Nr. SS ♦ 44. 7Qfrrg* Ausgabe A Nr. 35 Bezugspreis. SSüitnlltdb 70 Pfenula. monaüich S, Zieichsmart voraus«oljlbat. Unter ftrfiuhanb kür Bcutltfclons, ScuAi« Soci. und Sicmelaebiet. Oetlitttidi Litauen ttuirmbur» *20 Stunsma!!, Hir da» Obn«« Ausland 5-50 Zieichsmarl vro Monat, Lei.Lorwärts� mit der MuIKle» ten Sonniogsbeilag«.Bold und Zeit' iowi« den Beilagen.Unierballun, mm Wissen�„Aus der KilmweU', .�rauci, stimme'„Der Kinder» freund'.Zuqend-Borwilrts' und �lick in die Büctiermelt' erscheint mvchentäolich tweimal� SonntaH» und Montaa» einmal. Telearantm. Adresse: »Soztoldemolro« vertia» Morgenansgalre �10 Pfennigs Derlinev Volltsdlakt Anzeigenpreise: Die einlvaltia» Nonvarewe- »eile 80 Pfennia- ReNameiieil« 5,— Reichsmark-.Kleine An,ci«cu' das iettacdrulkte Wort 25 Dkenni» ttulSMa»wei fettacdruckic Worte), iedes weitere Dort 12 Dkennia. Stellenoesuche das erste Wort 15 Mennia->edes weitere Wort 10 Pfennia- Worte übet 15 Buchstaben»älilen siir»wei Worte. ?lrbeitsmarkt Keile 80 Vkcnnia. Familienonteiacn kür Abonnenten Keile«3 Ticnnia. Ameiaen siir die nSchsle Nummer mllilen bis<>d Ubr nochmittaas im Souvtacfchäkt. Berlin EW 88. Linden. ssraiieZ. obacaeben werden. DeSffnct von SM> Ubr früh bis 5 Ubr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat tfchen Partei Deutfcblands Neüaktion und Verlag: öerlin SW. H8, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff WZ-297. Donnerstag, den 10. Februar 19Ä7 vorwärtS'verlag.G. m. b. h., Serlin SA). öS» Linöenffr.3 Postschecktsnto: Berlin 87 588— Bankkonto: Baak der Arbeiter. Anaestrlten und Beamten. Waiiftr.(5s Dioksnto-Scselllchalt. Denositenkass» Lindcustr. 3. Mit Keuöell gegen Vieth l Schwere Entscheidung im Zentrum. In dem neuen Heft der„Deutschen Republik"', das morgen erscheinen wird, gibt W i r t h die Gründe an, die ihn ver- anlaßt haben, sich bei der Abstimmung am ö. Februar von seiner Partei zu trennen und mit der Opposition gegen die Regierung zu stimmen. Er schreibt u. a.: Das Nein war wohl erwogen und wohl bedacht. Ich stehe zu diesem Nein, wie ich auch jederzeit in den 13 politischen Jahren, die ich hinter mir Hab«, was ich nach reiflicher Ueber- legung tat. „Nicht etwa deshalb nur, weil Herr Hergt und Herr v. Keudell dies oder jenes gesagt haben oder weil Herr v. Keudell beim Kapp-Putsch eine nicht zu rechtfertigende Haltung eingenommen hat. lehne ich diese Regierung ab, sondern weil es für mich als Republikaner unmöglich ist, dieser Regierung mein Vertrauen zu geben und durch mein Votum Nichtrepublikaner verantwortungsvolle Posten zu verschaffen...' Was ist aber gekommen? Man präsentiert uns Männer, die für die Republik eine Provokation sind. Mit Wenn und Aber, mit Vor- behalten, mit Wiederholung alter Formeln griff man zur Macht. Man wclirte sich sogar dagegen, die Richtlinien, die im Zentrum aus- gearbeiet worden sind, auch nur der Oeffenllichkeit zu übergeben. * Man schob das Manifest zur Seite, au dem ich mitgearbeitet habe. Am Sonntag will der Reichsparteiausschuß des Zentrums Gericht über Wirth halten. Aber Wirth tritt ihnen jetzt schon vor aller Welt als Ankläger entgegen. Keuüell unü sie fiöelsacht. Der Gefangene seiner Kaste. Aus dem„Iungdeutschen", dem Organ des Jungdeutschen Ordens, erfuhr man, daß der jetzige„Reichsinnenminister auf Abruf" sich an der Verhängung der gefellschaft- l i ch e n Acht gegen einen semer adligen und agrarischen S andesgenossen deswegen beteiligt hat weil der Geächtete sich nicht dazu pressen lassen wollte, den Verkehr mit dem Jungdcutfchen Orden aufzugeben. In seiner neuesten Nummer spricht der„Jungdeutsche" von dem„Gewissensterror einer Kaste" und fällt über den neuen Reichsinnenminister dieses Urteil: Wenn Herr v. Keudell an diesem Gewissens terror sich beteiligte, so muß er die Folgen trogen. Denn er mußte sich über die Tragweite der Aechtung eines Iungdeutschen klar sein. Er kann nicht erwarten, daß der Iungdeutsche Orden seinen Ordens- brudcr im Stiche läßt, oder daß der Orden und mit ihm alle an- ständig denkenden Kreise schweigen, nur weil Herr v. Keudell inzwischen Minister geworden ist und vielleicht durch das B«- kanntweiden dieser Dinge ein mühsam abgeschlossener Parleikuh- Handsl gestörk wc.den kann. Uns leitet nicht Opposition gegen die Regierung, wenn schon wir an der Person des Reichswehrministers und nunmehr auch an der des Reichsinnenniinisters vieles auszusetzen haben. So- fort nach Bekanntwerden der Aechtung haben wir der Oessentlich- keit Mitteilung gemacht. Wenn diese Veröffentlichung nach Ansicht mancher Kreise unzeitig kommt, so mögen diese sich bei den Groß- grundbesitzern in der Neumark bedanken, die es für not- wendig hielten, diesen unerhörten Beschluß in der jetzigen Zeit zu fassen. Wir erwarten von einem Reichsinnenminister, daß er» die staatsbürgerlichen Rechte feiner Volksgenossen wahrt. Wir pro- testieren daher gegen Herrn v. Keudell als Reichsinnenminister, weil er offenbar der Ansicht ist, daß politisch Andersdenkende mit Mitteln gesellschaftlicher Aechtung erledigt werden müssen. Der neue Reichsminister zum Schutze der Verfassung, dem hier so deutlich die Meinung gut„nationaler" Deutschritter gesagt wird, wird übrigens in der„Vossischen Zeitung" mit einigem Interesse die Einzelheiten der Vorgeschichte jener Aechtungsaktion lesen. Das genannte Blatt hat einen Mitarbieter zu dem Geächteten gesandt und sich von ihm bestätigen lassen, daß er genau so wie seine Nachbarn ein „märkischer Junker" sei, der sich in den Standesinteressen m i t ihnen solidarisch fühlt und bei jeder Wahl den Deutschnationalen seine Stimme gab. Wie es kam, daß er sich unbeliebt machte, darüber erfährt man diese Einzelheiten: Im Jahre 1S22 trat er als Bruder den, Iungdeutschen Orden bei und begann mit einer offenen Werbetätigkeit im Kreise Königs- borg. Der Leiter des„Wehrsports", Major Vadicke, fühlte sich mangels besseren Wissens oerpflichtet, vor dem Iungdeutschen Orden zu warnen, da er eng mit den in Ostelbien legenden- umwobenen Freimaurern liiert sei. Schon damals äußerte sich ein Gutsbesitzer, man müsse einen so unzuverlässigen Mann, wie Herrn v. Tresckow, einfach boykottieren. Man legte dem jungen Deutschritter die entscheidende Frage vor:„Wie wer- den Sie sich im Falle von Unruhen verhalten?" Entsprechend den diplomatischen Weisungen der Ordensleitung antwortete v. Tresckow:„Wir werden uns der stärksten nationalen Organi- s a t i o n anschließen." Im Herbst 1925 wurde Hasso v. Tresckow Komtur der Ballei Neumark, ohne sich in dieser Stellung die Zufriedenheit des zu- ständigen ,L r e i s o f f i z i e r s", des Hauptmanns v. Eberhardt, erwerben zu können. Der Komtur war kaum ein Vierteljahr im Amt, als er sich genötigt sah, die Ordensleitung um eine prinzipielle Stellungnahme anzugehen. Ein Leutnant Preuß sammelte im kreise Neumark Beiträge für die Ausstellung von Zwei bis drei Kompagnien mit der Begründung, der Reichspräsident werde über kurz oder lang vom Artikel 4S der Verfassung Gebrauch machen. In diesem Falle sei mit kommunistischen Erhebungen und Einfällen der Polen zu rechnen, so daß die Reichswehrformationen mobil gemacht werden und neue Derbände den Sicherheitsdienst in den Garnisonen der Reichswehr übernehmen müßten. Bald darauf wurde bei einer Großgrundbesitzerversammlung noch ein. mal über„AbweHrmaßi, ahmen gegen polnisch« Einfälle" gesprochen. Zu der gleichen Zeit mehrten sich bei der Leitung des Jung. deutschen Ordens Nachrichten aus dem ganzen Reich über Maß- nahmen gegen polnische Bedrohungen und über das Bevorstehen einer Rechtsdiktatur. Der militärische Berater des Iungdeutschen Ordens, General Salzenbcrg, befürchtete einen Putsch und gab der Ordens-Ballei Neumark Befehl, sich ganz von dem„Wehrsport" zurückzuziehen.— Tresckow ist sich darüber klar, daß der Ordens-Hochmeister Mahraun als junger Kreis- Hauptmann der alten Generalität schon aus Gründen der geheiligten Altersfolge ein Dorn im Aug« war. Ms im Zusammenhang mit der Hochverratsaffäre C l a ß auch die Mahraunschc Denkschrift vor den Oberreichs- anmalt kam, ließ er den in ihr genannten Ordensbruder Tresckow über seine Angaben an die Ordensleitung g e r i ch t- lich vernehmen- Auch der genannte Leutnant Preuß und der Major Vadicke sollten vernommen werden Um eine Verständigung zu erzielen, suchte Tresckow den Vadicke auf und hatte eine längere Aussprache mit ihm. Nichtsdestoweniger ging das Gerücht von der gesellschaftlichen Boykottierung weiter, so daß sich Tresckow schon e n t- schlössen hatte, aus dem Iungdeutschen Orden auszutreten, wenn von weiteren Verfolgungen seiner Person abgesehen würde. In diesem Stadium erhielt er eine Einladung zu dem Führer der Agrarier, v. d. O st e n- W a r n i tz. wo er auch mit dem setziaen Reichsminister v. K e u d e l l zusammentreffen sollte. Er fühlte sich jedoch schon zu schwach, um noch eine solche Unterredung zu überstehen. Statt seiner ging sein Vater, ein eingefleischter Konservativer, zu Warnitz und Keudell und brachte als Resultat der Unterredung jenen R c- vers mit. durch den der junge Tresckow sich verpflichten sollte, jede innere Gemeinschaft mit der Leitung des Jung- deutschen Ordens aufzugeben. Das lehnte Tresckow endlich ab und so entstand der i m Beisein Keudclls gefaßte Beschluß, wonach die Großgrundbesitzerkaste sich verpflichtet, den jungen Standes- genossen aus ihrer Gemeinschaft auszuschließen und sogar jeden Raum zu verlassen, in dem sie etwa zufällig mit ihm zusammentreffen könnte! Man hat nichts davon gehört, daß Herr v. Keudell sich diesem niedertrachtigen Ge- sinnungszwange auch nur im geringsten widersetzt hätte, einem Gesinnungszwange, der zugunsten der Rechtsverbände geübt wurde, die zu bekämpfen er nach der Regierungserklärung in seinem Amt verpflichtet lein soll. Die„Untersuchung" gegen Keudell schleppt sich übrigens reichlich lange hin. Der Chef der Reichskanzlei, Staatssekretär Dr. P ü n d e r. hat gestern im Aeltestenrot des Reichstags ausdrücklich versichert, daß das Ergebnis der Untersuchung wahrscheinlich erst in der nächsten Woche dem Reichstag mitgetellt werden könnte, denn es ströme noch täglich Material in Sachen Keudell zusammen, das vom Reichskanzler sorgfältig geprüft werden müsse. Hie öürgerblock- hie Arbeiter! Zur heutigen Kundgebung im Sportpalast. „Alle Geschichte ist eine Geschichte von Klassen- kämpfen." Heute stehen wir vor einem Ereignis, das diesen berühmten Satz von Karl Marx eindeutiger dernon- striert als alle politischen Vorgänge der letzten Jahre. Auf Geheiß des Reichspräsidenten von Hindenburg haben sich die von ihm selbst so genannten„bürgerlichen Parteien", mit Aus- nähme der kleinen Demokratenpartei, zu einem Regierungs- block zusammengeschlossen. Hinter ihnen stehen die großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mächte des Großkapitals und des Großgrundbesitzes. G e g e n sie steht als die weitaus stärkste Partei der Opposition die Sozialdemokratie. So wird das Bild wieder einmal pollkommen klar. Die Sozialdemokratie ist die Partei der arbeitenden Menschen. Sie ist die Partei derer, die ein eingebürgerter, aber stark anfechtbarer Sprachgebrauch die Arbeit ne h m e r nemtt, weil sie auf Befehl anderer und zum Nutzen anderer ihre Arbeit hergeben. Zu diesen„Arbeitnehmern" im gewerkschafi- lichen und sozialdemokratischen Sinn gehören nicht nur die Handarbeiter, sondern auch die breiten Schichten der Ange- stellten und Beamten.'Sie bilden die ungeheure Mehr-- h e i t unseres Volkes. Auf dieser unanfechtbaren Tatsache beruht aber auch ei» Umstand, auf den die Parteien des Bürnerblocks immer wieder hinweisen. Auch sie verdanken ihre Sitze im Reichstag zum guten Teil arbeitenden Menschen. Das Bild gestaltet sich danach so: Auf der einen Seit« stehen, von geringen Splittern abgesehen, die B es i tz e n- den aller Parteien zu einem festen Block zusammengeschlossen. Sie schleppen einen gewaltigen Schweif von Besitzlosen, von Arbeitnehmern hinter sich her. Ohne diese wären sie nur ei» kleines Häuflein von Offizieren ohne Soldaten, auf ihre eigenen Klassenkräfte gestützt, würden sie im Reichstag nur eine kleine Minderheit bilden können. Wenn sie dort noch eine Mehrheit darstellen, so verdanken sie das nur ihren Mit- und Nachläufern, die klassenmäßig gar nicht zu ihnen gehören. Daraus folgt aber dann noch ein weiteres. Die Sozial- demokratie kann eine unverhüllte Klassenpolitik der Ar- bettenden und Besitzlosen treiben, weil diese den Interessen einer Volksmehrheit entspricht. So wie der gewerkschaftlich organisierte Arbeiter nicht bloß für sich selber und seine Ge- werkschaftsgenossen bessere Löhne und Arbeitsbedinqungen erkämpft, sondern auch für seine Nichtorganisierten Arbeits- kovegcn, so wirkt die Sozialdemokratie nicht nur für die Ar- beiter, die ihr bei der Wahl ihre Stimme geben, sondern auch für diejenigen, die sie bekämpfen, indem sie für eine bürgerliche Partei oder für die Kommunisten stimmen. Was es in Deutsch- land an Arbeiterrechten und Arbeiterlchutz gibt, kommt den Arbeitenden ohne Unterschied der Partei zugute; es ist aber ausschließlich von der Sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften erreicht. Die Schwäche des Bürgerblocks beruht auf dem allge- meinen, gleichen Wahlrecht und auf der Tatsache, daß er unter diesem System nur solange an der Macht bleiben kann. als er neben anderen auch Arbeiterstimmen erhält. Darum kann er keine u n verhüllte Klasienpolitik des Besitzes treiben. ohne das zu erreichen, was er am meisten fürchtet: die bc- fchleunigte Abwanderung seiner arbeitenden Wähler zur Sozialdemokratie. Das allgemeine gleiche Wahlrecht und die Furcht vor der Sozialdemokratie zwingen ihn, sein Antlitz zu verschleiern und Zugeständnisse zu machen. Darum hat er den ehemaligen Schreiner Koch zum Derkehrsminister ge- macht, darum verspricht er, gemäß dem Briefe Hindenburgs auch die„berechtigten Forderungen der Arbeiter" vertreten zu wollen. Der Bürgerblock kann aber nichts geben, was er nicht seiner Natur zuwider und widerwillig gibt. Er kann nichts geben, was ihm nicht in Wirklichkeit abgerungen wird durch die Rücksicht auf die Tatsache, daß gegen ihn die Sozial- demokratie als gefährliche Oppositionspartei steht. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß es nicht auch in den bürgerlichen Parteien Männer und Frauen gibt, die soziales Verständnis besitzen. Nur: wenn es diese gibt, so ist das wiederum auf die Tatsache zurückzuführen, daß hei dem gegen- wärtigen Verfassungssystem und angesichts des sozialdemo- kratischen Wettbewerbs um die Wählerstimmen die Besitzen- den in den bürgerlichen Parteien nicht mehr unter sich bleiben können. Darauf ist es ja auch zurückzuführen, daß die Sozial- demokratie Koalitionen mit bürgerlichen Parteien schließen tonnte. Wie könnten sich z. B. Zentrum und Sozialdemo- kratie miteinander koalieren, wenn nicht zwischen den frei- gewerkschaftlich und den christlich organisierten Arbeitern die Ksnmi dem BesUzMirderblodc! vollkommenste Gemeinschaft der Klasseninteressen und darum auch die weitestgehende UebcreinstimMung in wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen bestünde? Jetzt hat die Reichstagsfraktion des Zentrums die Sozial- dcmokratie in die Rolle der Oppositionspartei verwiesen und sich mit Deutschnationalen und Lolksparteilern an den Regie- rungstisch gesetzt. Damit ist die Koalition zustande gekommen, der ein Zentnimsführer, Josef W i r t h, den Namen des „B e s i tz b ü r g e r b l o ck s" gegeben hat. Und wenn das Zentrum jetzt die neue Koalition nicht als„Besitzbürgerblock" anerkennen will mit der Begründung, daß eine Koalition, die es mitmache, eben kein„Besitzbürgerblock" sein könne, so macht Wirth eine solche Politik der Spitzfindigkeiten nicht mit. Getreu seinem Versprechen, daß er auf feiten der Arbeiter stehen werde, wenn es zwischen diesen und dem Bürgertum zum Zusammenstoß komme, hat er am 5. Februar der Re- gieruvg das Vertrauen verweigert und als einziger Zentrums- mann mit der Opposition gestimmt. Wir wollen uns nicht einlullen lassen durch die Ver- tröstungen, daß es so schlimm nicht werden könnte, weil ja dieFeindederRe�ublikund derDcmokratie gebändigt seien und weil auch der Bürgerblock Rücksicht auf die Tatsache nehmen müsse, daß die Mehrheit des Volkes. der Wähler, aus Werktätigen besteht. Wir wissen: nur durch die Macht der Sozialdemokratie kann bewirkt werden, daß es„so schlimm nicht" wird. Und ist es nicht schon schlimm genug, daß ein Kappfst zum Hüter der republikanischen Verfassung gemacht worden ist, und daß man den Arbeitern das Arbeitszeitnotgesetz verweigert, das von den Gewerkschaften aller Richtungen einmütig ge- fordert worden ist? Drohen nicht neue Angriffe auf die tief gesunkene Lebenshaltung des Volkes durch Abbau der Wohmingsbewirtfchoftung und durch eine schutzzöllnerische Handelspolitik? Drohen nicht der G e i st e s f r e i h e i t, die dem sozialdemokratisch gesinnten Arbeiter nicht weniger wichtig ist als das liebe Brot» die schwersten Angriffe? Und warum diese Gefahren? Weil auf der einen Seite die Besitzenden so gut wie einig sind, auf der anderen Seite aber die Arbeitenden, die Besitzlosen, zersplittert und uneinig. Das aber ist der große Gedanke, für den die Sozialdemokratie seit zwei Jahrzehnten kämpft, daß sich die schaffenden, von Rot bedriickten Massen zu gemeinsamem Kampf um eine Fahne sammeln sollen. Diese Fahne, die F a h n c d e r S o z i a l d e m o k r a t i e, weht heute auf dem Sportpalast. Diese Veranstaltung soll in e h r sein als eine jener vielen Versammlungen, die der stürmische Lauf der Zeiten mit sich bringt. Sie soll symbolische Bedeutung haben. Ihr Ruf soll hinausgehen bis an die Grenzen der deutschen Republik und über sie hinaus: Arbeitsvolk zu Häuf! Hinein in den Kampf! der soziale Seift üer deutschnationalen. In völkischer Beleuchtung. Graf R c v e n t l o w berichtet im„Reichswaci" über seinen Austritt aus der Deutschvölkischen Freiheitspartei und den gleich- zeitig erfolgten llebertritt zur Partei Hitlers, dem er sich ohne x-eiteres unterordnen will. Di« Ausführungen sind, soweit sie sich auf den Grafen und die völkische Bewegung beiderlei Richtungen beziehen, ohne Interesse. Diese einst mit großem Tamtam aufgezogene Bewegung ist, wie Reventlow selbst zugibt. aus dem toten Gleis. Sie wird auch durch Aus- und Uebertritte nicht wieder mobil gemacht werden. Bon einigem Interesse ist icdoch das Zeugnis, das Reventlow bei dieser Gelegenheit den D e u t s ch n a t i o n a l e n mit auf den Weg zur Besitzbürger- blockarbeit gibt. Reventlow ist aus der Deutschvölkischen Freiheitspartei aus- geschieden, weil er„radikalsoziale, sozialreoolutionäve" Anschauungen hat, wahrend die v. Graes«, Henning, Wulle ihre deutsch. Serlin in Verlegenheit. konzertnmschau von Kurl Singer. Die Aufführung des„König David" von Honcgger unter Lockung von Ochs zeigt«, daß Möglichkeiten vorhanden sind, unsere Konzertrepertoire bunt zu gestalten. Soeben bereitet Schumann gleichfalls ein neues Oratorium vor. Es liegt klar auf der Hand, !ttß solche Konzerte ein erschreckendes Defizit bringen. Dennoch müssen sie gewogt werden, wenn man Berlin in seiner zentralen Stellung als Musikstadt halten will. Leider sind die Snobs des Konzertdaseins noch nicht so weit, für unbekannte Dinge Geld auszugeben. Und die nichtsawrierten Existenzen haben kein Geld. um ihrer gesunden Freude am Reuen Nahrung zu geben. Was tun aber nun die Motadore des gesellschaftlichen Konzertlebens, die durch Abonnements gesichert sind vor Defizit? Sie schweigen sich beredt aus. Es muh einmal aus den unerträglichen Zustand hingewiesen werden, der augenblicklich in Berlin dadurch herrscht, daß der Expansionslust unserer Prominenten von keiner Seite her ein Riegel vorgeschoben wird. Während die große Frage der Repertoire. gestaltung in den Opernhäusern akut ist, während der schicksals- schweren Vorbereitungsmonate reist Kleiber nach Moskau, Blech nach Stockholm. Klemperer nach Amerika. In der Städtischen Oper gastiert W a l t« r ob und zu und reist hauptamtlich nach Prag, Leipzig. Moskau. Furtwängler dirigiert in Amerika. Wenn das so weiter geht, dann wird Berlin, die Stadt der Meister- dirigenten, nur noch die Durchgongsstation der durch Berlin be- rühmt Gewordenen fein, nur noch die Stätte, an der man feine Monatsgehälter abhebt. Und wenn die Meister als Dank für die Uebernütllung deutscher Kunst ihre Zahlung erhallen haben, wenn sie erst alle Millionbesttzer geworden sind, dann kann das ihnen anvertraute Kunstinstitut inzwischen bankrott gegangen sein. Wo bleiben die ideellen Derantwortungsgefühle, wenn 1000 Dollar zu verdienen sind! Furtwänoler und Walter bringen Programme, die sie auch bei ihrer Geburt hätten hören können. Kein Borwärtsdrang. keine Probenzeit, keine Nachdenkeruhe. Es wird langweilig in Berlin. Waller ist müde und nervös. Die 11. Leonoren-Ouvertüre zeigt ein Gemisch von Breite und Gesetztheit, die physisch bedingt ist. Lotte Lehmann, der Gast, gleichzeitig Gast in der Städtischen Oper (wie bequem!), wäre auch in besserer Disposition ganz ungeeignet für die heiße Inbrunst Wagnerscher Orchesterlieder: mustkalisch ver- patzt sie manches(wie den Schluß der„Träume"). Erst in der Opernarie zeigt sie Stimme und Glanz der Stimme, Ausdruck, innere Beteiligung. Aber auch hier erweist sich, daß dem einst so schönen, biegsamen Organ eine Starre zuteil wird, die nicht mehr mckschwingen läßt. Zum Schluß Wallers Paradestück von 1830. Mahlers erste Sinfonie. Wo wird dieser herrliche Musikant sich morgen müde machen? Zum März aber kündigt er an: Weber, Brohm», nationale Herkunft bis aus den heutigen Tag nicht oer- gessen haben. Sie unterscheiden sich nach Revsntlows Urteil von den Deutschnationalcn nur durch die schärfere Tonart Ihre Gesinnung ist im übrigen monarchistisch und kapital! st isch wie die der Deutschnationalen, sie fühlen sich als die„herrschende Klasse", und diese Gesinnung wird bei den Deutschoölkischen immer stärker in den Lordergrund treten: .Die Deutschoölkische Freiheitspartei wird nunmelzr noch«ick- ichiedener und«iicheitlicher als bisher sich jener konservativen oder iungkonservativen. großarundbesitzerlichen, krypto- kapitalistischen Richtung nähern— gehören doch auch Führer der Freiheitspartci schon der Konservativen Partei an— für welche die deutsche Arbeilnehmerschost im Grunde nach wie vor ein dienende» Glied im Rahmen der Gesamlbevölkerung be- i?eulet. Im Grunde ist der alte Kasten- und Gesell- schaftsdüntel und Herrschaftsanspruch ungeschwächt vorhanden."* Graf Reventlow zeichnet die Deutschnationalen, wie sie sind und wie st« bleiben werden, trotz ihres„Arbeiters" Koch als Berkehrsminister und trotz oller sozialen Phrasen. Er schildert damck aber auch das wahre Gesicht des Besitzbürgerblocks. Im übrigen ist es sehr possierlich, daß die völkische Frak- tion des Reichstags Wert auf die Feststellung legt, daß sie sich nicht in Wohlgefallen aufgelöst hat. Obwohl Reventlow und die Seinen den Deutschvölkischen wegen ihrer„großgrundbesttzer- lichen, krypto-kopitalistischen" Ketzereien Urfehde geschworen haben, obwohl die Völkischen den k u b e aus persönlichen, also anscheinend ehrenrührigen Gründen ausgeschlossen haben, will die ganze Gesellschaft beisammen bleiben, um ihrer Rechte als Fraktion nicht verlustig zu gehen. Was wird dabei nun besser ge- deihen, die Zusammenarbeit miteinander oder der Kampf gegen- einander? Ein schwieriges Hakenkreuzworträtsel! Wo öer �chtftunüentag wieder gilt. „Wenn Gefahr für Lebe» oder Gesundheit besteht." Das Achtstundentagtrauerspiel in Deutschland kann kaum besser beleuchtet werden, als durch die Tatsach«, daß jetzt endlich die in K 7 der Arbeitszeitoerordnung vom 21. Dezember 1923 verheißene Schutzbestimmung sür besonders gefährdete Arbeiter getroffen wurde. Für Gewerbezweige oder Gruppen von Arbeitern, die unter besonderen Gefahren sür Leben oder Gesundheit arbeiten, ins- besondere sür Arbeiter jm Steinkohlenbergbau unter Tage sowie sür Arbeiter, die in außergewöhnlichem Grade der Einwirkung von Hitze, giftigen Siofsen, Staub und dergleichen oder der Gefährdung durch Sprengstoffe ausgesetzt sind, ist nach 8 7 eine Ucberschrei- t u n g der achtstündige» Arbeitszeit oder aber der längeren tariflich vereinbarten oder behördlich zugelassenen Arbettszeit nur zulässig, wenn die Ueberschreitung aus Gründen de» Gemein- wohles dringend erforderlich ist oder wenn sie sich in langjähriger Uebung(l) als unbedenklich erwiesen hat und eine halbe Stunde nicht übcrsteigt. „Der Reichsarbeitsminister bestimmt, sür welche Gewerbe- zweige oder Gruppen von Arbeitern diese Beschränkung Platz greift/' Iegr wird gemeldet: Die drei Verordnungen zur Wiederher- stellung des Achtstundentages für die gesundheitlich gefährdeten Ar- beiter in den Gaswerken, Metallhütten, Glashütten und Glasschleifereien werden am 10. Februar im„Reichs- anzeiger" veröffentlicht. Ihre DerössenUichung im Reichsgesetzblack steht unmittelbar bevor. Bei den Verordnungen sind im wesent- lichen die Vorschläge des Relchswirtschaftsrates zu- gründe gelegt, die bei der Beratung im Reichswirtschoftsrot An- nahm« gefunden haben. Außer der Slufzählung der Arbeiter�ruppen enthalten die Verordnungen Bestimmungen über die Arbecker, die nicht während der ganzen Dauer ihrer täglichen Arbeitszeck mit den fraglichen Arbeiten beschäftigt werden, ferner über den Aushang der Verordnunaen im Betrieb sowie über den Zeitpunkt des Intraft- tretens. Hierfür ist übereinstimmend der 1. April 1927 festgesetzt. Nur für die W« i ß h o h l g l a s i n d u st r i«, für die die neue Ver- ordnuna, wie verlautet, besonders einschneidend wirken soll, besteht die Bestimmung, daß die vor dem Inkrafttreten der Verordnung abgeschlossenen Tarifverträge noch bis zu dem vereinbarten Ablauf in Geltung bleiben fallen. Verdi. Es wird langweilig In der Philharmonie. Scherchen ver- spricht Abhllfe. Bei dem Frankfurter Amar-Ouortett fühll man sich ge- borgen. Es ist still geworden uni die einst so hoch gepriesenen Quartette van Busch und Klingler. Guarneri, Hooemann, Amar zeigen einen Reichtum, der den anderen abhanden kam. Ist beim Guarneri-Ouartett der Adel des Klanges, bei Havemann die Lust am Problematischen das Entscheidende, so wird beim Amar-Quartell die Gesamtmusitalität der Spieler Erlebnis. Amar, der Primgeiger, Paul Hindemith, der Bratscher, beflügeln ein Ensemble von schönster Ebenheit der Gesinnung, von wundervollstem rhythmischen Schwung. An zwei Abenden spielen sie mit gleicher Kraft der Gestaltung. auch mit gleicher spielerischer Iugendfreude Reger, Hindemich, Ravel, Dvorak, Sibelius, Verdi. Von diesen Werten ist nur Sibelm» eine Riete. Gedanken von Brahms und Schumann, und eine gan.z billige Marktoerarbeckung, zum Schluß ein oberflächlicher Ezarda». Als Aequivalent das op. 22 von Hindemith, froh aus dem Geist der Instrumente heraus musiziert, keck, witzig, geistvoll, könnerisch in- haltlich neu. Das war«ine Freud«, eine Bereicherung. Es gibt noch Komponisten in Europa. Unter den Geigern gibt es solch«, die Primgeiger sind und führen, solche die prima sind und entzücken, solche, die Primas dar- stellen. Ein Primas ist Zlatko B a l o k o v i c. Sein Geigen ist artistisch gut, wirkungsvoll, sinnlich. Ein Mangel an Vornehmheit und Tiefe entschädigt für diesen Vorzug: Balokovic scheint geboren zum Geiger an der Spitze einer guten Jazzkapelle. Helge L i n d b e r g hat eine große, weittragende, helle Bariton- stimme, der man ein wenig ausländischen Akzent anmerkt. Sein Vortrag Bachscher. Händelscher Arien wäre gesanglich Dollendung. wenn er beseelter, tiefer, eindringlicher, herzlicher wäre. In solcher Temperatur aber geht viel Wirkung verloren. Klara Körner traf den Stil einer Schubertschen Sonate insofern gut, als sie Unbedeutendes unbedeutend wiedergab. Irre ich mich nicht, so trat die Bratscherin im vorigen Jahre als Geigerin auf, ohne sehr zu interessieren. Auf der Biola hat sie einen großen, doch noch ungepflegten Ton, ist technisch noch nicht über das Mittel- maß hinausgekommen. Aber auch der Wille zum gestuften Ausdruck, lebhaft unterstützt durch die Begleitung von Vittor E. Wolfs, bleibt zu loben. Die mitwirkende Sängerin Cleve tonnte ich leider nicht mehr abwarten._ Zlluskrierker Rundfunk in Wien. Di« Wiener Nodio-Derkehr«- gesellschaft, die den österreichischen Unterhaltungsrundsunt besorgt. wird in den nächsten Tagen damck beginne», Einrichtungen für«inen Bilderrundfunk zu schaffen, und zwar nach dem System Baker, das auch in London gleichzeitig eingeführt werden soll. Es handett sich dabei nicht um eine Bildtelegraphi« in der Art von Professor Corolus. die sich zur Ueb ertragung von Schriften und dergleichen eignet, fon- der» ausschließlich um eine Bildübertragung, die als Ergänzung de» Unterhaltungsrundfunk dienen soll. Sie Besitzer von Radio- die firbeitslosenverftcherung. Turchberatung im Tozierlpolitischcn Ausschuß. Der Sozialpolitische Slusschuß des Reichstages trat Mittwoch in die Beratung der Regierungsoorlag« einer Ar- beitsloscnversicherung ein. Abg. Aushäuser(003.) legte den Standpunkt der sozialdemokratischen Reichstagssrnktion dar und bemerkte einleitend, daß die Begründung der Vorlage eine Reihe sozialer Grundsätze proklamiere, die im Gesetz selbst in schlimmster Weise mißachtet werden. Die Arbeitslosen könnten sich nicht an die Begründung, sonderti nur an die Geseyesparagraphen halten. In dem Entwurf werde die Arbeitslosenversicherung durch die Errichtung der sogenannten Landesarbeitslosentasscn vollkommen der Länderbureoukratie in die Hände gespielt. Die Selbstverwallung stehe nur aus dem Papier, wenn die gesamte Dienstaus- sicht bei den Landesbehörden liege, und es sei ein Dinding, ohne grundlegende Aenderung des Arbeitsnachweisgesetzes überhaupt zur Selbstverwaltung zu gelangen. Die SPD. bestehe darauf, daß den Versicherten aus Grund des Artikels 161 der Reichsoerfassung ein maßgebender, d. h. ein überwiegender Einfluß in der Ver- w a l t u n g eingeräumt werde. Aushäuser verlangte u. a. noch«ine grundsätzliche Aenderung im ganzen Aufbau der- ort, daß als erste Instanz Arbeitsämter in Berbindung mll den Arbeitsnachweisen mck einem Verwaltungsausschuß er« richtet werden, in dem die Arbeiter und Angestellten z w e i D r i t t e l der Sitze innehaben. Als zweite Instanz wäre ein Landesarbeitsamt zu errichten, das die Berbindung mit der Reichs- zentrale herstellt und einen Landesverwaltungsausschuß besitzt. Schließlich wäre bei dem Reichsarbeitsamt die Selbst- Verwaltung in gleicher Weile durch einen Reichsverwaltungs- ausfchuß zu sichern. Hinsichtlich der Aufbringmig der Mittel verlangt die Sozial- demokratie im Gegensatz zum Entwurf, daß Arbeitgeber. Ar- beitnehmerund Reich bzw. öfsentliche Hand je«in D r i t- tel zu leisten haben. Die in dem Entwurf vorgesehene Krisen- Unterstützung für die Ausgesteuerten lehnt die SPD. in der vor- geschlagenen Form ab. Der Rechtsanspruch auf die Leistung der Unterstützung müsse einwandfrei gesichert werden. Das Lohnklassen- system sei bei einer Derstcheruna nicht zu umgehen, es müsse aber vor allem in den unteren Stufen ein ausreichendes Existenzminimum gewährleisten. Abgg. Andre(Z.) und Ziegler(Dem.) schlössen sich der Sozial- demokratie hinsichtlich ihrer Bedenken gegen die Organisation fast restlos an. Auch Thiel(D. Bp.) folgte zögernd den sozialdeinokroti- schen Vorschlägen, äußerte aber Bedenken geaen die Reichszuschiisse und gegen die Aushebung der sogenannten Parllät in der Selbst. Verwaltung. Dr. Rademacher(Dnat.) berief sich auf«ine Rede im Plenum des Reichstaas und druckte sich so um eine Stellungnahme im Ausschuß herum. Rädel(KPD.) lehnt das Gesetz grundsätzlich ab. Als Bertreter des Reichsarbeitsministeriums behiell sich Geheim- rat Weigert die endgültige Stellungnabme der Regierung vor. l'eß aber die Bereitwilligkeit erkennen, den die Organisation der Zlrbeits- losenversicherung betreffenden Teil des Gesetzes im Sinne der sozial- demokratischen und von den übrigen Parteien unterstützten An- regungen umzugestalten und dann tn abgeänderter Form vorzulegen. der neue Thüringer llanütag. Die Sozialdemokraten geaen Bevorzugung der völkischen Splitter. Weimar, 9. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Der t h ü r i n g i- sche Landeswohlausfchuß befaßte sich am Mittwoch mit dem Ergebnis der Landtagswahlen. Er bestätigte die vorläufige Verteilung der Mandat«, so daß aus die Einheiisliste 19, die S o z i a l- demokraten 18, die Kommunisten 8, die Wirtschaftspartei 5, d'e Demokraten 2 und die Nationalsozialisten 2 Mandate entfallen Di? Aufwertungspartei und die deutschoölkische Gruppe erhallen je 1 Mandat. Di« Sozialdemokratie wird das den Deutsch- völisschen zugesprochen« Mandat anfechten, da dieser Sitz durch Verrechnung von Rcststimmen der Rechtsparteien zustande kam, ohne daß die Bölkkschen durch die eigenttiche Wahl ein Mandat erhalten hätten. Die Mehrheck des Landeswahlausschusse« oertrat die Auffassung, daß diese Verrechnung von Reststimmen zulässig ist. Außenminister Slresemann ist auf seiner Erholungsreis« in San R e m o, italienisch« Rioiera, eingetroffen. empfängern werden in der Lage sein, Bilderempfangsapparate an Stell« der Kopfhörer einzuschalten und aus diese Weise die gesandten Bilder zu empfangen. Das Wohnhaus von Spinoza. Zur würdigen Feier des 2S0. Todestages des großen holländischen Philosophen Baruch S p i- noza. die am 21. Februar im Haag begangen wird, hat der Internationale Spinoza-Haus-Ausschuß einen Ausruf zur Somm- lung von Spenden erlassen, um das Wohnhaus des Philosophen, das künstig ein wissenschaftlicher Mittelpunkt für die Spinoza- Forscher aller Länder werden soll, wieder in einen ordentlich«» Zustand setzen zu lassen. Der Ausschuß erwartet bestimmt, die er- forderlichen Mittel noch bis zum 21. Februar zusammenzubringen. An van Dyk für eine Million verkaust, van Dyks berühmtes Gemälde..Rinoldo und Armida", das im Jahr 1894 für 420 Pfund Sterling verkauft wurde, hat jetzt seinen Besitzer erneut gewechselt und hat dabei einen Preis von 60 000 Pfund Sterling erzielt. Der Käufer ist der Millionär Jakob Epstein aus Ballimore. der seine ge- schäftliche Laufbahn als Hausierer begann und jetzt Präsident des amerikanischen Großhandelsverbandes ist. Das Gemälde soll dem Museum tn Ballimore leihweise überlassen werden. Dabei mag er- wähnt werden, daß feit 1918 der Wert der Gemälde, die aus England an amerikanische Kunstsammlungen verkauft worden sind, auf 22 bis 23 Millionen Pfund Sterling geschätzt wird, so daß Jahr für Jahr Kunstwerke im Wert von 3 Millionen Pfund Sterling aus englischem Besitz nach Amerika abwandern. Zwangsarbett für Zweikampf. Die vielumstritten« Frage des Zwei- kämpfe» ist jetzt auch in Estland erörtert worden. Di« Regierung hatte sich auf den Standpunkt gestellt, daß der Zweikampf als gewöhnlicher Mord anzusehen und mit Zwangsarbeit bis zu fünfzehn Iahren zu bestrafen sei. Die Kommission, die mit der Bearbeitung des neuen Strafgesetzbuches beauftragt war, beschloß jedoch aus An- trag eines deutschen Abgeordneten und eines Sozialdemokraten, dem Zweikampf eine besondere Stellung im Strafgesetzbuch einzu- räumen, nämlich für Tötung oder schwere Körperverletzung im Zweikampf eine Gefängnisstrafe bis zu vier Iahren seslzusegen, für den Sekundanten bis zu«in Jahr Gefängnis, im„wilden Duell" oder Zweikampf ohne Ehrengericht und Sekundanten bei schwerer Körperverletzung bis zu drei Iahren Gefängnis, bei Tötung eines Kämpfers bis zu sechs Iahren Gefängnis. Für das amerikanische Duell(Selbstmord nach dem Lose) sind schärfere Strafen vorgesehen. Bei tatsächlich erfolgtem Selbstmord nach Vereinbarung bis zu a ch t I a h r e n Zwangsarbeit und bis zu sechs Iahren Gefängnis für olle Mttwirkenden. «»»stelluag Berliner Künstler l» der Grenzmark In Schneidemübl wurde die»am Verein der«unstsreunde arrangierte Ausstellung von verlen Berliner Künstler eröffnet. Jm Mai wird eine oberösterreichische Kunst. au«stell ung folgen. Unter den autgestellien Bildern Berliner Künstler befinden fich u. a. D-rke von Büllner. Reiffenscheidt, Prof. Schlichting, Segal, Käthe Kollwitz, Oesterle, Pros. Tegner usw. tin Vre!» sür Krebiheilnnz. Der amerikanische Senator Neelh bat eine GesetzeSvorlage«ingebrachi, nach der dem Enidriler eine» wirtlamen KredSbeilmittel» d Millionen Dollar von der Bundesrigierung zugesichert werden solle«. Kememoröe und Einwohnerwehr. Abschluß der Untersuchung des Femeausschnsses. Gestern, Mittwoch, bc«nl>cic der Fememord- Untersuchungsausschuß des Reichstags seine Verhandlungen über die Fragen, die sich um die Münchener Einwohnerwehr gruppieren. Dazu hatte Dr. Lern(Soz.) einen Antrag eingebracht, den wir bereits früher wiedergegeben haben und der im wesentlichen auf die Feststellung hinausläuft, daß Maria Sondmayer, Dobner und Härtung von einer einheitlich organisierten, mit der Landesleitung der bayerischen Ein- wohnerwehr verbundenen Personengruppe ermordet worden sind. Die Einwohnerwehr ist zur Dewerkstelligung der Flucht der Täter in Anspruch genommen worden. Die hier in Betracht kommenden Taten sind Femetaten. Natürlich wollen die Kommunisten noch weitergehen und beantragen die Feststellung, daß die Mörder des Abgeordneten G a r c is aus denselben Kreisen stammen und aus denselben Mo- tiven handelten, wie die oben erwähnten Fememörder. Dcutschnationaler Vertuschungsversuch. Der Antrag des Korreferenten Dr. Schäffer(Dnat.) ist darauf abgestellt, alle Ergebnisse der Untersuchung zu bestreiten oder in Zweifel zu ziehen. Er behauptet, daß für die Fem« kein Nachweis erbracht sei, obgleich er im Falle Dobner zugeben muß, daß hier eine Organisation zur Beseitigung eines Mißliebigen bestanden hat. Jedes pflichtwidrige Verhalten von Iustizbeamten und von der Polizeidirektion wird bestritten. Die Haltung der Mittclparteicu. Zwischen diesen Anträgen steht ein Antrag vi�n Abgeordneten des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demo- k r a t e n und der Wirtschaftlichen Vereinigung. Der Antrag erklärt die Mordfalle Baur, Sandmeier und Härtung für Fememorde. Im Falle Dobner liegt die Wahrscheinlichkeit vor. daß es sich ebenfalls um eine Femetat handelt. Dagegen wird be- stritten, daß die offizielle Leitung der beteiligten Organi- fationen die Straftaten gebilligt hätte. Die Einwohnerwehr habe aber zu den Morden keine ausdrücklich ablehnende Stellung einge- nommen und nichts getan, um ähnliche Taten zu verhindern. Die Maßnahmen der Strafverfolgungs- und-Vollstreckungsbehörden, die die Flucht von Mördern ermöglichten, werden ausdrücklich heute als verfehlt bezeichnet. Als unbegründet wird der Vorwurf der Pflichtwidrigkeit gegen Iustizbeamte, ebenso der Vorwurf der Einflußnahme auf den Gang der Verhandlungen durch die Polizeidirektion München erklärt. Da« gegen ist der Verdacht gegen den Kriminalkommissar Glaser nicht als beseitigt anzusehen. Ein Antrag Troßmann- Nürnberg sLayer. Vp.) bezweckt in seinem ersten Teil die Ehrenrettung für Dr. Gärtner und bestreitet, daß Fcmeorganisationen bestanden hätten. lieber die Anträge fand eine ausgedehnte Debatte statt. Abg. Dr. Levl(Soz.) wandte sich gegen den Antrag Dr. Schäffer, der mit den Voraussetzungen der Tätigkeit des Ausschusses u n v e r- e i n b a r fei. Zwischen seinem(Levis) Antrag und dem Antrag Schulte und Genossen beständen wichtige Differenzen bezüglich der Mitschuld der Leitung der Bayerischen Einwohnerwehr. Gademann habe sicher bei seiner Znlervenllon im Falle Härtung Rückendeckung bei der Laudesleilung der Einwohnerwehr gehabt. Auch sei festgestellt, daß die Flucht Schweig Harbs durch die Landesleitung finanziert und organisiert sei. An diesen Tatsachen könne man nicht vorübergehen. Ebenso wendet sich der Redner gegen die These des Antrags Schulte, daß keine Absicht bestanden Hobe, die Täter der Strafverfolgung zu entziehen. Eine Feststellung der Absichten der Justizbeamten konnte sich der Ausschuß ersparen, wohl aber seien die objektiven Maßnahmen der Justiz- behördcn als durchaus unsachgemäß zu kritisieren. Das Ver- halten des Oberstaatsanwalts im Falle Härtung sei absolut nicht zu rechtfertigen, da die allerschwerstcn Indizien gegen Beurer und Ge- nassen vorlagen. Wie hätte man da die Haftentlassung verfügen können? Daß hier die Straiverfolgungsbehörden in schwerster Weise gefehlt hätten, könne nicht bestritten werden. Der Redner erklärt sich gegen den kommunistischen Zusatzantrag zum Fall Gareis. Hier handle es sich um ein unfertiges Aktenstück, die Kriminal- behörden mühten mit der vollen Verantwortung wegen Unterlassung weiterer Untersuchungen belastet werden. Abg. Dr. Schäffer(Dnat.) fragt die Herren, die den Antrag Schulte eingebrockt haben, ob sie mit ihren Thesen den bayerischen Behörden politische Motive unterlegen wollten. Abg. Landsberg(Soz.) führt aus. der Ausschuß müsie dem Reichstag einen gründlichen Berichs erstatten. Hoffentlich finde sich hier eine Mehrheit für einen Beschluß. Tatsächllche Fest- stellungen eines Gerichtes für unrichtig zu erklären, fei kein Eingriff in die Rechtspflege. Diese These des Mitberichterstatters würde jede Tätigkeit des Ausschusses vereiteln. Der Redner empfiehlt den Antrag des Berichterstatters und äußert sich zu dem Antrag Schulte und Genossen, den er„Antrag der Mittelpartejen" nennt,«n Sinne des Berichterstotters Dr. Levi. Charakteristisch sei die Erklärung des bayerischen Justizministers:„Ich kann da nichts machen." Das sei ein Beweis dafür, daß man ihm etwas Besonderes zugemutet Hab«. wie würden die Herren sich ereifern, wenn an Stelle des Justiz. minister« Roth etwa ein sozialdemokrolischer Minister gestanden und ähnlich gehandelt hätte? Die Landesleitung der Einwohnerwehr fei schwer bc- lostet! aus Sympathie für die Mörder habe sie sich zu Eingriffe» in die Justiz verleiten lassen, um die Mörder der Strafe zu«nt- ziehen. Wenn die Täter nicht gewußt hätten, daß sie von mäch- tiger Seite geschützt würden, hätten sie ihre Taten nicht begangen. Härtung und Bauer waren herostratische Existenzen, aber das arme Mädchen, die Sandmayer, die sich ein paar Groschen verdienen wollte durch Anzeige eines Waffenlagers, zu ermorden, fei eine unerhörte Tat, und es sei unerfindlich, wie man mit den Mördern sympathisieren und sie noch cmem bayerischen Prinzen empfehlen könne! Bezeichnend sei auch, daß keiner der Mörder den Mut gehabt habe, feine Tat einzugestehen. Eine Reihe von Zeugen hätte den Ausschuß gründlich belogen, genau wie alle die Mörder gelogen hätten. In der Schule hätten wir gelernt, Harmoduis und Aristogiton als ver- chrungswürdige Personen zu betrachten: wir hätten uns entrüstet, als Börne Wilhelm Tell einen Mörder nannte! Es gebe Fällt, wo es verständlich sei, daß jemand sage:„Ich oder Du mußt fort!", ober dann müsse der Täter auch immer mutig für seine Tat einstehen. Der Redner kritisiert dann auch noch scharf die bayerische Justiz. Sämtliche Beschuldigte hätten in hohem Maße die Gunst des Richters gehabt. In den Thesen müsse das Verhalten der bayerischen Justizbehörden unbedingt kritisiert werden. Redner erörtert Einzelheiten des Falles Härtung und betont die merkwürdige Tätig- keit Gademanns, des juristischen Beraters der Leitung der Ein- wohnerwehr in diesem Fall. Abg. Ereuhburg(Komm.) bckämps- den Antrag des Mitbericht- crstatters Dr. Schäffer, der freilich der politischen Haltung der Herren von der Rechten bei den Untersuchungen des Ausschusses entspräche. Die Argumente Dr. Levis gegen den kommunistischen An- trag seien nicht stichhaltig, der Unterfuchungsbehörde werde dadurch nichts von ihrer Verantwortung abgenommen. Abg. Trohmann(D.Vp.) führt aus, der Ausschuß könne keine anderen Feststellungen machen, als sich aus den Zeugenaussagen ergeben. Der Ausschuß sei nun einmal ein politisches Gericht, das fei nicht wegzudisputieren und dieses könne keine juristischen Cntscheidun- gen treffe» Abg. Schulte(Ztr.) legt demgegenüber die versasiungsmäßigen Aufgaben und Befugnisse eines Untersuchungsausschusses klar. Ein politischer Ausschuß' sei verpflichtet, den Tatbestand in vollem Umfang klarzulegen. Die Untersuchungsausschüsse seien zweifellos nicht gebunden an Feststellungen der Gerichte. Abg. Slöhr(Välk.) meint, es sei festgestellt, daß selbst in den trübsten Zeiten unserer Geschichte Femeorganisationen nicht be- standen hätten. Auch dem Redner erscheine die Haltung einiger Zeugen wenig sympathisch. Hierauf wurde die Erörterung auf Mittwoch, den 16. Februar. vertagt. Ausflüchte See Reichsbahn. Das Versagen der Reichsbahn bei der Arbeits- bcschasfung. Die schweren Angriffe, die von den sozialdemokratischen Vertretern im volkswirtschaftlichen Reichstagsausschuß gegen die Reichsbahn wegen ihres Versagens bei der Arbeitsbefchaf- fung erhoben wurden, haben dieses größte gemeinwirtschaft- siehe Unternehmer der Welt veranlaßt, eine zahlenreiche, inhaltlich aber unzulängliche Erwiderung in die Presse zu lancieren. Die Erwiderung lautet: Die Reichsbahn hat vom Reich im Jahre 1926 drei Kredite erhallen: 1. 106 Millionen Mark im März 1926 gegen Hingabe von 167 Millionen Mark Vorzugsaktien. Das gesamte Geld ist verausgabt, und zwar 16 Millionen Mark für Ober- bau, 3 Millionen Mark für Brücken, 6 Millionen Mark für Bahn- anlagen, 12 Millionen Mark für größere Bauten, 34 Millionen Mark für Zug- und Stoßoorrichtungen, 5 Millionen Mark für Verbesserung an Fahrzeugen, 26 Millionen Mark für Beschaffung von Fahrzeugen. Zusammen 166 Millionen Mark. 2. Kredit von 166 Millionen Mark im Rahmen der B e- kämpfung der Arbeitslosigkeit tm August 1926. Von diesem Kredit sind seitens des Reiches der Reichsbahn aus finan- zrellen Gründen bisher nur ubergeben worden 68 Millionen Mark. Der Reichsfinanzminister hat das Ersuchen an die Reichsbahn gestellt, auf die Bereitstellung der übrigen Mittel vorläufig zu verzichten. Die Reichsbahn führt trotzdem im Iisteresse der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit das für diesen Kredit in Aussicht genommene Beschaffungsprogramm durch. Es smd bisher verausgabt 85 Millionen Mark, die übrigen 15 Millionen Mark werden bis Mitte März ausgegeben fein. Diese Mittel, die also zu über 46 Proz. aus Goldern der Reichsbahn stammnn, finden folgend« Verwendung: 36 Millionen Mark für Gleisumbau, 35 Millionen Mark für Fahrzeugverbessorung, 15 Millionen Mark für Bauten, 26 Mil- lionen Mark für Elektrisierung der Berliner Stadtbahn. Zu- fammen 166 Millionen Mark. 3. Em weiterer Kredit wurde seitens des Reichs in Höhe von 54 Millionen Mark zur Fortführung von 16 stillgelegten Bahnbauten im August 1926 in Aus- ficht gestellt. Die Verwendung dieser Mittel kann selbstverständlich nur etappenweise erfolgen, da ein Bahnbau nur Schritt für Schritt vorwärts geht. Bis zum ZI. Rlärz 1927 werden 10 Millionen Mark verausgabt sein, bis zum 31. März 1928 weitere 36 Millionen Mark. Die Reichsbahn drängt ihre Arbeitsstellen, die Bauten aufs möglichste zu beschleunigen. Falls die Bauten schneller fertiggestellt werden, kommt auch die frühere Bereit- stellung von Mitteln in Frage. Die langsamere Verwendung der Mittel hängt mit den ganz besonderen Umständen bei Vahnbautcn zusammen. 4. Uebcr dieses Arbeitsbeschaffungsprogramm hinaus hat erst kürzlich die Reichsbahn Aufträge sür Fahrzeuge in Höhe von 65 Millionen Mark herausgegeben. Für Elektrisierung und sonstige Bauten wird die Herausgabe von Hunderten Millionen erfolgen müsten, die geeignet sind, den Arbeitsmarkt stark zu beleben. Diese Erklärung der Reichsbahn trifft nicht den Kern der gegen sie gerichteten Vorwürfe. Auch die oben wieder- gegebene Aufstellung widerlegt nicht die Tatsache, daß an- gesichts der der Reichsbahn insgesamt im Jahre 1926 zu- geslossenen Mittel für Anlagezwecke, die außer den in der Er- klämng erwähnten Reichskrediten noch den Erlös von ISO Millionen Mark Vorzugsaktien umfaßten, und angesichts der im vergangenen Jahre erzielten beträchtlichen Gewinne ein weit größeres Arbeitsprogramm hätte durch- geführt werden können und müsten. Gegen diesen Vorwurf vermag sich sich die Reichs- bahn-Gesellschaft anscheinend nicht zu verteidigen. Insbesondere verzichtet sie daraus, festzustellen, warum sie über flüssige Mittel in dem riesenhaften Betrage von drei- viertel Milliarden Mark dauernd verfügen muß. Unserer Auffassung nach wäre es ihr mit Leichtigkeit möglich, mindestens für die Hälfte dieses Bestandes sofort Aufträge an die Wirtschaft über ihren normalen Bedarf hinaus zu vergeben. Daß sich die Reichsbahn dies« Mög- lichkeit, mit eigenen Mitteln für die Arbeitsbeschaffung etwas zu tun, seit einem Jahr entgehen läßt, wurde ihr hier zum Vorwurf gemacht. Die neue Erklärung der Reichsbahn- Gesellschaft zeigt, daß sie noch immer zu solchem wirtsamen Eingriff in keiner Weise bereit ist, daß sie ihre Politik der Kapitalaufspeichcrung vielmehr im wesentlichen unverändert fortzuführen gedenkt. Es erscheint dringend notwendig, daß die für die Arbeits- befchaffung eintretenden Reichsbehörden sich nun- mehr ihrerseits zu der Frage äußern, ob angesichts der Finanzlage der Reichsbahn die von ihr getroffenen Maßnahmen als zureichend angesehen werden können oder nicht. Unserer Auffassung nach bedeutet die Verteidigung der Reichs- bahn in Wirklichkeit ein Zugeständnis gegenüber unseren Borwürfen, die in keiner Weise von ihr haben entkräftet werden� können. Mindestens 100 000 Erwerbslose könnten durch den Einsatz der Reichsbahnmittel Beschäs- tigung finden, die heute alsSpekulationskreditean der Börse statt in der produktiven Wirtschaft arbeiten. Im Interesse dieser 100 000 Erwerbslosen fordern wir eine wirk- liche Aufklärung der Finanzpolitik der Reichsbahn, die nach wie vor als unverantwortlich bezeichnet werden muß. Der Prüfflein für Sie ffanüelspolitik. Rcurezelung der dcntsch-französischen Handels- deziehungeu. Seit einiger Zeit sind zwischen den betelligten deutschen und französischen Stellen Verhandlungen über den Plan einer Vor- längerung des deutsch-sranzösischen Hondelsprovisoriums im Gange, das am 21. Februar abläuft. Der Abschluß eines e n d- gültigen deutsch-sranzösischen Handels vertrag? wird gün- stigenfalls erst in einigen Monaten möglich sein, da der neue fran- zösische Zolltarif, der jetzt endlich vorliegt, zunächst vom Parlament angenommen werden muß und die Handelsvertragsverhandlungen naturgemäß längere Zeit beanspruchen werden. Die Bürgerblockregierung kommt bei diesen VerHand- lungen in eine außerordentlich peinliche Situation. Die Landf?ündler, als deren Vertreter Herr Schiel« im Ernährung?- Ministerium sitzt, haben olle Register gezogen, um die angeblichen Interessen der deutschen Weinbauern zu verteidigen und praktisch einen Handelsvertrag mit Frankreich zu verhindern. Auf der anderen Seite haben die Densschnationolen denjenigen Teil des Re- gisrungsprogromms mit anerkennen müssen, der fordert, daß die deutsche Handelspolitik die Eingliederung der deutschen Bolls- Wirtschaft i n d i e W e l t w i r t s ch a f t zum Ziel haben müste. Die Verhandlungen mit Frankreich werden ein Prüfstein dafür sein, wie weit die Regierung in der Lage ist. diese letztere und für ihre Beschäftigung außerordentlich wichtige Forderung gegen ihre Freunde durchzusetzen. Auch im Interesse der Fortführung der beiderseitigen Handels- boziehungen, die sich während des Provisoriums günstig entwickelt haben, sollte es vermieden werden, daß nach dem 21. Februar ein vertragloser Zustand eintritt, der sich in seinen praktischen Auswirkungen wenig von einem Zollkrieg zwischen beiden Ländern unterscheiden würde. Allerdings wird die französische Regierung bei einer Verlängerung des Provisoriums ausreichende Sicherheiten dafür bieten müsten, daß der- endgültige Handelsoertrog die be- rechtigten deutschen Forderungen auf gegenseitige volle Meistbegünstigung enthalten wird. Sapern spart. Rücktritt des Handelsministcrs.— Keine Ren- beseüung. München. 9. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Der schon im vorigen Sommer angekündigte und jetzt erfolgte Rücktritt des bayerischen Handelsministers von Meine! ist ausschließlich aus Gesundheitsgründen erfolgt und entbehrt jeglichen politischen Hinter- gründe?. Don einiger Bedeutung ist lediglich, daß tm Zusammen- hang mit den Stoatevereinfachungsplänen der Posten des Handels- Ministers vorläufig nicht mehr besetzt, sondern vom„Minister des Aeußeren", also dem Ministerpräsidenten Dr. Held, mitver- waltet werden soll. Es wird dann der Plan verfolgt, die drei 1919 geschaffenen sogenannten Wirtschaft» mini st erien(Handel, Landwirtschaft und Sozialfürsorge) gemeinsam aufzulösen, ein Plan, dessen Durchführung bisher aber stets an den Sonder- interesten der einzelnen Wirtschaftsstände und an den Ansprüchen der Koalitionsparteien im besonderen gescheitert ist. Den Haupt- widerstand leistet der Bauernbund, der die Beibehaltung des von ihm besetzten Londwirtschostsmlnisteriums von seiner Mitarbeit an der Regierungskoakition abhängig gemacht hat. Die Bayerische VoUspartei hat sich bisher gescheut, es auf eine Machtprobe an- kommen zu lasten. Der Wirlschaftsparteller Müller- Franken gestorben. Infolge einer Kopfgrippe ist der wirtschaftsparteiliche Landtags- abgeordnete und Stadtverordnete, Syndikus Karl Müller- Franken, gestern verstorben. Er war einer der lebhaftesten Vertreter seiner Gruppe im Landtag und besonders in der Skodt- verordnetenversammlung.- Botschafter v. hoesch besprach mil Drland aus Grund des Be- luchs bei Stresemann die deutsch-sranzösischen Fragen, unter an- derem auch Entwaffnung und Handelsvertrag, Das üeutfchlanütreue Surgenlanö. Erklärung der Volksvertretung. Wien, 9. Februar.(Eigener Dcahtberichk.) Der bürgen- ländische Landlag hat heule aus Antrag der Sozialdemokraleu ein. stimmig eine Erklärung beschlossen, daß das burgenläadische Volk Frieden auch mit dem ungarischen Volk wolle, aber mil aller Leidenschasl die Zumutung von sich weise, jemals wieder unter un- garische Fremdherrschaft zu gelangen. Niemals werde das Burgen- land eine ander« staatliche Zugehörigkeil anerkennen, als die zu Großdeutschland. Gewaltsamen versuchen, das Burgenland vom deutschen Valerlandc loszureißen, müßte Gewalt enlgegeu- gesetzt werden, und auch dazu sei das Volt des Burgenlandes bereit. Die Rrbeiteranträge im Unterhaus. Gegen Ehinokricg und Antigewerkschaftsgesetz. London, 9. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Die Arbeiter- Partei hat noch zweitägiger Beratung mit dem Generalrat der Gewerkschaften nunmehr die zwei Derbesserungsonträgc zu dem in der Thronrede umrisicnen Arbeitsprogramm der Re- gterung im Unterhaus eingebracht. Die Anträge werden die Grund- löge für die parlamentarische Debatte der nächsten Tage bilden. Der' erst« spricht das Bedauern über die Entsendung von Truppen nach dem fernen Osten aus und schließt mit der Forderung der Zurückziehung der auf dem Wege nach China befindlichen Truppen. Diese offene Festlegung der Politik der Arbeiterpartei auf ein« Zurückziehung der Truppen aus dem fernen Osten hat im Parlament bei den bürgerlichen Parteien anesichts der bisherigen zurückhaltenden Meinungsäußerung Mac- donalds außerordentlich überraschend gewirkt. Man hatte erwartet, die Partei würde sich mit einem Protest gegen die China- Politik begnügen. Der zweite Antrag fordert das Unterhaus aus, sein Bedauern über dl« Erwähnung der Gewerkschaftsgesetzgebung in der Thronrede auszusprechen! dieser Pastus beweise, daß die Re- gierung den König auch in Zukunft ähnlich beraten werde, wie während der Arbeitskämps« des vergangenen Jahres. Im übrigen sei eine Gesetzgebung, welche die Betätigung der Gewerkschaften ein- schränke, nicht im nationalen Interesse gelegen. Doch«ach Schanghai. London, 9. Februar.(Eigener Drohtbericht.) Im Gegensatz zu allen Erwartungen wurde am Mittwoch nachmittag in London be- könnt, daß die Regierung zwei weitere in Indien stationierte Re- gimenter nach Schanghai entsandt und den in Hongkong einge- troff«nen Truppen den Befehl erteilt hat. nach Schanghai weiter'»- fahren. Vle Politik öes Wohlfahrtsministeriums. Ii�rsorge fLr Akademiker statt Sozialfürsorge. Man schreibt uns: Das Preußisch« Wohlfahrlsministerium trägt sich, so meinte kürzlich d«r„Vorwärts", mit hochfliegenden Plän«n. In der Tat ist das so. Es will nicht nur die Arbeitsämter„ver- edlen", es geht jetzt auch daran, die Z a h n h e i l k u n d« auf ein „höheres Niveau" zu heben. Neben den Zahnärzten hat sich bekanntl'ch in Deutschland im Lauf« der Jahr« der Stand der Dentisten herausgebildet. Letztere hoben da und dort im Reich zum Zwecke der Bekämpfung des Kurpfufchertums und ein«r guten Ausbildung, eigene Lehrin st itute aufgemacht. Da« war den Zahnärzten nicht angenehm: sie möchten allein auf die zahnkranke Menschheit losgelassen sein. Diese Angelegenheit hat natürlich auch eine sehr ernste Seite: gibt es�doch auf weiten Landstrecken kein« Zahnärzte: dort ist also der Dentist durchaus am Platze. Selbst die Krankenkassen haben im Laufe der letzten Jahre Dentisten berufen und damit die Bahn für di« Zahnbehandlung freigemacht. In dies« Entwicklung greift das Preußische Wohlfahrts- Ministerium mit rauher chand ein. Erst machte es den Versuch, die jetzt lebenden Dentisten als„Zahnärzte" zu deklarieren, dafür ober keinen Nachwuchs mehr zuzulassen. Nachdem dieser Plan gescheitert war, brachte der preußische Minister für Volkswohl- fahrt beim Reichsrat einen Antrag auf Abänderung des§ 122 der Reichsversicherungsordnung ein, nach dem die Ausübung des Dentistenberufes generell verboten werden soll. Dieser Vorgang ist auch nur ein Glied in der Kette jener Bewegung, die jeden einigermaßen gehobenen Beruf für den Akademiker" freimachen will, wodurch den tüchtigen Kräften aus den proletarischen Schichten der Aufstieg verbaut wird. Bei der Polizei soll es z. B. auch so kommen. Hier will man die Chargierten- Stellen nur für Leute offen halten, welche mindestens da» Abitur haben. Das WohlfahrtSminiftcrium berichtigt. In Nr. S7 vom 3. Februar führt der„Vorwärts" in einem Artikel„Veredlung der Arbeitsämter" aus, daß der vreußische Wohlfahrtsminister beabsichtige, die Arbeitsämter der Wohlsohrtsfürforge anzugliedern und die Arbeitsoermittlcr zu„Doktoren der Arbeitsvermittlung" zu machen. Das Wohlfahrtsmimsterium unterschätze den Wert der praktischen Arbeit für die späteren Arbeitsvermittler und die wirtschaftliche Be- deutung der Arbeitsämter. Demgegenüber wird dem Amtlichen Preußischen Prestedienst aus dem Wohlfahrtsministerium geschrieben: „Das preußische Wohlfahrtsministerium hat niemals geplant. Arbeitsämter der Wohlfahrtsfürsorge anzugliedern. Dagegen spricht nicht nur die Tatsache, daß diese Arbeitsämter ihm nicht unter st ehen, sondern auch die andere, grundsätzliche E i n st e l l u n g des Wohlfahrtsministeriums. Daß der Arbeits- Nachweis im wesentlichen wirtschaftliche Aufgaben hat, wurde in einer Besprechung mit Vertretern des Zentraloerbandes der An- gestellten klar hervorgehoben. Allerdings wurde auch auf die Ver- dindung des Arbeitsnachweises mit Einrichtungen des sozialen Lebens hingewiesen. Das vreußische Wohlfahrtsministerium will auch keine„D o k- toren der Arbeitsvermittlung" ausbilden. Es will lediglich(als ein« Form der Ausbildung und nicht als alleinige) auf den sozialen Schulen A r b e i t s v e r m i t t l e r und Berussberater ausbilden. Auch Dolksschüler können noch mehrjähriger praktischer Arbeit und Vervollständigung ihrer Allgemeinbildung in diese Schulen ausgenommen werden. Ein Zwang zu diesem Ausbildungsweg besteht für keinen Arbcitsver- mittler." * Vom Verband der Sozialbeamtinnen wird uns dazu geschrieben: „In dem Artikel„Die Veredlung der Arbeitsämter" in de? Mendausgabe vom 3. Februar begegnet uns die Behauptung, daß die So�ialbeamtinnen-Organisationen den Standpunkt verträten, „daß die Arbeitsämter der Wohlfahrtsfürsorge angegliedert und daß als Arbeitsvermitller nur solche zugelassen werden sollen, di« «ine höher« Schulbildung abgcfessen, eine dreijährige theoretische Ausbildungszeit durchgemocht und— noch einjähriger praktischer Tätigkeit—«ine Prüfung bestanden haben." Diese Behauptung beruht durchaus auf einem Irrrum. Ein- mal haben die Sozialbeamtinnen-Organisationen an keiner Stelle den Wunsch oder gar di« Forderung ausgesprochen, daß die Arbeitsämter der„Wohlfohrtsfürsorqe" angegliedert werden sollten. Diese Frage stand auch bei der Besprechung im Wohlfahrts- Ministerium weder zur Diskussion, noch ist sie von ihnen berührt worden. Die Sozialbeamtinncn-Organisalionen haben lediglich be- tont, daß die in sozialen Schulen erworbene Ausbildung— für die ein Ausbau noch der sozialpolitischen Seit« hin einmütig gefordert wurde— als einer der Wege zum Einstieg in den Beruf des Arbeitsoermittlers und Berufs- berat ers auch in Zukunft zu betrachten sei." Der Verband der Sozialbeamtinnen ist wohl der Meinung, damit unseren Bericht richtiggestellt zu haben. Mit dieser Meinung dürfte er allerdings allein stehen.' Wenn die Vertreterin des Verbandes im übrigen nicht weiß, was zur Tagesordnung stand, so ist das nicht unsere Schuld. SkanSalöse Rechtsprechung beim Gewerbegericht. Vom Baugewerksbimd wird uns geschrieben: Die Gewerbegerichte haben bei ihrer Einführung durch ihr soziales Verständnis und eingehende, formlose VerHandlungsart in Arbeitsstreitigteiten ollgemein Anerkennung gefunden. Hauptsächlich hat das Berliner Gewerbegericht unter Leitung des verstorbenen Herrn Mogistratsrats v. Schulz sich einstmals die Achtung und Anerkennung auch der Arbeiterschaft erworben. Dieser gute Ruf ist längst dahin. Statt einer fortschrittlichen Spruchpraxis ist diese zu zuungunsten der Arbeiterschaft immer schlechter geworden. Es ist unter Kennern der Verhältnisse ein offenes Geheimnis, daß di« Spruchpraxis am Berliner Gewerbe- gericht so ziemlich die rückständigste in ganz Deutschland ist. Eine geradezu skandalöse Rechtsprechung hat aber in der Kammer 3(Baukammer) des Gewerbegerichts Platz gegriffen. Dort übt«in Magistratsassessor Dr. M a h r in geradezu unglaublicher Weise das Richtcramt aus. Es würde sich für Interessenten der Recht- sprechung verlohnen, einer Gerichtsverhandlung dieser Kammer bei- zmoohne». rm sich dvrch den Augenschein von der Hilflosigkeit und Fehlerhaftigkeit dieses Rechtsprechers zu überzeugen. Gestellte Beweisanträge werden nicht beachtet, geführter Beweis wird in der Beratung und bei Ergehen des Urteils nicht berücksichtigt. Di« Folge ist, daß Fehlurteil auf Fehlurteil ergeht, welch« sich häusig direkt widersprechen. Demzufolge ist eine unbeschreibliche Rechtsunsicherhelt eingerissen. Die Vertreter der wirffchaftlichen Vereinigungen aus Unternehmer» und Arbeiterseite sehen in der Gerichtsoerhandlung nur noch eine Komödie und bringen dem Richter das größte Miß- trauen entgegen. Diese Verhältnisse sind gewiß nicht dazu angetan, den Gewerbegerichten, die am 1. Juli durch die Arbeitsgerichte ersetzt werden, ein ehrendes Andenken zu bewahren. verhanülvagen im fch?eflfchen Textilkonflikt. Zm tohnkoflikl der oberschlesischea Textilindustrie hat der Retchsarbeitsmlnister die beiden Parteien für heule. Donnerstag, vor- mittag zu Verhandlungen in da» Reichsarbeitsministerium ein- geladen._ vie»Opposition" an üer Arbeit. Im Rahrungs- und Geauhmitlelarbeilervcrband. Zu den Iahresgeneraloersammlungen der Berliner Ortsverwaltungen, in denen die Neuwahlen der Vorstände erfolgen, hat die kommunistische„Opposition" ganz besondere Anstrengungen ge- macht, um ihrem Ziel, der„Eroberung" der Gewerkschaften, näher zu kommen. Der Zweck der systematischen kommunistischen Quer- treibereien gegen die„reformistische" Gewertschaftsarbest heiligt den Drahtziehern das schmutzigste Mittel. In den Bäckereien wurde jetzt ein Flugblatt ver- breitet, das davon ausgeht, daß in nächster Zeit die Generaloer- sammlung stattfinde, in der die Neuwahl der Ortsoerwaltung vor- genommen wird., Diese Gelegenheit bot den Flugblattschreibern Veranlassung, alles Leitung habe„d und Tarifpolitik fortgesetzt. Die Folgen sind furchtbar".(!) Aus den S72 von rund 6500 Beschäftigten in Berlin, die wieder in Kost und Logls beim Meister sind, was wesentlich eine Folge der Woh- nungsnot ist, werden in dem Flugblatt„50 Proz. aller Berliner Kollegen". Die Ortsverwaltung sei schuld daran, wenn der Arbeits- beginn um 4 Uhr früh wieder eingeführt werden sollt«: sie ver- schuld«, wenn Sonntags gearbeitet werde, und sei auch schuld an der „schrankenlosen Lehrlingszüchterei", trotzdem das Lehrlingshalten im Böcker- und Konditorgewerbe durch Ministerialoerordnung für Preußen seit einigen Jahren begrenzt ist. Selbstverständlich ist die Ortsverwaltung— in dem Flugblatt dieser„Klassenkämpfer"— auch an der Arbeitslosigkeit der Bäckergesellen schuld. Den Gipfel der Niedertracht erreicht das Flugblatt aber mit der Ausschlachtung folgenden Vorkommnisses gegen die Ortsverwaltung. Der Personalchef einer Schokoladenfabrik hatte eine sich zur Ein- stellung meldende Arbeiterin verleitet, ihn in seiner Junggesellen- wohnung auszusuchen. Als die Geschichte bekannt wurde, hat sich der Personalchef erschosien. In dem Flugblatt wird der Fall„gleich- bedeutend mit der Einführung der modernen Sklaverei als Folge der„praktischen" Gcwerkschaftspolitik, wie sie von der bisherigen Verbandsleitung betrieben wurde". „Gegen diese Zustände" sollen sich die Mitglieder zur Wehr setzen. Die Organisation müsse wieder eine Klassenkampforganisation werden, weshalb in die Leitung der Organisation„Klassenkämpfer" von der Sorte dieser Flugblattschreiber gewählt werden müßten. Jedes weitere Wort der Kritik gegen ein derartiges Treiben der„Opposition" ist überflüssig. Hie nichtkommünistische Mehrzahl der Verbandsmitgliedcr muß dieser„Opposition" die kichtige Antwort geben. Die Erkahrung hat gelehrt, daß die Agenten der KPD. nur in schwachbesuchten Versammlungen Oberwasser bekommen. Sind aber die Gewerk- schaftsmitglieder gehörig auf dem Posten, besuchen sie allesamt ihre Versammlungen, dann gelingt es ihnen, die Pläne der kommumsti- schen Gewerkschaftsschädlinge zu vereiteln. Und das ist notwendig im Interesse der Organisation und der Mitglieder. In den Betrieben, in denen dos hier kurz gekennzeichnete Flugblatt zur Verbreitung kommen sollte, hat sich selbst ein Teil der Kommunisten gegen die Verteilung dieses Machwerks gewandt. Die Reichswehr vergleicht sich nicht. Einem Mechaniker, der im Zeugamt in Spandau beschäftigt war, kam während der Arbeitszeit ein menschliches Bedürfnis an. Er muhte einen verschwiegenen Ort aufsuchen. Der ist aber wenigstens 300 Meter vom Arbeitsplatz entfernt, und da für 600 Beschäftigte nur drei stille Kämmerlein vorhanden sind, so herrscht dort immer ein lebhafter Betrieb. Unter diesen Umständen erfordert natürlich die Erledigung des Geschäfts, be, dem sich niemand vertreten lassen kann, erheblich mehr Zeit, als es sonst der Fall zu sein pflegt. Außer- dem hatte der Mechaniker, well er gerade auf dem Wege war, in einer entfernten Betriebsstelle«ine Anfrage hinsichtlich seiner Arbeit erledigt. Diese Zeitversäumnis wurde dem Mechaniker als unbefugte Entfernung von seinem Arbeitsplatz ausgelegt und mit der Entlassung beantwortet. Der Betriebsrat erhob beim Gewerbcgericht Einspruch gegen die Entlassung. Dos Gericht hat sich anscheinend von der Grundlosigkeit der Entlassung überzeugt, denn es schlug dem Ver- treter des Zeugamts eine» Vergleich vor. Der Vertreter, Oberleutnant Weigert, antwortete aber, von seiner Be- Hörde werde k eine Ermächtigung zu einem Vergleich erteilt. Das Gericht staunte ob dieser Antwort, und der Vorsitzend« be- lehrte den Oberleutnant, daß das Gewerbegericht die Pflicht habe. in jedem Klagefalle den Versuch zum Abschluß eines Vergleiches zu machen. Darauf erklärte der Oberleutnant, er müsse erst beim M, n i- sterium anfragen, ob er den Vergleich abschließen dürfe. Da sage noch einer, daß in der Reichswehr nicht alles wohl- geordnet fft. Zwar, wenn Offiziere sich an monarchistischen Demon- strationen beteiligen oder m,t staatsfeindlichen Putschverbänden in- tim« Beziehungen eingehen, fragensienichtim Ministerium an. ob dos gestattet ist. Wenn es sich aber darum handelt, ob man mit einem zu Unrecht entlassenen Arbeiter einen Vergleich eingehen soll, dann muß die Entscheidung des Ministeriums angerufen werden, und der Ministerialrat oder der höhere Offizier, der zu entscheiden hat, erklärt dam» vielleicht toi mMtärkscher Schneidigkeit, daß»«an sich mit einem Arbeiter, der sich erlaubt, eine Militärbehörde zu verklagen, nicht oergleicht. Lieber läßt man sich verurtellen. Das kostet zwar mehr als ein Vergleich— aber die Katz' ist gerettet. Der Lohnanteil in der deutschen Schuhindustrie 1914 und 1926 i Soziale H LoTmanteil m Sonderlasten Verkaufspreis|6.50 in Mark 13. 50 1.90=15.9%= uP' 0j<> 2.oo=12.,% Bekanntlich hatten die Schuh- und Schäftefabrikanten ihren Arbeitern die Kündigung als Weihnachtsgeschenk zugedacht, nach deren Ablauf mit dem 8. Januar die Generalaussperrung erfolgen sollte. Und zwar lediglich deshalb, weil die Arbeiter sich gezwungen sahen eine Lohnzulage zu fordern. Die Unternehmer hatten jegliche Verhandlungen darüber abgelehnt und weil die Arbeiter deshalb an die einzelnen Unternehmer herantraten, wurden sie ausgesperrt und sollten allesamt.ausgesperrt werden. Selbswerständlich erklärten die Unternehmer auch in diesem Falle, daß jede Lohnerhöhung für sie untragbar sei. Durch das Eingreifen des Reichsarbeitsministeriums erreichten die Arbeitnehmer der Schuhfabriken einen Schiedsspruch, der ihnen «ine Erhöhung ihres Stundenlohnes um 8 Pf. bringen sollte, d. h. bei 48stündig«r Arbeitszeit eine Erhöhung ihres wöchentlichen Einkommens um 3,84 M. Da aber die Unternehmer diesen Schieds- spruch ablehnten, und di« VerbindlichkeitserUärung vom Reichs- arbeiteminifterium versagt wurde, kam es zu einem neuen Schieds- spruch, der die Zulage aus ö kpf. verkürzte, bzw. auf 2,40 M. wöchentlich. Aus unserem' Schaubild geht hervor, daß gegen die Vorkriegszeit der Verkaufspreis für ein Paar gewöhnlicher Stiesel von 12,50 auf 16,50 M. gestiegen ist, während der Lohnanteil, der im Jahre 1914 sich auf ILO M. besief, d. s. 15,2 Proz. des Verkaufspreises, auf 2 M. stieg, im Verhältnis zum Verkaufspreis des Jahres 1926 auf 12 V Prozent gesunken ist, wozu allerdings noch die„soziale Belastung� eines Paar Stiefels mit 0 16 Proz. gekommen ist. Der Hinweis auf die feit 1914 gestiegenen Tariflöhne war also verfehlt. Durch die volle Erfüllung der Lohnforderungen der Arbeitnehmer würde sich der Herstellungspreis für ein Paar Stiesel um 12 Pf., bei feinster Ausführung um etwa 20 Pf. erhöht haben. Es wird nun wetter zu verfolgen sein, ob und inwieweit durch di« Mehrbelastung, die Lohnzulage von fünf Pfennigen, der Verkaufspreis eines Paar Stiefels erhöht wird._ Achtung Bauarbeiker! Die Differenzen bei der Finna Karl Brandt mit den Lowriefahrstuhlarbeitern auf der Baustelle Tempelhof, Industriestraße, Telegraphenzeugamt, sind beigelegt. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. ver Betriebsrat der Osram<0. ra. b. H.. Fabrik O. legt Wert auf die Feststellung, daß der in Nr. 44 des„Vorwärts" mit der Ueberschrift.Klassenjustiz in Zivilsachen" erwähnt« Vorfall sich nicht in der Fabrik v der Osram-Werke, Berlin O., Rother- stratze, abgespiett hat, also auch den Betriebsrat der Osram-Fabrik v n i ch t betrifft. Es handelt sich um den Beirieb in Charlotten- bürg, Helmholtzstr. 4— 8. Zugendgrupv« d«, IdA. Seutc, Donnerstag. 7>4 Uhr: gharlottenburg: Zugkndtirim Z osincnstr. 4. Sortrag:„Schund, und Echmuhgesed"e Kcwerkschaftsiugend. Heute, Donnerstag, Ti Uhr, tagen die Gruppen:»Zpenick: Gruppenhcim Jugendheim GrUnauer Str. S. Literarischer Abend:„Arbeiterdichtung".— LichtenbeA: Sruppenheim Jugendheim Dofse. ftrahe IL. Humor und Satire.— Tempelhos: Gruppenheim Luteum Germania» c 4 6. Heimbesprechung und Leseabend.— Südosten�Gruppenheim-Deichen- ssartsehung eim Totenbnrger "nchlanlrolle.)— Schönebera: Geuppenheim Hauptstr. Id. Bunter Abend.— Weddirg: Gruppen. heim Turiner Ccke Eeefirage. Vortrag:„Neue Wege in der Lerlspolitik und /=ri.-TT.. So*- Äiomorf frfirtffpn" die Stellungitahme der Gewerkschaften". Verantwortlich wr Volitit: Bietoe Sefiff; Wirtsch<1 G tttinge'HSsee: Geweitschastsbeweaung: ge.«»kor»: Zeuilleton: Dr. John Schikpwski: Lokales und Sonstiges: g-ig Xarsiadt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vo:wär,s. Verlag G.m.b.H. Berlin. Druck: Vorwärl-.Buchdruckerei und Berlagsaiiltal» Paul Singer u. Co. Berlin SW 6«. Lindenstrahe Z. Hierzu T»eilaaen und..Unterhaltuaa und Wifle»* einer Mahlzeit hi eine Nadispcise aus D T. O C thcr's Puddingpulver, Zarin Aroma nnd laincr Wohlyndmadc imdmen alle Sorten yora eiofadien bia min Oetker.Feinkeal-Puddin- an«. Die einfache oad_ acbnell« Znbeieitun�iwersa irt iejem Orieinalpidcdieo aufgednidet— Achten Sie brtte"beim Einlcaur auf die Sdiutimarka„Ociker't Uellkopf" und weinen Sie Nachihir.un jen zuiüdc. Gute Rezepte für Sü3- nnd Oeleespeisen sind in dem neuen farbig lllusMerien Oetker-Rezepilndi, /tuagabe f er Ihallen. Sie lesen darin auch Näheres üb-r den vorzüglichen Hacltapparal.Küchen wunde: mit dem sie«nf kleiner tiaskocherflamme backen, bialen und kochen kdnnen Das neue Euch ist für 15 I'lg bei Ihrem Kaufmann zu haben, wenn vergriffen, geg Einsendung von Mmken von Dr Ä 0etker> Bielefeld ladenverkaufspreise; Backpulver„Baclin" I Stck. 10 Hig., 3 Sick. 25 Pfg., Puddinipulvcr Van-Mandel 8 I fg, Van. Zucker 5 Pfg, Van. SoPenpuiver 5 Pfg üata-Schokol- Puddingpulver 15 Pfg, Schokoladempeisem. geh Mandeln 20 I'lg' Im BsrlhMi Uanafraun-»tr»;n kommt Dr. usttsf"« PaMavatoir zur Yaraendung. VGala- SchoKoladen-Pudding m. Vanille-Soße 2.Vanille-Pudding m.emgel. Reineclauden�cc��rT v'- ftr. 6$ ♦ 44.�ahrga«s 1. Heilage öes Vorwärts ■mim dar voaaerstag, 10.5ebruar?HZ7 cmr Die dru�che-Sieget» nxvb To»iZr»dustvie feiert in diesen logen ein Jubiläum. Sie bSckt auf ein fünfzigjährige» Destehen zurück. d«nn seit 1876— 1877 ungefähr dotiert bi« CntmicTIung der tlgeni» lichen Industrie: vorher wor es«in Sielngemerb«, eine Handordett. D« Ziegel wurden tatsächkch mit der Hand gestrichen und man kannte ohne erhebliche Zinsoerluste die herzustellenden Mengen dem Bedarf der nähereu Umgebung anpassen. Um die Mitte des vori» gen Jahrhunderts begann, wie die JubilSumsmmnner der Ton- induftriezeitung mitteilt, ein« vollständige Umwälzung nicht nur in unserem gesamten Wirtschaftsleben, fondern auch in der Ziegel. Industrie- Es hat hundert Jahre gedauert, bis die Dampfmaschine ihren Eingang in die Ziegeleien fand. Die Ziegelpresse muhte zu diesem Zwecke erst erfunden werden: dann jedoch wurde die alt« Handstrichziegelei in wenigen Jahrzehnten cht eine Maschinenziegeiei umgewandelt. Di« Ziegelei wurde eine Fabrik und au» dem Ziegler wurde ein Arbeit« oder ein Fabrikbesitzer. Es wurde später dem Ziegelbau vielfach unrecht getan, und wenn manche Leute von g«. schmacklosen Backsteinkästen fprachen, fo vergaßen sie dabei stets, daß die Geschmacklosigkeit nicht im Baustoff begründet war. Mietkasernen und ihre Fasiaden verdanken ihr Dasein eben nicht dem Ziegel, sondern der Zeh des blühenden Bauschwlndels, unter dem gerade die Ziegelindustrie viel gelitten hat. Es konnte darum nicht aus. bleiben, daß der Ziegel von anderen Baustofsen arg bedrängt wurde, besonders waren es Eisenbeton. Kalksandstein und Schlackensteine. die sich nicht erfolglos bemühten, den Baustoff markt zu erobern. die architektoaijche Entwicklung. Der bekannte Archmckt Professor Dr. Schnitze. Naumburg, gibt im genannten Organ einen interessanten Rückblick auf die architek« tonische Entwicklung in den letzten öll Jahren. Es ist eine bekannt Tatsache, daß eine gesunde Baukunst stets von dem Material und den Konstrukttonsbedingungen ausgeht- Es hat vielerlei VerwUde- rangen ia den Stilarien der letzten Zahrzehnt? gegeben, eine von ihnen war der berühmte„Jueendsttl', der das historische Ornament ablehnte und es durch ein erklügeltes Ornament zu ersetzen glaubte. was aber noch viel schlimmer wurde, als die schlimmste Berball» hornuna der historischen Etile. Zur Willkür der Form kam die nöllioe Ahnungslosigteit gegenüber dem Material und seiner Kon» strukiion, und von dieser Zeit an dotiert das Uebel, das sich bis in die heutigen Tage zu einer allgemeinen Zeitkrankheit ausgewachsen hat: die Vorstellung, daß das Reue um seden Preis, möge es auch noch so armselig«od an den haaren herbeigezogen sein, dem bewährten Guten vorzustehen ist. Die Mode hatte die Form gewechselt, die falsche Grundeinstclluna mar geblieben. Trotzdem waren die Mode. ltrömungen nicht mächtig genug, um den Sinn für eine gesunde bauliche Weiterentwicklung ganz zu unterdrücken. In den 70er Jahren Hatte sich der massive Ziegelbau, meist mit Putzüberzug. mehr und mehr durchgerungen. Die Kunst des eigemlichen Ziegel» lohbaue» war bei uns so gut wie vergessen, denn die unverputzt gelassenen Rohbauten konnten kaum als Ersatz für einen solchen gelten. Mit den 80er Jahren beginnt dagegen eine besondere Richtung aufzukommen: dos Bauen mit glatten Ziegelverblendsteinen. Die Molerialschonheit der alten roten Handstrichziegel vermochte man nicht zu erkennen und glaubte in einer möglichst Maschinen. hast glatten Oberfläche de» Steines, der die äußere haut des Bau» iverkes bilden sollte, ein zu erstredendes Ziel zu erdllcken. Nach Hunderttausenden stehen noch diese Bauten mit ihrem langweiligen leö erartigen Uederzug Herum, der für jedes empfindende Auge ein Greuel bildet. Cht langsam gewann man wieder die Kunst, echte und schöne Verdlendziegel Herzustellen, bei denen man auch teil. weise wieder zu den kleinen Formaten griff, die für die Maßstab» i-übtmg so außerordentlich günstig sind. Auch die dunklen Klinker > Eisenklinker), die desonvners im Norden unseres Valeria ndes im Gebrauch sind und dem Bilde dieser Landstriche einen so eigentüm. lichen. herben Reiz geben, kamen allmählich mehr und mehr auf und bilden so einen festen Stock bewährter und zuverlässiger Bau. stosse. Aber auch der Puhbaa, wie er überwiegend in Mittel, nnd Süddeutschland zu finden ist, zu dessen landschastüchem Chavak« ter er besonders paßt, wurde wieder entwickelt. Man verließ die glatten Putzarten mit Fugenschnitten, die den Werksteinbau nach- ahmen sollten, und erkannte wieder die hohe Schön bett der rauhen Putzoberfläche, die auf die Wirkung von ferne fo viel mehr schim» mernden Reiz bringt. vec Sauherr a!s Opfer. Im Bauwesen und allen dazugehörigen Zweigen ist zu beob- achten, daß nicht der Verbraucher seinen Willen diktiert, sondern daß eben der Baumeister als Erzenger mefzt oder weniger fest am Alien Neble, und es ans Beguemlichkeiz verstand, diese Stellung mit E/a Silo ia Betongvß. allen Mitteln zu verteidigen. Rsgierunxsbanmeister Stegemcuui« Dresden führt zu diesem Thema an, daß man nicht Übersehen dürste. daß die �Stellung des Verbrauchers m diesnn Kamps autzerordent. lich ungünstig war. Man muh immer berücksichtigen, daß der Der- braucher, das heißt der Bauherr, fast immer ein Laie ist, dem aus der einen Seite die sachwissenschaftliche Vorbildung und aus der anderen Seile die Stoßkraft einer geschiolsenen Organisation fehlt, um«inen Druck aus die Herstellerkretse auszuüben. Er ist im wesentlichen angewiesen und abhängig von seinem Treuhänder und Bauanwalt, dem Architekten, und muß sich auf dessen Rat verlassen. Aber gerade dieser Architekt hatte seinerseits nicht das geringste Inieretze, sich seine Arbeit durch die hineiniragung irgendwelcher neuer Ideen und damit durch einen, vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen, für ihn unnützen oder zumindest unbequemen Kamps mit dem Unternehmertum zu erschweren. Für den Ver» braucher ergab sich aber unter allen Umständen aus dieser Ein- stellung. daß es im Wohnungsbau uneniwegt beim allen blieb, und daß der Strom der Entwicklung, den wir auf allen übrigen Gebieten der Technik beobachten können, an ihm Doriidmmischie, ahne daß er irgendwelchen Nutz«, davon hatte. Unzweiieitza't hat es der Bauherr der ungeheuerlichen Not der Nachkrieoszeil und der In- slationsjahre zu danken, wenn hier unter dem Druck imnichasiiichrr Verhältnisse endlich eine Aendenmg eintrat und der Gedanke tech- nischer Fortentwicklung und höherer Wirtschaftlichkeit auch im Wah- nungsbau zu einer gewissen Geltung kam. heute ist es für die im Wohnungsbau beschäftigten Fachkreise, allerdings mit Ausschluß der- jenigen, die überhaupt leder technischen Neuen ine abhold sind oder die aus innerer Gleichgültigkeit oder aus reiner Intereflenpolitik heraus jeden Fortschritt mißachten, eine Selbstverständlichkeit, daß dt« konstruktive Durchbildung des Hauses und die Organisation des Bauvorganges selbst durchaus nicht mehr den Anschauungen ent- spricht, die wir als neuzettiich und vor allem als luirilchofilich denkende Techniker haben müssen. Es genagt für uns heute nicht wehr die Erkenntnis, daß der Ziegel ein anßerordenllich hochwertiger Baustoff ist und daß ein Haus, das mit hunderttausend Hand- griffen«ms diesem Baustoff hergestellt ist, vom konstruktiven Stand» punkt rn» und gleichzeitig als Wetterschutz bettachtet, etwas vor» zügliches und Einwandfretes darstellt. Wir sind kritischer geworden und I)aden uns daran gewöhnt, jeden Vorgang durch die Lupe der Wrtschaftltchkeit zu bettachten. Und unter diesem Gesichtswinkel gesehen, müssen wir zugeben, daß unsere Art zu arbeiten, zu» sammen mst den zur Verfügung stehenden Daustofsen und den bis- her üblichen Konstruktionen, nicht unter allen Umstanden als die letzte und beste Lösung anzusehen ist. Vohnuagsbau»ach einem Plan. Da», was der modern« Technil«' sucht,«nd was allein eine großzügige roirtjchastiiche Leistung verspricht, ist der Wohnungsbau nach einem großen, einheitlichen Plan. Die Bolkswohnung ist INassenware, ohne daß damit irgend etwas kulturell Tiesstehendes zum Ausdruck kommen soll. Sie stellt weiiee nichts dar, als die Schaffung von Wohnräumen für gleiche Verhältnisse, da nicht weniger als 85 Proz. unserer Benölkeniiig in Kleinst, und Klein- Wohnungen untergebracht sind. Di« Erstellung'von Massenwate erfordert aber, wirtschaftlich gesprochen, organisierte Fabrikbetriebe. Und erst dieser Fabrikbettieb, das heißt die Anfertigung von ganzen Serien, wird die Gedankengänge zur Verwirklichung bringen, die dem neuzeitlichen und die Zukunft erkennenden Fachmann seit Jahren vorschweben. Unter diesen Vonmssetzungeit wird der Schlackenbetonban. soweit es sich um Guß. und Schüllversahr«« sowie um den Spritzbeton handelt, durchaus in sehr beachtlicher Weise in den Vordergrund des Interesses gerückt werden. Man darf nicht übersehen, daß der Ziegelbau bei aller Wertschätzung, di« er mit gutem Recht genießt, dach den einen Nachteil mit lich bringt, daß es sich hier uin einen verhältnismäßig kleinen Baukörper handelt, dessen Verwendimg zu einer Unzahl von Handgriffen zwingt. Schon der großformattge Schlackenstein— wie er in der Nachkriea-zeit aus den Markt gebracht worden ist— zeigt hier eine gewisse Ueberlegenheii, da er mit fernen großen Platten eine Ar, briiscrspanris von 80 bis 75 Proz. beim Vermauern mit sich bringt. Noch mshr muß sich dies bei richtig organisiertem Baubeirieb und bei einer entsprechenden Größe des ganzen Bauobjektes selbst beim Schütt» und Giißverfahren auswirken, vor ollem, wenn es geling!, die Schüttmasse selbst durch vereinfachte Transportoorrichiutigen auf die Venvendtmosstellen zu heben. Vieles von diese» Dingen erscheint Heu« iwch als Utopie. Biel» leicht wird es in wenigen Jahrzehnten selbstverständlich sein, daß Häuser gegossen werden, und man wird diejenigen nicht oerstehen i! mmmmmmmmmmSBrnSSrn 15] Gerichtstag. von Fred zzsrevce. Lopprirlit ISZ5 by P»ul Zjolaay, Wleo' Die nächste Woche ging alles gut: der Vater fuhr zeitlich am Morgen fort, kam des abends spät zurück und machte aus- gezeichnete Geschäfts. Di« Mutter sing schon an, Hoffnung zu schöpfen. In der zmeiten Woche war er weit weniger eifrig. Im Laufe der dritten Woche hatte er seine früheren Gewohnheiten wieder aufgenommen und er schickte mich häusig um Kognak. Wieder erschienen die gestempelten Papiere im Haus, nur gab es nichts mehr zu pfänden. Der Bäcker, der Fleischer, der Krämer und der Schuster kamen einer nach dem anderen und verlangten unter großem Lärm ihr Geld. Die Mutter sah, daß wir einer Katastrophe zueilten, die noch ärger war als jene vor drei Jahren und geriet in Verzweisiung. Sie getraute sich nicht mehr, den Beschimpfungen und Drohungen der wütenden Gläubiger gegenüderzutreten, und sie schickte mich bei jedem Läuten zur Tür. „Sag', daß dein Vater nicht zu Hause ist nnd daß ich krank bin." Ich sagte es einma!, zweimal, zehnmal, zwanzigmal. Und dann wurde es dem einen zu dumm: er sprach bei meiner Großmutter vor. Sie kam dann später zu uns heraus, und die Mutter schickte mich mit Alice in den Garten. Tino Stunde nachher fern meine Großmutter zu uns. „Was tust du jetzt?" „Nichts, ich spiele mit Alice." „Du spielst: hast du denn nichts anderes zu tun?" Ich blickte sie ganz verwundert an:„Nein, ich habe schon meine Aufgaben gemacht." „Und hast du gar nichts anderes zu tun?" „Jetzt nicht." „Da sieht man, wie euch die Mutter zu Prinzen erzieht." Schweigen auf beiden Seiten. „Ich habe vergessen, deiner Mutter zu sagen, daß ich ihr nicht mehr jeden Morgen mein Madchen schicken kann, um die Schulte zu putzen. Das wird eine sehr gute Arbeit für dich sein." „O, das ist nicht das erstemal. In Genf habe ich sie immer geputzt." „Es ist Zeit, daß du endlich einmal zu arbeiten anfängst. deine Mutter erzieht euch, als ob ihr niemals«uren Lebens» unterhalt verdienen müßtet." Ohne weiter auf sie zu hören, lies ich zur Mutter, die an ihrem Nähtischchen saß und bitterlich weint«. „Mama, hör' ans zu weinen, wenn du wüßtest, wie lieb ich dich habe." „Ich weiß es. Liebling, wen Hab' ich denn aus der Welt als dich? Es tut mir ja so weh. daß dein Vater so ungerecht zu dir ist." „Mama, sag' das nicht, du sollst nicht immer meinethalben mit dem Vater Streit haben." „Sei nichts bös auf mich, mein Kind, ich habe keinen Mut mehr, um zu kämpfen: wie gut weiß ich, daß ich im Unrecht bin. Warum nur mußte ich den Bitten deines Vaters nachgeben! Niemals hätten wir Genf verlassen sollen: wir waren ja so glücklich dort." Der Kirchturm von Sankt Peter, der leuchtende See, dessen Wässer am Horizont verschwinden, der weiße Block des Moni Blanc, die Bergnesbrücke, di« Rouffeauinfel, die gekräuselten Wellen der Rhene, all dies stieg vor mir auf. Ich warf einen Blick aus dein Fenster, der blaue See lag vor mir. „Ist das wirklich derselbe See?" fragte sie leise,„er ist so schön und doch..." „In Genf ist es schöner," ineinte ich. ibren Satz beendend. „Ja, weil wir dort glücklicher waren." „Mama, könnten wir nicht wieder zurückgehen?" Sie blickte mich lange an: eine ungeheure Müdigkeit lag auf ihrem Gesicht. „Es ist unmöglich." „Warum?" „Ich kann dir das nicht erklären. Später einmal wirst du mich schon verstehen." Sie brach in Schluchzen aus. „Du barmherziger Gott, was had' ich denn getan, daß ich so gestraft wirkte? Nein, es ist zu viel, zu viel." Sie war aufgestanden nnd ging mit großen Schritten im Zimmer auf und ab, den Kopf hielt sie zwischen die Histrde gepreßt. Ich lief zu ihr nnd zog ihr die Hände mit Gewalt vom Gesicht fort. „Mama. Mama, ich bitte dich, weine nicht mehr, bald bin ich erwachsen, dann werde ich arbeiten, dann sind wir wieder glücklich, du wirst schon sehen." „Du bist meine einzig« Hoffnung und mein einziger Trost." Plötzlich fiel mir der Auftrag meiner Großmutter ein. „Mama, die Großmutter hat mir befohlen, ich sollte.. Die Mutter schrak zusammen. „Was denn?" „Daß sie dir nicht mehr ihr Dienstmädchen schicken will... oder kann." „Ah, wenn's weiter nichts ist," die Mutter atmete er- leichtert aus,„es ist mir gar nicht!o unangenehm: deine Schuhe sind schon sehr abgenützt, und ich habe kein Geld, dir andere zu kaufen. Diese Person sagte mir jeden Tag in einem unverschämten Ton, daß man sie doch endlich zum Schuster tragen sollte." „Das mach! nichts, Mama, ich werde immer die Schuhe putzen: ich bin ja glücklich, etwas für dich tun zu können." Eine Amsel singt in einer Linde, durch das geöffnete Fenster dringen die Dusiwellen blühender Hyazinthen. Der göttliche Fried« der Natur übt seine beruhigende Wirkung aus. Wir halten uns umschlungen: sie sitzt, ich habe meine Hand um ihre Taille gelegt, mein Kopf ruht auf ihren Schultern. Schritte, die sich nähern, lassen uns zusammenfahren. Ob das schon der Vater ist? Wir rühren uns nicht, wir fühlen uns glücklich, so nahe beieinander zu sein und genießen selig den Schmerz, der uns vereinigt hat. Die Tür öffnet sich, der Bater erscheint aus der Schwelle. Wir rühren uns nicht. ..Guten Abend," sagt er trocken,„was bedeutet diese Komödie?" Wir fahren zusammen, wie von einem Peitscheichicb getroffen. „Diese Komödie?" wiederholen wir beinahe mechanisch. Er hat mich am Arm gepackt und stößt mich zur Tür hinaus. „Schau, daß du weiterkommst, du garstige Kröte." „Warum beschimpfst du ihn; ich will, daß er hier bleibt. Jacques, komm her." „Ah, da schau ber! Ich sehe, daß du dir von diesem jungen Mann wieder verschiedenes hast einreden lassen." „Ich lasse mir von niemandem etwas einreden, ich will aber nicht, daß er noch länger dein Sündenbock fei, verstehst du? Uebrigens habe ich dir ein ernstes Wort zu sagen. Mama ist heute nachmittag hier gewesen: Gaillard hat die Rechnung bei chr oorgewiejen,"(Fortsetzung folgt.) können. Me fich gegen die Fortschrwe und Weiterentwlckknng der Bautechnik ablehnend verhielten. Regierungsbaumeister Stegemann schließt seine interessanten Ausführungen zu diesem Thema mit den Worten: Fabrikmäßiges Bauen und die sich daraus ergebenden technischen Folgerungen ist heute noch Schlagwort und es gibt be- douerlichcrwcise selbst in denjenigen Kreisen technischer Fachleute, die nach ihrer ganzen Stellung unabhängig sind, noch allzu viele, die hierin kalten Amerikanismus und eine Verödung der deutschen Wohnungskultur sehen. An der Wohnung und ihrem inneren Ausbau wird aber aus diesen Gedanken heraus nichts geändert. Der neue Zernfprechgebührentarif. DcrhandlunKen vor dem Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost. In der Sißung des Berwaltungsrats der Deutschen R c i ch s p o st vom 9. Februar wurde die Beratung des E n t- wurfs einer Fernsprechordnung vorgenommen. Der Berichterstatter Ministerialrat Dr. Sommer(Preußen) gab einen ausführlichen Bericht über die eingehenden Verlzandlungcn über die Borlage im Arbeitsausschuß des Berwaltungsrats und empfahl namens der Mehrheit des Arbeitsausschusses die Annahme des Tarifs, nach dem die Grundgebühr Z bis 9 Mark, die O r r s g« s p r ä ch s g«b üh r bis 250 Gespräche im Monat lO Pf., bis ,500 Gespärche 9 Pf., für iedcs weitere Gespräch 8 Pf. und die Zahl der Pflichtgespräche auf 20 bis 40 festgesetzt wird. Er betonte nach besonders, daß der Grundsatz der Selbstkostendeckung anerkannt werden müsse, und daß sich eine Mehrbelastung der Wenig- s p r e ch e r. die 78 Proz. aller Fernsprechteilnehmer ausmachten, nicht vc r� nie i den lasse. In der Generalaussprach« erklärte sich Professor Solomon, Frankfurt a. M., namens der größten Zahl der Mitglieder der Gruppe„Wirtschast" im Derwaltungsrat grund- säglich mit der Vorlage und den Anträgen des Arbeitsausschusses einverstanden. Mit der Zustimmung zu diesem Tarif schaff- man auch nichts Endgültiges, sondern er erwarte, daß zu gegebener Zeit eme Revision der Fernsprechgebühren eintreten werde. Schließlich spricht sich der Redner für einen Antrag des sozialdemokratischen Abg. Stein köpf aus, sofern der Rcichspostminrster gewillt sei, diesem zuzustimmen. Der Antrag Steinkopf schlägt vor:. s) Grundgebühr: l— 100 Teilnehmer Monatlich i,~ M. 101—200.. 5,—. 201-1 000„ 6.-. 1 001—5 000.. 6,50. 5 001—10 000.. 7,— 10 000—50 000„. 7 50, über 50 000„, 8,—„ b) OrtS gesprächSgeb ü h r einbeitl. 8 Pf. für das Gespräch. c) P f l i ch t g e s p r ä ch e bei 1—50 Teilnehmern 20 Gespräche bis 1000. SO. über 1000. 40 d) Fernsprechgebühren bis 5 km 10 Pf.(wie bisher) . 15 km 30... , 25 km 40,(wie Vorlage, bisher 45 Pf.) . 50 km 70,(anstatt 60 Pf. nach der Vorlage und bisher 90 Pf.) , io km 10Q,(anstatt 90 Pf. nach der Vorlage und bisher 120 Pf.) » 1 00 km 120„(wie bisher) und dann weiter nachdem alten Tarif. Staatssekretär Dr. Feierabend(RPM.) gibt der Auf- sassung Ausdruck, daß der neue Tarif nicht lange Zeit dauern werde. Die Revision der Gebühren müsse vorgenommen werden, sobald sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Deutschen Reichspost wesentlich günstiger gestaltet haben und die Automatik durchgeführt sei. Rcichstagsabgeordneter Steinkopf(Soz.) weist darauf hin, daß es sich nicht um«ine Vermehrung der Einnahmen der Reichs- post, sondern nur um eine neue Verteilung der Fern- sprechlasten handle. Dabei sei es nicht angängig, den Orts- gesprächsoerkehr um 50,9 Millionen neu zu belasten, um den F«rn- sprechverkehr in der Rahzcme und andere Dinge um den gleichen Betrag zu entlasten. Er schlage deshalb vor, in der Ermäßigung der Gebühren im Fernsprechverkehr nicht so weit zu gehen, wie die Vorlage es vorsieht und ebenso auch einige andere Ermäßigungen zurückzuschrauben. Die hierdurch frei werdenden Mittel müßten dem Ortsverkehr zugute kommen, damit der ungeheure Sprung einer Derteuenmg des Ortsverkehrs um 100 Proz. und mehr vermieden werde. Auch das Prinzip der Selbstkoftendeckung rechtfertige nicht die kolossale Verteuerung des Ortsverkehrs auf einmal durchzuführen. Ferner bedürfe d«r Telegraphen- betrieb einer eingehenden Reform, damit das Defizit von 41 Millionen verschwinde. Es sei nicht zu verkennen, daß die ungeheure Belasmng des Ortsverkehrs, auch wenn dadurch eine Mehreinnahme für die Post nicht eintrete, geeignet sei, eine ollemeine Steigerung des Preisniveaus herbeizuführen. Es sei Erfahrung, daß auch die geringste Steigerung der Eisenbahn- und Postgebichren solche Verleuerungen nach sich ziehen, während die Ermäßigungen immer in die Taschen von Handel und Jndustri« wandern. Namens seiner politischen Freunde bitte er, die Vorlage an den Herrn Reichspostminister zurückzuverweisen, damit er«ine andere Vorlage, die die Wenigsprecher etwas mehr be- r ü ck s i ch t i g t, vorlege. Sollte dies nicht möglich sein, so oer- weise er auf seinen Antrag. In der folgenden Abstimmung über die Anträge auf Ab- lchnung der Vorlage oder Zurückverweismrg an den Arbeitsausschuß, die von den Reichstagsabgg. Torgler(Komm.), Ste i n k o p f und Taubadel(Soz.), Maroth(D. Vp.) und Mollath(W. Dg.) ge- stellt sind, werden sämtliche Anträge abgelehnt. Die Verhandlung wird darauf vertagt. Der Danüerolenüiebftahl. ' Wie im Dahlcmer Z�inanzzeugamt gearbeitet wurde. Der große Banderol«neinbruch im Reichsfinanzzeugamt in Dahlem ist so sorgfällig vorbereitet gewesen wie kaum jemals ein zweiter. Die verhafteten.Kaufleute" Marsal und Miller legten ein umfassendes Geständnis ab. Den Tip zu dem großen Einbruch erhielt Miller von einem gewissen.Alfred", den er nicht weiter kennen will. Dieser finanzierte das Unteniehmen bereits Anfang November vorigen Jahres, indem er das Geld zur Be- ichosfung der Einbruchswerkzeuge besorgte. Er halte auch Hehler an der Hand..Alfred" bracht« Miller auch mit Marsal zusammen und als vierter Mann kam noch ein auch noch nicht bekannter„Otto" . kl- �ei verwandten den ganzen November auf die Aus- kundschaflung des Gebäudes und seiner Umgebung. Zweimal fuhren sie am Tage hinaus, dann fast jeden Abend, um sich durch Veobuchrungen namentlich über den Wächter und seine Gänge genau zu unterrichten, besonders auch über seinen Sonntagsdienst, seine Wohnung usw. Um den Lagerraum und seine Zugänge aussindig zu machen, gingen sie am Tage ganz dreist in das Gebäude hinein. Am 28. November schrnten die Verbrecher zur Ausführung des Planes. Sie kamen jedoch nicht zum Ziele, weil ihre Dietriche nicht paßten. Nachdem sie sich andere befchasst hatten, schnitten sie am 4. Dezember um 8 Uhr abends den Zaun an der Schweinfurth. straße durch und verbargen sich in einer abgelegenen Laube auf dem Grundstück des Finanzamts, um von hier aus zu beobachten, wann das Licht in den Wohnräumen erlosch und wie der Wächter ging. Als sich dieser da im auf der Vorderfeite des Gebäudes befand, stiegen sie behutsam an den Wohmingen im Untergeschoß vorbei in den 2. Stock hinauf, öffneten die Bureauröum« und eine hinter diesen gelegen« dunkle.Gerätekammer, schlössen beide Türen hinter sich wieder ob und lauschte» nun. wann der Wächter wieder vor» Der„Aigeimer� von Schöneberg. Kompofthaufen als Unterstand für 1 Mann und A Pferde. Auf freiem Felde zwischen T e m p e l h o f und Schöneberg, in der ländlichen Bessemerstraße, am Grundstück der Ravenc- scheu Maschinenfabrik, steht eine winzige, morsche Bretterbude. Die schadhafte.Außenfasiade" ist mst alten, verrosteten Blechstücken not- dürftig ausgeflickt, die Spalten zwischen den Brettern mit Lumpen, alten Stiefeln, Heu, Holz- und Eisenabsällen.verdichtet". Rings um das.Haus" ein Riesenwall von Abfällen aller möglichen Gc- braiichsgegenständc. Alte Stiefel, aste Hüte, Blech, Eisenstücke, Drähte, Eingeweide von Möbelstücken, Konservenbüchsen, halbe und viertel Sofas, Stuhlbein«, Schmutz und Mist. Dazwischen ein paar invalide ehemalige russische Militärwägelchen, die sogenannten Panje- wagen, die der Besitzer als Fuhrwerk benutzen will. Das Innere dieser fast romamiscyen Trödelbude bietet, genau wie die Außenseite, ein Riesenlager von Lumpen und Gerumpel aller Art.die den Raum bis an die Decke ausfüllen und in einem Der- schlag enden, in dem ein Mensch sein Lager aufgeschlagen hat. Eine aus Lumpen künstlich gezogene„Rabitzwand" teilt den Raum in zwei Teil«. Borne haust«r, rückwärts seine einzigen Angehörigen, an denen er mit Liebe hängt— zwei Pferde. Diesen Mann in seiner grenzenlosen Kümmerlichkeit umschwebt ein fast märchenhafter Schein. Es ist ein Mensch in den fünsziger Jahren, angeblich Pole, der vorher in der Ebersstraße eine kleine Uhrenwerkstatt betrieb, aus der man ihn wegen Mieteschulden hinaussetzte. Run erwarb er für eine Jahresmiets von 50 Mark— die er aber auch nicht bezahlte— dieses„Bauterrain" und siedelte sich in der ge- schilderten Weise an. Man will ihn auch hier exmittieren, er geht aber erst dann, wenn er eine„Ersatzwohnung" kriegt. Da er als schlechter Zahler bekannt ist, will ihn niemand haben, und man läßt ihn eben wcitervegetieren. Er selbst, noch mehr aber seine Pfleglinge, sind die Schrecken der Umgebung. Bon morgens bis abends, ja selbst nachts, durch st reifen die Tiere sutter- suchend die Straßen und Wiesen. Die Tiere sind wild und unzugänglich, und es besteht ständig die Gefahr, daß unvorsichtige Kinder Schaden erleiden könnten. Tierschutzverein und Polizei können die Tiere nicht an sich nehmen, da sie nachweislich völlig gesund, gut genährt und untergebracht sind. Die Existenz des Mannes— was er treibt und wovon er lebt— ist in Dunkel ge- hüllt. Mit einem selbstgezimmerten Kinderwägelchen durchstreift er die Gegend nach Futter für seine Lieblinge und Abfällen für sich selbst. Seinen Mitmenschen traut er— man weiß nicht, aus welchem Grunde— alles Schlechte zu, und wenn mitleidige Nachbarn ihm Essen geben, dann äußert er statt einer Danksagung die Vermutung. sie wollten ihn„vergifte n". Er erzählt von besieren Tagen, die er einst gesehen, daran knüpfen einige gleich die geheimnisvoll- Vermutung großer Reichtümer. Niemand ist ihm aber fcind, er erweckt bläß das Gruseln seiner fragwürdigen Existenz und der Ver- wilderung seines äußeren Menschen. Er streicht von morgens bis abends umher, läßt sich von der Sonne befcheinen und im übrigen den Herrgott einen guten Mann sein. Nachts kriechen Mann und Pferd in ihren gemeinsamen Stall, und wie es hell wird, sind sie wieder auf der„Walze": jedes auf seiner Tour. Ab und zu kommt ein Lumpensammler bei ihm heran, der deckt aus diesem Riesen- lager seinen Bedarf, dann giht es sogar Geld. Was er sonst für sein bißchen Leben braucht, das kratzt er irgendwie zusammen. Ein Zigeuner im weitesten Sinne des Wortes, ein Gestran- deter, den die Liebe zu seinen Pferden ausrecht erhält. Jedenfalls sollte dafür gesorgt werden, daß ihm und seinen Pferden das ersehnte Dach über dem Kopf zugewiesen wird. bei ging. In den Pausen zwischen den Rundgängen setzten die Ein- brecher einen Spiralbohrer an, um durch die Wand zu kommen. Der Bohrer machte aber solches Geräusch, daß sie davon abließen und mit einem großen Messer Stein für Stein aus der Wand Herausholren. Nach 3�stündig«r Arbeit war das Loch so groß, daß „Otto" hindurchkriechen konnte. Er reichte nun die Banderolenpakete hindurch und seine Spießgesellen verpackten sie in der Kammer zu großen Bündeln, die sie fest verschnürten. Jetzt galt es, mit der großen Beute hinauszukommen. Sie entschlossen sicb, den Sonntag abzuwarten und schliefen einstweilen, so gut sie konnten. Aber auch den ganzen Sonnlag über war der Ausweg zu unsicher. Als sie nachmittags um 5 ilhr in die Nähe der Wohnungen kamen, fing dort ein Hund an zu bellen. Sie eilten wieder hinaus in ihr Bersteck und schlössen abermals sorgfältig ab, um bis zum Montag früh zu warten. Mvrgens um 5 Uhr aber sahen sie von einem Fenster aus, daß der Wächter seinen Dienst beendet hatte und heimging. An einer Leine, die sie mitgebracht hatten, ließen sie ihre sechs Pakete aus dem Fenster eines Flurtlosetts hinab. Dann kletterten Miller und Marsal an der Leine den Paketen nach.„Otto" mußte es nun doch versuchen, auf der Hintertreppe an dem wachsamen Hunde vorbei- zukommen. Das gelang ihm auch. Miller und„Otto" nahmen ein Auto, iuhretz, bis zur Ecke der Warschauer und Boxhagener Straße und stellten hier ibre Pakete bei einer ahnungslosen Zeitungs- böndlerin unter. Miller traf sich an einer verabredeten Stelle mit „Alfred" und berichtete ihm, daß„alles da sei". Si« kauften dann zwei Koffer, packten ihre Beute hinein und gaben sie auf dem Echlesis.hen Bahnhof in Verwahrung. Den Gepäckschein nahm „Alfred" an sich. Er traf sich seitdem öfter, wieder mit Miller und klagte über schlechten Absatz. Dabei schimpfte er auf die Schieber, die erst stürmisch Ware verlangt bätten und jetzt nicbts kaufen wollten Nach und nach erhielt Miller von ihm 4000 M. Dann stellr«„Alfred" die Zabluiracn ein und ließ nichts inehr von sich bören oder sehen Miller fühlt sich schwer„aetramvelt". Miller und Marsal behauvten, daß sie„Alfred" und„Otto" ständig gesucht hätten, um von ihnen weiter« Zahlungen zu erlangen. Beide aber seien spurlos verschwunden. Auch Kriminalkommissar Bllnger und seine Beamten suchen sie noch vergeblich. Sie zu finden ist um so scbwieriger, als man ihre richtigen Namen noch nicht kennt. Mit- teilungen nimmt die Dienststelle B. 6 im Polizeipräsidium entgegen. die Sluttat im Schulkeller. Wo ist das Geld der Toten? ileber die von ihm verübte Bluttat wurde der Heizer Wilhelm Buchhol., auf dem Polizeipräsidium gestern noch einmal verhört. Wie er jetzt sagt, kam seine Frau nicht aus Eifersucht in den Keller, sondern um ihm beim Heizen zu helfen. Es gab gleich wieder Streit, weil die Frau erfahren hatte, daß die Versammlung, die er angeblich besuchen wollte, bereits stattgefunden hatte. Als seine Frau ein Stück Holz nach ihm warf, packte�er sie an der Kehl«, oersetzte ihr dann mit einem Stein einen Schlag gegen das Kinn, so daß sie hinsiel, und dann noch einen Schlag auf den Hinterkopf. Weil sie schrie, knebelle er sie auch noch. Um später den Anschein zu erwecken, daß seine Frau ihm davongelaufen sei, warf er ihre Markttasche ins Feuer, ebenso ihr Portemonnaie, nachdem er die 30 Mark, die es enthielt, herausgenommen hatte. Dann holte er noch ihr Jackett und ihre Schuhe aus der Wohnung und oersteckte sie im Keller unter Holz. Daß er die 30 Mark ein- gesteckt hat, gibt Buchholz zu, dagegen leugnet er noch. anderes Geld seiner Frau an sich geno mm e n zu haben. Nun hat aber die Frau, wie die Kinder wissen, rund 1000 Mark besessen, die sie, in einem Rock eingenäht, bei sich zu tragen pflegte. Bei einer gründlichen Durchsuchung sind jetzt 330 Mark im Bett gefunden worden, in dem Frau Buchholz nie Geld versteckte. Vermutlich hat Buchholz den ganzen Betrag aus dem Rock herausgeholt und die 330 Mark zur Irreführung in das Bett gesteckt, annähernd aber 700 Mark aber für sich behalten. Es sind ferner für 2000 Mark Staatsanleihe aus einem Spind verschwunden. Sie lagen dort bisher mit mehreren alten rotgestempelten Tausendmarkscheinen zusammen. Diese liegen noch da, die Stadtanleihe ist dagegen oersdiwunden. Der Verhastete bestreitet, sie genommen zu haben. Es wird aber vermutet, daß er sie verwertet hat, um Schulden zu bezahlen oder um anderen Frauen Zuwendungen zu machen. Er hat nämlich hinter dem Rücken seiner Frau nicht nur zu einer anderen, sondern zu mehreren Frauen in Beziehungen gestanden. Wer über den Verbleib des Geldes, insbesondere auch über den der Stadlanleihe Auskunft geben kann, wird gebeten, sich bei den Kriminalkommissaren Dr. Anuschat und Quoß zu melden. Cin(ppfer seiner Leiüensckaft. Durch Rennwetten zum Betrüger geworden. Höchst bedauerlich, war der Fall des Postschaffners E., eines schwerkriegsbeschödigten Mannes, der sich vor dem Schöffengericht Tempelhof wegen Amtsunterschlagung und Fälschung amtlicher Re- gister zu oerantworten hatte. E. ist durch eine schwere Kriegs- Verletzung an beiden Beinen vollständig gelähmt, die Beine find geschient, und er kann sich nur an Krücken weiterbewegen. Deshalb bezieht er auch eine 80prozenttge Rente. Die Poswerwaltung hatte E., der seit 1906 in ihren Diensten steht, den Markenverkauf an einem Schalter übertragen. E. hat den gesamten Bestand von 1500 Mark unterschlagen. Wie er selbst gestand, war er von einer unhcmmboren Wettleidenschaft für Rennwetten ersaßt worden und hatte dabei große, Pech. Er war dadurch in Schulden geraten und hatte langsame Beträge au» der Markenkasse entnommen, bis der ganze Bestand oerbraucht war. Der Verteidiger wies darauf hin, daß der Angeklagte unter allen Umständen den Milderungsparagraphen zugebilligt erhalten müsse und nicht ins Zuchthaus geschickt werden dürfe. Nach dem Gut- achten eines Nervenarztes fei durch die schwere Nervenlähmung dce seelische und moralische Berfasiung des Angeklagten auf das schwerste erschüttert, so daß er für seine Tat nicht voll verant- w o r t l i ch gemacht werden könne. Der Verteidiger konnte auch den Standpunkt des Staatsanwalts nicht anerkennen, daß der An- geklagte durch seine Rente besser als Beamte derselben Gehatts- klasie gestellt sei: denn sein schweres Leiden nötige ihn zu höheren Ausgaben. Seine Zukunft sei vernichtet, und er sei nur noch aus die Militärrente angewiesen. Deshalb sollte man diesen Schwer- kriegsoerletzten nicht ins Gefängnis schicken, da er schwer genug gestrast sei, sondern ihm Bewährungsfrist geben. Das Schäften- geeicht billigte dem Angeklagten zwar mildernde Umstände zu. Di« schwere Kriegsverletzung sei aber auch der einzig« Grund, um von einer Zuchthausstrafe abzusehen. Die Notlage des Angeklagten. eine Folge der Wettleidenschast, sei selbst oerschuldet. Aus diesem Grunde sei das Gericht auch über die Mindeststrafe hinausgegangen und habe auf neun Monate Gefängnis erkannt. Das Gericht habe weiterhin Bedenken gehabt,- den Angeklagten bei dem schweren Be- amtenvergehen von vornherein Bewährungsfrist zu geben. Zunächst soll er einen Teil der Strafe abbüßen. Verbreiterung üer Staötbahngleise. Zu beiden Seiten Gehwege. Als die Berliner Stadtbahn vor 50 Jahren gebaut wurde, konnte man die künftige Entwicklung noch nicht voraussehen. Um die Baukosten und die Kosten für den Grunderwerb möglichst niedrig zu holten, wurden die Breitenabmessungen des viergleisigen Bahn- oiaduktes ziemlich knapp gehalten und dadurch der Aufenthalt für das mit der Beaufsichtigung des Bahnkörpers betraute Personal bei der dichten Zugfolge erschwert. Bei der kommenden Elektri- fi z i e r u n g wird der zwischen den Gleisen liegende Raum durch die beiden, mit einer Holzverkleidung überdeckten Stromschienen, durch die ein elektrischer Gleichstrom von 800 Dolk Spannung fließt, in Anspruch genommen. Um nun dem Bahnpersonal beim Herannahen eines Zuges«in gesichertes Beiseitetreten zu ermöglichen, sollen, wie wir erfahren, zu beiden Seiten des Biadukts an allen Stellen, an denen der freie Luftraum dies gestattet, in der Höh« der Gleise b«- sondere Gehwege von 1,50 Meter Breit« angelegt werden. Diese Gehwege werden an dem gemauerten Viadukt konsol- artig ausgekragt, wie dies in ähnlicher Weise am Bahnhof Iannowig- brück« nach der Spreeseit« hin vor Iahren zur Ausführung gekommen ist. Gleichzeitig werden in diesen Gehwegen die Kabel für die Stark- und Schwach st romanlagen des elektrischen Be- triebes in einem Kanal Aufnahm« finden. Derartige Gehwege, mit deren Herstellung alsbald begonnen werden soll, werden sich z. B. im Zuge der Dirckjcnstraße, Lüneburger Straße usw. eiülangziehen. Liebestragödie in Reukölln. Mit der Bitte um Schutz erschien gestern abend um 10 Uhr«m« 1? Jahr« alte Elisabeth Lanzke�aus der Falkstraße 25 auf der Revierwach«. Sie gab an. ihr Bräutigam, ein 20 Jahre alter Arbeiter Fritz Sander aus demselben Hause, habe sie mit Erschießen so schwer bedroht, daß sie habe flüchten müssen. Während Sanders Mutter dem Beamten, der die Anzeig« untersuchen wollte, öffnete, siel i* einem Zimmer ein Schuß. Als man eintrat, fand man den jungen Mann mit einer Kugel im Kopf besinnungslos auf dem Sofa liegen. Meich darauf starb er. Das Mädchen hatte ihm ihre Neigung entzogen. Aus Eifersucht hatte er zum Revower gegriffen. Der Sonntagsausflug mit dem Schnellzug. Die Sonntagsrückfahrkarten, die bekanntlich eine Fahrpreis- ermäßigung von 3 3% Proz. gewähren und daher für Wochenendau-flüge beim Publikum große Beliebtheit erlangt haben, gestatten nach den Bestimmungen der Eisenbahnverkehrsordnung nicht ohne weiteres die Benutzung der Schnellzüge. Um auch das Erreichen weiter gelegener Reiseziele, nach denen Sonntagsrücksahr- karten ausgegeben werden, zu erleichtern, hat die Reichsbahn bereits im Lause des letzten Jahres versuchsweise.zahlreiche Schnellzüge zur Benutzung auf Sonntagsrückfahrkarten freigegeben. Diese Versuche sollen auch in diesem Jahre sortgesetzt werden— wie wir von der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft hören—, und daher sind auch die Guter selbflbereiteter Hustensirup Unfehlbar in feiner Wirkung und billig Husten und Erkältungen sind in dieser Jahreszeit derart häustg. daß es viele interessieren wird, wie sich zu Hause ungefähr«in halbes Liter Hustensirup herstellen läßt, der viel bester und dreimal so billig ist wie alle fertig gekauften Präparate. Besorgen Sie sich bei Ihrem Apotheker 60 xr Ansy(dreifach konzentriert) und mischen Sie es mit 250 gr vorher in einem viertel Liter kochenden Masters gelöstem Zucker. Ein oder zwei Kaffeelöffel Sirup täglich befreit nicht nur von gewöhnlicher Erkältung, es erleichtert die Atmungsorgane bei Influenza, Asthma, Bronchitis. Ansy(dreifach konzentriert) wirkt sicher, ist harmlos, kann ohne Gefahr auch Kindern gegeben werden, die es sogar liebe». "llisfllhrtmgsbestwmmnA«, der Effenbahnverkehrsordmrng ent- sprechend abgeändert worden. Bei der Benutzung des Schnellzugs mit Sonntagsruckfahrkarren Hot der Reisende den vollen tarif- maßigen Schnellzugszuschlag zu bezahlen. Tie kommende Besoldnngsregelung. Der Werbeausschuß der Sozialdemokratischen Partei für die Post- und Telegraphenbeamten veranstaltete in Häver« Kmds Festsälen eine Versammlung. Genosse Dr. Völler sowie die Reich-tagsabgeordneten Seppe! und Steinkopf refe- rierien. Dr. Völler besprach eingehend die Stellung der So- zialdemokratie zum Berufsbeamtentum. Gemein- sam haben Partei und Gewerkschaften seit Jahren den Kampf auf- genommen für eine bessere Besoldung der. unteren Beamtengruppen. Alle Versprechungen� der Finanzminister, nor allem des deutschnationalen Ministers Sch lieben, haben bisher zu nichts geführt. Die Besoldungsregelung soll mit dem Finanzausgleich zusammen bearbeitet und. verabschiedet werden. Der jetzige Finonzminister Köhler ist zwar als hilfsbereiter Mann bekannt und geschätzt. Wir wissen aber noch nicht, wie er sich gegen seine anderen Ministerkollegen durchsetzen kann. Bei der Neu- sassuno der Reisekosten haben wir erfahren müssen, daß im Fi- »anzministerium immer noch weitere Abstufungen geschaffen werden. So ilt die Zahl der Abstufungen von 5 auf 7 erhöht worden. Genoisc S t e i n k o p f führte aus, daß die Besoldungsregelung wahisthcinlich nicht vor dem Herbst verabschiedet werden wird. Es darf nicht verkannt werden, daß in der jetzigen Regierung die wirb schaflskreise. die gegen das Rerufsbeamlentum eingestellt, vor- herrschend sind. Wenn die Vesoldungsregelung nicht bis April er- ledigt ist, wird die Sozialdemokratische Partei einen Antrag zur Erhöhung der Zuschläge für die Beamtengruppen 1—7 einbringen. Notwendig wird aber, daß die Beamten- und Ar- beitergewerkschaften zusammen arbeiten und daß vor allem der Kampf der einen Beamtengrupp« gegen die andere aufhört. Wir sind nicht gegen die höheren Beamten, wir nehmen uns aber zunächst nur der Schichten an, die eine ungenügende Be- loldung haben. Für diese Beamten muß zuerst gesorgt werden. In der Diskussion sprachen die Genossen den Wunsch aus, die Reichs- tagssraktion möge recht schnell ihre Aktion für die unteren Be- amten zur Durchführung bringen. Die Rot unter den Be- amten, die mit 120 Mark im ganzen Monat leben müssen, wird infolge der Steigerung der Lebensmittelpreise immer größer. Der Genosse Seppel, der in der Diskussion sprach, und der Genosse Zachert, der die Versammlung leitete, sprachen die Hoff- nung aus, daß es der gemeinsamen Arbeit der Partei und der Gewerkschaften gelingen möge, eine gerechte Besoldungsregelung durchzusetzen. Dillige 5>fchiage. Infolge großer Flunderfänge in der Ostsee finden billige Fischoerkäufe statt. Am Donnerstag, Freitag, Sonn- abend, 10. bis 12. Februar, kommen zum Verkauf: frische fette Flundern pro Pfund 20 bis 30 Pf., je nach Größe, ferner Ostsee- dorsch pro Pfund 2S bis 30 Pf. und Nordseelachs im ganzen Fisch p o Psund 30 Pf., im Anschnitt teurer. Die Verkaufsstellen find durch Plakate kenntlich gemacht. Die Schulfarm aus der städlischen Znsel Scharfenberg kann zu Ostern nach Abgang der Abiturienten wieder neue Schüler auf- nehmen, und zwar kommen in diesem Jahre in Betracht aus den Giimnasien, Realgymnasien und Realschulen Schüler, die noch Ober- tcrtia oersetzt werden, und außerdem gesunde dreizehn- bis vierzehnjährige Gemeindeschüler, die die Fähigkeiten und den ernsten Willen haben, unter den besonders günstigen Be- dingungen dieser Zlufbaumöglichteit in drei- resp. sechsjährigem Kursus die in ihnen ruhenden geistigen Kräfte weiterzuentwickeln. Meldungen sind umgehend zu richten an den Leiter der Inselschule bei Tegelort, der zu niündlichcn Borbesprechungen am 22. und Februar von 3—6 Uhr in der 130. Gemeindeschule, Niedcrwall- st.raße 6/7, unweit des Splttelinarkt.es, in Berlin anzutresfen ist, "' sonst j-dm Sonntag auf der Insel selbst aufgesucht werden kann. Pcslalozzi-Aeier der Stadl Berlin. Am Montag, dem 17. Fe- bruar, dem 100. Todestage Pestalozzis, veranstaltet der Magistrat mittags 12 Uhr eine Gedenkfeier im Festsaale des Rathauses. Die Feier wird eingerahmt von Vorträgen des Philharmonischen Orchesters und bringt neben dein Gesang eines Gemeindeschul- Kinderchors Rezitationen aus den Werken Pestalozzis, gesprochen vom Universitätslektor Dr. Drach. Die Begrüßungsansprache hält der Oberbürgermeister, die Festrede Stadtschulrat Rydahl. Freie Schulgemeinde Derlin-Tiergarten. Ettern, schickt eure Kinder in die welllichen Schulen! Die Anmeldungen können von den Erziehungsberechtigten sofort und direkt m den weltlichen Schulen unter Vorlegung des Impfscheines bei den zuständigen Rektoren der Schulen in den festgelegten Sprechstunden stattfinden und müssen spätestens am 26. Februar 1927 vollzogen sein. Das betreffende Kind muß von einem Erziehungsberechtigten begleitet werden. Die Anmeldung für die weltliche Schule Tiergarten, Waldcnferstraße 20/21, findet bei dem Herrn Rektor der Mädchen- schule täglich in der Zeit der Sprechstunde von 11—12 Uhr, bei dem Herrn Rektor der Knabenschule täglich in der Zeit der Sprechstunde von 12— 1 Uhr statt. Freie Sozialistisdie Msdiule. Sonnabend, IZ. Februar, 7Vi Uhr abends im Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, Vortrag des Gen. Frlte Tarnow, Vorsitzenden des Deutschen Holzarbeiterverbandes „Lohnproblem und Wirlschaffsaufbau" Eintrittskarten zum Preise von SO Pf. sind zu haben an der Abendkasse sowie an folgenden Stellen; Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof, II, Zimmer K— Buchhandlung J. H.W. Dietz, Lindenstraße 2.— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, RitterstraSe Ecke Luisenufer.— Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24-25, Qewerkschaftshaus.— Tabakvertrieb, Inselstr. 6.— Verlag des Verbandes der deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. 5.—„Werkfreude" Bücherstuben, Potsdamer Str. 104.— Berliner Gewerkschaftskommission, Engelufer 24-25(Gewerkschaftshaus), sowie in allen Vorwärts-Speditionen.— Groß-Siedlung Britz: Vorwärts-Spedition Lange Str. 58. Die Frauenschwimmhalle im Sladlbad Neukölln bleibt bis zum 20. Februar 1927 wegen auszuführender Malerarbeiten geschlossen. Zu den Berliner Gastspielen der Bühnengenossenschafi (Gerhart Hauptmann:„Die Weber"') sind Eintritts- karten zum Einheitspreise von 80 Pf. in sämtlichen Geschäftsstellen der ADGB.- und der AfA-Gewerkschasten, bei den Vertrauensleuten der SPD. und in der Partöibuchhandlung, Lindechtr. 2, zu haben. berliner variet6s. Die Scala Im Februar. Man gesteht es gern: ein« bunte Mischung von Dingen, die man hier noch nicht zu sehen bekam. In den Mittelpunkt des Programms sind, nicht ganz berechtigt, die Powerschen Elefanten aus New Dort gestellt. Gewiß eine gut« Dressurleistung, die zwanglos und wie zum Vergnügen der Tiere vor sich geht, aber gezwungen und unter Zurückstellung der persön- liehen Empfindungen des Zuschauers erträglich. Am originellsten, daß vier dieser mächtigen Tiere sich auf der Scalabühne ungehemmt bewegen können. Glänzende Artistik bieten die zwei Rosellos, tatsächlich Höchstleistungen in der Balancekunst auf der Leiter. Ferner Frank in der Kopfbalanc« auf dem Trapez und vor allem die Chinesentruppe L e e. H« e. die ebenfalls ungewöhnliches in der Kunst, den toten Dingen das Gleichgewicht abzuringen, zeigt. Dann mimodramatische TanzbUder Jansen-Jacobs, gut in Erfindung und Ausführung, besonders bei Lo Casttni und Werner Bille Eine glänzend erdachte Groteske zeigt der Exzentriker Manuel Bega, eines von den Talenten, die wirklich für Situationskomik geschaffen sind, was man von den drei Musikal-Ciowns Drei Permanes weniger behaupten kann. Schließlich sei«in amerikanischer Universal- akt Rigoletto Brothers und Swanson Sister» ge- nannt, der ohne Ambitionen allerlei Lustiges zeigt, was man auf einer Varietöbllhne gern sieht. Wintergarten. Edmonde Guy und Erndst van Düren aus der Haller-Revue 1924 sind jetzt im Wintergarten eingekehrt. Beide vollendete Künstler des modernen Gesellschaftstanzes. Das sst ihr Der Bortrag des Sanitätsrots Dr. P e y s« r ,ch>örstörtmgen durch Berusslärm" ist eher eine Anklag« als ein« medizinische Aus- einandersetzung, ein Vorwurf gegen die Gleichgültigkeit Wissenschaft- licher Kreise dieser Frage gegenüber und ein Vorwurf gegen das Unternehmertum, das feine Arbeiter nicht genügend gegen körper- liche Schädigungen zu schützen oersteht. Weniger interessant sind die Ausjührüngen Hans R o h d e s über die politische Lage in Süd- und Mittelamcrika, die ungefähr zusammenfassend wiedergeben, was bereits in vielen Leitartikeln abgehandelt worden ist. Sehr eingehend wird dabei auf militärische Angelegenheiten eingegangen. Daneben geschieht Schlimmes, z. B. bei den Frauensorgen, denn Lilli F a h l b e r g wendet sich wieder einmal nur an die Wohl- habenden und empfiehtt deshalb Schinken, in Blätterteig gebacken« Würste und daneben noch Mastochsen als selbstverständliche Fast- nachtsspeis«. Auch die Sendung von Goethes„Iphigenie in A u l i s" im Rahmen der Iugcndbühne ist wenig erfreulich. Schließ- lich ist für die Jugend das Best« gerade gut genug. Doch hier spricht Iphigenie wie eine gebildete höhere Tochter, ihoas erfreut durch einen hölzernen und knarrenden Ton und Phlades ist urgemütlich. All« sagen ihr Sprüchlein auf, ohne Gefühl für Goeches gemeißette Sprache. Nur Lothar Müthel als Orest ist unter Larven die einzig fühlende Brust. Am Unterhaltungsabend spielte das Trio Szpanowski, Berger und Seidler-Wintler reizende klein« Sachen von kreißler und Glinka, und man bedauert, daß man das Trio nicht bei Beethoven und Mozart hört. Die Sopranistin Alexandrowa singt graziös, aber leider nasal gefärbt, Walzer von Ardtti und Strauß, und nur Mar Kuttner mit seinen Wiener Chansons ver- fällt dem Kitsch. Gebiet. Eine romantisierende Szene wie Prinzessin und Faun liegt ihrem innersten, durchaus mondänen Wesen jedoch fern, wie- wohl sie sie technisch glänzend bewältigen. Edmonde Guy ist der wahre Typ der modernen Frau, der Sehnsucht aller Körperkultur Treibenden. Kaum noch etwas von weiblicher Rundung. Alles ist schlank, fast sehnig. Im Mittelpunkt des Bühnengeschehens somit ein schöner Mensch, eine schöne Frau, elegant, gesund, sportlich gedehnt. Der Darstellung dieses schönen Menschen dienen die von ihrem Partner entworfenen unerhört kostbaren Kostüme, die ras- siniert ersonnen« Beleuchtung. Vor 20 Iahren noch herrschte im Bühnenkostüm das_ leise Knistern seidener Unterkleider. Heute fällt ein Mantel zurück und der Mensch, so wie er wurde, steht da. Van Düren ist ein würdiger Partner und Kavalier, geschmeidig, liebenswürdig mit einem wohltrainierten Körper. Die beiden zu sehen ist mehr als Genuß, ist ein Erlebnis. Neben ihnen verblaßt aber das übrige Programm keineswegs. Da ist Eortini, der moderne Zauberer Der Wintergarten hat in der letzten Zeit verschiedene Zauberkünstler gehabt, und einer übertrumpft immer den anderen. Was Eortini leistet, ist unglaublich. Unerhört kühn und wagemutig ist der Hochseilakt der 4 Birkeneders. Die amerikanischen Cxzentriks M u t t und Jeff bieten die berühmt gewordene amerikanische Tanzakrobatik, die sich genau dem Rhyth- mus der Musik anpaßt und deshalb so spielend leicht aussieht. Der Negerpartner, ein fröhlicher Mensch, ist wie aus Gummi und von Spiralfedern durchzogen. Wiewohl rund, gedrungen und schwer gebaut, fliegt er weich und leicht umher wie eine Feder. Deshalb unerhört komisch. Nicht minder wertvoll sind E h r i st o f e r und C o l u m b u s, die Gymnastik und Komik vereinigen. Wieder ein- mal zwei brillante Reckturner mit stählernen Muskeln und Sehnen. Schwerste Leistungen mit spielender Leichtigkeit. Die zwei H a r- r i s haben eine Menge neuer, unbekannter und deshalb über- raschender Handstandleistungen. Entzückende Hundedressuren von L o y a l s. Dazu schließlich der unübertreffliche wilde Uebermut der Kaufmann-Truppe auf den unwahrscheinlichsten Rädern. �irbeiter-kultur-kartell Groß-Serlin. Siitfoniefontert Sonntag, den 27. Februar, nachmittags 3'/, Uhr, im grohen Saal der Philharmonie, Bernburaer Straße, dritte« Ar» heiter-Sinfoniekonzert mit dem Philharmonischen Orchester unter Leitung von Jascha Horenstein. Programm t Ouvertiire zu»Der Wasserttäger", L. Cherubini..BerNärte Nacht"(für Streichorchester) Ar- nold Schönberg. Sinfonie in G-Dur, Franz Schubert. Eintrittspreis t.SO M. Frühlings-IItysterium. Sonntag, den S. März, mittag«>/,t2 Uhr, findet im Theater der Volksbühne am Bülolvplatz die Uraufführung von „Ein Frühlings-Mysterium" de« dramatischen Chorwerke« von Bruno Schönlanl statt mit der Musik von Heinz Tiehen. Szenische Leitung: Albert Florath, musikalische Leitung: Jascha Horenstein, tänzerische Leitung: Hertha Fct't. Mitwirkende; Sprechchor für Proletarische Feier- stunden— Einzelsprecher: Heini Witte, Lothar Müthel, Alex Köckert, Wolf Trutz, Marga Reuter,— Ilse Rahnseld, Mezzosopran— Berliner Volk«- chor(Dr. E. Zander), Gemischter Chor Groh, Berlin, Schubert-Chor, Der junge Chor, Jugend- und Kinderchor de« Berein« Harmonie-Charlotten- bürg, sämtlich Mitglieder de« D. A.-S.-B. Berliner Sinfonieorchester. Ein- trittsprei« 1,50 M. Am 13. März wird die Ausführung wiederholt. Maifeier. Am t. Mai findet in der Philbarmonie eine Aufführung der Neunten Sinfonie von Beethoven statt.— Karten für alle Ver- anstaltungen sind zu haben in der Geschäftsstelle de« Arbeite r-Kultur- Kartell«, Lindenstr. 3, 2. Hos, 2 Tr., Zimmer 8: im OrtSauSschug de« ADGB., Engeluser 24/25: in den Bureau« der Verbände: Zentralverband der Angestellten, Belle-Allianee-Str. 7/10; Verband der graphischen Hilf«- arbeiter, Ritterftr. 1; Zigarrengeschäst Horsch, Enbeluser 24/25; Tabak» vertrieb GE»., Inselstr. 6; Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 3; bei den BildungSobleMen der Kreise in den Abteilungen: in den Vorwärts- fpeditionen. Freidenker-Fngendweihe 2. Bezirk liergarteu. Annahmestelle» für den Unterricht der Jugendweihe befinden sich: Kaiser, GotzkowSkystr. 34: Krüger, Puttlitzstr. 10; Kurierspedition, Unionstr. 6/7; Bureau, Wald- ftraße 25; Altendors, Göbenstr. 19; Grahl, Steglitzer Str. 26. Arbeikerbilduvgsschule. Der Kursus de« Genossen Kautz»Einführung in den Marxismus"(Schule Seneselderftratze) fällt heute wegen der De- monstratwn im Sportpalast au«. Nächster Abend Donnerstag, den 17. Februar. Lezirksbi>dung»au»schuf>. Die Theateraufführung in der Volksbühne am Sonntag, den 20. Februar, mutz wegen technischer Schwierigkeiten au«- fallen. Die Vorstellung wird im Mai nachgeholt. Bereit« aus- gegebene Karten müssen wieder zurückgenommen werden. Di« BibNofhet der Arbelferbildungsschul« bleibt am Donnerstag dies« Woche geschlossen. Sle ist dafür am Freitagabend von'/,« bis stjS llbr geöffnet_ Niedergang eines Meteors in Polen. Warschau, 9. Februar.(333135.) Wie aus Lemberg gemeldet wird, ist in der Nähe der Stadt Mohilew in Podolien ein großer Meteor niedergesaust, wodurch in der Bevölkerung un- geheure Panik hervorgerufen wurde. Das Volk floh in alle Rich- tungen und glaubte, daß das Ende der 3V«tt nahe. In den Straßen des Städtchens knieten die Leute nieder und begannen zu beten. Der Meteor siel am äußersten End« des Städtchens auf einen Platz, ohne irgendeinen Schaden anzurichten. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend. (Zlachdr. verb.) Trocken und ziemlich heiter, nacht« leiibt« Frost, Tagestemperaturen über Null. Für ventschland: Im Wesenttiiyen Fortdauer der herrschenden Wittermig. Eduard Süßkind's Extra billige Rotwelnverkäafe inkL Steuer, ohne GUa. Kostproben gratis. AqnavR mild»>»»>- Qssutat,-o»..... Ur. 3.95 Weinbrand-Verschnitt prta» ssj..... Ur. 3.20 Feinster Weinbrand«bt.«;...... ur. 4.20 Erstklassiger iatn.-Rura-Versdm. esj.. lu. 4.45 Erste OualttS! Jam.-Rum-Versdm�- tmt». 0.20 Alle EdelllkSre bia ss;.......... ur. 4.45 Dw Beste M noch»loht fit«enu« lir mm Keedtehafi „erst probieren, dann kaufen". Eduard Süßkind's Verkaufsstellen HauptgesdiSft Berlin N31, Brunnenstr.43 ssiss SSI 2=V rÄtr-iSK Mo.blL W.l.«ck" StraS« 25- Talapkaa: Maablt IMt mSSlkrtSäS� m- w-«'"I* W4 Cherlottbg� Vmiaertdoelar SW. 167— TtL. Wltktlm 821 93 cAiufi aufdem Ccßcmliesan mit dem unser Uahakfadmanri Qr.(Ali Tdabi in(Begleilung unseres(MmchnerXindls seine(Besuehsreise zu ms antritt, ßetxMugt man edk �EubanWgtVieüm als UJellmavhe von(Klang. ahKvmder deutscher Wertarbeit. Jhre aus uralten Geheimrezepten stammende �Mischung edelster(labake der besten(Anbaugebiete des Orients gibt ihr eine(Note, die wie ein süßes Sied auf den Sippen klingt Ghre seltsame Kauberkrafl heilt avudi die geplagtesten. (MensdmkindeRjmdgibtJhnen �rmie.wG2admTmedm "V MaMT, fvußtJCye, nnccb Jtxißt(hti,! und lasse micK oKne jede Zutaten 20 Minuten m Wasser kocKen. Alsdann verwandle ick mich in 6 Teller hochfeine, schmackhafte Erbsensuppe. Auch angebrochen halte ich mich gut. Ich mu I? also nicht auf einmal gegessen werden. T&fWVi uud andere Suppen in W uratform, wie Blumeakokl, Ocliacaecliwana, Spargel. Grüakcni new. 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Kurffirst 2001 8 Uhr Hax Adalbert in»Mülltr»- wonuuui-Tbeai. Waobosiww TJjt. 8', Bs war einmal In Heldelberg mit d. Schlagerlied Ichhab'melnnen In Heldelberg verloren Vorzeig. äflo/oErmfiB. KüteSchmidt-Samst Oaston Briese Kose-Theater sv, u. Das Einfamilienhaus SCAM Nollendorf 7300 » Uhr: Powers fanz- Elelanfen und andere M Nenhelteni Volk s bü h ne ThutH in illnriliti 8 Uhr Traumsplel Morgen 8 Uhr Trnnintpini Th. m Sdiifftiunli» Täglich< Uhr: D» ünbul des mbekauta Soldates. ' luENHENMidr HAUPTROLLtN- EDPACM MUMM wotHtbfTAor 6,8,10® Wallner- Theater •»', Der Schlager 8»/, Das blonde Wunder Vftntep ä Variete nattet CASINO-THEATER> vi». �EiilaoiinFarailla!� AMMMietaea Gutschein 1—4 Pers Fauteull nur 1 Mk, Sessel ijo Mk. Reicaisaiaiien-Thealer Abends 8 Unr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Du wrnidsrvolli Februf FiBgraniii ja DiAinlitnj; Ualhc Pnlw. jjßjar volles Pnorann! Oönhoff-Brall'i »erleid. Kanten. Ten», Nene Well [a.tdioii Hdicwiicnie io8-ii4| Donnentag, 10. 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Beilage öes vorwärts Vonnerstag. 16. Februar 1427 Deutsthlanös Außenhandel im �ahre 1626. Trotz ZlktivitSt ein schlechtes Ergebnis.— Die zukünftige Handelspolitik. Das Jahr 1326 war das erste Jahr, in dem Deutschland nach dem Dawes-Plan in erheblicherem Umfange Reparativ- n e n nicht nur in Form von Sachleistungen, sondern auch in Form von Borzahlungen an seine Gläubiger zu leisten hatte. Gleichzeitig war es ein Jahr schwerer Wirtschaftskrise und das erste Jahr seit der Stabilisierung. Es schloß, wenn man die Fehler in der Berechnung berücksichtigt, mit einer Aktivität von über 333 Millionen Mark im Warenverkehr. Damit be- deutet das vergangene Jahr einen Wendepunkt der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands seit der Stabilisierung, und die neueste Entwicklung des veiuschen Kapitalmarktes hat diesem Wendepunkt besondere, vielleicht endgültige Bedeutung gegeben. Die Jahre 1924 und 1 3 2 S standen im Zeichen des Wiederaufbaues der Grundlagen des deutschen Wirtschaftslebens. In diesen Iahren appellierte Deutschland für seine wirtschaftliche Erholung erfolgreich in größtem Umfange als Kreditnehmer an die Kapitalmärkte der Welt. Mag auch ein großer Teil der Deutschland gewährten Kredite dazu gedient haben, den Wiederaufbau des deutschen Exports zu finan- zieren, der angesichts der ollgemeinen Lage am Weltmarkt Milliar- den erforderte, so hat dieser ausländische Kreditzusluß in hohem Maße erleichternd aus die wirtschaftliche Lage Deutschlands gewirkt. Im Laufe des Jahres 1926 ist der Kreditstrom kleiner ge- worden, und seit Beginn des neuen Jahres Ist Deutschland aus der Reihe der kreditnehmenden Länder ausgeschieden, und seine Banken haben vielfach, statt Kredite nach Deutschland hevein zu vermitteln, Kredite ins Ausland hmausgegeben. Die Periode der wachsenden Verschuldung der deutschen Wirtschaft scheint über- wunden zu sein, und die aktive Handelsbilanz des Jahres 1926, die ausreichte, um den gesamten Bortransfer zu decken(über 333 Mil- lionen Mark), markiert diesen Wendepunkt mit großer Deutlichkeit. Die Gründe der Akliviläl. Drel Gründe sind es vor allem, die zur Aktivität der Handelsbilanz geführt hoben. An erster Stelle steht der Rückgang der Einfuhr infolge der Wirtschaftskrise, die dazu führte, daß in Handel und Industrie die Bestände an Rohstoffen und Fertigwaren verbraucht wurden, während der stockende Absatz nicht gerode dazu ermutigte, neue Läger zu bilden. Die Rohstoifeinfuhr. die 1925 über 6� Milliarden betragen hatte, ging auf weniger als 5 Milliarden Mark zurück. Neben den Innerwirtschaftlichen llr- fachen waren für die Senkung des Einfuhrwertes P r e i s r ü ck- g ä n g e am Weltrohstoffmarkt vor recht erheblichem Ausmaß maß- gebend. Während die Menge unserer Einfuhr an Rohbaumwolle um nicht ganz ein Sech st el sank, fiel ihr Wert um fast ein Drittel. Während die Menge unserer Wolleinsuhr um fast 13 Proz. stieg, ging ihr Wert um 13 Proz. zurück. Andere Beispiele ließen sich noch hierfür anführen. Neben diesen Derände- ru�geu auf der Einfuhrseite steht auf der Aus s uhrseite ein« Zun ahme der Ausfuhr um eine Milliarde Mark, Der größte D�il dieser Zunahme— fast zwei Drittel— entfällt auf Bergbau und Schwerindustrie, die von der Zufallskonjunktur des großen eng- tischen Streiks profitierten. Die Kohlenausfuhr oer- doppelte sich, und die Eisenausfuhr wies eine starke Steigerung auf. Machte der Erpon von Bergbau und Schwerindustrie im vorigen Jahr rund 13 Proz. der deutschen Ausfuhr aus. so betrug er im Jahre 1926 über IL Proz. Die 353 Millionen Mark Exportsteigerung, die bei den übrigen Industrien zu verzeichnen sind, verteilen sich ganz verschieden auf die einzelnen Wirtschaftszweige und Warengruppen. Auf den Maschinenbau, die elektrotechnische Industrie, die chemisch« Großindustrie, die Papierindustrie«ntfällt zusammen rund die Hälfte dieses Telles der Exportsteigerung. ExporkfemdUche Handelspolitik. Diese Entwicklung unseres Exportes gibt Anlaß, darauf hinzu- weisen, daß sie noch immer als unzureichend bezeichnet werden muß. Ohne die Sonderkonjunktur des englischen Bergarbeiterstreiks hätte sich die Exportsteigerung in viel kleinerem Rahmen halten müssen. Diese einmalige Erleichterung dürste sobald nicht wieder- kehren. Alle Maßnahmen zur Exportförderung sind neben dieser einen großen Ursache unbedeutend und unerheblich geblieben, ins- besondere, wenn man bedenkt, daß der Gesamtwert der Sachliefe- rungen auf Reparationskonto ebenfalls keine Steigerung erfahren haben dürfte. Handelspolitisch hat das Jahr 1926 dem deutschen Export keinerlei Förderung gebracht, und noch immer sind Hunderttausende von Arbeitern um der deutschen Handelspolitik und ihrer Exportfeindlichkeit willen arbeits- los. Wie bedeutungsvoll die Wirkung der Handelspolitik auf die Ausfuhr einzelner Waren ist, das hat jetzt der Geschäftsführer des Verbandes deutscher Maschinenbauanstalten in einem Aussatz deut- lich gezeigt. Vom Beginn des Jahres 1924 bis zum dritten Diertel- jähr 1326 verlor die deutsch« Maschinenindustrie durch das Nichtzustandekommen eines wirklichen Handelsvertrages mit Frankreich einen Export im Werte vonn 222,6 Mil- lionen Mark. Der polnische Zollkrieg vermindert den deutschen Maschinenexport um 26 Millionen Mark im Jahre, und auch auf anderen Märkten wäre noch viel zu gewinnen, wenn unsere Handelspolitik endlich das Ziel der Exportförderung mit aller erforderlichen Klarheit und Schärfe in den Vordergrund rückte Auhenhaudel und Arbeilsmarkt. Daß sie dies nicht getan hat, wird ihr durch die Zahlen der Außenhandelsstatistik noch einmal für das Jahr 1326 nachdrück- lich bescheinigt. Daß sie es auch fernerhin bei der jetzigen Zusammensetzung der Reichsregierung nicht tun wird, muß man beinahe für sicher halten. Jede Milliarde zusätzlichen Exports gibt 353 333 bis 433 333 Arbeitern Ar- b e i t. Der englische Bergarbeüerstreik gab Beschäftigung für zirka 233 333 bis 253 333 Menschen, und nach seinem Ende ist die Arbeits- losigkeit fast in dem gleichen Umfange wieder gewachsen. in dem sie während seiner Dauer zurück gegangen war. Wir zweifeln nicht daran, daß die deutsche Regierung aus dem steigen- den Export gegenüber der Oeffentlichkeit leider die Folgerung ziehen wird, man dürfe ganz zufrieden sein, während in Wahrheit gerade die letzten Monate auss deutlichste zeigen, baß unter den Hemmungen unserer Handelspolitik der Export sich nicht frei entwickeln kann, und daß der Zuwachs des Vorjahres fast nur ein zufälliger Zuwachs war. Wir brauchen eine aktive und auf intensiven Warenaustausch der Völker eingerichtete Handelspolitik, und statt der vielen kleinen Mittel, die man heute im Reichswirtschastsministe- rium ersinnt, um den Export zu fördern, wäre eine klare h a n- delspolitische Linie, die von der unsinnigen Gesetzgebung de» Jahres 1325 und ihren handelspolitischen Auswirkungen los- zukommen suchte, besser am Platze. flvslänöischeMonopolworen in öer Seutsthen Einfuhr. Seit vielen Monaten richtet sich die Aufmerksamkeit der wirt- schaftspolitisch interessierten Oeffentlichkeit und vor allem die Auf- merksamkeit der Arbeiterschaft aller Länder auf die zahlreichen Ver- suche, die Märkte wichtiger Lebensmittel und Roh- stoffe in immer größerem Umfange zu Monopol i- l i e r e n. Wie erfolgreich diese Tendenz bereits gewesen ist, möge die folgende Uebersicht über eine Anzahl von Waren zeigen, die ohne den Anspruch auf Vollständigkeit den Anteil wichtiger monopolisierter Waren an der deutschen Einfuhr festzustellen sucht. Waren Kanadischer Weizen. Nuisischc Gerste...... Aegyptiickie Baumwolle..... 15. Iava-Tabak........ ,43, Brasilianischer Kaffee...... 133. Kautschuk........., 123, Gefrieisleisch........ ,130, Dänische Butter........ 133, Mineralöle......... 203, Quecksilber........, 7, Magnesit.......... 4, Jod............ 5 Thomasmehl........» 35, Kupfer........... 193, 3'nn............ 63 Im ganzen handelt es sich also um einen Betrag von fast 1333 Millionen Mark, das Ist immerhin mehr als ein Achtel der ganzen deutschen Einfuhr. Würde man untersuchen, ein wie großer Teil der nach Deutschland importierten Waren in seiner Preisgestaltung von der Politik, die bei den monopolisierten Waren getrieben wird, beeinflußt wird, so würde sich der Anteil der von Monopolen in ihrer Preisgestaltung wesentlich beeinflußten Waren annähernd verdoppeln. An der Rohstoff- und Lebens- mitteleinfuhr beträgt der Antell dieser Waren mehr als ein Siebentel. Man kann danach kaum noch die These aufrecht erhalten, die gelegentlich von gelehrter Seite vertreten wird, daß wir im ganzen noch immer mit einem freien Welt markt zu rechnen hätten. i m W e r t e v on RM. . s rd�MO Million?« ..'.'103.■ V Riesengewinne bei Siemens-Schuckert. Die vorjährigen UcberschLsse verdoppelt. Wir haben vorgestern die Bilanz des AEG.-Konzerns besprochen und auf die außerordentlich großen Gewinne hingewiesen, die neben der offen erklärten siebenprozentigen Dividende in der Bilanz ver- st e ck t sind. Die jetzt vorliegenden Abschlußziffern der Siemens u. Halste A.-G. und der Siemens-Schuckert-Werke G. m. b. H. für das Geschäftsjahr 1925/26 beweisen, daß die Arbeiterschaft alle Ursache hat, der außerordentlich günstigen Lage der elektrotechnischen Industrie ihre ganz beson- dere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Abschlüsse des Siemens-Schuckert-Kvnzerns zeigen, daß im letzten Geschästsjahr Ge- wlnnsteigerungen eingetreten sind von einer Höhe, die fast unerwartet kommt und daß das vergangene Rmlonalisierungsjahr, das die Ge- Winne aus der Konsunkturbesserung des vorigen Jahres noch nicht einmal enthält und das der Arbeiterschaft die größte Not gebracht hat, als unerhörtes Gewinnjahr anzusprechen sind. Der Geschäftsgewinn der Siemens u. Halste A.-G. ist von 9,59 Millionen im Vorjahr auf 16,12 Millionen gestiegen. Nach Abschreibungen von 3.77 Millionen wird ein Reingewinn von 15,35 gegen 8,89 Millionen im Vorjahr ausgewiesen. Ter Generalversammlung soll eine Dividende von 13 Proz.(im Lorjahr 6 Proz.) vorgeschlagen werden. Diese Dividende beweist aber nicht das geringste für die Höhe der Gewinne. Zunächst ersaßt von den 15,35 Millionen Reingewinn die Dividende mit 9.13 Mil- lionen nur knapp zwei Drittel. Es wird eine Sonderrücklage von 2,5 Millionen gebildet, für Wohlfahrtszwecke(im Betried verwendetes Kapital) wird 1 Million reserviert und 2.45 Mil- lionen werden auf das neue Geschäftsjahr vorgetragen. Auch wenn man die eine Million für Wohlfahrtszwecke ausschließt, wären aus dem Reingewinn über 15 Proz. Dividende möglich gewesen. Dabei muß die Bilanz erst zeigen, wenn die Bilanz darüber überhaupt etwas erkennen lassen kann, wieviele st i l le Reserven ge- bildet worden sind. In die Abschlußbilanz von 1925/26 ist aber noch ein Posten von 2 Millionen Mark für den Bau der Zweigbahn Iungfernheidc— Siemensstadt— Gartenseld neu eingesetzt, der auch aus lausenden Erträgen reserviert wird. Zusammen mit dem aus- gewiesene» Reingewinn ist der Reingewinn des Vorjahres also mehr als verdoppelt. Die Sieinens-Schuckert-Werke G. m. b. H. weisen gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung des Reingewinnes von 8.95 auf 12.18 Millionen aus. Daraus wird an die Gesellschafter, das ist die Siemens u. Halske A.-G., eine Divide ndc von 8'/5 Proz. (im Borjahr 6 Proz.) verteilt. Auch hier ist der Reingewinn erheb- lich yöhcr als die Dividende erkennen läßt. Der Sonderrücklage werden 3 Millionen, dem Wohlfahrtssonds 1 Million hin» zugefügt und 526 333 M. werden aus neue Rechnung vorge- tragen. Mindestens eine Dividende von 11 Proz. unter Abzug des Wohlsahrtsfonds wäre danach möglich gewesen. Auch hier wurde in die Bilanz aus laufenden GeschSstsertrSgen des vorigen Jahres für die Iungscrnheidebahn 2 Millionen Mark neu eingesetzt. Schon einige Abschlüsse der Montanindustrie und besonders die Abschlüsse der Banken ließen erkennen, daß das vergangene Jahr für dos Prioatkapital ein Gewinnjahr allererster Ordnung war. Jetzt wird diese Erfahrung auch für die Haupt- werte der elektrotechnischen Industrie b e st ä t i g t. Angesichts der nach wie vor furchtbaren Loge des Arbeitsmarktes, mst der die glänzende Lage der Privatindustrie geradezu bedrückend k o n- t r a st i e r t, heißt das für die Arbeiterschaft der Kampf. D i e Lüge von der ungünstigen Lage der Industrie, die besonders die prominenten Wirtschaftsführer immer wieder zu verbreiten suchten, hat ein Ende. Auch die Behörden werden sich dieser Erkenntnis unter gar keine» Um stände»»utziehe» dürfe». Die öefcbästigung üer üeutstben Wersten. 600 000 Tonnen Neubauaufträge. Die Lage der deutschen Wersten hat sich in den letzten Monaten nicht nur finanziell, durch Verschmelzungen und Konzemrationen, sondern auch durch Reubauausträge nicht unerheblich gebessert wenn die Besserung durch die Verkoppelung der Reeder- und Werstinter- essen auch ganz unterschiedlich ist. Die etwa Micke vorigen Jahres nach langer Zurückhaltung seitens der Reedereien anfangs nur zögernd wieder aufgenommene Vergebung von Schiffsneubauten an die deutschen Wersten hat sich wie aus nachstehenden Ziffern ersichckich ist, in ständig ansteigendei Linie bewegt. Besonders in den letzten Monaten weist die Neubrr kurve steil nach oben. Es wurden bestellt: etwa Br-Rea im Juni 1926........... 6 030 im August 19-26.......... 13 000 im September 1928......... 25 00t' «m Oftober 1926.......... 87 OOt' im November 1928......... 127 000 «in Dezember 1920......... 172 000 im Januar 1927.......... 175 000 Danach verfügen die deutschen Werften zurzeit über einen Neu- bauauftragsbestand von rund 600 000 Brutto-Registertonnen, eine Zahl, die sich wie folgt auf die einzelnen Schifsbauanstalten oerteilt: eiwa Deut'che Schiffs» und Maschinenbau A. G.(vereinigle Br.Reg..T Weier A. G.— Tecktenborg-Vulcan...... 170 000 Blobm&«lob............ 131 000 F. Schicbau, Elbiug............. 96 000 Bremer Vulcan, Vegesack.......... 46 500 Deutsche Werte. Kiel. 3�330 Deutsche Werit A. G., Hamburg........ 87 330' Aclien-Geiellichait.Neptun", Nosiock...... 14 000 .slensburger Schiffsbaugesellschafl, Flensburg... 10 001- HowatdiSwerke. Kiel............ 9 200 Stettiner Vulcan. Stettin.......... 8000 Fried. Krupp A G Germantaweist, Kiel..... 8 00» FrerichSwent, Einswarden.......... 7400 NäScke& Co., Stettin............ 4 903 Lübecker Maschinenbau- Ges., Lübeck....... 4B0fi Ostsee-Weii« A. G, Sietlin......... 4 000 Sletltner Oderwerls A. G. Stettin....... 3 800 G. Seebeck A. G.. Wesermünde........ 2 353 Danziger Werit, Tanng........... 2 000 Union-Gießerei A. G., Königsberg....... 2000 Reiberstieg-Wetzel& Freylag, Hamburg...... 1 300 Schiffbau-Geiell'chail. Unter weser, Lrhe..... 553 H. C. Srülcken Sohn. Hamburg........ 420 Arlas-Werke A. G., Bremen.......... Schiffswerft von Henry Koch, Lübeck...... 300 Schiffswersie und Mai-binenfabrik(vorm, Jansien& Schmiliniky) A. G., Hamburg........ 133 In dieser Aufstellung fällt besonders die außerordentlich g e- ringe Neubaubeschäftigung der drei Hamburger Werften mittlerer Größe auf: Reihcrstieg-Wetzel u. Frey. tag(etwa 1333 Bnckto-Registertonnen), H. C. Stücklen Sohn(etwa 423 Brutto-Registertonnen) und Janssen u. Schmilinsky(etwa 189 Bxutto-Registertonnen) sowie diejenige der Atlas-Werke, Bremen (eJtiöir 350 Brutto-Registertonnen)' und der Schtfswerft von-.Henry Koch, Vi deck(etwa 333 Brullo-Regiftertonncy) auf, die vor dem.und wichrend des Krieges meistens gut beschäftigt waren. An der Gesamtaustragsziffer sind von größeren deutschen Reedereien beteiligt: «9 etwa Br-Reg-T der Norddeutsche Lloyd. Bremen..... 183030 die Hamburg-Amerika-Linie. Hamburg... 93 300 die Hamburg-Südam. Dampischlff.-Ges... 38 000 die Bremer OeliranSporr G. m. b. H.... 18 000 die Schweden-Ämerrka-Linie........ 19 000 die Reederei H C. Horn, Flensburg.... 13333 die Standard Otl Company....... 16 533 die Hansa-Linie........... 16 000 die Firma Rod. M. Sloman jr.. Hamburg. 9 303 die Dampsickuffabrt Gel..Neptun".... 8 333 die Firma Ernst Nuß. Hamburg...-- 5* 00 zusammen... 417 533 vom Auslände: mit etwa Br-Reg.-T. Norwegen............. 87 333 Frankreich............. 55 000 Spanien............ 11000 Der Rest wurde von verschiedenen kleineren deutschen Reederelen und einigen Exportfirmen in Auftrag gegeben. Alles in allem hat hiernach das deutsche Werstgeschäst In den letzten Monaten einen Aufschwung zu verzeichnen, wie man ihn noch vor kurzer Zeit kaum für möglich gehalten hätte, und da auch das Reparaturgeschäft ganz wesentlich an Umfang zugenommen hat, darf man die Gesamtlage der Wersten wohl dahin kennzeichnen. daß die jahrelang sortdauernde Werstenkrise zum mindesten im Augenblick eine entschiedene Wendung zu chrer Ueberwindung er- kennen läßt. Die Belegschaften werden diese Wendung zu be- achten haben._ Die produktlonsquote in der Zuteiaduslrie erhöht. Wir Häven kürzlich daraus hingewiesen, daß es längst an der Zeit wäre, die Arbeitsverhältnisse in der Iuteindustrie aus eine gesündere Grundlage zu stellen. Jetzt bringt die Iuteindustrie selbst dafür den Beweis. Die längst nicht mehr eingehaltene Produktions. einschränkung wird offiziell von 53 auf 43 Prozent herabgesetzt und für die Zeit bis zum 31. März begrenzt. Ofsenbar ist über diesen Zeitpunkt hinaus eine weitere Herabsetzung beabsichtigt, und es scheint klar, daß man die bisherige Irreführung der Oes- sentlichkeit über die Beschästigungslage der Jute- Industrie nur nicht auf einmal eingestehen will. Oessentlichkeit, Re- gicrung und Belegschaften werden daraus die Konsequenzen zu ziehen haben. 60-7Nillionen-Anleihe des RWE. Das Rheinisch-Westsälische Elektrizitätswerk hat die Auslegung einer Anleihe von 63 Millionen Mark beschlossen. Die Geschäftslage ist befriedigend. Die weiteren Einzelheiten über die Anleihe stehen noch nicht fest. Nach der belgische« Stabilisierung. Die belgische Nationalbank ist in der Lage, den Diskontsatz von 6)H auf 6 Proz. herabsetzen zu können. Sie folgt damit dem Beispiel Frankreichs. Doch ist diese Herabsetzuna in Belgien von unoleich größerer Bedeutung für die belgische Wirtschast als für die fron- zösisch«. Belgien hat durch den hohen Stabilisierungskurs und insbesondere auch durch die Ratifizierung des Wo(hing- t o n e r Abkommens sich bis heute eine sühlbare Wirtschaft»- und Arbeitsmarktkrise erspart. Die Zinzsenkung wird infolge- dessen für die belgische Wirtschaft eine sruchtbarerc Wirkung haben, als dies in Frankreich möglich ist, wo man die immer schärfer ein- setzende Krise durch die Diskontherabsetzung mir zu ver, schleiern sucht. Abänderung des GrundMulgefchss. Mit einfacher Mehrheit beschlossen. � Mieterschntzseiudliche Anträge im Reichstag Auf der TagesordniiNfl des Reichstags stand gestern die dritte Beratung des von dm Rechtsparteien und nom Zentrum eingc- krachten Gesetzentwurfs zur Aenderung des Grundschul- g e f e tz e s. wonach die Vorschulen erst nach Regelung der Ent- schcidigungsfrago aufgehob«,, werden sollen. Abg. Schreck(Soz.) weist daraus hin, datz bei den bisherigen Beratungen dieser Materie eine verantwortliche Regierung nicht zur Stelle gewesen sei. Wenn auch dem derzeitigen Reichsinneninmister dos Vertrauen nur unter Vorbehalt ausgesprochen worden sei, so wiissc man doch verlangen, dah er hier erscheine, und sich zu dieser Vorlage öuhere. Der Redner beantragt die Beratung solange auszusetzen, wie der Reichsinnenminister nicht anwesend ist. Der Antrag wird abgelehnt, ebenso ein anderer sozial- demokratischer Antrag, die Redezeit nicht wie vorgesehen aus eine halbe Stunde, sondern auf eine Stunde festzusetzen. Abg. Löwensteia(Soz.) weicher sich gegen einen neuen Antrag der Deutschnalionaien und der Volkspartei, wonach die reichsgesetzlich« Regelung der Entschädigungsfrage die Voraussetzung für die Aufhebung sein solle. Bisher war nur von der gesetz- lichen Regelung die Rede. Ein solcher Antrag ist bereits bei den Ausschutzverhandlungen gestellt, dann aber wieder zunickgenommen worden. Sollte er jetzt angenommen werden, so wurde das eine Strafe für Hamburg bedeuten, wo durch Landesgesetzgebung die Entschädigungsfrage in vorbildlicher Weise geregelt worden ist. Auf jeden Fall muß festgestellt werden, daß ein klagbares Recht auf Entschädigung durch diese Regelung nicht eintritt. Der Redner weist noch einmal im einzelnen noch, daß der Gesetz- entwurf� im Widerspruch mit der Reichsversossung freht� Herr Guerard hat in seiner Rede zur Regierungserklärung 604 Hoheitsrecht de-«taatcs über die Schule einschränken wollen. ist dabei von salschen Voraussetzungen ausgegangen. In der Verfügung wird ausdrücklich die alleinige Aufsicht des Staates über die Schule festgestellt. Rur der Staat hat für die Bildung der Jugend durch öfsentliche Anstalten zu sorgen, niemand sonst. Herr Stegerwald hat ausgeführt, man könne es gläubigen Eltern nicht zumuten, ihre Kinder von ungläubigen Lehrern unterrichten zu lassen. Die Sozialdemokratie ist durchaus für Toleranz aus allen Geblclen, sie mutz aber von beiden Seilen geübt werden. Wie stimmt es mit der. Toleranzauffassting des Zentrums überein, dah man 5. B. in Oberhausen die Gründung einer Schule abgelehnt hat? Dieser Fall steht nicht vereinzelt da. Wir wollen dem Toleranzgedanken durchaus entgegenkommen, wie ja auch innerhalb der Sozialdemokratischen Partei die Toleranz praktisch geübt wird. Wir geben quch den religiösen Soziali st en in unserer Mitte die Möglichkeit, für ihre Auffassung zu werben. Wir ver- langen lediglich, daß an den Schulen nur noch Lehrer wirken, die nach ihrem pädagogischen Gewissen aus den Kindern das machen. was wir wollen. Und wir wollen, daß unsere Kinder zur aus- baucndeii Kritik erzogen werden, ohne die ein Fortschritt nicht möglich ist. Wenn wir unser Staatswesen ausbauen wollen, dann brauchen wir kritische Menschen.(Beifall bei den Soz.) Abg. Rosenbaum(Komm.) lehnt ebenfalls die Vorlage ab. Gegen Sozialdemokraten. Kommunisten und Demokraken wird der Abänderungsanlrag der Deutschen Voltsparlei und der Denlschnolionalen angenommen. Auf Antrag der Sozialdemokraten wird die Schlutzabstimmung über die Vorlage solange ausgesetzt, bis die heutigen Beschlüsse im Druck vorliegen. Ts kommt dann zu einer Aussprach« über mehrere von den Völkischen, Kommunisten und Bayerischen Volkspartei gestellten Anträge, den Termin für die Erhöhung der Steuer für B i e r hinauszuschieben. Die Anträge sind gegenstandslos geworden. da die Erhöhung am t. Januar bereit» in Kraft getreten ist. Die Redner der antragstellendcn Parteien versichern, daß sie an der Biersteuererhöhung unschuldig seien. Staatssekretär popitz hätt es für unmöglich, einen Schritt rückwärts yi machen, der am 1. Januar vorwärts gemacht worden ist. Auch die VieZtelier ganz abzu schassen, möge»in frommer Wunsch sein, aber das sei. bei der Finanzlage des Reiches u n m ö g- I i ch. Allem die jetzt verlangte Senkung würde für das Reich 100 M illion.cn Mark im Jahr weniger Einkünfte be- deuten. Abg. SImon-Schwahen(Soz,) wirft der Bayerischen Volks- Partei vor. sie Hab« durch ihre Politik den Interessenten große Ge- winne in dm Schoß geschüttet. Die Anträge werden schießlich abgelehnt. Mieterlchutzüebatte. Es folgt die zweite Beratung von Avänderungs- antragen zum Mieterschutzgesetz. Das Mieterschrn,. gssetz von 1922 bestimntt, daß Mieter und Vennieter gegenseitig er- kläreo können, daß die gesetzliche Miete gelten soll. Die Deut ich« Doltspartei und die Wirtschaftliche Bereinigung haben beantragt, daß, wann dies« Erklärung von dem Mieter nach dem 15. Juli i926 abgegeben ist, der Vermieter erklären kann, daß der Mietvertrag als auf lmbestimmte Zeit geschlossen gellen kann. Di» Deutschnationalen haben die Vorlegung eines Gesetz- entwurss zur Beseitigung der Wohnungsämter und Reuregelung des Mieterschutzes bo?ntragt. Der Ausschuß für Woh- nungswesen beantragt, die volksparteilichen Anträge abzulehnen und den deutschnationalcn Antrag dadurch für erledigt zu erklären. Die Wirtschaftliche Bereinigung beantragt nunmehr die Vorlegung eine» Gesetzes, wonach, wen« die erwähnt« Erklärung von dem Mieter nach dem 1.. Januar 1927 abgegeben ist, der Vermieter binnen vier Wochen nach der Erklärung verlangen kann, daß der Bertrag als auf unbestimmte Zeit ge. schloffen gilt. Di« Wirtschaftliche Vereinigung beantragt ferner, dah di« Roichsregierung auf die Länder einwirken soll, dah sie den Abbau der Zwangswirtschaft fördern, und zwar besonder« durch Aufhebung der Wohnungsämter, wo sie nicht mehr nötig sind, sowie dadurch, daß alle größeren Wohnungen bei Freiwerden aus der Zwangswirt- schoft Herausgenomwon werden. Abg. Silberschmidt(Soz.) wendet sich gegen eine» Antrag der Wirtschaftlichen Bereinigung, der einen Teil der bereit« abgelehnten Anträge von neuem aus- nimmt. Es dürste nicht häufig vorgekommen sein, daß»in Gesetz. das am 1. Juli abläuft, und das von der Hausbssitzsrpartei selbst veranlaßt worden ist, jetzt von neuem abgeändert werden soll. Dieser Vorstoß soll frellich nicht» anderes seiitz als«» Versuch, den Mieterschutz schleunigst zu beseitigen. Die von der Wirtschaftlichen Bereinigung verlangte Aufhebung der Wohnungsämter, wo kein« Betätigung für sie vorhanden sei, habe die Reichsregierung schon Rechnung getrogen, indem sie den Ländern darin schon weit- gehende Bewegungsfreiheit gefleben habe. Es wüste demgegenüber vielmehr dafür gesorgt werden, daß di« Aussicht über das Woh nungewesen verstärkt wird. Das Ber- langen, all« größeren Wohnungen nus der Zwangswirtschaft her- auszunehmen," dient nur zur ungerechten Bereicherung eines Teiles der Hausbesitzer auf Kosten der Mieter. Schon jetzt ist in den Ländern eine bedenkliche Lockerung der Wohnung», Zwangswirtschaft-ingetreten, die vor ollem die llsmen Geschäftsleute und die Gewerbetreibenden schwer geschädigt hat. Der neue Antrag der Wirisäzastlichen Vereinigung muß als gemein- gefährlich und gemeinschiidlich abgelehnt werden.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg, Trommel(Z.) wendet sich gleichfall» eegcn die neuen An- träge der Wirtlchafllichen Vereinigung. Schon di« Lockerung der Zwangswirtfchast für gewerbliche Räum« habe eine schwere Schädigung weiter Kreise des Mittelstandes ge- bracht. Abg. Leythien(D. Vp.) wünscht, daß in der Wohnungsbaupolitik eine freiere Äufsastung Platz greise. Vor allem sollte man die Woh- nungsämter von einer Reihe von Aufgaben befreien, für die sie nicht geschaffen seien. Die Regierungsparteie» müßte« sich zum Ziel« fetze«, zu einem bestimmten Termin die lvohnungswirtschost zu beenden. Abg. Frau Areadsee(Komm.) erwidert, daß es bester sei, stch die Beseitigung des Wohnungselends zum Ziel« zu setzen. Der vorliegende Antrag bezwecke nur, sich aus diesem Elend zu bereichern. Abg. Lücke(Wirtsch. Vg.)»erlangt, daß di« Länder endlich ver- anlaßt werden, mit dem Abbau der Wohnungszwanaswirtschast zu beginnen, das bezwecken die dazu eingebrachten Anträge. Man müsse doch endlich den Mut zum Abbau hoben. Wo die Gemeinden selbst die Beseitigung der Wohnungsämter für möglich halten, dann follten sie dazu nicht erst die Zustimmung des Reichsarbertsministcrs einholen müssen. Abg. vartschol(Dem.) wendet sich gegen die Forderungen der Wirtschaftlichen Vereinigung. Di« Abgeordneten seien im Reichstag nicht Vertrete? der Hausbesitzer, sondern des Volkes. Die vorliegenden Antröge werden schließlich abgelehnt. Bbänüeruag des Grunöfchulgefetzes befthlossen. Es soll nunmehr die S ch l u ß a b st i m m u n g über den Gesetz- entwurs zur Abänderung des Grundschulgesetzes vorgs- nonimen werden. Abg. Schreck(Soz.) weist darauf hin, daß nach der Vorlage das Gesetz am 1. Februar in Kraft treten solle. Dieser Termin sei längst überschritten. Es müsse bei der Ab- stimmung festgestellt werden ob sich die verfassungsmäßige Mehrheit dafür erklärt habe. Die Auszählung des Hauses ergibt die Anwesenheit von ZZ7 Abgeordnelen. Der Gesetzentwurf Ist mit 207 gegen 130. also mit ein- sacher Mehrheit, angenommen worden. Um 6H Uhr vertagt sich das Haus aus Donnerstag nach- mittag 2 Uhr. Auf der Tagesordnung steht cm Antrag auf Erlaß einer Amnestie sowie die zweit« BeraUmg des Gesetzentwurf» über den Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten. e» Berichtigung: Im Reichstagsbericht vom 8. Februar war der deutschnationale Abg. Lambach fälschlich als Gegner des Genfer Systems bezeichnet worden. Tatsächlich hatte Genoste Brey in seiner Rede Lambach und seine deutschnationalen Freunde als B e- sürworter des Genfer Systems bezeichnet, während die Sozial- demokratische Partei da» Genfer System ablehnt. keuüell-vebatte am 5reitag! Der Aeltestenrat des Reichstags beschloß in seiner gestri- oen Sitzung, die kommunistische Interpellation über die Angelegenheit d«« Reichsministers des Innern Dr. v. K e u d e l l und das kommunistische Mißtrauensvotum gegen diesen Minister auf die Tagesordnung der Freitae>sitzung zu setzen, unter der Voraussetzung, daß der Reichskanzler dann in der Lage sein wird, die Interpellation zu beantworten. Heute soll, wie üblich an diesem Wochentag, nur eine kurze Sitzung von Zwei Stunden abgeholten werden. Vom Sonnabend ab bleibt es hei der vorgesehenen kurzen Paus« in den Plenarsitzungen bis zum nächsten Mittwoch. Dann wird dl« erste Lesung des Reichs- Haushaltsplan mtt dem Finanzausgleich beginnen. Die Derhand- langen werden eingeleitet durch di« Etatsrede des neuen Reichs- sinanzministers Dr. Köhler. Reichsregierung unö Junkerswerke. Sozialdenrokratischc Frage« im HauShaltsau»schuß. Die Regierung schweigt. Im verlaus der vorjährigen Etatsberatung im Reichstage waren die beiden Berichterstatter zum Etat de« Reichsverkehrsmtnistenmns. di» Abgeordneten Dr. Ouaatz(Dnat.) und Dr. Wieland(Dem.) be- auftragt worden, die tatsächlichen und Rechtsverhältnisse zwischen dem Reich und der Junkers- A. zu prüfen. An, Mittwoch erstatlete der Abg. Ouaatz im Haushaltsausschuß de» Reichstags den Bericht über die, Verhandlungen mit Junker» und dem Reich. Ihr Ziel sei gewesen, alle zwischen der Reichsregierunq und Junkers bestehenden Differenzen zu bereinigen. Die Zuschüfse der Reichskasse haben nach amtlichen An- gaben insgesamt 23 Millionen betragen. Die in der Bilanz de» Werkes steckenden Werte schienen verloren und der Konkurs unabwendbar. Deshalb entschloß sich das Reich auf Vorschlag der beiden Berichterstatter, seine Beteiligungen und Kredite abzuschreiben und das Werk mit ollen Aktiven und Passiven an Profestpr Junkers zurückzuübereignen. Hierbei wurden ftdoch Wert« von einigen Millionen für da» Reich oerettet. darunter die Beteiligung an der Lufthansa. sowie ein Betrag von rund 4 Millionen in bar und Gerät; Junkers verzichtete dagegen auf alle Ansprüche au» dem sogenannten Russen- gefchoft und für die Zukunft auf die Inanspruchnahme jeglicher offeittlicher Mittel. Der Gesamtoerlust des Reiches be- trage trotzdem etwa 18 Millionen. Staatssekretär Dr. Gut- bröd gab«ine Erklärung ab, die die Darstellung de» Abg. Ouaatz bestätigt«. Dagegen bezifferte er die Darlehen und Vorschüsse des Reiche» an Junkers wesentlich höher, und zwar auf ZZ,5 Mit- l i 0 n e n. Auch ist der A e r l u st de» Reiches nach seinen Angaben nicht 18, sondern 28.7 Millionen Mark. In der Aussprache widersprach zunächst Abg. Stücklen(Soz.) der Ansicht des Staatssekretärs, daß der izaushaltsausschuß des Reichstages mit dem Verhallen des Reichsverkehrsministeriums ein- verstanden gewesen sei. Er richtet« ferner folgende vier Fragen an die Regierung: 1. Aus welchen Mitteln die ersten 1l> Millionen an Junker» gegeben worden seien, Z. weshalb Junkers oerboten morden sei, den Rechtsweg für die Auseinandersetzungen zu beschreiten, 3. weshalb die Reichsregierung sich der Einsetzung eines Schiedsgerichts widersetzt habe, und 4. weshalb die Regierung, nachdem sie ursprünglich den Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons mit der Erstattung eines Gutachtens betraut hatte, diesen Austrag zurückzog, nachdem dos Gutachten erstattet war. Eine Antwort auf diese vier Fragen wurde nicht erteilt. Der Staatssekretär Dr. Gvtbrod erklärte im Gegenteil ganz brüsk, er könne keine Erklärungen abgeben, da dies« Fragen nicht zum Avs- gab«nb«r»ich des R.'ichsverk«hr»minist»rlum» gehören. Auch auf di» Frage des Abg. Hertz(Soz.).«i« sich der Widerspruch in den Zahlen- angaben des Berichterstatters und der Regierung erkläre, wurde nichl geantwortet. Dr. Hertz lehnte im Namen leiner Fraktion die Verantwortung dafür ab, daß bei der Iunkcrs-Angelegenheit viele Millionen Steuergelder ohne Volkswirtschaft- lichen Nutzen ausgegeben worden seien. Die von dem Bcrichierstatter gegebene Darstellung über das russische Geschäft seien in jeder Beziehung ungenügend. Die sozialdemokratische Fraktion werde bei der Beratung des Wehretot» daraus bestehen, daß völlige Klarheit geschossen werde. Es sei un- erträglich, daß ein Ressort obnc Kenntnis des Reichstages hohe Beträge selbstherrlich verau-gave. partemachrlchten für Groß-Serlm Eiufetibsngen für Siefs Rubrik find Verl!» SB Lindenitrntzc S. ilst, an das Sejlrtofettetoriol, 7, Hat. i Trev. rechts, zu richten. ,. NN» 2.»reis fflitl« und licegarien.«rdelterwshlfadrt: Freitaa, tt. bruur. nachmittags 2 Udr, Befichtiguna des Oodachlosenasdls. Li« in der Wsdifahrt tätigen(Srnoffinntn und Genosse», fotntr allc. die sich dafür i 1a.... rr 1 T v t-is v>s siVs-o» lu�-? 5ln1* xVrrtn�Tc r� mnm-ir vji n i",«« unu»»»II-»»», V— interrfsieren, können daran teilnehmen. Treffpunkt Zs? Uhr Frvbel- Gae Taiuiger Straße._,........ ». Rrsfs Kreutberg. Srdeitera-ahlsahrt! Freitag, lt. Februar,-Zt Uhr, bei Wolf, Sritfefir. Ul. Sifiuna der Äbtellungsvertreter, Zugendvertreter»fm. Jede Abteilung muß �unbedingt vertreten fein „>1.«reis Schsneberg> Feieden an. Freitag, U. sirdruae,» Uhr, U Schloßbrauere!, Haupt, tr. M. Runter Abend:.D>e gute alte Zeit-. Mit- H wirtende: Lchilneberger Männerchor Freundschaft lÄltgl. d. ASB.Z, Erich W Weinerl.gißlich. Walter Mehring. P-laiewa, Spielgewemfchaft der Jung- fazialiste». Eintritt starten 50 Pf. Ermerbslosr Mitglieder frei! Der pl Ueberschnß findet»ugunfi'n unserer Erwerdslvfen Lerwendung. Zahl. S reicher Besuch ist dringend erwünscht. t-1 is.»reis Weißenste. Freitag, tt. Februar, pünktlich» Uhr.«m Zugenddeim Parkstr. 86 spricht der Genasse Lehrer O Faust über: „Warum kämpfen wir für d e weltliche Schule?" Infolge der bcoar- f-l stehenden Einschulung wird um rege Beteiligung gebeten. [l 20. Kreis Reinickeudorf. Elternbeiräte! Am Sonntag. 18. Februar, »vrmlttogs»V. Uhr. im Sidunassoal Rathaus 2 egef Elternbeirats. sifinng. 1. Dortrag über..Prügelstrafe ln Haus und schule. Z. Be. ztrksa»g«l«genb»iten, Berkchiedenes. Zutritt haben famt.iche Partei. Elternbeiräte und deren Bertreter, Schitldeputaliansimtglteder und Lebtet. Die Anwesenheit der BezirkzvorstandSe und Frakttonsmitglieder ist erwünscht. heule. Donnerstag. 10. Aebruar: U.«dt. Die Genossen treffen sich um d'.s Uhr bei Lausitzrr, Putbusser Str. lt. ,um Abmarsch für dir BcraitftaUuna im Sportpalast. AI. Abt. Ebarlotienbnrg. Zur Demonstratlon im Eportralast treffen sich pte Teilnehmer«'6 Uhr Wittenbergplaß Ecke Dayreuther Straße. Morgen, Areilag. 11. Februar: 62. Abt. Siemensstadt. Atteilungsverfammlung Vi Uhr Lokal Sommer. Nolinendammallee. Vortrag:„Die politische Lage. Referent Hermann tkkit.�Abfi Äahlsb»rf-Süd. 6 Uhr bei Dieß. Uhlandstr. l«, Funttionürsißung. Arauenveransiallungen. 8». Abt. Freitag, ll. Februar. 7% Uhr. im L-tol„Zum Burgfriiden". Wlchert. straße 69, zweiter Kurfusadend:.Das Heidelberger Programm tBcnossr 81. Abt�'�ie Genossinnen treffen sich Freitag 8 Uhr zu einer kurz-u Aus- spräche bei Goldschmidt, Etolpische Str. 3«.__.___ Bernau. Donncrstag,)0. Februar, 8 Uhr, im Restaurant Dellevue Frauen. abend. Die Frauen unserer Arbeitsgemeinschaft sind besonders hierzu«IN- geladen, da wichtige lokale Angelegenheitcti zur Sprache kommen. Freitag. U. Februar. Jugendheim Haupt- Ldns.Der zweckmäßige Metier. Gruppe U Kiuderfreuude Kreis Schaaeberg. straße 15: Gruppe I Vorlesungen aus Löns. Tanz und Gesellschaftsspiele. Iuagsozialisten. Alle Gruppe» beteiligen sich an der Kundgebung Im Spartpalast. Treff. Punkt 7 Uhr am Hochbahnhof Bülowstraßr......,.„, Di« Gesamtoeranstollung findet am 19. d M.. z»8 Uhr, In der Aula der Schule Ecke Mittenwaidee und Gneifenaustraße statt. Engelbert Graf fprtcht über.Kriegsgefahren rund um den Stille» Ozean". Gruppe Prenzlauer kerg: Gruppenabend fällt heute au». BeMtgung an der Kundgebung im Sportpalast. Treffpunkt 7 Uhr Hochbahnhof Bülowstraße. ! Sterbetafel öer Hroß-öerliner parteiaG-ga�fatlon 198. Abt. Küpei-.Ick- Genosse War Fehrmann.«r-nl-nkassen-ngestellter. ist tm Altar von 51 Z-Hreu verswrbev. Einäschrrung erfolgt am Freitag. U. Februar, abend« 7'4 Uhr. im Krematorium Senchtltr. 37/88. 118. Abt. Lichtenberg. Am 6. Februar ist Genosse Gustav S u t i n« ch t ive Alter von 61 Jahren verstorben. Die Einäscherung findet am Frettaa, U. Fe. bruor, nachmittag» 1 Uhr, im Krematorium Baumschulrnwag ftatt. Um rege Beteiligung wird gebeten.__ Sozialistische Arbeiterjugend Groß-SerUn. »U Führe rauesprach« am Sonntag. 18. Februar, muß umständehalber au». faSett. Zur Hauptversammlung de, Fugen dbeeberg»»eeba»de,, Bezirksamt»reuzberg. Porckstr. 11, am Sonnabend, 12. Fchruor, 7 Uhr, müssen alle Mitglieder des ZHV. vollzählig erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Treffpunkt zur heuligen Kundgebung im Sportpalast: FallplaS:-T7 Uhr Hochbahitbof Danziger Straße,— Kottbusse, Tor: b-7 Uhr Kottdusser Tor.— Köpenicker Viertel: w Uhr Hochdahnhof Göelißer Bahnhp'. Nachzügler 7 Uhr Lochbahnhos Bülowstraße.—«eNtillu VI, VV? Uhr Unter. grundbahnhgs Rathaus.- Werbebtuirk Sculöfln:'47 Uhr Rollkrug. F-Huen und Wimpel nicht aergessea! Vorträge, vereine und Versammlungen-. Deutsch, Landsmauuschast drr Provinz Posen. Sroß-Berlin. Haupwersamm- lung am Donnerstag,>9 Februar, 8� Uhr, in de« Kindl-Brauerei Berlin- Reutälln, Hermannstr. 216/219. Berllner Arbeiter-Schachilud. Mannschaftsschachwetlkämpfe am kommenden Eonntag, 18. Februar, oarmitiags IV Uhr: S-Grupp«: Osten I gegen Gesundbrunnen Weberste. 6: Südwest 1 gegen Lichtenberg 1 Lankwitzstr. 5; Charlotten. bürg I gegen Wedding I Katser.Friedrich.Etr. 57; spielfrei: Wedding n und wefun I. L. Gruppe: Osttap II gegen Weißensee II Rigaer ötr. 87: Schiller» pars II gegen Reinickendorf.Ost t Müllerstr. 79: Osten III gegen KSnIgstadt I Äederstr«: Süden III gegen Humbolbthain m Muskauer Str. 10. Am Sonn. abend, 12. Februar, findet die Lbleutestßung bei Ewald, Etalitzer Str. 12«, statt. Beginn 8 Uhr....._ Perba ud für Freidenkertum und Feuerbestattung E. P. Uatrrbezirl Pankaw: Oeffentlicher Lichtbildervortrag am Sien-lag, 15. Februar, im Gesrllschaftshaus Panfaw. Berliner Str. 102. Anfang pünktlich V.i Uhr. Thema:.Srd. oder FeuerdeuaUungf" Eintritt frei. Verband Voltsgesundbett. Ort»»ereiu Perlin. Bortrag am 19. Februar in der Schule gfflandstr. 9 über„Phnstalagie der Verdauung". Referent Seuossa Dr. med. Baer. Eintritt frei. Freitag, lt. Februar, Zugendgruvpe Osten Eoßlerstraße. Fugcndgruppe Süden Schllrk-str.n Perlia. Heute abend 8 Uhr Joels Pereins- haus, vranienstr. 86. Gäste ni.llkommen. in Reichsdund der«riegstefidädtgten, KrirgstOilnebmrr nnd»rlrarrhlntrr- dliabenrn. Gau Berlin, veranstaltet am Donnerstag, 10. Februar. 8 Uhr, in der Schiiltheiß-Poß-nhoker.Brauerei, Chaussrestr. M, eine bffentliche Kundgebung. Referent Kamerad Schwarz. Kriegsopfer, erscheint in Massenl RlUtöllner Sangerchar iMilgl. d. ASB.). Uedungsstunde feden Donnerstag von 918—10 Uhr Gesangsfaal der Llldrecht. Dürer. Dderrealschul«, Neukölln, Emser Straße. Gäste und Sänger herzlich willkommen. Freie Vereinigung von Sternsreunden. Berlin. Versammlung am 18. Fe- bruar, 9 Uhr, beim Varsißenden Herrn Schuldiretfor G. Freund, Kalenlee. West» fälifche Str. 27a, l St. Vortrag!„Das Fernrohr". Lei gunstiger Witterung Sternbeodachtungrn. Gaste willkommen. GesthSstliche Mitteilungen. Heute,«auaerstog. l«. Februar, wird der alte beliebte.Franziskaner" am Bahnhof Friedriat'traße in neuem Gewand» eestehen. Es ist zu begrüßen, daß der Etil)»ine Gaststätte wiedergegeben wird, die stch jahizehttte/ang ailfeitiget Beliebtheit bei den Beelineen erfreute. Für das leiblich« Wohlergebeu der ganzen Familie fühlt sich die Hausfrau verantwortlich� und wetin e» ihr oft nicht leiäü wird, Pitt dem(Selbe guszu- kommen, so wird doch lede Abwechslung IM Kückienzeltel freuhig brgrüßl werden. EI» Oetker.Pudding zum Beispiel wird stets allleinge Zustimmung finden, well et nabrhakt, woblfchmeckend und lehr preiswert ist. Ein Päckchen ist für 8-8 Personen ausreichend, fp daß leicht an anderer Stelle gespart werden sann. Die Grippe wird, wie eine omtlickie Belehrung aus dem Vokkewohlfahrts» minlsterium desagt, durch ein mikroslppiich kleines Lebewesen hervprgeruf-n Sie ist anßerord-nilich leicht überkpagdor und befallt alt in kurzer Zeit Kundert. laufend«. Die Ansteckung erfolgt durch die Atemlnft. Darum ist es wichtig, Mund und Nachen ständin antiseptisch zu holten durch Farmamint, das de» kannte zuverlässige Desinfektionsmittel für Mund und Rachen. Forwamlnt» Tablette» kann man federzelt und überall anwenden. Im Geg-Nfatz zu Mund. spiilungen, die obendrein nur oderslächlich wirken. Farmamint ldst stch im Speichel und dringt so auch In die kleinsten Falten und Vinkel des Rachens. Ran lallte Farmamint immer bei»ch führen. I Unterhaltung unö �Dissen.xi. Thomas Mlva Eöifon. A« seinem 8V. Geburtstage am 1t). Februar. Von Arnold Kollner. Von den genialen Menschen, die unsere Zeitgenossen sind, ist die Gestalt des„Zauberers opn Menlepark" wohl die sagenumwobenste. Aber wenn auch die meisten Anekdoten, die man sich von dem greisen Erfinder und Organisator erzählt, erfunden sein mögen, so Ist Edison» Lebensgeschichte auch ohne diese Ausschmückungen amerikanischer -Reporter erlebnisreicher als die eines Romonhelden. Hätte«in l/chter die Gestalt Edisons erfunden, so könnte man ihm vonversev. daß es einen so phanlasievollen. unermüdlichen und zähen Menschen überhaupt nicht gäbe, der sich trotz der Ungunst des Schicksals in verhältnismäßig kurzer Zeit durchzusetzen versteht. Um sich die Be- dsuhing dieses einzigartigen Mannes zu vergegenwärtigen, braucht man sich nur vorzustellen, daß einige seiner bedeutendsten Ersindun- gen nicht gemacht worden wären. Edison ist der Erfinder der elek- irischen Glühlampe, und er hat dos Mikrophon konstruiert, das den wichtigsten Bestandteil des Telephons bildet. Zu den Apparaten, die Edison, erfunden hat. gehört auch das Grammophon. Unsere ganze BÄeuchtungstechnik, das Telephonwescn und die Beeinflusiung der häuslichen Geselligkeit durch den Musikapporat beruhen also auf den genialen Erfindungen dieses Amerikaners, der,«in merkwürdiges Spiel des Zufalls. Sprechapparate erfand, obgleich er selbst nahezu taub ist. Wenn die umfangreichen Tagebücher Edisone«Ines Tage» der Oeffenllichkeit vorliegen werden, wird man nachprüfen können, ob er sich sein Ohrenleiden tatsächlich auf die Art erworben hat, wie sie immer wieder in den amerikanischen Zeitungen beschrieben worden ist. oder ob tf sich auch dabei nur um die Erzählung allzu Phantasie- voller Suarnalisten handelt. Der zwölfjährige Thomas mußte nämlich feinen Lebensunterhall durch den Verkauf von Zeitungen verdienen. und 2T fuhr zu diesem Zweck im Packwagen der Eisenbahnzüge mit, voi� dem aus er den Reisenden feine Zeitungen anbot. Um nun die �Arig« Fahrzeit zwischen den Stationen auszufüllen, hatte er sich«in kleines chemisches Ladoratorium eingerichtet, mit dem er in einer Eck» des Packwagens tagsüber Experimente anstellte. Durch eine» unglücklichen Zufall zerbrach einmal eine Phosphorfiafchr und sofort entstand ein kleiner Brand, der leicht gelöscht werden konnte, der aber zur Folge hatte, daß der junge Chemiker samt seinen Flaschen und Apparaten etwas unsanft an die Luft befördert wurde. Dabei soll sich ein Schaffner so grob gegen den Jungen benommen haben, daß er von der rohen DeHandlung ein Ohrenleiden zurückbehielt. Wenn diese Geschichte, die jedenfalls sehr gut zu Edisons Charakter paßt, vielleicht auch erfunden ist. fo ist andererseits sicher, daß viele berühmt« Aerzte später erklärt hoben, sie könnten Edison durch«in« leicht« Operation ohne weitere» von seiner Taubheit befreien. Aber er lehnte at� Nach seiner Ansicht hat er gerade seiner Taubheit sein« Erfolge zu verdanken, denn sie schützt« ihn vor dem störenden und ohkenkenden Lärm der Großstadt und machte ihn unempfindlich gegen di« groben Geräusche, die während des Experimentierens in der Werkstatt unvermeidlich sind. Sie läßt ihn selbst in der Gesellschaft von Freunden und Bekannten einsam sein, so daß er sich stets, auch im größten Lärm und Gewühl, auf fein« eigenen Gedanken tonzentrieren kann. Trotzdem muß man die Selbstlosigkeit dieses Mannes be- wundern, der die Heilung eines Leiden», das anderen Menschen ihr Leben verbittert und um viel« Freuden bringt, aus nüchternen Zweck- müßigkeitsgründen ohne Zögern ablehnt. Der junge Thomas war keineswegs ein..begabter" Schüler, ganz im Gegenteil war sein Lehrer der Ansicht, daß«» der verspielte Knabe in seinem Leben nie zu etwa» Ordentlichem bringen würde, und er riet den Eltern. Thomas aus der Schul« zu nehmen. Sein« Mutter unterrichtete ihn dann selbst, aber in der Houptsochc ist dieser Mann, der von allen Lebenden zweifellos über das umfassendste tech- nische und chemische Wisien verfügt, völlig Autodidakt. Ohne An- leitung bildet««r sich an der Hand von Büchern zum Telegraphen- beamten aus. Seine phantastische Laufbahn begann mit einer An- stellung als einfacher Telegraphenbeamter an einer nordamerikoni- schen Eisenbahn. Bei dieser Tätigtest entwickelte«r ebensowenig Fleiß und Pflichtgefühl wie ln der Schul«, und er mußte immer von neuem die Stellung wechseln. Um sich von lästigen Arbeiten zu be- ' freien, erfand er klein« Apparate, die aber nicht den Beifalljeiner Bcrgesetzten fanden, denn diese erkannten nicht den genialen Schars- blick de» jungen Mannes, sondern sahen in allen seinen Unter- nehmungen nur den Versuch, sich von seiner Arbeit zu„drücken", Trotzdem machte er auch als Telegraphcnbeamter schon«in« ganz große Erfindung,«» gelang ihm nämlich, aus demselben Apparat gleichzeitig durch Benutzung verschiedener elektrischer Ströme mehrere Telegramme zu senden, was eine erhebliche Vereinfachung bedeutete und inzwischen für den Kabelverkehr der West von gar nicht abzu- schätzender Tragwest« geworden ist. Die frei« Zeit, die Edison In und nach seinem Dienst erübrigen konnte, dient« nun keineswegs dem Müßiggang, sondern ange. strengter Arbest in dem kleinen Prioatlaboratorium. das er sich bald wieder eingerichtet haste. Als es ihm«ine» Tages gelang, durch sine seiner kleinen Verbesserungen ein Eijcnbahnunglück zu verhüten, wurde eine groß« Telegrophengesellschast auf ihn aufmerksam, in deren Dienst« er nun trat. Ohne sich um die geschäftliche Seite zu kümmern, arbeitete er sür diese Gesellschaft eine Reih« von Patenten aus, und als der Direktor. General Lessert«, ihn eine, Tage» frogtR wieviel er für sein« Erfindungen verlange, fürchtet« er sich, die ihm ungeheuer erscheinende Summe von WOG Dollar zu nennen. Er logt« also:..Bitte, machen Sir mir ein Angebot." � ,J0oe sagen Sie zu<0000 Dollar?" fragte ihn der General. Al» er nun glückstrahlend mit seinem Scheck über 40000 Dollar zur Bank kam. wußte er nicht, daß ,r seinen Namen aus da, Papier schreiben mußte, und da er infolge seiner Taubheit nicht verstand, was der Kr'lierer von ihm verlangt«, nahm er an, daß die Bank den Scheck nicht einlösen wolle, und er also betrogen worden sei. Nachdem er nun glücklich in den Besitz der ersten großen Geld- summe gelangt war. begann er seine Arbeiten im größten Stil. Die Ersindvngen folgten so rasch hintereinander, daß da? omertka- ntsche Patentamt in einem Jahresbericht vo» dem jungen Mann sprach, der„mit seinen Fußtapfen den Weg zum Patentamt warm trat". Jnsgesamt hat Edison allein in Amerika wohl SOOO Patent« genommen, und man hat berechnet, daß« in der Zeit seiner größten Wirksamkeit durchschnittlich alle elf Tage ein neues Patent an- meldete. Ungeheure Reichtümer slvssen ihm auf diese Weise ZU! aber sein Freund Henry Ford hat unbedingt recht, wenn er ihn als einen der größten Erfinder aller Zesten, aber auch als einen der schlechtesten GeschSftsleute bezeichnet. Sein Geld verbraucht« er zum größten Teil im Dienst der Wissenschost. zur Ausarbeitu««, neuer Erfindungen. Als gegen Ende de» vorigen Jahrhunderts die Eisenerze in den Vereinigten Staaten knapp zu werden begannen, richtete er mit seinem ganzen Vermögen eine große elektromogne- tisch« Erzaufbereitungsanlage in den erzreichsten Gegenden von New Jersey ein. Neun Jahr« arbeitete er an der Vervollkommnung dieser Werke, und als sie endlich lukrativ zu werden versprachen, wurden in den Bergen von Minnesota besonder» ergiebige Erze gefunden, die nahezu um die Hälfte billiger angeboten werden konnten. Sein Vermögen war verloren, und ungeheure Schulden lasteten auf seinen Schultern. Aber er verlor den Mut keinen Augenblick, und nach drei Jahren hatte er mit seinen neu erbauten Portlond-Cementfabriken, die noch neuen Verfahren arbeiteten, nicht nur alle Schulde» wieder abgetragen, sondern darüber hinaus ungeheure Loboratorien für seine wissenschaftlichen Zwecke wieder in seinen Besitz gebracht. Noch heute arbeitet der Greis unermüdlich. Man sagt, daß er nur 5 Stunden schlafe und 17 Stunden am Tage arbeite. Er ist noch so rüstig, daß er einmal lächelnd be- haupten tonnte, er werde es auf 150 Jahre bringen, und es lebt in dem alten Edison noch soviel Vitalität, daß man hoffen darf, er werde der Well noch maiiche lleberraschung bereiten. Erfolg in öer Kestungsfrage. Aus Vorstellungen der deutschen Regierung hat die Entente noch einen weileren llnlerstaud bewilligt, in den sich die deutschnalionalen Minister vor den Ovalionen ihrer völkischen Anhänger zurückziehen wollen. Mtagsbilöer. Von Franz H ü b n e r. Die Schuhe. Eine lange nüchtinne Straße Im Norden Berlins. Es pfeift ein eisiger Wind. Ein schmächtiger magerer Junge von etwa vierzehn Jahren zieht einen schweren Wagen, mit Preßkohlen beladen. Der Wagen ist schwer zu ziehen. Der Strick, den der Junge um die«in« Schulter gelegt hat, schneidet tief ein und verbiegt den ganzen Körper. Ab und zu hält er«in wenig an. doch dann geht's immer wieder wester, Hals und Kopf vornüber gestreckt, dem Ziele zu. Ein heftiger Windstoß zwingt ihn erneut zu halten. Er hauch« in seine vom Frost blaurot gewordenen Hände, zieht lein dünnes Jackett fester um seinen Körper und stampft mit den Füßen, die in etnem Paar alter Militärschuhe stecken, auf den Boden. Zu oft sind diese Schuhs schon gestickt worden, und viel zu groß sind sie auch, so daß der Fuß darin kaum«inen Halt hat. Dach er hat keine anderen. Ein gleichallriger Junge kommt jetzt auf ihn zu. „'n Tag, Fritze, haste eure Kohlen jeholt?" „Nee, is meine Stelle." „Schwer, wat?" fragt er weiter und versucht den Wogen zu ziehen. „Et jeht/ Jetzt entdeckt dcr andere Fritzens Schuhe. ..Mensch, wat haste denn vor Schuhe an, die jehör'n«voll deine Iroßmutter?" Ein Helles Rot überslog Fritzens Gesicht, er schämte sich seiner Armut, und dann log er:.Mein« sind bei'» Schuster." Anne Kinderseele! Und dann ging's wieder weiter. Hals und Kops vornübergestreckt. der Strick schneidet tief in dl« Schulter und verbiegt den ganzen Körper. Vaters Hose. Schulschluß. Laut und lännend stürzen die Kinder aus die Ttroße hinaus, froh, daß dcr Zwang für heute et» Ende hat. Einige jage» sich, andere balgen und schlagen sich mit der Schulmappe, daß die Bücher und Hoste im Bogen auf die Straße fliegen. Eine Gruppe Ist hinter einem Jungen her und neckt und vcr- höhnt ihn fortwährend. Still und verschüchtert geht er weiter, doch unablässig tönt es:»Der hat Vaters Hose a», ktek mal. Vaters Hose!" Nun will keiner als Schuljunge gern Vater» Hose anhaben, und der Erbe de» ihm namentlich um die Mitte de» Körpers sehr geräumigen Beingthäuses sah auch ganz verzweifell drein, sich so plötzlich im Mittelpunkt des allgemeinen Interesse» zu finden. Doch was tun? Gestern abend sah die Mutter abwechselnd ihn und des verstorbenen Dater» Hose an, die auf dem Tisch ausgebreitet lag, und hatte bald herausgesunden, daß das Haupthindemi», daß der Junge die Hose so nicht tragen komste, in der Beinlänge bestand. Zwei kühne Schnitte mit der Schere, die Hosenbeine umgesäumt, und Karl hatte eine neue Hos«. „Vater war ja man auch bloß dünn." sagte sie. Und jetzt dieser Mißerfolg bei seinem ersten öffentlichen Austreten mit der Hösel Da« kleine Herz blutete. Wie grausam doch manchmal Kinder unter- «inander sein können! Doch laß, Karl. Du blechst nicht immer so klein. Vielleicht wirst du nicht nur groß, sondern auch ein großer Mann, der feine und passende Kleider tragen kann, soviel er will Das kommt ja im Leben alles vor. Vergiß dann Vaters Hose nicht. Der Kometenschweif in öer Glasröhre. Die Vagabunden des unendlichen Weltraums, die Jrrsterne, mit deren Erscheinen aller Aberglaube das.Herannahen allerlei unheil voller Dinge verknüpft Hot, fesselte seit jeher in besonderem Maßo die Aufmerksamkeit von Gelehrten und Laien. Viele Jahrhunderte hat es gedauert, bis es dem Engländer Halley gelang, den Nachwei- zu erbringen, daß die Jrrsterne nicht aus der Unendlichkeit in unser Sonnenreich gelangen, um es einmal zu passieren und dann sür alle Ewigkeit zu verschwinden, sondern ebenso wie die Planeten eine Ellipse um den Tagesstern beschreiben. Nur ist diese Ellipse un- geheuer gestreckt und ihr Umfang phantastisch lang. Die Entdeckung der Beschosfenheit der Komctenbahnen bedeutete jedoch noch lange nicht die Lösung des Kometenrätsels. Die Art der Zusammensetzung dieser sonderbaren himmlischen Gesellen, die in Sonnennähe einen stärker leuchtende» Kops und einen langen. schwächer schimmernden Schweis zeigen, blieb nach wie vor rätselhast. Erst langsam dämmerte die Erkenntnis, daß die Komcicnköpse ein überaus lockeres Gefüjsc haben dürften, und allmählich wich die jähr- tausende alte Angst, die Erde könnte aus einem Zusammenstoß mit einem der Jrrsterne«ine tödliche Panne davontragen, der besseren Einsicht, daß bei einer derartigen Begegnung unbedingt dcr Komet den Kürzeren ziehen müßt«! ein an sich unwahrscheinlicher Zu- sammenstoß würde sür unsere Erde höchstens einen starken Meteo- ritensturnt zur Folge haben. Der berühmte italienische Kometensorscher Donati war der erste, der vor etwa siebzig Jahren den damals noch jungen Spektroskop- apparat aus einen Kometenkopf richtete, um mit Hilse der Analyse des aus diesem himmlischen Gebilde dringenden Lichtes die'Zu- sammensetzung der Gashüllc eines Kometenkopfes sestzustellen. Das Ergebnis dieser Untersuchung belehrte ihn, daß dcr Kometenkops nicht nur in dem sonst von dcr Sonne erborgten Glanz leuchtet, sondern selber Licht aussendet. Es war nun klar, daß im Innern des Kometen glühende Dämpfe vorhanden sein müsse». Wenige Johce später erbrachte dcr Dilettanlcnastrononi Huggins den Beweis, daß in der Sphäre des Kometenkopfes nack dein Zeugnis der Lichtanalyse Kohlengase in überaus verdünntem Zustand glühen Müssen. Diese Entdeckung wurde dann durch spätere Untersuchungen bestätigt. Huggins und seine Jünger mußten sich jedoch aus die Unter- suchung de« Kometenkopfes beschränken. Der Koinelcnschweis leuchtete zu matt und konnte mit den ihnen zur Verfügung stehenden In strumenlen nicht geprüft werden. Erst als im Jahre U>0» in den Linsen der Teleskope der Komet Mourhousc ausleuchtete, trat man diesem Problem näher. Dieser mit freiem Auge unsichtbare Irr- stern erwies sich als sonderbarer Geselle. Bei seinein Ftug aus die Sonne zu bildete sich vor den Augen der Astronomen«in sich auf viele hunderttausend Kilometer erstreckender Schweis aus, dcr von dem Strohlungsdruck der Sonne stets in die dem Tagessterii ent- gegengesetzte Richtung, mit der phantastischen Geschwindigkeit von 50 Kilometer in der Sekunde, zurückgeworfen wurde. Groß war das Staunen der Slernensorscher. als ihnen dann der Komet ein weiteres Naturschauspiel darbot. Der Schweis riß i» einem gegebenen Augenblick ab. Dieses Schauspiel wiederholte sich einigemal. Die spektroskopische Untersuchung ergab nunmehr, daß in dem Kometen- schweif außerordentlich verdünnte Gase, wahrscheinlich Kohlengase. vorhanden lein müßten. Gewisse Forscher gaben der Ansicht Aus druck, daß der Kometenschweis auch Edelgase enthalten müsse, die in den oberen Schichten der irdischen Atmosrhäre, wie Helium und Neon, in geringen Mengen vorhanden sind. Den Bemühungen des französischen Astranomen Ferdinand Bat- det gelang es nun dieser Tage, die Zusammensetzung der den Kr.« metenschweit bildenden Gashülle eindeutig zu Hären. Dieser Ge lehrte hat in seinem Laboratorium gewisiemiaßeii einen Kometer- Ichweis hergestellt, indem er mit Hilse einer Hohlweckschen Lust- pumpe in einer Gacampullc die Lust derart verdünnte, daß der darin herrschcitde Druck nur mehr ein zweimillionstel Teil des normalen athmasphärischen Druckes bctnig. In diese Amvullk wurde nun durch sehr verdünnte Kohlenoxydgase ein elektrischer Strom geleitet. Das Lichtphänomen, das mm entstand, ergab genau das- selbe spcktroikopische Bild wie der Schweis der bisher untersuchte» Kometen Damit erscheint da» Problem der Zusammensetzung der Kometenschweife Im wesentlichen gelöst. Neues vom herz-hormon. Seit langen, ist die Totsache bekannt, taß ein aus dem Wirbel- tlerkörper entferntes Herz selbständsg weiter zu schlagen vermag, daß also sämtliche Bedingungen für den spontanen Herzschlag in dieses Organs selbst gelegt sein müssen. Man vennutete auch schon seit geraumer Zeit, daß der Anstoß sür die Herzbeweguna einen chemischen Reiz darstellt. Es fehlte ober bis in die jüngste Zeit etn näherer Einblick in das Wesen der Herzreizbtldung, und erst vor kurzem haben der Brüsseler Physiologe Demoor und der Innsbruck«? Biolog» Haberlandt unabhängig voneinander die Entstehung der Herzh�vegung geklärt. Haberlandt gelang es, im obersten venösen Anteil des Froschherzens einen Errsgungsstoss nachzuweisen, der als da» auslösende Moment sür den Herzlcklog angesehen werden muß und von ihm al» Hormon der Hcrzveweyung oder„Herz- Hormon" bezeichnet wurde. Pros. Haherlondt teilt nun im neuestcn Heft der„Naturwissenschasien" neu« Ergebnisse mit, die bei den Untersuchungen diese» so überaus wichtige» Stoffes gewonnen worden sind. Es zeigte sich, daß der Herzerregungsstoss in abso- lutem Alkohol löslich ist. daher kein Eimeißkörper(ein kann. Im Aether ist das Hcrzhorinon unlöslich, stellt also auch keine Lipeid- substanz dar. Ferner hat sich das Hormon al» hitzebeständig erwiesen, da Auskochen dcr wälsrlgen Extrakte ihre Wirksamkeit nicht aufhebt. Da» Adrenalin, das tyorinon dcr Nebenniere, wirkt ganz so wie der Herzerregungsstoss, ist aber mit ihm nicht identisch itktd ist auch sicherlich nicht dem von O. Loewi emdeckiien sympathischen, sördern- den Herznervenstofs gleichzusetzen. Die Frage, in welchen Gewehs- teilen das Herzhormon erzeugt wird, Ist von Haberlandt dahin be- antwortet, daß der Herzerregungsstoss in der spezisisch disserenzier- ten Muskulatur sener Herzteile entsteht, die das Vermögen eigener Automati« besitzen. Es ist also hauptsächlich der oberste venös» An- teil des Herzens, der sogenannte Sinusknoten des Warmblüter- Herzen», als der Ort der normalen Herzrcizbilduna anzusehen. Die Aufsindung des Herzhormons schast't die Möglichkeit, diesen Stoff in absehbarer Zeit auch sür klmische Zwecke zu verwenden. Die, wird dann geschehen, wenn der Herzerregungsstoss in genügender Rein- hell und Meng« sich aus Herzen großer Schlachthaustiere wird her- stellen lasten. Dann wird ein physiologisches Herzmittel vorhanden sein, das als natürlicher Förderer der Herztätigkeit ouftrttt und gegen die bisher angewendeten Herzgistsiosse einen großen Vorteil gewähren wird. Eine Sammlung«oo 800 000 Schmetterlingen für London. Die zweitgrößte Schmelterklngsfammlung der Welt nach der Lord Roth- ichtlds, die 800 000 Exemplare umsassende Kollektion des sranzö- sischen Millionärs Charles Oberthür, isd für das Londoner Naturwissenschaftliche Museum erworben und setzt mit vielen Mühen und großer Sorgfalt dahin gebracht worden. Oberthür, der 1924 im Alter von 7» Sohren starb, hat seit seiner Lugend s»!»-" Schmetterling» in der ganzen Wett gesammelt. dlmt Schlusstage Trikotagen iHfnr'iniiniifimininufmmniiiinHminmjnuniiiHiuiimiiimiinnnnmi Jameil'EKIlwMMn 70 Baumwolle vi en ar en................ m Samen-SchlWer t95 «i;t wa'mem Futter tarbl............................. I SmwnEMMr 075 mit warmem Fu r i- s hbne Farben.......... Wsm SammDullsver«so cso Original: eas Z-luster.............. Kmen-Solm iss wollgcmla-li*..............................| SmenKlmMirtn i&tz' 325 Bmmen- Wäsche stramßfmaren »aa»<-•*■> w<»«' V w ww mmr"W a v miii»I»»II>MI»I»MI»Ii»InimIN»»NMIIIIIIIIIIIIlIlI»»IIIMNMIM»»IM!NMIMIMN!IMMI»»M 68 25 »»»«atea Headeatioh. mit Stickerei............ Trägerhemden Hemdhosen 1 itfOl e». rotem W&eeheutist. mit � ar I■llAll5«99B WfclrfcSS Valenciennea-Spiue......... A aas g«mm kiastealdenen Trikot.............. d2 65 45 nmiiiniimmiiimniiimmiiiiniuminnimmiiffliraiuiramiiiimiMmiiuranuiiiminmiTnimiiimranin Immn-ArümpKe mit Dopp Is�hl* nnd Naht................ Paar Samen-Nriimsfe ä-ä qc Hoc", fer�e und Naht, prima QualMt. oder Herren- Jacquard- oder-Scliwciilcoclien, pa. Qual täc ör%ar pa. echt Malco, c pa Scldcnllor» mit Pt Jamen-Stmmyfe � � Oopp'isoh!e Ilorhfer e und Naht. larblg -JSS �45 Unterkleider Hemdhosen 375 i SmmnNriMWft-«»-«O ss •—■ I■■ Aasinbracg.........................*0 j vVolie mit Seide, prima Qualititen................ 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Februar 1927, vormittags tlnf lebe eeiagene Rümmer sind zwei gleich Hobe®e- toinne gefallen,«ad zwar le einet auf die Laie gleicher Ramme» in dea beide« Rdteilaagea 2.«d 2 Ohne Gewähr Nachdruck verkoken Es wurden Gewinn« über 150 Mark gezogen 2«.»Wik tu Je 50C0 Ml 216845 ö«ninnt ,u je 30C0 Ml.' 24175 191792 253222 265527 12 Gwiim. zu je 2000 Ml. 67753 146667 152822 166619 180925 310766 32 ötttniK i« 10OO Ml. 17610 23499 66000 76091 78275 85473 96650 102387 131677 186566 190942 287121 287784 313290 341564 346625 66«Winne ,n je 600«1. 10497 16568 51931 67720 69170 83476 94623 102616 110497 113694 120597 133692 150671 164247 156971 183129 190282 201028 207619 223439 223670 242244 245897 247784 253074 255434 286845 296310 297117 302238 317298 320496 321167 220«Winne|n je 300 Ml. 1164 3896 6261 7378 14019 25402 26684 27105 34694 36370 39882 47601 61172 52058 54610 55562 56731 69407 60109 62006 62014 62673 67106 70633 71846 72869 76221 76523 78100 82130 97797 99097 108051 112249 114050 116515 117413 123620 123771 128387 126337 126383 131289 ,3227g 133203 133624 138501 138872 140776 14104ß 144067 146408 149405 164514 167987 17P409 179670 185038 186707 188722 189979#90906 198448 199527 200365 202062 202545 206083 209601 212271 212869 218568 226590 230474 232913 242482 242678 244712 244746 246492 260957 252549 264406 266659 266901 267536 268558 262368 265716 286967 268817 388110 271641 272640 278343 278906 280777 290040 290730 291343 391691 39779« 288164 399640 318876 336436 332428 34,846 844888 847683 tetr isis �(jaAlßxxuJf1 6M ]{ahl(aiun Scleß der große deutsche Weinbrand ebenbürtig französischem Cognoc Grippel Haben Sie Beschwerden? All« Leiden, die mit dem Sinffwechsol zu» inmmenbiwgen(wie Aiterserfcheinungen. UrleclenoetlaKung, ffiidu, Rheuma. ncroöie Beichwerden. Korpulenz, Magen.. Darmiiörungen usw.) wnb. geHeiU oder ge» defferi durch eine Ruitas Knoblauchkur. Diese, alibemährte, natürliche Hausmittel Hai nach ttiniichen Fneichungsoigeimissen die nünitinNen Erfolge ergeben Au haben in den ttpathefen(OcogctUo). befllmrol: cheneral'Orpol, Andreas dinslhels, Berlin O II,«nbteasftt. 15, Feruspr Riüugft. 2789. Zarbern Sie vra«,qrl„»ni Kme-Pianos zur Miete WiO.ABsbaclicrstr.l Teilzaniunäi Boitnäscbe, Decken. (ierdlnen, Te piche kleint Äales. ItHilaaunr, Btsodi Uli: Kirti. Hatzner, Eltinjir Str. 17 ■ Wo speist man■ gm n. DUilO 7 Nur UroB- Berlin Alexanderplalz. Möbel. Teilzahlung. Garisch. Lira» Inuetplok 1—2. Schleülchcr Bahnhof.• Musikinstrumente «iano, preiswert. dint. Srunnenürane 3b. ginviermaaier Z m Jedes Wort 12 Pf. 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