fibenSausgabe Nr. 45 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe L Nr. 22 Vizugzbidlnimngr» und Sn,«lg«nurels, Nnd in der Morgensuslind« ongegcben »edoktloa: Sw. SS, cwdenstrab» 3 Fernsprecher- VSuhoss 192- 292 XeL-Sititcfle: Sozialdemokrat Berlin Derlinev VolKsblÄkk (10 Pfennig) Donnerstag 27. Januar 1 �27 verlaz und«nzetginabteilun»! S-lchäftszett 8V<> btedUdt Verleger: vorwtlrla- Verlag GmbH. Bern» STD. 08, clndenslrah» 8 Zerasprecher: VSahoft 292— 207 Zentralorgan der Sozlaldemokratlfcben parte» Deutfchlands Riesenkrach im Sürgerblock. Die Deutschnationalen schreien über Indiskretion.- Die Vereiubarnng bedroht?- Geraufe um Ministersitze. Heute soll endlich der Bürgerblock werden. Heut« will man endlich zur Sache kommen, d. h. zur Verteilung der M i n i st e r s i tz«. Füns oder drei für die Deutschnationalen, ist die Frage.» Also sagen wir: vier! Ehe die Welt wurde, war das Chaos. Mit dem Bürger- block ist es nicht anders. Zunächst sieht man noch immer nichts als ein aufgeregtes Getümmel. Die Rechts presse schäumt über die Beröffentlichung der Richtlinien. Das Zentrum ist wütend, weil die Deutschnationalen entgegen der amtlichen Meldung erklären, sie hätten bisher überhaupt noch zu n i ch t s ihre Zustimmung gegeben. Wäre das richtig, dann wäre es ja ein Skandal, daß man die anderen Parteien über ein„positives Ergebnis" beschließen ließ, das gar nicht existierte. Aber es ist ja nur eine erbärmlich« Verlegen- heitslüge. Das völkische„Deutsche Tageblatt" höhnt über die „schwarzrotgoldenen Deutschnationalen". Die rechtsdeutsch- natwnale„Deutsche Zeitung" versichert, eine„neue Krise" sei ausgebrochen. Die Deutschnationalen würden heute vor- mittag Herrn Marx erklären,„daß man für die neue Regie- rung eine neue Grundlage wird suchen müssen, venn sie zustande kommen soll. Die offiziell deunchno�rmale li'esse wagt es nicht einmal, die„Richtlinien" ihren Lesern mitzu- teilen. Die.Lreu»>eitung" stöhnt über einen. groben Stö- rungsvcrsuch". Der.Lokal-Anzeiger" versichert, die Deutsch- nationalen dächten nicht daran,.die Vereinbarungen"— also gibt es doch welche!?— umzustoßen, aber das Veröffentlichte sei„unvollständig und zum Teil falsch". Die„Germania" hingegen anerkennt die Billig- keitderRichtlinien. Sie veröffentlicht sie an leitender Stelle. Sollten die Deutschnationalen noch Schwierigkeiten machen, so sei natürlich die ganze Vereinbarung bedroht. Das?ientrumsblatt glaubt, die Deutschnationalen würden sie schließlich schlucken, aber es zweifelt an der Auf- richtigkeit der„neuen Bekehrung" und fordert einen Beweis der Loyalität: Solailge dieser Beweis der Loyalität noch nicht erbrocht ist, wird man es der lvählerschast nicht verübeln können, wenn sie die demokratische Tugend des Mißtrauens übt. Was die„Loyalität" betrifft, verweisen wir auf die gestrigen Vorgänge in der Zehlendorfer Bezirksversammlung, wo ein Deutschnationaler die Farben der Republik be- schimpfte, und auf die heutigen Kaisergeburtstagartikel der Rechtspresie. Um öle Ulinisterfltze. Die venlschnationalen traten gegen mittag zu einer Fraktions- sitzung zusammen. Die Sitzung war nur kurz. Danach begab sich Westarp zu Marx, um mit ihm über die Verkeilung der porlcseuilles zu verhandeln. Es scheint, daß auf die Richtlinien und ihr« Beröffentlichung kein Gewicht mehr gelegt wird, sondern nur noch auf die Minister- sitze. Di« demokratische Reichstagsfraktton setzte am Donnerstag morgen ihre gestern abend abgebrochene Fraktions- sitzung fort. Um �11 Uhr erschien Reichskanzler Dr. Marx im Reichstag. Darauf begaben sich sofort die demokratischen Führer Koch und Dr. ch a a s zu ihm, um sich des gestern abend bereits von ihrer Fraktion erteilten Auftrages zu entledigen.« , Die demokratische Fraktion beschloß danach ein- stimmig, den Eintritt in die Regierung abzulehnen. die heruntergehandelten Richtlinien. Vergleich mit dem Urtext.— Ein Geheimvrotokoll. Die„Richtlinien" der deutschnationalen Grundsatzlosigteit als Regierungsprogramm des Bürgerblocks sind zum Eni- setzen ihrer Urheber und zum Vergnügen aller Republikaner frühzeitig veröffentlicht worden. An der Hand ihres Wort- lauts vermag sich das deutsche Bolk eine Vorstellung davon u machen, was bei dem Kuhhandel'der bisher„vaterländi- 'en Opposition" herausgekommen ist. Ein ganz klares Bild über dieses Ergebnis ermöglicht natürlich nur ein Ber- gleich zwischen den tatsächlichen Richtlinien und ihrem U r- t e x t. Warum sollen wir ihn nicht auch veröffentlichen? E r befindet sich in unserem Besitz. Das möchten wir ausdrücklich feststellen, um von vornherein allen Dementis die Spitze abzubiegen. Also oernehmen wir, wie man im bürgerlichen Lager über Grundsätze denkt, indem man über ihre Formulierung verhandelt. Zunächst heißt es in dem Urtext:„Uneinge- schränkte Anerkennung der Rechtsgültigkeit der Vertrags» werke von Locarno." Das„uneingeschränkt" ist fortaefallen. wie überhaupt der ganze Passus über die Außenpolitik eine Umgestaltung erfuhr. In bezug auf die Formu- lierungen über die Verfassung war anfänglich deren Schutz„gegen alle Verunglimpfungen" festgelegt. Auch diese bestimmte Feststellung ist jetzt insofern verallgemeinert, als nur ein Schutz gegen„alle herabfetzenden Ver- xmglimpfungeo" in Frage komm«» soll. Was herabsetzend" ist, bestimmt im gegebenen Falle schließlich der künftige deutschnationale Innenminister. Wesentliche Aenderungen hat der Urtext über die Reichswehr erfahren. Abgesehen von bestimmten ein- schränkenden Formulierungen sind im Vergleich zu dem Ent- wurf in den von den Deutschnationalen anerkannten Richt- linien ganze Sätze fortgefallen. In der Ausarbei- tung des Herrn Marx hieß es z. B., was die Rekrutierungs- Verordnung anbelangt und im gewissen Sinne auch den Auf- fassungen der Sozialdemokratie entsprach:„Die unteren Ver- waltungsbehörden sollen in möglichst weitem Umfange zwecks Auskunfterteilung in Anspruch genommen werden." Von dieser Feststellung ist im den tatsächlichen Abmachungen ebenso wenig zu finden, wie von dem Hinweis auf die strenge Bestrafung, die eintreten sollte, wenn Reichswehrangehörige zu irgendwelche« Wehrverbänden Beziehungen unterhalten. Der in den Veminbarungen mit den Deutsch- nationalen im Vergleich zu dem Urtext diesbezüglich ge- strichene Satz lautet:„Zuwiderhandlungen werden im Rahmen der bestehenden Gesetze t.'nd Bestimmungen streng geahndet." Man traut sich also nicht einmal, eine strenge Ähndung auszusprechen. Wer zweifelt unter diesen Um- ständen überhaupt noch daran, daß die ganzen Bestimmungen nicht ernst gemeint sind? Auch andere Bestimmungen des Entwurfs sind gestrichen worden. Statt desien hat man sich auf ein G e h e i m p r o- t o k o l l geeinigt, in dem es zunächst heißt, daß die Anerken- nung der Locarnoverträge nicht nur völkerrechtlich, sondern auch verfassungsrechtlich zu verstehen ist. In dem zweiten Punkt dieses Geheimprotokolls, der ehenfalls anfänglich vor aller Oeffentlichteit festgelegt werden sollte, heißt es, daß der Schutz der Verfassung sich aus den ganzen Artikel 3 der Reichsverfassung vom 11. August 1919 bezieht. Im dritten Punkt wird die Vereinbarung festgelegt, daß Anträge, die sich auf eine Abänderung der Verfassung beziehen, nur im gegenseitigen Einvernehmen der Regierungsparteien gestellt werden dürfen. vie neuen»Republikaner" zu kaifers Geburtstag. Die„Kreuzzeitung" mit dem Kopf„Vorwärts mit Gott für König und Baterland!" veröffentlicht einen Leitartikel zu Kaisers Geburtstag. Ein« künftige Geschichtsschreibung werde die Der- dienste Wilhelms II. wieder rein hervortreten lassen. Die„Deutsche Zeitung" ruft: heil dem Kaiserl" Sie fordert auf,„mit allen Kräften daran zu arbeiten, daß das K a i j« r t u m wiederkehre." Der.Reichsbote", das deutschnationale Pastorenblatt, jammert über„diesen herrlichen Staat, den Staat der H o h e n z o l l t r n", den uns„der schwarze Tag des Unisturzes" genommen hat.„Für unseren in Ehrfurcht geliebten Kaiser und König er- bitten wir zu seinem Geburtstage von Herzen Golles Segen und Schutz, mit dem Wunsch«, daß Gott die Treuen im Lande stärken, die Irregeleiteten aber zurechtbringen, und daß er endlich, so es sein heiliger Will« ist, den Kaiser und König auf den Thron seiner Väter zurückführen wolle." 3m Zeichen üer»Richtlinien". Der„Reichsbote" druckt zum 27. Januar den Wortlaut einer Predigt ob, gehalten von Pfarrer Diedrich Johann Rump- Berlin am Mittwochabend in der Friedenskirche zu Potsdam. Am Schluß der„unpolitischen" 27.>Januar-Predigt lesen wir: Gemeinde, das ist unsere Art, immer noch und immer wieder „Kaisers Geburtstags zu begehen. Im Gedenken der ruhmreichen und ehrenschweren Vergangenheit klagen wir um unser Vaterland: „Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern!" lIes. 14. 12). Ich Erleiden einer Gegenwart, die uns immer wieder predigt:„wehrlos— ehrlos" straffen wir uns aus allem Klagen zu namhaftem Wollen: Krieg fei da» Lofungswork". Krieg allem unpreuhifchen, allem ondeukscheo Wesen. Sieg!" hallt es weiter fort!— Im Blick aus eine dunkle Zukunft nifen wir einander zu:„Immer aufs Reue empor, nur nicht erliegen! Wer sich nicht selbst verlor, muß einmal siegen!" Als Preußen aber, die Christen sein wollen, und als Christen. die preußisch fühlen, werfen wir Panier auf: Dem Kaiser treu bis in den Tod! wir schwören laut mit sreud'gcm Mute. 3n Friedenszeil, in Sriegesnot Treu bi» zum lehlm Tropfen Blute? Amen! Zur selben Stunde bereiten sich die deutschnationalen Minister vor,„laut mit freudigem Mute" die Treu«— der r e p u b l i t a- Nischen Verfassung von Weimar zu schwören. Amen! ikin Vorstoß öes linken Zentrums. Im Verlaus der gestrigen Froktionssttzung des Zentrums versuchten die Abgeordneten Io o s, WIrth und Schlack die mit den Deutschnationalen vereinbarten Richtlinien in wesentlichen Punkten noch klarer und eindeutiger zu gestalten. Die Fraktion ging jedoch darüber hinweg und stimmte den inzwischen veröffentlichten Formulierungen zu. Angestellte und öürgerblock. Nnternehmeroffeusive auf die bürgerlichen Parteien. Von Fritz Schröder. Nicht kennzeichnet deutlicher die gewaltige Verschlechterung der sozialen Lage der Angestellten wie die seit Jahr und Tag zu verzeichnende St e l l e n l o s i g k e i t. Alle Kategorien von Angestellten werden von ihr betroffen: kaufmännische Angestellte, Bureauangestellte, Bankbeamte, Techniker, Künst- ler usw.; sie macht auch nicht halt vor den hochqualifizierten Angestellten. Die amtliche Erhebung vom 16. Juli 1925 zählte 67 000 stellenlose Angestellte, davon waren bereits zum damaligen Zeitpunkt 36 000 bis zu zwölf Monaten und länger stellenlos, Taufende seit Iahren. Diese Ziffern werden in den Schatten gestellt durch die spätere Entwicklung. Seiten vielen Monaten ist das Heer der stellenlosen Angestellten auf eine Viertelmiliion angewachsen. Der letzte Bericht der Reichsarbeitsoerwaltung über die Arbeitsmarkllage für An- gestellte weist 241 408 Stellenlose aus. In diesen trockenen Zisfern steckt eine unermeßliche Not. Nicht nur der stellenlosen Angestellten. Der Druck dieses Arbeitslosenheeres ist nicht ohne Rückwirkungen auf die soziale Lage der beschäftigten Angestellten geblieben. Unter dem Stichwort des Leistungstarifes haben die Unternehmer in weitem Umfange die Freiheit erhalten, die G e h ä l t e r z u drücken. So widerspruchsvoll das klingt, es ist dennoch Tatsache: Bezahlung nach Leistung ist die Kulisse, hinter der sich ein starker Gehaltsdruck abspielt. Dazu kommt eine bei- spiellose Verlängerung der Arbeitszeit; vielfach ist die Arbeitszeit länger als in der Vorkriegszeit. Die Not- läge der Angestellten wird gründlich für die Leistung so- genannter freiwilliger Mehrarbeit ausgenutzt. Was diese Entwicklung bedeutet» kann nur der voll er- messen der daran denkt, daß ein Arbeitslosenproblem in des Wortes furchibarster Bedeutung noch vor einem Jahrzehnt für die Angestellten nicht existierte. Jetzt erst sind die An- R'tellten vom typischen kapitalistischen Arbeits- i ck s a l mit all seinen verhängnisvollen Folgen erfaßt. Und doch ist das erst der Anfang einer Entwicklung. So revo- lutionierend die Einführung von Bureaumaschinen bereits auf die gesamte Bureauorganisation gewirkt hat. diese Entwick- lung ist noch nicht abgeschlossen. Die amtlichen Arbeitsmarkt- berichte spiegeln das deutlich wieder.„Das Ueberangebot an ersten Fachkräften aller Art ist nach wie vor erheblich."„Die älteren Angestellten waren verschiedentlich wieder stark ver- treten und kamen häufig aus langjährig(bis zu 35 Jahren) innegehabten Stellen."„Wie bisher wurden fast nur junge, gut ausgebildete Fachkräfte verlangt, an deren Leistungen die weitestgehenden Anforderungen gestellt wurden(z. B. Bilanz- buchhalter bis zu 22 Iahren, die nicht nur perfekt französisch und englisch sprechen und schreiben, sondern auch ihre Kennt- nisse für beide Sprachen im Äusland erworben haben sollten)." Das sind so einige Stichproben aus dem letzten Bericht. Vor dieser harten Wirklichkeit zerrinnt der letzte.roman- tische Zauber um den Kaufmannsberuf: er hat sich längst geflüchtet in die steinernen Lettern, die vorm Hause verkünden: „Mein Feld ist die Welt." In einer solchen Situation ist der A u s b a u des An- gestelltenschutzes mehr denn je gebieterische Not- wendigkeit. Unter Führung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hat der Reichstag im Juli vergangenen Jahres diese Aufgabe in Angriff genommen. Unter dem Vorsitz des Genossen A u f h ä u s e r kam der Unterausschuß des Reichstags zu einstimmigen Ergebnissen. Die sozial- demokratische Reichstagsfraktion versuchte bei der Verab- schiedung des Kündigungsschutzgesetzes einen weiteren Ausbau des Kündigungsschutzes und die Einführung von Abkehrgeldern, wie sie das österreichische Angestelltenrecht seit langem kennt entsprechend den Beschlüssen des Unter- ausjchusses durchzusetzen. Das scheiterte an dem Wider- st and der bürgerlichen Parteien. Die Beratungen im Reichstage lösten eine umfassende OffensivederUnternehmer aus. Mit bajuvarischer Grobheit erklärte der Verband der Arbeitgeber des Baugewerbes für München und der Arbeitgeberverband des Süd- bayerischen Holzgewerbes, daß die Abgeordneten des Unter- ausschusies entweder fest geschlafen oder auf dem Mond oder in Eglfing(eine bayerische Verrücktenanstalt) gewesen sind, somit wäre es unmöglich, in der derzeitigen Wirtschaftslage solche Beschlüsse zu fassen. Die Zeitung des Deutschen Indu- stoieschutzverbandes— er nennt sich stolz die älteste, größte und lesstungsfähigste Slreikentschädigungsorganisation der deutschen Industrie— berichtete, daß sofort gegen die Beschlüsse des Unterausschusses Einspruch bei sämtlichen nicht sozialistischen Reichsiagsftaktionen erhoben wurde. Das Kündigungsschntzgesetz war nicht ganz zu verhindern. Deshalb wurden in einer ausführlichen Denkschrift die bürgerlichen Parteien davor gewarnt, dielen Weg fort- zusetzen. Wer zu lesen versteht, wird sich im klaren darüber sein, was gemeint ist, wenn auf ein immer mehr um sich greifendes Desinteressement für die Parteien in Arbeitgeber- kreisen hingewiesen wird. Schließlich soll auch etwas für die Wahlgelder geleistet werden. Ein vertrauliches Rundschreiben des Zentraloerbandes des deutschen Großhandels enthüllt die letzten Geheimnisse zwischen Unternehmern und bürgerlichen Parteien. Fleißig sollte Material zur Bekämpfung der sozialpolitischen Forderungen der Angestellten gesammelt werden.„In den Besprechunen mit den in Frage kommenden Ministerien ist uns dringend die Bitte unterbreitet worden, Material zur Verfügung zu stellen," heißt es an einer Stelle. Das ein- gehende Material wird selbstverständlich streng vertraulich behandelt und nur das Gesamtergebnis wird bekanntgegeben. Am 12. November fand dann eine Aussprache im Reichstage mit den Abgeordneten der bürgerlichen Parteien statt. „Die Abgeordneten sind wenigstens jetzt von der Stimmung unterrichtet." Fürwahr, es läßt sich nicht leugnen. Auch hier enthüllt lich der tiefere Sinn des Besitzbürgerblocks. Die Ver- treter der Arbeitnehmer in den bürgerlichen Parteien werden schärfer an die Kandare genommen. Wahrscheinlich, daß dieses Zwischenspiel die Durchführung der notwendigen sozialpolitischen Schutzmaßnahmen für die Angestellten verzögert. Die Ausschaltung der Sozialdemo- kratie soll verhindern, daß wir einen Ausbau der Arbeitsnachweisorganisation erhalten, der d'e Willkür der Unternehmer beseitigt und Arbeitsvermittlung nach sozialen Gesichtspunkten ermöglicht, soll verhindern, daß die Position der Angestellten im Betriebe stärker geschützt wird: soll einen Ausbau des Arbeitslosenschuizes oerhindern und soll nicht zuletzt die Durchführung des Not- gesetzes zur Wiedereinführung des Achtstundentages verhindern, weil die Unternehmer wissen, daß Verkürzung der Arbeitszeit wirksamste Arbeitsbeschaffung für die stellenlosen Angestellten ist. Die Unternehmer gebrauchen die riesige Stellcnlosigkeit, um die Gehälter niedrig zu halten. Dennoch: es wird nur ein Zwischenspiel sein. Auch hier wird sich bewahrheiten: es ist ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft. Den An- gestellten wird begreiflich gemacht, wohin sie gehören. Eingereiht in die große Kamvfesfront für die Befreiung der Arbeit wird ihre Macht unwiderstehlich fein. Die Sowjetgranaten. Bucharin sagt: sie dürfen bei unS fabriziert werden. B u ch a r i n hat vor der Moskauer kommunistischen Organisation über die Sowjetgranaten gesprochen. Eine Wolke geschwollener Worte, und ein kleiner, aber hochlntcr- essanter Kern. Die Wolke: im Frühjahr wollen die bürger- lichen Staaten den Krieg erklären, Sowjetrußland in Gefahr, der Frieden bedroht. Der Kern: freundliche Offerte an die bürgerlichen Staaten, in Rußland Waffen für sich zu fabri- zieren, natürlich gegen Bezahlung an die Sowjetunion. Das ist der Kern: „Wir verheimlichen nicht und haben nicht verheimlicht. daß wir einen Vertrag mit der Firma Junters geschlossen haben, daß Flugzeuge gebaut wurden und gebaut werden, und wir können ganz offen erklären� daß wir nicht darauf verzichten werden. Irgendeinen rapitalistischenStaatzu ver- werten, falls er uns Jnstruktoren sendet und gegen eine ent- sprechende Bezahlung an uns auf unserem Gebiet I l u g z e u g e baut und andere, für die Landesverteidigung notwendige Waffen anfertigt." Die Wolke und der Kern widersprechen einander. Man fürchtet, angegriffen zu werden, aber man erleichtert es den Angreifern, sich zu bewaffnen, nur, um daran Geld zu ver- dienen? Wer soll da das Geschrei: Rußland ist bedroht! noch ernst nehmen? Wir halten uns an den Kern. Er ist ein Geständnis. Bucharin erklärt grundsätzlich: auf unserem Gebiet dürfen Flugzeuge, Granaten, Giftgas für die deutsche Reichs- wehr fabriziert werden. Voraussetzung ist nur, daß wir Geld dafür erhalten. Es ist das grundsätzliche B e- kenntnis zur Sowjetgranatenpraxis. Ueber diese für die deutschen Kommunisten vernichtend kompromittierende Rede, die sie alle Lügen straft, setzt die „Rote Fahne" als Ueberschrift„Der Granatenschwin- d e l erledigt". Ja, Bucharin hat ihn erledigt, den Schwindel der Pieck und Genossen. Veutsther dank an Sie Schweiz. Zsriedensarbeit und Hilfswerk. Die Schweizerisch-Deutsche chilfskommission, die letzte noch tätige Organisation des Schweizer Hilfswerks für das durch Krieg und Kriegsfolgen bedrängte Deutschland hat mit dem Ende vorigen Jahres ihre Arbeit eingestellt. Aus diesem Anlaß fand am Mittwoch ein feierlicher Empfang des schweizerischen Bundes» Präsidenten, der beteiligten Behörden und Persönlichkeiten beim deutschen Gesandten in Bern, Genossen Adolf Müller, statt. Der deutsche Gesandte, der den Dank seines Volkes, des Reiche- Präsidenten und der Landesregierungen Bayerns. Württembergs, Badens und Hessens überbrachte, erklärte in seiner Ansprache, daß Deutschland, die ihm während des Krieges und der Folgezeit be- wiefene nachbarliche Freundschaft nie vergessen wird. Er über- reichte dabei ein von Prof. Max Pechstein entworfenes Glasgemälde den Schweizer Behörden und Helfern, das die deutsch-fchwelzerifche Freundschaft symbolisiert. Bundespräsident M o t t a dankt« dem Gesandten mft dem Hin- weis auf die Freundschaft, die di« Schweizer stets in Deutschland genossen haben und verzeichnete mft Genugtuung, daß zwischen den ehemals kriegführenden Staaten jetzt wieder der Geist der Ver- söhnung und der Solidarität eingekehrt ist. Sauern gegen Großgrunübesitz. Tie Gründe für die Opposition gegen den Landbnnd. Die„P 0 m m e r f ch e Bauernschaft", die kürzlich aus Gegnerschaft gegen den„Pommerschen Landbund" gegründete Organisation, ist in den letzten Tagen und Wochen mit zahlreichen gut besuchten Versammlungen an die Oeffentlichkeit getreten. Dabei war es mögllch, etwas Genaueres über die Gründe zu erfahren, die den pommerschen Kleinbauern zu ihrem bedeutungsvollen Schritte gegen den Landbund Veranlassung gaben. Der Führer der„Pommerschen Bauernschaft" ist Dr. Wolf» g r a m m. Er hat noch eigenen Erklärungen jahrelang im Landbund für die Bauern gearbeitet und ist an führender Stelle in Berlin tätig gewesen, bis er einsehen muhte, daß sich die B a u e r n s ch a s t innerhalb des Landbundes dem Machtwtllen der Groß- grundbefitzer gegenüber niemals durchsetzen werde. Die Sftuation habe sich für die Kleinbauern verschlechtert, als sich der Bund der Landwirte mit dem Landbund zum„Reichslandbund" oerschmolz und als mft wachsender Sicherheit der Großgrund- besitz sich wieder auf seine allen Machtansprüche besann. Im Kreis« Ereifenberg habe der Großgrundbesitz die selbständige Bauerngruppe im Landbund« wieder zerschlagen. Im Kreise Kolberg-Köslin gebe es eine derartige Gruppe mit eigener Satzung überhaupt nicht. In der P r o o l n z i a l l e i t u n g können sich die Vertreter der Bauernschaft dem Großgrundbesitz gegenüber nicht durchsetzen, da dort nach Morgenzahl bestimmt.wird und nicht nach der Zahl der Mäimer und der Köpfe. So komme es, daß der Pro- vinzialverband Pommern im Reichslandbund durch zwei Vertreter des Sroßgrundbesitzes vertreten sei, obwohl Pommern zu zwei Dritteln von Bauern und nur zu einem Drittel vom Großgrund- besitz besiedelt sei. Der bekannte und bei allen Landbundparaden mitwirkende Bauernhvfsbesitzer R a n n o w, Vorstandsmitglied des Provinzial-Londbundes, habe selbst eingestanden, daß es u n m ö g- l i ch sei, in der Provinzialleitung dieJnteressenderBauern- s ch a f t den Vertretern des Großgrundbesitzes gegenüber wahrzunehmen. Gegenüber den bäuerlichen Genossenschaften sei ein falsches Spiel gespiell worden, um diese durch Kreditobtrcibung in die Abhängigkeit des Großgrundbesitzes zu bringen. In Schlesien, in der Mark und an vielen anderen Stellen habe es der Großgrundbesitz zum Teil mit Erfolg versucht, sich der H a s t p f l i ch t durch Verkürzung der Kündigungs- f r i st e n zu entziehen, um die Bauern allein den Schaden tragen zu lassen. Dadurch, daß der Großgrundbesitz in allen wirtschaftlichen Einrichtungen des Landdundes di« maßgebende Rolle spielle, sei cj ihm gelungen, die oerhällnismäßig billigen Staatskredite in der Hauptsache f ü r s i ch in Anspruch zu nehmen. In der Land- wirtschaftskammer für Pommern sei der nur 2000 Besitzer zählende Großgrundbesitz mit 34 Mitgliedern vertreten, während die weit stärkere Bauernschaft mit nur 30 Mitgliedern vertreten sei, also bei der Entscheidung der für sie wichtigen Fragen immer in der Minder- heit bleiben müsse Nach diesen Feststellungen sind es die bitteren Ersah- rungen mit den im Landbund herrschenden Großgrundbesitzern, die den pommerschen Kleinbauern zur Rebellion gegen den Land- bund und schließlich' zur Flucht aus seinen Reihen Anlaß gaben. Die Kleinbauern werden sich den Großgrundbesitzern gegenüber nur behaupten können, wenn sie regsamer und selbstbewußter werden und Anschluß an die Kreise suchen, die mit dem Großgrundbesitz Tag und Tag im Kampfe, den werktätigen Bauern aber nahe stehen, das heißt, wenn sie Anschluß suchen bei den Landarbeitern. Der Druck auf die Memelüeutscben. Litauischer Putsch-Schwindel zur Begründung. Vlemel, 27. Januar.(Ost-Presse-Dienst.) Die lftauischen Be- Hörden sind in große Ausregung geraten, die aus bisher unkontrollier- bar« Gerüchte zurückzuführen ist. Es verlautet nämlich in Kowno, daß die Memeldeut scheu sich ernst mit Putschgcdanken befassen und sich zu diesem Zweck in Kontakt mit den rechtsradikalen Verbänden in Ost preußen gesetzt haben. Diese Dermutun- gen haben die litauischen Behörden bereits zu äußerst scharfen Maß- nahmen veranlaßt. So wurde z. B. die Grenze zwischen Memel und Deutschland einer sehr starken Ueberwachung unterworfen. Wie der Ost-Presse-Dienst von gut unterrichteter Seite erfährt, betrachten die Memeldeutschen diese Handlungsweise als ein Mittel zum Zweck, die Repressalien der lftauischen Regierung gegen das Deutschtum in Memel vor der Außenwelt zu rechtfertigen. Zum Putschversuch in Lettland. Riga. 27. Januar.(Ost-Expreß.) Zu der Putschaffäre in Wolmar hat der lettische Kriegsminister«inen Tagesbefehl erlassen. in welchem er die schnelle und energische Unterdrückung des Putsch- versuche? rühmt, zugleich aber auch die Truppen davor warnt, den verschiedenen beunruhigenden Gerüchten über Umsturzvorbc- reitungen u. dgl. Glauben zu schenken, die aus trüber Quelle verbreitet werden. Die Sozialdemokratische Partei sieht in dem Vorfall Immerhin mehr als nur den sinnlosen Putschversuch eine» betrunkenen Offiziers, di« Regierung„müsse die Faust bereit halten"._, fibbau üer Korriöorsperre. Verhandlungeu in Warschau. Danzig, 27. Januar.(TU.) In Warschau ist eine deutsche Dele» gation zu Verhandlungen über Fragen des Transiwerkehrs zwischen dem Reich und Ostpreußen eingetroffen. Die Verhandlungen, an denen auch der deutsche Gesandte Rauscher teilnimmt, drehen sich in der Hauptsache um Verkehrserleichterungen. Bisher wurden die beiden Tages-Transit-O-Züge zwischen Königsberg und Berlin über Dirschau und Schneidemüh! durch den polnischen Korri- dor hindurchgeführt. Jetzt will man zu einem Abkommen gelangen. wonach vom 15. Mai ab die Reisenden, die aus Deutschland kommen und nach Polen oder Danzig wollen und diese Züge benutzen, Gelegenheit haben, die Transitzüge in Dirschau oder Könitz zu ver- lassen, sofern sie im Besitze eines gültigen Passes und des erforder- lichen Einreise- oder Durchreise Visums sind. Eventuell sollen auf den polnischen Korridorbahnhöfen Dirschau und Könitz deutsch« Zoll- beamten stationiert werden, die die ein- und aussteigenden Reisenden auf Gepäck und Pässe zu revidieren hätten. Diese Maßnahme würde bezwecken, einer Verlängerung der Fahrtzeften dieser V-Züge, die durch die Revision im Korridor eventuell eintreten würde, vorzu- beugen. Aehnliche Erleichterungen sind nicht nur für die Transitzüge aus der Schneidemühler Strecke, sondern auch auf anderen Strecken, z. B. auf der Strecke Schneidemühl— Thorn— Deutsch-Eylau und Lauenburg— Neustadt— Danzig— Dirschau— Marienburg geplant. Ministerreöe. Partei Wampe an ihr Volk. Von Lucia«. Da» deutsche Volt, stämmig in seiner Einigkeit, oder wie es s« ähnlich in der famosen Schwei... Weimarer Verfassung heißt, hat sich ein« neue Regierung gegeben. Getreu unseren monor... moralischen Grundsätzen, die wir gleich der Fahne schwarzwei... schwarzrotmost... schwarzrotgelb... schwarzrotgold meinetwegen allezeit hochhalten, mit jen>:m Mannesstolz, der in der oerfluch... verflosf-nen Iud... Jugendzeit ebenso wie im Mannesalter immer- dar unser« Zierde ist, denken wir unseren Grundsätzen auch weiterhin trcu zu bleiben. Ebenso wie unser erlauchter Kai... ich wollte sagen, keiner macht uns unseren Hindenburg nach, wie also unser geliebter Feld- Marschall, Reichspräsident«in Vorbild mannhafter Treue ist. so ge» loben wir ln Treu« dem deutschen Volte zu dienen. Jene» Schand- fri«i.. Schandfrikassees früherer Parteikämpf» wollen wir uns ent- halten. Versailles soll uns ein« Mahnung sein, durchaus kein An- laß zur Verzagtheit. Wie dort im Jahr« 71 das glorreiche deutsch« Kaisertum von der eisernen' Faust Bismarcks geschmiedet wurde, so soll der eherne Klang Versailles ein« Ergänzung sein zu dem weich- licheren Wort Locarnol In alter Germanentreu« geloben wir Ver- sailles als Versailles anzuerkennen. Ungleich dem perfiden Aldi... Albanten, wo man das deutsche Gemüt nicht kennt, gilt uns ein gegebenes Wort mehr als ein Fetzen Papier. Da» Wort Luthers: „Hier stehe ich, ich kann nur ausnahmsweise anders", wie ist es unseren Freunden, dem Zentrum aus der Seele gesprochen! In alter Brüderlichkeit stehen wir nunmehr zusammen,«in Herz und ein« S««l«, wie wir es im Grund« immer gewesen sind. Nur di« verfluchten Ju... Juristen mit ihrer Spitzfindigkeit konnten In die Echtheit unserer Gesinnung Zweifel setzen. Da, Beispiel des groß« Friedrich, ich mein« natürlich dc» sogenannten ersten Präsidenten, den fein« Partei groß zu nennen beliebt, soll un» freilich nicht allzu- sehr boeinflussen. Pots... potztausend möchte ich sagen, dorthin sollen unser« Blicke gerichtet sein. Die Reichswehr wollen wir von der Seuche des Feme... Feminismus befreien. Jeder preußische Beamte wird sein Ttcuegelöbnis zum Kö... zum köstlichsten Unter- pfand seine« Wirkens wachen. Nicht umsonst steht der 27. Januar an der Wieg« unserer Regierung, zwei Tag« vorm PresseballI Wir verteilen ebenso wie früher Orden... Ordnungsrufe jedem, der sie ver- dient. Jeder echte Deutschs wird daher mit uns begeistert in den Ruf einstimmen:„Mit Gott, für Kai... kein« andere Partei und BatcvdIeaN wird, wie der General- volldtrettor ankilndint. nächslcn Soimaecnd eine weitere Slui�ehnuna er-, fahren. Alle Plätze Englands sollen an den Dienst angeschlossen werden. Medoillea illr Kuosthochschll'cr. Die Pieu'iiiche Akademie der Künste Hai mit Zustimmung be» KuliuSminicker« ein« Medaille illr hervorragende Leistungen vreugilcher Kunfthochlchüler geststei. die zur Verleihung an solche Schüler der preuhischen Hochschulen sür bildend« Kunst. Kunilgewert- oder Musik und der MeisieralelierS und Meislerschulen der Akadrmle der Künste Berlin bestimmt ist. di- ihre Studien mit besonderer Auszeichnung beendet baben. Di« Zuerkennung erfolgt alljähillch zweimal bei Semeiler. ichlutz durch die Akademie der«ütlste. Di« Medaille wird nach einem Enlwinf von Pros-ssor Sie», Berlin, auSgesührt. Die lthkna-�ktkon öer llabour Partp. Vorbildlicher Internationalismus der Tat. Das entschlossene und mutige Vorgehen der englischen Arbeiterpartei gegen die gefährliche China- Politik der konservativen Regierung, über das wir heute morgen berichteten, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Wie oft konnten wir in den Zeiten des Kabinetts Macdonald in unseren deutschnationalen Blättern das Lob der englischen Arbeiterpartei lesen! Da wurden die englischen Sozialisten und Gewerkschafter als Muster„na- tionaler" Gesinnung gepriesen: während die deutsche Sozial- demokratie„internationalen Illusionen" nachjage, stelle dje englische Arbeiterschaft das eigene Vaterland über alle's. Dabei vergaßen die reaktionären Zeitungsschreiber völlig, daß gerade Macdonald und seine Freunde während des Krieges in schärfster Opposition zur Kriegspolitik der eigenen Regierung gestanden hatten. Was würden nun die Rechtsblätter bei uns sagen, wenn die deutsche Sozialdemokratie in einer ähnlichen Situation wie jetzt die Labour Party einen solchen Vorstoß unter- nehmen würde? Die englische Regierung beschließt militä- rUche Maßnahmen, entsendet nach Schanghai Kriegsschiffe, Flugzeuge und ein ganzes Expeditionskorps, und in dem- selben Augenblick richtet die Arbeiterpartei ein Telegramm an den Außenminister jener Kanton-Regierung, gegen die sich diese Maßnahmen wenden, und p r o t e st i e r t darin gegen die Kriegsvorbereitungen des eigenen Landes! Welch ..Landesverrats"-Geschrei würden die Angestellten Hugen- bergs gegen«ine so vorgehende deutsche Sozialdemokratie ei heben!, Unsere englischen Genossen haben mit der Absendung ihres Telegramms an den Außenminister Tschen nur ihrer internationalen Pflicht— allerdings in vorbildlicher Weife— genügt. Sie tun das gleiche wie die fron- z ö s i s ch e n und belgischen Sozialisten, als diese sich gegen den Wahnsinn der Ruhrbesetzung wandten, und wie die deutsche Sozialdemokratie in ihrem gegenwärtigen Kampf gegen die geheimen Verbindungen der R e i ch s w e h r mit nationalistischen Verbänden und sowjetrussischen Behör- den. Wir wissen nicht, ob die Iingoe-Presse eine„Landes- verrats"-H«tze gegen die Labour Party nunmehr inszenieren wird; aber wir wissen bestimmt, daß unsere englischen Genossen sich dadurch ebensowenig beirren lassen würden, wie wir durch Schmähungen und Drohungen davon abzu- bringen sein werden, die erwähnten Reichswehrskandale zur Sprache zu bringen. Auch unter einem anderen Gesichtspunkt ist das Vorgehen der Arbeiterpartei bemerkenswert: Seit Iahren kann man in der kommunistischen Presse der ganzen Welt täglich lesen, daß Macdonald, Henderson, I. H. Thomas„Lakaien des britischen Imperialismus" sejpn. In unzähligen mehr oder weniger geistreichen Karikaturen wurde diese kom- munistische Schmähung variiert. Wie läßt sich hun diese Anklage mit dem jetzigen Vorstoß der Arbeiterpartei und des Generalrates in Einklang bringen? Die Kanton-Regierung kämpft gegen den britischen Imperialismus und genießt deshalb— und zwar nur des- halb, und nicht aus Gründen einer internationalen proleta- rischen Solidarität— die Sympathie und die Unterstützung der Sowjetregierung. Die Regierung Baldwin-Chamberlain- Churchill entsendet zum Schutze der britischen Konzessionen gegen den Vormarsch der südchinesischen Armee Kriegs- schiffe und Truppen. Und wie äußert sich die„imperialistische Gesinnung" von Macdonald, Henderson. I H. Thomas in dieser Situation? Sie richten ein demonstratives Solidari- tä'stelegramm an den Außenminister Südchinas, in dem sie von den militärischen Vorbereitungen der eigenen Regierung scharf abrücken! Seltsame„britische Imperialisten"! Wir kennen die klilcheeartige Antwort der Moskauer, Berliner und Pariser„Prawda" im voraus: Die englischen Arbeiterführer handeln lediglich„unter dem Druck der revo- lutionären Opposition in den eigenen Reihen". Aber diese klägliche Ausrede der bolschewistischen Verleumder verfängt nicht mehr: denn gerade Macdonald, Henderson und Thomas haben besonders!n den letzten Monaten oft genug bewiesen, daß sie auf die Schimpfereien der von Moskau infvirierten „Opposition" ebensosehr pfeifen, wie wir auf das Ge- kläffe der„Roten Fahne". Arbeiterprotest auch in Südafrika. Iohlmnisburg, 27. Januar.(WTB.) Der Vollzugsausschuh des sültofritanlschen Gewerkschaftskongresses hat eins Entschließung angenommen, in der das Recht aller Völker auf voll st e Freiheit anerkannt, restlose Sympathie mit den Chinesen in ihrem Kampf um Beseitigung des Joches der aus- ländischen Ausbeutung erklärt und das Vorgehen derjenigen Re- gierungen verurteilt wird,.die«ine Politik militärischer Intervention begonnen haben, in der Absicht, die Ungerechtigkeiten, unter denen die Chinesen gelitten haben, zu verewigen". Eine Säuberungsakkion. In dem Orte Lawald« bei Loebau ist der dortige Bürgermeister Kutscht«, auf Antrag der Ge- meindevertretung, von seinem Amte zurückgetreten. Der Schritt Kutscht« ist auf«inen Antrag der sozialdemotra- tischen Gemeindevertretung des Ortes bei der Amts- hauptmannschaft Loebau zurückzuführen, der verlangt, daß Kutschkes Kassenführung einer sofortigen Prüfung unterzogen werde. Bei der Nachprüfung der Bücher stellte sich heraus, daß bei den Beträgeki für oi: Erwerbslofenfürsorge Unregelmäßigkeiten festzustellen waren. Di« fozialdemokratisch« Fraktion hat den Aus- schluß Kutschkes aus ihren Reihen beschlossen. Die gefälfchien Relchswehrminlfierium-Vokumente. Zu der Ver- öffentlichung des Iungdeutschen Ordens über die Ausdeckung gesälsch. ter G-Heimprotokolle über Sitzungen im Reichswehrministcrium mit den genannten Wehrverbänden, verbreitet dieses Amt durch die Korrespondenz Sochaczewfki eine Erklärung, wonach diese gesälsch- ten Protokolle bereits seit über Jahressrist bekannt sind. Gegen die Fäscher schwebt ein gerichtliches Strafverfahren. Der faschistische Lockspitzel Garibaldi hat das Durchreife- vifum der englischen Regierung doch noch erhalten und will noch Kuba gehen, da England. Nordamerika und die Schweiz seine Ein. reis« verboten haben. Er traf Mittwoch abend in Folkestone ein. Von dort wollte er seine Reise nack einer anderen englischen Lrnfen- stadt fortsetzen, mußte aber auf englische Anordnung In einem Falke- sioner Hotel unter polizeilicher Bewachung die Nacht verbringen, um mit dem nächsten Schiff nach Kuba abzufahren. Bei einem antifaschistischen Aorirag des Professor Salvemini in New Port kam es nach der Versammlung zu Zusammen- stoßen, wobei ein Faschist durch emen Dolchstoß in den Rücken schwer verletzt wurde. Der Täter ist unerkannt entkommen. /llles un Opfer des Krieges. Auf der Anklagebank ein Trio: als Zentralfigur eine Basier- mannsche Gestalt, ein Typus aus dem Gorkischen„Nachtasyl". Ein intelligenter, fast durchgeistigter Kopf auf einem langen hageren Körper, der in einem Anzug steckt, wie man ihn in einer Berliner Wärmehalle oder im Asyl in der Fröbelstraße einlaufen sehen kann. Mit vertränten, starren und demütigen Augen schaut dieser ständige Bewohner der obskuren Herberge„Notnagcl" vor sich hin. Sohn eines pensionierten Lehrers, im Kriegslazarett Morphi- nist geworden, Apothekeraehilfe und Student zweier Semester in Frankfurt a. M.. dann Strasgefangener wegen Betruges und vom Vater für ewige Zeiten verstoßen, K o k a i n i st und M o r p h i n i st. von Stufe zu Stufe gesunken, wurde er schließlich Bettler mit gutem Ertrag. Alles geht aber für„Koks" und Morphium drauf, und wenn er etwas davon übrig hat, gibt er es anderen ab. Der zweite Angeklagte, der Mechaniker M.. kricgsver schüttet und Stotterer, auch rauschgiftsüchtig vom Kriegs- lazarett her, im Untersuchungsgefängnis von seiner Morphiumsucht geheilt,— wie er freudig strahlend dem Gericht erklärt. Der dritte, der Arbeiter M.. ehemals Kokainist und Kokainhändler. jetzt von beidem geheilt. Der Totbestand ist einfach und eindeutig. F. will als Drehorgelspieler neben einem Müllkasten einen Bries- Umschlag mit fünf Aerzteblanketts gesunden haben, die den Stempel und die Unterschrift eines Berliner Arztes trugen. Vier von diesen Rezcptformuloren fand man bei ihm zu Hauje. Eins davon trat er für eine Kokaineinspritzung an den Mechaniker M. ab. Dieser ließ sich vom„Pharmazeuten" eine Kokoinlösung verschreiben und schickte den augenblicklich nicht auffindbaren S. in die Apotheke, das Rezept aufzugeben. Es war aber falsch geschrieben, man schöpfte Verdacht, fragte den Arzt an und verhaftete S. So kamen alle drei auf die Anklagebank. Dem Landgerichtsdirektor Steinhaus vom Schöffengericht Berlin-Mitte war es nicht so sehr um die schwere Urkundenfälschung zu tun als darum, den Angeklagten zu Helsen. So verurteilte das Gericht den Arbeiter F. und den „Pharmazeuten" zu je vier Monaten, den Mechaniker M. zu drei Monaten Gefängnis und verlieh allen Bewährungs- f r i st. P. mußte sich ober verpflichten, im Laufe eines Monats das Gericht davon in Kenntnis zu setzen, daß er bereits eine Entziehungskur in einer Anstalt durchmache. Die Morphiumsucht zeichnet nur zu oft die eigenattigsten Schnörkel auf den Teppich des Lebens. Da stand vor einigen Tagen vor dem Richter die Frau eines der bekanntesten Spezialärzte Berlins: die Anklage lautete auf Urkundenfälschung— nicht weniger als 50 Rezepte hatte sie im Laufe zweier Monate gefälscht, alle auf den Namen ihres Mannes. Allein aus einer Apotheke in der Kommandontenstraße hatte sie sich 140» Ampullen zum Einspritzen holen lassen. Und Kaufmann �ackbusch wieder verhaftet. „Ter erste Schuft galt dem Knaben." Die Neuköllner Tragödie hat zu einer erneuten Festnahme des Kaufmanns Paul Hackbusch geführt. Der Untersuchungsrichter beim Landgericht II erließ gegen Hockbusch einen Haftbefehl, mit dessen Ausführung gestern abend die Kriminalpolizei beauftragr wurde. Die Bomten fanden den Mann nicht in semer Wohnung in der Holzendorfsstraße zu Charlottenburg, stellten vielmehr fest, daß er sich bei seinem Bruder in Treptow aushielt. Hackbuich wurde nun sofort nach dem zuständigen Revier vorgeladen, erschien dort auch alsbald und wurde in Gewahrsam genommen. Wie er sagt, konnte er in der Holzendorfsstraße nicht mehr wohnen, weil er dort U n- annehmlichkeiten mit dem Publikum befürchtete. Aus diesem Grunde begab er sich zu seinem Bruder noch Treptow. Die Darstellung, daß er erst auf den Steuersekretär geschossen habe und dabei seinen Sohn aus Versehen getrofsen habe, bezeichnet er als umichtig. Er bekennt vielmehr, daß der erste Schuß dem Knaben galt, den er erschießen wollte. Er hat dann noch einen Schuß abgegeben, der aber den Beamten verfehlte. Hackbusch ist jetzt völlig niedergeschlagen. Er bleibt nach wie vor dabei, daß ihm das Finanzamt Unrecht getan habe. Das ist aber natürlich noch lange kein Grund für sein gewalttätiges Vorgehen. Was nach der Obduktion der Leiche des Knaben, die heute vorgenommen werden soll, mit dem Mc.nne geschehen wird, ist noch nicht bestimmt. Es wird erwogen, ob er in einer Nervenheilanstalt untergebracht werden soll. e Zur Bluttat«ms dem Finanzamt Neukölln wird uns von einem D-amten des Amtes, der Mitglied der Beamtenverttstung ist, mitgeieill: Di« Beamieuschost der Finanzämter, insbesondere die des Amtes Neukölln, muß schärfstens Protest erheben gegen die falsch« Berichterstattung der meisten Zeitungen über den Vorfall. Di« Wirkung dieftr Berichterstattung kann nur die sein, daß das Publikum seinen Unwillen über vermeintliche ungerecht« steuerliche Belastung immer mehr an den Beamten ausläßt. Die außerorixnt- lich komplizierten Steu«rverhältniss« und die durch den Beamtenabbau außerordentlich verringerte Beamten- schaft ist derart mit Arbeit überlastet, daß es nur unter Anspannung jedes einzelnen Beamien möglich ist, die Arbeit zu bewältigen. Die Beamtenschaft ist nach wie vor bemüht, u n p a r- teiisch und objektiv ohne Ansehen der Person in möglichst reibungsloser Weis« die gtttenden Steuergc setze loyal zur Durch- führung zu bringen. Sie bittet alle beteiligten Bevölkerungskreise, sie in diesem Bestreben zu unterstützen. VleSer einer von den �ltenl Am Sonnabend, den 22. Januar, starb nach längerer Krankheit im Alter von 67 Jahren unser Genosse Hermann Kriede- mann Er ist in Prenzlau im Kr. Angermünde geboren. Schon in jungen Jahren kam er zur Partei. Der Gewerkschaft der Tabak- arbeitcr schloß er sich 1883 om Unter dem Sozialistengesetz gründete er mit Gleichgesinnten den„A r b e i t e r v e r e i n s ü r P r e n z l a u und Umgegend", der, nach dem Fall des Ausnahmegesetzes, im Jahre 1892 wieder aufgelöst wurde. Die Polizei des alten Staates beschäftigte sich öfter mit ihm. Wegen(einer politischen Gesinnung wurde er vom Unterneymertum gemaßregelt. Er ging nach Brandenburg a. d. H., 1893 siedelte er endgültig noch Berlin über, wo doch ein regeres Parteileben war. Im sechste» Wahlkreis wirkte er als Abteilungsleiter und Kassierer. Bis Krank- heit ihn niederwarf und der Tod seinem weiteren Schassen ein Ziel setzte. Seine Frau ging ihm am 1. Mai 1926 im Tode voran. Beide haben vorbildlich gewirkt und sich in der Kleinarbeit als gute Ge- nassen betätigt. Die Einäscherung findet heute abend 9 Uhr im Krematorium Gerichtstraße statt. Schwerer Zusammenstoft in Steglich. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Autobus der Linie 5 und einem Lastkraftwagen ereignete sich heute vor- mittag gegen 10 Uhr an der Ecke Rhein- und Schloßstraße zu Steglitz. Drei Fahrgäste wurden erheblich verletzt. Der Führer des Autobusses mußte seinen Wagen an der Straßenkreuzung scharf bremsen. Der Fahrer eines hinterherkommenden Lastkraftwagens tonnte fein Gefährt nicht rechtzeitig zum Stehen bringen und prallte mit großer Wucht auf den Autobus. Di« Plattform wurde völlig eingedrückt, iämtlicht Fensterscheiben zersplitterten. Der 27jährige Dr. Günter Dietze aus der Waßmannfrraße 4. der 57jährige Kauf- mann Johann Deutsch aus der Lef�vrestraße 23 zu Friedenau und l Kokain. . Gefälschte Rezepte. als eines Tages der Apotheker, mißtrauisch geworden, beim Arzt anrief, da erhielt er von der Frau Doktor zur Antwort: es ist alles in bester Ordnung. Das Dreifache des sonst üblichen Quan- tums spritzte sie sich Tag für Tag unter die Haut. Ein Unfall hatte sie zur Morphinistin gemacht und ihr Mann, der berühmte Arzt, lebte an ihrer Sefte und merkte nichts von ihrem Treiben. In der Gerichtsoerhandlung war er übrigens in eigener Person er- schienen. Ueber seine Frau, die mit Brillanten und Nerzpelz, wie zu einer Festlichkeit geschniückt, im Bewußtsein, daß ihr nichts pas- sieren könne, auf der Anklagebank Platz nahm, verweigerte er die Aussage. Er mußte sie aber machen in bezug auf die beide» K a m in e r z o f e n, die seiner Frau bei der Beschossung des Morphiums behilflich waren. Für diese wurde die Morphium- sucht ihrer Herrin zur guten Einnahmequelle: jedes Rezept brachte ihnen 3— 5 Mark. Sie drangen förmlich darauf, daß die„Gnädige" ihnen Rezepte gebe— daß sie gefälscht waren, wußten sie— und gönnten schließlich«iiiander nicht mehr den leichten Verdienst. Die Köche verpetzte die Grete beim Herrn Doktor. Der verbot der Grete, die Rezepte zu besorgen. Run beherrschte die Köche allein das Feld. Ini Uebermut nahm sie»in Paar seidene Strümpfe fort. Ihr wurde gekündigt und Grete durste wieder zur Vertrauten ihrer Herrin aufsteigen. Da lief die Käthe schnurstracks zur Polizei und erstattete Anzeige. Die Bescherung war da! Die Käthe hatte sich gründlich verrechnet. Das Gericht zeigte wohl. Verständnis für die Frau Doktor; zwar teille es nicht die Meinung des Gerichtsarztes. daß hier§ 51 vorläge: es fällte aber ein mildes Urteil: an Stelle der eigenllich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat sollten 10 000 Mark an die Staatskasse abgeführt werden. Da hätte die Frau Doktor einfach«in Paar von ihren Ringen und den Pelz dalassen können und die Geldbuße wäre erlegt. Für die Mädchen gab es ober je einen Monat Gefängnis— wegen ihrer.Habgier" nämlich— und keine Bewährungs f r i st. Absitzen sollen sie sie! Der Apotheker, der übrigens mit der zierlichen Käthe sowas ähnliches wie ein kleines Liebesverhält- nis angeknüpft hatte, wurde freigesprochen. » Gestern abend wurde von Beamten des Sonderdezernates der Kriminalpolizei wieder einmal ein guter Fang gemacht. Fünf Kokainhändler, ein„Groß-" und vier„Kleinhändler", die schon lange von der Polizei beobachtet wurden, konnten in einem Lokal in der Tauentzienstraße endlich dingfest gemacht werden. Fünfzig Gramm Kokain, die in einer'Aluminiumflasche versteckt aufgefunden wurden, und fünfzehn zum Vertrieb fertiggemachte Päckchen wurden beschlagnahmt. der I9jähriae Schaffner des Wagens, Willibald Scharfenberg aus der Mulackstraße 8, zogen sich erhebliche Wunden zu. Die übrigen Fahrgäste blieben zum Glück unversehrt. Die Verletzten wurden zur nächsten Rettungsstelle gebracht, wo ihnen Notoerbände angelegt wurden. Beide Fahrzeuge wurden so stark beschädigt, daß sie ab- geschleppt werden mußten. Die Schuldsroge tonnte noch nicht ein- wandfrei geklärt werden. Nachzahlung für Englanügefangene. 200 000 Pfulld von England überwiesen. Rund zweihunderttausend Reichsdeutsche sind wahrend des Weltkrieges in britischer Kriegs- oder Zivjlge- f a n g e n s ch a s t gewesen, wozu auch npch das In englische Ge- fangenschast geratene deutsche Sanitätspersonal kommt. Es macht dabei keinen Unterschied, ob sie auf britischem oder auf französischem Boden in englischer Gefangenschaft gewesen sind. Nach der Haoger Landkriegsordnung dürfen Kriegsgefangene mit Arbeiten beschäftigt werden und erwerben dadurch ein gewisses L o h n g u t h o b e n. Deutschland hat für die ausländischen Staats- bürger, die in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen sind, schon längst diese Guthaben bezahlt. Nunmehr hat die britische Regierung als erste Rate der in Betracht kommenden Gesamtsumme von 16 Millionen Mark den Betrag von 200000 Pfund zur Auszahlung dieser Guthaben überwiesen. Von den zweihundert- tausend ehemals Gefangenen haben sich bis jegt nur etwa neun- zehntausend gemeldet. Alle diese ehemaligen Heimkehrer bzw. deren Erben, auch wenn sie bereit» ihr Guthoben ganz oder teilweise in Papiermark erhalten haben, werden hierdurch aufge- fordert, auf Postkarte mit deutlicher Handschrift der„Restoerwaltung für Reichsaufgaben". Berlin W. 9. Königgrätzer Str. 122, folgend- Angaben zu machen: „Betr.: englisches Guthaben. Bor- und Zuname, genaue jetzige Adresse, Geburtstag, letzter deutscher Truppen- teil zur Zeit der Gefangennahme. Nummer der englischen Ge- fangenenkompcgnie bzw. Depot oder'Lagerbezeichnung.. Erben verstorbener Heimkehrer haben außerdem eine amtliche Bescheinigung über ihre Erbberechtigung beizubringen. Jeder weitere Zusatz ist zwecklos und verzögert die Bearbeitung. Militärpässe, Entlassungsscheine, sonstige Personalpapiere oder Rückporto sind nicht beizufügen. Die Auszahlung der Guthaben erfolgt nach der Reihenfolge des Eingangs der Anträge und nur durch die P o st. Ein persönliches Abheben der Beträge kommt nicht in Frage. Wer kein Guthaben hat, erhält einen ablehnenden Bescheid, gegen den Einsprüche zwecklos sind. Heimkehrer, d>'-' der Restoerwallung für Reichsaufgaben nach dem 1. Juli 1926 die geforderten An- gaben bereits eingesandt haben, brauchen ihre Anträge nicht zu erneuern, da diese vorgemerkt sind. Da über zweihunderttausend Einzelguthaben in Frage kommen und die englische Regierung zu- nächst nur den vierten Teil des Gesamtbetrages überwiesen hat, wird die Auszahlung geraume Zeit dauern. Erinnerungsschreiben sind zwecklos und werden nicht beantwortet. Die ersten zwölf Autoparks. W« wir erfahren, ist die Einrichtung der bewachtenAuto- Parkplätze inzwischen so weit gefördert, daß die ersten zwölf Plätze festgelegt und vom Polizeipräsidium genehmigt worden sind. Hiernach werden die neuen Autoparks der Deutschen Wachgesellschaft m. b. H. zunächst aus folgenden Plätzen und Straßen eingerichtet werden: Georgen-Kirch-Platz, Reue Friedrichstroße gegenüber dem Amtsgericht Mitte, Klostcrstraße zwischen König- und Pärochialstraße, Lustgarien am Dom(nur während der Börsenzeit). Kaiser-Franz-Joseph-Platz.' Hausvogteiplatz. Jägerstraße, zwischen Oberwallstraße und Gendarmenmarkt, Kaiserhofstraße, zwischen Mauer- und Wilhelmstraße, Pariser Platz. Leipziger Platz(südliche Umgehungsstraß«), Wittenbergplatz. Die Aklenbeseiliguag in Werder. Bedenkliche Zustände scheinen seit längerer Zeit bei der Auswertungsabteilung des Amwgerichtz Werder a. d. Havel geherrscht zu haben. Bekanntlich ist dort der Verlust zahlreicher Akten festgestellt worden: ein großer Test der Akten ist jetzt bei Bauern und Obstzüchtern wiedergefunden, denen die Aufwertungsatien von bisher noch nicht ermittelten Per- sonen des Amtsgerichts Werder ausgehändigt worden sind. Segen den iialienlschea Aaschl-mn». DaS Bureau»um Ttudmm dcZ ftaichiemuS ruft auf den 27. Januar, abends Tl, Ubr. in dir Gladthalle. Nloiterstrasie, eine Versammlung gegen den ilalienischen Faschismus ein, an der der italientschc Slbgeordnete Guido Miglioli, Pfarrer Bleier und Herr Dr. Rasenberg, M. d. ist., sprechen werden. Schutz den schwangeren flrbekterknnen! ©ine Unternehmerdenkschrift über die Textilarbeit. Der Textilarbeiterverband hat bereits vor einem Jahre in einer Denkschrift über die Beschäftigung von schwangeren Frauen di: Schädlichkeiten der Textilarbeft besonders bei Schwangeren nochgewiesen und Abhilfe gefordert. Die Unternehmer. die zu dem in dieser Denkschrift vorgetragenen Material lange ge- schwiegen haben, kamen schließlich mit einer Gegendenkschrift heraus. in der nicht nur das Märchen von der..Leichtigkeit" der Textilarbeit wiederholt wird, sondern auch erklärt wird, daß die Arbeit in der Textilindustrie für schwangere Frauen ganz gesund ist. Der Arbcttgeberverband der deutschen Textilindustrie, auf dessen Veranlassung die Denkschrift zustande gekommen ist, kann nirgendwo eine Schädlichkeit erblicken. Die Staub saugeapparate sorgen angeb- lich überall für reine Luft, die Maschinenarbeft sei durchaus nicht schwer und auch sonst sei keine Arbeit zu leisten, die erhebliche körperliche Anstrengungen erfordert. Was nun die B-schästigung »on schwangeren Frauen anbelangt, so ist die Denkschrift der An- ficht, daß die Arbeiterinnen ruhig biskurzvorihrerNieder- k u n f t arbcfteu können. Man habe festgestellt, daß die Hälfte aller schwangeren Textilarbefterinnen erst fünf Tage vor der Ni.'der- kunft die Arbeit verläßt, andere sogar erst zwei Tage vorher! Etwas anderes ist von einer Denkschrift, die die Unternehmer herstellen lassen, natürlich nicht zu erwarten. Aber das Material, das dzr Deutsche Textilarbeiterverband in seiner Denkschrift ver- öffenllicht hat. ist damit nicht entkräftet, sondern findet hier- durch noch eine Ergänzun g. Nichts wagen die Unternehmer abzustreiten, sie machen lediglich den Versuch, der aber auch miß- lingt, die Ausbeutung der Frauen zu rechtfertigen. ' Daß schwangere Frauen bis fünf Tage vor der Niederkunft ar- heiten, ist uns nichts Neues, aber das geschieht nicht, weil ste Ge- fallen daran haben, oder weil es ihrer Gesundheit zuträglich ist. wie die Unternehmer zu behaupten wagen, sondern weil sie erstens den Verdienst sich nicht entgehen lassen möchten und weil sie zweitens die Arbeitsstätte nicht verlieren wollen Bis heute sind die Unternehmer noch gewissenlos genug, jeden Arbeiter und jede Arbeiterin zu entlassen, wenn durch Krank- hcit oder andere Untällc einmal ausgespannt werden muß. ver Suchüruckerschieüsfpruch verbinülich. Der Schiedsspruch für das Buchdruckgewerbe, der die Ansprüche der Gehilsen auf Lohnerhöhung glatt beiseite schob und die Frage einer Neuregelung der Löhne bis zum l. April 1027 vertagte, ist— wie zu erwarten war— auf Antrag der Unternehmer für verbind- lich erklärt worden. Die Gehilfenschaft halte diesen Schiedsspruch einmütig abgelehnt./ vie Säcker?um �rbeitsschutzgesetzentwurf. Eine überfüllte Mitqlioderoersommlunq des Deutschen Nahrung». und Genußmit'elverbandes. die im großen Saal des Lehreroereins- housrs stattfand, nahm Stellung zu dem Entwurf des Arbeitsschutz- yesetzcs. Der Redner des Abends, Genosse I a n s ch c t. zeigte an Hand zahlreicher Beispiele, daß das Gesetz für den Arbeiter im allgemeinen nur umige Verbesserungen seiner Lange bringt, dafür aber zohlre ch« Vrfchlccht-'rungen. Der Endwurf, der mit besonderer Berücksichtigung seiner Auswirkungen auf das Bäcker- und Konditorenoewerb« behandelt wurde, würde nicht nur den Achtstundentag für die in diesem Gewerbe Beschäftigten— wie für viele andere Arbeiter— illusorisch machen, sondern es würde für Bäcker �md Konditoren auch eine Wiedereinführung der Nachtarbeit bedeuten, da es den Vieruhrbeginn der Arbeit ermöglicht. Auch die Sonntagsarbeit würde für Bäcker und Konditoren durch dieses Gesetz als planmäßig anerkannt werden. In einer äußerst erregten Diskussion sprachen sich alle Redner gegendenEntwurf in der jeg! vorlebenden Form aus. Selbst e n Bäckerm- istcr betonte, daß es für di« Arbeitgeber, nicht für die Arbeitnehmer geschaffen sei. So kam es am Schluß der Verfaminlung zur einstimmigen Annohm« einer Resolution, in der be.ont wurde,„daß der Titel des Gesetzes irreführend wirkt, da fein« Bestimmungen sich in der Hauptsache nicht den Schutz der.Arbeiter obgelegen fein lassen, sondern den Arbeitgebern weitgehendste Bewegungsfreiheit geben, durch welche der gewollt Schutz illusorisch wird". Besonders gegen die§8 24 und ZZ. die in der Haupt- sondern den Arbeitgebern weitestgehende Bewegungsfreiheit geben, würden, wurde stärkster Protest erhoben, und an die Der- tre.er der Parlamente das dringende Verlangen gestellt,„ihre Macht und Tä.igkeit dahn einzusetzen, daß der Schutz der Arbeit in einem solchen ArbeUsschiitzgefetz eindeutig in Erscheinung treten muß, Auslegung skün ste durch dieses unter- b u n d e n werden, als Nachtarbeit wie bisher die Zeit von abends 10 Uhr bis morgens 6 Uhr gilt und der Achtstundentag als Selbst- Verständlichkeit zu werten ist"._ Ter Polier-, Werk- und Tchachtmeisterbund. Der Bezirksverein Berlin des Polier-, Werk- und Schachtmeister- bundes hatte am Mittwoch in den Sophien-Sälen feine Jahres- generalversammtung. Der Vorsitzende F ä s l e r bemerkte in seinem Geschäftsbericht, daß die Wirtschaftskrise auch im Vorjahre noch das Beugewerbe sehr stark niedergehalten habe. Dies zeige insbesondere die große Zahl der erwerbslosen Mitglieder, die im Vorjahr« einen Umfang angenommen hatte, wie noch nie seit Bestehen der Organisation. Während zu Beginn des Jahres 139 Mitglieder stellungslos waren, stieg diele Zahl bis zum Juli, in welchem Monat das Baugewerbe sonst Hochkonjunktur hat. aus 2 S 7, das sind über 2 S P r o z. der Mitglieder. Dabei muß noch bemerkt werden, daß es infolge der praktischen Solidarität der Ver- «insmitglieder gelang, einen Teil der in dieser Zahl nicht berück- sichtigten Mitglieder als Handarbeiter zu beschäftigen. Trotz dieser überaus ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse gelang es dennoch, den Mitgliederstand auf der Höhe des Vorjahres zu hasten. Der Verein zählte am End« des Jahres 1926 insgesamt 8 7 6 Mit- g l i e d e r gegen 872 zu End« des Jahres 1925. Bedauerlich sei die immer noch starke Fluktuation uifter den Mftgliedern, die darin zum Ausdruck kommt, daß trotz der Neuaufnahmen von 113 Mitgliedern am Ende des Jahres nur vier Mitglieder mehr als im Voriahre u verzeichnen waren. Zum Schlüsse appellierte der Redner an die itglieder, auch in diesem Jahre wieder rege für die Organisation zu werben. Nach dem Bericht des Kassierers, der über eine gesunde Entwicklung der Kassenoerhältnisse berichten konnte, wurde der Vor- sitzende gegen eine Stimme für das lausend« Geschäftsjahr wieder- gewählt. Es folgte dann noch die Wahl der Beisitzer, Revisoren, AfA-Delegierten und einiger Kommisüonen. & Arbeiten für die Reichswehr. Im Laufe des letzten Jahres kamen immer häufiger bedenk- liche Uebergrisfe verschiedener Dien st stellen des Reichswehrministeriums gegenüber Arbeitern vor. So wurden wiederholt kurzerhand Arbeiter entlassen mit der Motivierung, es wären keine Mittel zur Weiterführung der Arbeit mehr vorhanden. Auf den Truppenübungsplötzen kam es vielfach vor, daß man die laufenden Instandsetzungsarbeiten plötzlich an private Meister vergeben hat. um die sonst beim Truppen- teil beschäftigten Arbeiter zu entlassen. Bei dem Pionier- bataillon in Küstrin wurden z.B. di« Arbeiter kurzer» Hand entlassen, weil sie von ihrem Recht, einen Betriebs- rat zu wählen, Gebrauch machten. Alle diese Beschwerden und Vorgänge waren gegen Ende des vorigen Jahres Gegenstand einer Aussprache mit dem Reichswehrminister. Auf Grund dieser Aussprache ist nun- mehr an den Verband der Gemeinde- und Staats- arbeiter ein Schreiben des Retchswehrmlnisters gelangt, d�s im wesentlichen folgenden Wortlaut hat: „Wegen der Vergebung von Arbeften der Truppen an Privat- Handwerksmeister haben die betressenden Dienststellen folgende Weisung erhalten:„Die Truppen sind zwar in der Verwendung der ihnen für Instandsetzung der Bekleidung und Ausrüstung zur Selbstbcwirlschaftung gewährten Mittel selbständig: es darf aber hierbei nicht ausschließlich der finanzielle Borteil der Truppen maßgebend sein, sondern es muß. da es sich um einen Reichsbetrieb handelt, auch gebührend Rücksicht auf die allgemeine Wirtschaftslage und auf die Interessen der je- weils in Frage kommenden Arbeitnehmer ge- nommen werden. Dem Reichswehrministerium ist daran gelegen, daß von den Truppen alles oermieden wird, was begründeten Anlaß zu Klagen über unbillige Härten geben könnte, besonders müssen die Bestimmungen des Tarifvertrages für die Arbeiter bei den Reichsverwoltungen sowie des Be- triebsrätegesetzes beachtet werden." Dies« Weisung besagt, daß Arbeitnehmer, die sich aus Grund langer Dienstzeit bestimmte soziale Rechte erworben haben, nicht mehr rücksichtslos auf die Straße geworfen werden dürfen. Hoffent- lich ziehen nun die Arbeiter in den Reichswehr- betrieben aus der Weisung des Reichswehrministers die snt- sprechenden Konsequenzen und wählen unter allen Umstän- den ihre örtlichen Betriebsräte und Betriebsobleute. Der Fall in Küstrin ist ein warnendes Beispiel. Hätten die Arbeiter keinen Be- triebsrat gehabt, dann wäre ihnen ein Einspruch bei dem Arbeits- gericht nicht möglich gewesen.__ Unbillige Härte bei der Post. Das Postamt C. 2 hatte sich wieder einmal gegen eine Ein- fpruchsklagc des Betriebsrats wegen derEntlassungoonzwei Helfern vor dem Arbeitsgericht zu verantworten. Der Helfer H. ist seit 1 993 mit vielen meist sehr kurzen Unterbrechungen im Dienst der Post beschäftigt. Wenn er die Unterbrechungen ab- rechnet, so bleiben immer noch 18 volle Dienstjahre übrig. Er glaubt Anspruchoufdauernde Beschäftigung zu haben. Er beruft sich aus einen Erlaß des Ministers, wonach Helfer im 45. Lebensjahr nach 19, im 59. Lebensjahre nach 15 Dienstjahren dauernd beschäftigt werden sollen. Obgleich er diese Boraus- setzungen erfüllt habe, sei er nun doch entlassen.— Aehn- lich liegen die Berhättnisse bei dem zweiten Kläger, dem Helfer Sch. Der Vertreter der P o st b e h ö r d e berief sich darauf, daß ein Erlaß des Ministers den Dienststellen möglich st e Sparsam- keit auch in der Beschäftigung von Personal zur Pflicht inache. Die Zahl der b e i m P o st a m t C. 2 b e s ch ä f t i g- t e n Helfer sei von 700 aus 62 abgebaut. Jetzt mache sich eine weitere Verminderung nötig und da seien eben die beiden Kläger an der Reihe. H. sei wegen A u g e n s ch w ä ch e nicht zu allen Arbeiten zu verwenden, und Sch. sei einmal dabei betroffen worden, daß er seine Arbeit vernachlässigte. Der Vorsitzende des Betriebsrat bezeichnete diese Gründe als nicht ausschlaggebend. Es sei doch auffallend, daß alte Helfer nach langsähri-ger Dienstzeit entlassen werden, während man junge Männer, die im Haushalt ihrer Eltern leben, weiter beschäftige. Das Gericht kam zu der Ueberzeugung. daß die Entlassung der beiden Kläger eine unbillige Härte ist. Die Postoer- waltung wurde verurteilt, beide wieder einzustellen oder dem Kläger H 489 M., dem Kläger Sch 249 M. Entschädigung zu zahlen. In der Urteilsbegründung wurde gesagt, die einmalige Vernoch- lässigung der Arbeit durch Sch. sei kein ausreichender Entlasfunas- grund, ledoch habe dos Gericht mit Rücksicht äuf diese Verfehlung die Schadenersatzsorderung dieses Klägers auf die Hälfte herabgesetzt. Wie wir erfahren, erklärt man sich in den Reihen des Personals beim Postamt C. 2 die auffallende Bevorzugung ge- wisserjunger Männer so: Man will junge Leute mit der Zeit in das Beamtenoerhältnis überführen. Hierbei wird nicht in erster Linie auf die Arbeitsleistung gesehen, sondern auf eine Gesinnung, die unentwegt in den Anschauungen und Traditionen der wilhelminischen Zeit wurzelt. Dos erscheint ange- sichte der Erfahrungen, die wir in der Personalpolitit der R e i ch s p o st schon oft gemacht haben, durchaus glaubhaft. Cs ist aber ein grober Verstoß gegen die verfajsungs- mäßig en Rechte der Arbeitnehmer, dem endlich ein Ende gemacht werden müßte. «Sgelehttter Schiedsspruch. Görlitz. 27. Januar.(MTB.) Der am 18. Januar oon de» Schlichtunoskammer Breslau in der Lohnbewegung der fchlssifchen Textilindustrie gefällte Schiedsspruch ist von den Arbeitgebern rme von den Arbeitnehmern abgelehnt worden. die Sewerkschasten in öen VatkanlänSern. In Jugoslawien wurde in den ersten Nachkriegsjahren die Gewerkschaftsbewegung durch die kommunistische Fglwtwn sehr ge- hemmt. 1929 waren in den B e r g w e r k e n 11 2-Z0 Arbeiter orgo- nisiert, 1924 nur 723 Bergarbeiter. 1923 waren 1WI999 Holzarbeiter organisiert, 1924 nur 2999. Von den Lederarbeitern waren nur 499 organisiert. Insgesamt waren 1924 W 990 eitei organisiert. Seit dem Jahre 1926 ist die Gewerkschaftsbewegung wieder im Aufsriea begriffen, und zwar hatten d.e Eisen- b a h n e r früher 2678 Organisierte, im September 1926 dogegen 5661 Mttglieder. Der Zentraloerband der A n g e st eilten hatte am 1 Januar 1926 nur 1949 Mitglieder: letzt hat er etwa 59W. Daraus rft zu ersehen, daß die lugostawische Arbeiterbewegung heute gut.m Gange isb 1922 schlössen sich di- Arbeiter im M-m- new Jugoslawischen Arbeftsbund zusammen, der eine sozial stijche Tendenz hatte. Die kommunistischen Arbeiter dagegen organlsierten sich im Zentralkomitee der jugoslawischen Arbeiter. Da kurz vorher die Regierung die Kommunistische Partei und die �werkschott ausgelöst'hatte, erklärte das Zentralkomitee, in politischen Dingen strenge Neutralität wahren zu wollen. Trotzdem gab es In den folgenden Jahren dauernde Kampfe zwischen den beiden Richtungen. Seit 1925 aber fand eine allmähliche Annäherung statt. die im Oktober 1925 zu- inen, Z us a mm en sch l u h der beiden Gewerkschaften führte. Die neue Organisation tragt den Namen „Allgemeiner jugoslawischer Arbeitsbund In politischen, religiösen und nationalen Angelegenheiten wurde strenge Neutrolftät protlamiert. Der jugoslawische Gcwerlschaftsbund ist � i'i�R u* m�n*i e n wurde die Entwicklung der Gcwsrkschafts- beweaung durch ein neues Gesetz erleichtert, das die �tonomle dtt Berussgenossenschasten begünstigt. Der rumänische Gewerkschaft� bund hatte vor seiner Auflosung im Jahre 1329 über 299 000 Mitglieder. Infolge des Generalstreiks und der tommum- stischen Unruhen wurden alle Gewerkschaften in Rumänien aus- gelöst. Erst nach einem Jahce konnte man an den Wiederaufbau der Gewerkschaften gehen. Nach einem Bericht des Allgemeinen Eewerkschastsrats betrug die Gesamtzahl aller Mitglieder im Scp- tember 1924 mehr als 52 999. Der Gewerkschoftsrat beschloß auger- dem den Anschluß der rumänischen Gewerkschaste» an die Gewerk- schaftsinternationale von Amsterdam. Gleichzeitig wurde be- schlössen, daß keine kommunistischen Mitglieder der neuen Gewerkschaftsorganisation angehören tonnen. Em Den der kommunistischen Arbeiter schuf einen sogenannten Emheitsrat der rumänischen Gewerkschaften. Die beiden Organisationen betanipften sich längere Zeit auf das heftigste. Seit«iniger Z� stnd iedoch Verhandlungen eingeleitet, um die Einigkeit der Geweiftschafts- bewegung in Rumänien wieder herzustellen. Die Rolle der Gewerk- schaften ist besonders bedeutend in Transsylvanien, im B a n a t und in der B u k o w i n a. Die Verhandlungen wurden«m November 1926 sortgesetzt, und eine Einigkeit ist in Aussicht. In S rieche nla nd fand 1929 gleichfalls eine Svaltung m der Gewerkschaftsbewegung statt. Der allgemeine Gewerkschastsbund hatte bis 1929 in 359 Ochanisationen 179 999 Mitglieder. Durch die Spaltung verlor er die Mehrzahl seiner Mitglieder, so daß er 1925 nur noch 69 999 Mitglieder hatte Aber im April 1926 wurde im Pyräus ein gemeinsamer Kongreß abgehatten, auf beim beschlosien wurde, die Einheit der griechischen GewertsciMten wieder her- zustellen. Gleichzeitig wurde jede Verbindung m,t den Kommunisten grundsätzlich abgelehnt. Dleirru« Gewerkschaftsbewegung verfolgt eine Politik der reinen Sach ichkett die nur den griechischen Gewerlfchaftsinteresscn dienen soll und allen politischen Parteien gegenüber ihre absolute Unabhangiglett wahrt. Ebenso wurde grundsätzlich der Anschluß an die Amlter- damer Internationale beschlossen. Die endgültige Entscheidung hier- über wird aus dem nächsten panhellenischen Kongreß fallen. In Bulgarien war bis 1924 die Arbeiterschaft m zwei Ge- werlschaften geteilt: die Allgemeine Gewerkschastsunion der Arbeiter, die der Amsterdamer Internationale angeschlossen ist, und die All- gemeine Gewerkschastsunion der Arbeiter, die der Moskauer Jnter- nationale angeschlossen ist. Ende 1922 zählte die erst« Union nur 17 699 Mitglieder, während die zweite über 34 999 Mitglieder in 19 großen Verbänden besaß. Aber seit den großen kommunistischen Unruhen vom Januar 1924 hat die Moskauer Gewerkschastsunion sehr viel von ihrem Mitgliederbestand verloren. Die Amsterdamer Gewerkschaftsunion zähtte damals nur 14 899 Mitglieder, hat aber in den letzten Iahren ihre Zahl auf über 49 999 steigern können. Sie wurde besonders gestärkt durch den Beitritt der Gewerkschaft der Landarbeiter, die über 23 999 MUglieder zählt. fliis Oer Partei. horihy-Zufliz gegen Sozialdemokralen. Von dem Budapester Strafgericht wurde der Mitarbeiter der„Boltsstimme", Genosie Ludwig Szöke, wegen„grober Beleidigung des ungarischen Richter- standes", wegen Derleumdung in der Presse und wegen Schmähung der Nation(?). zuzweiIahrenGefängnisund 1899 Pengö Geldstrafe verurteilt. Szöke wurde mft Rücksicht auf die Höhe des Strafmaßes sofort verhaftet und in das Gefängnis der Staatsan- woltschoft überführt. Seine Verteidigung und auch die Staatsan- waltschaft legten gegen das Urteil Berufung ein. V-ran,w°r,li für Politik-«ictor«»IN: Wirts»-« �«. lLewerklchostsbeweaun«: fit. CZfotn; Feuilleton: Et. Zobn Schikow»«: Lokale, und Lonslioeo: F-i*«orsiädt:«njciticn: T».«lockt; sämtlich in Berlin. Berlaa Boiwärio-Brrlali«. m. b. S. Berlin. Druck: Borwäris-Buchdruckeree und Bcrlaaoanftali Paul Linaer u. Co.. Berlin CD ä». Lindcnfttofte 3. Bei GRIPPE Citrophen-Tabletten, Schachtel M. 1,35 in jeder Apotheke. Berliner- Eleklrlher- ficnossensdiali Berlin N 24, ElsSsser Str. 86-88 Fernsprecher Norden 65 2o u. 65 26 Filiale Westen, Wilmersdorf Lindhausslr,Be4. Tel.: Plalrbur- 9831 AnssteUnndsrSnitif nnd Lader uexanderar. 39-40(Alexander-Pastade) TeL: BOnidstam 540. Elektrische Anlasen jeder Art n. jeden ümfanses zu kulanten Zahlungsbedingungen Beleuchtungskörper und Osram-Lampen zu Fabrikpreisen. Lebensianglidie Garantie leiste ich als Selbsthersteller auf die bei mir gekauftea Traurinse «eschfltzt 7 1 Sir, 3 900 ant. Uukaftnjdit: 7 jr. sAinr M. 2S.I0 1„ 505. 5... 14.00 Preisliste I, UZ» 4.-„ 1,00 gratis siandlg ca. 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