Nr. 66 ♦ 44. �ahrg. Ausgabe A Nr. 34 Bezugspreis. ä35di»ntlT.di 70©tnnia. monaMch 8.- Seidiämacf ootans»ohlbar. Unter stteimbonb für Deuilchlond. SKtwia Soor- lind äRcmelacbl«, Oefittieid) Bitoucn Burembut» 4,50 Scidtamail, für ba« Übrige Sluslonb 5,50 äteidismar.'»CO Monat. Sei.Bormfitt«* mit bet illuftrie» Icn Sonntagsbeilage.Soll unb Seit* tonne ben Beilagen.Unierballnng UNO Dissen'.Ana der �Umwelf. .Frauenstimme'»Der ftinbe» iceunb".Iuaenb-BorwSrts' unb ,B!iif in Sie Bütbcrtutll* erscheint wochentäglich tweimal Sonntags und Montags einmal. Telegiamm-TbreNe: .Sozialsemolral IZ erlin- Morgenausgabe Derlinev Volksblatt (lO PffenTtig) Anzeigenpreise: Sie« t n 1» a 1 1 i a e Ronoateille. »eile 80 Bfennta. ReNameteile 5,— Reichsmark,»Kleine Bnjetgcn* das fettaebnicfte Dort 25 B kennig (tuläfna»wei fettaebtudir Vortet. ledes weitere Wort 7! Vkennig. kiellengeluckte das erste Dort 15 Mennig, tebes weitere Wort in Mennig, Worte über 15 Buchstaben»üblen für«tuet Worte. Arbeitsmarlt Seile 80 Mennig. Kamilienan, eigen für Abonnenten Seile 80 Mennig. Bn, eigen für die nächste Nummer müssen bis 4M, Übt nachmittags tut Sountaeftbätt. Berlin SW 58, Linden- strasteZ. abgegeben werben, Deokinet von 8Mi Ubr krüb bis 5 Übe nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokrat i fehen partet Deutfcblanda lUdaftion und Verlag: S erlin EW. SS, Linöenftraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292-297. Rechtsregierung und /lebeltszeit. Kleine Zugeständnisse statt eines allgemeinen Notgesetzes. WTB. verbreitet zur Arbeitszeitregelung folgende a m t- li ch e M i t t e i l u n g: Das Rcichskabinett hat in seiner heutigen Sitzung seine gO schäftsordnungsmäßige Zustimmung zu den drei Vorlagen des Neichsarbeitsministers erteilt, welche auf Grund des ß 7 des be» stehenden Zlrbeitszeitgesetzes die Arbeitszeit für gewisse Arbeiter- gruppen in den Gaswerken, Metallhütten und in der Glasindustrie auf acht Stunden beschränken. Anläßlich dieses Beschlusses gab das Kabinett ferner seine Bewilligung zu einer beschleunigten Erledigung des in der Negierungserllärung bereits angekündigten Notgesetzes über die Arbeitszeit. Seit dem Bestehen der geltenden Arbeitszeitverordnung, also seit über drei Jahren, fordern die Gewerkschaften eine weitgehende Aenderung des§ 7, damit wenigstens für die hier- von erfaßten, besonders gefährdeten Arbeitnehmergruppcn der Achtstundentag gesichert wird. Das ist wiederholt zu- gesagt worden. Jetzt endlich soll wenigstens für einen weiteren Kreis die Anwendung erfolgen. Wir können uns mit dieser äußerst bescheidenen Ausdehnung nicht zufrieden geben Das von den Gewerkschaften geforderte Notgesetz ver- langt die Sicherung des Achtstundentages für alle Ar- b e i t e r und Angestellten. Davon ist indem Be- fchluß des Reichskabinetts keine Rede. In diesem entscheidenden Punkte ist der Beschluß des Kabinetts ebenso dunkel gehalten wie di? Regierungserklärung, die nur davon sprach, daß auch im übrigen Mißstände auf dem Gebiete der Arbeitszeit beseitigt werden sollen. Wahrscheinlich will sich die Bürgerblorkregieruüg damit begnügen, die Straf- f r e i h e i t der Unternehmer einzuschränken, die bei Leistung sogenannter freiwilliger Mehrarbeit besteht Angesichts solcher Pläne gewinnt die Aktion der sozial- demokrati'chen Reichstagsfraktion erhöhte Bedeutung. Sie hat den Entwurf der Gewerkschaften als Jnitiativgesetz im Reichs- tage eingebracht und fordert seine Verabschiedung als Min- d e st m a ß eines annehmbaren Notgesetzes. Es wird sich bei der Beratung zeigen, ob die Bürgerblockregierung ernsthaft bereit ist. den Achtstundentag in Deutschland gesetzlich zu sichern. Mißmut unter den Aentrumsarbeitern. Sola. 8. Februar.(Eigener Drahtbsricht.) Der schon seit längerer Zeit in der Kölner Zentrumspartei bestehende Gegen- satz zwischen der Arbeiterschaft und den übrigen An- hängern des Zentrums hat sich infolge der jüngsten Vorgänge, wie zum Beispiel bei der Besetzung des Kölner Regierungspräsidiums und bei der Neubildung der Regierung so zugespitzt, daß setzt von katholischen Arbeitern die„Rheinische Zeltung", unser Kölner Parteiblatt, benutzt wird, um gegen die beiden offiziellen Zcn- trumsblätter in Köln zu polemisieren. Am Dienstag veröffentlichte die„Rheinische Zeitung" gleich zwei Zuschriften aus katholischen Kreisen, in denen der Unmut der Linksschichten im Zentrum deutlich zum Ausdruck kommt. In einer dieser Zuschriften wird gesagt, daß sich bald zeigen müßte, welche Früchte die Paarung der katholischen mit der kapitalistischen Weltanschauung zeitigen wird. Man solle das Ergebnis dieser Paarung abwarten, dann aber sei eine klare Entscheidung zu treffen. Wenn die Zentrumssraktion nicht den Mut zu einer solchen klaren politischen Linie aufbringe, sei sie nicht mehr des Aer- trauen? ihrer Wähler wert. Eine zweite Zuschrift in der gleichen Nummer de? Blattes wirft den beiden Zeniruinsblättern, der.LtAnifchen Bolkszeiwng" und de?„Rheinischen Volkswacht" vor. daß sie über die Ausein« anderfetzUngen innerhalb der Zentrunispartei, die hibter ver- schl offenen Türen geführt würden, zwar rede, die Oeffent. lichkeü aber irreführend informiert habe. Die Bericht- erstattung der Zentrumspresse, so heißt es, entspreche weder dem tatsächlichen Verlauf noch der Stimnumg, die in diesen internen Versammlungen zum Ausdruck komme. Der Kampf in der Zcn- trumspartet sei noch nicht zu Ende, sondern er werde weiter- gehen. Der demokratisch« Bolksstaat müsse leben, selbst wenn Parteigruppen sterben müßten. Keuöell soll bleiben! ..Herr Marx hat etwas gut zu machen." Die Hugenberg-Presse hat gestern früh von der Sozial- demokratie verlangt, sie solle„mit dem fjnt in der Hand ehr- furchtsvoll" vor Herrn o. Keudell sieden. Gestern abend wandte sich dann der„Berliner Lokal-Anzeiger" mit einem ähnlichen Ansinnen an den Reichskanzler Herrn Marx. Er schließt seinen Artikel mit der etwas diktatorisch klingenden Aufforderung: Herr Marx h a t da nach seinem keineswegs glorreichen Auftreten vom Sonnabend etwas gutzumachen. Mit ihrer Aufforderung an die Sozialdemokratie wird die Hugenberg-Presie ganz bestimmt kein Glück haben. Etwas anders steht es vieleicht mit dem Reichskanzler, Herrn Marx. Sein„keineswegs glorreiches Austreten am Sonnabend" be- steht darin, daß er eine Untersuchung gegen seinen neuen Ministerkollegen angekündigt hat. Bielleicht hat der«Ber- liner Lokal-Anzeiger" recht— für die Zutuns t. Wäre es nämlich richtig, daß das Zentrum jetzt schon ent- schlössen ist, eine Krise unter allen Umständen zu vermeiden und zu diesem Zweck Herrn v. Keudell zu halten, dann wäre die Untersuchung nur noch eine Farce, und der Ausgang wäre für Marx und das Zentrum wenig glorreich. Auf keinen Fall wäre er mit den sehr selbstbewußten Tönen zu vereinbaren, die Herr Prälat K a a s jüngst in einer Versammlung in Biberach angeschlagen hat, in der er sagte: Fragen Sie doch einmal auf feiten der Rechten, ob sie dies« zwei letzten Wochen der politischen Eheschließung als Flitter- w o ch c n bezeichnen kann? EinePartei.dle sich gefallen lassen muß, daßein von ihrprSs«ntIcrterMinister von uns abgelehnt wird, merkt, daß das Regieren keine Freud« sein kann, und wenn der Froktionsführer ge- zwungen wird, seine eigen« Rede zu korrigieren, ist das keine Stärkung der Autorität. Als der Kampf um Herrn v Keudell brandete und ihm vom Zentrum nur«in be- dingtes Vertrauensvotum ausgestellt wurde, da hatte man das Gefühl, daß das Zentrum noch niemals so eindeutig uad unerbii stich seineu politischen Sur? eingehalten hat wie in diesen sturmbewegten Wochen. Man wird Herrn Kaas bis zu einem gewissen Grade bei- pflichten können. Was die Deuffchnationalen über sich ergehen ließen, war allerdings erstaunlich. Doch kommt es nicht auf den Anfang, sondern auf das Ende an. und uns will es scheinen, als ob das Ende dex Zentrumsherrlichkeit im Bürgerblock schon dg wäre. Läßt sich da? Zentrum taffächlich mit dem Kapp-Landrat v. Keudell auf eine Galeere schmie- den, so wird das ein eklatanter Sieg der Deutsch- nationalen sein, der ihr Selbstbewußtsein mächtig heben wird. Die von Herrn Kaas gerühmte„Unerbittlichkeii" dauert eben nur bis zum nächsten U m f a l l, der sich, wie es scheint, schon in den allernächsten Togen aus Anlaß des Falles v. Keudell vollziehen wird. Der Reichstag wird bei Behandlung einer kommunisti- scheu Interpellation und eines kommunistischen Mißtrauens- antrags gegen v. Keudell noch einmal Gelegenheit haben, sich mit dieser Angelegenheit zu befassen, und dann wird das Zentrum ohne Vorbehalt entscheiden müssen. Die Suche nach der Quelle. Die„Deutsche Zeitung" hatte behauptet, daß das Material zu den Angriffen des Gen. Landsberg gegen v. Keudell vom preußischen Staotsministerium geliefert sei. Minister- Präsident Braun hat dem Blatt eine Berichtigung geschickt, in der er feststellt, daß das Ministerium dem Den. Landsberg kein Material zur Derfügtmg gestellt hat. Für den Panzerzug kann er nichts! WTB. meldet: Die Mitteilung einer Korrespondenz, Reichs- minister v. Keudell habe während des Äapp-Putsches einen in Küstrin stationierten Panzerzug noch Bärwolde entsandt, ent- behrt jeder Grundlage. Es handelt sich um ein« Maßnahme des damaligen Kommandanten von Küstrin, die ohne Anregung und ohne Wissen des Herrn v. Keudell angeordnet ist. der Koalitionsstauffe. Zcntrumsärger üder einen Rcgierungsbruder. Wir veröffentlichten kürzlich den Brief des deutschnationalen Ad- geordneten v. E t a u f f e n b e r g an den württembergischen Staats- Präsidenten Bazille, in dem der Schreiber in den gehässigsten Wen- düngen sich über die Zentrumspartei und besonders ihren Anhang im Schwobenlande erging. Jetzt hat in Biberach eine Sitzung des Landesausschusses der württembergischen Zentrumspartei stattgefunden, die sich mit dem Stauffsnberg aus dem Koolitionslager beschäftigte und dem Brief- schreibe? bestätigt, daß er„schw«rsteDerletzungcn der polt- tischen Ehre des Zentrums und der persönlichen Ehre unserer Freund« im Oberland" ausgesprochen habe. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß der Stoufsenderg sich durch Zentrums- Wähler mancherlei Ehrenämter habe verschaffen lassen, ohne sein« wahre Gesinnung-zu zeigen. Jetzt weist das Zentrum die Beschimpfungen, die sich der Frei. Herr leistet,„m einmütiger Verbundenheit" zurück. Aber im Reich?. tag nimmt da? Kabinett Marx auch die Stimm« Stauffenberg?. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. 68, Linöenstr.Z BoOlAedlonto: Berlin 31 53«- Bankkonto! Bank ber Arbeiter. Angestellte» und Beamten. Wastftr.«3: Siokonto-Selelschast. SeooRtenlafle Linden sie. 3. Faschismus und Gewerkschaften. Eine Orientierung nach links? Von der italienischen Grenze wird uns in Ergänzung früherer MitteUungen geschrieben: In italienischen Faschistenkreisen preist man die am 2. Fe- bruar veröffentlichte Erklärung der Gewerk- schaftsführer als einen neuen Sieg des Faschismus, als die Eroberung einer feindlichen Position erster Ordnung. In gewissem Sinne ist dieses Siegesgeheul berechtigt. Rkanner, die viel Anhang in den Massen haben und die Recht hohes Ansehen genossen, geben ihre feindselige Stellung gegenüber dem Faschismus auf und erklären sich bereit, sein korporatives Experiment zu unterstützen. Das ist keine kleine Errungen- schaft, besonders, wenn man bedenkt, was der Faschismus den Gewerkschaften zugefügt hat, wieviel Trümmerhaufen von G e w e r k s ch a st s h ä u s e r n, wieviel ge- stohlene Verbondsoermögen und wieviel Leichen zwischen der ffeien Arbeiterorganisation und dem herrschenden Regime stehen. Run ist aber die Erklärung der Gewerkschaftsführer das Ergebnis l a n g e r Verhandlungen zwischen dem Minist erpräsidenten und einigen Gewerk- schaftsvertretern. Bei diesen Verhandlungen waren natürlich für beide Teile ihre Zwecke und Ziele ausschlag- gebend. Mussolini sieht seit langem, daß ihm die Männer fehlen, um leistungsfähige Organisationen zu bilden und zu leiten. An allen Ecken und Enden macht sich das Miß- trauen gegen die Geschäftsgebarung der Führer der faschistischen Syndikate geltend. Ein Teil von ihnen sind geradezu berüchtigte Lebemänner, die die sozialen Problem? in eleganten Restaurants, beim Rennen und in Gesellschofl von Kurtisanen- zu ergründen suchen. Weiter berechnet Musso- lini den Einfluß, den es im Ausland höben wird, die Männer der Konföderation ihren Frieden mit dem Faschismus machen zu sehen. Er umwarb also die einst Verfolgten, weil er sie brauchte, um ihrer Fähigkeit und Rechtschaffenheit wegen und als Aushängeschild seiner Firma„zum sozialen Frieden". Warum aber haben sich die Gewerkschaften umwerben lassen? Sicher nicht um ihrer persönlichen Sicherheit, ihres 'persönlichen Ehrgeizes oder Vorteils willen, denn wer in diesen Punkten sterblich war, der hat längst unter den Fitichen des Faschismus Schutz gesucht. Diese Männer, die heute in vielen Kreisen unserer Bewegung sehr streng beurteilt werden, sehen in der offiziellen Annäherung das einzige Mittel, noch in irgendeiner Weise unter dem Proletariat und für das Proletariat zu wirken. Sie glauben, in die faschistischen Kor- porationen einen modernen Geist tragen zu können, rechnen darauf, die aus den Freien Gewerkschaften in die faschistischen Gilden getriebenen Genossen schützen und ihnen ein Rückhalt sein zu können. Sicher ist, daß man ibnen Zusicherungen gemacht hat im Sinne einer gewissen Selbstverwaltung der heute ganz auto- kratisch von oben regierten Korporationen. Bei der scharfen Spannung zwischen der Monarchie und Mussolini, die sich namentlich an die Veröffentlichungen Cesare Rossis in den Pariser„Quaderni" anschließt, ist es durchaus begreif- lich, daß Mussolini wieder einmal den Versuch macht, sich nach links zu orientieren. Da er in seinen Reihen keine Männer hat, die das Vertrauen der Massen genießen, keine, die mit den Arbeitern anders umzugehen wissen als mit der Reit- peitsche, braucht er Leute aus dem feindlichen Lager. Und die jetzt aufgelöste Konföderation der Arbeit stellt sie ihm, in der Zuversicht, dadurch dem Proletariat zu dienen. Da wir auf Grund unserer langjährigen Kenntnis der Männer, die soeben den scbweren Schritt der Annäherung an den Faschismus getan haben, jedes persönliche Motiv unbe- dingt ausschließen müssen und als undiskutierbaren Aus- gangsounkt jeder Diskusston die lauterste Zlbsicht voraussetzen, den Massen und der Arbeiterbewegung zu dienen, so kann sich die Kritik des Schrittes nur um die Frage drehen: Wer ge- winnt bei dem Handel? Und die Antwort lautet für uns ent- nmtigend: Der Faschismus gewinnt. Denn die Arbeiterbewegung gibt ihm, was er nicht hat, was er gewissermaßen, der Definition nach, nicht haben kann: recktschasfene und tüchtige Männer, die die Sache über oie Person stellen. Die bestohlene und vergewal- tigte Gewerkschaftsbewegung gibt von dem Wenigen, was sie gerettet hat, für einen Teil des Ansehens, der Ächtung und der Liebe, die ihr die Massen zollten, in das feindliche Lager über. Sie stützt das wankende Gebäude der faschistischen Syndikate durch die letzten ideellen Säulen, die der Ver- wllstung getrotzt hatten. Der Faschismus erstarkt und brüstet sich feiner Fähigkeit, alles in seinen Bannkreis zu ziehen. Die Massen aber bleiben verdutzt und verwirrt stehen, weil sie ihre Führer, die einst an der Seite Matteottis ge- kämpft haben, heute mit dessen Mördern paktieren sehen. Es will uns daher scheinen, als seien auch diesmal die Ar- heiter die Geprellten. Mussolini braucht heute Führer, um durch sie ein paar moralisch und technisch minder- werte Führer zu verdrängen. Die verachteten und oerlachten Gewerkschaftler sollen ihm einen Teil seines Augiasstalles reinigen helfen. An eine auch nur einigermaßen in einem vernünftigen Verhältnis zur Gabe stehende Gegenleistung des Faschismus glauben wir nicht. Ohne Autonomie, ohne demokratische Verwaltung sind die faschi- stischen Syndikate nur Potemkinsche Dörfer. Der Faschismus kann ihnen keine Autonomie und Demokratie gewähren, weil er dadurch den Keim zu einer tatsächlichen sozialen Macht legen würde, die zu zerstören er als feine vor- nehmste Aufgabe angesehen hat. Obwohl der Faschismus so machtstrotzend dasteht, kann man ihm das Faustische Wort ent- gegenschleudern: Was kannst du armer Teufel geben? Die A r b e i t e r f e i n d l i ch k e i t des Faschismus ist zwangsläufig. Er kann dem Proletariat nicht Bewe- gungsfreiheit zurückgeben, weil sie sich gegen das herrschende Regime kehren würde. Er kann es nicht gegen den Druck des Unternehmertums verteidigen, weil er sich durch die wehrlose Auslieferung der Arbeiter den Kapitalisten für ihre Leistun- gen dankbar zeigen muß. Wir leben in einem System kolossaler größenwahn- sinniger Ausgaben und unerhörten Steuerdrucks. Man sagt. daß die Kapitalisten heute das Doppelte des Geldes, das sie für den„Sieg" des Faschismus ausgegeben haben, opfern würden, bloß um den Faschismus wieder loszuwerden. Bei dieser Geistesverfassung im Unternehmer von Industrie und Handel ist gar nicht daran zu denken, sich diese Kreise noch durch Gewährung von Rechten an die Arbeiter ganz zu ent- fremden. De? Faschismus kann also nicht nach links, auch wenn er wollte. Er kann nur nach rechts: er kann das angestammte Königtum nur durch ein von, den Prätorianern ausgerufenes Kaisertum übertrumpfen, nicht durch eine volkstümliche Republik. Wir glauben, daß Mussolini unsere Gewerkschaftsführer auf einen verlorenen Posten gelockt hat, den er entschlossen ist, preiszugeben. Schon jetzt ist das Organ der faschistischen Korporationen» „Lavoro d'Jtalia" mit den Erklärungen der Gewerkschaftler unzufrieden und vermißt in ihnen„die Anerkennung" des energischen und verantwortungsvollen Schutzes der Ar- beiter, den die faschistischen Syndikate gewährt haben und weiter gewähren". Für das Wort„Schutz" ist„tutela" ge- braucht, was eigentlich Vormundschaft bedeutet: da ist wohl den Herren von den Syndikaten die Feder ausgerutscht. Wir wissen mehr von der Vormundschaft als vom Schutz. machen aber beileibe den Führern der Korporationen keinen Vorwurf daraus: man kann eine der Fähigkeit, sich selbst zu verteidigen, beraubte Masse nicht schützen. Das ist der entscheidende Irrtum des faschistischen Syndikalismus: die Arbeiter entwaffnet zu haben durch Zerstörung ihrer Organi- sationen und die Entwaffneten nun durch Gesetze schützen zu wollen. Das können eben die Syndikate nicht und werden es auch unter Mitarbeit der früheren Gewerkschaftsführer nicht oermögen. für uns steht es auch sehr dahin, ob die Zugeständnisse eiter der Konföderation zu einer Abrüstung im inneren Kriege führen werden. Auf dem Lande und ,in den kleineren vielleicht, wo die früheren Kon- föderierten heute dem Boykott und de» Aechtung unterliegen. Die Presse benutzt aber den Anlaß, um noch heftiger als sonst über die herzufallen, die sich nicht beugen wollen, besonders über die Ausgewanderten. Wir hoffen bestimmt, daß bei den langwierigen Verhandlungen, deren Wortführer vor allem Genossen C a l d a war, der Gewerkschaftler nicht veraessen wurde, die heute im Zwangsdomtzil sind. Bei jedem Friedens- schluß tauscht man die Gefangenen aus. Daß man an die Spitze der Provinz Bologna— d. h. als höchsten„Hierarchen" der faschistischen Partei— jenen R e g a z z i gesetzt hat. der des Mordes an einem Gewerkschaftler von Molinella überführt worden ist, scheint uns auch ein Element, um diesen Friedensschluß den Arbeitern schwer verständlich zu machen. Suchanzeige. Von Jodok. Was gibt's denn neues auf dem Büchermarkt? Aber bitte: die Ehrenrangliste, 1300 Seiten stark, umfassend 55760 aktive Offiziere und 38 880 Offiziere z. D. und a. D.. welch» selbe Auskunft gibt: bei den gefallenen Offizieren über Zeit und Ort der tödlichen Verwundung, bei den lebenden über die letzte vom AOK. verllehene mobile Dienststelle und über die Verabschiedung oder Uebernahme in die Reichswehr, des fernern über den Er» nchtungstermin der aufgelösten Truppenteile der alten Armee und über die Traditionstruppenteile der Reichswehr, die die alle Ueber- lieferung fortsetzen. Man sieht: Ein Such, das ein« Lücke ausfüllt, das ein dringend gehegtes Bedürfnis befriedigt, das einen fühlbar gewordenen MIß- stand beseitigen Hilst, ein Buch, das in keinem gesitteten Bürgerhaus fehlen sollte. Mancher Siebzehn- oder Achtzehnjähriger, der da- mals» direkt von der Schulbank des Gymnasiums weg, in die Herr- lichkeiten der Befehlsgewall über Dreißig- und Bierzigjährtge und gleichzeitig in die der Kasinoküchcn aufstieg, manch ein Kassenbote mit dem einschmeichelnden Wesen und den guten Beziehungen, der am schönsten Tage seines Lebens die Epauletten von seinem Landes- Herrn verliehen bekam..„ manch einer fragte sich in besinnlichen Stunden seiner jetzigen Bedrücktheit, ob wohl allein die Erinne- rung bleiben würde an die sützseligen Jahre des Kommandiere us und der Hcrausgehobenheit. Die Ehrenrangliste gibt Antwort. Die Wirklichkell versunkener Schönhelten kann sie nicht wieder herauf. beschwören, aber das wenigstens kann sie, den Zustand von damals fixieren, ihn bannen in die Beständigkeit der Buchstaben. O, auch andere Branchen als die militärische haben ihr Nach- schlagewerk, das dem Orientierungsbedürfms der Volkswirtschaft gilt. Geht eine Firma pleite, so verschwindet sie aus der nächsten Aufiage. und stirbt beispielsweise ein Schriftsteller, so streicht ihn selbstverständlich der nächste Kürschner. Aus der Ehrenrangliste wird kein Truppenteil wieder verschwinden und kein Offizier ge- strichen werden. Sie Ist nicht benötigtes Adrestenmaterial, sondern ein Denkmal sinnloser Eitelkeiten. Jeder Beruf hat seine Solidaritätsgefühle. Aber keinen anderen auf der ganzen Welt als den ehemaliger Offiziere gibt es, der es sich auf 1300 Seiten aufnotierte, wer alles zu irgend einem Zell- punkt in der Vergangenheit zu ihm gehört hat. Grotesk, die Vor- stellung. daß Peizwarenhändier. Redakteure. Achaifchleifer. Rechts- onwälte, Metteure etwa in einem Schweinslederband die Schicksale und Adressen ehemaliger Berufsgenosten verewigten. Das kommt und vergeht, und niemand findet etwas dabei. Rur die Offiziere, diese Zufallserfcheinungen einer Epoche, die bringen sich heraus. die bescheinigen es sich in Druckschrift, daß sie wer waren im Krieg. die schmuggeln ihre hunderttausend Namen, gleich als ob sie sie nicht Es verletzt das Gefühl vieler Tausender, zu wissen, daß Vorkämpfer im Ringen gegen den Faschismus die Waffen strecken. Aber man darf das Geschehene nicht nur v o.m Gefühls st andpunkte aus bewerten. Unsere Gewerkschaftsführer glauben fest, den Interessen des Proletariats zu dienen, den Faschismus von innen auszuhöhlen. Sie wollen auch in diesen Zeiten politischer Sonnen- finsternis bei den Arbeitern sein, um Schulter an Schulter mit ihnen zu stehen, wenn wieder Tag wird. Mögen sie sich nicht verrechnen. Dann wollen wir auch nicht länger murren über die tiefe Bitterkeit dieser Stunde. Mnfin den Sportpalast! Das arbeitende Verlin demonstriert gegen denVürgerblock! Heraus zum Protest! Heraus zur Oemonstrations-Versamm- lung am Donnerstag, �0 Februar 1922, abends 8 Ahr, im Sportpalast!- Redner die Reichstagsabgeordneten: Aufhäuser, Dr. Vreitscheid, Sittmann, Marie Luchacz, Künstler, Scheidemann, Stampfer, Dogel«RÜrnberg. Dezirksverbanb Berlin SPS. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Versin? Treffpunkt: 2 Llhr abends, Hochbahnhof Vülowstraße. Unü nochmals: persönliche tzetze. Wo sie ist und wo fie nicht ist. Weil wir uns für die politische Vergangenheit des Mannes interessieren, der uns als Hüter der Verfassung be- schert worden ist, zetert die deutschnationale Presse über„per- sönliche Hetze". Wir haben gestern an einem Beispiel— den Angriffen der„Hamburger Nachrichten" auf den angeblichen Genfer Stellenjäger Marx— gezeigt, was persönliche Hetze ist. Es gibt aber auch Beispiele aus den allerjüngsten Tagen. Der beliebte„Berliner Plauderer" der d e u t f ch n a t i o- n a l e n Presse ist Herr A. Stein, dessen mit dem Verfasser- namen„Rumpelstilzchen" versehenen Artikel in der Provinz weit verbreitet sind. Ein solches Produkt finden wir u. a. im deutschnationalen„Chemnitzer Tageblatt" vom letzten Sonntag abgedruckt: es handelt vom letzten Berliner Presse- ball und enthält u. a. folgende Stellen: Meine größte Freude ist aber doch der.rote" Genof- sinn entisch vorn an der Logenrampe im Marmorsaal gewesen. wo Herr Gradnauer und Frau Wal lau er den lebhaften Ton angaben und Frau Reichstagspräsident Löbe, die zu solchen seltenen Gelegenheiten von Breslau herüberkommt mit xinem Messer die Mayonnaise zu den vielen russischen Eiern geschickt in ihren Mund zu löffeln verstand, ohne sich zu schnei den. Das ist nicht leicht. Aber man lernt's, wenn man schon im achten Jahre zur regierenden Kaste gehört. Einmal hat be! einer Staatsgelegenheit Hin- d e n b u r g sie als Tischdame bekommen und ihr nachher korrekt die Hand geküßt Das ist ihm von altmodischen Leuten ver« Lbelt worden. Aber warum denn? Soll er sich aus einmal anders benehmen, als er es schon als Kadett gelernt hat? Fray Löbe ist doch sonst eine kreuzbrava Frau: und es hat in der allen Arm« keinen Hauptmann gegeben, dar beim Aampognieball nicht den ersten Tanz von der Frau Feldwebel erbat. Nur ist jetzt di« Geschichte freilich ein bißchen durcheinandergekommen. In der Honoratiorenloge sitzt ei» frühere» Mädchen für alles, jetzt Frau eines deutschen.Diplomaten", und schüttet sich andauernd Sekt in den Hals. So was schmeckt dem deutschnationalen Provinzpöbel in Glacehandschuhen noch besser als russische Eier und Sekt. Frau Konsistorialrat Müller empfindet mit Stolz, daß sie weiß. nur im Geburtsregistersinne besäßen, sondern als ob sie im Per- sönlichkeitssinne welche wären, in die Literatur der Nachwelt hinein. Glückselige Kaste das, die über irdischen Realitäten schwebt und der Flucht der Zeit mit der Ehrenrangliste in der Hand begegnet. Die polltischen Erfordernisse haben Ihnen lange den Laufpaß gegeben, nun konservieren sie sich auf Papier und entdecken— jeder einzelne der hunderttausend— ihre Bedeutung darin, daß sie für wert be» funden wurden, in die Gesellschaft von immer den anderen SS 909 aufgenommen zu werden, deren Bedeutung ja schon allein daraus hervorgeht, daß ihre Namen in einem Buch Zlufnahme gefunden haben., Vacquä in S erlin. . Es war eine Sensation der rechtsgerichteten mittelständischen Kreise Berlins, als auf Einladung der Buchhandlung Hapke u. Schmidt Edgar Dacque, Profestor am Münchener Pantäologischcn Museum, im überfüllten Plenarsaal des Reichswirtschaftsrats seinen Vortrag über Abstammungslehre und Menschheitsalter hiell— eine Sensation und eine Enttäuschung. Der von den gefühlsmäßig und politisch bestimmten Anttsozia» listen und Antidarwinisten auf den Schild gehobene Forscher ent- sprach weder in dem erften, lediglich wissenschaftliche Tatsachen vor- bringenden Teil des Vortrags den Erwartungen der Hauptmaste seiner Besucher, noch In dem zweiten Teil der Deutung dieser Tat- fache, indem er sich ausdrücklich sowohl gegen eine spiritistische und okkultistische, wie gegen eine religiös-dogmatische Auslegung seiner Deutung verwahrte. Dem mit den neueren Ergebnissen der Bor- weltkunde Vertrauten bot der erste Teil mtt feiner vorzüglichen Darstellung an der Hand von Lichtbildern kaum etwas Neues. Wie Steinmann, Weftenhöser, Abel u. a. kommt auch Dacque unter Auswertung der neueren Untersuchungen über die Fossilien zu dem Ergebnis, daß die konstruktive Idee Darwins und Hoeckels von einem ollgemeinen Stammbaum aller Lebewesen nicht aufrecht- zuerhalten ist, und daß man einstweilen nur Entwicklung innerhalb einzelner Typen und Artev feststellen kann. Das zweite Hauptergebnis ist, daß— wie u. a. auch Klaatich und Weftenhöser betonen— der Mensch einen außerordentlich alten Typus darstellt. Hier geht Dacquö nun weiter wie jeder andere Fachmann, indem er es nicht für unmöglich hält, daß das Dasein des Typus Mensch bis in das Altertum der Erde hinauf- reicht, und daß wir zweifellos noch Reste des vortertiären, gar mesozoischsn oder paläozoischen, also eines Menschen, der vor 50 Millionen Jahren lebte, finden. Hier setzt nun der neue Weg der Deutung ein, die Dacque in seinen in der Fachwell wie in den kulturell interessierten Kreisen viel beachteten Schriften vertritt. Er ist der Ueberzeugung, daß bei dem uralten Typus Mensch die Erlebnisse aus sehr alter Erdgeschichte im Gedächtnis haftengeblieben sind und in der Form der Sagen und Mythen ihren Ausdruck gefunden haben. So steht Dacquö in den Sagen Dinge von dokumentarischem Wert und stellt stch die Aufgäbe, di« Tatsachen der Vorweltkunde kritisch neben die Bilder der Sagen und Mythen zu stellen und aus dem Vergleich beider nenen Deutungsinhalt des Lebensfinnes zu erhallen. wie man Majonnaife iß?. un8 Frau Infpekior Schulz öenkf. was für eine Partie eigentlich s i c hätte machen müssen, da sie doch kein„früheres Mädchen für alles" ist, sondern aus. allerersten Kreisen stammt. Ueber diesen bürgerlichen Jdiotenstolz könnte man lachen, wenn nicht. die hämische Gesinnung zu deuttich wäre. Führende Politiker, die aus dem Volk gekommen sind und die ihre geachtere Stellung ihrem Können und nicht ihrer Geburt verdanken, sollen getroffen werden, indem man über ihre» Frauen vcrächllichen Klatsch kolportiert. Dann aber zetert die Hugenberg-Presse, zu deren fleißig- sten Mitarbeitern Stein-RumpelstiWen yehört, über„persön- liche Hetze", wenn die Presse der Opposition sich erlaubt, in das politische Vorleben eines neuen Ministers mit der Laterne hineinzuleuchten. Für die„gute Gesellschaft", der anzugehören Stein- Rumpelstilzchen so stolz ist, ist es übrigens kennzeichnend, daß Leute seines Schlages in ihr geduldet werden. verlogen bis auf die Knochen! Eine Fälschung der„Roten Fahne". Die„Rote Fahne" sucht den Eindruck zu erwecken. als ob in der sozialdemokratischen Partei Gegensätze über die Bekämpfung des Bürgerblocks beständen. Sie zitiert Aus- führungen des„Sächsischen V o l t s b l a t t s" in Zwickau unter der Ueberschrift:„Ein sozialdemokra- tisches Blatt gegen die Täuschungsmanöver des Parteivorstands". Am Schlüsse zitiert sie: »Sie streiten sich im Reichstag öffentlich herum und beweisen jeder für stch und für seinen Standpunkt, daß der auderc der Hereingelegt«, der Betrogene sei. Einig aber sind sie in dem entscheidenden Punkte: Im Klassengefühl, in der Wahrung der Klasseniuteressen der Bourgeoisie. Trotz aller schönen„Worte" der Zentrumsfuhrer ist die Regierung Marx eine Regierung des Büngerblocks gegen die Arbeiter." In Wahrhett schrieb unser Zwickauer Parteiblatt: -„Einig aber sind sie in dem entscheidenden Punkte: Im Klassen- gefühl, in der Wahrung der Klasseninteressen der Bourgeoisie. Diese Talsache hak Genosse Dandsberg in seiner scharf opposiiionellen Rede am Freitag klar herausgearbeitet und nachgewiesen, daß die Regierung des Bnrgcrblocks eine kiassenregiernng ist, daß sich Zentrum und Deutschnationale bei der Bildung der Regierung aus den Rücken der Arbeiter geeinigt haben. Trog aller schönen„Worte" der Zentrumsführer ist die Regierung Marx eine Regierung des Bürger» blocks gegen die Arbeiter. Die Sozialdemotrai!« hat daraus, wie Genosse Landsberg am Schlüsse seiner Rede sagte, die einzig mögliche Schlußsotgernng gezogen: Sie stellt sich in dem vom Vürgerblcck ge- wollten Klassenkamps aus die Seite der Arbeiter gegen die Bürger- blockregiernng." Die hervorgehobenen Sätze hat die„Rot.e Fahne" hinweggefälscht. Sie hätte sonst keinen Gegensatz zwischen Zwickau und dem Parteioorstand, zwischen Zwickau und Landsberg konstruieren können. Sie hatte nicht lügen können, daß die Sozialdemokratie den Bürgerblock nicht bekämpfen wolle. Die Leute der„Roten Fahne" können sich bei Hugenberg anstellen lassen._ ......-•.........»».-•T Dte Beamten der Reichskantksi bleiben. Gegenüber astders» lautenden Meldungen berichtet WTB.. daß Kgsndwelche Vergnd«. rungen im'Beamtenstobe ver Reichskanzlei nicht beabsichtigt sind. Prälat Hauser. Landeshauptmann von Oberösterreich, ist.nach langem, schwerem Leiden gestorben. Wir haben schon die Republik- treue und Anschlußbegeisterung dieses Chri-tlichsozialen hervor- gchoben. llniversilät gegen Faschismus. Die medizinische Fakultät der Universität K o w n o hat den durch Militärgewall gestürzten Staats- Präsidenten G r i n i u s und den Führer der Freidenker, S ch l i n- p a s. zu Ehrendottoren ernannt. Der Fehlschluß dieser Deutung scheint mir vor allem darin z» liegen, das Dacque zwar die biologische Talsache anerkennt, daß die Großhirnbildung des Menschen eine sehr junge Spezialisierung des Menschentypus ist. daß er trotzdem in den allen Fonnen des Typus Mensch Bewußtseinsinhalle, bewußtes und im Gedächtnis Verankertes, Erlebnisse oller Erdgeschichte zuspricht, während nach den bisherigen biologischen Tatsachen nur bei Hochentwickellen Gkoß- Hirnen solche Bewußtseinsvorgänge möglich find. Unbestritten ist das große Verdienst von Dacquö, die allgemeine Aufmerksamkeit auf die außerordentliche Bedeutung der vorgeschicht- lichen Zeit, auch auf seelischem Gebiet hingewiesen zu haben. Er begegnet sich hier, wenn auch in ganz anderer Richtung, mit der Schürfarbeit von Siegmund Freud. Für die dogmatisch-rcligiösen, kirchlichen und kulturpolitisch rückständigen„Belange" läßt sich aller- dings nur bei falscher Auswertung dieser neuen Forschungswege etwas herausholen. P. K r i s ch e. der Kappmknkffer. So hat kein Rationaler sich blomoren. so wild kein Monarchiste je geputscht, daß er nicht Treu' der Republik geschworen, wenn er dafür in Amt und Würden rutscht'. Paris lohnt eine Messe: ein Bekenntnis der Lippen bringt Ministersitze ein. Das Frühr«?— Es war ein Mißverständnis! Kinder, wer wird denn gleich so kleinlich sein. Gewiß, er gab Quartiere den Olympchen, und auch beim Kapp-Putsch hat er mllgemachl. Nun, zeder hat am Stecken ein paar Klümpchen,— er hat stch wirklich nichts dabei gedacht. Er schwört doch jetzt, die Republik zu schützen. Da soll man dankbar sein. Poh sapperment! Kein andrer kann dabei wie er uns nützen, Der so genau die Umsturzpläne kennt. Wem Gott ein Amt gibt, der krümmt sich beizeiten. daß er auch gut hineingelangen kann. Wer als Minister nicht enthüllt will schrellen. der zieh« einen dicken Schafpelz an. Mich, von Lindenhecken. vi«» csppell,-Vereinigung in Berlin« Volk«»«» ffcir. Dr.«. Zander) veranslallet unter Milwlrtung vqn Sven Scholander am fii.. abends S Uhr. im Saale der Singakademie. Am Kastanien- Wäldchen, einen internationalen BolkSliederabend, bei dem zahlreiche Volkslieder auS der neuen lldoriammlunq des Arbeiter. Sängerbundes zur Eistaussüh:ung gelange». Abrnd lasse um 7 Uhr. proiesior«ustao Mayer bleibt im Reichsar« iv. Der Reichsvrändent hat das bisherige Mitglied der.Historischen Kommilsion iür das Reich«. archiv', den um dir Keschichle des Sozialismus oerdlenien Pioiesfor Gustav Mayer, dessen Mitrliedichaft am 27. Januar lS27 abgelaufen war, erneut zum Mitglied der«ommisfian für fünf Jahr» beruf«.,- I der �Satanspakt". 2luK dem Zollhaus dentschnationalcr Politik. Dlc deutschnationale R e i ch s t a g s f r a k t i o n hat den ? a w e s p a k t und die Locarnoverträge mit ihrem Eintritt in d'e Regierung anerkannt. Die kleinere doutschnationals Vresse vennag dieser Tatsache nicht zu folgen. So veröffcnt- i�cht die„Deutschnationale Tagespost", da-> amt- i.che Organ des Deutschnationalen Landesverbandes Berlin, einen Artikel unter der Ueberschrift„Der Satanspakt", der vyn Ansang bis Ende eine vernichtende Kritik der neuen deutschnationalen Politik darstellt, chier sind einige Proben davon: Die Wurzel alle- Hebels ist die unfaßbare Bereit- 'Billigkeit der deutschen Regierungen, alle, auch die äußersten Tributforderungen der alliierten Roubmächte zu er» füllen. Um den Friedenswillen des deutschen Volkes zu doku- rentieren, unterschrieben sie auch das Todesurteil des deutschen Volkes, das in dem sogenannten Dmves-Pakt zufammengetüftett wurde. Diesem umfangreichen Schriftstück läßt sich nur ein Buch würdig an die Seite stellen, ich meine den mittelalterlichen.chexen- Hammer", den Leitfaden zur Hinrichtung der..Teufelsbräute". Ein longsames Zu-To de-Peinigen unter heuchlerischer Maske christlicher Nächstenliebe ist der Kern dieser beiden Schanddokumente. Die Verräter des Dawes-Gut achtens, die den Biedermannsnamen Wr„Sachverständigen" erhielten, haben sich als die abgefeimtesten Henkersknechte unter der Sonn« erwiesen. Zu diesen abgefeimten Henkersknechten gehören ober, was in dem Artikel ausdrücklich festgestellt wirtz, die Hälfte der deutschnationalen Reichstagsabgcordneten. die durch ihr Ja- wort, dicstn PaktmitdemSatan besiegelt haben". Zu ihnen gehprt jetzt die gesamte Deutschnationale Partei, die mit einem freudigen Sprung auf den Boden der Tatsachen rehüpst ist, nachdem sie für diesen Salto ihre vier Minister- sitze erhalten hat. Das Reich hat sich aller Hoheitsrechie entäußert, die jeder kleine Winkelstaat zur Existenz braucht. Alle Reichstags- l-sschlüsie können durch einen Federstrich des Daweskommisiars cußsr Krait gesetzt werden. Die Reichsbant ist nur noch eine Filiale der Morgon-Bant. Der gesamte Reichs Haushalt dient den Geldschränken der Wallstreet. Aber dieser Satanspakt ist auch ein Derrat an den Bauern, wie man zwischendurch lesen kann: Was soll der Baue? mit dem Land, das er im Schweiß seines Angesichts bestellt und das ihm nicht nur nichts, sondern nur dauernd steigende Verluste«inbringt? Ms bitterster Not r niß er den Besitz feiner Väter weit unter Wert verschleudern, um dann selber den Bettelstab zu ergreisen und das Riesenheer der Ar- dcitklosen oermehren, zu helfen, die Armee der Todgeweihten. Ein Stück aus dem Tollhaus— so nennt das Dlqtt den Dawespakt, der jetzt ein wesentlicher Lestandteil der deutschnationalen Politik geworden ist und den nichr nur ein deuischnationaler Finan-minister, wie Herr v. Schlieben zu erfüllen bestrebt war, sondern dessen Ver- f'lichtungen er in seinem Steuerfanatismus noch frei- willig um Zyll Millionen At a r k erhöht hat. Ja, es ist wirklich ein Siück aus dem Tollhaus, wie die Deutsch- nationalen eine Politik treiben, die von ihrer eigenen Presse als yerbnchcrisch und satanisch hingestellt wird.... itt.m Kampf um die Notstanösarbeiten. Kläglicher Erfolg der Regieruugsmaßnahmen.— Das Versagen der Reichsbahn. Neue sozialdemokratische Forderungen. die portuglefiscbe Revolution. Ausdehnung der Bewegung.— Visenbahncrstncik. Varls. S. Februar.(Eigener Drahlberichf.) Entgegen den esfizlellsn portugiesischen Nachrichten, die bereits das Ende der re- volotionkirea Bewegung in Portugal verkündeten, beweisen die im Lause des Dienstags ia Paris eingelaufenen Meldungen, daß nicht nur die revolutionäre Bewegung sich ausdehnt, sondern a u s Lissabon isbergegrifsen' und einen außergewöhnlich ernsten Charaktcr angenommen Hot. Das üriegsrecht ist im ganzen Land? verkündet worden. Der gesamte Eisenbahn- verkehr ist unterbrochen, da die Elsenbahner in den Streik getreten sind. Iroh der strengen Zensur hat man den Eindruck. deh die Bewegung die gefährlichste ist. der das bisherige Regime seit seiner Begründung zu begegnen halte. Demgegenüber haben die Äufsländischen In Oporto, das in ihrer Hand zu sein scheint, ein Manifest verössensticht. In dem sie erklären, sie hätten die Absicht,„in enger Zusammenarbeit mit dem Volke und der Armee die republikanisch« Regierung wieder herzustellen". Es ist angeblich bereits eine provisorische Regierung in Oporto. die meist aus Anhängern der Linksparteien besteht, gegründet worden. Drei große Listaboncr Zeitungen sind von der Regierung ver- Voten worden, weil sie die Vorzensur nicht beachteten. Gleich- zeitig läßt die Regierung erklären, daß sie alle Maßnahmen ge- tboffen habe, um den Ausbruch eines revolutionären Strelks in der Hauptstadt zu verhindern. * 3m vergangenen Jahr jagt« in Portugal ein Putsch den anderen. Der politische Szenenwechsel war dort beinahe noch häufiger als in Griechenland oder in der KPD„ wo bekanntlich der Derbrauch in Führergarnituren auch nicht gering Ist. So hat man schließlich auf» gehört, sich für die portugiesischen Revolutionen zu interessieren, zumal die.jeweils ans Ruder gelangte Partei stets von sich be- haupiete, daß sie die demokratisch-repubsikanisch« und Ihre Gegnerin die reaktionäre sei. Das ist auch beim neuen Putsch der Fall: die bisherige Regierung erklärt, daß sie das republilanische Regime ver- körpere. das gleiche bchaupten aber auch die Revolutionäre, die in einer Kundgebung bekanntgeben, daß„die repnbsikanisch« Armee urtter Mitwirkung der B-völkerimg die Republik wieder- h e r g e st e l l t" habe. Soviel ist klar, daß die Monorchie in Portugal endgültig ausgespielt hat und daß keine putschende Partei die Rückkehr des vor 15 Jahren gestürzten Königs Manuel Zü propagieren wogt. Dagegen hat es den Anschein, als ob es sich bei diesen ewigen Putschen nicht nur um die Rivalität zwischen machthungrigen Militärs, sondern mich um Kraftproben zwischen f a s ch i st i s ch« n Elementen und d e m o- kra tischen Parteien handele. Im vorliegenden Fall gewinnt man den Eindruck, daß die Revolutionäre, die in Oporto bisher gesiegt haben und deren Bewegung anscheinend auch in Listabon Fortschritt« macht, tot- sächlich den demokratisch gesinnten Teil der De- völkerung verkörpern, während die zuletzt am Ruder befindliche Regierung unter Führung des Generals Earmona foschistisch-milttaristischen Anschauungen huldigt«. Für diese Aussassung spricht die Tatsache, daß unter den Mitgliedern der neuen Reoolutionsregicrung sich Alf ans o Costa befindet, der In Europa seit der Errichtung der Republik in Portugal einen guten demokratischen Ruf besitzt. Costa war Im März lgZü zum Präsidenten der Außerordentlichen Sestion des DAkerbundes gewählt worden.| Seit Jahren führen unsere Genossen im Reichstage einen geradezu erbitterte» Kampf um die Beschaffung von Arbeit für die Erwerbslosen. Ihrem Bemühen hauptsächlich war es zu danken, daß im vorigen Jahre mit einem umfangreichen Arbeits- b e s ch o f f u n g s p r o g r a m m der Plan aufgestellt wurde, für SOllOOsi Erwerbslose laufend Arbeiten aus der produktiven Erwerbslosenfürjorge zu beschaffen. Die Durchführung dieser Auf- gäbe war so gedacht, daß jedesmal etwa eine halbe Million Arbeiter drei Monate long beschäftigt werden sollte. Damtt wäre erreicht worden, daß jeder der etwa zwei Millionen Er- werbslosen innerhalb eines Jahres einmal drei Monat« Arbeit fand. Das Ergebnis dieser Maßnahmen liegt nun in einer Denk- schrist des Reichsarbeitemlnifteriums vor. Es ist geradezu kläglich! 2m Höchstsalle, und zwar im Mal vorigen Jahres, waren 170 000 Erwerbslose mit Notstaadsarbelten be- schäfllgt. Ihre Zahl ist inzwischen aus 104 OOO heruntergegangen, so daß das erhoffte Ergebnis nur zu einem Drittel bis herab zu einem Fünftel erreicht worden ist. Dabei ist besonders hervorzuheben, daß wir nicht weniger als 130 000 Aus- gesteuerte haben. Der Volkswirtschaftliche Ausschuh des Reichstages nahm am Dienstag zu dieser Denkschrift Stellung. Unsere Genossen K r ü- d e r- Merseburg, Robert Schmidt und Krätzig unterzogen die Ergebnisse der Rcgierungsarbeit einer sehr scharfen Kritik. Es wurde nachgewiesen, daß die Reichsbahn die billigen Kredite, die ihr das Reich gewährt hat, nicht ln dem Umfange für Beschassung von Arbeit angesehl Hot. wie man das von ihr erwarten konnte. Von den 53 Millionen Mark, die zur Fertigstellung begonnener Bahn- bauten bewilligt wurden, sind erst 6 Millionen Mark ver- braucht worden. Die Reichsbahn ist mit 8700 Kilometer Gleis» nmbauarbeiten im. R ü ck st a n d gewesen. Es steht fest, daß man über das vorgesehene Programm hinaus nur 500 Kilometer hiervon in Stand gesetzt hat. Die Ueberstundcnwirlschaft in den Betrieben, die mit Notstands- arbeilen und Auftrögen auf Grund de» vefchafsungsprogramms bedacht worden sind, ist noch immer riesengroß. Von dem Referenten Genossen Krüger wurde nachgewiesen, daß den Montagearbeitern bis zu fünf Ueberstunden aufgenötigt werden, um ihnen dadurch Ersatz für nichtgezahlte Tagegelder oder Tariflöhne zu gewähren. Es wurde auch von dem Vertreter des Verkehrsminist«- riums zugegeben, daß noch solche Uebergriffe vorkommen, im übrigen aber versprochen, daß die Reichsbahn olles tun werde, um Arbeit mobilzumachen. Aus der Steinbruchindustrte de» Main- gaues mußte berichtet werden, daß ein dortiger Unternehmer, anstatt deutsche Steinbriicharbeiter einzustellen, den Ankrag gestellt hat, 500 Italiener cinsühren zu dürfen. Auch hier handelt es sich um Notstandsarbeiten, nämlich um das Ausbrechen von Steinen für den Straßenbau! Auf diesem Gebiete könnte weit mehr Arbeit geschafft werten, wenn die Bestimmungen über die Ver- weudung des Notstandskredites geändert würden. Diese Kredite dürfen nämlich nach der bestehenden Regelung nur zu z u s ä tz- lichen Arbeiten verwandt werden. Hat also cin Kommunalbezirk Pläne für Straßenhouten fertig- ausgearbeitet, so darf er diese Arbeiten mit Rotstandskredit Nicht ausführen, weil' das schon vor- gesehene, aber lein«- zusätzliche Arbeit ist. Das führt dazu, daß vor- bereitete Arbeit liegen bleibt, während Notstandsarbett erst durch lange Vorbereitungen hergerichtet werden muß. Auch an dieser Schildbürgeret übten unsere Genosien sehr scharfe Kritik. Eine ähnliche Schildbürgerei liegt in der Verschwendung von Millionen, die dadurch entfleht, daß kel» genügender hochwasserschutz eingerichtet wird. Würdsn, die Millionen, die als Entschädigung für die Folgen des Hochwassers gezahlt werden müssen, zu einem gründlichen Hoch- wasscrschutz verwandt, so würden sie in unserer Wirlschast bau- ernden Segen stiften. Daß das nicht geschieht, ist zum großen Teile auf die von uns schwer gerügten Kompetenz st reitig- leiten zwischen den einzelnen Trägern der sogenannten Hohelts- rech»? zurückzuführen. Ver Bau der Lantesrbeiterwohnungcn kommt auch nicht vom Jlcrf. weil sogenannte Werkswohnungen sehr wenig gebaut werden, es andererseits aber verwehrt wird, mit den Mitteln. d>e für die Landorbclterwohnungen vorgesehen sind, Wohnungen für Handwerker auf dem Lande zu baue». Unsere Genossen waren der Meinung, daß auch hier Wandel geschaffen werden müsse, vor allem durch Perbilligung des Zinsfußes für diese Kre- dito. Denn es ist unglaublich, aber wahr, daß heute, obwohl der Reichsbankdiskont schon läixgst aus 5 Proz. steht, der Zinsfuß für diese Wohnbaukrcdite noch immer aus über 7 Proz. gehalten wird. Unsere Genossen Robert Schovd und Krätzig zeigten in einer ein- gehenden Schilderung der technischen und ökonomischen Lage unserer Industrie, daß nur durch eine grundsätzliche Aenderung der Produktionsweise auf eine dauernde Beseitigung der Er- werbslosigksit hingearbeitet werden könne. Bis dahin müsse durch Bekämpfung der Ueberstunden und durch die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit soweit wie möglich Lindennig geschossen werden. Es wurde schließlich von den sozialdemokratischen Aus- schußmitgliedern folgende Entschließung eingebracht, die dem Unterausschuß zur endgülltgen Betatimg überwiesen wurde: Der Volkswirtschaftliche Ausschuß erklärt zu de? Denkschrift des Reichsarbeitsministeriums über die Arbeits- beschaffungsmaßnohmen. daß Tempo und Erfolg bei Ausführung der im Juli 19ZS geforderten Maßnahmen durchaus unbefriedigend sind. 1. Die Re i ch s b a h» a r b e i t e n und die durch die Hergäbe von Reichsmilleln ermöglichten Aufträge hoben den geplanten Umfang bei weitem nicht erreicht, obwohl infolge der Geldflüssigkeit der Reichsbahn diese Arbeiten sogar in verstärktem Umfange möglich gewesen wären. Der bauliche Zustand der Reichsbahn ist nicht wesentlich verbessert worden. 2. Der zur Verfügung stehende Wohnungsbaukredit des Reiches in Höhe von 200 Millionen Mark ist in ganz un- nenügendem Maße ansgemitzt worden. Das gleiche gilt von den Sondcrmitteln für den Bau von Landarbeiterwoh- nungen. 3 Die Förderung des Straßenbaues durch Zins. verbilligung ist in vi-l geringerem Maße erfolgt, als es die Auf- gaben verlangen, die hier im Interesse der Verkehrswirtschaft zu lösen sind. 4. Siedlungen und Meliorationen sowie die Arbeiten gegen Hochwassergefahr sind unzureichend in Angriff ge- nommen worden. Der Ausschuß fordert daher: Da» Reich hat nachdrücklicher, als es bisher geschehen ist, aus die Reichsbahn einzuwirken, damit die verfügbaren Mittel sofort verwendet werden. Die Belebung der Wohnbautätigkeit ist durch schleunige Verabschiedung des sich auf mehrere Jahre erstreckenden plane» für den Wohnungsbau und seine Finanzierung zu sichern. Dieser plan muß sür da» lausende Jahr mindestens den Lan von 250 000 Kleinwohnungen umfaflen. Die Arbeiten bei Straßenbauten, Meliorationen, Siedlungen und beim Hochwasserschuh sind insbesondere auch durch Beseitigung der behördliche« Sompetenzsireitlgkeile-, zu beschleunigen. Bei allen Aus träge» sind die Lieserfristen so zu gestalten. daß unter Vermeidung von Ueberstunden eine möglichst umfassende Neuelustellung von Slrbellskräslen notwendig wird. Die wichligste Forderung, um neben der Arbeitsbeschaffung zm: wirksamen Entlastung des Arbeitsmarktes zu, gelangen, ist die schleunige Verabschiedung des ArbeitszeNnot- ge s e tz e s noch den Vorschlägen der drei gewerkschaftlichen Spitzenverbände. Die Besserung der Arbeitsinarktlage ist aber auch entscheidend ein« Frage der allzerneinen Wirtschasts- und Handelspolitik. Es wird deshalb eine Beschleunigung der Abschlüsse der Handelsverträge, insbesondere mit Frankreich, mit Polen und mit der Tschechoslowakei gefordert. auf der ursprünglich der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund voll- zogen werden sollte. Bald nach seiner Rückkehr nach Lissabon er- folgte der erste militärische Putsch, der seine Regierung vertrieb. Für die Slnnohme, daß die Sympathien der werttätigen Bevölkerung auf der Seite der Revolutionäre um Costa stehen, spricht auch die Tatsache, daß gleichzeitig mit der Revolution ein Eisenbahner- st r e i k im Süden und im Osten des Landes ausgebrochen Ist. Sritifcber Parlamentsbeginn. Kampfrcde Macdonalds. London. 8. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag- mittag 12»Uhr wurde die diesjährige Sitzungsperiode der englischen Parlamente mit dem üblichen historischen Acre- rnoniell vom König eröffnet. Um ll)LUHr verkündeten 42 Kanonen- schösse die Abfahrt des Köntgspaares vom Buckingham-Palost. Alle diplomatischen Vertreter wohnten der Feierlichkeit bei. Die Thronrede war ziemlich kurz. Sie betonte einleitend, daß England auch in Zukunft freundschastliche Beziehungen zu allen Mächten zu unterhalten gedenkt, begrüßte den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und gab schließlich von dem End« der Interalliierten Militärkontrollkommiffion in Deutschland Kennt- nis. Der wichtigste Teil der Erklärung bezog sich auf den F« r n e n Osten. Hier betonte die Thronrede, daß die Entsendung britischer Expeditionskorps nach China lediglich den Zweck habe, das Leben der enolischen Untertanen vor blutigen Ereignissen zu schützen, wie sie in Hantau vorgekommen sind. Wörtsich heißt es dann:„Och und meine Regierung haben den ernsten Wunsch, daß olle sich ergeben- den Schwierigkeiten friedlich beigelegt werden. Die eng- tische Regierung habe den chinesischen Behörden Borschläge gemacht. die die öffentliche Meinung in China und der ganzen Well davon überzeugen sollen, daß da» englische Doli nur den Wunsch hat. die Gründe für berechtigte Beschwerden zu beseitigen, alle Verträge aus der Grundlage von Billigkeit und Gerechtigkeit zu erneuern und fernerhin die Beziehungen mit dem chinesischen Volk auf der Bali» von Freundschaft und gutem Willen aufzubauen." Der übrige Teil der Thronrede beschäftigte sich mit innerpolltischen Angelegenheiten. Im Unterhaus nahm als erster der Führer der Oppo- sition, Genosse Ramsay Macdonald. das Wort. Er begann mll der Feststellung, niemals habe eine Thron- rede deutlicher als die heutige gezeigt, daß die Ratgeber des Königs keine Ahnung gehabt haben, was sie dem König raten sollten. Aus der Thronrede gehe hervor, daß die Regierung ihre Per- sprechen bezüglich der Armengesetzgebung. des vorliegenden Fabrik- gesetzes, der Ratifikation der Washingtoner Konvention und der M»- dehnung des Frauenwahlrcchts nicht zu holten gedenk«. Die Thronrede hätte ein Bekenntnis zum industriellen Frieden enthalten. Niemand wünsche ihn mehr als die Arbeiterpartei: die Regierung Baldwin habe jedoch, wie aus den Nachwahlen hervorgehe, weder die politische noch die morasilche Autorität, welche sie zu der Gesetz- gebung gegen die Gewerkschaften ermächtige. Die Antigewerkschnftsgesetzgebung der Regierung werde von der Arbeiter- Partei Zeile sür Zeile aufs schärfste bekämpft werden. Nachdem sich Macdonald im Sinne all seiner Reden in der vergangenen Woche zur chinesischen Frage geäußert, stellte er angesichts der Gerüchte über einen bevorstehenden ossiziellen Bruch mit Ruß- land fest, daß nichts die britische Außenpolitik mehr erschweren könne als ein solcher Bruch mit Rußland. Der parlamentarische Kamps gegen das in der Thronrede um- ristene Programm der Regierung wird mit der Vorlage von zwei Anträgen der Arbeiterpartei, der ein« bezüglich Chinas, der ander- zum Gewerkschaftsqesetz eröffnet werden. Der Wortlaut dieser Anträge war am Dienstag Gegenstand der Beratung zwischen der Arbeiterpartei und den Gewerkschaften. Die Fraktion der Arbeikerpartei nahm in gemeinsamer Sitzung mit der Exekutive der Gewerkschaften von dem Eintritt des liberalen Abgeordneten Wedgwood Venn Kenntnis und bestätigte ihn einstimmig als Mitglied der Slrbeiiervartci. Bonn war im Unter- Haus Gegenstand!« b h a f t e r O v a t t o n« n, als er zum erstenmal in den Reihen der Arbeiterpartei Platz nahm. Ministerpräsident Baldwin sagte.zur Schonghai-Frage, alle dortigen ausländischen Gemeinden seien sich ganz klar darüber, daß eine Räumung im Falle einer Gefahr sür die Ausländer außer Frage stehe, und dies werfe die Frage des Schutzes aus. Baldwin oerlas dann eine E n t- fchließung des Kabinetts, die betont, daß britisch« Tnip- pen nur zum Schutz britischer Bürger und ihres Besitzes nach China entsendet werden. Die polnischen Zustände vor dem Unterhans. Londov, 8. Februar.(Unterhaus.) Der Arbeiterabgeordnete Beckett. der vor kurzem in Polen war, wies auf die Gesohr der Minderheitenfrage in Osteuropa für den europäischen Frieden hin. Nach einer Bezugnahme auf dos riesige Heer Polens und seine verarmte Bevölkerung sagte er, an der ganzen europäischen Seite der russischen Grenze würden die Weitzrusfen und Ukrainer unterdrückt und ihres Erwerbs beraubt. Sie be- fänden sich natürlich in einem Zustande der Auflehnung, insbeson- derc angesichts der besseren Lage der Weißrusien und Ukrainer unter der Sowjethcrrsch-ast. Beckett trat für freundschaftliche Bo r st ellungen Englands bei Polen in dieser Frage eui und sagte, der Völkerbund sollte untersuchen, ob Polen den von ihm gegenüber der weißrussischen und ukrainischen Minderheiten eingegangenen Verpflichtungen nachgekommen sei. Die Eiserne Internationale. Ergebnislose Verhandlungen mit Moskau. Das am Montag und Dienstag in Berlin tagende Zentralkomitee d9 Internationalen Metallarbeiterbundos beschäftigte sich am ersten Tage seiner Zusammenkunft, wie bereits berichtet, zunächst eingehend mit dem Antrage des Allrussischen Metall- orbeitervcrbandes um Ausnahme in den Intcrnatio- nalen Metallarbeltcrbund. Eine Delegation wurde beauftragt, am Montag abend mit den in Berlin anwesenden Vertretern des russi- scheu Metallarbeiterverbandes zu verhandeln. Der internationale Sekretär Genosse I l g(Schweiz) erstattete einen Tätigkeitsbericht. Genosse Reichel vom Vorstand des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes hielt ein Referat über die Rationalisierung und die internationale Kartellierung in der Stahl- und Eisenindustrie, das in solgender einstimmig angenommenen Entschließung seinen Niederschlag iand: „Das Zentralkomitee des Internationalen Metallarbeiter- bundes stellt nach Entgegennahme des Berichts über die Rationali- sterung und Vertrustung der eisenschossrnden Industrie fest, daß damit eine stärkere Ausnlitzung der Arbeiterschaft und eine Steigerung der Produktmität der Arbeit verbunden ist. Zum Schutze gegen die mit der Rationalisi-rung verbundenen Schädigungen der Arbeiter und zur Erhaltung der Arbeitskraft fordert die Konferenz die schleunige Durchführung des Achkslundealages durch die Ratifizierung des Washingtoner Ab- k o m m e n s. Dringend erforderlich ist ferner eine Beteiligung der Arbeiter an den Erfolgen der Rationalisierung durch die E r- höhung der Arbeitslöhne. Darüber hinaus sind tn den Ländern mit monopolistisch gestalteten Industrien öffentliche Ko n t r o l l o r g a n e mit paritätisch gestalteten Fachaiisschusien zu fordern, die nach Bedarf international auszugestalten sinb* Die Konferenz beschloß dann weiter, den nächsten(11.) Kongreß des Internationalen Metallarbe'terbundes am 8. August in Poris abzuhalten, anschließend an den internationalen Gswerkschasts- kongreß. Auf die Tagesordnung wurde u. a. gesetzt: Ein Bericht des Genosien B r o w n l y(England) über die Delegation nach den Dereinigten Staaten von Nordamerika, ein Referat des Genossen Reichel(Deutschland) über die Stellung- nähme zu den internationalen Kartellen und ein weiteres Referat des Genossen Labe(Frankreich) über Arbeits- zeit und internationale Hilfeleistung. Am Montag abend verhandelte die gewählte Delegation mit den russischen Vertretern. Sic stellt« ihnen die Frage, ob sie gewillt seien, im Falle einer Aufnohme in den Internationalen Metall- orbeitcrbund die abgesplitterten oder von den Kommunisten gc- gründeten Metallarbeiterverbände und-gruppen in den einzelnen Ländern wie auch die Zellen aufzulösen und dafür einzustehen, daß sich die Mitglieder der aufzulösenden Verbände und Grupven dem Internationalen Metallarbeiterbund wieder anschließen. Die D e- legierten des russischen Metallarbeiterverban- des lehnten es kategorisch ab, die Auflösung der Abge- splitterten oder von den Kommunisten gegründeten Verbände und Gruvpen der Metallarbeiter wie auch der Zellen vorzunehmen, wo- durch weitere Besprechungen unmöglich wurden. In der Dienstagvormittagsitzung berichtete die Delegation dem Zentralkomitee über den negativen Ausgang der Ver- mittlungcn mit den Russen, worauf die Konferenz b e- schloß, in eine weitere Behandlung dieser Fragen nicht mehr einzutreten. In einer längeren Aussprach« über die Boroängs in Italien kam der entschiedene Will« zum Ausdruck, kein Mittel unversucht zu lasten, um die italienische Gewerkschaftsbewegung in ihrem Kampfe gegen das Gewaltrogiment Mustolinis zu unterstützen und sie vor der Vernichtung zu bewahren. Nach dz:r Erledigung einiger anderer organisatorischer Angelegenheiten schloß Genoste I.l g die Konferenz, auf der von 18 dem Internationalen Metallarbeiterbund angeschloste- nen Ländern iS vertreten waren. Neta�arbe teraussperrunq in Sachsen. L e i p z i g. S. Aebruar.(III) Der verband der Alelallindustrie Im Bezirk Leipzig hat b-schlassen, zum Schuh der durch den Streik angegriffenen(firmen seine Arbeikerbelegschast mit etwa 25000 Mann an» Donnerstag mit Arbeitsschluß auszusperren, sosern»ichi der Melollarbel erverband seine Kampfmaßnahmen rechtzeitig vorher zurücknimmt Acmer Hai die Vereinigung der verbände sächsi- scher Mekalliaduskriellcr beschlossen, zum Schuh des Ceip. ziger Verbandes die Gesamlaussperrung bei feinen Zirmen am Montag, den 14. d. M-, mit Arbeitsschluß durchzuführen, von dieser Aussperrung werden zirka 1ZS000 Arbeite, und Ar. b e i t e r i n n r« betrssfei. Die Herren drohcn also mit der Hungerpeitsche. um die Arbeiterschaft zu zwingen, ohne Rücksicht auf die in- folge der Rationalisierung gesteigerte Arbeitsintensität und ohne Rücksicht auf die 9000 erwerbslosen Metallarbeiter in Leipzig nach wie vor neun und zehn Stunden an- st a t t a ch t S t u n d e n zu arbeiten. Sie wollen die 52- Stunden--Loche einstweilen bis 31. März 1928. ohne die Ueber- stunden, die sie diktieren. Die sächsischen Metallarbeiter lassen sich durch diese Drohung nicht ins Bockshorn jagen. Sie werden den ihnen aufgezwungenen Kampf um den Achtstundentag weiterführen.-_ Aussperrung in der schlesischen Textilinüustrie. Görllh. 8. Februar.(MTB.) Der Arbettgeberver- band Schlesischer Textilindustrieller teilt mit: Der seinerzeit ver- öffentlichte Schiedsspruch der Schlichtertammer für die Provinz Niederschlesien, der für die schlesische Textilindustrie eine Lohn- erhöhung von 6 P r o z. ab 1. Februar dieses Jahres brachte, ist von beiden Parteien abgelehnt worden. Damit herrscht seit 1. Februar dieses Jahres in der schlesischen Textilindustrie ein tarifloser Zustand. Die Gewerkschaften hoben daraufhin die Betriebsräte beauftragt,- bei verschiedenen Firmen des Verbandes Schlesischer Textilindustriellcr Sonderfordcrungen mit einem entsprechenden Ultimatum zu stellen. Nach Ablauf des Ulti- matums haben in der Bctriebsgruppe Reichenbach des Verbandes Schlesischer Tcxtilindustrieller die Arbeiter das Arbeitsver- hältnis bei verschiedenen Firmen out gekündigt. Zur Abwehr dieser Teilstreiks beschloß die Dcürksgruppe die Schließung sämtlicher Betriebe. Entsprechende Beschlüsse sind in den Bezirksgruvpen Görlitz-Seidenberg und Grünberg bei gleichem Vorgehen der Arbeiter zu erwarten. Bon dieser Maßnahme in den genannten drei Bezirken würden rund 8 4 000 Arbeiter betroffen werden. Der Arbeitekomps wird aber automatisch die Schließung der Betriebe auch in den übrigen vier Bezirksgruppen des Verbandes Schlesischer Tertllindustrieller nach sich ziehen, so daß insgesamt zirka 05 000 Arbeiter betroffen würden. Ob nunmehr die staatlichen Instanzen eingreifen, a» die die Arbeiter bereits Ende Januar appellierten? Lohnproblem und Wirtschaftöaufban. Ueber dieses Thema spricht im Rahmen der freien so-ialistischeii Hochschule am Sonnabend, dem 12, Februar, 7K Uhr abends, im großen Saal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, Genosse Fritz Tornow, Vorsitzinder des Deutschen Holzarbeiter- verbände?. Genosse Tornow wird bei dieser Gelrgenbeit die Lohn- volitit als zentrales Wirtschoftsprvblem behandeln. Allen Gswerk- schaftsfunktianären, Betriebsräten und sonstigen Interessenten sei der Besuch dieser Bcraiistallung auf das dringendste empfohlen. Ein- trittskarten zum Preise von 40 Pf. sind in den bekannten Verkaufs- stellen sowie an der Abendkaste zu haben. vke Serzarbeiter zur �rbeitszeitfrage. In etwa 100 Bersammlunqen nahm dieser Tage der Bergarbeiterverband zur Arbeitszeitfrag« sowie zur Kündigung des Manteltarifs und des Mehr- arbeitsabkommens Stellung. Die Mi icilung über die Kün- digung wurde mit großer Zustimmung aufgenommen. Immer wieder wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Mitgliedschaft geschlossen hinter der Derbandsleitung stehe und alles einsetzen werde, um d e n begonnenen Kamps zu einem erfolgreichen End« zu führen. Das Scheingedingestzstem auf den Gruben, die Urlaubs- gewährung und die Jnvalidenentlohnong wurden scharf kritisiert. In allen Versammlungen wurde von der Re- gierung die sofortige Einbringung des von den Gewerkschaslen formulierten Rotgesetzes zur Wiedereinführung des Achtstunden- tages bzw. der Sieben-Stunden-Schicht unter Tage sowie zur Beseitigung der wilden Uebersch'chten gesordert. Eine in diesem Sinn« gesaßt« Entschließung»urd« in ollen Versammlungen einstimmig«iigenemmen. Besonders nachdrücklich wird in der Ent- schließung das Berfahren der wilden Ueberschichten verurteilt. Bei l�rippegefnhr Tnh'etten „NaturfreunSe' im �riseurgehilfenverdanö. Getreu dem kommunistischen Katechismus der 21 Punkte sind stets die anderen die„Oraanifationszerstörer" und..Spalter", die der „Eroberung" der Gewcrkschosten durch die alleipseligmachende KPD. die Maulwurisarbeit erschweren. In der Friseurgehilfenorganisation konnte die„Opposition" lange Zeit keinen Boden gewinnen. Im vorigen Jahre gelang es ihr jedoch, sich in der Agitationskommistion breit zu machen. Außerdem erhielt sie Verstärkung durch den früheren Staßwrter Barbiermeistär W a l l st a b, den die KPD. seinerzeit nach Berlin geholi hatte, zur Leitung einer„Vollversamm- lung der Betriebsräte Groß-Berlins" am 23. November 1921. Da die Agitationskommistion aufgelöst werden mußte, ging die „Opposition" gegen Ende 1920 dazu über, besondere Zusammen- künste unter dem Aushängeschild der„Naturfreunde" zu veranstalten, wozu SumpatMesierende und solche, die es werden sollten, eingeladen wurden. Als der Verbandsoorftand die mit drei Unterschriiten versehenen Einladungen zu mehreren iolcher Sitzungen zu Gesicht kamen, stellte er die Cinberuser dieser Sitzungen vor die Wahl,- entweder ihre srstematische kommunistsche Quertreiberei ein- zustellen oder aber die Folgen zu trägen. Die„Opposition" glaubte sich jedoch stark genug, um ihr Treiben ungeniert fortzusetzen, so daß eine Rüge zwecklos gewesen wäre und nur der Ausschluß der drei Mann übrig blieb, von denen übrigens einer seit 1k Wochen keine üleiträge gezahlt hatte. Nun trat die„Gemerkschaitszentrale" der M ü n z st r a ß e in Aktion und stellte ein Zirkular her, das unter die Teilnehmer der schwach besuchten Generalversammlung des Zweig- Vereins Berlin am 2. Februar verteilt wurde. Durch die falsch« Darstellung der Dinge ließ sich leider ein Teil der po'itisch in- difserenten Mitglieder bestimmen, für die Ausgeschlostenen Partei zu ergreisen. Nach über zweistündiger Dauer mußte die Versammlung vertag! werden, bevor sie auch nur einen einzigen Punkt ihur Tagesordnung erledigt hatte. Di«„Roie Fahne" brachte darüber am Dienstag einen Sieges- bericht, überschrieben:„Niederlage der Spalter im Friseurverbande", der echt kommunistisch gefärbt ist. Die angebliche„katastrophale Mißwirtschaft", von der darin die Red« ist, wird osfenbar darin er- blickt, daß die KPD.-Agenten das Heft nicht in der Hand haben. Die„traurige Rolle" aber spielen lediglich die kommunistischen Droht- zieher. Tie Mitglieder, die mit diesem Treiben nichts zu tun haben, müssen die Versammlungen besuchen, um ibm zu steuern. Kommu«istischc Gcwerkschaftsfrcundschaft. Eine merkwürdig« Enthüllung brachte dieser Tage ein Be- leidigungsprozeß des Geschäftsführers Schiff erdecker des Deutschen DMollarbeiterverbandes in Villingen(Baden) gegen den Redakteur Müller vo» der kommunistischen Ar- beiterzeitung in Mannheim. Müller konnte auch nicht für eine einzige seiner Behauptungen den Wahrheitsbeweis er- bringen Er wurde deshalb zu 60 M. Geldstraf« sowie zur Publi- kation des Urteils in der„Arbeiterzeitung" verurteilt. Das Jnter. effanteste an der Verhandlung war die Feststellung, daß der Berfasser des verleumderischen Artikels in dem Kommuni st enblatt der christlich« Gewerks chaftg. sekretär Fehrbecke in Villingen war. Denn es gilt, die freien Gewerkschaften und ihre Führer zu betämpsen, dann verschmähen die Kommunisten auch nicht die Hilfe der Christen. Saubere Brüder, die sich da um des„guten Zweckes" willen zusammengefunden haben! Lanüarbeiter und?lrbe!tsschutzgesetz. In der soeben erschienenen Nummer 3 des.Landorbeiter" be- schästigt sich der Verbandsvorstand des Deutschen Landarbeiter- Verbandes mit dem Entwurf eines Arbeitsschutzgesetzes. Durch den Entwurf sei ein neues Unrecht an den Landarbeitern beabsichtigt. Dieses Unrecht beginne mit dem Abschnitt 1. der besagt: „RIchk c«'er das Arbeitsschuhgeteß fällt die Arbeil in B«. trieben der Land- und Aorstwirlschost. Die Begründung sogt dazu, daß die Arbeit In der Landwirt- schaft so starke Besonderheiten aufweise, daß von einer Unterstellung unter das ollgemeine Arbeitsschutzgesetz Abstand genommen werden müste. Di« Begründung lehnt d«r.Landarbeiter" mit Entschiedenheit ab, Platz findet. Alle Schutzbtstimmungen sehen nämstch Aus- nahmen, wieder Ausnahmen und nochmals Ausnahmen vor. Besondere Beachtung verdiene der Z 3, der die Arbeitszeit behandelt. Als regelmäßige Arbeitszeit wird hier zwar der Achtstundentag an die Spitze gestellt, der aber durch die vielen Aus- nahmen selbst zur Ausnahme werde. Bei soviel Ausnahmen(er auch noch Platz, um den Besonderheiten der Landwirtschaft Rech- nung zu tragen und diese in das Gesetz auszunehmen. Soweit der Weinbau und die Forstwirtschaft in izrage komme, sei der A ch t st u n d e n t a g besonders mit den vorgesehenen Ausnahmen glatt zu übernehmen. Im Weinbau galt der Acht- stundentag bereits durch freie Vereinbarung von Arbestgeber und Arbeitnehmer. In der Forstwirischost sei der Achtstundentag auch heute noch grundsätzlich in Geltung. Lediglich für Kultur- arbeiten, die den kleineren Teil der in der Forftwirtschast anfallenden Arbeit darstellen, gelle als Höchstarbeitszest eine zebn- stündige am Tage. Es beständen aber keinerlei Schwierigkeiten, die Ueberschrestung des Achtstundentages während der Kullurzeit a l s Ueber stundenarbeit zu erfastcn. Bei der übrigen Landwirtschaft mäste der Grundsatz gellen, daß Technik, Wistenschaft und Rationalisierung der Land- Wirtschaft nstbt zum Borteil des einen Teiles, nämlich der Unter« nehmer, genützt werden. An dem technischen Fortschritt bean- Ipruche mich die Arbeiterschaft ihren Anteil. In Anlebnung an die Arbestszeitbestimmungen der vorläufigen Landarbeitsordnung, jedoch mst einer wesentlichen Verringerung der dort vorgesehenen Arbeitszeiten könne die Landwirtschaft den ibr zullebend-n Platz im Gesetz finden. Di« Bestimmungen über den Schutz der weiblichen und jugendlichen Arbeiter sowie die besonderen Bellimmungen über Mutter- und Kinderscbutz seien ebenfalls so stark mst Ausnahmen für Sonderfälle des Wirtschaftslebens durchlöchert, daß keinerlei Deranlastunq bestebe, die Landwirtschaft vom Gesetz aus- zunehmen. Sehr minimal seien auch die Schwieriaksst-n, um die Landwirtschaft in die Scbutzbestimmungen der Abschnitte„B c- triebsaefohren und Arbeitsaufsicht" einzubeziehen. Und die Sonntagsruhe? Auch hier sei es uni-bwer, den Landarbeitern die Aufnahme in die Bestimmungen des Gssesi-s zu ermöglichen. Nachdem dann noch der Einwand der Reaierung registriert wird, der für die Landwirtschaft notwendige Arbeits« sckmtz soll durch ein späteres Sondergesetz geregelt werden, läßt der Verbandsvorstand des Landarbeiterverbandes seine Dar- legun--«« zum Arbeitsschutzgesetz mit folgenden Sätzen ausklingen: „Macht euch endlich frei von dem Glauben, in Sonder« gesehen die Landwirtschaft zu berücksichtigen und die Land- arbester benachteiligen und bevormunden zu müssen. Regelt San- derhesten der Landwirtschaft, wie ihr es auch bei Sonderheiten für andere Bernte macht, durch entsprechende Bestimmungen in den allgemeinen Gesetzen."_ Tie Unfälle im Qberbcrjznmtsbezirk Tortmund. Vorlmund, 8. Februar.(WTB.) Nach einer Ausstellung des Oberbergamtes in Dortmund beträgt die Zahl der gesamten Unkälle (Verletzte und Tote) im vierten Vierteliabr 1926 im Steinkohlen- berobau des Oberbergrmtes Dortmund?1 388. das sind auf 1000 beschäftigte 58 341. Hiervon verliefen tödlich 231, das sind 0,630. Di« vorläufige Geianstzahl für das Jahr 1926 belräot 73 644. das sind von 1000 Beschäftigten 217.918, davon tödlich 828 oder 2.450. Die Verglcichszahlen für dos Jahr 1925 sind folgende: 74 196 oder 195,855, davon tödlich 1092 oder 2.883. Abbau im polnischen Berstbau. Kattowiß, 8. Februar.(WTB.) Mehrer« Grubenverwnllunaen des Kattrwitzer Industriebezirks sowie des Plester und Ri'bnker Reviers haben beschlossen, ihre Belegschaften um 40 Proz. zu vermindern. Die Maßnähme wird mit dem info'gc der Beilegung des englischen Kohlenarbciterstreiks verringerten Kohlen« absatz begründet.. Achtung, vauarbeiker! Die Differenzen be! der Firma Karl Brand mst den Lcri-Holzarbeitern auf der Baustelle Telegra- phisches Reichsamt Tcmpelhof, Industriestraße, sind beigelegt. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschast Groß-Berlin. Achtung, SPD.-Gemeinde- und Staaksarbeikeri «» Freit«)). Ii. Friruar, 7 iftr, in Krwrich, Fcstfäle»,®t»{c TuinV.xtttt ®ttarie in. i?cc'«mTlurB«Ect SPD..S«iu>ssen. Icgrsctinucj: Stellnug: ahme jut devorstcheudcu«Se« er«tvcr> mmlAQF. Dollzähligcz Ccf.-T-eincn cemaitit Der gtaltionsoQtZciti. Achtun«. EPZ!..M>>fiNi!strii!ncntenarbtltce! Am?onnerstng. 10. Fe. Bmot, 5 111)1, tn den Anbrcas-Fcftfälcn, Aithrecsstr. 21(nicht Z! eichen. ~ Brrqcc Host, wichtige Versammlung aller Partkigenoffen.«einer dars Z fchlenl Der Fraltloamiorstard. U Achtung, RAS., vberschSneweihe! Am Freitag. 11. Februar, 2 Uhr, H bei Lange, Wilhclminenhafstr. SS, wichtige Bcrsammlung aller Partei, r-M genossen. Jeder mug erscheinen. See Fraltlousoorstand. Ingendzrnvxe de« FdA. Heute. Mittwoch, 7Zz Uhr, finden folgend« Der. ansialtuiigcn siatt: Reutcln.- Jugendheim Rogatstr- 03. Dortrag:„Aus der Geschichte der Angestelltriibcwegun.g-' lLchmausi.— Wcdding.Eesundbrunnen: Zugendhe-m Schön redtstr. 1 iLedigcnheim ö Tr.i Epielabend.— Schöne de rg: in________________,_______._ Schule?aruther Str. 20(Turnsachen mitbringen!. reis Stwerlschaftsingend. Heute, Mittwoch, 7'H Uhr, tagen die Gruppen: ' u I: Gnvvcnheim Fugendheim Dcrgftr. 29, Hof. Vortrag:»Gewerk» Deutsches......... OTB. M träges-„Sin Sang durch dir Wirtschafisgeschiaite".— Rordring: Grupp-nbe-rn Zug-ndliciin Sberswaldcr Str. 10. Vortrag:„Das Schmutz, und Cchundges-tz--. _ Paumschnlci.weg! Sruppenhe'M Jugendheim Srnststr. IS. Vortrag:„Das Schmutz, und Schundgesetz"— Seihcusce: Gruppenheim Parkstr. ZS. Lortrag: TZugendschutz und-recht'. Derantwortlich tllr Politik: Picter Sckiss: Wlitsch-st<*. tiNngelböeri Eewei lschasisbewraung: Fr. Stzkorn: Feuilleton: Dr. Zohn Schikowsli: Lolale» und Sousttgcs: F'ltz«arstädt: Anzeigen: Th. Slecke; sämtlich in Pcrlin. Verlag PrnwSrts-Vcrlag G.m.b.H. Berlin. Druck: Boewärts-Buchdruckerei und Lrrlggsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SW SS. Lindenstrotz« z. Hierzu 2 Beiiaaen und.Unterhaltnna und Dill«»' da sie unzutreffend ist. Eist« Durchsicht des En-wurs» laste erkennen: Sr die Echutzbestimmimgen der einzelnen Abschnitte ist ein so wei- Rahmen gezogen, daß die Lanowirtschast bequem darin noch l Zu Haus- Trinkkurssi m OSSI. kdöMiMllM. Züöisr-, Nlern- Ll jen-, SmiMv(Barosaare). ZricilaTef' üccii. PrareDleKen. MeDlekico usw. Mao befrage den Bannarst. Breill lieh Jn lliowr ilwaserrh-nd unnen, ken nnd Drogerien «Ottie in Herl in biei der Vernand'e-ie der �isiai�ni.ei i q Kachlduru und KU-dc»- elter-. Bi Hin 1 1. Bcdöneb» rg» r b r. ißa T.-l LOt ow JööO'öl BluaiiCnechriffen dareh d"»« Fa�Mnsrr K. vttrulbür«, feerlia M. 66« H UHelmat« 6*. Kr. 66 ♦ 44.?ahrgoüg 1« Heilage öes vorwärts Nkttwoch, H. Lebruar 1927 In der Nacht vom 17. zum 18. Dezember wurde beim Dorentor- wall in Bremen der Niedergang eines gewaltigen Meteorsteines gemeldet. Die Wucht des Einschlages war so groß, daß er ein nietertiefes Loch in die Erde riß, ein untrügliches Dokument, daß er wirklich vom Himmel gefallen war.- Da die geologische Wissen- schaft den seltenen Fall erst untersuchen muh, so sind leider Einzel- beiten über sein« Größe und Beschaffenheit bisher nicht oerlautbart. Zum besseren Verständnis des Gesellen, der sich als rechter Wellen- bummler aus seinen vorgeschriebenen Bahnen verirrte und auf der Erde landete, fei diese Betrachtung über Meteore im allgemeinen wiedergegeben: Der Meteor auf Kelsen. Das Erscheinen von Meteoren ist nicht so selten wie ihr wirk- liches Landen auf der Erde. Wir können sie nächtlich bei klarem Himmel häufig als sogenannte Sternschuuppeusälle beobachten. Oft haben sie dann auch das Aussehen von Feuerkugeln beträchtlicher Größe und von ganz intensivem Lichtglanz, die an dem Scheide- punkt der Luftperipherie plöglich zerplatzten und in strahlenden Funken zerstieben. Ebenso scheinen die Sternschnuppen in ihrer schiefen abwärts gleitenden Bahn auf der Erde zu enden, doch es scheint nur so, denn sie berühren mir die äußere Grenze der Lust- hülle unseres Planeten, in der dos Aufleuchten der Meteore erfolgt. Dringen sie jedoch mit ihrer ungeheuren Schnelligkeit in unsere Atmosphäre ein, so stellt die Luft ihnen einen Widerstand entgegen, der wie bei einem sliegenden Geschoß ihre Bahn verändert und bemmt, sie erglühen durch die Reibung und crplodieren, um einen Augenblick später nach den irdischen Fallgesetzen von der Magnet- kraft der Erde angezogen zu werden. Schon in diesem einfachen Vorgang liegt die Beruhigung für ängstliche Gemüter begründet, die annehmen, daß wir im Zusammenstoß mit anderen Himmelskörpern eine Erdkatastrophe zu gewärtigen hätten. Nur kleine Körper können es sein, kosmischer Staub, die sich aus dem Bannkreis der Kometen, die ebenso wie die Erde um die Sonn« kreisen, absondern und ver- irren und irgendwo landen. Meist werden sie aber vorher schon, nor ihrem Einschlag von der durch Reibung erziellen Glut aufge- schmolzen und zu Staub oerzehrt. Selbst der Durchgang der Erde durch einen Komet, wie er mit bestimmter Sicherheit von den Astro- nomcn berechnet wird, der jedesmal die Welt mit Unruhe und Unglücksahnungen erfüllt, stellt sich immer nur als einzigartiges grandioses Schauspiel eines großen Sternschnuppenfalles dar, wie es bei dem Bielaschen Kometen am 27. November 1872 geschah. Das Fallen von Meteorsteinen war nicht häufiger als in anderen Zeit- Perioden. Fallend« Meteorsteine zeigen deutlich den Schmelzprozeß, den sie in der Nähe der Erde erleiden. Der Stein überzieht sich mit einer dünnen, schwarzen, glasigen Schmelzrind« mit singermal- artigen Eindrücken, die ihm das Aussehen von Schlacke gibt. Nieder- iälle am Tag« zeigen sich oft unter donnerartigem Getöse in einem Rauchwölkchen, was ebenfalls auf die glühende Beschaffenheit der Meteoriten hinzeigt. Viele zerspringen vor dem Niederfall in einzelne stücke. Schon Humboldt wies die chemische Zusammensetzung ihrer Hauptbestandteile in unoerkennbarer Uebereinstimmung nach. Sie weisen keinerlei chemische Element« auf, die nicht auch aus der Erde vorhanden wären. Man unterscheidet in der Hauptsache Stein- und Elsenmeteoriten. Das fast in allen eingesprengte gediegene Eisen gibt ihnen einen eigentümlicher, aber deshalb nicht selenitischen Charakter, Oxydationsprozesse haben nicht stattgefunden: immer ist das Eisen mit etwas Nickel gemischt. Der sogenannte Blutregen"', der in früheren Jahrhunderten zu abergläubischen Vorstellungen Anlaß gab, ist nichts anderes als der pulverisierte Eisenstaub eines niedergegangenen Meteors. Sehr selten hat man Kohle in den Aerolithcn gesunden, da diese ja als brennbarstes Produkt am ehesten bei dem glühenden Niederfall vernichtet wird, immerhin aber ist sie nachge- wiesen worden. Sie ist der einzig existierende Beweis für die Ver- mutung, daß es auf anderen Welten' organisches Leben gibt. Andererseits hat dos Vorkommen von Kohle und die Ueberein- ftimmung der chemischen Zusammensetzung der Meteorsteine mit den chemischen Elementen der Erde Jahrhunderle hindurch die wissen- schaftliche Behauptung gestützt, sie wären ein Lestandteil unserer Erde selbst und in einem weit entlegenen Zeitraum durch vulkanische Eruptionen in den Weltenraum hinausgeschleudert, in dem sie nun mit der Erde die gleiche Bahn durchsliegen. Durch die Periodizität der Sternschnuppen und durch genaue Kenntnis der Meteorbahnen ist diese Ansicht als unrichtig widerlegt worden. Andere Forscher behaupten, die Aerolithcn rührten aus Auswürfen der unserer Erde zugekehrten Mondvulkane her: es war das Verdienst des deutschen Physikers Chladni(1794), diese absurde Begründung wissenschaftlich zu widerlegen. Der größte Meleorit, den man fallen sah, wiegt 250 Kilogramm: andere Funde, die nach ihrer Beschaffenheit auch als Meteoriten erklärt werden, sind bedeutend schwerer. So fand man Eisenblöcke in Nordamerika, in Mexiko und Grönland, die 10 000 bis 25 000 Kilogramm Gewicht haben, doch handelt es sich hier um Meteorsteine, die nicht während unserer Zeitgrenzen ge- fallen sind. phantaftijcher Aberglauben. Es ist erklärlich, daß die merkwürdige Erscheinung des Nieder- fallen? der Steine vom Himmel zu allen Zeiten bei den Völkern zu den aberwitzigsten Auslegungen sühren mußte. Man hielt sie für Vorverkündigungen großen Unglücks, von Krieg, Hungersnot und Mtttort Im Naturhlstorischeo Museum. Pestilenz. Es wird erzählt, daß man im Jahre 1514 einen in Ungarn niedergefallenen großen Meteor mit Ketten in der Kirche an- schmiedete, damit er nicht wieder davonfliegen könne. Schon vor Jahrtausenden waren Griechen und Chinesen Meteorsteinfälle bc- könnt, sie deuteten sie richtiger nach dem Grad ihrer Haturwisseu- schaftlichen Erkenntnisse als die europäischen Gelehrten des ach» zehnten Jahrhunderts. Die Araber, die ihre Schwerter aus Meteor- eisen schmiedeten, behaupteten außerdem auch von den Alemonen. daß deren Schwerter ihrer Härte wegen aus dem Himmelsmetoll gemacht wären. Wie wir aus diesen Ausführungen ersehen, sind die Meteoriten oder Aerolithen die einzigen nahen Zeugen des unergründlichen Kosmos, der der Wissenschast noch Rätsel genug auf den Weg mitgeben wird, che die Wellenbummler im Weltall ihr letztes Wort gesprochen haben werden. Qiier üurch üen Süöen. Wer aus Berlin heraus will, der benutzt die großen Ausfall- straßen, die sich strahlenförmig von dem Stadtkern verzweigen. Und wer möchte nickst, wenn er zu seinem Vergnügen geht, aus Berlin heraus? Rur ein klein wenig ins Freie. Von Straße zu Straße zu gehen, macht weit weniger Spaß, es fei denn, daß das Auge schon so geschull ist, daß es mit Behagen auffallende Besonderheiten aus den grauen Häuserblocks herausgreift. Es gibt aber einen kurz- weiligen Weg, der quer durch dos südliche Berlin über freies Feld, durch Kleinsiedlung von Park zu Part führt. Man kann ihn am Bahnhof Großgörfchcnftraße beschreiten. Durch die seltsam oerwinkelt« Katzlerstraße steigt man aufwärts und ahnt bereits die Höhe des Tempelhofer Feldes. Bon der immer noch hölzernen ZUonumcnlenbnicke hat man einen keineswegs ge- nügend gewürdigten Blick auf die hundert Schienenstränge der An- Holter Bahn. Hans Balufcheck holte hier feine schönsten Eisenbahnmotive. Jenseits sieht man in der Ferne einen begrünten Weg ansteigen, die Anhöhe des Kreuzberges. Rechts ob führt die Eylauer Straße zum Tempelhofer Feld. An der Querung der Dreibundftroße eine hübsche botanische Ueberraschung: Uralte ge- kappte Weiden, die in der Dämmerung unheimlich drohen. Der Graphiker H e l l m u t K r o m m e r hat sie in eindrucksvollen Radierungen festgehalten. Hoffentlich bleiben sie als Naturdenkmal erhalten. Und dann das Feld, das ehemalige Tempelhofer. Asphalt- straßen mit eingelegten Schienen deuten auf spätere Bestimmung. So schlendert man gemütlich der Siedlung zu. Links schieben sich dunkle Häuserwände ins Feld hinein, Dorposten der Hobcrlandschci, Kullurwohnhäuser, mit denen das ganze Tempelhofer Feld bebaut werden sollt«. Wie. es in Wirklichkeit wird, sieht man alsbald: Mitten im Feld die Siedlung. Häuschen an Häuschen reiht sich an ländlichen Straßen mit stolzen Namen: Hohenzollernkorsa, Konzlerweg, Paradestraße. Der wahrhaft pompös klingende Kaiser- weg ist ober ein liebes Kleinstadtsträßchen. Ganz unwirklich wird es hier am Abend. Da meint man fast, man sei weit weg von Berlin, und nur das dumpfe Rollen und Stampfen der fernen Stadt zerrt einen in die Wirklichkeit zurück. Im Sommer muß es hier wunder- schön sein. Für die Kleinsten ist in einer parköhnlich gestalteten Senke ein feines Planschbecken vorhanden. Rur sollte man die Häusche» nach dem Vorbild Bruno Tauts bunt anstreichen, rot, blau, gelb, wie'z trifft. Dos heutige Grau wirkt graulich. Die neueren Bauten sind denn auch schon farbig getönt. Bon hier auf das gegenüberliegende noch freie Tempelhofer Feld zu kommen, ist gor nicht fo leicht, denn fenfests der, Straße zieht sich ein« tiefe und breite Schlucht hin, die gegraben wurde, um die nach Tempelhof fortzuführende Ilord- Süd-Dahn aufzunehmen, lieber eine Holzbrücke geht es zur asphaltierten Straße, die quer über das Feld führt, bis ein häßlicher Drahtzaun Hall gebietet: Der Berliner städtische Flughafen, er sperrt in sehr fataler Weise jede Querver- bindung nach Neukölln ab. Also muß man am Zaun entlang wandern und durch ein« merkwürdig niedrige Pforte in den zum Bezirk Tempelhof gehörenden Volkspark hineinschlüpfen. Ein Glück, daß es unseren umsichtigen Genossen gelungen ist, dieses liebe Stück Natur für die Bevölkerung einzufangen. Hier wartet«ine geradezu ideal konstruierte zweispurige Rodelbahn mit überhöhten Kurven des immer noch fehlenden Schnees. Verläßt man an der rückseitigen Pforte den Park, so gelangt man auf einem zwischen dem Garnison- und dem Mohammedanischen Friedhos hindurchfllhrenden Weg zum alten Weichbild Neuköllns. Die ersten Straß«» sind nicht sehr ermutigend. Man gräbt sich hindurch, überschreitet di« lebhaste 141 Gerichtstag. von Fred V6rence. Oopyrlelit 1925 by P»«l Zsolnay, Wien' „Bitte, füllen Sie diese Flasche mit Kognak, aber mit einem guten: er gehört für meine Mutter, die krank ist."' „Wie heißt du?" „Jacques Valcourt." . Bist du der Sohn von dm Herrn mit dm schonen blonden Bart?" .�a." „So, so* Sie lachte eigentümlich.„Binzenz, füll die Flasche mit Kognak ait/ Ein schmutziger Kellner kam aus einer fetten roten Ta° peten'ür, die ich vorher gar nicht bemerkt hatte. „Aber von der guten Sorte, den, den immer Herr Dal- court kauft, er gehört für Frau Valcourt, die krank ist." Sie hatte diese Worte in einem so hohnischen Ton ge- sagt, daß Ich vom Kopf bis zu deck Füßen errötete, und ich drehte mich ganz mechanisch um, voller Angst, daß jemand zu- gehört haben könnte. Ein unüberwindlicher Ekel faßte mich: es lebien mir. als wollte y-r Nnurf, in momotn Körner drinaen jUput IU|UJ meine y-eyzig genuines uno lief fort. „Sag' Herrn Valcourt, daß ich seiner Frau gute Besse- rung wünsche," rief mir die Wittin mit ihrer spöttischen Stimme nach. Ich war ganz außer mir.„Alles erzähl' ich der Mama, so eine Schande." Ich war so zornig, daß ich in höchster Elle nach Hause lief und die Stiegen hinaufeilte, immer vier Stufen auf ein- mal nehmend. Als ich die Wohnungstür öffnete, prallte ich förmlich mit meinem Vater imd dm Möbelhändler zusammen, die im Korridor miteinander sprachen. „Ah, da bist du ja, Kleiner, bring' rasch deiner Mutter di« Medikamente, es ist ihr sehr schlecht." Ich grüßte den Möbelhändler und wollte gerade ins Schlafzimmer treten, als der Vater eilig die Tür zu meinem Zimmer öffnete und mich hineinstieß. Mit einem kleinen dumpfen Knall schloß er ab. Nun hatte er den Kaufmann und mich drangeknegt. Di« Stimme des Möbelhändlers, die kurz vorher noch kalt und schneidend gewesen war, hatte mm«inen sanften Klang, Ich tonnte durch die Tür hören, was mein Bater sagte:„Meine Frau leidet sehr." „Wirklich? Was fehlt ihr denn?" „Gastrisckzes Fieber und..." hier wurde die Stimme des Vaters so leise, daß ich nichts mehr oerstehen konnte, aber dann setzte er ganz laut hinzu:„Wenn Sie wüßten, was für ein wahnfinniges Geld mich ihre Krankheit tostet: unter uns gesagt,«ine Frau, die krank ist, richtet einen zugrunde: aber sie hat schon so viel für mich getan, daß ich ihr dieses Opfer bttngen muß." Eine Tür ging, und ich tonnte das End« des Gesprächs nicht mehr hören. Ich zitterte vor Empörung: so hatte mich meine bös« Ahnung nicht betrogen. „Ich werde alles der Mama sagen, alles sag' ich ihr," stammelte ich. „W a s willst du deiner Mutter sagen?" Er stand vor mir, ich bebte und wurde aschfahl, aber ich verlor den ÜNut nicht:„Das, was ich gehört habe." „Was hast du denn gehört? Es ist ja richtig, daß deine Mutter sehr zart ist, daß man auf ihre Gesundheit sehr achten muß und..."(hier verzerrten sich seine Züge)„gib mir die Flasche." Er riß sie mir gierig aus der Hand, versenkte sie in die Tasche, packte mich an beiden Schultern und rütteste mich' seine Augen waren mit Blut unterlaufen: noch nie hatte ich ihn so gesehen. „Und wenn du nur ein einziges Wort erzählst, werde ich dich so prügeln, bis du dich nicht mehr rühren kannst. Ver- standen?" Kein Laut kam über meine festgeschlossenen Lippen. „Kannst du nicht antworten?" Eine Ohrfeige enthob mich der Antwort. „Jetzt geh' in die Küche, Erdäpfel schälen und denk' über das, wa? ich dir gesagt habe, gut nach." Er stieß mich in den Korridor und brummte weiter über den Rotzbuben, den man schon mit Stockhieben unterkriegen würde: ging es nicht im guten, so mußte es eben auf andere Art gehen. Ich begab mich in die Küche, aber ich konnte nicht das Messer finden, das man zum Schälen der Erdäpfel brauchte. Wahrscheinlich ist es im Speisezimmer, dachte ich und wollte es dort holen. Der anstoßende Raum war das Schlafzimmer meiner Eltern. Ich konnte ganz deutlich die heftig« und schneidende Stimme der Mutter hören. „Wenn du dir vielleicht einbildest, ich wüßte nicht, daß der Möbelhändler hier gewesen ist, so täuschest du dich." „Ich versichere dir noch einmal, Liebste..." Meine Mutter sagte nun in strengem Tone:„Lüge ge- fälligst nicht, ich habe ja seine Stimme erkannt, wann wirst du ihn bezahlen?" „Morgen." „Morgen, also niemals." „Aber Liebste, ich schwöre dir..." „Ach, was hast du mir schon alle? geschworen! Einmal mehr oder weniger, was liegt daran? So kann's nicht weiter- gehen, ich schäme mich so sehr vor meiner Mutter, daß ich es vermeide, mit ihr. zu sprechen. Du arbeitest nichts mehr, liegst den ganzen Tag im Bett und hast auch wieder zu trinken an- gefangen: schwor« nicht wieder, ich weiß ohnehin alles. Jetzt hast du gerade Kognak getrunken. Glaubst du denn, daß ich es nicht rieche? Ist's vielleicht nicht wahr?" „Aber Aline, ich schwöre dir.. „Jetzt schwörst du wieder: du bist der abgefeimteste Lügner, der je gelebt hat: sitzt sag' ich dir das eine: von morgen an wirst du wieder mit dem Zug, der um sechs Uhr vierzig geht, nach Annecy fahren: feit zwei Monaten bist du nicht mehr dort gewesen: du wirst mir deine Aufträge zeigen, und ich verbiete dir zu trinken, verstehst du mich?... und... du wirst wohl nicht die Ruchlosigkeit so weit treiben, Jacques um diesen scheußlichen Kognak zu schicken?" „Du hast das Recht, mir Vorwürfe zu machen, aber nicht, mich zu beschimpfen." „Schon gut, laß lieber die großen Worte: wenn du ihn jemals in ein Wirtshaus schickst, reiche ich um die Scheidung ein, hast du mich verstanden?" Schweigen. „So anlwotte doch: du weißt, daß ich eine Antwort haben will. Ich hörte ein dumpfes Geräusch. „Aline, 2lline, ich bin so unglücklich, zank nicht mit mir." „Aber steh' doch auf, steh' aus, das ist ja lächerlich." „Nicht bevor du mir verziehen hast." „Du schwörst mir, daß du nicht mehr trinken wirst?" „Ja. ich schwöre es beim Haupt unserer Kinder." „Versprichst du mir, von morgen an ernstlich zu ar- beiten?" „Jawohl, ich verspreche es dir." Ich hörte einen Kuß, der Verzeihung gewährte. lF> ortjetzung folgt.)< ficrtmmnftraße und die noch lebhaftere Berliner Straß«, von der die Untergrundbahn sehr viel Verkehr absaugt, d«r sie aber auch ihren einstmals prachtvollen Baumbestand hat opfern müssen, chier Rat- Haus mit imponierendem Turm, dort Warenhaus mit imponierender Front. Nun geht's scharf auf Treptow, dem Ziele dieser Wanderung zu. Aber unterwegs mitten zwischen Häuserblocks noch einmal eine freudige Ueberrafchung. Da hat ein moderner Baukünstler, Bruno Taut, dem«inst unwirtlichen Steppensand seinen Willen aufge- zwungen. In einer proletarischen Wohngegend Großmiechäuscr. aber keine Kasernen mehr. Charaktervolle Häuser, die zum Eintreten und Verweilen einladen, find hier entstanden. Und dann erfrischten Sinnes durch unferlig« Straßen und Gelände nach Treptow. Den Part und seine Straßen kennt man. Inzwischen ist es Abend geworden. Geheimnisvoll leuchten nun oertraute Sternbilder aus dem Dunkel. Wir folgen dieser einzigartigen und wirklich vornehmen Reklame und gelangen zur Treptower Sternwarte, die der nierk- würdige kühle Berliner bei weitem nicht noch Gebühr schätzt. Das Vildungsamt des Bezirkl» Treptow hat sich dankenswerterweise dieses Institut zunud". gemacht und läßt die Kinder in lehrreiche und unter» ballende Filme führen. Das ist tatsächlich die einzig wirksame Bekämpfung von Schund. Im ganzen«in« zwar ungewöhnliche Wanderung, die aber da sie durch viel freies Gelände führt, erfrischend ist. Und sie ist auch für Alte und Junge lehrreich und unterhaltsam, und kann dazu helfen, daß die Berliner ihre gewaltige Heimatstadt kennen und achten lernen. Und vielleicht auch«in wenig lieben. Die flugsburger Slutsbrüöerschast. Ausflug dreier fünfzehnjähriger„Räuber". Eine dreiköpfige Bande von fünfzehnjährigen angehenden Räubern wurde von der Kriminalpolizei am Lehrter Bahnhof fest. genommen. Dort trieben sich seil einigen Tagen drei Lürfchchen draußen und in den Wartesälen umher, ohne daß man zunächst wußte, woher st« kamen und was si« wollten. Endlich hiell man sie an und fetzt ergab sich, daß es Slbenteurer waven, die auf Raub aus. gehen wollten. Die drei Fünfzehnjährigen kamen aus Augsburg. Dort hatten sie„Blutsbrüderschaf t" geschloffen. Die Bestätigung führten sie auf einem Etuck steifer Pappe mit sich. Sie lautet: „Mr drei wollen uns auf zwei Jahre zu einer Blutsbruders chait zusammenschließen. Alois. Ludwig. K. Der dritte Halle es nicht für ratsam gehalten, seinen Dornamen auszuschreiben. Jeder hatte jeins Unterschrift mit einem Tropfen seines eigenen Blutes getränkt. Geld für einig« Anschaffungen und die Reis« nach Berlin hatten sie den mütterlichen Wirtfchaftskassen entnommen. Ihr erster Angriff galt nämlich der Reichshauptstadt. Die wollten sie„plündernd durchziehen", um dann mit reichen Schätzen auf einem Schiff das Ausland aufzusuchen. Zunächst kauften sie sich Geburten unö Sterbefäüe in Serlin. Das Jahr 1926 ohne Gebnrtenuberschntz! jeder einen Rucksack und dann gemeinsam einen Revolver, einen großen Dolch und schwarz« Masken. Sie müssen aber an verständige Berkäufer geraten sein, denn der Trommelrevolver ist ein ganz kleines Ding, mit dem nicht viel Un- hell angerichtet werden kann, und der Dolch Ist zwar groß, ober— feine Spitze ist abgebrochen. Mit ungewöhnlich dicken Stiefeln und sehr warmem Unterzeug angetan, traten die künftigen Räuber ihre Reise an. Soweit das Geld reichte, fuhren sie mit der Elsenbahn, dann gingen sie zu Fuß weiter, um in Berlin nicht ganz ohne Mittel anzukommen. Hier war nun alles so weit fertig, daß sie mit ihren „Beutezügsn" hätten beginnen können. Cs fehlten ihnen nur noch Gummischnüre für die schwarzen Masken. Mit Strippen wollten sie dies« nicht vorbinden, weil das„zu gewöhnlick," ausgesehen hätte. Bevor sie jedoch jemanden fanden, der ihnen Gummischnüre hätte annähen können, nahm die Kriminalpolizei sie in Gewahrsam, um sie unter sicherer Obhut nach Augsburg zurückzuschicken. Was sie dort bei Boter und Mutter erleben werden, wird vielleicht ihren Aden- teurerdrang bis auf weiteres befriedigen. Eine Schulkatastrophe. Die Kirche wird gebaut, die Schule vergessen. Für die Siedlung am Tempelhofer Feld, für die setzt eine Kirche gebaut wird, gibt es noch immer kein« Schule. Von den 3S0 Kindern, die gegenwärtig dl« Grundschule in 10 Klassen besuchen, Ist ein Teil in den H o lz b a r o ck e n des „vrovisorischen Gymnasiums am Tempelhofer Feld mehr schlecht als recht untergebracht. Drei Klassen werden in Läden unier- richtet, eine Klasse ist„fliegen d", d. h. sie muß seben, wie sie unterkommt, wenn ein Klassenraum leer wird. Die der Grundschule entwachsenen Kinder müssen zu Fuß oder per Straßenbahn weite Wege zurücklegen, um nur unterzukommen. Dieser Schulskandal, für den die volksparteilich-deutschnationale Bezirksverwaltung von Tempelhos die volle Verantwortung trifft, droht sich zu Ostern zur Katastrophe auszuwachsen, wenn nicht schleunigst eingegriffen wird. Von den 360 Kindern der Grundschule am Tempelhofer Feld werden zu Ostern ö0 umgeschult. Nach den bisher vorliegenden Anmeldungen muß dagegen zu Ostern mit einem Zuwachs von mindestens 180 Kindern gerechnet werden. Zu der«inen obdachlasen Klasje werden mindestens vier neue Klassen kommen, die weder in Läden noch in den Holzbaracken des sogenannten Parkgymnasiums untergebracht werden können. Die Bezirksoerwaltung Tempelhof plant, diese Klassen nach der Mädchenschule in der Manteuffelstroße zu verlege::, wodurch die Kinder weite Wege, teilweise von mehr als einer halben Stunde, zurücklegen werden müssen. Man kann sich aber auch sonst den Schulbetrieb vorstellen, wenn ein Teil der Kinder in Läden, ein Teil im Parkgynmosiuin, ein Teil in der Manteuffelstraße unter- richtet wird, während ein Teil obdachlos wartet, bis der eine oder der andere Raum frei wird. Denn da nur die Kiyder im vierten Schuljahr nach der MaMeufselstraßs geschickt werden gollen, wird es auch im nächsten Schulsahr mindestens eine„lliegende" Klasse geben. Nun gab es zwar ein S ch u l h a u s p r o j e k t, an dessen Ausführung man„schon" im letzten Herbst herangehen wollte. Dieses Projekt erwies sich jedoch schon als völlig unzureichend, de- vor es noch begonnen war. Außerdem hatte man einen Platz aus- gewähll, der ausgerechnet am Kreuzungspunkt dreier Durchiahrts- straßen liegt! Man mußte also von vorn anfangen. Das neue Pro- iekt, das an die Periphere der Siedlung verlegt wird, ist wieder sür das Gymnasium bestimmt. Für die Grundschule sind Ins- gesamt 16 Räume vorgesehen, die bei der Fertigstellung. Ostern 1028, bereits übersetzt sein werden. 1920 wird es bereits wieder obdachlose Klassen geben! Das allerschönste aber ist, daß die Deutschnationalen, die ein vollgerütteltes Matz Schuld an diesen Zuständen haben, die Stirn besitzen, beim Berliner Magistrat zu fragen, was er gegen diese Zustände zu tun gedenk:. So geht es wirtlich incht weiter. Wenn die bürgerliche Be- zlrksocrwältung von Teinpelhoi diese Sckulschande mit Gleichmut erträgt, vielmehr durch ihre sträfliche Nachlässigkeit hervorruft, dann muß ihr endlich einmal der Marsch geblasen werden. Man errichte neben den Schulbarockcn eine weitere, um die Kinder Ostern dort unterzubringen. Oder man richte einige der leerstehenden Siedlungs» Häuser entsprechend ein. Noch ist es Zeit! Das neue Schulgebäude stelle man aber gleich so her, daß man nickst genötigt wird, im ersten Schuljahr Anbauten vorzunehmen. Aber vielleicht rühren sich einmal auch die E l t e r n am Tempelhofer Feld, um der Bezirksoerwaltung eine schnellere Gangart beizubringen, auch wenn es sich nur um eine schule und nicht um eine Kirche handelt. Don einem Aulo geschleift. Bor den: Hause Psalzburger Str 73 wurde gestern nachmittag gegen 3 Uhr beim U-berschreiten des Fahr- dammes eins noch unbekannte, etwa neunjährige Schülerin von einem Prioatkraftwagen erfaßt und mehrere Meter mit- geschleift. Das verunglückte Kind wurde zur Klinik in der Achenbachstrsße geschafft, wo es unmittelbar nach der Einliejerung starb. Die Schtildsrage bedarf noch der Klärung. Die Ergebnisse der für Berlin eingegangenen Meldungen von Geburten und Sterbefällen in 1026 io«rden jetzt in den„Berliner Wirtschastsberichten"(herausgegeben vom Statistischen Amt der Stadt Berlin) mitgeteilt. Vom Standpunkt des Veoölkerungspolitikers aus, kann man sie nicht als günstig be- zeichnen. Mit 45 082 Lebendgeborenen bleibt das Jahr 1026 um fast 2000 hinter dem Vorjahr zurück, aus dem 47 071 Lebend- geborene gemeldet wurden. Seit Kriegsschluß hat im heutigen Stadtgebiet die Geburtenflut sich in einem schon zweimaligen Auf und Ab bewegt. Di« Jahre 1019 und 1020 ergaben 51 007 und 63 614 Lebendgebprene, bis 1920 war also ein« außerordentliche Zunahme zu verzeichnen. Dann trat Ebbe«in, und aus 1021, 1922, 1923 wurden nur 53 001, 45 686, 38 924 Lebendgeborene gemeldet. Man beachte den raschen Abstieg von 1020 zu 1023, von 63 614 auf 38 024! Zu einem neuen Aufstieg kam es in 1324 und 1025 mit 41546 und 47 071 Lebendgeborenen. Aber schon 1026 hat nun einen erneuten Abstieg gebracht. Die ganze Bedeutung des auf 45 082 zurückgegangenen Ergebnisses von 1026 wird klar, wenn man es mit den Geburtenzahlen der Jahre vor dem Krieg« vergleicht. Aus dem Jahr« 1913 wurden für das Gebiet des heutigen Berlin 76 665 Lebendgeborene gemeldet. Hinter diesem Ergebnis bleibt das oon1g26um 31 583 zurück, um reichlich 41 P r o z.I Auf das Tausend der jeweiligen Bevölkerunaszohl kamen Lebendgeboren« in 1013 noch 19,3, in 1919 und 1920 13,7 und 18,5, m 1921, 1922, 1023 13,8. 11,6, SL. in 1924 und 1925 10,5 und 11,7. in 1926 11,0. Anders hat in Berlin die Zahl der S t e r b e f ä l l e(ohne Totgeburten) sich bewegt. Sie stellt sich für 1926 auf 45 371, noch etwas niedriger als für 1925, wo 45 651 Sterbefäll« gebucht wurden. In den fett Kriegsschluß verflossenen acht Jahren hat die Zahl der Sterbefälle ein« Verminderung gehabt, die nur wenig unter- brachen wurde. Sie war in 1019 und 1920 55 000 und 55 735, sank in 1921 auf 47 012, stieg in 1922 vorübergehend auf 52 084 und sank dann ohne Unterbrechung in 1023, 1024, 1025, 1026 auf 49832, die Sommerfelüer Mörser. Librenz auch in Berlin.— Vernehmung Sommers. Der zweit« Sonnnersekder Mörder, Friedrich Librenz, ist nun auch in Berlin. Krimlnalkommisiar Johannes Müller brachte ihn mit seinen Beamten vor Kiel hierher und nach dem Polizei- Präsidium. Hier wurde er von Kriminalrat Gennat gleich in den Nachmittagsstunden oerhört. Er sagt im wesentlichen dasselbe aus wie Kurt Sommer. Ohne Zweifel haben sich die beiden nach der Tat über ihr« Aussagen für den Fall, daß sie ergriffen werden sollten, geeinigt. Don Reue zeigt keiner auch nur eine Spur. Weiter« Helfershelfer wollen sie nicht gehabt haben. Die geraubten Kleidungsstücke warfen sie unterwegs weg, nachdem sie sich zum Teil schon in Guben mit anderem Zeug, das ihnen besser paßt«, versehen hatten. Die Verhafteten werden beide unter dem dringenden Verdacht des Mordes und Raubes dem Untersuchungs- richtet vorgeführt werden. Der Sommerfelder Mörder Kurt Sommer wurde im Laufe des Dorrnittogs von Kriminalrat Gennat und Kommissar Dr. Braschwitz eingeherst» oerhört. Er ist jetzt in vollem Umfange geständig. Mit seinem Komplicen Friedrich Librenz hatte er früher schon einmal einen Ausbruch aus der Fürsorgeanstalt Wilhelmshoj bei Muskou geplant. Dabe: war auch schon die Rede davon ge- wesen, daß st« sich bei Tschentke in Sommerfeld Geld verschossen wollten. Als jetzt das Entweichen gelang, wurde dieser Plan wieder aufgenommen. Librenz Erklärte sich mit allem einverstanden. Mit- tello» wie sie waren wanderten sie zu Fuß nach Sommer- fetd. Einmal übernachteten sie in einem Heuschober. Die Absicht, das Ehepaar Tschentke zu töten, hatten sie, wie Sommer versichert, nfcht. Si- versteckten sich in der Laube, bis alles ruhig geworden war. Dann drückten sie die Scheibe ein, stiegen durch dos Fenster ein und durch suchten den Laden und die L a d e n k a s s e nach Geld. Unterdessen erwachte Tschentke und kam In den Laden herein. Librenz stürzte sich sofort auf ihn. Jetzt kam auch die Frau, die den Lärm hörte, und über sie fiel Sommer her. Die Eheleute wurden überwältigt, wieder ins Bett gelegt, geknebelt und gefesselt. Die Räuber glaubten nicht, daß sie tot seien, die Knebel hätten sie nur am Schreien verhindern sollen. So behauptet wenigstens Sommer. Nachdem sie die Körper zu- gedeckt Hattert� blieben sie wohl noch eine Swnde in den Räumen lind erbeuteten im ganzen 1500 bis 1600 Mark, die sie sich teilten. Was Librenz im einzelnen mit Tsibentke gemocht hat und womit er ihn: die Kopfhiebe oersetzt hat, will Sommer nicht wissen. der Pastor als»Herr auf Sem Hofe". Unseren Lesern ist wohl die Friedhofsaffäre von Teupitz noch in frischer Erinnerung, die Selbstherrlichkeit des Direktors der dar- tigen Landeeanstalt, der auf dem Anstaltsfriedhof einen von der Teupitzer Relchsbanner-Ortsgruppc an den Kriegergräbern nieder- gelegten Ehrenkranz wegnehmen ließ. Ms der Direktor auf Be- Ichwerde des Vorsitzenden der Reichsbanner-Ortsgruppe von dem Innenminister Severing gerüffelt wurde, schrieb er den: Vorsitzenden, er habe wie ein„Herr auf seinem Hofe" gehandelt und die ohne sein Dorwissen ausgeführte Kranzniederlegung nicht dulden zu können geglaubt. Jenes Wort des Anstaltsdirektors fällt uns ein bei der uns zugehenden Meldung über das Verhalten eines Ber- liner Pastors, der auf dem Friedhof der Parochial- gemeinde(Boxhagener Straße) bei der Bestattung des Stein- druckers Georg Schütz dem Vertreter des Verbandes der Lithographen und Steindrucker, als dieser dem Ver- storbenen einen Abschiedsgruß widmete, mit einem gänzlich un- berechtigten Redeverbot entgegentrat. Der Berbandsvertrcter, Genosse L a n d a, legte an der offenen Gruft des nach dreißigjähriger Verbandszugchörigkeit verstorbenen Kollegen einen Kranz nieder und jagte etwa:„Im Namen des Verbandes der Lithographen und Steindrucker überbringe ich die letzten Grüße der Kollegenschast. Der verstorbene Kollege— Doch er kam nicht weiter, denn der P a st o r Held trat dazwischen und erklärte in bestimmtme Ton:„Hier darf nicht gesprochen werden, die Kirchhofsordnung verbietet das. Ich mache Sie auf die gesetzlichen Folgen a u f m e r t s a m." Die„gesetzlichen Folgen" wären wohl, nach Meinung des Herrn Pastors, eine Anklage wegen Hausfriedens- bruchs und die Verurteilung des Kollsgen, der den Verstorbenen ehren wollte. Man kann sich denken, daß der peinliche Auftritt tiefe Erregung in der Trauergemeinde, bei den Kol- legen und auch bei den Angehörigen des Toten, hervorrief. Die Kirchengemeinde ist Herr aus ihrem Friedhof, das wissen wir. Aber die Berechtigung des Redeverbot» bestreiten wir. Unter keinen Umständen darf die Kirch« ihr„Herrenrecht" so weit treiben, wie es hier geschehen ist. Wenn der Pastor als Vertreter der Kirchen- gemeinde gegen die vermeintliche„Rede" vorschriftsgemöß Einspruch erheben zu müssen glaubte, so hätte es genügt, das nachher zu wn. Das angeblich berechtigte Interesse der Kirche konnte nicht so weit gehen, daß der Pastor dem Berbandsvertrcter ins Wort fallen und ihn lzindern durfte, die kurze Widmung zu Ende zu sprechen. Die Kirche verlangt, daß man ihre Feierlichkeiten respektiert, und der Staat stellt sich auf die Seite der Kirche, indem er durch Gesetz die Störungen gottesdienstlicher Handlungen mit 47 179, 45 651, 45 371. Aus 1913, dem letzten Jahr vor dem Kriege. waren 40 030 Sterbefälle für das heutige Stadtgebiet gebucht worden. Hierbei ist aber zu beachten, daß an der Gesamtzahl der Sterbefälle die Kinder des ersten Lebensjahres damals mit noch 10 096. in 1026 dagegen nur noch mit 3846 beteiligt waren. Die Gesamtzahl der Sterbefälle stellte sich pro Tausend der jeweiligen Bevölkerung?- zahl in 1013 aus 12.6. in 1910 bis 1026 auf 14,5. 14,2. 12,1, 13,5, 12,7, 12,0, IIP, 11,1. Die Verminderung der Sterbefälle tritt hier noch deutlicher hervor. Sie ist auch 1926 nicht zum Stillstand ge- kommen. Aus den Zahlen der Lebendgeborenen und der Gestorbenen er- gibt sich die Höhe des Geburtenüberschusses. Einige der oben oenannten Jahr« brachten, weil die Geburtenzahl niedrig blieb und gleichzeitig die Zahl der Sterbefälle stieg, überhaupt keinen Ge- burtenüberschuß. Sie schloffen mit einem Defizit ab-- und zu diesen Verlustjahren gehört auch 1 026. Dar dem Krieg« hatte 1013 einen Ueberschuß der Lebendgeborenen in der beträchtlichen Höhe tspn 26 735. Nach dem Kriege brachte 1010 noch ein Defizit von 300?. Dann ergaben 1020 und 1021 Ueberschüsse von 7879 und 6880. Aber in 1022, 1023, 1024 kam es wieder zu Defizits in Höbe von 7298, 10-003. 5633. Mit einem kleinen Ueberschuß von 1420 schloß 1925 ab. 1026 weist wieder ein kleine, Defizit von 289 auf. Hohe Sterblichkeit könnte durch hohe Geburtenzahlen aus�e- glichen werden, dock daran fehlt e,. Der Seburtenrückganq ist nicht eine Erscheinung erst der neuesten Zeit, aber die als Hinter- lassenschaft des Krieges über uns herelnge- brochene Not unserer Zeit hat den Geburten- rückgang verschärft. Auch da, gehört zu den Kosten des Krieges, deren Rechnung bekanntlich immer erst nach dem Kriege präsentiert wird. Daß e, nach dem Kriege zunächst zu einer Plötz- l'chen Zunahme der Geburten kommen werde, war als ein natürlicher Vorgong vorauszusehen. Ebenso sicher war aber, daß diese Zunahme nicht von langer Dauer sein konnte. An der Grund- richtung, dem Niedergang der Geburtenzahl, wird durch vorüber- gehend« Umkehr nichts geändert. Strafe bedroht. W i r verlangen, daß auch die Niederleaung eines Kranzes am offenen Grabe, wenn sie von einigen Worten der Widmung begleitet ist. nicht durch störendes Dazwischen- treten ein es Pastors in ein Aergernt» ver- wandelt wird. Pastor Held scheint übrigens selber eingesehen zu haben, daß sein Vorgehen verstimmend wirken muhte. Er wandte sich nach der Bestattung mit ein paar persönlichen Worten des Be- dauern, an den Berbandsoertreter. aber den üblen Eindruck seines Verhaltens tonnte er nicht verwischen. Wa» er angerichtet hat, wird ihm selber keine Freude machen. Wer solche Auftritte mit- erlebt, zieht daraus seine Lehre und wendet der Kirche den Rücken. vie Kriegsbeschäüigten sollen leer ausgehen. Eine Protestvcrsammlung des Reichsbundes. Im überfüllten Saale de« Berliner Gewerkschaftshause, hielt der Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Knegerhinterbltebenen eine Protestversammlung gegen die Streichung von 100 Millionen Mark im fflcrsorgungshaushalt des Reichsarbeitsministeriums für das. Jahr 1027 ab. Der Gauvorsitzende E b e r t, stellte diese Streichung in Gegensatz zu der Zahlung hoher Pensionen än ehemalige Offiziere, die in einzelnen Fällen über 16 000 M. im» Jahre hinausgingen. Sein« Zlusführungen lösten In der Bersamm- lung große Erregung und Zwischenruf« aus. Die Aufforderung des Vertreters des Internationalen Bundes, gemeinsame D«mo:i- sttationen gegen die Maßnahmen der Relchsregierung zu unter- nehmen, fand Zurückweisung in d«n Aueführungen des Bor- sitzenden des Reichsbundc», P f ä n d n e r. Dieser wie» auf den u n- ermeßlichen Schaden hin, den dl« Spaltung der Kriegsopferbewegung vor acht Jahren, die durch den Internationalen Bund erfolgt sei, angerichtet Hab«. Gegen eine Stimme fand eine Entschließung Annahm«, in der die Kriegsopfer statt der Streichung von 100 Millionen Marl«in« Verbesserung der Versorgung forderten. Forderung nach einer neuen Polizeistunde. Eine bemerkenswerte Eingabe richtete das Präsidium der Arbeitsgemeinschaft für Lolksgesundung, ein« Gemeinschaft von mehr als 300 kulcurellen und Wohlfahrts-, Frauen-' und Jugendverbändsn, an den preußischen Minister des Innen:. Nachdem eingehend die sozialen, gesundheiilichen und sittlichen Schäden dargestellt werden, die ein Ergebnis der augenblicklichen Regelung sind, wird die Forderung nach einer grundsätzlichen Neuregelung des Schanktonzeslionswesens er. hoben, da eine schematische Verlängerung der Polizeistunde zu einem höchst unbefriedigenden Ergebnis geführt hat. Nach dem Vorschlage der Arbeitsgemeinschaft sür Volksgesundung soll die überwiegende Mehrheit der Lokale auf«ine verhältnismäßig frühe Polizeistunde beschränkt weiden, die für Stadt und Larrd zwischen 10 und 11 Uhr festzusetzen wäre. Eine Anzahl Lokale in unmittelbarer Nähe der VerkehrszeMren(Bahnhöfe und Theater) sollte eine um eine bis VA Stunden verlängerte Schankerlaubnis erhalten. Endlich wäre daran zu denken, einer beschränkten Anzahl von Betrieben in den größten Stüde:: gegen er- höhte Steuerleistunq und bei regelmäßiger polizeilicher Ueberwachung eine Kc-nzession et, Winschoften zu-rteilen. welche die ganze Nacht aeöfsnet sein können. Diesen Lokalen ist dann jedoch die Erlaubnis zur Bewtttschaftung während des Tages und mähren» der frühen Abendstunden zu entziehen. Trotz der großen Bedenken, die arundsätzlich gegen Wirtschaf.en bestehen, welche die ganze Nacht geöffnet sind, würde eine derartige Regelung doch viellescht die Mög- lichkeit bieten, für die breiten Kreile der Bevölkerung eine vernünftige und zweckmäßige Regelung der Polizeistunde zu finden. Fener im ehemaligen KronprinzenpalaiS. Die Feuerwehr wurde gestern nachmittag gegen A2 Uhr nach den: ehemaligen Kronprinzenpalai», Unter den Linden, gerufen. In einem A u s st e l l u n g s s a o l, in dem sich vornehmlich Gemälde von Slevogt befanden, war der Fußboden, das Balkentager und die Wandbekleidung in Brand geraten. Während die Löscharbeiten nur kurze Zeit dauerten, nahmen die Aufräumungsarbeitsi: über eine Stund« in Anspruch. Durch«Ine schadhafte Stelle im Schorn- stein drangen Flammen und brachten einen Balken zur Entzündung: dann fraß da, Feuer sich nach oben weiter. Kunstschätzesollen nicht b e s ck ä d i g t worden sein. Der Vorfall liatt« in der ver- kehrsreichen Straße eine große Menschenansammlung zur Folge. D» bist krank und zerbrichst Dir den Kopf, woher dies kommt. D« Stuhlverstopfung ist in sehr vielen Krank- heitsfällen die Arsache. Achte auf«ine normale Darultätigkeit und Du bist gesund! Wie Du das machst? Mit dem vorzüglichen Lax in, dem linden, wohlschmeckenden, sicher wirkenden Abführmittel. tVurft und örillanten. Ein verpfuschtes Leben. Der 39iährige W., Sohn eines �olzhündlers, nichtausgelernter Apotheker, ist«in erblich schwerdelastster Psychopath, halt- und willenlos, unfähig sich wie andere Menschen durchs Leben zu schlagen. Man sieht ih:n dies auch an: er scheint mit seinen Nerven am Ende seiner Kräfte zu sein. Im Jahre 1922 begann es; dann folgte aber eine Straftat nach der anderen, eine Ver- urteilung jagte die andere. Jetzt schleppt er einen ganzen Rattenkönig von Prozessen mit sich. Wegen eines Betruges ist er bereits vor wenigen Tagen verurteilt worden: wegen zweier hatte er sich neulich zu verantworten, weitere Betrugssachen folgen in den nächsten Wochen. Charakteristisch waren für diesen Menschen die beiden Prozesse, die zuletzt gegen ihn geführt wurden In eineni Falle handelte es sich um Brillanten, im anderen um W u r st. Im ersten wollte er der betrogene Betrüger gewesen sein, auch im zweiten Opfer eines anderen. Im ersten waren seine Komplizen zwei Leute seines Kreises, heruntergekommene Söhne gutbürgerlicher Eltern: im zweiten war es ein Bekannter aus dem Gefängnis Plötzensee. Also die Brillanten! Durch einen Zufall erfuhr das Trio, daß ein Be- kannter von ihnen beim Pfandleiher wertvolle Steine versetzt Hab«. Da heckten sie eine» schlauen Plan aus.„Ach, wir haben einen vor- zllglichen Käufer für die Brillanten/ sagten sie zu ihrem Bekann- ten.„Wundervoll/ antwortete der. Man ging zum Pfandleiher. Dieser schickte mit den Brillanten, im Werte von 9999 M., seinen Angestellten mit: er soll« die kostbaren Steine ja nicht aus den .ihänden gebßn. Er ließ sich aber beschwätzen. Das Trio erhielt die Steine und der Angestellte mußte mit leeren Händen zu dem Pfandleiher zurückkehren. Auch der Bekannt« war um seine Kost- barkeiten gekommen. Die Brillanten wurden ober sofort in der Gegend der Friedrichstraße verkauft und nun konnte das lustigste Leben beginnen. Das Geld wurde unverzüglich in Alkohol um- gesetzt. 299 M. schickte W. aber seiner Frau, um ihr eine Freude zu oeretten. Sein Abgesandter kehrte mit einem Zettel zurück, auf dem zu lesen war, daß die Frau verhaftet sei. Als sein Komplize das erfuhr, machte er sich aus dem Staube. W. trank aber ruhig weiter, und unternahm noch auf einem Auto eine Spritztour außer- halb Berlins: als er von seiner Betrunkenheit zu sich kam, war seine Brieftasche mit all dem schönen Gelde fort. Der Chausfeur habe ihn ausgeplündert, behauptete er. Dafür gab es allerdings keine Beweise. Er aber erhielt ein Jahr s eck) s Monate und eine Woche Gefängnis. Im zweiten Falle waren Wurstwaren Gegen- stand des Betruges. Vom Gefängnis aus kannte er den vielmals vorbestraften Sch. Jetzt arbeitete dieser in der AEG. als Transport- arbeiter. W. verwandelt« ihn aus eigener Machtvollkoinmenheit zum Betriebsrat und Kantinenleiter der AEG., stellte ihn in dieser Eigenschaft einem Wurstfabrikanten vor, für den er nur einmal einen Auftrag ausgeführt hatte, erhielt für seinen Käufer Wurst. waren im Werte von 99 M. und zahlte seinen Aujtraggebern natür- lich keinen Pfennig. Einen Teil der Wurst lieh er sich zu Hause mit Frau und Kind gut schmecken, den anderen Teil schlug er mit dem Sch. In der Petersburger Straße hos. Die Strafe? Auf die kommt es wahrlich nicht an. Einige Monate mehr— einige Monate weniger. Sie haben bei ihm nicht viel zu bedeuten. Oder doch? Wie eS gemacht wird! Bor dem Schöffengericht Berlin-Mitte wurde gestern abend Kommerzienrot Lindemann verhandelt. Ihm wurde Betrug und Vergehen gegen dp« Börsengesetz vorgeworfen. Als Inhaber der Firma Merz u. Co. hatte es Lindemann durch geschickte Presienotizen verstanden, die Aktien einer Automobilfirma, die ihren Wert fast verloren hatten, ganz außerordentlich zu steigern. Er hatte sich dabei des Namens der Firma Ford bedient und hatte d«n Anschein erweckt, als märe Ford bereit, die fast bankrotte Auto- mobilfirma zu übernehmen. Von Amerika aus hatte Lindemann günstige Telegramme nach Berlin lanciert, so daß erst nach geraumer Zeit die falschen Angaben und seine Machinationen ans Tageslicht kamen. Da» Schöffengericht hielt den Angeklagten schuldig, gegen das Börseng«setz verstoßen zu haben und verurteilte Ihn zu 1 9 9 9 9 Mark Geldstrafe oder 199 Tagen Gefängnis. Dos Gericht hat dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt, weil die Strafiat drei Jahre zurückliegt und sich unmittelbar an die Inslatioii ange- schlössen Hab«, eine Zeit, in der die wildeste moralisch« Zemittung auch in der Geschäftswelt noch bemerkbar gewesen sei. Vom Kampfplatz der Stra�enhändler. Der Reichsverband ambulanter Gewerbetr««- b ender Deutschlands, Siß Berlin, hielt in der Zeit vom 23. bis 27. Januar dieses Jahres in Köln am Rhein seinen 4. ordentlichen Verbandstag ab, der von 9g Delegierten beschickt wor. Als Abschluß der Tagung wurde«ine Entschließung einstimmig angenonimen, in der es heißt:„Der Verbandstag stellt fest, daß trotz der hohen volkswirtschaftlichen Bedeutung des ambulanten Ge- werbes, welches ein V o l l g e w e r b e im Sinne des Wortes dar- stellt, es bei den gesetzgebenden Körperschasten und Behörden nicht immer die gebührende Anerkennung findet. Der Verbandstag pro- testiert mit aller Entschiedenheit im Namen der 599 999 am- Hill UUUi- w» � i« w v.. Kulanten Gewerbetreibenden Deutschlands gegen jede Einschränkung dieses Gewerbes, da dasselbe durch die wirtschnstlick« Depression am allermeisten in Mitleiden- irmu) Uli; mui|u;uiiuu7� �---- lchakt gebogen Vird. Als unbedingte Notwendigkeit wird die Aus Hebung der preußischen Notverordnung geforder-t. da sie nicht den Voraussetzungen entspricht, die zu ihrem Erlaß ge- führt haben. Aber«s ist geradezu ungeheuerlich,, wenn versucht wird, diese Frage durch Erdrosselung des Gewerbes zu Wien. Nicht dadurch, daß man den Opfern des Krieges und der Wirtschaftskrge den letzten Ausweg versperrt, sondern allein dadurch, daß alles getan werden m iß, wieder normale wirtschaftliche Berhältnihe herbeizuführen, kann auch die Frage de» ambulanten Gewerbes gelöst werden. Seine Existenzberechtigung geltend zu mach«», ist dem Wandergewerbe außerordentlich erschwert. Handels- und Detf.iliisten- kammer in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung sind nach allen bisherigen Erfahrungen nicht geeignet, in obsettiver Weise die Frage des ambulaiuen Gewerbes zu beurteile», oder dessen berechtigte Forderungen zu vertrete». Der Verbandstag des Nsichsverbandcs ambulanter Gewerbetreibender fordert aus diesem Grunde eine seiner Zahl und Led«utung entsprechende Vertretung im Reichswirtschaftsrat, ferner Anerkennung und Durch- führung der Gleichberechtigung des Wandergewerbes dem stehenden Gewerbe gegenüber. Gleichzeitig müssen aus der Reichsgemerde- ordnung alle die Ncstimnmngen verschwinden, die als Ausnahme- bestimmungen gegen das ambulante Gewerbe zu gelten haben." Als Verbandsvorsitzende mit gleichen Rechten wurden die bis- herigen Vorsitzenden O e s e r und Lehmann und als Redakteur der Fachpresse„Das deutsche Wandergewerbe" Brendel einstim- mig wiedergewählt. Mit überwiegender Mehrheit entschied sich der Verbandstag für Berlin als Tagungsort des nächsten Ver- bandstages. dort wie hier überzeugt di« Wahrheit?es Ausdrucks, mit dem der Chor singt. Es ist dankenswert, daß das Jugendamt für diese Der- anstaltung den„Jungen Chor" gewann. d«nn hier besteht sofort der Kontakt zwischen Chor und Hörer, Die Aula war bis auf den letzten Platz besetzt, der Beifall sehr stark. freie Sozialistisdie Msdiule. Sonnabend, Ii. Fcbniar, 7 Ve Uhr abends im Sitzungssaal des ehemalieen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, Vortrag des Gen. Fritz Tarnow, Votsitzender des Deutschen Holzarbeiierverbandes «Lohnproblem und Wirtschaftsaufbau" Eintrittskarten zum Preise von S6 Pf. sind zu haben an der Abendkasse sowie an folgenden Stellen: Bureau des Bezlrksblldungsausschusses, Undenstr. 3, 2. Hof, II, Zimmer f.— Buchhandlung J. H.W. Dietz, Lindenstraße 2.— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, RitterstiaBe Ecke Luisenufer. Zigarrengeschäft Mörsch, Engelufer 24-25, Gewerkschaftshaus.— Tabakvertrieb, Inselstr. 6.— Verlag des Verbandes der deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. 5.—„Werkfreude" Bücherstuben, Potsdamer Str. 104.— Berliner oewerkschaftskommission, Engelufcr 24-25(Qewerkschaftshaus), sowie In allen Vorwärts-Speditionen.— Oroß-Siedlung Britz; Vqrwärts.Spedition Lange Str. 58. Das Geständnis des Mörders Kolb. Der Friseur Kalb, der in der Böttgerstraße sein« Gehilfin Hosfmann umbrachte, hat den Kommissaren Dr. Anuschai und Ouoß nach einem eingehenden Verhör gestanden, daß er durch Tötung der Frau und Selbstmord den ihn unleidlich gewordenen Verhältnissen ein Ende machen wollt«. Seiner Darstellung nach lebte er mit Frau Hofsmann schon länger in Streit, weil sie unausgesetzt for- derte, daß er sie heiraten sollte. Davon wollte er nichts wissen. Am Montag abend blieb Frau Hosfmann wieder länger im Geschäft und räumte mit auf. Hierbei wiederHolle sie von neuem ihr Verlangen. Jetzt packte Kolb die Wut. Ergrif'fihrandie Kehle und würgte sie, bis sie umfiel. Dann erhängte er sich an einem kleinen Kleiderhaken in der sä)wachen Wand zwischen Herren- und Damenabteilung. Zunächst fiel er aber aus der Schlinge wieder heraus. Der zweite Versuch, seinem Leben ein Ende zu machen, scheitert« daran, daß der Kleiderhaken heraus- riß, so daß er wieder mit den Füßen auf dem Boden stand. Jetzt gab er e« auf. Er blieb noch eine Weile in der Wohnung, lief dann hinaus und irrte die ganze Nacht umher, bis er sich stellte. Der„Jnnge Chor". Das Jugendamt Friedrichehain veranstaltete am Sonnabend in der S ch u l a u l a Loppenstraße«inen Volkslieder- abend unter Mitwirkung des„Jungen Chors" Berlin. Zum Vortrag gelangten deutsche und russisch« Volksweisen. Das Konzert begann mit zwei Weifen aus dem 16. Jahrhundert, einem geistlichen Volkslied und einem innig schönen Wächterlied. Bereits hier zeigte der „Junge Chor" unter Leitung seines zweiten Chormeist-ers, Walter Rhode, alle seine großen Vorzüge: besonders die außerordentlich sichere Musikalität utch die Schönheit der Stimmen. Die Frische des Stimmaterials blendet von vornherein. Hier sind junge Menschen, die mit Begeisterung singen, und die auch über Ausdruckssähigkeit verfügcn. Wie leicht und witzig klingt etwa der Chor„Schwefel- Holzel" oder„Ach du tlarblauer Himmel". Walter Rhode behandelt dabei ausgezeidm«t den leichten Parlandoton, wie er überl>aupt jedem Lied«ine eigene Note gibt und nicht in ein festgelegtes Schema gerät. Wenn auf den tänzelnden, leichten Chor„Schwefelhölzel" die lchweien, melancholischen, russischen Volkslieder folgen, dann ist man Über di« Wandlungsfähigkeit von Chor und Dirigent erstaunt, denn Am Abend der„schwarze Domino" als Sendeoper. Das Libreito von Eugen Gcribe ist im Stil des Jntrigenlnstspiels sranzösischer Sd)ule gehalten. Die Führung der Handlung erscheint ohne Bühnenbild stellenweise unverständlich und zu verwickelt. Aber dl« Musik Auber ist so stark wie in Fra Diavolo, aber immer noch sprühend von Einfällen, läßt über textliche Unklarheiten hinwegsehen. S-lmar Meyrowitz nimmt diese entzückende Musik ganz leicht und spielend und beschwingt im Tempo. Das Orchester glitzert. Jätens' schlanker Tenor bleibt manchmal die strahlend« Höh« schuldig, oersügt aber über di» nötige Geschmeidigkeit. Tilla de Garmo als Angelica vereinigt -beseelten Vortrag mit soubrettenhaster Grazie. Sehr schön gelingt da» Duett der beiden im ersten Akt.— Der gemischte Chor der st östlichen Blindenanstalt Steglitz unter Leitung feines Dirigenten Georg Jßner überrascht im Nachmiitagskonzert durch vollen gesättigsten Stimmklang und weichen Ausdruck. Anschließend an das'Chorkonzert erörtert Direktor Picht die Berwendmigsmöglich- keiten der Blinden im modernen Wirtschaftsleben. Aon den Vor- trägen steht an erster Stelle das Referat.Faunen und Stimmungen" des Ministerialra'» Alfred Beyer. Ueberslüslig dagegen ist der Versuch Dr. Arthur Bergers. über den lxiligeii Hubertus grundlegende Dinge zu sagen. Gibt es wirklich kein« wichtigeren Dinge? Wer interessiert sich denn heute für das Leben dieses Jagdheiligen? Selbstmordversuch eine» jungen Dramatikers. Der Leiter der Jungen Bühne in Berlin hatte einen jungen Dramatiker namens E n d l c r, der ihm aus der Tschechoslowakei das Manuskript eines Dramas eingesandt hatte, persönlich empfangen. Ais dem jungen Schriftsteller in einer längeren Unterredung di« Gründe dargelegt waren, weshalb eine Aufführung nicht in Frage kam, griff Endter in einem unbeachteten Augenblick zum Revolver und brachte sich einen Schuh bei. Dieser drang in die Lunge, doch besteht keine Lebensgefahr. Postamt V3 114, Im Warenhause A. Wertheim am Leipziger Platz ijt ein Zweigpostamt„Berlin W 114 Wertheimhaus" eröffnet worden. Die neue Poftanstast befaßt sich mit dem Verlaus von Wertzeichen und Formblättern, her Annahme von Sendungen jeder Art■— ausgenommen Paket«—. der Vermittlung von Ferngesprächen und der Ausgab« von postlagernden gewöhnlichen Briessenduiigen und Telegrammen. Postschalterstunhen: werltäg- lich von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. Eine vekanntmachung de» Präsidenten des eandesswanzamis Berlin über Anträge für di? Barablösung der Markanleihen alten Besitzes ist in dem Anzeigenteil der heutigen Nummer enthaste». Dibliokhek der Arbeilerbildungsschule. Die Bibliothek bleibt am Donnerstag dieser Woche geschlossen. Sie ist dafür am Freitag abend von Hß bis Uhr geöfsnet. Rose-Theaier:„Das Einfamilienhaus". Papa Rose stieg wieder mal in die Rumpelkammer und besah sich seinen Repertoire. fundus. Was setz ich meinen Kindern vor? Ein bisiel was zu lachen. aber auch zu wemen, und das ganze so«in Lied vom braven Man». Und er wählte da?..Einfamilienhaus". Ein richtiges Der- liner Volksstück mit der ganzen Bodenständtgtest früherer Tage, die der einfache Berliner trotz aller ultramodernen Verrenkungen halt doch immer wieder als„sein Berlin" empfindet. Wir„Anders- gearteten" sind bereit» im voraus höflichst eingeladen. Die, die es angeht, waren in hellen Scharen erschienen. Es wurde herzlichst gelacht, so oft der kesse Lehrjunge Eds— von Fräulein Loews naturgetreuest verkörpert eine fremde Hand am Hinterteil perspürte: man weinte über den elterlichen Schmerz ob des ungeratenen Sohnes und als schließlich— durch alle Schicksals- schlage sich wacker hindurchringend— Vaters Traum vom Eiu- samilienhaus zu schöner Wirklichkeit wird, der verlorene Sohn ajs ehrenwerter Mann wieder und in der Tochter Wiege Enkelchen Nr. 1 fröhlich quäkt, war alles beglückt über den guten Ausgang. Gespielt wurde recht gut. Den Vogel schoß der obenerwähnte kesse Tdc ab. Willi und Traute Rose als das glücklich vereinte innge Paar und Fräulein von Lynar als die brave, vielgeprüfte Mutter griffen tief in die Gefühlssaiten des Publikums. Ein paar flotte, mit aktuellen Versen modernisierte Gesangseinlagen ließen die Tränentüchlein immer wieder verschwinden. Sinderstennde Groß-Berlin. Wegen der grohen Kundgebung muh dl« Stunde in der Helserschule am Donnerstag auZiallen.-- Sozialdemotrollschcr INSnnerchor Zrlrdrichshain. Di» Sangesbrüder treffen sich Donnerstag, lv. stebruar,>1,8 Uhr, zur Mttwirtiing bei der itkaffentundgebung im Svoripalast, Polsdamer Str. 73. Legitimation durch NitgliedStattc. PünttlicheS und polljShltge« Erscheinen Pflicht. Zusc-�ilmenftvß- iu Binzen. Bingen, 6. Februar.(Mtb.) In einer der letzten Nächte kam es hier zwischen ein«m angeheiterten englischen Ärimi- n a l b e a in t e» und einem deutschen Konzertmeister zu einem Zusammenstoß. D«r Konzertmeister weigert« sich, seinen Aus-- weis zu zeige». Der Engländer zog seinen Revolver, der ihm aber von dem Konzertmeister zurllckg«schlagen wurde. Der Engländer. schlug darauf mit seinem Spazierstock auf d«n Deutschen ein und verletzte ihn am Hinterkopf. � Darauf mißhandelte der Engländer einen Düsseldqyser Studenten, d»r von ihm gesesselt zur Wache ge- bracht wurde. Als die englisd)» Behörde von dem Borsall hörte, wurde der Krimiiralbeamte sofort nach Wiesbaden gebracht. Schreckenstat eines Arbeitslosen. Warschau, 6. Februar.(WTB.) Heute früh erschoß der Er- werbslose Waslany in seiner Wohnung, als noch alle Hausbewohner schliefen, seine Frau, seine Schwiegermutter und drei Geschwister seiner Frau. Nach vollbrachter Tat tötet« er sich selbst. Alle sechs Personen wurden morgens tot aufgefunden.'Die Ursache der Tat soll iu Not und Famittenzwistigkeiten liegen,* Opfer des Mikado-vegräbnissss. Beim Le!d)enbegängnis des Mikado find»ach amtlichen Feststellungen nahezu 1999 Per» j o n e n so zu Schaden gekommen, daß sie aus Unfallstationen arztlidi« Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Elf Personen haben schwere Verwundungen davongetragen, zwölf werden überhaupt vermißt. Bon—39 Grad aus+2 Grad. In Archangelsk und Uni- gebung ist nack) einer längere» Költeperiode mit Frost bis zu — 30 Hrad plötzlich Tauwetter mit 2 Grad Wärme eingetreten. Sriestaften öer Reöaktwn. S-C'9 247.«Ute um die...... «.«. 2. Stein.- S.«, 29. Den des SBIafeelnl». ..._ I______....(tülfen ist als Entschädigung fvr dm enfstandenen Verdlmstansf.ill flir jede aiigcsongene Stunde der versäumte» i ArheUczeit ein Betrag von»,20 bis 1,50 3)1. zu gewähren. Außerdem erhalten sie Tagegelder lind tznhrfoste»,«, Sch., Steglitz. Hauptgesundheitsanlf cbeim Magfsrrar). Dnhcrdem kihine» Sie(ich auch an 0«o llandesverussamf, reber» n-nlifte. 12, winden.— Schtils, ratze 102, Sie brauchen nicht- ,n veranlassen. Die Urtningunn bezieh!»ch nur ans die Verlängerungskiansel des Äief» uccheagcö.- Sch.»3. Pom j. 1,?ä ab beträgt der tzinssutz 1,2 Proz., norn 1. 7. ib ab 2Vi Praz., vom 1. 1. 28 ab 8 Peoz. und vom 1. 1. 2« ab s Proz. r �asxufotmtwdtwirH wiml stets 9ehcltruns bldbeti Und narxwtJlmpkl läßt, es sich heßchmbza; SUs allerbestes&dspiel unsrer IDcltav Wied wohl ßfln s s ar y"SSaareüc �dtew, Sic hat sich reich verdient üwlOufi-lDiplotn, $hr gaa%£S Wesenwtfikuns � NasSMvN�e MlssatpAeA MCsmpÄMr sou)-«.-rä«Kis �uteosTk goio-u sejoew munost 4/ tz-k 6# Urteilen Sie selbst" Die Reform öer Eheftheiöung. Kritik am geltenden Recht von allen Seiten.- Sozialdemokratische Forderungen. Auf der Tagesordnung der gestrigen Sitzung des Rcck)ts- cusschusses des Reichstags stand die Ehescheidungsreiorm. Vor Eintritt in die Tagesordnung ergriff der neue Reichs- iusti�minister Dr. hergt das Wort und erklärte, es sei ihm eine ganz besondere Freude, seine Beziehungen zum Rechtsausschuh heute zu beginnen. Er bitte um Nachsicht bei den gemeinsamen Arbeiten, da ihm die eigentlichen juristischen Ausgaben iratürlich etwas fremd geworden seien. Es bedürfe erneuter mühevoller Arbeit, um sich in die vorliegenden Aufgaben' wieder einzuarbeiten. (Hoffentlich wird er nicht viel Zeit zur Einarbeitung als Minister haben!) Schon die Regierungserklärung habe auf einzelne'große Aufgaben der Iuftizveform hingewiesen: vor allem sollen Straf- gesetz und Strafvollzug reformiert werden, und es sei nach der Regierungserklärung zu hoffen, daß noch dieser Reichstag diese beiden Aufgaben erfüllt. Aber auch andere Reformen ständen bevor, sowohl aus dem Gebiete des internationalen Rechts, als auch bezüglich des Patent- und Gebrauchsmu st errechtes, bezüglich der Rechtsstellung der unehelichen Kinder und eines Auslieferungsgesetzes. Der Minister hosst aus ein enges Zusammenarbeiten mit dem Rechtsausschuß. Der Vorsitzende Kahl erwidert, daß es für den Rechtsausschuß von allergrößtem Werte sein werde, sich der Mitarbeit des Reichs- fusttzminifters zu erfreuen. In der Debatte über die Ehescheidungsresorm tritt Frau Abg. A r e n d s e e für die kommunistischen Antröge ein. Abg. Pfleger(Bayr. Vp.) meint, daß die Fälle einer nicht- verschuldeten Zerrüttung der Ehe- gar nicht so häufig seien, wie viel- fach behauptet werde. Immer habe doch mindestens ein Teil die Schuld. Man könne daher dabei verbleiben, die Schuld an der Zerrüttung einer Ehe als Voraussetzung für die Ehescheidung aufrecht zu erhalten. Jede Erleichterung der Ehescheidung würde eine Benachteiligung der Stellung der Frau herbeiführen. Nur im Falle der Geisteskrankheit eines Ehegatten seien die heutigen Bestimmungen reformbedürftig. Aber wenn man den Standpunkt der Unauflösbarkeit der Ehe aufgibt, gleitet man bergab. Deshalb sei es fraglich, ob überhaupt Acnderungen der jetzigen Gesetzgebung vorgenommen werden könnten. Abg. hampe(W. Vg.) stellt für seine Person fest, daß er im Gegensatz.zu den Ausführungen seines Fraktionskollegen Bredt gegen eins Erleichterung der Ehescheidung sei. Herr Bredt habe vielleicht für die Wirtschastspartei gesprochen, aber nicht für seine engeren Freunde. Wir bilden in unserer Fraktion ja n u r e i n e politische Ehe.(Zuruf: Sie scheint zerrüttet zu sein!— Allgemeine Heiterkeit.) Man solle die Wiederkehr normaler Zu- stände abwarten, dann würden die heutigen gesetzlichen Bestimmungen ausreichen. Genosse Dr. Rosenseld richtet an den Reichsjustizmini st er die Frage, wie er ,zu den vorliegenden Anträgen auf Erleichterung der Ehescheidung sich stelle. Wenn der Minister auch erst einige Tage im Amt sei, so müsse man doch erwarten, daß er zu dieser Frage schon jetzt Stellung nehme. Angesichts der widersprechen- den Erklärungen der früheren Iustizminister sei es für den Fort- gong der Beratungen wichtig, zu wisien, wie der jetzige Minister stehe. Die jetzig« Aufrollung der Frage der Ehescheidungsresorm sei keineswegs die Folge der durch den Krieg hervorgerufenen Ver- höltnisse. Gerade die Tatsache, daß auch nicht kriegführend« Länder, die Schweiz, Dänemark, Norwegen und Schweden, abgesehen von der Tschechoslowakei, die Ehezerrütwng ohne verschulden als Ehescheidungsgrnnd neuerdings bei sich eingeführt hätten, zeige, daß in vielen Ländern die Reform, die jetzt für Deutschland erstrebt wird, sich als not- wendig erwiesen Hobe. In Deutschland forderten nicht nur die Sozialdemokraten und Kommunisten, auch die Demokraten und viele Angehörig« anderer Parteien, was in den fätztaldemokratischen An- trägen sonnuliert sei. Vor allem seien es die Frauen, die die Reform forderten, woraus sich doch schon ergebe, daß die Interessen der Frauen eine Erleichterung der Ehescheidung erforderten. Seineswegs werde die Erleichterung der Ehdcheidungen leichtsinnige Eheschließungen Herbeiführen, da niemand, der eine Ehe«ingehe, an die Scheidung der Eh« denke. Vor allem müsse in Ehen, in denen ein Teil geistig erkrankt fei, eine leichtere Scheidung möglich gemacht werden. Die Vor- schlüge des Abg. Kahl, neben dem Verschuldungsprinzip die Ehe- scheidung bei Zerrüttung zuzulassen, seien ein Entgegenkommen an die sozialdemokratischen Wünsche. Eine Reform sei unabweislich. Reichsjuftizminister hergt oerwies aus die Erklärungen, die Staatssekretär Joel im Austrage des früheren Reichsjustizministers Bell abgegeben habe, wonach der Justizminister a b l e h n e, in dieser Frage einen gesetzgeberischen Vorschlag zu machen. Es sei etw.is Schönes um die Kontinuität der Regierung(Genosie Landsberg: Warum haben Sie dann die frühere Regierung gestürzt?— Heiterkeit), aber die Kontinuität habe ihre Grenzen. Trotzdem könne er nichts anderes erklären, als Justiz- minister Bell habe erklären lassen. Bei dem großen Widerstreit der Meinungen in dieser Frage würde die Regierung ihr«� Aufgabe falsch auffassen, wenn sie die Initiative ergriffe. Sie wurde die Gegensätze im Lande nur noch vertiefen, und das könne von ihr nicht erwartet werden. Er stamme aus einer Zeit, in der die Re- gierung zu Initiativanträgen der Parteien überhaupt nicht Stellung genommen habe. Es wäre gut, diesen Standpunkt wieder einzu- führen: jedenfalls werde sich die Regierung in dieser Frage zunächst zurückhalten. Vorsitzender Kaht weist darauf hin, daß auch der Abg. Pfleger im Falle der Geisteskrankheit die Reformbedllrstigkeit an- erkannt habe. Die Reformbewegung sei so alt wie das Bürgerliche Gesehbuch. und wenn die Reform jetzt nicht komme, würden sich die Ehebrüche und die Zahl der Fälle, wo der Ehebruch vorgetäuscht werde, nur vermehren. Auch würde ein« große Erregung entstehen, die man durch Durch- führunz der Reformen vermeiden könne. Für ihn sei die Sache noch schwieriger wegen seiner Stellung in der Kirche. Wenn er auch vielfach Zuftiminung von Geistlichen erfahre» habe, so sei doch die Kirche gegen die Reform. Es sollten aber auch die Gegner der Reform anereennen, daß die Anhänger der Reform aus ernstesten sittlichen Motiven heraus die Ehescheidung erleichtern wollen. Er werde einen Abänderungsantrag einreichen, wenn seine Fraktion gesprochen haben werde. Genossin Zuchacz weist auf Grund der Erfahrungen, die sie aus ihrer Tätigkeit in den verschiedensten Organisationen gewonnen habe, auf das traurige Schicksal der Sinder hin, die in einer Che aufwüchsen, die infolge der starren Gesetz- gebung nicht gelöst werden könne. Selbst bei größter Disziplin der Eltern, die in einer zerrütteten Ehe miteinander lebten, seien die bedauerlichsten Wirkungen auf die Kinder unvermeidlich, besonders angesichts der engen Wohnungen und schlechten Wir?- fchaftsverhällnisse vieler Ellern. Gerade aus der Sorge um die heranwachsende Jugend heraus sollte die Ehescheidung erleichtert werden. Dadurch wäre der Gesamtheit mehr gedient als durch eine Aufrechterhaltung des jetzigen Gesetzes. Abg. hanemann(Dnat.) erklärte persönlich, daß die ver- schiedencn Eheresoimbestrebungen nicht zur Ruhe kommen würden, wenn alle Reformvorschlägc abgelehnt würden. Der Sturmlauf gegen das geltende Gesetz könnte sonst zu Aenderungen führen, die niemand wolle Das Festhalten an dem starren Schuldprinzip sei nicht einmal sittlich. Aber auch die Vorschläge des Abg. Kahl gingen ihm noch zu weit. Er sei der Meinung, daß es aus- reiche und bereits eine große Besserung bedeuten würde, wenn bei dem klagenden Ehegatten die Voraussetzung einer Schuld an der Zerrüttung wegsiele, so daß ein Ehegatte schon dann Klage erheben lünnts, wenn ohne Verschulden des klagenden Teils eine Zer- rüttung der Ehe eingetreten sei. Abg. Frau Dr. Lüders(Dem.) weist darauf hin, daß außer einer oder zwei Fraktionen in keiner Fraktion nur Geg- »er der Entscheidungsreform säßen. Es sei in der Tat ein unmöglicher Zustand für einen Richter. oft wider besseres Wissen bei Scheidungen mitzuwirken. Daß der Reichsjustizminister sich an der Frage nicht beteiligen wolle, entspräche ihrem Empfinden. Es sei auch gar nicht nützlich, wenn das Ministerium sich für oder gegen die Reform erklären würde. Es handle sich um eine der schwierigsten Materien, die den Reichstag feit langem beschäftigt hätten. Sie wünsche dringend die Annahme der demokratischen Anträge. Abg. Bockius(Z.) verteidigt die ablehnende Haltung des Zentrums, da feine Freunde lediglich im Falle eines Verschuldens, wie das geltende Gesetz fordere, die Ehescheidung weiter bestehen lassen wollten. Alle Refonnvorschläge gingen seinen Freunden zu weit. Sic seien gegen jede Aenderung. Auch in den Fällen, wo noch nicht völlig« Geisteskrankheit vorliegt, seien sein« Freunde gegen eine Erleichterung der Ehescheidung, da die Gefahr bestände, daß sonst schon bei einer kleinen Hysterie Ehe- fcheidungen ausgesprochen würden.(!) Die öffentliche Meinung des ganzen Landes fei keineswegs für die Ehescheidungsreform. Schein- urteile kämen wohl nur in der Großstadt vor, wie in München, von wo ihm mitgeteilt worden sei�doß Scheidungsurteile fingiert würden. Die Leidtragenden bei den Scheidungen seien meistens die Frauen. Deshalb sollten die Frauen sich für die Ausrechterhalwng des jetzigen Rechiszustandes einsetzen. Genosse tandsberg erklärte, daß die sozialdeniokratische Fraktion keineswegs von dem Wunsche geleitet sei, eine größere Zahl von Ehescheidungen herbeizuführen. Er halte nicht gerade diejenigen für anständige Menschen, die aus der Ehescheidung einen Spart machen. Auch für ihn sei die Ehe etwas Heiliges. Aber deshalb dürfe doch eine Ehe nicht unter ollen Umständen aufrechterhalten werden, auch wenn sie zerrüttet fei. Besser, eine zerrüttete Ehe werde leicht getrennt al» zwang». weise ansrechlerhallen. Das sei besser für die Nächstbeteiligten, für die Kinder und auch für die Allgemeinheit. Das Zentrum, das von seinen kirchlichen Vor- stellungen ausgehe, sei nicht konsequent. Sonst müßte es jede Ehescheidungsmöglichkeit beseitigen. Einen solchen Antrag stell« das Zentrum aber nicht. Bei psychopathischen Personen könne dem anderen Ehegatten nicht das weitere Zusammenleben zu- gemutet werden. Die Folg« sei Mord oder Mordversuch. Wenn das Allgemeine Landrecht in Preußen mit der Zulassung der Ehescheidungen bei kinderlosen Ehen für den Fall der Heber- einstinnnung der Ehegatten ausgekommen sei, dann müsse auch jetzt bei Zerrüttung der Ehe die Ehescheidung möglich sein. Die weitere Beratung wurde ans Donnerstag vertagt. Arbeitslosenversicherung im Reichstag. Abschluß der ersten LesnuA. In seiner gestrigen Sitzung setzte der Reichstag die Beratung des Gesetzentwurfes über die Arbeitslosenversicherung fort. Abg. Frau Teusch(Z.) sieht in dem Gesetzentwurf einen be- deutungsvollen Fortschritt in der Sozialpolitik. Die Arbeitslosennot sei das tragische Geschick unserer Lohnempfänger, dennoch müsse auch die gedrückte Loge der Unternehmer zu beachten sein. Der soziale Gedanke in dem vorliegenden Gesetz werde gerade dieser trüben Seite des Wirtschaftslebens begegnen. Die Rednerin wünscht eine engere Verbindung zwischen Arbeitsvermittlung und Arbeits- losenversicherung. Die Organisation der Arbeitslosenversicherung müsse deshalb durchgeführt werden. Das Bersicherungs- prinzip. dos als Grundlage der jetzigen Regelung angenommen ist, sei unbedingt der jetzigen Arbeitslosenfürsorge vorzuziehen. Wenn wir bisher feststellen mußten, daß gewisse Ungleichheiten bei der Fürsorge unterliefen, so wird die neue Regelung eine gerechtere und gesündere Durchführung gestatten. Das treffe besonders auf die Maßnahmen für das ländliche Proletariat zu. Bei dem Problem der Arbeitslosigkeit in den hauswirtschaftlichen Berufen sei zu beachten, daß eine sehr weite Entlastung des Arbeitsmarktes ein- treten würde, wenn sich die jungen Mädchen mehr als bisher für die Tätigkeit als künftige Gattin und Mutter vorbereiten und da- durch den jungen Männern einen gtößeren Antrieb zur Ehegründung geben würden. Die Rednerin erklärt zum Schluß, daß diese Vorlage ein Beweis für den sozialen Willen sei, der im Zentrumsmanifest niedergelegt worden fei. Abg. Thiel(D. Vp.) polemisiert gegen die von den Sozialdemo- traten und Kommunisten erhobenen Einwände. Cr befürchtet, daß die Aufrechterhaltung der Kritik die Verabschiedung des Gesetzes hinauszögern wird. Der Redner trägt selbst eine Reihe B e- denken gegen den Gesetzentwurf vor. Trotz dieser Einwände sagt der Redner die grundsätzliche Zustimmung seiner Fraktion zu und wünscht die baldige Verabschiedung des Gesetzes. Abg. Schneider(Dem.): Den Grundgedanken des Ge- setzes stimmen die Demokraten zu. An Stelle der Fürsorge soll ein klarer Rechtsanspruch der Versscherten treten. Damit ent- fallen alle Nachteile, die sich aus der Prüfung der Bedürftigkeit er- geben. Die im Entwürfe vorgesehene Organisation ist zu kompliziert. Die Arbeitslosenversicherung muh eine Reichs- einrichtung werden, die ohne störende und hemmende Zwischen- iiistanzen arbeiten kann. Eine straffere Organisation der Arbeitsvermittlung wird dem Arbcitsmarkt zugute kommen. Es ist eine Ueberorganisation, wenn 22 Landesarbeitsämtcr vor- Händen sind. Im Rahmen der Arbeitslosenversicherung muß für die Angestellten eine besondere Abteilung gebildet werden. Es muß noch kräftig nachgegrisfen werden, um ein« wirksame Selbst- Verwaltung der Beteiligten sicherzustellen. In unseren Gesetzen ist immer noch zuviel Mißtrauen in den gesunden Geist der deutschen Arbeitnehmer. Der Redner sagt die grundsätzlche Zustimmung seiner Fraktion zu. Schicmer- Franken(Bayer. Bp.) trägt Bedenken gegen Einzel- hellen des Gesetzentwurfs vor, insbesondere wünscht er, daß die Paragraphen Zä' und 36 ausgebaut werden. Im übrigen stellt er die Zustimmung seiner Fraktion in Aussicht. Damit ist die erste Lesung beendet. Der Gesetzentwurf geht dem Sozialpolitischen Ausschuß zu, das Haus vertagt sich auf Mittwoch 3 Uhr pünktlich. Oer§aU Keuüell. Die Kommunisten beantragten.zur Geschäftsordnung den von ihnen eingebrachten Mißtrauensantrag gegen den Reichsinnen- minister v. Keudell auf die Tagesordnung der Millwochsitzung -u setzen. Ferner oerlangten die Kommunisten, daß aus die heutige Tagesordnung auch noch die kommunistische Interpellation über das Reichskonkordat egsetzt werden solle, und begründeten dies' damit, daß nach ihrer Ansicht die Erklärungen der Reichs- regierung durch dos Wolsfsche Telegraphenbnreou nicht ausreichend seien, daß vielmehr die N c r h a n d I u n g e n, soviel sie unterrichtet seien, schon sehr weit gediehen seien. Die Kommunisten verlangten daher unverzüglich von der Reichsregierung Auskunft, wie weit es mit diesen KonkordatsoerbaMlMS« sieh«,«fcffttrtmrfef Zapf(D. Vp.) erhob Widerspruch gegen die kommunistischen An-rägs. Er wies daraus hin. daß das Verfahren gegen Herrn v. Keudell in Angriff genommen sei, daß man den Abschluß dieses Verfahrens abwarten müsse, und daß dann erst das Haus die Entscheidung treffen solle. Abg. Diltmann(Soz.) gibt zu bedenken, daß die Untersuchung wegen der von der Sozialdemokratie vorgebrachten Anschuldigungen gegen Herrn v. Keudell jetzt durch den Reichskanzler geführt werde. Man- dürfe deshalb den anderen Fraktionen nicht den V o r w a n d zur Ablehnung des Mißtrauensantrogs bieten, daß die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei. Die Sozialdemokratie verlange, daß die Untersuchung mit Beschleunigung durchgc- sührl werde, nur unter dieser Voraussetzung stimme sie dagegen, daß der Mißtrauensantrag schon auf die morgige Tagesordnung gesetzt werde. Die Hinausschiebung der Abstimmung darüber dürfe sich aber nur auf wenige Tage erstrecken. Der kommunistische Antrag wird daraus abgelehnt. * Der Sozialpolitische Ausschuß beschloß, heute Mi:t- woch in die Beratung der Arbeitslosenversicherung einzutreten. Es soll zunächst eine allgemeine Besprechung der Vor- läge stattfinden. Vor Eintritt in die Spezialberatung soll dann erst noch der Gesetzentwurf über das soziale Wahljahr oerabschiedet wer- den. Auch mit den vorliegenden Anträgen zur Invalidenver- s i ch e r u n g will sich der Ausschuß noch beschäftigen. Die beantragte Denkschrift über die Erweiterung der Leiswngen der In- vastdenversicherung ist, wie von der Regierung im Ausschuß erklär: wurde, fertiggestellt. Ob bei der Geschäftslage des Reichstags die V e r a b s ch i'e d ii n g der Arbeitslosenversicherung bis zum 31. März möglich sein wird, wurde im' Ausschuß stark bczweijclt. Mus öer Partei. Bezirkskonferenz Hessen-Nassau. Eine gut beschickte Parteikonferenz des Bezirks Hessen-Nassau beschäftigte sich mit der polinschen Loge, die von Genossen Witte, Wiesbaden, erörtert wurde. Nach eingehender Aussprache wurde das Verhalten der Reichstogssraktion gebilligt und sie ersucht, weiter im Interesse der Arbeiter zu wirken. Dann sprach Landtagsabgeordneter Genosse H o e s e, Wie? baden, über die Wohnungsfrage und die.Hauszinssteuer. Hoest zeigte, wie berechtigt unsere Haltung in dieser Frage ist, und die Konserenz stimmte ihm in dieser Meinung zu. Der Hauptpunkt bildete der Bericht des Bezirkssekretärs Paul Rühle, der von einer erfreulichen Entwicklung des Bezirkes be- richten konnte. Die Werbewoche brachte 2466 Mitglieder, die Beitragsentwicklung ist günstig, der Aussall der Wahlen in Wies- Hoden, der Vvlksenischeid, die Entwicklung der Presse oersprechen einen weiteren Ausstieg. Die Haltung der.Dolksstimme" wurde in den Bericht scharf kritisiert, ebenso von den meisten Disknssions- rcdnern, wobei besonders die Abgeordneten Hoch, Hüttmann und Witte bemerkenswerte Ausführungen machten. Der Bericht des Sekretärs wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Kommunallandtogsobgeordneter Genosse Hopf sprach dann über die Wahl des Landeshauptmannes und Genosse R e b h o l z, Frank- surt am Main, über Verwaltungsresornr. vir „Arbeiter-Zugend'. Soeben kommt das F c b ru a rh e ft der „Arbeiter-Iugend" heraus. Wir geben einen Ueberblick über den reichhaltigen Inhatt dieser seit Januar in neuem Gewand« erscheinenden Iugeni>.zeitschi7ift. Hauptblatt: Eine Bilanz der Rot. Von Gerd Bothur. Jupendsilvester auf Hohnstein. Von Karl Ullrich. In der Derbandszentrale(illustriert).— Politische Uebersicht.— Jugend in Rot.— Was der Tag bringt.— Mitteilungen der Redaktion, Fremdwörter, l. Beilage, Die Arbeitsgemcin- Ichaft": Der Lebenslohn. Ein Aktionsprogramm sozialistischer Politik. Von N. W. Brailsjord.— Bekenntnis. Gedicht von Leopold Jacob!.— Demokratie oder Diktatur? Von Otto Bauer.— Auzust Bebel als politischer Führer. Von Franz Älühs.— Johann Heinrich Pestalozzi. Von Elfriede Vehne.— Der Urmensch.(Fortsetzung.) Von H. G. Wells. 2. Beilage, Kinder und Leben: Der letzte Bär in unserem Fjord. Erzählung von K. F. Kurz.—„Ich schäinte mich, ein Knecht mit Knechten zu sein.' Von Berta Selürgcr. — Die Hochschule für Gestaltung(illustriert). Von Heinz Eisgruber. — Die Fabrik. Skizze. Von Arthur Reichavdt.— Welche Freude! Erzählunq von Anton Tschechow.— Für das Bücherbrett.— Für unsere Spielratzen und Rätselknacker.— Die Zeitschrift ist zu beziehen durch die Post und durch jede Parteibuchhandlnng. Das Einzelheft tostet 23 Pfennig. vortrage, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.Schwär, Rok�vold". G-schäfts stell«: Berlin S 1«, Gebasti-nftr. m/SS, Hof 2 St. Tierg.rte»: Der Bortro« i>e,«ameraden Anhalt findet ach« Tage Ipater. also am 16. Aebtnar, statt.— äreuzberg: Der Bodeabend am Do., d. 10., fällt aus.— Vilmeesborf: Turnen am Do., d. Z0-. fällt aus. So., d. l!..» Uhr, Delegierten Versammlung bei ftroihs. Borstandvwahlrn usw Eonntag, d. 13., 12 Uhr mittaas, WehrsportUbunaen der Altkamcradru in der «ersuchsanstalt Halenfee. Treffpunkt 10,40 Uhr Bhf. Halens««.— Zehl-udorf: Do., d. 10., 6:-j Uhr, Zedlendorf.Mitte Abfahrt nach dem Sportpalast zum Saalschutz.— Schinederg.griede»»»: Da., b. 10., tritt der«tri» pünktlich um 0 Uhr am Wariburgplatz an. Der Abmarsch erlolgt präzise zum Saalschug im Spartpalast.— Reutiän-Britz: Do., d. 10., pUnltlich 5'4 Uhr. Abmars»«aiser. �riedrich.Stratzr Ecke Sermannpia, zum Saalschutz. Zlachzllgler 6% Uhr vor dem Sportpalast.—«Spcnick:«rciokameradschaften Kiipenick und Friedrichs. Hagen Do., d. 10., Antreten, 61$ Uhr Abfahrt Bhf.«öpcniik. Grünau. ipvhns. darf 6,44 Uhr Abfahrt Bhf. Grünau zum Svorlp-Iaft.— Bank»»<««!»): Pflichtantreten Do., d. 10., 6 Uhr, Schönhaufrr Allee Ecke Bornholmer Straße in Bannerklritzung zum Saalschutz Sportpalast. Ziachzllglrr direkt vor dm Sport. palast oder?. Rang rechts._ Geseälch-ft für Serualreform. Mittmoch, 16. Februar. 3 Uhr. im Separat. zimmer der«onditorc, Liebich, Eike Brücken- und«övenicker Straße lUntcr. grunbbahn: Infelbrück«: Siadtbah»- tzannowitzbrückel. Franz Lrfchnitzer: .Stimmt und Serualiiät". Anschließend: General-ersammlung. Oteschäftz. bcricht, Reumahl des Vorstandes, Berfchledenes. Eintritt frei. Arbeiter-EIverantobnad. Reue Anfängerkurfe sind eröffnet. Aufnabmen finden noch statt: Montag« 71$ Uhr Jugendheim Seestr. ü? und I»g.-udb-ir> Am Oftbahnhof l,. Donnerstags Eharlottendura, Sindenburg.Realschule, Guerickeftraße.— Gruppevverfainmlunacn 74—9'$ llbr. Montags: Wedd'nq. Jugendheim Seestr. Z7. Mlttmochs: Norden. Schule Danzlger Sie. 22. Doi- nerslags: Osten, Zugendhelm Am Ostbahnhof 17. Freitags: Schule GIpsstr. 23a. — Arnika Rondo: Dienstag, 22. Februar, 8 Uhr, Restaurant«astanicnwäldche::. stastanienallee 63. «creiaigung ehemaliger«rieg�esanqen»,«r»ß. Berlin«.«. Mittwoch. 0. Februar, 8 Uhr, Srelf-walber Hof, Greifswalber Str. 43, Monat». Versammlung. Deutscher Vstbuuh, Ortsgruppe Berein hcimattreuer Ostmärkcr. Monats. Versammlung Mittwoch. S. Frbruor, 8 Uhr. Blllcherltr. 61. Tortraa:.�D-e Auswirkung de» Saaver Schirdsg-richt, aus die Geschädigten". ProteNknnd. gedung Sonntag. 13. Februar, 10 Uhr vorm'ttoa», im Saalbau Fr-ebrichshchi. Berliner Kaudmerlerorrei». Mittwoch. 9. Februar, 8 Uhr, Sophienftr. 16. Lichtbildervortrag von E. Grorq wodeck:.Amerika". Freidexker-Bortrags-zuklu». Ortogruppe Sieglitz. Donnerztag, 10. Februar. 7>$ Uhr, Realschule Florastraße. Genosse Fritz Schmidt spricht über:„Weltliche Erziehung und weltliche Schule". Bsnchologische Gesellschast zu Berlin. Donnerstag, 10. Febrnar, 6 Uhr, im Institut für vroltisch« Psnchologie. Kurfstrstendamm 43, Professor Dr. Schultz: »Beruf und RervoNtät" fBericht Uber eine Fragebogensorschung). Bereinigung für Schul»»nd Srziebnngesrage», Berlin-Zreviow. Freit»--. II. Februar, 8 Uhr, Zeichensaal Gemeindefchule Wikd-nbe'-chür. 63...D-r Eharalter de» Menschen und sein Leben,schicksal"(Dr. Müller-Freieufele». Eintritt frei. Männe-gefangv-rei,.Vst.Soeavla" 1849 iMitql. d. ASB). Sonnab-1-d. 12. Februar, Maskenball im Saalbau Friedrichshain(Sartenfaal). Anfang 8 Uhr. Berban» für Freidenkertum»nd Feuerbestattung. 9. Beilirk Wilmersdorf, Halenfee, Schmargendorf: Donnerstag, 10. Februar, 6 Uhr, Berbeverfammlung bei stulka. W-lmersdorf, Laucnburger Str. 21. Zstdifche« Arbeiter.stultnrvereia.Per»»-, Berlin. Donnerstag. 10. Februar, im Lokal Restaurant Gabel, Rofenthaler Str. 14, Rezltatlonsab-nd des bekannten Schauspielers und Rezitator, Herz Grosbort vor seiner Reise in, Ausland. Beginn 81$ Uhr._____ � wellerberichl der Sffentlichen Wetterdienststelle für verlin«nd Zlmgegend. (Nachdruck Verb.) Teil« heiter, teil« woikig. kalt und trocken.— Für veussch- land: Frost. Keine erheblichen RtederfchlSge. Nr.««»»».?ahrg<>t>g 2» Mittwoch,». 5>bruar1»27 US/l.-Imperialismus. Amerika wird Klaffenftaat.— Die mittelamerikanische« Interessen. Di« Vereinigten Staaten von Nordamerika sind auf einem vor zehn Iahren noch ungeahnten Höhepunkt der Macht. wahrscheinlich aber auch an einem Wendepunkt ihrer so- zialen Struktur und politischen Geschichte an- gelangt. Sie sperren sich gegen weitere Zuwanderung und expor- tieren im größten Maßstab Kapital. Das geschieht nicht zufällig. Die.unbegrenzten"' Entwicklungs Möglichkeiten im eigenen Staats- betrieb sind heute absolut begrenzt: die Vereinigten Staaten sind kein Koloniolland mehr. Fitr das neugebildete Kapital ist das eigene Land zu arm und zu klein: die USA. treiben Expansions- Politik, sie werden i m p e r i a l i st i s ch. Für die sozialistische Ge- danken- und Tatenwelt ein Vorgong von ungeheurer Bedeutung. Die Vereinigten Staaten, der von liberalen Ideologen bewunderte Kapitalisten st aat.ohne Sozialismus" wird auch äußerlich zum K l a s f e n st a a t, das„Heimatland des pazifistischen Kapitalismus" wird zum aktiven Faktor im Völkerkrieg. Der amerikanischen Oeffentlichkeit ist das schon bewußt geworden. Die amerikanischen Gewerkschaften suchen enge Verbindung mit den mexikanischen und mit Amsterdam: Kellogg muhte wegen der öffentlichen Opposition sein« militaristische Nikaraguaprovokation gegen Mexiko zurückpfeifen. Es ist sicher, daß das bewaffnete Sternenbanner sich nur vorläufig von Mexiko zurückzog. Die symp- tomatische Bedeutung, die die mexikanischen Vorgänge für den neuen amerikanischen Imperialismus haben, rechtfertigt- ein« Untersuchung der USA.-Intereffen in Mittelamerika, erfordert die größte Auf- merksamkeit der europäischen Arbeiterschaft. Strategie und Wirtschaft in Mittelamerita. Schon ein flüchtiger Blick auf die Karte des amerikanischen Kontinents lehrt, daß das Gebiet, welches sich von der Südgrenz« der Vereinigten Staaten bis zur Nordküste Südamerikas erstreckt, iür die Vereinigten Staaten eine ganz besondere Bedeutung de- sitzen muß. Der Golf von Mexiko und das Karibische Meer scheinen dazu bestimmt, zu einem Binnenmeer für die Der- einigten Staaten zu werden. Die Beherrschung dieses Ge- biete» ist für Amerika die erste Voraussetzung für die Kontrolle der Verbindung zwischen Atlantischem und Stillem Ozean: die Herr- schast über die Länder um den Panamatanat ist die andere. Wie die Verbindung zwischen den beiden Ozeanen nicht nur von großer strategischer, sondern auch von eminent wirtschaftlicher Bedeutung ist, so erscheint dieser ganze Länderkomplex als ein.n a t ü r- l i ch e r" Raum für die Expansion des amerikanischen Kapitals. Die benachbarte Lage und die natürlichen Bedingungen machen es zur wichtigsten Quelle für die Versorgung des amerikanischen Marktes mit einer Anzahl von Rohstoffen, Nahrungs- und Genuß. Mitteln: Petroleum, Kupfer, Zinn und Silber, Holz, Zucker, Tabak, Südfrüchte, in Zukunft wahrscheinlich auch Gummi; es genügt, diese bekanntesten Produkte anzuführen. Damit ist auch die Mö�- lichteit gegeben, diesen Raum zu einem gewaltigen Markt für die Aufnahm« amerikanischer Waren und die amerikanische Kapitalausfuhr auszugestalten. Zahlreiche Verkehrsstrecken müßten angelegt, die enormen natürlichen Reichtümer für den Weltmarkt erschlossen werden. Dabei erleichtert die geographische Lage dem amerikanischen Kapital die Abwehr der europäischen Konkurrenz. Die Handelsbeziehungen. In den zusammenfassenden Uebersichten des amerikanischen Außenhandels finden wir die Bezeichnungen:„südliches Nord- amerika", das heißt Mexiko und Mittelamerika, und„karibisches Südamerika", das heißt Kolumbien, Venezuela und Guyana. Das Küstengebiet um das obenerwähnte„Binnenmeer" schließt aber schon mit Venezuela ab. Einige Zahlen zeigen, welche Rolle dieses Gebiet, das wir als„Mexiko und karibisches Gebiet" bezeichnen wollen, im amerikanischen Außenhandel spielt. Im Durchschnitt der Jahre 1321— 1925 entfielen auf dieses Gebiet(ohne die amerikanische Kolonie Portorico) etwa 11 Prozent der gesamten Aus- fuhr und nahezu 17 Prozent der gesamten Einfuhr der Vereinigten Staaten. Zum Vergleich seien die entsprechenden Zahlen für den Handel der Vereinigten Staaten mit dem übrigen Südamerika angeführt. Knapp K Prozent der Ausfuhr und 10,3 Prozent der Einfuhr entfielen in der gleichen Zeit auf diese Länder. Im selben Zeitraum hat das gesamte Asien zwar 27,3 Prozent der amerikanischen Einfuhr geliefert, die Ausfuhr in die asiatischen Länder war aber mit 11 Prozent ebenso hoch wie die nach Mexiko und dem karibischen Gebiet. In absoluten Zahlen betrug die durchschnittliche Iahresausfuhr der Vereinigten Staaten nach Mexiko und dem karibischen Gebiet in den Jahren 1921— 1925: 2037 Millionen Mark, ihre Einsuhr aus diesem Gebiet durchschnittlich 2432 Millionen Mark. I m J a h r e 19 2 4 war der Wert der amerikanischen Ausfuhr in diese'Gebiete 2101 Millionen Mark� der amerikanischen Einfuhr aus ihnen 2800 Mil- lionsn Mark: die entsprechenden Zahlen für 1925 sind 2297 bzw. 2540 Millionen Mark. Der Rückgang der amerikanischen Einfuhr in diesem Jahre ist ausschließlich auf den Sturz der Zucker- preise in Kuba zurückzuführen. Im Jahre 1924 bezog Amerika aus Kuba Zucker im Werte von 1315, 1925 nur für 840 Millionen Mark, obwohl die eingeführten Mengen 1925 sogar größer waren als 1924. Der Wert der übrigen von Amerika eingeführten Waren hat demnach um 215 Millionen Mark zugenommen. Das Beispiel Kuba. Aus den Zahlen wird ersichtllch, daß die Zuckerausfuhr aus Kuba nahezu die Hältte der gesamten Ausfuhr aus dem in Frage stehenden Gebiet nacy den Vereinigten Staaten ausmacht. 5hiba ist formell ein unabhängiger Staat, steht aber faktisch unter ameri- konischem Protektorat und ist als eine wirtschaftliche Ko- lonie von Amerika zu betrachten. Diese Inselrepublik mit ihren 3,4 Millionen Einwohnern kann als ein Musterbeispiel für die Intensität der kolonialen Arbeit des amerikanischen Kapitals gelten, und als Vorbild dessen, wozu die übrigen Länder dieses Gebietes werden würden, wenn es nach den Wünschen des ameri- konischen Kapitals ginge. Andererseits wird durch dieses Beispiel verstöndlich, wie wichtig es für diese Länder ist, die Vorteile ihrer wirtschaftlichen Erschließung soweit wie möglich zur Erhöhung ihres eigenen Wohlstandes auszunutzen. Damit sind auch die wirtschaftlichen Gründe für den Kampf um das Schicksal dieser Ge- biete gegeben. Im Jahre 1924 hat Kuba insgesamt für etwa 1830 Millionen Mark aus- und für etwa 1240 Millionen Mark ein- geführt, was auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet 540 bzw. 345 Mark ausmacht. Demgegenüber betrug die deutsche Aus- fuhr 1925 etwa 143. die deutsche Einfuhr 189 Mark pro Kopf der Bevölkerung! Als Einfuhrland für die Vereinigten Staaten stand Kuba 1924 an zweiter Stelle(nach Großbritannien), als Aus- fuhrland für amerikanische Waren an fünfter(nach Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Japan). Amerika lieferte 1924 rund 69 Prozent der kubanischen Einfuhr und nahm rund 83 Prozent der kubanischen Ausfuhr a u f. Seine Stellung im Welthandel verdankt Kuba der Zuckerproduttion. Bis 85 Prozent der kubanischen Zuckerausfuhr gehen nach Amerika, wodurch bis 90 Prozent der gesamten amerikanischen Zuckereinfuhr und mehr als die Hälft« des gesamten amerikanischen Zuckerbedarss gedeckt werden. Kuba wäre in der Lage, allein den ganzen amerikanischen Zuckerbedarf zu befriedigen.so daß für die anderen Länder dieses Gebiets eine starke Entwicklung der Zuckerproduktion nicht in Frage kommt. Für Mexiko könnten aber zum Beispiel neben Petroleum auch Holz und Südfrüchte eine ähnlich« Rolle spielen, wie der Zucker für Kuba, ohne hier auf die übrigen für Mexiko wie auch für die anderen Länder bestehenden Möglichkeiten einzugehen. Zur Ent- Wicklung dieser Möglichkeiten sind jedoch große Kapitalin- vestitionen notwendig. In erster Linie kommt dabei natürlich dos amerikanische Kapital i» Frage. Amerika ist erstens bestrebt, seinem Kapital durch Niederkonkurrierung anderer kapitalistischer Länder sowie durch die Unterbindung der inneren Kapitalbildung «ine Monopolstellung zu sichern: es will ferner sein Kapital mit größtmöglichem Gewinn anlegen, das heißt bei dem höchsten Grad der Ausbeutung der einheimischen Arbeitskraft. Dies find die Gründe, weshalb der amerikanische Imperialismus in Mexiko und im karibischen Gebiet so aggressiv und hartnäckig vorgeht. Drei Milliarden Dollar investiert! Vor dem Kriege, als Amerika noch ein„Schuldnerland" gegen- über Europa war, betrieb es seine Kap'talausfuhr in andere ameri- konische Länder trotzdem bereits mit großer Energie. Man schätzt die Investierungen Amerikas im Ausland bis Ende 1913 auf 2605 Millionen Dollar, davon etwa 1050 Millionen in Mexiko und über 100 Millionen in den Lände rn des�äri- bischen Gebiets, wobei zu bemerken ist, daß letztere Summe sich nachträglich als viel zu niedrig erwiesen hat. Obwohl eine ge- daue Statistik der Investierungen bis jetzt nicht existiert, darf man auf Grund de» vorhandenen Materials mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß die amerikanischen Investierungen im gesamten in Frage stehenden Gebiet heute bereits drei Milliarden Dollar erreicht, wen» nicht überschritten haben. Nach einiger. maßen zuverlässigen Schätzungen wurden bis zun, Jahre 1924 in Mexiko 1280, in Kuba 1250, in Kolumbien 70, in Venezuela 75, in Guatemala 50. in Honduras 40, in Jamaika(britische Kolonie) 30 Millionen Dollar investiert. Diese Zahlen geben eine ungefähre Vorstellung von der Größe der amerikanischen Interessen, wie auch, verglichen mit den Zahlen für 1913, von dem Teinpo ihrer Ausdehnung. Der Vergleich zeigt aber auch, daß im halbkolonialen Kuba die amerikanischen Investierungen ungeheurer rasch angewachsen sind. während in Mexiko mit seiner politischen„Unsicherheit" und seinem Kampf um völlige politische und größere wirtschaftliche Selb- ständigkcit ein relativer Stillstand des Zustroms von amerikanischem Kapital festzustellen ist. Die Erfolge des mexikanischen Un- abhängigkeitstampfes sind aber geeignet, ähnlich« Bc- ftrebungen und Bewegungen in anderen Ländern dieses Gebiets zu fördern, so daß das amerikanische Kapital sich in seiner Mo- nopolstellung und in seinen unbeschränkten Ausbeutungsmöglich- leiten bedroht fühlt. Krupp und feine Pensionäre. Soll der Staat für �rupp Lasten tragen? Im preußischen Staatsrat haben einige Zentrumsabgevrdnetr eine Anfrage wegen des Schicksals der Kruppschen Pensionäre gestellt. Der Anfrage lag der Gedanke zugrunde, ob der Staat die Pensions- lasten für Krupp so oder so übernehmen wolle. Dazu wird uns geschrieben: Bei Gelegenheit des Kruppschen Antrags auf Bewilligung eines Reichskredits machte bekanntlich ein findiger Kopf die Entdeckung, daß die Firma Krupp eine„Sonderstellung" in der deutschen Industrie einnehme, daß es sich hier sozusagen um ehe nialige„Staatsbetriebe" handele. Die Vergrößerung des Produktionsapparates, dieser Wasserkopf Hetcrogener Betriebs anlagen, der das Untenrehmen auch heute noch in das vorige Jahr hundert zurückverweist, sei vom Staat sehr gegen den Willen Krupps veranlaßt worden. Das ist Geschichtsklitterung und Dichtung! War Krupp ein Rüstungsbetrieb auf Bejehl des Staates? Wer drängte dann den Staat zur sortgesetzten Vermehrung seiner Bewaffnung? Das Tempo des Wachstums der Waffenfabriken bestimmten diese s e l b st. War Krupp wichtig für den Staat, so war der Staat, der alles zu exorbitanten Preisen und ohne allzu scharfe Prüfung der Qualität abnahm, für die Monopolfirma noch wichtiger. Die Rollen in diesem klar zutage liegenden Verhältnis wollen wir nicht umkehren lassen. Bei diesem Verfälschungsversuch sind die christlichen G« iverkschaften leider willige Helfer. Sie haben sich die These von der Staatsverantwortung für Krupp in der Pensions- angelegenheit zu eigen gemacht. Der Staat soll für die Schuld und die Schulden der Firma Krupp gegenüber den Penstonären freundlichst einspringen. Gegen Preußen, das sich mit Recht gegen solche Zumutung wehrt, werden heftige Attacke» geritten. Der Staat hätte Krupp gezwungen, das Vermögen seiner Pensionskasse niündelsicher anzulegen? Der Staat hätte dieses Vermögen durch die Inflatton vernichtet? Aber der Staat hat die Firma nicht gezwungen, eine unmoralische Zwangsver- ficherung für ihre Arbeiter zu errichten. Das ist der entscheidende Punkt. Der Staat Hot die Firma niemals ge- zwungen, einen Arbeiter mar dann zu beschäftigen, wenn er sich bei ihr oersichern ließ. Er hat es zwar gebilligt, daß den Arbeitern, wenn sie vom Werke schieden, fein Pfennig von den ge- zahlten Beiträgen zurückerstattet wurde, wobei sie jedes Pensions- anspruchs verlustig gingen. Sein höchstes Gericht hat sogar einmal entschieden, daß so etwas nicht gegen die guten Sitten verstieße! Aber das fügte sich nur in das allgemeine Bild des damaligen Staates ein, in dem über den Geschmack nicht einmal m den selbstverständlichsten Fällen zu streiten war. An der Tatsache, daß Krupp heute den alten Leuten das Geld schuldig ist, wird durch nichts in der Welt geändert. Krupp löste nach der Inflation die Kasse auf und ließ im übrigen die Dinge laufen Er machte Zahlung oder Nichtzahlung von dem jeweiligen finanziellen Stand abhängig und schuf dadurch Ungerechtigkeiten ijber Ungerechtigkeiten. So war es möglich, daß S0l.v-5� «OMisiei v.SABA BACCARAT------ unsorc. tiouc Mischung Mmwuxßb sriu/r-? Täbake dec n&MzstcAfcntiifcisch manipulied: GL ZDiebe,§rrvt& /wie, Jzeim. leichte, bekömmliche Qttalität mM blumi�eirb Aroma und glattem. Brandb GARBÄTY ßcfimbe Leute von vierzig Sahren, die heute aus irgendwelchen Gründen pensioniert wurden, Unterstützungen bezogen, während morgen Sechzigjährige überhaupt nicht pensioniert, sondern entlassen wurden, obwohl sie mehr und länger Beiträge entrichtet hatten als jene. Es gibt so drastische Fälle darunter, daß man fragen muß, ob die Firma sich überhaupt jemals über die Trag- weite ihrer Maßnahmen Rechenschaft abgelegt hat. Wie in allen a äderen Dingen, so hat sie auch hier leinerlei Programm gehabt und keine klare Linie verfolgt. Nur muß man leider annehmen, daß sie hier, im Gegensatz zu anderen Bezirken, ein Ziel, und zwar ein unrühmliches Ziel, gehabt hat; nämlich von ihren Ver- pflichtungen loszukommen. Es muß dafür gesorgt werden, daß die Angelegenheit nicht auf ein falsches Geleise geschoben wird. Daher gebührt dem preußischen Staate für seine ablehnende chaltung Dank. Die alten Pensionäre gegen ihn aufzuputschen, wird nicht gelingen, wenn ihnen die Augen offen gehalten werden. Die Pensionsfrage ist eine rein interne Sache, die nach den Grundsätzen von Treu und Klauben der Rechtsprechung unterliegt. Hat diese überhaupt einen Sinn, so mutz sie entscheiden, daß all« in der Kruppschen Kaste Zwangs- versicherten, die die statutenmäßigen Boraussetzungen zur Erlangung der Pension erfüllt haben, den statutenmäßigen Betrag erhalten nrüsten. Krupp kann zahlen, wenn er will. Das Märchen von den finanziellen Schwierigkeiten ist schon zu der Zeit, als es noch überall geglaubt wurde, ein Märchen gewesen. (lieber den buchmäßigen Berlust, der in der letzten Bilanz aus- gewiesen wurde, befrage man nur einmal ebenso gewiegte Bilanz- praktiker, wie Krupp sie hat.) Es wäre ein unerträglicher Zustand. wenn sich jemand den Folgen einer unmoralischen Einrichtung unter Berufung auf veränderte Verhältnisse entziehen könnte. Nach einer Neuauflage- d-r Kasse wie überhaupt nach der anrüchigen „Wohlfahrt* trägt niemand Verlangen. Die abgedienten Arbeiter mästen ganz einfach in den Besitz des ihnen zustehenden Geldes und die jetzigen in den Besitz der ihnen zustehenden Entlohnung gelangen. Gemeinöe unü Wirtschast. Der Präsident des Städtetages zur Lage. In der Bereinigung für staatswissenschaftlich« Fortbildung legte der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mu- l e rt, dar. welch enormen Wert die kommunale Selbstverwaltung für die politisch« Erziehung der Bevölkerung darstelle. Bei dem heu. tigen Stand der Verhältniste sind Wirtschaft lind Gemeinde auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden, denn jede Wirt» s ch a f t s k r i s e wirkt sich unmittelbar im Eenieindehaushalt in verringerten Emnahmen und vermehrten Ausgaben aus. Rigorose Maßnahmen der Unternehmer, wie die Stillegungen der südlichen Ruhrzechen, können von heute auf morgen blühende Gemein» den vernichten. Andererseits ist die Wirtschaft vollkommen von der Gemeinde abhängig, denn wie hätte sie ihr Rationalisierungsprogramm durch» führen können, wenn nicht die Gemeinde die Erwerbslosen- f ü r s o r g e übernommen hätte, die noch durch die Gesamtfürsorge ergänzt wird. Die Etatszahlen über diesen Punkt sprechen Bände. Betrug der Anteil der Fürsorge vor dem Kriog ö bis 8 Proz., so heute 33 bis S0 Prvz. der Ausgaben der Gemeinde. Betrachtet man ferner, wie sich die Einrichtungen des Fach» und Fortbildungsschul» wesens unmittelbar für die Wirtschaft auswirkt, so sollte man endlich von dieser Seite einmal etwas anderes hören als ewige nega- live Kritik. In der Frage der Gemeindesteuern sollte die Wirtschaft mit ihrer Kritik beim Finanzausgleich ansetzen, die Ge- mdinde ntuH sich neue Steuerquellen erschließen, wenn ihr frühere Einkünfte genommen werden. Das umstrittenste Gebiet ist die prioatwirtschaftlich« Betätigung der Geineinde. Im vergangenen Jahrhundert war in der Zeit des Manchestertums von einer derartigen Betätigung der Gemeinden kaum die Rede, erst in den neunziger Iahren wurde mit der Uebernahme der Gaswerke seitens der Kommunen der Anfang gemacht. Die Entwicklung hat durch den Krieg und die Nachkriegs- zeit ein besonders rasches Tempo angeschlogeii, und der Aufgaben- krers der Gemeinde ist enonn angewachsen. Der Redner wandte sich scharf gegen die Forderung von prioatwirtschaftlicher Seite, die öffentlichen Unternehmungen wie die private, i zur Steuer her- anzuziehen. Eine Besteueruiig muß sich bei den städtischen Unternehmen in den Tarifen auswirken und stellt daher nichts anderes dar als eine indirekte Steuer für den Verbraucher. Jedes kommunale Unternehmen muß als Träger sozialer Funktionen angesehen werden und darf daher nicht nur das rem kaufmännische Intcreste walten lasten. Von diesem Gesichts» punkt aus erübrigt sich jede Debatte über größere Wirtschaftlichkeit privater Unternehmungen. Es ist zu bedauern, daß der Redner die neueren Bestrebungen des Privatkapitals, die Gas- und Elektrizitäts» Versorgung der Gemeinden wieder in die Hand zu bekommen, nur ganz flüchtig streifte. Zum Schluß gab er der Ueberzeugung Ausdruck, daß sich die Entwicklung zum öffentlichen Unternehmen nicht aushalten lasse und wir am Bor» abend einer bedeutsamen Ausbreitung der privatwirtschaftlichen Betätigung der Gemeinden stehen. Die Viag oerkaukl das werk Siegburg. Aus dem früheren Kon- zern der Deutschen Werke, deren Aktien bei der Viag vereinigt. sind, kommt die überraschende Mitteilung, daß die Deutsche Stahl- und Walzwerke A.-G. in Sieg- bürg an die Privatindustrie verkauft worden ist. Das Siegburger Werk gehörte bis zur Umgründung zu der Deutschen Werke A.-G. und war mit ihrem Kapital von 4 Millionen Mark fast restlos im Besitz des Reiches. Das Jahr lW schloß ohne Verlust. Es wurde ein Ueberschuh von 6501 M. erzielt, die vorgetragen worden sind. Das Werk lag zwar während der Krise einige Zeit still ist aber seit Mitte 1926 wieder in Betrieb. Der Verkauf ist durch Vermittlung von Paul Rohde, dem früheren Inhaber der Otto Mannsfcld Großeisenhandelssirma, Berlin, und dem späteren Erwerber der restlichen Stummschen Eisenwerk« an eine westlich« Jndustriegruppe übergegangen, die nicht genannt wird. Unseres Erachtens können kaum wirtschaftliche oder betriebliche Gründe zu dieser Abstoßung vorgelegen haben. Daß der Name des eigentlichen Erwerbers oerschwiegen wird, ist auffällig. Es muß.deshalb an die Behörden die Frage gerichtet werden, weshalb das Werk veräußert worden ist, zu welchem Preis verkauft wurde und wer der endgültige Erwerber de» Werkes ist, damit nicht der Eindruck entsteht, daß hier bereits ein Erfolg jener Agitation des Privatkapitals gegen die sogenannte „k a lt e Sozialisierung* vorliegt. Fusion in der Maschinenindustrie. In der außerordentlichen Generalversammlung der Maschinenfabrik Greven- broich wurde die Fusion mit der Maschinenfabrik Buckau A.-G., Magdeburg, beschlossen. Die Maschinenfabrik Grevenbroich, die in der Hauptsache Apparate für die Zuckerindu- strie herstellte, geht in der Maschinenfabrik Buckau A.-G. auf. Leide Fabriken stehen dem R. W o l f- K o n z e r n nahe. Zwischen der R. Wolf A.-G., Magdeburg, und der Maschineniabrik Buckau be- stand seit 1921 eine enge Jntereisenverbindung, die auf Majoritäts- besitz gegründet war. Die Maschinenfabrik Bvckcu A.-G. ihrerseits befaß feit 1923 die Majorität von Grevenbroich. Es handelt sich aUo um eine Fusion der Betrieb«, nachdem die finanziell« Abhängigkeit feit langer Zeit feststand. Di« Maschinenfabrik Buckau verteilte auf ihr 6-Millionen»Kapital im Jahr« 1924/25 eine Dividende von 10 Prozent, während Grevenbroich nur einen Gewinn von 10060 M. auswies. Das Entscheidende bei dieser Fusion ist, daß eine große Arbetterzahl dadurch brot- l o s wird. Die Apparateherstellung für die Zuckerindustrie soll nämlich voll auf das Werk Sudenberg der Maschinenfabrik Buckau übertragen werden, nur das Emaillierwerk soll weiterarbesten, wo- durch von dem Stamm von über 1100 Angestellten und Arbeitern nur mehr 120 bis 150 Mann in Be- f ch ä f t i g u n g bleiben können. Charakteristisch ist, daß der Wolf- .Konzern, in diesem Fall die Deutsche Bank als beherrschendes Bankinstitut, den Oppositionsantrag, daß der Wohlfahrtsfonds von 200 000 M. zugunsten der zu entlassenden Arbeiter und Angestellten verwendet werden soll, abgelehnt hat. Was von dem Ber- sprechen zu halten ist, daß man Härten oermeiden will, ist nur zu wohl bekannt. Daß die übernehmende Firma in der Lage ge- wesen wäre, sehr weit entgegenzukommen, beweist die für das Jahr 1925/26 wieder angekündigte Dividende von 10 Prozent. Auch hier entspricht die vorgenommene„Rationalisierung* im wesentlichen wieder der„Sanierung des Aktienbesitzes*. Die Dividendenan- sprüche der Aktionäre werden erhallen; die Belegschaft aber wird auf die Straße gesetzt. Elektrizitäts- und Gasversorgung in den Großstädten. Die Verhältnisse der großstädtischen Stromerzeugung im Jahre 1925/26 zeigen nach einer Zusammenstellung in„Wirtschaft und Statistik* einen Rückgang der rein örtlichen Selbstversorgung. Bei gering- fügiger Vergrößerung des Versorgungsgebietes hat die eigene Strom- erzeugung gegenüber dem vorhergehenden Jahre um 25 Proz. auf 1783 Millionen Kilowattstunden, der Fremd st rom bczug um mehr als 28 Proz. auf 1174 Millionen Kilowattstunden zugenommen. Die Umstellung auf Fremdstrombezug hat eine Verringerung der Antriebsmaschinen und Elektrogeneratoren um zirka 4 Proz. zur Folge gehabt bei einer Erhöhung der L e i st u n g der Maschinen um mehr als 10 Proz. Die je Kopf der Bevölkerung erzeugte und bezogene Energie beziffert sich im Durchschnitt auf 179 Kilowattstunden, die tatsächlich verbrauchte Energie auf 150 Kllowallstunden. Bei der Gasversorgung hat sich dos Be» forgungsgebiet von 1924 auf 1925 um etwa 4,5 Proz. vergrößert. die Zahl der Abnehmer um 6,9 Proz. und die der Hausanlchlüife um 1 Proz. Die jährliche Gaserzeugung hat um 11,8 Proz., der Fremd- aasbezug um 6,9 Proz. zugenommen. Die Gaserzeugung der städtischen Werke stieg auf 1513 Millionen Kubikmeter, der Gasbezug von fremden Werken auf 135 Millionen Kubikmeter. Die je Kopf der Bevölkerung des Berforgungsgebietes abgegebene Gasmenge betrug im Durchschnitt 121,8 Kubikmeter, der auf einen Abnehmer entfallende Gasverbrauch 94,6 Kubikmeter. Bon hundert Wohnhäusern des jeweiligen Veffprgungsgebietes find gegenwärtig 88 mit Gas und 64 mit Elektrizität oersorgt. Die Sprllbrenner zum Vrannlweinmonopolgesetz. Die im Verband der Spiritusfabrikanten zusammengeschlossenen l a n d w i r t- schaftlichen Kartoffelbrenner fordern im Rahmen der „Grünen Woche* eine wesenlliche Wanderung des Gesetzesentwurses über die Reform des Brannweinmonopols, den sie bereits in seiner jetzigen Form als höchst gefährlich für ihre Interessen ansehen. Während wir die Verstärkung des öffentlichen Einflusies in der Monopoloerwallung fordern, wollen die Brenner das Monopol den Interessenten ausliefern. Positive Vorschläge darüber, wie die Ueberproduktion an Kortosselsprll untergebracht werden soll, werden nicht gemacht; man hofft nur, daß die(überaus kostspielige!) Verwendung von Spirllus zum Motorenantrieb zunehmen werde. Natürlich find die Brenner gegen jede Erhöhung der Reichseinnahmen aus dem Monopol. Interessant ist die Angabe, daß im laufenden Jahr die Brennereiprodultion ganz außerordentlich niedrig sein wird, da die hohen Kartoffel- preise, die beim direkten Verkauf zu erzielen sind, etwa doppelt so viel einbringen, wie die Kartosfelbrennerei. Um eine„Einheitsfront* der süddeutschen Obst brenner mll den norddeutschen K a r t o s f e l brennern zustande zu bringen, wurde empfohlen, im neuen Gesetz den Obst-Kleinbrennereien noch höhere Preise zu bewilligen, als sie jetzt schon vorgesehen sind. Sine neue Epoche äuf dem Gebiet der lebenden Licht- Rekläme he* ginnt heute am Hermannplätz mit dem kunstvollen Farben spiel der originellen Josetti� Werbung! Sie wird des beispiellose Jnieressetur die Cigarette vertiefen, von der man sag/- Joseiii Juno Berlins meisigem uchle 4.& Cigaretie Mittwoch H. Jebruar 1927 nterhaltung unö �Dissen Settage des vorwärts Die Gesihichte vom toten Esel. Tine japanische Sage. Von Post-Wheeler, amerikanischer Botschaftsrat in Tokio. (Schluß.) Als er so weit entfernt war, daß man ihn kaum noch sehen konnte, fiel der Bozu aus die Erde, sammelte gierig alle Münzen, die die Wanderer verstreut hatten und sagte zu sich selber:„Wahr- hastig, die Welt ist von Unwissenden und Leichtgläubigen erfüllt, die darauf brennen, die Weisen zu belehren. Wohl ober mag manchem Gesunden der Rot eines Narren taugen/ Und er macht« sich mit Eifer und Sorgfalt daran, den chügel über dem toten Esel mit Erde und Steinen zu erhöhen. Danach kniete er mitten im Wege nieder, und als er Wanderer in der Ferne sah, sing er zu jammern und zu wehklagen an und rief ihnen, sobald sie näher gekommen, zu:„0 ihr Barmherzigen I Wollt ihr allen Leiden im kommenden Jahre ent- gehen, dann opfert ein paar Münzen, damit ich«inen Schrein über dem Leib dieses Makellosen errichten kann/ So geschah es, daß dos Geld auf dem Teller des Bozu sich häufte, und als es Abend wurde und die Schalten sich verlängerten, aß er vom Allerbesten, wie er es seit langem nicht getan. Am anderen Tage segt« er sein Geschäft fort, bis er gegen Abend einen armen Zimmermann sah, der noch des Tages Arbeit müde heimwärts schlich. du Empfänger der göttlichen Gnade/ rief er ihn m.„willst du dir tausendjährige Qualen ersparen, so komm und errichte«inen Zaun um den Leib dieses Makellosen/ Der Zimmerman aber weigerte sich, denn es war spät und sein« Glieder schmerzten noch von der Arbeit. Der Bozu entgegnete ihm mit Festigkeit:„Sind die Marter der Hölle nicht billig oermieden durch ein paar Arbeitsstunden mehr heute nacht?' Und so entstand noch vor der Stunde der Ratten «in« feste Umzäunung, doch der arme Zimmermann war nahe daran, vor Erschöpfung seine Seele aufzugeben. Noch ehe der Mond wechselt«, begannen feste Mauern das Holz zu ersetzen und bald darauf gehört« dem Bozu ein schönes Haus dicht dabei. Darauf errichteten Fromme über dem Hügel einen Schrein und nach einiger Zeit einen Tempel von besonderer Kostbarkeit. Herrliche Schnitzereien schmückten ihn, Torflügel aus blutrotem Lack zierten goldene Gitter und auf den steinbedeckten Höfen standen«Taus- decken und Laternen. Di« Glockentürme zierten Enbleme aus Bronze und Gold, die kunstverständige Handwerker aus den Gaben Gottes- fürchtiger gefertigt hatten. Der Tempel wurde zu einem berühmten Wallfahrtsort, da die Ueberreste des Makellosen groß« Wunder ver- richteten, die Lahmen gehend, die Tauben hörend, die Blinden sehend und die Stummen sprechend machte. Inzwischen wurde der Bozu feist wie Daikokv-jin, so daß er beim Gehen seine Sandalen nicht mehr sehen konnte, lind um ihn sammelten sich die Frommen beider Geschlechter und seine Neider sagten, daß keine junge Witwe mit ihrem Lotusblütenanllitz lange jciner Heiligkeit widerstehen konnte. Als nun der Priester eines Tages, wie gewöhnlich, über die Unredlichkeit der Welt nachsann, gedachte er seines alten Meisters, des Bozu von Honan, und er sprach zu sich:„Es geziemt sich, daß ich hingehe und ihm sage, wie töricht der Spruch ist, den di(! alten Weisen lehrten: ,Tüe Weisheit des Alters ist so bewunderungswürdig, wie die Emfältigkeit der Jugend lächerlich ist.' Ich werde seinen Tempel besuchen und wenn es die Götter wollen, daß er' noch am Leben ist, werde ich ihm den feinsten Sake zur Kräftigung dalassen.' Und er machte sich auf die Wanderschaft, von einer Schar Frommer begleitet, die freudig die Unbill der Reise ertrugen, und an einem Nachmittag, als schon die Sonne ihren scharlachfarbenen Schleier vorband, erreichte der Zug den Tempel, in dem der Bozu als Jünger die friedlichen Jahr« seines Noviziats verbracht hatte. Und siehe, an dem Tor stand der alte Priester, zusammen- geschrumpft jetzt und verrunzelt wie eine welk« Dattelpflaum« und beschatte seine blinzelnden Augen mit der zitternden Hand. „Was sehe ich,' sagte der alte Bozu, als der Zug zum Halten kam und der wohlbeleibte Priester abstieg.„Das ist ohne Zweifel ein Bischof, der eine Schar junger Nonnen auf ihrer Pilgerfahrt begleitet.' Nun näherte sich der Fremde, warf sich vor ihm auf die Knie und rief:„Mein heiliger Bater! Habt ihr das armselige Leben eures ehemaligen Schülers vergessen?' Da erkannte der alle Bozu den früheren Jünger, begrüßte ihn voll Freude und bot ihm und ollen seinen Begleitern Gastfreundschaft an, denn seit jener Hungersnot hatte sich feine Lage sehr gebessert. Der junge Bozu aber sagte zu seinem Gefolg«:„Geht, zieht euch zurück. Ich habe mit dem ehrwürdigen Dater allein zu reden/ Und nachdem«r einen goldbeschlagenen Schrank hatte hereinbringen lassen, ging er allein mit dem alten Priester in die inneren Gemächer, Als sie auf den Kissen Platz genommen hatten, öffnete er den�kost- baren Schrank, entnahm ihm eine riesige Flasche köstlichsten Sake, füllte zwei goldene Becher mit dem blumigen Wein und' reichte den «inen seinem Lehrer. „Trinkt/ sagte er,„diese wertlose Flüssigkeit und nehmt diesen billigen und schlechten Schrank als Zeichen der Treue von eurem ehe- moligen Schüler/ „O mein Sohn.' antwortete der alte Mann, nachdem er ge- trunken,„dich haben die Götter gesegnet. Erzähle mir deine Geschichte." Nun erzählte ihm der andere alles, was er erlebt hatte, nur den Schwachsinnigen vergaß er, und der alle Priester hörte mit ge- schlossenen Augen und mit einem wohlwollenden Lächeln zu. „Mein Daler/ sagte der jung« Bozu zum Schluß,„in Wahrheit müßte die Weishell der Alten dem Witz der Jugend weichen, denn dies« allein hat die Schärfe der Sinne und die Raschheit der Erfindung. Ihr habt«in langes Leben in diesem Tempel zugebracht, aber die Relique eures Heiligen hat euch nur geringe Früchte ge- tragen, während ich allen Glanz des Daseins und all« Freude des Lebens den Knochen eines Esels verdanke/ Der all« Priester dacht« eine Zeillang nach und sagte dann: „Mein Sohn, es sei fern von mir, dir deine Verdienste zu schmälern. Doch ich neide dir nicht deinen großen Tempel, nicht deinen kostbaren Schrein, nicht deine überquellende Geldkiste, und nicht die Meßopfer deiner gefälligen Frommen. Ich Demütiger suche nicht nach Besitz. Aber da deine Seele überfließt von weltlicher Klugheit, so will ich mich dir offenbaren/ Und der alte Priester fuhrt« seinen Gast zu dem Schrein hinter dem Allar und fragte ihn, indem er auf den Stein deutete:„Was. glaubst du, liegt hier begroben?" „Die Gebeine unseres heiligsten Voters/ sagte der andere. „Nicht doch, mein Sohn," sagte der alle Priester,„unter diesem heiligen Stein ruht ein Borfohr demes Esels." (Berechtigt« Ueb«rtr, find wir in der Lage, unseren Lesern ein« Aastprobc aji» dem neuen Reisewerk „Christian Leden, Uebcr stiwatin- Ei-seldcr. Drei Zahrc unter kanadischen Eskimos"(mit 70 Abbildunzen aus Tafeln und im Text, zahlreichen Zi-tcnbeisjiiel-n und einer«orte, 13 Ä., Leinen 1» M) zu bieten. Tie an Abenteuern, harten Entbehrungen und Leiden reiche Expedition Leden» in die Eisfelder«iwatins stand gleich im Anfang unier einem unglücklichen Stern. So kann der Forscher von einem Schiffbruch im hohen Norden, von «annibalismus der Naturvölker, von gefahrvollen Jagden aus Ei-bSrcn und Balroffe, ja von einem..Wettlauf mit dem Tode" berichten. Sein Ziel waren nicht geographisch« Entdeckungen, vielmehr versuchte er non der untergehende» Kultur der Eskimos für die Wissenschaft zu retten, was die immer weiter nach Norden vordringende Zivilisation davon noch übrig geiaisen bat. Er ist wie Rasmussen und Stefansson der Anficht, daß die Zivilisation den Eskimo» nur bedingt Legen bringt, und er führt genug Beweise dafür an. Auch in andern Dingen macht sich der Emfluß der Weißen deutlich bemerkbar. Hier haben die Eskimos sogar neuzeitliche Schuß- waffen und wohnen das ganze Jahr über in ihren Winterhäusern. Die all« Kultur der Labragor-Eskimos ist jeuer der allen Grön- länder ungefähr gleich, und der Einfluß des weißen Mannes auf die ursprüngliche Lebensweise hat in beiden Ländern ziemlich einzigartige Erscheinungen zur Folge gehabt. In Labrador sowohl als in Grönland wurde das Winterhaus, «ine Hütt« aus Erde und Steinen, früher nur von Winters Anbruch bis zum Ende der dunkelsten und kältesten Iahreszell benutzt. Wenn es gegen den Frühling zu ging und die vom letzten Sommer und Herbst her aufgespeicherten Lebensmittel verbraucht waren, mußten Iagdzügs von längerer Dauer unternommen werden. Auf diesen Zügen wohnte man dann zuerst in Schneehütten und später, sobald der Frühling richtig«insetzte, in Zelten. Beim Verlassen der Winter- Häuser wurde das Dach abgerissen und das aus Darmhaut verfertigte Fenster herausgenommen. Während man den Sommer über dem Wild auf seinen Wander- zügen folgte und in Zellen wohnt«, vollbrachten Regen, Wind und Sonne ihr Werk der Reinigung und Desinfektion. So konnte der Eskimo mit Winters Beginn wieder in ein sauberes und verhältnismäßig appetitliches Haus einziehen, das neu mit Dach und Fenster versehen wurde. Aber die Pelzhändler und Missionare, die sich dort oben nieder- ließen, fanden es zu beschwerlich, die Eskimos auf ihren Iagdzügen zu beglellen, und legten ihnen nahe, ständige Wohnsitze zu nehmen. Die gutmütigen, entgegenkommenden Naturkinder gaben aus Rück- sicht auf die weißen„Herren' ihr Zellleben und die langen Sommer- Wanderungen allmählich auf und richteten sich dauernd in den Winterhäusern«in. Viele kamen sogar von weit her zu den Stationen der Pelzhändler und Missionare und bauten dort ihre festen Hütten. Das war den Weißen natürlich willkommen, vor allem den Missionaren, die nun in aller Ruhe und Muße den Eskimos die neue Lehre predigen tonnten: jetzt liefen die Missionare auch nicht mehr Gefahr, daß die schon bekehrten Eskimos auf den langen Sommer- Wanderungen mit heidnischen Stammesgenosfen zusammentrafen und unter deren Einfluß von der neuen Lehre wieder abfielen. Indessen— diese Veränderung der Lebensweise brachte den Eskimos neben den Segnungen des Christentums auch den Fluch der Zivilisation. Es ist unmöglich, diese Hütten aus Erde und Steinen sauber zu hallen, seitdem sie Dauerwohnungen sind: sie wurden zum Sielldich- ein und zu Brutstätten der von den weißen Männern eingeschleppten Bakterien. Nun sind die einst so gesunden und lebensfrohen Eskimos, die ansteckende Krankheiten nicht einmal dem Namen nach gekannt hatten, mit Lungentuberkulose verseucht: nun sitzen si«, hustend und spuckend. Sommer wie Winter in ihren Hütten. Auch Armut und Nahrung?- sorgen haben sich bei diesen einst so tüchtigen und selbständigen Naturkindern eingeschlichen, seitdem sie unier dem Einfluß der Weißen seßhaft geworden sind. Zwar haben die Männer jetzt•— aus nackler Not— wieder begonnen, auf weite Jagdzüge aus- zugehen, teils um für ihre Familien den unentbehrlichen Vorrat an Fleisch, Fett und Fellen herbeizuschaffen, t«ils um den steigenden Bedarf der Weißen an Polarfüchsen und anderen Pelztieren be- friedigen zu können; aber das einmal angerichtete Unheil ist nicht wieder gutzumachen.— Außerdem bedeutet es eine Vergeudung an Zeit und Kräften, in Landstrichen zu hausen, die heute nur noch wenig oder nichts für den Lebensunterhall zu bieten haben; nun muß'der Eskimo groß- Strecken zurücklegen, um herbeizuschaffen- was er zum Leben braucht, und muß die Jagdbeute von weit her zur Niederlassung schleppen. Die schnelle Verminderung des Wild- bestandes im Umkreis der festen Wohnstätten ist zum guten Teil«ine Folg« der Feuerwaffeneinfuhr der Weißen, die die alten Iagdarten der Eskimos verdrängt hat. Mit den Schießwosfen werden«See- Hunde und— teilweise— auch andere Tierö verscheucht oder meid- wund geschossen, die der Eskimo mit seinen eigenen� Waffen und seinen seit alters hoch entwickelten Iagdmethoden zur Strecke bringen und verwerten könnt«. Eine der verhängnisvollsten Folgen der Berührung eines lllatir- volles, besonders eines Iägervolkes, mit Weißen ist es, daß d'.e Ein- Übung der uralten, den natürliche» Bedingungen angemessenen Arien der Erwerbsmethoden vernachlässigt wird; dairut werden solche Stämme zu einer Art von hilflosem Proletariat, das weder die eine noch die andere Kultur besitzt. Wenn Störche in üie Winterfrische gehen. Professor Thienemann, der Leiter der auf der Kurischen Neh- rung gelegenen, weithin bekannten Vogelwarte Rossitten, berichtete dieser Tage von einem bemerkenswerten Vogelzuchiexperiment. Mit Hilfe der Logelberingung sind bckamttlich die Zugstroßen und d>e Winterquartiere einer ganzen Anzahl von Zugvögeln festgestellt worden, aber noch bleiben viele Fragen offen, noch weiß man nur wenig etwa auf folgende Fragen zu antworten: Wie finden die Vögel ihren Weg'? Besteht der Orientierungssinn nur solange in noller Stärke, wie der Zugsinn andauert? Was geschieht, wenn man Zugvögel gewaltsam zurückhält und erst dann ziehen läßt, wenn ihre Artgenossen längst fort sind? Ilm einen Beitrag für die Lösung dieser Fragen zu liefern, wurden im letzten Sommer 27 junge Störche aus verschiedenen Gegenden Ostpreußens nach der Vogel- warte Rossitten gebracht und dort in einer offenen Einzäunung, in der ein Teich lag, dadurch sestgehalten, daß man ihnen die Schwung- federn zusammenklammerte. Ihr Futter bestand anfangs in Fischen, von denen 13 Zentner verzehrt wurden, später wurden über 1000 Frösche als Nahrung herbeigeschafft. Als nun die Zeit des Aufbruchs kam, wurde es in dieser Storch- kolonie ouszerordcntlich lebendig. Die Störche liefen erregt hin und her. schlugen mit den Flügeln und machten verzweifelte Anstren- guvgen. in die Luft zu steigen und zu eittkommen. Am 18. August flog ein junger Storch, dem es gelungen war, die fesselnde Klammer abzustreifen,' davon. Roch einiger Zeit stellte sich heraus, daß seine Geschwister, die sich weit entfernt von Rossitten befoiide», in ihrer Heimat am gleichen Tage zur Reise nach den Winterqartieren auf. gebrochen waren. Später entkamen»och zwei Störche. Am 29. August mußte» die verbliebene» 24 Störche eingefangen und fest- gesetzt werden, weil ihre Erregung zu groß geworden war. Am 6. September, als die Zugzcit vorüber war und sämtliche Störche Ostpreußen verlassen hatten, wurden die gefangenen Störche befreit. Ihre Erregung schwand. Die Störche blieben, da schlechtes Wetter herrschte, freiwillig bis zum 18. September in Rossitten. Als am 18. September der erste schöne Tag anbrach, verschwanden sie Plötz- lich. Am 1. Dezember traf aus Athen ein Brief ein. in dem mit- geteilt wurde, daß eine Taube erlegt sei. die einen Futzring der Vogelwarte Rossitten getragen habe. Es stellte sich heraus, daß die „Taube" einer der 24 Störche aus Rossitten mar. Dieser Fall lehrte, daß die Störche nicht richtig geflogen waren, da sonst die östlich der Weser beheimateten Störche aus Deutschland über Ungarn, Klein- osien, Syrien und Aegypten fliegen. Ueder Griechenland ziehen nie Störche, da, wie gesagt, die Zugstrqßc bedeutend.östlicher liegt. Außerdem waren die Störche viel zu longsam geflogen. Der Versuch ist natüxlich aber noch nicht beendet. M>! Spannung ist zu er- warien, ab und wohin diese Störche im Frühsohr zurückkehren, werden. da die Störche bei ihrer Rückkehr nach Europa in der Regel wieder ihre Heimat und bisweilen sogar dasselbe Nest aufsuchen. Professor Thienemann wird feine Vogelzugexperimente in der obt« beschriebenen Richtung forssetzen. CinfcnbsngtB fik diese Rubrtt swd Berli» SSä 68, ginbeafttafee 3, parteknachrschten für Groß-Serlkn stet, m da» Bezirkasekretariat 2. Hos, 1 Zre». recht», ja richte» 3. strei» Weddiag. Bildlrageaasschuh: Die verausgabten starten für Traum. spiel am A. Februar werden wieder eingebogen und sind umgehend an den Genosse» Schmidt abzuliefern. 4. stret» Prenzlauer Berg. Vefsentlich« Beamten Versammlung am Freitag. U. Februar, 7\i Uhr, im Älteraheim Danziger Str.«2. Tage», ordnung: l ,Blt.PreuKisch— Neu-Deutsch" Referent Bürgermeister Dr. Ostrowski. 2.»Die neu« Besoldungsordnung". Referent Dr. Bölter, ß-z Lorsiandsmitglied des ADD. lt. stiel« SchSnebcrg.Aricdcnau. /Zur Lundgebung am Donnerstag im Sport- Palast treffen sich die Genoffinucn und Genossen um%7 Ui;c auf dem A->ser.DilI>elm.Plot,. Abmarsch pünktlich 7 U�r. heute. Mittwoch. 9. Februar: 3». Abt. 7 Uhr gahlabcnd« in folgenden Lokalen: Bezirke gZ— 94 bei Pohst. Lnchener Erle Etargarder Straße. Bortrag de» Genossen Jahn. Bezirke 9b— 97 bei Schröder, Pappelallee 34. Bezirk lOO bei Rcckling, Pappclallee 39. Bezirke llll— 192 bei Hoffmann. Lnchener Str 3. Referent Genosse Reich: »Da» neuzeitliche Arbeitsqefeg. Bezirke 117—123 bei Htlgenfeld, Carmen. Snlva-Str. Z. Bortrag de» Genossen Wüst. Bezirke 124—127 bc stanzowstr. 19. Referent Genosse stothe: aftlichen Organifa' schaftlichen Organisationen" Bezirke 124—127 bei öeibler. »Die Arbeiterschaft und ihre wirt. 34. Abt. 7 Vi Uhr bei Heese, Mcmeler Str. 62. gahlabenb. 32.»bt. fiah labend ber�Gruppe stlugc bei S-t inidke, Baul-Einger» Ecke Die anderen Gruppen 68, Mitgliederverfamm. Srautste. 41. Gruppe Wartmann Am Ostbahnhal 18. in den bekonnten Lokalen. Beginn 7>z Uhr. 48. Abt. 8 Uhr in Sliesing» ffestlölen, Waffertorftr. lung. Reuwahl der Ableilungsleitung. 36. Abt. Sharlottenburg. 7'4 Uhr 2. Gruppe Berfainnllung he! Iuskowiak, Halssendorffstr. 29. Tagesordnung:»Jugendbewegung einst und jetzt". Re. ferent Genosse Habermann. Wahl der Sruppenleitung. 78. Abt. Schöneberg. TV» Uhr Zahlabende in allen Bezirken mit Referenten. I. Bezirk:»Finanzpolitik und Bankvcrkehr". Referent Hauth. 4. Bezirk: „Politik und Gesellschaft im Spiegel der Satire". Referent Rodert steller. Thema für di» übrigen LezirH wirb im Zahlabend bekanntgegeben. 88. Abt. Lichtenrade. 8 Uhr Blitgliederp-rlammluna in der Schul« Roonstratze. Wichtig- Tagesordnung, erscheinen aller Pflicht. n.«H. SttBSm. m Uhr Sailabmld- Kr folgende» L-k-I-nt 89. B-. »tri bei stöster, starltgartcnstr. t. 49. Bezirk bei Lübeck«, starlsgartenstr. 12. 87., 42. Bezirk bei Stehmann, Münchcner Ecke Reutcrstraßc. 38.. 41., 49. Bezirk bei Mischke,«iünchener Str. 23. 48. Bezirk bei Balcski, Boddin. stratze 57. 59. Bezirk im Restaurant zum Flughafen, Mahlower Str. 19. Die Referenten werden im Zahlabend bekanntgegeben. 193. Abt. Adl«r»hof. 3 Uhr Mitgliederversammlung bei Bogel. Bismarckstr. 74. Erscheinen der Genossinnen und Genossen wegen der Wichtigkeit der Tage». ordnung unbedingt erforderlich. III. Abt. Bohn-dorf. 8 Uhr bei Seimann, Waltersdorfcr Straß«, gahlabenb. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. ZNorgen, Dotmerstag. 10. Februar: die Mitglieder am Donnerstag 34. Gemeinsamer Abmarsch von 9. Abt. Zur Protestkundgebung treffen sich um Uhr bei Hllbncr, Wilsnacker Str. Siibaer. 21. Abt. Zur Demonstration im Sportpalast treffen sich die Genossen um 6 Uhr bei Kroll, Utrechtcr Str. 21. 26. Abt. Donnerstag nachmittag 2 Uhr stonfumwarenhausbesichtiaung. Treff- punkt Weißenburger Etr. 1. 544 Uhr Treffpunkt Senefeldcr.Platz. 46. Abt. Donnerstag. 19. Februar, 7 Uhr, gemeinsamer Abmarsch von stausner, Hageldcrger Str. 29-, zur Massenkundgebung im Sportpalast. Die Parte, ruft, und alle müssen erscheinen! 82. Abt. Steglitz. Donnerstag 6 Uhr Treffpunkt der Mitglieder zur Be- teiligung an der Demonstration im Sportpalast Rathaus Steglitz. 161. Abt. Treptow. Donnerstag 614 Uhr Treffpunkt zur Demonstration an der Wiener Brücke. * 85. Abt. Tempelhof. Di« Bezirksführer und Kassierer werben aebete», auf das am Sonnabend, 19. Februar, in Mariendorf, Grassels Festfille, stattfindende Winterfest des 13. Kreises hinzuweisen. Zunzsozialisteu. Gruppe Oft«»: Der Beginn unserer Arbeitsgcmeinschatt im Rahmen der Arbeiterbildungsschule mit dem Thema»Probleme der Nachkriegswirtschaft" ~'—(«ming vom Dannersta'"~'"' sticht , 19. Februar, auf er Genossinneu und wird wegen der Donnerstag. 17. w WW■ Genossen, an der Kundgebung i aickendorf-Oft: Donnerstag, 19. 7.-------. JIL—....„________ Hochbahn Blllowftraß«, Ecke Potsdamer Straße. Gruppe.4 der SAI. zur Protestkundgebung der Partei. Frauenveranstaltuagen. lzunehmen.— Gruppe Rei» Februar, 7 Uhr. treffen sich sämtliche Genossen Donnerstag, 17. Februar, 7 Uhr. im Rathaus. 26. Kreis Reiaickenboef. Arbeiterwohlfahrt: Donnerstag. 19. Februar, 744 Uhr, in der Baracke Liudower Straße Funktionärkonferrnz. 84. AH. Donnerstag. 10. Februar. Besichtigung des stonfumwarenhaufe» k» Eharlottenburg, Rosincnftr. 4. Treffpunkt punktlich 144 Uhr Danziger Ecke W-ißenburger Straße. 25. Abt. Donnerstag. 19. Februar. Besichtigung des Konsumwarenhause» in Eharlottenburg. piosinenstr. 4. Treffpunkt pünktlich 244 Uhr daselbst. Um vollzähliges Erscheinen wird gebeten. 26. Abt. Donnerstag, 19. Februar, pünktlich 2 Uhr, treffen sich die Genossinnen zur Besichtigung des Konsumworenbaules iRosincnstr. 4) Ecke Saarbrücker und Weihendurger Straße. Restloses Erscheinen erwünscht. 27. Abt. Achtung, Genossinnen! Donnerstag, 19. Februar, Bcstchtiaung de» Konsumwarenhauses in Eharlottenburg, Rosinenstr. 4. Treffpunkt 2 Uhr Schönhauser Aller sHochbahnhof). Sozialiftische flrbeiterjugenö Groß-Serlin. Zur Kuudgedung im Spo rtpalast morgen, Donnerstag, 7 Uhr, Treffpunkt Bülowstraße lvochbahnhof). Alle anderen Veranstaltungen fallen au». Achtung, AbteUungslassiercr! Heute, Mittwoch, von 5—7 Uhr, Abrechnung. Ausgabe der Febri:ar.,,Iugcnd voran!" und Februar-.Arbeiter.Iugend". Die Bücherstube ist heute, Mittwock>, von 5—7 Uhr geöffnet. EintritUlarten für„Ein Frühliankmgfterium" sdramatische, Sprechcharwerk von B. Schönlank) am Sonntag, 6. März, vormittags 1144 Uhr, und 13. März, vormittaa, 1144 Uhr, im Theater am Bülowplatz sind im Iuqendsckretariat ,» haben. De-glcichl'n für da, 3. Arbeitcr-Sinsoniekonzert am 27. Februar, nach» mittag» 3 Uhr, in der Philharmonie. Heule. Mittwoch. 7V3 Uhr: Borträg:»Der Fafchismu»" Politische Tagesfragen. Bortrag:„Was ist und uju»■».*.------- Jugendheim Tilsiter Str. 4. Bortrag: �hrlingsverhältuisse.— Reich-uberaer Viertel: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Vortrag:„SAZ. und Republik". — Fricdrich-f-ld-: Iugendh-im Schloß. Ecke Berliner Straße. Vortrag:„Wil. � ervevezirr ruetreu nuo wtergurrru: weginn vc» zweiten Aelterrnkurfu» über»eozi-lifttsche Erzlehuna-srag-n'st Jugendheim Rosincnftr. 4. Werbe bezirk Prenzlauce Berg: Die Sitzung de- Ausschusses für Fest« und Feier, Wrrdcausfchuß. fällt aus. VsSksdükne lilzzfil Zill SI!Ili»ll>ksi 8 vkir Vsipsse Iii. in SdilffbiDeniinin Täglich 8 Uhr: Das Crabinal des unbekanntBD Soldaten. Staats-Theater Opernhaus a. Platxd.Repuhl. 7'/, Uhr: Tiefland Schauspielhaus 7*1,: Fledermaus Schiller» Theater 8: Drei Scbwexteni Stältisflis Opei Charlancnburg »>/, Uhr Lohenürin Abonn.-Turnus IV Deotsdtes Ilieater Norden 10334—37 8 Uhr Neidbardtvineisenau von WoKgangGoetz Regie: Heimnilpen Kammerspiele Norden 10334— 37 8'/« Uhr: (Sermaine (Amoureusel von Porto-Riehe ilezie; Fmt.r Lnriugi. Die KomOdie Bismarck 2414. 7516 8'« Uhr: Die Perle von Trldan Beraard ijzl«; Fentu Urrinagj Tbeat. a.Bollendorfpl. urförst 2091 8 Uhr Nax Adalbert in»Hüll er«" Gr. IdtaDtDielliaos Nnr noca ZOiafie Tägl.8'., Uhr:' 'ihn''ßlcuij) SEuJ/lcurix} CHARELL- REVUE Sonnt, nachm. 3 Uhr uagekOrzieVorstllg ru crroäfl. Preisen: Nollendorf 7360 8 Uhr: Powen Tanz- Eletanlen and andere Nenheiten! Netropol- TbeaL Täglich 8 Uhr: ZlrkDtpriDzettln Bejidenzibeaier Täglich SV. Uhr kieiriil Jagadlito nrMv Tbalio-Tbealer 8 Uhr: CerorsSe und der kleine Usus inunkr-.iIliHr T h. Ktni?- rätt St. Hasenheide 2110 teilte AaffOhrasgenü 8 um -'.rs.CheneyjEndc Elisabeth Bergner Freitag geschloss. Sonnabend, 12. Fb nun 1. Malet IliDweklMe Elisabeth Bergner UomiHUeithans Norden 6304 8 Uhr: i-bdaii rtoierh, r.TbtUeuag. Trlanon-Th. Täglich 8'/« Jhr: Oer i r. Lacbenolg Dr. Stieglitz f ririr. Uta. Osker idellkuder Stg.4 Uhr: Kleine Pr. Dr. SHe«Utz 'altnbirg-Bitgn Ots. Künstler-Th. 8'/. Uhr Familie Schlmek ■it Ibi PiUeokerg. Lctsint-Tbeater Alb. Basse rmann 8; Der DUtiaiorl Tb. LXirtOreteedaniiii HätbeDorsdi 8 Uhr HIHI Lusupielbaus 8'/: Guido Thielscher Borra-DlDJüCflE CASINO-THEATERs uhr: — Elp Tao in fandes!— Anssämelüen Gutschein 1—4 Pers Fauteuii nur 1 Mk., Sessel 1.50 Mk» Rciehshallen-Theater Abends 8 Uur u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Du wunäsmlle FEtrair Pmjraninil hadunitlau: Halbe Preise. volles Propraimn! üönhofKUrett'i Varletä, Konrert, Tanr. Neaesfheaier cm Zoo Stpl.5371. Tgl. 8 Uhr Eia Clässper in ModeUbam Creyetta. Vorverk. ununterbi mtral' Theater Täglich 8 Uhr: Der Trompeter vom Rhein Vorverk. ununterbr. Preise von 1—7 M. aitcaua-Tceai, dcikojtwej Tlgl. S1'« Es war einmal in Heidelberg mit d. Schlagerlied Icbhab'meinnen In Heidelberg verloren Vorreig.StF/oErtnäß. KäteScnmidt-Samsi Gaston Briese Rose-7hefter 8". u Das Ein- lamllienbaus Ftumarinoiile s un SiDfonie-tert desPhllharm.Orch. rirlgnt- Olli Marlnhagn. Eroica-Sinf.- Beeth., Vioi.-Konrert.. Mendelssohn flblit) Metallbetten Stablmatralzen, Kinderbetten gBnüg n Orb. Kat. 630 Ir. ElsenmObellabrik Suhli.ThDr ♦ HUNDE ♦ \atzen, Papageien und aJle Haustiere werden behandelt. Tlerarzllltfie Poliklinik ChausseestraBa 93 ♦ neoen Knefervereinshaus Sprechstunden 11-1 u. 4-6 Uhr- Neue Weil A. Sdiolz Hasenbeide 108-114 Mittwoch, d. 9. Februar, sowie täglich: Beckbierfest IIb den baycrUchen Alpen- 8 Kapellen 1 | Neue Dekorationen— SO beycritdie Madl| JOHANN STRAUSS Konzertiert u. atrial ert auf dem 1 Alpenball In Berctalespaden I Einlas 6 Uhr Anfang 7 Uhr VsrBnzciad: boaBertiaO, 10. Februar 1027: (SroBes Schweineschlaehten. | IvfÜhr SIEVUE Woche| „jtfn unß am'" heater I. Admiralapalast Beule ninwodi 200. Aofführang SkerneM eüera. Meiler Der Seil. BlufitinftmineßteO'SflDni A.G.vD!N.vielilijllio»llSSöSve Generalversammlung Sonntag, den 29. Februar 1927, 19 Uhr, bei Krall, Putbufser Str. 32. Tagesor bnuna: Auflösung oder Weiterbestand der Kaste Verwiesen wird auf ßtz 29. 39, HL Erscheinen unbedingt notwendig Oer Vorst and. UMpIMiW-Mpp!! 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Ferner ist der Nach. weis der Bedürftigkeit(Gesamteinkommen im Fahre 1926 von nicht mehr al« 899 RM1 oder de« MinberbemUteitsein»(Gesamt. etntommen im Fahre 1926 von nicht mehr al»>399 RM) durch amtliche Bescheml. gungen zu führen. Wird der Antrag durch ehren Bertreter estelli» so ist ichristlicher Nachweis de: rtreiiiugSpiachl erforderlids. Bertiu, den 7. Februar 1927. der prdstbenlbes Caabesstaaazaml» geil �e: Verkäufe Drebrollerteschke. Leistungsfähigst« Spezialfabrik Rollenwandlung 200. Rosentbalerstraß« 26. Dürtopp-Nihmasehinen ohne Anzah. lung 3 Mark Wochenrale. PPostk, Brunnenstraße 185, zwischen Rosen. thalerplatz und Fnpalidenstraß«. Nor. den 118.__._• «eachteirsweitl D-ulsche, Teppich Haus Emil Lefd-re seit 1882 nur Oranlen straße 158. Keinerlei Beziehungen zur Firma gleichen Namen« Potsdamer. straße Si-germaichiaen 25,—, 40,—, fast neu 65,—. Littauer billig. Köpeuickerftr. 128, Quergebäud«. Thiele. iicßieiilunzssiuclik. stssche us*. BetteaoerlauII R-ue 13,-! 19,50! 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