MbenSausgabe Nr. 71 ❖ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 35 Ct/iucsbcbinsunatn und Anzeioenprelk fma tn der Morecnausnabe ongtueben Rcdnftion: Sw. SS. Cindenflrobe 3 .Fernsprecher i VSnhoss 292- 292 IcL-Sidteff*; Sozialdemoiras verlw ( 1?» sw Derltnev Volksblakk Zreitag U.Zebrua? 1927 Verleg und Änzeigenadletlunsr Telchöstszett 8 � dt« d Uhr Verleger: vorwarls-verlng Gmby. Berlin S20 SS, Lindcnslrasze S Fernsprecher: VSnhoss 292— 29? �entralorgan äer 8o2iÄlclemoKi'atifcKen Partei VeutfcdlanÄs Marx verteiöigt öie Kappisten! Kendell war„berechtigt und verpflick)tet" zum Hochverrat! Der Reichstag ist heute um �2 Uhr nachmittags zusammengetreten. Die Abgeordneten sind zahlreich erschienen. Auf der Negierungsbank sieht man Marx, Hergt, Keudell. Präsident Lobe teilt bei Eröffnung der Sitzung mit, datz der Wunsch bestehe, die Besprechung der Angelegenheit von Keudell möglich st abzukürzen, weshalb er eine Redezeit von einer halben Stunde für jede Partei vorschlage. Das Haus stimmt dem zu. Es beginnt also die Beratung der Mihtrauensvoten und der kommunistischen Interpellation gegen den Reichsminister von Keudell, und zwar mit der Begründungsrede des Interpellanten. Abg. Torgler(Komm.): Die Regierung wollte zuerst die Sache mit einer Erkzärung vor der Tagesordnung erledigen und dadurch eine Besprechung verhindern. Sie plante eine unerhörte Der- g e w a l t i gu n g.(Präsident L ö b e untersagt dies« Bezeichnung, da es nicht von der Regierung, sondern einzig und allein vom Reichs- tag selbst abhänge, in welcher Weise die Angelegenheit Keudell be- sprochen werden sollte.) Wir klagen den Minister von Keudell an, ein eifriger Förderer und Mitarbeiter der seit 1926 verbotenen staatsfeindlichen Organisation Olympia gewesen und heute noch zu sein. Er beherbergte 19 2 4 auf seinem Gut ein Sommerlager der Olympia unter der Leitung des Oberleutnants o. D. Fritzen aus Stralau-Rummelsburg. Die Olympialeute wurden dort mili- tarisch, besonders auch mit der Schußwaffe ausgebildet, was unter dem Deckmantel körperlicher Ertüchtigung im völkisch- na.ionalen Sinne geschah. Das eigentliche Kommando hatte der Reichswehrleutnant S ch a l l e r als„Turnlehrer". Wohnung und Verpflegung gab Herr von Keudell. Zur Geburtstagsfeier Keudells wurde ein großes Fest veran- staltet. Er selbst h-iest eine Rede aus die Wiederherstellung der hohenzollernmonarchie. Der berüchtigte Olympiaoberst von L u ck war wiederholt Gast und ist nach wie vor ein Freund Keudells. Nach herzlichem Abschied von Keudell übersiedelte da» Sommerlager auf das Nachbargut des Barons von Hülsen. Aus beiden Gütern sind die wafsenlager gut versteckt. Den Abschluß bildeten gemeinsame Uebungen von Olympia, Wiking, Stahlhelm, Jungdo usw. in der Umgebung Berlins unter der Leitung von Lucks. Keudell beruft sich darauf, daß die Olympia 1924 noch nicht verboten war, aber gerade ihre damalige und spätere Tätigkeit, an der sich Keudell so eifrig beteiligte, war die Ursache des Verbots im Jahre 1926. Nun stützt sich Keudell darauf, daß er im Sommer 1926 nicht die Olympia, sondern nur den Jungdeutschlandbund beherbergt habe. Keudell hatte sich gegenüber von Luck zunächst geweigert, im Sommer 1926 die Olympia aufzunehmen. Da wurde einfach der Deckname„Zungdeutschlandbund" gewählt. Will Keudell leugnen, daß er die Uniformen und Abzeichen der beiden Offiziere nicht gekannt habe? Und daß er mit dem Unter- führer der Olympia Hauptmann Wacker st ab noch im vorigen Jahre über die Beherbergung usw. verhandelt hat? Keudell hat sich bei dem Küstrin-Kommandanten G u d o v i u s für Schonung des Pulschmajors Buchrncker eingesetzt, weil Buchrucker vorschnell und überhitzt gehandelt habe. Grundsätzlich hatte Keudell gegen den Küstriner Putschversuch nichts einzuwenden. Der kommunistische Redner hielt es am Schluß seiner Ausführung in dieser Situation für zweckmäßig, Angriffe gegen die Sozialdemokratie zu richten und zu behaupten, daß ihre Opposition gegenüber dem Bürgerblock nicht e r n st gemeint sei. Daß dadurch der Eindruck der von ihm vorge- tragcnen Tatsachen stark verwischt wurde, hat er sich selbst zuzu- schreiben. Nunmehr nimmt der Reichskanzler Dr. Marx das Wort, um die Interpellation im Namen der Regierung zu be- antworten. Ich glaube dem Wunsche weiterer Kreise nachzukommen, wenn ich mich nicht nur darauf beschränke, die in der Interpellation angeführten Punkte zu besprechen, sondern den gesamten Fall Kendels zu erörtern. Der Reichskanzler will damit die Erklärung ausführen, die er in der vongen Woche abgegeben hat. Die von ihm geführte Unter, suchung sei objektiv und leidenschastslos gewesen. Er habe sich das gesamt« vorliegende Material besorgt und sei da- her in der Lag«, sich ein abschließendes Urteil zu bilden. Zunächst die Vorwürfe, die gegen den Landrat von Keudell wegen seines Verhallens beim«app-putsch gerichtet worden sind. Keudell war Landrat in Königsberg in der Neumark, das nicht weit von der Grenze der Ostmark liegt. Herr von Keudell hat bereits zugegeben. daß er im März 1929 die Bekanntmachungen des milstSrischen Befehlshabers veröffentlicht und auch als Plakate verbreitet hat. Er hat auf ausdrückliche Anweisung des ständigen Stellver- treters des Regierungspräsidenten Bartels in Frankfurt a. d. O. g e. handelt, des Ob-rregierungsrat« Feller. Ich bitte Sie. sich in die Lag« des in dem abgelegenen Neumark sitzenden Landrat- zu ver- � � Der Staatsstreich äußerte sich dort in dem völligen Aus- bleiben jeglicher Mitteilungen(es entsteht stürmische Heiterkeit, als der Reichskanzler einen Zwischenrufer von links an- redet„Mein lieber Freund"). Der Landrat von Keudell hat sofort seinen Stellvertreter nach Frankfurt gesandt, den Grafen Finkenstein. Telephonische Verbin- dung des Landratsamtes mit Berlin war tagelang nicht zu erreichen, also auch eine Gewißheit über das Schicksal der Regierung Bauer nicht zu erlangen Mitteilungen der Regierung Bauer trafen nicht ein, der Landrat war ausschließlich aus die Bekantmachungen der Militärbehörde angewiesen. Als die erste Nachricht von der Rückkehr der Regierung Bauer eintraf, und zwar durch die Militärbehörde am 18. März, hat von Keudell diese Nachricht sofort weitergegeben, die anderslautenden Nachrichten sofort widerrufen und darüber hinaus sofortige Einziehung etwa anderslautender Bekanntmachungen ange- ordnet.(Gelächter links.) NaH der ständigen Rechtsprechung— gesetzliche Bestimmungen darüber fehlen— hat der preußische Beamte in er st er Linie zu gehorchen. Besonders, wenn er eine ausdrückliche Anweisung seiner vorgesetzten Dienstbehörde er- hält. Das war hier der Fall. Außerdem bestand der inililärische Ausnahmezustand, und zwar schon vor dem Kapp-Putsch und nach den damaligen Bestimmungen über den Ausnahmezustand war die volle Befehlsgcwalt auf die Militärbefehlshaber übergegangen und auch hiernach war Keudell berechtigt und verpflichtet(!!!), den Anordnungen der Militärbefehlshaber nachzukommen. Eine der ersten Pflichten des Landrats ist es, für Ruh? und Ordnung zu sorgen, besonders dann, wenn Unruhen bestehen. Es war eine n o t w e n- dige und zweckmäßige Maßnahme des damal'gcn Landrats, die Zäckericker Oderb rücke und die Saldcrnbrücke mit seinen wenigen Gendarmen zu besetzen, um das Uebergreifen von Unruhen aus der Richtung von Eberswalde auf dem Kreis Königsberg zu verhindern, da es an der Grenze des Kreises bereits zu Unruhen gekommen war.(Gelächter links.) Den Panzerzug nach Bärwalde hat der Kommandant von Küstrin-ntsendet. Von Keudell hat davon erst nachher erfahren. Was die Frage der Ausübung eines unzulässigen Drucks auf den Vertrauensmann des Landarbeiter. Verbandes angeht, so erklärte mir Herr von Keudell, daß er mit diesem Vertrauensmann mehrfach zusammengetroffen sei und es für möglich halte, daß er gemäß der Weisung der Militärbehörde gehandelt habe.» Der Reichskanzler beendete kurz nach H3 Uhr die Darstellung seiner Untersuchungsergebnisse, worauf Reichsminister von keudell selbst das Wort ergriff. fluspleich Kanton � England. Rückgabe der Konzession Hankau.— Truppe» von Schanghai abgelenkt. London. 11. Februar 1927.(Eigener Drahibcrichi.) Die Donnerslagsitzung dos Unterhauses wurde durch den Abgeordneten der Arbellerparlcl Trcvelyan mil der Begründung eines Abände- rungsanlrags der Labour Porlei zur Thronrede über die englische Chinapolitik eingelcllel. Der Antrag fordert in seiner Konsequenz die sofortige Zurückziehung der englischen Slreilkräste au, China. Als Vertreter der Regierung antwortete Chamberlain. Cr führle ans, daß die Regierung mil den Chinesen in der Absicht verhandelt habe, eine friedliche Regelung zu erzielen. Zn diesem Sinne verhandele sie auch jetzt noch. Zn der Zwischenzcii aber habe sich jeder Ratgeber, den die Regierung an Ort und Stelle in China besitze, dahin geäußert, daß die in Schanghai vorhandenen Streitkräfte ungenügend seien, falls dort Unruhen ausbrechen. Zn den ganzen zwei lehken Zahren sei die Propaganda in China ausschließlich gegen England gerichtet gewesen, und die Regierung habe deshalb Vorsichtsmaßnahmen ergreifen müssen. Schließlich habe sie die Verantwortung für dlx Sicherheit und das Leben der englischen Untertanen in Schanghai zu tragen. Die Truppen würden jedoch innerhalb der Siedlung von Schanghai einquor- tiert werden und nur im dringend st en Rolsall die Sied- lung verlassen. Falls eine Einigung über diese Frage mll den Chinesen zu erreichen sei, so würden nur die Truppe», die be- reiis von Zndien nach Schanghai unterwegs sind, an ihrem Beslimmungsori ausgeschifsl werden, während die aus dem Rlillcl- meer und aus England selbst kommenden Truppen In Hongkong konzentriert würden. Der Außenminister gab dann die Bedingungen bekannt, unter denen mit der Kankan-Reglernng eine Einigung über die Konzession h a n k a u erfolgt ist. Danach wird die Konzession, die augenblicklich von einem chinesischen Ausschuß vccwallet wird, dem cnglischcn Ukunizipalral zurückgegeben, der dann von sich aus seine Er- Weiterung insofern vollzieht, als ihm tn Zukunsl auch Chinesen angehören sollen. Die Engländer und Chinesen werden die gleichen Rechte haben. Andererselts ha! sich die Kanlon-Regierung verpslichlet, keine Gewalt anzuwenden, um dl« Verfassung der Konzessionen und der iniernalionalen Siedlungen zu ändern. Alle künsligen Schwierigkeilen sollen auf dem Verhandlungswege erledigt werden. Diese Erklärungen Chambe:?ains riefen im llulerhaus eine allgc- meine Uebcrrafchung hervor, die mil großer Befriedigung auf. genommen wurden. die neue öeutsch-polnifche Krise. Handelsvertrag und Ausweisungen. Von Hermann Diamand- Warschau. Jede Verständigung beginnt damit, daß man«in- ander anhört. Gen. Diamand gehört zu den Poll- titern, die die Verständigung mit Deutschland aufrichtig wollen. Das gibt ihm das Recht, seine Ansichten mit voller Aufrichtigkeit zu vertreten. Wir geben ihm darum gerne das Wort.(D. Red.) In den deutsch-polnischen Verhandlungen ist die seit dem Antritt der Rechtsregierung erwartete Krise eingetreten, die wegen des Anlasses, der zur Begründung der Ärise herbei- geholt wurde, eine starke Ueberraschung bildet. Der Wojewode von Kattowitz hat vier höheren Beamten einer Privatbahn die Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung verweigert: die Beamten halten Dienstverträge bis Ende 1926, die bereits abgelaufen sind. Der Wojewode erklärt diese Maßregel damit, daß eine große Anzahl gleichwertiger Ingenieure in Polen seit langer Zeit vergeblich Beschäftigung sucht Ich lasse es d a h i n g« st e l l t, ob das Porgehen des Wojewoden poli- tisch klug war und gebe zu, daß der s e tz i g e Z u st a n d v e r ä n d e r u n g s b e d ü r f t i g ist: für mich bilden aber diese Verweigerungen der Aufenthaltsbewilligung bloß einen Grund mehr für den raschen Abschluß eines Handelsvertrages. Denn darüber waren sich die Verhandelnden bereits einig, daß außer den Leitern der Unternehmungen auch den führenden Beamten ein Anspruch auf Ansiedlung gewährt werde. Man war sich darüber einig, daß sich die beiden Staaten die Meistbegünstigungsklausel bezüglich der Einreise, des Aufeniholts und der Niederlassung gewähren mit der Einschränkung, daß die letztere nur die sich Wirtschaft- lich in Handel und Industrie Betätigenden betreffen würde. Es stand ein durchaus annehmbarer Zustand in Aussicht. Ist die polnische Regierung zur Ansicht gelangt, daß das Eingreifen des Wojewoden von Kattowitz politisch schädlich oder unklug war— ich kenne die Meinung der polnischen Regierung nicht �—, dann genügten die durch den deut- schen Gesandten in Warschau überbrachten Drohungen der deutschen Regierung, um der polnischen Regierung ein Ein- lenken unmöglich zu machen. Das mußte die deutsche Regierung wissen und dementsprechend muß die Intervention der deutschen Regierung bewertet werden. Im Einklang mit diesem meiner Meinung nach wohl- erwogenen deutschen Vorgehen stehen ihre weiteren Schritte, insbesondere die zahlreichen Mitteilungen an die Presse. Die betreffenden Kreise legen besonderen Wert darauf, den selbstverständlichen Zulammenhang zwischen den Aenderungen in der Regierung und den Aenderungcn in ihrem taktischen Vorgehen zu bestreiten. Solange es un- entschieden war, ob die Große Koalition zustande kommen würde, bedeutete jede Zusammenkunft der Vertretungen beider Staaten eine Annäherung, seitdem es aber feststand, doß eine Rechtsregierung ans Ruder käme, traten Ver- änderungen in der Sache und im VerHand- lungston zuungunsten einer Annäherung ein. Wer nicht den Zusammenhang zwischen den Westarp- Reden und der neuen Verhandlungstaktik sieht, wer Westarps Universitätsrede sich bei dem Betrachten der neuen Vorkommnisse nicht vor Augen hält, der ist außerstande, die neue Situation zu verstehen. Die europäisch« Friedenspolitik, die sogenannte Locarnopolitik, ist ohne eine Einigung zwischen Frankreich. Deutschland und Polen nicht denkbar: man kann bei allen freundschaftlichen Gesten gegen Frankreich den Locornogeist zerstören, indem man eine Verständigung zwischen Deutschland und Polen hintertreibt und das ver- stehen die frisch auf Locarno eingeschworenen Locarnogegner sehr gut. Der deutsch-polnische Handelsvertrag ist eine Vorarbeit des friedlichen Mitemanderlebens der Nachbarvölker und somit der Befriedung Europas. Wenn man die Dinge von diesem Standpunkte aus betrachtet, dann erfaßt man die Tragweite eines Abbruches der Verhandlungen. Kann man Verhandlungen ablehnen, well der durch den Vertrag herbeizuführende Zustand noch nicht eingetreten ist? Die offiziösen Presseerklärungen bemerken erst jetzt, daß die neuen Verhandlungsstörungen in naturnotwendigen Zu- sammenhang mit der Regierungsveränderung in Deutschland von der sachlich orientierten europäischen öffentlichen Meinung gebracht werden muß. Selbst Freunde des deutschen Volkes — und ich glaube mich zu ihnen zählen zu dürfen— können sich der Erkenntnis nicht entziehen, daß sie Zeugen eines Vor- ganges sind, der für Europa drohend und in größerem Maße für Deutschland als für Polen unmittelbar schädlich erscheint. Wirtschaftskriege bringen Schaden dem an- geblichen Sieger wie dem angeblich Be- siegten. Während in Deutschland versucht wird, Sieges- stimmung im deutsch-polnischen Wirtschaftskrieg zu erzeugen, erheben die von dem Siege betroffenen Deutsch-Ober- s chl e s i e r gewaltigen Lärm nach Beendigung der wirtschafts- mordenden Siege, sie haben genug.Des grausamen Spiels". Die Nationalisten aller Länder ljaben bereits mehr als einmal den Beweis erbracht, daß sie zu den größten Opfern bereit sind— nämlich aus den Taschen des Staates, d. h. den Taschen der Arbeiter. Angestellten und Bauern— wenn es sich um den Schutz der Agrarier und Schwerindustrie gegen die Interessen der Gesamtwirtschast handelt. Wenn ich mir als Fremder gestatte, in dieser Frage mit rücksichtsloser Offenheit das Wort zu ergreifen, so kann ich mich darauf berufen, daß ich mährend der zweijährigen Dauer unserer Ver- Handlungen sehr viele Male in der mir zugänglichen Presse verschiedener Parteirichtungen, auch nach der anderen Seite hin Kritik übte, ich habe mir den Blick nicht trüben lassen, auch wenn meine Regierung die Grenzen des gemeinsamen Inter- esses verließ. Ich glaube, ohne unbescheiden zu sein, sagen zu dürfen, daß ich mein Wirken während der Bertragsoerhand- lungen bis zum Antritt der neuen deutschen Regierung nicht für erfolglos halten darf und ziehe daraus das Recht, meine Stimme vor dem Zusammenbruch der Verhandlungen zu erheben. * Die Kritik des Genossen Diamond an den Kräften, die auf deutscher Seite zum Abbruch der Verhandlungen drängen, berührt nicht die Tatsache, daß die polnische Außenpolitik denkbar un- geschickt diesen Kräften in die Hände gearbeitet hat. Sie hätte es gerade bei Beginn der Bürgerblockregierung unter allen Umständen vermeiden müssen, durch Ausweisungen, zu denen sie formell vielleicht berechtigt war, einen deutschen Schrill in Warschau zugunsten der Aufhebung dieser Ausweisungen zu provozieren. Im übrigen ver- deckt dieser Streit über die politische Verantwortung an dem Scheitern der Verhandlungen nur die ökonomischen Kräfte, die auf beiden Seiten seit langem gegen eine Handels- Vereinbarung wirken. In Deutschland sind es die Interessen der Großlandwirtschast, die die Einfuhr von Agrarerzeugnissen aus Polen verhindern wollen, in Polen sind es die Interessen der Industrie und der Staatswirtschaft, die die Einfuhr deutscher Erzeugnisse beschränken möchten. Die deutsch-polnischen Handelskämpfe sind ein Schulbeispiel für den wirtschaftlichen Nationalismus zweier Staaten, die sich gegen- feitig die Einfuhr verhindern, statt die Ausfuhr zu fördern. Red. des„Vorwärts". Oer übergelaufene Lecher. Von deutscher amtlicher Seite wird betont, daß die neuesten Aus- Weisungen und NichtVerlängerungen abgelaufener Aufenthaltsbewilli- gungen nur der Tropfen gewesen sind, der einen vollen Becher zum Ueberlaufen gebracht hat. Als polnisches Entgegen- kommen wird hingestellt, daß die Regierung auf die polnisch-ober- schlesischen Behörden eingewirkt habe. Es ist richtig, daß der ostober- schlesische Woijewode nach Warschau beschieden worden ist. Aber das Ergebnis der dortigen Konferenz war eben die Ablehnung der deutschen Forderung, die Ausweisungen nicht zu vollziehen. Die Ausweisungen selbst werden lediglich damit begründet, daß man den polnischen Beamten und Anwärtern eine lästige ausländische Kon- kourrenz vom Halse schaffen müsse: in dieser Denkweise aber erblickt man auf deutscher Seite eine Wertlosmachung eventueller polnischer Zusagen in der Niederlassungsfrage von vornherein. Teutschland verklagt Polen wegen Schadenersatz. Haag, 10 Februar.(WTB.) Beim Ständigen Internationalen Gerichtshof ist eine neue Klage der deutschen Regierung gegen die polnische Regierung eingegangen. Diese Klage beruht auf der Ent- polnischen Regierung eingegangen. Zur Einreichung der Klage vor dem Haager Gerichtshof wird offiziös und offiziell mitgeteilt: Ursprünglich hatte Deutschland das Recht erhalten, die Rückgabe der Chorzow-Werke zu fordern. Da jedoch die deutschen Vertreter erkannten, daß die Polen in dem Werk große Veränderungen vorgenommen haben, und da man über- dies weiß, daß in deutschem Besiß und unter deutscher Leitung stehende Jndustriewerke in Polnisch-Oberschlesien die denkbar größten Schwierigkeiten zu bestehen haben, so trat das Verlangen nach Rückgabe mehr in den Hullergrund und dafür die Forderung einer geldlichen Entschädigung in den Vordergrund. Polm bewies jedoch eine geringe Neigung, das zu bezahlen; daher wurde die neue Klage eingereicht, die eine Entschädtgungszahlung von 76 Millionen Mark fordert. Zu Zuchthaus begnadigt. Die letzten in Litauen zum Tode ver- urteillen vier Kommunisten sind begnadigt worden. Die Todesstrafe wurde in lebenslängliche bzw. in einem Falle in löjährig« Zuchthaus- strafe umgewandelt. Sei öen Naturfreunöen. Leider macht die schwierige wirtschaftliche Lage es den meisten Arbeitern und Angestellten unmöglich, ihre karge Freizell außerhalb Berlins zu oerbringen. Wer das Geld zu einer Reif« aufbringen kann, pflegt die Sommerzeit vorzuziehen, so daß die Heime der Genossenschaft im Winter fast leer stehen. Und doch bietet ein solcher Aufenthalt, wie wir ihn in diesem Winter in Friedrichroda genießen konnten, reich« Erholung und Kräftigung, vielleicht noch mehr als im Sommer. Das Genossenschaftshei m*) in Friedrichroda liegt eine halbe Stunde südlich der Stadt, mitten im herrlichen Tannen- wald, fast 600 Meter hoch. Es ist dem Großstädter ein Labsal, diese würzige, reine Luft einzuatmen, die selbst bei 18 Grad Kälte nicht unangenehm ist, da die hohen Tannen die rauhen Winde abhalten. Rodel- und Bobbahn enden am Hause, nach allen Seiten führen be- queme Wege, die bei hohem Schnee durch den Schneepflug gang- und fahrbar gehalten werden. Ein junger, tüchtiger Genosse, von der Genossenschaft beauftragt, hält, unentgeltlich für die Mitglieder,«inen Schneeschuhkursus ab, der allen Teilnehmern große Freude ulib gute Ausbildung gewährleistet. Die Zimmer sind sauber, gut geheizt, elektrisch beleuchtet. Für die langen Abende steht ein kleinerer ge- mütlicher Ausenthaltsraum, und bei zahlreichem Besuch der wunder- schöne große Speisesaal zur Verfügung. Eine umfangreiche Bibliothek, Schachspiele, Tageszeitungen helfen die Zeit verkürzen. Di« Weihnachtsfeiertage wurden verschönt durch die vielen jungen Sportgenossen, die nach des Tages Freuden— und Leiden— abends frohe Lieder sangen beim Schein der Kerzen am Weihnachtsbaum. Für das leibliche Wohl sorgen Genosse Reimschüssel und Frau in vorbildlicher Weise, unterstützt von dem allzeit fröhlichen Töchterlein und dem getreuen Hausburschen Alfted. Ein freundschaftlicher Ton herrscht unter allen Mitgliedern. Schon vom ersten Tage an fühlt man: Wir sind unter Gleichgesinnten. Im freundlichen Gedanken- austausch lernt einer den andern kennen und würdigen. Nicht nur der Sportler und rüstige Wanderer, auch der körperlich weniger Leistungsfähig« findet hier Ruhe, Erholung, Kräftigung. Nach unseren Erfahrungen können wir allen Genossen empfehlen, die Heim« auch im Winter in Anspruch zu nehmen. In allen muß der Gedanke lebendig werden, daß es unumgänglich nötig ist, neue Freund« zu werben, sich selbst und der Genossenschaft zu Nutz und Frommen. �_ W i l l i M a r s t e. Loheland-Gymnasttk. Die Vorführung im Blüthner-Soal zeigte sehr gut durchtrainierte Körper, war also vom tanztechnischen Standpunkt aus interessant. Da aber die Loheland-Schule die einzelnen, mit wenigen Ausnahmen streng mathematisch-musi- kalisch durchkomponierten Uebungen nicht zu Tänzen zusammensaßt. sondern sie bewußt einzeln als Gymnastik-Darbietungen bestehen läßt, so war diese Veranstalwng für ein tanzinteressiertes Publikum kaum bestimmt. Welchem Zwecke diente sie aber dann? Einen geschlossenen Ueberblick über das Loheland-Systcm gewährte sie nicht, ') Gefchäftestell« für Berlin: Wilhelm Grothe. O. 112. Weichsel- stroße 10. Der Stahlhelm gegen Jungüo. Kriegserklärung mit Bednuern. Der Bundesvorstand des Stahlhelm-Bundes hat, wie er in seinem Organ in Fettdruck mitteilt, beschlossen, die„fran- zosenfreundliche Politik" des Jungdeutschen Ordens auf das schärfste zu bekämpfen und zu diesem Zwecke die Stahlhelmgruppen jedem Verkehr mit den Einheiten des Jungdo zu oerbieten! Natürlich aus„nationalen" Grün- den unter„Bedauern", daß der Jungdo andere Wege gehe. Um das zu unterstreichen, hat der Bundesvorstand auch gleich auf einen Beschluß der französischen Front- kämpfer geantwortet. Diese hatten chren aufrichtigen Friedenswillen zum Ausdruck gebracht und die Er- Wartung ausgesprochen, daß in Deutschland die Ab- rüstung der Geister eine friedliche Verständigung möglich mache. Auf dies Friedensangebot antwortet der Stahlhelm, der durch seinen Bundesführer dem Außenminister S t r e f e- mann nahesteht, daß die Forderung nach Abrüstung der Geister gegen feine Begriffe von nationaler Würde und Ehre verstoße! Worauf man in Frankreich sich natürlich den notwendigen Vers machen wird! Die Selbstmorde im Reichsheer. Eine Statistik des Reichswehrministeriums. Nach einer soeben herausgekommenen Statifttt des Reichswehr- Ministeriums hat sich der Mannschaftsstand des Reichsheeres im Jahre 1326 insgesamt um 3 Proz. vermindert. Von diesem Abgang entfällt ein Teil auf Selbstmorde und zwar haben im Jahre 1928 nicht weniger als 14 3 Angehörige des Heeres und der Marine Selbstmord begangen, welche traurige Zahl im Jahre 1926 allerdings auf 96 zurückgegangen ist. Dach der Statistik haben die Selbstmorde im Reichshcer seit 1924 ständig abgenommen und im abgelaufenen Jahr den tiefften Stand seit 1921 erreicht. Die«in- zelnen Jahre zeigen beim Reichsheer ohne Marine folgendes Bild: 1921.... 105 Selbstmorde t,t vom Tausend 1922.... 106.»= 1,14. 1923.... 117„---- 1,18, 1924.... 132,— 1,39. 1923. t.. 129.•= 1,36.. 1926.... 90.= 0,94. Bei der Reichsmarin« ist die Zahl der Selbstmord« bedeutend geringer, nicht nur absolut genommen, was ja aus der viel gerin- geren Mannschaftsstärke der Marine ohne weiteres folgt, sondern anscheinend auch verhällnismäßig. Solüatenmißhanölunyen. 10 Wachtmeister und Qbergefreite zu Gefängnis verurteilt. Schwerin, 11. Februar.(Eigener Drahbericht.) Das mecklen- burgische Amtsgericht Ludwigslust verhandelte am Donners- tag gegen elf Wachtmeister und Unteroffiziere des Reiter- regiments Nr. 14 in Ludwigslust wegen vorsätzlicher schwerer Untergeb enenmihhandlung in 14 Fällen. Hauptangeklagter war der geschäftsführende Oberwachtmeister P r i e g n i tz der 1. Schwadron, der feit dem 18. Dezember 1926 in Untersuchungshaft sitzt. Er war beschuldigt, unter Mißbrauch seiner Dien st gemalt vorsätzlich Untergebene zu mll Strafe bedrohten Handlungen bestimmt zu haben, indem er in sogenannten Gefreitenbesprechungen die Gefreiten zur Erziehung der Mann- schaften mittels Prügel aufforderte. Bei Nichterfüllung solcher Befehle drohte er, die Gefreiten von der Beförderung auszuschließen. In vier Fällen gab er direkten Befehl an Obergefreit« zur Ver- prügelung von Mannschaften mit Ochsenziemern und Leibriemen. Nach der erfolgten Mißhandlung verlangt« er Meldung, die auch stets erstallet wurde. Die Mißhandlungen der Mannschaften waren wochenlang an deren Körper sichtbar. auch nicht der ergänzenden Einführung, die«ine Loheland-Lehrerin gab. Der Mensch, der im Raum empfindet, daß er„in einem Strom darinnen steht", und der andere, ungeloheländerte, der noch„nicht hindurch kann durch die Dichte seines Leibes" sind immerhin nicht ohne weiteres vorstellbare Dinge. Die Loheland-Schülerinnen, die die Uebungen vorführten, zeigten in der Bewegung vollendete Muskelbeherrschung. Aber die unbeweglich todernsten Gesichter, die sie auch bei spielend-anmutigen Uebungen beibehielten, in Ver- bindung mit bewußt verhäßlichender Haartracht und asketischer Kleidung— weiße Kittel, nazu hochgeschlossen, die kaum die Knie freilassen, mit breiten naturfarbenen Lederriemen gegürtet— gab allen Darbietungen etwas unbeschreiblich Trauriges. Und im Still- stand zeigten gar alle Loheländerinnen infolge weitestgehender Muskelentspannung Ansatz zur Hühnerbrust und Rückgratverkrüm- mung. Ernsthast und traurig ging der Zuschauer heim. Tes. Hanns Heinz Ewers las auf Einladung des wissenschaftlich- Humanitären Komitees im Institut für Sexualwisfen- schaften Sexualpsychologisches aus seinen Werken. Zu Anfang sprach er wenige Wort« über seine Werke selbst. Und dos war nicht das Uninteressanteste an diesem Abend. Er sei im ersten Augen- blick darüber erstaunt gewesen, als man ihn aufgefordert habe, Sexualpsychologisches aus seinen Werken vorzulesen. Habe er über- Haupt derartiges geschrieben? Und dann sei er verblüfft gewesen, feststellen zu müssen, daß es fast kein sexuelles Problem gebe, das er nicht irgendwann angefaßt hätte. So habe er in der Erzählung „Der Tod des Jesus Maria Friede!" den seelischen Hermaphroditis- nms geschildert. Im„Zauberlehrling" den Flagelantismus, Masochis- mus und Sadismus, in den„Ameisen" die lesbische Liebe, im„Vom- pyr" Geschwisterliebe und dann endlich auch die Nekrophilie. Es sei aber nie seine Absicht gewesen, sexualpsychologische Probleme zu lösen. Und er habe auch nie zu diesem Zweck spezielle Studien ge- trieben. Es sei ihm einfach nur an der künstlerischen Darstellung dieser Themen gelegen. Es komme eben bei dem Künstler nie auf das Was, sondern stets auf das Wie an. Um zu beweisen, daß selbst das Widerlichste in der künstlerischen Darstellung nicht ab- stoßend zu wirken brauche, wolle er die Erzählung, die von der Nekrophilie, der Liebe zu Leichen, handele, vorlesen. Und Hanns Heinz Ewers las und erbrachte den Beweis für sein Können in der Darstellung des Gräßlichsten und Unausdenkbaren auf seruellem Gebiet in einer Weis«, daß es nur packte und bestürzte, nicht aber anwiderte. Auch erbrachte er den Beweis für fein Können in der Vortragskunst. Zwei andere kleine Erzählungen, die er las, waren harmloser Nawr und zeigten Hanns Heinz Ewers als ebenso feinen Psychologen wie Humoristen. R— l. Theaterabend In Neukölln. Es ist schade, wenn man dort tadeln muß, wo man gern loben würde. Aber so erfreulich es ist, wenn versucht wird, schlechten Filmen durch gute Vorträge und Theater Konkurrenz zu machen, und so hoffnungsvoll man den näch- sten Vortragsabenden im Städtischen Theatersaal in- Neukölln entgegensieht, die Fritz Kortner, Ernst Toller, Stefan Zweig besfteiten wollen— dieser erste Abend der„Neuen Truppe" war eine Niete. In seiner guten und tapferen Vorrede sprach Alfred B e i e r l e, der mit Manfred Fürst für die künst. lersiche Leitung verantwortlich zeichnet, von den Absicht«, der Einen anderen Soldaten ließ dieser Soldatenerzieher von einem Obergefreiten gewaltsam an eine Pferdeschermaschine schleiseir und dort festhallen. Ein Unteroffizier mußt« sodann dem Mann« mit der Pferdeschermaschine die Kopfhaare ver- schneiden: in diesem Zustande trieb er dann den Mann zum Friseur. Dienstbeschwerden wurden vor den Augen der Leute zer- rissen und durch Drohungen wurden sie zur Zurücknahme solcher oeranlaßt. Die Vernehmung der 20 Zeugen ergab ein empörendes Bild der unmenschllchen Grausamkeiten und der Zustände in der repu- blikanischen Reichswehr, die, wie ein als Zeuge vernommener Unter- offizier richtig bemerkte, von der französischen Fremdenlegion kaum übertrumpft werden könnten. Der Schwadronschef hat sich um die ihm anvertraute Schwadron überhaupt nicht geküm- m e r t: er überließ alles seinem Oberwachtmeister. Der Ober- st a b s a r z t, der mehrere verwundete und mißhandelle Soldaten in Behandlung nahm, gab diesen lediglich den Rat, sich zu bc- schweren: weiter tat auch er nichts. Der Hauptangeklagte Oberwachllneister Priegnitz wurde nach zehnstüdiger Verhandlung zu Jahr Gefängnis, ein Wachtmeister zu 114 Monaten Gefängnis verurteilt. Acht Unteroffiziere und Obergefreite erhielten 3 bzw. 2 Wochen Ge- f ä n g n i s, ein Gefreiter wurde sreigesprochen. Der Staatsanwalt hatte well höhere Strafen beantragt. An der Verhandlung nahmen als Vertreter der Heeresleitung der Oberstleutnant v. D ü h r- mann und ein Beauftragter der 3. Kavollcriebrigade teil, die von dem Ergebnis der Verhandlung der Hecresleiwng Bericht erstatten sollen._ Echter Monarchismus. Deutsche Kaiserpartei gegen Tcutschnationale. Um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen haben irgend» welche Leute, die vorziehen, anonym zu bleiben, eine— deutsche Kaiserpartei aufgezogen, deren Geschäftsstelle sich in Berlin. Wilhelmstr. 37/38, befinden soll. Das erste Heft einer Zeitschrift dieser Wilhelmianer ist bereits erschienen und trägt als Herausgeber. Drucker und verantwortlichen Schriftleiter lauter Namen, denen nian die Pseudonymität weithin ansieht. Bei der Monarchistenfeier im Kriegervereinshaus oersuchte die„Deutsche Kaiserpartei" ihre Werbe- schriften verteilen zu lassen. Das war aber sogar den alten Offiziere» so unangenehm, daß sie die Verteiler hinausgeleiten ließen. In diesen Werbeschristen wird das Dolkskaisertum gefordert und ausgeführt, daß man sich durchaus auf dem Boden der Reichsverfassung bewege, die vollkommene Freiheit der friedlichen Meinungsäußerung gewähre. Die Deutschnationalen werd«n in den Schriften der Kaiserpartei als Verräter heftig angegriffen. Es wird ihnen besonders schwer angekreidet, daß sie zum— Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold geschworen hätten. Der offene Brief der ehemaligen Schriftleitung des„Deutschen T a g e b l a t t s" an die Gesamtleitung der deutschoölkischen Freiheit«. bewegung, der in die Geschäftspraktiken der Völkischen hineinleuchtet. versetzt das„Deutsche Tageblatt" in peinliche Verlegenheit Es brimt länger« Ausführungen„in eigener Sache", in denen der im offenen Brief behauptete Tatsachenkomplex abgeleugnet wird. Der Versuch. die Behauptungen der Briefschreiber— es find ihrer vier— zu ctri- frästen, wird nicht gemacht und kann wahrscheinlich auch nicht ge» macht werden. Die Ratifizierung de» Washingtoner Abkommen» über den Acht- stundentag durch den Senat erfolgte unter dem doppelten Vorbrbalt, die Wirkung der Ratisizierung für Frankreich. nicht nur von der vorherigen Ratifizierung des Washingtoner Abkommens bn-ch Deutschland, wie das die Kammer getan hat, sondern auch von d:r vorherigen Ratifizierung dieses Abkommens durch Großbritannien Abhängig zu machen. Das Gesetz muß also wieder an die Kamm-r zurückgehen. Die wahlresorm in.Frankreich und die Sozialisten. Der Partei- vorstand der französischen Sozialistischen Partei hat beschlossen, zum 27. Februar den Nationalrat nach Paris einzuberufen, um die Stellung der Partei zur Wahlreform festzulegen. Er hat gleichzeitig den Jahreskongreß der Partei auf den 17. April 1527 festgefetzt. „Neuen Truppe" und zitierte Ifflands Wort:„Weil das Publikum das Stück nicht verstanden hat, wollen wir es morgen noch einmal spielen". Die beiden folgenden e:was verstaub.en Werke, Eduard von Keyserlings Zweiakter„Benignes Er- l e b n i s" und Wildgans„In Ewigkeit Amen" hatten aber mit dieser Einführung keinen verständlichen Zusammenhang. Der Gerichtsakt von Wildgans, das weitaus glücklicher gewählte der beiden Stücke, litt an mangelhaftem Tempo und cn der Abhängig- kell der Schauspieler vom Souffleurkasten, die freilich noch mehr in dem Werk Kenserlings zutage trat. Außerdem ist Keyserlings blut- armer Zweiakter höchstens zu einer bis auf jede Einzelheit mein- anber abgestimmten Ausführung aus einer Kammerbühne geeignet, keineswegs für ein Volkstheater in Neukölln. Sz. Heinrich Zille. Die Fülle künstlerischer Persönlichkeiten ist heute ZUM mindesten in Deutschland groß. Zu gleicher Zeit stellen in Berlin Kokoschka, Georg Groß und Felix Müller ihr« Bildnisse von Zeitgenossen aus: in Dresden zeigt man das Lebenswerk des nun 60jährigen Nolde in zwei großen Ausstellungen, und so nebenbei gibt die Kunsthandlung Sagert in der Potsdamer Straße einen Ueberblick über das Zeichenwerk von Heinrich Zille. Zille hat niemals Bilder gemalt, aber er hat das Leben des Berliner Volkes in seinen Zeichnungen und Aquarellen wie kein anderer erfaßt und mit Wahrheit darzustellen gewußt, und das ist genug für einen großen Künstler. Nicht auf großartiges Format und Technik kommt es in der Kunst an, sondern auf Wahrheit der Empfindung und Dar- stellung. Aus der Tiefe des Volkes gekommen, hat Meister Zille allezeit ein Herz für die Freuden und Leiden des Volkes gehabt. Er verschönert nichts, er zeichnet, was fein unbestechliches Auge sieht, und das ist manchmal nicht gerade schmeichelhaft für das Pro- ietariat und noch weniger für den Bourgeois. So wenig w!« Groß oder Dix ist Zille darum für einen Verherrlicher des vierten Standes zu erklären. Immer aber wird Zilles Kunst volkstümlich fein, weil sie einfach ist und allgemeinverständlich und groß in ihrer Schlicht- heit, die überall das Schwerste ist. P. F. S. hineingefallene amerikanische Lillllchkeilskämpen. Aus New Park wird gemeldet: Die Thcaterdirektoren, Schauspieler und Schauspielerinnen, die an der Ausführung der„Gefangenen" von Bourdet mitgewirkt hatten und, wie wft gestern mitteilten, �ver- haftet worden waren, da nach der Auffassung der Polizei das Stück „unsittlich" ist, sind gegen Kaution freigelassen worden. Auch die bereits verfügte Schließung der Theater, an welchen das Stück ge- geben worden war. ist auf eine Beschwerde hin wieder aufgehoben und die Fortsetzung der Ausführung der„Gefangenen" freigegeben worden. Vl« Deutsche klln>ssgemeinsck»ast zeigt In liren Räumen Im Schlag vom lg. Februar bis IS. Mörz eine AuSstellimg iun-ier Maler. Gleichzeitig wird am IS. Februar eine Sonderausstellung von Künstlern der„November- gruppe" und der.Abstrakten' eröffnet. Außerdem entbalten die Ausstellungsräume wie immer Kunstwerke aller Richtungen und Arten sowie eine ständige BrldniiauS stellung. 3m Sai'er Ariedriw.Ztuseui« hält Dr. 8. Daun, Dezernent für Kunst im Polizeipräftdinm. am 13., vorm. 10—11'/« Uhr. Vortrag über die' Gemälde der spätitalienischea» spanisch«» und »ngltsch«» Schul». Amerikas �brüstungsvorstsß. Für paktische Begrenzung aller Seerüstungen- als Vorläufer der Gesamtabrüstnng. In seiner Botschaft teill Präsident Coolidge dem Kongreß mit, daß die amerikanischen Botschafter in London, Paris, Rom und Tokio den dortigen Regierungen eine Denkschrift überreichen, in der angeregt wird, diese Regierungen möchten ihre Delegierten bei der bevorstehenden Zusammenkunft der vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz in Genf ermächtigen, über ein Ab- kommen über eine weitere Verminderung der See- rüstungen zu verhandeln und es zu einem baldigen Datum ab- zuschließen, Das Abkommen würde eine Ergänzung zu dem Washingtoner Abkommen über diese Frage bilden und sich auf die Schiffsklassen beziehen, die von dem genannten Vertrage nicht berührt werden. Auf der Washingtoner Konferenz fanden wir die anderen Mächte von demselben Wunsche beseelt wie uns selbst, den Weit- bewerb zur See als mögliche Ursache internationaler Zwietracht auszuschalten. Unglücklicherweise war es indessen nicht möglich, in Washington Vereinbarungen zu erreichen, die alle Klassen von Kriegsschiffen umfaßten. Die Washingtoner Verträge sahen vor eine besondere Einschränkung der Tonnage von großen Kriegsschiffen und Flugzeugmullerschiffen sowie gewifle Einschränkungen hinsichtlich der B e st ü ck u n g aller Arten von Schiffen. Jede Nation hat volle Freiheit, jegliche Zahl von Kreuzern, Zerstörern und U-Booten zu haben: nur die Größe und Ausrüstung der Kreuzer war Beschrän- kungen unterworfen. Die Unterzeichner des Washingtoner Ver- träges haben ihre Verpflichtungen ehrlich erfüllt, und es kann kein Zweifel bestehen, daß der Vertrag in seiner Wirkung einen her- vorragenden Erfolg darstellt. Es ist die Hoffnung der amerika- nischen Regierung gewesen, die ständig von dem Kongreß seit der Washingtoner Konserenz ausgedrückt wurde, daß sich eine günstige Gelegenheit bieten möchte, das hier begonnene Werk durch Abschluß weiterer Vereinbarungen über Kreuzer, Zerstörer und U-Boote zu vollenden. Daß ein solches Ab- kommen wünschenswert war, lag auf der Hand, da erwartet werden muhte, daß der Geist des Wettbewerbs, der bezüglich der Groß- kampfschiffe und Flugzeugmutterschiffe durch den Washingtoner Ver- trag unterdrückt war, früher oder später bezüglich der anderen Schisse in Erscheinung treten würde, für die es in dem Vertrag keine Einschränkung gab. Tatsächlich glaube ich nicht, daß ein Bau-Wcttbewerb in dieser Klasse von Schiffen begonnen hat. Immerhin sind von gewisien Mächten zeitweilig Bauprogramme niedergelegt worden, und in unserem eigenen Lande ebenso wie im Auslande ist eine Stimmung hervorgetreten, den Bau von Kriegsschiffen zu unternehmen mit der Begründung, daß ein solcher Bau in anderen Ländern im Gange sei. In solchen Stimmungen liegt der keim für einen erneuten UZetlbewerb zur See. Ich bin sicher, daß alle Regierungen und alle Völker lieber ein System der Einschränkung der Rüstungen zur See wählen würden, anstatt bewußt zum konzentrierten Bau zurückzukehren. Ich habe deshalb in der Hoffnung' eine Gelegenheit zur Erörterung unter den hauptsächlichsten Seemächten herbeizuführen, um f e st z u- stellen, ob eine weitere Einschränkung praktisch mög- l i ch ist, Ihnen die Anregung unterbreitet, daß Verhandlungen über diesen Gegenstand sobald wie möglich beginnen sollten. Die sechsmonatigen Verhandlungen des vorbereitenden Ab- rüstungsausschusses des Völkerbundes haben gezeigt, daß eine An- zahl von Nationen überzeugt ist, daß die Land-, See- und Luft- rüstungen miteinander im Zusammeng stehen, und daß es schwierig, wenn nicht unmöglich sein werde, eine Einigung über die Beschränkung einer Gattung von Rüstungen zu erzielen. ohne gleichzeitig die anderen Gattungen zu beschränken. Als Folge davon ist zu befürchten, daß ein toter Punkt ereicht werden wird, wenn ein auch nur teilweiser Fortschritt bei der Ver- Minderung der Rüstungen abhängig wird von der Annahme eines a l l g e m e i n e n P l a n e s, der sich auf die Land-, See- und Luft- streitkräfte zusammen erstreckt. Wenn der in Aussicht stehende tote Punkt nicht überwunden werden kann, ist es wahrscheinlich, daß gegenwärtig nur ein geringer Fortschritt erziell wird. Es scheint mir, daß die amerikanische Regierung, die stets für die Einschrän- kung der Rüstungen eingetreten ist, die Pflicht hat. sich zu bemühen, irgendwelche verfügbaren Mittel vorzuschlagen, durch die k o n- trete Ergebnisie erziell werden können, auch wenn solche Ergeb- nisse eine endgüllige ideale Lösung des dreifachen Problems der Land-, See- und Luftrüstungen nicht«reichen. Unsere Delegierten In Genf haben ständig die Ansicht aus- gedrückt, daß unter Umständen, wie sie heute in der Welt gegeben sind, die Probleme der Land- und L u f t r ü st u n g e n am ge- eignetsten für eine Lösung durch regionale Vereinbarungen sind, die sich aus Gebiete beziehen, innerhalb deren die Land- oder Luftrllstungen eines Landes eine eventuelle Bedrohung für ein au- deres Land darstellen würden. Wenn auch das Problem der Ein- schränkungen der S e er ü st u n g e n in seinem Charakter nicht regional oder geeignet für regionale Behandlung ist, so ist es doch zum Teil erfolgreich behandell worden durch eine Verein- barung unter den fünf führenden Seemächten, und kann meiner Ansicht nach durch weitere Verhandlungen unter diesen Mächten endgülllg geregell werden. Es wird ein Beitrag zum Erfolg der vorbereitenden Arbeit, die jetzt im Gange ist, sein, wenn sich die großen Seemächte über eine weitere endgültige Min- derung der Seerüstungen einigen. Die amerikanische Regierung zögert zwar in diesem Augen- blick, irgendwelche starren Vorschläge betreffend das Ver- hällnis der Stärke der Flotten vorzubringen, die von den ver- schiedenen Mächten ausrecht erhalten werden sollen, sie ist aber ihrerseits bereit, bezüglich derjenigen Klassen von Schiffen, die von dem Washingtoner Vertrage nicht betroffen sind, eine Ausdehnung des Verhältnisses 5: S: 3 bezüglich der Vereinigten Staaten, Großbritannien und Japan anzunehmen und die Stärke Frankreichs und Italiens der Erörterung in Genf zu überlassen und ihre besonderen Verhältnisse und Be- dürfnisse bezüglich der in Frage stehenden Schiffstypcn in Rechnung zu stellen. Es ist meine Absicht, daß die amerikanischen Vertreter in Genf fortfahren sollen, mit den Vertretern der anderen Nationen in Gens über das Programm einer Konferenz für eine ollgemeine Rüstungselnschränkung zu beraten. Wenn ein« solche Konferenz in der Zukunft auf einer allgemein annehmbaren Grundlage möglich sein sollte, wird die amerikanische Regierung naturgemäß hochbefriedigt sein. Bis zur Formulierung des Planes für eine solche allgemeine Konferenz glaube ich, daß sofortige und aufrichtige Bemühungen unter- nommen werden sollten, das Problem der Secrüstungen zu lösen, weil die Lösung viel dazu beitragen würde, die Bemühungen zu einer allgemeineren Einschränkung der Rüstungen erfolgreich zu machen. Frankreichs EinwLnöc. Paris, 11. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Der amerika- nische Botschafter in Paris hat gestern Briand eine Note überreicht, in welcher Frankreich aufgefordert wird, an einer neuen Entwaff-,. nungskonserenz teilzunehmen, die entweder in Washington oder in Genf in. aller Kürze einberufen werden soll. Es besteht kein Zweifel, daß diese amerikanische Anregung in französischen politischen Kreisen auf durchaus ablehnende Auf- nähme gestoßen ist. In der gesamten Presse wird der amerikanische Vorschlag scharf kritisiert. Das„Echo de Paris" weist nach, daß Amerika damll nur bezwecke, die Marinestreitkräfte Frank- reichs und Italiens zu bekämpfen und schlägt vor, den amerikani- schen Vorschlag dem Völkerbund zu unterbreiten. Auch im„Matin" sucht Sauerwein nachzuweisen, daß Frankreich keinerlei In- t e r e s s e habe, an einer neuen Entwaffnungskonferenz teilzu- nehmen, da es ebenso wie Italien bereits auf der letzten Wafhing- toner Konferenz bis zur äußersten Grenze der Zugeständnisse ge- gangen sei. Im.Petit Parisien" wird ebenfalls betont, dßh Frank- reich die amerikanische Demarche vorläufig zur Kenntnis nehme, daß aber kaum anzunehmen sei, daß die französische Regierung ohne weiteres auf den amerikanischen Vorschlag eingehen wird. Schema Die Lex Höflc und das Reichsgericht. Vor dem 5. Senat des Reichsgerichts in Leipzig wurde unter Vorsitz des Senatspräsidenten Reichert zum erstenmal nach der neuen Strafprozeßnovelle über die Untersuchungshaft nach der sogenannten Lcr Höfle verhandelt. Zur Verhandlung stand u. a. der bekannte Fall des Studienrats Dr. G o l d m a n n und D i e tz wegen Landesverrats. Dietz hat bekanntlich Mitteilungen gemacht, die der preußischen Polizei Zlnlaß zu den Haussuchungen bei Claß und Genossen gaben. Er sowohl wie Dr. Goldmann befinden sich unter der Beschuldigung des versuchten Verrats militärischer Ge- heimnisie aus dem Jahre 1922 fett Anfang September 1926 in Elber- feld in Untersuchungshaft. Jetzt sollte auf Antrag der Verteidigung in müntllicher Verhandlung über die weitere Aufrechterhaltung oder Aufhebung des Haftbefehls entschieden werden. Zu der Verhand- kung, die nach dem Gesetz nicht öffentlich ist, war der Oberreichs- ffnwatt Werner persönlich erschienen. Die Angeklagten selbst waren, trotzdem sie ihre Anwesenheit auf eigene Kosten beantragt hatten, wogen weiter Entfernung ihres jetzigen Aufenthaltsortes vom Ge- richt nicht zur Stelle geschafft. Statt ihrer waren die Rechtsanwälte Dr. N ü b e l l- Berlin und M e tz e r o t h- Elberfeld erschienen. Nach- dem der Berichterstatter Reichsgerichtsrat Mengelkamp einen kurzen Ueberblick über das bisherige Ergebnis und den derzeitigen Stand des Verfahrens gegeben hatte, erhiell zunächst Dr. Nübell das Wort zur Begründung des Haftentlossungsantrages für Dr. Dietz. Er führte an Hand der bisherigen Zeugenaussagen und Gutachten in«ingehender Weise aus, daß gegen Dr. Dietz schon jetzt ein drin- gender Tatverdacht nicht mehr bestehe. R.-A. Metzeroth wies für Gcldmann darauf hin, daß bei den Besprechungen zwischen ihm und Dietz geheimzuhaltende Dinge überhaupt nicht erörtert worden seien. Der Vertreter des Oberreichsanwalts trat der letzteren Auffassung entgegen, wenn er auch anerkannte, daß es bei Dietz nur auf dessen subjektives Empfinden für die Frag« der Strafbarkeit ankomme.— Das Reichsgericht kam nach längerer Be- ratung zu dem Ergebnis, daß die Frage, inwieweit Goldmann Dinge gekannt habe, deren Geheimhalhing geboten war, noch durch weiter« Gutachten klargestellt werden müsse und daß bis dahin der Haftbeschlutz gegen beide Beschul- digtsn aufrechtzuerhalten sei, um jede Möglichkeit der Kollusion auszuscheiden. Ein neues Haftprüfungsverfahren soll am 20 April stattfinden, wenn bis dahin wider Erwarten die Sachs nicht soweit geklärt sein sollte, daß eine Entscheidung des Oberreichs- onwalts, sei es auf Erhebung der Anklage, sei es auf Außer- verfolgungssetzung, getroffen sei. Das Haftprüfungsverfahren wird also ganz nach Schema betrieben. Weil der Reichsanwalt nicht fertig ist, müssen die Beschul- digten— diesmal ist der eine ein angesehener Zentrums- mann— wetter brummen, auch wenn sie unschuldig sind. Was wird nun erst aus den kleinen Schächern, die sich keine teuren Anwälte leisten können? fiusnahmerecht gepen Arbeiter. Die Arbeiterlegitimationskarten. Nach den geltenden Bestimmungen müssen alle in Deutschland lebenden Ausländer mit einem Pah oder Paßersatz versehen sein. Darüber hinaus aber sind alle ausländischen Arbeiter in Preußen verpflichtet, eine Arbeiterlegitimationskarte mit Lichtbild und steckbriefartigen Angaben bei der Polizei zu erwerben. Es besteht somit für Arbeittb ein„zusätzlicher"� Paßzwang, der außer- dem noch seine besonderen Härten hatt Diese Legitimationskarten kosten nämlich pro Stück fig n s Mark und. wenn der ZahluNgs- termin versäumt wird, sogar sieben Mark, später noch mehr. Der Zahlungstermin ist der 28. Februar, aber die alljährlich zu er- neuernde Verordnung über den Legitimationskartenzwang kommt meistens erst im März oder April in die Hände der Polizeiämter, so daß die höhere Gebühr zur Regel wird. Der schikanöse Charakter dieses Legitimotionskarten- zwang? ergibt sich daraus, daß Ausländer zu längerem Aufenthalt ohnehin eine polizeiliche Aufenthaltsbewilligung brauchen, und daß Unternehmer zur Beschäftigung von Ausländern eine besondere Genehmigung einholen müssen. Auch ohne den Legitmationskartenzwang steht also die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte unter starker Beschränkung. Als Ausländer werden auch immer noch die Deutschöster- reicher betrachtet und behandelt, obwohl in der Republik Deutsch- österreich die reichsdeutschen Arbeiter, gegen 50 009 an der Zahl, keinerlei Ausnahmerecht und keinem anderen als dem ollgemeinen Paßzwang für Ausländer unterstehen. Preußen übt also in dieser Hinsicht gegenüber Deutschösterreich die Gegenseitigkeit nicht: ja, Preußen Hält trotz aller Vorstellungen harwäckig an diesem Legitimationskartenzwang fest, auf den Bayern, W ü r t- temberg, Hessen und andere deutsche Länder verzichten. Der Legittmationskartenzwang wird auch gegen österreichische Ar- beiter ausgeübt, die seit Jahrzehnten in Preußen ansässig sind, sich bier verheiratet und Kinder haben— trotz Paßbesitz müssen sie für sich und ihre Familien auch noch die Legitimationskarten erwerben, was übrigens gewöhnlich den Verlust eines Arbeitstages bedeutet, allerdings für den preußischen Staat eine Einnahme von schätzungsweise 750 000 Mark im Jahre bedeutet! Ein Paßersatz wird Ausländern nur dann von preußischen Polizeibehörden ausgestellt, wenn sie glaubhast machen kön- nen, daß ihre Heimatsbehörden ihnen die Ausstellung eines Passes verweigern. Zahlreiche deutsche Altösterreicher, deren Heimat In- zwischen ein Teil der Tschechoslowakei oder Südssawiens geworden ist, können auf keine Weise von ihren Konsulaten Pässe erlangen, aber selbstverständlich stellen ihnen die Konsulate nicht eine Be- scheinigung über die Verweigerung aus und so können sie der preußischen Polizei nicht glaubhaft machen, daß man ihnen einen Paß verweigert, sie kriegen also auch keinen Paßersatz. Vor einiger Zeit hat das preußische Innenministerium, offenbar in sozialpolitijch wohlgemeinter Absicht, bestimmt, daß der Unternehmer die Legitimationskartengebühr zahlen und die zur Erlangung notwendigen Schritte machen soll. Die praktische Folge davon ist, daß zahlreiche Oesterreicher entlassen worden sind, weil die Unternehmer die Zahlung und' die Scherereien los fein wollen. Man wird sich nun wahrscheinlich daraus berufen, daß seit allersher die polnischen Wanderarbeiter solche Legitimations- karten haben müssen. Da wir aber mit Polen einen Handelsvertrag und darum die gegenseitige Meistbegünstigung nicht haben, kann dieser Zwang für polnische Arbeiter sehr wohl auf Deutschösterreicher unangewendet bleiben. Wie lange noch soll dieses ganze Aus- nahmerecht gegen Arbeiter, besonders gegen deutschösterreichisch«, bestehen?_ Der preußische Zustizmlulfler feiert heute seinen 72. Geburtstag und zwar wahrscheinlich den letzten als aktiver Minister Voraus- sichtlich wird Am Z-HnHoff schon in allernächster Zeit sein Rücktritts- gcsuch au» Gesundheitsrücksichten einreichen. Sowjetwahl und Parteimonopol. Die Wahlflucht der russischen Arbeiter� M o l o t o f f, ein bekanntes Mitglied des Zentralkomitees der russischen Kommunistischen Partei, schreibt über die Sowjetwohlen und das Parteimonopol u. a. folgendes: Vis jetzt lzabe nur die Hälfte der Arbeiterschaft an den Sowjetwahlen teilgenommen. Die älteren Arbeiter drücken sich meist von den Wahlen.„Es geht auch ohne uns, sollen jetzt die Jüngeren und die Weiber sich mit diesen Dingen beschäftigen." Dieser Jndifserentismus sei für den proletarischen Staat unerträglich und müsse energisch bekämpft werden: er sei zum großen Teil dadurch verursacht, daß es„bei uns keinen ofsenen politischen Parteikampf gibt". Es sei nicht zu leugnen, daß dies oft zur Eindämmung der Wach- samkeit nicht nur der Massen, sondern auch der bolsckzewistischen Parteiorganisationen führ«. Die Legalisierung anderer Parteien, wie z. B. der Sozialdemokraten. Sozialrevolutio- näre usw. würde zur Belebung des politischen Lebens im Lande führen.„Wir beabsichtigen jedoch nicht"— führt Molotoff aus— „die Sowjets durch solche künstlichen Maßnahmen zu beleben." Er glaubt nicht, daß dies für die Diktatur(vom innerpoliiischen Standpunkt aus) gefährlich wäre. Di« Menschewisten und Sozial- revolutionäre— von anderen Parteien schon ganz abgesehen— würden auch im Falle ihrer Legalisierung„ein klägliches, winziges Häuflein bleiben". Warum hält denn die Diktatur an dem Parteimonopol so fest, das zum gefährlichen Jndifferentismus und zur Lahmlegung der Sowjets führ«? Wenn die nalionalboljchewistischen Parteien keinen polirischen Einfluß im Lande gewinnen können, warum ver- weigern denn die Bolschewisten so entschieden die Legalisierung dieser Parteien? Die ziemlich„künstliche" Antwort Molotoffs lautet:„Nur weil die sozialistischen Parteien Agenten der internationalen Bourgeoisie sind!" Nun ist alles klar..... wenn man nur den Bolschewisten glauben darf, daß die Sozialisten Agenten der internationalen Bourgeoisie, während die bolschewistischen-Ideologen des klein- bürgerlichen Revisionismus und die Gründer der N e p waschechte Kommunisten im Sinne von Karl Marx seien? Richtig ist nur, daß sogar jenes geringe Maß der politischen Halbfreiheit, das in den kritischen Iahren der Bürgerkriege und der Inter- oentioncn trotzdem möglich war, jetzt, im zehnten Jahre der kommunistischen Parteiherrschaft, inmitten des Friedens, für die Diktatur unerträglich, ja sogar lebensgesährlich zu sein scheint. Und das bedeutet ein Todesurteil für die Diktatur. Sowjet-Militarismus. Ein Propagandafcldzng für die Rote Armee. Moskau, 11. Februar.(OE.) In diesem Jahre vollende« sich neun Jahre seit Begründung der Roten Armee. Entsprechend der jetzt so deutlich hervorgetretenen Tendenz zur„M i t i t a r i s i e- r u n g" der Bevölkerung des Sowjetbundes und im Zusammenhang mit den so oft und laut geäußerten Kriegsbesürchtungen soll dieses Jubiläum der Wehrmacht des Sowjetstaates besonders fest- lich begangen werden. Beginnend mit dem 9. Februar werden etwa zwei Wochen hindurch verschiedene Fe st Versammlungen. Vorträge, Theateraufführungen, Paraden usw. stattfinden, wobei der gesamten Bevölkerung die Bedeutung der Roten Armee und die Notwendigkeit ihrer Vergrößerung und Vervollkommnung immer wieder dargelegt werden wird. Zu den Festlichkeiten sind auch entsprechende Losungsworte teils für die Plakate und Fahnen, teils für die öffentlichen Vorträge ausgegeben worden. Sie weisen sämt- lich aus die Bedeutung der Roten Arme« als„F r i e d e n s h o r t" hin unter gleichzeitigen Angriffen gegen England und die anderen „imperialistischen Mächte" als Friedensstörer Kinöererzeugung mit öer Steuerschraube. Mussolini besteuert die Junggesellen. Rom, 11. Februar.(MTB.) Der Ministerrat hat die Jung- gesellen st euer beschlossen, und zwar in Höhe von 35 Lire lährlich für das Alter von 25—35, von 50 Lire für das Alter von 35—50 und von 25 Lire für das?llter von 50—65 Iahren. Aus- genommen sind die katholischen Geistlichen und Ordcnsmitglieder, die Schwerinvaliden, die Offiziere und Unteroffiziere, die einer Ehe. erlaubnis bedürfen, die mit dem Eheverbot Belegien, die Ausländer. auch wenn sie ihren ständigen Wohnsitz in Italien haben. Außer der erwähnten festen Steuer wird den steuerpflichtigen Junggesellen auch die E i n k o m m e n st e u e r um 25 Proz. e r ljjj h t. Für Personen ohne eigenes Einkommen oder solche, die der Familre zur Last fallen, zahlt das Familienoberhaupt. vle Aussperrung fn Lekpzsg. Tonnabend Verhandlungen vor dem Schlichter. Leipzig, ll. Februar. lEigener vrahlberlcht.) Die Leip- iger Melovacbeiler nahmen am Donnerstagabend in mehreren Der- sammiungen zu dem Willkilrokl der llniernehmer Stellung. Zn allen Versammlungen kam ein ersreulicher Kampfeswille zum vucdruck. Der Landesschlichtcr hat die Parteien für S o n n a b e n d zu ver- handiangen nach Dresden geladen. Es wird damit gerechnet, dajz eine Ge-ieralaussperrung in Sachsen zum 15. Februar kaum in Frage kommt. Die Unternehmer haben somit erreicht, was sie mit der Drohung, die gesamten Metallarbeiter Sachsens auszusperren, bezweckt hatten: dem Schlichter von Sachsen die Möglichkeit zu geben, über den Konflikt zu entscheiden. Diese Politik, Verhandlungen mit den Arbeitern abzulehnen, den Schlichtungsinstnnzcn dagegen zuzuschieben, gegen den Willen der Arbeiter die Arbeitszeit durch verbindlichen Schiedsspruch zu ver- längern, ist eine sehr kurzsichtige Politik. Diese Politik lSuft darauf hinaus, der Arbeiterschaft das Koalitionsrecht zu rauben. Wir wissen nicht, ob die sächsischen Mctallindustriellen, ob der Schlichter von Sachsen, ob das Rcichsarbeltsministerium, das diese Polnik eingeleitel Hot, sich ernsthaft über die Konsequenzen einer solche» Politik einmal Gedanken gemacht haben. Sollte man im Unternehmerlager und im Reichsarbeitsministcrium wirklich so naiv sein, zu glauben, daß die deutschen Gewerkschaften eine derartige Politik sich gefallen lassen werden? Die Arbeiterschaft in Deutschland mag heute in gewerkschaftlichei Beziehung gespalten sein.?n dem einen Punkte, der u n b e- dingten Aufrechterhaltung des Koalitionsrechtes, sind sich alle Gewerkschaften einig. Die Gewerkschaften aller RW'ti'Ngen sind sich auch einig darin, daß der Achtstundentag auf dem schleunigsten Wege wieder hergestellt werden muß. Wenn die Schlichtungsinstanzen ihre Aufgabe darin sehen, der Arüciierschast den Kampf um den Achtstundentag, den sie aus eigener Kraft fühlt, unmöglich zu machen, dann machen sich d>e Schlichtungs- instanten selbst unmöglich. Die deutsche Arbeiterschaft wird es nicht ertragen, daß man ihr das Koalitionsrccht beschränkt oder, wie es in diesem Falle geschieht, vollständig raubt Was die Unter- nebmer gegenwärtig m Sachsen und anderwärts versuchen und mit Hilfe der behördlichen Schlichtungsinstanzcn durchsetzen, ist ein Spiel init dem Feuer. Irankreich unö Belgien haben ratifiziert. Wo bleibt Teutschland? In Nr. 3 des„Arbeitger" wurde prophezeiht, daß der Acht- stundentag in Frankreich bzw. die Ratifizierung des Abkommens von Washington schlechte Aussichten hätten. In unserer heutigen Morgenausgab« haben wir bereits die Meldung gebracht, daß der französische Senat mit großer Mehrheit das Abkommen von Washington ratifiziert hat: Wie erinnerlich, ist im Herbst der Artikel 1 des Gesetzentwurfs vom Senat angenommen, der Artikel 2 jedoch an die Kommission zurückverwiesen worden. Auf Antrag des Senators Ribot-Lambert sollten in dem Artikel 2 des Gesetzentwurfs Bedingungen aufge- nommen werden, die eine Ratifizierung zur Farce machen würden. In dem nunmehr angenommenen Gesetzentwurf heißt es, daß die Ratifizierung des Abkommens von Washington in Kraft tritt, so- wle Deutschland und England ratifiziert haben werden. Belgien hat bereits ratifiziert und zwar bedingungslos. Wie die Dinge in England liegen, ist bekannt. Die erdrückende Mehrheit der englischen Arbeiter und Angestellten arbeitet wöchentlich 48 Stunden und darunter. Ein praktisches Hindernis zur Ratifizierung des Abkommens besteht dort nicht. In England hat man jedoch ge- wisse traditionelle Bedenken. Man hat auch die Befürchtung, daß Deutschland weder den Achtstundentag wiederherstellen, noch das Abkommen von Washington ratifizieren werde. An Deutschland ist es, diese Bedenken zu zerstreuen. Man kann gar nicht sagen, daß Deutschland vorangehen und das gute Beispiel geben muß. Bon den Staaten, die an der Berner und an der Londoner Arbeitsministerkonferenz teilgenommen haben, würde Deutschland erst als dritter ratifizieren, nachdem ihm Frankreich und Belgien vorangegangen sind. Wir lassen hier ganz unerwähnt die Ratifizierung des Abkommens durch die Tschechoslowakei und Oester- reich. Wie die Dinge heute liegen, wird jede Verzögerung der Ratifizierung durch Deutschland im Auslande so ausgelegt werden, als habe es Deutschland auf ein Scheitern des Abkommens von Washington angelegt. Deuischland würde damit nicht nur als ein sozial politisch rückständiges, sondern als ein der Sozialpolitik direkt feindliches Land erscheinen, das in diesen wie in anderen Fragen es darauf angelegt hat, eine Verständigung unter den Völkern zu verhindern. Wir glauben nicht, daß in Deutschland eine derartige Politik auf die Dauer gemacht werden kann. Hier müssen wir noch ganz kurz eine Bemerkung über die Durchführung des Achtstundentages in Frankreich anknüpfen Es wird in Deutschland oft behauptet— und S t e g e r- w a l d hat sich in seiner Rede im Weltwirtschaftlichen Verein zum Echo dieser Behauptungen gemacht— daß der Achtstundentag in Frankreich nur aus dem Papier stünde. Wir wissen ja, wie schwer es ist, Legenden zu zerstören. Die Unternehmer versuchen in Deutschland die Legende heimisch zu machen, daß nirgends in der Welt und vor allem nicht in Frank- reich der Achtstundentag eingehalten werde. Es ist bedauerlich, wenn ein Mann wie Stegcrwald, der an de? Spitze d«r christlichen Ge- werkschaftsbcwegung steht, eine solche Behauptung wiederholt. Es gibt ja auch in Frankreich christliche Gewerkschaften. Warum zieht Herr Stegerwalo nicht in Frankreich selbst Erkundigungen ein. be- vor er die von d«n Unternehmern erfundene Behauptung wieder- Holl, wonach der Achtstundentag in Frankreich auf dem Papier stünde? Aus genauer Kenntnis der Tatsachen können wir dazu nur erklären, daß wir wünschen, in Deutschland würde der Achtstunden- tag so eingehalten, wie es in Frankreich geschieht. Jahresversammlung üer Suchbknöer. Rück- und Ausblicke. Die Buchbinderbranche im Verbände der Buchbinder und Papier- oergrbeiter hatte am Donnerstag im Gewerkschaftshaus ihre Jahres- branchenrersammlung. Der Branchenleiler, Genosse Herzog, der den Jahresbericht gab, betonte einleitend, daß es das schwere Krisensahr nicht möglich machte, Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Es bedurste vielmehr aller Anstrengungen, um die Angriffe der Unternehmer auf die in den Vorjahren erworbenen und erkämpften Rechte abzuwehren. Wenn man die große Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit im Gewerbe berücksichtigt, die jede Verhandlung ungünstig beeinflußten, kann es die Organisation immerhin als Erfolg buchen, fast jede beabsichtigte Verschlechte- rung abgewehrt zu haben. Genosse Herzog schilderte dann eingehend die Lohn- und Tarif- bewegungen in den einzelnen Branchen. Durch die rege Agitation, besonders durch den Anschluß der„Opposition", ist es wieder dahin gekommen, daß ein großer Teil früher organisatorisch zersplitterter Betriebe wieder restlos hinter dem Verband der Buch- binder steht. Das beste Organiiationsverhältnis herrscht in den VDV.-Betrieben, wo etwa 88 Proz. der Beschäftigten organisiert sind. In den Buchdruckereien sind es 86 Proz., in den Api-Betr!eben dagegen nur rund 66 Proz. Bedauerlich jedoch war, daß um die Weihnachtszeit in vielen Betrieben, in denen vorübergehend eine Hochkonjunktur herrschte, U e b e r st u n d e n bis in die Nacht hinein gemocht wurden, ohne Rücksicht aus die vielen Arbeitslosen. Genosse Herzog verwies zum Schluß auf die im Juni bevor- stehende Lohn- und Tarifbewegung in den VDB.» Betrieben, die von der Organisation eingeleitet werden muß zur Erhöhung einiger unhaltbarer Akkordsätze und vor allem zur Beseitigung des Ueberzeitabkommens. Für diesen bevorstehenden Kampf gilt es, alle Kräfte zu sammeln, da die Unter- nehmer schon jetzt bekanntgeben, daß sie den Tarif ebenfalls kündigen werden, um für sich„Verbesserungen" durchzusetzen. Nach einer längeren und sachlichen Diskussion wurde die Neu- wähl der Branchenleitung und der Vertreter zur Ortsverwaltung vorgenommen. Die durch Stimmzettel vorgenommene Wohl ergab entsprechend dem Vorschlag der Funktionäre die Wiederwahl der bisherigen Branchenleitung. In die Ortsverwaltung als Ver» treter gewählt wurden zwei der bisherigen und«in neues Mitglied, die sämtlich der Amsterdamer Richtung angehören. Gewerkschaften und Kommunisten in Gngkand'. sJGB.) Die Exekutive des britischen Verbandes der ungelernten und Gemeindearbeiter hat beschlossen, daß Funktionäre des Verbandes Konferenzen der Kommunisten oder der kommunistischen gewerkschaft- lichen Minderheiisbewegung nicht beiwohnen dürfen. Ortsgruppen dürfen Organisationen nicht angehören, die Beziehungen zu kommu- nistischen Körperschaften unterhalten. Die Mitgliedschaft bei der kam- munistischen Partei o er trägt sich der Resolution zufolge nicht mit einer loyalen Zugehörigkeit zum Verband«._ Ver°nln-->r,llck> für Tolilif: Biet« EtHfl: BüttMHt:®.«linffelbis»! Cöfireifidiaflebemeaunn: Rt. Sßit«»: Rmineton: St. I»t» MBtaM«: Lokal«« und eonftipes; Rrifc Jtarfiäbt: äinjeipen: It>. Slo<«! sämtlich in Berlin. Verlap Vp:wärts-Berlap E. m. b. L. Berlin. Druck: Bonnäris-Buchdruckeret und Verlapspnftall Paul Sinner u. So. Berlin CW 68, Lindenstro�e 8, Kierzu 1 Beilage. Steingut Waschgamituren suuig.bunt 4 Waschgarnituren eSw&f! 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SS i lAMMimek»„S5p,1�I i MlIMeil 6S,SSpJ eiiiiiiiimuiminimniiiiiiiininiiiMniiiiiiiiiiiiniiiiiuiniiiiiiiuiiii.iMnitini§ mit Deekel 4 45 2,29, 1,7B| 285325 pt uabordlen i SckluAliM «g'JUMEHBHIlll IIWIIWIIllllMMBIIIIIliltlP II 1 Belle-Ailiance- Strasse ♦ Kot', buser Damm Nr. 71« 44. Jahrgang �ektag, 11. 5ebruar 1927 Charlotte von Kalbs Grab. Ein kalter Regenschauer jagt über die(Bräberrcihen des Drei- faltigkeitcfriedhofes, der abseits vom Welttrubel in der Bergmann- jtrabe liegt. Männer, die dem geistigen Berlin vor hundert Iahren Inhalt gaben, ruhen hier den ewigen Schlaf, aber auch bedeuiende Frauen deckt der Rasen Neben anderen ruht hier Charlotte von Kalb, die von Goethe und Herder oerehrte, von Schiller und Jean Paul geliebte und bewunderte Frau. In Mannheim sah sie Schiller zuerst und erglühte zu ihr, deren Mann im nahen Landau als Offizier in Diensten der Franzosen stand, in brennender Leidenschaft. Ernsthaft backte sie an Lösung ihrer unbefriedigenden Ehe, als Charlotte von Lengefeld Schiller für immer in ihren Bann zog. Berbittert zog sie sich zurück und verbrannte die von Schiller zurückerhaltenen Briefe, was sie später selbst mit Bedauern empfand.„Wie spät habe ich erkannt, daß es vielen geraubt war." Bald trat Jean Paul zu ihr in nähere Bc- zichungen: er hat sie auch in seinem„Titan* als„Linda* verewigt. Das Jahr 1803 war ein Unglück für sie: ihr fürstliches Vermögen verlor sie fast vollkonimen. Drei Jahre später oerübte ihr Mann, der Obrist von Kalb, in München Selbstmord durch Erschießen. Zu allem Unglück kamen körperliche Leiden hinzu, im Jahre 1821 er- blindete sie. Die Sehkraft verließ die von Jean Paul besungenen schönen Auaen. Zum Glück erhielt ihre Tochter Edda als Hofdame der Prinzessin Wilhelm eine Anstellung und nahm mit der Mutter Wohnung im Schloß. Doch noch einmal sollte sie die Unbill des Schicksals erfahren, als sich ihr zwester Sohn in einer pommerschen Festung als junger Offizier durch Pistolenschuß das Leben nahm. Den Lippen der schwergeprüften Frau entrannen die Worte:„Der Mensch hat durchaus kein Recht auf Glück des Daseins.* Knapp 82 Jahre alt erlöste sie am 12. Mai 1843 ein sanfter Tod. Der Grabstein trägt die tiessinnige Inschrift: „Ich war auch ein Mensch, sagt der Staub! Ich bin auch ein Geist, sagt das All!* Schiller hat ihre Charakterzüg« in der Person der Königin Elisabeth im„Karlos* verewigt. der zu spät widerrufene Meineid. Ein unerbittliches Schwurgericht. Zum zweiten Male beschäftigte sich da» Schwurgericht Ii nnt einem M e i n e i d s f a l l, der durch die besonderen Umstände schon bei der ersten Verhandlung Aussehen erregt hatte. Es handelt sich nämlich darum, daß die Strafanzeige eine halbe Stunde früher eingegangen war al» der Widerruf des Eides. Die Angeklagte, eine Frau Behrend aus Neukölln, hatte in einem Mietftreit beschworen, daß sie die von der Hauswirtin zurück- gewiesene Postanweisung nicht zurückbekommen habe. Nach dem Termin drohte die Hauswirtin mit der Meineids- anzeige, und Frau B. stellke zu Hause fest, daß sie sich geirrt hatte. Obwohl sie sofort einen Widerrusausseßte und zum Gericht brachte, kam sie damit zu spät. Die Anzeige der Haus- w'rtin war schon eingegangen, als Frau B. chren Widerruf nach- m ttags gegen 114 Uhr in den Briefkasten des Amtsgerichts warf, vor dem der Eid geleistet war. Dos Schwurgericht hatte Frau B. wegen fahrlässigen Falscheides zu sechs Monaten Gesängnis ver- urteilt. Hiergegen hatte Rechtsanwalt Dr Siegfried Aron R e- vision beim Reichsgericht eingelegt, die sich gegen eine derartig formale Auslegung des 8 163 Abs. 2 des Strafgesetzbuches, wie sie das Schwurgericht vorgenommen hatte, richtete. Der 2. Strafsenat des Reichsgerichts hatte das U r t e i l auf- gehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an d a s Schwurgericht zurückverwiesen. Es wurde festgestellt. daß der Einwurf in den Briefkasten genüge, und daß der Widerruf nicht zu der gegebenen Zeit bereits zur Kenntnis des Gerichtes, das den Eid abgenommen hatte, gekommen sein brauchte. In der jetzigen neuen Verhandlung vor dem Schwurgericht wurde ein neuer ein» gehender Beweis darüber erhoben, ob die Strafanzeige vor dem Briefeinwurf erfolgt sei. Da der diensttuende Polizeibeamte mit Be- stimmtheit bekundete, daß er an dem fraglichen Tage nur bi» Mittags Dienst gehabt habe, wurde Frau Behrend vom Schwurgericht von neuem schuldig befunden und wegen fahr- lässigen Falscheides zu derselben Strafe von sechs Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt. Der Fall Behrend wird nun zum zweiten Male zur Revision an das Reichs- gericht gehen. Noch keine EntscheiSung über den neuen Verkehrstarif Der A u fs i ch t s ra t der Berliner Straßenbahn sollte heute nachmittag seine Beratungen über die wirtschaftliche» Grundlagen und Wirkungen des festzusetzenden Derkehrseinhects- tarifes wieder aufnehmen. Die Sitzung ist aber abgesagt worden, weil man zunächst noch mit dem Polizeipräsidium Fühlung nehmen zu müssen geglaubt hat. Bei dem Polizei- präsidiuni, das als Aufsichtebehördc an der Tarisfestsetzung mit- zuwirken Hot, sollen Bedenken entstanden sein. Anscheinend wird befurchtet, daß aus der plötzlichen Zunahme de» Umsteigeverkchr» sich oerkehrspolizeiliche Schwierigkeiten ergeben könnten. Erst wenn die Bedenken de, Polizeipräsidiums behoben sind, will der Aufsichtsrat der Straßenbahn seine Entscheidungen treffen. Seine nächste Sitzung ist aus Freitag nächster Woche an- beraumt worden. Anzuhören ist übrigens auch noch die Reiche- bahndirettion Berlin, dt« Aufsichtsbehörde für die Ber- liner Kleinbahnen. Völkische Provokationen am Potsdamer Platz. Schon oftmals wurde darüber Klage geführt, daß die Ver- kaufer der Ha k« n k r e u z b l ä t t« r vor dem Eafä Vaterland sich äußerst provokatorisch benahmen. E» schien so. als hätten sie den Eindruck, daß das ganze dort verkehrende Publikum aus Haken- kreuzlern oder zum mindesten mit diesen Sympathisierenden bestehe. Kürzlich ist einer von dieser Gilde aber doch an den Unrechten gekommen. Er pries seine Blätter laut an und rief dabei gleichzeitig:„Wir brauchen keine Iudenrepublik! Nieder mit der Judenrepublik l* Als er einen L e u t- nant der Schutzpolizei bemerkt«, der für feine Blätter Interesse zeigte, glaubt« er wahrscheinlich einen Gesinnungsgenossen vor sich zu haben und ließ sich in seinen provokatorischen Ausrufen nicht stören. Er kam an den Unrechten. Der Polizeiossizier führt« ihn nach der Polizeiwache, wo er al» der Händler Ernst Döring, H o lz m a r k t st ra ß e 6 1. festgestellt wurde. Es wurde Anzeige gegen chn erstattet, weil et sich gegen da» Rtpublikschutz- Im Kampf gegen öie Tuberkulose. Ein Ausspracheabend des Hanptgesundheitsamts der Stadt Berlin. Einen Ausspracheabend veranstaltete gestern das H a u p t g e- sundheitsamt der Stadt Berlin im großen Hörsaal des hygieni- schen Instituts der Universität in der Dorotheenstraße. Zur Diskussion stand das Thema:„Hochgebiigskuren bei der Behandlung der Tuberkulose?* Besonderer Nachdruck wurde dabei auf die Frage gelegt, ob die Kurorte in der Schweiz mehr zu empsehlen seien als die Heilstätten in Deutschland. Als Referenten hatte man Aerzte von bedeutendem Ruk gewonnen. Selbstverständlich kann' ein« derartig schwerwiegende Frage im Rahmen eines Ausspracheabends nicht endgültig beantwortet werden, und es kam auch schließlich nur aus die Stellungnahme prominenter Aerzte an, aus eine Fühlungnahme untereinander. Zusammenfassend kann bemerkt werden, daß weder Referenten noch Diskussionsredner die heilsame Wirkung der Hochgebirgskuren bestrttten, nur über die Einzelheiten gerieten die Geister aneinander. Als erster sprach Dr. U l r i c i, der ärzttiche Direktor des Tuberkulosekrankenhauses der Stadt Berlin: er steht durchaus skeptisch dem Ruf der Schweiz gegenüber. Das Gebirgsklima der Schweiz werde bei der Behand- lung der Tuberkulose bevorzugt, trotzdem seien keine nachweisbaren Vorteil« vorhanden Allerdings habe das Hochgebirgsklima im all- gemeinen dem Tieflandklima manches voraus: die geringe Feuchtig- keit, den niedrigen Luftdruck, die ständige Luftbewegung, es kennt keine Schwüle, vor ollem keine heißen Nächte, das Klima ist dem Eintrocknen der Lunge günstig und der Sauerstoffmangel beschleunigt die Atem- und Pulssrequenz. Die verstärkte Sonnenstrahlung ist allerdings kein allzu schwerwiegender Faktor, denn der Himmel ist auch in der Schweiz zuweilen bewölkt, hinzu kommt, daß die Zeit der Schneeschmelze auf die Kranken ungünstig einwirkt. Das alles sind aber nur Momente von geringerer Bedeutung. Am wichklgsten Ist die rein psychische Wirkung, die die Berge aus den Kranken aus- üben. Unverständlich bleibt es. daß nun ober gerade Davos Wunder wirken soll,«in Sanatorium im Allgäu z. B. aus derselben Höhe wie Davos könnte dieselben Resultate zeitigen. Dr. Peter», der Chefarzt der deutschen Heilstätte in Davos- Wolfgang, wandte sich gegen die Ausführungen Ulricis mit der Be- merkung, Ulrici hätte nicht genügend die Verschiedenheiten der ein- zelnen Patienten betont. Für manche Kranken reicht ein kurzer Aufenthalt in einer Walderholungsstärte aus, doch viele, die dort nicht geheitt werden können, gesunden in Kurorten des Hochgebirges. Im Jahre 1924 konnte Peters von 100 Patienten im dritten Stadium 47 als voll arbeitsfähig entlassen. Das Hochgebirgsklima darf nicht als ein Heilmittel betrachtet werden, ohne das man im Kamps gegen die Tuberkulose nicht auskommt, es bietet aber die notwendige Er- gänzung zu der allgemeinen Behandlung. Man kann nicht mit Bestimmtheit sagen, welche spezisischen Elemente de» Klimas heilend wirken, ebensowenig für welche Fälle es unbedingt notwendig ist. E» kommt hier aus die Erfahrung des Arztes an, allgemein darf man sagen, Patienten, die bei anderer Behandlung nicht ausreichend geheilt worden sind, müßten ins Hochgebirge. Wenn z.B. der G» smrdheitsprozeß bei einer Mittelgebirgsbehandlung plötzlich ins Stocken gerät, dann ist unbedingt eine Hochgebirgskur anzuraten, man sollte aber niemals länger als drei Monate mit ihrem Begmn warten. Hier entscheidet aber nicht allein die Einsicht des Arztes und der Wille des Patienten, von ausschlaggebender Bedeutung ist die Stellungnahme der großen Versicherungsanstalten, die grund- sätzlich keine Zuschüsse nach dem Ausland bewilligen, eine Ansicht, die n i ch t z u b i l l i g e n I st. Professor Bauer- Hamburg begann darauf seine Ausführungen mit einem Bedauern darüber, daß es bis jetzt an einer großzügig an- gelegten Klimaforschung fehle. Da» ganze Problem ist exakt wissen- schaf'lich nickt gelöst worden, die persönliche Erfahrung des Arztes entscheidet allein, ebenso bei der Frage, welcher Patient in das Hoch- gebirge geschickt werden soll. Sieht man von finanziellen Dingen ab. so kommt es bei einer Entscheidung auf die Konstitution, auf das all- aemeins Krankheitsbild des Patienten und darauf an, ob es stich um Heilung oder nur um Linderung des Leiden» handelt. Berücksick'iqt muß werden, daß das Hochgebirgsklima keine-wegs aui alle gleich wirkt, manchmal führt bereits ein einfacher Klimawechsel zur Ge- sundung und das Hochgebirge erübrigt sich dann. Im allgemeinen trifft iedoch die Behauptung zu, daß nach guter ärztlicher Behandlung das Hochgebirge immer zu emviehlen ist und deshalb sollte man Kranke, wenn die finanziellen Mittel irgendwie aimreichend sind, nach genauer ärztlicher Untersuchung in die Schweiz schicken. und Wirtschaft 3. Vortrag: „Reform der WohlfahrtSverwaltunq" Referent: Dr. Ernst Hamburger, Breslau Freilag, den ll. Februar 1927, abends 8 Uhr, im Saal des hauplgesundheitsamle», Berlin. Aischersirafoe 39/42 1. hauptaueichuh für Arbeiterwohlsohrt$. v. gesetz vergangen Hot. Termin in der Sache steht am 25. Fe- bruar dieses Jahres vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte an. Es wäre zu wünschen, daß man dem provokatorischen Treiben der- artiger Händler, die sich meistens noch mit einem Kreise von halb- wüchsigen Gesinnungsgenossen m Hitler-Uniform umgeben, überall entschieden entgegenträte._ Sutter mit Wasser. Der Verkäufer mutz Stichproben machen. Eine Frau P., die ein Buttergeschäft leitet, da» ihrem Ehemann gehört, war wegen fahrlässiger Zuwiderhandlung gegen die Bor- schriften des Nahrungsmitteigesetzes vom 14. Mai 187S zur Der- antwortung gezogen worden. Im März 1926 war festgestellt worden, daß Frau P. Butter in ihrem Geschäft verkauft hatte, die durch Wo sserzusatz ver- fälscht war. Frau P. bestritt, sich strafbar gemacht zu haben, da sie die Butter von einem Lieseranten B. vezogzn hätte, der bisher stets einwandfreie Butter geliesert habe. Sie habe sich auf den Lieferanten D. verlassen: auch könne von ihr nicht ver langt werden, daß sie jedes Paket Butter untersuche. Ein Sachverständiger Dr. R. bestätigte, daß die Butter, die Frau P. in ihrem Laden oerkauft habe, einen hohen Wasserzusatz gehabt habe: die Feststellung des Wassergehalts von Butter sei leicht zu bewert- stelligen. Das Amtsgericht Franlflrrt a. d. O. verurteilte daraus Frau P. zu einer Eeldstvafe und betonte, die Angeklagte habe sich dar- auf verlassen, daß der sich bisher als zuverlässig erwiesene Lieferant B. ihr gute Butter liesern werde, die nicht durch Wasserzusatz ver- fälscht sei. Die Angeklagt« sei dafür verantwortlich, daß sie ihren Kunden einwandfrei« Butter liefer«: st« sei verpflichtet ge- wesen, die Butler vor dem Bexkauf zu prüfen und zu untersuchen. Wenn auch eine eingehende und besonders sorgfältige Untersuchung der von ihr feilgehaltenen Lebensmittel nicht gefordert werden könne, so sei sie doch im ollgemeinen verpflichtet, eine Prü- fung der Lebensmittel vorzunehmen, die an das Publikum verkauft werden sollen. Bon dieser Prüfungspflicht befreie sie nicht der Umstand, daß der Lieferant längere Zeit ihr einwandfreie Butter geliefert habe. Die Verurteilung der Angeklagten au»§ 11 des Nahrungsinittelgesetzes erscheine gerechtfertigt, da die Angeklagte verfälschte Butter au» Fahrlässiakeit in ihrem Geschäft verkauft habe. Diese Entscheidung socht izrau P. durch Revision beim Kammergericht an und hob hervor, sie habe die betreffende Butter in dem Geschäft ihres Ehemannes verkauft und sich darauf verlassen, daß B. ihr stets einwandfreie Butter liefern werde. Der 3. Strafsenat des Kammergerichts wies aber die Revi- l i o n der Angeklagten als unbegründet zurück und führte unter anderem aus, die Vorentscheidung sei einwandfrei und ohne Rcchteirrwm ergangen: insbesondere habe der Vorderrichter den Begriff der Fahrlässigkeit nicht verkannt und angenommen, die An- geklagte Hab« sich nicht unbedingt aus den Lieferanten verlassen dürfen, der sonst stets einwandfreie Butter geliefert habe: sie sei verpflichtet gewesen, von Zeit zu Zeit Stichproben vorzu- nehmen: da sie die» nicht getan und die Butter ohne jede Prüfung verkauft habe, habe sie fahrlässig gehandelt und sei mit Recht ver- urteilt worden.(3. S. 340. 26. Nachdruck verboten.) Opfer ües Betriebes. Auf noch ungeklärte Weise kam gestern Abend der Eiscnbahnbote Alexander Hempel, der in der Stralauer Allee 17 wohnt, ums Leben. H., der als Bote bei der Reichsbahn ange- stellt ist, hatte in den gestrigen Spätnachmittagsstunden aus den Bahn- anlagen in Niederjchöneweide zu tun. Er wurde einig« Zeit vermißt, bi» er kurz nach 9 Uhr von Bahnongcstellten zwischen den Geleisen liegend, t o t gefunden wurde. Vermutlich ist der junge Mann In der Dunkelheit von einer ausfahrenden Rangier- moschine erfaßt und überfahren worden.— Ein weiterer schwerer Unfall ereignet« sich gestern Abend an der Gotzkowski-Brück«. Der bei einer großen Berliner Asphaltgesellschaft tätige Arbeiter Albert Kutzner aus der Rostocker Straße 34 war mit dem Kochen von Teer beschäftiat. Plötzlich schlug eine Flamme aus dem Feuerloch mif die Teermasi« über: K. wurde von einer Stich- flamme getroffen. Mit schweren Verbrennungen mußte er durch einen Wogen des Städtischen Nettungsamtes in das Moabiter Krankenhaus geschafft werben.— Auf dem Europa- Haus-Neubau trug sich heute vormittag gegen �12 Uhr ein schwerer Unfall zu. Ein Bauarbeiter wurde zwischen zwei starke Blech« eingeklemmt. Mit schweren Verletzungen wurde er zur Unfallklinik in der Iohannisstraße geschafft, wo ihm unmittelbar nach der Einlieferung der rechte Fuß bis zum Ober- schenke! amputiert werden mußte. Der Zustand des Verunglückten ist sehr bedenklich.— Beim Ueberschreiten des Fahr- d a m m e s vor dem Hause Reinickendorfer Straße 87 wurde heute vormittag gegen 11 Uhr die 78jähri«e Stiftsinsassin Mari« Grell von einem Straßenbahnwagen der Linie 32 überfahren. Die Greisin tonnte nur noch als Leiche geborgen werden. Den Fabrer der Straßenbahn trifft keine Schuld, da nach Zeugenaussagen dl« Ver- unglllckte direkt in den Wagen hineingelaufen ist. „Veamkenrecht!" In dem Bericht über die Sitzung der Bezirks- arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Beamten und Lehrer in der heutigen Morgenausgabe ist irrtümlicherweise der Genosse Thurau als Diskussionsredner genannt. Genosse Thurau war aber infolge Krankheit verhindert an der Sitzung teilzunehmen. Die reichsbahn-bsamtenrechtlichen Angelegenheiten wurden behandelt von dem Genossen Paul Lehmann. Selbstmord eines Gefreilen der Relchsweb". Mit seinem Dienstrevolver erschoß sich vor kurzem der Gefreite Herbert P r e s ch e r von der 2. Kompagnie des Bautzener Reichswehrbataillons. Bei Uebungcn se ner Kompagnie auf dein Schießstand in Bärwalde bei Bautzen entfernte er sich von seinem Truppenteil und schoß sich eine Kugel in den Kopf. Er war sofort tot. Die Beweggründe zur Tat sind rein privater Natur. Prescher war durch ein Liebesverhältnis in Schulden geraten. Der verband der Sl�alenlofen veranstaltet morgen. Sonnabend, den IS. Februar, abend« S Ubr, im Saale de» Spalenbriu, Zriedrichärahe 172, einen ösienttich-n AuSspraaieabrnd. Gäste willtommcn. Zur Ell.iüdcung I« den cutverkrhr veranstaiict die Urania einen Vor« tragS'hliut unter dem Titel.Der moderne Sustverkebr.» Am tt. stebiuar: von W r n t e r f e I d:„Oilasienexpe.ition der Deutschen Lustdania." Am IS. Februar: I. L. Lamberty!„Ter Teuisch-Rulstiche stlugverlcdr." Am 2S. Fetuuar: Dr. ilZrloviu«:.Da» itlugzeug im Dienste de« Ver« tebr» und Handel»." ÜIm 4. März: Rrg.-Yaumriiier Dr.-Ing. Ewald: „Luttlabrl und Heimatkunde.' Am 1t März: Dr. Benkendorf: .Acltcrdienst stlr dl» Flugsicherung/ An, tS. März: Prof. H. Z. c i: .Da» Flugzeua Im Dienste de» Nachr>chlenwe>e».?." Am Sä. März: Vrof. Franz(S o c r k e:.Die Fmgrei>e al» Erlebn!».' Am 1. April: Pro!. Dr. E Ev«rlin g. Techntside Hortichule:.Wa» jeder von der Flualechntt wissen muh.' Die Vorträge sindcu tn dem Höitaat der Uroma jeweils pünkitich um 9 Ubr abend« statt und werden durch Lichtbilder und Filme cvlöuteri. Prei» sür den Einzcwortrag 1 M., sür die aest lolienen 8 Vorträge 6 M. „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postausloge bei. N E II K O L L N, BERqSTRASSE 147 VOLKS-FILMBOHNE Von ,rreitag' c'en 11-' bis Sonnta9' den 13. Februar: Erstaufführung � Unter Ausschluss der Oeffentlichkeit SPIELTAGE: Fr«i(aB> Sennaband und Sonata» BEGINN OER VORSTELLUNGEN: an Wochtagen 7 u. 9 Uhr, an Sonntagan S, 7 u. 9 Uhr EINTRITT: Auf allan Plütxan 0,90 M. Blnhallaprala Inden Hauptrollen: Werner KrauÖ, Maly Delechaft, Vivian Gibson, Jacob Tiedtke, Wilhelm Dieterle Julius Falkenstein u. a. 0»A»»»�aa�poUa�alpro»ra»n«_ VarantworWIcha Lallun»: ArbaHer-FUm-Gewoaaenichaft� Schluss-Verkauf unseres Total Ausverkaufs Es bietet sich Ihnen in unserem Schlußverkauf die günstigste Gelegenheit, Ihren Bedarf wegen Geschäftsübertragung Kleiderstoffe Samt* Seide Herrenstoffe Hantel» u. Pulloverstoffe Baumwollwaren für wenig Geld in bester Qualität zufolge der außerordentlich billigen Preise zu decken. Beeilen Sie sich, denn bald ist Schluß! S. Weissenberg Nadil. K.M. b. H. Gr. Frankfurter Straße 126, Ecke Koppenstraße Zpil-I- Eehandl, nur für sdimie Fälle beseitet wo; den. Isdiias in Höft., Gesil god Bein, wenn Infi, festjestellt. 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