flbenüausgabe Hr. 9? ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 45 BtnueubtMitmnwen«ra6 Vnwtflcnorcltli find tn Mi Morgmautoob« angtoebea Rcbattion; STD. 68. CinftcaRcab« 8 Fernsprecher i GBichafl 292- 292 Xd.-Sdicfse; Sojlaldcmoltal Verls» VollrsltlAkk Verlinev Zcntraloi*gan der Soztaldemokratifd�cn parte! Oeutfchlands (lO Pfennig) Mittwoch 23. Jebruar 1$27 Verlag und«n»««ge nadle« lu»O» »es»»?«»,-,« bt» 5 Übt Verleger: vorwilrl». Verlag Gmby. Serll» Zw 08, Vladenftrad» 8 Fernsprecher: VSnhoss 292— 292 Preußen und Groß-Hamburg. Die Unterelbe-Gesetzenttvürfe im Landtag.— Ministerpräsident Otto Brann gegen Bürgermeister Petersen. Zu Beginn der Mittwochsitzung des Preußischen Landtags hielt Ministerpiasident Braun anläßlich der ersten Lesung des Ge- seßentwurfes über die Reuregelung der kommunalen Verhältnisse tm preußischen Unterelbegebiet ein« Rede, in der er ausführte: Die hier zur Beratung stehenden Dorlagen über die Regelung der Verhältnisse im preußischen Unterelbegebiet werden die zuständi- den Herren Ressortminister, soweit das über die gedruckte Begrün- dung hinaus noch erforderlich ist, im einzelnen begründen. Ich sehe mich gezwungen, der Beratung einige allgemein politisch« Aus- führungen vorauszuschicken. Am S. d. M. hat der regierende Bürgermeister von Hamburg, Dr. Petersen, in einer eingehen- den Red« das Groß-Hamburg-Problem und das Verhältnis »wischen Preußen und Hamburg besprochen. Die Ham- burger Presse bezeichnet diese Rede als eine Generalabrech- nung mit Preußen und hebt hervor, daß der Bürgermeister mit schonungsloser Offenheit völlige Klarheit in dieser die Oesfent- lichkeit bereits mehrere Jahre beschäftigenden Angelegenheit ge- bracht habe. Die Hamburger Herren werden mir nicht verübeln, wenn auch ich mit voller Offenheit versuch«, die Haltung Preußens in der Groß-Hamburg.�rage klar zu legen und vor allem da» wieder auf die Beine zu stellen, was in Hamburg auf den Kopf gestellt worden ist. Es ist unrichtig, daß Preußen die Aufsaugung der norddeutschen Kleinstaaten erstrebt, diese gor, wie es in Hamburger und von Hamburg inspirierten Presseaus- sühnmgen hieß, durch einen»Druck erzwingen' wolle. Ich habe bereits niehrjach hier im Landtage erklärt, daß Preußen gar nicht daran denke, auf irgendwelche Kleinstaaten einen Druck auszuüben, um sie zur Aufgabe ihrer Selbständigkeit zu oer- anlassen und ihren Anschluß an Preußen zu erzwingen. Indes steht die preußische Regierung auf dem Standpunkt, daß diese Länder, wenn si« sich ihre stoa'liche Selbständigkeit erhalten wollen, dies auch mit allen daraus sich ergebendea Konsequenzen tun müßten, und in Zukuosl nicht mehr daraus rechnen konnten, daß ihnen Preußen diejenigen Einrichtungen zur Verfügung stellt, die sie sich aus eigenen Mitteln nicht erhallen können. Preußen ist daher auch nicht bereit, es sei denn, daß ihm gleichwertige Gegenleistungen gewährt werden, preußisches Gebiet an solche Kleinstaaten abzutreten, um sie in ihrem selbständigen staat- lich«n Eigenleben zu stärken. Kommt die Bevölkerung dieser Staaten unter solchen Umständen schließlich zu der Ueberzeugung, daß es für sie zweckmäßiger ist, sich Preußen anzuschließen, so wird Preuße» sich dem nicht versagen Ebenso wie Herr Bürgermeister Petersen bin auch ich Uns- tarier. Auch mir scheint der deutsche Einheitsstaat, insbesondere Im Hinblick auf unsere Verarinung. ein erstrebens- wertes Ziel. Wenn Herr Petersen sedoch meint, diese» Ziel könne nicht über Groß-Preußen erreicht werden, so erwidere ich ihm: über Kroß-Hamburg er st recht nicht. Ich stehe vielmehr aus dem Standpunkt, daß Preußen, das etwa drei Fünstel des Reiches darstellt und das bereits durch den Friedensver- trag erheblichen Land- und Beoötkerungsverlust gehabt hat, wo- von alte deutschen Länder verscbont geblieben sind, in seiner Geschlossenheit und Größe unbeeinträchtigt auf. rechterhalten werden muß. da es zweisellos den Kern für einen deutschen Einheitsstaat bilden wird, wenn dieser einmal Wirklichkeh werden sollte. Wenn der Hamburger Bär- genneister nun aber gar«lklärt, das Ziel Preußens gehe dahin, Hamburg zum Aufgehen in Preußen zu zwingen, so ent- sprich, auch das keineswegs den Tatsachen, und mir ist un- erfindlich, wie ohne Angabe von Beweisen das Staatsoberhaupt dieses benachbarten Landes in aller Oesfentlichkeit eine derartige Be- hauptung aufstellen kann. In der Groß-Hamburg-Frage Handelt es sich nicht, wie Herr Petersen jetzt, den Sachverhalt völlig verschiebend, glauben machen will, darum Hamburg in Preußen einzuverleiben, sondern es handelt sich darum, hamburgische Expanflon-bestrebungen gegen Preußen zurückzuweisen. Tatsächlich ist der Ausgangspunkt der Groß-Hamburg. Verhandlungen doch das Bestreben Hamburgs, sich preußisches Gebiet einzuverleiben. Daher auch die Bezeichnung Groß-Hamburg für den ganzen Komplex der Fragen. die damit zusammenhängen. Lasten Sie mich daher zur Aussnschung des Gelächtnistes der Hamburger Herren, die jejzt gegen ein Groß- Preußen, aiikferechne, an der Unterelbe, Sturm laufen, einmal kurz auf den U r s p r u n g der Erörterungen über das Groß-Ham- bura-Problem zurickg'esten: Bereits in einer Denkschrift vom 7 Dezember ll>l5 hat Hamburg Ansprüche auf erhebliches prei'bifckas Gebiet geltend gemackt. Preußen hat damals im August ZS'S eeaniwortet. daß einer solchen Abtretung keine gnindsätzstchen Bedenken des Staatsmimderium» entgegenständen, wenn sie zur Förderung der deutschen Schif'ah-t und anderer gemeinsamer preußisch-hambu'gischer Jnteresten unter voller Würdigung aller preußischen Interessen erforderlich erscheint. Die Sache hat dann «vöhrend de? Krieges geruht und ist dann erst im Jahre 1919 wieder durch ein« Denkschrift des Hamburger Arbeiter- und Soldatenrats vom 8. Januar 191S zur Erörterung ge- pellt worden. Diese an da» Reichsministerium des Innern gerichtet« Denkschrift fordert preußisches Gelände zur Haienerweiierung sowie ine Ein- gemeindung von Harburg, Altona, Wandsbek und Wilhelmsbura noch Hamburg. Obwohl sich dagegen natur- gemäß in Holstein iosort der stärkste Widerspruch geltend machte, ist dann der Hamburger Senat den Spuren des Arbeiter- und Soldaten- rates gefolgt und hat in einer Denkschrift am 7. April 1919 die Unter- stellung des ganzen Urnerrlbegebietes von Hamburg bis Cuxhaven einschließlich der User der Elbe, soweit sie Ueberschwemmungsgebiet sind, unter Hamburg gefordert. Weiter wird in der Denkschrift ver- langt die Eingemeindung nach Hamburg, und zwar der Städte Altona, Wandsbek, Harburg und Wilhelmsbura und von 54 Landgemeinden ans dem kreise Stormarn. 20 aus dem kreise plnneberq, 20 aus dem kreise Herzogtum Lauenburg, 42 aus dem kreise Harburg. 11 aus dem kreise Jork. 6 aus dem kreise Winsm, 4 aus dem kreise Stade, insgesamt an preußischen Städten und Landgemeindegebiet eine Zläche von 1Z7 2ZS heNar mit rund 14 Million preußischer Bewohner. Das hätte die Vergrößerung Homburgs um ISO P r o z. an Fläche und 33 P r o z. an Einwohnern bedeutet. Gleichzeitig wurde in größtem Umfange von Hamburg aus eine Propaganda für dieses Groß-Hamburg in Zeitungen, Zeit- schriften, Flugblättern, Frühstücken, Besichtigtingen, Rundfahrten usw. inszeniert. Die wätere Denkschrift des Hamburger Senats vom 22. September 1921, an die Zentralstelle für die Neugliederung des Reiches gerichtet, steckt ihre Ziele schon erheblich zurück. Indes auch hier wird noch die Abtretung wirtschaftlich sehr wertvollen preußischen Gebiets als dringend notwendig für die Entwicklung Hamburgs gefordert, und zwar nicht nur Häsengebiet, sondern Ge- biet für Wvhnsiedlungen und Industrie. Es haben dann später unmittelbare Verhandlungen zwischen Preußen und Hamburg stattgefunden, aus die hier im einzelnen einzugehen mich zu weil führen würde, die aber auch zu keinem Ergebnis führten. Nach einer längeren Pause haben sodann Besprechungen zwischen dem Herrn Bürgermeister Petersen und m i r stattgefunden, die dahin führten, daß die Herren Staatsminister Drews aus Berlin und Graf Rödern aus Hamburg beauftragt wurden, ein Gutachten über die Frage zu erstatten. Die beiden Länder sollten sodann dazu Stellung nehmen, ob sich dieses Gutachten als Grundlage für neu« Verhandlungen eigne. Dieses Gukachken ist Anfang vorigen Jahres erstattet worden und kommt zu dem Vorschlage, Preußen solle an Hamburg abtreten: Altenwerden, Finkenwärder, Wilhelmsburg einschließlich Katt- wyk-Hoheschaar und Neuhof, vom Geestrücken die Gemeinden Schiff. bek. Oejendors. Kirch-Steinbek, Boberg, Howigchorst, Sande und die sogenannten Äceichhölzer. Hamburg sollte als Gegenleistung abtretcn Moorburg südlich der Süderelbe»nd eins der Walddörfer, nämlich Groß-Hansdorf. Weiter sollte Hamburg die Landkreise Harburg und Stormarn entschädigen für die ausgefallene Steuer- kraft der abgetretenen Gemeinden, und weiter sollte ein a l l g e- meiner Finanzausgleich im Groß-Haniburg-Gebiet dahin durchgeführt werden, daß der gesamte Stoatsanteil an der Reich?- einkommen- und Umsatzsteuer den beteiligten Gemeinden verblelbe. Soweit der reine Staatsanteil dadurch den Gemeinden zufloß, sollten Hamburg und Preußen zu gleichen Teilen den Schaden tragen. Weiter sollte zur Durchführung der gemeinsamen Aufgaben, insbe- sondere des Nerwaltungsausgleichs. in dem vornehmlich Verkehrs-, Siedlungs- und Hafenfragcn geregelt werden sollten,«in prcußisch-hamburgischer Ausschuß eingesetzt werden. In Uebereinstimmunq mit dem Groß-Hamburg-Aus- s ch u ß des Preußischen Landtoos war die preußische Regieruna der Ausfassung, daß in dem Drews-Rödernschen Gutachten die kerrltorl- alcu Gegenleistungen Hamburgs für die Abtretung preußischen Ge- biets nicht eulfernl genügten, und daß auch die Dorschläge für den Lasteuausglelch mit den preußischen Nachbar gemeinden den berechtigten Ansprüchen dieser nicht Rechnung trugen. Ich habe daher den Hamburger Vertretern gegenüber In der ersten gemein- samen Besprechung, die am 11 Mai v. I in Berlin stattfand, hervor- gehoben, daß eine Abtretuna Wilhelmsbprgs in Preußen dem größten Widerstand begegnen würde, eine Abtretung Finkenwärders und Alten- werders vielleicht weniger strittig wäre. Vorausgesetzt, daß eine Abtretung von Wilhclmsburg überhaupt in Frage käme, seien die dafür im Drews-Rödernschen Gutachten gebotenen Gegenleistungen weder territorial noch finanziell ausreichend. Ein etwaiger Abschluß aui dieser Basis sei im Preußischen Landtag völlig aussichtslos. Mit Auesicht auf Erfolg könne dies« Abtretung nur oerfolgt werden, tvenn Hamburg bereit wäre, sämtlich« hamburgilchen Enkl-'vcn. die in Preußen verstreut liegen, abzutreten, also nicht nur Moorburg und H a n s d o r f, sondern sämtliche Walddörfer und dazu noch Cuxhaven. Auch das Nordufer der Süderelbe müsse bei Preußen bleiben. Wenn dadurch auch territorial das von Hamburg abzutretend« Gebiet größer sei als dos von Preußen abzutretende, so sei doch die Einwohnerzahl, die Preußen verliere, doppelt so groß wie die, die Homburg verlieren würde(56 000 Einwohner gcaen 27 000 Einwohner). Außerdem seien die wirtschaftliche Bedeutung Wilhelms- burgs und die Zukunftsaussichten dieses Gebietes unendlich wert- voller als die der Homburger Enklaven. Es müsse Preußen daher ein voller finanzieller Lastsnousgleich zugunsten der preußischen Außengcmeinden auf Kesten Hamburgs verlangen mit dem Ziel, diese Gemeinden, die mit Hamburg ein einheitliches Wirt- schaftsgcbiet bilden, auch in kommunalwirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht mit Hamburg auf die Dauer gleichzu- stellen. Der Bürgermeister Petersen hat damals sich diesen Wünschen Preußens gegenüber, insbesondere was di« territorialen Gegenforderung Preußens anlangte, entschieden ablehnend geäußert. Auch (Fortsetzung siehe 2. Seite.) Hlut fließt in lthina. Tschangtsolin läs;t hinrichten. London. 23. Februar,(wlv.)»Dolly Mail' meldet au» Charbin: Der chinesische Vizepräsident der chinesischen Oslbahn. General Fang T s ch o. wurde unler der Anschuldigung. G e l o vonMoskau empfangen und eine Revolution in Eharbin geplant zu haben, von einem Kriegsgericht zum Tode verurkellt und erschossen, nachdem Tschangtsolin da» Urteil telegraphisch be- släligl hatte. Weihruffe» bei Tschnngtsoliu. London, 23. Februar.(EP.) Nach Meldungen der»Daily News' ist es zu heftigen Kämpfen in der Provinz Honan gekommen. 6000 We ißrussen, die die Avantgarde der Nordormee bilden, hoben die Truppen W u p e i s u» angegriffen. Letztere sollen eine starke Niederlage erlitten Hadem Die Zahl der Gefangenen wird auf 3000 angegebem(Gemeint sind hier natürlich russische.Weiße', d. h. Antisowjetruppem Red. d� ,33.*.) Britische Trohnote an Sowjetrustland? London. 23. Februar.(Eigener Drahtberlcht.) Die englische Note an Sowjetrußland soll nach übereinstimmenden Meldungen der Moroenblätter schärfer sein, als bicher angenommen wurde und den Charakter eines Ultimatums tragen. Enqlisch-französische Be'prcchung. pari», 23. Februar.(Eigener Drahtbencht.) Außenminister Briand empfing gestern den englischen Botschafter zu einer Aus- spräche über das Vorrücken der Kantontruppen auf Schanghai. Die 33csetzung dieser Stadt durch die Kantontruppen würde, so sagt die Presse, ganz neue Probleme aufwerfcn, die außervrdenllich sorg- sättig und möglichst gemeinsam mit dem Londoner Kabinett geprüft werden müstem Bisher waren den französischen Konsuln in China Instruktionen nicht zugegangen außer derjenigen, sich völlig neutral zu verholtem Briand hat auch gestern vor der Au»- wärtigen Senatskommission betont, daß Frankreich vorläufig In dieser Haltung fortfahren werde, sie aber ausgeben müßte, wenn irgendwie französischer Besitz oder französische Staatsangehörige angegriffen werden sollten. Die Tatsache, daß die französische Konzession in Schanghai gestern bombardiert worden ist, scheint eine neue Lag« geschaffen zu Hadem Regierungswechsel in Peking. London. 23. Februar.(WTB.) Der Pekinger Korrespoirdent der »Daily News' will wisteu, daß Dr. Wellington K u(englische Schreibweise Koo. Red. d.„33.') seinen Posten als Premier- und Finanzminister endgültig niedergelegt habe und daß sein Rücktritt angenommen worden sei. Liang-Schi II sei von der mandschurischen Partei zum Premierminister ernannt worden. Schangstnier Polizeiftntion angegriffen. London, 23. Februar.(WTB.) Dem Sonderberichterstatter der „Chicago Tribüne' in Schanghai znfclge soll gleichzeitig mit dem ?lngriff des chinesischen Kanonenbootes ein mit Pistolen bewaffneter Haufe von 600 Chinesen die Polizeistalton in der Eingeborenenstadt angegriffen Hadem Vier Polizisten sollen getötet und mehrere schwer verwundet worden sein, bevor der Angriff abgeschlagen war. Suntschuanfang zurückgetreten. London, 23. Februar.(WTB) Der Sonderberichterstatter der „Times' in Nanking meldet: Es oerlautet, daß Suntfchuan- fang sein Amt niedergelegt und den Befehl über den R e st seiner Streitkräfte in die Hände des Generals Linksiangting gelegt habe. Die Schaittungstreitkräste haben den Vormarsch nach Südkiangsu begonnen, es ist jedoch noch nicht bekannt, ob auf Grund einer Vereinbarung mit den Aanton«s«n, oder um ihnen Widerst rn'' zu leisten. hat« den Lasten ausgletch in dem von Preußen gesotdetten Umfang« abgelehnt. Di« Berhandlungen fiud dann abgeschlossen mit folgender von mir ge.toffenet Feststellung: .�ln bezug auf den Gebielsauslousch und den Finanzausgleich seien beide Teile materiell so weit auseinander, daß eine Der- jiändigung zurzeit nicht möglich sei. Velde Teile seien bereit, sich von Regierung zu Regierung nachbarlich über ihre Zllaßnahmen und über ein gemeinsames Vorgehen aus dem Gebiele des Hafenbaues, des Eeneralsiedlungspiaues und des Verkehrs- wesens zu verständigen." Wenn.Herr Bürgermeister Petersen in seiner Rede di« Frage cufwirft:„Wie denkt man sich nun in Preußen di« weitere BeHand- lung der Ange'egenhei!?" sn möge er die Einbringung dieser Bor- lagen und die baldige Verabschiedung durch den Landlag als vorerst ausreichende Antwort auf seine Frage ansehen. Auf weitere sachliche Einzelheiten in den Reden werden die .Herren Ressortminister, wenn sie es lür erforderlich halten, noch eingehen. Nur einzelne Behauptungen des Herrn Bürgermeisters möchte ich nicht ganz unwidersprochen lassen. Wenn es um den Lastenausgleich so stände, wie Herr Petersen glaubt an Hand der von ihin ins Feld' geführten Zahlen beweisen zu können, dann würde ja sür Hamburg keine Beran- lassung bestehen, sich so xegen den von Preußen geforderten vollen Lastenaus-''e!ch zu wehren, dmrn würde ja die Summe, die ham- bürg an die preußischen Gemeinden zu zahlen hätte, überaus gering sein. Aber die Dinge liegen zweifellos anders, als sie nach den zahlenmäßigen Argumenten des Herrn Bürgermeisters scheinen. Die gegenseitig zu überweisenden Lohmsteuersummen scheinen mir den einzig beweiskräftigen Anhalt zu geben für die .fahl der hüben und drüben beschäftigten Arbeiter und Angestellten. Daraus ergibt sich aber, daß das Verhältnis der wechselseilig beschästiglen Arbeiter nicht wie 3; 4,. wie Herr Petersen behauptet, sondern zwischen Prcu- ßen und Hainburg wie 9: 3 ist: und daß sich daraus für die preu- ßischen Wohngemeinden eine erhebliche Belastung ergibt, braucht im einzelnen für jede«, der derartige kommunalwirtschaftliche Ver- Hältnisse zwischen Betriebs- und Wohngemeinde kennt, kaum weiter bewiesen zu werden. Wenn aber gar behauptet wird, daß die Ueberweisung der in Hamburg erhobenen und nach dem Gesetz an die preußischen Wohn- ortgemeinde abzuführende Lohnsteuer eine Leistung Hamburgs an Preußen darstellt, so würde ich, wenn diese Behauptung von einem politischen Laien aufgestellt würde, sie als reichlich naiv bezeichnen müssen. Dies« Bezeichnung aus die Ausführungen des Hamburger Staatschefs anzuwenden, verbietet mir indes die Höflichkeit. Immerhin darf man wohl die Frage aufwerfen, ob über das, was von Hamburger Betrieben an in Preußen wohnhafte Arbeiter und Angestellt? an Lohn und Gehalt gezahlt wird, als Er- gebnis der Arbeiteleistung nicht noch«Iniger Mehrwert in h a m b u r g'z u r ü ck b l e i b t, der dann in der größten Steuer. traft, auf die sich Hamburg so viel zugute tut, zum Ausdruck kommt. Wenn man sich das vor Augen hält, erscheint auch die Be- hauptung des Herrn Bürgermeisters, daß der ganz« Unter- elbebezirk von Hamburg lebe, in einem besonderen Lichte. Die deutsche Volkswirtschaf! Ist zu über drei Fünftel preußisch« Volkswlrtschafk, da in Preußen die größten landwirtschaftlichen und industriellen Bezirke wie Rohstofsgebiete liegen. Es erscheint doch etwas ham- burgische Großmannssucht, wenn es dort so dargestellt wird, als wenn Hamburg dadurch, daß es von den in Preußen pro- duzierten und zum Export gelangenden Waren und von den in Preußen zur Lerarbeitung gelangenden importierten Rohprodukten den Schiffahris- und Handelsgewinn einheimst, der Hauptförderer der Bolkswirtschaft sei, daß ohne Hamburg die deutsche Wirtschaft nicht bestehen könnte. Alle Achtung vor dem koufmännischen Geist der Hamburger, ober die deutsche Volkswirtschaft würde schließlich auch nicht untergehen, wenn diese Handels- und Schiffahrtsgewinne den bremischen und preußischen Hafen mehr wie bisher zuflössen. Jedenfalls ist Hamburg bisher bei seiner angeblichen Auf- opferung für die deutsch« Volkswirtschaft noch sehr gut gefahren. Doch genug darüber. Was mir bei der in Hamburg Platz ge- griffenen Erregung besonders unbegreiflich erscheint, ist der Um- stand, daß die Maßnahmen, die Preußen letzt zur Regelung der kommunalwirlschasttichen Verhältnisse in seinem llnlerelbegcbiel Le/sing-Theater. »Der Patriot" von Alfred Neumann. Alfred Neumann loll blühen und gedeihen! Er blühe, weil er mstinktmäßig eine regelrechte, spannende Theaterintrige einfädelt. Man weiß bei ihm soso-t, um was es sich dreht, und die Neugier gerät schnell in die politisch« Kriminalgejchichee hinein. Ein irr- sinniger Russenza? soll von seinem Regierungschef beseitigt werden, damit der liberalere Sohn die Zum e erhält. Jntrigergpinner ist der Kricgsgouverneur und Vertrauensmann des verrückten Zaren Paul, der ein Sohn der großen und männertollen Katharina war. Der Kriege gouverneur hat eine Mätresse, deren Ehemann er einstmals, genau wie der selige König David, den Heldentod sterben ließ. Darum vergöttert Anuschka Oslermann ihren Gouverneur auch dann noch, als er sie an den Zaren verkauft, um das gekrönte Monstrum rcoch mehr auf den Hund zu bringen. Intrige um den Thron, In- trige um das herz. Zum Schluß die Pistolenkugel, die auf das herz des Gouverneurs gezielt wird, nachdem nron den Zaren schon erwürgt hat. Es dämmert. Die schweren russischen Kirchengeläute verkünden den Tag. Der Gouverneur hat den Kaiser ermordet. Der Gouverneur fordert seinen eigenen Tod, da er sich nicht nur als Monarchenmörder, sondern als Patrioten fühlen will. Das behauptet der Dichter, der energistlze, die Theaterspannung kräftig anziehende Dramatiker, der alle Verwicklungen tlar und altklug anlegt. Nur wenn am Ende die seelische Begründung und Auslösung des Psychologischen kommen soll, also das im edleren Sinne Dramatische, dann geht dem Dichter die poetische Logik aus. hörbar bleibt nur das Eedröhne und überschwängliche Gestöhn« Spürbar bleibt nur noch ein Sturm und Drang, der zu der selben manifestierten Alitlugheit und durchaus glücklich inspirierten Kulissen- schlauheit nicht ordentlich paßt. In dem Schlüsse, der psychologisch in die Brüche ging, also in dem, was nickt gelang, zeigt sich jedoch das Talent de» Dichters am günstigsten, hier muß die Verheißung gesucht werden. Der Lyriker Alfred Neumann besitzt keine Musik. Der Prosaschriftsteller und Erzähler fiel schon durch einen irnpo- nietenden Pomp der Worte aus. Der Dramatiker ist jung, Gott sei Donk. Der Dramatiker steht aber am Kreuzweg. Er muß sich entscheiden, ob der Kleistpreis, den Ihm der Frankfurter Kunstrichter Äerthold Diebold zuerkamrte, zum Bühnenradau oder zum ver- keinerten Theater ermuntert. Der Regisseur Karlheinz Martin treibt zum Bühnenradau. Sein Bühnenbildner Kaspar N e h e r unterstützt diese Neigung, in- ckem er sehr repräsentativ«, im Lickt schwimmende Zarengemächer und Galerien aufbaut. Die Schauspieler Paul W e g e n« r und Fritz K o r t n e r, zwei herrliche Gegner im Kampfe zwischen Irr- sinn und Ka! blütigkeit, sckieben sich methodisch, behutsam, bestien- gleich, teuflisch inspiriert und zyklopisch grausam gegeneinander. Das Dirtuoserttum wird gemeistert und trotzdem gedämpft. Die versagenden Worte des Dichters werden so mächtig ans dem Innern des Schaufviriers herausgeholt, daß sie goldecht und menschlich klingen. Die Mätresse, die Franziska K i n z spielt, ist auch eine vom Dickter überchargierte Dame der weiblichen Komnliziertheit. Frau Kinz ist aber von Natur nicht kompliziert und sie ist anderer- seits nicht Komödiantin genug, um ihre Nntur wesenstich zu ver- wandeln. Den Zarewitsch des irrsinnigen Zaren spielt ohne allzu In die Wege geleitet hat, diese Erregung ausgelöst haben. Man hat von einer Kampsansage Preußens, von der Absicht, Hamburg zu erdrosseln und was dergleichen starke Ausdrücke mehr sind, ge- sprachen. Und auch Herr Bürgermeister Petersen erklärt in seiner Rede, nur wenn diese Ding« in den preußischen Gemeinden in Fluß bleiben, könme sich eine befriedigende Lösung des Unterelbe- Problems finden lassen. Diese Auffassung, wie überhaupt die ganze Erregung in ham- bürg, ist nur verständlich, wenn Hamburg daraus gerechnet hat, aus der Notlage der preußischen umliegenden Gemeinden für sich Kapual zu schlagen Die Hamburger können aber nicht von uns verlangen, daß wir die preußischen Randgememden an der Unlereibe in ihrer kommunaiwirischasllichen Rollage belassen und sie dadurch sür hamburgische Expansionspläne empfänglich erhallen. Wir gehen nicht darauf aus, Preußen auf Kosten Hamburgs zu vergrößern oder gar ganz Hamburg aufzusaugen. Wir sind aber auch nicht bereit, ohne gleichwertige Gegenleistung preußisches Gebiet an Hamburg abzutreten, das letzten Endes, offen ausgesprochen, nur dazu dient, den hamburgischen sladlstaaliichen Parlikularlsmus zu befriedigen und zu stärken. Wenn ein Hamburger Blatt sckreibt, die Rede Netersens babe die Tür für neue Verhandlungen aufgezeigt, sie zu öffnen, sei Sache Preußens, so kann ich demgegenüber nur erklären, Preußen wird wenig Neigung haben, die Türe zu öffnen, nachdem vor der Türe von Hamburg ein derartiger Spektakel gemacht worden ist. Wir haben, nachdem die bisherigen Verhandlungen infolge Mangels an Enlgegentommen seitens Hamburgs gescheitert sind, die Regelung des Groh-hamburg-Pcoblems, soweit es preußische Gebiete belrisst. selbst in die Hand genommen. Die dem Hause vor- liegenden Gesetzentwürfe sind der erste bedeutungsvolle Schritt auf diesem Wege. Ich bitte daher das hohe Haus, sie mit aller Beschleuni- gu n g z u verabschieden, damit„ein großes deutsches Boltslnteresse mit opferwilliger Tatkraft", wie der Herr Bürgermeister von Hamburg am Schlüsse seiner Rede so schön ausführte, einen erheblichen Schritt gefördert wird. * Nach dem Minister Präsidenten ergriff der Minister des Innern Grzesinski das Wort zur Begründung der Vorlage im einzelnen. Jall Keuöell vor Gericht. v. Trescfow klagt gegen die„Teuksche Zeitung". Der Rittergutsbesitzer von Tresckow hat den Chef- redakteur der„Deutschen Zeitung", von Soden st er n, wegen Beleidigung verklagt. Die„Deutsche Zeitung" hat Herrn von Tresckow beschuldigt, einen„groben Ver- trauensbruch" begangen zu haben, weil er der Leitung des Jungdeutschen Ordens Mitteilung über die geheimen Rüstungspläne im Kreise Königsberg Nm. gemacht hat. Dieser„grobe Vertrauensbruch" war der Anlaß zum Boykott gegen von Tresckow, an dem Herr v. Keu- d e l l beteiligt war. Diese Beleidigungsklage richtet sich gegen einen Zei- tungsredakteur. Der Vorwurf des„groben Ver- trauensbruch s" gegen von Tresckow ist zugleich vom Reichskanzler Dr. Marx unter dem Schutz der Immunität erhoben worden, ohne daß er Herrn von Tresckow gehört hätte. Der Prozeß wird also in Wahrheit ein Prozeß gegen den Reichskanzler sein. Die Deutschenverfolgungen in(Dberschlesien. Strafverfolgungsantrag gegen den Abgeordneten Ulitz. kallowih, 23. Februar.(WTB.) Beim schlesischen Sejm wurde neuerdings ein Auslieferungsantrag gegen den deutschen Abgeordneten Ulitz, Geschäftsführer des Dolksbundes, gestellt. Der Antrag wird damit begründet, daß der Sejmabgeordnete Ulitz militärpflichtigen Personen zur Flucht nach Deutschland verholfen haben soll. ausschweifende Don- Carlos- Rhetorik Walter R i l l a. Der ganze ZarenhofstaM und Schranzenapparat funktionierte theatralisch dekorativ. So kam die Lust zum Beisallsgeiöse auf. dessen der Dichter sich freuen dürfte. Max Hochdorf. Otto Zaber öu Zaur. Ausstellung in der Nationalgalerie. Der Maler Otto von Faber du Faur, dem die Natioual- galerie in den Rundgängen des obersten Geschosses eine posthume Ausstellung, fast zu Ehren seines 199. Geburtstages, bereitet, gehört zu den fast vergessenen Meistern einer an Maitalenten überreichen Zeit. lo28 in Ludwigsburg(Württemberg) geboren, 1991 in München gestorben, war er zunächst, wie Fritz von Uhde, Kavallerie- offizier, der seit zwei Jahrzehnte zwischen diesem Beruf und der an- geborenen Neigung zur Kunst schwankte, bis er 1867 den Abschied nahm und sich gänzlich der Malerei widmete. Di« Ausstellung, die Justi und sein Assistent Thormählen mit feinstem Verständnis vor- bereitet, beweistt, mit welchem Unrecht man diesen kühnen Maler- offizier Zeit seines Lebens und noch ein Vierteljahrhundert nach seinem Tode vernachlässigt hat. Die Iahrhundertausstellung 1996 geht beinahe ganz an ihm vorbei, Meier-Graefe kennt ihn nicht, und Karl Schefsler speist ihn m seinem eben erschienenen Kompendium der europäischen Malerei mit vier Zeilen ab als einen»in den Spuren Schleyers Wandelnden". Und nun sehe man sich diese 159 Gemälde, Skizzen und Aquarelle in der Nationalgalerie an und urteile, ob dies ein Maler ist, der in den Kometenschweis eines bloß methodischen Pscrdemalers wie Schreyer gehörti Nein: er ist nicht nur unvergleichlich lebendiger, freier, vielseitiger als Schreyer, mit dem er eigentlich nur eins seiner wesentlichen Themata gemeinsam hat: das Pferd— er gehört überhaupt zu den deutschen Malern der Leiblzeit, die das überwiegend« Vorbild der Franzosen durch- nus studiert und dann in selbständige Eigenform übergeführt haben. Seine Liebe galt vor allem Delacroix, Gericault, Decamp, man spürt dazu eine innige Vertrautheit mit dem frühen Marees(der Reiter malte gleich ihn) und eine Zeitlang mit Sperl und Leibl selbst. Weicher Künstler wäre nicht in die große Entwicklung seiner Zeit verflochten gewesen! Aber Faber du Faur schafft sich so schnell und so gründlich sein« eigene Handschrift und sein eigenes Dar- siellungsreich, daß er inmitten des Lenbachschen München völlig isoliert dasteht und bis an seinen Tod vergebens nach Anerkennung ringt. Sein Lehrer Piioty verleugnet ihn angesichts feiner Bilder! Wir begreifen das heute kaum mehr. Uns scheint Faber einer der stärksten und liebenewertesten Repräsentanten der Zeit zwischen 1879 und 1999. Seine Motive gehören der Epoche an: Reiter, Gefechte. Orientbuntheit,.die heiligen drei Könige, Napoleon vor seinen Truppen; es sind beinahe Historienbilder aus der PIloiy- Schule: daß sie es nur»beinah«" sind, zceht allerdings den ent- scheidenden Trennungsstrich zwischen ihm und der offiziellen Münchner Kunst um die Kaulbach und Desregger. Deutlich wird der Unterschied angesichts seiner Form. Die ist so rein von malerisch- farbigem Instinkt eingegeben, die überwuchert so ganz jene In- halte, daß sie uns heute zur höchsten Luft und Augenweide gereicht, damals aber wohl als ketzerisch und ungeuügend abgelehnt werden Reichswehr und Rußland. Vertrauliche Verhandlungen im Auswärtigen AuSschnst. Im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags gab heute vormittag in vertraulicher Sitzung Reichswehr- mini st er Dr. Geßler über die Beziehungen der Reichswehr zu Sowjetrußland eine Erklärung ab, die abzugeben er bekanntlich sich in der öffentlichen Sitzung des Haushaltsausschusses geweigert hatte. In der sich anschließenden Diskussion sprachen für die Sozialdemokraten Hermann Müller und h i l f e r- ding, für die Kommunisten S t ö ck e r und Rj) s e n b e r g. Für die Regierung sprach noch der Staatssekretär im Reichs- amt des Auswärtigen v. Schubert. Außerdem nahmen nur noch Abg. Dr. W i r t h und der völkische Graf R e o e n t- l o w an der Debatte teil. Die Regierungsparteien beschränk- ten sich auf die Rolle aufmerksamer Zuhörer. Zu Beginn war ein völkischer Antrag auf Herstellung der Oeffentlichkeit abgelehnt worden. Für ihn hatten, außer dem Antragsteller, nur die Kommunisten gestimmt, offenbar von der Hoffnung geleitet, daß Herr Geßler getreu seiner Ankündigung im Haushaltsausschuß überhaupt nichts sagen werde, falls die Oeffentlichkeit hergestellt würde. Münchener Einwohnerwehr und Zeme. Ans dem Aeme-UntersuchungSausschuß des Reichstags. Der Feme-Unterfuchungsausschuh des Reichstag» setzte heute, Mittwoch, die Beratung der zum Komplex„M ünchener Ein- wohnerwehr" vorliegenden Anträge fort.(Antrag des Reteren- ten Dr. Levi(Soz.) mit dem Zusatzantrag der Kommunisten Creutz- burg-Münzenberg, des Korreferenten Dr. Schäffer-Breslou(Dnoth, de» Vermittlungsantrages Schulte-Breslau(Z.), Kempkes(D. Bp.) und Genossen, Antrag Troßmann(B. Vp.). Borher machte der Vorsitzende Mitteilung davon, daß gegen Ernst B e r g e r wegen Begünstigung der Flucht Zwen- g a u e r s vom Ersten Staatsanwalt in München Hastbefehl erlassen ist. Borsitzender Dr. Schekker(Z.) als Mitverfasser des Dermitklungs- antrages Schulte verteidigt die Fassung dieses Antrages gegenüber der Kritik des Mitberichterstatters in der vorigen Sitzung. Der Antrag halte die mittlere Linie, indem er gewisse formale Fehler und Verstöße der bayerschen Behörden feststellte, ohne ober deshalb den Vorwurf der Pflichtwidrigkeit zu erheben. Herr Dr. Schässer sei zu Feststellungen gekommen, die der Ausgabe des Ausfchuises nicht entsprächen. Die Ausgabe des Zlusschusses sei eine politische; aus seinen Feststellungen müßten eventuell die Behörden Folge- rungen ziehen. Fehlurteile seien in Mengen vor- gekommen, daher sollte sich auch der Deutschnationale als Richter nicht scheuen, da» a u sz u j p r e ch c n. Redner wendet sich gegen die Thesen des Antrages Levi, wonach die Einwohnerwehr eine Feme- organifotion gewesen sein. Neueste Absagen an Eoolidge. Italien und Argentinien.— Eine Dreimächtekonvention? Mussolinis Antwort auf den Abrirstungsvarschlag Coolidges ist überreicht worden. Sie ist ein« unzweideutige Ablehnung, gestützt auf Argumente der geagraphischen Lage Italiens und mit einer unverblümten Anspielung auf di« maritime Stärke Frankreichs und Englands im Mittclmeer. Auch Argentinien hat den Vorschlag Coolidges unter Bezugnahme auf die Genfer Abrüstungskonferenz abgelehnt. Dagegen hat Japan eine lebhast zustimmende Antwort dem Weißen Hause zugehen lassen. Man spricht jetzt von einer Konferenz zu d r i t.t zwischen Amerika, England und Japan, d. h. zwischen den drei hauptsächlichen Seemächten im Stillen Ozean. Die Konferenz würde zu einer Fiottenkonoen- t i o n zwischen diesen drei Staaten führen, die sich die Seeherrschast im Stillen Ozean sichern würden, ohne sich durch Flottenrüstungcn gegenseitig übertrumpfen zu müssen. Es gewinnt fast den Anschein, als wäre das das eigenttiche Ziel gewesen, das Cool'dge mit seiner Zirkularnote von vornherein verfolgt hätte und als würden ihm die ablehnenden Antwarten Frankreichs und Italiens weder überraschend noch unerwünscht fem. mußte. Und doch steckt eine so solide Zeichenkunst dahinter; jede Figur kann man auf ihre Richtigkeit nachprüfen: es Ist keine Spur von Nachlässigkeit oder gar»Nichtkönnen" im akademischen Sinne dabei. Nur versteckt sich das Können hinter dem Elan der Malerei, es wird nicht mit langweiliger Modellierung zur Schau gestellt, und die Furie eines tresfsicheren Pinsels läßt alle Zeichnungen in einem wunderbaren Netz farbiger Tupfen und Flächen ertrinken. Das war es, was man Faber nicht verzieh, und was heute seine glänzende Rechtfertigung, 26 Jahre nach seinem Tode, darstellt und uns als ein Geschenk entzückt, das spontan und kostbar ans dem Nichts emporsteigt._ Dr. Paul F. Schmidt. Senk Rl'ahesa. Die Dimcan suchte vor einem Viertels ahrhunderi die Tanzkunst zu sanieren, indem sie beim antiken Hellas eine Zwangsanleihe machte. Ruth St. Denis tiMernahm etnen ähnlicken Versuch durch indische, Sem M'ahesa durch ägyptische Bluttranssusio- nen. Eine neue Kunst kam bei keiner von den dreien zustande. Die Entwicklung ging andere Wege und führt« in kurzer Zeit zu einer Blütepcriove des deutschen Tanzes. Jetzt sahen wir, nach mehr- jähriger Pause, die M'ahesa wieder, die in der„Komödie" eine Matinee veranstaltete. Sahen st« mit geschärften vagen und erkannten ihr Wesen klarer. Sie steht al» Tänzerin turmhoch über der Dnncan. Aber was sie gibt, ist auch nur Kunst au» zwester Hand. Kunst, die in fremd« Formen gegossen ward. Und zwar nicht in tänzerische, sondern in plastische ooer zeichnerisch« Formen. Wie die alten Aegypler getanzt haben, wissen wir nicht. Aber»ir kennen den Etil altägyptischer Reliefs und Wandgemälde. Diesen stickst die M'ahesa zu kapieren. Berbindri Gesten und Attitüden, dt? sie auf Bildern sah. durch rhythmische Bewegungsreihen, mischt ein bißch«« modern orientalisch« Tanzstimmuna hinein und gestaltet, klug berech- nend, sehr geschmackvolle, rein delorat'oe Kleinkunstwerke, di« nur selten zu seelischer Ausdruckskraft sich steigern. Ihre persönlich« Note besteht in eigenartigen, ruckweif» scharf abgesetzten Schwüngen und Drehungen. Viel Profilstellung. Abhängigkeit von der Musik, die durchaus führend w'rkt. Eindrrcksvolle Details, zum Brisoiel in„Schcherazade" ein kräftiges Aufschwingen auf den Fußspitzen mit hochgehobenen Armen, im ersten Tanz an».Aidci" eine große, ausladende, sehr suggestiv wirkende Gest«. Völlige Entgle suug tritt ein, sobald da« orientalische Milieu verlassen wird, z. B. in der auf- geregten Pantomime einer.Vision". G:sairtendruck: Bonsebme. geistreiche, tullioierte, unterhaltend« Barietee-Kunst. I. S. 0>« Zkaatllche ku, ftblbNothek veranNaktet vom?S stekiniar ii« 1?, März im Llchtdof doS edkmnliucn K u n lt-t c w c i b e m ,i I c ii m t, Pcinj« Albrcchl-Ztiage 7. euie tliisbellung mittelalterlicher deutscser P I a!> i k in pboiogropbiichcn tln nalunen au? Ibren neu«riuoibenen?e- iiänbcn. Tie AuSilellunn ist iäglich(auxer Moni«,») ooti 9—8 Udr bel freiem Eintritt geöffnet Zm te swgmuleum findet am S4., S Ubr, eine Pestalozzi. �eter statt. IolianneS Tewk bäii den L uiiag, flieiiriid Nube njWeri?!el>er von Nägeli werden gefunqen von strl. Goldfqmldt und Atami, Herrn Veenmg und dem Laulenchor von Ellah Graf. Cirefiot Bernhard Wetb* spricht im Hörsaal de« Kunstnelverbemuielnn«, Prlnz-Aibreckt-Ztraiie. am 2t. ßebrunr und 3. März übe, daS Thema: »Was mutz ich vom KiwMalt und seiner Herstellung wisse«?- Die hochsthule üer Zukunft. Eine Kundgebung für Hochschulreform. Die seit langem zur Lösung drängende Frage einer Umgestal- tung unserer Unioersiläten wurde in der Ortsgruppe Berlin des Bundes entschiedener Schulreformer erörtert. Prof. Dr. Heinrich Waenkig-Halle gab einen llsberblick über die Entwicklung der deutschen Hochschule, die im wesentlichen als Schöpfung landesfürstlicher Regierungen entstand, wirtschaftlich von ihnen abhängig war und bald auch in geistige Abhängigkeit xeriet. Daß ein Staat nicht Anstalten schaft und unterhält, damit sie gegen ihn arbeiten, ist begreiflich. Die Universitäten wurden weniger zu Stätten freier Forschung als zu Bildungsanstal.en mit der praktischen Aufgabe, dem Staat die notwendigen Funktionäre zu lieferw Wenn daraus die Forderung folgt, daß an den Uni. verfitätsn ein staatsverfasfungsmäbiger Geist Herr. fchen soll, so mutz es Verwunderung erregen, daß in unserer re pu. b l i k a n i s ch e n Zeit diese Forderung nicht mehr zu gelten scheint. Professor Waentig betonte die Notwendigkeit, nach demokratischem Grundsatz, den Besuch der hauptsächlich zu Lehranstalten gewor. denen Unioersttöten dem Nachwuchs weiter Kreise des Volkes zu er. möglichen.(Lebhafter Beisall.) Dann sprach Pros. Dr. Theodor Lessing- Hannover über die akademische Freiheit und die deutsche Jugend. Er erinnert« daran, daß in diesen Tagen mit der ganzen Kulturwelt die Universitäten den vm 2S0 Jahren gestorbenen einsamen Denker Spinoza als den Ihren feiern, ihn, der bei Lebzeiten sich weigerte, für akademische Würden seine GeistessreiHeit hinzugeben. Prof. Lessing stellte die Freiheit des Geistes— die einzige Freiheit, die es gibt— gegenüber jener anderen.Freiheit", der.akademischen Freiheit", die der Brotstudent und leider auch ein protzer Teil der Professoren im Munde führt. Er selber habe ie in Hannover buchstäblich.am eigenen Leibe kennen gelernt", chattete er in bitterem Spott ein. Diese besondere.Freiheit" gibt »er deutschen akademischen Welt noch heute das Gepräge einer von dem Voltsganzen sich absondernden Kaste, die trotzdem so gern betont, daß gerade sie die Vertretung der deutschen Nation sei. Diejenige akademisch« Jugend, die heute noch gegen Volksmasse und Staatsrecht ein« besondere Freiheit beansprucht, hat ein ganzes Jahrhundert verschlafen.(Zustimmung.) Was sie für Bildung hält, ist werter nichts als äutzerer Schliff. Wir rufen diese Jugend auf, sich frei zu machen von der Phrase, von der sie beherrscht ist. Wir wenden uns gegen eine auf der höheren Schule betriebene überlieferte Erziehung, die zur Form ohne Seele geworden ist. Wir, die«cr Lehrer der Jugend sind, wollen an einer Erneuerung der Jugend arbeiten und Kämpfer sein.(Lang- anhaltender Beifall.) Ein Vortrag des Volkshochschuldireitors Dr. Honigshelm-Köln mutzte wegen Erkrankung Honigsheims ausfallen. Für ihn sprang der Versammlungsleiter Pros. Paul Ocstreich. Berlin ein. Er stellte die Forderung auf, daß die Hoch schul« der Zu- k u n f t nicht mehr ein Tummelplatz für Vrolstudenten sein darf. Ihnen könne man in Fachbildungsanstalten die Vorbereitung auf ihren Beruf geben, die Hochschule aber müsse den seelisch Ge- weckten vorbehalten bleiben. Nach kurzer Aussprach« betonte Prof. Lessing In seinem Schluß- wort, daß er nicht Auflösung, sondern Umgestaltung der Universi- täten will. Die Polizei hatte wohl befürchtet, daß.nationale" Studenten, auf ihre„akademische Freiheit" pochend, gegen Prof. Lesstng lärmen würden. Ihre ungebeten erschienenen Beamten konnten, den Wunsch der Versammkimgsleituno erfüllend, bald wieder nach Hause gehen. Die Versammlung blieb won Störungen verschont. Deutschnatkonale Sozkalpolktit. Ei« Paradies fiir junkerliche Regierungsstütze». Die deutfchnationale Reichstagsfrattion hat sich den Eintritt in das Kabinett Marx durch die Unter- Zeichnung des Zentrumsprogramms erkauft. In diesem Pro- gramm ist auch von Sozialpolitik die Rede, und die Deutschnationalen haben nicht verabsäumt, zu versichern, daß auch sie arbeiterfreundlich, daß auch sie für Sozialpolitik zu haben seien. Allerdings für eine„wohlverstandene" Sozialpolitik. Wie diese„wohlverstandene" Sozialpolitik aussieht, geht aus einer Entschließung hervor, die eine in Liegnitz tagende Unterbezirkskonferenz der SPD. an die Fraktionen des Reichstags und Landtags gerichtet hat. In der Entschließung heißt es: „In der sch le si f ch e n Landwirtschaft ist zurzeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein taris loser Zu- stand. Der Graf von Rittberg unterbreitete seinem Per- sonal einen neuen Arbeitsvertrag zur Unterzeichnung. Nach diesem neuen Vertrag sollten die Arbelterinnen und Arbeiter anerkennen, daß sie wenigerLohnundDeputatzu beanspruchen hätten. Ein Teil der Arbeiter weigerte sich, diese Kürzung ihrer an sich niedrigen Löhne anzuerkennen. Daraufhin wurden am 23. März lSZö sceben Familien entlassen. Durch Gerichtsurteil wurden die Familien aus ihren Wohnungen gedrängt. Es wurde ihnen eine notdürftige Unterkunft gewährt. Wie diese Unterkunft aussieht, soll an einem Falle beleuchtet werden: Der Arbeiter S. bewohnt mit seiner Familie ein Zimmer. In dem- selben ist es ihm nur möglich, zwei Betten aufzustellen. In diesen zwei Bellen schlafen die Eltern und vier Kinder. Die Frau ist nach ärzilichew Urteil seit zwei Iahren lungenkrank. Am 1. April und 1. Oktober 1926 und 1. Januar 1927 sind weitere dreizehn Familien entlassen worden, weil auch sie sich weigerten, ihren Lohn kürzen zu lassen. Auch gegen diese dreizehn Familien hat der Graf Rittberg die RSumungs» klage anhängig gemacht. Graf Rittberg motiviert seine Haltung damit, daß er erklärt, er sei nicht in der Lage, den alten Lohn weiterzahlen zu können. Daß dies nur ein Vorwand ist, um gewerkschaftlich oder politisch organisierte Leute zu entlassen, wird dadurch bewiesen, daß diejenigen Arbeiter und Arbeiterinnen, welche den neuen Arbeitsvertrag unterzeichneten, nicht nur den alten Lohn weiterbekamen, sondern sogar für ihre UnterwürfigBeit ein höheres Deputat erhiesten. Die Krone setzte der Graf seinen Handlungen gegenüber den Entlassenen mit folgendem auf: In A l t e n l o h m besteht eine öffentliche Milchver» k a u f s st e l l e. Diese Stelle wird durch das Dominium des Grafen Rittbcrg mit Milch versorgt. Gras Rlllberg Hot der Milässlelle nun- mehr verbalen, den Arbeitern die für ihre Kinder erforderliche Milch zu verkaufen. Die Entlassenen wandten sich daraufhin an den Land- rat des Kreises. Dieser hat mit der Hilfe des Vaterländischen Frauen- Vereins erreicht, daß die Arbeiter wieder für ihre Kinder Milch zu taufen bekamen. Doch der Graf konnte seinen Hätz gegen die Eni- lassencn nicht bändigen. Bach drei Tagen ließ er durch seinen In- speltor Geister der Milchskelle wiederum den Besch! zugehen, den enllasf.neu Arbeitern keine Milch abzugeben. Di« Milchflelle fügte sich dem. Die Arbeiter sind nunmehr gezwungen, wenn sie ihren Kindern das unentbehrliche Nahrungsmittel verschaffen wollen. morgen» nach den umliegenden Orischasten zu wandern, um dort Milch für ihre Kinder zu erlangen. Ja, dieser samose Gras Billberg Hai den Kutschern seines vomlnlums sogar verboten, für die Kinder der Enllassrnen Milch aus den nächstliegenden Orten mitzubringen!" Ein Einzelfall? Ach nein, die Praxis hat oft genug be- tvicfen, daß die Deutschnationalen überall genau so oder ähn» lich vorgehen, wo sie der H e r r i m H a u s e zu sein glauben. Ihr Bestreben ist lediglich darauf gerichtet, die„Hcrr-im- Hauss"-Position auf allen Gebieten zurückzuerobern. Ihr Ideal ist der Zustand des Dreiklassenwahlrechts im alten könig- lichen Preußen. Aber was sagen die Mitglieder des Zentrumszu der- artigen Porfällen? Das Kabinett trögt den Namen des Zsntrumsführers. Das Zentrum lbird damit die Haupt- Verantwortung für den Geist tragen, der in diesem Kabinett herrscht. So selbstverständlich es ist, daß die preußische Re- gierung alles tut, um die Not der von dem Grafen verge» waltigten Arbeiter zu mildern, so selbstverständlich müßte es für die R e i ch s r e g i e r u n g sein, eine Handlungsweise wie des Rittbergers für die Zukunft unmöglich zu machen. Pensionskürzungen unö Republiklcbutzaefetz Ein sozialdemokratischer Gesetzesvorschlag. Di« sozialdemokratische Reichsiagsfrakiion hat im Reichstag ecnen Jnitiativgesetzentwurs über Kürzung der Der. sorgungsbezüge und Aenderung des Republikschutz. g e s« tz e s«ingebracht. Der Antrag ist gestern bereits dem Haus- haltcaurschutz überwiesen worden. Artikel 1 de» Entwurfs übernimmt die Pensionskür- zungsbestimmungen der von Stresemann und Dr. Luther erlassenen Personalabbauoerordnung von 1923 mit der Erleicht«- nmg, daß da» kürzungsfreie Einkommen der Pensionäre und War!«- xcldempsänger nicht nach der Eingangestufe der Besoldungsgruppe VII, sondern der Besoldungsgruppe X berechnet wird. Danach kann jeder Pensionär und Wartegeldempfänger neben seinen Der- sorgungebezügen ein Prtoatelntommen von rund<25 M. monatlich beziehen, ohne daß«Ine Kürzung eintritt, von dem Mehreinkommen wird die Hälfte auf die Dersor- gungsbezLge angerechnet. Besonderen Wert hat die Fraktion daraus gelegt, daß entsprechend der Vorschriften der Herren Stresemann und Luther sowohl da» Arbeitseinkommen, als auch das Einkommen aus P r i v a t v« r m ö g e n von der Kürzung er- faßt wird. Im Artikel 2 de» Entwurf» wird vorgeschrieben, daß un- geachtet der Bestimmung des Reichsbeamtengesetzes, nach der der In 40 Jahren zu erreichende Höchstbetrag der Pensivn 80 Prozent des pensionssähigen Diensteinkommen» nicht übersteigen darf, i n keinem Fall mehr al, 12 000 Mark jährlich «n Pension gezahlt werden dürfe. Dieser Pensions- satz entspricht ungefähr den heute güliigen Pensionen der Ministcrial- direktoren. Generalmajore und Konteradmirale. Der Artikel 3 des Entwurfs verschärft den 8 10 des Re p u- blikschutzgesetzes dahin, daß bei der Verurteilung eines De- omten oder einer Militärperson wegen eine» Verstoßes gegen diese» Gesetz zu Gefängnis oder Festungshaft da» erkennende Gericht verpflichtet ist. auch den Verlust de» Amte», bei Militärper- fönen die Dienstentlassung, sowie den gänzlichen oder teilweisen, dauernden oder zeitweiligen Verlust de» Gehalts, Wartegeld«» oder zeitweiligen Verlust des Gehalts, Wartegeldes oder Ruhegehaltes auszusprechen. Wegen der weiteren Güstigkeit de« Republlkschutz- ge setze», da» mit dem 20. Juli d. I. abläuft, wird die Reichs» togsfrattion eine« besonderen Lorstoß unternehme». Eifersuchtstragödie in Serlin N. Selbstmordversuch des TäterS. Eine Eifersuchtstragödie spielte sich heute früh gegen K8 Uhr in dem Hause K ö s l i n e r Str. 21 im Norden Berlins ab. De? d2jährige Arbeiter Gustav Schulz, der In der Siemensstr. 7 wohnt, gab auf sein« frühere Geliebt«, die<7jährige Plätterin Elfriede Schulz, einen Schuß ab und machte vor seiner Der- hastung einen Selbstmordversuch. Schulz unterhielt mit Estriede Sch. längere Zeit ein Verhältnis. Zu End« des vorigen Jahre» versuchte si« das Verhältnis aber zu lösen. Den Grund hierzu gab ihr Schulz, der sehr eifersüchtig ist. durch dauernde Drohungen. Die Streitigkeiten spitzten sich an einem Tage im Dezember so zu, daß Sch. mit einem Messer aus fem« Freundin eindrang. Er bereute bald seine Tat. Seitdem stellte er der Sch. nach, um eine Versöhnung herbeizusllhren. Immer mutzte er unoerrichteter Sache abziehen. Heute früh erschien er wieder in der Wohnung seiner früheren Geliebten. Als sie eine Versöhnung wiederum schroff zurückwies, kam es zu einem sehr erregten Wort- Wechsel, in dessen Verlauf er piöglich einen Revolver hervorzog und auf Frau Sch. einen Schutz abgab. Nachbarn eilten hinzu und benachrichtigten oleichzeitig die Polizei. Als die Beamten zu der Verhaftung des Täters schreiten wollten, schoß er sich eine Kugel in den Mund. Beide wurden durch das Städtische Rettungsamt in das Virchow-Krankenhaus geschafft. Bei Frau Sch. konnte kein Einschutz, sondern nur eine blutunterlaufene Stelle sestoestellt werden, obgleich da, Kleid«in« Schutzspur auswies. Nach einer Röntgen- aufnahm« konnte sie nach Hause entlassen werden. Der Täter wurde als Polizeigeiangener in da, Staatskrantenhau» gebracht, wo er sehr bedenklich daniederliegt._ Um Sas neue polizeibeamtengesetz. Der verband Preußischer Polizeibeomten E. V. nahm gestern in einer Sitzung seiner Funktionäre aus Berlin und dem Reich zum neuen Polizcibeamtengesetzentwurf, der in diesen Togen dem preußischen Staatsrat zugegangen ist, Stellung. Schräder, der Hauptreferent, übte scharfe Kritik an einzelnen Paragraphen der vorlag«, so der Regelung der Disziplinarmatz- nahmen, die nach ihm das Disziplinarstrafgejetz von 1852 an Mängeln überbietet. Die Enllassungifrage bietet Gefahren für die Beamtenschaft, das Eheverbot sür die Beamten im Be- reitschaftsdienst hält Schräder für völlig unhaltbar. Alles in ollem bedeute der Entwurf ein« Verschlechterung des bestehenden Schutz- Polizeibeamtengesetzes. Die Polizeibeamtenschast will sich materiell und ideell dem Gesamtbeamtenkörper eingliedern, ein Organisationssystem a la Reichswehr, wie es in dem vorliegenden Entwurf beut- lich zum Ausdruck kämmt, lehnen wir ab. Der Beamte will kein Objekt besonderer Ausbeutung, sondern ein produktives, geachtete» Glied im voltsstoate fein. Schuld an dem Entwurf hätten die Ge- heimräts, Offiziere des ehemaligen Generalstabes, die durchau» militaristisch orientiert seien. Wir. verlangen zu den Beamtenpflichten auch Deamtenrecht«. Siering. Pvlizeireserent des Deutschen Be- amtenbundes, sowie Flüael, Vorsitzender de» DBB., der eine Er» klärung vorlas, schlössen sich dem Protest an. 21 reichsdeutsche Be- amtenverbände hoben sich mit der entschiedenen Ablehnung des Eni- wurfs durch den DPP. solidarisch erklärt. In der Diskussion pöbelte der deuischnationale Landtagsnbgeordnete Major a. D. Bork die Preutzenregierung an und suchte in demagogischer Weis« Partei- polltisch-militaristische Propaganda zu machen. Genosse Marck- ward», der nach ihm sprach, nahm energisch gegen den Entwurf Stellung und bezeichnete insbesondere da» Eheverbot für indiskutabel. Sein« Ausführungen fanden starken Deifall der Beamtensunktionär«. Nach ihm sprachen Metzenthin von der Volt»partei, der Demokrat Herrn, ann, Kasper, der kommunistisch« Abgeordnete. Stiller. Polizei- Präsident in Essen, vom Zentrum und schließlich Genosse Simon, der Marckwardt» Ausführungen unterstrich. Nach Schlußworten Schräder» wurde«ine länger« Entschliehung angenommen. Der Kntschermord bei Ebersw«lbe. Die Leiche de» erschossenen Kutschers Wessel wurde gestern in Eberswald« von dem Sladtmed'zinalrot obduziert. Es wurde fest- gestellt, daß die Kugel durch die Leber und den Darm gegangen und daß Wessel an Innerer Verblutung gestorben ist. Zur Untersuchung de, Schusse» war Prof. Dr. D r ü n i n g vom Berliner Polizeipräsidjum zugezogen worden. Ob ein Fern- oder Nahschuß voruegl, konnte gestern noch nicht festgestellt werden. Di« Kleidungsstücke des Ermordeten werden deshalb nach Berlin ge- bracht und hier von Pros. Brüning genau untersucht werden. Der Einschutz sitzt etwa, höher hinten al, der«»»schütz vorn. Wenn der Mörder von der Ehausse« au, geschossen hat. so muß cr also ein ungewöhnlich großer Mensch stin. Er knckn sich aber auch auf dem Wagen befunden haben. Zwei Forsteleven hoben ja neben dem Kutscher«inen zweiten Mann gesehen. Die Waffe hat ein« sehr große Durfchlagskrofl gehabt. Wessel trug schwere Kleidung,«inen Pelz, eine dick« Joppe, eine West«, zwei Hosen und ein Hemd. Da, Beschoß ging durch alle dies- Kleidungsstücke hindurch und blieb, wie setzt feststeht, erst vorn in der Joppe stecken. Während der Schwerverletzte vom Wagen herunter- genommen und in die Gastwirtschaft in Golzow gebracht wurde, ist es verloren gegangen. Es ist bi» setzt nach nicht wiedergefunden, ebensowenig die Hülse. Nach der Durchschlagekraft zu urteilen, ist die Waffe vermutlich ein« Parabellumpistole. Die An- nähme, daß der Mörder zweimal geschoflen habe» hat stch nicht be- stötigt. Unter den Beschädigungen, die die Waqenschütz« aufweist. befindet sich eine, die von einem Schuß herzurühren schien. Eine genaue Untersuchung ergab jedoch, daß sie auf ein« andere Ursache zurückzuführen ist. Bon dem Mörder ist auch durch weitere Kon- trollen der Herbergen von Joachimsthal und Eberswalde noch keine Spur gefunden. Die Nachforschungen«erden von der Staats- anwaltschaft in Prenzlau, Kriminalkommissar Trettin und der Land- jägerei heute nach allen Richtungen fortgesetzt. Der Lagerraum als �bort. Ei» Tilsitcr Idyll. Wir leben bekanntlich im Zeitalter der Hygiene. Welch« fchicr unglaublichen Dinge noch im zwanzigsten Jahrhundert möglich sind, beweist«in Skandalfall, von dem jetzt die Tilsiter Zeitungen berichcen. Aus Grund von Anzeigen nahm kürzlich die Tilsiter Gesundheits- polizel in den Lagerräumen der Firma Thamps und Gaofs. Filiale Tilsit, die Kaffee, Tee, Schokolade, Keks und Konfitüren auf Lager hoben,«ine Untersuchung por. Sie zeitigt« geradezu haar- sträubend« Ergebnisse. Im Lagerraum hatte der famose Filialleiter, Herr Zielke, sein Nachtlager aufgeschlagen.(!) Ein ekel- erregender Gestank erfüllte die gesamten Lagerräume, in der Schlafkammer, in Papierkörben und Winkeln fanden die revidierenden Beamten eine Unmasse von alten und frischen menschlichen Exkrementen. Zwischen den Warenbeständen wurden Papier- bündel mit dem gleichen lieblichen Inhalt gefunden, eine Pflaumen- tiste wies unverkennbare Fingerabdrucke in Kot auf. Auf die Vor« Haltungen der empörten Revisoren soll Herr Zielke seine Ferkeleien damit entschuldigt haben, daß e« ihm„an der nötigen Zeit gefehlt" habe, im Vsdllrfnisfalle einen Abort aufzusuchen.(!l) Ein im Lagerraum befindlicher Hund, der nie an die frische Lust geführt wurde, folgte den hygienischen Losungen feine» Herrn und erledigt« die leiblichen Geschäfte ebenfalls im Lagerraum. Sämtlich« Lebensmittel hatten durch die A'.i»dünstung«n naturgemäß stark ge- litten. Besonder» skandalös erscheinen die Zustände dadurch, daß die angenehme Firma noch bis in jüngster Zeit die einschlägigen Geschäfte mit ihren„erstklassigen" Waren beliefert hat. Gegen den veriatterten Filialleiter ist Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet worden in diesem und einem anderen, nicht minder unerhörten Fall. Es ist festgestellt worden, daß der Filialleiter seine Angestellten aufs Unglaublich st e ausgenutzt hat und sie von morgens 7 Uhr bis nachts um 2 Uhr, also 19 Stunden, kaum ohne Unterbrechung arbeiten lietz. Man faßt sich an den Kopf, wenn derart vorsiniflulliche Dinge bekannt werden. Schuld an dieser verbrecherischen Ausbeutung tragen aber die Angestellten zum Teil selbst, da si« sich derart Menschenunwürdiges gefallen ließen. Hoffentlich wird dieser famose Arbeilgeber und Lagerverwalter vor Gericht so angefaßt werden, wie e« sein gemeingefährliches Verhalten verdient. Abgestürzk und aufgespießt. Ein schwerer Unfall ereignete sich heute vormittag in dem Hause Budapester Straße Sa. Der 26jährige Fensterputzer Paul Engel aus der Barnimstraße 49 glitt beim Arbeiten in beträchtlicher Höhe auf der Leiter aus und stürzte ab. Unglücklicherweise siel er auf eine mit Eisen- spitzen besetzte Mauer. Mit schweren Kopfverletzun- gen, Knochenbrüchen und inneren Verletzungen mußt« der Verunglückte durch einen Wagen de» Städtischen Rettung»- amte» in da» Elisabeth-Krankenhau» geschafft werden. Sein Be- sinden gibt zu Besorgnissen Anlaß. IrauenmorS auf Kügen. SleM». 28. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Di« vtettwer Mordkommisston erhielt gestern in den Lormittag»stund«n die Nach- richt, daß tn Sabitz bei Bergen aus Rügen ein furchtbare» verbrechen verübt worden sei. Der Chef der Landeskriminalpolizei entsandte iosort die Mordkommission an den Tatort. Mgn fand am Waldes- aum die Leiche der 23 Jahre alten Frau des Arbeiter» W e n tz l a f f n einer Blutlache tot auf. Die Tote wie» mehrere Messerstiche auf, « war aber nicht beraubt worden. Da» Verbrechen ist bereit» in en frühen Rachmittogsstunden verübt worden. Ei handelt sich zweisellos um einen Lustmord. Die Nachforschungen, die von den Polizeibeamten unternommen wurden, führten bereits zu einer ver- Haftung._ Wieder einmal der Aklaolik überflogen! Der Italienische Flieger P l n e d o hat nach Meldungen aus Fernando Noronha(Brasilien) die Ueberquerung des Atlantischen Ozean» glücklich vollendet. Da» Flugzeug mutzte infolge schlechten Wetters auf dem hochgehenden Meere niedergehen. Der brasilianische Kreuzer„Barroso" schleppte die Maschine in die Bucht von Santo Antonio. Der Flieger ging an Bord des Kreuzers. Der ganze Transozeanflug de Pinedo» hat 18 Stunden gedauert, in welcher Zeit er rund 3000 Kilometer zurückgelegt hat, in dem die Entfernung von Porto Praya bi» Porte Natal 2 7 50 Kilometer beträgt und de Pinedo überdie» wiederum die 380 Kilometer lange Streck« nach der Insel San Fernando da Naronha zurücklegen mußte. Da» Flugzeug ist während der Fahrt dem italienischen Dampser„D e t t o l o" und dem englischen Dampfer „D« r r« r" begegnet. Während de Pinedo die Kapverdischen Inseln bei ruhiger See und Hellem Mondschein verlassen hatte, schlug die Witterung an der brasilianischen Küste plötzlich um und er geriet cn«inen schwern Sturm. Der Wind hatte«in« Geschwindig- keit von 72 Kilometern in der Stunde. Nachlese zur VresÜener Vereinbarung. Kommunisten und Unternehmer nnjnfriede«. Die.Dresdener Nachrichten", wie die übrige sächsische Rechts- presie oeröfsentlichen zu dem Dresdener Abkommen Kommentare, in denen der Aerger wie dt« Niedergeschlagenheit über den Ausgang des Kampfes in Leipzig zum Ausdruck kommen. Neben den Unternehmen, sind auch die K o m m u n t st e n mit diesem Erfolg des Deutschen Metallarbeiterverbandes durchaus unzufnedsn. Die Sor- gen der Unternehmer sind nickst unsere Sorgen. Da die kommunistisch« Presie aber so tut. als vertrete sie mit ihrem Klamauk gegen die Dresdener Vereinbarung dl« Jnteresien der Arbeiter, sei hierzu einiges gesagt. Di«.Rote Fahne" behauptet, daß nach der Vereinbarung von Dresden der Unternehmer dem Betriebsrat nur mitzuteile» braucht, daß die wöchentliche Arbeitszeit S1 Stunden beträgt. Unsere Leser wissen, daß diese Behauptung falsch ist. Die erste Voraussetzung für Ueberstunden ist in Leipzig, daß in einem Betriebe, in dem Ueberstunden verlangt werden, keine freien Plätze vorhanden, d. h. kein« Einstellungen Arbeitsloser möglich sind. Die zweite Voraussetzung ist, daß.die wirtschaftlichen Verhältnisse es unbedingt erfordern". Die dritte Voraus- fetzung ist, daß in Verhandlungen mit dem Betriebsrat diese unbe- dingte Notwendigkeit der Ueberstunden von dem Unternehmer auch nachgewiesen wird. Es ist bei Abschluß der Vereinbarung in Dresden zwischen den Parteien ausdrücklich festgestellt worden, daß der Passus.im Benehmen mit der gesetzlichen Betriebsvertretung" nicht bedeutet eine einfach« Mitteilung, auch nicht die.Anhörung" des Betriebsrats, sondern, daß darunter ernsthafte Nerhand- l u n g e n zwischen Betriebsleitung und Betriebsrat zu verstehen sind. Nur wenn diese drei Voraussetzungen zutreffen, kann der Acht- stundentag bis zu drei Stunden in der Woche überschritten werden, wobei für diese drei Stunden ein Zuschlag von 10 Proz. zu zahlen ist. Es ist weiter festgelegt worden in dar Vereinbarung, daß die Unternehmer nicht etwa an einem Tage verkürzt arbeiten lassen können und an den anderen Tagen Ueberstunden verlangen können. Es ist weiter vereinbart worden, daß Ueberstunden von mehr als drei Stunden die Woche mit 25 bis SO Proz. Zuschltag zu bezahlen sind und nur geleistet werden können, wenn die gesetzliche Betriebs- Vertretung dieser weiteren Mehrarbeit ausdrücklich zustimmt. Die drei angeführten Voraussetzungen für die Ueberstunden bis zu 51 Stunden treffen selbstverständlich auch auf die weiteren Ueber- stunden zu. Die„Rote Fahne" bemängelt außerdem, daß nur für Leipzig em Vertrag abgeschlossen wurde. Sie mag sich beruhigen. Die Unternehmer selbst hatten den Wunsch, für ganz Sachsen zu verhau- dein. Aus taktischen Rücksichten wurde im wohlverstandenen Inter- esse der Arbeiter jedoch verlangt, daß nur für den bestehenden Tarif- kr.nstikt in Leipz'g verhandelt wird. Die unmittelbar bevorstehenden Verhandlungen für das übrige Sachsen und für Mitteldeutschland werden vom Deutschen Metallorbckterverband so geführt werden, daß kein ungünstigeres Resultat als das für Leipzig herauskommt. Auch die Unterhändler des Deutschen Metallarbeüerverbande» bestanden natürlich auf der Durchsegung der 46-Stunden-Woche. Wenn d'cse nicht erreicht werden' konnte, so darf man deshalb das Verhandluugsergcbnis um so weniger herabsetzen, weil man es hier nicht allein mit einer außerordentlich starken und scharfmacherisch eingestellten Unternehmergruppe zu tun hat, sondern well hinter den sächsischen Metallindustriellcn der Gesamtverband der Me- tallind n st riellen Deutschlands steht, der ja In diesem Konflikt der eigentliche Treiber war. Der Deutsche Metallarbeiter. verband hatte gar keine Ursache, dem Gcsamtoerband das Spiel zu erleichtern. Dafür sind die Kommunisten da. Im übrigen werden die deutschen Gewerkschaften die Ratschläge und Angnffe der Kommunisten ernster nehmen können, wenn In Rußland, wo noch die Kommunisten ausschließlich herrschen, wo neben einer riesigen Arbeitslosigkeit eins skandalöse Ueberstunden- Wirtschaft getrieben wird, diese Ueberstundenwirtschaft beseitigt ist. Im bolschewistischen Rußland die Akkordschtnderei und die Ueber- stundenwirtschaft«inführen und im kapitalistischen Deutschland For- derungen aufstellen, die in Rußland noch verwirklicht werden müssen, ist«ine zu bequeme Methode, als daß sie ernst genommen werden könnte. Schieüsspruch im ober sck lest scben Sergbau. Ab i. September Achtstundentag unter Tage. Gestern fanden im Reichsarbellsministerium Verhandlungen über den Manteltarif im oberschlesischen Bergbau statt. Die Berg- arbeiter forderten die Wiederher st ellung des Acht- stundentag». Nach langwierigen Verhandlungen, die sich bis in die späten Abendstunden hinzogen, wurde schließlich vom Schlichter ein Schiedsspruch gefällt, wonach für die Untertage- arbeiter ab 1. März die Arbeitszeit um eine Viertelstunde, ab 1 September um eine weitere Viertelstund« verkürzt wird. Danach würde ab 1. September für die Untertagearbeiter der Achtstundentag wieder hergestellt sein. Erheblich unbefriedigender ist der Schiedsspruch für die Uebertagearbeiter und für die Betriebe mit durchgehender Arbeitszeit. Für die Uebertagearbeiter blieb der Z e h n st u n d e n- tag oder dieZwölfstundenschicht bestehen. Es txrat nur für Sonnabend eine Verkürzung der Arbeitszeit um zwei Stunden «in. Es ist unerträglich, daß heute noch Schiedssprüche mit solchen Arbeitszeiten gefällt werden dürfen. Bei den Betrieben mit durchgehender Arbeitszeit tritt mst der neunten Stunde der tarifmäßige Zuschlag ein, der 25 Proz. bexrägt. Auch dieses Ergebnis ist unbefriedigend. Im übrigen ist der Manteltarifvertrag wiederhergestellt. E« wäre wirklich an der Zeit, daß der Reichsarbeitsminister feine Schlichter dahin instruiert, die Schiedssprüche den gesetzlichen Bestimmungen anzupassen, d. h. nicht Schiedssprüche zu fällen, die den Achtstundentag beseitigen. Kommunistische Gewerkschostspolitik. Stürmische Generalversammlung der Sattler. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler, Tape- zierer und Portefeuiller hielt gestern abend im Gewerkschastshaus eine sehr stark besuchte außerordentliche Generalver- s a m m i u n g ab. Es wurden zunächst geschäftliche Angelegenheiten erledigt, wobei besonders auf die große Bedeutung der bevorstehen- den Betriebsratewahlen hingewiesen wurde. In der letzten Generalversammlung war ein Antrag auf Aende- rung des§ 3 des Statuts angenommen worden. Danach soll der geschästssührende Vorstand in Zukunft durch U r w a h l gewählt werden. Entsprechend dem Vorschlage der OrtsoerwaUung wurde die Verhältniswahl wegen ihrer praktischen Undurch- führbarkeil abgelehnt, dagegen die Einführung der Ur- wähl für de» geschästsführenden Vorstand ein st immig be- schlössen. Eine sehr lang« und zuweilen recht hefttge Debatte entfesselte die Aufstellung der Kandidaten für die Geschäftsleitung. Der kam- muniftifche Vorsitzende Müller führte aus, daß sich hier zwei Richtungen gegenüberstehen: die Kollogen der Amsterdamer Ge- werkfchaftsrichtung und die der.Opposition"(stürmische Zwischen- rufe: Moskauer Gewerkschaftsrichtung). Müller bemühte sich redlich, durch radikale Redensarten das etwas geschwundene Ver- trauen seiner Parteifreunde wiederzugewinnen, um auf seinem Posten zu verbleiben. Seine Ausführungen waren eine einzige wüste Hetze gegen die sozialdeinokralifchen Mitglieder der Orts- Verwaltung und gegen die Kollegen der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung im allgemeinen. Diesem Treiben traten unser« Genossen, vor allem Blume und Osten, mit aller Entschiedenheit entgegen. Mit dem Namen .Opposition" werde seit langem Mißbrauch getrieben. Ein er- fprießliches Zusammenarbeiten in der OrtsoerwaUung war durch das Verhalten der Kommunisten oft in Frage gestellt. Daher müsse jetzt endlich eine reinliche Scheidung herbeigeführt werden. Die Mii- gliedei haben darüber zu entscheiden, ob der Verband in Zukunft von Amsterdam oder Moskau geführt werden solle. Es wurde schließlich aus der Versammlung der Antrag gestellt, für die Wahl der Geschästsleitung getrennte Listen ein- zureichen. Müller beantragte, personelle Vorschläge zu machen, well er bei einer Listenwahl zu unterliegen befürchtet. Da er die Mehr- heit für eine Listenwahl bei der vorgenommenen einfachen Abstim- mung nicht anerkennen wollte, mußte durch Zettel eine Eni- scheidung herbeigeführt werden. Dabei wurden 150 Stimmen für Emreichung von Kandidatenlisten und III für personelle Vorschläge abgegeben. 12 Stiinmen waren ungüllig. Aucy dieses einwandfreie Ergebnis zweifelle Müller an. Er schreckte nicht davor zurück, die an der Auszählung beteiligten Kollegen des Betruges zu zeihen. Nachdem sich der Stunn der berechtigten Entrüstung über diese Anmaßung einigermaßen gelegt hatte, wurden zwei Vorschlagslisten eingereicht. Von der Amsterdamer Gewerkschaftsrich. tung wurden Blume als 1. Vorsitzender, Osten als 2. Vor- fitzender, Meyer als Kassierer, Heinrich als 1. und Willi H o f f m a n n als 2. Sekretär nominiert. Die Kommunisten bringen wieder Müller als 1. Vorsitzenden in Vorschlag. Diese Versammlung hat erneut die ungeheure Schädlich- keit des kommunistischen Einflusses bei den SatUern bewiesen. Darum ist es Pflicht aller Kollegen der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung, alles daran zu setzen, um bei den in Kürze stattfindenden Ilrwablen d i e s e n Einfluß zu brechen. Schon jetzt muß die Agitation für die Liste der Amsterdamer Gewert- (chaftsrichtung einsetzen._ Jreigewerkschostl'cher Erfolg ka Gberschlesien. verschwinden der Sommunistea. Hlndenburg, 23. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Die Be- triebsratswahien für die oberschlesischen Eisenhütten und die größeren Betriebe der weiterverarbeitenden Industrie haben in den letzten Tagen ihren Abschluß gesunden. Das Ergebnis der Mandrtsverteilung ist folgendes: Der fr ei gewerkschaftlich« Deutsche Metallarbeiteroerband erhält 107 Betriebsräte, der H i r f ch- Dunckersch« Gewerksoerein Ifi, der ch r i st l i ch« Metallarbeiteroerband 8 und die gelben Werkvereine 3. Trotz der umfang- reichen Betriebseinstellungen und der damit verbundenen Arbeiterentlassungen, von denen in erster Linie freigewerkfchaftlich organi- sterte Aroeiter betroffen wurden, hat der Metellarbeiterverband sich außerordentlich gut geschlagen. Die polnischen Gewerkschaften haben auch in diesem Jahre aus die Einreichung von Listen voll- ständig verzichtet. Interessant ist«ine Betrachtung der gewählten Betriebsräte des Deutschen Metallarbeiterverbandes in bezug ruf ihre politische Ein- stellung. Wöhrend noch im Jahre 1924 die Kommunisten mit Recht daraus hinwe'fen konnten, daß 80 Proz. ihrer Betriebsräte aus dem Bergbau und aus den Eisenhütten ssch zur KPD. bekennen, hat ssch jetzt bei'der Hütten, und Metallarbeilerfchoft eine Aenderung vollzogen. Von den 107 Betriebsröten des Metallarbeiterverbondes bekennen ssch 102 z ur Richtung Amsterdam und sind Mit« glieder der Sozialdemokratie. Nur noch 5 Betriebs- röte sind Kommunisten._ der �rbeltszeitkonflikt im Nohrbergbav. Die Verhandlungen noch nicht beendigt. Essen, 23. Februar.(Mtb.) Die Verhandlungen über das von fetten der Arbeitnehmerverbänd« im Ruhrbergbau gekündigte M ehr- arbeitszeitabkommen und über den sowohl vom Zechen- verband wie auch von den Bergarbeiterverbänden gekündigten Manteltartf, sind gestern nach längerer Aussprache, die starte Meinungsverschiedenheiten ergab, wieder vertagt worden. Die Bergarbeiterorganisationen haben dem Zechenverbond Borschläge über Aenderung des Mantettarifs unterbreitet. Der Zechenverbond, der keine Dorschläge vorgelegt hatte, erklärte, daß er bis zum nächsten Sonnabend den Bergarbettern seine Vorschläge machen werde. Die nächsten Verhandlungen sind auf den 4. März angesetzt. Um üeo Schiedsspruch in der Schwerindustrie. Der Deutsche Metallarbeiterverband hat den Schiedsspruch für die Metallindustrie, nordwestliche Gruppe. die die Betriebe von Düsseldorf bis Hamm umfaßt, angenom- men. Der Schiedsspruch sieht eine Lohnerhöhung der Spitzenlöhne für Facha ob eiter von 70 aus 76 Pf., der Lohne der Hilfsarbeiter oonS3aus SS Pf. und eine Er- höhung des Ausgleichs für Akkord- und Prämienarbeiten von 14 bzw. 16 auf 19 Pf. vor. Die Gewerkschaften werden die' Ver- b i n d l i ch k e I t s e r k l ä r u n g des von den Arbeitgebern a b» gelehnten Schiedsspruchs beantragen. Kinos mit Unorganisterten. Bon den Berliner Ortsverwaltungen des Deutschen Musiker- Verbandes und der Deutschen Filmgewerkschaft wird uns geschrieben: Während früher der Berliner Westen die bevorzugte Gegend für Errichtung großer Kino-Neubauten war. werden neuerdings gerade in Arbeitergegenden großeKino. Paläste erbaut. So vor kurzem wurden der Kristall-Palost in der Prinzen- a l l e e mit 1200, der Mercedes-Palast in der Utrechter Straß« mtt 2000 und neuerdings der Mercedes-Palast in Neukölln mit 3000 Plätzen eröffnet. All« dies« Kinos reflektieren natürlich auf den stärksten Besuch durch die Arbeiterschaft. ohne ober die einfachsten Pflichten ihrerseits zu erfüllen. Das in den genannten Theatern beschäftigte Personal. Musiker wie Saal- angestellte, sind durchweg Nichtorganisierte, auch nicht von den entsprechenden Arbeitsnachweisen vermittell. Gerade für die Musiker im Mercedes-Palast in Neukölln trifft dies zu. Die Besitzer der Mercedcs-Paläste Uttechter Straße und Hermannstraße sind die Herren Engländer und Genossen. Es war unter anderem dem Deutschen Musskerverband erst nach langem schweren Kampfe möglich, die Entlassung etlicher organisierter Kollegen in der Utrechter Straße wieder rückgängig zu machen. Spekuliert die Firma auf die Groschen der Arbeiterschaft, dann muß sie erst einmal dafür sorgen, daß in ihren Betrieben geregelt« Lohn- und Arbeitsbedingungen bestehen. Die vielen arbeitslosen Musiker und Kino-Angestellten erwarten von der werk- tätigen Bevölkerung stärkste Unterstützung in ihrem Kampf und über- lassen vorläufig jedem klassenbewußten Arbeiter die Entscheidung, ob der Desuch solcher Kinos zu empfehlen ist oder nicht. Amsterdam, nicht Moskau. Bei den Wahlen zur Ortsverwaltung des Deutschen Holzarbeiterverbandes, Zahlstelle Leipzig, wurden nur die Kandidaten der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung gewählt. Die KPD.-Opposittonsliste erhiell ganze 167 Stimmen. Wie überall, so haben die kommunistischen Phraseure auch hier eine empfindlich« Niederlage erlitten. «ertand der Mal«.««»««»s«.«m ftr-Ua,. dem» ffedro«, tfttnbt VI, Uhr. findet im«ewerktch.iuahau». Engelu'er nrX,. Saal 3. eine ffunkiianär- tankeren, Nai, Taqeaordnungi 1 Die«erlchier'at.ilng-n iiber die iehten Targ- oerhandlitnaen. 2. Vortrag Ott«ollegen H-ym- über.Alte und neu» Kunst'. Die Ortsverwaitung. Sport. InkernaNonales Reil- and Fahrlurnler. Der Dienstagnachmittag sah, Infolge des Hochspringen». das immer ein« starke Anziehungskraft auf das Publikum ausübt, einen Massenbesuch. Bei diesem Hochspringen wurde, wie bereits kurz gemeldet, von C y r o n o II.«in neuer deutscher Rekord auf- gestellt, und zwar wurde Forwnello, der bisherige Rekordinhaber, mit 2 Meter 5 Zentimeter um«inen Zentimeter überboten. 1,98 Meter sprang Spadoise und t.S2 Meter Henry unter Frl. Sauer- mann; der einzigen deutichen Reiterin, die am Hochspringen teil- nimmt. Der schwedische Offizier v. Rosen fprang mit Cccil 1,85 Meter fehlerfrei und schied bei 1,98 Meter aus. Den Preis des preußischen Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, der als Materiolprüfung für Reitpferde, unter dem Namen „Preis von Hannover" ausgeschrieben war, Hollen sich als Sieger: (drei- bis vierjährige leichte Pferde) Gras Kabieins vierjährige Fuchsstute Feme(Barrick).(fünf- bis sechsjährige leichte Pferde) Frau K. Frankes fünfjährige Fuchsftut« Abdera(A. Staeck),(drei- bis vierjährige schwer« Pferde) C Steinmetz und Gestüt Cadenberges vierjähriger Fuchswallach Assessor(H. Fick),(fünf- bis sechsjährige schwer« Pferde) Frau Glahns fünfjähriger Schimmelwallach Alt- silbcr(Major Bürkner). Die Große Olympiode-Reit- Prüfung für Rettpferde(Ehrenpreis dem Reiter des Siegers und Mark 1800) gewann Stall Bürkners Caracalla(Major Bürkner). Der holländisch« Rittmeister Labouchere mar am Abend beim Jagd- springen gerade nicht vom Glück begünstigt. Sein schöner Fuchs Gamm ging lahm aus der Bahn. Ringerwellslreil im Apollo-Thealer. Die statten Tressen der Mittelgewichte lassen schon jetzt er» kennen, daß gerade diese Klassen geeignet sind, den Ringsport wieder zu seinem Recht zu vethelfen und ihm neue Anhänger zuzuführen. Im ersten Kampf am Montag blieb G o ck s ch- Neukölln über Pohlfutz-Spandau nach 12 Minuten durch Hüstschwung Sieger. N a b e r und A n g u l e s k u trennten ssch nach hartem Ringen ohne Resultat. N e st r ö m- Estland und Kley. Beilin. der wieder glün- zendes Können an den Tag legte, mußten sich ebenfalls unemschieden tiennen. Der starke E q u a t o r e konme einen weiteren Erfolg buchen, er brackue Renler nach 13 Minuten durch Doppelnelson aus die Matte. Dienstag: W e i n e r d i- Sachsen und Pohlfuh- Spandau sowie N e st r ö m gegen E q u a t o r e- Italien gelangten zu keinem Resultat. Der Entscheidungskamps Kley gegen N a b e r entschädigt alle. Hart, flott und technisch einer der schönsten Kämpfe. der seit langem auf der Matte ausgetragen wurde. Kurz noch der Pause erlag der vorsichtige Naber einem prächtigen Armzug. Gesamtzeit 47 Minuten. Das Entscheidungstreffen Renter gegen Brückner konnte ersterer für ssch buchen in der Gesamtzeit von 33 Minuten. VerantwarNicki für Valttik: Biet« G. filinhelhS'kr: Dewei k tchaflabeweau n»: Fr. Etzfara: Feuilleton: Dr. John Eckiikowafi: Lolalr» und Sonstiqe»! F-ifi»arfiadt: Anzciaen: Th. Glocke: ffimllich in Berlin. Vertag: Ba'.wärts-Berlag(B.m.h.t. Berlin. Druck: Borwärl».Buit'druckcrei und Berlaasanfialt Paul Singer u. Co.. 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