/lbenöailsgabe Nr. 95 � 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 47 SJfAugsteSinsundtn und«mrigenwetf« lind in der Morgenousgnd« anseneben »edallloa: Zw. 06, Liadenstrohe 6 Zerolprecher: VSaho» Z92- 29t rel-Adresi«: So]ialB(m«(ral SccUd sw W Derlinev Dalfolflaff (lO Pfennig} Zreitag 25. Zebruar 7 927 vcrlaz und Anzelgenabtellllazi Seschäft-zet» dt, S Uhr Verleger: vorwSrls-verlag GmbH. Verli» Sw. SS, Cindellstrof]» 3 Fernsprecher: VSnhoss 292- 292 Zcntralorgan der Sozialdemokratifcbcn parte! Deutfchlands /lrbeitersthutz mit /lusnahmen. Eine neue Brüskierung der Landarbeiter. Im Vorläufigen Reichswirtschaftsrat wird zurzeit der Entwurf eines Arbeitsschutzgesetzes beraten. Das Reichsarbeitsministerium hat anerkannt, daß sich für gewisse Dinge des Arbeitsschutzes eine Vorerledigung dringend notwendig macht. Es hat darum den Entwurf eines Ge- setzes über die Beschäftigung vor und nach der Niederkunft vorgelegt. Das Gesetz soll bereits am 1. April d. I. in Kraft treten. Der Entwurf enthält fol- gende Schutzbestimungen: 8 2. 1. Schwangere find berechtigt, die ihnen aus dem Arbeitsver- trag obliegende Arbeitsleistung zu oerweigern, wenn sie durch ärztliches Zeugnis nachweisen, daß sie voraussichtlich binnen sechs Wochen niederkommen. 2. Wöchnerinnen dürfen binnen sechs Wochen nach ihrer Niederkunft nicht beschäftigt werden. Während wei- terer sechs Wochen sind sie berechtigt, die ihnen aus dem Ar- beitsvertrag obliegende Arbeitsleistung zu verweigern, wenn sie durch ärztliches Zeugnis nachweisen, daß sie wegen einer Krankheit, die eine Folge ihrer Schwangerschaft oder Niederkunft ist. an der Arbeit verhindert sind. 8 3. Stillenden Frauen. ist auf ihr Verlangen während sechs Monaten nach ihrer Niederkunft die zum Süllen erforderliche Zeit bis zu zweimal einer halben oder einmal einer Stunde täglich von der Arbeit freizugeben. Eine Verpflichtung des Ar- beitgebers zur Zahlung eines Entgelts wird hierdurch nicht be- rührt. 8 4. l. In einem Zeitraum von sechs Wochen vor bis� sechs Wochen nach der Niederkunft ist eine Kündigung des Arbeit» gebers unwirkfam. Ist eine Frau bei Ablauf dieser Frist wegen einer Krankheit, die nach ärzllichem Zeugnis eine Folg« ihrer Schwangerschaft oder Niederkunst ist, an der Arbeit verhindert, so verlängert sich die Frist um die Dauer der Ver» Hinderung, längstens jedoch um weitere sechs Wochen. 2. Ist für einen Zeitpunkt gekündigt, der in die im Abs. 1 be- zeichnete Schutzsrist fällt, so wird der Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsvertrages um die Dauer dieser Schutzfrist hinausgeschoben. 3. Unberührt bleibt die Wirksamkeit von Kündigungen, die aus einem wichtigen, nicht mit der Schwangerschaft oder Niederkunft zusammenhängenden Grund erfolgen. 4. Die Vorschriften der Abs. 1 und 2 finden keine Anwendung, falls der Arbeitsvertrag ausdrücklich zu einem bestimmten Zweck abgeschlossen und dieser Zweck an dem Zeitpunkt, für den die Kün- digung erfolgt, erfüllt ist. Wir wollen im Augenblick davon absehen, ob diese Schutzbestimmungen genügend sind. Aber mit aller Ent- schiedenheit müssen wir uns dagegen wenden, daß die Ar- beiterinnen in der Land- und Forftwirt- s ch a s t, der Tierzucht, der Fischerei sowie der Hauswirtschaft vom Geltungsbereicht dieses Gesetzes ausgeschlossen werden. Es ist eine Ungeheuerlichkeit, daß die Arbeiterinnen der genannten Berufe auf die Schutzbestimmungen des Gesetzes verzichten sollen. Ist es nicht ein Gebot der Gerechtigkeit, den Landarbeiterinnen und den Hausangestellten den gleichen -Schutz zu gewähren, gerade auf einem Gebiet, das über den unmittelbaren Schutz des Arbeitnehmers hinaus eine Für- sorge für das kommende Geschlecht bezweckt? Die Krankheit ües Reichstagspräsiüenten. Allgemeinbefinden zufriedenstellend. Der um S Uhr früh von den Professoren Borchardl, Zon- dek und Dr. Moses gemeinschaftlich versaßse Bericht lautet: Allgemeinbefinden zufriedenstellend. Der Reichstagspräsidcnt hat gut geschlafen. Die Temperatur ist bedeutend heruntergegangen. der Herzbefund ist ebenfalls-zufriedenstellend. Der Gesamtbesund gibt zu günstigen Aussichten Veranlassung. Mittags: Weiter zufrieöenftellenü. Die Untersuchung, die das Aerzlekonzilium heute mitlag vorge- nommen hat. ergab, daß das physische und psychische Lesinden des Reichslagspräfidenten Lobe auch weiter zufrieden- si e l l e a d ist. Um l Uhr mittags war das Befinden des Patienten unver- ändert. Die Temperatur betrug 37,2, die Herztätigkeit war gut. Genosse Lob« durfte einen kurzen Besuch seiner Gattin empfangen. Ein Schreiben des Kanzlers. Reichskanzler Marx hat dem Reichstagspräsidenten Löbe in einem besonderen Schreiben sein und der Reichsregiming größtes Bedauern zu der schweren Erkrankung ausgesprochen und der Hoff- nung Ausdruck gegeben, daß der Präsident bald wieder in Gesundheit und Frische seines wichtigen Amtes walten könne. Der Kampf um Schanghai. Tschangtschungtschang ein chinesischer Galliens? Dom Norden her, aus der Provinz Schantung, wird alles Militär, worüber die Gegner der Kantonregierung verfügen können, eiligst nach Schanghai gebracht, um nach Süden gegen die heranrückende Kantonarmee eingesetzt zu werden, und vor allem die wankenden Truppen des ausgeschalteten Marschalls Sun zu stützen. Diese Anstrengungen erinnern— in der Absicht wohl, ob auch in Durchführung und Erfolg, das muß die nahe Zukunft lehren— an die rasch zusammengeraffte Berieidigung von Paris im September 1914 gegen die deut- schen Armeen. Sie erinnern auch— und dieser Vergleich ist wohl noch angebrachter— an die ähnlich schnell organisierte Verteidigung von Warschau durch Pilsudskis und Weygands Maßnahmen im Jahre 1920 gegen das Sowjetheer im polnisch- russischen Krieg. Die Machthaber Nordchinas ersehnen natür- lich den Erfolg, der 1914 den Franzosen und 1920 den Polen last in letzter Stunde geworden ist. Aber die zahlenmäßige Uebermacht ist einstweilen noch bei der Ka.itonarmee und mit ihr zieht der große, hinreißende Freiheit?- und Unabhängig- keilsgedanke. Kann die Kantonarmee schnell genug heran- kommen, ehe aus dem weitentfcrnten Herrschaftsgebiet Tschangtsolins größere Verstärkungen an Menschen und Menschenvernichtungsmaterial eintrifft, so wird der Sieg Kantons wahrscheinlich. Freilich ist qicht zu unterschätzen, was der Einsatz der britisch-französisch-nordamerikanischen Kriegsschiffe und Landungskorps zugunsten der Kantongeg- ner bedeuten könnte. � • London, 25. Februar.(WIB.) Ein um Mitternacht abgesandtes Telegramm des Sonderberichterstatters der»Chicago Tribüne* in Schanghai besagt: Die Schantungtruppen unter dem Befehl des Generals Tschan gfungtschang haben das Rennen nach Schanghai gewonnen. 2000 von ihnen sind heute abend mit der Bahn aus Nanking eingetroffen. Die Truppen wurden sofott nach Sunkiang gebracht, um Marschall Sunschuangfangs demo- r a l i s i e r t e Heere, die sich jetzt vor den Kantonheeren zurück- ziehen, zu verstärken. Berichten aus Nanking zufolge hat General Tschangsungtschang endgültig den Befehl der n ö r d l i ch e n alliierten Streitkräfte übernommen und wird hier mehr als 30 000 Mann innerhalb der allernächsten Tag« zusannnenhaben, darunter 2000 europäische Russen. Es ist so gut wie sicher, daß Mar- schall Sunschuangfang jetzt tatsächlich ausgeschaltet ist. Die Ankunft des Generals Tschangtsungtschang in Schanghai beweist seine Ab� ficht, die Stadt zu halten. Die Spannung vor der Schlacht. London. 25. Februar.(WTB.)»Daily Expreß* berichtet aus Schanghai, daß dort gestern abend große Spannung herrschte. Die Ausländer, die außerhalb der Niederlassungen leben, wurden um 0 Uhr nachmittags durch Boten aufgefordert, sich bereitzuhalten, um sich unverzüglich in die Niederlassungen zurückziehen zu können. Vorkehrungen für ihre Unterbringung sind getroffen worden. U m- fassende Verhaftungen von Agitatoren sind vor- genommen worden. Panzerwagen fahren außerhalb der Niederlassungen aus den Straßen hin und her um Kundgebungen zu verhindern. Ein Zusammenstoß mit zurückgehenden Truppen war bei der Südbahnstation eine halbe Meile südlich der Eingeborenenstadt. Ein« Schlacht um Schanghai wird un- mittelbar erwartet. Die Tnippen des Generals Sun(dessen Rück- tritt, Ermordung, aber auch Flucht nach Japan längst gemeldet sind. D. Red.) stehen in Sungkiang. 20 Kilometer von Schanghai entfernt. Besorguiffe des Pekinger diplomatischen KorpS. Peking, 25. Februar.(WTB.) Die diplomatischen Vertreter der alten Vertragsmächte haben einstimmig eine E r- k l ä r u n g angenonimen. in der Besorgnisse hinsichtlich der Rückwirkungen der militärischen Ereignisse in der Gegend von Schanghai auf die Sicherheit des Lebens und Eigentums der Ausländer geäußert werden und die Erwartung ausgesprochen wird, daß die Führer der kämpfenden Heere und Parteien alle Maßnahmen ergreifen werden, um Zwischenfälle zu oermeiden, durch die die ausländischen Behörden gezwungen würden, selbst die notwcn- digcn Maßnahmen zu ergreifen. Eine ähnliche Erklärung hat der französische Gesandte mit Bezug auf die französische Konzession veröffentlicht. Holland neutral. Amsterdam, 23. Februar.(WTB.) In Verbindung mit dem der- zeitigen Aufenthalt des holländischen Panzerkreuzers „Sumatra* in Schanghai erfährt der„Telegraas* von zu- ständiger Stelle, daß die niederländische Regierung in dem Kampfe zwischen den Regierungen von Kanton und Peking ein« v o l l t o m- men neutral« Haltung einnehme. Da jedoch die Lage in Schanghai auf Grund der Ereignisse der letzten Tage als sehr ge- spannt angesehen werden müsse, werde die„Sumatra* zum Schutze der dort weilenden niederländischen Untertanen einige Zeit länger dort bleiben, als ursprünglich in Aussicht genommen war. Abbau de, Visumzwangs. Ab 15. März wird der Sichtvermerk- zwang Deutschö st erreich-Holland aufgehoben. ?nöisihes Großstaötleben. Kalkutta. Von Franz Josef Furtwängler. fialkulta, Januar 1927. Diese größte Stadt Indiens und zweitgrößte Stadt ganz v �'st mit ihren großen, wohlgepflegten Parkanlagen und Regierungsbauten prunkvoller und großstiliger als Bombay und weit mehr als dieses eine Einwanderer- st a d t. Nur neunundzwanzig Prozent der Einwohner sind in der Stadt geboren. Die übrigen stammen aus den Land- bezirken von Bengalen und ferner aus dem oberen Ganges- lande, dem indischen Süden und dem europäischen und asiati- schen Auslande. Eigentümlich ist die Art, wie der glänzende Eurvpäerstadtteil in die Eingeborenenstadt übergeht. Wäh- rend man in Bombay die Abgrestzung zwischen beiden fast mit dem Drahtzaune vornehmen könnte, sind hier Grenzzonen von zuweilen Kilometerbreite, wo niedrige indische Hütten ünd Krämerläden mit vielstöckigen, großartigen Geschäfts- Häusern abwechseln. So zum Beispiel reicht die Clive Street» deren eine Hälfte einen Teil des europäischen Paradeviertels ausmacht, mit dem anderen Erde tief in die Mischzone von westlichen Bauten und„oative town". Wahrscheinlich konnte wegen des raschen Wachsens des europäischen Geschäftsbe- triebes die Trennung nicht so strikt gewahrt werden, und Grundstücksspekulation verhinderte wohl manchmal die syste- matische Erweiterung der baulichen Komplexe. So kann man es hier erleben, daß in großen Verkehrs- ftraßen sechsstöckige Exporthäuser die Reihe kleiner, nach der Straße völlig offener indischer Basare unterbrechen. Diese Basare von innen zu sehen ist lehrreich, weil sie einem Art und Herkunft der industriellen Artikel des indischen Massen- Verbrauches enthüllen. Ueber einem davon hängt eine Fahne mit der schreiend bunten � Aufschrift:-„Hier werden d e u t s ch e W a r e n verkauft.* Den sahen wir uns zu- erst auf seinen Inhalt an: neben Solinger Messern und Scheren waren deutsche Spiegel, Aluminiumgeschirre, Gläser und Lutzende andere Kleinkramartikel(stets die billigsten ihrer Art) um etwa das Doppelte des deutschen Preises zu haben. Der Handel verschlingt hier, weil unorganisiert und wimmelnd übersetzt, sehr große Preisaufschläge. Ein anderes Geschäft mit d e u ts ch e r Ware gehörte der T e x t i l b r a n ch e an und bot bei ähnlichem Preisverhältnis gegenüber daheim allerlei bestickte Wollgewebe, imitierte Kaschmir- und Nepalschals und Baumwolltrikotagen. Ein Engländer» der seit Jahrzehnten in Kalkutta lebt, erklärte uns an den Beispielen dieser und anderer indischer Läden, wie seit dem Kriege sich der Anteil der einzelnen Import- lünder an diesen Märkten verändert hat. Vieles von den billigen Textilien, Schreibwaren und Kleinmetallwaren kommt heute ausAmerika, was früher nicht der Fall war. Eisen- waren liefert auch Birmingham jetzt in größerer Masse als ehedem. Die schärfste. Konkurrenz aber in all den genannten Artikeln entfaltet Japan. Wenn drei Qualitäten einer Mafsenware vorgelegt werden, die eine aus Deutschland, die andere aus Amerika und die dritte aus Japan, so ist letztere fast stxts die billigste. Allerdings auch die schlechteste, doch werden bei der geringen Kaufkraft der Volksmassen hier zu Lande diese niedersten Qualitäten vorzüglich gekauft. Selbst den ausgedehnten Biermarkt Indiens hatte Japan im Kriege erobert, in der Hauptsache allerdings inzwischen wieder verloren. Auch heute noch wird in den europäischen Gast- stätten japanisches'Flaschenbier abgesetzt, jedoch wenig ver- langt, da es weder dem deutschen.noch dem englischen Gc- schmack zusagt. In der gleichen Straße der sechsstöckigen Exporthäuser und indischen Basare sahen wir ein Bild, das uns in eine andere Welt versetzte. Es war ein kleiner, nach der Straße offener und um einige Treppenstufen erhöhter Bau. Etwa eine halbe Stunde lang beobachteten wir, wie Ziegen diese Treppen hinaufgeführt, dort von einem Schlächter auf einen Holzbock gelegt und von einem zweiten um den Kopf kürzer gemacht wurden, während eine Masse Zuschauer bis in halber Straßenbreite vor dem Hause standen. Erst glaubten wir, es handele sich um einen industrialisierten Schlachtbetrieb, er- hielten aber die Belehrung, daß hier Angehörige einer rück- ständigen Hindusekte ihrer Gottheit für die gewährte Er- hörung von Bitten Opfer bringen, und daß diese Opferung an bestimmten Tagen von früh bis spät dauere. Andere Inder empfanden den metzgerhaften Gottesdienst nicht minder abstoßend als wir. Doch auch solche Schlächterorgien haben ihren letzten Grund in dem Fehlen jeglicher Volksunterrich- tung und sind entstanden, als und wo die altindischen Panchyatschulen der Dorfgemeinden verdarben oder zu be- stehen aufhörten. Und leider hat bisher der„Segen der europäischen Herrschaft" so gut wie nichts an ihre Stelle ge- setzt, sogar die letzten Reste des Vorhandenen zerstört. Kollegs und Hochschulen sind zwar da, aber nicht der elementarste Unterricht fürs Volk. Uns kamen vor allem die Kontraste zum Bewußtsein: hier das sechsstöckige Exporthaus, daneben Ketten orientalischer Basare und mitten darunter diese öffentliche Schaustellung eines düsteren abergläubische.n Unfugs. Auf dem heiligen Ganges und an seinen Ufern erlebten wir abermals das bunte Durcheinander zweier Welten. Zwischen Schiffen neuester Konstruktion, aus Glasgow und Liverpool kommend, bewegen sich große alte Ruderboote, von sechs bis acht Indern getrieben, die beim Bewegen der langen Ruder auf Deck vor- und rückwärts laufen. Großartig zu- gleich und furchtbar ist der Anblick von großen Schiffen, die auf die Sandanspülungen des Stromes aufliefen. Dort stecken sie nun. ganze Seiten weggebrochen, halb liegend, halb auf- recht, wie ein weggeworfenes Spielzeug. Wie Ameisen in einem Totenschädcl krabbeln die braunen Gestalte« der Inder in und auf-den geborstenen Kolossen herum. Sie brechen Brennholz ab für ihren Hausbedarf. Auf Dutzenden breiter, sehlich bewandcter Steintreppen gehen die Badenden, nach Äeschlechlern getrennt, hinab zur Reinigung im heiligen Strome. Dazwischen Hindus, die ihr� Kuh im �lufse waschen. Aus dem Ufergrün des 5)ugliarmes ragen weiße und hellgelbe Prachtbauten: Europäervillen und neugetünchte Jute- fabriken. Sicbcnundneunzia Prozent des Weltbedarfs an Jute werden an diesen Flußufern hergestellt. Der Unter- nehmer gewinnt noch als Einkäufer, indem er den verschul- beten Bauern die Jute vom Felde wegkauft. Den Jutebe- trieben dient der heilige Ganges zur Wasserversorgung sowohl wie auch zum Hertransport des Rohstoffs aus der Provinz und zur Absendung des Fertigprodukts in alle Teile der Welt. Uebcrall sieht man' Jutefasern abladen, Juteballen verfrachten, und an den Ufern her fahren jutebeladene zweirädrige Ochsen- wagen. Zwischen den Fabriken Palmenhaine, Hindutempel schüchtern enthüllend, dann wieder schilfbcdeckte Lehmhütten bengalischer Bauerndörfer. Kein Hafen und kein Flußufer der Welt bietet so be- zaubernd wechselreiche Bilder wie der heilige Fluß und seine Ufer in Kalkutta.___ Der literarische Hochverrat. Tie Schriftsteller gegen das Reichsgericht. Der Schutzverband deutscher Schrift st eller protestiert durch Beschluß seiner Hauptversamlung vom 20. Februar mit äußerster Entschiedenheit gegen die letz- ten Urteile des Reichsgerichts, die das bisher unbekannte Delikt vom literarischen Hoch- und Landes- verrat konstruieren.- „Wenn dos Reichsgericht", so heißt es in der Entschließung, „im Gegensatz zu seiner früheren Rechtsprechung für die Fest- stellung von Hoch- und Landesverrat nicht mehr ein konkretes Unternehmen voraussetzt, wenn es schon die Aeußerung einer Gesinnung in publizistischer Form für ausreichend erachtet oder die Verbreitung einer beliebigen Nachricht, die nach Ansicht des Gerichts geeignet erscheint, dem Reich ooder den Ländern Schaden zuzufügen, so wird die durch die Verfassung verbürgte Rede- und Denksreiheit völlig vernichtet. Wenn - ferner die an der Herstellung und Verbeitung einer Druckschrift beteiligten Setzer, Drucker, Buchhändler mit ihren Ge- Hilfen und Lehrlingen für den Inhalt der von ihnen gedruckten oder vertriebenen Schriften verantwortlich gemocht werden, so wird hierdurch unverantwortlichen Angestellten, die zu einer Prüfung weder berechtigt noch verpflichtet sind, ein Ein» spruchsrecht oder eine Art private Z e n su r.aufgenötigt, die mit den Grundsatz unserer Rechts- und Wirtschaftsordnung un- vereinbar ist, und die unvermeidliche Konflikte und Korruptions- erfcheinungen herbeiführen muh. Der Schutzocrband deutscher Schriftskeller hält es für feine Pflicht, das Reich und die Länder, die Parlamente und die öffent- liche Meinung auf die'schwere Bedrohung unseres gesamten geistigen, künstlerischen, politischen Lebens durch eine willkürliche verfassungswidrige Justiz aufmerksam zu machen." „Willkürlich und verfassungswidrig", mit diesen schmückenden Beiworten kennzeichnet der Schutzoerband deutscher Schriftsteller die Rechtsprechung des Reichs- gerichts, und„höchst bedauerlich und von kaum v e r- ständlicher Unkenntnis zeugend" nannte die „Tägliche Rundschau" das Leipziger Urteil im Falle Bafista und Genosien. In der Tat, die Leipziger Richter haben es verstanden, sich durch ihre mehr als rückschrittliche, zuweilen geradezu unsinnige Rechtsprechung das Miß- trauen allerweitester und selbst der ihnen bis heute nahe- stehenden Kreise zu erwerben. Der platz. Bon Trude E. Schulz. In lärmender, unlebendiger Beweglichkeit schluckt der große Platz die Nebenstraßen. Ein quälendes, bedrückendes Bild, selbst an sonnigen Sommertagen. Von sonnenlosem Winter grau in grau gemalt, ist es bei längerem Hinsehen soft unerträglich. Abier nie- mand sieht auch länger hin: kaum daß einer überhaupt hinsieht. Der große Platz schluckt, schluckt. Schluckt Straßen mit Autos und Elektrischen und Mensche», wirbelt sie in seinem Magen, seinem häßlichen, mißgestalteten Vieleck durcheinander, saugt ihnen ein wenig, nur ein wenig— er hat ja soviel Speise— Mark und Kraft aus, und speit sie wieder aus: Straßen hierhin, Straßen dort- hin, Menschen hierhin, Menschen dorthin, da gleich eine ganze Reihe von Autos, dort von Elektrischen. Neue kommen, immer neu«. Der große Play hat viel zu tun. Und doch gibt es auf diesem großen, grauen Platz etwas, das nicht dazu gehört, und das sich doch dorr behauptet. Selbst wenn der grau« Winter hier regiert. Hier hört sein Einfluß aus. Gelb, blau, rot und weiß leuchtet und duftet es über die Straßen, über de» Platz hin, durch allen grauen Schmutz und allen Benzingestank, ein langes, lebendiges Blumenbeet. Mal rückt es ein wenig nach rechts, mal nach links, und je nachdem schlügt in die eine oder andere Nebenstraße eine Duftwelle. Blumenfrau steht neben Blumen- srau, allen Jahreszeiten zum Trotz. Und je trüber ine Welt dieses Platzes aussieht, desto leuchtender flammen die Blumen. Tulpen strahlen gelb und rot ln dichten Lüschein, Mimosen strömen ihren süßen, südlichen Atem aus, Veilchen und Nelken wollen nicht zurück- stehen. Aber der große, graue Platz schluckt, schluckt. Wer hat Zeit, bei Blüten stehen zu bleiben? Nur wer welche kaufen muß, rasch, ohne Zeitversänmnis. „Sechs Tulpen'ne Mark," reckt sich vor seinen Augen ein Farbenbüschel. Das klein« Ladenmädel, dem das Goldgelb vor der Nase flim- werte, wollte bestimmt nicht? kaufen. Wo hatte die Frau nur ihre Augen gehabt?'Kaust ein so fadenscheiniges Mäntelchen, kaufen so srosterstarrte, rote Finger sechs Tulpen sür"ne Mark? Ganz abgesehen davon, daß in dem. Bändel sicher ein Dutzend waren Nur die Augen hatte die Kleine aufgerissen, ol« sie so von dem großen, grauen Platz auf die Seite gescheudert war und dort Plötz- lich mitten im schönsten, bunten Frühling stand. Und als der Früh- ling sich ihr dann so in Gestalt einer gelben Tulpenfockel entgegen- reckte, waren ihre Augen noch größer geworden. Daß sechs Tcklpen 'n« Mark kosten, interessierte sie nicht. Die Frau konnte auch un> möglich sie damit meinen. Di« Frau hatte aber doch sie gemeint und zog. vi» st« ihren Irrtum merkte, die Blumen mit leisem Brummeln:„Nicht» kaufen... weitergehen" zurück. Wenn in Zukunft überhaupt noch von einer Justiz im rechten Sinne des Wortes gesprochen werden» soll, dann geht es so nicht weiter! Setzer, Boten, Spediteure und nächstens wohl auch noch die gelegentlichen Leser einzusperren, das geht über die Hutschnur! Die bürgerlichen Parteien des Reichstages haben bei der Beratung des sozial- demokratischen Antrages über die Abänderung des Hochverratsparagraphev. Gelegenheit, unhaltbaren Zu- ständen wenigstens auf diesem Gebiete ein Ende machen zu helfen._ Die Extraktion. Zerfall der Völkischen.— Ludendorff, der Tiätenschiudcr. S t r o s s e r, der Hitlcrianer, ist bekanntlich aus der völkischen Fraklion des Reichstags ausgetreten: diese ist dadurch unter dem Stand von 15 Mitgliedern herabgesunken und hat damit ausgehört, eine Fraktion zu sein. Das„Deutsche Tageblatt" klagt über Zer- schlagung der völkischen Reichstagssraktion durch die National- sozialisten und schreibt: Die Verantwortung für die Schwächung der völkischen Ar- beitsmöglichkeiten im Reichstag tragen also die Nationalloziolisten allein. Im übrigen bedeutet der Schritt des Herrn Straffer, der obendrein der Presse früher bekannt geworden ist als der Fraktion selbst, in der Forni ein nicht gerade sehr taktvolles Benehmen gegenüber den bishcngen Fraktionsgenossen, namentlich gegen- über einer Persönlichkeit wie GeneralLudendorff, der auf dies« Weise den Vorgang vielleichr früher aus der Presse, als offiziell durch die Fraktion erfahren wird. Daß Ludendorff von dem kläglichen Ende feiner Fraktion erst aus der Presse erfahren wird, ist wahrscheinlich. Denn die vor- schriftsmäßige Stärke dieser Fraktion war sowieso fiktiv, weil eben Herr Ludendorss nie da ist. Die parlamentarische Tätigkeit dieses Herrn beschränkt sich auf die Einziehung der immer noch recht ansehnlichen Diätenreste, die ihm verbleiben, nachdem ihm die Diäten für seine ständige Schwänzerei abgezogen worden sind. Herr Ludendorfs ist dadurch in der Lage, die P e n s i o n, die ihm für seine Tätigkeit beim K a p p- P u t s ch und beim H i t l e r» P u t s ch ge- zahlt wird, noch erheblich aufzubessern. Die Bestimmung, daß den Abgeordneten für Fehltage Abzüge gemacht werden, die sich verdoppeln, wenn sich das Fehlen auf mehr als fünf Tage hintereinander erstreckt, ist ün sich wenig würdig. Man sieht sich aber gezwungen, sie aufrechtzuerhalten gerade im Hinblick auf Elemente wie den Abg. Ludendorss, der keine Pflichten kennt, sondern nur Diäten einsteckt. Kultusminister unü öerlinerStuüentenfchast Er wartet eine weitere Entwicklung ab. Zu dem neuen Brief, den die Studentenoertretungen der Berliner Studentenschaft an den Kultusminister Dr. Becker gerichtet haben, hören wir: Die in diesem Schreiben abgegebene Erklärung ist geeignet, die Verhandlungen der Stndentenvertreter, die auf Grund des Schrei- bcns der Studentenschaften vom 15. Februar eingeleitet wurden, aufs stärkste zu diskreditieren und die Vertreter zu desavouieren. Diese Handlungsweise ist um so unverständlicher, als bisher keine Anzeichen dafür vorliegen, daß die übrigen Universi- täten und Hochschulen geneigt sind, ähnliche neue Ausfälle- zu machen. Es unterstehen in Preußen insgesamt 18 Hochschulen (16 Universitäten und technisch« Hochschulen, sowie 2 Akademien in Düsseldorf und Braunsberg) dem Kultusministerium: falls nicht von diesen oder zumindest der Mehrzahl der Hochschulen ähnliche „Schritte"«ingeleitet werden, dürste man im Kultusministerium ruhig die weitere Entwicklung der Dinge abwarten und den Stuben- tcnschasten einsprechend der letzten Antwort des Kullusministers Gelegenheit geben, ihre voreilige Stellungnahme bis zum 1. Oktober zu revidieren. Für Verkürzung der HeeresMenstzeif in polen auf ein Jahr ist Abg. Genosse Liebermann eingetreten, sein Antrag im Hecresausschuß jedoch abgelehnt worden. Und da, als die Blumen so hastig aus ihrem Gesichtsfell» ver- schlvanden, wachte die Kleine auf. Nicht gleich ganz aus ihrem Frühlingstraum, nur ein kleines bißchen, nur soiveit, daß sie lang- sam, immer an den Blumen entlang und den Kopf ihnen zu- gewendet, weiterging. War«s der Frühling, der sie hielt, oder war es gar das Glück, das Schöne, Ferne, Fremd«, das ihr hier so nahe entgegenleuchtete, lentgegenduftete? Die Reihe der Blumensrauen hat«in Ende. Aber die Augen der Kleinen hingen noch immer magnetisch an dem, was diesen frosterstarrten Frauen doch nur„Ware" war. Die Kleine beachteten sie gar nicht niehr. Die stand jetzt wieder, stand, stand. Macht« zögernd einen Schritt zurück, wieder einen vor. Suchte in der Manteltasche nach etwas. Ging wieder entschlossen weiter. Wieder zurück. Stand bei der Frau, die in die Menge ihren Ruf warf: „Zioanzich Pfennig de Veilchen." Man kann sich das Glück kaufen. Man kann sich einen Veilchen- strauß kaufen. Zwanzig Pfennig sind viel Geld. Man wird heut nichts zum Abendessen haben. Aber die Veilchen sind Frühling, sind Glück, sind alles das, was der graue Platz, die graue Fabrik, die graue Stadt nicht sind. Man kann sich einen Dcilchenstrauß kaufen. Man kann sich das Glück nicht kaufen. „Frollein, machen Se doch die Augen aus." Mit aller Anstren- gung riß der Kasienbote, der ncben der Kleinen an der Bordschwell» gestanden hatte, sie zurüch, al» sie gerade in«inen Autobus hinein- laufen wollte. „Das ist noch mal gut abgegangen," sagten die vorüber- gehenden. Sie wußten nicht, daß eben das Vorderrad des Wagens über das Glück hinwegfuhr. Sie sahen nur einen kleinen, billigen Veilchenstrauß unter dem Rade. Der große Platz schluckt, schluckt. Kraft aus Meereswärme. Schon oft wurde der versuch gemacht, die im Meer enthaltene Kraft auszunutzen. In unseren Bretten ist man daran gegangen, die in den Mecreswellcn wirkende Lewogung in mechanilch nutzbare Arbeit umzusetzen. Es gibt bereit« eine Anzahl von Flutkrastwsrken, die dies« Aufgabe lösen. Ein neues Problem ist in Deutschland aus- getauckit. Es ist beabsichfgl, den Temperaturunterschied zwischen der Meeresoberfläche und den größeren Meerestiesen tn tropischen Ländern zur Krafigewinnunz auszunutzen. Schon vor einiger Zeil machte die theoretisch sehr elegante Lösung dieses Problems von sich reden, die der französische Ingenieur Claude vorgeschlagen hatte. Auf einen Riesenponton, der aus dem Meere schwamm, sollten strahlenförmige Maschinenhallen angelegt werden, oon denen jede 46 Turbinen enthielt, deren Laufräder 22 Meter im Durchmesser haben sollten. Es ist tatsächlich möglich, solche Räder nach Festig- keitsgesichtspunkten zu bauen, aber wirtschaftlich wären sie zu teuer. Es war beabsichtigt, das Temperaturgefälle zw'schen der Oberflächen- temperatur des Meeres und der Tiefentemperatur, die einem Druck Der Zknanzausglekch. Uneinigkeit des Regierungsblocks im KinanzauSschusi. Der Finanzausschuß des Reichstaoes sollte am Freitag mit der Beratung der Uebergangsregelung zmn Finanz- ausgleich beginnen. Da aber trotz wochenlanzer Besprechungen die Regierungsparteien unter sich iinmer noch nicht einig geworden sind, wurde auf Vorschlag des Abg. Dr. Brüning(Z.) die Beratung der Reichstagsarbeiten auf den 9. März ve r t o g t. Um die drohende Mietenerhöhung zum 1. April 1927 zu ver- hindern, beantragte Genosse Keil die sofortige Beratung des sozial- demokratischen Antrags auf Verlängerung des Sperrge- s c tz e s um ein Jahr, damit die Reichsregierung noch vor der Ver- tagung des Reichstages aufgefordert werden könne, ihre dem Reichs- rat zugegangene Verordnung zurückzuziehen. Es wurde beschlcsien, den sozialdemokratischen Antrag am Sonnabend zu beraten. In» vergangenen Jahr sind die Vorausleistungen der Kraftfahr- zeugbesitzer für außergewöhnliche Wcgeabmitzung durch einen Zuschlag von 55 Proz. ersetzt worden Eine Verordnung der Reichs- regierung schlägt die Verlängerung dieses Zuschlages bis zun» 31. März 1928 vor. Der Ausschuß stimmt dem zu. Zollkrieg mit Polen sinnlos! SchsefiettS Wirtschaft droht mit selbständigem Vorgehen. Breslau, 23. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Die Nach- richten über eine Entspannung im deutsch-polnischen Wirischaftskonflikt werden in Schlesien mit großer Skepsis aufgenomnien, da iminer derartigen Beruhigung:- Meldungen kein Ende des Zollkrieges folgte. Auch die amilick-cn Jntelesienoertretungen der schlesischen Wirtschast führen daher jetzt bereits eine ernste Sprache. So veröffentlicht an leitender Stelle heute die„Ostdeutsche W i r t s ch a f t s z e i t u» g", das amtliche Organ der Handelskammern von Breslau, Görlitz, Hirsch- bcrg, Liegnitz und Sagan einen Artikel, i» dem der Zollkrieg als sinnlos charakterisiert wird und die Schädigung Schlesiens dahin zusamniengesaßt wird, daß eine weitere Fortsetzung des Wirtschaststonslikts die beiden blühenden schlesischen Provinzen um Jahrzehnte hinter der Entw'cklung im übrigen Reiche zurückwerfen würde. Wörtlich heißt es dann weiter: „Aber auch im Westen und Süden und in Mittel- deutfchland, wo man den Abgang der polnischen Kundschaft viel leichter verschmerzen zu können glaubt, wird man bald vor- spuren, a>as der Rückgang der Kaufkraft des früher so blühenden schlesischen Landes für die Gestaltung des gesamtdeutsche» Innen- marltes bedeutet. Das Mißverhältnis der Arbeitslosen- zahlen in Breslau und Schlesien einerseits und in vergleich- baren deutschen Wirtschaftsgebieten andererseits kündet schon beut- lich genug, welcher Entwicklung wir hier entgegengehen. Oer Rügen, den einzelne Mrtschaftszwe'ge Schlesiens vorübergehend aus dem Zollkrieg gezogen haben, hat sich allmählich ins Gegenteil verkehrt. Verschiedene maßgebende wirtschaftliche Interessenvertretungen, die vielleicht noch vor einiger Zeit geneigt waren, einer verschärften Kampsmethode gegenüber Polen das Wort zu reden, haben inzwischen eiire nach der anderen und bis auf ganz wenige Ausnahmen in Anbetracht der tatiäch lichen Entwicklung ihre Ansicht revidieren müsse n."- Es wird dann ausgeführt, daß auch eine schwere Schädigung der polnischen Wirtschaft keinerlei Nutzen für den deutscheil Nachbarn bringen könne. Ein wirtschaftlich zugrunde gerichtetes Volk jenseits_ der Grenzen bleib« nicht nur ein unwillkommener Gefchäftstontrahent, sondern bilde auch im Hinblick auf die bekannte polnisch-russische Konstellation in vielfacher Beziehung einen Ge- fahrcnherd erster Ordnung. Das Schicksal �deutscher Volksgenossen und Vermögenswerte in Polen werde dadurch auch nur aufs neue bedroht. Es sei schon spät, aber noch nicht zu spät, an die a m t- lichen Stellen ln Berlin zu appellieren, wenn die amtlichen Brücken zwischen den beiden hauplslädlen sich nichl so bald schlagen lassen und wenn„die lies bedauerliche h-harbeil eines Teile» der presse hüben wie drüben" dazu führen sollte, daß der deulsch-poinische konslikl sich immer mehr zuspitze, dann würden die Mrlschaftsoerlreler auf beiden Seilen selber vorurlellslos die Zniliallve zu einer Verständigung unlernehmeu. von'/iw— V,« Atmosphäre» gleichkommt, zum Antrieb auszunutzen. Ganz abgesehen davon, daß die Anlagen zu teuer würden, ist bei-.cm Lorschlag die Tatsache unberücksichtigt geblieben, daß das Meer- messer Gas; enthält, d e man absaugen müßte, und leider würde die dazu nötige Energie gerade so groß sein wie die von der Anlage erzeugte. Ein neuer Vorschlag, den Dr. B ä u m e r tn Berlin vor kurzem im Ingcnieurhaus vortrug, scheint mehr Erfolg zu ver- sprechen. Man heizt in tropschen Gegenden Kohlensäure« t e s s« l mit dem Oberslächenwasser des Meeres, das ungefähr eine Temperatur von 25 Grad hat. Der dadurch entstehende Dampfdruck gestattet das Treiben von Kraftmaschinen. Die Abgase werden durch das aus der Tiefe des Meeres heraufgeholte Kühlwasser wiederuni in Kohlensäüre zurückverwandett, um oon neuem zum Antrieb von Turbinen verwandt zu werden. Die Arbe't für die Herbeischasfung des warmen und des kalten Wassers, sowie die Ueberwindung der Reibung in den Rohrleitungen erfordert theoretisch ein; Pumparbeit von l7 Proz der gewonnenen Energie. Man hofft jedoch, daß dieser Verlust praktisch etwa auf die Hälft« herabgesetzt werden kann. Da als„Abfallprodukt" kaltes Wasser in erheblichen Mengen ge- mannen wird, so hoffen die Konstrukteure, hierdurch die Anlage ertragreicher zu gestalten. Sie beabsichtigen, das kalte Wasser in den tropischen Gegenden durch ein Rohrnetz auf die europäischen Siedlungen zu verteilen und zur Abkühlung der Wohnräume zu verwenden. Die erzeugte Energie aber kann sowohl sür chemische Zwecke als auch für die Lieferung von Elektrizität Verwendung finden. Der Vorschlag, diese bisher wenig beachteten Kräfte der Natur Industriell auszunutzen, hat außerordentlich Bestechendes. Hoffentlich werden die theoretischen Annahmen durch die jetzt vor- gesehenen prattischen Versuche in vollem Umfange beflüUrt. Die Hauptversammlung der Gewerkschaft Deutscher Geistesarbeiter(Gcwerkschaftsbund deutscher Geistesarbeiter-Verbände) wählte folgenden Vorstand: Präsident Friedrich Rajenbergec-Koch, Vizepräsident Prof. Dr. Carl Fries, geschästsführcnder Direkior Maria Warnken-Piorkowski, Syndikus Rechtsanwall und Notar Dr. Conrad Mcndelsobn. Nach dem Rechenschaftsbericht ochören dem Gewerkschaftsbunde sollende Organisationen an: Deutsche Schriststeller-Union, Deutsche Komponisten-Uumn, Deutschs Privat- gelehrten-Union, Verband Akademischer Deutscher Tonkünstler, B.'r lmer Ensemble-Musiker-Bund, Verband Deiitscher Filind-i'-lie''-r, Bund der Autoren zum Schutze des geistigen Eigentums. Die Ge- werkschoft steht in Arbeiisgemeinscyait inll dem Reichetancll deinscher Bermsmusiker-Derbande. In die Sagung wurde folgende Bestimmung ausgenommen: Unterstützung tonnen Mitglieder finden, die wegen des InHalls ihrer geistigen Werke beruflich benachleil gt sind. Dl« europäisch« tage in der Kunst. Gehelmrat Prosesior Dr. Wilhem Waetzold sprach im Bund für Kunstauestellungen in Schulen über„Die europäische Lage in der Kunst". Der Vortragende ging aus von der Kunll der einzelnen Länder. Als geistesverwandt saßt« er den Expressionismus Deutschlands, die moderne Kunst Ruß- lands und den Futurismus Italien« zusammen. In allen dr.ei Rich- tungen sieht er Ausdruck des Gedanklichen, Problematischen, während der Kubismus Frankreich» mehr auf ein« Logik der Form, auf den Not öer Sozial- unö Kleinrentner. Unhaltbare Zustände in der sozialen Fürsorge. «In den Rvichsgrundsätzen über die Fürsorge vom •t Dezember 1924 heißt es einleitend, daß die Fürsorge die Aufgabe hat, den Hilfsbedürftigen den notwendigen Lebens- bedarf zu gewähren.— DaZU gehört; Der Lebensunterhalt, insbesondere Unterkunft, Nahrung, Kleidung und Pflege: Krankenhilfe sowie Hilfe Zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit: Hilfe für Schwangere und Wöchnerinnen: bei Minderjährigen Erziehung und Erwerbs- b e f ä h i g u n g und bei � Blinden und Taubstummen und Krüppeln Erwerbsbefähigung. Wenn diese Grundsätze von den Bezirksfürsorgeverbänden beachtet würden, brauchte in Deutschland niemand Not zu leiden. Keine Vorschriften werden jedoch von den ausführen- den Behörden so mißachtet, wie diese Reichsgrundsätze. Im Herbst 1925 gab die Reichsregierung eine Verordnung heraus, die weitergehende Hilfe sichern sollte. In dieser Ver- ordnung vom 9. September 1925, die das Gesetz vom 8. Juni 1926 übernahm, wurden die obersten Landesbehörden oder die von ihr bestimmten Spellen verpflichtet, Richtsätze für den notwendigen Lebensbedars der Hilfsbedürftigen festzusetzen, und es wurde weiter bestimmt, daß für S o z i a l- und Kleinrentner und ihnen Gleichstehende die Sätze so bemessen sein müssen, daß sie in der Regel mindestens um ein Viertel höher find als der allgemeine Richtsatz. Wie es um die Durchführung bestellt ist, zeigt eine Denkschrift des Reichsarbeitsmimstsrs über die Richtsätze in den einzelnen Bezirksfürsorgeverbänden. Mit erschreckender Deutlichkeit geht daraus hervor, daß die Soüalhilfsbedürftigen, insbesondere auch die Sozial- und Kleinrentner der bittersten Not überantwortet werden. Nach dieser Statistik, die mehr als 1299 Bezirksfürsorge- verbände fBFV.) umiaßi, haben diese folgende Richtsätze (Lebensbedarfssätze) festgesetzt; Für bis nllrinstebende Invaliden g2 BFV. 20 M. monatlich, . 30. » 40„, . ßO„ über 50,, Für Ebevaar« bis 20 2ft. monatlich. . 30.. 0 40„„ » ÖO»»< m 60„„, , 70,*, .«0. über 80„, In 759 Bezirksfürsorgeverbänden ist der Lebensbedarfs- satz für ein Kind nicht hoher als 19 M. monatlich. In weiteren 349 BFV. beträgt der Satz 11 bis 15 M. und nur in etwa 59 BFV. wird der Satz von 15 M. überschritten. Die angeführten Sätze sind, wohlverstanden, n-cht all- gemeine Unterstützungssätze, sondern solche für Sozial- und Kleinrentner, die also in der Regel mindestens um ein Viertel hoher fein müssen als die allgemeinen Unterstützvng?:ichisätze. Wenn nun festgestellt werden muß, daß 88 Proz. der gesamten DFL. nicht mehr als 49 M., 38 Proz. sogar nicht über 39 M. und 32 Proz. mit dem Lebensbedarfssatz für Ehepaare nicht über 49 M. hinausgehen und 64 Proz. der BFV. den Satz von 59 M. für Ehepaare nicht überschreiten, so kann man sich ungefähr ein Bild davon machen, wie es in den Kreisen de. Fürsorgeberechtigten aus- sieht. Dann aber noch eins. Diese Lebensbedarfssätz'e werden sehr häufig nicht einmal innegehalten, sie werden in vielen Gemeinden als Höchstsätze angesehen, die nur in besonde- ren Fällen erreicht werden dürfen. Geschriebenes Recht und rauhe Wirklichkeit stehen ein- ander schroff gegenüber Die ReichsgrundMe verlangen die S'cherstellung des notwendigen Lebensunterhalts, die Denk- schrift des Reichsarbeitsministeriums zeigt, w-e weit wir noch davon entfernt find. Die Fürsorgebehörden, die Sätze von 29 und 39 oder 49 M. als wonatliches Cristen'm'nimum für Sozial- und Kleinrentner festsetzen, handeln gesetzwidrig und unsozial. Die bürgerlichen Vertreter in den Gemeinden er- klären sehr oft, daß man von der Gemeinde ans nicht mehr tun könne, es müsse dafür gesorgt werden, daß die Renten erhöht werden. Die Erhöhung der Renten wird von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion seit langem gefordert. Bisher hat j.doch gerade das Verhalten der bürgerlichen Parteisn im Reichstage diese Erhöhung verhindert. Vor nicht allzu lanaer Zeit hat noch ein Vertreter der V o l k s v a r t e i im Ausschuß des Reichstages erklärt, daß die Renten nicht weiter erböht werden können und, soweit die Notlaae durch die Invalidenrente nickt beseitigt werde, eben die Fürsorge- Hilfe einoreifen müsse. Das ist est' Spiel mit verteilten Rollen. In der Kommune, die die Fürlorge gibt, verlangen sie vom Reichstage höhere Rcn'en, und im Reichstage, i�, dem die Rentensätze beschlossen werden, verlanoen sie von der Für- sorge höhere Unterstütu'nasleistvnoen. So drück*« sie sich von der Erfüllung sostaler Pflichten und lassen die Hilfsbedürftigen hungern und notleiden. Das seit langem von den organisierten Sozialrentnern geforderte Mitbestimmungsrecht bei der Festsetzung von Unterstütz"ngen und im Beschwerdeverfahrcn wurde durch Gesetz vom 8. Juni 1926 zum Teil er'üllt. Nack d'esem G'setz soll bei der Durcksübrung der Fürsorge im Besckwerd�ver- fahren sow'e bei Nu�stxfh.na von Richtlin'-n und Richtsätzen die Beteiligung von Fürsorgeberechtm'en erso'aen. Das Ge'etz liegt schon acht Mona'e vor In Preußen bat man b'aber noch keme Zeit gefunden, entsprechende A"sstjhr"nasbesbm- mungen zu diesem Gesetze zu erlasten und?ab>eiche Beschwerden von d-r Organisation der Arbeits'nvaOden siegen vor. daß die Iursorgetebördett die Fordenmg auf H'n'U» Ziehung von Vertretern d"r Fsirsorgaber*chtiaten m-t dem cksttweis ablehnen, daß Preußen noch keine Aus- führungsbe st im mungen erlassen hat. Ist es wirklich so schwer. A"ssLbrungsbestimimina?n zu erlösten, die den Arbeitsmvaliden das ibnen aeset'lich Zustehende bescheidene Mith-'stimm"N''srecht aewährlestten? Es wird böckste Zeit. dost, entsvreckend den Reichsgrund- sätzen. Unt-rstützvnassätze festgesetzt werden, tste den ttffst wendiaen Lebensunterbalt oewäbrleisten und Maßnahmen getroffen werden, die das Mitbestimnu'ngsrecht sichern. A u g u st Karsten. die Kommunisten lügen weiter. Tie Munitionslicscrungen werden frech abgeleugnet. Ein Kriegsschwindel wird in Szene gesetzt. Ein solches Bild moralischer Verworfenheit, wie es die kommunistische Führung bietet, ist kaum noch erlebt worden. Ueber die russischen Munitionslicferungen für die Reichs- wehr hat die Regierung alles zugegeben, die Kommunisten lügen weiter, daß es solche Munitionslieferungen nicht gibt. Dem kommunistischen Abgeordneten C r e u g b u r g ist gestern im Haushalrsausschuh das Geständnis entschlüpft, daß die Munitionslieferungen auf das Jahr 1921 22 zurück- gehen, die„Rote Fahne" bestreitet, daß Creutzburg diesen Ausspruch gelan hat. Der„Vorwärts" proklamiert in dem diplomatischen Konflikt zwischen EnglandundRuß- l a n d, aus dem noch lange kein Krieg werden muß. die Reu- t r a l i t ä t, die„Rote Fahne" erzählt ihren Lesern, der „Vorwärts" Hetze zum Krieg gegen Sowjetrußland. Das Zentralkomitee der KPD. veröffentlicht einen Auf- ruf, in dem es die Frechheit aufbringt, noch jetzt, wo alles bewiesen ist, von einer„verlogenen sozialdemokratischen Granatenkampagne" zu sprechen. Außerdem konstruiert es ein Bündnis der„fchwarzweißroten Kriegshetze" mit England und sagt einen englisch-deutschen Krieg gegen Rußland voraus. Dabei weiß jedermann, der die Dinge verfolgt, daß die Schwarzweißroten mit ihren Sym- pathien weit mehr auf der russischen Seite liegen als auf der englischen. Es gibt keine fchwarzweißroten Zirkel, die den Krieg gegen Rußland wollen, aber dafür desto mehr, in denen noch immer der Gedanke eines„Befreiungskriegs" gegen die Entente an der Seite Rußlands spukt. Mit diesen „nationalbolschcwistischen" Kreisen, mit diesen„schrckirzweiß- roten Kriegshetzern" arbeiten die deutschen Kommunisten einträchtig zusammen. Ihr ganzes Streben ist daraufhin gerichtet, Deutschland in die russische Front gegen England hineinzulocken. Zu diesem Zweck versuchen sie dem Arbeiter einzureden, Rußland sei der Sozialismus, und es gehe darum, in Ruß- land den Sozialismus zu schlagen. Wäre diese Rechnung richtig, dann müßte die deutsche Bourgeoisie zum großen Teil sozialistisch sein, denn sie steht zum großen Teil zu Rußland. Was die Kommunisten treiben, ist eben nichts weiter als eine Fortsetzung der glorreichen Sowjet- granatenpolitik, der Politik des Bündnisies zwischen der russischen Roten Armee und der deutschen Reichswehr. die ja auch seinerzeit im Reichstag von Clara Zetkin, die zu diesem Zwecke extra aus Moskau gekommen war, im Reichstag verkündet wurde. Gegen diese Politik der heimlichen deutsch-russischen Intimitäten geht unser Kampf. Die deutsche Bourgeoisie würde sich über die Stimmung der deutschen Arbeiter sehr täuschen, wenn sie versuchen wollte, im Bündnis mit den Kommunisten, den Krieg gegen England an der Seite Rußlands vorzubereiten. Di« Masse der deutschen Arbeiter ist von dem Gedanken durchdrungen, daß diö großen auf gleicher Kullurhöhe stehen- den Völker Europas nie wieder durch blutige Feindschaften zerrissen werden sollen. Sic setzt ihre Hoffnung auf die eigene Kraft, auf die französischen Sozialisten und auf die englische Arbeiterpartei Sie glaubt nicht an das Heil, das von Moskau kommt und sie kann nur die Achseln zucken, wenn es in dem kommunistischen Aufruf heißt: Der engisch« Imperialismus rüstet zu einem Dernichtungskampse gegen das Land, in dem zum ersten Male in der Weltgeschichte die Arbeiterklasse den Beweis erbringt, daß sie nicht nur die Kraft hat zu regieren, sondern auch durch den Aufbau des Sozialis- in us dem ganzen werktätigen Volte eine freie, mensche ü- würdige und glücklich« Existenz zu sichern. Ueber den„Aufbau des Sozialismus" in Rußland denkt die Masse der deutschen Arbeiter sehr skeptisch, und von der „freien, menschenwürdigen und glücklichen Existenz" dsr rus- Willen zum Gesetzlichen hinauslief; In den anderen Ländern aber strebten die Kunstrichtungen nach Freiheit vom Gesetz. Ucberoll aber zeigt sich Betonung der Primitivität'statt Betonung der Technik. Borliede für Pathos statt Borliebe für Sachlichkeit. Die Kunst, die verknüpft ist mit der kulturellen und geschichllichen Eni- wicklung. der Länder, wurde Ausdruck, oft Borläufer ihres Zeüge- schehens. So saßt Waetzold den Kubismus als Borläujer des Faschismus, die Kunstrevolution als Vorläufer der Anfchauungs- rcvolution. Di« italienische Kunst, in der Neuzeit von ihren großen Klassikern erdrückt, wollte sich mit dieser Richtung freimachen vom Hergebrachten, wollte ihre neuen Wege finden. Gerade der Faschis- mus aber hat in Itallen wieder zu einer Rückkehr, sogar zu einer Ueberbelonung der Tradition geführt. Ueberhaupt glaubt Waetzold, daß in ollen Ländern bereits ein Abklingen der extremen Kunst- richtungcn eingesetzt hat. daß sich in allen Ländern ein Neuklassizis- mus entwickelt. Aber dieser gleich« Begriff wird wieder überall ver- schieden ausgefaßt; in Frankreich ist er Sache des Ateliers, Betonung einer Kunsttradition. die über Raphael, Ingres bis zur Gegenwart reicht: in England ist er Sache der Schulstuben, eine Art Reu- Humanismus, m Deutschland hauptsächlich Sache oer Gesinnung. Die aleiche Kunstrichtung äußerst sich also auch überall verschieden. So ist es nä.ig, zuerst die künstlerische Eigenart seines Landes zu begreifen. Erst dieses Verstehen ist die erste Etappe zu einem internationalen Kunstverstehen. Tes. Pros. Theodor Cesiinfl-Hannooer sprach in einem Vortrag der Physiognomischen Studiengesellschast im Schu- bertsaal über..Antlitz und Charakter". Er zeigt«, wie es schon 500 v. Ehr. in Indien ein ausgearbeitetes System der Physioonomik�gab, das aber die Physiognomie unter moralischen Voraussetzungen betreiben wollte, also im Gegensatz zu unserer beutigen Auffassung stand. Wir müisen heute unbesangen, ohne ein Werturteil formulieren zu wollen, vor das menschliche Antlitz treten und es als Naturprodukt, wie etwa einen Baum, einen Stein in seiner Gesamtheit aus uns wirken lassen. Nur dann werden wir aus ibm lesen können. Zwar werden wir selten die Eigenschaften des Menschen erkennen, wohl aber wird das Gestcht uns die Triebe, Ltidenschaften und Affekte enthüllen, wird also eine Art Gedanken- lesen ermöglichen. Prost Lessing«igte, wie sich seit dem Altertum die Physiognomie entwickelt Hot. Beionders betonte er die Verdienste Galls auf diesem Gebiete, der ein sehr scharter Beobachter war, sich aber stets zu phantastischen,'iir die Wissenschast unbrauchbaren «ochlußsolgerungen hinreißen ließ. Iz. HI"! Barchel Nest in einer Beranlaltimg der Sozial! st ilchcn Arbeiterjugend Mr.-Verlin tDeibebezirk Lichtenberg) am JO. März in der Aula de» R e s o r m> K y m n a i i u m§, P a r l a u e/ auZ eigene» Tetken. Anjang 8 Uhr. Eiiltrilttptr S 25 Pf. Do» unverlülz'« Frankreich Ter englische Schriilitever Harri K F rank dalt« sich wegen c neS seiner Werke, da» als inimora.iich bezeichnet wurde, oor dem Gerichtsdos in Nizza rerantworien sollen. Nach längeren Iiisorrnationeii hat das Gericht die Klage als gegenstandslos verworfen. fischen Arbeiter hat sie noch nicht das allergeringste bemerkt. Wir können nur wiederholen, was wir gestern hier gesagt haben, daß die Arbeiter in drm konservativ regierten England immer noch menschenwürdiger, besser und freier leben als in dem bolschewistisch regierten Rußland. Da die Haltimg der deutschen Kommunisten zweWIos auf Mostauer Weisungen zurückgeht, steht fest, daß Moskau noch immer dasselbe schmutzige Dovpelspiel treibt wie in früheren Iah-en, in denen es die deutschen Arbeiter zum bewaffneten Aufftand rief und zugleich der Reichswehr die Munition lieferte, um sie den deutschen Arbeitern in den Bauch eu-jagen. Es gibt ke-nen Grad des Mißtrauens, der dieser Politik gegenüb'r n'cht am Platze wäre. Mit Ekel und Abscheu wendet sich jeder ehrliche deutsche Arbeiter von diesem verworfenen Treiben ob. Gang nach Ganojsa. Tie Würde eines deutschnationalen Retters. Der deutfchnationale Reichstagsabgeordnet« Freiherr v. Stauffenberg hat bekanntlich in einem Brief an drn württembergischen Staatspräsidenten B a z t l l e schwerfe B e- leidigungen gegcn das Zentrum gerichtet. In einer vor vierzehn Tagen abgegebenen Erklärung hat er bereits in de- und wehmütigem Ton den Rückzug an- getreten. Die Zentrumsbauern, die dem deutschnationalen Ritter eine Reihe, zum Teil hochdotierter Aemter anvertraut haben, waren aber damit nicht zufrieden. Zur Rettung seiner Aemter hat Stauffenberg.nun eine neue Erklärung jabgegeben, die wert ist. im Wort- laut der Mitwelt zur Kenntnis gebracht zu werden, Sie lautet: „Ich wiederhol«, daß ich in meinem Briefe an den Herrn Staats- prästdenten die Anhänger des Zentrums und die oberschwäbische Bs- völkerung nicht beleidigen well e, gebe ober zu. daß ich sie allerdings lalsächlich gröblichst beleidigt habe. Ich nehme keinen Anstand, zu erklären, daß dies ein Unrecht war, das ich aufrichtig de- dauere und das ich leider nicht ungeschehen'machen kann. Ich erkläre allen Ernstes und in aller Ehrlichkeit, daß die in meinem Schreiben enthaltenen Beschimpfungen des Zentrums. �>er Zentrumsanhönger und der auf feinem Boden stehenden vberschwäbl- scheu Bevölkerung meiner Inneren Einstellung uichf enlsprechen. vielmehr nur der Auddruck augenblicklicher Erregung gc- wesen find." Schlimmer alz es mit dieser Erklärung geschieht, hat wohl kaum einmal ein polili scher Führer sich selbst gcdemütigt. Der kommunistische Relch'kagsabgeordueke Münzenberg hat von der Bundespolizei in Wien ein Einreiseverbot erhalten, dos mit seiner AUswe sung im Jahre 1313 begründet wird. Er hat Beschwerde an den Landeshauptmann von Wien, Genossen Seitz, erhoben. Wem aber die Einren e noch Deutschösterreich verboten ist, dem kann die Erlaubnis für Wien nichts nützen. Die Väter unü Sie Söbne. Keudclls„Persönlicher Referent" und ivertrauensmann. Als der deutschnationnle Abgeordnete Schiele scjnerzest in das Reichsinnenministerium einzog, bestellte er als seinen„persöit- liehen Referenten", das heißt als Vertrauensmann, einen Regicrungsasiefsor v: K e u d e l l, der in der acht Monate währen- den Ministertätigkeit Schielcs zur Ueberrafchung aller Beamten samt- liche Stufen der Laufbahn erkletterte, zum Rogierungsrat, Ober- regicrungsrat und schließlich, kurz vor Schielcs Abgang, zum Ministerialrat befördert wurde. Jetzt hat ein anderer Ken de II, der Kappist, das Reichs- innenminlsterium übernommen. Auch er braucht dazu einen..pcrsön- lichen Referenten". Ais solchen hat er den Sohn des Abge- ordneten Wallraf berufen, der bisher in Beyern bcschäf» tigt war. Man �cht, wie trefflich die Familienmirtschaft im dentschnatio- nalett Lager verankert ist. Wenn aber irgendwo ein junger Ncpu- blikaner in ein Amt berufen wird, dann schreit die Meute wie bc- sessen. Sie weiß, warum! H Erhöhung öer Leamtengehälter. Beschluh deS Landtags. In der heutigen Sitzung des Landtags teilte zunächst Präsi- dent Bartels mit, daß der auf Landeswahlvorfchlaq der Wirt- s ch a f t» p a rt ei gewählte Abg. Fleischermeister Mädel- Berlin aus.seinen Eck verzichtet habe. Dafür wird der Abg. C o I o s s e r nachrücken. Mädel bleibt weiter Mitglied, da er aus der Berliner Liste für den verstorbenen Wirlschaftspartciler Müller-Franten nach- rückt. Bor Eintritt in die Tagesordnung gab sodann Abg. Hillger- Spiegelberg(Dnat.) eine Erklärung ab. in der er einen sozioldemo- kratischen Zuruf aus der Donnerstagsitzung zu entkräften suchte, er habe arbeitslose Arbeiter aus seinem Gut zu einem Stundenlohn von 12 Pfg. beschäftigt. E» seien 20 P f g. pro Stunde gezahlt worden, und er habe die Erwerbslosen lediglich unterstützen wollen. Sie seien ihm amtlich vermittelt worden und hätten die Erwerbslosenunterstützung weiter bekommen.(Zuruf bei den Soz.: Dann hat man die Erwerbslasenunierstützung benutzt, Ihnen billige Arbeitskräfte zu verschossen!) Ohne Debatte wurde sodann der Antrag des Beamtenausschusses (der sozialdemokratische Antrag Müller-Hannover) angenommen, eine laufende Erhöhung de? Zusiblages aus die Be- a m t e n a r u n d g e h ö l t e r in den Gruppen 1 bis 6 out?Z Proz., in den Gruppen 7 bis 3 auf 20 Proz., in den Gruppen 19 bis 12 auf IS Proz.. in der Gruppe 13 auf IZ Proz. vorzunehmen, den Frauenzuschlag um 100 Proz., die Kinderzuschläoc um SO Proz. zu erhöhen, und den Wchnungsgcldzuschuß auf 120 Proz. zu bemessen. Im Reichsrat sollen von Preußen entsprechende Anträge gestellt lyerden, deren Ergebnis dem Landtag mitgeteilt werden soll. Außer- dem wird in einer Entschließung dos Staatsministerium ersucht, beim Reiche auf eine Revidierung der Bcsoldungsordnung Hinzuwirten. Verantwortlich filr Politik: Vlrtar SlSikk: Wtritch'k!'ne„— r-..... 95» t SeroleKchOrze„.m 05 aus lelnem Wäscbestoff...... ,«»»»»»». v4#Pl Domßn-Schflrzßjnmpnto». 05 gestreltt oder gemustert................ mw �wPf 3 Spltzen-Tas(lientllcher...95» iCmKlüjpclspitze 05 imitiert, ca. ♦ cm breit................. 8 m Rlöppßlspitzßod-EinsQtz o e imitiert, ca. 6 cm oieit................. 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Prof. Peter Behrens führte in seinem Vortrag aus: Das Interesse der geplanten Straßendurchbrüche knüpft sich an den schönsten Teil Berlins, nämlich die Wilhelmstraße, jedoch ergibt sich auch ein bedeutungsvolles bautcchnisches Problem an der«nt- gt gcngeseßten Seite, der Friedrich-Ebert-Straße. Für diese Straße, die den Namen des ersten Reichspräsidenten trägt, war der Gedanke naheliegend, eine monumentale Hausgruppe zu er- richten, die in unmittelbarer Nähe der Minssterien die entbehrten Bureaus der Aemter hätte aufnehmen können, nachdem der Gedanke, den„Kaiserhof" zu erwerben, fallen gelassen worden ist. Außer Behrens haben sich mit Plänen für diese wichtige Aus- gäbe beiaßt: die Architekten Poelzig, Tessenow, Höring, die zu dem Entsäzluß gekommen sind, nicht die Friedrich-Ebert-Straße zu be- bauen und mit großen Häusern zu bestellen, sondern für sämtliche Reichsmimsterien, mit Ausnahme des Auswärtigen Amtes, das wohl schon aus traditionellen Gründen auf seinem alten Platz oerbleiben sollte, ein einheitliches, großes Gebäude zu er- richten. Der geeignete Platz hierfür scheint der Platz der Republik zu sein, wo das Hochhaus der Ministerien in un- mittelbarer Nähe des Reichstagsgebäudes sich befände. Auch städte- baulich würde dieser Gedanke vielversprechend sein, um dem Platz der Republik eine genügende Ausgestaltung zu geben, die erhöht werden könnte, wenn an dieser Stelle auch ein Gebäude für die preußischen Ministerien hinzukäme. So erfreulich die Anregung eines Durchbruches von der Fran- zösischen Straße her sein mag, so wird es aber zweifelhast bleiben, ob mit dieser Durchführung für lange Zell Entlastung für den Verkehr geschaffen werden kann. Es erscheint sogar wahrscheinlich, daß bald größere Maßnohmen in der baulichen Umge- staltung Berlins noiwendig werden und daß auch Durch- brüche an verschiedenen anderen Stellen Berlins notwendig sind. lieber kurz oder lang wird es auch kommen müssen, daß der Potsdamer Bahnhof und der Anhalter Dahnhof zurückgelegt werden bis ans Gleisdreieck und zu einem Z e n- tralbahnhof vereinigt.werden. Aber auch der Berkehr des Nordens und des nördlichen Ostens wird«ine Vereinigung in einein Zentralbahnhof an der Stelle des jetzigen Lehrter Bahnhofs wlln- schenswert machen. Dann aber freilich wird eine unterirdische Ver- bindung der beiden großen Zentralbahnhöfe notwendig sein.— Die Schwierigkeiten werden wegen der Untergrundbahn nicht verkannt, scheinen im Vergleich aber zu dem großen New-Porker Bahnhof, der mehrgeschossig sich vertieft, überwindbar. Der Prozeß Jürgens. Tie Kredite der Angeklagten. Am heutigen Verhandlungstag wurde die Vernehmung der An- geklagten über die in Kassel spielenden Fälle, die im wesentlichen die Erbauseinandersegung zwischen Frau Jürgens und Frau Kugel be- trafen, fortgesetzt. Der Angeklagte Jürgens nahm noch einmal das Wort zu einigen Fragen, die ihm der Vorsitzende gestern vorgelegt hatte und die er nicht klar und präzis zu beantworten wußte. Der Angeklagte entschuldigt sich heute damit, daß er am ersten Tage noch unter der Einwirkung der Haft gestanden habe. Frau Jürgens, die leise vor sich hinweint, und in der Erregung auch die Stimme nicht zu meistem vermag, wendet sich bitter gegen den von ihrem zweiten Gatten mehrmals gebrauchten Ausdruck von der„ftugelschen Schuldenwirt- schaft*. Ihr erster Mann habe Tag und Nacht gearbeitet, dann aber sei der Krieg und eine schwere Krankheit gekommen, die ihn zwei Jahre lähmte, dadurch sei der Betrieb in Verfall geraten. Vors.: Es ist doch nun aber einmal nicht aus der West zu schaffen, daß Sie persönlich ungeheuer viel Geld ausgegeben haben. 1918, im Todes- jähre Ihres ersten Mannes, haben Sie nicht weniger als 60 000 M. ausgegeben. Angekl. Frau Jürgens: Sehr viel kostete die Auf- lösung unseres großen Haushalts, und dann habe ich 30 000 M. verspekuliert. Im weiteren Verlaus der Verhandlung verwahrte sich die Angeklagte dagegen, daß sie betrügen wollte. Sie hätte noch genügenden Besitz in Stargard und auch wertvollen Schmuck. Wohl sei sie leichtsinnig und gutmütig gewesen, aber wenn man sie nicht verhaftet hätte, dann wärx niemand geschädigt worden. Bei der Behandlung eines Betrugsversuches der Frau Jürgens an die Banksirma Meyer u. Caspary in Stargard erklärte der Anae- klaate Zürgens, daß damals an den Rechtsanwalt W i e s c r in Kassel ÖOOO M. zu zahlen waren, und daß auch noch andere kleinere Ver- pslichtunaen bestanden. Arau.Jürgens: Es ist ja fürchterlich, was man mit uns armen Tieren macht. Aber, Herr Vorsitzender, es wurde mir ja überall so leicht gemach«. Die Leute drängten mir die waren förmlich auf, die Frau vom Juwelier I a s s e y z. B. sagte mir direkt:.Sie können nehmen, was und wieviel Sie wollen. Wir werden unser Geld schon bekommen." Bei der Erörterung dieser Dinge wandte sich Landgerichtsdirektor Jürgens sehr scharf gegen Oberstaatsanwalt Jordan aus Stargard und verlangte von diesem, daß er die Briese herausgäbe, die Jürgens an seine Frau geschrieben habe, und in denen er zum Teil noch aus>der Fahrt nach Teneriffa mit ihr geschäftliche Dinge besprach. Oberstaatsanwalt Jordan er- klärte, daß nicht er die Briefe habe, sondern daß sie wahrscheinlich der Gerichtsvollzieher, der in der Iürgenschen Wohnung gepsändct habe. Der Angeklagte Jürgens mackte deshalb das Gericht für die Wiederbeschaffung dieses schriftlichen Materials verantwortlich, da sie sein Privateigentum darstellten. In rascher Folge wurden dann die übrigen zur Anklage stehen- den Punkte, in denen die Angeklagte Kreditschwindel begangen haben soll, erörtert. Ein Darlehen von 3000 M. hatte sie sich vom Ober- regierungsrat F a l ck angeblich zllr Regelung ihrer Prozcßangelegen- heiten in Kassel geben lassen, den Rückzahlungstermin jedoch nicht eingehalten. Weitere 8000 M. hatte sie von der Stargarder Stadt- dank bekommen, und außerdem Kleidungsstücke, Wäsche, Haus- haltungspegenstände und Lebensmittel von allen möglichen Jjirmen auf Kredit bezogen, so z. B. für 899 M. Kleider von einer Stettiner Firnm, für 799 M. Kleider aus einem Stargarder Modeatelier. Die Angeklagte gab zu. daß sie immer viel Geld für Kleider ausgegeben habe, denn ihr erster Mann habe auf gute Kleidung Wert gelegt. In ihrer Gntnrütiqkeit habe sie sich zu iinmer neuen Anschaffungen verleiten lassen. Sie gab dann im einzelnen eine große Zahl tost- spieliger Ausgaben an. Dorf.: In Ihrer Situation sind mir diese Anschaffungen nicht recht verständlich..?rau Zürgens: W i r wollte n damals eine große Gesellschaft geben. Auch die Fleischermeister in Stargard wurden entweder mit nicht- eingelösten Schecks oder gar nicht bezahlt. Daneben borgte Frau Jürgens auch ihre Bekannten an. ohne diese Darlehen zurückzuzahlen, so einyt Landgerichtsrat Joachim um ?5 9 M., mit denen sie angeblich änderen Leuten aus der Verlegen- best helfen wollte, und den in ibrem Haus in Stargard wohnenden Cbesarzt Dr. Weber um 63 9 M., weil sie angeblich diesen Betrag aus der Post verloren hatte und ihrem Mann davon nichts sagen wollte._ Der Unlcrgrundbahnbau, der sich gleichsam vor den Augen der Bevölkerung abspielt, ist dennoch für den größten Teil der Berliner eine mehr oder minder geheimnisvolle und verwirrende Angelegen- best. Da sieht man gewaltige Rommen, die eiserne Träger in das Erdreich treiben, Boh'en, die das Pflaster decken, Wagen, die Erde abfahren, tiefe Schächte und eines Tages wird eine neue Unter- prundbahnstrecke, eröffnet. Der Film aber bringt Ordnung in dieses Chaos. So wird gegenwärtig in der„Urania" ein interessanter Film gezeiat, der z. T. mit Trickaufnahmen arbeitet. In sehr geschickter Weise ergänzen sich Trickousnahmen mit solchen, die die Arbeitsstätte selbst zeigen und vermitteln so ein klares Bild der gigantischen Leistungen, die hier vollbracht werden. Besonders über- raschend wirkt die an sich einfache und überzeugende Idee des Tunnelbcus und die überaus schwierige, mit ungeheuren Anstren- gungen und Materialauswand verbundene praktische Ausführung. Die Aufnahmen sind so schön und klar, von einer solchen edlen Sach- lichtest, daß man diesem Film recht viele Zuschauer wünschen mutz.— Die Firma Christoph u. U n m a ch hat von ihren Fcbrikänlagen und Werkstätten einen Film aufnehmen lassen, der in Berlin eine Reih« von Fachleuten und der Press« vorgeführt wurden. An Hand von sehr sorgfältig ausgewähltem Material wurde auch der Auf- bau eines Holzhauses in der Tafelbauausführung gezeigt. Schon um diesen Arfreitsvorgang, der film- und bautechnisch aus- gezeichnet gelungen ist, wird der Film über die Fachkreise hinaus starkem Interesse begegnen. � das Geftanünis ües Mörüers. Der Kutschermord bei EberSwalde jetzt völlig aufgeklärt. Ueberraschend schnell ist es, wie bereits mitgeteill, gelungen, das Verbrechen an dem Bierkutscher Wessel aufzuklären. Glücklicher- weis« war es dem Gastwirt Schroeder, in dessen Lokal Wessel zunächst verbunden worden war, eingefallen, daß er eine Kugel gefunden und in die Westentasche gesteckt hatte. Er holte sie heraus. und die Besichtigung ergab, daß es sich um ein an der Spitze abge- feistes 9-Millimeter-Geschoß mit dem Fabrikzeichen„U" han- delte, wie jetzt festgestellt ist. Dieses Geschoß wird in Deutschland nicht hergestellt. Es wurde nach Berlin gebracht und im Polizei- Präsidium von Prof. Dr. Brüning genau untersucht. Die Kugel war in der Tasche des Gastwirts schon ziemlich abgewischt..Sie zeigte keine stärkeren Blutspuren mehr, wohl aber noch geringe Rück- stände von Serum, die bewiesen, daß sie einen menschlichen Körper durchschlagen haben mußte. Die Kugel konnte nur aus dem Auslande kommen. Jetzt kam es darauf an, wer wohl im Besitz einer ausländische» 9-Millimeter-Pistole sein konnte. In Golzorv hatte es sich schon longer henimgesprochen, daß der 28 Jahre alte Arbeiter Adolf Köpke, esti gelern Ur Maschinenschlosser, Waffen habe. Unter möglichster Schonung der leiden- den Frau durchsuchte Kriminalkommissar Trcttin das'kleine Haus Köpkes und fand dabei unter Dachsparren einen Karabiner und eine schwere belgische Militärpistole mit Munition. Diese ist die gleiche wie die von dem Gastwirt Schroeder gefundene Kugel. Alle Geschosse waren an der Spitze abgeseilt, ob erst von Köpke oder schon früher, weiß man nicht. Nach diesem Funde wurde Köpke auf das Polizciamt geholt. Dort nahm ihn Kriminalkommissar Trettin ins Gebet. Er bestritt, daß die gefundenen Waffen ihni ge- hörten, wollte überhmipt nicht wissen, daß sie unter dem Dach gesteckt hätten und wie sie dorthin gekommen seien. Mit dem Verbrechen wollte er nichts zu tun gehabt haben. Schließlich brach er zusammen und gab unter der La st des Beweismaterials die Tat zu. Noch in später Nachtstunde wurde er von den Beamten mit dem Auto nach dem Tatort gebracht, um die Vorgänge in der Mordnacht zu schildern._ „Preziosa"-Zlufführung der Gemeindeschüler. Nun wagt man sich schon an größere Aufgaben heran und will den Eltern zeigen, daß die kindliche Well nicht mit dem Märchen erschöpft ist. das die Jugend früherer Generationen einlullte und den werdenden Menschen ängstlich vor der Welt der Wirklichkeit ver- schloß. Heute hegt und pflegt man all die starken, unverbrauchten psychischen Kräfte der Jugend, läßt die Phantasie ungehemmt sich entfalten und trachtet frohe, natürliche, an Körper und Seele gesunde Menschen heranzubilden. In Erbe's Festsälen, Hasenheide, spielten Schüler und Schülerinnen der 13. und 16. w e l t l i ch c n Schule Neukölln, Lessinastraße, Webers„P r e z i o f a" im Rahmen eines Elternabends. Der Saal, der 1999 Personen Platz bietet, war zum Bersten voll. Eine Ausregung, ein Getuschel, ein Hin- und Herhuschen im Zuschauerraum, denn jeder einzelne hatte ein starkes persönliches Interesse an den Darstellern. Auf der Bühne ging alles wie am Schnürchen, kein Steckenbleiben oder Entgleisen. Hell und rein klang der Chor, lieblich Preziosa's Arie und wuchtig das wilde Zigeuner- getrampel. Alles war so gut, daß man fast die Kinder vergaß. Nur im Liebesdialog fühlten sich die Liebenden cy miimture doch leicht unbehaglich und gerieten unwillkürlich in ein verlegenes Aufsagen. Vielleicht ließen sich Stücke finden, die derlei möglichst vermeiden. Fischspeisungen stellungsloser Kaufleute. Im Rahmen der von der Stadt Berlin veranstalteten Fischgericht-Propaganda und im Anschluß an die stattgesundenen Fischspeisungen in der Volks- speisimg Berlin, Treskowstraße, findet in der Woche vom 21. bis 26. Februar täglich(außer Freitag) von 2 bis 3 Uhr nachmittags in der Volksspeisunq Charlottenbllrg, Charlottenburger Ufer 59-62, ein Gratis-Fischessen, ebenfalls für stellungslose K a u f l« u t e, statt. Es werden täglich zirka/Igst Personen gespeist, und der Vorrat ist ein so reichlicher, daß besonders hungrige Mägen zwei, ja auch drei Portionen erhalten können. Die Anzahl der Freitischler ist hier eine weit beschränktere, als in der Treskowstraße, wo täglich gegen 499 Portionen zur Ausgabe gelangten.� Auch wird die Mahlzeit hier nicht selbst zuverei'et, scndern im fert'gen Zustande in verschlcssenen Bebältnissen«ingeliefert. Lange vor Beginn der Eßstund« stehen die Menschen bereits geduldig wartend vor der Tür de» Paradieses, dos ihnen eine warme Mahlzeit, einen gesättigten Magen und ein wenig frische Kraft zum Dasemskampf beschert. Für die nächste Zeit sind weitere Speisungen in Spandau und Lichten- berg in Aussicht genommen. Großfeuer in Schönwalde. In dem Sögewerk der Firma Grünwald in Schön walde i. d. M a x k kam gestern nacht ein großes Schadenfeuer zum Ausbruch.'Außer den frei- willigen Feuerwehren der Nachbarorte eilten die Wehren von Pankow, Schönhausen und Buch unter Leitung des Bau- rotes Tamm an die Brandstätte. Es wurde aus vielen Schlauch- leitungen stundenlang Wasser gegeben. Ein großer Teil des Be- triebes fiel den Flammen zum Opfer. Der Schaden" ist sehr erheblich. Die Entftehungzursache ist unbekannt,_____.__ Die Entwicklung üer Ambulatorien. Die Veränderungen des sozialen und wirtschaftlichen Aufbaus unseres staatlichen Lebens, die der Weltkrieg nach sich zog, hatten auch die Berussgruppe der Aerzte nicht unbeeinflußt gelassen. Ihre wirtschaftliche Lage wurde durch die Inflation und die Verminderung der Kaufkraft weiter'Bolkskreise, sowie durch die starke Uebersüllung ihres Berufes stark verschlechtert. Aus diesen Verhältnissen sind die Ambulatorien heraus- gewachsen, Behandlungsanstalten, die bei m o d e r n st e r Ein- richtung ein möglichst geringes Honorar beon- spruchen, die, auf Fürsorgetätigkeit aufgebaut, das Vertrauen der arbeitenden Massen zu erringen bestrebt sind. Schon vor dem Kriege hatten bedeutende Acrz�, wie Professor G r o t j a h n und Pro- fessor L e n n h o f s aus die Notwendigkeit der Gründung solcher An- stalten hingewiesen. Aus den Reihen der Kassenpraktikcr war es vor allem der kürzlich verstorbene Genosse Albert Cohn, der diesen Gedanken immer wieder in die Debatte warf. Die große Masse der selbständigen Aerzte jedoch erblickt in den Ambulatorien ihre Wettbewerber, die sie glauben bekämpfen zu müssen. Da brach am 1. Dezember 1923 der Streit der Kassenärzte aus, der den Krankenkassen Veranlekssung gab, dafür zu sorgen, die ärztliche. Be- ratung und Behandlung ihrer Mitglieder sicherzustellen. Der Vor- stand faßte den Entschluß, die auf Gemeinschaftsarbeit aufgebauten Ambulatorien zu errichten. Dieser Beschluß wurde sofort in die Tat umgesetzt. Bereits im Jahre 1924 konnten 16 solcher Anstalten eröffnet werden. Bis März des gleichen Jahres war ihre Zahl auf 33 gestiegen. Am 1. Juli 1924 wurde die Be- Handlung der Familienangehörigen in den Laboratorien eingeführt. Das Jahr 1925 war dem weiteren Ausbau dieser Anstalten gewidmet. Ihre Zahl stieg bis Jahresende auf 38. Die Ambulatorien in Charlottenbur� Pankow, Reinickendorf und Wittenau wurden den Anforderungen entsprechend in größere Räume verlegt. In Nieder- schöneweide wurde ein« Röntgenstation, in der Großen Frankfurter Straße eine Kinderstation errichtet. Außerdem wurde eine größere Anzahl von Teilinstituten für Röntgen- und Lichtbehandlung eröffnet. In den Ambulatorien wird der Hauptwert nicht aus das Ver- schreiben von Medikamenten, sondern auf Vorbeugung und sachge- mäße Behandlung gelegt. Das Jahrbuch der Ambulatorien des Ver- bandes der Krankenkassen Berlins berichtet, daß zehn große Orts- krankenkassen mit einer Durschnittsmitgliederzahl von e tw a.60 9 99 9 im Jahre 1925 nicht mehr als 6!� Millionen für Heilmittel ausgaben. Das Vertrauen der arbeitenden, minderbemittelten Bevölkerung ist immer mehr gewachsen, was in einer sich stets erhöhenden Inanspruchnahme dieser Instituts zum Ausdruck kommt. Bis Ende 1925 mußte die Zahl der Aerzte und des Hilfspersonals auf über 599 erhöht werden. Die Kosten für den Betrieb der Ambulatorien wurden von den Krankenkassen durch einen Beitrag aufgebrocht, der für jedes Mitglied 39 Pf. im Monat betrug. Heute stehen den Ambulatorien bereits eine große Zahl sehr tüchtiger Aerzte zur Ver- sügung, hervorragende Mediziner würden als B e- r a t e r gewonnen. Die Diagnosenstellung ist außerordentlich sicher, da für jeden Fall eine Reih« von Fachärzteki vorhaben ist. Großen Zuspruchs erfreut sich die Schwangerenfürsorge und die neue spart- ärztliche Beratung in den dafür besonders-«ingerichteten Abteilungen. M Bei der großen Verbreitung des Sportöx war es notwendig, die' Ratsuchenden zu belehren, welchen Sport und in welchem Umfang sie ohne Gesundhcitsschädigung treiben dürfen. Die Ambulatorien haben in der kurzen Zeit ihres Bestehens ihre Notwendigkeit be- wiesen. Sie sind zu einer unentbehrlichen Einrichtung im Interesse. unserer Volksgesundheit geworden. Englisch(fit Freunde internallona'er kiel narb eil. ES können noch einige Genossinnen und Genossen in de« Ansang März beginnenden An- sängcrzirkel Ausnahme finden, und zwar Donncrsiags von 8—10 Ubr im Zenirum der Stadt. ArbeitSgemeinschaiten sllr solche mit einigen Vor- kcnnwissen tagen ebendaselbii um dieselbe Zeit jeden Dienstag. Die Mittel- ftule tiifft sich Montags. Gut Vorgeschrittene Freitags. Am ersten und dritten Mittwoch kommen die Freunde zusammen, die Vorträgen in englischer Sprache folgen können, sich aber auch an den Debatten beteiligen und ebensalls selbst Vorträge balten. Untcrrichtsbcitrag 1 M. je Abend (2 Stunden). Unterrichtet wird nach der diretten Methode. Nur Prot- tischeS Englisch findet Anwcndubg. Wandbilder iintcritützen den Unterricht, so dah niemals eine Ermüdung eintritt. Nach 20—25 Abenden können die Teilnehmer bereit« Beschreiblingen in englischer Sprache geben. Hausarbeiten werden lorrigiert, ebenso die während dcS Unterrichts angefertigten Diktate. Zwecks weiteren AuSbauS des Brief- und ZeitungSauStauscheS n?it englkschcn Freunden sollte die Beteiligung recht rege sein. Der gegenseitige Besuch wird im kommenden Sommer gleichsalls sorlgcieht. Auskünfte bierüber durch »Die Freunde internationaler Kleinarbeit" iGcnosse Dr. Paetz. NW. 27, Stromstr. S8). Anmeldungen zu den englischen AibeitSgemein chasten an den Leiter Genossen W. Floerke, SW. 19, Kurstr. 32, langjähriger Lehrer städtischer Fortbildungsschulen in England und Schottland. „Bolk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postaujlage bei. Sport. Internationales Reil, und Fahrturnier. Der Donnerstagnachmittag brachte wieder einen Massenbesuch. Das war auch kein Wunder, denn an der R e i t p r ü t u n g für Reitpferde, einer internationalen Prüfung, nahmen Klasse- Rcster und Klasse-Pferde teil. Es war vorzügliches Vierdematerial vorhanden und es wurden sogar zwei erste Preise verteilt, und zwar an H. Marwedes„Donner II", den R. Watjcn, eine eleganie Schulreiterfigur, vorstellte, und an v. Langens„Volt", den Major Bürkner, einer der besten deutschen Turnierreiter, ritt. Den zweiten Preis holte sich der Schwede Graf Bande mit seinem alten braunen Wallach„Ingo".._ Ringerweilstreit im Apollo-Theater. In dem Cntscheidungskampf am Mittwoch, Kley-Berlin gegen N e st r ö m- Estland, gab es eine sehr bedauerliche Unterbrechung: Der junge Berliner, der als der beste Mann im Wettstreit gelten kann, zog sich im Berlauf des Kampfes gegen den schweren und starken Estländer eine sehr schmerzhaste Sehnenzerrung in der rech- len Schulter zu. Das sportlich denkende Publikum wollte von einer Kampfsortsetzung, die Kley anbot, nichts wissen, ebensowenig Neström einen leichten Sieg erringen. Die Fortsetzung des Kampfes erfolgt an einem der nächsten Tage. G o ck f ch- Neukölln triumphierte sckon nach 15 Minuten über W e! n e r t- Sacbsen durch Hüitschwung. Der gute E q u a t o r.e- Italien erledigte B i e r h o l z- Ostpreußen be- reits nach 7 Minuten durch Untergriff von der Seite. Schach- s ch n e i d e r und Angulesku trennten sich ohne Resultat.— Tom Barry mußte vor Neström bereits nach 6 Minuten die Waffen strecken. Sein großes Können zeigte Angulesku im Kampf gegen Schachschneider, dieser alte, routinierte Kämpfer erlag nach 18 Minuten durch Ausheber. P o h l f u ß- Spandau fiel dem Italiener schon nach 4 Minuten zum Opfer. Nach schönem, sehr spannenden Kampf trennten sich G o ck s ch und Schachschneider ohne Ergebnis, Um öie �rbeitszest in öer Metallinöustrie Hcntc S.'cNungnahme der Ortsverivaltung. heute nimmt die mi tlere Orksoer waltung Berlin des Deutschen Metailarbeiterverbandes StZllung zu den Forderungen, die siir den M a n t e l t a r i s soimuliert werden sollen. Es handelt sich dabei, wie unsere Leser wissen, hauptsächlich um die Arbeits- zeit, aber auch um die Zetien usw. Innerhalb der Organisation ist man sich klar darüber, dah die Medrrherstellung des Zlcht'iunder.tages nicht ohne einen ganz auszerordentlichen Druck möglich sein wird. Auch in der Arbeile! schuft schein� diese Erkenntnis sich durchzusehen. Das kann man besonders daraus shllehen, dasz die Anzahl der Beuaus- nahmen in der jüngsten Zeit sich in erfreulicher Weise Hausen. Es muß aber noch besser werdcr». Es sind noch Zehntausende heranzuholen. Der Manteltarif öer MetallangesteUten. Be'chlnft der Zvunktioktäre. Das AsA-Metallkartell hatte die Funktionäre der Berliner Me- tallindustrie am Donnerstag zu einer Versammlung nock den Germaniasälen einberufen, in der zunächst Genosse Dr. P s i r r. mann vom Butab ein sehr instruktives Referat über das Arbeits- gerichirgcsetz hielt. Anschließend an die beifäll'g aufgenommenen Auslührungen gab Genosse Lange. vrm ZdA. bekannt, daß da�AsA-Metallkartett zu den, bevorstehenden Aolaus des Mantel» rifes der Ange- stellten der Berliner Metallindustrie Stellung genommen Hobe. Das Metalskortell hat seine Auffassunq über die Notwendigkeit der Kündi- pung des Tarifes in folgender Entschließung niedergelegt, die es den Funkt'vnären zur Annahme empfahl: „Die am 24. Februar in den Kermaniasälen tagende AfA- Funktionärversommlung beauftragt dos Metallkartell, alle'Vorbe- rei tunken zu einer eventuellen Kündigung des Mantel- tarifvertrages zu treffen und die Aufstellung entsprechender Iordorun''en vorzunehmen Die Funktionäre verpflichten sich aber, bei der bekannten und maßgeblichen Einstellung des Verbandes Berliner Metalllndustrieller alle Kräfte dafür einzusehen daß die organisatorischen Ivarbedingun- geü in den Betrieben geschossen werden" D'ese Entschließung wurde ohne jede Diskusston einstimmig angenommen. Das AsAMetallkartell wird in den nächsten Tagen die Forderungen aufstellen und sie den Funktionären zur end- gültigen Bcschlußsassung vorlegen./ öeiratstaqung ösr Fabrikarbeiter. Auf dem Vormarsch. Der Verbandsbeirnt des Fabrikorbcitervcrbandes nahm auf feiner 10. Tagung, am 21. und 22. Februar, Stellung zu den wirt- fchaf s- und sozialpolitischen Taacesragen. Der Vorsitzende. Genosts Brey, übte in seinem Gcschästsbericht«ine scharfe Kritik an der WinschaflZ- und Sozialpolitik des Unternehmertums und der Re- gicrung. Die Auffassung des Dcrbandsbcirats wurde in folgenden Forderungen zusammengefaßt: „Verkürzung der Arbeltszelt auf acht Stunden und weniger. Erweiterung und Durchführung des im Zull 19ZS vom Reichstag beschlossenen Arbeiisbeschafsungsprogramms. Auskömmliche Unier st ühung der Erwerbslosen und Sur.-arbeiter. Abbau der preise zum Zwecke der Hebung des ver- brauchs. Einen der TcurvNg der Lebenshakkung und der gesteigerten Tstlelpreise angemessenen Anteil aus dem Er.raze der Arbeit. Eine die Ausfuhr fördernde Zoll- und handelspoliiik. Errichtung eines koolrcllamles sür Kartelle und andere Unter- nehmerorganisaklonen oder Unternehmungen, die nach Größe und Art geeignet sind, einen wesentlichen Einfluß aus den Arbeitsmarkt auszuüben, unter majzg.bender Rlitwlrkung der Gewerkjchaslcn." Aus»dcm K a s s e n b e r i ch-t des Verbandskossierers Rößler ging hervor, daß motz der schweren Wirtschaftskrise«ine erfreu- lichc Stärkung der Verband sfinanzen eingatret«» ist. Der Verband besitzt gegenwärtig insgesamt 29 Grundstücke, ohne jene, die im Besttz von Zahlstellenverwaltungen stnd. Wohnungsnot für Angestellte, mehr aber noch d«r Mangel an geeigneten Geschäsls- räumen für dje Zahlstellenocrwaltungen nötigten den Verband zu diesen Erwerbungen. Die Sorge um die Erziehung eines im Sinne der gewerkschaft- lichen Tradition geschulten Funktionärkörpers hat bekanntlich den Fabrikarbeitsrverbond veranlaßt, Schulungskurse sür Funk- tionäre und Derbandsangsstellte abzuhalten. Die s«hr günstigen Er- fahrungen in diesen Kursen hoben zu dem Plane der Errichtung einer Berbandsschule sür den Zabritarbeilerverbar.d geführt. Die Verhandlungen über den Ankauf eines geeigneten Grundstückes in Mark Wenniasen einem Orte in der Waldlandschaft des Deisters, etwa 30 Kilometer von Hannover, haben bereits zu einem Kaufabschluß aeführt. Der Plan auf Err'chtung einer Berbandsschule und der Ankauf dazu geeigneten Grundstückes wurde einstimmig gutgeheißen. Die Beschlüfle der vom ADGB. eingesetzten gewerkschaft- lichen Kommission sür Verwoltungsreform wurden in einem längeren Referat des Dörstandssekretärs O. Adler erläutert und einst'mmig angenommen. Ueber„Arbeitszeit- und Lohnfrogen" im Ver- ban�gebiet sprach in einem längeren Vortrag Tarifsekretär R P a r tz f ch. Die Wirtschaftslage des letzten Zabres sei im allgemeinen nicht geeignet gewesen, größere gewerkschaftliche Unter- nehmungan zur unmi telboren Verbesserung der Lohn- und Arbeits- bediimungen zu begünstigen. Immerhin sei ez möglich aewesen, den erreichten Stand der Löhne zu halten und Verschlechterungen abzuwehren. Auch einige erhebliche Lohnst«! gerungen in der Margarine- und Speiseölindustrie konnten erreicht werden. In diesem Jahre sei es möglich gewesen, bereits ewig« erfolgreiche Vorstöße in der Lohnsrage zu Ende zu führen. Im Bezirk Hessen-Nassau konnte in der ch e m i- s ch e n Industrie vor einigen Tagen eine Lohnerhöhung um 7 Pf., in der Thüringer Papiercrzougungsindustrie um 4 bzw. 0 Pf. ffiir Maschinenführer 10 P�.) und In der gleichen Industrie im Bezirk Westfalen, in dem die Unternehmer wiederholt Anträge auf Lohnabbau gestellt hatten, um 3 Pf. pro Stunde erzielt werden. In der lebhafien Aussprache zeigte sich eine unterschiedliche Auf- fassung über die einzuschlagende zukünftige Taktik, was den Vorsitzenden zu der Scklußbemcrkung vcranlaßte, daß di« Praxis schon alle Auffassungen korrigieren werde Das Referat des Vorsitzenden-Karl T h i e m i g führte In das schwierige Gebiet des organisatorischen Umbaus der Gewerkschaften. Der Fabrikorb«iterverband hat im Verfolg der Zielsetzung der bekannten Entschließung des Brcslausr Gewerk- fchaftskongrcflcs, die in der f r e i w i l l i g e n Verschmelzung der Organisationen zu starken Jndustnevcrbänden die b«ste Entwicklungs- möqlichkeit erblickt, die Verschmelzung mit den Verbänden der Glas- und Porzellanarbeiter, in der Form der Gründung des„Keramischen Bundes" vollzogen. Drse Verschmelzung, in ihrer Form ohne Vor- bild innerhalb der deutschen Gewerkschaftsbewegung, ist nach sechs- monatiger Zusammenarbeit im großen und ganzen als gelungen zu betrachten. Der Vorstand des Fabrikarbeiterverbandes setzt aber seine Bemühungen fort, für die von ihm vertretenen Industriezweige zur Jndustriecrganisation auf Grundlage d«r B«tricbsorga- n i s a t i o n zu kommen, leider ohne dabei immer dos gleiche Eni- gegenkom.men und den gleickien Verständigunisw'llcn zu finden, die er bei den Verhandlungen an den Tag leaü Die Schwierigkeiten auf dem unliebsamen Gebiet der G r c n z st r e l t i g k e i t e n scheinen sich nicht zu verringern. Als Willenserklärung wurde eine Ent- schließung«instimmig angenommen, in der es heißt: »Di« einseitigen Bestrebungen mehrerer anderer Verbände, den Fabrikardeiterverband in«ine Zwangslage zu bringen und ihn dadurch �um Entgegenkommen zu zwingen, lehnt der Beirot ab. Zur Verständigung auf geaenseitiaer Grundlage wird der Fabpikarbeiter- Verband nicht nur jeder Zeit bereit s«ln, sondern er wird sie auch selbst suchen. Dem gesteckten Ziel, für die ihm angeschlossenen Industrie- zweige möglichst bald rein« Jndustricverbände zu schaffen, stimmt der Beirat zu. Er erwartet von den Berufsoerbänden und dem Vorstand des ADGB. dabei das gleiche Entgegenkommen, was der Fabrikarbeiterverband selbst den anderen Verbänden gegenüber be- wiesen hat oder noch beweisen soll." Ein sehr instruktiver Vortrag von dem Leiter der Rechtsschutz- abteilung des Verbandes, Karl Schmidt, unterrichtete über das Arbeitsgerichtsgesetz. Der Entwurf des Arbeits- schutzgesetzes wurde von dem Betriebsrätesetretär O Adler behandelt. Die Aussassung des Beirats fand Zlusdruck in einer Ent- schließung, die das Arbcitsschutzoesetz, Insbesondere die vorgeschlagene Arbeitszeitregelung, scharf ablehnt. Der Verlauf der Tagung wurde von keinem Mißton der Un- cinigkeit getrübt. Auf allen Gebieten, die behandelt wurden, trat der entschiedene'Wille zutage, die vorhandenen Schwierigkeiten zu meistern und zu überwinden._ Gelogen wie geSrvckt. Die Leser der„Roten Fahne" werden unterrichtet etwa wie der Große Generalstab während des Krieges das deutsche Publikum in- formiert hat. Es wäre ein aussichtsloser Bersuch. alle Schiefheiten und direkt unwahren Behauptungen richtigzustellen, die das Blatt seinen Lesern zumutet. Aus der gestrigen Nummer nur zwei Bei- spiele: Aus Leipzig ckieldct die„Rote Fahne" in einem„eigenen Draht- bericht", daß die Dresdener Vereinbarung von den Ausgesperrten „überall mit größter Empörung abgelehnt' worden sei uno daß die ersten Abstimmungsergebnisse erkennen lassen, daß sich eine große Mehrheit gegen die Vereinbarung ergeben wird." Das andere Beispiel: Zunächst die vierzeilige Ucberschrift: „Schiedsspruch sür den oberschlesischen Bergbau. 3'.h Stunden unter Tag— 10 und 12 Stunden über Tag— Der„Vorwärts" empfiehlt die Annahme."— Immerhin wird dann im Text der Schwindel«.was korrigiert. Es wird angegeben,, daß ab 1. September unter Tage nur noch 8 Stunden gearbeitet wird und daß der„Vorwärts" kein Wort dazu sage. Wie ein Arbeitstag 8V6 Stunden und zugleich 8 Stunden betrogen kann, wie man etwas empfehlen kann, ohne etwas dazu zu sagen, mögen die Leser mit der Redaktion ausmachen. Wir stellen nur fest, daß wir den Inhalt des Schiedsspruches, den die„Rote Fahne" falsch wiedergibt, im einzelnen kurz besprochen. ihn teils als„u n e r t r ä g l i ch". teils als„u n b e s r i e d i g e n d" bezeichnet haben. Und jetzt mag die„Rote Fahne" von diesem Schiedsspruch, zu dem der Bergarbeiteroerband erst am Sonntag Stellung nehmen wird, weiter als von einem„reformistischen Verrat" sprechen. BetriebSversamnllung der Lorenz-A.-G.-Arbeiter. Vom Deutschen Metallarbeiter-Verband wird uns geschrieben: In der„Roten Fahne" vom 22. Februar befindet sich ein Bericht über eine Betriebsversammlung der Firma E. Lorenz, Tempel- hos, die sich mit dem Bericht des Betriebsrats und der Kündigung des Rahmenvertrages beschäftigte. Dabei wird aus den„Verhältnis- mäßig aeringen" Besuch hingewiesen mit der Begründung des Arbeiterratsvorsitzenden Müller, daß di« vielen abgehaltenen Wcrkstottversammlungen und die Sabotage der„Re- sormisten" schuld daran seien. Es mag dahingestellt sein, ob es für die„Reformisten" und die indifferenten Kolleginnen und Kollegen ein Genuß ist, wenn mit dem Werktätigcn-Kongreß, mit Rußlanddelegationen oder den Lügen über die Sowjetgranaten die Zeit totgeschlagen wird, die sür prak- tische Gewerkschaftsarbeit notwendig ist. Eines muß aber dem Vorsitzenden Müller gesagt sein: hätte die Tagesordnung so auf den Einladungen gelautet, wie sie in der Versammlung verlesen wurde, dann wäre der Besuch derart gewesen, daß die Aula wahr- „Berichterftatlung losgehen. Ueber die Arbeitsgemeinschaft des Betriebsrots reden wir mit Herrn Müller an anderer Stelle, er wird dabei nicht zu kurz kommen. Wenn Herr G e n t s ch— bei der Firma E. Lorenz wie auch im DMA. unbekannt— über die Kündigung des Rahmenvertrages sein« Rede loswerden konnte, so loa dies in den Ver- hältnissen der Versammlung. Wenn die Betriebsversammlung dem Arbeiterrat das.wolle Vertrauen" ausspricht, so sind wir über Vertrauensfragen anderer Meinung. Von etwa 2000 Beschäftigten waren ungefähr 100 Personen anwesend. tScneralversammlung der Gärtner. Die Berliner Verwaltung hielt in der vergangenen Wache im Gewerkschrstshaus ihre Generalversammlung ab. Der gedruckt vor- liegende Geschäftsbericht wurde von d«m Vorsitzenden B e r n o t a t erläutert. Die Arbeitslosigkeit war im Berichtsjahr außerordentlich groß. Selbst in der für den Beruf günstigen Frühjahrszeit waren Arbeitslose vorhanden. Zlus dem Nachweis waren am Jahresschluß über 1000 Arbeitslose eingetragen. Trotz dieser ungünsti- gen Verhältnisse sind fast 500 Marken mehr als im Vorjahre um- gesetzt worden. Im entsprechenden Verhältnis ist auch die Mit- glisderzahl gestiegen., ' irixrfelseiüger Ousi�cthljecügam. JSougec gu-;nißuäasiQsten. Ö&eisjen !BlfliißrChßüioi 97- 2-ceil3l<3 Qr38*■••• ßkufirhd&Chßmflf 2-wlhig. Q« 38 MuLZMll-MmMm. wine lilaüfi, 2-ihg. /.nr» Qt. 38 �». Dlousr Mtüm co cairnwUens OEolilctt. Vl/m l-aL-jftcj. qc.38 SkmfisJlammQacn A9- W« Wicke. bll.rÄig.lZxZS�'-� Smaklna-Qnsüqc 75. mitSeideniineijel, Qc.38• M>llzg5Mo'-(bÄ!lZS dauechaften. Qm- nn_ lÜdten,, QOÖ oenfc". an Otehßrrito-Cftnagen-Schlei&n-Uiüle flandsduihe A jdBSEXU Zu noch nie WSMH f �gewesenen Preisen hringen»ir Gsrdlneir, Betidechen IKönstler-Oard.nen in henten |j Qualitäten fürS. 90, 7.«0. 8.9U H, | lalbsieras In allen Webcarten j l.-'S, 4.50, S.SO S.~ M. I Sardinen«.- esie umi'»-bc. 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Oalerjratft torauBMlih faeöhfnetvanT�— 7lJhr!i Die Versuchs der Unternehmer, knsbescmdere in der Landschaftsgärtnerei und in den Baumschulen der Firma Späth, einen Lohnabbau und sonstige Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen hcrbeizusühren, sind fehlgeschlagen. In der Landschastsgärtncrei konnten �sogar Verbesserungen des Mantcltarifs und eine Stundenlohnerhöhung von zwei bis neun Psennigcn durchgedrückt werden. Im übri- gen konnten alle Tarife gehalten und teilweise Lohnerhöhungen erzielt werden. Die gegnerischen Organisationen sind zur Bcdeu- tungslosigkeit verurteilt. Die Fachocreinsbewegung, die durch Bildung von Junggörtnergruppen von den Unternehmern besonders gefördert wurde, hat völlig abgcwirtschaslet. Demgegenüber ist die Beteiligung an den Kursen der unter Mitwirkung des Verbandes errichteten Fachschule durchaus befriedigend. Der Lehrplan der Schule konnte wesentlich erweitert werde». Auch bei den sonstigen Berrnstaltungen war meistens eine befriedigende Beteiligung' zu konstatieren. Der Redner verbreitete sich sodann über die kommenden Aus- gaben der Organisation. Die Lohntarise sollen in den nächsten Wochen gekündigt werden. Die Frage der Arbeitszeit wird bei den zukünstigen Verhandlungen eine große Rolle spielen. Es wird der größten Anstrengungen bedürsen, Berbesserungen durchzusühren, zu- mal die Unternehmer von seher eine längere Arbeitszeit als die allgemein übliche für die Gärtnerei verlangen. In den kommenden Wochen müßten daher alle Funktionäre eine gesteigerte Tätigkeit entsclten. Aus dem von Saar erstatteten Kastenbericht ging hervor, daß erhebliche Aufwendungen für Unterstützungszwecke gemacht werden mußten. Die Gesamteinnahmen haben eine erfreuliche Steigerung gegenüber dem Vorjahre erfahren. Des Bestand der Ortskasse tonnte tust oerdoppelt werden. In der Aussprache wurde an dem Geschäftsbericht keine Kritik geübt. Die Redner der„O p p o s i t i o n" konnten es sich natürlich nicht versagen,„die falsche Einstellung" des ADGB. und der Spigen- gewerkschaften von ihrem Standpunkt aus in der bekannten Weise zu bekritteln. Ihre Ausführungen fanden jedoch keine besondere Beachtung. Den Angestellten wurde ein st immig das Vertrauen ausgesprochen. Die meisten der bisherigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Mit einer Aus- nahine gehören sie alle der Amsterdamer Richtung an. „Moralische Verlumpung?" Vdm Cinheitsvcrband der Eisenbahner Deutschlands wird uns geschrieben! Nachdem in der KPD.'Presse unter den Ucber- schriflcn„Das System Lorcnz-Preuß",„Moralische Lerlumpung", „Scheffel deckt die morniijche Derlunipung" eine Reihe schwerwiegen- der beleidigender Vorwürfe gegen die Angestellten P r e u ß und Lorenz unserer Organisation erhoben waren, hat der Vorstand des Einhcitsverbandes, wie das bereits in einer kurzen Erwiderung zum Ausdruck gebracht wurde, sofort eine Untersuchung der Königs bcrger Vorgänge eingele'let Diese Feltstellimgc», die sich aus die gesamten in den Artikeln angesührten Behauptungen erstrecken, sind nunmehr zum Abschluß gekommen. Der Vorstand des Einheilsvcrbandcs wird dem Wunsche der beleidigten Kollegen auf Einleitung eines strafrechtlichen Verfahrens stattgeben.- Schon heute kanrt gesagt werden, daß die erhöbe- nen Anwürfe jeder Grundlage entbehren und gc- meine Verleumdungen darstellen. Auch die Orrsoerwaltung Königsberg unseres Der- bandes, deren Mehrzahl aus Mitgliedern der KPD. brsteht, hat sich im Beisein von Vertretern des Vorstandes und der Bezirkeleitung mit den Vorgängen in Königsberg beschäftigt. Das Ergebnis ist nachstehende einstimmig angenommene Erklärung der Ortsvcr- waltung Königsberg: „„Die Ortsverwoltung Königsberg des Cinheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands Hot sich in einer Sitzung am 2l1. Februar im Beisein von Dertrekern des Vorstandes und der Bezirks- leitung mit den gegen die Kollegen Lorenz und Preuh erhobenen Beschuldigungen, wie sie im„Echo des Ostens" und anderen Blättern zum Ausdruck gebracht sind, beschäftigt. Angesichts der Schwere der erhobenen Beschuldigungen billigt die Ortsverwoltung den Wunsch der beschuldigten Kollegen, die Sache durch Einleitung eines gericht- lichen Versahrens zu klären. Die Mitglieder der Ortsoerwaliung erklären, daß sie an der Formulierung und Leräffentlichung dieses Artikels nicht be° I e i l i g t sind, da die Redaktion denselben von sich aus veröffent» licht hat Ohne Rücksicht auf dir Stellung der einzelne» Mitglieder der Ortsveiwailung und des Vorstandes zu den zurückliegenden Vor- gängen in der Ortsgruppe ist die Orlsvenvaltung einmütig der Auf- fasjung, daß eine solche Prcßkampagne nicht im Inter- esse des Verbandes liegt. Sie wird oielinehr lm Interesse der Organisation und der Mitglieder ungeachtet dieser Vorgänge ihre Tätigkeit wahrnehmen."___ fius der Partei. Der Parteilag der Tschechischen Sozialdemokratischen Partei findet vom IS. bis 18. April in Prag statt. Auf der Tägesordnung befinden sich u. o. der Jahresbericht über die Tätigkeit der Partei, der Bericht über die Revision des Parteiprogramms und dos Referat über das Verhalten der Partei zur Internationale. m msii rii unsts Pulloverstoffe« Dessin«..... 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