Nr. 7» ♦ 44.?ahrg. �usgads A Nr. ZH Bezugspreis. WZKentlich 70 Psenni». mouailiit k,- Acichsmarl voraxs»lchlbar. Ualer Arcujdand lür Deullchland, Dciuiia� Saa:- und äTicniElaebici. Oeltetzeidi. Litauen. Lurcmdui» 4L0 Zieichsmarl. für da« lldrw« »uzland d.N Zicichdlliark vro Monat. Der„Bormättä" mit der illustrier» ten Sonntasäbiilog«»Loll und Seit" iowie den Beilagen»Unlerbaltunq und Willen"»Aus der Kilmroelt". »Frauenstimme".Der Kinder- freund"..Juacnd-BorwSrts" und »Blick in die BUilieriuelt" erlcheint wochentäglicki zweimal. Sonnlag« und Montags einmal. Beleg ranim-Adresse: «SoziolSetuotral Berlin" Morgenansgabe Devlinev Volksl»lctit �10 pkk-nnig) Anzr'.'genpreise: Die« i n i v a I t i a e Nanbareille» iteile S0 Biennia. Rckla!»ei,ci'e 5— Zieickismarl..Klein« Slnseiflen* da« ieitaedruckle Wort Zö Brenn» tauISlna ilwci ieitacdruckic Worte». lebe« weiler» Dar! 12 Bicnnia. Stcllenaelucke das erste Wort 1b Plennia. irdes weitere Wort 1l> Biennia. Worte über Ib Bucki- stoben eäkilen kür>«el Worte. Slrbeitsmarit Keile blt Biennia. Famiiicnanaeiae» illr Abonnenle» Keile 4L Biennia. «nzelacn für die nächste Rümmer mllffen bis 4M! Ubr nachmiilaas im Bauviaeichäft. Berlin SW 68. Linden» stresteZ. adacaebcn werden. Gcöisnet von S:v Übe fvilb bis b Ubr nachm. Zentralorgan der Sozlaldemohratlfcben Partei Deutfcblands Reüaktion und Verlag: öerlin EW. HS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 293—297. Freitag, den 11. Februar 1987 Vorrvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin EW. HS,£tndcnflt.3 Poftscheckronto: Berlin 31 534- Banttont»: Baal der Arbeiter. Angeftelltc» und Beamten. Wallstr. 45: Distonto-Selclichalt. Depoiltentasi« Lindenftr. 3. heute Keuöell-Jnterpellation. Sozialdemokratisches Mißtranensvotum gegen den Reichsinnenminifter. Marx deckt Kendell. Die Relchstagssitzung wird heute pünktlich M2 Uhr beginnen. Ituf der Tagesardnunz steht die Interpellation der kommu- nisten über den Fall keudell. Die Reickisregierung hat sich endlich entschlossen, von der unwürdigen Absicht abzugehen, eine Erklärung über den Fall keudell abzugeben und eine Besprechung zu verhindern. Nach der Begründung der Interpellation wird Reichskanzler Dr. Marx namens der Reick,sregicrung die Znlcrpcllalion b e a n k- warten. An seine Erklärung wird sick) sofort die B e- sprechung der Interpellation anschließen. Die sozialdemokratische Reichstagssraklion hol beschlossen, ein Mihlraucnsvotum gegen von keudell einzubringen. Das Mißtrauensvotum wird in der Besprechung von Genossen Landsberg begründet werden. Herr Marx wird Herrn von keudell verleidigen. Die Regierung des Bürgerblocks wird heute elne parlamentarische Feldschlachl zu bestehen haben. Sie kämpft für den Sappisten und Olympiasrenod Kendell. Der erste Akt der Bürgerblockregierung— Bertcidigung eines Gegners der Republik! 4- Der Reichskanzler empfing am Donnerstag nachmittag den Vor- sitzenden der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Hermann Müller- Franken und den Abgeordneten Landsberg, um ihnen von dem Entschluß der Regierung, am Freitag die Jnter- pellation über den Fall Keudell doch noch zu beantworten. Kenntnis zu geben. Vorher Halle Dr. Marx eine„st r e n g vertrauliche� Vc- sprechung init den Führern der Regierungsparteien. Man kam hier überein, entgegen der anfänglichen Absicht, die Er- klärung der Reichsregierung zu der Angelegenhell nicht vor der Tagesordnung, sondern nach der Begründung der kommunistischen Interpellation abzugeben. Von der demokratischen Reichstogssroktion wird der Abgeordnete Freiherr o. R i ch t h o f e n das Wort nehmen. Am Frcllag um Uhr wird die Reichsregierung in einer Kabinettssitzung von der von dem Reichskanzler zu ver- lesenden Regierungserklärung über den Fall Keudell Kenntnis nehmen. die Aentrumsfraktion über wirth. Sic bedauert. Das Nachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverlcgcr teilt mit: Aus den Froktionssitzungen erfahren wir, daß der Vor- stand der Zentrum-jraktlon folgenden von ihm gefaßten Beschluß der Fraktion vorgelegt hat: „Unter Hinweis auf§ 8 der Richtlinien für die politische und parlamentarische Arbeit hat der Vorstand der Zentrumssraktion des Reichstags bedauert, daß Herr Dr. Wirth sich bei der Abstimmung vom 5. Februar von der Fraktion getrennt mit m i t Stein gestimmt hat.(Abstimmung über das Vertrauensvotum der Regierungsparteien.)' Die Zentrumsfraktion hat diesem Bescistuß des Vorstandes ein- -ft i m m i g zugestimmt. An der Fraktionssitzung des Zentrums hat der Abg. Dr. Wirth nicht teilgenommen. lltoch eine Zentrumsstimmc gegen die Regierung! Karlsruhe, 10. Februar.(Mtb.) Der bekannte badische Jen- trumsabgeordnete Adam Röder führt in einer Zuschrift an den „Bodischen Beobachter' aus, daß es ursprünglich seine Absicht gewesen sei, bei der Abstimmung über dos Vertrauensvotum für die neue Reichsregierung sich der Stimme zu enthalten, wenn ihn Krankhell nicht an der Abstimmung verhindert hätte. Er schließt:„wenn ich ober den Fall keudell im Reichskag erlebt hätte, würde Ich auch unbedingt mit Nein gestimmt haben.' Fort mit öieser Regierung! Die Stimme der Massen.— Glänzende Kundgebung im Sportpalast. Heute geht die Regierung des Bürgerblocks in ihre erste parlamentarische Fcldschlacht. Gestern hat das republikanische Berlin seine Stimme gegen den Besitzbürgerblock erhoben. Massenkundgebung der Sozialdemo- kratie imSportpalast! Kopf an Kopf in dem unge- heuren Räume, dichtgedrängte Massen in der Potsdamer Straße. Massenanmarsch. Einen ausführlichen Bericht über die glänzend verlaufene Kundgebung veröffentlichen wir in der Beilage. Feuriger Kampswille sprach aus den Reden— begeistertes Echo antwortete aus den Mosten. Die Sozialdemokratie sagt der Regierung des Besitz- bürgerblocks schärfsten Kampf an. Heute tritt diese Regie- rung zur ersten Schlacht vor den Reichstag. Der Ruf des republikanischen Berlins tönt ihr entgegen: Fort mit der Regierung des Besitzbürger- b l o ck s! Nieüeriage der Revolutionäre in Portugal. Tas Gcwerksehaftshaus geschloffen. Paris, 10. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Die porla- gicsische Gesandschast In Paris hat am Donnerstag einen amtlichen Bericht des portugiesischen Außenministers über die Vorgänge in Portugal der Ocifenllichkeit übergeben. 3n ihm wird seslgeskellt. daß die revolutionäre Bewegung in Lissabon ebenso wie in 0 p 0 r t o nach 40stündigem Kampfe endgültig niedergeschlagen worden ist. Die Ausstündischen haben— wie weiter versichert wird — sich den Regieruogslruppen bedingungslos ergeben. Ein Teil der Ausständischen hatte sich im Arsenal verschanzt und flüchtete aus mehrere im Tajo verankerte Dampfer, als der Kamps aussichtslos wurde. Ein Kreuzer, der durch sein Geschühseuer die Aus- ständischen krästig unterstützt hatte, wurde durch die Küslenbatlerien beschossen: er hißte schließlich die weiße Flagg«. Die Bemannung slüchleke auscinendeulschenDampfer.— Zn Oporlo haben sich— den gleichen amklichen Meldungen zufolge— die Ausständi- scheu am Donnerslog um 9 Uhr morgens ergeben. Der porlugiesische Innenminister hat»im Interesse der ossent- lichen Sicherheit' das Gewerkschaftshaus der portugiesischen Sozialisten auf unbestimmte Zeit schließen lassen. Zahlreiche Journalisten sitzen noch Im Gefängnis. Die Grenze wird scharf bewacht. um eine Flucht der Aufsländlschen nach Spanien zu verhindern. Eupen-Nalmeöp unü belgische Sozialiften. „Die Frage bleibt offen!" Brüstel. 10. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Unter der Ueber- schrist:„Die Frage bleibt offen" schreibt der sozialistische „P c u p l e' zu dem Brief der belgischen Minister an den Touver- neur von LüUich bezüglich der Volksabstimmung im Gebiet von Eupen-Molmcdy, die belgische» Blättern folgerten daraus, daß die Frage endgültig geregelt sei.„Wir wissen nicht,' erklärt der„Peuple",„ob das die Auffassung der Regierung ist: sicher aber ist, daß für uns Sozialisten die Frage offen bleibt. Wir wollen glauben, daß die belgische Regi.erung das im Friedensvertrag vor- geschriebene Versahren anwandte. Aber gerade auch in diesem Punkte verstößt eben der Friedensvertrag gegen den Grundsah des Selbstbestimmungsrechts, für das Belgien in den Krieg eintrat und dem es mehr als irgendeine andere Nation treu bleiben muß. Wir haben immer den Standpunkt vertreten, daß die Volksbefragung von 1919 20 in Eupen-Malmedy nicht ernst zu nehmen war. Das ist auch die Ileberzeugnng der Bevölkerung dort selbst, lind niemand kann sagen, daß die Volksabstimmung freier Ausdruck des Bolkswillens war. Darum weigern wir uns, die Lösung als on- widerruflich zu betrachten und behalten uns vor, die Aussprache hierüber im geeigneten Augenblick wieder zu er- öffnen.' §remöen!egionär Ktems zumToöe verurteilt Paris, 10. Februar.(WTV.) Wie Havas aus Casablanca meldet, ist von dem Kriegsgericht in Meknes der Deutsche K l e m s zum Tode und zur milllärischen Degradation verurteilt worden. Klems war als Deutscher zur Fremdenlegion gegangen, war dann zu Abb el Krim übergelaufen und hatte sich teil« mili- tärisch, teils propagandistisch für die Riskabylen betätigt. Er wurde dann, wie es scheint, durch List gefangengenommen. E« ist zu er- warten, daß die Reichsregierung sich für ihn, obwohl Fremden- legionär. einsetzen wird. Ausbau der Gewerbeaufsicht. Forderuttflen der Gewerkschaften an den Prensiische« Landtag. Für die Wirksamkeit der sozialpolitischen Schutzgesetze ist es von der entscheidenften Bedeutung, ob die mit ihrer lieber- wachung betrauten.staatlichen Organe dieser Ausgabe aus- reichend gewachsen find. Ohne eine aus- reichende Ueberwachung bleibt der Arbeitcrschutz im weite st Umfange unbeachtet. Aus dieser Erkenntnis entstanden in allen modernen In- dustricstaaten besondere staatliche Ueberwachungsorgane. In Deutschland sind ihre wichtigsten Träger die Gewerbeaufsichts- ämter. Ihre Fortbildung zu einer allgemeinen reichtsrechl- lichen Arbeitsaufstcht, die alle Zweige staatlicher Ueberwachung des gesamten Arbeitsschutzes zusammenfaßt, wird durch das Arbeitsschutzgesetz mit zur Entscheidung gestellt. Gegenwärtig und auch nach den Absichten des Regierungsentwurfs über ein Arbcitsfchutzgesetz ist die Organisation der Gewerbeaussickst und damit ihr Ausbau eine Aufgabe der Landes- gesctzgebung. Die> Gewerbeordnung beschränkt sich in ihrem 8 139b auf einige allgemeine Bestimmungen und überläßt die Regelung der Einzelheiten den Ländern. Diesen ob- liegt auch die Ordnung der Zuständigkeitsverhälkniste zwischen Gewerbeaufsicht und ordentlichen Polizeibehörden, die nach den Vorschriften der Gewerbeordnung ebenfalls den Arbeiter- und Angestelltenschutz zu überwachen haben. Den w i ch t i g st e n Fortschritt auf diesem Gebiete brachte die Verordnung der sozialdemokratischen Volksbeauftragten über die Regelung der Arbeitszeit der Angestellten vom 18. März 1919. Sie schuf die gesetzliche Grundlage für den Ausbau der Gewerbeaufsicht durch Ein- stellung von H a n d e l s a u f si ch t s b c a m t e n, die vornehmlich den Angestelltenschutz zu überwachen haben. Das gab den Anstoß zu weiteren Neuerungen im mittle- ren Gewerbeaufsichtsdienst. Fast alle Länder gingen in der Nachkriegszeit in höherem Maße dazu über, aus den Reihen der Arbeiter und Angestellten gc-, eignete Persönlichkeiten als Gewerbe- und Handelsaufsichts- beamte einzustellen. Sie sind für diese verantwortungsvolle Tätigkeit besonders befähigt, weil sie mit dem praktischen Ar- beitsleben ausreichend vertraut sind und auch wesentlich zur Förderung des Vertrauens der Arbeiter und Angestellten zur Gewerbeaufficht beitragen können. Aus den vorgenannten Gründen fordern die Gewerk- schatten seit Jahren einen weiteren Ausbau der Gewerbe- und Handelsaufsicht. Von besonderer Bedeuwng ist dieser Ausbau in Preußen, weil es sich um das größte Land mit den meisten revisionspflichtigen Betrieben handelt, die Zahl der Gewerbe- und Handelsaussichtsbeamten jedoch in keinem befriedigenden Verhältnis dazu steht. Das wird am stärksten durch den seit Jahren eingetretenen Rückgang der revidierten Betriebe beleuchtet. Bereits in der 74. Sitzung des Preußi- schen Landtages am 2. Ottober 1923 wurde ein Rückgang von SO auf 39 P r o z. festgestellt. Das Verhältnis märe noch schlechter bei einer Mitzählung der Werkstätten der Heim- arbester. Daraus geht also hervor, daß im Durchschnitt n u r jeder dritte revisionspflichtige Betrieb ein- inal im Jabre kontrolliert wird. Das sind ganz i'nhaltbare Zustände. Diese mangelhafte llebenvachung reizt förmlich zu einer Umgehung des Arbeitsschutzes. Die sozialdemokratische Landtagsfraktion hat aus diesem Grunde immer wieder bei den Beratungen des Haushalts der Handels- und Gewerbeverwaltung einen Aus- bau der Gewerbeaussicht gefordert. Diese Notwendigkeit ist auch von fast allen Parteien des Landtages anerkannt worden. Es fehlt bisher leider nur an der Verwirklichung dieser richti- gen Einsicht. Aus falsch verstandener Sparsamkeit sind immer wieder die notwendigen Maßnahmen verlagt worden. Was im Gewerbcaufsichisdienit..eingespart' wird, erschein: als hundertfache Belastung im volkswirtschaftlichen Budget durch den Raubbau an der lebendigen Arbeitskraft. Deshalb fordert das wohlverstandene Interesse des Slaaies, am richtigen Platze einzusparen, das heißt, durch Ausbau der Gewerbe- und Handelsaufsicht den Raubbau an der Arbeitskraft zu verhin- dern. Schaden verhüten ist immer billiger mie Schaden vergüten. Die Notwendigkeit eines solchen Ausbaues ergibt sich auch zwangsläufig aus dem Artikel 137 der Reichsverfassung, der bestimmt, daß die A r b e i t s k r a f t u n t e r d e m b e s o n- derenSchutze desReiches st cht. Dazu ist nicht zu- letzt die Gewerbe- und Handelsaufsicht berufen. Die kvmpli- zierten und vielseitigen Ausgaben bei der Durchführung und Ueberwachung des Arbeitsschutzes haben dazu geführt, daß die ordentlichen Polizeibehörden bei der Ueberwachung des Arbeitsschutzes �ast vollständig versagen. Das ist kein Wunder. Voraussetzung für eine sachgemäße Ueberwachung ist eine ge- naue Kenntnis der Sozialpolitik und des Arbeitsrechts, ein hinreichendes Ver>rautsein mit den Tarifverträgen, die ins- besondere für den Arbeitszeitschutz von ausschlaggebender Be- deutung sind. Dazu kommt die gerade für die Gegenwart wichtige Mitwirkung bei Betriebsstillegungen und als neueste Aufgabe die Einschaltung der Gewerbeaufsicht bei der Durch- sührung des Arbeitsbeschaffungsprogramms. Durch das Zu- sammenwirken der öffentlichen Arbeitsnachweise und der Ge- werbeaufsicht soll verhindert werden, daß Betriebe, die auf Grund des Arbeitsbeschaffungsprogramms Aufträge erhalten haben, die Erledigung der Aufträge durch Ueberftunden vor- nehmen lassen. Die Auffichtsämter sind den an sie gestellten Anforderun- gen bei der zu geringen Besetzung mit Ueberwachungs- beamten nicht in vollem Umfange gewachsen. Deshalb fordern die Gewerkschaften aller Richtungen in einer gemeinsamen Denkschrift an den Preußischen Landtag einen Ausbau der Gewerbe» und Handelsaufstcht, der es ermöglicht, mindestens einmal imIahre alle revisions- Pflichtigen Betriebe zu kontrollieren. Die neu einzustellenden mittleren Gewerbe- und Handelsaufsichts- beamten sind aus den Reihen der Arbeiter und Angestellten zu nehmen. Gleichzeitig fordern die Gewerkschaften eine bessere Bezahlung für diese verantwortungsvolle Tätigkeit und die Schaffung von Ausrückungsstellen als Gewerbe- und Handelsinspektoren. Andere Länder sind hier bereits mit einem guten Beispiel vorangegangen. Durch die inzwischen vom preußischen Kabinett verabschiedete Prüfungsordnung für den mittleren Gewerbeaufsichtsdienst sind die Voraussetzungen für eine Neuregelung der Besoldungsverhältnisse im Sinne der Gewerkschaftsforderungen gegeben. Der dem Landtage zugegangene Haushalt der Handels- und Gewerbeverwaltung für das Rechnungsjahr 1927 läßt das jedoch alles unberück- sichtigt. Es ist deshalb notwendig, daß bei den in den nächsten Tagen beginnenden Etatsbcratungen diese einmütigen Forde- rungon der Gewerkschaften in vollem Maße beriilksichtigt werden. wie üer tzerr... Fälschungen der Freunde V. Keudells. Herr v. Kendel l, der Verfassungsminister des Bürger- blocks, glaubte seine schwache Position durch Verdächtigungen des Kreistagsabgeordneten Genossen Sasse verbessern zu können. Der offene Brief des Genossen Sasse, der bis heute ohne Antwort geblieben ist, hat ihm oie unter Ehrenmännern nicht übliche Waffe aus der Hand geschlagen. � Die„Deutsche Zeitung", die dem Kabinett der „Staatserhaltenden" ablehnend gegenüberstand, solange Herr v. K e u d e l l nicht sein Treuhänder war, unternimmt nun- mehr einen letzten Rettungsversuch. Sie versucht, den Ber- fassungsminister hinter den Schatten eines anderen zu ver- stecken, indem sie schreibt' „Der Man», der zur Zeit des Kapp-Putschee dein damaligen Landrat v. Äeudell als Minifterialvorgefetzrer übergeordnet war und ihn so wahrscheinlich— ohne Untersuchung!— zunächst diszipliniert hat. um ihn freilich später wieder als Regie- rungsrat zu berufen, war der Staatssekretär Dr. Freund. Genosse Areund befindet sich heule noch in Amt und würden und republikanitschcr wacht, und doch hatte gerade er zu gern mittun wollen mit Herrn Kapp, der aber leider von Freund nichts wissen wollte. Worauf Herr Freund die Kapp-Tage in Kummer und Untätigkeit verbrachte! als aber sodann die Lage umschlug und nunmehr der Versuch zur Bildung einer linksradikalen Re- gicrung gemackft wurde(an Stelle der„verfassungsmäßigen" Regierung!), da ging Herr Freund a u ch z u i h r, und bat wiederum, doch aufgenommen zu werden... Jetzt aber, wie gesagt, ist Herr Freund wieder offizieller Verfassungsbeschützcr in Preußen; sein Weg hatte ihn von Kapp über den damaligen Unabhängigen B r e i t s ch e i d(und seine Genosse» Cohn und Däumig) zurückgeführt zu dem„verfassungsmächtigen" Herrn S e v-e r i n g." Es folgen dann Ausführungen, die tatsächlich im Jahre 1929 im„Vorwärts" gestanden haben. Nur verschweigt dos Blatt der„Oli)mpia"-Freunde, daß es sich um einen Korre- spondenzbericht über Vernehmungen in einem Disziplinarver- fahren handelt, das von Seoering gegen Staatssekretär Freund auf eine Denunziation von Kapp-Re- b e l l e n hin eröffnet worden war. Es ersetzt die entscheidende Stelle in dem Bericht, aus der sich bereits die Wahrscheinlich- keit der Unschuld Freunds ergab, durch Punkte. Es ver- schweigt weiter, daß der A b s ch l u ß des Verfahrens die Un- schuld Freunds b e ft ä t i g t e. In dem Beschluß, der die Ein- stellung des Verfahrens verfügte, heißt es, wie einige Tage später im„Vrowärts" festgestellt wurde, wörtlich: 1. daß die neuen Machthaber von vornherein auf die Dienste Dr. Freunds verzichteten und ihm dadurch gar keine Möglichkeit gelassen hatten, seine Dienste ausdrücklich anzu- bieten, L. daß Dr. Freund die Legilimokion der neuen Machthaber ausdrücklich in Zweifel gezogen und Z. feine Dienste unter dem Protest eingestellt hat, daß er lediglich der Gewalt welche. Die Darstellung, die sich die„Deutsche Ziehing" erlaubt, ist also eine Fälschung von beispielloser Frech- h e i t. Mit welchem Leichtsinn das Blatt vorgeht, ergibt sich aus der Tatsache, daß Freund, den es noch als in Amt und Würden bezeichnet, fchonvordreiIahrengestorben ist und daß er nicht„Genosse", sondern Demokrat war. Die Eideshelser des Herrn v. Keudell sind seiner Sache wert! Reichskanzler Marx ist um die Freunde nicht zu be- neiden, die ihm ihre Dienste in seinem Kampf um Keudell aufdrängen. deutschnationale öefehle an öas Zentrum. Die deutschnationalc Presse fordert vom Reichskanzler, daß er offen für Herrn vonKeudell gegen die Opposition Partei nehme. Sie fordert in gebieterischem Tone. Man liest in der„Deutschen Tageszeitung": „Wir sind der Meinung, daß die Situation nachgerade mit größter Beschleunigung zum Abschluß drängt und daß dabei vor allen Dingen auch in erheblichem Umfang das A n- sehen und die Autorität der Reichsregierung als solcher auf dem Spiel steht. Wir sind aber weiter der Meinung, daß es schließlich auch gewisse Pflichten der Loyalität von Koalitionspartcien untereinander gibt, und uns scheint die Gefahr unmittelbar und dringend, daß die da gezogenen Grenzen durch weiteres Zuwarten überschritten werden. Man könnte es de» Deutschnationalen kaum übelnehmen, wenn ihnen all- mählich der Geduldsfaden risse, nachdem sie an Loyalität und ruhiger Zurückhaltung wahrlich das Menschenmögliche geleistet haben. Sie haben keinerlei Veranlassung, sich länger eine Situation gefallen zu lassen, die von ihren Gegnern so ausgelegt wird, a l s befänden sie sich sozusagen in politischer Ouaran- töne. Sie haben mit den übrigen Koalitionsparteien in loyaler Zusammenarbeit die Grundlagen der neuen Regierung vereinbart, sie sind sich Nor bemußt und selbstverständlich ihre Minister auch. welche Verpflichtungen ihnen daraus erwachsen, sie sind bereit, diese Verpflichtungen innezuhalten: und damit ist es nun aber auch g e n u g." Die Deutschnationalen empfinden die politische Ouaran- töne hart. Gegen Einschleppung der Pest ist immer Ouaran- täne nötig. Herr von Keudell, den sie herausgestellt haben, ist der Beweis dafür, daß der Bazillus der Kapp-Pest noch immer spukt. Die ,K r c u z- Z e i t u n g" befiehlt dem Zentrum, Herrn W i r t h abzuschütteln: „Das Zentrum muß jetzt auf Klärung des Verhältnisses drängen. Denn es geht, nicht allein vom Stand punkt der Parteidisziplin, nicht an. daß sich führende Parteimitglieder gegen die Koalition in der schärssten Weise wenden, die die Partei in ihrer Gesamtheit eingegangen ist." Befehl: Herr Marx hat Herrn von Keudell zu decken. Zweiter Befehl: Herr Marx hat Herrn W i r t h hinauszusetzen. Man kann nicht klarer die Front zeigen, in der Herr Marx heute steht. Der Mörüer Schroüer. Soll die Todesstrafe vollstreckt werden? In den allernächsten Tagen wird das preußisch« Staatsnümste- rium' zu entscheiden haben, ob der Magdeburger Mörder Schröder hingerichtet werden soll oder nicht. Seine Persönlich keit und Tat haben die breite deutsche Oessentlichkeit in Verbindung mit dem Magdeburger Iustizskandal Kölling- ten Holt aufs intensivste beschäftigt. Nachdem Schröder wegen des hinter- hältigen Mordes an dem Buchhalter Helling verhastet worden war, hatte er auf die raffinierteste Weis« den Verdacht von sich aus den Fabrikanten Haas zu lenken versucht— ganz so, wie die Unter- suchungsbchörden es von ihm wünschten. Durch die Rolle, die dem Schröder von Kölling und ten Holl gewissermaßen aufgezwungen worden war, hatte sein ganz gewöhnlicher Raubmord eine Bedeutung erhalten, die ihm sonst nicht zugekommen wäre. Die so- zialdemokratische Presse hat seinerzeit das Zusammenspiel Köllings. ten Holls und Schröders gebrandmarkt und sich auch in bezug auf die Persönlichkeit Schröders keine Reserve auferlegt. Nun, da es kurz vor der Entscheidung steht, ob die Todesstrafe an Schröder vollstreckt werden soll oder nicht, hallen wir es für notwendig, gegen ihre Vollstreckung, aus prinzipieller Gegnerschast gegen dieses Straf- millel, ernst« Bedenken zu erheben. Es handelt sich hier nicht um die Person des Schröder, die zwar unsympathisch genug Yt, aber letzten Endes nicht schlimmer sein wird, als manche andere seines- gleichen. Es handelt sich um die Selbstachtung, die die demokratische Staatsordnung sich schuldet. Sie bedarf nicht der Todesstrafe im Kampf mit dem Verbrechertum. Kritik am Junkers�vertrafl. Tie Auskünfte der Regierung ungenügend'. Der Haushalt sausschuß des Reichstags setzte am Don- nerstag die Beratung des Falles Junkers und das damit in Beziehung stehende Etotskapitel.Luft- und Kraftfahrwesen" fort. Auf die in der vorigen Sitzung von den Abgg. Slückleu und Dr. Hertz(Soz.) gestellten Fragen erwiderte der BerkeHrsminister Dr. koch, daß die Gesamtverluste des Reiches 28,7 Millionen Mari betragen. während die Verlust« aus der Beteiligung an der Junkers-A.-G. allein 18 Millionen Mark seien. Eine nach kaufmännischen Gesichts- punkten aufgestellte Verlustrechnung ergibt einen Verlust von 17 löl) 000 Mark. Der kommunistische Redner Dr. Rosenberg schloß sich der sozialdemokratischen Kritik an. Auch von verschiedenen bürgerlichen Rednern wurden die Auskünfte der Regierung wegen der Beteiligung des Reiches an dem Russengelchäft von Junkers für ungenügend erklärt; ebenso wurde Rechenschaft wegen der Hergabe der ersten 10 Millionen Mark verlangt. Die weitere Aussprache bezog sich auf Fragen der a l l g e- meinenVerkehrspolitik. Abg. Schumann-Frantfurt(Soz.) empfahl zur Arbeitsbeschaffung den Ausbau möglichst zahlreicher Automobilsrroßen. Der Straßenbau habe vom Standpunkt der produktiven Erroerbslosenfürsorge gegenüber dem Kanalbau den Vorzug, daß er eine bedeutend größer« Zahl von Arbeitskräften benötigt._ Sarmat und die Reichspoft. Mitteilungen in» VcrwaltnngSrat. In der gestrigen Sitzung des Berwaltungsrats der Deut- fchen Reichspost wurden Mitteilungen über den Stand der Barmatongelegenheit gemacht. Die Reichspost bezifferte ihren Gesamtverlust aus 18 485 000 Mark. Eine Deckung für diesen Verlust ist insofern vorhanden, daß durch Kursgewinn der von der Deutschen Reichspost seinerzeit gekaufte» Goldpfandbriese e,n Gewinn von 20 Millionen Reichsmart erziell worden ist. Bom Reichspostminister wurde zugesagt, den Mitgliedern des Verwoltungs- rats eine ausführliche Denkschrift über die Angelegenheit zugehen zu lassen. Der polnische Sozialist Abg. holufka, Mitglied des Minder- heitenausschusses bei der Regierung, hat die Leitung der Ostabteilung im Außenministerium übernommen und soll vor allem die Ost- Minderheitsvölkerfrage der Lösung näherbringen. Wie hat es Ihnen in Deutfthlanö gefallen! Von Erich Gottgetreu. Mauchinal konnte einem in den letzten Jahre» um die deutsch- französische Verständigung, soweit sie mehr sein soll als bloße Kriegs- Vermeidung, richtig bange werde». In Frankreich, wenn sich Ratio- nalisten sonden, die wußten, daß man jenseits des Rheins gar keinen anderen Gedanken hege als den der„Revanche". In Deutschland, wenn sich just die mit der lautesten Stimme für das Friedenswerk an der Bankettafel interessierten, nur an der Bankettasel! Und dann jene intellektuellen Reisenden, denen die großen Zeitungen Geld und die kleinen Leute Bertrauen entgegenbringen! Die Franzosen hatte» ihren Beraub, die Deutschen ihren Eulenberg— sie haben einander nichts vorzuwersen. Trotzdem: Die journalistische Studiensohrt, sie ist eine ver- dämmt wichtige Sache und sie sei gepriesen, wenn sie etwas taugt— aber das genügt eben noch nicht. Der einzeln« soll selber sehen. Auch der. der nicht gleich seine Eindrücke zu Zeitungsartikeln und Büchern verarbeitet. Um die jungen Menschen aber soll man sich vor ollem kümmern. Junge Menschen müssen reisen. Junge Men- schen der ehemals feindlichen Staaten müssen ausgetauscht werden. Es geschieht auch schon. In Berlin sitzt Madame Leroi, in Paris wirken Madame Rene Dubost und Monsieur Bourgerie, und was diese Leute tun, verdient — nein, statt der goldenen, aber rasch bestaubten Litern, wünscht man ihnen eine noch viel größere Festigkeit der Brücke des Ber- stehen?, die sie schlagen helfen. Die Arbeit dieses„Eomitö d'Echange Interscolaire" ist nicht einfach: Der Franzose reist nicht gern sehr weit— der Deutsche reist leidenschaftlich gern, macht aber seine Beob- achtungen oft recht oberflächlich. Das ist für Frankreich besonders gefährlich, weil dort bei der kürzlich von Paul Morand getadelten sehr großen Reserviercheit des Volkes die Schwierigkeiten größer sind als woanders. Ungefähr achtzig junge Deutsche und achtzig junge Franzosen, säst nur Schüler mrd Studenten, wurden also Wohnung gegen Wohnung. Kost gegen Kost usw. in der zweiten Hälfte des Jahres 1926 ausgetauscht: die gegenseitigen Einladungen waren naturgemäß von pacifistisch eingestellten Familten ausgegangen. Einigen gefiel es so gut bei den anderen, daß sie vorläusig noch gar nicht.gn die Rückkehr denken. Für die meisten handelt« es sich um einen Ferien- oufenthalt. Was nun die Deutschen glauben über ihre Erlebnisse und Empfindungen sagen zu können, ist in Berlin gesammelt war- den: das soll alles sehr positiv klingen. Aber was sagen die Fron- zosen über Deutschland? Umfrage! Hier ist in kurzem, ober charakte- nsttschen Auszug das Ergebnis: I e a n n e M a ch i n aus Paris war in Pyrmont; Ich bin von meinem Aufenthall in Deutschland, von dem ich durch mehrere Reisen— Ich verdiente mir Geld durch Stundengeben— schon ziemlich viel kenne, entzückt. Ich studier« jetzt bis auf weiteres an der Berliner Universität— wie man mir sagt, als erste französische Studentin nach dem Kriege. Auch in diesem Milieu habe ich wegen meiner Rationalität niemals Schwierigkeiten gehabt. P. Bernheim aus Paris war in Frankfurt a. M.: Ich fühlte mich sehr wohl und spürte niemals irgendwelchen Abstand aus Grund meiner französischen Nationalität, muh Ihnen indessen sagen, daß die Deutschen einen Auswusch scheinbar nicht als Mög- lichkeit der Annäherung der Völker oder als Gelegenheit, die Sprache der anderen kennen zu lernen betrachten, sondern nur(wenigstens bei den Persönlichkeiten, die ich besucht habe) als ein Mlltel, auf bequeme Weise Paris kennen zu lernen. Die junge Deutsche, die bei meinen Cllern war, hat ihr Heim überhaupt nur als Hotel betrachtet. L. Gu 6 r a r d aus Eherbourg war in Kassel: Mit meinem Aufenchalt bei Madame F., einer bekannten deutschen Künstlerin, war ich sehr zufrieden. Man war außerordentlich liebenswürdig zu mir, und ich habe überhaupt dies beobachten können: Einzeln oder in kleinen Gruppen sind die Deutschen sehr angenehm, ober die Kollektivität... Kassel ist«ine sehr schöne und saubere Stadt. Frankreich kann in dieser Beziehung überhaupt viel von den Deut- schen lernen: man kennt auf den Straßen Papierkörbe, sichtbare Briefkästen, schöne Feuermelder. Der Deutsche hat einen weiten Blick für das, was seinen Städten mittut. Daniel Colomb aus Royon war in Berlin: Während meines Aufenthalts in Berlin wurde ich nicht ein einziges Mal be- leidigt, spürte ich niemals irgendwelchen Haß. Ohne mir schmeicheln zu wollen, muß ich gestehen, daß ich geradezu gesucht war und junge Leute meines Allers sich freuten, wenn sie mir Gesellschaft leisten konnten---- Und so hatte ich also Gelegenheit, die Sentiments eines Volkes kennen zu lernen, das wir feit, ich weiß nicht wie lange schon, hassen. Ich war bewegt, als ich meine Gastgeber verließ und mein Skeptizismus in bezug auf die Deutschen hat sich in wahrhaft tiefe Freundschaft gewandelt. Pros. Gabriel Gorbon aus Rethel war in Berlin: Ueberall, selbst bei den Nationalisten, ist man gespannt, Fakta aus dem heutigen Frankreich zu erfahren. Ich kam in jedes Milieu hin- ein, nach ganz rechts und nach ganz links, aber nirgends wurde ich beleidigt oder gar angegriffen. Der Eindruck, den ich als Franzose in Deutschland gewann, war so gut, daß ich wahrscheinlich dorthin zurückkehren werde, zumal es für einen französischen Ilitellettuellen heute kaum ein interessanteres Studiengebiet gibt. Meine Ueber- zeugung von der Möglichkeit einer deutsch-fronzösischen Verständl- gung habe ich in 45 Zeitungsartikeln niedergelegt. Außerdem gab ich einen kurzen entsprechenden Bericht an den Ouai d'Orsay: Mon- sieur Briand hat kürzlich aus ihn Bezug genommen. I. P. M a n o r t aus Bordeaux war in Mannheim: Meine Zuneigung zu meinen Gastgebern war so groß, daß mir die Tränen kamen, als es ans Abschiednehmene ging. Begreiflich, daß ich die Absicht habe, nächstes Jahr wieder nach Deutschland zurückzukehren. Rur einer kam nicht zurück: Henry Leger aus Gondrecourt. Er war in Chemnitz, wurde dort krank und starb. Bei der für die hinzugekommene Muller. zum Teil französisch abgehaltenen Trauerfeier, die man vor der tristen Heimfahrt des Zwanzigjährigen veranstaltete, war auf einem Kranz die Inschrift zu lesen:„A Icur arni franxais scs arnis allem ancis". Das war wohl mehr als eine höfliche Geste, wie der Empfang, den die jungen Franzosen in Frankreich fanden, mehr ist als Korrektheit. Beide Völker wollen den Frieid». Tauscht eure Kinder aus! Peslalozzi-Ausslcllung. Im Zmiralinststut für Erziehung und Unterricht zeigt die Deutsche Lehrerbücherei des Berliner Lehrer- vereins eine Pestalozzi-Ausstelluiig aus ihrer reichhaltigen Pestalozzi- Sammlung. Porträts und Handschriften des großen Pädagogen werden neben Abbildungen von Pestalozzi-Stätten. Handschriften seiner Freunde und Mitarbeiter und einer rcichhalligen Pestalozzi- Literatur gezeigt. Bon den Pestalozzi-Bildern ist das interesianleste das von Schöner, das wohl den meisten anderen Zeichnern als Vorbild gedient hat Dazu hat man fast alle Wirkungsställen Pesta- lozzis im Bilde, teils noch allen Stichen und Zeichnungen, teils gegen Ende des vorigen Jahrhunderts Photographie�. Bilder von Lo'dmer und Breitingcr. Lavater. Fröbel, Zschokke und zahlreichen anderen zeigen Pestolozzis Lehrer, Freund« und Förderer seines Gedankens. Von allen diesen sind auch zahlreiche Handschriften vorhanden, leider in sehr hohen Glastsschen. die gegen die Wand gestellt sind, so daß die Manuskripte in der zweiten Reihe kaum zu erkennen sind Jntsr- essant auch für den Richtgraphologen ist ein Vergleich der Hand- schristen Pestalozzis und Fröbels. Fröbel cht der Korrekte, der die Gedanken des genialen Pestalozzi ausführt, und so zeigt sich seine Schrift reinlich und korrekt gegen die krause, schwer lesba'-e Pestalozzis, die doch ein fast kunstlensthes Schristbiid gibt Von Pestalozzis Schriften find neben einem umfangreichen Manuskript, einer Um- arbeitung des Buches.Wie Gertrud ihre Kinder lehrt", ander« Ueinerer Schriften und vor allem eine ganze Anzahl von Briefen ausgestellt. Wes in allem eine sehenswert- Pestalozzi-Sammlung. die nur in chrer Plazierung noch mehr auf eine wirklich« Besicht,- gung eingestellt werden sollte. Tes- Berliner Salllplele der Bübnengenassen'chast. Dienstag, IS. FeSruar- beginnt die McnohcnlÄalt deutscher Bühilenangegöriaci.- mii den auS ReilbS- wilteln suianzierten Gagsjnelcn der erwerbSloien Schau'Pielerschast. Zur Anssübruna gelangen HauvimannS.Weber-, in Szene gcjetzi von Erwin ViScator. die in wlgenden zehn Sälen ilaiifinden: Dienstag, 15. Febr., Vracktiäle am Marchenbrilnnen, Friedrichsbain 22/32: Milliooch, 16. Febr.. Böbmiiche» BrackbauS, Landsberger Allee 12: Montag, 2l. Febr.. Andreas. seftiäle, Andreasitr. 21: Dienstag, 22. Febr.. Orvhcmn. Halenheide 32/38; Mittwoch. 28. Febr., Tegeler Vereinsbaus, Tegel. Sauvtstr.«: DonnerSiag. 21. Febr.. Saalbau der Hochichulbrauerei.«mrümer Str. 11: Freitag, 25. Febr.. Prachtsale Treptow. Am Treptower Bark 25: Dienstag. I.Mär,. LinderS KonzerthauS, Pankow, Breite Str. 34; Sonntag, 6. Mär,. Stadt- balle Wciizeniee. PistormSsliake; Dienstag. 8. März. Schlolzbraitcrci Schöne berg, Hauplstratze.— Der Euilrtttspreis beträft auf allen Plärcn 80 PI«. Ami'iche Führungen finden Sonntag 10 btS 11 V, Ubr vorm. im Neuen Museum lAegypien unter dem Ramesfidenl und im Kaijer-Fl tedrüh-Mus eum (Porträts der tlalieuischen Renaissance) statt. Die Reichsbahn verteidigt sich. ..Neue" Aufträge.— Keine Thefaurieruug! Die Reichsbahn, gegen deren Arbeitsbeschaffungspalitik bereits im gestrigen Morgenblatt dos Erforderliche gesagt wurde, rieröffent- licht jetzt zwei weitere Artikel, in denen einericits für dos Jahr 1927 neue Reichsbahnausträge im Gesamtwert von über 1,6 Milliarden Mark angekündigt werden, anderer- seits ein Versuch gemacht wird, die Thesaurierungspolitik zu rechtfertigen. Auch diese Erklärungen können nicht befriedigen. Die 1,6 Mil- liardcn bedeuten nicht etwa zusätzliche Aufträge, denn in ihnen sind auch typische Betriebskosten(so V* Milliarde für Kohl«) mit ein- begriffen. Das Beschaffungsprogramm übersteigt das vorjährige nur um etwa 7 Proz., es kann also die Sünden des Vorjahres keineswegs gut machen. Anfang April 1926, als weder der Gold- regen des englischen Bergarbeiterstreits, noch die Arbeits- beschaffungsmillionen in Aussicht standen, wurde mitgeteilt, daß für die Gleiserneuerung(die in nonnalen Zeiten jährlich fast 5% Prozent des Gesamtgleises umfaßte und in den Kriegs- und Nach- kriegsjahron auf 2i& Proz. gesunken war) ein unaufgearbeiteter, enieuerungsbedürftiger Bestand von 9606 Kilometer vorlag, chier wäre Spielraum für Arbeiten mit einem Gesamtaufwand von 400 Millionen Mark gegeben gewesen. In Wirklichkeit Hot man aber — im Arbeitslosenjahr 19261— nach Angabe des Arbeitsminifteri- ums etwa ein Zwanzigstel, nach Angabe des Eisenbahnkommissars vielleicht ein Zehntel erneuert. Statt der verlangten Vorwegnahme künftiger Arbeiten zum Zwecke des Konjunkturausgleichs haben wir es also mit einem Fortschleppen der Mängel der Vergangenheit zu tun. Mit den anderen Bauarbeiten steht es nicht besser. Allein für die Verstärkung der Bogen und Pfeiler der Berliner Stadtbahn sollten 100 Millionen, für Verstärkung eiserner Brücken 200 Mil- lionen, für die Ausbesserung der restlichen Sachschäden im besetzten Gebiet 20 Millionen ausgegeben werden. Es sst ohne weiteres an- zunehmen, daß mit den 37ö Millionen, die die Reichsbahn im ver- gangcnen Jahre auf das Kapitaltonto geschrieben hat. die wirklichen baulichen Mängel, Spuren der zehnjährigen Verlotterung des Ver- kehrsapparatcs, keineswegs aus der Welt geschafft worden sind. In einer weiteren Erklärung gibt die Reichsbahn zu, daß sie in das Jahr 1927 mit einem erheblichen Barbe st and von rund 600 Millionen eingetreten ist. Davon müßten aber 204 Mill. (2 Proz. der bisherigen Betriebseinnahmen) dem gesetzlichen Re- scrvcfonds gutgeschrieben werden, 36 Mill. beanspruche die Ver- zinsung der Vorzugsaktien, während die Betriebsbarreseroe auf 163 Millionen zu bemessen sei. So verbleiben.nuii" 200 Mil. lionen als eigentliche Zkassenreserve, die für die kommenden ver- kehrsannen Monat« und für notwendige Bauten bereitgehalten werden müßten. Um sich gegen„finanzielle Stoße* zu rüsten, müsse man also auch diese 200 Millionen zurücklegen. Das Ist also die Form, In der die Reichsbahn, wie sie am Beginn ihres Kommunl- guees sagt,.ihre Gelder der Wirtschaft dienstbar zu machen* bestrebt ist' Ist aber diese Finanzpolitik wirtschaftlich die einzig mögliche? Es steht fest, daß die Reichsbahn das Geschäftsjahr 1926 bereits mit über 300 ZRillionen liquides Geld begonnen hat. wovon ISO für „Bstriebsrechtsabschreibung und Verlustgefahr* zurückgestellt waren, während der Rest die Barreserve bildete. Demnach müßte der liquide Ueberschuß des abgelaufenen Jahres noch 300 Millionen enthalten, worin bereits ISO Millionen Erlös aus dem Verkauf der Dorzugs- aktien im Sommer enthalten sind. Da die Reparationsverpflichtung des Jahres bereits im November mehr als gedeckt war, und im Monat Dezember der Güterverkehr nicht wesentlich zurückgegangen war, so könnte die Rechnung ungefähr aufgehen, wenn man nicht die 130 Millionen, die im Vorjahr als gesetzliche Reserve zurück- gestellt waren, noch hinzufügen müßte. Dabei wird aber voraus- gesetzt, daß die über 250 Millionen Reichsgelder, die z. T. zu be- sonders niedrigen Zinsen zur Verfügung gestellt waren, sich mst der Summe der Aufträge decken. Nimmt man aber das alles an, und ist man vorsichtshalber damit einverstanden, die Kassenreferoe auf etwa 150 Millionen zu stellen(obgleich die wichtigsten periodischen Barzahlungen, nämlich die Löhne, einen geringen Bruchteil dieser Summe bilden), so bleiut doch bestehen, daß alles, was über 400 Millionen Mark hln-n 5gcht. Thesaurierung ist. Daß übrigens auch dann der Reichsbahn die Möglichkeit offen steht, im Notfall« an den Kredit der Reichsbant im Sinne des Reichsbvnkgefetzes zu appellieren(er kann für Bahn und Post zusammen bis zu 200 Mil- lionen Mark reichen) ist ein weiterer Grund, daß sich die Oeffenttichteit gegen die v o l t s w i r t s ch a f tli ch schädlich« Thesaurierungspolitik der Reichsbahn wehrt. Es ist also volkswirtschaftlich berechtigt, von der Eisenbahn eine energischere Verwendung ihrer flüssigen Mittel zu verlangen. Die Oeffentlichkeit kann es nicht dulden, daß das Geld dieses öffentlichen Unternehmens in das Reservoir ihres halb privaten Bankanhängsels, der Verkehrskreditbank(an deren Kapital die Privatkapitalistcn zwar nur mit 25 Proz. be- teiligt sind, dafür aber% der Aufsichtsratssitze haben) fließt und von dort aus die unproduktive Spekulation befruchtet. Satire gegen Marine. ..Ha»nburg"-Offizierc mit den FUmsterncn. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte fand gestern der Prozeß gegen den ftüheren verantwortlichen Redakteur des„Montag- Morgen*. Carl von Ossietzki. und den Schriftsteller Erich W e i n e r t wegen angeblicher Beleidigung der Offiziere und Mann- ichoft der Marine statt. Gegenstand der Anklage bildet ein Gedicht Erich Weinerts: „Kreuzer Hamburg*, das am 19. Juli v. I. erschienen ist. In diesem Gedicht stand»irter anderem zu lesen:.Wir sahen täglich illustriert mit Syphon und Konkubine und großen Schlagzeilen dekoriert— unsere Marine* Der Chef der Marine, Admiral Zenker. war als Zeuge geladen, aber nicht erschienen. Seine Abwesenheit bat er durch„wichtige Geschäfte* zu entschuldigen! An seiner Stelle ist der Referent für die Berichte vom Kreuzer �Hamburg*. Leutnant LahnÄ>orf, erschienen. Erich Weinert erklärte, das Gedicht fei in Verbindung mit den Bieroertäufen durch.„Hamburg*-Leute und mit gewissen Geschehnissen in Hollywood entstanden. Es bedeute nici'ts anderes als«ine dichterische Impression in satirischer Form. De., Anlaß zu ihm haben u. a. Wbildimgen in der„Frankfurter Illustrierten Zeitung* gegeben, auf denen der Kommandant des Kreuzers „Hamburg* mit einer Filmdiva auf dem Arm und' Offizier« in Gesellschaft einer ganzen Reihe von Filmstars in eigen- artigem Aufzug zu sehen waren. Auch der Brief, der im„Vor- wäris* abgedruckt war und«ine Beschimpfung der Reichsfarben durch Offiziere schilderte, habe ihn zu den, Gedicht angeregt. Das Wort 51onkubine sollte nur besagen, daß es sich bei den Ossizieren um flüchtige Bekanntschaften gehandelt habe und außer- dem reime es sich auch vorzüglich aus Marine. Kapitänleutncnt Lahnsdorf erklärt als Zeuge, daß das Bc- trogen der Mannschaften und Offiziere im Ausland« stets der Würde der deutscheu Marin« angemessen gewesen sei. Ja Hollywood seien Ehma-vebatte Angriff der Arbeiterpartei. London. 10. Februar.(WTB.) Die heutige große China- dcbatte im Unterhaus wurde von dem Arbeitermitglied Trevelyan eingeleitet, der den bereits gemeldeten offiziellen Abänderungs- antrag der Opposition ernbrachte. Er kritisierte eingehend die gesamte britische Polillk in China in der Vergangenheit und sagte, die Opposition wolle nicht, daß Großbritannien ipit Rußland streite, weil'Rußland eine fortschrittliche Politik in China unterstütze, zu deren Gunsten sich Großbritannien selbst erklärt habe. Die Nasion könne nicht zwei Spiele aus einmal spielen. Mst der Entsendung der britischen Truppen sei alles ins Chaos zurückgeworfen worden. Regierungen, die lich selbst achteten, unterzeichneten nicht Verträge, während ihnen die' g e- panzerte Faust ins Gesicht gehalten würde. Trevelyan fragte, ob irgendein Versuch gemacht worden sei, um eine G a r a n- ti« von der Kantonregierung bezügllch der englischen Untertanen in Schanghai zu erholten. Er sagte, die Lag« der britischen Untertanen in anderen Teilen Chinas werde durch die Entsendung der britischen Truppen nach Schanghai verschlimmert werden, well die Truppen die Empörung des chinesischen Voltes vermehren würden. Die Truppenentfendung habe es für Chamber- lain unmöglich gemacht, Erfolg zu haben, wenn er nicht seinen Beschluß zurückziehe. Chamberlaia. der sich hierauf, von, Beifall der Regierungsseite begrüßt, erhob, sagte, es sei klar, daß, während Trevelyan vielleicht für die Bänke der Arbeiterpartei spreche, er kaum für die gesprochen haben könne, die auf der vordersten Arbesterbank neben ihm(Trevelyan) sitzen, denn seine Hallung sei von derjenigen verschieden, die von Thomas und Macdonald in ihren Reden ein- genommen worden sei. Seiner Ansicht nach seien Macdonald und er(Chamberlain), die für die Regierung stimmten, nicht weit auseinander mit Bezug auf die Polittk, die sie zu befolgen wünschten. Trevelyan habe heute«ine Sprache geführt, die seine (Ehamberlains) Aufgabe nicht leichter machen würde und nicht zweimal je hundert Leute zu Besuch eingeladen morden. Auch habe ein Picknick zu Ehren der Mannschasten stattgefunden, und Frau L u b i t s ch habe die Seekadetten und auch einmal die O f s i- ziere besonders zu sich«ingeladen. In San Franzislo sei nichts Anstößiges vorgekommen, und auch die Zeitungsnotizen haben sich über die deutschen Seeleute sehr sympathisch geäußert. Was den Aufenthalt bei Los Angeles betrifft, so müsse bemerkt werden, daß die Kriegsschiffe exterritorial seien und daß selb st ver st änd- l i ch bei Ausübung der Gastfreundschaft alkoholische Ge- tränke vorgesetzt worden seien. Es Hab« aber ein strenges Ver- bot bestanden, Spirituosen an Amerikaner zu verkaufen. Trotzdem sei ein Fall vorgekommen, daß der Offizierssteward sich von zwei Amerikanern habe verleiten lassen, ihnen zwei Flaschen Bier für je einen Dollar zu verkaufen. Er habe dafür eine strenge Be- strafung erhalten. Die Amerikaner seien aber Spitzel der Prohibi- tionsbehörde gewesen. Staatsanwalt Kirschner erachtet den Tatbestand der Beleidigung als gegeben. Ein an und für sich unbedeutendes Vorkommnis sei ungebührlich aufgebauscht worden. Die Marin« sei dadurch in der Achtung des Auslandes herabgewürdigt. Die Angeklagten seien deshalb mit je 600 M. Geldstraf« zu bestrafen. Nach längerer Beratung verurteille das Schöffengericht dem Antrage des Staatsanwalls entsprechend die Angeklagten wegen öffentlicher Beleidigung zu einer Geldstrafe von je 500 M. In der Begründung heißt es, daß die Beweisaufnahme nicht den geringsten Beweis für die Richtigkeit des Vorwurfs ergeben Hab«, daß sich die deutsche Marine im Auslande zum Nachteile des Vater- landes aufgeführt habe. Die Crwerbslofenverftcherung. Ausschuftbeschlüssc über den Kreis der Berstcherten. Der sozialpolitische Ausschuß des Reichstags begann gestern die Spezialberatung des Gesetzentwurfs über die Erwerbs- lojenversicherung mit dem Kreise der Versicherungspflichtigen. Die Debatte zeigte, welche großen Probleme dieses Gesetz zur Lösung enthält. So sieht der Z 34 des Gesetzentwurfes vor, daß versicherungspflichtig lediglich die auf Grund der Reichs- oersicherungsordnung und des Reichsknappsckasts- qesetzes gegen Krankheit Pflichtversicherten, sowie die auf Grund des Ange st eilten Versicherungsgesetzes Pjlicht- versicherten und die Schiffsbesatzung von deutschen Seefahr- zeugen sein sollen. Die sozialdemokratische Fraktion hatte den Antrag gestellt, diesen Kreis zu erweitern durch Einschluß derjenigen kleinen Küstenfischcr, die zwar nicht Arbeitnehmer im obigen Sinne sind, aber sozial mit ihnen vollkommen aus der gleichen Stufe stehen. Dieser Antrag wurde von der Genossin Schroeder begründet, indem sie an Hand von Beispielen aus ihrem Wahlkreise Schleswig-Holstein nachwies, wie die kleinen K ü st e n f i s ch e r, die sogenannten Partenfischer, vollkomm en proletarisiert sind, ja häufig schlimmer daran sind wie Arbeiter. Dieter Persoyen- kreis ist bisher in die Erwerbslosensürsorg« nicht eingeschlossen gewesen. Sie sind dadurch auch durch die Arbeitsnachweise nicht ersaßt und sind infolgedessen in den Machkriegsjahren vollkommen verelendet. Es sind ganze Fischergemeinden, die von diesem Schick- sal betroffen wurden und die deshalb auch gar nicht in der Lage sind, auf dem Wege der Wohlfahrtspflege den Leuten zu Helsen. Die K o m m u n i st e n wolllen durch einen Antrag«ine frei- willige Versicherung für diese Leute, aber ebenso für die übritzen ielbständigen Schichte» schassen. Genosse hoch wies nach, daß eine solche s r e i w i l l i g e Versicherung bei der Erwerbslosen Versicherung unmöglich sei, da sie dazu sühr«, würde, daß Geschäftsleute usw., die den Niedergang ihres Geschästes in kurzer Zell kommen sehen, sich noch eben rechtzeitig versichern und so die Arbeitnehmer belasten würden. Er wies daraus hin, daß ebenso wie die übrige Sozialversicherung im Lause der Zeit all- mählich aus der eigentliche» Arbeiterv-esicherung immer weiter herausgekommen sei und selbständige Kreise erfaßt habe, z. B. die Hausgewerbetreibenden, auch die Bersicherungspflicht in der Arbeitslosenversicherung auf alle offenbar den Arbeitnehmer- schichten absolut gleichstehenden Existenzen ausgedehnt worden mußte, und er sordertc deshalb auch die Ausdehnung aus die kleine, i Küstensischer. Die Vertreter der bürgerlichen Parteien wandten sich alle gegen diesm Antrag. Der sozialdemokratische Antrag wurde deshalb mit allen bürgerlichen Stimmen, mit Ausnahme der völkischen, a b- gelehnt. Der 8 34 wurde also in der Fassung der Regicruiigs- vorläge angenommen. Eine ausgedehnte Debatte erfolgte sodann über die Frage, ob die an sich Bersicherungspflichtigen dann versicherungssrei sein sollen, wenn sie nur für«ine» Teil des Jahres in im Unterhaus. — Chamberlains Antwort. zu einer friedlichen Lösung beitragen könne, die Trevelyan wünsche. Diese Sprache könnten andere Regierungen als eine Ermutigung aufnehmen, die Regelung abzulehnen. Chamberlain führte weiter aus: Die britische Regierung sei bereit, so weit zu gehen, wie dies im Hinblick auf die vom ganzen Unterhaus anerkannte Pflicht der britischen Regierung, bri- tisches Leben zu schützen, möglich sei. Der Gang der Verhandlungen sei noch ganz unsicher. Chamberlain schloß: Ich hoffe, daß nicht nur der Frieden gesichert ist, sondern daß ein neues und besseres Verständnis für die britischen Absichten im chinesischen Bolk Verbreitung finden wirf» und daß chinesische Volk erkennen wird, daß Großbritannien nicht die Absicht hat, es in einem Zustand der Unterjochung und Bevormundung oder der Minderwertigkeit zu halten. Chamberlain führte u. a. weiter aus, es verstoße gegen die Politik der britischen Regierung, an irgendeinen bewaffneten Kon- flikt zwischen chinesischen Streitigkeiten teilzunehmen, und sie werde fortfahren, strengste Neulrasität im Bürgerkriege zu wahren. Die Regierung habe beschlossen, daß sie V e r st ä r k u n- gen nach dem Fernen Osten senden müsse. Er werde gefragt, wes- halb die Regierung dies« Vorsichtsmaßnahme für notwendig erachte. während keine andere Macht ähnliche Vorsichtsmaßnahmen ge- troffen habe. Chamberlain sagte, jede Macht habe irgendwelche Bor- sichtsmäßnahmen ergriffen, aber die Stellung Englands sei eine ganz besondere. Während der ganzen letzten zwei Jahre sei die Bewegung in China gegen England gerichtet gewesen. Die brllischen Untertanen dort seien un in ittelbarer bedroht als die irgendeiner anderen Macht. Während Japan soviel Truppen wie es wolle, in 48 Stunden noch Schanghai schicken könne, brauchten Streitkräfte, die von England zum Schutze entsandt werden, Wochen, um dorthin zu gelangen. Unter Beifall sagte Chamberlain: Wir können nicht warten, diese Vorsichtsmaßnahme zu ergreifen, bis britisches Leben bereits in unmittelbarer Gesahr ist. der Land- und Forstwirtschaft oder in der Binnen- und Küsten- fischerei als Arbeitnehmer tätig sind, im übrigen aber als Eigen- tümer oder Pächter land- oder sorstwirtschaftlichen Grundbesitzes hiervon leben können. Die Genossen hoch, Schmidl-Köpenick und Becker-Herborn wiesen darauf hin. daß diese Bestimmungen viel zu unbestimmt seien und daß sie gerade dadurch zu einem Ausschluß eines Teiles der Landarbeiter und der an sich ver- ficherungspflichtigen Fischer auch dann führen könnten, wenn dies an sich nicht zu rechtfertigen sei. Unsere Fraktion stellte gaixz be- sonders den Antrag, Ausnahmen in der Binnen- und Küsten- fischerei überliaupt zu streichen. Die bürgerlichen Fraktionen erkannten zum Teil die Einwände an, konnten sich aber nicht entschließen, die entsprechenden Anträge anzunehmen. Die Bestimnmngen wurden vielmehr in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen, ledigsich für die Beschäftigung des Eh e gut t en. oder der Wkömm- linge wurde ein« Beschräickung insssern.. erreicht, als em Antrag der Volkspartei, die Bersicherungssreiheit nur dann ein-■ treten zu lassen, wenn die Beschäftigung als Arbeitnehmer weniger als ein halbes Jahr ausmacht. 5Uar waren sich aber mlle darüber. daß bezüglich dieses Paragraphen bis zur zweiten Lesung noch weitere Klarheit geschaffen werden muß. Angenommen wurde noch ein sozialdemokratischer Antrag, der bei der Bestimmung, bei welcher Minde st fläche onGrundbesitz über- Haupt«ine Befreiung eintreten darf, die Landesämter für Arbells- vermitttung hinzuzieht. Bevor der Ausschuß die Frage der Arbeitslosenversicherung beriet, nahm er einen gemeinsamen Initiativgesetzentwurf der ver- schiedenen Parteien an. wonach in die Fürsorge für erwerbslose Seeleute eingeschlossen werden die in den mit Loggern betriebenen Heringsfischereien tätigen Partenfischer. Gewerkschaften und Faschismus. Die italienische Gewerkschaftsleitung gegen jedes Kompromiß. Paris, 10. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Die Leitung der italienischen Gewerkjch asten, die sich sell Wochen in Paris aufhält, veröffentlicht jetzt ein Manifest, in dem sie die italienische Arbeiterschaft auffordert, der Gewerkschaftsbewegung auch unter der Diktatur treu zu bleiben. Sie erklärt, daß sie g e- z w u n g e n war. aus Italien zu fliehen, wenn sie nickst der Per- bannung oder gär dem Tode ausgesetzt sein wollte. Wenn eine kleine Minderheit der in Italien zurückgebliebenen sozialistischen Führer Verrat begangen und zum Faschismus übergegangen sei, so solle das der internationalen Bewegung in Italien keinerlei Abbruch tun. Cooliüge für üie Marine-fibrüftung. washinglon, 10. Februar.(WTB.) In einer Botschaft an den Kongreß hat Präsident C o o l i d g e bekanntgegeben, daß er in einer Rote an die Mächte vorgeschlagen hat. die Mächte sollten ihre Delegierteit auf der Genfer vorbereitenden Abrllstungs- konserenz mit Vollmachten zur Beratung und zum baldigen Ab- schluß eines Abkommens über eine weitere Einschränkung der Rüstungen zur See ausstaiten. Amerika unü öie Wirtscbastskonferenz. Tie Teilnahme wahrscheinlich. pari», 10. Februar.(Eigener Drohtberichi.) Aus Washington wird gemeldet, daß in polittschen Kreisen der Eindruck vorherrsche, daß der Kongreß seine Zustimmung zu cmem Borschlag des Präsidenten Eoolidge geben wird, an der Jnternattonalen Wirt- schaftskonferenz teilzunehmen. Die Vereinigten Staaten werden durch Anthony Gilbert, Mitglied der Ackerbaukoinntission und Page. sruhcrcn Präsident der Zolltommission, vertreten werden. Diese beiden Delegierten seien ausgewählt worden, well das Problem der Zolltarife enres der wichtigsten sei, das in Genf angeschnitten werde. Ratifizierung, öesVafhinytoner Abkommens durch den französischen Senat Paris. 10. Februar.(WTB.) Der Senat Hai in der heutigen Rachmittagssihung mit großer Mehrheil das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag r a t l f I z i e r t. flchtftunöentag mit Vorbehalt. In lsbcns- lvdcr gcsunhcitsgcfährlichcn Betrieben. Mehrals drei Jahre Hot es gedauert, bevor der Reichs- a r b e i t s m i n i st e r sich dazu entschließen konnte, von der ihm in der Arbeitszestverordnung vorbehaltenen Befugnis Gebrauch zu machen, diejenigen Gewcrbezweige oder Gruppen von Arbeitern zu bestimmen, die unter besonderen Gefahren für Leben ,odcr Gesundheit arbeiten, damit wenigstens für diese Ar- beiter der Achtstundentag wieder in Geltung kommen soll. Die Verzögerung wäre sachlich nur so zu erklären, daß erst ausprobiert werden sollte, welche der lcbcns- oder gesundheitsgefährlichen Arbeiten„sich in langjähriger Ucbung als u«bedenk- l i ch" erwiesen haben. Endlich sind nun die Verordnungen über die Arbeitszeit in Metallhütten, in Glaswerken und in Glashütten und-schlcifereien erlassen worden. Damit jedoch die mit den genau bezeichneten Ner- richtungen in diesen Betrieben beschäftigten Arbeiter nicht unbedingt darauf pochen können, nur acht Stunden täglich zu arbeiten, ist für die Unternehmer eine Hintertür offengelassen worden durch die folgende einschränkende Bestimmung: „Ilebt ein Arbeiter eine der im Abs. l bezeichneten Tätigkeiten nur während eines Teiles seiner Arbeitszell aus, so greift die Beschränkung des 8 1 nur' an denjenigen Tagen Blaß, an denen er mindestens vier Stunden damit beschäftigt ist." Sind die betreffenden Arbeiter also weniger als vier Stunden täglich mit Arbeiten unter besonderen Gefahren für Leben und Ge- sundheit beschäftigt, dann kann ihre Arbeitszeit um mehr als eine halbe Stunde täglich verlängert werden. Schon aus prinzipieller Gegnerschaft gegen den„schematischen" Achtstunden- tag werden die Unternehmer nicht versäumen, diese Hintertüre soweit als möglich zu benutzen. Sie ist doch dazu da! Diese Verordnungen lassen— wie Labor sagte— tief blicken. Wie soll die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit erst für diejenigen Arbeiter und Angestellten ausfallen, die nicht„unter b e s o n- deren Gefahren für Leben oder Gesundheit ar- b e i t c n", wenn nicht einmal den Arbeitern, die unter die drei neuen Verordnungen vom l>. Februar 1927 fallen, de? uneinge- schränkte Achtstundentag zugestanden wird. „Weitere Schritte auf dem Wege zum Achtstundentag" überschreibt„Der Deutsche" den Abdruck der Verordnungen. Welche Schritte sind denn eigentlich diesen weiteren voraufgegangen? Bis- her lediglich die Verordnung vom 1. Februar 192S für die Hochofenarbeiter in Kokereien und Hüttenbetriebsn. Auch diese Verordnung ist mit der Einschränkung erfolgt, daß die Be- schränkung der Arbeitszeit für Arbeiter, die nur während eines Teils ihrer Arbeitszeit in den bezeichneten Betrieben beschäftigt sind, nur an denjenigen Tagen Platz greift, an denen der einzelne Arbeiter mit den genannten Arbeiten„während des überwiegenden Teils seiner täglichen Arbeits- beitszett beschäftigt ist, also er stnach mehr als vierstündiger Ar- beitszeit am Hochofen. Drei Jahre lang hoben die weiteren Schritte auf sich warten lassen, für die ganz besonderen Fälle. Wann werden eiwa weitere Schritte erfolgen, wann endlich soll das Washingtoner Abkommen ratifiziert werden? Abgesehen davon, daß das Tkotgefeh über die Einschränkung der Arbeitszeit mit diesen Verordnungen keineswegs abgetan ist, darf doch wohl daran erinnert werden, daß die Forderung des Achtstundentags eine allgemein hygienische For- derung ist, die keineswegs auf die unter besonderen Gefahren für Leben und Gesundheit tätigen Arbeiter beschränkt werden tonn, wenn auch zugegeben ist, daß für diese tn erster Linie der uneingeschränkte Achtstundentag am Platze ist und längst fällig war. Die Rechtsprechung öes Gewerbegerichts. Unser ständiger Berichterstatter beim Gewerbegericht schreibt uns: Die in der Morgenmrmmer vom Donnerstag veröffentlichte Zuschrift des Baugewerksbundes kann den Anschein erwecken, als ob die Spriichpraxis beim Gewerbegericht'Berlin 1 ganz allgemein die Rechte der Arbeiter tendenziös benachteilige. Wäre die Auffassung, die in der Zuschrift vom Baugewerksbund zum Ausdruck kommt, zutreffend, dann müßten die Arbeiter dem Gewerbegericht mit dem größten Mißtrauen gegenüberstehen. Zu einem Mißtrauen gegen die Rechtsprechung des Gewerbegerichts liegt aber— wie ich auf Grund meiner jahrelangen Erfahrungen sagen kann— kein Grund vor. Gewiß kommt manchmal ein Urteil vor, das, vom ArbeUerftandpunkt gesehen, als Fehlurteil bc- zeichnet werden muß. Auch ich habe solche Urteile erlebt und sie im„Vorwärts" kritisiert. Aber das sind Ausnahmefälle, die nicht zu der Annahme berechtigen, daß beim Gewerbegericht ganz allgemein die Tendenz herrscht, zuungunsten der Arbeiter zu urteilen. Ob sich die Ansicht des Vertreters des Baugewerks- bundes auf Erfahrungen stützen läßt, die er bei den beiden Bau- k a m m e r n gemacht hat, mit denen er ausschließlich zu tun hat, weiß ich nicht, denn ich habe die Sitzungen dieser beiden Kammern sehr selten besucht. Aber auf zehn andere Kammern, wo ich regelmäßig Zuhörer bin, treffen seine Ausführungen nicht zu. Uebrigens sind auch die Vertreter großer Gewert- schaften, mit denen ich bis jetzt über diese Angelegenheit sprechen konnte, mit mir darin einig, daß das Urteil des Genossen vom Baugewerksbund, soweit es sich nicht nur auf Einzelfälle, sondern ganz allgemein auf die Rechtsprechung des Gewerbegerichts bezieht, ein Fehlurteil ist._ 25 Metallarbeiter in Leipzig ausgesperrt. llllimalum des sächsischen Arbeilgeberkarkells. Leipzig, 10. Februar., wichtige Zusammenkunft aller Parteigenossen. Vollzähligen Veluch er- martcl Der lZraktionsoorstond. Achtung, SPD..MctallarSeiI-r: Am Ptontag, 21. Februar. 7 Uhr, in den Ziestdcnzsestsätcn, Landsberger Str. 31, wichtige Fraktions- Versammlung. Jeder Genosse halte sich für den Abend frei. Der Fraktiouovoeftand. Freie Gewerlschastsjugerd. Heist«, Freitag. 7'i Uhr, tagen die Gruppen: Hcrmaunplatz: Gruppenhcim �ugcnoheim Sandcrstr. U.� Este.�obrechtstraßc. „ ichtstr. 63/63. Vortrag:„Aus der Pratis der Tchsiterriite".— Fugen». »cra-.staltuna in der SuUnrabteilung de« Deutsche» Mctallarbeitervcrbar.de«. Berlin. Linrcnstr. 137, 6 Uhr. Programm: l. Urwelt im Urwald. 2. Die Lokomotive„Pufsing Billy". 3. FeNx im Freibad. Zugendgruvpc de» edA. Heute, Freitag, IM Uhr, finden folgende Der. anstaltungcu statt: Südwest: Jugendheim Belle-Alliance»Str. 7/10. Vortrag: „Serualsragen der Zugend" sDr. Marx).— Spandau: Jugendheim Lindenufer l. Disiussionsabend.— Lichtenberg: Zugendhewi Parkaue 10. Vortrag:„Pom Werden des Menschen". Verantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: G. Alingeldäfcr: Eewerkschafisbewegung: Fr. Stzkorn: Feuilleton: Dr. Zohn Sch.ikowski: Lokale» und Sonstiges: Fritz Aarstädt: Anzeigen: Tb. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Boiwärts-Leriag G. m. b. H. Perlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Siuger u. Co. Berlin SW 68. Lindensstntße 3. Hierzu 2 Beilaac» und..Unterdaltnna und Dissen" WERTHEIM Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Soweit Vorrat Landleber~ u. Rotwurst ptund Iis Grobe Mettwurst Pfst. 1.30 Filetwurst....pftinst 1.50 Mortadella.. riund 1.30 Mettwurst'Brf.aun'� 1.50 Speck letsiP�d. 1,30 mager 1.40 Schinkenspeck p'unst 1.65 Jagdwurst....«und.45 Zervelat u Salami Schinkenwurst Pfund 1.45 holsielnische. Pfund I SO Roieutfaoler Sirahe, KSnlgttrafte, Morillplair: Blut- u. Leberwurst Bierwurst---- Pfund 1.65 hallesche, P.und- 4�1 Sülz- u. Speckwurst pkcl. 1 m Feine Leberwurst l>tt. 1.65 Bratenschmalz Tafelbutter Piund 1.90 2« Dänische Butter Pfund 2.16 deutsches 48 pi. Sdiodtiel. V, Pld. Margarine Pfd. 52pi. 58Pt Romaiour........... 22 pt. Limburger �""prund 70 Pf. Steinbuscher. Piund 93pr. Edamer..... ptund 75Pf. Tilsiter voiiieit... Pfund 1.15 Holländer....Pfund glZpf Schweizer"«11111.45 JlJ, 1.15 FeltbUcklinge Ä SS Ä 95« Sprotten pid. 45«cisi- 33 Pf. Ffotbarse....Piund 52 Pf Flundern pomm., 35?». 45Pf. Sselachs....Pfund 52 Pf Fleckheringe.Pfund 45 Pf. Aale....... Bund 68 pi Konserven 'n Doae>h Dose Schnitt- u. Brechbohnen Gem. Erbsen..... 62«. •st Dose 53 Pf. L Sorte 80 Pf- Jg Erbsen mit Karotten 70 Pf. Jg. Karotten extra tziein 1.05 Leipziger Allerle!..35 Pf. Jg. Karotten.... 60 Pf. Pflaumen mit stein. 72 Pf. Karotten gesdinuien. 40 Pf. Apfelmus........ 6 5 Pf Spinat.......... 46 pi Birnen e*ira Quamut.. 1.20 Pfeffsrlinga I...... 1m Ananas Hawaii 1. Scheiben 1.50 Kaiserschoten....1.85 Gelsardinen Erbsen mutelfein... 84 Pf. Klubdose 48''. Dose?«-'» Frisches Fleisch Kafbskamm u. Brusi...... Pk°»d 75 pl Xaläsnisren&raten........ p;™* 85 rt §Ca]i)5k6U]G gauu and geteilt....... Pfand 1 M Schmorffleisch u. Roastbeef 95-r Schweinebauch u. Rücken 90«. Schweine-Schinken Blati"• Im KaSBer, Speer u. Kamm... pw.d I20 Uesen pfnnd 35«. Gehacktes pk°-d 75 pt Prima gefrorenes Ochsenfleisch Suppenfleisch............. pw.d 55«. Kamm u. Brust........... pw-d 60». Schmorfleisch«u K-.»»»...... piund 70 t Fische Grüne Heringe»chweduche,.. 5 Pfund 55 k Bratflundern.............««.d 12 pi. Seelachs ebne Kopf, ganse Pbdse..... Piaad 20 Pf. Rolbarse ohne Kopf............ Pfand 20 Pf. KabSljSU ohne Kopf, ganze Fitche..... Pfand 22 Pf. Schellfische................ Pfand 22 ru Lebende Karpfen......... Pfand 98�- Gänse gefroren Pfund von 98 GänsepSkelfleisch. � Brust- u Keuienslückc••�0 HirschrQcken Pfd. v. 1,15 an HQhnap.__ frisch jjcschiach*., Pfd v'.25 an Schneehühner st 1.70 1.90 Konfitüren iPiund-mmet Ananas 1.65 Orangen 1.15 Pflaumen 1.10 Erdbeeren, Aprikosen, Kirschen, Himbeeren 1.45 Obst, Gemüse, Fleisch und Fische werden nicht zugesandt 98 .. Pfund O O Pf. Frische Ananas Kranzfeigen•• Pfund 30 pt Kalif. Äpfel pm. 40Pf. 50 Pf- Mandarinen.. Pfund 32 Pf. Datteln Kanon ca.33oor. 60 Pf. Zitronen. Duzend 40 Pf- Apfelsinen vud-nd 65, 95 Pf. Blut-Orangen Rot": Wn-dnekohl.Pfund � Pf' Zwiebeln...... Piund 3 Pf. Malta-Kartoffeln Pfd. 20". 12m Kiste ZOO n. ISO Stüde Sellerie Pfund... 9 u. i6Pt Blumenkohl Kopl von 20 Pf- an Schwarzwurzeln«:«» 25 Pf. Pf. an LinSen gut kochend....... Pfund 22 Pf. Tafelreis..... P'und 22 Pf. Hartgrieß... Pfund 29Pt Graupen in-ob..Pfund 2 2 Pf. Bosn.Fklaumen Pfund 30 Pf. Haferflocken•.Pfund 23 Pf. Backobst sFruchi, Pfd 52 Pf. Weizenmehl..Pfund 23 Pf. Bingapfel-m-rtk.. Pid. 5 2 Pf. Kartoffelmehl. Pfund 23Pf. Bosn. Pflaumen 5 4 Pf- Gabrannt. Kaffee S'S! 2'2, Spazlal- Mischung 20% Bohnenkaffee, Pfund 63 Pt«•:« 1.12 Borken-Schokolada 35 co"05 5p/. Schokolad.-Printen� 30pf Sandgebäck«/.piund 25 Pt Tee Darjeeüng-Misch.vim 4-i China-Misch. tk Pfund 3.40 Ceylon-Misch."aPiund 3,70 Indien-Misch.»/«Pfund 3.10 Wein Preise für Vi Flasche eintchlfeHtlich berliner G eträhkcsic a er, ohne Glos 1924 Casslar Herrenbarg würziger Ruwerwcin... 1.39 1924 Altenbamberger Rodenberg Ries!. pläiziTin 1-50 1921 Oppsnhsimer Qoidbarg gehaltvoll, reif.... 1 80 1924 Domains St. Coloma apanladier Tafelrotweln. 1.15 1921 Chäteau Gobinoau Prspr Qohlneau. Llslrac-Medoc 2 M Fruchtschaumwein feine Qualiiaf, mit Flasche...... 1.35 Nr. 70 ♦ 4».7ahrgat!g 1. Seilage ües vorwärts 5rettag,??. Februar 1427 Serlin gegen üen Sefitzbürgerblock. Das Massenaufgebot im Sportpalast. Schon kurz vor 7 Uhr strömt«s in endko�n Schar«, die P ot s- damrr Straße hinauf. Arbeiter, Reichsbonnerleute in Uniform, Kleingewerbetreibende zur Kundgebung der Sozinwemotrotie gegen das beginnende KeudeH-Regime. Spannung lagert über der Straße, an den Kreuzungen hält beritten« Polizei, um den Anmarsch der Massen des republikanischen Berk» zu regeln. Aber die Boomten brauchen nicht einzugreifen, die Tausende Haiden gut« Disziplin. Im Schweiß« ihres Angesichts bemühen sich Kommunistentrupp«, die gedruckten Sirenenrufe„cm die Reichsbonnerkameraden' zu bringen. Schade um die umsonst vertanen Spesen, die nun das Moskauer Budget Mosten. Das kommunistisch« Propagondapapier bedeckt bald zentlmrterhoch den Erdboden. Am Eingang zum Sportpalast staut sich die Meng«, und obwohl Berlin» Volk von zwei, drei Seiten in die mächtig« challe ströntt. hat das Reichsbonner sein« liebe Not. die Menschenschlange zu dirigieren. Schon gegen M>8 Uhr sind Riesensaol und Tribünen bi» auf den letzten Platz besetzt: Taufende stehen schon, und noch immer ist kein« Verminderung des Zustroms festzustellen. Run rückt die A r d e i t e r j u g e n d in gc- schlosienem Zuge an. rote Danner flattern über ihren Häuptern, au? jungen Kehlen ertönt die„Ircternotimwlc" und die Massen, die die Straßeichroit« füllen, singen spmttan mtt. Nie war die Geschlossen- hcit der werttätigen Republikaner stärker als in diesen Stunden, da Zehntausende unter den Farben der Sozialdemokratie ihr repudli- konisches Kampsgelöbnis für Bolfsstaat und Freiheit ablegten. Eins »och war bemerkenswert: Die Besucher der Riesenkundgebung waren nicht nur sozialistische Republikaner, nicht allein Anhänger der Sozial- demokratie. Taufende ausgeschreckter Kleinbürger und Mittelständler waren erschienen, rnn zu hören, was die Abgeordnete» der größten Arbeiterpartei in dieser Stunde des Manns dem Millionenvoll der Reichshaupistadt zu sogen haben. Neugier vielleicht zum Teil, zum anderen wcchl aber auch erwachende Erkenntnis. In der Opposition gegen den Rechtsblock wachsen die Kräfte der republikani- ichen Volkspart« tausendfach. Zehn Minuten vor 8 sperrte die Polizei wegen Uebersüllung Saal und Tribünen, die Gitter des Garten» zum Sportpalast werden ge- Ichlossen, indes sich Tausend« und aber Taulende auf der Straße stauen... Der Riesenraum des Sportpalastes füll, sich um die siebente Abendstunde sehr schnell. Gegen �8 Uhr ist kein Sitzplatz mehr zu haben, wenige Minuten darauf muß der Zugang wegen Uebersüllung vollständig gesperrt werden. Die roten Banner werden unterhalb der Rednerbühne und Im weiten Rund des Saales aus- gepflanzt. Die moderne Einrichiung des Mikrophons und der Laut- iprecher Ist auch für unsere Kundgebung nutzbar gemacht worden. Jedes Wort, das vor dem Mikrophon gesprochen wird, ist in de», ganzen weiten Raum gleich gut zu verstehen. Schlag Uhr erklärt Genosse Liedike im Namen des Bezirksvorstandes die Kundgebung für eroffnel. Er gibt unter lebhastem Beisall die Redner bekannt und das Thema, über das sie sprechen werden. Zunächst aber singt der(stau Berlin des Arbeüer-Sängerbundes unter der Leitung seines Chormeister» Rohrbach die„Frühlingsstürme" von Schulte und„Ich harre dein' von Uthnuinn. Als der gewaltige Bei- fall, der den Sängern dankt, omauscht ist, nimmt der erste Red- „er des Abends das Won. Friedrich Stampfer: die Regierungskrise. Wir sind hier viele Tausende und doch nur ein« Woge von dem ungeheuren Meer de» arbeitenden Volkes, Millionen, die Fleisch von unserem Fleisch und Blut von unserem Blut sind. stehen draußen. Wären sie immer mit uns eines Sinnes gewesen. halten wir das roiderwänige JSchmijpiel der Geburt des Bürger- blocks me erlebt. Welch ein Schauspiel! Prinzipien gab man für Prozente, Grundsätze je Mutzend sür einen Ministersitz. Es war nicht die Gier nach der Futterkrippe sür einzelne, die die Deutsch- nationalen dabei lenkt«, e, war ein Zug im Kampf der Klaffen um di« Macht, hinler den Deutschnationalen stehen die organisierten Arbeitgeber, sie wollen die Zeil wieder,«u der der Arbeiter im Fabrikhos mit der Mütze in der Hand vor ihnen stand. Die denw- kratisch und sozial gerichteten Elemente des Zentrums haben vor dem FeldmarschoN kapituliert. Sie haben sich geduckt und matten auf bessere Zeiten. Rur einer ist ausrecht geblieben: Zoses witth. «Donnernder, sich wiederholender Beifall.» wir danken diesem Mann, baß er uns den Mut gibt, über Parleigreazen hinweg an Menschen zu glauben und an Treue und an männliche Ueberzeu- gung. tWiederholler donnernder Beifall.) Wir ducken uns nicht. matten nicht out bessere Zeiten, sondern kämpfen um sie. Die mnfrch&j.-nm Prrlttrtt-"- ist« diejem Saal, si« ist da« der Zusammenarbeit der Gewerkschaften mit der Sozialdemokratie. Wir wollen diese Regierung stürzen so gründlich, dag sie in dieser Ge- stall nie wieder ausersteht. Darum fester Zusammenschluß! Nicht mit Gezänk und Gezeter werdet ihr die Well besrcien, sondern nur durch Brüderlichkeit in Rat und Tat. Die ihr noch rechts und link» von uns steht, kommt zu uns, aus daß Deutschland keine Re- publik des Geldsacks werde, sondern eine freie Republik der Arbeit! vittmann: Der Fall Keudell. Mit Beifall begrüßt, führt Dittmann aus: Wem, man den Wert des Eides auf die republikanische Rcichsversassirng prüft, den vier deutschnationale Minister geleistet haben, so fällt einem jenes Wort des Generals von Ledebour ein. daß er bereit fei, alle die Eide, die er zwischen 5 und S Uhr geschworen habe, zwischen ö und 10 Uhr wieder zu brechen, würde da» Schicksal der deutschen Re. publik jemals van diesen Minislern abhängen, dann könnte man die Republik verloren geben. Ist doch der Reichsinnenmimster, dessen besondere Aufgabe der Schutz der Verfassung ist, nicht nur kappistischer Landrat, sondern auch ein Förderer und Gastgeber der bekannten Olympia gewesen. Marx hatte in der Regierungs- ettlärung angekündigt, daß gegen all« versassungsfeindlichen Unter- nehmungen energisch vorgegangen werden soll: wie wird das Herr Keudell tun? Vielleicht|o wie beim Kapp-Putsch, wo er die Aus- ms« und Schwindelmeldungen der Putschregierung verbreitete, aber die Berbreituiw von Kundgebungen der rechtmäßigen Regie- rung mit schwerer«ttofe bedrohte, was für ein Vorbild soll ein derarligcr Innenminister den höheren Beamten geben, von denen ein Teil ohnehin bekanntermaßen Reaktionäre sind. Der Block der Junker und Großkapitalisten unter Führung des Zen- lrums wird aber, je mehr er seinen Eharakler enthüllt, desto sicherer jenen Arbeitern die Augen öffnen, die bisher noch für bürgerliche Parteien gestimmt haben, und sie dahin weisen, wohin sie»ach ihrem politischen, wirtschastlicheii und kuturellen Interesse gehören: zur Partei des arbeitenden Volkes. Jetzt gilt es, alle Werktätigen zum Kamps aufzurufen gegen die neue Jiiuker- und Kapitalisten- herrschatt. Hier Kapital, hier Arbeit, das ist jetzt die Parole, und jeder Arbeiter, Angestellte, Beamte und überhaupt Werktätige, der kein Hiindsfotl sein will, gehött jetzt hinein in die Klalsensront des arbeitenden Volkes, hinein in die Sozialdemokratische Partei! Marie Juchacz: Nechtsregierung und Frauen. Die Frauen habe» durch die Revolution und durch den neuen Staat weitgehende Rechte gewonnen, aber sie müssen das Gewon- neue in richtiger Weis« zu oerwenden lernen. Sie müssen verstehen, ebenso..._ besteh! die Gesahr, daß sie durch einen Sieg der Reaktion von dein. was sie gewonnen haben, manches verlieren oder daß mindestens der weitere Ausbau der Frauenrechte oerhindert wird. Die So- zialdemokrutie Hai durch ihr sejtes Eintreten für die Republik und für das demokratifch-parlameiuarische System den Frauen viel ge- uützl. Die Frauen schädigen sich ielbst am meisten, wenn sie anti- republikanische und anttdemokralischr Bestrebungen unterstützen. Aach der Reichspräsideinenwahl sind stimmen laut geworden, die den Frauen die Schuld an dem Wahlergebnis zugemessen haben. Dieses Wahlergebnis Hai sich allerdings ziemlich verhängnisvoll in unserem politischen Leben ausgewirkt.(Laute Zustimmung.) Unter wieder zum Stillstand gebracht wird und die Drahtzieder der Rechten ihre politischen Ziele nicht erreichen. Der Krieg und dl« Revolution haben uns bewiesen, daß schließlich doch immer der Geist über die Materie siegt Wir wissen genau, daß die Arbeiterfrauen und die Arbeiterjugend zusammen mit den Arbeitern selbst alle reaktionären Pläne z uschanden mach«» werden. Hallen wir zusammen und die Entwicklung wird vorwärts gehen zum Aufbau der Demokratie, zum Siege des Sozialismas. fiushäuser: Rechtsregierung unö Sozialpolitik. Als der Achtstundentag gesschett war. schrieb im April 1920 die „Deutsche Arbeitgeber-Zeitung':„Der Tag, an dem der Zehn- und Zwölfstunden-Nottag von früher wieder Allgemeingut Deutschlands «ein wird, wird der Auferstehungstag des neuen Deutschlands sein." Heut« haben wir teilweise de» Zehn- und Zwölsstundentag, damit aber nicht di« Auserstchung Deutschlands, sondern die der Reaktion und des Bürgerblocks. Die Lage ist heute so: Auf der«inen Seite: Steigerung der Produktion, Kapitalserhöhung in den großen Gesell- jchajten, Verdoppelung der Aktienkurse, Riesengewi mrc. Aus der an- deren Seite: lange Arbeitszeit, Lohudrutk, zwei Millionen Arbeits- lose. Diese wirtschaftlich« Lage schuf die Voraussetzung für die Bürgerblockregierung. Deshalb flehen Arbeits- und Arbeitslosenfrage im Rlitlelpunkl des Programme» der neuen Regierung: sie ist die Regierung zur Slabillsierung des heutigen sozialen Elends.(Lebhafte Zustimmung.) Seit langem matten wir aus das Arbeits- z e> t g e s e tz, aber erst als die Sozialdemokratie dos Notgesetz sür den Achtstundentag einbrachte, hat das Arbeitsminifleriimi dos Ar- beitszeitgesetz vorgelegt, um damit das Notgesetz sür den Achtstunden- tag zu verhindern.(Lebhaftes Pfui.) Der Reichsorbeitsminister ichreibt einen Brief an den Neichsjustizinmister. Wenn unsere Minister Briefe schreiben, passiert meistens ein Unglück.(Heiterkeit.) .Herr Hergl soll danach den Achtstundentag sichern. Wir können uns denken, wie«r als Iuslizminister mit seinen Staatsanwälten dos tun wird.(Beifall.) Ans fehlt tatsächlich nur der Schutz gegen«ufere neuen Beschützer.(Beilall.) In der Arbeitslosensrag« ist hie Der- Minderung der bisherigen Sätze und Ueberweilung der Ausgefteuer- tcn auf Almosen geplant. Der Zweck des Gesetzes ist, den Acht- siundentag zu verhindern. Der Besitz kämpft jckt um die Macht im Staate, um seine Prositinterelse» wahren zu können. Diese Rem«. rung ist die offene Kriegserklärung an das arbeitende Volk Deutsch. lands. Die heutige Kundgebung zeigt, daß das arbeitende Volk be- reit ist, den ihm aufgezwungenen Krieg zu führen und ihn siegreich zu beenden. vreitsiheiö: Rechtsregierung imü Außenpolitik. Herr Strefemann ist I» Httnub gegangen. Er wird sich im fernen Süden erholen von der außenpolitischen Arbeit des letzten Jahres. Man kbmitc sich vorstelle», daß er sich erholen wollte oo» de» Taten seines Freundes Scholz in Insterburg. Vielleicht will Herr Stresemann auch abmatten, wie das Kabinett über die nächste Zeil hinwegkommt, dessen Zusammensetzung sicherlich nicht seine Freude erregt hat. sür das er aber durch seine Passivität die größte Veranttrortung nägi. Die neue Regierung soll an- geblich vor allem außenpolitisch die gleiche Politik treiben wie die alte. Wer aber glaubt, daß die Deutschnationale» mit so vielen Opfern sich in die Regierung gedrängt haben, um jetzt innen- und außenpolitisch dieielbe Politik zu lreitxn wie früher? llch fürchte. der Reichskanzler Dr. Marx mutet sich allzu viel zu. Und wenn er sagl, daß er die politische Richtung dieses Kabinetts bestimme, so ist zu besorgen, daß er gerade nichl der Mann ist, sich gegen seine vier dtutschnalionateii Kollegen durchzusetzen.(Zustimmuno.) Herr Marx verweist daraus, daß die Deutjchnationalen die Riehl- llnien der deutschen Außenpolitik anerkannt hätten. Wir wissen, daß diese sich bemüht haben, den Sinn der Richttinie» am folgenden Tage in ihr Gegenteil zu verkehren. Wir denken daran, daß die Denlschnationalen bereits 192Z in der Regierung waren und so lange die Außenpolitik milinnchlcn, bis sie ihren klingenden Lohn in Gestalt des Zolltariss in der Tasche hatten. Sic haben sich mh dem Zentruni ans den Weg nach Rom begeben. Sie stiegen in den Zug ein, als sie erfuhren, daß auch in dem O-Zug ein Speiseroagen sei.«Große Heiterkeit.) Wie wird man im Aus- lande, ovr allem in Frankreich dieses Kabinett teurteilen? Wir Sozialdemokraten stehe,, aus dem Standpunkt, daß die Berständi- gungspolilik auch ohne Rücksicht auf die Berliner Kabinette sott- gesetzt werden müsse, liiu-er de» gleichen Bedingungen verlangen wir auch die Räumung des Rheinlandes. Aber die nattonalisti- ichen Kreise Frankreichs werden es leicht haben, aus der Bürger- biockregiening Kaoital zu schlagen. Da» Slaat-schiss ist aus» neue in Gefahr, in die Mögen des Mißtrauen» und des Hasses geschleudert zu werden. Die Handelsvertragsverhandiunge» mit Polen sind ins Stocken geraten. Die Deutschnanonalen machen sich hier bereit» peinlich bemerkbar. Man kann das behaupten, ohne etwa die polnische Politik in Schutz»elunen zu wollen. Es ist möglich, daß Herr Stresemann in, Süden Herrn Mussolini triist. Glaubt einer, daß Mussolim ein Ersatz ist für die Verständigungspolitik mit Frank- reich? Wir Sozialdemokralen holten fest an der bisherigen Friede»», Politik. Wir können den Kamps gegen den Büroerblock fichr«,, ni«ni das Volt uns zur Seit« steht und wenn mit ihm die gesanü» Internationale der Arbeiter hinter uns ist. Künstler: Reichsbanner unö Republik. Bisher haben die Arbeiter in Deutschland der Reichswehr wenißf Interesse entgeaengrbracht und doch muß ihr mehr als bisher die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Reichswehr, die unter Führung nichirepublikanlscher Offiziere steht, ist»ine Gefahr für dt« Republik and die Arbeiterschasi geworden. Hier herrscht der alte Pmihengeist, es gibt Ossiziere, die in der Reichswehr das kommende Instrument der Revanche für den verlorenen Krieg sehen. Die Reichswehr ist eine außenpolitische Gefahr; sie hat sich nicht gescheut, aus Rußland Granaten und gnfanteriemunitlon zu beziehen.(Die Versammlung geriet in große Bewegung, als die Kommunisien einige Zwischenruf« mache» und stimmt dem Redoer durch lang cm haltende» Händeklatschen zu.) Dt« Reichstagsftoktton muß hier Klarheit schaffen. Das ganze Volk muß erkennen, welch trauriges Spiel hier mit ihm getrieben wird. Dem altpreußischen Junkergeist gilt unser Kampf; wir müssen die Jugend erziahen im Sinn« der Freiheit, nicht aber im Geist des Militarismus. Unser Losungswort aber ist: Fort mif Geßler, fort mit den monarchistischen Offizieren. vogel-Nürnberg: öapernkurs und Neich. Ich komme aus Bayern, das seit Iahren eine Regierung er- dulden muß, die genau so zusammengesetzt ist wie die zustande ge- kommene im Reich, dessen Ministerpräsident sich in seinen Aeuße- rungen manche Geschmacklosigkeiten geleistet hat. Mehring hat ein- mal gesagt, daß der schlimmste Partikularismus in Preußen herrsche. Preußens Parlikularismus aber bleibt hinter dem Bayerns weit zurück. Bayern hat seit langem versucht, die Reichsversassung im rückständigen partikularistischen Sinne zu revidieren. Der Reichs- finanzminister Köhler, der dem badischen Zentrum angehört, wird auch in diesem Sinne den Reichsfinanzausgleich beeinflussen. Hier ist der Hebel, durch den die partikularistischen Strömungen ge- fördert werden können. Unser Ziel muß aber sein die großdeutsche einheitliche Republik, die erfüllt ist vom sozialen Geist, in der die Sätze der Demokratie wirklich herrschen. Das ist ein Ideal, für das die Sozialdemokratie eintreten kann und muß. wirklich stark wer- den die Gegner nur, wenn wir uns schwach fühlen. Wir werden die Feinde um so rascher schlagen, wenn wir einig sind, wenn wir eine Politik treiben, die frei ist von Illusionen, wenn wir höchstes Pflichtgefühl offenbaren und die höchsten Anforderungen an uns selbst stellen. Dann werden wir die Massen mit unserem Geist er- füllen und im Sinne Freiligraths wirken: wir sind die Kraft, wir hämmern jung den alten morschen Staat, die wir van Gottes Zorne sind, das Proletariat. Scheiüemann: Die Aufgaben der Sozialdemokratie. Ich würde gern auf das Schlußwort verzichten, aber ich muß sprechen, weil die ganze Potsdamer Straße voll von Menschen steht, die durch den Lautsprecher jedes Wort vernehmen können. (Lauter Beifall.) Der Wirtschaft und den Banken geht es glänzend, die Arbeiterschaft leidet Not, zwei Millionen arbeitssreudiger Men- scheu feiern. Die Rechtsputschisten werden hoch geehrt, die Links- Putschisten wandern ins Gefängnis. Wer die Republik liebt und des- halb Putsch« verhindern will, der wird von den links von uns Stehenden ein Arbeiterverräter genannt und von den Rechtsstehenden als Landesverräter bezeichnet. Wer nicht gegen, sondern um die Reichs- wehr kämpft, wird verleumdet,-vielleicht ermordet.(Lebhaftes Pfui!) Sozialdemokratische Arbeiter haben 1918 und auch im Kapp-Putsch 1920 den Staat gerettet. Jetzt sitzt der kappist v. Sendest als Der- sassunqsminister im Dürgerblock. Das ist nur möglich, weil die deutsche Arbeiterschaft ihre große Zahl, nicht in politische Macht umzusetzen verstand. Das wichtigste ist. die Arbeiterklasse zu einigen aus demo- kralischer Basis.(Stürmischer Beifall.) Nur auf dem Boden der Demokratie können wir zmn Sozialismus kommen. Und darum ist Aufklärung notwendig. Selten war die Zeit so günstig wie heute. Sie ist so günstig, wie sie es 1912 war, als der schwarzblaue Block in Deutschland regierte, die Kreuzung von Katzen und Kaninchen, wie man es damals scherzhaft nannte. Wer jetzt Besterung herbeisehnt, ohne für die Sache des arbeitenden Volkes zu werben, der hat das Recht verwirkt, Kritik zu üben. Wenn das Volk draußen lebendig ist, wird die Arbeit der Reichstagsfraktion um so wirkungsvoller sein. Dann kann sie Fraktur reden mit ihren Gegnern.(Lebhafter Beifall.) Tun Sie Ihre Pslicht, und wir, die wir Ihre Sprecher sind, werden die unsere tun. Ich fordere Sie auf, mit mir in den Ruf einzustimmen: Die Sozialdemokratie lebe hoch! Die Versamm- lung nimmt den Ruf stürmisch auf. Allen Rednern war rauschender Beifall zuteil gewor- den. Am Schluß steigerte er sich zu lautester freudiger Zustimmung, die in immer neuen Beifallsstürmen ihren Ausdruck fand. Als die Arbeitersänger mit der„Internationale" ihre Darbietungen schließen, singen die Versammelten stehend und mit Begeisterung das alte Kampflied mit. Jubel löst es aus, als der Vorsitzende der Versammlung, Genosse Liedtke, den Rednern für ihre Worte dankte. Der riesig« Lautsprecher ist verstummt. Unter den Klängen der Internationale leert sich die Riesenhalle. Aus acht Ausgängen strömt di« Masse auf die Straße. Auf der Strohe stockt der Ver- kehr. Zug um Zug formiert sich. Rotes Banner, langen Zügen vorangetragen, beherrscht die Straße. Das Reichsbanner verläßt gesammelt die Kundgebung. Der Abmarsch der Teilnehmer erfolgte ohne Zwischenfälle. Auch die einzelnen Züge kamen, soweit wir feststellen konnten, ohne Störungen in ihre Bezirke. Nicht geisteskrank! Der Mörder der Setita Eckert und der Gräfin Lambsdorf. Der Mörder der Gräfin Lambsdorf und der sechsjährigen S e n t a Eckert ist auf feinen Geisteszustand untersucht worden, und der Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Rehbronn wird in den nächsten Tagen die Voruntersuchung zum Abschluß bringen und die Akten an die Staatsanwaltschaft abgeben. Die Hauptverhandlung gegen Böttcher wegen Mordes in zwei Fällen und wegen einer Reihe von Raubüberfällen wird vor- aussichtlich Ende März oder Ansang April vor dem Schwurgericht des Landgerichts III unter Vorsitz von Landgerichtsdireltor Bombe stattfinden und mehrere Tage in Anspruch nehmen. Böttcher hat in der Voruntersuchung zugegeben, daß er einen Raubüberfall auf die Gräfin Lambsdorf geplant hatte. Die Gräfin sei aber eine sehr energische Dame gewesen und habe ihm starken Wider st and entgegengesetzt, als er ihr die Handtasche entreißen wollte. Sie habe auch sofort nach dem ihr vorgehaltenen Revolver gegriffen. Bei dem Ringen sei der Schuß unversehens losgegangen und die Kugel müsse sie tödlich getroffen haben, denn sie sei sofort umgefallen. Böttcher gibt weiter zu, daß er die Leiche in den Wald verschleppt habe und daß er sich dort an ihr in scheußlicher Weise vergangen habe. Obwohl er die Mordüberlegung entschieden bestreitet, erscheint Böttcher durch die Gutachten der Schießsachverständigen und durch die chemische Untersuchung der Brandstellen an der Kleidung der Gräfin Lambsdorf vollkommen überführt. Danach muß er den Revolver dicht an den Körper in der Herzgegend gehalten und abge- schössen haben. Auch die Tötung der sechsiährigen S e n t a Eckert gibt Böttcher zu. Er will beim Anblick des Kindes unter dem Einfluß des Alkohols in Erregung geraten sein. Als sich das Kind seinen Lüsten widersetzte, hat er es erwürgt. Die Leiche wurde in ein Kornfeld verschleppt, und dort hat Böttcher die Leiche g e- schändet, in ähnlicher Weise wie bei der Gräfin Lambsdorf. Unter den weiteren Anklagepunkten befindet sich auch der Raub- Überfall auf die Krankenschwester, der zur Entdeckung des Mörders geführt hat. Böttcher will feit seiner frühesten Jugend die wüstesten Ausschweifungen begangen haben. Diese Angaben ver- anlaßtcn die Verteidiger, die Untersuchung Böttchers auf seinen Geisteszustand zu beantragen. Böttcher ist inzwischen von den Gerichtsärzten Professor Dr. Strauch und Medizinalrat Dyrenfurth eingehend untersucht worden. Beide Sachverständige sind übcrein- stimmend zu dem Ergebnis gekomnien, daß Böttcher nicht g e i st e s k r a n k ist. Die Sachverständigen betrachten ihn als ein Opfer seiner abnorm sexualen Triebe. Nach ihrer Ansicht kann man Böttcher nur als eine Sexualbestie bezeichnen. Sobald die schriftlichen Gutachten eingegangen sein werden, wird die Vorunter- suchung geschlossen werden, und die Akten werden an die Staats- anwaltschaft zur Anklageerhebung gehen.» Der zärtliche Diener verurteilt. 10 Monate Gefängnis im Potsdamer Diebstahls- Prozeß. Im wetteren Verlaus des Prozesses gegen den des Diebstahls an Besitztümern der Frau Professor Schnabel in Potsdam an- geklagten Diener Max S ch w i n z e r kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, als die Wirtschafterin von Pro- sessor Schnabel, Fräulein Katharina Sauer, vernommen wurde. Sie schilderte, daß in dem Haushalt verschiedene Gegenstände nicht ausfindbar gewesen seien und daß man schließlich dahintergekommen sei, daß der Diener Max Schwinzer sie entwdendet habe. Als man ihm Vorhaltungen gemacht habe, sei er schließlich ausfallend geworden, so daß man, um einen männlichen Schutz zu haben, die Kriminalpolizei benachrichtigt habe. Auf Veranlasiung des Vor- sitzenden, Landgerichtsdirektors Dr. Westerkamp, wurde dann d> e O ef f en tl i ch k e i t wegen Gefährdung der Sittlich- keit ausgeschlossen, da das Gericht sodann auf die Aus- sagen des Haupwngeklagten bezüglich seines intimen Verhältnisies zu Frau Schnabel eingehen wollte. Nach Wiederherstellung der Oefsentttchkeit ergriff der Erste Staatsanwalt Gerlach das Wort zum Strafantrag. Er betonte, daß bei den ersten drei Angeklagten der fortgesetzte schwere und einfache Diebstahl erwiesen worden sei. Das Märchen, daß Schwinzer die Gegenstände geschenkt bekommen oder an Stelle des nicht gezahlten Lohnes erhalten habe, sei in der Verhandlung widerlegt worden. Ebenso sei nicht zutreffend, daß er in Wirklichkeit die engen Beziehungen zu Frau Profeflor Schnabel gehabt, deren er sich vor Gericht gerühmt habe. Er könne nicht als dos bezeichnet weiden, was man«ekiebter nenn«. Der Staatsanwalt beantragte wegen des schweren Dertrauensbruches gegen Max Schwinzer 10 Monate Gefängnis, gegen Frau Liese 3 Monat« Gefängnis, gegen ihr« Tochter Johanna Liese ebensalls 3 Monate Gefängnis und gegen Georg Schwinzer wegen Hehlerei 2 Wochen Gefängnis, die in 100 Mk. Geldstrafe umzuwandeln seien. Bei Frau Liese kann evtl. Strafaussetzung erfolgen, nicht aber bei Johanna Liese, die schon einmal wegen Unter- schlagung bestraft wurde und augenscheinlich die Triebfeder des ganzen Diebstahls gewesen ist.— Das Urteil lautete gegen Max Schwinzer wegen schwe- ren Diebstahls auf 10 Monate Gefängnis, gegen die Ehe- frau Liese auf 3 Monate Gefängnis unter Gewährung von Strafaufschub, gegen Johanna Liese auf 5 Monate und gegen Georg Schwinzer wegen Hehlerei auf 10 Tage Gefängnis, die in eine Geldstrafe von 100 Mk. umgewandelt wurden. Diese Geldstrafe kann monatlich in Raten von 10 Mk. abgezahlt werden. In der Urteilsbegründung betonte Landgerichts- direktor Westerkamp, daß bei den ersten drei Angeklagten der schwere Diebstahl glatt erwiesen sei. Strafverschärsend sei bei Max Schwinzer die Art semer'Verteidigung hinzugekommen, denn er habe den Vorwurf, den er gegen Frau Professor Schnabel in aller Oeffentlichkeit erhoben habe, in der nichtöffentlichen Sitzung zurücknehmen müsien. Die drei Angeklagten hätten eine ganz« Wagenladung voll Sachen gestohlen und gemeinschaftlich die Woh- nung ausgeplündert. Das Gericht stehe auf dem Standpunkt, daß die treibende Kraft die Braut des Hauptangeklagten gewesen sei. die ja auch seinerzeft der Staatsanwaltschaft di« Parteibücher in die Hände gespielt hatte._ Vernehmung veS Mörders Vuchholz am Tatort. Der Heizer B u ch h o l z, der kein« Frau im Schulkeller um- brachte, wird unter der Anschuldigung des Mordes jetzt noch Moabit gebrocht werden. Gestern wurde er von den Kriminal- kommissaren Dr. Anuschat und Quoß, von mehreren Beamten bewacht, noch einmal an den Tatort geführt. Der Lokal- termin hatte den Zweck, einige Angaben an Ort und Stelle nachzu- prüfen und bestehende Widersprüche aufzuklären. Dabei Kichte man auch nach dem verschwundenen Geld« der Frau, jedoch ohne etwas zu finden. Ob Buchholz seine Frau mit einem Stück Holz oder einem Ziegelstein erschlagen hat, will Buchholz jetzt nicht mehr wissen. Die Frage, ob es ihm möglich gewesen wäre, die Leiche in der Heizung der Schule zu oerbrennen, ist zu bejahen. Er hätte sie dazu allerdings zerstückeln müssen. * Die beiden Sommerfelder Mörder Kurt S o m m er und Friedrich Librenz wurden noch Abschluß der Berliner Ermittlungen und Vernehmungen und protokollarischer Festlegung aller Aussagen gestern— Donnerstag nachmittag— von Kriminalkommissar Müller und einigen Beamten unter sicherer Bewachung nach Guben gebracht und dort der Staatsanwaltschaft vorgeführt. In ihrem merkwürdig zynischen Verhalten ist bisher keine Veränderung ein- getteten. Mord»ttd Selbstmord auS verschmähter Liebe. Seit einigen Tagen bemerkte man in der Wohnung der Witwe Schwericke in" der Bcrgholzer Str. 2 in Potsdam Tag und Nacht ununterbrochen elekttisch Licht brennen. Die Polizei wurde benach- richtigt, und als man in die Wohnung trat, fand man in der Küche Frau Schwericke und ihren zwölfjährigen Sohn äls Leichen vor. Mutter und Sohn hatten sich mit Gas vergiftet und lagen seit Sonntag tot in der Wohnung. Die Witwe war verlobt, aber ihr Bräutigam hatte sich vor einigen Tagen mit einer anderen verheiratet. Aus Gram darüber hat Frau Schw. sich und ihr Kind durch Gas getötet._ Ein schwerer Betriebs unsall mik tödlichem Ausgang ereignet« sich"' gestern nachmittag in einer Pianosortesobrik in der Schweidnitzer Straße 11/15. Der S�jährige Fräser Richard Karasch aus der Schönleinstraß« wurde von einem zu- rückschlagenden Moschinenhebel so schwer gegen die Brust getroffen. daß er bewußtlos zusammenbrach. Der Verunglückte wurde zum nächsten Krankenhaus gebracht, bereits auf dem Wege dorthin trat der Tod ein. Freie Soziallstisch« Hochschule. Sonnabend, den 12. sscbruar. abends 71/, Ubr. findet im grohen Saal de» ebem. Herrenhauie». Leipziger Str. 3, ein Vortrag de» Genossen ftntz Tornow, Borfitzender de» Deuischen Hol,- arbeileroerdande», über da» Thema:»Lohnprodlem und Wirt- schalt» a�lsbau' statt. Karte» zum Preise von S0 Ps. find an den betannicn«stellen z» haben. cichlenberg 11— lasmaula spielt nicht Kieler Straß«, sondern auf Sparta- platz Hauffstraße. wi Gerichtstag. von Fred Bsrence. Copyritht 1925 by P«»l Zsobuy. Wie»' Der Vater unterbricht sie heftig. Er spricht englisch: man tut immer so, als ob ich von dieser Sprache nichts ver- stünde. „.Wirft du mir jetzt eine Szene vormachen?" „Wenn du glaubst, daß er nicht alles sieht, so täuscht du dich." Dann wandte er sich zu mir:„Geh, Jacques, schau in den Garten, was Alice dort macht, sie ist ganz allein." Ich gehe mit schwerem Herzen. Im Garten spielt Alice ruhig mit ihrer Puppe: sie ist ganz glücklich über mein Kommen. „Du bist jetzt mein Mann," sagt sie ernsthaft,„und du wirst meiner Nichte einen Besuch machen." Ich spiele mit ihr, aber sie ist gar nicht zufrieden. Ich bin zerstreut und denke an das, was oben vorgeht: sicherlich ein ähnlicher Auftritt wie der, bei dem ich zwei Wochen vor- her Zeuge war. Und richtig öffnet sich die Tür und die Mutter erscheint am Arm ihres Gatten. Er strahlt und streicht zufrieden über seinen schönen blonden Bart: sie kommt langsam auf uns zu: eine Falte steht, kaum mehr sichtbar, auf ihrer Stirn. Sie ruft:„Jachues, du mußt ein paar Besorgungen machen." „Hol' dir einen Korb, sagt der Vater mit einer Stimme, in die er einen zärtlichen Klang legt. Meine Mutter sagt mir, was ich holen soll, dann ent- fernt sie sich mit Alice und der Vater gibt mir das nötige Geld. Gerade wie ich fortgehen will, blickt er hastig herum. Niemand in Hörweite! Er zieht die schreckliche Flasche heraus, dann sagt er mit erstickter ernster Stimme:„Laß mir diese Flasche mit Kognak anfüllen, es ist mir sehr schlecht und ich will die Mutter nicht erschrecken." Vor fünf Minuten hat er ihr zugeschworen, nicht mehr zu trinken, dachte ich, und ich leiste Widerstand. „Nein, die Mama hat mir verboten, in ein Wirtshaus zu gehen." „Sei nicht so blöd: wenn di« Mutter wüßt«, wie mir übel ist. würde sie dich selbst schicken: da» ist da» einzig«, wa, mir hilft. E» ist«ch Medikame»t, nicht» als ein Medika- ment: damit du siehst, daß es so ist, wie ich dir sage, kannst du ihn in der Apotheke holen." „Ich habe der Mama versprochen, nie mehr Kognak zu holen," sage ich eigensinnig. „Jetzt wird's mir aber bald zu dumm: ich bin dein Dater, und du mußt mir gehorchen." Und ich gehorche. Aber am Abend ließ er mich nur allzusehr fühlen, daß er mein Vater war. Wir aßen die Suppe, die ihm ausge- zeichnet schmeckte, und er sagte, ich müßte noch einen Teller essen. „Suppe ist für Kinder(und er betonte das Wort) sehr gesund." „Nein, danke." „Was soll das heißen, nein danke, ich will, daß du noch einen Teller Suppe ißt." „Aber ich habe wirklich keinen Hunger mehr." Nachher hatten wir eingemachten Blumenkohl, der meine Leibspiese war, und das wußte er. „O, der junge Herr hat keinen Hunger mehr, um so besser, marsch ins Vett." Ich warf meiner Mutter einen flehenden Blick zu. Sie rührte sich nicht, schien nichts zu sehen und nichts zu hören. Ich stand langsam vom Tisch aus. Da stürzte er sich auf mich und versetzte mir einen Faustschlag auf den Kopf. Die Mutter flehte mich mit einem traurigen Blick an, zu schweigen. Ich ging, nun gaubte ich verstanden zu haben. Sie yatte Angst vor ihm. Jetzt erhob ich mich immer frühzeitig, bereitete das Frühstück, und während das Wasser kochte, putzte ich di« Schuhe. Dann erst kam mein Vater aus seinem Zimmer, be- mängelte den Kaffee, der einmal zu stark, ein andermal zu schwach war. die Schuhe, die nicht genügend glänzten, die Küche, die nicht gut gekehrt war oder die Tassen, die schlecht abgewaschen waren. Jedesmal schloß er seine Vorwürfe mit den gleichen Worten:„Du bist ein rechter Unnütz." Aber das ließ m-ch ganz kalt. Die Mutter, die immer kränkelte stand erst auf. nachdem ich schon zur Schule ge- gangen war. So vergingen einig« Wochen: während dieser Z«it«urd« ich unaufhörlich ausgezankt, beschimpft, geschlagen. Eine, Abend» macht« ich mein« Schulaufgaben, di« Mutter stopft« Strümpfe beim Schein der Hängelamp«. Alice schlief im Nebenzimmer: der Vater sollte aus Chambsry erst mit de» letzten Zug zurückkommen. Tiefe Stille herrschte, durch di« offenen Fenster drangen laue Wellen von Luft. Plötzlich wird die Tür unserer Wohnung sacht geöffnet, jemand schleicht herein. „2>as ist Mama!" murmelte die Mutter erschreckt.„Was sie nur wollen mag?" Und richtig, es ist Frau Bonnard. „Guten Abend, guten Abend. „Was gibt's?" „Nichts Gutes, arm« Alice, nichts Gutes." wiederholte sie:„schon seit längerer Zeit bemerke ich, daß dein Mann nicht mehr arbeitet." „Was weißt denn du darüber?" „Wie sollte ich nicht, wenn eure Gläubig«? immer und ewig bei mir anläuten, um eure Schulden einzufordern. Der Möbelhändler war gestern bei mir und hat mir gesagt, daß dein Mann ihm seit drei Monaten keinen Sou gezahlt hat, weißt du das?" Die Mutter ließ den Kopf sinken, sie war ganz blaß ge- worden. „Ich habe an die Fabrik in Devey geschrieben, denn ich wollte ja schließlich wissen, wie die Dinge stehen. Die Antwort ist schrecklich." „2)u lieber Gott, was ist denn geschehen?" „Dein Mann ist entlassen worden." „Entlassen? Warum denn?" Sie zieht einen Brief aus der Tasche und legt ihn vor meiner Mutter auf den Tisch:„Da lies selbst." „Ich kann ihn nicht lesen, bitte, sag mir alles." Nun hat die Stimme der Großmutter einen schneidenden Klang. „Sie teilen mit, daß sie sich gezwungen sahen, deinen Mann wegen der Unterschlagung von Geldern zu entlassen." „2)as ist nicht wahr!" Dieser Schrei ist so echt, so erschütternd, daß sogar die alte Frau davon ergriffen wird. .Leider doch, du Arme, es ist nur allzu wahr, hör' nur." „Er hat bei einigen unserer Kunden Schulden gemacht. Am Tage, wo wir ihn verhafte« lassen wollten, hat er ein« Erklärung unterzeichnet, worin er bestätigt, daß er uns mit all«n Vorschüssen, die er schon«rhalten hat,«ins Summe von viertausend Franken schuldet." Wo laut«« Schluchz« läßt ste im L«s«n invsrhalten. (Forts etzu-g folgt) Um die hafenwirtfthast Oerlins. Stadtverordnetendebatte über den Behala-Vertrag. Die Berliner Stadtverordnete nverfammlung tat gestern dem Stadtverordneten Kunze(Knüppel-Kutize) die unverdiente Ehr« an. über seinen gegen den Vertrag der Stadt Berlin mit der Berliner Hafen- und Lagerhaus- Aktiengesellschaft(Behala) gerichteten Antrag noch ein paar Stunden hindurch zu debattieren. Was Kunzes Angriffe w e r t s i n d, war schon im Ausschuß festgestellt worden, aber gestern wurde es ihm noch einmal vom Oberbürgermeister Böß gesagt. B ö ß heb hervor, daß der Behala-Vertrag es ermöglicht Hot, den Schiffs- güteroerkehr in dem notwendigen Umfang nach Berlin zu ziehen und unsere Häfen zu beleben. Auch Stadtbaurat Hahn wies auf diesen Erfolg hin. Wie sehr an dem demagogischen Geschrei über den Behala-Vertrag die Kreise neidischer Schiffahrts- und Speditionsunternehmer beteiligt sind, zeigte unser Ge- nasse B r o l a t. Immerhin scheint es der sozialdemokratischen Fraktion wünschenswert, daß oersucht wird, den unter dem Zwang der Jnslationszeit geschlosienen Behala-Vertrag zu revidieren. Sie beantragte, entweder die Hafenwirtschaft in städtische Regie zu übemehmen oder ein« den jetzigen Der- bältnilsen entsprechend« höherePachtsummezu erwirken. Zur Abstimmung kam es noch nicht, well in vorgerückter Stunde die Reih?» sich lichteten. * Di« gestrige Sitzung der Stadtverordneten«röffnete der Vor- steher. Genosse haß. mit einem Nachruf aus den kürzlich ver- storbenen Stadwerordneten Müller-Franken.der der Fraktion der W-rtschoftspartei angehörte. In der Beantwortung einer volks- partellichen Anfrage wegen einer angeblichen Fusion derstädti- scheu Oper mit der Staatsoper betonte Oberbürgermeister Vöß. daß von einer Fusion keine Red« sein könne. Alles sei noch im Fluß: der Magistrat werde in nächster Zeit der Stadwerordneten- Versammlung eine Vorlage zugehen lassen.— Eine Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion wegen der Mißstände im städtischen Frauenasyl in der Wiesenstraße begründet« Genossin Todenhagen. Sie bekräftigte d-e im„Vorwärts" bereits angeführten Tatsachen und süqte unter Beibringung umfanqrsichen Materials ein« Kritik weiterer Mißstände hinzu. Bürgermeister Scholz gab zu, daß Mißstände vorhanden sind, meinte aber, daß erst noch in neuester Zeit durch Kontrollen des Hauplgesundheitsamtes Derbesserungen angeordnet worden feien, so daß„die hygienischen Verhältnisse jetzt auch den kritischsten Anforde- rungen genügen". Nach den Ausführungen einiger weiterer Redner erklärte Genossin Todenhagen. noch einmal zu Wort gekommen, daß die tatsächlich vorgefundenen Zustände die Schilderung im„vorwärts" noch über troffen hätten. Die Behauptung des Bürgermeisters, daß vieles im„Vorwärts" Geschriebene unrichtig sei, stimm« also nicht. Der Magistrat betrachtete die kurzen Mittellungen des Bürgermeisters als eine genügend« Beantwortung der Anfrage. Die Versammlung wandt« sich dann der aus dem Ausschuß zu- rückgekommenen Magistratsoorlage wegen der Neuorganisation und der Vereinheitlichung der Schulgesundheitspflege zu. Der Magistrat hatte in s«iner Vorlage vorgesehen, für je booo Schulkinder einen hauptamllichen Schularzt, für 2500 bis 3000 Kinder einen nebenamlsicheu Schularzt und für 3000 Kinder eine Schul- sürsorgeriu anzustellen. Wegen der Ausdehnung d«r Schulgesund. beitspflege auf die städtischen Berufs- und Fachschulen wird d«r Magistrat alsbald ein« Vorlage machen. Der Ausschuß hat sich der Magistratsvorlage angeschlossen, in einer Resolution sich aber � ous den Standpunkt gestellt, daß die Borlage nur ein« Mindest- sorderung erfülle. Bei der Einteilung der Schularztbezirke tollen die örtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Bezirk« d.'rücksichtigt werden. Ein Abbau der Schulpslege und der Schul- ärzte darf auf Grund der Vorlag« nicht erfolgen. Nachdem die Diskussionsredner die Zustimmung ihrer Fraksionen erklärt hotten, erfolgte mit einer großen Mehrheit die A n n a h m e der Vorlage und der Ausschußensschließung.— Die Stadtverordneten Kunze (Dtsch.-soz.) und Parteifreunde hatten seinerzeit beantragt, die Pachtverträge. die die Stadt Berlin mit der Vertiner Hafen- und Lager- haus-A.-<5. abschloß, einer Revision zu unterziehen. Angeblich sei die Stadt dabei benachteiligt worden. Der Ausschuß hatte unter Ab- lehnung des Antrages Kunze beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, dahin zu wirken, daß der Einfluß der Stadt bei der Gesellschaft zur Wahrung der allgemeinen Interessen und zur Erzielung eines günsti- geren finanziellen Ergebnisses für die Stadt ein größerer wird. Zu diesem Zwecke sollen Stadtvertreter in den Aufsichtsrat der Gesellschaft entsandt werden. Nach der Berichterstattung durch Stadw. Pfundlner(Dnat.), fordert« der Fraktionsredner der Deutsch- nationalen, daß die Stadt alsbald von den Verträgen loskomme-, der Kommunist Leh trat in die gleichen Fußtapsen und verlangte, daß die oerpachteten Häfen so bald als möglich wieder in den Besitz der Stadt zurückgeführt würden. Der Volksparteiler Cuspari warnt« davor, es auf einen Prozeß mit der Hafengesellschaft ankommen zu lassen, wobei er besonders juristische Bedenken vorbrachte. Nach ihm kam der Stadtverordnete Kunze(Dsoz.) wieder einnial zu einer längeren Agitationsrede zu Wort. Cr operierte dabei mit Zahlen und Behauptungen, die vom Oberbürgermeister vöß sofort als u n- richtig bezeichnet wurden. An markanten Beispielen konnte der Oberbürgermeister das unbezweifelbar nachweisen. Im übrigen be- tonte der Redner, daß es der Hafengesellfchast tatsächlich gelungen ist, den Schissahrtsverkehr nach Berlin zu ziehen. wozu die Stadt allein nie imstande gewesen wäre. Was nützt der Stadt Berlin das schönste Lagerhaus, wenn es teer steht, fragte der Oberbürgermeister. Der Osthofen hat srüher einen jährlichen Zuschuß von 600 000 M. erfordert, jetzt wird er gut in Anspruch genommen. Auch Stadtbaurat Hahn betonte, daß es der Hafengesellschaft infolge ihrer auswärtigen Verbindungen tatsächlich gelungen ist, den Perkehr nach den Berliner Häsen zu lenken. Den Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion vertrat Stadtverordneter Genosse vrolal. Der Redner konnte die interessante Tatsache initteilen, daß seinerzeit auch die Deutsch- nationalen durchaus für die Verpachtung gewesen sin�. Allerdings verlangte damals derselbe Redner, der heute namens der Deutschnationalen sprach, daß andere Firmen zur Verpachtung herangezogen würden. Bei den Perhandlungen stellte sich dann aller- dings heraus, daß diese Firmen nicht entfernt solche Angebote machten als die„Behala". Es zeigt sich, daß dieselben Interessenten- kreise, die jetzt über die Verpachtung durch die Stadt und über die „Behala" schimpfen, früher die städtischen Häfen und die Lagerlzänser sabotierten. Dieser Umstand, die damaligen sinanziellen Ver- hällmsse Berlins und die ständigen Zuschüsse für die Häfen waren ausschlaggebend für die Verpachtung. Das Gutachten des Stadt- iynditus sagt, daß an eine Lösung des Pachtvertrages nicht gedacht werden könne, und daß dem besonders juristische Schwierigkeiten entgegenständen. Die Kosten für ein Oberautochten seien zu hoch. Die Interessengruppen, die heute gegen die Hafengesellschaft wettern, wollen ja beileibe nichl etwa eine Bewirtschaftung der Häsen und Lagerhausanlogen durch die Stadt, sondern sie wallen mitbeteiligt, sie wollen mit von der Partie sein! Darin liegt das Merkmal dieses Vorgehens und das muß bei der Beurteilung der Reden berücksichtigt werden. B r o l a t trat für die Annahme des folgenden Antrages unserer Fraktion ein: Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, alle Schritte zu unternehmen, die eine Uebernahme der städtischen Hafenanlagen in eigene Regie ermöglichen. Falls das nicht zu erreichen ist. ist darauf hinzuwirken, daß die Pachtsumme dem Wert des Objektes und den jetzigen Bcrhältnissen entsprechend erhöht wird. Die Abstimtnumng über die vorliegenden Anträge wird am kommenden Donnerstag erfolgen. Schnellbahn Hefunübrunnen-Nenkölln. Bereits im Juli Zugbetrieb.— Herbst 1928 Eröffnung der ganzen Strecke. Bekanntlich hat die Linieniührung der Schnellbahn Gesund- brunnen— Neukölln in ihrem wichtigsten Teil am Alexanderplatz eine wesentlicheAenderung erfahren. Während in dem Ursprung- lichen Plan die Schnellbahn durch die Neue Friedrichstraße, Kaiser- Wilhelm-Strahe und Münzstraßc geführt war und hierbei eine Haste- stelle an der Kreuzung mit der Königstraße vorgesehen war, wild sie jetzt endgültig von der Haltestelle Stralauer Straße unter dem Land- und Amtsgericht Mitte, dem Stadtbahnoiadukt und der Hoch- bahn-S!ammstrecke hindurch in die Dircksenstrahe und weiter in einer Doppelkurve die Kaiser-Wilhelm-Straße kreuzend, in die Miinzstraße geleitet. Gegenwärtig ist dieser Plan auf dem Polizeiamt Mitte onen ausgelegt und Interessenten Gelegenheit gegeben, etwaige Em- Wendungen gegen den Plan im Umfang ihres Interesses varz»- bringen. Nach diesem Plan erhält die Schnellbahn die Haltestelle Alexander platz in der Dircksenstraße, immittelbar neb«n dein Fern- und Stadtbahnhof der Reichsbahn: ein unter der Straße liegender Gang stellt in bequem«? Weise die Verbindung zwischen den beiden Bahnhöfen her. Außerdem ist der zwischen den Gleisen liegende Bahnsteig auf beiden Seiten durch Zngangstreppen zu erreichen, die in die Bürgcrsteige einmünden. Ein Stockwerk tiefer, also unter der Schnellbahn Gesundbrunnen— Neukölln und senkrech« zu ihr. liegen die beiden Bahnsteige für die Schnellbahnen nach Frankfurter Allee, Lichtenberg und Weißen- s c c. Für dos bequeme Umsteigen zwischen diesen Untergrundbahn- linien und der bestehenden Stammstrecke ist in ähnticher Weise wie aus dem Dahnhof Gleisdreieck Vorsorge getrofien. Weitere Zugangs- treppen sind aus dem östlichen und westlichen Teil des Alexander- Platzes angeordnet. Die B a u a r b ei t e n. die sich durch die Anlage von drei Bahnsteigen naturgemäß recht umfangreich gestalten werde», sollen wie wir erfahren. Mitte Marz in Angriis genommen und in einheitlichem Zuge durchgeführt werden. Nach Beendigung dieser Arbeiten wird dann auch die Oberfläche des Alexanderplatzes die für die Verkehsregelung zweckmäßige Austeilung erfahren. Im südliche» Abschnitt der Neuköllner Bahn schreiten die Bau- arbeiten rüstig»«ran. s» daß im 2 u l l der Zugbetrieb zwischen den Haltestellen Müncksner Straß« und Böckhstroß, über Hermannplatz »rojsne« werden soll, Reanderstraß« eusg«! nommen'werden" Do? den''Wichen Zweiastrecken der Rordsüd- daha wird toe?i»i- w»ch Tampeltosi. nw mit mciai etjotom u» setzung bis Tempelhos noch bis zum April 1S2ö auf sich warten August bis zur Haltestelle Flughafen eröfinet, während die Fort- setzung bis Te WWW lassen wird. Die Berlängening in Neukölln bis zur Grenzallee wird Anfang 1928 fertig fein. An den Schnittpunkten in Neukölln und Tempelhof mit dem Südring werden die Straßen in wesentlich größerer Preite unter dem Bahnkörper hindurchgesührt. ,Seamtenrecht.' Im Rahmen prograinmatischer Vorträge sprach am 4. Februar ini Jugendheim Lindcnstraße 3 vor einer recht zahlreichen Hörerschaft der Bezirksarbeitsgemeinschast sozialdemokratischer Beamten und Lehrer Senatspräsident am Kannnergericht i. R. Genosse A. Freymuth über:„Die gegenwärtige Rechtsstellung der Beamten. Wir wissen zwar, daß die Reichsverfassung jedem Deutschen das Recht der„freien Meinungsäußerung" gewährleistet, doch harrt dieser Begriff für die Beamtenschaft noch immer einer authentischen Inter- pretation. Besonders stark ausgefallen sind ja bekanntlich die sich hieraus ergebenden Mängel bei den letzten Beratungen zur Reichsdicnststrasordnung. Senatspräsident Freymuth befaßte sich eingehend mit dieser so ungehener wichtigen Frage und sagte u. a.: Die wichtigsten Vorlchriften für die Beamten sind in der Reichsverfossung enthalten. Dort wieder ist besonders bedeutsam Artikel 129: Anstellung aus Lebenszeit. Dann ist von größter Wichtigkeit Artikel 13 0: Veretnigungs- freiheit der Beamten. Die Frage aber, ob damit auch das Streikrecht der Beamten gewährleistet ist, wird zu verneinen sein. Di« grundsätzliche Stellung des preußischen Oberverwaltungsgerichts, daß den Beamten das verfasiunasniäßige Recht der freien Meinungsäußerung(Artikel 118) grundsätzlich nur in- soweit zustehe, als nicht die besonderen Beamtenpslichten dagegen sprächen, ist abzulehnen. Die Reichsverfassung als wichtigstes Ge- leg geht vor. Zwingende Beamtenpslichten können allerdings das Recht einschränken. Dabei muß ober an Stelle der„Tradition" stets gefragt werden, ob alte Beamtengesetze oder Anschauungen sich noch mit der republikanischen Verfassung und der gesetzlichen Neugestaltung de, Staatslebens vertragen. In dem neuen Straf- gefetzentwurf sind die Borschristen über de« diplo- matischen Landesverrat»erlcharft. namentlich soll auch fahrlässige Begehung strafbar sein Iy dem Reichsdilziplinargesetz- entwurs ist als Neuerung vorgesehen, daß auch im Ruhestand be- findliche Beamte disziplinarisch mit Titelverlust und Ruhegehalts- verlust bestraft werden sollen, wenn sie wegen Landesverrat ver» Uüeii worden sind. Lei der betomten Rechtsprechung der deutscheu Gerichte in Landesverratssachen besteht die dringende Befürchtung. daß diese Vorschrift nur dann benutzt werden wird, um republikanisch gesinnre Ruhcstandsbeamte mundtot zu machen. Diese Entwürfe müssen daher von den republikanischen Parteien, namentlich von der der SPD., zu Falle gebracht werden. Die SPD. tritt durchaus für das Berussbeamtentum, mit Anstellung auf Lebenszeit, ein. Sie verlangt aber, daß der Beamte sich nicht als Obrigkeit gegenüber den Untertanen fühlt und benimmt, sondern als Volks- genösse gegenüber den Volksgenossen, treu verbunden der Repu- blik, getragen von dem Verständnis des Artikel 1 der Reichs- Verfassung: Die Staatsgewalt geht vom Volke aus! Die Persamm- lung zollte den Ausführungen des Genossen Freymuth starken Beifall. Es entwickelte sich dann ein« lebhafte Aussprache, in der insbesondere Genosse Thurau die rigorose Handhabung der „P e r s o" und das sogenannte Leistungszulagensystem der Reichs- bahnverwaltung mit scharfen Worten geißelte und auf das euer- gischste zum Protest aufforderte. 4- Der nächste Vortrag findet am Freitag, den 18. Februar, abends 8 Uhr, im Jugendheim, Lindenstraß«, statt. Genosse Polizeihaupt- mann a. D. Siering spricht über:„Die künftige Gestaltung des Beamtenrechts." Die neuen Telephon-Gebühren. Der vorczeschene Tarif um etwas verbessert. Grundgebühr 3 bis 8 Mark. In der Sitzung des Verwallungsrals der Deutschen Reichspost vom 10. Februar richtete der Reichspost mini st er nochmals einen Appell an die Mitglieder des verwaltungsrales und ersuchte sie, die neue Fernsprechgebührenordnung zu verabschieden. Er ver- sicherte, daß die Berechnungen der Selbstkosten auf nachgeprüften Talsachen beruhen. Dann erklärte Staatssekretär Dr. Feyerabend, daß die Sanierung des Fcrnsprechwesens den neuen Tarif verlange. Trotz größter Sparsamkeit sei es noch immer nicht möglich, die not- wendigen Mittel für den Ausbau des Fernsprechwcsens auf- zubringen. Für da? Rechnungsjahr 1927 fei eine neue Anleihe In höhe von 300 Millionen Mark vorgesehen. Dadurch, daß es nicht möglich gewesen sst, oberirdische Ortsnetze durch Kabel zu ersetzen, sei in� diesem Jahre durch Sturm und Witterungseinflüsse bereits ein Schaden von sechs Millionen Mark entstanden. Wenn die Deutschs Reichspost nicht die genügenden Mittel erhalte, werde es nickt möglich sein, die Schwachstromindustrie wie. bisher voll zu beschäftigen, und es würden sich Arbeiterentlassungen er- geben.— Nach eingehender Beratmig fand der grundsätzliche Anlrag des Abg. Sleinkapf(Soz.) mit großer Mehrheit Annahme, die Orts- gesprächsaebühr nicht zu staffeln, sondern einheitlich ohne Rücksicht auf die Zahl der geführten Gespräche zu bemessen. Darauf wurde mit Mehrheit folgender Tarif angenommen. o) G r u n d g e b ü h r bis 59 Aiiscblüsse... 3,— M. monatlich 50— 100 Anschlüsse 4.—. 100- 200. 5,—. 200— 500. 6—, 500— 1 000. 6,50_ 1000— 5 000„ 7,—, 5000—10 000. 7,50,_ 10 000— 30 000, 8,—, c) die Ortsgesprächsgebühr beträgt für jedes Gespräch i0 Pf. MrmalliK v) Pflrchtgespräche in Orlen bis 50 Anschlüsse 20 Gespräche 50 bis 1000„ 30 über 1000. 40. ä) Ferngesprächsgebühren bis 5 km 10 Pf. , 16 km 30. „ 25 km 40, , 60 km 70, , 75 km 90„ „ 100 km 120, und weiter wie bisher. Ein Abänderungsantrag der Wgg. S t e i n k o p f und Taubadel(Soz.), die Ortsferngefprächsgebühr aus 8 Pf. festzusetzen und dafür die Fernsprechgebühren bis 76 Kilometer auf 100 Pf. zu belassen, wurde mit geringer Mehrheit abgelehnt. Damit war die Frage des neuen Fernsprechgebührentarifs erledigt. In der weiteren Debatte über die neue Fernsprechordnung wurde vom Abg. Stein köpf(Soz.) beantragt, die für Fe hl oerbin- düngen usw. zu vergütenden Prozentsätze von 3. 4 und 6 Proz. auf 6, 6 und 7 Proz. zu erhöhen. Staatssekretär Dr. F e y e r- abend bekämpfte diesen Antrag mit dem Hinweis darauf, daß die Deutsche Reichspost mir einer solchen Erhöhung die Fehler- haftigkeit ihres Gesprächszählverfahrens zugeben würde. Der An- trag wurde gegen die Stimmen der Gruppen Reichsrat und Per- sonal mit geringer Mehrheit abgelehnt. Eine weitere Aendening bedeutet die Herabsetzung der Fernsprechgebühren von 7 Uhr abends bis 8 Uhr früh auf zwei Drittel der gewöhnlichen Sätze und die Ermäßiaung der Herbeinifungsgebühr von 60 auf 40' Pf. Mit diesen Äenderungen wurde die neue Fernsprechordnung mit Mehrheit angenommen. Nach diesen Tarisen be- trägt zukünftig die Gebühr für die Münzfernsprecher ebenfalls nur 10 Pf,_ Die unerwünschte �rbeiterfleSlung. Die von der„G e h a g" auf Zehlendorfer Gelände gebaute Sied- lung mit etwa 800 Wohnungen ist den deutschnationa- len Zehlendorfer Kirchturmspolitikern schon längst ein Dorn i m A u g e. Für Montag, dm 7. Februar, war deshach nach der Aula des Gymnasiums von den zu einer Arbeitsgemein- schast zusammengeschlossenen 28 dentschnationalcn Vereinen eine Volksversammlung einberufen worden. Um die Sache recht geschickt zu oerkleistnn, wurde zunächst ein Lichtbildvortrag vom Stapel ge- lafsm, gegen d'n von jedem Freunde der Natur nichts einzuwenden war. Des Pudels Kern aber bildete eine Resolution, die sich g e g e n die Bebauung mit Arbeitersiedlungen richtete. In der von unseren Genossen beantragten freim Aussprache sah sich der deutschnationale Bezirksverordnetc Hage gezwungen, eine Erklärung abzugeben, die ihm jedenfalls sehr sauer geworden ist. Er mußte an- erkennen, daß der Magistrat der Gemeinde Groß-Bcrlin alle er- denklichen Mittel beteitgestcllt lzatie zur Förderung des Bezirks Zchlendorf und erklärte weiter, daß eine selbständige Gemeinde Zehlendors wohl kaum in der Lage wäre, die gleichen Mittel auszu- bringen. Es lag also für unsere Genossen- gar keine Veranlassung vor. einer Resolution zuzustimmen, die von dem Magistrat der Stadt Berlin neue Mittel für Zehlendors forderte. In der Resolution war serner nicht die Red« von der Enteignung de» im Privatbesitz be- findlichen Waldes, wo» ja auch nicht verwunderlich war. da im ver« gangenen Jahre»in Antrag de» Bezirksamtes auf Sicherstellung von Grünilachen am Wannse« von den Deutschnationalm abgelehnt wurde. Die deutschnaticmale Arbeitsgemeinschaft� erhielt bei der Abstimmung dann auch die verdiente Quittung für Ihr bisherige» Berhalten. indem die Resolution mit ISS gegen 72 Stimmen abgelehnt wurde. Die Neugestaltung der Schulgesunöheitspflege.' M Di« Schulpesundheits pfleg« in Berlin war bis- her uneinheitlich organisiert. In manchen Bezirken gab und gibt es nur hauptamtliche Schulärzte, in manchen nur nebenamtliche, in wieder anderen Bezirken herrscht das sogenannte»gemischte System". In einigen Bezirken betreuten hauptamtlich« Schulärzte bis zu lstvOO Kindern: auch die Verteilung der Schulfürsorgerinnen war bisher recht ungleichmäßig. Das hauptamtliche Schularztspstem. Bei dieser Lage der Dinge wäre es recht unzweckmäßig gewesen. jeden einzelnen Antrag der Bezirk« auf Stellenvermehrung oder Umwandlung im Gebiete der Schulgesundheitspslege gesondert zu behandeln. Und so entschloß sich der Magistrat bereits vor einer Reihe von Monaten, eine Vorlage betr. Neuorganisation und Vereinheitlichung der Schulgesundheits- pflege in Berlin der Stadtverordnetenversammlung zuzuleiten. In den meisten Punkten, namentlich bezüglich der Einführung des hauptamtlichen Schularztsystems, kam«ine Uebereinstimmung d'er Gemeindekörperschasten zustande. Die Stadt- verordnetenversammlung verlangte jedoch, daß aus einen Hauptamt- lichen Schularzt nur 300V zu betreuende Kinder entfallen sollten, während der Magistrat die Richtzahl 6000 in Vorschlag gebracht hatte. Am 25. Januar dieses Jahres hat nun der von der Stadt- verordnetcnverfammlung eingesetzte Ausschuß sich damit einverstanden erklärt, daß die in der ursprünglichen Magistratsvorlage vorgesehenen R i ch t z a h l e n der auf die Schulärzte und die Schulfürsorgerinnen entfallenden Schulkinder bei der Durchführung der Neuorganisation der Schulgesundheitspslsge in Berlin zur Anwendung kommen. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß die Stadtverordnetenversammlung in ihrer großen Mehrheit binnen kurzem im Sinne dieser Ent- jchließung sich entscheiden wird. Damit würde ein Beschluß der Gemeindekörperschaften Zustandekommen, der für das gesundheitliche Wohlergehen des heranwachsenden Geschlechts von der größten Be- deutung fein dürfte. der moderne Schularzt ist nicht mehr der„Onkel Doktor", der von dem Schulleiter nur gelegentlich einmal in Anspruch genommen wird, wenn«s sich darum handelt, festzustellen, ob vielleicht das eine oder andere Kind von einer ansteckenden Krankheit befallen und deshalb zu isolieren sei. Neben dem sehr wichtigen, recht umfangreich gewordenen Dienst des Schularzte» auf dein Gebiets der frühzeitigen Krankheitserkennung erstreckt sich seine Tätigkeit auch aus zahlreiche andere Obliegen- heiten. Die regelmäßigen Untersuchungen und die»Rethenunter- suchungen" stellen einen bedeutsamen gesundheitlichen Ueber- wachungsdienst dar. Lei der Auswahl der Kinder zur Verschickung in Kuranstalten und Erholungsstätten wirkt der Schularzt maßgebend mit. Er bezeichnet die Kinder, die aus Grund ihres körperlichen Zu- standes am Schulfrühstück oder an der Schulmittagsspeisung regel- mäßig teilnehmen sollen, er wählt die Kinder für den orthopädischen Turnunterricht aus, er treibt Berufsberatung, kurzum, feine Tätig- teit ist im Laufe der Jahre immer umfangreicher und— ersprießlicher geworden Wenn auch bei dem großen Umfang schulärztlichen Schaffens 6000 Kinder eine recht große Zahl zu versorgender Schul- kinder darstellen, so ist dennoch diese Neuregelung auf das wärmste zu begrüßen, da sie ja gegenüber dem bisherigen Zustand im allgemeinen einen wesenllichen Fortschritt darstellt. Es ist aber wichtig, daß der Stadtoerordnetenausfchuß in seiner Ent» schließung ausdrücklich betont, die Vorlage erfüll« eine Mi n» destforderung, ein Abbau der Schulpflege und der Schulärzte dürfe auf Grund dieser Vorlage nicht erfolgen. Der letztere chin- weis ist besonders wirbtig, da im Laufe der nächsten Jahre«in sehr starker Rückqang der Gesamtzahl der Schulkinder eintreten wird. Der Geburtenrückgang wird sich außerordentlich stark auswirken. In den Iahren 1013 und 1920 war ja die Geburtenzahl in Berlin recht ansehnlich. Im Jahre 1926 war deshalb auch die Zahl der Schulanfänger sehr beträchtlich. Auch zu Ostern diel es Jahres wird der Geburtenüberschuß der erwähnten Zeitspanne sich noch bemerkbar machen, dann aber wird ein wesentlicher, von Jahr zu Jahr fortschreitender Rückgang der Minderzahl in den Schulen austreten. Freilich werden die einzelnen Schulgattungen in»er- schiedener Weise betroffen werden und auch zahlreiche örtlich« Ab- weichungen vom„Durchschnitt" werden sich zeigen, zumal da ja die „Binnenwanderiinpen" der Bevölkerung linsbesondere das Verziehen kinderreicher Familien nach Außenbezirken) eine wesentliche Rolle spielen. Bleibt nun trotz des in den nächsten Iahren einsetzenden starken Geburtenrückganges d i e Anzahl der Schulärzte— obiger Entschließung geinäß— die gleiche, so wirkt sich der Ge» burtenrückgang wenistens in der Richtung tröstlich aus, daß die von den einzelnen Schulärzten zu versorgende Schulkinder zahl erheblich sinkt und die Schulpflege dann intensiver betrieben werden kann. Die Schulärzte, denen jetzt 6000 Kinder zur Betreuung überantwortet werden, dürften in einigen Iahren nur 1500 bis 5000 Schüler zu versorgen haben. Was in dieser Beziehung für die Schulärzte gilt, trifft auch für die Schulfürsorgerinnen zu. da auf jeden bauptamtlichen Schularzt je zwei Schulfürforgerinnen entfallen. Durch die Neuordnung der Schnlarsundheitspflege wird die schul- ärztliche versoraung der Fach- und Fortbildungsschulen noch nicht geregelt. Die Schulgesundheitspslege an diesen Schulen ist aber sicherlich ebenso wichtig wie an den Volksschulen, den Realschulen oder den Gymnasien. Es ist zu hoffen, daß auch hier kecht bald die notwendigen organisatorischen Neugestaltungen Platz greifen. » Ganz besonders wichtig ist aber der planmäßige Ausbau der Fürsorge auf dem Gebiete der Schulzahn- pflege. Gerade hier können durch Vorbeugen und Frühbehand- lung außerordentlich wertvolle Ergebnifle erzielt werden. Aber nur dann, wenn neben der poliklinischen Betreuung ein« regelmäßig« planvolle»Sanierung" der Gebisie der Schulkinder durchgeführt wird. Hierzu brauchen wir gute, musterhaft eingerichtete und gut geleitete Schulzahnkliniken und vor allem die genügende Anzahl von Schulzahnärzten, die dort Ihre Arbeit verrichten. 5000 bis 6000 Schul- kinder erfordern mindestens einen hauptamtlichen Schulzahnarzt. In vielen Bezirken, nicht in allen, weisen aber die Stellenpläne" auf dem Gebiete der Schulzahnpflege noch recht schmerzliche»Lücken" auf, die recht bald»ausgefüllt" werden sollten! Stadtorzt Dr. Alfred K o r a ch. Generalversammlung der Kinderfreunde. Am Mittwoch, dem 2. Februar, fand im Jugendheim Linden- straße 3 die Generalversammlung der Kinderfreund« Groß-Berlin statt. Anwesend waren 102 Funktionäre, darunter 45 D«le- gierte. Genosiin Löwen st«in gab den Jahresbericht, aus welchem ein stetes Anwachsen der Kinderfreunde- Bewegung deutlich erkennbar war. Die Auzahl der Gruppen war von 37 im Vorjahr auf 45 gestiegen. Insgesamt wurden zirka 2300 Kinder in regelmäßigen Gruppenabenden ersaßt. Außer diesen regel- mäßigen Veranstaltungen hatten die Kindersreund« mehrer« Sonder- veranstaltimgen. wie Märchenabend«. Kasperlevor- führungen. Besichtigungen usw. Im Mittelpunkt der vergangenen Jahresarbeit stand das Pro- blem der Helferausbildung. Unter Mitwirkung des Genossen Kurt Löwenstein, des Gen. Kollwitz und des Gen. Ulrich wurde dann, nach längeren Vorbereitungen� im Oktober 1926 die Kinderfreunde-Helfer- schule eröffnet. Die schule fall allen Kinderfreundefunktionären die praktisch« und theoretische Ausbildung für die Arbeit an den Kindern ermöglichen. Der große Helfermangel der Vorjahre scheint sich etwas gebessert zu haben. Zur Betreuung der oben erwähnten Kinderzahl stehen jetzt 18« Heljer zur Verfügung, ja daß durch- ichnilllich 12 Kinder auf einen Helfer entfallen. Der Kassenbericht balancierten die Einnahmen und Ausgaben und mit einem kleinen Ueberfchuß konnte das neu« Geschäftsjahr begonnen werden. In den verschiedenen Anträgen wurde besonders stark die Notwendigkeit einer eigenen Geschäftsstelle betont. Dann »and nach kurzer Diskilffion die Beratung und Annahme der neuen Satzungen statt. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die beiden bisherigen Vorsitzenden Gen. Sabath und Genossin Löwen st ein einstimmig wiedergewählt. Außerdem wurden gewählt: Döll-Britz, Dora Eschbach-Schöneberg, Irma F e ch e n b a ch-Neukölln, M e tz n c r-Wedding, P r i e tz el-Mitte, T s ch a ck e r t-Neukölln und W a r m u t b-Charlottenburg. Mit dem Wunsche einer weiteren günstigen Entwicklung der Bewegung iand die Generaloersammlung mit dem Lied»Ich ziehe meine Straße" ihren Abschluß._ Bug den Bezirken. 5. Bezirk— Friedrichshain. Die außerordentliche Sitzung der Bezirksversammlung Fried- richshain am letzten Mittwoch begann wie üblich: Geschäfts- ardnungsreden— Tumult— Vertagung— Wiedereröffnung. Kommunist Ba rtz glaubte unsere Genossen verunglimpfen zu können. Die Genossen K a y s e r und G u t e k u n st antworteten treffend darauf und stellten fest, daß der Kommunist O st r o w s k i bei dem TumuU vor dem Rathaus tatsächlich die Polizei geholt habe. Sie verbaten sich entschieden die Angriffe gegen unsere Fraktion. Zur Debatte stehen dann zwei Vorlagen des Bezirksamtes zur Be- schlußfossung. Der ehemalige Mühlen weg an der Pettenkofer- üraße� fall zu günstigen Bedingungen vertauft werden. Desgleichen die Hälfte des Grundstücks Weberstraße 9. Genosse P o h l i n g betont nochmals die UnWirtschaftlichkeit dieser Grundstücke für die Stadt, weswegen unsere Fraktion zustimmte. Ostrowski (KPD.) war der gleichen Ansicht und hat deshalb auch in der Finanz- deputation dafür gestimmt. Seine Fraktion war jedoch anderer Ansicht, so daß er nun im Plenum das Gegenteil vertrat. Beide Ueberraschende Befreiung vonVerdaunngsstörungen kann man sich in kurzer Zeit verschossen, indem man einen halben Teelöffel Biferirte Magnesia in etwas warmem Wasser sofort nach dem Essen i«mmt. oder jedesmal, wenn man Schmerzen fühlt. Tausende, die es versucht haben, erklären, es gibt nichts besseres als Biferirte Magnesia für Verdauungsstörungen. Magensäure und Du-pepsie. Besorgen Sie sich noch heute«ine Flasche aus der Apotheke Vergellen Sie nicht. Biferirte Magnesia zu verlangen— das beste Mittel, um Schmerzen in kurzer Zeit zu stille», wo nicht, erhalten Sie ans Verlangen Ihr Geld zurück. 2» jeder Apotheke in Pulver- und Tabletienfarm z, TU. 1.50 m* 20. 100 Mc Flasche. Vorlagen werden angenommen. Genosse Klingler behandelte dann eine Anfrage unserer Fraktion betr. Wieder- eröfsnung der Jutespinnerei in Stralau. Bei den Besitzern ist der Wille dazu vorhanden, nur haben bisherige Der- Handlungen in der Herbeischaffung der nötigen Betriebsmittel zu keinem Ziel geführt. Da durch diese Eröffnung 1200Arb«it«rn und Arbeiterinnen Arbeit gegeben wird, dürfte das Bestreben der Betriebsleitung zu unterstützen sein. Genosse Stadtrat Brückner erwidert, daß das Bezirksamt sich bereits im gleichen Sinne bemüht habe. Mittel wolle die Stadtbank jetzt zur Venugung stellen, wenn der Magistrat Bürgschaft übernehme. Die erste Hypoihek wird dann der Stadtbonk übertragen. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Ein Antrag der Deutschnationalen ver- langt, daß die Konrektorenwahlen nach dem Dienst- alter vorgenommen werden sollen. Der Bezirksverordnete T r e t t i n warf dabei dem Bezirksamt Parteilichkeit vor. Bürger- meister Genosse M i e l i tz bat um Ablehnung des Anttoges, da durch diesen das Wahlrecht des Bezirksamts ausgeschaltet werde. Gesetzlich ist festgelegt, daß„bewährte, allere Lehrer" zur Wahl kommen sollen. Diesem ist das Bezirksamt immer gerecht ge- worden mit dem Grundsatz, daß die Sorge in erster Lim« den Kindern gelten müsse. Genosse P o h l i ng unterstrich dies« Not- wendigkeit und stellte fest, daß auch Herr Trettin die Schaffung der Konrektorstellen als Ergebnis der neuen Zeit anerkennen mußte. Er betont, daß die sozialdemokratische Fraktion für jede Höhergruppierung der Lehrer, Angestellten und Beamten sei. aber derartiges dürfe nicht— wie hier geschehen— mit Schulinteressen verquickt werden. Der Antrag wurde ab- gelehnt, während ein Antrag der Mitte, der den bisherigen Modus gutheißt, Annahme sand. Genosse K a y s e r berichtete über die Vorschläge des Ausschusses zur Revision der Geschäfts- o r d n u n g. Cr wandte sich dabei mit Entschiedenheit gegen die Versuche der Kommunisten, die Versammlung zu terrorisieren. Nach 8 12 soll ein A e l t e st e n a u s s ch u ß ständig eingesetzt werden. § 32 bestimmt im zweiten Absatz, daß jeweilig im Juni über eventl. Sommerserien beraten wird. Im Z 52 wird eine Bestimmung ein- gefügt, die einen Einspruch gegen die Fassung des Verhandlung»- berichts festlegt. Nach längerer Debatte wurden die Dorschläge a n- genommen. In den Formen einer Mngazinnovelle schildert Gert Hartenau- Thiel, der längere Zeit Polizeiosfizier in Nioderläicknsch.Indien war. seine Begegnung mit Si-Ben-'Aogiromo, dem Zauberer auf Sumatra, der es verstand, sich unsichtbar zu inachen. Bekanntlich gibt es viel« Dinge zwischen Himmel und Erde, und Hartenau-Thiel verjucht darum auch gar nicht, irgend eine Erklärung zu geben. Wenn die Geschichte nicht wahr ist. dann ist sie eben nett erfunden, auch wenn sich der Vortragende als kein überragender Sprecher vor dem Mikro- phon empfiehlt. Otto Z a r e k befchäfttgt sich mit dem Drama der Gegenwart. Cr spricht schr gestrafft und wichtta und findet das Hauptcharakteristtkum in der Äbwenduna des Ertatischen und in dem Bemühen um ein neues realistifches Drama. Die Wandlung Hasenclevers. Krnfelds und Wer- fels wird mit Gemigttmng konstatiert. Rehfisch und Zuck- mayer erhallen ein Lol, und ausgerechnet Bronnen und Brecht werden als die Größten vorbestellt. Viele Fremdwort« b«. künden Wissen und Bildung des Vortragenden. Danach bleibt dem Hörer das Schreckliche erspart, aus dein Mund« des Wohtfohrts- Ministers Hirtsiefer zu erfahren, daß weiterer Abbau der Wohnungs- zwanaswirtschaft notwendig ist. An feiner Stelle spricht Dr. Bock in blumenreicher Sprache über„Erziehung z�um voll,. wirtschaftlichen Denken". Ein kurzer Seitenhieb auf Versailles, dann Wort«, die zum Frieden zwischen Arbeitgeber und -nehmer inahnen. Fraglich bleibt es aber, ob die Achtung vor der Arbeit der anderen und der Wille zur Produktionssteigeruiig allein genügen, um einen Frieden zu schließen. Bielleicht hat Bock damit rechi, daß volkswirtschaftliches Denken die Inflation oerhindert hätte. Er sollte aber nicht van Steigerung der Arbeitsfreudigkeit sprechen, wenn keine Arbeitsmöglichkeiten vorhanden sind. Der Tag klingt mit Beethovens Paftorale-Stnfonie unter der Lettupg Georg Feldts aus. Net»*n So» Satxbfelntariat. 2. H»s. i Trep.«cht», ,u richte». «chtungl Am Sonnabend, den 12. Februar, abends r ühr. finde« in der Zorckflraße 11(Sitzungssaal des Bezirksamls) d>e Hauptversammlung de» Zugendherbergsoerbande» statt. Alle Partei- «oosfea. die Mitglieder de» ZHV. find, werden ersuchst an dieser «eilpmehmeu. Al»«usw-i» gilt Miigliedskarle 1926 oder 192 c. lim« Uhr findet eine Vorbesprechung unserer Partei- urG SAZ- Genossen im Juge�heirv� «. ftteii P«v»lsuer OeffentNche Beamteaversammlung heute, p ffreitaa, 11. g-bruar, 7H Uhr, im Altrr»htim Damiger Ett. 82. Tages, gg Ordnung: 1. Bortrag:„AN.Prcußicch- Nru-Tcutsch?. Rlserrnt BUrgrr. f: meister Qstrawski. 2. Vortrag:»Die neue Belaldungsordnung. Rescrcnt j=| Dr. BSlter. B-rfiandsmitgliei, des ADB. Erscheint in Masse»!|| 12.«tri» rr»pelh-s.«arir-d-rs.»arlensel»«. Sichtexr-d-. Die»eutior Sitzung de» Bildungsausschusses bei Niendark, Marlendorf, Ehausseestr. Id. beginnt vllnltlich 7U Uhr. da das Zimmrr bis Ig Uhr gerZumt lern muh. Itz. n«i. Britzens«. Genossinnen und Grnassrn! Srutr. Freitag 71. Fe- druar. vllnktlich 8 Uhr. spricht im Jugendheim P-rfssr. 38 Cebtcr Fauf! übet:„Warum förnpfen mir(üt die weltlich« ochulet" Wegen der bevor. stehenden Einschulung bitten wir um recht zahlreiche Beteiligung. heute. Freilag. 11. Februar: St. Abt. Bünltlich 8 Uhr bei Wa«, Friedenstr. 33. Sitzung sämtlicher Zeitungs. «bleute der Bezirk«. Diesmal darf kein Bezirk fehlen! » 88. Nbt. rempelhef»nd 8».«bt. Mariendorf. Die klarten für das am Sonn. abend, 14. Februar, in«ratzls Gesellschaftshan,, Mariendorf, Chaussee. straße 80Z. stattfindende Winterfest sind zum" 1 bei allen Funktionären und in den Kon, umverkaufsstellen zu habrn. An der Abendkasse 1,50 SR. Beginn vUnltlich 8 Uhr. Zuagsvziattstea. heute. Freitag. 1!. Februar: 9m»vt Bebdl-g: 7'A Uhr im Jugendheim de, Ledigenheim, Am Brunnen. platz, Eingang Orthsir. IV, Arbeitsgemeinschaft. Thema:„Die ökonomischen Lehren von O-rl SRatt'. Leiter Paul Lohmonn. Plinslliches Ei!cheinen un, bedingt notwendig.— Gruppe Mitte: 8 Uhr in der Schule Eipsstr. 23a Vortrag: »Psychologie-nd Jugend". Referent Dr. Ernst Haas-. Iungsozialisten. Morgen. Sonnabeud. 12. Februar: Stw*« Tiergarten: 8 Uhr im Jugendheim Bremer Ecke Wielefstraße. Zim- «er chAu-sprache übet:„Die Reichswehr". Alle Mitglieder müssen diesmal unbedingt erscheinen. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. «eei» Charlottenburg! Eltern, und Mitgliederversammlung am Semnabeyd. H Februar, 7H Uhr, im Jugendheim Rosiiienstr.«. Vortrag:„Eltern als Erzieher". Referent Genosse Weinberzer. Organiiatorisches. Genossen als ��«rtto�vchSneberg.Friebe»-»: Jugendheim Hauptstr Ih Borlelungen aus ?8ns- �er zweckinägiqe Meyer". Tanz und Gesellschaitsspiele. m, ~ strei» Rrnkälln: Am Sonntag. 13. Frbrnar, vormittags 10 Uhr. ,m Volks. pari Temvelhofer Feld Zeltbauprobe, an der möglich« all« Helfrr deo teilnebrnrn. �ntereKierte Parteigenossen des Bezirks und öelfer Grov-Berlins find willkommen. Trefsyunkt pünktlich 10 Uhr Eingang de» Volk, park, am »«nisonfriedhof.__ Sozialiftilche flrbeitrrsugen» Sroft-Verlin. Borckste. 11. am Sonnabend, 12. Februar. 7 Ubr. müssen alle fflitglieder de, nollzabliq erscheinen. Al, Ausweis gilt Ml!glieb»kaile 1»2« a der 18 «chtuug! Um 6 Uhr sind et die Vorbesprechung lainilicher SAI.- und Pa-te,. rnttgliedcc des Zugendherbergsverbandes im Jugendheim«W, Lindenstr. 3, statt. heute. Freitag. 12. Februar, abend, 7)4 Uhr: Moabit 0!»emeinbefchule am«tephanoplatz. Vortrag:.Einführung in d.e foizalisiischr Gedankenwelt".— Sloedost II: Znaendheim Danziger Str. 82. Außer. ordentliche Mitgliederversammlung Sämtliche Miiglieder müssen erscheinen Sloseathaler«»rftadt: Jugendheim Gormannstraße. Ldriraa:.Sexuelle Not de» TbwletariataV— Scmetelber-Vic ttel: Schule Danziger Str. 23. Vortraa: .Wie lautet die Geschästoordnung?"— Weihensee! Iuge�e'w Parkslr. Zi>.. v.—>---- Harum kämpsen wir für dir weliliche Schu.r?— Worichoner Bier.-l: Tilsiter Str. 4.«ortraq:.Die Iuaenb recht, und link» von UN,. « I, Jugendheim Hauptstr. 15. Praktischer Liederabend.— H-Ien'«: nm.Friebrlch.Etr. 85. Vortrag:.Befreiung des Bodens durch$ob-rj roaeyim.arievrlw.wir. au. iiu.iiuy.... ■�-RealäB» m Jugendheim Nozatftr. 58. Vortrag:.Sexuelle Fragen". «hos: Jugendheim Roonstr. 18. Vortrag:.Entitehung der«elw- Jugendheim Grnftftr. 16. Wllhelm.Busch.Abend.-«ebei. Hille Berlin« Str. 31. Bortrag:.Arbeitertührer"- Treptow: «. an__ i____ fZr�n�rt'_ Qlrflietth+r rrsorm". - Adle «aamfch lugeri�ia. M. R«�.�uge'ndhew� -«iederfchäyhoufe»: Jugendheim Vlankendurger Str.«4 szeich-ns-ml). Vor. trag:.Der Wert de. Wandern»".- Spaudo»: Jugendheim Llndenufer l. Zimmer 5. Vortrag:.Prolelarische Feste".~ Siexkölln V; Aelterengruppe beim Genossen F. Becker, Richardstr. 04. Vorträge, vereine und Versammlungen. f** Reichsbanner» Schwar, Rot-Gokd". Geschllft, stelle: BerNn S14, Sebastiansir. 87/88. Hof 2 Tr. Mitte: Sonntag, b. 18., 8 Uhr morgen». Treffen zur Tagessahei. "fl* Fohrgelb 1 M. Beteiligung Pflicht.—«eeuzberg: Achtung. Sror.- adteilung! Sonntag, d. 18., Treffen pünktlich vormitlags t'-j Uhr Rathaus Treptow zum Waldlauf im Plänteewald,«reisstiftungsfeft m den Gefomt. räumen der Pockbrauerei. Fldirinstr. 2.A. Große» Barieteprogramm Ar.. schließend»oll. Saolöffnuno 4 Uhr. Beginn des Programm« ä Uhr. Eintritt 7? B? einlchl Tan,.— Wilmeredoet: Sonntag, d. 18.. von 10—12 Uhr. Webr- sport der Altiameraden auf der Perluchsanstalt Halensr«. Treffen 8.40 Uhr am Bhf Valensee.— Tempelhof sstrei»): Sonntag, d. 18., morgens 7 Uhr. Antreten am Bd? Mariendorf zum Ausmarfch.- RepkiMo-Bttg: 2.«ameradschatt Sonn. taa d W Äusiimrsch nach den Mllggesderaen. Vormittag, 8 Uhr Antrete,, ��dergplatz Ecke Treptower Sttaße. Für Nachzügler di» 12 Uhr Vootshan, d�r Danersvortabteilung.- Ode,-.«ledeeschSoeweibe»od Zohanolsthal!. iro. d 12. 8 Ü»r° Monatssttznng bei Rälhel Vortrag. Vorstand und Srupp-nführer treffen sich bereits um 7 Uhr.— Bernau: Fr., d. 1I„ nachmittag» r�i Uhr. Antreten Reuer Friedhof. Beerdigung de»«ameroden Raoß. Anzug:«anner. kleidung und lange dunkle Hose._ «Afefieeaetcia.Rübezahl". Charlottendurg. Versammlung Sonntag, 18. Fe. biliar 8 Ubr abend». Wilmersdorfer Str. 21 bei Reimer. Im Anschluß an den geschäftlichen Teil V�rttSgr in schlesilcher Mundart. Gäste willkommen. Hesihästliche Mitteilungen. stropfe»- ftstchle-«fennl»*«»«erfchieder, wie die Bezeichnunge- in den einzelnen Gegenden Deutschland, sind«uch die Rezepte, deren sich die Hau, trau tut Herstellung ihrer ldlllichen Faftiiachtsbäckerelrn bedient. Ader ob sie nun mit Hefe bäckt oder mit Backpulver, ob ste das Gebäck mit Fruchtmu» füll, oder ob sie stch lediglich mit einem guten Teig begnügt— vor allem muß es ibt darauf ankommen, ein gutes, einwandsteie, und ergiebige» Ausbackfetr»u verwenden: denn da» Ausbackse.t wird aufgesaugt yan dem sich langsam bräunenden Teiaballen und soll ihm Aroma, köstliche klnufprigkeit und seinen Geschmack verleihen. Was aber nützen alle guten Zutaten zum Teig, wenn ei» wenig gute, Vackfett den»naesteebten Erfolg vernichtet! Palmin, da» reine Eoeos-LpetiefeU, ist al» Ausbacktett für die ffastnachtsbäckerrieu das einz'g ffiegtbene; es zeichnet sich ans durch leicht« Verdaulichkeit und gute Bekömmliä» lel» der damit gedackenen ktrapfen, und e» ist außerordentlich ergiebig im �ZUIn» stark Sagenbeck, aussehenerregende Neuheiten auf dem Gebiet der Tierdressur, und feine vorbildlichen artistischen Leistunaen im Zirkus-Vusch-Ge- bände erwerben ihm von Tag zu Tag neue Freunde. Besonder» stark ist der Zustrom des Publikums natil�gemäh am Sonntag, weshalb dringend empfoblen wird, Eintrittskarten schon im Vorverkauf zu erwerben. Viele Besucher miißten am letzte» Sonntag die ersten Vrogrammnummcrn der Nachmittagsvorstellung versäumen, weil sie noch-och«arten anstanden! .»il« ist»pgleich«Prise«d Trank, Fieisch und Brot. Erouickung un» Labsal für luna und alt. Gesunde und Aranker, so urteilt Prof. Dr. Herz. der berühmte Münchner Hygieniier, ebenso«nr, wie tteffend über den boh-- Wert der Milch ol» Rahrung,mitt«l und ihre vielseitige Verwendbarkeit. Ratllr. lich müssen unsere Hausfrauen auch die Gewähr haben, baß die an wtelle des teueren Fleische« und der teueren Eier mehr z» verwendende Milch ana) w.rlliin aut. rein und gesund ist. Um ihnen diese Gewahr zu bieten, haben deshal i> die Groß. Berliner Molkereibesitzer ihre Betriebe unter eine besondere orier.nä'. Srztliche und bakteriosogische Konttolle gestellt. Da diese Betriebe durch enl. sprechende Schilder getenuzeichnet sind, so kann niemand fehlgehen, dem am «ezuge einer in jeder Beziehung einwandfreien Milch gelegen ist. wetterSerichk der»fienssichen«riferdienstsseve f«r T*tVn»ob Umgegend sKachdr. verb.) Briterhin trocken. bewSikt bt« bedeckt. Temperaluren lang. über etwa« über Pull, schwache Winde aus nördlicher Richtung.— Für Deulfchlmd: Reine ttciemltche Aenderung der herrschenden Witterung. übergibt man nur dem Rackiwei» d», Deutlchen Musikerverbande», Berlin, stow- mavdantenftt. 88/84 Dönhoff 8277—78. Geschäftszeit»-8. Kwintag» w-t Uhr. HUej Mansch: Perttelerbesuch. ttr. 70» 44. �akrgang 2. Seilage öes vorwärts Ireitag. 11. 5edruarly27 Sürgerblockregierung gegen Amnestie! Hergt stellt sich dem Reichstag vor.— Die Sozialdemokratie antwortet ihm. Auf der Tagesordnung des Reichstags stand gestern ein von der kommunistischen Fraktion eingedrachter Gesetzentwurf zum Er'aß einer Amnestie sür politische Gefangene sowie«ine Jnter- pellation zu dem gleichen Gegenstand. Abg. Dr. Rosenberg(Komm.) weist darauf hin, das; noch immer über politttche Gefangene von links in Gefängnissen und Zuchthäusern säßen, während die wenigen Angehörigen der rechtsradikalen Parteien, die wegen Angriffe auf die Republik bestraft find, längst amnestiert seien. Während den verurteilten Llrbeitern die Versorgungsansprüche genommen worden seien, habe man den Lüttwitz, Ehrhardt und anderen rechts- radikalen Führern Pensionen in jährlicher Höhe von über 16 000 M. zugesprochen. Holz, der noch immer im Zuchthause sitze, habe auch nichts anderes getan als Lüttwitz. Nachdem die Zuchlhausbestim- mungen des Republikschutzgesetzes aufgehoben worden feien, müsse man jetzt die Gefangenen freilassen, dfe auf Grund dieser Bestimmun- gen zu Zuchthaus verurteilt worden seien. Noch heute würden Strafen nur deshalb verhängt, weil die Beschuldigten Funktionäre der Kommunistischen Parte! seien. Der Reichstag müsse dafür sorgen, daß hier die notwendigen Maßnahmen getroffen werden. Zur Beantwortung der Interpellation nimmt das Wort ReichsZuskizmiaister hergt. Er will keine Zweifel darüber lassen, daß er im Rechtsausschuß, dem die Anträge überwiesen werden würden, nicht für eine Amnestie eintreten werde. Wir hätten schon vier Amnestiegcsetze erlassen, stets habe das Justizministerium Bedenken dagegen gehabt, sich aber schließlich damit abgefunden, weil nian die frühere un- ruhige Zeit berücksichtigt habe. Da wir aber jetzt Zeiten zunehmender Beruhigung hätten, so dürfe man nicht durch immer erneute Amnestie die allgemein« Rechtsordnung stören. Nach dein kommunistifchen Antrag würden wir völlig ins Uferlose geraten. 1K2ö seien be- stimmte Delikte für die Amnestie hcro.nsgegrifsen worden, jetzt sollen wahllos alle politischen Vergehen von links amnestiert werden. Man rede von Klassenjustiz, aber hier wünschten die Kommunisten, daß die politischen Vergehen von rechts nicht unter die neue Zlmnestie fallen sollen.(Lärm bei den Kommimisten.) Die heute vorgetragenen Zahlen hätten noch nicht nachgeprüft werden können. Dem R e i ch s j u st, z m i n i st e r i u m seien nur 20 Fälle, die von außer- ordentlichen Gerichten, und 179, die vom Staatsgericbtshos und vom Reichsgericht erteilt worden sind, im ganzen also nur 199 Fälle, bekannt. Dazu kämen noch 44 Fälle von Untersuchungshast. Die Behauptung, daß das Reichsgericht sich über das Am- nestiegesetz von 1925 hinweggesetzt habe, sei falsch, Mitglieder der Kommunistischen Partei würden nur verurteil:, wenn sie etwas Straf- bares begangen hätten. Hergt schloß, auch er habe Sinn sür Mensch- lichkeit, aber die Gerechtigkeit müsse noch immer dos Fundament des Staates bleiben. fibg. Rofenfelü(603.) Ich bin dovon überzeugt, im Namen meiner Freunde zu handeln, wenn ich über diese Rede unser tiefstes Bedauern und ü'ir s e r c E m p ö r u n g ausspreche.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Freilich überrascht uns diese persönliche Einstellung des Ministers nicht. Wir haben den Trost, daß er bekanntlich immer auch anders kann, selbst wenn er sagt, er stehe da und könne nicht anders.(Heiterkeit.) Wenn er aber gegenüber den von Dr. Rosen- berg mitgeteilten Zahlen wegwerfend feststellte, es seien„ganze 199 Personen", lue wegen politischer Straftaten verurteilt seien, dann ist dos gegenüber den Unglücklichen in den Gefängnissen geradezu eine Verhöhnung.(Lebhafter Widerspruch rechts.) Wenn die Kommunisten zu hohe Zahlen genannt haben, so ist die Zahl 199 immer noch so erschreckend hoch, daß d i e Aeußerung des Ministers ein Skandal ist.(Sehr richtig! links.) Meine Freunde sind für eine politische Amnestie. Del der Handhabe der Rechtspflege in Deutschland, bei der ausgesprochenen Klassen- und Darleijusliz(lebhafter Widerspruch rechts— lebhafte Zustimmung links) ist diese Amnestie eine Tlolwcndigkeit. Die letzte Amnestie hat nicht die umfassende Wirkung gehabt, die sie nach den Erklärungen der Regierung haben sollte. Außerdem hat die Rechtsprechung inzwischen wieder neue Opfer gefordert. (Lachen rechts.) Ihr Lachen zeigt nur. daß Sic nicht das geringste Verständnis und Mitgefühl für die unglücklichen Opfer aus den Kreisen der linksradikalen Arbeiterschaft haben. Als es sich um Ihre (zur Rechten) Freunde handelte, waren Sic mit für die Amnestie, haben Sie die Amnestie mit uns und zum Teil gegen die damalige Regierung gemacht. Nur solange Ihre Freunde im Gefängnis saßen, haben Sie an die Opfer der Justiz gedacht. Sie wollen angeblich Beruhigung schaffen im deutschen Volk. Wenn es Ihnen damit ernst wäre, würden Sie sür eine Amnestie sein. Der� Minister sagte, nur ein Wendepunkt in der politischen Geschichte könne eine neue Amnestie rechtfertigen. Sehen die Deutschnationalen einen solchen Wendepunkt nicht in ihrem Eintritt in die Reichsrcgierung? (Heiterkeit.) Der Minister meinte, das Gefühl für den Ernst der Strafe gehe verloren, wenn schon wieder ein« Amnestie ergehe. Bei der Härte unserer Rechtsprechung ist dos wahrlich nicht zu befürchten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Minister hat an dem kommunistischen Antrag auszusetzen, daß die Rechtsradikalen von der Amnestie ausgeschlossen sein sollen. Dos zeigt nur, daß er als P a r t e i m a n n spricht und hon- delt, und nicht als Reichsjustizminister.(Sehr wahr! links.) Er hat auch die Pflicht, die mit der llebernahme gerade des Amtes eines Iilltizministers verknüpft ist, sein Amt unparteiisch auszuüben.(Leb- hafte Zustimmung links.) Ich wünschte/ daß die Deutschnationalen dafür wenigstens etwas Verständnis ausbrächten.(Sehr wahr! links.) Die Amnestie ist auch deshalb nötig, weil die alle Amnestie zu kleinlich ausgelegt worden ist. Den zweijährigen Slraserlaß. der allen zuteil werden sollte, hat man weginterpreliert, entgegen dem Willen des Gesetzgebers.(Hört, hört! bei den Sozial- demokratcu.) Auch die vom Reichstag beschlossene Milderung des Republikschuhgefeizes wird den Kommunisten gegenüber nickst beachtet. Auch da setzt man sich über den klaren Willen des Gesetzgebers hin- weg und läßt die zu unrecht zu Zuchthaus Verurteilten weiter in den Zuchthäusern sitzen.(Hört, hört! links.) Die frühere Amnestie sollte auch in den einzelnen Ländern durch entsprechende Gesetze durchgeführt werden. Das ist zum Beispiel in Thüringen, in jenem Lande, in welchem bis zu den letzten Wahlen die Regierung des Ordnungsbundes unumschränkt herrschte, nicht beachtet worden. (Hö't hört' links.) Gerade um den Willen der Mehrheit des Reichs- tnges'durchzusefien, ist eine neue Amnestie notwendig. tAba. Kahl: Darüber kann man reden.) Durch das Londoner Abkommen ist Deutschland qe-w»ggcn worden, auch die gemeinsten Subjekte srei- zulassen. die aus den verwerflichsten Motiven zugunsten der fron- zösischon Regierung Verrat geübt haben Deshalb haben die Minister Jarres und Strefemann damals eine umfassende Amnestie auch für das übrige Deutschland versprochen(Sehr richtig! links.) Die aber ist ausgeblieben und muß jetzt nachgeholl werden. Amnestiert wurden Lüttwitz und Ehrhardt sowie die Mitglieder der Organisation C o n s u l. die sogar den Meuchelmord als Konipsmittel nicht nur anerkannt, sondern auch angewendet haben. Geblieben sind in den Gefängnissen die links- radikalen Arbeiter.(Sehr wahr! links.) Wie ist das Prozeßversahren gegen Roßbach durchgeführt worden? In einem Aktenstück ist ein Verfahren gegen ihn am 10. November 1922 eröffnet worden. Am 11. November 1922 wurde er enllossen, und dann unterblieb die Bearbeitung der Sache, bis nach 1 14 Jahren am 29. März 1924 die Einstellung des Versahrcns auf Grund der Zlmnestie beantragt wurde.(Lebhafte Rufe links.) So wird gegen rechts gearbeitet!(Abg. D i t t m a n n: Oder auch nicht gearbeitet!) In einem anderen Aktenstück ist am 6. Februar 1922 der Antrag aus Eröffnung der Vor- Untersuchung gestellt worden. Die Sacke wurde bearbeitet bis zum 18. März 1923. Dann blieb ste liegen, und erst am 24. März 1924, also nach einem Jahre, geschah was? Es wurde der Antrag auf Einstellung des Verfahrens auf Grund der Amnestie ge- stellt.(Hört, hört! links.) Und da fragen Sie noch, warum eine Amnestie notwendig ist! Sie muß die ungeheuerliche Ungerechtigkeit, die begangen worden ist, aus der Welt schaffen. Die Rechtsprechung der letzten Zeit liefert weiteres Material für die Notwendigkeit einer Amnestie. Reichs bannerleute wurden verurteilt, Stahl Helmleute freigesprochen. Der kommunistische Redakteur R o u wurde lediglich deshalb venirteilt, und zwar wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens, weil er in einer F i l in k r i t i k die Arbeiterschaft aufgefordert hatte, dem Mahnruf der nissischeu Arbeiter zu folgen. Die ganze Rechtsprechung des Reichsgerichts, daß jedes Mitglied des kommunistischen Funklionärkörperv wegen Vorbereitung des Hochoerrats zu verurteilen sei. ist eine Ungeheuerlichkeil. Den Gipfel dieser unmöglichen Rechtsprechung erreiche das Reichs- gcricht in der Verurteilung, auch wieder wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmen- ausgesprochen, gegen die Leiter zweier Buchhandlungen, die Bücher vertrieben haben, die die Ziele der Kommunistischen Panei zum Ausdruck brachten. Der Oberreichsonwalt hat in diesem Prozeß als besonders gravierend ein Transparenti m Schauten st er bezeichnet, in dem stondi Wann wird der 9. November in Deutschland kommen?(Heiterkeit.) Nur durch eine Amnestie kann das Unglück beseitigt werden, da- durch solche Rechtsprechung über das deuifche Lolk gebracht ist. Der jetzige R e i ch s j u st i z m i ni st e r erkennt nicht ein- mal dos Bestehen einer Vertrau«»--krise der deutschen Justiz an. lHört, hört! links.) Das sogar sein Vorgänger nicht geleugnet habe, der allerdings nichts getan hat, um durch Reformen diese Krisis zu beseitigen. Minister»)ergt beklagt sich über die zu- nehmende Kritik an der Justiz. Das liegt ab«r nicht an der Kritik, sondern an der Justiz, die schlechter und nicht besser geworden ist. (Sehr wahr! links.) Wenn französische Kriegsgerichte unser Rechts- gefühl verletzen, dann empört sich mit Recht dos ganze deutsche Volk. dann steht die Regierung an vorderster Stelle in der Brandmarkung solcher Urteile. Wenn ckber deutsche Gerichte Urteile schllmmster Klassen- und Parteijustiz aussprechen,, dauu ist der Kreis der Protestierenden leider auf die Bertreter der ArKsterklafle be- schränkt.(Sehr wahr! links.) Dann vermissen wir das feine Rechts- gefühl auf der Rechten, das sie gegenüber französischen Rechtsurteilen erkennen läßt.(Sehr wahr.) Deutsche proleste gegen französische Kriegsgerichlsur keile würden aber in Frankreich viel größere Wirkung ausüben, wenn die deutsche Regierung und der Deutsche Reichrkog zunächst einmal in Deutschland den Opfern von Fehlurleilen Helsen würden. Dazu ist jehl Gelegenheit. Helsen Sie uns. eine Amnestie zu- stände zu bringen, welche die Tore össnel sür alle unglücklichen Opfer der Justiz.(Lebhafter veisall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Wegmann(Z.): Dos Zentrum Ist jetzt nicht für«ine allgemeine Amnestie politischer Gefangener. Die Parteien, die zum Staate stehen, sollten nicht sür Amnestie derjenigen sein, die sich am Staate oergangen haben. Amnestie ist dann Anreiz für Auflehnung. Eine solche generelle Aninestie trifft immer auf Unwürdige, daher ist das Zentrum dagegen. Gegen Guadenerweife für einzelne fei nichts einzuwenden. Nach der Hölz-Altion seien 3200 Verurteilungen erfolgt, wovon 2K00 durch Gnadenerweise ausgehoben worden seien. Auch das Zentrum bedauert die Härte der Urteile gegen politische Verbrecher, die zum großen Teil Verführte seien. Die Persübrer sollten lieber von der Verleitung junger und einsichtsloser Menschen zum Hochnerrat ablossen, als nachher für Zlmnestie einzutreten. Die Durchführung der Länderamneftien müsse erfolgen. Abg. kahl(D. 25p.): Die vom Abg. Rosenfeld vorgebrachten Fälle könnten alle einer Kritik unterzogen werden, trotzdem tönne man einer Amnestie nähertreten. Man dürfe sie aber nicht ollgemein zur Korrektur der ganzen Rechtsprechung benutzen. Man könne nicht d«n Reichstag zum Oberrichter machen, das ver- schiebe Gesetzgebung»- und richterliche Gewalt.„Wenn das beabsichtigt ist, sagen wir nein, nein und nochmol nein!" Abg. Rosenberg(Komm.), der als Interpellant das Schlußwort hat, überreicht dem Reichsjustizminister eine Broschüre, damit er daraus seine Kennwisse über die Zahl der politischen Gefangenen erweitern könne. Die Debatte habe ergeben, daß allein die Deutschnationalen gegen eine Amnestie seien, weil sie jetzt keine Vorteile für sich zu erwarten hätten. Der kommunistische Antrag wird dem Rechtsausschuß über- wiesen. Um 3?4 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag 114 Uhr. Aus der Tagesordnung steht die Beratung des von den Kommunisten gegen den Innenminister v. K e u d e l l eingebrachte M i ß t r d u e n s- votum in Verbindung mit der Interpellation über die Beher- bcrgung von Angehörigen der Olympia auf dem Gute� des Innen- minister?, ferner die Erwerbslosenversichcrung für Seeleute und kleinere Vorlagen._ Die Neicbswohnunas�äblung. Wie die Erhebung durchgeführt wird. Ueber die im Mai 1927 durchzuführende Reichs- wohnungszählung wird jetzt folgendes bekannt: Im Gegen- satz zu 1918, wo nur in Städten mit über 5000 Einwohnern ge- zählt wurde, werden die Länder diesmal verpflichtet, alie Gemeinden zu erfassen, die 2000 oder mehr Einwohner haben. Erwünscht ist, daß auch die Zählung in Gemeinden mit weniger Einwohnern vorgenommen wird. Die Kosten der Zählung sind von den Ländern zu tragen. Dos Reich verpflichtet sich lediglich zu einem Zuschuß in Höhe von 800 000 M. Die Zählung wird auf Grund einer Grundstücks- und einer Wohnungslist« durchgeführt. Die Grunds, iicksliste ist vom Hausbesitzer bzw. Verwalter auszufüllen, die Wohnungsliste von den Mietern. Die Fragen der Wohnungsliste beziehen sich aus Größe und Beschaffenheit der Wohnung, auf ihre Belegung und auf Zahl und Alter der Bewohner Die„leichte" Arbeit üer Cextijarbeiterin. Die Schwangere« müssen geschützt werden! In einem Offenen Brief an den Vorsitzenden und den Syndikus des Arbeitgeberverbandes der deutschen Textilindustrie, die in einer Eingabe an die Behörden und Parlamente der Forderung des Deutschen Textilarbeiierverbandez auf besonderen Schutz der Schwangeren entgegentraten, antworten nunmehr die Genossen Hübsch und Jäckel, Vorsitzende des Textilarbesterverbandes. in dessen Namen. In diesem Ofsencu Brief heißt es: Jede Anlcgerin der Balimwollspinnerei muß pro Wagenauszug bei starken Nummern mindestens vier, bei feinen mindestens sechs Fäden anlegen können, sonst wird sie kein Spinner behalten. Und nun, meine verehrten Herren, wollen Sie.wirklich behaupten, daß diese Beschästigunq für eine Arbeiterin eine leichte Arbeck ist? Sie selbst sagen, pro Minute macht der Selsokwr zwei bis vier Auszüge. Lassen wir es bei diesen zwei bis vier Auszügen. Das bedeutet für die Arbeckerin neben der Arbeit der Beine pro Minute 16 bis 24 Fäden anlegen. Rechnen Sie sich aus, zpieviel pro Stunde und pro Tag eine Anlcgerin bei 28 bis 30 Grad spitze und mindestens 70 Proz. Feuchtigkeit im Raum Fäden evcutucU�iuulegcn hat. Die Anlogerin hat bis 700 Spindeln zu bedienen. Jede Spindel macht bis zu 12 000 Touren pro Minute. Kann sich dos überhsupt jemand rein gedanklich vorstellen? Die Arbeck einer Anlegerin �md einer Weberin gehört zu den aufreibend st en Arbecken, die�e moderne Industrie überhaupt zu vergeben hat. Keine kränkliche �oder schwächliche Person leistet diese Arbeck. Es zeugt nicht von Verantwortungsbewußtsein, wenn ein Pro« sessor, der noch dazu Lecker einer Hebammenlehranstalt ist und absolut nichts von den Arbeitsvorgängen versteht, diese Arbeit für leicht erklärt, und es zeugt nicht von großer Gewissenhaftigkeit. wenn Sie das gleiche tun. Wie steht es mit der Weberin? In der Fabrikation schwerer Herrenstoffe macht der Webstuhl etwa 90 Touren in der Minute, in der Abfallweberei etwa 130, in der Baumwollweberei, je nach Brecke des Webstuhls, 130 bis 240 usw. In der Baumwollwcberei bedient jede, einzelne'Weberin zwei bis v i e r W e b st ü h l e. In der Hertenstaffbranche, wo im Stoff kein Zcntimeter'Foden fehlen oder falsch binden darf, wie in der Absall- weberci und in der Baumwollwebcrei erfordert die Arbeit die un- ausgesetzte und gespannteste Aufmerksamkeit der Weberin während des ganzen Tages. Es ist ein fortgesetztes Schauen auf das Gewebe, ei» Drehen,� Wenden, Beugen, Springen, Lausen usw. Haben die geehrten Herren schon cininal die Fäden gezählt, welche eine Weberin pro Tag einzuziehen hat, und die Zahl der Spulen, welche pro Tag von einer Bauniwollweberin eingelegt werden müssen? Bei Ketten schlechter Qualität sind die einzuziehen- den Fäden unzählbar, wie in der Spinnerei die Anlegenn die Fäden nicht zählen kann, die sie pro Tag' bei schlechten Partien anzu- legen hat. Wir zählten 40 bis 80 Fäden pro Tag bei Kecke minderer Qualität. Es gibt enorme Steigerungen bei Ketten schlechter Qualität. Wir stellten 200-, 640-, 860ma!igen Spulcnwechsel fest. je nach Anzahl der Stühle und Garnnummer». Wollen Sie diese in unausgesetzter Folge sich wiederholende Arbeit leicht nennen? Sio ist sich w c r s ü r M ä n N er un d F r a u e n. Wissen Sie nicht. daß es neben diefen Arbeiten für die Baumwollweberin noch viele andere gibt, z. B. das anstrengende Kettenstreichen, das Nach- schlichten und Bebürsten der Kette und vieles andere? Und oll diese Arbeiten sollen der Schwangeren nichts schaden? Sie selbst gaben in Ihrer Denkschrift Kunde von der Tatsache, das 26,73 Proz. im Fahr« 1924 und 21,27 Proz. der schwangeren Textilarbeiterinnen im Jahre 1925 bis zu ihrer Niederkunft am Webstuhl usw. gestanden und gearbeitet haben. Wie vuele mögen die ersten Wehen und den Abgang des Fruchtwassers bei der Arbeit durchgemacht haben! Wie viele von ihngn möge» in einem Souderraum der Fabrik oder in einem Winkel des Arbcitesaalcs geboren haben? Ist dos nicht erschütternd? Nur wer ein Herz aus Stein im Leibs trägt, tami unerschüttert bleiben. Gewerkschaften und Kommunisten in Amerika. Die unter kommunistischer Leitung in letzter Zeit in Amerika geführten Streiks der Textilarbeiter in Passaic, der Mantelmacher und insbesondere der Kürschner in New T�rk veranlaßtcn den Amerikanischen Gewerkschaftsbund zur Einsetzung einer Unter- smhungskommission, in deren Bericht es unter anderem heißt,„daß sie eine solche Korruption, einen solchen Terrorismus und eine solch« Vergeudung von Zeit, Kraft und Geld in der amerikanische« Gewerkschaftsbewegung nicht für möglich gehalten hätte und solche Dinge überhaupt noch nie.vorgekommen seien". Aus dem Berickt geht hervor, daß gleich zu Beginn des Streiks unter anderem«in Advokat angestellt wurde, der 51 156,50 Dollar erhielt, um angeb- lich Mitglieder zu verteidigen, die während des Streiks mit der Polizei in Konflik kommey. In Wirklichkeit diente jedoch das Geld dazu, die Polizei zu bestechen. Die Kommu- nisten und die Polizei arbeiteten dann im Lause des Kon» sliktes unter anderem in der Weise z u s a m m e n, daß zum Bei- spiel Kommunisten bei einer Arbeiterverfanunlung am Eingang des Saales die Unerwünschten bezeichneten, von denen eventuell eine Kritik der kommunistischen Methoden erwartet werden konnte. Diese wurden dann von der Polizei in gewünschter Weise in die Finger genommen In einem, neben dem Versammlungslokal ge- legenen„Raum C" wurden solche unerwünschten Elemente von Kommunisten bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen. Dem Präsidenten des Damenbekleidungsarbeiterverbandes,' der einer dieser Versammlungen ebenfalls beiwohnen wollte, gelang es ini letzten Augenblick, diesem Los zu entgegen. Trotzdem zu Beginn des Sfr«jks in der Berbandskasse 280 000 Dollar vorhanden waren, versuchte die kommunistische Streikleitung bereits in der dritten Woche eine Anleihe auszunehmen. Der Bericht spricht in diesem Zusammenhange von beträchtlichen Fehlbeträgen in der Kasse, Unregelmäßigkeiten in der Buchführung usw. Was die Streikunterstützung betrifft, so wurden die Mitglieder schon zu Beginn teilweise im Stich gelassen. Daß der jämmerlich verlorene Streik der Mantel« macher von New York die Organisation dieses Berufes voll- ständig ruinierte, ist bekannt. Das ganze Vermögen im Betrage von 3 Millionen Dollar floß der kommunistischen Streik- leitung unter den Händen weg. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß die vor einiger Zeck im niit diesen Streiks eingeleitete a n t i k o m m u- n i st l s ch e Propaganda schnelle Fortschritte macht. Das zu diesem Zwecke errichtete Komitee umsaßt bereits 150 Gewerk- schasten aus 17 Berufen mit insgesamt 300 000 Mitglie- dern. Ferner hat der Bergarbeiterverband auf seinem soeben abgehaltenen Kongreß beschlossen, die Kommu- nisten aus der Organisation zu verbannen. Von 1500 Dele- gierten stimmten weniger als 15 gegen eine diesbezügliche Slo- tutenänderung. Auch der Pekleidungsorbeiteroer- band, eine der linksstehenden Gewerkschaften, tritt energisch gegen die Sommunisten auf. Kämpfe um die Seefrachten. Ein Abladerbnnd der Exportinduftrie.— Gegen die Reedererkartelle. In den Kreisen der exportierenden Industrie wird seit Wochen eine organische Verbindung der Frachtverlader her- beizuführen versucht. An sich nicht unorganisierte Jndustriegruppen bäumen sich gegen die monopolistische Frachten- Politik der R e e de r e i t a rt ell e auf. Deshalb kam man auf den Gedanken, zur Abwehr und zur weiteren Verfolgung der Angelegenheit einen Abladerbund zu gründen. Im vor- berettenden Ausschuß sind vertreten: Reichsbund der beut- schen Metallworenindustrie, Verband deutscher Druckpapierfabri- kanten, Verband deutscher Poppenfabriken, Verband deutscher Zell- ftoffabriken. Wirtschaftsverband Mitteldeutschlands, Reichsoerband des deutschen Handels mit londmirtschafilichen Erzeugnissen und Bc- dorfsstosfen und der Verein deutscher Papicrfabrikanten. Durch den Abladerbund hofft man noch weitere Gruppen der exportierenden Industrie heranzuziehen. Durch diese Abwehrorganisation soll»er- sucht werden, bei den Reedereien in der Festsetzung der Seefrachten bessere Bedingungen zu erzielen. Erhebt man doch den nicht geringen Vorwurf, daß die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportindustrie durch die hohen Seefrachten geschädigt worden sei. Dia internationale Kartellbewegung kommt nirgends so weitgehend zur Geltung als in der Seeschisfahrt. Das Meer ist die Handelsstraße der Völker, folglich sind alle Küstenstaaten in der Schisfahrt vertret-n. Albert Ballin war es bekanntlich, der am zähesten das Ziel verfolgte, die Seeschiffahrt zusammen- zuschließen, damit die schädlichen Ratenkämpfe vermieden werden. Und so entstanden dann die Schifsahrtstonferenzen und Schiffahrtspools, die Kartelle der internationalen Linien- reedercien der einzelnen Routen darstellten. Die T r a m p s ch i f f- fahrt blieb meistens außerhalb dieser Verbände. Doch wurde sie in der Regel durch Ratenkämpfe zu Boden gedrückt, wenn sie es nicht vorzog, den Abmachungen beizutreten. Die deutsche Trampschisfahrt wurde durch den Krieg noch wesentlich herabgemindert, so daß dos Monopol der Linienreedereien noch stärker in Erschei- nung tritt. Nimmt man die in der letzten Zeit erfolgten Fusionen in der deutschen Großschiffahrt, hinzu, so hat man ein lückenloses Bild von der geschlossenen Macht weniger Unternehmungen in der Schiffahrt. � Gegen die Macht dieser internationalen Monopole wehrt sich die exportierend« Industrie. Die oben erwähnten Verbände wollen stichhaltige Beweise dafür besitzen, daß die Ausfuhr bestimmter deutscher Waren durch die Tarifpolitik der Reedereien unmöglich geworden ist. Ferner wird über die Plötzlichkeit der Raten- erhöhung Beschwerde geführt. Das T r e u r a b o t t f y st e m hat ebenfalls zu Unzuträglichkeitcn geführt. Durch dieses System erhält der Verlader eine Prämie, wenn er sich verpflichtet, nur auf Dampfern der Kartelle zu verfrachten. Namentlich im Jahre 192« sind die Seefrachten stark in die Höhe gegangen, wie nachstehende Zusammenstellung beweist. Der deutsche Seefrachtcnindex betrug: iSIZ 1925 Küstenderkebr..... 100 106,9 Europäilcker Verl, ausgehend 10V 94,3 Europäischer Berk, eingehend 100 95,8 Außercurop. Berk, ausgehend 100 122,9 Außereurop. Berk, eingehend 100 104,1 G-samtindex...... 100 100,1 1. Quartal 28 4 Quartal 26 108,5 152,5 96,7 129,4 80,4 153,9 129,7 133,4 83,0 158,1 90,3 146,8 Das sind teilweise ganz erhebliche Steigerungen, die im letzten Jahre zu oerzeichnen waren. In diesem Zusammen- hang mag noch erwähnt werden, wie namentlich die Getreide- fruchten im Jahre 1926 gestiegen sind. Der Frachtenindex für Getreide betrug: 1. Quartal 1926 4. Quartal 1926 Von Argentinien nach den Nordseehäfen 15,19 44,59 Von der Donau sBraila) n. d.» 16,49 32,54 Von Königsberg nach Bremen.... 8,00 10,75 Von Montreal nach den Nordseehäfen 13,53 28,55 Ver. Staaten sAUant. H.) n, d.. 8,77 27,24 Odessa nach den Nordieehäfen.... 12,73 26,49 Die Steigerung im letzten Halbsahr 1926 mag nicht zuletzt auf den englischen Bergarbeiter st reit zurückzuführen sein. Die von England ausgehenden Kohlendampfer verlangen nach Rück- fracht, und in iwrmalen Zeiten kann eine gute Ergänzung erfolgen, wenn diese Dampfer mit Getreide oder anderem Massengut beladen heimkehren. Für die ins Auge gefaßte Vereinigung der deutschen exportieren- den Industrie sind bereits in England Vorbilder vorhanden (South Africa Trade Association und Australian Association of British Monufacturers und Their Represantatives). Die britischen Abladcrverbänd« haben insofern leichteres Spiel, weil sie die Außen- seiter gegen die Konkurrenzlinien mit Erfolg ausspielen konnten. Wenn solche Außenseiter in England noch vorhanden sind, so fehlen sie, wie bereits bemerkt, fast vollständig in Deutschland. Und dies ist für den Erfolg einer solchen Organisation natürlich sehr wesentlich. Die deutschen Linienrcedereien wehren sich natürlich mit aller Entschiedenheit gegen die Bildung eines Ablader- bundes. Sie erklären, daß es nicht in ihrer Macht liege, der deutschen Industrie wesentliche Zugeständnisse bei den Frachtkosten zu machen. Gerade die internationale Festsetzung der Frachtenhöhe verbürge die gleichmäßige Behandlung aller europäischen Berloder. Wenn die vertikale Konzentration in der Industrie und in der See- schiffahrt(Stinnes) Schiffbruch gelitten habe, so könne man sie in anderer Form nicht wieder aufleben lassen. Wie dem auch sei. Uns scheint, daß eine starte Organ!» sation der Frachtverlader als ein Gegenpol der internatio- nalen Schiffahrtskartelle durchaus als notwendig betrachtet werden kann. Die deutsche Bolkswirtschaft muß sich naturgemäß dagegen wehren, von geschlossenen internationalen Kar- teilen erdrückt zu werden oder ihre Einfuhrwaren mit hohen Frachtkosten belastet zu sehen. Ob es über den losen Abladerbund hinaus zu einem Transportsyndikat kommt, ist durchaus fraglich, wie auch noch keineswegs feststeht, ob die Zusammenschluß- bestrebungen mit einer einigermaßen festen Organisation enden werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß lediglich eine gewisse Z u- sammenarbeit zwischen den Verladern und den Reedern er- folgt. Es ist immerhin sehr lehrreich zu beobachten, wie über- spannte Monopole schließlich selbst in Monopol- freundlichen Kreisen aus Widerstand stoßen und zu Ab- wehrmaßnahmen führen. Paul Uferwann. Straßenbau und Arbeitsbeschaffung. Das Versagen der Bnrcaukratie. In der Sitzung des Rcichstagsausschusses am Dienstag hat die sozialdemokratische Fraktion, wie schon mitgeteilt, eine Entschließung eingebracht, in der die bisherige gänzlich unbefriedi- gende Ausführung des Arbeitsbeschassungsprogramms gerügt wird und Forderungen für die einzelnen Gebiete der Arbeitsbeschuffung (Reichsbahnarbeiten, Wohnungsbau, Meliorations- und Siedlungs- wesen, Straßenbauten) im einzelnen aufgestellt werden. W i e we n i g die bisherige Tätigkeit der Bureoukratie auf dem Gebiete des Arbeitsbeschassungsprogramms den Anforderungen nicht nur der Sozialpolitik, sondern auch des volkswirtschaftlichen Interesses Rechnung getragen hat, zeigt besonders kraß das Problem des Straßenbaues. In seiner Denkschrift über die Ausführung des Arbeitsbe- ichaffungsprogramms gibt das Reichsarbeitsmini st erium den Gesamtwert der bisher mit Hilfe des Reichs ausgeführten zu- sätzlichen Straßenbauten auf 82 Millionen Mark an und ist auf diese Zahl scheinbar sehr stolz. In Wirklichkeit bedeutet diese Ausgabe nur einen ganz geringen Bruchteil des volkswirtschaftlichen Bedarfs an modernisierten Landstraßen, wenn diese der kommenden Ver- kehrssteigerung und dem notwendigen Uebergang vom Pferdefuhr- werk zum Automobil entsprechen sollen. Nach den Berechnungen des Deutschen Straßcnbouverbandes wären 30 000� bis 40000 Kilo- meter, asto ein Sechstel bis ein Fünftel Imseres Straßennetzes, mit einem Aufwand von 2 Milliarden zu modernisieren: wenigstens ein Drittel davon könnte heute als dringender Bedarf angesehen werden. Wenn man also im Tempo des Vorjahres fortschreitet(die vom Reichsarbcitsministcrium im einzelnen bis zum 1. Dezember 1926 ausgewiesenen Straßenarbeiten ergeben übrigens nicht einmal 80, sondern 60 Millionen Marti), so wird man mit Rcichshilse die dringendsten Verbesserungen am deutschen Straßennetz c r st in 8 I a h r e n, die gesamte Modernisierung er st in 25 Iahren hinter sich haben. Das bedeutet natürlich nicht, daß-einzelne Länder und einzelne preußische Provinzen nicht die Initiative energischer Straßenmodernisierung in die Hand genommen hätten. Namentlich sind die Stroßcnbauprogramme von Sachsen, Bayern und dem Rheinland bemerkenswert. Aber es fehlt eine vereinheit- lichendc Führung durch die Reichsregierung, der ja vom Reichstag große finanzielle Mittel zur Arbeitsbeschafsung bewilligt wurden. In ganz anderem Tempo wird in unseren Konkurren,;- ländern gearbeitet. Schon heute stehen den 180 000 Kilometern deutscher Landstraßen 290 000 Kilometer in dem viel kleineren England gegenüber: und während in Deutschland ein Automobil aus rund 200 Einwohner kommt, entfällt in England ein Automobil auf rund 50 Einwohner. Kein Wunder: für das lausende Finanz- jähr sind in England 17X> Millionen Pfund(über 350 Millionen Mark) hauptsächlich aus den Erträgen der Automobilfteuer zur Finanzierung des Straßenbaues aus Staatsmitteln vorgesehen. Hinzu kämen die UnterhaUungs- und Bauausgaben der lokalen Körperschaften, die mindestens das Doppelte(in Deutscbland hin- gegen nur 450 Millionen Mark!) ausmachen. Die Ergebnisse des britischen Straßenbaues der letzten Jahre ersieht man aus dem so- eben erschienenen Bericht der dortigen Verkehrszählung. Während 1922 fast an der Hälfte der ermittelten Lerkehrspunkte(44 Proz) die Straßen mit wassergsbundenem Schotter gedeckt waren, ist der Anteil dieser Straßendecke alten Typs 1925 auf ein Sechstel (17 Proz.) zurückgegangen, während die modernen Arten von Straßendecken(Teermakadam, mit Teer behandelte Straßenober- fläche Asphalt) heute vier Fünftel(79 Proz.) ausmachen gegenüber mehr als der Hälfte(53 Proz.) vor drei Iahren. Dementsprechend war in diesen drei Iahren in England die Zahl der Personenautos von 315 000 auf 566 000, die Zahl der Lostkrastwagen von 150 000 auf 230 000 gestiegen, während die Zahl der Pferdefuhrwerke von 237 000 auf 153 000 zur ü ck gegangen ist. Wie groß der volkswirtschaftliche Nutzen der Straßen- Verbesserung ist, beweisen u. a. die neueren Untersuchungen der sächsischen Straßenbauoerwaltung. Danach muß die Ersparnis an Betriebskosten der Fahrzeuge infolge der Straßen- Verbesserung m i nd esten s 20 P r o z. betrogen. Für den Umkreis der sächsischen Staatsstraßen ergibt das bei dem gegenwärtigen Ver- kehr 9 bis 13 Millionen Mark jährlich und würde somit die Hälfte dergesamten sächsischen Straßenbau- und Straßenunterhaltungs- kosten für 1926 decken. Die finanziellen Ausgaben des Staates würden sich also sehr rasch rentieren, da die Betriebserspornisse zur Steigerung des Automobilvertehrs und somit auch des Auto- mobilsteuerauskommens führen würden. Wenn man also schon auf Grundlage des heutigen Automobilsteuerauskommens des Reichs (rund 100 Millionen Mark) für Straßenbauzwecke eine Anleihe auf- nehmen würde, so könnte man mit einem hohen Grad von Sicher- heit damit rechnen, daß die Verzinsung und Tilgung dieser Anleihe gesichert sein wird. Nach ziemlich einmütiger Auffassung der Stroßenbausachmänner und der Landkreise darf es sich dabei nicht so sehr um die sehr teueren sogenannten„Fernautostrahen" für den ausschließlichen Auto- verkehr(nach der Art etwa der Berliner„Avus'-Bahn) handeln, sondern lediglich darum, die besonders stark beanspruchten Strecken dem modernen Verkehr anzupassen. Besonders beansprucht werden aber in erster Linie die Straßen in der Nähe der großen Städte. Gerade durch Bauarbieten an diesen Strecken ist für die Arbeitsbeschaffung viel getan, da dabei die Unterbringung der Ar- beiter leichter ist, als bei einigen anderen Arbeitsbeschafjungsarten (namentlich beim Kanalbou). So gelten die Straßenbauforderungen .der Sozialdemokratie dem volkswirtschaftlichen Bedürfnis ebenso sehr wie dem Problem der Arbeitsbeschaffung. Serliner hanöelsgesellfthast. 12 Prozent Divideade.— Aürfieaberg zur vankpolitik. Auf der kürzlichen außerordentlichen Generalversammlung der Commerz- und Privatbank wurde festgestellt, daß dos ver- gangene Jahr das beste Jahr gewesen sei. das die Bank je erlebt habe. Man wird diese Feststellung für sämtlich« deutschen Aktienbanken gelten lassen dürfen, obwohl im vorige» Jahr um dieselbe Zeit sehr viel« deutsche Banken tatsächlich nicht wußten, woher sie die Gelder für die nun einmal notwendigen Dividenden nehmen sollten. Im Jahre 1925 waren die Konzern-Zusammen- bräche erfolgt und viel« Hunderte von Millionen waren entweder bedroht oder in nicht eintrcibbaren Krediten festgefrorcn. Das Jahr 1926 brachte die Riesenwelle der Auslandskredite, umfassendste Konzentrationen und Rationolisterungsvorgänge und zusammen mit dem privatkapitalistischen Güttergeschenk des englischen Bergarheiterstreits zugleich eine unerhörte Konjunktur und eine Börsenspekulation, die die Gewinne nurso häuften. Die deutschen Banken waren die Houptoerdiener in diesem Jahr. Und daß die Zinssätze sanken, die Provistonen sich etwas verringerten, das änderte nichts an dem Bombengeschäft. An diesem Geschäft Hai auch die Berliner Handels- gesellschaft teilgenommen, obwohl sie sich in manchen und meist zum Vorteil von den mit ihr konkurrierenden Großbanken Berlins unter- scheidet.> Die Berliner Handelsgesellschaft hat Ihren Rohgewinn(soweit ihn die Bilanz verrät) von 9,54 aus 11,43 Millionen gesteigert. Di« Zinseinnahmen aus dem echten Krediic-efchäft und die Prooisio- neu sind, obwohl die Gesamt Umsätze von 14,86 auf 19,7 Milliarde» gestiegen sind, nur von 9,54 auf 10,28 Mill. erhöht. Dagegen hol das Börsen- und Emissionsgeschäft, das im vorigen Jahr wegen des geringen Erträgnisses gar nicht ausgeführt wurde, den Betrag von 1,15 Millionen erbracht. Demgegenüber sind die Verwaltungskosten(das Personal ist trog des um 30 Proz. gestiegenen Umsatzes dos gleiche geblieben) von 5,03 auf 5,56 Millionen gestiegen und die von 1.38 auf 1,82 Millionen gestiegenen Steuern ver- raten nur die erhebliche Ausdehnung des Geschäfts, denn mich für die Banken sind im vergangenen Jahr verschiedene Steuersatze ermäßigt worden. Es bleibt ein von 2,86 auf 3,99, also auf rund 4 Millionen gestiegener Reingewinn, aus dem our das Kapital von 22 Millionen 12 Proz. Dividend« verteilt werden. In der Vi l a n z kommt auch bei der Handelsgesellschaft die starke Bevorzugung des Börsengeschäfts deutlich zum Ausdruck. Obwohl die Forderungen der Bank von 210,89 auf 349,37 Millionen gestiegen sind, also um fast 140 Millionen, kommen auf das Wechsel- und Devisengeschäft, das also das eigentliche Kredit- geschäft für die Wirtschaft, nur 71,30 Millionen, was gegenüber dem Vorjahr mit 74,38 Millionen jogarnocheinenRück- gang bedeutet. Auch die Erhöhung der auf laufendes Konto ge- währten Kredite von 75,29 auf 125.06 Millionen schöpft den Zugang der fremden Mittel bei weitem nicht aus. Die Hauptsumme dieser Zugänge ist der Börse zugeflossen: die sogenannten Reports und Lombards sind von 3,71 auf 65,12 Millionen erhöht, also s a st verz wanzig so cht und die Guthaben bei fremden Banken sind von 35,29 auf 50,99 Millionen erhöht, wobei außerordentlich be- achtlich ist. daß davon 90'Proz. im Ausland arbeiten. während nur 10 Proz. im Inlands angelegt sind. Einen Fortschritt muß man bei der Handelsgesellschaft allerdings feststellen. w-enn er auch nur klein ist, nämlich die Tatsache, daß das mit Recht so scharf krinsierte Uebermaß der gedeckten Kredite gegenüber den ungedeckten zurückgegangen ist. Während im Jahre 1925 �das Verhältnis 82: 18 betrug, ist es 1926 auf 77: 23 etwas verbesser. Der Geschäftsinhaber Fürstenberg hat ausdrücklich festgestellt, daß nach seiner Meinung die ungedeckten Kredite vorzuziehen seien. Ein Merkmal für den stark gestiegenen Geschästsummng ist mich die Erhöhung der Bilanz s u m m e. die gegenüber dem Loqahr von 244,91 auf 385.62 Millionen gestiegen ist, um fast 60 Proz. Nach den Versicherungen von Herrn FürstenbA-g liegen versteckte Gewinne bei der Handelsgesellschaft nicht vor. Um so großer sind allerdings die stillen Reserven in der Bilanz, und m der Tat liegen hier wirkliche Gewinn«, die man allerdings« r k e n neu muß, wenn man sie nicht als versteckt ansehen soll. Die von 13,13 auf 17,59 erhöhten Wertpapier- und Effektenbestande sind heute noch mit jenen Summen eingesetzt, wie sie in der G o l d b i l a n z von 1 924 standen bzw. später erworben wurden. Dl« gewaltige Kurssteigerung seitdem ist nicht berücksichtigt. Dasselbe gilt für das Bankgebaude und ganz besonders für den Grundbesitz der Handelsgesellschast(2,37 Millionen), der sich seil der Ausstellung der Goldbilanz, wo auch schon nur ein Bruch teil des Wertes eingesetzt wurde, kaum schätzbar vervielfacht hat. Es war sehr interessant von Herrn Fürstenberg, die Meinung vertreien zu hören, daß heutzutage Kapilalerhöhungen der großen Banken, um den Umfang des Geschäfts in Ueberein- ftimmung mit den eigenen Mitteln zu bringen, überflüssig seien. Für die Kapitalerhöhung der v-Banken. für die kürzliche der Commerz, und Privatbank und die noch jüngere des B a r m e r B a n k o e r« i n s von 20,8 aus 35B Millionen, darf damit der erleuchtende Schluß gezogen werden, daß man dort Kapital- erhöhungen vornimmt, nicht weil man das Kapital braucht, sondern um die Dividende auf einer größeren Kapitalbasis nie- driger erscheinen zu lassen und um im übrigen natürlich mit den höheren Kapitalien und Reserven die gebotene Reklame zu machen. Drei ZNilliardeu in den deutsche« Spartassen. Mit Ende De- zember 1926 haben die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen die Summe von 3 Milliarden überschritten. Bon An- sang bis Ende Dezember sind die Spareinlagen von 2957.25 auf 3090,51 Millionen gestiegen. Der Ein- und Auszahlungsverkehr aus den Sparkonten im Monat Dezember wurde in allen vorhergehenden Monaten noch nicht erreicht: es wurden 392,37 Millionen ein- und 259.11 Millionen im Dezember aus- gezahlt. Im ganzen Jahre 1926 sind die Einlagen von 1629,13 auf 3090,51 Millionen gestiegen. Es ist also s a st- i n e D e r d o p p e- l u n g der Einlagen eingetreten. Gegenüber der Fnedrnszeit ist allerdings kaum ein Spareinlagenbestand von ein Sechstel heute erreicht. Deutsche Banken spekulieren in Pari«. In mehreren französischen Blättern wird gemeldet, daß von Deutschland stark fronzo- fische Renten getaust werden. Kurssteigerungen von 6 bis 9 Proz. werden in erster Linie auf deutsche Käufe zurückgeführt, was natürlich nur von deutschen Banken geschehen kann, die aus der einen Seit« sehr große Mittel vermgbar haben und aus der anderen Seite aus weitere Festigkeit des Franken rechnend, von den Haussegewinnen profitieren wollen. Wir stellen das fest, nicht weil den deutschen Banken Gewinne nicht zu gönnen wären, sondern weil das ein neuer Beweis ist, wie im Inland dringend benötigte Gelder im Ausland tötig waren, weil die Banken in ihrer Hauptiunktion, die inländisch« Wirtschast nachdrücklich und billig mit Kredit zu versorgen, versagen. Ferngaskonturrenz gegen da, Zechenprojekl. Don der Sitzung des Mitteldeutschen B ra u n k o h l e ns y n d i t a t s wild die Berestschast gemeldet, sich auch mit der Braunkohle an den Ferngasprojetten zu beteiligen. Wie gemeldet wird, ist in der Sitzung ein Ausschuß gebildet worden, dem die Ausarbeitung der Statuten einer zu gründenden Gesellschaft für Gasfernversorgung aus Braunkohle übertragen wurde.— Auch die Initiative der Städte wach st. Nach den Vorgängen in Thüringen geht die Stadt Oppeln dazu über, die Gasfernversorgung Ober- jchlekiens und eines Teiles Schlesiens durchzusühren. Geplant ist zunächst der Ausbau der Strecken Oppeln— Groß-Strehlitz. Oppeln— Earlsruhe und Oppeln— Löwen— Brieg. Der O b e r s ch l e s i s ch e Siädtetag wird sich demnächst mit den Einzelheiten des Pro- jetts für den oberschlesijchen Industriebezirk befassen. Für die Aushebung des Boggenzolles. Die cheimsche Geschäfts- führerlonserenz des Reichsverb andcs deutscher Kon- sumoereine in Köln weist in einer Entschließung die Reichsregierung mit ollem Ernst auf die Entwicklung der Roggenpreiie hin, die von den Verbrauchern nicht zu ertragen sei. Es müsse festgestellt werden, daß die Geireidehaiidelsgesellschast es zwrr vermocht hatte, die Vreise in die Höhe zu treiben, daß sie aber jetzt, da die Preise weit über das erträglich« Maß gestiegen seien. vollständig versage. Die Konferenz verlangt deshalb von der Reichsrcgierung die umgchende Anwendung aller Mittel zur Ten- k u n g des R o g g e n p r e i f e s aus einen normalen Stand, wozu in allererster Linie die Aufhcbuna des Roggenzolles, dann aber auch die Beseitigung der Getreidehandclsgesellschast zu fordern sei. Beilegung der Sariellstrelllgkellen in den TerMiadusirieu. Die Streitigteiten zwischen der Tuchkonvention(dem Weber-Kartell) und der Konfektion, über die wir kurzlich berichteten, sind setzt durch eine Vereinbarung beigelegt worden. Man will bis zum Beginn der Frühjahrssaison die alten Konditionen beibehalten und dann über die Forderungen auf Verlängerung des Zalssungszieles usw. verhandeln. Kommen die Verhandlungen zu keinem Ergebnis, so soll der Vor- sitzende der Kartellstell« als Schiedsrichter fungieren. Die Kampfmaßnahmen, die beide Gruppen bisher ergriffen hoben (Sperre, Boykott. Einklagung von Forderungen) werden sofort eingestellt. Sie weckt Bewunderung m sehe Sch die schimmernde Schönheit des seidigen Maares- Sie zu erwerben, erßrderi nur einfodie h/IÜhe- wöchentlich Waschen mit Schwarzkovf-Schaumpon maumpon mit dem schwarzen Kopf Am meisten begeluf weil am längsten bewährt Staats-Theater Opernhaus a« Platz d.Republ* 7 17.: Palestrlna Schauspielhaus 8 Uhr: Candida Schiller« Theater 8 Uhr: Razzia_ SiTit Opti Charlottenburg 6'/» Uhr Die WaibQre Abonn.-Turnus IV WM Theater Norden 1033+— 37 8 Uhr Keidfcardtv.GDeisenaD von Wol fgang Qoeiz Pegie: HelnzHilpert Xatnmerspiele Norden 1 0334—37 SV, Uhr: Oermaine lAmoureusel von Porto-Riehe Rute: Forst r Urrtoaga. Die Komödie Bismarcu 2414. 7Sie 8'/, Uhr: Zum 25. Male; Die Perle von Tristan Hernard llnii: Finig UrrlMn Theat. a.Hollendorlpl Kurfürst 2W\ 8 Uhr: Max Adalbert in«Müllrr»- uruwitr-liiiliBn Th. Könirrrätl Sf. Hasenheidc 2110 Ben e Aesdilostenl Sonnabend VI, Uhr mm 1. Fiale: Die treue He Elisabeth bergner somömennaDS Norden&304 8 Uhr: ta- Calais RgWr,«. Thallasn. Bruunlttr. Dr. Manspielliaüs Nor nodi 18 Tage Tägl. 8'.. Uhr; CHARELL- REVUE Sonnt, nachm. 3 Uhr uogekflrzieVorstllg. ru ermää. Preisen! Trlanon-Th. Tiglich S>/« Jhr: Der rr. Lacher.'oig Dr. Stieglitz fridr. Übt. ßskn tLlibicUr Stg.4 Uhr; Kleine Pr. Dr. SHc�Utz Rose-7heater v. Das Ein' lamllieniiaus Nollendorf 7360 S Uhr: Powers Tanz- Oefanlen und andere Neaheiten! Sttoütnidi i. Instar 2 Vur.lellungen 3» und 8 Uhr. 3V zu ermäßigt. Preisend. ganze Programm Volks blili ne Th.'m SduffhaDtnliDiii Täglich 8 Uhr: Das Gratanai des enbekaoBtes Soldaten. Theiw im BOiovpliti 8 Uhr Traomspiel Morgen 8 Uhr v o i p o n e Ketropoi- TBeai. Täglich 8 Uhr; Zirkusprinzessin Besidenziheaier Täglich 8V, Uhr Abiteigemiartier Sintriti JogeDdt'ufcgn verbaten muin-mioier 8 Uhr; Oer grolle und der kfeine Inns Wiretan-MtiB Ots. Künstler-Tb. »>/, Uhr Familie Schimeb mit En Pslireber?- Lessing-Theater Alb, Bassermann 8: Der Diüfator Tb. i.Kiiitürstenilairiii uameDorsdi 8 Uhr MIHI Lusuplelhaus 8V« Guido Tbielschcr Rorta-einJnnoe Ttaller-Kevae Theater im Admiralspalast Täglich 8>/t Uhr Ana. aus ö 3 u. 8', Uhr: ü Nachm. die ganze Vorstellung ru halben Preisen! t entral- Theater Täglich 8 Uhr: Der Trompeter vom Rhein Vorverk. ununterbr. Preise von 1—7 M. icsonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN Im „Vorwärts- und trotzdem nbiiugn 'äUkcVoftnloqiov<83iJl.— f l] iboholbenn-wilGiKler f!rnKfnrf\ W'tuJtW'l MGEMBECK Wrcusßusch.. . NlBC-t«»»s f}MI ll(ar»«n Tiet/WfrCh(p»rr>. Uf\il fua'j'C'UNrC�as�we l% f f. F I unvergemche Stunden i Direkt aä Fabrik DasüQiüKiits Willst Du Zeit und Geld ersparen, Mußt Du Hlfa« Fahrrad fahren. 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Februar 1927, nachmittags duf Übe acjoacue Nummer ftub zwei gleich Hobe«e» Winne gefallen, nn»»war le einer auf CU Sole gleicher Nummer in den brlbeu Abteilungen Zi und 2 Ohne Gewähr Nachdruck verbofeu ES wurden Gewinne über 159 Mark gezogen 4«eaiuu 1» je 6000 MI. 262228 283649 4 ukninnc zu je 3000 3M(. 59256 196145 J2 flklriUBe»u' in i« 1000 MI. 14408 211830 240106 276901 31609 40060 62231 147099 293384 330117 ..........■ je 2000 MI 11653 61361 97928 178806 179493 345766 24 fflftolitnt 168502 197365 100 77653 80178 112331 135305 138535 130947 140691 149849 168622 175898 176660 184391 207586 214080 236926 258242 258847 261042 282084 298459 330259 172 Gewinn« zu jt 300 MI. 2797 5628 9662 10776 12850 22581 40903 43968 46837 48604 54554 57828 61151 69153 69583 71953 76088 76607 83936 90885 98313 100067 100210 105362 108553 _________: zu i« 500 MI. 13933 22186 24890 37074 37484 64395 65600 77653 89178'MWWWWWWWWWWWaWW Wallner«Theater 8 1« Der Schlager 8'/« Das blonde Wunder Huenbdwäläs HAUPTROLLEN1 EDDACRO-Y Hm mmm WOCHENTAGE 6810 UHR WMmWesMlell w 14. Jebmac, verbanbshauf«, nach- Montag, b»n mittag» S Ahr. Im eialoustr. 63 65 Vollversammlung aller in den karosseriebetrieben Beschäftigten. Taaesorbnung. I S'ellungnabme zu unserem Lohnablommm. 2. Sileluffion. nV eintritt haben nur Milglieber der freien©emetlldjaften Ohne Milgliebsduch lein Aulrifi. Vi« Ortsoermallung. »eislldellen T!«-« ZniilsfniisiseiangnszZtz.- rsdrikpreise kslenzuiilunz Ciiisir-sr''n' pippe'?iiee ,2 frei Pankow, Schmidtstr.l jeder Bahnntalion. Hetallbetten Kat. 650 tr. Elsenmöbelfabrik tsflji hll. Thflr 115836 140509 171 113 206004 251985 271636 289361 331613 130894 148880 1/1927 209262 263086 283807 303699 333186 133779 150121 174030 226272 260040 285963 306779 336307 13641 1 154083 188806 226237 260687 283522 308942 343629 138532 155733 1891 II 243063 260899 292274 308038 349429 138731 158864 194104 245869 265785 293526 318129 144 352 162673 I 95992 247598 267044 298496 320142 1 45989 163517 203375 250869 270726 298617 326853 2. ZiehungSlag 10. Februar 1927, vormitiags ES wurden Gewinn« über 150 Mark gezogen 4«ewiam zu le 6000 MI. 2469 302752 6«cniniu zu je 3000 M:. 221 203650 280132 20«Ctoinnt zu je 2000 MI. 4012 36200 37251 98046 120995 189158 195550 204156 546327 292344 22 Sem Inn« zu je 1000 MI 36704 56819 66160 71284 85513 136816 137547 170766 243813 292768 344717 Bö Gewinn« zu je 500 MI. 32650 33741 43312 45403 53023 68700 101603 106390 114863 123472 134096 146267 147035 161952 162283 166542 168093 173366 174279 176214 138416 191106 199240 225097 240372 251707 257341 259313 260236 272234 285403 290071 299113 300883 317163 322647 329095 331814 332298 335607 344438 344682 345570 34-552 182 Gewinne zu je 300 M. 3888 4312 11220 17711 19968 22503 23570 30668 36272 37708 39285 39965 44240 44444 45686 46510 47085 49907 64366 56383 68932 73482 74832 80034 80107 88450 93888 97873 101362 113578 117159 125320 128166 136186 166859 193396 225070 261199 286153 303682 341352 137888 174721 136769 234614 264127 285952 303950 348835 144683 176001 203216 236114 204376 288459 318060 150006 183787 206717 2361 IS 267205 290178 319368 1 32067 184515 21 1369 239948 270369 293915 332489 157135 185364 215050 246663 276545 294398 332652 182122 186422 215227 2571 14 284464 296113 166857 188261 217661 260199 284818 301420 335503 340092 Srttchss Skeis« Berliner Sclilachthansware 5»a. Schwei�ekoielett...... Pfund 1,28 Pa. Schweinekamm o. ßniaee, Pfd. 1,20 Pa. SchweineschulterbSatt Pui.S6i'f Pa. Schwe;ne■ euch o. Beilage, ptd.OßPt Pa. Kassier Kamm u. Speer Pfd. 1,1 8 Lle sens.ark-SS, Öück Dnfe!!bratf«r1.,Pfd 90Pt. Gepökelte Eisbeine mit spitz b., Pfd. 70pi. Schmoriletsch ohneKn.Kenle, Pfund 1,10 RouSaden.................... Pfund 1,26 Suppenfleisch................ Pfun i76Pi. Fehlrippe u. Brust......... pinndSSPf. Qu ascil gem. Rind-. Kalb- n.Schveinefl. 94Pf. Kalbskeule(bi>9Pfd.} u. Blatt Pfund94Pf. Kaibskamm................ Pfund 75 Pf. Kaibsnierenbraten......... Pfund84Pt HammeSfieisc�(iwcie Rippe) pid.98Pi. Schabefieisüh................. Pfund 1,14 Talg selbst ausgelassen............. Plnnd56Pf. GsMevAeZM Pa.Gchsan-SeJiinorf3.Keui.o.Kn.,pid.90Pt. Pa.Ochsan-Suppenfieisch Piand55Pt. Pa. Ochse. nkamm u.«Brust Pfand60Pt. Pa.Ochsengulasch ohnoicnocb.,Pfd.78Pt. Kuheuter....................... Pfnnd23pf Schweinenseren wie frisch... FinndSOPt. Fr.Schweinsköpf e m.Bai;t.,gefr., Pld.5 OPt. Gehacktes............... pinnd76Pt iiiiiiiuiniiliiiiiiimimii»iiimiii:ilittililiiiiiii»iiiiiiil!Niiliiiii.!!iil:mi.liii WJdschwein..... p�nd von 11? �itSHSQ gefroren........ Pfund von �San. Su�per�hüSiviar �Äl25 WwyjliiwufiPU' M.e Hausmaclicr-Sülze ptund 45;'(. SSGldChS kop-los'"!" M 0 1 1 0 ITT-T phoriA/IIVQtpFKnjt 1 nn m-m m mm U .lauou.o�.v— w-—..«ou jcciöChS''01"l0S' Hausm.-Leberwurstpfund 1,00|/ahiiaii Speckwurst.......-...Pfund 1,00~ Grobe Mettwurst....pfund 1,00 KOlDSrS_ Fleischwurst....... Pfund 1,20 SchellfflSChgÄw' Knoblauchwurst... ptund 1,25 �arhAnad�w'6� Hildesheimer Wurst Pid.1,25 s {f. Leberwurst....... pmnd 1,50 VJfüne ncringc p d. Teewurst............. Pfand 1 ,80 1 Nofkitift»(Koteletts) Holst. Zerv. u.Salami m 1,80| iöullslM''«- p'rt .oÄtaf Sb&HiUHiuMHeiHt' 20p. 22p. 22pt. 28pt 35p.. 55 pt. 70. Mouimain-Keis Valencia-Reis„ Patna-Reis.... Blue-Rose-Reis Weisse Bohnen.... Haferflocken. KleineKocherbsen Grosse Linsen...... 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Tiefer konnte man nicht sinken. Wer darin versank, fand keinen Ausgang mehr. Wie «in Schwamm sog es allen Abschaum des Ledens ein. Es verschlang olle, die dos Kapital von Haus und Scholle verjagt«, aller Mittel entblößt«, in ferne Gegenden nach Lohn und Arbeit trieb und schließ- lich, ausgebeutet und ausgepreßt, auf die Straße warf. Neben dem durch Steuern ruinierten Bauern und dem hinausgeworfenen Fabrik- arbeite? ging dorthin der hungernde Student, der bankrotte Kauf- mann, der oft hochadlige Höfling. Das am meisten berüchtigte Nachtasyl war die Chitrowka. Sie wurde nach der Revolution geschlossen, doch behielt sie den Charakter einer Herberge für Obdachlose. Wir besuchten zuerst die Männerabteilung. Beklemmender Schweißgeruch schlug uns entgegen. Eng nebeneinander, auf kahlen Pritschen, angekleidet, schlafen die Leute. Aus Lumpen, zer- fransten Hosen, verschlisienen Bauerntitteln, löcherigen Ueberziehern, schmutzigen Resten eines Soldalenmantels starren die nackten, schmutzigen, mit Schorf. Wunden und Beulen bedeckten Füße. Di« Obdachlosen sind auf verschiedene Räum« verteilt. Oben Hausen die noch„Arbeitenden", daß sind solche, die mehr oder weniger schaffen und sich ihr Brot verdienen. Unten kampieren die bettel- armen gelegentlichen Zuwanderer, die„Unbekannten" und Arbeits- losen. Der äußerste Saal beherbergt die„Abgeklungenen": Diebe, Taugenichtse, gewesene Menschen. Es gibt noch..Zimmer", In denen drei bis vier Mieter wohnen. Sie schlafen getrennt, Hausen dort auch am Tage und zahlen drei Kopeken. Da» sind die.Llristotraden" oder„Grafen", wie sie von den Insassen genannt werden. Die meisten Obdachlosen stammen au» Zentralrußlond. Zum großen Teil ehemalige Bauern. Greise, von Almosen lebend. Diele Trödler und Lbfallhändler. „3ch, meine Liebe, sammle Knochen, sucht Lumpen und Flaschen. Flaschen— gutes Geschäft: vier Kopeken pro Stück, verkaufe sie an die Fabrik." Langanhaltender Husten reißt an der Lunge. Auf der Lank sitzt ein Kahlkopf mit fuchsrotem Bart. S7 Jahre. Aus Wolhynien. „Ich kenne den Namen meine» Vater» nicht." wirst er abgerissen dazwischen.„Bin ein Mensch ohne Vater. Händler, sammle Absall und Schrott." „Goldschmied, Meister." fügt der Nachbar mit lautem Gelächter hinzu. Au» einem Mantel lugt ein schwarzer Kopf. Schmale Augen, Knopfnas«— ein Tatar aus Kasan, IS Jahre. Zwei Monat« ohne Arbeit, kam nach Moskau, um etwa» zu verdienen. Weiter: Lostkutscher, Dielenbohner mit gelbfarbigen Füßen, Arbeiter vom Brjanster Bahnhof. Der Bahnhos ist die Daseins- quelle für viel«. „Ich lebe von— ja, wovon? Arbeite manchmal am Bahnhof. trag« irgendetwas— na, und es geht," bemerkt ein Wächter o.D. Ein Mann von mittleren Jahren, nicht schlecht gekleidet, mit zerschlagener Nase, antwortet:„Ich war im Gummitrust, vor einer Woche entlassen." An die Reihe kommen die Buchhändler vom Lubsankaplatz.„Wir bandeln mit Büchern— aus der Lubjavka. Sicherlich. Das werdet ihr schon wissen. Kommt und kauft! Billige Bücher!" Mit schwerem Schritt kommt ein beleibter, verfilzter Mensch heran. Er schlenkert mit seinen großen Händen. Bei jedem Wort schnappt er noch Lust.„Ich kann alles, alle». Gebt mir Kinder— ich bringe ihnen was bei. Warum? Kartonnagieren kann ich auch. Bin alter Meister. Eigentlich müßte ich Kinder unterrichten. Gebt mir Kinder— jal" Er schreit und schreit. Sein Kops zittert. Endlich beruhigt er sich, setzt sich, spricht auf seine Nochbarn ein. Die großen, schweren Hände gestikulieren. Ein junger Bursche will nicht antworten. Heuchelt Trunkenheit. „Ich bin Pole, aus Kowno. Rein, nicht au» Polen! Weiß selber nicht, woher ich bin. Arbeite in einer Werkstatt." Dann zankt er einen au». Dieser schweigt.„Warum beschimpfen Sie den?" ..Warum? Weil er Jude ist."„Ja. ist das«in Grund?"„Och. Bürgerin, ich kann» in ihrer Anwesenheit nicht sagen!" Der Jude schweigt noch immer. Mittelmäßige Bildung. Provisar. Kam au» Leningrad. Arbeit suchend. Keine zu hoben. Der springende Punkt ist: kein Obdach, keine Existenz. Da» Nachtasyl ist die einzige Rettung, der letzt« Strohhalm. Lehrer, Studenten, Buchhalter lebm hier. Am Tag« schassen, studieren sie, wissen jedoch nicht, wo sie die Nucht verbringen sollen. Im Sommer Ist da» Nachtasyl mtt Saisonarbeitern überfüllt. Eine Wohnung ist nirgends auszutreiben, die Baracken sind auch unzu- reichend. Jede Nacht hat Moskau 10 000 bis 20 000 Wohnungslose. die da» Nachtasyl verschluckt. Trotzdem ist da» Nachtasyl nicht mehr wie stüher ein Schlupf- winket für Dieb« und Prostituierte. Die Diebe selbst verhalten sich ruhig. Die Frage noch dem Berus beantworten sie mit arbeitslos. Sellen geben sie da» Stehlen als ihr Handwerk zu. Sie bezeichnen sich als gesund, obwohl bei manchen die Kennzeichen einer Krankheit sichtbar sind. Alle geben an, sie seien ledig, sosern sie älter sind— verwitwet. Di» Asyle sind gegen stüher verhältnismäßig reinlich. Die Wände sind buttergelb getüncht, mit Merkworten oder Parolen versehen. Im Saal für Diebe ist da» Merkwort zu lesen:„Trunkenheit führt zu Diebstahl. Armut und Rauferei" Oder:.Wo die Laus ist. ist auch der Typhus." Hier hat jemand mit dem Fingernagel die„Laus" ausgekratzt. Die Inschrift:„vor Taschendieben wird gewarnt" wurde durch da» Wortspiel ersetzt:„vor Masern wird gewarntl" Zum Abschied rief uns ein stöhlicher Echrotthändler nach: „Bleibt hier! Bei uns ist es nicht schlecht— warm und mollig!"... _(Schluß folgt.) Geöanten zum�meisenkrieg inweißensee Don Dr. W. Wächter. Die einen sagen, der Mensch sei böse von Natur; sie haben die Erbsünde entdeckt und den Erlöfergedanken geweckt. Die anderen meinen, der Mensch sei von Natur gut, und nur die verkehrten sozialen Einrichtungen seien schuld an allem Uebel. Goethe glaubt, j» jedem Menschen stecke der Keim zum Verbrecher, und Schapen- Hauer führt alle menschlichen Eharaktereigenschaften auf Egoismus, Bosheit und Mitleid zurück. Die extremen Darwinisten sehen in der Natur nur den Kamps aller gegen alle, und der revolutionäre Fürst Peter Kropotkin, dessen wundervolles Buch ins Deutsche übersetzt zu haben«in unsterbliches Verdienst de» ermordeten Gustav Landauer bleibt, weist nach, daß die gegenseitige Hilfe bei Tieren und Menschen ein Naturgesetz und ebenso wirksam für die Erhaltung der Art ist wie der Kampf um» Dasein, vom naturwissenschaftlichen Standpunkt au» treffen Goethe, Schopenhauer und kropotkin im wesentlichen da» Rechte mit ihren Ansichten. Nach den Forschungsergebnissen der experimentellen Vererbungslehre— einer ihrer bedeutendsten Der- treler, der Kopenhagener Botaniker W. Johannsen, feierte vor wenigen Tagen feinen siebenzigsten Geburtstag— liegen die Erbanlagen, die Gene, gewissermaßen nebeneinander und die Umwelt wirkt auf jede einzeln ein. Daraus erklären sich am einfachsten die großen Widersprüche der menschlichen Eharakteräußerungen; e« gibt Mörder mit starkem Mitleidsgefühl, es gibt einen ungeschriebenen Ehrenkodex der Diebe, ungeheuer rücksichtsvolle und vornehme Geld- schrantknacker. und der„edle" Räuber ist kein eitles Phantosiegebilde, sondern eine ganz erklärliche Erscheinung: ebenso können die Kanni- balen ganz kultivierte Menschen sein. Als Verbrecher bezeichnen wir einen Menschen, dessen antisoziale Eigenschaften stark entwickelt sind und bei dem die Hemmungen, die aus seinen sozialen Eigenschaften resultieren, zu schwach sind, um jene zu unterdrücken oder in die richtige Bahn zu leiten. Daß wir alle egoistische und soziale Instinkte besitzen, braucht nicht weiter bewiesen zu werden, aber in welchem Umfange die einen oder die anderen vor- handen sind, ist nur durch da» Experiment festzustellen, oder um mit Schopenhauer zu reden: wo, wir eigentlich gewollt haben, erfahren wir selbst erst nach vollbrachter Tat Der eine ist für dreißig Silber- linge käuflich, der andere für eine Million; e» soll niemand sagen, er sei unbesirchlich. bevor er nicht ein» Million zurückgewiesen hat. Führe uns nicht In Versuchung! Diese valer-unser-DItt« umfaßt die ganze Tragik de» Menschen in seiner sozial-individualistischen Zwie- spälti gleit. Eine Ethik entwickelt sich nur beim Gesellschaststier, und der Mensch ist— zoologisch und soziologisch gesprochen— ein Gesell- schaftstier; und zwar ist die Ethik eigentlich nur eine„innerpolitische" Angelegenheit. Sie gilt ursprünglich nur für die Horde, den Clan oder die Gen» und erst später für den Staat. In der Außenpolitik versagt auch heute noch die Ethik; Völkerrecht und Völkerbund find erst schüchterne versuche, den Geltungsbereich der Ethik zu erweitern. Darum gerät die Ethik de» Ehnftentum». de» Buddhismus und de» Weltsozialismus immer in Konflikt mit den tatsächlichen Verhältnissen; die soziologische Entwicklungsstufe der menschlichen Gesellschaft steht heute noch im Widerspruch zu dieser Ethik, wa» man am besten in den Kriegen beobachten kann, in denen die„innerpolittsche" Ethik aus den Kopf gestellt wird und nur im Verkehr mit den verwundeten wieder auflebt. Bei den primitiven Völkern und den ethisch unent- wickelten Menschen zivilisierter Staaten gibt es keine ethischen Konflikte in bezug aus ihre Stellung zum äußeren Feinde, ebensowenig im Tierreich. Ein Bienen-, Termiten- oder«meisenstaat ist sozial- ethisch hoch entwickelt. Antisoziale Individuen, die die Gesamtheit schädigen, werden unweigerlich au» der Gemeinschaft ausgeschlossen oder getötet, ober gegeu fremde Völker oder andere feindlich« Tiere wird ein erbitterter Komps geführt, wenn e» nötig ist. Der Jesuiten- pater Wasmann und Professor Forel, dl« berühmtesten Autoritöten auf dem Gebiet« der Ameisensorschung. erzählen un» Wunderdinge über ihre kleinen fleißigen und Intelligenten Freunde. Forel bemerkt einmal, daß, wenn sich zwei Ameisen, von denen die eine satt, die andere hungrig ist, unterwegs, fern von ihrem Bau. treffen, die satte au» ihrem Mageninhalt einen Tropfen Nahrung hervorbringt, den die hungrige ableckt. Wehe der satten, wenn sie der hungrigen die Nahrung verweigert, vorausgesetzt daß sie zum gleichen Volk gehört. Der Buddhismus dehnt seine ethischen Pflichten bekanntlich auch auf die Tiere au»; ein strenqer Buddhist lebt vegetarisch, tätet kein Tier und verschmäht selbst Eier. Wir sind da etwa» robuster und: wa» man sich al» gebraten denken kann, sieht man al» keinen Mord mehr an. So oder ähnlich heißt es irgendwo bei Wilhelm Raab«, und selbst Schopenhauer, der unendlich viel für die Idee de» Tier- schütze» getan hat und dessen Verehrung für Buddha grenzenlos war. liebte ein gute» Beefsteak. Wir kennen also im allgemeinen keine ethischen Bedenken, wenn wir Ochsen, Kälber und Schweine schlachten und Ratten, Mäuse und andere« Ungeziefer, da» un» schabet, aus- zurotten versuchen. Wie schwer der Kampf gegen die kleinsten Organismen ist, wenn sie in Massen auftreten, wissen wir aus der Geschichte der Seuchenbekämpfung. In warmen Ländern kennt man die Heuschrecken- und Termitenplag«, im Kriege war die Läuseplage der Schrecken unserer Soldaten, und wie schwer es ist. ein Wanzen- nest zu säubern, weiß auch mancher bei uns. Daß auch Ameisen unter Umständen einem da» Leben in Deutschland verbittern können. erfahren wir au» einem interessanten Bericht des Apothekers Lorenzen, der un» in der letzten Nummer der Apothekerzeitung den Kampf gegen die Pharaoameise schildert. Nach dem Kriege traten m verschiedenen Berliner Krankenhäusern Ameisen in unerhörter Zahl auf und plagten Gesunde und Kranke. Sämtliche Nahrungsmittel waren nach kurzer Zeit des Stehen» bedeckt mit den kleinen hell- gelben, kaum zwei Millimeter großen Insekten. Aus den chirurgischen Abteilungen wurden die Wunden der Kranken sogar unter den Gips- verbänden angegriffen, und es bestand in hohem Maße die Gefahr der Eiterübertragung. Alle bisher bekannten Bertilgungsmittel ver- sagten, da die Nester der Tiere unauffindbar waren und die Gift- köder nicht angenommen wurden. Auch die Kammerjäger konnten keine Hilfe bringen. Endlich gelang es Lorenzen, in einer Natrium- Arsen-Berbindung, die mit süßen Mandeln, Zucker, zerriebenen Semmeln und Wasser vermischt wurde, einen wirtsamen Köder zu finden. Das Gift wurde nur in solchen Mengen verabreicht, daß es nicht sofort tödlich wirkt« und von den Tieren in die Nester geschleppt werden tonnt«, so daß auch dl« Brut der zu Beginn des Krieges mit Ltebesgabenpaketen aus Amerika eingeschleppten Insekten vernichtet werden tonnte. Wo zur Bekämpfung der Ameisen, die bekanntlich auch in unseren Gärten manchmal sehr lästig werden, die Gefahr der Vergiftung von Hühnern und anderen Haustieren besteht, empfiehlt Lorenzen, da» Gift in etwa zwei Zentimeter breiten Glasröhren aus- zulegen, so daß es von den Haustieren nicht erreicht werden kann. Wer keine Ameisen zu oertilgen hat. wird vielleicht durch diese Zeilen angeregt, sich«In wenig mit der Biologie der interessanten Insekten zu beschäftigen. Besonders unsere Juristen und die Abge- ordneten, die sich nächstens mit dem neuen Strafgesetzbuch zu be- schäftigen haben, sollten nicht versäumen, sich mit der Soziologie der Tier« und der primitiven Völker zu beschästigen. Für den Natur forscher und Soziologen ist e» relativ einfach, sich über die Ver- geilung»-, die Abschreckung»-, die Besserung»- und die Jsolterungs- theori«, die die Grundlagen unseres Sttasvollzuges bllden, klar zu werden. Mögen auch die Gesetzgeber, die den Menschenstaat nicht für ein in sich vollendete» Gebilde, wie den Ameisenstaat halten und an die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft glauben, zunächst ein paar Stufen in da» Dunkel der Vergangenheit hinabsteigen, um das Licht, da» un» aus der neuen Lererbungssorschung und der modernen Soziologie erttgegenstrahll, in seiner ganzen Fülle zu erkenne». J\Xi den Grenzen den Weltalls. Bor kurzer Zeit wurde aus der amerikanischen Sternwarte de» Moum Wilson, die da» größte Spiegelteleskop der Erde besitzt, be- kanntlich ein Nebelsleck photographlsch sestgestellt. der rund eine Mil- llon Lichlsahr« von uns entfernt ist. Damit ist der Mensch an die Grenze unser« Weltalls gelangt, sowei, ihm das Fernrohr einen Einblick m da» Wellallganze ermöglicht. Eine Million Lichtjahre ist. da der Lichtstrahl bekanntlich in einer Sekunde 200 000 Kilo- meter zurücklegt, eine recht beträchtliche Entfernung, denn ein ein, ziges Lichtjahr bedeutet schon 10 Billionen Kilometer. Die Entfernung. die eine Mllion Lichtjahre darstellt, ist wohl in Zahlen auszudrücken. In der Lorstellung kann sie aber nicht denkbar sein, da nach einer gewissen Entfernung unser Dorstellungsvermögen ver- sagt. Zum Vergleich sei angeführt, daß unsere ganz« Milchstraße, diese» ungeheure Weltsystem, insaesomt einen Durchmesser von 10 000 Lichtjahren hat. Der Nebelfleck, der jüngst entdeckt wurde, ist also hunverMtillionenmal werter von der Erde entfernt, als die Milchstraße groß ist. Dieser Nebelfleck ist offenbar selbst ein riesiges Weltsystem, genau wie es die Milchstraße ist, so daß wir mit diesem Nebelsleck das äußerste, unseren Augen erreichbare Weltsystem an den Grenzen des Weltalls festgestellt hätten. Die Nebelflecken find seltsame und zum Teil unersarschte Erscheinungen. Es gibt drei Arten, nämlich Gasnebel, Spiralnebel, schwarze Nebel. Es sind entweder in der Erstehung begriffene Weitenkörper oder es sind sehr weite gewaltige Weltensysteme, die aus Milliarden von Sonnen bestehen— und vielleicht auch von Erden—, uns aber wegen der riesigen Entfernung nur als Nebel erscheinen. Wir hatten schon vor diesem Nebelfleck andere derartig« Weltenkörper in Entfernungen von 200 000 bi« 200 000 Lichtsahren festgestellt. Man glaubte ins- !ier, daß der Raum in» Unendlich« mit derartigen Milchstraßen- ystemen erfüllt ist. Nach den neuesten Anschauungen ist aber die Welt nicht unend- sich, sondern kann als ein endliches System angesprochen werden, ob- wohl tn der menschlichen Vorstellung ein endlicher Raum durch etwa» andere» begrenzt werden muß. Einstein hat sogar ungefähr die Größe de» Wellenraumes berechnet und sein« GHtalt festgssetzt. Er kam zu dem Ergebnis, daß der Weltenraum ungefähr«inen Durchmesser von 100 Millionen Lichtsahren hat und»ine quasi- sphärische Gestatt aufweist. Die wahrhast umwälzenden und tief- gründigen Gesetze und Berechnungen, auf denen diese Feststellungen beruhen, entziehen sich der kurzen Wiedergabe wegen der Schwierig- teil de» wissenschaftlichen Stoffe«. Es genügt, daß die Berechnungen ausgestellt sind. Auch die Tatsache, daß diese Feststellungen mtt den Vorstellungen des sogenannten gesunden Menschenverstandes nicht in Uebereinstimmung zu setzen sind, beweist nicht, daß dies« neue Lehre sassch oder undenkbar ist. Es erscheint im Gegenteil als ein ungeheurer Fortschritt aus dem Gebiete der Erforschung des Welt- all» und seiner Gesetze, wie er seit Kopernikus, Gallilei, Newton und Keppter nicht mehr gemacht worden fft. Aber ein praktisches Beispiel sei erwähnt, um nur entfernt die neuen Möglichkeiten ahnen zu lassen: Wenn ein alter Grieche, der die Erde für eine Scheibe hielt, sich aufgemacht hätte, um, ständig geradeaus gehend, ans Ende der Welt zu kommen, so wäre er schließlich, wenn er lange genug gelebt hätte, er die Meer« hätte durchkreuzen könne«, an seinen Ausgangspunkt zurückgekommen, nur von der anderen Lette. Er wäre um die Erde, die eine Kugel ist. herumgegangen. Er hätte nie verstanden, wie er von Osten wieder in die Stadt zurückkehrt, au» der er in Richtung aus Westen ausgegangen war. Er fft doch Immer noch seiner Ueberzeugung— geradeaus ge- gangen. Gedonkenvorgäng« ähnlicher, aber schwierigerer Art sind «». die die Auffassung Einstein» ermöglichen. Ob aber dieser un- endlich« Raum, mag er endlich oder unendlich sein, jemals ganz erforscht werden wird, kann man ebensowenig bejahen oder ver- neinen. In diesem Sinn« kann man also von Grenzen des Welt- oll» überhauvt nicht sprechen, höchsten» von den uns mit dem Teleskop erreichbaren Grenzen. Mus See Partei. Die Einigung in Norwegen. (I. 3.) Am 30. Januar wurde in Oslo am Einigungskon g r e h von 883 Delegierten, die 78 000 Mitglieder rertraten, die Vereinigung der Sozialdemokratischen Partei mit der Arbeiterpartei feierlich beschlossen. Der Gedanke der Sammlung der proletarischen Kräfte hat in der norwegischen Arbeiterschaft mächtigen WiderHoll gefunden und schon heute ist klar, daß die neue Partei.viel mehr darstellt, als die Summe der beiden Parteien, aus denen sie ent- standen. Dies kam auch in der grasten Demonstration, die die Arbeiter Oslos am Sonntag, dem 30. Januar, veranstalteten, an der sich trotz der Unbilden der Witterung(3000 Genossen beteiligten, zum Ausdruck. Als die beiden Parteien zwei Monate vorher in ihren Landes- vorständen die Einigungsgrundiage akzeptierten und der Einigungs- kongreß einberufen wurde, taten die Kommunisten in ihrem Aerger das Dümmste, was sie tun konnten. Sie gaben die Parole aus, daß ihre Mitglieder in den Gewerkschaften sich an den Wahlen für den Einigungskongreß beteiligen müßten, und die so gewählten Vertreter alles daran setzen müßten, den EiniWngskongreß zu s a b o- Heren. Di« Verlautbarung dieses Auftrages, den Schefls aus Moskau mitgebracht hatte, oerstärkte in den sozialistischen Arbeiter- massen den Wunsch nach Einigung ganz außerordenttich. Die Er- bitterung gegen die Feinde der Einigung schlug zum Schluß sehr stark zuungunsten der Kommunisten selbst aus. In der Kommunistischen Pariei selbst regten sich nämlich Stimmen für die Einigung, acht Mit- glieder ihves erweiterten Zentralvorstandes stimmten einem Antrag« zur Einigung zu. Einige von ihnen wurden schließlich aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen, darunter der Präsi- dent der kommunistischen Parlamentsfraktion S t ö st a d und deren Schriftführer M o n s e n. Ebenso wurde von ihnen der kommuni- stische Redakteur Olaf L a r s e n zum Rücktritt gezwungen, weil er für die Einigung war. Monsen und Larsen hoben daraufhin in H o m a r, wo es früher nur eine Kommunistische Partei gab, eine Sektion der neugeeinten Arbeiterpartei gebildet, mit dem Erfolg, daß sich die Mehrzahl der Arbeiter chamars der neuen Partei an- schlössen.' Die Stimmung in der Arbeiterschaft war deutsich gegen die kommunistischen Sabotierungsversuche, trotzdem wurde natürlich oer- sucht, die Moskauer Order auszuführen. In einigen Gewerkschaften, wo die Kommunisten noch Anhang haben, gelang es ihnen, söge- nannte„freie Delegierte" wählen zu lasten. Das Organi- sationskomitee des Kongresses durchkreuzte aber von vornherein diesen Sabotierungsversuch, indem es beschloh, daß zum Kongreß nur zugelassen werde, wer von vornherein erklär«, sich den Mehrheits- beschlüffen des Kongrestes unterwerfen zu wollen. Damit waren die „fteicn Delegierten" von Anfang an ausgeschlosten. Der Kongreß bewilligte ihnen schließlich auf ihren Wunsch die Zulassung einer Delegation zum Zwecke der Abgabe einer Erklärung. Die De- legation kam auch, verlas die Erklärung und entfernte sich sogleich. Der große Moskauer Feldzug war auf diese Viertelstunde beschränkt. Die„fteien Delegierten" hielten dann eine Separatkonferenz ab, die mit der Gründung einer„Sammlungspartei der Arbei- t e r"(„Arbeidernes Samlingsparti") endete, also für die Kommu- nisten, die in den Gewerkschaften immer stärker abwirtschaften, eine neu« Firma zu schaffen sucht. Das Ergebnis ist also, daß der Zu- stand hergestellt ist, wie er in den meisten europäischen Ländern be- steht: eine starke sozialistische Partei und daneben ein« schwache kom- munistische. Dem Einigungskongreß gingen die besonderen Kongreste der Sozialdemokratischen Partei und der Arbeiterpartei voran. Die Einigungsgrundloqen wurden mit Einstimmigkeit gutgeheißen. Der' Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Magnus Rilfsen. gab dem Schmerze der Versammlung Ausdruck, sich nun von der Sozialistischen Arbeiter-Inter nationale trennen zu müssen, und sprach die Hoffnung aus, daß die neue geeint« Partei bald in die Reihen des organisierten Weltproletariats zurückkehren werde. Auf dem Kongreß der Arbeiterpartei wurde einstimmig be- schlössen, aus dem Pariser Internationalen Informationsbureau, dem die Partei bisher angeschlossen war, auszutreten. Auf dem Einigungskongreß führte Halvard Olfen, der Vor- sitzende des Norwegischen Gewerkschaftsbundes, den Vorsitz: das Bureau wurde aus Vertretern beider Parteien bestellt. Nach dem Bericht der Mandatsprüfungskommission gehörten 4SI Delegierte der Arbeiterpartei, 115 der Sozialdemokratischen Partei an und 247 De- legierte wurden von Gewerkschaften entsendet, die ftüher nicht Mit- glieder dieser Parteien waren. Nachdem die Einigung im Prinzip vollzogen war. nur ein einziger stimmte dagegen— bestand wie in allen solchen Fällen die Schwierigkeit der Lösung der Personen- fragen. Man fand den Ausweg, daß von den zwei großen Macht- Positionen in der Partei die Chefredaktion des Zentrolorgans an Tranmael(Arbeiterpartei), das Parteifetretariat an O k s v i k(Sozialdemokrat) fiel. Eine Schwierigkeit machte schließlich die Besetzung des Präsidiums der Partei. Vorsitzende sollten in erster Linie die bisherigen Vorsitzenden der beiden Parteien: T o r p und Magnus Nilssen werden. Da erhob sich aus den Reihen der Arbeiterpartei der Elmvand, daß im Fall« der Per- Hinderung Torps die ganze Parteileitung in den Händen der Sozial- demokraten liegen würde, da dann Vorsitzender und Sekretär aus deren Reihen stammen. Daher wurde beschlossen, einen zweiten Vorsitzenden st ellvertreter in der Person des dem linken Flügel der Arbeiterpartei angehörenden Professor Edward Bull zu wählen. Bevor es zu allen diesen Vereinbarungen kam, wurde ver- sucht, die Lösung des Perfonalproblcms durch ein« organisatorische Bestimmung zu beeinflussen. Die Tranmael-Anbänger beantragten, die Wahl des Sekretärs durch den Parteivorstand vorzunehmen, während die Sozialdemokraten die Wahl durib den Kongreß wünschten. Es kam zur einzigen Kampfabstimmung des Kongresses. Der Vorschlag der Tronmael-Anhänger wurde mit 423 gegen 313 Stimmen in namentlicher Abstimmung angenommen. Sie hatten in der Form gesiegt, aber trotzdem gelang es, O k s v! k zu bewegen, das Amt zu übernehmen, und der Parteivorstand, dem er auch angehört, wählte ihn einstimmig zum Sekretär. Sein Ersatz- mann im Parteivorstand ist F o st e r v o l l. Zum Tode Heinrich Brrnins. Aus Anlaß des Todes des Se- nossen Dr. Heinrich Braun,„der vor mehr als 50 Jahren als Stu- dent den Weg zum Sozialismus fand und alle die Zeit der Partei die Treue hielt", hat der P a r t e i v o r st a n d der WitnO des Verstorbenen, Frau Julie Braun, sein tiefstes Beileid ausgesprochen. Tlrbeiterspsrt. Der Stand der Fubballspiele. Der Ziotiien hat feine Spiele fast beendet. In Abteilung A ist Spandau 3 die Spitze nicht mehr zu nehme». Spandau 25.. 13 Spiele 11 gew. 1 unentfch. 1 verl. 23:3 Punkt« Rathenow... 13, 9, 1 m 3, 19:7, Staaken.... 12„ 8,—. 4. 16:8 Nauen.... 13, S, 2, 5. 14:12. Auch die Abteilung V steht nur ein Spiel por; Fichtc-Nvrd sollte die Sachsen. hauscner glatt schlagen. Die Tabelle hat hier solgcudes Aussehen: Vo'wärl».... 15 Spiele 12 gew. 2 unentsch. 1 oert. 23:4 Punkt« Mineroa....14„ 10. 3. 1. 23:5. Fichte-Nord...14. 10. 2. 2. 22:3. Vellen..... 16, 9, 4, 3, 22:10. Die Abteilung C hat zwei Vereine mit gleicher Punktzahl an der Spitze. Doch kann stch das Bild am Sonntag sehr leicht verschieben. — unentsch. Pankow 08 Adler 12.. A S V. 24. Rordiska 11 Spiele ". 13. 12. 10 gew. 10, 1»erl. 20: 2 Punkte 1, 20:2, 5, 16:10. 5, 14:10, Adler 12, einer der Spitzenreiter, tritt grgen Na?d:sla auf dem Exerzier- tz in der Schönhanser Allee an: Adler mutz sich sehr anstrengen, die Punkte zu behalten. Pankow 08 trifft auf Britz in Pankow, Maximiiianstratze, und dstrste glatter Sieger sein.— Ganz klar(legt die Führung in Abteilung 0. Adler 03.... 1! Spiele 12 gew 1 unentsch— verl. 2S:l PunU« 20 10 18:12 15: 11 Alemannia... 15. 9. 2 Teutonia.... 15. 8. 2 Segel 24.... 13. 6. 3 Adler 08 spielt In Pankow, Andreas-Hoser dstrsten auch hier den kürzeren ziehen.— Führung klar. Borussia.... 13 Spiele 12 gew.—unentsch. 1 verl. 24:2 Punkt« Bernau.... 14, 9. 2, 3. 20:8. Wacker 20... 14. 9. 2. 3. 20: 8. Ein-gleit....14, 7, 3, 4, 17:11„ 4 J 5. 4, j, gegen Tegel 24; die Tegeler uch u» Abteilung G liegt die von den Tabcllcnzwritrn' standen aus der Tagesordnung."So mutzte sich in k Lichtenberg 1 eine 0:7. Packuna von Stralau und Sparta eine 1:8» Packung von Lichtenberg III in C arfairn lassen, ahne von der Spitze verdrängt zu werden. In k hat die Tabelle folgende» tbesicht: Lichtenberg l.. 15 Spiele 12 gew. 2 unentsch. 1 verl 26:4 Punkte Slra au.... l5. Ii» 3. 1. 25:5. Treptow....17. 13» i. 3. 27:7. Aslania.... 16, 8. 3, 4. 19:11. Die Vereine der Spitzengruppe dürften auch die Spiele am Sonntag ge» Winnen. Stralau spielt gegen Wriezen in Lichtenberg, Lückstrabe. Askama gegen Richtcrswalde in Löpcnick, Grüne Trist. Sadowa gegen Verein für Be- wegungsspiel« in itöpenick-Nord. Letschendorf gegen Vorwärts 20 in Wetschen. dorf. Lichtenberg 1 gegen Tasmania IN Friedrichsfelde, Teeskowallee.— Di» Abteilung B führt Hertha 22 mit einem Punkt. Doch dürfte hier jetzt die Entscheidung fallen. Hertha 22... 15 Splele 12 gew. 2 unentsch. 1 verl. 26:4 Punkt« Brandenburg 02. 16. 13. 1. 2» 27:6, Oberspree...15. 12, 1, 2, 25:5, Alt. Glienicke..16, 11, 1, 4, 23:9, In Lichtenberg, Wagnerplatz, treffen stch um d!e Führung Hertha 22 und srandenburgl roccbcn.'Ii s�.t�sion! I�o 410�077 pitftin.w» in Loitersdorf bei Erkner.— Dt« Abteilung C zeitigt folge ndes Bild: Altüdlienicke spielt gegen Lustig-Fidel in Alt.Glienickk, am«iesberg egen� Zeuthen in Welßrnsee, Rennbahn. Woltersdorf gegen Tasd Sparta ll.. Lichtenberg III. Adlershof.. B S. V 22.. Ficht- SO... 14 Spiele 12 gew. lt. 1'. 14. 10. 15. 9, 15. 9. 1 uncnljch. 1 verl. 25 3 Punkte 1, 2. 23:5. -. 4, 20:8, 1. 6, 19:11. 1, 5, 19:11, Sparta mutz am Sonntag nach Frledri »innen. Adlershvf....___ W>. Berliner Sportverein 22 gegen Lichtenberg III in Hohen. schbnhousen, Svmmerstratze. Fichte-Elldost gegcii Adler auf dem Turnplatz in Baumschnlcnwcg.— Bezirk Südwesten: Iülei Brandenburg gegen Wannsee in Brandenburg,-- dors in Wilmersdorf, Württembergische Ecke Zähringer Strotze. Potsdam gegen um die Punkte zu gewinnen Löpcnickcr Chaussee.~ Adlershos spielt gegen Frifch-Fret in Äblersh unb muh sich sehr anstrengen, -----'' fof, hen» tz in llmersdors gegen E�margen. ichte, Südost gegcii Adler auf dem Turnplatz üterbog gegen Berolina in' ikirchmisser w Potsdam, Bornstedter Feld. in Schöneberg, Dominicusplatz. Lankwitz Fichte 21 gegen Dahme in Lichtenrade. Beginn der Eptel« nachmittags 3 Uhr. Borher untere Mannschaften. Schöneberg gMen Eharlottendurg gegen Futzballring in Lankwitz. Handballspiele am 13. Februar. Regen Besuch erhalten die Provinzvereine. Erotz-Berlin-Wedding fährt niit den 3 Männer» und der 1. Ingendmannschast nach Brandenburg. Steinfurth empfängt Grotz-Berlin-Rosenthal, und Kupferhammer spielen gegen Obcrsprrc. Luckenwalde-Frauen hat zum ersten Spiel Fichte 3 I zu Gaste. Ebcrswaldc- Jugend s.-°'"----- Nord; du____ 1. Mannschaften____________.._____....... Gaste: die Jugend spielt um]-.2 Uhr und die Männer um 1-3 Uhr.— Das wichtigst« Spiel des Tagr, ist Svaria I gegen Sch�neberg.Svortlcr I um 2 Uhr in der Trcskowallce, Friedrichs', de. Um 1 Uhr stchen sich d:e 2. Monnschaftrii gegenüber. In Neukölln, Dalnn:u>cg, spielen um Wl Uhr Bereinsfrauenmann» fchaft gegen Fichte 5, um 2 Uhr 2. Fraucnabteili-ng gegen Lichtenberg 1 und um 1 Uhr 2. Abteilung 11 gegen Oberspree II, wahrcnd die 2. und 1. Vereins» Männermannschaft gegen Tegel um 1 Uhr und 2 Uhr in Riederschäncweide, Berliner Straße tEasanstalt), spielen. Auf demselben Platz spielt um 3 Uhr Niedcrschöneweide gegen Fichte 22. Zn Friedenau, Otfcnbacher Str. 5a, spielt Grotz-Berlin-Friedenau um 10 Uhr die Frauen gegen Treptow, um U. Uhr die Männer gegen Schöneberg-Turncr, um 12 Uhr die Schüler gegen Fichte 19 und um lAi Uhr die Jugend gegen Wildau l. Aick den Fichteplätzen spielen folgende Abteilungen: In Reinickendorf(Cchäsersee) 5. Männerabteilung gegen 12. Männer- abteilung. Die 2. Mannschaften um 2 Uhr und 1. Mannschaften um 3 Uhr. In n aumschulenweg um'~ DMMMX 2. Iugendabteilnng gegen 2. Abteilung gegi.. um 12 Uhr 13. Männerabteilung ll gegen Treptow II; um l Uhr 13. Männer» abteilung I gegen Treptow 1; um 2 Uhr 3. Männerabteilung I gegen Schönow I, 3. Iugcndabteilung 1 gegen Groß-Berlin-Eüben I; um 3!lhr 10. Iugendabtei» lung gegen Grotz-Derlin-Rorden 3. In Martendorf, an der Renndahn, um 10 Uhr Süd 1. Jugend gegen Tegel, um 11 Uhr 2gt> Iugendabteilung gcg'N Oderspree, um Ü,3 Uhr 204 Männerabteilung gegen Sckiöncbcrg. Turner und um iz.4 Uhr 20. Frauenodteiluna geg'n Tegel. Auf dem Tiergartcnsportplatz spielt Moabit 2. Frauen gegen Fichtc.Rord II um 2 Uhr und die 1. Männer gegen Fichte-Süd I um 3 Uhr. In Adlershof, verlängerte Helbigftratze/ spielen die 2. Jugend gegen Sparta II um I Uhr, die gleichen 11. Ingen dmann, chatten um 2 Uhr und die 2. Männermannschaft gegen Biesdorf II um 3 Uhr. In Pankow. am Bahnhof Heinerrdorf, spielen dl- Jugend gegen Treptow um'II Uhr und die Frauen gegen Fichte 1 um'-2 Uhr. In Köpenick----- Lichtenberg 3 gegen lyurne X um«ja uyr in uimienoerg,-innviinranu. ipuu.uu» aen dorf gegen Berlin 12 um 9 Uhr auf dem Hubertusplatz. Äaulsdorf gegen Ält.Elienicke um 2 Uhr in Kanlsdorf. Fichte 21 gegen Stralau um 3 Uhr in Lichtenrade. Bohnsdorf gegen Wildau um 10 Uhr in Bohnsdorf, Schulzendorfe- Stratze 86'87. Jugend: Eroß-Berlin-Norden 2 gegen Fichte 5 um 10 Uhr ans dem Exerzierplatz Schönhauser Allee und Berlin 12 gegen Grotz-Berlm-Süden II um W Uhr in Steglitz, Siemcnsstratze. Tourifteavereln..Die Nakurfreunde" Ienkrole Wien. Ortsgruppe Berlin: Sonntag, 13. Februar, im Kulturheim des Metall- -rbeiterverb-ndes, Linicnstr. 197, zwei Filmoorführungen. Anfang 5 Uhr und �8 Uhr. Karten zu 60 Pf. in den Abteilungen. Keine Abendkasse.— Aot. Iii Februar, 8 Uhr, im Heim Reichenderger Str. 66 -- ii. Februar, 8 Uhr, in der Badeanstalt «imabend. ärwaldsiratze Ecke Jever Stratze..Buntes Allerlei".— Am Sonn» , findet die Hauptversammlung des Iiioendherbergs- «Imberg, Porckstr. 11, statt. Alle Mitglieder des 'ander, pnd Völkerkunde".— Abt. Treptow: Freitag» 1 im Heim Elfenstr. 3.Borläufer des Soziallsmus".— Sc- mischte« Chor: Freitag. 11. Februar. 8 Uhr, im Altersheim Dan, iger Str. 62, Baracke NI, Ucbunqssti.nde.— Abi. Reukklln: Freitag» 11. Februar. 8 Uhr, im Leim Kopiftr. 55 Diskussionsadend.- Abt. Wedding: eonntag. 13. Februar. Erkner-Flakenfee. Tresfpunkt 7 Uhr Bahnhof Weddlng- Photogemeinschast- Montag, 14. Februar. 8 Uhr, im Heim Edertpstr. 12 Lichtbilderoortraz:„Aus dem Schwarzwald". Ausstellung Ruinen und stille Winkel.— Raturwissen. schastlich« Abteilung: Maulag, 14. Februar, 8 Uhr. im S->m Slralaner Str.» .Atmung und Ernährung der Pftanzen"�— Abt. Steglitz: Montag, 14� Februar» 8 Uhr, im Heim»niephos..»—... abend, 12. Februar, 7 Uhr, Verbandes im Bezirksamt Kreutberg, IHB. haben»ollzählig zu erscheinen. Arbeiler-Radfahrerbund„Solidariiäl". Touren für Sonntag, 13. Februar: t. Bez., 1. Abt.: Dampferfahrt Winter» Märchen. Tresfpunkt Us Uhr Jannowitzbrücke.— 2. Abt.: Katharincnsce. Start 1 Uhr Di-ff-ubachslr. 36.— 3. Abt.: 12.: Maskenball bei Irmcr, Am Trcuiowcr Park 27, 8 Uhr. 13.: Rudow lL'ndengartcn). Start 2 Uhr Lausttzer Platz.— 4 Abt.: Falkenhorst. Stört 1 Uhr Weberwicfe.— 5. Abt.: Botamicher Garten. Start 10 Uhr Strausbcrgcr Str. 3.— 6. Abt.: Berkchrsmuscum. Start 10 Uhr Schönhauser Allee 164.— 7. Abt.: Tour am Start um 1 Uhr Koloniestr. 147.— 9. Abt.: Hohenireuendorf. Start 1 Uhr Schulst-. 114.— 11. A' Start um 10 Uhr Dlo-bpl-tz.— Bez. 2. Ortsgr. Charlottenburg Bergbau und Hüttenwesen, Jnvatidensir. 44. verschiedenes.— «SB. kkreuzberg(Fußball). Dom 10. Februar ab seden Donnerstag 8 Uhr Sitzung im Restaurant Bader, Iütcrboger Str. 7. Telephon: Hasenheidc 6538. Ausnahme aktiver Sportgenosscn und Interessierten. Arbeiter-Radsahrer-Berein Groh-Berlia. Sonntag, 13. Februar. 1>H Udr, Biesdorf. Süd, Restaurant Waldsriedc». Start Waldemarstratze Ecke Mariannen. platz. Gäste willkommen. "' tische 114.— 11. Abt.: Tour am Museum für Sitzung Dienstag, Techaischer Ausschutz der Ruderer und Aauufahrrr. E 15. Februar, 8 Uhr. bei Wolter, Rungestr. 17.____ Tie»Arbeiter-Athletik. Sportvereinigung Neukölln" sMitgl. d. AABD.) übt jeden Dienstag und Freitag 8—10 Uhr Turnhalle Mahlower Etratze(Ringen unb Heden). «rdeiter-Sport-»ud Kulturkartell Weddiug. Montag, 14. Februar, 7iü Uhr» Kartellsitzung im Ledigenheim am Brunncnplotz. Arbeiter. Sport, und Kulturkartell kreuzb: veranstaltcl das Kartell unter Mitwirkung Sonntag. 13. Februar, 3 Uhr, er angeschlossenen Vereine ein nehmer können sich Montag, Dienstag und Freitag ab 7>I Uhr beim Trainer melden bzw. im Eeschäftslokal A. Niederstratz. Emdener Str. 52, beim Sport» genossen Rich. Thöns. Frei« Ruderoereimgung 1913 e. B. Sitzung heut« 8 Uhr im.Strandschlotz"» Oberschöneweide, Spreestr. 4:5. Gäste gern gesehen. Achtung! Achtung! Kleingärtner! Ar.MnsllSlilik! Keine Kündigung von Kleingärien, bevor der Magifirat die Dauerkolonirn ausgewiesen hat! Zreffpnati: Soantog. 13. Februar, vormittag» 10 Ahr, Aeutöllu, Herhdergpiotz. Se!!.'!'i?ss!iüiil! üEükölln-IrefltM il im Reichsvdb b Äleing.Ver. Deutschlands. J A.: gez. Korch, gez. Staeis. Auch gegen alte Gallensteine, Leberleiden, Gelbsucht, Gallenblascncntzün- dung, Magen- und Darm krämpfc, Herz- Krankheiten, Gicht, Rheumatismus, Nierensteine, NierenleidenAVassersucht, Blasensteine, Blasenkatarrh, iwnere Verhärtung, Stuhlvcrstopfung, Härrorrhoi- oen,Zuckerkrankheit,Nervenerkr3nkung Kopfschmerz, Schwindel, Schlaflosigkeit, Adernverkalkung, Lungenleiden und offene Beine ist zu empfehlen Stern-Engei-Ieo Giftfrei,D.R.Pa«*nt, ges. fedch. Bewährtes Harnsäurezersttrunas- und Ausscheidc- MirteL Aemlleh erprobt und empfohlen! Auf die der Krankheit entsprechende Mischung wird besonders aufmerksam gemacht. Zu haben in den meisten Apotheken. Direkte Beiugsguellenangabe u. Beweismaterial durch Siernengei- Tee- GroS- vertrieb, Bad Schandau EIbe. Domlnö-Masken von 10 Pfg an Mützen Dtzd vMPf au Xlle Karnernl- und Peatarilkel »ehr billig Markgrafenstraße