Nr. 52 ♦ 44.?ah?g. Ausgabe Q Nr. 27 Bezugspreis. SBSäentlid) 70 üfcnnt«, monatlich äleidismatf voraus»abIdar. Unter Strembanb für DrutildtanS. Donua. Saar, and Memeiardiet. Lelirrreich Litauen� enrcmdur, 4S0 Reichsmark,«ür da» übrl«, Anstand bM Reichsmark vro Monat. Der»LormSris� mit der Mustrler» ten Tonntagsbeilage»Volk und Zeit� lowie den Beilagen„Unterballung und Wissen'.Au» der Isilmwelt', »lsreuenitimme'»Der Ziinder» freund'..Iuqend-BorwSrts' und .Blick in die BUckermelt' erscheint wochenlägljch»meimal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: «Sozialdemokrat verlla- Morgenansgabe Vevliner VolKsvlAkt �10 Pfennig) Anzeigenpreise: Die«inivaltiae Nonvarellle» »eile 80 Dkennia. Rcklameteil« Reichsmark.»Äleine Anzeigen' das fettacdruckie Wort 20 Biennig ktulSssso»wei ieitaedruckte Woriel, lebe» weitere Wort 12 Mennig. Stellenaeluche da» ersse Wort IZ Biennia>edcs weitere Wort l0 Psennia. Worte liber lü Buchstaben»äble» für»wei Warle. Arbeitsmarki kleile K0 Dscnnig. ikamilienantciaen iiir Abonnenten Keile«0 Bkennig. «»»etaen Mr die nächste Rümmer müssen bis klii Ubr nachmittags int Hauvtaelchäft. Berlin TW 08. Linden» ttrastess. abgegeben werden. Deöffnet von SV} Ubr trüb bis S Ubr nachm. Zentrzlorqan der Sozialdemokratifcben Partei Deutfchlands Reüaktion und Verlag: öerlin SW. öS, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292-297. Graes davongejagt. v. Kendel! zum Innenminister, Hergt zum Justizminifter ernannt. Die gestrig« Sitzung der deutschnationalen Rcichstagsfrak- tion, die um 5 Uhr nachmittags begonnen hatte, endete noch 14IO Uhr abends mit der Annahme des folgenden Beschlusses: Die deulschualionale Reichsiagssrekiion nimm! Kenntnis von der dem Herrn Reichspräsidenten abgegebenen gemein- semen verzichkerklärunq der Abg. hergt und Graes auf ihre RUnifterkandidaluren und von dem d r i n- genden Appell des Hern Reich» spräsidenten 0 n d i e A r a k t i 0 u, die solange sich hinziehende Regierungs- bildung nunmehr b a l d i g ft zu ermöglichen. Die.Fraktion beschloß im Hinblick auf diese Lage und die bereits früher erfolgte Ablehnung einer Kandidatur durch den Ab- geordneten v. Li»deiner- Wildau die bisherige Kandidatenliste durch Hinzufügung des Abg. v. K e u d e l l nach einstimmig angenommenem Vorschlag zu ergänzen. Eine Stunde später kam dann die folgende amtliche Meldung: Der Herr Reichgpräsldenl hat auf Dorschleg des Reichskanzlers Dr. ZN a r x den Stcatsmiuisker a. D. H e r g t. Ul.d.ZL. zum Reichsinstizminisier und Stellverlret er des Reichskanzlers und den Landral a. D. Dr. v. K e u d e l l, RLd.R.. zum Reichsminisler des I a n e r n ernannt. Später noch wurde von WTB. offiziös gemeldet: Der Herr Reichspräsident empfing heute nachmittag die Abgg- Gras w e st 0 r p. v. Goldacker. Hergt und Graes ü.Ingen). Die Abgg. hergl und Graes gaben dem tzerrn Reichs- Präsidenten die Etkiätnng ab, daß sie. um die bei deu übrigen Rrgierungsparleien erwachsenen Schwierigkeiten wegzuräumen. beide solidarisch ihre Fraktion gebeten hallen, von dem Vorschlag ihrer Dersan für die ZMaislerlisle abzusehen. Der Herr Retchrpräsident nahm diese Erklärung entgegen, dankte beiden Herren sür ihre selbstlose und sachliche handiung-wcisc und be- tonle hierbei, unier Hinweis auf die irreführenden Pressemelduagen der lehlen Tage, daß er selbst keinerlei Bedenken gegen dt: Person und Eignung der beiden bischer von der dentschnationaleo Fralliou für die Possen des Reichejustizministers und des Reicheiinanz- minl kers vorgeschlageneu Kandidaten vorzubringen gehabt halte. Der Herr Reichspräfldenl schloß hieran das Ersuchen an den Grasen Veslarp als den Vorsitzenden der deukschnalionalen Frakllon, nunmehr alsbald eine die endgültige Zusammen- stellung der Reichsregiernng ermöglichende Eni- schliehuag zu fassen; er hasse, daß, falls hierbei etwa ei n e r der beiden bisher vorgeschlagenen Kandidateu in Frag« kommen sollte, der eben erklärte Verzicht dann kein Hindernis bedeute und richtete einen eulsprechenden Appell an die beiden Herren. * Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat also be» schlossen�wie hier vorausgesagt worden ist. Es mutz eine hübsche Sitzung gewesen sein! Als die deutschnationalen Ab» geordneten um �Iv Uhr, nach viereinhalbstündigen Verhandlungen. das Fraktionszimmer verließen,- verhielten sie sich schweigsam, aber ihre Gesichter sprachen Bände. Schade, daß kein Photograph da war, um die Züge des vor Wut schäumenden Graes aus der Stelle festzuhalten! Vor der Sitzung hatte der Reichskanzler Dr. M a r x noch einen Brief an Westarp gerichtet, in dem er auseinander- setzte, daß Graes als Iustizminister schlechterdings unmöglich sei. Die Deutschnationalen waren dann in ihrer Not noch einmal z u h i n d« n b u r g gelaufen, von dem sie, wie aus dem offiziösen Bericht erhellt, auch keinen anderen Rat er- hielten als den, mit der Komödie«Mich Schluß zu machen. So kam es, wie es kommen mußte..„Die Deutschnatio- nalen bleiben fest!" hatte hugenbergs lltachtausgabe in großen Lettern oerkündet. Ein paar Stunden später lagen sie schon. Die ungeheure Blamage, die sie sich zuzogen, haben sie sich selber zuzuschreiben. Sie hätten es sich zuvor überlegen sollen, daß die Nominierung eines Graes für die anderen Koalitionsparteien eine Herausforderung bedeutete. Nach- dem dieser Mann durch den Einspruch der anderen öffentlich disqualifiziert war, konnte sich das neue Kabinett keinen Augenblick mit ihm sehen lasten. So blieb den Deutschnatio- nalen tatsächlich nichts anderes übrig, als entweder auf Graes oder auf alles zu verzichten. Der Macht zuliebe. die sie mit allen Mitteln erstreben, opferten sie den Mann. Nun hatten hergt und Graes dem Reichspräsidenten ihren Verzicht erklärt, aber diese Kandidatenliste ist nur um einen Namen, dem des Herrn v. K e u d e l l, ergänzt worden Offenbar ist der Verzicht hergts nur deshalb er- folgt, weil man die Isolierung Graefs nicht von vornherein in Erscheinung treten lasten wollte, hergt ist nun richtig auf das Justizministerium abgeschoben worden und wird zum Trost Vizekanzler, v. Keudeu, den man beim besten Willen nichl zum Iustizminister machen konnte, zieht in das Innen- mtnisteriu'il ein. Der neue Innenminister ist 43 Jahre ait. Rittergutsbesitzer im Kreise Königsberg(Neumark), wo er bis 192t) Landrat war, Vorstandsmitglied des Branden- burgischcn Landbunds und Ehrendoktor der Forst- akademie Eberswalde. Im Reichstag, dem er seit Dezember 1924 angehört, ist er bisher durch Intelligenz nicht aus» gefallen, wodurch er sich— offenbar zu seinem Vorteil— von dein unbeliebten v. Lindeiner-Wildau unterscheidet. Die„früher erfolgte Ablehnung einer Kandidatur durch den Abg. v. Lindeiner-Wildau" ist eine ziemlich dunkle An- gelegenheit. Mit der Ernennung Keudells und hergts ist die B ü r- gerblockregierung komplett. Die Deutschnatio- nalen haben es geschafft und— knirschen mit den Zähnen. Die Volkspartei ist wütend, weil sie ein Portefeuille verloren hat und gibt wegen der drohenden kulturpolitischen Gefahr Notzeichen. Das Zentrum bewaffnet sich gegen die drohende politische Reaktion mit dem Badener Köhler. Und die Deutschnationalen verklagen einander vor Gericht. Ein schöner, ein vielversprechender Ansang! Wir sind mit ihm zufrieden. Es müßt« doch mit dem Teufel zugehen, wenn es der Sozialdemokratie nicht gelänge, mit d e r Gesellschaft fertig zu werden! veutjcher Gruß an hinöenburg. Herr v. hindenburg läßt erklären, daß er selbst gegen Graes keine Bedenken vorzubringen gehabt hätte. Immerhin hat der verunglückte Iustizminister-Kandidat bei ihm nicht die Hilfe gesunden, die sein« Anhänger erwartet hatten. Dieser Tatbestand gibt der„Deutschen Zeitung" Anlaß zur folgenden Kriegserklärung: „Man kann diesen Dargang nicht erschöpfend würdigen, wenn man das Verfahren des Reichsp.äsidenlen außer acht läßt. Dies ist heute nicht mehr zulässig, nachdem die Dinge so weit gediehen sind, daß der Reichspräsident sich durch die abgelehnte Ernennung des Herrn Graes unbestreitbar in Gegennh zu den nationalen Kreisen geseht hat. deren Vertrauensmann Herr Graes ist.— G e r 0 d e einen solchen Mann weist der Rcichspräsident zu. rück— tut es auf den Einspruch des Herrn Marx, vielleicht auf Veranlassung des Herrn Stresemann, wahrscheinlich beider, entweder nicht oder falsch von seiner nächsten Umgebung unterrichtet. Wir können nicht glauben, daß der Reichspräsident nach der Art, wie feine Unterrichtung über die politischen Dargänge zustande kommt, sich ein Bild davon macht, was die Ablehnung des Herrn Graes letzten Endes in sich schließt: daß das Band zwischen ihm und den Getreuen, die ihm ihr vertrauen geschenkt, damit zerrissen werden mußte. Denn eine weitere Belastungsprobe scheint uns das ver. hältnis zwischen dem Reichspräsidenten»nd seinen Wählern nicht mehr zu vertragen." Dem Reichspräsidenten wird also von der„Deutschen Zeitung" sozusagen die Stelle gekündigt. Unverblümt wird ihm der Rücktritt nahegelegt, weil er dos Vertrauen seiner Wähler verloren habe. Man sieht, der„demokratische Ge- danke" macht bei d-n Deutschuationalen stürmische Fortschritte auf Kosten des sonst so laut oerkündeten„Autoritätsprinzips". Köhler über fein Programm. Sarisruhe. 31. Januar.(WTB.)' Reichsfinanzminister Dr. Köhler verabschiedete sich heute im Staatsministerium von den Der- tretern der Presse. Er hielt dabei ein« Ansprache, worin er nach Be- tonung seiner Anhänglichkeit an die badisch« Heimat aussührtee Ich glaube trotz allem, mich dem Rufe des Herrn R« i ch s p r ö- s i d e n t e n nicht versagen zu dürfen. In eingehender Aussprache mit dem Herrn Reichskanzler habe ich dabei betont, daß mir die Möglich- teit geboten ist, entsprechend meiner Gesamtauffassung auch in Berlin arbeiten zu können. Ich bin kein unbeschriebene- Blatt. Meine Reu- jahrsrede vor wenigen Wochen ist mein politisches, mein soziales und kulturelles Programm, dem ich auch in der Reichsregicrung treu bleiben werde. Denn ich bin auch kein welkes Blatt, das sich von jedem politischen Wind hin- und Herwerfen läßt. Feststehend auf dem Boden der republikanisch-demokralischen Slaatsaussassung, wie er in der versasiung von Weimar grundgelegt ist, werde ich die wirt- schastspolitischen und sozialen Grundsätze, die mir in meiner Amts- sührung im Lande Baden maßgebend waren, auch im Reiche zu ver- wirklichen suchen. Das arme notleidende Votk in allen Schichten soll in dem Reichsfinanzm. nister Löhler auch in Bertin seinen Fürsprecher haben.. Was ich Ihnen in dtesen sieben Iahren war und was ich bin, das werde ich auch bleiben, lind niemand, gar niemand hat ein Recht bis zum Erweis des Gegenteils an dieser nieiner aufrichtigen Gesinnung zu zweifeln. Ich habe im Lande Baden keinekiskalischeFinanzpolitik getrieben, sondern sie in den Rahmen unserer Gssamtw'rtschoft, unserer sozialen und kulturellen Entwicklung gestellt. Das wird auch in Zukunft nicht anders sein. Doch da» Gebot der Stunde sind nicht Reden, sondern Taten. Ich werde mein« Pflicht tun Leben Sie wohl und dienen Sie, die Sie an so hervorragender Stelle stehen, unserer badischen Heimat, wie mich ich in dem größeren Rahmen de« Reiches ihr immer treu bleiben werde Vonvärts-Verlag S.m.b.h., Serlin SM. 6$, Lindenftr.Z Postsche«Novto: Berlin 37 53«- BanNovt»: Bank der Arbeiter. Auaestevte« und Beamten Vallstr. 65: Diskouto-Hesclllchast. Dcpokitenkasse Livdenstr. 2» Schwarzblaue Kulturpolitik. Die kommende Theatcrzcnsur. Bon W 0 l f g a n g Heine. Der schwarzblaue Block hat schon lange seine Schalten vorausgeworfen. Das Gesetz über die Bekämpfung von so- genanntem Schmutz und Schund und das Gesetz über den Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten staminen im Entwurf aus der Aera des Deutschnationalen Schiele im Reichs- Ministerium des Innern. Beide sind neue Auflagen in an- derer Fassung der Lex heinze, gegen die wir im Jahre 1990 erfolgreich kämpften. Sie zeigen dieselben Parteien und teil- weise dieselben Männer in enger Verbindung, die schon vor 27 Iahren ihren haß gegen selbständiges, freies Schaffen in Kunst und Wissenschaft unter der Maske der Bekämpfung sittlicher Verkommenheit verhüllten. Gab damals das Zu- hälter- und Kupplerunwesen das Stichwort her, so diesmal eine pornographische Buchfabrikation und Mißstände im Theater und Film. Das Schmutz- und Schundgesetz war der Anfang: jetzt kommt die Fortsetzung: Das Gesetz zum Schutze der Jugend bei Lustbarkeiten, das geeignet und sulzer- lich auch bestimmt ist, die Wiedereinführung der durcb die. Revolution vom November 1918 beseitigten und durch die Reichsverfassung verbotenen Theaterzensur vorzubereiten. Auch jetzt wieder dienen allerhand totsächliche Uebel- stände als Borwand. Die Benutzung jugendlicher Personen bei Filmauf- nahmen und gewissen Revuen verdient ernste Aufmerksam- kett. Körperliche und sirtliche Gefahren können damit ver- bunden sein. Mit unbedingten Verboten kann man natürlich nicht einschreiten, denn die Ausbildung zum Tanz und für die Bühne muß früh beginnen und tann auch öffentlichen Auftretens nicht entbehren. Aber in der Tat ist Aufgabe des Staates, eine noch des Schutzes bedürftige Jugend auch vvr Ausbeutung und Verderbnis zu schützen.. Anders liegt es schon mit dem Besuch von Vor- führungen. Gewiß gibt es eine Menge Darbietungen auf der Bühne, im Lichtspiel, aber auch bei Sportkämpfen und auf Rummelplätzen, vor denen ernste Ueberlegung und geläuterter Geschmack die heranwachsende Jugend behüten möchte. Aber die davon drohenden Gefahren werden maßlos übertrieben, und hier schaut schon ganz deutlich aus dem sich pädagogisch und moralisch gebenden Graulichmachen die Ab- ficht hervor, Veranstaltungen abzuwürgen, die man aus ganz anderen Gründen nicht haben möchte, und sich nicht nur gegen den Besuch Jugendlicher bei solchen Darbietungen zu wenden, sondern sie überhaupt zu verhindern. Es ist wirklich nicht sehr wesentlich, ob ein junges Mädel im Theater eine etwas erotisch gefärbte Aufführung sieht: ich glaube nicht daran, daß jemand dadurch sittlich verdorben"wird. Das Leben zeigt viel ärgere Dinge als je die Bühne. Nicht nur der Jugend, sondern auch den Erwachsenen möchte ich wünschen, daß sie sich von Roheiten und Kitsch abwendeten. Das kann aber keine Polizei erreichen, sondern nur die all- mähliche Arbeit von Erziehung und Bildung zu höherem Ge- schmack. Man kann sich bei einem Volk, das Jahrhunderte lang daran gewöhnt worden war. bei höfischen Festlichkeiten und militärischen Aufmärschen die höchsten der Gefühle zu empfinden, nicht wundern, wenn jetzt an Revuen, die Pomp und Prunk anderer Art zeigen, oder an rohen Schau- stellungen der Kraft seine Augen weidet. Bei den Rummelplätzen ist das Schlimmste, daß ihre an sich kindlichen Veranstaltungen auch Rowdies, Berufsverbrecher und Dirnen anlocken, und die Jugend in ge- fährliche'Beziehungen bringen können. Aber auch hierbei muß man sich klarmachen, daß Polizei-Reglements erfolglos bleiben müssen, weil diese Berührungen in viel gefahrvollerer Weise täglich durch die Wohnverhältnisse der unbemittelten Voltsklassep hervorgerufen werden. Das Problem ist viel zu tief in die soziale Struktur unserer Zeit verwebt, um seine Fäden mit plumpen Polizei- fingern entwirren zu können. Das muß den Gesetzesmachern ganz gut bekannt sein, die doch wohl keine Idioten sind. Wenn sie trotzdem ein Polizeigesetz brutalster Art durch- drücken wollen, so stecken andere Absichten dahinter. Das Gesetz will der Bebörde äußerst weitgehende Rechte verleihen, über die noch zu svrechen sein wird, hier wie bei dem Schmutz- und Schundgesetz zeigt sich die partikularistische Tendenz: Das Reichsgesetz bestimmt weder diese Behörde. noch ihre Einrichtung und ihr Verfahren, sondern überläßt die Bestimmung den obersten Landesbehörden. Niemand könnte z. B. Bayern hindern, die Ortsgeistlichkeit oder eine unter ihrem Einfluß stehende Kollegialinstanz damit zu betrauen. Die Jugendämter sollen zwar gehört werden. aber in dringenden Fällen wird auch davon abgesehen. In welchem Fall kann man nicht die„Dringlichkeit" be- gründen?— Diese Behörde nun soll verpflichtet sein, den Besuch oder die Beschäftigung von Minderjährigen unter 18 Jahren bei öffentlichen oder nichtöffentlichen Lustbarkeiten, Schau» stellungen und Darbietungen aller Art zu verbieten, einzuschränken oder von gewissen Auflagen abhäygig zu machen, wenn eine Schädigung der s i t t- lichen, geistigen oder gesundheitlichen Eni- Wicklung der Jugendlichen zu befürchten ist. Das träfe private und öffentliche Konzerte und Tänze und alle Theater: nach der Fassung des Gesetzes aber auch wissen- schaftliche Vorträge, z. B. der Urania, und könnte zu einer deutschen Aufloge des amerikanischen Darwin-Verbots und Affenprozesses führen. Eine entsprechende Bestimmung soll für Lichtspiele gelten. Die gefährlichste Bösartigkeit der Bestimmung steckt nur in folgendem: Das Verbot ist nicht auf bestimmte Dar- bietungen. Lustbarkten usw. beschränkt, sondern kann über alle, auch die künftigen, auch die unschädlichsten, ja die sitt- lichsten eines bestimmten Unternehmers aus- gesprochen werden. Dadurch werden alle Theater und Film- bühnen, Vortragskurse, ja das Leben geschlossener Vereine, in denen Vorträge usw. stattfinden, selbst Familienfeste der Schnüffelei der Behörde ausgesetzt und völlig abhängig von ihr. Sie braucht nur zu behaupten, daß eine Gefahr- dung der Jugend zu befürchten wäre, denn das Gesetz sieht keinerlei Nachprüfung vor, ob wirklich eine solche Besorgnis begründet ist. Dem davon Betroffenen ist in dem Gesetz keine Verteidigung oder Widerlegung ge- stattet, keine Beschwerde oder sonstiges Rechtsmittel; die Behördcnwillküi ist unbeschränkt. Ich fürchte eine Knebelwirkung, namentlich von den „Auflagen". Dieses bedeutet nämlich, daß die Behörde For- derung'en stellen kann, nicht nur über das, was darauf ge- stellt werden soll, sondern w i e es geschehen darf; es gibt ihr die Möglichkeit zu jeder Einmischung in den Spielplan und die Regie, kraft der immer dahinterstehenden Drohung, nicht nur diese, sondern jede Veranstaltung des Unternehmers mit dem Iugendoerbote zu belegen. Das ist die P r S o e n t i v- Z e n s u r in verschlimmerter und ausgedehnter Form. Daraufhin kann die Behörde von jedem Vortrag, jedem Theaterstück das Manuskript for- dern und die Art des Vortrags bestimmen. Die Absicht ist ersichtlich: die Theaterdirektoren und Veranstalter von an- deren Darbietungen sollen die frühere Vorzensur zurück- sehnen, weil diese sachlich nichts Aergeres war, ihnen aber größere Gewißheit und Sicherheit gab. Konnte doch z. B. in Preußen gegen jede Anordnung der Zensur das Ver- waltungsftreiwerfahren bis an das Oberverwaltungsgericht eingeschlagen werden, was doch immerhin vor den ärgsten Mißbräuchen schützte. Eine noch gefährlichere Bedrohung freier geistiger Tätigkeit ist die Bestimmung des 8 7, wonach einer Person, die mehrmals auf Grund des 8 4 des Gesetzes bestraft ist, die Veranstaltung irgendwelcher Darbietung usw. a u ch f ü r E r» Wachsens verboten werden kann, und zwar mit Wir» kuna für das ganze Reich. Zu einer Verurteilung nach 8 4 genügt aber schon die verbotene Zulasiuna von Min- dcrjährigen zu einer Veranstaltung. Ein Buhnenleiter, Kabarettist, oder auch ein wissenschaftlicher Vortragsreisender, der in irgendwelchen reaktionären Winkeln des Reicks dem Iugendverbot unterworfen wird, und der zweimal schuldig befunden wurde. Jugendliche zugelassen oder durch un- genügende Aufsicht ihre Anwesenheit ermöglicht zu haben, könnte für das ganze Reich mit einem Sprechverbot belegt werden. Wir haben unter den alten Vereinsrechten erlebt, daß unerlaubte Zulassung Jugendlicher schon angenommen wurde, wenn der Veranstalter es nicht hatte verhindern können, daß jugendliche Zaungäste zuhörten. Von der Recht- sprechung kann man in dieser Richtung gerade heute alles Mögliche erwarten. Gar keine Sicherheit bietet der von der Kommission in 8 1 des Gesetzes eingefügte Satz:„Maßnahmen im Sinne der Absätze 1 und 2 dürfen wegen einer politischen, sozialen, religiösen, ethischen oder Weltanschauungstendenz a l s solcher nicht getroffen werden." Ein sozialdemokratischer Antrag, ein Verbot aus den genannten Gründen schlankweg auszuschließen, war zunächst angenommen worden. Darauf erklärte der Vertreter der Reichsregierung, damit wäre das ganze Gesetz„erledigt". Sofort sprangen ihm die Abgeord- neten Frau Dr. Lüders und Dr. cheuß bei. die sich auch große Verdienste um die Lex Külz erworben haben, und schoben das Wort„als solcher" ein, womit jeder Umgehung freie Bahn geschaffen wird. Die Strafandrohungen sind drakonisch. Gefängnis bis zu einem Jahre für verbotene Beschäftigung Jugendlicher, Geldstrafe bis löll M. oder Haft bis 6 Wochen für die Dul- dung des Besuchs, auch gegen die Mitnahme von Minder» jährigen. Das Recht der Eltern und Erziehungsberechtigten selbst zu entscheiden, was ihren Kindern schädlich ist. wird völlig ausgeschaltet. Es ist ein Symbol fürden neuen Rechtskurs und das, was er Deutschland bescheren wird, daß gerade dies Machwerk einer stupiden Unterdrückungsmanie an der Spitze einer Gesetzesarbeit stehen wird. Jahrzehnte- lang hat der chwarzblaue Block auf dem Geistesleben der deutschen Nation gelastet. Die Novembertage von 1S18 haben eine Befreiung gebracht. Jetzt sind wir wieder so weit wie vor dem Kriege. Und wieder wie 1900 muß den Kampf die Sozialdemokratie führen, von der Hans Delbrück schon damals erklärte, daß sie für die Freiheit der deutschen Kultur nicht entbehrt werden könnte. Deutstbnationale unter sich. Lindciner verklagt die„Pommers che Tagespost". Die„Pommersche Tagespost", das führende Organ der Deutschnationalen Pommerns, hat wie unseren Lesern schon bekannt, am Sonntag einen vehementen Angriff gegen den deutschnationalen Abg. v. Lindeiner-Wildau unter- nommen, von dem erklärt wird, daß er als Minister„für den ganzen nationalen Osten untragbar" sein würde und von dem behauptet wird, er habe selbst aus Konkurrenzabsichten den Widerstand gegen Graes in Szene gesetzt. Darauf antwortet nun Herr v. Lindeiner-Wildau mit folgender öffentlicher Er- klärung: Die.Pommersche Tagespost" bringt in ihrer Nummer 25 vom Sonntag, den 30. Januar, die ich erst in diesem Augenblick zu Gesicht bekomme, einen Artikel unter der Ueberschrift:.Eine starte Zu- mutung". Der Artikel trägt das Signum des hiesigen Per- treters der.Pommerschen Tagespost", de» Herrn S e r t o r i u s, der mir seit langer Zeit als hochachtbarer und ein- wandfreier Mensch und Journalist bekannt ist. Im Schlußabsatz diese» Artikels finden sich folgende Worte:.Wer an diesem Ränke- spiel— dem Kampf gegen die Bestätigung der von der deutschnatio- nalen Reichstagsfraktion vorgeschlagenen Ministerkandidaten— die Schuld trägt, wird sich bald herausstellen. Herr v. Lindeiner-Wilda» dürfte jedenfalls nicht sehr weit von jenem Klüngel zu suchen sein." Herr Sertovins hat mir erklärt, daß dies« Worte nicht von ihm stammen, sondern von anderer Stelle hinzugesetzt sein müssen. Ich werde selbstver- ständkich alsbald die geeigneten Schritte unternehmen, um diese unge- heuerliche Verleumdung der flrosrichterlichen Abvrleilung zuzuführen. Ich habe Grund zu der Annahme, daß meine Fraktion mich ebenfalls in geeigneter Weise dagegen in Schutz nehmen wird. Mir liegt in diesem Augenblicke lediglich daran, diese infam« und niederkrächllge Verleumdung vor der gesamten Oefsenilichkeit zu brandmarken. v. Lindeiner-Wildau, M. d. R." Aus dem Artikel der„Pommerschen Tagespost" und der Erwiderung des Herrn v. Lindeiner-Wildau erfährt man viel Interessantes. Erstens: Ein deutschnationales Blatt hält es auf Grund seiner Kenntnis der Verhältnisse für wahrscheinlich. daß deutschnationale Abgeordnete untereinander um ein Min ist er portefeurlle nrit den schmutzigsten Waffen kämpfen. Zweitens: Deuifchnationale Redaktionen unter- schieben ihren Mitarbeitern Meinungen, die sie nicht haben. Drittens: Es gibt deutschnationale Blätter, die„u n g e h e u e r- liche Verleumdungen",„niederträchtige Ver» l eu m d u n g e n" begehen, was aber von Deutfchnationalen erst bemerkt wird, wenn sich diese edlen Methoden nicht gegen Ebert, Scheidemann, Erzberger. Rathenau usw., sondern ausnahmsweise einmal gegen einen der Ihren richten. Nun soll dieser Bruderstreit im Hause Westarp vor dem Richter ausgetragen werden. Wir wünschen Herrn v. Lind- einer herzlich, daß er nicht auch noch genötigt wird, auf Grund einer eigenen Erfahrungen eine Erklärung gegen die K l a s- e n j u st i z zu erlassen._ Reichsbanner und Regierungsbildung» Die Schuld der Kommunisten am Bürgerblock. Magdeburg, 31. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Auf einer Gau- konferenz für den Gau Braunschweig sprach in Kreiensen der Bundesoorsitzende des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Oberpräsi- dent H ö r s i n g u. a. auch über die Stellung des Bundes zur Regierungsbildung. Hörsing führte aus: »In den Dezemberwahlen 1924 gelang es den Parteien der Weimarer Koalition nicht, eine Mehrheit zu erringen. Ein- gekeilt zwischen Rechtsparteien und Kommunisten, blieben sie in der Minderheit. Daß aus dem Stuhle Friedrich Eberls Herr von hlndenburg sitzt, ist die Schuld der Kommunisten. Die Folgen sehen wir jetzt im Reich. Die Kommunisten sind dl« letzten, die sich über die Regierung des Besitzbürgerblocks beklagen dürfen. Die neue Regierung ist ganz nach dem Willen des Reichspräsidenten entstanden. Sie ist weniger eine Regierung Marx als eine Regie- rung Hlndenburg. Wir stehen voll Mißtrauen dieser Rc- gierung gegenüber, denn die zwei Republikaner, die ihr angehören. Reichskanzler Marx und Reichsfinanzmimster Köhler, stehen im Kabinett in schier hoffnungsloser Minderheit. Das Reichs- b a n n e r wird mit allen seinen Kräften diejenigen Parteien und Parlamentarier unterstützen, die versuchen. Gefahren ab- zuwenden, die der deutschen Republik und ihrer friedlichen Eni- wicklung im Inneren und Aeußeren von der neuen Regierung drohen. Wir bedauern, daß unsere Kameraden Dr. Marx und Dr. Köhler gezwungen wurden, in diese Regierung zu gehen. Wir sind aber überzeugt, daß sie ihren Parteien das Opfer brachten, weil sie hoffen. Schlimmeres zu verhüten. Wir warnen unsere Kameraden vor der heuchlerischen Hetze der Kommu- nisten, die die Front des Reichsbanners zu erschüttern hoffen. Wer heut« fordert, daß die Kameraden Marx und Köhler ausgeschlossen werden, muh damit rechnen, daß morgen verlangt wird, die Käme- raden auszuschließen, die in Länderegierungen und Stadt- Verwaltungen oerurteilt sind, mit Kommunisten zu- sammenzuarbeiten. Die Kommunisten sind Feinde der Re- publik und der Demokratie nicht mmder wie die Deutschnationalen. Was sich heute im Reich abspielt, ist eine Folge der Wahlen im Dezember 1924 und das Verhallen der Kommunisten bei den Präsi- dentenwahlen. Bergessen wir nicht, daß das Zentrum in Preußen mll den anderen republikanischen Parteien Schulter an Schulter steht. Vergessen wir nicht, daß die Kameraden der Zen- trumspartei, die heute im Reich mit Richtrepublikanern arbeiten müssen, bei den nächsten Reichstagswahlen unsere Bundes- genossen sein werden. Kommende Wahlen wollen wir vor- bereiten, und wir sind gewiß, daß wir dabei in einer Front stehen mit denjenigen Mitgliedern der Zentrumspartei, die unsere Käme- raden sind. Unsere Gegner bleiben die Monarchisten und Faschisten, unsere Gegner sind auch die Volschewisten. Bleiben wir zusammen in der großen Front des Reichsbanners, tut jeder seine Pflicht, dann wird die Regierung des Bürgerblocks abgelöst von einer Regierung der Reichsbannerparteien." Diese Ausführungen Hörsings wurden mit großem Beifall aufgenommen. wurde im Sinne Dellings. Dellings Arbeit dagegen gab leider kein rechtes Bild, da die aus Ton vorgeformte Maske im Film fast alle Wirkungen der fertigen Metallstulptur oermissen ließ. T e s. Eugen ie Eduardowa veranstaltete mll ihrer Ballettschule einen Tanzabend im Blüthner-Saal. Sie pflegt llassische Ballett- kunst, wo sie das nicht tut, etwa in dem von Anastas Peiroff getanzten völlig gestaltlosen„Im Raum", versagt sie. Im übrigen bewiesen ihre Schülerinnen, daß sie in der Ballstt-Tcck'nik refrfrlt sind. Tänzerisch sehr hübsch wirkte ein pas de deux.Nymphe und Faun", dag Molly Fingerhut und Hans Wagner zeigten, während Brahms op 39 Nr. 1,.Don Artisten getanzt", die guten technischen Fähigkeiten Marcelle Baums und P. S t a h l s zur Schau stellte. Eine gut trainierte Kindergruppe appelliert« nicht erfolglos an Herz und Gemüt der Zuschauer. Da- gegen war es ein böser Mißgriff, die anmutige und routinierte Molly Fingerhut als.Zigeunerknoben" eine Pantomime tanzen zu lassen, was der schauspielerisch ganz unbegabten jungen Dame un- möglich war und sie zu seltsamen und unverständlichen Grimassen verführte. Ueberhaupt sollte man im Ballett, das praktische Ver- Wendung ja bald nur noch in der Revue oder höchstens in Rokoko- Opern finden wird, auf.Ausdruck" verzichten— wenn man nicht eben eine Anna Pawlowa ist. Daneben aber sei Frau Eduardowa geraten, auch ihren Schülern die gleiche technische Durchbildung wie ihren Schülerinnen angedeihen zu lassen. Die Tänzer beschränkten sich entweder wie Reinhold Sommer im Menuett, das er mit R u t h Hirsch tanzte, auf einige anmutige Bewegungen, oder sie zeigten mll geringen Ausnahmen so Unzureichendes, daß man glaubte. Laien vor sich zu haben. T e s. ver Volksbühnen gedank« im Ausland. Da« Beispiel, das die deutsch« Dolkebühnenbewegung gegeben hat, fand schon innner im Aueland« starke Beachtung. Inzwischen ist es auch in mehreren ausländischen Orten zur Bildung von Dolksbühnenorganisationen nach deutschem Muster gekommen. So wurde vor ewigen Wochen in Luxemburg eine Dolksbühne gegründet. Ferner bildeten sich in Antwerpen und Gent vlämische Bolksbühnengemeinden. Alle dies« Organisationen nahmen ein« sehr günstige Entwicklung. Borbe- reitungen zum Aufbau einer Dolksbühne sind ferner tu Warschau im Gange. Ueber Radio in Gefängnissen hören wir von gut unterrichteter Seit«: In einzelnen Anstalten sind Radioanlagen mit Lautsprechern vorhanden. Sie sind im Schulraum aufgestellt und werden Haupt- sächlich zum Anhören von Vorträgen benutzt, die dann von dein Anstaltslehrer mit den Gefangenen besprochen werden. Gelegentlich wird den Gefangenen auch die Anhörung von Unterhaltungsvor- trägen als Vergünstigung gestallet. Dem letzteren Zweck dient die Lautsprecheranlage m der Tuberkuloseabteilung des Gerichtsgefäng- msses w Glatz. Gegen die Einrichtung von Radioanlagen für ein. zelne Gefangene in den Zellen bestehen Bedenken. Ueber.westSstliche varolle'ea» spricht deute in der Meselsschast für Ostafiatssche Kunst(Hörsaal der Staatlichen Kunslbibliotbek, Prinz-Albrecht- Strah« ö. Host um« Ubr Dr. Otto ztscher, Direktor der Staatlichen Nemäldegaleri« tn Swttgart. der eben von einer einjährige» Studienreise durch Ostaste» zurückgelehrt ist. Weibchen. P o r t o- R i ch«, ein Akademiker, dem seine Landsleute die Subtilität der»Gesinnang und des Kunststils nachsagen, kommt nach Berlin. Er ist ein Urenkel der Dumas und Augier, also ein Thesen- dromatiker, der irgendeine Herzenssache oerfechten will. Die Re- thorik ist siegreich. Es geschieht nicht viel aus der Bühne. Man redet sich gründlich aus, so lange, bis sich irgendein Schicksal beste- gelt. Dabei gehört Porto-Riche zur Gesellschaft der sehr ernsten Moraltritiker. Gestattet er der Hauptperson seines Stückes„Ger- maine" einen Abstecher in dxn Ehebruch, so läßt er doch sofort die große Sammlung nachkommen. Man bereut lehr tief aus beiden Sellen. Gatte und Gattin beschließen, zusammenzubleiben. Obwohl sie wissen, daß sie unglücklich sein werden.„Keinerlei Frivolität darf ausgesprochen werden. Die streng« Moral äußert sich nur in schöngeformten Sätzen, dem Produkt gebildeter Leute, und diese ihesenartige, hübsch gegliederte und wohlgeschlisfene Wortpracht hat Theodor Wolfs, den ziselierenden Uebersetzer, zur Verdeutschung gereizt. Bei jedem Thesenftück denkt man an Sudermann und an Ibsen, aber auch an Herren von niedrigerem Rang«, und man kann nie vergessen, daß auch eine höhere Phantastik und eine tiefere Sym- bolik möglich sind, damit die unveränderliche Natur jenes Weibes gefaßt wird, das man noch besser Weibchen nennt. Im Französi. scheu trägt das Stück«inen Titel, den man am besten mit Weibchen verdeutschen könnte, obwohl der französische Titel„Amoureuse" in seiner erotischen Spitzfindigkeit und Seelensindigkell durch das deutsche Wort nicht vollkommen gedeckt wird. Dieses Wekbchen ist ein merkwürdiges Geschöpf. Es liebt so sehr, daß es den gewiß nicht wertlosen Mann durch seine blind«, immer begehrliche Liebe um alle Fähigkeiten bringt, die den Mann bereichern, Ehrgeiz, Arbeit, so- ziales Gejühl, Pflichtbewußtsein, und die große Tragödie ist elnge- fädelt, die Gatten gehen auseinander, obwohl st« sich zum Schluß noch einmal zusammenschmieden. Maria O r s k a spielt in den K a in ni e r s i„ dieses Weib- chen. Wenn sie Theater spielte, war man in den letzten Iahren verführt, sie als die klassische Darstellerin jeder Gattung des Weib- chens anzusehen. Tücke und Trunkenheit in der Aufopferung, alles gemischt, Lieblichkeit und Hexen tum, Zartheit und Niedertracht, zirpende Anmut und gemeingefährliche Schleicherei. Die Orska be- herrscht dieses Komödicmtenregffter nicht nur sehr virtuos, sondern auch überzeugend. Natur wird zur Kunst und Kunst wiederum gibt sich so selbstverständlich, daß sie ganz Natur scheint. Erfreulichstes Theater einer Künstlerin, die ungeheuer komplizierte Mittel braucht, um primitivste Wirkung auszuüben. Neben Frau Orska Theodor Loos als Geigenspieler und Gatte, ein Schauspieler, der erst eine gewiss« Starrheit und Unsinnlichkeit überwinden muß. eh« er den Zuschauer gewinnt. Die Stimme verführt den Schauspieler Loos gleich zum Larmoyanten. Jetzt itt es ihm gelungen, diese Schwierig. keil zu überwinden. Ja, er tritt mtt Energie in die Reihe der Seelendarsteller, die wir brauchen und deren nur wenige am beut- schen Theater vorhanden sind. MaxHochdorf. Aolta verber oad ssevrl veranstalten nnRenaifsenee-Tbeater tonnn enden Frellaz, Sonnabend und Sonntag m»'/,t1 Uhr«acht» drei Tanzabende. IrieürZch C. koch. An einem chronischen Herzleiden, das ihn monatelang ans Haus fesselte und seiner geliebten Arbeit entriß, starb gestern im 33. Lebensjahr Friedrich E. Koch, Professor der Komposition an der Staatlichen Hochschule, Mitglied der Akademie der Künste und des Senats. Koch, ein geborener Berliner, war jahrelang Cellist im Opernhausorchester, dann Kapellmeister in Baden-Baden und Gesang- lehrer am Berliner Lesstng-Gymnosium. Einst Schüler der Hoch- schule, galt seine Liebe vor allem dem Ehorgesang, für den er einen reichen Schatz an Motetten, geistlichen Gesängen und anderem schrieb. In Deutschland wurde er besonders bekannt durch sein Oratorium „Von den Tageszeiten", das in besonderer Weis« das Ibyllenora- torium Haydns für unsere Zeit zu retten versuchte. Hier konnte Koch auch seinen großen Sinn für die Struktur und Form eines Dichtwerks erweisen. Den Text schrieb er, wie auch für spätere Werke orotorischen Inhalts, sich selber. Die.Sündflut", die vor wenigen Iahren aufgeführt wurde, reicht nicht mehr an die stilistische Klarheit des ersten Oratoriums heran, und die„Hügelmühle" war ein Abweg zur Oper, die dem undramatischen Musiker nicht gelang. In vielen Zweigen der Orchester- und Kammermusik war Koch zu Hause, ein gediegener Kenner des strengen Satzes und des Kontra- Punktes. Madrigale. Konzerte, Trios. Suiten, Phantasiestücke er- zählen von dem herben und kraftvollen Geist des Mannes. Sein bestes blieben die Chorwerk«, von denen auch opus 39,„Die deutsche Tanne", oft außerhalb Berlins aufgeführt wurde. Seine großen pädagogischen Fähigkeiten brachten ihn vor mehr als zwei Jahr- zehnten an die Hochschule, wo er Vorsteher der Meisterklasse für Komposition wurde und sehr fruchtbringend aus seine vielen Schüler einwirkte. Ein im Geiste Brahms' schaffender Musiker, ein froher, liebenswürdiger Mann, ein glänzender Lehrer ging mit Koch dahin. K. S. Bildhauer Rudolf Belllng sprach in einem Vortrag in der Humboldt- Hochschule über„P last! k". Er führte aus, daß Stulptur eine rein räumliche Anqeleqeicheit sei, also stets drei- dimenstonal wirken müsse. Der Körper im Luftraum steht aber immer in Beziehung zu diesem, sei es daß er den Lustraum oder daß der Luftraum ihn bestimmt Delling gab als Beispiel den von vier Wänden umschlossenen Raum eines Hauses. Steht man in ihm. so sind für den Betrachter die Wände das Bestimmende. Aktiv«. Sie formen den kubischen Luftraum. Bellachtet man aber das Haus von außen, so isll es die umgebende Lust, die ihm seine Form gibt. Im Gegensatz zum ersten Fall ist diesmal also das Verhältnis von Aktivität und Passivität oertauscht. Jedenfalls ist aber der Raum immer ein wesentlicher Faktor am Bildwerk und zum Bildwert. Aufgabe des Bildners ist es, die stets vorhandenen Spannungsver- Hältnisse zwischen beiden zu verschärfen oder auszugleichen. Im An- schlsuß an seinen Vortrog führte Delling von dem Film„Schaffende Hände" den Teil vor, der den Bildhauern gewidmet ist. Man sah Otto Hinzberger, Lederer, Fiori, Belling und Renäe Sintenis bei der Arbeit. Das Interessanteste nn Zusammenhang mit dem Vortrag war hier das Schaffen Otto Hinzbergers, der«ms einem Holzblock eine Madonna mit Christus formte. Obgleich Hinzberger sicher nicht die Theorie Bellings vertritt, zeigte sich>« der Praxls deullich wie er st« im Grunde doch befolgt, wie sein Bildwerk wirklich Raumskuiptur Die KontrolltommWon abgezogen. Programmmäßige Durchführung des Genfer Bcfchluffes. WTV. teilt mit: Entsprechend der in Gens am 12. Dezember vorigen Zahres getroffenen Vereinbarung findet die Tätigkeit der ünternatio- nalcn Militärtontrollkommission am 31. Zanuar ihr Ende. Demgemäfz werden auch die für den Verkehr mit dieser Kommission besonders eingerichteten Organisationen des Reichswehrministeriums heute ausgelöst. » Mit dem Abzug der Interalliierten Kontrollkommission ist ein weiterer Fortschritt auf dem Wege der Be- freiung Deutschlands von den schlimmsten sichtbaren Demüti» gungen des VersaMer Vertrages erzielt worden. Neben der Besetzung weiter Gebiete am Rhein bat kaum eine Destim- muna des Friedensvertrages soviel böses Blut in Deutschland erzeugt, wie die Einrichtung jener mllitärischen Körperschaft der Alliierten in der Reichshauptstadt mit Zweigstellen in den meisten großen Städten des Reiches. Es muß zugegeben werden, daß diese Institution militärischer Kontrollstellen kaum zu vermeiden war. nachdem die Sieger eine weitgehende Eni- waffnung der Besiegten angeordnet hatten. Was hingegen vermeidbar gewesen wäre, das war das ungeschickte und besonders in der ersten Zeit oft provozierende Auftreten man- cher Offiziere der Kommission. 5)at es doch fast zwei Jahre gedauert, bis sich die Herren dazu entschlossen, nicht mehr in Uniform in Berlin, Königsberg und München herumzu- stolzieren! Aber auch in manch anderer Hinsicht machte sich die Kommission äußerst unbeliebt. Diele Zerstörungen indu- strieller Maschinen und Anlagen, die sie aus angeblichen Ab- rüstungsgründen anordnete, waren rein willkürliche Cntschei- düngen, die Taufende von Arbeitern brotlos machten, ohne für die Sicherheit der siegreichen Mächte von nennenswertem Bortest zu fein. Vor allem muß gegen die IAMK. der Vorwurf erhoben werden, daß sie ein williges und übereifriges Werk- zeug der hohen französischen Militärs war in deren Destre- den, das politische Werk der deutsch-fran-ösischen Verständi- gung� zu erschweren. Immer, wenn die Staatsmänner eine nolititche Entsvannnng herbeizussibren Hostien, stellte sich der Marschall Foch hindernd in den Weg und berief sich auf alar- mierende Berichte der Berliner Kontrollkommission. Diese Tätigkeit der französischen Offiziere in Berlin fiel schließlich so- gar den französischen Verständigungspolitikern auf die Nerven, die selbst den Eindruck hatten, daß manche Herren in Berlin durch wichtigtuerische und alarmierende Berichte vor allem die weitere Existenzberechtigung der Kommssston begründen wollten. Dabei hat die IAMK. nach rein militärischem Schema gearbeitet und eine absolute Verständnislosigkeit für die einfachsten politischen Dinge in Deutschland bewiesen. Tyvilch ist dafür die Art wie die Berliner Kommission den Aufbau der preußischen Schutzpolizei erschwerte, obwohl sie damit nur den Gegnern der Republik und des Friedens einen Gefallen erwies. So wird das deutsch« Volk den zwar programmäßig und doch viel zu spät erfolgten Abzug der Interalliierten Kon- trollkommission einmütig begrüßen. Mag sie auch vom Stand- punkt derÄlliiertcn für die Durchführung der m a t e r i e l l e n Abrüstung umfangreiche und nutzliche Dienste geleistet haben, so hat sie auf der anderen Seite durch ihr Auftreten, ihre Schi- kanen und ihre Irrtümer soviel dazu beigetragen, die gei» st i g e Abrüstung in Deutschland zu erschweren, daß die oll- gemeine Bilanz ihrer Tätigkeit gerade vom Standpunkt der französischen Sicherheit eher mit einem Minus abschließt. Ihre Rolle geht nun auf eine Kommissiondes Völker- b u n d e s über, die aber nur in ganz bestimmten Fällen mit beschränkten Aufgaben in Tätigkeit treten soll. Es wird nicht zuletzt an Deutschland selbst liegen, daß wir den immerhin recht unangenehmen Besuck, dieser Kommission überhaupt nicht erhalten. Die Sozialdemokratie wird jedenfalls dafür eintreten, daß die Politik von Locarno, die olle illegalen Rüstungen überflüssig und sinnlos macht, loyal durch- geführt wird— trotz der Anwesenheit deutschnationälcr Lippenbekenner in der Reichsregierung. Noch keine Cinigung über Königsberg. pari». 31. Januar.(Eigener Drahtbericht,) Die für Montag vormittag anberaumte Sitzung des Interalliierten Militärkomitees fand erst nachmittags statt, da die deutsche Delegation die neuen Instruktionen noch nicht erhalten hatte. Ueber ihren Verlauf wird an zuständiger Stelle vorläufig die Auskunft ver- weigert. Es fiel aber auf, daß die Botschafterkonferenz, die am Montag vormittag tagte und sich nur mit laufenden Angelegenheiten befaßte, nachmittags nach der Sitzung des Interalliierten Militär- komitees nicht wieder zusammengetreten ist. Die Sitzung ist auf Dienstag früh anberaumt worden. Man schließt in informierten Kreisen daraus, daß eine endgültige Entscheidung In der Montagnachmittagssitzung des Interalliierten Militärkomitees nicht erzielt worden ist. Es wird hinzugefügt, daß der einzige noch strittige Punkt die Befestigungen, die 2t> Kilometer südlich von Königsberg sich befinden, betrifft. Die von den Alliierten ge- forderte Schleifung sollen die deutschen Delegierten a b g c- lehnt haben. Auf der Seite der Alliierten wird die Ansicht ver- treten, daß diese Befestigungen, die sich auf 20 Kilometer Länge und 3 Kilometer Tiefe erstrecken, dazu dienen, die Verbindung mit den Armeen Sowjetrußlandg aufrechtzuerhalten. Das wird von deutscher Seite energisch bestritten. Schon jetzt dcutschnationalc Drückebergerei! Die R u m p f r e g i e r u n g des Reiches befaßte sich am Montag in Abwesenheit der bereits ernannten deutschnationalen Minister mit den von dem deutschen Unterhändler in Paris, General Pawels angeforderten neuen Instruktionen bezüglich der Cnt- wassnungsfrag«. Warum die deutschnationalen Minister dieser für sie sicherlich nicht angenehmen Sitzung fernblieben. ist vorläufig offiziell noch nicht klargestellt. In einem Teil der Presse spricht man davon, daß sie gestreikt hätten, um sich Hinsicht- lich der Entwaffnungefragc nicht zu binden und dem erwarteten ersten Sturm der Entrüstung ihrer Anhänger im Lande zu entgehen. Trotzdem tragen die Deutschnationalen für die neuen Instruktionen des Rumpfkabinetts ebenso wie die anderen Parteien dieses Bürgerblocks die volle Verantwortung. Diese neuen Instruktionen laufen aus weitere Zugeständnisse bezüglich der Ostfestungen hinaus. Ein Teil der Befestigung wird voraussichtlich geschleift werden. DIx Reichsregierung sah sich zu entsprechenden"ZugestSNdmfsen veranlaßt, weil im Falle eines Schiedsspruches wahrscheinlich noch weitergehends Maßnahmen ergriffen werden müssen, als es nach einer Einigung auf dem DerhonMuygswege der Fall sein dürfte. Die Thüringer Wahlen. Vorlaufiges amtliches Ergebnis. Ueber die Thüringer Landtagswahlen wird folgendes vorläufige amtliche Endergebnis mittgeleit: 1. Einhctlsliste 270 526 Stimmen. 19 Mandate(31). 2. Sozialdemokrateu2k3753 Stimmen, 18 Mandate(17). 3. Kommunisten 113 470 Stimmen, 8 Mandate(12). 4. Sommunistlfchs Arbcltzgemelnfchafl 3880 Stimmen, kein Mendai(—). 5. Nakionalsozlaliflsschc Arbeiterpartei 27 918 Stimmen, 2 Mandate(3). 6. Deukschvölkische Freiheitsbewegung 9147 Stimmen, 1 Mandat(4). 7. Demokralen 25 126 Stimmen. 2 Mandate(4). S. Mirtschaftsparlei 75 500 Stimmen 5 Mandate(—). 9. Aufwertungsporlei 22 156 Stimmen. 1 Mandat(—). Gesamtzahl der abgegebenen gültigen Stimmen 801 476 (882 954), Wahlbeteiligung rund 80 Proz. Gesamtzahl der Abgc- ordnetea56(72). Danach ergeben sich für die Parteien, die in Listenver- bindung mit der Einheitsliste stehen und die Rechte des Land- tags bilden würden, 27 Abgeordnete, während auf der anderen Seite 29 Abgeordnete stehen. Die Einheitsliste birgt in sich nach der Vertellung der Mandate unter die einzelnen Gruppen 4 Deutschnakionale. 9 Landbündler, K Volks- p a r t e i l e r. Das im großen und ganzen dem sächsischen Ergebnis ähnelnde Resultat gibt der chüringischen Presse zu allerlei Betrachtungen Altlay. Die volksparteiliche Presse stellt resigniert fest, daß kein Sieger und kein Besiegter vor- Händen ist. Unter der Decke geben sie den Demokraten den Wink, die Große Koalition zu versuchen. Die d e m o- k r a t i s ch e Presse ist stolz darüber, daß ihre Partei im tom- Menden Landtag das Zünglein an der Wage bllden wird und propagiert mit Feuereifer die Große Koalition. Von einem linksstehenden Journalisten erfährt man, daß maßgebende Wirtschaftsparteiler ebenfalls Neigung zeigen, zwischen Deutscher Volkspartei und Sozialdemokraten im Hin- blick auf die Große Koalition zu verhandeln. Eigenartig ist die Auslegung des für die K o m m u- nisten ja sehr wenig glanzvollen Ergebnisses durch die kommunistischen Zeitungen. Sie behaupten, Stimmenzuwachs erzielt zu haben und nehmeif irgendwelche Zwischenwahlen als Maßstab, verschweigen aber, daß sie feit der vorigen Landtags- wähl mehrere zehntausend Stimmen verloren haben. Als eine Auswertung des Wahlergebnisses stellt die für die Kam- munisten tonangebende„Reue Zeitung" folgendes fest: .Mit peinlicher Sorgfalt grenzten sich die Sozialdemokraten von ollem, was auch nur im entferntesten nach Kommunismus roch, ab. Die Gefahr einer Koalitionsregierung ist jetzt drehender denn je. deshalb müssen alle Werktätigen die Front gegen die Koalitionspolitik schließen I" Unser Parteiorgan...Das V o l k". in Jena, enthält sich zunächst jeder Stellungnahme zu der Auswertung des Land- taqswah�ergebnjsses, um den Instanzen der So-ialdemokra- tischen Partei und der demokratischen Willensbildung der Mitglieder nicht vorzugreifen. Der werwolf tarnt. „Auflösung" der Berliner Organisation Die Bundesleitung des„W erwolf" in Halle fühlt sich durch die Waffenfunde und di« Beschlagnahme anderen militärischen Materials bei seiner Berliner Organisation derart bloßgestellt, daß sie die Auflösung der Berliner Organisation, die ohnehin zu erwarten tr-ar, von sich aus beschlossen hat. Sie ver- sucht es so hinzustellen, als habe der verhastete Berliner Leiter die militärische Aufmachung ohne Wissen und gegen den Willen der Bundesleitung vorgenommen, und behält sich vor, einen Teil der Mitglieder später tn einer anderen Organisation wieder zu sammeln. Das ist die beliebte Methode aller er- tappten Putschverbänd«. Sie ist zu oft angewandt, um noch zu blenden. Die wirklichen Absichten des„Werwoss* hat der Bundesführer Kloppe- Halle in einem Schreiben vom 24. September 1925 an den bekannten Schriftleiter der.Deutschen Zeitung", r>. Soden- st e r n, dargelegt. Da wird es als das gemeinsame Ziel bezeichnet, eine so starke Herrschaft des Verbandes zu schaffen,»daß es uns möglich sst, nationalfeindlichen Regierungsstellen die Faust an die Gurgel zu setzen, aber doch nur dann, wenn wir in der Lage sind, auch durchzudrücken". Das ist eine andere Sprache als die dienstfertige Esse, mit der die Lundesleitung jetzt den Landesverband Berlin dem Zugriff der Behörden preisgibt. Auch die»Vaterländische Feueroersicherungs- Sozietät, bei der der verhaftete E h l e r t angestellt war und in deren Hause die Waffen gefunden wurden, versichert, ohne Ver- schulden in einen falschen Verdacht gekommen zu sein. Ehlcrt sei seit dem 1. Dezember nicht mehr in ihren Diensten. Die Waffen seien im Keller der Portiersrau gewesen. Weder Werwolffllhrcr noch das Landesoerbandsbureou seien in ihren Räumen unter- gebracht gewesen. Das ist dieselbe Politik, die auch die Bundes- leitung nach bekanntem Muster verfolgt. Die Oeffentlichkeit wird sich an Tatsachen und nicht an Versicherungen halten. verleumüuug erwiesen— freigesprochen! Richter gegen Republikaner. Der Hofbesitzer Klaus Schulz aus Bachenbrok bei Hollern war wegen Beleidigung der früheren Minister Hermann Müller und Dr. Bell zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hatte in öffentlicher Rede die Vertreter der Republik»inter- nationales Gesindel",»lnternalionale Lumpen und Verbrecher, die das Vaterland verraten haben", genannt und wörtlich gesagt:»Den V e r s a i l l e r Friedensvertag haben Lumpen, die vom internationalen Gold bestochen worden sind, unter- schrieben." Schon in der ersten Verhandlung suchte Schulz sich aud der Affäre zu ziehen: die von ihm aufgebotenen Entlastung:-- zeugen wollten sich on nichts mehr entsinnen. Jetzt fand in Stade vor der Berufungsinstanz der Prozeß noch einmal statt mit dem Erfolg, daß der Verleumde rfreigesprochen wurde. Der Oberstaatsanwalt hatte ebenso wie in der ersten Verhandlung ein Jahr und sechs Monate Gefängnis beantragt. Das Gericht harte sich ober diesmal seinen Ausführungen nicht angeschlosien. Dos neue Urteil sst ein Freibrief für all« Derleum- der von Republikanern und sicherlich nur aus den Sympathien zu erklären, die ein großer Teil des deutschen Richtertums für die völkischen Maulhelden hegt, und die«« jetzt noch der Aufrichtung des Rechtsblocks wieder deutlicher zu zeigen wagt. Der Ueberfall in Schattenöorf. Protestkundgebungen der Wiener Arbeiterschaft. Wien, 31. Januar.(Eigener Drahlbericht.) Zu dem blutigen Ueberfall republikanischer Schuhbündler durch ungarische christlich- soziale Frontkämpfer in Schaktendors(Durgenland) ist noch zu berichten: Der Arbeiterschaft in den wiener Fabriken bemächtigte sich, als die Mordtat bekannt wurde, eine große Erregung. Namenssich in Wiener-Reustadi wurde am Montag vormittag die Arbeit eingestellt. Am Uachmlttag versammelten sich die Arbeiter Wiens zu einer großen Prolestdemonstralion. Auch in den Bergarbeilerrevieren in A e u s e l d und Zillendors im Durgenlande verließen die Arbeiter vormittags aus die Zlachrichl von dem Ueberfall die Betriebe und veranstaiielen große Kundgebungen. 3m niederösterrcichischen Landtag hat die Sozial. demokrolie am Montag sofort einen Dringlichkeilsantrag eingebracht, in dem sie die Aufmerksamkeit der Regierung auf da» Durgenland lenkt. Es wird darauf Hingewlesen, daß von Ungarn aus ein neuer Einfall in Oesterreich vorbereitet und die Grenz- bevölkerung heimlich mit Waffen versehen würde. Fetner ist fest- gestellt worden, daß die Fronlkämpser mit der magyarische u Landenbcwegung in Verbindung stehen und diese Bewegung nicht nur von Ungarn aus. sondern auch von Wien au» durch ungarische Kreise unterstüht wird. Deshalb wird die Landesregierung ausgeforderi, bei der Bundesregierung dahin zu wirken, daß diesem Treiben endlich ein Ende gemacht wird. Der Antrag wurde ohne vebolle einstimmig angenommen. Trauerseier mit Arbeitsruhe am Mittwoch. Wien. 31 Januar.(Eigener Drahtbericht.) Das Leichen- begängnis der Opfer des Uebsrfalls von Schottendorf wird am Mittwoch nachmittag statfinden. An, Dienstag werden die Opfer aufgebahrt und dann nach dem 5 Kilometer entfernten B e- gräbnisort übergeführt werden. Während dieser Zeil werden in ganz Oesterreich die Betriebe einschließlich der Eisen- und Straßen» bahnen eine Viertelstunde lang zum Zeichen der Iraner und des Protestes stillstehen. Gleichzeitig werden die Sirenen der Lokomotiven und Fabriken in Betrieb gefetzt. Kundgebung vor dem Wiener Rathaus. Am Abend fand vor dem Wiener Rathaus eine Massenprotest- kundgebmig der Wiener Arbeiterschaft statt. Bürgermeister Genosse S e i tz verlangte unter stürmischen Zurufen der Menge Sühn« für den Mord in Schattendorf. Der„Tag" läßt sich aus Magdeburg mittessen, daß Rot« Frontkämpfer in Stärke von 2000 Mann am Sonntag in der Umgebung der Stadt ein« militärische Uebung abgehalten hätten. Wie wir erfahren, cnispricht die Meldung nicht den Tat- fachen. Es handelt sich lediglich um ein kommunistisches Demonstratiönchen, das, wenn man die Zuschauer mit- zählt, höchstens 1200 Leute in Bewegung setzte. China gegen Englands Truppen. Eine Rote der Zcntralrcgierung. London, 31. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Aus Peking wird gemeldet, daß das Auswärtige Amt der sogenannten chinesischen Zentralrcgicrung m Peking dem britischen Botschafter in China eine Note überreichte, in der die Hoffnung ausgesprochen wird, daß die brit'sche Regierung die nötigen Befehle zwecks sofortiger Zurückziehung der»ach China entsandten Truppen geben werde, damit nichts geschehe, was geeignet sei,„die freund- lichen Beziehungen" in Frage zu stellen. Gleichzeitig ist eine ähnlich lautende Rote dem brssischen Generalkonsul in Schanghai übergeben worden. Der„Daily Herald" hat In den vergangenen Tagen Hunderte von Resolutionen der verschiedensten Ortsgruppen der Ar- beiterparrci, der Gcwerkschastskartelle und der Genossen- schaften erhalten, in denen gegen die Chinapolssik der Regierung protestiert und die Zurückziehung der Truppen aus China geffrdert wird. Indessen gehen die Truppensendungcn weiter. Nachdem am Montag zwei Eingeborenenregimenter mit der Bestimmung Schanghai ihren Standort Kalkutta verlasse» haben, werden am Dienstag zwei britische Regimenter ebenfalls mit dem Bcstimmungs- ort Schanghai eingeschifft. �luch Norüchina protestiert. London, 3). Januar.(WTB.) Der chinesische Minister des Aus- wärtigen, Wellington K o o, hat an den englischen Gesandte» in Peking eine Note gerichtet, in der es u. a. heißt, die chinesische Regierung Halle die Entsendung britisch er Truppen ohne ihre Einwilligung für eine außerordentliche Maßnohme, die mit denSatzungen des Völkerbundes nicht inEin. klang zu bringen sei. Die chinesische Regierung betrachte sich für etwa durch die Anwesenheit fremder Truppen in China hervor- gerufenen Zwischenfälle nicht für verantwortlich. Diese Rote hat in der englischen Oeffentlichkeit großes Aufsehen erregt. von üen Sowfetagrariern. Grotzbäuerliche Wahlagitation. Moskau, ZL. Januar.(OP.) Wie die Sowjetblätter zugeben. entfaltet das Großbauerntum, welches dem Sowjetsyftem feindlich gegenübersteht, bei den jetzigen Neuwahlen eine durchaus nicht immer erfolglos« Tätigkeit und zeigt eine starke Aktivität. Es soll in manchen Wahlkreisen den Großbauern gelungen sein, ihre Beauftragten in die Wahlkommissionen zu setzen. Aus dem Gouvernement Twer(Mittelrußland) wird berichtet, daß mehrere Wahlversammlungen in den Dörfern von starken Banden gesprengt winden. Die Sowjetblätter bezeichnen diese als De- sindel und Apachen, doch wird dabei nicht erklärt, welche Gründe solche Clement« überhaupt zur Betätigung bei den Wahlen veranlaßt haben. Der Zechenverbanö antwortet. Er kündigt de» Tarifvertrag. tksseu, Zt. Zanuar.(IDXB.) Der Zechenverbaad hat den Vergarbeiterverbänden folgendes Schreiben übermittelt:»Wir k ü n. d i g e a hiermit den zurzeit gültigen Tarifvertrag für da» rhelnisch-wesksöllsche Kohlenrevier vom 16. bis 27. Mai 1324. ver- Kindlich erklärt am 2g. Mai 1924, und in Verbindung damit die Ver- einbarung betreffend Zahlung von Soziallöhnen in Krankheitsfällen vom 12. Zuni 1322 zum ZI. März d. Z. Diese Kündigung ist die Antwort auf den Beschluß der Bergarbeiteroerbände, zum 31. März das Mehrarbeitsabkom- men zu kündigen. Der Zechenoerband glaubt, durch diesen Schachzug eine günstigere Position zu gewinnen. ficht- oüer tteunftunüentaa. Der Arbeitszeitstreit in der sächsischen Textilindustrie. Bekanntlich hat der sächsiche Schlichter für die westsächsische Textilindustrie in der Arbeilszeitfrage einen Schiedsspruch gefällt. der von den Arbeitern abgelehnt von den Unternehmern a u- genommen worden ist. Letztere haben die Verbindlichkeit beantragt. Die gestrige Verhandlung im Reichsarbertsmmisterium verlief r e s u l t o t l o s. Die Unternehmer erklärten die YZ-Stunden» Woche als das M i n d e st m a ß und lehnten jede Aenderung ab. Man kann gespannt sein, ob der Reichsarbeitsminister den Wünschen der Unternehmer entsprechend gegen den Acht- stundentog entscheidet und den Arbeitern den Neunstunden. tag aufzwingt. Daran wird man ermessen, ob es ihm ernst ist mit der Ratifizierung des Abkommens von Washington und den Notmaßnahmen, die in den Richtlinien der Regierung vorge» sehen sind. Der Gewerklcbastsriny für üas Notgesetz. Unvcrzülirhc Verabschiedung gefordert. Der erweiterte Ausschuß des Gewerkschaftsrings(Hirsch- Dunckersche Gewerkschaften) nahm gestern zur Frage des Achtstunden. tages folgende Entschließung an: „Der erweiterte Ausschuß des Gewerkschoftsringes richtet an Reichsregierung und Reichstag erneut das dringende Ersuchen, un- verzüglich die von den drei gewerkschaftlichen Spitzenorganl- sationen einheitlich und gemeinsam geforderte Arbeitszeitver- ordnung zu erlassen. Dabei wird der Reichsarbeitsminister be- sonders dringend ersucht, die vom Sozialpolitischen Ausschuß des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats zum Teil schon in den Jahren 19iiS und 1926 erstatteten Gutachten für§ 7 der Arbeitszeitverordnunz vom Dezember 1925 unverzüglich auf dem Verordnungswege i n K r a f t z u setzen." Schiedsspruch für die tzerrentonfektion. Lohnerhöhung von 5, ab Aprrl von 8 Prozent. In der Herrenkonfektion wurde nach viertägiger Verhandlung von einem vom Reichsarbeitsministerium bestellten ver. «inbarten Schiedsgericht ein Schiedsspruch gefällt, der eine Lohnerhöhung für alle Gruppen von 5 Proz. bis zum ZI. März und von da ab von 8 Proz. vorsieht. Die durch die neu eingeführten Spezialmafchinen notwendig ge. wordene und von den Arbeitern beantragte Eingliederung der Arbeiterinnen in entsprechend« Lohngruppen erfolgte bedingt. Die Anträge des Arbeitgeberverbandes auf Verschlechte. rung des Manteltarifs und der Stundenberechnung für die Akkord- arbeiten wurden abgelehnt. Jedoch kam der Unparteiische den Arbeitgebern in der Frage der Ferienvergütung bei Kurzarbelt entgegen: die Bestimmung, die hier bisher schon für Schneider Geltung hatte, soll auch für Zuschneider Anwen. dung finden. Das Lohnabkommen soll nach dem Schiedsspruch mit sechswöchiger Kündigungsfrist erstmals zum 39. September 1927 kündbar sein. Die Mitglieder der Vertragsparteien werden durch Urabstimmung über die Annahm« oder Ablehnung des in seiner Lohnhöhe nicht befriedigenden Schiedsspruchs bis zum 6. Fe. bruar Stellung nehmen. /lchtftunöenöemonstration in Kottbus. Her u»it dem Notgesetz! Am Sonntag vormittag fand in K o t t b u s eine eindrucksvolle Tagung statt, an der über 1999 Betriebsräte und Funktionäre teil- nahmen. Die Demonstration, die vom ADGB. und vom ÄfA-Bund für den Bezirk Niederlausitz organisiert war, richtete sich gegen den Skandal der Ueberstundenwirtschaft. Nach Referaten von Graß- mann und Günther und einer Diskufsion, in der besonders die Mißstände im Bergbau und in der Textilindustrie gegeißelt wurden, kam eine Entschließung zur Annahme, in der es heißt: „Die in Deutschland herrschende Arbeitslosigkeit läßt Millionen fleißiger Arbeitshände feiern. Ungeheure wirtschaftliche Werte gehen verloren. Not und Elend herrschen tn weitesten Kreisen der arbeiten. den Schichten des deutschen Volkes. Das deutsch« Unternehmertum, das sich immer als Wirtschafts- führer aufspielt, stellt die Interessen der gesamten Volkswirtschaft hinter die eigenen und denkt nicht daran, Not und Elend, die durch die Arbeitslosigkeit erzeugt werden, durch Verkürzung der Arbeitszeit und Hebung der Kaufkraft der großen Masse zu befeüigen. Die Gefahren zu bannen, die in einer solchen falschen Vor- stellung über die Wirtschastsführuna liegen, haben Regierung und Behörden in wohlverstandenem eigenen Interesse der ganzen Gesell- schaft notwendig. Daher müssen insbesondere Schlichtungsinstanzen und Gewerbeoüfsichtsbehörden Dienst am Balte verrichten! Di« hier versammelten Vertreter der Gewerkschaften jwfcn deshalb heute den Kreisen zu, die glauben, einer dünnen Schickt der deutschen Bevölkerung dienen zu sollen:„Seid gewarnt!" Sie fordern, daß das von den deutschen Spitzen�ewcrkschaston ausgestellte Arbeitszeitnotgesetz eine baldige reichcgesetzllcke Regelung findet, welches ermöglicht, sofort Millionen fleißiger Hände einer geregelten Arbeit zuzuführen! Die hier Versammelten machen es jedem Arbeitnehmer zur Pflicht, Ueberarbeit abzulehnen!" Im Anschluß an diese Tagung hatten die Ortsausschüsse des ADGB. und des �lfA-Bundes in Kottbus die Arbeüerlchast zu einer machtvollen Demonstration aufgerufen. Sie fand unter Teilnahm« mehrerer Tausend auf dem Schillerplatz statt. Hier sprachen noch einmal Graßmann. Kiel und die Genossin R i e t s ch e zn den Massen. In mustergültiger Disziplin und Ein- heitlichkeit der Ausfassung über das nächste Ziel der Gewerkschafts- bewegung, die Forderung des Achtstundentages und Ablehnung der lieberarbeit wurde auch von den Teilnehmern die Entschließung an- genommen. Lohnbeweaonct Ser Sauklempner. Zür einheitliche Gewerkschaflsaklion. In einer gut besuchten Branchenversammlung der im Deutschen Metallarbeiterverbcmd organisierten Klempner, abgehalten am Mittwoch in den Sophiensälen, referierte zunächst I o n k e über das neue Arbeitsgerichtsgesetz. Im zweiten Punkt der Tagesordnung berichtete der Branchen- leiter H o e n s e l in kurzen, knappen Zügen über die bevorstehenden Kämpfe und legte«inen Antrag der Funktionärs vor, den Tarif der Bauklempner zu kündigen, was auch b c- schlössen wurde. Im übrigen, sag!« der Redner, werde sich der Kampf der nächsten Wochen um die BBMI-Betrieb« konzentrieren, wo ja auch der Rahmenvertrag gekündigt worden sei. Der Redner verlangt, daß alle Kräfte eingesetzt werden, die Organi- sation zu stärken, damit der Kompi für die Arbeiter erfolgreich be- endet werden kann. Zum Schlüsse seiner Ausführungen empfahl der Branchenleiter folgende Kundgebung: „Die heut« versammelten, im Deutschen Metallarbeiterverband oereinlen Klempner Berlins geben den festen Willen kund, sich mit allen Mitteln für die re st lose Durchführung des Achtstundentages einzusetzen, sowie da? U e b e r st u n d e n- Unwesen kräftig zu bekämpfen. Weiter betrachten sie das von den Gewerkschaften eingebrachte N o t g e s e tz, bezüglich der Vermeidung von Ueberstunden, als das Mindeste, was von der deutschen Regierung gefordert wird und verlangen die sofortig« Durchführung desselben, damit endlich die erwerbslosen Massen wieder in die Beiriebe gebracht werden." In der Diskussion konnten sich die Kommunisten nicht verkneifen. ihre ihnen vorgeschriebenen Reden gegen die Gewerkschaften zu halten. Auch eine Gcgenresolution wurde von ihnen eingcreicht Die Abstimmung ergab jedoch mit großer Mehrheit die Am nähme der Entschließung Hoensel. Ein schöner Auftakt für d« kommenden Kämpf«._ Angst vor der Eouragc. Anläßlich ihrer zweiten Generalversammlung hatte die Berufs» Vereinigung deutscher Flugzeugführer eine Anzahl Behörden. Vertreter, die Direktionen der Luftverkehrsbetriebe und die Press« eingeladen, um vor diesen Zwecke und Ziele der Vereinigung dar- zulegen. Der Geschäftsführer gab einen Ueberblick über die Gr- schichte der Organisation, wobei er mit besonderem Nachdruck be- tonte, daß die Berufsoereiniaung keine Gewerkschaft, sondern, dem „Bildungsgrad und der sozialen Stellung ihrer Mitglieder entsprechend, eine Berufs- und Standesoercinigung sein wolle."(!) Besonders zufrieden mit dieser Erklärung waren— ein D i r e k- tot der Lufthansa und der Vertreter des preußischen Handelsmini st eriums. Die Redner aus den Mitglieder- kreisen hoben immer wieder die Notwendigkeit für die Verkehrs- piloien hervor, gegen Unfall und Dienstunfähigkeit versichert zu sei». Die Berufsoereinigung wird auf dem eingeschlagenen Wege kaum zum Ziele gelangen. Die Erkenntnis über ihre Stellung in: Großbetrieb der Luftverkehrsgesellschaften dämmert den Piloten zwar schon langsam, sie haben aber nicht den Mut, ihr« Interessen in einer gewerkschaftlichen Organisation zu vertreten. Den richtigen Weg hat das im Deutschen Verkehrsbund organisierte Luftfahr- personal beschritten. Die behördliche Anerkennung dieser einzigen gewerkschaftlichen Interessenvertretung für das Lustsahrpersonal ist mit der Entjendung von sieben Vertretern in den Lustbeirat beim Verkehrsministerium erfolgt. Dlrontwortlilb fitr Politik: Viktor SiSift: Wir!lck>'ft Ö. flUnflrtfiötkt; Scwerttlhasiobrweaun!,: itr. 4fctoin; Zseuilleton: Dr. Z-Hn Sckikowokii Lotatks und Sontlifte-! FU* ÄaiflSdt:«njtijen: Th. sämtlich in Berlin. vrrlail Vo:wSrts-BerIoä S. m. b. S. Berlin. Druck: Bormäris.Buchdrnckcrci und Beriagsaniiali Paul Sin«« u. Co. Berlin SW 68. Lindcnslrage 3. fliet« S vkiioac» und.Untrrdaltun» und«igen- ■ V WERTHEIM Leipziger Straße Königatraße Roeenthaler Str. Moritzplatz Weiße Weihe Einige Beispiele dieses außerordentlich billigen Verkaufs: Nr> Si» 4«.?ahrg»»g 1* ÖCö UOÜSI?ölft0 Öienstag, 1.Zedrllar1H27 Die Drücke über üen humbolöthafen. In einem interessanten Stadium befindet sich zurzeit der Bau der Brücke„im Zug« des F r l e d r i ch- K a r l- U f« r wie sie provisorisch genannt wird. Ueber den Pfählen und Versteifungen des Fahrgerüste« ruhen auf«fernen Schienen die Räder des L4 Meter hohen P o r t a l- K r a n s. der die mit rot« Mennige ge- strichenen Brückenteil«(Versteifungsträger, Querträger usw") an ihren Platz bringt. Zu beiden Seiten des Kraus steigen mächtige Schwenkmaste in die chöhe, deren Ausleger die Lasten fassen und transportieren. Bis zu zehn Meter unter dem Mittelwasser ruhen die Fundamente(vier Betonpfeiler in Form eines Achtecks). Zwischen ihnen wird sich die mittlere Ocffnung der Brücke in einer Länge von !>>) Meter spannen: die beiden Seitenöffnungen werden je 36 Meter Die betragen. Breite des Fahrdammes, der auch die Elleise der elektrischen Straßenbahn tragen wird, beläuft sich auf 10 Meter, für die beiden Bürgersteige sind je 3 Meter vorgesehen. Die neu« Usermouer in einer Länge von 200 Metern ist bereit» fertiggestellt. Di« im Frühjahr 1925 errichtet« Notbrücke, die unmittelbar neben dem Brückenneubau gelegen ist, dient provisorisch dem Fuß- gängervertehr. Die neue Brücke, die Ende diese» Jahres dem Ver- kehr übergeben werden soll, wird sich als Kettenbrücke, in Art der Kolner Ryeinbrücke, präsentieren. Leicht und elegant, nur technische Zuge dem Humboldthafen Zweckform, wird sie in einem überspannen und durch da» höchst vorteilhaft von anderen Alsenstraße aus wird man den besten Ausblick auf Berlins modernste Brücke haben. einzigen vjug« dem tiumooroiyafen Fehlen historischen Krimskrams ertiner Brücken abstechen. Bon der Sonntagmorgen der �rbeiterfänger. Bi? auf das letzt« Plätzchen war der Niesensaal des SÄ er* cedes- Palast, Turiner Straße, mit einer aufmerksam lauschenden Zuhörerschaft gefüllt. Aus der Bühne erklingen all die schönen (hesänge von Freiheit und Menschentum, vom Wairdern und von der Schönheit der Heimat. Mozarts»Weihe des Gesanges" leitet die Sangesfeier ein. dann folgen Lieder voll Begeisterung befreiten Menschentums(Liszt:„Wir sind nicht Mumien". Zenger:.Hymne o» das Feuer"). Der.Lunge Chor" singt mit frischen, hellen Stimmen ein Lied sibirischer Flüchllinge herrlicher Baikal" und ..Weckruf", den frohen Kampfruf der Lorwärtsstünnenden. Es i Igten dann noch viele fchöne Boltsweifen, Lieder von Schubert, H gar und Botho Frank. All diese Gesänge fanden Echo in denen. d o gekommen waren, ihren Ruhetag frohen Herzens zu genießen. An dem wirklich wohlgelungen«, Konzert, das durch die Zahl seiner Besucher von neuem bewies, wie sehr die Menschen der Arbeit nach innerer Freude und Erholung lechzen, beteiligten sich folgend« Chor- verbänd«:„Männerchcn Einigkeit Berlin- Mitte", Männerchor Prenzlauer Berg", Singegemeinschoft am Wodding, Gemischter Chor, Männerchor„Lerche-Glocken klang", Sängerchor.Wedding", Männer. ch»r.Morgengrauen",.Der jung« Chor", Gemischter Chor, und der Berliner Uthmann-Chor._ (?itt Abend bei den Kiuderfrenude«. Di« Kinderfreunde Charlottenburg« venmstalteten einen Werveabend, der sich an die Elternschaft wandt«. Sie wollten den Estern einmal»eigen, wa« die Kinderfreund« mit ihren Schütz- lingen treiben. Im Deutschen Krankenkaifenhau»(dem früheren .Cecilienhous". Berliner Str. 137) füllte sich der Dortrngchaal mit Eltern, die gern« der Einladung folgten. Eine kleine Ausstellung hübscher Papp- und H o l z a r b« i t« n. die von fleißigen Kinderhänden nicht in unfroher Erwerb so rbeit, sondern aus notür- lichem Arbeitstrieb heraus angefertigt worden sind, gab einen Ein- blick in die Handsertigteitspflege. Man sah diesen Spielsachen und Gebrauchsgegenständen an, mit wieviel Hingab« die Kinder daran §earbeitet haben. Solche Basteleien gewähren den Kindern die steude am Schaffen, und sie wecken in ihnen die Achtung vor den Werken der schaffenden Hand. Die Bemühungen der Kinderfreunde um di« Pflege des Spiels, des Gesang«? und des Tanzes und auch schon der Schauspielkunst wurden erkennbar in einer langen Reihe gelungener Darbietungen, die von ungezwungener, echt kindlicher Fröhlichkeit erfüllt waren. Auch an Ueb«rmüt>ge>n fehlt« es nicht. Besonders die derbe Komik eines Schwankes von Hans Sachs, in dem ein paar Linder als Darsteller auftraten, rief bei den dankbaren Zuhörern große Heiterkeit hervor. Das alles wurde so geboten, wie die Kinder es für sich spielen und wie es ihnen gefällt. Den Ehrgeiz, mit .vollendeten" Leistungen prunken zu wollen, die durch qualvoll« Drillerei erreicht werden, haben die Kinderfreunde nicht— und das ist gut so. Auch hier, in diesen Spielen, Gesängen. Tänzen usw., ist Zweck und Spiel die Freude am Schaffen, die sie die Kinder genießen lassen wollen. Ein Lichtbildervortrag über Kinderfreundeleben zeigte zunächst die Freudlosigkeit des Lebens, das die an die Mietkaserncn gefesselten Großstadtkinder zu erdulden haben. Sehr überzeugend wirkte das Gegenstück hierzu. das fröhliche Treiben der von den Kinderfreunden in Luft und Sonne hinausgeführten Kinder. Die ganze Beranstaltung war in der Tat geeignet, als Werbemittel zu dienen. Der Erfolg ist ihr, wie die beifällig« Aufnahme bei der Elternschaft zeigte, nicht versagt geblieben. Der Raubmord in Sommerfeld. tOOO Mark Belohnung! Zur Aufklärung des Doppelraubmordes in Sommerfell», über den bereit« berichtet wurde, entsandte die Berliner Mordinspektion auf Ersuchen der Ortspotizeibehörde Kriminalkommissar Johannes Müller mit mehreren Beamten noch am gestrigen Montag an den Tatort. Im Lerein mit den zuständigen Behörden, dem Amts- richter Schwill? und dem Kommissar B i e t f ch wurde sofort eine genaue Untersuchung des Tatortes vorgenommen. Da sämtliche Räume der Behausung ein Bild der Verwüstung bieten, so läßt sich noch nicht mit Sicherheit sagen, ob die Einbrecher das Ehepaar T s ch e n k e im Schlaf überfallen haben, oder ob um- gekehrt die Eheleute die Verbrecher im Laden betroffen haben und es dort zum Kampf gekommen ist. Ausfälligerweise lagen die Leichen der unglücklichen Opfer mit den Köpfen nach den Fußenden der Betten. Sie waren, wie schon erwähnt, an Händen und Füßen gefesselt, hallen im Munde Knebel und um den Hals ein starkes Tuch geschlungen. Der Kamps mit den Opfern muß die Mörder geraume Zeit beschäftigt haben, so daß sie nur in Eil« nach Beute suchen tonnten. Sie fanden infolgedessen nicht alles bare Geld, sondern übersahen 1 500 Mark, die die Ehe- leute, durch einen früheren Einbruch vorsichtig gemacht, in einen, besonderen Versteck untergebracht hatten. Es konnte festgestellt werden, daß mehrere junge Burschen, die nicht au« der Stadt stammten, den um 4 Uhr 30 Minuten in der Richtung nach Berlin fahrenden Zug bestiegen haben. Wie Zeugen gesehen haben wollen, trugen sie Pakete bei sich. Der Doppelmord hat in der Stadt großes Aufsehen erregt. Allgemein herrscht dort die Meinung vor, daß o r t s a n s ä ssige Leute als Täter nicht in Frage kämen. Man glaubt vielmehr, daß es sich um reisende Berliner Verbrecher handell. Die Stadtverwaltung hat auf die Ergreifung d«r Mörder vorläufig eine Belohnung von 1000 Reichs- mark ausgesetzt, doch wird di« Summe wahrscheinlich noch von anderer Seite erhöht werden. Mitteilungen von Personen, die zur Aufklärung bestrogen können, nimmt in Berlin die Mordinspektion A. im Zimmer 104 und 195 des Polizeipräsidiums entgegen. Winiersportsouderzttg nach dem Rieseugebirge. Die reg« Beteiligung an dem letzten Wochen endsonderzug«ach dem Harz veranlaßt die Reichsbahndirektton Berlin, am 5. und 6. Februar bei günstigem Wintersporttoetter und genügender Beteiligung einen Sonderzug 4. Klasse zu ermäßigten Fahr- pressen ins Riesengebirge zu fahren. Die Hinfahrt«rsolgt am Sonnabend, den 5. Februar, ab Bahnhof Friedrichstraße 1.28 nachm.. Ankunft in Bad Flinsberg 8.14 abends, Hirschberg 7.34, Ober- schreiberhau 9.01, Krummhübel 8.58; Rückfahrt am Sonntag, den 6. Februar, ab Krummhübel 5.10 nachm., ab Oberschmberhau 4.53 nachm., ab Hirschberg 6.20 nachm., ob Flinsberg 5.37 nachm. Ankunft in Berlin. Bahnhof Friedrichstraße, 12.10 nachts. Di« Fahrpreis« für Hin- und Rückfahrt betrogen noch Bad Flinsberg 13 M.. Hirschberg 12,60 M., Oberschrei der hau 14 M.. Krummhübel 15 M. Der Fahrkartenverkauf beginnt am Dienstag, den 1. Fe- bruar, bei der Fahrkartenausgabe des Bahnhofs Friedrichstraße und den MCR-Bureaus Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrich- ftraß«, KdW. und Unter den Linden 57/58. »Daran wirst du denken, du hochnäsiger Rotzb-ub"." Er entfernt« sich bei diesen Worten ein paar Schritt«, schwang die Peitsche und schlug mich so heftig, daß Blut hervorquoll und ich zu Boden in den Dünger fiel. Er machte eine höhnische Grimafle, gab mir noch einen Fußtritt und ging aus dem Stall. Langsam stand ich auf, betrachtete meinen Körper, der von einem Netz roter, blauer und violetter Streifen überzogen und mit Blut und Kuhmist bedeckt war. Eine fürchterliche Wut packte mich. Ich warf mich auf einen Strohhaufen in der Ecke des Stalles, biß in die Fäuste, um nicht zu brüllen und wand mich vor Verzweiflung. Die Strohhalme drangen in die Wunden und verursachten mir dadurch noch mehr Schroerzeq. Plötzlich sah ich eine andere Szene vor mir, die sich vor ein paar Jahren zugetragen hatte: Wegen einer kleinen Ungezogenheit war ich von meinem Vater in einem Anfall von Jähzorn so heftig mit einem Stock auf die Beine geschlagen worden, daß ich zu Boden fiel und nicht mehr ausstehen konnte; die Mutter trat ins Zimmer, nahm mich in die Arme und trug mich fort, dabei warf sie dem Vater einen vorwurfsvollen Blick zu. Nun fiel mir ein, wie ähnlich doch diese beiden Borgänge waren. „O." flüsterte ich,„nicht genug daran, daß er mich selbst gesttsiagen hat,«r läßt auch noch zu. daß mich dieses Untier Lange lag ich ausgestreckt auf dem Stroh und betrachtete mit bitterer Freude meine Wunden, dann brach ich in Schluchzen aus und schrie verzweifelt. „Mama, Mama. Hab' doch Mtleid mit mir. liebste beste Mama, komm und nimm mich hier fort, ich flehe dich an. nimm mich fort, verlaß mich nicht. Mama. Mama." Seither sind zwölf Jahre verflossen, ich habe in der Zeit schon viel gelitten, aber wenn ich diese Zeilen niederschreibe, ftihle lch, tvie meine Hände zittern, wie mir das Älut in die Schlafen steigt und vor Zorn mein Herz rascher schlägt. Ich muß ein wenig im Schreiben innehalten, um die Erregung, die mich erfaßt, abklingen zu lassen. Tage, Wochen, Monate vergingen. Ich litt nicht mehr und nicht weniger als früher. Ich war der Stallburfch, trug die Milch in die Milchkammer und hütete die Kühe. .«i..(Fortsetzung folgt.) 7, Gerichtstag. von Fred B6reace. Cesyritiit 1925 br P«il Ztelsay. Wie«' Zu Weihnachten bekam ich ein großes Paket von meiner Mutter, in dem zwei Anzüge waren, die meine Kostfrau lächerlich fand und Schokolade; sie nahm die Hälfte. dt« Ich ihr anbot und die andere dazu, die ich ihr nicht anbot; Biskuits, die sie die Güte hatte, mir zu lassen und ein Fünürankenstuck, dos sie sich aneignete, unter dem Dorwand, sie mußte meine Stiesel sohlen lassen. Der Frühling kam und mit ihm die Feldarbeiten. Ich hatte mich gefreut, das Erwachen der Natur zu sth�a, aoer ich sollte erfahren, welche neue Müh« die schöne Jahreszeit für den Bauer bringt. Frühzeitig, bevor ich zur Schule ging, mußte ich in den Stall gehen, die Kühe füttern, meinem Herrn beim Melken helfen den Dünger fortfahren. Herr Henchoz war immer gleich roh zu mir. Eines Tages ließ ich aus Berfehen eine Laterne fallen und eine Scheibe zerbrach. „Du Haft es absichtlich getan. Weh dir. wenn es dir noch einmal passiert." Und dannt ich diese Belehrung nicht vergesse, versetzte er nur einen heftigen Faustschlag aus den Kopf. Ein paar Tage später schickt« er mich um einen Rechen, der im Stall hing. Es gelang mir nicht, ihn von der Mauer zu nehmen, ich mußte ihn hin und her schwenken, bis er herabfiel und ihn dann im Fluge erhaschen. Der Rechen fiel zu Boden. bevor ich ihn rechtzeitig auffangen tonnte und zwei Zähne brachen ab. Ich war ganz bestürzt und versuchte, die zwei Holzstücke mit meinem Speichel anzukleben, aber es war unmöglich. Traurig befaß ich den Schaden, den ich angerichtet hatte, als sich die Stalltür fachte öffnete.„Nun, wann bringst du ihn, heut' oder morgen? „Ich Hab' ihn fallen lassen," flüsterte ich mit schwacher Stimme.,. � �. Er trat näher, untersuchte den Rechen und sagt« ruhig: „Du hast ja wieder was Schönes angestellt! Du w«ßt. was jch dir versprochen habe, nicht wahrs._ Ich zitterte am ganzen Körper und konnte kein Wort hervorbringen. .»Zieh' die Schuhe aus." Ich gehorchte, ohne den Gnmb feines Befehles zn ver- stehen. „Zieh' die Hosen aus." Langsam knüpfte ich sie auf. Da warf er mich plötzlich zu Boden und im Nu hatte er mir Hemd und Hose herunter- gerissen, ich stand nackt vor ihm. Der Bauer nahm eine Peitsche vom Nagel..Jetzt lauf zehnmal von der Tür bis zur Mauer." sagte er kalt, zeigte auf die ganze Läng« der Mauer und lieh die Peitsche knallen, die mein« Haut streifte. Ich rührte mich nicht. „Hüh!" Und er versetzte mir einen starken Peitschenhieb. Da erfaßte mich ein Gefühl der Auflehnung, ich schaute ihm gerade ins Gesicht und sagte:„Ich werde nicht laufen." „Ah. da schau her, du willst nicht laufen!" Ein boshafter Schein glomm in seinen Augen. Er starrte mich an und eine seltsame Drohung stand in feinem Blick, daß ich erschrak. Mit höhnischem Lächeln hob er die Peitsch« und ließ sie mit aller Kraft auf mich niederfausen. Als ich den heftigen Schlag spürte, machte ich einen großen Satz und war nun vor der Stalltür. Ich wollte hinauslaufen, aber ich schämte mich, denn ich war ja nackt, so hatte er mich doch untergekriegt. „Hüh!" Er gab mir die Peitsche wie einem Pferd, das man zum Laufen antreibt. Ich lief nun ein zweites-, ein drittes- und ein oiertesmal. Beim fünftenmal hatten Scham, Schmerz und Zorn meine Schritte verlangsamt, ich war ganz erschöpft. „Was, du machst Geschichten, na wart'." Die Peitsche pfiff über meinen Rücken und rollte sich um die Brust. Ich sagte nichts mehr und lies weiter. Und jedesmal, wenn ich bei ihm vorbeikam, saufte die Peitsche auf mich nieder, hart und unbarmherzig: sie biß in meine Beine, in meine Arme und lange, blutunterlaufene Striemen zogen über meinen Körper. Endlich kam das zehntemal. Ich stand, an der Türe still, der Körper zu Tode erschöpft, die Seele kochend vor Auflehnung. „Komm her und zieh' dich cm." Ich trat näher und merkte, daß er mich mit einer tm- gesunden Freude betrachtete. Großhanüel und Jernsprechorönung. Neue Vorschläge für die Berechnung. Am 4. Februar d. I. wird der V e r w a l t u n g S r a t der Deutschen Reichspost bekanntlich zu dem Entwurf der neuen Fern- sprechordnung Stellung nehmen. Für diese Beratungen hat der Zentralverband des Deutschen Großhandels e. V. in einer Eingabe dem Reichspostministerium und dem Derwaltungsrat der Reichspost eine Reihe von Abänderungsvorschlägen unter- breitet und zum Ausdruck gebracht, daß der geplanten Neuregelung seitens des Großhandels grundsätzlich in der vorgeschlagenen Form zugestimmt werden könne, daß jedoch das Maß der in Aussicht ge- nommenen Herabsetzungen nicht als ausreichend anzusehen sei. Für die Berechnung der Ortsgesprächsgebühren wurden u. a. die nach- stehenden Vorschläge unterbreitet: 1.— 100. Gespräch je 10 Pf., 101—150. Gespräch je 9 Pf.. 151—200. Gespräch je 8 Pf.. 201. bis 250. Gespräch je 7 Pf., 251.— 300. Gespräch je 6 Pf., alle weiteren Gespräche je 5 Ps. Das würde für die Vielsprecher eine Ermäßi- gung von etwa 33� Proz. bedeuten. Die Ortsgespräch« würden dann immer noch 150 Proz. teurer sein als in Friedenszeiten, ein U e b e r p r e i s, der weder durch den Index der Löhne noch durch den Index irgendwelcher Materialien gerechtfertigt würde. Die Vorschläge der Reichspost brächten demgegenüber nur eine Er- Mäßigung von 11— 12 Proz. gegenüber dem gegenwärtig geltenden Tarif._ Gescheitert... Ein gemeingefährlicher Erpresser, ein vielfach schwer vor- lcstrafter Otto Waldmann, erhielt vom Schöffengericht Mitte eine empfindliche Strafe. Waldmann hat das Gymnasium bis zur Prima besucht. Dann ist er aber gescheitert und häufig mit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen. Zuletzt hatte er eine Strafe von nahezu 6IahrenGefäng- n i s und 10 Iahren Ehrverlust in Tegel zu verbüßen. Dort lernte er als Mitgefangenen einen Dr. jur. H. kennen, der eine Straje von 3 Jahren verbüßte und früher als Waldmann entlassen wurde. Waldmann bekam ein Jahr später für den Rest seiner Strafe Le- währungssrist. Durch einen Zufall erfuhr er, daß sein früherer Zellennachbar sich eine einkömmliche Stelle als Syndikus bei einer größeren Gesellschaft errungen hatte. Er heftete sich diesem nun an die Fersen und drohte ihm mit Enthüllungen über seine dunkle Vergangenheit. Auf diese Weise erpreßte Waldmann wieder- bolt Geld. Als die Ansprüche des Erpressers immer größer wurden, so daß der Bedrängte sie nicht mehr erfüllen tonnte, wandte er sich«ndlich an die Kriminalpolizei, die den gefährlichen Burschen festnahm. Der Angeklagt« behauptete vor Gericht, daß sein Mit- gefangener ihn für den Geschäftsbetrieb seines Schwagers, weil er ihn als einen tüchtigen Menschen im Gesängnis kennen gelernt hatte, init hohem Gehalt engagiert habe, hinterher aber seine Ver- sprechungen nicht erfüllen wollte. Der Angeklagte hatte auch zum Beweise dafür eine Reihe von Zeugen laden lassen. Dieser Beweis mißlang aber, und das Schöffengericht kam zu der Ueberzeugung, daß Waldmann ein gemeingefäbrlicher Erpresser sei, weshalb es ihn mit der Strafe von 1 Jahr 9 Monaten Ge- s ö n g n i s belegte. Durch die neue Strafe wird die Bewährungs- frist, die Waldmann für den Rest seiner Strafe erhalten hatte, eben- falls hinfällig.__ A» die Unrechte gekommen. Die Entschlossenheit eines jungen Mädchens wurde am Sonntag abend einem Taschendieb zum Verhängnis. Das junge Mädchen, Minna Wegfraß aus der Lindenstraße, wartete um 11 Uhr an der Ecke der Badstraße und der Prinzenallec auf einen Straßenbahn- ivagen. Als sie einstieg, gab es das übliche Gedränge. Da rief jemand unmittelbar hinter ihr:.Na nun steigen Sie doch e ii d l i ch e i n 1" Sie merkte zugleich, daß ihre Handtasche zu- schnappte, während sie nicht wahrgenommen hatte, daß sie geöffnet worden war. Sie sah nach und stellte fest, daß ihr Porte- m o n n a i e mit 15 Mark verschwunden war. Nun hatte sie sich den Mann, der so drängte, im Umwenden genau angesehen und er- blickte ihn noch wieder, als er hinten um den Wagen herum nach einem Autobus lief, der im Begriff stand, abzufahren. Rasch entschlossen eilte sie dem Diebe, der schon aufgesprungen war, nach und veranlaßte den Schaffner durch Zuruf«, den Wagen noch einmal anzuhalten. Sie holte den Dieb von der Plattform herunter und brachte ihn unter dem Beifall des Publikums nach der Wache in der Ehristianiastrahe. Der Ertappt« oersuchte wieder- holt, sich unterwegs loszureißen, die Bestohlene hielt ihn aber f e st, jedesmal von Leuten au» der Menge unterstützt. Der „smgeriertige� Mann wlirde als ein 26 Jahr« alter RichardAlbe festgestellt. Er bestritt den Diebstahl, hatte aber das gestohlene Geld noch in der Tasche. Das geleerte Portemonnaie hatte er wegge- morsen. Die Einbrecher im Auto. Einen guten Fang machten Kriminalbeamte der Dienststelle B. 5 in der Nacht zu Montag in Friedenau. Auf der Such« nach den berüchtigten.Luftklappenakrobaten"' kamen sie auch in ein Cafe in der Nähe des Landsberger Platzes. Hier sahen si« vier Gäste, von denen sie zwei bereits kannten, in einer eifrigen UMerredung. wie sie sich bald überzeugten, über ein.Ding", das gleich.gedreht werden" sollte. Die vier verließen dann das Cafe, bestiegen ein Auto und fuhren davon. Mit einer zweiten Kraftdroschke folgten ihnen die Peamten. In der Hauptstraße zu Schöneberg aber ver- lorcn sie die Verfolgten aus den Augen. Nachdem sie sie bis zur Ringbahn nicht wiedergefunden hatten, besetzten sie deren Ueber- führung an der Saarstraße und warteten auf ihre Rückkehr. Nach geraumer Zeit kam denn auch das Auto zurück, jetzt mit den vier Insassen und großem Gepäck beladen. Die Beamten hielten es an und nahmen die Burschen fest. Das Gepäck bestand aus großen Säcken, die mit K l e i d e r st o f f e n bis zum Rande gefüllt waren. Es ergab sich bald, daß die Einbrecher auf einem Lagerplatz m der Körnerstraße zu Steglitz mehrere Schuppen, in denen Wochenmarkt- Händler ihre Waren zu lagern pflegen, mit Dietrichen geöffnet, fünf große Kisten erbrochen und ihre» Inhalt in ihre Säcke gepackt hatten. Tie Ertappten wurden mit der Beute noch dem Polizeipräsidium gebracht. Weibliche Kriminalpolizei in Berlin. Nach dem Vorgange anderer Länder hat jetzt auch die Berliner Kriminalpolizei weibliche Kräfte in ihren Dienst eingestellt. Sechs Damen, Fräulein B o l d t, Fräulein Frank, Fräulein R e i ch e l t, Frau Römer-Gobbin, Fräulein Roth schuh und Frau Wüst waren bereits in der Fürsorge und aus verwandten Gebieten tätig und umerzogen sich gestern nach einem mehrmonatigen Aus- bildungskursus dem von, Ministerium des Innern chlorgeschriebenen Examen. Alle sechs bestanden es und werden jetzt zur praktischen Betätigung den für weibliche Kräfte geeigneten Dienststellen zuge- wiesen werden. Ein ausländischer 3ta«bmörder in Berlin gesucht. Wegen schweren Raubmordes wird der 29 Jahre alte italienische Mosaikarbeiter Santi Grigolato. genannt Giovanni, gesucht, der aus Montebello bei Vizentino stammt. Wie die f r a n z ö s i- (che Kriminalpolizei hierher meldete, ermordete und be- raubte Grigolato am 21. Dezember v. I. den Steuereinneh- mer Renand in Quesnoy. Der Mörder überfiel den Be- amten zur Nachtzeit in seinem Schlafzimmer, tötete ihn durch mehrere Dolchstiche und raubte die Wohnung aus. Es wurde fest. gestellt, daß Grigolato im Jahre 1923 von Italien aus über Deutsch- land und Belgien nach Frankreich gewandert war. Die französischen Behörden vermuten nun, daß der Flüchtige sich wieder nach Deutsch. land gewandt hat und haben die hiesige Mordkommission um Mit- sohndung ersucht. Der V-rsol«te ist 1,72—1,75 Meter groß und Zwei �ugenöveranftaltungen. Die Arbefterjugend Groß-Berlins hatte zu Sonnabend in der Schulaulo Mittenwalder Straße eine Funktionäroersamm- l u n g einberufen, in der Genosse Karl H e i n tz, der Vorsitzende der Sozialistischen Iugendinternationale, sprach. Das Arbeitsfeld der Iugendinternationale, so führte Genosse Heintz aus, fft nur in engem Zusammenhang mit der Arbeit der Sozialistischen Internationale aufzuzeigen. Die erste Anregung zum internationalen Zusammenschluß der Arbeitervereine ging von Eng- land aus. Die Arbeiterschaft hatte sich dort als erste in einzelnen Berufsvereinen zusammengeschlossen und dadurch einigermaßen er- trägliche Arbeitsbedingungen erreicht. Nachdem die Industrieherrcn Englands vergeblich gegen die Macht dieser Berussvereine an- gekämpft hatten, versuchten sie billige Arbeitskräfte vom europässchen Festland heranzuziehen. Die internationale Zusammenarbeit, die von England geschaffen wurde, sollte die Zuwanderung von Arbeitskräften, die als Streikbrecher Verwendung finden sollten, unmöglich machen. Aus dieser Bewegung der gewerkschaftlichen Zusammen- arbeit wurde nach dem Kriege 1870/71 der erste machtvolle Zu- summenschluß der in den einzelnen Ländern entstandenen Arbeiter- vereine. Mit der fortschreitenden Industrialisierung nahmen Wirt- schafts- und Wahlrechtskämpfe die Kraft dieser Organisationen voll in Anspruch, so daß der gleichfalls wichtige Kampf gegen die Lehr- lingsausbeutung nicht so intensiv betrieben werden konnte, wie es ini Interesse der Jugendlichen lag. Daher begannen die Lehrling« sich selbst zusammenzuschließen, zunächst nur, um gegen einzelne Uebertrewngen der bestehenden Lehrlingsbestimmungen Protest zu erheben. Erst später gingen die Iugendvereine dazu über, auch Aenderung der längst veralteten Bestimmungen des Lehrlings-- schutzes zu verlangen. Insbesondere versuchte die Kleinindustrie, die Ausbeutung des ungeschützten Teiles der Arbeiterschaft, des Lehr- lings, zu steigern, um im Wettbewerb mit dem Großbetrieb nicht zu unterliegen. Durch diese Ausbeutung, die in allen Ländern ein vielfach angewandtes Mittel zur Verbilligung der Preise war, ent- standen als Protest große Jugendbewegungen, die sich nach dem Vorbild der Arbeiter zu einem großen internationalen Bunde zu- sammenschlossen. Da die Jugendlichen noch meist im Bann einer nationalistisch eingestellten Schule standen, wurde in den Konse- renzen der Iugendinternationale die Frage der Erziehung der Iu- gend zu internationaler Solidarität sehr oft Gegenstand langer De- batten. Nach dem Zusammenbruch der großen Reiche in Europa wurde der neu entstandenen Internationale die gewaltige Aufgab« zuteil, die internationalen Bindungen schnell wieder aufzurichten, um die Befriedung Europas und den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete wirksam zu unterstützen. Zwei Jahre nach dem Krieg hat die Jugend die eindrucksvolle Kundgebung in Bielefeld veranstaltet, uin mit den Arbeitsbrüdern ans den ehemals feindlichen Ländern gemeinsam für die Parole„Nie wieder werden wir eure Soldaten!" zu demonstrieren. In der Bekämpfung des Ruhr- krieges und in den großen Gewerkschaftskämpfen erhärtete die neue Internationale ihre Schlagkraft. In Deutschland hat die Sozial- demokratie, die immer schon die stärkste Stütze der Internationale war, um der Befriedung Europas zu dienen und die Außenpolitik der Republik beeinflussen zu können, innerpolitisch große Opfer ge- bracht. Aus dem großen Aufgabengebiet der Iugendinternationale ist neben dem gemeinsamen Kampf für die Iugendschutzgesetzgebung die wichtigste Aufgabe, die Erziehung der Jugend zu internationalem Denken, zu internationaler proletarischer Solidarität. Wenn die Iugendinternationale diese Aufgaben lösen kann, bat sie dem großen internationalen Gedanken wertvolle Vorarbeit geleistet. An die Ausführungen des Genossen Heintz schloß sich eine leb- hafte Diskussion an. Von den Iugendgenosscn wurde verlangt, daß die Internationale die Antikriegsarbeit verstärken solle. Mit dem Gesang der Internationale schloß die Kundgebung. „Jugendbewegung" bedeutete anfangs Rebellion eines Teiles der bürgerlichen Jugend gegen die Bevormundung durch die Aclteren, ein Versuch, aus den Eigengesetzen der Jugend heraus unter Selbstoerantwortung das Leben der neuen Generation selbst zu bestimmen. Man durfte gespannt sein, ob diese Jugend den Weg zu den wahren Trägern der neuen Lebensformen im Proletariat finden würde. Von diesem Gesichtspunkte aus war die Aussprache im Landgemeindehaus am Sonnabend abend über„Jugendbewegung, Erwerbslosenfür- sorgeund Strafvollzug" sehr lehrreich. Der Leiter eines der Berliner Heime für erwerbslos« Jugend, Kaiser, schilderte seine Tätigkeit und die Schwierigkeiten, die er hierbei zu überwinden har. Er betonte den großen Unterschied zwischen den Jugendlichen, die irgendeiner proletarischen Organisation angehören, und den anderen. und kam zu dem Schluß, dyß die Arbeit im Heim, wenn sie auch unbedingt neutral bleiben müsse, mit Erfolg nur unter der Vedin- gung geleistet werden könne, wenn die der proletarischen Jugend innewohnenden Klassenwerte ihr bewußt gemacht würden. Ein vorzüglicher Gedanke, denn nichts ist so sehr imstande, die Jugend- lichen vor den Gefahren und Verlockungen der Großstadt zu schützen als das Gefühl der Verbundenheit mit der großen Gemeinschaft ihrer Klasse. Kaiser ist ein Mensch, der aus de? bürgerlichen Jugend zur sozialen Arbeit gekommen ist; er wußte aber darüber bittere Klage zu führen, daß nur wenige seiner Freunde den Weg dahin finden. S t e u k, Erzieher im Iugendgefängnis Neu- Münster, packt seine Aufgaben durchaus real an. Er versucht, das Leben und Menschengefllhl, das er in der Jugendbewegung er- worden hat, in soziale Tätigkeit umzusetzen; er ist einer der wenigen Pioniere auf diesem Gebiete, die in die Strafvoll- zugsarbeit unverbogen durch eine vorhergegangene Beamtenkarriers Sekommen sind und ist seinen Jungen Erzieher, Führer, ireund, Kamerad und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb auch Autorität. Daß er das Richtige getroffen haben wird, beweist, daß er mit dem größten TeU der Iungens, die entlassen sind, in Briefwechsel steht. Beide Vorträge haben erwiesen, wie notwendig es ist, daß junge Menschen, die in sich den Beruf und die Fähigkeit spüren, die Arbeit an der heranwachsenden Jugend zu leisten, nach entsprechender Vorbereitung diese Arbeit zu ihrem Lebensberuf erwählen. Das gill in erster Linie für die proleta- rische Jugend. Je mehr L«ute aus der bürgerlichen Jugendbewegung den Weg zu dieser Arbeit finden, desto besser für sie. beleibt, hat kastanienbraunes Haar und blaue Augen. Seinem Be- rufe entsprechend wird er vielleicht oersuchen, unter falschem Namen bei Stukkateuren oder in Kunststeinfabriken Arbeit zu finden. Mitteilungen über sein Aufsinden nimmt Kriminalrat Geimat im Zimmer 101 des Polizeipräsidiums entgegen. Die Welt üer Arbeit. Im Rahmen der vom BolksbildungsamtFriedrichs- Hain veranstalteten Bildungsabend« sprach Frau Prof. Anna Siemsen-Iena in der Schulaula Koppenstr. 76 über ,L>ie Welt der Arbeit in der schönen Literatur". Die Rednerin holte weit aus und führte zurück in die Zeit, da es noch überhaupt keine schöne Literatur, d. h. geschriebene Bücher, gab. und wo sich die Menschen, je nach Temperament und Phantasie, ihre Dichtungen selbst zurecht- machten. Diese bestanden zum Teil in ihren Arbeitsgesängen— Lieder, die ihnen die Arbeit verschönen und erleichtern sollten—, zum andern Teil in selbst ersonnenen Märchen, die ihre Muße- stunden ausfüllten. Das primitive, in seiner Anspruchslosigkeit weit frohere und leichtere Leben früherer Pölker ließ naturgemäß eine ganz andere, unbefangenere Fröhlichkeit zu Worte kommen. Als dann später die scharfe Trennung zwischen Besitzenden und Ar- beitenden einsetzte, entwickelte sich die Literatur in der Weise, daß die Reichen zur Verkürzung ihrer vielen freien Zeit der Unterhaltung bedursten und die Dichter, genau wie alle anderen ihnen Unter- geordneten, für sich arbeiten ließen. Di« Dichtung mußte natürlich die Welt der Reichen mit all ihren Interessen widerspiegeln. Der erste, der es wagte, das Schicksal bürgerlicher Menschen darzustellen, war eigentlich Lessing. Damit war gewissermaßen der Bann ge- brachen, der Mensch als solcher gewann an Bedeutung, und nun versuchten die Dichter, wenn auch nur in romantischer Weise— d. h. aus ihrer Welt der Phantasie gesehen—, die Welt der Arbeit zu schildern, bis endlich Emile Zola ein wirkliches, wahres Bild der Arbeit in all ihrer Unromantik entwarf. Dann kam Knut Hamsun, Tolstoi als Kämpfer, Puschkin, Gogol und viel« andere. Sie alle wurden aber späterhin weit überHoll durch Wall Withman, Jack London, Toller, alles Menschen, die aus eigenem Erleben und Leben in der Welt der Arbeit eine ganz andere, weit lebensstärkere Be- urteilung und Wiedergabe chrer Eindrücke besaßen. Unsere heutige Arbeiterbewegung spiegell sich wieder in der Art der Arbeiter- dichtung. Als Anfangs- wie als Schlußwort sprach die Vortragende der gesamten Schundliteratur, die die Menschen in die andere, so- genannte„schönere Welt" entführt, um sie dann um so grausamer in die nüchterne Wirklichkeit zurückzustoßen, ein kräftiges Mißfallen aus. Der dichtbesetzte Saal, dessen Publikum sich durchwegs aus wißbegieriger, oonvärtsstrebender Jugend zusammensetzte, folgte mit viel Interesse dem Vortrag. Die Arbeiksgemeinfchafk sozialdemokrafischer Lehrer und Lehre- rinnen sBerliner Ortsgruppe) hielt ihre Generalversamm- lung ab. Der Borsitzende, Genosse Studienrat Dr. Witte, gab einen Bericht über die Veranstaltungen und die sonstige Tätigkeit der Bezirksgruppe im letzten Geschäftsjahr. Als zur Vorstandswahl geschritten wurde, legte Genosse Witte, der nun fast drei Jahre an der Spitze der Bezirksgruppe gestanden hat, die Gründe dar, aus denen er bat, von seiner Wiederwahl Abstand zu nehmen; er sei aber bereit, im Vorstand weiter mitzuwirken. Zum Vorsitzenden wurde Gewerbeoberlehrer Genosse M a r s k e gewählt, der dem Genossen Witte für seine Tätigkeit den Dank der Anwesenden aus- sprach. Wiedergewählt wurden die anderen Vorstandsmitglieder, nämlich die Genossen Bonitz, Fuchs, Dr. Karlen, Rietz. Schröter, Schultz '(Neukölln), Dr. Witte und die Genossinnen Feuerstack, Giese, Dr. Wcgscheider. Die Reichsbanuerkamcradschast Hohen- Tleueiidorf feierte am Sonnabend im größten Saal des Orts ihr einjähriges Bestehen. Nach Eintresfen einiger auswärtiger Ortsgruppen konnte dann der Leiter vor übcrsülltem Saal die Begrüßungsansprache halten, in der er aus die Notwendigkeit größter Wachsamkeit gegenüber dem Aürgerblock hinwies. Nach einigen Rezitationen wurde dann von der längst erst gegründeten.Republikanischen Jugend" ein Volks- droma„Die Befreiung", von dem Führer der G-uppe gedichtet, in schwungvoller Weise ausgeführt. Großen Beifall erweckte der Sprechchor, der das„Gelöbnis" von Karl B r ö g e r vortrug. In eoher Stimmung blieb die Meng« bis in die frühen Morgenstunden nein beisammen. Die Skadtverordnelenversammlung hat in dieser Woche ihre Sitzung am Donnerstag um?Lö Uhr. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die aus dem Haushaltsausschuß zurück- kommenden Vorlagen über die Zusammenfassung des Verkehrswesens. SO Zahle Stiller. Das Schuhwarenhaus Kyrl Stiller begeht heute den Tag seines 6 0 j S h r i g e n B e st e h e n s. Begründet von dem Schuhmachermeister Karl Sttller im Jahre 1807 als ein kleiner Kellerladen in der K ra u f« n st r a ß e, unmittelbar am Dönhoffplatz, wo sich damals noch das Leben und Drängen der regelmäßigen Wochenmärkte abspielte, hat sich die Firma Stiller zu einem Riesenunternehmen entwickelt. Der Sohn des Begründers, Reinhold Stiller, ist feit 1894 Alleininhaber des Hauses. Aus Anlaß dieses Jubiläums veranstaltet die Firma Stiller Anfang Februar einen Iubiläumssonderverkauf. der besonderen Beweis von der Leistungsfähigkeit des Hauses ablegen soll. Ihr ZSjähriges Vienstjubiläum als Botin des„Vorwärts" in unserer Filiale Greisenhagener Straße 22 begeht heute Frau Schmidt. Kopenhagener Str. 5. Wir wünschen der Juki- lorin, daß sie noch recht lange rüstig und gesund bleibt. ver ArchtteNea- und Zageuieuroeretil ,u Berlin veranstaltet am Man- tag, den 7. Februar, abend« S Uhr, im Meistersaal, Köthener Str. 38, einen Lichtbildervortrag(Diskussion) de« Herrn B. Kühn. Vizepräsident der Preux. Bau- und Finanzdirettion über.Berlin« Großstadtsorgen und sein Tiergarten". Oesseulliche Versammlung de, Reich, bände, der«rieg»beschädigten. «riegsie Inehmer und«riegerhiaterbllebenen, Gau verlin. am Dienstag. den t. Februar 1927, abend« 8 Ubr, in den.Piachtiälen de« Osten«'. Frankfurter Slllee 48. Rescrent: Gauleiter Kamerad Mende. Sriegsopscr erscheint in Massen! Seuosse vr. Itokhaa Braun, ein bekannter Berliner Svezialist für Bein- schaden, gehört am t. Februar 25 Jahre der Eoz. Partei an. Er ist Mitbegründer de« Deretn« iozialdemotratstcher Herzte Berlin«, Vor fitzender de« Hauptocrbande« Roller'scher Slenograpden Deutschland« und betätigt sich besonder« in der Sniwicktung des Arbeiter-Samariterioesrn«. Beben. tendeS Be> dienst erwarb er sich, indem er für die sachärztliche Behandlung von Beinschädcn im Rahmen der Eozialverficherung emtrai. Das Geständnis des Raubmörders Tchulthei�. Der.Einbrecherkönig" Friedrich Schultheiß Hot gestern in Frankfurt a. M. nach eindringlichem Verhör«in umsasseodes Geständnis abgelegt, den Raubmord an dem Juwelier Grebenau begangen zu haben. Die gcraub- ten Sachen, die er zum Teil versteckt, zum TeU vergraben hatte, wurden an dem von ihm der Polizei angegebenen Orte gefunden! Der Mörder des Professors Rosen verhaftet. Der Mord an dem Breslauer Universitötsprofessor ftr e l i r Rosen, der am 9. April 1925 in seiner Wohnung in Bischofs- walde bei Breslau erschossen wurde, scheint nun doch eine vollständige Aufklärung zu erfahren. Em Zuchthäusler namens Jahn der seit Oktober wegen eines Raubüberfalls auf den Finanzamtdirektor Breskow in Reiss« eine 15jahnge Zuchthausstrafe in Wohlau verbüßt, hat vor der Breslauer Kriminalpolizei ein Geständnis abgelegt. Danach hat Jahn den Professor Rosen und dessen Hausmeister ge- meinsam mit einem oreunde namens Strauß ermordet. Auch Strauß ist bereits seftgcnommen worden. Di«-Tat sollen sie auf Anstiftung der Hausdame Rosens, der Frau R e u in a»». be- gangen haben. Frau Neumonn war als ver»i«intlichc Mörderin wochenlang in Hast gewesen, dam, aber entlassen worden. Auch der Sohn des ermordeten Hausmeisters und dessen Frau sowie zahlreiche andere Personen waren ebenfalls festgenommen worden. Schließlich wurde das Verfahren, da ein Ergebnis ausblieb, am 3. April 1920 eingestellt. Frau Neumann, die den beiden Mördern 3000 Mark versprochen und 500 Mark vor dem Morde ausgezahlt haben soll, lebte zuletzt in Riesenhag in Ostpreußen, wo sie ebenfalls verhastet worden ist. Wetterbericht der öffentlichen wcllerdlenftsselle stir Berlin und Ilmgegend. (Zlachdruck verb.) Wechselnde meist slärtcle Bewölkung. Strichweise leichle Niederschläge. Temperaturen wenig verändert.— Zür venischland: In West- und Mitteldeutschland leichte Niederschläge. Sonst keine we�enlllche Aenderung der herrschend« Witterung. Mus öer Partei. Genosse Dr. Kurt Rosenfeld degeht heute seinen fünfzigsten Ge- bimstag. Als Jüngling trieb ihn helle Begeisterung für die große Sache des Sozialismus in die Reihen der kämpfenden Arbeiterschaft. der er seitdem mit unverminderter Kampfeslust ein treuer Freund und Berater geblieben ist. In ungezählten politischen Prozessen hat er sich als Rechtsanwalt für die Sache der Verfolgten eingesetzt. Im Reichstag, wo er als Vertreter des Wahlkreises Thüringen mit nie ermüdendem Fleiße wirkt, ist er einer der Wortführer der Partei in allen juristischen Angelegenheiten. Auch der„Vorwärts" zählt ihn zu seinen geschätztesten und fleißigsten Mitarbeitern. Er vereint sich mit allen, die dem Genossen Rosenfeld zum heutigen Tage ihre herzlichsten Glückwünsche darbringen. parteinachrlchten für Groß-Serlin Eintendunge» fät diese Rubrik sind veriiu SW 68, Liudenstratze 3, stet» ob da» Bezirkisekretortot. Z. Hof, 2 Trep. recht», zu richten. Z.«rei, Friebrich»hoIu. Mittwoch, 2. Februar, 7>4 Uhr, bei Schmidt, Fruchtstr. Zka, Sitzung sämtlicher Mitglieder de» Bildungsausschusses. Jede Abteilung muß unbedingt vertreten sein.— Mittwoch, 2. Februar, 7 Uhr, Bezirksversammlung im Rathaus, Stadtverordneten-Eitzungssaal. Einlaßkarten ab K% Uhr beim Genossen Fischer, Eingang Spandauer Str. ll. Jitei» Schäneberg.Aricdenau. Heute, Dienstag. 1. Februar. 8 Uhr, Sitzung der Zeitungskommission in der Spedition Beljiger Str. 27. Vollzähliges Erscheinen dringend erforderlich. 13. Am!» Tempelhof. Mittwoch, 2. Februar, 7% Uhr, bei Niendorf, Marien, dorf, Chausseesir. 19, wichtige Kreisvorstandssitzung. Erscheinen ist unbe. dingt erforderlich. 14. Krei» Neukölln. Heute, Dienstag, 1. Februar, 7 Uhr, im Bureau, Neckar» üraße 3, wichtige Sitzung des Bildnngsausschusses.— Achtung! Sitzung der Abteilungsmieterobleut«, Mietervrrtreter usw. am Mittwoch, 2. Fe- bruar, 7>4 Uhr, bei Lübbecke, Karlsgartenstr. 12, Ecke ffontanestrage. Erscheinen aller in Frage kommenden Genossen ist dringend erforderlich. Heute. Dienstag, dea l. Februar: iö. Abt. Pünktlich 7H Uhr bei Liebich, Wiener Str. 57, Sitzung des Ab, teilungsvorstanbe, mit den Gruppen- und Bezirksführern. Arbeitsein. tcilung und Materialausgabe. Erscheinen unbedingt erforderlich. 46. Abt. Die Genossen, welch« im Besitz von Listen für die weltlichen Schulen sind, werden ersucht, dieselben bis zum 7. Februar beim Abteilungsleiter, Genossen Packhäuser, Lübbener Str. 6, 4 Tr., abzugeben. Wir bitten, die Frist einzuhalten. 125. Abt. Weißeusee. Di« Genossinnen und Genossen sind zu dem Vortrag der Iungsozialisten im Jugendheim Paristr. 36, abend» 8 Uhr, über„Jugend und Partei" herzlichst eingeladen. 134. Abt. Buch. Pünktlich 8 Uhr im Lokal GSpfert, am Bahnhof, wichtige Vorstandssttzung. Erscheinen dringend erforderlich. ZNorgeu, Mittwoch, den 2. Februar: 46. Abt. 7�4 Uhr Sitzung sämtlicher AbteilungsfunktwnSr« bei Keufner, Sagelberger Etr. 20». Dt« Erledigung dringender Angelegenheiten er- fordert vollzählige» Erscheinen. 58. Abt. Chorlottenburg. 7H Uhr im Rankehaus, Rankestr. 4, 4 Tr., Funk- tionärsitzung. 74. Abt. Zehleo dorf. 8 Uhr pünktlich bei Micklep, Potsdamer Str. 25, Funk. tionärsitzung. 84. Abt. Lautwitz. Pünktlich 8 Uhr bei Lehmann, Kaifer-Wilhelm-Str. 29—81, Funktionärsitzung. Erscheinen aller Funktionäre unbedingt erforderlich. 91. Abt. Neukölln. Besichtigung de»«onsum-Warcnhaufes in Eharlottcnburg, Rosinenstr. 4. Trefspunkt pünktlich vormittag» 9 Uhr am Eingang der Untergrundbahnstation Rathaus, Berliner Str. Rege Beteiligung erwünscht. 136. Abt. Tegel. 8 Uhr im Jugendheim Bahnhofstr. 15 wichtige Funktionär. sttzung. Tagesordnung: Stellungnahme zur Maifeier. Erscheinen sämtlicher Funktionäre ist unbedingt erforderlich. III. Abt. Rosenthal und NiederschZuhaufea-Sesl. Plln/tlich 7>4 Uhr bei Ebb- ineyer, Hauptstr. 16, wichtige Funktionärsitzung. Erscheinen aller Funk. tionärc dringende Pflicht. 146. Abt. Reich»drucke«ei. Nachmittags Uhr wichtige Versammlung im Lokal Henning, Alerandrinenstr. 44. Tagesordnung: 1. Vortrag:»Die poNtifche Lage. Referent Eduard Fächert, M. d. L. 2 Diskussion. Sollt. palhisicrende sind herzlichst eingeladen. B«zirk»amt»reuzbera. Donnerstag, 3. Februar, VA Uhr, i P Lokal Bieler, Dieffcnbachstr. 76, Versammlung aller SPD.-Arbeiter, p-Angestellten und-Beamten. Tagesordnung:„Etatsrechtliches au» p dem Bezirksamt Kreuzberg." Referent Bezirksverordnetenvorsteher Se. M nossc Gerber. Erscheinen ist Pflicht. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Frauenveranslaltungen. 7. Kreis Charlottenburg. Donnerstag, 3. Februar, 7 Uhr, im Zugendheim Rosinenstr. 4, Sitzung sämtlicher Abteilungsleiterinnen. Vollzähliges Er. scheinen dringend erforderlich. Das Sonntagsprogramm brachte beinahe zuviel Musik. In der Stunde der Lebenden Reutöner wie Honegger, Prokofieff und Malpiero und am Abend in einem populären Orchesterkonzert Komponisten wie Sinigaglia, Grieg, Mendelssohn, Schubert, Komponisten der Melodie und stärkste Gegensätze zu den Atonalen. Verdienstvoll ist es von Georg Szell, daß er seltener gespielte Kompositionen ausführte wie etwa Dvoraks„Karneval-Ouvertüre" oder Sinigaglias„Le haruffa chiozetta", leichte, entzückende Ding«, sprühend von musikalischen Einfällen und stark in melodiöser Er- findung. Sztll, der sonst gerne im Pathetischen verweilt, spielte ganz zart und manchmal mit überraschender Eleganz, außerordentlich klangvoll war das Orchester in Mendelssohns.Sommernachtstraum". Für viele Hörer interessant wird der Vortrag Dr. Herbert Rosen- f e l s„Ein Tag im Filmatelier" gewesen sein, der ein Bild von den Vorgängen bei Filmaufnahmen entwarf. Manche Schilderungen hätten plastischer ausfallen können. Am Montag in der Novellenstunde las Ida W a tz k den „Jonathan" von Georg Heym. Diese starte, packende und manchmal abstoßende Dichtung von dem kleinen verunglückten Matrosen. End- lich eine Vortragende, die Prosa sprechen kann. Noch stört ein Tremolo der Rührung. Aber Ida Watzk durchbricht nicht den er- zählenden Ton durch zu starken dramatischen Ausdruck. Die Altistin Elsa Bartsch-Strauß sang daraus Lieder von Hans Her- mann. Die Stimme erscheint für den Rundfunk ungeeignet. Sie ist in der Höhe schrill, fast keifend. Außerdem sollte Hermann im Rundfunk seine Lieder nicht selbst begleiten. Er spielt derart kor- tissirno, daß der Gesang dagegen überhaupt nicht zur Geltung kommt. Wie begleitet werden muß, zeigt Bruno Seidler- W i n ck l e r, der sich in der Griegschen Sonate mit feinster Ein» fühlung dem Geiger Olaf Grunevaldsen anpaßt. Grunevald- sen«rweist sich als exakter ober herber Interpret Grieg?. Abends als Sendespiel.Dantons Tod", von Büchner als Melodram koftü- miert. Leider fehlt diesem grandiosen Revolutionsdrama in der Regie Brauns der revolutionäre Atem, das gepeitschte Tempo, mit dem diese kurzen Szenen heruntergerast werden müsien. Nur in der Szene der Nationalversammlung, akustisch ausgezeichnet ge- geben, lebt eine Ahnung von Büchnerschem Feuer. Sonst inszeniert Braun ins Breite, wie�lich auch sein Saint Juste durchaus gemüts- durchsonnt benimmt. Man glaubt ihm weder Grausamkeit noch Blutdurst, trotz des imponierenden Stimmaufwandes. Ueberall dehnt man, statt zu konzentrieren. Selbst Paul Bildts braver Robespierre arbeitet mit langen Kunstpausen und ausdrucksvollem Röcheln. Nur seine große Rede wird mit Elan hingelegt, und Bonns Danton schwankt zwischen Konversationston und jambischen Baßarien. Dos Ganze ist ein« hübsch inszenierte Opernaufführung. Elterntzeieiie! Henk«, Dienstag, t. Febenae, beginnt bee Knefn» „Di- Arbeit de« Elternbedho,es in Weißens« aus. Wir bitten um rege Beteiligung. .„ 32. Abt. Unser Revisor und Bezirksführer Genosse Ernst H a r t m a n n ist nach kurzem Krankenlager verstorben. Roch im vorigen Jahre konnte er feinen 70.-Seburtstag feiern. Bis zuletzt war er, trotz seines hohen Alters, in der«lcinarbttt für die Partei äußerst tätig. Die Jungen mögen sich daran ein Vorbild nehmen. Stets werden wir des braven KSmvfers in Eher» gedenken Beerdigung am Mittwoch. 2. Februar, nachmittags 3>4 Uhr. von der Leichenhalle des St..Anbreas.Friedhofes, Hohenschönhausen, Berliner Straße 33— 34, au». Recht zahlreiche Beteiligung der Genossinnen und Gc» nassen wird erwartet._ Sozialistische Arbeiterjugend Groß-öerlin. Heute, Ahr: Abteilungsmitgliederversammlungen: «esnndbrunaen: Schule Gothenburger Str. 2.—«edding.Rard: Jugend. Helm Tumner, Eck« Seestraße.— Balkan: Gemeindefchule Mandelstr. 2— Nordost ll: Jugendheim Danziger Str. 62.— Seneselder-Bicetel: Schule Da». ziger Etr. 23.— Sasenheid«: Badeanstalt Bärwaldstr. 64.— Halense«: Schule JoachiM-Fr>edrich.Str. 35—36.—«ilmersdors: Jugendheim Hildegardstr 4— Steglitz!- Jugendheim Albrechtstr. 57.- W-nnsce- Jugendheim Charlotten. . Renkölln I: Jugendheim Sander-, Eck- Hobr-äitstraße.— Neukölln N: Jugendheim B.rgstr 29.- Nenkölln IN: Jugendheim Steinmetzstr. 114.- !~r5L" V: Sertzbergplatz(mit Bortrag:„Arbeiterfvort�.— Reinickrn. dors-Ost: Seebad, Residrnzstr. 46.— Buchhol,: Schule Berliner Straße. * Falkplatz: Schule Cberswalder Str. 10. Bortrag:„Thomas Münzer und ?°"�ukriege."— Rosenthal-r«arstadt: Funktionärsitzung beim Genossen Willi Dohms.— Gchiahanser Lorstadt: Jugendheim Driescner Str. 22. Vor. trag:„Völkerbund."— Feanksurte««iertel: Jugendheim Rigaer Str. 103. Funktionärsttzima.— Köpenick: Jugendheim Erünauer Straße. Toller-Abend.— «einickendors-Ost»nb-West: Iugendhau, in der Seidclstraße. Vortrag: „Staatsformen: Der Absolutismus." vsrträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz. Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E 14, Sebastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Mitte: Am l. Februar, 8 Uhr, Cornns Festsäle, Gartenstr. 0», Versammlung der 0. Kameradschaft snicht 4. Knmeradschaft). Vor. trag des Amtsgerichtsrat- H-rzfeld. mit __________ v________r________—~-i_____ v � Referent Dr. med. Austgen. Thema:„Asthma", mit Lichtbildern. Ueber.Jndioldnalpsychologi« und Pazifi-m»»" spricht Ad- Beil am Dien». to«, 1- Februar, 8 Uhr, Wilhelmstr. 43, in der Frauenliga ftlr Frieden und Freiheit. Gaste willkommen. Langfellaw«ualisl, Debating Clnb, Bülawstr. 104. Mittwoch, 8 Uhr, Mr. Pender, M. A.:„Lome Rotes oit James Jogce". Okasa für Männer! sieht die Orisinal-Packung ä 100 Tabletten aus! Beachten Sie diese genau I BsMt nnrclBJhasa"! xoitiger Schwich«) Ter- arbeitet werden. 3ede Nachahmung weise man zurUck. Weit« Wege haben DQBere Rohprodukte zurückgelegt, bevor sie in Deutschland zu__ hletten nach Geheimrat Dr. med. 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Februar, abend» 1 Ahr. tu der Alnlackftrad« 0 (Ardeiteausgäberonm) Versammlung � aller Kollegen Schmiede au» den Znnungsdekricben. Tugesorbniing: l. Stellungnohme zu wichtigen Betriedsfragen 2 Branchen- aiigeiegenheiten. 3. Verl ä irdenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet. �»ng! zmiedsläke Die Beiriebsräte-Zeitschriit Rr. 2 itl ersckienen und Itinn gegen Vorlegung der L-giiimaiionskärie des Vetriedsrais- odmaniies in unserem Bureau. Zimmer 5. oder nach 4 Uhr im Zimmer I entgegen. genomncn werden _ Dt« Ortapannolfgos- Tombola- ficwlnne „ üarneval ' aiimci Pohl& Weber Nchflg., fpUictmarlU 4 Z. L Verlangt Prelslld» S. Ausgestellt Im Schaufenster 1t, RoBstraBe Gestreifte Beinkleider in reicher Auswahl Sporthosen/ Breeches/ Pumphosen Reithosen ausWhipkord oder Manchester Skihosen aus Trikot oder Zeltbahnstoff PEEK& CLOPPENBURG BERUM C 19/ GERTRAUOTCN*STRASSi 2S?27/ ROSS-STRASsfTe ?03p WOsMs V.."t .■■"•.:...> v- � V- Baukonferenz üer Noturfreunüe. Im Treptower Rathaussaat fand am Sonnabend und Sonn> rag die»anserenz der X.«®..Die Naturfreund«' für den Gau Brandenburg statt- Z? Vertreter waren erschienen, um die praktischen Lrbeitsgrundlogen weiterer Naturfreundearbeit in dem weitreichenden Gaugeblet von Magdeburg bi» Schneide- mühl uni) Weihwasser(Oberlaufih) bis Stralsund festzulegen. Der Sonnabend führt« die Erschienenen zu einer kurzen Begruhungs seier zusammen. Vortreffliches bot dabei wiederum die Berliner Musikgruppe, gut unterstützt im weiteren Nahmen der Darbietungen von der Sesangsgruppe Norden, Rezitationen und Liedern zur Laut«. Der Sauobmann, Genosse B u l a n. begrühle die Erschienenen, dem sich Stadtjugendpfleger Genosse Birnbaum als Vertreter des Jugendamtes Berlin. Treptow anschloß. Di« Grütze de» Provinzialsportkariell» übermittelte Genosse Sommerfeld. Am Sonntag früh begann die»igentlid* Tagung mk einem Relerot des Wandergenossen Stadtrat Dittmer über.Natur. freundschaft und Gemeinschaftsleben'. Ausgehend von den ersten Ansonaen des Wonderns. in der man eigentlich« Organisationen nicht konnte, und der Entwicklung der bürgerlichen Wanderbe- wegung, skizzierte er tie Erziehungsaufgaben der Naturfreund«. Besonderen Wert legte er dabei aus die Entwicklung zur gemein- schaftlichen Arbeit. Besonders in der Ausgestaltung der Feste und Feiern müssen wir über den Rahmen der bürgerlichen Kultur hin- auskommen. In allem soll der Sozialismus zum Lebens- f a k t o r werden, genier gelte es, kritisch« Einstellung zu anderen und uns selbst innezuhalten. Gemeinschaften zur Arbeit und zum Wandern sind durch gleitz, Will« und Konzentrotion heraus- zubilden, die sich um guie Führernaturen gruppieren.— Der G«- f ch ö f t s b s r i ch t der Gauleitung zeigte ein reich gegliedertes Ar- beilsfeld. Der Stand her Organisation ist gut. In Stralsund und Landsberg a. d. W. sanden sich neu« Ortsgruppen dazu. Ein Führerkurfu» fand guten Zuspruch. Desgleichen zwei yerienfahrten nach Thüringen unj» in den Schwarz- wald und mehrere Gesellschaftsfahrten. Diese Arbeiten sollen In größcrem Maße fortgesetzt werden. Der Kasienabsihluß ist trotz der Wirtschaitskrise verhältnismäßig günstig. Schwierigkeiten ergaben sich in der Herausgabe der G a u z e> t s ch r i f t. Der B i l d u n g s- ausschuß hat die Beratung in Reserentenfragen, Lichtbildervor, trägen und in der Ausgestaltung der Fest« und Feiern über- nommen.— Nach der Diskussion wurde zur Hüttenbau frage beschlossen, daß in letzter Hand dem Gau und schließlich der Reichs- leitung die Entscheidung über ihre Verwertung und über neue Bau- Pläne vorbehalten bleiben muh Die einzelnen Häuser bleiben wie bisher in der Verwaltung der Ortsgruppen. Eine Resolution zur Unter- stützung der Arbeit des„N o t u r s ch u tz r i n g e s Berlin. Brandenburg' fand Annohme. Sine weitere Resolution gegen den Ausschluß der schwäbischen Ortsgruppe Schwenningen weqen parteipolitischer Umtriebe wird gegen eine Stimme durch lieber- gang zur Tagesordnung erledigt. Der Gaubeitrag wurde noch den Vorschlägen des Gauoorstandes unter gmngsügiger Abänderung festgesetzt. Bei den Wahlen wurden einstimmig gewählt: vbleute Bulon und Menzel, Kassierer Sinn und Schuppa. Schrsstsührer Schmidt und Lotte Berger, Schriftleiter Lau. Beisitzer Balke, Bau- mann, Behrotter, Doninitz und Pottgießer, Revisoren Kistner, Lauer und Masphul. Verbeqbead de» Kartell, Mitte. W» Abschluß sein«,«rsien Geschäftsjahre» veranstaltet« kürzlich da» Arbeitersport- und Kulturkartell des Verwaltungsbezirks Mitte in den Sophiensälen einen Werbeabend. In einer großen An. zahl Programmnummern wetteiferten die angeschlossenen Vereine, zum Gelingen des Abends, beizutragen Mitglieder von Ficht« führten Kind,rr»ig»n auf. zeigten neuzeitlich» Gymnastik, turnten ap Reck und Barren. Tin oorgetäuschter Unfall b«im Turnen gab der Arbeitersvmariterkolonn« Gelegenheit zur Borsuhrung ihrer Tätigkeit und der Kraftsportverein Birke-Alemomiia zeigte Schwer- ahtleuk. Die Mitglieder des Arbeiter.Theaterbund«, hauen«in Nein«» Orchester zusammengestellt. In einer Ansprache wies der Kartell- Vorsitzende aus die Notwendigkeit für die Arbeiter hin, Sport nur in den Arbeitervereinen zu treiben. Alle» in allem ein«, trotz aller Mängel schöne, wirkungsvoll« Veranstaltung. Mieder bei Cictfc? Di» kommunistische SamorUerbewegung in Gestalt des„Prole- tarischen Gesundheitsdienstes' ist bekanntlich vor längerer Zeit elend in die Brüche gegangen. Der berüchtigte g i«» k« hatte in ihn einen tiefen Keü hineingetrieben und ist dafür in der.Roten Fahne' weidlich beschimpft worden. Nun aber scheint die.Rot» Fahne' zu ihrer alten Liebe zurückzukehren. Seit Wochen schimpft st» über den Arbeitersamoriterbund. der sich angeblich mit bürger- lichen Organisationen eingelasien hat. Der Aerger des komm»- nistischen Blatte» ist begreiflich, denn im Arbeiterjamariterbund hat die kommunistische Zellenbauerei bisher keinen Erfolg gezeitigt. Man glaubte, mit den von Liesk« abgesplitterten Elementen in diese Festung Bresche schlagen zu können, was aber anscheinend noch nicht nach Wunsch gelingen will. Die Schimpferei der.Roten Fahne' ist nicht, weiter als die Begleitmusik zu diesem Treiben. Sachlich auf das Geschreibsel einzugehen, lohnt wirk- lich nicht.__ Meifierschaft»kämpse im„Jreien Keglerbund". Di« Meisterschaftskämpse im Dezirk Neukölln haben ihr End« unter großen Ueberraschvngen erreicht. Es qualifizierten� sich auf Bohle: Bezirkseinzelmeister, Walter Wezzcl mit Ist? Holz, Bezirkstlubmeister,.Flotte Kugel-Glatt« Latte' mit 3590 Holz.— Figurenmeisterschaft: Figurenemzelmeister. Kurt Hübner mit 313 Punkten, Bezirksklubmeister,.Flott« Ängel-Glatte Latte' ist 793 Punkten.— Die GruppeneiMeilung für tSZ7 ist nunmehr mit 793 Punkten.— Die Gruvpeneinteilung Gruppe A: Flott« Kugel- � Harmonie 21. 3373 Holz Schiebe sachte. 3368 Holz, Lorbos, 3566 Glatt« Latte. 3390 Holz. Holz, Steh auf Glatt Holz, 3336 Holz. Gruppe V: Frei« Bahn, 3552 Holz. Walze. 3547 Holz, Sechs Kalte. 3521 Holz. Dordereck. 3517 Holz. I. A.».. 3511 Hol». Gruppe C: Frei weg. 3510 Holz. Lustig« Sieben. 3473 Holz. Huich-Husch, 3451 Holz, Einer steht, 3443 Holz. Scharfer Schub, 3444. Dann folgen: Scharfe Gaste. Fertig ist der Lack, Glatte Latte. Slllemonn, Unter uns. Eine Konferenz des Buadesjugendausschust«, der Arbeiter. lurner und-Sportler iand am Sonntag in der Bundesschule in Leipzig statt. Di« bisher ablehnend« Stellung de» Ausschust«» gegenüber dem„Reichsausschuß deutscher Iugendverbände' wurde abermals unterstrichen, dafür aber angeregt, eine enger« Verbindung mit den gewertschastlichin und politischen Jugend' oraanisatianen anzustreben. Begrllßt wurde d«r Beschluß d»r KreiSvertreterkonferen� durch ben ein« Aufnahm« de? sportlichen Sugendabteilungen der Gewerkschoften«nb der sozialistischen Ar- beiteriugend bzw. bi« Zusammenarbeit mit ihnen freigestellt worden ist Eine Beteiligung der Schulen on den Kämpfen um das Reichs- spänabzeichen wurde abgelehnt. Freudig begrüßt würbe die An, reauna.«in»unde-jugenbt reffen abzuhalten, bereu Durch. öS«»Isen obliegt Für bi. Feier der Schulentlassenen soll eine besondere Agitation emgeleüet werden. Die Derein« können Material durch den Bundesvorstand ansorderu. Ei» Wagweiser durch«ine selbst zusammengestellt« Jugendbücher«, wird bald fertig sein. F ü h s e l- Leipzig wurde als Müberater für Bühnenvorführungen bestellt. Der von der Bundesschul« vorgeschlagene Kursusplan fand Zustimmung. die Turnfpieler schließen sich zusammen. In ben neuen Räumen bes Kortellverbandes Groß-Berijn tagte am Sonntag der Kreis der süngsten Sparte des 1. Kreises der Turnspieler. Vertreten waren neben den Turnspielern auch die Hockey- und Tennisspieler, um den Zusammenschluß zu einer Spielersparte herbeizuführen. Am Vormittag hielten die einzelnen Spielarten gesondert« Sitzungen ab. um zu der Vereinigung Stellung zu nehmen und intern« Angelegenheiten zu regeln. Dann gab der Kreisspielwart den Bericht, aus dem sich ergab, daß die Bewegung von 96 auf über 200 Mannschaften in kurzer Zeit gestiegen ist. Ein« besondere Lösung bedürfen noch die Fragen der Schiedsrichtervereinigung innerhalb der lurnspiele. Bei der Behandlung der Organisations- fragen dienten die von der Funktivnärkonferenz angenommenen Richtlinien; daraus ergab sich der Zusammenschluß in einer Mit- gliederstärke von 3000. Bon den 93 Delegierten waren 60 Mit- glieder einer freien Gewerkschaft, nur 30 waren politisch organi- fiert.(1) Neunzig Delegierte waren Leser der Arbeiterpresse. Der Spartenbeitrag beträgt für alle Mitglieder 20 Ps., an Meldegebühren sind für Männer 30 Pf. und für Frauen und Jugendliche 20 Pf. pro Spieler zu zahlen. Der Sportenvorstond setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzender Friedmann slenni»), Kassierer Krüger (Hockeys, Obmann der Techniker Richter, Schriftführer Gertrud Busch und Beisitzer Ortmann, sämtliche Turnspieler. SportjugenS unü Sportarzt. „Ertüchtigung der Jugend' ist nicht mehr nur ein geslügeltes Wort geblieben— wie es zuweilen schien—, sondern auf Grund der Forderung unserer Zeit zu einem inhaltsreichen Begriff ge- worden. Allgemein und in allen Voltsschichten beschäftigt man sich ernstlich mit den Fragen zur Klärung sowohl der Notwendigkeit al, auch der günstigen Einslüste der Leibesübungen auf die Ge sundung unserer heranwachsenden Generation. Daß man auch bereits für die Schulen diese Aufgaben mit mehr Verständnis aufsaßt, zeigt uns der Jkamps u m die tägliche Turn- stunde'. Es ist zu wünschen, daß sie Allgemeingut aller werde und die Verfechter dieser Idee nicht eher locker losten, bi» dies» berechtigte Forderung erfüllt ist. Es ist verständlich, daß die A e r z t e im Lager derjenigen zu finden sind, die Turnen, Spiel und Sport auch in den Schulen befürworten.. Und wir haben viel« Mitarbeiter und Gesinnungsfreunde unter den Lehrern und Er, ziehern. E» bleibt hier aber noch ein wcites Arbeftsfeld den Aerzten, die als Berater über den körperlichen und gesundheitlichen Werde- gang der Jugend wachen sollen, gemeinsam mft den Lehrern, Iugendleitern und sonstigen Erziehern. Di« ärztlichen Auf- «oben sind In mannigfacher Hinsicht von besonderer Bedeutung. Es ist erfreulich sestzustellen, daß ein gewisser Umschwung insofern eingetreten ist, als in den Schulen die Zahlen der sog.„Turn- besreiungen" im allgemeinen abgenommen haben. Aber auch die Lehrer und Erzieher stehen dem Eintritt der Jugendlichen In Turn- und Spyrtveretn« nicht mehr ablehn endend gegenüber, sondern sie befürworten mid begünstigen ihn. Es ist nur zu wünschen, daß eine noch engere Arbeitsgemeinschaft zwischen Schul«, B« r- einen und Aerzten. vor ollem Sportärzten, zustand« kommt Es kann nicht verschwiegen werden, daß die Jugend vorzeftig zu einer Leistungssteigerung oder gar zu Höchstleistungen ongehalten wird, wa» durchaus verwerflich ist. Wir müssen als ihr« Berater bedenken, daß auch in den Leibesübungen Maß gehalten«erden muß. Dies ist besonders zu beachten bei Sporttreibenden, die mft irgendwelchen körperlichen Fehlern behaftei find und die deshalb im Training einer gewissen Schonung und einer besonderen Be- obachtung und Einteilung bei der körperlichen Betätigung bedürfen. Nur auf Grund genauer Untersuchungen, Beobachtungen und Kontrolle, die vom Arzt durchgeführl werben müssen, wird man den notwendigen Anforderungen Genüge leisten können. vr. med. S ch w e n n, Chemnitz. ltrziehimgs- uvö Silüungsarbeit im u. S.-S. Di« Erziehung jedes Menschen ist der Grundstein, der für sein ferneres Leben ausschlaggebend ist. Darum gilt e» auch, die Er» Ziehung eines jeden so durchzusühreii, daß au» ihm ein vollwertiger Mensch wird. Im Interesse des Proletariats liegt es, daß nicht nur Erziehung zum Nutzen des einzelnen, sondern zum Vorteil für die Gejamiheil geleistet wird. In der heutigen kapitalistischen Gesellschaftsordnung stt eine Erziehung, so wie sie für unsere Kinder notwendig wäre, schwer durchsuhrdar. Die Erziehung der Kinder im Elteriihauje läßt Ichon viel zu wünschen übrig. Außerdem aber ist auch das öde Einerlei der Großstadt, in dein die Kinder ihr« Freizeit verbringen müssen. nicht dazu geeignet, freie, denkende und gesunde Menschen heran« zubilden. Auch die Schulzeit bringt den Kindern keine Erziehung in unserem Sinne. Elementarwissen wird gelehrt, um die Grund- läge für späteres Wissen zu schassen. Viel zu wenig wird aus die Denkarbelt de» Kindes Wert gelegt. Die Beherrschung des eingepaukten Einmaleins, der Religionsgeschichten und sonstigen Lehr- stofse» ist die Hauptsache in der Volksschule. Wohl ist durch Errich- tung der welllichen Schule ein Fortschrift geschaffen, aber es gift auch weiterhin für eine bessere Schulreform' zu streben Kinder der Schule entwuchsen, dann setz» erst die richtige Erzi arbeit«in. Der Jugendliche lernt im Bureau oder in der Fabrik erst begreifen, was es bedeutet, wenn man einige Portionen Witzen und Bildung besitzt. Er wendet sich dahin, wo ihm die beste Mög- lichkeit zur Ausbildung gegeben wird. P a r t« i« n u n d G e w e r r- schaften sind bestrebt, diese Möglichkeiten zu schaffen; aber auch der Arbeiter-Turn- und Sportbund steht hinter diesen Bestrebungen nicht zurück. Wenn er auch auf die Eigenart leiner Bestrebungen, nur Sport zu treiben, Rücksicht nehmen muß, so ver- sucht er doch aus alle erdenkliche Weise, seine Ziel«, körperlich« Er- tüchtigung und geistige Erziehung, zu verwirklichen. Durch Kurse an seiner aus eigener Kraft erbauten Bundesschul« stärkt er das Wissen seiner Funktionäre, die dadurch in die Lage versetzt Sind die ' ung». werben, auf wettere Kreise der Mft glieder zu wirken. Arbetts« gemeinschaften werden abgehalten, Vorträge und Diskussionen aus Tagungen und Bereinsversammlungen gepflegt, und so wird dem einzelnen d!« Möavchkeft gegeben, neben seiner sportlichen Tätigkeit ai'dj geistig« Regsamteft zu entfallen. Den größten Wert legt man natürlich auf die Jugend. Alle Kräfte der Funktionäre werden angespannt, d!« Jugendbewegung auch in geistiger Beziehung vou- wätts zu bringen. Die Gebiets, in denen Einführungen gegeben werden, sind sehr zahlreich. Reben Vorträgen Über rein spart. technisch« Fragen, die aber auch Denkarbeft bei den Zuhörern vor- aussetzen, finden wir wissenschaftliche Einführungen, in der Hauptfachs über den menschlichen Körper und über Sexualsrogen. Vorträge über Sport- und Lrbeiterbeweguno. Alkohol und Nikotin und Hygiene werden abgehallen. Aber auch die Pro- bleme der Frauenbewegung werden nicht vergessen. In diesen Bestrebungen des Arbeiter-Turn- und Sportbundcs finden wir Ansänge, die von der Ansicht oer„nur rein sportlichen Le- tätigung' abweichen. Bon dem Sedanken ausgehend, daß«ine so stark» Trennung zwischen sportlicher und geistiger Betätigung nicht möglich ist. da bereits bei Ausübung des Sportes eine gewisse Denk- arbeit erforderlich ist. will man dies« Denkarbeit in seder Hinsicht fördern.__ Zum inkernafionatea Schachturnier ZU Ostern veröffentlicht der Arbellerschachklub Berlin folgenden Ausruf; .An die arbeitende Bevölkerung von Groh-Berkin! In der Zeit vom 14. bis 18. April findet in Berlin das 2. Internationale Arbeiterschochturnier statt Es ist dies die größte Schach- veranstollung, welch« je durchgetührt wurde. Der Berliner Slrbeiter- schachkliib hat die Aufgabe, dieses Turnier vorzllbereften. und da mit einem Besuch von zirka 2000 Arbeiterschachspiclern gerechnet wirb, wenden wir uns schon heute an die Berliner Bevölkerung mit der Bitte, uns für M« 3«* Quartiere zur Bersügung zu stellen. Ave diejenigen, die bereit sind, Genossen aufzunehmen, wollen sich bei Franz Koch. NW. 87, Turmstr. 74. melden. Die Gruppe Neukölln de» Schwlmmvereins vorwärts. Berlin 1897 e. v., veranstaltet Sonntag, 6. Februar, im Stadtbod Neukölln. Sanghoferstraße. ihr internes Gruppenschwimmsest. Zur Vorführung gelangen neben den Stafetten und Einzelschwimmen ein Kinderreigen(12 Mädchen und 12 Knaben). Retwngsvor- sührungen und die Ausbildung von Nichtschwimmern. Den Abschluß bildet»in Wosserballspiel um die Vereinsmeisterschast. Beginn 3 Uhr. Eintritt 0,30 Mark. Die Badsahrer-llugend. Der Arbeiter-Radfahrer-Bund„Soli» dar i tat' hat soeben«in slottgeschriebenes Heftchen„Die Jugendpflege- Organisation' herausgegeben, das einen interessanten Ein- mft» Ueherdlick über den Aufbau der Organisation und die Ziel«, die der Bund mft seiner Jugendbewegung erstrebt, gewährt Zunächst werben bi« Gründe und Grundsätze der Radfahrer- Iugeird pflege dargelegt und dann die Organisation in ihren einzelnen Ausschüssen vorgeführt. Den Abschluß bilden Arbeitspläne, Be- schäfilgungsmittel und ein Umriß der Pflichten der Jugendlichen und Erwachsenen._ Juhbailresuilaie vom 30. Januar. der Siegen, der w der Senntagnecht herunter kam, machte im Verein mit dem Tauwetter einen grahrn Teil drr Plötz' spielunfähig, und der Zuftaniz ''........ drr®piel«_gto�tn ckinflntz. ___________.........___.___ irnow G durch drn unrntschiedenrn Vusgang des Treifen, mit Stauen 0.: 1) ins » ist her Weg»ur Meisterschaft«n». >- d da, R-chsehen. Varwärt, ließ Spitze»erdrängen. Mit i;0 als Nordist, gewann qeg:n Vebeiter. »it>: l llnian gegen Teutani« d: I. tzichte-Sesunddrunnci, 7!». Fichte« gegen H-lv-Ua 2! t Wacker« gegen Lowjei «rd gegen«etten 1- 0.«etzin geaen Elstal ß: I.— Bcz'rk in 9iee aus der -"eleu ...„WM. WW WW WWW... llätz« spieiunfähla. und der Zustand der spialfohigen Plötze hatte aus den Ausgang her Spiel« großen Sinfluß. Uekerrolchend hohe und auch lnapp« Zl-fultote standen deshalb auf der Tages. ordnung. Im Norden fiel in«ldteiliing A die Entscheidung. Rath" MtzeMTrels-n, mit Stauen 0.; 1) Ä.1 st« n t Vli-SnenX» rannte gegen Brandeudurg 02 nicht dn....1 "" l«d, wiederholen, reichlich nervSse» Spielen und schlechte» RuljreU Ihnen Sit» und Vunlte. Trotzdem di« Brandendiirger mit 5: 1 Li."!' -" cherlh, ZZ«It eine» Puni« die Fllheuna in Abteilung B.«im de tzeuthen von Hertha hoch»ü 1:4 geschlagen. Lichtenberg tlT der Steg aber Sparta Seinon tzufaSsersolg darstellte, Slblershos Meister. WW�>�WWM>WW»aie- 2. Zasmania gegen Ladowa 1; l. Treptower Ballspiel-Tlud gegen Ziercin gegen Setschenhorf 7: Z. Beeliner Spor«. Merkur gegrn Wildau t: Der Bezirk .>nn tag wurde Keuthen v»n Hertha'dach'»it 1:4 giCchlagr bewies, daß de» Sieg aber Sparta«einen tzvfaSscrfolg darstellte, mutzte mit' 4 1 1 aefchlagen die veimreile anrreien und auch alle fchaftsholtnung VgrSbeT Zilltnhtte ll spielt, geg?, L?N!q.Zi Nmedrichahagen aeaeo Neixnhaacn 5:C M~ Stralau gegen Slichterrwald- 13: 0. T rat Bvvegungsfviel« 6: t. Britannw gej verein K gegen Berolina 2:8. Südwesten hatte sehr i Rur wenig« Spiel, konnten festigt« seni» FNeerstelluna WWM»MMWWWW>»PMW> mann gegen Woltergdors Nur knapp mit 2! l.«reuiberg gegen M nkwitz unentschieden 2: 3.«uckenwalde III gegen �utzballring U: V. gar- stdtzer 08 gegen Potsdam 10: 0. tun» 2» gegen Viktoria �: 2. Kampfberichke. in der A.stlafs« hinnehmen, mit 20: 8 Punkten aerlteß„stvrich� al« Sieger di, Matt» In der Ligaklasse kämp'te der.Spandauer tirastspart-TIud" und dar Sck...Lurich 02"' 14:14 Uneni-'chieden.— Sri dem am letzten Kreltag statl- g-tundenen Mannschaftsringiampf der iiqaklasse de»«lABD. siegle der Sk..Eiche iroö" übet seine, Segnee, den Sil. Liberia» 9t' mit 17: 11 Punk ten. Im Schwaegawicht sielen die Punlte kampslo» an»Liderta»".— Nesultit vom Uampsavend»tzldlee OS"—„Siegfried Od" 14: 14. .■ajkn N' gegen �N-rd.Wrst".«m l. Februar, tz tlbr, findet in drr Turnhalle Pank-, Ecke virsrnstraß», drr sölligr Seriepkamps um di» Ural». «rifterschaft d«, AAVD. im Ringen statt. Dir A-Mana schatten i««tag»».Adler«" und.81»»»«, ge» terffen sich Donnerstag, 8. ffebruae. 8 Uhr, Turnhall« Manreuffelstr. 7. .Deralipa'—„Uatb-fR�. Ds-nstog, 1. Jedruar. tz Uhr. findet in der Balle Christbueaer Str. 7 der Serienkampf im Slingen, wischen streismeister„Vero- lina" und„Rord-Öst" statt. Diraatag. l. Feten«».« Uhr. nndrt in der Turnhall'«rangrlstr. 128 der fällig, Srrirnringkampf«wtfchrn den«rrrinrn.Siegfried 00" und „Lueich 02* statt. S-rlnesu». Dir Aufruf« d»» SS.„Drr Nina" hatten«ll-n Sriolg, sa daß der l. Uursus geschloffen werden mußt». Di« Verein, letNing richtet nunmehr «Inen zweiten«ursu-«in. Anmeldungen an«e.»eysel, Nv 3S. Prenzlouei — 27, adre Montag und Donnerstag von 7—--ZlO Uhr an den Training». ,n. Sportschul,„Nerhrn", Lgchrner Str. 130. Schriftlichen Anfragen ist findet am »enrral- Alle« ,denh»n.... Ztückvorto beizuMgea. Futzdallklaff» drr torisschul«. Der nächst, U-dungsab.n» ft lnersiag, 8. Februar. In der Turnholle Sipsstraße statt. «erliae, Schmim«»«»,!».»«ll»". Freitag. 4. Februar, 7 Uhr, Dannerstag. Vartipa.— JH-ä— versammliing, Samen, iis-�öl«, Memeler Sir. 87. Taurifteaaerei».Die Zl-i-rsreurde", 3-vtral« Wien. 0rt»geuppe«erlia: Mittwoch. 2. Fedrnar. 8 Uhr, im vophien.Lnzeum. Seinmrlsterslr. 18—17, flun»t>»«är«anf»ien W> Miawatzaa im Seim Sderigstr. I Uhr. im»eim. Lau.j-«dt. liergarten straße..Sternknnd«.- Abt. Norden:»I'natog. 1 Februar, 8 Uhr. im Heim Sonnenbueaer Str. 2«. Dr. Schutte:.«lerander II. und der Zühili.mus."— Sonnenburger Str. 20. Dr. efflnite:.«Irrander II und der Rihiliamns."- »dt.«edding- D>-n»iag. I. Februar, tz Uhr. ,m Heim Luremburger Str. 7. „Technik der Urmit.'- Abt. Teltow: D,en,tag l. Februar. 8 Uhr. im Stim Sli-nfte. 4,«eiangsgP-pp«.. vdi. Panlow! Dienstag. 1. Februar. 8 Uhr. im Heim Sorlö'str 14. Heimob'Nd.-«ustkgemeins�as,«ordea: Mittwoch. 2. Februar, ltz» Uhr, de, Lehmann. Sandpstr. 21, Uedungsabend—«»t. «dt. Li», ende rg: Donnerstag,»�Februar. 8 Uhr,' im»et« Parkau, 10.«In. N�'s�der�V'�ch-M«.'!'�''»"""".ag.'' �b-uae. 4 Uhr. klr. 52» SS. �akrgang 2» Vienstog, 1. LebruarlSZ? Das Trugbilö öer Dorfe. Widersprüche der Konjunkturbewegung. Fehlleitung des Geldkapitals. Im neuen Jahre haben sich die Anzeichen stärkerer und teil- weise wachsender Beschäftigung, und zwar gerade in den konjunktur- wichtigsten Rohstoff- und Verarbeitungsindustrien nicht verringert. Roch den Erfahrungen der Konjunkturbeobachtung müßte dieser Be» lebung in der Industrie eine Verknappung auf dem Geldmarkt und ein«, wenn auch vorübergehende. Flaute auf der Börse entsprechen. Das Gegenteil ist der Fall. Geld ist reichlicher als ie vorhanden, dre Börse verharrt in stürmischer Hausse. Hier liegen Störungen funktioneller Art vor, die verschiedene Ursache» haben. Soweit diese Störungen einer fehlgeleiteten Rationalisierung entspringen, hoben wir sie kürzlich in dem Artikel„Rationalisierung und Arbeitsmarkt" beleuchtet. Zu dem Widerspruch zwischen Kon- junkturbewegung und Börsenhausse erhalten wir jetzt aus Dank- kreisen eine Zuschrift, die sich mit der F e h l l e i t u n g des Geldtapitals beschäfugt. Dörsenoptimismus und Wirtschafkslage. Wenn man sich von den alten Anschauungen der National- ökonomie leiten losten würde, in der Börse das Barometer der Wirtschaftsentwicklung zu sehen, müßte man durch die nun seit langem kaum untei brochenen Kurssteigerungen der Börse von der Prosperität der deutschen Wirtschaft ein Bild bekommen, das sich mit den tatsächlichen Verhältnissen nicht in Einklang bringen läßt. Man braucht nur das erschreckend hohe und allen amtlichen Ver- sicherunqen zum Trop durchaus nicht nur saisonmäßig anwachsende Arbeitslosenheer in Deutschland vor Augen zu haben, um den Opti- rnismus der Börse, wenn er mit der Annahme einer entsprechend günstigen Wittschaftsentwicklung identisch sein sollte, nicht zu be- greifen. Selbst wenn die vom englischen Kohlenarbeiterstreik be- günftigte Konjunkturbelebung von Dauer sein sollte, was zu hosten, ober durchaus nicht sicher ist—, selbst wenn die hie und da stärker hervortretenden Ansätze einer ileberwindung der Depression zu einer beispiellosen Hochkonjunklur der Wirtschaft führen sollten, selbst eine solch unwahrscheinlich günstige Entwicklung wäre durch die Bewer- tung einer ganzen Anzahl von Papieren bereits voll«skomptiert. Die Aktien einer ganzen Reihe von Gesellschaften sind durch Spekulation, Jnteressentämpie und Moterialoerknappung im Lause des vergangenen Jahres so hochgetrieben worden, daß der Kurs- stand sich immer weiter von der Rentabilitäts- b a s i s entfernt hat. Aber darum handelt es sich ja auch bei der Börse gar nicht mehr. Die früher selbstverständlichen Rentabilstäts- berechnungen spielen ja an der Börse kaum ein« Rolle mehr, ebenso- wellig wie Rücksichten auf den inneren Wert des gerade bevorzugten Papiers, wenngleich sie der von Gerüchten und unbestimmten Zu- tunftehofsnungen lebenden Börsenspekulation immer wieder als An- regung dienen wüsten. Atmkklouswandel der Börse. � Tatsächlich Hai sich die Börse in ihrer Struktur und ihrem Interestentenkreise seit langem gewandelt und ist zu einem bloßen Anhängsel des Geldmarktes geworden, statt den Kapitalmarkt und das Maß neuer Investitionen zu regulieren. Das Vörsensptel ist an die Stelle wiltschostlicher Ueb'erlegung und rechnender Vernunft getreten. Daß die zünftig« Börjenjpcku- Nation aus der Ausnützung'des jewelligen'Standes' von Angebot und Nachfrage an der Börse ihre Gewinne schöpft und aus irriger Vorausbewertung der zu erwartenden Entwicklung eines Papiers auch Verluste trägt, ist Vorteil und Nachteil ihres Berufs, dessen ooltswirtschaftlich hochwichtige Au-gleichssunktion durchaus oner- kannt werden soll. Andererseits ist nicht anzunehmen, daß sich der wirtschaftliche Blick des großen Publikums aus Privat-, Handels-, Industrie- und Bankkreisen, deren Interessen und finanziell« Kraft doch letzten Endes die Börse regieren, sich so getrübt haben sollte, daß man die Kursüberhöhungen durch die wirtschaftliche Loge und Zukunftserw-artungen für genügend begründet hält. Man will nur die günstige Situation ausnützen und hofft, bei dem mit Notwendigkeit zn erwartenden Rü�schlag rechtzeitig„aussteigen� zu können und die Verluste von den„anderen" tragen zu lasten. Sursübersteigerung und ihre tk-sacheu. Wenn die Kosten derartig allgemeiner Kursüb-rfteigerungen und dann die unausbleibliche gewaltsame Zurücksührung der Wertpapiere auf ihren inneren Wert lediglich von den Börsenbeteiligten jiu tragen wären, könnte man die Dinge treiben lasten und es der inneren Logik des wirtschaftlichen Geschehens überlassen. Remedur zu schaffen. Aber die Folgen eines plötzlichen und nachdrücklichen Börsenumschwungee sind für die Gesamtwirtschasl und besonders den langfristigen Kapitalmarkt von so weittragender Bedeutung, daß die Allgemeinheit das dringendste Inlcrcste an einer„gesunden" Eni- Wicklung der Börsenpapiere hat. Wenn man die Ursachen der äugen- blicklich wieder in voller Blüte stehenden Börsenhausse untersucht (der Gesamtdurchschnitt hat sich von 127,8 am 15. Dezember auf 159,3 am 27. Januar gehoben, und niemand wird behaupten können, daß die Aussichten der Industrie bzw. der Gesamtwirtschaft in der gleichen Zeit um so viel bester geworden sind), wewi man also nach den Ursachen forscht, so zeigt es sich, daß die außerordenlliche G e l d- f l ü s s! g k e i t des offenen Geldmarktes in erster Linie für die überschäumende Börsenbewegung verantwortlich zu machen ist. Getrogen wird die neue Haussewelle von den Banken, die die noch nicht investierten Ueberbleibsel der5M!lliarden Auslandsanleihen freigebig der Börsenspekulation zur Verfügung stellen, dabei aber mehr ihre prioatwirtschaftliche Tüchtigkeit als volkswirtschaftliche Weitsicht und Verantwortung zeigen. Es ist nun nicht so, daß man die Dinge weitcrtreiben losten muß. Eine Sperrung, ja schon eine starke Einschränkung der Wirtschaft- lich unfundierten Börsentredite würde zeigen, daß die Börsenbewegung durchaus gemeistert werden kann. Die deutsche Produktion, der dos so freiwerdende und nach Anlage drängende Geldkapital in Form von Betriebskrediten und Investierungen zufließen würde, hätte nur Vorteil von einer solchen Entwicklung. Ein weiteres Mittel, die Kursbewegung zu beeinflussen und in ein ruhiaeres Fahrwasser zu leiten, wäre die Veröffentlichung der Börsenumsätze, um so dem breiten Publikum einen Einblick zu geben, auf welcher Mengenbasis der Kurs eines bestimmten Papiers zustande gekommen ist. Ein kritikloses Kausen bzw. Mitlausen aus Grund einer häusig als tendenzanzeigend gewerteten Kursdisferenz würde dadurch bei manchem verhindert. Das steigende Preisniveau und seine Gefahren. Um noch einmal die Hauptursoche, den für Börsenzwecke vor. handenen Geldüberfluß, zu berühren, so wird damit ein überaus wichtiges Problem angeschnitten, die Frage nämlich, ob die deutsche Wirtschaft bei der heutigen F e h l l e i t u n g des Geldkapitals den Zustrom an Ausländsanleihen ohne inflationntische Gefahr verdauen kann. Daß es sich dabei nur um g o l d inflationistische Tendenzen handeln könnte, soll unter Hinweis auf die unbedingt« Sicherheit der Währung und die starke Stellung der Reichebank noch beson- ders hervorgehoben werden. Die Börsenhousse, die bei normalem Funktionieren der Börse einen Mäßstab bieten könnte, scheidet nach den obiaen Ausführungen als Kriierium aus. So bleibt als letzter Maßstab- �i«" G«staltunF"de»' Preisnivelnis.""Wcirn stch�nun auch r l m g z. B. der vom Statistischen Reichsamt berechnete Großhandelsindex von Juli 1926 bis 2ß. Januar 1927 von 133,2 auf 135,9 gehoben hat, fo ist diese Aufwärtsbewegung an sich zu geringfügig, um dar- aus schon die Gefahr einer Goldinflation ableiten zu können. Aber als ein Warnungsjignal sollte die Steigerung des Preis- Niveaus der Oeffentllchkeit doch gelten, und zwar um so mehr, als die Auswirkungen der Konzentration und Rationalisierung der Be- triebe, der Steuerabbau und die Zinsverbilligung eine bedeutende Verringerung der Selbstkosten zur Folge hotten und damit zu einer Preissenkung hätten führen müsten. Die Lage in öer Zahrraö'nSuftrie. Unzureichende Normung— Günstige Abschlüsse. Es ist bekannt, daß, wie überhaupt in der metallverarbeitenden Industrie, besonders auch in der Fahrradindttstri« die Pro- duktionsverbilligung durch Rationalisierung der Betriebsvorgänge erhebliche Erfolge erzielt hat. Beispielsweise er- klärt die Bictoria-Werke A.-G(Nürnberg) in ihrem Ge- schäftsbericht, daß durch verbesterte Fabrikationseinrichtungen die Produktionskosten ermäßigt werden konnten. Deshalb war es auch im Geschäftsjahr 1925/2« möglich, bei schlechterem Inlandsabsatz und bei ungünstigen Preisen besonders im Auslandsgeschäft(Valuta- konkurrenz Frankreichs und Belgiens) wieder dieselbe Dividende wie im Borjahr, nämlich 8 Proz. zu zahlen. Aller- dings war der Reingewinn mit 178 468 M. gegen 199 57« M. im Dorjahr erheblich niedriger. Der Ausgleich wurde durch geringere Bemessung der Abschreibungen(9l 968 M. gegen im Vorjahr 116 834 M.) und Reduzierung des Gewinnvortrags(29 718 Vt. gegen im Vorjahr 49 07« M.) möglich gemacht. Bei der verringerten Ge- schäststätigkeit ist es der Gesellschaft gelungen, die Bilanz, die niedrigere Lorräte, stark ermäßigte Berpslichtungen und cnt- sprechend verkleinerte Forderungen an Warenschuldner enthält, gün- stiger zu gestalten. Für das laufende Detriebsjahr wird, besonders im Hinblick auf die Produktionsksstenverbilligung. mit einer guten und rentablen Weiterentwicklung gerechnet. Sehr viel pzssimistischer äußert sich die Berwaltung der Metollindustrie Schönebeck A.-G. über das(gleichfalls am 30. September 1926 beendete) Wirtschaftsjahr 1925-26. Die Gesellschast. die besonders stark an dem Geschäft in Fahrrad- teilen interessiert ist, klagt darüber, daß die Rationoll- sierung in der gesamten Fahrradindustri« allzu langsam fortschreitet. Es wird geradezu ausgesprochen, daß die- ieniqen Stellen, die eine Normung von Fohrradteilen durchjühren sollten, alles tun, um den Fortschritt der Arbeiten aus diesem Ge- biete zu s o b o l i e r e n. So könne man sreilich nicht z» einer wesentlichen Gesundung von Industrie und Handel in der Fahrrad- branche kommen.— Es wird jedenfalls Sache des Normenaus- schusses beim Berein deutscher Ingenieure wie der Organisationen der Fohrradindustrie sein, sich zu diesen schweren und bitteren Bor- würfen zu äußern.— Die Schönebecker Gesellschaft hat im letzten Jahre nur etwa 70 Proz. des Vorjahrsumsatzes' er- reichen können und klagt außerdem über Preisdruck und schlechtes Exportgeschäft infolge des höheren Zollschutzcs im Auslande. Der Reingewinn stelli sich auf 132 417 M. gegen 312«38 M. im Vorjahr. Durch Zahlungsunfähigkeit von Abnehmern entstand«in Verlust von rund 125 000 M. Sa war lediglich die Zahlung einer 5prozent!gen Dividende(gegen 15 Proz. Vorjahrsdividende) möglich. Die Ge- sellschait hat im letzten Jahre eine Kapitalerhöhung um auf 2 Millionen Mark vorgenommen und neue Anlagen(zur Herstellung von Felgen und Schutzblechen: Lackiererei) errichtet. Auch die Corona Fohrradwerke und Metall- i n d u st r i e A.- G.(Brandenburg a. d. H.) und die P s ä l z i s ch« Nähmaschinen- und Fahrräder-Fabrik vorm. Gebr. K a y s e r A.-G.(Kaiserslautern), die im Vorjahr noch 5»nd 5� Proz Dividende gezahlt haben, sind für das letzte Ee- schäftsjahr dividendenlos geblieben. Die„C o r o n a" war gezwun- gen, ihre Preise stark zu ermäßigen und zum Abzahlungs g e s ch ä f t überzugchen Der Rohertrog im Warengeschäft ist dabei von 530 262 M. aus 345 292 M gesunken, der Reingewinn nach Abschreibungen von 45 554(97 861) M. sogar von 73 965 M. aus 7348 M Die Gesellschast berichtet, im Gegensatz zu anderen ihrer Branche, daß die ungüstige Lage der Fahrradindustrie auch im neuen Jahre noch andauert. Bei der Pfälzischen Nähmaschinen- und Fahr- rädersabrik ist der Fabrikationsertrag von 1,51 Millionen auf 1,23 Millionen Mark zurückgegangen. Aus dem Vorjahrsobschluß waren 68 956 M. als Vortrog aus neue Rechnung übernommen worden. Dieser Betrag und ein großer Teil des neuen Rein- gcwinns werden durch die Abschreibungen(79 105 M. gegen 87 027 M. im Borjahre) beansprucht. Nur ein Spitzenbetrag von 53 718 M. verbleibt als Ueberschuß, der wiederum auf neue Rech- nung genommen wird Das schlechtere Gewinnergebnis beruht, wie belichtet wird, auf den Exporterschwcrungen durch die Zollmaßnahmen des Auslandes(Nähmaschinen) und auf der ver- st ä r k t e n Konkurrenz im Fahrradgeschäit. Der Inlandsabfag für Nähmaschinen hat sich seit dem Herbst 1926 belebt, und das Fahrradgeschäft zeigte bisher m den sonst stillen Wintermonaten eine befriedigende Emwicklung Die Prestowerke A.-G.(Chemnitz), die neben Automobilen auch Fahrräder herstellen, haben ihren Umsatz gegenüber dem Vor- jähr vergrößern können. Der Rohertrag aus der Fabrikation ist von 2,79 Millionen auf 2,92 Millionen Mark gestiegen(bei Fabrikatpreisen, die bis zu 30 Proz. herabgesetzt werden mußten!). Gleichzeitig sind die Gesamtunkosten von 2,38 Millionen aus 2,03 Millionen Mark heruntergedrückt worden. Der Bruttogewinn, 888 126 M. gegen 416 500 M. im Vorjahr. bat sich also mehr als v e r d o p p e l t. Da aber andererseits sehr erhebliche Abschreibungen vorgenommen wurden (693 617 M. gegen 72143 M im Borjahr), wobei besonders das Maschinenkonto mit Rücksicht auf die„sich überstürzenden technischen Neuerungen" völlig, d. h. auf 1 M., a b g e s ch r i e- b e n wird, ergibt sich ein Reingewinn von 317 330 M. gegen 377 921 M im Vorjahr. Daraus werden 8 Broz. Dividende gegen 12 Proz. im Vorjahr verteilt. Die Gesellschaft, die die Serien- fnbrikation ausgenommen hat, berichtet von einer Belebung des Automobil- und Fahrradgeschäfts im neuen Gescbäfteiohr. Die bedeutende Wanderer Werke A-G., Chemnitz, verteilt wie im Lorjahr auf ihr 15,73 Mill. Kapital wieder 12 Proz. Dividende und hat offenbar glänzend abgeschlossen, wie sebe-n aus dem bedeutenden Vortrag auf das neue Geschäftsjahr von 567 000 M. zu schließen ist. Die Bilanz der Gesellschaft liegt noch nicht vor. Wir haben im vorigen Jahr« auf die engen Zusammenhänge hingewiesen, die zwischen Massenkaufkraft und Fahrradindustri« be- stehen. Noch immer ist das Fahrrad das Auto des kleinen Mannes. Die bis heute vorliegenden Abschlüsse lassen aber trotz der Kaufkraftkrise erkennen, daß die Lage der Fahrrad- industrie im allgemein«» recht günstig ist. Das dürfte nicht zuletzt' eine Folge der gerade in der Fahrradmassenproduktion noch lang« nicht ausgeschöpften Rationalisierungs- und Normungsmöglich- keiten sein, auf der anderen Seit« aber auch des in der Fahrrod- industrie lebendizen Bewußtseins, daß der Käufer das Schick- sal der Industrie bestimmt und daß ein großer Absaß be! sinkenden Preisen wichtiger ist, als die kortellmäßige Hochhaltung der Preise, die den Absatz drosselt. Strukturwandlungen in der Landwirtschaft. Die letzte Plenarsitzung des Unterausschusses für Landwirtschaft(Agrarenguete) befaßte sich zunächst mit einem von der Telegrophenunion veröffentlichten Artikel, durch den der Ein- druck erweckt wurde, als ob zwischen dem Landwirtschaftlichen Unter- ausschuß einerseits und dem Deutschen Landwirtschaftsrat und der Preußischen Hauptlandwirtschastskammer andererseits M e i n u n gs- Verschiedenheiten über die Durchführung der Enquetberhebungen bestünden. Demgegenüber stellt der land- wirtschaftliche Unterausschuß im Emvernehmen mit dem Deutschen Landwirtschaftsrat und der Preußischen Hauptlandwirtschaftskammer fest, daß zwischen den drei Körperschaften ein vertrauensvolles Zu- sammenarbeiten sowohl in der Methode als auch in der Sache besteht. In dem Artikel enthaltene unsachliche und krtiklose Angriffe auf einzelne Enquetemitglicder weist der Ausschuß aus dos schärfste zurück. Zur Klärung der Betriebs- und Intensitätsverhäftnisse der deutschen Landwirtschaft hat der Ausschuß monographische Unter- suchnngen über die landwirtschastlichen Verhältnisse In den einzelnen Gebieten Deutschlands eingeleitet. Aber das allein genügt nicht. Es wurden daher gestern verschiedene Anträge auf Heranziehung der Stert isiik gestellt, da alle statistischen Fragen- in der schon eingeleiteten Untersuchung uuberücksichtigt bleiben. Bros es Lp r wünscht vor allem' zur Erzielupg ausreichend fundierter Ergebnisse eine kreisweis« Nutzbarmachung und Auswertung der Bodenbenutzungs» und Anbaustatistik eines Dorkriegs» und des letzten Nachkriegsjahres. Darüber hinaus hofft Professor Gering aus einer Gegenüberstellung der Vorkriegs, und Nochkriegs- zahlen die Verschiebung der lyndwirtschafttichen Produktions- Verhältnisse, insbesondere die Tendenz zu I n tensievierung oder E x tenstvierung in einzelnen Gebieten Deutschlands ersehen zu können. Genosse Dr. Baabe befürwortet nach einem Hinweis auf die in der Anbaustattistik enthaltenen Fehler dies« Erweiterung der Untersuchung und regt außerdem an. die statistische Auswertung auch auf die Erträge auszudehnen. Do von ihm durchgeführte Bor- Untersuchungen über die Verschiebung der Kartoffelerträg« in den letzten zwölf Iahren eine starke Ertragssteigerung in den vorwiegend klein bäuerlichen Gebieten Westdeutschlands und ein Gleichbleiben oder gar«in Fallen der Erträge im Osten mit vorherrschendem Groß- betrieb gezeigt haben, sind aus den Ergebnissen dieser Arbeiten be- deutsome zahlenmäßige Belege für die Strukturwandlungen seit- der Vorkriegszeit und für die Entwicklun-zstendenzen der deutschen Landwirtschast zu erwarten. Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 26. Januar berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichcamts beträgt 135,9 gegen 136,0 in der Vorwoche. Die Indexzifser der Agrarstosfe hat gegenüber der Borwochc um 0,2 Proz. nach- gegeben. In der Indexziffer der industriellen Rohstoffe und Halb waren glichen die Bewegungen der Einzelgruppen sich gejjen- seitig aus, während die Indexziffer der industriellen Fertig- waren um 0,1 Proz. nachgegeben hat. Der Gesamtindex ist um 0,1 Proz. zurückgegangen ver Phönix-Abschluß für 1925/26. In der Aufsichtsratssitzung der Pliönix A.-G. für Bergbau und HüUenbetrieb- wurden die Ab- schlußzisfcrn für das Geschäftsjahr bis zum 30. Juni 1926 bekannt- gegeben. Test der Vereinigung des Phönix- Konzerns mit den anderen Werken des Ruhrtrnstes zur Bereinigten Stahlwcrke-A.-G. haben diese Abschlußzifsern allerdings ihre frühere Bedeutung für die OefsenUichkeit zum größte» Teil verloren: denn auch die Phönix A.-G. ist heute reine Holding-Gesellschaft für die Aktien, die sie bei der Uebertragung ihrer Anlagen an den Ruhrmontantrust er- halten hat. Insbesondere fehlen die zur Beurteilung des Gesamt- Betriebes unentbehrlichen Ziffern der Gewinn- und Verlustrechnung, ans der schon in diesem Jahre— obwohl der Phönix-Konzern noch neu» Monate des Geschäftsjahres hindurch noch selbständig war— nur der rechnungsmäßige Saldo bekanntgegeben wird. Gegenüber dem Vorjahre erjcheint der Gewinn nur um rund 61 000 Mark aus 1,27 Millionen Mark erhöht. Zu diesem Gewinn muß allerdings der Ertrag aus den 206 Millionen Aktien und Ge. nußscheinen der Bereinigten Stahlwerk« hinzugerechnet werden. der aber erst später ausgeschüttet wird. In der Bilanz sind die An- lagewerte verschwunden, die Beteiligungen und Wertpapiere sind von 158,35 aus 335,69 Millionen Mark erhöht. Die Phönix-Aktio- näre werden in der Zukunft jeweils die von den Bereinigten Stahl- werken verteilte Dividende erhalten. H s hm- IVIsees ro ni aus reinem HartgrieB hergestellt, sind deshalb so ausgiebig, weil sie, wenn sie In viel Wasser(men rechnet auf V2 Kilo 4 Liter) nicht allzu lange kochen, sterh aufquellen. Dann Kommt auch Ihr guter Geschmack richtig tut Geltung, Seit Jahrzahnten ein Mittagessen, wie es preiswerter und nahrhafter wohl kaum gadecht werden kennt I Stäütische Gaswerte und pn'vatinöuftrie. Um die Zlufrechtcrhaltung der Rcgiearbeite«. Seit Jahr und Tay bemühen sich die Betriebsräte der städtischen Gaswerke, besonders der Betriebsrat des Aentralmagazins. ryn Äufrechterhalhmg ihrer Betriebe. Die Berliner Gaswerke haben in der Vorkriegszeit ein umfangreiches, mit den modernsten Maschinen ausgestattetes Zentralmagazin errichtet, in dem di« viel- gestaltigen Reparatur» und Neuarbeiten für die Betriebe der Werte und für die öffentliche Beleuchtung aus» geführt wurden In den letzten Iahren mutzten die Betriebsräte einen steten Kampf führen gegen die Berfuche der Direktion, Pas Zentralmagazin still zu legen und die gesamten Reparaturarbeiten für die Innenbetriebe der Gaswerke, wie auch für di« öffentliche Beleuchtung, sowie die Herstellung von Laternen, die früher ausschließlich im Zentrolmogozin hergestellt wurden, an di« Privatindustrie weiter zu geben. Di« Direktion begründete ihre Auffassung ursprünglich damit, dah das Zentralmagazin angeblich zu teuer arbeite. Es wurden daraufhin Vereinbarungen getroffen, nach denen dos Zentralmagazin sich an den Ausschreibungen der Gas- werke beteiligen konnte. Dies ist geschehen und in sehr vielen Fällen mußte festgestellt werden, daß di« Angebote des Zentralmagazin? nicht nur im Preise, sondern vor allen Dingen auch in der Qualität günstiger lagen, als die Angebote der Privat» Industrie. Trotzdem mutzt« immer wieder festgestellt werden, daß u m- fangreich« Arbeiten, die durchaus im Zentralmogazin her» gestelll werden konnten, an Privatunternehmer, teilweise .-sich außerhalb Berlins vergeben wurden. Die Arbeitervertretung, in Gemeinschaft mit dem Verband« der Gemeinde, und Staatsarbeiter, hat es sich an- gelegen fem lassen, in verschiedenen Städten Deutschlands die Arbeits. Methoden und die Grundsätze, nach denen die Arbeiten dort ausge- führt werden, zu prüfen. In einer umfangreichen Denkschrift sind die Ergebnisie dieser Prüfung aus Frankfurt a. M. dem Aussichtsrat der städtischen Gaswerke unterbreitet worden, mit der Bitte, im Hinblick auf diese Untersuchungen in eine Besvrechung dieser Fragen einzutreten. Diese Besprechung wurde zugesagt. Dem Betriebsrat des Zentralmagazins wurde auf seine Vor» stellungen geantwortet, daß auf Grund der Denkschrift Gelegenheit ge» geben sei, alle Beschwerden ausglebig zu besprechen. Bisher sind drei Monate verflossen, doch trotz verschiedener E r i n n o» rungen ist dis heut« die Besprechung unterblieben. Inzwischen werden aber erneut Arbelten, die früher aus- schließlich vom Zentralmagazin Hergestellt morden sind, a n die Privatindustrie vergeben, so daß die Gefahr von weiteren Arbeiterentlassungen bevorsteht. Seit Monaten hat die Schlosserei unter Arbeitsmangel zu leiden. Nach Rücksprach« mit der Direktion wurde angeordnet, daß, nach- dem der Firma Hirschhorn 1000 Modellaternen in Auftrag ge- geben worden waren, die gleiche Anzahl auch dem Zentralmogazin in Arbeit gegeben wurde. Gleichzeitig wurde vereinbart, daß d i e Laternen in Zukunft dem Zentralmagazin vorbehalten bleiben sollten. Jetzt wird bekannt, daß die Firma Hirschhorn er- »eut 1000 Laternen i n Auftrag bekommen hat, und zwar zu einem Preise, der wesentlich über dem Preise liegt, zu dem das Zentralmagazin die Laternen liefert. Wie uns bekannt wird, erhält die Firma Hirschhorn pro Laterne Z S Mark, während in der Werkstatt de? Zentralmaaazins die Laterne inklusive aller Umtosten für 36 Mark hergestellt wird. Die Differenz ermäßigt sich etwas dadurch, daß das Zentralmagazin das Laternendach aus verzinntem Eisenblech, die Firma Hirschhorn au? Kupferblech herstellt. Der Unterschied zwischen Kupier- und Eisen- blech dürft« nach unserer Schätzung acht bis zehn Mark betragen, so daß trotzdem sede Laterne zehn bis zwölf Mark teurer bei der P r i v a t i n d u st r i« ist als in der eigenen Werkstatt, wobei besonders interessant ist, daß ein Preisangebot mit Kupferdach von der eigenen Werkstatt nicht an- gefordert worden ist. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir in Herrn Direktor Schmidt die treibende Kraft für di« Herausgabe von Arbeiten an die Privatindustrie sehen. Sehr interesiant ist die Tatsache, daß der früher« Betriebsleiter des Gaswerks Weißen- s««. Herr Direktor Dellbrück als Leiter der Abteilung Beleuchtung bei der Firma Hirschhorn tätig ist. Herr Direktor Dellbrück, der neben einer einmaligen Abfindung von 50 000 Mark noch eine beträchtliche Pension bezieht. Weiter wird uns mitgeteilt, daß in der letzten Zeit auch die Installation der Gasleitungen mehr und mehr in di« Hände der Privatunternehmer übergeführt wird Seit Bestehen der Gaswerke ist die Installation in Neubauten usw. in eigener Regie durchgeführt wordeu. Es wurde dadurch dia Gewähr geschaffen, daß die Anlagen zweckentsprechend waren Di« Gaswerk« find mit allen Einrichtungen für die Durchführung dieser Arbeiten versehen. Bezeichnend ist, daß die Gaswerk« bei Vergebung der- artiger Arbeiten an Privatunternehmer den Privatunter» nehmern ihr eigenes Wertzeug und eigene Wogen zur Verfügung stellen. Diese Maßnahmen sind gleichbedeutend mit einem Abbau der eigenen Regie. Es ist kaum anzunehmen, daß bei Umwand- lung der städtischen Gaswerte in die Gesellschaftsform die städtischen Körperschaften an einen derartigen„Ausbau" der Werke gedacht haben. Nur schweren Herzens gehen die Arbeiter an die Oeffentlichkeit. Sie sehen aber in einer öffentlichen Darstellung dieser Verhältnisie das einzige Mittel, um drohende Arbeits» l o s i g t e i t und gleichzeitig Benachteiligung der st ä d t i» schen Unternehmungen zu oerhindern. fSlchfong, Lezirtsamt Prenzlauer Seeg! Heizte nachmitt-s Übe H im Sitzungssaal Danziger Str. 64 wichtige Lcrsammlung alter beim> Bezirisomt tätigen SPD..Arbeiter..Angestellten unb.Beamten.■ | Suinpathisierendc können eingcfühtt wetbcn. Tagesordnung: X.„Rom- 3 §3 munalrosttik im S.oten Wien.» Referent Genosse Stadtrat G. Wendt.> gj 2. Aussprache. Regen Besuch erwartet Der Zraltisasuorstanb. m ILj' J»>|■||* Deutscher Peklciduugeariciterurrbaub. Dienstag, l. Februar, 7 Uhr, Petz- drnz.FestgIle. Landsberger Etr. tzl, Mitgliederversammlung für die ätir*»' und ssnabenkonfcktion,.Zuschneider und Zuschneiderinnen. Wegen Wichtigkeit der Tagesordnung«st vollzähliges Erscheinen notwendig. Mitgliedsbuch oder -karte legitimiert. Die Br-nchenkommisss-n.. Sewerkslbast beutscher Lolkslehrer. Sitzung Sonnabend, 5. Februar, 7 Uhr, Berliner Ratbaus, Zimmer 66 Haushalt de, Ministerium, fitr ffi.Ä- It. B. Bericht der Besoldung», und Hanshaltskommissson. Anträge unb Resolutionen zum Verbantstage.»Schund und Schmutz"(!) mitbringen. E Freie Gewerkschaftajugenb. Heute, Dienstag, T'i Uhr, tagen bie Gruppe» t ranksnrtcr Alle«! Gruppenheim Stadt. Jugendheim Tilsit« Str. 4— 6,1 Tr. eimbesprcchung— Buchkontrolle.— Landsberger Platz: Gruppenheim Dirstel» meperstr. ö. Heimbesprechimg— Liederabend.— Lichtenberg: Srupponheim Jugendheim Dosscsrr. 22. Heimbesprechung und Diskussion:»Wo,:st d:e 3®~_., wa» will sie?"— Treptow: Gruppenheim Schule Wildenbruchstr. bj— 54(Hort- zimmerl. Heimbesprechimg.— Britz: Gruppenheim Ehauisee-, Ecke Hanne» mannstraße. Heimbesprechung und Diskussion über Betriebssrage». Wäschestoffe Herndentach, Etarkfdg., 80 am N 0.88 Benforoe. feinfdg., 80 cm.., 0.50 Jlabo-Imifcat, 80 cm..... 0.80 Echfc Sgypt. 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Kottbuser Damm• Wilmersdorfer Str.* Grosse Frankfurter Str.* Chausseestr. „r?,., Unterhaltung unö Äötssen Wie ich München berliniflerte. von Karl Elllinger, München. Die Hauptsache ist. daß der Mensch gute Einfälle Hot, aus- genommen die Architekten. Der«ine studiert sein Leben lang die tiefsten philosophischen Problem« und stirbt als armer Teusel. der ander« hat eine Sekunde lang einen guten Einfall, erfindet einen Zahnstocher, der zugleich als Rechenschieber zu verwenden ist, oder einen chosenknopf, der beim Abspringen ein Notsignal gibt, und wird steinreich. Ich warte schon mein ganze« Leben darauf, daß w'r so ein glücklicher Einfall kommt, oder ich Hab' halt keinen solchen Dusel. Wenn Ich mal sterbe, dann machen die Erben so lange Gesichter, daß sie mit dem Kinn in der Uhrkett« hängen bleiben. Da plötzlich blitzt in meiner Gedankenzentrale«in farbige» Licht aus, so ähirlich, wie jenes Licht in den Gaststätten, daß den Kellne» rinnen signalisiert, daß da» Essen nun genügend kalt ist, um ser» viert zu«erden. Nämlich, was las ich in der Zeitung? Das Münchner chofbräuhaus hat in Berlin eine eigen« Gaststätte er- öffnet.„Kärtchen," flüsterte ich mir selbst ins Ohr/„dos ist«in Wink mit dem Ochsenficsel: betätige auch du dich im Easthuusau» tausch, gründe in München«in« Berliner Weißbierhalle!" Kinder, das war eine Idee! Meine Freund« haben zwar be» hauptst, ich sei verrückt, aber so ging es ja allen bedeutenden Leuten: den Schneider von Ulm haben sie auch ausgelacht, und trotz» dem hätte er fliegen können, wenn«r nicht schwerer gewesen wäre als die Luft! Ermuntert ging ich an» Wert. Zuerst übt« ich mich in mein«r Rolle als künftiger Gasthausbesitzer, stellte in meiner Bude zwei Tisch« auf und ging zwischen ihnen durch, indem ich mich bald nach rechts, bald nach links verbeugte:.Mahlzeit, die Herrschaften!": »L«ni. der Herr Granllhuber hat noch kein Bier!": aber dann fiel mir ein, daß ich ja einen Berliner Betrieb zu eröffnen beabsichtigte, und ich verbessert« nnch: gesegneten Fratz allerseits!",„Riete, füll' mal Lchmann sein Trintjesätz uff!" Ich tu mich ein bisse! hart mit dem Berliner Dialekt, aber na. liebung ist oller Laster Anfang. Jetzt mietete ich«in Lokal und ließ e» ausschmücken. An die eine Längswand ließ ich ein Gemälde pinseln, wunderbar, ganz in Berliner Blau, mit der dicken Unter» schrift:„Jambrinu», der Iott des Ieträntes." Auf den Wänden ließ ich Trintsprüche anbringen, wie:„Cen, zwee, drei— Ie> trunken!!" und über das Büfett schrieb ich in Riesenlettern:„Berlin über alles!": denn ich wollte es den Münchenern doch gemütlich bei mir machen. Dann schrieb ich nach Berlin hinauf, sie sollten mir«m paar Kellnerinnen schicken, aber richtig mit Sprauvasser getauft«. Denn ich sagt« mir, wenn st« die Münchener fragen:„Noch'ne Tropf Bier jefallig. Kleener?", dann werden di« Münchener vor Eni- zücken aus dem Häuschen geraten! Es kam auch«in« Kellnerin, ober ihr« Frisur sah aus, als ob sie statt mit Spreewasser mit Henna getauft wäre, ihr ganzes Gepäck bestand— in einer Zigarrgnschachtel voll Lippen- und Schminkstiften, sie war so dick. daß man ahn« Lerkehrsschutzmann überhaupt nicht um sie herum» kommen konnte. Aber, si« versicherte, sie sei tüchtig in ihr«m Fach, unter zwei Flaschen'Sekt käme kein Gast weg—. und mir fiel etwa- zu spät«in. daß zwischen einer norddeutschen und einer süddeutschen Kellnerin«in Unterschied ist. Ich wollt« ihr das auch erklären, aber wir verstanden uns nicht recht: sie fragte mich immer so sonder» bare Sachen, ob man mich mit der Brotkart« au» dem Urwald ge- lockt hätte, oder ob ich riwin Iehtrn au» einer Konkursmasse be- zogen hätte, und„Mensch, dir ham je wohl mit Affenmilch jesäugt?". Ich entlietz sie ohne Probezeit; sie hat mich jetzt o«rklagt. und mein Rechtsanwalt sagt, das gescheitest« ist, ich versäum« den Termin. Und dann eröffnete ich mein Lokal. Ich wollte die Sache recht großartig machen, ich stellt« an die Türe einen Neger in Livree, der mutzt« zu jedem Vorübergehenden sagen:„Komm rin, olle Isar- pflanze!", ab»r nach einer halben Stunde mußte der Neger von den Sanitätern abgeholl werden. Er hat mich jetzt auch verklagt, und ich glaube, die Sache steht aussichtsreich für mich, denn mein Rechtsanwall hat zu seinem Tippfräulein gesagt:«Der Herr wird nicht mehr vorgelassen!" Drinnen im Lokal hall» ich die größte Mühe, dafür zu sorgen. daß sich je ein Gast an je einen Tisch setzt«, denn mein Lokal sollte doch«inen norddeutschen Eindruck machen Dos wollten die Gäste durchaus nicht tun, und immer wieder mutzte ich ermahnen:„izier sagt man nicht:„Rehma E' nur Platz. Herr Nachbar!", sondern: „Sehn Se nich, daß hier besetzt is? Wie dir di« Kultur beleckt«, batte sie wohl den Zungenschlag!" Und das Berliner Weißbier schien meinen Gästen gar nicht zu schmecken.„Junger Mann," lagt« ich zu einem sechzigjährigen Müchener,„junger Mann, in�det Weißbier jehört eben'n Schuß Himbeersaft! Sojenannte Ente!" Noch nie habe ich Haare stch so senkrecht sträuben sehen. „Wo— os? Himbeersaft ins Bier? Warum net gl« Haaröl? I mag koane„kalten Cnten". i hon an Eahne„warmen Rindviech" genug! San S' fei vorsichtig, mei Liaber: Neben dem Neger is noch a Bett frei! Sie fan ja gemeingejährlich mit Eahnere Giftmischerei!" Glücklicherweise setzte in diesem Augenblick meine Kapelle«in, und alsbald sangen msin« Gäste:„Mir san net von Pasing und san net von Loam, mir san aus dem lustigen Menzing dohoaml" „Hall!" unterbrach ich.„Immer stiljerecht, meine oaehrten Jost» ftubenbesucherl Det heeßt foljendermotzen: ..Wir sind nich von Pankow Und ooch nich vom Tempelhofer Feld Wir sind Ki dem verjnüglichen Rixdors polizeilich angemeldi." Jetzt flog«ine größere Auswohlsendung von Weitzbiergläsern nach mir. Aber ich konnte mich nicht weiter um dies« Ovation kümmern, denn in einer Eck« meine» Lokals brach ein furchtbarer Krach los. '„Vees t« ja a Schwindel! A ganz ausgeschämter Schwindel i, des!" schrie da«in Mann erregt.„Bestell i mir da a„Eisbein mit Sauerkohl", well i mir denkt Hab:« bin da n«igi«ri, wia so a berlinerische» erfrorene» Boa schmeckt, und was kriag i? A ganz g'wöhnlich« Sc�oeinehax'n mit Kraut! A Schwindel is. Leut! Latzt's euch dees net g'salln. Leut!" Und sw haben es sich auch nicht gefallen lasten. Aufgeräumt haben st«, so gründlich, daß ich mtr«in« Biertelftund« später sagte: ..Wenn ich setzt wüßt«, wo der„Hannibal aus den Trümmern von Karthago" wohnt, tat' ich ihm eine Ansichtspostkarte schicken:„Sehr geehrter Herr Kollege!" DI« Polizei hat mein Lokal geschlosten, und mein Rechtsanwall ließ mich«tsten, ich soll««in Hau» weiter gehen, da wohnte ein Tierarzt. Und«in«erliner hat mtr gesagt, ich häll« kein« Ahnung vom wirklichen Berlin. Ich bin und bleibe hall ein Pechvogel: Hab« ich wirklich mal ein« fabelhaft« Idee, dann läßt man sie mich nicht ausführen! Rachschrist: De» Neger haben sie im Krankenhaus gewaschen; er ist setzt weiß und heißt Karl Obergschwandner. Aber nicht weller» sagen! Sonst bin ich in ganz Afrika unmöglich! kritische Situation. Raffenfragen in Srafilien. Von S. Andok. Am 9. März 1500 fuhr von Portugal«in Seefahrer namens Pedro Alvares Cabral ab, um sich nach Indien zu begeben. Da an der afrikanischen Küste große Strecken in Windstille lagen, segclle er. notgedrungen günstige Luftströmungen suchend, ivtmer weiter wösUich, bis er zu seinem Erstaunen plötzlich Land zu Gesicht bekam. In der irrigen Annahm«, es handle sich nur um eine Insel. taufte er das neuentdeckt« Gebiet Ilha de Vera Cruz(Insel vom wahren Kreuz) und erklärte es mit dem Recht de» Zuerstgekommenen als Besitz der portugisischen Krone. So gelangten die ungeheuren Strecken Brasilien» in die Hände des kleinen Portugal. Ein Zwerg sollte«inen Riesen verdauen. Um stch ein Bild von der Größe dieser neuerworbenen Kolonie zu machen, vergegenwärtig« man sich, daß es stch um ein Gebiet handelt«, das ungefähr zwanzigmal die Ausdehnung Deutschlands umfaßt. Wie zu erwarten stand, konnte Portugal seiner Aufgabe nicht Herr werden. Man sah wohl verschiedene Quellen kolonialen Reich- tum», aber et gebrach an den nötigen Kräften, diese Schätze aus» zubeuten. Wahl boten die nahen Küstenwälder wertvoll« Holzarten, aber wer sollte in dem tropischen und zum großen TeU mörderischen Klima diese Wälder roden? Wohl sah man. daß Kaffee und Zuckerrohr in MillelbrasUien gut gedeihen mußt«, aber wer sollte die hierzu nötigen Pflanzungen Der Weiß«, da» wußte man damals so gut wie heute, ist für körperliche Arbellen in den Tropen ungeeignet, wenn man auch heut« in wenig gewisienhafter Weise immer wieder verlucht. Euro» päer, besonder» Leute au, Deutschland, dorthin zu locken und an» zusiedeln. Man versuchte deshalb, sich recht und schlecht.zu Helsen. Zuvor brachte man alle Schwerverbrecher aus Portugal in die neue Ko. lonie. Da ihr« Zahl aber nur wie ein Tropfen auf«inen glühenden Stein wirken tonnte, so griss man zu anderen Mitteln. Alle in Portugal faßboren Juden wurden dorthin exportiert. Auch damit hatte man natürlich den Menschenbedars Brasilien« nicht gesättigt, um so weniger, als gelbes Fieber. Hunger und Mühsal«, geradezu schrecklich unter den Weißen wüteten. Da gab die Krone Portugal» dem eingewanderten Adel da» Pri» vlleg. Indionerjagden zu veranstollen und Sklaven zu machen nach Lust und Bedars. Eine der düstersten Perioden menschlicher Geschichte und mensch. sicher Schandtoten hebt nun an. Wo» englisch« Reisend« de« 19. Jahrhundert» noch nnt eigenen Augen in Innerofrita sahen und in herzergreifendster Weise schll- derten, das spielt« iich damal» im 10. Jahrhundert fa, brutalster Form in Brasllien ab. Die portugiesischen Statthalter— die sogenannten Donata» rtos— hetzten und verfolgten die armen, tullurell nledrigstehenden Aewvhirei der Wälder ohne Schonung und Erbarmen. Es fällt den: modernen Menschen schwer, zu verstehen, wie ein christlicher König und ein christlicher Hochadel solche mit seder Religion und Moral in krassem Widerspruch stehenden Handlungen viele De- zennien long begehen konnte, ohne daß sich die Christenheit dagegen auflehnte. Vellage de« vorwärts Aber die kolonialen Reichtümer lockten— mockften Menschen zugrunde gehen! Das Gold steht höher im Wert all» Sklavenblut. Als die Indianer endlich an Abwehr dachten— es scheinen sehr harmlose, gutmütige Menschen gewesen zu sein—, da brach natür- sich der„gerechte" Grimm gegen sie los. Jetzt wollte man Ii« nicht mehr bloß sagen, setzt wollte man sie unschädlich machen, und dazu waren den oertierten Abkömmlingen Europas alle Mittel recht. Mit Grauen und staunendem Kopfschütteln liest man ihre„Be- kömpsungs- und Zivilisierungswethoden". Auf die einsamen Waldpfade der verschüchterten und halb- oerhungerten Indianer legt« man alte Kleidungsstücke, die man mit den Exkrementen Typhuskranter besudelt hatte. Später entdeckte man, daß die Naturkinder für schwarze Blattern noch empfindlicher waren, und wählte nun diese» Hilfsnuttel rascher Zivilisation. Wer weiß, ob ein Indianer als Schaustück für spätere Jahr- Sundert« übrig geblieben wäre, hätten sich nicht die Jesuiten der lehetzten angenommen. Es wird ja wohl von antiklerikaler Sell« behauptet, daß di« Motive dieser schönen, menschlichen Handlung nicht ganz einwandfrei waren, daß sich die Däter Jesu vielmehr in den Indianern eine militärische Garde züchten wollten für ihre potttischen Pläne. Jedenfalls waren dies» Mönche die ersten und einzigen Be- schützer der bedauernswerten Rothäute. Nicht mit Unrecht wiesen sie daraus hin. daß schließlich und«nd- llch auch der Indianer ungeeignet sei, in der Tropenglut schwer zu arbeiten und jenes Maß von Leistung aufzubringen, das für die Aufschließung de» Lande? notwendig war. Es stt eine zum Nachdenken zwingende Tatsache, daß selbst der wilde Eingeborene Brasiliens dort nicht körperlich arbellen kann, ohne dem Klima zu erliegen. So lagen die Dinge, als ein Priester namens La» Cosas den Vorschlag machte, au» Afrika Neger einzuführen, um mit schwarzen Menschen an die Ausbeutung der Riesenkolonie zu gehen. Solchen Rat braucht« man nicht zweimal zu geben. Selbst ein Graf von Nassau schämte sich nicht, nach Afrika zu segeln, um dort Schwarze zu sagen, um mit ihnen seine Zucker- plantagen zu bewirtschaften. Drei Jahrhunderte lang dauerte die Schande— blüht« das Geschäft. Vom Jahre 1534 an bis in die neuest« Zeit hinein— angeblich bis 1851— fuhr man von Bra- sillen über den Atlantischen Ozean, hetzte Nigger wie Vieh in offener Jagd und schleppte die Opfer hinüber auf die Sklaven- Märkte der südamerikanischen Küste. Wie viele Reger so verschleppt wurden, läßt sich nie feststellen. Wenn«» aber wahr stt, daß aus einen zum Verkauf gelangenden brasilianischen Sklaven etwa ein Dutzend anderer Schwarzer kam. die entweder bei der Verteidigung gegen die Sklavenjäger oder aus der Flucht vor ihnen bzw. ans dem Seetransport starben, so muß man geradezu erdrückend« Ziffern errechnen. Im Jahr« 188? stellte man fest, daß sich in Brasilien zwei- emhalbnwl soviel Neger befanden als Weiß«. Gegenwärtig nimmt man an. daß sich die Prozentzahl aus etwa 12 der übrigen Beoöl terung beläuft. Wa» besagen diese Worte und Daten? E« wird daraus klar. daß die Schwarzen andauernd zurückgehen. Ein Arzt, Dr. Carlos. hat errechnet, daß di« Sterblichkell des Negers viel größer ist als die Zahl der schwarzen Geburten, daß somit auch das Nsgerblut die Lerpflanzung nach Brasllien nicht verträzt. Wir haben also da» merkwürdig« Bild, daß weder rote noch schwarz« Naturvölker jene« Land dauernd besiedeln und erschließ»» können. Sollte der Weiß«— ausgerechnet der Europäer, geeignet sein, dies« Aufgabe zu erfüllen? Wenn Auswanderungsapostel auch noq so viel Schöne» und Gutes über dieses Thema wisten, ich habe mein« eigene Ansicht darüber. In zweijährigem Aufenthalt in diesen Teilen der Erde Hab« ich so viel« heruntergekommene. biologisch minderwertige Abkömmlinge Europas getroffen, daß ich wohl behaupten darf, der Europäer sei-- am wenigsten ge eignet für Brasilien. Sell 1500 kolonisiert man dixses Land, wie gezeigt, oft sogar, mit sehr radikalen Mitteln— und wo steht Brasilien heute in der Reih« der Völker? Immer noch spricht man von der Zukunft— die Gegenwart aber gehört diesem Riesenreich noch nickt. Wa» ist Nordamerika, was ist Australien inzwischen geworden! Und wie sieht Brasllien au»? Eine sehr mischblütige Bevölkerung, von der kaum 20 Proz. gesund und über 80 Proz. mit allen möglichen Krankhellen behaftet sind. Gegenwärtig macht man Versuche, von Japan au, Gelbe ein- zuführen. Die bisherigen Resultate sollen nicht unbefriedigend sein. Freilich ist die Zahl der ins Land gekommenen Japaner und Chi nesen so verschwindend, daß sich ein abschließendes Urteil noch nicht bilden läßt. Einstweilen steht das Land unter dem Zeichen des Mulattentums. Man findet da die unglaublichsten Mischungsarade. und ein Ehekandidat, der aus Rossenreinheit hielle, hätte es schwer: denn das Negerblut stt oft bis zur Unkennttichkell verdünnt, aber weit mehr vorhanden— selbst in den Dberschicktfen— als man annehmen möchte. Gelungen ist es, daß sich die Neger ihrer dunklen Haut schämen und durch Kleidung. Schminke und Sprach« bemühen, den„Weißen" herauszukehren. Aus diesem Grund heiraten auch Schwarze selten untereinander, sondern streben nach Bermischung mll Hellfarbigen, was auch zu ihrem gänzlichen Verschwinden beiträgt. Nie ober wird man hören, daß solch«in schwarzer Kavalier sich als Nigger bezeichnet, stets wird er sich als einen„noch etwas dunklen Brasilianer" vorstellen. Wenn man dieses hört, dann schüttell man den Kopf und denkt nach über die„Rassensragen in Brasilien". Kannibalismus ausgeschlossen. Unter den Tieren sind kanni- baliststche Gelüst« außerordentlich verbreitet; besonders sind es klein« oder junge Artgenosten, oft auch die eigenen Nachkvinm«». die ohne weiteres verzehrt werden. Um so überraschender stt dl« Tatsache, daß es räuberisch lebende Tiere gibt, vi« ofsenbar beim besten Willen nicht imstande find, ihre Artgenosten zu verzehren: sie sind für sie unverdaulich. Diese Beobachtung macht« der München«? Professor Goetsch bei Süßwosterpvlypen, jenen kleinen schlauchförmigen Tieren. deren mit explodierenden Nesselbatterien veriehen« Fangarm« ring? um die einzige Körperöffnung stehen. Dies« Oeffnung dient zugleich zur Aufnahm« der Nahrung, di« vor allem in Wasserslöhen besteh!, und zur Abgab« der unverdaulichen Ueberrest«. Professor Goetsch beobachtet« nun, wie«in Polyp«inen Wasserfloh gesangen hatte, für den«in zweiter Polyp ebenfall» große» Interesse hatte Beide hielten das unglücklich« Beutetier mit den Fangarmen fest und da keiner losließ, verschwand der Wasserfloh schließlich samt dem daran- hängenden zwellen Polypen im Körperhohlraum des ersten, offenbar ilörteren Tieres, Dieser fette Bissen war Ihm aber nicht bekömmlich: denn nach einer halben Stunde wurde der Artgenoste wieder aus- gespien. Und zwar hatte ihm der Ausenthall im Magen des anderen Tiere» nicht» weiter getan: nur den Wasterftoh war er jetzt«nb- C lo». denn er war gegen die Berdauungssäft« nicht geschützt. Beobachtung, der stch noch weitere anschlössen, ist noch d«»halb auffallend, weil ander, Forscher festgestellt haben, daß hungernde Polypen ihre eigenen Fongarm« di» auf Nein« Stümpfe auttresien Bielleicht oesttzen asto die Verdauungssäst« im Hungerzustand ein« größer« Stärk« al» sonst! Europa» Gletscher wachsen. Eine Reih« der großen europäischen Gletscher nimmt ständig an Ausdehnung zu. Jahrzehntelang« Be» odachtunaen an den Gletschern in Savoyen haben zu der Feftsiellung geführt, daß ste stch dauernd ausbreiten. Sie rücken im Jahr« um 26—50 Meter vor'«nd vergrößern stch dabei um Tousende vo» Kubikmeter». HCwScn Der Billigste Hau5wäsche ÜJberall Zxj. hohen Staats-Theater Opernhaus a. Plntz d.Republ« 7*/» Uhr: Boheme Schauspielhaus 8 Uhr: Peer Gynl Schiller« Theater 8. Wallensteins Tod. Städtisdie Opn Charlottenbur? VI, Uhr: Der Barbier von Sevilla Abonn.-Turnus III WM Theater Norden 10334—37 8 Uhr. Ifcidhatiitv.GgeiseDao von Woifganö Goetz Regie: Heinznilpert Kammerspiele Norden 10334—37 «'/. Uhr: Germaine (Amoureusel von Porto-Riehe Itigii; Forst r larrimoi. Die Komödie Bismarcis 2414. 7510 8V, Uhr: Die Perle von Tristan Hernard Rtjlo: Finlor Urriimi__ V o I ks b ü h Tiieat.a.lioliegilorfpl. Kurfürst 2091 8 Uhr Max Adalbert in„Mflller»*_ Trianon-Tt Täglich 8V, Jhr: Der Mann der Aline Ldger Regie: Fricdr. Lobe Dergan. Kaiser, Dastfainsky. Rose-Theater 8v, u. Das Ein- lamUlenhans Nollendorf 7360 Heute 8 Uhr: Premiere mit Powers Riesen- Elefanten und weiteren Variete- Neuheiten! ür. Sdiauspieltiaus Tlgl. 81'. Uhr; 'Von fJlmnS Tföuyrid' CHARELL- REVUE Sonnt, nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorstllg zu ermiß. Preisen! Neaeslliealer am Zoo Stpl.5371. Tgl. 8 Uhr Eni» ölästiia in Modellbags Crevette. Vorverk. ununterbi Ultnborg-Bilsoos Ott. Künstlcr-Tb. 87, Uhn Familie Sdilmek all Hu Pillnbctg. ■jmvsliy-äBhner Th. Khnie Titz St. Hasenheide 2110 8 Uhr ilrs.CbeneyiEnde Elisabeth Bergner HomOUlenhaus Norden 6304 Täglich 8 Uhr ItoveMalals Roberts, t. Thellmann. Braosewetter. Philharmonie u'r Konzerf des Philharm. Orch. Dirignl 1 Qtlo Hahenlugni. Vioi.-Konz. G-moll- Bruch(Veit) Suite No.- Isdiaitowuln! Metropoi- neai. Täglich 8 Uhr: Zirfasprinzmiii Besidenzmealer Täglich 87« Uhr A&steigeqaartier tilltritt JcgcridiiOien rtrtoter Tnalia-Theaier 8 Uhr: Der große nnd der kleine Klaus z entral- Theater Täglich 8 Uhr: Der Trompefer vom Rhein Vorverk. ununterbr. Preise von I— 7'M. fißtneüioflr- Slbißs- «eise- Beden Sttidjnden Iritotogen SiliiWsen Zrtes zu billiktst. Tagespr. Kedrüder PNsllme. Berlla S>V, Friedridistr. 205 Ecke �immriftr. islen! Eisenbahnwagenkästen von Güter-, Post- u. Personenwagen von Mark ISO.— an verkauft Erich am Ende Die Jagd um „Die Frau ohne Namen" geht weiter! Infolge fester Dispositionen läuft der L T e 1 1 nur noch bis Miilwoch! Ab Donnerstag „Die Frau ohne Namen" II. Teil Regie: Georg Jacoby. Tfauptrollen: Elga Brink u. Georg Alexander � JAPAN und CHINA W. (ffroebusvalast, f uropaftaus und JKatmotfkaus. MATADOR FILM VERLEIH G. m.b.H. Unser Adtellunqsreoisor und Be- ,irfsfüdrer. her immer«beit». und opferbereite Genosse Ernst Hartmann ist nach kurzem stranfenlager im 72. Lebenslahre perstorhen. Wir werben feiner für hie Partei treu- geleisteten Dienste stets in Ehren gebenien. Der Borftanb und die Funktionär« der 32. Abteilung. Di« Beerdigung findet am Miti» woch. den 2. Februar, nachmittags 3«/, Uhr, oon der Leichenhalle des St. Andrea«-Friedhof« Aohenfchiin- Hausen. Berliner Straße 33/34, statt Allseitige Beteiligung der Partei- genossen wird erwartet. tefonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in derGesamt- auf läge des „Vorwarta- und trotzdem ftbllllgll WM Melallarbeiter-YeM Verwaltungsstelle Berlin. Den Aollegen zur Nachricht, unser Aollege, der Alempner Julias Zyttkowskl am 28. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Einäscherung am Freitag, 4. Februar, nachmittag« 4 Uhr Arematorium Gerichtstraße. vi« Orfnacnsalfang. daß den im Ganz unerwartet verstarb am Donnerstag, den tl. Januar, abend» 7,8 Uhe, unser lieber Genosse Alexander Frenzel Noseggerstraße 37, im Alter 46 Jahren. Bevor Arantheit Ihn hinderte, war er ein treuer Mitarbeiter, dessen Andenken wir dankbar in Ehren halten werden. Einäsaierung heute, Dienstag, nachm., in Baumichulanweg. I!i«»Iit im BSIovplatz 8 Uhr: Volpone Morgen 8 Uhr Volpone Tb. im Sdüffbutidimm Täglich 8 Uhr Das Grabmal des onbekaggtea Soldaten. Komische Oper Allabeadllcb 87, Uhr: Sünden der Welt Die weltstädtische James-Kleln- Revue in 24 Verwandlungen 250 Mitwirkende/ 6 DalleGj Unter anderem: Hans Alber« VlckyWerckmelster Frans Banmann Theaterkasse ab 10 Uhr ununterbrochen ceöffnet. Wallner- Theater 81', Der Schlager 87« Das blonde Wunder CASINO-THEATER« unr: — Bd las» Pataiil N"' AuMAaeldea! Gutschein 1—4 Pen Fauteuil nur 1 Mk., Sessel 1�0 Mk. Relchshallen-Thoaler Abends 8 Uhr u. Sonntag naebm. 8 Uhr Stettiner SSnger Das woadtrYillt Jinar-Progmal Hadirailtaqi: halbe km». Volle* Pragrann I Oönhoff-Bretl'l Varletä, Konzert, Tanz. Vlintelh Carien RaucJÜr'* tattet ßUh�rmmLtmSlmmämim Nwd (BUSCH 630 für Kinder mehm. holte Preise Heute Pmgrammwe&ixiuA Lö'wu xu Pferd« MrTäft., Der grosse Magier I Zauberei oder Suggestion! Dompteur Hermonn Haupt «»ÄS? Attraktionenl . rtefr Qreusaii Am 29. Januar, abends 101/, Dir entschlief sanft nach knrzem Leiden meininni�eliebter Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Brnder, Schwager und Onkel, der Maurer- meister Hermann Sdimldi im 80. Lebensjahre. Im Namen der tieftraoemden Hinterbliebenen zeigen dies an Frederfke Schmidl, geb. Heinemann Margarete Schmidt Anna Freund, geb. Schmidt Richard Freund Berlin NO 55, Bötzowstr. 34. Die Einäscherang findet am Donnerstag. den 3. Februar, vorm. 10 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. PlStzlich und unerwartet entschlief sanft am Sonnabend, den 29. Januar, abends lO1/, Uhr. unser hochverehrter Altmeister und Mitinhaber, Herr Maurermeister Hermann SAmldl im 80. Lebensjahre. Wir betrauern in einen Mitarbeiter von beitsfrende. Schmidt& Freund Bangeeehäft Berlin NO. 55, Braunsbergar Str. 47 Die Einäscherung findet am Donnerstag. den 3. Februar, vormittags 10 Uhr, im Krematorium Gerichtetrasse statt. dem Entschlafenen unermüdlicher Ar- Arn 29. Januar entschlief plötzlich der Mitbegründer und Mitinhaber unserer Firma, der Maurermeister Herr Hermann Sdimidl im 80. Lebensjahr. Durch seine seltene Rührigkeit und unermüdliche Schaffensfreude war uns der Heimgegangene ein Vorbild treuester Pflichterfüllung. Wir betrauern in unserem verstorbenen Altmeister einen schlichten Mensehen von großer Herzensgüte und werden wir das Andenken an ihn stete in Ehren halten. ZNe Angez feilten, Poliere und Arbeiter der Firma Schmidt 21 Freund, Hangesch äff, Berlin NO 55. Unser seit mehr denn 30 Jahre bei der Kasse tätig gewesenes Arbeitgeber-Vorstandsmitglied Herr Maurermeister Hermann smmldl ist am 29. Januar 1927 für uns überraschend schnell dahingeschieden. Der Verstorbene hat in seiner Eigenschaft als Arbeitgeber- Vorstandsmitglied der Kasse stets in engster Fühlungnahme mit den Gesamtvorstandsmitgliedern gestanden und nicht nur in guten Tagen, sondern auch in Nöten und Oefährnissen der Kasse treue Dienste geleistet Seine wertvollen Dienet« und seine treue Bereitschaft werden wir nie vergeesen, wie wir auch sein Andenken stete in hohen Ehren halten werden. Der Vorstand der Ortskrankenkasse für dos Maurergewerbe zu Berlin. Die Einäacherang findet am Donneretag, den 8. Februar 1927, vormittags 10 Uhr im Krematorium Berlin, Geriehtatrasse statt Am 29. Januar verstarb plötslieh das langjährige Vorstandsmitglied unserer Kasse, Herr Maurermeister Hermann Sdunldl Wir verlieren in ihm einen wohlwollenden und gerechten Vorgesettten, der unseren Wünschen stete gern ein offenes Ohr lieh. Kein Andenken werden wir in hohen Ehren halten. Da* Personal der Orfskrankenkasse für da« Maurergewerbe an Berlin. «•®j» man ein Rabieschess au« der drtt»ieH f» 5«« man Bochftroenbtmg des echten Rufirol-Sühnetauaempssaiier« die Suhnetaugen mit Stumpf, Stiel und Wurzel hon «•Waflsr-anttn 8 Stück 60 Pfc-, „©«8 Rulirvl. Fußbad fidrtf nnd ersnscht müde m» »msfpnfce Ztße Zür asse. die rid»ch-n.