MbenSavsgabe Nr. AH> 44. Jahrgang Ausgabe B Nr.?H «ezugsbÄwml»«» snb ttimiteamH« Pnb in bei SRotgennusnobe oneencben Sebattlon: Sw. 65, Linde« strah« 5 Z-ruspeecher: VSohott 282- 287 Tel.Ubress«: Sojialdemetcat verlin Derlinev Volksvl�kt Zentralorgan der Sozialdemohrati feben Partei DeutPchlands (lO Pfennig) Montag 24. Januar? �27 Lerlaz und Anzeig-nablellung! SelchSft-zeii bi, S UI>r Verleger: VorwSrie. Verlag«mdh. Veriin SW. SS, Liudeaftrah» 5 Zerulprecheri VSahoff 282-287 Hewerkfthaften gegen Oürgerblock. Eine Kundgebung Leiparts.- Her mit dem Achtstundentag! München, 23. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Zlm Sonntag fand in Augsburg eine stark besuchte Gau- und Bezirksleiter- konferenz des ADGB.. Bezirk Bayern, statt, in deren Mittelpunkt ein Referat des Bundesvorsitzenden, Genossen L e i p a r t, stand. Genosse Leiparl nahm u. a. auch zu den politischen Er- eignissen in Berlin Stellung und bemerkte, was dort geschehe, sei der Versuch, eine Regierung unter Ausschluß der Arbeiterschaft zu bilden. Man müsse sich fragen, ob der Reichspräsident sich dessen bewußt gewesen sei, daß sein: Kundgebung eine direkte Verhöhnung der Arbeilerschasl darstelle. Diese Kundgebung habe die Kluft zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum wieder weit aufgerissen. Herr Scholz und seine Freunde hätten zweifellos die gegenwärtige Regierungskrise heraufbeschworen, weil sie Furcht hatten, daß die Wiedereinführung des Zlchtstundentages im Reichstag Aussicht auf Erfolg haben könne. Die letzte Proklamation des Zentrums enthalte leider kein wort mehr von dem Achlstuudenlag. Die Gewerkschaften werden aber darauf nicht verzichten. Leipart machte u. a. auch die erfreuliche Feststellung, daß der Mitgliederrückgang bei den freien Gewerkschaften zum Stillstand gekommen ist, und daß bereits Anzeichen eines Aufstiegs bemerkbar seien. 3n Zukunft dürfe Deutschland nicht regiert werden von dem willen zur sozialen Ungerechtigkeit und der Entkräftung der Arbeiterklasse. In mehreren einstimmig gefaßten Resolutionen wurden die Maßnahmen der Gewerkschaftsleitung gutgeheißen und die vollstän- dige Beseitigung der Ueberarbeit und die generelle Einführung des Achtstundentages gefordert. Zur üas Notgesetz über Sie Nrbeits�eit. Ein Antrag der sozialdemokratischen Landtagsfraktion. Die sozialdemokratische Fraktion des Preußischen Landtags hat folgenden Antrag gestellt: Der Landtag wolle beschließen, das Staatsministerium zu er- suchen, bei der Relchsregierung dafür einzutreten, daß schleunigst durch ein Notgesetz die Arbeitszeit im Reiche gemäß dem Washingtoner Abkommen und den Londoner Ver- «inbarungen der Arbeitsminsster geregelt wird. Es wird verhanöelt. Grundlage ei« Regierungsprogramm, nicht das Zentrumsmanifest. Heule vormittag haben die geschäslsführeudeu Reichminister Marx, Brauns und Strefemanu die Verhandlun- gen mit den Deulfchnatioualeu aufgenommen und zwar auf der Grundlage eines Regierungsprogromm», das gestern„ressortmäßig" entworfen worden ist. Daria wird außenpolitisch die Fortsetzung der Locarnopolitik, der loyalen Mitarbeit im Völkerbund in der Art der bisherigen AußeupolUik gefordert: innerpolitisch sind zur Iteichswehrsrage die vier Punkte der Regierungserklärung vom l?. Dezember v. die Reichskauzler Marx damals im Reichs- lag verlesen hat, Gegenstand der Verhandlungen: ferner nimmt der innerpolltische Dell des programmentwurfs den Schuh der Republik vor verleumderischen Angrissen. die Anerkennung derSymbolederRepublikund geeignete Mahnahmen gegen Organisationen in Aussicht, die aus gewaltsamen Wege einen Umsturz herbeiführen wollen. Auch sozialpolitische Vorschläge find Gegenstand der Verhandlungen. Die Deutschnationalen haben zu den Verhandlungen eine kam- Mission entsandt, die aus Graf w e st a r p, Minister a. D. wall- raf, Treoiranus. v. Goldacker und Rippel besteht. Am Rachmittag wird der Reichskanzler den Vertretern der 'Sozialdemokratischen Partei den Progrommentwurs zur ttennwis bringen. Cnglanös neuer Chinakrieg. Immer größere Rüstungen. London. 24. Januar.(Eigener Drohtberichl.) Die miii- tärischen ZNaßnahmen der englischen Regierung zu einer China- cxpediiion werden immer umfangreicher. Vicht nur, daß am Sonn- abend weitere Regimenter nach China beordert wurden. ist die Einstellung des Urlaubs für sämtliche Regimenter Vörden glonds und Schottlands angeordnet worden. Der sozialistische „Daily Herald" fordert die Regierung heule auf, die unruhig gewordene Bevölkerung Englands über die geplanten Maßnahmen gegen Ehina aufzuklären: er warn« vor mllitSrischer Demonstralionspolitik zur Unterstützung der Diplomatie. Russische Truppeuverstärkung. London. 24. Januar.(MTB.)„Daily Telegraph" berichtet, von japanischer Seit« werde geineldet, die russischen Truppen an der mandschurischen Grenze würden verstärkt, was ein« Be- drohung Mukdens darstelle. Die Truppen des Marschalls Sunt- schuanfang, welche bei Lanch!, 10V Meilen südwestlich von Schanghai, ein« Niederlage erlitten hätten, seien auf dem Rückzug. Dieses Ereignis zusammen mit dem drohenden Streit der Elektrizitötsarbeiter mach« die Lag« in Schanghai schlimmer._ die verurteilten Katalonier. Ausweisnug aus Frankreich.— Garibaldi zunächst raus! Reue Lockspitzelverhaftung. Pari». 24. Zanuar.(Eigener Drahlberichl.) Innenminister Sarrat:« hat einen Ausweisungsbefehl gegen die im kataloniec- prozeß Verurteilten unler.eichnet: ihnen allen ist ein Monat Frist gewährt, der Lockspitzel Garibaldi aber muß binnen dreier Tage Frankreich verlassen. In R I z z a wurde am Sonnabend aus Grund der Anzeige eines Redakteurs des Pariser„Eorriere degll Zlolian!" ein Italiener E a n o v i verHaftel, der ein Attentat aus Mussolini zustandczubringen versucht hat. Das verhör des Verhafteten ergab, daß er ein italienischer Polizeispitzel ist. der das Attentat propagierte, um die Verhaftung der Attentäter und ihrer.Hintermänner" herbeizuführen. Eanoui soll heute in Li. Rizza dem Redakteur Sacci, der die Anzeige erstattete, gegenüber- gestellt werden. wie mittag» gemeldet wird, hat die Gegenüberstellung eine vollständige ttlärnng nicht ergeben. Garibaldi will Amerika beglücken. Pari», 24. Januar.(WTB.) Wie die Blätter melden, hat Ricciotti Garibaldi, der am Donnerstag Frankreich verlassen muß, die Absicht, nach Amerika zu reisen, wo er mit seinem Bruder Peppino Garibaldi zusammenarbeiten will. Opposition in Litauen. Grinius zum Parteipräses gewählt. Sowno, 23. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Das Zentral- komitee der litauischen Volkspartei Hot zum Vorsitzenden den ge- stürzten Präsidenten von Litauen Dr. Grinius gewähll. Das Zen- tralkomitee beschloß, im Interesse der Demokratie den Kamps gegen das Putschrepime aufzunehmen. Keine sozialistische Vermittlungskonferenz in Riga. In unserer Morgenausgabe vom g. d. M. hatten wir unter der Ueberschrift Lettisch-sozialistisch« Vermittlung" eine Meldung der „Telegraphen-Union" von Riga wiedergegeben, die von einer für das Frühjahr geplante lettifch-polnifch-litauifche Soziali st en konferenz in Riga zur Beilegung des litauisch- polnischen Konflikts spreche und zu deren Vorbereitung ein Ver- treter der polnischen Sozialdemokraten eingetroffen wäre. Dem- gegenüber teill uns der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Lettlands mit, daß diese Meldung vollkommen aus der Luft ge- griffen fei. Richtig ist nur. daß Ende Dezember o. I. das Vor- standsmttglicd der PPS.. Genosse Eholowko» in Riga wellte, um nähers Information über den Putsch in Kowno einzuholen, da in Warschau die unsinnigsten Gerüchte im Umlauf waren. Leon Slum für sofortige Rheinlanüräumung Auch im französischen Interesse. Paris, 24. Januar.(Ctg. Bericht.) Im„Populaire" beschäftigt sich Löon Blum an leitender Stell« mit der Frage der Rheinland- r ä u m u II g und spricht sich kategorisch, und zwar, wie er ausdrück- lich betont, im französischen Interesse, tn erster Linie für die so- f o r t! g e Räumung der Rheinlcmde aus. Die Besetzung des Rhein- landes fei weder für die Sicherheit Frankreichs wichtig noch im Interesse der deutschen Zahlungen, die für Frankreich wünschens- wert wären. Das militärische Recht eines Sieoerstaates fei zwar das alte Recht, das aber der internationalen Auffassung entgegengesetzt und spartanisch den Besiegten niederzuhalten suche. In fi° ii a n z i e l l e r Hinsicht habe die Besetzung Frankreichs auch keine» Vorteil gebracht, im Gegenteil habe die Besetzung des Rhein- landes und des Ruhrgebiets ungeheure Summen verschlun- gen. Während Frankreich sogar die Ruhr besetzt«, sei die deutsch« Schuldenzahlung langsam eingeschränkt worden. Die Besetzung hat in Deutschland wie in Frankreich zur Wiederaufnahme der Beziehun- gen der beiden Völker einen unvereinbaren Geisteszustand unter- hatten. Im übrigen dürfe Frankreich sich unter keinen Umständen die Sprache zu eigen machen, die z. B. Wellington 181S Frankreich gegenüber oder Manteuffel 1871 Frankreich gegenüber für ange- bracht hielt, die beide sagten, im Falle daß Frankreich die Kriegs- schuld abzahle, um so schneller werde die Besetzung des französischen Gebiets ausgehoben. Eine derartige Auffassung widerspreche dir- mctral der Auffassung, die das republikanische Frankreich von der Liquidierung einer Kriegsschuld haben müsse. L o c a r n o habe die einzige wahre Sicherheitsgarantie für Frankreich geschafsen. Man müsse sie nur in die Praxis umsetzen und sich be- mühen, die internationale Kontrolle zu organisieren. Das sei die einzige Garantie der sranzösischen Sicherheit, die die sozio- listische Partei annehmen könne. Sie werde sie sobald als möglich am der Kammertribüne verteidigen. Die Mutter klagt an! Tragödie eines Kindes. Von Klara Bohm-Schuch. In Bremen starb am 1. Juni 1924 ein noch wicht ganz siebenzehnjähriges Mädchen an...?, ich weiß nicht, was als Todesursache auf dem Totenschein steht. Aber sie starb, nachdem sie über zwei Monate auf der Geschlechts- krantenabteilung des städtischen Krankenhauses an Syphilis behandelt, 14 Salvarfanfpritzen bekommen, alle Folgen dieser Kur durchgemacht und acht Tage vor ihrem Tode zu ihren Eltern zurückgebracht worden war. Diese Eltern sind arme Proletarier, Vater Schuhmacher, Mutter Plätterin, die noch vier jüngere Kinder haben. Die ganze Familie hing in unendlicher Liebe aneinander, und der Quell dieses Gluckse, trotz aller Armut, war die Mutter. Diese Frau verliert an den Folgen einer gräßlichen Krankheit, deren Namen sie bis dahin kaum konnte, ihr begabtes, schönes, zur Dirne gestempeltes Kind. Sie ist halb irrsinnig vor Schmerz und Selbstqual. Hat sie es doch bei aller opferbereiten Liebe und Muttergüte nicht vermocht, ihr Kind vor einem furchtbaren Schicksal zu behüten, weil sie nicht den Mut hatte, die Wahrheit über das Geschlechts- leben mit der heranreifenden Tochter zu besprechen. Mutter- sein war dieser Frau Lebenserfüllung, höchstes Glück und doch spricht sie nicht zu ihren Kindern über die heilige Schöpferkraft im Menschen, weil sie über das Trtebtierhafte nicht sprechen kann.— Wie diese arme Schustersfrau stehen Tausende der liebendsten Mutter ratlos vor ihrer heiligsten Aufgabe. Selbst das Erlebnis der Mutterschaft ist nicht stark genug, um Vor- urteile und falsche Scham zu ertöten. Bis sich das Schicksal in unerbittlicher Logik erfüllt und die Mütter ihre Kinder verlieren: seelisch oder körperlich. In dem Fall des kleinen Bremer Mädels hatte der Tod nicht(wie fönst wohl immer in diesen Fällen) den Schlußstrich gezogen. Schmerz und Liebe der Mutter waren zu stark. Was sie an dem lebenden Kinde verschuldet, mußte am toten gesühnt werden. Nicht umsonst durfte das Opfer dieses blühenden Lebens gewesen fein, es sollte erschüttern, um- wälzen: es sollte zum Segen werden für die Lebenden und zur Ehre für die Tote. Und so erschien die Darstellung dieses Schicksals vor einigen Wochen als Buch, unter dem Titel:„Vom Leben getötet", herausgegeben von M. I. Breme. Oberin des Ursulinerinnenklosters in Haselünne, in dem Verlag von Herder u. Co. in Freiburg i. Br. In Tagebuchblättern, beginnend am 29. Mai 1922, endend am 9. Mai 1924, gibt ein Kind Kunde von der Entwicklung in Mei Lebensjahren, die für die meisten Proletarierkinder, darüber hinaus aber wohl für die meisten jungen Menschen, entscheidend sind. Niemand kann dieses Buch lesen, ohne aufgewühlt, tiefst erschüttert zu sein. Nicht nur von deni tragischen Geschick, das sich vorbereitet, entwickelt, erfüllt, sondern ebenso sehr von dernatürlichenKindlichkeit, mit der alle Freude hingenommen, alles Schöne und Gute erträumt wird, obwohl das Kind ganz klar und helläugig in ihrem proletarischen Alltag steht. Und dann wächst die Sehn- sucht nach Schönheit und Bollendung des eigenen Lebens, nach Verstehen des Unverstandenen in der eigenen Brust. Da kommen die Gedanken um die Liebe; ein Garten voll weißer Röschen ist die Liebe zu den Eltern und Geschwistern und ein Meer roter Rosen die Liebe zum Manne. Daneben steht die Liebe zur Natur und Kunst in unendlicher Zartheit und Anmut. Was Musik einem feinen Menschen geben kann, ist kaum je so schön und schlicht ausgedrückt worden, wie in diesen Blättern. So herrlich blüht in Arbeit und Sorge eines Proletarierlebens ein junger Mensch empor, entwickelt sich an Leib und Seele zu ahnender Pracht, wird bewundert und beneidet, begeht eigen tollen Jugendstreich(sie fährt heimlich mit einem anderen Mädel nach Berlin und schreibt aus Angst den Eltern nicht), kommt durck) die bereite Liebe proletarischer Menschen(Onkel und Tcmte Konig und Else Ring) am Abgrund vorbei, gerät in die Hände der Polizei(die zum Schutz berufen ist) und wird vernichtet! Im ersten Verhör vor der Bremer Polizei wird dem kaum sechzehnjährigen Mädel gesagt, daß sie in Berlin mit Herren geschlechtlich verkehrt haben müsse, sie solle sagen, was sie dafür bekommen hätte usw. In dem Buch steht zu diesem Verhör:„Er(der Beamte) scheint kein Kind zu haben, sonst könnte er wohl kaum ein fünfzehnjähriges Mädchen solche Worte lehren."„So wurde ich über den Zweck meines Daseins aufgeklärt." Und dann:„Wie qualvoll ist es, wenn man der Oeffentlichkeit preisgegeben ist. Ich laufe Spießruten...." Nun beginnt ein tolles Spiel dieses Lebens, auf und ab geht es in unschuldigen Freuden und verderbenden Lockungen. Dirnen, von denen Grete Machan nicht weiß, daß sie es sind, werden ihre Gefährtinnen; gute und böse Mensch ziehen sie in ihren Kreis. Die Eltern lieben ihr fleißiges Kind, sind stolz, daß es Verehrer aus anderen Lebenskreisen hat. sind arglos und sträflich gutmütig. In ein Kupplernest wird sie geschleppt, in dem auch ein hoher Polizeibeamtcr verkehrt, dem sie nur mit Gewalt entrissen werden kann, als sie- sich gegen ihre Schändung wehrt.— Und als die Mutter an diesem Abend, als sie zitternd weinend im Bett liegt, bittet, ihr doch zu sagen, was sie auf dem Herzen hat, sagt sie: „Mutti, ich kann nicht. Ich kanns dir nicht sagen. Müssen denn alle Menschen so unglücklich sein, oder bin nur ich zum Unglück geboren? Mutti, mir kann niemand helfen." Und am ander.en Tage:„Mutti erwartet meine Erzählung, sie fragt nidjit, aber ihre Augen fragen. Aber ich kann das nicht erzählen, meiner Mutter nicht!" Mütter, hört ihr dies? Die Jugend siegt auch über dies Erlebnis. Große, reine Liebe zu einem Manne füllt ihr Herz, ehe das Schicksal, verkörpert in der Sittenpolizei, zum letzten Schlage ausholt. Am K März 1924 gibt sie aus Milleid der Dirne, mit Wissen der Eltern, Unterkunft für die Nacht(sie wissen alle immer noch nicht, daß es eine Dirne ist). Am nächsten Margen kommen Polizeileute und verhaften das Mädchen. Eine halbe Stunde später wurde Grete Machan selber zum Verhör geholt. Sie war der g e w e r b s- mäßigen Unzucht beschuldigt. Was über diese Polizei- liche Vernehmung in dem Buche steht, ist empörend. Sic kommt ins Krankenhaus, als Polizeimädchen: sie fühlt sich recht- und schutzlos, ein Versuchstier. Sie leidet furchtbar, die Eltern versuchen sie in Privatbehandlung zu bekommen, ver- geblich. Am 30. April findet die Verhandlung vor dem Jugendgericht statt: sie wird ihren Eltern zugesprochen, sie ist keine Dirne. Aber ihr Zustand ist so(sie hat 14 Salvarsan. spritzen bekommen), daß sie im Krankenhaus bleiben muß. Erst Ende Mai kehrt sie ins Ellernhaus zurück, um dort zu st e r b e n. Mit der Todesanzeige schließt das Buch, das eine einzige furchtbare Anklage gegen unsere heutigen gesellschaftlichen Zustände und Einrichtungen darstellt. In dem Buche sind olle Namen, sowohl der Orte als der Personen, geändert. Aber die Anklage der Toten war so laut, daß sie durch diese Vermutnmung drang. Da meldeten sich Stimmen, die die Echtheit der Schilderungen anzweifelten. Es wurden Vernehmungen gemacht, Feststellungen getroffen: die Tatsachen stimmten. Nun zweifelte man die Echcheit der Verfasserin an. Die Herausgeberin hatte sich in ihrem Vorwort für die Echtheit des Manuskriptes verbürgt: bedeutende Männer des katholischen Schrifttums traten ihr bei. Der Kampf um die Reform unmöglicher Zustände in der Erziehung, bei der Polizei, im Gesundheitswesen wnr auf das Gleis des Kampfes um die Person der Ver- sasserin des Buches geschoben. Unser„Bremer Volks- blatt", dem der Dank gebührt, daß es diese Zustände unter Nennung der richtigen Personen- und Ortsnamen der öffenl- lichen Kritik unterbreitete, wurde angegriffen, und die Schul- digen glaubten, triumphieren zu dürfen. Da bekannte sich die Mutter als Verfasserin. Aus Erzählungen, Aufzeichnungen, kleinen Gedichten und aus ihrer unendlichen Liebe zu ihrem geschändeten, toten, wehrlosen Kinde kam dieser armen Mutter die Kraft, Leben und Erleben eines jungen, heranreifenden Menschen so zu schildern, wie es noch nie geschildert worden ist. Daß sie alle Menschen, die es io "ut mit ihr meinten, die die Herausgabe des Buches erinög- kchten, täuschte, wer wagt es, ihr als„Schuld" anzurechnen? �ie lebte so in ihrem toten Kind, daß die Tote die Feder führte. Und so wird diese.Lüge" zu einem Ausdruck der Kraft einer Mutterliebe, vor der wir stumm uns beugen. Das Buch ist echt, denn das Kind starb am 1. Juni 1924. Das Jugendwohlfahrtsgesetz trat erst am 1. April 1924 in Kraft, am 2. Mai 1924 wurde das vorläufige Ausführungs- gesetz da,zu in Bremen erlassen, es gab also 1923 noch kein Jugendamt, so daß die Vernehmungen nach der Rückkehr aus Verlin von der Polizei erfolgten. Also, auch das ist echt. Wer ähnliche Vernehmungen auf der Polizei schon erlebt hat, weiß, daß leider auch an der Echtheit des Tones und der Form nicht zu zweifeln ist. Wir fordern seit Jahren die weibliche Polizeifürsorgerin und wir fordern weiter, daß dieser Frau alle ausgegriffenen oder denunzierten Mädchen erstmalig vorzuführen und von ihr zu vernehmen sind.— Die Krankheit und das Krankenhaus sind echt. Wir fordern die Gesundheitsbehörde und die Ueberwachung der Krankenbehandlung, ganz besonders aber die II e b e r- wachung der Behandlung g e sch l e ch ts k r a n k e r Personen. Wir fordern einen Gesundheitsunter- richt an den Schulen, der nicht Halt macht vor der Belehrung in geschlechtlichen Dingen. Das Kupplernest ist echt. Wir arbeiten seit langen, langen Jahren an der Aufklärung der Mütter dar- über, daß sie ihre Kinder nicht blind in geschlechtliche Sümpse laufen lasien dürfen. Daß sie soviel Vertrauen zu ihren Kindern— und zu sich selbst— haben müssen, um die geschlechtlichen Dinge rein und offen mit ihnen zu besprechen, um ihnen das Werden der Menschen so hinzustellen, wie es ist: als heiligste Erfüllung des eigenen Lebens. Um die Erfüllung dieser Forderungen geht der Kampf. Nicht um den Namen der Buchverfasserin: Die erschütternde Mädchentragödie in Bremen, die zu einer Muttertragödie von unheimlicher Größe wurde, soll uns helfen. Ein erster Sunüesgruß. BoSheite« der„Täglichen Rundschau" gegen das Zentrum Herr Scholz hat gewiß sein möglichstes getan, um den Bürgerblock zustande zu bringen. Die„Tägliche Rund- schau" hat ihm dabei assistiert. Jetzt spielt sie das Schreckens- kind, das in den Porzellanladen des werdenden Bürgerblocks hineintöppert. Aus der Feder Heinrich Ripplers, des Ver- trauensmanns des Reichsaußenministers, veröffentticht sie einen Aufsatz über die Schwenkung des Zentrums, der eine ausgekochte, schnäuzige Bosheit an die andere reiht. Kalter Hohn über die Schwenkung: „Was, solange Minister Dr. Curtius die Verhandlungen führte, für das Zentrum ein Greuel war, der kaum in Worte zu fassen, ist jetzt eine glatte Sache, über die man mit einigen für die Wähler notwendigen Zeremonien, e'nem Pro- grammentwurfe, einigen Verhandlungen und einer Ansprache an das Volt unbedenklich und still vergnügt hinweg- gleitet. Die Demokratie, die sachte beiseite geschoben ist, steht im starren Erstaunen ob solchem Wandel der Dinge und reibt sich ver- wundert die Augen, ob sie in den letzten Wochen geträumt oder wirk» lich all die grundsätzlichen und heftigen Artikel g e g e n R e ch t s in den Zentrumsblättern gelesen und in den Reden der Zentrumsführer mit angehört hat." „Man weitz daß das Zentrum s o kann und auch anders; aber diesmal konnte es noch so ganz anders, daß selbst starke Männer, wie etwa G e ß l e r. vor solchem Werke der Wandlung in andächtigem Staunen und sachmänni'cher Ver. wunderung stehen. Leicht kann es dem Zenrrum.mmerhin nicht gefallen jecn, diesen selbst in seiner Geschichte bemerrenswertsn Telkmarliprung zu machen. Die Politik ist ein rauhes Handwerk. Wie schwer mag es Herrn Stegerwa�d angekom. men sein, it Köln vor seinen Wählern zu versichern, daß die große Koalition die einzige Rettung aus den jetzigen Wirren sei, während er doch wußte, daß man nebenan im erzbischös- lichen Palais eine noch bessere Lösung, den Bürgerblock, in Bereitschaft hiell. Und wie mag Herr Dr. Wirth, der sich an der Redigierung des neuen Programms so eifrig betelligte, als künftiges eingeschriebenes Mitglied des von ihm so geschmähten„Besitzbiirgerblocks" Arm in Arm mit Westarp mit tapferer Unoerzagcheit für seine allein echte sozialistisch-demo- tratischs Republik fechten." Man kann nicht eindeutiger einer Partei und ihren Füh- rern die politische Ehrlichkeit absprechen. Das Manifest— eine nur für die Wähler bestimmte Zeremonie; S t e g e r- wald und Wirth— doppelzüngige, gerissene Betrüg:?: selbst G e ß l e r, der brave Geßler, der doch mit dem Zentri/m nichts zu tun hat, erhält sein Teil. Mit der größten Sicherheit wird die Behauptung auf- gestellt, das Zentrum habe von vornherein den Bürgerblock gewollt und vorbereitet: „Wir glauben auch nicht, daß der Brief Hindenburgs, der übrigens schon vorlag und den Deutschnationalen sogar schon bekannt war, als der Führer d-r volkspartei« lichen Reichstagsfrakti on Dr. Scholz seine letzte Unterredung mit Dr. Marx hatte, den großen Wandel in den Anschauungen des Zentrums hervorrief. Er mag ihn ge» fördert haben und für die widerstrebende und etwas zerfahrene Fraktionsgefolgschoft bestimmend gewesen sein, aber die Führung des Zentrums war sich des Weges nach rechts schon b e w u ß t, als sie die Mission des Dr. Curtius zum Scheuern brachte und mit der Sozialdemokratie über eine, wie sie wohl wußte, nicht durchführbare Linksbindung verhandelte." „Offenbar haben die kirchlichen Mächte, die hinter� und über dem Zentrum stehen und die Entwicklung seines linken Flügels ins halbsozialdemokratische Lager längst mit Sorge betrachteten, e i n ernstes Wort mit gesprochen, und offenbar sind die Der. Handlungen zwischen Zentrum und Deutschnatio- nalen schon seit geraumer Zeit im Gange gewesen, wenn man es auch bestreitet und natürlich auch in Zukunft bestreiten wird, da für solche Geschäfte nun einmal traditionell das Halb» dunkel vorgeschrieben ist." Dieser Aufsatz, der das Zentrum eines grandiosen poli- tischen Falschspiels beschuldigt, steht im Organ des Herrn Strefemann! Warum dieser vehemente Angriff eines Organs, das doch unter C u r t i u s mtt dem Zentrum paktieren wollce, und das Organ einer Partei ist, die bisher mit dem Zentrum regierte? Es ist die Stimme des Evangelischen Bundes, die Rebellion der streitbaren Pastaren gegen eine Regierung, in der acht katholisch: Minister sitzen sollen. Ein erster Bundesgruß für das Zentrum. Eine famrse Einleitung der Verhandlungen. Weitere Vernehmungen im Sarmat-prozeß. Bei der heutigen Verhandlung im Barmat-Prozeß wurde zunächst Bankrat Kurt Brandt als Zeuge vernommen, der erklärte, er habe die Deckung der Barmat-Kredite nicht nachzu- prüfen gehabt, aber bei Barmat auch keine Bedenken hatte. Staatsfinanzrat Soldat äußerte sich dann über die Buchungen und Kontobewegungen der Konten der Amexima, wobei es mehrmals zu Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem Sach- verständigen Professor Leitner kam. Geheimrat R u g g e, der im Jahre 1924 stellvertretender Präst- dent und Gelddisoonent gewesen ist, wird unvereidigt vernommen. Auch aus seinen Angaben geht hervor, daß ihm über Äusleihun» gen großer Summen täglichen Geldes von den übrigen Mitgliedern der Bank keine Mitteilung gemacht worden ist. Ueber wichtige Einzelheiten sind sein« Angaben unbestimmt, da er sich aus die weit zurückliegenden Borgänge nicht mehr genau entsinnen kann. Wie aus der Vernehmung Geheimrat Rugges weiter hervorgeht. versuchte er am 12. Juni, die Kredite zurückzuforderit. Da Barmat lehr erregt gewesen sei und gebeten habe, ihm doch Zeit zu lassen, wurden die Kredite nicht nur verlängert, sondern ihm lür seine Banken sogar noch drei Millionen neue Kredite gegeben. Dr. H e l l w i g erklärt darauf, man sei zufrieden gewesen, daß Barmat nicht gezahlt hat, da ja die Staatsbant sonst mit ihrem Gelde festgesessen hätte. Geheimrat R u g g e betonte, daß ihm Barmat für die Höhe der Kredite sicher gewesen sei. Wenn er jedoch gewußt hätte, daß diese Gelder weiter ausgeliehen wurden, hätte er die Gelder nickt gegeben. Weiter wird erörtert. wie Barntat angeboten hat, daß ein Vertrauensmann der Staatsbant seine Betriebe besichtigen sollte. Im Ztovember hat dann Henry Barmat bei Geheimrat Rugge«inen neuen Kredit von einer Million erbeten, der dann nicht gewährt wurde. Auf die Frage des Oberstaatsanwaltes, ob dieser Vorfall mit dazu beigetragen habe, daß nach dem 18. September die Kredite nicht mehr verlängert wurden, erklärt der Zeuge:„Jawohl, vor allen Dingen waren es drei Punkte, die mich dazu veranlaßten: 1. daß dieser Kredit zinslos gegeben werde-, sollt« auf Verlangen Barmatz, 2, daß «in Kredit von 2 6 000 0 M. trotz Versprechungen nicht zur Zeit zurückgezahlt worden, und 3., daß schon Angriffe in der Presse gestanden hatten. Diese drei Punkte waren ousschlag- gebend für uns." Vorsitzender:„Das ist doch wunderbar, daß man trotzdem noch gute Auskünfte über Barmat weitergegeben hat, die sogar von Rugge und Brekenfeld unterschrieben waren" Diesen Widerspruch vermochte der Zeuge Geheimrat Rugge nicht aufzuklären. Tanz unö Musik. Betrachtungen zum Ballettabend der Staatsoper. Ein Tanzspiel„Spanisches Fest" und„Ländliche Tänze" wurden in der K r o l l o o e r präsentiert. Nette, muntere, schclmisch-araziöse Hüpfereien. Rokokogeist, Diagilefs-Geschmack. Saubere Inszenierung, exakte Darbietung. Alle? in allem das, was altere Damen„herzig" und höhere Töchter„süß" nennen. Man könnte zufrieden sein, wem: die Stätte der Aufführung eben nicht die Berliner Staatsooer wäre. An die man die höchsten Forderungen zu stellen verpflichtet und gezwungen ist. Die allen anderen deutschen Kunstlempeln(auch denen' zu Münster und Hannover), als Muster vorstehen sollte Die das Beste, was unsere Zeit schaffen kann, in vollendetster Gestalt zeigen müßte. Di«, als die Kunst der rhythmischen Körperbewegung in Deutschland geboren war, den Wigmon-Schüler Max Terpis berief, damit er das alte Ballett ab- und die neue Tanzkunst aufbaue Und die uns nun nichts anderes zu bieten weiß als künstlerisch Mittelmäßiges, Dage- wesenes, Ueberwundenes. Die zu diesem Zweck den Aufwand reichster szenischer Prunkentfaltung und eine Tänzerschar mißbraucht, wie sie in ähnlicher Vollkommenheit vielleicht an keiner zweiten Stelle der Weit heute sich findet: Harald Kreuhberg, Elisabeth Grube, Dorothea Albu, Daisy Spies, Ruth Marcus, Edith Moser, Ilse Castner. Wer trägt die Schuld? Ich glaube nicht, daß Terpis verant- wörtlich ist. Er kennt das Ziel, ist sich des rechten Weges bewußt, will und kann das Beste. Ader die»nglückselige Verkettung von Oper»nd Tanz gestattet seinem Wollen und Können keine Eni- ialtung. Jahrhundertelang stand der Tanz als dienender Bruder in Lahn und Kost bei der Musik. Heute hat er, in Deutschland, sich frei gemacht. Ist eine selbständige Kunst geworden, die ihren eigenen Existenzbedingungen, ihren eigenen Entwicklungsgesetzen unterliegt. Bedarf er der Musik, so soll sie in seine Dienste treten. Im Tonzdrama, im Tanzspiel ist der Tanz der führende, die Musik der begleitende Faktor. Zur freien, vom Tänzer souverän ge- stalteten Tanzkomposition soll die passende?1dusit gefiinden oder geschaffen werden. Und je mehr sie sich als Dienerin fühlt, je bc- fchcidener sie auftritt, desto vollkommener erfüllt sie ihren �>weck. Das Beste ist eine stimmunggebende, möglichst primitive Geräusch- musik, wie sie etwa die Wigman benutzt. Der moderne Kunsttanz ist eine deutsche Schöpfung. In seiner Kultur stebt Deutschland vorbildlich und bis heute unerreicht da. Diese edelste, höchste, eigenartigste Kunstschövsung des deutschen Volkes unserer Tage mit allen Kräften zu schützen und zu fördern, sollte die Aufgabe aller derer sein, denen die Kunstpslege in Deutsch- land anvertraut ist. Bor allem der amtlichen Instanzen. Es geht nicht länger an. daß man die letzten Entscheidungen über die Pflege des Kunsttanzes Rurmusikorn überläßt, die, mögen sie in ihrem Fach noch so modern und revolutionär sein, die Existenz- und Entwick- lunaededingungcn des neuen Tanzes nicht zu erfühlen vermögen, weil diese Existenz- und Entwicklungsbedingungen denen ihrer eigenen Kunst konträr entgegengesetzt sind. Die die Musik immer als das Fü&renda und Maßgebende, den Tanz als das Sekundäre ansehen werden. Wer einen modernen Tanzdichter nötigt, sein« Kompositio- nen nach vorhandener Musik(und gar Opernmusik) zu gestalten, ist ein Verbrecher an der Kunst. Und Verbrecher an der Kunst sind die, die den Bühnentanz noch immer in den Fangarmen der Oper lasien, die ihm seine besten Kräfte aussaugt ohne selber wesentliches dabei zu gewinnen. Die Loslösung von jahrbundertealten, heute unerträglich gewordenen Fesseln wird praktiscy nicht leicht sein. Bevor die Eni- wicklung des modernen Bllhnentanzes und des deutschen Tanz- Publikums so weit gediehen ist, daß wir an die Gründung einer eigenen staatlichen Tanzbühne denken können, würde al» Ueber- gängsstadium die Befreiung der Tanzleitung und des Tanzensembles aus dem Opernoerbande schon von Nutzen sein Man könnte das Tanzressort dem Schauspielhaus angliedern, wo es, von den An- sprllchen der Opernleutc unbehelligt, in Lerbindung mit Sprech- chörcn und mit Unterstützung einer eigens zu schassenden Geräusch- »msik sich im modernen Sinn ungestört entwickeln würde. Aber Eile tut not. Jedes weitere Jahr im bisherigen Gleise bedeutet unwiderbringliche Verluste, nicht nur an materiellen Auswendungen, sondern auch durch die Berzettelung wertvollster künstlerischer Kräfte. John Schikowski. ♦ Ueber die Musik des Abends schreibt unser Musikreferent: Blechs melodische, lustige Oper„L e r s i e g e l t", ein reicher Vortlang zur späteren„Strohwitwe", machte gute Stimmung. S ch r e k e r s„Spanisches Fest" ließ die Lust in den Ernst über- gehen. In der Unterlegung durch das Ballett erstand die Orchester- luite„Geburtstag der Jnsantin" neu auf, zu dauerhafterem Leben. Es geht dieser seinen Musik, wie mancher von Strawinstiy: zum Tonz geschaffen, fehlt ihr im absoluten Licht des Konzertsaals manche Wirkung, die erst die Bewegung der Spieler bringen kann.— Zuletzt die Arlesiennefuit« von B i z e t, eine der von Musik trunkensten Kleinportituren des„Carmen"-Meisters. Hier war aber die Diskre- panz zwischen Spiel und Musik ausfällig. Die gesamte weiche Lyrik dieser Streichergesänge hätte müssen als Zwischenmusik vor geschlasse- nein Borhang spielen. Man tat ihr Gewalt an und tanzte„ländlich". Hier ist es nun umgekehrt, wie bei Schreker: man gebe die Suite dem Konzertsaal zurück.— Ein Abend der angenehmsten milslkalischen Berlegenheitcn und sicher eine Atempause vor großer Tat. Blech leitete die Trilogie der Lust, des Ernstes und der Anmut lustvoll, ernst, anmutig.'_____ K. S. �vie Perser*' ües Msthplos. Trotz mancher Mängel in der Regie hinterläßt die Ausführung, die die S t ä d t i s ch e Oper in' Gemeinschaft mit der„G e m« i n- nützigen Gesellschaft zur Pflege deutscher Kunst" am Sonntag mittag veranstaltete, einen starten Eindruck. Vor zwei- tausend Jahren schrieb Aischylos„Die Perser", ein Eiegeslied auf die Schlacht bei Salamis, ein merkwürdiges Siogeslied, denn es spielt in Persien und zeigt den Jammer des Volkes um die Er- schlagenen. Keine Spur von Siegeranmaßung ist hier zu finden, keine Spur von Verkleinerung des Heindes. Wie groß war dieser Grieche. Nicht lerxes, Darius oder Atasia sind die Helden, sondern das Volk ist Träger des Geschehens. Mag das Schicksal de» Oedipus heute kalt lassen, dieser Notschrei des Volkes, dieses angstvolle Warten, diese Bcrzwciflung erschüttern, vielleicht weil sie an die jüngste Vergangenheit erinnern. Es ist ein Traucrgesang, der Schmerzschrci eines Lölkes, das sein Liebstes im Kriege verloren hat, von ungeheurer Steigerung und erdrückender monumentaler Wucht. Und wenn der persische Bote die Schlacht bei Salamis schildert, dann klingt darin ein Akkord der Trauer über die Zerstörung menschlichen Leben». Die Akzente haben sich in diesem politischen Festspiel gegen» über den anderen atiischen Dramen verschoben. Der Chor bogleitet nicht mehr die Reden der Darsteller, er ist zu einem selbständigen Instrument geworden. Auf seine Gefühlsäußerungen allein kommt es an, die anderen Darsteller geben dazu höchstens den Anstoß. Dieser aiißerordcntlich�schwiecige Chor ist mit dem Sprcchchor an der Uniosrfität und am Sport-Forum unter Leitung des Uebcrsctzcrs Dr. Wilhelm Leyhauscn besetzt. Gab Remhardt ehemais im „Oedipus" und in der„Orestie" einen bewegten Chor, lcgtc er Wert auf eine gelöste Aufstellung, so bevorzugt Leyhauscn einen streng monumentalen Aufbau. D?r Chor steht beinahe bewegungslos, in ? front dem Zuschauer zugekehrt und ist vor allem in der Gest« äußerst parsam. Die Gesten sind durchaus rhythmisch geordnet, und diese Rhythmik wird noch durch Musik betont, und beherrscht auch den Vortrag. In den„Persern" ist aber der Chor nicht nur Begleit- Instrument, sondern Träger des Ausdrucks. Dieser wird nun allein durch Tempo und Tonstärke angedeutet. Machtvoll gelingt das Krcscendo, wie überhaupt die Tonstärke von Lcyhausen meisterlich nüanciert wird. Doch allmählich tritt beim Zuhörer eine Ermüdung ein, die Ausdrucksstala das Chors ist zu beschränkt, muß es in diesem Stile sein. Monumentalität wird erreicht auf Kosten jedes lebendigen Ausdrucks. Gleichgültig, wie die Griechen den Chor behandelien, für unser Empfinden wird hier die vtilisierunq überspannt. Und dann ist Leyhauscn kein Regisseur, der Chor und Schau- spieler zu einer Einheit zusammenschweißen kann. Prachtoall spricht Lothar M ü t h e l den Boten, nervös, slackentd, eiitdringlich, in seinem Dortrag das Grausige noch einmal durchlebend, der Terxes Gab S h e l a s o s steigert sich zu starkem Ausdruck, aber Bewegung und Ausdruck der beiden Danteller aus Jeßncrs Atelier stehen in größtem Gegensatz zu der gebändigten Rhythmtk des Chors. Dazu gibt W i n t e r ft e i n als Chorführer seines biederen Kertt, den er früher bei Reinhardt spielte, der Darius Walter F r a n ck s stammt aus einem Konversationsstück, und Anne Marie Loose verfällt in De- klamation. Es fehlte jede Einheitlichkeit, jedes Abstimmen der So- listen aufeinander und auf den Chor. Jeder spielt seinen eigenen Stil. Dies der Bruch in der Aufführung. Felix Schcrret. ver vnwiüerstehliche Max fiSalbert. Die Gastspieldirsktlon Kuhnert ist, in ihrem ernsten Bestreben, da» Theater am Nollendorfplatz zum Amüsiertheater zu stem- peln, auf die gar nicht schlecht� Idee gekommen, F r i tz Fried- mann-Frederichs«twas in Vergessenheit geratenes Lustspiel .Müllers" abzustauben und in einer bligjaubeien Aufführung lierauszubrinoen. Wie auch sonst in den landesüblichen Schwanken handelt es sich in diesem Stück um Verlobungen mtt Hindernissen. Aber Friedmann-Frederich ist origineller und seiner als di« gewöhn- lichen Schwankkomponisten. Der erste Akt endet frisch und trutuar Republitamsthe Iront. Reichsausschußtagung des Republikanischen Reichsbundes. Am Sonntag fand in Berlro eine Tagung des Reichsausschusses des Deutschen Republikanischen Reichsbundes unter dem Vorsitz des Reichstagspräsidenten L ö b e stakt. Vor Eintritt in die Togesord- nung wurden die Zuwahlen zum Reichsausschuh des Reichsbundes vorgenommen, durch die in den Reichsausschuh eintraten: Staats- sekretär Dr. A b e g g, Staatsmimper a. D. Freiherr v. B r a n- d e n st e i n. Helmuth v.(Berkach, Generalintendant Ießner, Bankier Ernst Kahn- Franksurt, Reichsminister a. D. Professor Dr. Radbruch. Fritz v. Unruh. Landtagsabgcordnetcr W i t t i ch. Zuerst erstattete Ministerialdirektor z. D. Dr. S piecker ein Refe- rat über die politischen Aufgaben des Deutschen Republikanischen Reichsbundes, in dem er ausführte, dah es nicht Zweck des Reichs- bundes sein könne, aktiv« Partei- oder Regierungsbildungspolitik zu treiben Dagegen müsse der Reichsbund die Voraussetzung für ein dauerndes Zusammenarbeiten der positiven republikanischen Kräfte schassen Die gegenwärtige Regierungskrise fei zwar im Augenblick noch nicht geklärt, ober die Aufgabe des Zcn- trums würde es gegebenenfalls fein, dafür zu sorgen, dah auch in einer Rechtsregierung der bisherige außen- und innenpolitische Kurs gewahrt bliebe. Der Republikanische Reichsbund hat aber die Pflicht, ein Auseinauderfallen der republikanischeu Front auf jeden Fall zu verhindern, da die notwendige Grundlage einer jeden verant- wortungsbewußten republikanischen Politik das Zusammenarbeiten der republikanischen Parteien sei. Im einzelnen behandelte Spiecker die Fragen der Reichswehrpolitik, der Reform der Technik unseres Wahlsystems, eines Ansführungsgesehes zum Artikel 46. der Sozial- Politik und der Wiedereinführung von Titeln und Orden. In der Diskussion sprach u. a. Reichstagsprästdent Lobe beson- ders über die Frage derWahlrechtsreform. Die Regie- r u n g s k o a l i t i o n, die jetzt zu kommen droht, sei deshalb be- klagenswert, weil sie Gefahren für das republikanische Renommee der Zentrumspartei mit sich bringe. Die Beschlüsse. Im Sinne der Diskussion wurden folgende Anträge einstimmig angenommen: „l. Der Republikanische Reichsbund stellt sich mit aller En!- schiedenheit hinter die Bestrebungen zur Sicherung des republikani- scheu Charakters der Reichswehr, insbesondere im Sinne der Vor- schlüge des Reichstagspräsidenten Lobe. 2. Der Deutsche Republikanische Reichsbund erhebt schärfsten Widerspruch gegen den versuch der wiederelnsührunq von Titeln und Orden. Die Verleihung von Titeln und Orden wäre nicht nur eine formale Verfassungsänderung, sondern ein schwerer Versteh gegen den Geist der Verfassung von Weimar, da sie ein Rückfall in alte Klassen- und Kastcnoorrechte bedeuten würde und ohne poli- tische und finanzielle Mißbrauch« erfahrungsgemäß nicht denkbar ist. 2a. Zu dieser Resolution wurde noch folgender Zusatzantrag chelmuth v. Gerlachs angenommen:.Di« Praxis der bayerischen Regierung in der Titelfrage enthält einen offenkundigen Verstoß gegen die Bestimmungen der Rcichsverfossung, der im Interesse der Achtung vor der Verfassung von keiner republikanischen Reichs- regierung geduldet werden dürste." Tu« Programm de« Reichsbundes. Der Reichsausschuß verabschiedete hierauf einmütig das Pro- gramm des Reichsbundes in folgender Fassung: „Der Deutsche Republikanische Reichsbund erstrebt die Verwirk- lichung der in der Verfassung der Deutschen Republik enthallenen politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Ideen. Durch überparteilichen Zusammenschluß oller überzeugten Anhänger der republikanischen Staats form und durch Förderung der Zusammenarbeit aller in den verschiedenen Parteien und Organisationen wirkenden repu- blikanischcn Kräfte will der Deutsche Republikanische Reichsbund dem Republikanischen Staotsgedanken dienen. Geistig« Vertiefung des demokratischen, sozialen und nationalen Gehaltes unseres Volk.-. staates, Ueb«rwindung der Untertonengesinnung, Bekämpfung des Klassen- und Kastengeistes, Erziehung aller demschen Männer und Frauen zu verantwortungsbewußten Staatsbürgern sowie Pflege demokratischer Geselligkeit sollen den kraftvollen Willen zum beut- scheu Volksstaat wecken. Als seine besondere Aufgabe betrachtet der Deutsche Republi- kanische Reichsbund die Ueberwindung jedes engherzi- gen Partikularismus, die Vereinfachung des gesamten Staats- und Verwaltungsapparates und die Erfüllung der Ein- richtungen und Machtmittel des Staates mit dem Geiste der Repu» blik." Ueder den Einheitsstaat. Oberbürgermeister Dr. Luppe wies in seinem Referat über den Einheitsstaat darauf hin, daß der Gedanke immer stärker zu mar. schieren beginne. Zu seinen Freunden zählten heute nicht nur die Kreise der Wirtschaft, sondern immer stärker auch die Vertreter der Gemeinden, deren Selbstverwaltung im Kampf zwischen Reich und Ländern völlig zertrümmert werde; symptomatisch sei dafür, daß der Deutsche Städtetag jetzt selbst das Problem studiere und aktiv in die Bewegung eingreifen wolle und ebenso, daß der Geschäftsführer des Deutschen Landkreistages kürzlich auf der Münchener Tagung des Vereins für Kommunalpolitik eine Reichs kreisordnung nach Analogie der Reichsstädteordnun� empfohlen habe. Völlig akut sei das Problem der kleinen Länder, die sich immer mehr von der Notwendigkeit des Aufgehens im Reich« überzeugten; der Reoisionsbericht des Reichskommissars über die Braunschweiger Verhältnisse spreche der Kleinstaaterei deutlich dos Urteil. Da dies« Länder überwiegend nicht in Preußen aufgehen wollten, müsse ihnen der Weg des unmittelbaren Aufgehens im Reiche geöffnet werden; ein Borschlog auf Aenderung d«r Reichsverfassung nach der Rich- tung, daß Länder in unmittelbare Reichsoerwaltung übertreten tonn- ten, werde in allernächster Zeit der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. An das Referat L u p p e s anschließend wurden die Fachaus, fchüfse gebildet, die sich mit allen in Frage stehenden Probleme« beschäftigen sollen. Die Dachwohnung als Gefängnis. Die Feuerwehr als Lebensretter.- Der Geisteskranke als Arzt. Eine aufregende Szene spielte sich in der vergangenen Nacht gegen 12 Uhr in der Großen Frankfurter Straße ob. Leute, die an dem chause Nr. 75 vorbeikamen, hörten plötzlich Hilferufe und erblickten auf dem Dach«in Mädchen, das die Rufe ausstieß. Es warf dann einen Zettel hinunter, der aufgefangen wurde und die Mitteilung enthielt, daß das Mädchen sich das Leben nehmen wolle, wenn ihm nicht geholfen werde. Ein Mann eilte mit dem Zettel zur Feuerwehr. Diese drang in die Dachwohnung eines Bäckers im 5. Stock ein, in die das Mädchen unterdessen durch das Dachfenster eingestiegen war. Die Wohnung war mit Gas angefüllt und das Mädchen lag jetzt schwer röchelnd auf dem Bett. Dt« Feuerwehr brachte es bald wieder zum Bewußtsein und führte es dem Krankenhaus am Friedrichshain zu. Es handelt sich um eine Gerda H. aus der Soldiner Straße, die, wie die Ermittlungen ergaben, vor einigen Tagen ihwn Eltern davongelaufen war. Sie lernte den Bäcker kennen, und der nahm sie in seine Wohnung mit. Wenn er aus- ging, schloß er von draußen ob, so daß das Mädchen einge- sperrt war. In der vergangenen Nacht wurde es wohl angst- lich, und weil es die Tür nicht öffnen konnte, so stieg es durch das Fenster auf das Dach hinaus, um sich so zu befreien. Nach den Hilferufen kehrte es in die Behausung zurück und drehte den Gashahn auf. Oer Brzt aus See Charlte. Auf Frauen, die allein und selbständig Geschäfte betreiben. hatte es feit longer Zeit ein Schwindler abgesehen, der unter den Namen„Dr. Berliner" oder„Dr. Griebel" den S a n i t ä t s. rat von der Charitc spielte. Hatte er sich ein Opfer ausgesucht, so erschien er bei der Frau im Geschäft, erzählt«, daß er zu einem Patienten im Haus« gerufen worden sei, ihn aber nicht finden könne. Er fragte dann die Fron, ob sie ihm nicht Bescheid sagen könne, und es ergab sich immer, daß der angeblich gesuchte Patient im Hause gor nicht wohnte. Aus dieser Erkundigung entwickelte sich eine Unterhaltung, in der es der„S a n i t o t s r a t" ausgczeichn« verstand, die arglose Geschäftsfrau über ihr« Verhältnisse auszu- fragen. Gefielen ihm diese, so klagte er, daß auch er allein steh« und daß dos eigentlich doch gar kein rechtes Leben fei. Ma« lernte sich näher kennen, der Ehariiöarzt versprach den Frauen di« Ehe, nahm ihnen unter den verschiedensten Vorspiegelungen Geld ab, soviel er nur bekommen konnte und ließ dann nichts mehr vo« sich hören. In anderen Fällen jagte er den Frauen Angst ein, in. dem er ihnen in die Augen sah und erklärt«, daß etwas mit ihnen nicht in Ordnung fei. Der Sanitätsrot untersuchte da« Ucbel, verschrieb eine Medizin, die er dann auch selbst bracht; und ließ sie sich mit 20 bis 3i) M. bezahlen. Jetzt zuletzt gewan* er die Neigung einer Frau, die eine Tochter besitzt. Auch ihr macht« er ein Heiratsverfprechen. Eine Untersuchung der Tochte; auf deren allgemeinen Gesundheitszustand sollte beim näcksten Be- suck erfolgen. Inzwischen aber fragte die izrau in der Eharitä an und erfuhr, daß sie es mit einem Schwindler zu tun hatte. Als der Sanitätsrat wiederkam, ließ sie ihn festnehmen. Di« Kriminalpolizei entlarvte ihn als einen 49 Jahre alten Kausmann Max Reich ans Breslau, der dort schon ähnliche Schwindeleien gc- trieben hat. Die Medizin stell:« er selbst aus Chemikalien her. die er von einer Fabrik bezog. Die Untersuchung ergab, daß Reich, der Frau und Kinder in Breslau hatte sitzen lassen, g e i st« s- krank ist. Er wurde als gemeingefährlich in eine Anstalt gebracht. Der selbstherrliche tzerr von Kähne. Ein Mann ans dem Mittelalter. Ueber die Herren v. Kähne auf Petzow bei Werder ist schon oft in der Presse berichtet worden. Das für unser« Zeit sehr son- derbare Benehmen dieser Gutebesitzer hat schon zu vielen unange- nehmen Zwischensällen geführt. Em Freund unseres Blattes teilt uns nun ein Erlebnis mit, das er am gestrigen Sonntag mit Herrn Karl v. Kähne hatte, ein Erlebnis, das beweist, daß Herr v. K. noch immer glaubt, er lebe im Zeitalter der Raubritter alten Schlages: „Bei einem Ausflug an: gestrigen Sonntag trafen mein Freund und ich vm 3 Uhr nachmittags auf der Landstraße bei Mittel- b u s ch einen Förster, der schimpfend vorüberging. In etwa ,';00 Meter Entfernung folgte ihm ein Unteroffizier d«s Reichswehrregiments 9, der ein Jagdgewehr so über d«r Schulter trug, daß der Lauf etwa 49 Zentimeter seitlich herausragte. Wir mußten auf dem schmalen Wege ausweichen, jedoch streifte der Lauf des Gc- wrhres meinen Freund. Dieser sagte lächelnd zu dem Unteroffizier, daß das bald einen Herzschuß gegeben hätte. Auf diese Äußerung drehte sich der Unt«rofsizier um und riei uns an mit den Worten: ..Was wollt ihr eigentlich von uns?" Alsbald gesellte sich ein Ar- dsiter, der noch zwei Jagdgewehre trug, zu dem Unteroffizier. Dieser wurde nun tätlich und versetzte meinem Freunde einen Schlag, der die linke Schlagader des Halses traf. Als mein Freund das Achselstück des Reichswehrsoldaten erkannte, sagte er ihm-in ruhigem Ton, daß er die Angelegenheit seinem Hauptmann, den er persönlich kenne, in Potsdam zur Anzeige bringen würde. Dar- aufhin versuchte der Unteroffizier, die Angelegenheit gütlich zu regeln. Da näherte sich der Forstbeamte im Laufschritt und schimpfte: .Kerls, K o n: m u n i st e n p a ck" und ähnliches. Es stellte sich später heraus, daß es Karl v. Kähne war, der sofort auf meinen Freund mit dem Eichenstock eindrang. Dieser wehrte die Schläge c b. Daraufhin stellte sich Kähne vor meinen Freund und schnauzte ihn in militärischer Tonart an, er solle die Hände aus den Taschen nehmen, wenn er mit ihm spreche.„Sie scheinen wohl nuht zu w'ssen, wen Sie vor sich haben." Dazu kamen dann noch andere Redensarten. Als wir uns diesen Ton verbaten, schlug Kähne mit dem Eichen st ock meinem Freund über den Kopf, so daß er blutüberströmt zu wanken begann. Kähne hat die Bitte, der Slngelegenhoit wegen uns auf eine Behörde, die nächste war der Gemeindeoorstand, oder zu einem Gendarm zu folgen, ab- gelehnt mit den Worten:„Ich erkenne diese Behörde nicht an." Diese Angelegenheit könnte nur auf seinem Gut geregelt werden. Kurze Zeit vorher hatte Kähne mit einem jungen Wander- vogel, der dem Arbeiter- und Sportverein„Fichte" angehörte, einen Zusammenstoß, bei dem er ebenfalls tätlich geworden war. Wir wandten uns nach Werder und haben den Vorgang protokollarisch dem diensthabenden Wachtmeister der Polizei zur Kenntnis gebracht. Da ein Arzt in Werder nicht anwesend war, ist mein Freund in einer öffentlichen Rettungsstelle verbunden worden." In einem Rechtsstaat würde man solchen Leuten wie Herrn Kähne energisch das Handwerk legen... Revolveranschlag auf den Frennd. Eine schwere Bluttat wurde gester:, mittag im Hause See- lower Straße 12 verübt. Der 26jährige Arbeiter Harry W a l l i g o r a aus der Elbinger Straße 63 gab auf seinen Freund, den 33 Jahre alten Kellner Samuel Glaier, sieben Schüsse ab, die ihn lebensgefährlich verletzten. Der Täter konnte verhaftet werden. Walligora und Glaser, der verheiratet war, hielten früher enge Freundschaft, bis G. zu bemerken glaubte, daß W. auch zu leiner Frau in mehr als freundschaftliche Beziehungen stehe. Glaser trennte sich daraus von seiner Frau. Auch mit der Freundschaft zu W. hatte es nun c:n Ende. Als Glaser gestern mittag in der Wohnung seiner Mutter in der Seclower Straße 12 weilte, er- schien Walligora in etwas angetrunkenem Zustande, der G. zu sprechen wünschte. Kaum hatte W. die Wohnung betreten, als er eine Mehrladepistole hervorzog und kaltblütig nacheinander sieben Schüsse auf G. abgab, der blutüberströmt zusammen- brach. Nach vollbrachter Tat suchte der Revolverheld zu flüchten, konnte aber auf der Straße eingeholt und der Polizei übergeben werden. Schneebälle vom Ralhauskurm. Die Handelshochschule ver- onstaltete gestern eine Führung im Berliner Rathaus. Emige Teilnehmer warfen von dem 99 Meter hohen Turm feste Schneebälle in die belebte Königstraße. Dabei wurden einige Paffanten gc- troffen und verletzt. Sie holten einige Polizeibeamte, die die linsugstiftcr feststellten. mit drei Verlobungen. Jetzt beginnt sich die Sache zu verwickeln. Das reise Alter macht Schwierigkeiten, wo die sorglose Jugend gar keine sieht. Er ist Christ und sie ist Jüdin. Na, wenn schon, sagen di« Jungen und kennzeichnen damit kurz und schlagend die wahre Bedeutung der Konfessionsfrage. Aber die Alten. Sie selbst sind ja nicht dagegen. Da ist jedoch die Pietät und der L3jährige Groß- papa(der ist in so was komisch), und am Totenbett der Mutter bat einer was geschworen, und was die Menschen sich sonst noch für Sorgen machen. Zum Schluß einigt man sich unter dem Motto „Konsession Nebensache, Charakter Hauptsache", was eine höchst vernünftige Lösung des Knotens bedeutet. Der Autor hat hier dem Leben ein paar echte Töne abgelauscht und— gewiß mit oft gebrauchten Mitteln— ein hübsches Genrebild entworfen. Ein Hauch von Zartheit schwebt über manchen Szenen, etwa da. wo zwei Angejahrte gar nicht erst dazu kommen, ihre Werbung bei der jungen lebensvollen Witwe anzubringen, und mit leiser Wehmut erfahren müssen, daß sie unwiderruflich zum alten Eisen gehören. Da der unverwüstlich« Max Adalbert das anspruchslose ober lustige Spiel kreuzfidel aus der Taufe heben hilft, so quietscht olles vor Vergnügen. Wieder kullern ihm die Worte so ulkig raus, und man freut sich, daß feine Komik so unwiderstehlich ist. Wir kennen längst seine Art, wie er toternst sinnloses Zeug daherquaffelt und dabei entweder gehetzt oder gekränkt und beleidigt auf der Bühne herumrennt. Und doch lachen wir uns immer wieder schief und krumm. Fast stets hat er Ouerulanten. Unfriedenstifter, Krach- macher, kurz, den Typ des„Ekels" darzustellen, Menschen, denen wir im Leben um keine:: Preis begegnen wollen. Als frisch ge- backener Kommerzienrat Müller leistet er sich tausend Taktlosigkeiten. Das Sonderbare ist nun, daß wir den von ihn: verkörperten Figuren nie böse sein können, daß wir sie im Gegenteil liebgewinnen. Max Adalbert ist der unkomplizierteste Schauspieler. Cr sagt gerade her- aus, was er denkt. Verbirgt kein Gefühl, klappt sozusagen sein Inneres vor uns auf. Diese Grobheit und Offenheit seines Wesens ist es, die ihn uns lieb macht. Max L a n da konnte sich für den Rest des herzlichen Beifalls bedanken. Diesmal hatte er nickt, wie gewöhnlich, den hochvornehmen blasierten Lebemann zu spielen, sondern einen betont jüdischen Axzt mit krummem Aeußcren aber gerader Seele. Er machte das mit derselben Virtuosität und Liebenswürdigkeit, die ihn in seinen sonstigen Rollen auszeichnet. _ Ernst D e g n« r. Hertha Jciff mit ihrer Tanzgrappe wird in der 4. Tanzmaiinec der Volksbühne, die Sonniag, den 30. Januar, voimiltaq» Uhr, im Theater am Bülowplah ftallfindet, ein völlig neue« Programm»eigen. Sinl-ißlarten sind in den Verkaufsstellen der Volksbühne zum Preise von 1,30 58. erhältlich. ver Generalmusikdirektor Zo'rph Roseoflock vom Landestbeater in Darmstadt wurde als Nachfolger von Otto Klemperer an das Staats- theater in Wiesbaden berufen. Enneitrrong de» Iron»al!anlis,n lelephondienste». Der transatlantische Tclephondiens:. der sich biSder aus Üondon und New Fort beschiänkt«. in jeht auf alle Städte innerhalb eines 1 lO-Meilen-RadiuS von London und auf mehrere amerikanifchen Slaalur airszedchnt. ver 2. allgemeine ärztlich; üoaarch säe Psvchotbergpie'ürdet in Lad Nauheim vom 27. br« 80. Aprrl statt. Kurz vor Dollendung seines 54. Lebensjahres ist Genosse Richard S t r e h l. der Expedient des„Vorwärts", einer Lungen- entzündung erlegen. Mit ihm ist ein verdienstvoller Mitkämpfer von uns gegangen, der zwar wenig in der Oeffentlichkeit auftrat, aber um so emsiger im stillen für die Partei arbeitete. Von Berus Klavier- macher, hat der nun Verstorbene im früheren 1. Berliner Wahlkreis sich große Verdienste um die Organisation der Partei erworben. Er stand dem Genossen Leo Arons, der In diesem Kreise lange kandi- dierte, besonders nahe. Mehrfach hat er den Wahlkreis auch aus beut- schon Parteitagen vertreten. Seit 1999 war er Im„Vorwärts"-«-- triebe beschäftigt, zunächst als Koffenbote, dann lange Jahre als Expedient. Wer die schwierige Arbeit des täglichen Zeitungsversands einmal aus der Nähe beobachtet hat, weiß, welches Maß von Ver- trauen dem mit der verantwortlichen Leitung der Expedition Be- dachten entgegengebracht werden muß. Genoffe Strehl hat es nicht enttäuscht. Der„Vorwärts", dem er so lange seine Kräfte gewidmet, bis ihn die Lungenentzündung hinwegriß, wird seines treuen Mit- arbeiters gern und in Ehren gedenken! Ein KinobranS ohne Panik. Di« Feuerwehr wurde am Sonntag nachmittag gegen 6 Uhr noch der W a l d st r a ß e 6 gerufen, wo:n dem Vorführraum eines Kinolheo'ers während der Vorstellung Feuer ausge- brachen war.' Der Filmstreifen hatte sich entzündet. Em« Stichflamme setzte den Raun: in Brand. Di« Feuerwehr beseitigt« die Gefahr nach kurzer Zeit. Der Vorfall war im Zuschauerraum be- merkt worden, doch gelang es, die Besucher sofort zu beruhigen, die das Theater auch In vollkommener Ordnung oerlieb«::. — Ci» gefährlicher Wohnungsbrand wurde von der Feuer- wehr fast zur gleichen Zeit in der P a l z b:: r g« r S t r. 7 2 gelöscht. Em„tüchtiger" Stadtverordueter. Der„Demokrat" Müller, der der Bezirksoersammlung Pankow zugeteilt ist. Icheint ein lehr tüchtiger Geschöstemani: zu sein. Wie uns mitgeteilt wird, kaufte er am 23 August 1 926 dos Grundstück Schar:: weder st raß« 158-159 für 59 999 M., um es nach 19 Tagen, am 2. September 1926, sür 7 5999 M. an die Stadt Berlin weiter zu verkaufen. Magistrat und Bezirksamt Reinickendorf haben alle Veranlassung, sich ihrerseits für diese Änge. lcgcnheit zu interessieren. Zlber auch die Demokratische Stadt- verordnetenfraktion wird hoffentlich das Notwendige veranlassen. Mord an einem Frankfurter Juwelier. Gesten: vormittag wurde in Frankfurt am Main der Juwelier Josef Grövenau in seinem Laden in der Kaiser st roß« mit schweren Kops- und mehreren Stichwunden tot aufgefunden. Von der Kriminalpolizei wurde festgestellt, daß Schmucksachen im Werte von etwa 69999 Mark geraubt wurden. Bon dem Täter fehlt bisher jede Spur.— Jedenfalls Hot zwischen dem Mörder und seinem Opfer ein Kampf stattgefunden, da Blut- spuren im Innern des Kassenschronks, aus den: der Mörder dl« Juwelen raubte, daraus hindeuten. Auch der Morder dürste dabei schwer« Verletzungen erlitten haben. Von dem Täter fehlt zunächst noch jede Spur, KSnöi'gung SesManteltarlfs imRuhrbergbau Einstimmig beschlosten. Lochum. 24. November.(Eigener Drahlberichi.) Am Freitag tagten die vier Lergarbeiierorganisallonen und beschlossen ans Anirag bes Bergarbeiterverbandes, sowohl den Manteltarif wie auch das Mehrarbcilsabkommen zum ZI. Mörz zu kündigen. Gestern fand hier eine Konferenz der Funktionäre des Bergarbeiter- Verbandes im Ruhrgebiet statt, die e i n st i m m i g beschloh. dem Ent- ichlich der Bergsrbeiterverbäude beizutreten. Gegen sechs stimmen wurde dann noch eine Entschliehung angenommen, die sich gegen die antigewerkschaftliche hehe des kommunistischen..Ruhr-Echo" wendet. * Gestern fanden im Ruhrgebiet etwa 120 Versammlung des Ge- wertoereins christlicher Bergarbeiter statt, die sich ebenfalls mit der bevorstehenden Kündigung des Manteltarifs und des Ucbcrarbeits- zsitabkommens befaßten. �rbeiterschutz in Säckereien unü Konditoreien Wie ihn der Entwurf des Arbeitsschutzgesetzes vorsieht. Wie zum großen Teil heute noch, war vor 30 Jahren das Backer- und Konditorgewerbe ausgesprochener Kleinbetrieb. L e hrlingszüchterei in ausgedehntester Weife sorgte für ge- nügende Arbeitskräfte. Infolge der Nachtarbctt gab es im allge- meinen keine Gesellen über 30 Jahre. War es doch Begleiter- scheinung der Nachtarbeit, daß die Gesellen im Hause des Arbeitgebers B« k ö st i g u n g und Wohnung nehmen mußten und konnte aus diesen Gründen ein Geselle mit Familie keine Arbeit finden.. Aus diese» Verhällnisien ergab sich aber auch, daß die A r- ?'« i t s z e i t ms unermeßliche ausgedehnt wurde und dadurch die ulturelle Entwicklung der Bäckercibefchäftigten leiden mußte Hier- zu kam noch, daß die Bäckereien sehr häufig in Räumen unter- gebracht waren, die sanitäre Verhältnisse im Gefolge hatten, die zu einer öffentlichen Gefahr wurden. In diese Verhältnisse wurde durch unseren alten Genossen Bebel hineingeleuchtet und ein Schutzgesetz für die Arbeiter der Bäckereien verlangt, das auch für das konsumierende Publikum wirken sollte. Durch Bundesratsverordnung wurde dann, da die vorgebrachten Beweise mehr als durchschlagend waren, der Dersnch gemacht, diesen Uebelständen abzuhelfen. Die'Arbeitszeit von�lö bis 20 Stunden wurde durch diese Verordnung auf 12 bzw. 13 Stunden begrenzt. Diese Verordnung blieb aber zunächst ans dem Papier stehen, da der Kleinbetrieb gar nicht daran dachte, sich um diese Verordnung zu kümmern und die jugendlichen Gesellen nicht die Möglichkeit sahen, diesen Schutz in Anspruch zu nehmen. Wirkte doch das große Arbeitslosenheer und der Arbeits- Nachweis, der damol« restlos in den Händen der Arbeitgeber »var, einschüchternd, zumal der Arbeitsnachweis brutal als Maß- regelungsinittel gebraucht wurde. Erst durch das Entstehen der Organisation und deren Tätigkeit wurde etwas geändert. Die Organisation hat dann im Laufe der Zeit, trotz der zulässigen Arbeitszeit von 12 bis 13 Stunden nach dem Gesetz erreicht, daß das Gesetz beachtet und darüber hinaus vielfach sogar die Arbeitszeit oerkürzt wurde. Bestanden doch 1014 schon Tarife für einen größeren Teil von Bäckereien, welche die 8- bis lOftundige Arbeitszeit pro Tag vorschrieben. Diese Tarife hatten sogar das für sich, daß sie innegehalten wurden und dies besonders in Punkts Arbeitszeit. Der Kleinbetrieb ist auch heute in diesen Gewerben noch vor- herrschend. Aus diesem Grunde wurde auch die Arbeitszeit für dieses Gewerbe durch Verordnung besonders geregelt. Diese Verordnung besteht bis zum heutigen Tage und wird in dieser die Arbeitszeit wie auch das Verbot der Nachtarbeit geregelt. Es war dies etwas Selbstverständliches, daß für diese Kleinbetriebe ein möglichst starres Gesetz bestand, da auch heute noch die Durch- fiihrung der Gesetze in Kleinbetrieben besonders schwierig ist und das Arbeitslosenheer solche Ausmaße angenommen hat. daß es inimer wieder als Drohmittel benutzt werden kann und wird. Das im Entwurf jetzt dem Reichstag zugegangene Arbeits- schutzgcsctz soll in dieser Hinsicht Wandel schassen. Außer den Bestimmungen, daß die reguläre Betriebsruhe von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens ist und die Ausnahnie von 0 Uhr bis 5 Uhr morgens, will dos Arbeitsschutzgesetz sogar den B i e r u h r- beginn zulasien. Des weiteren läßt dieses Gesetz Sonntags- arbeit zu und für Bäcker und 5londitoren soll diese Sonntags- arbeit sogar als planmäßige gelten, in die Ll-Stunden-Woche also einbezogen werden. Die Einführung bzw. Zulassung der äl-stündigen Arbeitswoche, welche ebenfalls zugetasien sein soll, die also ein Nacharbeiten zuläßt, inacht aber die Kontrollmöglich- seit in diesen Kleinbetrieben zur Unmöglichkeit. Es besteht die Gefahr, Ii aß die Zahl der Arbeitslosen dadurch wesentlich beeinflußt wird, vchon a» diesen Beispielen ist ersichtlich, daß dieses Arbeitsschutzgesetz von de« Arbeitnehmern im Bäcker- und Konditor- gewerbe nicht als Schutz, sondern als das Gegenteil bewertet .werden muß. In einer Versammlung am 26. Januar werden die Bäcker und Konditoren im Lehrervereinshaus zu diesem„Schutzgesetz" Stellung nehmen und ihre Bedenken, ihre Wünsche und Forderungen an ein ■rprr Schutzgesetz, stellen. welches diesen Namen mit Recht führen kann, auf- Eine Kundgebung der Bälscreiarbciter in Tortmund. Eine imposante Kundgebung des Nahrungs- und G e n u h rn i t t e l a r b e t t e r o e r b a n d e s zur Abwehr des An- griffs der westsälischen Läckertnmmg auf die Arbeitszeit im Bäckcraewerbe fand dieser Tage in Dort m und statt. Mi! scharfen'Argumenten ging L a n k e s- H a m bürg dem Gerede über den Ruin des Backgewerbes durch den Achtstundentag zu Lelbe. Unter dem Achtstundentag, so sührte er aus, ist ini Kleinbockgewerbe der maschinelle Betrieb rasend gefördert worden. 1010 gab es im Reich 7023 maschinelle Betriebe, 1926 bereits 42 373. Es ist das eine Entwicklung, wie ste kaum«in anderes Gewerbe durch- gemacht hat. Nach der Statistik des Germania-Innungs-Verbandes waren in Deutschland 1923: 32 230 Bäckermeister Hauseigen- l ü n> e r und im Jahre 1926 bereits 63 709. Der Achtstundentag ist den Bäckermeistern also ganz gut bekomme». Nicht Arbeits- zeitnerlängcxung,(piideni Arbeitszeitverkürzung aus 7 Stunden und evtl. darunter ist das Gebot der Stunde, denn es gibt in Deutschland über 30000 arbeitslose Bäcker- gesellen. Trotz der Arbeitslosigkeit sind in den westsälischen Bäckereibetrieben bei 3866 Bäckern und 268 Kondiwrgehllfen 3466 Lehrlinge beschäftigt.— Wilder muth-Essen berichtete über die Feststellungen der Betriebskontrolle. In 37 Dortmunder Bäckereibetrieben wurde 60 bis 90 Stunden die Woche gearbeitet! � In der Aussprache wurde von den O b e r m e i st e r n erklärt, Sonntags- und Nachtarbeit sei nicht mehr notwendig, aber der Acht- stundentag sei im Backgewerbe nicht durchführbar. Jetzt, wo wieder Kleinbackwareu hergestellt werden könnten, komme man mit dem Achtstundentag nicht mehr aus. Eine 72-Stunden-Woche wollten auch die Böckerinnungen nicht. Im.Weckruf" ist aber, wie Laakes- Hamburg sofort feststellte, von den Innungsvertretern die 72stündige Arbeitswoche als gerecht hingestellt worden. Mit einer einstimmig gefaßten Entschließung, in der die Versammlung die Versuche zur Verlängeruno der Arbeitszeit scharf zurückweist und von ver Oeffentlichkeit im Komps gegen die mit der Pexlängcrung der Arbettszeit im Backgewerbe Unterstützung verlangt, schloß die Kund- gebmig. Hivler den Kulissen der»Einheit". „Die EinhetT, die kommunistische Halbmonatsschrift„für Fragen des Sozialismus und der GewerkschaftseircheiT(wie man sie in Moskau aufsaßt), bringt mit Vorliebe Beiträge sogenannter S P D.- M i t a r b e i t e r. In dem uns vorliegenden Heft sind als SPD.-Ä i t g l i ed e r angegeben: Heinrich Teuber, Bochum, Oskar Feig, Neustädtel i. E.(Theo Dorhagen als parteilos!), ein Waller Müller in Breslau, Josef Lenz, München, Prof. Dr. Julius Schare!, Jena, und wohl derselbe Willi Bennewitz als SPD.-Mann in Chemnitz, der hier in Berlin, Alerandrinenstr. 62, für den Inhalt verantwortlich zeichnet. Zu dieser„Einheits"-Geschichte erhalten wir eine Zuschrift, in der zunächst die keineswegs neue Tatsache erwähnt wird, daß dieses „Einhcits"-Unternehi»en ein russifch-koiimrunistisches Machwerk ist. „Alles andere, Arbeitslosenkoitareß, Kongreß der Werktätigen usw. zieht nicht mehr, da segelt es sich am besten unter der Flagge der„Einheit". Das ist noch ein Schlagwort, von dem die Arbeiter sich einfangen lassen und bezahlen. Oder ist es vielleicht kein Betrug, wenn Artikel in besagter Zeitschrift erscheinen, von S P D.- L e u t e n gezeichnet und in der Berliner kommunistischen Zentrale gegen hohe Bezahlung versaßt werden? Wenn erst alle ehrlich denkenden Arbeiter dieses kommumstischc Manöver durchschaut haben, wird die„Einheit" bald dahin gelangen, wohin sie gehört. Am 10. d. M. haben wir den Vorsitzenden der„Einheit", Herrn Beck, durch Einschreiben eben- falls hiervon wissen lassen." Diese„Einheits"-Abon!ienten sind offenbar etwas spät dahinter gekommen, daß sie aus den kommunistischen„Einheits"-Leim gegangen sind. Bei kritischer Betrachtung wäre ihnen dies nicht passiert. Jubiläumsfeier der Kupferschmiede. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Kupferschmiede feierte am Sonnabend im Gewerkschaftshaus bei fast refttoser�Be- teiligung der Mitglieder ihr 40. Stiftungsfest. Der große Saal mar entsprechend dem Charakter der Feier sehr geschmackvoll dekoriert. Neben den zahlreichen roten und schwarzrotgoldenen Fahnen sah man im Hintergrund der rot ausgcschlagenen Bühne die Fahne der Bruderschaft der Berliner Kupfer- schmiede aus dem Jahre 1678, die das Märkische Museum zur Derfügung gestellt hatte. Nach einigen musikalischen und Gesangsdarbietungen und dem Festprolog hielt der Bevollmächtigte Genosse F l e i s ch m a n n die Festrede, in der er das Werden und Wirken der Organisation schilderte und die ausopferungsoolle Arbeit der Jubilare den jün- geren Bcrbandsmitgliedern als leuchtendes Beispiel hinstellte. Das Ebert-Wanz-Ouartctt, Alfred Beierle vom Staats- theater sowie das Sinsonicorchester des Deutschen Mustkerverbandes unter der Stabführung des Kapellmeisters Erich Gerickc-Funke gaben ihr Bestes zum Gelingen des Festes her. Ter Abbau der Rcichsbahu. Halbcrstadi, 24. Januar.(Tll.)� Die geplante restlose Stillegung der Eisenbahnreparaturwerkstätte Halberstadt ist durch eine Kam- Mission der Stadtverwaltung iin Wege der Verhandlung mit der Reichsbohngeneraldirektioii in Berlin verhindert worden. Von den 730 Arbeitern der Werkstätten werden 430 weiterhin beschäftigt Südamerikanischer Gewerkschaftsprotest. Paris, 24. Januar.(Eigener Drahtbericht.) New Parker Blätter zufolge haben die Gswerkschaftsoraanisationen in Buenos Aires, Santa Iacoba de Chile und Montevideos große Massen- d e in o n st r a t i o n c ii abgehalten, in welchen sie gegen den Imperialismus der Bereinigten Staaten Mexiko und Nicaragua gegenüber protestieren.____ der Wie uns der Zentraloerband und Easeangestelllen mitteilt, sind folgende Gast Gesperrte Gaslwirisbetriebe. Hotel-, Restaurant- und Easeang,... wirtsbetriebe gesperrt: Hackepeter. Schöneberg, Kolonnen- strohe 63, P i l s a t o r am Kottbujser Tor, Jnh. W i e s n e r, Kottbusier Str. 28, Destillation Krüger, Jnh. Krüger u. Döring, Wiener Str. 23, Max und Moritz, Oranienstr. 163, Case Komet. Jnh. Hartman n, Warschauer Str. 33, Krause's B i e r h a u s. Bevenrstr. 3, am Schlesischen Tor. Volks K>üh ne Thealer es CSIowiileti Iii. z» Sdiiftaeriaeix Täglich 8 L'hr: Das Orahma! des BiManntee SoldaJeii. 8 Uhr: Voipone Morgen 8 Uhr Voipone CASINO-THEATER 6 unr Neu! Ein Tvn im ItarnHinrl Neu! aniMlinelden I Gutschein 1—4 Pcrs pauteuil nur I Mk.. Sessel 1.50 Mk. Wailner- Theater 8', Der Schlager 8"4 Das blonde Wunder Stäiltisdie Opei Charlottenbure T'/jUhr: TroiMour B.Malkln, Montano, M. Olszcwska Abonn.-Tu rnusfl Mk M Norden 10384—37 8 Uhr; Reidhanitv.üneiseiiao eon WoIfganaGoeti Regle: Heinellilpen Kammerspiele Norden 10334—37 8 Uhr: Ollapokrlda von Lernet-Hotenla eagit; Helm Hilpert. Hierauf: Das Veilchen von Franz Molna: Regie: Eug- Roberl Die Komödie BismarcK 2414, TSK- 8'/. Uhr: Die Perle von Tristan Bernard htittfOTipljTrtiw sv,. Triinon- TU. Dr. Stieglitz mit Lobe u. Ebelsbacher Dienstag, 25. Jan. Tl. Premlere Der Mann d.Aline leger Sonntag, 4 L'hr Kl. I'r. von 50 Pf. an Dr. Stieglitz vamaiid-meui eI»dnvw»Z 17,1. 8'/, Es war einmal in Heidelberg mit d. Schlagerlied Ichhab'meinHerzln Heidelberg verloren Vorzeig. SOVoErmäß. KäteSchmidt-Samst Ggston Briese ür. Mianspielliaiis Tägl.8'/. Uhr: CHAREUU- R EV U E Sonnt, nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorstllg zu ermäO. Preisen Theat. a.Hollendorfpl. Kurfürst 2091 8 Uhr; Nax Adalbert In„Müllers" lentral- Thealer Täglich 8 Uhr; Der Trompeter vom Rhein Vorverk. ununterbr. Preise von t— 7 M. Bei Waasersnctit! Ader Verkalkung! (alte chron. Fälle') hilft überraschend mein Spezial- Kräuterpulrer, Kart. J M. Oziifti,. UosdiaTIlid.. Apothek. w. Böhmer Hameln a Weser 73 Relctishallen-Thcaler Abends 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Das wundJNoliE Jiniai-PiDgiainn! aadmilttaos: halbe Preise, VOllM Proqranol Oönhoff-Brett'l Variete. Konzert, Tanz. Sonnab.. 29. t.: Benetlz Barl Braun Sport. Rudi Wagner besiegt Samson-Körner. Im Kampf um die Deutsche Schwergewichts-Box- Meisterschaft, die am Sonntag in Dortmund zwischen Breiten st räter und R ö s e m a n n ausgettagen wurde, blieb der Kampf angeblich infolge eines Fehlurteils unentschieden Dagegen blieb in dem Kamps Wagner— Samson-Körner der Duis burger Wagner nach Punkten Sieger. Lauter Jubel durchbrauste die weite Westialenhalle, als Wagners Sieg verkündet wurde._ Internationaler Eishockeywettkampf. Die Pariser Canadions, die am Freitag gegen die deutsche Eis- Hockeymannschaft im Sportpalast nur unentschieden(3: 3) spielen konnten, traten am Sonntag nachmittags vor ausverkaustem Hause gegen die.Internationalen" des Berliner Schlittschuh-Clubs(BSC.) an. Gleich nach dem Anpfiff setzte aui beiden Sellen ein samoses Tempo ein. Die Pariser gefielen durch ihr bravouriöses Borgehen außerordentlich. Di« BSC.-Mannschaft trat leider mit zwei Ersatzleuten o». Der bewährte Andresen fehlte im Tor: Steinte vom SEE. war kein Ersatz sür ihn. In der Verteidigung sehlle Sachs. Bis zur Pause schössen die Pariser viernial, dic� Berliner dagegen nur einmal erfolgreich. Im zweiten Teil des Spiels erhöhten die Gäste ihren Vorsprung aus sechs. Mit 6: 3 Toren verließen sie unter starkem Beifall die Eisarena. In einem Schnelläufen über 13 Runden siegte Meyke vom Berliner Eislausvercin in 4,22 Min. überlegen vor Grell(BSC.) und Valuta(BSC.) Rennen zu Ruhleben am Sonntag, den 23. Zanuar. I.Rennen. 1. tSroßmociuI(Iauh jr.). S. Lmtdtid, 3. Einsicht. Toto: 52: 10. Platz: 26, 21, 29: 10. Ferner liefen: Halma, Eitelsried, Jungser im Grünen, Jdasa, Erbprinz jr., Dina WattS. 2. R e n n e n. 1. Dunajec(28. Schulze). 2. Knnful, Ilona W. Toto: 59: 10. Platz: 14, 12. 15: 10. Ferner liefen: Tivisionär, König Robert. Jimiene, Flamingo. Bannaid. 3. R e n n e n. 1. Friedrich Rex(FliaZ), 2. Barometer, 3. Crasiits. Toto: 135: 10. Platz: 32. 35. 25: 10. Ferner liefen: F. Weinstock. Heide- Prinz I, Benedict, BenuS, Bergschwalbc, Erbgras, Eilzug, Höhensonne, Stapellaus. 4. Rennen. 1. Kammersänger IHeckert), 2. Prinzessin Etawab. 3. Wainäca. Toto: 57: 10. Platz: 17, 23: 10. Ferner liefen: F. Winnie, Divisionär, Manrico. 5. R e n n e n. 1. Morgenlau(W. Schulze), 2. LmZcott jr.. 3. Hos- mciltcrin B. Toto: 83: 10. Platz: 21, 34. 17: 10. ferner liefen: Bol-r FriSco, Erisvla, Min,. Harlekin. Struwwelpeter, Eckstein(als zw. disqual. 80 Proz. Pl. zur.), Kurfürst, Möglich. 6. R- n n e n 1. Blaue Sldrta(Heckert), 2. Willh A., 3. Baron Klala- wah. Toto: 28: 10. Platz: 13, 15, 2t: 10. Ferner licsen: Eladiax, 2Ix. «orthh, Altgold, Frankcnslein, Lockung, Trotteur, Progretz. 7. R e n n c n. Ift Kartenipieler(Tb. Retzli,. l.f Frlsa(Bes.). Brilon Prinz. Toto: 1l: 10(Karlenipieler). 27(Frifa). Platz: 13, 16, 17: 10. Ferner liefen: Leuchlläser. Lux. Kronsbeere, Salome, Licbcsbole, Goudster lt.. Tina Watts, O'EaPlain Leerberg, GoudslerS Gloria. S Rennen. 1. Lumpt lIautz jr.), 2. Jesiries jr., 3. Winz. Toto: 34: 10. Platz: 39, 49. 57: 10. Ferner liefen: Zibdullah Silber, Baron Walls jr.. Indianer, Hcidemann, Prinz Kuckuck, Francisco, EorioianuS, Winnie, Eobra, Uarwelle, VenuS, Bergschwaibe, Eilzug. Verantwortlich lür Politik: Bictoe Schiff; Wirtschaft: S. Nliugelhafe-: Sew-rffch-fisbewegung: ffr.«tzkozu: ffeuilleton: Dr. Zahn SchikawaN: Lokolea und Constiges: fftig Rarflobt: Anzeigen: Tb. Sie de; sämtlich in Berlin. Betlaz: Borwärt-.V-rl-g ffl. m. b. 6-, Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerci und Vcrlagoanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW 68, Linbenstratze 3. Bei GRIPPE Citrophen-Tabletten, Schachtel M. 1,35 in jeder Apotheke. Verkäufe Dzebroäenkschke. Leiftungofädigste Sp-naisabrik. Rollenwandlnng 290.—. Rofcntbaierfitatze 26. �esileHuichsslücke. WSsctie us* SrtKU) po n fchaftaanziigm. Norden boifl. hochelegante» Testv. Rosenihal'' alersllatze 4. Wenig getragene ffrackonzllge, Emo- kinqanziige. Eelirockanzüge, Iackettan- jttge. 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Je träger der menschliche Verdauungsvorgang abläuft, um so mehr bedart er der holzstoffreichen, pflanzen- schlcimhaltigen Kost, wie sie das Gemüse und das Obst enthalten. Doch sei die frische Frucht nie um ihr Bestes gebracht: Die Nährsalze und die Lebensstoffe(Vitamine). Also dämpfe man die Frucht, aber man verkoche sie nicht Dann wird sie zum Regler und Mehrer an der Gesundheit des Körpers. undJhrbleibtgesund! Täglicher Genuß frischer Früchte ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Frische Früchte gibt es zu jeder Jahreszeit! Das Fruchtkochbuch ist mm Preise von 23 Pfjj. in allen Buchhandlungen zu haben.