flg. 54 ♦ 44. Fahrg. Ausgabe K Nr. 2S Bezugspreis. Wöckienllich 70 Ptcnllia. monatlich S. Steichsmari voraus»aliibar. Tinter tireiubaao lül Deutschland, Sx-iim. caat- und äRemelaebiet, Oesterreich Litauen Lurembur, AjO ücitbsmatt. für da» übtiot Ausland 5�0 Reichsmark uro Monat. Der.Sonoätts* mit der Mustrier» ten Sonntagsbeilage»Boll und Zeit' sowie den Beilagen»Unterdaltunz tino Wilsen'.Au» der äilmwell', .Kraucnstimme'.Der Kinder» treund'.Iugend-BorwSrts' und Vilich in die BUchormelf erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag» und Montags einmal. Telegramm-Adreffe: «Sozialoewotrat L erlin- Morgenausgabe f> f. Derlinev Volksblakt [10 Pfennig') Anzeigenpreise: Sie«tnloaltiae Nonvareille. »eile M Dkennia. R-Namcteil« b,— Reichsmark..Kleine An, eigen' das tettaedruikte Wort 2i Pkenni» t,ul!!slla ,wei fettaedrucktr Wortes, scde» weitere Wort lZ Mennig. Stellengesuche da» erile Wort 15 Pfennig. ledes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- ftabeo»älilen für ,wel Worte. Arbeitsmarkt Keile 60 Pfennig. ikamilienan, eigen für Abonnenten Kell««0 Dkennia. An, eigen kür die nächst e Rirmmee mülfen bis iVt Uhr nachmittag» im Sauvtaeschäfl. Berlin SW W.Linden- ftrabeZ. abgegeben werden. Geäffnet von Sid Ubr krllb bis 5 115 r nachm. Zentralorgan der Sozialdemohrati leben Partei Deutfcblands Neöaktion und Verlag: Serlin EW. HS, LinSenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff'4SS-SS7. Mittwoch, den A. Februar 19Ä7 Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Serlin EL). öS, Linöenstr.3 Postlcheiktont»! Berlin 67 6Z«. Bankkonto! Bank der«rbeltee. Angestelten unb Beamten. Wallstr. 65! S>»koat»-ve!cSschaft. Tc»ositentasle Lilldenftr. 3. Es geht fthon wieüer los! Die Teutschnationoleu drücken sich von der Verantwortung.— Das Kabinett wehrt sich.— Maulkorb sür Stresemann? Der Reü�spräsideni hat auf die Bildung des Bürgerblocks gedrängt, well raschestens eine attionsfähige Regierung zu- ftandekommen müsse, um außenpolitische Entscheidungen zu treffen. Am 31. Januar hat das Kabinett des Bürgerblocks der Bereinigung der O st fe st ungs fragen zugestimmt. Der Beschluß mußte gefaßt werden, da man sich im Genfer Protokoll auf die Bereinigung bis zum 31. Januar geeinigt hatte. Zur Zeit dieser Beschlußfassung war das Kabinett noch nicht vollständig. Die Herren H e r g t und v. K e u d e l l waren noch nicht ernannt, wohl aber die■ Herren Schiele und Ko ch. Beide Herren wohnten jedoch merkwürdigerweise der Kabinettsssßung nicht bei. Hätten sie ihr beigewohnt, so wäre Herr Schiele wieder in die Lage gekommen, mit einem lauten und freudigen Ja der Erfüllungspoliiit zvrvstimmen. Herr Schiele hat sich dieser Verlegenheit entzogen. Bei der ersten außenpolitischen Aktion des Kabinetts haben stch die Deutschnationalen von der Verantwortung gedrückt. Daß dies der Zweck der Hebung war, bestätigt der ,.L o k a l- A n z e i g e r". Er schreibt: „Angesichts dieses Totbestandes bedeutet es nicht mehr und nicht weniger als eine Unverfrorenheit,«»«»n ein demekratifches SS'ntt zu schreiben di» Stirn hat d!« deutsch nationalen Minister wären für diesen Beschluß mitver- a n t w o r t l i ch. Sie, di« noch nicht in ihre Aemter eingezogen, die zur Hälfte noch gar nicht ernannt waren! Das möchte man wohl: dos beliebte Spiel weiter treiben, die KabinetismitgNeder vor ollem auch der Rechten in der Außenpolitik ,wor vollendete Tat- fachen stellen*, die„Derantwortung aber ihnen mitauf- bürden." Nur keine Verantwortung in der Außenpolitik! Drücke sich, wer kann! Es geht schon wieder los! Die beiden Herren waren ernannt. Sie waren eingeladen zur Kabinettssigung. Waren sie der Ansicht, daß die Zustimmung des Kabinetts falsch wäre, so wäre es ihre Pflicht gewesen, im Kabinett ihre Bedenken geltend zu machen und dagegen zu wirken. Warum sind sie ihrer Pflicht nicht nachgekommen? Sie haben' sich gedrückt. Der„Lokal-Anzeiger— um diele blamable Hal- hing zu oerdecken— erbost sich über Herrn Stresemann, er wolle die Deutschnaiionalen vor vollendete Tatsachen stellen. Er ruft nach einem Maulkorb für Stresemann: „Dann muß er sich aber vor Augen halten, daß die Struktur des Reichskabinetts für die Selbstherrlichkeit eines Mi» n i st e r s auf seinem Arbeitsgebiet keinen Raum hat. Di« Politik des Kabinetts wird geleitet vom Reichskanzler: gleich- falls nicht selbstherrlich, sondern im Einklang mit der Meinung seiner Ministerkollegen. Ei« wird nicht, auf keinem Gebiete, geleitet von einem Ressortminister, der der Federführende, der Ausführend«, der Verhandelnde, aber nicht der Best im- m e n d e ist." Herr Stresemann soll der Federführende sein, und die deutschnationalen Minister wollen bestimmen, was er schreiben darf und soll. Sie wollen aktiv werden in der Außenpolitik. Vielleicht hat deswegen 5)err Schiele auf Herrn Her�t gewartet, weil außenpolitische Aktivität in der Regierung bisher nicht sein Fall war? Gegen die Absicht des„L o k a l- A n z e i g e r s", die Deutfchnationalen von der Verantworiung für die Regelung der Frage der Ostfestungen zu entlasten, läßt Herr Stresemann nun das schwere Geschütz eines amtlichen De- m e u t i s auffahren. Amtlich wird mitgeteilt: „Der Berliner„Lokal-Anzeiger* behauptet in seiner gestrigen Abendausgabe, daß bei dem Erlaß der nach Paris in der Frage der Osrfestungen zu richtenden Instruktionen von dem G«- danken ausgegangen fei.„die Kabinettsmitglieder, vor allem auch der Re6)ten, in der Außenpolitik vor vollendete Tatsachen zu stellen" mid bezweifelt bei dieser Gelegenheit die Loyalität des Außenministers. Wie demgegenüber offiziell fest gestellt wird, hat das Kabinett einmütig beschlossen, die Derant. w o r t u n g für diese Instruktionen zu übernehmen, da einmal die Verhandlungen schon seit Wochen geführt wurden und kurz vor dem Abschluß standen und weiter, weil die Sachlage eine Verzöge- rung nicht gestattet. Die Befchlüffc des Kabinetts sind nach übereinstimmenden Vorschlägen des Reichswehrmini st«rs und des Ministers des Auswärtigen nach Anhörung des Chefs der Heeresleitung gefaßt. Irgendwelche Angriff« gegen den Außen- minister sind daher völlig unberechtigt." Das ist die Ouvertüre zur neuen Auflag« des Spiels vom Sommer 1925! Das K ä b i nett erklärt seine Gesamwer- antwortsichkeit— die deutschnationalen M i n i st e r wollen sich von der Verantwortung drückm. Die deutsch- nationale Presse greift der Außenminister an, der antwortet mit amtlichen Erklärungen. Das kann heilere Kabinsttssitzungen geben. Wir empfehlen, bei diesen Sitzungen die Tintenfässer anzuschrauben. Es geht los. Es geht schon wieder los! Der Ciü auf Sie verfasfuna. Marx vereidigt die deutschuationalen Minister. Das neue Reichskabinett trat gestern nachmittag unter Vorsitz des Reichskanzlers zu einer Sitzung zusammen, die lediglich der Vereidigung derjenigen Minister galt, die noch nicht den Reichsbeamteneid abgelegt hatten. Für die Beratung der Regierungserklärung ist für heute eine be- sondere Kabinettssitzung anberaumt. Regierungserklärung am Vonnerstag. Die Reichsregierung beabsichtigt, am Donnerstag ihr Pro- g r a m m im Reichstag bekanntzugeben. Der Abfassung des Pro- gramms liegen die RichUinien zugrunde, die der Reichskanzler Marx mit den Führern der Rechtsblockparteien aufgestellt hat und die noch durch ein wirtschaftspolitisches Programm ergänzt werden sollen. Für die Sozialdemokratie werden in der großen politischen Debatte die Genossen Hermann Müller. Franken und Otto Landsberg sprechen. Das Enüe üer Nilitärkontrolle.. Einigung in Paris. Pari». 1. Artronr.((Eigener Drahiberlcht.) 3n einer Sitzung. die ekwas über eine Stunde dauerte, und an der auch die deutsche Delegation teilnahm, ist am Dienstag vormittag zwischen ihr und dem interalliierten Militärkomitee die Einigung in der Eni- wafsmmgksrage erzielt worden. Das Komitee übermittelte seinen Bericht sofort der Botschaflerkonferrnz. die von der erziellen Eint- «jung Kenntnis nahm und ofslzlell fest stellte, daß Deutschland seinen Entwassnnngsverpslichtun- gen restlos nachgekommen sei. Das Abkommen erstreckt sich sowohl auf das Kriegsmaterial wie aas die vstsestnngen. Die Frage des Kriegsmaterial, wird durch ein dem Reichstag vorzulegendes Gesetz, mit dessen Text die Doischafierkonseren, sich einverstanden erklA», und in dem alle Einzelheilen hinsichtlich Herstellung. Eia. und Ausfuhr enthalten find, geregelt werden. Für die Oftsestungen wird eine Grenz. zone im Osten festgesetzt, innerhalb welcher keine anderen Besestlgungen geduldet werden als diesenlgen. die schon 192 0 be- standen. Die AMierlen erflärsn sich aber damit einverstanden, daß gewisse Befestigungen, die seil 1920 gebaut wurden und deren defensiver EharaNer feslsleht. in der Gegend von Königsberg l. p«. und Lohen beibehalten werden? dagegen find alle ande» ten vesestlgnngen um diese Städte und die seit 1920 um die Städte Küstrln und«Biogan im van befindlichen Befestigungen zu («hlcffea. Sie deutsche Delegation erklärt feierlich, daß keine anderen als diese Befestigungen existieren und daß man keine weiteren bauen wird. Zn einem Spezialabkommen wird genau be- schrieben, was unter„Erhaltung" der bestehenden vesestigungen in Ihrem gegenwäriigeu Zustand zu verstehen ist. Das Jeftungsabkommen. Paris, I. Februar.(WTB.) Dgs heute nachmittag von den Generälen v. Pawels und B a r a d i e r, Chef des Generalstabs des Marschalls Fach, unterzeichnete Abkommen über die östlichen Befestigungen bestimmt im wesentlichen: 1. In den Grenzgebieten. die zwischen den Festungen der Ost» und Südsront an der deutschen Grenz« liegen, sind die Befestigungsanlagen in dem Stande zu erhalten, der bei Kriegsschluß bestand-, doch dürfen dem Verfall ausgesetzte Baustoffe durch Beton ersetzt werden. In diesen Grenzgebieten dürfen neue Festungsanlagcn nicht erbaut werden, was schon der Dersailler Vertrag, verbietet. Im übrigen hat Deutschland volle Freiheit. 2. Wichtige Abschnitte aus dem linken Oderufer zwischen Küstrln und Brieg fallen trotz der Nähe der Festungen Glogau, Küstrin und Breslau nicht unter das Verbot. 3. Don den bestehenden 88 Unter« st ä n d e n für se acht Mann bleiben erhalten acht in der eigent- lichen Festung Glogau, IS(sämtliche) in der besonders wichtigen Festungsanlage Lätzen. 31 bei Königsberg. Je r st o r t müssen werden 7 auf das rechte Oderufer vorgeschobene Unterstände bei Glo- gau, 5 vorgeschobene Unterstände bei Küstrin und SS Unterstände bei Königsberg. Von den SS Unterständen bleibe» also M erhalten. die örotversorgung gefährdet. Die Sozialdemokratie fordert vorübergehende Aufhebung des Roggenzolls. Der Lebenshaltung der deutschen Verbraucher droht eine große Gefahr: täglich steigen die Preise für Roggen, das wichtigste Volksnahrungsmittel, gleichzeitig werden die Vorräte an inländischem Roggen knapp und knapper, so daß mit weiteren starken Preissteigerungen pe-> rechnet werden muß. Untätig sieht die Reichsregierung dieser Entwicklung zu. Zu sehr mit der Sorge um das Zustandekommen des Besitzbürgerblocks beschäftigt, ist ihr die den Verbrauchermassen drohende Gefahr völlig gleichgültig. Des- halb verlangt die sozialdemokratische Reichs v tagsfrattion in einem Gesetzentwurf, daß vom 1. Februar bis 39. Juni 1927 Roggen zollfrei ein- geführt werden dorf. Unterrichten wir uns zunächst über die Entwicklung d e r R o g g e n p r e i s e. Im Erntejahr 1925/26 hatten die Roggenpreise bei einem Zollsatz von drei Mark für den Doppel- zentner nach den Notierungen der Berliner Börse folgenden Stand: Oktober 1925.....•...... 148,76 M. November lf23.......... 14\48» Dezember IPSS.......... 151 46, Januar 1026........... 15022, ftebruar 1926........... 147,08, Mar, 19vfl........... 155 46„ Avril 1926........... 175 32. Mai 1926............ 177,78„ Juni 102Ö............ 183,46„ Mit dem 1. August 1926 trat eine Erhöhung des Zolles von drei Mark auf 5 Mark für den Doppelzentner ein, ohrvobl bereits der Drsi-Mark-Zoll zu einer wesentlichen Steigerung der Preise geführt hatte, und obwohl auch die Weltmarktpreise dauernd stiegen. Durch die Zollerhöhung wurde diese Preisentwicklung für den deutschen Markt noch gefördert, wie aus den folgenden Berliner Monatsdurchschnittspreisen für Roggen hervorgeht: Juli 1926.......... 197,50 M. August,.......... 197.02„ September........... 211 28, Oktober........... 220,38, November........... 227,74, Dezember........... 234,14„ gegenwärtig(Ende Januar 1927).. 253—256. Der Borkriegspreis einschließlich des Zollrs von fünf Mark betrug 168 Mk. pro Tonne. Der heutige Preis ist also um 50 Proz. höher als der Vorkriegs- p r e is. Er übersteigt die Preisentwicklung der meisten sonstigen Produkte. Er ist auch wesentlich höher als der Preis für die wichtigsten Bedarfsgüter der Landwirtschaft. Während der Landwirt in der Vorkrieaszeit für einen Zentner Roggen etwa 6l4 Kilogramm Stickstoff erhielt, erhält er gegenwärtig für einen Zentner Roggen rund 13 Kilo-, g r a m m Stockstoff. Die Steigerung der Roggenpreise aber wird noch gefährlicher durch den ungünstigen Versorgungsstand des deutschen Marktes. Der Deutsche Landwirt- schaftsrat hat in diesem Jahre zum erstenmal eine Statistik der Getreidevorräte bei den Landwirten vorgenommen. Die letzte Erhebung bezieht sich auf den 15. Dezember 1926. An jenem Tage befanden sich von der Winterroggcnenite des Jahres 1926 nur noch 46,3 Proz. in den Händen der Land- wirie. Zum Verkauf waren nur noch 21,9 Proz. verfügbar. In den Händen der Landwirte befanden sich also nur noch 1,4 Millionen Tonnen Roggen zum Verkauf. Bei Würdigung dieser Zahlen ist zu berücksichtigen, daß das deutsche Vcrbrauchssahr Mitte August beginnt, so daß am 15. Dezember erst vier Monate des Verbrauchsjahrs ver- gangen waren und noch acht Monate bevorstanden. Es ist nicht an?,-nehmen, daß sich in den Händen des Handels oder der Mühlen größere Bestände befinden, da die Liefsnmgcn der Landwirtschaft kaum den laufenden Bedarf gedeckt haben. Da der monatliche Bedarf der nicht selbst versorgenden De- völkerung etwa 350 000 Tonnen Roggen beträgt, so reicht die am 15. Dezember vorhandene Roggenmenge nur noch etwa vier Monate zur Versorgung der Bevölkerung Für weitere vier Monate ist der Bedarf der deutschen Bevölkerung an Drotkorn ungedeckt: um ihn im Auslande?u deckcn. muß eine Einfuhr von fast eineinhalb Millionen Tonnen Roggen erfolgen. Die Statistik des Deutschen Landwirtfchaftsrats ist nicht nur in den KreLen des Getreidehandels lebhaft beachtet word-n. sondern sie hat auch zu den letzten starken Preis- steigerungen an den deutschen Märkten gesiihrt. Selbst im Auslande, vor allem in Amerika, sind die Roggenpreifs unter ausdrücklicher Berufung auf den zu erwartenden großen Einst-Hrbedarf Deutschlands gestiegen. Aus allen diesen Gründen ist mit Sicherheit anzunehmen, daß bei einer Au fr e ch t e rh a lt u n g des Roggenzolles dl« Roggenpreise in de» nächsten Monaten noch stä r ker steigen werden als bisher. Teurer Roggen aber ist teures Brot. Bereits auf Grund der bis- herigen Preisentwicklung des Roggens sind die B r o t p r e i s e gestiegen. Im Oktober und November 1925 kostete in Berlin das Kilogramm Brot 34 Pfennige. Es stieg in den darauffolgenden Monaten bis zur Zollerhöhung im Juli 1926 auf 36 Pfennigs. Im Dezember 1926 aber war bereits ein Preis von 41 Pfennigen erreicht und im Januar 1927, für den die Preisberichte noch nicht vorliegen, ist eine weitere Brotverteuerung eingetreten. Der sozialdemokratischen Forderung nach vorübergehender Aufhebung des Roggenzolles kann um so eher entsprochen werden, als die Landwirtschaft ihre Ernte zum überwiegenden Teil bereits im Dezember verkauft hatte und den Restbestand spätestens bis zum 1. April völlig aus- verkauft haben dürfte. Sie hat somit Gelegenheit gehabt, ihre Ernte zu beispiellos hohen Preisen zu verwerten. In dem Augenblick, wo die Inlandsernte aufgezehrt ist, und wo die Getreidsbauern des Auslands ßich anschicken, aus unserer Notlage Spekulationsgewinne herauszuschlagen, wäre es eine s i n n l o s e B r u t a l i t ä t, den Zoll noch länger auf- recht zu erhalten. Die Massen der deutschen Bauern würden nicht den geringsten Vorteil davon haben, die ohnedies sehr gefährdete Lebenshaltung in den minderbemittelten Familien würde vollends darunter zusammenbrechen. Die Auf- Hebung der Zölle für den Rest des Ernte- sah res ist daher eine dringliche Notstands- Maßnahme von allergrößter Tragweite. Sorgen Ses HetreiKehanöels. Im Handelsteil des„Berliner Tageblatts" nimmt der Inhaber einer Berliner Getreidegroßhandelsfirma, Leonhard N e u m a n n, im gleichen Sinne zu der drohenden Roggeunot Stellung. Er verlangt, daß die Getreidehandelsgeicllschaft, die Nachfolgerin der Neichsgctreidcstelle, einen Teil ihrer Mittel dazu verwendet, um Getreide iin Ausland aufzukaufen und es auf den deutschen Mort zu werfen, um die Preise zu senken. Der Berfasser schließt: Zusammenfassend sei also festgestellt, dah Deutschland vor einer n us gesprochenen Roggen not steht, die sich ohne Beihilfe des Auslandes zu einer recht ernsten Lage zuspitzen müßte. Ts handelt sich um einen Dersorgungszeitraum von sechs Monaten, für den hinreichende Mengen im Lande an Roggen ebenso an Weizen— nicht vorhanden sind. Die Roggem tcuerung wird sich ungehemmt fortsetzen, wenn ntcht vom Auslande rechtzeitig genügend Ware herbeigeschafft wird. Den Verbrauchern erscheint unter diesen Umständen ein„Schutzzoll" in Höhe von '<0 M. um s o weniger angebracht, als die Landwirtschaft »ach eigenein Eingeständnis nur noch geringfügige Vorräte an Brot- gctreide besitzt, also ihre materiellen Interessen durch die mit einer Zollerniäßigung oder Zolloufhclmng verbundene Derbilligung des Getreides nicht gefährdet erscheinen. Man kann aus diesen Ausführungen die lebhafte Sorge herauszulesen, die der Getreidehandel hat, wenn de> einer weiteren Konkurrenz des Roggens der Unmut der Verbraucher sich gegen ihn wenden sollte. Demokratie und Sauernschast. Zum demokratischen Rcichsbanerntag. _ Daß der Reichslandbund infolge der ungeschickten politischen und wirtschaftlichen Leüung seiner Organisation seine Lormachtstellung auch bei der deutschen Bauernschaft mehr und mehr einbüßt, ist seil Jahr und Tag bekannt. Cr hat also alle Hände voll zu tun, um den Ansturm der Linksparteien abzuwehren, die seit langem erkannt haben, daß Landbundpolitik niemals Bauernpolitik sein kann, und die diese Erkenntnis nicht ohne Erfolg bereits einem großen Teil der deutschen Bauernschaft eingeimpft haben. So hielt der Landbund unlängst in Brmmschweig eine Versammlung ab, um dem für den 29. und 39. Januar dort angesetzten demotra- Der Sprung ins Wasser. von Peter Potter. Der Vorgang spielt« sich folgendermaßen ab: Ein Bettler stand aus der Brücke. Stundenlang liefen die Leute achtlos an ihm vor- über, well er sich statt in dos helle Licht, ängstlich in einen dunklen Winkel gestellt hatte und weil er, statt mit weinerlicher Stimme auf sein Elend aufmerksam zu machen, den Passanten schweigend die abgegriffen« Mütze hinhielt. Nachdem der Bettler mehrer« Stunden vergeblich gestanden hatte, begriff er endlich die Zwecklosigkeit seines Tuns und setzte die Mütze wieder auf. Einige Minuten stand er noch und blickte gedankenlos hinüber, wo— kaum hundert Meter von ihm entfernt— Glanz, Licht und Lärm war. Und dann wandte er sich plötzlich mit leichenfahl gewordenem, starrem Gesicht ab, er- kletterte das steinern« Brückengeländer und ließ sich mit einem Laut, der wie ein trockenes Aufschluchzen klang, vornüber in die schwarz- flimmernd« Tiefe fallen... Nun aber geschah etwas Seltsames. Während sich bisher keine Seele um ihn gekümmert hatte, ja, von hundert Vorübergehenden ihn kaum einer bemerkt halle,— in dem kurzen Augenblick, da er auf dem Brückengeländer balancierte, sahen sie ihn plötzlich allel Der bekannte tausendstimmige Schrei erhob sich. Autos und Straßen- bahnen stockten. Frauen kreischten hysterisch auf, und Männer brüllten erschrocken: ,Lu Hilf«! Rettetl Da ist eben einer ins Wasser gesprungen!" Im Handumdrehen glich die Brücke einer Theatergalerie, die von leidenschaftlich erregten Zuschauern besetzt war. An beiden Ufern des Kanals drängten sich die herbeiströmenden Neugierigen. Zwei Polizisten, die ebenfalls urplötzlich auftauchten, sprangen in den Rettungskahn, der am Fuße der schmalen, steinernen Treppe ange- kellet lag, und stießen sich, wie die Wilden arbeitend, auf den dunklen Kanal hinaus. Und oben sorgte ein dritter Polizist für' die nötige Ordnung, vor allem, daß der Berkehr durch den Zwischenfall nicht unnötig unterbrochen wurde. Es war plötzlich, als wäre das Leben des armen Menschen, der hier eben ins Wasser gesprungen war, um es loszuwerden, von einer unersetzlichen Kostbarkeit! Angstvoll starrte alles auf die dunkle Wasserfläche hinab, ob der Körper des Selbstmörders nicht noch einmal auftauchen würde, und da war keiner unter den Hunderten, der nicht erzitterte bei dem Gedanken, daß das Rettungswerk oer- geblich bleiben könnt«. Dange Minuten vergingen. Man lauschte mit angehaltenem Atem. Wer dann erhob sich ein lauter Freudenschrei! Man sah. wie unten auf dem Wasser die Polizisten sich well aus dem Kahn herausbogen und eine schwarze, schwere Last zu sich an Bord zogen.„Sie haben ihnl" schrie man sich gegenseitig zu und freut« sich so von Herzen, als ob jeder persönlich das Rellungswert vollbracht hatte. �Lebt er noch?"—-Ja. er lebt noch," llävg es tischen Reichsbaucrntage das Wasser abzugraben. Diesem Wunsche des Reichslandbundes ist die Erfüllung versagt geblieben, denn sowohl die Dclegiertentagung der Demokraten am 29. als auch die öffentliche Bauernkundgebung am 39. Januar wiesen einen sehr starken Besuch auf und erbrachten den Beweis aufs neue, daß die Klein- und Mittelbauern es satt haben, sich länger vor den Land- bundkarren spannen zu lassen. Nicht, daß sie darum nun samt und sonders begeisterte Anhänger der Deutschen Demokratischen Partei geworden wären. Im Gegenteil betonten gerade die Vertreter der hannoverschen Bauernverbände in Braunschweig, daß sie sich nie- mals einer politischen Partei verschreiben, sondern, daß sie als überzeugte Republikaner gemeinsam den Weg agrarpolitischer Vernunft mit allen denen gehen wollten, die sich zum Schutze und zum freihelllichen Ausbau der deutschen Republik bekennen. Eine Stellungnahme, die den ehemaligen oldenburgischen Minister- Präsidenten Tantzen zu recht ungeschickten Angriffen auf die Organi- sationen der Kleinbauern veranlaßt«, unter deren Nachwirkung der erste Verhandlungstag zu leiden Halle. Das von dem preußischen Landtagsabgeordneten M e i n ck e vor- gelegte Agrarprogramm der DDP. fand noch nicht die all- gemeine Zustimmung der demokratischen Vertreter und soll von einem größeren Ausschuß durchberaten und dem nächsten Parteitage zur Annahme unterbreitet werden. Die Grundlinien dieses Pro- gramms bewiesen jedoch, daß es für die SPD möglich fein wird, in der Befreiung des Landvolkes ein gut Stück Weges mit der bürgerlichen Demokratie gemeinsam gehen zu können, wenn sich diese auch wegen ihrer Rücksichtnahme auf das Händlertum immer noch nicht zu einer ganz klaren Stellungnahme in der Genossen- s ch a f t s f r a g e bekennen kann. Die lebhafte Erörterung der programmatischen Richtlinien zeigte aber, daß die Agrarfrage auch bei den Demokraten in Fluß ist, und daß sie im allgemeinen sehr wohl erfaßt haben, wo den Bauern der Schuh drückt. Wenn es sich also bei dieser Tagung auch nicht um eine republikanische Reichsbauerntazung handelte, bei der die Parteien vom Zentrum bis zur SPD. hätten zu Worte kommen müssen, so war es doch eine imposante Kundgebung, die dem Reichslandbunde bewiesen haben wird, daß er auf die Klein- und Mittel- dauern nicht mehr zu rechnen hat. Liebesgaben öes Grünungsblocks. Eine Vcrfaffungsverletznng der thüringischen Regierung. Weimar, 1. Februar.(Eigener vrahtbericht.) Einen Skandal ohnegleichen Hot sich die noch am Ruder befindliche Ortmungs- regierung trotz oder gerade wegen des Wahlausfalls am Sonntag gestattet. Sie hat nämlich unter glatter Verletzung der Verfassung ein Notgesetz, das bereits im Jahre 192Z über die Benutzung der Gewässer in Thüringen erlassen worden war und sie trotz entgegenstehender Bestimmungen der Verfassung dem Landtage drei Jahre hindurch nicht zur Genehmigung vorgelegt Halle, eigen- mächtig abgeändert. Die Verfassung gestattet der Landesregierung in dringenden Fällen, wenn der Landtag nicht versammelt ist, ein Gesetz als Not- gesetz zu erlassen. Das Notgesetz darf aber der Verfassung nicht zuwiderlausen. Es ist dem Landtag bei seinem Zusammentritt sofort zur Bestätigung vorzulegen und, falls dies« versagt wird, unverzüglich wieder aufzuheben. Die Ordnungsregierung hat sich drei Jahre hindurch, wie man jetzt sieht, vergeblich bemüht, mit Hilfe ihrer Parteien etwas Besseres an die Stell« des seinerzeit von der sozialdemokratischen Regierung als Notgesetz heraus- gebrachten großen Werkes zu setzen. Wie der Wahlausfall am Sonntag auf die jetzige Regierung gewirkt hat, ersieht man aus der Tatsache, daß sie dzn sie seit Jahr und Tag bedrängenden Jnter- esscntcn noch eine Liebesgabe zu gewähren, durch ihr oer» fassungswidriges Notgesetz jedes Entgell für die Wassernutzung, die nach dem bisherigen Recht der Staat von den Wasserkraft-nhabern verlangen konnte, glattweg gestrichen hat. Der Borfall erregt in parlamentarischen Kreisen sehr starkes Aufsehen. Roch vor der Regierungsbildung wird er den Land- tag von Thüringen beschästigen müssen. von unten herauf. Und eine ungeheure Befriedigung machte sich breit, daß das arme Opfer dem selbftgewähllen Tode noch einmal«nt- rissen war. ... Man überschüttete die beiden Polizisten, die den triefenden Körper die Steintrepp« hinaufschleppten, mit Lobsprüchen. Man sah' aufmerksam zu, wie sie den Bewußtlosen lang auf der Erde aus- streckten und die vorgeschriebenen Belebungsversuch« mit ihm vor- nahmen. Die nahe Laterne beleuchtete die zerlumpten, nassen Kleider des Selbstmörders, fein graues,«ingefallenes Gesicht und enthüllte grausam das Elend dieses Menschen, das ihn in den Tod getrieben hatte. Aber das wollt« in diesem Augenblick niemand sehen. Man war stolz darauf, ein Leben erhallen zu haben. Und als eine abgehärmte Arbellerfrau, die ebenfalls zufah, die traurigen Worte sprach:„Dct arme, verhungerte Luder hätten se ooch lieber sterben lassen sollen!" da trafen sie von allen Seiten empörte Blicke, und scharf« Wort« machten sie auf die Roheit ihrer Bemerkung aufmerksam. „Jott! Ick meinte ja man bloß!" entschuldigte sie sich verlegen. „Nu jeht mit ihm det janze Elend doch wieder von vorne los!" Damit verzog st« sich schüchtern. „Stecht hat se aber doch jehabt," murmelten«in paar andere ab- gerissene Menschen aus der Menge.„Der Tod is doch heuzutag« det Eenzig«, wat man sich noch selber aussuchen darf, wenn et jarnich mehr jehn will." Aber das waren bloß so ein paar Proletarier, die von der Heiligkeit des Menschenlebens natürlich keine Ahnung hatten. Marconi über die Wunder der Radiolelephonie. In London hiell Marconi bei einem Frühstück, das der Verband der aus- ländischen Presse ihm zu Ehren veranstaltet hatte, einen Dortrag über die großartige Entwicklung der Technik der drahllosen Ber- kchrsverbindungen.„Das Jahr 1927 ist«ist im Werden," sagte er, „aber es hat uns bereits das wunderbare Schauspiel eines tadel- losen und regelmäßigen radiotelephonischen Verkehrs zwischen Eng- land und den Vereinigten Staaten gezeigt. 1926 hatte uns kurz vor Jahresschluß em anderes wunderbares Schauspiel geboten: die Er- Öffnung eines überaus schnellen radiotelegraphischen Dienstes mit dem System der Bündelwellen zwischen England und Kanada, eines Dienstes, der aus alle Dominions und auf andere weit ent- legen« Gegenden ausgedehnt werden soll. Ich habe außerdem die feste Ueberzeugung, daß das F e r n s e h e n in kurzem in die Sphäre der praktischen Verkehrsmittel eintreten und uns in die Lage oer» seyen wird, aus sehr weite Entfernungen hin den Anblick irgend. welcher Geschehnisse zu übertragen. Dabei muß man sich vor Augen hallen, daß das System der Bündelwellen, dem wir diese außer- ordentlichen Fortschrille verdanken, erst in den Anfängen ist. Gewisse Versuche, die in den letzten Wochen zwischen England und Kanada gemacht worden sind, hoben bewiesen, daß das System der Bündelwellen nicht nur für die drahtlose Telegraph!«, sondern auch— und zwar gleichzeitig— für die drahtlos« Telephoni« nutzbar gemacht werden kann. Einem meiner Londoner Assistenten gelang es von seinem Londoner Bureau aus ganz deutlich mit einem ■ i''''' 3 '.,-j Das alte Lied. Hinticnburg verordnet— die Offiziere Pfeifen darauf. Genosse Künstler hat im Reichstag folgende Kleine Anfrage eingebracht: „Am 1�. Januar hat der Herr Reichspräsident unter Gegenzeichnung des Reichswehrministers Dr. Geßler eine Verordnung über ungesetzliche Einstellungen in die Reichswehr erlassen. Auf Grund des Z 11 des Wehrgesetzes vom 23. März 1921 wurde vom Reichspräsidenten u. a. verboten: „Jede Aufnahme junger Leute, die nicht gesetzmäßig ein- aesteW sind, in die Kasernen. Ausbildungslager und in die Truppenteile, sei es auf Probe oder für freiwerdende Stellen, sei es für einen Ausbildungslehrgang oder zur zeitweiligen Erhöhung der Mannschaftsbestände." Ich frage an: 1. Ist dem Reichswehrminister bekannt, daß trotz obiger Per- fügung in der Kaserne des Pionier-Bataillons in Stettin seit dem 18. Januar unter Lellung eines Majors Wagner ein Sport- kursus. abgehallen wird. 2. Ist dem Reichswehrminister bekannt, daß die Tellnehmer des Sportkursus nur Mitglieder rechtsradikaler Der- bände sind? Z. Ist eine Genehmigung zur Whaltung des Sport- kursus erteill worden? 4. Gedenkt der Herr Reichswehrminister die Bestrafung der in Frage kommenden verantwortlichen Herren herbeizuführen, die über die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten hinweg- gegangen sind?" Zum 5 all Machan. Die Anzeige wegen Kuppelei gegen die Mutter. Frau K o l o m a k, die die Tragödie ihres Kindes Grete M a ch a n zur Anklage gegen die gegenwärtige Gesellschaftsform er- t?Lben hat, ist nun doch von der Bremer Polizei unter dem Verdacht der schweren Kuppelei, begangen an ihrer Tochter, v e r h a s t e t worden. Die Polizei behauptet, man Hab« früher gegen Frau Kolomak nicht den geringsten Verdacht gehabt und sei erst durch die Lektüre des Buches, das in unseren Spallen eingehend gewürdigt wurde, zu weiteren Zeugenvernehmungen veranlaßt war- den. Die Polizei gibt aber zu, daß sie bereits vor annähernd zwei Iahren, nämlich im Mai 1925, eine Schreib- maschinenabschrist des Tagebuches mit dem echten Namen zur Einsicht erhallen hat. Dadurch verstärkt sich der Verdacht, daß es sich um«inen Racheakt der durch das Buch �nichelasteten Polizei oder der von ihr befragten Zeugen handell. Es ist auch auffallend, daß man n u r die Frau Kolomak unter Anklage gestellt hat, während in der Schrift auch auf andere Prostituierte hin- gedeutet wurde, die sich wahrscheinlich unter den vernommenen Zeu- gen befinden, und die doch schließlich irgendwo eine Unterkunst haben müssen. Die Ouartiergeber dieser Dirnen hat man offenbar nicht mit einer Strafverfolgung bedacht. Uebrigens ist in der Bremer Bürgerschaft von unserem Genossen Faust eine Interpellation eingebracht worden, die die Vor- legung des amtlichen Untersuchungsmaterials und die Durchführung von Maßnahmen verlangt, um eine Wiederholung ähn- licher Vorkommnisse zu oerhindern, wie sie in dem Tagebuch geschildert werden. Freunde in Kanada zu sprechen, indem er eine Bündelwellenlinie benutzte, auf der gleichzeitig radiotelegraphische Botschaften nach beiden Richtungen hin übernnttell wurden. Sowohl die radiotele- phonischen Verbindungen wie auch die gewöhnlichen radiotele- graphischen Uebennittlungen gingen auf derselben Linie ohne die geringste Störung vonstatten. Di« Möglichkell des doppelten gleich- zeitigen Dienstes, des mündlichen und oes graphischen, muß natür- lich zur Verbilliguna der Tarife führen. Uno nun noch ein staunenerregender Fortschritt: ganze Blätter Hand- oder schreibmaschinen- schriftlicher Botschaften, Zeitungsausschnitt«, Photographien, Zeich- nungen— das alles wird fehlerlos und mit Blitzesschnelle auf weiteste Entfernungen hin übermittell werden können. Die Methode ist auf dem Wege der Vervollkommnung und es ist sicher, daß sie ein« wesentliche Reduzierung des gegenwärtig für den radiotele- graphischen Dienst erforderlichen Personals ermöglichen wird. Und was nicht zu unterschätzen ist: es wird künftighin dem Empfänger einer Botschaft überlassen bleiben, sich mit dem Manuskript des Telegraphierenden abzuquälen und es zu entziffern." Ritti auf dem faschistische» Index. Der italienische Verlag R. Bemporad u..Sohn hat zwei von den fünf Bänden oerlegt, die der früliere Uolienische Ministerpräsident Francesco Nitti veröffentlicht hat. und zwar„Das friedlose Europa" und „Der N'ederaang Europas". Diese Bücher sind älter als der Faschismus, denn sie wurden 1921 und 1922 veröffentlicht und.i in mehr als 39 lebende Sprachen übersetzt. Der Faschismus hat» diese Bücher als gefährlich befunden, da sie eine Propaganda» für den Frieden sind. Der Verlag Bemporad hat den Befehl' erhallen, alle noch unverkauften Exemplare zu vernichten. Gleich- zeitig sind die italienischen Buchhändler angermesen worden, keines der anderen Wirke des großen Vorkämpfers für die Befriedung Europa» zu verkaufen. Die Arühjahrsausstellong der Zurysreien. Die Iuryfteie Kunst- schau wird ihre Frühlahrsausstellung in Berlin m der zweiten Hälfte des April eröffnen. Die Ausstellung findet im Landesaus- stellungsgebäude statt, in dem ein Teil der Räume von dem Kartell ausstellender Künstler, das dos Gebäude für die gleiche Zeit belegt hat. an die Iuryfreien abgegeben wird. Das Laad der Hundertjährigen. Nach der letzten offiziellen Volkszählung scheint Spanien die Hauptheimat der Hundertjährigen zu sein. Nach den Angaben, die Madrider Blätter oeröffentlichen. haben dort 355 Personen das Aller von 190 Iahren erreicht, und zwar 96 Männer unh 239 Frauen: 75 Männer und 294 Frauen sind über 190 Jahre alt. und einige von ihnen haben ein Alter von 110 Iahren erreicht. 22150 Männer und 36 294 Frauen sind über 80 Jahre all: selbst Madrid, das für eine ungesunde Stadt gilt, hat 24 Frauen und 11 Männer, die über 100 Jahre all sind. Auch an diesen Zahlen zeigt sich wieder, daß die Frauen äller werden als die Männer. Splelplotiitadetimg. Im Deutschen Theater gelangt die gan,e Socke.Neidhardt von Gneisen au" zur«usiühruna. Die Premiere von Fritz von UnruhS Schauipiel„Bonaparte" findet in der nächsten Socke»alt. Li« Staatliche üunslbibllothek. Prinz-Zllbrecht-Str. 7», veranstaltet in ihrem Leselaal eine AnSstellunz von Präqedrucken de» t8. Jahrhundert». lichechssche KSlzerei. Ein Prager Regierungsblatt kündigt ein Gesetz gegen unsittliche Pllbiitattvuen oa. Verhaftungen rechtsradikaler Waffenhehler. Diebstahl aus de« Waffcnbeständen der Schupo. Bochum, 1. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Hier wurden mehrere Mitglieder rechtsradikaler Organisationen wegen Entwendung von Waffen aus der Wasfenkammer der Schutz- polizei verhaftet. Die jungen Leute hatten diese Waffen ihrem Verbände ausgeliefert. Außer ihnen wurde ein S ch u tz- Polizeiwachtmeister unter der Beschuldigung der Begünsti- gung oder Mittäterschaft in Hast genommen. Anter üen Kulissen üerRegierungsbilöung. Hindcnburgbricfc und kern Ende. Die Fabrikation der Bürgerblockregierung ist eine diplo- matische Aktion großen Stils gewesen, bei der ein erhebliches Material von Manifesten, Erklärungen, Richtlinien angefallen ist. Die Deutsche V o l k s p a r t e i veröffent- licht zu dem schon vorhandenen Material hinzu eine E r- k l o r u n g, in der sie ihr Nachgeben in der Frag« des Ver- kehrsministeriums begründet. Die Erklärung lautet: .Die Deuische Bolkspartel hat seit Iahren den Standpunkt ver- treten daß eine parlamentarische Mehrheitsrogierung tu Deutschland angesichts der überaus schwierigen außen- und innenpolitischen Eni- sch-idungen erforderlich sei. Noch der Rede des Abg. Scheidemann zu der für die Deutsche.Volkspartei entscheidenden Frage der Reichs- wehr war für sie die Große Koalition nicht mehr trogbar. Getreu ihrer in den letzten Iahren mehrfach festgelegten Auffassung hatte sie besonders auch durch die erfolgversprechenden Verhandlungen ihres Ministers Dr. Curtius alles versucht, um die Mchrheitsregicrung von den Demokraten bis zu den Deutschnationalen zustande zu bringen. Um dieses Zieles willen hat sie schwer st e Opfer nicht ge- scheut, eingedenk ihres ollen Wahlspruches.Das Vaterland über die Partei". Besonders schmerzlich mußte sie den Verzicht auf die Westerführung des Vertehrsministeriums durch Herrn Dr. K r o h n e. einem im höchsten Maße bewährten Fachmanne auf diesem Gebiet«, empfinden. Ihre Stellungnahme wurde in letzter Linie bestimmt durch den Appell an ihr« vaterländische ?» s i n n u n g. Diesen Appell hat der Herr Reichspräsident, der den Vorsitzenden der volksparteilichen Reichstagsfroktion Dr. Scholz zu diesem Zwecke zu sich bat, nicht nur mündlich, sondern auch in folgendem Schreiben in nachdrücklicher Form an die Fraktion gerichtet. An Herrn Reichsministe? Dr. Scholz, Fraktion der DVP., Reichstag. Sehr geehrter Herr Reichsminister. Wie mir der Herr Reichskanzler berichtete, ist die Zusammen- s:tzung der neuen Reichsregierung auf Schwierigkeiten gestoßen. Die Regierungskrise währt nun schon sechs Wochen. Die vor uns liegenden politischen und wirtschaftlichen Aufgaben erfordern dringend den Beginn der Tätigkeit einer vollarbeitsfähigen Reichs- rcgierung. Wenn ich auch Ihrer Forderung, den bewährten und er- fahrenen Reichsverkehrsminister Dr. K r o h n e im neuen Kabinett beizubehallen. volles Verständnis entgegenbringe, so muß ich doch an Sie und Ihre Fraktion die Bitte richten, aus dieser Ihrer Forderung nicht zu bestehen und so dm letzt« Hindernis auf dem Wege zur Regierungsbildung zu beseitigen. Die bisherige Haltung der Deutschen Dolkspartei und ihrer Reichstagsfraktion be- rechtigt mich zu der A-mahme, daß sie auch hier die Rücksicht auf das vaterländische Wohl und die Gesamt- >rt.eressen des deutschen Voltes allen anderen Wünschen und Interessen voranstellen und sich diesem meinem Appell nicht versagen wird. Mit der Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung bin ich I�r ergebener gezeichnet von Hindenburg. Der Reichspräsident hat als ehrlicher Makler in dem Schacher um die Ministersitze vermitteln müssen. Erst mußte er das Zentrum breitschlagen, dann Herrn Krahne ab- sägen, und schließlich Herrn Graes wieder in die Versenkung verschwinden lassen.- Uebrigens: die Versicherung, man könne von der Volks- Partei erwarten, daß sie das Gemeinwohl über alle Interessen ftM. ist genau so richtig, wie die Versicherung in dem Brief« an Graes. Herr G r a e f sei aus freiem Entschluß zurückgetreten. Die Deutschnationalen wollen ebenfalls ein Manifest veröffentlichen. Fentrumsjugenü gegen Sürgerblock. Breslau, 1. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Die Führer der Windthor st bünde Oberschlesiens haben einstimmig fclgende Resolution gefaßt:.Der Gau Oberschlesien der Deutschen Windthofftbünde steht der neuen Regierungskoalition völlig ver- ständnislos gegenüber. Wir erachten die einseitige Verbindung mit Parteien, die sich noch vor wenigen Tagen als schärfste Gegner der Republik und als unentwegte Vorkämpfer der Monarchie be- tannt und betätigt haben, als eine innere Unmöglichkeit und als eine ernste Gefahr für den Bestand der Republik und können den rein parteitaktischen Versprechungen de? Rechtsparteien keinen Glauben schenken. Die neue Koalition untergräbt nicht nur das Ver- trauen weite st er Zentrumstreise zu ihrer Par- t e i, sondern auch das Vertrauen der Dolkstreise, mit denen die Partei Jahre hindurch in den schwersten Schicksals st un. den die erste und fruchtbarste Arbeit an der jungen Republik ge- leistet hat." Englisches Urteil über Thüringen. London, 1. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Der„M a n- che st er Guardian" schreibt in einem.Ein Schlag für die beut» Ichen Konservativen" betitelten Leitartikel, die Thüringer Wahlen vom Sonntag erklären, worum der Reichspräsident sich gemeinsam mll Stresemann so heftig einer Reichstags- o u f l ö s u n g widerfetzt habe. Die Opposition in Deutschland könne den Anspruch erheben, daß s i« und nicht der Bürgerblock die Stim. mung der deutschen Nation widerspiegele. Das Urteil der Wähler- schast in Thüringen werde zur Folge haben, daß das neue Kabinett dem Reichstag nicht gerade.in gehobener Stinnnung" gegenüber- treten würde. Der Schattenüorfer Aloröer verbastet. Heute viertelstündiger Proteststreik. Mm. 1. Februar.(Eigener Drohtbericht.) Am Montag abend konnte in Schattendorf der geflüchtete Sohn des Frontkämpferwirtes Scharabon verhaftet werden. Er hat zugegeben, die Schüsse auf die Schutzbündler abgegeben zu haben.' Die Vorbereitungen zu dem am Mittwoch angekündigtm all- gemeinen einvtertel stündigen Streit sind vollendet. Es wird in allen Betrieben von 11 bis'/L12 Uhr gefeiert mit A u s- nähme der Betriebe, wo das aus Gründen der allgemeinen Sicherheit nicht möglich ist. Darüber haben die zuständigen G«. werkschaften zu entscheiden. In den Spitälern wird der Pflegedienst kvrigesetzt, der Verwaltungsdienst wird aber ebenfalls eine Viertel- stunde unterbrachen. Die Mietwagen werden gemäß einem Beschluß ihrer Organssation, wo immer sie sich m Oesterreich aufhalten, auf ein« Viertesstunde den Betrieb einstellen. Die Demokraken und Sparer im Thüringischen Landtag werden sich zu einer Fraktion oeveinigen, von der die Mehrheits- bildung des neuen Parlaments abhängen wird. Resseerleichterung nach England. Luxemburg und Pcrtngal steht in Aussicht, da der Sichtvermerkszwang nach und von diesen Ländern aufgehoben werden soll.. >»-<- Keine Sowjetgranaten mehr! Verbot der Ein- und Ausfuhr von Kriegsgerät. WTB. teilt mit: Die Botschafterkonferenz hat den zwischen der deutschen Regierung und der Interalliierten Milstärkonttollkom- Mission gettoffenen Vereinbarungen über die Ausfuhr und die Lage- rung von Kriegsgerät zugestimmt. Der auf Grund dieser Verein- barungen ausgearbeitet« deutsche Gesetzentwurf gliedert sich, wie wir erfahren, etwa wie folgt: Im§ 1 wird die Ein- und Ausfuhr von Kriegs- gerät jeder A r t(Waffen, Munition und sonstiges Gerät) sowie seine Herstellung für die Ausfuhr verboten. Nach Z 2 des Eni- wurfs darf Kriegsgerät für inländische Ver- Wendung weder hergestellt noch aufbewahrt oder gehandelt werden. Im§ 3 ist in 45 Ziffern zusammengestellt, welche Waffen und sonstiges Gerät im Sinne des Gesetzes als Kriegsgerät anzusehen sind und damit unter die Bestimmungen der ZZ 1 und 2 fallen. Die Liste enchäll Kncgswassen jeder Art und deren Geschosse und Mu- niiion, Minen und Bomben, Munstionskästen, Unterseeboote, Mu- nitionsaufzüge und maschinelle Einrichtungen für die Marine- artillerie. Unterwassernetzschutz, Panzerplatten, Panzertürme, Kampfwagen und Panzcrkraftwagen, Lanzen und aufpflanzbare Bajonette, Kriegsschiffe und deren Kessel und Hauptmaschinen, soweit sie offenkundig für die Verwendung auf Kriegsschiffen oder Unter- Wasserfahrzeugen besonders eingerichtet sind, Vorrichtungen zum Ab- schießen oder zum Ablassen von Gas oder Rauch, Flammenwerfer, für Kriegszwecke bestimmte optische und elektrotechnische Instru- menle und Leuchtmsttel. für Kriegszwecke bestimmte Stücke der militärischen Ausrüstung, für Kriegszwecke besonders eingerichtetes Schanzzeug und Stacheldraht, für Kriegszwecke besonders«in- gerichtete Selbstfahrer und Fahrzeuge, militärische Beobachtungs- wagen und Beobachtungsleiter, für Kriegszwecke bestimmte Sonder- einrichtungen für Brückentrains, militärische Feldbäckereien, für Kriegszwecke besonders eingerichtetes rollendes Material für Schienen, besondere militärische Ausbildungseinrichtungen, Giftgase, militärische Pulver und Sprengstoffe. Ferner sind als Kriegsmaterial anzusehen die fertigen Haupt- teile von Waffen und Munition sowie die Hauptteile des sonstigen Kriegsgeräts, wenn sie nicht in der gleichen Form für wirtschaftliche Zwecke Verwendung finden könne� Vorgearbeitete Hauptteile sind nur für einen beschränkten Teil der in der Liste aufgeführten Gegenstände als Kriegsmaterial anzusehen, jedoch auch nur dann, wenn sie offenkundig für die Herstellung von Waffen, Munition und Kriegsgerät bestimmt sind oder beretts so weit vorgearbeitet sind, daß sie üblicherweise nur noch für Kriegs- zwecke Verwendung finden können. Nach§ i des Gesetzentwurfes ist für eine Reihe wetterer Er- Zeugnisse die Aufbewahrung und Lagerung im Inland«, nicht je» doch die Ausfuhr verboten. Hierunter fallen auch Kriegs- spezialrnaschinen. Die Bestimmungen des Gesetzes finden keine Anwendung auf die von amtlichen deutschen Stellen erteilten I n l a n d s a.u s- träge. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Haft oder mit Geldstrafe bestraft. Neben der Strafe kann auf Einziehung und Unbrauchbarmachung der Gegenstände, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, erkannt werden. In gewissen Fällen, nämlich wenn es sich um Gsgenständ« handelt, die ihrer Beschaffenheit nach lediglich für Kriegszwecke ver- wandt werden können, also in der Hauptsache um Waffen und Munition, muß aus Einziehung erkannt werden. Für eine Frist von sechs Monaten nach dem Inkrafttreten des Gesetzes sollen seine Vorschriften keine Anwendung finden auf Ver- träge, die sich auf die Ausfuhr von Erzeugnissen beziehen, deren Ausfuhr durch das Gesetz vom 26. Juni 1S21 betr. die Ein« und Ausfuhr von Kriegsgerät nicht verboten war. Dies gilt jedoch nur für solche Berträge. die vor dem Tag« der Veröffentlichung des Gesetzes abgeschlossen und deren Ausführung vor diesem Tage in Angriff genommen worden ist. Radek unö Mussolini loben den Rechtsblock. Weil die deutsch-französifche Verständigung erschwert wird. Das neue Reichskabinett hat in der ganzen Welt, von sehr spärlichen Ausnahmen abgesehen,«in« ausgesprochen schlechte Aufnahme gefunden. Fast alle führenden Blätter Europas und Amerikas sprechen ihr Mißtrauen gegen die Regierung des Bürgerblocks und insbesondere gegen ihre deutschnationalen Mitglieder aus Die deutsche Oeffent- lichkeit erfährt aber nur wenig davon, weil die beiden führen- den bürgerlichen Telegraphenagenturen kein Interesse daran haben, das deutsche Volt über den ungünstigen Widerhall zu unterrichten, den die Regierung Marx-H«rgt-Geßler-Strese- mann im Ausland erweckt hat: Das WTB. ist als offiziöses Bureau bemüht, die Stimmung für die neue Regierung nicht zu verderben, und die„TelKgraphen-Union" verfolgt als Hu- genbergsches Unternehmen die gleiche Tendenz. So wird das deutsche Volk systematisch im unklaren gelassen über die Ver- schlcchterung seiner außenpolitischen Lage, die es den Bätern des Vürgerblocks verdankt. Der Vergleich mit der während des Krieges amtlich be- triebenen Irreführung der öffentlichen Meinung durch Ver- schweigen der ungünstigen Auslandsstimmen tritt am deut- lichsten in Erscheinung, wenn man beobachtet, wie die wenigen Aeußerungen des Auslandes, die für das Kabinett freund- licher klingen, eifrig ausgeschlachtet werden. Auch R a d e k muß dafür herhalten. Einem WTB.-Telegramm aus Moskau zufolge schreibt er in der„Iswestisa" u. a.: „Die deutsche Realpolitik steHl ein systematisches Vorrücken nach Westen und Osten dar und verfolgt den einzigen Zweck. allmählich durch Sammlung der Kräfte und Ausnutzung jeglicher Widersprüche Schritt für Schritt den Dersailler Friedensvertrag zu zerstören. Die Beteiligung der Deusschnalionalen an der Re- glorung wird die Selbständigkeit der deutschen Politik stärken und fördern." Radeks alte Liebe für die um Schlageter rostet also nicht. Besonders ausführlich werden die i t a l i e n i s ch- f a s ch i- st i s ch e n Stimmen schon seit Tagen wiedergegeben. Nament- lich die Vertreter der rechtsgerichteten Blätter und Agenturen in Rom können aus dem Vollen schöpfen. Die Faschisten. presse ist auf die neue Reichsrcgierung sehr gut zu sprechen. Vor allem das Eingreifen Hindenburgs wird von ihr als ein Schlag gegen die demokratische Verfassung ge- priesen, weil sie eben darin eine Nachahmung faschistischer Methoden erblickt.) Aber diese vermutete Wesensverwandtscbaft zwischen dem reaktionären Bürgerblock und dem stalienischen Faschismus ist nicht einmal der Hauptgrund, weshalb das deutsche Rechtskabinett in Italien— im Gegensatz zu allen anderen Ländern— gelobt und freudig begrüßt wird. Der wahre Grund wird durch einen Kommentar des faschistischen„La- voro d'Jtalia" verraten. Dieses Blatt schreibt am 3l1. Januar: „Die Zusammensetzung der neuen deutschen Regierung hat dle Aussichten einer direkten deussch.französischea Verständigung aus ein Minimum herabgesetzt: 3 lallen kann nunmehr mU Ruhe den verlaus der Ereignisse am Rheln und an der Weichsel verfolgen." Diese Aeußerung ist charakteristisch für die Gedankengänge der faschistischen Politik: Mussolini, der selbst einen aus- gesprochen franzosenfeindlichen Kurs betreibt hat die Pol'tik von Locarno und Thoiry mit wachsendem Unbehagen verfolgt. Seine Diplomaten sind gerade in letzter Zeit fieberhast bemüht gewesen, einen Keil zwischen Deutschland und Frankreich zu treiben. In Paris versicherten sie, Stresemann habe Mussolini ein Bündnis angeboten, in Berlin erzählten sie zur selben Zeit. Briand denke nicht daran, die Verständigungspolitik mit Deutschland weiter zu verfolgen und betreibe heimlich eine gegen Deutschland gerichtete französisch-italienische Versöhnung. Alle diese Intrigen erreichten jedoch nur die gegenteilige Wirkung. Jetzt aber atmet Mussolini auf. Er wird sein Ziel auf viel einfachere Art erreichen. Das haben die Deutschen durch ihre Rechts fchwenkung selbst besorgt. Jubelnd ver- künden ihre Blätter: Die Aussichten einer deutsch-franzö- sischen Verständ.igung sind dank, der Bildung der Reichs- regierung auf den Nullpunkt gesunken! Rodek und Mussolini sind mit Hinden- bürg und Stresemann zufrieden. Die Zeche bezahlt das deutsche Volk, vor allem die Bevölkerung der besetzten Gebiete, deren Aussichten auf eine frühere Befreiung von fremdem Militär„auf ein Minimum herabgesetzt wurden. Dafür haben wir aber eine„nationale Regierung" noch dem Wunsche des„Retters". Außenpolitisches Rezept üer veutschnationalen. Ganz können die Nachrichtenagenturen die ungünstigen Stimmen des Auslandes nicht unterdrücken. Besonders, wenn es sich um eine so wichtige Zeitung wie die Londoner„Times" handelt. Das englische Blatt findet das Pariser Unbehagen über die Bit. dung eines reaktionären Ministerwms in Deutschland durchaus ver- ständlich, fetzt aber hinzu, daß solange Marx und Stresemann am Ruder bleiben, eigentlich kein Anlaß zur Beunruhigung vorhanden ssei. Die.Kreuz-Zettung" bemerkt zu Kommentaren der„Times": „Die B e f ü r ch t un g e n, die in Englgnd und Frankreich an den Eintritt der„Nationalisten" in die Regierung geknüpft werden, können uns nur als eine Bestätigung unserer Aus- sassung dienen, daß nämlich ein Kabinett"mit einem nationalen Einschlag für die deutschen Interessen wert- voller ist, als eine Regierung, die sich nur auf die Mittel- Parteien oder gar aus die Linke stützt. 3e unbequemer eine deutsche Regierung im Auslände empfunden wird, desto mehr wird sie er- reichen können. Denn gefügige Wertzeuge haben im politischen Leben noch niemals etwas erreicht." Das ist ja ein vieloerheißendes außenpolitisches Programm: Deutschland soll sich also möglichst unversöhnllch und trakeelsüchtlg zeigen, dann wird es um so mehr„erreichen"! wa» sagt Herr Stresemann, was sagt das Zentrum zu diesen„Richtlinien" seiner neuen koalltionssreunde? Ungarisches Parlamentstheater. Monarchistcnrummcl mit Beteiligung Horthhs. Das neue ungarische Wahlierrorparlament wurde am Sonnabendnachmitiag mit außergewöhnlich monarchistischem Gepränge eröffnet. Es wimmelte von Uniformen und strotzte von Orden; selbst die einfachsten Beamten, die die Türen öffneten, steckten in leuchtender Uniform. Die ganze Veranstaltung sah nach einem großen Vergnügungsrummel, aber nicht nach einer Parlamentssitzung aus. Im Gegensatz dazu weht« die Fahne auf dem Parlamentzgebäude auf halbmast. Denn noch besteht der Beschluß der Nationalversammlung, daß dem so sei,.chis Ungarn sein altes Gebiet wiedergewonnen Hot". Reichsverweser Horthy erschien Punkt 12 Uhr und wurde vor dem Parlament von einem Bataillon Infanterie mit militärischen Ehre» begrüßt. Er trug die Uniform eines Habsburgischen Wmirals. Im Plenarsaal hiell er eine kurze Ansprache, ohne an irgendeine politische Frage zu rühren. Don der Eröffungsfeier waren nicht nur die sozi allst i° schen Pressevertreter, sondern auch zahlreich« K or° respondenten ausländischer Blätter, die dem Horchy- System nicht gewogen sind, ausgeschlossen und ein un- geheures Polizeiaufgebot hiell jeden„Unberufenen" fern. In den letzten Togen ha! man wieder zahlreich« Arbeiter verhaftet und sucht ihnen das Geständnis einer„Parlomentsverfchwörung" durch Folter zu erpressen. e- Allersprästdent des Oberhauses wäre der Oberrobbiner Koppel Reich gewesen. Deshalb kündigten zwei„Erzherzöge", Habsburgsjünglinge, die dem Oberhaus natürllch angehören, ihr Fernbleiben von der Eröfsnungssitzung an, in der sie als jüngste Mitglieder hätten Schriftführer spielen müssen; Schriftführern ist schon nichts für solche Leute und unter einem jüdischen Präsidenten wollten sie nicht sitzen. Aber auch eine ganze Reihe Budapest er Zeitungen, deren Redakteur« Juden sind, gaben sich her. zu schreiben, der oltwürdige Koppel Reich werde doch gewiß einsehen, daß er besser tue. die ihm gebührende Würde des Alterspräsidenten nicht anzunehmen. Solchem Drängen von ollen Seiten folgend, ist der Greis der Eröfsnungssitzung lieber ferngeblieben. Srauns enthüllt sich unö öen Sürgerblock Der zwangsweise Neunstundentag Der Reichsarbeitsmin.ster hat den von dem lachsischen Landes. schlichter in Dresden gefüllten Schiedsspruch in der Arbeitszeit. frage für die Textilindustrie Westsachsens für oer kindlich erklärt. Der Reichsarbeitsminister hat sich mit dieser Verbindlichkeitserklrärung enthüllt. Er hat entgegen der Anweisung gehandelt, die seinerzeit an die Schlichter ging und die besagte, daß infolge der großen Arbeitslosigkeit die Arbeitszeit auf m ö g l i ch st nur acht Stunden im Tag begrenzt werden soll. Die Verbindlichkeitserklärung ist em unerhörter Vorgang, der in seiner Auswirkung Tausende und ober Tausende von Arbeitern, Arbeiterinnen und werdenden Müttern in der sächsischen Textil. industrie zwingt, täglich neun Stunden an der Ma- schine zu stehen. Durch diese Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches wird erwiesen, daß der Reichsarbeitsminister im Kurs der neuen Regierung nichts anderes tun will als die Interessenvertretung des Unternehmertuins wahr. nehmen. Was die Unternehmer fordern, bewilligt er bereitwilligst, auch wenn das Wohl und Wehe taufender Arbeiterfamilien davon aufs schwerste betroffen wird. Gegen den Zwang zur Mehrarbeit muß endlich Front gemocht werden! Der Schiedsspruch bedeutet«ine Vergewaltigung der Arbeiterschaft. Dr. Brauns dürfte an dieser Rechtsver- bindlichkeitserklärung keine Freude erleben. Denn gegenüber einem solchen Verfahren muß sich die Arbeiterschaft mit allen Mitteln zur Wehr setzen. » Durch den Schlichter für den Bezirk Hannooer ist für die Textilbetriebe von Hannover und Vraunschweig ein Spruch gefällt worden, der die bisherigen LöhneumöProz. erhöht. Die Arbeiterschaft hat dem Spruch ihre Zustimmung gegeben, die Arbeitgeber scheinen dagegen sich an die Parole ihrer Spitzenorganifation halten und keine Lohnerhöhung gewähren zu wollen. Dabei sind in diesem Lohngebiet Finnen vorhanden, die von �ber schon sozusagen im Golde schwammen. Wir verweisen «lf die Mechanische Weberei Hannover. Linden, die durch die Fusion mit der Firma Mengers u. Söhne A.-G. Berlin zum tonangebenden Velvetwerk des Kontinents wurde. Den Äktionären dieses Werkes sind in der außerordentlichen Generalver. fammlung großzügige Geschenke gemacht worden. Die neuen Aktien werden den Aktionären im Verhältnis von 2; 1 zum Kurse von 175 angeboten. An der Börse weisen die Papiere einen Stand von 2Sö bzw. 300 aus. Städtische werke unö Mtskunöentag. Beschlutz des StadtverordnetcnauSschusses. Gestern tagte der Stadtverordnetonausschuß zur Vorberatung des Antrages G ä b e l und Genossen betreffs Einhaltung der 45ftllndigen Arbeitswoche zur Verhinderung des Steigens der Er- werbslosenziffer. Zu dieser Sitzung waren als Auskunstspersonen di« Vertreter der Gewerkschaften geladen, die mit der Stadt Berlm, respektive den Werken, Tarifverträge abgeschlossen haben. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß in den städtischen Betrieben erheblich länger als acht Stunden ge- arbeitet wird, so in den Elektrizitätswerken, in den Gaswerken vnd bei der S t r a ß e n r e i u i g u n g. Aber be- sonders schlimm sst es bei der Straßenbahn, wo bis zu IS Stunden pro Tag gsorbeiket wird. Bei der Omnibus- gefellschaft wird Mindestens 10 Stunden täglich gearbeitet. Bedauerlich ist diese Arbeitsmethode gerade in den ftädtsschen Werken. Besonders kraß trat das Heber st undenun» wesen hervor. In den Elektrizitätswerken, bei der Straßenbahn, der Hoch- und Untergrundbahn und der Berliner Omnibusgesellschast wurden in einem Monat allein 4SI 677 lleberstunden geleistet, und dies trotz fortgesetzter Steigerung der Arbeitslosigkeit. Selbst der Vertreter des Magistrats konnte diese Ueberstundenwirtschast nicht gutheißen. Aus diesem Grunde heraus waren eine Menge Abänderungs- antrage zu dem kommunistischen Antrag gestellt. Aber die Kommu- nisten zogen ihren Urantrag zurück und brachten dafür«inen neuen Antrag«in, der weit schlechter war ofe der. Urantrag. Nach längerer Beratung wurde dann mit großer Mehrheit ein Antrag der Sozialdemokraten angenommen, der folgenden Wort- laut hat: Der Ausschuß empfiehlt der Stadwerordnetenversammlung, den Magistrat zu ersuchen, in den städtischen Betrieben und Gesellschaften dahin zu wirken, daß überall die 48 stündige Arbeits- woche eingeführt wird. Bei Tarisoerträgen, die eine längere als 48stündige Arbeitszeit vorsehen und nicht gekündigt sind, ist die in Frage kommende Bestimmung durch Verhandlungen mit den zuständigen Organisationen und Werken zu regeln. Wo eine kürzere Atbeitszeit besteht, bleibt dieselbe bestehen, lleberstunden sind nur in den aller dringendsten Fällen zuzulassen und falls solch« nicht zu umgehen sind, müssen dieselben durch Frei- zeit wieder ausgeglichen werden. Die dadurch er» forderlichen Reueinstelfcmgen find vorzunehmen. Mantelvertrag für das holzgewerbe. Eine Etappe. Im deutschen Holzgewerbe waren die Arbeitsbedingungen bisher durch Bezirkstarifoerträge geregelt. Früher war das Der- tragswesen zentralisiert. Als jedoch im Jahre 1024 nach Ablauf des alten ein neuer Reichsmantelvertrag zwischen den beiderseitigen Zentralvorständen vereinbart wer, hat die Generalversammlung des Arbeiigeberoerbandes der deutschen Holzindustrie und des Holz- gewerbes das Verhandlungsergebnis abgelehnt. Dadurch war der Deutsche Holzarbeiterverband genötigt, den Inhalt dieses Der- träges in Gestalt einer Reihe von Bezirtstarifverträgen zur Durchführung zu bringen. Diese Verträge waren am 15. Novembr 1026 mit dreimonatiger Frist kündbar. Einige Wochen vor diesem Kündigungstermin traten — auf Anregung der Unternehmer— Vertreter beider Parteien zu- lammen, um zu prüfen, ob es möglich ist, ohne Kündigung der BezirkStarrsvertrSg« diese zu einem einheitlichen Mantel» oertrag umzugestalten. Di« Verhandlungen darüber zogen sich längere Zeit hm, denn es waren erheblich« Schwierigkeiten zu überwinden. Wenn die Bezirks- tarifverträg« auch Im wesentlichen gleichlautend waren, so enthielten sie doch in manchen Einzelheiten Unterschrde, die sich nicht leicht ausgleichen ließen. Die Regelung der Ferien war nicht in allen Bezirken gleich, die Unterschiede in den Lohn- schlüsseln waren zum Teil recht erheblich. Es handelt sich hier um die Abstufung der Vertragslöhne für die verschiedenen Be- rufsgruppen und Altersklassen vom„Ecklohn�, dem Vertragslohn des über 22 Jahre alten Facharbeiters. Die Verhandlungen würden von vornherein unter dem Gesichtspunkt geführt, daß das gel- tende Vertragsrecht erhalten bleiben soll: das erhöht« die Schwierigkeit, bei den Lohnschlüsseln eine einheitliche Linie zu gewinnen. Am 30. Januar und 1. Februar tagte eine Konferenz des Bei- rats des Deutschen Holzarbe«ter>Derbandes in Berlin. An ihr nahmen auch eine größere Zahl von Vertretern der bedeutendsten Vertragsorte teil. Das Ergebnis der Verhandlungen fand nicht einmütige Zustimmung. Das ist erklärlich, da für manche Bezirks der Lohnschlüssel eine Verschlechterung erfahren hat. Die Reduzierung auf ven Reichsdurchschnitt bedeutet jedoch für viele zurückgebliebene Bezirke eine wesentllcheVer- b e s s e r u n g. Deshalb wurde schließlich der neue Mantelvertrag gutgeheißen. Gleichzeitig mit dem Beirat des Holzarbeiter-VerbaNdes tagte die Generaloersammlung des Arbeitgeber-Verbandes in Stuttgart. Auch hier wurde dem Ergebnis der Verhandlungen zugestimmt. Der Mantelvertrag ist somit von beiden Sei- ten angenommen und tritt am 16. Februar in Kraft. Der Manteloertrag regell nur dieollgemeinenArbeits- bedingungen und er bestimmt das Berhältnis der Vertrags- löhne zu dem„E ck l o h n* in den einzelnen Bezirken. Diese Eck- löhne selbst sind aber noch nicht fe st gesetzt. Augenblicklich bestehen, von einigen Ausnahmen abgesehen, überhaupt keine Vertragslöhne. Das erklart sich folgendermaßen: Bereits im Herbst 1025 regte der Arbeitgeberoerband eine Zentralisierung des Vertragswesens an. Es kam auch ein Zusatzvertrag zu den bestehenden Bezirksverträgen zustande, durch den ein zentrales Tarifamt und ein zentrales Lohnomt ge- schaffen wurden. Dieses hatte Ende Februar 1926 seine erste Probe abzulegen und— und es hat oersagt. In Leipzig waren die Vertreter aller Bezirke oersammell, um über ein Lohnabkommen zu verhandeln. Das Ergebnis war ein Schiedsspruch, der dann von den Unternehmern abgelehnt wurde. Sellher gibt es keine Lohnabkommen. Der neue Manteloertrog bestimmt die Formen, unter denen künftig Lohnverhcndlungen geführt werden. Borausstchtlich werden diese schon in nächster Zell aufgenommen werben. Die Annahme des Manteloertrages ist eine wichtige Etappe in der diesjährigen Bsrtragskampagns in der Holzindustrie; die Kampagne selbst ist aber noch nicht beendet. Es wird noch manch« Schwierigkell überwunden werden müssen. Der neu« Mantelvertrag gill übrigens nicht für das ganze Reich. So fallen zum Beispiel di« Provinzen Ostpreußen und Pom- m e r n. ferner Mecklennarg, Rheinland. Westfalt» die Rheinpfalz nicht unter diesen Vertrag. Das hängt mll dem Organlsationsgebiet des Arbeitgeberverbandes zusammen. In den meisten Bezirken, in denen dieser nicht oertreten ist, hat der Deutsche Holzarbeiter-Verband mll der dominierenden Unternehmer- organisätwn Tarifverträge.' Auch für Berlin gilt der Manteltarif nicht. Früher war Berlin einer der Bezirke, für die in zentralen Verhand- lungen Tarifverträge vereinbart wurden. Auch der Berliner Ver- trag zeigt eine weitgehende Uedereinstimmung mll den Verträgen in den übrigen Bezirken. Aber die Vereinigten Verbände der Berliner Holzindustrie, mll denen der Berliner Vertrag abgeschlossen ist, ge- hören dem Arbeitgeberverband der deutschen Holzindustrie nicht mehr an. Der Berliner Vertrag ist infolge der Nlchtkündigung bis zum 15. Februar 1028 verlängert. Auch in Berlin besteht zurzeit kein Lohnabkommen. Wegen der Schaffung eines neuen schweben Verhandlungen, über die wiederHoll an dieser Stelle berichtet wurde. Silanz öer Maler unü Lacklerer. Die Maler und Lackierer hallen am Sonntag ihre ordentliche Iahresgenerolversammlung, in der der 1. Vorsitzende der Berliner Filiale, Genosse S ch i e rn a n n. den Geschäftsbericht vom Vorjahre gab. Die nur sehr maßige Lautätigkeit wirkte sich auch auf das mit dem Baumorkt eng verwachsene Malergewerbe ck, rocs am 0?u:sschst«n t-t den 2lrbenslolenwl>len zum Aurdruck kommt. Zu Beginn des Vorjahres vmrcn auf dem Arbeitsnachweis 3 261 Arbeitslose eingetragen, welche Zahl bis zum Anfang dieses Jahres auf rund 4000 stieg B'S Mitte Mai ging diele Zahl herunter auf 274, stieg jedoch Anfang Juli, in welcher Zeit sonst Hochkonjunktur im Malergewerbe ist, auf 1 447. Nach einem nochmaligen Rückgang in den Monaten August und September schnellle die Arbeitslosenzahl wieder sprunghaft in die Höhe, so daß am 20. Dezember bereits wieder 2621 Arbeitslose gezählt wurden. Trotzdem wird von den Malermeistern immer noch eine öehrlingezüchterei be- trieben und wider besseres Wissen mll einem angeblichen Fach. arbeitermangel begründet. Interessant ist, daß sich in der baustofferzeugenden und in der Fertigindustrie genau wie in den übrigen Industrien eine Zusammenballung des Kapitals durch Trustbildungen und andere Fusionen zeigt, während i m Malergewerbe das Gegenteil eingetreten Ist. In der Vorkriegszeit gab es im Berliner Malerpewerbe 800 Malercigeschäfte, nach den Berichten des Statistischen Amtes jetzt rund 300 0. Von diesen 3000 Betrieben haben jedoch nur etwa 400 bis 500 Betriebe Gesellen beschäfligi. Diese selbständigen Gewerbetreibenden versuchen selbst unter den ungünstigsten Verhältnissen Arbeit-gufträge zu bekommen, die sie aber nur ausführen können. Indem sie Pfuscharbeit leisten und täglich 10 und noch mehr Stunden arbeiten. Da auch im Bau- gewerb« im Verichtssohr eine Lohnerhöhung nicht eintrat, blieben auch die Malerlöhne unverändert. Die Funktionäre mußten ihr größtes Augenmerk«uf die Einhaltung des Tarifvertrages durch dt« Unternehmer richten. Genosse P l S m gab dann den Kassenbericht, aus dem sich die starke Belastung der Organisation infolge der Krise wider« spiegelt. Bei einer reinen Einnahm« von 150 800 M. wurden allein für Streik- und Arbeitslosenunterstützung über 4 0 00 0 M. ausgezahlt, woraus sich der Rückgang des' Fillalkassen- bestandes von 32858 M. am Schluß des Dorjahres auf 21732 M. am 15. Januar 1027 erklärt. Die Diskussion bewegte sich in durchaus zustimmendem Sinne. Die Neuwahl der Ortsverwaltung ergab gegen wenige Stimmen die Wiederwahl der bisherigen Verwaltung, wie sie auch von allen Bezirksvcrsamwlungen vorgeschlagen war. Als De- legierte für die zum nächsten Sanntag einberufene Bezirks, k o n f e r e n z von Brandenburg wurden Schiemann, Klotz, P l u m und Kaiser einstimmig gewähll. Die Jndustricarbeitcrsektion im Verkehrsbu»!». Die Sektion V des Deutschen Verkehrsbundes(Industrie- arbeite?) balle am Sonntag vonnillag im großen Saal des Gewerk- schaftshauies Ihre Iahresdelsgiertenvcrsammlung. Der Sektionsleitc? Genosse F r o m k e betonte in seinem Jahresbericht, daß infolge der großen Arbeitslosigkeit die Agitation äußerst schwierig war. Trotz der schweren und anhallenden Krise war es dennoch möglich, den Mitgliederbestand des Vorjahres zu hallen, was immerhin ein Beweis für die rege Agitation der Funktionäre ist. Die umfangreiche Tätigkell der Sektionsleitung spiegell sich darin wieder, daß im Vorjahre insgesamt 504 Versammlungen. Besprechungen. Vertrauensmännersitzungen und Verhandlungen waren. Die Sektionsleitung ist sich darüber klar, daß in diesem Jahre eine noch viel stärkere Agitation getrieben werden müsse, besonders unter den Transportarbeitern der Berliner Metall» Industrie, die leider zum größten Teil und zu ihrem eigenen Schaden der Organisation fern stehen. Es müsse den Transport» arbeitern immer wieder vorgehalten werden, wie falsch es ist. den Beitrag für die Organisation zu„sparen", sich dadurch aber selbst immer tiefer ins Elend hinabzuziehen. Das beste Beispiel sei die letzte Lohnbewegung der Tronsportarbei'ter. die bestimmt nicht so negativ ausgelaufen wäre, wenn die Verhandlungssührcr die ge- samten Berliner Metalltransportarbeiter hinter sich gehabt Höllen. Nach einer regen Diskussion, die sich zumeist im zustimmenden Sinne bewegte, wurde die Neuwohl der Sektionslellung oorge- nommen. Sie ergab gegen wenige Stimmen die Wiederwahl der bisherigen Sektionsleitung. Angestellte öer Lerline? Metallsnöustriel Heule. Mittwoch, abend 7 Uhr, im Srlcgervereinshans. Chausseeflraße 04, öffentliche Versammlung aller Angestellten der unker den VVUlü.-Taris fallenden Beklebe. Tagesordnung: l. falsche Rationalisierung— Ueberstundenunwesen— Arbeits- losigkeit. Referent: Re'.chrlagsabgeordneterkurt H e i n i g. 2. Stellungnahme zum Schiedsspruch hinsichtlich des neuen Gehaltslarifes. Bei der Bedeutung des ersten Punktes der Tagesordnung und der Wichtigkeit der diesmaligen Tarijbewegung erwarten die unter- zeichneten Organisaklonen bessimml das Erfcheiaen aller Angestellten. AsA-Mckallkartell: Zeuiralverband der Anzeskellken. Ortsgruppe Groß-Berlin. Gollfurcht. Lange. Bund der kechnsschea AngesteMen und Beamten. Gau Brandenburg. Günther. Deutscher Merkmeisterverband. Bezirk X. Rothe. SPD.-Bekrlebs- und GowerkschafksfunklloaSre. Die FMtwniwiu-weks« liz'in28 stall»nzliltl«"»»»«»»»»»«s»«t im B»reau. Li-id-estr. 3, umgttaAs�t wkrd-.u. Z» S.robde'. rieÄcn re'p. Ciucous cmrfichlt C« sich, d e altca Sartcn durch dcu Oäir.ann bei Fiat tu,.u liajuiaameln nrji eine»nie List- einzur-i-S-n. J-i dci S-l-ge-ictt sind d e Bücher der»orgeschlag-»-» ßciuftca auf das ge. wisseahaft«st« zu prüfen. Da, SctnctoieticUniat. .Ar.acstrllnn und.Beamte». Sag-sordnung: Bericht de« ssraki n staudes: JIcuroaJi' und V»rschicoenes. Erscheinen aller Genossen ist Pslicht. Mitgiieosduch legitimiert. Ter Krattionasarftard. _ LPD-Zleischcr. Tonnersta« aZend 8 llhr bei Stamniel, Z!eue g ffricdrichstv. 1, äußerst wichtige Versammlung aller Partrigenossen. Es s ist Pflicht aller Genossen, zu erscheinen. Ter ffrot ionsoorstand. LEl>vrirt>t 1925 by Panl Zsolnar. Wie« Aber eines Tages, im Herbst, faßte ich nach einer Miß- hanblung, die ich erlitten hatte— ich weiß nicht mehr, was es war— den Entschluß, zu fliehen und meine Mutter auf- zusuchen. Ich hatte die Landkarte studiert und kannte die wichtigsten Wege. Ohne genau zu wissen, wieviel ich brauchen würde, wußte ich doch, daß Geld zum Leben nötig war. Ich hatte von der Großmutter zwanzig Franken bekommen, die mir meine Herrin weggenommen hatte, und ich beschloß, dieses Geld heimlich wieder an mich zu bringen. Eines Tages, als der Mann nicht zu Haufe war und die Frau die Hühner fütterte, schlich ich mich in das Schlafzimmer der Kostgeber. Der Schlüssel des Kastens, wo sie, wie ich deutlich gesehen hatte, das mir entwendete Geld verwahrt hielt, lag unter der Uhr. Ich ergriff den Schlüssel, öffnete die Schublade und fand sogleich eine Pappschachtel, die mit Fllnffrankcp- stücken angefüllt war. Ich nahm zwei davon, schloß die Lade, zog den Schlüssel ab.... Die Tür öffnete sich, die Bäuerin erschien auf der Schwelle, sie blickte mich an und sah, daß ich den Schlüssel hastig unter die Uhr zurückschob. „Was machst du hier?* „Nichts.* „Nichts?* Sie trat auf mich zu, ich war feuerrot. „Schon gut.* sagte sie.„Jetzt wird der junge Herr seine Tasichen umdrehen.* Ich lief zum Fenster und wollte mich hinaufschwingen, sie hielt mich zurück. „Sieb!* t „Ich bin kein Dieb, ich habe mir nur das Geld genom- men, das mir gehört, schauen Sie her." Und ich zeigte ihr die zwei Fünffrankenstücke. In diesem Augenblick trat eine Nachbarin ins Zimmer. Frau Henchoz stürzte ihr entgegen. „Schaue* Sie den undankbaren Jungen an, er hat mir zehn Franken gestohlen um durchzubrennen." �Si« müssen die Polizei verständiger!," jagte die Nach- barin mit ruhigem Ton, als wäre dies die natürlichste Sache der Welt. Für gewöhnlich war sie eine brave, rechtschaffene Frau, die niemand etwas Böses zugefügt hatte, aber sie wollte meiner Herrin nach dem Munde reden. „Man wird ihn in eine Besserungsanstalt stecken," sagte Frau Henchoz mit derselben Ruhe wie die Nachbarin. Nun begannen sie beide von mir und meiner Mutter zu sprechen:„Eine schlechte Frau, die ihr Kind der Gemeinde überläßt, sein Vater ist ein Ungeheuer: nienwls im Leben hat er etwas gearbeitet und schließlich ist er nach Amerika durchgegangen. Die Frau erzählte, was in den Briefen meiner Mutter stand und machte ihre Bemerkungen dazu. „Sie vertreibt sich die Zeit mit Stundengeben, statt ordentlich zu arbeiten," sagte sie lachend uttd mit einem Augenblinzeln, dos ich nicht zu deuten wußte. Endlich kam ihr Mann. Ich war darauf gefaßt, ge- prügelt zu werden, aber in Gegenwart der Nachbarin hielt er sich zurück. «Ich habe dich noch niemals geschlagen und werde dich heute auch nicht schlagen, aber du gehst sofort mit mir zum Herrn Bürgermeister. Lauf und zieh' dich an." „Wenn man bedenkt, daß wir diese Schlange an unserem Busen genährt haben," murmelte die Frau imd hob die Augen zur rauchgeschwärzten Deck«. Ich ging in meinen Verschlag, der Bauer zog sich eine frische Bluse an und führte mich zum Herrn Bürgermeister. Ich war leichenblaß und zitterte am ganzen Körper. Mein Herr trug die Sache vor. Er rief Gott zum Zeugen an. daß ich ein Ausbund von Undankbarkeit wäre, daß sie mich beide wie ihr eigenes Kind gehalten hätten, man brauchte nur die Nachbarn zu fragen. Wenn noch etwas nützen könnte, so wäre es die Besserungsanstalt, vielleicht könnte dort ein ordentlicher Mensch aus mir werden. Der Herr Bürgermeister hörte die ganz« Gesckichte ruhig cm, dann' sagte er mit strenger Miene:„Warum hast du das Geld gestohlen?" Ich erklärte ihm, daß ich es von meiner Großmutter bekommen hätte. „Das ist nicht wahr," sagte mein Herr,„dieses Geld habe ich gebraucht, um ihm ein Paar Schuhe zu kaufen." Und er sprach weiter und zählte alle meine Missetaten auf: ich war ein Dieb, ein Lügner, ein ganz verdorbenes Kind. Als er mit dein ganzen Sündenregister fertig war, Heß sich der Her? I Bürgermeister in ruhigem Ton vernehmen:„Ich werde die Sache untersuchen, in acht Tagen lasse ich Ihnen Bescheid sagen." Mein Herr stand auf, zitternd tat ich dasselbe, denn ich wußte wohl, was mich zu Haufe erwartete. ,T>u bleibst," sagte der Bürgermeister trocken und sah mich an. Und zu Herrn Henchoz gewendet:„Schicken Sie mir seine Sachen, wenn er in eine Besserungsanstalt kommt, muß er alles in Ordnung haben. Er bleibt so lange bei mir, bis der Gemeinderat über das weiter« verfügt hat." Der Mann warf mir«inen haßerfüllten Blick zu, den ich kühn mit einem verachtenden Lachen erwiderte. Nun konnte er feine Rache nicht stillen. „Wird denn der Herr Bürgermeister den kleinen Dieb behalten?", .Vorläufig kann ich Ihnen noch nichts Näheres sagen. Der Gemeinderat wird schon seine Verfügungen treffen." Da trat Herr Henchoz auf mich zu und reicht« mir die Hand:„Ich will dir deine Undankbarkeit nicht nachtragen. Hoffentlich verzeiht dir der liebe Gott, so wie ich dir verzeihe." Dann ging er. Ich traute meinen Augen nicht und atmete erleichtert auf. Der Herr Bürgermeister blickte mich an und fragte: „Warum hast du das Geld genommen?" ,Um zu meiner Mama zu gehen." „Hast du deine Mutter sehr lieb?" „O ja." „Und warum wolltest du denn fortlaufen?" Ich errötete und antwortete nichts, mein Ehrgefühl Utk darunter, die Wahrheit zu gestehen. „Komm her." Ich trat näher. ''r?u kannst mir ruhig alles sagen, du siehst ja, daß ich dir nichts Böses tue." Diese Worte, die er mit sanfter Stimme gesprochen hatte, gingen mir zu Her.zen und ich begann zu schluchzen. Er sagte nichts weiter, nahm mich an der Hand, öffnete eine Tür und führte mich in ein Zimmer, wo eine nicht mehr junge Dame am Fenster saß und stickte. Es war die Frau Bürgermeisterin. „Liebe Anna, ich bringe dir einen unerwarteten Gast, der ein paar Tage bei uns bleiben wird." (Fortsetzung folgt.) Vlntermärchen fm tzarz. Selbst in der Zeit des Flugzeuges erscheint es dem geplagten Krohstädter wie ein Wunder, daß er die enge, menschengefüllte Großstadt für einen Tag mit Heller durchsichtiger Gebirgsluft ver- tauschen kann. Gibt es wohl einen größeren Gegensatz als den vom lebendigsten Verkehr überfluteten Potsdamer Platz und einen stillen, schneebedeckten Weg, der zur chähe des Brockens, weit über 1000 Meter hinauf führt. Und doch erlebte man dieses Wunder, wenn man am letzten Sonnabend um 2,50 Uhr mit dem IV.-Klosse-Sonderzug westwärts reiste. Ueber Potsdam, Brandenburg, Magdeburg, chalberstadt ging es mit v-Zug-Geschwindigkeit nach Wernigerode. Abend lag über der Landschaft, als hier ein Heer von Skiläufern ausstieg, um den Anschluß an die Harzbahn zu suchen, dre von hier aus über Sorge und Elend nach Schierke und Braunlage mitten hinein in die Winterherrlichkeit, in die nächste Nähe des Brockens, führte. Fast schien es, als ob ein Heer aus dem Mittelalter, bewaffnet mit Speeren den Zug verlassen hätte, um sich hier zu irgendeinem großen Angriff zu sammeln. Bescheidene Leute fuhren weiter nach Ilsen- bürg oder Harzbnrg, um von hier aus dann am nächsten Morgen den Weg zum Brocken zu wagen. Ilsenburg lag verlassen, dunkel wie ein verwunschenes Nest. Weit draußen am Waldrand jedoch, wo Prinzessin Ilse munter über Felsen springt, gibt es Gast- Häuser, in denen es sich gut auf den nächsten Morgen warten läßt. Die Sonne blickt aus jagendem Gewölk. Vereinzelt nur liegt Schnee im Tal. Aber je höher man steigt, um so tiefer wird der Schnee. Und wer unvorsichtig eigene Wege gehen will, der kann es erleben, daß er im Schnee versinkt. Schneebeladen neigen sich die Bäume, manche brechen unter der weißen Last, Wolkenschwaden umziehen den Wanderer und.je höher man den Berg hinaufsteigt, desto kürzer, zwerghafter werden die Tannen, sie scheinen immer mehr und mehr zusammenzuschrumpfen". Auf dem Brocken hat die Sonne sich in ein dichtes graues Tuch gehüllt. Sturm peitscht Schnee in das Gesicht. Vier Grad Kälte scheinen hier verzehnfacht zu sein. Zu- weilen taucht eine gespenstige Gestalt aus dem dichten Nebel heraus: ein Skiläufer, der fein Heil im Wintersturm versucht. Skiheil aber wurde manchen hier oben nicht zuteil: Unglückliche Stürze, verrenkte oder gebrochene Glieder zeigen, daß das Brockengespenst auch heute noch lebendig ist. Das Brockenhaus steigt ganz unvermittelt vor einem auf, das graue Tuch hielt lange es verborgen. Es ist mit Gästen reich gefüllt. Wer durch diesen Wintersturm hinaus kam, der mochte, wie Heine,„mit hinsterbender Stimme gleich einen Tee verlangen". Der Schneestunn auf dem Brocken läßt die Strapazen einer Nordpolreise ahnen. So etwas liest sich immer sehr schön in den Büchern, die Wirklichkeit kann kalt und häßlich sein. Aber man ist froh, wenn man bei solchem Wetter den Berg bezwungen hat. Nach Schierke geht es hinunter durch das Eckerloch. Dann hat die Bahn uns wieder: und während die Räder hart im Takte schlagen, träumt man wohlig müde von der Winterherrlichkeit im Harz. Der Eiü im Ehestheiöungsprozeß. Stenographische Vernehmungsprotokolle notwendig. Die Angeklagte W. konnte von Glück sprechen, als sie von der schlveren Anklage des Meineides freigesprochen wurde. Die Sache sah für sie bedenklich aus und der Vorsitzend« des Landgerichts l, Landgerichtsdirektor Marschner, der dm Freispruch verkündete, hotte nicht unrecht, als er sagte, daß 99 Proz. für den Meineid sprächen. Das eine Prozent aber genügt, daß das Gericht nicht zur Verurteilung gelangte. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr Zuchthaus beantragt. Tatbestand und Gerichtsoerhandlung entbehren nicht inter- cssanter Momente. Die Angeklagte W., damals noch Fräulein M.. besaß eine Plätterei in Düsseldorf. Der einzige Verwandte, den sie hatte, war ihr Better W. in Berlin. Die 41jährige Frau ver- spürte nun plötzlich ein Gefühl der Einsamkett. Sie erinnerte sich dieses Vetters, dm sie 22 Jahre nicht gesehen, sie schrieb ihm, und ersah aus seiner Antwort, daß er in einer unglücklichen Ehe lebte. Nach einem kurzen Briefwechsel mit W. löste sie ihren Haushalt in Düsseldorf auf und zog nach Berlin. Sie fand die Wohnung des Vetters in einem Zustande unglaublicher'Verwahrlosung, der Vetter war auf einem Auge erblindet, außerdem war ihm ein Bein abge- nommen wordea Seine Frau hatte ihn gerade in diesem Augmblick zum vierten Male verlassen. Auf Veranlassung des Vetters blieb die Angeklagte M. in seiner Wohnung, die aus einer Kochstube bestand, in der zwei Betten waren. W. reichte gegen seine Frau eine Ehe- schcidungsklage ein, die zur Widerklage führte. Bei der Vernehmung fugte die M. als Zeugin aus, daß sie sich weder ehebrecherischer noch chewidriger Handlungen habe zuschulden kommen lasse». Was unter ehewidrigen Handlungen zu verstehen sei, wurde ihr nicht erklärt. Auch leugnete sie, mit dem W. das Bett geteilt zu haben. Die Ehe wurde geschieden, die Angeklagt« M. heiratet« W. Die geschiedene Frau erstattete aber gegen die neue Frau ihres Mannes Anzeige wegen Meineides. In der Gerichtsverhand- lung stellte sich heraus, daß die Angeklagte W. einige Zeit doch mit ihrem Vetter das Bett geteilt hatte, als sie aus bestimmten Gründen nicht in einem Bette mit der zukünftigen Schwiegertochter des W., die bei ihnen eine Zeit wohnte, schlafm wollte. Etwas Ehewidriges sei aber dabei nicht vorgekommen. Der Staatsanwalt glaubte nun, daß der Tatbestand des Meineides gegeben sei. Rechtsanwalt Dr. B eck e r berief sich aber auf das Vernehmungsprotokoll in der Mcineidssache und glaubte für die Angeklagte geltend machen zu können, daß in dem Augenblick, als sie die Frage des vernehmmden Richters beantwortete, nicht an jene kurze Episode gedacht habe. Sie habe sich deshalb weder eines fahrlässigen noch eines anders ge- arteten Meineides schuldig gemacht. So fällte das Gericht einen Freispruch.— Immer wieder kommt es bei den Meineids- Prozessen, die sich aus den Ehescheidungsklagen ergeben, auf den genauen Wortlaut der Aussage am Es wäre an der Zeit, daß bei den Vernehmungen in den Ehescheidungssachen die izragen des Richters wie die Antworten der Zeugen stenographisch ttstgelegt werden. So manche MeineidsNage bliebe dann dem Staate erspart. Jüüijche Sauern in Rußlanö. Zwei Vorträge benchteten in den letzten Tagen über das jüdische Ansiedlungswerk in Rußland: Dr. Paul Nathan, der altbekannte Förderer derartiger Bestrebungen, sprach in der„Gesellschaft der freunde Nußlands über die Eindrücke, die ihm die Teilnahme an einer jüdischen Kolonisationstagung in Moskau gegeben hat, und Dr. Singalowsky berichtete über dieses Werk' den Pressevcr- tretern, die der Verband„Ort" eingeladen hatte. Es ist das ein Verband, der sich auf olle Länder erstreckt, in denen Juden leben und der die Mittel, die ihm zufließen, zur kreditweisen Beschaffung von Handwerkszeug und Landwirtschaftsgeräten, sowie zum Betrieb von Berufsschulen für die ostjüdischen Massen verwendet. Im heutigen Sowjetrußland leben noch immer 2,8 M i l- lionenIuden— also trotz der Abtrennung Polens und Litauens und trotz der furchtbaren Pogrome in der Ukraine, die dort bald nach Kriegsende wüteten, immer noch eine gewalttge Zahl. Wenn auch die wirtschaftlichen Verhältnisse im Sowjetstaate sich gegen die ersten Jahre bereits erheblich konsolidiert haben, so sind doch immer noch 40 Proz. der dortigen Juden geradezu beschäftigungslos und auf Unterstützungen angewiesen. Die übrigen 60 Proz. leben vom Handel. Handwert, freien Berufen und in steigendem Maße als Landwirte. Erst die große russische Bauernreoolution. die den Groß- grundbesitz enteignete, hat jüdische Landstedtung wieder möglich ge- macht und dank der Förderung durch den„Ort"-Verband sowie durch andere Organisationen und auch durch die Regierung leben heute nicht weniger als 170 000 Juden als Bauern in Südrußland. Der Andrang zur Landsiedlung steigt fortwährend, es sind bereits wieder 55 000 Familien dafür eingetragen, und es ist beabsichtigt, in den nächsten sieben bis acht Jahren 80 000 städtische Judenfamilien auf das Land überzuführen. Dr. Singalowsky berichtete aus Grund seiner eben gemachten Besichtigungsreise, daß das Verhältnis zwischen den jüdischen Ansiedlern und den schon länger dort sitzenden russischen und deutschen Bauern durchaus gut ist und daß die jüdischen Bauern selbst mit ihren Familien aufleben, da sie den Druck der Städte verlassen hoben, in denen sie zumeist ein jammervolles Leben führen mußten. Dort wo die Juden ganze Dörfer bilden, ist natürlich auch dre Verwaltung jüdisch und es gibt sogar schon Bezirke, in denen Amt und Gericht in jüdischer Sprache ihre Geschäfte führen. Di« südrussische jüdische Bauernsiedlung widerlegt durch die Tat das blöde antisemitische Schlagwort, daß die Juden zu produktiver Arbeit unfähig seien: wenn sie in der Hauptsache vom Handel leben, so einfach darum, weil bis vor wenigen Jahrzehnten den Juden jede andere Erwerbsweise verboten war! Freilag. den 4. Februar, abends 7 Uhr. im Berliner Rakhause, Königfirahe, Stadlverordnelensitzungssaal Kommunale Konferenz Vortrag des Sladtbauraks Gen. Dr.Ing. Marlin Wagner über: Die Wohnungsnot in Groh-Berlin.— Das sozialdemokratische Wohnungsbauprogramm. Teilnabmeberecbtigt find: Die sozialdemokratischen Magistrats- und BezirkSamtSmitglieder, die Sladt- und Bezirksverordneten, die Mit- glieder deS erweiterten Bezirksvorstandes und die Groß-Berliner Reichs- und LandtagSabaeordneren der Partei— Mitgliedsbuch gilt als AuSwciS. Vezirksverbond Berlin SpO., Kommunal-Sekretarial. Der Toü eines Liebespaares. „Sie konnten zusammen nicht kommen." Seit etwa 14 Togen wurden der 27 Jahr« alte Straßenbahn- schaffner Hermann W o sch o v i u s aus der Kochhannstraß« und seine Braut, eine 18 Jahr« alte Herta Berger aus der Dolziger Straße, vermißt. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei ergaben, daß das Paar zysammen mit der Mutter der Braut ohne Angabe eines Zieles aus Berlin abgereist war. Es wurde auch be- kannt, daß das Brautpaar wiederholt Selbstmordgedanken geäußert hatte, weil sich einer ehelichen Verbindung schwer« Hinder- nisse entgegenstellten. Die Nachforschungen nach dem Verbleib der drei Personen blieben erfolglos. Gestern fanden nun Waldarbeiter aus Schwarzburg in Thüringen in der Forst in der Nähe des zum T r i p p st e i n führenden Weges die Leichen eines jungen Mannes und eines jungen Mädchens, die beide Schußwunden aufwiesen. Aus den bei den Toten vorgefundenen Papieren ging hervor, daß es sich um den vermißten Woschooius und sein« Braut Herta Berger handelte. Weitere Nachforschungen er- gaben, daß das junge Paar vor einigen Tagen in Begleitung einer älteren Frau in Schwarzburg im Hotel Keller abgestiegen war. Irgendetwas Auffälliges wurde an den Gästen nicht wahrgenommen. Am vergangenen Sonntag reiste die ältere Frau wieder ab und ließ die jungen Leute allein zurück Diese unternahmen«inen Spazier- gang, von dem sie nicht wieder zurückkehrten. Die ältere Begleiterm, ohne Zweifel Frau Berger, hat nichts von sich hören lassen und ist immer noch verschwunden. Die Nachforschungen nach ihrem Ver- bleib werden fortgesetzt._ Die Brandstiftungen auf den Potsdamer Gerichten. Bisher ist es nicht gelungen, einen der Täter, die die Brand- Herde auf dem Potsdamer Amtsgericht angelegt haben, zu ermitteln. Auf dem Amtsgericht in der Lindenstraße wurde gestern nachmittag an einem Vorhang, der zur Tür des Beratungszimmers vorgezogen wird, eine teergetränkte Stelle entdeckt. Der Brand sollte dadurch besonders gute Nahrung finden. Ein Feuerherd war mitt en auf dem Richter tisch entstanden. Kurz vorher, be- vor die Brände ausbrachen, hatte eine Sitzung, stattgejunden. Auf dem Tische lagen noch ein Strafrechtskommentar und Akten, die dem Feuer zum Opfer gefallen sind. Die Untersuchung der Angelegenheit wird vom Ersten Staatsanwalt G e r l a ch geführt. Ein Verdacht ist auf zwei Leute gefallen, von denen aber bisher keine genaue Beschreibung zu erlangen war. Es steht aber fest, daß bei dem Verbrechen nicht eine Person, sondern Zwei oder gar drei Personen beteiligt gewesen sein müssen. Verhaftung eines Kriminalbeamten. Der Moabiter Aktenbeseitigungsskandal zieht immer weitere Kreise. Di« 5lriminalpolizei nahm nach langwieri- gen Bemühungen und Beobachtungen zwei neue Verhaftungen vor. Im Laufe des gestrigen Tages ist ein österreichischer Staatsangehöriger verhaftet worden, dessen Auslieferung nach Wien in den nächsten Tagen wegen anderer schwerer Straftaten bevor- stand. Der Festgenommene legte ein umfassendes Geständ- n i s ab, worin er gleichzeitig einen Berliner Kriminalbeamten schwer belastete. Daraufhin wurde dieser ebenfalls festgenommen. Bei seinem Verhör gestand der Beamte, daß er Geschenke, kleine Geldzuwendungen und auch Einladungen zu Kneipereien angenommen habe und sich dadurch zu pflichtwidrigen Handlungen habe hinreißen lassen. Eine tatsächliche Aktenbeseiti- gung bestreitet der Kriminalbeamte und bisher konnte ihm in dieser Beziehung auch eine Verfehlung nicht iwchgerviesen werden. Die beiden hier festgenommenen Personen sind dem Vernehmungsrichter zugeführt worden, der Haftbefehle gegen sie erlassen hat. Die Aus- lieferung des österreichischen Staatsangehörigen, dessen Personalien aus bestimmten Gründen noch geheim gehalten werden, ist auf An- ordnung der zuständigen Behörden vorläufig, zurückgestellt worden. Die eigene Frau... Eine interessante Gerichtsverhandlung! Er war Zuhälter und Kuppler zugleich, ein Trinker und Rohling ohnegleichen.„Ar- beiter" nannte er sich und war es schon längst nicht mehr. Dafür schickte er aber seine eigene Frau auf die Straße. Brachte sie ihm zu wenig, so mißhandelte er sie. Am liebsten war es ihm, wenn sie den„Freier" mit in die Wohnung brachte; da konnte er ihr wenigstens sofort das Geld abnehmen. Das ging so lange, bis die Frau unter«rittenkontralle gestellt wurde. Das war ihn» durch- aus angenehm. Um so besser! Nun konnte ja seine Frau„ehrlich" ihrem„Gewerbe" nachgehen und den ihr angetrauten Mann von ihrer Körperarbeit ernähren. Und wenn die Vierzigjährige zu wenig nach Hause bvachte, dann schleifte er sie an den Haaren durch die Zimmer. Endlich lief sie davon. Sollte er ihr etwa.eine Träne nachweinen? Er nahm sich eine Achtzehnjährige und schickte diese nun auf die Straße, nahm ihr das Geld ab. und miß- handelte sie. Auch sie kam unter die Sittenkontrolle. Dann aber erstattete der Bater des Mädchens Aazeige gegen ihn. So kam er vor den Richter. Der Zuhälter befand sich nicht in Untersuchungs- Haft. Er durste ohne Bewachung in das Kriminalgericht kommen und entfernte sich in aller Seelenruhe während einer Verhandlungs- pause, um nicht zurückzukehren. Das Gericht verurteilte ihn zu 254 Jahren Zuchthaus unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Hier wäre Sicherheitsverwahrung auf unbestimmte Zeit am Platze gewesen. Der �uwelierjäger. Brillantenverkäufer der Sowjetregierung. Der Deutschbalte St. hatte sich vor dem Schöffengericht Char- lottenburg wegen Amtsanmaßung und versuchter Er- pressung zu verantworten. Die Angelegenheit war insofern nicht uninteressant, als auch die berühmten Brillantenverkäuse der Sowjetregierung in den Prozeß hineinspielten. St. war früher in Rußland ein reicher Mann. Während der Bolschewistenzett hat er sein Vermögen verloren. Seine Schwester und sein Bruder sollen, wie er behauptet, von der Sowjetregierung umgebracht worden sein. Jedenfalls brannte er von Haß nichts allein gegen die Sowjetregierung, sondern auch gegen die„Ostjuden". Am messten hatten es ihm die schwarzen Iuwelenhändler angetan. Er bot dem Zollgrenzkonmnssar seine Dienste an: er wolle nach diesen schwarzen Juwelenhändlern fahnden. Allein aus Sport, sagte er vor Gericht: die Belohnung, die er zu erhalten hätte, habe er nicht genommen, sondern sie stets zu wohltätigen Zwecke» abgeführt. Ein Zeuge bestätigt, daß er wirklich in seiner Tätigkeit den Behörden große Dienst« geleistet habe. Unter anderem gelang es ihm auch, bei einem Sowjetagenten F., den er als Tschekisten bezeichnete, eine größere Anzahl von Brillanten zu beschlagnahmen. Einige Monate später fiel ihm ein anderer Agent der Sowjetregierung, namens Sch., in die Hände, und zwar auf recht originelle Weife. Der Gehilfe des früheren Berkehrsministers in Rußland, K., war in einer Geldangelegenheit Prozeßgegner des Sch. Er teilte nun dem St. mit, daß Sch. Brillanten von hohem Werte über die Grenze geschmuggelt habe. In Begleitung von Kriminalbeamten unternahm St. eine Hausdurchsuchung bei Sch. und fand auch wirklich einen Zettel, aus dem zu ersehen war, daß wertvolle Brillanten sich in einem Berliner Bankhaus zur Auf- bewahrung befänden. Sie wurden sofort beschlagnahmt. K. teilte aber dem Sch. mit, daß St. die Angelegenheit in den Händen hätte und aus die Rücknahme der Beschlagnahme einen Einfluß ausüben könne. Sch. suchte daraus St. auf. Nun behauptet St., daß Sch ihm eine Summe Geldes angeboten habe, damit er die Brillanten freigebe. Sch. jedoch, der in Paris kommissarisch vernommen wurde — übrigens sind alle Zeugen seitdem nach Paris verzogen—, behauptete, St. lwbe bei ihm. unter der Versprechung, daß er die Brillamen freigeben würde, eine größere Summe erpressen wollen. Die Anzeige gegen St. war aber von dem Tschekisten F. gemacht worden. So wurde gegen St. die Anklage wegen Erpressung und in Verbindung mit der Haussuchung bei Sch. wegen Amtsanmaßung erhoben. Es gelang Sch. auch wirklich, die Brillanten freizubekom- men. Der Staatsanwatt gelangte gestern nicht zur Ueberzeugung, daß St. sich schuldig gemacht habe. Ebenso wie der Verteidiger, Rechtsanwalt Bloch, plädierte er deshalb auf F r e i s p r u ch. Das Gericht oerfuhr demgemäß._ Oer OanSerolenSiebstahl im Neichsfinanzzeuaamt. Großes Aufsehen erregte Anfang Dezember v. I. ein Einbruch in das R« i ch s f i n a n z z e u g a m t in der Lentzeallee zu Dahlem, bei dein für nicht weniger als 430 000 Mark Zigaretten- banderolen zu 2, 3 und 4 Pf. gestohlen wurden. Der Einbruch gelang, obwohl auf dem Grundstück ein Wächter mit einem scharfen Hunde vorhanden ist und das Gebäude unten zum Teil sogar bewohnt wird. Seit zwei Monaten bemühte sich unter Leitung des Kriminalkommissars Bünger das Sonderdezernat für Geld- schrankeinbrüche um die Aufklärung. Jetzt endlich ist wenigstens ein Teilerfolg zu verzeichnen. Die gestohlenen Banderolen tauchten erst lange Zeit nach den, Diebstahl auf. Der Verdacht, sie beschafft zu haben, siel auf einen 34 Jahre alten, der Kriminalpolizei schon bekannten Kaufmann Fritz M a r s a l aus der Boeckhstraße, den man viel in HeHlerkreisen verkehren sah. Mit ihm wurde nach längerer, zum Teil sehr interessanter Beobachtung, ein gewisser Otto Miller verhastet, nachdem man in der früheren Wohnung Marsals bei einer alten Frau in der Jägerstraße zu Neukölln für 83 000 Mark Banderolen aus Dahlem beschlagnahmt hatte, die w dem Bett der Frau verborgen waren. Die Vernehmungen Marsals und Millers auf dem Polizeipräsidium mußten gestern abgebrochen werden, weil mit beiden nichts mehr anzufangen war. Jener will nach wie vor nichts wissen und Miller spielt weiter den wilden Mann. Mitteilungen zur weiteren Aufklärung, insbesondere über den Ver- bleib des noch fehlenden Teiles der Beute an Kriminalkommissar Bünger im Polizeipräsidium. Wer will den Mittelstand vernichten? Im Reichsverband gekündigter Laden mieter hat sich vor einigen Tagen die Ortsgruppe Groß-Berlin gebildei. Ihr haben sich viele namhafte Firmen, auch Handwerker und klei- nere Gewerbetreibende angeschlossen. Die Ortsgruppe sammelt lau- send Material. Die Geschäftsstelle befindet sich Berlin W15. Kur- fürstendamm 62. Dieselbe Ortsgruppe erläßt folgendes Rundschreiben: „Wer will den Mittel st and. den selbständigen Handwerker und Gewerbetreibenden durch Zlushebung des Mieterschutzes ver- Nichten? Deutschnationale Volkspartei: Steiniger. Reichstags- abgeordneter, 5)owe(Kiel), Landtagsabgeordneter, usw.; Deutsche Vcilkspartei: Dr. Grundmann, Landtaqsabgeordneter, Dr. Spicker- nagel, Landtagsabgeordneter, usw.; Zentrum: Kölges, Landtags- abgeordneter, Köthenburger. Landtagsabgeordneter, usw.; Wirt- schaftspartei: Sämtliche Reichstagsabgeordnete, Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete. Jeder melde seinen Kündigungsfall sofort mündlich und schriftlich den Landtagsabgeordneten, dem Wohnungs- ausschuß des Landtags(Prinz-Albrecht-Str. 5) und dem Volkswohl- fahrtsministerium. Berlin, Leipziger Str. 3. Eile tut not!" Und das muß man sich sagen lassen! Die Arbeiisgcmeinschasl„Technik in der Landwirtschaft", deren Ziel die stärkere Verwendung der Maschine in der Landwirtschast ist. hielt im Hause des Vereins Deutscher Ingenieure aus Anlaß der Grünen Woche ihre Hauptversammlung ab. in der eine Reihe fach- wissenschaftlicher Vortröge gehalten wurde. So sprach der bekannte Agrarpolitiker Professor Dr. Beckmann- Bonn über die Entwick- lung der Technik in der Deutschen Landwirtschast und die Möglich- ketten des größeren Absatzes von Landmaschinen. Beckmann vertrat die Ansicht, daß die moderne Landwirtschaft der Unterstützung des Induftrialismus nicht entbehren könne. Dies sei geschichtlich er- wiesen. Einmal dadurch, daß die Neueinführung des Thomas- Verfahrens durch ihren Abfall durch das Thomasmehl eine starke Förderung des Futtermittelanbaues gebracht habe. Die starke Be- anspruchung von Koks in der Eisenindustrie habe eine außerordent- lich oermehrte Erzeugung von Stickstoff im Gefolge gehabt, und die Derbilligung der Stickstofferzeugung durch die lynthetische Stickstoff. Produktion habe es erreicht, daß heute Stickstoss das einzige Produkt sei, das die Landwirtschast billiger als vor dem Kriege erhalte. Es sei zur technischen Durchdringung der Landwirtschast auch eine bessere Ausbildung notwendig. Vorerst fehle es uns an einem klar erkanmen Bildungsziel. Dieses müsse sein, daß jeder Bauer in die Lage ver- setzt werde, die maschinellen Neuerungen auf ihre praktische Anwen- dung und aus den Grad ihrer Nützlichkeit beurteilen zu können. Eine Stärkung des Inlandsmarktes sei nicht etwa dadurch zu er- reichen, daß die Landwirtschaft auf Kosten der anderen Berufskreise höhere Preise erziele, sondern die höheren Preise müßten einen Ansporn für stärkere Erzeugung werden. kommunistische kultnrkömpser. Unter dieser Ueberschrift be- richteten wir über ein« Freidenkerversammlung im 6. Kreis. In diesem Bericht wurde die Diskussionsrednerin Beck von uns als Kommunistin bezeichnet. Frau Beck ersucht uns, festzustellen, daß sie Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokrattschen Partei ist. Eine Jeichnungsaussorderung ans sünsprozenkig« Anleihe de» Deutschen Reichs von 1927 finden unser« Leser im Inseralentett dieser Nummer. Die Kriegsbestbäüigten protestieren! liegen die Verschlechterung der Fürsorge. Aor über tausend Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen referierte der Gauleiter Men de- Berlin vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten im überfüllten Saale der Prachtsäle des Ostens. Ausgehend von dem soeben bekanntgewordenen Skandal, daß die Firma Sklarek unter Mißbrauch ihres Monopols die Wohlfahrts- mittel der Stadt Berlin außerordentlich stark in Anspruch nimmt, ver- wahrt« sich der Referent scharf gegen die Behandlung der in Für- sorge stehenden Kriegsopfer durch die Armenärzte. Die schärfste Empörung löste die Bekanntgabe der Streichung von 100 Millionen Mark im Reichshaushalt für Versorgung aus. Demgegenüber erhöhte sich der Etat des Reichswehrministeriums durch Nachtragsetot. Dabei ist zu beachten, daß ein kleiner Kreis ehemaliger höherer Offiziere(rund ISOO Generale) allein 21 Millionen Mark jährlich an Versorgungs- geldcrn erhält. Gibt nicht das Deutsch« Reich sogar dem be- kannten Kapp-Putschisten, Freiherrn v. Lüttwitz, Zehntausend« von Goldniark jährlich Pension? Dagegen verblaßt die Summe, die als Durchschnitt jährlich auf den Beschädigten entfällt und noch nicht 400 Mark ausmacht. Mit einem Appell zum Zusammenschluß der Kriegsopfer in der einzigen starken Organisation, im Rcichsbund der Kriegsbeschädigten, schloß der Referent"unter stürmischem Beifall. Die Versammlung verwahrte sich gegen Störungsversuche einzelner Angehöriger des Internationalen Bundes und nahm dann einstimmig folgende Entschließung an:„Die am 1. Februar 1327 in den Pracht- sälcn des Ostens versammelten Hinterbliebenen und Kriegsbeschädig- ten haben mit Entrüstung davon Kennwis genommen, daß durch die Abwälzung der Fürsorgelasten vom Reich auf die Länder und Ge- meinden die Fürsorge immer mehr verschlechtert wird. Mit aller Entrüstung wird oerurteilt, daß es die Stadt durch einen Vertrag zuläßt, die Kriegsopfer für die Prioatinter- «sicn eines llmernchmens wie die KVG. auszunützen. Die Heilbehandlung im alten Berlin wird trotz aller Verord- nunzen und Bestimmungen immer noch im Sinne der Armen- pflege von läng st abbaureifen Aerzten durchge- führt. In der Versorgung wird verurteilt, daß derselbe Reichs- tag, der am 1. Juli 1926 mit einer einstimmig gefaßten Ent- schließung von der Regierung die Mittel zur Verbesserung der Ver- sorgung verlangte, jetzt durch seinen Haushaltsausschuß die im letzten Jahr überschüssigen 199 Millionen Mark gestrichen hat. Dieses wird als eine offene Verhöhnung der Kriegs- o p s e r empfunden, gegen die kein Protest schars genug ist. Es wird verlangt, daß der überschüssiige Betrag im Etat bleibt und so erhöht wird, daß die Versorgung die notwendige Verbesserung er- fährt. Erst kommen die Kriegsopfer und dann noch lange nicht Hochverräter wie Lüttwitz. Die Kriegsopfer oerlangen vom Reichs- tage ausreichende Rentenoersorgung und Einbau der Zusatzrenie in die ordentliche Rentenversorgung: U ebernah m e der Fürsorge durch das Reich: ausreichende Für- sorge: Anerkennung des Rechtsanspruches auf Heilbehandlung für Hinterbliebene: Sicherstellung der Berufsaus- bildung der Kriegerwaisen und Kinder Kriegsbeschädigter: aus- reichende Fürsorge im Wirtschaftsleben: dauernde Sicherstellung der Arbeitsplätze." wird zu wenig Fisch gegessen� Das alte Dolksnahrungsmittel, der gebackene Fisch, will nicht recht Jjeiiinsch werden in Berlin. Nun nimmt sich die Stadt Berlin der«achc an. setzt das Fischgericht einfach mit aus den Speisezettel der Volksspeisungen, läßt Fischwagen mit fix und fertig gebackenem Fisch in den verschiedenen Gegenden der Stadt vermehren und speist in dieser Woche zu Propagandazwecken alltäglich eine An- zahl erwerbsloser Kausleute in den Räumen der Jen- tralspeiseküche, Tresckowstr. 11. Diese Küche gibt täglich ungefähr 29 999 Portionen Essen aus. Sie beliefert Schulen, Kinder- horte, Wohlfahrtsämter und Personen, die sich das Essen selbst ab- holen. Der Preis einer Portion beträgt 25 Pf., für Erwerbslose 19 Pf., und ganz Bedürftige erhalten auch kostenlose Speisung. Es bleibt also abzuwarten, ob der ganz groß angelegte städtische Feldzug für die Fischmahlzeit den Erfolg bringen wird, den man erhofst. England, das leuchtende Vorbild der Fischpropagandisten, besitzt einige hunderttausend Fischküchen, London allein zählt deren 39 990, und ein Drittel des gesamten Fischfangs wandert in die Fischküchen. Pro Kopf ist ein jährlicher Fischkonsum von 79 Kilo- granun zu oerzeichnen, hier in Deutschland noch keine 6 Kilogramm. Vielleicht lernen wir- aber doch noch mit der Zeit. Icdensalls berichtete die Leiterin der Volksküche, daß der Fisch bereits das Graupengericht überflügelt hätte. Trumpf wäre allerdings nach wie vor das Gullaschgericht, und die Chancen der verachteten Kohlrübe zeigten ebenfalls eine Kurve nach oben. Beim Freitisch in dieser Woche gelangen täglich mehrere hundert Portionen zur Aus- gäbe. Warum aber solche Akte der Wohltätigkeit, wenn sie auch bloß Mittel zum Zweck sind, stets durch Photographen im Bilde festgehalten werden müssen, ist nicht recht ven'tändlich., Die verwendeten Seesische kommen zum Teil auf dreiwöchiger Reise aus dem Weißen Meer und werden von den Fahrzeugen aroßcr deutscher Hochseesischereigesellschasten herangeführt. SertifskuttSliche Vorträge für MaSchea. Das Landesberufsamt Berlin veranstaltet zurzeit zu- sammen mit dem Berussamt Südwest eine Folge beruiskundlichcr Vorträge in der Aula der C h a m i s s o- S ch u l e in Schönebcrg, Barbarossaplatz 5. Der nächste(dritte) Abend, an dem Frauen- berufe behandelt werden, findet am Donnerstag, den 3. Februar, 168 Uhr, statt. Fräulein Anna von Gierke wird über„Die Frau in der Wohlfahrtspflege" sprechen: anschließend werden die Berufs- Möglichkeiten der Nationalökonomin und der Juristin von Dr. Marie Elisabeth Lüders und von Rechtsanwältin Dr. Margarethe Berent behandelt werden. Weitere berufskundliche Vorträge werden noch bekanntgegeben._ vom Spielen in den Tod. Ein folgenschwerer Straßenunsall mit tödlichem Ausgang ereignete sich gestern nachmittag gegen 4 Uhr vor dem Hause Demminer Straße 26. Der fünfjährige Knabe Heinz Hansen, der in der Demminer Straße 12 wohnt, lief beim Spielen in einen Wagen der Städtischen Müll- abfuhvgesellschaft hinein. Das Vorderrad ging über das un- glückliche Kind hinweg. Mit schweren Verletzungen wurde H. in das Virchow-Krankenhaus gebracht, doch trat bereits auf dem Trans- port dorthin der T o d ein. Die Leiche wurde beschlagnahmt und in das Schauhaus geschafft. Die Schuld soll das verunglückte Kind treffen. Sprech-Chor ifir prolelarifche Feierstunden. Donnerstag, abends 7'/, Ubr, in der Aula der Sophienschuie, Beinmeisterstr.>6/17, UebungSitunde. Die Kinder kommen um l/,7 Uhr. Sonntag, den S. Februar, früh 8 Uhr, Bühnenprobe in dir Volksbühne am Bülowplatz. weltliche Schul« in Charlotlenborg. Anmeldungen für die Ein- und Umschulung in die wellliche Schule Charloltcnburg, Ostern 1S27, nimmt entgegen Rektor Wilhelm S ch m ü ck c r, 34. Gemeindelchulc, S P r e e st r. 3g, am Wilbelmplatz. Auhcidem die Anmeldestellen"'" slrahe 10E, vorn IV; V. Müller, OlberSstr."" Sickingcnstr. 54;®. Gorablenkow, Caueritr. garter Platz 6; Paul Wothe, Kaiser- Friedrich-Str. 52, Grlb. IN: Fritz Pierow, Riebuhrstr. 23; Martha Jchcfuß, JoachimSthaler Str. 10, prt.; K Fischer, Schiogstr. 34, vorn IN: Artur Lehmann. KönigSweg 8; Frau Jakob, Potsdamer Str. 31: Leopold Theben, Kaiier-Fricdrich-SIr. 45d: Hugo Müller, Osnabrücker Str. 27; Erich AhrenS, WilmerSdorser Slr. 23: Karl Hammer. Sickingenitr. 55; Wilhelm Scheidenrecht, Königin-Elisabeth- Strahe 7b: Kehrke. Cauerstr. 25; Weisheit, Nordhausener Str. 1; vdols Werner, Wallstr. 96: Max Schäfer. Wiclandstr. 36: Fritz Kasten. Uhland- strahe 32; HanS Rausch, Ansbacher Str. 17: Otto Wermkc, Englische Straße 32: Frau Zachmann, Kirchstr. 16: Ernst Hanke, PaScalstr, 16. Ein Gaunerstreich. Ter„Regierungsrat a. D." Dieser Tage wurde bekannllich in gemeinsamer Arbeit der Frankfurter und Wiesbadener Kriminalpolizei der angebliche Schrift- steller C o n tz aus Quierschied bei Saarbrücken in einer Wiesbadener Wirtschaft aufgegriffen�imd festgenommen.•> Der„Schriftsteller" hatte zahlreiche behördliche Stellen und hochgestellte Personen unter dem Vorwand, er sammele Geld für ein Standardwerk über das deutsche Siedlungswesen, um sehr bedeutende Summen geprelll. Contz ließ sich Visitenkarten drucken, auf denen er sich als„R e g i e r u n g s- rot a. D." bezeichnete und mit denen er selbst bei hohen Amts- stellen Eingang fand. Bor allem suchte er die Vorstände von Bau- und Siedlungsgesellschaften von der Notwendigkeit des Werkes zu überzeugen und erhielt stets beträchtliche Geldsummen für die an- gebliche Drucklegung des Buches. An keiner Stelle scheint auch nur der Verdacht aufgekommen zu sein, daß man es mit einem Schwindler zu tun' haben könnte. Mit den so Geprellten pflegte er oftmals gesellschaftlichen Verkehr. Nach der„Frankfurter Zeitung" soll er von einer Amtsstelle, wo er um Unterstützung vorsprach, josort eine Anweisung aus 2S99 M. bekommen haben. In kurzer Zeit hatte der Schwindler etwa 16999 Mark für das Werk „gesammelt". Das Geld verpraßte er in weiblicher Gesellschaft. In einer Wirtschast in Wiesbaden wurde er entlarvt und nach Frank- fürt ins Gerichtsgefängnis gebracht. Nach seiner Aburteilung wird er nach Wiesbaden, Darmstadt, Mainz, Kastel, Koblenz ufw. über- geführt werden._ vie Meisterschule für deutschen Suchöruck. In Anwesenheit zahlreicher Vertreter der deutschen Buch- druckerorganisationen und einer Reihe von Ehrengästen, unter denen sich auch Reichstagspräsident Genosse L ö b e sowie Ver- treter staatlicher und städtischer Behörden befanden, wurde gestern die M e i st e r s ch u l e für deutschen Buchdruck in der Prankstraße zu München eröffnet. Die Meisterschule wurde durch die gemeinsame Initiative der Stadt München und des Deutschen Buchdruckervereins geschaffen und bereits durch zahlreiche Stiftungen gefördert. Den Eröffnungakt vollzog Oberbürgermeister S ch a r n a g l. In Vertretung des Kultusministeriums beglückwünschte Ministerialrat Daxenberger die Schule und übergab als Patengeschenk der bayerischen Regierung eine Stiftung von 59999 Mark. Den Festoortrag hielt der Förderer und Pionier des deutschen Buchdruckgewerbes Professor Fritz G o e tz von der Leipziger Akademie, der über Münchens und Bayems Anteil am technischen Fortschritt im Buchdruckgewerbe sprach. WUensthafiliche Sportwoche in vovos. Der Grundgedanke der wisienschaftlichen Sportwoche in D a v o s, die eine große Anzahl von Aerzten versammelte, war, durch allgemein verständliche Vorträge hervorragender Fachmänner und durch spart- liche Veranstallungen, die naturgemäß den Wintersport betrafen, die Beziehungen zwischen der Wissenschaft und dem Sport der Oeffent- lichkeit kundzutun. Die Vorträge befaßten sich mit der Geschichte des Sportes(Oberregierungsrat Dr. Mallwitz-Berlin), mit den Beziehungen des Sportes zur Medizin, die von Ge- heimrot Abderhalden, Halle, und anderen Spezialisten erörtert wurden. Di« erzieherisch« Seite behandelte Dozent Matthias, München. Der Vortrag von Dr. Diem, Berlin, über die sozial- hygienische Bedeutung des Sportes, streifte sowohl Fragen der Erziehung als auch der Medizin. Endlich muß der Vortrag von Prof. Hellpach, Heidelberg, erwähnt werden, der in formvollendeter Art den idealen Wintertag an seinen Wirkungen auf den Menschen schildert«. Daß der Sport heute dem öffentlichen Leben in vielfacher Be- Ziehung seinen Stempel aufdrückt, und daß das Interesse für Leibes- Übungen in der Jetztzeit derart groß ist, ist eine von niemandem be- strittene Tatsache. Es ist zwar richtig, die Begeisterung für den Sport nimmt manchmal Formen an, die nicht erwünscht sind, aber wir müssen solche Auswüchse nicht allzu tragisch nehmen(l Red. d. Vorw.). Denn Hellpach bemerkte ganz richtig, daß das nur ein allzu starkes Ausschlagen des Pendels nach der einen Seite darstellt, während früher das Pendel nach der anderen Seite ausschlug, als nämlich im deutschen Volke ein« Ueberschätzung der Geistigkeit vorhanden war und kurzsichtige, krüppelhaste, körperlich schwache Menschen aus den Schulen hervorgingen. Mit ernsten Worten wendeten sich fast alle Vortragenden gegen die übertrieben« Bewertung der Rekordleistungen. Spitzenleistungen dürfen nicht so weit gehen, daß dadurch kulturelle Werte zerstört werden. Sie dürfen auch nicht von jenen angestrebt werden, die gesundheitlich den An- forderungen eines schweren Trainings nicht gewachsen sind. Aufgab« der Sportärzte ist es, die Sporttreibenden zu beraten und sie vor Schädigungen ihrer Gesundheit durch den Sport zu bewahren. Von größtem Jnteersse waren die Ausführungen von Professor Adder- Halden, Dr. Knoll und Geheimrat Moritz über die Wirkungen des Sports auf den Körper. Insbesondere ist es das Training, das eine weitgehende Umstimmung des ganzen Körpers bewirkt. Die modern« Wissenschaft ist heute bereits in der Lage, durch sehr sinnreiche Untersuchungsarten die Leistungsfähigkeit jedes einzelnen zu bestimmen. Vom medizinischen Standpunkt aus ist als Höchstleistung jene Leistung zu bewerten, die mit gleichmäßiger Anspannung des Körpers durch den ganzen Kampf hindurch erfolgte und nicht diejenige, bei der in unökonomischer Weise Körper- kräft« oerausgabt wurden.— Die sportlichen Veranstallungen waren leider nicht durch das Wetter begünstigt und mußten vielfach ausfallen.__ Der Belohnung wegen! Die Reichsbahndirektion Ludwigshafen teilt mit: Am Sonntag nachmittag gegen 4 Uhr teilte ein Mann der Bahnagentin in Assel- heim mit, daß er auf der Bahnstrecke zwischen Mertesheim und Assel- heim Steine auf den Schienen entdeckt habe. Ein Bahn- bediensteter begleitete den Mann nach dem Tatort und fand dessen Angaben bestätigt. Fünf größere Sand- und Kalksteine und etwa 12 Schottersteine lagen auf den Schienen. Sie wurden entsernt. Nach Aeußerungen des Mannes war zu oermuten, daß der Anschlag vor- getäuscht worden ist. um durch die Anzeige eine Belohnung zu ver- dienen. Der Mann wurde verhaftet und hat gestanden. Ein Polizeiossizier im hinterhall erschlagen. In der Nacht zum Dienstag ist ein M a g d e b u r g« r P o l i z« i o f f i z i e r auf einem Kontrollgang in der Nähe des Alten Marktes von einem jungen Mann um„Unter st ützung" gebeten und in einen Hinterhalt gelockt worden, wo noch unbekannte Täter über ihn herfielen und ihm mit harten Gegenständen den Kopf zerspalteten. Der tödlich verletzte Offizier wurde von herbeigerufenen Polizisten in seine Wohnung getragen. Achtzehn Arbeiter von einem Zelsblock getötet. Im nördlichen Kaukasus zerstörte ein F et» block, der sich infolge der schweren Schneestürme gelöst hatte, eine Arbeiterbaracke. Achtzehn Arbeiter konnten nur als Leichen geborgen werden. Sturmkakostrophe in Norwegen. In den letzten Tagen wurde Norwegen von einem gewaltigen Orkan heimgesucht, der große Verheerungen angerichtet hat. Ueberall sind Stallungen und Wirtschaftsgebäude ruiniert, Schiffe an den Strand getrieben und Teleponmasten zu Hunderten umgelegt. Man befürchtet den Verlust einer R�e von Fischerbooten, die das Land nicht Haben erreichen können. welterbencht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin und Amgegend. iRachdruck vcrb.) Wechselnde, meist stärkere Bewölkung, keine erheblichen Niederschläge, Temperaturen etwas geringer.— Für Venlschland: Temperaturen überall etioas niedriger, in Ostpreußen Temperaturen meist um Null, nur strichweise leichte Niederschläge. � gold-saba............. 4� KÖNIGIN V. SABA------- 4/$ BACCARAT------- Oi Unsere. tlCUC Mischung £�iAci£i: Tabake der matupuliect Strnbes /vwevnlgfi /u>i& JzeMVL- früJi&rt; leichte, bekömmliche Qualität mär blumigem» Aroma wui glattem. Biancb ÖÄRBÄTY Eintenbuugcn für diese Rubrik sind Verl!» TW S». Lindenftratz» Z. parteinachrkchten für Groß-Serlin ilet» an da» Beztrt»feiretariat •i. Hos, 2 Step, recht»,»» richten Voranzeige l Sonnabend, den 5.. und Sonniag, den 6. S e- btuat, findet eine wichtige Alugblatloerbreilung stakt, an der sich alle Genossinnen und Genossen beteiligen. Donnerstag, den 10. Februar, im Sportpalast. Potsdamer Str. 72. große öffentliche Kundgebung gegen die Rechtsregierung und den Besihbürgerblock. Alle anderen Veranstaltungen müssen an diesem Abend unter. bleiben. -i- 2. Kreis Friedrichshai». Achivug, SP?.-Äbiiil»va»mieter»ert reter I Donners- tag, Z. Februar, TM Uhr, Sitzung bei Wittschutz, Petersburger Str. b, ll. Kreis Schöneberg, Friedenau. Donnerstag, Z. Februar, 8 Uhr. bei Will, Marttn-Lulher-Etr. Sg, erweiterte Kreisvorstandssitzung. It Kreis SculeKa. Donnerstag, 3. Februar, 7H Uhr, erweiterte Kreisvor. standssitzung an bekannter Stelle.— Mittwoch, 2. Februar, 7 Mi Uhr, in der Zllltli. Schule, Mitgliederversammlung der Freien Schulgemeinschaft. Bortrag dos Senosien Dr. Kurt Löwenstein. Wahl der Scschilftsleitung. Verschiedenes. lZ. Kreis Treptow. Donnerstag, 3. Februar, 7M> Uhr, in Niederschöneweide, Berliner, Ecke Fennstrahe, Kreizvorstandssttzung mit sämtlichen Abtetlungs- leitern. t7. t'.eei» Lichtenberg. Arbeiterwoblfahrt! Donnerstag, 3. Februar, pünktlich 7 Uhr, im Nathans. Möllendvrfstr. tz, z. Kurlnsabrnb:„Die Leistungen der istsentlichen Wahlsahrtspflege'". Reserentin Dr. Hellinger. hcuke. Mittwoch, den 2. Februar: «2. Abt. Steglitz. S Uhr im Lakai Tiel, Ring-, Ecke Albrechtstrah«, wichtige ssunktlonarkonferenz. ZNorgen, Donnerstag, den 3. Februar: 5. Abt. 8 Uhr bei'.'eischke, Keoraenkirchstr. U, ssunktionärsttzung. Alle Partei, und Sewertzschaftsfunkt'onare haben zu erscheinen. -» lttz. Abt. Llebtenberg. Freitag,!. Februar, pünktlich 8 Uhr, bei Morr, Rene Bahnhosstr. 8, wichtige Funltionärsitzung. Alle Funttionäre müssen de- stimmt und pünktlich erscheinen. sm»--- �m... m---- *ce»eTa7Ie»»Ceg3 Schariuvederstr. 29. Friedenau! Treffpunkt MS Uhr Bhs. Dilmersdors-Friedenau kursus.— Lankwitz: Gemeindeschule Schulstrahe.— Lichtenberg-! heim Dosseste. 22. Portrag:„Amerika' : Jugend. Rechtsstellung de» teitsgemetuschast müssen eeschetueu. Die Mitglieder der haben Zutritt. erbeausschüsse � Sterbetafel Ser Sroß-öerliner Partei-Grsavifation 22. Abt. Unser Genosse Hermann Schmidt, BLhowstr, Z<, ist im Alter von 7V Jahren am 29. Januar verstorben. Ehre seinem Andenken. Ein- äscherung am Donnerstag, 3. Februar, vormittags 19 Uhr, im Krematorium Gerichtstrahe. Wir bitten um recht zahlreiche Teilnahme. Sozialistische flrbeiterjugenü Groß-öerlin. Achtung, Abteilungokasfieree, holt heute da« Febrnor.„Iugend voran" und die Februar.„Arbeiter.Iugend die auostebendcn Abrechnungen vor. Die Buch Mittwoch, zwischen ä und 7 Uhr -Jugend" ab und nehmt Die Bücherstube ist heute von 5—7 Uhr geöffnet. heule. 71/2 �hr: Ableilungsmitgliederversammlungen: Wedding: Jugendheim Luxemburger, Ecke Genter Strahe.— Kelmholtzplatz: Schul« Eberswalder Str. 10, Zimmer 11.— Roseuthaler Vorstadt: Schule Gips- strahe 23».— Br.dreasplatz: Jugendheim Große Frankfurter Str. 18.— Balten. platz: Jugendheim«ligoer Str. 103.— Frankfurter Bieriel: Jugendheim Rigaer Sir. 108.— Friedrichshai»: Jugendheim Diestelmeperstr. 5.— Petersburger Viertel: Jugendheim Ebertvstr. 12— Warichauer Viertel: Jugendheim Tilsttee Str. 4.— Reichenberger Viertel: Jugendheim Reichenberzer Str. 88.— Tempelhof: Germaniastr. 4— 6.— Fallenberg: Jugendheim Am Falkenberg 117. — Friedrichehagen: Jugendheim Schaenweberftr. 103».—«riedri-bsselde: Jugendheim SdilOtz-, Ecke Berliner Straße.— Kaulsdorf: Schule Adollstrahe.— Arbeiterwohlfahrts- Konferenz. Am Freitag, den 4. Februar, abends 71/, Uhr. im Saal 3 des Gewerkschastshauses. Engeluser 24/25. Tagesordnung: Borinig: Sie Moden des fieMgen Meis dein) MevdM und in der fojloien GeMksdUse. Referent: Genosse vothur. Türkontrolle: 1. kreis Rlitte. Geschäftliche Mitteilungen. Für die Weihe Woche hat das weltbekannte deutsche Gardinen, und Haus Emil Lefdvre, seit 43 Jahren nur Berlin Süden. Oeanienstr. 1!,_Ji Moritzplatz, allergrößte Vorbereitungen getroffen, um ihrem große» Kunden. illuo Emil Lefdvre, seil storitzplatz, allergrößte______>».__________________________________ kreis etwas ganz Besonderes zu bieten. Die allbekannte Firma gewährt für ki.. cm*. sc,, crn.j.. st.___ cn-.ir.______- Wer die ganz desonderen Einianfsoorteile bei Teppich-Lesdprr wahrnehmen will, benutze dl« Beiße Woche dazu. Das Fröbel.Oberlin. Institut. Peioat-Hausholtungsschule H. Pollak. Berlin. Wilhelmstr. 10, orranstaltct am 2. und 3 Februar eine sehr interrssante Au». stellung der von den Schülerinnen angefertigten Arbeiten. Der Besuch van 10 bis 8 Uhr ist frei. Die Vortragsreihe„Mensch und Arbeit" wurde fortgesetzt. „Ich und mein Kontokorrent"— das kann, wie Heinrich Papst zeigte, ein sehr unerfreuliches, geisttötendes Verhältnis sein—, aber es kann auch im Gegenteil dazu ein Weltbild bieten, wie es nur wenige in den trockenen Zahlen von Debet und Kredit vermuten werden. Es kommt eben darauf an, daß man diese Zahlen richtig zu lesen versteht. Der vom Geschäft als billige Arbeitskraft ausge- nutzte kaufmännische Lehrling lernt das selten, aber die Ausbildungs- Möglichkeiten in den freien Gewerkschaften sorgen dafür, datz er es dennoch lernen kann. Der interessante Vortrag Papst' gipfelte in einer scharfen Kritik unserer Gesellschaftsord- n u n g, die zwar durch immer vollkommenere Maschinen eine weit- gehende Ersparnis an meUschlicher Arbeitskrakt erstrebt, den einzelnen aber bis an die Grenze seiner geistigen und körperlichen Kräfte aus- nuyt und dafür die große Menge Arbeitsloser schafft.— Zwei Vortröge aus verwandten Gebieten hielten Er na Arnhold und Otto Z a r e k. Frau Arnhold sprach über die Ansänge des„Theaters in Berlin". Otto Zarek setzte seine Vortagsreche„Das Drama der Gegenwart" mit dem Thema„Das neue Drama des Auslandes" fort, das er oufschluffrcich und fesselnd behandelte. Leider wurde die Vortragende ihrem Stoffe nicht in gleichem Matze gerecht, trotz- dem sie ein umfangreiches Wissen entwickelte. Aber sie brachte vielleicht zu viel. Sie füllte ihre Vortragszeit mit Zahlen und Namen.— Der wertvolle Vortrag Prof. Dr. Georg Wege- n e r s, der seine Vortragsreihe„Die Entdeckungsgeschichte der Erde" einleitete, sei erwähnt.— Der Abend brachte den stimmtechnisch un- fertigen Bariton Fritz Steiner mit Liedern von Richard Slrautz vor das Mikrophon. Anschlietzend bot eine„Bunte Stunde" Mandolinenmustk und anspruchslose Gesangsvorträge. Vorträge, vereine naö Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz- Rot-Gold". »eschüftostell«:»«1!» S 14, Sebastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Siutersput-Abt.: Da., b. 3., 8 Uhr, Ski-Trockenkursuo In der Mittel- schul« Schöneberg, Rvetherstraße. Alle angemeldeten Kameraden müssen erscheinen. Anmeldungen für Freienwalde und Zahlung von 3.20 M. dt» Donnerstag an Kam. Breolauer, Berlin, Markgrafenftr. 22.— Prenzlauer Per«: Vorstandssitzung am Mittwoch fällt au- Der neu« engere Vorstand tagt am Fr., d. 4., um 3 Uhr bei Burg. Kameradschaft Balkan: Do., d. 3., Vers, in, Altersheim Danziger Str. 82. Sonntag, d. 8., Wintervergnilgen der Kamerad- Ar, t Arnswalder tag, Äu urr im Eaalbau Friedri «i»rzt. Krhtltlleh In Minerslweo�erhindlangen, Apoth»- don and Droperley»owio in Beritn be. dar Ver-undiielis dsi Siuisonallsn Fueiiiygea und NUdanelier*, Berlin SW.M.S dönebeigei btr. 1„3. Tel Latrow 8360,61. Bnnnminrbtitte» d red da« Fnrhlncer r.m. «nalMro. Bei lli>W.e6.Wllhelin»tru»aeö:i. Ieichnungsauffordening auf 5% Anleihe des Deutschen Reichs von �927 Zur Flüssigmachung der Sem Reichsminister der Finanzen durch die Etatsgesetze für 1926 zur Bestreitung autzerordentlicher Ausgaben eröffneten Kredite begibt das Reich eine S prozenlige Anleihe im Betrage von liiVl 500000Ö00. Die Anteil, e ist eingeteilt in Abschnitte zu RM 100, 200, 500, 1000, 2000, 5000, 10 000 und 20 000 mit Zinsscheiiie», zahlbar am 1. Februar und 1. August jeden Jahres. Der Zins- lauf beginnt am 1. Februar 1927-, der erste ginsschein wird am 1. August 1927 fällig. Die Anleihe ist bis zum Jahre 1934 untilgbar. Sie wird vom 1. Februar 1934 an durch Auslosung in 25 Jahren getilgt, und zwar jährlich in Höhe von annähernd 2,1 vom Hundert des ursprünglichen Nennbetrage- der Anleihe unter Hinzurechnung der durch die Tilgung er- sparten Zinsen. Die Auslosungen finden im August jeden Jahre- statt, erstmalig im August 1934. Die ausgelosten Schuldverschreibungen werden von dem auf die Auslosung folgenden 1. Februar an zum Nennwerte eingelöst. Eine verstärkte Tilgung oder eine Gesamtkündigung der Anleihe ist bis Ende Januar 1937 ausgeschlossen. Bon dem Gesamtbetrag der Ailleik>e werden RM 300000000 durch die unterzeichneten Bankfirmen unter den nachstehenden Bedingungen zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. Für den Rest von Ri�l 200 000 000, der zum größten Teil fest unterge- bracht ist, besteht eine Sperre von 9 Monaten. Bedingungen. Zeichnungen werden in der Zeit vom 3. bis ll. Februar d. z. bei den im Anhang zu dieser Zeichauiigsaufforderung genannten Banken. Bankfirmen und deren Zweigniederlassungen während der üblichen Geschäftsstunden«ntgegengenominen. Vorzeitiger Schluß der Zeichnung bleibt vorbehalten. Di« Zuteilung der Stücke aus Grund der Zeichnung erfolgt baldmöglichst nach Ablauf der Zeichnungsfrist und bleibt dem Ermessen der Zeichnungs- stellen überlasten. Sin Anspruch auf Zuteilung kann au» etwa vorzeitig eingezahlten Beträgen nicht hergeleitet werden. Anmeldungen auf Stücke mit 6 monatiger Sperr» erpfllchluag werden bei der Zoleilang vorzugsweise berücksichtigt werden. Die Bezahlung der zugetellten Stücke hat in der Zeit vom 2t.— 23. Februar d. Z. bei derjenigen Stelle, welche die Zeichnung entgegengenommen hat, zu erfolgen. Die Zeichner erhalten zunächst Kassenquittungen, gegen deren Rückgabe später die Ausgabe der endgültigen Stücke durch die Zeichnnngsftellen erfolgt. Anmeldungen auf bestimmte Stücke können nur insoweit berücksichtigt werden, als dies mit dem Interesse der anderen Zeichner verträglich erscheint. Mit der Lieferung der Stücke wird im Lauf« des Monats Mai d. Z. begonnen werden. Die Einführung der 5prozentigeu Reichsanleih« an den deutschen Börsen wird veranlaßt werden. Die Schuldverschreibungen find als verbriefte Schuldverschreibungen des Reichs qemäß z 1807 B.G.B, mündeificher. Die 5% Reichsanleihe von 1927 kann im Lombardverkehr der Reichsbank gemäß S 21 Ziffer 3, Absatz 2. des Bankgesetzes vom 30. August 1924 beliehen werden. Der Zeichnuugsprei» beträzt 92 Vo zuzüglich Stückzinseu vom 1. Februar d. I. bis zum Zahlnngstage unter Abzug derKapitalertragsteuer, Die Börsenumsatzsteuer geht zu Lasten der Zeichner. Berlin, im Februar 1927.' Berlin, Braunschweig, Breslau, Dresden, Düsseldorf, Essen, Frankfurt(Main), Hamburg, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Weimar. Reichsbank. Preußische Staatsbank(Seehandlung). Berliner Haudels-Gefellschaft. S. Bleichröder. Commerz, und Privatbank Aktiengesellschaft. Darmstädter und Nationalbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien. Delbrück Schickler& Co. Deutsche Bank. deutsche Girozentrale— Deutsche Kommunalbank Deutsche Landesbankenzentrale A. G. Direktion der Disconto-Gesellschaft. Dresdner Bank. I. Dreyfus& Co. Hardy& Co., Gesellschaft mit beschränkter Hastung. F. W. Krause& Co. Bankgeschäft, Kommanditgesellschaft auf Aktien. Mendelssohn& Co. Mitteldeutsche Creditbank. Preußische Zentral,»nossenschaftskasse. Reichs-Kredit-Gesellschaft Aktiengesellschaft. Braunschweigische Staatsbank(Leihausanstalt). E. Heimann. Gebr. Arnhold. Eöchsische Staatsbank. Barmer Dank-Berein Hiusberg, Fischer& Comp., Kommanditgesellschast auf Aktien. Simon Hirschland. Gebrüder Bethmann._ Deutsche Effecte»- und Wechiel-Bank. Deutsche Bereinsbank Kommanditgesellschaft auf Aktien. Lincoln Menny Oppenheimer. Lazard Speyer-Ellissen. Jacob E. H. Stern. L. Behrens& Söhne. Norddeutsche Bank in Hamburg. Bereinsbank in Hamburg. M. M. Warburg& Co. Veit L. Homburger. Stran»& Co. U. Levy. Sal. Oppenheim jr.& Cie. A. Schaaffhausen'scher Bankverein A.-G. I. H. Stein. Allgemeine Deutsche Credit-Anstalt. Rheinische Creditbank. Suddeutsche Diseonw-Gesellschast A..G. H. Aufhäuser. Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bant. Bayerische Staatsbaak. Bayerische Dereinsbank. Merck, Finck& Co. Anton Kohn. Thüringische Staatsbank. Zeichnungen nehmen in Berlin entgegen: Reichsbank, Zeichnungsabteilung, Breite Straße 8(9.— Preußische Staatsbank(Seehandlung).— Gebr. Arnhold.— Berliner Handels-Gesellschaft.— Berliner Stadtbank— Girozentrale der Stadt Berlin.— S. Bleichröder.— Brandenburgische Girozentrale— Brandenburgische Kommun aibank.— Commerz, und Privat-Bant Aktiengesellschaft.— Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien.— Delbrück Schickler& Co.— Deutsche Bank.— Deutsche Effecten- und Wechselbank, Börsenabteilung Berlin.— Deutsche Girozentrale— Deutsche Kommunalbank — Deutsche Laiidesbaukenzentrale A. G.— Directlsu der Disconto-Gesellschast.— Dresdner Bank.— Z. Dreyfus& Co.— Hardy& Co. Gesellschaft mit beschränkter Haftung.— F. W. Krause& Co. Bankgeschäft Kommanditgesellschast auf Aktien.— Mendelssohn& Co.— Mitteldeutsche Creditbank.— Preußische Zeutralgenossenschaftskasse.— Reichs-Kredit-Gesellschaft, Aktiengesellschaft.— A. E. Wassermann. klr. 54 ♦ 44. Jahvgatig 2. öeilage ües vorwärts Mittwoch, 2. 5ebruarlH27 Kämpfe üer Düngemittelmöustrien. Das Schicksal der Superphosphatindustrie. _ Die Intenfivierimg der Bodenkultur hat noch dem Kriege in größerem llmfonge einsesetzt als je. War die Düngemittelerzeugung in der Vorkriegszeit aber die fast ausschließliche Tätigkeit der Kali- und der Superphosphatindustrie, so sind diesen beiden Industrien seil dem Kriege in der synthetischen Chemie und der Nebenprodukteverwertung eine furchtbare Konkurrenz entstanden. Diese Konkurrenz ist um so erbitterter, als die Farben- und die Montanindustrie durch die Schaffung von eigenen Industrien in den bisherigen Bezugslöndern und durch die Weltkohlenindustrie in die zukunftsreiche synthetische Düngemittelerzeugung hinemgetrle. ben werden. Am meisten zwischen die Räder kam dabei bisher die Superphosphatindustrie. Durch eine weltumfassende Propa- ganda und durch internationale Zusammenarbeit versucht st« heute den verlorenen Boden wieder zu erringen. Zlbsahfchwund für Phosphate. Innerhalb der Industriegruppen für künstliche Düngemittel nimmt die Superphosphatindustrie einen bedeutenden Platz ein. Um ihre Bedeutung als Kunstdüngerproduzent zu erkennen, ist es notwendig, den Verbrauch in künsttichen Düngemitteln innerhalb des Deutschen Reiches kennen zu lernen. Dieser stellt stch für Phosphate: gegen_ im Jahre 1018/14 0tbl:- ftolt �altmerget«alt Stickstoff— dl auf. 555000t 200 000t 1 500 000 1 490 000t 185000 t im Jahre 1925 26 auf. 380 000 t 566 000 t 683 000 t 609 000 1 830 000 t Während der Superphosphatverbrauch noch im Jahre 1918/14 um rund 14 Proz. den Kalioerbrauch und rund 200 Proz. den Stickstoffoerbrauch überragte, ist seitdem eine grundlegende Aenderung in dem Verbrauch bzw. der Anwendung der künstlichen Düngemittel eingetreten. Wie die Aufftellung zeigt, haben sich die früheren Verbrauchszisfern zuungunsten des Superphosphats und zugunsten des Kalis und Stickstoffs verschoben. Stellte stch die Mehrverwendung des Phosphats im Jahre 1913/14 noch gegen- über dem Kali auf 14 Proz. und gegenüber Stickstoff sogar auf 200 Proz., so zeigen die Verbrauchszahlen von 1925/26, daß der Verbrauch an Phosphatdünger gegenüber dem Kaliverbrauch um rund 60 Proz. abgenommen hat, wogegen stch der Mehroer- brauch an Phosphat gegenüber dem Stickstoff van 200 Proz. im Jahre 1913/14 auf 13 Proz. im Jahre 1925/26 ermäßigte. Die Ursache der Abkehr der Landwirtschast von dem Bezüge der Phosphaffäure liegt in der Ansicht, daß durch die früher stattge- fundene zu starke Verwendung von phosphorhaltigem Kunstdünger eine Bodenversäuerung stattgefunden habe. Tatsächlich sind vor dem Weltkriege, wie aus den Zahlen hervorgeht, 4 055 000 Tonnen phosphorhaliige Kunftdüngerstosfe in Form von 555 000 Tonnen Phosphat, 2 000 000 Tonnen gebrannter Kalk und 1 500 000 Tonnen Kalkmergel verwandt worden. Die Meinung der Landwirte Hinsicht» lich der Bodenversäuening Hot sich aber nicht nur bei der Derwen. feyng von Phosphaten, sondern in noch weit schärferem Maße b« Kalk und Kalkmergel ausgewirkt. Hier ist ein Verbrauchsrückgang gegenüber 1913/14 um rund 250 Proz. und 120 Pro,, eingetreten. Mit Rücksicht auf die ungünstigen Absatzverhältnisse der Super- Phosphatindustrie, welche sich durch das Mischdüngerprogramm der Stickstoff, und Kallwirtschaft noch verschärfte, ist in der kürzlich in London abgehaltenen Internationalen Superphosphatkonserenz beschlossen worden, in den deutschen Agrargebieten durch Propa- g a n d a s i l m e Vorzüge und Nutzeffekte bei richtiger Anwendung von Superphosphatdünger darzulegen. Der Landwirt soll ousge- klärt werden, daß das Ernteergebnis selbst bei reichlicher Derwen- dung von Kali und Stickstoff nicht erheblich gesteigert werden kann, wenn dabei nicht die notwendigen Mengen Superphosphat m i t Verwendung finden. Die Superphosphatindustri« verspricht sich durch diese besondere Proparandatätigkeit eine Erweiterung des Absatzes und hofft, diesen auf den Stand der Vorkriegszeit zu bringen. Die Superphosphotindustrie verfügte im Jahre 1900 über etwa 130 Werke. Durch fortlaufende Rationalisierungsbestre. Hungen hat sich die Werksanzahl seitdem ständig vermindert, so daß im Jahre 1914 nur noch etwa 80 Werke vorhanden waren und nach der neuerlichen Rationalisierung nur noch SO Werksan- lagen bestehen. Die Verkaufspreise für Superphosphate entwickel. ten sich folgendermaßen: 1900 42 Pf., 1913 35 Pf., 1924 42 bis 60 Pf.. 1925 40 bis 44 Pf.. 1926 35 bis 41 Pf. Wenn es der Werbetätigkeit des Superphosphatsyndikats ge- lingen sollte, den Absatz zu steigern, dürste damit gerechnet werden können, daß die vorhandenen 50 Werke der Superphosphatindustrie in Betrieb bleiben, sollte die letztjährige Absatzmenge dagegen ein« Erhöhuno. nicht erfahren, vielmehr durch die diversen Wettbewerbs» beftrebungen seitens der Stickstoff» und Kaligruppen weiter abfallen, so dürfte eine weitere verschärfte Zusammenlegung der Industrie unumgänglich sein. staliwirkschafi und kalipreise. Die 9. Hauptversammlung der Preußischen Hauptland. w i r t s ch a f t s k a m m e r hat auf ihrer kürzlichen Tagung zur Frage der Kalipreije eine Resolution beschlossen, die aufs schärfste die Kalipreiserhöhung verwirft. Die Resolution lautet: „Die Preußische Hauptlandwirtschaftskammer muß in aller Schärfe Einspruch gegen die vor kurzem vorge» nommene Erhöhung der Kalipreise erheben. Es bedeutet eine erneute und ohne Zweifel in sehr vielen Fällen un- tragbare Belastung der landwirtschaftlichen Betriebsführung, wenn ein Betriebsmittel von der Bedeutung der Kalidünger eine Preis- erhöhung von nahezu 10 Proz. erfährt/ Hierzu bemerken wir: Im Reichskalirat haben die Vertreter der Landwirtschaft unter Führung des Herrn Geh. Iufttzrats Dr. Dietrich geschlossen für die Kalipreiserhöhung gestimmt. Ohne Zustimmung der Landwirtschaftsvertreter wäre ein Kalipreiser» höhung glatt unmöglich gewesen. Die Entschließung der Hauptlandwirtschaftskammer richtet sich also in erster Linie gegen die Vertreter der Landwirtschaft im Reichskalirat: sie rechtfertigt voll und ganz unsere von allem Anfang an ablehnende Stellung zur Kalipreiserhöhung. Ein trefflicherer Beweis für die bodenlose Leichtfertigkeit der„Vertreter' der Landwirtschaft in der Frage der Kalipreiserhöhung tonnte nicht geführt werden, wenn es nach der riesigen Absatzsteigerung im Januar noch eines Beweises für die Ueberflüssigkeit der Preiserhöhung bedurft hotte Aber auch der Herr Reichswirtschaftsminister ist durch diesen Beschluß bloßgestellt. der von vornherein auf die Ausübung seines Vetorechtes ver» zichtet hat. Rationelle Elektrizitätswirtstbast in Serlin. Ankauf des Spandaucr Kraftwerks. Der Aufsichtsrat der Berliner Städtischen Elektrizitätswerke A.-G.(Bewag) hat beschlossen, die Antelle des Städtischen und Kreiskraftwerkes Spandau, die noch nicht im Besitze der Stadt Berlin waren, zu taufen. Der Ankauf ist bereits getötigt worden. Mit diesem Erwerb ist ein wichtiger Schritt vorwärts getan auf dem Wege, der zur endlichen Vereinheitlichung des Berliner Elettrizitätswcsens führt. Das Spandauer Unternehmen, das jetzt vollständig in de« Besitz der Stadt Berlin übergegangen ist, war im Jahre 19ll in der Form der G m. b. H begründet worden. Das Gesellschastskapitol betrug Z Millionen Mark. Die eine Hülste hiervon war von der früheren Stadt Spandau übernommen worden und ging, � nach Begründung der Einheitsgemeinde Groß-Berlin, auf diese über. Die andere Hälfte war im Besitze der Landkreise Osthavel- land, West Havelland und Ruppin. Diese zweite Hälfte wurde zuletzt von dem Märkischen Elektrizitätswerk (Mew.), das ist die Ueberlandzentrale der Provinz Brandenburg, verwaltet. Das städtische und Kreiskraftwerk Spandau hatte drei Abnehmer: erstens die frühere Stadtgemeinde, jetziges Bezirksamt Spandau, zweitens die genannten drei Landkreise, drittens die Siemens-Schuckert-Werke, die auf Spandauer Gebiet ihre Fabriken haben. Das Spandauer Kraftwerk liefert die Energie ab Schalttafel der Zentrale. Die Verteilung des Stromes war nicht Sache der G. m. b. H.: die Verteilung erfolgte in Spandau durch die Bewag, in den Landkreisen durch die Mcw.-Organisation. Die Belieferung der Siemens-Schuckert-Werke in Spandau geschah teils durch die Bewag, teils durch das Spandauer Werk. Im übrigen war die Stromliefcrung an die Siemens-Schuckert-Werke der Gegenstand langjähriger Streitigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen der Bewag einerseits und der Spandauer Kraftwerks-G. m. b. H. an- dererseits. Der Gedanke, die G. m. b. H.-Anteile, die bisher im Besitze der drei Landkreise bzw. des Mew. waren, für die Stadt Berlin zu erwerben, tauchte auf, als der Aufsichtsrat der Spandauer G m. b H. beschloß, für den Betrieb seiner Zentrale eine Turbinenanlage von 16 000 Kilowatt Leistung neu zu beschaffen. Dieser Plan war, vom Standpunkte der Spandauer G. m. b. H. aus gesehen, ganz in Ord- nung, vom Standpunkte der G r o ß- B e r l i n e r Elettrizitäts- Wirtschaft aus betrachtet aber war er höchst unzweckmäßig: denn die Ausstellung einer neuen 16 OOO-Kilowott-Einheit in Spandau bedeutete für Berkin, daß die Elektrizitätsversorgung der Stadt, die ohne dies genügend zersplittert ist, sich weiter zersplitterte, und dies noch dazu unter Inanspruchnahme finanzieller Mittel, die zur Hälfte der Stadt gehörten. Es war klar, daß eine auf R a t l o n o l i- sierung der Energieversorgung ausgehend« Elek» trizitätsverwallung einer derartigen systemlosen Entwicklung Ein- halt gebieten mußte. So kam es zu Verhandlungen mit dem Mew., die jetzt mit dem Erwerb der restlichen Hälfte der G. m. b. H�Altteile geendigt habe»...... Die Stadt bezahtt für die ihr Überlassenen Anteile die Summe von 3L Millionen Mark. Sie wird damtt zur alleinigen Besitzerin der gesamten Anlagen der Spandauer Zentrale einschließ- lich des wertvollen Grundstückes des Werkes in einer Größe von 114 548 Quadratmetern. Das Grundstück liegt mit einer Front an der Havel, mit einer anderen Front an einem von der Hovel ab- zweigenden Stichkanal. Indem die Stadt jetzt über die s ä m t- l i ch c n Anteile der Spandauer G. m. b. H. verfügt, wird jeder Streit über die Stromlieferung an die Siemens-Schuckert-Werke hmsällig. Dieses große und zutirnftsreiche Fabrikationsunternehmen gehört jetzt unbestritten zum Versorgungsbereicl/e der Bewag. Der Alleinbesitz der Spandauer G. m. b. H. ermöglicht es ferner, die Energieversorgung des Spandouer Bezirkes systematisch und öko- nomisch in die Gesamt-Berliner Elektrizitätswirtschaft einzu- gliedern. Als die Einheitsgemeinde Berlin im Jahre 1920 aus einer großen Anzahl von Städten, Landgemeinden und Gutsbezirken gebildet wurde, lag diesem Zusammenschlüsse u. a. auch der Gedanke zugrunde, Raum zu schaffen für eine einheitliche Versor- gung des Stadikomplexes mit Gas, Wasser und Elektrizität. In Auswirkung dieses Grundgedankens ist jetzt die Uebernahme der noch ausstehenden Hälfte des Gesellschofts- kapitols des Städtischen und Kraftwerkes Spandau erfolgt. Dr.-Ing. W. M o j e r c z i k. die Oörfe profitiert ... von der Rntionalisierung! Die„Commerz- und Privatbank' hat für Ende Januar wieder ihre ollmonatliche Zusammenstellung über die Entwicklung der Aktien- turse an der Berliner Börse verössenllicht. Diese Veröffentlichung läßt für die Bewertung der deutschen Aktienunternehmungen im Zeitraum von Ende Dezember bis Ende Januar wieder einen ge- walttgen Sprung aufwärts erkennen. Während End« Dezember noch Ende Jan. 1926 Ende Dez. 1926 Ende Jan. 1927 in Pro,, sämtlicher in Berlin notierten Aktien von unter 50»/, 50- 75 ch, 75— 100 0/, 100-160% 160-200 chI 200—250%!• über 250 38, 25 20, 18,1 ,9) 9.61 i 6 93,0 14.4145,6 •.5j 21 6) 1,9 29,4 16.71 8.7126,0 2,6) 6,21 10 6 32,8 10.01 $1.2 20.21 9.9)36.0 5,9) 45,6 Proz. sämtlicher in Berlin gehandetten Gesellschaften weniger als ihr nominelles Aktienkapttal wert waren, ist der Anteil dieser Unternehmungen Ende Januar auf 32V Proz. gesunken. Auf der anderen Seile ist der Anteil der mit über 150 Proz. ihren Aktien. nominals bewerteten Unternehmungen in diesem einen Monat von 25 auf 36 Proz. gestiegen Geradezu unheimssch groß aber ist der Unterschied in der Be- wertung der Aktienunternehmungen im Vergleich zum Januar des vergangenen Jahres. Der Anteil der niedriger als das Aktien- kapital bewerteten Gesellschaften, der Ende Januar 1926 noch 85 Proz. ausmachte, ist aus 32V Proz. gesunken, während der Prozentsatz der mit mehr als ISO Proz. ihre» Kapitals b«. werteten Gesellschaften mtt 36,0 gegen 1,9 Proz. fast ver- zwanzigfacht ist. Die Ursachen dieser Entwicklung haben wir mehrfach auft gezeigt: die annähernde Halbierung des Diskonts Hot den Kapital- wert der Dividende verteilenden Unternehmungen entsprechend fast verdoppelt. Das übrige taten der Glückszufall des englischen Berg- arbeiterstreiks, die spekulationsfördernde Kreditpolitik der Privatbanken und die Rationalisierung der Industrie. Was die Arbeiter- s ch a f t bei der Kritik dieser Entwicklung aber wieder und immer wieder unterstreichen muß, ist der ausschließlich kapital- und dividendenfreundliche Charakter dieser Entwicklung, die für die Volkswirtschaft letzlich zerstörend wirken muß, wenn für das nun so gewaltig aufgewertete Kapital im Kreislaus der Gesamtwirtsck»aft der Absotzraum zu e n g bleibt und die Millionen- orbeltslosigkeit verewigt wird. ver flrbeitsmarkt Eoüe Januar. Infolge des Wiedereinsetzens des Frostes hat stch der Arbeits- markt in der vierten Januarwoche nach den Berichten der Landes- arbeitsämter im ganzen oneder etwas verschlechtert. Außen- arbeiten mußten zum erheblichen Teil wieder eingestellt werden. Nur in einigen vornehmlich großstädtischen Gebieten wird eine geringe Verrmnderung der Arbeitslosenziffer gemeldet, so beispielsweise erst- malig in Berlin, wo sie um rund 3400 Personen gefallen ist, ebenso in Hamburg um 2V Proz., Bremen, Rheinland-Westfalen, Baden und Pfalz. Wirtschafi onS Verwaltung. Taksacheu und Probleme. Bor der Bereinigung für staatswissenschastkich« Fortbildung sprach am Montag abend Staatssekretär a. D. Prof. Julius Hirsch über das heute besonders umstrittene Thema i r t s ch a f t und Verwaltung'. Er entrollte ein interessante? B'ld von den engen Wechselbeziehungen zwischen Staat und Wirtschast m Ver» gangenheit und Gegenwart, zeigt«, wie schon in voroeschlchtllchfu Zeit der Streit über den Anteil des Staates an der Wirtschoit gu ähnlichen Meinungsgegensätzen geführt hat, wie sie im letzten Jahr- hundert zwischen der liberalen und der sozialistischen Schule ausge- fochten wurden, und wie sie m der Frühzeit des Kapitalismus, nach der ftauzösifchen Revolution, zu der Eewerbefreiheit füb»en, die übrigens in Preußen besonders rasch durchgesetzt wurde. War aber das Ziel jener geradezu revolutionären Bewegung die Pflege de? tüchtigen Klein- und Mittelbetriebes, dem die Freiheit der Konkurrenz erst den notwendigen Bewegungsraum verschaffen sollte, so bracht« die kapitalistische Arbeitsteilunq und-Vereinigung das Empor» blühen der Großbetrieb«, führte zur Entwurzelung des Handwerks und zur Entstehung des Prole- tariats. Dies« Entwicklung machte das Eingreifen der Staats- gewatt notwendig, man rief nach der organisierten Ge- meinwirtschaft. Unter dem Druck de» Kriege? wurde die Zwangswirtschaft durchgeführt, die sich entgegen ollen abfälligen Urteilen für ihren Zweck sehr bewährt und gewaltig« Leistungen vollbracht hat. Obwohl sett etwa zwei Jahrzehnten nach kaufmännischem Geiste in der Verwaltung gerufen wird, obwohl dazu eine Immediat- kvmmisston eingesetzt wurde, obwohl endlich«ine Reih« von kauf- männischen Persönlichkeiten in der Regierung tätig war, hat sich an der Verwaltung selbst nicht viel geändert. Dagegen zeigten sich die engen Wechselbeziehungen von Staat und Wirtschaft in der auf- fallenden Tatsache, daß die Privatwirtschaft beamtet« Persönlichkeiten än sich zog und der Siaalswirtjchair eigentümliche Berwaltungs- formen m ihre Großorgonifationen übernahm, so u. a. dt« Haus» Haltsrechnung, das Kontingentierungssystem. In allen Ländern ist der Einfluß der Wirtschaft aus den Staat ge- wachsen. Aber selbst wenn die Wirtschaftsführer vom Staate sonst nicht gestört sein wollen, appellieren sie an seine Hilfe, sobald sie außerstande sind, aus eigener Kraft bestimmt« Aufgaben zu lösen. So mußten sich die öffentlichen Betrieb« immer mehr au?» dehnen. Ihr Zweck ist im Gegensatz der auf Erwerb gerichteten privaten Wirffchoft die Durchführung bestimmter dem Gesamtinteresse dienender Ausgaben. Der Redner zeigte an Hand von Besspielen die verschiedenen Formen öffentlicher Wirffchaftsbetriebe, legte dar, wi« der Anteil der öffentlichen an der gesamten Wirtschaf.?tStigteit im ständigen Wachsen ist, ob es der Privatwirtschaft gefällt oder nicht. Ein großer Teil der Mehrausgaben des Staates, über die die Wirt- schafr klagt, entfällt auf die Fürsorge für die mehr als zwei Millionen unglücklicher Erwerbslosen, deren Unterstützung nicht nur ein« sittliche, sondern geradezu eine volkswirtschaftliche Pflicht ist. Eine vorausschauende Wirtschaftspolitik hätte es verhindern müssen, daß so ungeheuer viel Arbeitshände unge- nubt bleiben, daß gleichzeitig«in ebenso ungeheurer M a u g« l an Wohnungen und ein gewaliiger Kapitalüberfluß besteht. Mit großer Schärfe, trotz aller Anerkennung der Leistungen der Privat- wirffchoft wandte sich Hirsch dagegen, daß man aus«inseitiger theoretischer Einstellung die Wirtschaftstätigkeit der öffentlichen Hand bekämpfte und hemme. Aufgab« der Wirtschaftspolitik müsse es vielmehr sein, die unbeherrschten und daher oft einander widerstrebenden Wirtschaftskräfte im Sinne einer Steigerung des Produktionsertragc? zu lenken. Reichsindex für Lebenshaltungskosten. Die Reichsindexziffer für die Lebenshattungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuch- tung. Bekleidung und„sonstiger Bedarf') beläuft sich nach den Fest- stellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Januar aus 144,6 gegen 144L im Vormonat, Bei den Ernährungs ausgaben werden Steigerungen der Preise für Gemüse, Kartoffeln, Brot, Zucker und Kakao durch Nachgeben der Preise für Eier, Milch und Milcherzeugnlsse sowie für Fleisch nur zum Teil ausgeglichen. Die Bekleidungs ausgaben haben ihre Abwärtsbewegung weiter leicht fortgesetzt. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen(1913/14— 100) für Ernährung 150,7, für Wohnung 1049, für Heizung und Beleuchtung 144,7, für Beklei- dung 156.7. für den„sonstigen Bedarf' einschließlich Verkehr 182.4. Zwei Milliarden Mark preußische Sporeinlagen. Wie die „Sparkassen- Korrespondenz' mitteilt, haben die Einlagen der preu. ßischen Sparkossen Ende Dezember 1926 die Summe von 2018V Millionen erreicht und damtt die Zwei-Milliarden-Grenze überschritten. Der Zuwachs in den beiden letzten Halbjahren blieb mit je 461 Millionen Mark absolut gleich. Für das Jahr 1 926 er- gibt stch aber gegenüber den beiden Vorjahren die bisher größte Steigerung. Während im Jahre 1924 ein Zuwachs von rund 400 Millionen, für das Jahr 1925 ein solcher von rund 700 Millionen zu verzeichnen war, ist der Zuwachs im Jahre 1926 auf 920 Millionen gestiegen. Wie sehr die Sparkasseneinlogen heute noch im Mederaufbauzustande sich befinden, mit anderen Worten der starke Zuwachs kaum als normale„Ersparnis' angesehen werden darf, zeigt der Vergleich mit 1913. Während unter den günstigen Berhättnissen der Vorkriegszeit der Iahreszuwachs etwa 600 bis 700 Millionen betrug, llegt er heute um fast 5 0 Prozent höher- Die außerordentlich große Spartätigkeit muß daher mehr als Ausdruck des Sparzwangs aus wirtschaftlicher Not. denn als Zeichen wachsenden Reichtums angesehen werden. Das wird auch deutlich daraus, daß die Summe von zwei Milliarden dem Stand der preußischen Sparkasseneinlagen vom Jahre 1885 entspricht und nur den sechsten Teil der Spareinlagen von 1913 ausmacht. Auf den Kopf der preußischen Bevölkerung kamen 1913 mehr al» der sechsfache Betrag von heute; nämlich Z£7 Mark gegen 58 Mark Die Zukunft öer britifthen Gewertfthaften. Von Arthur Pugh. Genosse Artur PugK, Generalsekretär der Bereinigten Briti. schcn Eisen, und Ltahlgewerkschaften und Präsident de» Gewcrl. schaftskongressrs während des Seneralstrsiks, hat nachfolgenden Bericht dem außerordentlichen Gewerlschaftslongrcß unterdreUet: Die britischen Tewerkschasten, in denen mehr als 51A Millionen Arbeiter organisiert sind, haben in den letzten sechs Jahren ein« Anzahl außerordemlich schwerer Proben durchmachen müssen. Diese Periode besonderen Druckes begann im Jahre 1S21 und c>>>>: Fartl r Uniiai». Die Komödie BismarCK 3414. 7SIf 87. Uhr: Die Perle von Tr.sian Uernard Bttie: Forstar larrinagi Iheat. a.tioileejGrfpl Kurfü/st 2001 8 Uhr: Ulax Adalbert in„Müllers** Trianoa-Tb. Täglich SO. Jhr: Der Mann der Aline Lfiger Regie; Friedr. Lohe D«t93«. üaliai, Ondirmiy annnkr-.ihnr Th. König räti Sl. Hasenheide. 2110 8 Um •lrs.Cheney«Endt Elisabeth Bergner aonKHuenhant Norden 6304 Täglich 8 Uhr lovEr-taials Eoicrts, t. Tbeiisco, Graiirfnttn. ■i m«' Nollendorf 7360 8 Uhr: Varfefö- Neuheiten! Volks buh ne Tlieitsi im äSlowtliti 8 Uhr: Volpone Morgen 8 Uhr VoSponc TIl in SdiifftniertJtniii Täglich 8 Uhr: Oas Gratmal fes Dübekannten Scldatsn. Komische Oper Allabendlich Sl/4 Uhr; Sünden der Well Die weltstädtischc James- Klein- Revue in 24 Verwandlungen 250 Mitwirkende/ 6 Balletts Unter anderem: Hans Albers VickjWerckmelsier Edith Schollwer Franz Bau mann Theaterkasse ab 10 Uhr ununterbrochen> eöffnet AV allner- Theater 8 1, Oer Schlager SV. Das blonde Wunder üt. Söiaüspieitiaüs Tägl. 8'. Uhr CHARELL- REVUE Sonnt, nachm. 3ühr ungekürzte Vorstüg zu ermäß. Preisen' •ciroito.- rneoi. Täglich 8 Uhr: Mmazenin Besideozineoier Täglich 8',. Uhr MlWMM eiptritt Juoendlitbai rerbot»" Tbalia-TDeuer 8 Uhr: 9er groBe ond der kleine Klans Hose-7beater SV« u.: Das Ein famitlenlians NenesThealer am Zoo Stpl.5371. Tgl. 8 Uhr EriSa Clissnti in Msdeübaos Crmtte. Vorverk.ununterbt SzIhtfcafj-BliiDCT Dts. Künstler-Tb. SV, Uhr raraälle Sdümeü Bit Vu Ptiltiltrj. Stg. 3'/»: Der irBh- liche Weinberg Lesslng-Thealer Alb. Bassermann 8. Der DIKlalor CASINO-THEATER s ubr- Nenl Ein Toi. Im Neal ABJSthnelCetl! Gutschein 1— 4 Pers F�utenil nur 1 MIC. Sessel 1.80 Mk. ReichshsElen-Theater Abends 8 Dur u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stehiner Sänger Dk wmiilemlle Jaiiuäi Piojrjnn! Kaduiütjas: halbe Preiu. »olles Pyiiaimii Dönhoff•Brett'i Varletä, Konzert, Tanz. PreislieraiisedMBd niciil onr lür weisse iil°M Waren ohne ftosnaftmc! KSiljiDKD.IMMM DM- EmSi efövre G. m. b. II. Uber 40 fahre Berlin Sflden uar L Oranlenstr. 158 Th, LXaiiünteuliiPiE 8 Uhr Kiki i-ustspielhaus SV« Guido Thielscher anrra-eiBJange Philharmonie u.: iinton-RuiHl des Philharm. Orch. Dirigtnf: Ohe Hadrahejo. L Slnf.-Brahms, Konz. f. Violoncello- Boccherlnl(Srafai) z entraN Thea'er Täglich 8 Uhr: Der Trompeter vom Rhein Vorverk. ununterbr. Preise von 1—7 M. woiaaiia■__ fiieiKBtng Hol- 8 V. E« war einmal In Heidelberg mit d. Schlagerlied Icbhab'meiBnenin Heidelberg rer.oren Vorzeig. SOVoErmäB. KäteSchmldt-Samst Gaston Briese £jSuAiu�n oüt mnh rzichknltigu iajm Bei, Wasaersucbtt Ader Verkalkung! (alte chron. Fälle!) hilft Oberraschend mein Spezial- KräuterpulTer, Kart 3 M. Ungiftig. 3K±äll,i Anothek. W. Böhmer Hameln a. Weser 75 Blnmensproden itbec Art lit'ett n re: e wert Paul Golletz, oorm. säen Irre MarianneottraSe 3, Ecke NeunqnNroße Ami MoriaoL I030S m zur Miete W50. Ansbacherstr.l BlaisßPüieKjcLaji" Der Film der Fremdenlegion Der große Paramoantfilm imV crlcih der Parnfamet Begiei Herbert Brcnon es der Hauptrolle. Ronald Colman, Im Sandmeer der afrlkamechen Wüste kAxnpft die Fremdenlegion für Frankreidu KoloniaibedTs. Tausende„verlorener" Söhne ans allen fliehen alljährlich zu ihren Fahnen. In diesem Film ist zum ersten Mal das Leben in der Fremdenlegion objehtiT— aber mit erschütternder Realistik geschildert. Auf der Bühne t„Legionäre'* Szenische Introduhtion zum Film Musikalische Illustration> M�eme* R. Heymann 1 Ufa« Sinfonie» Orchester. Leitung Arthur Gattmann UrauffQhrung: Morgen, Donnerstag Ufa-Palast am Zoo | Heute wegen Vorbereitung zur Premiere geschlossen!| ilPflRWßm Die Jagd um „Die Frau ohne Namen" gehl weiter) Infolge fester Dispositionen Läuft der I. Teil nur noch bis Miffwocfal Ah Donnerstag „Die Frau ohne Namen" IL Teil Regie: Georg Jacoby. Hauptrollen: Elga Brink u. Georg Alexander JAPAN und CHINA � (ftkoeöuspaiast, curopoftous MATADOR FILM VERLEIH Q.m.d.H. Juergens AlcsandcrplaS (Utes Slvlllf' Helle- Mea StiWjflden Irllotogen SilkWfell Ms»u blÜiölL Tcqesv?. «edrsaer pliaume. Berlin SSV. fmlMstr. ZK! CdeRtmmerftr. IlBlItaBis-.Bsbttl' B.BekUmeuarken gegen Nachahmung gesetzt, cesch. fertigt seit 48 Jahr. als SpeslalltSt Conrad MQHer Sctakcudila- Leipzig Saalbau Alpendorf Direkt am lenrtcrBaiuaioi invaUdenstraDe 03 ' Hansa 1940— Mlttwocb, Donners lag. Sonnabend, Sonntag beneble BOfHbifif'Bfiil Beginn 8 BBr. Sonntags 8 dir. Jeden Donnerstag; Elite-Tag. Donner cug< Gr. Walzer-Abend Neue Well A. SdlOlZ Basenbelde 108-114 | Mittwoch, d. 2. Februar, sowie täglich 1 1 . Beckbierfest In den bayertuhea Alpen- 8 Kapelle Nene Dekorationen- SO baycrlicho"' u. Gr. Alpenball In Heute Spazl IltSi:.Bayerisch* Einlas 6 Uhr | VotnnxetB: Dannersieg, 8. Februar 1037: GreBcs Schweineschlachten. W Berchtesgaden irische Wclßwürstl" Anfang 7 Uhr| Taubenstr. 48 OJ-Balinfiof„KaiBefTioFO ■■■■■■eenanueenenennnannanBeMBaBanennnejiBBnana Täglich: Ab 31. Januar (Reiten siehe Anschlags&ulen) Filmvor trag Das schaffende Amerika (Eine Studienreise durch die Vereinigten Staaten v. Amerika) Obering. Dreyer, Hannover Ueberfahrt auf einem Dampfer des Norddeutschen Lloyd Bremen Eigen. Beobachtungen- Eigen. Erlebnisse Film der Döring.Film«Werke Hannover •uaeaueeeeBiaaaaBe»aaB«aeaeaeeeaeaeeeeeeaaeaaaee*) Vorverkauf: Uranlakasse Käheres siehe auch Plakate Uberseereisen RegelmiSlge Personen» und Fracht» dienste nach Nordamerika, Mittel» amerika/Südamerika.Ostasien, Australien und Afrika Vergnügungä- und Erbolungs reisen, wie Fjord» und Polarfabrten, Reisen um dicWell, Westindien-Reisen Pas Geschlecht seine Erscheinungen, seine Besüm- mung. sein Wesen bei Tier und Mensch TonProf.Dr.Jal.8cbaxel Au» dem Inhalt; Cieschiech> und tonpflanzunn— Der we»enl- liehe Geschledilsoorgang— Ute Geadiledtts- zellen. ihre Herkunll und Reifung— Die Begattung— Die mittelbare Geschleditstiiigkeit Die Besltmmung des Gesdilechts— Geschlecht und Cesellschaif. Orientiere Dich und lies die wissensdiaftlidien Auslührungen dieses bekannten Forschers, die letzt als Buch- Beigabe zu den.Uranla'-Monalsheflen erscheinen konnten. 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Ebler«,«llgemdtner Deutscher Eewersseba'tdbund. OrtSandichn� Kiet, Segieustt. 22, Jim. S. zu lichte«. f Mittwoch Februar 1927 «S' �'.....'w nterhaltung unö issen Sellage öes vorwärts Der Proletarier unö feine Zrau. von Lajos Tlagy. (Einzig autorisierte Uebersetzung aus dem Un- garischen von Maurus Mezei. Wien.) Die Frau saß in der Küche auf einem Schemel. Das Mittag- essen war schon zubereitet; die Kartoffelsuppe hat sie von der Oeffnung des Ofcns ein wenig fortgeschoben, und an deren Stelle dos Bohnengemüf« hingegeben, denn es ist gut, wenn dieses je weicher ist; in einer kleinen Pfanne auf der Ofenplatte prasselte das Schweinefleisch in seinem Fett. Es war bereiis zwei Uhr vorbei, aber ihr Mann war noch immer nicht da. Drinnen, in dem einzigen Zimmer, mar der Tisch gedeckt. Die Frau stand aus— eine mittel» große starke Frau, mit einem knochigen, aber nicht häßlichen Ge- stcht—, sie schnitt sich ein Smck Brot ab, setzte sich zurück auf den Schemel und begann in ihrer Langweil« an dem Stückchen Brot zu knabbern. Die Zeit verging, die rund« Wanduhr tickt«, st« zeigte Bierteldrei, dann chalbdrei. Die Frau nickt« ein wenig ein, denn es war erdrückend heiß in der Küche. Plötzlich kam der Mann. Auf dem Korridor waren fein« dröhnenden Tritt« zu vernehmen, er schlug mit der Faust auf die Klinke und öffnete mit brutaler Kraft die Tür, er stieß sie gleichsam auf. Einig« Augenblick« schaut« er sich forschend, witternd um, er blickt« aus den Ofen, auf die Frau, dann brummte er etwas, so ähnlich wie„guten log"! Er trat geräuschvoll in das Zimmer, warf feine Chauffeurmütze auf dos Bett; mit gerunzelter Stirn blickte er um sich, um seinen Mundwinkeln zuckte«in bitterzorniger Zug, dann begann er auf und ab zu gehen. Er trug Stiefel, der Bretterboden dröhnte. Die Zimmcrtür hatte er hinter sich halb offen gelösten, nach einer Minute blieb«r in der Türe stehen und rief hinaus: „Na, gehen wir, gehen wir! Es ist ohnehin schon spät!" Die Frau bewegte sich wahrlich langsam. Sie hatte durchaus keine Luft, zu springen, denn schon der Blick, der Gruß ihres Mannes gefielen ihr nicht. Sie nahm einen Suppenschöpfer hervor, trug den Topf mit der Suppe hinein und teilt« davon in den Teller des Mann». Der Mann begann zu«sten, er warf ober sofort den Löffei weg und seine Hand ballte sich zur Faust. „Sie Suppe ist schon wieder heiß! Man muß sich ja den Mund verbrennen," brüllte er.„Das ist denn doch ein Skandal, wo st« mit dem Mittagessen schon vor einer Stunde hätte fertig sein sollen." schrie er. als würde er die Sache irgendeiner anwesenden dritten Person erklären,„und sie bringt sie doch kochend herein. Natürlich, sie läßt sie dort auf dem Feuer, sie kann es nicht auf die Seite rückenl" Dann blickt« er der Frau verächtlich in die Augen. „Du hast nicht soviel Berstand. wie eine Henne!" Die Frau unterdrückte ihr« Gereiztheit, aber sie sprach doch mit dumpfer, unruhiger Stimme: „Sie war zur Seite gerücktl" „Natürlich, zur Seite! Deshalb ist sie ja so heiß, wie Feuer. Man müßte dich einmal in eine Wanne mtt solch„zur Seite ge, rückter" Suppe setzen!.. Und dann, weiß Gott, wie lang« das schon auf dem Feuer brodell! Sie ist wi« ein Pflaumenmus. Das soll «ine Suppe sein?.. Schau, daß du damit hinauskommst, trag sie zum Teufel, sonst schütt« ich sie dir auf den Kopf." Die Frau war schon bleich. Sie wollte seufzen, aber sie unter- drückte auch da». Ei« sagt« bloß kurz, heiser: „Sie ist schon über eine Stund« fertig. So spät pflegst du nie zu kommen" Mtt der Suppe war es also nicht in Ordnung. Auch gegen da» Fleisch, gegen das Bohnengemüse machte der Mann oerschieden« Einwendungen. Er zischte, fluchte, warf der wankenden Frau wahre Schlangenblick« zil. Das Fleisch war viel zu mager, obwohl er schon hundertmal gesagt hat und die Frau es auch sehr gut weiß, daß er halbfettes Fleisch liebt. Und wozu dieses viele Fett, in dem es schwimmt? Di« Bohnen sind wi« Kleister! Und welch«inen eigen- arttgen Geschmack si« haben, vielleicht ist es wirflich«in Kleisterl Warum hat sie nicht ein bißchen Essig hineingeschüttet, damit es wenigstens davon«inen Geschmack bekommt. Di« Frau sprach kein Wort. Aber wegen des Essigs machte sie doch die Bemerkung: „Du hast doch ohnedies oft Sodbrennen." Der Mann brauste auf: „Kümmere dich nicht um meinen Magen! Es ist denn doch eine niederträchtig« Gemeinheit, daß, was immer ich auch sage, als würde ich zur Mauer reden, und nicht um die Well würdest du etwas so machen, wi« ich es will..." Der Mann wurde ganz rot, seine Halsadern schwollen an, er stand auf, brüllt« und fuchtelte mit d«n Händen. Er war ein großer, starker Mann, seine Stimm« dröhnt«, aber manchmal erstickt« sie in einem heiseren Röcheln. Seine Augen sprühten Funken und das Zucken des Gesichtes und. des'.Mundes zeigten. seine sinnlose Wut so schrecklich, daß«» ein«m Beobachter scheinen mußte, als würde sdn Mund gleich zu schäumen �beginnen und als wollten seine Augen blutunterlaufen hervortreten.•" Die Frau zitterte, si« fiivchtet« sich, aber in ihrer Verzweiflung begann sie den Mann jetzt schpn mit entschlossener Böswilligteil wild zu machen, indem sie sich gegen das Fenster wendete und mtt flüsterndem Drohen sagtet „Sie Nochbarn hören jedes Wort! Sie werden sich von dir sehr schönes denken!" Der Mann begann fast zu toben. Was kümmern ihn die Nach- barn, dies« Bagage, wi« wagt es die Frau, ihm mit den Nachbarn zu kommen, wenn si« noch einmal solchen Unsinn redet, steht er für sich nicht gut, er weiß nicht, was er tun wird, aber etwas wird ge- fchehen! Und sie soll den Mund halten, wenn er spricht und nicht frech sein! (Er ging wütend auf und ab, der Frau hin und wieder etn Schimpfwort zuwerfend. Di« Frau ließ nur hie und da ein Wort sollen: sie geht auf und davon und kommt nie mehr zurück, dann ging sie hinaus in die Küche und wollte di« Tür hinter sich schließen. Der Mann spräng ihr nach und riß di« Tür auf. „verkrieche dich nicht, wenn ich dir deinen elenden Kopf wasche, daß der Teufel. Die Frau sagte nach einer Weil«: „Was fehlt denn eigentlich dem Esten?" Damit wurde das Glas voll. Der Mann stürzt- zum Tisch. warf das Gemü!« zur Ert«. d«r Teller zerbrach in Stücke. Dann packte er feine Mütze und lief davon, die Tür hinter sich zuschlagend. daß«in Stück Mauer herunterfiel. Die Frau stand wortlos, sie starrt« eine Weile auf die Türe, hinter welcher der jchreckllche Mensch Graes. können wie uns fünf Minuten länger über Waffer halten!� verschwunden war. Dann setzt« sie sich aus den kleinen Schemel und weint« leise vor sich hin... Der Mann aber rannte die Trepp« hinunter und stürmte hinaus auf die Straße. Dort verlangsamte er«in wenig seine Schritte, ober er eilte noch immer keuchend, fast rennend dahin. Als er bei der Ecke in eine andere Gaste einbog, stieß er mit einem vornehmen Herrn zusammen, er stammelte oerlegen: „Pardo-on!" Und schon nicht mehr in so raschem Tempo eilt« er weit«. Er ging in die Garage. Es war da» eine staatliche Garage, der Mann war Chauffeur, ein staatlicher Angestellt«, einem höheren Beamten zugeteilt. Sein Herr hatte ihn für 4 Uhr var seine Wohnung bestellt. Er schaute auf sein« Uhr und begann das Auto zu putzen. In diesem Lugenblick trat der Garagenmeist««in: „Die anderen putzen di« Autos immer dann, wenn sie dieselben einstellen! Dann gehen sie zum Mittagesten." Das ist wahr. Cr wußte darauf auch nichts zu antworten. Aber dann fiel ihm sogleich ein. daß die anderen schon längst eingestellt hatten und auch schon nach Hause gegangen waren, als er ankam. Cr fetzt sich ins Auto, fährt aus der Garage, hinaus auf die Straß«. In drei Minuten ist er vor dem Haufe seine» Herren. Kaum bleibt« stehen, kommt dies« auch schon zum Tor hinaus. Er springt ad und grüßt: „Ergebenster Diener, gnädig« Herr." Er öffnet den Schlag de» Autos, verneigt sich ein wenig. D« Herr ab« bleibt, bevor er«insteigt, einen Augenblick stehen. „Wo zum Teufel haben Sie heute früh solang« gesteckt?" Der Ehaufseur wird verlegen. Der Chauffeur kann Nicht ant- warten. Auf das läßt sich auch nicht antworten. Er kann nicht ant. warten, well er sich nicht getraut zu antworten. Und« müßte doch wi« folgt sprechen: „Aber gnädiger Herr! Haben Sie sich denn nicht beim Bank- direttor bi» sieben Uhr früh unterhallen? Zuerst ein glänzendes Nachtmahl, mtt Fisch, Braten und Cremebäckerei, dann Tanz mit den parfümierten Damen, und später— wie die Dienerschaft erzählte— Bakkarat bis in di« Früh, od« wi« es in der Kartensprache heißt: bis Gromobosl Ich aber habe unten von acht Uhr abends bis sieben Uhr früh gewartet. Wir, Chauffeure— denn es waren mehrer« Gäste mit Autos— standen auf d« Straße herum, für uns war in der Wohnung kein Platz. Ins Auto konnte ich mich nicht hineinsetzen, um ein bißchen zu schlummern, denn das haben gnädig« Herr strengstens verboten. Mich fror, da ein kalt« Wind blies, auf dem vorderen, offenen Sitz ließ sich nicht schlafen und das ist auch kein Schlafen, und das geht schon so die vierte Nacht. Und dann Ist e, auch nicht ganz in Ordnung, denn der gnädige Herr dürste dos Auto nur für amtliche Weg« in Anspruch nehmen. Der gnädige Herr fährt mich so an? Es scheint, der gnädige Herr ist entweder sehr dumm oder ein Schurke!" Nun aber, der gnädige Herr stellt« den Chauffeur mit einem Wort zur Rede, weil er sich in der Früh verspätet hat. Dann fügte er noch hinzu: „Wenn das noch einmal vorkommt, laste ich Sie ablösen." Das„Ablösen" ist aber eine schwere, sehr schwere Drohung, sie bedeutet ungefähr soviel, wie„strafweise" Persetzung. Der Chauffeur schwieg also wie ein Hecht Er preßte den Mund zusammen, schwieg und war untertänig. Dieser große, starke Mann vor einer kleinen, bleichen, kahlköpfigen Katze.' i �' Jawohl, er war untertänig und« fürchtete sich. Der Prole- tarier muß sich um sein Brot fürchten., Wir alle fürchten un»! Früher hat man den Sklaven bei Nacht in Festeln geschlagen. Setther ist man darauf gekommen, daß körperliche Festeln überflüssig sind. Eine Fessel ist di» Angst— und der Sklave fürchtet, sein Brot zu verlieren. Aber, wenn du dich schon fürchtest,«lender Proletarier, wenn du hunderte Erniedrigungen am Tage erdulden mußt, wenn du nicht dreinschlagen kannst, kein zielbewußtes Wort sprechen kannst, und du täglich von Kopf bi» Fuß mit unterdrücktem Zorn erfüllt bist— des- halb kränke Nicht' deine Frau uNd' kränk» nicht deine'Mnderl Wenn die Suppe auch zufällig«in wenig heiß ist, wisse, daß die Ursache deiner rasenden Aufregung nicht die Frau ist. Wisse, daß der gnädig« Herr, wenn di« Suppe heiß ist, nur den Kellner im Nestau- rant anbrüllt.— aber daheim lächell er und«zählt sein« Frau mit schmeichelnd« Untertänigkett irgendeinen Witz. Was du mit der Bitterkeit machen sollst, die dir fast den Schädel bersten macht? Das weiß ich nicht. Oder ich will es nicht wissen, oder ich weiß es und will e» nicht sagen. Jetzt sage ich dir nur soviel, die Frau lasse in Ruhe! Namenlos. Anekdoken von Alfred Heia. Die Schneeflocke. Mein Freund Namenlos bekam eine Schneeflocke auf seine Hand. Sie zerging von seiner Wärme.„Wasser, sagt««.„Ein Stern ward Wasser, wir werden zu Staub, nichts bleibt als diese ewige Wanderung vom Nichts ins Etwas und wieder in Nichts. Nur daß ich dies denk«, das hängt ewig in der Luft. Wenn ich sage: Lieb« Schneeflocke! oder lieb« Frau! es ist immer dasselbe Leuchtend« au» dem Jenseits in dem Wort. Liebe, das ist— der sinnende, d« träumende, der sprechend« Tod... Denn restlos Bergehen ist Tod, ist Lieb«. Aber da ich es sag« und fühl«, erlebe ich es noch. Liebe ist erlebter Tod. Das Ich geht in ein anderes Ich, nein schwebt dazwischen als Ich— Du, anstatt ins Ewige, das ist der einzig« Unterschied. Gang durch die Ställe. Namenlos ging mtt einem Gutsbesitzer durch besten Ställe. B«l den Schweinen blieb« besonders lange.„Das sind nun die Tiere aus Wurst. Koteletts und Schinken. In mein Fletsch geht ibr Fleisch ein, ist das nicht ein grausiger Gedanke? Werden wir nicht davon auch langsam faul und fett? Der Gutsbesitzer lachte ihn als verrückt au».„Welch wunderbare junge Mädchen hätten wir vielleicht, wen» si« sich von Rosen und Schmetterlingen nährten!" träumt« Namenlos weiter. Dann wandt«« sich mtt Schaudern von den Tieren, die ihm dos Leben erhielten, ab. Bei den Kälbern traf er auf«ine», da» lchielte.„Hot die Mutter auch gefchiell?" Der Gutsbesitzer fa�te. da hätte er viel zu tun, sich darum zu lümmern. Hauptsache: Milch und Fleisch.„Sehen Sie." sagte Namenlos,„wir herrschen über di« Tiere und nehmen von ihnen nur, wo» wir brauchen. Das große ferne llrwesen da im All, das man Gott nennt, nimmt auch von uns nur das, was es brauchen kann: Die Liebe. Dielleicht ist sie ihm so notwendig al, Lebensnahrung, wie Ihnen Milch und Fleisch. Jedes höhere Wesen will vom andern das, worauf das niedere ge- wöhnlich wenig Wert legt. Di« Kälber sterben an unser« Per- fresfenheit, wir sterben an der Liebe des großen Unbekannten. Nicht wir steigen zur Lolltommenheit, sondern das Leben steigt in» All hinaus au» oen niederen Sphären der Tiere und Menschen in die höheren. Wir find nur Stufen. Gott aber wandelt." Und Namenlos hielt feine Hönde hin, als wenn einer darüber schreiten sollte. Die Häßliche. Namenlos sagt«.Ich habe heute ein häßliche» Mädchen geküßt. Es hat noch nie einen Kuß auf seinen zu großen Mund bekommen. Es war ganz erschrocken."„Liebst du mich? fragt« e«.„Ja. ich liebe deine Liebe," sagt« Namenlos..Was heißt das?" sragte di« Häßliche.„Ich weiß, daß du einmal«inen schönen jungen Menschen geliebt hast und wünschtest, so schön zu sein, daß er dich begehrt." Sie«rötete. Ich sah, daß ich das Wahre erroten hatte..Der bin ich leider nicht. Aber schließe die Augen, Mädchen, und denk«, er kommt zu dir." Das Mädchen schloß die Augen. Sein häßliche.) Gesicht verklärte sich zu vollkommener Schönheit. Si« sah den Lieb- st?» der Iugend nahen, der sie verachtet hatte und mit einem hüb- schen Lärvchen längst ungllicklich ist Welch Glück wäre die Ber- zauberung der Häßlichen für ihn, die ich nun voll Andacht küßt«. Es wäre meine schönst« Lieb«. Wi« wenig die Menschen von der Liebe verstehenl Namenlos ist trank. Namenlos war krank. Cr lächelte.„Du hast doch Schmerze»''" „Ja." und er lächelte wieder.„Weißt du, wenn man krank ist. dann ist das Leben wie ein hcrbstdünn goldleuchtendes Blatt. Jeden Augenblick kann es niederfallen, und alle, ist au». Aber vor- per rings die kleine stille Erdenwett spüren, wi« sie durch den großen Raum ewiger Zeiten weht, ein Blatt im Wind« des Him- mels— das läßt aus tiefster Seele lächeln. Wenn es grünt, dann fit es so fest und hart, daß es sich selbst mit dem hossärttgen Ich die Welt verstellt Aber wen» es durchsichtig wird, dann wehen die großen Dinge hindurch. Dann ist nicht mehr das Ich e!n Ich, nur noch ein Sein im All. Ein Schein lm All. Ein Wein im All. Wie du willst. Ich bin belauscht vor Lebensfreude. Der Tod ist vielleicht der Abfall des Irrtums Ich von der Wahrheit des Ewigen. Es geht bestimmt aufwärts, wenn man stirbt." Der Zestztjg d«(4 Elefanten. Der neue König von Siam hat mit seiner Gemahlin jetzt seinen feierlichen Einzug In dl« Hauptstadt Ehieng-Mei gehalten. Dieser Zug war eine großartige Entfallung orientalischer Pracht und märchenhaften Glanzes. 84 Elefanten nahmen an dem Zug teil. Diese mächtigen Tier« waren aus dos kostbarste geschmückt und über und über mit Juwelen besät. Bei seinem Einzug erhielt der König von der Dorneo-Gesellsehaft einen weiben Elefanten zum Geschenk, der«in besonderes Zeichen de» Glück» im siamesischen Glaube» darstellt. B. Reichs-Kredlt-Gesellschaft AKTIENGESELLSCHAFT BERLIN Bericht des Vorstandes über das Geschäftsjahr 1926. Im abffelaüfcnen Ocschiftsiahrc hat sich Dcutschla-nds StcIIanj: in der Weltwirtschaft gebessert. Die schwere Arbeit der vorangegangenen Jahre beginnt allmählich Fröchtc zu tragen. Zu Anfang des Jahres ist die Kölner Besatzungszonc geräumt worden. Im Herbst ist Deutschland in den Völkerbund eingetreten und zum ständigen Mitglied des Völkerbundrates gewählt worden. Mit einer Reihe von Ländern wurden Schiedsgerichtsverträge und Handelsverträge abgeschlossen. Die Tatsache allerdings, daß das ganze obere und mittlere Rheingebiet nach wie vor von fremden Truppen besetzt ist, zeigt, wieviel noch zur Herbeiführung normaler politischer Beziehungen zu tun bleibt. Die Reparationsforderungen- sind bisher von Deutschland pünktlich erfüllt worden; wie aber im Inlandc und auch im Auslande von sachverständiger Seite oft dargetan worden ist, hat fremdes Kapital in großem Umfange die aus diesen Lasten sich ergebenden Schwierigkeiten bisher erleichtert. Bekannte Wirtschaftsföhrer in den Empfangsländern weisen heute darauf hin, daß eine Fortführung dieser Zahlungen in der bisher vorgesehenen Höhe eine solche Ausdehnung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Exportes veraussetze, daß Wirtschaft und Export ihrer eigenen Länder darunter leiden müsse. Das deutsche Wirtschaftsleben blieb von bedeutenderen Streiks oder Aussperrungen verschont. Im abgelaufenen Qcschäftsiahrc gingen durch Arbeitskämpfe etwa iVi Millionen Arbeitstage verloren gegenüber mehr als 17 Millionen im Jahre 1925, mehr als 36 Millionen im Jahre 1924 und etwa 8% Millionen im Jahresdurchschnitt der Vorkriegszeit. Die ganze deutsche Wirtschaft hat im verflossenen Jahre mit Anstrengung daran gearbeitet, die Betriebe für den harten Kamp! um den Absatz im Inlande und Auslande konkurrenzfähig zu machen. Es galt insbesondere, die Liquidität zu erhöhen und zugleich die Kosten zu vermindern. Eine große Anzahl Unternehmungen unterzog sich dieser Aufgabe durch energische Reorganisation der Beiriebe und neue Gruppenbildung. Eine Reihe von internationalen Vereinbarungen wurde geschlossen, um den Wettbewerb mit dem Auslande in ruhigere Bahnen zu lenken. Andererseits wurden zahlreiche Betriebsstätten stfllgelcgt, viele Gesellschaften, die den Konkurrenzkampf nicht bestehen konnten, mußten liquidieren. Aber bald ergab sich, daß sich die Mehrzahl der Unternehmungen den Wettbewerbsbedingungen der Gegenwart anzupassen ver- mcchtc. Einen Ueberblick über die Dividendenpolitik des abglaufenen Jahres gewährt die folgende Zusammenstellung: Rentabilität der Vermögensanlage m deutschen Werten hat steh verstärkt und die Neigung zu kapitalraäßigcr Beteiligung no der deutsche« Wirtschaft im Inlande und Auslande erhöht Die Geschäftstätigkeit unseres Instituts hat in der Berichtszeh in alte« Zweigen des Bankgeschäftes einen weiteren Aufschwung erfahren. Der Umsatz auf einer Seite des Hauptbuches betrug 45,2 Milliarden RM. gegenüber 28,6 Milliarden RM. im Voriahrc. Insbesondere hat sich die Inanspruchnahme unserer Gesellschaft durch die private Wirtschaft stark erhöht Auch bei der Durchführung finanzieller Maßnahmen der Reichsregierung haben vir wiederholt unsere Dienste zur Verfügung stellen können. Der Verkehr mit dem Auslände ist im Zusammenhange mit der Wiedereingliederung Deutschlands in die Weltwirtschaft weiter ausgestaltet worden. Das Diskontgeschäft war während des ganzen Jahres lebhaft. Um unserer Kundschaft den Trassierungskredit zugänglich za machen, haben wir uns entschlossen, eigene Akzepte zu geben. Die im vorigen Geschäftsbericht erwähnte Finanzierung von Stickstoffverkäufen an die Landwirtschaft für das Düngefahr 1925/26 kam im Berichtsjahre zur Durchführung. Die rechtzeitige Bereitstellung dieses Kredites hat sich als wertvoll erwiesen. Das Effektenkommissionsgeschäft war sowohl m Anleihe« wte i» Aktien sehr rege, so daß sich die Effektenumsätze erheblich steigerten. Die Devisenabteilung vermochte ihre Verbindungen weiter auszubanen. Die Grundlage für die Ausdehnung bot das Wachsen des Zins- and Arbitrage- Geschäftes sowie die Zunahme der Umsätze in Reichsmark an fremden Plätzen. Von Konsortialgcschäften, bei denen wir als Hauptbctciligte, in mehreren Fällen an führender Stelle, mitwirkten, erwähnen wir die folgenden: Uebernahme und B ö r s e n e i n f ö b r u n g von Anleihen 6H% Schatzanweisungen des Freistaates Preußen(in 3 Tranchen). 6�% Schatzanweisungen der Deutschen Reichspost(in 2 Tranchen), 7% Schatzanweisungen des Freistaates Bayern, 6%% Schatzanweisungen des Freistaates Württemberg, 7% Schatzanweisungen des Freistaates Sachsen, 6*4% Schatzanweisungen des Freistaates Mecklenburg-Schwerin, 7% Anleihe des Freistaates Thüringen von 1926, 7% Anleihe des Freistaates Mecklenburg-Schwerin, 7% Vorzugsaktien der Deutschen Reichsbahn, 8% Anleihe des Provinzialverbandes Sachsen, 8% Anleihe der Provinz Hannover(in 2 Tranchen). 7% Anleihe der Provinz Hannover(in 2 Tranchen). 6%% Schatzanweisungen der Stadt Köln von 1926, Dividendenerklärungen im Jahre 1926 bei Gesellschaften, deren Aktien an der Berliner Börse gehandelt werden. o% i-s»/, über 5—7% über 7— 10% j Ober 10— 12% über 12% insgesamt Der e r f a ß t.e n._G.e s e 1 1-scb a-lt-c-n Auch die Lage auf dem Kapitalmarkte hat sich im Jahre 1926 erheblich gebessert Zum erstenmal seit der Stabilisierung der Währung konnte wieder ein Ausgleich zwischen Kapitalnachfrage und Kapitalangebot hergestellt werden, während in den beiden vorangegangenen Jahren im wesent- lichcu nur kurzfristige Kredite zur Verfügung standen. Die Konsolidierung der schwebenden Schulden wurde infolgedessen erleichtert und damit die Wiedergewinnung der finanziellen Unabhängigkeit der Unternehmungen schneller gefördert, als zu Beginn des Jahres erhofft werden konnte. Die Erkenntnis, daß der Aufbau der großen Mehrheit der industriellen Unternehmungen im Grunde gesund ist, die Verminderung der Kapitalnachfrage, die sich als Folge der Betriebsverbesscrungen ergab, die größere Zuversicht die aus der Dividendenpolitik sprach, im späteren Verlauf des Jahres auch die Verbesserung der Absatzlage der deutschen Industrie haben dazu beigetragen, die Scheu vor einer Vermögensanlage in deutschen Effekten zu beseitigen. Das kapitalkräftige Ausland hat— angeregt zugleich durch die Höhe des i« Deutschland zu Jahresanfang herrschenden Zinsniveaus— diese Scheu am ersten überwunden und Vermögensanlage in deutsche« Werten gesucht. Im Verlaufe dieser Entwicklung sind die Zinsansprüche, die die inländischen und ausländischen Kapitalgeher für die Hergäbe ihrer Gelder auf lange Frist glaubten stellen zu müssen, dauernd gesunken, und zwar ebenso stark, ja stärker als diejenigen für kurzfristige Anlagen. Der Satz für tägliches Geld stand— rnönatsdurchschnittlich gerechnet im Dezember am 11 /o unter dem Satz vom Januar und ist in keinem Monat um mehr als 27,3% unter den Januarsatz gesunken, die Zinsansprüche für Kapitalanlagen dagegen sind im letzten Monat des Jahres ca. 30% niedriger als der Januardurchschnitt. Der Rcichsbank- diskont stand im Dezember 33*/»% unter dem Satz von Anfang Januar. Die nachstehende Aufstellung gibt eine Ucbersicht über die Verminderung des Zins- anspruchcs für die wichtigsten Formen festverzinslicher Effekten. Sic versucht zu zeigen, zu welchen effektiven Zinssätzen in den einzelnen Monaten des Jahres Anleihen aufgelegt wurden. Bei Pfandbriefen und Kommunalobligationen wurde der Zinsanspruch auf Grund der Kurse bereits notierter Serien ermittelt. Um einen Vergleich zu ermöglichen, Ist hierbei das jeweilige Disagio oder Agio auf den Jahreszins umgerechnet worden, wobei die Annahme einer Konvertierung zu dem frühesten Konvertieruiigstermin, der zumeist in die Jahre 1930/31 fällt, zugrunde gelegt wurde. Vergleichende Ueberskht über den Zinsansprncb bei fe«t- verxinslichen Werten Im Jahre 1926. Oeffentliche Anleihen. Schatzanweisungen.. Pfandbriefe und Kommunalobligationen Private Anleihen... Die annaterbrochene Vermmdernog des Ziosansprsches Wr tuefrntixe Anlasen, die In dieser Aafstelimt hervortritt, rehört zu den bemerkenswertesten Erreb� rissen des abgelaufenen Jahres. Sie hat erheblich dazu beigetragen, die Wirtschaftlichkeit einer Reihe technischer Nenerungen zu erhöhen und ihre Ausführung zu erleichtern, ja oft erst zu ermöglichen, Die Erleichterung der Kapitalbeschaffung mittels Aktienausgabe lUt sich ans der Entwicklung der Kurse ablesen. Die Nachtrage nach deutschen Aktien war das ganze Jahr rege. Der Aktienlndei der Reichs-Kredit-Oesellschaft <2 1. 1925— 100) verzeichnete am 2. I. 1926 einen Stand von 60.8% und am 31. 12. 1926 einen Stand von 144JD%. Dm Vcttranea ad die Sicherheit und 7% 8% 8% 7% 8% 8% 7% 7% 10 Ta 7% 8% 7% Anleihe der Stadt Berlin von 1926(In 2 Tranchen). Anleihe der Stadt Nürnberg, Anleihe der Stadt Braunschweig, Anleihe der Stadt Frankfurt a. M.. Anleihe der Stadt Zwickau, Deutsche Kommunal-Qoldanleihe(in 2 Tranchen), Anleihe des Württemberglschen Sparkassen- und Qiroverbandes. Anleihe der Württembergischen Wohnungs-Kredit-Anstalt zu Stuttgart, Anleihe des Kommunalen Elektrizitltswcrkes Mark A.-O., Hagen, Anleihe der Vereinigten Industrie-Unternehmungen A.-O., Berlin. Anleihe der Klöckner-Werke A.-O, Berlin-Rauxel, Anleihe der Concordia-Bergbau-A.-Q., Oberhsusen'Rhld. Kapitalerhöhaig der EiektriziUtawerke LiegnHz A.-O., Liegmti, der Norddeutschen Qrnnd-Credlt-Bank, Weimar, der Deutaehea Orlen Hinik X.-Q., Bertin. der Brown, Bovert 6t Cie. A.-Q., Mannheim, der Deabehen Bau- und Boden-Bank A.-0., Berfn. Qrladaag des Brfttsh tad Oer man Trust Ltd., London, der Finanzierangs-Qeaellschaft für Landkraftmasch in ea A.-Q., Berlin, der Deutschen Zündholx-Verkauk- Aktiengesellschaft, Berli». BSraeaclafahrais der Aktien der Kühltransit A.-O., Leipzig, der Vorzugsaktien der Rhein-Main-Donan A.-O., Münch ea, der 8 8» igen Teilschnldverschreibnngeo der Leipziger Messel and Aus» stelinngs-A.-O.. Leipzig, der 8% igen Ooldhypothekea-Ptaudbriefe Serie TTT der Thüringischen Landes-Hypothekenbank A.-O., Weimar. der 8� Igen Ooldhypotheken-Piandbriefe Serie IV der Thüringischen Landes-Hypothekenbank A.-O., Weimar. Treuhiaderachalt für die 7% ige Aaslandsanleihe der Deutschen Oirataatnle(ta 2 Tranchen), für die 614% ige Ausländsanleihe der Berliner Elektrizitätswerke A.-O. Der Bestand an Schecks, Wechseln und unverziaslicbea Schatzanweisungen zeigt in der vorliegenden Bilanz gegenüber dem Vorfahre eine nennenswerte Abnahme, die darauf zurückzuführen ist. daB der Rest der voa aas ia den vorangegangenen Jahren diskontierten E-Schatsan Weisungen dea Deutschen Reiches im Berichtsjahre fällig wurde. Unter Cuthaben bei Banken und Bankiers sind wieder anr die NostroguU haben und an erste Banken begebene Qelder auigeführt Die Steigerung der Reports und Lombards erkllrt sich aas 6er Cntwick- lang des Effektengeschäites. Unter eigenen Wertpapieren befindea sieh Obel wiegend Anleihen üffentHcher Kfirperschalten und Pfandbriefe. Die Zunahme des Konsortlalkonios entspricht dem Anwachsen des QeZ schüftes auf diesem Gebiete. Von den unter dauernden Beteiligungen bei anderen Banken und Bankk firmen gehaltenen Werten brachte die Deutsche Verkehrskreditbank A.-Q. eine Dividende von 12%. die Deutsche Orientbank A.-Q. eine Dividende von 5%. Die Deutsche Versicherungbank A.-O. hat für das Jahr 1925 eine Dividende ■ieht ausgeachfitteL t Die Gewinn, und Verlesfreehnang ergibt einen Ueber- schnB von................... KM. 6 257 296,6? Wir schlagen vor, davon zu verwenden: ilr den gesetzlichen Reserveion ds.»,»»«»»»„ 2 MO 000,— für Abschreibung auf das Bankgcbüude«.»»»»»„ 1 000 ovo,— für den Angestelltenunterstatzungsfonds....... 250 000,—' ...-fül.,8% Dividende auf unser Aktienkapital,,.,..„ 2 400 fiQO— zusammen RM. 5 650 00(3.— Der nach Zahlung des satzungsmüBigen Oewinnanteiles des Aufsichtsrates verbleibende Restbetrag von RM. 507 295,62 soll auf neue Rechnung vorgetragen werden. Berlin, den 29. Januar 1927. Der Vorstand Bischer Heimann Landauer Learmtni Ritseher Schefbner Skmnonds stellvertretend: Kutschetuenter Pest Seegan Bericht des Aufsichfsrates. Dem vorstehenden Beriebt dea Verstandes scUieBch wir«n an. DI« Bilanz Ist in unserem Auftrage wiederum durch die Deutsche Revision$- und Treuhand-Aktiengesellschaft, Berlin, geprüft worden. Im Laufe des Geschüftsiahres schied Herr Ministerialrat Dr. Hau Schippe! nach Uebernahme der Leitung der Reichs bankstelie in Lübeck tu unserem Anisichtsrate aus. Wir sagen Herrn Dr. Schippe! auch an dieser Stelle für seine rege Mitarbeit In unserem Kreise aufrichtigst Dank. An»einer Steile wurde Herr Ministerialdirektor Dr. von Brandt zum Mitglied des Aufsich ts- rotes gewählt. Zu Beginn dea Jahres trat Herr Dr. Otto Fischer ia dea Vorstand unserer Oese! Ischalt ein. Berlin, de» 29. Jauar 1927. Der Aufsichtsrai Aktiva Bilanz zum 31. Dezember 1926 Kasse, Sorten und Kupons......... Cuthaben bei Reichsoank, Postscheckamt und Kassenverein............. Schecks, Wechsel uhd unverzinsliche Schatzanweisungen............. Outhaben bei Banken und Bankiers..... Reports und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere.............. Vorschüsse auf Waren und Warenverschiffungen Sonstige Schuldner............ davon gedeckt........... Eigene Wertpapiere............ Konsortialbeteilieungen........... Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen............ Bankgebäude............... Sonstige Immobilien............ Mobiilen................. Transitorische Posten........... Avale und BUrgsehaftsschaldner....... Aufwand RM 2 854 951,60 21 280 726,67 127 687 92626 94 876019,83 61 Ol 3 873 J» 13 107 231,96 181 360 223,41 5 000 000,— 2800 000,— 1 000 000,— 5000 000,— 1— 411 851,87 516392786,69 Aktienkapital Reservefonds Gläubiger...»•.••».»»»»,> davon fällig bis zu 7 Tagen »* t, 4 Wochen,.»,, , darüber hinaus,,,,, Akzepte ,,«* Angestellten-Unterstatzungsfonds....... Transitorische Posten........... Avale und Bürgschaftsverpfiiehtungen..... Gewinn: Vortrag aus 1925.« 4. Reingewinn«.«s,,,..,, RM 1950J724(US 71 162 307,96 191 728 004,42 RM 30 000 000,— 10000000,— 4S7 927S52A3 10 964389.24 400 000,— 843 549,20 Gewinn- und Verlustrechnung zum 31. Dezember 1926 2987211,85 377 024,55 5880 271,07 6 257 295,62 516 392786/0 Ertrag Handlungsunkosten und Steuern, Gewinn RM 7 899 650,72 6 257 295,62 Provisionen...................... Einnahmen aus Oemeinschafisgeschlfte» 14156946�4 RM 377 024,55 8235190,09 4 757 909,26 786 822,44 14 156 94434 Berlin, den»■ Januar 1927. Vorstehende Biliös sowie Gewinn, und Verlustrechnung haben wir geprüft und mit den ordoungsmäBig geführten Büchern in Uebereinstimmung gefunden. Deutsche Revisious- und Treuhand-Aktiengesellschaft Dg. Adler Ottn Meyer Ftaehtr Reichs- Kredit• Gesellschaft Aktiengesellschaft Laadaaer Lmanumi Ritsekex Vhefb»«r rm