Nr. 164 ♦ 44, �tchrg. Ausgabe A Nr. 53 Bezugspreis. «Zchentlick, 70 Pknnt» morortH# B.- Reichsmarl oora»i W iiibot. Unter Slteiubanb für Deulschtanv, ScMt«. Saar» und äRemeloebiet. Cettureid). Litauen. Surembun 4,50 R-ichsmarl. für da, übtis« Ausland 5.50 Reichsmarl vro Monat. wer �ormilrts' mit der Mustrler. ten Sonntagsbeilage.voll und Zeif sowie den Beilagen.Unierdaliun« «no Dissen'.Aus der Bilmmcll*. .Krouenssimme'.Der Kinder- freund'.Lugend-Vorwärts' und .Blick in die Bücherwelt' erschein! wochenläglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Delearamm-Adresset �Sozlaldemolrol Berlin" Morgenausgabe Derliner Volksvlerkt �10 pksnnig) Anzeigenpreise: »s««lnlvaltta« RonoareiNe- »eil« 00 Pfennig. Reklamegeile t,— Reichsmarl.»Kleine Anteigen' das fettaedruckte Wort 25 Pfennig siMlSNia twei iettaedrucktr Worte), sede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« da, erste Wort 15 Pfennig. ,ede» weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» stallen»älllen für«wei Worte. Tlrlleitsmarkl Keile 00 Pfennig. lfamilienantewen für Abonnenten Keile<0 Pfennig. «nueigen für die nSchste Nummer müssen bis 000 Rundfunkteilnehmern ausgegangen, der jetzt schon überschritten ist. Nimmt man bei vorsichtiger Schätzung an, daß im Lauf des kommenden Rechnungsjahres rund 500 000 Rundfunkteilnehmer hinzukommen. so wird die den Rundfunkgesellschasten zur Verfügung stehende Summe die Höhe von etwa 17,5 Millionen Mark erreichen. Wo bleiben nun diese Gelder? Der Reichspostminister besitzt nicht nur 51 P r o z. oller Anteile der Rundfunkgesellschasten, er ist auch, was die Wirtschaftsführung anbelangt, nicht nur unbestrittener Machthaber, sondern er ist auch das Auffichtsorgan des Reiches für die Wirtschaftsführung. Ihn trifft also die voll« Verantwortung, wenn mit den vielen Millionen Rundfunkgebühren nicht so gewirt- schaftet wird, wie es sich gehört. Das dies der Fall ist, wird unter Hinweis auf die im ?luftrage des Reichspostnnnisters ausgeführte Prüfung der Rund- stinkgesellschaften durch eine Treuhandgesellschaft bestritten. Immer- hin wollen die Gerüchte über allzu große Freigebigkeit in den Gehältern der leitenden Personen nicht verstummen. Ts soll bei den Rundfunkgesellschasten Leute geben, die jährlich das Mehrfache eines Ministergehalts beziehen. Nebenbei sollen sie durch die auf amtlichem Programmaterial basierende Rund- funkzeitung nochmal so viel verdienen. Auch sonst soll man mit Ver» waliungsausgaben durchaus nicht sparsam umgehen und das Geld mit vollen Händen ausgeben. Im Gegensatz hierzu kann die Deutsche Reichspost aus dem Rundfunk keinen Reingewinn buchen, weil die ihr zu- fließenden Einnahmen durch Ausgaben glatt ausgezehrt werden. Es ist nur natürlich, daß unter diesen Umständen die Frage einer anderen, für die Post günstigeren Verteilung der Rundfunk- gebühren und einer schärferen Wirtschaftsführung der Rundfunk- gebühren immer wieder erörtert wird. Der Reichspostminister hat im Verwaltungsrat zugesagt, eine neue Prüfung der Wirt- schaftsprüfung der RunMunkgesellschasten durchzuführen. Darüber hinaus sind wir der Meinung, daß es angesichts der riesigen Zunahme der Rundfunkteilnehmer auch an der Zeit ist, sich mit der Frage der Herabsetzung der Rundfunk- gebühren zu beschäftigen. Jonöspolitik ües Neicksarbeitsm'm'stersums Die Zuwendungen für freie Wohlfahrtspflege. Wir haben in der letzten Zeit wiederholt in die merkwürdige Verwendung des den Ministerien vom Reichstag zur Verfügung gestellten Fonds hineinleuchten muffen. Neber die Fondspolitik des Reichsarbeitsmini st eriums bringt die„Arbeiter- wohlfahrt"«ine Zuschrift aus parlamentarischen Kreisen, in der es unter anderem heißt: Alljährlich kehren in dem Haushaltsplan des Reiches erhebliche Beträge zur Nnterstiitzung de« freien Wohlfahrtspflege wieder. Diese sieden nicht in dem Haushaltsplan des Reichsarbeitsministeriums lZldfchnitt VIl), sondern in Abschnitt XVIl, dem Haushalt« der Allgemeinen Finanzverwaltung. Sie sind ihrer etat- maßigen Einstellung nach also Mittel, die eine Fortsetzung der den Ländern bei der Verabschiedung der drit'en Steuernctverordnung für die Uebergangszeit zugesagten Zuschüffe darstellen. Diese Zu- Wendungen werden aber nicht, wie man nach ihrer«tatmäßigen Ein- stellung annehmen sollte, den Ländern und Gemeinden als den gesetzmäßigen Trägern der Wohlfahrtspflege zur bestimmunqs- gemäßen Verwendung für Anstalten und Einrichtungen der freien Wohlfahrtsvflege überwiesen, sondern ihre Ausschüttung geschieht durch die Spitzenverbände der freien Wohlfahrts- pflege, deren„gleichberechtigte Macht" durch diese Finanzpolitik erst völlig stabilisiert wird. Hinsichtlich des Verwen- dungsnachmeifes dieser Gelder zeigt nun das Reichsarbeitsministerium eine wahrhast sungfräuliche Scheu. Unsere Parteigcnoffen in den Länderparlamenten, in den Landeswohlfahrtsämtcrn, in den Stadt- Verwaltungen und Siadtvertretungen haben bei Unterstützungs- gesuchen der Verbände der freien Liebestätigkeit schon häufig nach der Zuteilung dieser Reichsgclder die örtlichen und Landesstellcn befragt, aber niemals eine ausreichende Auskunst erholten können, weil das Reich selbst die Länder und Gemeinden über die Zuwendungen im Ungewissen gelassen habe. Noch jüngst wurde einem unserer Stadtver- ordneten von einem büigerüchen Reichsratsvertreter mitgeteilt, daß die Reichsregierung dem Reichsrat eine U« b e r s i ch t über die Vor- wendung der ihr zur Verfügung stehenden Fonds vorgelegt habe. Diese Uebersicht erinnere ihn aber stark an das Haushaltungsbuch seiner Frau, die einzuschreiben pflege: Blumenstock 0,60 Mark, Straßenbahn 0,15 Mark, Diverses 40,50 Mark. Während nämlich das Reichsministerium des Innern in einer Aufstellung über die einzelnen Zuwendungen an private Einrichtungen und Anstalten von 1500 Mark biszueinem Höck» st falle von 62 2. 640 Mark im einzelnen unter Benennung der Empfänger in 72 gesonderten Positionen Auskunft gibt und auch das Reichsarbeitsministerium in seinem eigenen Haushaltsplan die sechs Empfänger, die nicht den Spitzenverbänden der Liga angehören, mit 800 Mark bis 18000 Mark einzeln auszählt, weist es die Ausschüttung an die Spitzenoerbänd« ohne die einzelnen Empfänger zu bezeichnen mit der niedlichen Summe von 8220000 Mark(acht Millionen 220 Tausend Mark) aus, wozu noch 800 000 Mark zur Tuber- kulofebetämpfung des Anftaltsperfonals dieser Einrichtungen und ein Ausgleichssonds des Reichsarbeitsministeriums mit 890 000 Mark kommen, der sicher auch nicht ganz den der Liga angeschloffenen Ver- bänden vorentbalten worden ist. Es wird Aufgabe unserer Fraktion sein, bei der Beratung des Abschnittes 17 des neuen Reichshaushalts vom Reichsarbeitsministe- rium«inen genmien Nachweis über die Art und Form der Zu- Wendungen der in früheren Jahren in diesem Abschnitt bewilligten Millionenbeiträge zu fordern, ein Verlangen, zti dem sie nach Z 86 der Reichsversassung berechtigt ist. Der Parteitag ües schlechten Gewissens. KPD. gegen„Ueberradikalismus". Esten. 2. März.(Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch begannen im Saalbau in Essen die eigttulichen Verhondlm�en des k o m m u. nistifchen Parteitages. Der Reichstagsabgcordnete Den- gel erstattete den Tätigkeitsbericht der kommunistischen Zentrale. Er wandt« sich scharf gegen die Kritik der Links- und Rechtsgruppicrungcn und kritisierte vor allem die überradikaien Aeußerungen der Oppositionsführer. Die Partei werde dadurch in ihrer systematischen Gewerkschaftsarbeit gestört. Die von Lenin verfolgte Bündnispolitik mit dem gewerblichen Mittelstand Kampf unö Dipl Englische Truppen vor Schanghai.- London, 2. März.(Eigener Drohtbericht.) Marschall Sun, der im Range zweite General der vereinigten Anti-Kantonarmee, hat den Rücktritt' vollzogen. Seine Abdankung wurde dem Marschall Tschangtsolin, dessen Armeen sich nunmehr durch die Provinz Honan zum Zweck des Angriffes auf Hankau bewegen, übermittelt. Der Gouverneur von Hangtschau, Tschang, ist nun- mehr alleiniger militärischer Herr von Schanghai. Im Gefolge der desertierten Truppen Mengtschangyu wurde nunmehr bie gesamte Armee des Marschalls Sun auf der Ver- tcidigungslim« Smkiang herausgenommen und durch Tschangs Truppen ersetzt. Zurzeit wird im westsichen Distrikt von Schanghai links der sogenannten Edinbourgh-Straße eine zweite Der- teidigungslinie angelegt. In amtlichen Kreisen Londons wird am Mittwoch mitgeteilt, daß die Verhandlungen zwischen dem britischen Delegierten O'Malley und Tscheng wegen der britischen Konzession Kiu-Kiang so weit fortgeschritten sind, daß ein Abkommen über diese Kon- Zession unmittelbar bevorsteht, das denselben Charakter wie das für die britische Konzession Hantau tragen soll. Die Tatsache, daß die britische Verteidigungslinie in Schanghai außerhalb der internationalen Konzessionen auf chinesischem Boden angelegt worden ist, hatte Anlaß zu einer Reihe von An- fragen führender Mitglieder der Arbeiterpartei im Unter- haus an den Außenminister gegeben. In seiner Antwort betonte Chamberlain, die britischen Truppen handelten lediglich zur Ver- teidigung des Lebens britischer Staatsangehöriger und müßten daher auch ermächtigt werden, solche Stellungen zu beziehen, die sie zur Erfüllung Ihrer Aufgabe zum Schutze britischer Staatsbürger benötigen würden. Einigungsvorschläge Tschangtsolins an Kanton. Aus China liegen verschiedene Meldungen vor, die nur mit Vorbehalt aufzunehmen sind. So heißt es. daß Tschangt» s o l i n der Kantonregierung einen Friedensvorschlag auf der und den Kleinbauern, die in Rußland so große Erfolge gehabt habe, müsse auch in Deutschland ohnejeden radikalen Unterton durch die geschickte Interessenvertretung von der Kommunistischen Parket verwirklicht werden. Parlamentarische Fehler bei der Regierungsbildung in Mecklenburg und andere Fehler bei der Behandlung der Sozialdemokratischen Partei in Thüringe» wurden von dem Berichterstatter ebenfalls scharf gerügt. Einige Delegierte aus Thüringen veranlaßte das zu lebhaften Protestrufen. Im Anschluß an die Debatte erhielt die bisherige Parteiführung eine Mehrheit von 180 gegen 8 Stimmen. völkische unter sich. . Wer über Hitler schimpft- wird verprügelt. Den Völkischen genügt es offenbar nicht mehr, daß der Krach in ihrem Lager mit gehässigen Briefen, persönlichen Anschuldigungen und ähnlichen Scherzen ausgetragen wird. Daher beriefen sie zum Mittwoch in die Kammersäle eine Versammlung ein, als deren Ver- anstalter zwei feindliche Gruppen, die völkische Arbeits- gemeinschoft und die Nationalsozialistische Frei- heitspartei, auftraten. Unter den uniformierten Gestalten, die an der Versammlung teilnahmen, trugen viele sichtbar die Zeichen ihres„geistigen Kampfes", manche den Arm in der Binde, manche den Kopf umwickelt. Die Anhänger beider Richtungen mußten erst aufgefordert werden, den Redner der jeweils anderen Parteien ruhig anzuhören— sie zeigten nicht übel Lust, über einander herzufallen. In dieser gereizten Stimmung hielt der Völkische K u b e eine ebenso zerfahrene wie geschwollene Rede, die in einem Lobgesang auf Sowjetrußland gipfelle. Seine mit großem Pachos vorgetragenen, aber von den eigenen Anhängern nicht einmal recht verstandenen Ausführungen erhielten eine würzige Pointe durch die Angriffe des zweiten Redners, des Nationalsozialisten Dr. G o e b e l s, gegen Jürgens. Ramin, der bekanntlich die Abhängigkeit Hitlers von seinen kapitalistischen Geldgebern gekennzeichnet hatte. Trotz der Immunität würde Ramin seiner Strafe nicht entgehen. Selbst wenn die Nationalsozialisten sich das Fahrgeld stehlen müßten, würde er keine Versammlung mehr abhallen, ohne sich vor den Nationalsozialisten verantworten zu müsten. Die ganze Vcranstollung zeigte in ihrem Aufzug und ihrem Inhalt den hoffnungslosen Zerfall der völkischen„Bc- freier", die selbst nicht mehr wissen, für oder gegen wen sie kämpfen sollen. Dochring legt los. Gcgcn das Konkordat— gegen das Papsttum. Die Verhandlungen über das bevorstehende Konkordat werfen ihre Schatten voraus, und die Zentrumsleute werden nicht mehr lang« die zarte RUcksichtnohm« finden, die ihnen ihre Gcnoffen in der Regierung, die Deutschnationalen, in der ersten Freude über das Zustandekommen des Ministersesselgeschäft» entgegen brachten. Der bekannte reaktionäre Pastor D o e r i n g hat seinen„Luther- ring" gegründet, um die evangelischen Belange zu verteidigen. In der ersten Bersanimlung dieses Verbandes, die am Mittwoch im Kriegervereinshaus stattfand, lauschten viele Kirchensteuer zahlende Mitbürger auf die Kampfansage gegen das Papsttum.»Fährt der Papst fort, durch den Nuntius in Berlin Konkordatspolitik zu treiben, dann erklären wir in oller Feierlichkeit, daß dadurch heilloses Ungemach über dos deutsche Volt kommen wird." Das alte starke Kaiserreich Deutschland habe sich kein Konkordat ge- fallen lassen, das neu« von internationalen Phrasen verseuchte und geschwächte Deuischlaiid steht ihm hilflos gegenüber. Es ist abzuwarten, wie weit diese„Verseuchung" auch die Dsutschnationalcn mitgenommen hat. Die tacholische Kirch« als internationale politische Macht versucht,„romanischen G e i st in das Deutschtum zu verpflanzen, gegen den wir uns umer allen Um- ständen wehren müssen. Denn orientalisch« und slawische Einflüffe sind schon stark genug vorhanden". Natürlich gab es auch dazu die üblich« Iudenhetze. Gegen Locarno und Genf wurde natürlich trotz der„Richilinien" gewetten. Politische Sklaverei und moralische Knechtung sind nach den Rednern die Folgen.— Das Zentrum wird an seinen neuen Freunden noch viel Freude erlebenl Im Befinden des Genossen Löbe bäll die Besserung an. Psychisch wurde es allerdings gestern durch einen Unfall beeinträchtigt, der der greisen M u t l e r de» Patienten zugestoßen war. Diese hatte sich durch einen Sturz den Arm gebrochen und wurde in dieselbe Klinik gebracht, in der sich Genosse Lobe befindet. Leider war es unmöglich, ihm diesen Unfall zu verschweigen. »matte in Ehina. Ein neues Abkommen mit Kanton. Grundlage der Teilung Chinas mit dem Dangtse-Fluß als Grenzlinie übermittell habe. Eine einzige Vorbedingung soll dahin gehen, daß sich die Kantonrcgierung vollständig vom B o l s ch e w i s- mus lossage. In offenbarem Zusammenhang mit dieser Nach- richt stehen Meldungen über ernsthafte Meinungsverschieden- Helten auf der Tagung des Zentralkomitees der revolutionären Kuomintang-Partei über die Stellung der nationalen Be- wegung zu Sowjetrußland. Der südchinesisch« Gencrallisstmus Schiangkaishi soll dabei in heftigen Gegensatz zu den russischen Generälen geraten sein. Endlich wird aus Schanghai gemeldet, daß der General Tschang, der in der Verteidigung Schanghais den General Sun völlig oerdrängt zu haben scheint, eine Annäherung an Kanton, ebenfalls auf der Basis der Aus- schaltung jeden bolschewistischen Einflusses in chinesischen Angelegen- heiten, erstreb«. Des weiteren wird aus Schanghai gemeldet, daß ein Unter- führ er von Sun zu Kanton übergetreten sei, und daß ferner zwischen den Truppen der beiden neuen„Bundesgenoffen" Tschang und Sun starkes Mißtrauen herrsche, daß bereits zu Zusammenstößen geführt habe. Im Unterhaus erklärte Chamberlain auf eine Anfrage, daß die Amerikaner in Schanghai ganz unabhängig von den Engländern vorgingen. Dagegen bestätigte er, daß die eng- tischen und italienischen Truppen gemeinsame Verteidi- gungsmaßnahmen getroffen hätten. Englische Arbeiterpartei und Kuomintang. London. 2. März.(MTB.) Die Zeitschrift„New Leader" ver- öffenllicht ein« Unterredung mit dem Iustizmlnister der Nationalist!- schen chinesischen Regierung. Dr. H sü, in der der Dorschlag gemacht wird, daß Vertreter der englischen Arbeiterpartei eine Abordnung nach China entsenden sollen, um in unmittelbare Fühlung mit dem chinesischen Kuomintang zu treten. Die Kumpels gegen Salüwin. Eine Kundgebung beim Besuch an der Unglücksstätte. London, 2. März.(Eigener Drohtbericht.) Ein beispielloser Vor- gang spielte sich am Mittwoch bei der großen Grubenkatastrophe in Wales ab. In völliger Vertennung der tiefen Verbitterung, die sich gegen den Ministerpräsidenten wegen der parteiischen Hal- tung der Regierung im Kohlenkampfe unter der bergbau- treibenden Bevölkerung angesammelt hat, begab sich am Mittwoch B a l dw i n nach dem Ort des großen Grubenunglücks, um durch feine Anwesenheit seine Sympathie kundzutun. Der Minister- Präsident hatte kaum sein Automobil verlassen, als er Gegenstand feindlicher Demonstrationen von seilen der Bevölkerung des Katastrophengebiets wurde. Die Demonstrationen wurden von den Führern und Lokalführern der Bergarbeiter aufs schärfste verurteilt. Am Ausgang zur Grube, wo Frauen und Kinder die ganze Nacht gewartet hatten, spielten sich herzergreifende Szenen ab, als am Mittwoch morgen um 9 Uhr bekannt wurde, daß nunmehr jede Hoffnung auf Rettung der noch nicht Geborgenen ver- g e b l i ch sei. Die mit den Bergungsarbeiten betrauten Arbeiter haben bei dem Versuch, noch weitere Menschenleben zu retten, in den letzten 24 Stunden unter ständiger eigener Lebensgefahr uner- hörten Heroismus entfaltet. �lus üer Deportiertenhölle. Der Brief eines Gefangenen. Aus Mailand berichtet man uns: Von der Insel Lampedusa ist soeben hier ein Brief ein- getroffen, den wir lediglich unter Ausmerzung einiger Sätze, die den Autor den Peinigern verraten könnten, wiedergeben: „Auf der Insel Lampedusa sind wir ungefähr 350 gemeine und politische Verbrecher. Der griechische Name der Insel bedeutet „Insel der Schmerze n". Wir politischen Verbannten sind unserer 130 von allen Parteien, darunter auch zwei abtrünnige Faschisten. Wir haben zwei Abgeordnete unter uns, den Republikaner M o r« a und den Kommunisten P i c e l l i. Wir schlafen alle in einem einzigen Raum auf strohbedeckten Pritschen und einer auf dem anderen. 4 Uhr 30 nachmittags werden wir hereingerufen und um 6 Uhr nach dem Appell eingeschloffen. Morgens um 7 Uhr werden wir hinausgelassen und haben dann die Freiheit, uns auf der ganzen Insel zu ergehen, dabei aber nicht über 200 Meter hin- weg uns von dem Schlafsaal zu entfernen. Wer einen Schrill dar- über wagt, wird festgenommen und auf mindestens fünf Tage in eine Zelle gesperrt. Die Ueberwachung besorgen faschistische Milizen. Der sie befehligende Leutnant beliebt täglich folgende Anreden:„Ihr seid hier als unsere Geiseln. Ihr seid das Brot für unsere Zähne. Man mühte der Madonna eine Wachskerze weihen, wenn ein neues Attentat auf den Duce geschieht, denn dann werden wir Euch alle niederknallen... Man denke, eine kleine Bombe genügt, euch allen den Garaus zu machen... Je mehr wir's Euch geben, desto größere Anerkennung finden wir... Ihr sollt noch die Eisenstangen und, wenn Ihr wollt, die Dolche meiner Leute schmecken lcrnenl" Vor kurzem erst, in der Abenddämmerung. waren wir das Opfer einer Provokation, die üble Folgen hätte haben können: unser Schlafsaal wurde plötzlich von Milizen und Carabinieri mit aufgepflanztem Bajonett gestürmt. Verschiedene von uns wurden angerempelt und verwundet, ungefähr 20 für 20 Tage in die Einzelhaft gesteckt. Einige von uns wurden sogar zur Absonderung in Einzelhaft nach Civitavecchia für sechs Monate gebracht. Und alles das wegen irgendeines Grundes." „Kraft und Schönheit in Selgien unsittlich! Brüssel, 2. März.(Eigener Drahtbericht.) In den letzten Tagen veranstalteten Studenten der katholischen Universität Löwen wiederholt Radauszenen vor einem Kino, wo der deutsche Film „Wege zu Kraft und Schönheil" dargeboten wurde, weil dieser Film angeblich unsittlich sei. Das Publikum wurde gewaltsam von einem Zutritt zu dem Kino zurückgehalten. Mehrere Profefforen der Universität beteiligten sich an diesen Szenen. Polizei und Gen. darmerie mußten einschreiten. Obwohl sonst die Studierenden der Löwener Universität und die flämischen Studenten In scharfem Kampfe gegeneinander stehen, waren sie diesmal auf klerikalen Einfluß hin in holder Eintracht vereint. Di« Demonstrationen wirkten um so grotesker, ol« die belgische Filmbehörde diesen Film sogar für Jugendliche unter 16 Jahren freigegeben hatte. Das Vorgehen der Studenten wird von der Presse aufs schärfste verurteilt. Dir SchichtM im Srauntohlenbergbau. Zur Arbeit der Kommission. Bei der Fällun« des Schiedsspruches über die Mehr- arbeit im Bra.untohlenbergbau im Dezember des vorigen Jahres hat die Schlichterkammer des Reichsarbeits- Ministeriums eine Kommission eingesetzt, welche die D u r ch f ü h r» barkeit einer Verkürzung der Arbeitszeit im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau untersuchen sollte. In dem Vorschlag zur Bildung dieser Kommission vertrat auch die Schlichterkammer die Auffassung, daß aus sozialpolitischen Erwägungen «ine Verkürzung der Arbeitszeit dringend erwünscht sei. Trotz dieser Stellungnahme konnte sich die Schlichterkammer nicht ent- schließen, den Forderungen der Bergarbeiter entgegenzukommen, sondern verlängerte die Arbeitszeit bis zum 3 0. April 1 S 2 7. Di« Untersuchungskommission hat nun vor kurzem ihre Arbeit aufgenommen. Es sind von ihr eine Anzahl Nru-ben befahren worden, um die notwendigen Unterlagen für ihr Urteil zu schaffen. Wir wissen heute noch nicht, zu welchem Ergebnis die Kommission bei chrer Untersuchung gekommen ist. Aber ganz gleich, welche Entscheidung die Kommission fällt, für die mitteldeutschen B r a u n t o h l e n b« r g a r b e i t« r ist die Situation klar. Mag das Urteil so oder so ausfallen, die Braunkohlenbergarbeiter bestehen auf der Wiedereinführung der tariflichen Arbeitezeit. Sie find überzeugt davon. daß auch dann, wonn die Untersuchung der Kommission für sie günstig ausfällt, von den Arbeitgebern die größten Schmie» r i g k e i be n gemacht werden, um trotzdem noch eine Verkürzung der Arbeitszeit zu verhindern. Die Bergarbeiter stellen sich deshalb schon heute auf dies« Möglichkeit ein und stärken sich zu dem Kampf. Ueberall in den Revieren Mitteldeutschlands ist eine immer größer werdend« Lebendigkett der Bergarbeiter festzustellen. Ihre Empörung über die lange Arbeitszeit wächst täglich. In den Belegschaften ist die Diskussion über die Arbeitszeitfrage eröffnet. Für die Bergarbeiter ist die Parole: Erringung der tariflichen Arbeitszeil zum 30. April lg??. Das Lohnabkommen im Suchüruckgewerbe. Bon beide« Parteien angenommen. Der Lohnschiedsfpruch für das Buchdruckgewerb« ist nunmehr auch von den Unternehmern angenommen worden, so daß er nun» mehr ab 1. April in Kraft tritt. Gleichzeitig teilt uns der Gauoorftand des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießer mit: Laut Beschluß des Verbands- Vorstandes ist der Extrabeitrag von 50 Pf. nur bis zum 5. März d I. zu bezahlen, so daß vom genannten Tage ab der Beitrog wiederum 2,60 M. beträgt. das Lohnprodlem im Saargebiet. Deflationskrise und Löhne. Die Reichsregierung beabsichtigt, die Hilfsaktion für di« sogenannten Saargänger abzubauen. Der Hauptgrund, der seinerzeit zu dieser Hilfsaktion den Anstoß gab, nämlich die Fernhaltung taufender polnischer Arbeiter aus dem Saargebiet, ist heute weggefallen. Die Untersuchung der Lohnoer- Hältnisse der Saargänger Hot, wie verlautet, zu der Beobachtung ge» stlhrt, daß die Löhne nicht unter denen der Arbeiter des angrenzen- den deutschen Zollinlandes Legen. Ferner komme in Betracht, daß im Saargebiet bisher vielfach voll gearbeitet werde, während in den angrenzenden Gebieten Vollarbeit verhältnismäßig selten sei. Dos Gesamteinkommen der Saargänger sei also aller Wahrscheintichteit nach— die Fefisteklungeu find noch nicht»iMg abgeschloffea— besser geworden. Gegen die Ankündigung der Unternehmer des Soargebiets, bei den Löhnen in sämtlichen Industriebetrieben ob 16. März einen Lohnabbau von rund 12 Proz. vorzunehmen, ist ein« scharf« Abwehrbewegung im Gange, in der Verringerung des Abbaus und Verschiebung des Abbautermins gefordert werden. Eine Ber- schiebung des Abbautermins wäre schon deshalb notwendig, weil man damit rechnen kann, daß sich in wenigen Wochen das Preis- Niveau senken wird. Augenblicklich sind die Preis« noch immer nicht von der Inflationshöhe losgekommen. Vor der Ausbalancierung der mit der Deflation verbundenen Preissenkung kann den Arbeitern unmöglich«in Lohnabbau, geschweig« denn ein Abbau in dem vor- gesehenen Ausmaß zugemutet werden. SpO.-Metallarbeiter besucht öie Wahlkörperversammiungen! Die öerliner Zimmerer 1 �2H. Ei» organisatorischer Aufstieg. Di« Zahfftellenversammlrmg der Zahlstelle Berlin des Zentral» Verbandes der Zimmerer nahm am Sonntag den Bericht des Vor- stände» über das Geschäftsjahr 1926 entgegen. Zur allgemeinen Lage stellte der Borsitzende Repschläger fest, daß es nur als ein schwarzes Jahr für die Arbeiter» s ch a f t bezeichnet wsrden kann, dagegen ein äußerst fettes für die Unternehmer. Die Unternehmer haben die große Ar- bestslosigksit ausgenützt mit dem Erfolg, daß am 13. Februar 1026 ein zentrales Lohnabkommen nebst einer zentralen Lohnabbau- kommission(Schiedsgericht) geschaffen wurde. Habe doch 1926 neben der Chemieindustrio und den Großbanken die Bauindustrie mit die höchsten Profite abgeworfen. Redner führte als Beweis die Kurs- entwicklung mehrerer Berliner Daugeschäfte an, woraus sich ergab, daß bei vielen Firmen eins Erhöhung von 200—300 Prozent und darüber erreicht wurde. Dieselben Firmen sind die größten Lohn- drücker. Neun Streiks wurden mit Erfolg geführt, davon in sieben allen gegen Einführung d'er Akkordarbeit. Im ampf gegen die Firma Schlüschen(Spandau) leisteten die S y ndi- k a l r st e n unter Führung chres Borsitzenden Krause der Firma Streikbrecherdien st«. Die im September eingeleitete Lohnbewegung war erfolglos, weil die Christen nicht mitmachten und der Vorsitzende des Zentralen Schiedsgerichtes sich auf feiten der Unternehmer stellte. Die Statistik vom 28. August 1926 ergab, daß 616 Betriebe mit 4415 Zimmerer erfaßt sind.(1925— 642 mit 4240 Zimmerer.) Von den Erfaßten gehören 94,6 Proz. dem Zentraloerband an.(1923--- 91,6 Proz.) Von den im Baugewerbe beschäftigten Zimmerern arbeiteten 90,7 Proz.= 4654 Stunde, 7,4 Proz.— 47 bis 48 Stunden und 1,9 Proz. hatten keine Arbeitszeit angegeben. Der Mitgliederbe st and war folgender: Am Anfang des Jahres 4292, am Schluß des Jahres 4838 Mitglieder einschließlich Lehrlinge. Eine Zunahme von 546=- 12,72 Proz., Lehrlinge waren\ am Anfang 211, am Sch'uß des Berichtsjahres 335. Von der enormen Arbeit, die zu bewältigen war, soll hier nur noä, das rückständige Aribai.cn der Unternehmer dadurch gez-ig! werden, daß gegen sie wegen rückständiger Löhne usw., 243 Klagen vor dem Gewerbegericht geführt«erden mußten. Es wurden dadurch 12 880,51 M. als Forderungen erhoben, von denen 10 846,34 M. für die Verbandsmitglieder eingetrieben wurden. Außerdem 26 Klagen vor dem Amtsgericht, wo 1335,33 M. als Forderungen erhoben und 935,53 M. erreicht wurden. Wetter 3 Klagen vor dem Innungsschiedsgericht, wo 287,50 M. als Forderungen erhoben, von denen 280 M. eingetrieben wurden. Die Kassengeschäfte zeigen an Einnahme und Ausgabe 723 388,88 M. Die Lokalkasse erhöht sich um 10 872,54 M. Aus Solidarität wurden außer anderen Unterstützungen an die englischen Bergarbeiter aus der Lokalkasse 3529,70 M., durch Sammellisten 3560,60 M., msgesamt 7081,30 M. überwiesen. Als Notunterstützung wurde zu Weihnachten an 569 Mitglieder 6224,20 M. ausgezahlt. Aus der Zentralkasse wurden im Berichtsjahr 98 480,36 M. an Unterstützungen zur Auszahlung gebracht. Die Zahlstelle Berlin und Um- gegend hat sich um 2 Bezirke, Erkner und Nauen, vermehrt, sie besteht jetzt aus 46 Bezirken Von den Diskussionsrednern wurde die Tätigkeit des Vorstandes anerkannt und gutgeheißen. Ein Antrag, dem Vorstand das volle Vertrauen für feine Tätigkeit auszusprechen, wurde gegen sieben Stimmen angenommen. Nachdem die Kandidaten zur Neuwahl aufgestellt und eine Eni- schlteßuug für China und Sowjetruhland angenommen, wurde die Versammlung vom 2. Vorsitzenden mit einem Hoch auf den Verband geschlossen. Di« Neuwahl findet am Sonntag, den 6. März, vormittags von 10— 12 Uhr, in den Berkchrslokalen statt. Mitglieder, die länger als sechs Wochen mit ihren Beiträgen im Rückstand« sind, haben kein Wahlrecht._ Bekämpfung der Berufskrankheiten. Genf, 2. März.(WTB.) Die im Jahr« 1906 geschaffene inter- nationale ständige Kommiision zur Bekämpfung der Berufskrank- heiten ist soeben neu gebildet worden. Sie trifft Vorbereitungen zur Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit. Der Kommission gehören 41 Mit- glieder aus folgenden Staaten am Deutschland, Italien, Belgien, Kanada, Australien, Oesterreich, Vereinigte Staaten, Frankreich, Großbritannien, Ungarn, Schweiz, Tschechoslowakei, Norwegen, Hol- land, Japan und Sowjetrußland. Dem Sekretariat steht Dr. Carozzi» Leiter der Abteilung für berufliche Hygiene im Internationalen Arbeitsamt, vor. Achtung, SPD..Sattler,-Tapezierer und-Portefeuille,! Heute Di abend 7 Uhr im Gewertschaftsbaus, Snzelufer 24— 20, Saal 5, Perfamm. S lung aller Kollegen der Richtung Amsterdam. Es find sehr onchtige B Mitteilungen bezüglich der Wahl am S. Marz zu machen. Der Fraltionsvorstaad. Achtung, Spinnstosfabril und Armit-Zehlendors! Freitag nach- s mittag t Uhr bei Mevrcr, Eechof, Restaurant Waldschlößchen, Bcrsamm- S lung aller Parteigenossen. Tagesordnung: l. Referat des Genossen B Iudrian über„Arbeiiszeitaesetz." 2. Fraltionsangcleaenhciten. Das b Erscheinen aller Genossen ist notwendig. Der Araltiouavorstaad. Tapezierer. Heute nachmittag 5 Uhr Bertrauensmänneroersammlung bei Doering, Naunynstr. 27. Bericht über d>« kohnbewegung. Jeder Betrieb muß vertreten sein. Die Branchenleitung. Freie Sewerlschaftsjugend. Heute abend 7M Uhr tagen die Gruppen. Köpenick: Gruppenheim Jugendheim Grünauer Str. 5. Heimdesprcchung. Aussprache über„Berufsschule."— Feanlfurtcr Allee: Eruppcnheim Jugendheim Litauer Str. 18, Zimmer 3. Lese» und Unterhaltungsadcnd.— Lichtenberg: Gruppe nheim Jugendheim Parkaue 10. Vortrag:„Moderne Lehrlingsaus- bildung.— Tempelhof: Sruppenheim Lyzeum Gcrmaniastr. 4—8. Heim- besprechung und Vortrag:„Gewerkschaft und Eemeinschaftstultur."— Süd- asten: Druppcnhcim Rrichenderger Str. 8« iFeuerwehrhaus). Heimbesprechung. Lang und Spiel.— Spandau: Gruppenheim Jugendheim Lindenufer 1. Heim- besprechung. Dtskusfion:„Gewerkschaftliche Fragen."— Moabit: Gruppenheim Stadt. Ingendheim Bremer. Ecke Wtclefstraße. Heimbesprechung. Borlesung: „Der Gletscher von Jensen. Deutscher Daugewcrlsbund, Baugewerkschast Berlin. FaGgrupp« der Pußer: Sonntag vormittag#Vj Uhr im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engel. ufer, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl der Fachgruppsnleituna. Z. Berfchiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Pflicht eines jeden Kollegen ist, pünktlich zu erscheinen. Die Fachgruppenleitung. Verantwortlich für Politik: Biet»» Schifs: Wirtschast: 9. Klingelhöseri Gewerkschastsbeweguno: Fr. Eßkorn: Feuilleion: Dr. John Schikowoki: Lokates: und Sonstiges: Friß Karstädt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: vorwärts.Ver'ag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Verlagsanftalt Paul Dinger u Co.. Berlin SW 88. Lind'nstraße 3. Hierzu 2 V-il-geu..Ulaterholtuua und«ige»" und..Fraueuftimme". WERTHEIM L«lpzlo«r 8tr.(V*r«and-Abt) Königstn Rosantbaler Str. Morltzpiats Leipziger Messe QemeinsdiaUsfahrien mit 25*/» Ermäßigung Rebebüro Wertheim Donnerstag Freitag Sonnabend sowalt Vorrai BIUICE TACE Popeline leo Darnotsä«"Ä'Ä. 1»« InrnnM* niock. Pulloverstoff Jumper mit lang. Aermeln Dl 5 Taimra�«* bedruckt. Baumwoll->a.. Jumper krepp, neue Muster �90 Mantelstoffe ÄÄ 4«» Jumper 1675 Füz Caplinc IS*'1 275 Hlltf OlTlien versch.Ausführ. 3 25 Damenhut SKen' 450 Handschuhe 1 25 Handschuhe tpaa.WIMlsd. � Manschetten JL 75 aparte Handschuhe �Tr�tXis («rWg Scheibenschleier 38 Pf. Halbstores 95 Pf. Bcltdcdce reS™'. 565 Vorleger bettig Jute-Perser doppelseitig i7D Pf» Schal ITSÄ*. 95 pt Kunstseid. Schal 95 Pf. C�U-1 aus Crtpe de Chine»D. in vielen neuen Farben Sicherheitsnadeln Dfzd ISpf, Obergarn ÄroT 45pf. Achselbänder|5p£. Stahlstecknadcla G�m 18 Pf. C-A-____(Deck«), nalUttoan n Schoner 80 Pf. TA„_l<.„ mit Spitze, 4 Quadrate � LTCCJVC zusammengesetzt A»05 Decke mitSpitM}e4rtSÄ Soo GIasÄ?&Sm. 95 Pf. Porzellantassccäd 25 Pt. Spcisctcllcr Fe'hrf" du13 75 Pf. Kaffeelöffel versilbert 45 Pf. < Trinftf» Alumin., m. Deckel u. zT � 1 OpiC isol.Qrifftn, Ifr�cm 050 EmaiUccimer 70 fl Kieler Pyjack|t-8jc5; 575 Kieler Anzug öoo Kindermantcl l�fSSi 9i5 Hemdentuch Meter 42 Pf. Louisianatuch Mtr. 62 Pf. Lakennessel Meter 78 Pf. Hauskleid 350 ScrvicrklcidÄt« 525 Plissce-Rodc cStL 490 Tischtuch Jacq?3S?l60cm 3so Handtuch 58 Pf. Wischtuch GrÄcm 28 Pt Briefpapier u�lhi 75 Pf. Toiieftepapier 3 Rollen.) Papierservietten 100 stück � Butterbrotpapier 100 Blatt j 120 Füllfederhalter toiÄ 245 Perlenkette 2SS5SK 95 Pf. Armreifen ÄS 95pf. Perlenkette � Perlet 275 Geldtasche|aÄd,fgr für Münzen u. Scheine, 10 cm lang Extra-Abtig. 1 nc e, 10 cm lang Brieftasche S-r:"; 2„ Abteilung, u. Geheimfach, 17 cm lg. 460 Besuchstasche 2 Abteilungen, vergold. Zupfer, IS cm Eau de Coloöne oftp# DoppeUlflache Toilc�cscifc rugnÄ 25 Pt Badeseife Kan 3 stuck 45 Pt Gaskocher TSm« 250 Wringmaschine. 875 Scrvicrbrctt groa.. 85?-. Bügeleisen 675 Kochtöpfe ÄÄI. 8 m Hcizkisscneicktr. 950 11m Nr. 104 ♦ 44. Jahrgang 1. Beilage ües Vorwärts Donnerstag, Z.März 1927 Kolonie �Sorgenfrei"... So wohnt man in„Sorgenfrei". Wir Berliner haben eine große, unglückliche Liebe: Die Liebe zur Natur, von der uns eine steinerne Schranke trennt, eine Schranke, die mit jedem Jahr dicker und höher wird. Und mit jedem Jahr wird dies« Schranke für einen schmalen Geldbeutel un- überwindlicher. Richtig„raus" kommt so eine vielköpfige Arbeiter- samilie oft das ganze Jahr hindurch nicht, wenn sie nicht ihre „Laube" hat. Und diese Laubenkolonien, die in dichtem Gürtel an der Peripherie Berlins liegen, die immer ein Lieblingsspielzeug des Berliner Proletariats waren, diese„Rittergüter" von wenigen Quadratmetern, sie bieten jedem Zufallsbesucher im Sommer noch das gleiche Bild: Frohe Menschen, lustige Kinder, Farbe und Leben überall. Aber man muß einmal jetzt, in winterlicher Zeit, hinaus- gehen, um zu sehen, wieviel sich hier in den„Villenkolonien" der kleinen Leute verändert hat, um zu merken, welches Elend jetzt so eine bunte Kulisie verdeckt..., , Sorgenfrei.� Auch von den Laubenkolonien gilt das alte Berliner Wort:„Et jibt sone und solche." Schief und krumm sind die aus Kistenbrettern, Dachpapperesten und verrostetem Wellblech zusammengehauenen Lauben, offen wie auf der stachen Hand stehen die Parzellen, von keinem gemeinsamen Zaun umschlosien. Nur eins verbindet sie meist: Ein wunderschöner Name, ein Name freilich, der oft so paßt, wie„die Faust aus» Aug«". Flach aus dem Brachseld liegt„Wald- frieden" und dort, wo jämmerlichstes Elend haust, nennt man sich „Sorgenfrei".— wer wohnt, wie wohnt man nun in„Sorgenfrei"? Wohnlauben— da» kannten wir schon imnier: aber das ist doch etwas Neue«: Jetzt gibt es Laubenmieter, und gerade die bewohnen nicht etwa die festen, soliden WohMauben, sondern die zugigsten und wackeligsten Lauben, die der Bermieter absolut nicht dazu für ge- eignet halten würde, da s e l b st den Winter über auszuhalten. Aber zum Vermieten an andere sind sie gut genug, und vor allem eins: Sie bringen hohen wietzlns, eine wiete, mit der der„hauspafcha" oft vielleicht seine eigene, schöne und warme Wohnung völlig bezahlen kann. Aber die Bewucherten, von ihren eigenen Klassen- genosien ausgenutzten und ausgepreßten Mieter zahlen geduldig und schweigen..., denn: die Laubenkolonie war ja ihre letzte Zuflucht, und„man muß ja noch zufrieden sein, daß die Leute uns das hergeben", meint eine junge Frau, die im ehemaligen— Stall ihres Wirtes wohnt. Dabei sind diese Mieter kein Lumpenproletariat, keine„Müllkutenindianer". Ach nein, es sind ordentliche Mieter, wie sie kein Hausagrarier bester lyünschen könnte.... Da ist die erste vermietete Laube. Ein dicker Junge mit messingblonden Locken spielt am Drnhtzaun, ein sauberes, ordentlich gehaltenes Kind. Die Mutter gestattet gern den Eintritt. Zuerst kommen wir in die Küche, sie ist ungefähr 1,20 mal 2,S0 Meter groß; gekocht und gelebt aber wird im„Wohnzimmer", denn man will doch einen Raum richtig wann haben,„und dazu gehört bei solcher Bretterlaube allerhand�, meint die junge Frau. Sie zahlen sür die Laube, die aus der Küche und der zirka 2.50 mal 2,50 Meter großen„Wohnstube" besteht, 20 Mark Miete monatlich.„Was sollten wir denn anders machen, wir sind nun schon fünf Jahre beim Wohnungsamt in Potsdam eingetrogen l Und wir haben alles andere versucht; ich bin mit meinem Mann und dem Kind auf Landarbeit gegangen, aber wir konnten die schwere Arbeit beide nicht vertragen, da wurden wir eMlassen. Dann habe ich Stellung angenommen, mein Mann ging in Schlafstelle, und das Kind haben wir ins Kinderheim gegeben. Aber wir konnten die 68 Mark Pflegegeld monatlich nicht erübrigen, und man will doch auch nicht immer getrennt sein. So sind wir hier hergezogen und sind noch froh, daß wir gerade dies« Laube haben, denn sie ist wenigstens dicht. In der Nacht wird es ja trotzdem recht kalt, und das Kind muß immer im Trikot schlafen, aber unsere Laube ist noch die beste!— Mein Mann?— Er ist Metalldreher, aber schon lange arbeitslos, wir haben die Unterstützung und täglich einen Liter Milch für das Kind, da ist die Miete immer eine schwere Last: aber die anderen Lauben sind noch teurer oder viel schlechter." Und man sieht es der Wohnstube wirklich an. wieviel Fleiß und Liebe hier am Werke war, um selbst au» der Lauben wohnung ein Heim zu machen. Den Schrank au» rohen Brettern(„wenn wir mal Geld übrig haben, wird er auch gestrichen", entschuldigt die junge Frau), das Kinderbett hat der Mann selbst gebaut. Außerdem steht noch ein Bett, ein« schmale Chaiselongue und ein Stuhl in der Stube, aber alles ist blank und sauber. Ein paar Parzellen weiter haust w einer Laub« ein Ehepaar mit zwei Kindern, zwei Mädchen von 4)4 und 2X Jahren. Die Laub« ist nicht ganz so groß wie die erste, auch in„Stube" und Küche geteilt. Ein Kinderbett, ein Bett für die Eltern, ein Tischchen — das sind alle Möbel. Der Mann ist Kutscher, er hat 40 Mark wöchentlich netto.„Aber dafür kriegen wir doch keine Wohnung," erzählt die Frau:„wir sind vor ein paar Jahren erst zugezogen, weil mein Mann dachte, hier Arbeit zu kriegen. Dann habe ich eine Portierstelle genommen, und wir hatten ein kleines Zimmer, aber es war kein Ofen drin. Da hat der Hauswirt gesagt, wenn ich viermal auf die 10 Mark Barlohn verzichten will, läßt er mir einen Ofen setzen. Ich war einverstanden, aber nachher sollte ich weiter ohne Barlohn arbeiten, und wie ich das nicht machte, wurden wir exmittiert. Da war ich froh, daß wir die Laube kriegten, denn wir haben ja keinen Anspruch beim Wohnungsamt!— Bloß sie ist zu teuer: 5 Mark die Woche(22,60 Mark im Monat), un sie is so lökerig...." Und wahrhaftig, sie ist verflucht„lökerig"!— Der Fußboden ist nur teilweise gepflastert, über der Tür ist ein fast handbreiter Spall, an der Seite, wo das große Bett steht, fehlt außen die Dachpappe, wenn es regnet, ist die ganze Wand feucht, und durch die Fenster zieht es, so daß die Gardinen wehen. Aber der geschäfts- tüchtige Besitzer ließ sich von den vorigen Mietern sogar 28 Mark monatliche Miete zahlen, wie die Nachbarn oersichern.— Die Frau, die das alles gleichmütig erzählt, ist hochschwanger: sie hat schon für die letzt« Nacht mit ihrer Entbindung gerechnet, und sie will hier entbinden!„Wo soll ich denn hin mit die Kinder..., ich habe doch keinen, der hier für sie sorgt...." Und so soll hier in der zugigen Laube, wo jeder Tropfen Wasser dem„Abessinier" abgequält werden muß, wo große Töpfe zum Sterilisieren, wo sogar die notwendige Beleuchtung fehlt, ein Kind geboren werden. Da aber steht noch«in... ja, Laube ist dafür entschieden zuviel gesagt. Das Dach ist nur noch einer Seite hin abgeschrägt, und die ganzen Matze sind viel kleiner als bei den anderen Lauben, und unter den Kolonisten heißt diese„Kabache" der„Stall". Früher scheint sie auch dazu gedient zu haben, denn der„Herr ijauswirt" hat für sich selbst noch eine pompöse Brettervilla auf der Parzelle� hier haust ein Brautpaar. Sie sind noch nicht standesamtlich getraut, und so werden sie allgemein nur so bezeichnet. Denn unser Proletariat steckt voll bürgerlicher Rückstände.... Beide sind arbeitslos, und zusammen haben sie nun 24 Mark Unterstützung in der Woche.„Da- von kann man sich kein Zimmer für 30 Mark leisten," meint der junge Mann.„Möbel haben wir ja noch nicht recht...." Und wirklich, hier besteht das ganze Meublemenl der Stube aus den zwei Bettstellen und einem Tisch. Mehr hätte aber auch nicht Platz, und die Küche ist durch den kleinen Küchenschrank vollkommen ausgefüllt. Durch alle Fugen bläst der Wind, und es sind sogar fingerbreite Lücken in den Wänden. Das Dach über der„Küche" mußte der Mieter erst selbst mit Dachpappe flicken, denn der Belag fehlte gänzlich. Jetzt legt der junge Mann im„Schlafzimmer" einen doppelten Dachboden, um die schlimmste Kötte abzuwehren: zu den langen Brettern für Doppelwände reicht das Geld noch nicht. Alle diese Verbesserungen macht der junge Mann aber nicht etwa an seinem Eigentum, denn für diesen„Windpalast" haben die jungen Leute ihrem„Hausagrarier" 18 Mark monatliche Miete zu zahlen. „Aber es wird ja nicht für ewig sein." meint die junge Frau hoff- nungsvoll.... Das sind einige Mieter. Daneben aber wohnen auf dem Gelände noch eine Anzahl von Besitzern. Manche haben aus ihren Lauben richtige Schmuckkästchen gemacht, und ein„Großbauer", dessen festes Wohnhaus ein alter Eisenbahnwagen ist, hält sogar zwei Kühe und ist so zum„Molkereibcsitzet" und Milchlieferanten für die ganze Gegend geworden. Andere haben ihre Lauben zwar nach' Möglichkeit dicht gemacht, aber drinnen sieht man, daß sich die Be- wohner wirtschaftlich auf dem Abstieg befinden, daß das jahrelange Hausen in der„Laube", das es so schwer macht, auch nur die primi- tiosten Kulturbedürfnisse zu befriedigen, sie langsam zu„Müllkuten- indianern" degradiert. Alte Frauen, die tagelang nicht mit Wasch- 331 Gerichtstag. von Fred Bsrence. eopvrlelit 1925 by Paul Zsolnay, Wie»' „Ich hoffe, daß du mit der Zeit lernen wirft, dann zu schweigen, wenn es am Platz ist... du... bist gemein," murmelte ich zwischen den Zähnen. „Was sagst du?" Ich sah, daß er Lust hatte, seinen Sieg vom Morgen aus- zunützen, und daß er imstande gewesen wäre, vor dem Dienst- mädchen mit mir zu raufen. „Nur, daß ich ganz still bin." Und ich ging aus der Küche. Er öffnete ein wenig die Tür und schrie auf den Korridor hinaus:„Du hast ganz recht, denn sonst... Du weißt ja, daß du es nur zu sagen brauchst, wenn dir etwas nicht paßt." Ich ging ins Speisezimmer zurück und ließ mich auf einen Stuhl fallen: die Stirn an das Fenster gepreßt, versuchte ich nachzudenken. Was hatte sich doch alles seit dem gestrigen Abend zugetragen! Ich wollte mich anklagen, aber ich war nicht schuldig, er hatte die Luft verpestet. Warum nur? Was hatte ich ihm denn getan? Die Tür ging auf, die Mutter trat ein, ich wollte sie herzlich begrüßen, aber ein kaltes„du bist hier" hielt mich zurück. „Guten Morgen, Mama, wie hast du geschlafen?" „Guten Morgen, ich habe schlecht geschlafen." „Bist du nicht wohl?" „Wie kann es mir gut gehen, wenn sich hier derartige Szenen abspielen?" „Mama, du weißt ja ganz gut, daß ich nicht angefangen habe, gestern hast du selbst den Beweis dafür gehabt." „Gut, aber du hättest schweigen müssen, der Vater ist krank und einem Kranken verzeiht man alles." „Das ist aber keine Entschuldigung dafür, solche Worte zu gebrauchen: ich habe nämlich gestern abend gehört..." „Schweig, ich weiß ja schon lange, daß du ganz herzlos bist, aber jetzt bin ich fest davon überzeugt." Ich blickte ihr starr in die Augen und wollte einen Schrei ausstoßen. Aber ich beherrschte mich, nahm meinen Hut und rief ihr zu:„Ich komm« zum Essen nach Hause, Adieu," lief rasch die Treppe hinunter und stürzte auf die Straße. Schwere Wolken türmen sich auf. Ich irrte durch mehrere Straßen, ohne zu wissen, wohin ich ging. In meinen Schläfen hämmerte es, immer kam der- selbe Gedanke wieder: Was habe ich ihnen denn getan, was habe ich ihnen getan? Endlich wurde ich im Gehen ruhiger. Ohne recht zu wissen, wie, kam ich auf den Quai des Eaux Vives. Ich blieb lange an der Uferböschung stehen, stützte mich auf das Geländer und tat, als wäre ich ganz versunken in den Anblick der Schiffe, die in den Hafen einfuhren und ihn wieder verliehen. In Wirklichkeit sah ich nur das blaue Wasser, das mich auf eigentümliche Weise anzog.„Wie gut ließe es.sich da drinnen schlafen...!" Dieser Gedanke fesselte mich und ohne recht zu wissen, was ich eigentlich wollte, verließ ich den Quai und begab mich auf den Molo. „Ganz schön ruht man auf Moos und Sand, das saphir- blaue Wasser spült über dich hinweg und treibt dich sanft bis ins Meer..." und plötzlich stand vor mir das Bild eines Ertrunkenen, den man vor einiger Zeit aus dem See gezogen hatte. Ich sah den grünlichen, mit Moos bedeckten Körper, die leeren Augenhöhlen, Fische hatten die Augen gefressen. Ein unbeschreibliches Entsetzen erfaßte den einen Teil meines Wesens, während zugleich der andere rief:„Aber man fühlt ja nichts mehr, man weiß nichts mehr, alles ist dann für immer zu Ende!" Ein kleiner Junge stieß mich im Vorübergehen an, er blieb stehen, errötete, zog den Hut und flüsterte:„Verzeihen Sie." Ich blickte ihn an und fand, daß er Paul ähnlich sah, lächelte ihm zu und dieses Lächeln stellte mir Paul vor Augen. Eine unvernünftige Begierde, Paul sofort wiederzusehen, hatte mich ergriffen. Ich vergaß alles Böse, ich wollte ihn sehen, sofort mußte ich meinen Bruder, mein Kind sehen. Das Leben schien mir wieder schön und heiter. Ich beschleunigte meine Schritte. An einer Straßenbiegung sah ich die Patin. Ich grüßte und sie winkte mir zu. „Wohin läufst du?" „Ich gehe nach Hause, es ist bald Esienszeit." „Seit wann speist ihr so bald?" Verwirrt sah ich auf die Uhr, es war noch nicht zwölf. „Darf ich Sic begleiten?" „Wenn du Lust und Zeit hast, kannst du selbstverständlich ein Stück Wegs mit mir gehen." Wir gingen ein paar Schritte nebenainander, ohne zu sprechen. „Wo ist Paul?" „Er ist zu Hause geblieben." „Warum hast du ihn nicht mitgenommen?" Ich schwieg. „Jacques, du hast etwas auf d?m Herzen. Was ist denn geschehen? Etwas mit deinem Vater?" „Er ist ein Schuft," rief ich unwillkürlich. „Da teilst du mir nichts Neues mit, aber warum sagst du das jetzt. Sonntag habe ich noch euer gutes Einvernehmen bewundert." Da erzählte ich ihr alles. Die Patin hörte aufmerksam zu, ohne mich zu unterbrechen. Als ich geendet hatte, sagte sie mir:„Das ist noch schlimmer, als ich dachte. Dein Vater ist krank, hast du das vergessen?" „Sie entschuldigen ihn auch?" „Nein, du täuschest dich, ich beurteile ihn strenger als irgend jemand, ich will nur feststellen..." Ich atmete erleichtert auf. „Alle diese Sorgen und Aufregimgcn haben deine Mutter mehr heruntergebracht, als die Entbehrungen. Andr6 ist eifersüchtig, er neidet dir dein: Stellung als Oberhaupt der Familie, es ist leicht einzusehen, daß sich alle gegen dich und auf feiten deines Vaters stellen, im Augenblick, wo der Vater gegen dich Partei ergreift." „Das sind ja schöne Aussichten, was soll ich aber tun?" „Geduld haben." Mutlos ließ ich die Zlrme sinken. „Nicht wahr, du hast Paul und Alice sehr lieb?" „Das wissen Sie selbst." „So ertrage alles wegen der beiden Kinder. Glaub' mir die großen Sieger der Zukunft sind die, die warten können." Wir waren vor ihrer Wohnung angekommen, sie reichte mir die Hand und ich ging langsam nach Hause. Ich schwor mir zu, ihrem Rat zu folgen und die Fassung nicht zu verlieren, was immer auch geschehen möge. Bevor ich die Tür öffnete, bemühte ich mich, ganz unbefangen auszusehen. Ich ging in die Küche, wo Alice Gemüse anrichtete, als sie mich sah, lächelte sie mir lieb zu. ,T)a bist du ja endlich!" „Endlich?" „Ja. wir sind schon bei Tisch, das Essen ist kaum fertig. Mama wollte ans dich warten, aber Papa verlangte, daß man sofort auftrage und natürlich hat Andrä zu ihm gehalten." (Fortsetzung folgt.) wasser ht Berührung kommen, EessaNen, denen man ansieht, daß ss« lagelang aus den Kleidern nicht herauskommen, arbeiten neben den verwahrlosten Lauben. In einer hockt, in verwahrlostem Bett, ein anderthalbjähriges Kind, neben ihm schläft im Kinderwagen ein Säugling, die schmutzige Milchslasche zur Seite. Die Mutler schläst noch, um 11 Uhr vormittags— im Bett sriert man weniger... und Haushalt und Kinder verwahrlosen: man ist zu stumpf, stch noch zu wehren. Oer berliner Haushalt. Vorschläge zur Erhöhung der Grund-, Gewerbe- und Hundesteuer. Gestern hat der Berliner Magistrat nach vorangegangener gemeinsamer Beratung mit den Bezirksbürgermeistern den Haus- Haltsvoranschlag für das Jahr 1S27 endgültig verabschiedet. Wie schon aus dem Ergebnis der früheren Beratun- gen klar zutage trat, ist es n i ch t möglich gewesen, ein Gleichgewicht des Haushalts unter Veibehattung der bisherigen Steuersätze herbeizuführen. Dazu war der vorhandene Fehl- betrag zu groß, und auch die aus der Neuregelung des preußischen Finanzausgleichs erwarteten Beträge haben nicht ausgereicht, um ihn zu decken. Der Magistrat schlägt infolgedessen der Stadt- verordnetenversammlung vor, zur Herstellung des Gleichgewichts die Gewerbesteuer von 425 Pro;, aus 525 Proz., die Grundsteuer von 200 Pro;, aus 230 proz. und die Hundesteuer von 60 M. für den ersten Hund aus 30 ZN. zu erhöhen. An dem Charakter des Haus- Halts hat sich insofern auch bei der endgültigen Magisrratsberatung nichts geändert, dls die Ausgaben, namentlich die einmaligen Aus- gaben, in einer unerhörten Weise haben zusammengestrichen werden müssen. Nur nach langen Beratungen hat sich der Magistrat ent- schlössen, wenigstens in bescheidenem Umfang für Schulbaulen einen Betrag von rund 5 Millionen Mark in den ordentlichen Etat und einen Betrag von etwa 15 Millionen Mark für das Berufsschul- wesen in den außerordentlichen Etat zu stellen. Nach wie vor sind die Ausgaben für den Straßenbau in kaum zu verantwortender Meise eingeschränkt. Bon den ursprünglichen Anforderungen auf diesem Gebiet in Höhe von etwa 48 Millionen Mark ist schließlich der vierte Teil übrig geblieben. Die Sradtverordnetenversammlung wird jedenfalls bei der De- ratung dieses Haushaltes vor einer schwierigen Aufgabe stehen. Er enthält keine Reserven. Die Ausgabenbeschränkung ist kaum zu ver- antworten, und auf der anderen Seite sind alle zweifelhaften Posi- tionen, die bei der Neuregelung des Finanzausgleichs im Reiche noch hart umkämpft werden, in voller Höhe wie bisher eingesetzt. Falls dort entsprechend den Ankündigungen maßgebender Rechtsparteien weitere Abstriche zuungunsten der Gemeinden vorgenommen werden, ist das Gebäude des Berliner Etats auf der bisherigen Steuerbasis nicht mehr zu halten. „Heiner ist geschaüigtl/ Der Oberstaatsanwalt als Verteidiger Jürgens. Im Jürgens-Prozeß spielte sich gestern bei der Vernehmung des Zeugen Julius Meyer in Firma Meyer u. Caspary(ein Stargarder Bankgeschäft) ein interessanter Zwischenfall ab. Frau Jürgens hatte im April 1925 zunächst 100 0 M. von der Firma geliehen und später noch weitere Beträge bis zur Gesamt- höhe von 2 250 M. erhalten. Als Sicherheit gab sie eine Reihe von Oelgemälden, darunter Kopien von Rembrandt und van Dyck sowie Originale. Auf die Frage des Vorsitzenden nach der Herkunft der Originale sagt« Frau Jürgens, daß sie zwei davon in der Kunstausstellung in Kassel gekauft habe. Darauf erklärte der An- geklagte Jürgens: Der Herr Oberstaatsanwalt und seine Frau kennen doch meine Wohnung. Ich habe ihm persönlich die Originale gezeigt. Zum Teil habe ich sie selbst in Kassel gekauft, um dort die Künstler zu unterstützen. Diese Bilder müssen heute etwa 4000 M. wert sein. Eine andere Kopie ist mindestens 1500 M. wert. Auf jeden Fall find dadurch die Schulden mindestens gedeckt. Darauf erwiderte der Ober ltaats anmalt ziemlich gekränkt: Ich weiß nicht, weshalb der Angeklagte mich und meine Frau dauernd in die Verhandlung hineinbringt. Ich finde das nicht sehr taktvoll. An den Zeugen Meyer aber richtete er eine Frage, die der V e rt ei d i g u n'g alle Ehre gemacht hätte: Haben Sie nicht damals erklärt, allein die Goldrahmen berechneten sich auf 2800 M., und Ihre Forderungen wären 2400 M., also wären Sie gedeckt? Der Angeklagte Jürgens verbeugte sich hierauf hin lächelnd zum Oberstaatsanwalt. Der Zeuge Meyer antwortete, daß er sich nicht sachverständig fühle, daß aber sicherlich durch die Rahmen allein schon seine Forderung gedeckt sei. Sehr interessant gestaltete sich auch die Vernehmung des Stadtbankdirektors U l b r i ch aus Star- gard, der u. a. darauf hinwies, daß er die Unterschrift der Frau Jürgens für dieJHres Gatten gehalten habe. Er sagte weiter, daß die Familie Jürgens in einem so guten Ruf gestanden habe, daß er an den Geldgeschäften keinen Anstoß genommen habe. Frau Jürgens habe sich als gewandte Frau bei ihren Geschäften bewiesen. Es sei durchaus möglich, daß der Angeklagte von den Geldgeschäften seiner Frau nichts gewußt habe, da er ihr hierin volles Vertrauen schenkte. Nach einer Pause wurden dann nochmals die Geschäfte der Evaporatorgescllschaft behandelt. Hierauf wurde die Verstand- lung auf Freitag früh 9 Uhr vertagt. Der heutige Donnerstag bleibt verhandlungsfrei. Eröffnung öes Ueberfeekabels EmSen— Azoren. Eine Feierlichkeit von internationaler Bedeutung wird sich am Freitag, dem 4. März, in Berlin im Hotel Esplanade vollziehen. Dort wird die Eröffnung des deutschen Ueberfeekabels Emden— Azoren durch die deutsch- atlantische Telegraphengesellschast im Beisein des Reichspost- ininisters Schätzt« vor sich gehen. Bekanntlich waren im Lause des Krieges alle eignen deutschen Kabellinien zerstört worden und somit auch die sehr wichtige deutsche Kabeloerbindung Emden— Azoren verloren gegangen, so daß wir nach Beendigung des Krieges stets die Kabelleitungen ausländischer Gesellschaften benutzen mußten. Dieser Uebclstand hat jetzt dadurch sein Ende erreicht, tttß die deittsch-atlantische Telegraphengesellschast ein modernes, technisch hochwertiges Kabel auf der genannten Linie ausgelegt hat. Dieses neue Kabel läuft Emden— Azoren und erreicht dort zwei direkte Anschlüsse an die Kabelleitungen der Western Union Telegraphen- Gesellschaft und der Eommercial Eable Company, so daß jetzt wieder Emden— New Bork direkt telegraphiert werden kann. Aus Anlaß der Feierlichkeit werden der Borsitzende des Auf- sichtsrats der deutfch-atlantischen Telegraphengesellschast, Dr. Solmssen, und Reichspostminister Schätzte je eine Ansprache halten, d,e über den Sender der F u n k st u n d e in Berlin und über den D e Ii t s ch l a n d s e n d e r Verbreitung finden werden. Der irestakt fällt in die Abendstunden von 8,15 bis 9 Uhr, wodurch eine Verschiebung des Abendprogramms der Funkstunde notwendig wird. Slrahenbahn und Lastkraslwagen. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen der Linie 87 und einem Last- kraftwagen, der eine empfindliche Verkehrsstörung von ziem- lich 40 Minuten zur Folge hatte ereignete sich gestern nachmittag am Köllnischen Park Ecke Köpenicker Straße. Die vordere Plattform des Triebwagens wurde völlig einge- drückt und der 33jährige Straßenbahner Josef Schneider, wohnhaft Lausitzer Platz 10, schwer verletzt. Sch. fand im Vethanienkrankenhaus Ausnahme. Beide Fahrzeuge wurden so schwer beschädigt, daß sie abgeschleppt werden mußten. Der Der- Mißhandelte Kinder. „Geradezu ein Akt des Sadismus."— Die prügelnde Stiefmutter. Ein auffallend mildes Urteil in einem Kindermißhandlungs- prozeß fällte das erweiterte Schöffengericht Schöneberg, dessen Milde bei einem ähnlichen Falle bereits vor einigen Monaten in der Oeffentlichkert großes Befremden erregt hatte. Die Schilderung des Martyriums, das der siebenjährige Knabe Bodo und sein Bruder, der neunjährige Kurt, unter ihrer erst 23 Jahre alten Stiefmutter durchzumachen hatten, erregte in dem dicht be- setzten Zuhörerraum deutlich bemerkbares Entsetzen. Frau Gertrud Stolzenberger war angeklagt der grausamen Mißhandlung ihrer beiden Stiefkinder mittels eines gefährlichen Werkzeuges. Die Angeklagte ist im Jahre 1903 geboren und hatte im Februar 1925 den Musiker Stolzenberger geheiratet, der aus der ersten Ehe die beiden Knaben hatte. Die Behandlung der Kinder hatte bei den Mitbewohnern des Hauses Bautzener Sir. 13, die in großer Zahl auf der Zeugenbank erschienen, schon seit langem die höchste Erregung hervorgerufen. Die Angeklagte bestritt zwar, die Sinder übermäßig geschlagen zu haben und will sie nur für Unart und Naschhaftigkeit gezüchtigt haben. Alles fei auf die inzwischen verstorbene Großmutter der Kinder zurückzuführen, die die Kleinen aufgehetzt hätte. Die Zeugen- Vernehmungen ergaben aber ein ganz anderes Bild. Eine Schwägerin der Angeklagten bekundete, daß die Großmutter lebhafte Klage über die Mißhandlungen der Kinder geführt habe. Bei der Beerdigung der Großmutter sei allgemein aufgefallen, daß der kleine Kurt blaue Flecke am Auge und darunter eine offene Wunde, auf die ein Pflaster geklebt war, hatte. Kurt sagte ängstlich, er dürfe darüber nicht sprechen, sonst bekomme er noch mehr Schläge. Ein anderes Mal streifte die Zeugin ihrem Neffen den Aermel hoch und sah auf dem Arm einen dicken blutunterlaufenen Striemen. Eine andere Zeugin hörte oft, daß die Kinder geschlagen wurden. Es waren furchtbare, harte Schläge und das Wimmern der Kinder klang entletzlich. Als die Zeugin am nächsten Morgen Kurt fragte, ob er geschlagen worden sei, erwiderte er,„nein, Bodo für ein Loch in der Hose, aber sprechen Sie leise, damit Mutter nichts hört, daß ich mit Ihnen rede." Einem Bahnbeamten im Hause, der Kurt bitter- lich weinend antraf, klagte dieser:„Ich werde ja so furchtbar ge- hauen mit dem Stock oder Riemen über den Sopf und wo es hintrlfft. Vater sagt immer, sie soll es nicht wn, aber wenn er fort ist, haut sie uns doch. Bei jeder Kleinigkeit bekommen wir Haue." Besonders belastend für die Angeklagte war die Aussage der Flurnachbarin. Oft habe sie die Kinder weinen gehört und auch blaue Flecke und Wunden im Gesicht und am Kopf wahrgenommen, aber durch die dicken Wände nichts Genaues feststellen können, bis am 22. Septem- her ein Vorfall passierte, der sie zu einer Anzeige veranlaßt?. Die Zeugin erzählte darüber folgendes: Kurt kam vom Spielen herauf. Als er klopfte, wurde er gleich barsch angefahren, er solle den kleinen Bruder auch heraufholen. Ich wollte der Sache mal auf die Spur kommen und sah durch das Guckloch. Der Knabe war ganz verschüchtert und verängstigt. Kaum hatte sich nachher hinter den beiden Kindern die Korridortür geschlossen, als ich gleich einen schweren Aast und einen furchtbaren Aufschrei hörte. Dann wurden beide Kinder so fürchterlich mit dem Stock geschlagen, daß ich in meiner Aufregung mehrmals mein« Tür aufmachte und schrie, sie möge endlich aufhören. Das wurde aber nicht beachtet. Ich konnte es nicht mehr mit anhören und lief schließlich von Entsetzen gepackt zum Bäcker hinunter. Dort fiel ich wegen meiner Verstörtheit auf. Als mein Mann abends nach Hause kam, saß ich noch weinend da. Ein anderes Mal hörte ich die Angeklagte schreien„Ich schlage euch, daß euch der Mund anschwillt". Kurts Lehrer, Kuhn, der Klassenlehrer der vierten Gemeindeschule, hatte mehrfach schon gehört, daß die Kinder von ihrer Stiefmutter mißhandelt würden, und hatte deshalb den Schüler im Auge behalten. Einmal hatte er blaue Flecke. Das Kind scheute sich aber, die Wahrheit zu sagen. Zuletzt machte der Junge einen immer gedrückteren Ein- druck. Am 23. September sah. ich bei ihm einen fünf Zentimeter breiten blutigen Striemen am Nacken. Zugleich melde!? mir ein Schüler aus dem Hause, daß Kurt wieder furchtbar geschlagen worden sei. Ich ließ durch den Schularzt Kurt und Bodo untersuchen. Was sich da zeigte, habe ich in meiner 30jährigen Lehrer- praxis noch nicht wahrgenommen. Es war furchtbar, geradezu ein Akt des Sadismus. Die Schwielen lagen dicht nebeneinander. Dom Genick bis zu den Kniekehlen war der ganze Körper kreuz und quer dicht damit bedeckt. Bei dem zarten jüngeren Kinde war der Eindruck noch entsetzlicher. Ich machte sofort Meldung beim Fürsorgeamt und drohte mit einer Anzeige, wenn nicht eingeschritten werden würde. Zu meiner Freude griff das Fürsorgeamt auch sofort ein mtd brachte die Kinder schon nach wenigen Togen nach Potsdam in ein Fürsorgeheim. Im übrigen erkannte der Lehrer, ebenso wie die übrigen Zeugen, an. daß die Kinder an Körper und Kleidung immer gut gehalten worden seien. Die Klassenlehrerin des kleinen Bodo, den sie als ein williges freundliches Kind schildert«, hat bei ihm einmal blaue Flecke am Auge festgestellt. Der Schularzt Dr. Hellwig bekundete, daß bei den beiden Kindern der ganze Körper vom Nacken herab über Rücken und Oberschenkel mit dicken Striemen vollkommen bedeckt war. Die große Zahl der Striemen, zum größten Teil blutunterlaufen, be- weise, daß die Mißhandlungen eine lange Zeit gedauert haben. Di« Angeklagt« führt« eine Reihe von Zeugen vor, um zu beweisen, daß sie zu den Kindern immer liebevoll gewesen sei. Aber schon die zuerst vernommene Zeugin, ihre Freundin, versagte in dieser�Beziehung, denn sie mußte zugeben, daß sie bei Kurt eines Tages Spuren von Verletzungen wahrgenommen hätte. Das Schöffengericht stellte im Urteil fest, daß die Angeklagte sich der grausamen Körperverletzung in drei Fällen mittssst eines ge- fährlichen Werkzeuges schuldig gemacht habe. Zugunsten der Ange- klagten wurde aber angenommen, daß sie nicht von Ansang an die Absickt gehabt habe, die Stiefkinder grausam zu quälen, sondern daß sie sich zu den Einzelhandlunqen durch ihr jähzorniges Temperament habe hinreißen lassen. Die Angeklagte Hab« bei ihrer Jugend noch nicht die Reise für das schwierige Amt der Erziehung von Schul- lindern gehabt. Deshalb seien ihr mildernde Umstände zugebilligt worden,„aber das Gesetz will hart sein, um solche wehrlosen Opfer zu schützen, deshalb habe das Gericht auch nur eine Gefäng- n i s st r o f e für derartige Ausschreitungen für angemessen erachtet und die Angeklagte zu 1 Monat Gefängnis verurteilt". Mit Rücksicht auf ihre Jugend und weil die Gefängnisstrafe zu einer Zerrüttung ihrer Perhältnisse führen würde, hat das Gericht der Augeklagten für die Strafe eine dreijährige Bewährungsfrist bewilligt. ihr aber eine Buße von 100 Mark, die in monatlichen Raten- Zahlungen von 10 Mark zu leisten ist, auferlegt. kehr in und von Richtung Spittelmorkt stockte, wurde später aber durch Umleitung aufrechterhalten. Die Schuldfroge könnt« nicht geklärt werden. Die Strastenhändler protestieren. Die„Freie Vereinigung der Straßenhändler für Obst, Gemüse, Lebensmittel usw. Groß-Berlin" hatte zu Dienstag abend nach den Musikersälen ein« Versammlung einberufen, um gegen die Unterdrückung des Straßenhandels Einspruch zu erheben. Die Versammlung war gut besucht. Die Redner des Abends führten aus, daß außer den 180 Straßen, die für den Straßenhandel verboten sind, weitere 120 Straßen ver- boten werden sollen. Durch die hohen Abgaben für Ge- werbeschein und Standgeld ist das Gewerbe ohnehin schon sehr erschwert. Der Straßenhandel wirkt preisverbilligend, darum kämpft die Wirtschaftspartei gegen den Straßen- Handel. Auch die Hausbesitzer beteiligen sich an diesem Kampf. Sie wollen die Straßenhändler zwingen, Läden zu mieten. Es ist statistisch errechnet worden, daß 70 Proz. der gesamten Obst- waren und Gemüse, die in Berlin ankommen, durch den Straßen- Handel umgesetzt werden. Täglich kommen 10 0 Waggons zu je 100 Zentner Obst und Gemüse in Berlin an. Die Wirtschaftsverbände erklären immer, daß der Siragenhandel schon deshalb beseitigt werden müsse, weil die Lebensinittel von den Straßenhändlern in der Wohnung ausbewahrt würden. Die Polizei hat genaue Vorschriften für die Ausbewahrung der Lebensmittel erlassen. Es ist bisher kein Fall bekannt geworden, daß ein Straßenhändler die Bestimmungen nicht befolgt hätte. Nach einer Aussprache wurde eine Kommission gewählt, die dem Polizeipräsidenten einmal die Wünsche des Straßenhandels dar- legen soll.' So weit sehr gut. Aber die Straßenhändler der Freien Vereinigung sollten es sich entschieden verbitten, daß in einer fach- lichen Angelegenheiten gewidmeten Versammlung Propagandareden für die Kommunistische Partei gehalten werden. Auch die Schimpfe- reien auf unsere Genossen aus der Stadtverordnetenversammlung waren überflüssig und völlig unangebracht. Zu einem Otto-Flake-Abend gab Dr. Otto Ernst Hesse eine lebendige Einführung, die allerdings mehr auf den Philosophen als auf den Dichter Flake hinwies. Aber da in einem folgenden kurzen Romanbruchftück der Dichter selbst zu seinem Publikum sprechen konnte, so war Dr. Hesses Vorrede eine glückliche Ergänzung zu dem Begriff„Otto Flake", den dieser Abend ver- Mitteln wollte. Denn Flake ist wohl in gleichem Maße bewußter Weltanschauungsphilosoph wie Dichter; ihm geht es mindestens ebenso viel um die Weltanschauung der Menge wie um seine eigene Weltanschauung. Das ist vielleicht das wertvollste an Fl'akes Schaffen, und es ist dankenswert, daß es durch die Gestaltung des Abends zum Ausdruck kam.— Ein Vortrag, vielleicht nicht von vielen, nicht unmittelbar Interessierten gehört, zeigte eins der schönsten Wirkungsqebiete des Rundfunks, dos der Volksauf- klärung. Diesmal handelte es sich um ein verhältnismäßig enges Gebiet, um die Behandlung und den Umgang mit Stotterern sprach Heillehrer E. Reincke, gab aufschlußreiche Anweisungen in seinem Vortrag, die besonders wertvoll und erfreulich waren, wenn man berücksichtigt, daß der Rundfunk sie weit über die Peripherie der Großstadt hinaus verbreitete, in solche Kreise, wo gegen Sprach- leidende sicher noch oft und viel gesündigt wird.— Dr. Werner M a r h o lz begann eine Vortragsreihe„Die Großstadt und wir" mit einem einleitenden Vortrag, in dem er die Lebensformen der Großstadt lebendig formulierte, ohne daß er sie aus besonders neuen Gesichtspunkten betrachtet hätte.— Die Einführung zu dem Sende- spiel des folgenden Abends kam über ollgemeine Phrasen über Ofsenbach selten hinaus. i tu. Die tööliche„Zreunöfchastsmensur�. Bestätigung einer Verurteilung. Der Sachverhalt der Freundschaftsmensur zwischen den Stu- bersten K r u s ch k e und Bär ist noch in guter Erinnerung. Nach vierzig Gängen— sechzig sollten ausgetragen werden— verfing sich die Spitze von Kruschkes Schläger in den Bandagen des Bär. Er erhielt eine Stichwunde in die Brust und starb drei Wochen später in der Charitö an einer Blutvergiftrmg. So kam die an und für sich st r a f b a r e, jedoch gewohnheits- gemäß straffreie Mensur durch Zufall vor den Richter. Das Gericht oerurteilte den Studenten Kruschke aus Grund des Z 205 wegen Zweikampfes zu fünf Monaten Festung. Staatsanwalt und Verteidiger legten Berufung ein; der erste wollte den schärferen{j 206 angewendet sehen, der die Tötung im Zwei- kämpf im Auge hat, der Verteidiger focht die letzten Reichsgerichts- etstscheidungen an, die in der Studentenmensur«inen strafbaren Zweikampf mit tödlichen Waffen sehen. Die Berufungsinstanz be- ftätigte jedoch in der gestrigen Verhandlung das erste Urteil.— Zur Sache selbst ist kurz folgendes zu sagen: Das Reichsgericht wird in seiner Kampfeinstellung der Studentenmensur gegenüber alle modern denkenden Menschen aus seiner Seite wissen. Diese studentische Unsitte, die nichts anderes als ein Mittelalter- liches Ueberbleibsel bedeutet, kann nur ein Ende finden, indem man ihr energisch auf den Leib rückt. Erst vor'wenigen Tagen sind von einem süddeutschen Gericht nicht nur die Paukanten, sondern auch die Zeugen verurteilt worden. Dieser Standpunkt ist nicht nur straf- rechtlich richtig, sondern auch logisch. Die Ausführungen der Mensur- freunde, daß es sich hierbei nur um einen„S p o r t" handele, sind wenig überzeugend. Ein eigenartiger Spott, der die Körper- Verletzung des anderen zum Ziel« hat! Man nenne einen zweiten Sport, der ähnliches verfolgt. Auch die Statistik der Todesfälle bei verschiedenen Sportarten ändert nichts an der Tatsache, daß die Mensur an und für sich eine Unsitte bedeutet. Was aber im Fall Kruschke besonders bezeichnend war, ist der Umstand, daß der mittellose und unterernährte Bär nach durchzechter Nacht so ziemlich kampfunfähig war. Das mußte natürlich auch Kruschke nicht unbekannt sein. Trotzdem drängten beide zum Kampf. So konnte das Unglück entstehen. Dieses unqualifizierbare Verhalten der jungen Lerne ihrem Kommilitonen gegenüber wird wohl schwerlich als Beweis für die ertüchtigenden Eigen- schaften der Mensurunsitte ins Feld geführt werden können. Stelle Dir Deinen Hnstenfirnp selbst her. Probiere dieses Rezept; es spart Dir Geld. Husten, Erkältung und Influenza sind jetzt sehr häusige Gäste; darum dürfte manchem Leser das nachstehende Rezept willkommen sein. Man beschaffe sich in der Apotheke 60 Gramm dreifach kon- zentriertes Ansy und tue dies in einen Sirup, den man sich durch Auflösung von einem halben Pfund reinem gestoßene» Zucker in einem Viertelliter heißem Wasser herstellt. Man verrührt das gut, bis alles vermischt und aufgelöst ist, und läßt es dann erkalten. So bekommt nwn auf billige und einfache Weise beinahe einen halben Liter ausgezeichneten Hustensirup, der sich gut hält und in jeder Beziehung zufriedenstellt. Man nimmt davon ein bis zwei. Tee- löffel voll viermal täglich; die lindernde Wirkung auf rauhen Hals und die Brust ist großartig. Das lästige Husten oerschwindet meist schon nach 24 Stunden. Eine sorgfältige Hausmutter hält sich daher immer eine Quon- tttät von diesem Hausmacher-Hustensirup bei der Hand. Er wirkt leicht abführend und hat auch«ine gewisse kräftigende Wirkung auf die gesamten Atmungsorgane. Kinder nehmen ihn sehr gern. und da er keine schädlichen Drogen. Narkotika u. dgl. enthält, kann er ihnen vertrauensvoll gegeben werden. Wenn Sie nicht selbst zur Apotheke gehen, schärfen sie dem Boten ein, daß er dreifach konzentriertes Ansy oerlangen muß. Rätsel der drei Selbstmorde. Wir wir in unserer gestrigen Abendausgabe mitteilten, wurde in den frühen Nachmittagsstunden am Nordufer des Müggelsees eine weiblich« Leiche angespült. In der Toten wurde eine der drei Selbstmörderinnen und zwar die Schwester vermutet. Ange- hörige begaben sich gestern nachmittag nach Friedrichshagen, wo die Tote in der Leichenhalle aufgebahrt war und einwandfrei als die vermißte Dorothea Weber aus der Dolziger Straße identifi- ziert werden konnte. Gr en 4 Uhr nachmittags wurde die Kriminal- Polizei abermals alarm ert. Wiederum am Nordufer des Müggel- sces, zwischen dem Städtischen Freibad und den Wasserwerken war ein im Wasser treibender menschlicher Körper gesichtet und an Land geholt worden. Ohne Zweifel hatte man es mit der dritten Ver- mißten, der IVjährizen Kontoristin Frieda S ch l ö s s o w aus der Perleberger Str. 76, zu wn. Die Leiche wurde beschlagnahmt und zur Leichenhalle Friedrichshagen geschafft. Noch in den späten Nachmittagsstunden wurden die Angehörigen in Kenntnis gesetzt und zur Identifizierung der Leiche aufgefordert, nach Friedrichshagen zu kommen. An den Kleidungsstücken wurde die Tote als die ver- mißt« Frieda Schlösjow erkannt. Die Leichen haben ziemlich sieben Wochen iin Wasser gelegen und waren fast bis zur Unkenntlichkeit verändert. * Der Müggelsee, der am selben Tage die beiden Schwestern Weber verschlungen hat, hat ihre Leichen auch an einem und dem- selben Tage freigegeben. Die Aufregung, die damals der gemein- fame Selbstmord der drei Freundinnen in der Oeffentlichkeit ver- arsacht hat, hatte sich bald gelegt. Neu« Ereignisse des Großstadt- lebens machten ihr Recht auf die Oeffentlichkeit geltend. Die wirk- lichen Ursachen dieses Todes zu drill werden wohl nie mit voller Gewißheit festgestellt werden können. So wird man sich mit mehr oder weniger schlüssigen Betrachtungen begnügen müssen. Diese gaben ein ziemlich erschöpfendes Bild. So viel ist wohl klar: Eine von den dreien bildete hier d i e treibende Kraft. In dieser Organisatorin des Selbstmorde» muß der Gedanke der Selbstoernichtung aus irgendeinem Grund« seit langem festen Fuß gefaßt haben. Um allein au» dem Leben zu gehen, bedarf c» aber schon eines höheren Maßes von Entschlußkraft: die Ueberwindung des Selbsterhallungstriebes zu zweien geht be- reits leichter von statten. Es ist beruhigend und ermunternd, Freun- din und Schwester als Selbstmordgefährtinnen zur Seite zu wissen. Der Psychologe darf wohl gar von einem Spiel mit dem Selbst- mord sprechen. Bieles deutet nämlich darauf hin, daß es sich in diesem Falle zum guten Teil um ein grausames Spiel ge- handelt hat: der Zettel, von der chand der Charlotte Weber ge- schrieben,„Frieda Schlössow, geb. am 4. Juni 1969— Charlotte Weber, geb. am 14. Juli 1908, gestorben 13. Januar 1927.": der Abschied von einem der Angestellten:„Adieu Puhchen, wir sehen uns nicht mehr wieder": der Ausspruch gegenüber einem anderen: .-Jetzt gehen wir uns das Leben nehmen"; der Ausflug nach Fried- richshagen, die gut« Stimmung bis zum letzten Augenblick. Und doch konnte kein so grausames Spiel nur junge Leute treiben, die glaubten, ernste Ursache zu haben, aus deni Leben zu scheiden. Char- lotte Weber wird die treibende Kraft gewesen sein: sie hatte auch den obenerwähnten Zettel geschrieben. Sie hatte auch früher einen Selbstmordversuch begangen, sie besaß das stürmischste Temperament, den hysterischsten Charakter von allen dreien. Ihre Schwester fügt« sich ihrem Willen: denn was sollte sie allein ohne sie auf dieser Well machen. Frieda Schlösiow hatte Liebeskummer und war innerlich zerrisien. Zwischen Charlotte Weber und Frieda Schlösiow werden auch freundschaftliche Bindungen im besten Sinne dieses Worte» vorhanden gewesen sein: Bindungen, wie sie so oft zwischen jungen Mädchen in diesem Atter bestehen. Sie tauschten miteinander ihre cherzensgeheimnisie und Ihr Liebesleid au». So glaubten sie beide, Grund zu haben, au» dem Leben zu gehen. Dorothea Weber hat einfach mitgemacht. Verständlich wird aber erst die Tragödie der drei Mädchen bei tieferem Eindringen in ihre häuslichen Berhältnisie. Diese bildeten den trüben Hintergrund für ihren Selbstmord. Freud» und Verständnislosigkeit innerhalb ihrer eigcnn Familie haben in ihnen den Selbstvernichtungsgedanken aufkommen lassen. Eine Kleinstadttragödie. Nach 7 Jahren. Noch 7 Jahren wurde teilweise das Verschwinden des Schlächter- meisters Gustav Burmeister aus Lippehne in der Neumark aufgeklärt, der feit Ende Mai 1919 vermißt wird. Burineister, der in L i p- p e h n e eine gut gehende Schlächterei betrieb, kam im Ort und seiner Umgebung seit dem 2 8. Mai 1919 nicht mehr zum Vorschein. Seine Angehörigen verbreiteten, daß er nach einem Ehezwist davongegangen sei und 60 000 M. mitgenommen Hab«, um nach Amerika auszuwandern. In der Stadt glaubte man daran nicht. Man niunkelte vielmehr, daß er durch Gewalt auf die Seite gebracht worden sei. Aus eine Anzeige hin wurde auch FrauBurmeister mtt ihrem Bruder, einem Paul G e r l a ch, der damals ebenfalls in Lippehne wohnte, zur Veranwortung gezogen. Das Verfahren mußte aber bald wieder eingestellt werden, weil die Frau bei ihren Angaben blieb und besonders auch, weit eine jugendtich« Angestellt« des Haushalts aussagte, daß sie Burmcister noch nach dem 28. Mai, dem kritischen Tage, lebend gesehen habe. Frau Burmeister suchte durch offeittlich« Warnungen die Gerüchte, die sich immer noch er- hielten, �zum Schweigen zu bringen. Es gelang ihr aber niemals ganz. So hörte nun im Sommer vergangenen Jahres auch der Berliner Kriminalassistent Richter davon, als er in der Gegend seinen Sommerurlaub verbrachte. Er sammelte soviel Verdachts- Material, daß die Staatsanwaltschaft Landsberg a. W. die Landes- kriminalpolizeistelle Berlin beauftragte, den Dingen ganz auf den Grund zu gehen. Kriminalrat Gennat stellte weitere Nachforschungen an und ernuttelte dabei noch, daß Burmeister die Absicht gehabt hatte, größere Geldsummen, die er ursprünglich für seine Familie sicherstellen wollte, anderweitig zu verwenden. Zu gleicher Zeit be- schäftigte sich Kriminalkommissar Johannes Müller mit Paul Gerlach, der iri der Zwischenzeit von Lippehne nach Schöneiche bei Guben verzogen war. Das Verdachtsmaterial oerdichtete sich immer mehr, und im November v. Js. wurden Frau Burmeister von Kriminalrat Gennat in Lippehne und Paul Gerlach von Kommissar Johannes Müller in Schöneiche festgenommen. Beide blieben hartnäckig bei ihrer Darstellung von dem Verjchwinden des Meisters, liehen sie aber nunmehr endlich fallen. Gerlach hat jetzt dem Untersuchungs- richter Landgerichtsrat Hennig in Landsbcrg gestanden, daß er seinen Schwager iii der Nacht zum 28. Mai getötet hat,' wie er behauptet, in der Notwehr. Die jugendliche Hausangestellte bekundet jetzt, daß sie ihre frühere Aussage, sie habe Burmeister noch nach dem 28. Mai lebend gesehen, auf Veranlassung der Frau Burmeister fälsch- lich abgegeben habe. In Wirklichkell habe sie den M ei st er tot auf dem Fußboden liegen gesehen. Der Schwager des Toten, Paul Gerlach, habe die Leiche in einem Kastenwagen fortgeschafft. Ein Zeuge hat denn auch in jener kritischen Zeit frühmorgens beobachtet, wie Gerlach mit einem mit zwei schweiß- bedeckten Pferden bespannten Fuhrwerk aus einem in der Nähe von Lippehne gelegenen Walde herauskam. Die Leiche ist bis jetzt nicht gesunden. Gerlach behauptet, er habe sie zunächst cms einem kleinen Ackerstück vergraben und nach einiger Zeit einen ihm unbekannten Russen und einen inzwischen verstorbenen anderen Mann dafür gewonnen, sie auf einem Friedhof in Lippehne zu verscharren. Gerade diese Verheimlichung des Verbleibs der Leiche macht den Verdacht t 5. Kreis der SPD.(Friedrichshain) heute. Donnerstag, d. 3. März, abds. Uhr. in den„Andreasfesisälea". llndreasstrahe 21: Cir. öffentl. Versammlung der Beamten, Angestellten und Arbeiter aller staatlichen und städtischen Verwaltungen. Oandlagsabgeordneter L e i n e r t wird über die �Allgemeine politische Lage" sprechen. Hierzu freie Aussprache. Um recht rege» Erscheinen wird gebeten. dringend, daß Gerlach den Schlächtermeister nicht in der Notwehr getötet, sondern ihn im Einverständnis mit der Frau ermordet hat. Die Beschaffenheit der Leiche hätte darüber ohne Zweifel Aufschluß gegeben. Eine Tötung in der Notwehr hätten Gerlach und Frau Burmeister auch gar nicht zu verheimlichen brauchen. In Lippehne, wo man den Meister und seinen Jähzorn kannte, hätte sich darüber nieniand gewundert. Um die Bluttat völlig ausklären zu können, hat der Regierungspräsident von Frankfurt a. d O. für die Aussindung der Leiche und zweckdienlich- Mitteilunzen eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt. Die Mitteilungen nehmen die Staats- anwaltschast in Landsberg a. d. W-, Kriminalrat Gennat in Berlin und auch jede polizeiliche Dienststelle entgegen. Ein eigenartiger Unfall trug sich gestern nachmittag ain Schinkelplatz S zu. Ein etwa 50 Zentner schwerer Geldschrank sollte durch ein eigens hierzu errichtetes Gerüst hochgewunden werden. Als der Geldschrank in etwa 8 Meter Höhe schwebte, brach ein Bolzen des Flaschenzuges und der Schrank stürzte auf den Bürgersteig hinab. Die Arbeiter konnten sich rechtzeitig durch Zurückspringen in Sicherheft bringen. Arbelter-Kulwe-Kartcll Für die am Sonntag, dem 6. März, vormittags 11'/, Uhr, in der Volksbühne stattfindende Ausführung.Frühlings» Mysterium- find noch einige Karten zum Preise von 1,S0 M. im Bureau des Arbeiter-KuINn-Kartells, Lindenstr. 3, L. Hof, 2 Treppen, Kimmer 8, zu haben.— Sonnabend, den 19. März 1927, abends 7'/, Uhr, im großen Saal der.Philharmonie', Bernburger Straße, 4. Arbeiter-Sinfonie-Konzert mit dem Philharmonischen Orchester, unter der Leitung von Jascha Hören- stein. Ludwig van Beethoven(h am 26 März 1827). Zur Feier der hundertjährigen Wiederkehr seines Todestages. Preis der Eintrittskarte 1,St> M. Karten find in den bekannten Verkaufsstellen zu haben. M Elve Bitte um Schlummerlieder. Ein Kuhhin im Staate M o n- t a n a, dessen Familie aus acht Kindern im Alter von 12 Iahren bis zu 6 Monaten besteht, richtete kürzlich an die KOA.-Statton (Denver) die Bitte, jeden Abend um 7,30 Uhr Schlummer- lieber zu senden, damit er seine Kinder zum Einschlafen bringen könne._ vortrage, vereine und Versammlungen. Reichsbanner. S chwarz R ol-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Eebastianstr. Z7/S«, Hof 2 Tr. Friedrichshain: Do., d?., 7 Uhr, Kllstriner Platz Antreten mit . Musik und Fahne»— Wilmersdorf! Do., d. Z.,« Uhr, Prrf. der Kameradschafte» Nord und Süd bei Kroihs, Holsteiuifchc Straße. Stellung» nähme zur Neuwahl der Kreisleitung.— Weißenfc«(Kreis): Verf. Do., d. 3., 8 Uhr, Grüner Baum— Waffersportabt.! Do., d.»., 8 Uhr, Bollverf., Ge- werkschoftshaus, Engelufer 24—25.- Mitte, Zuaendzug: Fr., d. 4., Besichtigung der Druckerei und des Berdandshaufcs der Buchdrucker. Treffpunkt 6 Uhr llntergrundbhf. Krcuzberg.— Tcmrelhof! Fr., d. 4., 8 Uhr, Bollverf. im Birkenwäldchen, Manteuffelftraße.— Krcuzberg: So., d. 5., 8� Uhr, Voll. verf. Abt. 8 bei Fuhlbrllggc, Nostizstr. 2Z.— Schoneberg, Kameradschaft Insel: So., d. 5., 8 Uhr, Kamcradschaftsuers. bei Warth, Monumenten., Ecke Soch. kirchstraße. Wichtige Tagesordnung. Landsmannschaft der Schleswig-Holsteincr zu Berlin. Donnerstag, Z. März, 8 Uhr, Restaurant Oranienstr 482, Plattdeutscher Abend. Landsleute sowie Freunde der plattdeutschen Sprache sind willkommen. Dentschee Ostbund, e. v., Ortsgruppe Marieadors-Tempelhos. Donnerstag, Z. März, 8 Uhr, Mitgliederversammlung im Seebad Marlendorf, Burggrafen. straßc. Ostmärkcr und Gäste herzlich willkommen. Geseklschast für Measchheitsknnde. Montag, 7. März, 8)4 Uhr, Cafe I-stq, Potsdamer Platz, Bortraasabcnd Thema:.Der wirtschaftliche Neuaufbau von Rußland und Russisch.Asien.' Verband sS« grcidenlertnm»ad Feuerbestattung,«. v. U»teebezirk Lies. garte»: Freitag, 4. März, Uhr, in Wernickes ffestfälen, Potsdamer Str. 89», öffentlicher Lichtbildervortrag. Thema:„Erd- oder Feuerbestattung.'— klater» bezirt Groß. Siedlung Britz: Donnerstag, Z. März,(48 Uhr, im Bufchkrug, bei Verband fstr Freideniertum»ad Feaerieftattua»,«.«. Uaterbezirk Tier. iea: Freitag, 4. März, 7)4 Uhr, in Wernickes ffestfälen, Potsdamer Str. 89», ffentlicher Lichtbildervortrag. Thema:«Erd» oder ffeuerbestattuna.'— llater- >«zirk Sroß-Siedluag Britz: Donnerstag, Z. März,(48 Uhr, im Bufchkrug, bei der Sroß-Eiedlung Britz, Rudower Straße, öffentlicher Lichtbilderoortrag. Thema:„Erb- oder Feuerbestattung.' Eintritt frei. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer and Kriegerhinter- bliebenen. Bez. RO. 4. Mitgliederr erfammlung Dienstag, 8. März, 8 Uhr, Unions-Festfäle, Greifswolder Etr. 222. Sriefkasten der Redaktion. ®. H. 27. 1, Hugo Sinn, Berlin R. 20, Stettiner Str. SO. 2. Berlin®. 56, Schinkelplatz 6. 8. Amtsgericht Quedlinburg.— H.®. 18. Verfasser werden grundsätzlich nicht genannt. Aus welchem Grunde wünschen Sie den Namen zu wissen?__ wetlerberichl der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin and Umgegend fNachdr. verb.). Weiterhin sehr mild, wechselnde Bewölkung, zeilweise Neigung zu leichten Regensällen, mäßtge Winde aus westlicher Richtung.— Jflt Veutschland: U eberall Fortbestand der sehr milden Temperaturen. Niederschläge vorwiegend im Westen und Nordwesten. «teasOH- HüBER.� P�> O Denk9 an � Blauband die gute Felnkostanargarlne die Mutter zum Kochen, Backen, Braten und für unsere Butterbrote allen anderen vorzieht, weil sie schmeckt und sparsam ist. Sie hat recht! i/zS!ft.50tffin*uf Zu jedem Pfund die „Blauband-Woche" gratis. 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MSrz 1327, nachmittags «uf jede gezogene Rümmer sin»»«ei gleich hohe Se» Winne gefallen, und»war je einer aus die Lose gleicher Rummer in den beiden«htetlungen 1»n» 2 Ohne Gewähr Nachdruck verdaten Es wurden Gewinne über 150 Mark gezogen 14©eiuimic juie 3000 Slf. 143143 164880 197034 292294 312173 323475 325066._____ 1 2 Sewinne 511 je 2000 OTf. 33739 46793 113686 149861 212106 287768 24«ewinnc j« je 1000 Sit. 6 15309 27724 29307 81762 128020 162969 195111 254467 293894 298560 343322 84 Gewinne ,u je 500 Sit. 4313 11774 12725 19652 20673 21369 24627 38058 40089 52715 64358 109036 124935 125284 132426 139413 142427 147552 177713 163610 136029 192901 196732 207026 226573 229687 229823 260079 263127 270979 271168 275306 286281 291245 295163 297993 305126 307903 313943 322706 327657 329335 208«ewimte zu je 300 Sit. 1953 7392 806.7 12595 14951 16768 18110 18774 19555 24133 27437 31993 45830 63605 63833 65759 68304 68578 69679 71136 72857 81849 82568 87275 88676 92340 102933 108183 108417 110327 111765 115316 116442 123096 124811 125688 127677 127859 128071 138343 142430 142672 144050 144680 145090 145933 147585 148003 159218 159461 162042 175512 177514 180046 182487 182797 184970 188900 192178 192852 197062 206560 207851 213013 213446 215962 220726 232892 234851 234925 238818 240342 245198 253013 266123 265776 265976 288670 271117 276302 277183 281776 285788 286660 288932 291762 299179 299302 300580 303321 310050 310197 310806 315964 320180 324808 330661 335351 337052 340138 341541 344413 344642 347739 19. Ziehungslag 2. März 1927, vormittags ES wurde» Gewinne aber ISO Mark gezogen 2 Setohme zu je 50000 MI. 25190 2 Gewinne ,u je 6000 Sit. 180220 4 Gewinne zu je 3000 Sit. 144629 267101 10 Gewinne zu je 2000 Sit. 21218 105800 165107 214005 283555 2V Gewinne zu je 1000 MI 9364 24609 98024 146112 162062 181456 200535 223328 308807 338398 342345 344094 349155 66 Gewinne zu je 500 MI. 15120 15643 34963 55476 56362 621 15 64862 89808 97246 II 5766 12S84S 134440 140674 I4S474 160543 164257 167511 177644 179661 192435 228929 242479 247137 257264 284273 299886 305091 326896 329056 229978 224654 346670 349384 226 Gewinne zu je 300 Mt. 698 6614 7301 11137 17596 18521 19076 20149 24223 26946 28157 39367 40176 42578 46533 46611 47394 49304 52753 53919 57493 58021 64998 65087 66059 69434 73946 75686 77925 84803 94513 96320 97808 99050 102090 109942 118098 121457 123568 131341 132242 136381 147040 150228 154177 154966 167692 157849 159153 164111 165890 167896 174446 182384 186200 194242 197022 201108 204415 205277 209553 210170 210230 216642 216880 221770 224592 226667 226134 230574 239069 246748 247237 248603 248985 253514 255255 255322 257313 265081 269223 273478 275029 278446 278717 282732 283283 283787 284023 287421 288614 294827 296259»06722 298474 302913 306200 306582 307744 308682 300089 312181 813554 916420 323529 335337 336240 383442 333450 338403 334518 335766 342969 Richard Leupold am 1. Miirz aestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Einäscherung finder am Man» tag, dein 7. März, abend« 6'/, Uhr. im Kremalorium Oerichistrajje statt Rrge Beleiiiauug erwarle! Die Ortsvrrwaltriug WMHvH zur Miete W£0,Ansbacherstr.I Grippel Haben Sie Bcsdiwerden? sllle Beiden, die mit dem Stoffwechsel zusammenhängen(Die Alterverschei nungen «rtrrienvrrkaltung, Sicht. Rheuma, neroäse Beschwerden. Korpulenz, Magen-, Darmslörungen usw.) werd. geheilt oder ge- bessert durch eine Rmios Knoblauchkur. Diese» aildewährte, naliiriiche Hausmittel hat nach Uinischen Forichungsergednissen die giinjliasten Erfolge ergeben Au haben in den Upolheteu jvragarien), bestimm«: tveneral- vepol.'Undeeas- Apotheke. Berlin O. 12, Andreasstr. 15, Fernipr Königit 2789. Aordern Sie Vrnckschriftrnl Am Montag verstarb unser alter Parteigenosse Wilhelm Buchholz im 81. Lebensjahre. Wir werden unserem allen Sc- nassen, der seit zirka 61 Jahren der Partei angehörte, ein dauernde» An- deuten bewahren Die(jenosslnnen und Genoisen der SPD. Bergfelde üMMUMM-A« WBetiößltücgsinltfineöer! Am Freitag, feine Sitzung Verwaltung statt dem 4. März, findet der Mittleren Ort». Plöhlich und unerwartet schied am I. März, morgen» 4 Uhr, unser lieber Freund und Kollege Hermann Fromm im 49. Lebensjahre aus unserem Kreise Lein ausgeglichene», slei» freund» Ii!be»We'en madile ihn uns besonders lied und wert. Wir werden ihm alle- zeit ein Irenes Andenken bewahren! Berlin, den l März 1927. Dosliessmlpersona! derPreulllscben Druckerei- und Verlaes-Akticn-Ge!. Einäscherung: Sonnabend, 5. März. nackim n Uhr. im Krem. Serichidrafie Am 25 Februar verstarbnach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, der Tischler mtri Gosciniak Die trauernde Witwe Berta Gosciniak, Seelower StraBe 8. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 3. März, nachmittag» 2 Uhr, im Krematorium Sertchlstraße statt. vonksogung Fllr die uns erwiesene Teilnahme beim Hinscheiden unserer lieben Mutter Ww, Helene Kossalz sagen wir allen Belannlen s wie den Se- nossinnen und Senossen der 4t. Abteilung unseren ausrichligfien Dan!. __ Familie Fritz«offatz. Lage allen Freunden, Belannlen, dem Reichsbanner, sowie dem gdA. iär die herzliche Teilnahme beim Hinscheiden meine» lieben Mannes Erich Stranz meinen herzlichen Dank. Martha Stranz Sonnabend, den 6. Marz, abend» S Ahr, in der SnIlurabteUnng des verbände», einienftr.»97 igegenllder dem Berbandshause) Filmveranstaltungen aller Lehrlinge, jugendl. Arbeller und Arbei'erwnen des S. Bezirks de» Deokschen Metallarbeiter- Verbandes. Aus dem Programm: 1. Die Krebstran lheit 2 Quellwaffer der Groß» iiadl 3. Aus der Braulsahrt Wir bitten die älteren Kollegen, fich an dieser Werdeveransta.nmg der Jugend recht zahlreich zu betettigen. Brinai auch die Jugendlichen mit. die noch nicht Mit qiied unserer Organisation sind! Madsi sie belannt mit den Knlturbestrebungen der Sewertschaftl Aaiiiert iür zahlreichen Besuch. VI« Ortsverwaltung. Mnßtzige Betriebs- oDd Ban- genosstDidiaftBlD.-IliE�rsdiäntiaüseii E. S. m b. H. Vieastag, den 15. März 1922, abend» 2 Ahr, im„Schloff Schön- haofea-, Verlia-Aiederichönhansea Ptadeastr. 11: Außerordentliche Generalversammlung Tagesordnung: 1. Bericht des ge- richtlich bestelltcn Barstandes. 2. Beschluß- fassung iiber Umstellung der Gensffen- schastsanieile aus je 106.— Reichsmark. 3, Besdjiußjaffung Uber Reufestsegung der Haftsumme auf je 100.— Reichsmark 4. Beschlußfassung Uder Abänderung der Satzungen a) S 41 bete. Deschäjlsanteil, b)§ 45 bete. Haftsumme, c)§ 47 betr. Eimriitsgeld 5. Beschlußfassung Uber Entlastung des gerichtlich bestellten Bor- standes. 6 Neuwahl des Borstandes 7. Neuwahl des Aufsichlsrates 8 Aus- nähme neuer Mitglieder 9 Verschiedenes Erscheinen aller Genossen Pflicht.— Mit- gliedsbllcher legitimieren.— Gäste können durch Bärgen eingetährt werden. Der Vorstaad. flffr IvhannfO V»chW)6 »8,— und 259356 26,-. EinzeistUcke mit Neine» Websehlern 56 Prozent unter Preis. Fadrikteppich-Verkauf Friedrichstraße Rr. 265, Ecke gimmer. straße. Zahlungsentgegcnkomme» ohne Aufschlag.' tlfil e 1 h r. s, üj,){if. Wenig getragen« Frackonzilge, Sma- kinganzUge. EehrockanzUge. Iocketian- zUg« Rockpalelots, Cutawap-AnzUge. Taillenmäntel, fllr jede Figur passend. Spezialität: Bauchanzllge. spottbillig. Salvern. Rosenthal erstr. 4 erste Ei'ae. VatratmatratzrN. Austevematratien. Me» tallbelten, lldoiselonau«». Wolter. S'.or- aarderstraß« ach: zehn. Sveziolaeschäst.• Ankteldeschränk«. Schlafzimmer. Eiche, Englische Bettstellen 56,—. Waschtoiletten 27,—. Ausziehtische. Stähle 4,—. Kleiderschränke, Wäscheschränke 35,—. KUcheneinrichtung 45,—. Sellin, Garten. straße 26.___________________' Moebcl-Boebel, Moritzplatz. Berkauf im Fabrikgebäude. Niedrigste Preise. Eichene Echlaszimmer 495. Speisezimmer, mo- dcrncs Biifett, große Anrichte, 295. Standuhren 95. LcderftUhle 16. Schreib- tische 95. Bücherschränke 54—86. Runde Tische 45. Besichtigung erbeten._• Metallbertstellen, Matratzen, Ehaise- longues, Klavpwagrn, zurückgesetzte Ge- legenheitsware. Reiiaebauer, Ebarlotten- bürg, Kaiscr-Fricdrich-Straße 66.' Musikinstrumente Ohne Anzahlung. Pianos in großer Auswahl, neue und aebrauchte, mit Herr- lirber TonfUlle. Langsähriger Garantie- ldiein, Neine Ratenzahlung. Serer. Bruvnenstraße 191. 1 Treppe, am Rosen- thalerplatz.___• Bintpianos. auch ohne Brunnrnstraße 85, Laden. Anzahlung, verleih von hocheleganten Gesell- schafioanzUaen. Rasentdalersiraße 4 Norden 6393.' Getragene Serrengarderobe. Epe, lall- tät Bauchsiguren. spottbillig. Naß. Gor- rnnnnssraßc 25iZ6. krähe- Mulacksiraße.' Bettenverkaus! Neue 9,75! 15,—! 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Die Erhöhung ist allerdings so gering, dah die s o i s o n mäßige Erklärung zunächst noch ausreichen dürfte___ Hol Generaldiretlor Dr. Poll abgewlrlschastet? Die ordentliche Generalversammlung der AG. für Äahlenverwcrtung Essen, die bekanntlich die Zentrale der Ruhrzechen zur Durch- süyrung der Ferngaspläne ist, hat die Erhöhung ihres Aktienkapitals, die in der außerordentlichen Generalversammlung vom 25. Ro- vember bereits beschlossen war, auch sormell bestätigt. Das Kapital wird nach dem damaligen Beschluß von 0,16 um 24,84 aus 25,00 Millionen erhöht. Nach den vorliegenden Meldungen scheint die Der- mutung nicht unberechtigt, daß die bisherigen Mißerfolge des Generaldirektors Pott dessen Stellung bei den Ruhr- zechen erschüttert haben. Bei der Vorstellung des erweiterten Vorstandes, der sich aus Dr. Pott, dem bisherigen Essener Beige- ordneten Seippcl, dem Bergassessor a. D. Baum und einem Herrn Petersen zusammensetzt, wurde bemerkt, daß Herr Dr. Pott sich dankenswerterweise bereit erklärt habe, den Vorsitz des Vorstandes „bis auf w e l t e r e s" beizubehalten. Was dieses„Bis auf weiteres" bedeutet, ist aus der kurzen Meldung nicht zu ersehen. Nach dem bisherigen Verlauf der Ferngasverhandlungen mit den otädten wäre es aber nicht verwunderlich, wenn sich dahinter die Ersetzung Dr. Potts durch einen neuen Mann ankündigen würde. Großsusion von Kleinbahngesellschaften. Die beiden wichtigsten deutschen Kleinbahngesellschasten, die A.- G. für Verkehrs- wesen Berlin, die als Holdina-Gesellschast über 50 Privat- bahnen ganz oder teilweise kontrolliert, und die Allgemeine Deutsche Eisenbahn Zl.- G.- B e r l i n, die etwa ändert- halb Dutzend Privarbahncn besitzt und führt, werden zu einer Unternehmung verschmolzen. Die A.-G für Verkehrswesen, die im Ärhre 1925 9 Prozent und für 1926 10 Prozent Dividende verteilte, nimmt die Allgemeine Deutsche Eisenbahn A.-G.(nur 4% Proz. sür 1925) in sich auf. Die fusionierte Gesellschaft wird bei einem Aktienkapital von zunächst 21 Millionen Mark, das uin einige Millionen späterhin noch erhöht werden soll, den Namen Aktiengesellschaft für Verkehrswesen weiterführen. Gleichzeitig er- folgt die Umgründung der von der A.-G. sür Verkehrswesen seit langein schon beherrschten Baugeselljchast in eine A.-G. von fünf Millionen Mark. Diese Baugesellschaft übernimmt das gesamt« Baugeschäft und das gesamte Auslandsgeschäft der Firma Lenz u. C o. G. m. b. H., die der A.G. sür Verkehrswesen gehört. Da- mit wird ein sehr erheblicher Teil des deutschen Kleinbahn- w-esens in einer Hand vereinigt und die Grundlag« für dessen einheitliche Bewirtschaftung oerbessert. Soweit die Ratio- nalisierung ins Auge gefaßt ist, wird dabei allerdings ein schlechter Anfang gemacht: denn in dem neuen Aufsichtsrat der fusionierten Gesellschaft erscheinen sämtliche Aussichtsräte wieder, die den beiden Gesellschaften angehörten. Die Freude der Aufsichtsräte an Tantiemen wird, wie man sieht, auch durch den Willen zur Konzentration nicht beeinträchtigt! Zur Fusion Roggenrenlenbank— Preußische Psandbriesbank. Die Fusion der Preußischen Psandbriefbank mit der landwirtschaft- lichen Pfandbriefbank(Roggenrentenbank) ist in den beiden General- Versammlungen der Gesellschaften zum Beschluß erhoben worden. Die Gewinne, die beide Banken im Jahre 1926 erzielt haben, sind auf ungleiche Art zustande gekommen. Bei der Preußischen Pfand- briefbank durch laufende Hypotheken- und Psandbriesgefchäste, bei der Roggenrentenbank durch Essettengewinne. Zur Durchführung der Transaktion wird das Aktienkapital der Gesellschaft um 7 Millionen Mark erhöht und um weitere 7 auf insgesamt 21 Mil- lionen, um die Ausgabe weiterer Pfandbriefe zu ermöglichen. Ueber das laufende Geschäft wurde von der Verwaltung mitgeteilt, daß die Gesellschaft in den ersten zwei Monaten des laufenden Ge- schäftsjahres mehr als 30 Millionen Pfandbriefe abgesetzt Hab«: das bedeute mehr als die Hälfte dessen, was im ganzen vorigen Jahre abgesetzt wurde. Die Pfandbriefe sind von dem 7prozentigen auf den Oprozentigen Typ umgestellt: es wird eine neue Emission von 30 Millionen 6prozentigen Pfandbriefen und 20 Millionen Oprozen- tigen Kommunalobligationen herausgebracht Auf 5 Prozent herunterzugehen, wie einzelne Gesellschaften es schon tun, hält die Verwaltung für verfrüht. Der Kurs für diese Papier« wäre zu niedrig. Die Darlehnssucher verlangen eine möglichst hohe Auszahlung, während bei den Sprozentigcn Papieren nur eine 90prozentige Auszahlung erfolgen könnte. Bei XDayß u. Freytag kapilulerhähuug. Wie im Jahre 1924/23, so wird die bekannte Frankfurter Großbaufivma Wayß u. Freitag A.-G. für 1925/26«ine Dividende von 10 Proz. aus ihr Achtmillionenkapital ausschütten. Der Geschäftsgang ist bedeutend gewachsen, der Auftragseingang aus dem Jnlandc und Auslande wird als befriedigend bezeichnet. In Zusan-mcnhang mit dieser Geschästserweilerung hat die außerordchttlickke Generalversamm- lung eine Kapitalerhöhung um 4 Millionen Mark beschlossen, so daß sich das Gesanttkapital nunmehr auf 12 Millionen Mark belauft Freie Sozialistisdie Msdiule. Sonnabend, 5. März, JVs Uhr abends im Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3. Vortrag des Gen. Prof. Dr. Max Adler-Wien „Psychologische und ethische Probleme des Marxismus." Eintrittskarten zum Preise von 50 Pf. sind zu haben an der Abendkasse sowie an folgenden Stellen: Bureau des Bezirksbifdungsausschusses, Lindenstr. 3, 2, Hof, II, Zimmer s.— Buchhandlung J. H.W. Dietz, LindenstraSe 2.— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, RitterstraBe Ecke Luisenufer.— Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24-25, Gewerkschaftshaus.— Tabakvertrieb, Inselstr. 6.— Verlag des Verbandes der deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. 5.—„Werkfreude" Bücherstuben, Potsdamer Str. 104.— Berliner Gewerkschaftskommission, Engelufer 24-25(Gewerkschaftshaus), sowie in allen Vorwärts-Speditionen.— Groß-Siedlung Britz: Vorwärts-Spedition Lange Str. 58. parteinachrlchten für Groß-Serlin 249. ffiemeinbefönfe,©reifenfloaertet Str. iretj:„Der Schutz der Kinder in der Schule vor Sltern» Sinfeabaagrs für diese RndrU sind verli» SB KS. Lindeastratze 3. Net» an da, BezirBseleetartot. Ii. Hol, 2 Trep. recht»,»» richten. Arbeiterwohlsahrl-Generalversammlung ist am Sonntag, dem 20. März. Die Delegierten sind dem Sekretariat umgehend zu melden. I. Kreis Tiergarten. Freitag, 4. Marz, 7 Vi Uhr, im Arwshof, Perleberg er Str. 29, Kr«i»»ertreter»erlammluaa. Tagesordnung: 1. Be- richt des Krelsnorstandes. 2. Neuwahl des Kreisnorstandes. 3. Etel. lungnahme zu de» Anträgen und zur Neuwahl des Bezirksvorstandes. Verschiedenes. S. Kreis Wedding. Freitag, 4. März, 7 Ilhr, Sitzung de, erweiterten Kreis- Vorstandes an bekannter Stelle.— Arbeiterwohlfahrt und Kinde rfchutz: Heute, Donnerstag, Z. März, 7VH Uhr, im Ledigenheim, Echänstedtstr. 1, 1. Stock, erweiterte Krcisausschußsttzung. Vertreter aller Abteilungen, Arbeitcriugend, Iungsozialisten usw. müssen anwesend sein. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Heut«, Donnerstag. Z. März, 7 Uhr, Kommunale Konserenz im.Bezirksamt Prenzlauer Berg, Danziger Straße 64, Sitzungssaal. Tagesordnung:„Arbeiterwohlfahrt und kom- munale Wohlfahrispflege." Referent Bürgermeister Dr. Ostrowski. Erfd>einen sämtlicher Funktionäre ist dringend erwünscht. Achtung! Freitag. 4. März. 7 Uhr, im Ledigenheim Pappelallee 15, Kreisvertreterversammlung. Tagesordnung: Eefchästsbericht, Neuwahlen, Stellungnahme zum Bezirkspartettag. Um pünktliches Erscheinen wird dringend ersud>t. 5.»reis Friedrichshain. Freitag, 4. März, 714 Uhr, in Schmli Gefellschaftshans, Fruchtstr. 36«, Srrisvertreterpcrsammlnng.?aa ordnung: l. Stellungnahme zum Bezirksparteitag. 2. Slellungnah: Schmidts es- >me ung: I. Stellungnahme zum Bezirksparteitag. 2. Stellungnahnu zum Reichsparteitag. Delegierte sowie die Vertreter werden gebeten m zahlreich und pünktlich zu erscheinen. ,,| M| i 7. Kreis Iharlottenburg. Freie Schufaemeinbe: Freitag, 4. März. 714 Uhr, im Türkischen Feit, Berliner Str. 63(an der Rosinen straße, Elternabend mit auserwählten Darbietungen und Tanz. Einlaßkarten einschl. Pro» aramm 50 Pf. an der Kasse.— Arbeiterwohifahrt: Freitag, 4. März, 8 Uhr, im Jugendheim Rosine, istr. 4, Sitzung aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Genolsinnen und Genossen. 13. Krr« Tempelhof. Mariendors, Marienfelde, Lichtenrade. Am Freitag, 4. März, T,i Uhr pünktlich, bei Niendorf, Mariendors, Chausseeftr. 19, Sitzung des Krcisbildungsausschusscs. heule, Donnersiag. Z. März: 78. Bbt. Schöneberg. 8 Uhr bei König, Feurigstraße, wichtige Funktionär. sitzung. 85. Adt. Tempelhos. 6 Uhr in der Aula der 1. Volksschule, Manteuffelftr. 8, Lichtbilderr-ortrag:„Peter Stoll." Eintritt frei. Die Genossinnen und Genossen werden ausgefordert, die Veranstaltung zu besuchen.— Sonntag, 6. März, nachmittags 4 Uhr, Unterhaltungsabend im Birtenwäldchen, Manteuffelstraßc sgegenllber der Bosestraßc). Eintritt frei. Wir bitten um recht rege Beteillgung. Morgen, Freitag. 4. März: z. Abt. m Uhr bei Krüger, Engelufer 23, wichtige Funktionärsitzung. Er. scheinen unbedingt erforderlich. 6. AbL 8 Uhr von Dodrvhlaw, Swinemsinder Str. 11, müssen die Bezirks- fllhrer Flugblätter abholen. 27.«bt. 744 Uhr in der Elteruoersammlung. Bortra. W Infektionstranlhcitrn.'- Referent Dr. Ahrensbrrg. Sämtliche 5 beiräte werden dringend gebeten, bestimmt zu erscheinen. Säfte sind herz. lichst, eingeladen. 48. Abt. Achtung! Die irrtümlich sür Donnerstag bekanntgegebene Funk. tionärsitzuug findet erst am Freitag, 4. März, 8 Uht, in der Branden- burgstr. 54 statt. Sämtliche Funktionäre müssen erscheinen. 54. AbL Ehariottenburg. 8 Uhr bei Kasper, Suerickestr. 1, Funktionärsitzung. Schöneberg. 77. Abt. 8 Uhr bei Jürgens, Bardarossastr. 5a, wichtige Funktionär- sitzung.— 79. Abt. 8 Uhr im Lokal Kroß, Sedansir. 17, Funktionär. sitzung. Da eine wichtige Tagesordnung vorliegt, ist das Erscheinen aller unbedingt erforderlich. 81. Abt. Friedenau. 8 Uhr bei Klabe, Handservstr. 60—61, wichtige Funk. tionärptzung. Erscheinen unbedingt erforderlich. Neukölln. 89. Abt. 7 iß Uhr bei Krommick ffrllher Brase), Sandcrstr. 10, Bor. stands. und Funktionärsitzung.— 93. Abt. 7� Uhr bei Zimmermann, Stuttgarter Str. 41, Funktionärsitzung. Jeder Bezirk muß vertreten sein. Die Karten des Btldungsausschusses sind in der Sitzung unbedingt ab» zurechnen.— 96. AbL 7>4 Uhr bei Lohann, Wipperstr. 18—19, wichtige Funktionärsitzung.— 97. Abt 7 Uhr bei Rohr, Siegfriedstr. 28—29, wich» nge Sitzung sämtlicher Funktionäre der Abteilung. 198. Abt. Köpenick. 7-a, Uhr im S'adtiheater, Friedrichstr. 6, Mitgliederoer. fammlung. Bortrag:„Der Parteitag in Kiel. Referent Genosse Stelling, M. d. R. Stellung::vhn>e zum Bezirksparteitag und Wahl der Delegierten. Erscheinen sämtlicher Genossinnen und Genossen wird be- stimmt erwartet.... 115. Abt. Lichtenberg. Ith Uhr de! Radtkr, Mllggel-, Ecke Scharnweberstraße, Vorstands, und Funktionärsitzung. 124. Abt. Mahlsdorf. 8 Uhr im Lokal Anders. Bahnhofstraße, wichtige Funk. t'onärsitzung. Delegierte zur Krelsaeneralverfammlnng müssen erscheinen. Ausgabe der Delegiertenkarten und ssunktionärkartetL 128./139. Abt Pankow. 8 Uhr im Lokal Meehs, Berliner Straße, Ecke Linden« Promenade, Funktionärsitzung. Erscheinen sämtlicher Funktionäre unbe» dingt erforderlich, da sehr wichtige Tagesordnung. Beginn pünktlich 8 Uhr. Die Bezirksführer haben unbedingt Resultate Über die weltliche Schule mitzubringeil. � 139. Abt. Tegel. 8 Uhr im Lokal Julius Fischer, SSliepersir. 50. Funktionär. sitzung. Taqesordnungt Stellungnahme zur Maifeier. Verschiedenes. Sämtliche Funktionäre müssen unbedingt erscheinen. Abt. 124- Mahlidors-Süd. Sonnabend, 5. März, 8 Uhr, im Lokal Seidekrug, Mahlsdorf.SÜd, Köpenicker Allee 98—99, Konzertabend. Mitwirkende: Konzertvereinigung. Direktor Bochow: Gefangverein»Frei. heif Mahlsdors-Kaulsdors: Sologesang: Herr Hennemann. Eintritt 1 M. einschl. Steuer. Alle Genossinnen und Genossen sind herzlichst ein. geladen. Wir bitten, für guten Besuch Sorge zu tragen. Iungsozialisten. heule. Donnervtag. Z. März: Achtung, Arbeitsausschuß! Sitzung heute 6 Uhr Belle-Alliance-Str. 7— 10, 8 Treppen, 3dA.— Gruppe Prenzlauer Berg: 8 Uhr im Zugendheim Danziger Straße 62 Mitgliederrersammlung. Sämtliche Genossinnen und Genossen werden gebeten, bestimmt und pünktlich zu erscheinen.— Gruppe vsten: Fortsetzung unserer Arbeitsgemeinschaft im Böhmen der Arbeiter-Bildungsschule mit dem Thema„Probleme der Nachkriegswirtschaft/' Anfang 714 Uhr.— Neukölln, 1. und 2. Gruppe: 8\i Uhr in der Volksdücherei, Ganghoierstratze. Referat über „Das moderne Indien." Dr. Sturm.— Gruppe Eharlottenburgt 8 Uhr im Zugendheim Rosinen str. 4 Aussprache:„Der Weg der Jugend zur sozialistischen Idee." » Kiuderfrennde Tempelhof: Heute. Donnerstag, 8. März, 6 Uhr, in der Aula der 1. Volksschule, M-nteuffeistr-ße, Lichtbildervortrag über„Peter Stall". Frauenveranstaltungen: Heute, Donnerstag, 8. März, findet die Konsumbesichtigung ~- März, nachmittags 2 Uhr. 36. Abt. Heute, Donnerstag, 3. nicht statt, sondern erst am Dienstag, 8 isschuß der Post- und Telegraphenbeamten und Anwärter. Di angesetzte Sitzung der Arbeitsgemeinschaft findet am Freitag, 4. März, n i ch ":re Bekanntmachung erfolgt noch und bitten wir, jeden Tag de statt. Nähe'., „Vorwärts daraufhin durchzusehen. Die t den So�ialistiscke flrdeiterjugenö Groß-öerlin« Abkeilungsmikgliederversammlungen. heule. 7� Uhr: Gesundbrunnen: Schule Golh-nburger Str. 2.— Fallplatz: Schule Eber«. walder Str. 10.— Schönhauser Vorstadt: Sdiule Driesener Str. 22.— Köpe. »ickee viertel: Sd)ulc Wranaelstr. 128.— Südwest: Jugendheim Lindenstr. 8.— Friedenau: Schule Offenbacher Str. 5-.— Schöneberg III: Jugendheim Haupt- straße 15.— Lankwitz: Schule Schulstraße.— Lichtorfelbe: Lichlerselde-West, Albrechtstr. 14».— Zehlendorf: Slldschule, Wilbelmstraße.— Ziosenthal: Schule SchMerstraße.— Wittenau: Jugendheim Rosenthaler Str. 16. » Werbebezirk Neukölln: Für die Gruppen Neukölln l, IT und M bleibt am treitag, 4. März, das Zugendheim Steinmetzstr. 114 geschlossen. Aelter« rbeitsgemeinfchaft fällt bis auf weiteres aus.— Am Sonnabend, 5. März, im Jugendheim Kanner Straße Werbebezirksfunktionärsitzung. Balkan. Nordost I, Nordost IT: Morgen, Freitag, Mitgliederversammlung Danziger Str. 62«Altersheim). Werbe bezirk«renzberg: Freitag, 4. März,»48 Uhr, Mitgliederversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Jugendheim wird noch bekanntgegeben. luieseiiabsdilässe in allen Welnsorlen versetzen mich In die Lage, nach wie vor ohne Preiserhöhung zu verhauten. Im Monat März liefere ich noch: Erstklassigen herben Apfelwein Ltr. 53 Pf. Erstkl. sUOen Apfelwein, ca. 14 o/o Ltr. 75 Pf. Erstkl.sUBen Fruchtwein, Malasatyp Ltr. 84 Pf. Erstkl. sQBen 3ohannlsbeerweln. Ltr. 95 Pf. Erstkl. sQBen Kirschwein. ca. 14 0;0 Ltr, 1.10 Erstkl. sUB. Erdbeerwein, ca. 14% Ltr. 147 An feinsten Traubenweinen, echt, la Klasse Süßer griechischer Maivasler...Ltr. 1.16 Süfler roter Tarasona...... Ltr. 130 SUBer heller Griechenwein.... Ltr. 1.40 SQfier dunkler Malaga...... Ltr. 1.50 SüOer echter Insel- Samos.... Ltr. 190 SUSer Sanato(Erste Klasse)... Ltr. 1.90 SUBer feinster Oouro Portwein.. Ltr. 2.60 Feinster Wermutwein....... Ltr. 175 Meine Spirituosen an 60te feinste Klasse Feinster reiner AquavK, 35%... Ltr. 2.95 Feinster Weinbrand-Verschnitt 38% Ltr. 5.20 Feinster deutscher Weinbrand 3S% Ltr. 4.20 Alle Liköre bis 38°........ ltr. 4.45 EchL 3am.-ßum-Verschnltt 45°„.. Ltr. 4.45 (Teerum) 3am.-9um-Verschn. 550/0 Liter 5.20 Korbflaschen etc. v/erden geliehen. Ohne Kaufzwang I Koslpreben gratisl Ausschank direkt vom FaBI Rote und weiBe Flaschen-Weine xu sehr billigen Preisen I Ein Posten 1921er haut Sauternes PI. 2.25 Achten Sie genau auf die Firma: Hauptgeschäft Berlin N 31, Brunnenstr.43. Berlin N, MüllerstraBe 144 Berlin O, Petersburger Str. 60 Berlin N, ChausseestraBe 76 (an dar Pank«) Berlin O, KoppenstraBe 87 Berlin SO, Grünauer Strafie 15 Neukölln, Berliner StraBe 13 Moabit, Wilsnacker Stra3e 25 Steglitz, Scliloüstraile 121 Chariottenburg, Wilmersdorfer Str. 157 Verftand nach außerhalb In Korbflaschen von 5 Liter an unter Nachnahme ohne Preiserhöhung. mir du aideln hast mir diese Freudenstunde bereitet: da ich alle meine Wäsche unversehrt blütenrein, und herrlich duftend, wieder wegschließen kann 1 Nie wieder werde ich meine köstlichen Sachen scharfen Waschmitteln ausliefern. Sunlicht Seife löst mühelos allen Schmutz, ohne die Gewebe im geringsten anzugreifen. SlMfccI Der große Würfel 35 PI. das Doppelstück 40 PI Vonnerstag A.März 1927 Unterhaltung unfl AVissen Vellage des vorwärts Der Eselskauf. Bon B. Tranen, Tamaulipas, Mexiko. (Schluß.) Ich dacht« aber doch, daß es vielleicht bester sei, erst einmal genau festzustellen, ob Rocio nun wirklich der Besitzer sei, damit nicht vielleicht morgen ein anderer Besitzer auftauchte. Dazu aber ließ mir Rocio keine Zeit. Er wollte sofort wisten, ob ich den Esel kauf« oder nicht. Wenn nicht, dann würde er chn hier an Ort und Stelle sofort abladen und mich auch noch bei der Ortsbehörde wegen Vieh» diebstahls anzeigen. Während wir uns noch umherstritten, kam ein anderer Indianer vorbei, den ich ebenfalls kannte. Rocio fiel ihn sofort an und fragte:„Hombre, Mensch, das ist doch mein Esel hier? Ist das nicht mein rechtmäßiger Esel?" „Freilich ist das dein Esel/ sagte der Mann,„das kann ich gut beschwören." Also da waren Zeugen. Rocio war im Recht. Ich handelt«, und als es anfing, dunkel zu werden, waren wir auf drei Pesos und fünfzig Centavos herunter. Er begleitete mich zu meinem Wohnbereich, wo er das Geld in Empfang nahm und dann mit seinem Zeugen abwanderte, immerwährend beteuernd und lamen- tierend, daß ich ihn schmählich bei dem Kauf über das Ohr gehauen hätte, der Esel sei zehnmal mehr wert, aber gegen die schlauen Weißey könne sich so ein armer unwissender Indianer nicht ver- leidigen. Es vergingen wieder mehrere Tage, und als ich an einem Sonntagnachmittag an dem Rathause meines Dorfes, das gleichzeitig als Gefängnis und Wohnung des Bürgermeisters dient, vorüber- kam, saß der Bürgermeister, gleichfalls ein Indianer, vor dem Haupt- eingang des Amtsgebäudes. Er rief mich an und bat mich, einen Augenblick näherzutreten. Er bot mir«inen wackligen Korbstuhl an und erzählte mir einige Sachen aus seiner Familie. Dann als ich endlich gehen wollte, sagte er:„Wie ist das eigentlich mit dem Esel?" „Mit welchem Esel?" fragte ich. „Mit dem Gemeindeesel, den Sie da in Ihrem Hofe haben und den Sie reiten und arbeiten lassen." „Das ist mein Esel. Den habe ich gekauft," sagte ich nun protestierend. Der Bürgermeister lachte und antwortete:„Den Esel kann Ihnen niemand verkaufen. Das ist der Gemeindeesel. Wenn Ihnen jemand den Esel verkaufen kann, so bin das nur ich allein." Ich begann zu erstarren. Aber der Bürgermeister machte sich nichts daraus. Er sagte:„Der Felipe und der Rocio, dos sind die größten und die gemeinsten Spitzbuben und Banditen. Ich warte nur, bis die Soldaten von der Behörde demnächst wieder hier vorbei- kommen. Dann lasse ich die beiden aber gleich verhaften, und da werde ich schon dafür sorgen, daß sie sofort erschossen werden. Solch ein Gesindel habe ich hier im Dorfe." „Aber Rocio brachte einen Zeugen, der beschwören konnte, daß der Esel' dem Rocio gehörte," verteidigte ich mich. „Das war der Eapillo," sagte der Bürgermeister.„Das ist der allergefährlichsts Bandit. Der hat Stacheldraht gestohlen. Den lasse ich auch erschießen. Gleich zuerst. Ich warte nur auf die Soldaten. Wie können denn diese Mörder und Hausanzünder den Gemeindeefel an Sie verkaufen! Ich habe doch gedacht, daß Sie als ein weißer Mann etwas Nüger sein könnten. Gemeindeesel dürfen gar nicht oerkauft werden. Aber ich will Ihnen etwas sagen, Scfivr. Sie haben den Esel gern, das weiß ich. Und wir haben keinen einzigen Centavo in der Gemeindetass«. Und da darf ich Ihnen schon den Esel verkaufen, damit wir etwas Geld in die Gemeinde- lasse bekommen. Ich will Ihnen den Esel, der ganz gut zweimal zwanzig Pesos wert ist, für zehn Pesos verkaufen, weil Sie schon diesen Halunken so viel Geld gegeben haben." Schließlich einigten wir uns auf vier Pesos. Ich bezahlte das Geld und war nun endlich rechtmäßiger Besitzer des Esels. Für das Geld, das ich nun ausgegeben hatte, würde ich auch einen guten und schönen Esel irgendwo bekommen haben. Bon den beiden Halunken war natürlich nichts wiederzukriegen. Dann kam Segora Rodriguez, eine ältere Frau, Halbblut. wieder heim ins Dorf. Sie war mehrere Wochen in Saltillo zum Besuch ihrer verheirateten Tochter gewesen. Im Dorfe besaß sie einen kleinen Gasthof, in dem vorbeiziehende Karawanentreiber zu übernachten pflegten. Sie war keine zwei Stunden anwesend, da kam sie vor meine Hütte gerast wie eine Wahnsinnige. Am Stachel- drahtzaun stand sie und schrie:„Kommen Sie sofort einmal heraus, Seflor, ich habe ernsthaft mit Ihnen zu sprechen." Ich hielt es nach kurzer Ueberlegung für gut, sofort zu erscheinen. Ohne„Guten Tag" zu sagen, schrie sie:„Wo ist mein Esel? Sofort meinen Esel her, oder ich schicke gleich zur Behörde, damit die Soldaten kommen. Sie haben mir meinen Esel gestohlen." „Das ist der Gemeindeesel, den hat mir der Bürgermeister des Dorfes verkauft," sagte Ich. „Der Spitzbube, der infame, wie kann Ihnen denn der Kinder- mörder und Holzräuber meinen Esel verkaufen! Sofort will ich meinen Esel." Was soll man gegen eine halbwahnsinnige Frau machen? Ich gab ihr den Esel. Sie nahm ihn in Empfang, schrie noch einmal: „Eine solche Unverschämtheit!" Und dann gab sie dem Esel einen Tritt und ließ ihn seiner Wege ins Freie ziehen. Sie hatte keine Verwendung für den Esel und gebrauchte ihn nie. Ich wollte wenigstens das retten, was ich schon gezahlt hatte, und fragte zaghaft, ob sie mir den Esel nicht verkaufen wolle: denn sie war der rechtmäßige Besitzer. So konnte nur der auftreten, der zweifelsohne im Recht war. „Einem solchen Viehräuber, wie Sie einer sind, verkauf« ich rn einen Esel nicht einmal für tausend Pesos. Spitzbubengesindel, Ihr!" Und fort war sie. Ich trabte zum Rathause und traf den Bürgermeister auch an. Er wußte schon, was los war. Das geht schneller als mit Telephon. „Das ist. glaube ich, richtig," sagte der Mann,„der Esel gehört der Sefivra Rodriguez. Aber sie war ja nicht hier. Sie war ja verreist. Und dann war das doch der Gemeindeesel, weil sie ja nicht hier war." „So genau kenne ich Ihre Spezialgesetze nicht," erwiderte ich. „Aber ich möchte doch meine vier Pesos wiederhaben, die in der Gemcindekasse sind." „Die stehen Ihnen nun auch rechtmäßig zn," sagte darauf der Bürgermeister.„Aber die vier Pesos sind nicht mehr drin in der Gemsindekasse. Ich habe sie ausgegeben. Für Gemeindezwecke." Gemeindezwecke? Ich hatte nichts davon gesehen, daß«ine Straße geebnet oder«ine Brücke gebaut oder sonst etwas getan worden war, seit ich das Geld in die Gemeindekasse gezahlt hatte. Der Bürgermeister aber ersparte mir das Raten und sagte un- schuldig:„Ich brauchte ein neues Hemd, sehen Sie, Seflor, und ein Stück Leder für meine Sandalen." Dagegen ließ sich nichts sagen. Da er der Bürgermeister war, so waren das in der Tat Gememdezwecke, für die er das Geld ver- ausgabt hatte, denn ein Bürgermeister muß doch schließlich ein Hemd und ein paar Sandalen haben. Die Erklärung öer Konservativen. Es schmekkerk lauf das Bombardon Sein Kaiserlied im allen Ton: hingegen Keudells Melodei Xut sanft entgleitet der Schalmei. Es kann auch sein, dafj et sich ziert Und gar nicht spielt und nur markiert. weil doch, nicht wahr, im Endeffekt Sich eines mit dem andern deckt! Der proöitttenhänöler Richard vize. Novelle von Alexander Merly. In seinem Keller herrscht moderndes Dämmer, das nur durch eine kleine, grüne elektrische Lampe freundlicher wird. Der Händler sitzt apathisch in einem verschlissenen Rohrstuhl und starrt unentwegt auf eine Glaskugel, in der um eine tanzende Galatee mechanisch ein Tanz kleiner Wassertröpfchen wirbelt. Die einzige Bewegung, die den Händler nach großen Zeiträumen lebendig erscheinen läßt, ist ein longsames Greisen seiner rechten Hand in die dunkelblonden, fettigen Haare. Wenn er so dasitzt und die Kugel fixiert, hat er, durch den über ihm hängenden flachen Lampenschirm, das Aussehen eines allen, knochigen Chinesen. Die gefährliche Stille unterbricht ein kleines Mädchen mit stockendem Trippelschritt. Hinter der letzten Stufe des Kellers stehen- geblieben, flüstert sie leis ihren„Guten.Tag"-Gruß und hält zitternd das Bündel mit Leinenflicken in beiden Armen. Die Aengstlichkeit des Mädchens hat Grund: denn oftmals hatte R. Vize die Kinder mit einer pjeifenden Rute wieder zur Straße hinausgejagt. Der Händler hörte das Kinderstimmchen nicht...; weiter hing er an seinen dunklen Gedanken. Richard Dize hält man in seinem spärlichen Bekanntenkreis für geistesgestört— oftmals zieht er saubere Kleidung an und ver- schwindet für Wochen: bis er plötzlich wieder im Keller brütet und leinen armen Kunden für vielerlei alte Stoffabfälle und Bodenge- rümpel die feststehenden Preise auszahlt. Auch schließt er sich ein, führt unflätige Reden und wirft mit alten Büchern um sich. So wird geurteilt. Der Händler wird jetzt beweglicher. Mit den Oberschenkeln schiebt er den Stuhl zurück, greift die Glaskugel und wirft sie mit entsetzlichem Fluchen an die Wand. Die junge magere Katze, die in der Ecke vordem schnurrte, stob schnell mit zusammengekniffenen Augen in eine andere. Das Kind, das immer noch wartend an der Treppe steht, eilt jetzt hinauf, steht noch einen Augenblick in dem sonnigen Tag still und geht an spielenden Knaben vorbei in die Nebenstraße. Der Sonne öffnen hier alle Menschen die Fenster. Nur durch die halb mit Pappe geflickten, verblindeten Fenster des Pro- duktenkellers dringt nicht das helle Tageslicht. Bon hier, etwa eine Viertelstunde entfernt, wohnt der Student Remirg. Eine Straße, die in voller Häßlichkeit, mit hohen ver- dunsteten Häusern kein freundliches Bild gibt. Aber Leben flutet hier. Nicht umsonst wird sie die kinderreichste Straße genannt. Schulkinder spielen, kleinere sitzen in der Gasse und die älteren hocken mit ihren Büchern auf Keller und Ladcntreppe. Manchmal fährt ein Auto hindurch; so daß die Kinder im Spiel und Lesen innehalten, um dem davonjagenden Wagen mit großen Augen m folgen. Den Fahrweg beleben viele, emsig pickende Tauben. Zwischen diesen Menschen und Getier wohnt der Student Remirg. Das schlecht möblierte Zimmer, in dem das Fenster zum Hofe hinausführt, kennt er fast vier Jahre. Remirg ist ein fanatisch, schon etwas schmal aussehender Mensch. Ueber die Bücher gebeugt seufzt er zum Fenster hinaus:„Ich will nicht mehr hungern, die kommenden zwei Endwochentage wenigstens nicht! Die ganzen Schwarten werde ich verkaufen. Es ist noch der einzige Nutzen, den mir die Bücher bringen.— Die notwendigsten Schriften nur be- halten.— Bei dieser Misere in Geldangelegenheiten tausche ich— geistige Nahrung mit leiblicher." Seine Worte zum Fenster hinaus- gesprochen, lassen ein leises Echo wahrnehmen, dem ein« fühlbare Stille folgt. Herz und Gemüt hält dieser Druck unheimlicher Leere gefangen. Da hilft ein kleiner Vogel Irgendwo singt das Tier. Das Fenster steht weit offen. Remirq dehnt seine enge Brust mit ausgebreiteten Armen... Vom Nagel holt er die Kops- bcdeckung, nimmt aus der einen Kiste viele Bücher und legt diele zu den anderen auf den Tisch.„So!" Mit dem Ausruf schnürt er die Bücher und geht. Richard Vize muß unruhig oder freudig erregt sein. Mit Schaukelschritt läuft er immer zur Treppe und zurück zum Tisch. Die zerbrochene Glaskugel ist durch eine neue ersetzt. Dasselbe mechanische Spiel zeigt sie im Innern. Um eine tanzende Meer- jungfrau wirbeln kleine Wassertropfen. Der Händler lacht sogar: zynisches Lachen, mit den, er den Studenten begrüßt.— R. Vize bezahlt die ihm dargebotenen Bücher mit der Miene eines Sünders, der Geld zu schade findet, um solche Werte zu erwerben. Die Bücher fliegen darauf in die Kiste neben dem Lumpenhaufen.— Der Händler schüttelt sein Geld in der Tasche, wonach er seinen Gang durch den Keller wieder beginnt. An der Tischlampe macht er halt und stößt sie durch die Luft. Die ivan- dernden Lichtreflexe werfen ihren Blick auf oll die Dinge, ver- zittern an den Wänden und fallen auf die alte Stelle. Nun geht der Händler zur Bücherkiste. Nach kurzem Suchen hält er in der Hand ein dünnes Buch: auf seinem schwarzen Leinenband sseht in blutender Farbe:„Gedichte" Der Produktenhändler scheint sich an etwas zu erinnern. In der dunklen Ecke schlägt er das Buch auf: geht aber doch zum Licht und setzt sich unter die Lampe... Als alter, knochiger Chinese erscheint er wieder. Die fleischlosen Hände halten die Seite der ersten wenigen Worte: „Die Zähne und die Faust gezeigt! Für diese Welt ist kaum genug"— Da fällt er mit Schluchzen aus den Tisch... Müde geht er hinaus-- Kurze Zeit darauf tritt er mit einer Flasche Wein vor den Tisch und spricht zur Katze:„Katerchen, das ist selten, die Eni- deckung des Buches wie das Trinken von Wein!" Dabei fiel sein Blick aus die an der oberen Tischkante stehende Branntwein- flasche... Einige Brotkrumen knipsten seine Finger vom Tisch, wonach er sich setzt und in dem Buch liest.— Draußen oerschwimmt in der Wolkenwatte rote Abendsonne. — Der letzte Ausklang der Macht, die das Licht am Tage ausübt. Sieht man genau hin, dann blinkert am Himmel ein Sternchen. Während im Westen, hinter der Stadt, der letzte Lichtschein verlischt, erlebt in einem stickigen, nässenden Keller der Produkten- Händler R. Vize seine Jugend: Träume, Taten, Enttäuschungen. Der Verfasser des Buches ist er selbst. Der Zufall hat ihm, dem Altwarenaufkäufer, sein mit dem frischen Mut der Jugend geschriebenes Werk in die Hand gegeben.... Die letzte Seite schlägt er um und füllt zugleich das Glas mit dem Rest südlän- bischen Rotweines.... Völlig nüchtern, ohne Geistesaffektlonen, spricht er zur Glaskugel, die die wirbelnden Wossertröpfchen zeigt: „So war ich! Jetzt bin ich vom jugendlichen Stürmer zum alten, stechen und verlassenen„Verlierer" geworden I" Seine Augen kosen schnippisch die kleine tanzende Meerjungfrau.... „Die Krankheit! Rur diese Krankheit— die Seuche aller Völker hat mich vergiftet! Hat alle Kraft zum Kampf frühzeitig in mir gebrochen.„SyphllisI" Nach diesen Worten wird alles still. Der Produktenhändler Richard Vize liegt mit seinem Ober- körper auf dem Tisch.... Sei Hirten in öer Herzegowina. Von Volkmar Jro. Bon Ljubinje, einem armen Dorf tief in der Herzegowina, auf die Sitnica planina. Vier Stunden mühsamer Aufstieg bei glühendster Hitze, keine Quell«, kein Haus, kein Mensch, kein Baum, nur rings die endlose, weiße Steinwüste des Karsts, darüber die klarst«, zitternde Luft. Zwischen Felswänden, trockenen Wasserrinnen, Geröll und gigantischen Zteinblöcken windet sich der schmale Pfad empor. Unser Führer, der schlanke, schwarzbraune Dusan, klettert mit seinem Sack voll Maiskolben wie eine Gemse voran und schlägt lachend mit dem Stocke nach den Vipern, die träge auf den heißen Steinen liegen. Der Blick weitet sich— wir sind jetzt vierzehnhundert Meter über dem Meer«. Bis zum Horizont ragen die rosigen Felszacken der herzegowinischen Alpen über den dürftigen Almmatten, im Osten wild zerfurcht die schwarzen Berge Montenegros, dahinter die hellen, schneebedeckten Grate der albanischen Alpen: Soweit das Auge reich, schimmern kahl« Steinplateaus und weiße Felsen, keine Wälder, tief in den Tälern winzige.grüne Matten. Nur der strahlend blaue Himmel verklärt diese Oede zur Schönheit. Lanzsam tauchen die Gipfel in tiefes Rot und versinken in sanftem Lila. Ein mariner Wind weht vom Meere herüber, das wie ein schmaler Silberstreif glänzt. Die jauchzend« Farbensinfonie des Himmels verklingt in einem zarten Mollakkord in Grau. Dann wandern wir in der blauesten Nach hen letzten Hang hinauf, der Mond hängt wie ein gelber Ball über den Bergen, ferne blöken Schafe. Oben schimmert Lich aus der Tür« einer kleinen Steinhütte, die sich vor den winterlichen Borastürmen an die Felsen duckt. Ein alter, hagerer Hirte tritt heraus und ruft uns entgegen, die Arm« schräg zum Gruße hochgehoben. Dann weist er uns mit der Geste eines Herrn in die schwarzverräucherte Hütte. Einige Töpfe, ein Kupfer- kessel für die Schafmilch, Kafteeschälchn, ein« Pfanne und zwei grobe Mäntel an der Wand bilden das ganz« Inventar. Diese Armut hat in ihrer köstlichen, durch Jahrhunderte geweihten Selbstverständlich- keit etwas Homerisches. Und während jetzt in Abbazia und Loorana bei Jazz zum Charleston tobt, sitzen wir hier auf Steinen um das kleine Feuer, das aus trockenen Maiskolben und wenigen Holz- stücken flackert: DuZan dreht die alte, türkische Kafseemühle, sein Bruder bringt einen mit Schnee gefüllten Topf— Wasser gibt es stundeklweii keinen Tropfen, nur harten Schnee in den tiefen Karst- löchern— der alte Hirte kniet vor der Feuergrube und bläst in die Flammen. Bald ist der enge Raum von dem Duft des starken Kaffees erfüllt, der hier herrlicher mundet als der beste„Türkische" in der vornehmsten Bar. Wir werden mit Schafmilch und Schaf- käse bewirtet, nach dem Mahl wird noch ein Schluck des starken Zwetschkenschnapses angeboten, dann drehen wir aus dem bosnischen Tabak Zigaretten und sehen zu, wie das Feuer langsam verglimmt. Dusan und sein Bruder beginnen zu singen. Es ist eines jener ur- alten, schwermütigen Lieder, das in dieser Stil!« beim sterbenden Feuer noch trauriger und sehnsüchtiger wirkt. Sie singen langsam mit schönen, dunkel verschleierten Stimmen.-- Ich taste mich nach der Türe, trete fast geblendet in die zauber- hafte Helligkeit der Mondnacht. Lichtüberflutct schimmern die end- losen weißen Hochflächen, die Felszacken der herzegowinischen Alpen ragen leuchtend in die weiße Nacht. Weit draußen der Silberstreif der Adria. Di« Herde liegt dichtgedrängt auf den Felsen um die Hütt«. Einig« Lämmer stehen unruhig und blöken. In der Hütte verstummt der Gesang. Dann ruft Dusan zum Nachtlager, wir wickeln uns in Decken und vergraben uns in dem frischen Bergheu. Durch die breiten Fugen der Hütte singt der Nachtwind sein Schlummerlied. Hesthästllches. Die Enlstehung der Nähmaschine. j» einem von der Deutschen Lichtbildstelle für Unterricht her. gestellten Lehrfilm konnte man in der Urania. Taubenstraß« 48, den Werdegang der Singer- Nähmaschine, angefangen von der Gewinnung des Rohmaterials, bis?,um wohlverpackten, versand- fertigen Stück, sehen. Die zahlreichen, verschiedenen Fabrikations- Phasen mit den dazu verwandten Maschinen, in denen jeder kleinste, noch so unscheinbar wirkende BestandWl der NSHmafchine seinen oft ganz komplizierten cherstellungsprozeh durchzumachen hat, boten sehr viel Interessantes. Mit ungemein minutiöser Exaktheit müssen die einzelnen Teile immer wieder gemessen werden, und der Ar- beiter muß hier, gleich dem Uhrmacher, mit aller erdenklichen Sorg- sali und Geschicklichkeit das Räderwerk zusammensetzen. Die zur Nühmaschinenfabrikation verwandten Materialien sind Gußeisen. Stuhl und Holz, und der Film veranschaulichte in genauen, klaren Bildern die Verwendung und Verarbeitung der einzelnen Rohstoffe, die durch verschiedenartigste Präparierung eigentlich so gut wie nichts van ihrem ursprünglichen Aussehen beibehakien. Sehr inte« essant ist das Gießen der einzelnen Eisenbestandteile, wobei die Gußsormen aus Sand gepreßt und die fertigen Gußteile dann in großen Trommeln wieder vom Sand befreit werden, die Tätigkeit der Bohrlochmaschine, die sieben Schraubenlöcher zugleich herstellt, das Nickelbad, die Lackierverrichtungen durch Bäder und durch Spritzmaschinen, und vieles andere. Die Aufnahmen sind in der Singec-A.-G. in Wittenberge hergestellt und geben ein wirklich sehenswertes Bild vom Entstehen der.deutschen Näh- mamseir. Poslsckucklonto.... flaffatonto..... Inventar onto.... Grund- u. Gediiudekont» Mateiialien bestand.. Knvolhekendarlehen.. Antctle...... Darlehen...... Silanj per 31. Dezember 1020. SRrn. 7 448,49 Per Geschiiltsanteile Gemelrnülzlrc SledliinjcsgenoeseRsclia't«. O. m. b. H. „Lichtenberger Gartenheim" Evtl——----- Sn BanUonto 20,38 , 481,90 , 615,31 , 33 441,90 , 2 013,02 , 6 000,— , 4000,— 200,— Haben ... Rm. 23 121,— Reservefonds.... 1 10O,— Hypothelendarlehen., 30 000,- Rm. 54 221,— Rm 54 221- *n Verlust sMaIertalien>. Rm 1,18 . Perwaltungsuntosten., 2 429,55 . Drucksachen...... 68,50 . Wirtschastskonto.... 187,92 . Reservefonds..... 500,— » Abschreibung(Invenlar). 54,44 »- und verluftrechnung. Per Saldovortrag. . Umlage u. a.. . Druck achcn.. „ Stufen.... „ Materialverbleib „ Wirtschastskonto Rm 3 191,59 . Rm. 233 .. 141331 , 160,89 . 1147.45 ,, 342,29 . 125,- Rm 3 191,59 Berlin-Lichtenberg, den 31. Dezember 1926. Der Ausfichtsrat: Oer Vorstand: gez. Friedrich Graf. gez. Wilhelm»ierschner. gez Änlon Knieriemen. R e v i d i e r t den 28. 1 1927. gez K a r l G e d e r t gez. Wilhelm Weber Alltgllederbewegnag: Bestand am 1. 1. 1926-- 656 Mitglieder. Eingetreten 31 Ausgeschieden 687 Mitglieder. >? Bestand am 31. 12. 26-- 670 Mitglieder. Die Haftsumme beträgt bei 670 Mitgliedern....." Rra. 35 700,— Staats-Theater Opernhaus «.Platz d.Republ. 7»/, Uhr: Rlgoletto Schauspielhaus 8 Uhr: Doppel* Selbstmord Schiller- Theater 8. Wallensteins Tod. MM Opn Charlotlenburg 6 Uhr: DleMeistersinger iod Niirnbeig Abonn.-Turnus III. Seotsdiet Theater Norden 10334— 37 8 Uhr Reinhardt v.Gneisonsu von Wolfgang Goeiz Regie: Heinz Hilpert Monlaz, den /. eneiscnan Sonst täglich Bonaparle Katnmerspiele Norden 10334—37 8 Uhr Die Gefangene von Bourdet bqic: Max Reinhardt Rose-Theater 8V4 Uhr: Bas MädOien von der Landstiasse Die Komödie HsmarCK 2414. 7515 8'/- Uhr: Die Perle von Tristan ilernard legi«: sanier Urrinigt Morgen, Sannabend und Sonntag: Naclil Vorstellung 11 Uhr: Basdi ein Hlnd Preise 3 und 5 Mark itmants-Maee Th, König Tätr St. Hasenheide 2110 8 UM: Die treue Nymphe Elissbcth Hergner liomOclitnliflus Norden 6304 8 Uhr: Dovn- Calais iladerti, f.TMüsm. eriosmltn. rnono'j-Theater S'.jUhr; Hhsteigoniiartier ciilritt JugeadlidiBiftrbottt Kaller- Jleuue Toeater im Admiralspalast Täglich?>/, Uhr An u. aus ISmutigsnnitllcnjto1) Ct 3 u. 8'.Uhr:& Nachm. die ganze Vorstellung zu halben Preiser: 1_* CASINO-THEATERs Uhr Das erste Vslksstick in dieser Spielzeit Familie Habenichts I ÜDSSdineiüeil Gutschein 1— 4 Fers. Fauteuil nur 1 Mk.. Sessel 1,50 Mk. | Komische Operf Allabendlich SV« Uhr: fiinden der"Welt Die weltstädtische I James- Klein- Revue W 250 Mitwirkende/ Thcaterk.Hs ab 10 Uhr ununterbr. geöffnet.■ Wallner- Theater 8 1. Der Schlager 8V4 Das blonde Wunder! Erik Charell bringt im Grossen Schauspielhaus tägl. 8 Uhr. bonntag nachm. 3 Uhr ungekürzt zu oim. Fr isen tißa ginsirimtfrsU von Bernauer und Schanxer. Musik Walter Kollo AllredSranii/ Camilla Spira Uenera, Dsbischiniki. Held. Plessow, Slnrar-rretv Uuiifrr, Wilhelm Brnslavr, Pam Wr.tcrmt-Ier, Ddblin.». Ledebur. Pittschau, v. Wolowsky u. a. San Parken luxorcliwlgr. Hew-Totk Dar Reinertrag wird der Funastunde Ä.-G. tdr„aflnstler in Not" aug; führt. ReichshalleicThealer Abends 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Eis wundervollt Min Prnsram I Hadimittais: halbe Frei», Volles Prooranini! uönhoff.Breti'l lorlete, Konzert, Tanz EISENSTEIN (5'em9?egisseiir fc�nzerfcreuzeis 'POTEMKJN' 6, 8,10 UHR lilluburg-Slm« Ots Künstler Th Ridurd Tnbcr, RitiCtni 8 der Zarewitscn Lesslng-Theater 8 U.: Der Patriot Veqtner, Kortur !••••••••# Lustspielhaus 8'/. Uhr: JHurra-BinJnnge]| »«««SSSSG netropoi- Thea!. Täglich 8 Uhr: ZirkDipriozeHiD ThaUa.Theater 8 Uhr: Dtr mutig« Seefahrer Nollendorf 7360 8 Uhr: und die übrigen Sensationen I »PS- (Europahaus) Am Anhalter Bahnhof Vorverkauf 12-2 Uhr T'AGLICH £15 yis 015 Die Volksbühne Tlualn zm Büiowolal! Täglich 8 Uhr; Traumspiei Morgen 4 Uhr; Volponc Iii.;m Sdiifft)3üitdaijmi 8 Uhr: Das Erabmal (!es ontckanntsn Soldaten. s C A P I TO L i Wo gehörst Du hin? Nur in das Berliner Gewerkschaftshaus SO 16 Engelufer 24-25 im Hauptrestaurant Täglich Künstlerkonzert/ Großer Mittagstisch Reichhaltige Abendkarte zu zivilen Preisen Stehbierhalle/ Frühstücksstube Eigene Schlächterei und Wurstfabrik/ Jeden Donnerstag frische Blut- und Leberwurst/ Wurstverkauf auch außer dem Hause zu billigsten Preisen Säle für alle Veranstaltungen zu kulanten Bedingungen i"; MÜMWBBH Nach dem Roman von Maxim Gorki Wuihatia'Tueu. ■VeinkBeswsj TIsl. 8", Es war einmal In Heldelberg; mit d. Schlagerlied ich hab'meinnerz in Heidelbere ver.oren Vorzeig. SO'/oErmäß KäteScnmidt-Samst Oaston Briese Zentral- Thealer Täglich 8 Uhr: Der blonde Zigroner .M!lt! TOI kiitin Kr.ogl. Sin.i. Bnit. Uiliat; S. Wiiteihn, Alfirmaon, Eleie. ülilitdi.'diwan. Wilfii. Miau ■ WosiieuimaBi Sai n.bUüit? 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