Morgenansgalte(loPfenm? Bezugspreis. A Anzeigenpreije: ÄöS-ntl!» 70-Bfenmo. m-nalll».» Die einlvaltia» Roiwarell??. S. Äetdismact ootaas»ahlbar. JjBgSfr- V ml»eilt 80 Tfcnnin?lttlamf«ilt Unter SttcuAboni kilr Deutlchlana, L4f�8B|(.. � �»M 6,- Reichsmark.Slteint Au reise � Dau,ia. Saar, anb Memelaedi«� W» A\ Ja. A. Wl das fettaebrudir Wort 25 D-iciunu or s W �W>> wf�wWrWr tffw> sn;r. � «u-taudb� Reichsmark-r-Manat. M IM M lM!■ iT�■ H H W■( feaclu� eVr.t®"i � y4ffSSSL ir Hig, nR M) WZ Bl BO>W KB KB f/ Mi«E �ZJ u Pkennia ledes weitere Kor« MM VW> W»> W>> w) I mr£ liber'h�ch. Äntn��bÄÄ Tfl■ WWW M�W fi 1H B H MM S-m'a�..»ene Vkennis! »ivrauenstimmf.Der Kinder. WW I Mg W Wl jKäCkAM*JtoJ�-> JjfTkli ZM JBl Ml/ lkamilienanzeiaen kiir Bdonnente» freund".Iuqend-Borwäns" und I I Hll � �MMV JW J/ WZ Keils<0 Dkennia. »Blirk in die Bilcherwelt" erscheint HBkN> ▼/'■ WZ— wochentäalich»rotintol. Sonntag, �RW> // HB'«Ii,eiaen für die nädifle Numme» und Montag, einmal. �tlil)� müssen bis 4M. Uhr nachmittags im -36�_..'f ♦.._.. � T.___ �1". T �'R'<" SauotaesSiiit. Berlin SM 88� Linden. Telegramm-Adresse: � r-il MH z> H> U»\> Zg| B J I T I i■ T i siraheZ. abgegeben werden. Deöfiuet «Soztaldemorra« vrrttu» V' V 4- 1- 4( 4k-V Ar* V 4 4V"V 4 V4 4- 4 von SM Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemohratifcben parte! Deutfcblands Redaktion und Verlag: Serlin EW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff SSÄ-SS7. Der Preußische Landtag hat gestern einen stürmischen Dag! erlebt. Zur Debatte stand die Verordnung des prcugt. schon Wohlfahrtsmtnisters vom II. November 1026 über die Herausnahm« der Grohrvohnun- g«n und gewerblichen Räume aus dem Mieter- schütz. Zahlreiche Ladenbesitzer, Geschäftsräuineinhaber, kleine Eewerbctveibende und.handwerter sind durch die Verordnung schwer betroffen und der Hausbesitzer Willkür ausgelie- fert. Masienkündigungen sind erfolgt. Die Erregung der Be- rrosfenen ist groß. Sie richtet sich gegen den Äloh.sahrtsministcr, vor allem ober auch gegen die Parteien, die im hausbesigerinteresse diese Verordnung unterstützen: Deutschnationale, Deutsch« Volks- parte! und Wirtschaftspartei. Namentlich gegen die W t r t s ch a f t s. partei, der sehr viele der Betroffenen selbst angehören. Melc Leidtragende— für gar manchen bedeutet die Verord- nung einen schweren Schlag, ja den Ruin— saßen aus der Tribüne des Landtags, die kräftig in die stürmische Debatte eingriff. Sie suhlen sich verraten und betrogen— und das mit Recht. Die Sozialdemokratie hat die Verordnung des Wohl- fahrlsministers von Anfang an entschieden bekämpft, schon weil sie darin die Gefahr der völligen Aushebung des Mieterschuhes gegeben sieht. Die guten Gründe gegen die Verordnung wurden von den Abgg. haese(Soz.) und Drüge müller(Soz.) noch einmal nachdrücklich vorgetragen. Die parlamentarische Situation war dadurch kompliziert, daß die Ä o m m u n i st e n, di« ebenfalls Gegner der Verordnung sind, nach alter Gewohnheit ihre Angriffe lediglich gegen die So- zialdemokratie richteten und alz freiwillige Apen- ten der Rechtsparteien über diese Verordnung die preußische Regierung zu stürzen suchten. Als ob den Mietern Sonnabend, den IN. Februar 1927 > geHolsen wäre, wenn Preußen eine Rechtsregierung wie im Reich bekommt! Die Rechtsparteien wiederum benutzten die Gelegen- heit ebenfalls, der preußischen Regierung Schwierigkeiten zu machen. Sie haben erst die Verordnung gefordert ugd dann ihr« Aufhebung verlangt. Als am Freitag der Wohlsahrts- minister ankündigte, er würde die Verordnung ausheben, wenn ein« Mehrheit des Landtages es fordere, stimmten die Rechlsparieten gegen die Aufhebung. In ihrem taktischen Durcheinander hatte sich namentlich die Deutsche Lolkspartei sachlich so festgefahren, daß ihr Redner Abg. Dr. Grundmann nichts anderes zu sagen wußte, als daß die geschädigten Ladeninhaber vielfach jüdische Nasen hätten und deshalb keine Rücksicht verdienten. Der antisemitische Volksparteiler mußte sich von dem völkischen An.isemiten Wiegers- Haus sagen lasten daß es mich Hausbesitzer mit krummen Nasen gäbe. Bei den Abstimmungen wurde die Aushebung der Verordnung mit 80 Stimmen vlehrheit gegen Sozialdemokraten und kom- ' munisten abgelehnt. Ebenso abgelehnt wurden weiterhin alle sachlich be- deutungsvollen Abänderungsanträge, angenommen wurde nur ein demokratischer Antrag, daß die Kündigungen aus Grund der ver. ordaung nicht vo' dem Z0. September wirksam werden sollten. Infolge eines Mißverständnisses entstand gerade bei der An- nähme dieses Milderungsantrages unter den Tribünenbesuchern ein solcher Lärm, daß der Präsident die Sitzung unterbrechen mußte. Den mit der Räumung der Tribünen beauftragten Dienern des Hauses setzten die heldenhaften kommunistischen Abgeordneten aktiven Widerstand cn gegen.— Schließlich wurde die Weiterboratung auf Sonnabend vertagt. (Bericht sieh« dritte Seite.) Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin EW. 68, Linüenstr.3 Postscheckkonto: Berlin 37 533- Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wallstr. K3: Diskonto-Gesclllchast. Dcposttcnkasse Liudenstr. 2. die Internationale in Paris. Eine arbeitsreiche Tagung. Bon O t i o W e l s. In einer Zeit weltpolitischer Hochspannung traten daz Bureau und die Fraktionen der Internationale in der Zeit vom 11. bis zum 13. Februar in Paris zusammm. Zum ersten Male nahm die Vertretung der s ch w e i z e- r i s ch e n Sozialdemokratie wieder an den Beratungen teil, nachdem sie auf ihrem letzten Parteitag den Eintritt in die Sozialistische Arbe'terinternationale beschlossen hatte. Mit Genugtuung wurde die Einigung der Sozialdemokratie Norwegens mit der dortigm Arbeiterpartei und die Mitteilung zur Kenntnis genommen. Ebenso wurde dem. Beitrittsgesuch der Sozialdemokratie Islands zugestimmt. i Die ganze Fülle der weltpolitischen Probleme erfuhr auf der Tagung eine eingehende Würdigung. Die Kämpfe um die Schaffung eines national un a b h a n g i- gen China erfuhren eine plastische Darstellung durch den Vortrag des chinesischen.Genossen B a n g K a n t a o, der mit zwei anderen chinesischen Genossen als Vertreter der seit April 1925 der Internationale angeschlossenen Partei Chinas der Tagung beiwohnte. Danach haben die reooiulionärcn Kämpfe in den Jahren von 1991 bis 1911 einen völligen Um- schwung in der inneren Einstellung des chinesischen Volkes gebracht. Nur innerhalb der nationalen Selbständigkeit fei der Arbeiterklasse die Wahrung ihrer Intercssen möglich. Die China als Folge der Kriege von 1812 und 1852 ausgezwun- genen Zölle haben zur Verarmung des Iliv-Millioneu-Bolkes geführt. Die Handhabung der Zölle dämmt den Handel Chinas ein und sichert den Ausländ:™ Monopole und Ueber- gcwinn. Schanghai ist ein völlig selbständiger Siaat ge- worden, der auch die Chinesen der ausländischen Gerichtsbarkeit unterwirft. Die Industrie arbeitet mit den Methoden unerhörtester Ausbeutung, der auch Kinder unter 12 Iahren unterliegen. In dem Kampf Zentralchinas und Nordchinas spiegelte sich led'glicl) der Kampf des Weltkapitals gegeneinander. Um Kanton konzentriere sich heute der Wille Chinas. Seit dem Jahre 1925, so führten die Genossen aus China aus, sei d'e G e w e r k s ch a f t s- und B a u e r n b e w c- g u n g erstanden Betont wurde, daß die K u o m i n t a n g- regierungwederbolschewistischnochfrsmdeu- feindlich sei: sie sei demokratisch und national. Die R u s s e n hätten auf sie k e i n e n E i n s l u st. es sei denn, daß sie zahlrcnmästig die stärkste Zahl der in China lebenden Ausländer darstellen. Der Vorwurf, die Kuomintang sei bo'schewistisck oder unter rusiiscber Leitung s�i ein durchsichtiger Vorwand. Die Ordnung, die die Ausländer in China aus- rechterhalten wollen, hä'ten sie selbst zerstört. Besonders ist dies durch die angemaßte Kontrolle über das ganze Eisenbahnnetz erfolgt. Die Kuomintang an sich sei vielköpfig und berge viele Meinungen in sich. Jetzt ober vertrete sie allein Chma. Später werden die Auffassungen in ihr aufein- anderplasten. Die chinesischen Sozialdemokraten werden den Kampf im Sinne des Marxismus führen, um Rossenkämpfe zu verhindern. Das sei nur möglich in der gemeinsamen Arbeit der Inteinativnake, die auch in d:n Parlamenten und der Presse der ganzen Welt eintrete� für die Forderung der Z u r ü ck z i e h n n g des Militärs, der Aufhebung der Zollverträge und der Schaffung von neuen Verträgen auf dem Boden der vollen G l e i ch b e r e ch t i- g u n g Chinas im Interesse seiner sozialen Entwicklung und des Weltfriedens arbeite. In der ausgedehiten Debatte gaben besonders die eng- l i s ch e n Genossen eine Schilderung ihres Kampfes gegen jede kriegerische Interv:ntion durch Denionstrationen im ganzen Lande, Resolutionen und direkte Verhandlungen mit der Regierung, in denen sie auf die ungeheuren Gefahren der Truppenentsendungen hingewiesen hattcn. Im Parlament forderten sie deren Zurückziehung und die volle staatliche Gleichberechtigung Chinas. Von anderer Seite wurde darauf bmgewieien, daß Frankreich zuerst Truppen nach China entsandt habe und der Einfluß der englisch-rusiischen Gegensätze doch unverkennbar sei. Es sei eine der letzten Karten des Bolschewismus, die letzte Hoffnung der Weltreoolution, hier Englands Weltreich zu stürben.' Damit sei die ehrliche Absicht wirklicher Hilse für das chinesische Volk verbunden und sicher billige das russische Volk diesenKampfwiekaum einen anderen, wenn auch die Meihoden, in dem er geführt werde, nicht gutgeheißen werden können. Was in China vor sich gehe, sei viel zu' groß, als daß es von außen hineingetragen werden könnte. In einem Manifest an die Sozialisten oller Länder (veröffentlickzt in unserer Freitag-Abendausgabe. Red. d. V.) nahm dieErekutiveS�llung zu diesenDorgänqen. um auch die kontinentalen Kriegsgefahren, die sich im Süd- osten Europas analog den Vorgängen des Jahres 1914 zu- sammsnballen. eingehend zu würdigen, bei denen Italien jetzt die Rolle übernommen hat. d'e Ost erreich damals spielte. Die monarchistisch« Restauration in Ungarn ist Der Kampf in Sachsen geht weiter! Die Berbiudlichkeitserklärung abgelehnt.— Die sächsischen Unternehmer sperren 139900 Metallarbeiter aus. Nachdem die Verhandlungen im Relchsarbeilsminlsterium über die Verbindlichkeilserklärung des Schiedsspruches für die Leipziger vtelullindustrie, die von den Unternehmern beantragt worden war, ergebnislos verlausen sind, hat der Reichsarbeilrmluisler am gestrigen Frei lag selbst eine Entscheidung gesälll, und zwar Hot er den Aalrag aus verbindlichkeitserklärung abgelehnt. Der Streik gehl also weiter, doch rechnet man damit, daß zunächst ein neues Schiedsgericht zusammentreten und den Versuch einer Schlichtung unternehmen wird. Praktisch bedeutet die Ablehnung des Reichsarbeitsmini- sters, den Schiedsspruch, der vom Schlichter in Sachsen für die Leipziger Metallindustrie gefällt wurde, für verbindlich zu er- klären, daß in Leipzig und Sachsen der Kampf um den Acht- stundentog durchgefochten wird. Wir fügen hinzu, daß mich eine Verbindlichkeitserklärung des Relchsarbeitsministers an dieser Tatsache wahrscheinlich wenig geändert haben würde. Man kann sogar annehmen, daß eine Verbindlichkeitserklä- rung nicht zu einer rascheren Beilegung des Konflikts, noch viel weniger zu einer Beruhigung der Gemüter geführt haben würde. Nachdem die Unternehmer zur Aussperrung der Leipziger Metallarbeiter geschritten waren und gleichzeitig angekündigt hatten, daß sie sämtliche Metallarbeiter Sachsens aussperren würden, mußte der Allgemeine Deutsche Gewerkschastsbund den von den Unternehmern mit voller Ueberlcgung auf die Spitze getriebenen Kampf aufnehmen. Der Bundesausschuß des ADGB. hat deshalb mit aller Deullichkeit erklärt, daß eine derartige Diktatur der Unternehmer, unter die sich bisher die Echlichtungsbehörden gebeugt haben, von der Arbeiterschaft nicht mehr ertragen wenden kann. Die Gewerkschaften würden sich selbst preisgeben, wenn sie angesichts der ungeheuren Arbeitslosigkeit, die die Unter- n.hmer durch ihre Lohn- und Arbeitszeitpolitik noch fortgesetzt steigern, es zuließen, daß man den Kamps der Arbeiterschaft um die Wiederherstellung des Achtstundentages, d. h. den Kampf um die Einreihung der Arbeitslosen in den Produk- tionsprozeß durch Zwangsschiedssprüche u n- möglich macht. Es ist ohne weiteres klar, daß die Gewerkschaften ihren Kampf um den Achtstundentag, den Kampf um den Erlaß eines Notgesetzes nicht führen, damit durch Schiedssprüche die gesetzlich festgelegte Arbntszeit einfach aufgehoben und in einen Neun- oder Zehnstundentag verlängert wird. Die Gewerkschaften wären bei einer solchen Sachlage gezwungen, ihre gesamte Taktik umzustellen, wenn sie anders nicht voll- ständig lahmgelegt sein wollten. Die Gewerkschaften sind sich sehr wohl der Gefahren be- wüßt, die das für die Arbeiterschaft im Gefolge haben kann. Und deshalb werden sie gewiß nicht leichtenSinnes und unüber- legt sich in Kämpfe begeben, deren Ausgang und Tragweite niemand absehen kann. Aber eine Fortsetzung der Zwangs- schiedssprüche, die den gesetzlichen Achtstundentag beseitigen und der Arbeiterschaft die Möglichkeit nehmen, die Wieder- Herstellung des Achtstundentages zu erkämpfen, eine solche Fortsetzung hätte die Gewerkschaften ohne weiteres gezwungen, sich mit aller Entschlossenheit und Energie zur Wehr zu setzen. Die Ablehnung der Verbindlichkeitserklärung hat es den Gewerkschafter dieses Mal erspart, den Kampf um ihre Existenz aufzunehmen. Wir wollen hoffen, daß der Reichsarbeitsmini- ster die Schlichter entsprechend instruiert. Die Gewerkschaften verlangen nicht vom Reichsarbeitsminister und von den Schlich- tungsbehörden, daß sie einseitig zugunsten der Arbeiterschaft eingreifen. Sie hcb.n aber das Recht, zu verlangen, daß man ihnen nicht in die Arme fällt, wenn sie für die Wiederher- stellung der gesetzlichen Arbeitszeit den Kanzpf aufnehmen. Dieser Kampf wird nicht leicht sein. Er wird und muß aber durchgefochten werden, bis zum Siege des Achtstundentages. Die Arbeitgeber sperren aus! E h e m n i tz, IS. Februar.(VJIB.) Die Vereinigung der sächsischen Metallinduslriellenverbände hielt am Freitag in Ehemnih eine Sitzung ab. in der beschlossen wurde, die Metallarbeiter in Sachsen am Sonnabend mittag mit Arbeitsschluß a u s z n- sperren, von der Aussperrung werden etwa 150 000 Arbeiter betroffen. Sturm im Lanötag. Empörung der kleinen Gewerbetreibenden.-- Hirtsiefers Verordnung gegen den Mieterschutz. eine(Befcftr für Europa. Sie Wird gestützt durch Italien, aber auch durch Frankreich und England, das Ungarn ungeheuren Kredit ocrmittelte, ohne Bedingungen zur Sicherung der Demokratie daran zu knüpfen. Ungarn hat das Recht zu Rüstungen erhalten, das Deutschland und Oesterreich oersagt wird. Eine Bunbesgenossenschast zwischen Rumänien, Ungarn und Italien ist im Werden. Die Rüstungen Jugoslawiens zeigen die Grohe der Gefahr. Die kleine Entente gehört der Vergangenheit an, denn Rumänien ist meczen Bestarabien durch Rußland und Jugoslawien wegen Albanien usw. durch Italien gebunden, so daß die T s ch c ch o s l o w a- k c i allein steht. Eingehend behandelte die Exekutive den K a m p s g e g e n den Faschismus und die Reaktion. Es war besonders der Genosse Modigliani, der auf den bona- partisttschen Charakter der faschistischen Außenpolitik hinwies, der durch äußere Erfolge von der Gewaltherrschaft im Innern abzulenken suche. Seine Anregung, den Völkerbund für den Kamps gegen diese Innenpolitik nutzbar zu machen. begegnete jcdoch dem eingehend motivierten Einwand, daß dadurch lediglich der Völkerbund selbst in Gefahr gebracht werden könnte, ehe er genügend erstarkt sei. Die Verfolgun- gen, welche Weißrussen und andere Minderheitsvölker in Polen und Rumänien erfahren, der Terror gegen die Angehörigen der Sozialdemokraten in Ungarn, Litauen und der Sowjetunion wurden von den Vertretern der einzelnen Länder eingehend vorgetrogen. Eine besondere Kommission der Internationai« soll die Lage der politischen Gefangenen in den oerschiede- neu Ländern prüfen und das Ergebnis ihrer Untersuchungen veröffentlichen. In einer Resolution erhob die Exekutive Protest gegen die Drangsalierung der Gefangenen, die bc- sonders in den italienischen Deportationen auf vegeta- tionslose Inseln des Mittelmeeres die Oeffentlichkeit erregten. Die französischen Genossen hatten beantragt, bei dem Tagesordnungspunkt R ü st u n g s- und Ab- rü st ungs fragen auch die Beziehungen der deutschen Reichswehr zu Sowjetrußland zu besprechen. Da die>Erekutive eine besondere Kommission unter dem Vorsitz des Genossen A l b a r d a- Holland eingesetzt hat, die die Frage des Wehr- systems, der Stellung der Internationale zur M i l i z, den stehenden oder Söldnerheeren studieren soll, ihre Arbeiten aber noch nicht abgeschlossen hat. wurde auf die Behandlung dieses Punktes verzichtet. Für die deutsche Partei erklärte Wels, daß sie das Material über die Beziehungen der Reichswehr zu Rußland der Oeffenstichkeit übergeben habe. In nächster Zeit würde eine Broschüre heraus- kommen, die es noch einmal kurz zusammengefaßt darstelle. Er legte der Sitzung die Photographie der Anweisung des„W irtschastskontor" an die Pro m dank in Moskau über 50 000 Dollar vor, die jede Ableugnung Mos- kaus Lügen straft. Die innere Unwahrhaftigkeit der russischen Staatspolitik gegen die Arbeiter, die ihr noch gutgläubig folgt, ist damit evident erwiesen. Im übrigen sei es Auf- gäbe der deutschen Sozialdemokratie,-den Kampf, soweit Reichswehr und deutsche Reichspolitik in Frage kommen!, selbst zu führen, wie sie es bisher getan habe. I n t e r- nationale Aufgabe aber sei der Kampf gegen die Zwiespältigkeit und Heuchelei der russischen Regierung und der Kommunistischen Inter- nationale, die auf der einen Seite Weltrenolntion und internationale Arbeitersolidarität vredigt, während sie auf der anderen Seite mit dem deutschen Militarismus liebäugeln, den sie ihren Anhängern gegenüber zu be- kämpfen vorgeben. Ein Antrag der Gruppe der englischen Labourparty, ILP., gemeinsam mit dem Internationalen Ge- werkschaftsbund die Frage der Kriegsabwehr zu prüfen, besonders die Möglichkeiten des General- st r e i k s im Transportwesen und der Munitionsindustrie wurde den Parteien der Länder zur Stellungnahme über- wiesen. Die Behandlung der Einladung des amerikanischen Präsidenten E o o l i d g e zu einer maritimen Abrüstungskon- ferenz wurde angeregt. Sie unterblieb jedoch, nachdem die englische Delegation erklärt hatte, daß ihr eine Stellungnahme ohne Rücksprache mit ihrer Partei nicht möglich sei. Am 15. August findet in Brüssel die Enthüllungsfeier des von der Internationale gestifteten M a t t e o t t i- D e n k- m a l s statt. Vertreter der Internationale werden daran teilnehmen. Der 1. Mai und der 15. August aber sollen als Stichtage für die internationale Arbeiterwelt gelten, dem Matteotti-Fonds als internationalen Kampf- und Hilfsfonds für die Länder ohne Demokratie durch Tamm- lungen neue Mittel zuzufügen. Der im Mai in Genf zusammentretende i n t« r n a t i o- nalen Wirtschaftskonferenz werden gemeinsame Verhandlungen mit dem Internationalen Gewerkschaftsbnnd vorausgehen. Ebenso eine Sonderbesprcchung der zu der Weltkonsercnz erscheinenden Arbeiterdelegienen. Zu der in kurzem stattfindenden ersten gemeinsamen Sitzung wird die Exekutive eine Verlretung entsenden, der auch die Genossen Modigliani und Trcvrs angebören, da hier die Lage der italienischen Gewerkschaftsbewegung besprochen werden soll, wie sie sich durch die Verhandlungen einiger Führer mit Mustolini gestaltet hat. Sodann wurde noch das in Brüssel auf der internatio- nalen Frauenkonferenz vorgeschlagene Statut für das internationale Frauenkomitee angenommen, dcr Vorschlag für eine-ständige„sozialistische Konferenz" als Mittelglied zwischen Exekutive und Internationalen Kongreß, der nur alle drei Jahre zusammentritt, dagegen den Landesorgani- fätionen zur Stellungnahme überwiesen. Der nächste internal ionalc Kongreß wird in London tagen und am 3 0. Juli 1 928 beginnen. Es schließt sich an eine Konferenz aller Arbeiterparteien des britischen Weltreiches an, den die englische Ar- beitervartei einberufen hak. Diese Arbeiterparteien werden so die Möglichkeit gewinnen, an dem Kongreß der Sozia- listischni Arbeitcrinternationale teilzunehmen. Reichsgericht! Urteil im Hochverratsprozcß Bafista.— Inhaber, Faktor. Maschinenseber und Bote verurteilt. Leipzig, IL. Zebruar.(Eigener Drahkbericht.) Am?rci- tag wurde in dem hochvcrralsproh gegen die Vu6»druckeceibesilzer Basista und sechs Genosten das Urteil gefällt. Die Angeklagten werden wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Vergehen nach H 7 des Republikschvhgefehes verurteilt, und zwar die Gebrüder v a f i st a zu l Zohr S Monaten bzw. 1 Zahr Festung und je 100 Mark Geldstrafe, Lindncr zu 9 Monaten lfestung und loa Mark Geldstrafe, die Maschinenseher Kloppe und Schulz und der Prokurist Tarn ick zu je 2 Zahren Festung und je ZtW Mark Geldstrafe und der Bote Otto zu l Zahr 6 Monaten Festung und 100 Mark Geldstrafe. 1 bis 7 Monate und die Geldstrafen werden angerechnet. Aus der Urteilsbegründung ging hervor, daß nlchl nur die Buchdruckcreibejiher infolge der Herstellung der Bürger- kriegshesle beflrasl werden muhten, sondern auch die Seher und der Bote. Pas Gericht nahm an, daß alle von dkm Inhalt der hochverräterischen Schcistcn gewußt hätten und diese gemeinsam von ollen hergestellt wurden. * Es brauchen nicht viel Worte über dies Urteil verloren zu werden. Es ist ein Akl der politischen Verfolgung. Ein geschichtlich denkwürdiges Urteil, das den Geist zeigt, den die Justiz von beute beherrscht. Es gibt gegenüber diesem Urteil ikur eine Appellation— an den Reichs- t a g.— Der Hochoerratsparagraph muß schleunigst gändert werden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion yat die Abänderung beantragt. Sie muß noch vor der allgemeinen Strafrechtsreform durchgeführt werden! KPO.'Parteitag- eine leere Komöüie. „Tic graucnhaftc Zersetzung der Partei." Zum bevorstehenden kommunistischen Parteitag oer- ösfenllicht das vom Reichstagsabgeordneten U r b a h n s her- ausgegebene„Mitteilungsblatt" der linken Opposition einen Aufsatz, in dem ausgeführt wird: Schon in der ersten Märzwoche findet der 11. Parteitag unserer Partei stalt. Wenn, man das nicht wüßte, würde man dos nach der Preise nicht bemerken. S o c t w a s o v n„Vorbereitung" wurde noch nicht gesehen. Das ZK., welches sich immer wieder rühmt, die Partei„narmali- siert" oer„konsolidiert" zu haben, hält es für überflüssig, zwei Wochen vor dem Parteitag eine politische Plattform vorzulegen. Der Grund liegt auf der Hand: es hat keine Plattform, am wenigsten in den deutschen aktuellen Fragen. Dagegen werden organisatorische Kunststücke geleistet, die sich sehen lassen können. E» kommt diesem, von niemandem gewähltea ZK. darauf an, aus dem parieiiag keinerlei Worlsührcr der Oppo sition zu haben. Also werden alle, die auch nur aus den Bezirksparteitagen austreten könnten, einfach ausgeschlossen. So hat man beispielsweise im Ruhrgebiet einfach d>c Genossen Körner(fünf Jahre lang Unterbezirkssckretär), Kelch(Unterbezirkssekretär) und Czerkus wenige Tage vor dem Pezirkspartcitog aus der Partei ausgeschlossen. So hat man im Bezirk Wasserkante eine Anzahl neuer Ortsgruppen erfunden, die nur aus ZK.-An» l ängern bestehen usw. Es ist klar, daß unter solchen Umständen die Stimmciwerhältnisse auf den Bezirksparteitagen und ebenso auf dem Reichsporicüag in keiner weise ein Bild der wirklichen Lage in der Partei lieser«. Die grouenhaste Zersetzung der Partei läßt sich nicht beschreiben, da nirgends ein Zustand vorhanden ist, der als„normal" bezeichnet werden kann. Oder ist es„normal", wenn beispielsweise in Rostock eine Mitgliederversammlung durch Genossen einberusen wird, die ebne jeden Grund vom ZK. au �geschlossen worden sind, und wenn in dieser Mitgliederversammlung, um ein Heraus- laufen aus der Partei zu verhindern, der ausgeschlossene„Renegal" Urbahns referiert, während ein Angestellter des ZK. als Kor- referent austritt und sich friedfertig mit ihm auscimmderseßt? Ist cs„normal", wenn in München ein Ge,.yss« ausgeschlossen wird, Gen. Rott er. der sechs Iahrc in einem bayerischen Zuchthause gesessen hat, lediglich weil er oppositionell ist? Ist es„normal", wenn das ZK. Karlotheken und Abrechnungen fälschen läßt, um mehr Delegierte zu bekommen? Noch ein anderer Trick der ZK. wird konsequent angemendet, der aus der innerparteilichen Strategie dieser„Führer" stammt: sie pslegen die Oppositionsgruppen, welche sich„Weddinger Opposition" und„Weddinger Linke" nennen, zu streicheln, haben diese Gruppen verhältnismäßig wenig organisatorisch schikaniert und suchen so, durch Zersplitterung der Opposition, sich Vorteile zu verschaife», wo» bei es ihnen gar nicht daraus ankommt, auf irgendwelchen Tagungen kleine Oppositionsverireiungen dieser Gruppen zu dulden, da sie ja sowieso vorhaben, später alle linken Genossen aus der Partei zu werfen. All diese Umstände machen den kommenden Parteitag von vorn- herein zu einer leeren Komödie. An einer anderen Stelle setzt sich das„Mitteilungsblatt" mit der parlamentarischen Arbeit der kommunistischen Reichstagsfraklion auseinander und kommt dabei zu diesem Gesamturteil: Seitdem in di« aUgcmcinc Poluit unserer Partei der„neue Kurs"(des allen Nochlauscns hinter der SPD.)' eingeführt worden ist. untericheidet sich das Austreten unserer Parlamentarier von dem der sozialdemokratischen lediglich dadurch, daß die Reformisten im allgemeinen bessere Redner st eilen, als unsere zivilisiert stammelnden oder geleckt und„ge- bildet" ihre Reden ableiernden Parlamentarier c s s i n d. Es gibt in der Tal, von Dr. Rosenberg abgesehen, kaum einen Redner der KPD., der im Reichstag mit einiger Achtung angehört wird. Zasthiftifche Massenregie. Von D a l in o C a r n c v a l i. Ojl mag es vorkommen, daß Fremde, denen es vergönnt ist, in Rom oder einer anderen großen italienischen Stadt einer faschistischen Veranstaltung beizuwohnen, aus dem Erstaunen über das sich ihnen bietende Massenschauspiel nicht herauskommen. So kann sich hie und da die Ueberzeugung bilden, das Regime Mussolini besitze die un- verhohlene und unnnttclbare Zustimmung des ganzen italienischen Volkes. Es ist leicht zu beweisen, daß der zahlenmäßige uild rein äußerliche Erfolg aller faschistischen Kundgebungen nur dem«ystem der„Strategie der inneren Linie", um einen Ausdruck des„Ducc" zu gebrauchen, zu verdanken ist. Die Verwaltungen der Eisenbahnen und der privaten Verkehrs- nnteniehmen find verpflichtet, gratis und auf dem schnellsten Wege den Schwarzhemden Züge, Straßenbahnen, Autos, Omnibusse» Wagen usw. zur Verfügung zu stellen, damit die Faschisten jeder rleinen Prooinzstadt, jedes Lororts, so rasch wie möglich, besonders innerhalb Rpms, an die Ikonzentrntionsstelle geworfen werden können. Gewöhnlich werd�i>die Bersamnilungen an die Hauptoerkehrs- punkte der Städte gelegt, wo man mit einer größeren Anzahl Zu- schauer und Neugieriger rechnen kann. In RcmThat man als Rednertribüne den Balkon des Palastes Ehigi im Zentrum der Stadt auf der Piazza Eolonna, in Mailand die Galerie Victor Emanuel, gegenüber dem Dom, gewählt. Bei der ersten Nachricht von einer faschistischen Kundgebung, zu- mal wenn ein„Attentat".auf den ,7Duce" geklappt hat/ schließen die öjfentlichen Venyaltungen ihre Bureaus»ich geben ihren Ange- stellten den Befehl, in Massen daran � teilzunehmen. Das gleiche geschieht in den Schulen, Gymnasien, Universitäten, Gerichten, Kasernen und übrigen staatlichen Unternehmen. Bei einer der letzten großen Versammlungen im Kolosseum in Rom hat man Delegationen aus 18 Provinzen von Toscana, Umbrien, Sabinia, den Abruzzcn kommen lassen, alle in den„Fasci" und sogenannten faschistischen „Gewerkschasten" eingeschriebenen Mitglieder aus Latium dazu. Die hochojfiziöse römische„Tribuna" hat eine vollständige Liste dieser Delegationen gebracht. Das Blatt des früheren Generalsekretärs der faschistischen Partei, Farinacci, das„Regime Fajcista", veroffent- licht die Liste von 26 Extrazügen zum Transport der Faschisten und der mit Gewalt in die sogenannten„Gewerkschaften" gepreßten Bauern und Landarbeiter nach Eremona. Ebenso zeigte„Popolo d'Italia", das Blatt Mussolinis selbst, 2S weitere Exlrazüge zum Transport von 10000 Faschisten nach Mailand an, die, zu den 5000 Faschisten der Stadt und den 5000 professionellen Neugierigen gerechnet, ausgereicht haben, mindestens einen Teil des Domplatzes auszufüllen., Man muß dabei einmal in Rechnung stellen, daß selbst diese 20 00ll Menschen, von denen ein Teil in Uniform wör, wenn sie auch den Eindruck einer Gesamtheit machten, in Wirklichkeit nur den vierzigsten Teil der Mailänder Bevölkerung bilden, die 800 000 Köpfe zahlt. Das gleiche Verhältnis giv auch für Rom, Neapel, Palermo, Bologna usw. Die überwiegende Mehrheit der Bevölke. rung dieser Städte ist faschistenfeindlich und bleibt daheim, da es ihr ja doch nicht möglich ist, ihre entgegengeletzte Meinung kundzutun. Das gleiche System der Zwangsrekrutierung und Sammlung ist im Schwange auch für die unbedeutendste faschistische Feier selbst in den kleinsten Städtchen.� Bei salcher Gelegenheit vereinigen sich die Gruppen der einzelnen Stadtleile und der ganzen Umgebung überall da. wo ein Meeting, eine Beerdigung, eine Einweihung usw. statt- sindet.. Die Faschisten der großen und kleinen Städte, jedes Stadtteils, würden sich, wären sie aus die eigene Kraft angewiesen, sehr bald blamiert sehen, da man dann hinter die Schliche ihrer großzügigen „Strategie" käme. Es liegt auf der Hand, daß das Ausland in Un- keiintnis dieses saschistischen Rekrutierungssysteins an die soliden Grundlagen des Faschismus glaubt. Naturgemäß belaufen sich die .Kosten für solche Paraden auf Hunderttausend«, ja auf Millionen Lire. Handelt es sich doch jedesmal um nichts anderes als um eine Mobilmachung. Die völlig unter Regierunqskontrolle stehende Presse verstärkt durch ihre übertriebenen Äu!zöhlnngen noch den Eindruck solcher Paraden. Wir nehmen an, daß Mussolini selbst im innersten Herzen von der Zerbrechlichkeit aller dieser fragwürdigen Systeme überzeugt ist, aber er nutzt sie aus, um.seiner eigenen Parole „Durchhalten" zu gehorchen. Die illustrierte Presse des Auslandes zeigt öfter Photographien mit großen Menschenmengen, die dem„Duce" zujubeln. Wir wissen, wie diese Menschenmengen zusammenkoimncn. Was man aber aus den Bildern.nicht ohne weiteres erkennen kann, ist der Umstand, daß die Proletarier in ganzen Kolonnen, aber völlig von Faschisten um- geben, aus dem Schauplatz zu erscheinen pflegen. Sie sehen beinahe aus wie Kriegsgefangene und verharren während der Dauer der Veranstaltung mit gekreuzten Armen und dem Ausdruck des Leidens und der Erniedrigung au dem ihnen zugewiesenen Platze. Wemi. Mussolini den Wunsch haben sollte, dos Ausland ernst- Haft vmi der wirklichen und unmittelbaren Macht seines Regimes zu überzeugen, so brauchte er nur den zwölf Millionen italienischer Wähler das Recht der freien Meinungsäußerung zu geben. Bei der ersten Berührung mit der Freiheit und dem Volke selbst würde der Faschismus wie von einem Wirbel- stürm hinweggefegt werden! „Ein Zrühlingsmpfterium� Von Bruno S ch ö n l a n k, dem wir fchon sür manche Sprechchordichtung donkbar sein müssen, ist im Aoltsbühnen- verlaß ein neues Wert erschienen, das den Titel trägt„Em Frühlingsmysterium". Schönlant nennt es ein„dramatisches Chorwerk" und betont damit, daß es etwas Neues in der Sprech- chorliteratur darstellt. Zu der gefühlsmäßigen Wirkung durch Wort- ton und Wortrhythmus kommt hier die Wirkung durch einen ver- standesmäßig faßberen Inhalt. Der Kampf zwischen Frühling und Tod wird bewußt dramatisch durch vier Akte gesteigert, um im fünften in einen Sieg des Frühlings aufzuklingen- Tanz und Musik müssen das Werk bei der Aufführung ergänzen. Auch der Sprechchor selber wird zu stärkerer handelnder Beteiligung als sonst herangezogen, ohne daß damit die Grundidee, die chn ins Leben rief, umgestoßen wird. Denn Schönlant kennt Schönheit und Gewalt von Wortton und Wortrhythmus. Er weiß, daß die dramatischen Akzente des Sprechchors am stärksten und eindringlichsten ickachjen aus dem Auf- und Abschwellen der Stimmen, aus dem wechselnden Rhythmus, aus dem Binden und Abreißen� der Rede, daß der Sprcchchor nicht Sprache vermittelt, sondern Sprach musik. Gleich im ersten Akt seines neuen Werkes gibt Schönlank in sechs knappen Zeilen des Frauenchors in diesem Sinne eine dramatische Steige- rung von erstaunlicher Wucht: Die Frauen: Sause, saus«, Riemen! Die Hände tragen Striemen. (Sic!v«t,den sich dem Frühling zu und rufen): Frühling! Blüten! Ach wie grau Waren unsre jungen Tage. Man wird verstehen, daß hier die Wortmusik dasselbe wie der Jnhail, aber als viel stärkeren Eindruck, vermitteln kann, so daß auch der, dem die deutsche Sprache unbekannt ist, den Sinn dieser gesprochenen Worte verstehen müßt«. Das Werk bedeutet also einen wirklichen Gewinn für den Sprechchor: seine Aufführung, die in zwei Matineen am 6. und ani 13. März im Theater am V u l o w p l a tz stattfinden soll, wird bereits vorbereitet. Trude E. Schulz. Maria Teresa, eine fremde Dame aus Amerika, tanzte im Blüthner-Saol. Soll die Gattin eines begüterten Kimst» Händlers sein, die den Tanz zu ihrem Vergnügen betreibt. Nur zu ihrem. Borten, Knorren und Splitter vom morschen Stamm der Dunca». Mnssierender Dilettantismus. Lächeln auf den Lippen, Blei in den Beinen. Staunenswert nur die Ausdauer, mit der end- lose Programmnummcrn ohne Unterbrechung hcruntergescherbelt wurden- Berlin war die erste Etappe einer großen Europa- Tournee. Bon hier gehts nach Wien. Glücklich« Reise! Unglück- liches Wien. I. S. Vi« Galerie Zleumanu-Aierentors veranftaliet im Rabmen ihrer Nie- rarischen Abende am 2t., abends S1/» Uhr, in ihren Räumen einen Vortrag von S. v. Radecki aus Gogols Werten und am 22., abends 8>/, llbr, im Blütbner-Saal einen Vortrag aus eigenen Werten von 2 r n st Toller. Toller wird u. a. Novellen und Szenen aus neuen Dramen lesen. Albert Moll lvricht über„Die Geistesverfassung der Oltultrsten als Grundlage derOktuItiSmuSsorschung* am 22., abends 8 Uhr, in der Aula des Werner-SikmenS-RcalgymnasiumS, Hohenstanfcnstr. 47/48, aus Einladung deS Monistenbundes. Urania. Der Goetbc-Forsiher Rudolf Meyer beginnt beute. abends S Uhr. einen Vortragszyklus über daS Tbema:'„Goethe, Darwin. Haeckel". Zn der Vhysiognomiichev Sludievgesrlischast spricht am 23. im Schuberts aal, Bülowslr. 10t, Pros. Theodor Uessing- Hart- nover über„Antlitz und Charakter". Rrtglieder frei. Gäst« 1.50 M. ver Zahresball b« verein» der Auilärrdlschtn presse m Berlin findet beute abend in den Gesamträumen deS Hotels Adlon als-3eft der Münosa" statt. Srefthe im Mieterfthutz! Die Hirtsiefer-Verordnung bleibt bestehen.- Stürmische Landtagssitznng. Der Landtag überwies in seiner Freitacfitzung zunächst ohne Debatte- den s a z i a l d e in o k r a t i s ch e n Antrag über den Stand der Sirafrechtsrcsorin dem Rechtsausschuß- Bei dem Antrag des Geschästsardmingsmisschusles auf Errichtung eines besonderen W c st o u s l ck, u s s e s beschuldigten die deutschnattonalen Tlbgg. Dallmer und Bachem den Berichterstatter Abgeord- »eten L ein e r t, daß er durch eine Schiebung dem Zentrum den Borsitz in diesem Ausschuß verschgficn wolle. Ten Dcuischnationalen sei es gleichgültig, ob sie den Vorsitz bekämen, aber sie ließen sich -dem Zentrum zuliebe nicht vergewaltigen. Abg. Dr Heß(Z): Mit genau derselben Osfenheit und Ehr- lichkeit wie der �cherr Vorredner kann ich sagen, es liegt auch uns nichts daran(Schallende Heiterkeit.) Aber nach den" Beschlüssen des Geschästsordrnr'.gsaiisschusses konnte der Berichterstaticr gor nichts anderes vorschlagen. Das � us entscheidet mit 165 gegen 128 Stimmen nach dem Antrag des Berichterstatters. Es jolgt die Debatte und Entielzeidung über die Verordnung des Wohifahrksministers vom ll. ftovsmber 1926 über die Freigabe der gewerblichen Räume. Abg. Bartels- Krefeld(Komm.): Wir verlangen eine Stellung- nähme des Gesamtkabinstis.�(Händsklatschen aus den Tribünen.) Der Ministerpräsident soll erscheinen. An seinen Worten wollen wir die Doppelzüno'gkeit der Sozialdemokratie aufzeigen.(Zuruf bei den Sozialder. raten � Deutschnationaler Lochspitzel!) Abg. Bkeyer- Solingen(Soz.)- Die Verordnung von, 11. No- rem der ist allein vom W o h l f a h r t s m i n i st e r ohne Kabinettsbeschluß erlassen. Nach dem Neichsgesetz über den Mieterschutz ist sie auch allein Sache des Wohlfahrtssnini- fters. Das Haus hat zu entscheiden, ob die Verordnung aufrechterhalten bleibt oder aufgehoben wird. Wir lehnen es ab, uns nach dem Willen der Kommunisten zum Spielball politischer Intrigen gegen die preußische Regierung zu.machen.(Stürmischer Veiiall bei den Soz.) Der Antrag auf herbeirufung des Ministerpräsidenten wird unter großer Heiterkeit der Linken gegen Deutschnationale und Kam- rrunisten abgelehnt. lieber die Verhandlungen des Wohnunasausschustes berichtet Abo. tüdemann(Soz.):. Er stellt fest, daß dem Wohnungsausschuß nur ein Antrag aus glatte Aushebung der Verordnung vom 11. November vorgelegen hat, und zwar der sozialdemokra- tische. Auch die Kommunisten hätten zugestimmt, daß dieser Antrag als der weitestgehende zuerst zur Abstlinmung. kam. Leider sei er abgelehnt worden. Kbg. Haeje-Wiesboöen lSoz.): Der Laden- und Gerr-srberaummieter hat sich eine wachsende Erregung über die Verordnung vom 11 November beprächtigt. Es wäre aber ungerecht, den Minister als Hauptschuldigen hinzustellen. Am 10. Mai 1026 haben D e u t s ch n a t i o n a 1 c und Deutsche V o l k s p a r t e i zusammen mit der Wirtschastspartej diese Entrechtung des gewerblichen Mittelstandes hier xesordert. Handels. kammern und handwerkerkammcrn hoben sich diesem Verlangen angeschlossen, und so haben die Gegner der Wohnungszwangswirt- schaft einen Sieg errungen, der volkswinschastlich verhängnisvoll ist. Die Sozialdemokratie hat diese Verordnung stets aufs ent- schiedenste bekämpft. Um so unverständlicher, daß die fiornrnu. nisten uns seht unterschieben wollen, wir seien Gegner der Wohnungezwangswirlschasl und des Jlieierschuhes. Rein, das sind die kommupislea sxlbst.(Sehr gut! bei den Soz.) Die von ihnen gesorder e glatle Abschassünq der hauezlnssteuer würde gleichzeitig das Ende de» Mieterschuhe» bedeuten. Die Verordnung vernichtet nicht nur eine Fülle von Existenzen bei den Ladcnroumniieterni die Erhöhung der Ladenmieten muß auch zu einer allgemeinen Steigerung der Preise und der Erwerbslosigkeit iühren Einem kleinen Prozentsatz der Bevölkerung wird ein großer müheloser Gewinn in den Schoß geworfen und das notleidende Volk wird dafür ausgeopsert. Im Vertrauen auf den Mieterschutz haben die Ladenbesiger keine lang- fristigcn Verträge abgeschlossen, und jetzt seherr sie sich brutal bin- aus geworfelt, ohne Ersatzraum, ohne praktisch wirksamen Schutz gegen den Mietwucher. Mein Kollege Kahl- Dortinund ha� unter den zahllosen uns zugegangenen Beschwerden 62 nachgeprüft und sestaestcll!, daß in diesen 62 Fällen 156 Familienangehörige und 300 Arbeiter und Angestellte arbeitslos werden,(hört! hart! b-i den Soz.) Dabei sitzen von dielen 62 Gcschästsrauminhabern nur 9 weniger als 10 Jahre int gleichen Laden. Rur die Aushebung der Verordnung vom 11. Rooember kann diese Katastrophe verhindern. Die Wohnungszwangswirtschaft muß einem Teil unserer Wirt- schaftsordnung bleiben, bis sich einmal Airgeboi und Nachfrage aus- gleichen Wir lehnen es ab, den Hausbesitzern die Taschen zu füllen und die Mieter zu verelenden.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Skeinhofs(Dnot.): Wir stehen geschlosscu aus dem Stand- punkt der freien Wirtschaft. Aber die Gewerbetreibenden wollen wir auch vor Bewuchening schützen.(Zuruf links: CiertaNz.) Der Wohlsahrtsininistcr hat mit seiner Lcrordnüng, gegen deren Auf- Hebung wir stimmen werden, nur Verwirrung und Unord- n u n g hcrvorgcrusen, und wir sprechen ihm deshalb unser Miß- trauen au?.(Lachen links!) Abg. Kölges(Z.): lieber das Schicksal der preußischen Koalition werden die Koolitionsparteien selber bestimmen. Wir lassen uns weder von den Kommunisten noch von den Deutschnationalen unsere Politik vorschreiben. Der Wohlfahrtsminister hat sich alle Mühe gegeben, den Wohnungsbau zu fördern. Die ihn dabei nicht unter» stützt haben, dürfen jetzt nicht klagen. Die Berordnung des Wohl» fahrtsministers ist von allen maßgebenden Kreisen des Mittelstände» gebilligt worden Abg. Dr. Grundmann(D. Bp.): Wir sind grundsätzlich für freie Wirtschaft, heute aber inögcn die Regierungsparteien selber sehen, wie sie ihren Streit entscheiden. Die Beschwerden über die Verordnung des Ministers kommen meist von Leuten, deren Gesichter keine germanischen Züge tragen.(Stürmische Zurufe und Bewegung links.) Abg. Hofs(Dem.) tritt für hinausschiebung des Inkrafttreten» der Verordnung ein. Wohlfahrtsministee hirtste er: Die Beschwerden gegen die Verordnung sind außerordentlich wenig zahlreich. Der Ansturm gegen den Mieterschutz war so heftig, daß Zweifel darüber bestanden,"ob im Reichsrag überhaupt eine Mehrheit für ihre Verlängerung über den 1. Juni 1927 hinaus zu erreichen wäre. II eberdiepaargefchädigten Geschäfts» inhaber regt man sich jetzt viel mehr auf als über Taufende von abgebauten Beamten oder Ar- b c i t e r». Der Landtag muß entscheiden, ob die Perordnung be- stehen bleiben oder aufgehoben werden soll. Aendern und ver- schieben läßt sich daran Nichts. Einer Entscheidung für die Aushebung würde ich mich als parlamentarischer Minister fügen, aber verschonen sie mich mit den juristisch unmöglichen Kinkerlitzchen der demo- krotischen Abänderungsanträge. Abg. Ladendorfs(Wp.) wirft den Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartet vor, daß sie ihren Standpunkt zur Verordnung des Ministers mehrmals geändert hätten. fibg. vrügemül'?r tSoz): Die beiden Rechtsporreien haben auf Freigabe der gewerblichen' Räume gedrängt. Danach haben sie die Aufhebung der Verordnung uerlnngt, weil der ehrliche housbesitz„dein verantwortungslosen Treiben unredlicher Hausbesitzer machtlos gegenüberstehe", heute haben sie durch Herrn Stcinhofs die dritte Parole ausgegeben. Wahrscheinlich hat der Gras wieder anders befohlen.(Heiterkeit.) Die Rechlzparteien führen hler ein unwürdiges parlamentarische» Theater aus: sie würden sagen, da» Ganze sei nur die Polikik der Straße.(Sehr gut! links.) Die K o m n> u n i st e n beschimpfen UN», weil wir nicht versuchen, den Wohlfahrtsminister zu stürzen. Sie wollen um jeden preis das wohlfahrlsministerium in die Hände der Deulschnationalen oder der WIrtschastsparkei spielen- (Sehr gut links!) Unter den Ladenmietern sind zahllose alte Leute, die durch die Inflation ihr Vermögen verloren haben, und Kriegs- beschädigte. Sie will man jetzt vernichton, um ausländische Hgus- besitzkonzerne zu bereichern. Für die Deutschnationalen ist die ganze Frage, wie jede andere, nur ein Mittel, um Ihren Platz an der Huttsririppe Zurückzuerobern. Wir wollen, daß. ehe die Zwangs- Wirtschaft fällt, ein soziales Wohnrecht jedem schutzbe- durstigen Deutschen Schutz auck) vor der Ausbeutung im Mictswesen gibt.(Bravo! bei den Soz.) Damit schließt die Debatte. In namentlicher A b st i m» m u n g wird zunächst der sozialdemokratische Antrag, die ganze ver- ordnung auszuheben, mit 222 gegen 142 Stimmen der Sozialdemo- trolen und Kommunisten abgelehnt. Abgelehnt wurde ferner in namentlicher Abstimmung der demokratische Antrag, die Verordnung dcchin abzuändern, daß nach ihr Kündigungen und Mietssteigerungen ausgeschlossen sind. Der sozialdemokratische Antrag, das Inkrafttreten der Verord- nung auf den 1. April 1928 zu verschieben, wurde ebenfalls abgelehnt, dagegen wurde angenommen der demokratische Antrag, die Kündiqungosristen aus den Z0. September 1927 hinauszuschieben. Während der Abstimmung hatte sich aus den stark besetzten Tribünen eine große Erregung bemerkbar gemacht. Wiederholte Ermahnungen des Präsidenten zur Ruhe waren erfolg» los. Nach der letzten Abstimmung, deren Ausfall auf den Tribünen offenbar mißverstanden wurde, machten die Tribüiienbesucher großen Lärni, so daß fi.b der Präsident gezwungen sah, die Sitzung zu unter- brechen und die Tribünen räume!, zu lassen. Nach Wiedererössnung�der Sitzung vertagte der Präsident die wettere Beratung aus Sonnabend vormittag 11 Uhr. Kuomintangs Siegesmarfch. Hallgtsrtzau und Ringpo gcuomurcn. London. 18. Februar.(Eigener Drahlberichl.) Die letzten Nachrichten aus Schanghai zeigen, daß der Sieg der Kontonrcgierung in hangtschau vollständig Ist. Suns geschlagene Armee befindet sich nach diesen, Meldungen p l ü n d c r d und brandstistend aus dem Rückzüge nach Schanghai. Einige tausend Flüchtlinge haben Schanghai bereits erreicht, wo sie außerhalb der ausländischen Konzessionen in einem Sammellager unlergebracht werden. Außerdem hat die siegreiche kantonarwee den Seehafen R i n g p o genommen. Eine Abteilung der Garnison Hot sich aus dein Seewege nach Schanghai geflüchtet. Roch„Eentral News' werden die Truppen Kantons bei ihrem Einmarsch überall mit großer vegeistc- r u n g begrüß«. In Hcmkau wird noch immer verhandelt. hankau, 18. Februar.(Reuter.) Nach einer halbamtlichen Mitteilung sind die Berhandlungen zwischen dem britischen Gesandt' schaftsrat O' M a l l e y und dem Minister des Aeußeren der Kar.-n- regierung T s ch c n nicht o b"g e b r o ch e n. Tschen sei jetzt bereit, ein Abkommen über die britische Konzession von.hankau zu unterzeichnen. Die nationalistische Regierung betrachte die kürzliche Erklärung Chamberlains als geeignete Grundlage für die Fort- setzung der Verhandlungen. Entschädigung für Burmeistcr. hankau, 18. Febniar.(WTB.) Die nationalistische Regierung hat dem deutschen Kaufmann Burmeister, der am 3. Januar bei den Unruhen in hankau verletz! wurde und in ein Krankenhaus gebracht werden mußte, eine Entschädigung von 3500 Dollar zuerkannt. Erklärungen des Kuomintangvertrctcrs in Genf. Genf, 18. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Der Vertreter der Kuomintang in Europa, Li SinB-.-rIag©.m.b.H. Berlin. Druck: Borwärls-Bumdruckeret und Berlagsanstglt Po»: Singer u. Eo. Berlin EW«S. Lindcnstrahe 8. Hierin I Beilage und..Unterhalt»»» nnd Willen* m l[firafc MeinBeruf Ist es zu wägen. Auch als Raucher � W M.MWW».. � bin ich von diesem meinen Beruf ausgegan» Mi dfe-- qea Indem ich nichtelne/Sondern alle Ziga» WM W W» MM"MM"WM retlenmarken aemuchi lzobe,daml'tich;vergieia . ÄB. �-—'�chen Konnte. Wenn ich Immen wieder auf / M MWSMM WBAiie EnverBey Zigaretten zurücKgreife,so M, M WM das mehr als alle vierte: Bie hohen w � MM fflL WM mm MM«M nicht ihresgleichen jnTMwMWMwm erwer be� � � fabelhaft Ballnacht Gold w.RVJittr�.ZW HM SÄ- 5� v, Nr. S4 ♦ 44.?ahrgat»g 7. Seilage öes Vorwärts Sonnabend, 19. Februar 1927 Wer kennt die Schrippenkirche?— Der eine oder der andere hat schon mal was davon läuten hören; ober selbst der Schupo- beamte, der zwei Revier« davon in der morgenstillen Straße patrouilliert, kennt noch nicht einmal den Namen. Und auch von all den braven Sonntagschristen, die pünktlich um 10 Uhr ihre guten Kleider, ihre schwarzen Gesangbücher und ihre ehrbaren Mienen zur Schau stellen, wissen auch nur sehr wenige von dieser merkwürdigen Kirche mit dieser echt berlinischen Schutzpatronin: Sta. Schrippe. Ja, die Schrippenkirche liegt abseits von wohlbegüterter, umfriedeter Viirgerlichkeit, und ihre Gemeinde sind die Aermsten, die Unglück- lichsten, die ewigen Außenseiter, die Ausgestoßsncn. Alle Sonntag wird in zwei Sälen morgens um 8 Uhr„Schrippenkirche" gehalten; in der Ackerstraße für Männer, in der Schönhauser Allee für Frauen. Es gibt da, vor der Predigt, einen Topf warmen K a f f und zwei Schrippen, und in dieser Morgen- feier treffen sich all« die, die im Wartesaal, Vormittagskino und Obdach- lrsenkneipe noch endlos lange Sonntagstunden hinbringen müssen, bis sich ihnen die Tür des Asyls wieder öffnet. Denn der Sonntag ist der grauest« Tag im Leben dieser Ausgestoßenen; an Wochentagen können sie gut hier und dort im Gewühl untertauchen, aber der Senntag entlarvt sie in ihren zerknitterten Lumpen unbarmherzig als das, was sie sind: Strandgut des Lebens, menschliche Wrackstücke. „Kommet her zu mir all«.. ach ja, mühselig und beladen mit Not und Sorge sind sie alle, die Frauen, die da von 8 Uhr an einzeln und in kleinen Gruppen zur Tür des Gemeindehauses der Gethsemanc-Gcmeinde kommen. Drinnen in dem großen, nüchternen Saal stehen schon drei lange Tafeln für sie bereit; die Tisch« sind mit weißem Kreppapier gedeckt und sauber« graue Töpfe stehen drauf. Flüsternd nehmen die Frauen Platz. Rund um die Tische gehen die chelserinnen, würdig« Patronessen, ein paar Diakonissen und ein junges Mädchen. Welch ein Kontrast zwischen der gepflegten Bürger- lichkeit dieser Erscheinungen und den armen Gästen der Schrippen- kirche! Manche der armen Frauen sucht noch durch den Hut oder ein« räudige Muffe ihr Elend ein wenig wohlanständig aufzu- schminken, doch gerät gerade der Versuch meist ms Groteske. Die meisten haben diese„Versuch« mit untauglichen Mitteln" längst auf- regcben. Die Gesichter sind stumpf, zermürbt von ewig gleicher Sorge, oder roh, einig« wenige von wieselhast pfiffigem und listigem Aussehen. Fast olle umfasien den Kasfeetopf mit der typischen Gebärde der Rot, die selbst diese arme Wärme mit beiden Händen umklammert.— Dann ist das Frühstück beendet. Der Herr Pastor lesteigt das Katheder hinter dem AUar.„Wir singen nun zwei Verse ron dem Liede:„3ch bete an die Macht der Liebe"... Gesang- bücher gibt es ittcht. Der Herr Pfarrer spricht ie zwei Zeilen vor. Kaum einer der Käsfeegäste fällt bei dem Orgellpiel mit«in— sie möoen denken, daß sie ihre zwei trockenen Schrippen und den Topf Kaffee mit dem Anhören der Predigt genügend bezahlen. Und was für ein« Prediat ist das! Kicr sitzen vor dem Herrn Pastor die Aermsten. die Mühseligsten: Menschen, die nur ein franziskanischer Geist in Liebe und Demut als seine Brüder grüßen kann. Ter Herr Pastor ist aber wahrhaftig mit keinem Tropfen dieses Oeles gesalbt. und so hat er sich den Text seiner Rede nicht aus der Bergpredigt oder aus anderen Worten des Razareners geholt, sondern donnert .mit finsteren Worten der Offenbarung Johannis auf die arme, vom Leben fast erdrückte Menschenschar los.— Hinter ihm aber steht die Aufsichtsdame, und als das allgemeine Fegefeuer der Predigt schnell, und dank der Stumpfheit der meisten, auch einigermaßen schmerzlos, überstanden ist, bekommt«in armes Weib von ihr noch eine Extra- rüge, weil sie den Kaffee, den sie in letzter Minute eingeschänkt bekam, während der Predigt auszutrinken wagte, statt ihn erkalten zu lassen. Dann ist der„Gottesdienst" beendet An den Helferinnen vor- bei schiebt sich die Elendsschar aus dem Saal.— Aber sonderbar, in all das hastende Geklapper der Predigt schien immer«ine andere Stimme hineinzurufen, und die Worte, die sie rief, waren kaum auf die armselige Menschheit an den Kaffeetafeln gemünzt:„Und wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingend« Schelle..." Im D-Aug flmfterKam- öerlin. Auch eine empfindliche Verkehrsstörung kann ihr Gutes Kiben. Ein umgeworfener Kran öffnet die Pforte zu ungeahnten Möglichkeiten. Das gab Donnerstag nachmittag auf dem Bahn- Hof F r i e d r i ch st r a ß e ein wildes Gedränge, als die Beamten das Heer der von der Arbeit Kommenden auf den Fernbahnhos dirigierten. Die Geleise des Vorortverkehrs waren >> e s p e r r t. Und dann setzte der Sturm von vielen Hunderten auf die schmalen Wagen des Ö-Zugcs Amsterdam-Bsrlin ein. Seltsam erregender Kontrast, dieser A u s l a n d s e x p r« ß. der zwischen Friedrichstraße und dem Echlesischen Bahnhof den Pendelvek- kehr aufrechterhielt. Wie Trauben, bis an die Trittbretter, hängen, stehen und sitzen die bestaubten Menschen in den D-Zug. Wagen. Abnorme Umstände korrigieren soziale Unebenheiten im Nu; erste, zweite und dritte Klasse sind gleichmäßig überfüllt. In den komfortablen Wagen der ersten Klasse sitzen müde, abgehetzte Proletarier auf dem Plllschbezug der exklusiven Kupees— nur acht, zehn Minuten gewiß, aber im Äugenblick haben sie von der Pracht des bourgeoisen Rciseluxus Besitz ergriffen. Da hat einer ein holländisches Blatt aufgefunden, das irgendein Mynheer im Plüsch- sofa liegen gelassen hat. Halblaut liest er es wortgemöß vor, und die anderen freuen sich der verwunderlichen ungewohnten Laute. Langsam, sehr lalngsam gleitet der Zug mit seiner seltsamen Last an den trüben Hinterhmissronten der von Stich verdrcckten, verbauten Wohnungen der Volksoiertel vorüber. Schon ist der Zug am Schlesischen Bahnhof. Und die namenlose Masse der Arbeit eilt durch die Äusgänge den Straßen zu. Aber vielleicht wären solche„A u s t a u s ch k u r s e" zur sozialen Erkenntnis rechr gut, vielleicht würde es sich lohnen, eine Auswahl verwöhnter menschlicher Exemplare in die überfüllten Arbeits- Vorortzüge des Morgens um 5 Uhr zu setzen. Um des mensch- lichen Verstehens willen. Wer war ßrieörich Eberls Das Scherl-Adrcßbuch weis; es nicht! „Unter Benutzung amtlicher Quellen", so wird ausdrücklich betont, erscheint im Hugenberg-Verlage von August Scherl das Berliner Adreßbuch. Und im dritten Teil über die Straßen und Plätze wird uns unter Aufwand von beachtlichen historischen Kenntnissen von Fall zu Fall auseinandergesetzt, woher eine jede Straße ihren Namen hat. Da vernehmen wir denn zum Bei- spiel, daß der Pate der Fnedrich-Karl-Straße„Prinz Friedrich Karl von Preußen, Generalfeldmarschall, geb. 20. I. 1928, h 15. 6. 188ö" ist, während die Mariannenstraße nicht etwa nach dem schönen Mädchennamen Marianne, sondern nach der weitesten Kreisen des deutschen Volkes unbekannten„Prinzessin Marianne, Gemahlin des Prinzen Albrecht Vater von Preußen, geb. 9. 5. 1810, f 29. 5. 1883" getaust ist. Die Mansteinstraße andererseits betitelt sich nach einem„Gustav von Manstein, General der Infanterie, 1870/71 kommandierender General des IX. Armeekorps, geb. 24. 8. 1805, f 11. 5. 1877", einem alten Kommißstiefel also, von dem heute kein Mensch mehr etwas weiß. Die Iungstraße hinwiederum hat nichts mit Jugend zu tun, sondern benamst sich nach dem Ziegeleibesitzer Wilhelm Jung, von dem die wenigsten Sterblichen jemals gehört haben. Und damit wir nicht etwa denken, daß die Bismarckstraße nach Otto dem Zwoten von Bismarck, dem jungen deutschnationalen Deputierten, ihren Namen hat, lesen wir groß und breit die gewichtigen Angaben:„Fürst Otto von Bismarck, Herzog von Lauenburg, geb. 1. 4. 1815, s- 30. 7. 1898". Ja. Scherl ist gewissenhaft, und man sollte ihm Dank sagen für seine Mühewaltung! Aber seltsam, einmal versagt die geschicht- liche Forschung! Trotz sicherlich sehr gewissenhafter Forschungen ist es den Herren vom Berliner Adreßbuch nicht möglich gewesen, herauszubekommen, wer wohl der rätselhafte Men'sch sein mag, nach de in die Friedrich. Ebert-Straße benannt ist. Von ihm allein unter all den Hunderten von Prinzen, Generalen, Ministern und sonstigen Geistesheroen hat scheinbar kein Buch, kein Blatt und keines.Sängers Mund berichtet. Aber vielleicht wenden �sich die Herren Herausgeber einmal ou die am Ansang zitierten„amtlichen Quellen"! Möglicherweise wiro sie bei der einen oder anderen erfahren, wer Friedrich Ebert ge- wesen ist. Das Volk weiß es glücklicherweise— auch ohne Scherl! Der Neubau öer Reichskanzlei. Keine Risse an der Hcdwigskirche. Der geplante Neubau der Reichskanzlei soll auf Grund von Eni- würfen vorgenommen werden, die durch ein öffentliches Preis- ausschreiben gewonnen werden sollen. Die Vorarbeiten sind jetzt so weit gediehen, daß der Wettbewerb in etwa 14 Tagen aus- geschrieben werden wird. Den Architekten, die sich an der'Aufgabe beteiligen, wird als Basis für ihre Entwürfe ein R a u m- Programm ausgehändigt werden, in dem die Anzahl und die erforderlich« Verteilung der benötigten neuen Arbeits- und Re- präscntationsräume vorgeschrieben iverden. Die Verwaltung der Reichskanzlei plant, in dem alten Gebäude ein Bismarck-Eedenk- zimmer zu schaffen, in dem die Schreibtische, an denen der Reichs- lanzlcr gearbeitet hat, sowie andere Erinnerungsstücke untergebracht werden sollen. Es ist möglich, daß man für diese Zw-ckc sogar das damalige Arbeitszimmer des Kanzlers verwendet. Man erwartet, daß die Prüfung der eingehenden Entwürfe bis Mitte des Jahres erledigt sein wird, und daß der Bau bereits im Spätsommer in Angriff genommen werden kann. Zu der Meldung, daß an der Hebwigstirche verschiedene Risse festgestellt seien, die auf den Opernhausumbau zurückzuführen sein könnten, erfahren wir, daß diese Behauptung aus einen Irrtum zurückzuführen ist. Eine erst vor kurzer Zeit herbeigeführte Unter- suchung der Kellergewölbe und der Katakomben der Kirche hat er- geben, daß sich dort keinerlei Risse gezeigt haben, obwohl sie dort 231 Gerichtstag. von Fred V6rence. OJvvnxlit 1925 by Rani Zsotnay, Wie» Alle diese Gedanken hatten mich behext und gärten so heftig in meinem Kopf, daß ich ganz betäubt auf das Kiffen sank. Einen Augenblick lag ich vernichtet, zermalmt vor der Größer meiner erträumten Plärre. Ja. aber bis ich dazu kam. sie auszuführen, war ich sicherlich längst verhungert Drei Jahre mußte ich noch ins Gymnasium gehen, vier in die Ingenieurschule und dann erst konnte ictMaran denken, inein Brot zu verdienen.... Aber während dieser sieben Jahre würde meine Mutter sich zu Tode rackern. Schon jeßt untergrub das Elend ihre Gesundheit, sie war stark gealtert, ihre Krankheit hatte ihr die letzten Kräfte geraubt. Plötzlich begann ich zu zittern, das Gespenst des Todes war vor meisten entsetzten Augen er- schienen! Eine Sekunde später stand mein Entschluß fest. Ich mußte auf alle Pläne verzichten, die Schule nicht mehr besuchen, in ein Bureau oder ein Geschäft eintreten, schmierige Akten abschreiben oder Zucker und Schweineschmalz verkaufen. Ich mußte eben meme Zukunft der meines Bruders opfern: viel- lelcht würde er einmal imstande sein, meinen erhabenen Traum zu verwirklichen, aber es ist lebr schmerzlich nur der Verkünder zu bleiben, wenn man sich schon ols Messias gesehen hat. Dann fiel mir mein Vater ein. der uns. in dieses Elend gestürzt hatte,' weil er sich seiner Pflichten niemals bewußt und ohne V.'rantwortlichkestsgefühl gewesen war. Ich gelobte mir, meine ganze Willenskraft daranzusetzen, um den Abhang wied-r h'nailf-ukommin. Erschöpft sank ich auf das Polster zurück. Vaul schlief neben mir, ich konnte die Wärme seines Körpers kühlen. Im Mondlicht sah ich seine geschlossenen Augenlider, die von den schwanen Wimpern eingerahmt waren. Zwitch'n den halb- geöffneten Lippen drang ein schwacher Hauch hervor, sein regelmäßiges Atmen Ein unendlicher Frieden umfaßte mich imd ich schief ein. Mir träumte, daß ich im Aether schwebte, unter mir wölbte sich eine riesige Eisenbrücke und darüber sauste mit großer Geschwindigkeit ein Zug, den Paul führte. In den nächsten Tagen las Ich alle Annoncen und bot mich als Verkäufer, als Schreiber an. Vergeblich! Endlich fand ich eine Anzeige, wo ein junger Mann zum Adressenschreiben gesucht wurde. Ich eilte hin. Zwei Männer saßen an einem Tisch und schrieben auf kleine, gelbe Schleifen Adressen. Einer von ihnen— er gab sich kaum die Mühe aufzublicken— fragte mich, was ich wünschte. Ich antwortete, daß ich wegen der Annonce käme. „So warten Sie, der Direktor kommt erst um neun Uhr." Er wies mir einen Stuhl an, ich setzte mich: die zwei Männer schrieben weiter; von Zeit zu Zeit flüsterten sie sich leise etwas zu. Einer von ihnen wandte sich an mich mit den Worten: „Diese Arbeit ist nicht sehr herrlich gezahlt, man kann dabei verhungern." Ich wußte nicht, was ich darauf erwidern sollte, worauf einer der beiden zum andem meinte, daß ich ein zuwiderer, hochmütiger Kerl sei. Bald nachher kam der Direktor, ein dicker Mann mit ein- gequetschter Nase, seine Gesichtsfarbe war rötlich-grau. Er sah aus— ich wüßte nicht zu sagen, weshalb— wie ein armseliger Tyrann und er fragte mich, warum ich denn aus dem Gymnasium ausgetreten wäre.„Schlechte Noten, was?" nickte er mit vielsagender Grimasse. Nein, Familienverhält- nisse zwangen mich, daß Gymnasium zu verlassen.„ Familien- Verhältnisse! Na ja, das kennt man schon. Setzen Sie sich hierher." Er diktierte mir eine Adresse und sah sie prüfend an. „Gut. Sie müsicn wenigstens vierhundert Adressen im Tag schreiben und Sie werden fünfzig Franken monatlich bekommen, paßt es Ihnen?" „Ja, bitte." „Wenn Sie es auf sechshundert bringen, bekommen Sie sechzig Franken monatlich, immer zehn Franken mehr für je hundert Adressen täglich." Die beiden Beamten lachten spöttisch hinter seinem Rücken. Man wies mir einen Tisch an, gab mir ein Heft voll Adressen, die ich abschreiben mußte und ich machte mich an die Arbeit. Toll und ganz ausgelassen vor Freuds lief ich um zwölf Uhr nach H-ause. „Sei nicht böse, Mama, ich habe ein Stelle angenommest." „Was sprichst du?" fragte die Mutter verwundert. Nun erklärte ich ihr. daß ich groß genug sei, um etwas zu verdienen, andere taten dasselbe. Sie warf ein:, Wenn du reich und berühmt sein wirst..." „Mama," sagte ich und mühte mich, ganz natürlich zu sprechen,„es war nur ein Traum, und hast du nicht selbst gesagt, daß es die Bestimmung der Träume sei,'niemals Wirklichkeit zu werden?" Sie sah mich lange prüfend an, ich lächelte, wie mir schien, in voller Ruhe; ich war ja so glücklich, ein wenig Geld zu verdienen. Sie zog mich an sich, preßte mich an ihre Brust:„Tut es dir nicht leid, wirklich nicht?" „Nein, Mama, es tut mir gar nicht leid." Damals war Ich fünfzehn Jahre alt, ich blieb ein Jahr in depi Bureau. Oft hatte ich unter der Grobheit und Frech- heit meiner Gefährten zu leiden, unter ihren Spaßen, ihren ekelerregenden Gesprächen, aber ich gewöhnte mich an die Gemeinheit dieser Leute und war fest entschlossen, alles zu ertragen, um die paar Franken zu verdienen. Ein Kuß meiner Mutter tröstete mich, ein Kuß meines Brüderchens gab mir neue Kraft. Nach einem Jahr fand ich eine Stelle als Schreiber in einem Handelshaus für orientalische Teppiche. Das war ein Glücksfall, denn ich bekam gleich hundert Franken monatlich. Ein ernster sachlicher Ton herrschte dort und übte einen guten Einfluß auf mein überreiztes Wesen aus. Ich befand mich schon einige Monate in metner neuen Stellung, als eine Teppichausstellung in Lausanne veranstaltet wurde. Der Direktor fuhr selbst hin; ein Kassierer, der mir wohlgesinnt war, schlug mich als Hilfskassierer vor. Es gelang mir, einen Teppich sehr gut zu verkaufen, überdies hatte eine Gräfin mit dem Direktor gegenüber gelobt. Von da an war es meine Aufgabe, d:n Verkehr mit den feinsten und reichsten Kunden zu vermitteln und ich bekam von jedem verkauften Stück zwei Prozent. Auch stieg mein Gehalt plötzlich auf hundertsechzig Franken. Das war ein unverhofftes Glück für den Neunzehnjährigen. Wir hatten eine lichte, freundliche Wohnung genommen und viele Dinge gckauft, die wir nötig hatten. Die schadhaften Möbel waren gerichtet worden, die Mutter freute sich an meinen Erfolgen: ein leichtes Rot färbte wieder ihre Wangen, sie gab die Lettionen auf, die wegen der weiten Entfernung von unserer Wohnung zu viel Zeit gekostet hätten. Alice und Paul gingen in die Schule. Der kleine Junge hatte noch an Klugheit zugenommen, er lernte leicht und konnte schon nach ein paar Monaten lesen. Ich belauschte das Erwachen seiner Seele, sie war der meinigcn ähnlich, aber reiner, frischer, auf- richtiger, kindlicher Niemals fühlte ich mich meiner Mutter näher, als wenn das Kind zwischen uns beiden saß. (Fortsetzung folgt.) :-ct einer Senkimg der Fundnmente am ehesten auftreien müstten. JlN übrigen ist aber die Kirche nicht auf Pfählen, sondern aus dem testen Baugrund des alten Festungsgeländes errichtet worden. Es haben sich lediglich einige Risse oben im Mauerwerk und an einem Fenstersturz am Eingang der Kirche gezeigt, die aber keineswegs auf die Erundwasserabsenlung zurückzujllhren sind. Die fiktenverschiebungen. Der Fall des Vankdirektors Kuncrt vor Gericht. Zlm Montag wird der interessanteste Fall in der Moabiter Zlktenafsäre im Schwurgericht zur Verhandlung gelangen. Das Schöffengericht Mitte wird sich dort mit der Anklage wegen Aktenbeseitiguna der Vorstrafakten des Bank- direktors Max Klemens Kunert beschäftigen, es witfd aber ohne den chauptinteressenten verhandelt werden. Bekanntlich ist Bankdirektor Kunert flüchtig und wird steckbrieflich verfolgt. Er halte zwar in Aussicht gestellt, sich freiwillig dem Gericht zur Verfügung zu stellen, hat das aber bisher nicht getan, obwohl Ober- staalsanwalt Binder die für die Derlchonung der Untersuchungshaft geforderte Sicherheiteleistung inzwischen von einer lA Million aus «ine � Million herabgesetzt Hot. Neben den beiden aus den bis- bsrigen Prozessen bckanni gewordenen Angeklagten tJustizinspektor Gustav P a h l k e und Iustizsekretär Wolter Rossel werden sich als weitere Angeklagte zu verantworten haben: der Bureauvorsteher von Rechtsanwalt Dr. Ludwig Meyer, Karl!)übner und der Bankbeamte Siegfried P e i s e r. Bankdirektor Kunert wird w«gen Anstiftung zum Verbrechen des Attendiebstahls verfolgt, und im Falle seiner Ergreifung später selbständig abgeurteilt werden. Dieser Aktendiebstahl liegt schon bis zum J-cht-e 1925 zurück und dürft« zu den ersten Straftaten der schuldigen Justizbeamten gehören. Bant- direktor Klemecks Kunert hatte eine dunkle Vergangenheit. Er war Ende 1913 von der Strafkammer in Leipzig wegen Beihilfe zum Betrug« zu 6 Monaten Gefängnis, Geldstrafe und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre verurteilt worden Weitere umfangreich«'Strafverfahren gegen ihn gelangten infolge der Kriegs- omnestie zur Einstellung. Da verschiedene Personen von der dunklen Vergangenheit Kuncrts wußten, war es diesem unangenehm, nach- dem er sich«ine einflußreiche Stellung in der Finanzwelt errungen und durch seine Heirat verwandschaftliche Beziehungen zu einer alt- adligen Familie erlangt hatte, und er wollte die Akten oerschwinden! lassen. Darüber bcricr er sich mit Peiscr, der ihn mit Bureauvor- steher Hübner bekannt machte. Hübner suchte Kunert auf und stellte sich als Gerich. ssekretär vor. Kunert sagte ihm, er habe bereits! einmal cmen Kriminalbeamten beauftragt, die Sache zu veranlassen. Dieser habe zwar Geld genommen, aber dann nichts getan. Auch Peiser habe schon 509 Mark bekommen. Hübner wandte sich an Rossel und diestr wiederum an Pohlke. Letzlercr forderte in einer fingierten Strafsache die etwa 19 Bände umfassenden Norstrafnkten Kunerts an. Eines Tages erschienen Rossel und Hübner in der Billo Kunerlt im Grunewald und brachten einen Aktenband. Dafür zahlte Kunert etwa 3 99 Mark Einig? Tage später brachte Hübner einen zweiten Bond zu Kunert Rossel hatte ihm die Weisung gegeben,»dafür mindestens einen„Taufen- der" zu verlangen. Kunert zahlt« ober nur einen Scheck über 4 99 Mark. Das Geschäft sollte auf di«se Weise fortgesetzt werden, es wurde den Beteiligten aber durch die Berhaftung Kunerts in der Landespsandbriefamtaffäre ein Strich durch die Rechnung gemacht. .Hübner bekam jetzt Angst und wollt« nichts mehr in der Sache tun. Bon den zehn Aktenbänden fehlen vier in den Beständen der Staats- onwaltschoft, teils.Haupiokten, teils Handakten. Bei der Haus- suchung in der Villa Kunerts wurden zahlreiche aus den Akten herausgerissene Blätter gefunden. Die Verhandlung findet wiederum vor dem Schöffengericht Mitte unter Borsitz von Landgerichtsdirektor Fielitz statt. Berufung im Falle des Rechtsanwalts Dr. Meher. Der Fall des Rechtsanwalts Dr. Ludwig Meyer wird nochmals vor der großen Strafkammer des Landgerichts I zur Verhandlung gelangen. Oberstaatsanwalt Binder hat gegen das auf 1 Jahr Gefängnis lautende Urteil des Schöffengerichts Mitte Be- r u s u n g eingelegt. Auch von Rechtsanwalt Dr. Alsberg wird das Urteil des Schösfcngerichls für den Berurteilten Dr. Meyer durch Berufung angefochten. Jugenü unü Ciloericht. Verhandlungen, wie sie nicht fein füllten. Es geschieht oft, daß man bei einer Gerichtsverhandwng das Unrecht herausfühlt, das an Menschlichkeit und Recht vollbracht wird. Nicht jeden Tag kommt es aber vor, daß man dieses Unrecht ganz handgreiflich vor sich sieht. Dies war neulich in der Gerichts- Verhandlung in der Dirckfenstroße der Fall. Bor dem Richter stand ein 21jähr!g«r Mensch, der jedoch be- deutend jünger aussah. Seine schüchternen und zögernden Ant- warten wurden immer wieder durch die scharfe Stimme des Richters unterbrochen. Der junge Mensch, nennen wir ihn D., war bei einer Firma als Hausdiener tätig. Eines Tages hatte er 5S9 Mark als Wertpaket abzuschicken.„Als ich das Geld in der Hand hotte, stieg mir das Blut zu Kopf," sagte er vor Gericht, und am Abend man- derte es in die Kassen der Cafös in der Friedrich st ratze und in die Taschen der Mädchen. Nach wieviel Tagen das Geld äusgegeben war, wie o-dcr wo D. verhaftet wurde, erfuhr man bei dieser Berhandluugssührung nicht. D. hatle schon öfters größere Geldbeträge in Händen gehabt. Niemals ledoch war ihm eine Un- korrektheit unterlaufen. Weshalb war es nun dieses Mal geschehen? Um diese Frage zu beantworten, hätte man etwas über das Eltern- hau», über den Werdegang des jungen Menjchen in seiner Baterstodt Plauen, über seinen Zeitvertreib in Berlin, über seinen Charakter und über seine Gewohnheiten erfahren müssen. Diese Fragen schienen aber Staatsanwalt und Richter nicht zu interessieren. Man ersuhr nur, daß D. bereits in Plauen wegen dreier Diebstähle zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war und daß er auf seiner Arbeitsstelle, aus der er schon sechs Monate lang beschäftigt war, 17 Mark Wochenlohn erhielt Davon mußte er wöchentlich schon 5 Mark für Wohnung zahlen; blieben 12 Mar k. Für den Appetit eines 21jährigen gefunden, jungen Menschen und sür die Verlockungen der Großstadt allerdings etwas wenig. Diese Entlohnung und eine geringe Widcrstandskrast gegen Versuchungen, wie auch das Bedürfnis in der Einsamkeit der Großstadt auch ein bißchen Vergnügen zu haben, werden wobl der Grund für seine neue Entg'eisung gewesen sein. Das Gericht ver- urteilte den jungen Menschen zu drei Monaten Gefängnis. Bewährungsfrist erhielt er auch dieses Mal nicht. Sein Arbeitgeber will sich durch Pfändung seiner nnnseligen Habe entschädigen. Wenn der Junge aus dem Gesängnis kommt, steht er w!ed«r einsam in der Großstadt da. Was wird dann aus ihm weiter werden? Das schien weder Gericht noch Staatsanwalt wenig zu interessieren. Vielleicht sollre das Jugendamt, das kni Grund« genommen für den Fall nicht zuständig ist, sich dieses 21jährigen, mit dem Aussehen eines Njährigen, annehmen und der Iugendhelfer ihn im Gefängnis kennen lernen. Der Name des jungen Menschen steht dem Jugend- amt zur Verfügung. » lieber den Aolkennwrtt fährt ein Wagen. Awei junge Menschen steigen hinten drauf und werfen einem dritten einen Sack herunter. Als er stch entfernen will, wird er gefaßt. Nun steht er vor dem Einzelrlchter. Dieser packt den jungen Menschen ebenso schars an, wie den vorigen. Man erfährt über ihn nur, daß er vor einigen Monaten arbeitslos geworden Ist, bei der Mutter wohnt, keinen Vater hat und nicht vorbestryst ist. Wo und wie er bisher gearbeitet hat, wer lein Umgang und wie iein Zeitvertreib war.— von alledem erfährt man nichts. Als irgendeine Antwort des Jungen beim Richter auf Mißtrauen stößt, ruft eine Frauenstimme aus dem Zuhörerraum etwas da- zwischen. Schneidend tönt es vom Richtertisch:„Wer sind Sie?*— „Ich bin die Mutter."—„Seien sie still, wenn Sie nicht gefragt werden." Die Mutter verstummt. Aber gleich hinterher sieht der Staatsanwalt sich doch veranlaßt, eine Kontroll'rage an die Mutler zu stellen. Sie bestätigt, daß der Jungs bei ihr wohne. Sonst hat das Gericht keine Frage an die Zeugin, die viel- leicht doch einiges über den Angeklagten zu sagen hätte. Das Urteil ist milde: eine Woche Gefängnis unter Verleihung einer Bcwähungs- frist auf drei Jahre. B c st r a f t ist nun der Neunzehnfährize wegen Diebstahls doch. Ein Fürsorger wird sich um ihn nicht kümmern. Eine väterliche Ermahnung ist ihm vom Richter nicht zuteil ge- ! worden, dafür aber hatte er harte Worte zu hören bekommen, die, � wie man ihm anmerkte, seinen Trotz hervorgerufen habe». Ist das eine Rechtsprechung an Jugendlichen? MWiiMWöerejüisiiiiiifSB.jKroS'berljii heute, Sonnabend, den 19. Aebruar, spricht in der Aula des Ariedrichs-Realgymnasiums, Mllenwalder Strahe 34-Z7, Genosse Gg. Tagelhi rk Graf über „Kriegsgefahr rund um den Giitlen Ozean" Fahrverb'ndung: Untergrundbahn GneHenaustraße Eintritt 0.30 KL Beginn 7", Uhr Drei �ahre Neicksbanner. Das Reichsbanner Schworz-Rot-Gold teilt mit: Am Dienstag, 2?. Februar, jährt stch zum drittenmal der Tag, an dem das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold gegründet wurde. Aus diesem Anlaß veranstaltet das Reichsbanner an allen Orten große Gründungsfeiern, die im gegenwartiasn Augen- blick noch von besonderer Bedeutung sind, da sie deutlich die uner- schüiterte Kraft des Reichsbanners zeigen weiden. Der Gau Derlin-Brondenburg gibt seine Berliner Grün- dungsfeier am Dienstag, dem 22. Februar, abends 8 Uhr, in der Stadthalle Klosterstraße. Ausklsir«nq cines Mcr'rlitsakicndiebstahls. Das Verschwinden von Gerichtsakten beim Amtegericht in Werder a. d H., über das vor einiger Zeit berichtet wurde, ist Z u m Teil o» f g e k l ä r t. Auf Ersuchen der Oberstants- anwaltschaft Potsdam wurden die Berliner Kriminaltommissare Braschwitz und Zapfe vor etwa vierzehn Tagen mit den Ermitt- lungen beaustragt. Die Ermittlungen der Beorntep führten jetzt zur Aufdeckung von zwei verschiedenen Gruppen von 2l k t e n- beseitigungen. Bei der ersten Gruppe handelt es sich um das Bei schwinden von Grundbuch-, Aufwertung?» und anderen Zivila?ten und auch einigen Strafakten. Der Verdacht lenkte sich hier auf einen 21 Jahre alten Walter Beck der bei dem Amisgericht als Justizwachtmeister auf Probe beschästiot war. Dann verschwand er. wurde ober vorgestern von der Laiidjägerei in G r o ß-G l i e n i ck« bei einem Freunde ermittelt, festgenommen und nach Werder gebracht. Inzwischen waren einige der oersckiwundenen Akten in einem Keller des Landgerichts- gebäudes in Potsdam wiedergefunden worden. Die B.'rliner Kom- misiare nahmen Deck in ein eingehendes Verhör. Er leugnete zu- nächst, gab aber nach langem Zögern jedoch endlich die Aktenbe- seitigung zu. Beck hat die Tat begangen, uni Unterschlogun- gen zu verdecken. In fünfzebn Fällen, die ihm bisher nachge- wiesen werden konnten, hotte er Betröge von 29 bis 89 M., die in den Akten gebucht waren, in seine Tasche geslecki. Nun wußte er, daß die Akten zu« Neoiston an das Landgericht Potsdam gehen lallten. Dadurch mußten seine Beruntreuungen aufgedeckt werden. Ilm das zu verhindern, ließ er die Ak»en verschwinden. Leck wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt.— Die zweite Gruppe be- trifft Grundbuch- und Zlufwertungsakten. Die Schul- digen, die ebenfalls festgestellt und verhaftet wurden, sind Konz- leionge st eilte, nicht Beamte. Ihr Motto ist noch bezeichnender. Sie beseitigten die Akten aus Bequemlicht eit, um st« nicht weiter bearbeiten zu müssen! Diese beiden hatten die Akten im Keller des Amisgerichtsgebäudes in Werder versteckt. Jetzt werden nun alle Alien planmäßig auf ihre Bollständigkeit nachge- prüft. Das nimmt natürlich geraume Zelt In Anspruch. Die märkische» K«r- und Erhol«»Ksorte. Am Mittwoch, dem 18. Februar, nachmittags, fand in Berlin die erste Generaloersammlung des Verbandes Märkischer Kur- und Erholungsorte C. V. statt, dem jetzt die zwanzig größten und bedeutendsten und viele sehr schöne kleine märkische Wochenendgemeinden angehören. Fast aus allen Gemeinden waren Bürgermeister, Amts- und Gemeindevorsteher erschienen. Die Bor- standswahl halte jolgendes Ergebnis: Bürgermeister Stall, Füchenwalde, 1. Borsitzender, Bürgermeister Krebs, Buckow (Mark. Schweiz), 2. Vorsitzender, Bürgermeister Regel, Freien- walde a. d. ö., 3. Vorsitzender, Bürgermeister Selbach, Rheinsberg, Schriftführer, Amts- und Gemeindevorsteher Schünke, Woltersdorf, Kassenwart, Amts- und Gemeindevorsteher Dr. Krücke. Bad Saarow. und Amts- und Gemeindevorsteher Liibkes, Erkner, Beisitzer. Der be- stehende große Ausschuh wurde durch die Zuwahl von Herrn Bürger- melster Warze, Strausberg, Amts- und Gemeindevorsteher June- mann, Wandlitz, und Bürgermeister Dr. Krüsmann, Bad Wilsnack, ergänzt. Die Versammlung bedauerte lebhaft die von Potsdam ausgehenden Sonderbe st rebungen, die zur Bildung eines Verkehrsverbondes geführt haben. Auf Antrag des Stadtrats Dr. Richter, Bad Freienwalde, wurde folgende Entschließung angenommen:„Der Verband Märkischer Kur- und Erholung»- orte E V. erkennt den Verkehreverbond sür die Provinz Branden- bürg, Sitz Potsdam, als Spitzenverband der Provinz Brandenburg Heubergers„Opernboll" erlebte auf der Sendebühne eine dankenswerte Auferstehung. Dos sehr zu Unrecht von den Bühnen der Gegenwart vernachlässigte Werk gehört in die Reihe der klassischen Wiener Operette. jSein« entzückenden Melodien und sein wirkungsvoller musikalischer Satz stempeln es beinahe zu einer komi- schen Oper. Selmar Meyrowitz bereitete das Wert, für dessen treff- liche Besetzung Sorge zu tragen war, ein« liebevolle Ausführung. Der Nachmittag brachte Gedichte,„S ch l e s i s ch e Lieder" Peter Bezrut, die Käte Graber sprachlich sehr geschult, nur selten mit einem zuviel an Pathos rezitierte. Zwei wesentliche Vorträge seien er- wähnt: Museumsdirektor Paul S. Schmidt sprach vom„Inhalt der Kunst". Er sieht in der sogenannten neuen Sachlichkeit die Kunst unserer Zeit Kunst des ganzen Volkes, während die abstrakte Kunst ihrer Vorläuferin Gefahr lies, Kunst einer kleinen Gruppe von Aestheten zu werden. Auch die Laienkunst, die ja gegenwärtig schon lebl>aste Beachtung findet, und auf deren Bedeutung Dr. Schmidt besonders hinwies, scheint ihm ein Beweis dafür, daß das Volt� der Laie neben dem selbstverständlichen Formausdruck des Kunstwerks auch eine Jnhaltsbetonung oerlangt. Adele Schreiber gab einen Einblick In ein selbstloses opfermutiges Frauenlebcn. Sie schilderte den Lebensweg der van den Bürger- kreise» de» 19. Jahrhunderts als mordgierige Kommunistin und Anarchist!» verschriene Luise Michel, die ee wohl verdient, daß[ man ihren Namen» der heute fast vergessen ist, der Vergessenheit j entriß. 1 [ nicht an, well er nur einen kleinen Teil der märkischen Ort« um. � saßt. Die Mitglieder des Verbandes Märkischer Kur- und Erholungs- ! orte E. V., dem viele Städte und Gemeinden, darunter die größten ' bedeutendsten und die schönsten Erholungsorte der Mark angehören, ' lehnen es ab, Mitglieder des Potsdamer Verbandes zu werden."— Der„Märkische Wochenend- und Feriensührer", der 69 Seiten stark ist, wird bereits in der nächsten Woche fectiggcstellr. Amerikanische Gefängni/se. Der bekmnte Hamburger Strafrechtslehrer und Kriminal- Politiker Professor Dr. L i e p m a n n ist erst vor kurzem von einer Studienreise aus Amerika zurückgekehrt. Die Eindrücke, die er dort empfangen hat. teilie er auf Einladung einer Anzahl von strat- rechtlichen und kriminalpolitijchen Vereinigungen im großen Audi- torium der Universität einer aufinerksanun Hörerschaft aus Rtchiern, Anwälten, Strafvollzugsbeamten. Fürsorgern, Gerichtshelfern usw. mit. Das Interssantefte an den Ausführungen war vielleicht mit die Tatsache, daß auch dos forifchriUliche Amerika an dem gleichen liebet krankt wie der größte Teil der Länder auf dem Kontinent: neben vollkommen modernen Anstalten gibt es noch limner eine Anzahl völlig v e r a l l e t« r G e f ä n o n i s l e. Die Strasvollzug-- methoden ln diesen stehen in krassem Gegenjatz zu den Erztehungs- grundsäizen in jenen. In den veralleten Gejängnissen herrscht das fogenannts Reprejsiojystem. Man glaubt da noch immer an das allein Seligmachend? der Disziplin, der Unterordnung, der Strenge usw. In Wirklichkeit sind dieje Mittel wohl imstande, Ordnung und Ruhe zu schassen, dock nicht die Gefangenen für das Leben außer- halb des Gefängnisses oorzubereilen. Die berühmte Strofnnftatt in Elmira ist völlig veraltet: die Zellen besitzen keine Fenster, statt Türen haben sie Stahlgitter, produktive Arbeil fehlt. Ein« Individualisierung der Gefangenen sindet nicht statt. De» direkten Gegen- sag zu diefen Methoden bildet das rekonstruktive, d. h. das auf- bauende Sysiem in den modernen Anstalren. Die Gesängtrisse im Staate New Park besitzen z. B. Aufnahmestationen, deren Aufgabe e? ist. sowohl die physischen und psychischen Eigenschaslen wie auch die intellektuelle ui d technische Begabung der Neuankömmlinge fest- Zustellen. Als Beispiel sür die guten Erfolge dieses Systems führt- Pros Liepmann«in Farmergefängnts an. Durch Selvsioerwaltung werden die Gefangenen hier zur Selbstverantwortung erzogen. Die Zahl der Beamten ist aus dos Mindestmaß belchränkt. Die Ge- fangenen selbst foroen für Ordnung, sie verbringen ihre Erholungs- zeit ohne Aufsicht, kämpfen au, eigenem Antrieb gegen Entweich::»- gen an und erhalten den Arbeitslohn ausgezahlt. In einem Frauengefängnis versucht man, die Eigenart der Gesan- genen festzustellen und durch entjprechende Arbeit die schlunimernden künstlerischen Jnieressen zu wcckew Das Meikwürdigste ist aber, wre wenig die Gefängnisse(ich vor Krillk fürchten. So kommt es vor, daß Kommissionen aus Bürgern eines Staates die Zustände in den Anstolien eines anderen Staates untersuchen und das Resultat ihrer Tätigkeit den Direktoren der Anstalten einschicken. Pros. Liep- niann schloß seinen Vortrag mit dem Wunsche, daß Deutschland drei Dinge von Amerika lernen möge: die Furchtlosigkeit vor der Kritik, die Schaffung von A u f n a h m e st a t t o n« n und die Idee der S e l b st v e r w a l t u ng. Diebstas,! im Heimaimusenm Köpenick. Aus der Heimatausstellung, die in der Körnerschule in Köpenick veranstaltet wurde, ist ein wertvolles Schaustück gestohlen worden,«ine der ältesten Berliner Taschenuhren. Sie stand aus einem kleinen Stander frei auf einem Tische. Es ist eine gewöhnliche Taschenuhr, die keinen großen Sachweit, aber einen um so höheren kunstgewerblichen und historischen Wert hat. Das silberne Gehäuse hat ein weißes Zifferblatt mit schwarzen Zahlen und Brönzezeigern. Der Deckel ift ziseliert. Auf der Riicki-ile schling! sich wellenförmig ein Band. Di« Uhr ist„G. Naumann Berlin" ge- zeichnet. Für ihre Wiederbeschosfunq itt eine h o h e B e i o h n u n g ausgesetzt. Mitteilungen an Kriminalkommissar Trettin, Dienst- stelle B 3, im Polizeipräsidium. Die Sparer utehren ft«-?). Nach dem Geschäftsbericht 1926 der Sparkasse der Stadt Berlin war zu Beginn des Jahres nur jeder vierundzwaaMte Berliner Sparer der Sparkasse der Stadt Berlin, am Schluß des Jahres entfiel bereits aus jeden vierzehnten Berliner ein Sparbuch: auf«in Sparkonto kommt ein Durchschnitts- guthaben von 443 M. Der Spareinlagenbestand betrug zu Beginn des Jahres 65 499 999 M. und erhöhte sich gegen Ende Dezember auf 124 499 999 M. Die Zahl der Sparer ist um 113 199 auf 289 999 gestiegen. Die Giroeinlagen der Berliner Stadtbank stellten sich am Schluß des Jahres auf 46 444 999 M. Auch im Januar 1927 hat sich der Zufluß oanz bedeutend erhöht; die Spareinlagen sind jetzt aus rund 132 Millionen Mark gestlegen. Elek>rischer Zustbctrich Bcrlin Tegel-Velten. Die in einem Berliner Spätabendblatt gebrachte Mitteilung über die voraussichtliche Erössnung des clcktrifchen Zugbetriebes aus der Borortstrccke Berlin— Tegel— Betten eilt den Tatsachen noch weit voraus. Im Laufe der nächsten Wochen wird, wie wir von zuständiger Stelle crfohien, zunächst ein nicht öffentlicher Probebelrieb mit neuen Wagenzügen durchgeführt werden, die in der gleichen Ausführung auch auf der Stadtbahn Verwendung finden sollen, tiierbet werde» gleichzeitig die neuen Umformerwerle in Tegel und Hennmedorf. die ebenso w e auf der Stadtbahn mit Gleichrichtern ausgerüstet find. In Betrieb genommen und einer ein- gehendeu Prüfung unterzogen. Ueber die Eröfsnung des eleltrischcn Zugbetriebes für den allgemeinen Berkehr kann ein genauer Termin noch nicht ang berfüllte Abteile einzusteigen, wie man sie an den Pfingsttagen beobachten kann. Die arbeitende Bevölkerung stellt zirka 90 Prozent der Fahrgäste und hat ein Recht aus anständige Beförderung, denn das ist auch hygienisch keine e'mwandfrei« Besörderung, wo einer den anderen anhaucht. Warum laßt man aus diesen Ärbeiterzügen i icht die Wagen 2. Klasie fort und setzt dafür solche 3. Klasie ei»? !3n den Vorkriegszeiten waren die Bcrkehrsverhäl'nifse auf dieser Strecke bedeutend besser und seit dieser Zeit hat sich die Beoölke- ning in vielen Orten an der GöAitzer Bahn fast vet doppelt.' Aber die Verkehrspoltiker kümmern sich anscheinend nicht darum, vielleicht studieren sie einmal die altdn Fahrpläne, da werden sie finden, daß in den Smnden ck>es Arbeiteroerkehr auch auf dieser Strecke«in i9-Minuten-Verkeyr beltand. Wenn sich eine Vermehrung der Zug- folge von und bis Königswnsteihausen ans verkehreiechnischen Gründen nicht durchführen läsit, so sollte man wie früher Züge ein- leoen von und bis Grünau. So kann es auf keinen Fall weitergehen. Wenn im Sommer die zahlreichen kleinen Siedler nach ihren Sommerfrischen zieben, wird der Zustand noch unerträglicher. Wir raten den Lrerren vom grünen Tisch, einmal dies« Arbeiter- zllg« zu benutzen, selbstverständlich in der 3. Wagenklass«. Tisenbahnbekrlebsnnfall. Gestern nachmittag entgleisten auf Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau beim Rangieren zwei Wagen auf ungeklärte Weise. Hierbei durchbrach ein Waaen mit einer Achse das Geländer der Prinzregentenltraßrnuriterführung, ohne jedoch abzustürzen. Der Materialschoden ist gering. Personen wurden nicht verletzt. Ausfall des wlnlersporkfonderzvge? nach dem Riesengebirge. Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, kann der für Sonn- obend'Sonntag, den lü./TO. Februar, vorgesehene Wintcrsportsonder- zug nach dem Ricsengebirge wegen zu geringer BetellI- gung nicht gefahren werden. Die bereits gelösten Fahr- karten werden an den Ausgabestellen gegen Erstattung des Fahr. Veldes zurückgenommen. wer in Polen geboren Ist und noch keine endgültige Entscheidung über seine Staatsangehörigkeit erhalten hat, soll so schnell wie mög- lich an den„Deutschen Delegierten der deutlch-polnischen Schiich- tiingslommission, Berlin NW 7, Unter den Linden 72," schreiben und dabei amtliche Unterlagen(Geburtsurkunde, Wohnsitznachweise, Bescheide, Options. und Verzichtnachweis?) beifügen. Das gleiche gilt für diejenigen, die für Dentfchland»der Polen optiert stoben, wenn über ihre Option noch nicht endgültig entschieden ist. Zu dem Feuergesecht In der hausburgflr. l? wird mitgeteilt, daß der erschossene Einbrecher jetzt sestgestellt ist. Es ist ein Ler Kriminalpolizei schon lange bekannter 34 Jahre alter aus Aschers- leben gebürtiger Schuhinacher Richard Knösfler, ein ge- werbsmäßiger Geldschrankeinbrecher, der in der Wolliner Straß« wohnte. „Der Tag des Ausblicks"— so heißt die Parole, unier der die Mastzeitung(Verlag I. H. W. Dietz Nachfolger) für dieses Jahr erscheint. Wieder haben sozialistische Politiker. SchnftsteUer, Künstler die Gedankcn gesoiint, die uns am 1. Mai bewegen. Die in der Vorwärts-Buchdruckerei in prachtvollem Kupserticf-(Oel-)druck her- gestellte Maifestschrisi enthält Beiträge von Otto Wels, S. A u s- Häuser, W. Sollmann, Marie Juchocz, Varthel usw.. Illustrationen von Joe. Velsen, Max Graeser, Wellmann usw. Stattlich im Format und 16 Seiten stark wird die diesjährige Mai- zeitung zu einer würdigen Festschrift der Arbeiterschaft werden. keiu Laudposken in Stralau. Die Stralauer Polizei- wache, über die Beschwerde geführt worden war, Hot jetzt das Feld ihrer löjährigen Tätigkeit geräumt und ist völlig a u f p e- l ö st worden. Damit wird die Mitteilung bürgerlicher Blätter über Einrichtung eines Landpostens in Stralau hinfällig. Der Schutz der Stralauer Bevölkerung soll in Zukunft von der Reoierwachc in der Goßlerstrahe und durch Streifendienst gewähr- leistet werden. Platzkonzert des Reichsbernuec» im Cnflgarteu. Am Sonntag, dem 20 Februar, mittags 12 Uhr, veranstaltet das Berliner Reichs- banner mit einer Anzahl Tambourtorps im Lustgarten ein Platz- konzert, bei dem republikanische Märsche und Volts- lieber gespielt werden. cessing-Gymnasium, Diesterweg-Realschule. Der Magistrat hat beschlossen, die dem Lessing-Gymnasium angegliederte Realschule von Ostern 1927 ab in die Räume der Diester- weg-Realschule zu verlegen und dort al» selbständige Schule, ober unter gemeinsame, Leitung mit der Diefterweg-Reolschule, fort- zuführen. Äas Lesstng-Gymnastum und die damit verbundene Auf» bauschule sollen an der bisherigen Stelle unter gemeinsamer Leitung bleiben. Die Znteressengemeinschasl Groh-Perliner Laden, und Wohnungsmieter(Abwehrbund gegen unberechtigte Mietsteigerungen) hält am Sonntag vormittag 11 Uhr in den Musikerfestsälen, Kaiser-Wilhelm-Strafte 31, eine Protestversammlung gegen die Aus. Hebung des Mieterschutzes für Geschäftsräume, Läden und Woh- mingen ab. SonnlaarvcronslaUung de» volksbildungsamls Prenzlauer 13 erg. Am 20 llebruar. obcnds 8 Ndr, im Saale bei BezirkSamIS, Danzlger Str. 64, Lieder« und NezitalionSadend. Mitwirkende: Elle Lanlen, Alt, Lillie- Hcrmau-Pbillipt), am glflgel, Rola Slot, heilere Rezitalioncn. Karten siir jede, mann Je 20 Pj. Voiksbiidunosamt Prenzlauer Berg, Danzlger Siratze 64(PsöUnerloge) nnd am Saaleingang. Rückgang der überseeischen Auswanderung. Di« überseeische Auswanderung über Hamburg zeigte im Januar einen ziemlich st arken Rückgang. Es wurden über Hamburg nach Uebersce- gebieten 2933 gegen 3392 Personen im Vormonat und 382S Per- sonen im Januar 1926 befördert. partewachrichten Linienoungeu für Mete RnbrU sind Strlin SW 68, LwdeQttratze 3. für Groß-Serlin Met»«B Ba*«Mirt»(etrtlartai i. Hol. 2 Seen recht», ,» richten Vezirksvorstanü. heule abend pünktlich 6 Uhr Sitzung de» erwelkerken Bezirk». Vorstandes im Jugendheim Lindenslraße Z. « 7. Are!» Sharlottrntura. eonntag, 20. ffedtuat, Bonnittaa« 10 Uhr, fflufl. dlattverlireitung in her 52., 59. und 54. Abt. von den bekannten Lokalen au». AUe Milglieder milsscu sich beteiligen. 8. Streif fflilmrtsbotf. Dl« Handzettel med Plakat« fit dn» Nepubllkanilchen Abend können heute, Eonnadenb,»an 5 Uhr ab bei Stroihs, Holsteinische Straß- 60, abgeholt werden. 20. fttei» Reiuickcudzrs. Montag, 21. Februar, 7 Uhr� im Kleinen Eißungs» [aal des Rathauses Wittenau, Sitzung de» erweiterten Kreisrarstandes. Jede Abteilung muß unbedingt rertreien sein. heute, Sonnabend. IS. Februar: 45.«dt. Die eingesammelten Unterschritten für die Freie Schule sind bis Montag) 21. Februar, beim Eenosteu Heute, Wiener Str. 52, ober beim Abteilungsleiter. Otto fflonfft, Slogauer J5tt. 4, adzm in, 21. Februar, fällt au». Die Funk. Abtcilungsvcrsammlung am Mittwoch, Die Funkt-onorsitzung am Montai tionäre cherdeii gebeten, zur■ 23. Februar, durch Handzettel einzuladen. HI. Abt. Friede nau. Die Dcnosstansn und Senossen werden ersucht, stch recht zahlreich an bft Einäscherung unsere» verstorbenen De nassen Ernst Wilberg. nachmittags 1 Uhr, im Kreniatorium Wilmersdorf zu beteiligen, 82.«bt. Steglitz. Wernicke, Berlin glltz. 8.«ezir«!»efellige» Beisammensein Im Lokal Alte; Ecke Siugestraße. Beginn 8 Uhr. Reg« Beteiii. nc Abteilungsleltung. ■CUtm icxe./ l l 1- l l Iii./ WU.I. III u gung erwartet die Abteilungsleltung Abt. 123!, Kaul-dorf-SLb. Pilnktlich 8 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Sanssouci, Moltkestr. 1—2. Sämtiiche Mitglieder müssen erscheinen. Gäste sind willkommen. 128.'130. Abt. Pankow. Sie Funktionärkarten für 1927 find am Sonnabend nachmittag durch die Bezirtsführer bei den zuständigen Abteilungsleitern abzuholen. Zuustsozialisteu. Sroß.Berli»! Die Gruppenleiter werden aebeten, alle noch vorhanbensn Ein- trittskarten»um Ziortrage des Genossen Engelbert Gras mitzubrürgen und mit dem Genossen Handelmann abzurechnen. Der Arbeitsausschuß.— Gruppe Sllbcw! Sonntag, 20. Februar, Fahrt nach Bernau. Trefspunkt morgens» Uhr Stettiner«ahnhof._" j Sterbetafel der Groß-öerliner partel-Grgokiffation � 28. Abt. Unser Genosse Johann L I» k a, Baumerstr. 28, ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Beerdigung am Montag, 21. Februar, nachmittags 3 Uhr, auf fem Et.»George».Fiiedhof in Wcißcnsec, Noclckestr. 128—150. Wir bitten um recht zahlreiche Beteiligung. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Retlbsbanner. Sckiwar,- Rot-Gold- Selchäktsstell«:»erlin S 14. Eebastianstr. 87/38, H»s 2 Dt. Wcbdiug! Mo., d. 21., 74-, Uhr, Gen.-Nerf., Löwenbrauerei, Bad-, Ecke Hochstraße. Neuwahl bes Borftandes. Sämtliche Delegierten müssen zur Stelle sein.— Keeuzberg: Di« Trauerseier sür den verunglückten Kameraden Richard Karras, Abt. 10, sind,! heute. So., d. 19., nachm 4 Uhr, Mo., d 21., 74-, Uhr, im Bcrewslokal Hertzberg. I der 2. Kameradschaft.� Stellungnahme �zur Fahnenwcihe. Fusammenkunlt aller Frauen Mo., d. 21.. 8 Uhr, 2 H-rtzb-rgstr. 29. gugverfammlungeu: Zug I Donau-, Ecke Wcichselstraße, Zug Tagesordnung: Unsere Fahnenweihe und Bartrag. 1. Kameradschaft: Mo, d. 21., 8 Uhr, Kottbusser Klause, Ko.'ldusser Damm 90, Neuwahlen der Kamerad. schaft». und Augleitungen.— Rofenthal: Sonntag, d. 20, naMm. von 1—2 Uhr Platzkonzert an der Kirche.- Bernau: So., d. 19., 8 Uhr. Bundesgründungs- feier bei Löwe. Referent Erich Fraenkel. Anzug: Zivil mit Bundesnadel. EintriUsvreis fllr Kameraden und Angehörige 50 Pf.. Gäste 1 M. Ende 4 Uhr. Auswärtig« Kameraden und Gäste sind willkommen.— Pernau-Ladk- dural Sonntag, d. 20., Antreten 12?-, Uhr Zepernicker, Ecke Bismarckstraßc, in»anncrkleidung. Abmarsch nach Zcvernick um 1 Uhr zum Empfang der Berliner Kameraden. Ab 5 Uhr gemlltliche» Beisammensein bei Löwe.— Friedrichahaiu, Iugendabteilung: Sonntag, b. 20., morgens 8 Uhr, Balteiiplotz antreten. Fahrt nach Herutsdorf. Fahrgeld 50 Pf. Kartellverbanb für Sport, und Körperpflege, 21. Februar, 7 Uhr, 100. Semeinbeschule, Relchcnbc Straße, Werbeveranstaltung. Lichtbildervortrag: Musik. Sportliche Borfübrungen Eintritt frei. ~ utlich« Kundgebu: cge, 8. Kartelbezirk. Montag, ' gcr Str. 67, an der Förster Arbeiter, ober Werksport?" Oeffcutliche Kundgebung zu« Kochlckulresoem Dienstag, 22. Februar, 744 Uhr. Aula llochstr. IL. Redner: Univerfltätsprofessar Dr. Heinrich Waentig, Holle, M. d. L.:»Die deutsche kochschule wie sie war. wie sie ist unb wie sie und .,. Kumt i«itrag am Saaleinaana erbeten. Karten glieder des B. E. Lm. 50 Pf. vorher tn der Eingang Kurfürstenstraße. Jedermann willkommen I »und entschiedener Echulreformer. 1 M., Zugendtlch« lerkfreude". Potsdamer Str. 104, isten. Mit. wekierderichf der öffenllichen WetterbieastNell» für verlin»ad Umgegend INachbr. verd.). Wolkig, noch etwa« kälter, obne erbebliche Nicdei schlage.— Aür Veuischlonb: Im Osten und Südosten Schnee, sonst meist lrockcn. nur am Rbein Temperaluren über Null, im übrigen Deutschland noch geringe Verschärfung de« Fiostc«. �m vonnerslug adenck veesiurd nacd Icuevem, sadverem Leiden unser« Inniggeliebte Tochter, Schwester und Schwägerin Herta Urban im 22. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrQbt an im Namen der Hinterbliebenen Otto Urban nnd Frau Elise, geb. Dallmann Berlin- Steglitz, den 18. Pcbruar 1927. Helmstättenweg 17. Die Beisetzung findet am Montag, dem 21. Februar, vormittags 11'/, Uhr, aul dem Städt Friedhof In Steglitz, Bergstraße, statt. Statt Starten. Danksagung Anläßlich der überaus zahlreichen Teiinabme an der Beerdigung meines lieben unvergeßlichen Mannes, des Gastwirts Lrnst Noack spreche ich allen Beieiligten sowie Pereinen»nd-Abordnungcn meinen herzlichen Dan: au». 5Vw. �nnu Nauell, Elchwaide. '{lacnnrioFC>nnu»« uta ai« ilein'ä löimki 1 DCikUUUcrS iedvlaael-'i(b«c hillinl lH.Varwldi"»na'rohaeai Mfirerarail* Ullliy'i Qoitlunbs-.Rab&il- u.Reklamemarken -egenNachanmung gesetzt esen leitigt selt4S Jahr. als Spezlallitt Conrad HOHer Schkeuditz-Leipzig Gewlnn-Auszug 8 Klaffe 28. Preaßlsch-SSddeutfche(254. Prevß.) Klaffenlollcri« 8. Ziehungstag 17. Februar 1927, nachmittags Huf labt gezogene Hummer find zwei gleich Hobe Sie- «i»»8 gefallen, und zwar te einer auf die Lose gleicher Hummer in den beiden Abteilungen 1 und 2 Ohne Bewähr Nachdruck verboten ES wurden Gewinn« über 156 Mark gezogen 2 Gewinn« ,» je 6000 Mi. 229382 , 6«ewinm ju 1, 300Ü 9» 187024 272439 308010 ' 12«kWi»wjat«2000TOI. 68802 78226 148408 1643)2 246701 861744 26 Gewinue ,u I« 1000 Mi. 4432 63262 68160 39110 106971 113093 768037 178273 182S94 189398 204678 316342 320190 76 Sewinne ,u ie 600 19683 22S4S 26977 36135 42381 46920 49107 67676 88332«1210 106676 111083 114300 114793 142269 146471 147090 164213 171834 179094 206313 222040 232766 232828 239744 251338 267386 280134 289825 295608 308624 311636 318798 323328 339861 344664 345306 347363 190«ewtnur ,o 1« 300 Ml. 2729 3892 11017 16960 21346 26061 29682 31682 46917 66369 38787 67247 67376 87734 70973 74117 80141 126906 160200 166126 193618 240102 256304 290363 310644 332796 104196 136072 163569 174461 200013 240476 238669 292070 312817 333667 III 116 139332 163612 176062 200613 241912 262452 294181 313765 335073 1 1 4442 142838 164186 1 76489 206664 244333 262098 298307 315699 338736 117123 1 10074 145644 132439 164799 m 186118 222099 24601 ff 263124 302284 322564 33887 1 16498» 186467 233944 233045 267134 304384 323057 336373 119284 122476 137316 158334 185243 166314 188761 169261 238784 229903 255299 238664 277 166 281262 306932 303160 226721 328693 3437 16 9. ZiehungStag 18. Februar 1027, vormittags ES wurden Bewlnne über ISO Mark gezogen » Gewuuu»u j, 3000 Mi. 49166 116618 348266 12Sewin», ,u je 2000 Mi. 3208 39003 340189 aoewoinuejui« lOOOWt. 41675 74379 199610 227229 228533 319987 340814 80 Gewinne ,» je 600 Ml. 16774 17226 26438 43014 62293 81392 89660 72023 77446 16247S 164463 111322 132376 142425 153804 157629 163359 1658 13 173584 178693 190077 207406 311781 215777 228067 245748 262673 309596 309872 316609 317867 324818 343I5I 346223 136719 208270 303735 106938 113347 128887 199394 206690 271345 29S363 345184 346075 170 Gewinne zu je 300 Vit. 844 8309 0782 9838 12517 31829 33766 37999 38734 39464 41221 44792 46686 63133 65123 67586 77310 82013 62809 90816 81849 93324 95383 115039 117220 127807 120286 130224 140409 143433 145898 173484 170270 177781 201130 20210» 204087 230551 230703 237931 250408 263528 272277 298436 308349 309846 341138 341317 346106 147107 179086 203032 239003 272778 311374 161906 187765 267961 239435 277234 314891 99269 130372 152674 139740 813196 241332 265796 317385 105152 107891 139190 140100 155953 173116 191136 199912 229133 229603 245391 255749 291098 297102 324706 340424 «MWMM-MM INonlag. den 21. Fedrvar, nachmittags S'/.Jilfr, imJSavtttttfaal des Oetbacbsbcufeo, Sinlcnfit. 83 85 Branchenversammlung der Bau- und Beldschronkschiasser. Zag»»orbnung 1/ Bericht der Bra nch>N! ammiiston 2. Berfa iedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutrtll Pflicht eines fcden Kollegen ist es, dies« Borsammiung zu besuchen. Montag, den 21. Februar, abend» 7 Ahr, tm Sihnngi. oa> desverdanr Hanse». Oinienstr. 85/85: Branchenversammlung aller Hobler, vahrer, Staher. Aräier und wetbiichenBei ussongehöt igen. Tagesordnungt 1 Porlrog des Kollegen Zauke Uder:„Da, Arbeitsgerichts- 1«I-tz. 2 Die uiüon 3. Branchanong«. »genheiten und Verschiedene». Mllgliedsdudi legitimiert. Fahlreicher Beiuch wird erwartet. Die Ortsnermaltnng. Z-Ammer Wohnuiig j vollständig beschlagnahmefrei und ohne Wohnungssehein beziehbar, gegen Baukostenzuschuß zu kaalen gesucht. Angebote unter O. 82» an Riege 4k Kraemcr. Annoncen- Expedition, Berlin-Schöneberg, Steinacher Straße 1. Hetailbetten •Stahlmatraizen, Kinderbetten gfastig n Prii. Käl 650 tr. EisenmöbelfabrU SobiLThfir. AM! is? die meist-geiraucht c, iveil nmiaus\ r beste 4 Ifo: Cigatette'Deutschlands, v Zinanzöebatte im Reichstag. Zentrumstritik an Reinhold. Der Reichstag setzte gestern die Etatsberatung fort, nachdem er zu Beginn der Sitzung beschlossen hatte, die Genehmigung zur Strafverfolgung einer Reihe von Abgeordneten nach dem Antrag des Geschäftsordnungsausschusses nicht zu erteilen. Abfr Dr. Brüning(Z.) führt aus, daß der frühere Reichsfinanz- minister Dr. Reinhold Unrecht damit gehabt habe, als er sich gegen die angebliche Thesaurierungsmethode seines Vorgängers wandte. Er Hab« sich doch entschließen müssen, die Svo-Millonen-Anleche noch in diesem Etatsjahre auszunehmen. Durch das Gerede von der Thesaurierung sei der gute Wille der Steuer- zahler beeinträchtigt worden. Der Redner bedauert, daß man nicht dem Dorschlage des Zentrums gefolgt sei, eine Aus- landsanleihe für den Wohnungsbau und zur Entlastung derchauszinssteuer aufzunehmen. Er gibt zu, daß das Arbeilsheschaffungsprogramm bisher nur geringe Er- folge erzielt habe. es müsse jetzt möglichst schnell durchgeführt werden. Die Realsteuern würden vielfach aus die Arbeitnehmer abgewälzt, deshalb läge es auch in derem Interesse, wenn sie abgebaut würden. Wir brauchen eine Steigerung der Reallöhne über den Betrag hinaus, den die Mietssteigerungen ausmachen, um den inneren Markt zu stärken. Die Senkung der Börsenumsatz- steuer war falsch, wie die Entwicklung des Finanzkapitals zeigt. Der Redner wendet sich dann gegen die Forderung des Vertreters der Deutschen Volkspartei, wonach die Einkommen- steuertarif« gesenkt werden sollen. Wenn das geschehe, so könnten die Länder keine höheren Zuweisungen erhalten,' sie hätten dann auch keine Möglichkeit, die Realsteuern zu senken. vi« Beffeummg des«roßgrundbesihes müsse ander, geregelt werden, es gehe nicht länger an, daß Großgrundbesitzer jahrelang keine Einkommensteuer zahlen. Der Buch- und Betriebsprüfungsdienst müsse weiter erhalten und ausgebaut werden. Das wichtigste politische Problem der nächsten Jahre werde der Finanzausgleich sein, dessen endgültige Lösung voraussichtlich mit der Höchstbelastung durch die Daroes- Verpflichtungen die Bestimmungen über die Reichszuschüssc an not- leidende Länder ihren Wünschen entspreche. Abg. Schröder-Mecklenburg(Dölk.) wünscht eine höhere Ent- schädigung der Auslandsdeutschen und anderer durch den Krieg ge- schädigten. Der Redner begrüßt die Mitteilung des Finanzministers, daß die Mittel für die Dawes-Zohlungen fehlen, man solle die ver- schiedenen Waren kenntlich machen, die mit einer Dawes-Abgabe belegt sind. Abg. Dr. Best(Hospitant bei den Völk.) fordert eine R e- oision der Auswcrtungsgesetze. Die Hauszinssteuer müsse aufgehoben und den Hypothekengläubigern eine gerechtere De- sricdigung ihrer Ansprüche gewährt werden. Aus dem Rücken der alten Gläubiger würden jetzt die neuen Reicheanleihen aufgelegt. Die jetzige Finanzpolitik habe die Wirkung, daß die Reichen noch reicher werdm aus Kosten der durch die Inflation ver- elendeten Angehörigen des früheren Mittelstandes. Der Redner zeigt an einigen Beispielen, in welcher Weise sich die früheren Schuldner ihren Verpflichtungen gegenüber den armen Gläubigern entzogen hätten. So habe der Fürst von Fürsten- berg, einer der reichsten Männer Deutschlands, für SV Millionen Mark Obligationen auf seine Besitzungen ausge- geben, jetzt könne er nach dem Aufwertungsgesetz zum Schaden der vielfach verarmten Obligationsinhaber von dieser Schuld 3 8 M i l- lionen st reichen. Um 6% Uhr vertagt sich das Haus auf Sonnabend mittag 12 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Weiter- beratung des Reichsetats, sowie der Beginn der zweite« Lesung der einzelnen Haushalte. Zwei kommunistische Anträge, die Verordnung des preußischen Wohlfahrtsministers H i r t f i e f e r über die Beseitigung des Mieterschutzes für gewerbliche Räume, sowie die von den Sozialdemokraten und Kommunisten eingebrachten Anträge zur Arbeitszeit frage auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung zu setzen wird gegen die Stimmen der Sozial- demokraten und Kommunisten abgelehnt. Reichstagsausschüsse. Im Ostausschuß des Reichstages wurde das so- genannte Ost-Programm sür 1927 besprochen. Hierbei kam zur Sprache, daß die im Etat für Zwecke der Grenzgebiete, ober sür sämtliche Grenzgebiete, vorgesehenen fünfzehn Millionen Reichsmark aller Wahrscheinlichkeit nach keinesfalls aus- reichen werden. Vor allem wunde verlangt, daß für die östlichen Grenzgebiete ein getrennter Fonds geschaffen werde. Beschlüsse wurden jedoch nicht gefaßt. Der Ausschuß setzt seine Beratungen am nächsten Dienstag fort. Der Handelspolitische Ausschuß stimmte dem Gesetzentwurf über die Verlängerung der Gültigkeitsdauer des dsursch-französifchen Handelsprovisoriums zu. Unter der Leitung des Reichsverkehrsmimsters fand eine Z u- s a m m e n k u n s t von Reichstagsmitgliedern mit der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn- g e s e l l s ch a f t unter Führung ihres Generaldirektors Dr. Dorp- müller statt, um den Abgeordneten die Möglichkeit zu geben, sich vor der Beratung des Berkehrshaushatts im Reichstage über einige die Oeffentlichkeit besonders interessierende Fragen eingehender zu unterrichten. Insbesondere wurden die Finanzwirtschaft und Arbeitsbeschaifungspolitik der Reichsbahn sowie die Frage der Verminderung des Wertstättenperfonals behandelt. Ltästz-Tkester Opernkau» a. Platz d.Repabl. 7 U.: Palcsliina Schauspielhaus 8 Uhr; Kilian Schiller» Theater 8 Uhr: Razzia KkÜlllll Opti Charlotienburg ?>,, Uhr: Jugend im Mai Abonn.-Turnus I Deotsdies Itieater Norden 10334—37 8 Uhr täglich bis inklusive 21. Bonaparte von Fritz von Unruh Regig Gustav Härtung Dirnstag, den 22. Zum 100. Male: fineUenim Kammerspiele Norden 10334— 37 S'/« Uhr: Germaine (Amonrcusel von Porto-Riehe Rn'i«; Fent t lairlmg«. Tlieat. a.KolMrfpl. Kurfürst 2091 8 Uhr Max Adalbert in.Müllers"- _«_ Die Komödie 3ismarcK 2414. 751* 8', 4 Uhr: Die Perle von Tristan Bernard Rggii; Fonter Uirinaia Nachtvorstellung; 11 Uhr: Boscti ein Hlnd är. Söiaospißlliaus Nur nom lOTagc Tägl. R'-, Uhr: Ihn Wunx) SECLe)7ZljUTl�r CHARELL- REVUE Sonnt, nachm. Z Uhr ungekürzte Vorstllg zu ermfiß. Preisen wamaiia-Tneai. Wasltmwtg Tägl. 8", Sonntag 2 Vorstellung;«! Nachm. 4 u. abs.S'/, Es war einmal In Heldelberg; mit d. Schlagerlied ich hab'mcinnerz In Heidelberg verloren Vorzeig. SOUiErmäß. KäteSchmldt-Samsl Gaston Briese Sonntag, nehm. 3 U.: Pnppenfee Parkett v. 30 Pf. an. Hetropol- Tbeat. Täglich 8 Uhr: Zirkasprinzessio nuiiia-Theater 8 Uhr: Oer große und der kleine Klaus Kose-Tbeater 4 Uhr: Das tapfere Schneiderlcin. »>'. u. Da« Ein famiüenhaui Volks büh ne Tliutn am Sülowplitr 8 Uhr: Traomspiei Morgen 1 Uhr: Volpone Tt. m Sdiifnuoeriiamm Täglich 8 Uhr: Das Grabmal des unbekannten Soldaten. Komische Oper Allabendlich S''« Uhr: Bünden der"Welt Die weltstädtische James-Klein-Revue in 24 Verwandlungen 250 Milwlrkcnde/ 6 Balleiis Sonntag nadunittag kleine Preise! Anfang 3'!, Uhr. Theaterkasse ab 10 Uhr ununterbrochen eöffnet. Täglich 8 Uhr: Der Trompeter vom Rhein Vorverk. unumerbr. Preise von 1—7 M. iSÜENTZENMiÄS! CASINO-THEATERs uhr Nur noch wenige Auf Qbiungenl Ein Tag im Paradies! AnfSIlUiehlen Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil nur 1 Mk., Sessel 1,50 Mk. rfolg asshealnSSrStStao Vorwärts Oer gnle ttspllün- MaulatoarÄST C. KOcker, Berlin Lichtenbergcr Straße 22. 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Sonntag nachm. 3 Uhr Ste�tiner Sänger Du wundervolle Februar Picgnmm I jz, Nadimiitsns: balbe Preise. volles Protramm! wonhoff-Brett', Vanei6, Konzert. Tanz. Fj dressierte Nilpferd� U o im CtfLCUS CA HL B \ 8 Uhr CtZCUS OUS CH fiordJMO f» f SonP,q%fä,Js�rH,�r�.£ iftatfuetlciiinftilat ffticbtiäiflt. 122/123. c«0rnt!ber Otan.enbutnctftraftt.____' fflenia nefrodcne, teils auf 6ciDe ae. arbeitete, erftllafftac gadettanzüae. nrad- anjiiae SmotinaanzUae(Sehtocfaiuüae. Sutawans Winterpaletats, Ulftec. Soutfionüüqp. für jede Klaue aaffntb, aufterbent bod'eleajnte neue(Barberobe sowie Pelzmäntel, Velnacken. Serren. spart» unb Gehpelze tu ftaunenb billiaen greifen im Leihhaus Lowirkt. Prinzen. strafte 105«ine Treppe. Reine Lom» Hardware.• Wenig«ctraaene StatfcnjUoe, Smo- finnansüne, Gehrockanzüge, Iacketton. lüge Zlockpaielots. Cutaway.?! ii�üae. Taillrnmüniel. für lebe Flaur poh'enb, EpeziaiitSI: Bauchanlüfte. fpoüMüift. Salvern. 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Lueckstiber Eoibschmelze Christtonat, Röpenickerstrafte ZS iAbaib-rtstrafte).' sr:;., Unterhaltung unö Missen Vellage öes vorwärts Der LaÜenmieter-Luöenöorff. Ladendorff:„Leider haben mir meine früheren Wähler ihre neue Adresse nicht mitgeteilt. Sonst würde ich gewisz hingehen und sie trösten. Tauwinö. von Albert Leilich. Der Frühling kam mit dem singenden Tauwind und dem seuch- ten Schmelz der Erde und dem ersten Glitzern des Pfluges in tau- gesättigter Schotte; in den Auen blühten die großen, stillen Schnee- giöckchen und an den Halmen und Zweigen knospte das Leben. Der laue Föhn flog aus weichem Fittich durch Wald und Flur. Auch über die Hügel und Berge fächelre und säuselte er dahin. Aadeln rieselten, und in losen Wattebäuschchen fiel der Schnee- brhang von den Zweigen. Auf der alten, mächtigen Sameneiche hlug die Singdrossel in vollen Tönen. Sie mußte das neue Leben, d.e pochende Freude der Erde künden. Wo die dürren Reiser lückig stehen, beim Wurzelwerk der greisen Fohre regt es sich nun in der Tiefe des gähnenden Schlundes. Und ein großer Kopf, zwei grünlich schillernde Lichter, zwei lauschend zu- gespitzte Ohren tauchen aus der Finsternis empor. Rundköpfchen ist's, der Familie Murr Hoffnungsvollster. Die Frau Mama ist ausgegangen, die Spuren im Tauschnee geben Kunde davon. Die Geschwister kauern geduckt und zur Pelzkugel gerollt, ängstlich und verschlafen unten im Bau. Rundköpfchen, der Stärkste, ist auch der Keckste. Er muß doch sehen, wie es draußen zugeht in der weiten Welt, aus der die Frau Mama immer mit solch reichen Schätzen beladen zurückkehrt. Tak takterak takl Was ist? Die Drossel ist von der Eiche ge- strichen und huscht und hüpft am Erdboden herum. Wie der lang- stelzige Sänger es wichtig hat! Da eill er laufend bald dahin, bald dorthin mit grotesken Sprüngen, hackt und scharrt, und kratzt und pickt, und arbeitet im Fallaub, daß die braunen Fetzen fliegen. Rund- köpfchen ist ganz Teilnahme, ganz Interesse, ganz Aufmerksamkeit. Immer stärker funkeln die Lichter, immer steiler stellen sich die Ohren, sie neigen sich gespannt nach vorn, daß ihnen ja nichts ent- geht. Näher und näher hüpft der Sänger mit der flockig gewölbten Kehle, vor Meister Murrs Behausung ist immer etwas zu ergrapsen, zu ergattern.Rundköpfchen reckt sich und hebt sich, leise, leise, w'.e es neulich der alte Waldkater getan, als er droben vom flechten- bebarteten Dörrling den verträumten Auerhahn herunter holte. Rundköpfchen hat gelernt, und doch hat er Pech. Oweh! Der queck- silberige Sänger hat, so scheint's, überall Augen. Und so hat er auch den Lauscher an seiner Pforte geäugt. Tak tat terak tak takl bitt bitt bitt! O, wie lange schimpfte und spektakelte die Drossel in der ganzen Waldung ringsumher! Rundköpfchen wird ärgerlich. Der böse Bogel! Aber so sind sie alle, die Takterat und die Bittbittl Erst lassen sie sich nicht er- wischen und dann schreien sie noch in Wald und Welt herum, daß die Familie Murr um die Wege sei. Aber die Sonne meint's gut, und warm und wohlig ist's an der Pforte. Rundköpfchen sinkt in die Läufe und macht schnurrend und spinnend sein Nickerchen. Schließlich schnarcht er sogar. Bis leises Rascheln ihn weckt. Die Frau Mama kommt zum Baue, und sie kommt mit vollem Fang.— Der Wald ist grün geworden. Familie Murr hat ihre Ein- und Ausfahrt nach der anderen Seite des Hanges verlegt, wo mehr Schatten und in den Gebüschen noch mehr Deckung ist. Je größer und stärker das Geheck wurde, desto mehr hatte Frau Murr zu sorgen und zu schaffen. Desto mehr schimpften und randa- lierten aber auch die Bauern in der Runde. Und als gar Frau Murr am hellichten Tage vom Pfarrgarten verduftet war, nicht ohne zum ehrenden Gedächtnis die Pute, die beste aller Brüte- rinnen, mitzunehmen, da legte am Abend beim Hirschwirt der Hoch- würdige die Karten auf den Tisch und schimpfte und klagte dem Förster sein Leid. Ja, das Leben war immer schwerer, und immer ängstlicher und sorgsamer sicherte Frau Murr, ehe sie ausfuhr und nach Riß und Fraß fahndete. Und doch kam sie eines Tages nimmer wieder. Das war an dem nämlichen Tage, an dem der alle Grünrock dem Pfarrer e ne geschossene Wildkatze brachte. Im Hos« aber kreisten des Försters Dackel um Frau Murr und zogen in scheelem Jagdneid ihren Balg in die Länge. Rundköpfchen harrte und harrte. Stundenlang saß er an der Pforte und äugte und windete und sicherte. Aber die Mutter kehrte nimmer wieder. Da ward dem Rundköpfchen unheimlich zumute. Er lockte die Geschwister zutage und ging mit ihnen auf die Suche. Sie zerstreuten sich endlich in alle Welt. Rundköpfchen sammelte Ersahrungen, gute und schlechte, wie sie in Wald und Feld zu holen waren. Bei den Rehen, die sich aus der Waldwiese ästen, ging's ihm eklig. Eine der Geißen führte ein weißes Kitz an der Spinne, das aber auch schon selbständig zu äsen wußte. Rundköpschen zeigte leb- hafte Teilnahm« für das muntergehende Ding. Ja, in Gedanken dichtete er sogar:„Ach, wenn du wärst mein eigen!" Aber die Alt- c..'iß war eine ungebildete Person mit ungehobelten Manieren. Wie sie den Dichter im Gebüsch eräugte. Wie eine Hexe fuhr sie siepend auf ihn los und trommelte ihm mit den Läufen auf Kopf und Balg herum und mit Entrüstung entwich Rundköpschen der ungebildeten Gesellschaft. Und der Frühling zog auch ihn mit über Halde und Hang, durch Lehne und Graben, durch Wald und Feld. Aus Rundköpfchen ist ein erfahrener Kat«r mit mächtigem Schnauzer geworden, ein Held sonder Furcht und Tadel. Wie er in einer Lenznacht durch seine Jagdgründe streicht, trifft aus dem Jungmais und Untenvuchs, wo er einen Mutterbau weiß, ein winselndes Kinderheulen seine scharf lauernden Ohren. Der Rundkops sinnt und denkt an vergangene Tage. Das ist ein Geheck, das sein« Mutter verloren hat und sich allein noch nicht forthelfen kann. Nein! Wir vom alten Adel müssen zusammenstehen! Wir sollen nicht an der Menschensippe zugrunde gehen. Ob standesgemäß oder nicht, spielen wir halt auch mal die Kindesmutterl lind emsig trottet er über die nächtliche Bloche und holt sich den Fang voller Mäuse. Die Schlacht am Grauen Kloster. von Adolph hoffmann. lSchluh.» Ich verließ mein Hauptquartier auf dem Droschkenbock, stellte mich mi, meinem langen Feldherrnstab vor Gumperts Laden aus und gab meine Kommando». Die ei roo ach, bis zehn.Grauen", darunter mit blutender Nase der Knegsschuldif«, machten einen letzten Versuch, die llmzwflelung zu durchbrechen. Der Ohrseigenbcld warf die Bücher nach mir und stürz;» mit einem Wutschrei auf mich zu. Ich holte ml, meinem „Feldhernistob" krästia au», um den. der.mir in den Weg trit». zu zerschmettern", als es hinter meinem Rücken entsetzlich klirrte. Mein Heldenslab hatte vorläufig nur die Schausensterscheib« von Gumperts Konditorei zerschmettert. Aber das genügte Freund und Feind voll- ständig. Im Nu war die damals noch nicht so belebte Königstraße von allen Helden und Gefangenen geräumt. Aber es war auch die höchste Zeit, denn vom Rathaus her rückten die mobilgemachten „Konstabler" heran, wie meine Pflegeeltern aus der guten alten Zeit her die Schutzleute immer noch nannten. Ich war schlau genug, mich seitwärts in die Bischofstraße zu schlagen und zunächst am Marienkirchhof meine Großmutter zu be- suchen, die gerade vom Fischhandel aus dem benachbarten Neuen Markt heimgekommen war. Als ich nach dem Kaffee auf Umwegen die Siebergasse und mein Haus unerwischt erobert hatte, war die Kunde von der.Schlacht am Grauen Kloster" und den Trümmern der Gumpertschen Schaufensterscheibe schon in aller Munde. Meine Pflegemutter empfing mich mit der drohenden Frag«: .Du warst natürlich dabei und vist mit arretiert?"(Drei Graue Klosterianer hatten die.Konstabler" mitgenommen.) Erleichtert atmete sie auf, als ich unbefangen antwortete:.War doch bei meiner Großmutter. Soll schön grüßen und sie schickt die beiden Plötzen mit, die sie übrigbehalten hat. Du möchtest sie noch heute kochen." Das ir-ar doch ein glänzendes Alibi. Als mein Pflegevater nach Hmise kam, wußte er auch schon von unseren Heldernatcn und erzählte, daß Gumpert am Fenster einen Zettel kleben habe, auf dem er zwei Taler Belohnung verspricht. wenn man ihm den Lümmel angebe. Ich hatte die Nacht wenig geschlafen und fieberte fast, als ich auf sollte, da meine Pflegemutter zu ihrer Tochter mit Bezug aus die Gumpert-Afsäre geäußert hatte:.In der Schule werden sie die Bengsls schon herauejindeir." Gar zu gern wäre ich als„Kranker" zu Hause geblieben. Aber es hieß:„Ach was, so tchlimm ist es nicht. Ziehe die warme Jacke an, setze die Mütze mit den Ohrenklappen auf, und dann marsch!" In der Schule merkte ich sehr bald, wie gut es war. daß ich den Russenkittel nichi an hatte, denn darin hätte man mich sicher wieder. erkannt. Gleich nach der ersten Stunde hieß es: Mit Ueberröcken und Kopfbedeckung auf dem Hof antreten! Erstere besaßen nur wenige. Auf dem Hofe standen die Lehrer, ein Lehrling von Gum- perts und etwa ein Dutzend Buntmützen vom Grauen Kloster. Mein Herz schlug im Dreivierteltakt. Berstohlen musterte ich den Feind. Der Kriegsschuldige mit der blutigen Nase war nicht dabei. Bermut- lich war er krank und seine Eltern waren wahrscheinlich besorgter um ihn als meine. Nie habe ich inbriinstig-rr und aufrichtiger dem Herrgott gedankt, als für diese Krankheit! Wohl wurde ich als einer derjenigen bezeichnet, die dabei gewesen seien. Aber der Schau- senster-Attentäter wurde nicht gefunden. Im ganzen fand man elf heraus, von denen festgestellt wurde, daß sie dabei waren. Neun davon waren in unserer Klasse. Noch heute begreise ich unseren Lehrer Kreidebrink nicht. Er schäumte geradezu vor Wut über das glänzende Resultat feiner Helden- erziehung. Bor versammelter Klasse wurden wir wie ganz richtige Knegshelden„auegehauen", zwar nicht in Stein, sondern mit dem Rohrltock, den er ebenso kühn und vermögen schwang, wie ich meinen Feldberrnstab vor dem Gumpertschen Schaufenster. Leider war hinter ihm keine Scheibe, als er in seinem heiligen Eifer den so prächtig ausgegangenen Samen seiner Kriegsbegeisterung wieder ausprügelte.> m Am nächsten Montag war mein« Pflegemutter höchst erstaunt. daß ich mir den Fuß velstaucht haben wollte, als ich fllr'n Sechser Kuchenkrümel, die Gumpert Montags verkaufte, holen sollte, die ich sonst nicht schnell genug ergattern konnte, denn es gab davon nicht nur eine große Tüte voll, sondern es befanden sich darin auch große Bruchstücke von Kuchen, Tonen, Marzipan usw. Die suchte Mutter heraus und gab sie nachmittags zum Kaffee. Zu Sonntagstuchen langte der Verdienst eines abgebauten Tuchmachergeiellen nicht. Da meine Pflegeschwester schon um 5 Uhr von Arbeit kam und hoffte, über den erwischten AUentäter bei Gumpert neues zu er- fahren, holt« sie gern die Kuchenknimel selbst und erzählte, daß der Vagabund noch immer nicht erwischt sei, die Belohnung aber erhöht werden solle.... Zu Ehren der vereinigten beiden Armeekorps fei es gesagt: Die Belohnung hat Gumpert sür die Schlacht am Grauen Kloster nie auszuzahlen brauchen. Oder doch?—--—___—————— Ich war schon mehrere Jahr« Stadtverordneter. An einem Dienstag nach der Fraktionssitzung kehrte ich mii meinen Freunden Alfred Bernitein und Arthur Stadlhagen bei Gumpert zu einer Tasse Kaffee ein. Das geschah häufig am Dienstag. Zu uns ge- sellte sich noch Emil Baener. Dr. Freudenbeig und. wenn ich nicht irre, auch Robert Wengels. Als wir Platz genommen hatten, be- grüßte uns der alt« Gumpert aufs freundlichste, blickte mich eme Weile sinnend an und meinte:„Sie muh ich schon sehr lange kennen. Ich entgegnete:«Das ist wohl möglich. Dean aus aller Anhang- lichkeit verkehre ich hier schon sehr lange." „So?" sagte der alte Herr interessiert,„und woher stammt diese alte Anhänglichkeit und wie alt ist sie?" „Na." mein!« ich lächelnd,„bald iünfzig Jahre werden es sein daß ich Ihr besier Kuchenkrümelkunde war, und— setzte ich zopernd hjn�u—ns ist auch wie Tewist�nsbih dabei. Der Jurist, ich zeigte ans Arthur Stadthagen, wird Ihnen bestätigen, daß es eine alte Erfahrung ist, daß der Verbrecher immer wieder nach dem Tat- ort seines Perbrechen» zurückkehrt." „Das mütten Sie erzählen," erklärte Gumpert.„Sie gestatten. daß ich Platz nehme." Nirbdem ich Gumvert noch veranlaßt hatte, vor dem kunsttgen Notar Stadthagen die ErNärung abzugeben, daß er auf alle Regreh. ansprüche verzichte, erzähl»« ich vorstehend« Geschichte. Als ich geendet hatte, legte Gumpert die Hand auf meine Schul- ter und sagte triumphierend:„Also habe ich den Verbrecher doch noch erwischt?" „Ja," sagte Stadthagen,„da wir aber den Verbrecher hierher vnd zum Geständnis brachten, haben wir Anspruch auf die Be- lohnung." „Jawohl," war Gumperts Antwort,„die sollt Ihr haben. Ich hole dafür das beste Pferd aus meinem Stall." Und er brachte ein Pulleken. das die Weinkcnnernase eines Falkenberg vom Ratskeller vor Neid hätte erglühen lassen. Nach der ersten Flasche erklärte ich Gumpert, daß es eigenttich schade wäre, daß ich ihm bei der Schlacht am Grauen Kloster nicht zwei Scheiben zertrümmert hätte. „Na," lachte Gumpert,„dann will ich die Zinsen für ein halbes Jahrhundert noch drauflegen." und holte ein« neue Flasche, während Stadthagen ausrechnete, was es mit Zins und Zinseszinsen aus- mache. Ich glaube, wir haben uns an diesem Abend einen gemeinsamen Verstoß gegen das Wuchergesetz zuschulden kommen lassen, denn der alt« Herr hat wirklich Wucherzinsen gezahlt. Ich weiß nur, daß ich am Schlüsse dieser schweren„Sühne- Verhandlung" Gumpert erklärte:„So viele Schaufenster hätte selbst seine Konditorei nichi als ich Scheiben zerschlagen müßte, um die Belohnung herauszuwirtschaften, die er heute bezahlt hat." Nur einen Tag möchte ich noch erleben, und zwar den. an welchem zwischen Rüdeeheim und Bordeaux alle alten Kriegssünden bei einem fröhlichen, friedlichen Weingelage sür immer zum Wohle Deutschlands und Frankreichs, ja, der Menschheit, ertränkt würden, wie wir es bei Gumper! mit den Folgen der„Schlacht am Grauen Kloster" getan haben. Und dann wünsche ich, daß bei diesem Fest alle Lehrer und Iugendbildner zugegen wären und feierlich gelobten, die Jugend der Völker nie wieder mit Kriegs- fanatismus zu vergiften. Zurunke!. Von Dr. Ludwig Sternheim, Hannover. Während der Kriegszeit und nach dem Kriege sind die Erkran- kungen an Furunkeln immer häufiger geworden. Auch das Auftreten schlimmer Formen hat entschieden zugenommen. Die Aerzte haben deshalb dieser Krankheit in der letzten Zeit ihr besonderes Augen- merk zugewendet. Das Publikum hat zweifellos ein großes Jnter- esse daran, über die Krankheit und die Maßnahmen, die zur Bei- hütung und Heilung getrosjen werden können, aufgeklärt zu werden. Furunkel sind umschriebene Hautabzesse, die durch Eiterbakterieu hervorgerufen werden. Zunächst sind es kleine„Pickel" oder harte Knoten, die Schmerz und Spannung hervorrufen. Als weitere Ent- ziindungsersch.üiiungen treten dann Röte und Hitze der Umgebung hinzu. Die Schmelzen steigern sich erheblich. Es kann Fieber auftreten und zu einer Anschwellung der benachbarten Lyinphdrüsen kommen. Im weiteren Verlauf bildet sich in dem Erkrankungsherd ein eitriger G-ewebspfropf, der bei. günstigem Verlaus in ein bis zwei Wochen ausgestoßen wird. Die entstehende Wunde vernarbt in kurzer Zeit. Damll ist dann der einzelne Furunkel zur Heilung gekommen. Derartige Furunkel können nun in großer Anzahl zur selben Zeit oder nacheinander auftreten. Eine Vereinigung von mehreren Furunkeln zu einer ausgedehnten Gewebsentzllndung nennt man einen Karbunkel. Dieser' kann zu einer recht bedenklichen Erkran- kung werden. Aber auch der einfachste Furunkel kann zu einer Blutvergiftung sichren. Die Furunkel an der Lippe und an anderen Stellen des Gesichtes sind besonders gefährlich. Ein ungünstiger Ausgang kündigt sich fast immer durch weithin ausstrahlende Schinerzen, Verschlechterung des Allgemeinbefindens, erhöhte Fieber- temperatur und Schüttelfröste an. Die Behandlungsmethoden sind ungeheuer zahlreich. Sie haben ständig gewechselt. Ein Zeichen, daß keine recht befriedigt hat. Es gibt kaum eine Sitzung einer ärztlichen Gesellschaft, kaum eine Nummer einer medizinischen Wochenschrift, in der nicht von der Behandlung der Furunkulose die Rede ist. Nur in einem Punkt ist man sich einig, daß die früher fast ausschließlich geübte chirurgische Behandlung mit dem Messer nur aus ganz wenige Ausnahmefälle beschränkt bleiben muh. Von großem Interesse war die Sitzung der Mllnchener Chirurgen vom Ii. Mai 1926, tn der zur Furunkelbehandlung Stellung genommen wurde. Die Behandlung durch Iodbepinsciung und feuchte Verbände wurde abgelehnt; da? Einnehmen von Hefe und Einspritzen von Vakzine wurde als einflußlos bzw. unsicher bezeichnet. Als das Wesentliche in der Furunkel- behandlung wurde die schonend st e Behandlung der Haut durch Salbenverbände anerkannt. Vor allem ist das Ausdrücken des Eiters unbedingt zu unterlassen. Die Verschiedenheit der Ansichten über die Bewertung der sonstigen Behandlungsmethoden erklärt sich daraus, daß gerade bei der Furunkulose nicht die Krankheit, sondern der Kranke behandelt werden muß. Wenn auch zur Erkrankung an Furunkulose eine Infektion mit Eitererregeni notwendig ist, so spielt zweifellos die Körperkonstitulion die größte Rolle in bezuy auf Ansiedlungs- Möglichkeit und Weiterentwicklung der Bakterien. Störungen der Blutbildung und gewisse Stoffwechselkrankheiten, z. B. Gicht, Fett- sucht, Zuckerharnruhr. Ueber- und Unterernährung geben einen günstigen Boden für die Furunkulose ab. Hesser leben- das Ziel öer wirtsshast. Was die deutschen Unternehmer von den englischen lernen sollten. Auf der Tagung der Deutschen Gruppe der Internationalen Handelskammer sprach, wie schon berichtet, der englische Industrielle Sir Arthur Balfour(Sheffield) über die wirtschaftlich« Lage Groh- britanniens. Seine Rede ist deshalb besonders erwähnenswert, weil in ihr die Stellungnahme des britischen Unternehmertums zu einer großen Anzahl von wirtschaftlichen sozialpolitischen Problemen zum Ausdruck kam. Ob freilich die deurschen Unternehmer, deren er. wählte Vertreter die Zuhörerschaft Balfours bildeten, in dieser Rede das fanden, was sie erwarteten, ist zu bezweifeln. Gewiß: es find dieselben Probleme, hüben wie drüben, mit denen die Unternehmerschaft zu tun hat. In Großbritannien wie in Deutschland lasten Arbeitslostgteit, hohe Steuern und große so. ziale Auegaben auf der Wirtschast: es geht um Arbeitszeit und Ar. beitslohn, um die Macht der Gewerkschaften: hier wie da erschweren hohe Inlandspreise und Zollmauern im Auslande den Export. Aber wenn auch die wirtschaftlichen Tatbestände in beiden Län» dern fast gleich sind, so ist doch Eines grundverschieden nämlich die A r t der E i n st e l l u n g des Unternehmertums zu ihnen. Das ließen die Ausführungen Balfour» deutlich erkennen. In Deutschland betrachtet der Unternehmer den Kapitalprosit von vorn» herein als das Entscheidende. Der englische Unternehmer, der nicht minder zäh um den wirtschaftlichen Erfolg ringt, versteht e» heute als eine Selbstverständlichkeit, daß vor allem die st e i g e n d e L e» benshaltung der Massen die Gewähr für eine wachsend« Produktivität der Volkswirtschaft bietet, damit auch die Voraus- fetzung für die profitable Ausnutzung der Anlagen und für die günstige Verwertung des Produktionskapital» ist. Deshalb dreht stch dort alles um den Menschen selbst und sein leibliches Wohl und Wehe, während wir hier, d. h. die deutschen Unternehmer, immer noch in der Vorstellung befangen , sind, daß die Vergrößerung der Produktion(und zwar vorwiegend der Produktions anlagen, weniger der absatzfähigen Produktion an Waren!) das entscheidende äußere Kennzeichen für das Gedeihen der Volkswirtschaft sei. Der deutsche Unternehmer will stets nur sparen im Sinne der Kapitalsbildung und vergißt dabei, daß es ge- rade jene Ausgaben, die er„unproduktiv" nennt, sind, welche erst das Einkommen und die Kaufkraft seiner Abnehmer bilden. Der englische Unternehmer aber, der nicht weniger auf seinen Profit be» dacht ist, hat das sehr viel richtigere Empfinden, daß man erst geben. und zwar reichlich geben muß, wenn man später ein. nehmen will. Aus dieser Anschauung heraus erklärt es sich, daß Sir Arthur Balfour jede Maßnahme und jede Entwicklung begrüßte, die geeignet ist, die Lebenshallung der Massen und damit die körper» liche und geistige Leistungsfähigkeit der Arbeiterschaft zu heben. ZKU Befriedigung wird festgestellt, daß die Löhne gestiegen sind, daß der Acht- und der Siebenstundentag allgemeine Gelwng erlangt hat, daß Nahrungsmittel und Bekleidung der Arbeiter besser als je zuvor sind, daß die Dolksgesundheit sich g e» hoben hat und daß dos Schul» und Fortbildungswesen große Fortschritte gemacht hat. Don der vollkommeren Ausbildung der Arbeiterschaft, wie sie unter regem Interesse der Unternehmer jetzt durchgeführt wird, verspricht man sich große Borteile für die Zu» kunft. Mit Befriedigung wird ebenfalls festgestellt, daß die frei» willige Wohlfahrtspflege von den Unternehmungen immer stärker ausgebaut wird, so daß es für die größeren Betriebe ganz selbst. verständlich ist, ihrer Belegschaft Sportplätze und Räume für ge. sellige Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Dabei will man aber keineswegs die Belegschaften.unternehmerfromm' damit machen. Das einzig« Bedenken dagegen fei, daß die jungen Leute der Familie entfremdet werdenl Freilich wird auch auf die Höhe der Soziallasten(rund 80 M. je Kops der Bevölkerung!) und aus die seit der Vorkriegs. zeit stark gestiegene steuerliche Belastung(lSl3: 71 M., 1925: 295 M. pro Kopf) oerwiesen, auf die hohen Kommunal-, Vermögens» und Gewerbesteuern(Verdreifachung seit 1913), auf die Lasten aus der ungeheuren Kriegsoerfchuldung und auf den hohen Preisstand eng- llscher Waren, der dre Absatzmöglichkeiten einschränkt. All dies sei bedenklich— ober die Bedenken werden, soweit es sich bei den geschilderten Lasten und Erschwerungen um solche innerwirlschaft- licher Natur handelt, durch den Hinweis auf die verbesser» ten Gesundheit»- und Lebensverhältnisse im Land« abgeschwächt. Aus der gleichen Anschauung, die immer wieder den M e n s ch e n s e l b st als Produzenten und als Konsumenten, in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt, während von dem Pro- duktionsapparat und der Höhe der Produktton jo gut wie gar nicht die Rede ist, ergibt sich auch die ruhig«, sachlich-abwägende Stellung- nähme Balfours zu den aktuellen Problemen. Er wendet sich gegen die politische Radikalisierung der Gewerkschaften— aber mit der Begründung, daß diese Radikalisierung leicht zu ihrem Zerfall führen könnte, worüber sich der Durchschnitt der deutschen Unternehmer wahrscheinlich freuen würde. Die Arbeitslosigkeit ist für ihn eine weltwirtschaftlich bedingte Erscheinung, die dem Unternehmer keinen Anlaß zu Druckmanövern gegen die Arbeiterschaft bieten sollte. Ohne jede Lamentation, wi« sie in Deutschland so üblich ist, wird gesagt, daß die Arbeitslosenversicherung heute jährlich ein« Milliarde Mark(gegen 40 Millionen Mark vor dem Kriege) kostet, und daß die gesamten Soziallasten Im Laufe der letzten 30 Jahre von 180 auf 3360 Millionen Mark(einschließlich der Schulkosten und der Renten für Kriegsopfer sogar 8000 Millionen!) gestiegen sind. Recht interessant ist auch die Stellungnahme Balfour» zur Frage der wirtschaftlichen veläliguiig der Lssenlsichen Hand und zur Frag« der industriellen Kartellpolitik. Während er all« wirtschaftlichen Selbsthilsemaßnahmen begrüßt, die geeignet sind, die plötzlichen Konjunkturschwankungen zu mildem, ist er recht skeptisch gegenüber der Bildung von Kartellen. Es dürfe nicht soweit kommen, daß kartellartige Abmachungen, auch solche intemationaler Art, die persönliche Initiativ« gefährden, die Qualitiät der Ware verschlechtern oder gar den Verbraucher noch durch Preishoch» Haltung.bedrohen'. Auch bestünde die Gefahr, daß die Bildung monopolistischer Wirtschaftsorganisationen geradenwegs zur Sozialisierung, d. h. zur Uebernahme von Wirtschaftszweigen in die öffentliche Hand, führen könnt«. Diese aber sei, aus Gründen der Produktivität, für alle diejenigen Wirtschaftszweige abzulehnen, die sich nicht schon letzt im Besitz der öffentlichen Hand befinden. Das ist, im ganzen gesehen, ein bemerkenswert ruhiges und sachliches Urteil. Man wird von einem typischen englischen Untemehmer natürlich keine Sozialisierungspropaganda erwarten dürfen. Aber bezüglich der selbstverständlichen Anerkennung der Tatsach«, daß die wirtschaftlich« Betätigung der öffentlichen Hand durchaus berechtigt ist, könnten sich unsere Untemehmer, die gerad« in diesem Punkt unbelehrbar starre Doktrinäre sind, an ihren .grundliberalen' englischen Kollegen ein Beispiel nehmen, wie sie jo überhaupt von ihnen noch sehr vieles zu lernen haben, wi« die Rede Balfour» sehr deullich gezeigt hat. Streikbiianz im englischen fiußenhanüel. Der Ausgleich durch die Zahlungsbilanz. Nach den gewaltigen Störungen, denen die englisch« Wirtschast im Jahre 1926 durch den siebenmonatigen Kohlenkrieg aus» gesetzt war. muhte man von vornherein mit einem starten Rück» gang de» Exports und auf der andern Seite mit einer gesteigerten Einsuhr rechnen. Tatsächlich zeigt die englische Außenhandelsbilanz sehr bedeu. tende Veränderungen. Die Ein- und Ausfuhrziffern im Warenverkehr des letzten Jahres und im Vergleich hierzu die Daten von 1924 und 1925 sind folgende: 19M 1925 1926 (in Milliarden Mark) EiigUscke Einfuhr.. 20, i 26,4 24,8 Englische Autfubr.. 18,8 18.6 15,5 Passivität.... 7.» 9.8 Di« Ausfuhr ist demnach gegenüber dem Vorjahr um volle S Milliarden= 16,2 Proz. zurückgegangen und weist gegenüber der Einfuhr einen Fehlbetrog von 9,35 Milliard. M. auf. Entgegen der naheliegenden Vermutung einer starken Einsuhrstcigerung ist aber trotz des großen Bedarfs an ausländischer Kohle und andern Pro- dukten Englands Einfuhr gegenüber dem Vorjahr nicht gestiegen, sondern gleichsalts um 1,6 Milliarden 6 Proz. zurückgegangen. Das dürfte darauf zurückzuführen lein, daß die vom Bergarbeiter- streit und seinen Auswirtungen besonder» hart betroffenen Werft-, Stahl- und Textilindustrien ihren Rohstosfbezug auf» äußerste ein- geschränkt hatten. Demgegenüber ist interessant, wie die Engländer den zah» lunasmäßigen Ausgleich ihrer passiven Handelsbilanz ver- anschlagen, der bekanntlich durch die sogenannten„unsichtbaren Exporte' der Zahlungsbilanz erfolgt. Nach den im Journal der Londoner Handelskammer veröffentlichten Ziffern Einkünfte England»: betrugen die AuS Frachten........ 2.4 Milliarden Mark . auewärtlgeu Kapitalanlagen. 5,4. . Kommissionen...... 1,2 , Veijchiedenem...... 8,0. Zusammen... 9,8 Milliarden Mark Oer Mehreinsuhr an Waren von 9,33 Milliarden stehen also unsichtbar« Exporte im Wert von 9L Milliarden gegenüber, womit wiederum ein Beweis geliefert ist, wie ein so reiches Land wie Eng- land feine gewaltige Mehreinfuhr— in den letzten drei Jahren 23,85 Milliarden Mark— au» seinen dem Ausland geleisteten Diensten und den Einkünften aus seinen enormen ausländischen Kapitalanlogen bezahlt. Da» Schlimmste, was England also nach diesen Zahlen für die Auswirkungen des Streiks auf das englische Auslandsgeslyäft ieststollen mußte, wäre, daß das Auslandsgeschäft im vergangenen Jahre nichts zur Kapitalneubildung beizutragen ver- mochte. Die Auswirkungen des von den englischen Zechenherren bis zum Aeußerstcn getriebenen Kompfes auf den englischen Staatshaushalt und die innerenglisch« Wirtschast blel. ben davon natürlich unberührt. Arbeitslosigkeit üurch Arbeitslosigkeit heilen Ein Rezept der Elektroindustrie. Der Nationalisierungsprozeß in der deutschen Wirtschaft hat zu einer verhältnismäßig sehr starken Verschärfung der Arbeitslosig. keit geführt. Das ist nichts Neues. Neu aber ist die Auftassung, daß die Arbeitslosigkeit durch die Arbeitslosigkeit geheilt werden müsse, was zwar durchaus paradox erscheint, aber sehr ernsthaft als die Meinung bedeutender Führer der elektrotechnischen Industrie an» zusprechen ist. Am deutlichsten erkennbar wird da» bei der Siemens u. H a l s k e A.- G„ die schon in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 1925 und aus dem Munde des Herrn C. F. v. Siemen» in der damaligen Generaloersammlung erNSrte, daß auf dem Wege der Kaufkraftstörkung durch Lohnerhöhungen eine De- seitigung der Arbeitslosigkeit nicht zu erwarten s«i, nachdem durch den Rationalisierungsprozeß ein« erheblich« Freistellung von Arbeitskräften erfolgen müsse. In ihrem Geschäftsbericht für 1926, dessen glänzende Gewinnziffern wir bereits mitgeteilt haben, vervollständigt sie ihr« Auffassung, indem sie sagt:„Nur ausreichend gewinn bringende Wirtschaftsbetriebe können sich e r w e i t e r n. Di« Beseitigung der übermäßigen Arbeitslosigkeit kann erst dann erreicht werden, wenn genügend viele Wirtschaftszweige sich auf Grund ausreichender Rentabilität entsprechend ausgedehnt hoben.' Es ist durchaus konsequent, wenn der Bericht dann fortfährt, daß all« weiteren Belastungen der Wirtschaft den Rückgang der Arbeitslosigkeit ver» hindern oder verzögern müßten. Ein« allgemeine Erhöhung de» Lohnniveaus könne eine Steig«rung der Kaufkraft nur bewirken. soweit, sie ohne entsprechende Steigerung der Preise durchzu- führen sei. Das aber fei nur bei ausreichender allgemeiner Rentabilität der Wirtschaft möglich. Diese Ausführungen lassen klar erkennen, daß es auch Siemens mit dem alten Kapitalistenargument hält, daß nur, wenn Gewinne gemacht werden, die Wirtschaftslage stch bessern könne. Sie über- sahen vollständig, daß zur Erweiterung von Betrieben, d. h. zur Dergrößerung des Absatzes, auch die K ä u f e r gehören, die die neue Produktion aufnehmen können. Wo diese Käufer herkommen sollen, auch wenn die Kapitalbildung oerstärkt wird, ist ein Rätsel, das uns die Unternehmer lösen müssen. Wo von der Industrie selbst nicht größere Aufwendungen gemacht werden, und zwar in den von ihr verausgabten„Kosten', die Industrie nennt das„Lasten'), da ist auch eine Stelgerung des Absatzes, wenn die Mehrproduktion nicht ausschließlich ins Ausland gelenkt wird, ein Ding der Un- Möglichkeit. Die Heilmethode de» Herrn v. Siemen» hat daher keinerlei Aussicht, zur Gesundung der Wirtschaft etwas beizutragen, auch wenn sie noch so oft wiederholt wird. Falsch« Bilanzen! Die Tatsache, daß die der Oeffentlichkeit vor- gelegten Bilanzen der Akliengesellschaften deren wirkliche Loge nicht enthüllen, ist ollgemein bekannt, pflegt aber von den Unternehmern selbst nicht offen zugegeben zu werden. Sehr erfreulich wirkt daher die ungewöhnliche Aufrichtigkeit der englischen Kapital- Magnaten, die die Richtigkeit jener Behauptung ohne weitere» a» erkennen. Erst kürzlich hat der Präsident des jüngst gegründeten großen englischen Chemietrustes, Sir Alfred Mond, die be- merkenswerte Erklärung gemacht, daß„die Ziffern der Bi- lanzen in keinem großen und gut geführten Unter- nehmen die wirklichen Nettoprofite der Gesellschaft zu verraten pflegen". Professor Gregory, der einen Lehrstuhl für Bankwesen an der Volkswirtschaftlichen Hochschule von London innehat, sagte in seiner Antrittsvorlesung, daß die englischen Bankbilanzen eine Schande für diesen Beruf darstellten. Wozu wir bemerken möchten, daß die englischen Bilanzen infolge der in England bestehenden Einrichtung der Prü- ung durch B ö n k r e o i s o r e n, der sich sämtliche größeren Gesell- chasten freiwillig unterziehen, noch zuverlässiger sind als die Bi- lanzen auf dem Kontinent. Der Präsident des Dankoerbandes, Sir John Ferguson, der beim Dortrng von Professor Gregory den Borsitz führte, versuchte die Praxis der gefälschten Bilanzen damit zu verteidigen, daß die Unternehmungen neben den oosfenen auch stille Reserven für schlechte Zeiten brauchen und deshalb einen Teil ihres Prosits verheimlichen müssen, in Wirklichkeit gehörten auch diese Prosite den Aktienbesitzern. Der„Daily Herold', das Blatt unserer englischen Genossen, bemerkt mit Recht zu dieser Eni- schuldigung, daß es sich nicht allein um die Aktienbesitzer handle: auch die Arbeiter und die Verbraucher geben diese Bilanzen etwas an. Di« Arbeiter haben ein Recht, zu wissen, ein wie großer Teil ihrer Arbeit von ihren Arbeitgebern angeeignet wurde, die Ver- draucher dagegen möchten gern erfahren, ob die von ihnen bezahlten Warenpreise angemessen oder zu hoch sind. Au» der sächsischen Gasfernversorgung. Di« mit 5 Millionen Mark Aktienkapital arbeitende„Gasversorgung Ostsachsen A.- G.' in Dresden(gegründet 1922) beliefert das Gebiet um Dresden und das Oberlausitzer Industriegebiet von dem Werk Hei- denau(dicht bei Dresden) aus mit Gas. Die Gesamtlänge der Rohrleitungen ist im letzten Geschäftslahr um rund 100 Kilometer auf rund 800 Kilometer gestiegen: der Gasabiatz hat sich um rund 6 Proz. auf 7,06 Millionen Kubikmeter gesteigert. Dank reger Werbearbeit hat die Verwendung von Gas zur Raumheizung und zu industriellen Zwecken zugenommen. Ein interessantes Bei- spiel für dl« mögliche Zusammenarbeit von Gas- und Elektrizitätswirtschaft bietet die Tatsache, daß die Gas- Versorgungsgesellschaft mit dem Eicttrizitätsverband Gröba, der in seinem Stromverlorgnnasaebiet die Gasverteilung planmäßig aus- bauen will, einen langfristigen Gosiieferungsvertrag abgeschlossen hat Eine solche Zusammenarbeit zwischen„natürlichen Konkur- renken' wird freilich in der Regel nur in solchen Fällen möglich sein. wo wie in dem vorliegenden Fall«— die beiden Kontrahenten von der öffentlichen Hand beherrschte Gesell- s ch o f t e n darstellen. Der Abschluß der Ga-versorgunosgesellschr.st ist günstig. Aus 333 543 M.(im Dorjahre 264148 M.) Rein- gewinn können 6 Proz.(im Vorfahre 4 Proz.) Dividende ob- geführt werden.—Das 800 Kilometer lange Netz der Gaeverjor- gung Ostsachsen A.-G. vermittelt zwar keine sehr großen Gas« mengen, ist aber da» ausgedehnteste Europas. Deutsch« Eisenerzeugung!m Januar. Die deutsche Roheisen- «rzeugung wird für den Monat Januar mit 1059 798 Tonnen an- gegeben. Gegenüber dem Monat Dezember ist mithin ein Rück- gang von 4993 Tonnen zu verzeichnen. Mit Ausnahme von Sief mm'— MMckM M I---- fUä—— Ii oder land____. konnren, ging in den übrigen Gebieten die Produktion zurück, am stärksten im rheinisch-wcflfälifchen Bezirk. Die Gesaintprodutlion ..zeugung.-------------------„ i-- v■ tion nur von Rheinland und Westfalen und Nordost, und Miilcl- deutschlaich überschritten wird. Die Zahl der vorhandenen 5?cck?öjeii hat sich um 3 auf 203 vermindert Das sind 13 Oese» weniger als Ende 1913, den heutigen Gebietsumfang vorausgesetzt. Von den vorhandenen Hochöfen waren 115(Dezember 1919) in Betrieb gegen-'' über 203 End- 1912. Deutsch- lschechoflowaklsche Handelsvert''agsvcrhaichlung?n. Sämtliche Programmpunkt« der lschechoslowokisch-deutfchen Handels- Vertragsverhandlungen wurden heute erledigt und die Tagung ge-, schlössen. In den Verhandlungen tritt nunmehr eine dreiwöchige Unterbrechung ein. Mund-Gymnastik Kräftigung des Zahnfleisches, Belebung des (".«nmi-nt and Straffung der Gcsichtsmusku- latur sind natürliche Folgen des Kauens der P. K-Kan-Bonbon». Stets reiner Mund und dauernd angenehm duftender Atem Der reiche Spenjhelfluss beim Kauen ist den Zähnen zuträglich und hilft der Verdauung. o H. ao Plekchaa— 4 StBck— 10 PI. Ueberau erhältlich! GUY ■iMimmmm