö- der. Böhm-Schuch und des Genossen H o ch zur Annahme: Dia Reichsregiervng zu ersuchen, dem Reichstag einen Gesetz« c n t w u r s vorzulegen, der in Abänderung der Reichsversichsrungs- Ordnung die Witwenrente auf Grund der Invalidenversiche- rung analog der Angestelltenversicherung allen Witwen zu- gesteht, und die Bezüge der Invalidenversicherung erhöht. Ferner wird die Regierung ersucht, einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach das Reich für jeden Wochcnfürsorgefall«inen Zuschuß von 50 M. gewährt. Auf eine Anfrage der Genossin Bohm-Schuch nach dem Urlaub für Jugendliche erklärte Arbeit»- ntinistcr Dr. Brauns, daß diese Frage im Arbeltcrschiitzgcsetz nicht nach der Hemdbrust des Prinzen:„Diesmal sollst du dich nicht umsonst in der Hoflog« lümmeln, du Flegel!" Der Fuchsmajor entreißt den juizgen Mann mit einem gewalligen Fechlerhieb dem schimpfenden Intendanten und haut dem Prinzen rechts und links«ine herunter:„Do hast du mal was echt Teutornichss in dein« dumme Fresse! Du sollst dein Schafsgesicht diesmal nicht umsonst in die Kneipen der„Teutonia" stecken!" Schließlich packt ihn der Stadtkommandant am Kragen und tritt ihm den gespornten Stiefel in die Kehrseil«:„Hoben wir dich endlich, du freches Luder! Du sollst nicht umsonst dos alt« Offizierskorps verhöhnen!" Der Prinz:„Aber mein Hers!— Mein Herr!" Der Stadtkommandant hont ihm die Reitpeitsche ins Gesicht:„Halts Maul, d» Lump!" Der Prinz:„Aber mein Vater, der Kronvrinz. kommt doch jaden Moment!" Di« Meng« wiehert aus, wie ein Koppel Pferde und dringt mit Stühlen und Pflastersteinen auf den Prinzen ein. Wild geworden« Weiber reißen ihm Kragen und Krawatte herunter, tolle Veteranen zerschmettern ihr« Regenschirm« an seinem Hintern, Studenten und Osfizier« errichten«n Kronleuchter«inen«Galgen, um ihn zu lynchen. und wüst« Wahnsinnsschreie zerreißen das Hans. Da: Tatütataaa! Ein himderpferdiger Benz hält fauchend vor der Hall«. Di« Meng« starrt entgeistert auf den Eingang, wo„Er", der Schloßherr von Oels, mit federndem Schritt dem Wagey«nt- steigt. Kirchenstill« liegt über dem Vestibül, nur«in leises Schluchzen entringt sich dem zertrammpelten Prinzen. Der Sechstagefreund neigt sich traurig zu seinem zerknautschten Sohne:-„Verdammt noch- mal, die Konkurrenz verdirbt uns das Geschäft!" Ein dumpfes Stöhnen liegt Uber dem Saal. ..Der Künstler und sein Werk." Einen Vortragszyklus der H u in b o l d t- H o ch s ch u l e über das Thema»Der Künstler und sein Werk", in dem Poelzig, Pechstein, Belling und Nachtlicht sprechen werden, eröffnete Dr. Cohn-Wiener mit einer Ein« fuhning. Er warnte davor, von der psychologischen Seite den Künstler und damit auch sein Wert erfassen zu wollen, wie dos in der heutigen Zeit sehr vst versuchl wird. Nicht das Werk ist au» dem Künstler, höchstens ist der Kiinstler aus seinem Werke zu ver- stehen. Zwei Bilder,«ine Radierung von Herkules Seghers und «in« Tuschzeichnung Goethes mochten deutlich, was der Vortragende damit meinte. Die Graphik de» menschlich gewiß nicht entfernt an Goethe heranreichenden Seghers ist von einheitlicher, stark gefchauter Form: die Zeichnung Goethe, wirkt dagegen leer und lormlos. Der bildende Künstler wird eben bestimmt von per Fcrmvorstellung. Je stärker dies« ist, desto höher wird der Künstler stehen. Gewiß wird auch der bildende Künstler sein Wert mit tritstcher Emftellung betrachten und künstlerische Absichten bewußt zum Ausdruck bringen wollen. Treten aber diese gedanklichen Momente zu stark hervor, so verliert das Bild die Ausdruckskraft, die ihm eben als Bild--- nicht geregelt werde. Dagegen ivcrde die Frage in dem dem Kabinetk zurzeit vorliegenden Gesetz über die Benttsausbildung der Iugendc lichen Regelung finden. Im Kapitel Internationales Arbeitsrecht werden: für die Teilnahme an den Beratungen des Internationalen Arbeits-- amtcs in Genf 42 000 M. und als Anteil des Deutschen Reiches o» den Unterhaltungskosten des Internationalen Arbeitsamtes in Genf 490 000 M. verlangt. Die kommunistischen Vertreter beantragen. diese sür die Durchführung der internationalen Sozialpolitik er- forderliche Ausgabe zu streichen. Genosse Hoch als Berichterstatter' empfahl dringend die Bewilligung wegen der dankenswerten'Arbeit dieses Amtes. Nach längerer Debatte wurde der kommunistische Antrag aus Streichung abgelehnt, die Position bewilligt und«in- stimmig folgende Entschließung angenommen: Die Regierung zu ersuchen, mit allem Nachdruck dahin zu wirken, daß eine der Bedeutung Deutschland» entsprechende personelle Vertrc- tung im Internationalen Arbeitsamt insbesondere durch Einsetzung eines deutschen Stellvertretenden Direktors und die gleichberechtigte Berücksichtigung der deutschen Sprache im Jnter- nationalen Arbeitsamt baldigst herbeigeführt wird. Beim Etattitel: Reichszuschüsse für Berufsberatung und Lehrstellenvermittlungseinrichtungen be- antragt« die Genossi» Bohm-Schuch Maßnahmen, um dem Lehr- stellenmangel für Knaben und Mädchen abzuhelfen. Die Entschließung wurde angenommen. Beim Etatstitel: Zlrbeitsoermittlung und unter- stützende Erwerbslosenfürsorge werden 200 Mi.k- lionen Mark angefordert. Hierzu teilt die Regierung mit. daß sie damit rechne, daß die Arbeitslosenversicherung am 1. April 1927 in Kraft treten werde. Infolgedessen seien 50 Millionen Mark als Grundstock für die Versicherung vor- gesehen. Weitere 50 Millionen sind der geschätzte Bedarf sür die erste U e b e r g a n g s z e i t, in der die Mittel aus der Arbeits- losenvcrsicherung den Bedarf voraussichtlich noch nicht decken werden. Beträge, die dann nach diesem Gesetz'über die Veranschlagung hin- aus ersorderltch werden sollten, sollen im Darlehnswcge angefordert werden. Die restlichen 100 Millionen Mart sollen zur Finanzierung der K r i s e n u n t e r st ü tz u n g auf Grund des Gesetzes über die Arbeitslosenversicherung dienen. Der Sarmat-prozeß. kreditfragen.— Tie Bilanz der Bmexima. Im Barmat-Prozeß wurde gestern im einzelnen über die ver- schiedenen Konten der SpitzengeseUschast des Barmat-Konzerns, der Amerima, bei der Staatsbank verhandelt. Auf eine Frage des Vor- iitzenoen erklärte Dr. H e l l w i g, daß ein Kredit von 50 000 Franken oeshalb ohne Entweriungstlausel gegeben worden sei. weil die Klausel bei der Staatsbank nicht üblich war. Dies« Aufsasiung stand in einigem Widerspruch zu dem Gutachten, das der Sachverständige Prof. L e i t n e r über die Kreditgebarung der Reichsbanl und der Privatbanken in der damaligen Zeit gab. Dann legte der Sa6)oerstä»dige Prof. Leitner dem Gericht noch die Bilanz der A m e x i m a in Amsterdam vor, die in deutscher Sprache von einem holländischen Notar beglaubigt war. Wie er sagte, ließe sich aus der Abschrlit nicht feststellen, ob die einzelnen Posten tatsächlich mit den Büchern übereinstimmten. Interessant war daraus, daß die Amexima in Holland alle Betröge der Berliner Zentrale mit 1 Cent zu Buch gesetzt hatte. Aus der Bilanz ging auch hervor, daß Instius Bar mal aus Amsterdam 190000 Gulden nach Berlin bekommen hat t e. Das Gericht will versuchen, zur resttosen Beweisführung die holländischen Bücher her -Amexima zu bekommen. Die Verhandlung wurde dann auf Donnerstag 10 llhr vor- mittags vertagt. An diesem Tage sollen die Beamten der Staats- bank vernommen werden, und zwar zunächst der frühere P r ä s i- dent Exzellenz v. Dom bot s, der jetzige Präsident Säzryder und der Vizepräsident Breckenfeld. Bei den Gemeindewahlen in Estland erzielten die Sozial- demokratcn und die bürgerlitt)« Linke die meisten Gewinne. Die Mittclparteien behaupten ihre Stellungen, während die äußerste Link« beträchtliche Verlust.« erlitt. Die durchschnittliche Wahlbeteiligung betrug 60 Praz. als gedankliche Konstruktion— innewohnen soll. An einer Reihe von Dürer-Bilder» demonstrierte Cohn-Wiener überaus einleuchtend diese Ausführungen. Der inhaltsreiche und dabei durchaus allgemeinverständlich« Vortrag, der noch die Unterschiede von Skizze und Studie und manche andere Kunstbegrisfe in großer Knapphett klarlegte, war den Aussührungen der Künstler, die in dieser Vortrags- reihe sprechen werden, sicher ein wirkungsvoller und notwendiger Wegvereiter. Sz. Die Kommission für die Nationalgalerie. In den Mitteilungen über die Stellungnahme der Sachverständigenkommission, die der preußisch« Kultusminister zur Entscheidung darüber befragt hat, ob die Einsetzung einer belonderen Kommission für die Nationolgalerie notwendig sei,.sind, wie wir erfahren, einige nicht unwesenttiche Irrtümer enthalten. Die Zlbstiminung über die Notwendigkeit der Einsetzung einer Kommission bat vier bejahende Antworte»(Ge- heimrat Friedländer, Goldschmidt, Pros. Hübner und Gerstel) gegen zwei oerneir.ende(Dr. Fechter und Köhler) erpeben. Donach werden nun dem Kustusniinister Personalvorschläge für die Zusammen- setzung der Kommission gemacht werden. Hierbei legt der Minister den größten Wert darauf, daß die neu« Kommission nicht etwa als eine 2lrt Kontrollkommission in die Erscheinung tritt: es soll vi:!- mehr schon in ihrer Zusammensetzung aus Persönlichkeiten, die der Akademie und den Galerien nahestehen, gezeigt werden, daß beide Lager voll berücksichtigt werden und zu Wort« tomrne» sollen.— Unsere gestern gekennzeichnete grundsätzliche Stellungnahme zu der Frage kann durch diese Mitteilung natürlich nicht modifiziert werden. Moskauer Thealerneuiakeilen. Wie die Moskauer Zeitungen mitteilen, hat Gorti dem Mostauer Staatstheater ei» Stück unter dem Titel„Die falsche Münze" eingereicht. Der Kommissar für Voltsbildung Lunatscharski will festgestellt haben, daß Gorti kein neues Stück, wie er behauptet, angeboten, sondern ein alles, bereits im Jahre 1904 begonnenes Schauspiel beendet und zurechtgemacht habe. Dieses veraltet« Sttick wolle Gorti. so behauptet Lunatscharski. jetzt loswerden. Gorkis Stück wurde daher nicht onge- Nammen, dafür aber ist die Uraufführung eines Schauspiels van Lunatscharski.Lumpen und Seide" angekündigt.— I» Moskau ist soeben das Schauspiel Tschischewskis„Zar Alexander" zum ersten Male auf der Bühne erschiene». Die Moskauer Krttik protestiert dabei gegen dos sortgesetzte Erscheinen von Werken, in denen das Schicksal verschiedener Zaren dramatisiert wird. Man Hot schon, so schreibt eine führende Theaterzeilschrilt. sämtliche Zaren ans der Bühne gesehen, wobei sich die Autoren die größte Mühe gegeben hoben, die Zaren so widerwärtig wie möglich zu charokterisicren. Merkwürdigerweise war die Sympathie des Publikums stets auf der Seite der Zaren, womit direkt eine monarchistische Propaganda getrieben wurde._ Staatlicher Seethooni prei». Die Vorschläge zur Verletbung de« Beel- Sopen-PreiieS sind allsilhUich zum I. Januar einzureichen. Wie der Amt- »che Preußische Preslcdienb mitteilt, hat der Kultusmimsier Dr. Becker Me Frist(in b«4 Jähr 1927 auf den 10. g e b r u q r verlegt. Ver ItiederlSadijch« Arbei eriäpgerbund begebt in diesem Fahle die Seicr leine» K5 jährigen Be'ledciiS. Aap dieiern Grunde solle» eine Anzabl Ardeiterlängel.seile in verichiedenen Teilen de» Lande» ilattsinden. Den .Höhepunkt be» Jubiläum» wird ein« Zlrbeitersängertundzebiing in Am st erbau» Ort de r Handlung: Vestibül eines Thüringer Hotels. Personen: Der Prinz, der Portier, der Direktor, der Intendant, der Fuchsmajor, der Stadtkommandant, der Schloßherr von Oels. Der Prinz betritt, frisch gestärkt vom Manöoeroujenthalt in Schwaben, mit dem geflickten R oh r platten k offer seines nolleidenden Vaters dos Vestibül des Hotels, überfliegt mit seinem Falkenaug« die Dienerschaft und trägt sich dann mit monumentalen Schriftzügen in das Gästebuch«in:„Wilhelm, Prinz von Preußen."/ Der Portier schaut ihm neugierig über die Schulter, legt die Stirn in Fasten, zupft sich den Rock zurecht und fragt mit einer steifen Verbeugung:„Was für ein Zimmer wünschen Sie, mein Herr?" Der Prinz:„O, bitte, eine ganz bescheidene Kammer in der vierten oder fünften Etage---—" Der Portier(zum Direktor):„Schon faul! Fünft« Etage? Und det soll ein richtiger Prinz sein, ein Hohenzoller?" Der Direktor(zum Portier):„Warten Sie erst mal ad. wie er sich beninunt! Wir setzen den Lümmel schon raus, sobald er sich die erste Blöße gibt!" Der Prinz:.Kcknn ich ein Gespräch mit Potsdam führen, Schloß Cgcillenhof?" Der Direktor lMn Portier):„Der fängt gut an, diese Rohiiees«! Aber verbinden Sie ihn erst mal!" Der Portier meldet das Gespräch mit Potsdam an. Wie ein Lauffeuer fliegt unterdtsseii die Kunde von der Ankunft des Prinzen durch die ganze Stadt und«in« dicht gedrängte Menschen- meng« versammelt sich wortlos im Vestibül. Der Prinz tritt an den Apparat, während das Publikum i» feierlichem Schweigen verharrt:„Guten Tach. Papa! Ich bin hier in T-Stadt im Bahnhofhotel!— Macht sehr guten Eindruck! Die Leute betrachten mich höchst respektvoll— wie«in Wundertier! Ha, ich werde die Tradition unseres Hauses——" Aus der Mrnschemneng« löst sich«in leise» Feixen.„So-- du kommst im Flugzeug? In einer halben Stund« bist du da?" Das Publikum bricht ü» ein maßvolle« Brüllen aus. Der Prinz velftärkt sein« Stimm« am'Apparat:„Host du auch gute Nachrichten von Großpapa In Doarn?" Da, Publikum tobt. Als der Prinz aus der Zelle tritt, faßt ihn der Direktor am Kvagenknopf:.,9m wart«. Bürschchen. diesmal sollst du uns nicht umsonst zum Narren halten!" Der Prinz:„Aber mein Herr!---" Der Intendant löst sich au» der Meng« und greift unsanft Vanöervelöe weift den weg. Bestitrzung bei den englischen Konservativen— Beifall bei der Labour Party. London, lS. Januar. sE!z:ner Drahlberichk.) Vonderoeldcs Enischlteßung. die belgische fi ob Zession von TienTsia sofort und ohne Vorbedingung an China zurückzugeben, hol in konservativen Kreisen eine gewisse Bestürzung hervorgerufen. da man sicher hiervon die Erschwerung der gegenwärtigen Chinapolitik— der konservativen Chinapoiitik— und eine weitere Isolierung der chinesischen Politik Großbritanniens besürchtei. Sie ist aber von der Arbeiterpartei mit großem Beifall aufgenommen worden. Der„Daily herald" vom Miltwoch schrelbl. der belgische Außen- minister habe damit der Well und insbesondere Großbritannien ein Beispiel bei der Behandlung des chinesischen Problems gegeben. Dandervelde hat jedoch nicht nur staatsmännisches Genie, sondern mit diesem kühnen Schritt auch der Wirtschaft seines Landes einen großen Dienst erwiesen, denn verbesserte politisch- Beziehungen zwischen Belgien und China bedeuten bessere Handelsbeziehungen. Schon seht nehme Deutschland eine bevorzugle Stellung in China ei», weil es keine Konzessionen in China mehr besitze: aus wirlschasllichcn und politischen Gründen sollte Großbritannien dem Beispiel folgen. Englische KreuzergeschUmdcr nach China. London. 18. Lanuar.(Eigener Drahtbericht.) Das erste britische Krenxergeschwadcr, da? biolzer in Malta stationiert war, bat den Beseht erhalten, nach Schanghai ln See zu gehen. Bier Kreuzer verlassen Malta am Mittwoch,«in fünfter und das Lazarettschiff, die sich beide in Reparatur befinden, sollen sobald als möglich nach- solgen. 1000 Marinesoldaten. die sich im Truppcndcpot Shettham befinden, halten sich zum Abtransport bereit. Gegen Geßler, für SozialpolM! Stellungnahme der Berliner Parteifunktionäre. Die polnischen Weißruften-Verhastungen. Ter Sejmmarschall schützt die Abgeordneten- immunität nicht. Warschau, 18. Januar.(Eigener Drahtberichi.) Im Zusammen- hang mit der aufgedeckten„weißrussisäzen Verschwörung" gegen Polen sind jetzt zwei weitere weißrussische Scjmabgcerdnete verhastet worden. Der Sejmmarschall erklärte, daß kein (S rund zu einem Protest gegen diese Verhaftung zu erblicken sei.— Es unterliegt keinem Zweifel, daß die polizeilichen Maß- nahmen in der nächsten Sejmsttzung zu einem Zusammen st oh zwischen Parlament und Regierung führen, da sowohl die Linke als auch die Rechte Protcstanträge gegen die Verletzung der Abgeyrd- netenimmunität einbringen werden. Jur Republik und Zrieöen. Rcichsgrundungsfcier des„Vereins Teutschcr Studenten". Der„Verein Deutscher Studenten", der bisher durch sein Draufgängertum und durch seinen Antisemitismus bekannt war. veranstaltete am!6. Januar eine Reichsgründungsfeier. an der u. a. der Chef der Heeresleitung, General Heye, Admiral Zenker und Generalleutnant Haffe teilnahmen. Nachdem schon der Vertreter des Vereins in feiner Ve- «rüßungsansprache dazu ermahnt hatte, die Frage der Staats- form in den Hintergrund zu stellen, erklärt« nach dem Bericht der„Täglichen Rundschau" Professor O. D i b« l i u s in seiner Festrede u. o.: Ein Volk von 50 Millionen könne und wolle sich nicht knebeln lassen. Wen» auch dos deutsche Volk weiter seinen Dcrpslichtunqen nachkommen wolle, so müsse es sich doch da« Ziel setzen, eine Äb- änderung der Härten und Ungerechtigkeiten des Aersaillcr Gewaltakte» auf friedlichem Wege durchzusetzen. Es feien neue Formen im Volks- und Staatslcben entstanden, und diese Formen müßten bejaht werden, soser» sie ehrlich gemeint seien und der Gesamtheit zum Nutzen diente». Nicht die Form sei maßgebend, sondern der Inhalt. Die Lösung der heutigen Probleme, so besonders des Führer» und Massenpsoblcme, müsse die Zukunft bringen. Wenn es Deutschland gelingen sollte, die Frage des staatlichen Führertums sowi« die Frage des Kopitale und der Arbeit in glucklichcni und gesundem Sinne zu lösen, dann werde es sich dadurch in der Welt auf den ersten Platz stelle». Der„Verein Deutscher Studenten" steht den Deutsch- nationalen gesinnungsgemäß sehr nahe. Der Verlauf der Gründungsfeier deutet darauf hin, daß man selbst in diesen Kreisen der Studentenschaft des unfruchtbaren völkischen Phrasendrusches überdrüssig ist. sfe Die sozialistische Studentenfraktion der Uni- versstät Berlin beschwert sich in einer äffentlichen Erklärung mit Recht darüber, daß der 18 Januar als Reichsgründungstag vom Rektorat als gesetzlicher Feiertag behandelt wird. während ein gesetzlicher Feiertag wie der 11. August als V e r- fossungstag bisher nach nie festlich begangen oder auch nur als gesetzlicher Feiertag eingehalten worden Ist. » Reichegründungsseiern fanden gestern statt in der Universität, in der Technische» Hochschule und in der Handelshochschule, lieber den Vortrag, den Pros. Bonn vor der Handelzhochschule aus diesem Anlaß hielt, berichien wir an anderer Stelle. Wohnungsbau für die Lanüarbeiter! Annahme des Gesetzentwurfs im Landtag. Nach den Erklärungen des Abg. K u l t» e r(Soz.) über die Beziehungen zwischen der Reichswehr und der Russischen Staats- dank— die Rede wurde bereit» in unserer gestrigen Abendausgabe abgedruckt, trat das Preußenparlament in die Tagesordnung ein. Auf Antrag des Zentrums wird zunächst eine Resolution über die wirtschaftliche Notlage des Waldenburger R e» i« r, auf die Tagesordnung gesetzt und ohne Debatte dem Hauptausschuß überwiesen.. Aus VerllU'gcn der Kommunisten wird ein kommunistischer Ur- antrag auf» o l l st ä n d i g e Amnestie aller politische» Dergehsn und Verbrechen mit Ausnahme der Verbrechen der Rechtsvcrbände zur Beratung gestellt und vom Abg. Pieck(Komm.) mit dem Hin- weis auf die Amnestier««» und Pensionierung von Lüttwitz und Ehrhardt begründet.— Auf Antrag des Abg. Kuttner wird der Gesetzentwurf dem Rechisousschuß überwiesen. DI« Kommunisten beantragen serner sofortige Aushebung der Hirtsieserschen Verordnung über die Befreiung der Gcschästsräumc vom Mieterschutz, Der Antrag geht an den Hauptausschuß. Es folgt die zweite Beratuiig eine» Gesetzentwurfes zum b«- ichleunrgten Bau von Londarbeiterwoh nungen. Zlbg-. Hoejch(Dnat.) verspricht sich von einem solche» Gesetz lelne l Vor den Berliner Parteifunktionären sprach gestern abend Reichslagsobgeordncter Genosse D i t t m a n n über: Negierungsbildung und Sozioldemokratie. Seil einem Monat befinden wir uns wieder in einer Regierunqs- kris«. Wie sie ausgehen wird, ist heute noch nicht zu übersehen, fest steht ober längst, daß die D« u t s ch n a t i o n a l« n in die Regierung wollen. Der Bürgerblock ist ihr Ziel. Schon cinnial, nach der Annahm« der Dnwes-Gcsetze, hatte» wir eine Aürgerblackregienmg, allerdings ohne Demokraten. Uber trotzdem die Deutschnatioralen damals nach neun Monaten wieder ausschieden, bemühen sie sich jetzt auss neue um ihr« Aufnahme in die Koalition und die Volkspartei, deren Vorsitzender immer nock> Reichsaußen- minister Stresemann ist, leisten ihnen dabei Helfersdienst«. Nach einer Darstellung der Vorgang«, die zum Sturz der letzten Regierung Marx führten, txtoni« der Redner, daß die Stellung des Miß- trauensantrage» und s«m« Annahm« durck die sozialdemo- k ratisch« Fraktion der Klärung der Lag« dienen sollte, die von dem Führer d-r Volkspariei, Dr. Scholz, durch sein« Roden in Insterburg und Königsberg verworren wurde. Eine große Roll« bei der Regierungsbildung spielt für uns neben der Reform der Reichswehr die Schaffung eines Arbeitszeitnotgesehes, das angesichts der riesige» Erwerbslosigkeit dringend notwendig ist. Genosse Diltmann erwähnte dabei die Unterredung de» Kanzler- kondidaten Curtius mit den Gewertschasten und die eindeutig« Antwort. die er von den Orgonisationsvertreter» erhielt. Wir forden? ferner den Ausbau der sozialen Gesetzgebung. Aber gerade diese Forderungen stoßen aus den heftigst«,, Widerstand bei der Volkspariei. Sie will keinen Achtstundentag, keine Fortfühnmg der Sozialgesetzgebung und kein« Reform der Reichstvehr, sie will deshalb auch kein« große Koalition mit der Sozialdemokratie. Sie strebt melrnehr eine Koalition mit de» Deulschnationalen an, sie will den B e s i tz b ü rg e r b l o ck. Di« Entwicklung der Volkspartei ist entschieden nach rechts gegangen. Als noch dem Rathinau-Myrd die Sozialdemokratie in die Regierung hineingenommen werden sollt«, um den Schutz der Republik besser durchführen helfen zu können, wurde von Zentrum und Demokraten aus Angst vor der Sozialdemokratie die Volkspartei in die Regierung hmeingeholr. Dies« gleich« Voltepartei sucht heute Anschluß an die republikseindlichen Deutschnationalen. Das Mißtrauen, das die Sozialdemokratie heut- gegen die polkspartei hegt, hat seinen Ursprung in dem verhalten dieser Partei in jener Koalitionsregierung. Damals Hai die Volke- Partei daraushingearbeitet, daß unsere Vertreter wieder aus der Re- gierung ausschieden. Die Deutschnationalen haben nach ihrem Regierungsausiriti bei ihren Wähler» die Aussassung genährt, daß sie immer noch wie früher die alten Gegner jeder Verständigungspolitik seien. Trotzdem diese Politik anerkanntermaßen die einzig mögliche Politik ist und obwohl Stresemann ihr markantester Vertreter ist, strebt der Führer der»olksparteilichen Reichstagssraktion, Herr Scholz, danach, die Deuischitationalen verantwortlich an diesem Regierungskurs teilnehmen zu lassen. Scholz sieht offenbar die Kesti, gen Reden des Grase» Westarp gegen die Verständigung als Deila- niationen an, für Wählerohren bestimmt. Neben den Deutschnatio- naleu ist es besonders die Volksparlei, die nach einem Abbau möglichst oller Revolutionserrnngenschaflen strebt. Sie will unter allen Umständen ihre kapitalistischen In! er- eisen vertreten, während den Deutschnationalen die bisher beobachtete Außenpolitik unzweifelhaft unbehaglich ist. Di« internationalen Wirt- schoftsäbrr.aäzungen tragen, unter bürgerlichen Regierungen abge- schlössen, offen rein kapitalistischen Charakter und so fürchtet die Volkspartei«ine Abkehr von dieser Form der Abmachungen, sobald die Sozialdemokratie in der Regierung ihren Einfluß geltend machon kann. Do? ist ein weiterer Grund für die Slblehnung der Große» Koalition durch die Volkepartei. Bei dem Entschluß des Zentrums, k e i n e n'B c sl tz b ü r g e r b l o ck zu machen, haben die Zcn> trumsarbeiter den Ausschlag gegeben. Aehnlich ging es den Demokraten mit de» zu ihnen stehende» Hirsch-Dunckerschcn G-ewerk- schosten. Vor einer R c i ch s t o g s a u f I ö j u n g fürchten sich die bürgerliche» Parteien zu sehr, als dag sie es dazu kommen lassen möcyten. Sic wissen, daß sie damit nur unserer Partei nützen würden. Die Sozialdemokratie fordert nach wie vor van jeder Rc- gicrung eine sachliche Politik. Deshalb hat sich auch der Partei- ausschuß kürzlich iür die sogenannte Weimarer Koalition er- klärt, d. h., wir haben die Fortführung der bisherigen Außenpolitik verlangt und halten weiter auch an der Notwendigkeit der R c s o r m der Reichswehr, an dem A r b e i i s z e i t n o i g e s e tz und nn der Forderung noch einer wirksamen Sozialresorm fest. Wir brauchen als Partei den Besitzbürgrrblock nicht zu fürchten. Je reaktionärer er auftreten würde, um ja mehr würden die Wähler- Massen erkennen, daß nur die Sozialdemokratie die wahre Ver- treten» ihrer Interessen ist. Nach den Aeußerungen der Zentrums- arbeltersührer ist damit zu rechne», daß das etwaige Zustandekommen einer Bürgerblockregieriing direkt S p r e n g p u l v« r für dys Zentrum fein würde. Die Zentrumsarbeiicr haben offenbar erkannt, daß-sich ein Bürgerblock gegen ihre vitalsten Interessen richten würde, und das hat st« radikalistcrt. Di« Volkspariei wird nun ihr« Tätigtest dahin richten, die Sozialdemokratie zur Aufstellung von Forderungen zn provozieren, die sie als u n a n n e h m bar bezeichnen kann. Unter dem Beifall ver Versammlung erklärte Genosse Diltinann, daß die Bedeutung der Einzelfragen im Gesamtkomplex unserer Fordsrungen von Tag zu Tag sich ändern könne. Die Verlan Geßler ist uns nicht so wichtig, als etwa die. Förderung der Sozial, gefetzgebung. Der AchtsWndeniag ist wichtiger für uns als«in demokratischer Retchswehnriinister. Wir sehen oI)o, daß die Herbeiführung der großen Koalition am Widerstand der Volkspariei j ch« i t o r t e und daß sie auch«ine Weimarer Koalition nicht tolerie- ren würde. Dantii ist die Lage geklärt. Was übrig bleibt, ist nur dl« Retchstagsauslösung. Wir werden den Wahlkomps zu führen wissen, wie wir auch einen etwa doch noch kommenden Besitzbürger« block zu bekämpfen wissen werden. Weder das«ine noch das andere kann uns schaden!(Lebhafter Beifall.) Diskussion. Genosse Günther meint, daß die Teilnahme an Koalitionsregie- rungen für die Sozialdemokratie und dir Arbeiterschaft niemal? fruchtbar sei» werde. Wir sollten eine Politik, auch in der Oppo- fition, betreiben, die die Stellung der Arbeiterschaft konsolidiert. Genosse A«henbach m8jntCl daß einige Zeit deutschnationaler Rcgierungskunst unserer Agitation nicht schaden wurde. Ueber den Forderungen nach Verbesserung der Sozialgesetzgebung, nach dem Achtstundentag, stehen unsede Absichten nach Beseitigung der topita« ltstischen Gejelllchaft überhaupt. Genosse Künstler betont, daß die wirtjchastliche Erstarkung d«» Vürgeriums eine politische Reaktion zur Folge haben muß. Geßler ist unhaltbar, er ist jetzt, mit der Tolcrierung jeines Generals Reinlzardt, erledigt. Der Fall Geßlers kann uns aber nicht vom Festhalten an unseren sonstigen Forderunngen abbringen. Genosse Künstler ging denn kurz auf die Munitionslieserungen Rußlands an die Reichswehr ein. Der kommunistische Landtag-abgeordneie Pieck weiß genau, daß die Verössentlichunge» Künstlers im„Vorwärts" wahr sind. Trotz der Ableugnung in der Ocsfeutlichkcit hat Pieck in einer Sitzung des Politifchen Bureaus zugegeben, daß in Stettin Dampfer Munition und Giftgasgranaten gelöscht haben. Diese Dampfer feien aber aus — Schwebet, gekommen. Weiteres könne Pieck nicht geben, sonst käme er in Konflikt mit dem russischen Außenkommissar. Fest steht auf alle Fälle, daß bis ztim Mai 102(5 deutsche Arbeiter in russischen Fabriken Munition und Giftgas sür die deutsche Reichswehr her- gestellt haben und fest steht a»ch, daß sich die Reichswehr dazu völkischer Unternehmer aus Hamburg bediente. Fest steht auch, daß man in Sowjetrußländ an derselben Stätte Maifest- nmzllge veranstaltete, wo man Giftgas und Munitio-- herstellte. Dieser Maiseftzua wurde von dem völkischen Dr. Böltner salutiert. Di« kommunistischen Führer belügen also nicht nur ihre Anhänger, sondern sie versündigen sich auch gegen die heiligste» Forderungen der sozialistischen Arbeiterschaft.(Lebhafter Beifall.) Genosse Adolf H a f f m a n n polemisierte gegen die Aus- führungen Dittmanns. Für uns ist es ganz ausgeicalossen, daß wir «ine Negicrung, der Geßler angehört, ioleneren. Selbst eine, Re- gicrniut der Mitte wird gegebenenfalls den Widerstand der. Ar- beiiersclzast zu brechen wissen, und sie wird dann die sozialpolitischen Gesetze mit de» Rechtsparteien machen. Dabei wird es dem Zen- trurn auch gelingen, seine Arbeiteranhänger zu beruhigen. Hoffen wir. daß die Sozialdemokratie im entscheidenden Augenblick weiß. was zu tun ist. Nachdem»och die Getwssen hennig und Weide gesprochen hatten, nahm Genosse Villmann dos S ch l u ß w o r t. Er stellt« zunächst einige Irrtümer der Diskussionsredner richtig. Bezüalich-der Person Geßler» betonte er, daß zweifellos eine starke Ueberschätzung Geßler? bei den Parteigenossen norhanden ist. Die ganze Reichs- wehr müsse von Grund aus reformiert werden. Die Polkspartei will das verhindern, deshalb treibt sie es auf die Personensrage hinaus. Es ist die spezielle Aufgabe der Sozialdemokratie, sür eine Beslening der Lebenslage der Bevölkerung zu wirken: leider haben wir für eine Sicherung und den Ausbau unseres demotra- tischen Siaatswefens arbeilen müssen, was eigentlich die Arbeit und die Aufgabe eines liberalen und demokratischen Bürgertums gewesen narc. Unsere hauntaiiloabe ist dabei zeitweise in den Hintergninh getreten. Genosse Dittmann betonte schließliär, das; unsere oegonwärkig betriebene Politik mir die logische Fortsetzung unserer Haltung von vor dem Kriege ist. Wir haben jcht im neuen Staatswesen die Möglichkeit, an den Staat und seine Berwaltung heranzukommen. Eimluß zu gewinnen und ihn zu erweitern sollten wir stets bestrebt sein.(Beifall.) Einstimmig beschloß dann die Versammlung folgende Resolullon: Di« heute vcrsainmeiten Funktimiiire der SPD. Groß-Terlins fordern von der Reichstagssraktion, daß-sie unter allen Umständen der Bildung einer Regierung, der Reichs'vehrminister Geßler angeliörl. den schärfsten Widerstand entgegensetzt. Die Versammlung fordert serner: Daß die Fraktion mit aller Kraft für die Durchführung des Arbeitszeitnota«!«tzes mit den? A ch t st u n d« n t a g nn Interesse der Arbeitslosen, für den weiteren Ausbau der sozialen Gesetzgebung und die Republikonisierung der Reichswehr kämpft. Mit einem Hoch auf die Partei schloß Genosse Liedtke die Ver- sammlung. .......................■■■■in..... lim»........................... I i große Wirkung, solange Werkwohnungen der Landwsttschast In größerem Umfange von der Jndustriearbeiterschast bewohnt werden. Abg. M ü l l e r- F r a n k s u r t(Komm.) lehnt den Entwurf ab, da er eine Fesselung der Üandarbeiterschast bedeute. Abg. wende(Soz.): In der Landwirtschast kann sich der Arbeitgeber leider immer noch nicht daran gewöhnen, daß auch der Landarbeiter ein freier Mensch ist, der unbehindert seine Stanisbürgerrechie ausüben kann. Bei den geringsten Anlässen hat es der Giitsbejitzer. in der Hand, Arbeiter zu entlassen und aus den Werkwohiiungen zu en:- fernen. Selbstverständlich muß der Wohnungsbau aus dem Lande gefördert werden in dem Maße, als das Kontingent der ausländi- scheu Wanderarbeiter herabgesetzt wird. Aber junge Londarbeiler. die sich verheiraten, sind einfach nicht in der Lage, aus dem Lande zu bleiben, weil sie nicht die verlangte Zahl von Hosgängern stellen können. Wenn die Guisbesitzer über Mangel an deutschen Land- arbeilern klage», so mögen sie in Zukunft weniger nach gut deutschnationaler Gesinnung ol» nach der Lei. st u n g s s ö h i g k c i t fragen. Die Not der Landarbeiter ober und der Mangel an Wohnungen aus dem Lande kann nur beseitigt werden, wenn die Arbeitgeber den Landarbeitern auskömmliche Löhne und politisch« Freizügigkeit gewähren. Trotz der ihr on> hastenden Mängel stimmen wir der Borlage zu.(Bravo! b. d. Soz.) Nach kurzer Debatte wird der Gesetzentwurf nngenommen. Ein Gesetzentwurs über die Gewährung eines Staatskredits an die Eisenindustrie in Oberschlesien geht»ach kurzer Aussprache an den Hauptausschuß. Die Debatte über die Einnahmen und Ausgaben der preußi« schen Laiidwirtjchastokanunern und die van ibnen erhabenen Umlagen wird nach kurzen Bemerkungen aus Mittwoch. 12 Uhr, ver- tagt. Außerdem steht aui der Tagesordnung der Ausbau des Dort- nnind-Ems-Knnals, d'« Beihüsen für Hannover aus Anlaß der Typhusepidemie und die Abänderung de» Gerichtstoftengesetzes. öS Jahre Lokomotivsührergewerksckaft. Die Gewerkschaft der Lokomotivführer, die älteste Beamtenorgaiiisation des Reiches, deren Geschichte insofern beachtenswett ist, als sie schon im Jahre 1807 die Lolonwtipsührer oller deutschen Länder zusammensaßt«, feierte gestern abend im mit Blumen und Grün geschmücktem Plcnarsitzungssaale des ehemaligen Herrenhauses die aus den l. Januar 1027 sollende Wiederkehr des Gründungstages vor 60 Jahren. Zahlreiche Lokomotivführer aus dem Reiche und geladene Gäste waren zur Teilnahme an der Jubel- feier herbeigeeilt. Noch einer Begrüß'ingsansprache des Vorsitzenden Genossen R« u m a n ii, in der er betonte, daß der Lokommiolührer sich nicht nur in den Dienst seiner Sache, sondern auch immer in den de» Vaterlandes gestellt habe und immer stellen werde, ergriff Vor- sitzender Warstein das Wort zu einer langen Rede, in der er einen Uoberblick über die Geschichte der Gewerlschast gab. Den Reigen derer, die der Gewerkschaft ihre Glückwünsche zuni Ausdruck brachten, errnfnete Reichstagspeäsident Paul L ö b c. Mit seinen guten Wünschen sei er sicher, die Mehrheit des Reichstoges hinter sich zu baben. Die Lokoywtiojührer seien, und hierbei wies Reichstagspräsident Löbe auf die anwesenden öster- rcichischcn Vertreter hin, auch jetzt wieder, wie sie es auch eigentlich vor 60 Jahren gewesen seien, die Pioniere für die deutsche Einheit in einer g r o ß d e u t s ch e n Republik. Er hasse, daß, wenn die Gewerkschaft ihr 75jährige» Bestehen feiere, dies in einer Zeit sein möge, da Deutschland wieder frei und glücklich sei. Große Koalllion In Lippe. Der Lippesche Landtag nahm am Dienstag ein« Regierungserklärung entgegen, in der es heißt, Paß Lippe infolge des Ucbertritts des Regierungsnntglieds Stärke zur Deutschen Volkspariei nunmehr eine Regierung der Großen Koalition besitzt. Die Regierung setzt sich zusammen aus einem Sozialdemokraten, einem Demokraten, einem Äolkspartciler »tzolzarbeiter, die?!ugen ouff Kommunistischer Schwindel. Die Drahtzieher der KPD. bemühen sich krampfhaA, M a- t erial für die kommenden Wahlen im choharbeiterver. band zusammenzutragen. Um zu zeigen, wie skrupellos sie dabei vergehen, sei folgendes Beispiel angeführt: Die„Rote Fahne" brachte am 4. und 13. Januar eine Anklage gegen ein früheres KPD-Mitglied Schmidt und dessen„Berichtigung. um den Holz- arbeiterverband und die SPD. anzurempeln. Es handelt sich um ein Flugblatt,„Günstige Aus- fiätten— aber für wen?", das der Bor st and der SPD. im November des Borjahres herausgab und insbesondere unter den Erwerbslosen verteilen liest. Das Flugblatt behandelt die Erwerbslosigkeit, in Verbindung mit der Erwerbslosensürsorge und der Krisensürsorge und beleuchtet den K a mp f, den die Sozial- demo?ratie im Parlament um die Erhöhung�der Erwerbslosenunter st üstuug führte. Zum� Schlust werden die Erwerbslosen oufaefordert, die Arbeit der Sozial- d e m o k r a t i e im eigen"-» Interesse zu u n t er st üch e n. Als verantwortlicher Heransgeber dieses Flugblattes zeichnete der im Bureau des sozialdemokratischen Parteivorstandes tötige Genosse Georg Schmidt. Die Moskauer Lakaien im Holzarbeiterverbond benutzen dieses Flugblatt zur Agitation gegen die O r t s v e r wa lt u n g. Sie vermuteten als Herausgeber des Flugblattes den Georg v ch in i d t, der bis Mitte des Jahres 132k Mitglied der KPD. und des Holzarbeiterverbandcs war: den sie noch im Vorjahr bei den Wahlen zur engeren Berwaltung zum besoldeten Verbandssekretär vorgeschlagen hatten. Wie min aber die Leute heute über diesen ihren Georg Schmidt, den sie jetzt den Sozialdemokraten anhangen wollen, denken, darüber lassen wir die„Rote Fahne" selbst sprechen: „Wer ist dieser Georg Schmidt? Bis Mai 192K war er Mitglied der KPD. und in der Russischen Handelsvertretung als Tischler beschäftigt. Da im Frühjahr 19ZK diese Tischlere, ausgelöst wurde, wurde er entlassen und mit 300 M. entschädigt. Dies war ihm zu wenig— er wollte auf Lebenszeit angestellt werden, n- Daher richtete er am 3. Juni 1926 einen langen Schreibebries an die Ortsverwaltung Bertin des DHB., m weichem er sich über feine Entlassung beklagte: an dieselbe Ortsoerwattung. deren ärgster Feind er bis dahin war. Er wurde zum Judas." „Ein Judas tut nichts umsonst, er will Silberlinge sehen. Wer nur einen Blick auf das Flugblatt wirft und Georg Schmidt kennt, weist sofort, daß Schmidt dies Machwerk nicht geschrieben hat Im„Borwärts" ist es gedruckt, im„Vorwärts" ist es ge- schrieben. Judos Schmidt zeichnet nur verantwortlich: er verkauft sich an die Sozialdemokraten." Die„Rote Fahne" sagt dann wester, daß dieser Judas Schmidt für die SPD. Propaganda machen soll. Kamst die im vorigen Jahre bei den Holzarbesterwahlen verloren gegangenen Stimmen wieder wettgemacht werden. Auch hier zitieren wir wörtlich: „Ausgerechnet dieser Georg Schmidt soll es machen, dem, solange er in der KPD. war, die Zügel scharf angezogen werden mußten, weil er den Austritt aus den Gewerk- fchaften propagieren wollte." Die„Enthüllung" schloß mit einem Aufruf an alle Kommu- nisten, die gcknze Kraft einzusetzen, daß bei den kommenden K o m n: i s s i o n s w a h l e n nur Kommunisten(vom Schlage dieses Schmidt) gewählt werden. Die„Rote Fahne" brochie dann unter dem 13. Januar folgende Richtigstellung ihres ehemaligen, im ersten Artikel schwer beleidigten Parteifreundes, des sogenannten„Judas".Georg Schmidt: „1. Es einspricht nicht den Tatsachen, das ich für ein auf dem Nachweis und in den Betrieben verbreitetes Flugblast ver- � antwortkich gezeichnet habe. Totsache ist, daß ich mit den Sozialdemokraten als auch mst der Ortsverwoltung des DHB. in keinerlei Derbindung stehe. Ich bin weder Mstglied der einen noch der anderen Organisation. 2. Der„Judos" Schmidt hat sich von keinem Sozialdemo- kraten durch Schillinge kaufen lassen. Tatsache ist vielmehr, daß die Reformisten mein im Juni an die Ortsverwallung des DHB. gerichtetes Schreiben in ihrem Sinne ausgenutzt haben, ohne mich persönlich über die Drucklegung eines derartigen Machwerkes zu be- fragen. Ich selbst lehne jede Verantwortung hierfür ob und werde, falls ich ein derartiges Flugblatt zu Gesicht bekomme und den Drucker feststellen kann, Strasantrag wegen Namensniihbrauch stellen!" Hierzu bemerkte die Redaktion- der„Roten Fahne": „Die Reformisten haben sich einen sehr unzuverlässigen Krön- zeugen für ihre Sudeleien gesucht und selbst dieser lehnt„jede Berantworsung" ob. Die Holzarbeiter können daraus ersehen, mit welch schlechten Misteln die Reformisten„kämpfen". Jeder ehrliche Kollege muß daraus die Konsequenzen ziehen." Die Behauptung, daß der Holzarbeiternerband ein Flugblatt unter den Arbeitslosen und in den Betrieben verbreiten lasse, ist eine glaste Lüge. Unwahr ist auch da-, was der ehemalige Kommunist Georg Schmidt als Tatsache" angibt, nämlich, dah d i e Ortsverwaliung mit einein Schreiben, welches er im Juni 1926 an sie richtete. Mißbrauch getrieben habe, und daß sie, ohne ihn zu befragen, dasselbe für ein Flugblatt oder sonstige Druckerzeugnisse verwandt hat. Das von Schmidt an die Ortsverwallung gerichtete Schreiben ist eine Beschwerde- s ch r i f t über"die Zustände in der Russischen Handels- Vertretung. Es enchält sehr interessantes und für Agitations- zwecke durchaus brauchbares Material. Trotzdem hat die Ortsver- Wallung davon bisher in der Oeffentlichkeit noch keinen Gebrauch gemocht. Schmidt hat dies sogar verlangt. Zlls Beweis diene folgendes an die Verwaltung gerichtete Anschreiben: ..Anbei sende ich Euch den Bericht über die Vorgänge in der „Russischen Handelsvertretung". Lindenstr. 24. Von den hier ge- schilderten Tatsachen könnt Ihr den weitmöglich st en Ge- brauch machen, ich gebe Euch dazu alle Vollmacht. Auch für die.�ßolzarbeiterzeitung" oder„Mitteilungsblatt" kämst Ihr die«ache oerwenden: Es handell sich nur um reine Tatsachen, für die ich iederZeit gerade stehet" Noch mehr über diese„Aktion" zu sagen, erscheint uns überflüssig. Wo sind nun die Kronzeugen der„Roten Fahne"? Das ganze Machwerk ist für sie ein W a h l m a n ö o e r. Unseren Lesern und den Berliner Holzarbeitern wollen wir damit zeigen, mit welchen Mitteln.die Eroberer der Gewerkschaften" arbeiten. Die Lüge ist noch nie«in zuverlässiger Ratgeber gewesen und zeigt in diesem Falle ihre kurzen Beine. Hoffentlich ziehen die im Deutschen Holzorbeiterverband organisierten Kollegen bei den nächsten Wahlen die richtigen Schlußfolge- rungen und geben jenen Leuten die Antwort, die sie verdient haben._ Rationalisierung bei Danncbcrg und Quandt. In der Betriebsoersammlung am 12. Januar wurden die Ra- tionalisierungsbestrebungen bei dieser Firma besprochen, die wie in allen übrigen Betrieben auch hier auf Kosten des Arbeiters vor sich gehen sollen. Akkorde von 12,59 M.. die nach Fertigstellung in der Zeit von 42Vs Stunden auf 49 M. erhöht wurden, sind keine Seltenheit. Das nennt sich dann Kalkulation! Protestiert ein Arbeiter bei Uebernahme des Akkordes gegen den Preis, erhält er die Antwort:„Mächen Sie die Arbeit ferkig und geben Sie die Arbeitsstunden an, wir werden schon einig werden." Trotz Her- srellung von gesundheitlichen Apparaten und Anlagen läßt die Hngiene im eigenen Betriebe(speziell aus den Toiletten) zu wünschen übrig. Leider ist auch in diesem Betriebe ein Teil der Belegschaft be- strebt, trotz der großen Arhestslosigkeit durch Leistung von U e b e r st u n d« Ii den Verdienftaussall wettzumachen. Die vorhast- denen Mißstände sind auch hier nur zu beseitigen, wenn alle Ar- bester ihrer gewerkschaftlichen Organisation beitreten. Bcrhandlungcn in der Thüringer Metallindustrie. Augenblicklich sind zur Neuregelung der Löhne der Thüringer Metallarbeiter Verhandlungen im Gange, die leider bis jetzt infolge der widerspenstigen Haltung der Unternehmer noch zu keinem Resullat geführt hoben. Obwohl von einer schlechten Wirt- schastslage in der thüringischen Industrie nicht die Rede sein tonn, sondern mit der Durchführung rationeller Bctriebsmethodcn die lln- kosten wesentlich gedeckt wurden und eine starke indtoiduebe Leistungssteigerung vorliegt, erklären die Arbeitgeber kategorisch, daß auch nicht ein einziger Pfennig Lohn- erhöhung gezahlt werden könne. Wie die Dinge im Augnblick liegen, wollen die MetollindustrieUcn es anscheinend ans einen offenen Kamps ankommen lassen. Dieser Kampf ist unvermeid- sich,-wenn nicht in de» zurzeit schwebenden cchlichurngsoerhand- lungcn der berechtigten Forderung der thüringischen Metallarbeiter, die seit 1 925 k e i n e L o h n c r h ö h u n g erholten haben, Rech- nung getragen wird.___ Die Bremer Hasenbetriebe ssnd laut Urteil des Bremer Tarif- schiedsgsrichts gezwungen worden, eine Zulage von 29 L r o z. für die an einem Tag zu arbeitende zweite Schicht, und zwar mst rückwirkender Kraft vom 1. Oktober 1926 ob nachzuzahlen. Zsislallkarkellfunklionärek xrcitaq. et. Zonnsr. Übt. im»Llst-ichos. I-Halxu«otzii Seifto, Ääjf- ritfee Ete. 137, Fu»ltio»Sr»erIammluna ffiioDc Hnss.-lld Tra»-- pi1; ta:Kvitci fuuttJßnärt, wtlchc in<■ i n t ei D B W z.' B c t r i« b bllchaf sind nid cin-r Ixw«a.KK anaclchwss-n-» v q-uis-Umii«I» Mitaved angstio-en. EtßUnuqiuidtnt*u dem Lndup.'thandüinzsetkUbnis»od t>:m o:5cim). 5 Tr.-Siiat"-aiwub.—©chöntbets: SugtitbScint Hauptstr. 15 s.zraiifcuIanhvn'irTtr). Bontros:„Die Wobo.'"(Zernn).~f- Lichten- bert»: Iu«ewdi,eun ödtulo ffiofücrftr. 61. StrflttillbrrDCrtttäw;„Durch den Spret- n-oib" unv„AiPs und Iollo" s Bindows.—©harlottpabiug: tzucendbeim Siosinen. fttafi« 4, Glakdrenncr-Abend(Rnchos). Ackchung. tziwincrc:! Iunqlcinern!)«»! Keule, Mittwoch," Uhr, im Ecwcrl- schoftshaus. Baal 3. Lehrlinosvcrsaurmsunq. tzimutomccabeix,-richciut rcftls« in dieser Bcrsammlunfl! Lcbtlinfle, die dein Verband noch nicht ankichoren, werden hiermit frruiidiichst cinlieloden. Die Iuoeirdsoittiwz. Verband der«emeinde. und©taatsarbeitcr. Krauch« V,©trahenreiuigunq und ssuhroarl. Morocn, Dvnnerstaa, 6 Uhr, in Heinrichs sseiisälen. Krohe Krantturtor Stt. 30. N1H«©trausbergcr$IaS. Sruncheudelegiertenversammlung der©tiahcnrcinichrr. Bezirke 1— 30. Achtung,©chuttheih.Pahcnhofer, Abt. II! Am Donnerstag noch. ■3 mittau 5 Uhr hei Wollcndrrg, Aeu-Tomptfhof. Berliner Str. i, wich. S tifle Perkammlunu aller SVD.-Ibenossrn. Landw�sobgcordnrtrr Zachert kZ spricht über„Die politische Lage und soziale Fraecn". Lollzühllgeo !->1 Erscheinen erwartet Der Zraltionsuorstand. Perantworilich silr Politik: Pietor Schill! Wirssch-st: S. Slingethäscr: iSeweitschaftsbewcgunq: Ar. Ehkorn: Feuilleton: Dr. Zohu©chitowski: Lolalcs und©onsligcor Krih Äarftädt: Anzeigen: Th. Sloitc; sämtlich in Berlin, Derlaa: ZZorwärls-Berlag., Berlin. Druck: Vorwärts>Buchdruckcrei und Bertägsanilalt Paul©inaer � u. Co. Berlin©W 68, Lindenstrahe 3. Slctju 1 Beilage und„Unterdaltung und Wissen'. Trikotagen Damen-Schlupfhosen Damen-Schlupfhosen Damen-Schlupfhosen Damen Pullover Damen-Pullover Damen-Pullover Baumwolle, C tarbig......... Kanstselde, � � in vielen Farben,..> Kanstaelde, mit warmem Fat ter, in mM schonen Farben.. ZI>III!>WWIIUMIII>IIIIWIWII>II!»WI>IW ISeideniiQte�OO U aus kunstseia. Taflet, M©'nesTTosse Sortierung neuer Formen u. 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Januar 1927 Ueberfthwemmung im havelgebiet. Die ungeheure Wasserkalamitöt hat bekanntlich ihre tieffte Ursache in dein Umstand, daß gcrraltige Wassermengen aus dem meck- lenburgischcn Seen gebiet vertragswidrig in die chavel geleitet werden, deren Bett sie nicht aufzunehmen vermag. Hinzu kommt, daß der Staat seiner Verpflichtung, das Havelbett ständig zu räumen, um es für die ungeheuren Wassermengen sowohl aus den mecklenburgischen Seen als aus den zahllosen kleinen Zuflüssen aufnahmefähig zu machen, nicht nachkommt. Insbesondere zeichnet sich die sogenannte„Schnelle Havel* im Streife Niederbarnim und Templin durch Bildung von Triebsandbänken aus, sie unter- liegt auch seit Jahrzehnten der Verkraulung. Die Regierung glaubte, bei der allgemeinen Finanznot für die Instandhaltung dieses Flusses, der in jenem Teile von der«chiffahrt nur wenig benutzt wird, keine Mittel aufwenden zu müssen. Die Folge war, daß die Havel, die früher so friedlich durch die norddeutsche Tiefebene floß, für zahllose Anlieger, für Dörfer und Städte zu einem Unglücks- ström geworden ist. Vornehmlich in der Zeit der Frühjahrsschmelzc oder aber auch wie jetzt, nach großen Niederschlägen, sind weite Gebiete der Havel in einem geradezu unerträglichen Umfange überschwemmt. Das schlimmste aber ist, daß Ackerland, das früher reiche Frucht trug, und Wiesen, die ehedem zahlreichen Vieh- Herden als Weideland dienten, in ständiges Ueberschwemmungsgebiet umgewandelt wurden. Die Oeffentlichkeit wurde auf diese Zustände aufmerksam durch den Einsturz einer Havclbrllcke bei Liebenwalde. Nunmehr wird sich der Landtag mit dieser Angelegenheit ernsthast zu beschästigen haben. Seit langem bildet ja die lieber- schwcmmung der Havel einen Gegenstand seiner Beratungen, die auch einmal zu einem positiven Ergebnis geführt hatten: der Landtag hatte Mittet zur Regulierung des Havelstromes ausgeworfen, die aber leider infolge Versagens behördlicher" Stellen nicht zu dem bewilligten Zwecke verausgabt werden konnten. Man darf hoffen, daß diese Aussprache, die iiber�diesen Gegenstand nun- mehr im Landtag in der nächsten Zeit statsinde» muß, dazu führen wird, die Ha v e l r e g u l i e r u n g großzügig in Angriff zu nehmen, so daß hier ein Werk geschaffen wird, das aus lang? "Sicht die oben besprochenen Mißstände gründlich beseitigt. Es entspricht durchaus nicht dem technischen Können und dem Selbstgefühl des Menschen, sich den Naturgewalten zu beugen, wenn ' ihn sein Können besähigt. ihren schädigenden Wirkungen machwoll entgegenzutreten. Die Tatsache, daß nunmehr die Havel auch vor , den Äugen der zuständigen Behörden, die Landtagsbcschlüsse aus- i zuführen haben, rebellisch wird, wird jedenfalls mit dazu beitragen, , die Angelegenheit einem für alle Teile wünschenswerte» Ende ent- ! gegenzuführen. Neptun in seinem Element. Die orelen Niederschläge der letzten Wochen haben in und um Potsdam zahlreiche Ueberschroemmungen verursacht. Schon zwischen Nowawes und Potsdam kann man von der Bahn aus das weite Ueberschwenrmungsgebist der Ruthe beobachten, wo Lauben und Schuppen vom Wasser umspült und eine Unzahl kleiner Inselchen entstanden sind, zum Teil mit Strauchwerk und Bäumen bestanden. In Potsdam selbst hat das Hochwasser der Havel die Dampferanlegestelle überflutet und ein allgemeines Steigen des Grundwasserspiegels verursacht. Die Neptunsgruppe im Lustgarten steht imnitten eines kleinen Sees und der meer- beherrschende Gott scheint sich nun erst so recht in seinem Element zu befinden: lustig schwenkt er den Dreizack in der Rechten, während seine Rvfse und die musckielblasenden Begleiter bis zur Brust im Wasser schwimmen. Im Park von Sanssouci ist hauptsächlich der südliche Teil vom Schloß Charlottenhof bis zum Bahnhof Wildpark an zahlreichen Stellen unter Wasser. In reizvoller Weise spiegeln sich die alten Bäum« in den weiten Wasserflächen. Alleen und Partweg« verlieren sich plötzlich im Wasser und sind noch eine' Strecke durch ihr« hellere Färbung auch unter dem Wasser zu er> kennen. Mit eirnsachen Stange noerschlägen hat man solche ins Wasser mündende Wege bei den Abzweigungen kenntlich gemacht. Stumm und langweilig stehen längs der Wege hohe, schmale Kästen, in denen barocke Steinfiguren ihrer Frühlingsauferstehung harren. Und der Frühlingssonne wird man auch die Sorge überlassen, mit dem Ueber- sluß an Wasier fertig zu werden. Auch die Spandauer Havel kann jetzr zum Ueber- schwemmungsgcbier gerechnet werden. Hier leiden besonders die Fischer, die bei Tiefwerder und Gatow noch ihr Gewerb« handwerksmäßig betreiben und dann auch die vielen Wassersport- verein«, deren Eigentum oder Pachtgut stark gefährdet ist. Der S t ö ß e n s« e schiebt sein Wasser stellenweise bis an die Chaussee heran, die die Heerstraß« mit Schildhorn verbindet. Hier wird man einer etwaigen Unterspülung der Straße vorbeugen müssen. Die Dampseranlegesteg« sind überflutet, das Wasser hat die sonst reichlich hoch liegenden Gärten der Smnmerlokalc erreicht. Am schwersten werden die Sportverein« zu leiden haben. Ihre Boots- Häuser, die mit großen Mühen und unter großer Opferwilligkeit der Mitgliedschasten errichtet wurden, stehen zum großen Teil unter Wasser, ein Betreten ist fast unmöglich. Dabei könnenjiie Schäden erst nach Iahren auftreten, wenn Fäulnis, Rost und Schimmel ihr zerstörendes Werk vollendet haben. Di« Schäden an den Booten werden spät im Frühjahr, wenn das Wassor sich wenigstens teilweise verlausen hat, auszubessern fein. Tatsächlich liegen viele Segelboote und Angelkähne in ihrem Winterquartier im Wasser, bei«inigen Vereinen sogar so, daß die Besitzer migenblicklich nicht eimnal heran können Teile der Grundstücke, die nach nie vom Winter- und Frühjahrs- Hochwasser betroffen wurden, sind jetzt überflutet und die Sportler können selbst auf dem Grundstück Kahn fahren. Die Regulierung der oberen Shaoel wird allerschnellstens erfolgen müssen, soll nicht der allerorts angerichtete Schaden ins ungemcssene steigen. (% � ütbcrschwemmtc Parkwege. Die Wunöer öer Klara van tzaag. 66] Bern Johannes vuchholh. Aus dem Dänischen übersetzt von Erwin Magnus. „Ob die Garnelen jetzt reif sind— das weiß ich nicht," sagte der Chauffeur.„Sie werden ja gefangen. Aber Hum- mern gißt es selbstverständlich. Die werden ja gekauft. Die sind auch viel besser. Das andere ist nichts Rechtes. Nicht wahr?" Hedwig knüpfte ihre Schuhbänder und fühlte, wie ihr Herz sich süß wand und gluckste. „Und dann wohl Rhabarbergrütze und sonst irgend was Leckeres mit Sahne hinterher?" sagte der Chauffeur schließ- lich mit der Miene eines Weltmannes. „Ja, Rhabarbergrütze, das wäre etwas!" „Ja, das ist etwas!" Der Chauffeur ließ das Auto an- springen und grüßte stolz mit krummen Fingern. Iohan und Hedwig gingen unter die mächtigen Buchen. Sie gingen lange hin und her auf allen Wegen. Keines von ihnen sprach ein Wort, aber sie schienen im voraus einig zu fein, sobald die Richtung verändert werden sollte.'Die Luft war sonnig und stark von dem Dufte des Frühlings. Wenn «in Waldvogel sich hören ließ, beugten sie beide gleichzeitig den Kopf. Iohan wußte, daß dies ein Buchfink, das eine Kohl- meise war. pink, pink. Hedwig wußte es auch, warum also seinen frischen Eindruck in einen Käfig von Worten setzen. Feine kleine Zweige zerbrachen unter ihren Füßen, und von den laubbraunen, runden Hügeln kamen ihnen unzählige kleine Anemonenmädchen entgegengelaufen. Hier war gut gehen. Das Blut stieg ihnen stärker in die Wangen. Dann bogen sie um ein Dickicht herum und hatten eine grüne Wiese vor sich, wo etwa zwei Dutzend Hirsche grasten. Sie blieben stehen und betrachteten die Tiere, dann setzte Hedwig sich wieder in Bewegung. Iohan entdeckte es erst, als sie schon zwei bis drei Schritte von ihm war, aber gleich war er wieder neben sie gelaufen, und dies kleine Erlebnis genügte, daß sie beide lachten und sich länger amüsierten als, streng genommen, notwendig war. „Sie sind eine gute Fußgängerin, Fräulein Egholml" „Ja, es gibt nicht viele, die mich müde laufen." „Sie haben einen Gang, daß ich krank und unglücklich poller Lebensüberdruß dadurch werde." Hedwig sah ihn unsicher an. „Rein, denn das kann doch nicht gemalt werden. Nicht Munal von mir, der es doch sehen kann. Tanz kann man malen. Aber nie kann man ein junges Weib malen, das durch den Frühlingswind geschritten kommt." „Nicht?" „Doch!" „Nun sagen Sie wieder doch!" „Ja, wenn jemand wollte." „Sind Sie der jemand?" sagte Hedwig und knöpfte nervös an ihren langen Handschuhen. „Nein, Sie, Fräulein Egholm, wenn ich Sie malen dürste. Denn ich sehe es heute doch zum erstenmal. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll." Hedwig legte plötzlich die Hand über die Augen, wie Leute tun, wenn sie eine Schwierigkeit entwirren wollen. Noch einer Sekunde sagte er: „Fräulein Egholm— Sie hießen einmal anders— ein kleiner Name—" Hedwig knöpfte den Handschuh los, wurde aber plötzlich fertig: sah ihm frei in die Augen und sagte: „Ich hieß einmal Hedwig und d u hieß ich— nicht Fräulein. Aber wenn Sie meinen, heiße ich immer noch beides. Das andere ist ja eigentlich dumm, finde ich." Iohan stand vor ihr. Er schüttelte den Kopf und sagte: „Sie machen mir alles so schrecklich schwer." „Nein, das tue ich doch nicht." „Doch, jetzt sagen Sie Ja dazu— daß ich Hedwig zu Ihnen sagen darf und du. Aber ich glaubte, Sie würden nein sagen, und wenn Sic nein gesagt hätten, dann wollte ich Sic anbetteln und anflehen, ja zu sagen. Und mich vor Ihnen niederwerfen. Und jetzt stehe ich da und bin unglücklich, daß ich dos nicht sagen kann." Hedwig bekam die Augen voller Tränen. „Nein— Sie dürfen nicht unglücklich sein," sagte sie. „Ja, aber ich habe Ihnen ja soviel zu sagen. Ick) liebe Sie ja» aber wie soll ich um Sie freien.— Hören Sic—" Er umschloß ihre Hand und wog sie gleichsam.„Ich sehe schon, liebe kleine Hedwig, daß du mir nicht fortläufst und mich nicht, fortstößt, aber ich wage gar nicht, meinen eigenen Sinnen zu trauen.— Ich habe einen Drang, dos Knie vor dir zu beugen. Es gibt etwas aus uralter Zeit, für das ich Verzeihung haben muß." „Nein, nein, das gibt es nicht," sagte Hedwig.„Wir mußten doch erwachsene Menschen werden. Etwas anderes war es ja nicht." Da umfaßte Iohan sie stark. Er hob sie auf und ging eine Weile mit ihr hin und her, als habe er völlig vergessen. sie wieder zu Boden zu setzen. „Das ist merkwürdig, merkwürdig," jagte er mehrmals. Sein Gesicht war ernst geworden; ja, Hedwig fand zu ihrer Verwunderung �inc Aehnlichkeit zwischen ihm und dem alten ichmerzbeschwertcn Mann auf dem Bflde. „Was ist merkwürdig, Iohan?" „Daß etwas, das taujenmal durchdacht ist, doch als etwas Neues und Wunderbares gefühlt werden kann. Denn ich habe ja dich und immer nur dich geliebt, und ich habe mir ausgemalt, daß du einmal mit mir in einem Walde gingest — dort mein wardst. Und jetzt ist es geschehen. Aber i h habe nie geglaubt, daß du so herrlich wärest, wie du bist, dann hätte ich nicht gewartet, bis ich erwachsen war. Denn du hattest ganz recht vorhin: wir mußten uns erst groß wachsen. Und dank, daß wir so miteinander gegangen sind. Du bist ja doch eine 5tönigin unter allen Frauen der Welt, und ich— ja ich bin ja nichts gegen dich— aber als Maler! Ja, jetzt, da ich dich habe, werde ich jedenfalls die ganze Welt in Grund und Boden malen. Ich muß groß werden, du! Hedwig, du elektrisierst mich. Nein, jetzt will ich richtig sagen, wie du bist; hör jetzt zu: Weißt du, wie es ist, an einem Sommertage am Meer entlang zu gehen? Du bist müde und warm, und dort liegt also das Meer. Es ist blau und durchsichtig. Du kpnnst den weißen, kalten, sonnenglitzerndcn Sandboden sehen, kennst du das?" „Ja, das keime ich," sagte Hedwig ernst und aufmerksam. Sie und Iohan Fors waren dabei, weiter den großen Hügel hinauf zu gehen. Iohan hielt ihre Hand in der seinen, ober sein Blick war aufwärts und weit in die Ferne gerichtet. Er runzelte die Stirn und gab sich offenbar Mühe, das Bild zu malen, gerade wie er es vor sich s a h. „Schön, ober weißt du auch, daß man völlig wild und toll danach werden kann, in das kühle klare'Wasser zu springen, daß man gleichsam Durst in allen Nerven danach bekommen kann, einen Durst, der gelöscht werden m u h." „Ja, das kann ich," sagte Hedwig und beugte den Kopf. „Hedwig— du bist das Meer! Nicht nur deine blauen Augen oder sonst etwas bestimmtes, sondern dein ganzes Du! Dein Name und alles. Und ich bin warm und müde, weil ich jahrelang herumgelaufen bin, darauf versessen, mich in dich zu stürzen.— Aber das Meer wich vor mir. Nein, es erhob sich eine Glaswand zwischen dir und mir. Du antwortetest nicht auf meine Briefe. Ich bekam Atemnot, wenn du nicht ein Wort antwortetest. Ach— ich verstehe nicht, daß ich auch nur einen Pinselstrich malen konnte." Hedwig schlang ihren Arm um ihn und preßte ihren Kopf an seine Brust. „Ich bitte dich tausenmal um Verzeihung.— Sag, daß du jetzt froh, daß du nicht mehr böse auf mich bist." (Fortsetzung folgt.) Zollfreie Gefrierfleischeinfuhr. Ein Antrag im Stadtparlament. D»r Stodtoerordnetenvcrsamnilung, die am Donnerstag statt- findet, liegt ein Antrag Merten und Genossen(Dem.) vor, durch den der Magistrat ersucht wird, sich bei der Neichsregierung rät die Aufhebung des Einsuhrkontingents von zollfreiem Gefrier» 'leifch einzusetzen. Der Antrag wird damit begründet, doh sich durch die beschränkte Einfuhr Unzuträelichkeiten ergeben haben. Die vntrile E-uabrungsdeputation hatte sich mit ähnlichen Anträgen der S P D.-F r a k t i o n wiederholt zu beschäftigen. Leider «ariden diese Anträge nicht immer die Zustimmung der Parteifreunde des Herrn Merten. Wenn jetzt die demokratische Stadtverordneten- rraktion die freie Einfuhr von Gefrierfleisch fordert, so darf man hoffen, daß auch die demokratische Reichstagsfraktion nunmehr für diese Forderung eintreten wird. Leider wird das im Reichstage selbst durchaus nicht als unbedingt sicher betrachtet. Sehr interessant wäre es. wenn inan durch eine namentliche Wstimmung in der Stadtverordnetenversammlung die Stellungnahme eines jeden Abgeordneten besonders festlegen konnte, vor allem hätte die Wirt- fchaftsportei eine gute Gelegenheit, ihren Anhängern zu zeigen, wie weit sie deren Wünsche und Interessen tatsächlich vertreten will. Bekanntlich bestand im vorigen Jahre vorübergehend eine Knapp- heit an Gefrierfleisch, da die zugelasiene Menge sehr schnell auf- gebraucht war. Gerode Gewerbetreibende ober sind der Auffassung, daß durch die Drosselung der Einfuhr von Gefrier- fleisch eine unnötige Verteuerung herbeigeführt werde, die durch g nügende Wettbewerbsmöglichkeit vermieden «erden könnte. Wenn dos Gefrierfleisch Im Haushalt gut behandelt wird, so vermag es das frische Fleisch durchaus zu ersetzen. Zahlreiche Gründe aber bringen es mit sich, daß trotz aller Werbung iveite Kreis« diesem Nahrungsmittel ablehnend gegenüberstehen. Stall- stiken beweisen, daß der größte Teil des Gesriersleisches in den aus- gesprochenen Proletariervierteln verbraucht wird. Im Oktober verbrauchte der wohlhabende Bezirk Zchlendors ganze 734,5 Kilogramm, während in Berlin-Mitte 327 520 Kilogramm m der gleichen Zeit orrkauft wurden. Für November ergaben sich «olgende Zahlen: Wilmersdorf 30 520, Schöneberg 58 037, Steg- kitz 43 A3 Kilogramm, dagegen Friedrichshain 204 218, Wedding 171073, Neukölln 144 007 Kilograinm. Insgesamt wurden im No- vember 712150 Kilogramm oerbraucht, während im Oktober fast 2 Millionen Kilogramm verbraucht worden waren. Diese Ziffern sprechen durchaus für das Gefrierfleisch als ein notwendiges, bei der geringen Kaufkraft der Bevölkerung äußerst wichtiges Nah- rungsmittel. Diese Zahlen sollten alle Parteien der Stadtoerord- netenoersammlung veranlassen, für die Aufhebung des Gefrier- «leischkonttngentes, also für die zollfreie, ungehemmte Einfuhr ein- mtreten. versuchte Kmöestötung! Gefängnis trotz Freisprnchantrag des Staatsanwalts. Das vornehme Bürgerhaus Ecke Kurfürstendamm und Wilmers- dorfer Straße liegt in tiefster Nachtruhe. Auf dem Hausflur des obersten Stockwerks auf nacktem Fußboden krümmt sich in Geburt?- wehen die 23jöhrige Hausangestellte Frieda S. Sie war erst am Tage zuvor nach Berlin gekommen, da sie das Nahen ihrer schweren Stunde spürte. Sie war den ganzen Tag durch die Stadt geirrt und hotte abends nach langem Suchen von' Haustür zu Haustür endlich eine offene gefunden: auf dem obersten Stockwert des Hauses beabsichtigte sie, ihrem Kinde da- Leben zu geben und es dann zu töten.« Der Dater ihres Kindes war ein Schlächtermeister. Sie fürchtete sich aber zu ihren Eltern zu gehen: der Voter hatte gedroht, sie au» dem Hause zu weisen. Up' 4 Uhr morgens wurde sie Mutter: sib faßte dem Kind an den Hals und würde gleich darauf von einer Ohnmacht befallen. Als das Bewußtsein zujhr zurückkehrte, fand «ie dos Kind tot aus dem Fußboden liegen. Sie versteckte die Leiche des Kindes in einer Nische de- untersten Stockwerts des Hauses, besuchte dann die Eltern und kehrte in ihre Stellung zurüjt- Die Leiche des Neugeborenen wurde am selben Tage gefunden und ob- duziert. Als Todesursache stellte der Arzt einen Schädelbruch seft. der durch«ine Gehirnblutung während der Wehen ver- »rsacht worden war. Außerdem hatte das Kind zu früh Atem ge- ichöpft, das bedeutete sür dasselbe Erstickungsgefahr. Frieda S. hatte ihren Arbeitgebern gesagt, daß sie das Kind in der Entbindung?- onstolt gelassen habe. Als diese es dort nicht fanden, erstatteten sie Anzeig« bei der Polizei. Die der Kinde-tötung Angeschuldigte gab aus Vorhalt des Untersuchungsrichters zu, daß sie die Absicht g e- habt habe, das Kind zu töten und es auch erwürgt habe. An der Leiche waren jedoch weder Wiirgemerkmal« noch innere Blutungen festzustellen. Frieda S. hatte sich s e l b st kälschlich bezichtigt: das Gutachten des Arztes über die Todesursache war ihr unbekannt. Trotz dieses Gutachtens, daß die Kindestötung ausschloß, wurde sie in Untersuchungshaft genommen. Die Anklage lautete auf Kindestötung. Gestern hatte sie sich vor dem Landgericht III zu verantworten. Den Borsitz führte an Stelle des Landgerichtsdirektors Bombe, der augenblicklich mit dem Stu- durm der Akten in Sachen des Landgerichtsdirektors Jürgens be- schäftigt ist, her Landgerichtsdirettor Siegert. Pros. Dr. K r a m e r, der seinerzeit die Obduktion vorgenommen hatte, bestätigte sein Gut- achten, aus dem hervorgeht, daß die Angeklagte an dem Tode des Kindes unschuldig sei. Der Staatsanwalt wie auch der Ver- leidiger, Rechtsanwalt Dr. Mendel, plädierten auf F r e i s p r u ch. Dos Gericht oerurtrllte Frieda S. wegen versuchter Kindes- tötung— also wegen eines Versuches an einem un- tauglichen Objekt— zu sechs Monaten Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten Untersuchungshaft, für den Rest der Strafe«hielt sie Bewährungsfrist. Warum aber wurde in diesem Falle die Untersuchungshaft angeordnet? War dem Unter- fuchungsrichter etwa das Gutachten des Arztes unbekannt? Und warum kam es. daß das junge Mädchen in seiner Not keinen Aus- weg wußte? Die Helferin der sozialen Gerichtshilfe, Frau Justiz- rat Neumann, hatte recht, als sie sagte:»Die jungen Mädchen haben keine Ahnung davon, daß sie in städtischen Einrichtungen nieder- kommen und daß ihnen auch ihr« Kinder aufgehoben yierden iön- neu.'' Müßte nicht dafür Sorge getragen werden, daß die Kenntnis von diesen städtischen Einrichtungen in die breitesten Schichten der Bevölkerung dringt?____ Verhaftung eines Defraudanten. Zwei Magdeburger Defraudanten, ein 25 Jahre alter Bankbevollmächtigter Johannes M e in h a rdt, der aus Magde- bürg stammt, und ein aus Dresden gebürtiger 22 Jahre aller Bank- kassier« Rudolf H ö m c wurden seit 14 Tagen von der Ber- liner Kriminalpolizei gesucht. Beide waren bei einem Bankgeschäft w Magdeburg angestellt. Der eine hatte in der Essektenabteilung die Mäntel, der andere die Zinsscheine zu verwalten. Am 28. De- zember blieben sie plötzlich aus dem Geschäft weg und ließen nichts mehr von sich hären. Aap wurde festgestellt, daß sie am Tage vor- her auf Schecks bei der Reichsbankstelle in Magdeburg 2 7 000 MMlZ!!Mil-WZl!l! ]Oa*mm0taa.dem ZO. Januar, uteaö» K>/,»tzr. w unserer Soirurobtellung, CTvIunflr 101 sgegenüoei Berka» dShau») Filmvorführung fte all« Kollegen der Branche der bchalUarbeilcr, Slaazer, presser. Zu- lch neider.»uopforbriter».Arbeiter iuaea «egeken wird:.Der schon»»« Sanntag-. Ofm MUgludskuch teio Vinlaft.! 9*a Ott—aaealtnaa.' Mark abgehoben und in ihre eigenen Taschen gesteckt hauen. Die weiteren Ermittlungen und Nachprüsungen deckten nun noch größere Derumreuungen auf, die die Flüchtigen bisher zu verbergen gewußt hatten. Diese belaufen sich nach den bisherigen Fest- siellungen auf etwa 6stD00— 70000 Mark. Die Ungetreuen mußten endlich die Aufdeckung fürchten, verschafften sich noch 27 000 Mark und verschwanden dann. Meinhardt war ein l e i- denschastlicher Wetter und verbrauchte viel mehr Geld, als er an Einkommen bezog. Daher setzte er sich mll Home in Ber- bindung und verleitete diesen. Zinsscheine herauszugeben. Beide machten dann die Wertpapiere zu Geld. Beamte der Berliner Fahndungsinspcktion entdeckten gestern Rudolf 5)öme in einem Luxushotel in der Gegend des Anhastcr Bahnhofes, wo er seit zwei Togen unter dem falschen Namen„Winter" wohnte, nahmen ihn in der Nacht fest und brachten ihn nach dem Polizei- Präsidium. Er hatte nur noch 0 0 0 Mark bei sich. Kriminal- freie Sozialistisdie Msdiule. Sonnabend,£2. Januar, TVs Uhr abend»., im Sitzungssaal des ehem. Herrenhauses, Leipziger Str. 8. Vortrag des Genossen Hennann Wendel-Frankfurt«.M. „Der neue Balkan im neuen Europa" Eintrittskarten«um Preise von SO PL sind zu haben an der Abendkasse sowie an folgenden Stellen: Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Undenstr. 3. Z Hof, II, Zimmer 8.— Buchhandlung J. H.W. Dietz, LindenstraBe Z— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritterstraße Ecke Luisenufer.— Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24-25. Oewerkschaftshaus.— Tabakvertrieb, Inselstr. 6.— Verlag des Verbandes der deutschen Buchdrucker, Drelbundstr. 5.—„Werkfreude" Bücherstuben, Potsdamer Str. 104.— Berliner Oewerkschaftskommission, Engelufer 24-25(Gewerkscha(tshaus), sowie In allen Vorwärts-Spediüonen.— Groß-Sicdlung Britz: Vorwärts- Spedition Lange Str. 58. kommissar Linnemann und den Beamten der Dienststelle D. 1 aber gelang es, noch einen Wertbrief sicherzustellen, den Höme seiner Geliebten zukommen lassen wollte. Er eMhiest 7000 Mark. Höme ist geständig und schiebt alle Schuld aus Meinhardt und dessen Berführungskünste.. Beide waren, nach Erhebung der 27 000 Mark sofort nach Berlin gefahren, hallen sich hier das Geld geteill und sich dann getrennt. Höme war soll der Flucht noch in Hamburg und Allenstein gewesen und dann nach Berlin zurückgekehrt. der„bayerische Prinz". „Prinzen", die große Hochstaplermodc. Seitdem die Prinzen aufgehört haben, Prinzen zu sein, sind sie in Mode gekommen... bei Hochstaplern. Sie wittern Morgen- tust. Beim Spieher sind sie ja noch nie aus der Mode gekommen: Halbweltdamen teilen die Vorliebe für sie mll Bürgermeistern, Bäckermeistern usw. Weshalb sollte da auch dzr.Filmschauspieler" Emil D. nicht sein Glück als.bayerischer Prinz" in der Rolle eines Zuhöllers versuchen? Er war beschäitigungslos und an den Grenzen seiner Mittel angelangt, die er sich eben erst durch eine geschickte„Enteignung" von Juwelen bei einer Frankfurter Dame verschafft hatte. Da lernte er ein„wundervolles Geschöpf" kennen. Das schöne Kind sühlle sich durch die Aufmertsamkell des ehemaligen bayerischen Prinzen geschmeichelL Daß er jetzt als Fllmschauspieler sein kümmerliches bürgerliches Dasein fristete, erhöhte nur den Reiz der Romanttk. Ein leiblicher bayerischer Prinz! Stolz, wie es einem Manne von Adel gebührt, forderte er seine neue Geliebte für sich allein. Was tut man nicht alles um emes geliebten Mannes willen, besonders w-enn er ein Prinz ist. So gab die R. ihrem festen Verhältnis, das ihr 300 M. monatlich einbrachte, den Laufpaß und lehnte auch andere. HMenbekarnttschastco ab. Run gehörte sie ihm, ganz allein. Mit den Mitteln war aber auch bald die Herrlichkeit zu Ende. Die N. kehrte zu ihrem früheren Verhältnis zurück und scheute sich auch nickst vor kleinen Nebenverdiensten. Der„bayerische Prinz" gefiel sich nun in der Rolle des Zuhöllers. Er begleitete seine„Geliebte" in die Casäs, wartete hier, bis sie mit dem verdienten Geld« zurückkam und nahm einen Teil davon in Empfang. So konnte er seinen„adligen" Gewohnheiten nachgehen, seinen täglichen Morgen- ritt im Tiergarten machen, fem kostspieliges Leben weiter führen. Die N. hatte ihn jedoch schon längst satt. Er dachte aber gar nicht daran, von ihr zu lassen und drohte ihr damit, sie zu erschießen. Das Abendkonzert, das Werke von Beethoven bracht«, wurde von Ausführungen Dr. Leopold Schmidt- eingeleitet. Seine Rede, die wohl geeignet war, das Verständnis für die folgenden Musikdarbietungen zu erhöhen, hätte allerdings für viel« Hörer erst rechten Wert gehabt, wenn der Redner sie auch am Flügel illustriert hätte. Es kann kaum mehr Zeit erfordern, ob nur von einem bestimmten Motiv gesprochen wird, oder ob es gleich- zeitig auf dem Klavier erklingt. Dadurch wäre es aber allen musikalischen Funkhörern zugänglich, während die bloße Erwah- nung gründliche Kenntnis der Musikliteratur oder wenigstens musik- theortische Kenntnisse voraussetzt. Unter Leo Sechs liebevoller Leitung spielle dann da- Funkorchester die Prometheus- Ouvertüre und die Fünfte Sinfonie, die ergreifendste unter den sinfonisd)en Schöpfungen des Meisters. Das Tripelkonzert op. 56, das zwischen den beiden Werken stand, zeigte, daß Beethoven auch der Musik nicht abhold war, die mehr aus klanglicher Schönheit als auf tiefem Inhalt basierte. Georg Szell, Maurits van den Berg und Julius Berger waren die verdienstvollen Solisten dieses Werkes. Leider machte sich aber auch hier wieder die akustische Sonderstellung des Klaviers vor dem Mikrophon gel- tend, das als Soloinstrument sich mehrfach gegen Geige und Cello nicht recht behaupten konnte, trotz des meisterhaften Spiels Georg Szells.— Im Rahmen der Hans-Brcdow-Schulc setzte Dr. Her- bert Heyde seinen hörenswerten Vortrag„Einführung in die physisch« Geographie der Erde" fort.— Die Ausführungen von Dr. Robert Bolz.Auf Schneeschuhen durch den Schwarzwold" mögen vielen Funthörern ein« Enttäuschung bedeutet haben, da det Vortragende kaum von dem Landschaftsbild sprach, sondern hauptsächlich von den bekannten Kur- orten und Wintersportplätzen.— Der Tag an dem 1871 gegen den Widerstand der preußischen Konservativen, des preußischn Königs, der bayerischen Separatisten und König Ludwigs von Bayern die Reichsgründung durch die Feier im Spiegelsaal zu Dersaille- pro- klamiert wurde, wurde vom Rundfunk sür würdig befunden, durch Herrn Prof. W. Kahl gefeiert zu werden. Herr Kahl war damals bei der Proklamation des Deutschen Reiches selber zugegen, und daraus erklärt sich wohl auch sein besonderes Herzensverhälwis zu dieser Angelegenheit, die er in einer sehr schwungvollen, allerdings in historischer Beziehung mehrfach anfechtbaren Red« behandalle. Da kam ihr der Zufall zu Hilfe. Ihre Freunhm hörte einmal is Moabit einer Gerichtverhandlung zu; ein Zuhälter erhielt da eine empfindliche Strafe. Noch Schluß des Prozesies ging sie aus den Kriminalbeamten zu, der als Zeuge anwesend war und erzählle ihm, daß auch ihre Freundin durch einen Zuhälter zu leiden habe Der Kriminalbeamte nahm sich des Falles an, beobachtete den Emil in Cafes und nahm ihn schließlich fest. Gestern ersästenen Emil D., dessen frühere Geliebte R.» ihre Freundin und der Krnnt- ualbcamte vor dem«chösiengericht Berlin-Mille. Die ersieren drei in der Aufmachung des Berlin 26. Sie, die elegante Kokotte, er, der korrekte Gentleman.'Ztihälterdienfte? Welch unerhörte Verleumdung! Das Gericht packte scharf zu. Die Strafe lautrt« out anderthalb Jahre Zuchthaus. Der.bayerische Prinz wird Berufung einlegen._ „Miß Amerikas" Flucht. 80 000 Mark Cintoulmen und doch verfchutdet! Die bekannte Filmschauspielerin Imogene Robertson. die fett ungefähr IX Jahren in Deutschland tätig war. ist plötzlich swchtarttg aus München abgereist, um über Frankreich � nach Amerika, ihre Heimat» zurückzukehren, linier Shnlichen Umständen hatte sie seinerzeit die Reise nack, Europa angetreten. Imogene Robertson heißt eigenllich Anna Wilson und stammt aus Kentucky. Sie war 15 Jahr« alt, als der New Porker Bartels- direktor Ziegfeld mit seinen.Girls" in ihr« Heimat kam. Hinter dem Rücken ihrer EUern lieh sie sich engagieren und machte, dank ihrer blanden Schönhell, rasch Karriere. Mit 13 Iahren war sie Star des Nacktballetts von Ziegfcld. Zwei Jahre lang blieb sie Siegerin in den großen amerikanischen Schönheitswettbe- werben und galt-als„M i h Amerika" als schönste Frau der Neuen Well. Aus diesem Anlaß wurde sie auch vom Präsidenten der Vereinigten Staaten empfangen und mit ZWO Dollar beschenkt. Bei Ziegfeld hatte sie ein wöchentliches Gehalt von 1000� Dollar. Mit der Filmindustrie hatte sie noch keine Verbindung, hingegen wurde sie in eine peinliche Liebesgeschichte verwickell. Ein reichet Großindustrieller knüpfte mit chr ein Ltebesverhällnis an, obgleich er verheiratet war. Als die Frau des Industriellen die Schetoungs- klage anstrengte, kam es zu einem großen Skandal. Die Entrüstung der Amerikaner gegen dos Mädchen— nicht etwa gegen den In- dustriellen— nahm solche Formen an, daß sie in aller Ecke die Vereinigten Staaten verließ. In Europa dauerte es längere Zeit. bis sie für den Film entdeckt wurde. Dann aber erzielte sie. nicht als Darstellerin, sondern lediglich als Typ der modernen schönet, Frau, große Erfolge. Im vergangenen Jahre hat sie«w nicht weniger als zehn Filmen gespi-ll, darunter.Das suize Madel. „Fünf-Uhr-Tee in der Ackerstraß«".„Die Könitzin des'Wellbades, „Die elf Schillschen Offiziere",.Das Panzergewölbe" usw. Sie ver- stand es sehr geschickt, ihre Beliebtheit in klingende Münze umzu� setzen und ihre Gage ständig zu steigern. In letzter Zeit erhielt sie eine Tagesgage von 300 bis 500 M.» für einen Film etwa 15 000 bis 20 000 M. Ihr Einkommen aus ihrer Filmtatigkctt im vergangenen Jahr wird auf etwa 80 000 M. geschätzt. Lenintch hatte sie nie einen Pfennig Geld, sondern ungeheure Schulden. Ihr Luxus an Kleidern und Juwelen kannte keine Grenzen. Da ste meist die'Wohnungsmiete nicht aufbrachte, mußte sie immer wieder ziehen. Selbst ihrer Hausangestellten blieb sie den Lohn schuldig. Besonders groß sind ihre Schulden bei Berliner Modehäusern: sie werden aus rund 100 000 M. geschätzt. In letzter Zeit schwebten auch zwei Strasverfahrrn gegen sie. Eine Zofe, deren Koffer sie nach der Enttassung gewaltsam geöffnet und der sie die darin befindlichen Kleider beschädigt hatte, strengte Klage wegen Eigentumver- gehen? und Sachbeschädigung an. und außerdem soll sie gepfändete Wertsachen beiseite geschafft haben. So wußte Imogene Robertson anscheinend keinen anderen Ausweg mehr als die überstürzte Flucht. Hierbei war ihr scheinbar ihr Freund, der italienische Operateur Frenguelli behilfllch� der vor einigen Monaten wegen verschiedsner- Bergoheu des Landes verwisson worden war. Er hat sie von Paris aus in München abgeholt und ihr zur Klud>t verholfen., npr Im Hotel... Eine Tragödie spielte sich gestern nachmittag gegen 1 Uhr in einem Hotel in der Potsdamer Str. 135 ab. Morgens gegen 7 Uhr erschien ein jüngeres Paar, das ein Zimmer belegte, das es auch während des ganzen Vormittags nicht verließ. Gegen$»1 Uhr hatte der Mann dem Hoteldiener gesagt, daß er und sein« Be- gleiterin ausgehen wollten. Beide verließen dann auch dos Limmer, gingen aber noch einmal ohne ersichtlichen Grund zurück und schlössen sich ein. Wenige Minuten später krachten plötzlich mehrere Schüsse. Angestellte des Hotels eillen hinzu und erbrachen die Tür. Den Eintretenden bot sich ein fchrecllicher Anblick. Das Paar lag mit mehreren Schußoerletzungen blutüberströmt und bewußtlos am Boden. Ein sofort hinzugertsfener Arzt stellte bei dem Mann, einem 30jährigen Kaufmann S e r g e y Brems aus München, der geschäftshalber vorübergehend in Berlin weilte, einen Schläfenschuß fest, der den Tod aus der Stell« herbeigeführt hatte. Die Frau, eine 23jährige Kontoristin Melitta Lorenz, die in der Hauptstraße zu Schöneberg wohnt, gab noch schwache Lebenszeichen von sich. Zwei kugeln hatten die Lunge getroffen. Die Schwerverletzte wurde in dos naheliegende Elifabeth-Krankenhaus geschafft. Die Verletzung ist jedoch so schwerer Natur, daß sie kaum mit dem Leben davon kommen dürfte. Der Grund zu der Tat ist noch unbekannt. Auch konnte noch nicht ermittelt werden, ob beide im Einverständnis aus dem Leben scheiden wollten, da eine Vernehmuiig der L., die ohne Bewußtsein liegt und Ausschluß über die Gründe der Tat hätte geben können, noch nicht möglich war. Tas verbrannte Pferd. Als eine beifpilslos roh« Tat bezeichnet« Landgerichts- direktor Siegert im Urteil des Sd)wurg«richts III die wegen Brandstiftung und Berstchcrungsbetruges Angeklagten, des Bäcker- metsters Franz P l a t o w und des Bäckergesellen R c i n h o l d K r a h n. Die beiden hatten ein Pferd mit Benzin begossen und an- gezündeL Das Schwurgericht konnte die beiden'Angeklagten jedoch nicht wegen Brandstiftung verurteilen, da ihr Vorsatz nur dahin ging, das kranke Pferd zu verbrennen und weil nicht nach- gewiesen werden konnte, daß ihre Absicht auch darauf hinausging. das Gebäude in Brand zu setzen. Dagegen wurde gemeinschaftlicher Versicherungsbetrug angenommen, und der Bäckermeister Platow erhielt 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus, dem ISjährigen Bäckergesellen wurden mildernd« Umstand« bewilligt, weil er sich in Hörigkeit und Abhängigkeit von seinem Meister befunden hatte,«r bekam deshalb nur g Monate Ge- fängnis. Di« beiden Angeklagten werden sich demnächst noch wegen der E i n b r u ch s d i« b st ä h l«, die der Geselle auf Anstiftung seines Meisters in Hohenschönhausen verübt hat. vor dem Schöffengericht zu verantworten haben. Herr Surt Ackermann. Charlottenburg. Roscherstraße 4, bittet uns mitzuteilen, daß er mll dem Zeugen gleichen Namens, der in dem Artikel: Der angeklagt« Stadtobertnfpektor in Nr. 28 des„Vorwärts" genannt wurde, nicht identisch ist. hl s K n- M sees ro ni aus remorn HartgrleB hergestellt, sind deshalb so ausgiebig, weil sie. wenn sie in viel Wasser(rgan rechnet auf V: Kilo 4 Liter) nicht allzu lange kochen, stark autquellen. Dann Kommt auch ihr guter Geschmack richtig zur Geltung. Seit Jahrzehnten ein Mittagessen, wie es preiswerter und nahrhafter wohl kaum gedaebt. werden. kann! Sport. Tonani-�orenz Sieger üer Sechs Tage. Die letzten Stunden: Im gemächlichen Tempo schafft das Feld die beiden Nachmittagswertungen, die im übrigen keinerlei Feldver- änderungen bringen. Nachzutragen wäre, daß in den Morgenstunden des Dienstags die Mannschaft S ei f c rt h- M a n th e y, die acht Runden zurück lag, wegen Aussichtslosigkeit aus dem Rennen ge� Nammen wurde. Um 6 Uhr abends erfährt das Feld abermals eine Reduzierung: Zuerst verschwinden auf Veranlassung der Renn- leitung die um sechs Runden zurückliegenden Behrendt-Skubinstl und einige Minuten später auch Bauer-van Kempen, so daß im Augen- Wick nur noch sechs Paare im Schlaftempo das Oval umkreisen. Einen kleinen Zwischenfall aber soll es noch geben: Nachdem schon einige Runden van Kempen aus dem Rennen genommen worden war, fällt es Bauer plötzlich ein, wieder das Rad zu besteigen und das Tempo zu verschärfe». Doch Waller Rütt ist auf dem Posten: Er läßt das Rennen neutralisieren und veranlaßt Bauer zur Auf- gäbe, der murrend seine Moschine verläßt. So sympatisch sonst der d harlottenburger sein mag, diesmal hatte nicht er, sondern die Rennlellung recht, da sie laut den Rennbestimmungen jede Mann- schast, die mehr als sünf Runden zurückliegt, aus dem Rennen nehmen kann. Die letzte Wertung. Vor einem nicht übermäßig gut besuchten Hause hat(infolge verspäteten Anfangens beim Beginn des Sechswge- rermens um 10,06 Minuten) die letzte Wertung begonnen. Sie brachte im ganzen keinerlei Feldveränderunaen. Nur im 14. Spurt konnte die Mannschaft Rausch-Huertgen eine Runde aufholen. Tonani-Lorenz gingen mit zwei Runden Voriprung und 170 Punkten stürmisch bejubelt als Sieger durchs Ziel. Die zweite Mannschaft Buschenhagen- T ho l l e m b e e k mit zwei Verlustrunden und 306 Punkten, dritter 2 Runden zurück Koch-Rielens 291 Punkte, vierte W a m b st- L a q u c h a y 207 Punkts. Drei Runden zurück fünfter R a m a r a- V e t r i 454 Punkte, sechster Rausch-Huertgen vier Runden zurjick, 91 Punkte. Insgesamt hat das Feld in 145 Stunden 3V4L30 Kilometer bedeckt. Levlscher»epvbNlauischer Reich, b»nd, Orlsorvppe Berlin. Freitag, den 21. Fanuar. abends 8 Uhr. im Saal des Temvkralilchen KlubbaufcS, Bittvilastraße 24, Ausspracheabend. Leitung: Miniiterialdirektor z. D. Dr. Spieker. Thema:.Der Katnvf um den Artikel 48". Einleitendes Referat: Mmifterialdirrklor Dr. Falck. Für die Aussprache haben bereits rugesagt u. a. Rcichsmii.ifter o. D. Dr. L a n d S b e r g. M. d. 3t, Polizei- vizeprästdent Dr. Friedensburg, Rechtsanwalt Dr. Grzimek, M. d. 2. EintriilSkarten durch die Kefchällsslellc der Ortsarupve Berlin: Berlin-Lichtcr» felde-Bcst, Hortensienslratze 40. Ferniprccher: Brcilcnbach 0632. Vier Bergarbeiter getötet. Im früheren deutschen Bergbaubetrieb Bandre find heute vier Arbeiter bei einer Bodenverschiebung umge- kommen. Ein Arbeiter wurde verletzt. Das Stadkkheaker in Philippopel ichgebrannt. Einem Feuer, das in den Kulissen entstand, fiel dos Stadttheater von Philippopel vollkommen zum Opfer. Damit die regelmäßige ZasteDimg des „Vorwärts" im nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung erleidet, bitten wir unser e Fost- Abonnenten, das Dczaigs- gcld für den kommenden Monat zu bezahlen, sobalddieFost mit der Einziehung beginnt. Für Abonnemenlserneuerungen nach dem 24. erhebt die Post eine Ver- spätungsgebübr von 20 Pfennig. Vorwärts-Verlaö CL m.b.H. weNerbertcht der öffentNchea weNerdieafifleUe für Berlin und Amgegend. (Nachdruck Verb.) Nach ziemlich trübe, aber obne�Niederfchläge von Bedeutung.— Zür Veuischinad: Im Westen und Süden regnerisch, von Osten nach Westen sorischreUende Abkühlung bei wechselnder Bewölkung. partemachr!chten für Sroß-öerlin stet» an da» Bcgfebfetcctamt Z. Hof, 2 Srep. recht», tu richten. i.»rei» Tiergarten. Heute. Mittwoch, 1». Januar, S Uhr, wichtig« Bezirks- verordnelcnoersammluna in der Schule Bochumer Str.«v. Vorstsstnmahl. S. Kiel» lsricdrich»hain. Sämtliche M-ldunacn fitr die weltliche Schule sind sofort ad.cuaeden bei Wendicke, Richthosensrr. 32. «. SmU«teazbet«. Arb-iterwichlia»rt: Donnerstag, 20 Z-vw-r. V4 Uhr. im Leidnis-Domnaslum, Mariaiwenvla� 23— 26,; Alcheitaaeuieinlchaft Mr Helferinnen und velkr der Arbeitermoblfahrt tfosmld�k'atischen Mit. qlieder der Woblfaortolommifstoneni. Tdema:„Woblbchrtspflege und Arbettsfraae". Slcferentin Gertrud Hanna. M. d. L. U. Krei» Schoaeberq-isriebeuan. Heut«. Mittwoch. IS. Iammr, S Ilde, Fvak- tionsilkuns im Slaibaus, Zimmer 1«. Die Dllrserdeputievten stnd er». QCtr, rm Ratpaus Licht-nd-rg, Möllendorfftr. 5, Kursus. 1. Xbenb:.Achecter. fchaft und Wobliabrisvilege". Referent Dr. Sellinacr. 12. Krei» Pankow. Arbeite rmohlfabrt: Donnerstag. 20. Januar, 8 Mir an Til'. tischen Zelt. Breite Str. 1«. ttursu,:„Elusiilirung' ln dl« Wohlfahrt». BflW, 3. Abend. Refcrentin Stadtverordnete Minna Todenhagen. henke, Mittwoch, den IS. Iannar: 3S.«dt. Sämtliche Meldungen fitr die weltliche Schule find sofort aigaptAen bei De nd icke. ZUchthofcnstr. 32.. �,—.„. 47.«dt. 7% llhr Mitgliederversammlung bei N-wack, Manteuffelstr.». Tagesordnung: 1. Geschäfts, und«abenbericht. 2. Zleuwahl der Ab- teilungsleitun«. 3. Vortrag über die alt« und die neu« Schule. 49. Abt. fSchweihäricie». Vi Uhr im Iugendhcim Lindenstr. 3. 2. Hof. 3 Tr.. wichtige GeneralversammluAA. Alle Genossinnen mtb Genossen müssen de- 82. Ablt�Steglifi��S� Uhr bei Schellhafe. Ahornfirafie, M-tqNed-rverpmrmwng. Der wichtigen Tagesordnunnq wegen Erscheinen aller Mitglieder Vkncht. K. Abt. Rrukolln. Bfinktli» 8 Uhr bei Wolfs. Äcuscr.iZrredrich.Str. 17». Abieilung-.FunItionärversammlung. Alle Genossinnen und Genoffeu. d>« Funktwnäre lind, milsseu unbedingt erscheinen. Etnxng« z-hlabe-door- schläg« Möglichst schriftlich«inreiche». Einsendungen für dies« Rndril find B-rli»«S 68. Lindenstr-sie Z. Morgen, Lonncrskag. d:n 20. Januar: 37. Abt VA Uhr bei Pseikfer. Hausburg str. 2, wichtige Sitzung sämtlich« ifunttionaoe. Erscheinen ist Bklicht. 33. Abt Bereinigung für Schul, und Erziehung- frag-o, Stralauer Tar: Bor. toa« am Freitag. 2l. Zanuar, 8 Uhr. in der Aula Gbrenbeogstr. 24. Thema:»Zn welckn: Schule wachsen unsere Rinder hinein?" Referent Pro. fessor Paul Oeftreich. Aranenoeranslallnngen! l. giri» Mitte. Donnerstag, 2a. Januar, 7'� Uhr. wichtlM Funktlonärinnen. konfeienz bei Zschiestng. Ackerstr. t Die Mitglieder der Ärbeiterwohs- fahrto- und Agiialionalommisnon milssen ebenfalls desttumrt erscheinen. 11. Abt Am Donnerstag. 20. Januar.. 7sch Uhr. der Berger, Levetzowstr. 21. Ecke Iagowftrafie. sehr wichtige sroaucnocrsammlung. Jede Genossin muh unbedingt erscheinen. Znngsozialisten. Grurv« Paalow! Heute, Mittwoch. 13. Januar, 8 Uhr. im StBitischeu Jugend- heim Görschsir. Ib. 8 immer 2. Jusauunenlunft Tagespolllik. Arbeiksgemeinschafk der Sinderfrennde- Srei» Mitte: Heute. Mittwoch. IS. Januar, von 5—7 Uhr Volkstanz nachmittag in der Turnhalle Blumcnstr. 77.— Achtung, Gcuppc Ernst Toller! Die Gruppe tagt letzt Donnerstags von 5'i— Vi Uhr im Städtischen Jugend. heim 8«hdenicker Str. 21, Ecke Gormann strafte.— Reulölln, Gruppe Bohpin- platz ist Abt): Heut«, Mittwoch, 10. Januar, von 5—6 Uhr im Heim Boitin-. Ecke Berliner Strafte, gnmnostische Uebungen. Sterbetafel der Groß-Seriiner Pactei-Grganifation! 10. Abt Am 14. Zanuar verstarb plötzlich unser« Genossin Mari« R o t h e r, Gerhardsir. 15, im Alter von 52 Jahren. Einftschramg am Donnerstag, 20. Ja. nuar. 7 Uhr. im jlrematorium Gerichtstraftc. Um reg« Beteiligung wird ersucht 102. Sbt Baumschulenweg. Wir erhalteu die Nachricht, daft unsere Ge.uossin Hedwig W« i ch« r t, Baumschulenstr. 37. am 6. Zanuar verstorben ist. Ehre Gram Andenleni Die Einäscherung hat bereit, stattgefunden Sozialistische flrbeiSerjugenü Groß-Serlin. Abtellnagskafsierer, heut« von 5—7 Uhr Abrechnung der Beiträge! Di« Bücherstube ist von 5—7 Uhr geöffnet Abteiln»g»leit«r und-lassicrer besichtigen am kommenden Sonnabend da» Lcrbandsbaus der Buchdrucker in der Dreihundstrafte. Treffpunkt 3% Uhr Untergrund bahnsiatio ii Areuzberg. Südausgang. Die Besichtigung ist mit einem Bortrag:„Wie entsteht«ine Leitung" verbunden. Bcsiöitigung de» Reichstage, durch die Werdebczirkc Westen, Tievaard-N. Schöneberg, Teltowkanal und Abteilung Lichtevberg-Mitte. Treffvunkt am Somrtog. 23. Januar. 10 Uhr vormittags, ReichstagsporUrl 5. Bcsichtignug de» Patteiarchiv» durch die Werbebezirk« Lichtenberg, Wedding, Reinickendorf und Pankow. Treffpunkt Sonntag, 23. Januar. 10 Uhr. Linden- strafte 3. Achtung, Iugendbeiräte und Mitarbeiter! Sonnabend, 22. Januar, im Jugendbeim Lindenstr. 3. wichtig« 8usammcnkunft. Dr. Otto Juliusburger spricht iwer..Psnchoanalpse und Jndividualpsychologie". Beginn thL Ubr- Achteilnug»l«ltci. liefert die Berichtsbogen und Monat op ivqrammr od! henke. Mittwoch, den 19. Zannar, abends 7% Uhr: Weddlug: Jugendheim Luremchurger. Eck« Genter Strafte, ffortfetzuna des Bortrage,:.Bdstommungslehr«".— Hu mannplatz: Jugendheim Üsöigenheim Pappeiallc«. Dortrag:.Wirtschaftsgeschichte".— Rosenchalcr Vorstadt: Jugend- heim Dipsstr. 23». Karl-Liebknecht- Gedenkfeier.— Frankfurter Viertel- Jugendheim Rigaer Str. 102. Sarl-Liebknechit-Sedenkseier.— Tempelhof: Jugend heim Geimaniastr. 4—6. Proletarisch« Nun st.— lsalieube'.g: Juaendheim Am ssolkcnber« 117. Vortrag:.Borläufer de, Marxismus".— siaulsdors: Jugend heim Schule Adolfstrofte. Bortrag:..Jugendschutz und-«cht"— Nen-Lichte»- borg: Jugendheim Turnhalle Piinz-AIbert-Straft«.„Das kommunistisch« Moni- fest."— Lichienberg-Wcst: Zugendheim Scharnrvcberstr. 20. Vortrag:.Unsere Stellung zu Nikotin und Alkohol".— Werbcbezirk Tchäncberg: Deginn des Bildungstutlu» über.Wirtschaswgefchichte" im Juaendheim Sanvtstr. 15. Re- ferent Genosse Willi Schuxirz— Werbebezirk Beste» und Tiergarlen: Der Bildunqskursus über.Erziehuuzssragcn" fällt aus, weil Genosse Hartoch en- krankt ttt Ztsstz-Tllöäter Opernbau» Platz a.ck.liepabl Vk Uhr: Wozrelc. Schausplelbaus S Uhr; Herodes und .'•Uriamue S vhlUer- Theater 8 Uhr: JouniBlitten Siitisibe 8pei Charlaltendur; 7 /, Uhr; Di« Zauberflöte E- J«l di de Vsp F. Siun, J Hutaj-m Abonn.-Turnus I MvM Tloalsr .Vörden 10334—37 8 Uhr: Beidbariitv-Iiiiteii von Wol fgans Go-Jz Regie: HeinrTiUperl Kammerspiels Vörden 10334—37 8 Uhr: Oiiapotrida von ternet-Holenia ■egle; Heinz Hilpert. Hierauf: Das Veilchen von Franz Molnar Regle: Eng. Roben ftose-Tbeater suhrPrezIosa Die Komödie BisniarcK 2414, 7515 8 Uhr Die Perle von Tristan Bernard Sggia: sortier lirriiago Donnerstag, d. 20 10 i, Uhr Lndwiä aordl. [.LI Kurfürst 2091" 8 Uhr: KiDbleate mit Max Adalbert Sonnabend, 3r„Oie Kunitz inr Stg.3'/,: Der fröfi liehe Weinberg Lcssing-Theater Alb. Bassennann 8: Der Biütator Tb, nlliiilSisteDilaiPQi 8 Uhr llsioi Sarliaia Lusispitlhaus SV, Guido Thiclscber Harra-Ein Jungs 8'/» Trlanon-Tn. Dr. Stieglitz mit Loben, tbelsbacher Freitag, 21. Jan. V.3 Premiere Sonntag, 4 Uhr Kleine Preise von SOPtn. Dr. Stieglitz Reichshailen>Thttater Abends 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr f- Stettiner Sänger -» Nidimiltigs: BftlllC Pulst volles Pm�raniDl Oönhoff-Brett'l Varletd, Tanz, Konzert, mit Karl Braun WfllUaUa-Theal. Weiotoji*!? Tlgl. 8V, Bs war einmal In Heidelberg: mit d. Schlagerlied Ich hab'melnnerz in Heidelberg verloren Vorzeig. 50°,'<£rmäB. KätcSchmldt-Samst Gaston Briese Keneslhealer am Zoo Stpt.537i. Tgl. 8 UV Eia im« in 'ricilsllliaiis Ci�rette. Vorverk. unnnterbi fanunTsky-Slhar) Th. KbnigTätr St. Kasenheide 2110 8 Uhr HrsXbeneytEnde Elisabeth Bergoer UomomennaDs Norden 6304 SU- FrüttHtaen RJ.Stkrti v. TbEllaaoo «MentrsI» z# Thgater Täglich 8 Uhr. Der Trompeter vom Rhein Vorverk. ununterbr. Preise von 1—7 M. Bei Wassersucht t Aderverkalkung! (alte chron. Fälle 0 hilft Oberraschend mein Spezial- Kriuterpulver, Kart. 3 M- ilofliftig. iliutzÄliid. Aoothek. W. Böhmer Hameln a. Weser 75 ia. Einerfettküse o Pfd. M. 6,30 frko. Dam pf käs efabrik PeiKlshurnr. Statt besonderer Anzeige Tief erschüttert%ebe ich allen Freunden und Bekannten Nachricht von dem nach langer, schwerer Krankheit erfolgten Ableben meiner inniggeliebten Frau, unserer über alles geliebten Schwester Kaie Werner geb. Latzi Berlin-Oharlottenburg, 18. Janoai 1927. Leistikowstr. 3. Ernst Werner, Kriminalpolizeirat. Anna Gatliff, geb. Lutz). Carl Lutz). Die Trauerfeier findet statt am Freitag, den 21. Januar, abends ß'/s Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße 101—103. 13. I! zor Miete W:0,Ansbachersir.l Saalbau ASpendorf mvaliacngtrnfee B3, aatixinrier Baimtioi Gro�e Bockbicr-Fcstc Stimmung!— Humor!— 2 Kapellen! Beginn 8 nur. Sonntags s Dur. Morgen» Donnerstag i Präniiieruno d. längsten Frauenhaars SV 3 Preise vorwMsgz-AMüm empfehlenswert. m Neue Welt A. Schoiz Hasenheide 108 114| Mittwoch, den 19. Janaar Bockbierfest in den bayer. Alpen Neue Dekorationen.> 30 Bayer. Madl | Prinz Karneval auf dem Alpenball eine Massenschau der schönsten Trachten Prämiierung der 10 schönsten Kostüme Einlas 6 Uhr Anfang 7 Uhr| Voranzeige! Donnerstag, d. 20. Januar] Gr. ScSiweineschlachten Oeulsdier Metallarneilnr-Iferbanii Verwaltungsstelle Berlin. Am 14. Januar fccrfchich nach langem, ichwercm Leiden unser Kollege und iangiährtge» Kommis» fionsmltzlicd, der MetaUschieiser Kickarti No«Iop Er war uns stets ein treuer Mit- kllnipfcr»»b Lamerad gewesen. Wir bitten alle Kollegen, sich rege an der Einäscherung am Donnerstag. den 20. Januar, abends SV, Uhr, im Kremator Derichtstrafte zu beteiligen Den Kollegen zur Nachricht, unser Ztollege, der Schlaffer daß Qustsv Nadolny am 15 Januar gestorben ist Einäscherung findet am ffreitag, den 2t. Januar, nachmittag» 5>/, Uhr, Rrematorinm Baumschulenweg statt. Ehre ihre» Anbeute ul Rege BeteUtgung erwartet Vi« Orlsoerroakknng. diacdru» Am 17. Januar, adenc» S Uhr,«nt. schlitzt nach kurzer Krankheit unser verehrter Mitarbeiter und Kollege Sermsnn Hcnize StegliU, Dartzetraho 44« Der Berstordtzne war UN, ein:reuer Mitarbeiter mit seltenem Ardeilselfer und hat es verstanden, sich allleittge Achtung bei Vorgesetzten und Kollegen zu»rwerden. Wir werden ihm ein bleibende» An- denten bewahren. sikk yorstanil und dl» ingcililltin der Kran«nkaffe sür Mitglieder des Deutschen Werkwelster- vtzrbanbeo Ewatzkasse Koltbue.Sitz Der in W KT Kursüritenstrafte III. Oflßme Qeheinmme, Gibt's so etwas? Jawohl, so widersinnig der Ausdruck auch klingt, Streiten Sie doch nicht! Hier haben Sie den Beweis: Als der Sohn des Weinbauers Wässerling volljährig wurde. nahm der Alte ihn zur Seite und eröffnete ihm:„Mein Sohn, ich habe Dir ein wichtiges Geheimnis mitzuteilen: auch aus Trauben kann man Wein machen". Warum der Mann so leise dabei sprach, ist unbegreiflich. In diesen Worten liegt doch schon ein offenes Geheimnis, nicht wahr? A ber nun genug des Guten; von wirklichen Geheimnissen wollen wir sprechen. Unser Münchner Kindt, das Wahrzeihen: der alten, weltbekannten Zuban-Zigarettenfabrik, gelangte mit dem Dr. Ali Nabi, unserem Tabakdoktor, zu einem merkwürdigen Gebäude. ,Jn diesen Geheimkammem sind Kostbarkeilen geborgen, die nah meinen langen Erfahrungen dazu angetan sind, durh ihre Mitverwendung die köstlihsten Zigaretten der Welt zu shaffen. Diese seltenen Tabakedelsteine bekommt nur mein alter Freund Zuban zugeteilt", so erklärt der Dr. Ali Nabi. Der Zuban-Zigarettenfabrik ist es dadurch möglih, in der Qjialität unüberiref/lihe Zigaretten herzustellen. Der Weltruf der Zuban- Zigaretten bringt den Beweis dafür. Die Zuban- Rauher sind Qualitätsrauher. Sie bleiben ihrer Marke treu, denn die Zuban-Zigaretien sind Meisterwerke, die sie wohl zu schätzen wissen. Täglih werben sie neue Freunde zur großen Zuban-Rauhergemeinde. Übermorgen hören Sie mehr! Die Geschmacksrichtungen der Rauher sind wandelbar wie die Zeiten. Wir gehen mit! Die leichten, süffig süßen Mischungen unserer Zigaretten sind Glanzstücke der heutigen Zigaretten-Herstellungsart. Drum seien Sie nicht nur Lebenskünstler, sondern werden Sie Künstler des Geschmacks! Rauchen Sic die 4 Pfg,-Zigarette Zuban JVr, 6! Wallner»Theater 8l, Dar Schlager 8V« Das blonde Wunder Sonntag 3'A Der Raub der Sabinerinnen CASINO-THEATER» uhr Neu! Ein Tun im nnraiiinal Neu! acssdueldeo r Cutschein 1—4 Pers Fanteuil nur 1 Mk, Sessel 1,50 Mk. Piatro», Harmoniums. Teilzahlung. Scher«. Ehauffe« strafte HB.* loder Art lieicrt p r i I» wer Paul Golletr, vorm. Hubert t'eyir Mariannenstraße t, Ecke NauntzNitrafte Ami Worianl. l0803 Vorträge, vereine und Versammlungen, « Reichsbanner„Schwan-Roi-Gold". (BefÄäftsftcIIc: Bcrli» S 14, Sebcfticnftt. 87/38. Löf 2 Tr. P»nU-»«r Berg: Robert Blmn. Z>-.. d. 20.. bei Klil««. Dai>,iger Strafie 71. d. 21.. Arnswalder Plot, im Werneuchener Schieb. Slbinaer. Eck« Werneuchener Strafte. Rordka? bei Sacheftln, Echioclberner Straft« 10.— Stealift(«reis): Do., d. 20.,» Uhr. Turn- und Uebungsabend in der Turnhalle Rinairraftc in Eteglift. Es wird um res- Beteiltsuna gebeten.— Lichtrubera nehft Ilntergrnuurn- d. 21.. VjS Uhr. Polloers, bei Kern. Türr- schmidtftrafte. Legrtimotionslarten vorlegen.—«dlerehof: Do., d. 20., 8 Uhr. bei Lehngut. Sedanitr. Z, MitaI..Bcrs. Elscheinen aller Mltglicder. aktiver w>d »asliver Pflicht.— Wildau: ffr.. d. 21.. Scn.-Vers. bei Dubian. Restaurant La»«e» Mui»«.— Mitte: Zoserck. Do. d. SB. 8 Uhe. iu Gcatjs ffHt ffifen, D�enstr. 6(nicht Rck-ritr. 6) �rttog.-««uitfaua Bat: schaft Kvnigstor: Kamerad Sattle verschrben. Beerdigung Do. nachm.»4 Mht sfriedbof Preiuilauer Allee 7. Amreten der«ameradlchaft um 8 Uhr bei Ros- ner— Treptoiö: So., d. 22., IVt Uhr, bei Stephan. Srarhstr. 1, Milgl.-Bers. Vortrag des Kam. Willi Schumann:„Rund um die Rcpichlik�. Neuwahlen. Akt. u. paff. Kameraden mitssen erscheinen.— fflttfjcnsce: Do» d. 20» 8 Uhr. Grüner Baum, Botlv ersammlung._ Berei» der ssr-ide-ker fSe«enerbeftatt»»«. e. Be,« Donnerstag. 20. Januar. 7-4 Uhr. in der Aula der Wiebe�SchuI«, Neues llkr. Ecke Kaiserin�Attgusta-Allre, Sfsentlicher Lichtbildervortrag. Thema:„Srd-»der Fcuerbesiattuna?" Eintritt frei!.„ �.. Biochemischer Verein Berlin. Donnerstag, 20. Januar: Grünau: De. meinschaftshaus Alter Sutshof. Referent: Schlief. Thema:„Aus der bw- chemischen»vo»i»-.»b»«(:«eftaaant Referent: S,®. Thomas.� Tbema: Hof: Restaurant.Sum Kurfürsten� ffrau und bix Biochcaie». Berliner Straft«. Refeoeut: Prof. Krause. l u: Restorrian: Thema:„Biochanle Thema:„Srofto Wirtungen kleinster Silbftanmnenqen mit Bmi-hilug-r� Mr Bio- chemi«»id Lomöopathie".— ssreitag. 21. Ianimr:.R« u rZll Karlsqarten. Karlsaartenstr. 6—11." und Matter", mit Lichtbildern. Referent: Vamselow. M-ndolirenkl-b.Nordische Klinge" im. Arkvnahallen. Anklamer Str. 28. llelamaaodend. Bund der Jugendgericht chelser. Versammlu»» Donnerstag. 20. Janaar. 7-4 Uhr im Sauvtqesundheitsamt. Tischerftr. 89-42. Vortrag von Friudein Dr. Erna Barschak: Gebens, und Arbeits Verhältnisse der Berliner Berufs. schülrrin". (�orruner� unci k'rivat-Lantc Wir Isden hiermit unsere Aktionäre zu einer außerordentlichen liiioiiiilversiiniDling am Dienstag, den 8. Februar 1927, vormittags 1 1 Uhr, im Sitzungssaale der Bank in Hamburg, Neß Nr. 9, ein. Tagesordnung:. 1. a) Erhöhung desGrundkapitals um RM18000000. auf RM 60 000 000.— durch Ausgabe von auf den Inhaber lautende Aktien mit Dividendenberechtigung vom 1. Januar 1927 ab, unter Ausschluß des gesetzlichen Bezugsrechtes der Aktionäre. b) Festsetzung der Einzelheiten der Ausgabe unter Ermächtigung des Vorstandes, die Aktien zu einem von der Generalversammlung festzusetzenden Kurse zu begeben. 2. Satzungsänderungen, a) soweit sie durch die Beschlußfassung zu Ziffer 1 erforderlich werden, b) Ergänzung des§ 20 Abs. 2(Hinterlegung der Aktien zum Zwecke der Teilnahme an der Generalversammlung mit Zustimmung der Hinterlegungsstelle für diese letztere bei einer anderen Bankfirma). 3. Ermächtigung des Vorstandes, gegen Ein- " reichung von Aktien der Gesellschaft zu RM 60.— und /oder RM 600.— im Tausch den gleichen Nominalbetrag in Aktien zu RM100.— bzw. RM 1000.— auszureichen. 4. Wahlen zum Aufsichtsrat. Diejenigen Aktionäre, die sich an derGeneral- versammlung beteiligen wollen, haben ihre Aktien spätestens am 4. Februar 1927 während derüblichen Geschäftsstunden bei unseren Niederlassungen in Hamburg, Berlin oder Magde borg, unseren sämtlichen Filialen und Zweigstellen od�r außerdem für die Mitglieder des Giro- effe�tendepots auch bei der betreifenden Effekten- Giro-Bank, also in Berlin bei der Bank des Berliner Kassenvereins, außerdem in Frankfurt a. M, bei unserer Filiale und bei dem Bankhause J. Dreyfus& Co., in Köln a. Rh. bei unserer Filiale und bei dem Bankhause L H. Stein, in Amsterdam y bei der N. V. Hugo Kaufmann& Lo s Bank zo hinterlegen und bis zum Schluß dsV Generalversammlung daselbst zu belassen oder die Hinter legung bei einem deutschen Notar oder der Reichsbank dadurch nachzuweisen, daß sie einer der genannten Anmeldestellen spätestens am 4. Februar 1927 einen ordnungsmäßigen Hinterlegungsschein in Verwahrung geben. Hinterlegungsscheine gelten nurdann aisordnungsmäßig, wenn darin die hinterlegten Aktien nach Nummern genau bezeichnet sind, und wenn überdies in den Hinterlegungsscheinen selbst bescheinigt ist, daß die Aktien bis zum Schluß der Generalversammlung bei der Hinterlegungsstelle in Verwahrung bleiben. Gegen Hinterlegung der Aktien oder Einreichung der notariellen Hinterlegungsscheine werden Eintrittskarten ausgehändigt.. Die zu hinterlegenden Aktien können ohne Gewinn anteilscneine und Erneuerungsschein eingereicht werden. Hamburg, den 17. Januar 1927. Der Vorstand. Vet Käufe Beachtenswert! Deutsches Teppichhaus Emil Lefdvre seit 1882 nur Oramew strafte 158. Keinerlei Beziehungen zur sfirma gleichen Ramens Potsdamer. strafte_ Drehrollenteschle. Leistungsfähigste Spezialfabril. Rollenwandlung 200.— Rosenthalerstraft« 28. Bekleidungsstücke. Wasche us« Verleih von hocheleganten Gesell- töaftsanäüpcn. Rosenthaler straft« 4; Wenig getragene ffvackamüg«. Smo- kinganzüg«. Gehrockanzüg«, Iackettan» züg«. Rockpaletots. Cutaway-Anzüg«, Taillenmäntel, für>ed« Figur paffend, Spezialität: Dauchanzüge. spottbillig. Salpern. Roienthalerftr. 4. erste Etage. Pelzwarensabrik. GrSftte Auswahl. beste Verarbeitung, billigste Preise. stahlungserleichterung bei sofortiger Li«. ferung gestattet. Pelzmäntel. Pelz» sacken. Chauffeurpelze. Pelzjoppen. Sportpelze, Gebpelze. Pelzgarnituren, Skunkskragen, inichc-kragcm Wiilfe. 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Wäre Schwester Pietchen nicht gewesen. ich wäre früher ausgerückt. Denn ein Spital ist wie'n Käsig. Du bist das wilde Tier darin, an dem die Aerzte mit silbernen Zangen und mit goldenen Nadeln und mit weißseidenen Zwirnsfäden ver- suchend herumfuchteln. Sie kriegten mich aber so ziemlich wieder heil. So ziemlich— sage ich— hier, schauen Sie her, ich streife meinen Rockärmel hoch, ich knöpfe am Hcmdärmcl unten den weißen Perlmuttcrknopf aus, ich ziehe den Hemdärmel hoch—. Sic erschrecken! Habe ich mir gedacht, habe ich gewollt, ja, das sieht nicht gerade fchön aus: der ganze Arm ist pockennarbig und brandrot, das Fell war weg, die Hühnerhaut, die sie mir in Surabaja auf- genäht hallen, die wuchs nur teilweise an. Surabaja sage ich. Und nun kommt was anderes. Was denn? Java Land. Eines Tages war Iagara da. Im Spital. Sein breites gelbbraunes Antlitz grinste, seine Augen aber waren sanft wie zwei Taubenküsse. Mynheer, sagte Iagara: die Palmblütc wartet auf dich. Hieß er nicht Palmnuß, der Iagara? Gewiß doch. Palmblüte, die war seine Frau. Kannst du widerstehen, wenn eine Blüte auf dich wartet? Läßt eine Biene die liebewartende hellduftende Vanilleblüte hängen? Rein, nein, die Biene stürzt sich im Sauseflug auf die wartende Blüte. Na. wenn Palmblüte auf mich rotgebrannten Krebs wartet, dachte ich—. Kurz, ich stieg auf Palmnuß seinen Ochsenwagen. Iaaara rief sein rauhes: Kutugk! Und die Ochsen zogen an. Wogen? Nä,'s war man'n Karren. Zwei Räder,'n Bambusgcstcll, ich saß in Hanftauen, und über mir ein geflochtenes Palmdach. Drei Tage und zwei Nächte sind wir gereist. Dann kamen wir morgens in der Frühe zum Dorfe Jagaras. Dos javanische Dorf. In einer Mulde. Hütten aus Bambus und Baumrinden. Matten aus Reisstroh als Wände. Am Dache > getrocknete Ochsenhaut. Felsstückc braust Bielc Kinder. Diele Hühner. Schwarze Schweine. Braungelbe schöne Menschen. Ernst. Schweigsam. Aber mit sprechenden edlen Augen. Ringshcr ums Dorf Reisfelder, unter Wasser. Nahe Berge, fein dunkelgrün. Herrlichster Blütendust— her von den Bergen. Und ganz im Süden die hohe blaue Pyramide: der rauchende und flammende Vulkan! Wo aber ist Palmblüte? Sollte ich die nicht lieben? Sie kam. Ein schöneres Weib habe ich mein Lebtag nicht gesehen. Sie war wie Bernstein, sie war wie geschlissene Bronze. Sie war sanft wie ein Gebet. Ihr Händedruck war das Herz der ganzen Menschheit. Und in ihrem Auge wohnten die Gründer aller Religionen: Güte, Freundschaft, Harmonie, Gemeinschaft. Palmblüte wirkte wie ein Stern am dunklen Himmel der menschlichen Nacht. Ich verliebte mich auf den ersten Blick in Palmblüt«, und Iagara, die Palmnuß, war stolz aus meine Liebe. Das hatte er gewollt, das hatte er sich erfüllen sehen. Freund, lieben Sie Ihre Mutter? Freund, lieben Sie ihre Schwester? Freund, können Sie sich in die offene Seele eines Kindes verlieben? Ja! Nun gut dann. So liebt« ich Polmblüte. Nicht das Geschlecht des Weibes liebte ich an ihr, sondern die Seele des Weibes. Sie war mir wie Madonna. Palmblüte war Weberin. Sie sang am Webestuhl. Der stand im Garten, nur ein Strohdach darüber. Im Garten spielten Palm- blütes Kinder, neun kleine braune Aeffchen. Der Garten war ein Paradies. Palmen und Laubbäume und Blumen. Bäume, die ich nicht kannte. Bäume mit spitzen Lackblättern, andere Bäume mit Luftwurzeln. Papageien schrien, nicht sch«n gerade, das waren die kleinen grünen Wellensittiche. Aber schön, sehr schön sang Palm- blüte. Im blühenden Garten war sie die schönste Blüte. Eine singende Blüte. Ich blieb ein halbes Jahr im javanischer� Dorfe. Dieses malaische Dorf war die menschgewordene Friedlichkeit. Und ich ward aller Freund. Und alle braunen Naturmenschen wurden meine Freunde. Die Königin des Dorfes und meines Herzens war und blieb Palmblüte. Sie ist es noch heute. Wissen Sie was? Da unten am Fuße des javanischen Vulkans, da leben Sozialisten, nur: daß die nicht wissen, daß sie es sind. Und nun das Gegenbild. Ich war dann wieder in Surabaja. Bei den Europäern. Bei der Kultur. Hier war es anders, als wie.im javanischen Dorfe. Hier standen Kirchen mit silbernen Kreuzen und Tempel mit goldenen Buddhas. Hier gab es Branntweinhöhlen und Huren- Häuser. Hier gab es„höhere" Schulen und scharfe Waffen. Hier gab es Handel und Betrug, reiche Kaufleute und aussätzige Bettler. Und als ich eines Abends halb angetrunken aus dem„Literaturklub" kam, da klopfte mir jemand von hinten her vertraulich auf die Schuller. Ich drehe mich um: Iingo! Der Multatule, der tote auf- erstandene Dichter. Wir gaben uns die Hände— und Mullatuli sagte mir mit schwerwiegenden Worten:„Ich habe viel gelitten, um die da: um die edlen Menschen im javanischen Dorfe." Mein Freund hat seine Erzählung vollendet. Wir sitzen im Gasthaus Witte Leon zu Rotterdam, unter den Boomjes. Wir kauen Priem aus Kopenhagen. Wir trinken deutsches Bier und schottischen Whisky. Wir rauchen dicke Zigarren aus Portorico. Eine japanische Geisha bedient uns. Der Wirt ist Norweger. Draußen regnet es. In acht Tagen ist Weihnachten. Wir höreiv wie am Quai die Winchen der Dampfer schnurren und seufzen. Wir sehen die Flaggen Brasiliens, Hollands, Englands, Japans. Dänemarks und Deutschlands. Und ganz ferne sieht das Auge unseres Geistes ein Schiff unter Dolldampf: das ist die herausfahrende neue bessere Menschheit: das Schiff fährt unter kirschroter Flagge. Und alle Möwen schwingen mit goldenen Flügeln. Skizzen vom Montmartre. Bon Erich Gottgetreu. Wenn man bei der Metrostation Pigall« aussteigt, trägt einen «in« gewaltige Rolltreppe noch oben. Sie ist breiter und länger als jede ihrer vielen Schwestern in den Warenhäusern, und sie ist infolge- dessen noch viel, viel schöner. Obe« angekommen und abgeglitten, läßt man sich leicht oerführen, noch einmal nach unten zu steigen. Es lockt dazu außer dem Abenteuer der Rolltrepp« dieses schöne, schwüle Dumpf, das alle Strecken der Pariser Untergrundbahn durch. schwelt. Schon' wieder braust ein neuer Zug«in. Mit dem Menschen- Haufen, den er ausstieß, fahren wir jetzt ein zweitesmol aufwärts. Alle Großstädte der Welt haben jetzt ihr« Rolltreppe, aber so grandios wie die Pigallsch« ist sicher keine. Ji: Oben ist man gleich mittendrin. In den Lichtern. In den Düften. In diesem Rausch. Hat man die Rolltrepp« verlassen, sieht man sich beinah mit dem gleichen Satz auf's Karussell geschwungen, das sich fast ohne Unterbrechung dreht. Hier sitzt man nicht auf Pferden oder in Autos und Flugmaschinen, sondern auf hölzernen Schweinen. Man kann's wohl symbolisch nehmen: Das Ländlich« und dos Romantische steht dieser Stadt, die Gott sei Dank darum weiß, fast stets besser als die aalglatte Modern«. Wenn ein Journalist schrieb, sie haben den Blick nach hinten gerichtet, dann ist das bestimmt Unsinn. Wenn er aber gesagt haben würde, sie leben langsamer und deshalb vielleicht glück- licher als wir, dann möchle ich wohl mit ihm reden. lAmerika hat's Tempo erfunden, Deutschland machts nach— weiß aber gor nicht, wozu das eigentlich gut ist.) Nach Westarps Keöe. Der vürgerblock:.Teufel, ich Hab' mir den rechten Juh verknaxt!" Für sechs Franken in's Paradies. Eine schlecht« Limonade kostet drei Franken. So hoben die Götter, um die himmlifche Höhenillusion vollkommen zu machen, die Preise klettern lassen. Wi« siehts denn da oben aus? Na, sehr staubig, Sonnen sind an die Wand gemalt, Stern« und der unvermeidlich« Apfelbaum. Von der Eva kein« Spur, das war also«in« Enttäuschung. Dafür lausen lauter Engel herum mit grauen Flügeln: sie machen«inen müden, abgenutzten Eindruck. Der ein« unterhält sich mit mir. Was ich wäre. Journalist, so? Na. da könne er mir eine gut« Empfehlung geben an einen Pariser Reporter, der seinerseits mit Briond und Poincare und mit dem Präsidenten der Republik ungefähr auf Du und Du ist, denn was «in richtiger Journalist ist, der müsse, nicht wahr, überall Beziehungen anknüpfen, nicht wahr, selbst im Paradies. Ja, und nun habe ich also mein« Beziehung. Was soll ich aber eigentlich anfangen mit dem Präsidenten der Republik? * In dunklen Seitengäßchen warten auf die Gäste ihrer Stunden und Nächte kleine Hotels. Ganz oben, auf hohem Berg, liegt JSacre Coeur, die Kirche. Der Blick, den man von hier aus über dos nächtliche Paris«intrinkt, ist schon oft beschrieben worden, aber, wi« alles Große, immer wieder ergreifend. Elendsfunzeln, Festker.ze», Reklameflammen: das ist die Stadl, was ist die Siadt? Das lebt, das liebt, das giert, das haßt, und von oben empfindet einer erst ganz tief, wie klein wir sind. Wenn man in Berlin mit der Stadt- bahn fährt, sieht man zwischen Tiergarten und Bellevu« rückwärts in die tristen Häuser hinein— hier auch. Einer liest. Zwei gehn zu Bett. Drei streiten sich. Das ist der Mensch. Ist das dsr Mensch? Auch das gibt es noch: das Nacktfigurenkabinett. Vor der Bude steht ein fettes Weib mit knallrotem Haar, aufgeschwemmtem Busen und speckigen Backen. Warum nicht, es gibt Männer, die das lieben. Im Schwall ihres Schreigekreisches ist nur zu verstehen, daß der Em- tritt zehn Sous kostet. Das ist nicht teuer. Was sieht man durchs Stereoskvp? Es soll wohl was Sexuelles sein, und Külz würde be- stimmt einen fürchterlichen Schmutz- und-Schund-Schrei ausstoßen, aber«s ist eigentlich nur rührend. Auf«in geblllmeltes, verblichenes Tuch sind Bilder mit nackten Frauen geheftet, und üb«r jeder hängt noch, alles für zbhit Sous,«in« alte Papierblumc, limonaden- rosa oder bonbongrün. Wer der Meinbung ist, daß junge Leute keine nackten Menschen sehen sollen, weil es doch nun mal unanständig wäre— Bäumer im Quadrat, dies« Karten darf jeder bestaunen. Hier sieht man die Frauen, wie sie vorm Krieg« waren, seit, korsettoer- schnürt, verunstaltet, zum Abgewöhnen. Hi«r lebt tot« Zeit. Lächerlich? GrauenvollI * Die Photographen sind doch r«chte Zauberer; mit Hilf« von Lein- wand und Holz nehmen sie ihr« Kunden in Herrlichkeilen auf, die jene nie besitzen werden, in Autos, in Flugapparaten selbst. Oder kommt der Reichtum doch? Die alte Wahrsagerin sieht viel gespannte Gesichter um sich. Beim matten Schein einer Oelfunzel deutet sie Karten, liest sie aus der Hand. Augenblicklich steht vor ihr«in junges Mädchen. Sagen wir: Gretchen— wie sie aus dem Faust, denn dieser Typ ist jetzt, trotz Beraub und zehn anderen französischen Kriegsberichterstattern aus dem neuen Deutschland, in Frankreich b«- stimmt häufiger anzutreffen als bei uns. Di« anderen bilden galant einen großen Kreis um Gretchen, keiner will von ihr was.Heimliches wissen. Bei den Männern ist das etwas anderes. Seltsam, hier vermutet man gar kein« Romantik. Und wer von den Umstehenden weiß denn, was überhaupt mein„großes Glück" fein wird? Und vielleicht sagt das die alte Frau jedem, der gut zahlt.... » Zwei unglücklich« Menschen, ein Neger und ein Kind. In den biblischen Erzählungen wird einmal gefragt:„Was ist süß«r al» Hnnjft?" Dw?I" tr"-"'-*-»"ß«»{ein:«in Lebkuchen vom Montmartre. Aber auch der findet seine Liebhaber. Da ist«ine Frau, die verkauft klein« Lebtuchenpäckchen, das Stück zu fünf Sous. In jeder Packung liegt«in Los. Wer ö, IV, 15 oder 20 zieht, wobei nach längerer Beobachtung berechtigt« Zweifel geäußert seien, ob dies« Nummern überhaupt«xistieren, gewinnt ein größeres Paket. Ein kleines Negerlein mit Kindergesicht und neuem Strohhut zieht mit Beharrlichkeit 7, 19, 3, 11, 4 und so. Jedesmal präsentiert er sein wertloses Billett erwartungsvoll und mit fast religiöser Andacht. Und nie werde ich dieses enttäuschte Gesicht, dieses weinerliche Französisch vergessen:„(Zuatre— pemrgucn quatre ne gagne pas?" Purquaaa? Weshalb gewinnt 4 nicht?> Noch ein« ander« Szene, ganz in der Nähe. Ein kleines Kind heult, schreit— herzzerreißend, wie man wohl sagt. Die Mutter: „Wenn du jetzt nicht gleich ruhig bist, bekommst du nicht, was ich dir v«rsprock)cn habe." Der Daier:„Aber Liebe, so willst trn dich nun aus der Affäre ziehen. Du sollst doch nicht immer dem Kind groß« Versprechungen machen, wenn es nachher unmöglich ist, sie zu halten. Und überhaupt, was host du ihm denn versprochen?" Die Mutter: „Nachher mit der Metro nach Hause zu fahren..." Vitamine und Sauglingsernahrung. Von Dr. Alice L i p p m a n n, Kinderärztin. Vitamine sind Ergänzungsstoffe, die für das Leben des Menschen eine große Bedeutung haben. Eine genaue Definition läßt sich.nicht geben, da diese Stoffe weder in ihrer chemischen Zusammensehung bekannt sind, noch auf künstlichem Wege hergestellt werden können. Schon immer hat der Erwachsene, der sich von gemischter Kost ernährte, neben dem üblichen Fett, Eiweiß und Kohlehydrat, diese Stoffe in sich aufgenommen. Die Errungenschast der modernen Wissenschaft besteht darin, daß sie sich über die Wirkungsweife dieser Ernährungsträger klar wurde und sie nun bewußt sür die Ernährung des Erwachsenen forderte und in die Nahrung des Säuglings und Kleinkindes neu einführte. Gerade in unserer Zeit, in der die Nahrungsmittel durch die verfeinerte Technik— ich meine nur dos Pasteurisieren der Milch— manchesmal wertvoller Bestandteile beraubt werden, wurde hie An wendnng der Vitamine für die Säuglingsnahrung von gröster Wichtigkeit: ja die Erfahrung lehrt, daß sie als Bausteine für den wachsenden Organismus nahezu unentbehrlich geworden ist. W» kommen diese Stoffe nun vor? Als Hauptbildungsstätte der Vitamic muß das Pflanzenreich angesehen werden. In allen frischen Gemüsen, wie Spinat, Mohrrüben, Kohlrabi, allen Kdhl- jortcn sind sie eiühalten, ferner in den rohen Obstsäften, wie Tomaten, Zitronen, Zlpselsinen und Wcinträubensaft, Erdbeeken und Himbeersaft: ebenso in der Bierhefe und allen Getreidearten. Aber auch das Tierreich liefert uns Vitamie in reichlichem Maße, vor allem im Lebertran, in Butter, Milch und Eigelb. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß die Ergiebigkeit der tierischen Vitamin quellen davon abhängig ist, oh die Nahrung der Tiere aus frischem Weidefutter oder Trockenfutter besteht. Ferner ist zu beachten, daß zwar beim üblichen Kochen der Gemüse der Vitamingehalt sich er hält, daß er jedoch durch Konservienmgsvorgänge durch Dörren und langes Lagern verloren geht....,:. In der Wissenschaft werden die Vitamine in drei Gruppen ejn- geteilt, das A-, B- und C-Bitamin. Jeder von diesen kommt eine besondere Wirkung zu und durch gänzliches Fehlen des einen ohcr anderen Vitamins werden bestimmte Krankheitsbilder hervorgerufen. Während der Erwachsene nun in seiner. Kost einzelne Vitamcyarteck für kürzere oder längere Zeit entbehren kann, ohne ernsteren Schaden zu nehmen, muß der wachsende Organismus dauernd alle drei Arten„ dieser Ergänzungsstofse mit seiner Nahrung zu sich nehmen. Und damit kommen wir auf die Wirkung dieser Ernährungsträger. Die Hauptbedeutung der Vitamlnc liegt in der Förderung des Längenwachstums, was ja beim Säuglin�und Kinde die� größte Rolle spielt, ferner in der Beeinflusiung des Fettansatzes und zuletzt in der Hebung der Widerstandskraft gegenüber allen von den oberen Luftwegen und von oer Haut ausgehenden Infektionen. Und so geben wir heute allen Säuglingen tcelöfselweise rohe Geinüsg- und Obstsäfte zu ihrer Brust- oder Flaschennahrung zu, in Form von rohen Tomaten, Mohrrüben oder Apfelsinen- und Zitroncniäst je nach der Jahreszeit: ebenso Lebertran, einen sehr reichen Vitamin- träger. Dabei machten wir die Erfahrung, daß schwächliche Kinder, die bei genügender Ernährung nicht gedeihen, nach Vcrabfalgung dieser Stoffe, an Gewicht und Länge zunahmen, eine stärkexa Widerstandskrast gegen Hautausschläge und Erkältungskrankheiten bekamen, daß frühgeborene untergewichtige Säuglinge trotz künstlicher Er- nährung am Leben erhalten werden konnten, und daß ernste schwere Darmertrankunaen im Säuglinasaltex seltener wurden. Spielen diese Stoffe schon beim gesunden Säugling eine so große Rolle, um wieviel mehr erst im Erkrankungsfalle! Unsere asten' Aerzte haben schon immer rein intuitiv ihren Patienten bei Infektionskrankheiten Zitronen- oder Himbeerlimonadc zu trinken verordnet. Wir hingegen verordnen heute ganz bewußt bei fieber- haften Erkrankungen große Mengen von Obstsäiten und müssen immer wieder sehen, daß der Verlauf ein leichterer und das sub- jektive Befinden ein besseres ist. Braucht nun die unregelmäßige Nerabsolgnng dieser Ernäh- rungsstofse noch zu keiner Erkrankung zu führen, so verursacht doch dos völlige Fehlen dieser Stoffe schwere Erkrankungen, z. B. Skorbut, der im Kriege zur Zeit der Hungerblockade häufiger vorkam: serner Augcnerkrankungcn, die mit Verlust des Zlugenlichts einher- gehen können. Darum möchte ich zum Schluß noch einmal darauf hinweisen, wie bedeutsam die Entdeckung der Vitamin« für unsere moderne Ernöhrungstechnik ist und daß sie in das. Rüstzeug eines jeden Arztes mitaufgenommen werden muß.•' Oer Cksoogel. Wenn im Winter Eis und Schnee über den Seen,. Teichen und Flüssen liegen, kommt sür den Eisvogel, diesen farbenreichen und interessanten Vogel, ein« schlechte Zeit, denn dann kann«r seiner Hauptbeschästiayng, den, Fischen, nicht mehr nachgehe» und muß hungern, manchmal sogar verhungern. Der Eisvogel gehört zu den kuökücksartigen Vögeln und erreicht eine Größe von 16 bis 18 Zertti- metern. Mit seiner grünjchiininernden Oberseite, seinem weißen Halsslreifen und seinem rostroten Unterleib macht er einen sehr statt- liche» Eindruck auf den Beschauer. Besonders schon nimmt er sich aus, wenn er bei hellem Sonnenschein durch die Luft schvqirrt oder wenn er, umgeben vom Weiß des Schnees, auf einem Ast hockt und sich die Welt besieht. Bei den Fischern ist allerdings dieser Vogel nicht sehr beliebt, weil seine Lzauptnahxung aus kleinen Fischen besteht, die er mit außerordentlich großer Geschicklichkeit aus dem Wasser zu hebe» versteht. Der Eisvogel hält sich fast immer an den Ufern van Teichen, Flüssen und Seen auf und weiß mit großer Findigkeit die Stellen, aufzusuchen, wo sich Fische am meisten tummeln. Dort, wo sich der Eisvogel in großer Zahl einfindet, macht er auch ziemlich großen Schaden. Namentlich an Fischzuchtteichr» ist er sehr gefährlich. Ftfchzüchtvr sttllen deshalb dem Eisvogel in der verschiedensten Weise nach. An den Rändern der Gewässer legt der Eisvogel auch sein röhrenförmiges Nest a». Er zieht die sechs bis sieben Junge, die im Juni ausschlüpfen, sehr sorgfältig auf und entläßt sie im Herbst erst aus seiner Obhut, wenn sie im �Fischen ebenfalls Meister geworden find. A. M. Das Imperium üer Genossenjchastsiöee Ein weltumspannender Gedanke und feine Verwirklichung. Ms allgemein bekannt darf vorausgesetzt werden, daß die konsumgenossenschastliche Bewegung in allen Kultur- ländern der Welt ein« starke Entwicklung auszuweisen hat. Sie verfügt in der Well über nicht weniger als 55 000 selbständig« Organisationen. Aber nach der Zahl der Organisationen ist sie doch noch nicht die stärkst« Verkörperung des Genossenschoftsgedankens. In einem Artikel über den„Einfluh F. W. Raisfeisens in der ganzen Welt", den Prof. Dr. V. Totomianz. der bekannt« russische Gcnosscnschaster, im„Landwirtschastlichen Genossenschastsblall" der t»Ulfchen Naifseifengenosienschaften veröffentlichte, ist u. a. sest- gestellt, daß die Kreditgenossenschaften Raifseisen- scher Art in der ganzen Welt die Zahl 80 000 erreicht haben und somst die stärkste Genosienschaftsgruppe der Welt bilden. Wenig- stens nach der Zahl der Organisationen, denen die Konsumgenossen- schaften mit ihren 55 000 am nächsten stehen. Und da es im ganzen etwa 300 000 Genosienschaften in der Welt gibt mit rund 50 Mit- lionen Mitgliedern, so zeigt sich, datz Konsumgenossenschaften und Kreditgenossenschaften zusammen nahezu die Hälfte aller genossenschaftlicher Organisationen umfasien. Sicherlich aber mehr als die Hälfte, wenn man die landwirtschaftlichen Genosienschaften überhaupt dazu zähll, unter denen die Kreditgenosienschasten— Darlehnskassenoereine— die stärkste Gruppe bilden. Wenn man jedoch die Zahl der Mitglieder in Betracht zieht, so bilden die Konsum genosienschaften mit ihren rund 35 Millionen Mitgliederfamilien die stärkst« Genossenschaftsgruppe der Welt, denn es verbleiben allen übrigen Genosienschaften nur noch etwa 15 Millionen Mitglieder. Was im übrigen nicht weiter verwunderllch ist, denn die genosienschaflliche Verbrauchcrbewegung tonn sich nach Wesen und Zweck aus sämt- lichen Bevölkerungsgruppen rekrutieren, während die übrigen Ge- nosienschaftsarten sich nach landwirtschaftlichen und gewerblichen Gruppen gliedern und im wesentlichen als Produttions- genosienschaften auf ein engere» Rekrutierungsfeld für die Mit- gliederzahl angewiesen sind. Um so reicher ist die A r t gliederung der landwirtschaftlichen und gewerblichen Genossenschaftsbewegung. Die interessanteste Erscheinung in der landwirtschaftlichen Ge- nossenschostsbewegung bildet aber jedenfalls die Tatsache, datz die Idee Raifseisen», Darlehnskassenoereine zu gründen, um da» Kreditbedürsnis der Kleinbauern unabhängig von Bank und Börse zu machen, in allen Ländern der Well nach gleichen Grundsätzen und Methoden Verwirklichung sand. Die gleiche Erscheinung bei der konsumgenosienschaftlichen Bewegung, deren Idee geschicht- lich an die„Redlichen Pioniere von Rochdale' gebunden ist, macht die Sache nur noch Interesianter. Sie findet ihr« Erklärung wohl darin, datz all« grotzen Wahrheiten und Zweckmätzigkellen«in- fach e r Natur sind und deshalb auch bei allen Völkern gleichmätzig begriffen und ausgewertet werden können. Daß die landwirtschaftliche GenosienschaftSbewegung in Deutschland, was die Raiffeisengenosienschaften(Kreditgenossen. schaften bzw. Darlehnskasienvereine) anbelangt, verhältnismähig, d. h. nach der Grütze des Landes, am stärksten entwickell ist, wird nicht wundernehmen dürfen, da es ja das Geburtsland Ralfseisens selbst ist. Auch hier die gleiche Erscheinung, wie bei der tonsum- genosienschaftlichen Bewegung, die im englischen Mutterland« gegenüber alle» übrigen Ländern der Well dominiert. Man fleht. wenn der„Prophet" in seinem Lande etwas gellen soll, braucht er nur richtig zu prophezeien. Von den rund 40 000 landwirtschaftlichen Genosienschaften in Deutschland sind mehr als die Hälfte Kreditgenosienschasten, wozu noch etwa 2000 gewerbliche Kreditgenosienschasten kommen. In Rußland zählen die wirklichen Raiffeisengenosienschaften 8000 Organisationen(vor dem Kriege 15000!), in Indien gibt es unter 35 000 Genosienschaften 31 000—38 000 Kreditgenossenschaften und In Japan immer noch 18000. Von den kleineren Ländern zählt die Tschechoslowakei 4500 Raifseisen- und 1500 gewerbliche Kreditgenossenschaften und Rumänien 3500 Kreditgenossenschaften. Ungarn, Italien, Frankreich, Jugoslawien, Finnland sind ebenfalls noch sehr stark an der Entwicklung der Raifseisen- bzw. Kredit- genosienschastsbewegung beteiligt. Im ganzen ergibt die grotze Linie der Genosienschastsbewegung einen Ozean finanziell er und wirtschaftlicher Organisationskraft, in welchem einerseits die tonsum- genosienschaftliche, andererseits die landwirtschaftliche Genossen- fchaftsgrupp«— diese nach der Zahl der Organisationen, jene nach der der Mitglieder— die stärksten Exponenten der Bewegung bilden. Und da ihr« Interesien(im Preis der Ware) nur schein- bar entgegengesetzte sind, sich vielmehr in den Konsumgenossen- schaften verbinden und ausgleichen können— direkte Lieferung zur direkten Verteilung und gleichzeitige Mitgliedschaft—. so mag die weltumspannende Idee der Genosienschastsbewegung wohl auch ein- mal zur Konzentration der konsumgenosienschaftlichen und landwirtschaftlichen Kräfte auf den einen Punkt führen: Gütererzeugung und-austausch nach genossen- schaftlichen Grundsätzen und Methoden. Eine Idee, der auf beiden Gebieten schon kräftig vorgearbeitet ist und auf deren Verwirklichung zu hoffen ist. Silanz üer Wiener Sankskanüale. Ein bürgerliches Drama von Jaflatip« nnd Korruptton. Vor wenigen Tagen gingen au» Wien Nachrichten durch die Well mit folgendem nüchternen Inhall: Di« Bodenkredit« an st alt. di« bekannteste der Banken der Rochschild-Grupp«, ver- mehrt ihr Aktienkapital von 30 auf 45 Millionen Schilling. Mit den neu gedruckten Aktien im Wert« von 15 Millionen Schilling (etwa 9 Millionen Mark) kauft sie der österreichischen Po st spar- k a s s e drei Millionen Aktien der U n i o n b a n k ab, die Siegmund Bösel, der ehemals erfolgreichst« der neuen Reichen, nach seinem Zusammenbruch diesem staatlichen Institut zur teilweisen Deckung seiner Verbindlichkeiten übergeben hatte. Di, Bodenkreditbank kauft auch noch die ganze Untondank und dt« Berkehrsbank auf, di« nun im Wege der Fusion her Bodenkreditanstall angegliedert «erden. Vor genau einem halben Jahr— am 15.- Juli 1985— hat der „Vorwärts" bei der Besprechung de» sozialdemokratischen An- trag« im österreichischen Nattonalrat auf Erhebung der Minister- anklage di« politisch« Bedeutung de« Bankenstandal» besprochen. Da« wirtschaftliche Ergebnis diese» politischen Skandals rechtfertigt es. wenn nun sein wirtschaftlicher Untergrund dargelegt wird. Der Krach der Zentralbank deutscher Sparkasien in Oesterreich. von dem die ganze Skandalasfär« ihren Ausgang genommen hat. zeigt sowohl die sozialen wie die politischen Beziehungen aufs deut- lichsts. Als in der Inflationszeit, da die Krone von Tag zu Tag tiefer stürzte, die neuen Reichen immer reicher wurden, oder, wie das im politischen Jargon der beiden bürgerlichen Parteien hietz, da»„jüdische" Kapstal sich auf Kosten des„christlichen" Volkes bereicherte, da sann da» christliche Kleinbürgertum und das Agrarier- tum in Oesterreich weniger darüber noch, wie es diesen«rschwindellen Reichtum im G-samtinteresie erjasien, diese Bereicherung auf Kosten des„christlichen" Volkes unmöglich machen könne. Beides hatte ja nur den Sozialisten Wasser auf ihre Mühle getrieben. Da war für di« groß- und kleinbürgerliche Reaktion die Frag« wichtiger, wie sie an diesem Milliardensegen teilnehmen könnte. Unter dem Patronat der bürgerlichen Partelen und mit Unterstützung der Regierung wurden nun Banken gegründet, die sich al» arische oder christliche Unternehmungen zur Befreiung von dem jüdischen Bantkopital ausgaben und die sich nun daran machten, die Spargroschen der Kleinbürger und Bauern zu sammeln. Wohl verboten die christlich-arislben Grundsätze die Be- teiligung am Börsenspiel. Aber all« dies« neugebackenen Bant- dtrektoven sahen, wie die Spekulanten immer reicher wurden, wie sie mühelos an der Börse Milliarden gewannen. Sollte man, da man Banken gegründet hatte, um das christliche,, da» deutsche Doli aus der„jüdischen Umklammerung" zu besrelen, ruhig und tatenlos zusehen, wie die neuen Reichen immer reicher wurden? Man ent- jchlotz sich, auch Papiere zu kaufen, zusrst wenig und dann, als man sah, daß es mit gar keinem Risiko verbunden war, immer mehr. Und man konnte wirklich mühelos Gewinn« an der Börse machen. Die»inen, die genug Selbstvertrauen hatten, machten das Geschäft allein: die anderen, die der Sache nicht recht trauten, viel- leicht auch sie mit den christlichen Grundsätzen nicht recht vereinbar sonben, nahmen»inen oder den anderen der verbatzten Spekulanten mit in da» Geschäft. Und al» dann gar noch der Fronken in» Rollen ferlet, da war da« ganz« christliche„Volt mit der Börse ver- ö h n t. Aller Antisemitismus hatte aufgehört. E a st i g l i o n> und Botel, ober auch Bronner und Aberbach konnten offesi bei den ortschesten Banken au», und eingehen. Als dann aber durch das Eingreifen de» Lankhause» Morgan der yrankensturz aufgehalten wurde, da waren olle diese neuen Banken in schwerster Bedrängnis. Man hat tm Unter« suchungsausschutz des Parlaments erfahren, datz die staatliche Postsparkasse, das österreichische Postscheckamt nicht nur an Bösel ungezählte Milliarden verliehen haste, um ihm seine Franken- spekulastonen zu ermöglichen, sondern mit ihm gemeinsam in Franken spekuliert haste. Und ganz treuherzig«leinte im Ä"S- schuh der Präsident der Postsparkasie, warum man mit den „erfolgreichsten Finanzmann jener Zeit" nicht gemeinsam em Geschäft hätte machen sollen, das dieser als ganz sicher bezeichnet haste! Natürlich kamen die kleinen„arischen" Prvvinzbanken bald in noch größere Schwierigkeiten. So lange es sich nur um wenig« handelte, konnte ihnen-. du� Regierung helfen, indem sie entweder staatliche Gelder einlegte oder die Grotzbanken gegen Kon- Zession veronlahte, Kredit« zu gewähren. Dann wurden Versuche ge- macht, di« passiven Banken zu testen, indem man sie mit nicht- passiven vereinigte. So wurden di» Tiroler Agrarbank, die Niederösterreichisch« Bauernbant und die Steirerbank von der Zentralbank deutscher Sparkassen aufgenommen, weil durch ihren Zusammenbruch die bürgerlichen Politiker, die an ihrer Spitz« standen, kompromittiert worden wären. Aber dadurch wurde die Zentralbank, die auch schon nicht mehr fest stand. nur noch mehr erschüttert. Ihr Zusammenbruch hätte«ine politisch« Katastrophe für die ganz« bürgerlich« Politik in Oesterreich bedeutet, und so entschlotz sich die Regierung nicht nur di« nötigen Mittel, sondern auch die Staatsgarantie beizustellen— was den Staat nur die Kleinigkeit von rund 80 Millionen Schilling(gegen 50 Millionen Mark) kosten wird. Aber der Sturm haste nicht nur das klein« Buschwerk, sondern auch große Baumriesen geknickt. Schlietzllch hatte di« P o st s p a r- kosse 110 Millionen Schilling von ihren Einlagen verloren, und Bösel war ihr 11 Millionen Dollar oder 78 Mil. lionen Schilling schuldig. Dafür hat er ihr ollerding, verschiedene Vermögenswerte übergeben, von denen drei Millionen Aktien der Unionbonk, deren Präsident er gewesen war, jetzt von der Boden- kreditanstast übernommen wurden. Aber damit ist erst ein kleiner Teil der Schuld Bösel» gedeckt: und wo» mit dem Rest o-m bei- nahe 60 Millionen Schilling geschieht, davon Hot man in den Au«- einondersetzungen dieser Transaktion nichts erfahren. Datz di« Post- sparkosse die Millionen Aktien der Bodenkreditanstall leicht zu Geld wird, machen können, wagen auch die Verteidiger dieses Geschäft» nicht zu behaupten. Das Ist das volkswirtschaftliche Endergebnis de» Korruptions- skandals, der jetzt durch volle sechs Monate durch die parlamentarische Untersuchung in seinen politischen Beziehungen klargestellt wurde, jenes Skandal«, der die beispiellose Korruption der christlich- agrarischen Politik in Oesterreich enthüllt hat. Das Ergebnis Ist, datz das Finanzkapital über den neuen Reichtum triumphiert Hut. datz die Bantengründungen der christlich-sozialen.Aolks"part«i zu einer Verstärkung der Macht de» Bankenkapital» geführt haben. P. was können wir von flmerita lernen? Demokratisierung der Bedarfsdeckung. Aus der Relchsgründungsfeler der Berliner Handelshochschule hiell Professor Bonn die Festrede über das Thema„Was können wir von Amerika lernen?" Nach der Meinung des Redners sind die Erscheinungen der Rationalisierung, Typisierung und Normierung, die in der Wirt- schast Amerati» zu erkennen sind, nur verhältnismätzig äutzerllche Ding«, deren Kern in der Uniformierung de» gesamten Leben» als der Auswirkung einer„leidenschaftlichen Demokratie" de» amerikanischen Geiste» zu suchen ist. Die Wurzeln dieser Demo- kratie gehen auf da» neuenglische Puritanertum und auf da» Ploniertum im amerikanischen Westen zurück, vi« Demo» kratifiervftg der Bedürfnisbefriedigung äußert sich in dem Streben nach gleichen Lebensmöglichkellen, das in Amsrika wellgehend von Erfolg getragen ist, da der ständische Ge- danke, der den europäischen Kontinent immer noch weitgehend beherrscht, in Amerika vollkommen fehlt. Dort gibt es keine Stande, keine festgefügte soziale Ordnung, nur Stufen, und schnellen Wechsel des einzelnen aufwärts oder abwärts auf diesen Stufen der wirtschaftlichen Geltung. Die effeltioe Möglichkeit des Ausstiegs aus dem Ardeiterstand ist zwar heute, nachdem der Weste»! Amerikas fast völlig bcfledell und das freie Land, der Raum. dort erschöpft ist, weitgehend gehemmt. Aber an die Stelle der „Idee des Westens", die jedem einzelnen bisher den Glauben an einen wirtschaftlichen Aufstieg zum selbständigen Besitz gegeben hat, ist jetzt eine neue Idee getreten, die man vielleicht als die„Idee der sozialen R c< v o l u t i o n" durch wirtschaftliche und technische Raumschaffung bezeichnen kann. Ford, der meistbekannte Vertreter dieser Gedanken, ist ja keineswegs der einzige Unter- nehmer Amerikas, der den Glauben und das Bestreben hat, die Produktion der Konsumkraft anzupasien und den Konsum zu demokratisieren. Vielmehr ist dieses Bestreben geradezu allgemein geworden. Freilich darf man nicht vergessen, daß hinler dem gefühlsbetonten sentimentalen Reden vom.Service", vom„Dien st am K u n de n" und an der Volksgesamtheit, ein durchaus nicht sentimentales Handeln steht, und daß diese Einstellung des amerita- nischen Unternehmers sehr wohl mst seinem Profitstreben in Einklang zu bringen ist. Was w i r von Amerita lernen können, ist, nach der Ansicht des Redners, nicht die schematisch« Uebertragung der dort gellenden Arbeits- und Unternehmungsmethoden, die für die ganz anders gearteten europäischen Verhältnisse ja durchaus nicht passen, sondern vielmehr die amerikanische Bereitschaft, unbeschwert von Traditio- nen, die man zwar achten solle, aber niemals zur Fessel werden lassen dürfe, Neues und Werdendes in immer neuen Formen zu gestalten— ungehemmt von dem Geist des „Fachmannes" europäischen Stils, der immer geneigt ist, jeder neuen technischen, wirtschaftlichen oder sozialen Idee gegenüber die Schwierigkeiten ihrer Durchführung wissenschaftlich zu„beweisen", und so jeglichen Fortschritt zu hemmen. Ei« Einkaufstrust für Konfektionshäuser. Wir haben mehrfach, zuletzt bei dem Zusammenschluß der Jan- dorfschen Warenhäuser mst dem Hermann-Tietz-Konzcrn, aus die ftotze Rolle hingewiesen, die die Möglichkeit des billigeren Einkaufs ür da» Zustandekommen solcher Zufammenschlüsie lpielt. Derselbe Ratlonalisterungsgedanke hat jetzt zehn der bedeutend st en Herren- und Damcn-Konfcktionshäuser, die in zwanzig Städten West-, Nord- und Mitteldeutschlands Gcjchäfts- Häuser unterholten, zur Bildung eines Einkausstruftes veranlaßt, um der Konturrenz der Warenhäuser besser begegnen zu können. Zweck de» Zusammenschlusses ist der gemeinsame Einlaus von Stoffen und Konfektionswaren. Der gemeinsam« Einkauf wird durch die Ber- tiner Firma Heinrich Esders erfolgen. vi« Ernte der Börsenspekulation. Die Vörsentursoergleichun- gen der Deutschen Bant zeigen zum 10. Januar gegenüber dem 9. Dezember des Vorjahres wieder ein starke» Ansteigen der Börsen- turse. Der Durchschmttsstand aller in Berlin notierten Aktien hat sich von 147.7 auf 168,5 Proz. erhöht. Am stärksten sind die Bonkattien aestiegen, wobei die Spekulation mit Recht auf gegen das Vorjahr beträchtlich gesteigerte Dividenden hofft. Uev«? die Entwicklung im ganzen Iochre 1925 geben folgende Ziffern Au». tunft: DurchsibnittSkurS am 4. Fan. 1986 am 10 Fan. 19*7" der Bankaktien.... 89,6 Proz. 188,7 Proz. der Industrie- u. Schiff- kahrtsakilen.... 65.8, 16Z.4, aller Aktien..... 688„ 162 5„ Der Durchschnittswert dar an der Berliner Börse gehandelten deutschen Unternehmungen hat sich im Jahre 1926 also um nicht weniger als 135 Pro?, erhöht. Da» heißt, der Wert der deut- schen Attienunternehmungen hat sich im Laufe eines Jahres weit mehr als verdoppelt. Das ist das Ergebnis«ine» Jahre» der Rationalisierung, dos aus dem Arbeits- markt ein« größer« Arbeitslosigkeit hinterläßt als zu seinem Beginn. Di« russische harriman- Konzession In Schwierigkeiten. Vke Harriman-Mangan-Erzkonzesston in Tchiaturi in Georgien be- sind«! sich in(protzen Schwierigkeiten. Es wurde festgestellt, datz die Ingenieure be» der Kostenberechnung für«in« Normalspurbahn von den Minen bi» zu dem Verlodeplatz, auf der die Sowjetregierung al» eine der Hauptbedingung der Konzession bestand, sich um drei Millionen Dollar oerrechnet haben. Harriman, der in Moskau vergeblich versucht hatte, die Sowjetregierüng zum Verzicht oder wenigstens zur Verschiebung de» Bahnbaues zu bewegen, ist gestern von dort m Konstanstnopel«ingelrosfen. Die Konzession be- findet sich in einer außerordentlich schwierigen Lag«, sowohl infeige der Ausbeutung von Konturrenzgruben durch die Sowjets wie durch die ständigen Schwierigkeiten mit der Arbeiterschaft. m\LU'l 11,11111 IJU.:.!-.Jli.Li,.-..........-LI......... I--------- i— L jl V Beachten Sie bitte die Kochanweisung. die jedem Würfel von HDASÄI" Suppen aufgedruckt ist. /Sie ist zwar sehr einfach, aber natürlich nicht für jede der vielen Sorten die gleiche. Verfahren Sie nicht nach Gutdünken/ Nach Vorschrift gekocht, schmecken HAGOi* Suppen delikat.