Nr. 60 ♦ 44.?oh?g. Ausgabe A Nr. 3t Bezugspreis. Bäditntlidi 70 ütfnma moaatlUd B,- Setcfismatf ooiaita �iklbar. Untir ftteujbanb füt Deulllblau», S�iyiia Saat, unb®emelaebiet. Dcitccreid) Litauen Luitmbut« 4�0 tHeidismatf. Mr ba« übna« LlUslanO 5 jO Reichsmarl»to Monat. Set.Sonoätts* mit bft wnikier- ten Sonntagsbeilage»Voll und Seit* sowie den Beilagen»Unlerbaltung uno Wissen�„aus der ffilmmelt*, »ff tauenstimme'»Der ftinbet« fteunb" Luaenb-Votwätts' uni J3li(f in bie Siitfierruelt* erscheint wochentäglich tweimal. Sonntag, und Montag, einmal. Teleatamm-Adresse: »Sozioloemotrot verlin- Morgenausgabe W G ZZerlinev Volksdlakt (�10 Pfennig) Anzeigenpreise: Die«intvalttae Nonpareille. »eile SO Pfennig. Reklame, eil« tr- Reichematk..«leine Sa, eigen* das kettgedruikte Wort 25 Piennig stuläsfia>wei iettaebruckte Wortes, leb«, weitere Wort 12 Pfennig. Stellengeluche da, erste Wott 15 Pfennig. lebe, weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» stoben»äblen silr»wei Worte. Arbeitsmorlt Seile 60 Pfennig. lkamilienan, eigen für Abonnenten Seile 43 Pfennig. Aiuetgen füt die nächste Nummer müssen bi, 41b Übt nachmittag, im Sauvtaeschäft. Berlin SW6Z. Linden- strabeZ. abgegeben werden. GeSsfne! von 81b llbr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfäilandö Redaktion and Verlag: Serlin SW. 08, Ändenftraße 3 Fernsprecher: Dönhoff LSÄ-ÄS7. Sonnabend, den 3. Februar 1927 vorwarts-verlag G.m.b. h., Serlin EW. 08, Linöenstr.Z Postscheeklont,! Berlin 87 534- Bankkonto! Bank der Arbeiter. Angestellte» and Beamte». Wallstr. 65: Siakonto-tbesellschast Sepositenkaste Lindcnstr. 3. vor öer Abstimmung. Laudsbergs A»»griffsrede.— Keudell der Kappist, oder die Schlacht bei Zäckerick. Heber dem Schicksal des Bürgerblocks wallet, wie es scheint, ein grimmiger Humor. Heute wird das Zentrum mit der übrigen Regierung auch demKappistenv. Aeudell das Vertrauen aussprechen. Das ist der vorläufige Höhepunkt dieser Groteske, aber noch nicht ihr Ende. die Reüe Lanüsbergs. Als der Reichstag gestern nachmittag nach einer Pause von einer Stunde wieder zusammentrat, erhielt zunächst Genosse Landsberg das Wort. Seine trefflichen Ausführungen bildeten den Höhepunkt der Debatte, über die wir in der zweiten Beilage berichten. Genosse Landsberg führte au«: Wir haben schon manche Koalitionsbildung erlebt. Aber daf> eine Koalition unter solchen Gewittererscheinungen begonnen hat, wie wir es heute gehört haben, das ist trotz Ben Akibo noch nicht dagewesen.(Zurus rechts: Ein gutes Zeichen für ihre Haltbarkeit!) Ich habe kein großes Interesse an der Haltbarkeit dieser Koalition. Wenn die einzelnen Parteien dieser Koalition ihr Mihtrauen oder ihr Vertrauen gegeneinander hier zum Ausdruck bringen würden, dann ist es sicher, daß sie sich ihr vertrauen gegenseitig nicht ausgesprochen hätten. Noch der Rede des Abg. Guerard Höllen wir eigentlich erwartet, dah aus den Reihen der Koalitionsparteic» ein Bertagungsontrag eingegangen wäre, damit die Zimmermdster der Koalition in eine Prüfung darüber eintreten könnten, ob das Gebälk noch halte, denn es scheint schon einigermaßen erschüttert zu sein.(Zuruf rechts: Es hat nur geknistert!) Die veutschnationale Wandlung. Mit der Rede des Grasen Westarp war im gan- zen Hause nur der Abg. Dr. Scholz einverstanden. Wir haben dankbar davon Kenntnis genommen, daß der Abg. Dr. Scholz jemanden, der die Außenpolitik betreibt, die die Partei nn öle Partei! Koalition entschieden werden, in der die Arbeilgeber dominieren, der Einfluß der Arbeitnehmer aber gleich Rull ist. Mitregieren soll die Vertretung des Großgrundbesitzes, der Landbund, dessen Wirken auf eine ständige Verteuerung des Lebensbcdarfs der Massen gerichtet ist. Die erste große Redeschlacht um Den Bürgerblock neigt sich Mm Ende. Heute um 11 Uhr soll nach als Meiter Redner des Zentrums Stegerwald sprechen, der vor drei Wochen in Köln erklärte, er ziehe die Reichstagsauflösung einer Rechts- regierung vor. Es folgen einige Redner der kleineren Frak- tionen, und dann soll, wie man annimmt, in den frühen Nach- Mittagsstunden abgestimmt werden. Zu den mannigfachen Mißtrauensanträgen hat sich ein Antrag der Rcgierungs- Parteien gesellt:„Der Reichstag billigt die Erklärung der Reichsregierung und spricht ihr das Vertrauen aus." Unter- zeichne?: Graf Westarp, v. G u 6 r a r d(die Freunde von gestern), Scholz und Leicht. Die Annahme des Antrags ist gesichert, wenn die Frak- tionen der Regierungsparteien zusammenhalten. W i r t h ist bish:r der einzige Zentrumsmann, von dem man weiß, daß er entschlossen ist, der Regierung des Besitzbürgerblocks das Vertrauen zu verweigern. Sollten außerdem einige Mit- glieder des Zentrums oder der Deutschnationalen Partei sich in die Büsche schlagen, dann könnte allerdings das Ergebnis zweifelhaft werden. Die Wirtschaftspartei wird sich mit ihren 21 T immen bei dem Vertrauensantrag— über den zuerst abgestimmt. wird und durch dessen Annahme die Miß- trauensanträge erledigt sein würden— enthalten. Es bleiben 110 D.utschnationale. S1 Deutsche, 19 Bayerische Volks- parteiler und 63 Zentrumsleute, macht 248— genau eine S imme über die absolute Mehrheit. Zur Opposition stehen 224 Abgeordnete, wobei allerdings zu bedenken ist, daß die Bänke der Kommunisten und der Völkischen meist schlecht besetzt sind. Obwohl also für diese erste Abstimmung ein Sieg der Regierung wahrscheinlich ist, sah man gestern in der sozial- demokratischen Fraktion nur vergnügte Gesichter. Zunächst war es die Demütigung der Deutschnationalen durch den Zcntrumsführer v. Gu<*rard und durch die folgende entschuldigende Erklärung des Grafen W e st a r p, die diese behagliche Stimmung hervorrief. Auch die Rede des Demokratenführers Koch wirkte durch ihre oppositionelle Entschiedenheit ausgezeichnet. Dann aber war es die glän- zende Rede unseres Genossen Landsberg, die das Haus in Spannung hielt und zum Schluß den stürmischen Beikall der Linken auslöste. Sie bedeutete einen moralischen Sieg der Opposition, errungen durch geistige Ueberlepenheit. Mit dieser Rede hat die deutsche Arbeiterschaft den„Siegern" auf der Rechten ihre gan'e Verachtung und ihren ganzen Zorn ins Gesicht geschleudert und ihnen den allerschärssten Kampf angesagt. Landsbergs Angriff traf mit besonderer Wucht einen Mann der bleich auf der Ministerbank saß, den neuen deutsch- nationalen Innenminister v. Keudell. Man hat wenig von diesem Mann gewußt, der aus der politischen Verborgen- heit auftauchte, als durch den Fall Graefs eine Lücke entstand. Von Landsberg erfuhr man, wer er ist— ein im Jahre 1329 gemaßregelter preußischer Landrat. der sich im März jenes Jahres auf die Seite der Kapp-Regierung geschlagen hatte. Der Erregung, die diese Enthüllung hervorrief, folgten Stürme der Heiterkeit, als Landsberg die militärische Vorbereitung schilderte, die v. Keudell damals mit seinen 29 Geiidarmen und Landjägern getroffen hatte, um bei Zäckerick einer nur in der Phantasie existierenden „Roten Armee" ein Treffen anzubieten. In seiner Antwort gab v. Keudell zu, daß er als Landrat wegen seines Verhaltens im Kapp-Putsch gegangen worden ist. Er will nur nicht in direkter Fühlung mit Kapp gestanden und von seinem vorgesetzten Regierungspräsidenten die Weisung erhalten haben, für die amtliche Weittrverbreitung der ihm von der Kapp-Regierung durch die örtliche Reichs- wehrbrigade zugesandten Kundgebungen zu sorgen. Da- zu ist zu bemerken, daß v. Keudell derartige Weisungen von seinem' Regierungspräsidenten nicht erhalten hat. Höchstens kann sie der Oberregierungsrat Keller in Frankfurt a. d. O. gegeben haben, dessen Rolle im Kapp-Putsch ziemlich dunkel ist. Uns liegen die Kundmachungen der Kapp-Regierung. die auf dem Weg« über die Reichswehr nach Königsberg (Reuinark) gelangt sind. vor. Sie sind alle mit der Weisung des Landrats versehen, sie weiterzuoerbreiten. Eines dieser Dokumente sei hier wiedergegeben. Als die Puischregierung in ihren letzten Zügen lag. verbreitete sie bekanntlich die Schwindelnachricht, daß sich die rechtmäßige Regierung mit ihr „geeinigt" habe. Auch diese letzte Lügendepesche wurde vom Landrat v. Keudell treu und bieder weitergegeben. Hier ist sie: 140. Königsberg/Reumark, 17. März 1920. Telegramm aus Frankfurt a. d. Oder. Einigung zwischen alter und neuer Regierung ist erzielt. Alt« Regierung ist mit den gestellten Bedingungen im wesentlichen einverstanden. Reichswehrbrigade V. 5. 1. K. Nr. 1024. Beröffentticht: Die Orlsbe Hörden des Kreises ersuche ich um weikerverbreituog. Der Landrai. v. Keudell. Daß die preußische Regierung auf das Verbleiben dieses Landrats im Amte nach solchen Leistungen kein Gewicht mehr legte, versteht sich von selbst. Jetzt beruft sich v. Keudell darauf, daß damals gegen ihn kein Verfahren eröffnet worden sei. Ja, leider hat auch er zu den Kappisten gehört, die man ungeschoren laufen ließ! Und heute ist dieser Mann— der noch immer erklärt, unter denselben Umständen würde er wieder handeln wie damals— Reichsminister de s Innern und berufen, die Verfassung der Republik zu schützen! Eine kommunistische Interpellation will übrigens außer- dem noch wissen, daß derselbe Herr v. Kmdell noch im Sommer 1924 eine Abteilung der verbotenen„Olympia" auf seinem Gute beherbergt habe, wo sie von einem Reichswehr- offizier ausgebildet worden sei. Heute werden die Deutschnationalen eine Regierungs- erklärung„billigen", die der republikanischen Verfassung Treue gelobt Auf die Ministerbank ober haben sie als Schützer dieser Verfassung einen alten Kappisten gesetzt! Dort sitzt er jetzt zwischen Marx und Köhlerl Der vürgerblock regier lt Einer Weisung des Reichs- Präsidenten folgend, ha» sich die Reichstagsfraktion des Zentrums mit den Fraktionen der Rechten zu einer Regierungskoalilion der bürgerlichen Karteten vereinigt. Wie im ollen Obrigkeils- float ist auch jetzt wieder die Sozialdemokratie, die ver- treterln der Lohn und Gehalt empfangenden Schichten, von jedem direkten Einfluß auf die Reichsgefchäfle ausgeschlossen. Di« Varlcien der Arbeitgeberverbände, des Großkapitals und des Großgrundbesitzes halten das Heft In der Hand. Die Sozialdemokratische Partei war in der Republik. deren Grundwgeu sie geschassen und gesichert hat, bereit, ihren Anteil au der Verantwortung zu überuehmen und mit anderen Parteien gemeinsam pojikio« Arbeit zu leisten. Die Deutsche Volksparlei jedoch — nach dem Auespruch des Zcnlrumsführcrs Stegerwald„das Reak- llonärste was es gibt"— hat alle versuche, eiue Regierung des Ausgleichs und der Verständigung zu fchaffen, zielbewußt zerschlagen. Die Errickziung einer Klassenherrschaft in schärfster Form war ihr Ziel. Schließlich Hai der Wille hindenburgs für die Schaffung des vürgerblocks den Ausschlag gegeben. Gegen diese Regierung rufen wir zum Kamps. Wir werden uns durch ihr» Erklärungen nicht blenden lassen. Warle vermögen nichi darüber hinwegzuläufchen, daß durch die Schaffung des vürgerblocks die Kiusi der Klassengegensätze verliest worden ist und daß das Besihbürgerlum regiert. Die Veutschnationale Partei hat über ihr Verhallen zur Republik, zur Außenpolitik und zur Sozialpolitik Versprechungen abgegeben, die sie selber nicht ernst o>.mt und die sie nicht halten wird. Die Politik der Verständigung mit unferen ehemaligen Kriegsgegnern, der Herstellung eines wirklichen Friedens- zustande» in Europa, der die Sozialdemokratie den Weg gewiesen Hot. Ist bedroht. D i e S ch o l e soll in den Machtbereich der Kirche gestellt werden. Fragen der Arbeitszeil, des Arbeiter- jchvhev, der Arbeitslosenversicherung sollen von einer Politische und soziale Kämpfe von größtem Umfang sind die nnvernieidliche Folge dieses Systems. Soll sich das arbciiende Volk in diesen Kämpfen siegreich be- hauplen, dann muh es einig und geschloffen in sie einkrclen. Es stünde heute ichon um feine Sache besser, wenn feine Kraft nicht durch die kommunistische Spalkungsarbeik geschwächt worden wäre, hindenburg Hai die Regierung des Vürgerblocks geschassen, hindenburg verdankt aber den Kommunisleu seinen Sieg. Und wie stets führen die Kommunisten auch heule noch ihren Kamps nicht gegen die bürgerlichen Klassengegner des Proiclariais, sondern gegen die Sozialdemokralie. Sie machen sich damit zu Bundesgenossen der schlimmsten Arbeiterseindc. Die Sozialdemokratische Partei wird allen verwirrungsoersnchen zum Trotz ihren Kamps gegen den Bürgerblock führen nach den Regeln, die sie als die richtigen erkannt Hai. Um ihre Fahnen werden sich alle scharen, die eins mit ihr sind in der Ucber- zengung, daß in der deuifchen Republik für eine politische Klasscn- herrschasl des Besitzes»ein Raum mehr fein darf. Bichl zum ersten Male erlebt sie. daß unter der Parole der bürgerlichen Sammlung zum Kamps gegen sie ausgerufen wird. Siels aber stand noch am Ende jeder bürgerlichen Sammlung der Zerfall— für die Sozialdemokralie ober ein n c u c r Sieg. vor dem Sieg steht der Kamps. Genossinnen und Genossen. Ihr werdet ihn mit dem Ausgebot aller Kräste führen. Zeht, Ihr suhlt es alle, muß es vorwärts gehen! Jetzt erst recht! Sorgt sür politische Aufklärung! Stärkt Eure Partei? WeeSf für Eure Presse! Nieder mit Üem Ourgerblock! hoch die Sozialdemokratie! Oer parteivorstauö. des Herrn Scholz erst Jahre später als richtig erkannt hat, de« Ber- antwortungsgefühls für ledig erklärt. Jemand, der soviel Zeit zum Umlernen gebraucht hat, sollte nicht den Ehrgeiz haben, sich aufs hohe Pferd zu setzen und anderen Leuten, die sehr viel früher sich richtig eingestellt haben, den Vorwurf der politischen Verantwortungs- losigkeit zu machen. Es hat jahrelang gedauert, bis die Fraktion des Herrn Dr. Scholz znr Politik der Verständigung gelangt ist. In der Deutschen Nationalversammlung hat zwischen der Deutschen Volksvartei und der Deutschnationalen Volkspartei nur etwa der Unterschied bestanden, wie er früher zwischen Füsilieren und Mus- ketieren bestanden hat.(Heiterkeit.) Graf Westarp hat sich gestern zu der Forderung einer s a ch- lichen Kampfesweise bekannt Wir wollen das als Ver- sprechen für die Zukunft betrachten. Ich glaube, daß über dieses Versprechen insbesondere Herr v. Lindeiner-Wildau außer- ordentlich erfreut sein wird.(Heiterkeit.) Graf Westarp hat aber diese Sachlichkeit von der Sachlichkeit auf der Gegenseite abhängig gemacht. Wir kämpfen immer sachlich, ohne Rücksicht darauf, wie sich der Gegner verhält. Daß da, wo Holz gehauen wird, auch Späne lallen, gebe ich zu. Aber wenn jemand von Ihnen(nach rechts) das Unglück gehabt hätte, von einem politischen Meuchel- mörder angefallen zu werden, dann würde kein sozial- demokratisches"Blatt von einem„Attentat mit der Klistierspritze" schreiben. Wie ist es aber bei Ihnen? hal nicht jede Abweichung in der politischen Meinung Ihrer presse genügt, einen anderen ehrlos und Verräter zu nennen? Noch am 19. September vorigen Jahres hat der fromme„Reichs- böte" geschrieben: „Mit dem vegriff deutscher Rationalehre hat es nach dem Ein- tritt Dr. Stresemanns in Genf aufgehört.(Hört, hört!) Etwas Schlimmeres kann man einem Staatsmann nicht zum Vorwurf mächen. Zeigen Sie mir ein sozialdemokratisches Blatt, das einen ähnlichen ordinären Ausfall gemacht hätte. Und mit einem Manne, der die deutsche Ehre preisgegeben haben soll, sind Sie (nach rechts) jetzt in eine Koalition getreten. Die Art und Weise, wie Sie jeden politischen Gegner angegriffen haben und wie das von Ihrer Presse geschehen ist, das ist nicht nur beispiellos in deutschen Landen, sondern in der ganzen Welt. (Sehr wahr!) Bismarck hat einmal gesagt, daß anständige Menschen für ihn nicht schreiben. Dieses Empsinden müßten Sie(nach rechts) eigentlich auch haben. Die Linke weiß, daß sie in dem jetzigen Reichspräsidenten keinen Parteifreund hat. Aber von einem einzigen Falle abgesehen, ist mir kein ordinärer Anwurf gegen den jetzigen Reichspräsidenten bekannt geworden. Dessen sreue ich mich, denn der Präsident der deutschen Republik, welchem Parteilager er auch angehört, ist für uns der Repräsentant dieses Staates, dem unser ganzes Herz gehört. Und der eine Fall, den ich erwähnte, war ein geschmackloses Gedicht, das in einem sogenannten kom- münistischen Witzb.att erschienen war. Aber hierbei ist für Kam- pensalion gesorgt worden. Dieses Witzblatt wird gedruckt indem gut deutschnationalen Hause Lüdtke in Berlin.(Hört, hört! links. Wg. Laverrenz sDnatl.j ruft: Das stimmt ja nicht, der Mann ist ja nicht deutschnational.) Das Ver- hasten dieses Mannes ist allerdings echt deutschnational. Er hat nämlich nachträglich erklärt, daß er keine Kenntnis von dem Gedicht gehabt habe, well er sich nicht um alle Aufträge küm- Metn könne."Außerdem habe er aber den Auftrag der Kommunisten angenommen, weil seine Arbeiter nichts anderes zu tun gehabt hätten.(Heiterkeit.) Was hat die deutschnationale Partei bisher er- .reicht? Der Reichspräsident Hat im Dezember nicht die stärkste Partei fr Regierungsbildung herangezogen und nicht die Partei» die das ißtrauensvotum eingebracht hat, sondern den Wunsch nach p.ildunq eine» rein bürgerlichen stabinellg ausgedrückt. Haben die Deutsch- nationalen sich bei dieser Gelegenheit nicht an einen parlamentari- schen Vorgang ermnert, der erst kaum zwei Jahre all ist? Im M a i 1925 hat die deutschnationale Fraktion, die damals 4 bis S Mit- glieder mehr halle als die Sozialdemokratie, darauf ihren Anspruch begründet,, als stärkste Partei vom Reichspräsidenten mit der Bildung der Regierung beauftragt zu werden. Und im Reichstag hat Graf Westarp es damals als einen Verfassungsgrund- f a tz hingestellt, daß die größte Partei mit der Regierungsbitdung betraut werden müsse. Als Reichskanzler Marx sich dagegen ver- wahrte, daß eine solche Nötigung zur Heranziehung der größten Partei bestehe, da erhob sich da drüben der Ruf: Unerhört! Und heule spricht man seine Befriedigung darüber aus, daß die stärkste parlamentarische parle! von der Regierullgsbilöung ausgeschlossen wurde, weil man selbst den vorteil davon hol. Wenigstens in diesem Punkt haben sie ihren allen Standpunkt auf- gegeben. Wir brauchen uns darüber nicht zu wundern, denn Ihre (n'a ch rechts) Weltanschauung ist eben rein egvzen- irisch. Daß im allen Staat die Republikaner von der Regierung ausgeschlossen waren, das erschien Ihnen als selbstverständlich. Aber daß in der Republik monarchistische Republikaner oder gar nur Wonarchislen in der Regierung sitzen, das ist Ihnen ebenso selbstverständlich. Wir würden es bedauern, wenn ein Mann, dessen Titel auch aus politische Autorität Anspruch hat, ausgeschaltet würde von den Einwirkungen auf die deutsche Politik. Man kann gegen den Brief des Reichspräsidenten, der die Bildung der jetzigen Regierung zur Folge gehabt hat, einwenden, es sei nicht Sache des Reichspräsidenten, die Richtlinien der deutschen Politik zu bestimmen. Aber wir denken nicht daran, diesen Satz zu unterschreiben und dadurch dem Zentrum und der Deut- schen Voltspartei die Verantwortung abzu- nehmen, die sie zu tragen haben. Hätten diese Parteien erklärt, wir sehen andere Möglichkeiten zur Regierungsbildung als die Mfin öen Sportpalast! Das schaffende Berlin demonstriert gegen den Bürger« block!— Donnerstag, den llv. Februar, abends S Llhr, veranstaltet die Gozialdemolraiifche Partei Deutsch- lands im Sportpalast, Potsdamer Straße 21, eine Massenkundgebung gegen die drohende politische, soziale, kulturelle Reaktion! Heraus zum pro lest! Zeigt der Regierung des Bürger- blocks, wie das schaffende Volk Berlins zu ihr steht! Dezirksverband Sroß-Derlin der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Bildung eines Bürgerblocks und hätten sie darauf bestanden, in der ihnen als richtig erscheinenden Weife die Krise zu lösen, dann hätte der Reichspräsident eben nachgeben müssen und er würde nachgegeben haben. Surgerblock gegen /Irbeitersthast. Nun hat Herr Guärard davon gesprochen, daß die Rede des Abg. Scheidemann bedauerlich gewesen wäre. Aber wir wissen ganz gut, daß Herr Dr. Scholz" Ihrem(zum Zentrum) Parteifreund Adenauer schon zu einer Zeit, wo noch nicht an die Rede Scheide- manns zu denken war, seine Abneigung gegen die Große Koalition zum Ausdruck gebracht hat. llnd wenn die Rede des Grasen Westarp Sie jetzige Koalition nichk zerschlägt, dann hätte sich mit der Rede Scheidcmanns auch die Große Koalitlon machen lassen.(Heiter- keit.) Auch ohne diese Rede würde die Deutsche Volkspartei die Große Koalition gar nicht gemacht haben. Diese Rede ist auch gar nicht der Grund. Etwas anderes ist es aber mit einem anderen Punkt in dem Schreiben des Reichspräsi. d e n t e n, in dein die bürgerlichen Parteien in Gegensatz gestellt werden zu den Linksparteien. Ich dachte immer, seit dem August 1914 gebe es keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche.(Heiterkeit. Ruf von rechts: Werden Sie doch deutsch- national!) Ich sage ja. nicht, daß Sie Sozialdemokrat werden sollen, denn uns liegt nichts an Ihnen.(Heiterkell.) Das Entscheidende an dem Briese ist, daß von bürqerlichen Parteien im bewußten Gegensah zur Sozialdemokratie die Rebe ist. daß also in der neuen Regierung keine verlreler der Linksparteien sitzen sollen. E» ist ihr zur besonderen pslichl auferlegt worden die berechtigten Interessen der breiten Arbeilermassen zu wahren, wir hoben also recht, wenn wir diese Regierung als eine Regierung de» Besihbürgerblocks bezeichnen. Dieses Wort ist ja nicht zuerst von uns geprägt worden, sondern der Redner der Zentrumsfrattion, Dr. W i r t h. hat eine solche Koalition als Besitzbürgerblock bezeichnet. Graf Pojadowjky hat schon 1996 hier im Reichstag gesagt:„Besitz ist keine Tugend, sondern nur eine angenehme Tatsache." Das Zustandekommen dieser Regierung ist nur möglich gewesen durch das Gefühl der Zugehörigkeil zu der einen und derselben Klasse.(Sehr richtig b. d. Soz.) Dieser Bürgerblock erkennt das an. was Sie(nach rechts) immer bestreiten, nämlich den Klassenkamps.(Sehr richtig b. d. Soz., Widerspruch rechts.) Bezeichnend ist doch folgende Tatsache: In diesen ganzen Tagen, die ausgesüll' waren mit dem schweren Kamps zwischen Deutsch- nationalen und Zcillrum— jeden Tag trat ein Paar in den Ring, wobei allerdings die eine Partei mehr Haken machte, als sie schlug (Heiterkeit)—, da war die Einigung sofort da, als man über soziale und wirtschaftliche Dinge sprach. §ür öen Achtstundentag! Ich erinnere an die Jnsterburger Rede des Herrn Dr. Scholz, in der er ausführte, daß mit der Sozialdemokratie kein Arbeitszeitgeletz gemacht werden könne, und das war der eigentliche Grund des Herrn Scholz gegen eine Links- koalition und für die Rechtskcalition. Daß Herr Dr. Scholz mit uns kein Arbeitszeitgesetz machen kann, das ehrt uns. Denn wir hallen allerdings in dieser Zeil der furchtbaren Er- werbslosennol am Achtstundentag fest, wir wollen ihn wieder erhallen, weil mit der Wiederherstellung des Achtstundenlages hunderlkausende von Erwerbslose wieder in die Betriebe hineinkommen und vor körperlicher und geistiger Verelendung ge- rellek werden können. Wenn in der tiefsten Zeit der Depression, im November 1918, der Achtstundentag möglich gewesen ist: dann wird ihn die deutsche Wirt- schaft auch jetzt tragen können. Das ist auch möglich nach den E» fahrungen, die man in Amerika gemacht hat. Die Verständigung zwischen den Deutschnationalen und dem Zentrum ist zustande- gekommen auf dem Rücken der Arbeiter, das wissen nicht nur die sozialdemokratischen Arbeiter, sondern auch die christlichen und die deutschnationalen Arbeiter.(Sehr richtig bei den Sozialdemokraten.) Abrechnung mit öen deutschnationalen. Ich wundere mich, daß Dr. Scholz es gewagt hat, den Deutsch- nationalen die Frage vorzulegen, wie steht ihr zur Weimarer Verfassung, zum Locarno-Pakt, zum Völkerbund, zum Dawes-Plan? Das alles war doch bisher Verrat, Versklavung des deutschen Volkes. Nach den Ersah- rungen, die man mit den Herren beim Dawes-Plan gemacht hat, konnte man ja allerdings den Deutschnationalen schon etwas zu- muten. Aber wenn einmal der Versuch gemacht worden wäre, mit meiner Partei in dieser Weise zu verhandeln, dann wäre er derart lieblos von uns behandelt worden, daß er bis nach Jnsterburg hätte fliehen müssen. (Heiterkeit.) Ich bestreite nicht, daß unter den rechtseingestellten Männern auch solche sind, deren Intelligenz ihnen gestattet, die Un- fruchtbarkeit der von ihnen bisher betriebenen Politik einzusehen. Ich kann mir oorslellen, daß sie der Ansicht sind, von Protesten könne man nicht leben, die Kontinuität der Geschichte erfordere es, sich auf den einmal festgelegten uitd als sicher befundenen Weg zu stellen. Und ich fretle mich, daß diese Herren jetzt schon nach 8 Iahren zur besseren Erkenntnis gekommen sind, denn sonst hat es 50 Jahre gedauert bis sie die Notwendigkeiten der Zeit erkannt haben Ich stehe auch nicht an zu erklären, daß ich in solcher Veränderung der politischen Einstellung einen hohen Gewinn für den Staat erblicke. Wir Sozialdemokralen stehen nicht auf dem Skandpunkl der Aechlung ganzer Klassen, ganzer Parteien, ganzer Kolisefslonen. wir wollen» daß jeder In diesem Staate fich heimisch fühle und sich als gleichverechligl betrachte. Ein« solche Aenderung der politischen Einstellung begrüße- ich. und ich verstehe es auch, daß man sich nicht damit beeilt, sie zur allge- meinen Kenntnis zu bringen.(Heiterkeit.) Aber die Frgae ist doch, ist dieses Bekenntnis echt, wenn es abhängig gemacht wird von einer Gegenleistung in Gestalt von 4 Ministersesseln? Wenn aus Grund der Richllinlon ein klagbarer Anspruch bestände, dann würde das Zentrum in allen Instanzen einen glänzenden Sieg erringen. Denn die R iW t l i n i c n find vollkommen klar. Sie geben alles preis, was die Deulfchnationale Volkspartei 8 Zahre lang hier gesagt hall überwiesenen Mittel gedenkt dieser künstig der Pestalozzi-Stiftung zu übergeben. Laufende Jahresbeiträge und Einzclzuwendungen sind zunächst dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst, und Volks- bildung, W 8, Unter den Linden 4, zuzuleiten, das den Eingang bestätigen und weitere Mitteilungen machen wird. Bildende Künstler im Reichsarbeilsbeschafsungsprogramm. Der Reichsarbeitsminister hat auf Anregung des Reichswirtschaftsverban- des bildender Künstler in einem Rundschreiben darauf hingewiesen, daß eine Beschäftigung erwerbsloser Künstler im Rahmen der Slr. beiten und Aufträge der einzelnen Beschaffungsstellen möglich sell Bei der Vergebung solcher Arbeiten, für deren Ausführung bildende Künstler in Frage kommen, sollten die Beschofsungsstellen möglichst die Bedürftigkeit der Bewerber in Betracht ziehen und mit den ört- lichen Wirtschastsverbänden bildender Künstler Fühlung nehmen.— Nach diesem Rundschreiben wird sich gewiß die Möglichkeit ergeben, Künstler für die Ausschmückung öffentlicher Gebäude und für die Gebrauchsgraphik im Dienstverkehr im Rahmen des Arbeitobeschaf- fungsprogramms zu beschäftigen. Doch können bei gutem Willen der Behörden vielleicht auch andere Gebiete hier für die Arbeits- beschaffung der Künstler sich öffnen. Deutsche Kunst in Afghanistan. Die Regierung von Afghanistan läßt einige Kilometer von der jetzigen Hauptstadt Kabul'in groß- zügiger Weise eine neue Hauptstadt nach neuzeitlichen städtebau- lichen Gesichtspunkten erbauen. Die Arbeiten leistet ein deutscher Baukünstler, der frühere Assistent von Geheimrat Brix, dem Städte- baumeister der Berliner Technischen Hochschule, Dr.-Ing Harten Als Bildhauer für die künstlerische Ausschmückung des neuen Pa. lastes des Emirs ist jetzt der junge Berliner Erich Schmidt berufen und auf mehrere Jahre verpflichtet worden. Schmidt ist Schüler von Professor Hermann Hosaeus, in dessen Werkstatt er bisher tötig war. In der neuen Hauptstadt von Afghanistan arbeitet bei Harten schon ein jüngerer Bertiner Bildhauer namens Maas. Die getaufte Seekuh. Londoner Blätter verzeichnen«ine Nach- richt aus Natal, wonach dort an der Küste ein seltsam menschen- ähnliches Wesen aus dem Wasier aufgetaucht sei, das nicht nur die Eingeborenen, sondern sogar mancher Europäer geneigt waren für «ine Meerjungfrau zu halten. Natürlich werden diese abergläubischen Ansichten von den Berichterstattern mit Ueberlegenheit zurückge- wiesen, da es sich zweifellos um nichts anderes als eine gewöhnliche Seekuh handle. Bei dieser Gelegenheit wird jedoch daran ermnert, daß noch im 16. Jahrhundert in Bangor eine solche Seekuh von den dortigen Missionaren für eines der sagenhaften Meermädchen. ge- halten und zum Heil ihrer Seele feierlich getaust wurde. Va» Gauklerlefi de, Freunde, kreise, der Schule Relwaau findet am 26. Februar wiederum in den Gesamträumen des Zoologischen Gartens statt Die Subskriptionsliste liegt beim Festausschuß im Reimaim-HauS, LandShuter Str. 38, statt Erwerbung de» Palazzo Farnesina durch die italleulsche Regierung. Die itallenischc-Rcgicrung hat sür zwölf Millionen den Palazzo Farnesina am Ianlculus erwerben, in dem fich die kostbaren Gemälde Raphael; be- finden. Heber«tue Vlilllou Mark für ein Rembrandl.cvemälde. Bei einer New- «orker Versteigerung erziel,- das Gemäld« Rembrand».Titus im Arm- stuhl' einen Prei» von 270 000 Dollar. öerlin. Studien von Hans Heinrich Strätner. Vartetänarr. Lacht doch. Leute, lacht mehr, lacht mehr, wenn ihr nicht lacht, verlier ich mein Brot. Was seht ihr nur immer in meine Augen, es lallen die Lippen doch tolle Scherze, bin der lustigste Narr auf der Welt, trage das bunteste Narrenkleid, stecke voll Witz und sprühender Bosheit, lasse mich schlagen, wenn's euch gefällt. Lacht doch, Leute, lacht toll über mich und seht nicht immer in meine Äugen. Was kümmern ße euch? Lacht... lacht! Wenn ihr nicht lacht, verlier ich mein Brot. Blinder Bettler. Regen, Regen, den ganzen Tag, alles wird grau und düster seiri,. schlurfende Schritte, eintönig dumpf, Nebel erblindet die Menschen. Fühle jetzt einen Atem nach und ein Geldstück ln der Mütze. Knistert Seide vorbei, vorbei... Alles flimmert um das liebe Wesen, als wenn Tonne grell auf meine Augen schiene. Ich weiß ja nichts von blonden Haaren, roten Lippen und der Schultern Elfenbein. Hobe nie ein Weib gesehen, nie über einen Frauenleib getastet, aber in mir ist ein Bild, schön wie Gottes Traum, als er die Welt erschuf. Porträt eines Fatalisten. Gestern führte mich der Weg in Lasterhöhlen, wo geile Lust an allen Tischen hockt, heut trug er mich in einen Dom, morgen werde ich vielleicht mit einem Bettler an der Straße sitzen, an Gefängnis- türen klopfen oder fromme Psalmen dichten. Manchmal schüttle ich den. Kopf verwundert, aber frage nie nach einem Grunde, über- lasse mich der Strömung und der Stunde und treibe ich einst fort vom Leben und bricht die Scholle unter mir, ich werde nur lächeln können. Der E ck e n st e h e r. Ich gähne und gähne. Was soll ich denn anders tuen? Mauern stützen mich, bis ein Schutzmann kommt. Du lieber Gott, wie bunt ist deine Welt, aufgetakelt jede Straße! Ich lalle nur nach, bin nicht besoffen. Das Lallen kommt vom leeren Magen. Wenn ich nur wüßte, was ein Sperling weiß, wenn er Pferde sieht... Dirne. ■ Du— einst eine weiße Lilie unter einem Muttergottesbilde. Da löste in milder Mondesnacht ein Mann deine seidenen Haare. Färbte sich der Himmel rot, übergoß dich bleiche Blume scharlachrat mst sündigem Blut Wuchs aus zartem Kelch« Sehnsucht, sprang Männern gierig zu. Ließest dich als roter Mohn in sommergelbe Felder pflanzen. Manchmal streicht dein heißer Odem hin zum Muttergottesbildc und locht lüstern über eine Stelle, wo einst eine Lilie stand. Selbstmörder. Wahnsinn nagt an meinem Hirne. Gedanken bröckeln leise ab. Nachts im Traume merk ich's deutlich, wo mein Weg zu Ende geht. Wirre Bilder hängen nächtlich wie Peitchen über meinem Bett, zersetzte, verzerrt« Bilder vom Tage. Viele Nervenfäden hängen, zerrissen, ausgerenkt im Hirn, die anderen zucken stündlich: schieß dich tot! Großstadtdichter. Bin voller Gesichte, ausbrechend aus chaotischen Gründen, nach Gestaltung schreiend. Gier ausgehungerten Leibes reißt mich aus Geburtswehen vor stumpfe Fronarbeit. So stehe Ich am Pulle, von morgens bis abends, addiere Zahlen in großen Büchern. Bin von Gesichten schwer und schreite gebückt wie schwangere Frauen, fessle, dämpfe den Aufschrei leidender Kreatur, will nicht Erlösung durch Totgeburt. -Plötzlich bricht Werk aus mir, die Zahlen auf meinem Pulle tanzen, Wände schieben sich auseinander, ich schreite geblendet glück- selig durch Tage und Nächte, gebäre... Und llege entkräftet, fiebernd und fröstelnd in armer Vorstadtkammer. Bin ohne Arbeit, bin ohne Geld, muß meine großen Gesichte verkaufen. Gräßliches Opfer vor dem Rachen des Hungers. Der Kultusminister über die Pestalozzi- Sliflung. Am 17. Fe- bruar wird an allen preußischen Schulen das Andenken Johann Heinrich Pestalozzi» gefeiert werden. Im Zusammenhang hiermit oerösfentlicht der preußische Kultusminister soeben einen„Aufruf für die Pestalozzi-Stiftung", in dem er die Bevölke- rung ausfordert, in Pestalozzis Sinne„eine Arbeit zu beginnen, die unserer Zeit so not tut wie Pestalozzis Werk den Kindern seiner Zell". Wie der Amtliche Preußische Pressedienst den Ausführungen des Ministers entnimmt, wird zugunsten einzelner hervor- ragend begabter minderbemittelter junger Menschen die Pestalozzi-Stiftung als Stiftung des öffentlichen Rechtes errichtet Sie will ihnen mährend ihrer Schulzeit in den ösfenllichen und privaten Volks-, mittleren und höheren Schulen über wirtschaftliche Schwierigkeiten, die der Entfaltung ihrer An- lagen im Wege stehen, planmäßig hinweghelfen. Diese Hilfe wird auch dem werdenden Lehrer aller Schularbeiten während seiner beruslichen Ausbildung durch die Stiftung zuteil. Die Stiftung unterstützt ohne jede Rücksicht auf Herkunft, Bekenntnis und politische Gesinnung, sie soll, von einen: aus Schulsachocrständigen bestehenden Vorstand sachverständig geleitet, im Kuratorium und in der Gene- raloersammlung der Spender Vertreter aller beteiligten Lehrer-, Eltern- und Verwaltungskreise zu gemeinsamer Arbeit vereinigen. Die Generalversammlung der Spender besteht aus den Persönlich. keilen und Vertretern derjenigen Verbände und Körperschaften, die sich zur Errichtung lausender Jahresbeiträge von mindestens 599 M. verpflichtet haben. Sie wählt ihre Vertreter in das Kuratorium und in den Vorstand. Der preußische Finanz- minister hat der Stiftung 75909 M. zur Verfügung gestellt. Die dem Kultusminister vom Reichsminister des Innern für Er- ziehungsbeihilfen an Schüler allgemein bildender Schulen jährlich Polens Militärlasten. Scharfe Kritik der Sozialisten. ?fi)er mancher manifestiert sich eben so durch.(Stürmische Heiterkeit.) Daran ändern auch die Abänderungen nichts, die an den Richtlinien norgenommen worden seien. Das Wörtchen der„un- eingeschränkten" Anerkennung des Dawes-Pakt soll in Wegfall ge- kommen sein. Aber wenn ich den Locarno-Pakt anerkenne, so tue ich das uncmgeschränkt, ob ich das nun ausdrücklich sage oder nicht. Aber ist nicht außer den Richtlinien auch ein Protokoll ver- laßt worden, in dem die Deutschnationalen zugestanden l>aben, daß sie den Locarno.Pakt anerkennen?(Zwischenrufe rechts.) Sie schweigen. Es würde sich aber doch empfehlen, dieses Protokoll zu veröfscntlichen. Jede Aktiengesell- ich oft, selbst die kleinste, muß bei ihrer Gründung ein solches Protokoll veröffentlichen, waru« also nicht auch das Protokoll dieser Gesellschaft, die man am besten als politische Handelsgesellschaft bezeichnen kann?(Stürmische Heiterkeit.)(Zuruf rechts: Bei dieser Gesellschaft werden Sie Syndikus.) Ich suche mir schon honorigere Mandanten.(Heiterkeit.)?n den Rechen der Deutschnatioüal-n sigen Männer, die die Richtlinien als eine schwere Bersündigung an der Auffassung ihrer Partei halten. Warum steht nicht einer von diesen Männkrn hier auf und sagt, für mich gilt dieser Pakt nicht, ich zerreiße ihn! Das >zge ich als Mensch, der noch für Ehre und A n st a n d Empfinden hat. Wer steht denn hinter diesen Richtlinien? Etwa Herr L a v e r r e n z?(Heiterkeit.) Der am Zt. Septem- der Ig�b in der«Deutschen Tagespost" geschrieben hat, es gc- höre zu den widerlichsten Unterstellungen, die Deutsch nationalen könnten um einiger Aliniflersihe willen B ö l- bundspolitik treiben!(Stürmische heiterkeil.) Oder steht Herr E v e r l i n g hinter diesen Richtlinien, der in einer Rede am 13. Januar d. I. in Mecklenburg es als eine u n- erträgliche Anmaßung des Zentrums bezeichnet hat, daß es Entscheidungen treffen wolle, die chm weder nach seiner Große noch nach seinen Leistungen zuständen? Was das Zentruin an Leistungen aufzuweisen habe, das hätten die unheilvollen Figuren Erzberger, Fehrenbach und Wirth gezeigt. (Höri! hört! links.) _ Herr Eoerling rief ferner nach der Monarchie und sagte, von Siiddeutschland könne man keine politischen Leistungen erwarten, man könne von dort auch keine polstischen Leistungen gebrauchen. Ich freue mich dlcser Feslstellung, wonach sein süddeutscher Partei- freund B a z i l l e zum Haussihotz der deutschen Nation uichts bei- getragen hat.(Heiterkeit.) Wie stehen aber die einzelnen Minister zu den Nicht- linien? Ueber die Person des Herrn koch brauche ich nicht viel zu sprechen. Ich weiß, daß er in diesen Tagen vollkommen damit beschäftigt sein wird, die Briefe und Telegramme zu leseil, die er jetzt dekommt. Woher ich das weiß? Bor mir liegt ein Schrei- bey des deutschnationalen Arbeiterbundes, das in alle Welt hinausgegangen ist:„Wir möchten anregen, daß der deutschnationaten Relchstagsfraktion für diese Wahl unseres Kollegen ein. kurzes Zustimmungsschreiben oder Telegramm gesandt werde." (Stürmische Heiterkeit links.) Wie steht es aber mit dem Fraktionskollegen des Herrn Dr. Koch, Herrn Hergt? Der Reichskanzler hat gestern sehr stark unter- strichen, daß e r und der Relchsaußenminister die maß- gebende Stellung im Kabinett hätten und daß ihre Ansichten über die Verständigungspolitik der ganzen Welt im Ausland und im Inland, bekannt seien. Aber ich sehe den Herrn Vizekanzler vor mir, der doch in die Lage kommen kann, den Reichskanzler zu vertreten. Darf ich ihn an die E i n l ö s u n g eines a l t e n V e r s p r e ch« n s erinnern? Er hat einmal gesagt: Wenn die Deutschnatlonalen in die Regierung kommen, so liegt binnen 24 Stunden der Entwurf eines Aufwerlungsgefehes vor! (Heiterkeit.) Sie sind jetzt in der Lage, das Unrecht gnt zu machen, das sie die durch die Ausschließung der individuellen Auswertung an den Spätern verübt haben...__________.... „o," Md. wie stelzt es,- mit herew Schiele, der sich erst kürzlich ge. ruhmh hat, im Kabinett gegen den Locarno-Pakt ge- stimmt zu haben? keuöell, üer Kappist. Die lieht es mit Herrn v. keudell, über denganz beson- ders eine Auskunft notwendig ist? Er Hot sich jetzt auf-che» Boden der Tatsachen gestellt. Er hak das schon einmal getan, als er sich aus de« Roden der Taisachen stellte, die durch den Diktator kapp geschasseu waren. (Lebhaftes Hört! hört! links.) hat er sich Herrn kapp nicht als Landrai des kreise» Königsberg in der Reumark zur Verfügung gestellt? hat er nicht der J-völkeruag mitgeteilt, daß die Zwilbehürdcn im Dienste des Dik- lators Kapp ständen? (Minister v. Keudell nickt.— Lebhaftes hört! hört! links.) Wollte er nicht die Rote Armee bei dem Dorfe Zäckerick schlagen?(Stürmische Heiterkeit.) 3st er nicht damals von dem preußischen Minister des Innern feines Amtes enthoben worden? Ich bin nicht gerode entzückt davon, daß gerade er dazu be- rufen sein soll,«in Gesetz gegen die staatsfeindlichen Verbände zu machen. Ich komme auch nicht darüber hinweg, daß er, der nach der neuen Regierungeerklärung nicht einmal Angehöriger der Reichswehr werden könnte, heute Reichsminister ge- worden ist. Noch einig« Worte zu der Rede des Grafen Westarp. Ich würde mich nicht darüber gewundert haben, wenn der Reichskanzler Marx sich nach dieser Rede erhoben und den mit den Deutschnationalen geschlossenen Pakt angefochten hätte wegen Irrtums oder sogar wegen Betrugs. Graf Westarp hat«esagt. die Preisgabe ihrer programmatischen Grundsätze sei von den� Deutsch- nationalen nicht verlangt worden, und die Richtlinien böten kein vollständiges Bild von den Verhandlungen. Herr G u e r a r d hat dem schon entschieden widersprochen. Aber einen Satz in der Rede des Grafen Westarp hat er sich doch entgehen lassen, nämlich den, daß die Deutschnotionalen alle Kräfte daran setzen wollen, die wege der Politik, die s I e für die richtigen halten, zu beschreiten. Sie seien nicht in der Lage, ihre Aossassung über die Richtigkeit und Rühlichkeit ihrer bisherigen Politik preiszugeben. Dazu sog« ich: Wer so in die Verständigungspolitik hineiugehl, der Hai nicht die geringsten Äusjichten aus Erfolg. so wenig, wie man während des Krieges einen Verständigunasfrie» den nicht erzielen konnte, bevor nicht der eine Test am Boden lag, so wenig kann man jetzt auf Verständigung rechnen, wenn man nicht mit dem Herzen an die Derhandlungm herangeht, wenn man nicht an die Größe der Menschlichkeit glaubt. Wir wissen, daß alle Völker nach dem Entsetzen, das wir erlebt haben, das B e- dürfnis nach Ruhe und Verständigung haben, wenn auch noch auf allen Seiten Mißtrauen herrscht. Gras Westarp hat auch den Handelskrieg mit Polen verlangt/ Wir wisien, daß die deutsche Minderheit in Polen schlecht behandelt wird und wir haben ein Recht, gegen eine solche Politik uns zu wende». Wir wissen aber auch, wie schwer der deutsche Handel und der deutsche Export durch diesen'Handelskrieg oeschädigt'wird, wir wollen, daß er endlich beendet wird: Ich bin außerordentlich neugierig, was die I n d u st ri e l l e n, soweit sie Parteigenossen des Grafen Westarp sind, zu diesem Kriegsrus gegen Polen sagen werden, wir verlang«« seht eine eindeutige Er- kläruna. ob die veulschnanonalen die Regierungserklärung so au». legen wie Herr v. Guerard oder wie Graf Westarp. wir fordern Klarheit. Da- erste Exemplar deutschnationaler Vertragstreue hat die O st f e st u n g e n betroffen. Graf Westarp hat erklärt, daß für die Deutschnationale Partei der Kabinettsbeschluß nichtmahgebend sei. weil die deutichnationalen Minister an dem Beschluß nicht mit- gewirkt haben. Wir hoffen, daß dieser Beschluß den Ministern doch Marschau. 4. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Der deutsche sozialdemokratische Abg. P a n t r a tz sührte bei der Beratung des Militärhaushalts im Sejm aus, daß Polen eine stehende Armee von 27l1e n gewirkt, m. Bsndachsel pt_ Perkai-■ Oberhemden h geiatterte Fsltenbrnst, mit 2 Kra-ren.....«WM 90 Herren-■ RH nachthemden4 mit Kt-vtati ndpr(rMshusorm.............. geiatterte Faltcnbrngt, mit 2 Kraben mit Kragen oder Geishaiorm Damen-Simmpfe oder Herren-Socken prima Baumwolle, gut TerBtlrlrt, Paar Doppels, u. Hochf., schwarz u.farb� oder Herren-Socken n. mod. Jaoqnardm„ gut v. rstirkt, Paar BanmwonemltKnustaeid., InscbSnen I bellen Mustern. Kleider T0 la reinwollenem CliCTlot, mit langen .......................................... HoteeniOchoS aas gutem Flaascb........................ uamen- m Hondschuhe l Glace Lammledcr�Druckkn. weisz u.5bg. 90 HERMANN Leipziger Strasse» Alexanderpiaftz» Frankfurter Aflea* Bslle-Aliian�e-Strasse* Brunn anstrasse Koftbuser Oamm* Wilmersdorfer Strasse» Grosse Frankfurter Strasse* Chausssestrasse Nr. 60 ♦ 44.�ahrgaag 1. Seilage öes vorwärts Soükabenö, 5. Februar 1927 Die �Kommoöe� wankt. Wer, angezogen von dem grotesken Anblick, den die Ttaals- oper Unter den Linden augenblicklich bietet, den Franz-Josephs- Platz überquert, um einmal einen Blick in die Welt dieser„Bau- erncuerung" zu werfen, bleibt überrascht stehen! denn auch die Alte Bibliothek(im Bolksmunde„Die Kommode" genannt) beginnt sich zu isolieren, ein Plankenzaun wird errichtet und läßt nur einen schmalen Zugang zu den Vorlesungsröumen der Univer- sitöt. die hier untergebracht sind, frei. Im Innern des Gebäudes geht's lebhaft zu. Ungeheure Gerüste durchziehen den ganzen Bau und sküßen die Decken. Aufmerksam gemacht entdeckt man auch bald die Uriachen dieser„Stützungsaktion". Risse in den Wänden! Ein Riß, etwa zwei bis drei Finger breit, in der Wand der Vorder- front sichtbar, wiederholt sich auch in der Rückwand und gibt den Beweis, daß es um ernsteres geht, als um bloße Risse im Putz. Da? Fundament ist nicht mehr sicher! Das Getriebe der Arbeit wird deutlicher. Dort wird Sand und Erde herausgeschleppt. Man erfährt, daß das ganze Gebäude auf hölzernen Piäh- l e n erbaut ist. Diese Pfähle müssen herausgerissen und durch Betonpieiler ersetzt werden. Draußen hinter dem Plonkenzaun l legen zersplittert« Ueberreste der riesigen Hölzer. Wo sind nun die Ursachen für das Nachgeben des Fundaments zu suchen? Die Art dieser Fundomentierung bei sumpfigem Boden ist ja auch heute noch acbröiichlich. ruhen doch z. B. die gesamten Stettin«? Hafenanlagen aus Holzpfählen. Das Holz, meistens Kiefer, faulr nie, wenn es dauerird im Wasser steht. Es ist nicht verwunderlich, wenn dem Umbau des Opernhauses, der in so unmittelbarer Nähe vor sich geht und der eine künstliche Grundwassersenkung notwendig machte, die Schuld am Nachgeben dieses Fundaments zugeschrieben wird, und den Gegnern des Umbaues bietet sich ein Angriffspunkt mehr. Diesen Gerüchten wird jedoch bereits entgegengetreten mit dem Hin- weis, das sich schon 1918 ähnliche Schäden gezeigt hätten, die mit Rücksicht auf die damals fehlenden Mittel nicht mit aller Gründ- l'chkcit beseitigt werden tonnten. Di« Ursache soll vielmehr in einer allgemeinen Senkung des Grundwassers, die ganz Berlin betriff:., zu suchen sein, wodurch die oberen, nicht mehr im Wasser liegenden Enden der Pfähle ansangen zu faulen. Es ist selbstverständlich, daß mit allen Mitteln versucht wird, dos architektonisch wertvolle Gebäude, dos ein wertvolles Stück Berliner Barock darstellt, zu schützen. Der Lau stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und ist eine frei« Kopie des Architekten Unger noch dem Hofbauprojekt Fischer v. Erlanchs. Die in der Mitte und an den Seiten vorgestellten Säulen, verbunden mit den den Bau krönenden, mächtigen Skulpturen, den elegant geschwun- genen Mittelbau festigend, geben eine überaus gute architektonische Wirkung, die durch die viel ruhiger und strenger gegliederten Bauten der Umgebung, Oper und Universität, noch hervorgehoben wird. Die Bauverwaltung teilt jetzt mit. daß eingehende Untersuchungen der Psahlrostfundamente bestätigt haben, daß der Opernhausumbau nicht die Ursache ihrer Zerstörung ist. Weiler wurde sestgestelst, daß beim südlichen Flügel ein trag- sähiger Baugrund in einer Tiefe vorhanden sst, die eine Unter- Mauerung nach Unterfangung der alten Fundamente zuläßt. Beim nördlichen Flügel hingegen, wo Torslöcher und schlechter Baugrund diese Bauausführung ausschließen, müssen die neuen Fundamente durch Eisenbetonbohrpfähle geschaffen werden. Der seinerzeit durch die Grundwassersenkung beim Opernhousumbau geschaffen« ab- gesenkte Grundwasserstand ermöglicht es sogar, daß die Arbeiten am südlichen Flügel ohne besondere Porkehrungen gegen das Grund- wasier ausgeführt werden können. §ür die Stiefkinder des Glücks. Die Hauptgewinne der Zlrdeitcrwohlfahrts-Lotteric. Wochenlang hat es gedauert, bevor die Leitung der Arbester- wohlfahrts-Loster!« die Glücklichen ernnstelt hatte, auf deren Los«in Haupttreffer gefallen war. Nachdem jetzt diese Ermittlungen nahezu beendet sind, kann festgestellt werden, daß die fünf e r st e n Hauptgewinne ausschließlich in Arbeiterkreisc sielen. Der Gewinner des SOllOO-Mark-Haus«», des ersten Hauptgewinnes, ist ein armer Händler i n M a n n- heim, der früher Kutscher in einer Brotfabrik war, und der in den letzte» Jahren sich und seine Familie durch den Berkaus von Speiseeis und Bretzeln im Straßenhandel ernährte. Da das Geschäft im letzten Jahr« schlecht ging, mußte der Mann wiederholt die städtische Armenfürsorge in Anspruch nehmen. Das Glückslos selbst hat die Frau erworben. Die Familie besteht aus fünf Köpfen. Mann, Frau und drei Äindern. Kaum war der Gewinn in Mannheim bekannt, als es auch schon von allen Seiten Bitt- und Darlehens- gesuche regnete. Der glückliche Losinhaber, der aus eigener Er- iahrung wußte, wie vcrzweiflungsvoll mitunter die wirtschaftliche Lage solcher Bittsteller ist, hat auch eine zieinlich offene Hand gezeigt und in vielen Fällen geHolsen. Um sich jedoch weiteren Bittgesuchen zu entziehen, ist die Familie auf den vernünftigen Gedanken ver- fallen, für einige Wochen aus Mannheim zu verreisen. Der zweite Hauptgechinn der Arbeiterwohlfahrts-Lotteri« fiel nach Altona. Der Gewinner ist ein 4 0 j ä h r i g e r T e x t i l a r b e i t e r, der in sehr dürstigen Verhältnissen lebt und nunmehr seine Arbeit in einer Wollspinnerei aufgeben will, um sich eine neue Existenz zu gründen. Charakteristisch ist in diesem Falle noch, daß er das Glückslos für die letzten 50 Pfennige kaufte, die er vor Weih nachten im Besitz hatte. Auch dieser Gewinner ist verheiratet! er ist Vater einer sechzehnjährigen Tochter. In seiner ersten Freude hat er gleich eine offene Hand gezeigt und bedürftigen Verwandten mit Geld ausgeholfen. Auch für die Hamburger Ferien-Kinder-Kolonie spendete der Gewinner einen größeren Betrag. Der dritte Hauptgewinn siel ins Zentrum des Rheinisch Westfälischen Industriegebietes, nach Essen. Zwei Bergleute waren es, denen hier das Glück unversehens eine wohl nie erträumte Gabe in den Schoß warf. Den vierten Hauptgewinn gewann ein Berginoalide im Dortmunder Bezirk, der mit seiner Frau in den dürftigsten Ver hällnissen lebt. Beide sind schon über sechzig Jahre all und haben den Wunsch, daß ihnen der Gewinn in bar ausgezahlt wird. Diesem Wunsche ist wie in den anderen Fällen entsprochen worden. Der fünfte Hauptgewinn endlich fiel nach Berlin. Hier waren die Gewinner zwei Arbeiter, von denen einer bereits über ein Jahr erwerbslos ist. Auch diese Gewinner sind durch das Glück, das ihnen in den Schoß fiel, vollkommen überrascht worden und sind sich im Augenblick noch unschlüssig, was sie mit der Glücks gäbe beginnen sollen. Ueber die weiteren Hauptgewinne liegen im Augenblick genauere Mitteilungen bei der Zentralstelle der Arbeiterwahlsohrt noch nicht vor, doch ist auch hier in den meisten Fällen festgestellt worden, daß Arbeiter größere Gewinne gemacht haben. Eines der Autos siel beispielsweise an einen Arbeiter in Frechen bei Köln. So hat die Veranstaltung dieser Weihnachts-Lotterie nicht nur dazu beigetragen, der Arbeiterwohlfahrt die für ihre Wohlfahrt? zweck« erforderlichen Gelder zu beschaffen, sondern darüber hinan? hat sie auch Menschen, die bisher auf des Lebens Schattenseite standen, für ein« Weile die Sorgen um den Alltag genommen. Retordflüge in Staaten. Fünf neue Weltrekorde. Das deutsche Flugwesen, das jetzt von den Fesseln des Der- failler Vertrages befreit ist, hat am gestrigen Freitag einen großen Erfolg zu verzeichnen gehabt. Bei denkbar schlechtestem Wetter gelang es den Rohrbach-Werken mst einer Schwestermaschine der im Dienste der Lufthansa stehenden Rohrbach-Roland Typ stc» 8 die bisher von Frankreich gehaltenen Welttekorde über Dauer- und Ge- schwindigkeitsflüge mit der erheblichen Belastung von 2009 Kilogramm zu brechen. Diese Leistung ist um so bemerkenswerter, als sie bei stürmischem, stark regnerischem Wetter ausgeführt wurde. bei einem Nebel, der zeit weise den Fliegern kaum eine Fernsicht über SOO Meter gestattete. Wir erfahren darüber folgende Einzel- hellen: Am Freitag mittag stieg die dreimotorige Rohrbach-Maschine, die eine Triebkraft von 720 LS. hat, unter Führung des Piloten S t e i n d o r f f in Begleirung des Bordmonteurs Lukas auf dem Staakener Flugplatz auf. um ein festgelegtes Dreieck: Bohnhoi Staaken— Kirchturm Buckow— Dom in Brandenburg, abzufliegen. Die Streck« beträgt genau 100 Kilometer, und an jedem Wendepunkt mar ein von den offiziellen Lustfahrtverbänden beauftragter Sport- zeuge aufgestellt, der mit Hilfe genauer Instrumente die Flugzeit und die Geschwindigkeit der Maschine zu messen hatte. Die Mo- fchine kam trotz der starken Belastung von 40 Zentnern in 15 Sekunden vom Boden ab und wurde von den Regenböen, die über den Platz brausten, bös geschüttelt. Der Führer ging dann auf die an und für sich recht eintönig» Reise und vermochte trotz oller Un- bilden der Witterung die ersten fünf Runden fast auf die Sekunde pünktlich zu absolvieren. Dann aber traf ihn ein böses Mißgeschick. Auf der sechsten Runde setzte der eine Motor aus und versagte den Dienst für den Rest der Fahrt vollkommen. Steindorfs, der gerade zum Schluß seiner Rekordoersuche in außerordentlich böses Wetter geriet, brachte es jedoch fertig, nicht nur das letzte Dreieck glatt aus- zufliegen, sondern er hiell sich noch eine halbe Stunde über dem Flugplatz Staaken in der Lust, um den Dauerrckord zu schlagen, und legt« mit nur zwei Motoren etwa 150 Kilometer zurück. Auch die Landung vollzog sich ohne Schwierigkeiten. Steindorsi wurde von den Ingenieuren und Sportzeugcn beim Verlassen der Maschine Gerichtstag. von Fred B6rence. LevVrUIit 1925 br P»al Zsolnay. Wie»' f. Manchmal erhielt die Mutter Briefe vom Advokaten der Großmutter: sie las sie langsam und mit müder Gleichgültig- keit, als ob sie im vorhinein ihren Inhalt wüßte, faltete sie iusammen, blieb in tiefen Gedanken versunken, ein Seufzer .tieg aus ihrer Brust, dann blickte sie mich an, lächelte und versperrte den Brief in eine Lade. Einmal sagte sie mit ge- brochener Stimme: Jjn spätestens vierzehn Tagen wird die Scheidung ausgesprochen werden." Ich schmiegte mich an sie, schlang meine Arme um ihren Hals und so saßen wir eng umschlungen, ohne ein Wort zu sprechen. Ihre Augen starrten ins Leere, so daß mir kalt wurde. „Mama, ich Hab' dich lieb..." Sie blickte mich an und preßte mich leidenschaftlich in ihre Arme. „Ja. für euch muß es sein." Am selben Abend erhielt sie einen dicken Brief von meinem Bater. Sie sank auf einen Sessel, blickte den Brief lange an, dann plötzlich riß sie den Umschlag auf und las gierig. Meiner Aufmerksamkeit entging nicht, daß ihr Blick, der zuerst kalt, ja fast feindselig war. leb- hast wurde, ihre blassen Wangen sich röteten, ihre Ohren glühten: sie trank die Worte, ihre Lippen bewegten sich, sie las halblaut, aber ich konnte deutlich die letzten Worte hören: „O, Aline. Aline, hast du mich nicht mehr lieb?" Sie stand auf, sah meine klerne Schwester, die mst ihrer Puppe spielte, starr an, barg ihr Gesicht in den Händen und begann krampfhaft zu schluchzen. Als sie sich ein wenig be- ruhigt hatte, zog sie mich an ihre Brust, so stark, daß mir der Atem verging, sah mich mit leuchtenden Augen an und sagte mit einer Stimme, die bebte und zuckte:„Mein gutes Kind, dein Vater war immer sehr unglücklich, ich bin zu streng gegen ihn gewesen, er Nebt uns mehr, als ich gedacht habe. hier ist der Beweis. Ich habe am Altar geschworen, ihm treu zu fein und darf euch auch gar nicht des Vaters berauben, da wäre ich ja eine scAechte Mutter..., jawohl, eine schlechte Mutter." Sie setzte sich an den Tisch und schrieb lange. Als sie fertig war, wendete sie sich zu mir:„Schreib ein paar Worte an den Erfftoß des Briefes, das wird deinem Vater Freuds machen... Nicht wahr, du liebst deinen Bater?" ja.. � Mama." � Aber ich sprach nicht die Wahrheit. Ich konnte ihm nicht verzeihen, daß er mich so häufig ge- züchtigt hatte, und besonders war ich ihm böse über die Schläge, die ich„dort" hatte erdulden müssen: als ich aber das Glück meiner Mutter sah, war alles wie ausgelöscht, und in dem Augenblick liebte ich ihn wirklich, ich fand meine Mutter be- wunderungswürdig und in einer leidenschaftlichen Aufwallung rief ich: O Mama, wie recht tust du, dich nicht scheiden zu laisen!"> ■„Du hast's erraten." rief sie ganz selig vor Freude,„wie glücklich bin ich doch, wie unsagbar glücklich!" Und sie war's auch, das Glück hatte sie verwandelt, verjüngt.. „Schreib jetzt." Ich schrieb einige Worte: „Lieber Papa, ich sehne mich sehr nach Dir, ich freue mich, Dich wiederzusehen und schicke Dir viele Küsse. Dein kleiner Jacques." Ich habe niemals mit besserer Ueberzeugung gelogen, denn ich betete ja meinen Vater seit fünf Minuten an. Die Mutter schloß den Brief. „Wirf den Brief in den Postkasten." Dann besann sie sich. „Wir tragen ihn auf das Mont-Blanc-Postamt.... das ist ein ganz angenehmer Spaziergang vor dem Abendessen." Nun brachte uns der Postbote jeden Morgen einen Brief meines Vaters und wir gaben jeden Abend Antwort auf. Die Mutter erzählte mir strahlend:„Papa hat eine glän- zende Anstellung als Reisender in einer Schokoladenfabrik." Eines Tages, als ich aus der Schule kam, begrüßte sie mich mit einem Freudenschrei. „Jacques, Papa hat mir hundert Franken geschickt... Und denk dir nur, er will zur Großmama gehen und sich mit ihr versöhnen.... ich weiß, daß es ihm gelingen wird: dein Vater kann ja so liebenswürdig fein, er ist so gut, und nie- mand vermag seinen Worten zu widerstehen." Am nächsten Tag kündigte ein langer Brief, der in Grenoble abgestempelt war, die vollständige Versöhnung Zwischen dem Vater und meiner Großmutter an. Diesmgl weinte die Mutter vor Freude. „Dein Vater ist ein Tausendsasa, wir werden noch alle glücklich sein, vielleicht haben uns die Prüfungen gelehrt, das Glück besser zu schätzen." Endlich kam er. er blieb vier Tage bei uns. Wir lebten m einer Atmosphäre von Glück, olles erschien uns ja schön; wir lächelten einander bedeutungsvoll zu, wir umarmten uns ohne Ursache. Draußen war Frühling, und auch im Herzen der Eltern erblühte ein neuer Frühling, verscheuchte Finsternis und Angst des vergangenen Winters. Gegen Ende Juni erhielt die Mutter ein Telegramm aus Evian von der Großmutter, die dort zum Landaufenthalt weille. Sie forderte uns auf, für ein paar Tage hinzukommen. Der Vater hatte einige Worte angeschrieben, die meine Mutter zur Reise bestimmten. Wir packten unsere Koffer und reisten ab: unser Plan war, zwei bis drei Wochen auszubleiben. Im Zug setzte ich mich zum Fenster, um noch einmal die Gegend zu sehen. Als der Turm von Saint Pierre und der Saleoe meinen Blicken entschwanden, warf ich dem lieben Gens eine Kußhand zu. Das war der Abschiedskuß an die schönsten Tage, an die einzigen schönen Tage meines Lebens. 2. Meine Jugend. Familienleben. Evian. Der blaue See, die Alpen, Walder, wundervolle Sonnenuntergänge, die den ganzen Himmel in Brand setzen. malen auf den Iura blaue und rote Farbflecke, die dos Wasser und die kaum sichtbaren Wellen golden erglänzen lassen. Am Abend funkeln tausende Lichter in der Ferne, Mondschein ver- silbert alles und bereitet den Glücklichen ein ewiges Fest, das die Natur ihnen schenkt. Meine Großmutter wohnt in einer hübschen zweistöckigen Villa, die von einem Garten umgeben ist; vorne llegt der See, rückwärts der Wald. Der Bater hatte geschäftlich in Savoyen zu tun und kam jeden Abend zurück, den nächsten Morgen fuhr er wieder fort, und die Sonntage verbrachte er zu Hause. Die erste Woche war wunderschön, und die Mutter ließ sich gerne dazu be- wegen, unseren Aufenthalt auszudehnen. So verging der ganze Sommer. Meine Großmutter, Frau Bonnard, bewohnte ollein das Erdgeschoß und den ersten Stock der Billa, der zweite Stock war frei. Der Bater mietete ihn und die Großmutter war ganz glücklich, uns bei sich zu haben: sie gedachte auch den Winter in Evian zu verbringen. Wir würden in unserer eigenen Wohnung wohnen, aber die Mahlzeiten bei ihr nehmen..... i ,,:•'" �(Fortsetzuus folgU. herzlich beglückwünscht, da es ihm gelungen war, mit 2000 Kilogramm Nutzlast folgende fünf neue Weltrekord« aufzu- stellen: I. Entfernung auf geschlossenem Kur- 600 Kilometer(bisher 500 Kilometer, aufgestellt von Olivier-Frankreich), 2. Dauer- rekord 4 Stunden 18 Minuten(bisher 4 Stunden 4 Minuten, aufgestellt von Olivier-Frankreich), 3. Geschwindigkeit über 100 Kilo- meter mit 173,5 Kilometer pro Stunde(bisher 150 Kilometer, auf- gestellt von Olivier-Frankreich), 4. Geschwindigkeit über 500 Kilometer mit 16 5 Kilometer pro Stunde(bisher 147 Kilometer), 5. Geschwindigkeit über 500 Kilometer mit 1000 Kilogramm Nutzlast mit 165 Kilometer pro Stunde(bisher 163 Kilometer). Die Leistung des Rohrbach-Roland würde die französischen Rekorde noch erheblich stärker überboten haben, wenn nicht der Motorendesekt aus dem letzten Fünftel der Strecke dazu beigetragen hätte, das Gesamtergebnis zu beeinträchtigen. Zuchthaus für einen Justizbeamten. Wegen Artendiebstahls und Amtsunterschlagung. Ein Vorspiel zu dem demnächst zur Verhandlung gelangenden großen Moabtter Aktendiebstahlsprozeß bildete die Anklage gegen den Iustizbeamten Paul vom Amtsgericht Mitte in der Gruner- straße, gegen den der schwerwiegende Zuchthausparagraph 349 des Strafgesetzbuches zur Anwendung gelangte. Die Verhandlung fand vor der Abteilung des Erweiterten Schöffengerichts Mitte stall, vor der auch am 14. Februar mit dem Fall des Rechtsanwaltes Dr. Ludwig Meyer die Reihe der großen Moabiter Aktendiebstahlsprozeffe ihren Anfang nehmen. Beim Amts- aericht Mitte hatten sich seit Jahren die Beschwerden gehäuft, daß Eingaben und Bricfsendungen, Zahlungsbefshle und andere Anträge, denen Kostenbeiträge beigefügt waren, verschwunden waren. Die fälle mehrten sich seit B ginn des Jahres 1926. Gerade von dieser est ab war Paul, der seit 1901 im Juftizdienst tätig ist, nach der Briefannahmestelle des Amtsgerichts Mitte versetzt worden. Es fiel auf ihn aber zunächst kein Verdacht, da er sich im Amte sehr an- fpruchslos bonahm. Schließlich sah sich die Justizoerwallung genötigt, zur Aufdeckung der Untcrschleife die Hilfe der Kriminalpolizei in Anspruch zu nehmen. Der Kriminalbeamte Zäoer wurde heimlich als Aushelfer in die Briefannahmeftclle geschickt. Longe Zeit konnte er dem Täter auch nicht auf die Spur kommen. Schließlich lenkte aber doch ein Vorkommnis, das einem neben Barst arbeitenden Unterbeamten passiert war, den Verdacht auf diesen. Der Kriminalbeamte, von dessen wahrem Charakter selbst der Abteilungsvorfteher keine Ähnung hatte, legte dem verdächtig gewordenen Paul geschickt eine Falle. Er fcnigie selbst fünf Anträge und Zahlungsbefehle aus, die in schlechter Handschrift und schlechtem Deutsch a.bgesaßt waren, und denen. Geldscheine und Briefmarken beigelegt waren. Die Briefmarken waren d u r ch l o ch t und die S ch e i n e g e- zeichnet. Die Schreiben wurden ordnungsmäßig auf der Post abgestempelt und von dem Beamten heimlich unter das Briefpaket, das Paul sich zur Abfertigung geholt hatte, eingeschmuggelt. Nach einiger Zell wurde Paul zum Abteilungsvorsteher bestellt und dort einer Leibesuntersuchung unterzogen. Man fand bei ihm die ge- zeich n« trn Briefmarken uiud Geldscheine aus sämtlichen fünf Urkunden. Die Schreiben selbst waren verschwunden. Paul hatte zunächst auch ein Geständnis abgelegt, widerrief es aber und behauptete, daß es ihm unter der Androhung mst dem Zuchthaus erpreßt worden sei, eine Behauptung, die von dem Ermstllungsrichter, Amtsgerichtsrat Dr. Struckmann, unter Zeugeneid entschieden bestritten wurde. Paul sei alles andere als schüchtern. Die Ermsttlungen ergaben auch, daß Paul, der verheiratet ist, nebenher eine Freundin hatte. Trotz de» schwer- wiegenden Belastungsmaterials blieb Paul bei einem hartnäckigen Leugnen auch vor Gericht. Einmal hatte er angegeben, daß er die Wertzeichen und Noten auf dem Abort gefunden hatte. Das Schöffen- gericht hiell den Angeklagten einwandsfrei für überführt. Es bestehe der Derdacht, daß er schon seit Jahren die Unterschlagungen oerübt habe. Paul wurde wegen schwerer Urkundenoernichtung in Ver- bindung mit Aktenunterjchlagung zulIahr3MonatenZucht» Haus und 3 Jahren Ehroerlust verurteilt, auf die Straf- wurden chm 5 Monate der Untersuchungshaft angerechnet. Der Urlauber aus üem Zuchthaus. Juwelen sind ein verführerischer Traum. Zyir Nichtbesitzenden können es uns wohl denken, daß sie schnellen»Zugriffen" ausgesetzt sind und die Polizei, die auf alle Spielarten der menschlichen Psyche eingestellt ist, hat sich besonders darauf kapriziert, den Juwelen- räubern ihre Beute durch noch schnelleren Zugriff wieder abzujagen. Wir können uns auch denken, daß der Traum nach diesen kleinen asitzernden Dingen einen Zuchthousgefangcnen in seiner Einsamkeit beschäftigen mag, sogar ganz lebbast und begehrlich. Einer solchen »Fato Morgana" fiel auch der Artist G. zum Opfer, der im Z u ch t- Haus fünf Jahre abzusitzen hatte. Und doch war er«in guter Kerl, den nur die dunklen Nächte mit ihren gefährlichen Träumen beunruhigten: er war eigentkich schon von seinem Beruf her ein Nachtarbeiter. Da erhielt er wegen»guter Führung" zwei Tage Urlaub zu Frau und Kindern nach Hause. Die Zuchthausverwoltung wußte von ihrem Mann, daß er wieder treu und brav zurückkehren würde: wie ja auch wir wieder in die»Hölle" zurücklehnen, wenn wir zwei Tage Urlaub bei der Kompagnie er- halten hatten. Und es wird Ihm wie jedem von uns ergangen sein, daß er sich den Kopf schon vorhsr zerbrach, wie der Urlaub bis zur leisten Minute zweckentsprechend ausgefüllt werden könnte. Auch wir schenkten uns den Schlaf für die zwei Tage, weil man das alles m der Kompagnie nachholen konnte.»Was machst« bloß? Was wachste bloß?", hatte auch G. gegrübelt. Die erste Nacht verbrachte er im trauten Kreise seiner Familie, wie sich das für einen an- ständigen Menschen geziemt. Die zweite Nacht aber hielt er es nicht aus, da ging er mit Freunden hin und brach in ein Juwelen- a e f ch ä f t in einem Vorort Berlins ein. Es war ein Dsckenein- bruch, feine ureigenste Spezialität. Die Arbeit lohnte sich, die Beute betrug an 30 000 Mark. Und alles wäre gut verlaufen, G. wäre still und bescheiden wieder in seine enge Zelle zurückgekehrt, mili- tärisch vor seinen Vorgesetzten salutierend:»Zuchthäusler G. vom Urlaub zurück!" Die Sache wurde von einem Neuling verpfiffen, der im Trunk geschätzt hatte. So kam es. daß die Polizei bereits schichte und jetzige Arbeitsweise de« Aitonacr Pflegeamts unter dem Titel .Tie Entwicklung der PflegeamtZarbeit". Genosie Albrecht von der Arbeiterjugend berichtet über»Da« deutsche JugendherbergswerlV In der Umschau wendet fich Genossin Aachenheim gegen die Versuche, sür Abi- turieniinnen einen besonderen BerusSgang sür WohIsahrtSpslegcrinnen und einen Anspruch sür besondere Stellen einzuführen unter dem Titel.Bon Abilurienlinnen. Oberlindergärlnerinnen und anderen Dingen'. Die Um- chau bringt angerdem Mitteilungen über neue Erlasse. Im Abschnitt ArbeUerwobliahrt schreibt Genossin Kirschmann-Röhl, M. d. 2., über .Giundsätzliche« zur AnflaltSsragc'. Berichte sür die Organisation. De» sprechungen der wichtigen Neuerscheinungen in der„Büch eis chau" und in der.Zeitschiislenichau'. Berichte über neue Aufsätze zur.Au«ewander- letzung in der Jugendwoblsahrt' und ein Vorschlag de« Genossen Pros. Dr. Erotjah» zur.EllelnIchaslSversichermtg' folgen. Vortrag von Iran Vr. vloutessori im Zentrallnsliwt sür Erziehung und Unterricht. Aus Beianlafsung der„Gesellschast der Freunde de« Zentral» inititutS' wird Frau Dr. Maria M o n t e s s o r i am 15. Februar 1927, obeiid« 8 Uhr, im groxen Saal, Potsdamer Str. 120. über.Tie Mon» tessori-Melbode in der Schule' sprechen und ihre Airssübrungen an pralti- schen Beispielen erläutern. Karten zu 1 M. sind nur gegen Vorbestellung unter gleichzeitiger Einzahlung des Bctiage« zuzüglich 5 Ps. sür Porto cui Postscheckkonto 68731 Berlin oder persönlich bei der Geschästsstelle er- hältlich. Ein Verkauf an der Abendkasse findet nicht statt. Eine Ansslcllung von Schüler arbeiten au« dem gesamten ArbeitSmrter. richtzder 10. Volsschule, BIn./, Uhr, im früheren städtischen Lichtspielhaus, Bergitr. 147, aus vielseitigen Wunsch den Brbeitersportfilm.Di« neue Großmacht'. Am Montag, den 14. Februar, abends 71/, Uhr. spricht der Arbeiterichristfteller Artur Heye über seine asrikanischen Erlebnisse bei eigenen Reisen durch das Innere AsrilaS. Eintrittskarten für alle Vor» träge find zum Preise von 20 Ps. sür Jugendliche und Erwachsene, sür die Kinoabcnde 50 Ps. für Erwachsene in der Geschäftsstelle de« OrtSauS» schusseS, Rathaus, 2 Treppen, Zimmer 258, zu haben. lleber amerikanisch« Sesänaolffe und Erziehnngsanffalken s Ergebnisse ewer Studienreise) spricht der Prosessor des SlrasrechlS an der Unwersilät Hamburg Dr. Liepmann am Freitag, dem 11. Februar, abends 8 Uhr, im Hörsaal 122 der Universität. der Raubmord au Prof. Rosen aufgeklärt. Lokaltermin in Bischofswaldc. Zur endgültigen Klärung des Mordes an dem Breslauer Uni- versitätsprofessor Rosen fand eine mehrstündige Gegenüberstellung zwischen Jahn und Strauß statt. Auch hierbei hielt Jahn sein Geständnis aufrecht, während Strauß weiterhin leugnete. Er mußte aber gegenüber seiner ursprünglichen Aussage schließlich zugeben, daß er Jahn bereits lange persönlich kennt. In Bischofswalde, dem Wohnsitz des Ermordeten, fand außer- dem ein Lokaltermin statt, chierbei wiederholte John seine Darstellung, daß Frau Neumann. Rasens chausdame, ihn und Strauß am späten Abend in die Villa«ingelasseu hätte. Im Laufe der Nacht habe Strauß dann den Profcssar erschossen, er selbst. Jahn, habe den Schuhmachenneister Stock, der von dem Lärm er- wacht war, mit sieben Schlägen getötet. Jahn erklärte weiter, nach der Tat das Seil zusammengebunden zu haben, mit dem Frau Neumann ihre angebliche Flucht bewerkstelligte. Außerdem hätten st« das Schloß zur Wohnungstür von Frau Neumann beschädigt. um«inen Einbruch bei ihr vorzutäuschen. Auch die Leiter hätten sie sür die Neumann an die Villa angestellt. Nach Jahns Angaben besaß Strauß einen Schlüssel zur Villa Rosen. Dort habe er, be- sonders in den Tagen vor der Mordtat, Frau Neumann des öfteren besucht. Vier Tage vor dem Morde hat Frau Neumann die dem Strauß für den Mord versprochenen MM M. von einem Bres- lauer Bankhaus abgehoben. Es scheint auch festzustehen, daß zwischen der Neumann und Strauß seit langem B e- Ziehungen sexueller und finanzieller 2lrt bestanden haben. Auch will Jahn Frau Neumann erst durch Strauß kennen gelernt haben. Die Polizei hat chre Ermittlungen nunmehr a b g e- I ch l o s s e n, die weitere Untersuchung liegt in der Hand des Untersuchungsrichters. Das Rätsel um den Mord des Professors Rosen scheint damit endgültig gelöst zu sein. Erdbeben in Schanghai. Schanghai. Z. Februar.(MTB.) Gestern um 11.50 Uhr wurde hier«in st arter Erdstoß oerspürt, der die Gebäude em« halbe Minute lang in Erschütterung versetzte. Ein neuer Erdstoß um 1 Uhr dauert« 70 Sekunden. Todessturz eines llnieroflziers. Wie aus Militsch in Schlesien gemeldet wird, stürzte der Unteroffizier Hermann Fink vom Maschinengewehrhalbzug des Militscher Reiterregiments aus einem Fenster des Bodengeschosses der Kaserne auf den Hof herab und war sofort tot. Ob Selbstmord oder Unglücksfall oorllegt, ist noch nicht festgestellt. Geplante verbchmmg für den Seedienst nach Ostpreußen. Der Seeweg Swinemünd«— Danzig— Pillau wud nach der Wüster- ruhe am sechsten April wieder ausgenommen und bis zum 11. Oktober durchgeführt werden. Abfahrtswg ab Swiuemünde bleibt Mittwoch und Sonnabend, ab Pillau Mon- tag und Freitag. Während der Hauptverkehrszeit vom 30. Juni bis 4. August sollen in beiden Richtungen wöchentlich sogar vier Fahrten stattfinden. Für die Fertenzest im Juli ist ge- plant, den Dompseroerkehr über Pillau hinaus bis Memel auszu» dehnen. parteinachrichten Einsendungen für diese Rnbrlk sind Berti» SO 08, Lindenitrah» 3. für Groß-Serlm Net»«n da» Bezirkisekretarlat. 2. Kos, t Trep. recht»,»u richten. 7. it-e!» Charlotteubvrg. Sonntag, 5. Februar, 7 Uhr, veranstaltet der Bildungsausschuß im Deutschen Nranlrnlasscuhauz, Berliner Straße 137, einen Musik- und Filmabend. Mozantquartett und Film:„ .Die Schmiede'. Saalbffnuna 7 Uhr. Unkastenbestrag 60 Pf. Gaste-3 herzlichst willkommen. Zahlreichen Besuch erwartet der Arclovorstanb. W Heute. Sotmabeud. den S. Februar: 3. Abi. Heute und Sonntag frsth sind die Flugblätter bei Makhia, Linien. straße, abzuholen. 8. Abt. Ab S Uhr und Sonntag ab SM Uhr Flugblattverteilung von Rickeit, Steinmctzstr. 36a, und Weyer, Liltzowstr. 7, aus. Die Bezirks fuhrer holen die Einladungen zum gahlabend ab. II. Abt. Die Bezirksführer treffen sich von 4—5 Uhr bei Sottschalk, Putbusscr straße 24, zum Empfang der Flugblätter. Bon 6—8 Uhr Ausgabe der ..■-»—'ahlabendlokaleu. 4 und 5 Uhr bestimmt die ügbliitter an d!« Genossen in den gahlabendlokaleu. bt. Die Bezirksführer holen zwischen 4 und 5 llhr bcstü blätter von Schrepel- Srünthaler Straße, ab. Ab 5 Uhr 19. Abt. Die Bezirksführer holen blätter von Schrepel, Srüntha.... breitung von den bekannten Lokal aus. Alle Genossen milsse» sich beteiligen. 28. Abt. 8 Uhr troffen fich alle Bezirkslelter bei Fritzsch, Dronthcimer Str. 4. Bon 8—7 Uhr Flugdlattnerbreitung von den Zahlabend lokalen on» Alle Genossen müssen erscheinen. 28. Alt. Don 0—8 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten gahlabend. IflfaXca«7'?? Wir erwarte a aafilctiAcÄ Gcftheiaett. 28. Abt. Ab 4 Uhr Flugblattverllrectung von Beinlich, Wsißenllurger Straß« 1, au». T7. Abt. 6 Uhr Flugblattverbreitung von den gahlabenplokales au». Di« von Seidirr. .....«rdreitung von den bekannten Lokalen aus. 22. Abt. 5 llhr Abholung der Flugblätter von Burg, Prenzlauer Alle« IM. 33. Abt. Die Bezirksführer rechnen die Billetts zur Fahnenweihe bis Sonn. tag mittag 12 llhr mit dem jlaksserrr, Genossen Paul Beq, ab. Um 12 Uhr Sitzung de» Bergnügungsausschusse» und de« Abteiluagsvorstand.� in der Wohnung de» Genossen Arbeit wtd zur Spielerei, J�ausl du stets PJC, dabei l P K.-Kau-Bonbons sted während der Arbeit ein glänzendes Mittel zur Beruhigung der Nerven, besonders wenn das gewohnte Rauchen nicht zulässig. Millionen Menschen, jung und ah, erfreuen sich der angenehmen Wirkung der berühmten P. K.-Kau- Bonbons. 8. E. 14 Päckchen---- 4 StQck---- 10 Pf. Ueberall erhältlichl RK. KAÜ-BONBONS WRIOLE.Y A.G. f r a n k f u rt a. m. Aasccbrclbuns! Im 5Ia|fistrat der Stadt Frankfurt am"Main sind mehrere besoldele Statflraisstellea neu zu besetzen. Die Wahl erfolgt auf die Dauer von. 12 Jabron. Gesucht werden führende Persönlichieiter) auf dem Gebiete des ßchifi- und Kultorweeens, dar Wirt�ohaft, jer Xeohnik, sowie hervorragende Juristen. Mi« den Stellen ist das Gehalt der Einzeigehilter Grugpe 2 bezw. 8 der Be soldun gs Ordnung verbunden- JPeraftnllcbe»orelollang nnr nacb eploljg- ter Anffopdepnng. Bewerbungen mit Lebenslauf und Deberbliclt über die bisherige Tätigkeit sind bis spätestens 15. Mira 1927 nap an das Bnpeaa dep Stadtrepordncten- Vepsarnmlnng Frankfart am TIaln, Ratbaas, Zimmer.\r, 140, einzureichen. Frankfurt am Main, den 2& Januar 1927. I>ep Topsitzende der Stadtverordneten- Ter«am m tan g. D EeiüwoU. ? Radiitis, Skrofnlose JuberRnlose nearoiiea»ne Kinder! Die Gefahr, dah Gesundgeborene durdi Vemadilässigung verkrüppeln, muß systematisch bekämpft werden. e,tn* vtma&ldssrgung beginnt, wenn t,ltern die mc derne E(ternpßimt versäumen, jedes Kind in seinem ersten Lebensjahre vorbeugend mit der QuarzCampe .Känstddit Höhensonne'- Originai Hanau- bestrahien tu Cossen. Tragen Sie Ihren Arrt! Bei radiltisdien Kindern werden an sich bannlosere Erkrankungen stets geffihrlldi. Niehls anderes als Radiills ist meist die Grundlage der zahlreidien Todesffille.an Masern*. .an Keuchhusten",.an Grippe". Die meisten Kinder, die an Rachitis schwer erkranken, laufen Gefahr, zu Krüppeln zu werden. Verkrümmungen der Beine, RüdcgrafverkrOmmungen, vom einfachen schiefen Rücken bis zum schwersten Höcker, Piafffüße mit Ihren lebenslänglichen Beschwerden. Zwergwuchs, Häßlichkeit der Gesichtszüge, stodeige Zähne, vorspringende Stirn, eingezogene Nase, Beckenverengungen der Mädchen, die bei späterer Geburs zur Geiahr werden, sind alles Folgeerscheinungen schwerer rachitischer ErkranVungen der KindheU; alle davon Betroffenen werden Unglückliche und In Ihrem ganzen Leben in traurigster Welse körperlich und seelisch benachteiligt. Was ist Rachitis? Rachitis(englische Krankheit) Ist eine derart verbreitete Erkrankung, daß— was häufig unbekannt— fast Jedes Kind in Mitteleuropa im ersten Lebensjahr eine rachitische Erkrankung durchmacht. Rachitis bedroht alle Kinder vom 1. bis 6. Lebensjahre, gleichviel, ob arm, ob reich, gut oder schlecht ernährt, auf dem Lande wie In der Stadt. Wie erhennt die Mutter eine Beginnende Rachitis? Durch Befühlen des Hinierkopfes, an dem sich weiche Stellen Im Schädeldach zeigen; ferner durch häufiges Aullreten starken Kopfschwel fies. In solchen Fällen muh sotori der Arzt betragt werden. Es ist Elternpflicht, jeden Säugling in seinem ersten Lebensjahr vorbeugend mit der Hanauer Quarzlampe bestrahlen zu Cossen, da auch die Entstehung der Rachitis durdi vorbeugende Bestrahlung sicher verhindert werden bann..Rachitis ßehämpjen heißt auch den Maser n, dem Keuchhusten und Banaleren Er' iranhungen ihre Gefährdchheit nehmen.'(Heuler.) Tragen Sie Ihren Arzt! Was ist Skrofulöse? Skrofulöse Ist eine besondere Form derluberkulose Belm Säugling äubert sie sich Im Wundsein. Ausschlag, Milchschorf, beim älteren Kinde In Neigung zu Katarrhen der Luftwege (Schnupfen, Husten, Heiserkeit) oder in Nesselsucht. Juckausschlag. Vergrößerung der Wachen- oder Gaumenmandeln u.a.m. Ferner in Abmagerung, Blässe Appetitlosigkeit, Maltigketl, lelchl erhöhten Temperaturen. Ott besteht lange anhallende Ohreiterung. Am häufigsten anzutreffen aber Ist eine Entzündung der Augen, Tränenflüfi, wunde Lidränder und starke Lichtscheu. Insbesondere sollten auch die Kinder besfrahlt werden, bei denen nur DrüsenschwelCungen ohne die Zeichen der Skrofulöse besteben. Findel die Muffer am Halse ihres Kindes kleine Knötden, so sind die Drüsen des ganzen Körpers geschwollen. Das Kind hat keinen Appetit und ist nervös. Diese Drosenkrankheit(lymphathlsche Diathese) wird mit Sicherheit durch die ultravioletten Strahlen der ,, Künstlichen Höhensonne" auf das günstigste beeinflußt.— Nicht nur hei Skrofulöse, sondern auch bei vielen anderen Formen der Tuberkulose, bei Tuherkutose'Verdacht werden nach den Erfahrungen zahlreicher Autoritäten freft liehe Hellerfolge erzieh durch die billige, bequeme und schnellwirkende UUravioleff- Therapie mit Quarzlampe„Künstliche Höhensonne"— Original Hanau—. Tragen Sie Ihren Arzt! Helfen Sie mit! Ihre wirksame Mithilfe kann darin bestehen, bei Ihrem Bürgermeister und den von ihnen gewählten Abgeordneten anzuregen, daß des Mullerberatungsstellen, den Fürsorgestellen, den Wohlfahrt sämlem. den Schulen ärzlllch geleitete Bestrahlungsanlogen angegliedert werden. Die geringen Kosten kann Jede Gemeinde aufbringen. Aerile und Stadl verordnete sollten dazu beitragen, dafi den Scholen, den Fürsorgestellea. den Gemeinden, den Wohlfahrtsämtern und größeren Fabriken ärztlich geleitete Bestrah fungshaICen mit Quarz' Campen. Künstliche Höhensonne'— Original Hanau— zur Behandlung nach Prinzipien von Professor Jesionek angegliedert werden. Für einen Bruchteil der Kosten, die die Anstaltskur nur eines Kranken sonst verursacht, können täglich viele Kranke mit Quarzlampe„Künstliche Höhensonne"— Original Hanau— bestrahlt werden. Jede rechtzeitig begonnene Bestrahlung spart Unsummen öffenlUcher Gelder, die sonst für Ansiallskuren geopfert«erden müssen— Verlangen Sie zur Begründung von Antrügen die„Merkoläöer für Eham und Pfligerlnncn" betreds Rachists, Skrofulöse, Tetanie Die Abgabe erfolgt kostenlos. Quarzlampen- Gesellschaft m.b.H.— Hanau a.Main, Postfach Nr. 143 Ein AulklärungsHlm zur Verhütung rachitischer Erkrankungen der Kinder wird Korporationen. Gemeinden. Vereinen auf Anfrag leihweise zur Verfügung gestelll. Verlangen Sie das.JUmflugWatt" Uo.t.-nW lilÜUlMllllMlilj £5 ü I ac S! 5* M. Sit. San t— 8 Uhr und Tonntag»SU 9 Uhr vormittag» Flugblatt»«. brertung von den bekannten Lokalen aus. Die Grupven. retv. Bezirks- leiter holen die FlugbläUer Eonnabend um ö Uhr von Töppcr. Algaer Straße 85, ab. M. Abt. Flugblattverbreitung Sonnabend ab 3% Uhr und Sonntag ab g Uhr von den bekannten Lokalen aus. 37. Abt. 5 Uhr Flugblätter abhole» von Pfeiffer, Hausburgstr. Z. Wir bitten um die Beteiligung aller Genossen, besonders der Jugend. ihren Zahlabcndlokal.. abends 7 llbr bei Lubotta, Richthofenstr. 1. 3». Abt. Von 4 Uhr ab Flugblattvcrbreitung von Lucht, Lindenftr. 2, aus. Funktionärfibuna am Montag, 7. Februar. 49. Abt. gur fflugblattverbreitung treffen sich olle Mitglieder bei Keufuer, Kagelbcrger Str. 20a. 93. Abt. Die Bczirkzfiihrer werden ersucht, ab 4 Uhr von Wölfs. Gräfestraßc, die Flugblätter abzuholen. Sonnabend und Sonntag Flugblatwerbreitung von den bekannten Lokalen aus. 49. Abt. Sonnabend und Sonntag Flugblatwerbreitung von Eichholz, Euvry. straße 23, aus. Vollzähliges Erscheinen wird erwünscht. 43. Abt. 6 Uhr Ausgabe der Flugblätter bei Keller, Fürsienftr. I. Eharlottenburg. 51. Abt. Ab 6 Uhr und Sonntag ab g Uhr Flugblatwer. breitung von den bekannten Lokalen aus.— 52. Abt. Für Flugblatwer» brcitung treffen sich die Genossen um 5 Uhr und Sonntag um g Uhr bei Bade, Kaiserin. Augusta. Alle, S2.— 54. Abt. Flugblatwerbreitung Sonn. abend und Sonntag vom Zugendheim Rosinenstr. 4 aus.— 55. Abt. Ab S>4 Uhr und Sonntag ab g Uhr Flugblattverbreitung. 3. Gruppe: Eggert, Wallstr. 9». 9. Gruppe: Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. 10. Gruppe: Bohne, Schloßstr. 45.— 59. Abt. Sonnabend und Sonntag s Uhr Flug- blatwerbrettung. l. und 3. Gruppe: Liersch, Äantstr. 62. 2. Gruppe: Zoskowiack, Holtzendorffstr. 20. Sämtliche Mitglieder müssen erscheinen.— 57. Abt. 5—7 Uhr und Sonntag vormittag 0 Uhr Flugblatwerbreitung. 1. Gruppe: Arndt, Kantstr. 51. 2. Kruppe: Thunack, Wielandstr. 4. Da- felbst auch Karten zum Musik» und Filmabcnd. 79. Abt. Wilmersdorf. 6 Uhr Flugblätter abholen von Kroihs, Holsteinische Straße 60. 73. Abt. Schöueberg. Von alle» Fahlabendlokalen aus findet am Sonnabend und Sonntag Flugblatwerbreitung statt. Sonnabend ab 6 Uhr, Sonn. tag ab g Uhr. Die Bezirksfllhrcr holen die Flugblätter von Groß, Scdan. straße 17, ab. 81> Abt. Friedenau. Ab 6 Uhr bei Klab«, Handjerystr. 60—61. Flugblattver. breiwng. Erscheinen aller Genosstnnen und Genossen unbedingt erforderlich. 32. Abt. Sieglitz. Die Bezirksfllhrcr holen heute von 5—7 Flugblätter vom Lokal Schellhase, Ahornstraße, ab. Anschließend Flugblatwerbreitung. 39. Abt. Maricndurf. Die Flugblätter sind um 7 Uhr von Niendorf, Chaussee. straße 19, abzuholen. Neukölln. 3». Abt. 9 Uhr Flugblatwerbreitung. l. bis 4. Bezirk: Brote, Sanberftr. 10. 5., 7., 8. Bezirk: Wilke, Reutcrstr. 47. 6., 11., 12. Bezirk: Gläser, Pannier», Ecke Pflügerstraße. g.. 10., 18., 19. Bezirk: Fischer, Hobrech tstr. 64. Erscheinen sämtlicher Genossinnen und Genossen ist Pflicht. — II. Abt. Die Genossinnen und Genossen treffen sich heute 6 Uhr in ihren Bezirkslokalen zur Flugblatwerbreitung. Pollzähliges Erscheinen wirb er. wartet.— 92. Abt. Zur Flugblatwerbreitung holen die Genossen das Mate» rial Sonnabend von Wolff, Kaiser»Friedrich»Str. 173, ob 5 Uhr nachmittags ab. Sonntag vormittag pünktlich 10 Uhr Abteilungsfimktionärsitzung, bei der kein Funktionär fehlen darf. Tagesordnung u. a. Ausgabe der neuen Funktionärausweise gegen Rückgabe der alten. 199. Abt. Zohavnisthal. Die Genosstnnen und Genossen treffen sich abends 6>4 Uhr bei Gobin, Ronstr. 2. Erscheinen unbedingt erforderlich. 193. Abt. Friebrichshagen. 8 Uhr Persammlung mit anschließendem gcmül» lichcn Beisammensein bei Scholz, Friedrichstr. 81. Gäste können cingesührt werben. Lichtenberg. 114. Abt. Sonnabend von 5 Uhr an Flugblattvcrbreitung, Sonn» tag von 9 Uhr an von Schwarzer, Gabriel-Mar-ötr. 17, aus.— 116. Abt. Beteiligung aller Mitglieder an der Flugblattvcrbreitung von 4—7 Uhr von Morr, Nene Bahnhofstr. 28, aus.— 117. Abt. 6 Uhr und Sonntag 8 Uhr Flugblatwerbreiwng von Krüger. Tllrrfchmidtstr. 33, und Klose, Rnpprecht», Ecke Eitelstraße, aus.— 118. Abt. Bon 4 Uhr ab Ausgabe der Flugblätter bei Tempel, Glibrunstr. 7, an die Gruppenleiter. Sonntag von 9 Uhr ab Flugblatwerbreiwng von den bekannten Gruppen lokale» aus. Die hierbei tätigen Genossen werden in der nächsten Abteilungs» vcrfavimliwg bekanntgegeben. 122. Abt. Biesdorf. 8 Uhr im Restaurant Dietz, Biesdorf-Süd.-Köpenicker Straße, spricht Stadwrzt Dr. Georg Löwenstein über„Die Organisation des Gesundheitswesens im 17. Bezirk". Die Genosstnnen und Genossen au» Biesdorf-Rord treffen sich 714 Uhr am Dahnhof Biesdorf. 124. Abt. Mahlsdorf. 71h Uhr Flugblattverbrettung van den bekannten Lokalen aus. Montag, 7. Februar, beteiligen sich sämtliche Funktionäre on der Funktionärkvnferenz in Lichtenberg, Arbeitsamt. Organisation-» papier« sind mitzubringen. 128./139. Abt. Pankow. Nachmittag- holen die Gruppenführer die Flugblätter von Rißmann, Mühlenstraße, bestimmt ab. Sonntag ab 9 Uhr Flugblatt. Verbreitung von den bekannten Lokalen aus. Morgen, Sonnlag, den S. Zebruar: 2. Abt. 9 Uhr von Ohngemach, Kommavdantenstr. 88, aus Flugblattver. brcitung. 3. Abt. Es beteiligen stch sämtliche Funktionäre an der Flugblatwerbreiwng. Treffpunkt früh 9 Uhr bei Krüger, Gngelufer 23. 34. Abt. 9 Uhr Flugblattverbreitung von Mücke, Darschauer Sw. 17, und Rlosin, Gubener Str. 19, aus. 136. Abt. Reivickcvdors.vst. 9 Uhr Flugblatwerbreitung Di» Bezirksführer werden ersucht, die Flugblätter abzuholen, l. bis 11: Bezirk: Bamberg, Resibenzstr. 126. 12. bis 21. Bezirk: Wahle, Pwoinzstr. 56. Jungsoziallsken. Die Bauarbeiter rüsten. Beiratskonfereuz des Deutschen Baugewerksbundes. Heute, Sonnabend, 5. Februar, 4 Uhr, Arbeitsausschuß.— Um 5 Uhr pünktlich Sruppenkoufereuz im Jugendheim Lindenstr. 3, 2. Hot. 5 Tr. Jede Gruppe entsendet zwei Vertreter.— Die Kesamtoeran. ss staltung am Donnerstag, 10. Fehruar lEngclbcrt Graf), findet nicht== statt. Alle Gruppen beteiligen sich an der Kundgebung im Sportpalast.=3 . Tiergarten: Heute, Sonnabend, 8 Uhr, im Jugendheim Bremer, Ecke Wiclefstraße. Zimmer 6. Gruppenveranstaltung.— Gruppe Süden: Sonntag, 6. Februar, Fahrt nach Potsdam. Treffpunkt früh 8'i Uhr Pats» damer Bahnhof.— Gruppe Schvuebcrg: Sonntag, 6. Februar, Fahrt nach «tänigswusterhaufen. Treffpunkt morgen, 7% Uhr am Bahnhof Schöncbcrg. Arbeiksgemeinschaft der Kindersreunde. Kreis Schäneberg-Friebenau: Wanderung beider Gruppen am Sonntag. 9. Februar, nach Mcißnershof. Treffpunkt morgens 7'i Uhr am Bahnhof Schonsberg. vletterberichl der öffenlstcheu Metlerdienltstrlle für Scrfin und Umgegend (Nachdruck Verb.) Bei wenig geänderter Temperatur meist bedeckt. Nach. lassen der Niederschläge.— Für Deutschland: Ilm Osten noch regnerisch, sonst wechselnd bewölkt, aber noch trocken, im ä-üden Nachtsrost. Am 2. und 3. Februar fand im Berliner Gewerkschaftshause eine Konserenz des Vorstandes und Beirates des Baugewerksbundes statt. Di« Bezirksleiter des Bundes, die dessen Beirat darstellen, waren vor ollem zusammengerufen, um einen Bericht zu hören über den Stand der Reichstarifsroge. Zunächst berichtete jedoch der Vor» sitzende P a« p l 0 w über den Stand des Bundes. Er komite feststellen, daß der Mitgliederstand trotz starker Krise stabil geblieben ist. Di« Arbeitslosigkeit der Bauarbeiter ist erschreckend groß. Zurzeit sind im Baugewerbe über 40 Vroz. Arbeitslose vor- Händen. Im verflossenen Jahre war um die gleiche Zeit die Zahl der Arbeitslosen ungefähr 50 Proz. Diese Arbeitslosigkeit hat das ganze Jahr über angehalten. Sie verminderte sich in den besten Sommermonaten auf ungefähr 17 Proz. Die K a s s e n v e r h ä l t- nisse haben sich gebessert, die Schäden, die die großen Kämpfe im Baugewerbe im Jahre 1925 verursachten, sind heute wieder aus- geglichen. Der Industrieverbandsgedanke macht noch der Meinung des Redners nicht genügend Fortschritte. Er war der Meinung, daß der Vorstand des ADGB. auf Grund der Breslouer Gewerkschaftskongreßbeschlüsse die Pflicht hätte, diese Frage energi- scher zu forcieren. Im Anschluß an den Bericht Paeplows berichtete der zweite Vorsitzende des Bundes, Bernhard, über die Berhandlun- gen mit den Unternehmern wegen der Lohn- und Arbeits- bedingungen der von ihnen in Frankreich bei Reparation?- arbeiten beschäftigten Arbeiter. Diese Verhandlungen haben sich zerschlagen. Es müsse nunmehr ermtlich gewarnt werden vor Arbeiisannahme in Frankreich. Bauarbeiter, die dort beschäftigt werden, hoben keinerlei Schutz oder Sicherheit in ihren Lohn- und Arbeitsbedingungen. Auch sind ihre sozialen Belange sehr in Frage gestellt. In der Aussprache äußerten die meisten Redner ihre Un> zufriedenheit wegen der zögernden Haltung des Vorstandes des ADGB. in der Frag« der Abgrenzung der Verbände, vor allem der Schaffung einer umfassenden Organisation oller im Baugewerbe Beschäftigten. Eine Entschließung, die dieser Stimmung Ausdruck gibt, wurde einstimmig angenommen. Dann berichtete Bernhard über den Verlauf der bisherigen Reichsiarifoertrags»erHandlungen. Die Berhondlungen waren bisher sehr schleppend. Rur in ganz wenigen Punkten hat sich bisher zwischen den beiden Parteien eine U e b e r e i n st i m m u n g herausgestellt. Die Verlfandiungen sollen am 22. Februar sortqesetzt werden. Auch bei den Bauunleriiehinern scheint das Berstäiidnis für die Dorteil« eines Reichstarifoertrages obzuwalten, jedoch— das betonte der Redner — werden die Unterhändler der baugewerblichen Arbeiterorganisa- tionen nur einem Reichstarisvertrage ihre Zustimmung geben, der in allen Teilen den Interessen der Bauarbeiter entspricht. Die Konserenz sprach nach geschehener Aussprache der Verhandlungs- kommission in der Reichstarifvertragssrage einstimmig ihr Ler- trauen aus. Sodann sprach Bernhard zu dem vorliegenden Entwurf eines Arbeiterschutzgesetzes. Der Entwurf gleicht in der jetzigen Fassung einem Irrgarten, seine Bestimmungen sind für die Bauarbeiter unannehmbar. Würde dieser Entwurf Gesetz, dann würde den baugewerblichen� Ar- bcitern der Achtstundentag geraubt und an seine Stelle nackt und dürr der Z w ö l f st u n d e n t a g gesetzt. Es sei unerhört. angesichts der starken Arbeitslosigkeit im Lande, mcht zuletzt>111 Baugewerbe, mit einem solchen„Arbeiterschutzgesetz" der deutschen Arbeiterschaft zu kommen. Das mindeste, was die Bauarbeiter in dieser Frage zu verlangen hätten, wäre die Annahme des von den Gewerkschaften geforderten Rotgefetzes. Jedoch ist zu erwarten, daß die bürgerliche Regierung von Hindenburgs Gnaden für solche Interessen der Arbeiterschosl wenig Verständnis ausbringen wird. Nach wie vor wird es vor allem der gewerkschaftlichen Kraft bedürfen, um in der Frage der Arbeitszeit ein« günstige Lösung für die Arbeiterschaft.zu schassen. Der zweite Berhandlungstag war zunächst B i l d u n g s- fragen gewidmet. Der Iugendleiter Walter P i st e r n i k be- richtete dabei, daß in den letzten Iahren die Zahl der Lehrlinge im Baugewerbe ganz erheblich zugenommen hat. Nach eiuer im De- zember 192k vorgenommenen Zählung sind über 34;000 Lehrlinge im Maurergewerbe beschäftigt. Nie vor dem Kriege war der Pro- zcntsatz der Lehrlinge zu dem der Gesellen so hoch wie heute.?lus Handwerkskammern, Berussberatungs- und Arbeitsnochweisämter wird eingewirkt werden müssen, um der Lehrlingsausbeutung einen Riegel vorzuschieben. Ungefähr 15 400 Lehrlinge sind in der Jugend- gruppe des Baugewerksbundes organisiert. Im Anschluß daran wurde die Ausklärungs- und Unter richtsarbeN in den Zugendgruppen besprochen. Die Notwendigkeit der Einrichtung von Iugendkursen wurde allseitig anerkannt. In der Nachmittagssitzung wurden in der Hauptsache Der- waltungsfragen besprochen. Die Frühjahrsagitation soll kröfssg gestützt und mit Wort und Schrift gefördert werden. Der zweite ordentliche Bundestag soll im Spätsommer oder Frühherbst in Dresden abgehalten werden. Von allgemeinem Interesse war noch der Vortrag Bernhards über die Berdingungsordnung für B a u l e i st u n g e n. Die Interessen der Bauarbeiter sind darin völlig unberücksichtigt geblieben. Neben anderen„Schön- heilen" steht darin die berüchtigte Streikklausel, die in der wilhel- minischen Zeit den Unternehmern durchzusetzen nicht möglich war. Alle Mittel sollen angewendet werden zur Beseitigung oder Unschädlichmachung dieses arbeiterfeindlichen Machwerks. Eine Aussprache über die Unter st ützungsvereini- gung für Angestellte der Arbeiterbewegung führte zu der einmütigen Ausfassung, dahin zu wirken, daß die Pensions- Möglichkeit schon nach Dollendung des 60. Lebensjahres eintreten soll Die in der letzten Zeit gemachten Erfahrungen fordern die? dringend. Die Forderung des 65. Lebensjahres alz Voraussetzung zur Pensionierung müsse fallen, zumal auch Regierungsstellen angc- sichts der verheerenden Kriegssolgen der gleichen Auffassung in der ollgemeinen Invaliden- und Angestelltenversicherung zuneigen. Ein- mutig beauftragte die Konferenz den Vorstand, in dieser Richtung aus den Borstand des ADGB. und die Unterstützungsvereinigung einzuwirken._ Rechtsschutz- und Haftpflichtversicherung der Kraftfahrer. Die Sektion der Krostwagenführer im Deutschen Derkehrsbund hatte zu Donnerstag abend nach dem Gewerkschaftshaus ein« Per- sammlung ihrer Mitglieder der Rechtsschutz- und Haft- Pflichtoersicherung(Fakulta) einberufen, die einen überaus starken Besuch von über tausend Personen auswies. Genosse N ü r n- b e r g vom Hauptvorstand hielt einen instruktiven Vortrag über das Werden und Wesen der„Fakulta", deren Wert erst jetzt in der Zeit des immer stärker werdenden Automobiloerkehrs und der damit ebenfalls anwachsenden Unfallmöglichkeiten erkannt wird. Die Versicherung wurde 1910 geschaffen zum Schutze der Kraft- Wagenführer gegen die unbilligen Härten des Gesetzes über den Ber- kehr mit Kraftfahrzeugen, das den Fahrer für jeden Sach- und Personenschaden infolge eines Unfalls haftbar macht, für den er nicht seine Unschuld nachweisen kann. Sie war bis zum Oktober 1925 eine freiwillige Versicherung und wurde dann auf Beschluß des Bundes- tages in München in eine obligatorische Dersickerung umge- wandelt, die jetzt in Deutschland schon 18 000 Mitglieder hat. Alle im Derkehrsbund organisierten Kraftwageniührer, die früher nicht zum Eintritt in die freiwillige Versicherung zu bewegen waren. möchten jetzt die„Fakulta" nicht missen. Infolge der hohen Mit- gliederzohl konnte der Bundesvorstand die Leistungen der Versiche rung ahne Beitragserhöhungen ganz erheblich ausbauen, so daß jetzt außer der Gewährung von Rechtsschutz und der Uebernahme der Haftpflicht an Stelle des Krastwogenfahrers beim Todesfalle ein Sterbegeld bis zu 900 M., bei Unfällen mit tödlichem Ausgang sogar bis zu 1800 M. gezahlt wird. Der Redner betonte zum Schluß, daß die Schaffung solcher Einrichtungen, die im Gegensatz zu privat- kapitalistischen Versicherungen ihren Mitgliedern bei niedrigen Bei- trägen hohe Gegenleistungen bieten, nur starken freigewerkschafi- Uchen Organisationen wie dem Verkehrsbund möglich ist. Die im Verkehrsbund organisierten Kraftwagenführer können bei der Wer- bung unter den Unorganisierten auch auf diel« Einrichtung ihrer Organisation hinweisen, die ein Beweis dafür ist, daß der Verkehrs- bund nichts unoersucht läßt, um seinen Mitgliedern in jeder Situation ein starker Rückhalt zu sein. Dem Referat folgte eine Vorführung des Films der Deutschen Verkehrswacht„Im Strudel des Verkehrs", der sehr beifällig auf- genommen wurde. Zum Schluß ersuchten die Versammelten einen anwesenden Pariser Ehaufseur. den dortigen Berufskollegen die besten gewerkschaftlichen Grüße der Berliner Kraftdroschkenführcr zu übermitteln, worauf die Versammlung mit einem Hoch auf die inter- nationale Arbeiterbewegung geschlossen wurde. 3lchtu»g, SPD.-Selzaebciter. Brzirl Osten Nil Sonntag vormittag 914 Uhr dci Schwarzer, Gabriel-Max-Str. 17, lehr wichtig« Versammlung oller Parteigenossen. Keiner darf fehlen. Der Frattionsnnrstand. SPD.-Post, und Teleorapdeabeaattc»»»»«»»ärter. Mauwo 8 Uhr in Haverlands Festsälen, Reue Friedrichstraße, Eingang Rochstraße. große össentlicke Beanitenvcrfammlung. Tagesordnung:„Die kommende Beloldungsregeliing." Referent Genosse Dr. Völler. Ferner werden M vom Reichstag die Abgeordneten Eeppcl und Steinkopf sprechen. Kol» leginncn und Kollegen, erscheint zahlreich in dieser wichtige» Vor» sammlung. I»ge»dgr»pp« de, Zd«. Morgen, Sonntag. 6 Uhr. im Zugendheim Reichen. bergcr Str. 66, Hcidcabend. Alle Iugendmitglieder werdcn gebeten, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Freie Gewerischaftsjuge»». Heute, Eonnabend. 714 Uhr, tagt die Gruppe Vauwschulenweg im Gruppenhelm Jugendheim Srnststt. 18. Brettspialabcnd. �SfrAMmtierew: Unsere tl&Lia MiSCl�UllQ•, Täbafee der manipuliert QOlD-SABA............. 4� Königin v.SABA-...... 4� baccarat � 5 s Smiey /usies JzeÄwjL leichte, bekömmliche Qjjalität mU- blumigem» Aroma-und glattem Brnnd? GÄRBATY Nr. 60 ♦ 44. Jahrgang 2. Seilage öes vorwärts Sonnabend, 5.§ebrsar10Z7 Westarp erklärt sich. Wie er es aufgefatzt hat.— Demokratische Oppofitionsrede. Während der Rede de» Zentrumsabgeordneten v. Guärard im Reichstag, die wir bereits in der gestrigen Abendausgabe wieder- gaben, ist ein völkischer Mißtrauensantrag«ingegangen, der sich gegen den Reichskanzler Dr. Marx, den Außenminister Dr. Stresemann und den Finanzminister Dr. Köhler richtet. Abg. Dr. Koch-Weser(Dem.) erklärt, die Rede des Grasen Westarp stehe unter dem Zeichen des Fluchs einer achtjährigen hemmungslosen Opposition. Das Zentrum habe das Bekenntnis einer schönen Seele erwartet, aber was man gestern erlebt hat, war kein Bekenntnis, nicht ein- mal ein Lippenbekenntnis, sondern eine Maskerade. Solche Reden feien typisch für die Art, die der alten kaiserlichen Diplomatie den Ruf der Doppelzüngigkeit eingetragen habe. Die Deutsch. nationalen seien überdemokratisch in ihren Mitteln und undemo- kratisch in ihren Zielen. Sie hätten keine Ahnung davon, daß man im Bolksstaat Politik nur im Licht der Oefsentlichkeit treiben kann. Keine Erklärungen und Gegenerklärungen würden den Schaden wieder gut machen können, den diese Koalition, die nicht zu- sammengehöre, schon am ersten Tage ihre» Auftretens er- litten hat. Man könne schon heute sagen, daß die Deutschnationalen keine eigen« Außenpolitik machen werden. Aber sie erschweren durch ihre Reden dem Außenminister, Vertrauen für seine gute Außenpolitik zu ge- Winnen. Unerträglich sei e«, wenn die Deutschnationalen sich jetzt um die V e r a n t w o rt u n g wegen der Abmachungen über die Ostfestungen zu drücken versuchen. Die Regierung müsse die Politik der Derständigung so konsequent, einheitlich und ohne Rücksicht auf Parteipolitik treiben, daß das Rheinland geräumt und die allgemein« Abrüstung herbeigeführt wird. Die Festigung der Republik würden die Deutschnationalen ebenfalls nicht aushalten können Die Reichswehr werde nur dann«in taugliches Instru- ment sein, wenn sie mit allen Schichten des Volkes F ü h- l u n g hält. Für die Rechte gelte als entpolitisiert, was. sie allein in der Hand hat. und als politisiert, was sich ihrem alleinigen Ein- fluß entzieht. Der Redner bespricht weiter Finonzsragen und er- klärt, daß die wirkliche Rationalisierung des Finanzwesens nur mög- lich sei auf d«n Bahnen des U n i t a r i s m u s. In der Schul- Politik sehe man die Richtlinien nicht ohne Besorgnis. Am bedenk. lichsten sei die Entstehungsgeschichte der neuen Regierung. Nicht Rücksicht auf die Sozialdemokraten, sondern Mißtrauen gegen den neuen Regierungspartner halte die Demo- kralen von der Beteiligung an der Regierung zurück. Reichskanzler Marx habe feine Bemühungen, eine Koalition der Mitte zu bilden, vorzeitig aufgegeben. Sachlich bedenklich sei auch das System der beschränkten Aufträge. Der Reichskanzler könne bei der Kabinettsbildung nicht in die Zange zwischen Fraktionen und Reichspräsidenten eingezwängt werden. Die Ausdehnung der Rechte des Reichspräsidenten nach amerikanischem Muster sei undenkbar. Das deutsche Volk sei für ein Zwei- Parteiensystem noch nicht reif. Genau wie in Frankreich werde auch in Deutschland nur«ine Regierung des Ausgleichs und der Ver- söhnung erträglich fein, bei der die Mitte führe. Die Demokraten werden, so erklärt der Redner zum Schluß, in einer sachlichen und selbständigen Opposition mehr leisten können und die Kontrolle darüber besser in der Hand haben, ob die Mitglieder der Regierung mit ihren Richtlinien Schritt halten können und wollen, als in der Regierung.(Beifall b. d. Dem.) Westarp korrigiert feine.Thiffa stetigen'. Abg. Graf Westarp(Dnatl.) gibt hieraus, wiederhost von Zwischenrufen und Gelächter unterbrochen, folgende Erklärung ab: Aus einige Fragen des Abg. v. Guerard möchte ich gewissen Mißdeutungen meiner Rode in der Presse alsbald durch Dar. legung dessen, was ich gesagt habe, entgegentreten. Die Bolstik der Revanche, die. wie wir stets ousgeführt haben, kein deutscher Begriff(I) ist. und den Gedanken an ein« Polstit der Gewalt habe ich, wie gleichfalls oft von uns geschehen ist. auch wegen Deutsch- lands Wehrlosigkart als ausgeschlossen erklärt. Deshalb haben wir uns eine Außenpolitik mit dem Ziel gegenseitiger Verständigung im Einklang mu der Regierungserklärung zu eigen gemacht. Die«in. fache Feststellung der Tatsaqe, daß die deutschnationalen Minister an dem letzten Kabtnettsbeschluß über Ostbefestigungen und Kriegsgerät nicht teilgenommen haben, well sie teils noch nicht er- nannt waren, teils ihr Amt noch nicht angetreten hatterr rief eine mir unverständliche Erregung hervor. Diese Feststellung entsprach ebenso den Tatsachen wie der Umstand, daß uns und dem Hohen Hause der Inhast jene» Beschlusses noch nicht bekannt ist. Selbstverständlich ist. daß die deutlchnationalen Minister, nachdem sie Mikalieder des Kabinetts geworden sind, den Beschluß durchzuführen bereit sind. Die Ueberzeugung endlich, daß da» Werk der gegen- seitigen Derständigung seine Verwirklichung nicht gesunden hat, so- lange deutsches Land von fremden Truppen besetzt ist und unter fremder Herrschaft steht, ist, wie ich weiß, Allgemeingut. Gerade aus ihr folgt die Notwendigkeit, auf die ich besonders hingewiesen habe, in weiteren Verhandlungen den Anspruch Deutsch. lands auf endlich« Räumung zur Durchführung zu bringen.— Damit habe ich das meinige zur Aufklärung von etwaigen Mißver- ständnissen getan; gegen Mißdeutungen ist niemand geschützt. Abg. Leicht iBayr. Dp.) betont, die Linkspresse habe sich eifrig bemüht. Stein um Stein aus den Weg zu werfen, damit der Kurs nur nicht nach rechts geht. Di« Bayerisch« Dolkspartei könne sich shränken: Wir billigen im Politik unterstützen. aus die klärun führung kurz« Erklärung beschränken der R« gen die Er- i e r u n g und werden sie loyal in der Durch- Abg. Henning(Lölk.) bezeichnet die Regierungserklärung als unzulänglich und unbefriedigend. Der Regierungswechsel scheine keinen Dauerzustand zu schassen, sondern sei vielleicht nur eine Episode im parlamentarischen Betrieb. Wenn die Deutsch- nationalen jetzt Verpflichtungen eingehen gegen die Wehrverbande, gegen die Beamten, so sei das Ge- sinnungslumperei, Gesinnungsschnüffelei. Denken Sie (zu den Deutschnationalen) auch daran, daß die Reichswehr nicht nur gefährdet ist durch die Sozialdemokraten, sondern auch im Völkerbund. Gegen 3 Ubr vertagt sich das Haus aüf eine Stunde, um dcv» Aestestenrat Gelegenheit zu einer Erklärung zu geben.— In der neuen Sitzung legt Abg. Stoecker(Komm.) eine Interpellation vor, in der gesagt wird, daß der neue Innenminister v. Keudell auf seinem Gute eine Abteilung der verbotenen O l y m p i a- O r g a n i- s a t i o n beherbergt habe. Sie sei militärisch von einem Offizier der Reichswehr ausgebildet worden, der zu diesem Zweck beurlaubt wurde.(Zuruf rechts: Quatsch!) Präsident L ö b e erklärt dazu, daß die Interpellation erst der Regierung vorgelegt werden müsse, daß sie daher zurückzustellen sei.— Die Aussprache über die Erklärung der Regierung wird darauf fortgesetzt. Das Wort erhält der Abg. Landsberg(Soz.), über dessen Rede wir im Hauptblatt Izc richten. Nach Landsberg spricht der Deutschnationale Abg. Dr. Leseuae- Zung. Er versicherte den ehrlichen Willen und die ehrliche Bereit- schaft seiner Partei, an den praktischen Aufgaben der neuen Ne- gierung mitzuarbeiten. Der Redner geht dann auf die Probleme der Wirtschofts- und Sozialpolitik ein. Nirgends zeige sich tatsächlich ein ernst zu nehmender Wille, der europäischen Kräh- winkelei und Schlagbaumwirtschaft ein Ende zu bereiten. Unser ernstestes Problem bleibe noch für lange Zeit das bcvölkerungs politische. Es gelte, nicht bloß Erwerbslose zu beschästlgen, sondern die Erwerbslosen wieder zu bodenständigen Ar- b c i t e r n mit fest gegründeter Arbeitsgelegenheit zu machen. Der Redner betont besonvers die Notwendigkeit det Steigerung der land- wirtschaftlichen Produktion. Er erörtert weiter die Rational,- sterungsbestrebungen der Industrie, bei denen es sich auch um eine Erscheinung der Not handele. Den gewaltige» Leistungen, die hier das deutsche Unternehmertum schaffe, könne inan seine Hochachtung nicht versagen. Eine monopolitistische Ausbeutung des deutschen Marktes müsse natürlich verhindert werden. Die Ergebnisse der wirtschaftlich fortgeschrittenen Organisatwnssonn müßten allen Teilen der Bevölkerung zugute kommen. Inhalt und Abschluß von Vereinbarungen mit ausländischen Organisationen müßten mit den allgemeine» Richtlinien der deutschen Wirtschaft und Außenpolitik in Einklang stehen. Der Redner tritt für Förderung aller Maßnahmen ein, um die Existenz des Mittelstandes zu erhalten und auszubauen. Dem Ausland müsse klar gemacht werden, daß e» Deutschland durch die neuerlichen wireschasts- und handelspolitischen Maßnahmen seiner meisten Wettbewerbsländer unmöglich gemocht wird,«inen wirtschaftlichen Ueberschuß im Sinne des Dawes-Gut- achtens zu erarbeiten. An erster Stelle müsse das Reich sein kost- barstes Vermögen, die lebendige Arbeitskraft, schützen und vor Au». beutung und Raubbau bewahren. An dem Begriff des Privoteigen- tums dürfe nicht gerüttelt werden. In einer persönlichen Bemerkung antwortet Reichsinnenminister Dr. v. keudell auf die Fragen des Gen. Dr. Landsberg: Die Frage. alles in den Schaffe,,, Es wäscht von selbst und schont die Wäsche in nie gekannter Weise. �»100 (irvTr* Qnlttnnys-.Babail- a.Beklamemarken gegen Nachahmung gesetzl resen. leitigt seit 45 Jahr. ats Spezialität Conrad NBUer Scbkeudltz-Leipzi« �Jermsdorfer JJolzindiisfrle HERMSDORF(THÜRINGEN) Sprossen-, Gerüst-, Treppen-, Bau- und Wirtschaftsleitern aller Art Schub-, Schiebe- und Steinkarren Schafraufen, Dachspäne u. andere Holzwaren liefern wir xn niedrigsten Preisen bei bester Ansffihrnng. Radio. Anlagen ohne Anzahlung s&vyr Ihr Eigentum 's»""" —>_ j B J».. BEBLiW NW 40 K3£l8©SlyPs Alt-Moabit 124 TCl. fWaWI 9230(gegenOter dem Krlminalgtricjit) Alben Sprlngarc Großgarage und Tankstelle Tag und Nacht gefiffnet Auto- Reparatur- Werkstatt Fcrnspr. Norden 1276 u. Alexander 437� LothrfngerSlr.tor, Ecke Linien- »trage 14, am Prenz'ouer Tor. Q)Of misse txabo mitet dorn 4�Q.Cigaimtten Weil es eine andete i-Pf§.CigamUe von diasQir Qualität nicht gibt. 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In jenen unruhigen Zeitläuften war es die Pflicht eines Landrats, nicht Politik zu treiben, sondern zu gehorchen und für Ruhe und Ordnung zu sorgen.(Zuruf links: Kompromitliert haben Sie sich genug!) Die Fortsetzung der. Aussprache wird hierauf auf Sonnabend » e r t a g t. Die Novelle zum Grundschulgesetz wird dann nach Ab- lehnung der Aenderungsantröge der Linken in zweiter Lesung ange- nommen. Um S Uhr oertagt sich da» Hau» auf Sonnabend 11 Uhr. die Generale feiern ihren Wilhelm. Monarchistische Propagandaveranstaltungen» .Am 9. Februar feiert der Ratioualoerb and Deut» scher Offiziere den Tag. an dem vor fünfzig Jahren der Ex» kaiser zum aktiven Dienst beim 1. Sarderegiment zu Fuß. ein» getreten ist. In dem E h r« n a u» s ch u ß, der die Feierlichkeit vor» berestet, sitzen unter Führung v. Mackensens durchweg Generale und Admirale. die von der Republik ihrer Pension beziehen. Auf der Berliner Veranstaltung, die bereits am 8. Februar stattfindet, Höst Generalfeldmarschall a. D. v. Mackensen die Festrede. Es handelt sich dabei offenkundig um«ine der monarchistischen Propagandaveranstaltungen, die unmittelbar vomHauseDoorn »us dirigiert werden und deren wir in der nächsten Zeit noch mehrere zu erwarten haben. Die Generäle wollen wahrscheinlich ihren deutfchnationalen Freunden in der Regierung den Rücken steifen, nachdem diese sich unter dem Druck des Zentrums für die Verteidigung der Republik erklärt haben. Wilhelm verteilt Grüett. Im 1. Januar hat der Flüchtling von Doorn— wie der Amster- domer„Telegraaf" meldet— einem feiner Mitarbeiter den Adelstitel verliehen. Augenblicklich teilt«r vergnügt Orden aus. Wenn ein„privater' Privatmann so etwas tut, wird er in jedem Lande gerichtlich oerfolgt. Aber was Wilhelm, der kaiser» lich« Privatmann, macht, darum kümmert sich augenscheinlich niemand. Was sagt die Reichsregierung dazu, und wie denkt die holländisch« Regierung darüber? Monarchistische Propaganda mit Reichshilfe? Als ein offenkundiger Skandal erweist sich in letzter Zeit innner mehr die Einstellung der sogenannten„Deutschen Wochen» zeitung für die Niederland«'. Dieses Blatt schrieb schon immer im wesentliche« ha», was man in Doorn nicht mehr als gern las. Dieser Tage brachte sie es fertig, sogar«ine Kaisers» geburtstagsnummer herauszubringen. Außer einem schwungvoll byzantinischen Gedicht unter der Ueberschrist„Dem Kaiser der Deutschen' findet sich darin ein Artikel„Kaiser Wilhelms Geburtstag', in dem es u. a. heißt: „Eine verbrecherische Regierung hatte den Kaiser gegen seinen standhasten Willen gestürzt und die Republik ausge rufen, als er von der ganzen Well und von Verrat im eigenen Land« bedrängt war.--- Vergessen ist, daß uns unsere Gegner die langen Jahre ruhmvollen Friedens und ihn selbst neideten. Vergessen sind die Jahre des Segens, der Wohlfahrt und der Macht unter feiner Führung.' Es hieße dem im Berlage von Gebrüder Prell in Scheveningen, die auch die redaktionelle Verantwortung tragen, erscheinenden Blatte zu viel Ehre antun, wollte man noch weiter auf die unglaub lichen Geschichtstlittereien dieses Blättchens eingehen. Aber es«nt- steht die Frage, wer der eigentliche Geldgeber für ein« Propaganda ist, die nur Mißtrauen gegen das deutsch« Volk und seine Staotsform erwecken kann. Ist es richtig, daß auch das ge- nannte Blättchen aus einem Subventionsfonds, dem Subventionsfonds de» Auswärtigen Amte, durch dessen Organe in Holland unterstützt wird? Es soll übrigens noch andere„deutsche Propagandaorgane' im Ausland« geben, die aus Reichsmitteln aus- gehalten werden und die Republik dafür nach allen Regeln der Kunst beschimpfen. Was ist wahr daran? Oeffentliche Versammlung heute. Sounabend, den 5. Februar, abend« 71/» Uhr. im Lokal Vieh. Biesdorf- Süd. ßöpeaicker Strohe. Vortrag: Gesundheitliche Gturtchtnnge» im 17. VerwaltnngSbczirk. Referent: Eiadtarzt Dr. Georg Löwenstein. Alle Männer und Frauen find eingeladen. öer Partei. Eine Eharles-Naiae-Sllftung. Die Sektton Neuenburg der So» zialdemokratifchen Partei der Schweiz hat beschlosien, zu Ehren des kürzlich verstorbenen Führers der westjchweizerischen Arbeiterbewegung, Charles Raine, eine Stiftung zu gründen, deren Erträg» nis zur Unterstützung der Hinterbliebenen Kinder von Genossen, die in der Arbeiterbewegung hervorragend tättg waren, bestimmt ist. Zunächst soll der Ertrag der Stiftung für Raines Kinder verwendet werden. DeutschSsterreichische elchtbildervorträge. vi« Zentralstelle für das Bildungswesen der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutsch österreichs ihat ein« Reihe von Lichtbildervorträgen zu» sammengestellt, die mit einem begleitenden Vortragstext versehen sind, darunter Vorträge:„Das neue Wien',.Die neue Schule' usw. Di« Lichtbilder und die entsprechenden Vorträge können von dieser Zentralstelle, Wien V, Rechte Wienzeile 97, käus- lich erworben werden. Soztaliftische �rbektersugenö Groß-Serttn. I»gkndgenoffeu, beteiligt tnä) heute sah morgen■« der Flugblatt»«,» breitnaa der Partei und stellt euch geschloffen euren Porteiobteilunge» jvr Per- sttg»»g! heule, Sonnabend, deu 5» Februar: &6 Uhr Helmholtplob. Petersburger Biertel- ligblattverbreitnng.— Humannplah: Treffpunkt zur Flugblattverbreitung Uhr osse Alle Genossinnen und Genossen müssen erscheinen. Treffpunkt S Uhr bei Pfeifer, Sausburgstr. Z, zur Südost, Äottbufser Tor: Jugendheim Zieichenberger... fammlung.— Wilmersdorf: Jugendheim Hildegardstr. t. Politisch. fatirischl Abend.— Schöneberg III: Tresspunkt zum Wochenendkursus in Brieselang abends Uhr Nollendorfplatz.— Westen: Um Z Uhr bei Barinssprung, lugblattverbreitung. ltr. SS, Züitgliederver- t. Politisch-satirischer Llltzowstrahe, Fluablatwerbreitung. -" ibczirl f' Aelterenkursus Wcrbebczirk Prenzlauer Berg: Iüngercnkurfus füllt aus. findet im Jugendheim Ntosterstr.?S statt. Serbebezirl Schöoeberg: Treffpuntt zu» Wochenendkurfns in Brieselang abends 7% Uhr Lehrter Bahnhof. Wrrbebeziri Neukölln: Treffpunkt zum Wochenendkursus in gsffen%t Uhr und%7 Uhr Ringbahnhof Neukölln. Morgen. Sonntag, den v. Februar: Neichstagsbefichtigung der Werbcbezirke Arenzberg, Neukölln, Lberspree und leise«. Lresspuult 10 Uhr ooinpittag» Portol S. eaeselder-Diertel: Fahrt Strausberg— Tiefense«. Trefspunkt 7 Uhr _ Tempelhos: Adlershos: Jugendheim Roonstr. 1k, Heimabenl ihr Bh... >d.— Tegel: Jugendheim Bahn- hofstr. 15, Heimabend.— Hasen Heide: Besuch des Naturkundemuseums.— Westen: Treffpunkt 61h Uhr Bülowftratze, nach Brieselang. nach Lindenstr. 3. T Uhr Jack-London» zum Wochenendkursus Brirfelang 71h Uhr:.Der Sozia- ten: Treffpunkt 61h Uhr Bülow Werbebeziri Nrruzberg: Jugend! Abend Weebebezirk«chönebeeg: Treffpunkt 614 Uhr Bahnhof Schöneberg. Werbebeziri Osten: Schulaula Frankfurter Allee 37. lwmus iu der Narikatur._ Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz Rot Golb'. Defchiftsstelle: Berlin S Ich Sebastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Nreuzberg: Mo., d. 7., 7 Uhr, Pflichtsaalschutz der erwachsenen Kameraden in den Kammersölen, Teltower Straffe snicht wie ur» sprllilglich bekanntgegeben am Di., d. 3.).— Lichterseld«: So., d. 5., 3 Uhr, Mitgl.-Bers. im Restaurant Landdaus, Lichterfelde-Ost, Bismarckstr. 2S. An- >ehörige und Republikaner als Gäste willkommen.— Bernau: So., d. 5., 3 Uhr, ei Modisch, Monatsvers. Wichtige Tagesordnung und Vortrag des Kam. :.Di« l........*.....-.-.-----—-•----- .: Zcm 1. Kaie: Tranmspiel Morgen 3 Uhr Vo ipone 8 U.: Traamsplci Soldaten. Komftdicsiiuuii Norden 6304 Täglich 8 Uhr Dom-Calais fbbvh, t. Thillmiu. Braosevetto. NenesThealer am Zoo Stpl.5371. Tgl. 8 Uhr Eia Clässan in Modellhaas Crevette. Vorverk. ununterbr. Onkel Stuvkamp hat ein Motto: „Immer jung, gesund u. vergnügt" Uzmore heutigen Nahrungami ttol, durch ein« hochentwickelt« Technik hergestellt, entbehren mclfech der selzertigen Ergänzungsstoffe. Schlechtes Allgemeinbefinden, unreines Blut, Nervosität und Stoffwechselstörungen können beim Fehlen dieser StoHe die Folge eein. Stuvkamp- Salz bilde! di« zweckmäßige NihruBgserJiozune. DU Ueliehe kleine Doeie morCea« enf nflchtetTiea Mijeo koetet Sie nm 3 Plenoigc. Sie hilft da. Blut ge.und und leichtilu..,J ,oröi ißr normale» Slollwech.cl and»erbürjt Ihnen die Gefühl von Woblbefioden and Lei.lungjfähiäkeil. -- m AfgUmkan o,i>ro»#ren, StlUarg-SUDn Dts. Künstler-Tb. 8'/. Uhr; Famlile üiuimek ■dt Hn PilleeUrg. Stg-S1/� Der. fröhliche Weinberg Lesslng-Theater Alb. Bassermann 8: Der DiKtator Th, a.Snrfärsteniiamm 8 Uhr: Kiki husispielbaus 8'/. Guido Thielscher Burra-jinJonge Komische Oper Allabendlich SV. 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OeotitelletallailiMeM Stonkna, den T. Febrnnr. abend» 71/. Ahr hn Cofal„Zur ichlestlchen teimaf(Inhaber Liommei). Jtcae rlcdrlchftr 1(nahe Babnh Iannowitzdr) Branchenversammlung der Autogen- und Elektroschweißer sowie Schweißerlnnen. Tagesordnunq: l. Bericht über den Kursus. 2. Aussprache. Z. Berschiedene». Mitgliedsbuch legitimiert. Es wird erwartet, baff die Kolleginnen und Kollegen, in-belondere die Ku: tetlnehmcr, zahlreich erscheinen. ursus- UMiKawsikrixgmervezM! Slngaüadeinle, 8 Uhr: Dmkii.«()Kkrnl! Letztes Auftreten in dieser Saison. MARCELL S ALZ E R Aus dem Feuilleton Berhard DIeboId's in der Frankfurter Zeltung vom 10. 1. 27; „Kalnz hat Salzer bewundert. Milan sprach von seinem Scherz mit tiefstem Emst Das Elementare durchbricht den Stil. Es sprudelt Leben. Das lustige Reich hat den Narren zum König, wir lachen Orkane.' Populäre Preise 3, 2, 1 Mk. Bote£ Beck, Werihclm und telephonisdi .._ Lichterfelde 3596. Monkog. ten Z. gebtnae, abentss Abendkasse in der Singakademie abVjT. I Ahr. ht unserer ftulfntablclltinfl, Cinienftr.lSZ(gegenüber Verbands hausi «tontag. den 7. Februar, abends 7Ahr, im Slhungslaal deovorbaabs Hauses, Cinienflc. 83,85 Funktionärkonferenz für alle Mitglieder der Betriebsräte jowieBerttauensIeule der Gewerk- schoflen. Tagesordnung: l. Stellungnahme zu unserem Lohnabkommen 2. Dtskussson Die Konferenz wirb pünktlich cröffnel Filmvorführung für alle Kollegen der wertzeug- macherbranche. Die Ortaaetreallnog. Täglich 8 Uhr: Der Trompeter vom Rhein Vorverk. ununterbr. Preise von 1—7 M. XLesdau's orbmöbel k-ilwchh kerne, Aparte Muster Mäßige Preise WirtitBtai t. Verkigf■ Neukölln Aiinagnilunlr. 20 nd Hermannstr. 10 (Tel. Neu k. 1759) Inlerieren bringt ERFOLQ! NdBII anl leilzalUnmt anter gänsligst.ZjlilonjsbtdiiigniigEii! j Schlat-, Speise* u. Herren- Zimmer.Nullbaum-(.Einzelmöbel sowie Köchen, weiß| und lasiert, zu enorm billigen Preisen und guter Ve r a rb e i t u n g. 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Unterhaltung unö Missen Seilage ües vorwärts Jim Ziel öer wünsthe. cui>ip o v p der Volksparteiler:»Wenn ich nur wüßte: Hab' ich dies Resultat eigentlich gewollt oüer nicht gewollt!' Der letzte Sieg. Von Erwin Arche. Ms Klaus in jener Nacht aus dem Dunkel des Lichtspieltheater» hinaustrat in den dänunrigen Croßstan dt abend, taumelte er wie betrunken an den nächsten Kandelaber, lehnte seine Stirn an dos regennasse Eisen und sah sie noch«inmpl... Hatte es noch Sinn, zu leben? O, Kamilla, bist du schön, mit deinen dicken, blonden Aöpfen, mit deinen tiefen, rätselbraunen Augen, deinem Lachen. Lächeln... Aber während ihm das Gesicht dieses Mädchens klar und stolz er- schien, so wie sie eben im schwarzen Raum auf ihn geblickt hatte, gestand es sich, daß es nicht das Weib war, das ihn in solche zitternde Erregung oersetzte. Wie war das doch?.. Er kam zur neuen Auf- f.chrung, sachlich, nüchtern, ja— um über die Leere des Abends hinwegzukommen. Und jetzt wühlten seine aufgescheuchten Hoffnun- gen, seine ungebändigten Gesichte in ihm, von denen er geglaubt hatte, daß sie längst verendet wären im teuflischen Tag, der zwischen dem kahlen Mietszimmer und dem Kontorschemmel verging. Wie jäh aufgerüttelte Visionen durchstürmten ihn die vielen Bilder seiner früheren Reisen. Plötzlich ritt er wieder mit dem selbst gefangenen, scheckigen Mustang am Rande des riesigen Ur- waldes hin, ritt durch pfadlose Pisangwälder, über vertrocknete Hoch- ebenen, an deren Horizonten sich neue Dickichte türmten, wilder und noch schrecklicher, bis sich der üppige, strotzend« Wald lichtet und von allen Seiten die Südsee gegen ihn anwogte. Ja, damals auf dem Koralleneiland— er spürte den zarten Griff de» braunen Mädchens, das ihn nachts weckte und hinausführte unter den glitzernden, sprühenden Sternnachthimmel. Wie sie ihn dann durch die Lagune ruderte und draußen— die Insel blühte hinter ihnen wie ein Traumgestade— still anblickte und sie sich vermähllen unter den silbernen Sterngürteln... Doch dann stand er wieder allein in bengalischer Wildnis, im Tropenhelm, und sah, wie der Königs- tiger langsam auf ihn zuschritt. Doch ehe er anlegen konitte, brauste der afrikanisch« Sambesi schwarz neben ihm auf und er lag mit seinen wegunkundigen, verzweifelten Negern unter den hohen Mammutstäminen. Wie da plötzlich ganz ferne Trommelsignale zu lwren waren und die unerwartete Rettung sie alle in«inen orgiasti- fchen Rausch oersetzt«, der sie wie Kinder tollen und tanzen ließ... Das Feuer warf seinen roten Brand auf den gurgelnden, schlammigen Fluß... Das alles hatte Klaus mitgemacht, oben, in seiner Stube mit den weißen Wänden,- die sich ausweiten konnten zu Steppen, Ozeanen, Bergwäldern, die auch nicht verhinderten, daß das ge- schweifte Land der Milchstraße über sein« Zimmerdeck« hinzog... Am letzten Ende dieser Erlebniskette fühlte er die großen Augen Kamillas auf sich gerichtet. Seine Stirn von dem kalten Eisen de» Kandelabers abhebend, drehte er sich müde um und sah, wie vor dem Bilde der gefeierten Schauspielerin— das unter einem Glaskasten ruhte— ein Freund neu ihm stand, ein Gefährt« der Arbeit,.der täglichen Fron. Etwas wie Feindschaft stürzte in ihm hoch— aber der andere begrüßte ihn freundschaftlich, freudig redend,— schwieg jedoch ein« Sekunde er- staunt, als er den wehen Blick Klaus' nach jenem Bild« sah... ..... Auch du! Laß nur— ich kenne das: aber es ist Täuschung und Illusion, Klaus! Alles ist Schminke, Lippenstift und Glyzerin! Pastanol und Samtcreme, noch«in Strich über die Augenbrauen! Mann, willst du dich wegen eines Trugwerkes zer- reißen?" Was— alle» verklärter Schein? Da sah Klau», was er bis jetzt nie glauben wollte,— sah, wie aus den westindischen Inseln feine braunen Brüder und Schwestern mtt amerikanischen Regen- sä-irmen spazierten, mit billigsten Kattunstoffen prunkten und Branntwein soffen: schaut«, wie von den Hafenstädten aus die Lust- scnch« zu ihnen kam. wie sie statt ihres uralten Grußes:„Ich liebe dich!" dem Fremden Flüche-nochsandten, erbückte aber auch, wie fußballspielende Eingeborene die Anerkennung der Weißen errangen und die sagenhaften Rothäute mit Zylinder und Ordensbond vom Präsidenten des Landes empfangen wurden... Da, in dieser wirbelnden, chaotischen Zeitspanne erhob er sich über die Trümmer seiner verhöhnten Träume. Er riß den Freund zurück, stellte sich vor da» Bild der schönen Frau und spie ihr wild ins Gesicht, spie aus schimmernde Korallenbänke, azurne Meere, auf purpurne Sonnenaufgänge und orangene Dämmerstunden, auf Pampas, Pferde, Mädchen und zuletzt auf zwei große Augen... Ledig aller Trunkenheiten, frei von allen Sehnsüchten verschwor sich Klaus dem Alltag, wurde Zahl, Maschine, bewußter Verächter der Ferne. Dachte er aber an jenen Abend zurück, so glaubte er ein Schlachtfeld zu schauen, auf dem er als einziger Sieger triumphierte. Neue Wege zur Staatserziehung. Bon Dr. Walter Bacher. _ Seit dem Einzüge der Jugendbewegung in unsere höheren schulen ist der Kampf um eine Neugestaltung der deutschen Er- ziehung nicht wieder zur Ruh« gekommen. An die Stelle der alten Lern- und Obrigkeitsschule tritt in zähem Ringen mit der Be- harrungstendenz weiter Kreise aus dem Lager der Lehrer und Eltern die Arbeits- und Staatsbürgerschulung. Roch sind die Wege nicht völlig frei. Di« Richtlinien des preußischen llnterrichtsministe- riums für den Umbau der höheren Schulen weisen wohl schon hin- über ins neue Land, wagen ober noch keine befreiende Tat gegen- über der erdrückenden Fülle des Wissensstoffes, Velsen mechanische Aneignung einst behördlich gewünschtes oberstes Ziel war. Um so dsgrützenswerter ist der Mut einzelner Schulen, mit ihren Leh- r«n und Schülern aus altgewohnten Gleisen herauszukommen und Neues zu beginnen. Die allgemein« Durchfuhrung der monatlichen Klasienwande- rungen üeß in Großstadtschulen den Wunsch nach einem eigenen Schullandheim laut werden, einem Heim, das womöglich geeignet war. eine«lafle für mehrere Tage oder Wochen zu beherbergen. Man dacht« zunächst an gemeinsame Ferienunternehmungen von Lehrern und Schülern. Das im Ausbau der Frankfurter Goethe-Schule entsprechende Berliner Grunewald-Gymnasium tot einen weiteren Schritt, dem andere Schulen folgten. Es erwarb mtt Hilfe leiner leislungssähigen Elternschaft«in Gartengrundstück nebst geeigneten Baulichketten in Werder. Während der Sommer- monate werden dorthin in regelmäßigen Abständen einzelne Klassen oerlegt und untercrchtet. Soweit der Fachunterrichisbedars nicht durch die in Begleitung der Jungen hinausziehenden zwei Lehrer gedeckt werden kann, werden Nachmittaasftunden abgehalten, die durch andere aus Berlin herauskommende Mitglieder des Kalle- omms wahrgenommen werden. Der Landheimaufenchol, dauert im allgemeinen nur 14 Tage, eine'ür Zwecke der Genieinfckatts- erziehlrng und der Erholung wohl mcht ausreichende Zett. Auch die Einzelherausnahme einer Klaffe in ländlich« Umgebung erscheint als halbe Maßnahme, wenn man bedenkt, daß durch«in Zusammen- leben mit den Lehrern und im Kreise gleichaltriger Kameraden wohl einige, aber längst nicht alle Möglichkeiten gemeinschaftlicher Erziehung erschlosien werden können. Vielmehr besteht sogar die Gefahr, daß durch eine stärkere Pflege des Klassengeiste» die an sich schon geringe Neigung zum Ersasien der Schule als eines sozialen Körpers weiter verringert wird. Eine unerwünschtere Auswirkung läßt sich kaum denken. Unsere höhere Schule leidet an sich schon in ihrer erzieherischen Arbeit allzusehr unter ihrer vor- läufig kaum entbehrlichen vertikalen Klasiengliederung. Das Gefühl der Verpflichtung jüngeren Kameraden gegenüber bleibt meist un- geweckt, und mit ihm fehlt Tausenden unserer Abiturienten die Bindung an den Staat als äußere Form emes lebendigen Organis- mus. Dem läßt sich nur abhelfen, wenn Schullandheime geschaffen werden, in denen die gleichzeitige Aufnahme verschiedener Schul- jahrgänge einer Anstatt möglich ist. Als erstes Berliner Gymnasium und, soweit der Derfasier sehen kann, als erste preußisch« Schule überhaupt, versuchte da» unter Leitung von Professor Dr. Paul Hildebrandt stehende Luisen- st ä d t i s ch e Gymnasium den Weg zum großen Schulland- heim. Ein städtisches Pachtgut in Zerpenschleuse am Finowkanal beherbergte sechs seiner Klassen: Primen, Sekunden. Tertien und «ine Sexta. Zwei Schlafsäle für je sechzig Jungen, ein Tagesraum, mehrere Klassenzimmer und Waschräume wurden von der Stadt Berlin in einem Speichergebäude hergerichtet. Ein ehemaliger Pferdestall nahm den Eßsaal und die mit großen Kochkesseln ver- schene Küche auf. Die fünf ständig anwesenden Lehrer waren zum größten Teil mit den Jungen zusammen untergebracht. Nur zwei wohnten.im ehemaligen Inspektorhaus, dessen größtes Zimmer auch für Unterrichtszwecke verwandt werden kann. Die geschlossenen Räume wurden freilich außerhalb der Ruhezeiten nur bei schlechtein Wetter benutzt. Bon 6% Uhr an, wenn der Weckruf zum Morgen- lauf und zu gemeinsamen Atemübungen vor dem Waschen und Bettenrichten ertönte, bis lange nach der Abendmahlzeit waren Lehrer und Schüler ständig beieinander. Die Unterrichtsstunden be- gönnen nach dem Frühstück um 8 Uhr und dauerten ohne Pausen bis'All Uhr. Sobald dos zweite Frühstück vorüber war, zogen alle Landheimbewohner ins benachbarte, dem Kreise gehörige Lust-, Wasser- und Sonnenbad. Eine Stunde Bettruhe als Pflicht für sämtliche Schüler leitete den Nachmittag ein. der den Primanern und Sekundanern noch ein bis zwei Stunden Unterricht brachte, namentlich an zwei Wochentagen, an denen einige Herren des Kolle- gimns aus Berlin kamen, um den Fachstundenplan zu ergänzen. Die Jüngeren hatten Gelegenheit zu Spiel und Sport. Handwerks- gruppen fertigten Gebrauchsgegenstände für die erst notdürftig ein- gerichteten Heimräuine oder besserten die Weg». Ein naturgeschicht- licher Wettbewerb hielt die Botaniker und Zoologen in Atem. Fest- aussthüsse bereiteten den feierlichen Empfang der Ettem vor, deren Besuch am letzten Sonntag des aus drei Wochen berechneten Schul- beimausenthalts ersolgt«. Eigentätigkeit, Schülerselbstverwaltung sind Ziele, auf die man durch Schulgemeindebespreü/unge» und Aussprachekreise verschiedenster Art hinstrebt. Wenn es gelingt, diesen neuen Zweig erzieherischer Arbeit zu einer Dauereinrichtung werden zu lassen, wird der Geist der Schulgemeinde auch drinnen in der Großstadt lebendig werden. Der Schwierigkeiten gibt es auf der neuen Bahn naturgemäß viele. Sie liegen zunächst im Wirtschaftlichen. Jeder Schüler hat für Unterbringung und reichliche, gute Verpflegung täglich 1,50 M. zu bezahlen. Das macht in drei Wochen den Gesamtbetrag von 31,50 M. aus, für Eltern im armen Berliner Norden keine un- erhebliche Summe. Rateneinzahlung und besondere Spenden suchen alle Hindernisie aus dem Wege zu räumen, damit die Klassen voll- zählig hinausverlegt werden können. Sonst würde ein wetteres Hemmnis, die Umgestaltung des Stundenplanes, für die zurückbleibenden Klassen allzu groß werden. Vielleicht ist es schon um dieser Aenderungen willen ratsam, späterhin die Landheim- aufertthaltszeit auf einen vollen Monat oder auf ein Vierteljahr auszudehnen, damit Lehrer- und Stundenwechsel nicht alle drei Wochen eintreten. Bier Wochen Landheimarbeit bedeutet auch für den beteiligten Lehrer eine besondere Anspannung. Er wird auf manch« Sonderinteressen, auf persönliche Bequemlichkeiten und aus fast jede freie Zeit verzichten müssen, um eines Zieles willen, das höher als das bisherige liegt. Denn schon die ersten Tage rm Heim zeigen mit erschreckender Deutlichkeit, wie unsicher das soziale Empfinden der meisten Jungen ist. Nur einige wenige, meist in Bünden der Jugendbewegung ge- schult, begreisen sofort, was es bedeutet, wenn je drei Schüler der oberen, inittleren und unteren Klassen Heimgruppen zu bilden haben. Die Betten dieser Gruppen stehen nebeneinander. Die Großen sollen den Kleinen beim Bettmachen, beim Waschen und Anziehen zur Hand gehen. Bei Tisch sitzen sie zusammen, die Lehrer übrigens mitten unter ihnen, schon um den Gutsverwalter nicht in die Versuchung einer besonderen„Osfiziersverpslegung" zu führen. Freizeit und Abendstunden finden immer wieder alt und jung bei einander. Wie wenige sind an solche Berpslichtungen gewöhnt. Jen- seits der Gutsmauern lockt der Wald, lockt die unentwegten Groß- städter auch das Wirtshaus. Alles könnte man schrankenlos„ge- nießen". wenn man nicht Jüngeren ein Vorbild zu sein hätte, nicht allmählich hineinwüchse in«ine Mittelstellung zwischen den Lehrern und dein Volk der Jüngsten! So spürt wohl mancher.zum erstenmal den Geist gesunder Bindung im Rahmen der werdenden mensch- lichen Gesellschaft. Da» kann die schönste Klassengemeinschaft nicht vermitteln. Hier hilft nur das Oefsnen vertikaler Bindungen voran, die den allen horizontalen Schulbau kreuzen. Das Leben im Land- schulheim kann uns solchem Ziele näher bringen. Dringend zu wülrschen wäre aber, daß dieses pädagogische Neuland für alle Großstadtschulen gewonnen würde. Daß nicht nur die besser situierten Zögling« der höheren Schulen, sondern auch die großen Massen der Volksschüler an seinen Segnungen teil- nehmen könnten._ Me Schulö rächt flch aus Cröen. Don Hubert Laskari. An einem der letzten regenreichen Abende redete mich in einer der belebtesten Gegenden des Berliner Zentrums ein älterer, gutgc- kleideter, offenbar den besseren Ständen angehörender Herr an und bat mich mtt einem Tonsall und einer Miene, denen deutlich eine oerlegen« Scham anzumerken war, ob ich ihm wohl mtt 15 Pfennig aushelfen könnt«. Er wolle mtt der Straßenbahn nach seiner Wohnung in einem südwestlichen Borort fahren und habe soeben zu seinem Schrecken festgestellt, daß er sein Portemonnaie vergessen habe. Einen Augenblick blieb ich verdutzt stehen. Man wird ja so oft in manchmal merkwürdigen Formen angebettelt, aber diese An- rage war doch in ihrer Mischung von Offenheit und Verschämtheit o originell, daß man sie schon ernst nehmen konnte. Der Herr inachte in seinem ganzen Auftreten einen gewiß glaubwürdigen und teilnahmebedürftigen Eindruck. So konnte ich mich nicht gleich ent- schließen, ob ich der Bitte willfahren oder den Herrn für einen Schwindler hallen und ihn abweisen sollte. Da tauchte blitzartig eine Erinnerung in mir auf. Bor etwa 18 Jahren hatte ich ein sehr vergnügtes Sommersemester in einer mitteldeutschen Universitätsstadt hinter mtt und wollte mich im An- schluh daran mtt meinen Ellern in einem Thüringer Kurort zu einem mehrwöchigen Ferienausenthalt tteffen. Mtt meinem Reise- geld hatte ich in den letzten Tagen bis zu meiner Abreise so gewirt- schaftet, daß ich nach meiner Berechnung gerade noch knapp ans Ziel gelangen konnte. Am Morgen der Abfahrt nahm ich mir für den Transport meines Reisegepäcks eine Droschke und fuhr nach dem Bahnhof. Der Kutscher, dem ich zunächst auf Heller und Pfennig den Betrag, aushändigte, den die Taxe anzeigte, polterte mich an. daß er doch wohl auch ein Trinkgeld dafür zn beanspruchen hätte, daß er meine Koffer aus dem zweiten Stockwerk auf die Straße hin- untergetragen hätte. Mit einem leisen inneren Erschauern gab ich ihm noch fünfzig Pfennige. Dann löste ich mtt eine Fahrkarte und gab mein Gepäck auf. Als ich aber das Gepäck bezahlen sollte, stellte ich zu meinem Schrecken fest, daß mir zehn Pfennige fehllen. Was tun? Ich mußte sofort zehn Pfennige beschaffen oder ich konnte nicht abfahren. Da sah ich, wie ein eleganter Herr ein Zwanzigmark- stück auf das Zahlbrett des Fahrkartenschallers legte, sich eine Fahr- karte zweiter Klasie geben ließ und das zurückerhaltene Geld lose in die Tasche steckte. Schnell entschlossen trat ich an den Herrn heran und bat ihn sehr gedrückt, mir zehn Pfennige zu leihen. Das dumme, in diesem Falle ganz unsinnige Wort„leihen" ist mir heute noch deutlich im Gedächtnis. Der Herr gab mtt ohne Umschweife zehn Pfennig« und ich konnte erleichtert mein Gepäck bezahlen und meinen Zug� besteigen. Die Erinnerung an dies Erlebnis entschied mein Verhallen gegenüber dein Herrn, der mich um 15 Pfennige für die Sttaßen- bahn gebeten hatte. Es konnte immerhin möglich sein, daß der Herr sich in einer ähnlichen Berlegenhett befand wie ich seinerzett. Für mich stand es jedenfalls fest: Hier werden endlich die seinerzeit „geliehenen" zehn Pfennige mit Zinsen von dtt zurückverlangt. Mtt emer gewissen Hast zog ich mein Portemonnaie, gab dem Herrn mtt einigen freundlich begütigenden Worten 15 Pfennige und entzog mich schnell den freudigen Dankesworten, die hinter mir her- klangen._ Reklame«ms Grabsteinen. In Amerika heiligt, wenn«s um Reklatn« geht, der Zweck alle Mittel und man schreckt selbst nicht davor zurück, die Grabdenkmäler der Besthästspropaganda dienstbar zu machen. So liest man beispielsiveise auf dem Kirchhof von Long Island auf einem Leichenstein die Inschrift:„Unter diesem Stein schläft Ann!« Haykins den ewigen Schlaf. Sie starb elend, nachdem sie ihre Schönheit verloren hatte. Sie würde sie aber sicher heute noch besitzen, wenn sie jeden Zlbend die Seisencrenie von Corton u. Sons benützt hätte." Eine andere Jnslhrift lautet:„Unter diesem Stein wird eines Tages John Bernesian von der Firma Bernestan u. Chapla ruhen, der bekannten Drogenhandlung, die er heute noch in voller Lebenskraft leitet." Und auf den Mauern des Krematoriums liest man die Ankündigung:„Wenn Ihr noch lange Zeit diesem Ort fern bleiben wollt, so müßt Ihr täglich Evern Salat mit dem Essig „Red Pill" anrichten. Der älteste Füllsederhalker wurde im Jahre 1806 in Wien her- gestellt. Er diente dem Zweck, den Blinden das Schreiben mit der Hand, ohne die Rotwendigkett des Eintauchens der Feder, zu er- möglichen. In ihm wurde eine dickflüssige Tinte verwandt, die kurz nach dem Schreiben erstarrte und das Fühlen der Schrift ermöglichte. Dieser erste Borgänger des modernen Fülljederholters befindet sich in dem Museum der staatlichen Blindenanstalt in Berlin-«teglitz. Rothenburgstr. 14, das viele andere, für jedermann interessante Merkwürdigkeiten enthält, Der Kreuzweg öer Zmspolitit. Zum Reichsbankausweis für Ende Januar. gelten hat der Monateschluß für Börse, Geldmarkt und Banken [o geringe Schwierigkeiten bereitet, wie der vorige. Das Angebot auf dem Geldmarkt hat sich seitdem nicht nur verringert, sondern noch verstärkt. Obwohl der Diskontsatz seit dem 11. Januar mit ö Proz. für deutsche Verhältnisse sehr niedrig geworden ist, haben die Zinssätze des offenen Geldmarktes wieder nachgegeben und die Geld- marktfülle hat trotz des niedrigen Diskontsatzes den Anreiz zur In- onspruchnahinc der Reichsbank nicht erhöht. Diese Inanspruchnahme erscheint denn auch im Ausweis der Rcichsbank für das Januarende auffallend gering. 2. Quartal s. Quartal ffinbe 1926 gon. 1927 (in Mtlltonrn Marl) Noten und Schulden Neichsnotenumlauf... Giroeinl. der Kundschaft. Kredit« an die Wirischaft Lombardkredite..... Wechielkrcdiie..... Notendeckung durch Gold....... durch Devisen..... D e ckung«verhältnis Gegenüber der Vorwoche Hot sich die gesamte Kapitalanlage der Reichsbank nur um 106,6 auf 1585,5 Millionen erhöht, gegenüber einem mehr als Vierfachen der Inanspruchnahme(47l>,5 Mil- lionen) in der letzten Woche vom Dezember. So sehr man die Vilanzrücksichten der Banken bei der Steigerung Ende Dezember in Betracht ziehen muß, so verrät doch die geringe Inanspruchnahme Ende Januar, daß trotz des ermäßigten Diskonts die Banken sich auf die Reichsbank nicht angewiesen fühlten. Das tritt um so mehr hervor, als mehr als zwei Drittel der neuen Aktiven der Reichs- hervor, rund 72 Millionen auf Lombarddarlehen entfielen, die sich auf 81,6 Millionen erhöhten und nur 35,3 Millionen auf Wechsel und Schecks, die auf 1415 Millionen anwuchsen. Der Abzug der auf Girokonto angelegten Kundengelder mit 516,4 Mil- lionen(Bestand 574,6 Millionen) war normal und läßt zum mindc- sten erkennen, daß der Geldbedarf in �er Reichsbankkundschaft vor- Händen war, sich wahrscheinlich aber, wie die Börse überhaupt eine ungeheure Anziehungskraft ausübt, auf die DurchHaltung von Börsenpositionen richtete. Im Zusammenhang mit diesen Geldab- Ziehungen ist der Umlauf an Zahlungsmitteln bedeutend gestiegen. Bei äußerst geringer Inanspruchnahme der Reichsbank. mittel für eigentliche Wirtschaftskredite(35,3 Millionen für Wechsel) ist der Abfluß an Zahlungsmitteln mit 519,3 Millionen fast fünszehnmal so groß. Der Umlauf an Reichsbant- noten ist um 432,9 auf 3469,6 Millionen, der an Rentenbank- scheinen um 86,4 auf 1168,1 Millionen gestiegen. Die Goldbe- stände sind mit 1834,7 Millionen fast unverändert, die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 86,4 auf 421,1 Millionen verringert. Ueber die Gründ? des Rückganges der Devisenbestände wird nichts mitgeteilt. Gegenüber der Vorwoche hat die Deckung der Reichs- banknoten durch Gold und Devisen zusammen den großen Sprung abwärts von 78,5 auf 66,2 Proz. gemacht, bleibt aber mit diesem Verhältnis noch sehr hoch. Jedenfalls ist es charakteristisch. wie außerordentlich groß sowohl die Sprünge in der Notenoer- mehrung, als auch in der Verschlechterung des Deckungsverhöltnisses sind, während auf der anderen Seite die kreditregulierende Funktion der Reichsbank, wie sie im W e ch s e l g e s ch ä f t sich ausdrückt, geradezu minimal genannt werden muß. Vor einem Monat, noch vor der Diskontherabsetzung, hotte es den Anschein, daß die Reichsbank schon weitgehend den Anschluß an den Geldmarkt gefunden und sich der Ausübung ihrer chaupt- funktion, der bewußten Regulierung der Kreditwirt- s ch a f t, weitgehend angenähert habe. Diese Erwartung hat, das zeigt der Ianuarausweis und die Entwicklung auf dem Geld- markt, getrogen. Bei nicht sehr erheblich verringertem Geldumlauf hat die Reichsbank von den 866 Millionen, die sie feit Ende Septem- ber in ihren Wechselbeständen bis Ende Dezember 1926 wieder auf- geholt hotte, in einem Monat rund die Hälfte verloren. Damit wird für die bisherige Zinspolitik der Reichsbank, die den Sätzen des Geldmarktes nachlief, ohne aber dem eigentlichen Krebs- schaden der deutschen Kreditwirtschaft, der monopolistischen Weit- Haltung der Zinsspanne durch die privaten Bankenkartelle, ernsthast zu Leibe zu gehen, die Schicksalsfrage gestellt. Geht es so weiter wie bisher, und heute hat es durchaus diesen Anschein, so ist für die Zinsscnkung kein Ende abzusehen, während auf der anderen Seite die absolute Zinssenkung wegen der Zins- s p a n n e n Politik der-privaten Banken der Wirtschaft die Vor- teile der Zinsverbilligung vorenthält. Jedenfalls ä u ß e r st sich die große Zinsoerbilligung, wie sie im letzten Jahre vorge- nommen worden ist, bisher fast nur in einer Erhöhung des Kurs- wertes der Aktienunternehmungen und der landwirtschaftlichen Güterpreise, ohne daß aus der Zinsverbilligung die erwartete Steige- rung der Produktivität der Unternehmungen und der Landwirtschast fühlbar zutage tritt, die sich unbedingt auch in der Aufsaugung der Arbeitslosigkeit äußern müßte. Do die bisherige Zinspolitik der Reichsbank infolge ihrer Ein- s e i t i g k e i t dazu nur wenig beigetragen zu haben scheint, wird sich die Oeffentlichkeit vielmehr al» bisher mit der anderen Seite der offiziellen Zinspolitik zu beschäftigen haben, die nicht nur die b i l l i g st e, der absoluten Zinshöhe nach, sondern auch die wirtschaftlichste Lösung der nationalen Kapitalversorgung ins Auge faßt: d. h., dem wirklichen Preise nach, den die Wirtschast den Banken für ihre Funktionen bezahlen müssen. Die Kursjprünge an üer Sörfe. Di« Wirtschaft kauft Aktien. Bereit» im gestrigen Abendblatt haben wir darauf hingewiesen, daß neuerdings an der Aktienbörse eine Haussebewegung großen Stil» im Gange ist, die in ihren Formen auf das leb- haftest« an die Vorgänge der Inflationszeit erinnert. Hat schon der Januar ganz beträchtliche Kurssteigerungen gebracht, so ist nun im Februar die Bewegung sprunghaft übersteigert worden: De? 1. war ein ausgesprochener Haussetag. desgleichen, nach einer vorübergehenden Abschwächung, der 3. Februar, und am gestrigen Tage hat dann geradezu eine Hochflut der Nachfrage eingesetzt. Dabei ist es weniger die eigentlich« beruftmäßige Börsen- s p« k u l a t i o n, die setzt kauft— diese hält sich vielmehr im oll- gemeinen schon etwas vorsichtig zurück— sondern es ist die G r o ß- i n d u st r i e, besonders die S ch w e r i n d u st r i e des Westen», die letzt Anlagemöglichkesten für ihre Gewinne sucht. Vielfach handelt es sich darum, daß große Industriegesellschaften und-gruppen jetzt darauf ausgehen, die Aktie st Mehrheiten anderer Gesellschaften M chren Besitz zu bekommen. Bei diesen Kämpfen um Beherrschung oder Ausrechterhaltung der Selbständigkeit bildet sich dann schnell eine große Mitläuferschaft an Käufern, die aus der mit ziemlicher Bestimmtheit zu erwartenden weiteren Kurssteigerung Gewinne zu ziehen hofft. Di« außerordentliche Ausdehnung der Kauftätigkeit wird dadurch erleichtert, daß die Banken in überreichlichem Maß« billige Kredite, anstatt sie der Produktion zuzuleiten. für Effektenkäufe zur Verfügung stellen. Die unnatürliche Geld- flüssigkeit am Börsengeldmarkt dauert wetter an. Andererseits ver- fügen sehr viele Industriefirmen, selbst solche mittleren und kleineren Umfang», über erhebliche flüssig« Reserven. Beispielsweise sind die Bankguthaben bei den Vereinigten Glanz st off- f o b r i k e n(Elberfeld) von 2,4 Millionen Mark Ende 1925 auf 16.5 Millionen nach dem Stand vom 36. September angestiegen, während gleichzeitig die Schuldverpflichtungen von 6,6 auf 2,3 Mil- lionen zurückgegangen sindl Die größten Sur»st«igerungen in den letzten Tagen sind bei Braunkohlen-, Steinkohlen- und Kali- ottien«ingetreten. Der Kur» für die Ilse aktie ist binnen drei Tagen um fast 166 Proz. auf rund 375 Proz. gestiegen und steht da- mit völlig außer Berhältnis zur Höh« der Dividende, die jedenfalls wieder 8 Proz. betragen wird. Hier sollen■Jkampfkäuse' eine große Rolle gespielt haben. Aber auch andere Lraunkohlenwerte sind stark gestiegen. Da die Industrie, die über die Wert- und Ge- winnverhaltmsse ja am besten Bescheid wissen muß, s e l b st kauft, kann man sich also vorstellen, wie günstig die industrielle Lage in Industriekreisen angesehen wird. Daß gerade jetzt im Braunkohlenbergbau Lohnerhöhungen abgelehnt werden, wirst auf die Verhältnisse ein besonderes Licht! Bei Stein- kohlen werten sind gestern— an einem Tag!— Kurssteigerun- gen um bis zu 15 Proz., bei Kali werten, im Zusammenhang mst den Meldungen über günstig« Absatzentwicklung, so, gar solche bis zu 25 Proz. eingetreten. Die Aktien der Der- einigten Glanz st offabriken, die im Februar bisher „nur" 20 Proz gewonnen haben, stehen jetzt auf rund 576 Proz— del einer Dividend« von 15 Proz! Hier, wie bei vielen anderen Ge- sellschaften, bieten die Aussichten, an Kapitalerhöhungen zu gewinnen, den Anreiz zu großen Käufen. Auch Text il werte, Papier- und Z e l l st o f f ottien sind um 16 bis 15 Proz in die Höh« getrieben worden. Dos ganze Bild der Börse zeigt mst aller Klarheit die u n g«- sund« Entwicklung einer nach Anlage und Expansion drängen- den Uebersülle an flüssigen Kapitalien, die aus den Konjunktur, und Rationallsierungsgewinnen der letzten Zeit her- rühren, ober, da Kaufkraft und Absatz bei überhöhten Preisen fehlen, nicht den natürlichen Weg in die Produktion zurückfinden. Die Gelüreserven üer Reichsbahn. DaS Recht der öffentliche« Kritik. Anläßlich des Vorwurf» der T hesaur i eru n g« p oltti k, den wir gegen die Reichsbahn erhoben haben, hat man an einzelnen Stellen ihre Finanzpolitik verteidigt. Daraufhin wollen wir im folgenden unterrichten, wie sich die notwendige Liquidität der Reichsbahn zu ihrem Bestände an Bargeld und Bankguthaben von drei Viertel Milliarden Mark verhält. Im Reparationsnormaljahr wird die Reichsbahn an unumgänglichen Verpflichtungen monattich 55 Millionen Mark für den Dienst der Reparattonsobligationen und nach dem jetzigen Emifsionsstandc der Dorzugsaktten monatlich 4,5 Millionen Mark für den Dienst der Vorzugsaktien zurückzustellen haben. Dies ist also die notwendige Höhe des Betriebsüberschusses, die im Monatsdurchschnitt erzielt werden muß, um die Verpflichtungen der Reichsbahn reibungslos zu erfüllen. Der ungünstigste Betriebsabschnitt de, Jahre, 1926, da« erste Drsttel, blieb um einen Betrag von rund 96V Millionen hinter dem Soll der normalen Reparationslast für«in Vierteljahr zurück. Nach Ausschaltung der geschätzten Soisoneinflüss« ermäßigt sich der Fehlbetrag auf rund 83V Millionen. Man wird kaum unter- stellen können, daß jemals ein ganzes Jahr in einem so ungünstigen Zeichen stehen wird wie dieser Zeitabschnitt. Selbst dann aber würde der gesamte für«in so ungünstiges Jahr zu erwartende Fehl- betrag auf rund 14 Milliarde Mark zu schätzen sein. Dies ist be- stimmt der Höchstbetrag der Reserve, den die Reichsbahn zur Deckung von Ausfällen zu halten genötigt ist. Für jeden Detrag. der darüber hinausgeht, wäre eine besondere Rechtferti- g u n g notwendig. Gewiß sieht das Reichsbahngesetz die Bildung einer Reserve von % Milliarde vor: die Sachverständigen hatten jedoch bekanntlich ein sehr viel ungünstigeres Bild von der deutschen Wirtschost. als wir es heute haben dürfen, und es ist«in« selbstverständlich« Folge, daß demgemäß ihre Einschätzung des möglichen Aus- falls vorsichtiger war, als wir sie heute vornehmen können, und«in« Aenderung des Reichsbahngesetzes in dieser Hinsicht erscheint erwünscht. Dies« Reserve von 14 Milliarde Mark wäre für die Zwecke der Reichsbahn an sich völlig ausreichend. Man kann ihr aber auch noch für die Zwecke der Kassenhaltung einen zu- sätzlichen Barbetrag zubilligen, der mit der Hälft« eines 16tägigen Umsätze» reichlich hoch angesetzt ist. Das wären weitere 156 Mil- lionen(laut Bilanz vom 31. Dezember 1925 betrug der Kaflenbestand in bar 144 Millionen), insgesamt also 466 Millionen Mark. Was darüber hinaus geht, ist Thesaurierung. Es ist Thefaurierung um so mehr, als gerade 1926 die Heranziehung öffent- licher Mittel zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung in großem Stil« erwünscht und allgemein« Forderung in Deutschland war. Der- schärft wird dieser Vorwurf dadurch, daß die Reparationsgesetz. gebung von 1924 gar nicht daran dacht«, daß die Reichsbahn sich auch in kritischen Zeiten auf ihr« eigenen Rücklagen stützen würde, sondern ausdrücklich vorsah, daß ihr und der Reichspost bei der Reichsbonk ein B e tr i« b s k r e d i t von insgesamt 266 Millionen im Bedarfsfall« offenstehen würde. An der Bereitwilligkeit der Reichsbonk, ohne besondere Bedingungen hin. sichtlich der Verfügung über R-ichsbahngelder«inen derartigen Kredit zur Verfügung zu stellen, kann kein Zweifel bestehen. Nach diesen Ueberlegungen wird ein Zweifel daran kaum möglich sein, daß ein Darbestand von?4 Milliarde Mark als übermäßig bezeichnet werden muß. Angesichts der Höh« dieses Barbestandes erscheinen die außerordentlichen Ausgaben der Reichsbahn im Jahr« 1926, die rund 14 Milliarde Mark, d. h. knapp die Höhe der der Reichsbahn von außen in Form von Reichskrediten und Dorzugsaktienerlösen zugeflossenen Mittel, betragen, als verhältnismäßig zu niedrig, auch dann noch, wenn man annimmt, daß für noch nicht ausgeführte Reichsbahnaufträge zirka 166 Millionen erst im Jahre 1927 gezahlt zu werden brauchen. Auch kann man kaum bestreiten, daß die Verdoppelung dieses Be- träges, die unter Liquiditätsgesichtspunkten durchaus im Bereich der Möglichkeit gelegen hätte, für«inen Konjunkturausgleich durch Vergebung von zusätzlichen Vou- �und Materialaufttuigcn von erheblicher Bedeutung hätte sein können. Al» abwegig muß es bezeichnet werden, daß der ZUich»-- bahn unbestritten das Recht zustehen soll,„den Grad ihrer Liquidttät ausschließlich nach ihrem eigenen Urteil über ihre finanziell« Lage zu bestimmen", was sie neuerdings offiziös für sich in Anspruch nimmt. Die deutsche Reichsbahn ist ein öffentliches Unternehmen, gehört dem Deutschen Reich, und die Oeffentlichkeit hat ein Recht darauf, sich zu ihrer Finanzpolitik kritisch zu äußern und von der Reichsregierung zu verlangen, daß sie einen Druck auf die Reichsbahngesellschaft in der Richtung ausübt, daß keine fehlerhafte Finanzpolitik von ihr getrieben wird. Anschluß Süüsfteuropas a» üen Cisenpakt. vor einer neuen Produktionseinschränkuag. Am Freitag ist in Luxemburg der Verwallungsausschuß der Internationalen Rohstahlgemeinschast zusammengetreten. Der Anschluß der österreichischen, tschechoslowakischen und ungari- schen Werke wurde endgültig gutgeheißen. Ferner wurde die Weltmarktlage erörtert und in Aussicht ge- nommen, unter engerem Zusammenschluß der Rohstahlgemeinschast eine weitere Produktionseinschränkung entsprechend der Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes vorzunehmen. öergarbeiter zur 5ern gasfrage. Bochum. 4. Februar.(Eig. Drahtb.) Die Reichskonferenz des Bergarbeitcroerbandes Deutschlands beschäftigte sich am Freitag mit der Frage der Ferngasversorgung und legte ihre Stellung- nähme in einer Entschließung nieder, in der heißt: „Die Energieversorgung unseres Landes ist eine öffent- liche Aufgabe, die einer einheitlichen Regelung zur Förderung des allgemeinen Wohls bedarf. Die Fernleitung der im Bergbau erzeugten Kokereigase ist geeignet, eine Stärkung der gesamten Energiewirtschaft herbeizuführen: an der Lösung der damit auf- geworfenen Fragen verantwortlich mitzuarbeiten, ist Absicht und Wille der durch den Verband der Bergarbeiter Deutschlands oer- tretenen bergbaulichen Arbeitnehmer. Die Ausdehnung der Gemeinwirtschaft auf die werdende Großgaswirtschaft ist zur nachdrücklichen Vertretung volkswirtschaftlicher Gesichtspunkte vor denen der Privatwirtschaft, besonders in bezug auf Preis- bildung und Gestaltung der Produktions- und Absatz- bedingungen, dringend erforderlich. Die Bergarbeiter treten ein für die einheitliche Zusammensasiung der auf der Umwandlung und Veredelung der Kohle aufbauenden Energiewirtschast im Wege der wirtschaftlichen Selbstverwaltung, um die wirt- schafllichen und sozialen Interessen oller Beteiligten, namentlich auch der etwa erwerbslosen Arbeiter zur maßgeblichen und unmittelbaren Geltung zu bringen," Die Industrie im Januar. Die Ergebnisse im Ruhrbergbau waren nach den Berichten der preußischen Industrie- und Handelskammer nicht durchaus be- friedigend, die Förderung ging zurück und verursachte eine Absatz- Minderung bis zum 21. Januar um 26 666 Tonnen gegenüber der gleichen Zeit im Dezember; sie betrug bis zum 22. Januar 7 253 537 (8 244 369) Tonnen Kohl«. 1 554 877(1 742 408) Tonnen Koks. Auf dem K o k s m a r k t ist ein Rückgang der Exportaufträge zu ver- zeichnen. Di« Mehrabnahme von 400 000 Tonnen im Dezember ist zum größten Teil aus die Einwirkung des Reichskohlenkommissars zurückzuführen. Die Koksbestände auf den Zechen sind auf 620 000 Tonnen gesunken, die Syndikatslager sind geräumt. In Ober- schlesien ist der Inlandsabruf gestiegen, der Export gesunken. Auch die Konkurrenz der englischen Kohle ist schnell auf dem deutschen Kohlenmarkt und den Nebenmärkten in Erscheinung getreten: die Preise für englisch« Kohle sind nur wenig höher als ooi dem Streit. Während der Absatz an Reintali im De- zember 957 269 Doppelzentner betrug, dürfte er im Januar um etwa da» Doppelt«(I) gestiegen sein. In der G r o ß e i s e n industrie ließ das Geschäft etwas nach, besonders der Ausfuhrmarkt ist ruhiger geworden: ob die äugen- blickliche Beschäftigung noch längere Zeit bestehen bleibt, erscheint nicht sicher. Die englische Hochosenindustri« kommt mit der raschen Zunahm« der Förderung in England allmählich wieder in Betrieb. Di« Schrottpreis« haben keine Steigerung erfahren. Aus der Maschinenindustri« wird schleppende» Geschäft im In- und Ausland gemeldet. Die Lotomotivindustrie zeigt eine Belebung, in der Landmaschincnindustrie ist die Situation ruhig. Die Beschäftigung und der Absatz, der chemischen Industrie wird als befriedigend angesehen. In der elektrotechnischen Industrie hält die Besserung an. im Schiffbau hat sich die Lage nicht unerheblich gebessert. Der Geschäftsgang der Automobil- industrie hat sich weiter günstig entwickelt. Rekordabsah des kolisyndikal». Das Kallsyndikat hat im letzten Monat 1.30 Millionen Doppelzentner(Reinkaliwert) abgesetzt, gegen nur 0,96 Millionen Doppelzentner im Dezember, 0.68 Mil- lionen Doppelzentner im November und 0L5 Millionen Doppelzentner im Januar 1926. Diese auherordent- liche Absatzsteigerung, die jedenfalls überwiegend auf das Inlands- gsschäft entiällt, zeigt deutlich, daß die La nd wi r t s ch a s t kauf. kräftig ist und daß man auf die Klagen aus dem agrarischen Lager wahrlich nicht viel zu geben braucht. Die großen Käufe der inländischen Landwirtschast zur Eindeckung für die Frühjahr». Versorgung erfolgen nämlich sonst erst im Februar. In diesem Monat wurden in den beiden Vorjahren 1,86 und 2,02 Millionen Doppelzentner abgejetzt. In diesem Jahre kauft also die Land- Wirtschaft schon früher und sie wird jedenfalls auch mehr kaufen. Im laufenden Düngejahr, ab Ansang Mai, sind bereits 8,13 Mil- lionen Doppelzentner gegen 7,42 Millionen in derselben Zeit des Vorjahres abgesetzt worden. Diese durchaus günstige Eni- Wicklung zeigt aber auch, wie ungerechtfertigt die Er- höhung der Kalipreise war. die gegen Ende Dezember er- folgte und die damals damit begründet wurde, daß der Absatz zu gering sei. um dem Kalibergbau ein rentables Arbeiten zu ermög- lichen. Als der Ianuarabsatz vor einiger Zeit acks IV Millionen Doppelzentner geschätzt wurde, hat das Kalisyndikat diese Zahl al» viel z u h o ch bezeichnet— sehr zu Unrecht, wie sich nunmehr zeigt, da die endgültige Ziffer noch um fast Million Doppel- zentner höher ist. Die Mrkunq der Sraftfahrsteuer. Die Spitzenverbände des Kraftfahrwesens haben beim Reich-finanzministerium beantragt, den Zuschlag zur Krastfabrsteuer in Höhe von 25 Proz. ab 1. April 1927 fallen zu lassen. In dieser Eingabe wird über den Reichsverband der Fuhrbetriebe Deutschlands die Mitteilung gewacht, daß dessen Unteroerbände im vierten Quartal 1926 zirka 30 bis 46 Proz. aller vorhandenen Lastkraftwagen hauptsächlich wegen der Steuerbelastung außer Dienst gestellt hätten. Schon jetzt sei festzustellen, daß ein großer Teil derjenigen Transportbetriebe, die bisher mit Lastkraft- wogen gearbeitet hätten, mehr und mehr zum Pferde- betrieb zurückkehrten, was sich bei einer weiteren Steuererhöhung für Lastkraftwagen noch verstärken müsse. Im Ausland seien mit Ausnahme von England die Kraftsahrsteuern niedriger, Belgien habe gerade jetzt die Steuer für Personenkraftwagen um 25 Proz. und für Lastkraftwagen um 50 Pr--z. ermäßigt. Zusammenschluß der luxemburgischen Eisenindustrie. Unter dem Namen„Groupement des Industries sidärerqiques" hat sich jetzt die luxemburgisch« Eisenindustrie zusammengeschlossen. Der Konzern umfaßt folgende Werke: Arbed.Terres-Rouges.Ougree- M a r i h a y e und S t e i n f o r t. Di« Konzentration ist eine Folge der Einbeziehung der luxemburgischen Eisenindustrie in den utter- nationalen Eisenpakt.