Nr. 46 ♦ 44. 7ahrg. Ausgabe A Nr. 24 Bezugspreis. WZchentlich TO Pknola. monaillch Reichsmark voraus tablbat. Unter Streiubanfi für Deulkchian». S>ci:ina. Saar, uni Sicmclacbict. Ocflccitidi Citaucn. viuirmbut» 4,50 Rrichsmait. für das übciae Ausland 5 J0 Reichsmark oco Monat. — Der.BorwSrt»' mit der Mulirier. len Sannlagsdeilag«»Kalk und Zeif lowie den Beilaaen.Unierdaliung und Willen'.Au» der iiilmwelt*. .Krauen liimme'.Der Rinder» freund' Luqend»IorwSrts' und »Blick in die Bilcheriuelt' ericheint mochentäalich zweimal Sonmags und Manlaas einmal. Delearamm-Ad resse: .Sozialoemotrot verlia- Morgenansgalre � Derlinev Volksvlelkt (�10 PfeänigT) Anzeigenpreise: Ate«inivaltia« Nanockteille» »eil» 80 Blennia Reklameteil« b.- Reichsmark,»Rleiue«n, eigen' da« fettaedruckte Wart 25 Bfennia Cmlälüa»wej fettaedruckir Wart«), lede» weitere Wort l? Pfennig, ktellenacluch» da»«rli« Wort 15 Pfennig irdes weitere Wort lO Pfennig. Wort» über 15 Buch. liaden jäblcn für iwei Worte. 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Gleichzeitig verhandelten auf seinen Wunsch der Relchswirlschaslsminlsler Dr. C u r l i u» und der Reichsarbeilsminisler Brauns mil Der- kclern der gleichen Parteien über die Grundlagen des wlrkschasts- und Sozialprogramm» der künsligen Regierung. Nachdem die Stellungnahme der demokratischen Fraktion am Nachmittag ersolgt war, wurde die Ausspräche beim Reichskanzler, insbesondere über die Personalsragen, wieder ausgenommen, die bis in die späten Nachmittag stunden andauerte. Die Verhandlungen auch innerhalb der Fraktionen werden morgen vormittag sortgesehl. *'■ wie am Zlbevd bekannt wurde, haben die Verhandlungen zur vussi.llung solgender Riiolflerllste gesührl: Dr. Marx(F.): Reichskanzler: Dr. Brauns(Z.): Arbeit:»' Dr. Sähler- Baden sZ.): Finanzen: v. Lindelner. Wildau svnat.): Inneres: Schiele sDnat.): Ernährung: koch- Düssltdors sDnat.): Verkehr? G r a e f- Thüringen sDnat.): Justiz: Dr. Stcesemann sv. vp.): Auswärtiges: " Dr. C u r t in» sv. Vp.): Mrtschost: S t i n g l svayr. vp.): Post: Dr. Geh ler sporteilos): Reichswehr. Rachdem d'ese Liste ausgestellt war. fanden um 9Vi Uhr beim Reichskanzler Dr. Marx iotersraktionelte Verband- t u n g e a statt, um eine Einigung in der Frage der Besehung der Ministerien herbeizuführen. Die Deutschnotioaateu bc- anspruchtcn das Fioauzminlsterium, an dem aber das Zentrum sesthi.ll. Strittig war auch das Verkehrsminl- st e r i u m, das vou Deutschaationaten und Deutscher volkspar tei beansprucht wurde. Da eine Einignag nicht er- zi.'ll werden kounle, wurden die inlersraklionellen Verhandlungen aus Freitag, vormittags tl Uhr, vertagt. wie wir über die interf:aklionelleu Verhandlungen noch HSreo, hat das Zentrum die denlschnalionale Forderung der Ueberlassung des Finanzministeriums abge- lehnt. Die Deulschnakionalen hallen noch wie vor an der Forderung von vier Ministerien fest. Die denlschnalionale Reichslagsfraktton nahm in der zehnten Abendstunde den Bericht über die Verhandlungen beim Reichs- kanzicr noch entgegen und vertagte sich dann aus Freitag, 12 Uhr. von Stufe Stufe. Vom Zentrumsmanifcst zu den Richtlinien, von den Richtlinie« zum Rcgierungsproflrarnur, vour Regie. rungsprogramln zn??? Der Schacher um die M i n i st e r s i tz e ist in Gang. Don den Richtlinien ist nicht mehr viel die Rede. Das Z e n t r u m s m a n i f e st ist endgültig in der Versenkung verschwunden, es spielt nur noch in der Zentrumspresse im Lande eine Rolle. Von Stuse zu Stufe! Was ist's mit den Richtlinien? Zentrum und Deutsche Volkspartei haben sie angenommen. Aber die Deutschnationalen? Man hört nichts, man sieht nichts. Die deutschnationale Reichstaasfraktion scheint tot zu sein. Richtlinien— betrifft uns nicht, uns betreffen nur Miilistersitze. Richtlinien sind gut dafür, daß sie vom Zentrum und der Deutschen Volkspariei ange- nommen werden-r- aber wir und Richtlinien annehmen? Cist ja gut, wenn die Voikspartei und die vom Zentrum sie feierlich annehmen, dann können wir ja von der Verteilung der Portefeuilles reden. 5)err Marx wird es schon machen. cherr Marx macht alles. Er redet mit ihnen über die Ministersitze u�id redet nicht mehr von den Richtlinien. So wie er bisher von den Richtlinien redete und nicht mehr vom Zentrumsmanifest. Aber bitte, die deutschnationale Presse redet noch von ihnen. Richtlinien, des ist.e'ne ganz harmlose und unver- bindliche Sache. So die,„D e u t s ch e Tageszeitung: ..Hätte uns schon dieser Umstand bestimmt, von einer nach- träglichen Wiedergabe der Richilinien abzusehen, so werden wir noch mehr durch die Talsache veranlaßt, daß die Richtlinien, aus dem Rohmen der ganzen Vereinbarungen herausgenommen, »in völlig falsches Bild von dem ergeben, was als künftiges Regierungsprogramm in Aussicht ge. nommen ist. Di« RW'tlimen werden überhaupt nur verstand l i ch. wenn man sie in Verbindung bringt mit den Der- handlungsprololollen au, den verschiedenen, der Aus. stellung der Richtlinien vorausgegangenen Sitzungen, w denen die einzelnen Punkten der Richtlinien sinnzemä«, erläutert werden. Aber selbst dann wäre nur erst da» Gerippe de» Regserungsprogramms vervollständigt und müßte durch die ausführlichen Formulierungen der Regierung»- erklärung mit Fleisch und Blut umgeben werden." Erstens: wie ich sie� auffasse. Zweitens: sie haben gar nichts zu sagen. Wir Deutschnationalew werden sie schon sinngemäß erläuternl Laßt uns nur erst in der Regierung sein, dann werden wir euch schon die richtigen Richtlinien machcn! Eine groteske Gaunerei, dies Spiel der Deutschnationalen mit den Richt» linien, die sie wie Wurstpapier behandein. Dagegen ist selbst der Handel um die Ministersitze vom Sommer 1924 noch ein ehrliches Geschäft. Da wurde wenigstens pränumerando mit öv Stimmen für die Dawes-Gefetze bezahlt. Die präzise Frage ist also: Haben die Deutsch- nationalen die Richtlinien angenommen? Man erinnert sich der Versicherungen des Kabinetts Luther, daß die Locarno-Politik einstimmig gutge- heißen worden sei. Hinterher kamen die Deutschnationalen und oersicherten, das wäre jhnen niemals eingefallen. Trotz Schiele. Und Herr Schiele schwur Niit ihnen. Aber Herr Schiele— ja, er wird jetzt wieder Minister. Es ist dach immerhin interessant, heute schon vorher zu erfahren: Hoben die D« u t sch n a t i o n a l e n geschworen, üitd-jwas haben sie geschworen? Das was ist so wichtig wie das ob. Die„sinn� gemäßen Auslegungen" gehen, schon las! Der Hugenbergsche„R ä ch t- T a g" verkündet zum Beispiel, daß die Deutschnationalen den Rlchllinien'die republikanischen Zähne ausgezogen hätten: »Das bezieht sich zum Beispiel bei der auswärtigen Politik darauh daß nicht etwa, wie ursprünglich gefordert wurde. die»uneingeschränkte" Anerkennung der Rechtsgültig- keit der Locarno-Verträg« ausgesprochen ist, sondern die Anerkennung der Locorno- Verträge sich nach dem Wortlaut der Richllinien nur daraus bezieht, daß sie völkerrechtlich von jeder deutschen Regierung anerkannt werden müssen, unbeschadet der Stet- tungnahme der einzelnen varteieo zu den damit verbundenen verfassungsrechtlichen und wirtschastspolUrschen Problemen." Das wird behauptet, obwohl im Geheimprotokoll steht, daß die Anerkennung der Verträge von Loearno auch verfassungsrechtlich zu verstehen sei! Wie ich es auffasse, wie ich es auffasse! Da wird es nicht mehr lange dauern, bis die Deutschnationalen erklären: Richtlinien? Nichts bekannt davon. Haben wir niemals ange» nommen. Wenn sie nur erst in der Regierung sind, werden sie über das Programm reden. Und wenn Herr Marx das Programm am 3. Februar vorgetragen haben wird, dann wird Herr Westarp eine Programmrede halten, in der noch die letzten Reste wieder zurückgerichtet werden können. Wo bleiben dann die„Richtlinien", wo bleibt--- das Zentrumsmanifest? Also kurzum, uz.as ist's mit den Richtlinien? Haben di-« Deutschnationalen sie angenommen oder nicht? Schließlich ist das nicht das Privatgeheimnis des Bürgerblocks. Schließlich �vill man wissen, auf welch? deutschnationale Gaunerei diese famose Regierung gegründet ist. Es wird immer geheimnisvoller. Amtlich wird witge'eilt: Das„Berliner Tageblatt" bringt m seiner Rr. 45 einen Bericht über die Unterredung des Herrn Reichskanzlers mit den ZZertretern der demokratischen F r a k t i o n, der in wesentlichen Teilen den Tatsachen nicht entspricht. So ist es insbesondere unrichtig, daß der Herr Reichskanzler erklärt haben soll,„an ein« A b ö n d« r u n g der zwischen Zentrum. Deutsch- nationalen und der Deutschen Volkspartei festgelegten Richt- linien sei nicht zu denken". Das Gegenteil ist richtig: der Reichskanzler hat den Vertretern der demokratischen Fraktion aus- drücklich erklärt, daß, falls Aenderungen der Richtlinien g e- wünscht werden, einer Besprechung darüber mit den anderen Fraktionen nichts im Wege stehen würde. Die deutschnational« Reichstagsfrattlon teilt mit, daß die m der gegnerischen wie eigenen Press«»er- breiteten Nachrichten über den Inhalt und di« Entstehung der Richtlinien nicht authentisch sind. * Was ist nun mit den Richtlinien? Sind sie endgültig angenommen? Oder sind sie freibleibend für alle Fälle? NevierungserklLrung am?.§ebruar. per Aeltestenrat de» Reichstage, hat in seiner gestrigen Sitzung endgültig beschlossen, daß die Regierungserklärung des neuen Reichskabinett, am Donnerstag, den Z. Februar, im Reichstag entgegengenommen werde« soll. Die daran sich au- schließende Aussprach« uod dl« Abflimmungm solleo bis Sonnabend abgeschlossen«erde«. Der Kampf um Schanghai. England vor der Entscheidung. Bon Professor C. L e d e r e r- Heidelberg. Die Entsendung starker englischer Marinestreitkräste nach Schanghai ist ein Zeichen dafür, daß die stürmische Entwick- lung der Dinge in China auf einen entscheidenden Punkt gekommen ist. Ist Schanghai wirklich schon bedroht? Werden die fremden Niederlassungen in Schanghai das Schicksal Hankaus teilen? Das ist beinahe unvorstellbar. Was ist Schanghai? Im Jahre 1843 dem Verkehr mit Europa geöffnet, hat sich Schanghai, seiner Lage ent- sprechend, hart oberhalb der Mündung des ungeheuren Iangt- setiangstroms zum größten Hafen Chinas ausge< baut. Ist doch dieser Riesenstrom auf eine Entfernung von 1209 Meilen(also mehr als 2000 Kilometer) aufwärts mit den größten Schiffen befahrbar, so daß an den wichtigen Punkten überall fremde Niederlassungen unter dem Schutze der europäischen Kriegsmarinen errichtet werden konnten. Außerdem ist Schanghai selbst das Zentrum einer überaus reichen Provinz und hat sich allmählich zu einem moder- neu Wirtsck�aftskörpcr allergrößten Aüs- maßes mit einer auf etwa drei bis vier Millionen ge- schätzten Bevölkerung ausgebaut. Die wirtschaftliche Bedeu-- tung Schanghais geht aus der einfachen Tatsache hervor, daß etwa der dritte Teil des chinesischen Außenhandels(Import und Export) den Weg über den Hafen von Schanghai nimmt (nach der Statistik her internationalen Zollbehörde), und daß hier 4230 große industrielle Werke mit mehr als 300 000 Arbeitern ihren Sitz haben. Uebrigens nicht ausschließlich fremde Unternehmungen, sondern im Gegenteil in erheblichem Maße chinesische. Die Arbeiterschaft ist selbstverständlich in ä l l e n Betrieben rein chinesisch. Auf dem Gebiet von Schanghai mit feinen etwa vier Millionen Einwohnern liegt die große iickernationale Nieder- lassung(Settlement) mit dem Hafen. In ihr führen unstreitig die Engländer und A m e r ick a n e r. Daneben die französische Konzession, welche unmittelbar an die heute noch ummauerte alte Chinesenstadt Schanghai stößt— das Ziel aller Touristen und daher �stark auf das oberflächliche Sensationsbedürfnis europäisch-amerikanijcher Welten- bummler eingestellt. Aber natürlich spielt das im Gesamt- gebiet Schanghais überhaupt keine Rolle. Dieses ist eine ganz modern ausgebaute, wirtschaftliche Großorganisation, der empfindlichste Resonnanzboden für alle Bestrebungen zur nationalen und ökonomischen Emanzipation, welche sich in den letzten Jahren in China so rasch ausgebreitet haben. Das fremd« Settlement ist in Schanghai nicht ein kleines, abgegrenztes Gebiet, wie es sonst die Kornessiopen in den chinesischen Städten zu sein pflegen. Es ist eme Groß- st a d t, mit einem Areal von 12 Ouadratmeilen, mit un- zähligen Fabriken und einer ganz überwiegend chinesischen Bevölkerung. Es ist heute eines der Zentren, in welchen sich die öffentliche Meinung Chinas bildet, niit einer aufgeregten, emvfindlichen, politisch geweckten Bevölkerung. Die großen Streiks und Boykotts der letzten Jahre gingen zum Teil von Schanghai aus. und die natio- nalen Kreise Chinas empfinden es als widersinnig, daß dieses geistige Zentrum eigentlich eine fremde Stadt ist. Das Settlement, die fremde Niederlassung, ist eine Stadt für sich. SH ist nicht Kolonie, untersteht nicht der Regierung einer fremden Macht, sondern regiert sich selber, ohne aber etwa eine Stadt mit dem Anspruch der Souveräni- tät zu sein. Es ist ein aristokratisch regierter Berwaltungs- körper, der zu großer politischer Bedeutung gelangte, weil in ihm viel ausländisches Kapital angesammelt ist und weil er zugleich der Sitz einer großen chinesischcn Industrie wurde. Noch vor zwei Jahren wäre jeder ein Phantast genannt war- den, der gesogt hätte, Schanghai könne binnen kurzem be- droht werden. Mit seiner starken Verwaltung, seinem großen Polizeikörpcr, der Freiwilligenorganisation, mit der Möglichkeit, jederzeit von fremden Kriegsschiffen beschützt zu werden, war es in einem China des Bürgerkrieges eine friedliche Oase, den beutegierigsten Generalen unerreichbar, von fremden Mächten beschützt und sich selbst machtvoll schützend. Erst jenseits der Gemen des Settlements traf man chinesische Soldaten, erst jenseits dieser Grenzen begann die allgemeine Unsicherheit und Unordnung. Reiche Chinesen siedelten sich massenhaft innerhalb des Settlements an. weil sie da Schutz vor Räubern fanden und in einer Atmosphäre von europäischem Luxus und Behagen leben konnten. Heute ist Schanghai nicht mehr sicher. Die Kantonarmee bereitet offenbar einen großzügigen Angriff auf das ganze Gebiet vor, welches vorläufig noch unter der miliitärischen Kontrolle von Sun Ehuan-fang steht, der mit Ehang-Tfo-Lin, dem in erster Linie von Japan, heute vielleicht auch von Eng» land unterstützten Marschall, zusammenwirkt. Ein solcher Zu-» sammenstoß muß an sich die fremde Bevölkerung in Schanghai in eine höchst schwierigt Lage bringen. Wird die Armee S"n» geschlagen, so werden unter dem Druck dieser Tatsachen schleunige Verhandlungen über die Räu-
m u n g der Konzession kaum oermeidbar fein. Dabei handelt es sich aber um ganz andere, viel wichtigere Interessen als in �ankau, Hiukiang und all den Orten, aus denen sich die Engländer entweder zurückgezogen haben oder unter chinesischen Schutz stellten, also ihre Exterritorialität tatsächlich, wenn auch nicht ausdrücklich, aufgegeben haben. In Schanghai ist die Siedlung viel größer. Da ist ja eine große europäische Stadt entstanden, in der nichts vom Luxus und Komfort der amerikanischen oder englischen Zentren fehlt. Schanghai ist nicht nur der Mittelpunkt des fremden Handels, sondern auch der Schauplatz einer großen internatio- nalen Gesellschaft, wenngleich die Zahl der Europäer kaum zwanzig tausend betragen dürfte: aber diese zwanzig- tausend sind überall an der Oberfläche zu sehen. Man trifft sie in den eleganten Läden, auf den Sportplätzen, in den Parks, bei den großen Tanztees in den zum Teil gigantischen Hotels. Dieses gan,ze Leben steht heute offenbar unter einem düsteren Vorzeichen. Was wird daraus werden? Selbst wenn es den Kantonesen nicht gelingen sollte, die Armee Suns zu demoralisieren, ja, selbst wenn die Kantonesen eine Niederlage erleiden sollten, so wird die Lage der Euro- päer in Schanghai unmittelbar nicht günstiger. Sitzen sie doch inmitten einer Millionenmenge chinesischer Bevölkerung, welche sich zum großen Teil mit Kanton solidarisch fühlt und vielleicht gerade durch eine Niederlage ihrer Partei aufs äußerste gereizt werden könnte. Eine chinesische Menge, welche in Paroxysmus oerät, ist unberechenbar. Wir machen uns oft ein falsches Äld von Chinesen, indem wir an die hohe ethische Lehre von Confuzius und daran denken, daß China «in friedliches Land war, jeder imperialistischen Politik ab- hold. Das ist alles richtig. Aber der Chinese ohne Bildung, der Bauer, der Arbeiter, ist nicht durch die Schule gegangen, er ist nicht gebändigt, wie die geschulten Intellektuellen: in den großen Städten ist er entwurzelt, herausgerissen'aus den gewohnten, sicheren Lebensverhältnissen, oerzweifelt, größten- teils in grenzenlosem Schmutz und Armut lebend. Die Ver- suche einer sozialpolitischen Gestaltung der Arbeitsverhältnisse find in den allerersten Anfängen. Die revolutionäre Strömung ist daher in den industriellen Zentren am stärksten, hier nimmt die Masse am begeistertsten die Losungen der Kontoner Volks- partei auf. Da können sich über Nacht die Prolctariermassen in revolutionärem, nicht mehr zu zügelndcm Ausbruch er- heben, um, dem russischen Beispiel folgend, eine Sowjet- Herrschaft aufzurichten— vielleicht nicht von allzulanger Dauer, vielleicht bald umgebogen durch die klugen chinesischen Großkausleute und die Unternehmerklasse in nationalen wirt- schaftlichen Protektionismus, aber jedenfalls zunächst ver- Heerend und vernichtend für fremden Besitz und vielleicht sogar die ganze Kolonie in ihrer Sicherheit bedrohend. Vielleicht lieg: es sogar im Plan Kantons, diese soziale Flut in Schanghai schon jetzt immer höher anschwellen zu lassen, ihr Spielraum zu geben? So würde der Kampf um Schanghai selbst entschieden werden? Die enalische Regierung war bis- her klug genug, unhaltbare Positionen, wie Hankau, zu räumen. Wird sie die Revolution in Schanghai so kühl und nüchtern erkennen? Wird sie die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen? Oder wird sie in Anbetracht der großen poli- tischen und ökonomischen Interessen, welche an Schanghai hängen, noch das Glück zu wenden suchen und dem Ehrgeiz Changtsolins entgegenkommen? Das find die entscheidenden Fragen der gegenwärtigen Lage. Aus dem Iangtsekiangtal militärisch und politisch verdrängt, klammert sich England noch an den Hafenplatz Schanghai, von dem in der Tat das ganze Stromgebiet des Iangtse abhängt. Geschwader werden mobi- lisiert, Infanterietruppen erhalten den Befehl zur Ber- schiffung nach dem fernen Osten. Das sieht nicht nach Schwäche und Nachgeben aus� Aber bevor alle diese Streitkräfte Schanghai erreicht haben, können sich die Verhältnisse immer mehr zuspitzen. Und lctzfcn Endes wird von England die Frage beantwortet werden müssen, ob es Gewalt gegen China gebrauchen oder seine politischen Positionen räumen will? Natürlich nicht, um aus China herauszugehen, Erleuchtete Wissenschaft. Der Legriff„Proletariat- in professoraler Auffassung. Gegen zahlreiche Vertreter der deutschen Wissenschaft wird mit Recht der Vorwurf erhoben, daß sie in Fragen der Politik und des Gestllschaftslebens oft von einer Weltsremdheit und Borniertheit sind, die jede Verständigung zwischen ihnen und der großen Volks- masse unmöglich machen. Standesdünkel und Unkenntnis des wirk- lichen Lebens paaren sich bei ihnen mit einem Klassenegoismus, der vielfach dazu führt, daß Männer, die berufen sind, die Jugend zu- erziehen und den akademischen Nachwuchs für die wichtigsten Posten im Staate zu liesern, Ansichten vertreten, die vom Volke mit Em- pörung und Entrüstung aufgenommen werden müssen. Ein krasies Beispiel dafür liefert uns Prof. Dr. A.■Jö a s l e r, Tübingen, in feinem kürzlich in zweiter Auflage erschienenem Buche „Einführung in die Rassen- und Gesellschasts- Physiologie"(Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart). In diesem„für die Gebildeten aller Stände" bestimmten Buche, das nach Vorleslingen des Verfassers herausgegeben ist, schreibt Pro- sessor Basler in dem Abschnitt über die Gesellschaftsklassen folgendes: „lieber die unterste Gejellschaftsschicht, das Proletariat, besteht wohl die größte Literatur. Es handelt sich um die Kategorie von Mensche», die für die Gesamtheit der Bevölkerung nichts tut, oder deren Arbeit nur schädlich wirkt, Verbrecher, Dirne», Zu- hälter, Arbeitsscheue usw. Diesen Abschaum der menschlichen Gesellschaft fassen wir zusammen unter dem Namen„Proletariat". Es wird nie«in kompliziertes organisiertes Staatswesen geben, wo die beschriebene Klasse fehlt, denn ihr fällt eine ganz bestimmte Aufgabe im Staatsleben zu: Das Proletariat ist die Kloake, in die alle diesenigen versinken, welch« für die menschlich« Gesellschaft unbrauch- bar oder schädlich sind. Wie der gut« Gärtner dem Unkraut zu Leibe rückt, so der richtige Staatsmann dem Proletariat. Aber so wenig es möglich ist, dos Unkraut auszurotten, ebensowenig ist es möglich, das Proletariat ganz vom Erdboden verschwinden zu lassen." (Seite 131/32.) Weiter vertritt Prof. Basler den Standpunkt, daß die Prole- tarier den Naturvölkern psychologisch näher stünden als den übrigen Gesellschaftsklasien der eigenen Nation. Ebenso wie die Neger die größten Lasten im Laufschritt über Berg und Tal sck/eppten, täten das in Deutschland die Proletarier. Und ebenso r»l> bei den Bewohnern Zenlralofrikas, zeige sich auch bei dem Proletarier„eine kindische Eitelkell in bezug auf Unwesentliches". Ailch seine Sucht nach Tätowierungen zeige bei ihm den gleichen Hang wie bei den„Wilden". Allerdings polemisiert Prof. Basler gegen das Bestreben der sozialistischen Literatur, die ganze Arbeiterschaft unter dem Nomen Proletariat zusammenzufassen. Er häll dies„vom wissenschaftlichen Gesichtspunkt aus" nicht für zweckmäßig, obwohl in der gesamten aber um in ihm ohne Privileg, ohne Sonderrechte, ohne ständige Zurschaustellung mllitärischer Macht Handel zu trei-' den, wie es schon heute die Deutschen und Russen tun. ohne dabei schlecht zu fahren, und wie es alle Nationen tun müßten, wenn England seine Vorrechte aufgibt. So wird es vielleicht zu einem Kampf um Schanghai gar nicht kommen. Vielleicht wird auch jetzt England elastisch ausweichen und sich seine Handelspositioiten sichern. Das wäre von ausschlaggebender Bedeutung für ganz China. Denn diese kluge Politik Englands wäre der größte moralische Erfolg Kantons, der auch die Verdrängung Suns zur Folge haben müßte. Die Verfügung über Schanghai aber, vor allem über feine Zolleinnahm�n, würde Kantons Uebermacht entscheiden, und es könnte nur mehr eine Frage der Zeit sein, bis auch der ganze Norden die Herrschaft der Generale abschüttelt. So wird England vielleicht selbst zur Entscheidung des ganzen Kampfes für Kanton beitragen— aber hat es heute noch die Wahl, anders zu handeln? Labour partp und China-Politik. Massenkundgebungen in ganz Großbritannien. London. 27. Zannar.(Eigener Drahtbericht.) Da» gemeinsame Ehinakomitee der Arbeiterpartei und' Gewerkschaften beschloß. in ganz Großbritannien össenlüihe Demonstrationen für d en F r i e de n mit China zu veranstalten. Die Genossen Vandervelde und Hnysmans fliegen nach London. Brüssel, 27. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Außenminister Vandervelde und Unterrichtsminister Camille Huysmans haben sich am Donnerstag im Flugzeug nach London begeben. (Anlaß der Reise ist die Eröffnung einer belgischen Kunstau»- stellung in London. Red. d.„V.") Vandervelde wird sowohl mit Chamberlain als mit Macdonald Besprechungen, nameill- lich über China, haben. Indische Fürsten verschachern„ihre" Truppen. New Delhi, 27. Januar.(Reuter.) Indische Fürsten boten der britischen Regierung Truppen und andere Unterstützung an für den Fall, daß sie ihrer für Schanghai benötigen sollte. Schanghai. 27. Januar.(WTB.) 433 Mann Pundschab-Truppen sind hier ohne Zwischenfall gelandet. Borah für ein freies Ghina. Washington, 27. Januar.(MTB.) Der-Borsitzende des Außen- ausschusses des Senats, Borah, führte über die Lage in China aus: Die Politik der Vereinigten Staaten im fernen Osten müsse für ein freies China eintreten. Seiner Meinung nach könne das Vorgehen Großbritanniens, das«ine starke Streitmacht und Flotte nach China sende, zu einer Katastrophe führen. Jopan-Ehina-fikkorö. Tokio. 27. Januar.(Reuter.) Die japanische Regierung ist bereit, über einen neuen Vertrag auf der Grundlage der Gleich- berechtigung und der Meistbegünstigung nzil China zu oerhandeln. Die Zugeständnisse an China würden die Anerkennung der chinesischen Zolltarife und die mit gewissen Dingen oer- bundene Autonomie enthalten. Der Grundsatz der Auf- Hebung der Exterritorialität wurde anerkannt. Die Zusatzzölle würden in dem Bertrag nicht erwähnt werden, da sie durch ein internationales Abkommen gerezell werden sollen. * Nach einer anderen Meldung haben die Fremdmächte die Zu- schlagszölle berells anerkannt. Die Bedeutung des japanischen Bor- gehens— keine Beteiligung an militärischem Eingreifen, Entgegen- kommen an die chinesische Nationalbewcgung— liegt klar zutage: Japan will nicht Rußland allein die Defreierrolle spielen lasten und rechnet auf späteres Zusammengehen mit China, wenn nicht auf die Führerschaft der gelben Rasse. valkswirtschastlichen Literatur, auch in der bürgerlichen, kaum mehr eine Meinungsverschiedenheit über diesen Punkt besteht. Aber diese Einschränkung Baslers ändert nichts an seinem grundsätzlichen Standpunkte, da er ausdrücklich erklärt, daß der Uebergang zwischen Proletariat und Arbeiterschaft— wie er die beiden Gruppen aus- saßt—„fließender ist, als zwischen dem Proletariat und jeder anderen Gesellschaftsklass«".„Die Brücke, die den Arbeiter vom Proletarier trennt, wird speziell sür den jugendlichen Arbeiter mit- unter klein." Auch sonst enthalten die Ausführungen Baslers lichtvoll« Ge- danken über die Lage der Arbeiterklasse. So schreibt«raus Seite 131: „Die Arbeiterklasse unterscheidet sich wohl am meisten durch die Lebensweise von der übrigen Bevölkerung. Trotz dem. hohen Einkommen, das in den letzten Jahren beispielsweise ein Arbeiter der Badischen Anilin- und Sodafabrit hatte, ging - die Frau, auch wenn sie Mutter mehrerer Kinder war, ebenfalls in eine Fabrik,„weil sie zu Hause zu wenig Unter- Haltung hatte". Die Folge davon ist, daß sich die Famtkle mit dem primitivsten Essen begnügen muß." Nun wissen endlich die Arbeiter, weshalb ihre Frauen in die Fabrik gehen und weshalb ssc zu Hause nur ein kärgliches Essen haben! Es ist jammerschade, daß Prof. Basler sein Licht bloß auf der Universität in Tübingen leuchten läßt. Die Tübinger Studenten werden ihn sicherlich nicht vermissen. Er gehört in einen anderen viel weiteren Wirkungskreis. Er gehört in die Regierung des Bürgerblocks. Schade, daß man an ihn diesmal noch nicht gedacht hat! A. Stein. Die. Zugendbühne". Arbeitsgemeinschaft von Lehrern und Lehrerinnen, veranstaltete in der Stagtsoper am Platz der Re- publik eine Nachmittagsvorstellung von Pfitzner»„Christ- e l f ch e n". Der Oper fehlt die Frische und Ursprünglichkeit des Textes, wie sie etwa Humperdincks unsterbliches Werk„Hänsel und Grete!" hat. Und auch in der Identität und Einprügsamkeit der Melodien steht Pfitzner hinter Humperdinck meist zurück. Doch die sehr guten Kräfte der Siaatsoper, die man tn dankenswerter Weise für die Nachmittagsoorstellung eingesetzt hatte(E l f r i e d e M a r r- berr-Wpgner, Else Knepel, Martin Abendroth, Heinrich Schultz, Marcell Noe), gewannen die Kinder- herzen auch Pfitzners musikalisch anmutigem Werk. Es war er- staunlich, in welcher musterhaften, verzauberten Ruhe die Kleinen der Oper sglgten, und ihr Beifall war mindestens ebenso begeistert wie der, der sonst in diesem Hause widerhallt. Sz. Amüsiertünste, die nicht die Seele beschwingen oder läutern, die nicht sammeln oder erbauen, sondern zerstreuen und ergötzen wolle», haben ihre Existenzberechtigung, wenn sie in technischer Sauberkeit und geschmackvoller Aufmachung ohne Prätention sich als das geben, was sie sind. Die Vorführungen Elsa Krügers und ihres Tanzensemble» im Theater am Kur- i ü rst e n da m m- �wirkten im allgemeinen sympathisch, weil sie diesen Ledingimgev genügten. Schauspielerisches Temperament, rhythmischer Elan, essektoolle Dekorationen und Kostüme. Durch völkischer Landesverrat. Eine Intrige gegen Locarno? Der„I u n g d e u t s ch e" fügt feinen Informationen über die landesverräierlsche Dokumentenfälschung aus völkischen Kreisen hin. zu, daß ein ehemaliger Agent der Nicolaischen Spionage- a d t e> l u n g beim Großen Generalstab namens Schreck der Urheber ist. Die Informationen des„Jungdeutschen" gehen dann weiter dahin: Es sollen noch eine Reihe gefälschter Dokumente bestehen welche sich lediglich mit ldcr Reichswehr besasien. Diese sollen Dentschrisien und Gutachten von Reichswehrstellen und Offizieren enthalten, welche sich mit der Möglichkeit eines deutschen Krieges gegen Frankreich befassen. Zu solchen Arbeiten gehört zweifellos eine genau« Kenntnis jawohl der Verhältnisse in der Reichswehr wie der mllitärvolittschen Lage überhaupt. Es ist also anzunehmen, daß Fachleute, welche über e r h e b l i ch e Geldmittel oerfügen, dem Fälscher behilflich gewesen sind. Diese Dokumente sind bereits an das Ausland geoeben worden, denn schon vor einiger Zeit hat sich die polnische Presse damit beschäftigt. Auch lassen die Aeußerungen einzelner französischer Zeitungen ähnliche Schlüsse zu. Die Mitteilungen des„Jungdsutsche-'" werden von anderer Seite bestätigt. Der Schreck ist bereits in Haft. In seiner Wohnung wurde außer den besprochenen Dokumenten und mili- iärischen Stempeln ein angeblich amtliches Schriftstück gefunden, das die M o b i l m a ch u n g der Reichswehr, den G r e n z s ch u tz i in Osten und die Zusammenarbeit mit den r« ch t s r a d i k a l e n Wehrverbänden behandelt. Auch dieses Schriftstück hatte — sehr zum Schoden Deutschlands— der Weg ins Ausland bereits gesunden. Die Dokumente stammen aus dem Jahre 1923, so daß man sich denken kann, welche Rolle sie bei den seit- herigen außenpolitischen Verhandlungen gespielt haben. Der Schreck befindet sich in Haft. Aber ist er der Alleinschuldige oder auch nur der Hauptschuldige? Es Handell sich um eine der übelsten und gewissenlosesten Intrigen, die auf dem Gebiet des Landesverrats denkbar sind. Besieht man sich den Kreis, aus dem Schreck hervorgegangen ist, und die ebenso phantastischen wie kriegshetzerischen Pläne, die in diesem Kreis gesponnen wurden, so kann man sich des Verdachts nicht erwehren, daß es sich hier nicht um das Wert eines einzelnen Elenden handell. Eine energische und schleunige amtliche Aufklärung, wie sie der„Jung- deutsche" oerlangt, wird im Interesse der Sache notwendig sein. Linksregierung im Kampf. Um das Nrbcitsbcschaffungsprogramm der mecklen- burgischcn Regierung. Schwerin, 27. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Im mecklen- burgischen Landing wurde am Donnerstag ein Miß- trauensantrag der Völkischen Freiheitspartei gegen die demo- kratisch-sozialistische Regierung in namentlicher Abstimmung mit 23 Stimmen der Sozialdemokraten und Demokraten gegen die Stimmen der Rechtsparteien abgelehnt. Wirtschastspartei und Kommunisten enthielten sich de/ Stimme. Der Landtag trat dann in die erste Lesung des Staatshaus- hallsplanes für 1927/28 ein, der in Einnahme und Ausgabe mit rund 78 Millionen abschließt. Die Ilnterbilanz im außerordentlichen Etat in Höhe von r un> 14 Millionen soll durch Anleihen gedeckt werden. Dieser Fehlbetrag ist durch das ausgedehnte Arbeitsbeschafsungsprogramm der republikanischen Regierung entstanden. Es ist zu erwarten, daß die porlamentari- schen Kämpfe um die Annahme des Budgets sehr erbittert sein wer- den. Von chrem Ausgang hängt schließlich die Existenz der Regierung ab., Zum Nachfolger Attollcos. früher einer der vier Generalsekre- täre des Völkerbundes und jetzt Botschafter Italiens in Brasilien. wird ein Marquis Paolucci de Colboli. WTB meldet, aus Rom, daß Mussolini ihn dazu ernannt hat. Das stimmt nicht. Die Ernennung vollzieht der Völkerbund auf Grund eines Vorschlages des Generalsekretärs im Einvernehmen mit der betreffenden Regierung. Zu diesem Zweck« war Drummond nach Rom gefahren. technische Komplikationen und Rasfineinents bühnenfähig gemachte Volkstänze. Gipfelpunkt: das Solo„Directoire, von der Krüger elegant und schmissig, mit allerhand pantomimischen Finessen proou- ziert. Bersager: Die phantasiearmen„Kaukasischen Frauentänze" und ein„Tanz-Sketsch", bei dem die Regie derartig entgleiste, daß das halb geärgerte, halb belustigte Parkett ansing, ohne Gage mit- zuwirken. � I. S. Die Bühnenautoren gegen das neue Theaterzensurgeseh. Der Verband Deutscher Bühnenautoren hiell am 23. d. M. in Berlin seine Generalversammlung ab. Der Verband nahm in einer Entschließung Stellung zu dem neuen Theater- zenjurgesetz. das sowohl grundsätzlich als auch in der nunmehr im Entwurf vorliegenden Form abgelehnt wurden Der Verband sieht tn dem Gesetz eine Knebelung des freien Schriftstellers und der Geistessreiheil des Theaters. Zur Durchführung des Kampfes gegen das Zensurgesetz beschloß, der Verband, sich mit den übrigen in Frage kommenden Organisationen in Verbindung zu setzen. Spaltung der November-Gruppe. Die Differenzen, die bereits seit dem Herbst vorigen Jahres m der November-Gruppe spielten, haben jetzt, wie auf der Generaloersammlung vom 2(3. Januar bekanntgegeben wurde, zum Austritt etwa der Halste der bisherigen Mitglieder geführt. Ausgetreten sind sämtliche Architekten, die der Gruppe angehörten, mit Ausnahme von Gellhorn: genannt seien u. a. Peter Behrens, Grapius, Höring, Hilbersheimer, Kosina, Mies van der Rohe, Hans und Wassily Luckhardt, Pölzig, Bruno und Max Taut, Tessenow. Ferner sind von Malern und Bildhauern ausgetreten: Bölling, Förster, Grunwald. Fuchs, Staegemann, sowie Feininger und Schlemmer vom Dessauer Bauhaus und die Musiker Butting und Iarnach. Dem Bernehmen nacks soll die Gründung einer neuen Gruppe durch die jetzt Ausgeschiedenen erwogen werden. Zn der 4. lauzmatinec der Volkbühne, die am kommenden Sonntag 11'/, Uhr voimUtagS im Theater am B ü I o w d l a tz,slattfindet. wlrd Herta F e ist mit ihrer Gruppe u. a. Teile au» ihrer Tanzdichlung „D i e Berufung' zur Vorführung bringen. Karlen zu der Matinee zum Pretfe von 1.30 M. find noch in beschränltcr Anzahl w den VertausS» stellen der Volksbühne E. B. erhältlich. Der Bildhauer Rudolf Relling spricht heute, abend» 8'/, Ubr. Dorotheen- ftrajje 12(Aula) im Rahmen der tzumboldt-Hochschute über Plastik. va» Lasker- Drama. Am 30. Januar, miilag» 12 Uhr, findet im Meistcriaal. Köthcner Str. 38, eine Vorlesung au» dem Drama „Vom Menschen dir Gelchichtc" von Bertold und ikmanuel Lasker statt. Fränze Roioff und Kurt Nerton werden rezitieren, Helmut Zelenla wird den ewleitenden Vortrag halten. Dral. Ernst Gross«, der Freibvrger Philoloph und Kunstwissenschaftler, ist inr KS. Lebensjahr an der Grippe g e st a r b e n. Professor(Brate erf, der langjährige frühere Armecmusikinfpizient, ist im Alter»an 09 Jahren plhylich gestorben Zenlrallnstilut für Erziehu g»ad Unlerrfcht, JmRabmen des Pädagogische» Rundfunks lDeulsche Welle, V-lle 1300, spricht am 8. Februar von 4 bis 6 Uhr Frau Dr. Maria M o n t e i i o r i über: „Die Seele desKinde Der in ilalientfchcr Sprache gehaltene Bortrag wird von Frau Dr. litorjch übersetzt
Reichstag um Beschwichtigungsversuche Der Reichstag setzte gestent ins zweite Beratung der An- träge �ur Aenderung des Gruodschulgesetzes fort. Abg. Frau Scheidet(Dnat.) stellt es in Abrede, daß die Antragsteller eine be- sondere Absicht mit der von chnen gewünschten eiligen Verab- schiedung dieser Vorlage verbunden hätten. Wenn die privaten Lorschulen jetzt beseitigt werden sollten, dann würden viele Kinder ganz ohne Unterricht bleiben, denn in manchen Orten könnten die Volksschulen gar nicht alle Kinder aufnehmen. Die Privatschulen und deren Lehrkräfte müßten also vor wirtschaftlicher Schädigung bewahrt bleiben. Abg. Rheinländer(Z.) weist die Angriffe der Linken gegen die Vorlage zurück. Die Linke mach« aus einer sachlich notwendigen Entschädigungsmaßnahme eine hochpolitische Angelegenheit. Das sei Kanonenfeuer gegen Spatzen. Die Ausschußvorlag« sei keine Verletzung des Grundschulgesetzes, sondern seine not- wendige Ergänzung. Auch die Verfassung werde dadurch nicht oerletzt. Abg. Rosenbaum(Komm.) bekämpft die Vorlage. Die Regierung müsse sich darüber äußern, ob sie ihren Einspruch gegen die Vorloge ausrecht erhält, oder ob sie ihre Rechte bereits an«ine neue schwarzblaue Regierung abgetreten habe. Abg. Dr. Runkel(D. Vp.) behauptet, daß diese Vorlage kein verfassungsänderndes Gesetz sei. Es handle sich um eine Uebergangsbestimmung. durch die die Grundschulen weder in ihrem Wesen noch in ihrem Bestände berührt würden. Das Gesetz wolle nur die im Grundschulgesetz bereits vorgesehenen Entschädigungen oder anderweitige Sicherstellung der Lehrkräfte und llnterhaltungströger reichsgesetzlich regeln. Abg. Rönneburg(Denn) äußert erhebliche Bedenken gegen die Anträge der Rechten. Unmöglich könne eine so wichtige An- gelegenheit erledigt werden, bevor«ine verantwortliche Re- g i e r u n g da sei. Abg. Sube(Volk.) stimmt der Vorlag« zu. Wenn die Grund- schule an Ansehen verliere, so sei der Terror schuld daran, wie er beispielsweise in Neukölln gegen Andersdenkende ausgeübt werde. Auch der Abg. Löwenstein habe eine Privatschule besucht. — Abg. Löwenstein(Soz.) stellt in einer persönlichen Bemerkung fest, daß die von ihm besuchte Schule eine Volksschule war. Damit schließt die Aussprache, die Abstimmung wird aus die nächste Woche vertagt. Einige von den Völkischen gestellte Auswertungsanträge werden dem Rechtsausschuß überwiesen. Gegen Uhr vertagt sich dos Haus auf Donnerstag, den Z.Februar, nachmittags 2 Uhr, mit der Tagesordnung: Entgegennahme einer Erklärung der Reichs- regierung. Kulturprogramm ües Auswärtigen flmtes. Der Hauptausschutz bewillig! neue Vertretungen. In der Donnerstagsitzung des Ausschusses für den Reichshaus- halt, in dem die Einzelberatung des Etats des Auswärtigen Amtes auf der Tagesordnung stand, referiert« der Berichterstatter Dr. hoehsch(Dnat.) zunächst über die Gesandtschaften, Ver- trelungen des Reichs und Konsulate. Nach lang aus- gesponnener Debatte wurden nach Ablehnung eines kommunistischen Antrags, den deutschen Botschafter beim Vatikan zu streichen, olle bestehenden Vertretungen wieder und von neuen G c- sandten resp. Generalkonsuln die folgenden bewilligt: Mittelamerika. Frankreich: Marseille. Schweiz: Zürich. Großbritannien-Jrland: Dublin, Niederländisch-Indien: B a t a v i a, Brasilien; Sao Paolo. An neuen Konsulaten wurden bewilligt: Brasilien: Curitiba und Florianopolis. Niederländische Besitzungen: Surabaya, Norwegen: Bergen, Spanien: Sevilla, Türk«!: Trapezunt, Dereinigte Staaten von Amerika und deren Besitzungen: Atlanta. Eine umfangreich« Aussprache, die noch zu kernem abschließen- den Ergebnis geführt hat, emspann sich sodann über die den Aus- landsbeamten zu gewährenden Aufwandsgelder und Aus- landszulagen. Der Ausschuß war der Ansicht, daß das Aus- wärtige Amt noch einmal sovgfältig nachprüfen möge, ob hierbei nicht Ersparnisse zu erzielen seien. Auf gestern gestellte Fragen gab der Leiter der Kulturabteilung, Gesandter Freytag, Auskunft über das Kulturprogramm des Auswärtigen Amtes. Die Aufgaben dieser Abteilung hätten l GrunöMule. er bürgerlichen Parteien. in der ersten Zeit nach dem Kriege durch die Beschränktheit der Mittel und durch den Abbruch der Verbindungen infolge des Kriegs noch nicht wieder in vollem Umfang aufgenommen werden können. Neuerdings sei an die auswärtigen Missionen ein Erlaß herausgegangen, über die in ihren Bereich falleilden Kulturausgaben genau zu berichten. Auch im Inland wird das Auswärtige Amt im engen Benehmen mit den übrigen Ressorts der Reichscegierung und der Länder arbeiten. Dabei wird angestrebt werden, ein Neben- einanderarbeiten auszuschalten. Private Anregungen werden bereit- willig entgegengenommen, doch muß das Auswärtige Amt sich die Initiative für die planmäßige Gestaltung der kulturpolitischen Arbeit vorbehalten. Gesandter Freytag hofft, bei Beratung des nächsten Etats über das auf diesem Gebiete Erreichte schon mehr berichten zu können. Redner gab dann noch verschiedene Auskünfte über die Bemühungen des Auswärtigen Amtes, das Studium der Aus- ländcr in Deutschland z. B. durch Werbung, Fürsorge für ihre Unterbringung- und anderes zu fördern. Hierzu lagen zwei Zeittrumsentschließringeir vor: die Reichsregierung zu ersuchen, im Benehmen mit den Länderregierungen zu erwägen, für die in Deutschland studierenden Ausländer Ein- ri cht u n ge n zu schaffen, die ihnen ein« vertiefte Kenntnis des deutschen Geisteslebens und Volkstums zu vermitteln geeignet sind, und 2. das Auswärtige Amt zu ersuchen, im Benehmuen mit den Ländcrregierungen der Frage des Einflusses der Hochschul- gebühren auf das Studium von Ausländern in Deutschland be- sondere Beachtung zu schenken. Heamtenpolitik in Preußen. Rede Grzesinskis im Hauptausschutz des Landtags. Der Hauptausschuß des Landtags begann am Donnerstag mit der Beratung des Etats des Ministeriums des Innern. Abg. Bäcker(Dnat.) und Abg. Dr. v. Richter(D. Vp.) klagten über die Personalpolitik des Innenministers und über den angeblich ver- mehrten politischen Druck auf die Beamten. Der deutschnationale Redner bedauerte insbesondere, daß die Stellung Preußens zum Reich immer schlechter würde. Der volksparteiliche Etatsredner be- schwarte sich über die Verabschiedung des Staats- sekretärs Meist er und fragte den Minister ob das von ihm so geschätzte und bevorzugte Reichsbanner auch der neuen Reichs- regierung die Treue wahren und die Versammlungen schützen würde. Innenminister Grzesinski erwiderte auf Anfragen aus dem Ausschuß, daß die studentischen Schlägermensuren strafbare Handlungen und als solche von der Polizei zu verfolgen seien. Für die Erleichterung der Einbürgerung werde er sich im Reichsrat entschieden einsetzen. Die Annahm» von Re>- gierungsreferendaren habe er vorläufig gesperrt, um sehr ernsthaft die Frage zu prüfen, wie in Zukunft eine bessere Auswahl des Nachwuchses garantiert werdsn könne. Irgend- ein politischer Druck würde, abgesehen von dem Verlangen positiver Einstellung zum gegenwärtigen Staat auf die Beamten nicht ausgeübt, aber ihm persönlich sei die Linie seiner Tätigkeit durch sein« sozialdemokratische Gesinnung vorgeschrieben und er werde davon ebensowenig abweichen, wie er von den neuen deutschnationalen Ministern im Reiche erwarte,' daß sie sozial- demokratische Politik treiben würden. Im übrigen sei Preußen innner der tveueste Teil des Reiches gewesen und werde es auch in Zukunft bleiben. Der Zentrumsredner Abg. Heß begann mit einer Huldigung für Severing, der zu seiner Freude an diesen Etatsberatungen wieder teilnehme, und mit einer Erklärung unbedingten Ver- trouens zu Grzesinski und dem neuen Staatssekretär A b e g g. Grzesinski habe im Rheinland eine begeistert« Aufnahme nicht nur bei den Sozialdemokraten und beim Zentrum, sondern b« i der ganzen Bevölkerung gefunden. Die Klagen der Deutschnationalen über Bedrückung erschienen ziemlich lächerlich, wenn man etwa an die Zeiten des Kulturkampfes zurückdächte. Das Zentrum bleibe bei der im Vorjahre ausgesprochenen Erklärung bestehen, daß es jede Garantie für den Be- stand der deutschen und preußischen Republik aus sich nehme. Ab- schließend sprach sich der Zentrumsredner gegen eine Verwaltungs- reform unh für Aufrechterhaltung des söderalislischen Staates, aus. Die Verhandlungen werden am Freitag fortgesetzt. demokraten uns Sürgerblock. Erklärung der demokratischen Reichstagsfraktion. Die demokratische Reichstaosfraktion veröffenilichi eine Er- klärung. in der es heißt: „Die deutsche demokratische Fraktion bedauert, daß die Ver- Handlungen über eine Koalition der Mitte vom Reichskanz- ler Dr. Marx vorzeitig abgebrochen sind. Eine tragfähige Koalition der Mitte hätte sich auf Grund des Zentrumsmanifeftes bilden lassen. Sie ist, ebenso wie die Große Koalition, daran ge- scheitert, daß starke Kräste unter Ablehnung aller anderen Möglich- ketten von vornherein aus die Rechtsregierung hin- gearbeitet haben. Die Richtlinien, die mit den Deuts chnationalen vereinbart sind, dokumentieren einen wesentlichen Gesinnungswechsel der Deutschnationalen Volkspartei. Sie bedeuten eine völlige Preisgabe der bisherigen deutschnationalen Opposuion gegen die Außenpolitik von Rathenau bis Strese- mann. Innenpolitisch bedeuten sie, wenn sie auch hinter dem Zentnimsmanifest zurückbleiben, eine Anerkennung der Re- publik und den Schutz ihrer Symbole, während bisher der Staats- form und den Farben schwarzrotgold der erbitterte Kampf der Deutschnationalen galt. Auf dem Gebiet einer Reform der Reichs- wehr werden weilgehende Versprechungen in unserem Sinne ge- macht. Dagegen weisen die ohne unsere Mitwirkung festgestellten Richi- linien auf dem Gebiete der Schule ein« unerträgliche Ein- s e i t i g k« i t auf, die abzuändern keine Bereitwilligkeit bestehtt Die Fraktion ist der Meinung, daß die Grundlagen des künftigen Schul- gesetzes in der Verfassung festgeleet sind, und daß eine einseitige, nur die Wünsche der einen Richtung betonende Abfassung derartiger Richtlinien den Weg zu einem befriedigenden Schulgesetze oerbautt Weiter sieht die Fraktton«inen besonders bedenklichen Mangel in dem Fehlen wirtschaftspolitischer Richtlinien. Sie muß befürchten, daß der heftige Widerstand der Deutschnatio- nalen gegen die Rcinholdsche Finanz- und Steuerpolttit, gegen eine exportfördernde Handelsvertragspolitik und gegen eine vom Reiche maßgeblich geführt« S i e d l u n g s p o l i t i k sich ver- steifen und die gesamt« Wirischast einschließlich des Mittelstandes auf das schwerste gefährden wird. Aber überhaupt betrachtet die deutsche demokratische Fraktion den Wert solcher Richtlinien als problematisch, wenn die Zusammensetzung der Regierung nicht die Gewähr für eine gute Durchführung gibt. Diese Gewähr ist nicht in einem Kabinett zu erblicken, in dem Männer eine führende Stellung haben, deren heutige Worte mit ihren Taten und Worten von gestern in unlösbarem Wider- spruch st eher und in dem ein auch nur einigermaßen hinreichen- des Gegengewicht gegen ihren Emsluß nicht geschaffen werden kann. Die Fraktton glaubt deshalb in der Opposition mit besierem Erfolge für die Erfüllung der in den Richtlinien gegebenen Versprechungen, für die Wahrung der deutschen Geistesfreiheit und für die Sichcrnug einer gesunden Wirttchafts- und Finanzpolitik und einer gerechten Steuerpolitik wirken zu können." « Die demokratische Reichstagsfraktton hat beschlossen, ihre Er- Närung den bisherigen Ministern Dr. G e ß l e r, Dr. Külz und Dr. Rein hold mitzuteilen und der Bitte Ausdruck zu geben, sich an der neuen Regierung n i ch t zu beteiligen. Es geht gut los! Amtliches Dementi gegen dentschnationale Presse- lügen. Amtlich wird mitgeteill: Die„Kreuz-Zeitung" vom 27. Januar, Abendausgabe, behauptet, die Prcsseabteilung der Reichs- regierung habe die Richtlinien über das Regierungspro- gramm gestern bereits um 5 Uhr nachmittags an die H a v a s- Agentttr gegeben. Diese Behauptung ist falsch. Die Presse- abteilung ist bis zur Stunde noch nicht im Besitz des amtlichen Textes der Richtlinien, ebensowenig hat das WTB. diese erhalten, konnte sie infolgedessen auch nicht an Havas weilerleiten. Krisengefahr in Selgien. Abgelehnte sozialistische Anträge.— Die Auf- wertungsbewegung beginnt. Brüssel, 27. Januar.(Ctg. Draht der.) Die Christlich-D«- mo traten legten dem Ministerpräsidenten Jaspar am Donnerstag programmatische Forde rungen vor, von deren Annohme sie die wettere Unterstützung der Regierung abhängig machen wollen. Unter diesen Forderungen ist besonders die auf teilweise A u f w« r» tung der Staatsrenten hervorzuheben, eine Forderung, di« damit zum erstenmal in Belgien von einer Porlamentsgruppe er- hoben und vielleicht noch ein« polittsch« Roll« spielen wird. Der Ministerpräsident hat die Forderung der Ehristlich-Demokraten zu ihrer Befriedigung beantwortet. In der Kammer wurden sämtliche sozialdemokratischen Äbänderungsanträge, die eine IS-, S- oder kjährig« Pachtsicherheit für Kleinpächter bezweckten, m erster Lesung abgelehnt und gemäß dem Rogicrungsendwurf die dreijährig« Pachtsicherheit an- genommen. Die Spannung zwischen den Sozialisten und den übrigen Regierungsparteien ist dadurch oerschärft worden. prager Parlamentsprozeß. Abgeordnete wegen Parlamentslärms verurteilt. Prag, 27. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Als nach harten Krämpfen im Abgeordnetenhaus die tschechisch- und deutschbürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten aller Ratio- nen und auch gegen die tschechischen Nationallozialen die Ersetzung der glettenden Lebcnsmillelzölle durch festere und höhere befchlossen, ließen sie bald darauf auch eine Erhöhung des Staatsgehottes für die katholischen Priester, der„K o n g r u a", folgen. Das war der aus. bedungene Kaufpreis für die Stimmen der Klerikalen. Die Arbeiter- Parteien machten Obstruktion, und als der Präsident über ein- „grundsätzliche" Frage abstimmen ließ, um dadurch ISA) Einzelanträge der Opposition mtt einem Schlag zu erledigen, grifsen einige Kom- munisten und Nationalsoziale zur Gewatt. Dabei wurde-ein bürger- licher Abgeordneter durch ein Holzstück verletzt, das von einem der betrommetten Pulte abgebrochen war. Obwohl dies nicht die erste Wiederholung altösterreichischer Parlamentsszenen im Prager Ratio- nalitatenparlament war und die Kommunisten, wie üblich, den Sachschaden freiwillig bezahlten, erhob die Staats- onwaltschast Anklage, und die Mehrheit lieferte die Beschuldigten aus. Nach mehrtägiger Verhandlung, in der deutsch« und tschechische Sozialdemokraten als Zeugen die damalige Sitzungsleitung als ge- Ichöftsordnungswidrig und antiparlamentarisch krittzierten, ist jetzt das Urteil ergangen: Der Führer der deutschen Kommunisten Karl K r e i b i ch- Reichenbcrg und der Nationalsozialist K n e j z l i k wurden freigesprochen, die kommunistischen Abgeordneten fyarus und Jilel zu je vier Monaten, und ihr Partei- genösse Safranto zu drei Monaten, all« drei zu Kerker mit eintägigem Fasten im Monat verurteitt, und zwar wegen ihres tällichen Angriffes auf den Präfidenten de« Abgeordneten- Hauses in der Sitzung vom 19. Juni. Bon allen anderen Anklage- punkten wurden auch sie freigesprochen. Der Staatsanwalt legt gegen die teilweise Freisprechung Be- rufung ein. Pogromhetze in Litauen. Durch das Regierungsblatt. kowno. 27. Januar.(OE.) Die Lüdische Stimme" beklagt sich über die zunehmend judenfeindliche Hattung des offiziösen „L i c t u v i s", den man neuerdings geradezu als ein Kampf- blatt füraktiven Antisemitismus ansehen müsse. Dieses Blatt schüre eine P o g r a m stimmung in Litauen und es sei unbe- greiflich, daß der Staatspräsident Smetona, der dem„Lictuois" doch sehr nahesteht, eine solche Tonart gegen eine starke Minderheit im Lande dulden könne. � bulgarischer tvahlwirrwarr. Zersplitterung der Opposition! Sofia. 27. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die Regierungs- wie Oppositionsparteien benutzen die augenblicklichen parlamen- tarischen Ferien zu den, Borbereitungen für die vermutlich nahen Sobranjewahlen, deren Termin noch nicht bekannt ist. Die regierende»Demokratische Vereinigung", die selbstherrlich das Recht der Fristsetzung für sich allein in Anspruch nimmt, weicht jeder An- frage der Opposition danach aus, so daß diese eine überraschende Ansegung der Wahlen fürchtet. Nach dem Buchstaben der Verfassung muß die jetzige Kammer ihr Mandat erst am 28. Oktober, also genau vier Jahre nach der Wahl niederlegen: aber nach viel- vertretener Auffassung und dem bisherigen Brauche hat das bereits om 28. März, dem Ende der vierten regelmäßigen Session, zu ge- schehen. Allen Anzeichen nach wird sich die Regierung weder für den einen noch den anderen Termin erklären, sondern den für sie günstigsten Termin wählen. Vorbeugend haben di« meisten Oppositionsgruppen schon die Agitation begonnen. Die„weitherzigen" Sozialdemokraten haben in einer Zentralkomilleesitzung beschlossen, dem erweiterten Partei- vorstand die Revision der letzten Kongreßresolution nahezulegen, der zufolge Wahlbündnisse mit bürgerlichen Oppo- sitionsparleien nicht eingegangen werden dürfen. Wie wir er- fahren, stehen K o a> i t> o n s v e r h a n d l u n g c n mit den Radi- kalen und Dragiewisten(die mit den deutschen Demokraten zu ver- gleichen sind) bevor, da man wegen der politischen Lage auf sozio- listischer Celle fast einstimmig die Meinung vertritt, daß Wahl- gemeinschaften mtt linksgerichten bürgerlichen Parteien durchaus im Interesse der Partei und des Landes Legen. Die sozialistisch« Föderation, die sich kürzlich mit einem Flügel der Bauern- parte! und den früheren Kommunisten zu einer Kampfesgemeinschast zusammengeschlossen hat, entfaltet eine erhöhte Wahlpropaganda. Di« Demokraten unter, der Führung Mallinofss stehen noch in Ver- Handlung mtt einem der Flügel der Bauern wie der Liberalen zur Wiedererneuerung der bei den letzten Kreiswahlen mit Erfolg gin- gegangenen Koalition. Aller Wahrscheinlichkeit wird sie wieder zu- standetommen. Die Radikalen und Dragiewisten sind schon seit einigen Wochen vereinigt und haben als erste der Oppositionsparteien überall den Wahlkampf eröffnet. Die Nationalliberalen haben sich inzwischen gespalten. Der gemäßigtere Flügel hat Verbindung mit ven Demokraten und Bauern aufgenommen, während die radikalere Richtung jede Koalition mit der Linken absehnt.— Die Bauern- Partei, heute neben den Sozialisten die einzige des Landes mit aus- gesprochenem Klassencharakter, steht augenbiicklich in heftigen inneren Kämpfen, die bisher zur Spaltung in drei Grpppen geführt hat. Es besteht bei diesem erheblichen Wirrwarr innerhalb, der maß- geblichen Opposilionsparteicn wenig Hoffnung, daß die herrschende„Demokratische Vereinigung" durch die Wahlen cnd- gültig aus dem Sattel gehoben wird. Dazu kommt noch, daß den heutigen Machthabern unbeschränkte Geldmittel aus der Staatskasse für ihre Wahlsache zur Verfügung stehen und der ganze Wahlapparat in ihren Händen liegt. Wie der sozialistische„Norod"(Die Nation) schreibt, sind bereits die Polizei- organe und geheimen unzähligen Agenten der Regierung am Werk, die Wahlen für sie„vorzubereiten''. Angesichts des scheußlichen Terrors, den die bulgarischen„Un- verantwortlichen" gegen die Arbeiter- und Bauernbewegung treiben, müßten sich alle Opposttionsparteien bis auf den letzten Mann zu- sammenscharen, um diese empörenden Zustände zu beseitigen. Hoffentlich besinnt man sich noch! Rußische Gßßziersprüfungen. Politik: ungenügend. Moskau, 27. Iaiwar.(OE.) Wie-das Militärblott„Krosnaja Swesda" mitteitt, hat der größte Teil der Offiziere des Lenin- grader Wehrkreises bei der Prüfung sehr schlecht abgeschnitten. Dieses Resultat bedeutet auch deshalb eine Enttäuschung, weil schon seit einiger Zeit im Interesse der„Einheitlichkeit der Kommando- gewatt" daraus hingearbeitet wird, den Offizieren auch die p o- l i t i s ch e Instruktton in der Roten Armee anzuvertrauen. kamenew zu Mussolini entsandt. Kämenew, an Stelle Ker- gentzews zum bevollmächtigten Vertreter der USSR. in Italien ernannt, ist nach Rom abgereist. Die deutsch.kschechische hullschingretize ist jetzt wieder Gegenstand von Verhandlungen zwischen beiden Staaten wegen Abschluß eines Abkommens zur Regelung der Grenzverhällniffe des Huttschiner Ländchens
v!e Christlichen und der Achtstundentag. „Ju völliger Ungebundenheit." Wir haben in unserer Abendausgabe vom Mittwoch festgestellt, daß die deutschnationalsn Abgeordneten Behrens und Low- dach und der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, die alle drei Leuchten der christlichen Gewerkschaftsbewegung find, sich mit den urreaktionären Unternehmeroertretern Leopold, o. Goldacker, Schiele und Dr. C u r t i u s über das sozial- politische Regierungsprogramm geeinigt haben. Wir haben festgestellt, daß in diesem Programm keine Rede ist von dem Notgesetz zur Wiederherstellung des Acht- stundentages, einer Forderung der christlichen Gewerkschaften. Wir haben weiter festgestellt, daß durch diese Stellungnahme promi- nenter, Vertreter der christlichen Gewerkschaften dies« in einem Lichte erscheinen müssen, als hätten sie ihre Forderung preisgegeben. Wir haben hinzugefügt, daß wir vorlchisig keine Veranlassung hätten, an dem Festhalten der christlichen Gewerkschaften an ihrer Forde- rung zu zweifeln und deshalb die Erwartung ausgesprochen, daß die christlichen Gewerkschaften ein Interesse daran haben dürften, sich zu dieser zweideutigen Sachlage zu äußern. Nicht wir noch die freien Gewerkschaften sind von der Haltung der Behrens, Lambach und Dr. Brauns irgendwie berührt. Es ist auch weder der„Vorwärts", noch sind es die freien Gewerkschaften, die durch das Abkommen der Dr. Brauns, Lambach und Behrens mit den prominentesten Vertretern des Scharfmackzertums sich irgend- wie kompromittiert fühlen können.„Der Deutsche", der als das Organ der christlichen Gewerkschaften gilt, antwortet aber auf unsere Feststellungen in einem merkwürdig gerei.zten Ton. Er schreibt. nachdem er den Kern unserer Ausführungen zitiert hatc „Wir erwarten".— Wie kategorisch! Diese Form hat eine recht groß- Aehnlichkeit mit dem vom„Vorwärts" so häufig verulkten„Wilhelminischen Stil". Vorläufig liegen die Ver Hältnisse noch so, daß die christlichen Gewerkschaften«ine Er- kläruna aboeben, wann es ihnen paßt, und nicht dann, wenn de�„Vorwärts" sie oerlangt. Die christlichen Gewerkschaften haben ihre sozialpolitischen Forderungen bekanntgegeben, lind ■ um die Erfüllung dieser Forderungen werden sie zu kämpfen wissen. Eine grundsätzliche und praktische parteipolitische Neutralität läßt den christlichen Gewerkschaften in sozial- politischen Fragen völlige Ungebundenheit einer jeden Regierung gegenüber, mag sie sich nun nach„rechts" oder nach„links" orientieren. Uns will scheinen, daß die Empfindsamkeit des„Deutschen" nicht uns gegenüber, sondern vielmehr gegenüber de» Abmachungen zwischen den christlichen Arbeiteroertretern und den reaktionären llnternehmervertretern am Platze wäre. Gewiß sind auch wlr der selbstverständlichen Meinung, daß die christlichen Gewcrkschastcn nur dann Erklärungen abzugeben brauchen, wenn sie es für not- wendig halten. Uns will ober scheinen, daß eine Erklärung gerade dann notwendig ist. wenn die Stellungnahme der christlichen Ge- werkichafien i n Z w e i s e l gezogen werden kann und wenn die Forderungen, die sie vertreten, er» st lich gefährdet er- scheinen. Wenn die christlichen Gewerkschaften für Ihre Forderungen kämpfen wollen, dann dürste gerade dann, wenn das sozial- politische Programm der künftigen Regierung durch ihr« eigenen Vertreter festgelegt werden soll, der geeignete Zeitpunkt sein. Gerade jetzt gilt es, darüber zu wachen, daß diese Forderungen nicht von Ihren eigenen Vertretern preisgegeben werden. Die- froren Gew/erkschaften würden jedenfalls jedes Mtt- glied-fttt nz en e tflfcif ch z.Urt Q r dm u N g ru f en. das in. einem entscheideaden Augenblick- eine so lebenswichtige Forderung preis-- zugeben bereit wäre. Die christlichen Gewerkschaften mögen sich der Regierung gegen- über in„völliger Ungebundenheit" besinden. Was anderes aber ist es, ob die hervorragenden Mitglieder der christlichen Gewert- schaften, die mit den Leopold und Konsorten die Preisgabe des Acht- stundentages vereinbart haben, sich den christlichen G e w e r t- s ch a s t e n gegenüber in völliger Ungebundenheit ktefinden. Darüber Klarheit zu schaffen, liegt, so will unk scheinen, vor allein im Interesse der christlichen Gemerkschasien selbst. Diese Klarheit ist durch die Erklärung des„Deutschen" sicherlich nicht hergestellt war- den. Nach dieser Erklärung muh jeder Unbefangene den Eindruck gewinnen, daß die hervorragendsten Vertreter der chrisllichen Ge- werkschoften sich diesen gegenüber„in völliger Ungebunden- h e i t", den reaktionären Scharfmachern gegenüber aber in v ö l l i- ger Gebundenheit befinden. Oer VOM?, lehnt alles ab. Ergebnislose Verhandlungen für die Angestellten- Die Funktionäre de? AsA-Metallkartells nahmen gestern abend in einer gut besuchten Versammlung in den Musikersälen Stellung ,zu dem Ergebnis der Gehaltstarksverhandlung mit dem VBMJ., die am Nachmittag des gleichen Tages waren. Das Metollkartell hatte, nachdem es die Kündigung des Gehaltstarifes zum 31. Ja- nuar beschlossen hatte nach eingehenden Beratungen die Forderungen aufgestellt und dem VBMJ. unterbreitet, für die unteren Gruppen der Angestellten eine Erhöhung der Gehälter um 18 Proz. und der höheren Gruppen um IS Proz. vorzunehmen. Desgleichen wurde die Wiedereinführung des Staffeltarises, an Stelle des Leistungstarifes gefordert, da nach der Einführung des Leistungstailfes nur etwa?l> Prpz. der Angestellten in den Genuß dieser Leistungszulage gekommen find und die restlichen 7t> Prozent leer ausgehen. Genosse Günther vom Butab, der den Bericht von den Der- Handlungen gab, betont«, daß die Anoeftelltenvertreter die Forde. rirngen nach genereller Erhöhung der Gehälter nicht etwa mit der bevorstehenden Erhöhung der Mieten begründet haben, sondern mir der völligen Unzulänglichkeit der jeßt gezahlten Gehäber an ssch, was bei der dauernden Steigerung der Lebenshaltungskosten immer fühlbarer wird. Der Syndikus des DBMI., Rechtsanwalt Oppenheimer, wandte sich zunächst gegen die Behauptung der Angestelltenvertreter, daß die Berliner Metallindustrie wirtschaftlich nicht so schlecht ge- stellt sei und die notwendige Gehaltserhöhung tragen könne. Er bestritt, daß der vorhandene erhöht« Auftragsbestand sowie die bessere Beschäftigungslage keine Zeichen der gestiegenen Leistung?- fähigkeit seien und auch keine Beweise für die erhöhte Verdienst- Möglichkeit der Metallindustrie. Den besten Beweis für die Richtig- keit seiner Gegenbehauptungen glaubte er zu führen, indem er aus die dauernd« Steigerung der Erwerbslosenzablen hinwies, was alles- dings mehr als«in hinkender Beweis ist. Er kam auch wieder mit der sattsam bekannten Argumentation, daß es nur die Gewerklchafts- Vertreter seien, die die Wiedereinführung des Staifeltarifs forderten. daß die Angestellten selbst jedoch mit dem System der Entlohnung nach Leistung sehr zufrieden seien. Er erklärte weiter, daß der BBMI� nicht voran denke, an Stelle des Leistungstarises wieder den Stoffeltarif einzuführen, sondern im� Gegenteil bestrebt Ici, die noch bei«inigen Gruppen vorhandene Staffelung der Ge- hälter endgültig zu beseitigen Die geforderte Gehaltserhöhung wurde mit ähnlichen sadenscheinige» Argumenten abgelehnt. Genosse Günther betonte, daß die Unternehmer diesmal die Verhandlungen mit einem Zynismus führten, wie sie ihn noch nie zur Schau getragen haben. Sie können sich diesen Ton nur deswegen erlauben, weil leider ein großer Teil der Angestellten der Berliner Metallindustrie den Angestelltenorganisationen noch fernsteht, was nicht dazu beiträgt, den geradezu provozierenden Machlstanopunkt der Metallindustriellen zu brechen. Wenn die Verhandlungen in Zu- tunft mit einem anderen Ergebnis enden sollen, dann müsse die An- gestelltenschast der Berliner Metallindustrie endlich einmal ihren Langmut ablegen und sich auf die Notwendigkeit des gcwerkschastlichen Zusammenscklusses besinnen. Nach einer regen Diskussion beauftragten die Funktionäre das AfA-Metgllkartell, dxn S ch Ii ch t u n g s a u s j ch u h a n j u r u f en und nach ds«seN"Berhoniilung«n in einer öfsentlichen' Bersamnckung der Angestellte« der B«ltn«r MetaLtndvstrie zu dem endgültigen Derhondlungsergebnis Stellung zu nehmen. küoöigung des Manteltarifs lm Kalibergbau. Der Zecheuverband' gegen den Gehalksschiedsspruch. Die an der Tarisgerneinschest für den Kalibergbau beteiligten Bergarbeiterverbände baben den M a n t« l t a r i s und das alte Mehrorbeitsabkommen zum 1. Februar 1S27 gekündigt. Der jetzt gültige Mackteltarif ist seit dem L Januar 1925 in Kraft. Der Zechenverband hat de» am 24. Januar gefällten Gehalts- schicdsjpruch für die kausmännischen und technijchen'Angestellten abgelehnt. Die Angesielltengewcrkschasten haben den Schiedsspruch angenommen und die Berbindlichkeitserklä- rung beantragt._ Schiedsspruch gegen den Achtstundentag. Für die ostsächsische Textilindustrie. Dresden, 27. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Für die Textil- industrie Ostiachsens ist in Dleeden vom Schüchtungsoueschuß ein Schiedsspruch gefällt worden, durch den die Arbeiterschaft erneut zur 5 3�t ü n d i g« n A r b e> l s z« i t verpflichtet wird. Die Textil- orbeits�chaft fordert die 46-Stunden-Woche. Die Unternehmer beantragten die Verlängerung des bisherigen Abkommens. Trotz aller Bemühungen der Arbeitnehmerverbänd« kam der Schlichtung?- ausschuß zu seinem völlig unverständlichen Schiedsspruch. Die Textilarbeiterschast wird in einer in den nächsten Tagen stattfü-denden Konserenz zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen. Lohnderhandlnngcn der TöPser. Der Deutsche Baugewerksbund, Baugewerkschast Berlin, Fachgruppe der Töpfer, teilt mit: Die Lerhandlungen über die Umgestaltung des Akkordtarifs sind bisher nicht zum Abschluß gelangt. Da die Beratungen, nach- dem die größten Schwierigkeilen überwunden sind, ictzt zu einer Der- ständigung zu führen scheinen, wurde auf Beschluß der gemeinsamen Lohnkommission der Tarif sowie das bestehende Lohnabkommen bis einschließlich 18. Februar 1927 verlängert. Bis zu diesem Zeit- punkt soll versucht werden, die Beratungen zu beenden und den Tarif abzuschließen. Wir ersuchen unsere Kollegen, vorstehendes zu beachten._ Kündigung des Arbeitsvertrnges im niederschlcsischen Bergbau. Waldenburg, 27. Januar..(Eigener Drahtbericht.) Die Lohn- ocrhandlungen für den niederschlesischen Steinkohlenbergbau sind ergebnislos verlausen. Die Torifparteien hatten die Lohnordnung am 31. Dezember zum 31. Januar gekündigt. Die eingereichten Forderungen wurden von den Arbeitgebern nack einer unverbindlichen Aussprache ohne jede Parieioerhandlung schriftlich abgelehnt. Bei den Schlichtungsoerhandlungen begründeten die Arbeitgeber ihren ablehnenden Standpunkt mit der bekannten Phrase der Unwirtschaftllchkeit des Neviers. Nach dem Scheitern der Verhandlungen gaben die Vertreter der Arbeiterorganisationen an den Schlichter folgende Erklärung ab: Da die Arbeitgeber nicht zu bewegen sind, uns ein Angebot auf unsere Forderungen zu niachen, haben die?lrbeiterorganisationcn kein Interesse mehr an weiteren Schlichtungsverhandlungen. Sie ziehen deshalb ihren Antrag zurück und werden mit ihren Funktionären weitere Maß- nahmen beschließeir In Versolg dieser Verhandlungen fand hier eine Konferenz statt, die beschloß, den Arbeitsvertrag zu kündigen, und zwar für die Einzelperson, d. h. jeder einzelne hat zu kündigen. Die Kündigungen werden dann eingesammelt und am 5. Februar eingereicht, so daß dann am 19. Februar die Äündigunoszeit abgelaufen ist Dieser Beschluß ist gefaßt worden in der Konferenz des Bergarbeiterverbandes und der Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften mit 188 Stimmen gegen eine Stimme: die christlichen Gewerkschaften haben dasselbe einstimmig beschlossen. Lohnbewegung in der Schwerindustrie. Essen. 26. Jawiar.(MTB.) Jn eincr gemeinsamen Sitzung dex» oN drc lsfarifgechelnlchäst der Metallindustrie, NördwesiNche Gruppe. heseNgten' drei Metollarbeiterverbavde wurde, wie die„Deutsch? B-rgwerkszeitung meldet, beschlossen, das Lohnabkommen zum 28. Februar zu kündigen. In dem Kündigungsschreiben wurde mit- geteilt, daß die neuen Lohnforderungen am Verhandlungstage bekanntgegeben werden wurden. DeranSwortlich für Poliirk: Victor SSItt: WirNch-st-».»Nus-ihöler: SrwerrsKailsbcweaun«: itr. Efttor«: Sruideton:®r. Z»d» Lokale» unk Soirslior»: ffnü ftarftäbt: Anzeigen: Tl>. Glocke: lämikich in Brrlin. ZZerlo«: Bo: roärH-Srrlaa®. m. b. g>. Berlin. Druck: Borwärls-Buckdruckerri und Berlaoronitoll Bon! Linker n. Co. Berlin öffi W. Linbtnßraftc 3. sicrin 2 vcilaoeo und.Unterdoltnno«nd Wille»' Frisches Fleisch»MS M»»MB■»» MM Fische Kalbskamm u. Brust Pfand 75 Pf MM tt Rag B JB Bj WMNM Raa B Dorsch«........... Pfnd 12«. Ka bsnlerenbraten.Pfund 80 Pf. MMM/M SM» RäF B HP™0» WB H WWMM BraUiundara....... Pfnnd 14«. Kalbskeule d«> x d.«cteii«, p.imd OOP*. Igfiw B B B B B B II Hl Betbarsa ohne Kopf... rtud 20«. Hamme,«icke Rippe a.Brust 88 Pf«M MM WWW W B V» B aHMBÜ B B KS Kabeljau o Kop.,d»ii»eFi>d>e, Pfd. 20«. Schmorfleisch u. Roastbeef wm"■ Zander«efrorca.....Pfand 75«. Schweinebauch urSuek�n" Lelpzifler StraOo KönlgsfraBo Rosenthaler Str. Moritzplatz VZl iS« mit R- QS Pf. IsB�CIlOC KarprCfl••• r fand 9Brs. Schinken, Bla t u. Kamm Pfd. 1.05/ O 8 8 � Oröne Heringe.... 5 rtoad 55«. H TR�tlUflC 1(PCn�ntmCf w"d 6em�i Prima Oduenflciarh, genorrn W W W W W W W W W W W QSnSO Selrortn.... Pfand TOB 75 Pt»» Kamm'u!*Brust..'.. wond eo pf tiHiiwiiiiniiniiiriiiiniililliiiinniiiiiiiD•��'iBiiniinaiiirainuiinniiiiiiiiiiHinniinnuiiiiiiiiiiiiiiniiiiilininiiiiinniiiiiiiiiniiiiiiniiiiiiiliiiiiiiiHiiiiiii Nä?en'!".�a.d.a.�".°p"�� Schmorfleisch m.KDodicB,r.andsr!nen Pfund26, 35?«. Srobe ß/leltwurst Pfd. 1.35 Mettwurst 1.60 �mep!k.�epfelPd.2S, 35Pt Apfelsinen vix. 60, 70,30 pt ß/Iorladella... Pfund 1.Z5 Zervelatu. Salami Pfd. 1.80 iRr/A|r/fe#a voiltcu, Stück AS Di..4 �1_ A-._Asa ww Jagdwurst____ Pfund 1,50 Schinkenspeck Pfund 1.65 fcnaac c*. ioo Gramm«OfV. OtUZ'Urangen KUie 100 u. iso Stck. 1130 Rotenibaier strafe, KSxuitratc, Moriiipuisi Limburger•. Pfund 60 Pi Slelnbuscher. piund 90 pr. Ananas...... Pfund 90 Pt Sellerie Pfund...8u. 15PI. Slut- u. Leberwurst Speckwurst.. Pfund 1.10 �llgAuerPf»««'>1.15 II Isiler... Pfund 1.15 Möhren c«w«»ciien, pmnd 5Pf Blumenkohl Kopr von 20 Pf.«n n,__ Pfu"d 7» ,n Bier- u. Leberwurst._n Edamer..... Pfund 78 Pf. Stangenkäse �«,3.. 10 p« Rot- u. Weißkohl Pfund 6 Pf- Schwarzwurzeln.trk 24 rt üamptwurst... Pfund 1.16(eine,(.(und 1 70 Konserven Tafelbutter....... Pfand 154 192 Wein '.iDosc Vi Do»« Dänische Butter Pfund 2 04 Pr*t** für Vi fUttke elnmckllcatck Berliner Qctrtnkrricucr, ohne QU» Schnitt- u. Brechbohnen Stangenspargel 2.10 Margarine Pfd. 62«t 53Pf. Kokosfett« rfund-r.«., 60 Pf. 1922 �alkamm-rer mnd................. 1.05 viDowSSpl I. Sorte 75 Pf. Birnen«on62Pt�«�" 1.20 1924 Edfgerer Sonnenseit»ofsjer Mo»ci...... 1.15 Stang.-Brechbohnen 90 Pf- Pflaumen ohne stein 85 Pt. Dnctilc**ha OZ/maamAn 1924 Altenbamberg. Rotenberg Riesling"°™'«e,rn z ka oföiik0nl........ 52Pt Erdbeeren...... 1.65 öOS/l/SC/lö Ftlaumen Pfund 25 Pf. 1921 Oppenheimer Goldberg«ehaifvoii, ret«..... i.QO Pfefferlinge...... 22 P' Aprikosen uPfirsiche Tafelreis..... Pfund 22?«. Eler-Makkaroni p™® 48pi.*1922 Zellingsr Himmelreich inner Moser...... 2 m Junge Erbsen...-70 p«. knitornuche i.so Linsen.......Pwnd 22?«. Rlngäpfel.mem... P.d. 52?«. 1923 St. Justin»p-nl.ci,er 7e!ei-pon.na......... 1.25 Erbsen 125 ,�34� nnKarriin««'---- Haferflocken..Pfund 24?«. Bosn. Pflaumen K« 54 p« 1922 Chät. Raba Propr. BUMen..ie7»nier Borde»«... i.so Leipziger Allerlei. 85 p«. �»udn« 4SPf o�e 78Pf. Rüster Gold»uoer siarkung�wetn. Tokoieniasche..... 1.30 Gernlßcht. Gernllse f>f»1.45 uunBsft.h«(,?-»?. f�p.»-«op. Gebrannt. Kaffee Pfmtd 240 h. 4no Muskateller Auslese spanischer, sehr delikat....... 1.30 Erbsen ml,Ä, otto. 84?«. � S 80 p«. 1.45 2.80 J™ Deutscher Weinbrand A. Descieux*** Karotten»««ehnnien 40 Pf. Schweineklainfleisch Spezlal- ßölscbung»1« vohnenlen�e. Pfund 63Pt ov. 1.12»n. Cnorenlermn»ehronnt 4.30 .«,.,.*00». eo p« indn" i.os'Sä? 65PV 3.45 Konfitüren.° So?en Wcin asw' vom**#'■*■ Johannisbaerwem rot,»us............. tuer 95'« Tee Borkenschokolade K»rt., inh:e«.J»or. 35Pf.•». i»or 65?« Tarragona Spezlal»us............... Liter 140 Darjeellng-Misch.'MPw 4 m China-Misch. Pfund 3.40 Zwieback-Schokolade................ Pfund 35*. Malaga Dunkel fnusa................. uw 1.65 Ceylon-Mlsch,»-«P'uBd 3.70 Indische Misch, wp« 3.10 Sandgebäck WPinod 25 rt bh seftohoiad«. v» ptond 35« Deutscher Weinbrand» fron»............ 4�40 )
Nr. 46* 44.?ahrgang 1. Seilage ües vorwärts //Jaust im Cafe Dalles. Tof4 Dalles— dos war der Inbegriff alles Schmierigen, Düsteren und Hoffnungslosen: der Galgenhumor hatte die Warwe- und Spcisehalle in der Schönhauser Strohe mit diesem euphemistischen Namen getaust. ZiLeinc Diebe, kleine Hehler, Dirnen lehtcn Range- und andere dunkle Gestalten verkehrten hier, und jede Ra�ia brachte der Polizei leichte Beute, aber meist waren ee doch nur„Stichlinge", die im Koscher blieben. Denn die grohen Raubfische schwimmen in anderen Gewässern... Aber immer mehr entwickelte sich das Cas6 Dalles �u dem Zentralsammelpunkt des Berliner Lumpenproletariats, und schliehlich muht« die Polizei wegen der andauernden Belästigungen der ganzen Anwohner den B e � t c b schlichen. Monatelang stand das Lokal leer, es war/ als wäre die Stätte verfehmt. Herbst endlich wagt« es«in Unternehmer, in dem langen, korridarähnlichen Raum«in Kino auszumachen. Vormittags um 9 s» Uhr schon beginnt der Betrieb, und das Publikum der Obdachlosen hat dem neuen Unternehmen ieine Gunst erhalten. Obdachlose, die ins Kino gehe»! Schändlich! Aber wer da weih, wie mude man von der Asylpritsche morgen- aussteht, begreift, daß mancher gern einmal in der Wache einige Groschen opfert, um zu— schlafen. Und das neue Kino ha! noch «inen Vorzug: es hat einen Klavierspieler statt de? üblichen mechanischen Klaviers, einen Klavierspieler zwar, der Achtstundenschicht hat — aber er legt dach noch immer öfter mal eine Pause ein als so ein meck)amscher Marterkasten. Und trotz dieses Borzuaes war dieses Kino das billigste der Gegend, denn der Besitzer ermähigte für Er- werbslose die billigen Eintrittspreise noch um die Hülste! Da kam aber der grohmächtige Filmverleiher-Aentralverband und oerbot der- Gerichtstag. Von Zred Bckrcnce. Copyriehl 1925 by Paul Zsolnay, Wien' �ouis," sagte der Direktor,„führe diesen Knaben auf Numero sechs. Und jetzt heißt es aufrecht gehen, sonst weh' dir," wandte er sich an mich.'„Geh' mit diesem Jungen— und tue, was er dir iagt." Ich ging. .Komin her," schrie der Herr Direktor,„kannst du nicht höflich sein und der Schwester Jeanne danken, die die Güte gehabt hat, dich herzuführen?" Ich ging zitternd auf sie zu und dankte ihr, dann folgte ich dem Jungen, der mich vertraulich an der Hastd faßte und mit mir ins dritte Stockwerk ging. Dort öffnete er eine graue Tür. „Da ist das Hundeloch, ich schlafe auch hier, so sind wir Zimmerkameraden." „Hier wirst du schlafen." sagte mir der Junge,„neben mir, das ist das letzte leere Bett." Ich schwieg. „Wie heißt du eigentlich?" „Jacques Valcourt, und du?" „Louis, wie alt bist du?" „Zehn Jahre." „Du bist groß, ich hätte dich für zwölf gehalten. Seit wann bist du auf dem Pflaster?" Ich schaute ihn verständnislos an. „Na also, seit wann hat dich deine Alte verlassen?" „Mich hat niemand verlassen," rief ich.„Ich habe noch meinen Vater und meine Mutter, es muß ein Versehen sein, sie wissen nur nicht, wo ich bin." „Wenn du Vater und Mutter hast," wiederholte er ruhig, „dann ist's wie beim Machut, feine Eltern find zu arm, um ihn ernähren zu können, was soll er da machen? So ist er halt hier." Ich antwortete nicht, denn ich wußte nicht rechk, was ich hier zu suchen hatte. Ich blickte aus und wagte es, ihn anzuschauen. Er war ein großer, magerer Junge mit schwarzen Augen, kleiner Nase, großem Mund, großen Ohren, großen, roten, rauhen Händen, er hatte ein gutes, einfältiges Gesicht. „Du," sagte er,„es geht einem hier nicht schlecht, jetzt sind wir im ganzen fünf, du bist der sechste. Ich bin schon artige.Eintritlskartenschleuderei", und als sich der Inhaber des Kinos sträubte, dem ersten Ansuchen nachzukommen, drohte man ihm sogar mit dem Entzug der Film«, und nun mußte er nachgeben: nicht zum Vorteil seiner Einnahmen, denn für einen Arbeitslosen sind zwanzig Pfennig viel Geld... Bemerkenswerl ist es aber, daß in diesem Kino auch Filme laufen, denen man sonst in derartigen Lichtspielhäusern nicht begegnet. So wurde hier, wenige Wochen nach der Uraufsührung,„Dr. Faust" gespielt und, zur eigenen Heber- raschung des Besitzers, sogar von dein Stammpublikum sehr bei- sättig ausgenommen.„Meinswejens kennten se nu den janzen Iaelhe filmen— der Mann wa'n Schern« und seheert zu de Bil- tning!" äußerte sich eine begeisterte Stimme aus dem Publikum.— AJw durch allen neugetünchtcn Kinoglanz dringen schon wieder senckste, grau« Flecken, als ob die Wände sogar das Elend au-- schwitzten, und die„Milljöhdeckc" in der eleganten„Klubscsselecke" des Foyers ist mit Reißnägeln feLtgczwickt... Eine traurige Ausklärung hat das Verschwinden des 26 Jahre alten Ingenieurs Karl Bierens aus der Simplonstr. 4 1 gefunden. Viecens war in einem Betriebe in Britz angestellt. Am 8. Dezember verabschiedete er sich abends um 11l4 Uhr von seinen Kollegen am Buschkrug und bestieg einen Wagen der Straßenbahn- linic 47, um nach Hause zu fahren. Dort kam er jedoch nicht an. Jetzt wurde er in der Nähe der Kolditzstraßc in Tenipelhof a l s Leiche aus dem Teltowkanal gelandet. Spuren van Gc- malt sind weder an der Leiche noch an de» Kleidungsstücken zu finden. Zu einem Selbstmord hatte Viecens leine Beranlassung. zehn Jahre hier, man kann ruhig sagen, daß ich zu der Bude gehöre, der Direktor ist nicht böse, sein Sohn auch nicht; die Alte schreit immer herum, du brauchst dich aber vor ihr nicht zu fürchten, wenn sie dir auch einmal eine herunterhaut. Man muß nicht viel arbeiten, man bastelt ein bisset im Garten herum, ganz schön ist es hier." Seine Lobcshymne wurde von einem dröhnenden Läuten abgeschnitten. „Komm jetzt zum Abendessen," sagte er. Wir gingen ins Speisezimmer hinunter. Vier Jungen in grauer Hofe und mit blauen Schürzen waren schon darin, der eine mochte fünfzehn Jahre sein, die anderen waren In meinem Alter. Neugierig schauten sie mich an. Mein Protektor stellte mich vor:„Das ist der Neue." Die Tür ging auf und eine große, dürre Dame mit ernstem Gesicht, braungrauem Haar und Augen von derselben Farbe— alles in diesem Hause war grau— trat ein, gefolgt vom Herrn Direktor und einem jungen Mann. Die Frau Direktor— sie wqr es nämlich— warf mir einen strengen Blick zu:„Du bist der Junge aus dem Spital?" „Ja, gnädige Frau," stammelte ich. „Sprich laut und deutlich," sagte sie in schulmeisterlichem Ton und setzte sich zu Tisch. ,Du setz' dich neben mich," sagte mir der junge Mann und zeigte auf den Platz neben sich. „Danke schön." „Pst!" Alle falteten die Hände, senkten den Kopf und blickten mit frommem Gesicht auf den Tischrand. „Herr segne diese Speisen, die uns deine Barmherzigkeit spendet, Amen," sprach mit lauter Stimme der Herr Direktor. Die Frau Direktor teilte die Suppe aus, dann bekamen wir noch einen Reisbrei und man stand vom Tisch auf. „Louis," rief die Frau Direktor,„hast du heute Abend Dienst?" „Jawohl, Frau Direktor." „Gut. So nimm dir den Neuen zur Hilfe mit, er soll sich an die Hausordnung gewöhnen." Ich wurde in die Küche geführt, wo eine alte Frau saß, sie hatte die Ellbogen auf den Tisch gestützt und verschlang gierig eine riesige Schüsiel Reis mit getrockneten Pflaumen. „Das ist die Köchin, Fräulein Klothilde," flüsterte mir mein Schutzengel zu. Fräulein Klothilde hob bei dem Geräusch ihren grohen roten Kopf, in dem zwei kleine, schwarze Augen saßen, und blickte uns mit königlicher Herablassung an., 5reitaa, 28. Januar 1927 vas Schicksal üer Verkehrsreform. Beratungen vor dein Haushaltsausschuß. Gestern beschäftigte sich zum erstenmal der Hausholtsaus- schuß der Stadtverardnetenversammlung mit den Magistratsvorlagen über die Berliner Verkehrsreform. Es kam vorläufig nur zu einer allgemeinen Debatte. Die Deutschnationalen konnten die Gelegenheit nicht vorübergehen lasten, ohne eine scharfe Attacke gegen den Magistrat zu reiten. Angeblich hat die Stadt die Hoch- bahn viel zu teuer erworben. An allem Unglück sei nur der böse Oberbürgermeister schuld, der eine unverantwortliche Expansionspolitik betreibe. Es war vorauszusehen, daß die Deutschnatio- nalcn unbelehrbar sein und gegen die eigene bessere Einsicht sich aus rein demagogischen Gründen abseits stellen würden. Die K o m m un i st e n erklärten, grundsätzlich mir für einen Einheitspreis von 1 5 Pfennig eintreten zu können. Sie machten nicht den leisesten Versuch, den Nachweis zu erbringen, wie es möglich sein soll, auf dieser Grundlage den Ausbau des Berliner Verkehrsnetzes, den sie genmi so stürmisch wie alle anderen Parteien fordern, durchzuführen und zu f> n a n z i e- r e n. Allgemein wurde gewünscht, daß die in Aussicht genommene üv-Millionen-Anleihe als eine stadtische Anleihe zur Ausgabe gelangen solle. Der Magistrat stellte in Aussicht, einem solchen Beschluß des Haushultsaiisschustes eventuell in seiner nächsten Sitzung bereits beizutreten, um die Begebung und die Bei Handlungen mit den Aufsichtsbehörden beschleunigen zu können. Am Dienstag soll die Spezialkleratung der einzelnen Vorlagen erledigt werden. Im übrigen ergab die erste Beratung bereits ziemlich deutlich, daß alle Beteiligten die Grundzüge der Reform billigen und davon überzeugt sind, daß diese Refoim kommen muß. Nur können die extremen Parteien rechts und links es nicht über sich gewinnen, auch die Konsequenzen dieser Einsicht vor ihren Anhängern zu vertreten. Die gesamten Vorlage,> werden am nächsten Donnerstag in zweiter Lesung das Plenum der Stadtvcrorbiietenversammlnng beschäftigen.- »wir waren beiöe arbeitslos../ Tragödie im Proletaricrhcim. Der Fall des angeklagten Arbeiters Albert Fendel entrollt ein bedrückendes und trostloses Bild aus dem Dasein zweier arbeitsloser Proletarier. Der Angeklagte, ein derber, schwerer Mann, wirkt keineswegs sympathisch, aber als er dann in seiner unbeholfenen Art wiederholt sein Bedauern über seine Untat ausspricht, gewinnt er doch etwas. Im Grunde genommen fällt die Tat wieder auf das Konto des Alkohols. Schnaps und Bier sollten ein wenig Licht ins graue Heute bringen, und sie brachten Mann und Frau um die Bc- sinnung. Der Mann hob seine schwere Hand, da war es um dos arme Weib geschehen. Aber der Täter ahnte nicht, was er angerichtet. Hätte er Arbeit und ein geregeltes Leben gehabt, es wäre vermutlich alles anders gekommen. � Es war, so erzählt er, der 19. November, der Geburtstag meiner Frau. Wir waren beide arbeitslos und hatten an dem Morgen die Erwerbslosen Unterstützung eingezogen, zu- sammeii ZK Mark. 19 Mark bekam ich auch noch von der Fürsorge zur Miete Dies« l9 Mark gab ich meiner Frau für die Wiaschai!, sagte ihr. sie solle Schulden bezahlen und nicht soviel einkaufen. Da ich Geld in der Tasche hatte, suchte ich mehrere Wirtschaften auf zur Feier des Geburtstages. Als ich mittags nack) Haufe kam, hatte meine Frau ein? große S ch n a p s f l a f ch e vor sich stehen. Wir haben dann zusammen weiteigetrunkeil. Dann kam die Schnnega- mutier zum Gratulieren. Sie ging in der sechsten Stunde weg. Meine Frau ging eine halbe Stunde später auch weg. Ich glaubte, sie wollte etwas einholen. Sie kam und kam aber nicht wieder. Ich habe dann den Rest aus der Lncrpulle ausgetrunken. Es war schon Nacht, als meine Frau endlich kam— total betrunken. Ich fragte, ob sie den Grünkramhändler bezahlt habe. Sie sagte:„Der bekommt das Geld nächste Woche." Ein Wort gab das andere. Da habe ich ihr eins gehauen. Nachher lag sie an der Erde. Es hak mir leid getan. Ich habe sie aufgehoben und ausgezogen aufs Ne.t ■—■■■■■■____ i-'i „Das ist ein Ncuex," erklärte Louis,„er wird mir beim Geschirrabtrocknen helfen." „Gut, hol' Wasser." Dann wendete sie den Kopf nach mir und fragte mich mit Verachtung:„Wie heißt du? „Jacques." „Täte dir auch nichts schaden, wenn du„Fräulein" sagen würdest. Kannst du Geschirr abtrocknen?" „Ich will es versuchen." „Versuchen willst du's?? Das ist wirklich eine freche Antwort/ Und sie drehte mir den Rücken, der der Statue der Republik ähnlich war. Dabei brlimmte sie etwas Unverstand- liches vor sich hin. Louis hatte heißes Wasser in ein Schaff gegossen und nachdem er die Teller mit einem Fetzen gewaschen hatte, reichte er mir einen nach dem andern. Ick) hielt ein schmieriges Tuch in der Hand und wischte das Geschirr voller Ehrfurrht ob. Als ich beim letzten Teller angelangt war, näherte sich Louis dem Fräulein Klothilde und bat sie, ihm gütigst zu erlauben, ihren Teller und ihre Gabel zu nehmen. „Nimm es nur mein Junge," sagte sie gnädig. Louis tauchte den Teller ins schmutzigkolte Wasser, sodann reichte er ihn mir: während ich ihn abtrocknete, betrachtete ich Fräulein Klothilde, deren hoheitsvolles Gehaben mich belustigte und demütigte. Da entglitt auf einmal der Teller aus meinen Händen und zerbrach mit großem Getöse auf dem Boden. Fräulein Klothilde war mit einem Satz neben mir und verabreichte mir eine so mächtige Ohrfeige, daß ich bis zum andern Ende der Küche flog. „Trottel, Vieh, Dummkopf, Kretin," schrie sie mit einer schrillen Stimme, wie ein wütender Papagei. Ich rieb mir die Wangen, dicke Tränen stürzten aus meinen Augen. „Ich habe es nicht absichtlich getan," stotterte ich. „Weiter fehlte nichts." Gerado hob sie die Hand, um mir eine zweite Ohrfeige zu verabreichen, als die Frau Direktor auf der Schwelle erschien. Sofort überschaute sie das Unheil. „So ein Esel," rief sie,„kann man ihn denn zu gar nichts gebrauchen!" Und voller Verachtung fügte sie hinzu:„Solche Habe- nichtse geben immer am wenigsten acht. Jetzt geh' schlafen und morgen werden wir dann sehen, ob du zu einer Arbeit zu gebrauchen bist.", _______.(Fortsetzung folgt.)
gelegt. Sie stöhnte und schlief dann ein. Ich bin über sie ins Bett geklettert und gleich eingeschlafen. Am Morgen sah ich, daß sie blaue Flecke im Gesicht hatte. Es tat mir leid, sie so gehauen zu haben. Augen und Mund waren aber zu, und ich dachte, sie schläft. Ich ließ sie schlafen und ging zum„Stempeln". Unterwegs siel mir ein, daß sie doch auch stempeln muß, und ich ging zurück. Da lag sie auf dem Fleck, wo sie gelegen, und ich sah, daß sie tot war. Nun ging ich zur Polizei.— Vors.: Sie haben doch vorher die Stube ausgewischt?— Arigekl.: Nein, ich habe gar nichts gemacht. Nur einen Bluttropfen habe ich ihr von der Nase weggewischt.— Die Polizei hat, wie die Beweisausnahme weiter ergab, sestgestellt, daß der ÄngeNagte die Wohnung aufgeräumt und den Fußboden aus- gewischt hatte. Die Blutspuren waren ncch deutlich erkennbar. Das Nalenbein und die Stirn der Leiche waren blutunterlaufen. An den Schlafen waren große Löcher. Der Angeklagte wollte sich nicht erinnern können, womit er geschlagen habe, ob mit einer Preßkohle oder mit einer Bierflasche.— N.-A. Dr. Max Kantorowicz wies darauf hin, daß der Angeklagte die Tat in schwerer Trunken- l>-■ i t begangen habe, da er 15 bis 2 0 Glas Bier und einen großen Teil von dem Liter Kognak getrunken hatte. Das Schwur- gericht billigte dem Angeklagten zwar mildernde Umstände zu, glaubte aber, daß die rohe und schwere Mißhandlung der Frau, die deren Tod verursacht hatte, besonders schwer geahndet werden müsse, weshalb auf zwei Jahre sechs Monate Gefängnis erkannt wurde, unier Anrechnung von zwei Monaten Untersuchungshaft. Der Angc- Ilagtc nahm die Strafe sofort an. Zur Klinikensperre. Tie Aerzte schreien: Haltet den Dieb! Der G r o ß- B e r l i n« r A e r z t e b u n d hat m Nr. 38 des „Berliner Lokal-Anzeiger" folgende öffentlich Anfrage an den Der- band der Krankenkassen gerichtet:„Der Verband hat als Kampf- Maßnahme gegen die Aerztefchaft eine Anzahl von Privatkliniken gesperrt. Infolgedessen haben in den letzten Tagen diese Kliniken in mehreren Fällen lcbensbedrohlich erkrankte Kastenmitglieder abweisen tnüsten, obwohl deren anderwettige Krankenhausunterbringung nicht gesichert war. Ist der Verband der Krankenkasten gewillt, die Ver- antwortung dafür zu übernehmen, wenn daraus den Versicherten Schaden an Leib und Leben erwächst?" Der Verband der Krankenkassen sendet uns darauf folgende Antwort nrit der Bitte um Veröffentlichung:„1. Es ist un- wchr, daß die Sperrung der Prioatkliniken eine Kampfmaßnahme gegen die Aerzte ist: wahr ist, daß die Sperre der Kliniken eine A b- wehr maßnähme gegen die durch die Aerztefchaft über die Kassenklinik„Cecilienhaus" verhängte Sperre darstellt. 2. Es ist unwahr, daß diese Kliniken in mehreren Fallen lebcnsbedrohlich erkrankte Kassenmitglieder abweisen mußten: wahr ist, daß diese Kliniken gar nicht in die Lage kommen, Kassen- Mitglieder abzuweisen. Kassenmitglieder, die ein Krankenhaus auf- suchen müssen, besorgen sich telephönisch oder durch Angehörige einen Aufnahmeschein und werden van der Kasse direkt einem Kranken- Hause überwiesen. In jedem Falle ist die Krankenhaus- Unterbringung gesichert.— Den Schluß der öffentlichen Anfrage beantworten wir mit der Gegenfrage:„Ist der Groß- Berliner Aerziebund gewillt, die Verantwortung da- für zu übernehmen, wenn aus der Sperre des„Cecilienhauses" den Versicherten Schaden an Leib und Leben erwächst?" Daß die Aerzte jetzt galtet den Dieb!" schreien, wird nicht überraschen. Auf ihnen lastet die Verantwortung für die notwendig gewordene Abwehrmaßnahme der Klinitensperre. Das kann durch keine Berdrehungskunststücke der kästen- feindlichen Preste wegbewiesen werden. Der„Berliner Lokal-An- zeiger" nennt das Vorgehe» des Verbandes der Krankenkasten '„brüsk". Dasselbe Blatt findet kein Wort der Entrüstung über den Boykott der Aerztefchaft gegen die kasteneigene Frauenklinik! „Lästige" Kranke. Hart und erbarmungslos arbeitet die Maschine Großstadt. Ein Augenblick der Schwäche, und das mächtige Getriebe zermalmt und zenri't, was sich ihm hindernd in den Weg stellt. Ein ungemein trauriges Zeilbild fei hier kurz geschildert: Die Ehefrau eines Por- liers zog sich vor langen Iahren, vielleicht als Folg« ungesunder Wohnverhältnisse, ein schweres L u n g e n l e id e n zu. Durch über- groß? Anstrengung— der Mann war im Felde, und die Frau mußt? die schwere Hausarbeit, unter anderem das anstrengende Be- dienen der Zentralheizung und Warmwasseröfen besorgen— ver- schlimnierte sich der Zustand derart, daß ihr eine Invaliden- reute ausgesetzt wurde. Ein längerer Aufenthalt im Krankcnhause brachte nicht nur keine Besserung, sondern insofern eine Verschlechte- rung, als die Kranke durch den furchtbaren Anblick des täglichen Sterbens um sie herum— sie befand sich in einer Schwerkranken- abieilung— auch noch seelisch vollkommen gebrochen ward. Nun suchte sie wieder die häusliche Pflege auf, es ging ihr auch wieder eine kurze Zeit etwa» bester, aber das heimtückische Leiden nahm unbeirrt seinen Fortgang. Jetzt ist sie soweit, daß sie von der Krankenkasse keine Unterstützung mebr bezieht, ein Aufenthalt in einer Heilstätte kommt wegen der UnHeilbarkeit ihres Zustandes nicht in Frage. Der einzige Ausweg bliebe wieder das Krankenhaus. Aber all die Eindrücke ihres früheren Aufenthalles haben sich zu einem grauenvollen Bild in ihrer Erinnerung verdichtet, und sie wehrt sich mit all ihren schwachen Kräften dagegen. Dabei teilt die todkranke Frau, die man bereits in die Kategorie der Hoffnungslosen eingereiht hat, mit ihrem Manne ein und dasselbe Lager, außerdem schläft in dem Raum auch noch ein 18jähriger Sohn. Um das Maß des Unglücks vollzumachen, wurde dem Manne setzt auch noch die Portter- stelle gekündigt. Alle Sorgen, alle Lasten ruhen heute noch aus den Schultern der� todgeweihten Frau. Das Ganze ein Stück Großstadtschicksal der vom Elend Gezeichneten._ verüiente Abfuhr. Tas Handwerk gegen die Wirtschaftspartei. Noch niemals hat wohl eine Partei einen so raschen und kata- strophalen Niedcrbruch erlitten wie die künstlich mit Hausbesitzer- geldern aufgetriebene Wirtschaftspartci. Unter dem Druck der seit Wochen bestehenden gewaltigen Erregung des Mittelstandes wurde der wirtschaftsparteiliche Rcichstagsabgeordnete H o l z a m e r ge- zwungen, am gestrigen Abend im großen Saal der K a m m e r s ä l e vor über 1000 Jnnungsmitgliedern den Genossen Landgcrichtsrat Ernst Rüben sprechen zu lassen. Er war als Korreferent vorge- sehen. Als Referent war der Landtagsabgeordnete der Wirtschafts- parte! Müller-Franken ausersehen. Obwohl Müller-Franken möglichst das eigentliche Thema umging und so tat, als wenn der Wohnungsbau durch den Abbau des Mieter- schutzes gefördert werden könnte, konnte er kaum sein Referat zu Ende führe». Dauernd ertönten aus der sonst so lammfrommen Schar der Mittelständlsr Rufe: Schluß: Rüben soll sprechen. Obwohl er phantastische Mieterhöhungen zugab, bestritt er, daß die Wirtschaftspartei jemals die Herausnahme der gewerblichen Räume aus dem Mieterschutz gefordert hätte, behauptete, sie seien stets für die Ausrechterhaltung von Schutzbestimmungen gewesen, fand aber niemand mehr, der ihm glaubte. Rufe wie: Verräter, weg mit Euch usw., ersetzten den Beifall. Genosse Rüben setzte in etwa dreioiertelstündiger Rede die wirtschaftliche Lage in Versolg der Inflation, der Arbeitslosigkeit und der Schwächung der Konsumkraft der Bevölkerung die j u r i st i s ch e Sinnlosigkeit der Verordnung und an Hand umfang- reichen Materials ihre katastrophale Auswirkung aus- einander. Während Hirtsiefer bis in den Himmel gehoben wird, zeigte er auf Grund von Berichten, wie gerade die Hausbesitzer vor- dem ihn auf das heftigste bekämpft haben. Der Behauptung, die Verordnung werde nicht aufgehoben, setzte er die Zlnttäge aller Parteien gegenüber, die am Mittwoch im Landtag gestellt waren. Die Volkspartei beantragt Hinausschiebung der Frist zur Kündigung auf den 30. September 1927 und Schutzmaßnahmen durch das Miet- schöffengericht bis zum 31. März 1928. Die Deutschnationale Partei spricht in ihrem Antrag von dem verantwortungslosen Treiben der Hausbesitzer und verlangt unifangrciche Abschwächnngen der Verordnung. Die Sozialdemokratische Partei hat die glatte Aufhebung der Verordnung beantragt. Die bloße Mitteilung dieser Tatsachen brachte eine ungeheure Erregung in die Versammlung. Bis um Mitternacht versuchte der Vorstand, wenn auch vergeblich, die Leitung in der Hand zu behalten. Die R« s o l u t i o n, die er vorlegte, wurde niedergeschrien.„Wir sind vetrogen. Wir glaubten, eine Partei zu haben, die uns schützt. Wo- hin sollen wir uns jetzt wenden? Wir wollen eine Partei, die die Interessen der Mieterschaft so energisch wahrnimmt, wie die Wirt- schastspartei die Interessen unserer wirtschaftlichen Gegner! Sollen wir eine neue Partei gründen? Wir glaub- ten, der Innungsoorstand trete für die Interessen der Mitglieder ein. Wir haben uns getäuscht!" So erschollen die Rufe in der Dis- Nachmittags- und Abendkonzert halten geschmackvolles Familien- Niveau. Kleine Stück? von Liszt und Kreisler bedeuten Lichtpunkte, und die Militärmärsche von Schubert, wie der Meyerbeersche Fackel- tanz am Abend wirken sehr gut in der Interpretation durch das Blasorchester. Problematischer dagegen erscheinen Ofsenbach und Lortztng, Märsche mit kriegerisch bestrotzten Titeln und wenig musikalischen Einfällen sind überflüssig. An sich ein in künstlerischer Be- Ziehung wenig ergiebiger Tag. Auch die Vorträge befriedigen nicht durchgängig. Wie immer spricht Prof. Dr. H e i l s r o n le- bendig und fesselnd über„Rechtsfragen des Tages". Dieses Mal behandelt er Ehescheidung. Wie immer sucht er an kleinen Beispielen, die aus dem Leben gegriffen sind, und die jeder Hörer versteht, den Sinn der Gesetze klarzumachen. Ein Redner, der «ine aus den verschiedensten Gesellschaftskreisen bestehende Hörer- schaft zu interessieren versteht. Leider kann man dies kaum von Ed n, und Erz behaupten, der über das Thema„Als erster Deutscher im Auto durch die Sahara" spricht. Erz kennt aus eigener Anschauung die Sahara, aber seine Schilderungen lassen wenig davon merken. Es fehlen Anschaulichkeit und Plastik. Der Vortrag selbst wird in trockenem, dozierendem Ton gehalten. In dos andere Extrem fällt Otto Z a r e k, der über das dichterische Drama der Gegenwart spricht. Immer erglüht er in Extase. Auch wenn man Gcrhart-Hauptmann-Schwärnicr ist, braucht man nicht über ihn mit dem Tremolo der Rührung zu sprechen. Die Auswahl scheint etwas eigenmächtig und subjektiv, ist aber von Zarcks Standpunkt aus gut getroffen. Instruktiven Wert hat das Referat Dr. Lieben- b e r g s über„Aktuelle Berusssragen für Jugend- lichc und Erwachsene". Leider reichte die Zeit nur für die Jugendlichen aus. Sehr scharf nimmt Liebenberg Stellung gegen die Eltern, die ihre Kinder unter allen Umständen dazu zwin- gen, das Gymnasium zu absolvieren und, wenn möglich, noch die Universität zu besuchen. Ein kluger, klarer Geist spricht aus diese« Ausführungen. k u s s i o n. Der Vorstand oersuchte dann, sich wenigstens gegen die Herausnahme der gewerbliche» Räume aus dem Mieterschutz zu wenden, aber vergeblich. Gegen eine Stimme wurde die völlige Zlufrechterha'ltung des gesamten Mieterschutzes gefordert und der Obermeister H o l z a m e r beauftragt, mit aller Energie für die Aushebung der Hirtsiefer-Verordnung einzutreten. Er wird also entweder sein Amt als Obermeister oder sein Mandat als Reichstagsabgeordneter der Wirtschaftspartei niederlegen müssen. Die Ocfsentlichkeit ist jetzt wohl mit Rscht auf seine Entschlüsse gespannt. * Das Rittberghaus für heimatlose Kinder in Lichterseldei ii was tut Serlin für die erwerbslose Augenöl Täglich S7I.A Jugendliche gespeist.— 50 Jugendheime geöffnet.— 170 Werkknrse mit 4500 Jugendlichen.— Bisher 1 Million Mark verausgabt. Die alte Generation neigt leicht dazu, die Jugend von heute für besonders schlecht zu halten. Nur zu ost vergißt sie, daß ihnen der Krieg ihre Jugend raubte! Dieser Verlust ist unersetzlich. Es ist kein Wunder, wenn diese Jugend körperlich und seelisch schwach Mid widerstandslos ist. Um so erfreulicher ist es, daß einige Kommunen vorangegangen sind, Pionierarbeit auf dem schwierigen Gebiete der Jugendfürsorge zu leisten. Berlin, das in seinem Wohlfahrtswesen sowohl an Umfang wie auch an Leistungen für den einzelnen Hilfsbedürftigen wohl kaum einer Stadt Deutschlands nachsteht, hat beachtenswerte und zweifellos erfolgbringcnde Arbeit für die erwerbslose Jugend in Angriff genommen. Sie ist leider, da sie sich in den einzelnen Bezirken abspielt, in ihrer Gesamt- Wirkung noch viel zu wenig bekannt. Bereits im Dezember 192.? sind auf Anregung der freigewerkschaftlichen Zugendzenlrale Berlins einige sozialdemokratische Tugend- wohlsahrlsdezernenlen zusammengetreten, um über geeignete Hilss- maßnahmen für die erwerbslose Jugend zu beraten. Noch bevor die stadlischen Körperschaften entscheidende Beschlüsse in dieser Frage gesaßt hatten, haben einige Jugendämter der Bezirke selbständig sich der Jugendlichen angenommen. Den einmütigen Vorschlägen der vereinigten Jugendwohlfahrtsdezernenten stimmte der Magistrat in seiner Sitzung vom 27. Januar 1926 zu. Die Stadtverordneten- Versammlung hieß schon in ihrer nächsten Sitzung am 2. Februar 1926 die vorgeschlagenen Grundsätze für die Arbeit an der Jugend gut und stellte für ihre Durchführung zunächst 150 000 IR. bereit. Bis Ende Dezember 1926 Hai allein die Stadtverordnetenversammlung 970 000 M. für die erwerbslose Jugend bewilligt; dazu kommen die nicht unerheblichen Beträge, die einzelne Bezirke aus eigenen Misteln aufgebracht haben. Die Gesamtausgabe für die Hilfsaktion im Interesse der erwerbslosen Jugend dürste im Jahre 1926 die Sunmie von 1 000 000 IN. erreicht haben. Die Maßnahmen, die die Jugendämter der einzelnen Bezirke getroffen haben, sind sehr verschieden. In dem zu erstrebenden Arbeitsziel dagegen besteht trine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit. Zunächst kam es darauf an, den Jugendlichen materiell zu Helsen. Die Erwerbslose»- Unterstützung reichte bei denen, die nicht bei den Eltern wohnen, oder deren Familie durch lange Arbeitslosigkeit des Vaters selbst in bittere Not geraten war, kaum für die notdürftigste Ernährung aus. Diese Jugendlichen erhiesten ein kräftiges Mittagsmahl. Gegenwärtig werden in Berlin werktäglich 2713 Jugendliche kosten- los gespeist. Fast noch notwendiger als die Speisung ist die ver- nüNftige Ausfüllung der freien Zeit der erwerbslosen Jugendlichen. Das Nichtstun ist für Jugendliche gefährliches Gift. Ein großer Teil der in Berlin vorhandenen Jugendheime(etwa SO) sind ist den Vormittagsstunden geöffnet, um hier den Jugendlichen unter Leitung älterer Jugendführer ein anregendes Gemeinschaftsleben zu ermöglichen. Während der Sommennonate wurde den Jugend- lichen Gelegenheit geboten, Spiel und Sport zu treiben. Auch Tagesau-flüge und auch mehrtägige Wanderungen wurden in die nähere und weitere Umgebung Berlins unternommen. Der Schaffensdrang der Jugendlichen. Aber auch diese rein pflegcrische Tätigkeit konnte nicht genügen. Daher wurden vom Herbst 1926 ab von den einzelnen Jugend- Lintern handwerkliche Kurse für jugendliche Erwerbslose eingerichtet. So entstanden Tischlereien, Schuhmachereien, Schneidereien für Jungen und Mädchen, Schlossereien, Buchbindereien, sowie Kurse in Deutsch, Rechnen, Stenographie und Haushaltung. Gegen Ende November 1926 gab es in Berlin 170 derartige Kurse, an denen sich 4518 Jugendliche beteiligten. Die Kurse werden aus Mitteln des Reiches unterstützt. In den Werkstästen arbeiten die Jugendlichen für ihre persönlichen Bedürfnisse und darüber hinaus für gemein- nützige Anstalten wie Kindergärten, Kinderhorte, Waisenhäuser usw. Für diesen ihren Dienst an der Allgemeinheit, der sie ja so unendlich viel, manchmal sogar vielleicht die Rettung vor dem Untergang ver- danken, haben die Jugendlichen volles Verständnis gezeigt. Die Beteiligung an den Kursen ist fast durchweg freiwillig. Ein indirekter Zwang wird zuweilen nur insofern ausgeübt, als die Teil- nehmer an den Kursen, die sie nach Wahl belegen können, weiteren Vergünstigungen wie Mittagessen, Museumsfllhrungen, Kinovorstel- langen, Theaterbesuche usw. teilhaftig werden. Die Jugendlichen haben aber überoll, wo die Leiter der Kurse mit dem nötigen pädagogischen Geschick ihres schweren Amtes walten, sich zahlreich und willig beteiligt. Mit einem wahren Feuereifer sind die Jugend- lichen bei der Arbeit. Es muß sogar ost sehr energisch Feierabend geboten werden. Viele arbeiten über die festgesetzte Arbeitszeit, die infolge der großen Zähl der Jugendlichen und der räumlichen Be- schränkung für den einzelnen Teilnehmer 12 bis 18 Stunden in der Woche dauert, hinaus. Ein großer Teil der Jugendlichen— im Bezirk Treptow 27 Proz. der Kursusteilnehmer— beteiligt sich an mehreren Kursen. Die Kurs« sind zwar in erster Linie für die Jugendlichen im Aller von 14 bis 18 Jahren eingerichtet. Aber mehr noch melden sich Jugendliche, die das 18. Lebensjahr über- schritten haben. Sie werden in der Regel nicht abgewiesen. Eine A l t e r s st a t i st i k der Werkkursusteilnehmer für ganz Berlin gibt es noch nicht. Im Bezirk Treptow.z. B. beteiligten sich Ende November 176 Jugendliche an den Kursen. Davon waren unter 18 Jahren 82; männliche Jugendliche unter 18 Jahren 71, Mädchen unter 18 Jahren elf. Der größere Teil der Mädchen ist in der Fortbildungsschule tätig. Beim Arbeitsnachweis des Bezirks Treptow waren zur selben Zett 171 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren gemeldet, und zwar 79 männliche und 92 weib- liche. Demnach beteiligten sich 90 Proz. der beim Nachweis gemeldeten männlichen Jugendlichen unter 18 Jahren an den Kursen. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, daß manche erwerbslose Jugendliche, die Erwerbslosenunterstützung auf Grund des Gesamt- einkommens der Familie nicht zu erwarten haben, im Arbeits- Nachweis sich nicht eintragen lassen. Eine restlose statistische Er- fassung der erwerbslosen Jugendlichen durch die Arbeitsnachweise ist darum nicht möglich. In Groß-Berlin waren nach An- gäbe des Landesarbeitsamts Ende November des vergangenen Jahres 5388 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren, und zwar 2456 männliche und 2932 weibliche bei den Nachweisen eingetragen. Die Werkkurse wiesen um dieselbe Zeit 4518 Teilnehmer auf. In- wieweit die Angaben der Arbeitsämter über die Zahl der erwerbs- losen Jugendlichen hinter der Wirklichkeit zurückbleiben, ist nicht sestzustellen. Ebenso ist die Statistik des Landesjugendamts über die Erfassung der Jugendlichen durch die Kurse und ähnliche Ein- richwngen der Jugendänster noch lückenhaft und vielleicht, da ein allgemein gültiger statistischer Grundsatz nicht vorhanden ist, sogar nicht ganz zuverlässig. In einigen Bezirken will man 70 Proz. sämtlicher jugendlicher Erwerbsloser gewonnen haben. Hoffentlich wird die Beratung des bereits im Entwurf vor- liegenden Berufsausbildungsgesetzes zum Anlaß genommen, alle hiermit zusainmenhängenden Fragen von Grund auf in den gesetz- gebenden Körperschaften zu erörtern. Bis dahin bleiben Ein- richtungen und Maßnahmen, wie sie die Stadt Berlin für erwerbs- lose Jugendliche geschaffen hat, wertvolle Leistungen zur körperlichen Stärkung, inneren Bereicherung und moralischen Stützung unserer so bedauernswerten schulentlassenen Jugend. Stadtrat Max Peter». /ws öen Sezirken. Die 4. Bezirk— Prenzlauer Bergs. Bezirksverordnetenversammlung am 20. Januar wählte den bisherigen Vorsteher Genossen Kemnitz auch für das Jahr 1927 wieder, als Stellvertreter den Genossen Kurt Knopf und als Beisitzer je ein Mitglied der Demokraten und der Deutschnationalen Volkspartei. Die Kommunisten hasten sich durch ihre Taktik selbst ausgeschaltet. Für die ständigen Ausschüsse wurden die bisherigen Mitglieder bestätigt. Als Sitzungstag wurde wieder der Mittwoch bestimmt. Aus Antrag der SPD.-Fraktion wurde be- schlössen, das Bezirksamt zu ersuchen, bei der Reichseisenbahn- direktion Berlin dahin vorstellig zu werden, daß bei der ge- planten Umbenennung verschiedener Bahnhöfe der Stadt- und Ringbahn die Bezeichnung für den Bahnhof„W e i ß e n s e e" in „Greifswalder Straße' umgeändert wird, da durch die irreführende Bezeichnung dem Publikum häufig unangenehine Ver- wechslungen passieren. Folgende Anfrage der SPD.-Fraktion:.Das im Rahmen des Ambulatoriumbetriebes errichtete und für 35 Betten vorgesehene Holzhaus ist seit Wochen völlig fertiggestellt. Dem Vernehmen nach werden nun vom Hauptgesundheitsaint allerlei Schwierigkeiten gemocht, die darauf hinauslaufen, das Haus unbe- nutzt liegen zu lassen. Dieser Zustand ist bei der in Groß-Berlin herrschenden Unterbringungsnot für Kranke kaum zu begreisen. Ist das Bezirksamt bereit, über den Stand der Dinge beruhigende Aus- kunst zu geben?" wurde mit längeren Ausführungen, die bereits im „Vorwärts" vom 21. d. M. wiedergegeben sind, vom Stadtarzt Dr. K o r a ch beantwortet. In der sich anschließenden Besprechung kam die allgemeine Empörung der Versammlung zum Ausdruck. Es wurde verlangt, daß sich die Stadtverordneten der Sache annehmen und dafür einsetze», daß im Magistrat der vorhandene Widerstand beseitigt wird. Die KPD. verlangte einen Appell an die Bevölkerung, die dann den nötigen Druck dahintersetzen werde.— Ein Gesuch des„Vereins Kinderheim Prenzlauer Berg" um einen Zuschuß von 15 0 00 Mark für die Einrichtung einer in andere Räume zu verlegenden Säuglings- und Kleinkinder- krippe wurde zur Vorberatung dem Haushaltsausschuß überwiesen. Auf Antrag der Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei wurde beschlossen, das Bezirksamt zu ersuche». Schritte zu unternehmen, um die Reinlichkeit der Straßen des Bezirks baldigst auf einen angemessenen Zustand zu bringen. Einem Antrage der KPD.- Fraktion, bei der Durchführung von Notftandsarbeiten die strikte Anweisung zu geben, daß die Arbeiter nicht länger als 46 Stunden pro Woche beschäftigt werden dürfen, wurde zugestimmt, dabei aber darauf hingewiesen, daß es in erster Linie Sache der Gewerkschaften sei, für die achtstündige Arbeitszeit einzutreten. S. Bezirk— Spandau. Bei der Wahl des Vorstandes wurde in der Bczirksversammliing auf Antrag der Deutschnationalen der Vorstand in seiner bisherigen Zusammensetzung durch Zuruf wiedergewählt. Die Kommunisten widersprachen dem Antrag und beantragten die Besetzung des Vorstandes nach der Mehrheit' der Versammlung nur durch Mitglieder der SPD. und der KPD. Sie verfolgten also dieselbe Taktik wie in der Stadtverordnetenversammlung in Berlin— offenbar eine neue revolutionäre Taktik. Da die SPD. sich ihrem Antrag nicht anschloß. lehnten sie eine weitere Beteiligung an der Vorstaudswahl ob. So schalteten sie sich denn von der Besetzung des Vorstandes ganz aus Für den ausscheidenden 1. Schriftführer, der bisher durch einen Kommunisten besetzt gewesen war, wurde die Genossin Kemptens als Schriftführerin in den Vorstand gewählt. Auf Antrag der Kommunisten wurde der beabsichtigten Erhöhfing des Fahrpreises bei Einführung des Einheitsfahrscheins von 20 Pf. widersprochen und dafür der bisherige Preis von 15 Pf. vorgeschlagen. Das Bezirksann führte Klage über die ungeheure Beschneidung des Etats für Spandau durch den Magistrat Berlin. 10. Bezirk— Zehlendorf. Nach längerer Pause fand am 26. Januar die Zehlendorfer Be- zirksversammlung statt, die in ihrer Besetzung einige Lücken aufwies. Der Vorsteher Dr. Meidinger ist verreist, der Bürgermeister Dr. Schumacher wegen Krankheit drei Monate beurlaubt. Auch die Tribüne war ausnahmsweise gut besetzt. Beim Punkt 1 der Tagesordnung Wahl des Vorsitzenden und Schriftführers und der Stellvertreter erhoben die Deutschnationalen Anspruch auf den ersten Vorsitzenden. Volkspartei, Demokraten und Sozialdemokraten wählten jedoch den bisherigen Vorstand wieder, und zwar auf An- trag durch Zettelwahl, Dr. Meidinger als Vorsitzenden mit 2 Stimmen Mehrheit, die übrigen Vorstandsmitglieder durch Zuruf. Der stellver- tretende Vorsitzende Dr. v. Seefcld(Dem.) hotte bei den 14 Punkten der Tagesordnung keinen leichten Stand. Wiederholt kam es zu scharfen Zusammenstößen. In einer Ersatzwahl für den Ausschuß für die Einkommen- und Vermögenssteuern beim Finanzamt Zehlendorf wurde Genosse Schnorre gewählt. Di? Dahlemer führten sodann lebhaste Klage über die für den Dahlemer Ortsteil immer noch sehr hohen Elektrizitätspreise, die höher sind als in allen übrigen Orten des Bezirks. Das Bezirksamt weist aus den Weg der Verhandlung, um eine Besserung für Dahlem zu erzielen. Eine Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion be- treffend die Ueberschwemmungen am Bahnhof Zehlen- d o r f bei großen Regengüssen, zu dem auch die Deutschnationale Partei«ine ähnliche Anfrage eingebracht hatte, wurde vom Baurat Echtermayer dahin beantwortet, daß innerhalb 6 Monaten der Uebel- stand behoben sein soll. Ueber einen Antrag der Demokraten betreffend den Anschluß der Siedlung östlich der Span- dauer Straße an das Verkehrsnetz wurde ausgiebig debattiert, Genosse D r a e m e r t erwartet hier vom Bezirksamt mehr Ent- schlußkraft, tritt auch der Auffassung entgegen, daß die Siedler für Anschluß an Verkehrsnetze sorgen müssen; die Siedler erwarten im Gegenteil, daß da, wo sie sich ansiedeln, sich beretts Verkehrsgelegen- heiten vorfinden, die sie oann schon versuchen werden mit auszu- bauen. Der volksparteiliche Bezirksverordnete Schnabel hebt bei dieser Gelegenheit die Verdien st e der sozialdemokrati- schen Stadtverordnetensraktion Berlin besonders hervor. Schulrat Sand erklärt, daß Verhandlungen mit der Aboag schweben und in der nächsten Versammlung darüber berichtet wird. Ebenso wird verhandelt über die Einrichtung einer Omnibus- linie Zehlendorf-West— Schlachtensee— Nitolas- s e e und W a n n s e e. Auch hierüber will das Bezirksamt in der nächsten Versammlung berichten. Den bemerkenswerten Verlauf einer Diskussion über den Antrag der SPD.-Fraktion, für Schulen und kommunale Gebäude schwarzrotgoldene Fahnen zu beschaffen, finden unsere Leser im lokalen Teil. 11. Bezirk Schönebcrg. Die erste Suzung der Bezirksversammlung Schöneberg im neuen Jahr beschäftigte sich mit der Neuwahl des Vorstandes. Der alte Vorstand wurde wiedergewählt. Vorsitzender ist der deutschnationale Bezirksverordnete Coers. Unsere Partei ist im Vorstand durch den Genossen Flatau als stellvertretender Vorsteher und die Genossin Diederich als Beisitzer vertreten. Sitzungstag bleibt wie bisher ein Mittwoch. Die Vorschläge für die ständigen Ausschüsse wurde» be- stätigt. Genosse Czeminski wünschte bei kürzen Tagesordnungen den Beginn der Sitzungen auf 7 Uhr zu verlegen. Verschiedene kleine Borlagen gelangten ohne Debatte zur Annahme. Eine längere Aus- spräche rief die Vorlage des Bezirksamts über die Einführung der täglichen Turnstunde hervor. Trotzdem alle in Frage kommenden Stellen sich dafür eingesetzt hatten, macht das Pro- vinzialschulkollegium Schwierigkeiten. Die Vorlage wurde ein- stimmig angenommen. Zwei Demonstrationsanträge der Deutsch- nationalen über Berücksichtigung Berliner Bürger bei Vergebung von Bauarbeiten riefen alle Mittelstandsvertreter auf den Plan. Genosse Kasper vertrat den Standpunkt unserer Fraktion. Eine weitere Vorlatz« des Bezirksamts über Anlage eines Schwimmbades auf dem Dominicus-Platz wurde, weil dieselbe vom Bezirksamt total oerfahren ist, nochmal» an den Ausschuß zurückverwiesen. Zum Schluß verwies die Versammlung eine Dringlichkeitsvorlag« wegen der Wiederbesetzung der freigewordenen Stelle eines besoldeten Be- zirksamtsmttglieds ohne Debatte an einen Wahlausschuß. iUst du die. irdische Qist und die himrrdisdiz§nade erringen, Willst du die'Kote der%eit mit einem fuge bezwingen, Suchst du ein Zauber-Jlromg das Jede Serge verjagt?- Sagidv�SVl assxir y Hoß>,- damit istuiles gesagt/ Uftelleii Sie selbst! $5$�$5* qO�'c.o
Die neue) äÄvhnttttgskunft für die Masse.— Da Deutschlands Wahnungsmongel wird noch Jahre dauern, well die durch die Mieten aufgebrachten chauszinssteuerdeträge nicht restlos dem Wohnungsbau zugeführt werden und well tue vom Reich und den Bauherren für den Wohnungsbau ausgegebenen Mittel nicht ausschltrhlich zum Bau neuer Wohnungen verwandt werden. Noch liwiner sind in Deutschland die Mieter darauf eingestellt, das Haus nach der Außensassade zu beurtellen und vom Ausfall dieser Beurteilung das Mieten in einem Hause abhängig zu machen. Lerdcr werden diese Schichten immer noch durch eine Reihe von Architekten unterstützt, die an die Außensassaden der Häuser ganze Bilderbogen ankleistern und auch das Doch mit einem Zierat überladen, der das ganze Haus zu erdrücken droht. Im alten Berliner Westen, tn hen Straßen, die nach den Gründerjahren bebaut wurden, kann man köstliche Studien dieser Art jachen. Stuckkultur. Am Olivaer Platz ist Haus für Haus oben auf dem Dach mit Figuren, Zllirmchen, ja sogar mit Pavillons geschmückt. Ueber iedem Fensstil und über jeder Haustür schweben Engel oder sonstige Fi» guren, die teilweis« längst schon statt in den Himmel einem braven Erdenbürger auf den Schädel zu fliegen beabsichtigen. Am Kur- sürstendamm ist ein Haus in die Straßenflucht Hineingebnut, das vorn wie eine Orgel aussieht, und oben ist das ganze Dach mit Zierat überladen. Hier ist die Unterordnung der Wohnräume unter die Ausstattung der Fassaden soweit gegangen, daß die Fenster nur noch Spaltöffnungen sind. Jeder hat sicher schon einmal vor solch einem Hause gestanden und manch einer auch schon davon ge- schwärmt, in einem solchen Hause wohnen zu können. Damals war Geld im Land, der Bauarbeiter noch ein billiger Kuli und die Matcrialkoste» waren sehr gering. Die Stuckkultnr blühte! liebcrall in der Technik, im Bau von Flugreugen und von Ma- fchinen, ist die einfache Linie, die Zweckmäßigkeit b e st i m in e n d geworden für die Ausstattung. Wir wisieii, daß der Kran nur den Zweck hat, eine Last zu heben, niemand will uns heute durch Formenreichtum diesen Zweck verbergen. Die Zeit der Maskcradcnarchitektur, wo die einzelnen Teile der Dampfmaschine architektonisch verbrämt wurden, ist vorbei. Warum also diese Ehr- lichleit und Offenheit nicht auch im Wohnungsbau? Abkehr von üer MaskeraSe. Der moderne Architekt hat mit den Lohnstunden und Material- preisen rechnen gelernt. Er hat lernen müssen, mit wenigen Mitteln zu bauen, er muß aus die Behängung der Fasiaden verzichten. Der Architekt kann aber auch nur richtig baiien, wenn er die Bedürfnisse und Wünsche und den Zeitgeist in eine sichtbare Form gießen kann. Er muß de» Wllen der Gesamtheit ergründen und Raumordnung und 5ionstruktion seines Hauses dielen Ideen unterordnen. Fast jedes Kunstwerk, auch der Bau, wird bestimmt durch die geistigen Tnebkräite der Zeit. Der Wille der Volksgemeinschaft, die A b k e h r voni Moskeradentum zur Ehrlichkeit und Offen- h e i t bestimmt auch die Formgebung der neuen Bauten. Früher lrchitektur. ; Experiment der Sozialen Bauhütten. versuchte man durch Mietpalöste, durch eine Scheinarchitethir die Prolctarierwohnung zu verdecken. Aus Angst vor der Gleichförmig- keit veisuchte man durch architektonisch« Spielereien Uebelstände zu übertuschen. Das schmückende Beiwerk kann doch die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß in der cinzimmerigen Proletarierwohnung immer noch Familien bis zu sechs Personen wohnen müsien, weil sie die Miete für eine größere Wohnung nicht erschwangen können. Darum muß so gebaut werden, daß die Wohnungen schlicht, aber ge- sund und billig werden. Der Versuch, die Unterhaltungskosten mög- lichst niedrig zu balten, hat auch dazu gesührt, glatte Fasiaden zu bauen und die Häuser mit einem glatten Dach auszustatten. Bei einem dreigeschossigen Hause, also bei sechs Wobnungen und einem Treppenhause, ist das flache Dach um etwa 300 Mark pro Wohnung billiger als ein schräges. Auch die Anlage reichlicher Balkon« unter Ausnutzung der Sonnenseite, die Beschränkung auf die äußersten Maße für die Treppenhäuser, Bäder und Toiletten sowie der Größenoerhältnisie der Zimmer und Küche führten zu einer Architektur, die durch diese Maße vollständig gegeben war. Archi- tektur ist nichts weiter als die durch die vorgenannten Größenverhält- niste gegebene, nach außen sichtbare Verbindung der Wobnunqs- einheilen. Jede andere architektonische Einzelheit muß mit Rücksicht auf diese praktische Verwendbarkeit vertreten werden können. Masse unS Architekt. Die neuen Bauten der Sozialen�Bauhütten werden viel« eigenartig, fremd und kalt anmuten. Sie werden sich noch nicht damit abfinden, daß in kalter Sachlichkeit Haus an Haus gestellt wird, daß alles schmückende Beiwerk fehlt. Noch stehen viele in der Baukunst auf der Seite der Konservativen. Erst wenn sie sich herausgelöst haben aus dieser bürgerlichen Denkweise und den Fortschritt suchen, werden sie vorurteilsfrei die neuen Wege moderner Architektur verstehen. Gewiß ist noch vieles Experiment, was von den Baugenossenschaften und Bauhütten gezeigt wird. Noch sind die'.intersckuede der inneren Ausstattung der Räum« und die Form der vom Mieter Kineingcstcllten Möbel zu groß. Solana« diese Disharmonie zwischen Raum und Möbel besteht, und sie wird noch lange bestehen, weil der Arbeiter auf absehbare Ze't nicht in die Lage kommt, außer seinem Unterholt noch größere Ausgaben, wie die Auschosfung von Möbel» von seinem Arbeitslohn zu bestreiten, wird uns die modern« Wohnuna?ku»st fremd bleiben. Die Bau- genossenschaiien haben mit ihren Architekten neue Formen auf- gewiesen. Sie wo'ien den Rbythmus, die Gleichheit der Mass« m Formen gießen. Die sozinle Berbuizdenbeit, die eiserne Schicksals- aemeinschäst soll ans den Rhythmus der Bauten übertragen werden. Aus den ersten Ansätzen heraus wird die richtige Linie in der Architektur nicht aufgesünden werden. Und doch scblt zur Schaffung dieser neuen Fonnen nickts weiter als Verbundenheit der Arrfuietten — mit der Masse, der Arbeiterschaft und nicht zuletzt des Mieters. Rur wenn Schöpfer und Masie zusammenkommen, sich finden in Ideen und Gedanken, wird die Fornigebi-ng unserer ureigensten Architektur möglich. Jede Zeit Hot ibren Ausdruck in der Kunst. Im Ze'talter der Masie kann die Kunst eben auch nur diese Gleich- hell, diesen Rhythmus der Masse, als Zeitgeist in Formen gießen. IS. Bezirk— Treptow. Die Bezirksversammlung wählte mit Mehrhell unseren Genossen Strieder wieder zum Borsteher. Bon den Kommunisten und den Deutschnationalen war ebenfalls für das Borfteheramt je ein Bor- schlag gemocht worden. Die Kommunisten beoründeten ihren Vor- schlag(trotzdem sie nur die drillstärkste Fraktion sind) ganz naiv damit, dag sie zum Ausdruck bringen wollten, daß der Bezirk Treptow eine proletarische Wählermehrheit habe. Zum Beisitzer wurde der Genosse Max Osten gewählt. Genosse Strieder gab der Versammlung die Antwort der Eisenbahndirektion Berlin zur Kenntnis, die sich weigert«, in Adlershoi, Niederschöne. weide und Treptow den zweiten Bahnousgang zu öffnen. Angeblich soll durch die Ossenhaltung ein„zu hoher K o st e n a u f w a n d" entstehen. Ein Antrag der KPD. und des Rechtsblock? auf Umgestaltung des Kinderheims Oberschöneweid« in ein Allersheim wurde von den Antragstellern, nachdem in vier Ausschußsitzungcn über diese Angelegenheit verhandelt worden ist, zurückgezogen Dem Abschluß eines Kausvertrages mit der Regierung in Potsdam über das Friedhofserweiterungsgelände in Adlers Hof wurde zugestimmt. Die Bczirksversammlung begrüßte es, daß jetzt mit dem Bau von Wohnhäusern an der Neuen Krug- alle« bcgoimen werden soll und stimmte den diesbezüglichen Vor- lagen auf Berkaus von Bauparzellen an die Wohnunasfürsorgcgcsell- jchaft Berlin zu. Es wurde der Wunsch geäußert, daß möglichst nichl allzu große Wohnungen erbaut werden. Mit der Ilebereignung des Grurchstücks Alwin-Gerisch-Straße 2/5 in Treptow an die Woh- nungsfürsorgegesellschast erklärte sich die Versammlung einver- standen. Bon der Rechtsfraktion lag ein?lntrag auf Auf- st e l l u n g von Gedenktafeln für die im Weltkriege gefallenen Beamten, Angestellten und Arbeiter vor. Genosse Lempert erklärte namens der Frottion, daß man die im Wellkriege Gefallenen doch wohl auf eine bessere Art ehren könne. Gerade die In der Rechts- sraktion vorhandenen einflußreichen Wirtschollskreise sollten dafür sorgen, daß die Hinterbliebenen der Gefallenen au»- reichend unterstützt werden. Genosse Bürgermeister G r u n o w teilte mit, daß der Magistrat Berlin eine allgemein« Heldenehrung plane. Das Bezirksamt hat Schritte unternommen, um den von Professor Begas modellierten und von der Stadt angekauften Sarkophag zu erhalten. Dieses Kunstwert würde dann auf dem Krematoriumsfriedhof in Baumschulenweg aufgestellt werden können. Nach dieser Ausführung zogen die Antragsteller ihren An- trag zurück. Um zu beweisen, daß man ssch auch mit„hoher Kommu- nolpolitik� beschäftig«, beantragten die Deutschnationalen die Auf- stellung eines Automatentelephononschlusses im Rathause Treptow. Die Deutschnationalen mußten sich von ihren Bundes- freunden, den Kommunisten, sagen lassen, daß sie für die Zukunft derartige Neine Dinge in den zuständigen Deputationen beantragen sollten. lö. Bezirk— Köpenick. In der ersten Sitzung im neuen Jahre wurde unser Genosse W o i ck mll 31 gegen 8 Stimmen als Dorsteher gewähll. Die Be- setzung der anderen Aemter wurde nach der Frattionsstärte vor- flenwiunen, nachdem die Kommunisten vor der Wohl die ErMirung abgegeben hallen, daß sie gegen unsere Aorschläge stimmen würden. In die Konunissionen und Deputationen, aus denen Genosse Reuter ausgeschieden ist, wurde Genosse Tolksdorf gewählt. Drei Vorlagen des Bezirksamts, die Bebauung des städtischen Grund- stücks Köpenick. Saiser-Wilhelm-Stroße 15, zu Wohnzwecken und Wahl von Deputations- und Ausschußmitgliedern betrcsiend, passierten debottelos das Plenum. Die Dorlage über die Errichtung einer Sammelfchul« für die vom Religionsunterricht be- freiten Kinder im Dezirk Köpenick rief ein« längere Aussprache her« vor, bei der der Kommunist Rebe in vathetischen, aber von wenig Sachkenntnis zeugenden Ausführungen den ablehnenden Stondpunil der Kommunistischen Partei oertrat. Auch die bürgerlichen Parteien stellten sich aus einen ablehnenden Standpunkt, darunter drei mi Lehramt tätige Mitglieder der Versammlung und die Vertreter der Demokratischen Partei, die damit dokumentierten, wie wenig Ver- ständnis sie für die fottschrillliche Entwicklung des Schulwesens be- sitzen und wie die prakllsebe Auswirkung der Thesen de- Deutichcn Lehrervcreins aussteht. Die Vorlage wurde, ehe unsere Partei- genossen ihren Standpunkt vertreten konnten, vom Bürgermeister Genossen Kohl im Namen des Bezirksamts zurückgezogen.«>« wird nun die Aussichtsorgane beschäftigen, da die Bezirksschul. deputation bereits in zustimmendem Sinne Beschluß gefaßt hat. Eine Dringlichkeitsanfrage unserer Fraktion, die mit einem gleichen An- trage der kommunistischen Fraktion verbunden wurde, betras die Ueberschwemmung im Gebiet des Plumpen- graben? in Bohnsdorf. Die Genossen Mohr und Willens begründeten die Anfrag«, die Vertreter des Bezirksairns erklärten, daß bereits Maßnahmen eingeleitet seien und schnellstens alles geschehen würde, um den Uebelstond zu beheben. Eine sail IVestündige Debatte rief eine Anfrage der Deutschnationalen hervor. Sie beschwerten sich über die Ablehnung zweier Bücher durch das Jugendamt bei der von ihm veranstalteten Ausstellung von Jugend- ichrislen. Es handelte sich um zwei tendenziöse Lebensbilder „Friedrich der Große" und„Königin Luise". Die Anfrage richtete sich in der Hauptsach« gegen den Dezernenten des Jugendamts, Genossen Herbst. Durch unsere Genossin Keil und den kom- munistischen Redner erfuhren die Ausführungen der bürgerlichen Vertreter, die sich in byzantinisch-lakaienhastcr Art bewegten, eine gehörige Abfuhr. In dieser Debatte zeichneten sich besonders Der- iretcr der Lehrerschaft durch ihre reaktionäre und unwissenschaftliche Geschichtsausfassung aus. Einer dieser Jugenderzieher, ein Rektor, verlieb wutschnaubend die Sitzung. Eine weitere Anfrage über Bettelei der Bürgerlichen in der Friedrichshagener Ortspresse sür die Ausstattung des dort nenerbauten Lyzeums erfuhr durch den De- zerncnten des Schulamts die entsprechende Ablehnung. Ueber eine Anfrage nach dem Gesundheitszustand in den Schulen des Bezirks gab Genosse Stadtrat Herbst erschöpfende Auskunst.. 18. Bezirk— DJeijzenfee Die erste im neuen Jahre— am 19. d. M.— stattgefundrns Bezirksverordnetenversammlung nahm ausnahmsweise einen ruhigen Verlauf. Der bisherige Vorstand mit unserem Genossen Max Thiele als Dorsteher wurde wiedergewählt. Einige Borlagen des Bezirksamts auf Bewilligung von Mitteln zur Vergrößerung der Bettenzahl im Weißenseer Krankenhaus, zur Anschaffung von Feuerlöschapparaten und zur Zahlung einer Entschädigung für die Verwaltung von Volksbüchereien von Malchow. Wartenberg und Falkenbevg wurden angenommen. Zur Annahme gelangte ferner eine Vorlage auf Bewilligung von Mitteln zur Gewährung von Umzugskosten für die Einwohner der Hilfsschule in der Falkenberger Straß«. Da bisher ein Teil der Kinder dieser Schule in Baracken untergebracht war, geht ein langersehnter Wunsch der Elternschaft, sämtliche Kinder in einem Gebäude zu vereinen, demnächst in Erfüllung. Di« Wirt- s cha i t s g e b äu d e des Sportplatzes am Faulen See sind jetzt sertiggestellt und sollen im Frühjahr dem Verkehr über- geben werden. Vom Bezirksamt wurde der Dringlichkeiisantrag gestellt, einen Ausschuß zu wählen, der sich mit der Angelegenheit weiter beschästitzen soll. Es ist zu. hoffen, daß der Sportplatz große Volkskreise anziehen wird, zumal er von einem wundervollen Park umgeben ist. Heiterkeit erweckte esti'Antrag der Bürger- sichen, einen Platz auf dem Rennbahngelände für die Besitzer von Schäferhunden zur Verfügung zu stellen. Der Dringlichkeit wurde mit Recht widersprochen. Der Antrag wird in der nächsten Sitzung behandelt werden._ Die Sexualberalungeslelle des Bezirks Treptow in Niederschöne- weide, Grünauer Straße la, gibt in allen Fragen, die das Geschlechts- lebe» betieffen, unentgeltlich Auskunft. Ebendort findet auch eine Eheberatung statt. Auf Wunsch werden Ehezeugnisse ausgestellt. Aerztliche Sprech st und« jeden 1. und 3. Frei- tag im Monat, nachmillags von 4— 5 l�hr. Der Kinderhort Adlershof. Roonstraße 16, ist für Kinder vom 6. bis 14. Lebensjahre werktäglich von 11 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends, Sonnabends bis 4 Uhr nachmittags, geöffnet. Unlerhallungsabcnde für Erwerbslose finden seit 1. Oktober 1926 durch da« Volksbildungsamt Treptow regelmäßig Man- tags alle 14 Tage in Niederschöneweide statt. Der Zeit- punkt der Veranstaltungen wird in den Arbeitsnachweisen durch Anschlag bekanntgegeben. »
Nr 46 ♦ 44. �akrgang 2. Seilage des vorwärts Zreitag, 28. Januar 1927 Die Inöujkrie in Rußland. Nnfjlauds Verflechtung in die Weltwirtschaft. Die Tendenz der offiziellen russischen Wirtschaftspolitik ist un- verkennbor, trog der politischen Brandreden Bucharins im Dienst der Kommunistischen Internationale, die Eingliederung der russischen Volkswirtschaft in die Weltwirtschast mit Nachdruck zu betreiben. Das gilt nicht nur für den Warenaustausch, sondern auch für die Heranziehung ausländischer Kapi- tglien zur Mobilisierung der russischen Produttivkräste. Wie weil und wie schnell diese Eingliederung gelingt, steht dahin, hängt auch von innerpolitischen und Parteisraoen ab. Jedenfalls muh diese Eingliederung erfolgen und von der Arbeiterschaft mit Interesse ver- folgt und auch gefördert werden. Die Vorgänge in der russischen Volkswirtschaft, insbesondere auch der russischen Industrie, werden unter diesem Gesichtspunkt wichtiger als ste�bisher waren. Bedauerlich ist, daß heute noch zvisck'en der V i e l z o h l der offiziellen Ver- äffentlichungen Rußlands über die wirtschaftliche Entwicklung und ihrer Zuverlässigkeit ein Widerspruch besteht. Man wird �as bei allen Berichten zu beachten haben. Das Wachstumstempo der Industrie ll, Sowjei- rußland verlangsamt sich in dem Maße der Ausnutzung des vor- revolutionären Grundkapitals und der Annäherung der. Produktion an ihren Vorkriegsstand. Nach den letzten Angaben des Obersten Volkswirtschaftsrotes(JBramba* vom 5. und 7. Januar) ist die Gesamtproduktion der russischen Industrie im vorigen Jahr um 42 Proz. gegenüber dem Vorjahre gestiegen, während»ach den Plänen des Obersten Bolkswirtschaftsrates ein« Steigerung der Produktion im laufenden Jahrs nur um 18 Proz. vorgesehen ist. Die Ver- langsamung des Tempos der industriellen � Entwicklung wird auch durch die Schwierigkeiten der Versorgunq der Industrie mit land- wirtschaftlichen Rohstoffen verursacht. Diese Schwierigkeiten sind auf das große. Mißverhältnis zwischen den Preisen für Industrie- und Landwirtschaftsprgdukte, die sogenannte„Schere", zurück- zuführen, die zur Einschränkung der technischen Kulturen in der Landwirtschaft geführt hat., Der Bericht des Obersten Bolkswirtschaftsrates bemerkt dazu, daß das Wachstümstempo der Klein- und Heimindustrie in diesem Jahre nur 8,7 Proz. ausmachen werde. Die genossenschaftliche In- dustrie wird auf dem vorjährigen Niveau bleiben, und die Privat- Industrie wird sogar um ein geringes zurückgehen. Der Anteil der P r i o o t i n d u st r ie an der Gesamtproduktion der russischen Industrie wird, infolge der beinahe allgemeinen Verstaatlichung und der neuen Einschränkungen für das Privatkapital nur 15 Proz. aus- machen. Die Zahl der Arbeiter stieg im Jahre 1925/28 um 25 Proz., der sehr niedrige Reallohn um 14 Proz., während die Leistungs- fohig�eit pro Arbeiter nur um 11 Proz. gestiegen ist. Dabei ist- die sehr beträchtliche Verteuerung durch die Entwertung des Tscher- wo netz zu berücksichtigen. Das Mißverhältnis zwischen dem Wachs- tun, des realen Arbeitelohnes Und der. Leistungefähigkeit der Ar- bester im Ichre 1925/?� ist' nach, den Angäben hes Obersten Volks- cht'rtschastsrytks auf dl«. Heranziehung iijjchzäßtmer Arbeitskräfte, in 'MLlKtri«- WfückiUffüdren/ Im Hah're 1928/??' werde die Zahl' der Arbeiter, bei einem Wachstum der Produttion um 18 bis 29 Bro.z., vorausstchtlich nur um 8,8 Proz., der Arbeitslohn um 19 Proz. und die durchschnittliche Leistungsfähigkeit des Arbeiters um-12,8 Proz. steigen. Diese Pläne zielen ossentlichtlich auf die Bc- seitigung des bisher sehr großen Leerkaufs in der Industrie ab. Die Wirtschastsspitzen bemerken hierzu, daß die Steigerung der realen Arbeitslöhne um 19 Proz. nur dann möglich sein werde, wenn es in Wirklichkeit gelingen werde,«inen bestimmten Preis- abbau durchzuführen. In die. Löhne soll durch den cheson- ders für die russische Staatsindustric sehr schwierigen Preisabbau mehr Kaufkraft hineinwachsen. Der Vorbehalt des Preisabbaus ist sehr berechtigt. Die vorgesehene Herabsetzung der H e r st e l l u n g s- kosten um 5 bis 7 Proz. ist im vorigen Jahre nicht nur aus- geblieben, sondern es trat vielmehr eine Steigerung der Her- stellungskosten für Induftrieerzeugnissc sum � 3H Proz.) ein. Diese unerwartete'und verhängnisvolle Steigerung der Produktionskosten wird nicht nur durch die Steigerung der Rohstofspreise,. sondern auch durch die Noftvendigkeit verursacht, alte Betriebe und abgenutzte Maschinen wieder in Gang zu setzen. Der Oberste Bolkswirtschofts- rat sieht deshalb für das Jahr 1926/27 im besten Falle eine Stabt- lität bzw. eine nur unbedeutende Senkung der Herstellungskosten um etwa 1 Proz. vor. Damit würde aber auch die Steigerung des Reallohnes von vornherein unmöglich. Inzwischen ist das Problem der Herabsetzung der Herstellungs- kosten sehr brennend geworden, weil die hohen Preise für Industrie- waren eine wachsend« Unzufriedenheit unter der Bauernschaft hervorrufen und zur Lähmung des inneren Marktes sowie des Getreide-, und Rohstoffexparts führen. Die Kon- kurrenzfähigkeit der russischen Exportwaren auf dem Weltmarkt wird gefährdet, die Entwicklung der Produktivkräfte im Innern schwer gehemmt. Von der erfolgreichen Ueberwindung dieser großen Schwierigkeiten, der insbesondere ein ungeheuerlicher Bureaukratis- mus und ei» großer Kapitalmangel entgegenstehen, wird die wirk- schastliche Gesundung der russischen Industrie in der nächsten Zu- kunft abhängen. Nlerkwürüige Praktiken im perftenhanöel. Einen merkwürdigen Beitrag zu der vcb, Sowjetrußland offiziell proklamierten Befreiung der ausgebeuteten Völker Asiens liefert ein Streit, den eine russisch-persische Transitxesellschaft mit persischen Kaufleuten hat. Der Sreit, der schon über ein Jahr lang andauert, geht darum, daß einem persischen Kausinann von der russischen Gesellschaft, obwohl feste Entschädigungen für die Ver- m i t t l u n g der Waren ausgemacht wurden, um 29 Prozent höhere Preise abgefordert worden sind, als sie die Original- rechnung der russischen Fabriken zuließ. Der Lieferungsoertrag sah die Vorlage der Fabrikrechnungen durch die russische Handelsgefell- fchaft ausdrücklich vor. Auf die entsprechende Aufforderung hin wurde die Vorlage nicht nur oerweigert, sondern sie erfolgt« auch dann noch nicht, als das von der russischen Transitgesellschaft selbst vorgeschlagene Schiedsgericht zur Herausgabe der Original- rechnung verurteilte. Der uns vorliegende letzte Pries des persischen Kaufmanns an die russischen Handelsbehörden schießt mit den Worten,.dqß sich� dieser gezwungen sehe, die gefälschte R c ch.n Akig•, JA v e ruf fe'whl uch e»,'has VerfahreirJzer russischen TrAniitgesKtlschaft-. mit. den- persischen Mustente». zu enthüllen und in aller Oeffentlichkeit festzustellen, wie di� Fahne de? Prot«. tariats gegenüber den persischen Kausleuten mißbraucht und die Ehre der russischen Arbeiter verletzt werde.— Man muß sagen, daß diese Methoden der Berflechtung Rußlands in die Westwirt- fchaft sich wohl kaum in irgendetwas von dem Haiwelsimperialismus unterscheidet, den Rußlaiw bei den kapitalistischen Staaten Europas so nachdrücklich bekämpft. Die Kosten üer Warenverteilung.� Freier Handel und K.onsumdereine. In einem Vortrag über„Entwicklungstendenzen des Handels" im Rahmen einer Vortrogsfcrie der Berliner Industrie- und Handelskammer gab Professor Dr. Julius Hirsch inter- essaiüe Zahlen über die Kosten der deutschen Warenocrteilung und über den Ant�fi der Konsun�enossenschosten an Warenumsatz und Warenproduktion bekannt. Der Gesamtumsatz aller deutschen Dctailgeschäfte betrage . etwa 39 Milliarden Mark. Unkosten und Gewinne - von Einzelhandel und allen Großhandelszweigen ungefähr 9 M i l- liarden Mark. Diese 9 Milliarden verteilen sich noch der Schätzung von Professor Hirsch etwa wie folgt: Arbeilskonen leinschl. Sozialversicherung). 2,5 Milliarden Steuern aller Art.......... 1.9, Weebekoüen einichl. Reklame...... 9.5, Warenverlusie eivscdl. Verderb».Modeverlult 9,5—9,75, Rauni'lMieiel und sonstige Unkosten einschl. Abschreibungen......... 1,5—2,0, Unlernebmerlohn.......... 125. Reingewinn............. 1,25, Immerhin stelle die Gesamtkostenhöhe ein Sechstel bis ein Siebentel des deutschen Bolkseinkommens dar. und es fei deshalb außerordentlich wichtig, weniger beim G e- winn des einzelnen als bei. den Verteilungskosten der Waren die Frage der Rationalisierung zu stellen- Diese Ausgabe fei vor allem bei den Klein- und Mittelbetrieben dringend. Das An- rvachscn von Großbetrieb und Grohunternehmung sei in Deutschland m'den letzten Iahren zweifellos schon stark erfolgt', es scheine mich, als ob sie einen wachsenden Anteil am Gesamtumsatz erreichten. So habe der Umsatz der Konsumvereine, wenn man von den Preisveränderungen gegenüber der Vorkriegszeit absehe, sich in den letzten drei Jahren wahrscheinlich um 59 Proz. gegen- über der Vorkriegszeit erhöht. Die Könsumyeretiie blieben anscheinend nicht mehr weit unter tausend Millionen Mark Umsatz im Jahr und erreichten im Lebensmittelumsatz schon winde ktens 6 bis 7 Proz. der Gesamtversor- g u n g. Der Umsatz der Warenhäuser sei noch bedeutend größer: der Redner schätzt ihn auf über 1599 Millionen, von henen fast drei Fünftel von fünf große» Konzernen erziel/ würden. Er schätzt weiter, daß vom Nichtlebensmittelümsatz Deutschlands die Warenhäuser schon etwa 19 Proz':, von demjenigen an. Textilien bis zu 15 Proz., in einigen großen Städten sehr beträchtlich darüber, erreichen. Die Mehrung des Großhänd?l»umsatzes ist den privaten und genossenschaftlichen Gldgunternehmungen nach einer neueren Schätzung soweit zugefallen/ daß sie heute etwa 15 Proz. davon. machen, während 85 Proz. durch den normalen Großhandel gehen. Erstaunlich sei das Anwachsen der Konsumvereine in Großbritannien, die im Detailhandel schon mindestens IVi Milliarden Mark umsetzen, in eigenen Fabriken rund 44 999 Personen, in ihren Läden und Lägen: rund 199 999 Menschen be- schäftigen und für 49 Proz.(!) der englischen Bevölkerung die Hälfte der Lebensmittel und ein Siebentel der sonstigen Einkauseiparc schassen. Dennoch seien einige private Massenfilialsysteme zu- sammcn wahrscheinlich bereits über die Umsätze der Konsuinvereinc hinaus, das Massenfilialsystem breite sich auch sonst stark aus, die Warenhäuser zeigten desgleichen ein progressives?lnwachsen. Das „Verschwinden des kleinen Mannes" mache' in Eng- lands Einzelhandel recht bedeutsame Fortschritte. In Rußland seien die KonfumgenosieNschaften mit beinahe 4 Milliarden Gold- rubel Jahresumsatz jetzt die größte. Handelsorganisation geworden im übrigen haben die Staatstrusts ihren Absatz teilweise 'unnittelbar organisiert. Für die Zukunft der deutschen Warenverteilung im ganzen stellt? Professor Hirsch das Problem folgendermaßen: Will man die z wa tt gl ä u fig e Entwicklung mit der gleichen Wucht einsetzen lassen wie in den Vereinigten Staaten und England, oder will man bewußt die notwendige Senkung der Kosten des Vertcilungs- Prozesses herbeiführen. Aus dem wirtschafttichen Naturgeschehcn werde bewußt gelenkte Wirtschaftstechnit. Der deutsche Handel st c h e o o r der Entscheidung, ob er in seiner jetzigen Gestast de» Willen zur lenkenden Wirtschaststechnik entwickeln wolle, oder ob auch hier Großbetrieb und Grobunternehmung voranbringen. Das V o l k s g a n z e habe das Interesse an der besten Waren Versorgung mit dem geringsten Aufwand an wirrschaftliche» MiHeln. Neue Ne'chsbahnaufiraoe. Ende des Personalabbaus? Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft hat. überraschend schnell bewiesen,, daß sie entgegen früheren Erklärungen und entsprechend unseren Forderungen sehr wohl in der Lage ist: erheblich neue Aufträge an die Industrie zu vergeben. In der letzte» Sitzung des VcrwaUungsrats wurde beschlossen, 299 Lokomotiven, 2999 Güterwagen und 1999 Personenwagen in Auftrag, zu geben sowie die elektrische Streckenausrüstung von llstünchen nach Kusstein und Freilassing und der restlichen Münchener Vorortstrecken zu Ende zu führen. Das Kommunique sagt, daß die Aufträge in Erwartung einer günstigen Verkehrsentwicklung und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vergeben würden und eigeiitlich für spätere Bauperioden vorpesehen waren. Die Aufträge sollen sehr bald vergeben werden. Bei den neu zu verpebenden Aufträgen handelt es sich um Beträge von mindestens 79 Millionen Mark. Die Auftröge verteilen sich mü etwa 37 Millionen auf den Deutschen Waggonbauverband und mit etwa 28 Millionen auf den Deutschen Lokomotivbauverband. Der Auftragsbestand der deutschen Waggonindustrje erhöht sich dadurch mit den bereits ver- gebenen 32-Millio»en-Aufträgen auf 69 Millionen Mark. Für beide Industrien bedeuten die neuen Aufträge einen erheblichen Zuwachs an B e s ch ä f t i g u n g, der auch aus der Börse sofort mkt einer lebhaften Hausse beantwortet wurde. Es wird abzuwarten sein, inwieweit die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft die Gelegenheit benutzt, um das von' ihr verkündete Rotionalisierungsprogramm für die Waggonindustrie praktisch zur Durchführung zu bringen. Ein weiteres Zeichen für die-große Flüssigkeit Herl Reichsbahn ist ihre Beteiligung an d e r 5 9 9- M i l l i o n e n- A n l« i h c des Reiches. Die Beteil'gung soll mit einem Betrage van 30 Millionen Mark erfolgen und ist im Zusammenhang mit dem Streit über die Kontrolle der Rcichsbahngeldcr von einiger Be- deuti-iiq. Für ihre zukünftige P e r s o n a l p o l i ti k ist die im Der-. waltungsrat gemachte Feststellung wichtig, daß nach dem heutigen Stande der Technik und der Orgamsation der Reichsbahnbetriebe eine Notwendigkeit nicht mehr bestehe, den Personal- bestand der Reichsbahn allgemein wester zu senken. Man wird, das Wort«ailgcmeu,".m:dieser:.Formlilierung zu..beachten hak»«/ dein» für-dos Jahr 18-27 wird' sosvrtc.hii�rlgsfügk. daß für die' Wer?». stäits n noch- eine V e r ri ng e rit ng d er Arbeitskräfte um etwa 5999 Personen erfolgen werde, die nur mit Rück- ficht auf die- Jahreszeit nicht vor dem 1. April 192? durchgeführt werden soll. Sieben Prozent Dividende Im AEG.-Konzern. Die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft Berlin wird nach dem Beschluß ihres Aufsicht?-- rotes für das vergangene Jahr eine Dividende von 7 Proz. vertellen. Di? Vorjahredividende betrug 6 Proz. Gegenüber einem Reingewinn von 8,36 Millionen im Iayre 1925 wird für das Jahr' 1928' ein N e i n g« w> n.n von 19,76 Millionen ausgewiesen..Der Geschäftsgang wird von der Verwaltung als befriedigend bezeichnet. wie Rationalisierung neue Arbeitslose schafft. Ein gutes Beispiel für die Freisetzung von Arbeitskräften gibt die Durchführung des Rclionalisierungsprogramms im Kiipserschieserberobau der M a n s f e l d A- G. für Bergbau- und Hüttenbetrieb. Durch Reu- ausnistungen des Vitzthum-Schachtes wird die Kapazität de» Schachtes derartig g e st e i g e r t, daß zwei allere Schächte still- gelegt wzrden können. Infolge dieser Betriebsverbesscrung können allein aus diesem Schacht mehrere hundert Mann entlassen werden. Duoken im internationalen Schienentartell. Das internationale Schienenkartell hat jetzt die vorläufige Beteiligung der angefchlosic. nen Staaten festgesetzt. Danach beträgt da? G e s o m t t'o n t i n. tzent 1949999 Tonnen, wovon 43 Prozent aus England, je 19,5 Proz. auf Frankreich und Deutschland, 11 Proz. aus Bel- gtcn, 7 Proz. aus Luxemburg und 4 Proz. aus die Tschechoslowakei errtsallen. Die Engländer haben bei der Verkeilung besonders günstig gbgeschnitten, was sich daraus erklärt, daß England ge- wisiermaßen Platzhalter für die amerikanische Schienenproduktion ist. Die englilckzc Beteiligung geht denn auch mit 299 999 Tonnen über die wirklich« Aussuhr im Jahre 1925 hinaus, während die devtschc Beteiligung mit 99.999 Totinen und die französische Beieili» gufig mit 40 090 Tonne» hinter dem tatsächlichen Export zurück- bleiben. Es ist damit zu rechnen, daß in kürzester Zeit das gesamte Konlinkent erhöht wird, wobei den deutschen und sranzäsischen I»- teressen Rechnung getragen werde» kann. � Hondersrachilaris für Braunkohle. Für das gesamte deutsch« Küstengebiet wird ab 1 Februar 1927 ein neuer Braunkohlen- tgris eingeführt,� der je nach Lage des Produktionsgebietcs oer- schieden« �"mäbigqnoen aufweist. Zur Bedingung ist die Auf- lieserung einer gewissen Garantiemenge gemacht worden, die sich lagt„Konjunkiiir-Kor/eipondenz" auf etwa 229 999 bis 225 999 Tonnen monatlich stellt. P «1 OaaeKk-a&ic&n %5£bjucii faJklci AArh TGisfaß&ri4 Uhr. Antreten Kllstriner Blafc mit Musik und Fahnen.— ttreuzherg: Sonntag, b. 30., vormittags 10 Uhr. erweiterte Kreisvorstondsfissung mit Funk» twnären bei Fuhlbrüge«, Nostizstr. 29, Maicrirlausgabc.— Schäneherg. Friedenau(Kreis): So. d. 29., Maskenball in den Sp-chernsälen. Kameraden nebst Angehörigen und Gästen willkommen.— Stegliss(Kreis): So., h. 29.. Winterfest in Hennings Feftsälen am Bahnhof Lichierfeide-Ost. Eintritt einschl. Tanz 60 Bf. Die Gross-Berl'ner Kreisvereine werden herzlichst eingeladen. Lesste Abrechnung der verkauften Karten bis Sonnabend obend 7 Uhr im Festsaal. Bis dahin nicht zurückgegebene Karten gelten als verkauft.— Adlershaf: Der erste Vortragsabend über»Die Verfassung des Deutschen Reiches" findet bestimmt am Mo., d. 31., 448 Uhr im Jugendheim, Eingang Roonstrasse. stntt.— Ron gen- tal: So., d. 29., rm Lokal von Basener Mitgl.-Bcrs. Erscheinen sämtlicher Kameraden Pflicht.— Erkner: Die Kameraden treffen sich Sonntag, b, 30. nach- mittags 1 Uhr. bei Wirsing zu einem Spaziergang ilt Bannerkleiduna. Tambour. korpe ohne Instrumente._ Berliner Zionistische Bereinigung. Dienstag. 1. Februar. SM Uhr. findet im Schubertsaal. Bülowstr. 104, ein Bortrogsabcnd statt, auf dem Dr. Felir Welisch-Brag Über„Antisemitismus. Nationalismus. Zionismus" surechen wird. Karten zum Preise von 1 M. und 50 Pf. im Bureau der BIP.. Meinckestr. 10. und an der Abendkasse. verband Vosk-gesundheit. Ortsverei» Berlin. Freitag. 28. Januar, Gossler- stresse 61 Bolkstanzabend Jugendgruppe Osten. Arbeiteroerein fü« Biochemie und Lebensreform I. B. V. Ausserordenti-'che Funktionärvcrsammlung Sounobeni, 29. Januar 9 Uhr, Lokal Nentwich. Linien- strasse 195. Borslandsfihung 8 Uhr im seiden Lokal. Arbester-Mandolinistenbund(Bezirk Dross-Berliu). Saute Üben: Mando'snen- klub..Harmonie". Restaurant Seniss. Relnlckendorf-Dest. Scharnweberstr 59.— Mustkgrupp« der proletarischen Bühne: Rostauoant Gutsche. Dreshmrer Str. 87.— Bolkschor„Mandosinata": Restaurant Söngerhcim. Weddingstr. 9.— Mando- linenvereinigung.Sarmonie-Oberschöneweide": Restaurant Dreihrobt. Sbirschöne- weide. Am Königsplass. Kindergrupp« von 6—8 Uhr im Jugendherm Ober- fchöneweide. Laufener Skr. 2.— Mandolinen. und Gitarrcspie'er, welche sich einem Bundesverein anschliessen wollen, erhalten Auskunft durch die Sefchäf!»- stelle Berlin NW. Jagowstr. 15. Der acht« wissenschaftliche Klubabend de« Deutsche» Liga für M-nschenrecht« E. B. findet Montag. 81. Januar, Uhr. Dilhelmstr. 48 statt. Thema: „Dauerzustand— nicht Ausnahmezuswnd". Eintritt nach Voranmeldung. Deutsche« Ssperantsbund, Ortsgruppe Berlin. Freitag. 28. Januar. 8 Uhr. Konditorei Dobrin, Kackefcher Markt. Uedungsabend. Gäste willkommen. übergibt man nur dem Nachweis de« Deuttchen Mufikerverbandes. Berti». Kom- mondantenltr. 68/64 Dönhoff 3277-78. GeschaflszetI 9—5. Sonntags 10-2 Uhr. Aus Wunsch: Bertreterbesuch. Zipfens Emlaöung zur Keier meines po. Geburtstages! Zch, Zuntz fel. Wwe., werüe öemnächst 90 Aahre alt. Als öie freunöliche/ alte Dame, sie Ihr kennt/ will ich einmal öen Brauch umkehren uns an meinem Geburtstag selber öie Ächenkenöe sein. Alle meine Kreunüinnen unö Kreunöe erhalten von mir ein wertvolles Geschenk, jeöer nach öem Maßstäbe seiner Liebe zu mir. Von heute an lasse ich beim Kons von Zuntz-Waren völlig kostenlose Gutscheine zur Einlösung meiner Geburtstagsgabe ausgeben. Verlangen Sie noch heute ohne jeöen Kaufzwang öie kleine GeburtS-- tagsschrist, öie Ihnen alles Wissenswerte sagen unö öie Geschenke in Abbllöungen zeigen wirö. Iuntz-Zllsalen ln verlin? �»— F. m � � uHTnfjiTnimiLre>* Leipziger Strohe 8? SpiNeünortt 8�10 Snmewolästrohe 49 PoUäamer Stroh« S4 Nürnberger Plötz 4 Vronienstrahe 155�54 khoujferpcohe 69 OtMfltntt Strohe 130 Cunnptaht 4« vobstrah» 19 Sr. heanffueUt Str. llt UhlanSprohe 46 Zrtebenau, Nkjeinstrohe 1«? ktjarlotkenburs, Ivilmersborfer Str. lOrtt fjafenfet, westfolischt Strohe 49 >ViImrr«a«rf, verltnrr Strohe 16 wilmecsöorf, wrrstcahe 31 a Nüsteret unö ffnnfluctfouf; Magbrburgrr Plötz 4 lSi7 192? flea eriffntt werbrn bemnächst Sie Ziltoteo Schönhauser Allee 73- ZrontsuNer Alle« 3t- wilsmukr Strohe 50 J\' Qunfy /et r
�rbettersport. Fußballspiele am 30. Januar. ranxsllm nelg«n sich die Snienspie?« ihrem Ende eidstgen. Nach inti nach schalen ftch auch die Meister der einzelnen Abieilunaen heraus. Trohdcm aidt es noch hart« kämpf« um die Klldruna in den AbtcUunacn. Im Südwesten tnmpftn Zieuiölin und Frisch-Aus in Ahteiluna L um die Spihc. Nur tnapp halt Zieulölln die ssübruna und sollte durch einen eventucllcn Sie« Adteilungs» melsler werden. Das Sv.el findet auf den, Sportplah in Ncniöiin. Dammwca, idrtt. In Abteilung d ist das Treffen zwischen Keriha und Luckenwalde I. den Heden Oitsrivalcn, für Luckenwalde I von Bedeutung. Noch der am Sonntag sezetgteu ssorm im Spiel aegen Teltow sollte Luchenwald« knapper S.eger fein. In Abteilung B führen die Brandenburger. Sie spielen mit Bcelih. Um den zweilen Plag geht es aber für Wilmersdorf, die gegen Wannfr« in Wilmers- darf. Ickhr.nger Ecke Würllemtergisch« Stvohe. antreten. Stern, der Sviden» rmter der Abteilung 0. hat die sebr eifrig« Mannschaft von Dahme alo Degner. Das techniich bessere Können der Marienfelder sollte fedoch den Ausschlag «eben. Berlin 12 spielt gegen Eintracht 2S in Stcgliti. Ring. Ecke Südend- stvage. Teltow gegen Jüterbog in Teltow. Zlvwawes gegen Kirchmöser in Rowawe«, Prieslcrftrasse. ssortnna gegen Viktoria in Lichterfelde. Iehlen- dorser Ballspielklud gegen Schmargendorf in Iehlendorf, Gemeindesvortvlaft Spanbauer Strasse. Luckenwrld« III gegen fsussballrin» in Luckenwalde. Kölzen. burger Sportverein grgen Schöneberg in Koltenburg. Kreuzber« gegen Lank. Witz auf dem Tcmvclhofer sscld. Krvnkenfcld gegen Mariendoiscr Sporiklub in ssrankenfelde. ssichie 21 gegen Woltersdorf in Lichtenrade. Potsdam gegen Adler VS in Potsdam. Bornstcdtcr Kelb. Pankow OS und Adler 12 sind die beiden Anwärter um die Ableilungsmcisterschaft der Adteiluna C im Norden. ©rs erste Spiel verlor Adler üb-rr-schenderw-ise mit Z: 2: man darf gespannt sein Uber den Ausgang dieses Treffens da beide Mannschaften in verssärkter Aufstellung antreten werden. Di- Abteilung A Hot zwei Epirlr. die für die Spitz« von Bedeutung ssnd. In Nauen sschen ssch der dortig« sfussballllud Sparta und Rathenow gegenüber, währenbt in Siemensfiadt. auf dem Exerzier. vi tz. Spandau 2S und Eiemensstadt aufeinandertreffen. Einigleit hat eine sehr sptelssvrke Mannschaft, durch Pflichlvergessenheit haben ste jedoch einig« wichltee Punkte eiiigebüfttt den Borussen sollten sse am Sonntag deshalb doch ein nicht so leicht zu überwindendes Lindernis fein. Minerva fpiclt gegen «ochsenhausen in Borsigwalde. Neu« Ernst. Ecke Eonradstrasse. Hansa gegen Wittenau sn Lohenneucndvrf. Birkenwerder gegen Vorwärts in Birkenwerder. Velten gegen Iichtc-Nord in Velten. Nvrdista gegen Arbeiter- Sportverein 2-l auf dem Exerzierplatz Schönhauser Allee. Blau-Weiss gegen Alemannia in Äeegermühl«. Union gegen Teutonia in Niedrrschönhausen. Pfeilstrasse, ssicht«. Gesundbrunnen gegen Bikioria in Reinickendorf, am Schäfersve. Rchto 24 gegen Helvvlia in Niederschönhausen. Sowjet arge» Wacker 2ll in Zepernick.— Bezirk Osten: Lichtenberg I, die gezwungen sind, auf dem Platz in der Treskow» alle« zu spielen, sollt« nach dar in den Heiden letzten Spielen gezeigten sebr mässigen Isorm gegen Askania den kürzeren ziehen. Mit dem Verlust des Spiele» ist e, auch mir dem Meiflerfchaststrclim in Abteilung A zu Ende. In Ab. teilung B gibt es ein Rrvanchei reffen zwischen Brandenburg 02 und Alt. Glienick«. Im ersten Spiel schlugen die sehr eifrigen Alt-GIienicker mit ss: Z ihren Gegner, doch dürfte e» ihnen schwer fallen, dieses Resultat zu wieder» holen. Lichlenbevg III düeft« es trotz grosser Anstreneunaen nicht mehr ge- ringen, an die Spitze zu gelangen. Nach dem sensationellen Sieg, den sie am Sonntag aegrn Sparta 11 errangen, sollte auch Adlershof wenig Anssscht auf Sieg Kaden, zumal das Spiel auf dem Kartellplatz in ssriedrichsselde staltfinbet. Britannia spielt»«gen Ketschendorf in Lichlenberg. Wagnerplatz. Treptower Ballspielklub gegen Berein für Bewegungsspiele im Plänterwald. Tasmania gegen Sadvwa in Fredersdorf. Stralau gc-en Richirrswalde in Lichtenberg. Lück- Ecke ffischerstrasse. Zeuthen gegen Hertha 22 in Zeuthen. Li che n der g N gegen Lustig. Fidel im Lichtenberger Stadion, Hertzdcrgstrasse. Wolfersdorf aegen Weissensee in Woltrrsdorf bei Erkner. Tosdorf gegen Johannisthal in Tasdorf Friedrichsh-gen gegen Nenenhaaen in Friedrichshagen. Frifch-Frei gegen Komet ist Niederfchöneweide. an der Gasanstalt. Berliner Sportverein 22 gegen Bero» lina in Hohenschönhausen, Sommerstvass«. Kctzin gegen Eisthai in Ketzin. Rorb gegen Tegel 24 in Oranienburg. Wacker 24 cegen Eisenspalierei in Ltchterfeidr bei Eberswold«. Britz gegen ltoachmsibal in Britz.— Beginn der Spiel« nachmittags 2'i Uhr. Vorher Spiele der unteren Mannschgf-en. Vormittags auf allen Plötzen Spiel« der Alt-Iugend», Jugend» und Slhüler- Mannschaften._ Touristenverein..Die Naturfreunde', Zentrale Wien. Abt. Eharlottenburg! Freitag. 28. Januar. 8 llbr. im Heim Svieestr. 50 fZiniinir 5). Genosse Fester spricht über.Geschichte der Klassen". Gäste will. kommen. Eonnabend/Sonntag. ÜS./W. Januar, Trefsahrt mit Südost in der Dubrom. Abfahrt Eonnabend. 2». Januar, Uhr. Görlitzer Bahnhof. Rück- fohrkart« Gross-Beften. Nachzügler Jugendherberge Dubrow-Bera bei Gross. Besten.— Alt. Gesundbrunnen: Freitag, 28. Januar. 8 Ubr. im Heim Lortzingstr. lg f2l>„Körperkultur— Nacktkultur".— Alt. Südost: Freitag. 28. Januar. 8 Uhr. im Heim Reichenberger Str.<*>..Umgana mit Behörden". — Alt. Südwest: Freitag. 26. Januar, 8 Uhr. in der Badconstolt Bärwold» strasse Geschäftliches.— Abt. Friedenau: Freitag, 28. Januar 8 Uhr, im Heim Offendacher Str. da BoNsionz—«lt. Mariendorf: Fieitrg, 28. Januar. 8 Uhr. in der Alien Schul«. Dorfstresse. Geschäftliches.— Alt. Treptow: Freitag. 28. Januar. 8 Uhr, im Heim Eltenstr. 8„Etwas Kulturgeschichte".— Gemischter Ehor: Freitag. 28. Jonuar. 8 Uhr, im Atigrshc'm Danziger Str. 22. Bar'cke 3. Atemübungen. Tenor» und SoproNft'mmen stnd noch erwünscht.— Photo. gemeiuschast: Montag. ZI. Januar. �8 Uhr. im beim Edertoltr. 12 Ausräumung des ffehlerorchivs.— Naturwissenschaftliche Alirilnag: Moirtaa. Zl. Iaimar, 8 Uhr, im Heim Stralauer Str. K Genoite Schulz:„Technik der Urzeit", mit Lichtbildern.— Abt. Welding: Sonntag. 30. Januar. Bernau— Liepnitztee. Treffpunkt 1 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen.— Abt. Lichtenrade: Montag. ZI. Januar, 8 Uhr. bei Lentz. Kaiser-Wilhelm-Str. 73,„Allgemeine Geologie".— Abt. Schonclerg: Montag, 31. Januar. 8 Uhr. im Heim Hauptstr. 1«.Au» ver» schiedenen Zeitschriften".— Abt. Steglitz: Montag. 31. Januar 3 Uhr. im Leim Knicphof. Ecke Jever Stvssse„Ferdinand Lassalle".— Abt. Neukölln fIugend. gruppe): Freitag. 28. Januar, 8 Uhr, Im Leim Kopfstr. K>„Das Schmutz» und Echundgeietz".— Abt. Pankow: Sonntag. 30. Januar. Bernau— Hellsee. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Paniow-Schönhgusen.— Wintersvortabteilung: Sonnt?«. 80. Januar, bei«ünssieen Schneeverbälinissen Fahrt noch Dahmsdorf-Münche- berq. Abfahrt K.SS Uhr Schlessfcher Bahnhof. Montag im Bezirksamt Porck» ftvesse 11 Lichtbivierportiag:„Unsere Reinerz.Fahrt".— Gefunden: Bei der Bei» anstaltung in Hennigsdorf am 23. Januar«ine Damenhandtafche mit Inbalt. Gegen Ausweis beim Genossen Stiller. Driesener Str. 23, abzudolen. Wehlfahrt und Wirtschaft vorkrsstsreihe. veranstaltet vom honptavbtchvst für Arbeiterwohlfahrt Berlin 8VSl.Vell--Allioace.Vloh» Freitag, den 28. Januar: 2. Vortrag:.Zsk mnfwtsvslege pwdvMmssSrljemv?'' Referent: Dr. Prell er, Berlin. Der Vortrag findet im Saal bell HauptaesundbeitSamtZ. Berlin. Fischer- strahe gg/42> 1. Elage. jeweils abends um 8 Ubr iiatt. Eintrittsgeld S0 Pfennig für den Vortragsabend. Arbeiler-Radfahrer-Lund«Solidarität'. l>. Januar: Ortsgr. Berlin, t. Abt.: 2».. 8 Uhr. s, Hauptstr. 30/31. 30.: Glienicke a. d. Nordbahn. Touren sllr Sonntag. 30. Gesellschaftsbaus des Weitens. Start Blllowstr. ö«.— 2. Abt.: Strandschioss am Miiggesfe«. Start 1 Ubr. StrasseNbahn 87 bis Köpenick, Krankenhaus.— Bez. 2, Ortsgr. Schöneberg: Bormittags 10 Uhr Berkehrs- und Baumuleum. Trefipunkt Stubenrauchstr. b». — Ortsgr. EHailot enburg: Mufem für Mceresknde, Georgenftr. 34/31. Treff. punkt Sill Uhr Bahnhof Friedrichstrosse.— 1. Bezirk: Freilaa. 28. Januar, 7-4 Ubr. bei Büttner, Schwedter Str. Zg. Generalversammlung. Sonntag. 30. Januar. Bezlrkoausfahrt nach Glienick« a. d. Nordbahn iBoth. Wilhelm. ftrasse b). Start aller Abteilungen 1 Uhr an den bekannten Stellen. Athletik. NordWest gegen Köpenick. Freitag. 28. Januar. 714 Uhr, findet in der Turnhalle Zwinallstr. 37 der Mgnnsckmftskamvf im Ringen der Ligaklasse um die Kreismeisterschaft des AABD. zwischen obigen Bereinen stall. Mannschaftsriuftkamps. Freitag. 28. Januar. 8 Uhr. findet in der Turn» Holle Wrangelstr. 128 der fällig« Serienkampf um die Kreismeisterschakt des AABD. zwischen den Vereinen Lurich 02 und dar Spondauer Kraftsvort- Vereinigung statt.— Boxabteilung: Die Boxabteilung trainiert jetzt Montags .und Donnerstags 8—10 Uhr un�cr Leitung des Trainers Bruno Schmidt in der Turnball« Brombcroer Str. 13/14. AthIettk-SportNub E. B. Sonntag. 30. Januar, ab 10 Uhr. Waldlauf- training vom Fichteplatz Baumtchulenwcg au«. Di« Männerabteiluna trainiert jeden Montag ab 8 Uhr in der Turnballe de» Reafgumnastums am Treptower Ra!hausf Neue Krugolle« 7. Schwerathlc ikfport in Schöneberg. Der Sportklub Liberias hat ein« Ab- teilung für Schweralhtctitfport eröffnet. Uebungsabend« leben Dienstag und Frei tag 8—10 Ubr im Lokal Trev'ow Frankestr. 12. Nlnpkämpfe in Licktrnberg.Friedrlchsfelbe. Im Rahmen der Serienkämpfe des AABD. s4. Kreis) Dienst?», 1. Februar. 8 Ubr, in der T>rrnh?ss« Bürger- Heimstrosse in Lichtenberg der fällige Serienlampf um die Kreismelsterschaft im Ringen der A.Klasse zwischen den Bereinen SpBg. Lichlenberg.Friodrichsfeid« 04 und SpC. Libertas-Charlottenburg. Wassersport. Pichelsberger Ruder.Sesellfchaft 1914®. v. Sonnabend. 29. Januar. 7 Ubr, Generalverfrmmluna im Lokal Bobn«, Eharlottenburg. Schlossstrasse. Frei« Ruderuerriniguug 1913 e. D. Sitzung beute 8 Uhr im.Falkensteiner". ffalkenfleinskrasse. Portrog:„Interesse de» Sport» an den Gewckrkschafts. beftteduneen". Bassinrudern seden Sonnabend 3— 8 Uhr. Anfragen an Max Brandt, Lichtenberg, Wilhelmstr. 3. hockeyresullale vom 23. Januar. Die Frei« Turnerschaft Gross-Berlin-Norien II 1 unterlag auch im Rück- spiel gegen Arbeiter-Turnverein Pankow 11:3. Durch Etsatzeinstellung äusser- lich stark«schwächt. aeZang es Berlin immerhin, da, Spiel bi» zur Baust! offenzuhalten und kurz nach der Halbzeit dos erst« Tor zu schiessen. Sckiliesslick» mussien sie ssch dem äusserst flotten Tempo der Pankower beugen und fünfmal in der letzten halben Stund« den Ball zur Mitte geben. Bei einigermassen besserem Stehvermögen hätte da» Resultat leicht umgekebrt sein können. Di« zweiten Mannschaften beider Vereine trennten sich 3:4 für Gross-Berlin» Norden II. Der AtdlrtikgZportklub 1 unterlag aeoen die Freie Turnerschaft Schönbolz 2: 4 und Schönbolz III imterlag gegen ASE. II 1: 12. Bon deUr Spiel SvV. Fichte-West gegen Freie Turnerschaft Eborlottenburg war kein Resultat erreichbar. Lichtenbera-Sportler I gewann gegen SvB. Fichte 12 l tederzcit sicher K: 0 und Schmargendorf gegen Lichtenberg 2 18:2. In einem Gesellschastosplel trennten sich Frei« Turncrschaft Gross-Berlin-Wilmersdorf 1 und Lichtenberg 2 N 3:8: immerb-n ein gutes Zeichen der Wilmersdorfer. welch« erst»um zweiten Male ein Spiel austrugen, dass sie im Kommen sind. Es wird nochmals der Wunsch bekanntgegeben, alle Resultat« au den Sport- «Nossen Woaener, Tel. Lichtenberg 3203. noch bis zum Sonntag abend durch. zugeben._ Verschiedenes. Achtung, Sckachfreuude Siemeusstadtl Die erfolgreiche Werbesero nflaltuna des Arbeiter-Scharf rlubs Spandau am 14. d. M. hat zablreich« Meldun«n zweck» Gründung«ine» Arbeiter-Schachkluds in Sirmensstadt zur Fofge gehabt. Am 31. Januar. 3 Uhr, findet im Lokal zum„Rheinländer". Siemen». Eck« Serzftrass«. die Vründungsversgnnnlung sowie der erste Spirlabend statt. Gäste sind immer herzlich eingeladen. Aebeiter-Sport. und Kuituekartrll. Pankow: Sonntag. 30. Januar. Be- sichtigunq der Konsum oeitossenschaft. Treffpunkt 9 Uhr Rinabohnbof Schön- hauser Alle«.— Eharlottenbu'g: Kartellsitznna im Lokal Kaiser-Friedtich-Gtr. 94 Mittwoch. 2. Februar, 7-4 Ubr.— 6. Bezirk: Montag. 81. Januar. 8 Uhr. im Bezirksamt Kreuzbrrq. Porckstr. II. Ortsausfchusssitzung. Mitglieder de» Arbeitsausschusses-Inn-48 Uhr.— Reukölln: Montag. 31. Januar.-48 Uhr, im Restau- rant„Bergschlosshöhe", Karlsgarienstrasse, Kortell-Genetalversammlung.— SchZueberg-Frjcdenau: Dienstag. 1. Februar, 8 Uhr, Delegierte nsitzuna bei Lehmann. Fritz-Rrutcr-Etr. 8. Arbeiter-Rabfahrrruerei»»ross-Berliu. Sonntag. 30. Januar. 1)4 Uhr. Wannse«. Restaurant Reichsadler. Start Daldcmarsttasse Eck« Marrannenplatz. Gäste willkommen. «heiter.Samaeiter.Bund e. B. Kolonne Reinickendorf: Der für Sonnabend. 29. Iannor. angesetzt« Kursus findet statt im Lokvl Böhm. Scharnweber- Ecke General-Barbn-Strasse. 3-4 Uhr. Am Donnerstag, 3. Februar. Mitglieder» Versammlung im Seebad Re'nickendorf-Ost. 7-4 Uhr. Frei« Sportler Johannisthal 1897. Alt. Schützen: Sonnabend. 29. Januar. 1% Ubr. Sitzung bei Bothg. Stubenrauchstr. 13. Sonntag, 30. Januar. 10 Uhr. auf dem Sportplatz hinter den Wasserwerken Schlessüdun« mit Ken neuaelaufirn Gewehren._ Gesthastliche Mitteilungen. Wintergarten! Edmonde Gütz mit ih'em Partner van Dllren kommt wieder nach Berlin und bildet als Liebling des Berliner Revue- und Barietspublikum, den Star des Februarprogromms mit neuen entzückende k> Darbietungen. Diese« Programm dringt ausserdem eine aussergewöbnilch« Zahl völliger Neuheiten für Berlin._ wekierbericht der Sffentstchcn ZVeNerdlenststelle für Berlin und Umgegend. /Nachdruck veib.) Weitere Mildetung. wcchtelnde Bewölkung ohne erbeb- liche Niederschläge.— Für l-enlschland: Nur im Südosten noch leichter Frost. Sonst weitere Milderung. Nur strichweise In Süddeutschiand leichte Regenichauer. Wenn Ihre Verdauung gestört ist, nehmen Sie einen Haiben Kasfeelösfel Biierirte Magnesia in etwa» Waiier noch dem Essen ein. Bei fast alle» VerdouungSbeickwerden tritt ein Uebermay von Säure im Magensast auf, welches Sodbrennen. Blähungen, saures Aufstoßen und so viele andere Unbehagen im Magen verursacht. Biserirte Magnesia neutralisiert die schädliche Wirkung de? UebermaszeS von Säure schnell und schmerzlos, ISHt alle Reizungen des VerdauungsopparatS verschwinden und heilt selbst chronische Magenkraiitbeiien. Biierirte Maanesia ist� in allen Apotbelen zu d�ben. Völlige Befriedignng wird gewährleistet oller da» aezahlie Geld zurficherstatle». Wichtig k Biserirte Magnesia wird in drei veischledene« Verpacknngsgrößen gel eserl: in pnlver- und lablellensorm zu M.>.30 da» JlSjchchen ui d In giSheren Aia'chen mit Pulver zu Ai. 3.10 die Zlgsche. forzc/lan 9Jos- Ä Kunst Wanw# Seyn »tdnde VEPlANGCN SIC SOMPERANGtBOTI Wäscht Hellt»<<1*ad\ ,. tMenhenf*. f.'Vvdimtn � Zinnch- cro/ u jt-- Ii• iiI 1 lunqtn tocköfm MW )add€itsi,&€9 t Berlin. 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Stuhlverstopfung, hämorrhoiden, ZuckerkrankheitNervenerkrankuni Kopfschmerz, Schwindel, Schlaflosigkei Ademverkalkang, Lungenleiden un oflene Beine ist zu empfehlen Stern- Engel-Tee Giftfrei, D.R.Patent geStgesch. Bewährtes Harnsäurezersetzungs- und Ausscheide- Mittel. Aerzlllcb erprobt und empfohlsal Auf die der Krankheit entsprechende Mischung wird besonders aufmerksam gemacht Zu haben in.den meisten Apotheken. Direkte Bezugsquellenangabe u. Beweismaterial durch Sternengel- Tee- Groll- vertrieb, Bad Schandau-Elbe. lÄEBm Der neue Stern am Himmel der Hausfrau: Suma weist Ihnen einen neuen, besserenWeg zur Pflege Ihrer Wäsche. Suma isf wirksamer als bloße Seife und besser als jedes Seifenpulver; es löst allen Schmutz und wäscht vollkommen weiß, ohne jede chemische Einwirkung. Die Stoffe bleiben wie neu, auch wenn sie hundertmal mit Suma gewaschen sind.. 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Reichsbahn und �rbeitsbesthaffung. Die Arbeiterentlassungc« vertagt. Anschluß«m die Besprechungen zwischen dem Reichsurbeits- mmisterium und Reichsbahn über die Fortführung und Er- Weiterung der Arbeitsbeschaffung, hat sich die Reichs- bahnhaupwerwaltung nunmehr entschlossen, alle zirr raschen Be- lebung des Arbeitsmarktes geeigneten Austräge baldigst herauszu- geben. Mit Hilfe der neu zur Derfügung gestellten Mittel wird die Bestellung von 200 Lokomotiven, 1000 Personen- wagen und 2000 Güterwagen ermöglicht. Darin ist die elektrische Ausrüstung der Streck« München— Kufstein, München— Freilassing und der restlichen Münchener Vorortstrecken eingeschlossen. Infolge der mit der Winterszeit verbundenen Erschwerung der Lebensbedingungen will die Reichsbahn-Hauptverwastung mit dem Abbau des Werkstättenpersonals— bekanntlich etwa 5500 Mann im Jahr« 1S27— nicht vor dem 1. April beginnen. In der Hauptverwaltung der Reichsbahn scheint man endlich zu begreifen, daß die Eisenbahnergewerkschaften die gesamt« öffentlich« Meinung auf ihrer Seite haben und daß es nicht angeht, daß ein Reichsunternehmen sich in Gegensatz zum Reichstag und zur Oeffent- lichkeit stellt. Wir wollen daher hoffen, daß sich die Haupwerwaltung den beabsichtigten Abbau bis zum April nochmals überlegt. wo bleibt die SaupolizeU Ammer wieder Gefährdung von Menschenleben. Von der Bauarbeiterschutzkommission wird uns geschrieben: Ecke Koch- und Ierusalemer Straße führt der Unternehmer W. Schulze, Weißensee, den Abbruch des Hauses aus. Die Abbrucharbeiten werden ohne ledes Schutzgerüst für die Arbeiter ausgeführt.'"An der Vorderfront des Hauses ist nicht die Spur eines Schutzgerüstes vorhanden. An der Hinterfront befindet sich in der Höhe der. ersten Etage ein Schutzgerüst, das auch nicht im entfernte st en den Anforderungen der Unfallver- hütungsoorschriften entspricht. Ueberhaupt sind die Zustände auf dieser Abbruchbaustelle derartig, daß man sich fragen muß, ob keine Baupolizei vorhanden ist, die hier energisch eingreifen müßte. Bei Befragung eines Arbeiters, ob denn hier noch kein Baukontrolleur gewesen wäre, wurde uns erklärt:„Ja, ein solcher war schon mehr- mals hier, e r hat auch Schutzrüstungen verlangt. Gc- schehen ist indessen bis heute noch nichts. Diese Baustelle gehört, sowie! uns bekannt ist, zum Bezirks- bauomt Kreuzberg. Mit diesem, haben wir allerdings schon recht trüb« Erfahrungen gemacht, so daß das Vertrauen der Arbeiterschaft zu der Leitung dieses Bezirksbauamtes Kreuzberg. das uns als äußerst reaktionär erscheint, völlig geschwunden ist. Indes, wir fragen, wo bleibt die Zentrale der Baupolizei? Hat denn die Leitung der zentralen Baupolizei keine Macht, das störrische Bauamt Kreuzberg anzuhalten, daß es sein« Pflicht in bezug auf den Bauarberterschutz erfüllt? Oder will die zen- trale Leitung hier nicht eingreifen? Sollen erst wieder der Lieder- lichkeit auf der Baustelle Menschen zum Opfer fallen? -Die öuchmacher-finoestellten wehren sich. Achtzig Prozent ihrer Stellungen sind gefährdet. Die kaufmännischen und technischen Angestellten des Buch- machergewerbes hielten am 26. Januar in den Residenz-Festsälen eine glänzend besuchte Versammlung ab. Den Anlaß hierzu bot SozllHiMe Meilerjlipii SraB-Betiin Sonnabend, den 26. Februar, abends V!* Uhr. in der Aula des„Friedrich-Realgymnasium", Aliltenwalder Straße 34-37 {Funktionär-TcrfaminUitig Karl Hein tz-Dien, Vorsitzender der Sozialistischen Zugendinternationale, spricht über das Thema: ..SozivliMe Jugend u. soziMWe mtetinlenm onoie" BW Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!*WS ein von der Zentrumsfraktion des L a n d t ag»- ein- gebrachter Antrag, bei dessen Annahme zwar die im Reben- beruf als Gehilfen der Buchmacher tätigen selbständigen Gewerbetreibenden(Zigarrenhändler, Restaurateure usw.t neue Konzessionen erhalten würden, der übergroße Teil der im Gewerbe beschäftigten Ange st eilten jedoch seine Stellung verlieren würde. Bei der besonderen Lage dieses Gewerbes können nur größere, leistungsfähigere Betriebe überhaupt Personal be- schästigen, dessen Löhne und Gehälter von kleinen Unternehmern gar nicht getragen werden könnten. Es war daher ein Akt bs- rechtigter Notwehr, daß die Arbeitnehmer des Buchmachergewerbe? die nachstehende Entschließung einstimmig annahmen: „Die kaufmännischen und technischen Angestellten des Buch- machergewerbes erklären: Der Urantrag Nr. 4660 des Zentrums vom 11. Dezember 1926 ist in seiner Ausführung eine Gefahr für die kaufmännischen und technischen Angestelllen im Luchmachergewerbe. Seine Annahme würde bedeuten, daß automatisch bei vorgeschlagener Verringerung der Annahmestellen der Buchmacher die kaufmännischen und technischen Angestellten der Arbeitslosigkeit überant- wartet würden. Noch Lage der Sache sind sich die kauf- männischen Angestellten darüber klar, daß die Gehilfen diese Entlassenen in ihren Geschäften nicht aufnehmen hönnten. Auf Grund dieser Sachlage erheben die Versammelten Einspruch gegen die Annahme dieses Antrages Nr. 4 6 6 0 und ersuchen das Parlament dringend, im Interesse der An- gestellten den Antrag abzulehnen. Es kann nicht Wille und Sinn der parlamentarischen Gesetzgebung sein, bereits bisher gut b e- zahlten Doppclexistenzen eine Vermehrung ihres Ein komme ns zu bringen, wenn dadurch Hundert« von kaufmännischen und technischen Angestellten brotlos werden sollen. Die Annahme des Antrages würde unzweifelhaft 80 Proz. aller kaufmännischen und technischen Ange st eilten arbeitslos machen, ohne daß auch die geringsten wirtschaftlichen Gründe für eine solch« Maßnahme vorliegen. Im Gegenteil, auf Grund der praktischen Erfahrungen als kaufmännische und technisch« Angestellte erklären die Versammelten ausdrücklich, daß auch nach ihrer Auffassung das Buchmachergewerbe nur existenzfähig ist, wenn es auf breitester Basis aufgebaut und betrieben wird. Sie bitten ihre Organisationsvertreter im Landtag nachdrücklichst, bei allen Parteien, in denen Arbeitnehmer ihre Vertretung finden, darauf hinzuwirken, daß die wirklichen Tendenzen dieses Antrages bekannt werden." In dieser gefährdeten Situation können die Arbeitnehmer ihre Interessen nur dann vertreten, wenn sie sich in starken Gewerk- schaften zusammenschließen. Die Vertreter der in Frage kommenden Verbände, des Zenirolverbandes der Ange st«Ilten und des Deutschen Verkehrsbundes, wiesen mit eindring- lichen Worten auf die derzeitige Notlage hin, die nur durch g e- werkschastlichen Zusammenschluß beseitigt werden kann. Di« Ausführungen fanden reichen Beifall Eine große Zahl sofort vollzogener Beürittserklärungen bewies, daß die Versammelten sich der notwendigen Konsequenz bewußt waren. Es wird jetzt die dringlichst« Ausgabe der organisierten Arbeitnehmer des Buch- machergewerbes sein, sich für die gewerkschaftliche Erfassung der gesamten Kollegenschast einzusetzen. z-geadgrupp« t*t tzdA. öcutü. lsreitaa, 7Zz Uhr. kinhen kotarnde Dn> onftoltunffit statt: Osten: guflcntticim Graste frankfurter Str. tS(Zimmer 8t. Seiterer Abend.— Südwest guacirdheim Bcllr.All ancc-Str. 7/10. Vorir..«:. „Sucfltftion und Snpnofc"(Säbidc).— Spandan: Iuaenddeim Linbenuscr 1. Slor'ma:„frcidenkcrtum"(Lanae).— Lichtrnbrra: Juaenbheim Parkaue 1». Ewfllhruna in das(Sdtachspicl. � freie Gewrrlschaftsjustend. Seut«. freitaa. 7Zz�Uhr. tauen de- Gruppen: Ober jcköaeioeide: Eruprenhcim gurrndheim Laufener Str. 2(Roter Saal). MarcelaSaI,er.Abend.— Kermannplast: Grupprnheim IuflenMieim Sander- strastc 11. Elte SobreckUNraste. Voriraa:„Bursche und Möbcl in der Iustend» brwermna"— Zepprlinplest: Wir»eben mm Lichlbilderportrap des Bezirksamt» Weddinp:.Mensch und Maschine".—«cddina I: Wir«chen Mr VeranstaUnnq des VoiksdildunrsanUes Weddina, Grlinthnlcr Str. 5.— stnltnrabteilnna de» Deutschen Mctalia-btjtc ve, bände«: Linienstr. 197 filmoorführunaen: 1. Im Winter auf dem Srostalvckncr. 2. Vom Wasscrtropfcn zur Turbine. Z. Sa» gettenwaizwerk. i. felir p erführt die Sühner.' Achtunp, Zimmerer! Wir«eben hiermit folgende Bezirksperfammlungen b«- kennt' Am frritaa taeen die Bezirk« M und 81 um 7 Uhr. Sonnabend. 29. Januar,«aacn die Bezirke 2. 4. 5. 7, 9-12. 14, 16—19 21, 23-23, 27, 29, 31. 32 36 37, 40, 41 und 46 um 7 Uhr. Am Sonntaa, 60. Januar, t'at der Dezilk 6 UNI 10 Uhr pormitlaps und der Bezirk 22 um 3 Uhr nachmittae» in den bekannten Lokalen. Vcrbandskameraden. aqiiirrt für«Uten Besuch der Ver» fammlunaen. Zcntraloerbond der Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Berlin u. Umg. Zeztila- beiter! Am Montag 31. Januar. 7 Uhr, im Saal 1 des Berliner Gewcrkschrfishauses, Gnqelnscr 24/23, Iahrc-pcrsammluna der Berln'itunq Berlin. Kasten, und Iohrcshcrlcht. Neuwahl der Ortsperwalwna. Bericht Uber dl« Tarifbcwegungcn. Mitgliedsbuch legitimiert. Nur LEIPZIGE* STRASSE. ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE Men£cnab)(sbe-rorbebalten Sritches«Klf« UllMIMlIIIIlUIIIIIMIIMlIINNUINMUlllllMUiMININIIIMIIIIIINlMIIII»» Berliner Schlachthaueware Pa- Schweinekotelett..Pfand 1,28 Pa.Szhweinekamtnu Sctiuft,ii.B..Pii).1l18 Pa.Schweineschulterbl.o e.Pfd S8pt. Pa. Schweinebauch o. Beil.. fm. S6:'f. Pa. Kasslerkamm°. Speer, Pfd. 1,22 Pa- Eisbein gepOkelt, m.Spitzbein.Pld. 78 stf. Pa.Schmorflelsch Keule»Kr., pu. 1,10 Pa. Rouladen.:........... Pfund 1,20 Pa. Suppenfleisch....... Pfand 74Pt. Pa.Fehlrlppe u. Brust Pfand 84Pf. Pa. Gulasch gem., Rind, KalMchn. Pfd.»Ostt. Pa. Kalbskeulen iis9 pid.r. Blatt, pm. SO stf. Pa. Kalbsnierenbraten Plana SOn. Pa. Kalbskamm......... Pfand 74p<. Pa. HammelrUck.(dickeRippe) pid. 88 stf. Pa.Hammelrückcn...... stinnd S2sts. Pa. starke Liasen........ Pfand 78Pf. Pa.RUckenfeltbratf.durchgFi..Ptd. 88Pt. Pa. Schabefleisch........ Pmed 1,10 Pa.Kalbsschnltscl...... Pfand 2,20 Wurstwaren Speckwurst..... Piand 1,00 Hildesheimer.... 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c.» Unterhaltung unö ZVissen öettage des vorwärts /lm Ziel. Das Zentrum will, Sem vernehmen nach, allgemeine Sittgänge veranstalten, auf Saß ein gütiges Geschick ähnliche Siege in Gnaden von ihm abwenden möge! Die Zählung. von punlelejtncm Romanow. Al» die Viehzählung vorbei war. nach der man dann auf Grund der Fleischumlage einen TeU des Viehes einfach beschlagnahmt hotte, kam wieder irgendeine Kommission angefahren, beries eine Dorf- Versammlung und erklärte, das) es notwendig sei, die nichtschul- Pflichtigen Kinder in die Listen auszunehmen. Die Bauern standen herum in der dunklen verruhten Dorffchule und fchauten einander bedeutsam an. Wie denn da»? Kinder zählen!? Nicht zählen, sondern in Listen ausnehmen, antworteten die An- kömmlinge. Derselbe Zimt. Es wird immer schöner, sagte semand im Hintergrunde. Alle schauten sich unruhig um. Erst wersen sie sich aus da» Vieh, und jetzt machen sie sich schon an die Kinder heran. Wa» wird nun? Werdet ihr jetzt vielleicht auch die Kinder wegnehmen? tonte von hinten»ine höhnische Stimme. Die Kommission war über ihre Papiere gebeugt und reagierte nicht darauf. Wegnehmen oder nicht wegnehmen, auf irgend etwas müsien wir gefaßt sein. Die Listen sind wie folgt zusammenzustellen... sagte einer der Fremden, indem er ein Blatt Papier vom Tisch nahm und daraufschaute. Alle verstummten, horchten auf und schoben nach vorn, als ob sie Angst hätten, die Erläuterung zu versäumen. Bis zum S. Lebensjahr besonders, bis zum 7. Lebensjahr wieder besonder», und die anderen über das 7. Lebensjahr sind überhaupt nicht nötig! Verstanden? Alles schwieg.«' Uebrigens, wir werden auf den Höfen umhergehen und an Ort und Stelle ausnehmen, denn sonst würdet ihr Gott weiß was an- richten, so daß später sich der Teufel zurechtfinden mag. Ich erkläre die Sitzung für beendet. Gestatten Sie eine Frage, behufs welchen Zwecks ist dies dien- sich? fragte der Krämer, Mitglied de» Dorsrates. Behufs Materialsammlung für die pädagogische Statistik. Später werden dann schon neue Direktiven erfolgen, sagte der Mann mit dem Blatte, ohne den Krämer anzublicken, und legte die Papiere zusammen, wie ein Richter, der soeben einen unwiderruflichen Spruch gefällt hat. Wieder ein« Wegnahme... Wann wird da» einmal ein Ende nehmen? Ihr könnt gehen. Die Kinder sind gleich bereitzuhalten. Di« Bauernsrauen stoben mit verstörten Gesichtern aus der Schule und stürzten wie verscheuchte Hühner nach ihren Behausungen, so daß die vorbeifahrenden Bauern anhielten und beängstigt auf- schauten wie beim Sturmläuten. Ich bin so vor den Kops geschlagen. Weih gar nicht, wo ich ihn hintun soll, hört« man eine Weiberstimme aus dem Hofe. Man weiß gar nicht einmal, von welcher Seite man gebissen wird. Es vergingen kaum fünf Minuten. Die Weiber mit ver- rutschten Kopftüchern Uesen einander in den Weg, stürzten in die Hütten und schleiften etwas unter den Armen, an den Händen über den Hinterhos: al» ob e» gälte. Gut vor dem Feuer zu retten. Aus den Scheunen tönte laute» Wehgeschrei. Sie kommenl.... Di« Weiber stürzten wieder aus den Scheunen heraus, pflanzten sich auf den Türschwellen auf und erwarteten keuchend die Kam- Mission. Als die Kommission in Begleitung de» Krämers eingetreten war und die Listen auf dem Tische ausgebreitet hatte, erwies sich, daß dieser Hos kinderlo» war. Auch aus den nächsten Häsen war kein einzige» Kind vorhanden. Rur hier und dort fanden sich größere Linder von zwöls und mehr Iahren. Na, wie denn? Habt Ihr denn alle keine Kinder? Ja. wann sollten wir denn welche kriegen?.. Da war der Krieg und da... Und wer schreit denn da bei dir? Da« ist bei der Nachbarin, Väterchen... Weiß der Teufel, im ganzen Dorf hat keiner Kinder nicht.— Und woher rührt denn dieses Geschrei? Vielleicht sind sie au» dem Unterdors herausgekrochen, Väterchen. Man kam zur letzten Hütte und fand dort ein junges Weib er- schrocken aus der Schwell« stehen, da» unaufhörlich beteuerte: Er taugt nicht, Väterchen, ganz untauglich ist er... hebt die Hände nicht und hebt die Füße nicht. Wer taugt nicht? Wozu taugt er nicht? Ganz egal: jetzt ist er trank, er wird sich schon erholen... Diese, Brüderchen, sind nicht wählerisch, sagte semand, der schweigend der Kommission folgte. Und nur bei der Schmiedefrau ergaben sich ganze fünf Köpfe. Man ertappt« sie. wie sie aus der Diele saß und auf dem Kops de» Aeltesten herumsuchte. Erwischt... sagt« jemand vor sich hin. Man trug alle fünf ein. Das Alter gab an Stelle der Mutter die junge Nachbarin an, da die Echmiedsfrau selbst kein Wort vor- bringen konnte. � Und wo stecken Heine Kinder? fragte der Krämer verwundert ein andere» junge» Weib. Dies« warf ihm einen bäsen Blick zu. macht« ihm eine Faust unter der Schürze und sagte hastig: Ich hatte kein«, da» waren der Schwester ihr»... Merkwürdig, sagte der Krämer und zuckte mit den Achseln. Hier lohnt e, sich auch gar nicht zu schmieren, sagte einer von der Kommission und sah in die Liste. Die Kommission ging zum Krämer Tee trinken, und in den Scheunen ging wieder die Arbeit los. Etliche schleppten die Kinder- wagen wieder zurück, andere liefen hilflos in der Scheune umher und ander« wieder schrien ihnen zu: Wa« wühlst du da im fremden Flachs herum... Den Kleinen habe ich verloren, das ist e«l 0 Gott, Väterchen, hier habe ich chn doch hingetan. In einen Hausen hättet Ihr sie legen sollen. So ober stobt Ihr in alle Ecken und könnt sie nun selbst nicht finden. Hier, wem ist da» Kind? schrie man aus einer Ecke. Irgendein Weib stürzte dorthin, kehrte ober gleich wieder um ond winkte mit der Hand ab. Nicht meiner... Meiner hat ein« rote Zipselmütze. Auseinandergekrochen sind sie. Nun haben wir die Wirtschaft. Nur die Säuglingsmütter trugen ihre Last ruhig und blickten hin und wieder aus die herumtastenden Nachbarinnen. Kein Leben, sondern ein Zuchthaus! Da treibt man das Vieh zusammen, dort behält man die Kinder, so eine Drangsaliererei, sagte eine junge Frau mit dem Säugling im Arm. Ja, du Host gut reden. Du greisst deine Wieg« und fertig. Aber Hab mal zwei an den Händen, zwei am Rock und einen noch verloren. Aber diesmal haben wir's doch richtig gemacht. Von der Vieh- Zählung haben wir gelernt. In fünf Minulenl Ja, dabei hatten wir noch nicht gleich kapiert, sonst.... Alle waren zufrieden. Nur die Schmiedefrau saß bei der Wasserträgeresrau aus dem Rosen und heult«: Wieviel Kinder sie hatte, soviel hatte man auch aufgeschrieben, auf frischer Tat er- tappt. Ein Kreis stand um sie herum und betrachtete sie mitleidig. Ins Unglück geriet sie ohne Verschulden, sagte jemand. Das nächste Mal wird sie auf der Hut sein. Einen ganzen Haufen gebar sie. und glaubt«, so ist's schon recht... Nein, Brüderchen, die Zeit ist vorbei! Aber genau genommen, ist's mit den Kindern halb so schlimm wie mit dem Vieh damals. Kein Vergleich damit. Wenn diese auch sich verkrochen haben, ist's kein großes Unglück. Aber damals hast du einen jungen Bullen am Strick, und er versetzt dir eins von hinten, daß dir die Augen heraustreten. Mit den Kindern war es viel leichter. Und doch haben sie viel Vieh erwischt. Sie überraschten uns— kannst du dich da gleich herausfinden? Auf der Straße zeigte sich der Krämer. Alle, deren Kinder eingeschrieben wurden, sollen Sonnabend in die Stadt kommen. Alle schauten unwillkürlich nach der Schmiedsfrau. Und wa» wird dort sein?.., Von der Fürsorgeunterstützung empfangen für siebenjährige Kleider und Schuhe... Eine Welle blieb alles still. Dann spuckte jemand verärgert aus und jagte: So ein Leben, so ein verfluchtes Leben. Niemals triffst du das Richtige! Und die Schmiedsfrau wurde ringsumher beneidet: die einzige im ganzen Dorf, die sich nicht geirrt hatte. lUederl-Ouna au« dem Russischen von 0. Dadaoff.> Hankau. von Dr. Schuster, vormal, Leiter der Realschule in hankau. (Schluß.) Da die fremden Gebiete durchaus selbständige Gemeinden dar- stellen— die deutsche und russische Konzesston nur sind'jetzt voll- ständig unter chinesischer Verwaltung, und die Chinesen machen ihre Sache sehr gut!—, so bietet die Stadt ein heilloses Gewimmel von Baustilen au» aller Herren Länder: ein entsetzlich geschmacklose» deutsches Konsulat im indischen Palaststil mit schnörkelhafter Stukkatur, Kuppel und anderem Talmiprunk, ein deutsches Klein- stadlrathcms mit der Schule a la holländisches Bauernhaus, spät- romanisch« Versuche am französischen Gemeindesaol, die russisch- orthodoxe Kirche mit golden leuchtender Wölbung, die breiten Treppen und hohen Säulenhallen der amerikanischen Banken und die starren, kalten Bureauvillen der Engländer, wie sie sie unter- schiedslos von Aegypten bis Australien hinzubauen pflegen. Jede Konzession hat eigene Polizei: die Engländer schwarzbärtige, turban- bedeckte Shikis, die Franzosen kleine bewegliche Annamiten mit den Strohtellcrmützen und die Deutschen hochgewachsene Schantung- Chinesen, die auch heute noch nach preußischem Vorbild gedrillt werden und die man täglich mit Gleichmut und Gewissenhastigkejt den„langsamen Schritt' in ihren Sandalen üben sieht.... Das ist dos eine Hankau, die Stadt der Fremden, Reichen, der Herrscher. Diese paar hundert Leute sind die �Iongkweitz«', die weißen Teusel, in deren Taschen durch unerhörte List und Betrug der goldene Profit rollt: So denken, zweihundert Schritt« entfernt und doch durch«ine unüberbrückbare Kluft getrennt, die. Millionen Menschen der Chinesenstadt. Und blicken scheu und grimmig zu den Weißen auf, deren Auto sie in Staub hüllt, deren Kanonenboote trotzig und kampfbereit vor den Konsulaten ankern. Wie viele er- warten den Tag, da der erste Sturm die Gehaßten fortwirbeln wird wie Sand der Wüste Gobi? In den engen Straßen der Chinesenstodt reiht sich Laden an Laden. Reklamesahnen und Firmenschilder mit schönen Zeichen locken die Kunden. Handwerker Barbiere, Schreiber, Zahnärzte sitzen geduldig in ihrer Eck«. Musikamen, Bettler, Blinde, Mönche und Polizisten mischen sich bedächtigen Schrittes in die Menge, und in den Speisehäujern dampft der Reis. Ein Märchenerzähler, ein Bänkelsänger sammeln um sich lachendes Publikum. Aber wenn die Nacht kommt, die Läden geschlossen, die bunten Lömpchen und Fackeln erloschen sind, dann gehen Tausend« durch die Gasten und spähen nach einem freken Winkel: aus den Eisenbahnschienen, uNter Brücken, selbst an den Särgen draußen hocken sie, und Kranke und Verstümmelt« liegen als regloser Klumpen in einer Ecke im Straßen- kot. Unendlich ist die Zahl derer, die vergeblich aus Arbeit und Reis hoffen, die von Süden und Westen herbeigezogen sind, um an dem großen Hafenplatz ihr Leben zu fristen und nun Hungers sterben oder im Schnee erfrieren. Ueber zweihundert dieser Aermsten sand man an einem Ianuarmorgen des kalten Jahres 1W erfroren an der Eisenbahn Aber wen bekümmert dies bei einem lOO-Millonen-Volk? Als im Anfang 1923 die streikdrohenden Arbeiter der Hankau-Peting-Bahn zur Besprechung ihrer Lage im Freien sich versammelten, da ließ der damalige Beherrscher des Iangtse- tales, der General Wu-Pei-Fu, einfach mit einer Kanone in das Meeting hineinschieben. Wem schadete es, daß über 119 Arbeiter dabei totgeschossen wurden? Aber die Fremden fühlten ein merk- würdiges Zittern in ihren Gliedern, als nachts daraus Zehntausende von Chinesen demonstrierend durch die Stadt bis an die Konzes- sionen zogen, als diesen Tausend« von Menschen sich anschlössen, nackte, schwarze, blutleere Gestalten mit langem wirrem Haar, die rotslackernden Auges die Faust hinüber schüttelten. Gestalten, die jahrelang unter der Erde gehaust zu haben schienen und nun aus ihren Löchern gekrochen waren, nur um ihren Haß zu zeigenl Und Kinder sangen böse Lieder aus die Weißen, in deren Fabriken sie Geld verdienen mußten und müstcn: S bis 12 Pf. im Tage bei zehn- bis sechzehnstündiger Arbeitszeit. Ein Vertrauensmann des südchinesischen Sozialresyrmers Dr. Sun-Jatfen, der in Hankau als Arzt wirkte, tonnte mir beweisen, daß annähernd 3900 Kinder unter 12 Iahren in europäischen Betrieben beschäftigt wurden! Und wer vermag ihnen Unrecht zu geben, den mageren, engbrüstigen, skrofulösen Geschöpfen, die als letzten Broterwerb die Rickschah ziehen, die mit Groll an den Banken vorübertraben, die ihren Akttonären 64 Proz. Dividende verteilen können! Europa» Schuld(und nicht minder die Amerikas!) steht groß und deutlich vor uns: die Fremden haben ein glückliches, stilles und sich selbst genügendes Volk geknechtet und In ihre Wirren hin- eingezogen. Als Herren und Unterdrücker haben sie eine ungleich ältere und höhere Kultur verachtet und versucht, durch Militär und christlich« Misston umzustoßen. China hat längst selbst empfunden, daß sein altes Staatsgebilde modernisiert werden muß. Aber nicht als Freund« haben die Europäer dem gelben Bruder die Hand gereicht, sondern man hat sie als Barbaren herabgewürdigt und zum Beutetier erniedrigt. China hat mit Gleichmut das Un- möglichste ertragen. Wußte es doch aus seiner langen Geschichte, daß man sich der Weißen«ine» Tages auf ebenso schnelle Weise erledigen wird, wie das Reich alle schädlichen Fremdkörper stets überwunden und beseitigt hat. Und heute scheint dieser Zeitpunkt gekommen zu sein. Man überschätzt leicht den Einfluß des Bolsche- wismus, wie e° besonders die Engländer tun. Hier in Hankau zeigt sich deutlich, wie(neben einer kleineren Gruppe Radikaler) der Fremäenhaß In allen Kreisen der Chinesen wächst und steigt und in immer stürmerischerer Brandung an die Pforten der Konzessionen pocht. Hankou ist der Nerv de« fremden Handels und Gewinnes, die Hauptstadt des ganzen reichen Hinterlande» von Schanghai. Fällt Hankau, so ist das Schicksal oller fremden Konzessionen, denen allerdings niemand mehr eine lange Lebensdauer verspricht, ent> schieden. England wird sich hüten und zu ernsteren Demonstrationen greisen. Die Zeiten dafür sind in China gottlob vorüber. Und Hankau. dessen Konzessionen heute vielleicht schon aufgegeben sind, wird der Ausgangspunkt fein einer Erhebung des chinesischen Volkes gegen seine Unterdrücker und Ausbeuter. Hoffen wir, daß die fremden Mächte Einsehens genug besitzen und Blutvergießen vermeiden in dem Kampfe, den ein altes, liebenswertes Kulturvolk um seine Würde und Freiheit im Bewußtsein seines Rechtes führt!
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