Nr. 72 ♦ 44. �tchrg. Ausgabe H Nr. 37 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pkenni«. monatti» B,- Zicichsmarl voraus»ahlbar. Unter Krc>i»band kbr Deutlchlanb. S>an»ia� Saar, and Memelaebiet. Oellerreich Litauen� Luirmdur« 4L0 SIcichsmark, Mr das lidrige Busland 5,50 ReiÄsmarl vro Monat. Der„SonDötts* mit der illustrierten Sonntagsbeilage.Salt und Zcit� sowie den Beilagen»Unierhaliung uno Wislcn"„Aus der Kilmwelt". »Frauenstimme-»Der Kinde» kreund- Lugend-Borwärts- und »Blick in die Bllchcrwelt- erscheint wochcntäglich»weimal, Sonntag» und Montags einmal. Telegramm-Adreste: »Sozialaemotrot Serlia- Morgenausgabe Verlinev Volksblatt Pfennig") Anzeigenpreise: Die«inivaltta» Ronvoreille» »eile«0 Pfennig, R-N-m-iieil« 5�- Reichsmart,.»lein« Sl*»fisen" das icttaedruckte Wort 25 Pfennig szuliifsta Zwei iettaedrucktc Vörie), iedes weitere Wort 72 Pfennig. Stellenaefuche das erst« Wort 15 Pfennig, iedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte übe? 15 Buch- stoben zählen fiir zwei Worte. Arbeitsmarit licile 00 Viennig. Familicnanzeiaen illr Abonnenten kieiie 40 Piennig. Anzeigen für die nächste Rummee mllsten bis m Uhr»achmittags im chauutaefchäft. Berlin SW 05. Linden. straste 3, abgegeben werden. Seöffnet von Sid Uhr irüb bis 5 Uhr nachm. Z«nti*aloi*gan der Soziatdemokratifcbeii parte» Deutfcblands Reüaktion nnd Verlag: Vcciin SW. 68, Änüenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 392-297. Sonnabend, den 1Ä Februar 1927 Vonvärts-Verlag G.m.b.tz., Verlin EW. 68, Linüenstr.Z Poftlcheckkoat«: Berlin 37 530- Banktonto: Bant der Arbeiter, AngeftcZtcn nnd Beamten, Sallstr. 05: Diitanto-Sefelllchaft, Depasttenlaste Lindcnftr. 3. Das Zentrum geht zum Kappminiger. Marx rechtfertigt den Hochverrat juristisch.— Die Zentrumsfraktio» stimmt für Keudell, IG fehlen.— Wirth stimmt mit der Opposition. Der Reichstag hak gestern die drei AUHtrauensaakräge gegen den Reichsinnenminister von Seudell abgelehnt. Es wurden abgegeben gegen den demokratischen Rlih- traucnsantrag 217. dafür 161 Stimmen. gegen den sozialdemokratischenundkommu- n i st i s ch e a Mihtranensantrag 21S Stimmen, dafür 162 Stimmen. Herr v. Keudell, Reichsinnemninister im Kabinett Marx, hat gestern ein Vertrauensvotum erhalten. Mit 218 gegen 163 Stimmen. Herr Marx hat für ihn plädiert. Auf Freispruch. Das Zentrum hat ihm diesmal das Vertrauen ausgesprochen, ohne Vorbehalt. Herr v. Keudell ist ge- rettet. Mit ihm der Bürgerblock. Die parlamentarische Auseinandersetzung hat die An- klagen gegen Herrn v. Keudell nicht entkräftet. Herr v. Keudell ist nicht gerechtfertigt— aber die Zentrumsfraktion ist kompromittiert, sowohl durch die aus politischen Opportunitätsgründen getroffene Entscheidung für den deuischnationalen Reichsinnenminister, als auch durch die Begründung, die der Reichskanzler Marx dieser Cnischei- dung gegeben hat. In trefflichen, eindrucksvollen Ausführun- gen hat Genoste Landsberg diese Begründung zerpflückt. Er hat auf die Gefahren hingewiesen, die sie in sich schlietzt. Herr v. Keudell selbst hat noch einmal seinen Eid auf die Verfassung bekräftigt. Er hat erklärt, daß er pflichtgemäß die Republik schützen wolle. Herr Marx aber hat mit seinen Ausführungen generell den Eid der Staatsbeamten auf die Verfassung entwertet. Die Ausführungen des Reichskanzlers verinögen die Schwenkung des Zentrums Herrn v. Keudell gegenüber nicht zu erklären, geschweige denn zu rechtfertigen. Die Totsachen, die gegen Herrn v. Keudell angeführt worden sind, können nicht bestritten werden. Sie bleiben bestehen. Es sind die- selben Tattachen, die vor Tagen beim Zentrum die größte Erregung hervorgerufen und zum Vorbehalt gegen Herrn o. Keudell geführt haben. Die Erregung des Zentrums, der Vorbehalt— sie ent- fpranaen einem richtigen politischen Empfinden, geboren aus dem E'ndruck, den die Tatsachen hervorriefen. Es war eine Aufwallung des republikanischen Gewissens. Und der erste Eindruck in solchen Fällen ist immer der richtige! Seitdem haben sich die Tatsachen nicht geändert— wohl aber das Ur- teil des Zentrums über die Tatsachen. Man kann zu den Tatsachen, die gegen Herrn v. Keudell vorliegen, unter verschiedenen Gesichtspunkten Stellung nehmen.� Vom Standpunkt des Beamtcnrechts, wie vom poli- tischen Standpunkt. Man kann sie sehen vom Standpunkt einer Verfassungsvartci aus, für die Rechtsgültigkeit der Der- fassung, unbedingte Treue des Beamten, der den Verfassungs- eid geschworen hat, die unerschütterlichen Grundlagen des Staates sind, an der keine politische Opportunitätserwägung rütteln kann— man kann sie auch sehen vom Standpunkt der reinen Opportunität aus, und die ernsten Fragen des Der- fassnngsrechts, die damit verknüpft sind, mit Larheit be- handeln. Die Erregung des Zentrums über die gegen Herrn o. Keudell behaupteten Tatsachen entsprang den An- schauungen der Verfassungspartei. Die Zwangslage, in der sich das Zentrum iin Bürgerblock befindet, hat es genötigt, diese Anschauungen hinter politische Opportunitätserwägungen zurückzustellen. Um den Bürgerblock nicht zu sprengen, hat es fein Gewissen als Verfassungspartei vergewaltigt und Herrn v. Keudell Absolution erteilt. Die Führung des Zentrums hätte unter dem Zwang der Lage ihre Opportunitätsent- fcheidung mit Opportunitätsgründen vertei- d i g e n können. Sie hätte trotz aller Bedenken auf die aus- fchlaggebsnde Bedeutung der Stellung des Zentrums im Bürgerblock verweisen können, auf die Zwangslage der Deutschnationalen nach der Annahme der Richtlinien— man hätte solche Begründung zwar nicht billigen, aber verstehen können. Herr Marx aber Hot versucht, der O p p o r t u n i t ä t s- entscheidung des Zentrums eine rechtliche Be- gründun g zu geben. Er hat— um zu verdecken, was politisch geschah— für Herrn v. Keudell auf Freispruch aus Mchtsgründen plädiert. Das war ein ungeheurer Fehler. Wc sagen es laut: der Reichskanzler Marx hat mit dieser Verteidigung einen schweren Schlag gegen die Verfassung und ihre Sicher- heit geführt. Wir übertreiben nicht. Herr Marx hat die Haltung des Herrn o. Keudell im K a p p- P u t s ch mit folgender De- duktion vcrteidigt, deren wahres Wesen Genosse Landsberg glänzend herausgearbeitet'hat: die Reichsregierung hatte den Belagerungszustand verhängt und damit die voll- ziehende Gewalt dem Militärbefehlshaber übertragen. Der Beamte hatte dem Militärbefehlsl?aber zu gehorchen. Der Militärbefehlshaber schließt sich den Meuterern an, er erklärt die Regierung, der er nach wie vor untersteht, als abgesetzt. Der Beamte aber, also auch Herr v. Keudell, so deduziert Herr Marx, ist„berechtigt und verpflichtet", auch die Befehle zu vollziehen, die den Tatbestand des vollendeten Hochoerrats in sich schließen! Trotz des Eides auf die Verfassung! Diese Deduktion wäre eine Rechtfertigung für alle un- treuen Beamten während des Kapp-Putsches, eine Anklage gegen alle verfassungs- und regierungstreuen Beamten auf Pflichtverletzung! Sie schließt in sich einen Freibrief für hochverräterische Beamte. Es genügt, daß während des Belagerungszustandes ein Militärbefehlshaber meutert. Nach Herrn Marx haben ihm alle Beamten zu gehorchen nnd seinen Hochverrat zu unterstützen! Eine wahnwitzige Deduktion, die Herr Marx erfunden bat! Ein Beispiel: wenn zur Zeit des Hitler-Pussches sich ein Militärbefehlshaber den Putschisten angeschlossen hätte, so halten alle Beamten Herrn K a h r als Reichskanzler aner- kennen und unterstützen müssen! In dieser Deduklion liegt cinAngriffausdieVer- fassung. Sie bedeutet die völlige Entwertung des Beamteneides auf die Verfassung. Zugleich aber erschüttert sie die Rechtsgrundlagen der Verwaltung und das Beamtenrecht. Herr Marx hat weiterhin versucht, das Verhältnis des Herrn v. K e u d e l l zur O l y m p i a mit rechtlichen Gründen zu verteidigen. Er hat sich dabei berufen auf die Rechts- Meinung des R e i ch s w e h r m i n i st e r i u m s. Er hat er- klärt, es fei das gute Recht von Reichswchroffizieren, in ihrer freien Zeit Sportübungen abzuhalten, wie sie von der Olympia auf dem Gute des Herrn v Keudell abgehalten worden sind. Ist das der Ansang der Reichs- wehrreform? Die Erklärung des Herrn Marx muß dem gefährlichsten Unfug auf diesem Gebiete Tür und Tor öffnen. Soll denn in Zukunft die Reichswehr Offiziere beurlauben dürfen, die dann„in ihrer freien Zeit" die militärische Ausbildung von Organisationen vom Schlage der Olympia besorgen dürfen? Diese Rechtsmeinung schlägt den Anschauungen ins Gesicht, die das Zentrum bisher zu diesem Punkte geäußert hat. Schließlich der Fall v. T r e s ck o w. Herr Marx nahm Partei für die Großgrundbesitzer, die den Boykott über Herrn v. Tresckow verhängt haben. Er sprach von einem Ver- trauensbruch des Herrn o. T r e s ck o w. Er mußte sich von dem Demotraten v. R i ch t h o f e n belehren lassen. worin der Vertrauensbruch bestand: darin, daß Herr v. Tresckow beim Reichsmehrministerium angefragt hatte, ob die Berufung eines Offiziers auf das Reichswehrministe- rium, der für die Ausstellung illegaler Formationen warb, zu Recht erfolgt sei. Das Reichswehrministerium schütielte den Offizier energistü ab— Herr v. Tresckow aber wurde für feine Anfrage boykottiert! Herr Marx aber, der Reichs- kanzler, der Herrn v. Tresckow für fein korrektes Verhalten gegenüber staatsgefährlrcheii Treibereien hätte Dank und An- erkennung aussprechen müssen, erhebt unbewiesen gegen Herrn v. Tresckow den Vorwurf des schweren Vertrauensbruchs! Diese Erklärung des Herrn Marx war katastrophal für ihn— kompromittierend für seine Partei. Das Zentrum ist eine V e r f a s s u n g s p a rt e i. Die Rechtsausführvngen des Reichskanzlers baden diese Grundlage verlassen. Um des Herrn v. Keudell willen. Herr Marx hat für eine schlechte Sache plädiert. An seiner Stelle, im Kampfe gegen ihn, hat die p a r l a- mentarische Opposition das Berfassungsrecht ver- teidigt. Auf die unwiderleglichen und glänzenden Ausfüh- rungen des Genossen L a n d s b e r g, des Demokraten Nicht- Hofen ist keine Entgegnung erfolgt. Genosse Lands- b e r g rief dem Reichskanzler zu: »Wie konnten Sie R e ch t s o u s s ü h r u n g c n machen, die sich wie ein« nachträgliche Rechtfertigung der Beamten an- hären, die beim K a p p- P u t s ch ihrem Eid untreu wurden?" Das ist es, was im Mittelpunkt dieser Jnterpellatians- dcbatte stand. Ein ehemaliger Kappist, dessen Verbindungen zu versassungsfeindlichen Organisationen nachgewiesen sind. ist Reichsinncnminister. E r soll die Verfassung schützen, e r soll die Organisationen bekämpfen, mit denen er gut Freund ist. Die Opposition hat um der Sicherheit der Ver- fassung willen Protest dagegen erhoben. Herr M a r x aber, nicht genug, daß er die Berufung dieses Mannes.zum Reichsinnenminister verteidigt, hat die Untreue dieses Mannes im Kapp-Putsch rechtlich gutgeheißen! Der Schutz der Verfassung— dieser Tag hat es ge- zeigt— liegtinersterLinicbeiderOppositio». Herr Marx hat für Herrn v. Keudell eine Mehrheit erhalten. Er hat sedoch sich und seiner Partei eine schwere moralische Niederlage zugefügt! Regierungsmehrheit im Unterhaus. Ablehnung des Antrages der Arbeiterpartei über China. London, 11. Februar.(TU.) Zu der heuiigen Unterhaus. sihung wurde der Antrag der Arbeiterpartei zur Ehinasrage mit 320 gegen 130 Stimmen abgelehnt. Amerikanische Marinetrnppcn in Schanghai. Schanghai. 11. Februar.(WTB.) In Schanghai sind 250 amerikanische Marinesoldatcn mit dem Dampfer „Pico?" aus Manila eingetroffen. Tic englische Ghina-Dcnkschrift in Genf. Gens, 1l. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Das Exposä der britischen Regierung an den Völkerbund über die Verhält- nisse in China ist am Freitag vom Vöikerbundssekretariat verössent- licht worden. Es beginnt mit einer geschichtlichen Darstellung der sich in der Zwischenzeit in China abgewickelten Ereignisse und macht zum Schluß dieses Kapitels die extremen Nationalisten für die gegenwärtige Lage verantwortlich. Anschließend erklärt sich die britische Regierung bereit, jeden Versuch zu einer Veränderung der Lerhälinisie im Sinne einer Besserung zu unterstützen. Sie setzt jedoch voraus, daß der cntibritischen Propogondq in China endlich ein Ende gemacht wird. Schließlich wird lu dem Expose noch daraus hingewiesen, daß die britische Regierung ihre ganzen Maßnahmen aus den Artikel 7 des Washingtoner Ab- koinmens vom Jahre 1022 stützt und nach ihrer Meinung vor- läufig ein.' Intervention des Völkerbundes nicht an- gebracht ist. Errichtung einer Völkcrbundszone um Schanghai? Gens. 11. Februar.(TU.) Wie in hiesigen politischen Kreistn verlautet, sdll die Verständigung zwischen England und Kanton bereits abgeschlossen sein. Es verlautet jerncr, daß in Lon- doner niaßgebcndcn Kreisen der Gedanke der Schaffung einer neu- traten Zone»in Schanghai unter Aussicht des Völker- bundes, ähnlich wie dies gegenwärtig bei Danzig der Fall ist, eingehsnd geprüft werde. Kanton schafft die Ausländcrgerichtsbarkeit ab. hankau. 11. Februar.(WTB.) Der Minister des Aeußcren von Kanton teilte den Konsulaten mit, daß auf Grund einer Anordnung des Politischen Bureaus ausländische Kläger künftig keine Klage mehr vor dem Gemischten Gerichtshof anhängig machen können. Alle Ausländerprozesse müssen vor chinesischen Gerichts- Höfen ohne Unterstützung eines Konsularbeamten als Beisitzer durchgeführt werden. Vieth gegen KeuSell. Tas linke Zentrum"bleibt der Abstimmung fern! Die Entrüstung über den kappistischen Innenminister geht trotz der Erklärung des Reichskanzlers am Freitag nach wie vor bis weit in die Reihen des Zentrums hinein. Das zeigt mit aller Deutlich- lest dos Ergebnis der namentlichen Abstimmung über die gegen den Kappisten von Keudell eingebrachten Mißtrauensanträge. Vom Zentrum haben nicht weniger als 16 Abgeordnete gefehlt. Don ihnen war nur der geringste Teil krank»der aus dienstlichen Gründen abwesend, die Mehrzahl blieb der Mstimmung aus Protest gegen von Keudell fern. Auch die Lerteidi- gungserklärung des Reichskanzlers Marx hat ste davon nicht" ab- hallen können. Es Handell sich u. a. um die Abgeordneten G i e s- berts, Imbusch, Ioos, Dr. Krone. Sinn und S o n n e r und Frau T e u s ch. Der Abgeordnete Dr. Wirth stimmte in beiden namentlichen Abstimmungen mit Ja für die Mißtrauensanträge. Dir Bölkisehcn für Keudell. Die Völkischen, soweit sie anwesend waren, traten selbstverständ- lich auf die Seite des Kappisten von Keudell! ebenso stimmte die Wirtschaftspartei geschlossen gegen die M i ß t r a u e n s a n- träge. Hugenberg, der am vergangenen Sonnabend bei der Abstimmung über das Vertrauensvotum für die Gesamtregierung absichtlich sehlle, war gestern erschienen. Ein Kappist genießt immer sein Vertrauen! Sruüer tzülser, N. ö. K. Trcsckows„Bruder" stimmt für Keudell. Im.Iungdeutfchcn" vom letzten Sonntag erschien ein Aufsatz von„Bruder G. chülser, Arbellcrsekretär und deutsch- nationalem Reichstagsabgeordneten". Er wandte sich mit be- merkenswerter Schärfe gegen Stein-Rumpelstilzchen, der im„Tag" geschrieben hatte, unter dem parlamentarischen System I önne ein Stcinträger Po st mini st er werden, chülscr sah !>arin einen versteckten Angriff auf den ehemaligen Schreiner Koch, der auf deutschnationalen Lorschlag Verkehreminister ge- worden ist, und fertigte den Major der Reserve Stein gründlich ab: Hier haben wir den Typ des unbelehrbaren K a st e n m e n j ch e n, der keinen Sinn für den Wert des Auf- stieges gesunde--, tüchtiger Kräfte aus dem Arbeiterstande in die Äolksführung hat. Was hat nun gestern der tapsere Bruder Hülser getan, als die Demokraten ein Mißtrauensvotum gegen v. Keudell einbrachten ..wegen seiner Beteiligung an Verhandlungen über einen gesell- schaftlich cn Boykott gegen einen Andersdenten- den, der sich einem Druck auf seine politischen Handllingen und Ge- sinnungen nicht beugen wollte"? Der tapfere Bruder HiUser hat seinen Bruder v. Treeckow im Stich gelassen und f ü r Keudell gestimmt. Er hat damit vor ,chom Typ des unbelehrbaren Kastenmenschen" kapituliert. Dasselbe haben andere christliche Arbeitersckrctäre, die keine jungdeutschen Brüder sind, natürlich erst recht getan. War doch Herr Behrens. Führer der christlichen Landarbeiter, gestern wildester Rufer im Streit! Bruder H ü l s e r hat die Aechtung seines Bruders v. Tresckaw gebilligt. Er hat die Regierungserklärung, die den Boykott gegen seinen Bruder wegen„Vertrauensbruch o" 'chandbarerweise rechtfertigt, gebilligt. Cr hätte wenigstens hinausgehen können, wie es viele vom Zentrum taten. Er ist ge- blieben und hat gegen seinen Bruder gestimmt! Bruder? Ein neltes Brüderchen! Aechtung zweier russischer Flieger. Das Präsidium des Zentral- Exekutivkomitees der Sowjetunion hat den Flieger Klim und den Bordmechaniker Timoschtschut wegen vorsätzlichen Ucberfliegeng der Grenzen der USSR. mit einem sowjetrussischen Militörslugzeug als außerhalb des Schutzes der Gesetze stehend erklärt. Reichskabwett unö polsnfrage. Vor dem Abbruch der Bcrhaudlungc«. Am Freilagabend wurde In einer Besprechung des Ernährungs-, des Finanz- und des Dirtschaf.sininislers sowie des Auswärligen Amtes der deutsch-polnische Zwischenfall erörtert, von zuständiger Kleve wird über den verlaus der Verhandlungen erklärt. daß hinsichtlich der zu ergreifenden Maßnahmen der Relchsregierung unkcr den beteiligten Ressorts Einstimmigkeit herrscht. U'ber die gesaß en Beschlüsse soll am Sonnabend im Kabinett endgültig entschieden werden. Der Abbruch der Verhandlungen mit polen steht außer allem Zweifel. Poluisch-sozialistifchc Kritik. Marschau, 11. Februar.(Eigener Drahtbericht.) In hiesigen amtlichen Kreisen verfolgt man ebenso wie in der Oessentlichkeit die Entwicklung des dentsch-polnischen Zwischenfalls mit äußerstem Interesse. Eine konsequente Stellungnahme gegen dieAus- weisungstaktik der polnischen Behörden nimmt vorläufig lediglich der sozialistische„Roboimk" ein. Das Blatt bezeichnet die Ausweisung einzelner reichsdsutscher Personen aus Oberfchlesicn als eine politisch durchaus versehlte Maßnahme. Die gesamt« bürgerliche Presse ist dagegen ausschließlich gegen Deutschland eingestellt und spricht davon, daß die Pläne der Rcchtsregierung nichts anderes als den»Beginn einer Offensive gegen Polen" bedeuten würden. 2lber Polen könne den Zollkrieg ruhig ertragen und seine im wesentlichen au» Rohstoffen bestehende Aus. fuhr anderweitiei unterbringen. Oer polenkonflitt vor öem Reichstag. Mit dem Abbruch der deutsch- polnischen Wirt- ichaftsverhandlungen wird sich der Auswärtige Ausschuß des Reichstags am nächsten Donnerstag befassen. In der gleichen Sitzung wird die Neuwahl des Ausschußvorsitzenden erfolgen, die notwendig geworden ist, weil der bisherige Vorsitzende, der Deutschnational« Hergt, inzwischen zum Iustizminister avanciert ist._ Reichsbattnerangehorige werden verurteilt. Angreifende Stahlhelmlcute find unschuldig. Kigenurtige Untersnchungsmcthodcn. Am Donnerstag ist in K ü st r i n(Neumark)«in Prozeß gegen Reichsbanncrkameraden zu End« gegangen, der wieder einmal grelle Schlaglichter auf unsere Justiz wirft. Die Anklage lautete aus Land- friedensbruch und Körperverletzung gegen 18 Reichsbannerleute und 6 Rote Frontkämpfer. Di« Ereignisse, die der Anklage zugrunde lagen, fallen in die Zeit des Volksentscheids. Di« Stahl- helmer hatten eine unerhörte Hetze gegen die Parteien veranstaltet, die für die Fürstenenteignnug waren. Ihre Presse strotzt« nur so von Ausdrücken, wie kommunistisches Gesindel und Diebe, Abschaum der Gesellschaft und derßleichen. Die Verunglimpfung sozialdemokratischer Führer war an der Tagesordnung. Die Atmosphäre wurde von Tag zu Tag erhitzter. Am Wahltage hinderten Stahlhelmler einige Frauen das Wahllokal zu betreten. Reichsbannerleute wieder ließen sich dazu herbei, einige Wahlplokate, aus denen die berüchtigte „klauende Hand" dargestellt war, herunterzureißen. Es kam zu kleinen Schlägereien— der Staatsanwalt erblickte in ihnen Land- friedensbruch. Gegen 2 Uhr setzte sich ein Zug des Reichsbanners in Bewegung, der von einem Trupp Roter Frontkämpfer und von Frauen und Kindern abgeschlossen wurde. Bor dem Stabsquartier des„Stahlhelm" und des„Werwolf" hielt der führend« Genosse S i e l a f eine Rede. Als sich der Zug bereits in Bewegung gefetzt hatte, entstand plötzlich an seinem Ende ein Handgemenge. Auf die Frauen uvd Kinder flogen Biergläser und Stühle. Schließ. lich gab es ein« Anzahl Verletzter. Die Stahlhelmer waren arg davongekommen. Dieses Handgemenge bildet nun in der Haupt- sache den Grund zur Anklage. Die Hauptvcrhandlung förderte aber ganz eigenartige Dinge zu- tage. Den Verteidigern, Rechtsanwälten Oborniter und Falkenfeld, gelang es nachzuweisen, daß die Vernehmungsprototolle Heinrich Sraun zum Gedächtnis. Von Friedrich Stampfer. In den letzten Iahren hatte ich ihn nur noch selten gesehen. Einmal war es im Wilmersdorfer Krematorium bei der Einäscherung Otto Kösters, des hochbegabten Zeichnerphilosophen, den er persönlich gar nicht gekonnt, dessen Entwicklung er jedoch mit liebe- vollem Verständnis oerfolgt hatte. Nun stand er tiefbekümmcrt vor der Lohre des früh Verschiedenen und sagte zu mir:„Ich hätte Sie gebeten,- auch an meinem Sange zu sprechen, wenn ich nicht ange- ordnet hätte, daß meine Bestattung in aller Stille erfolgen soll."— So ist es auch gestern geschehen..... Heinrich Brauns Menschentum fft in einem flüchtigen Zeitung»- Nekrolog nicht leicht zu fassen. Einem wissenschaftlich arbeitenden Biographen oder auch einem großen Romanschrciber bäte es dafür einen desto würdigeren Stoff. Wenn man von ihm sprach, hieß er gewöhnlich der Mann Lily Brauns, oft der Vater Otto Brauns, manchmal auch der Schwager Viktor Adlers. Ihm oerschlug es wenig, denn es war seine Freude, andere im Licht zu sehen, während er für stch selber den Schatten liebte. Saß er aber in seinem Arbeitszimmer mit den Träger» großer Namen aus Politik und Wissenschaft beilammen, so war er nicht klciner als sie. Woher kam der merkwürdige Mann? Er war der älteste Sohn einer wohlhabenden Wiener Familie, hatte ein« glänzend« Erziehung genossen, sah mit weit offenen Augen in die Zukunft. Schon im „Adlerhorst", dem Studenienklub, der in der Wohnung von Viktor Adlers Vater seinen Sitz aufgeschlagen hatte— Perner st orfer, Friedjung. Max G r u b« r waren auch da— gärten revolutionäre Ideen. Ein Semester bei Lorenz v. Stein gibt dem Geist Heinrichs die Richtung zum Sozialismus. Dann geht er nach Deutsch- land. Schnkoller in Etraßburg wehrt entsetzt ab, da er sich zu einer Arbeit über Marx und sein« Wertlehre anbietet. Da» fehlt« noch, nachdem schon im Jahre zuvor Serin g die ilniversttät sozialistisch verseucht hätte I Besseres Verständnis findet er bei Eonrad in Halle. Wer weder hier, noch m Jena ist ein« Habilitation möglich, so wird er Redakteur, Herausgeber von Zeitschriften. 1888 bietet ihm Bebel die Redaktion des„Berliner Volksblatts" an. Er lehnt ab. Sein eigentliches Feld ist die Zeitschrift; da kann er der großen Leiden- schast seine« Lebens nachgehen: Talente fördern und der Arbeiter- bewegung geistige Kräfte zuführen. So war durch ihn auch FranzMehring zur Partei zurück- gekommen, der er sich schon als junger Mensch genähert und die er dann wieder aufs leidenschaftlickste bekämpft hatte. Mit aller Energie, die ihm in solchen Fällen eigen war. trat Heinrich Braun für die Aufnahme des reuigen Sünders ein. Man kann stch vorstellen, wie er damals Mehring geliebt haben mag! Diesen glänzenden Fechter der Arbeiterbewegung zurückzugewinnen, schien ihm eine Ausgabe, die das Aufgebot aller Nervenkraft wert war. Als später aus Freundschaft bittere Feindschaft wurde, und die beiden Mäimer aus dem Dresdener Parteitag gegenein- anderstanden, unterlag Heinrich Braun, wenn auch sein Gegner schwere Wunden davontrug. Braun unterlag nicht nur, weil feine Richtung die schwächere war, sondern auch deshalb, weil er der Mann im Schatten war, der Masse der Partei beinahe ein Verdächtig- Fremder, während Mehring als der groß« journalistische Führer vor ihr stand. Wohl zeigte sich Braun, der ssseind der Rednertribüne, zu allgemeiner Ueberraschung als glänzender Sprecher. Aber hier war sonst nicht das Feld, wo er Siege suchte. Zeitschriften herausgeben, durch sie die Ideen eines a t t i» vistischen Reformismus fördern— der sich vorn.Revisionismus" der„Monatshefte" in manchem unterschied— immer neu« geistige Streiter für seine Sache gewinnen, das war die Aufgabe. in der er sich verzehrte. Geld war nur dazu da. für dies« Zweck- ausgegeben zu werden. Ging es zu Ende, so schien es selbstverständ- lich, daß auch andere, die es konnten, das ihre herzugeben hätten. Die anderen waren darüber begreiflicherweise nicht immer derselben Ansicht.— Heut« werden sie verstehen, daß Hewrich Braun stots nur als ein Fanatiker seiner Mission gehandelt hat. Heinrich und Lily, das Aufwachsen Ottos, des wunderbar Begab- ten, auf dein Schlachtfeld Begrabenen— welche Fülle menschlichen Erlebens! Wer beschreibt sie, nichts verhüllend, alles verstehend!? „Die Neue Gesellschaft"— wann suchet dieses denkwürdige Kapitel unserer Parteigeschicht« seinen Historiker----? Nach dem Tode Ottos, in der Che mit Julie Bogel st«in, findst das stürmische Leben«inen Abschluß voll Harmonie. Die Er. träge von Ottos Buch werden verwendet, um jungen Talen- tenausderArb.citerjugendden Weg zu ebnen. Eine ver- waiste Däterlichkeit. ntn unerhört glänzende Hoffnungen bewogen, nimmt begabte Kinder fremder Bäter in ihren Schutz. Heinrich Braun sorgt für sie. Sie müssen zu essen haben, sie müssen studieren können, sie müssen ordentlich gekleidet sein.„Bei mir kommt es gar nicht mehr darauf an, wie ich herumlauf«, aber die jungen Leute müssen nach was aussehen." So gibt er seinen letzten Wintermantel einem armen Studenten. Ein Mensch mit seinem Widerspruch. Voll tiefer Leidenschaft, ahne Rücksicht aus die Empftndungen anderer und auf ihr« Vor- stellungen von den Regeln der Bürgsrlichkeit. Alles in allem einer, der m Hingabe lebte für die. die kommen werden, und für das. was kommen wird: für die Jungen und für den Sozia- li s m u» l Ehre feinem Andenken! wohin steuert die sowjeirussische Dramatik? Di« sowjetrussijch« Theatersachpresse oermerkt immer wieder, daß� die neurusstzche T endenzdramatik fast ausnahmslos sich in ein« Sackgass« oerrannt habe, au» der kein Ausweg, sondern nur eine Rückkehr und Um« schau möglich sei. Der neue russische Dramenstll lasse sich am besten derStahlhelmer, auf deren Aussagen die ganze Anklage fußte. vom Führer des Stahlhelms stammten und weder von- der Polizei noch von dem Untersuchungsrichter nachgeprüft worden waren. Sic stellten sich in den ausschlaggebenden Teilen als uu- richtig heraus. Dasür waren aber die Entlastungszeugen überhaupt nicht vernommen. Die Behauptung des Bürgermeisters und des Polizeikommissars, daß solche übcrhaupr nicht genannt worden seien, wurden Lügen gestraft.?luch die Aus- [ sage des Palizeibeomten, der die Stahlhelm ler als Angreifer be- ' zeichnet hatte, war verschwunden. Eigenartig hatte sich auch die Durchsuchung des Stahlhelmquartiers nach Waffen gestattet. Die Polizei hatte sich mit dem Ehrenwort des Stohchelmführers begnügt. daß keine Waffen vorhanden seien. Von der Verteidigung konnte trotz der eidlichen Aussage eines Leutnants vom Stahlhelm festgc» stellt werden, daß die Stahlhelmler im Besitz von Knüppeln gewesen sind. Sieht man von der unerhörten Tatsache der Verwertung privater Vernehmungsprotokolle ab, so ergab sich alles in allein hier das übliche Bild von den„schuldigen" Reichsbanner- leuten und von den Unschuldslämmern im Stahl- Helm. Trotz des Antrages des Staatsanwalts, der in bczug auf alle 2-1 Angeklagten auf Landsriedensbruch plädierte, verurteille dos Gericht nur 8 Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung zu Gefängnisstrafen von 6 Wochen bis Z Monaten unter Verleihung von Bewährungsfrist._ Das Geheimnis ües Geratungszimmers. Prozeß Marfchncr-Themat. Heut« findet vor dem Schöffengericht Berlin-Miue die Gerichtsverhandlung in der Beleidigungssache gegen deu Berliner Rechtsanwalt Dr. Themal. den Zlssessor Kempner und den Re- dakteur eines Berliner Montagsblattes statt. Der Prozeß darf ein größere» össentllches Interesse bearrspruchen. In einem M e i n e i ds p r oz e ss e. unter dem Borsitz des Land- gerichtsdirektors Marschner, wurden u. a. zwei Justizwacht- meister zu geringen Gefängnisstrafen verurteilt. Ms die Verurteillen die Geschworenen aufsuchten, um ihre Unterschristen für ein Gnaden- gesuch zu erhalten, glaubten sie aus den Gesprächen mit ihnen ent- nehmen zu können, daß die Abstimmung nicht rechtmäßig v o r s i ch g e g a n g e n sei. Die Darstellung, die sie ihrem Verteidiger Dr. Themal von diesen Gesprächen gaben, veranlaßt« ihn, seinen Klienten zu einer entsprechenden Eingab« ans Gericht zu raten. Auf Grund dieser Eingabe beabsichtigte Dr. Themal die Revision ein- zureichen. Als dann die Eingabe nach einigen Tagen stch noch immer nicht bei den Akten befand, glaubte Dr. Themal in die Oessentlichkeit flüchten zu müssen. Einem vorsichtig gehaltenen Artikel in der „Bossischen Zeitung" folgte ein scharst? Angriff in dem genannten Montagsblatt. Er enthielt«in« Erklärung Dr. Thema!? und warf in der Ueberschrift dem Landgerichtsdirettor Marschner Fälschung der Akten vo?. Daraushin strengte dieser die Beleidigungsklage an. In der Gerichtsverhandlung am Sonnabend werden nun die drei Berufs- und die sechs Laienrichter vrie auch die drei im Mein- eidsprozesse Verurteilten als Zeugen erscheinen. Wahl zum erstenmal wird in einer Gerichtsverhandlung das Geheimnis des Be- ratungszimmers Gegenstand öffentlicher Verhandlungen sein. So wird man Gelegenheit haben, stch davon zu überzeugen, ob diö Vorwürfe, die gegen die Emmingerschen Schwurgerichte ge- macht werden, nämlich daß die Laienrichter in unerträglicher Weise von den Verussrichtern beeinflußt werden, richtig sind oder nicht. E» wurde in diesem Falle behauptet, daß der Grund zu dem entstandenen Mißverständnis darin zu suchen sei, daß vier von den Laienrichtern aus anfängliches Befragen des Landgerichts- direktor» Marschner sich für einen Freispruch erklärt hätten, daß aber nach einer dreistündigen Verhandlung eine rechtmäßige Verurteilung zustande gekommen sei. Das Mißverständnis Konnte aber nur entstehen, weil einersette die zu beantwortenden Fragen nicht schriftlich formuliert werden und andererseits das Stimmen- ergebnis nicht öffentlich bekanntgegeben wird. Die Bedeutung des Prozesses liegt nun darin, daß er geeignet ist, neues Materiol gegen die Emmingerschen„Schwurgerichte" und für die Wiederherstellung der wirtlichen Schwurgericht« zu liefern. als„oberflächliche Photo-Reportage" kennzeichnen. Insbesondere gelte dies für die Darbietungen der staatlichen Agitationstheater und für die Leningrad««„Studienbühne des proletarischen Schauspielers". Es genüge nicht, sich auf ein nacktes blindes Schema jestzunageln, flüchtige„Blockbuchnotizen" zu inszenieren, Anekdoten und Momentaufnahmen aus die Bühne zu projizieren. Der russische Bühnen- schriststeller von heute mache sich die Sache gar zu leicht. Den weitaus meisten Stücken fehlen der Ernst schöpferischer Verant- wortung, eine tiesere soziale Problemstellung, jede Spur einer handfesten"trofwollen Handlung, die Entwicklung und Vollendung lebendiger Eharaktere, farbige»nd überzeugende Situationen, Mannigfaltigkeit in der sprachlichen Individualisierung d» han- delnden Personen. Schtscheglow? neuestes Stück„Purga"(„Schnee- gestöber") scheine jedoch einen erfreulichen Wendepunkt zu bedeuten und lasse hoffen, daß in der jungen russischen Dramenproduktion die wahren Urelemente des Dramas wieder zum Durchbrach gelangen werden. Eine Organisation zur Leben, rellung durch vlullrausfvsion. Eine Konserenz der Vorstände der Wiener Geworkschnften hat stch mit der Frage der Organisierung von Bluttransfusionen zur Rettung von Arbeitern, die Arbeitsunfälle erlitten haben, beschäitigt. Nach einem Vortrage des Chirurgen Dr. Nathcr und einer Debatte be- schloß man, zu einer derartigen Organisierung in der Wiener Ar- beiterschaft zu schreiten. Mevniers„Denkmal der Arbeil". Die belgische Architekten- gesellschaft hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, durch den die noch immer ungelöste Frage der architektonischen Umrahmung des Denk- mals der Arbeit von Meunier gelöst und damit die Aufftollung des Denkmals selbst ermöglicht� werden soll. Die plastischen Teile de» Wertes, vier Reliefs und fünf Figuren, sind seit zwei Iahren fertig, konnten jedoch bis jetzt der Oessentlichkeit nicht übergeben werden. Georg Brande» sch«er ertrantt. Georg Brande?, dcr kürzlich seine» 85. Gediirlstoq feinte, ist. wie aus K openhaqen gemeldet wird, sil-wer erkrankt. Wegen der verschliminernng setne? MagenIeldenS. die ein« Ope- ration notwendig machen dürste, ist er in bedenklichem Zustand in eine Klinik flbergesührt worden. Schlüter» kips« von der Alten Post in Berlin, dem stöberen Warten- bergschen Palai», sind jetzt durch Ueberwersung in? Kaiser-striedrich-Mlistum gekommen. ES bandelt sich um jene Kops« von BekrönungSfiguren aus dem Hanse, dcien Zerstörung ein besonders uncrsteulichr« Stück Berliner Denkmaispflege ist. ver IlmoerflISlsball im Zoo am Dienstag, den IL. Februar, dient den studentischen VohtsabrtS« und Fürsorgeeüuichtungen. .$oto 1928" ist der Titel einer BellauSsielluag für dliotogrophilche Kunst, S>sienlchast und Industrie, die im nächsten Jabr« in Amsterdam unter Tellnabme von Berufs- und Nmateurpbotographen stattfinden soll. 47 Länder haben berettS ihre Beteiligung zugesagt. 20 Mlllioue» Dollar für«in TNattnm Tin amerikanischer Millionär. der Industriell« Druminond in Toledo(Cbio). hat in ieinein Testament Zy Millionen Dollar als Leeat lür das Museum vo» Toledo auSzesctzt, das schon bisher eines der reichsieit Museen AmerilaS gewesen ist. Ein Msscnschasilicher Kongreß In Mvskav. zu dem 294 Delegittte er. schienen iind, wurde Freitag erö-fnet. II. a. sind Deutschland. OTHIand. sironkreich und Amerika vertreten. Zu« Vorfitzeudea des Kongresses wurde ein Russe gewählt. Amerikas doppeltes Gesicht. Heuchelei oder ernsthafte Politik?— Abrüstung und Imperialismus. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat den Regierungen der übrigen Seemächte— England, vlapan, Frankreich, Italien— vorgeschlagen, den Abrüstungsvertrag von Washington zu erweitern und in Zukunft alle Sserüstungen zu begrenzen. Eine neue Kon- serenz soll einberuscn werden, um auch den Bau von Kreuzer», Unterseebooten, Flugzcugmutterschifsen, der bisher uneingeschränkt! möglich war, zu begrenzen und einzuschränken. Dieser Vorschlag kommt wenige Wochen, nachdem die gleiche Regierung der Vereinigten Staaten ihre Streitigkeiten mit Mexiko bis an den Rand des Krieges getrieben hat, nachdem sie in Nikaragua Truppen gelandet und die rechtmäßige Regierung beseitigt hat. Im Januar noch zeigten die Vereinigten Staaten der Welt die Fratze des Imperialismus! Im Februar zeigen sie den Völkern ein pazisistisches Anllitz. Daß die Vereinigten Staaten eine verlogene, eine unehrliche Politik treiben, daß ist die erste Empfindimg, mit der man den Abrüstungsvorstoß Amerikas be- gegnet. Heuchelei! Das ist der erste Eindruck, den die Note Eoolidgcz an die Mächte auf uns hervorruft: Heuchelei! das ist der erste Ausruf, den Eoolidges Botschaft an den Kongreß aus uns hervorruft. Aber mit so einfachen Urteilen ist die Wellpoiitik des modernen Imperialismus nicht zu begreifen. Viel zu vielfältig sind die Tendenzen und Kräfte, die die Außenpolitik einer Großmacht bestimmen. Mit den einfachen Empfindungen und Formeln eines guten Herzens ist die komplizierke Welt der inlernationalen Politik nicht zu meistern. Es ist unumgänglich, sie einer möglichst genauen Analyse zu unterwerfen, um zu einem wirNich umfassenden Urteil zu gelangen. Zunächst einmal zugegeben, daß der Abrüstungsvorschlag des amerikanischen Präsidenten international wie eine Heuchelei wirkt: damit ist noch nichts darüber gesagt, daß er nicht innen- politisch ernst gemeint ist. Und das ist er in der Tat: Coolidge will seiner Partei, der zurzeit herrschenden republikanischen, für die kommende Präsidentenwahl«ine Wahlparole schaffen. Er will auf Erfolge, und wenn nicht auf Erfolge, so doch auf tatkräftige Ab- rüstungsbemühungen seiner Regierung hinweisen. Seine Partei hat dazu allen Anlaß: Hat doch soeben erst das Vorgehen gegen Nikaragua und gegen Mexiko einen Sturm des Unwillens bei den pazifistischen Müssen erzeugt. Dieser Unwille war so groß, daß er die Kriegstreiber um den Präsidenten— Staatssekretär Kellogg und die Marineleitung— zur Vernunft und zum Rückzüge brachte. So kommt Coolidge den Massenwünschen entgegen. Die Abrüstung als Wahlparole ist aber nicht nur für die herrschende republikanische Partei wichtig; sie ist auch für Coolidge persönlich die Parole, unter der er versuchen will, zum � dritten Male Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Dem widerspricht bisher die Uebersieferung, die es für un- demokratisch und für die Republik gesährlich hält, wenn ein Mann mehr als zweimal Präsident wird. Es haben sich schon innerhalb der Republikanischen, und noch mehr innerhalb der Demokratischen Partei Stimmen erhoben, die eine Erneuerung eines alten Kongreß- beschlusses gegen dritte Kandidaturen einks Präsidenten fordern. So ist es auch............ die persönliche Politik des amerikanischen Präsideole». die ihn veranlaßt, nach eirchr wirksamen»Platiform� für die Kandidatenaufstellung für die Präsidentenwahl zu suchen. Ist so Eoolidges Botschaft an den Kongreß ernst gemeint, so sind auch seine Roten an die vier anderen Regierungen ganz auf den Erfolg eingestellt. Mit geradezu äußerster Behutsamkeit ver- meiden sie es, etwas vorzuschlagen, da» bei ihnen anstoßen und ihnen Vorwände geben könnte, seinen Dorschlag abzulehnen. Coolidge lädt nicht etwa die Mächte ein, auf die erste Seeabrüstungskonferenz in Washington, was doch natürlich wäre, eine zweite Konferenz in Washington solgen zu lassen. Im Gegenteil schlägt er neben Washington Gens als üonferenzorl vor. 1821 noch, unter Harding, der den Völkerbund als„tot" er- klärte, wäre ein solcher Vorschlag unmöglich gewesen. Jetzt ist die Stellung des Völkerbundes gegenüber und in den Vereinigten Staaten«ine ganz andere geworden. Die amerttanische Regierung erklärt, die Vorarbeiten des Völkerbundes für ein« Abrüstungs- konfercnz selbst hätten ihr nahegelegt, den Vorschlag einer weiteren Seeabrüstung zu machen. Denn es fei gerade das wertvolle Ergebnis dieser Lorarbeiten gewesen, zu zeigen, daß die Schwierig- leiten einer Gesamtabrüstung zugleich zu Wasser, zu Land« und in der Luft und zugleich auf der ganzen Erde zurzeit fast unübcr- wlndbar schienen. Die Teilabrüstung zur See weiterzutreiben, sei deshalb der geeignete Weg, um die Gesamt- abrüstung praktisch zu fördern. Zugleich berücksichtigt Coolidge die Hemmungen, die der Faschismus und der Poincaröismus gegen eine Abrüstung haben. Er schlägt nur vor, daß Amerika, England und Japan sich aus das bisherige Flottenvsrhältnis von 5:5:3 einigen— ob freilich die Zumutung, die er damit an die englische Ueberiegenheit an Kreuzern stellt, xiicht zu stark ist, muh dahin gestellt bleiben— aber er schlägt zugleich vor, daß die„besonderen Bedürfnisse Frankreichs und Italiens b»sonders berücksichtigt werden sollen. Deshalb ist er ein Zeichen von der tiefen Erbitterung urQ nationalistischen Erregung gegen Amerika in j>er sranzösischen Recht- presse, wenn diese über das besondere Entgegenkommen gegimüd{ Frankreich hinweggeht und gegen den ganzen Borschlag als einer unerträglichen Zumutung Einspruch erhebt. Wenn nun aber wirklich in diesem Borschlag Amerika als pazifistische Dormachl ernsthafte Politik treibt, wie ist dann zu erklären, daß das gleiche Amerika sich fast zugleich imperialistisch betätigt? Darauf ist zu erwidern, daß die Methoden der moderneu imperialistischen: Polstik wechseln. Es kommt immer auf die geographischen unö materiellen Umstände an. Der Imperialismus Amerikas bedient sich verschiedener Milbe!. je nach den Zielen, die er sich gesetzt hat. Soweit ihm die pazifistischen Massen mit ihren in der Demokratie eroberten Rechten nicht in den Arm fallen, wird er skrupellos Gewalt anwenden, wo es ihm, wie in Mrttelcmerika, nützlich erscheint. Wo es aber das Jnter- esse der herrschenden Klasse gebietet, da wird er pazifistisch auftraten: das amerikoiufche Großkapita! erwartet in dem Raum zwischen Amerika und Oslasieu bessere Geschäfte zu machen, wenn dort der Friede gesichert ist, als wenn z. P. mst Japan kriegerische Auseinandersetzungen drohen, die die Expansion des Exportkapstals hemmen. Moralisten mögen in Amerikas Abrüstungsoorftoß eine Heuchelei sehen, eine Verbeugung des imperialistischen Lasters vor der Tugend des Pazifismus. Für die arbeitende Klasse Europas kommt es darauf an, die Kräfte zu erkennen, die den amerikanischen Abrüstungsvorstoß zu einem bedeutsamen Ereignis der m fernen Weltpolitik machen. Das amtliche Englanü üafür. London, 11. Februar.(Reuter.) In hiesigen zuständigen Kreisen äußert man sich in zustimmendem Sinne zu den Vorschlägen des Pröstdenlcn Coolidge für eine Einschränkung der- Rüstungen zur See. Eine ausführliche Stellungnahme kann aber erst nach gründlicher Prüfung der amerikanischen Vorschläge erfolgen. Pariser offiziöse Haltung sehr vorsichtig. Paris, 11. Februar.(WTB.) Das amerikanische Memoran- dum betreffend die Seeabrüstungskonferenz ist von den zuständigen Stellen des Außenministeriums unter Zuziehung der französischen: Vertreter beim Völkerbund«ingehend geprüft morden und der Ministerrat soll sich Sonnabend mst der Frage beschäftigen. Es ist anzunehmen, daß erst danach der ossozielle Standpunkt der französischen Regierung bekanntgegeben wird. Havas hält es nicht für unwahrscheinlich, daß die französische Regierung gegen den amerikanischen Borschlag k e i Einwendungen erheben, jedoch darauf bestehen werde, daß der Völkerbund mit dem Abrüstungsproblem weiter besaßt bleibe, andererseits fei abzunehmen, daß die Beteiligung Sowjetruß- l a nd s an der vorgeschlagenen Konferenz nicht als Bedingung für den Zusammentritt der Konferenz gestellt werden würde. Javatts Presse hält zurück— die Regierung anscheinend bereitwillig. Tokio. 11. Februar.(WTD-) Die Presse enthält sich bisher jeden Kommentars zu dem Abrüstungsvorschlag des Präsidenten Coolidge. Wie Reuter erfährt, soll die Regierung jedoch bereit sein, eine weitere Beschränkung der kleineren Flotteneinhesten an- zunehmen, um auf diese Weise im Haushaltsplan Ersparungen zu erzielen. Italien besorgt. Mailand, 11. Februar.(TU.) Zu dem Borschlag des Präst- denten Coolidge für die weitere Abrüstung zur See schreibt der „Eorriere della Sera": Italien begrüße zwar jeden Vorschlag. der geeignet sei, Kriegsmöglichkeiten zum Verschwinden zu bringen, tonne aber nicht leichten Herzens in eine neue Verminde- rung seiner Seestreitkräfte einwilligen. Die Schiffahrt sei für Italien Lebensbedingung. Moskau natürlich gleichgültig und feindlich. Riga. 11. Februar.(TU.) Der Aufruf Coolidge über die Ent- wasfnung ist in Moskau auf geringes Interesse gestoßen. In Mos- kauer maßgebenden Kreisen herrscht die Meinung vor. daß die Kon- ferenz erfolglos bleiben werde, da allein die Interessen Amerikas und Englands im Stillen Ozean Gegensätze aufweisen, die die Konferenz zum Scheitern bringen mühten.(!) Falls d'e Sowjet- regierung eine Einladung zur Konferenz erhalten sollt«, werde sie einen Beobachter schicken, jedoch nur. wenn die Konserenz außerhalb der Schweiz tagt. firbeitszeit unö �rbeitslelstung. Untcrsuchungsschwierigkciten im Bergbau. In einem Presieabend teilte der Vorsitzende des 4. Unter- suchungsausschusics für Arbeltsleistung, Unioersitätsprofestor Dr. Heyde, mit, daß man wohl e r st im Frühjahr 1928 die Einzel- Untersuchungen über das Verhältnis von Arbeitszeit und Arbeits- leistung in der Industrie abschließen könne. Die in der Tat ausfällig lange Dauer der Untersuchung des Arbeitsleistungsmisschulses erklärt Prof. Heyde mit den Schwierigkeiten der Materie. Die Unter- juchungen müßten in Einzel betrieben mit der isolierenden Me- thode vorgenommen werden, wobei sehr große Schwierigkeiten wegen der Vielfälligkeit anderer Einflußfaktoren zu überwinden feien. Dazu komm«, daß die eigenen Aufzeichnungen der unter- 'Uchte» Betriebe über Arbeitsdauer, Lohnhöhe» Maschii.enverwen- dung, Witterupgsverhältnisse usw. trotz ihres vielfach festgestellten Hochstandes, das für wissenschaftliche Vergleiche ersordertiche Maß von methodischer Genauigkeit doch nur selten erreichen. Das Problem, das hier untersucht werde, sei so prinzipieller Natur, daß man nur aus absolut hieb- und stichseste Resultate abzielen dürfe. Mau werde jedoch bis zu den abschließenden Verhandlungen über das Arbellerschutzgesetz im Reichstage den größten Teil dessen, mos der Arbeitsleistungsausschuß festgelegt habe, überschauen löpnen. Was zu hoffen wäre! In gründlichen Ausführungen legte dann Professor Dr. L i p m a n n, der Direktor des Instituts für angewandte Psycho- Zogie in Berlin, die Notwendigkell neuer statistischer Grundlagen dar, da es sich als unausweichlich ergeben habe, bei der Untersuchung der Verhältnisie in einzelnen Berg werken sich von der üblichen bergbyulichen Statistik zu emanzipieren. Die Be- urteilung der Veränderungen der Arbeits leistung im Verhällnis zur Arbeitszeit sei außerordentlich schwierig, well die Arbeits- leistung unter Umständen fast ganz von anderen Faktoren abhängig ist, die man insbesondere in den Vorgängen der Rationalisierung und Mechanisierung zu erblicken habe. Man könne diesen Schmie- rigteitcn aber einigermaßen dadurch Rechnung tragen, daß man nicht größere zeilliche Perioden mlleinander vergleicht, sondern ftn� Punkt« der Kurven besonders ins Auge sasse, an denen sich Abweichungen von dem allgemeinen Kuroenverlauf zeigen; denn die Rationalijierungs- und Mechamsterungsmaßnahme» wirkten sich kontinuierlich aus, während lßeränderungen der Arbeits- zell oft plötzlich austreten und sich in den Kurven deutlich ab- zeichnen. Endlich lägen die Berhällnisse nicht nur in verschiedenen zeitlichen Perioden, sondern auch bei den einzelnen vom Aus- schuh untersuchten Werken so verschieden, daß die Ableitung all- gemeiner Ergebnisse immer mit besonderer Vorsicht erfolgen müste. Doch sei an der Möglichkeit, zunächst wenigstens einzelne positive Ergebnisse zu erzielen, bei dem heutigen Stande der Untersuchungen nicht mehr zu zweifeln._ Tschechoslowakische Reaktion. Allmacht des Innenministeriums. Prag, 11. Febniar.(Eigener Drahtbericht.) Dem Abgeordneten- Haus wurde am Freitag der Entwurf des Gesetzes über die Ver- waltungsreform zugestellt. Dieses Gesetz beseitigt die noch gar nicht durchgeführte autonome Gauverwaltung und setzt an ihre Stelle eine Verwaltung von Ländern und Bezirken. Die Tschechoslowakei wird in vier Länder zerfallen: Böhmen, Mähren, Slowakei und. Karpatho-Rußland. Das überwiegend deutsche Schlesien wird iiiit Möhren oerschmolzen. An der Spitze der Länder und Bezirke stehen Beamte, die den zu zwei Drittel gewählten, zu einem Drittel vqn der Regierung ernannten Landesvertretungen vor» sitzen und die äußerst reaktionäre Geschäftsordnung dieser Der- «retungen handhaben. Die leitenden Beamten sollen aber auch in die Sitzungen der Landesausschüssc außer den ernannten Vertretern noch Beamte delegieren, so daß die Mehrheit-» l> i l d u n g in den Ländern und Bezirken vom Innenministe- r i u m bzw. von seinen Bemmen entscheidend beeinflußt werden kann. Der Gesetzentwurf enthält auch die Erneuerung des alten österreichischen„Prügelpatent?(Polizcistraf- recht) von Jahre 1854. dessen Bestimmungen noch verschärft werden. Das Innenministerium kann schließlich auch den Instanzen- zug willkürlich bestimmen, den Bezirken gewisse Aufgaben einfach entziehen oder sie von einein Bezirk aus einen anderen übertragen! Der Gesctzcillwurf ist in jeder Hinsicht der reaktionär sie, der bisher dem tschechoslowakischen Parlament vorlag. Das Wahl- recht in die neuen Vertretungen ist gegenüber den« im Staate und in den Gemeinden verschlechtert, da es das Mindestalter von 21 auf 24 Jahr« hinaufsetzt, die letzten Reste der Selbst- Verwaltung werden beseitigt und die nationale Autonomie wirdvölligvernichtet. Hätten nach dem Auwnomiegesetz die Deutschen noch zwei Gaue autonom verwaltet, so hat man ihnen jetzt noch das überwiegend deutsche Schlesien genommen. Das Gesetz ist unter tätiger Mitwirkung der deutschen bürgerlichen Regierungsparteien entworfen worden. * Im Auswärtigen Ausschuß wurde Minister Bencsch über seine Haltung zur Frage der Heimkehr Deutschästcrreichs ins Deutsche Reich interpelliert: nach langem Hin und Her vor klare Entscheidung ge- stellt, erklärte er sein„selbstverständliches" Rein. So der Sprecher eines Staates, dessen Errichtung mit der freien nationalen Selbstbestimmung seiner zahlenmäßig stärksten Nation begründet wurde! Wie lange noch Sichtvermerkszwang? 11. Februar.(WTB.) Die„Köln. Ztg." meldet aus 5. Nachdem mit Wirkung vosi 1. Januar der Sichtoermerks- zwang zwischen der Tschechoslowakei und der S ch.w e l z aufgehoben worden ist, hat die deutsche Regierung die schon wiederHoll in Prag gestellte Anfrage erneuert, ob die tschechoslowakische Regierung nunmehr bereit sei. in Verhandlungen über eine derartige Maßnahme im deutsch-tschechoslowakischeb Ver- kehr einzutreten. Bisher hat sich die tschechoslowakische Regierung stets ablehnend verhalten. Di« Antwort der tschechischen Regierung auf die neue deutsche Anfrage steht noch aus. Weißer Schrecken in Portugal. Kriegsgericht.— Straßensperre.— Schiesicrlaß. Paris. 11. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Der General Susa D i o z. Führer der Ausstandsbewegung in Oporto, ist mll 50 Offt- zieren und 80 Unteroffizieren, die mit Waffen in der Hand sest- genommen worden, auf ein Kriegsschiff gebracht und nach Lisiabon übersührt worden. Sie sollen sich dort vor einem Kriegsgericht verantworten. Der Militärgouvernsur von Oporto Hai an, Freitag befohle». daß all« Personen, die mit Massen in der Hand betroffen werden. sofort zu erschießen sind. S5 in den Straßen ge- fundan« Leichen wurden inzwischen von den Behörden be- graben, da sie nicht identisiziert wurden. In Lisiabon ist jeder Straßenverkehr vom Einbruch der Nacht an untersagt. Patrouillen durchziehen die Straßen besonders der Biertel, in denen die auf- ständische Bewegung am heftigsten war. Di« öjsentlichen Gebäude waren am Freitag noch geschlossen. Sell dem 7. Februar ist weder Post- noch Telegraphenverkehr versehen worden. Ein Regierungsbericht. Lissabon. 11. Februar.(WTB.) Die Regierung veröfsent- licht solgendcn Bericht: Gewisse politische Führer, die wieder zur Regierung kommen wollten, haben nicht gezögert,«ine umfangreiche Verschwörung anzuzelleln, die die Demokraten, die links- stehenden Nationalisten(Das bedeutet in Auslands- depeschen oft„Bolkspartei". Red. d. B.), die Radikalen und die Bolschewisten vereinte und die über beträchtliche Summen versügte, um die Regierung zu stürzen, die absolut gegen jede Maßnahme ist. die darauf hinausläust, private Interessen zu begünstigen. Die Ausstandsbewegung hat am 4. dieses Monats in Porto begonnen und ist am Abend des 5. Februar dort ein- gedämmt worden. In Lissabon selbst begann die Bewegung am 7. Februar vormittags; ihr wurde am Abend des 9. Februar auch dort«in Ende bereitet. Einige bedeutende Zusommeckstöße waren in Coro und Figueira da Foz zu verzeichnen. In Lissabon, wo die Bewegung den größten Umfang erreichte, endete sie mit der U« b e r» gäbe der Aufständischen. Angesichts des immer stärker werdenden Druckes der Regterungsstrcllkräftc wollten sie einen N o h k a m p f o e r m e i d e n. Die Ruhe ist im ganzen Lande wiederhergestellt. Die Regierung läßt Nachforschungen nach Massen und Munition anstellen, mit denen die Ausständischen reichlich oer- sehen waren. Die aufstädischen Offiziere und Zivilpersonen, die gegenwärtig gefangengehallen werden, werden vor ein Kriegs- gericht gestellt werden bulgarische Mujsoliniknechte. Auslieferung italienischer Flüchtlinge. Sofia, lt. Februar.(Eigener Drahtberichl.) Die bulgarische Polizei hat aus verlangen der italienischen Regierung einige hier ausässige Ilalieulsche politische Flüchtlinge verhaftet und ausgelieserl. Die Erregung der Liuten über das Verhatten der Polizeiidrekkion Ist sehr groß und dürft« zu einer Interpellation in der Sobranje führen. Die Auslteserung. die nicht ohne Genehmigung de» Innenministeriums ersotgt sein kann, zeigk wieder einmal, in welchem Schlepptau Bulgarien hängt. Moftrich! Bierabend mll den neuen Ministern. Keudell ist nicht da. „Wo ist er denn?"—„Der ist noch bei Spindler I" Drei neue Minister trinken Bier und essen warme Würstchen. Einer von ihnen ruft nach Mostrich. „Mostrich," ruft ein Iouriralist mll gut gespieltem Entsetzen. „Herr Minister, jetzt heißt es doch— Gold!" /lusspeerung mit— Notstanösarbeitern. Tie Aktion der Leipziger Metallindustricllcn. Leipzig, lt. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Den Leipziger Metallindustriellen ist es bei der am Freitag durchgeführten Aus- sperrung der Leipziger Metallarbeiter nicht wohl zumute. Vier der Verbandsfirmen haben ihrer Belegschaft ertlärt, nicht auszusperren. Ein anderer Test versucht, indem er von dem Passus in den Richtlinien der Industriellen über die Rot- ftandsarbeiten Gebrauch macht, die Aussperrung zu umgehen. Die Firma K l e i in u. U n g e r e r, die insgesamt 170 Arbeiter beschäftigt, bezeichnet allein 80 Arbeiter als Rotstandsarbeiter. Bei der Finna Sack liegen die Dinge ähnlich. In den Gießereien sollen alle mögliche- p r o d u k- tioen Arbeiten als Notstandsarbeiten gelten. Was als Notstandsarbeiten wirklich in Frage kommt, bestimmen schließlich nicht die Industriellen, sondern die Arbeiter selbst. In den„Leipziger Neuesten Nachrichten", dem Unternehmer- organ, versuchen die Industriellen am Freilag abermals, sich von der Schuld an dem Kampfe reinzuwaschen. Sie laufen gegen den Beschluß des Schlichtungsausschusses, durch Verhandlungen den Kanipf zu beenden, Sturm: dabei haben sie selbst diesen Schlichtungsausschuß angerufen! Die Metallarbeiter— das muß immer wieder betont werden— haben den Industriellen Verhandlungen angeboten. Wenn die Industriellen er- klären, daß die Metallarbeiter das Zugeständnis machen wollten, unter gegebenen Verhältnissen bis zu St Stunden wöchentlich zu arbeiten, so ist das ein alberner Schwindel: sie werfen einfach zwei verschiedene Vorschläge der Metallarbeiter zusammen. Am Sonnabend hat der Schlichter Brandt das Wort. Die Vertreter der Metallarbeiter werden nach Dresden fahren, ob- wohl sie von diesem Schlichter nach seiner Vergangenheit und seiner Tätigkest bis in die letzten Tage keinen Schiedsspruch er- warten, der den wirtschafllichen Verhältnissen und der Arbeitslosigkeit Rechnung trägt. Die Verkürzung der Arbeits- zeit wird nur durch Kampf zu erreichen sein. Die Leipziger Metallarbeiter haben das erkannt. Die genaue Zahl der ausgesperrten und streikenden Arbeiter liegt noch nicht vor; sie dürfte jedoch 20 000 nicht überschreiten. ver Kampf in üer schleflschen Textlliaüusirle. Verhandlungen ergebnislos. Die Verhandlungen zur Beilegung des Lohnstreites in der sthlesischsn Textitindustrie, die dieser Tag« im Reichsarbeitsmini- sterium stattgefunden haben, sind ergebnislos verlaufen. Die von den Arbeitgebern angedrohte Aussperrung von etwa 34 000 Arbeiiern und Arbeilerinnen in den Reichenbacher, Grün- berger und Görlitzer Bezirken muß also Ende der nächsten Woche in Kraft treten, wenn sich die Arbeitgeber nicht vorher durch Verhandlungen vor dem schlesischen Schlichter oder dem Reichsarbeitsministerium eines Besseren be- lehren lassen. Bezeichnend ist, daß die Arbeitgeber bei den unerquick- lichen Verhandlungen plötzlich bereit waren, 6 Prozent Lohnerhöhung— die Arbeiter hatten IS Proz. gefor- d e r t— zuzubilligen. Daß die Arbeitnehmer sich mit 6 Proz. nicht abspeisen lassen können, liegt auf der Hand: denn die Löhne der schlesischen Textilindustrie stehen schon lange e r- schreckekd tief. vie Herren öer Nordwestlichen Gruppe. Jede Lohnerhöhung für sie„unkragbar". Essen, 11. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag fanden in Essen die Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeber- verband Nordwestliche Gruppe und den drei Metall- arbeiterverbänden über den Abschluß eines neuen Lohn- Vertrages statt. Die Gewerkschaften forderten: 1. daß der Lohn des Facharbeiters(«chlosser uich Dreher)-auf 85 Ps. die Stunde festgesetzt wird: 2. daß der Lohn der übrigen Arbeiter diesem Lohn angepaßt wird: 3. daß die festen Zulagen von 14 und 16 Pf für die Akkordarbeiten gleichmäßig festgelegt werden? 4 daß bei Regelung der Akkord- und Prämiensätze eine Sicherung geschaffen wird, die die Gewähr gibt, daß die Arbeit- geber nicht willkürlich die Verdienste der Arbeiter kürzen können, indem sie Prämien und Akkordsätze einfach kürzen, durch Mitwirkung der Gewerkschaften und bei Nichteinigung über die Streitfälle Regelung vor dem Schlichtungsausschuß. Der Christliche Metallarbeiteroerband forderte außerdem noch eine Regelung der Sozia l.zulo gen(Hausstands- und Kindergeld), Der Vertreter der Arbeitgeber erklärte, daß diese Forderungen der Gewerkschaften für die Industrie untragbar seien. Sie wollten zwar davon Abstand nehmen, die Lohnkürzung zu be- antragen, müßten aber in Anbetracht der wirtschafllichen Lage jede Lohnerhöhung ablehnen. Damit waren die V e r h a n d- lun gen gescheitert. Die von den Arbeitnehmern beantragten Verhandlungen vor dem Schlichter sollen am Freitag, den 18. Fe- bruar, stattfinden. * Gelernte Facharbeiter müssen also einen Bruttowochenlohn von 40 M. noch erst fordern. Zur Motivierung der Ablehnung dieser wie aller sonstigen Lohnforderungen gibt es kein schöneres Wort als untragbar. Eine treffliche Ausrede! Nur schade, daß sie durch allzu häufigen Gebrauch zienilich verblaßt ist und den Arbeitern, die sich mit wirklich untragbaren Lebensverhältnissen dauernd abfinden sollen, wie Hohn klingt. die Politik ües Vohlfahrtsm'nPeriums. Berichtigung einer Berichtigung. Vom Zentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Groß-Berlm, wird uns geschrieben: In der am 10. Febrimr erschienenen B e- r i ch t i g u n g des preußischen Wohliahrtsministeriums wird etwas „berichtigt", was weder in dem Artikel Nr. S7 des„Vorwärts" be- hauptet. noch in der Versammlung der Arbeitsnachweisangestellten vom 2S. Januar geäußert worden ist. R i ch t i g i st, daß in der Sitzung von« 20. Dezember im preußischen Volkswohlsahrts- Ministerium von Frau Ministerialrat Weber erklärt wurde, daß die Frage zu prüfen sei, ob die Wirtschasts- und Benifsfürsorge im engen Zusammenhang stehe mit den anderen Zwe'gen der Wohl- sohrtspflcge. Folgende drei Fragen sollten in der Aussprache be- antwortet werden: 1. Wie hängen die wissenschaftlichen Disziplinen beider Ge- biete— der Wohlfahrtspflege sowohl wie der Wirtschasts- und Berufsfürsorge— zusammen? 2. Welche tatsächl'chen Beziehungen bestehen in der prakllschen Arbeit dieser beiden Zweige der Sozialfürsorge? 3. Bilden also diese beiden Gruppen nicht eine einheitliche Gefamtgruppe mit großer allgemeiner Ausbildunqsgrundlage, freilich mit einer gewissen Spezialbildung für die einzelnen Zweige, oder ist eine vollkommene Trennung und Spezialisierung zweck- mäßig? Bis auf den Vertreter des Zentraloerbandes der Angestellten betonten alle Anwesenden, daß ein enger Zusammenhang bestehe und daß die Arbeitsvermittlung ein Teil der sozialen Fürsorge sei. Frau Miiissterialrat Weber stellte in ihrem Schlußwort die weitgehende Ucbereinstimmung der Auffassung der engen Zu- sammenhänge, wie sie zwischen Berussberatung und Jugendfürsorge, zwischen Arbeitsvermittlung, Erwerbslosenfürsorge und Wohlsahns- pflege bestehen, fest. Für den Kenner der Verhältnisse ergibt sich sowohl aus der Tagesordnung wie auch aus den Aeußerungcn der Frau Ministcrial- rat Weber, welche Pläne das Volkswohlfahrtsministeriuin hat. Die Wege zur Fortbildung der Arbeitsvcrmittler find jedoch längst, bevor sich das Volkswohlfahrtsministerium damit beschäftigte, begangen worden. Zur Berichtigung des Verbandes der Sozialbeamtinnen ist nur noch zu sagen, daß es keines neuen Weges bedarf, um den„E i n st i c g" in den Beruf des Arbeitsvernüttlers zu er- möglichen. Die Männer und Frauen der Praxis sind vorhanden, die diesen Berus ausüben und ausübe» können in enger Verbindung mit der arbeitsuchenden Arbeiter- und Angestelltenschaft. Gescheiterte Verhandlungeu im Bonkgcwerbc. Berlin. 11. Februar.(MTB.) Da der R e> ch s t a r i f für das Bantgewerbe in feinen Mantelbestimniungen und in der Gehalts- regulierung Ende Februar abläufl, so hatten zwischen dcni Reichs- verband der Bankleitungen und den Angestelltenorganisatioiien freie Verhandlungen über die Verlängerung des Ab- kommens stattgefunden. Wie der Deutsche Bankbeamtcnoerein mit- teilt, komtte aber eine Einigung über die gegenseitigen Anträge nicht erziell werden, so daß diese Verhandlungen geschei- t e r t sind. Der Deutsche Bankbeamtenverein hat nunmehr dos Reichsarbeltsministerium angerufen und die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens beantragt. Arbcitszeitkündigung in der Elektroindustrie. Essen, 10. Februar.(WTB.) Von den Gewerkschaften ist, wie die„Deutsche Bergwerkszeitung" meldet, dos bestehende Arbeitszeit- abkommen zum 28. Februar gekündigt und die Wiedereinführung des reinen Achtstundentages verlangt worden. Die Arbeitgeber haben diesen Antrag abgelehnt. Die Gewerkschaften haben den Schlichter angerufen, der die Verhandlungen auf den 15. Februar in Dortmund angesetzt hat._ Leipziger Arbeitslose in den Lcunawerken. Leipzig. 11. Februar.(TU.) �Der große Arbeiterbedarf bei den Leunawerken hat den Rat der tttadt Leipzig veranlaßt, im Ein- oernehmen mtt der Sächsischen Kraftwagen-A.-G. eine ständige Kraftwagenverbindung mit den Leunawerken zum Zwecke der Arbeiterbeförderung zwischen Leipzig und Leuna ein- zurichten. Zurzeit werden schon 400 bisher Arbeitslose auf diesem Wege von Leipzig nach Leuna gebracht. Ter Tabakarbciterverband— Millionär. Das Vermögen des Deutschen Tabakarbeiterverbandes betrug am Jahresschluß rund eine Million Mark. Dabei sind die in den Zahlstellen befindlichen Verbandsgelder nicht mitgerechnet. Am Ende des Jahres 1925 war ein Kassenbestond von annähernd 60 000 Mark in den Zahlstellen vorhanden: dieser Bestand war Ende 1926 nicht geringer. Unter diesen Umständen betrug das Derbandsver- mögen am Jahresschluß in Wirklichkeit also weit mehr als eine Million Mark._ Die Polizei im Ticitstc des Kapitals. (JGB.) In Buenos Aires sind in letzter Zeit mehrere wichtige Streiks geführt worden, bei denen sich das reaktionäre Verhalten der Polizei gegenüber den streikenden Arbeitern besonders unangenehm bemerkbar machte. So kam es vor, daß Arbeiter, die in einer Entfernung von mehreren hundert Metern vor dem bestreikten Betriebe Streikposten standen, o e r h a f t e t und sogar verprügelt wurden. Bei dem kürzlich geführten erfolgreichen Generalstreik der Schuhmacher in Buenos Aires, der 450 Firmen umfaßte und u. a die Einführung der 44-Stund«n-Woche bei gleichbleibendem Lohn zum Gegen- stand hatte, wurden die Streikenden von der Polizei, der„vorbild- lichsten der Welt", ebenfalls auf alle möglichen Arten belästigt, des- gleichen die streikenden Arbeiter der Textilfabrik Barlaro und die Arbeiter verschiedener S ch i f f s w e r s t e n, die sich gegen das Antreibersystem widersetzten. Achtung, SPD..H°lzaibcit». Bezlrk Osten I. Am Sonntag. 10. Fi-, W bruar, vormittags 10 Uhr, im Lokal Nromphattit, Paul-Singcr.Str. 4a, wichtige gusammcntunft aller Parteigenossen.«Vollzähligen Besuch er- wartet Der tfrcttumsootfiacb. . f � T=r-f� Zugcndgrnppe de» ZdA. Der Bezirk Eiidost-Treptow veranstaltet am Ureffpunit Sonntag, 13. Februar, eine Wanderung nach Bernau— Liepnitzsee Uhr Bahnhof Treptow), Freie kcwerklchastsjngei... Daumsll»lcnwcg: Gruppcnhcim im ... wozu wir alle Iugendmitgliedcr einladtn. Freie Kcwerklifmst»jnge!.d. Heute, Sonnabend, Uhr, tagt die Gruppe Fugendheim Ernststr. IH. Liederabend. Sonnabend, Uhr, .... gendheim Ernststr. Kranführer und Anbiuder aller Metallbetriebc. Heute, Gewerkschaftshau», Engelufer 24'23, Saal 8, Dranchenverfanun u hg. Stellungnahme zu den Lohn- und Ardeitsdedingunaen. Ehrcnpsticht aller ttollezcn ist es, destimmt zu erscheinen. Die Frauen sind mitzubringen. Deutscher Lerkchrabund. Deutscher Nahrung», und Senuhmittclarbeiterverband und geutralverda»» de» glrlsller, Fraktionen Amsterdam. Am Sonnabend, 12. Februar, Uhr, im Gewerlschaitshaus, Engelufcr 24, Caal 11, Eingang Hol rechts parterre, Bortrag des S eichstagsabgeordneten Heinrich Lüffler:„Die APD. im rrakno. nären Fahrwasser gegen die freie Ardeiterbewegung". Ausweis durch Per. bandsbuch und Mitgliedsbuch der SPD. oder USP. Berantworilich fiir Politik: Bietor Schiff! Wirtscheft- G. Slingelhö er: Gewcrkschaftsoewcaung: Sr. Etzkor»: zeililleton: Dr. John Schitswski: Loleles und Sonstiges: Aritz starstädt: Anzeigen: Th. Gloik«! sämtlich in Berlin. Berlag: Vo:wärts.Icilag G.m.b.H. Berlin. Druck: Vsrmärts.Buchdruckerei und Lcrlagsanitalt Paul Singer u. Eo. Berlin SW W. Lindenstraste Z. Hierzu 2 Beilaae» und..Uuterboltuna und Wissen" TIETZ Leipziger Str.« AlexanderplDtz» Frankfurter Ailee* Belie-Alliance-Str.* Brunnenstr. Kottbuser Damm» Wilmersdorfer Str.* Grosse Frankfurter, Str.• CHausseestr. 5�0 SonnabenS, 12. 5ebruar1H27 Nr. 72» 44.�ahrgang Das Malheur öer Puppenbrücke. „Berlin ist ein schlimmer Boden" raunten früher die alten Tanten in der Provinz: da war nun gewiß eine große Portion Uebertreibung dabei Eins aber ist sicher: Berlin steht auf einem sehr schlimmen Boden. Wenn es noch ehrlicher, märkischer Sand wäre! Aber überall finden sich �kalke" und Moorzwilchenlager, besonders in Alt- Berlin, und oft genug erweist sich, daß Gebäude Senkungen und Riise ausweisen, weil plötzlich der Boden nachgegeben hat. So ein außeretatsmäßiges Unglück hat in den letzten Jahren auch die Schloßbrücke betrosfen.— Die Schloßbrücke wurde in ihrer jetzigen Gestalt 1823 von Schinkel erbaut und führt auch erst seit dieser Zeit ihren jetzigen Namen. Früher hieß sie„chundebrücke", weil von hier aus immer die chundemeute zu den Jagden im Tier- garten geführt wurde: im Volksmund Berlins heißt sie in ihrer gegenwärtigen Gestalt auch„P u p p e n b r ü ck e", und die„nackich- ten Buppen", die die Brück« schmücken, lind vom Berliner Bolkswitz reichlich angeulkt worden.— Schon 1912 zeigte es sich, daß die Brücke, die bis dahin noch im mittleren Teil nur Holzbelag hatte, in ihrer alten Form als Klappbrücke der Beanspruchung durch den steinenden Verkehr nicht mehr gewachsen war: es wurde damals zwischen den Brückenpfeilern das Mittelgewölbs aus Eisenbeton eingesetzt. 192-4 traten jedoch neue Schäden auf. Am östlichen Brücken- rande wich das Landwiderlager, und die Schäden wuchsen so rapid, daß sich z. B. ein Stein des Gewölbes in der Zeit von Juni bis August 1924 um 8 Zentimeter senkte, so daß direkt mit einer Einsturz- aesahr sllr das östliche Gewölbe gerechnet werden mußte. Wahr- scheinlich reicht an dieser Stelle der P f a h l r o st, auf dem die Fundamente der Brücke liegen, nicht tief genug, denn über dem guten Baugrund lagert hier eine 4 bis 5 Meter tiefe Moorschicht. So ent- schloß sich das Bezirksamt Mitte, das alte Sandsteingewölbe hier völlig abtragen zu lasten und durch ein Eisenbetongewölbe zu ersetzen. Gleichzeitig wird hier auch der Pfahlrost erneut.� Zu diesen Arbeiten muß um die ganze Baustelle eine eiserne Spundwand gezogen werden, damit der Wasserspiegel bis zu dem Pfahlrost abgesenkt werden kann. Die Arbeiten sollen planmäßig bis zum August 1927 vollständig fertiggestellt sein. Gegenwärtig führt die Spree jedoch bereits 79 Zentimeter Hochwasser, und ein weiteres Steigen könnte auch die Fertigstellung der Brücke weiter hinausschieben, trotzdem vom Bezirksamt Mitte alles getan wird, um den Bau so schnell wie möglich zu beendigen. Die Baukosten werden auf 239 999 bis 259 990 M. veranschlag. Die Leitung liegt in den Händen des Bau- rots' Leipold. Nach Beendigung der Reparatur aber wird die „Puppenbrücke" wieder ganz dos alte Bild zeigen, denn das Eisen- betongewölbe wird durch die alte Sondsteinsassade verkleidet. Der Opernhansnmbau vor dem Landtaq. Der Preußische Landtag wird sich in feiner nächsten Sitzung aller Voraussicht nach mit den Interpellationen beschäftigen, die auf Grund der in der Oeffentlichkeit gegen die preußische Bau- und Finanzdirektion erhobenen Angriffe eingebracht worden sind. Der Bau- und Finanzdirektion wurde bekanntlich vor ollem vorgeworfen, daß durch die umfangreichen Absenkungsarbeiten des Grundwassers die in dem Aulagebäude der Universität am Kaiser-Franz-Joseph- Platz aufgetretenen Riste verschuldet worden seien, und daß durch den Umbau sämtliche dort in der Nähe befindlichen historischen Gebäude gefährdet würden. Am gestrigen Freitag besichtigte nun der Haupt- ausschuß des Preußischen Landtages die Baustelle, und etwa 29 Ab- geordnete oller Fraktionen ließen sich von dem Leiter des Umbaues, Regierungsbaurat Tictze, eingehend die Pläne erläutern. Die Abge- Gerichtstag. Uon Fred verence. Copyrleht 1925 by Panl Zsolnay. Wie» „Hättest du mir nur gefolgt, dann wäre all das nicht ge- fchchen. Was wirst du jetzt tun? Wenn er heute abend nicht alles zurückzahlt, sperrt man ihn ein." „Mama, Mama, ich beschwöre dich, Hab Mitleid mit den Kindern. Du kannst doch� nicht wollen, daß so viel Schande auf uns und auf dich fällt." „Ach was, eine Schande mehr oder weniger, die uns dein Mann antut, darauf kommt's schon nicht mehr an." „Mama, Mama, Hab' doch Erbarmen." Sie hat sich auf die Knie geworfen und faßt die Hände der Großmutter. Ich bin ganz versteinert, mir ist, als wäre alles ein schrecklicher Alpdruck. Ein unmerkliches lächeln spielt auf den Lippen der Großmutter. „Ich Hab' dir immer gesagt, du wirst noch in Schande kommen." „Mama, mach' mir keine Vorwürfe, was sollen sie helfen. Du kannst mich ja nicht in dieser verzweifelten Lage lassen.' „Ich kann dir nicht helfen." „Du kannst, wenn du willst." „Ich habe keine so große Summe zur Verfügung." „Du kannst sie ausleihen." „Deine Schwester wird es niemals zugeben, du weißt, wie erbittert sie über deinen Mann ist." „Ich stelle dir eine Quittung aus, sie kann das Geld von meinem Vermögensanteil abziehen, hilf mir nur, Hab' Er- barmen, hilf mir." Die Mutter lag noch immer auf den Knien: endlich hob die Großmutter sie auf und setzte sie in einen Lehnstuhl. „Reg' dich nicht auf, du weißt ja, daß ich dich nicht ver- lassen werde." Sie hauchte einen fluchtigen Kuß auf die Stirn ihrer Tochter und entfernte sich mit leisen Schritten wie eine Wölfin. Die Mutter saß ganz zusammengesunken in ihrem Lehn- stuhl. Ein bedrückendes Schweigen herrscht im Zimmer. .Lind, leg' dich zu Bett." „Ja, aber komm' mit mir. Schwerfällig steht sie auf, wir gehen ins Nebenzimmer und sie fetzt sich ans Bettende. In ein paar Minuten bin ich ausgezogen und schlüpfe unter die Decke. Sie blickt auf mich. ich streichle ihre Hand und führe sie an die Lippen. Sie schaut mich unverwandt an, ihr Stillschweigen wirkt beängstigend, und plötzlich, ich weiß nicht recht, wie es zugeht, beginne ich zu schluchzen. Sie ist bewegt. „Jacques, kleiner lieber Jacques, das Leben ist eine widerliche Sache und du mußtest es allzufrüh erfahren. Jacques, wnn' nicht mehr, ich kann es ja nicht ertragen, dich weinen zu sehen..." Sie küßt mich und dann bricht sie selbst in Schluchzen aus. Es schlug am nahen Turm Mitternacht, als ich endlich, ihre Hand in der meinen, einschlief. Auf die Straße geworfen. Jetzt kam der Vater jeden Abend sehr spät nach Hause. Gewöhnlich gab es vor dem Schlafengehen eine schreckliche Szene mit der Mutter. Am nächsten Morgen stand er erst gegen zehn Uhr auf. Er schickte mich nicht mehr um Kogizak und versteckte die Flaschen in seiner Tasche. Manchmal schloß er mich in einem Anfall von weinerlicher Zärtlichkeit in seine Arme und sagte stöhnend:„Mein Kind, verurteile deinen Vater nicht, er ist sehr unglücklich: man darf niemals einem Mann, der zu Boden fällt. Steine nachwerfen." Dann küßte er mich und flüsterte ganz leise:„Deine Mutter ist aber auch so böse gegen mich." Schluchzen, Tränen. Dann wischte er sich die Tränen aus den Augen und legte mir die Hand auf die Stirn:„Du mußt deine Mutter wie eine Heillge verehren." Wieder küßte er mich und schlich in eine Ecke, um seine Tränen zu verbergen. Während dieser Zeit starben wir beinahe des Hungers. Meine Mutter hatte der kleinen Alice verboten, der Groß- mutier zu erzählen, was wir zu den Mahlzeiten aßen. Die Aermste hoffte auf eine unvorhergesehene Hilfe, erwartete, daß ein Wunder geschehen würde. Obgleich sie Protestantin war, betete sie früh und abends inbrünstig zum heiligen An- tonius und war fest überzeugt, daß ihr Flehen Erhörung finden müßte. Eines Morgens brockte der Briefträaer einen eingeschrie- denen Brief vom Möbelhändler, der drohte, uns die Einrich- tung wegzunehmen, wenn man ihm nicht vor zwölf Uhr mittags fünfzig Franken schickte. Einige Minuten später stand ich vor der Tür des Ee- schäftes, um meinen Vater zu erwarten. Er kam heraus und ich blickte ihn voll Besorgnis an: aber sein Gesicht war ruhig und zuversichtlich. „Sag' deiner Mutter, daß sie ganz unbesorgt sein kann, alles ist geordnet." ordneten wurden sodann durch die gesamte Baustelle geführt. Der Bausachverständige erklärte auch den Abgeordneten, daß die auf- getretenen Risse keineswegs durch die Grund- wasserabsenkung des Opernhausumbaues entstanden seien, sondern daß es sich bei den Bauschäden um eine Folge der bereits seit dem Jahre 1999 sich bemerkbar machenden allgemeinen Grundwassersenkung in Verlin handele. Das Berliner Grundwasser sei in dieser Zeit um etwa 1,79 bis 1,99 Meter allgemein gesunken, so daß die zum Teil auf Pfahlrosten stehenden Gebäude, also auch die neue Aula der Universität, in Mitleidenschaft gezogen sei, da die Pfähle, sobald sie nicht mehr im Grund- wasser ständen, der Verwitterung preisgegeben seien. Es wurde auch nochmals betont, daß die Hedwigs- Kirche in keiner Weise gefährdet sei, da diese auf dem sicheren Baugrund des alten Festungsgeländes errichtet ist Die Bauarbeiten zur Wieder- instondsetzung des alten Bibliotheksgebäudes sind bereits im vollen Gange. Die Sachverständigen sind der Ansicht, daß in den nächsten zehn Jahren an einem sehr großen Teil der Berliner Gebäude der- artige Unterfahrungsarbeiten vorgenommen werden müssen, da z. B. auch Teile der neuen Bibliothek, des Schlosses, des Physikalischen Instituts, aber auch zahlreiche private Wohn- und Ge- schäftshäuser auf Pfählen errichtet worden sind. Der Liebesroman eines Rechtsanwalts. Eine Anklage wegen versuchter Erpressung. Der mehr als eigenartige Roman eines nicht unbekannten Berliner Rechtsanwalts— nennen wir ihn X.— fand vor dem Schöffengericht Charlottenburg seinen Abschluß, und zwar mußte sich Herr X. wegen versuchter Erpressung vcranworten. Der Rechtsanwalt hatte sich der Mühe unterzogen, die materiellen Schäden, die ihm durch sein« unglückliche Liebe angeblich verursacht worden waren, in ein« hübsche runde Summe Geldes un'zukalku- lieren, um diese Rechnung einem bekannten Berliner Kommerzienrot — nennen wir ihn?).—, der ihm seine Braut abspenstig gemacht hatte, zu präsentieren. Um den Ausgang des Prozesses gleich vorweg zu nehmen: der Staatsanwalt hat feine Anklage fallen lassen, und das Gericht sst zu einem Freispruch gelangt: eine Erpressung war weder beabsichtigt, noch lag sie vor. Der Roman des Rechtsanwalts büßt aber dadurch an Interesse nichts ein. Er begann, wie schon viele andere Romane begonnen haben, ini Restaurant. Am Nachbartisch saß ein schönes junges Mädchen. S i e reichte ihm die Speisekarte, e r meinte, sie komme ihm so bekannt vor, oli er nicht einen Prozeß für sie geführt habe? Nein, das nicht, sie habe aber bei einem Berliner Rechtsanwalt drei Jahre als Sekretärin gearbeitet und kenne sich in Moabit gut aus.„Das macht sich ja ausgezeichnet." Und zusammen ging es ins Kaffee, von dort ins Bureau des Anwalts, wo man auch die Nacht zubrachte. Besonders aber war>der verliebt« Rechtsanwalt für das Mädchen durch ihre Offenheit und ihr trauriges Schicksal eingenommen. Ein Kom- merzienrat hatte feinen Einfluß und Reichtum seiner armen Privat- sekretärin gegenüber mißbraucht und sie zu seiner Geliebten gemacht. Der Rechtsanwalt aber wollte dos Mädchen zu feiner Frau machen, hatte aber wegen ihrer Vergangenheit Bedenken. Er suchte einen bekamrten Berliner Kollegen auf, weihte ihn in seine verwickelte Herzensangelegenheit ein und erhielt von ihm die Gewißheit,>daß die Z. mit keinem der ihm bekannten Anwälte ein galantes Abenteuer gehabt habe. Also war für ihn der Weg zur Ehe frei. Am Freitag, den 4. Dezember 1925 wurde beschlossen, die Hochzeit am 2. März 19W zu feiern. Am Montag sollten die Verlobungsringe gekauft werden. Am Sonnabeiid teilt« die Z. ihrem alten kommerzienrät- lichen Liebhaber ihren Entschluß zu heiraten mit.„Du kannst tun und lassen, was du willst, ich lege dir keinen Stein ib den Weg". sagte er. Als. er aber zwischen Tränen hinzufügte„Ein Federstrich von mir ist mehr wert als eine ganze Praxis eines Anwalts". tätschelte die Z. die Wange' ihres alten Freundes und sagte: „Papachen, ich bleibe bei dir." Zu dem Rechtsanwalt meinte sie aber:„Erst bei der Trenung lernt man den Menschen richt'g kennen." Am Sonntag kam sie nicht wieder und einen Tag später dampfte sie mit dem Kommerzienrät nach Garmisch-Partenkirchen ab. X. fuhr dem Paare nach und erfuhr, daß die beiden sich im Hotel als Bater und Tochter eingetragen härten. Obgleich die Z. in einem Briefe ihn gebeten hatte, den Entschluß bis Januar zu verschieben, glaubte er nun, daß„alles aus" sei. Bald darauf aber Rasch wollte ich der Mutter die glückliche Botschaft brin- gen, aber er hielt mich zurück:„Wart' einen Augenblick." Zwei Schritte entfernt befand sich ein Zuckerbäcker: er zog mich hinein und kaufte zwei große Erdbeertorten, gab sie mir und sagte fröhlich:„Wir werden sie zum Kaffee essen." Ich lief so rasch, daß ich ganz außer Atem kam, die Mutter schien beruhigt. Kaum war ich eine halbe Stunde zu Hause, als wir das Geräusch rollender Räder hörten. Ein leerer Möbelwagen blieb vor dem Gartengitter stehen. Ein Mann sprang vom Bock, wo er neben dem Kutscher gesessen hatte, und ging mit raschen Schritten ins Haus. Es war der Möbelhändler. Ich eilte zur Mutter. „Mein Gott, mein Gost." stammelte sie. Es wurde an der Tür geläutet. Die Mutter machte mir ein Zeichen und ich öffnete. Der Möbelhändler sagte mit eisiger Stimme:„Ist deine Mutter da?" Obne die Antwort abzuwarten, tritt er ins Zimmer. „Guten Tag, Frau Balcourt." „Guten Tag: ich habe geglaubt, daß mein Mann alles mit Ihnen geregelt habe. Er ließ mir sagen, daß alles in Ordnung fei." „Er hat Ihnen eben wieder einen Bären aufgebunden. Ich habe ihm gesagt, daß ich um vier Uhr kommen werde, die Möbel abzuholen. Jetzt ist's genau vier Uhr." Meine Mutter blickte ihn so entsetzt an, daß er sogar davon ergriffen ist. „Gnädige Frau, Sie müssen ja einsehen, daß ich den Worten Ihres Mannes keinen Glauben schenken kann. Seit sechs Monaten verspricht er mir goldene Berge und hat mir noch nicht einen Sou gegeben." „Seit sechs Monaten," ruft meine Mutter ganz betroffen. „Ja gewiß, feit sechs Monaten. Ich muß ja selbst meinen Verpflichtungen nachkommen.... Können Sie mir nichts geben?" „Ich besitze gar nichts." Unser Gläubiger macht eine Handbewegung, die bedeutet: „Was soll man da machen?" Dann fügt er heftig hinzu: „Vielleicht gibt es doch noch einen Ausweg. Frau Bonnard könnte mir zwanzig Franken monatlich zahlen. Sie sehen, daß ich nicht hartherzig bin, wenn es Ihnen recht ist, werde ich mit ihr sprechen." „Da wäre ich Ihnen sehr dankbar." „Ich komme gleich wieder," und nun geht er fort. (Fortsetzung folgt.) erschien sie wiever in der Wohnung des Rechtsanwalts I., um dessen seelisches Gleichgewicht es nun geschehen war. Durch eigenartig redigierte Briefe und Postkarten versuchte er den Kommerzienrat zu oeranlassen, von dem Mädchen zu lassen. Als er einsah, daß nichts daraus wurde, schrieb er ihm wieder andere Briefe, in denen er 5000 Mark als Entschädigung für den Ausfall feiner Praxis verlangte, der durch seinen Ztervenznsammen- bruch verursacht worden sei: der Kommerzienrat habe ihm seine Braut abspenstig gemacht. In der Fassung des Briefes erblickte dieser eine Drohung: er übergab die gesamte Korrespondenz der Anwaltskommer und diese übermittelte sie der Staatsanwalt- fchast. So kam die Anklage wegen versuchter Erpressung zustande. Bor Gericht gelang es aber dem Angeklagten und dessen Anwälten, den Leweis zu führen, daß die Geldforderung nicht in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Bermogensvorteil zu verschaffen, gestellt worden war. Der Angeklagt« glaubte als ehemaliger Verlobter wirklich dem Störer seines Glückes gegenüber Entfchädigungs- anfprüche stellen zu dürfen. Der lOjährig« Anwalt, der vor aller Oefentlichkest seinen Roman enthüllen mußte, die reizvolle Zwanzig- jährige, die bereits einen neuen Freund hat, und der Sljährige Kommerzienrat bildeten ein nicht uninteressantes Genrebild. Hippel* und seine»Mutter". Das ungleiche Liebespaar macht Einkäufe. Zu den ständigen Besuchern einiger Waren- und Kaufhäuser gehörte seit einiger Zeit ein Paar, das jedermann für Mutter und Sohn hielt. Die Mutter war in Kleidung, chaltung und Geboren so zurechtgemacht, daß sie schon etwas den Eindruck einer würdigen Matrone machte. Ihr Sohn dagegen sah in seiner Schülermütze, der dunklen Lodenpelerine und seiner Größe von Metern noch wie ein richtiger Junge aus. So behandelte ihn auch die Mutter. Jedesmal, wenn er an den Berkaufsständen ein Stück Stoff, Seide oder dergleichen anfaßte und die Verkäufe- rin das sah, herrschte sie ihn an: Lunge, laß das doch! Faß keine Sachen an, du weißt doch, daß man das nicht soll! Du mach st nur alles schmutzig mit deinen Fingern!* Der Junge war dann ganz geknickt, zog seine Finger zurück und blickte beschämt zu Boden. Wenn ober die Verkäuferin nichts sah, so machte die Mutter rasch eine geschickte Wendung, und der Junge schob blitzschnell unter seine Pelerine, was er gerade gesaht hatte. So macht« er es auch gestern wieder in einem Warenhaus mit einem Stück Seide. Ein Detektiv des Hauses hatte aber dos Paar schon länger im Verdacht, ihm bisher ober noch nichts nochweisen können. Gestern blieb er ihm ans den Fersen, griff zu, holte dem Bürschchen die Seide unter dem Cape wieder hervor und brachte die Ertappten nach dem Polizeipräsidium. Hier versuchte die Mutter, den ungeratenen Jungen als ihren Sohn zu verleugnen. Damit hatte sie auch nicht ganz unrecht. Ihre Behauptung aber, daß sie ihn gar nicht kenne und nichts mit ihm zu tun habe, erwies sich bald als falsch. Die beiden waren nämlich ein un» gleiches Liebespaar, ein 22 Jahr« alter Schneider Emil B l a u t h a l mit dem Spitznamen„Tippel* und eine 39 Jahre alte Frau Kopp, die zusammen in der Gartenstraße hausten. Im Gegensatz zu seiner„Mutter* gab„Tippel* gleich alles zu. Eine verhängnisvolle Handbewegung. Das Opfer einer unglückseligen Handbeweaung wurde am 6. Juli v. I. der Kommunist M. Gegen U Uhr abends befand sich in einem Lokal in Gesellschaft eines Reichsbannerkameraden S. der Arbeiter Sch., ein nüchterner und solider Mann von 37 Iahren, Vater zweier Kinder. Wie gewöhnlich kam es zu recht erregten politischen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern ner- lchiedener Parteien. Auch der Kommunist M., der schwer betrunken war, mischte sich ins Gespräch und faselte etwas von„Arbeiter- Verrätern". S. wehrte ihn ab mit den Worten:„Du bist betrunken. geh nach Hause und schlaf dich aus.* Dann verließen die Reichs- bannerleute Sch. und S. in Begleitung des Kommunisten K. das Lokal und setzten ihre politische Unterhaltung fort. Aus der Straße spielte sich nach der Schilderung des Sch., der sich gestern vor dem Landgericht II zu verantworten hatte, folgendes ab: M. fei plötzlich zu den dreien hinübergekommen und habe wieder etwas zu ihm gesagt. Als Sch. ihm mit der Hand abgewehrt habe, sei M. rück w ä rts getaumelt, gefallen und habe mit dem Kopf auf das Pflaster aufgeschlagen. Sch. und S. hätten sich zunächst um den Bewußtlosen bemüht, seien aber fortgelaufen, als Straßen- bahner, die in der Nähe arbeiteten, mit Eisenstangen aus sie ein- drangen. Dann sei Sch. zurückgekehrt und habe dem Schupo- bcamten, der hinzugekommen war, seine Personalien genannt. Andere Augenzeugen wollten jedoch wissen, daß Sch. kurz bevor M. von der anderen Seite des Fahrdammes zu der Gruppe der drei hinzugekommen sei, zu ihm auf die andere Seite des Bürgersteigs hinübergegangen sei und ihm einen Schlag versetzt Hab«. Die An- klage lautete auf Totschlag. Rechtsanwalt Dr. Oborniker berief sich daraus, daß der Angeklagte, der als äußerst besonnener Mensch bekannt sei und stets Streitigkeiten zu schlichten suche, un- möglich den Vorsatz gehabt haben könne, dem betrunkenen M. ein Leid anzutun. Er habe einfach nicht mit den möglichen Folgen seiner Abwehrbewegung bei dem betrunkenen M. gerechnet. Das Gericht verurteiste Sch. wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu fünf Monaten Gefängnis, rechnete ihm einen Monat Untersuchungshaft an und verlieh ihm für den Rest Bewährungs- trist. Wer wollte daran zweifeln, daß dem Sch. jegliche böse Absicht fern gelegen habe? Der Fall beweist aber auch wieder, wie ge- fährlich es ist, sich mit Betrunkenen einzulassen, wobei nicht die kniffliche Frage erörtert werden soll, ob nicht der eigentliche Schuldige vielfach der Betrunkene ist, der fast immer zu Gesetzesübertretungen gelangt, nicht selten aber durch seine un- beherrschten Reden andere zu Unbedachtsamkeiten reizt. Mlktcrialprnfnreq bei der keramischen Industrie. Das staatsiche Materialprüstmgsamt in Lichterfeld« ist bekannt und im„Vorwärts* bereits auch geschildert worden. Wenig bekannt hingegen ist es. daß sich ein Industriezweig, und zwar der keramisch«, --ne eigene Materialprüfungsstelle, das Chemische Laboratorium für �kmibdustrie, geschaffen hat und zwar in der Dreysestraße In Moabit. �>m Mittwoch wurde der Berliner Presse Gelegenheit gegeben, di«s«s & nicht zugängliche Institut zu besichtigen. Der Geschäftsführer, Patentanwalt Dr. Hans Hirsch, übernahm di« Führung durch das Haus. Zu der Tonindustrie im weiteren Sinne rechnet man die Her- stellung von Kalk. Gips, feuerfestem Zement, Beton, Ziegeln und Tonwaren. Das Institut, vor rund 50 Jahren von dem Altmeister der deutschen Keramik, Professor Dr. Hermann Seger und seinem Mitarbetter Dr. Julius Aron gegründet, hat dreierlei Aufgaben. Einmal festzustellen, welchem Zwecke die Rohstoff« zugeführt werden konnsn, ferner die, Fabrikation bestimmter Erzeugnisse zu oer- bessern und schließlich normale Erzeugnisse auf ihre Eignung zu prüfen. Das große Verdienst Segers bestcht darin, der vorhandenen chemischen Anakvse die praktisch technische und physikali- sche angegliedert zu haben. Die nunmehr besichtigten Arbeitsräum« stellen eine Fabrik im kleinen dar. Man sah die �Verarbeitung von Rohstoffen, die Herstellung von Prüfungskörpern. Schlemmversuche und Siebversuche. Arbeiten an der Drehscheibe, Gießoersuche und die Verformung der Massen. Bemerkenswert ist das Verfahren um die Druckerweichung feuerfester Körper, z. B. Schamotte, bei bestimmter Temperatur und Belastung ermitteln zu können. Da es bei den hohen Temperaturen nicht möglich ist. dos Auge dem Prüfung?- apparat zu nähern, so wird die Ausdehnung des Probekörpers mit einem Fernrohr gemessen. Ungewöhnlich interessant sind die Vorführungen von Dünnschliffen durch ein Projetlionsmckrostop. mit der eine ISOOfach« Vergrößerung auf der Leinwand erzielt wird. Die praktische Bedeutung des Instituts beruht z. L. darin, daß es jedem, der ein Bauvorhaben hat, möglich ist, sein« Bau- Materialien, besonders wenn sie neuartig sind, prüfen zu lassen. In Amerika z. B. lassen die Großhotels auf dies« Wesse ihr Geschirr, be- sonders ihre Teller auf Bruchsicherheit prüfen. Das Instttut weist also eine beachtliche Höhe in den modernen technisch-physikalischen Forschungsmethoden auf. die seinen ausgezeichneten Ruf gerechtfertigt erscheinen lassen, wozu nicht wenig ein geschulter technisch-wissen- schaftlicher Mitarbeiterstab und eine hochqualifizierte Arbeiterschaft zweifellos beitragen. kreis Soziallstisdie HoMule. Heute, 12. Februar, 7V, Uhr abends im Sitzungssaal des ehemaliaen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, Vortrag des Qen, Fritz Tarnoxr, Vorsitzenden des Deutschen Holzarbeiierverbanaes «Lohnproblem und Wirtschaftsaufbau"' Eintrittskarten zum Preise von 50 Pf. sind zu haben an der Abendkasse sowie an folgenden Stellen: Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2, Hof, II, Zimmer R.— Buchhandlung J. H.W. Dietz, Undenstrafe 2.— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, RitterstraBe Ecke Luisenufer.— Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24-25, Gewerkschaftshaus.— Tabakvertrieb, inselstr. 6.— Verlag des Verbandes der deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. 5.— nWerk- freude" Bücherstuben, Potsdamer Str. 104.— Berliner Qewerkschattskommission, Engelufer 24-25(Gewerkschaftshaus), sowie in allen Vorwärts-Speditionen.— GroB-Siedlung Britz: Vorwärts-Spedition Lange Str. 58.• Schlägerei in einer völkischen Versammlung Zwei Schwer- und zwei Leichtverletzte. In den PHarussälen in der Mllllerstraße hiell gestern abend die Ortsgruppe Groß-Berlin der Nationalsozialistischen Freiheitspartei«in« Versammlung ab. Zu der Kundgebung, die ohnehin stark von Anhängern der Nationalsozialistischen Partei besucht war, hatte sich«ine größere Schar Kommuni st en Einlaß verschafft. Dis Versammlung, die einen sehr erregten Per- lauf nahm, wurde andauernd durch Zwischenrufe gestört. Es kam schließlich zu Tätlichkeiten und die Gegner gingen mit Bier- seideln und Schlagringen aufeinander loa. Der Arbeiter Walter Sandow aus der Koloniestraße 47 und ein Walter K o n a k aus der Gicselerstraße 10 zu Wilmersdorf erlitten schwere Kopsverletzungen und mußten durch einen Wagen des städti- schen Rettungsamtes in das Virchow-Krankenhaus gebracht werden. Zwei weitere Verletzte, der ISjährige Hugo Blocks- d o r f aus der Fennstraße 53 und der 22jöhrige Fritz Michael aus der Friesenstraße 31, erlitten bei der Schlägerei gleichfalls Kopf- Verletzungen. Nach Behandlung auf der nächsten Rettungsstelle, wo ihnen Rotoerbände angelegt wurden, konnten beide in ihre Woh- nungen geleitet werden. Ein größeres Polizeiaufgebot drang sofort in den Saal ein und konnte nur unter Zuhilfenahme des Polizei- knüppels die Strestenden trennen. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Kundgebung der Tierfreunde. In einer außerordentlich stark besuchten Versammlung Im F e st- soal der Gesellschaft der Freund« sprach Pfarrer Hecker vom Verband der Tierschutzoereine Berlin, der den geeinten Tierschutz der Stadt Berlin vertritt, über di« Wichtigkeit eines Tier- schutzgesetzes. Er nahm den allerdings sehr krassen Fall menschlicher Rvhheit des Bäckermeisters Platow zum Anlaß, der im Oktober 1925 den Brand seines Stalles bei der Versicherungsgesellschaft meldet«. Wie sich bei näherer Untersuchung des Falles herausstellte, hatte er durch zwei Männer sein Pserd, das mit 500 Mark versichert war, mit Benzin begießen und oerbrennen lassen. Seine Bestrafung erstreckte sich jedoch lediglich auf das Verbrechen des Versicherungsbetruges, da ihm die Brandstiftung im Stall nicht nochgewiesen werden tonnte und der Akt der unerhörten Tierquälerei selbst nur al» Vergehen mit einer Höchststrafe von 150 Mark oder sechs Wochen Hast geahndet wird. Der Redner und mit ihm feine gesamte Anhängerschaft fordern energisch ein Gesetz des Tierschutzes, das ein« richtige Bestrafung der Uebeltäter in sich schließt. Der Dortragende kam dann noch auf andere unliebsame Vorgänge auf dem Gebiet« des Tierschutzes zu sprechen, u. a. auf die Hundefängerei und die sich daran schließende öffentliche Versteigerung der nicht abgehollen Tiere, wofür er aber allein die Nachlässigkeit der Hunde- besltzer selbst verantwortlich machte. In schwungvoller Rede, die allerdings zum Schluß etwas allzu pathetisch wurde, appellierte er an di« Herzen aller Tierfreunde und führte ihnen die völlig« Hilf- lostgkeit des Tieres und die Pflicht seiner guten Behandlung durch den Menschen vor Augen. Iustizrat Fro'enkel, 2. Borsitzender des Verbandes, beleuchtete die Angelegenheit dann noch vom sachlich juristischen Standpunkt. Wer wird von der Hnndesteuer befreit? Hundesteuerbefreiungsanträge sind binnen zwei Wochen nach der Anschaffung des Hundes zu stellen und vor Beginn jedes neuen Steuerjahres zu wiederholen. Es empfiehlt sich, mit den Erneue- rungsanträgen nicht bis zum Schluß des Stcuerjahres— Ende März— zu warten, sondern diese schon jetzt im Laufe des Monats Februar oder Anfang März den zuständigen Be- zirkssteucrämtern einzureichen. Bei verspäteten Anträgen wird die Hundesteuer auch dann für das laufende Vierteljahr erhoben, wenn ein stichhaltiger Befreiungsgrund vorliegt. In gleicher Weise sind auch die E r m ä ß i g u n g s a n t r ä g e auf ein Fünftel des Steuer- jatzes zu erneuern. Hierunter fallen die Anträge der kinderlosen Ehepaare über 50 Jahre und der alleinstehenden Personen über 50 Jahre, die ein Jahreseinkommen unter 1200 M. haben, sowie der Schwerhörigen, die auf das Halten eines Hundes angewiesen sind. In den Kreisen der Hundebesitzer ist zum Teil die irrige An- schauung oerbreitet, daß die Stcuermarke dem Hunde dann nicht angelegt zu werden braucht, wenn dieser im polizeilichen Sinne richtig gekennzeichnet ist. Die Polizeiverordnung über Kennzeichnung der Hunde in Verlin schreibt vor, daß sämtliche über drei Monate Im Anschluß an einen Bortrag Fasching und Masken spielte Luba Ittdkowska den Carneval. Op. 0 von Schumann mit guter Technik und scharfer Betonung der Tempogegensätze, vielleicht hierin schon zu weit gehend. Reinsten künstlerischen Genuß bot dann das Havemann-Ouartett bei Beethoven. Einen schweren Stand halte Richard Wilde mit seiner Emführung zu Otto Ernsts„Flachsmann als Erzieher". Schließlich muß ein Einiührungsvortrag das Gute an der Dichterpersönlichkeit betonen. Wilde schilderte darum Otto Ernst als den Dichter des trauten Heims und als den Kenner der Kmderseele und ging weniger auf den Dramatiker ein. Die einst revoluttonär wirkende Komödie sst heute durch die Ereignisse über- bolL Sicherlich laufen auch jetzt noch verkappt« Flachsmänner herum, aber sie stellen keinen vorherrschenden Typ dar. Uebrig oleibt ein wirksames Theaterstück. Aber der Rundfunk ist kein Theater, das aus Repertoirenöten auf alte Ladenhüter zurückgreifen muß. Alfred Braun inszeniert solch« Dinge brav und ordentlick). Di« einzelnen Typen kamen heraus. Drei Leistungen von bestem Format. Braun selbst, ein stebenswerier krottooller Flcmming, Albert Florath als Flackzsmann hinterhältig, verkniffen, intrlgaiu und widerwärtiges Weichtier, und Albert Steinrück als Regterungs- «U von stachliger Widerborstigkeit. allen Hunde mit Halsbändern versehen sein müssen, die außer dem Namen und Wohnort des Besitzers seine Wohnung ersehen lassen. oder an denen eine Steuermarke mit Angabe des Bersteuerungs- bezirks und der Nummer des Hundes in der Steuerliste befestigt ist. Trägt der Hund nun ein Halsband mit vorschriftsmäßigem Namens- schild des Besitzers, so ist er im Sinne der genannten Polizei- Verordnung zwar richtig gekennzeichnet, ist er aber gleichzeitig in Berlin versteuert und eine Steuermarke für ihn ausgegeben, so muß auch diese dem Hunde nach Vorschrift der Hundesteueroerord- nung angelegt werden. Verstöße hiergegen sind mtt Ordnungs- strafen bedroht. Die Kontrolle durch die Hundesteucrmarken ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Bekämpfung der Hundesteuerhinterziehung. Für die steuerfreien Wachhunde(Kettenhunde) werden Steuer- marken nicht ausgegeben. Diese Hunde müssen am Tage im Freien an der Kette liegen, in der Nacht können sie aus dem zu be- wachenden Grundstück frei umherlaufen. Die Tragöüie einer Mutter. Kein Kindesms-d. wahrscheinlich ein Unglücksfall. Das Gerücht von einem Kindesmord und einem versuchten Selbstmord war gestern mittag im Nordwesten Berlins verbreitet. Als gegen 12 Uhr zwei Schupobeamte der Gruppe West mit einem Krümperwagen an den Zelten entlangfuhren, hörten sie plötz- lich von der Spree her Hilferufe und sahen, wie hinter dem Bootssteg eine Frau mit den Wellen kämpfte. Sie hiellen an und warfen der dem Ertrinken Nahen die Fahrleine zu. die sie dann auch ergriff. So gelang es, die Frau zu retten und ans Land zu bringen. Sie war bereits so stark mitgenommen, daß sie das Bewußtsein verlor. Gerade war sie gelandet, da sahen die Beamten etwas stromabwärts ein kleines Mädchen auf dem Wasser treiben. Sie eilten nach der Lutherbrücke, machten den Rettungskahn los und fingen die Kleine auf. Sie war aber bereits tot. Die Leiche des etwa 1% Jahre alten Mädchens wurde mit der Frau zusammen, ohne Zweifel der Mutter, mit dem Krümperwagen nach dem Krankenhaus Moabit gebracht. Die Frau liegt hier noch besinnungslos danieder und man weiß noch nicht, wer sie ist. Sie ist etwa 26 Jahre all und trug eine lederne Sturzkappe mit Goldverzierung, ein braunes Seidenkleid mit weißen Karos und schwarze Florstrümpfe und Schuhe. An diesen Vorgang knüpfte sich bald das Gerücht, das eine Mutter ihr Kind ins Wasser geworfen Hobe, um es zu ertränken, und ihm nachgesprungen sei. um sich ebenfalls das Leben zu nehmen. Nach den Ermittelungen der Kriminalpolizei handelt es sich aber sehr wahrscheinlich um einen Unglücksfall und eine versuchte Lebensrettung. In der Gegend der Zelten hatten sich aus der Spree stets- wilde Enten auf. die von Spaziergängern gern beobachtet und gefüttert werden. Es ist nun sesigesiellt, daß auch die Frau mit dem Kinde hierbei ge- schen worden ist. Das Wasser steht in der Spree jetzt sehr hoch und das Ufer ist schlüpfrig. Wahrscheinlich ist des Kind beim Füttern d e r E n t e n a b g e g l f t t e n und die Mutter, vielleicht auch das Kinderfräulein, ist ihm nachgesprungen, um es zu retten. Mit- teilungen zur Ausklärung an die Kriminallnspektion Tiergarten und das 28. Revier._ Charles-öreltenstcäter unentWeSea. Der lang erwartete Großkampftag im Sportpalast versammelte gestern abend wieder eine sehr zahlreiche Boxgemeinde. Der Revanchekampf Francis Charles gegen Hans Breitensträter endet« nach zehn Runden mit einem gerechten U n e n t- schieden. Die Kämpfer schienen sich annähernd gleichwertig. Breitensträter hat sein« alle Schlagkraft wiedererlangt und seine schwere Rechte machte dem französischen Gegner, der selbst gut in Form war, viel zu schassen. Auch die beiden vorhergehenden Kämpfe S e y f r i e d(Bochum) gegen den Schwarzen Jons Ralph verliefen unentschieden. Auch der Kamps Harry Stein, � der deutsche Fliegengewichtsmeister, gegen den französischen Ex- sliegengewichtsmeister Andrä Gleizes wurde als unentschieden � festgestellt. Dos Plus schien sich hier allerdings sehr auf feiten de» kleinen, äußerst gewandten und schlagkräftigen Franzosen zu zeigen.__ Heimatmuseum Teltow. In einer gut besuchten Versammlung der Freunde des Mu- seumsgedankens wurde derHeimat-MuseumsvereinTeltow gegründet, dessen Aufgabe es nun sein wird, die bereits vorhandenen Bestände und die neuen Erwerbungen in einem Heimat-Museum zu be- treuen. Ein zwölfköpfiger Vorstand wurde gewählt: Vorsitzender ist Gymnasialdircktor Dr. Hochmann- Eichwalde, Schriftführer Lehrer Möbius- Blankenfelde, Schatzmeister Kreiskämmerer Heiß. Ungeklärt ist zurzeit noch die Frage, wo das Museum eine dauernde Stätte finden wird. Zurzeit be- finden sich die bereits vorhandenen Gegenstände in Verwahrung der Kreisverwaltung in dem bekannten Kreishaus(Viktoria- straße 18). Jedoch würde ein« dauernde Belassung des Museums in Berlin das Interesse bald erlahmen lassen, ebenso ist die Er- richtung des Museums als Wander-Museum nicht zweckmäßig, da beim Ümherziebsn große Verluste unvermeidlich sind. Wie man hört, hat Zossen wegen seiner nahezu zentralen Lage und der beauemen Verbindung Aussicht, das Museum in seinen Mauern auszunehmen. Die Lokalfrage ließe sich in zweckentsprechender Weise lösen und die Reste der alten Burg Zossen gäben auch einen historisch ansprechenden Hintergrund. Im Gegensatz zu anderen märkischen Städten haben die Orte des Teltower Kreises wenig Altertümliches und zugleich Imposantes aufzuweisen. Die Nähe Berlins hat nivellierend gewirkt. Der Jahresbeitrag für den neuen Berein ist auf 3 Mark festgesetzt: es ist zu wünschen, daß recht viele Heimatfreunde aus dem Leserkreis des„Vorwärts* ihm beitreten denn es gibt noch viel zu bessern: hat es doch die Rednk- tion des an sich recht guten Teltower Kreiskalendcrs 1927 fertio bekommen, einen Beitrag aufzunehmen, der in dem Wunsche nach einem Diktator ausklingt. Wohnungsbrand in Berlin 71. Zwei Löschzüge der Feuerw-hr wurden gestern nachmittag gegen H4 Uhr nach der Ros-nthaler Straße 66 gerufen, wo in einer im vierten Stock gelegenen Wohnung Feuer ausgebrochen war. � Die Wohnungsinhaber, ein Ehepaar, wurden von dem Feuer so überrascht, daß ihnen die Flucht über die Treppe abgeschnitten wurde. Glücklicherweise tonnten sie durch die Feuerwehr über Steckleitern in Sicherheit gebtackst werden. Das Treppenhaus war derart verqualmt, daß dichte Rauch- schuxtden in die Wobnungen eindrangen. Es gelang der Feuerwehr aber, die erregten Mieter zu beruhigen und großes Unheil zu verhüten. Die Wohnung selbst brannte vollkommen aus. Warum soll der Bezirk Treptow kein tiallmbad haben? Einer der industriereichsten Bezirke, Treptow, Ist immer noch ohne Hallen- bad. Auch andere Badegslegenheiten sind im Winter hier nickst vor- Händen. Das Bezirksamt Treptow hat schon wiederholt den Antrag gestellt, neben anderen Baulichkeiten auch ein Hallenbad zu bauen. Dieser Antrag ist von allen Parteien unter. stützt worden, da die zwingend« Noiwend'gleit eingesehen worden ist. Anders denkt der Magistrat Berlin darüber. Zur Äufllärung über diese Angelegenhcft lädst der Ortsausschuß für Leibesübungen und Jugendpslege in Oberschönewside die Einwohnerschaft des Be- zirks Treptow zu einer öffentlichen Versammlung ein. Die Ver. sammlung, in der Herr Bürgermeister G r u n o w- Treptow da« Referat übernommen hat, findet am Montag, dem 14. Februar, abends 3 Uhr, in Mörners Bluniengarten in Oberschöneweide statt. Das Bezirksamt Wille teilt folgendes mit: Infolge des regen Zuspruchs, dessen sich u»s-re Veranstaltung„Berlin In W o rd. B i l d u n d Lied" erfreut, sind wir gezwungen, den 5. bis 8. Abend nach den Musikersälen. Kaiscr-WUhelm-Str. 31. zu verlegen. Da am 16. Februar 1927 der große Saal nicht mehr zu erhalten war, so findet der ö. Abend erst am 25. Februar 192? statt. C« Otfjntuftfmfi f#r Zvznidpsiege JtrafSfln fieranftnlfef tet Rahmen eines Winlei Programms am Montaq, den 14. Februar, abends?>/, Uhr, im Saaibau, Beiastr. 147. einen Vortragsabend. Der?lrbeiterichriii>'eUer Artur Heye spiicht über seine persönlichen Erlebnisse bei eigenen Reisen durch das Innere Äsrilas. Knilcn zum Preise von 20 Ps. sür Jugend. lickc und Erwachsene sind im Rathaus, 2 Dr., Zimmer 258, und an der Nasse zu haben. Pestalozzi. Ieler. Der BezirksbildungsauSsibuf! G-ob-Berlin SPD. veranstaltet am 17. Februar im Obcrlichlsaal der Philharmonie, Bcrnburgcr Slrage. eine Pestalozzi-Ebrung. Tie Feier wird eingeleitet durch Gesang des Kinderchors des Männerchors.Harmonic"- Ckarlottenburg. Studiendirektor K a r s e n hält die Gedenkrede und Frau Wally Seidel liest auS den Werken Pestalozzis. Die Feier beginnt abends« Uhr. EintriltspieiS 70 Pj. Lehrer, Elternbeiräte, Kindersreuude, sowie alle an Eiziebungsfragen Interessierte sind ganz besonders eingeladen. Karten sind zu haben im Bureau des BczirlsbildungsauSschusseS, Lindemir. 3, S>of Ii, 2 Tr., Zimmer 3, in der Lolwäitsbiichhandlung Lindenstrasie 2, Zigarrengejchäst Hortch, Engeluier 24—25, Tabalvertrieb«FG.. Jnselslr. 6, i-ozialinische Arbeiterjugend, Lindensir. 3. bei den«ildungsobleuten der Kreise und Abteilungen, in den Vorwärtsspeditionen. An der wende des Zeitaller», der Kulturwillen der neuen Jugend— ist das Tbcma eines Vortrags, den Genosse Dr. Viktor Engelhardt Sonnabend, den 12. Februar, 8 Uhr abends, w der Aula Dorotheenstr. 12 halten wird. Die Arbeiksgeinelnschast für Zorstschntz und Zlawrkrinde E. v, Berlin- Ariedrichsdagcii. veranitallet am Sonntag, den 13. d. Akts., eine Führung durch doS Verkehrs« und B a u m u j e u m. Treffpunkt 11 Uhr. Haupt- inganz Jnvalidcnslraße. Unkostenbeurag: Mitglieder 30 Pfg., Gäste b0Pfg. Schwere Blutkaten infolge eiues Mieterstreites. � Magdeburg, 11. Februar.(WTB.) Gestern abend kam es in Schönebeck zwischen den Mietsparteien eines Hauses zu Streitig- keiten, die zu Gewalttätigkeiten führten, bei denen ein Arbeiter getötet wurde, ein Mann eine schwere Bauchverletzung erhielt und einer Frau der Schädel gespalten wurde. Die Polizei muhte, um die Streitenden auseinander zu bringen, m i t 16 Mann eingreifen. Mehrere Personen wurdsn verhaftet. Anlaqe eines �lnqplaAes bei Kottbns. Kottbus. IL Februar.(MTB.) In einer gestrigen Besprechung über die Flugplatzfrage hat stch der O b e r p r ä s i d e n t der Mark Brandenburg für die Anlage eines Flugplatzes bei der Stadt Kottbus entschieden. Die Vorschläge der Städte Forst und Guben, den Flugplatz der Niederlausitz in der Mitte des von den drei Städten gebildeten Dreiecks zu errichten, wurden abgelehnt. Der Kottbuser Flughasen ist gleichzeitig der Flughafen der ge- samten Niederlausitz. Schwerer Unfall bei einer Reichswehrnbung. Bei Scharfschiehubungen der bayerischen Artillerie m-rs dem Kampenwand im Chiemgau ereignete sich ein schwerer Unfall. Die Gebirgsgeschütze waren am Tage zuvor in Stellung ge- bracht worden. Als dann in den frühen Morgenstunden das Schictzen begonnen wurde, kam der erste Schuß unmittelbar vor der Mündung zur Explosion. Ein Unteroffizier und zwei Ka- noniere wurden schwer verletzt, jedoch soll keine Lebensgefahr be- stehen. Das Unglück wird darauf zurückgeführt, daß die Brems- flüfsigkeit im Rohrrücklauf in der kalten Gebirgsnacht eingefroren war. Dreifacher Raubmord in Rußland. Riga, 11. Februar.(TU.) Auf einer Vorortstation von Schi- tomir übersielen Banditen den Stationschef, ermordeten ihn und zwei Fahrgäste und bemächtigten stch der Bahnkasse mit 18 0 Rubel. Die Bandtten entkamen aus einer Lokomotive. Schneestuxmopfer in Zapan. In den Schneestürmen, die während 22 Tagen wette Teil« Rordsapans heimsuchten, stnd, so- weit bisher festgestellt werden konnte, 163 Personen ums Leb engekommen. 16 Personen werden noch vermißt. Mehr a's 26 666 Soldaten stnd gegenwärtig längs der Eisenbahnlinien r.>it~den Aufräumungsarbeiren beschästigt. Der Schnee liegt stellen- weise fünf bis sechs Meter hoch. Ms öer Partei. Die madscmsdjen Sozialdemokraten in der Slowakei haben stch der tschechoslowakischen Sozialdemokratie angeschlossen, da die Spal- tung der Nachkriegszeit gerade diese Partei besonders schwer ge- troffen hat. Die tschechische Prager Parteidruckerei wird ein madja- risches Parteiblatt herstellen. Tom Shaw in Indien erkrankt. Genosse Tom Shaw hat als Mitglied der Abordnung der Textilarbeiter- Internationale, dessen Sekretär er ist, eine Reise nach Indien und Japan unternommen. In Indien erkrankte sowohl er wie sein« Tochter, die die Dele- gotion als Sekretärin begleitete, an einer fieberhaften Darmentzün- dung. Sie waren gezwungen, sich in Spitalpflege zu begeben und ihre Reise abzubrechen. Die übrigen Delegationsmitglieder setzten die Fahrt nach Japan fort, und werden bei ihrer Rückkehr Shaw in Indien abholen, um mit ihm gemeinsam nach England zurückzu- kehren. Sinsenduuge» ISr vi«ie Rlldril sind verN» SS Lindenitraße 3, 7. Suis partemachrichten für Groß-Serlin stet» an bei Bezirkslekretoriat t, Hof, i Tre». recht», ja richten fltet» Chaelottenlurg und Spoadon. Juristische Spreckistunde heute. Sonn. abend, 12. Februar, nachmittags von 5—6 Uhr. im Zugendheim Rosinen. sirojje 4. 13. Kreis Tempclhos, Marienbors, Marienfcld«, Lichtenrade. Kam aY. a m a34 Cw—.— 1. p..... K p. r.—___ Auf Wunsch .-._ WM�Hausseestr.■.»> Urkomisch«. Die Berwandlungstänzerin Eitti V-szec. Der Blitzoichter und Improvisator Max Reubert. Operetten, und Liedcrsängerin Erna Renate. Eine Zirkus, und Darist�-Dressurnummer mit Pferden und Eseln. Fred» Moreao. der Vogelhändler, usw. Karten zum Vorverkauss- preis von 1 M. find noch zu haben bei den Funktionären und in den Konsumverkaussstellen. An der Abendkasse 1,50 äff. Anfang 8 Uhr. Kreis Reiaickendors. Elternbeiräte! Eanntag, 13. Februar, oormittags g>z Uhr, im Eitzungssaal Rathaus Tegel, Elterndeiratssitzung. 1. Vortrag: ""' in Haus und Schule". 2. Vezirksangelegenheiten. 3. Vcr. schiedenr«. Zutritt haben fäintlich« Partei-Elternbeiräte und deren Bcr treter, Schuldeputationsmitglieder und Lehrer. Di« Anwesenheit der Be> zirksvorstands. und Fraktionsmitglleder ist erwünscht. Heute, Sonnabend, 12. Aebruar: III. Abt. Lichtenberg. Denvssen Albrccht, Borl erha" 8 Uhr geselliger Familicnabend im Lokal des Albrecht, Boxhagener Str. 12, Ecke Reue Vahnhofstrahe. . Gäste stnd herzlichst eingeladen. Wir fordern Unterhaltung, Tanz n. ä. alle Genossinnen und Genossen auf, stl recht zahlreich zu beteiligen. 29. Abt tionärsttzung. leisten. Morgen, Sonnkag, 1Z. Februar: Vormittags 10 Uhr bei Burg, Prenzlauer Allee 189, wichtig« Funk- Di« Bejidsführer werden gebeten, Akontozahlungen zu 33. Abt. Abends I Uhr im Lakal Schonert, Stralau-Rummelsburg, Fahnenweihe. Redner Landtagspräsident Genosse Friedrich Bartels. Abendkasse findet nicht statt. 37. Abt. Vormittags Uhr bei Pfeiffer, Hausburgstr. 2, wichtige Sitzung sämtlich« Funktionär«. Stellungnahme zum Kreisvertretertag und Bezirks» Parteitag. Grspp« Ii Zungsozialisten. _____ �trte»! Heute, Sonnabend. 12. Februar, 8 Uhr, im Jugendheim Bremer Eck« Wiclefitraß«, Zimmer 1, Aussprache über die Reichswehr. Dir bitten alle Genossinnen und Genossen, bestimmt zu erscheinen. Gäste stnd herzlichst eingeladen. «rbeitoaemii tag, 18. Februar, ast der Kiadcrsreunde. Kreis 2 tföiiebetg. Friedenau: Sonn- estchtigung des Nawrkundemüscums. Sterdetafe! der Groß-öerliner pa?tei?Grganisation 21. Abt. Am 8. Februar verstarb unser Genosse Eduard Ulrich, Malpla. Utrcchter Straße. 42. Abt. Unser Genosse Ernst S ch ö n s e I d, Branerciarbeiter, Gneisenau- strasze 26, ist am 0. Februar verstorben. Einäscherung am Zffonlag, 14. Fe. druar, nadjmittags 3 Uhr, im Krematorium Vaumschulcnwcg. teiligung wird gebeten. Um rege Sozialistiscke flrbeiterjuaenü Groß-Serlin. Die Führcraussprach« morgen, Sonntag, kann umständehald« nicht statt- finden. heuie, Sonnabend, 12. Februar, 7� Uhr: Weddiaa: Vorwärts-Druckerei-Besichtigung. Treffpunkt 4 Uhr 1?. Hof.— Kottbusser Tor: Jugendheim Reichenbcrger Str. KS. Bussprache:„Zweck und Ziele der EAZ.— Reakilla vs Bildungsausschußsttzung beim Genosse» W. Schildhauer, Geigerstr. 5. Werbcdezirk Lichtenberg: Zugendheim Parkaue 10 WerbebejirksporstandZ. sitzung 8 Uhr. Morgen, Sonnlag, 13. Februar: Kottbuffrr Tor- Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Kottbusser Tor.— Zempelhos! fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof.— Aanusc«! Schule Charlottcnstraße. -imabend.— Friedrichehagen: Jugendheim Echornwederstr. lOSa. Volkstanz. abend.— Reukölln V: Aeltercngruppe beim Genossen Edwin Lautrnboch, M-r-schstr. 12, 7 Uhr.- R""'"""" 7 Uhr Heimabend.— Tei Spandau: Jugendheim Lind Jugendheim Schäusliehcr Str. 7. Heimabend.— Reinickendors-Ost: Eprechchorprobe.— Llchtenberg-West: Wanderung durch r" Boxdagcner Platz. Wcrbcbezirk Tiergarten: Besichtigung des Westhafens. ZH10 Uhr Eingang zum Hafen am Bahnhof Putlitzstrahe. Werbebczirt Lichtenberg: Jugendheim Parkau« 10. Zack-Lonton-Adend, IVt Uhr. Werbeiezirk Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15. M�Barthel-Adend. * Serbebezirk Prenzlan« Serg: Montag, 14. Februar, Jugendheim Danziger Straße 83 Werbebezirksvorsitzendenkonferenz. M Arbeitsdienst für Karlshorst.— Steglitz(Anis): >e ist verstorben. Kameraden, die an der Beerdigung >., d. 12., nachmittags 12!� Uhr, Parkfricdhof Lichter- Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz- Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Stbastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. (V Prenzlauer Berg: Sonntag, d. 13., Antreten 8U, Uhr Bhf. Prcnz. •' lauer Allee zum Arbeitsdienst für"" Kamerad Hering-Lichterfelde teilnehmen, treffen sich So., selbe._ Verband jüdischer Studentrnoereiae in Deutschlaad«. B. Sonnabend, 12. Februar, 8 Uhr, im Jüdischen Studcntenverein Berlin, Friedrichstr 115, Vortrag des Herrn Dr. Gergel:»Die Juden In der Kommunistischen Partei und tn den Sowjeiorganen". Anschließend Diskussion.— Am Sonnadend. lS. Fe- bruar, 8 Uhr, findet«in weiterer Vortrag des Hrrrn Berl Locker über das Thema:„25 Jahre Poale-Zionismus" statt. Zu beiden Vortragen Eintritt frei. Freireligiöse»emeiade. Sonntag vormittag ll Uhr Pavpelollee 15 Vortrag des Herrn Dr. M. Brie:„Der Selbstmord in stttllchcr Beleuchtung". Har- moninm: Aus„Die oerkoufte Braut"(Smetanal. Gäste willkommen. Venia der Pfälzer in Berli». Pfälzer Kerwe in Berlin veranstaltet am Sonntag, 13. Februar, nachmittags 5 Uhr, in den Kammersälen, Teltower Straße 1/4, der Verein der Pfälzer iu Perlin Eisenachrt Str. 58; Stephan 9089) und lädt leute und Freunde der Pfalz herzlichst ein. : Berlin(Desck)äilsitclle: Echöneberg, lädt hinzu seine Mitglieder, Lands- Geschäftliche Mitteilungen. elfach acht d P. K.- Kaudouboo»— deutsche» Fabrikotl ........~•-'«< _____________ BL,..... m, abrikat handelt, hergestellt von deutschen Anficht, daß diese Donbons ausländische» A.-G. ausdrücklich daraus ausmerksam, da Entgegen vielfach vertrotener eien, macht die Wrigley ibrikai, WM.....___ I e» sich um ein rein deutsches _______________,_,,. Arbeitskräften und aus deutschen . iohmaterialicn, in der Musterfabrik In Frankfurt a. M. Der Gebrauch der Kaubonbons wird als den Zähne» zuträglich von ärztlichen und zahnärztlichen Autoritäten sehr günstig beurteilt. Ruud 25 000 Hoseu haben wir am Lager. Für Berus, Straße und SpoM in allen Größen, Stoffen und Preisen. Hosen kausen Sie daher stets oort�lhaft tn den elf Geschäften von Kohnen u. Zöringz jetzt aber— 10 Tage lang— besonder» billig._ Wetterbericht der öffentlichen weilerdienststelle für Bettln und Umgegend (Nachdr. verb.). Wcileihin ttocken, meiil ziemlich trübe, Temperaturen tagS- über um Rull.— Zür Deutschland! Keine wesentliche Acnderung der herrschen« den Witterung. de! Zleleder Güie und gleichem Gewicht wie bisher!— Eine irohs Nachricht für Sie, die Ihnen einen billigeren Waschtag verschallt. Durch ihre unübertroffene Schaumund Waschkraft, ihre vollkommene Reinheit und Unschädlichkeit steht Sunlicht Seife seit 40 Jahren an der Spitze aller Hausseifen- Ihre ständige Verwendung bedeutet für Sic große Ersparnis an i\rbcitszeit und Geld. SUNLICHT SEIFE schont die Wäsche. A u. V ÄRNAUD N?20O der weisse Rabe unter den 4 Pfg.Cigaretten Warum? t L1. Weil sie über ein Jahrzehnt in der gleichen.schhchten Packung erscheint und trotzdem am meisten geraucht wird. HALPAUS ist die meist-gerauchtefweil weitaus beste4Pfg.Cigarelte Deutschlands. Die/lgrarreform m Vom Feudalismus zv In dem neuen Staate der Tschechoslowakei wurde seit seiner Gründung eine Agrarreform durchgeführt, die in politischer Be- Ziehung einer Agrarrevolution gleichkam, und deren Ergebnisse eine historische und kritische Würdigung vom Standpunkt der Arbeiter- klasse rechtfertigen. Vier Millionen Hektar Boden, 28 Proz. der Landesfläche, wurden einem radikalen Besitzwechsel unterworfen, die Ausrottung des Feudalbesitzes mit äußerster Vehemenz in An- griff genommen. Historische, national« und soziale Kräfte hab«n nach der Gründung der Moldaurepublik diese große Umwälzung ins Rollen gebracht. Das tschechische Volk hat, nachdem es vor LlW Jahren auf dem Weißen Berge der militärischen Macht der Habsburger unterlag, seinen Grundadel verloren, dessen Besitz konfisziert und an die siegreichen Heerführer verschenkt wurde; daraus leitete es den Rechtstitel ab nach wiedergewonnener staat- licher Selbständigkeit den von Gnaden der Habsburger ein- gesetzten Grundadel ebenfalls zu verjagen. Eine gründliche Um- «ignung des Bodenbesitzes schien der kürzeste Weg für den unter der .deutschen' Donaumonarchie unterdrückten tschechischen Nationalis- nius zur Verschiebung der heihumkämpften tschechisch- deutschen Siedlungsgrenzen. Endlich hemmte der ungewöhnlich hohe Anteil des Großgrundbesitzes am Kulturboden den sozialen Aufstieg einer dicht wohnenden l o n d- armen Dorfbevölkerung. Als der alterstarrte Feudalismus der Sudeten» und Karpathenländer mit dem Zerfall der Habsburger Monarchie feine politische Schutzwehr einbüßte, wurde er von dem durch Krieg und Revolution gesteigerten Bodenhunger der Landoolksmassen einfach überrannt. Die Beseitigung des Großgrundbesitzes war das wirtschaftliche Programm der nationalen Revolution der Tschechen und Slowaken. Sie wurde bereits in der Unabhängigkeitserklärung der Pariser Auslandsregierung am 18. Oktober 1318 verheißen. Eine der ersten Taten der Revo- lulionsregienmg war die Verhängung der Sperre über den landtäflichen(ehemals grundherrschaftlichcn) Großgrundbesitz. Ihr folgte in einigen Monaten die gesetzliche Beschlagnahme. In rascher Folge kam noch eine Reihe von Gesetzen hinzu, betreffend die Art der Bodenzuteilung, die Entschädigungs- und Kreditfrage. Bis zum Frühjahr 1923, also vor dem Einzug der Minderheitsvertreter in die gesetzgebenden Körperschaften, hatte das ernannte tschecho- slowakische Revolutionsparlament alle gesetzgeberischen Vorarbeiten zur Agrarreform unter Dach und Fach. Die eigentliche Durchführung begann im Jahre 1923. B e> schlagnahmt und im Zuge der Aktion enteignet wurde aller privater Grundbesitz über 163 Hektar Acker und 263 Hektar Gesamtboden, einschließlich der damit zusammenhängenden Gebäude sowie Unternehmungen, ausgenommen das lebende und tote In» ventar. Den Großgrundbesitzern verbleiben in der Regel 163 Hektar, in Ausnahmefällen bis zu 633 Hektar Restbesitz. Für die enteigneten Fläcben wird eine Entschädigung ssumme im Durchschnitt der Grundpreise der Jahre 1913 bis 1916 gewährt, was unter Be- rückstchtigung der Geldentwertung ein Fünftel bis ein Sechstel des Realwertes ausmacht. Von dem Entschädigungsbetrag werden die Hypothekenlasten, Steuerrückstände sowie die Versorgungsansprüche der Bedientesten(Angestellte und Arbeiter) gedeckt, der Rest wird dem Enteigneten entweder bar ausgezahlt oder als langfristige Staatshypothek eingetragen. Das Gesetz sieht eine Aufteilung des beschlagnahmten Bodens an Einzelpersonen, landwirtschastliche Bereinigungen, Gemeinden, G«meindeoerbände sowie an den Staat vor. Keiner der Kategorien wurde aber ein fester Anspruch zu- erkannt, die Auswahl der Bewerber vielmehr dem freien Ermessen der Durchführungsbehörd« überlassen. Als Durchsührungsorgon ist ein umfangreicher bureaukratischer Apparat, das Staalsbodenamt, errichtet worden. Ihm steht ein zwölfgliedriger Verwaltungsaus- schütz zur Seite, der im Jahre 1923 von den tschechischen Par- teien gewählt wurde und trotz mehrjährige» Funktionsablaufes bis heute weiter amtiert. Formell untersteht das Bodenamt dem Ministerrat, tatsächlich ist es in seiner Machtvollkommenheit fast unbeschränkt und dem Einfluß des Parlaments weit entrückt. Die bisherigen Resulkate der Agrarreform. So weit sich die Reform auf den landwirtschaftlichen Boden erstreckte, steht sie vor dem Wschluß. Nach Mitteilungen des Bodenamtspräsidenten find bis zum herbst 1926 ins. gesamt 1 389 333 Hektar Boden übereignet worden. Schätzungsweise«in Zehntel davon ist Waldboden, den der Staat an sich nahm. Die gebräuchlichste Zuteilungssorm bei landwirtschaft- lichem Boden war die Anliegersiedlung zur Ergän- z u n g bereits bestehender Kleinbetriebe. Einer bis Ende 1926 grei- senden Statistik zufolge umfaßte sie 77 Proz. des parzellierten Landwirtschaftsbodens. Zur teilweisen weiteren Ausnützung der Wirtschaftsgebäude sind sogenannte R e st g ü t e r geschaffen worden, und zwar von 23 Hektar aufwärts bis zur Enteignungsgrenze. Bis» her gelangten an 1333 solcher Restgüter— 23 Proz. der Zuteilungs- fläche— zur Vergebung, teils an frühere Angestellte des Groß- grundbesitzes, teils an sonstige Bewerber. Einen geringen Anteil hat die VerwendRig von Boden zur Jnnenkolonisation. Es dürsten von den geplanten 7333 neuen Bauernstellen gegen- wärtig etwas über 1333 fertig sein. Mit Ausnahme einiger Pacht- proofforien erhielten die erwähnten Bewerber den Boden in Privateigentum. Der Zuteilungspreis betrug nach Anrech- nung einiger Zuschläge und der Bodenamtsregie 73 bis 133 Proz. mehr als der Entschädigungswert. Von der im Gesetze vorgesehenen Möglichkeit der Errichtung von„Heimstätten" nach Art der deutschen Rentengllter wurde nur in Ausnahmefällen Gebrauch ge- macht. Insofern ist es unrichtig, von einer„Bodenreform" in der Tschechoslowakei zu reden, als keine Veränderung des Bodenrechts erfolgt ist, die der internationalen Geltung des Begriffes entspricht. Was geschah, war eine allerdings sehr weit- gehend« Besitz reform an Grund und Boden, die in ihrer über- stürzten und diktatorischen Durchführung eher den Namen einer Agrar revolution verdient. wirtschaftliche und soziale Wirkungen. Di« wirtschaftlichen Resultate der Besitzteilung sind noch nicht zu übersehen. Tatsache ist, daß mit der Parzellierung keine produktions fördernden Maßnahmen verbunden waren, daß keine Garantien für eine intensivere Bcwirt- s ch a f t u n g verlangt worden sind. Namentlich bei der Vergebung der Restgüter war vielfach Protektion im Spiele. Es wurden in- folgedefsen auch Nichtsachleute sowie Anwärter mit ungenügendem Inventar und Kapital berücksichtigt. Hinsichtlich der Kredit. frage begnügte sich der Staat in den allermeisten Fällen mit der subfidären Haftung für Privatdarlehen der Bodenerwerber, was sich ebenso wie die„freiwilligen Abverkäufe" an kapitalkräftige Käufer zum Nachteil der minderbemittelten Anwärter auswirkte. Die durch die Parzellenzuteilung vor allem im tschechischen Siedlungsgebiet erfolgte Stärkung vieler Kleinbetriebe findet als ein sozialer Aktiv- posten sein Gegengewicht in der Entwurzelung taufender Gutsangestellter und Landarbeiter. Die von der Aufteilung betroffenen Bediensteten des Großgrundbesitzes konnten nur zum geringen Teil durch Bodenzuteilung versorgt werden. Die anderen im Gesetze vorgesehenen Dersorgungsarten: Gcldabsertigung, Zuweisung einer Ersatzstelle und Pensionierung der Hochgealterten sind durchweg sehr problematischer Natur, und so ist die Annahme itt Tsthechoslowakei tu Agrarkapitalismus. berechtigt, daß von den 133 333 Arbeitern und Angestellten des Großgrundbesitzes bis zur Beendigung des Verfahrens winde- ftcns die Hälfte aus ihrem landwirtschaftlichen Beruf herausgeschleu- dcrt sein und dann die Zahl der Arbeitslosen vermehren werden. Als unbestrittener sozialer Aktivposten der Agrarumwälzung ist die Einlösung der langjährigen Kleinpacht- gründe zu nennen. Ein eigenes Gesetz ermöglicht den Klein- Pächtern, sofern sie nicht niehr als acht Hektar Eigenbesig hatten und die betreffenden Grundstücke ununterbrochen seit 1931 vom be- Ichlagnahmten Großgrundbesitz, Staatsbesitz oder Kirchenbesitz ge- pachtet waren, diese Pachtgründe gegen mäßiges Entgelt in Eigentum zu übernehmen. Damit wurde in einzelnen Gebieten, so im Böhmerwalde, ein uraltes Hörigkeitsverhältnis beseitigt. 128 333 Kleinpächter erwarben auf diese Weise 131 333 Hektar Boden und damit ein Stück wirtschaftlicher Un- abhängigkeit. Bei dieser Aktion wurde allen Jnteresienten ohne Unterschied der Nation Gerechtigkeit, weil ein gerichtlich verfolg- barer Anspruch gegeben war, über den nicht das Bodenamt. sondern die Justizbehörden im normalen Instanzenweg entschieden. Ausschaltung der deutschen Minderheiten. Die Beschwerden der Sudetendeutschen und der übrigen Minder- heitsoölker der Tschechoslowakei richten sich in der Agrarfrage gegen ihre Ausschaltung bei der gesetzgeberischen Vorbereitung und der Durchführung der Agrarreform, gegen die parteiische Bevor» zugung tschechischer Anwärter bei allen Zuteilungen. In der Tat ist die Bodenaufteilung im deutschen Siedlungsgebiet obne die bescheidenste Mitbestimmung der ansässigen Bevölkerung offensichtlich unter antideutschen Gesichtspunkten erfolgt. Laut An- gäbe des Bodenamtspräfidcnten haben die Deutschen, die ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachen, kaum ein Fünf- zehntel des bisher verteilten Bodens erhalten. Außenminister Dr. Benesch hat bei der Abwehr einer deutschen Beschwerdeschrist vor dem Völkerbunde das Verhältnis aber noch als weit ungünstiger eingestehen müssen. Hervorzuheben ist, daß der Eintritt deutscher Parteien in die Regierung auf die minderheitsfeindlichen Methoden des Bodenamtes bisher keinen Einfluß ausgeübt hat. Ungelöst ist vorläufig die Frage der Wälder re form. Die beschlagnahmten Waldslächen betragen 2 433 333 Hektar, 62,7 Proz. des Forstbestandes der Tschechoslowakei. Darauf erhebt in erster Linie der Staat Anspruch Dem gegenüber vertreten die deutschen Sozialdemokraten die Forderung nach Uebernabe der Wald- wirtschastskomplexe an Zweckoerbände der Gemeinden, weil sie darin eine Möglichkeit zur wirtschaftlichen und kulturellen Emporhebung der übervölkerten Grenzgebiete erblicken. Sieg der agrarkapftaliftischen Tendenzen. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß bei der Agrar- Umwälzung in der Tschechoslowakei die agrar k a p i t a l i st i j ch e n Tendenzen gesiegt haben. Wohl sah das Zuteilungsgesetz indi- viduelle und gemeinnützige Lösungen in ebenbürtiger Wertung v v r. Im Zuge der Besitzauslösung des Großgrundbesitzes drangen die individualistischen, ograrkapitalistischen Lösungen aber immer mehr durch, die genossenschaftlichen und gemeinnützigen Ursprungs- ziele blieben mit kaum nennenswerten Ausnahmen unerfüllt. Dos vorläufige Schluhergebnis ist eine folgenschwer« poli- lisch-soziale Umschichtung der Landbevölkerung. Die Landarbeiter als das verläßlichste klassenpolitische Element im Dorfe wurden d ez i m i« r t, die Reste dieser Berufsgruppe dem durch keine feudalen Hemmungen geschwächten Ausbeutungsdrang einer neuen Erundherrcnklasse ausgeliefert, die aus der Restgüter- Zuteilung hervorging. Die neuen Grundherren entsprossen dem Schöße der tschechischen Agrarpartei, der alte Gegensatz zwischen dem bäuerlichen und dem feudalen Agrariertum ist damit ver- schwunden. Mit dem Großgrundbesitz wurden auch ein halbes Hundert Zuckerfabriken, Hunderte von Brauereien, Mälzereien, Mühlen, Spiritusbrennereien usw. unter dem Schlagwort„Ver- bäuerlichung der landwirtschaftlichen Veredelungsindustrie" dem tschechischen Agrarkapital und dem ihm verbündeten Finanz- kapital in die Hände gespiell. Aus der Verschmelzung des alten Feudalbesitzes mit dem Besitz Hunderttausender kapitalistisch orientierter Bauern ist«ine gewaltige Kapitalsmacht entstanden, die — eine einzigartige Erscheinung in Europa— auch das Industrie. und Finanzkapital des Landes unter seine Botmäßigkeit zu bringen versucht. Politisch ist der Effekt des Dcsitzwechsels dos Emporschnellen der tschechischen Agrarpartei im Jahrfünft 1923 bis 1926 von 633 333 auf 973 333 Wählerstimmen. So ist auch die Ent- Wicklung in der Tschechoslowakei ein Beweis dafür, daß agrarische Revolutionen, die nicht zuletzt von den Vorstößen des Industrie- Proletariats ausgelöst wurden, sich in ihrer Eigengesetzlichkeit schließ- lich gegen das Proletariat wenden können. W. I., Prag. die Rentabilität üer Wasserstraßen. Unterlassungen der Reichsbahn. Die Ausführungen, die Generaldirektor Paul Silverberg am Freitag vor dem Enqueteausschuß zur Frage„W i r t s ch a s t und Wasserstraßen" gemacht hat, verdienen heute, im Augen- blick verschärften Kampfes um die Kanäle, besondere Beachtung. Nach Auffassung Siloerbergs könnte die Eisenbahn sämtliche von den Kanälen erwarteten Leistungen ohne weiteres ausführen, wenn sie die neue st en technischen Verbesserungsmöglich- leiten voll ausnutzte: den Großgüterwagen, die Schwer- lokomotive und die durchgehende Güterzugbremse. Das setzt freilich voraus, daß auch an dem Oberbau der Eisenbahn gewaltige Ler- stärkungsarbeiten gemacht werden. Demgegenüber würde der Kanalbau unrentabel erscheinen, namentlich, wenn man bedenkt, daß die landläufigen Berechnungen der Kanalbau- kosten die besondere Belastung der Wirtschaft mil dem Bau bzw. der Abschreibung der erforderlichen Be- und Entladevorrich- t u n g e n außer acht lassen. Volkswirtschaftlich gesehen, würde der Kanalbau eine Belastung des anderen Verkehrsunternehmens, näm- lich der Eisenbahn, bedeuten; denn die Kanäle würden in der wasser- reichen Zeit den Eiisenbahnen einen Teil des Verkehrs nehmen, um sie in der Zeit des Frostes und des niedrigen Wasserstandes mit Spitzenbedarf zu belasten. Die Eisenbahn muß also bei einem verringerten Verkehr mit nicht verringerten Anlagetosten rechnen. Da der Kanalverkehr in der Hauptsache nur auf lange Entfernungen in Betracht kommt, würde durch den Kanalbau der von der Wirtschaft augenblicklich geführte Kampf mit der Reichsbahn um die Ermäßigung der Nahtarife aussichtslos werden, denn die Reichsbahn würde sich nicht etwa durch gesteigerte Einnahmen beim Ferntarif entschädigen können. Im einzelnen zeigte der Redner, namentlich an dem Beispiel des Aachen-Rhein-Kanals und des von dem Ruhr-Steinkohlenberg- bau verlangten Hansa-Kanals die Unzulänglichkeit der Argumentation der Kanalfreunde. Etwas freundlicher stellte er sich dem Rhein- Donau-Kanal gegenüber, von dem er sich eine gewisse Ent- Wicklung der bayerischen Elektrizitätswirtschaft verspricht, und dem er namentlich auch politische Bedeutung behmßk. Wirtschaftlich gesehen dürste man aber, vielleicht nur mit Ausnahme- des Mittelland- kanals, der nun einmal begonnen ist, und den man im gegenwärtigen torsoartigen Zustand nicht belasten kann, das Verlangen nach Ka- nälen ablehnen. Herr Silverberg war in der glücklichen Lage, daß die Interessen der von ihm vertretenen Braunkohlenindustrie sich in diesem Fall mit dem gesunden volkswirtschaftlichen Urteil decken Mag der Kampf um die Nahtarife sowie die besondere Betonung der süddeutschen Elektrizitätsmöglichkeiten eine besondere Angelegenheit der Braun- kohlenindustrie sein, so ist doch die Folgerung, nämlich das Verlangen nach einer technischenSteigerungdesBahnbetriebes und»ach einer Vereinheitlichung unserer Verkehrs- Politik politisch richtig. Es erscheint wirklich unverständlich, daß die bereits vor Monaten oerlangte Zusammenarbeit des Wasserstraßenbeirats-Ausschusses mit dem Reichsbahn-Ausschuß -immer noch nicht zustande gekommen ist. Vielleicht gibt dar- über das Verkehrsministerium bei nächster Gelegenheit Auskunst. Daß aber auch die technische Modernisierung der Reichsbahn in ihrem Tempo durchaus hinter der Theorie zurückbleibt, die die Reichsbahn in der Polemik gegen die Kanalfreunde anführt, haben wir wieder- Holl betont. Auch über dieses Kapitel: die unzulänglichen Neu- lnoestitionen der Eisenbahn, ist das Reichsoerkehrsministerium der Oejfentlichkeit noch Auskunft schuldig. Nückgang öer Arbeitslosigkeit! Für die zweite Januarhälfte wirt) in den Ziffern der Hauptunter- stützungsempfänger ein leichter Rückgang gemeldet, und zwar von 1 838 333 auf 1 826 333, also eine Verringerung von rund 12 333 oder 3,7 Proz. Bemerkenswert ist, daß dabei die Zahl der m ä n n- l i ch e n Hauptunterstützungsempsänger nicht gesunken, sondern von 1666 333 um 3333 auf 1 668 333 gestiegen, während die Zahl der weiblichen Hauptunterstützungsempfänger von 283 333 u in 16 33 3 auf 268 333 zurückgegangen ist. Die kürzlich für Berlin gemachte Beobachtung steigender Arbeitslosigkeit männlicher Kräfte bei stärkerem Rückgang der weiblichen Erwerbslosigkeit wird damfi für das g e s a m t e R e i ch bestätigt. Es muß allerdings berücksichtigt werden, daß in den Ziffern der Hauptunterstützungs- empsänger die Zahl der A u s g« st e u e r t e n sehll. Gegenüber der entsprechenden Zell des Vorjahres wird also auch jetzt noch wohl kaum ein« Besserung festzustellen sein. Immerhin ist beachtlich, daß der leichte Rückgang mit der noch vorherrschenden Besserungs- tcndenz der Wirtschaftslage übereinstimmt. KGö.-Erfolge im Januar. ZNitglicderzuwachs, Umsatz- und Spareinlagenstelgeruag. Der erst« Monat im Jahre 1927 bracht« der Äonsum-Genossen- schaft Berlin«inen Zugang von 1966 Mitgliedern. Der Mitgliederbestand ist damit auf 146 612 gestiegen. Der Gesamt- Umsatz im Januar belief sich auf 3 133 344.81 M.; gegenüber dem gl«ichen Monat des Vorjahres bedeutet das Januar-Ergebnis eine Steigerung von 574 672,73 M. gleich 22,7 Prozent. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung der konfumgenossenschaftlichen Sparkasse; 261761 M. Auszahlungen stehen 992 769 M. Einzahlungen gegenüber, so daß eine Vermehrung des Einlagebestandes um 741 338 M.«ingetreten ist und nunmehr die Sparkasse über 13 464 622 M. Spargelder ver- fügt. Vom Januar 1927 ab sind die mit 23 Proz. aufgewerte- t e n Beträge der älteren Spareinlagen für die Rückzahlung frei- gegeben worden; die obigen Ziffern zeigen, daß von dem Recht zur Rückforderung fast kein Gebrauch gemocht wird. Die Aus- Zahlungen sind wesentlich niedriger als im Vormonat, während die Einzahlungen alle bisherigen Monatsziffern weit zurücklassen. Die Spareinlagcnvermchrung um rund 31 Millionen Mark im Januar 1927 ist die höchste seit der Währungsstabilisierung._ Starke Devisenabslüsse der Reichsbank. Der Ausweis der Reichs- dank vom Ende der ersten Februarwoche zeigt einen Rückgang in der Anlage der Reichsbankmittel um 73,6 auf 1616,1 Millionen. Die Kapitalanlage der Reichsbank ist damit wieder aus den Stand vor der ersten Dezemberwoche 1926 zurückgegangen.(1632,1 Millionen). Der starke Aufschwung, der für das Jahresende zu verzeichnen war, ging also trotz der Diskontsenkung verloren. Die Wechselbcstände sind um 36,7 auf 1378,3 Millionen gesenkt, womit der Stand der ersten November woche 1926 nur um 33 Mil- lionen überschritten und gegenüber der ersten Januarwoche 1927 ein« Senkung von über 315 Millionen zu verzeichnen ist. Die Lombarddarlehen sind um 33,8 auf 47,8 Millionen Zurück- gegangen. Beachtlich ist, daß die auf Girokonto angelegten Gelder auch bis zum 7. Februar weiter zurück gingen, und zwar um 31,2 auf 543,4 Millionen. Der Umlauf an Rcichsbanknoten senkte sich um 136,9 auf 3273,7 Millionen, derjenige an Rentenbank- scheinen um 37,2 auf 1373,9 Millionen. Die Goldbestände bliebe» mit 1834,6 Millionen-'fast unverändert. Dagegen ist sehr auffällig die starke Abnahme der Bestände an deckungssähi- gen Devisen. Nachdem diese in der letzten Januarwoche schon um 83,4 Millionen gesunken waren, ist in der Woche zum 7. Februar eine weitere Senkung um 127.7 auf 293,4 Millionen erfolgt. Dieser starke Rückgang hat bei der Deckung der Noten zunächst die Folge aehabt, daß die Golddeckung infolge der sonstigen Entlastung der Reichsbant zwar von 63,3 auf 66 Proz. gestiegen ist, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen zusammen dagegen in der gleichen Woche von 66,2 auf 65 Proz. sank; eine entgegengesetzt« Tendenz in der Deckungsbewegung also, die noch selten zu verzeichnen war. Heber die G r ü n d e dieser großen Devisenabgaben saat die Reichsbank leider nichts, obwohl es notwendig ge- wesen wäre. Man wird aber annehmen dürfen, daß die geringe Neuaufnahme von Auslandsanleihen im Zusammenhang mit der Bewegung des Außenhandels, der niedrige Zinsfuß und fällige Zahlungen an das Ausland den Devisen zu f l u ß mit der Devisen- nachfrage in ein Mißverhältnis gebracht haben wird. Die Maschinenindustrie im Iannar. Wie vom verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten gemeldet wird. Hot der Monat Januar wie in der Gesamtwirtschaft, so mich in der Maschinenindustrie keine wesentliche Aenderung der Lage gebracht. Der Auf- tragsein gang erfuhr im ganzen kaum eine Veränderung. Besonders im Auslandsgeschäft scheinen im allgemeinen keine weiteren Fortschritte erzielt worden zu sein, wo die Abschlüsse leicht an den von der Ausland-kundschaft geforderten Zahliinaserle'chte- rungen und weitgehenden Krediten scheitern. Der Beschäftigungsgrad der deutschen Maschinenindustrie war im Berichts- monat etwa der gleiche wie am Ende des vergangen«» Jahres. Wo in den letzten Monaten übernommene Austräge in Arbeit genommen werden konnten, wurden auch mancherorts die Belegschaften in engen Grenzen durch Neu- oder Wiedereinstellungen verstärkt. Ein gewisser Rückgang der Kurzarbeit ist zu verzeichn«», von der aber immer noch etwa 15 Proz. der Gesammrbeiterbelegschaften der Maschinenindustrie betroffen werden. Die Aussichten für die nächsten Monate werden im allgemeinen nicht ungünstig, wenn auch nicht optimistisch beurteilt. Zum Schluß betont der Bericht, daß Erhöhung der Rohstoffpreise, Lohn- und Gehaltserhöhungen und ander« Einflüsse die leichte Geschäftsbelebung wieder zum Stillstand bringen könnten. So wenig wir die besondere Lage der Maschinen- industrie verkennen, so haben wir aber doch den Eindruck, daß der Bericht di« Lage schwieriger erscheinen läßt, als si« nach den nicht unerheblichen Auflragszugängen der letzten Monat« sein kann. Nr. 72>»4. Jahrgang 2� SovnabenS, ,2. Februar 1H27 Marx als Kappiftenverteiöiger. Die Interpellation im Reichstag.— Das Zentrum steht zum Kapp-Minister. Mißtrauensvotum abgelehnt. Die gestrige Reichstogssitzung, über deren Beginn wir in einem Teil unserer Abendausgabe bereits berichteten, brachte die Beratung der kommunistischen Interpellation sowie de» sozialdemokratischen und des demokratischen Mißtrauensantrages gegen den deutschnatio- nalen Innenminister o. Keudell. Wir tragen für die Abend- ausgäbe den ergänzten Bericht nach. Zunächst ergriff das Wort Abg. Torgler(Komm.) zur Begründung der kommunistischen Anträge. Der Reichskanzler habe sich mit Herrn v. Keudell sali- dorisch erklärt. Das Zentrum wolle den Innenminister nicht fallen lassen, gleichgültig, wie das Ergebnis der Untersuchung sei. (Unruhe im Zentrum.) Der Reichskanzler wollte ursprünglich ein« Erklärung opr der Tagesordnung abgeben, um eine Aussprache zu verhindern. Das sei eine unerhörte V e r g e w o l t i- g u n g.(Der Präsident rügt diese Ausdrucksweis« und stellt fest, daß über den Umfang der Aussprach« nicht der Reichskanzler«nt- scheidet, sondern der Reichstag.) Minister v. Keudell fei ein eifriger Förderer und Mitarbeiter der saschiftischen. seit 1923 verbotenen Organisation„Olympia". Ein sogenanntes Sommerlager dieser Organisation habe v. Keudell auf seinem Gut chohenlübbichow be- herbergt und beköstigt. Die Mitglieder der„Olympia" wurden dort m i l i tä r i s ch von einem Reichswehrleutnimt Szalla ausgebildet. Herr v. Keudell habe wiederholt an die jungen Leute An- sprachen gerichtet, in denen er die Miederausrichlung der allen hohenzollern-Manarchie als erstrebenswertes Ziel bezeichnete. In seiner letzten Reichstagserklärung habe Minister von Keudell die Unwahrheit gesagt. Die„Iungdeutschlondobteilung", die er nach dieser Erklärung im Jahre 1326 beherbergt haben wollte. sei tatsächlich eine Abteilung der inzwischen verbotenen„O l y m p i a" gewesen, die sich hinter dem Deckmantel.Lungdeutschlandbund" ver- steckt«. Ausgerechnet dieser Putschistensreund v. Keudell soll« nun die Aufgabe hoben, die republikfeindlichen Organisationen zu ver- folgen. Die erbärmlichen Ausreden des Ministers hätten gezeigt, daß Herr v. Keudell nicht einmal den bescheidenen Mannes- m u t aufbringen könne.(Präsident Löbe ruft den Redner zur Ordnung.) Um mit v. Keudell das Konkordat abzuschließen, gebe da» Zentrum auch die Interessen der christlichen Ar- heiter preis.(Widerspruch im Zentrum.) Marx verteidigt Keudell. Reichskanzler Dr. Marx beantwortet die Interpellation fol- gendermoßsn: Ich glaube, daß ich dem Wunsch« weiter Kreis« diese» hohen Hauses entspreche, wenn ich mich nicht auf die Beantwortung der kommunistischen Interpellation beschränke, sondern den gesamten Fall v. Keudell vor Ihnen hier erörtere. Die Untersuchung. die streng objektiv, sachlich und leidenschastslos von mir vor- genommen worden ist, und die alles Material umfaßte, das mir aus den Akten und aus den Mitteilungen in der Oeffentlichkeit in diese» Tagen zugegangen war, hat mich in die Lage versetzt, mir ein zuverlässiges und abslbließendes Urteil zu bilden. Zunächst ist gegen den Herrn Reichsinnenminister«in Bor- wurf erhoben worden wegen seines Verhaltens als damaliger L a n d- rat des Kreises Königsberg in der Reumark zurzeit des Kapp-Putsches. Ich mache darauf aufmerksam, daß es sich um Königsberg in der Neumart handelt, einem Ort, der nicht weit von der Grenze des Korridor» entfernt liegt. Herr Dr. v. Keudell hat bereits in diesem Hause zugegeben, daß er 1320 die Bekannt- machungen des Mllitärbefehlshabers veröffentlicht hat, insbesondere als Sonderblatt des„Amtlichen Nachrichtenblattes", und daß er sie auch als Plakate verbreiten ließ. Diese Veröffentlichung geschah aus ausdrücklich« Anwelsung de» flSndigeu Stellvertreters des von seinem Amtssitz Frankfurt an der Oder gerade abwesenden Reglerungspräsidenten Bartels Reglerungsrots Leuner. Ich bitte Sie, sich in die Lage des Landrats in dem kleinen, ab- gelegenen Landstädtchen versetzen zu wollen!(Lachen bei den Äom- munisten.) Irgendwelche Nachrichten waren ihm nicht zugegangen. Die Folgen des vollzogenen Staatsstreichs äußer- ten sich infolgedessen in der Unterbindung aller Nachrichtenwege. Di« Kundgebungen der alten rechtmäßigen Regierung konnten also in den ersten Tagen nicht nach Königsberg gelangen.(Zurruf bei den Kommunisten: Aber die des Militärbefehlshabers!) Um nichts zu versäumen, hat Herr v. Keudell sowohl den stell- vertretenden Landrat Grafen v. Finten st ein nach Frankfurt an der Oder gesandt, um dort die Regierung zu informieren, wie auch um sich selbst Anweisungen zu holen. Graf Finkenstein hat mit- geteilt, der stellvertretende Regierungspräsident habe ihm über die Lage nichts Neues mitteilen können, er habe dem Landrat den Auf- trag gegeben, den Befehl des Militärbefehlshabers zu befolgen. Sobald die erste Nachricht von der Rückkehr der versassungs- mäßigen Regierung durch die Militärbehörde eintraf, am 18. März 1323, hat Herr v. Keudell diese Nachricht umgehend an die nach- geordneten Stellen weitergegeben und anders lautende Anordnungen sofort widerrufen und darüber hinaus noch die Einziehung der Plakate angeordnet.(Lachen links.) Er hat auch die Anordnung des Oberpräsidenten von Brandenburg vom 20. März 1320 umgehend durch weitestgehende Verbreitung bekanntgegeben.(Zu- ruf bei den Kommunisten: Weil er die Hosen voll hatte) Nach der ganz überwiegenden Auffassung der Rechtsprechung— ausdrückliche Bestimmungen darüber fehlen in der preußischen Gesetzgebung— bat der Beamte in erster Linie den Anordnungen der vorgesetzten Dienstbehörde zu gehorchen, insbesondere dann, wenn eine aus- drückliche Weisuno der vorgesetzten Dienstbehörde vorliegt. Das war hier der Fall.(Widerspruch und Zurufe links.) Ich weife ferner darauf hin, daß damals vor dem Kapp-Putsch der militärische Aus- nahmezustand bestand, und nach den damaligen Bestimmungen war die Regieruagsgcwalt auf die militärischeu Befehlshaber übergegangen. und danach war Herr v. Keudell verpflichtet, jedenfalls bereclitigt, den Anordnungen des Militärbefehlshabers Folge zu geben. Ems der ersten Pflichten des Landrats besteht darin, für Ruhe und Ordnung in seinem Kreise zu sargen. Es war deshalb eine gegebene und zweckmäßige Maßnahme des Landrals, an der Zäckericker Brücke seine wenigen Gendarmen zu sialionlereü.(Lachen links.) Die Bedeutung dieser Maßnahme ist klar, wenn man einen Blick auf die Landkarre wirst. Daraus ergibt sich ohne weiteres, daß es der Zweck war, Uebergriffe von Unruhen aus dem Ebers- walder Kreise her zu verhindern. Es ist ferner behauptet worden, der damalige Landrat v. Keudell habe einen in Küftrin ausgestellt gewesenen Panzerzug in Bär- walde auffahren lassen, und der Zug sei dort auf«in Nebenglei» abgeschoben worden. In der Tat ist die Entsendung eines Panzer- zuges noch Bärwalde ausdrücklich auf Anweisung des K o m m o n- danten der Festung Küstrin erfolgt. Der Landrat v. Keudell erhielt von diesen Porgängen erst nachträglich Kenntnis. Was die Bchauptung anlangt, der Landrat v. Keudell habe einen u n z u- lässigen Druck aus den Vertrauensmann des Land- arbeiterverbandes auegeübt, so ist es richtig, daß Herr v. Keudell mit diesem Vertrauensmann damals zusammen- getroffen ist. Herr v. keudell hält es auch für möglich, daß er, gemäß der ihm von der Militärbehörde erteilten Weisung, einen Generalstreik zu verhindern, den Vertrauensmann vor einer Vropaganda- tätigkeit zugunsten eines Generalstreiks gewarnt hat. lLebhafie Zurufe und Unruhe links.) Zm März 1920 Ist Herr v. keudell in den einstweiligen Ruhestand verseht worden. Er hat bald danach in einer Besprechung mit dem Regierungs» Präsidenten um beschleunigte Untersuchung seiner Haltung während der Kapp-Tage gebeten. Er hat nichts unversucht gelassen, diese seine Haltung während des Kopp-Putschcs klarzulegen.(Hört, hört! rechts.) Am 18. Mai 1320 hat Herr v. Keudell an den Dezer- nenten für Kapp-Putsch-Untel-fuchungsausschüsse schriftlich den An. trog gestellt, vor dem Untersuchungsausschuß gehört zu werden. Eine Untersuchung oder ein Disziplinarverfahren ist ledoch niemals eingeleite: worden; Herr v. Keudell ist in dieser Beziehung heute noch ohne jede Nachricht.(Hört, hört! rechts.) Unter dem 22. Juni 1321 ist Herr v. Keudell von dem preußischen Minister des Innern, in Vertretung Freund, und dem preußischen Jinanzm'nistcr der Regierung Stettin überwiesen und mit dem Posten eines S a ch- verständige» bei einem wirtschaftlicl, en Aus- f ch u ß beauftragt worden. Herr v. Keudell hat diesen Posten krank- heitshalber nicht antreten können. Im März 1922 sollte Herr v. Keudell zum Regierungsrat bei der Regierung in Arnsberg e— nannt werden. Aus den Personalakten geht hervor, daß der Ent- wurf des Erlasses sowohl vom preußischen Minister des Innern,' i. V. Freund, als auch von dem vreuhrfchen Finanzmmister gezeichnet worden ist.(Hört, hört! rechts.) Der Erlaß konnte nicht zur Aus- führung kommen, well Herr v. Keudell inzwischen den A p s ch i e d aus dem Staatsdienst genommen hatte. Ich glaube, den Schluß ziehen zu dürfen, daß auch di? preußische Staatsregierung damals schon sein Verhalten nicht so beurteilt hat, daß sie eine neuer- liche Berufung in den Staatsdienst für ausgeschlossen hielt.(Sehr richtig! rechts�) Ich komme nun zum Küstriner Putsch. Noch der Untersuchung steht fest, daß der jetzige Reichsinnenminister sich keinesfalls unmittelbar an dem Putsch beteiligt hat.(Lärm bei den Kommunisten. Ruse: Mittelbar!) Er hat den Oberst G u d o v i u s nach dem Putsch nur besucht, um ihm zu danken, daß der Oberst durch seine Haltung gegenüber Putschversuchen seinen Kreis Königs- berg vor schweren Schäden bewahrt hat.(Lärm bei den Kommu- nisten.) Herr v. Keudell ist auch bei anderen Gelegenheiten nicht für den Küstriner Putsch eingetreten. Gegen Herrn v. Keudell sind weiter Vorwürfe erhoben worden, die auch in der Interpellation zum Ausdruck kommen, daß er Angehörige von Verbänden als Gäste bei sich gehabt hat. Herr o. Keudell ist jahrelang von den verschiedensten Organisationen gebeten worden, er möge Mit- glieder von ihnen für einige Zeit auf seinen Gütern unterbringen. Herr v. keudell hat jahrelang in weitestem Maße solche Gast- sreundschast geübt. (Lachen und Zwischcnnife bei den Kommunisten.— Durch da? fort- gesetzte Lärmen der Kommunisten geht manches von der Rede des Reichskanzlers verloren.) Herr v. Keudell hat cyich Kinder der Ruhr Industrie bei sich gehabt, ebenso jüdische Frontsoldaten.(Hort! und Heiterkeit rechts.) Im übrigen waren die Gäste stets auf dem Vor- werk, das vier Kilometer vom Gutshaus entfernt liegt. Herrn v. Keudell war es persönlich fast nie möglich, sich um diese Gäste zu kümmern.(Lärm bei den Kommunisten.) Den Oberst v. Luck hat öierr v. Keudell erst durch die Presse her gekannt. Es ist aus Grund der Aufzeichnungen festgestellt, daß Herr v. Luck einmal in Abwesenheit des Herrn v. Keudell im Jahre 1323 einen Tag lang auf dem Gute gewesen ist.(Zwischenruf bei den Kommunisten.) Was Sie(zu den Kommunisten) tatsächlich feststellen, beruht auf den Aussogen anderer Personen. Daß der Verband„Olympia" erst am 23. Mai 1320 verboten worden ist, dürfte bekannt sein. Im Jahre 1320 war auf dem Gut der I u n g d e u t j ch l a n d b u n d untergebracht, der als unpolitisch bekannt ist und m keiner Weise mit der ehemaligen„Olympia" oder anderen verbotenen Verbanden etwas zu tun hat. iLachsn bei den Kommunisten.) Eine militärisch« Ausbildung fand nicht statt, also auch keine militärische Schießaus- bildung. Schießsport wurde nur wenig getrieben. Auch von dem im Jahr« 1324 als Sportlehrer in Hobenlüb- bichow untergebrachten Leutnant Schaller weiß Herr v. Keudell aus den angegebenen Gründen aus persönlicher Kenntnis nichts. Von anderer Seite ist mir die Mitteilung geworden, daß Leul- nant Schaller während feines Urlaubs damals junge Leute sportlich und turnerisch ausgebildet hat. Auch nach der Stellungnahme des Rclchswehrministeriums ist das durchaus crlaubl. Das Reichswehrministcrium betont durchaus das Recht der jungen aktive» Offiziere, in ihrer dienstfreien Zeit sich nach Kräften der Stählung der Jugend zu widmen.(Erneuter Lärm bei den Kommunisten, in welchem die nächsten Worte des Reichskanzlers zum Teil wieder untergehen.) Es ist weiter daran: hingewiesen worden, daß im Jahre 1326 der Lehrer F r i tz m a n n dos Sommerlager in Hohenlübbichow geleitet habe. Er sowohl wie ein Leut- nant z. D., der gleichfalls i» diesem Zusammenhang genannt wurde, standen im vorigen Jahre längere Zeit in der sportlichen Jugend- arbeit Ein Hauptmann W a ck e> z a h l von der„Olympia" ist Herrn v. Keudell nur flüchtig b c k a n nt. Die Verhandlungen über die Unterbringung der jungen Leute haben stets die Guts- beamtsn geführt'. Da Herr v. Keudell sich um die Sommerlager auf seinem Gut nicht gekümmert hat. so ist auch die Behauptung ob- wcgig, er habe eine Nachtübung geleitet. Daß er sich einmal von den jungen Leuten mit einigen Warten verabschiedet hat, hält ............. 4� KÖNIGIN V.SABA....... 4� BACCARAT- 5L uns form des politischen Kampfes hat der Mann mitgemacht, der nun Reichsminister sein soll. Wir können zu einem solchen Minister kein Bertrauen haben.(Beifall links). Nach einem Schlußwort des Abg. Creuhbarg(komm.) wird der mokivierle Wißtrauensanlrag der demokratischen ZrakNon in namenllicher Abstimmung mit ZI? gegen 161 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt. Die nicht motivierten Mißtrauensanträge der Sozialdemokralen und Kommunisten werden darauf in namen fllcher Abstimmung mit 218 gegen 163 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt. Die Ergänzung der Verordnung über die Fürsorg« für erwerbslose Seeleute wird dann in zweiter und dritter Be- rotung ohne Debatte angenommen. Wohnungszählung unö Wohnrecht. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die Reichswohnungszählung im Jahre 1927 und die Fest- stellung der Zahl der Wohnungsuchenden. Der Wohmmgsausschuß beantragt der Borlag« zuzustimmen, ferner folgende Entschließungen anzunehmen: „Der Reichstag wolle beschließen: I. dem Gesetzentwurf in der aus anliegender Zusammenstellung ersichtlichen Fassung die verfassungsmäßige Zustimmung zu erteilen: II. folgende Entschließungen anzunehmen:-) Die Reichsregierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß in den Erhebungspapieren unter anderen folgende Fragen Berücksichtigung finden: 1. Benutzen die Untermieier die Küche des Hauptmieters mit? 2. Seit wann hat der Hauptmieter die Wohnung inne? 3. Welche Staatsangehörigkeit besitzt der Hauptmieter(Reichsdeutscher, Russe, Pole, Tscheche usw.?) b) die Reichsregierung zu ersuchen, im Einoernehmen mit den Ländern die Zahl der in Werkwohnungen befindlichen betriebsfremden Per- fönen festzustellen." Abg. Lipinski(Soz.) begründet mehrere Aenderungsanträg« feiner Fraktion. Die Wohnungszählung sei die erste in Deutschland, sie müsse deshalb so umfassend wie möglich vorgenommen werden. Vor allem müsse dabei auch auf die gesundheitlichen Ber- Hältnisse der Wohnungen Rücksicht genommen werden. Die durch den Gesetzentwurf vorgesehene Wohnungszählung umfasse nur 3478 Ge- meinden mit 44,5 Prozent der Gesamtbeoölkerung, während nahezu 60 000 Gemeinden aus der Zählung herausblieben. Es komme jetzt darauf an, die Bestimmungen der Verfassung zu oerwirkljchen, wo- nach jedem Deutschen eine gesunde Wohnung und allen Familien, besonders den kinderreichen, ein« gesunde Wohnung und eine h« i m st ä t t e zu sichern ist. Das wird aber nicht erreicht, wenn man nur die Wohnungsoerhältnisse im ollgemeinen feststellt und nur die Wohnräume zählt, man muß vielmehr die Flächen- räume feststellen, die den einzelnen Familien zur Verfügung stehen, besonders die Flächen in jenen Wohnungen, in denen sich mehrere Familien zusammendrängen müssen. Im Ausschuß war zuerst auch beschlossen worden, die Wohnungs- Verhältnisse auf dem Lande festzustellen. Zwischen der ersten und zweiten Äsung lag aber die Regierungsbildung, und da kamen die Regierungsparteien zu der Erkenntnis, daß man die Der- hällnisse auf dem Lande nicht berühren dürfe. Daher die Entschließung des Ausschusses, wonach nur die in W e r k w o h n u n g e n be- findlichen betriebsfremden Personen festgestellt werden sollen. Die vom Ausschuß beschlossene Frage nach der Staatsangehörigkeit be- deutet einen Ausfluß der Rassepolitik zu antisemitischen Zwecken. Im alten Deutschland hat man zwar die Arbeitskrast der Ausländer in Anspruch genommen, aber das heimatsrecht wurde? ihnen nicht gewährt. Zu einer Wiederholung dieser Zustände darf es nicht mehr kommen.(Lebh. Beifall b. d, Soz.) Unter Ablehnung aller Abänderungsanträge, auch der von der Sozialdemokratie gestellten, wird hierauf die Vorlage in zweiter und dritter Lesung verabschiedet. Das hau» stimmt auch den Eni- schließungen des Ausschusses zu. Um 5%""--- Uhr. oertagt sich dos Haus auf Mittwoch, den 16. Fe- bruar, nachmittags 3 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Reichshaushalls. ».».0 WR1GLEY A.G. FABRIK: FRANKFURT a. AI Sonaabenü 12. Jebruar 1927 Unterhaltung unö ÄAtffen Settage des vorwärts Moskauer Nachtasyle. lSchluß.) Durch die Cchlafräum« für Männer gelangt man in di« Lb. tcilung für Frauen. Vor der Tür hängt ein Schloß. Für di« Nacht mcrden die Frauen eingeschlossen. Die Aufseherin überzeugt sich von Zeit zu Zeit, ob auch die Tür«rschlosien ist oder ob... Wer verbringt die Nacht hinter diesem Schloß? Die Verstoßene« — dos sind die Bewohnerinnen des Nachtasyls für Frauen. Jede hat ihr Drama, ihre Tragödie. Meist sind es junge, während der Schwangerschaft von Männern verlassene Frauen. Im Asyl er- warten sie die Geburt. Wo sollen sie sonst hin? chier bleiben sie mit dem Neugeborenen, sofern es nicht in einem Kinderhort unter» gebrocht werden kann. Sich vom Kindchen trennen— oder... «Zum Beispiel: aussetzen," bemerkt eine. Viele Frauen leben hier mit ihren Kindern, mit ihren Säug- lingen. Schwangere und bereits mit Kindern gesegnete. Die Mutter nährt ihr Kleines und plaudert gelassen. Lebte m der Provinz. Der Mann ging nach Moskau. Schrieb nicht mehr. Sie fuhr ihm nach, ibn zu suchen, denn di« schwer« Stunde nahte. Wo mag er nur fein? Sie weiß«- nicht. Und so gebar sie im Nachtasyl... Ihr« Nachbarin hat es besser, der«n Kind ist im Kinderhort. Beide suchen Beschäftigung, helfen einander. Sie fanden sich im gemeinsamen Leid. Gegenüber hockt ein blendend schönes Mädchen, siebzehnjährig. Schwarze, lang« Zöpfe ringeln sich auf ihrem Rücken. Ein weißes, einst schönes Kleid hängt in Fetzen herunter. Die«Hedem schmucken Pantoffeln sind längst abgetreten, zerrissen, mit Bindfaden gebunden. Sie liest ein Buch. Bereitwillig gibt sie Auskunft. Tochter eines sibirischen Goldindustriellen. Lebte letztens vom Schokoladenhandel. Seit August handelt sie nicht mehr.„Warum?"„Sehen Sie das nicht? Schwanger im neunten Monat. Mein Mmm verließ mich." Sie lebt jetzt davon, was ihr die Bekannten ihres Baters geben. Ihre Mutter wohnt in Moskau.«Warum sind Sie nicht bei der Mutter?" Sie schweigt. «Na, was machts!" tröstet sie die Nachbarin,«in« alte, auf der Reise nach Palästina steckengebliebene Jüdin.«Was machts, wenn auch dein Vater reich war! Auch ich war nicht arm. Alles hatte ich. Gott sei Dank! Man bestahl mich— Gott wollt« es Man bestahl mich just auf der Reis« nach Palästina. Egal— Gott wird mir schon Helsen!" Dem Gespräch hört eine dritte zu. Die chaare nach hinten ge- kämmt. Blaues Kleid. Offenes Gesicht.„Und wer sind Sie?" «Arbettslos, handle mit Büchern. Neunzehn Jahre." Ihre„Ware" liegt unterm Kissen. Eine andere: Bubikopf. Tiefliegend«, mtt erkaltetem Stolz blickende Augen.«Warum sind Sie hier?"«Darum, well ich keine A-bett Hab«, well zu chäuse kein Platz für mich ist."„Verheiratet?" „Ledig. Ist das nicht gleich?" An die Reihe kommt ein Backfisch, mtt Lumpen bedeckt, mit schweifendem Blick und wirrem Haar. Bei unserem Erscheinen flüchtet di« Kleine mit wildem Gekreisch. Di« Freundin bringt sie zurück, nötigt sie ins Bett, deckt sie zu, beruhigt sie und plaudert mit- ihr. Woher kommen di« beiden? Wer find sie? Welchen Weg wandeln dies« zwei Wesen? Im gegenüberliegenden Winkel hausen zwei ander«. Der Weg ihres Lebens ist gleich erkennbar. Sie haben sich oerabredet. Kennen ihr Alter nicht.„Meinen Geburtsschein habe ich längst verloren," schreit di««ine,„was mich auch gar nicht reut".«Wie alt sind Sie ungefähr— 15, 40 Jahre?"«Ob 15 oder 40— mir egal. Meine Jahr« interessieren mich nicht. Woher ich gebürtig bin, ist auch nicht wichtig. Meine Mutter sagte es nicht bei meiner Geburt, na, und ich habe sie auch nicht gefragt, wo sie mich zur Welt brachte." Die Freundin interessiert sich auch nicht für ihre Jahr«. Sie locht häßlich, wobei die offenen Lippen klaffend« Zahnlücken sehen lassen.«Womtt ich mich beschäftige? Mit nichts! Am Tage bin ich meiner Mutter Gast, nachts bin ich hier."«Schwindle nicht," sagt die Aufseherin,«bekenne, daß du stiehlst. Alle wissen das."„Wie sollt« ich! Hier ist doch nichts abhanden gekommen. Bor Gericht war ich noch nicht. Und wenn ich im Gefängnis war, dann nur infolge eines Irrtums. Ich gehe zur Mutter nur zu Besuch. Davon lebe ich." Weiter hinten liegen verdächtige, runzlige, alle Weiber, mit verlogenem, unstetem Blick. Wie lange sie hier sind, woher sie kommen, was sie treiben, ist nicht zu erforschen. Ihre perschrumpelten Gestatten erinnern an Wahrsagerinnen, weis« Frauen, Hexen, Fall- süchtige. Sie murmeln und jammern. Ihre Handgelenke sind ver- krümmt. Man oermeint, stumpfe, verblödete Dorftrinen vor sich zu sehen. Ekelhaft. Fliehen möchte man vor ihnen. Die weiteren Reihen rekrutieren sich aus Zuwanderern, alle vom Dorf. Eine Bäuerin, dreißigjährig. Der Mann erschlagen. Sucht Arbeit. Eine andere, jung, hübsch, weiß« kräftige Zähne— bettelt. Eine Frau von 50 Jahren, mit zwei Töchtern, schnorrt Reisegeld zusammen, um ins Dorf zurückkehren zu können. Kam, um ihren Mann zu suchen, fand ihn aber nicht.„Wird schon eine andere genommen haben," bemerkte sie demütig. Nebenan schlafen Kinder—«in dreizehnjähriges Mädchen und ein winziges, greisenhaftes Wesen von fünf Wochen. Ich ftage nach der Mutter dieser Kinder. Das Mädchen richtet sich auf:«Die Mutter bin ich."„Du? Wie alt bist du?"„Zwanzig."«Sie lügt, noch kein« fünfzehn," werfen die Nachbarinnen dazwischen. Die kindliche Mutter erhebt sich und betreut ihr Kleines. Sie ist Nein von Testatt. Kindliche Manieren, kindliche Figur, kindliches Gesicht.„Ist dein • Mann bei dir?"«Ja. ist ein Schlosser, schläft auch im Asyl." «Wovon lebst du? Wo kommst du her?"«Vom Dorf, nähre mich von milden Gaben. Gute Menschen geben schon was. Auch du kannst mir eine Kopeke geben. Bitte, bitte!" Von Almosen leben di« meisten Bewohnerinnen des Nachtasyls. Kleine, blasse, abgemagert« Kinder, oft mit ersrorenen Füßen, sind den bettelnden Frauen eine Quelle des Erwerbs. Kindern wird ja eher was geschenkt. Di« Frauen ohne Kinder leben von Gelegen- heilen oder von„weiblicher" Arbeit. Solche Verhältnisse herrschen im Asyl für Frauen. Da vegetieren sie zwischen Lumpen, Windeln und Decken, zwischen zappelnden, weinenden, winzigen Wesen. Süll seufzen die Mütter. In nervösem Schlaf wälzen sich junge Mädchen und Frauen. Geht man an den Schlafstätten vorbei, vermeint man. auf dem Weg« eines großen Menschenleids, eines tiefen weidlichen Elends zu schreiten. In diesen Stuben, hinter Schloß und Riegel, liegen die einsamen, verlassenen Frauen, die das Leben als lästige, überflüssige Geschöpfe in den Abgrund stieß. Die sozialen Lebensbedingungen sind immer noch großenteils gegen das Weib gerichtet. lv-dcrtragcn wm Bicu-r S-Iinowlii.) Keuöells Apotheose , Gerettet ist das edle Glied Des Kabinetts vom Söfen. wer sich für's Zentrum brav bemüht, Den können wir erlösen!" die Mutationslehre. von Willy Ley. Als vor einiger Zeit Professor Westenhöfer mit seiner Behaup- tung hervortrat, daß im Abstammungsverhältnis der Säugetiere untereinander einiges umzusortieren sei, ging von dieser Wissenschaft- lichen Speziolfrage ein allgemeiner Sturm durch den deutschen Blätterwald. Ein Sturm, der nach Ansicht seiner Verfertiger die gesamte Entwicklungslehre entweder glatt abmurkste oder anderer- feits überhaupt erst lebendig machte. Man sagte aber nicht Eni- Wicklungslehre, sondern Darwinismus. „Der Darwinismus ist tot," sagten die einen.„Es lebe der Darwinismus," sagten die anderem Wer recht hatte? Beide. Es kommt nämlich ganz darauf am was man unter Darwinismus verstehen will. Die Euiwickiungs- lehre an sich, oder das. was Darwin für den Anstoß und Trieb- punkt der Entwicklung hielt. Dieser letzt« eigentlich« Darwinismus ist ja nun wirtlich überlebt, aber ich meine denn doch, daß wir ruhig die gesamte Entwicklungslehre, die als solche ja wohl heute kaum ein Mensch bezweifelt, Darwinismus nennen wollen. Wir sprechen auch vom Kopernikanischen Weltsystem, obwohl Koperni- kus zwei große Fehler lehrte. Er lehrte, daß die Sonne feststehe und die Planeten sie umkreisten. Wahr ist, daß sich die Sonne (wahrscheinlich gradlinig) bewegt und die Planeten in Ellipsen um sie schwingen. Trotzdem sogt man Kopernikanisches Wellsystem. Warum soll man nicht auch Darwinismus sagen, wenn man die ganz« Entwicklungslehre meint? Der alte Geofsroy St. Hilair« hat einmal gesagt, die künftigen Zoologen würden sich mehr um die Frage zu kümmern haben, wie beispielsweise das Rind zu seinen Hörnern gekommen sei, als um die, wozu es sie benutze. Die beiden anderen alten Entwicklungs- denker, Lamarck und Darwin selbst, waren verschiedener Ansicht. Aber ich will ein andere» Beispiel wählen, von dem beide gern sprachen.- den Langhals der Girasse. Nach Darwin wäre die Sache so gewesen, daß immer zufällig längere Hälse unter den Giraffen- ticrcn gewesen seien, die sich besser im Daseinskampf hielten, so daß die anderen ausgemerzt wurden. Lamarck dach!« mehr an eine all- gemeine Halsverlöngerung durch Uebung aus Not, die sich vererben sollte. Beide Ansichten haben aber verschiedene Schottenseiten, die hier nicht gleich näher erörtert werden können. Da fand sich eine dritte Möglichkeit, die der Mutation(Verwandlung). Es war im Jahre 1885. als man zum ersten Male e.er Mutation auf die Spur kam. In Holland, auf einem Kartoffelacker bei Hilversum. Dieser Kartoffelacker lag brach und hatte aus einem Zierbeet in der Nähe eine Invasion von großen gelben Nacht- kerzen durchgemacht, die üppig und frei sich ausdehnten und wucherten. Die Nachtkerze ist nun eigentlich kein europäisches Ge- wachs, sondern«in amerikanisches. Sie wurde eingeführt zum ersten Male um 1614 in der Art Oenotlier» biennis. 1778 kam ein« zweit« dazu: Oenotbera susveolcns. 1789 eine dritte, Oenotber» irrnrieata, aus Kanada. In einem Herbarium entdeckte man noch eine vierte Sorte, die noch Lamarck, ihrem glücklichen Finder OenotKera Larnarckiana genannt wurde. Die Hitoerfumer Ackerficdlcr gehörten zur letzten Sorte. Ein Amsterdamer Botaniker, de Vries, fand in zwei auieinanderfolgen- den Sommern, 1886 und 1887, zwei neue Arten in diesem Acker, Genotbera'.aeviiolia und brevistylis. De Bries stutzte, woher mar diese neue Art gekommen? Es half kein Drehen und Deuteln, die dort wachsende Lamarcksche Nachtkerze mußt« sie erzeugt haben. Sie mußte sich in sie verwandett haben, mußte(vom lateinischen rnrnare = verwandeln) mutiert haben. De Bries beschloß, der Sache auf den Grund zu gehen. Er nahm einige Dutzend der echten, nicht veränderten Pflanze mtt in den botanischen Garten und begann die Zucht. Di« erste Generation lieferte 15 000 Blumen, unter denen ist neue waren. Fünf Exemplare einer zwergenhaften Art, die Nanello(die später in sich konstant blieb), und fünf breite, die demgemäß Lata getauft wurden. Die Latablüten waren leider alle weiblich, so daß eine Fortzucht nicht ging. Di« nächste Generation der Lomarck-Kerzen lieferte wieder (unter 10 000') drei Lata und drei Nanella. Außerdem noch eine ganz neue, eine Rubrinervis, eine Rotnervige. Rubrinervis blieb ebenfalls in sich konstant. Beim nächsten Male halte man unter 14 000 Nachkömmlingen der Lamarck-Kerzen(die anderen wurden stets nur in sich weiter gezüchtet) 60 Nanella, 73 Lato, 8 Rubri- nervis und außerdem noch je«ine neue, eine Riesenort(Gigas), ein« ganz eigenartige glatte, Skintillans, die Glänzende, sogar gleich 73 einer noch anderen, Oblonga, und 15 weißliche Albida. Gigas erzeugte in der Fortzucht noch eine weiter«, mit allen ihren Merk- malen, ober bedeutend kleinere. Dos Erperiment ging noch weiter, es eniwicketten sich noch neue, andere, außerdem wiirde bei einer Durchmusterung des wilden Ackers festgestellt, daß auch dort fünf Neuarten, die man schon im Garten erhalten hatte, entstanden waren. Was hatte das nun zu besagen?. <. Nicht mehr und nicht weniger, als daß man hier endlich einmal dem Entwicklungsgeheimnis naher auf den Leib gerückt war. Die ?iachtkerze hatte da etwas ganz Neues gezeigt- Der Lamarck- Theorie stand gegenüber, daß man eine Vererbung in solchen fällen von einer Sei'e nicht anerkenn?» wollte. Und bei Darwin war die Denkschraierigkcit die Ziegativilöt der ganzen Sache und die unend- lich vielen Zufälle.. Die Nachtkerze von Hilversum hatten«inen schnelleren und einfacheren Weg gezeigt. Unter gewissen Umständen, die noch zu erforschen sind(de Bries dachte, der Anlaß wäre die Neueroberung eines großen Lebens- raumes, also Uebersluß, vielleicht aber auch im Falle der Rot), fängt eine Tier- oder Pflanzenart plötzlich an, neue Arten aus. sich hervorzubringen, die konstant bleiben und auch die Fähigkeit haben, noch weiter zu mutieren. Der Darwinsche Kampf ums Dasein wird dabei nicht ausgeschaltet, sondern erhält nur eine andere Roll« zugewiesen. Die Mutation arbeitet nicht auf eine bestimmte Anpassung hin, sondern nach allen möglichen Seiten. Die schlechten und ungeeigneten Neuheiten werden dann vom Lebenskampf vernichtet, während die anderen bestehen bleiben. Zu bemerken ist dabei noch, daß die geologischen Befunde dazu außerordentlich gut passen. Es war schon immer ein Rätsel ge- ivesen, weshalb in den mehr als 100 Millionen Jahren der Eni- wicklung des Erdlebens diese Entwicklung lange Zetträume hin- durch scheinbar immer stillgestanden hatte, während Neuformen dann plötzlich geradezu serienweise schnell hintereinander erschienen waren. Auch das ist uns jetzt erklärlich, ein Stückchen vom Bor- hang, der die Welträtfel bedeckt, ist durch die Mutationslehre ge- lüftet worden. Gelüftet worden durch eine häufige, bekannte Blum« auf einem brackfliegenden Kartoffelacker, durch die Nachtkerze von Hilversum.__ Dichter als Reformer. Der englisch« Iustizminister Winston Churchill hat sich in der letzten Zeit wieder einmal zu einer Reform der Rechtsprechung durch Dichtungen anregen lassen, und zwar waren es beide Male Werte von Galsworthy. Den Gedanken zur Einbringung feines Ge- setzes über die Reform des englischen Strafrechts verdankte er Galswvrthys Drama„Gerechtigkeit". Kürzlich sah er ein anderes Stück desselben Dichters„Flucht", in dem eine Verhaftung durch die Polizei in einem Part die Hauptrolle spielt. Die große Macht des englischen Schutzmannes, die hier dargestellt wurde, schien ihm be- dcnllich, und er plant jetzt ein Gesetz, den Mißbrauch dieser Gewalt zu»erhindern. Schon öfters haben Dichter im Laufe der Geschichte durch die Schöpfungen ihrer Phantasie die Wirklichkeit stark beein- flußt und der Menschheit großen Segen gebracht. Wir brauchen etwa nur an Pestalozzis Roman„Lienhard und, Gertrud" zu denken, der für die Umgestaltung des Dolksunterrichts von«nt- scheidender Bedeutung war. Der Kampf des Barockdichters Fried- rich von Spee gegen die Hexenprozesfe hat viel zur Abschaffung dieser furchtbaren Verfolgungen beigetragen. Victor Hugos „Letzter Tag eines verurteilten" war«in flammender Protest gegen die Todesstrafe, der chre Abschaffung in vielen Ländern indirekt zur Folge halte. Australien hat dem englischen Dichter Charles Reade ein Denkmal gefetzt, weil ihm zu einem wichtigen Teil die Abschaffung der Deportation von Sträslingen zu danken ist. In seinem Roman„Es ist niemals zu spät zu bessern" entwarf er so grausige Bilder von dem Stroflingsleben in der Botany-Bay, daß eine allgemeine Entlüftung im englischen Publikum entstand und die Regierung die Deponierung aus dem Strafvollzug entfernte. Wohl die meisten Reformen, die je durch einen Dichter bewirkt worden sind, wurden durch Dickens hemorgesnfen, dessen ungeheure Belieluheit seiner zornigen Darstellung von Mißständen emen gewaltigen Widerball verlieh. Den Skandal der Schuldgesangenschast bat er gebrandmarkt in, Gedenken on die trüben Szenen, die er selbst in seiner Jugend erlebte, als sein Voter im Schuldgefängnis sgß. Durch die bewegliche Schilderung der verwahrlosten Kinder im „Oliver Twist" lenkte er die Aufmerksamkett auf dieses trüb« Kapitel, und in vchtrcichcn Nomonen geißelte er das Verbrechen, das grau- same und ungereckfle«chnlnicistcr an den Kindern begingen. So wirkte er dahin, daß man sich der Pflege und Erziehung der Kinder mehr annahm. Die furchtbaKn Schäden der Kinderarbeit sind aber erst in England durch ein Gedicht von Elisabeth Barrett Browning„Schrei der Kinder" an den Pranger gestellt worden. Dieses Gedicht beunruhigte dos nftentliche Gewissen so sehr, daß sofort danach die Kinderarbeit in den Bergwerken verboten wurde, und bald folgten wettere Gesetze, die dieses Unrecht einschränkten. Wobl die größte Reform, zu der je eine Dichtung geholfen hat, war die Sklavenbefreiuntz, die durch den berühmten Roman„Onkel Toms Hütte"- von Horriet Bescher Stowe entscheidend beeinflußt wurde. Die Genfer Konvention, die die Gründung des Roten Kreuzes im Jahre 1864 zur Folge hatte, war ein direktes Ergebnis der Veröffentlichung des Buches„Eine Erinnerung on Solisrino" von Henri D u n a n t, dem Genfer Menichenfreunoe. Die Leiden und Qualen der auf dem Schlachtfeld Verwundeten, die hier beweg- lich geschildert wurden, sellien durch diese Wohlfahrtsonganisatio» gemildert werden, deren Segen sich seitdem über die ganze Welt ver- breite! hat.____ Man lernt nie aus. Als die Gefamtblutmenge des Erwachsenen wird ein Zwölftel bis ein Vierzehntel des Körpergewichts angenommen. Beim Neu- geborenen ist sie geringer, ün Durchschnttt ungefähr«in Neunzehntel, »n höheren Alter nimmt sie gleichfalls ab. weiß. Die Hautfarbe der Eskimos ist bis zum zweiten Lebensjahre Thcafcr Lidiifpleiei nfw. Staats-Theater Opsrntisos m, Platz d.Republ. TV, Uhr: BorU Goduooft Schaucplelbaas 8 Uhr: Per Oyol Schiller* Theater 8 Uhr: Razzia StäiMe Opti Charlottenbarg 7V, Uhr Jugend im Mai Gestblossene Vorslell. Abonn.-Turnus IV Denüdies IHM Norden 10334—37 8 Uhr. von Regie: Wolfgang Coetz ie: Heinz Hilpert Xammerspiele Norden 10334-37 8>/« Uhr: Germaine (Amoureuael von Porto-Riehe Ruit: Ftrsf r Urtini;». Die Komödie BismarCK 2414. 7318 8V, Uhr; Die Perle von Tristan Bernard !i8(j»:fanlr Urtliiw _ Cenctsensehttft Serlin u. Umgegend«. O. m. b.X,_ Konserven-Woche vom 12. bis IS. Februar 1927 Nur beste QuallfSten Kommen zur Verteilung! Ais besonders gut und preiswert empfehlen wir: 2-Pfd.-Ooi« TM aJoileodorlpl. Kurfürst 2091 8 Uhr HaxAdaibert In»Mllllert" Trlanon-Th. Täglich SV, Uhr: Der tr. Leeherfolg Dr. Stieglitz Friidt. Übt. QUir cbdsäadut Stg.4 Uhr: Weine Pr. Dr. StteMt, Meneslbealer am Zoo Stpl. 5371. TgU 8 Uhr Ella WIN in üMIbilv CimttL yorverjcununterbi. CHARELL- R EV U E Sonnt, nachm. 3 Uhr ungekarzieVorstllg. zu ermäö. Preisen! Netropol- TUeai. Täglich 8 Uhr; ZirMomslo BeiWeHimenier Täglich«'/.Uhr MWWM lilirM lntcflidin rojahn tuQa.rhegler 8 Uhr: Ber grollt and der Vlelne Inas T Tiwt« n niiipiati 8 Uhr Tolpone Morg, t U.: Volpone 8 Uz Transuiiiei Sr Theater im Admiralspglast Täglich 8V, Uhr An d. aus ZbeefsinmlelliBin') 3U.81/, Uhr: 6 Nachm. die ganze Vorstellung zu ' Tiden preisen! Wamaua'Tueai. Weeioiswtj Tljl.•Pfd.«Dose Kolilrabl in Scheta.. SO» Apfelmus........ 85». Birnen, ganze..;...95». Hnldelbeeren.....120». Stanbelbeeren..... 115» Pflaumen, ganze..... 70». Kirschen mit Stein...135». Kirschen ebne Stein. 195» Stangen- und Brechspargel in bedeutend ermäßigten Preislagen Junge Brecbbnbnen I.. Junge Bracbbnhnen.. Junge Scbnlttbnhnen I. Jungs Scboittbubnen.. Gemüse-Erbsen. Erbsen....... Karntten, geschnitten Leipziger Allerlei. Spinat.... ohne Reiben. ohne olle Zutaten! VERSALE erhält uns unsere Wäsche. Paket w Die Abgab« der Waren erfolgt nur an Mitglieder. Jedes Mitglied hat das Recht, in samtlichen 250 War enabgabestell ender Konauro-Genoescnachaft seinen Bedarf zu decken. < ysp Die Aufnahmegeböhr betrfigt 50 Pfennig. Mitglieder-Aufnahmen werden in sämtlichen 250 Abgabestellen der Konsum- Genossenschaft vollzogen. Arbelter-Radlalirer-BmKl„SoildarltSt" Am Donnerz tzg, den 10. Pebmor, verschied durch Betriebsunfäll unser üeber,i]teT, treuerBundesgenosse Ganiciier RMiard Karras Seit OrDndung unserer Organization stand ar immer an vorderster Stelle unserer Bewegung und war stets ein treuer Fechter ffjr die Arbeitersportbewegung. Wir werden»einer stets in Ehren gedenken I Oer Cauvorztand. Die Einlzeherung wird unter Arbeiter-Sport bekanntgegeben und bitten wir, diesen zu beachten. Volks büh ne Ib. n Sdiifftinertamni TägUch 8 Uhr: Das CrahMl das DDliekaiiotM Soldaten. Komische Oper Allabcndllck SV, Uhr: SUnden der Welt Die weltstädtische Jaiii«s-Kleln«Revue in 24 Verwandlungen 350 Mitwirkende/ ogälleUs Sustq Bjdinittij Uelni Pniul Anfang 3V, Uhr. Theaterkasse ab JO Uhr un- unterbroehen vedffnet CASINO-THEATER* Uhr Neu) Cin Tan im Narniiinal Neal I 1 Outschein 1—4 Pers Fautauii nur 1 Mk, Sessel\M> Mk. KIENTZIENMAS a�i'k c&itt/ HAUPTROULtN* EDDACßOy wmm _ WOCHENTAar 6,8,10® VlinteF Variete wex rieft RdUchcn.. gcJtdttgt i stH.iii): Ermfiß. Preise Z Wallner- Theater 81', Der Schlager 8>/< Das blonde Wunder Rcichshallen-Theater Abends S Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Du vendunnllt Ftbrnu Piegnnii! i übdunittigs: Kalbe Pni». volle« Prnnramnl Oönhoff-Brett'l Varietä, Konzert, Tanz. lAOrei unveiTK/i/khe Stunden � »rV&ENBECK IQ Uhr CIRCUS BUSCH hhrdHOBUrM MW LfKC��rriOdriehir.g: 12 iodrichtr.Uu Kobaheffd s ferne Maria Ney LipinskaijA KurKTPaf8 yawrtmm tinnüi-Hhin Th. K8i)lc»fltI.St. Hasenheide 2110 Uun 1. Mol«: VI, Uhi Elisabeth Bergner HomOOlenhans Norden 6304 8 Uhr: Dom-Calais iatak,». TltllBm. Brwunttir. 1 entral. Thaatar Täglich 8 Uhr: Oer Trompeter vom Rbelo Vorverk. ununterbr. Preise von 1—7 M. StUnboHUrBH Ots. Künstler-Tb. 8'/, Uhr Ftmille Schimek Hü Ku Palfnherj. Lessing-Thealer Alb- Bassermann i: Der Olttiotor Th, i. KsrfBnt'iidiimn BameDorsdi 8 Uhr KIMI luttspielbaus 8'/, Guido Thielscher Uana-eiD Junge Hose-Theater 4 Uhr; Das tapfere Scbneideriefn. sv, u.: Das Ein' famUlenliaiis Nene Well iL Sdholz HasenReldc 108-114 1 Sonnabend, 12. Februar, sowie taglieh: j Bockbierfest la de» b.yerUchen Alpen-• Kapellen] | Nene Dekorationen- 50 b.yertuiie Mndl j und Großer Alpenbali Elnla» 6 Ubr___ Anfang 7 Uhr| | Toraazeig::«eaaia«. d* 13. Feumar 1921: Bockbierfest und GroSer Alpenbali Dienstage den 15. Fchrußr 1927t Achtun Billiger Fleiscli- und billig and gut 40 ThaerstraSe Wurstverkauf 40 B -WM QaittDngs-.Bala&il a.ReklameffltrkeD regen Nachahmung gesetzt, gesch. fertigt seit 43 dnhr. als Speslnlitit . Conrad irailer senr nilllg! Schkeuditz. Leipzig w der Geswnuufbt« de».Vorwärts* sind besonders wirkte» «od trotiden OantsdierllietaUailieltaMaDa Btonlag. boa 14. Aebzuee, abenb* 7 übe. Im Zug.nOfooi Oes Betbanb.- banien Ctnieaflc. 33 35. Hörtel L2£r Branchenversammlung der Letriebsrohrleger. Togesorbnunz: 1. Di« Allnbiqung de« Mantettczil« in den LBMA-Jetri-den. 2. vozdcnbo- und Bran t enangelegenheUen Mttglicbsbuch legitimiert. Wegen ber außerordentlich wichtigen Taoesordnung tit da. Erscheine» aUe: Lerbaudstollegen Pflicht. Um! MllZevWON Adrtwgl Btontag, bmi 14- Zebra er. aech. ntiHagn 3 Uhr. Im.KoHbafTn»rag-, ftotttuifiec Stroh« 29 mt Versammlung-mm aller Werkzeugmacher der Zeug- fchmIede-Znuung. vi« 0rt»nerm»NanU. Merl«prwSsre Groggarage und Tankstelle Tag und Nacht geöffnet Auto- Reparatur- Werkstati Fomspr. Norden)276 n. Alexander 4370 Lothringer Str. 107. Ecke Linien' s trage 14, am Prenzlauer Tor berliner EieSüriker B* Genossenscbali aageschl. dem Verb.set. Baubetriebe Berlin N.24, Elsisser Str. 86-38 Fernsprecher; Nordes 6823, 6326 Filiale Westen, Wilmersdorf Undhaussir.4. TsLs Pfaizburg 8831 Ausstnllnngsräume nad Lagen AlrxaqdcTStraBe»-«p(Alexaader Passage), TeUphoa: KBalgstadi S40 Herstellung elektr. Lieht-, Kraft- und Signalanlagen. Verkauf aller elektr.Bedarfsartikel Austührg. sämti. Keparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit OoinJiio-Nuken ao« 10»fg. an MOtzea Vgbji.JDHf an Karaeval* und P.starilkel sehr billig MarKgralenstraßeSI�Ä, AU. Hiermit zur Nachricht das mein lieber Wann, unser guter Vater Johann Euf� Im Alter von 65 Jahren.m9. Februar nach kurzem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist In tiefster Trauer Prau Dora Natt Richard Natt nebst Fraa Die Einäscherung findet am Montag, den 14. Februar, nachm. 7V, Uhr, im Krematorium OerichtstraSe statt Km Bitnstag, ben 3 Februar, »erschied nach schwerem furzen Leiden mein lieber, guter Mann, unier Bater und Sroflnafer, der Sattoirt Eduard Ullrich Mawiaquelstr- 83. im M Lebensjahre. Dies zeigen fiefbehrübt an bit trauernden Sinterditedenen Wwe. Hedwig Ullrich nebft Rindern. Di» ElnSfcherung findet am M»n. tag, den>4. Fedraar, abends 7 Uhr, im Äzematorium Serichtftratz« statt 71m 9. Februar starb im 80. Lebensjahre der tri! her« Buchdrucker und leflige Invalide Eritr BMchaeMs Ehre feinem«nbentcni »astSesamtperfonal bee Prenhifch«, Druckerei* und Vertag»- Utt,>ch«f. »etliit den 11. gebrtoz 1927. Di» Beerdigung findet am Montag, den 14 Februar, nachmittags I Uhr. van ber Leichenhalle bca Parftriedhois Ltchlerieibe-Tiid au» statt,«fraßen- bahn 98, 100, 177. «««««««f««« Unserem verehrten Genossen Jji Edmund Strophff W zu seinem 25 jährigen P«rteijubl H> läurn die besten diückwOnsche. st, st/ Dia 15. Abtellui ttcccceeeec» ssssssss» Bekanntmachung Znfoige Erhöhung des Weries der Sach- bezug» durch das Berstcheruagsamt der Ltadt Boriln mit Wirlung vom 2. Februar 18.-7 ab wcrben Kausg«HUfinnen, ferner L-Hrltng«. soweit fi« nicht angeflellt-nverfich-rungspfitchtig stnb, Lehrmädchen. Mag», ut». zugeteilt der Sohnstn,« IN mit Baten. geu bis zu BM. 27.— einfchL monaittch. der Lahnstuf» IV mit Batentgeit bis zu JliäK 57.- einjchL monatlich. ber Lohnstni« V mit BarentgeU bis zu RZ». 87— einfcht monatlich. Der Seit der öochdezllge stret« Statiani d, trügt lestt NM. 1« lügtich. münnlich» Hausqehtlfen. Snechte. männliche u. weibliche Dewerbegehiiten und für Personen, die der Angestelltenaersiche- rung unleriiegen. beträat der Verl der -reten Station tüaiich SM i—, monatlich Z!M«0.-: bei Angestellten hogerer Orb- nung.»•« �"--. Aoothefer, Hauslehrer. Hausdamen. Seschaltsillhrer. Wertm, iiier u.w. tägitch SM 8—. monatlich NM 90—. Portisrwohnungen(ohne Heizung und ve- leuchtung) werden mit monatlich NM zg � «tzung und Beleuchtung mit monatlich ..W Ib.— dewertet Com iffiteten Sa» entfallen' auf Heizung, i;, auf Beleuchtung! Bcriin-Zehiendotf. den 10 Februar IN?. «nuemelua Ortaftaalcaraffe (ftc Zebianbarf uns Umcagtab. Stein. i Verkäufe tta» Teilzahlung sofort stinderwagen, stlappwagen. Minderheiten. Metallhcttcn, SorbmödoL Ball. Siofie Frantiurtet- ftrafie 47._* Dtehrollenicschle. LeistungssShigsf« Spezialrohrtk Sollenwandlnng ZOO.— Sosenibalerftraße 20,* Nähmaslhinen 25,—, fast neu 83,—". Sertito 18/—, ftapenidcrstiafec 128. Quergedäude._ Thiele.__ HSletwaae» durch'Plaitcttaufdau aus -«ine grasten nrinta Älter- unb_Äasl-"n. wagen s meine grasten nrtina ... elbst leicht- tUjprnickerstraß« 7l, herstellbar. Lagner, ________ R_, Hos. Äein Lad.n. bafüt billigere Preise.• )Bt:k!e(dungs!(tüP)j£. Wa5i|i> usV; B erlcih aon chaftaanzllaen. lorden 83!>3. hocheleganten chesefi. Sosenthalerltrasu 4. Leuig getragene Frackonzllge. Sina. kinganzllge.«ehrockgntllq«. Iackettan- zlloe Sockvalifots. Cufaway-Anzllge. Taillcnmgntel. für jede Figur rufTtab, Sntsialitii; Bauckanzllg«. svottbillig. Halaern. Solenlhalcrsfr. 4. erste Stege. Bcaia»ettggene, teils auf Seid« oe» arbeifefe,«rIMoffiae stackeffaneiige Frack- anzüne Smokin mintüae Ihehrockantüa«. Tufowaiis Ltttfervalefofs. Ulster. Bouchanzfige. kür ied» Fiaur paffend, auUtrbem hnchefeganfe nette tharberob, sowie BeizmSnfel, Belzjgcken. Herren- svorf- und Gehvefze zu staunead billigen Dreisen im Leihheus Lowick!. Prinzen- sttaste 103. ein» Treppe,«-in, Lom- dardwar«.___ Bcricib bocheleaanier tbesellschafta- Anzilge. Leihbaus iowicki Prinzen« strast» 108______ FrackWCelcihIaftituf Friedrickstr, 122,128. acarnüber vra n i enburger fir« st«._* Beitenaezlans! lllene 15,—! 19�0! Pracktoollo 22-501 27,501 B-tfw5fch«I Stepvd-cken! Tülldeckeni FnlefisI Alles spottbillig! steine Lombardwar«! Leih- Haus, Brunnenstraß« 47.* Pate ntmatraSe n. Auslegemafraben. Mr. tallbetten.«Haifclongues. Wolter. Star* aorberstrafi« achtzehn, Spezialeefchüsf. «aff-npest-«. Nußbaumbüfette,«er. denzen, Echreibtifch», Safaumbau«. Her- ahgefestte Preis«, stahiungserleichterung stamerling.«astgnienallee S6.• Husikinstrtunienlc. Piano» preiswert.«favtermachei Link. Brunnenstro», 35.« letlzahlnag! Biesenauswahl! Dia. mantrader,«örickerader. vpeltahrräder. Waffenröder, Triumphri-der. Multipleg- räder, Wittlerräder, Snciurader, Mona. pfilr�er 95�— Mark. Hochmoderne, bildschöne Senmnafchinen, entzück: nbe Etraßenr-nn-r. außerordentlich schnell- lausend, fünfjährige Garantie, staus- ztvanglvser Lagerbesuch erdeten. Fahr. radrahmen 20�- Mark,«gfseräder 45,— Mark. Echlawe, Weiumrifter- ftraße aier.____* Drei Mark Wochenrat», 15 Mark An- »ahlung, kür ein erstlsaslsges Mark«»- rad. Fahrradhaus stentrum Linien- strafi« neunzehn. Kaüfgesuche stahngedifi«, Silberiach»» Alna Biel. Queckülber«aldlchmeiz» Siiiltionat «äpeutckerstrake 39 lAdalh-rtsn-aßel. Krdettßmsrkt- tesäsktsur Für unser vqrpommersches Psrtei- organ wird ein erfahrener Lokal- Redakteur zu den Bedingungen des Vereins Arbeiterpresse zu sofort gesucht Schriftliche Offerten mit Stll- proben e'beten an V.ilag„Der Vorpomm.r** Stralsund, Alter Markt a.