MbenSausgabe Nr. 103 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe L Nr. 51 Dezugsbedinqunaen und Ameizinur«!?« sind in der Morgknausizobe ongügcden Nedattioa: SV). 68. Cindenficafte 3 Fernsprecher> VSnhoss 292— 29! rel.Ildress«: Sejialbcmoftal Berlin Devlinev VolkcskrlÄkk (lO Pfennig) NMlroch 2. März 1�27 Berlag und Anzeisenabtetlui�z; TeschSftszeit«zd bl» 5 Uhr Verleger: vorwärts verlogaffung eines europäischen Parla- ments eintrat, das das Werk von Genf krönen könne, endlich der ehe» nialige portugiesische Gesandte in Paris, Eosla, der sich in seiner Rede mit d-r jetzigen portugiesischen Regierung beschäftigte und im Namen der konstitutionellen Partei Protest erhob gegen die Absicht dieser Regierung, ohne die verfassungsmäßigen Rechte des Volkes zu wahren, ein« Anleihe von 12 Millionen Pfund Sterling in England aufzunehmen, um dafür Kriegsmaterial zu kaufen. Nlafsenoerhaflungen in Budapest haben wieder Hundert« radikal- sozialistischer und kommunistischer Arbeiter den Folterknechten in die Gewalt gegeben. Die KPD. in essen. Der Parteitag deS schlechten Gewissens. Der Parteitag der Kommunisten ist gestern in Essen zu- sannnengetreten. Es hat lange gedauert, bis sich die Zentral» zu seiner Einberusung entschloß. Es war nicht leicht, durch Au s s ch lü ss e aus der Partei und Maßnahmen der Einschüchterung die Opposition soweit zurückzudrängen, daß der Sieg über sie in dos Programm des Parteitags aufge- nommen werden konnte. Es war nicht leicht, die Risse so zu leimen und zu übertünchen, daß der Zerfall der Partei nicht auch auf ihrem Kongreß in Erscheinung trat. Die Gärungserscheinungen in der Kommunistischen Partei Deutschlands sind eine Folge des Widerspruchs zur tatsäch- lichen Entwicklung, in den die Partei durch ihre grundsätzliche Einstellung geraten ist. Diese grundsätzliche Einstellung be- ruht auf einer falschen Deutung der marxistischen Lehre, wo- nach der Weltkrieg als die Katastrophe des Kapita- l i s m u s betrachtet wurde, die in einer Reihe von Bürger- kriegen zur Diktatur des Proletariats und zur Errichtung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung in der ganzen Welt führen würde. In Konsequenz dieser Auffassung wurde auch die russische Revolution, die mit dem Sieg der Bol- schewiki schloß, als das erste Glied einer stürmischen Entwick- lung angesehen, die in einer raschen Folge von Gewaltkämpfen im Siege der Weltrevolution ihre Krönung finden sollte. Ruß- land erschien danach als das Musterland der sozialen Revo- lution, als ihr Kern und ihr Hort, die Parteinahme des inter- nationalen Proletariats für das �revolutionäre" Rußland in allen Welthändeln schien das selbstverständlich gegebene. Mit wirklichem Marxismus ließ sich diese Lehre freilich nicht in Einklang bringen. Denn daß das Land, das in seiner wirtschaftlichen Entwicklung am weitesten zurückge- blieben war, eben Rußland, berufen sein sollte, die Füh- rung aller übrigen Länder auf dem Weg zum Sozialismus zu übernehmen, war eine Meinung, die der marxistischen Eni- Wicklungslehre gerade ins Gesicht schlug. Abgesehen davon gehörte di« sogenannte„Katastrophcntheorie" zu den am wenigsten entwickelten und daher meist umstrittenen Kapiteln der Marxschen Lehre. Sicherlich aber war sie nicht so aufzu- fassen, daß der Kapitalismus durch die mechanische Einwir- kung eines Krieges in das Stadium der- Auflösung gebracht werden könnte— vielmehr sollte er durch die innere Gesetz- Mäßigkeit der ökonomischen Entwicklung dahin gelangen. In den nächsten Tagen vollenden sich zehn Jahre seit dem Beginn der russischen Revoultion, und seit mebr als neun Jahren Haben die B o l f ch e w i k i in Rußland das Heft in der Hand. Aber weder von einem vorbildlichen Aufbau des Sozialismus in Rußland, noch von einem stürmischen Fort- schritt der sozialen Weltrevolution auf dem Wege von Gewalt- kämpfen ist etwas zu bemerken. Hätte sich in Rußland ein vorbildlicher Aufbau des So- zialismus vollzogen, so wäre das eine Tatsache, vor der nie- wand die Augen verschließen konnte. Und am wenigsten hätte der Sozialismus in den vorgeschrittenen Kulturländern einen Grund, sich einem solchen Beispiel zu entziehen. Denn der alte Streit um Demokratie oderDiktaiur würde in dem Augenblick seine Bedeutung verlieren, in dem mit Recht le- hauptet werden könnte, daß der russische..Aufbau des Sozia- lismus" im Interesse der arbeitenden Massen Nachahmung verdiene. Wäre es den Bolschewik! in ihrer jetzt schon recht langen Herrschaft gelungen, das arbeitende Volk freier und glücklicher zu machen, als es in den kapitalistischen Ländern ist, so hätten wir längst eine Volks- und Reichstags- Mehrheit, die die Nachahmung russischer Methoden a�ch in Deutschland durchsetzen würde. In Wirklichkeit hat der russische Bolschewismus aber derartig versagt, daß der euro- päische Sozialismus zwischen sich und ihm einen dicken Trennungsstrich ziehen mußte, um sich nicht durch ihn zu tom- promittieren. Heute wird das Märchen vom Sowjetparadies nur noch von Kindern geglaubt. Auch die Opposition in der KPD. hat den Glauben daran verloren. Es bedurfte nicht erst des Sowjetgranatenskandals, um die Arbeiter davon zu überzeugen, daß die russiscbe Regierung nicht besser als andere ist, daß sie nicht um des Sozialismus, sondern um Ruß- lands willen eine rücksichtslose Machtpolitik treibt und daß sie im Interesse dieser Machtpofttik den Glauben in die be- freiende Mission Rußlands aufrechtzuerbalten sucht. Für diesen Glauben kämpft auch heute noch die KPD.— gegen ihre eigene Ovposiiion. Sie ist von Moskau zu abhängig, als daß sie irgendeinen Zweifel an feinen Heilslehren aufkommen lassen dürfte. Geändert hat sich dagegen offensichtlich ihre Stellung zur Weltrevolution. Die Auffassung, als ob wir uns seit dem Kriege in einer stürmischen gewaltsamen Entwicklung befänden, die binnen kurzem zum Sturz des Kapitalismus führen müßte, ist aufgegeben. Man hat die Theorie von den „revolutionären Situationen" erfunden, die manchmal da sind und manchmal nicht da sind. Man hat von„Wellentälern" der Revolution gesprochen und von der „relativen Stabilisierung" des Kapitalismus. Die Stunde des Sie�s der Weltrevolution schien nach der früheren Auf- fassung bei jedem Glockenschlag da. Jetzt ist sie in eine un- bestimmte Ferne gerückt. Man denkt nicht mehr daran, heute, morgen oder übermorgen den bewaffneten Aufstand zu proklamieren, sintemal man weiß, daß die aufftändischen Arbeiter dann das Blei und Eisen in den Leib gejagt be- kommen würden, das die russische Regierung für diesen Fall der deutschen Reichswehr bereitwilligst zur Ver- siigung gestellt hat. Da mit einem Gewaltsieg in absehbarer Zeit nicht mehr gerechnet wird, entsteht natürlich sosart die Frage, w a s i n der Zwischenzeit zu geschehen hat. Die Kommunisten waren, solange sie an den raschen Gewalltsieg glaubten, in ihren Kampf gegen den sozialdemokratrschen„Reformis- mus" konsequent denn dieser Reformismus war in der Tat überflüssig, ja«ine Ablenkung des Proletariats von seinen eigentlichen Aufgaben, wenn es wirklich nichts anderes zu tun hatte, als sich H a n d a r a n a t e n zu verschaffen, um die kapitalistische Festung zu stürmen. Heute, wo dieser Traum ausgeträumt ist, läßt sich konsequenterweise die alte Stellung gegenüber der Sozialdemokratie nicht mehr aufrechterhalten. Heute müßte man eigentlich konsequenter- und ehrlicherweise zugeben, daß die Sozialdemokratie die Dinge nüchterner und richtiger gesehen hat, daß sie wohl daran getan hat, sich um die Freiheitsrechte und die sozialen Augenblicksinteressen der Arbeiter zu kümmern, statt Reden über die Weltrevolution zu halten. Aber da diese Konsequenz zur Vernichtung, zur Selbst- aufgäbe der Kommunistischen Partei führen mußte, verzichtet man eben auf diese Konsequenz. Man führt den Kampf gegen die Sozialdemokratie mit desto größerem Haß fort— denn daß die Sozialdemokratie recht behalten hat, das ist eben eine Gemeinheit» die sich nicht ertragen läßt. Die vielfach zersplitterte Opposition steht im wesentlichen auf dem Boden der alten kommunistischen Auffassungen. . Kein Wunder, daß in ihren Lugen die offiziellen Kommu- nisten auch nichts anderes mehr sind als— Sozialdemokraten und Reformiftent Wogegen wiederum die Offiziellen den Oppositionellen vorwerfen, sie betrieben die Geschäft« der Sozialdemokratie! Ueber eines dürften sich freilich alle Richtungen im stillen einig fein: daß der Sturm gegen die Sozialdemokratie miß» l u n g e n ist. Man drückt sich sehr vorsichtig aus, wenn man sagt, daß der Kommunismus in Deutschland kein« auf- steigende Bewegung mehr ist. Di« Eroberung einer führenden Stellung im Proletariat— auch das ist ein ausgeträumter Traum! Was aber bleibt dann noch übrig? Uebrig bleibt nichts anderes als eine Schädigung der Arbeiterbewegung durch Zerstörung ihrer Einheit. In einer Zeit, in der sich die bürgerlichen Parteien fast restlos zu einem Block gegen die Arbeiterschaft zusammengeschlossen haben, in der das Arbeitgebertum sozusagen bis auf den letzten Mann organisiert ist. in einer solchen Zeit ist jede Schwächung der wirklichen Arbeiterbewegung— und das ist die Sozial- demokrasie mit den Gewerkschaften zusammen—«in B e r- brechen an den arbeitenden Massen. Der Lärm, den die Leute in Essen vollziehen, wird daher auf die Arbeiter keinen Eindruck machen. Cr dient nur denen, die ihn verüben, dazu, ihr eigenes schlechtes Gewissen zu betäuben. Um öas neue Strafgesetzbuch. «esichliche Strafgrenzen oder richterliche Freiheit? Auf Initiative der sozialdemokratischen Lanbtagsfrattion be- kräftigte sichderSiechtsausschußdesPreußischenLond- .tag es in mehrtägigen Sitzungen mit dem neuen Entwurf des Reichsstrafgesetzbuches. Dieser gelangt in den nächsten Tagen im Reichsrot zur zweiten Lesung, ver Sozialdemokratie war darum zu tun, die Stellung der preußischen Regierung zu dem(Besetzgebungs- werk kennenzulernen, namentlich zu den weittragenden und fotgen- schweren Reuerungen, die es gegenüber dem geltenden Recht enthält, wie z. B. der Neuregelung des Strafensystems und der g e- wältigen Ausdehnung der richterlichen Freiheit bei der Strafzumessung, die praktisch sowohl die unteren wie die oberen Strafgrenzen fast völlig aufhebt. Hinzu kommt das neue Institut der„S i ch e r h e i t s v e r w a h r u n g", die gegen rückfällige Gewohnheitsverbrecher nach Strafoerbüßung in fast unbe- grenzt« m Umfang möglich ist, während auf der anderen Seit« Georg Kaiser als Unterhaltungsüramatiker. Georg Kaisers Komödien, die man neuerdings zu sehen bekommt, haben nichts mehr von dem exklusiven Geist in Stil und Spiel, der etwa Stücke wie„Gas" und„Gels" zu literarischen Sensationserzeugnissen stempelt. In„Margarine" und„Kolportage" jagen nicht große Ideen, Weltverbesserungspläne, geballte Wortkoinplexe durch die Szenen, sondern es entwickelt stch eine lustige Handlung, in der sich groteske Einfälle übertrudcln. Die Komödie„Der mutige Seefahrer", mit der gestern das Thalia-Theater die Bolksbühncnbesucher erfreut hat, läßt schon einen Zug der Beschau- lichkeit verspüren. Dabei bleibt Kaiser immer der perfekte, in allen Sätteln gerechte Bühncntechniker. Mit dem eisten Satz ist dos Inter- esse geweckt, es steigert sich schnell zur Spannung und bleibt bis zur letzten Szene bestehen. Die Szene hat keinen exklusiven Charakter, und doch gibt es eine Menge knalliger Effekte. Drei Brüder im engsten Verhältnis kämpfen um ein bißchen Lebenserfolg. Vergeblich. Eben streiten sie sich noch, ob die Sorgen und Kümmernisse durch Glück oder Skrupellosigkelt gebannt werden. Da kommt aus Amerika ein sonderbarer Brief. Ein reich gewordener Landsmann bittet flehentlich, einer von den dreien solle herüber- kommen, er kann nicht leben und nicht sterben, wenn er nicht zuvor einem au» der Heimat die Hand gedrückt hat. Sechshunderttausend Dollar winken als Dank für den Liebesdienst. Lars Krys fährt fort. Aber der Dampfer geht mit Mann und Maus unter. Die Not in der Familie Krye ist größer als vorher. Da— ein neuer Brief. Der reiche Amerikaner hat von dem tragischen Ende des Lars Krys ge- hört und kündigt seinen Besuch bei den Hinterbliebenen an. Ein neuer Hosfnungsstrahl blitzt auf, nur nicht bei der trauernden Witwe, die nuf allen Reichtum verzichten möchte, wenn sie nur ihren Lars wieder hätte. Die Brüder hindert die Trauer um den Ertrunkenen nicht, sich diebisch auf den Dollarschatz zu freuen—, als Lars der Der- schollen» erscheint. Er hat sich, schon in Hamburg am Kai, nicht zum Entschluß aufraffen können, den Dampfer zu besteigen. Zum Unter- gehen hat er einen Ersatzmann gefunden, der mutige Seefahrer. Große Rot und Verwirrung, der Dollartraum zerflattert zum zweitenmal. Aber setzt schwingt sich Lars endlich zu einer heroischen Tot auf. Cr tritt aus der Versenkung heraus und bläst dem Amcri- kaner deutlich seine Meinung. Ein Scheck über ZOO 000 Dollar«st da» Ergebnis. Alle» und besonders dieser Schluß ist reichlich unwahrscheinlich. Da stch aber die Ereignisse trotz der Beschaulichkeit des Milieus über- stürzen und ein« Pointe über die andere stolpert, so ist man von dem grotesken Spiel gefangengenommen. Man unterhält sich aufs beste und nimmt sogar noch ein Stück Lebenstlugheit mit nach Hause, weil Kaiser lebenswahre Typen auf die Bretter stellt. Zur Inszenierung dieses Volksstücks hat sich das Thalia-Theater von auswärts den Regisseur Josef G i e l e n verschrieben. Er traf die rechte Mitte zwischen der Verve, mit der die Bühnenvorgänge sich entwickeln, und der Geruhsamkeit der gezeichneten kleinstädtischen für sogenannte„lleberzeugungsverbrecher" der Entwurf ganz all- gemein die Sonderstrafe der„Einschließung"— der bisherigen Festungshaft entsprechend— vorsieht. In der sehr ausgedehnten Aussprache, die sich an ein sehr über- sichtliches Referat des Ministerialrats Schäfer vom preußischen Justizministerium anschloß, äußerten die Redner der sozialdemokrati- schen Landtogsfraktion, die Genossen Dr. Siegfried Rosen- feld, Heilmann und K u t t n« r sehr erhebliche Bedenken sowohl gegen die genannten Grundzüge des Gesetzes wie gegen ein- zeln« Strafbestimmungen. Die von den sozialdemokratischen Rednern vertreten« Anschauung, daß das außerordentlich weitgesteckte richter- liche Ermessen einen Idealrichter voraussetze, von dem wir leider noch sehr weit entfernt sind, würde auch von den Rednern fast aller übrigen Fraktionen geteilt. Auch die Deutschnationalen sprachen sich gegen die Uebersteigcrung der richterlichen Freiheit aus mit der Be- gründung, daß daraus nur neu« Angriff« gegen die Rechtsprechung erstehen würden. Die Aussprache endet« mit der Annahme einer Eni- s ch l i e ß u n g, die die preußische Regierung auffordert, bei ihrer weiteren Stellungnahme, die im allgemeinen gebilligt wird, den vom Rechtsausschuß gegebenen Anregungen Rechnung zu tragen. Politische Richter einst unü jetzt. Unserer antirepublitanische« Justiz ins Stammbuch. Auch in der„Vertrauenskrise", die unsere Justiz verdienter- maßen durchmacht, soll man die Richter nicht über Gebühr schmähen. Gewiß verstehen sich viele in politisch gefärbten Prozessen, wie bei Zusammenstößen zwischen Stahlhelm und Reichsbanner, nicht von ihrer bewußt republikfeindlichen, monarchischen, schworzweißroten Anschauung frei zu machen, und manche wollen es auch gar nicht. Vollends bei Verhandlungen gegen Kommunisten kommt nicht selten zum Ausdruck, daß das Gericht schon das Bekenntnis zum Kommu- nismus als Derbrechen wertet und danach den Tatbestand beurteilt. Daß es aber selbst in Preußen sehr wohltuende Ausnahmen gibt, zeigen folgende Sätze, die dem Urteilstenor eines politischen Pro. zesses entnommen sind: Ob die politische Ansicht des Angeklax.ten eine begründet« ist, hierüber zu urteilen geziemt dem Richter nicht. Prinzipiensragen der Politik, Grundsätze des öffentlichen Wohl», Erörterungen über Gediegenheit und Der- werflichkeit von Staatseinrichttingen und Verfassungen können nicht Gegenstand richterlicher Entscheidungen werden. Erörte- rungen der Art gehören einem Gebiete an, von dem die richter- liche Wirksamkeit ausgeschlossen ist und deshalb sich fernhalten muß. D i e Meinung als solche ist kein Verbrechen, sie kann nur strafbar werden durch die Form, in welcher sie in die Oeffentlichkeit tritt und durch die Absicht, die bei der Per- öffentlichung vorwaltet. Vorwurf richterlicher Entscheidung kann daher auch nur die Form und Absicht«erden, und schwieriger es ist, den Inhalt hierbei zu sondern, um so strenger wird für den Richter die Verpflichtung sein, sich selb st zu überwachen, damit die Selbständigkeit und U n- abhängigkeit seines Urteils vor dem Einfluß seiner eigenen Ueb e ikz eu gu n g gewahrt werde. Woher diese vorbildlich objektiven Ansichten stammen? Aus dem berüchtigten Vormärz, aus einem 18�1(in Buchstaben: acht- zehnhunderteinundvierzig) gefällten freisprechenden Urteil de. Der- liner Kammergerichts gegen den Königsberger Demokraten Johann Iacoby, den die Vorinstanz wegen angeblicher Majestätsbeleidi- gung zu zweieinhalb Iahren Festung verurteilt hatte. Natürlich haben auch die alten Korpsburschen und Hauptleut« d. R. a. D., die 1927 im schwarzen Talar Recht sprechen, die Gepflogenheit, sich sorgfältig zu überwachen, damit die Unabhängigkeit ihres Urteils vor dem Einfluß ihrer reaktionären Ueberzeugung gewahrt werde. Oder etwa nicht, Herr H e r g t?_ Reichslagsprasideni Genosse Lobe wird noch längere Zeit bett« lägerig sein. Das Allgemeinbefinden Löbes ist heute b e f r i e d i« g e n d. Puls und Temperatur sind gut. Die Wunden sondern noch reichlich ob, und der Patient wird wohl noch längere Zeit in der Klinik von Geheimrat Borchardt oerweilen müssen. Verhältnisse. Ein neuer Rom« für Berlin ist Erich P o n t o, der den Haupterfolg des Abends einheimste. Er gab einen bedrückten Lebensversichcrungsagentcn mit all den Schnörkeln eines geduckten Menschen, der gern zum Erfolg kommen möchte. Ein« ganz famos« Leistung, die ihn in die erste Reihe der Eharakterkomiker stellt. Heinz S o l f n« r gab den mutigen Seefahrer und erfreute im Anfang ebenso durch seine Traurigkeit wie zum Schluß durch die zur Schau getragene, nur manchmal von Zagheit unterbrochene Enischluhkrast. Else Back- Rest, Maya Hart und Wilhelm Diegelmann rundeten den Abend zu einem schönen Erfolg. Ernst Degner. J\üb der Praxis des Couöismus. Viele mögen gedacht haben, als im Sommer vorigen Jahres der kleine Apotheker von Nancy, Emil Eoue, gestorben war, daß nunmehr auch bald sein Name und die von ihm ausgebildete Heil- Methode durch Autosuggestion vergcsscn sein würde. Eoue war aber mehr als irgendein Kurpfuscher im Stile des Schäfer Ast und anderer. Wie«r in seinen letzten Lebensjahren schon ein uneigennütziger Wohltäter gewesen ist, so ist auch heute noch der Name Couö im Munde zwar nicht aller Menschen, aber doch gerode derer, die Ihn brauchen können und der ernsthaftesten Fachtrelj». Cou� und seine Methode sind setzt aus der Berliner llntoersität nicht mehr so sehr Gegenstand kritischer Beleuchtung, sondern sie werden praktisch angewandt. Der Prosessor Schönenderger, am Hochschulinstitut der hydrotherapeutischen Anstalt, ist daran- gegangen. Krank« mit der Methode Eouäs zu behandeln. Bis jetzt sind an der Berliner Klinik ZSO Kranke mit dieser Methode be- handelt worden und ihre Ergebnisse konnten bei 181 davon nach einem Jahr« nachgeprüft werden. Es konnte festgestellt werden, daß in sehr vielen Fällen von Kopfschmerzen, Neuralgie, Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Melancholien, Stottern, Zwangsvorstel- langen und Schreibkrampf glänzende Erfolge erzielt worden sind. Was ist damit bewiesen? Zum mindesten das eine, daß der Eoueschen Methode bestimmt ein erfthafter Sachverhalt zugrunde liegt. Man ist bisher an die Heilung von seelischen und nervösen Leiden auf dem Wege herangegangen, daß man ihre Ursache aus dem Unterbewußtsein herauszulösen versucht hat, und sie mitten in die grelle Beleuchtung des Bewußtseins stellte, um durch die volle Erkenntnis dessen, was da ist, Gegenkräfte mobil zu machen. Cou« dagegen holt aus dem Unterbewußtsein das Wunschbild heraus, konkretisiert es durch ständige Wiederholung der Wunschform«! so, daß von diesem Positivum die Kräfte ausgehen, die dann zur Heilung führen. Gewiß wird man dem Couöismus nicht zutrauen dürfen, daß er nun vielleicht neue Gliedmaßen wachsen läßt, wo die allen verloren gegangen sind: ober eins tut er: er erweckt im Kranken nicht etwa«inen Abwehrwillcn, sondern gerade den Willen, die Zügel seiner Seele selbst in die Hand zu nehmen, was von vornherein«ine Borbedingung für eine Gesundung bedeutet. Die Wissenschaft wird darüber das letzte Wort noch nicht gesprochen haben._ Zeitiger Frühling. Die ungemein milde, sonnige und freundlich« Witterung, wie fie mit Ausnahm« des äußersten Ostens und Nord- ostens zurzeit in ganz West- und Mitteleuropas herrscht, hat dem Gin neuer Zememoröprozeß. Ter Mordversuch an Oberleutuant Wagner. Am 22. März wird sich vor den, Schwurgericht in G i e ß e n«in Fememord-Prozeß abspielen, der bereils längere Zeit zurückliegt. Es handelt sich um versuchten Mord und Anstiftung zu einem Derbrechen durch den Chauffeur Ernst Schwing aus Bad Nauheim, den ehemaligen Leutnant Ernst v. Solomon und den ehemaligen Leiter des„Stahlhelms" in Berlin, Heinz. Die Tat ist in der Nacht zum S. März 1922 an dem ehemaligen Oberleutnant Wagner begangen worden. Insgesamt sind bisher 70 Zeugen geladen._ Wahlfrühling in veutstböfterreich. 24. April oder 15. Mai. Wien, Ii März.(Eigener Drahtbericht.) In einer Besprechung des Bundeskanzlers mit den Parteiführern am Dienstag machten Chrsstlichfoziale, Großdeutsche und der Landbund den Vorschlag, die Neuwahlen am 2 4. April vorzunehmen. Die Sozialdemo- traten, die den IS Mai vorgeschlagen haben, erklärten, daß dieser Tag viel zu früh liege und schon wegen des Osterfestes viel zu wenig Zeit für die Wahlpropaganda lasse. Im Verlauf der Sitzung machte der Bundeskanzler Dr. S e i p e l tinige Mitteilungen über die geplante Arbeit eraltersver- s i ch e r u n g. Sie soll erst in Kraft treten, wenn die Zahl der Arbeitslosen auf 100000 gesunken ist. Lediglich die alten Arbeits- losen sollen bereits im Juli d. I. in den Genuß der Altersversicherung treten und zwar-ine Altersrente erhalten, die das Zwanzigfache der täglichen Arbeitslosenunterstützung im Monat beträgt. Dieser Vor- schlag bedeutet, daß die Allersverstcherung überhaupt n i e in Kraft tritt, da in dem jetzigen Dundesgebiet selbst vor dem Krieg« die Zahl der Arbeitslosen, namentlich im Winter und auch in Zeiten der Krise im Sommer nicht unter 100 000 gesunken ist. In bezug auf den Vorschlag über die allen Arbeitslosen erklärten die Sozialdemokraten, daß die alten Arbeitslosen dadurch noch um em Drittel ihrer jetzigen Bezüge geschädigt würden.-_ Kantons Vertreter in Japan. Ter Mitarbeiter Sunyatsens. hankau. 2. März.(Ehines. Nachr.-Ag.) D a i S h i T a o, Rektor der Sun-Dat-Sen-Üniversität, Mitglied des Exekutivkomitees und langjähriger Sekretär Sun Dat Sens, ist als Vertreter der Nationalregierung in Japan«ingetroffen. Bostkott der Tchantungtruppen. hankau. 2. März.(Ehines. Nachr.-Ag.) Die Geschäftsleute in Nanking haben ihre Geschäft« geschlossen als Protest gegen die Anwesenheit der Truppen des Generals Tschang Tschung Tschang. und zwar weil die Schantung-Truppen bei ihrer letzten Anwesenheit in Nanking im Jahre 192S durch Terror und Plünderungen die Pevöllerung erbittert und gegen sich eingenommen haben und weil die Schantung-Truppen Einkäufe mit wertlosem Militärgeld bezahlen. Manien unter Zaschiftenherrscbast. Freches Auftrete» italienischer Soldateska. Belgrad. 2. März.(OPD.) Wie die hiesig« Presse aus der albanischen Hauptstadt Tirana mitteilt, war dort zwischen albani- schen und italienischen Soldaten«in blutiger Zusammen- st o ß, bei dem etwa lOPersonengetötet und überöOver- w u n d e t wurden. Der Streit entstand dadurch, daß ein italieni- scher Offizier«inen albanesischen Soldaten, der ihn beleidigt(soll vielleicht heißen: nicht ehrerbietig genug gegrüßt. Red. d.„D.") halle, kurzerhand niederschoß. Die empörten albanischen Sol- baten setzten sich zur Wehr, und so entstand in den Straßen Tiranas ein Gefecht, bei dem sogar Maschinengewehre verwendet worden sind. milden Winter schon in der letzten Februorwoche, also noch vor dem Beginn des auf den 1. März fallenden meteorologischen Frühlings ein Ende gemocht. In weiten Teilen West-, Süd- und Norddeulsch- londs wurden schon in der zweiten Hälfte der vorigen Woche 12 bis IS Grad Därme erreicht: in ausgedehnten Gebieten von Frankreich ist bereits vollkommene Frühlin�swärme mit Temperaturen bis zu 19 Grad Celsius eingekehrt. Die Erwärmung ist mit dem März- Beginn zu ganz anormalen Ausmaßen angewachsen. Selbst in Norddeutschland stieg Dienstag dos Quecksilber bis auf 17 Grad: mit der Erreichung des Temperaturwertes von 15 Grad hatten die meisten Gebiete schon am 1. März, dem Taß des meteorologischen Frühlingsanfangs, den ersten wirklichen Frühlingstag zu verzeich- nen, und wir wollen hoffen, daß deren Reihe nicht nur recht lang, sondern daß sie auch nicht noch einmal durch einen Rückfall in den Winter unterbrochen wird. Zu den Besonderheiten des jetzt beendeten Winters gehört« seine außerordentliche Schneearmut in der Ebene. Nur in mittleren und höheren Gebirgslagen Mitteleuropos sowie im äußersten deutschen Nordosten sind beträchtlich« Schneemengen gefallen, die sich auch als zusammenhängend« Decke erhalten haben. Am höchsten liegt der Schnee auf dem Kamm des Riesengebirges, wo die Decke eine Maximalhöh« von über ZU Metern Mächtigkeit erreicht hat. Di« Schneedecke auf dem Brocken war zu Beginn-der letzten Februar- wache 120 Zentimeter hoch: in allen Gebirgslagen unterhalb 600 Meter Höh« dürfte st« mittterweii« schon abgeschmolzen sein. Weite Teile der norddeutschen Tieseben« hatten während des ganzen Winters nicht«inen einzigen größeren Schneesall bei Temperaturen unter Null, so daß sich ein« Sibneedecke hier lediglich innerhalb weniger Tag« und nur in ganz geringer Höhe erhallen tonnt«. Berlin z. B.. wo in schneereichen Wintern die Kosten der Schneebeseitigung in die Millionen gehen, hotte diesmal dafür keinen Pfennig aufzuwenden. Di« mittlere Temperatur der drei Wintermonate Dezember, Januar und Februar lag in Berlin mit rund 2 Ii Grad Celsius zwar bei weitem nicht so hoch über dem Normolwert wie in dem abnorm «armen Winter 1924/1925: denn es fehlt« die vor zwei Jahren be- obachtete große Zahl besonders milder Taae, ober es fehlte auch völlig die strenge Köller, und die niedrigste Temperatur des ganzen Winters betrug nur 61» Grad unter Null. Es wird in diesem Zusammenhang interessieren, daß dos Jahr 1926, dem meteorologisch besonders wegen seines regenreichen Sommers soviel Schlechtes nachgesagt worden ist, in Wahrheit, was sein« Temperatur anbelangt, besser war als sein Ruf. Es war nämlich»n ganz Deutschland durchschnittlich um I Grad zu mann; im Südosten des Reichsbetrug der Wärmeüvcrschuß des Jahres sogar 1)4 Grad. „wo find ich dicht" Den Verfassern dieser Operette, die gefleru im„Neuen Theater am Zoo" ihre Uraufführung erlebte, fällt überhaupt nichts ein. Ein paar oerschimmelte Witze quälen sich müh- sam durch drei Akte, dazu«in bißchen Situationskomik und abge- standene' Operettentypen. Der absolute Tiefstand des Operetten» textes ist erreicht. Was soll man mit diesen amerikanischen Milliar- dären anfangen, mit dieser Milliardörstochter, die sich von ihrem Geliebten noch Aegypten emsühren läßt, mit diesem Prosessor der Aegyptologi«. der nicht weiß, wie ein« Frau aussieht. Das ist alles bereite bis ins Unendliche variiert worden. Kurt Z o r l i g s Musik Zeugen, Sie sich nicht gescbäöigt fühlen. Stargarder Geschäftsleute im Jürgcnspro�eft. Die heutige Verhandlung im Iürgens-Prvzeß, der Frau Jürgen z wieder auf der Krankenbahre beiwohnt, brachte die Fortsetzung der gestern unterbrochenen Beweisaufnahme zu der Anklage der Kredil- schwindeleien, und zwar wurde zunächst die Inhaberin eines Stargarder Modehauses, Fräulein Grützmacher, vernommen, bei der Frau Jürgens Kleider und chüts getauft hat, und zwar, wie die Zeugin versichert, durchaus nicht in einem den üblichen Rohmen übersteigenden Mahe. Während die Einkäufe in, Jahre 1924 bar bezahlt wurden, ließ Frau Jürgens im Jahre 192ä anschreiben und zahlt«, als dos Konto 796 M. betrug, einen Teil ab, während sie für den Rest einen Wechsel ausschrieb, Auherdem erhielt die Zeugin einmal ei n« n S ch e ck, der aber von der Stargarder Stadtbank nicht eingelöst wurdr Inzwischen sind sämtlich« Schulden bezahlt worden. Die Zeugin fühlt sich nicht betrogen.— Bei dem Juwelier I a s s o y in S t a r ga r d, der hierauf vernommen wurde, hatte die Angeklagte eine ganze Anzahl von Silberwar«» gekauft, und zwar silberne Bestecke für 122 M., silbernes Tafelgeschirr für 484 M., eine Kaffeemaschine,«inen Zucker- und einen Brotkorb und anderes silbernes Tafelgerät. Für eine Gesellschaft entlieh sich Frau Jürgens einmal«in silbernes Tablett, das sie aber zunächst nicht zurückgab. Dann kamen, so erklärt der Zeuge, die Gerüchte über Frau Jürgens, aber ich habe nicht recht daran geglaubt, denn der Mann war in hoher Stellung. Als dann der Diebstahl kam, sollt« ich die gestohlenen Sachen, die ich kannte, abtaxieren, und dabei hat dann der Ehemann vas geliehene Tablett fest getauft. Im übrigen war Jürgens später er- staunt, als er die Rechnungen für die übrigen Silberwaren erhielt. sagte mir ober zu, daß ich sofort mein Geld erhalten solle. Auch dieser Zeuge fühlte sich nicht geschädigt. Er meint, um Geschäfte zu erzielen, muß ich so manchen, die auf ein bestimmtes Geholt angewiesen sind, Ratenzahlungen bewilligen. Vors.: chatten Sie für glaubhast, was der Angeklagte über den Wert der gestohlenen Sachen angegeben hat, oder meinen Sie, daß dabei irgendwelche falschen Angaben gemacht worden sind? Zeuge Jassoy tentschieden): Rein, nein, das kann ich nicht sagen. Die Derlenkelle halte ich allerdings�me in den Händen, ich weiß nicht, ob sie echt oder unecht war. Frau Jürgens: Es war eine Kette von 95 Perlen, von denen die mittler« sehr groß ist. Frau Jasioy hat sie gesehen und sie als wunderbar bezeichnet. Im übrigen Hab« ich einzelne Schmuckstücke, die nickst gestohlen waren. noch niedriger angegeben, als Herr Josioi) sie«ingeschätzt hatte, Oberstaatsanwalt(zum Zeugen): Wenn Sie gewußt hätten. daß Frau Jürgens Schulden von 5000 bis 6009 M. hat, hätten Sie dann auch die Sachen geliefert? Zeug«: Das ist eine schwere Frage. Schließlich kann ich mich nie erkundigen, ob meine Kunden Schulden haben, denn sonst könnte ich überhaupt kein Geschäft machen. Der nächst« Zeuge ist Direktor Lütke von der Kreisfpar- kasse in Stargard, bei dem Frau Jürgens die Einlösung eines Schecks auf die Stadtbank versucht«, und zwar mit der Begründung, daß sie den Umweg über die Sparkasse deshalb wähl«, damit ihr Mann nichts davon erfahre. Eine telephonische Anfrage bei der Stadtbank Hab« dann ergeben, daß für diesen Scheck in höhe von 240 Mark keine Deckung vorhanden war, worauf Frau Jürgens erklärte, am Ausstellungstag« werde der Scheck aus dem fälligen Gehalt ihres Mannes gedeckt werden._ Selbsimorü in der flutoörofchte. Ein unbekannter Toter. Durch einen Schuß in den Kopf tötet« sich gestern früh ein junger Mann, dessen Personalien noch nicht festgestellt werden konnten. Rachdem er am Lehrter Bahnhof den Wagen bestiegen hatte, hörte gleich darauf an der Moltkebrück« der Chauffeur einen Schuß fallen und fand feinen Fahrgast bereits tot auf dem Sitz« liegen. Di« Leiche wurde nach dem Schauhaus« gebrocht. Der Tote ist etwa 16 bis 26 Jahre alt, hat aschblondes, long nach hinten ge- kämmtes haar, ein bartloses Gesicht und auf demrechtenZeige- finger drei klein« Warzen, und trug«inen grauen weichen Hut, einen schwarzgrauen Mantel, einen schwarzen Jackettanzug. weiße Wäsche mit schwarzem Schlips und schwarze Lackschuhe. Bei sich hatte er ein« Schülerkarte für die Stadtbahn, dritter Klasie, aber ohne Namen. Auf der Aluminiumhülse waren die B u ch st a b e n wagt sich an keinen Schlager heran. Trotz des großen Aufwandes an Schlagzeug fließt sie so ruhig und langweilig dahin, daß der Zu- schauer allmählich sacht entschlummert. Der Anfang des Chorleston „Beine wie deine' gemahnt wohltuend trotz Taktänderunz an eine welke Melodie aus der Maritana-Ouvertüre, und in dem ägyptischen Foxtrott glitzert eine entfernte Erinnerung an das Dallxtt aus dem zweiten Aidafinale auf. Das Orchester wird anständig von Zorlig behandelt. Die Aufführung, von C h o r l e limonadenmatt inszeniert, hatte wenig Verdienste. P o r e m s k i und Emmi Kreutzer sangen stellenweise mit einen, Stimmauswand, der bestimmt«in Wagner-Orchester übertönt hätte. B a s e l t bewegte sich in alt- gewohnten Dahnen. Nur Elly H o s f m a n n und Kurt Vesper- in a n n versuchten die deprimierte Stimmung zu heben, und das Orchester wollte einmal entschieden etwas anderes als der Dirigent. Die Nolgemelnschaft der deutschen Wissenschaft hat jetzt ihren fünften Bericht veröffentlicht. Er enthält einen Rückblick über ihre sünijährige Tätigkeit. Aus der Lage und Entwicklung der Wissen- schatten Hera»» ist die Notgemeinschaft aus Grund der ihr vom Reich bewilligten Mittel zu einem wirksamen Organ für die Wissenschaft- liche Forschung geworden. Sie hat 1925/26 für die deutschen wiit-n- schaftlichen Bibliotheken Auslandsliteratur zum Gesamtpreis von etwa einer Million Mark deschofst und die Drucklegung von über 599 wisiei, schaftlichen Zeitschriften, Jahrgängen und Einzelwerken von insgesamt 12909 Bogen ermöglicht. Aus dem Gebiet der experi- mentellen Forsch, mg wurden in dein genannten Jahr für 699 bis 799 Einzelforschungen Apparate, Materialien und Versuchstiere ge- liefert. Ferner unterstützte die Notgemeinschaft etwa 299 Forschungs- reifen, darunter eine Reihe größerer Expeditionen, und arbeitete durch 399 laufende Forschungsstipendien an der Sicherung des wissen- schaftlichen Nachwuchses auf allen Forschungsgebieten. Don den vielen wichtigen Fragen, die mit chilfe der Notgemein- schaft gefördert wurden, seien erwähnt: auf medizinischem Gebiet die Probleme der Tuberkulose-, Krebs-, Syphilis-, Rachitis- und Krops- forschung sowie der Vitamin- und Eiweißforschung, die biologischen Fragen der Vererbung, Rassenforschung und inneren Sekretion, auf physikalischem und chemischem Gebiet die Problem« der Atom-, Ferment- und Struklunorschung. Für die Durchführung solcher Gemeinschaft-oufgaben durch die Notgemeinschaft ist in den Reichs- Haushaltsplan aufs neue ein Sonderfonds von drei Millionen Mark eingestellt. Die Wicdemschließung der wichtigsten Kulturstätten des Altertums stand nicht minder im Vordergrund. Die von der Not- aemeinschaft ausgerüstete Deutsche Sltlantiscke Erpedition aus dem Vermksiungs- und Forschungsschiff..Meteor' sucht die Strömungen des Ozeans durch 14 Profilfahrten zwischen Afrika und Südamerika zu erforschen. Sie wird Anfang Juni in die Heimat zurückkehren. Schon heute läßt sich erkennen, daß die Ergebnisse weit über die früherer Expeditionen hinausgehen. Die Forschungsreisen und Expeditionen erstrecken sich auf alle Erdteile. Die Erfiairssilhrvvg von.?« J5lf im Theater am Kursürslendamm ist aus Donnerstag verschoben. 3a Xheattr am Bälorepiaft findet am Freitag die 50.«ulsödrunq von Steian Zweig'» Komödie„Bolpoiie-(nach Ben Jonson) statt. Regle: Bikior Lchwanneke. Genehmigung öer Verkehrsreform. Umsteigeverkehr zwischen Straßenbahn nnd Hochbahn. Der Polizeipräsident lellk mit: «Der Polizeipräsident und die Reichsbahndlrek. l i o n Berlin(preußische Kleinbahnaufsicht) haben sich nunmehr nach eingehender Prüfung entschlossen, trotz ernster Bedenken die grundsätzliche Genehmigung für den Um- und Uebersteigeverkehr von und zu der Straßenbahn sowie von und zu der hoch- und Untergrundbahn zu erteilen. Reben einem genauen Programm für die Erweiterung de» Wagenparkes der hoch- und Untergrundbahn sind die notwendigen llmgestoltungs- arbeiten In einer Reihe von Bahnhöfen vorgemeldet worden. Die neuen wagen sind bereit« bestellt. Die Umbau» arbeiten sollen mit möglich st er Beschleunigung durchgeführt werden. Die Genehmigung Ist in der Erwartung erfolgt, daß die neue Regelung die Mägltchkeit schaffen wird, die weitere Ausgestaltung und Perbesserung des Verkehrsnetzes mit der Beschleunigung auszuführen, die die Verkehrsloge in Berlin verlange. Sollte sich herausstellen, daß die Erfordernisse des Verkehrs nicht in ausreichendem wahe berück- sichtigt werden, so bleibt alles weitere vorbehalten. Dagegen hat der Polizeipräsident die Z u ft l m m u n g dazu, daß auch für den Omnibusverkehr der llebeestelge- verkehr zugelassen wird, vorläufig nicht geben können, da die Besorgnis, daß der Omnibusbetrieb nicht in der Lage sein wird, den erhöhten Verkehr zu bewältigen, nicht beseitigt werden könnte. Wohl soll g e st a t t e t sein, von Omnibus zu Omnibus umzu st eigen oder vom Omnibus zu den anderen Var- kehrsmitieln überzugehen. Ein Uebergang von der Straßenbahn oder der hoch- und Untergrundbahn zum Ömnlbu» bleibt aber vor- läusig untersagt. Die O m n> b u sg e s e l l s ch o s t hat bereiis 119 neue wagen bestellt. Diese sind ober dazu bestimmt, alte wagen, die für den Betrieb nicht mehr geeignet erscheinen, zu ersehen. Der Polizeipräsident wird zu einem neuen Antrag aus Genehmigung des Uebergangsverkehr» zum Omnibus erst Stellung nehmen können, wenn außer den 119 bestellten wagen weitere 199 wagen In den Betrieb genommen werden, da die großen Vorzüge des Umsteigevertehrs voll gewürdigt werden. was die Frage der Tarisänderung anbelrifst, so sind die grundsätzlichen Bedenken der Aussichlsbehörde gegen die Vereinheitlichung nicht widerlegt worden. Der Polizei- Präsident verkennt auch nicht, daß die Schaffung des Einheitstarifs für einen großen Teil der Fahrgäste eine Verteuerung bedeutet,'die insbesondere die unbemittelte Bevölkerung trisst. Dennoch haben sich nach sorgfältigr Prüfung aller Unterlagen der Polizeipräsident und die Reichsbahndirektion davon überzeugen können, daß erhöhte Einnahmen für die verkehrsgesellschaften und die Stadt u n e n t- b e h r l i ch sind, um die nötigen Verbesserungen und Erweiterungen de, Berliner Verkehrswesens zu gewährleisten. Die Aufsichtsbehörden hoben die Vorschläge der Stadt genehmigt." „E. M* eingekratzt. Weiter fand man einen Brief, der an„E r n st Meyer' gerichtet und„M a r t h a" unterschrieben war. E S i st ein Liebesbrief, der von einigen kleinen Unstimmigkeiten spricht, ober auch von einem baldigen Wiedersehen. Der Brief ist von Hand zu Hand gegeben und enthält deshalb auch keine Wohnungsangabe. Mitteilungen an das Schauhau» oder die Der» mißtenzentrale im Polizeipräsidium. Zur Wochenendhäuser. Ei« Jdeen-Wettbcwerb. Das Berliner Messe-Ami schreibt im Einvernehmen mit dem Bun� deutscher Architekten, Landesbezirk Brandenburg, zur Er- langung von Entwürfen für„Wochenendhäuser' einen Wettbewerb aus, dessen Ergebnisse auf der Ausstellung „Das Wochenende' vom 16. April bis 12. Juni 1927 in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm ausgestellt werden sollen. Der Wettbewerb ist offen fürdeutscheBewerber(Personen oder Firmen), die in der Provinz Brandenburg wohnhaft sind oder einen ständigen Geschäftssitz haben, außerdem auch sür solche außerhalb der Provinz Brandenburg ansässige deutsche Bewerber(Personen oder Firmen), die bis Freitag. den 8. April. 12 Uhr mittags, ein gebrauchsfertig ausgeführtes Muster eines Wochenendhauses zur Ausstellung„Das Wochenende' ange- meldet haben. An Preisen sind ausgesetzt: drei erste Preise i 2999 M.: drei zweite Preise 4 1000 M.? zehn Entschädigungen für besonders instruktive Modelle 4 159 M.: fünf solche Entschädigungen 4 199 M. Dem P r e i s g er i ch t gehören unter anderem folgende Herren an: Herr Stadtbaurat vr. inx. Martin Wagner, Herr Stadt- rat Brühl, Herr Stadtrat Wutzky, Herr Professor Albert Geßner, Herr Prosessor Bruno Paul, Herr Architekt Albert Biebendt, Herr Dr. Adolf Schick. Unter„Wochenendhaus" soll in dem Wettbewerb ein haustyp ver- standen sein, der nach Umfang, Baustoff und Ausstattung die Mitte zwischen Laube und kleinem Sommerhaus hält. Das Wochenendhaus soll einer Familie ein anspruchsloses Obdach für die Erholung am Wochenend«, von Sonnabend mittag bis Montag früh, gewähren und auch für«ine Ferienzeit von kurzer Dauer Aufenthaltsmöglichkeit bieten. Ein für das Wochenendhaus zu verwendender Baustoff wird nicht vorgeschrieben. Bei der Wahl des Baumaterials ist aber eine industrielle herstellungsweise in Betracht zu ziehen, die für die Prägung des Typs vem wesentlicher Bedeutung ist. Es können Eni- würfe eingereichl werden entweder für«inen T y p 1, dessen Bau- kosten 1 5 9 9 M.. oder«inen solchen. T y p II. dessen B a u k o st e n 2 699 M., oder drittens einen solchen, Typ III» dessen Bau- kosten 3599 M. nicht überschreiten. In den angegebenen Bau- kostensummen der dkci Typen sind Kosten sür die innere Einrichtung des Wochenendhauses nicht einbegriffen. Auch ist einem Bewerber gestattet, melier« Typen einzureichen. Der Einlieferungstermin der Entwürfe ist bis zum 8. April, mittags 12 Uhr. Die Bedingungen für den Wettbewerb sind beim Berliner Messc-Amt, Abteilung„Wochenend-Wettbewerb', Berlin c2. Breite Straße 35, erhälttich._ Nach Maß oöer von öer Stange! Don den beiden alten Handwerken, die der Ausstattung des äußeren Menschen dienen, der Schuhmacherei und der Schneiderei, ist das Handwerk Hans Sachsens am ersten dem modernen Fabrikationswesen unterlegen. Nach Maß werden heut« fast nur noch orthopädische Schuhe angefertigt. Wesentlich anders ist es noch bei der Bekleidung. Einen so großen Umfang der Kauf„von der Stange" auch angenommen hat, in Deutschland herrscht immer noch eine Vorliebe sür den Anzug nach Maß. Ganz im Gegensatz zu Amerika, wo sich dieselbe Entwicklung zeigt wie bei den Schuhen. Drüben versucht man den Wünschen nach persönlicher Gestaltting der Kleidung durch Erweiterung der Fobrikationsmethoden entg«g«nzu- kommen. Kauft in Deutschland jemand einen Anzug von der Stange und er paßt nicht, dann versucht der Verkäufer zunächst, ihn durch energisches Rucken und Zupfen passend zu machen. Eine A ende- r u n g wird auf beiden Seiten nicht gern gesehen. Bei dem Käufer schon deswegen nicht, weil sie im Gegensah zu der Vorkriegszeit extra bezahlt werden muß und den Preis noch verteuert. Aber die ungeheure wirtschaftliche Not, die auf Deutschland lastet, zwingt immer mehr Käufer, sich dem Kaus von Fertigwaren zuzu- wenden, was ja für den normal gewachsenen Mann keinerlei Schwierigkeiten hat. Das hat zur Folge, daß die Beschäftigung der Maßschneiderei abnimmt. Meister und Gesellen merken es. Die Arbeiter werden arbeitslos, die Meister verdienen nicht mehr so viel wie früher. Das Gewerbe leidet Not und man sieht sich nach hilse und Abhilfe um. Deshalb versucht nun der Reichsverband des deutschen Schneidergcwerbes die Oesfenttichkeit für die Notlage des Gewerbes zu interessieren, indem er für größer« Verwendung des Maßanzuges eintritt. Die Löhne, sagt der Verband, sind hoch, wenn er auch zugibt, daß sie nicht zu hoch und der Zeit entsprechend sind. Nach berühmten Mustern klagt man gar sehr über die hohen Sozialabgaben und auch über hohe Steuern. Nicht minder lebhaft wird über Schwarzarbeit und über die Selbstbeschoffung von Tuchen und Stoffen durch dos Publikum geklagt. Auf einer vom 4. bis 12. Marz stattfindenden Wer bewoche für die Maßschneiderei wird man die Vorteil« des Maßanzuges zur allgemeinen Kenntnis bringen. Und doch wird, von kleinen Erfolgen abgesehen, es nicht viel nützen, denn gerode die Kreise, auf die es ankommt, die Angestellten und Bankbeamten, die kleinen Staats- und Äommunolbeamten. die tra- ditioncll auf gute Kleidung sehen müssen, sehen sich außerstande. teure Maßarbeit fertigen zu lassen. Gedrückte Gehälter, die durch verlängerte Arbeitszeit nicht wettgemacht werden, und unausgesetzter Abbau der Beamten und Angestellten schaffen mit dem übrigen riesigen Arbeitslosenheer eine Lage, in der nicht daran zu denken ist, den Konsum von Qualitätsware, wie es ein Maßanzug ist, w« s e n t l> ch zu heben. Besser wird es erst werden, wenn die Preise gesenkt und durch den A ch t st u n d« n t a g neu« Massen Erwerbender und Kaufender dem Markt zugeführt werden. Die Befürchtung ist aber nicht von der Hand zu weisen, daß die Konsektion inzwischen die Fobrikationsmethoden immer mehr verfeinert und individualisiert, so daß in Zukunft die Maßschneiderei in der Hauptsache auf die besitzenden und zahlungsfähigen Kreis« be- schränkt bleibt._ Leichenfund in Zriedrichehagen. Vermutlich eine der drei Selbstmörderinnen. 2lm 14. Januar berichteten wir von der Tragödie dreier Mädchen, die im Müggelsee gemeinsam Selbstmord verüb- len. Es handelte sich um die beiden Töchter Dorothea und Charlotte des Kriminalbeamten Weber und deren Freundin, die 18jährige Kontori st in Frieda Schössow. Die Mädchen verübten aus heute noch nicht einwandfrei geklärten Gründen Selbstmord. Während eine Leiche, und zwar die der Charlotte Weber, angespült wurde, war von den beiden anderen Selbstmörderinnen trog eifrigsten Suchen, des Deichswasserschutzes keine Spur zu entdecken, heute vormittag wurde am nördlichen Ufer des Müggelsees bei Friedrichshagen«ine weib- liche Leiche angespült, die längere Zeit im Wasser eclegen haben muß. Nach den bisherigen Ermittelungen soll es sich um die seit dem 12. Januar vermißte 29jährige Dorothea Weber aus der Dolziger Straße handeln. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach der Friedrichshagener hall« übergeführt. Das köllnische Gymnasium nimmt noch Schüler aus. Die Ausbauschulen Köllnisches Gymnasium mit Realaymnasium und Kaempschule(Realschule) nehmen zu Ostern noch begabte Gemeindeschüler aus der 1. Klasie und 2o Klasie auf. Die Begabtenschulen beginnen mit der Untertertia und führen in drei Jahren bis zur Obersckunda, in sechs Jahren bis zur Reiseprüfung. Nach besonderen Bestimmungen des Magistrats werden auch Fahr- kostenentschädigung, freie Lehrmittel, Unter- h a l t s b e i h i l i e und F r e i s ch u l e gewährt. Anmeldungen sind noch jetzt zu richten an das Köllnische Gymnasium, Jnselstr. 2-�3. Pom Aulobus zermalmt. Einen furchtbaren Tod fand heute früh der zweiundzwanzigjährige Hausdiener Gerhard Münz aus der S e m m c r i n g st r o ß e zu Charlottenburg. M. wurde beim Ucberqueren des Potsdamer Platzes von einem Autobus der Linie 1 erfaßt und umgeworfen. Der sunge Mann stürzte so un- glücklich, daß ein Hinterrod des Autobusse» über -s« i n e n Kopf hinwegging. Der Schädel wurde völlig zermalmi. Die Leiche wurde beschlagnahmt und in das Schauhaus gebracht. Die Schuldsrage bedarf noch der Klärung. Feuer bei Osram. Di« Feuerwehr wurde gestern nacht gegen li2 Uhr nach der Ehrcnbergstraße 1— 10 gerufen, wo in den Malerwert statten der Osram-Gesellschost aus noch unbekannter Ursache Feuer ausgebrochen war. Ein Weiter- greifen tonnt« oerhindert und das Feuer nach längerem Wassergeben gelöscht werden.___ Das Eisenbahnunglück in München. Prozestbeginn gegen den Lokomotivführer Anbete. München, 2. März.(Eigener Drahtbericht.) Bor dem Großen Schöffengericht München begann am Mittwoch vormittag unter dem Vorsitz von Landgerichisbirektor Eibecker der Prozeß gegen den Lokomotivführer Llubele von Rosenhain wegen des Eisenbahn- Unglücks im Münchener Oftdahnhos zu Pfingsten vorigen Jahres. Der Andrang zum Gerichtssaal war außeroedenilich stark und hunderte konnten keinen Einlaß mehr finden. Vor Beginn der Der. Handlung machte der Vorsitzend» Mitteilung von dem am Dienstag erfolgten Ableben der beiden Verteidiger, Justizrat van Wien-München und Justizrot Sonnenfeid-Berlin, die als Syn« dici der Gewerkschaft Deuts che r Lokomotivführer die Verteidigung vorbereitet hatten. Weiter gab er von der Er- klärung des Angeklagten Kenninis. daß er sich ohne Verteidigung nicht in der Lage sähe, die Veihandlung durchführen zu lassen. Der dritte Verteidiger, Rechtsanwall Aitinger-Münchsn, war in der An- Gelegenheit mir als Substitut tätig gewesen und hat als solcher keine Prozeßvollmochten. Der Vorsitzende bedauerte dies und sprach dem Angeklagten fast eine halbe Stunde lang zu. Aubele blieb aber bei seinem Antrag auf Aussetzung der Verhandlung. Der Staatsanwalt trat dem Auesetzungsantrag«ntgepen und das Gericht lehnte den Am rag Aubelcs einstimmig ab. Dieser weigerte sich trog wiederholten Zuspruchs des Vorsitzenden, sich selbst zu ver- teidigen hieraus wurde umnittelbar in die Zeugenvernehmung eingetreten. Als erster Zeuge wurde der Block wärt er W e r b a ch vernommen, der die fragliche Blackstotion vor dem Oft- bahnhof München zu betreuen hotte. Er behauptet, daß sowohl das Bor. wi, dos houptslanal seiner Blockstelle für den Unglückszug auf holt gestanden habe.„Plötzlich bemerkte ich den Zug 829, der anscheinend das Signal übersehen hatte. Ich grisr zur Handsignallampe, um wenigstens«inen der Insassen des Zuges auf die drohend« Gefahr aufmerksam zu machen. Aber es war ver- geben«. Ich eilt« ans Telephon, um die Hiatton Ostbahnhof zu unterrichten. Aber->s war zu spät, das Unglück war bereits ge- lchehen. Eine Täuschung darüber, ob das Signal auf halt gestanden hat, ist ausgeschlossen. Einen nachträglichen Eingriff habe ich mcht gemacht und konnte ich nicht machen." Schiedsspruch im Ouchöruckgewerbe. Zustimmung der Gehilfenvertreter. Die zurzeit schwebenden Manteltarifverhandlungen im Buchdruckgewerbe haben eine den Unternehmern unangenehme Unterbrechung erfahren durch die Gehilfensorderung, vor Beendigung der Manteltarifverhandlungen er st in die Lohnverhand- l u n g e n einzutreten. Obwohl die Unternehmer die letzten Lohn» Verhandlungen durch Antrag aus Verlängerung des Lohnabkommens bis zum Ablauf des Manteltarifs zu gleichzeitigem Ablauf brachten, b e st r i t t e n sie jetzt, daß Lohn- und Manteltarif zu- sammenhängende Dinge seien und wollten er st nach Be- endigung der Manteltarifverhandlungen und einer darauf folgenden Pause von acht Tagen in dieLohnverhand- lungen eintreten. Der Zweck dieses Bemühens war für die Gehilfenvertretung durchsichtig genug, um auf ihrer Forderung zu bestehen, und so wurden dann, nachdem ein ä u ß e r st kritisches S t a d i u m für die gesamten Manteltarifverhandlungen überwunden war, am Montag nachmittag 5 Uhr vom Tarifausschuß die ge- wünschten Verhandlungen ausgenommen. Die Gehilsenoertretung nahm ihren Antrag vom Januar wieder auf und forderte eine Er- höhung des Tariflohnes um 8 Mark, also von 48 auf 56 Mark in der Spitze. Trotzdem die Gehilsenoertretung auf die unbestreitbare Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Ar- beiterschaft hinwies und immer wieder betonte, daß mit Rücksicht auf diese Verschlechterung das seit zwei Jahren unverändert gebliebene Lohnabkommen eine Aufbesserung erfahren muh. erklärten die Unternehmer erneut, daß sie dieser Auf- fassung der Gehilsenoertretung nicht beitreten können und sie dem- zufolge jede Lohnerhöhung ablehnen müssen. Nach sehr erregter Debatte kam es aber dennoch zur Bildung einer engeren Kommission, die jedoch nach mehrstündigen Derhand- lungen auseinanderging. Infolge dieser Sachlage trat Dienstag nachmittag um 5 Uhr das Zentralschlichtungsamt unter dem Vorsitz des Herrn Regierung?- rats Dr. Königsberger zusammen. Noch einmal wurde darauf hingewiesen, daß stch der Index in der Zeit der Lohnperiode von 1ZS auf 145,4 gesteigert habe, daß die geringe Arbeitslosigkeit im Gewerbe von 3 Proz. einen guten Geschäftsgang widerspiegele und deshalb die ausgestellte Forderung in vollem Umfange gerechtfertigt sei. Diese Berechtigung wurde von Unternehmerseite wiederum be- stritten und der Gehilfenschaft die unglaubliche Zumutung nahegelegt, ihre Forderungen zurückzuziehen, weil diese nicht geeignet seien, den Frieden im Gewerbe zu fördern. Da bei diesen Gegensätzen eine Verständigung auch im Zentralschlichtungsamt nicht möglich war, wurde nach 1 Uhr nachts folgender S ch i e d s- spruch gefällt: Der Spihenlohn wird vom 1. April bis 30. September 1827 auf 51,50 Mark und vom 1. Oktober 1927 ab auf 52,50 Mark fest- gesetzt. Diese Regelung gilt bis zum 21. März 1928 und verlängert sich jeweils um sechs Monate, es sei denn, daß sechs Wochen vor Ab- lauf gekündigt wird. Die Parteien haben sich untereinander bis zum Mittwoch, den 2. März 1927, nachmittags 3 Uhr. über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches zu erklären. Jy der Entscheidung des Zentralschlichtungsamts vom 13. Ja- nuar ist zum Schluß gesagt:„Es ist in den Löhnen die Grenze erreicht, die gerade noch tragbar ist, während eine weitere Ver- schlechterung nicht mehr'tragbar wäre." Nach Ausfasiung des Zentralschlichtungsausschusies in seiner jetzigen Zusammensetzung ist die Grenze überschritten durch die wirtschaftlichen Ver- hällnisse und Entwicklung, insbesondere durch die als sicher anzu- sehende Mietsteigerung. Die Löhne der Gehilfen bedürfen daher der Aufbesserung. Diese Aufbesserung muß sich in einem für die Arbeitgeberfchaft tragbaren Rahmen halten. In Berücksichtigung dessen hat das Schiedsgericht die obige Festsetzung für angemessen, aber auch für ausreichend erachtet. Durch diese Erhöhung gilt die kommende Mietsteigerung bis zu 20 Proz. als abgegolten. Mit diesem Schiedsspruch sind die Wünsche der Gehilfen zwar nicht als befriedigt anzusehen. Dennoch aber hat ihm die G e- Hilfenvertretung unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Lage z u g e st i m m t. Das neue polizeibeamtengefetz. Die Funktionäre des Allgemeinen Preußischen Polizeibeamten- Verbandes traten am 1. März zu einer Sitzung zusammen, an der außer dem Bundesvorsitzenden Faltenberg, der Polizei. oberst a. D. Dr. S ch ü tz i n g e r vom ADV. und die Landtags- abgeordneten Simon und Z a ch e r t teilnahmen. Es kam zu folgender Entschließung: „Der Allgemeine Preußische Polizeibeamten-Verband lehnt den vom preußischen Ministerium des Innern vorgelegten Entwurf eines Polizeibeamtengesetzes als ein mit den Grundlätzen des Berufsbeamtentums und des a l l e e m e i n e n Beamtenrechts nicht zu vereinbarendes Gesetz ab. Dagegen hält der Allgemein« Preußische Polizeibeamten-Verband eine hemmungslose Pröpagandr gegen den Entwurf in der Oessent- lichkelt und in der preußischen Polizeibeamtenfchaft nicht für den richtigen Weg, um das werdende Gesetz seiner Ausnahmebestim- mungen gegen die Polizeibeamtenschast zu entkleiden. Durch die Beseitigung des„Eheverbots", der„Kündigung wegen llngeeignetheit", der„ausnahmsweisen Entlassung nach 12 Dienst. jähren", der Beibehaltung des durch das ehemalige Schutzpolizei. beamtengesetz geschaffenen Rcchtszustandcs bis zum Jahre 1938 für einen Teil der Beamten, sowie der„fristlosen Entlassung wegen Verstöße gegen die Manneszucht" wird der Allgemeine Preußische Polizeibeamien-Verband dem Gesetzentwurf«ine Form zu geben versuchen, die für die preußische Polizeibeamtenschaft tragbar er- scheint."_ Austritt aus dem Deutschen Beamtenbund. Polizei-Sekretär Genosse Ernst Hildebrandt, einer der be- kanntesten Gewerkschaftler der preußischen Polizeibeamten— bisher im Verband Preußischer Polizeibeamten(sogen. Schrader-Verband) tätig— ist, wie wir erfahren, am 1. März 1927 aus dem Verbände, nachdem er sämtliche bei diesem und beim Deutschen ' Beamtenbund innegehabten Aemter nidergelegt hat, a u s g e- treten und hat mit die Führung des freigewertschaftlichen „Allgemeinen Preußischen Polizeibeamten-Verbandes" übernommen. Ablehnung des Banken-Ichiedsspruchs. Wie der Allgemeine Verband der Deutschen Bankange st«Ilten mitteilt, hat sein Zentralvorstand in einem ausführlichen Schreiben an das Reichsarbeitsministerium den Schiedsspruch vom 23. Februar abgelehnt, da sein Inhalt nicht geeignet erschein«, den Tarifkonslikt rm Bankgewerbe zu beseitigen. Tarifkündigung der ReichSpostarbeiter. Am 28. Februar ist der Lohntarif und die sonstigen geldlichen Bestimmungen des Tarifoertrages für die Arbeiter der Deutschen Reichspost zum 31. März gekündigt worden. Lebensmittel- und Hetrankearbeiter. Günstige Entwicklung der Organisation. Die Berliner Ortsverwaltung des Verbandes der Lebensmittel- und Getränkearbeiter hatte am Sonntag vormittag im Gewerk- schaftshaus ihre Jahrcsgeneralversammlung, die einen äußerst starken Besuch aufwies. Genosse H o d a p p, der den Geschäfts- bericht gab, schilderte die im Vorjahre geführten Lohn- und Tarif- bewegungen und ging dann auf die organisatorische Entwicklung der Berliner Ortsverwaltung ein. Der Mitglieder st and er- höhte sich von 4504 zu Beginn des Jahres auf 4856, also u m 352 Mitglieder, wobei jedes Mitglied als voll» zahlend gerechnet ist. Die Einnahmen der Verbondskasie über. steigen die Ausgaben um rund 60 009 M., trotzdem den Mitgliedern an Unter st ützungen 32,26 Prozent ihrer Beiträg.e zurückgezahlt wurden gegen 18,23 Prozent im Jahre 1925. So wurden allein an Arbeitslosenunter st ützung 2 3«e45 Mark(1925= 4190 M), an außerordentlicher Unterstützung 8544 Mark(1925 260 M.) und an S t e r b e g e l d 1 0 6 7 7 Mk.(1925 = 5394 M.) gezahlt. Anschließend an den Geschäftsbericht gab Genosse Schmitz das Organisationsverhältnis in den einzelnen Branchen bekannt und hob hervor, daß noch ungefähr 1400 Un- organisierte zur Organisation heranzuholen sind. Den Berichten folgte eine ausgiebige Diskussion, in der ab- wechselnd ein Redner der Amsterdamer und der Moskauer Richtung sprach. Die Kömmuni st en konnten an der Tätigkeit der Ortsverwaltung im Vorjahre keine Kritik üben. Statt dessen bildete die letzte Lohnbewegung in den Brauereien die Ziel- scheide ihrer Angrisse. Sie machten der Ortsverwaltung den Vor- wurf, den Streikbeschluß der Funktionäre nicht durch- geführt zu haben. Die Ortsoerwoltung ist an den Tarisoertrag und die Einzelarbeitsverträge gebunden, die eine achttägige Kündigungsfrist vorschreiben. Die Kommunisten mußten aber irgendeinen Anlaß suchen, um ihre„Opposition" gegen die Orteoerwaltung irgendwie zu begründen. Die Diskussion flackerte noch einmal auf, als die Neuwahl der Ortsverwaltung vorgenommen werden sollte. Die Ortsoerwoltung und die Der- trauensleute hatten wegen der bevor st ehenden Verschmel- z u n g beschlossen, der Generalversammlung die Wiederwohl der alten Ortsoerwoltung en dlae vorzuschlagen. Die „Opposition" hatte dagegen am Sonntag eine eigene Liste einge- bracht und„begründete" auch ihre Stellungnahme. Mit dem An- trag der„Opposition", die Wahl als U r w a h l durchzuführen und, wenn das der H a u p v o r st a n d nicht zuläßt, sie mit Stimm- zetteln vorzunehmen, erklärte sich die Ortsverwaltung einverstanden, worauf die Versammlung vertagt wurde. Betriebs- und Gewerkschaftsfunktionäre! In der Tagespresse vom 23. Februar wurde unter der Ueber- schrift:„Abgestürzt und aufgespießt" mitgeteilt, daß schon wieder ein Fensterputzer während seiner Arbeit einen schweren Unfall erlitt. Da in der letzten Zeit des öfteren derartige Unfälle vorgekommen find, ersuchen wir die Betriebssunktionäre, in den einzelnen Betrieben auf die Unsalloerhütungsvorschriften hinzu. weisen. Wir sind der Meinung, wenn auf die Unfallverhütungs- Vorschriften des öfteren hingewiesen wird, daß dadurch die Unfall- ziffer bedeutend eingeschränkt wird. Deutscher Verkehrsbund, Bezirksoerwallung Groß-Berlin, Sektion II. Branche der Glas- und Messingreiniger. Lohnküudigung bei den Teeschiffswerften. Hamburg. 2. März.(WTB.) Der Deutsche Metallarbeiter. verband hat das Lohnobkommen für die deutschen Seeschifsswerften auf den 31. März gekündigt. Eine Belegfchofteversammlung der Reiherstiegwerst hat einmütig beschlossm,.die Leistung von Ueber- stunden zu oerweigern und die Erhöhung des Akkordzuschlags um 20 Proz. zu fordern. SPD.-Metallarbeiter besucht öle Wahlkorperversammlungen! Kommunistische Hewerkschastspolitik.. Im mitteldeutschen Bergbau ist es den Gewerkschaften unter der Führung des Bergarbeiterverbandes gelungen, das Vertrauen des größten und ausschlaggebendsten Teiles der Bergarbeiter zu ge< Winnen. Gestützt auf dieses gegenseitige Vertrauensverhältnis war es in jahrelanger, mühevoller Arbeit möglich, die Arbeitsverhältnisse in jeder Beziehung erträglicher zu gestalten. In allen Versammlungen und Konferenzen war von einer kommunistischen Opposition so gut wie nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil. Trotz Abrüsfelung durch die KPD.-Parteiinftanzen in- folge ihres vernünftigen Verhaltens in der Gewerkschaftsarbeit haben die kommunistischen Delegierten stets restlos die Richtigkeit der gewerkschaftlichen Führung a n e r k a n nt. Das ist um so wertvoller, als gerade im mitteldeutschen Berg- bau die Arbeitgeber sich den vernünftigen Forderungen der Berg- arbeiter verschließen und einzig nur aus die Wahrung ihrer Prosit- interesien bedacht sind. Die Arbeiter stehen also einem aus- gesprochenen wirtschastsreaktionären Scharfmachertum gegenüber. Zurzeit führen die Gewerkschaften«inen erbitterten Kampf vm die Beseitigung der Zwölf st undenschicht. Und angesichts dieser Tatsachen hält es jetzt die Kommu- n i st i s ch e Partei für angebracht, ihre Versuche der Unter- wühlung der Gewerkschaften iortzusetzen. Der Neid auf den Erfolg der Gewerkschaftsarbeit hat sie nicht ruhen lassen; die KPD.-Strategen sind scheinbar der Meinung, daß es ohne ihre Wühlarbeit nicht geht. Oesfentlich wagen sie wegen Mangel an Gefolgschaft ihr früheres Treiben nicht mehr und suchen nun aus dem Hinterhalte ihr arbeiterfeindliches Verhallen fortzusetzen. Anstatt in der Gewerkschaft selbst ehrlich mitzuarbeiten, werden geheime Zusammenkünfte veranstaltet, in denen in der Hauptsache Pläne gegen die Taktik der Gewerk- s ch a f t e n und deren Führer geschmiedet werden. Das folgende vertrauliche Rundschreiben der KPD. ist ein schlagender Beweis für die Doppelzüngigkeit der KPD.-Helden gegen- über ihren eigenen Mitgliedern. „KPD. Halle-Merseburg. Halle a. S., den 9. Februar 1927. Brief Nr. 867. An alle Ortsgruppen mit Bergarbeiter- mitgliederschaft. Betr.: Konferenzen kommunistischer Bergarb e iter. Werte Genossen! Am Sonntag, dem 27. Februar, vormittags 10 Uhr, finden Konferenzen kommunistischer Bergarbeiter für das Zeitz-Weißenfelser Gebiet in Deuben, Gastwirtschaft„Bauer",* für das Merseburger Gebiet(Geiseltal) in N e u m a r k, Gastwirtschaft„Schumann", für das Röblinger Gebiet rn Unterröblingen, Gastwirtschaft„Henze" statt. Es ist notwendig, daß für diese Konserenzen schon jetzt die besten Vorbereitungen getroffen werden, daß in allen Ortsgruppen die Bergarbeitergenossen zu einer Sitzung zusammengenommen und die besten und erfahrensten Genossen Zellenleiter, Betriebs- röte, Ortsverwaltungsmitglieder oder Vertrauensleute des Berg- arbeiteroerbandes zu diesen Konferenzen entsandt werden. Da im April das Ueberzeitabkommen abläuft, müssen wir zur Frage der Zurllckeroberung des Achtstundentages und gleichzeitig zur Kündigung der bestehenden Lohntafeln Stellung nehmen. In anderen Bergbaugebieten, im Waldenburger Revier wie im Ruhrgebiet, find die Mehrarbeitsabkommen bereits gekündigt. Wir müssen auf der Konferenz die Linie unseres Vorgehens festlegen und danach eine großzügige Werbe- und Aufklärungskampagne unter den Bergarbeitern durchführen. Mitteldeutschland darf nicht den Schwanz in der Bergarbeiter- bewegung bilden, sondern muß aus Grund der Initiative der oppositionellen Genossen führend vorangehen. Wir erwarten, daß alle Ortsleitungen ihre Pflicht tun und zu ihrem Teil an der Borbereitung der Konferenzen mitwirken, daß dieselbe Austakt für die großen Auseinandersetzungen im Bergbau werden. Fahrgeld tragen die Zellen bzw. Ortsleitungen, in dringenden Fällen erstattet die Bezirksleitung die Fahrgeldunkosten zurück. Alle Bergarbeiterorte— alle Bergbaubetriebe müssen auf den Konferenzen ihres Revier» vertreten sein. Die Vorbereitungen müssen illegal getroffen werden, damit dem Hauptvorstand des BAV. keine Handhabe zu Ausschlußmaßnahmen gegenüber guten Funkttonären gegeben wird. Mit kommunssttschem Gruß L. L. Halle-Merseburg, Gew.-Abt. Diese Konferenzen haben tatsächlich stattgefunden. In einem Ort« waren sechs, in den beiden anderen noch nicht ein Dutzend Leute zusammengekommen. In allen Konferenzen haben partei- politische Beauftragte der KPD. den Versuch unter- nommen, sich als Führer einer Bewegung aufzuspielen, als die sie ebensowenig tauglich wie berufen sind. Die KPD. ist übrigens von der Schädlichkeit ihres Treibens wohl auch selbst überzeugt, denn welchen Zweck hätte sonst die Angst und das Verkriechen vor dem Vorstande des Bergarbeiter- Verbandes. Im übrigen wird natürlich in Mitteldeutschland kein Mensch Notiz von den„Beschlüssen" dieser Klubs nehmen. Die Be- teiligung beweist am besten den Zusammenbruch der KPD.- Führung unter den mitteldeutschen Berg, arbeitern. Der Streik bei der Firma Gebr. Haericke, Wilmers. darf, Fuhrbetrieb, ist beigelegt. Die Arbelt ist seit heute morgen wieder ausgenommen. Auftakt zur Weltwlrtschaflskonferenz. Der Internationale Ge- wertschaftsbund und das Bureau der Arbeiter-Jnternationale halten am 2. Mai in Genf zur Besprechung des Programms des vor- läufigen Ausschusses für die Ä e l t w i r t s ch a f t s- konferenz eine Sitzung ab. Am 3. Mai wird eine Sitzung mit allen Arbeitervertretern der Konferenz stattfinden. Derantwortlich fUr Politik: Victor Schiff: Wirtschaft:<8. ItliagcNiöfcr: Gewcrkschattsdcto.'zuna: Fc.«fNora: ffemllclon; Dr. Zoha Schikowoki: Lokales: und Sonstiges: Frist Karstadt: Anzeigen: LH.!. Rai pari. Nahe Hackescher Mari Zahlungserlclcbterunz Teieoho AexanderC'U mm Srpr. 1991. Uat.SavaatU Nr fchdmstea«. grrtiwrrtHtr «pwcit-«US B tepv«Deete» Milieu"cTTTeUÖnTTir'iJcr�*'"-""" Bernhard(Struhmandni, Kerlll S 14 Wallsrr. 78 lUnteegrundbahn In e drück« gtlla.e Splttrtniarll, ticke ZcndelNr.. uns ■,9>i(at«6ar(«ca>'ak 8, Sckr rrautenauflr ANeiaU-Betistei»a a Ma.lea cmalraHen. 8, BS allste. 81->3 un» W, mi(aUhar«er«las 8. (■■■ Repsratlck.U— Olluftztfteifeuaiasazlltti. D