Abendausgabe Nr. 37 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe g Nr. ls B«i>ua»d«dIn«unM» und AnHeksenrr«», find in txz Mor.genousgab« anoeaebr» Itebatllon: SM. VA, Cinbcnflrot}« 3 Fernsprecher t VLnhofs 292- 292 XeL-Vti treffe: Soztaldemotral Berlin Derliner Volksblatk (lO Pfennig) Sonnab-rnü 22. Januar 1�27 Stria; nnb SnjttgcnabttUuitjj ®tfd)äft6äcll SM Ms 6 Übt »«rieger: BortvLrl». Verlag©rabfj. Berlin STD. 69. Clnbenfitas}* S Fernsprecher: VSnhoss 292— 207 Zentratorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Das Aentrumsmanifest kein Hindernis - auf dem Wege zum Besitzbürgerblock! Zlmklich wird gemeldet: Reichskanzler Dr. Marx begab flch heule vormittag zum Herrn Reichspräsideukeu, berichtete über den gestrigen De- schluß der Zentrumsfraktion und erklärte, daß er im Sinne b'efes Beschlusses den Auftrag des Herrn Reichspräsidenten zur Regierungsbildung übernehme. Die presse zum Zentrumsmanifeft. Verächtliche Behandlung in de« Blättern der Rechten. In den Blättern der Rechten erfährt das Manifest des Zentrums die verächtlichste Behandlung. Nur wenige erweisen ihm die Ehre, es auch nur vollständig obzu- drucken. Die Stellen, die sich auf die Republik und die Außen- Politik beziehen, werden teilweise gar nicht wiedergegeben. Wo das geschieht, erscheinen sie in kleinem Druck, während die Stellen über Christentum, Landwirtschafts- und Mittelstandsschutz fett gedruckt werden. Das ganze Stück Papier wird gleichsam mit einer Handbewegung weggeschoben. Der„Lokal-Anzeiger" findet es durchaus einwandfrei, daß das Zentrum seinen Standpunkt vor seinen Wählern entwickelt. Zum Teil enthalte das Manifest sogar Lusfüh- rungen, die das Zustandekommen des Bürgerblocks geradezu erleichterten, höhnend fügt er hinzu, daß in dem Werk der Herren Brauns, Ioos und Wirth„allen Bedenken der um die Republik besorgten Kreise des Zentrums Rechnung ge- tragen ist". Der„Tag" sieht zwar noch ziemliche Schwierigkeiten voraus, bemerkt aber befriedigt, daß das Zentrum die An- erkennung seiner Anschauungen nicht zur Bedingung mache. Ebenso hebt die„Deutsche Tageszeitung" hervor, daß Gewiffensfragen an andere Parteien nicht gestellt werden. Auch der„Kreuz-Zeitung" machen allgemeine Prinzipien- erklärungen, die das Zentrum nur für sich selber abgibt, keine Kopfschmerzen. Sie bemerkt: Der Weg zur Bildung der von hindenburg als allein noch mög- lich angesehenen Regierung auf parlamentarischer Grundlage ist aber erst dann wirklich frei, wenn über die konkreten Punkte des vorliegenden Programms wirklich verhandelt werden soll und wenn sie nicht als coiulitlo sine quo von(unerläßliche Bedingung) betrachtet werden. Es ist selbstverständlich, daß Programms- tisch Unterschiede zwischen den Parteien, ob es sich nun um die Deutschnationalen, die Deutsche oder die Bayerische Dolkspartei Handell, bestehen und niemand wird verlangen wollen, dich sich die eine oder andere ans das verpflichlel, was da» Zentrum für sich be- ansprucht. Im Vordergrund der Erörterung muß deshalb das praktische Arbeitsprogramm der kommenden Regierung stehen. Da- für sind genug Anknüpfungspunkte vorhanden. Bei g«genseitig:m guten Willen sehen wir jedenfalls keine unüberfteiglichen Hindernisse, um eine Plattform zu finden, die eine dcmWunschedesherrn Reichspräsidenten entsprechende Mehrhcitsregierung zu tragen imstande ist. Die„Deutsche Zeitung", die oft den Vorzug hat, auszu- sprechen, was die anderen denken— und die manchmal des- wegen desavouiert wird— spricht unfreiwillig und gemütlos von einem„Umfall des Zentrum s". Auf der anderen Seite fassen„Berliner Tageblatt" und „Volkszeitung" die Zentrumserklärung so auf, als ob sie in der Tat unerläßliche Bedingungen für die Deutschnationalen enthielte, von denen eben verlangt werde, daß sie der R e- publik und der Locarnopolitik ihre Anerkennung aussprächen und einer Reform der Reichswehr im Geiste der Verfassung zustimmten.— Wir haben gesehen, daß die Rechtspresse ganz anderer Meinung ist. was tut üer höhere Klerus! AlleS in geheime« Verhandlungen schon vorbereitet? Der„Berliner Lokal-Anzeiger" schreibt:. Nachdem das Zentrum seine sachliche Bereitschaft erklärt hat, mit den Deutschnationalen in Verhandlungen einzutreten, wird in den nächsten Tagen etn Trommelfeuer falscher Meldungen erösfnet werden, um die weitere Entwicklung der Zu- sammenarbeit zu stören. Unter diesen falschen Meldungen wird— da» darf man jetzt schon prophezeien— auch die austauchen, daß die Deutschnationalen Verbindung mit dem Nuntius Pacelli gesucht hätten und in Verhandlungen mit dem Zentrum über«in Konkordat eingetreten wären. Der„Lokal-Anzeiger" hat ziemlich richtig prophezeit. Nur ist es nicht ein Blatt der Linken, in dem sich Andeu- tungen und Behauptungen in der angegebenen Richtung finden, sondern ein Blatt der Rechten, dem man wirk- lich nicht nachsagen kann, daß es darauf ausgehe,„die weitere Entwicklung der Zusammenarbeit zu stören", zugleich ein Blatt, von dem man annehmen kann, daß chm die Gelegen- heit, einen Blick hinter die Kulissen zu tun. nicht gefehlt hat. Es ist die„Tägliche Rundschau", die folgendes ver- kündet: Man P allgemein der Ueberz�ugung, daß die Verständigung dem Zentrum und de« Deutschnationalen keine ernsten Schwierigkeiten mehr machen wird. Der Inhalt der Zentrumstund- gebung läßt den sicheren Schluß zu, daß man auf feiten des Zen- trums nicht die Absicht hat, einer Verständigung Steine in den Weg zu legen. Diese Tatsache mag denjenigen überraschen, der sich der Schwere der innen- und außenpolitischen Bedenken erinnert, die das Zentrum dem Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius gegen- über geltend machte. Es ist aber inzwischen bekannt geworden, daß in einem kleinen kreis von Zenlrumsführern. die wohl auch mit dem höheren Klerus in Verbindung gestanden haben, und einem kreis von Deutschnationalen schon seit einiger Zeit Verhandlungen mit dem Hinblick aus die Möglichkeit einer Verständigung gepflogen worden sind. Die Konsequenzen, die sich aus diesen Borverhand- lungen ergaben, machen sich jetzt bemerkbar. Sie haben den Weg für offiziell« Verhandlungen zwischen dem Zentrum und den Deutsch- nationalen geebnet und sie werden sich wohl auch dahin auswirken, daß im Laufe der bevorstehenden Besprechung ein positives Ergebnis erzielt wird. Man begreift jetzt besser als zuvor, warum die Rechts- presse die Beteuerungen des Zentrums, es denke nicht daran, in den Bürgerblock zu gehen, keinen Augenblick ernst ge- nommen hat. Die Deutschnationalen weichen aus. Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat heute vor- mittag eine Sitzung abgehalten, die sich mit dem Zentrums- manifest beschäftigte. Wie zu erwarten war, ist sie einer klaren Stellungnahme sorgsam aus dem Wege gegangen. Sie hat nur erklärt, daß sie in dem Manifest kein Hindernis er- blicke, mit Marx über die Regierungblidung zu ver- handeln! -» Heute vormittag trat das geschäftsführende Reichs- t a b i n« t t zur Erledigung einiger Fragen zusammen, die nicht länger aufgeschoben werden tonnten. Im Anschluß an diese Sitzung besprechen die Minister die politische Lage. Reichskanzler Marx wird am Nachmittag zunächst mit den Mittelparteien verhondeln: ob noch heute«ine Besprechung mit den Deutschnationalen folgt, steht noch nicht fest. Demokraten gegen Rechtsblock. Stürmische Debatten auf einem Bezirksparteitag. Erregte Auseinandersetzungen über die Politik der Demokratischen Partei gab es auf dem gestrigen Parteitag für den Wahlkreis Potsdam II. Im Anschluß an den Bericht des Reichstagsabgeordneten Dernburg wurde in der Diskussion von führenden Parteimitgliedern heftige Kritik an der Politik der Minister Külz und Gcßler geübt. Eine einstimmig angenommene Entschließung wendet sich gegen das verfassungswidrige Schreiben des Reichspräsidenten, das diesen mitten in den Kampf der Parteien stellt. Ferner forderte die Versammlung von der demo- kratischen Reichstagsfroktion die schärfste Bekämpfung jeder Regierung, in der die Deutschnationalen vertreten sind. Eine zweite Entschließung verlangt von der Partei zur Wieder- Herstellung des erschütterten Vertrauens der Wählerschaft ein ent- schiedencs Abrücken von der Politik des Reichswehrministers Dr. G e ß l e r._ Um die Arbeitszeit der Seeleute. Beschluß des internationalen Schiffahrtsansschnsses. Gens, 22. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Der gemischte Schiff- sahnsausschuß des Internationalen Arbeitsamtes hat heute morgen mit 7 gegen S Stimmen beschlossen die Regelung der Arbeltszelt der Seeleute auf die Tagesordnung der Marinearbeitskonferenz von 1S27 zu setzen. Der Beschluß kam im letzten Moment dadurch zu- stände, daß der französische und der belgisch« Reederver- treter mit der Arbeitergruppe stimmten. Diese Stellungnahme erNärt sich daraus, daß Frankreich die Arbeitszeit der Seeleute(Achtstundentag mit Ausnahmen) schon seit 1320 durch Gesetz geregelt hat. Solange die franzSstschen Reeder hossten. dieses Gesetz gelegentlich wieder beseitigen zu können, hiellen sie mit ihren Kollegen der übrigen Länder, doch mußten sie in letzter Zeit jede Hoffnung darauf aufgeben, und deshalb traten sie aus Kon- kurrenzgründen dafür ein, daß die Arbeitszeit in der Schiffahrt auch international geregell werden müsse. Namens der übrigen Arbeitgebervertreter gab der englische Vertreter eine Erklärung ab, daß sie ihren ablehnenden Standpunkt nicht ändern könnten. Weiter soll auf der Konferenz von 7328 der Schutz der Seeleute im Fall von Krankheit und Unfall sowie deren Fürsorge in den Häfen zur Beratung gelangen. Ferner beschloß der Ausschuß, die Zahl seiner Mitglieder von ö auf 7— für jede Truppe— zu erhöhen, wozu noch je ein Mitglied der Arbeit- geber- und der Arbeitergruppe des Berwaltungsrates des Inter- nationalen Arbeitsamtes und dessen Präsidenten kommen, so daß der Ausschuß künftig aus 77 Mitgliedern bestehen wird. Der.Popvlaire" wieder erschienen. Heute sst nach zweijähriger Pause der sozialistische..Populaire" wieder als Tageszeitung erschienen. Das Blatt, dessen Leitung 2 ö o n Blum übernommen hat, ver- öffcntlicht in der ersten Nummer ein Begrüßungsschreiben des Reichstagsabgeordneten Stampfer, des Chefredakteurs des .Vorwärts", sowie ein Begrüßungstelegramm der Deut- ich« Sozialdemokratisch« Partei........,,... Masche um Masche. Das Netz des Faschismus. Von der italienischen Grenze wird uns geschrieben: Mit großer Sorgfalt und viel System webt der eofchismus an dem Netz, das jede Form von p p o s i t i o n aus dem öffentlichen Leben ausschließen soll. Gegen das ausdrückliche und feierliche Versprechen, das seiner- zeit der Iustizminister im Senat gegeben hat, das Gesetz über die Beamtenentlassung nicht auf den Richterstand auszudehnen, hat man längst alle unliebsamen Richter g e m a ß r e g e l t, vor allem die, die einst die Vor- Untersuchung des Prozesses Matteotti gewissen- hast und ohne Ansehen der Person betrieben hatten. Dann hat man das Recht der Beamtenmaßregelung, das im Dezember vorigen Jahres außer Kraft trat, um ein weiteres Jahr verlängert und hat es nun dieser Tage auch auf die städtischen Beamten ausgedehnt. Die,, Gazetta Uffiziale" vom 17. Januar veröffentlicht nun auch ein Dekret, das eine Revision der in die Matrikel der Handelsmarine Eingetragenen anordnet. Für diese Revision wird eine Frist von fünf Iahren vorgesehen, und sie soll zur Ausmerzung derer führen, ,chie sich in moralischer Inkompatibilität zum nationalen Charakter unserer Handelsflotte befinden, durch ihre Handlungen oder durch ihre Haltung, die, wenn auch juristisch einwandfrei, doch dem italienischen Gefühl widerstehen oder die öffentliche Meinung durch ihren Ernst oder ihre Rotorietät erregen. Im Sinne dieses Artikels sind Zeit und Ort der begange- neu Handlung oder angenommenen Haltung b e l a n g l o s." Eine Handlung, die die öffentliche Meinung durch ihre Rotorietät erregt— was offenbar von der Qualität der Handlung ganz unabhängig fein kann—, ist also ein mög- licher Anlaß für den Verlust eines erworbenen Rechtes, von dem unter Umständen die wirsschaftlichc Existenz des Betreffenden abhängt. Etwas Aehnliches wird jetzt für die Besitzer von öffentlichen Verkaufsstellen in Szene gesetzt. Aber damit, seine Widersacher um ihr Brot zu bringen. läßt es sich der Faschismus nicht genügen. Sie sollen auch aus dem geistigen Leben der Nation ausgerottet werden. Und das kann natürlich nicht in der Weife erfolgen, daß ihnen etwa der Faschismus durch fein eigenes geistiges Leben Luft und Sonne streitig machte, denn dieses fein geistiges Leben ist etwas so Kümmerliches und Künstliches, daß es kaum einen Grashalm überwuchern könnte: das kann nur durch Verbot erfolgen. Und so ist am 13. Januar ein Dekret veröffentlicht worden, durch das„jede neue Bildung und Orga- n i f a t i o n, fei sie auch provisorisch, die sich den Unterricht, die Anleitung zu Berufen, Künsten oder Handwerken oder in irgendeiner anderen Weise die körperliche, sittliche und geistige Erziehung der Jugend zur Aufgabe macht", verboten wird, außer der faschistischen Jugend- organifation, die den Namen„Opera Nazionale Balilla" führt. Ausgenommen find nur die katholischen„Boy Scouts", die aber auch nur in den Orten mit über 20000 Einwohnern weiter bestehen dürfen oder in den Provinzialhauptstädten: auch sie müssen in dem Schilde ihres Abzeichens(das Schild der italienischen kommunalen Freiheit) das Rutenbündel und die Initialen der faschistischen Iugendorganisätion führen. Durch«in Gesetz vom vorigen Jahre hat fich das Regime schon die Möglichkeit gesichert, jedes private Er-- ziehungsinstiwt seiner Kontrolle zu unterwerfen, sein Dermögen tinter die Verwaltung eines Kommissars zu stellen und das Institut ganz an sich zu reißen. An den öffentlichen Lehranstalten, von der Volksschule bis zur Universität, hat man schon längst alle Persönlichkeiten ausgemerzt, die nicht Faschisten sind, oder sich nicht als Faschisten ausgeben. Dieser„Rcinigungsprozeß" findet ganz stillschweigend statt: keine Zeitung kommentiert. Eines der letzten Opfer war der Professor der Botanik an der Universität Padua. Genosse Montemartini. Interessant ist. daß ihm die Studenten eine Sympathiekundgebung gemacht haben, wie übrigens auch anderen Hochschullehrern, deren Zugehörigkeit zum Senat bis jetzt ihre Maßregelung oerhindert hat. Selbst die einfache Betätigung menschlicher Solidarität wird den Nichtfaschisten verwehrt. Ohne Autorisation der Präfckten darf man nicht einmal eine Geldsammlung für einen bedürftigen Gefährten veranstalten: es ist dies sogar ein Feld, was von den Lockspitzeln besonders leifrig bestellt wird. Es ist gefährlich, beut« zehn Lire für einen armen Teufel zu geben. Nachdem sich der Italiener so oft und so herzlich über das allgegenwärtige preußische„es ist verboten" lustig gemacht haben, marschieren sie heute alle im Gänsemarsch zwischen Spasseren, die einzig diese Inschrift ziert. Wohl tröstet es die Schwarzhemden, daß diese Inschrift sich ja nur auf die „Antinationalen" bezieht, und dem Faschisten eine gar ver- heißende Kehrseite zeigt: es ist alles erlaubt, dir ist alles erlaubt! Aber, mit dieser Kehrseite und ihrer Anwendung hat es feine eigene Bewandtnis, wie das bekannte Rund- schreiben des Premierministers an die Präfekten zeigt. Offiziell will man die Gewalttätigkeiten, die sich die Schwarzhemden bisher so ausgiebig erlaubt hatten und zu denen jedes neue Attentat einen willkommenen Anlaß gibt, nicht weiter zulassen. Es heißt aber, daß Mussolini in seiner Rede vor dem Hohen Rat die Seinen beruhigt und ihnen nahegelegt hat. die offizielle Lesart nicht gar zu wörtlich und nicht gar zu ernst zu nehmen. Wir haben hier den alten Zwiespalt, der den Faschismus seit seinem Entstehen begleitet hat: jene materielle und psychologische Zwangslage, die das Regime nötigt, seine Widersacher außer- halb des Rechtsschutzes zu stellen, führt gleichzeitig mit Notwendigkeit dazu, seine Parteigänger von den Rechts- schranken zu befreien. Selbst, wenn er es wollte, könnte der Faschismus diese logische Verknüpfung nicht lösen. Aber im Grunde will er es gar nicht und kann es nicht wollen. Die Rechtsungleichheit der Bürger gehört zu seiner Staatsauffassung, wie die Forderung des gleichen Rechts für alle zur modernen Staatsidee gehört.„Gerechtigkeit allen, die diszipliniert arbeiten," hat Mussolini vor einigen Monaten verkündigt: also: nicht Gerechtigkeit für alle, sondern nur für solche, die gewissen vom Faschismus gestellten Ansprüchen genügen.„Denen, die es oerdienen, Gutes tun," heißt es in dem Rundschreiben an die Präfekten. Diese Auffassung setzt eben einen voraus, der von oben herab die Kinderstube leitet, der die Guten gut, die Bösewichte böse behandelt, und diesem einen schafft die wschistische Gesetz- gebung ein Arsenal von Zwangsmitteln: von der Hunger- peitsche zur dunklen Ecke der Maßregelung, von der Polizei- aufsicht zur Zwangsoerschickung auf irgendeine Insel oder in ein Nest Sardiniens oder Süditaliens. Gleichzeitig engt man diesen Antinationalen die Betätigungsmöglichkeit ein: sie dürfen nicht lehren, keine Kinder erziehen, keine Feste feiern, die Ihren nicht feierlich begraben, ihre Ideen weder schriftlich noch mündlich verbreiten, nicht zusammenkommen. Sie sind Italiener nur noch für den Steueveintrefbcr. Ein feinmaschiges Netz sperrt sie aus dem Leben des Landes aus. Sie dürfen das Land nicht verlassen, beileibe nicht: sie sollen in ihm verkommenl Dies ist das Rezept, nach dsm der„totalitäre" faschistische Staat entsteht, der Staat ohne Widersacher, ohne Nörgler, der Staat der artigen Kinder mit glattgekämmten Haaren und sauberen Schürzen, der gar zu langweilig wäre, wenn nicht gelegentlich Paranthesen der entfesselten Gewalttat den Schwarzhemden als angestammtes Recht bewilligt würden. Dieser Staat wäre ewig, wie eine Mumie, wenn es nur gelänge, alles in ihn hineinzuwickeln, in all die unzähligen Gesetzesbinden, die der Iustizminister liefert. Aber manches bleibt draußen, auch abgesehen von der„freien Plünderung im freien Staate". Draußen bleibt die Volkswirtschaft und die Finanz, so oft man auch versucht, auch sie hineinzu- präparieren. Draußen bleibt das Spiel der Interessen. In dem früheren, dem überlebten, dem liberalen Staate gab es noch so etwas wie eine Kontrolle durch die OeffentliÄkeit. in ihrer Meinungsäußerung nicht lebhafter als eine Mumie. Und die so geschaffene hübsche Ordnung zeitigt dann gelegent- lich Skandalaffären, wie die des Rücktritts des römischen Gouverneurs, dem feine eigenen Amtsgefährten Schmiergelder in der Höhe von Millionen vorgeworfen haben. Gewiß sichert der Faschismus die Herrschast durch die dicht ineinandergreifenden Knebelgesetze. Aber er sichert sich nicht gegen sich selbst: gegen das Ueberwuchern der Korruption, die um sich greift, wie der Schimmel im licht- und luftlosen Raum. Früher ventiliert« da die ö'fent- lich« Meinung, die freie Presse, das Versammlungsrecht. Jetzt ist dieser„liberale Unfug" abgeschafft. Jetzt ist alles geregest und ordentlich. Die einen hüten und die anderen werden gehütet, im gleichen Staate nach zweierlei Reckst. Das itt alles fein ausgeklügelt, rücksichtslos, brutal, vernichtend. Es ließe sich nachweiseil, daß das in alle Ewigkeit halten muß. Aber, wer hütet die Hüter? » Die Deportationen politischer Gegner de» Faschismus nehmen in Ztatien immer brutalere Formen au. wie wir indirekt aus Mailand erfahren, Ist jetzt auch der berühmte Sozialwissen- schast'er und srnhcre Arbeitsminister. Genosse Arturo Labrlato. bisher Professor an der Universität von Neapel, deportiert worden. nachdem ihm der faschistische Mob sein gesamtes Hab und Gut zerstört und gestohlen hatte. Er ist zwangsweise tn ein ganz entlegenes vors Mantemurra im südilallenischen Geblrgsmasslv Vasiticata, verschickt worden. Es ist dies die rückständigste, ungesundeste und unkultivierteste Gegend Ztoliens, neben der sogar die Berge At- baniens als zivilisiert anmuten!_ Ein geniales Ablenkungsmanöver. Für russische und andere Zlnalphadeten. Wie der„Demokratische Zeitungsdienst" in seiner außen- Solitischen Beilage mitteilt, schreibt im Anschluß an die Rede lucharins die offizielle„Iswestija": „Die Hand der englischen Diplomatie ist in der Granatenkampagne der deutschen Sozialdemokratie deutlich zu er- kennen. Jehl, wo es klar Ist. daß der größte Teil der llunkers- Aktien In englische Hände übergegangen l?) ist. läßt sich die Der- bindung zwischen dem„vorwärts" und dem „Foreign Off Ire" nicht verbergen. Die Tatsach« intimer Beziehungen zwischen Chambertai« und Scheide. mann ist jetzt osseubar." Wir geben diesen Erguß im Fettdruck wieder, weil er für den politischen Analphabetismus bezeichnend ist, in dem der Bolschewismus die russischen Arbeiter hält. Denn anders ist es nicht zu erklären, daß das führende Organ der Sowjetregierung einen solchen Irrsinn seinen Lesern vorzu- setzen wagt. Die geradezu geniale Behauptung einer Verbindung zwischen dem„Vorwärts" und dem englischen Auswärtigen Amte oder einer Intimität zwischen Ehamberlain und Scheide- mann ist nur ein hilfloser Versuch, von der Tatsache a v z u- lenken, daß zwischen der Sowjetregierung und dem Reichswehr Ministerium seit Iahren in- time Beziehungen bestehen: siehe Stettiner Mu- nitionstransporte, Gefu-Zahlungen an die russische Staats- dank, Giftgasfabrik in Trotzt usw. Die wehrverbänöe in Valüeck. Eine Erwiderung der preußischen Regierung. Wir hatten vor einigen Tagen das preußische Staatsministerium gefragt, wie es sich dazu stelle, daß die in Preußen verbotenen Per- bände Olympia und Wiking tn dem preußisch verwalteten Freistaat Waldeck ungehindert weiter bestehen können. Daraus wird jetzt geantwortet, daß zur Zeit des preußischen Berbots in Waldeck Ortsgruppen der Olympia überhaupt nicht, und vom Wiking nur zwei kleine Ortsgruppen vorhanden gewesen seien, die nicht sonderlich hervorgetreten sind. Aus diesem Grund« hat da» preußische Innenministerium es nicht für notwendig gehalten, das Verbot auch auf Waldeck auszudehnen. Es ist also nicht so, daß der preußische Landesdirettor Schmieding im Gegensatz zu einer Maß- »ahme der preußischen Regierung das Weiterbestehen erlaubt hätte. Nichtsdestoweniger liegen gegen da» System Schmieding genug ander« und gewichtige Beschwerden vor. Um üas Diktaturgesetz. Eine Aussprache über Art. 4« der Reichsverfassung. In der Ortsgruppe Berlin des Deutschen Republika- nischen R« i ch s b u n d e s referierte Ministerialdirektor Dr. Falk über dos Austührungsgesetz zum Artikel 48 der Reichsversassung. Es Handell sich um keine Lersasiungsänderung. sondern um ein« genaue Formulierung der Befugrisse des Reichspräsidenten in Zeiten des Notstandes. Es handelt sich um das Notwehrrecht des Staates, das so gut wie das Notwehrrccht des Bürgers gewahrt bleiben muffe. Der Staat darf bei außergewöhnlichen V«hältntssen in die Sphäre des einzelnen nur so weit eingreifen, wie es u n b e- dingt notwendig ist. Daher ist der Ausnahmezustand zeitlich zu begrenzen und die Ausnahmeverordnungen müssen automa- tisch außer Kraft treten. Gegen ein« willkürliche Anwendung der T ch» tz h a f t srrd Rechtsmittel einzuführen. Die Wieder- aufnahm« d» Verfahrens gegen die Urteile der Sondergerichte ist einzuführen. Die Verfaffung bestimmt, daß die bewassnete Macht nur.erforderlichenfalls" einzugreifen hat, also gebührt den ordentlichen Machtmitteln des Staates, der Polizei, der Vorrang. Die Reichswehr darf nur zur Verstärkung der Polizei dienen und muß daher unter ihrer Leitung stehen. In der Aussprache forderte Reichstagsabgeordneter Genosse Landsberg, daß das Gesetz ausdrücklich vorsehen muß. der Reichstag darf nicht ausgeschaltet uud verfassungsmäßige Einrich- tungsn nicht beseitigt werden. Er darf nicht zum Vorwand ge- nommen werden, um ein Budget zu verabschieden, Steuern zu er- heben und Anleihen cuszunehmen. Genosse Dr. f). Heller warnte davor, die juristischen Bindungen des Reichspräsidenten im Aus- nahmezustand zu überschätzen. Der letzte Schutz der Reichswehr liege in der Entschlossenheit der Republikaner. Staats- sckretär A b e g g betonte, daß gegenüber dem geschlossenen Willen eines einheitlichen Preußens keine sogenannte reale Macht etwas ausrichten könne. Sorgen sind nicht gegeben, sondern die Zukunft gehört uns._ Einwohnerwehr, Reichswehr, falsche passe. Reunzert vor dem Femeausschuß des Reichstags. Der Femeuntersuchungsausschuß des Reichstages trat heute vor, mittag zusammen, um noch Zeugen zu den Fragen der bayerischen Einwohnerwehr zu vernehmen. Der Zeuge D o b n e r hält sich ver, borgen und ist trotz der Vorladung nicht erschienen. Dagegen kann jetzt die Vernehmung des bisher ebenfalls erfolglos geladenen Zeugen Reunzert erfolgen, der bestritt, sich bisher vor Aussagen gedrückt zu haben und lediglich infolge einer Reise von seiner Vorladung nichts gewußt haben will. Mar Reunzert. jetzt 34 Jahre alt. schildert auf Aufforderung de» Vorsitzenden seine Tätigkeit bei der Münchcncr Einwohnerwehr. Bei der W a f f e n b e s cha f f u u n g hat er sich lebhaft betätigt. Mit Paßheschasfungen habe er sich nicht abgegeben. Einen f a l- s ch« n P a ß aus den Namen Markus Neumann habe er von behördlicher Seite zu militärischen Erkundungen im besetzten Se- biet erhalten. Von wem er den falschen Paß bekam, erklärt Zeuge. nicht genau zu wissen. Er selber habe den Paß beim Oberregie- rungsrat Freyberg vom bayerischen Ministerium des Innern beantragt. Don falschen Pässen, die Schweickart oder Berchtold er- halten haben, weiß der Zeuge nichts. Der Zeuge war. wie er auf Befragen durch den Abgeordneten Dr. Levi mitteilt, bis Zuni lgZZ aus privatdienstverirag beim Wehrkreiskommando angestellt. Er erklärt, daß Militärbehörden und Einwohnerwehr damals immer zusammengearbeitet hätten. Reunzert, der übrigens nicht unter Eid vernommen wurde, b e- stritt jede Beteiligung an den in Untersuchung stehenden Mordtaten. In den Fällen Dobner und Härtung Hot er die Auto» gelenkt und saß selbst am Steuer, aber was hinter seinem Rücken vorging, hätte ihn nicht interessiert. Daß er auf- gefordert würbe, schneller zu fahren, hat ihn nicht gewundert. Darüber hatten die Insassen zu bestimmen. Das Fahrzeug sei ein La st trostwagen der Nachrichtenabteilung, wahrscheinlich einer Truppe gewesen, das ein« falsche Nummer trug. In Augsburg wurde der Wagen kontrolliert, aber nicht beanstandet. Auf ein« Frage de» Abg. P a s s eh I(Soz). ob auch«in zu der falschen Nummer passender falscher Auswels vorhanden gewesen sei, erklärt Reunzert, sich daran nicht mehr erinnern zu können. Auf dl« Frage de» Abg. Levi(Soz.). warum Neuwert sich vor der Polizei verborgen habe, erklärte dieser, er wollte nicht unschuldig in Untersuchungshaft sitzen. Reunzert war übrigens bei dem bekannten Hauptmann Röhm Ordonnanzosfizier. Kammeröebatte über üke Arbeitslosigkeit. pari». 22. Januar.(Eigener Drahtbericht.) In der Kanuner begann am Freitag die gnterpellationsdebatt« über die Wirt, s ch a f t s k r i s e und Arbeitslosigkeit. Der Radikalsozialist Borell erklärte, daß wirkliche Abhilf, gegen die Arbeitslosigkeit nur durch eine Stabilisierung der Währung geschaffen werden könnte, forderte gleichzeitig ein großzügiges Programm zum Neubau von Wohnungen und fragt« im übrigen die Negierung, was sie gegen die Wirlschaftenot zu unternehmen gedenke. Poincarc sah sich schließlich zu dem Eingeständnis gezwungen, daß ssinr Stobili- sierungsmeihoden keinen Schutz gegen die Arbeitslosigkeit be- deuten. Seethoven-Zeier in Frankreich. Aul den Borschlag des Ministers Edouard Herriot Hot die fron, zösische Regierung beschloffen, das hundertjährige Kedenkfest Beel- Hoven» zu feiern. Eine Ausführung von Werken des großen Künstlers wird entweder in der Oper oder in der Sorbonn« statt- finden Herriot wird bei Beginn der Feier das Wort ergrcijen. Der Ileberschuß der Einnahmen wird zu Wohltätigkeitszwecken ver- wandt. Man unterstreicht, daß Frankreich als erste Nation seine Absicht kundtut, ossiziell Beethoven seine Huldigung darzubringen. Bei dieser Gelegenheit ist es nicht uninteressant zu erfahren, welches die Pläne der Orchestcrdirigenten in Paris für die Jubiläumsfeier sind und welche Wünsche französische Komponisten haben. Der von den großen Orchestern in dieser Saison am meisten gespielte Kom- ponist ist zweifellos Beethoven: allein die 9. Sinfonie ist schon dreimal aufgeführt worden. „Man muß sein Werk wieder ausnehmen, seine Sinfonien wieder ausführen, seine Sonate» studieren, die Umstände untersuchen, welche ihrer Schöpfung vorangingen oder folgten, sagt V I d o r, Komponist und Organist an St. Sulpice. Sehen Sie sich das Manuskript der Appassionata an» welches Frau Bigot dem Konservatorium überlassen hat. Sie werden es mit Regentropfen bespritzt finden, denn es war an einem Gewitterabend, als Beethoven es zu der Pianistin brachte, deren Talent er so sehr schätzte. Die Regen- tropfen hatten sich mit den Roten vermischt, und die Lektüre schien schwierig. Doch Frau Bigot spielte, als Hölle sie die Sonate schon lange gekannt. Entzückt beglückwünschte Beethoven sie. Sie bot ihn, ihr die Sonate zu lassen. Warten Sie. bis sie verpsfentlicht ist, sagte der Meister. Am anderen Tage brachte Frau Bigot das Manuskript zum Verleger. Dank ihrer Güte besitzen wir es heute." Paul D u k a», ein bekannter Komponist, ruft aus:„Beet- Hoven huldigen, scheint mir unmöglich. Er hat uns alles gegeben. Was sollen wir ihm anbieten? Wünschen w>r wenigstens eine sehr schön« Aufführung seiner Werke. Man darf wohl annehmen, daß bei der Hundertjahrfeier Orchesterdirigenten und Ausführend» zahl- reichere Proben veranstalten werden---- Und da die Oper uns b«> Gelegenheit der Hundertjahrfeier Webers den»Freischütz" ge- geben hat. warum könnte mon m diesem Jahre in demselben Rahmen nicht„Fidelio" hören? Man könnte auch die Kantate >'0» Liszt ausführen, die dieser bei Gelegenheit der Denkmolsetn- weihung in Weimar komponiert hat. Vergessen wir auch nicht den persönlichen Kull. Beethoven ge- hört un, allen: jeder wird damit tun. wo» er kann.— Noch den musikalischen Darbietungen würde es interessant sein, dl« Zeugnisse bedeutender Geister aller Art(Philosophie, Schriftsteller, Maler) zu sammeln, auf welch« Beethoven Eindruck gemocht hat. Beethoven ist einer der Menschen, welcher den größten Einfluß auf die Mensch. hell gehabt hat. Er gibt un» den Beweis, daß die mustkoltsche Kunst nichts Vergängliches hat trotz der Veränderungen, welcher sie unterworsen ist. Ist die L- Moll> Sinfonie gealtert? Das ist ein Werk, welches immer dauern wird: Wie die Wunder der Natur existiert« sie schon oor ihrer Verwirklichung. Beethoven hat Altäre aus der ganzen Welt: er lebt noch." Gabriel P I e r n e, der Dirigent der Eolonne-Konzerte. hat die 9. Sinfonie schon im Oktober aufgesührt.«Ich Hobe die Ab- ficht," sagt er,„besonders die Werke mit Thören zu geben: Christus aus dem Oelberg, die Messe in v-Dur und die 9. Sinfonie. Ich möchte dann den am wenigsten bekannten Werten Raum geben, doch ohne die wieder auszunehmen, di« außer Gebrauch gekommen sind und nichts zum Ruhme des Meisters beitragen können." „Ich gebe alle Jahre die Sinfonien von Beethoven", sagt Paul P a r a y, der Dirigent der Lamoureuse-Konzerte.„Was soll ich Neues machen? Um abzuwechseln, werden wir vielleicht die 9. Sin. fonie vor der 5., die 4. nach der 2. setzen. Wenn es möglich wäre. mit dem toten Meister in Verbindung zu treten, sollte man ihn um neun andere Sinfonien bitten. Es ist richtig, sich dieser hundertjährigen Gedenktage zu«rinnern: das Wesentliche ist. nicht zu ver- gessen, daß das Genie sich zu jeder Zeit feiert"»cb. Ludwig Hardt spricht in der Volksbühne. In dem übersülllen Bürgersaal des Rathauses tieft Ludwig Hardt aus Heinrich Heine. Ein Bild des Dichters entsteht, das weit von dem üblichen abweicht. Nicht der Versaffer des»Buches der Lieder" oder der Schöoser popu» lürer Balladen sieht im Vordergrund, sondern der große Revolutio- när und Freiheitslämpfer. Auch klein», zart« Dinge sehten nicht, sie vollende» das Bild der Persönlichkeit, doch der Hauptakzent liegt aus den politischen Gedichten, die das Größte bedeuten, das revolutio- nöre Lorik jemals geschaffen hat und mit denen vergltchen das„Buch der Lieder" beinahe belanglos wird. Und in Ludwig Hardt finden diese grandiosen Verse ihren meisterlichen Sprecher. Er spricht sie nicht mit überlegener, messerscharfer Ironie, mit kühl beherrschter Stimme, nein, er lebt in ihnen, er kreischt den Haß hinaus, das avium wird zum Forum, der Rezitator verwandelt sich in einen emagogen. Jeder Vers in den»Wanderratten" wird im Mund« dieses genialen Dolksredners zur tödlichen Waffe gegen die prassenden Fürsten. Nicht Ironie, offener Hohn klingt in der Stimme, wenn sie von dem treuen Hund« Brutus erzählt, oder wenn sie die Pslichten-ine« guten Bürgers auszöhli oder besser herunterleiert. Und ganz leise, und dach ohne Spur von Sentimentalität spricht st« von dem englischen König Karl I. oder trauert um die Müller in Deutschland. Der Bolksbühne gebührt Dank sür diesen Wend. F. S- Noch ein kleines solides Fälfchersiück. Unser Mitarbeiter Jodok schreibt uns- Die Gottverlassenheit kapitalistischer Denkweise ironi- sieren.»dos habe ich mit meiner kleinen Glosse vom Tanzpalast" in Nummer 27 des„Vorwärts" gewollt, ober gleich zwei Berliner Bläller schuldig werden lassen der gröbsten journalistischen Un- anstandigkeit. der gemeinen Zitatensälschung. das Hab« ich wahrlich nicht gewollt. Das ein« der beiden, die„Deutsche Tageszeitung". hat die„Borwärt»"-Nedaktion sich sretzndlicherweise schon selbst vor- geknöpft, das andere Platt ist di«.Täglich« Rundschau", die in Nummer 32 gelegentlich einer Glossierung meiner Glosse auch wieder das entscheidende»st«" des letzten Satzes—: di« türlisch, n Kapita- listen nämlich— in ein„wir—: die Sozialdemokraten nämlich—- umlügt und im übrigen durch irreführende, dem Original zuwider« Gäsesüßchensetzung, durch Satzzusammenziehungen und böswillig« Streichungen aus kurzem Raum und an kleinem Objekt da» Menschen- mögliche an jonrnnlistischer Schäbigkeit und an oberslächlicher Schmockerei leistet. Und da soll man nicht in die Versuchung gebracht werd?n. sogar die Iazzschnösels aus der Hagia Sophiv noch für bessere Charaktere zu halten, als diese Sorte Christenmenschen es sind. Eine 220 000 Voll-Fernleilung. Die erst« europäisch« elektrische Fernleitung, die die ungeheure Spannung von 229 000 Voll besitzt. ist von dem Rheinisch-Westfalischen Elektrltätswert fertiMesteilt worden. Nach näheren Angaben In„Reclams Universum" beträgt die Gesamtdrahtläng« 1200 Kilometer, die in sechs Leitungen nebenein- ander die 200 Kilometer lang« Strecke von Neuenahr über Koblenz nach Rheinau durchlaufen. Di« Hochspannungsleitung stellt« der Isolatorentechnik ganz neue Problem«, zumal bei der Rheinkreuzung der Leitung über die Insel Niederwort zwei Strecken von über 500 Meter vollständig freier Spannweit« austreten. An den Enden dieser Strecken ruht die Leitung auf über 100 Meter hohen Masten und weist«ine» Durchgang von über 60 Meter auf. Di« Lesiungsbahn ist«in Hohlseil von 41 Millimeter Durchmesser mit einem Gewicht von 4100 Kilogramm pro Kilometer imd einer Bruchfestigkeit von 16,6 Tonnen. Ein Gerichtsurteil verbietet Kinobesuch. Vor dem Jugendgericht zu Wimbledon erschien dieser Tag« ein vierzehnjähriger Junge, der seiner Mutier ein Zehnfchillingsstück gestohlen und hinter dem Rücken seiner Eltern«inen»Kinderwagen verkauft hatte. Bon dem Erlös wie von dem gestohlenen Geld bestrill er di« Ausgaben, di« ihm seine Leidenschast für» Kino auferlegte. Der Jugendrichter oerhängt« über den jugendlichen Sünder ein« Strafe, die der pädagogischen Wirtsam- keit nicht entbehren dürft«: er wurde verurteilt, für die Dauer von zwei Jahren lein Kino mehr besuchen zu dürfen. «rslavssöhrvvgen der Woche. ZN-vlog. Ventsches Kiinstler-Th.:„Sc- mille L ch 1 m e l". Dienst. Trlanun-Üi.!„Der Mann derAIine Lögar. tonnersf. Aomadicniiau»! ,D v v e r C a I a i Zrcilaa. Tl,. am Kursürstend.-„lli l i', Sonnad. Kamnicrspio!«:„Gorma in c*.— Sltnaifiancc-If).:.Die<» e I ch i ch t e vom Soldaten",— Tribüne „vcr 2»« 6»ja 6 er". llraaia-ve« aussaltvogev. Sonnt u.S):„Snouk. der Eisbär- äoer."(7):„SS ölten trat er."(0):„« b e n t e u« r im unkeilten Erdteil." Ab Vloatoa täch.:„Die Weltgeschichte Ol« Kolonialgelchlchte." Dienst(S): Oirinotr;„Die Deutschen in der Sowjet- Union" Nlittiv(7);„Nieder- sreouenzveritörker." Dorn.cr ausübten, reglementiert, als Dirnen infamiert, in Bor- belle«ingesperrt und dadurch ist eben der Rückweg ins geordnet« Leben erschwert worden. Durch die bisherige Bekämpfung der Prostitution ist es nicht gelungen, diesen Krebsschaden der menschlichen Gesellschaft in seineu Ursachen zu erfassen. In den Städten, di« heut« noch Bordell« haben, ist die übrig« B«- völkeoung gegen di« moralisch« Ansteckung durch di« Proststution keineswegs geschützt worden, gerode durch dies« Bardell« wurden die Verhältnisse, z. B- in Altona, noch verschlechtert. Was dort zu sehen ist, das kann man beispielsweise in Berlin doch nicht sehen. Deshalb ist es zu begrüßen, daß endlich die Unterhaltung von Bor- bellen verboten und mst diesen menschenunwürdig«,, Einrichtung«« aufgeräumt wird. Leider ist man bei d«r Frag« der Reglemen- tierung nicht so weit gegangen. Es wurde eine Kaut- schukbestimmung geschasfen, die zu den größten Befürchtungen Anlaß geben muß. Man ha,«in Kompromiß geschlossen, aber di« Vorurteil« in der Frage der Prostitution sind noch so groß, daß man sich mit dem jetzt Erreichten schon abfinden muß. Anders liegt es mst der Bestimmuitfl, wonach di« Ausübung der Prostitution in der Nähe von Schulen und Kirchen unter Straf« gestellt wird. Vitt Strafen ist der Prostitution überhaupt nicht beizukommen. Der Aufenthalt in Cefänpnislen. Arbeitshäusern usw. hat vielfach dazu geführt, daß die Prostituierten dauernd an diesem traurigen Beruf gcfssiekt wurden. In der Kleinstadt besonders ist die Frage, was gewerbliche Unzucht ist, noch so wenig geklärt, daß dort vielfache M, h g r i f f» bei der Anwendung der Bestimmungen der Vorlag» zu erwarten sind. Wenn wir in oer Bekämpfung der Prostitution neue Wege gehen wollen, dann müsien wir das Alt« gründlich forträumen. Das Neue aber ist die sürsorgerische Arbeit. der hier endlich eine reichsgesstzliche Grundlage gegeben wirb. Wenn in der Wohlfahrtsarbeit bisher nicht genug erreicht worden ist, dann darf man doch nicht vergesien, wie jungen Datums diese Arbeit noch ist und welchen Schwierigke'ten sie zu begegnen hatte. Don der reichsgesetzlichen Grundlage aus muß die weitere Ausgestaltung dieser Arbeit ausgehen, sie muß sich ober auch auf die Männer er- strecken, die der Fürsorge oft genau so bedürfen, wie die Frauen. Vor allem aber muß ihr die Jugend am Herzen liegen. Aber auch, wenn dieses Gesetz angenommen und in der besten Weise durch- geführt wird, dann wird die Prostitution nicht verschwinden, denn sie ist ein Bestandteil der heutigen kapitalistischen Wirtschaft, eine Folge der furchtbaren wirtschaftlichen Not. G-linot«» uns, dies« lltot zu beseitigen, dann beseitigen wir auch. zum Teil wenigstens, die Prostiwtion. Wir müssen ober auch die Frauenarbeit so entlohnen, daß sie nicht als Sklaverei empfunden wird. Wir müllen weiter dafür sorgen, daß sür die arbeitenden Frauen, vor allem für die alleinstebenden, gesunde Wohnun- a e n. Heime nach der Arbeit geschaffen werden. Dieses Gesetz brinat noch nicht die Erfüllung unserer Forderungen, ober es össnet den Weg. auf dem weitergegangen werden muß. Darum werden wir der Vorlage zustimmen. kLebhafter Beifall bei den Soz.) Die Beratung wird fortgesetzt. Amerikas Rückzug aus China. Der Abtransport der Amerikaner vorbereitet. Washington. 22. Januar.(EP.) Die amerikanischen Konsuln in China haben den A u s t r a g erhalten, die amerikanischen Staats- ongehörigen, die im Innern des Landes wohnen, zu veranlassen, sich unverzüglich an di» Küste zu begeben. Falls die sich in den chinesischen Gewässern befindlichen Handeleschiffe für den Ab- transport der Flüchtlinge nicht auereichen sollten, so würden die dort stationierten amerikanischen Kriegsschiff« requiriert werden. Das amerikanische Marinedepartement teilt mit, daß gegen- wärtig 26 amerikanische Kriegsschiffe sich in den chinesischen Gewässern befinden, und daß siebzehn andere in den Philippinen den Befehl zur Abreise nach China abwarten. Auf den 13 Einheiten befinden sich 62S? Matrosen und 810 Marineinfanteristen. Die amerikanischen Flüchtlinge, di« aus Futschau in Manila angekommen seien, erklären übereinstimmend, sie seien von den Chinesen angegriffen worden. Diese hätten Fahnen mit sich g«- führt, auf denen stand:«Die Zeit ist gekommen, um all« Christen in China zu täten.* General und Pankrotleur. Wegen des Zusaimnenbruch» der Nordilch-O»st«rr«ichischen Bank In Wien hat j«tzt di« Staatsanwalt« schast Anklage wegen fahrlässigen Bankrotts gegen die VerValiungsrät«, den ehemaligen k. k. Landesverteidi, qung, minister, General Czapp, und den früheren General- tonsul von Rayen, erhoben. winter-Gnftspiel. Wird es? Wird es nicht? Winter nämlich. Wochen schon quält« sich die Menschheit durch das unaufhörliche Geriesel. dos Tag und Nacht aus den, himmlischen Reservoir auf die Erde kam. Gestern abend wurde uns jedoch ein« Ueberxoschung zuteil. Nach- dem di« Temperatur unter Null gesunken war, begann nachts gegen 12 Uhr Schnee zu fallen. Erst vereinzelt, in winzig kleinen Flocken, dann dichter und dichter. Gegen 2 Uhr war Berlin» nächtliches Stadtbild, in diesem Winter völlig ungewohnt, säuberlich weiß an- gepinselt. Und al, der Berliner in den frühen Morgenstunben zur Arbeit ging, sah er den Winter endlich«inxekehrt, mst gewaltiger Verspätung allerdings, und offenbar nur für kurz« Zeit. Es wird nicht viel mit Ei» und Schnee, mst Rodelfahrten und Schlittschuh- laufen werden. Nur für ein. zwei Tage gastiert der Winter, der uns diesmal so hartnäckig boykottiert, um dann wieder dieser unbe- stimmten Jahreszeit, dem unaufhörlichen Regenwetter Platz zu machen. Es ist hart, wenn man hört, was die Wettermänner ousgetund- schostet haben: In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend sind im größten Teil von Deutschland zahlreich«, zum Teil recht bedeutend« Schneefälle niedergegangen. Im Nordosten liegt der Schnee S Zentimeter hoch, iu Mitteldeutschland schwankt die Schnee- höhe zwischen 2 und 7 Zentimetern, in West- und Süddeutschlond wurden 4 Zentimeter Schneehöhe gemesten und H a m b u r g meldete heute früh sogar den ungewöhnlich hohen Stand von 12 Z e n t i- Metern Schneehöhe. Die Ursach« dieser starken Schneefälle ist im Einbruch von Polorluft zu suchen, die über den Westen nach Deutschland vorgedrungen ist und sich in die in der Höhe lagernde Südströmung hineingearbeitet hat. Di« vielen Schneefälle haben den Erdboden allgemein abgekühst. So war in der vergangenen Nacht allgemein Frost zu verzeichnen. In Deutschlands Osten ging die Temperatur auf 6 Grad unter Null, im Westen und Lüden wurden 2 Grad Kälte gemessen. Diese winterliche Abkühlung ist jedoch mir«in» sehr vorübergehende Angelegenheit. Ueber England und Frankreich ist berests ein« neu«©törungelini« zu verzeichnen. die warme Luft ostwärts schafft. Schon zu Beginn der nächsten Woche ist leider wi«d«r Regenwetter zu«rworten, di« Temperaturen werden zuerst im Westen und dann auch bei uns steigen Uebrigen» hat Berlin schon heute mittag 1 Grad Wänne, die aber aus unseren eigentümlichen Großstadtverhältnissen, nicht aus Witterungsbedingungen, zu erklären ist. Außerhalb Berlin» sind die Temperaturen zurzest noch unter Null. Spätestens vom Montag ab wird die Simflut von neuem losgehen. Es ist also nichts mit dem Winter. Eine Niete. Gut noß! Mord- und Selbstmordversuch im Zinanzamt De» Sah» erschossen. Eine furchtbare Tragödie trug sich heute vormittag auf dem Finanzamt Neukölln in der Berliner Straß« 62/63 zu. Kurz nach II Uhr erschien in einem Zimmer des Finanzamtes der fünfzig« jährige Kaufmann Paul Hackbusch aus der Holzendorffftr. 10 zu Ehorloltenburg mit seinem zehnjährigen Sohn Rolf. H.. der in Neukölln«in Geschäft hat. gab por.«ine steuerliche Angelegenheit regeln zu wollen. Es kam zu einer Auseinandersetzung mit den Beamten, die H. aber in, Güte umzustimmen vermochten. Scheinbar ganz ruhig, gab er dann einen verschlossenen Brief ab. Fast im selben Augenblick zog er plötzlich ein« Mehrladepistole hervor und gab aus seinen neben ihm stehenden Sohn einen Schuß ab, der den Knaben in den Kops traf. Schwerverletzt brach das Kind mit einem Aufschrei zusammen. Daim wollte der Täter die Waffe gegen sich richten. Der Schuh ging aber nicht los. Es gelang einem Beamten, Hackbusch die Waffe au» der Hand zu schlagen und festzuhalten. Inzwischen wurde die Kriminalpolizei benachrichtigt. die H. verhastet» und ihn sofort in ein Verhör nahm. Der Täter gab an. daß steuerlich« Sorgen, die noch bis in dt« Inflation zurück- retchen, und ihm das Leben verbitterten, in ihm den Plan haben reisen lassen, zusammen mit dem Kinde au» dem Leben zu scheiden. Da auch die Zukunft gleich trostlos vor ihm lag. schritt er heute vormittag zur Ausübung der Tat. Mit dem Vorsatz, sein Klnd und sich zu erschießen, betrat er auch den Amtsroum des Finanzamtes. Der schwerverletzte Knabe wurde durch einen Wagen des Städtischen Rettungvaintes In da» Neuköllner Krankenhaus gebrocht, wo er mit einem Schläfenschuh bedenklich daniederliegt. Auch in dem Brief, den Hackebusch desi Finanzbeamten übergab, hatte er die Gründe seiner Tat niedergelegt. Ueber SO Opfer der Glätte. Infolge der Glätte haben sich im Lauf« de« heutigen vormittag» wieder eine groß» Zahl von zum T«tl schweren Unfällen ereignet. Allein aus den Städtischen Retiungsstellen wurden über zwanzig Verunglückte behandelt, di« sich Knochenbrüch«, innere- und Köpf, Verletzungen zugezogen hatten. Sieben Straßcnpastanten. darunter zwei Frauen, waren so schwer � verletzt, daß sie in Krankenhäuser übergeführt werden muhten. Auch die Feuerwehr wurde wiederholt alarmiert, um Vertehrsylnderniste zu beseitigen. In einigen Fällen mußten gestürzte Pferde ausgerichtet werden.— Außer den aus den Rettungsstellen behandelten Personen haben zahlreich« Verunglückt« prioatärztlich« Hilf« in Anspruch genommen, vi« Unsäll« sind fast ausnahmslos«in« Folge davon, daß di« Vürgersteig« nicht r«chtzoitig und sorgfältig genug gestreut worden sind,«ine Klage, di« all« Jahr« wiederkehrt. Di« Polizei sollt« hier ganz««rglsch vorgehen. Er will die Geige nicht! Ein« Gagllanus-Geig« im Werte von 10 000 Mark wurde am vergangenen �Sonntag aus einem Verwahrungsraum des Neuen Theaters am Zoo gestohlen, dazu auch noch eine Geig«, die S00 Mark wert ist. Der B-stohlene. ein Musiker Sp.. ist unerwartet schnell wieder zu seinem Eigentum gekommen. Vorgestern abend um S Uhr fuhr ein etwa 30 bis 40 Jahre aller seingekleideter Mann in einem kleinen Auw mit einer Dam« vor dem Anhalter Bahnhof vor. stieg hier aus, rief einen Gepäckträger heran und gab ihm 3 Mark mst dem Auftrage,«inen braunen Handkoffer nach dem Reuen Theater zu brinaen und dort abzugeben. Das geschab denn auch. Als man den Koffer öffnete, fand man darin zu allgemeiner Ueberraschuna die ko st bare Gaglianus-Geig«. Der Dieb ist ohne Zweifel u der Ueberzeugung gekommen, daß ihm die Zeitungsnotizen mit er Beschreibung der Geig« den Verkauf der Beute unmöglich ge- macht hätten. Auch einen Bogen hatte er beigelegt, ober nicht den der alten Geige, sondern den des Gläs-l-Instrumente». Der elegante Herr, ein mittelgroßer Mann, der jetzt von der Kriminalpolizei gesucht wird, mochte den Eindruck eines Schauspieler» oder Musikers. Er trug«inen dunklen Ueberzieher mtt grauem Pelztragen. Die noch verschwundene Gläsel-Geige trögt im Inneren den Ausbessc- rungsoermert.rest. Hannia-Dresden. Mitteilungen an Kriminalkommissar A l b r e ch t im Polizeipräsidium. Sie solle« sich«»cht erkälte«. Zwischen Fasanen- und Ioachimsthaler Straße aus dem Kur- sürstendamm hat sich ein große» Geschäft mit Hundeortikel ein- gerichtet. Man sieht dort Leinen, Maulkörb« neben Hundekuchen und vorbildlichen Hundehütten. Hin und wieder werden auch ein paar Hunde, natürlich mondänster Raste, zum Vertauf ausgestellt. Alles ist dort sehr vornehm, wie es sich eben für dies« durchaus vornehme Gegend ziemt, wo auch die Hunde ein behäbiges und überlegenes Wesen zur Schau tragen und wo sie bester gepflegt werden als ein Proletarierkind im hohen Norden Berlins. Aber all« Bewohner dieser erkwsioen Gegend verfügen doch nicht über ein Auwmobil. in dem sie ihren Liebling späteren fahren können, und dann haben doch auch di« vornehmsten Hund« hin und wieder etwa» auf der, Straße persönlich zu tun. Worum nun sollen ihr« zarten Füße den kalten, glitschigen Asphalt berühren? Man denk, nur,«elch« schwere Erkältung würde sich so ein verwöhnter, kleiner Affenpinstcher zu- ziehen. Brustfell- und Lungenentzündungen drohen. Wohl gor Hundearippe! Dem Uebel ist nun abgeholfen worden. In den Aus- lagen des vornebmen Geschäftes zwischen Maulkörben und Leinen lagern zierlich, Hundeschuhe in allen Größen und Preis- lagen, passend für ostpreußlsche Neufundländerfüß« und für winzige Bologneserpfoten. N«in, es handelt sich nicht um Sandal«n. Bewahre, regelrechte Schnürschuhe tragen jetzt die treuen Diener ihrer Herren, sogar pelzgefüttert. Kein« Erkältung wirft drohend« Schatten mehr auf ein aliickliches und durchsonnt es Hundeleben, während viel« Kinder in Schuhen herumlaufen müssen, bei denen Sohlen als vn- nötiger Luxus gellen. Winterfportfeft in Grossb-sten. Der Schneefall der letzten Nacht giöt der Arbeiterwinker- sp o rt.J n t« r«ss« ng« m« infchas t EWegeicheit, ihr eigenes cportgelände in Großb«st«n bei Kömgswuswrhaufen zum ersten Mal« in diesem Winter zu benutzen. Morgen, Sonntag. findet da» längst geplant« Wintersports« st statt: der Beginn ist aus 10 Uhr vormittags festgesetzt. Ausgeschrieben sind«in zu- sammengesetzter Lauf über 8 Kilometer und«in Sprunglaus über 3 Kilometer für Anfänger. Ein Staffellauf mit 8 Kilometern, ein Schausprtngen an den großen Hügeln und«in Schaulauf«» schließen sich an. Di« Schneeverhältniss« sind über Erwarttm gut. Abfahrt aller Teilnehmer früh 7.Q5 Uhr vom Görlitzer Bahnhos nach Groß- besten. Di« Lösung von Sonntagsrückfahrkarten ist zu«mpfehlen. Gäste sind herzlich willkommen. Zn einen Brunnenschacht gestürzt. Ein eigenartiger Unfall«r- eignet« sich heute vormittag auf dem Hof de» Grundstücke» V u a r« z- straße 4. Die fünfzehnjährig« Dora Fregar, die den Hos überschreiten wollte, verlor plötzlich den Bode« unter den F ü ß e n und stürzte etwa sieben Meter in di» Ti«fe. Die Feuerwehr wurde herbeigerufen und befreite die Berunglückte. Sie hatte zum Glück keine lebensgefährlichen Verletzungen erlitten. An der Einsturzstelle befand sich ein Brunnenschacht, der übermauert war. Durch Witterungseinflüsse wurde dos Gefügt wahrscheinlich zermürbt, so daß es heute früh bei nicht einmal sehr großer Be- lastung einbrach.___ Unwetter in Italien und Zrankreich. Drei Meter Schneehöhe im franzöfischen Jura. Ueber Nord» und Süditalien sind schwer« Doltenbrüch« niedergegangen, die große Ueberschwemmungen verursacht haben. Die Fährbootverbindung von Italien nach Sizilien ist Infolge an- haltender Stürm« unterbrochen worden. Besonder» gelitten haben die Städte Neapel, Messina und F e r r a r a. Ueber Frankreich wüten aus» neue heftige Stürme mit starken Regengüssen und Schneefällen. Im französischen Iura liegt der Schnee stellenweise d r e i M e t« r h o ch. In den Tälern sind mehrer« Flüsse über die Ufer getreten. In der südsranzösischen Provinz Gers sind mehrere Bahnhöfe und Mühlen durch da» Wasser völlig abgeschnitten. In einigen Orten stürzten mehrere Häuser ein. Großfeuer in Leipzig. In einem größeren Gebäudekomplex einer früheren Leipziger Kaserne kam heut« früh gegen 14S Uhr«in Sroßf«uer zum Ausbruch, das sehr schnell um sich griff. In einem Teil der«hemallgen Kaserne befinden sich kleinere Betrieb« und in einem dieser Räum« war da» Feuer aus noch unbekannter Ursach« entstanden. D>« Flammen sprangen auf den Gebäudeteil über, dervondsrLandespoltzei benutzt wirb und oernichteten groß« Strohvorrät«. Wertvoll« Materialien, Moschinenoewehr« usw., tonnten zum größten T«il ge- rettet werden. Ein Teil der Gewehrmunttlon«xplo» diarte. Zahlreiche Leipziger Wehren waren bi» tn di« Mittag»- stunden hinein mit der Bekämpfung de,. Fever, und den Auf- röumungsarbeiten tätig. Eine blutige Eisersuchlstragödle spielte sich gestern, einer eigenen Drahtnachricht aus Stettin zufolge, in einer Wohnung im Haus« Baumstr. 29 zu Stettin ab. Dort hatte der 41 Jahr« all« Händler Martin Richter seiner Geliebten, der Händlerin Zellner. nach kurz«« Streit mit einem Brotmesser dl» Nal« abgeschnitten und ihr zwei Messerstiche in den Kopf beigebroiht. Die Verletzt« brach blutüberströmt zusammen und wurde In das städlisch« Kranken- Haus geschafft. Richter stellte sich freiwillig der Polizei. Er äußert, bei seiner Vernehmung seine besonder« Befriedigung über da» Ge» lingen seine» Dorhaben» und meinte, daß di« Z. sich setzt wenigsten? nicht mehr In den Lokalen sehen last« könne. Die Duchörucker rüsten. Aufruf der Arbeitervertretung. Die vom Verband der Buchdrucker und Schriftgießer, vom Deutschen Gutenbergbund(christlich) und vom Verband der graphischen Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen gebildete Arbeitervertretuna in der Tarifkommission des Buchdruck gewerbes erläßt folgenden Aufruf an die gesamte Arbeiter- schaft des Buchdruckgerverbes: »Die tohnverhandlungen sind ergebnislos verlaufen. Das Zenlralschlichkungsaml hat einen Schiedsspruch gefällt, der in seiner Ar« und vegrändung den schärfsten Protest der gesamten Arbeiterschaft des Gewerbes herausfordert. Weder die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre, noch die von den Unparteiischen selbst anerkannte konsolidierte Lage des Duchdruckgewerbes rechtfertigen ein« derartige Stellung, wie ste die Unparteiischen in ihrer Begründung eingenommen haben. Das Vertrauen der Arbeiterschaft aus eine gerechte unparteiische Be. urleilung der wirlschafts- und lohnpolitischeu Ersorderuisse ist dadurch aufs schwerste erschüttert worden. Deshalb könne« die Vertreter der am Tarifvertrag beteiligten Gewerkschaften diesem Schiedsspruch ihr« Zustimmung nicht geben. Diese Sachlage zwingt die Gewerkschaften zur Ergreisung von Vorbeugungsmaßnahmen, um der Biederdrückung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu begegnen, um so mehr, al» in wenigen Wochen erneute Verhandlungen über unser Tarisverhältnis geführt werden müssen, die die Arbeiterschaft vor eiu« noch schwierigere Situation stellen werden. Aeußerungen von Prinzipalsoertretern gelegentlich der soeben ge- führten tohnverhandlungen lassen erkennen, daß aus Prinzipalsseile die E i n s i ch l s l o s l g k e l l für einfache wirtschaftliche Notwendig. keilen immer stärker um sich greift. Bei der Behandlung der Lohnsrage ist von der Prinzipalsver- tretung auch mit den höheren Verdiensten, die vielsach durch ein großes Waß von lleberfluaden erzielt werden, auf die unparteiischen Vorsitzenden eingewirkt worden. Diese Talsache legt der Arbeilerschosl die dringliche Verpslichtuug aus. mehr noch als bisher der Einschränkung der lleber stunden ihr schärfstes Augenmerk zuzuwenden. Au» diesem Grunde ist— auch in Rücksicht auf die Arbeitslosen— die Vermeidung von lleberstunden. die über das gesetzliche Waß hinausgehen, g e- bieterische Pflicht. Bei dieser Gesamllage hält die Arbeiterverlretung außerdem die Erhebung von Extrabeilrägen für notwendig und er- wartet von den Organisatlonsvorständen. daß sie die erforderlichen Beschlüsse fassen. Die Arbeiterschaft d«» Buchdruckgewerbe» wird diesen Ab- wehrmaßnahmen da» notwendige Verständnis entgegen- bringen. Zn der gewerkschaftlichen Geschlossenheit liegt unsere Stärket" Dieser Aufruf spricht mit aller Klarheit aus, daß die Ar- beiterfchaft des Buchdruckgewerbes und die sie vertretenden Organisationen nicht gewillt sind, sich mit dem Schiedsspruch abzufinden. Sie sind vielmehr entschlossen, den Kampf aufzunehmen, der bei der Haltung der Unternehmer unvermeidlich erscheint. Der Kampf wird aber nicht allein geführt werden um höhere Löhne, sondern gleich- zeitig um den Achtstundentag. In zwei Monaten läuft auch der Manteltarif ab, der u. a. die Arbeitszeit regelt. Hier gilt es, den Acht- stundentag nicht nur grundsätzlich, sondern auch tat- sächlich wiederherzustellen. Und da die Unter- nehmer auch hier sich mit voller Kraft widersetzen werden, wird Gelegenbeit sein, ein großes Reinemachen vorzunehmen. Dazu gilt es, jetzt schon zu rüsten. In Bereit- schaft sein, ist alles. Wer im Glashause ftet...! «Parteipolitische Neutralität?" teil»! «r Bezug auf die von den„sozialistischen Gewerkschaften" betonte parteipolitisch« Neutralität in jenen Gegenden,„wo die christlichen G'inerkschasten von Bedeutung sind". Weiter heißt es dann:„Die , Münchener Post"(Nr. 2!>S vom 22. Dezember 1326) enthalte sin Stelleninserat, in dem ein Gcwerkschaftssetretär für den Gemerkschaktsverein Augsburg gesucht wird. Bedinaung sei, INphrig« A"gehörigkelt zu einer freien Gewerkschaft„sawie poli- tische(SPD.) und genossenschaftliche Organisation".„Der Deutsche" knüpft nun hieran folgende Bemerkung: „Es wird hier w'eder einmal offenkundig, daß den sozial:- 'tischen Gewerkschaftesührcrn die mchtsoziolistischen Arbeiter wohl gut genug zum Beitragzahlen sind, daß sie aber von allem Ein- fluß aus der„freien" Gewerkschaftsbewegung grundsätzlich fern- gehalten werden. Daraus sollten die zahlreichen Mitläufer der Sozialillen endlich die Konsequenzen ziehen und sich den christ- lichen Gewerkschaften anschließm." Es trifft sich ausgezeichnet, daß zur gleichen Icit, wo„Der Deutsche" die angeblich verletzte parteipolitische Neutralität der freien Gewerkschaften kritisiert," die„M ünsterische Morgen- post" einen Zlrtikel enthält, der die Ueberschrist trögt„Die Be- amtenschaft in der Parte i". Unter der Ueberschrist befindet sich folgender Untertitel in Fettdruck:„Die Organisationsangehörigen des Deutschen Beamtenbundcs im Arbeitsausschuß und' Gesanü- vorstand der Münsterischen Zentrumspartei." Der Artikel selbst enthält folgende Sätze: „Das kommende Jahr 1327 wird in parteipolitischer Be- ziehung an alle um das Wohl des Staates und des Standes be- sorgten Beamtenvertrcter in der Partei außerordentliche Zlnforde- rungen stellen. Grundsätzlich gilt es auch für uns, die Interessen des Volksganzen und der Partei über unser« spezifischen Standes- interesien zu setzen. Zlndercrscits werden wir aber angesichts der bedeutsamen Bcamtenproblemc, die in den kommenden Jahren der Lösung harren, nicht umhin können, einig und geschlossen zu sein in der Vertretung der Beamteninteressen auch in der Partei. Richtung- und zielgebend werden für uns die R i ch t- l i n i e n sein müssen, wie fie von der für einen Zentrums- b e a m t e n zuständigen Veamtenorganisation, dem Deutschen Be- amtenbundc, der wir nach Verschmelzung des Deutschen Beamten- bundes mit dem Gefamtoerbondc Deutscher Beamtengewerkschostcn alle angehören, aufgestellt werden... Der Vorstand des DBB. gestattet sich, die Parteifreunde aus Beamtenkreisen zu einer Ver- sammlung am Montag, den>7. Januar, im Saale de» Hotel? Küpper-Fechtrup einzuladen. Tagesordnung: 1. Stellungnahm« zur Beamtenarbeit innerhalb der Zentrums- Partei; 2. Vorbereitung der Bildung eines örtlichen Beamten- beirats. „Der Deutsch e", der es sich zur Aufgabe nmcht, sorgfäliig den Splitter in dem Auge seines Gegners auszuspähen, übersteht geflissentlich den Balten in seinem eigenen Auge. Oder will etwa der „Deutsche" behaupten, daß der Vorsitzende des Orts- k a r t« l l s Münster des Deutschen Beanitenbundes, Herr Post- inspektor B o y e r- Münster, der für die Veröffentlichung in der „Äünsterischen Morgenpost" verantwortlich ist, und der im Namen des Vorstandes des Ortskartells Münster des Deutschen Beamten- bundes die Mitglieder der Zentrumspartei zu einer Versammlung zusammenberust, sich im Nahmen der vom Deutschen Beamtenbnnd proklamierten parteipolitischen Neutralität hält? Die öerliner Metallarbeiter. Schluß der Gcneralvcrsamm-luug. Ilnlerm 21. Januar wird uns berichtet: Am MmUag, dem 17. Januar 1827 führten die Metollarbeiter ihre im Dezember ver- tagt« Generaloersammlung mit dem Rest der damals gegebenen Tagesordnung zu Ende. Der Antrag 1 fordert« die gesamte Ortsoerwaltung auf, zurückzutreten und Neuwahl auszuschreiben. Er wurde durch Uebergang nur Tagesordnung erledigt, da in der vorausgegangenen Versammlung bereits die Ortsverwol- tung von der Generaloersammlung durch Nach- resp. Wiederwahl vervollständigt worden war. Antrag 2 fordert« die 42-Swnd«n-Woche und zu diefem Zweck die Kündigung aller Tarii vertrage, mit der Maßgabe, daß neue Tarisvertröge keine Ausnahmebestimmungen enthalten dürfen, die eine mehr als achtstündige tägliche Arbeitszeit vorfeben. Schade, der den Antrag begründete, änderte ihn dahin ab, die Ortsoerwaltung soll in allen Versammlungen sür die Kün- digung der Tarisvertröge, auch des Rahmentarifs mit dem LBMJ »intreten. Der Antrag erledigte sich durch die von II r i ch erläuterte Erklärung der Ortsoerwaltung, daß laut Beschluß einer früheren Gen»raloersammlung der Abfchluß von Tarifen und deren Kündigung nur von den beteiligten Grup- p e» vollzogen werden kann. Der von S a e s k o w gezeichnete Antrag 2 bezweckte eine ander« Zusammensetzung der Iugendleitungen, da die Agitations- Methode der jetzigen Jugendkommission angeblich den Verhältnissen nicht genüge. Saefkow erklärte, er sei von der Bezirksleitung des Bezirks 8a mit der Agitation für die Jugend des gesamten Bezirks betraut worden und habe bereits in kurzer Zeit große Erfolge aus- zuweisen gehabt, bis ibin dann die Ortsoerwaltung die Agitation untersagt habe. Jugendleiter H e l l w i g erwiderte, daß die IM Aus- nahmen, die Saeskow in einem Vierteljahr gemacht haben will, nicht aus einem Bezirk stammen, sondern aus ganz Groß-Berlin zusammengetragen worden sind. Saefkow sei von der Kommunistischen Partei freigestellt und in ein besondere» Bureau geseht worden, um von dieser Stelle aus die Jugendarbeit nach bestimmten Anweisungen zu dirigieren. Die 103 Aufnahmen, die sich hier angesammelt haben, sind keineswegs auf die persönliche Initiative von Saefkow zurückzuführen. Der Redner verweist auf die Satzungen der gewerkschaftlichen Jugend- k o m m i s s i o n, die nach Schluß der Debatte von dem Kollegen U r i ch verlesen werden. Der Antrag Saefkow wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Antrag 4, der in den Tarifverträgen jede Akkordarbeit von Jugendlichen unter 18 Iahren untersagt wissen will, wurde dem Vorstande als Material überwiesen. Einstimmig angenommen wurde Antrag 5, die Berichterstatter der Arbeiterprcsse zu den Generalversammlungen wieder zuzulassen. Zum Schlüsse berichtete U r i ch über den Verlauf der Verhond- lungen im Schlichtungsousschuß über die Lohnforderungen der Hilfs- arbeiter._ Kommunistische Schaukelpolitik. In einem Aufruf an die kommunistischen Mitglied?? des Ver- bandes der Sattler, Tapezierer und Portefeuiller, der am Donners- t�g in der„Roten Fahne" veröffentlicht wurde, heißt«s: „Der Geschäftsbericht und die Neuwahlen werden den Kollegen der Opposition Gelegenheit geben, mit der Ortsverwaltung abzurechnen." In ihrem Bericht von der Generalversammlung schreibt die „Rote Fahne" heute: „Die nachfolgende Diskussion beweZte sich im Rahmen de» Geschäftsberichts, selbst der Redner der EPD.-Fraktion konnte an den gemachten Ausführungen keine stichhattigs Kritik üben." Wie reimt sich das zusammen? Hot der erste Bevollmächtigt«. der Kommunist Müller, vor der KPD. wieder Gnade ge- sunden? Hat Müller der KPD. wieder soviel Garantien gegeben, daß diese sich sür ihn einsetzt? Jedenfalls bleibt amüfont. daß die„Rote Fahn?" zunächst die kommunistischen Mitglieder auffordert,„mit der Ortsoerwalwng ab- zurechnen", daß dann der kommunistische Froktionsredner nach dem Bericht des ersten Bevollmächtigten eine wüst« Oppositions- rede hielt, worauf ihm vom Redner der Amsterdamer Fraktion kurz und treffend erwidert wurde, so treffend, daß der Kommunist Müller auf ein Schlußwort verzichten tonnte und daß dem Berichterstatter der„Roten Fahne" offenbar die Spucke weg- blieb. Er ist jetzt so b e g e i st e r t von der Arbeit der mit Aus- nahm« Müller»„reformistischen" Ortsverwaltung, daß er mit Se« nugtuung feststellt, daß der Bericht der Ortsoerwaltung ohne Kritlt durch die SPD.-Fraktion angenommen worden ist. Die Mit- alieder des Berbandes der Sattler werden bei der Urwahl die nötige Lehre ziehen aus dieser kommunistischen Schaukelpolitik, die man aus ihrem Rücken auszuführen sucht. Schieüsfprtich ln der baöischen Textilindustrie. 6 bis 8 proz. Lohnerhöhung. Etklingen, 22. Januar.(MTB.) Da bei den gestrigen Derhand- lungen in der badischen Textilindustrie vor dem Schlichtungsousschuß keine Einigung erzielt werden konnte, fällte der Schlichter Bodens einen Schiedsspruch, der vom 1. Januar eine Erhöhung der Textilarbeiterlöhne um 8 Proz. für die Taglohnsätze und um 6 Proz. sür die Akkordsätze vorsieht. Die Kündigungsfrist ist auf den 1. Oktober 1327 festgesetzt worden. Sollte eine zehnprozentige Erhöhung der Mieten erfolgen, so kann der Lohntarif schon am 1. August gekündigt werden. Die Erklärungsfrist läuft bis zum 23. Januar. Verlängerung des Lohnabkommens der Buchbinder. In der am Donnerstag, den 23. Januar, in Eisenach statt- gefundenen Lohnverhandlung wurde das bisher bestehende Lohn- abkommen mit dem Verband der Buchbindereibesitzer bis zum 13. April verlängert._ Sport. Eishockey. pariser Caoadians gegen Berliner Nationale. Int Sportpalast standen gestern abend die Paris-Eana- dians der Berliner Nationalen Mannschaft gegen» über. Man kann wohl die Deutschen als immer in Front befind- lich bezeichnen, obwohl es die Pariser durchaus nicht an Angriffen fehlen ließen. Bereits in der zweiten Minute nahmen die Deutschen das erste Tor, dem bald, von Orbanowski aus der Mitte geschossen, das zweite folgte. Die folgenden Schüsse konnte der sabelhaft ruhige Torwächter der Pariser geschickt abwehren; er hatte sich vom ersten Schrecken erholt. Bis zur Pause blieb dann das Spiel 2: 3 für die Deutschen. In der zweiten Halbzeit gingen die Pariser energischer vor. O'Dannel gab eine unerhörte Flanke, die dem deutschen Tor-- wart über das Holz ging. Bald danach glichen die Pariser aus. Doch die Deutschen gingen glänzend vor, verpaßten keine Gelegenheit— wenn auch die Scheibe gelegentlich zu scharf abgegeben wurde— und konnten noch einmal in Führung gehen. Dann lie. die Scheibe wieder passieren, die Pariser hatten wieder ausgeglichen. Der bald hörbare Schlußpfisf zeigte ein Unentschieden. ließ Steinte Theater der Woche. vom 23. Januar bis 31. Januar 1927. B-a-bS»-- 28. bis 28. irnt> 27. Iis 81. Jirivoiw. 2«. Nachtmvl.—«taat- lich«, edanfpicUmi,: 23., 30. Solbai««. 34., 27» 29. fietobes unb Mai-iomn«. 25., 28. Smn'.it. 26. Aiiadn« out Naros. Tl. Tanbiba.— Op«t Pl-t> der Republik: 23. Taunnbäuier. 24. Orbello. 25. La Traviata. 25. Madam« BulterN». 27. Lerlieaett! Svonisckies gelt: Ländlich« Tänze. 28. Meiste ril narr. 29. Carmen. 30. Caoallaria Ruiiicana: Baichui. 81. Intermezzo.— Conllon- Thcater: 23. Cbarlens Tante. 24. Der zerbrochene Rrua: Der Bär. 25., 28. Drei Schmasi-ern. 26., 81. Walleirsletns Tod. 27.. 29. Di« Journalisten. 80. Peer Gnnt.— Deutsche, Tdeator: Reidbardt von Sneisenau.— jkaurmcrsptcle: Bis 28. Ollavotrida und Das Beilchen. 29. szum ersten Mole) Der- mamr. M> 30. Germaive.— Di« Komödie: Die Perle.— Lessiug-Tbcater: Der Diktator.— Tbeater tu der KInla»:ätier Strade: Mrs. Cbeuens Ende.— Städtisch« Over, Ehael-tteubura: 23, vorm. 11 Zz Udr. Die Perser. 22.. 29. Tuvantot. 24. Der Troubadour. 25.. 80. Lobenarin. 26. Das Dläckchen des. Srrmitrn. 27. Carmen. 28. Di« lultiaen Weiber von Windsor. 31. Aida.— Grobe, Schauspieldau,: Bon Mund zu Mund.-- Tbeater de»«cfteu»! 23. und 25. bis 31 Sasisviel Anna Pawloma. 24. Keine Borsiellun«.— Renas ssaure- Tbeater: Saus Scrzcnstod.— Die TribLu«: Bis 28. Der Liebestronk. Ab 20. Der LIebbabor.— Deutsches«Lnstler.Tbeater: Ab 24. ffamilie Echimek.— Komädieedau,: Bis 26. itritchtchen. Ab 27. Dover— Calais.— Berliner Tbeater: Rur d-u.— Neues Tbeater am Zoo: Modellbaus Crevett«.— Residenz-Tbea.«: Das AbNeiaeouartier.— Zentral-Tbeater: Der Tromveler vom Rbein.-- Tbeater tu der Kommaudanteultrab«: Der Meisierborer.-— Tbeater a« Cichifs- bauerdamm: 23.. 25. bis 30. Das Grabmal des unbekannten Soldaten. 2t.. 31. Der Geiziac.— Luftspielbauo: Surra—«in Iuna«!— Sictropol-Tbeairi: Die Zirkusvrinzessin.— Tbalia-Tbeater: Der ara-b« und der klein« Klaus. Tbeater am Rollendarsplat,: Milllers.— Tbeater a« Kursiirsteudaan»: Bis 27. Maior Barbara. Ad 28. Kiki.— Klein«, Tbeater: Ob! U. skr ob-: Di« türkischen Gurken. — Tbeater im Admiealepalast: Kaller-Revu«: An und aus.— Willi«: aar ten und Scala: Intr>national«s Variete.— R-ich»baIl-u.Td«atrr: Stettiner ESimer. Rachmittaasvarftelluaae». v»lk»bLbne: 28. Lvsiftrato. 30. Volvo ne.— Staatliches Schaulpletbaus: 23. Doovelselbsiuiord.— Oper a» Blo» de, Republik! 26. Ebriüelflein.— Schiler-Thealdr: 28. Beer Gnnt.—»rob«, Schauipielbau,: 23.. 30. Bon Mund zu Mund.— Tbeater des«efteus: 23.. 30. Pawlowa— Deutsch«, Kuuftler-Zbeater: 30. Der fröblicho Weitchcna.— «erliuer Tbeater: 23. Rur du.— Resideuz-Tbeater: 28.«dsieiaeauartier.— Tbeater in der Kommaudauteustrabe: 23. 30. Di« Klein« vom Variete.— Tbeater am S-bissbanerdamm: 23. Grobmal. 89. Der Seizia«— Tbalia- Tbeater: 23.. 30. Lottchens Geburtstaa. Erster Klaffe.— Walner-Zbeoter: 23.. 30. Der Raub der Eobinerinnen.— Rose- Tbeater: 28.. 80. Das tavfeve Schneide: lein.— Walballa-Tbeater: 73.. 30. Schneewittchen.— Tbeater In der Klolterstrab«: 28.. 29.. 30. Struwelvctrr.— Tbeater I» dar LSbomstrabc: 28. 30. Di« türkischen Gurken.— Tbeater im«dmirabpalasi: 28.. 90. An und aus.—«eala- 28.. 29.. 80. Internationales Bariet«.— R-Ichsballen-Tbiater: 23.. 80. Stettiner Sänaer. Verantwortlich für Politik: Victor Schill! Wirtschaft: G. 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