�benSausgabe Nr. 107 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 53 S»«junrtrtln(mw« und«nwfBtnKwtti Und in dtt M°rg«n<>u»lKlI>«-ngea-b-n Redoffioa;»w. 68. Cinbenffrab«* 3«rnfpred)et> Vönho» 292- 202 2»I.-»»r»fle:>0)lal»cne(ra( Brtlia VolkSblÄkk Verlinev Zcntralorgan der Sozialdem okrat» fchen parte! Deutfchlands (lO PfennSa) Freitag 4. März 1927 «erloz und»nzeizenudteilu»«: Gelchäftszett dt» i Uhr Verleger: vorwärts. Verlag GmbH. Berlin Sw 68. Clnttenflcobc S Zernsprecher, VSnhoff 262-202 Putschi/kenplane vor Gericht. Prozetz Sodenftern�Mahraun.- Die Widerklage Mahrauns zugelasie«. Der Prozetz bis nach Ostern vertagt. vor dem Schöffengericht Vertin-Mitt« stand heut« unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrat Luchert die Beleidigungsklage des Re- dakteurs der„Deutschen Zeitung' v. Soden st ern gegen den Hoch- mcister des Iungdeutschen Orden, M a h r a u n, und den Redakteur de» Iungdeutschen', P a st e n a c c i, zur Verhandlung. Anlast zur Beleidigungsklage gaben zwei Artikel im„Jung- deutschen' vom vorigen Jahr«. Im ersten Artikel war der Inhalt einer Red« wiedergegeben, die angeblich v. E o d e n st« r n in einer Führeraussproch« der nationalen verbände gehalten haben sollte. U. 6. hiest es da: „Ich spreche hier nur als Sprachorgan und als aueführendes Organ meines Chess, des Kapitän Ehrhardt. Meiner Meinung nach ist ein Putsch, der von nationaler Seit« veranlaßt wird, solange von vornherein zum Scheitern verurteilt, solange nicht«in Kommunistenputsch vorhergeht. Sollt« dieser von uns erwähnt« Kommunistenputsch nicht von selbst kommen, dann muß er eben provoziert werden, dann müssen die grosten Industriellen Berlins wie vorsig, Siemens, Schwartzkopff, Knorr« bremse, und sonstige Unternehmer, die der Deutschen Industriellen. Vereinigung angeschlossen sind, nochmals gröster« Arbeiter- Massen auf die Straß« werfen. In demselben Augen. blick, wenn kommunistische Unruhen einsetzen, wird dag Wacht- regiment der Reichswehr aus Berlin herausgezogen und nach Döberitz verlegt. Berlin ist schutzlos, da wenigstens 50 Prozent der grünen Polizei nicht ganz sicher find. Der Wiking wird e r st dann sein« Hilfe zur Niederschlagung des Komiyunistenputsches zur versügung stellen, wenn von Regierungsseit« aus den Re- g ierungsverbänden Garantien gegeben werden, in der Richtung, daß ganz« Arbeit geleistet wird. d. Zerschlagung des Parlamentarismus, Absetzung nicht nationaler Oberpräsidenten und Landräte usw. Im zweiten Artikel hiest es unter anderem:„Wir wissen auch wie Herr v. Sodenstern bei«ngehörigen de» Iungdeutschen Ordens gewühlt und gearbeitet hat.' Im Hintergrunde des Prozesses stehen die viklakurpläne der Deute um ttlab vom Frühling 1S2S. Die Leute um den Iustnrat Elast und leitende Männer der west- falischen und rheinischen Industriegebiete versuchten damals auch aus den Reichspräsidenten Hindenburg in diesem Sinne einzu- wirken. Ihre Abficht ging dahin, den Reichstag zum Teufel zu i«-cn und eine Diktatur zu errichten. Es wurden auch bestimmte Namen genannt, so die des Lübecker Bürgermeisters N e u m a n n. de» Generals Moehl und Freiherr v. Lüninck. Parallel mit diesen Bestrebungen gingen andere monarchistische Bestrebungen von Herrn v. Berg aus. Dieses Treiben wurde nun dem Hochmeister des Iungdeutschen Orden» zuviel. Er rückte von den Machen- schaften ab. Di« Folge war ein Kesseltreiben gegen ihn. man wollt« unter allen Umständen ihn seiner Fllhrerrolle als Hochmeister des Jundeütschen Ordens berauben. Der Kläger Sodenstern wird von Rechtsanwalt Bloch ver- treten, die Angeklagten Mahraun und Pastenacci von den Rechts- onwülten Kunst und R ü b« l l. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Mahraun den InHall des ihm zur Lost gelegten Artikels in Nr. 29 des„Iungdeutschen' aus- rechterhalte, erklärte dieser, dast er das tun müsse, da sein Gewährsmann Käs«Hagel noch etwa vor 14 Tagen ihm gegen- über die Richtigkeit der dort aufgestellten Behauptungen bestätigt habe. Der Zeuge Käsehage! ist übrigens heut« nicht erschienen. Rechtsanwalt Bloch richtet daraus an den Angeklagten Mah- raun die Frage, ob es ihm bekannt sei. dost K ä s e h a g« l vor dem Staatsgerichtshof zweimal erklärt habe, daß er für den Inhalt des Artikels nicht mehr stehe. Mahraun er» klärt darauf, daß ihm dos nicht bekannt sei. Auf die Frage der Verteidigung, worin Herr Sodenstern eigentlich die Beleidigung er- blicke, erklärt Rechtsanwalt Bloch, daß die Behauptung, Sodenstern habe sich für die Provozierung eines Kommunistenpütsches zwecks Zerschlagung des Parlamentarismus ausgesprochen, eine Belcidi- gung enthalte. In Wirklichkeit habe o. Soden st ern direkt das Gegenteil geäußert. Er habe bei einer an- deren Gelegenheit gesagt, dast, wenn die Arbeiter mal auf die Straste hinausgegangen sein werden, es schwer fallen würde. sie wieder in die Betriede zurückzubringen. Darauf stellt die Verteidigung aus dem Schriftsatz des '-ft. Klägers fi dast Sodenstern wie die vom Angeklagten'behauptete aus einer Versammlung "Jiting gemacht zu haben. bst zugegeben habe, etne ähnliche Aeusterung de, Ferner stellt die Verteidigung fest, daß Sodenstern in seiner Zei- tung geschrieben habe, daß bei der heutigen wirtschaftlichen Lage ein Kommunistenputsch unbedingt zu erwarten sei und dost die nationalen verbände sich für diesen Augenblick bereit- halten müssen. Dieser Standpunkt decke sich im großen und ganzen mit dem Inhalt des im..Iungdeutschen' wiedergeaebenen Protokolls. Der Angeklagt« Mahraun sehe sich veranlaßt, eine Widerklage einzureichen, da er sortgesetzt von der„Deutschen Zeitung' in der unerhörtesten Weis« beleidigt worden sei. Die Ver- teidigung seh« sich veranlaßt, ein« große Anzahl von Zeugen zu laden. Der Angeklagte Mahraun erklärt selbst dazu, dast die „Deutsche Zeitung' mit ihren sortgesetzten Beleidigungen die Ab- ficht verfolgt habe, ihn in den Augen der deutschen Oeffentlichkeit herabzusetzen und ihn als Hochmeister de, Iungdeutschen Ordens unmöglich zu machen. Er sei aus der damaligen politischen Lage heraus gezwungen gewesen, dos Protokoll von der Sodenfternschen Red« zu oeröffentlichen, da ihm der Vorwurf gemocht worden war. dast er die Verbindung der Reichswehr mll den vaterländischen Ver. bänden aufgedeckt habe. Es müßten daher eine Reihe von Zeugen geladen werden, die die damalige politisch« Situation zu beleuchten imstande wären. Der Angeklagte Pastenacci erklärt seinerseits, daß er die verantwortliche Redaktion für den politischen Teil zwar nicht trag«, daß er jedoch als Hauptschriftleiter die Verantwortung zu übernehmen berell sei. Die Verteidigung beantragt Landtagsabgeordneten Heil» mann, Major S a l z in a n n, Freiherrn v. L u n i n ck. die Gene- ral« Moehl und v. Löhberg, Ehrhardt, Wackerzapp, Bacmetster und den ehemaligen Bürgermeister von Lübeck, N e u m a n n, als Zeugen zu laden. Rechtsanwall Bloch erklärt, daß er in der Widerklage nichts anderes als ein Verschleppungsmanöver erblicke. Im übrigen sei es völlig unzulässig, auch verjährt« Artikel aus der„Deutschen Zeitung' bei der Widerklage heranzuziehen. Herr Sodenstern stehe unter dem Schutze des§ 193. da ein Pressefeldzug gegen Mahraun im öffentlichen Interesse gestanden habe. Nachdem der Vorsitzende noch ein Schreiben verlesen hatte, daß der Zeuge Käschage durch eine geschäftliche Reis« am Erscheinen vor Gericht verhindert worden sei. wurde der Prozeß bisnachOstern vertagt. Dem Kläger wurde aufgegeben, sich bezüglich der straf- rechtlichen Verantwortung der beiden Beklagten schlüssig zu werden, ferner wurde die Widerklage Mahraun und Pastenacci gegen v. Sodenstern zugelassen. Das Gericht beschloß ferner, als Zeugen den Hauptmann Salzmann. Kapttän Ehrhardt, den Haupt- mann Wackerzapp und Professor Riedelmann zu laden. Einstweilen keine Räumung! Aber„nützliche Aussprache" Stresemanns und BriandS in Genf. Varls, 4. Rlärz. sEigener vrahlbericht.) In einem kommen- tar zu der Rede des Reichskanzler» Marx rot der.Tcmps' der deulschen presse, die zurzeit aussichtslos- Kampagne zwecks Räumung der Rheinlande nicht fortzusehen. Sie stehe auch nicht aus dem Programm der kommenden Genfer Tagung, die vor- aussichllich nur vou kurzer Dauer sein wird. Zweisello, würde diese Tagung den europäischen Staatsmännern vriand und Slrese- mann Gelegenheit zu einem nützlichen Meinungsau»- tausch geben. Dieser könnte aber durch eine Aortsetzung der Kampagne der deutschnationalen presse wegen der Räumung des Rheinland« nur kompromittiert«erde«. Die Kontrolle der Restpnnkte. Diejenigen Staaten, die in der Mllttärkontrolltommission»er- treten waren, haben fetzt je«in Mitglied dieser Kommisswn als Sachverständigen bei ihren Berliner Botschaften für die Er- ledigung der bekannte« Restpunkte nomhaft gemacht. Es sind da, Frankreich, Belgien, England und Italien, während Japan darauf »erzichtet hat. Diese vier Offiziere sind nicht als eine neu« K 0 m« i s s i v» eingesetzt, stellen überhaupt ein« Körperschaft nicht feff, haben«chm» Vorsitzenden,«och stich ihr« Kompetenz» noch gar nicht umschrieben. Es wird vermutlich einer Dereinbarung von Fall zu Fall bedürfen, wenn sie sich von dem Fortgang der Erledigung der Restpunkte überzeugen wollen. die danziger völkerbunösanleihe. Infolge der Haltung Polens verzichtet Tattzig darauf. Seit nahezu einem Jahr« schwebt vor dem Völkerbund die Frage einer Dölkerbundsanleihe an die Freie Stadt D a n z i g. Ein Finanzsachverständigenkomitee war vom Völkerbund eingesetzt worden, um die Bedingungen dieser Anleih« im Einvernehmen mit Danzig und Polen auszuarbeiten. Den von ihm aufgestelllen Grund- fötzen konnte infolge des polnische« Widerstand«» größtenteils nicht entsprochen werde«. Unter diesen Umständen hat der Danziger Senat in Genf «in Memorandum überreicht, i« dem er bittet, den Gegenstand von der Tagesordnung der bevorstehende« Tagung des Rat» a b z u- setzen, da die Frage offenbar noch nicht reif sei. Er sei nach wie vor zu Perhandlungen bereit, wolle aber einstweilen versuchen, aus eigener Kraft die höchst ungünstige Finanzlage Danzigs zu verbessern,_____________ deutfchlanös Weltlage. Eindrücke und Schlußfolgerungen aus Belgien. _. w. S. Brüssel. Anfang März. Wer immer in Brüssel verweilt, dem drängt sich das Europäische am Charakter der Stadt auf. Fast jeder Zug des täglichen und des festtäglichen Lebens der Stadt verkörpert das übernationale, das europäische Wesen des Landes. Es ist sein einfaches geographisches Schicksal, zwischen Deutsch- land und Frankreich zu liegen. Die reiche Vielfalt seiner Art entspringt aus dieser Lage als Bindeglied zweier Kulturen. Die Wunder des sorgsam erhaltenen Marktplatzes— das gotische Rathaus, das barocke Herzogsschloß der Herren von Brabant(in dem jetzt eine ausländische Bank haust), das ans Maurische anklingende Haus des früher einmal spanischen Königs, die Prachthäuser der einst allmächtigen Zünfte,—> vor alledem fühlt sich der Beschauer bald nach Frankreich, bald in norddeutsche Hanse- oder süddeutsche reichsfreie Städte, ja zwischen Madrid und Paris und Wien, in die Mitte des einst gewaltigen Habsburger Reiches versetzt. Den ge- schichtslosen Internationalismus des modernen Kapitalismus dagegen verkörpern Bankgebäude in einer Zahl, daß ein Ek Scherzwort in Brüssel mehr Banken fast als Menschen finden will. Jedes StraßenschUd, jede Denkmalsinschrift, jeder Hin- weis in den Bahnhöfen, die breiten Inschriften auf den Ministerien des Königreiches erscheinen in doppelter Sprache, auf Französisch und Flämisch. Wer die Universität aufsucht. verweilt in einem Zentrum französischer Geisteskultur. Wer durch das„Maison du Peuple", das Volkshaus der Brüsseler Arbeiterschaft, geht, glaubt in einem Gewerkschaftshaus West- deutfchlands zu weilen. Belgien erscheint„von Natur' zur Brücke zwischen Deutschland und Frankreich bestimmt. Jeder Schritt in Brüssel offenbart seine„europäische Sendung". Die„Natur" seiner Lage bestimmte lange Jahrzehnte der modernen Geschichte hindurch auch die Politik des bel- gischen Staates. Sie war niedergeschlagen in den Völker- rechtlichen Urkunden, die seit 1830 die Unabhängigkeit Bel- iens verkörperten. Belgiens Neutralität war von den roßmächten garantiert; sorgfältig durchgeführte Neutrali- tätspolitik erhielt Belgiens Unabhängigkeit in dem Gleich- gewichtsspiel der Großmäckte, bis tief hinein ins Zeitalter des Imperialismus. Erst der Weltkrieg und der Einmarsch nach Belgien zerstörten die„natürliche" Unabhängigkeit der bel- gischen Staatspolitik. Belgien ist keinneutral erStaat mehr. Mit Frankreich ist es durch ein Berteidigungs- bündnis verbunden: mit England durch den Vertrag von Locarno. Und wenn dieser auch Belgien wieder mit Deutsch- land verknüpft hat: er hat es auch wieder fester mit England und Frankreich verbunden. Belgien ist, seit dem Waffenstill- stand, der Form nach, wieder ein„unabhängiger", ein „selbständiger" Staat: aber seine Politik führt es an der Seite Frankreichs und Englands.. Brüssel ist die Hauptstadt, die der deutschen Westgrenze am nächsten liegt. Brüssel reagiert mit besonderer Feinheit auf die politischen Wandlungen, die sich innerhalb Deutsch- lands vollziehen. Wie sich der Rechtskurs im Reich auf die Reichspolitik katastrophal ausgewirkt hat, das ist in Brüssel so gut wie in London oder in Paris in erschreckendem Grade fühlbar. Das Vertrauen in die Stetigkeit der beut- en Außenpolitik erscheint auf das schwerste erschüttert. lies, was in Locarno, in Thoiry, in Genf an internatio- nalem Vertrauen zu wachsen anfing, ist in seinem Wachstum gehemmt. Schon lange Monate, vielleicht Jahre find verloren für Deutschlands allmählichen Aufstieg. Der Regierungs- Wechsel im Reich erschien wie ein kalter Putsch, wie ein nationalistischer Umsturz.„Es ist unbestreitbar, daß die deutsche Kriegspolitik auf der sofortigen Besetzung eines großen Teiles des belgischen Bodens aufgebaut ist... ich möchte Ihre sehr ernsthafte Aufmerksamkeit darauf lenken, daß das Land mangels jeder Befestigung der Invasion völlig offen steht. Seine Situation ist daher viel kritischer als im Jahre 1014." So hat noch vor vierzehn Tagen der Kriegsminister des belgischen Koalitions- kabinetts die Lage Belgiens der Kammer geschildert. Man mag darauf hinweisen, daß der Außenminister der gleichen Regierung» Vandervelde, kurz vorher ruhig über die Auf- Hebung der interalliierten Militärkontrolle gesprochen, daß die Unterlage für die Ausführungen des Kriegsministers mehr als dürftig und der Zweck, für sein Ressort neue For- derungen anzumelden, allzu durchsichtig sei: daß dieser Alarmruf in der belgischen Kammer von der Ministerbank ertönen tonnte, beweist, wie sehr Belgien über den deutschen Rechtskurs alarmiert ist, wie sehr die Sozialisten, die an der Forderung der frühzeitigen Rheinräumung festhalten, ge- schwächt sind. v. Keudell, der Kappist als Reichsinnenminister, war ein schwerer Schlag gegen die deutschen Republikaner: er war und ist es nicht minder gegen die deutsche Außenpolitik. Und mag der Reichskanzler und der deutsche Außenminister noch so sehr erklären, der Kurs sei der alte geblieben und die Deutschnationalen hätten ihre Außenpolitik gebilligt: Do» Ausland hört ihre Botschaft wohl, allein es fehlt der Glaube. Der Kreditverlust Deutschlands durch den deutschen Rechts- kur, ist erschreckend. Das Vertrauen auf die politische Zuverlässigkeit Deutschland» ist geschwächt. Fast ängstlich klammern sich Deutschland» westliche Nachbarn an mMtäristische Formen der Sicherung: Das deutsche Rheinland nicht zu räumen, Hunderte von Gold- Milliarden auf den Festungsbau gegen Deutsch- laop zu verwenden. Dabei ist nicht zu bezweifeln, daß Belgien so gut wie die anderen Nachbarvölker Deutschlands die internationale Be- deutung des Rechtskurses in Deutschland über- schätzen. Wechselt in Brüssel, in Paris und in London die Regierung, so wechselt dort die Herrschaft über die innere Verwaltung. In Berlin ist das anders: ein Regierungs- Wechsel im Reich ist noch kein Regierungswechsel in Preußen. Daß in Preußen vor allem die Sozialdemokratie die Staats- Verwaltung fest in der Hand hält, ist die eine Tatsache, die die Kreditfähigkeit Deutschlands hebt. Auch ist eine Tat- sache, daß nicht so sehr aus außenpolitischen, als aus klassen- kämpferischen Gründen die Deutschnationalen zur Macht drängten: sie verzichten lieber auf die Ideologie der Revanche- Politik als auf ihre wirtschaftspolitischen Interessen. Graf Westarp schädigt zwar noch immer die vaterländischen Be- lange durch seine Reden, wie kürzlich noch durch die vor den Berliner Studenten. Dennoch haben die Deutschnationalen einstimmig gegen den völkisch-kommunistischen Antrag ge- stimmt, Deutschland solle aus dem Völkerbund wieder aus- treten. Und während fie in der Opposition die Aufrollung der S ch u l d f r a g e als eine unbedingte vaterländische Not- wendigkeit forderten, wagt jetzt nur noch hier und da in einem Zeitungsartikel irgendein unmaßgeblicher Deutschnationaler das zu verlangen. Mit der Verantwortung belastet, find sie verflucht bescheiden geworden. Der Radikalismus der völki- scheu und der Verbände rechts von ihnen hat an Einfluß derart verloren, daß die Deutschnationalen ohne Scheu ihre ökonomi- schen Großagrarier- und Großindufirieinteressen an der nationalen Ideologie vorbei in den Vordergrund schieben dürfen. Man begegnet in Belgien nicht selten der Bemerkung, daß die Linke des Auslandes gerade einer Rechtsregierung in Deutschland die Rheinlandräumung nicht bewilligen wolle. Es steht dahinter die Meinung, daß man der deutschen Rechts- regierung keinen Erfolg gönnen will, den sie innerpolitisch ausnutzen könnte. Aber eine folche Politik wäre inmehrfacherHinfichteinsehrgroberFehler. Ein grober Fehler zunächst im Interesse der Okkupations- mächte selbst: ie länger sie die Okkrcpation ausdehnen und je schwerer die Kompensationen für die Räumung sind, an die sie heute noch sehr ernsthaft zu denken scheinen, um so sicherer treiben sie Berlin in die Arme von Rom oder von Moskau. dahin, wohin die deutsche Rechte schon aus innerpolitischen, antidemokratischen Neigungen treibt. Nicht geringer wäre der Fehler einer solchen Politik im Hinblick auf Deutschland. Die demokratischen Kräfte der Westmächte würden zunächst einmal der Politik der deutschen Sozialdemokratie entgegen handeln, die die Früherräumung als eine elementare Lebensnotwendigkeit für Deutschland und den Frieden völlig unabhängig von dem Wechsel der Reichsregierungen fordert. Sie dient damit zugleich den Interessen des gesamten Landes wie denen der von ihr ver- tretenen arbeitenden Massen. Nicht die frühe, sondern die späte Räumung treibt Wasser auf die Wahlmühlen der Nationalisten. Je eher die Räumung erfolgt, um so sicherer setzt sich der Geist der internationalen Friedenspolitik in Deutschland durch. An der Früherräumung haben deshalb die Deutschnationalen keinerlei Parteiinteresse: unvergeßlich ist ja jedem ihre Verlegenheit, als der deutsche Außenminister die endgültige Mitteilung der damals noch„Alliierten" über die Kölner Räumung bekannt gab. Der Nationalismus und die soziale Reaktion in Deutschland hängen von der Stärke des Nationalismus und der Reaktion im Auslande ab. Ie un- bedingter sich die demokratischen und sozialistischen Kräfte bei den Westvölkern für die schleunige Räumung einsetzen, um so sicherer beschleunigen sie den Aufstieg der sozialistischen, demokratischen und antinationalistischen Kräfte in Deutschland. Die Deutschnationalen hätten vaterländisch gehandelt, hätten sie auf die Beteiligung an der Reichsregierung ver- zichtet. Sie haben das Interesse ihrer Partei über das Jmter- esse Deutschlands gestellt. Wann sie Deutschland und Europa nicht in eine schwere Krise gestürzt haben, so verdanken Offener örief an Srnno Kittel. Lieber Bruno Kittel! Wer Sie als Künstler kennt, kann sich Ihr enigeistertes Gesicht vorstellen, als Sie in diesen Tagen hörten und lasen, wie man Sie zu feiern beabsichtigt. Ihr Chor, große künstlerische Vereinigungen. die Stadt Berlin, vor allem tausende Ihrer Anhänger schließen sich zu einem Bund zusammen, fassen Sie in ihre Mitte und rufen Ihnen»in jubelndes Hoch zu. Dieser Jubel, daß Sie 25 Jahre mit unendlicher Geduld, Ausdauer und mit wachsendem Erfolg Ihren Chor großgezogen und zu einem würdigen Instrument im Orchester des Berliner Musiklebens gemacht haben, klingt ehrlich. Aber er paßt nicht zu Ihnen. Was Sie auszeichnet und was den Verkehr mit Ihnen so erquicklich macht, das ist Ihre Sachlichkeit, Ihr Mangel an Eitelkeit, Ihr ganz unmodernes Dirigententum. Es mag sein. daß in einer Zeit, wo die Ellbogxntraft und die Eitelkeit viel schneller zum Ziele führt, als Arbeit an sich und seinem Werk, es mag sein, daß in solcher Zeit der oberflächlichen Kunstgenüsse vielen Ihr Wirken gar nicht so sehr aufgefallen ist. Das spricht nur gegen die Menschen, die an der Oberfläche hasten und die äußerlich glänzende Erscheinung eines Dirigenten auch dann dejubeln, wenn setzie Leistung mit er- zieherischen und ethischen Problemen der Kunstoertiefung nichts zu tun haben. Sie können sehr stolz sein, daß Sie nicht«ine inter- national« Berühmtheit geworden smd, sondern in aller Stille und Systematik Ihr Kind für Berlin großgezogen haben. Wer sich als Kollege in Ihre Arbeit und in Ihre Seele hinein- versetzen kann, der freut sich mit Ihnen und an Ihnen. Die Be- scheidenheit Ihres Wesens dürste auch heut« noch nicht unter den schlechtesten Musikern und Menschen der Reichshauptstadt Resonanz finden. Sie haben sich durchgesetzt durch die Intensität Ihrer Leistung und Ihrer Aufführungen, und Sie haben in Ihrer vor- nehmen Art jeden Kompromiß oermieden. Als es wirtschaftlich nur auf Umwegen möglich wurde, groß« Ehoraufführungen durchzu- setzen, da sind Sie still geworden und haben uneigennützig den Chor für Aufführungen anderer Dirigenten zur Verfügung gestellt. Dos war gewiß schmerzhast für einen Chorführer. Der Ruhm ist deshalb nicht geringer geworden, weil in unzähligen Aufführungen der Neunten Sinfonie von Beethoven etwa Nikisch, Furtwängler. Walter und andere erkannten, ein wie vortreffliches Instrument Sie ihnen in die Hand gegeben hallen. Letztes Ziel einer chorischen Kultur ist das gewiß auch für Sie nicht, und bei unserem Bestreben, den Chor- dirigenten nicht in die zweite Linie gegenüber dem Orchesterdirigenten zu setzen, werden Sie in wirtschaftlich besserer Zeit auch wieder der alleinig« Führer und Erzieher Ihre» eigenen Kindes werden. In herzlicher Erinnerung denken wir an das, was Sie Berlin an Erstausführungen gegeben haben, an Werke von Picrne und Bossi, an die mit Unrecht vergessene Krönungskantate Berneckers, an Draefeckes Christus-Mysterium. Auch die Gurrclieder von Schön- Deutschland und Europa dies den arbeitenden Mas- s e n, die gerade auch in Belgien an der Befriedungspolitik unbedingt fe st halten. Sie wollen die Brücke sein, die Deutschland und Frankreich verbindet. Westarp gegen Srianü und Marx. So macht man jetzt deutsche Außenpolitik. Graf Westarp, der Chef der größten Regierungspartei. hat gestern in Frankfurt a. M. eine Rede gehallen, die von der„Deutschen Zeitung" in folgender Weise gegen die letzte Rede des verantwortlichen Leiters der deutschen Politik aus- gespielt werden kann: Graf Westarp hob hervor, daß die Räumung von Rhein und Saar von der Regierung und den Parteien als die dringlichste außen- polltische Aufgabe des Augenblicks angesehen werde.... Der fran- zösische Außenminister gibt in einem Interview dem Vertragswerk von Locarno Auslegungen, die vom deutschen Stand- punkt aus nicht anerkannt werden können.(Die gleichen Ausführungen Briands, die Graf Westarp hier mit Recht zurückweist, hat Reichskanzler Marx bekanntlich am Mittwoch abend ausdrücklich als„an dem großen Ziele der Verständigung fest- haltend" begrüßt.— Schriflltg. der„D. Z.") Diese und ander« Behauptungen mögen französischen Auffassungen entsprechen, vom deutschen Standpunkt gesehen sind sie unrichtig und angefochten(leider aber von Herrn Marx in der er- wähnten Rede, wie gesagt, nicht nur nicht, sondern im Gegenteil durch sein widerfpruchslofesLob sür die Gesamtdarlegungen Briands eigentlich sogar anerkannt!— Schriftltg. der„DZ.") Das Blatt der wilden Männer, das diesmal mit dem Grafen Westarp sehr einverstanden ist, faßt sein Urteil dahin zusammen: Die vorstehenden Ausführungen des Grafen Westarp stehen, wie im Text von uns bereits angedeutet, im bemerkenswerten Gegensatz zu der Rede des Reichskanzlers Marx vor den auswärtigen Pressevertretern, die auch durch den Rundfunk verbreitet wurde. Graf Westarps Worte beweisen, daß er die Ding« nicht so ansieht wie der Reichskanzler, der seinen Ein- druck von Briands Rede zusammenfaßt in die Wort«:„Es ist ersreulich, daß..." Es wird dies wahrscheinlich nicht das letztemal sein, in dem die größte Regierungspartei über schwebende Fragen der Außenpolitik anders redet als die Regierung. Diese wird sich dann nicht wundern können, wenn ihre Politik im Aus- land in den Ruf der Zweideutigkeit kommt. Hintergründe der Mecklenburger Krise. Ein Befehl der Zentrale. Die Kommunisten enthüllen auf dem Essener Parteitag ihre eigene Schande. Das Zentralemitglied D e n g e l hat in seinem Referat vor dem KPD.-Parteitag erklärt, daß der Sturz der Mecklenburger Landesregierung auf Befehl der kommunistischen Zentrale herbeigeführt worden ist: „Auf dieser Grundlage sind auch schwere opportunistische Abweichungen in einigen Landesparlamenten gemocht worden. Ich denke an M e ck l e n b u r g. Es war dort nicht nur ein einmaliges Eingreifen, sondern ein drei- bi» viermaliges Eingreifen des ZK. notwendig, um diese gewisse Aorm der Koalitionspolitik zu liquidieren. Die dortige kommunistische Fraktion hat sich mitschuldig gemacht an den Fehlern und Verbrechen, die diese Koalitionsregierung an dem Proletariat beging. Sie hat diese Regierung durch ihr Verhallen einige Monate hindurch gestützt, sie hat mit einem Wort Koalitionspolitik betrieben. Das Zentralkomitee der Partei hat nicht einen Augenblick gezögert, dieses opportunistische Verhalten der Bezirksleitung und der Land- tagsfraktion vor der Gesamtpartei zu desavouieren. Dieses Verhalten in Mecklenburg auch jetzt bei der neuen Regierung?- berg, die Kaniate„von Deutscher Seele" von Pfitzner, die„Heilige Elisabeth" von Liszt, das Tedeum von Bruckner tauchten in Ihren Programmen auf und warben— bestes Zeichen für die Güte der Aufführungen— für die Geltung der Meister. Das Schönst« aber schufen Sie mit der dl i s? s. s o I e rn n i s und dem Requiem von Verdi, die Sie nun in berechtigtem Stolz als Fest- aufführungen des Jubiläumsjahres künstlerisch wieder erneuern. Mehr als dreihundert singende Mitglieder preisen Ihren Nomen, nicht nur, weil sie das Glück haben, aktiv an höchsten Werken der Kunst mitzuarbeiten, sondern weil sie— ein Unikum in der Geschichte von Chören— in der von Ihnen gegründeten Chorschul« auch elementar und technisch unterrichtet werden. Bei so viel Idealismus, wie Sie ihn in sich tragen, ist ein Mensch verpflichtet, auch äußerlich bescheiden zu bleiben. Für Sie hst die tiefste Beschäftigung mit der Musik den edlen Sinn gehabt,«men Menschen über die Fährnisse und Verwirrungen des Daseins hinwegzubringen und ganz aufzu- lösen im Gesang, in der Musik. Schöneres dürfte es nicht geben auf der Welt, und es bleibt mir nur zu wünschen, daß wir mit demselben Festgruß und demselben Jubel in 25 Iahren Ihr Slljähriges Künstlerjubiläum feiern können. Ihr K u r t S i n g e r. Edelschmarren. Der berühmte Dramenarchitekt Haus Müller baut Theaterstücke mit allem Komjor» der Reuzeit. Sein neuestes Crzeucmis„Die goldene Galeere" gebärdet sich ebenso an- jpruchsooll, wie seine früheren Schauspiele„Könige",„Der Schöpser", „Schwester Veronika". Müllers dramatische Gebilde fallen durch die pompöse Fassade auf, die sich regelmäßig im Verlauf des Abends als aus Gips bestehend erweist. Diesmal sind der Antisemitismus und der Zionismus der Weltanschauungsgedonkc, den Hans Müller zu verzapfen sich berufen fühlt. Er stellt zwei jüdische Börsenleute cm- ander gegenüber: der eine hat viel Gewissen und spürt deshalb den Pleitegeicr über seinem Bankhaus schweben, der andere hat Skrupel» losigkeit und daher viel Geld. Schon noch kurzer Zeit wendet sich das auf grobe Theatralik berechnete Stück mit forschem Ruck zum vollendeten Kitsch. Beruhigt sehen wir. die gute alte Zeit wird es zwar schwer haben, sich durchzubeißen, aber Ehrenhaftigkeit und Moral siegen auf der ganzen Linie. Dax wird unter entschiedener Beanspruchung von Herz und Gemüt mit aller Deutlichkeit festgestellt. Da die Bühnenfiguren nur ein papiernes Dasein führen, lohnt es sich nicht, auf das Schicksal der Familie Talniessing und seiner Gegner hier einzugehen. Der Autor hätte sein Stück„Die goldene Leere" nennen sollen. Di« Schauspieler des„Kleinen Theaters" bemühten sich unter der sorglichen Regie des Alfred Bernau mit einer Verve für die belanglose Sache, die einer besseren Sache würdig wäre. Der gute alte Ferdinand Bonn, die reizend« Hanna Ra(ph, der jugend- frische Egon v. Jordan und die gemütvolle Ilka G r ü n i n g ließen neben Bera Skidelsky, Chorlotte Waldow und Alfred Walters die Trauer über den verlorenen Abend vergessen. Dgr. ..Pit Vit" im Theater am Kurfürstendamm. Verglichen mit den üblichen Operetten, die heute auf den Markt geworfen werden, bleibt „Pit Pit" eine erfreuliche Erscheinung. Ein guter Text, ein« im Rhythmischen faszinierende Musik und eine Rolle fiir Kurt Dois. bildung fußt auf der gesamten Schwäche der Partei. Und diese opportunistische Einstellung ist nicht eilt von heute, sondern schon in der Vergangenheit hat die Partei nicht verstanden, sich von der Sozialdemokratischen Partei abzugrenze n." Die Mecklenburger Kommunisten, die aus eigener An- schauung wissen, was die Rechtsregierung in Mecklenburg be- deutete, waren klüger als ihre Zentrale in Berlin, als die Dengel und Genossen. Sie unterstützten die Linksregierung, um den Junkern nicht wieder zur Macht zu verhelfen. Die Zentrale hat drei- bis viermal versucht, dem Orb- nungsblock in Mecklenburg Bundeshilfe zu leisten, bis sie die Mecklenburger Kommunisten klein hatte. Auf Befehl der Zentrale sind sie in die Front der Großagrarier eingeschwenkt! So grenzt sich die kommunistische Zentrale von der Sozialdemokratie ab. Sie stellt sich in die Front der Reaktion und zerschlägt Machtpositionen der Arbeiter- s ch a f t. In der Tat: die Abgrenzung kann nicht schärfer sein! Die Geldgeber. Und die völkischen Freunde unter sich. Jürgen von R a m i n, der noch zur Graefe-Richtung gehört, sieht sich von dem jetzigen Hitler-Mann R e v e n t l o w kräftig an- gegriffen, weil er so osienherzig war, von Hitler und seinen Gönnern aus der Großindustrie zu sprechen. Auf seitenlange Angriffe antwortet nun Ramin kurz und bün- dig, er werde die geforderten Beweise bei den gericht- lichen Auseinandersetzungen bringen, die sich durch das „wüste Schimpfen der Nationalsozialisten" für ihn notwendig machten. Man kann demnach außer dem Namen des Herrn von Borsig auch noch einige ander« Großindustrielle kennen lernen, die die Hitlerci unterstützten. Daß der Pianofortefobrikant B e ch st e i n dazu gehört, dessen Instrumente auch in zahlreichen jüdischen Häusern zu finden sind, ist bereits bekannt. Auf die anderen darf man neu- gierig sein. Aber noch ist nicht sicher, daß e? wirklich zu gerichtlichen Aus- einandersetzungen kommt. Denn schließlich wissen beide Gruppen, wa» sie übereinander und über sich selbst zu ossenbaren haben würden! Schüsse auf den Regierungspräsidenten. Attentat oder Jungenstreich? Gumbinnen, 4. März.(MTB.) Die hiesigen Blätter ver- öffentlichen eine Bekanntmachung, laut der am 1. März abends auf den geschlossenen Wagen des Regierungspräs i- d e n t e n in der Königstraß« aus der Richtung des Hauses König- straße 13, angeblich aus einer Gruppe junger Leute ein Schuß abgegeben worden ist, der die Fensterjcheiben des Kraftwagens traf. Für die Ramhaftmachung des Täters ist eine Belohnung ausgesetzt. Die Gendarmen Ulrich und Grosser, die wegen Sistierung eines in Deutschland angeworbenen Trupps von Fremdenlegionären seit acht Togen von den Franzosen in Untersuchungshaft gehalten wurden, sind am Donnerstag nachmittag aus dem Gefängnis in Landau entlassen worden. Die eugllsche Großloge hat es den einzelnen Freimaurerlogen freigestellt, Angehörige ehemals feindlicher Staaten als Mitglieder aufzunehmen. Immer wieder Kellgionskämpfe in Indien. In Bengalen griffen Mohammedaner«in« Hinduprozession an. Als die Polizei eingriff, gingen die Angreifer auseinander, wandten sich jedoch später gegen die Polizei selbst, diese gab Schüsse ab, wodurch 2l) Mohammedaner getötet und 40 verletzt wurden. Arhibaschew gestorben. In Warschau ist der dort als Euttgrant lebende russische Romanschriststeller Artzibaschcw nach kurzer Krankheit gestern gestorben. Robert Gilbert ist nicht überreich an M�odien, aber er verliert selten das Niveau. Er leistet gediegene Arbeit besonders in der Instrumentierung, und er hat witzige Einfälle, z. D. wenn er den Auftrstt eines Verbrechers mit einem Leitmolio in den tiefen Streichern dekoriert, ein kleiner Operetten-Hunding erscheint. Eine Ehorszene im zweiten Akt bleibt im Gedächtnis haften, die sich bei- nahe wie eine Parodie auf«inen pathetischen Opernchor benimmt, und dann gelingt Gilbert im ersten Akt ein ausgezeichnet gebautes Finale, ein Step von mitreißendem Rhythmus.' Anderes wie ein Tango wirkt dagegen belanglos. Die Handlung ist etwas grobnähtig zusammcngeschneidert, aber der Verfasser Hans Z« r l e t t ist er- finderisch in Situationskomik uicd vermeidet die große, sentimentale Tränenlzene, die sonst im zweiten Akt in gedehntem Dreioierteltatt fällig ist. Der Gedanke, den Detektiv für den Verbrecher und diesen sür den Beschützer zu halten, zeichnet sich kaum durch Originalität aus, doch Zerlett schafft originelle Verknüpfungen. Und dann Kurt B o i s. Er spielt eine kleine, eingeschüchterte Existenz, die ober, sobald sie arriviert ist, die ganze Situation beherrscht, den Verbrecher stellt und am Schluß mit der Tochter des New Porker Polizei- gouverneurs die Gruppe eines glücklich verlobten Paares bildet. Vois beherrscht vom ersten Austritt an die Bühne, ermüdet nie, ist Uberreich an Einfällen, sprühend, witzig und dabei nnausdringlich, er parodiert sich selbst, die Operette, den Film, den Jazzrhythmus: tote Stellen erhalten durch ihn Leben. Reben ihm hält sich nur Trübe L i e s k e. zart, lehr blond, frisch, temperamentvoll und voll Freude am Theaterspiel. Die anderen wie Mizzi Metellka oder Beckersachs bleiben in der gewohnten Schablone." Regie und Diri- gent sorgen sür eine reibungslose Erledigung der Angelegenheit. F. S. Kamps gegen Kreuzworträtsel. Di« Krcuzworirätselmanie hat jettt auch in England epidemische Formen angenommen. Die meisten Zeitungen bringen täglich neues Material für die„Geisteswetzung" ihrer rätjelsüchtigen Leser, denen sie vielfach Prämien in Höhe bis zu 2500 Pfund für richtige Lösungen versprechen. Wenig erbaut von dieser Entwicklung sind die Bibliotheken und Lesehallen, die einen Masscnsturm auf ihre Wörterbücher und Lexika aushalten müssen. Die Folge davon ist«in« starte Gefährdung der eigent- lichen wissenschaftlichen Arbeit, so daß jetzt die Direktion d«s British Museum von jedem Besucher eine schriftliche Bestätigung verlangt, daß er die Bibliothek nicht als Rachlchlagegclegcnheit zur Präpa- rierung für die Teilnabme an einem Kreuzworträissl-Preiswettstreit mißbrauchen wolle. Ein« Bibliothek in Liverpool Hot noch weiter sehen müssen, nämlich vorläufig die Einsicht in Enzyklopädien und Wörterbücher überhaupt gesperrt. Die Verwaltung hatte die un- angenehme Entdeckunq gemacht, daß ein Besucher aus einem Lerikon- band einfach eine Seite herausgerissen und mitaenommen batte. Wie man feststellen konnte, enthielt sie den Schlüssel zur Lösung für ein Kreuzworträtsel, das dem glücklichen Löser eine Prämie von 1000 Pfund einbringen tonnte! Tat«vaslsplil der Mtqlleder der Eomddi« Fravsals« im Tkeatcr de» Veltens mutz insolge plötzlicher Erbankmig eines HaupIdarstellerS um einige Tage verschoben wirden. Das Gallspiel kann srübeltenS D enStag. den S. März, beginnen. Die für die«imelnen Boi stell ungen gelösten jtaiten behalten für dieselben Vorstellungen Sülligkeit oder werden zurückzenommen die üeutfth-polmMen Seziehungen. Ein Warschauer Stimmungsbild. A. L. Warschau, 2. März.(Eigener Bericht.) Man nimmt hier c», daß der Abbruch der deutsch-palnischen Verhandlungen und seine Ruckwirkung auf internationalem Gebiet in Deutschland als ungünstig erkannt wird, und man glaubt daher, daß die neuen I n st r u k- t i o n e n des bereits nach Warschau zurückgekehrten Gesandten Rauscher die Wiederaufnahme der Verhandlungen auf der von Polen vorgeschlagenen Grundlage ermöglichen wird. Die pol- nische Regierung erwartet ein derartiges Entgegenkommen Deutsch- lands um so eher, als Polen durch die Ausweisung der vier Deut- schen aus Oberschlesien keineswegs den Abbruch der Verhandlungen herbeiführen wollie und der aus diesem Grunde— in Warschau sagt man unter diesem Vorwonde— erfolgte Abbruch für Polen vollkommen überraschend war. Die polnische Regierung wünscht gute Beziehungen mit Deutschland, nur den Rechtsparteien wäre ein feindliches Verhältnis mit Deutschland aus demagogischen Gründen willkommen, ober die demokratischen Elemente streben die Verständigung mit Deutschland an, und sie erhoffen daher von einer neuen deutschen Initiative die Beilegung des Konflikts. Polen wird aber aus zwei verschiedenen Gründen das Zustandekommen des Handelsvertrages mit Deutschland nicht mit allzu großen Konzessionen erkaufen können: Der erste, wirtschaftliche, Grund ist der, daß Polen gegenwärtig das Handelsabkommen mit Deutsch- land nicht entfernt so nötig hat, zumal ein großer Teil der polnischen Industrie dem Zollkrieg wachsende Selbständigkeit und der Konsum Unabhängigkeit von deutschen Einfuhrwaren zu verdanken hat: ferner wird in Warschau in den letzten Tagen besonders stark mit der Möglichkeit eines Handelsvertrages mit Rußland gerechnet, der ungeahnte Exportaussichten biete. Der zweite Grund ist ein politischer: die polnische Regierung kann aus Rücksicht auf die Scjmmehrheit nur äußerst vorsichtig Deutschland Konzessionen politischer Natur machen, und da- gilt auch für die Nicderlassungsfrage. Um das Verhältnis Polens zu Deutschland richtig zu verstehen, muß man folgendes bedenken: Die einheitliche national-kultureve Entwicklung Polens war insolge der Teilung und Fremdherrschaft i50 Jahre lang unterbrochen. Di« demokratisch« Entwicklung anderer Völker im 19. Jahrhundert fehlt hier, und mit desto größerer An- hänglichkeit wird daher die altpolnische Tradition hochgehalten. Das polnische Volk hat den Deutschenhaß aus der Zeit der Teilung Polens konserviert, und er wurde auch schon vor dem Kriege von den Rechtsparteien, die ein Zusammengehen mit dem zaristischen Ruß- land befürworteten, gehegt. Hieraus läßt sich auch der Wunsch nach einem Polen„von Meer zu Meer" erklären, der vor etwa fünf Iahren von den Nationalisten ausgesprochen und der eben an den Gedanken des alten polnischen Staates anknüpft, wobei die seither so erheblich veränderte Wirklichkeit nicht im geringsten berücksichtigt und die gegenwärtige Lage Polens völlig verkannt wurde. Es sind freilich zum größten Teil diese alten Traditionen gewesen, die dem Volke das Nationalgesühl während der Fremdherrschast bewahrt haben und denen es seine nationale Auferstehung nicht zuletzt zu verdanken hat: wer daher heute an diesen religiös verehrten Volks- gütern zu rütteln wagt— und das geschieht vor allem durch die For- derung einer Grenzrevision—, stößt auf den entschiedenen Widerstand des gesamten polnischen Volkes. Die Erinnerung an fremde Unterdrückung und die Furcht vor einer Wiederherstellung dieses Zustandes lebt in dem Volk so stark, daß selbst in einer geringfügigen Aenderung der Grenzen eine neue Gefahr für die Unabhängigkeit erblickt wird, und wen» man heute in Warschau mit dem versöhnlichsten, friedlichsten Polen auf die Möglichkeit einer Revision der polnischen Grenzen zu sprechen kommt— sei es in bezug auf Wilna od«? den K o r r i d o r—: dieser friedfertigste Mensch ist sofort bereit, mit der Äafs« in der Hand jeden Fußbreit polnischen Bodens zu verteidigen. Es muß offen ausgesprochen werden, daß das Bestreben nach Aenderung des gegen- wärtigen polnischen Besitzes nur auf k r i e g e r i s ch e m Wege durch- zusetzen wäre; freilich würde selbst ein Krieg diese Fragen nicht endgültig regeln, und der einzige Weg zur Lösung von Streitigkeiten ist einzig und allein die sriedliche Verständigung; sie darf aber von Polen nicht allzu weitgehende Konzessionen verlangen, die es aus inneren Gründen einzuräumen nicht in der Loge ist. Es wird nach geraume Zeit vergehen müssen, bis dos polnische Volk sich in seinem neuen Staate vollkommen sicher und unbedroht suhlen wird, und erst dann wird der gegenwärtige Zustand des Mißtrauens und überspannter Furcht einem friedlichen, auf Vertrauen gestützten Nebeneinanderleben mit seinen Nachbarn weichen können..Dann erst werden gewisse strittige Fragen ohne Trübung des Verhältnisses zwischen beiden Ländern geregelt werden können, während heute auch schon die bloße Erwähnung dieser Probleme nur der gegenseitigen Verhetzung dient. Die polnischen Sozialisten, die die Verständigung mit Deutschland im unmittelbaren Kontakt mit der deutschen Sozialdemokratie anstreben, werden deshalb von den übrigen Parteien heftig angefeindet. Sie halten aber daran fest, daß für den polnischen Staat, ebenso wie für alle anderen, friedliche Be- ziehung und Verständigung mit den Nachbarvölkern Existenzbedin- gung ist, und erst kürzlich hat im Sejm ein Vertreter der polnischen Sozialisten auf den Hinweis polnischer Rationaldemokraten wegen angeblichen deutschen Kriegsvorbereitungen geantwortet, daß die deutschen und polnischen Soziali st en sich jedweden kriegerischen Absichten entgegenzustellen wissen werden. Kommunistenerfolg am ttieüerrhein. Katastrophaler Mitgliederschwund. Die„Kommunistische Politik", das Organ der linken Opposition der KPD., macht folgende interessante Angaben über die„Erfolge" der Kommunisten unter der Führung des Sekretärs Neubauer am Niederrhein: „Allein in N e u ß hat Neubauer durch seine schroffe„Entweder — oder-Taktik mit einem Schlage 9 linke Genossen aus der Partei herausgeschmissen und damit tatsächlich den ganzen aktiven und ottionsfähigen Teil der Ortsgruppe von der Partei abgespalten; der der Partei verbliebene Teil der früher einmal 26 9 Mann starken Ortsgruppe ist infolgedessen jetzt auf 30 Mitglied er herabge- funken. Ebenso sank die Ortsgruppe München-Gladbach in- folge der unter Neubauer fortgesetzten verbrecherischen Spaltungs- Politik von 520 auf 26 Mitglieder, während in dem Unter- bezirksvorort Krefeld die Partei durch Sumpfgeschichten von 249 auf 89 zurückging. Der gesamte UB. Krefeld— München-Gladbach zählt nur noch 389 Mitglieder von früher 143 9. Der UB. D ü s s e l d o r f, der früher 4599 zahlende Mitglieder hatte, wurde durch Kreutzburg und Neubauer auf 2399 heruntergewirtschaftet. Düsseldorf-Stadt zählt heute nur noch 899 Mitglieder, während dort die KPD. einstmals mit 2499 die stärkste Partei war und die Arbeiterschaft führte. Ebenso wurde in dem großen und für die Mitgliedereroberung be- sonders günstigen UB. Hagen die Partei aus 459 Mitglieder herab- gewirtschastet. Diese„politischen Erfolge" des neuen Kurses am Nicderrhcin, der unter Kreutzburg begonnen und von Neubauer fortgesetzt wurde, spiegeln sich auch wieder in der Entwicklung der im Bezirk erscheinen- den P a r t e i p r es s e(zu deren Niedergang außerdem auch noch die überall angewandten widerwärtigen Methoden der Liquidier ung der Genossenschaften und der„P e u- vo gierung"«in gutes Teil beitragen). So wurde die„Ar- b e i t e r t r i b ü n e" für den linken Niederrhein(Kopfblatt der Düsseldorfer„Freiheit") nach einem Abonnentenschwund von 5499 auf knapp 3999 aufgelöst, die Geschäftsstelle von Krefeld nach Düsseldorf verlegt. Ebenso sieht ihrem Ende entgegen die Geschäfts- stelle der„Arbeitertribüne" in München-Gladbach. Die „Rote Tribüne" in Hagen hat eine Auflage(!) von 2499 und «inen zahlenden Abonnentenstamm von 1399, so' daß die Schließung der eigenen Druckerei bevor steht und den völlig kapitalistisch, nicht politisch eingestellten Geschäftsführern nur noch die Frage der Verwendung der Maschinen Kopfschmerzen macht." Das sieht nach katastrophalen Rückgang aus. Dieser Neubauer oerstehts! Er war 191? noch bei den Deutsch- nationalen. Zilmöebatte im yauptausstbuß. Tie russischen Z?ilme, Ffilmreklame und Priifstellen. In der Freitagsitzung des Ausschusses für den Reichshaushalt über den Etat des Reichsministeriums des Innern entspann sich eine längere Debatte beim Kapitel„F i l m o b e r p r ll f st e l l e" und „F i l m p r ü s st e l l e Berlin u n d M ü n ch e n". Es lagen hier- zu Anträge vor der Kommunisten auf Streichung des ganzen Ka- pitels und ein« Resolution Dr. Schreib er(Zentrum), in ein« umfassend« Nachprüfung der Filmreklame einzutreten und Maß- nahmen zu treffen, um Auswüchsen der Filmreklam« entgegenzu- treten. Vom Berichterstatter Dr. Schreiber wurde auf die Unmensch- lichen Ueberlastungen des Perjon als dieser Stellen hin- gewiesen. Man pflege gewöhnlich nur von Autos als Kilometer- fressern zu sprechen, hier aber seien die Beamten und Angestellten buchstäblich als Kilometerfresser zu bezeichnen. Dazu sollten sie sich noch um Ethik und Aethenk der Filme kümmern. Dr. Schreiber be- antragte die Vermehrung des Personals um eine Planstelle. Die Spelle wurde b e w i l l i gt. Genosse Sollmann wandte sich gegen die Zentrums- r e s o l u t i o n. Ausschreitungen der Reklame gebe es auf allen Gebieten. Man solle nur an die Zigarettenrcklame denken. In warmen Worten pries Genosse Sollmann sodann die aus Ruß- land gekommenen Filme, nickst nur den bekannten„Potemkin", sondern auch den wundervollen Film„Die Mutter". Alle diese russischen Film« hätten künstlerisch und ethisch ein außerordentlich hohes Niveau— ganz im Gegensatz zu dem widerwärtigen süßlich- sentimentalen Kitsch, der aus Amerika geschickt würde. Es sei eines Kulturstaates unwürdig, gegen Filme wie die russischen mit Der- boten vorzugehen. Abg. Dr. Ereilter(D. Vp.) sprach sich im Sinne Sollmanns scharf gegen die amerikanischen und für die russischen Filme aus. Er bezeichnete es als Ausgabe und Pflicht des Films, schon aus soziolpädagogischen Rücksichten, das Leben des kleinen Mannes zur Darstellung zu bringen und nickst durch Schilderung aus dem amerikanischen Milliardärleben geistig« und sittliche Verführung der Jugend zu- betreiben. In scharsein Gegensätze zu Sollmann und Dr. Creiner stellte sich der frühere demokratische Rcich-inncnminister Dr. Külz. In der Finircklame zeigten sich schwere Mißstände, denen entgegengetreten werden müsse. Sicherlich gebe er, Filme, die künstlerisch und ethisch sehr hoch stehen, um so gefährlicher aber könnten sie staatspolitifch wirken. Seinen Ausführungen trat Sollmann aufs schärfste entgegen. Er wies noch einmal auf Filme wie den„Potemkin" und„D i e Mutter" hin und fragte, wo denn in aller Welt durch die Vor- fül/rung solcher Filme die Ruh« und Ordnung gestört worden seien. Das Verbot solcher Filme errege die Arbeitermasscn weit stärker, al» es je durch die Filme selber geschehen könne. Nach einer belanglosen Erklärung des Reichsinnen- m i n i st e r s wurde dl« Streichung der Kapitel abgc- lehnt, die Z e n t r u m s r e f o l u t i o n angenommen. ffeeresöebatte in Paris. Renaudel über Reichswehr und Hlnsiland.— Boncour als Berichterstatter. pari», 4. März.(Eigener Drahtbericht.) Um die Beratungen über die Heeresreform zu beschleunigen, wurde im Einverständnis mit der sozialistischen Fraktion deren Interpellation über die Echuldenzahlungen an England und Amerika zurückgestellt. In der Kammerdebatte über den Art. 1 des Gesetzentwurfs, der bestimmt, daß alle Franzosen ohne Unterschied des Alters und des � Geschlecht» an der Verteidigung des Landes teilnehmen müssen, erklärte R e n a u d« l. es sei leicht, den Krieg zu verdammen, aber schwieriger, Mittel zu seiner Verhinderung anzugeben. Er glaub« den sozialistischen Tendenzen treu zu bleiben, wenn er den Entwurf unterstütze. Da« Entwaffnungsproblem bestehe nicht nur für Deutschland, sondern auch für alle anderen Länder, auch für Frankreich, Rußland und Italien. Renaudel beschäftigte sich mit den in S o w j e t r u ß l a n d zutage getretenen Tendenzen und verlas Schriftstücke, aus denen der kriegerisch« Geist der Sowjets hervorgehe. Er schloß sein« Ausführungen, die die Annahme des Gesetzentwurfes zur allgemeinen Organisierung der Nation für die Kriegszeit empfahl, mit den Worten: Wenn jetzt die Kommu- nisten weiter uns Sozialisten zum Vorwurf machen, daß wir, ebenso wie Rußland, für die Sicherheit unseres Landes Vorsorge treffen, dann beHallen wir uns das Recht vor, ihnen einige Fragen zu stellen. Wir werden die Kommunisten nach den Gründen fragen, weshalb Rußland der Reichswehr Waffen liefere. Als Berichterstatter stellte Paul Boncour fest, daß sich die Lage für Frankreich ini Vergleich zu 1914 gebessert habe. Frank- reichs Stellung sei sicherer, weil nicht mehr deutsche Regimenter in den Kasernen von Metz und Slraßburg liegen, und weil die freiwillige Unterzeichnung der Abkommen von L o ca r n o die notür- liehen Grenzen Frankreichs und die EntMilitarisierung des linken Rheinufers sichere. Auf den sozialistischen Kongressen habe er immer von der Revolution als Gegenmaßnahme gegen die M o b i l i- sierung sprechen gehört. Er habe in diesen Fällen immer geant- wartet, daß eine derartige Revolution das unvermeidliche Ergebnis haben würde, die liberalste Nation, nämlich die, die sich ergeben würde, unter das Joch der imperialistischen und m i l i t a- r i st i s ch st e n zu bringen. Paul Boncour betonte den Wert des Artikels 2 des Entwurfes, der festsetzt, daß die nasionale Mobil!- sierung angeordnet werden kann entweder im Falle eines offen- kundigen Angriffs, der das Land in die unmittelbare Not- wendigkeit versetzt, sich zu verteidigen, oder in den durch das D ö l- kerbundsstotut vorgesehenen Fällen. Die Erfahrung des letz- ten Krieges Hobe gelehrt, daß das Hauptunterpfond des Sieges die Ausrüstung in Fri«d?nszeiten sei. Frankreich möge sich dieser Ausrüstung hoffentlich nur in Friedenszeiten bedienen. Paris, 4. März.(Eigener Drahtbencht.) Die gestrige Nach- miitagsfitzung der Kammer brachte die Fortsetzung der Diskussion über die Heercsreform in zwei ausgezeichneten Reden der fozialisti- schen Abgeordneten Renaudel und Paul Boncour. Renaudel betonte, daß der Entwurf nach Ansicht der sozialistischen Partei gleichzeitig die Verteidigung der Nation nn Kriegsfall« und die möglichste Wahrung des inieniationalcn Friedens verkörpere. Er erklärte, daß, wen» d,« sozialistische Partei keinen Gegenentwurf eingebracht habe, es deshalb geschehen sei, weil der gegenwärtige so- weit als möglich der sozialistischen Auffassung von der„bewaffneten Nation" eillgegenkomme. Dann verteidigte Paul B o n c o u r in einer mehr als stundenlangen Red«, die von der Kammer durch zahl- reiche Zwischenrufe unterbrochen wurde, seinen Bericht. Cr suchte nachzuweisen, daß die nationale Verteidigung durch den Entwurf mit dein französischen Wunsch« nach Dölkcrsrtedcn verbunden worden ist und betonte ausdrücklich, daß nach diesem Entwurf die französische Mobilisation nur im Falle et» es Angriffs durch eine dritte Macht oder eine Invasion oder endlich in einem vom Lölkerdunde vorgesehenen Falle vorgenommen werden könne. Man könne ohne Zweifel, fuhr Panl Boncour fort, eine„hochmütig« Nation" nicht hindern, daß sie jenseits der Grenzen Krtegsoorbereitungen tresse, man köime auch den Imperialismus nicht ohne weiteres töten, der immer noch die Welt erfülle, man müsse nur die Möglichkeit vor- bereiten, ihm nötigerseits begegnen zu können. Diese Sicherheit habe Frankreich deshalb nicht in der Friedcnsormce, wie es bisher dcr Fall gewesen sei, gesucht, sondern habe durch den gegenwärtigen Entwurf die Landesverteidigung auf die Schultern der gesamten Nation gelegt. Alle französischen Staatsangehörigen ohne Unter- schied des Geschlechts werden in Zukunft an der nationalen Ver- teidigung nötigenfalls teilzunehmen haben. Ein außerordentlich kompliziertes, aber wirksames System des Grenzschutzes fei ebenfalls vorgesehen, um im Kriegsfalle hinter ihm die Mobilisation reibungslos vornehmen zu können. Nach der Rede Paul Boncours wurde die Fortsetzung der Debatte auf heute vormittag vertagt. Die fronzösiftbe wirtsthastskrise. Professor I Hirsch zum Reparationsproblem. Paris, 4. März.(WTB) Gestern abend hielt auf Einladring des Renaudelschcn sozialwissenschaftlichen Komitees Siaatsfekretär z. D. Prof. Dr. Julius Hirsch in französischer Sprach««inen Vortrag über neue Formen des modernen Kopitalismus. Nach einer Schilderung der neuesten Erscheinungen höchster Wirtschaftsformen in Deutschlaird, Amerika und England erörterte der Redner die Frage, ob die Wir- kungen der Ratiivnotisierung sich dauernd in starker Arbeitslosizkeit zeigen müßten. Der Redner verneinte dies entschieden. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen, die dos lebhafteste Interesse fanden, erklärte Prof. Hirsch, die Losung müsse sein: Zusammenarbeit, nicht Reparationstopitalismus. Dazu bemerkte der Redner: Deutschlands Reparationszahlungen werden zum großen Test von Deutschlands Gläubigern zur Begleichung ihrer Kriegs- und Privatschulden an Amerika benutzt, das seinerseits bei seiner aktiven Handel?» und Zahlungsbilanz weder Gold noch Waren ins eigene Land nehmen will und Europas Zahlungen an Europa selber wieder ausleiht. So wird ein wachsender Teil des europäischen Besitzes in amerikanische Hand übergeleitet. Der in sich Widerspruchs- volle europäische Schuldenkapitalismus, so schloß Prof. Hirsch, ist in eine bewußte Zusammenarbeit der Nationen zur Verstärkung ihrer Pro- duttion umgewandelt worden. Dies ist der erste Schritt zur Ra t i o- nalisierung Europas gegenüber der wuchtig wachsenden Uebermacht Amerikas. Kriegschulöforfchung und Völkerversöhnung Ter Reichskanzler über die deutsche Aktenpublikation Aus Anlaß des Abschlusses der Aktenpublikation des Aus- wärtigen Amtes über die Vorgeschichte des Krieges veranstaltete der Arbeitsausschuß deutscher Verbände gemeinsam mit dem Deutschen Frauenausschuß zur Bekämpfung der Schuldlüge am Donnerstag abeiü» im Reichstag eine Feier, bei der Reichskanzler Dr. Marx eine Ansprache hielt. Er bezeichnete die Enthüllung der Wahrheit über die Vorgeschichte des Weltkrieges als ein« T a t im Sinne dcr Völkcrversöhnung. In ollen Ländern regten sich Kroiic, die daran orboitetcn, die Gegensätze zwischen den Nationen zu überwinden und ein Zusammenarbeiten herbeizuführen. Eine deutliche Strömung zur Eintracht mache sich auf Wirtschaft- l i ch e m und g e i st i g e m Gebiete geltend. Diese Strömung werde jedoch noch immer gcpzaltig gehemmt durch die Erinnerung an den Weltkrieg. Schon heut« sei festzustellen, daß auf Grund dcr veröffentlichten Akten niemand mehr an den Beschuldi- gungen festhalten könne, die«in« haßerfüllte Kriegspropaganda gegen Deutschland über die ganz« Welt verbreitete. Zum Schluß wies der Reichskanzler daraus hin, daß auch ander« Regierungen beschlossen Huben, dem deuljchen Beispiel zp folgen und ihr« Archive z» öffnen. Russisch-türkischer Handelsvertrag. Nuhenhandelsmonopol und Freihandel. Angara, 4. März.(WTB.) Ucber den Inhalt des kurz vor dem Abschluß stehenden Handelsvertrages zwischen der Türkei und So- wjetrußland wird bekannt, daß die türkische Ausfuhr nach Rußland auf etwa 45 Warensorten in bestimmten Kontingenten beschränkt wird, deren Umfang noch der Leistungsfähigkeit des türkischen Marktes festgesetzt werden soll. Die Möglichkeit einer jährlichen Nachprüfung und Erweiterung der Warenliste ist vorgesehen. Die Ausfuhr Sowjetrußlands nach der Türkei ist u n b e s ch r ä n k t. Die sowjetrussische Handelsvertretung in der Türkei ist zum Teil erterritorial, in ihren Handels- gcschästen jedoch den türkischen Lande-gesetzen unterworsen. Die Türkei ist berechtigt, in Rußland eine Handelsvertretung einzurichten. In Sowjetrußland gilt türkische Ware mc i st b e g ü n- st i g t, russische War« in der Türkei ist den Waren au» anderen vertragslöndern g l e i ch g e st e l l t. Zur Ausfuhr nach Rußland sollen nur 52 türkische Firmen berechtigt sein. Nerantwortlich Nir Politik: Victor Schiff: WirtlSioft: S. tttwftklhSfer: Ecwcrks.hofiodew.'aiü'a: Fr. wzio-.-.: gc>,illc!on: Dr. Zod» Echilowski: Lokale«: und Sonstigeo: Fritz«arstiidt: Anzeige»: Th. iL locke: sämNich in Deelin. Verlag: vorwärts-vrrlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwärte-Duchbruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u Co., Berlin SÄ 6$, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. liniere ZMer Vase E LiRErsifljer S Biertlicher. »uf granem Fqh. cross, firbig od. weis«, gepiomt mit Ooldraad,. It Soldrand.... i 'PI. 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Berlin des Reichsverban- des der Kleingartenvereine Deutschlands für die Presse eine Konferenz, in der Genosse Rein hold als Borsitzender des Provinzialverbandes über die Sachlage berichtet«. In P r e u- ß« n wurde„schon"' im Jahr« 1924 einAussührungsgesetz zum Reichsheimstättengesetz erlassen, aber bis heute hat noch keine Stadt Preußens sich zu dem erforderlichen Ortsgesetz ent- schlössen. Auf dem i Titernationalen Städtebaukongreh zu Amsterdam im Jahre 1924 erinnerten Amerikaner warnend an das Beispiel amerikanischer Städte. die allzu lange die Notwendigkeit, für Grünflächen zu sorgen, ver- kannt haben. Aber das hat den Deutschen Städtetag nicht g-hindert, die Parole auszugeben, daß in den Städten Preußens kein« Gartengebiet« ausgewiesen werden könnten, weil im prnrhischen Ausfübrungsgesetz die Entschädiaungsfrage nicht geregelt «srdeil sei. Nachdem der preußisch« Wohlsahrtsmtnister dieses Be- denken entkräftet hat, haben die Städte nach anderen Ablehnungs- gründen gesucht, die ebenso wenig stichhaltig sind. Für Berlin haben auf Anweisung des Magistrats die Ber» wattungsbezirke bereit» die als Hetmstättengartengeblete a e e i g- neten Landereien ausgesucht, wobei natürlich die ein- zelnen Bezirk« sehr verschieden berücksichtigt worden sind. Aus ganz Berlin sind Zk>72chektar w Aussicht genommen, davon entfallen allein auf Pankow 799 und auf Neukölln S49. Ein Gegenstück zu diesen Außenbezirken sind die Bezirke Mitte, Tiergarten, Friedrichs- Hain, Kreuzberg, in denen keine geeigneten Ländereien mehr ver- fügbor waren. Daß aber Wilmersdorf nur mit 39 Hektar und Zehlendorf nur mit 29 Hektar beteiligt sind, erklärt sich wohl aus der bekannten„Siedlungspolitik" der Bezirke des Westens, die dem „kleinen Mann" nicht günstig ist. Genosse Reinhold teilte mit, daß in Eroß-Berlin bei einem Gesamtslächeninhalt von rund 88 999 Hektar im Jahre 192S 6239 Hektar Kleingärten vorhanden waren, die sich in 1926 auf S749 Hektar verminderten. Die als Nutznießer der Klein- gärten in Betracht kommenden Familien darf man auf 5 46 999 P e r s o ne n schätzen, UV: Prozent der Einwohnerzahl von Groß-Berlin, die 1925 rund 3 894 909 betrug. Es handelt sich bei den Klein- gärten also um«ine Sache, die einen sehr beträchtlichen Teil der Bevölkerung angeht und von außerordentlicher Wichtigkeit für die Volks gesundheit ist. Daß die Kleingartenarbeit keine bloße Spielerei ist, sondern auch ihre volkswirtschaftliche Be- d« u t u n g hat, haben die Feststellungen über die ansehnlichen Ernte- ertrüge der Kleingärten gezeigt. Bei solcher Entwicklung der Klein- gärten ist es dann auch nicht verwunderlich, sondern nur selbst- verständlich, daß der Prooinzialverband Groß-Berlin jetzt bereits 62 999 Kleingärtner als Mitglieder hat. Der Kampf gegen das Wohnungselend der Groß- st ä d t e, gegen die Zusammenpferchung der Bevölkerung in Miet- kasernen wird durch den Schutz der Kleingärten und durch Schaffung von Kleingartendauerkolonien wirksam unter- stützt. Genosse Reinhold betonte scharf die Notwendigkeit, die Auf- lockerung der Großstadt mit allen Mitteln zu fördern. Die Forderung„Jedem Haus e« n Garten" ist für unsere ver- pfuschten Großstädte heute nur noch dadurch annähernd zu verwirk- lichen, daß man wenigstens die in den Außenbezirken liegenden Kleingärten schützt und ihre Mehrung erleichtert. Durch Orts- gesetz für Ausweisung von Kleingartengebieten muh es unmöglich gemacht werden, daß die Bodenspekulation nach Belieben den Kleingärtner von dem mit seinem Schweiß gedüngten Gartenland verdrängt. Nimmt man im Durchschnitt 39 Quadrat- meter je Einwohner an, so ergibt sich für Groß-Berlin bei 3 894 999 Einwohnern eine festzulegende Gartenflöch« von 11413 Hektar. Soviel ist nötig, wenn auch nur einem mäßig bemessenen Bedürfnis genügt werden soll. Die Cicerobüfte im Jürgensprozeß. Weitere Zeugenvernehmungen. Der Schwurgerichtssaal, in dem sich der Iürgens-Prozeß abspielt, hatte heute einen seltenen Schmuck erhalten. Bor dem Ge- richtstisch war auf grünlichem Marmorsockel die T i c e r o- B ü p e aus der Iürgrnschen Wohnung aufgestellt, an der festgestellt werden soll, ob Frau Jürgens imstande gewesen sein könne, dieses 1,69 Meter hohe Kunstwerk so umzulegen, wie es nach dem angeblichen Ein- »ruchsdiebstahl in Stargard gefunden wurde. Im übrigen scheint der Prozeß allmählich in da» politische Fahrwasser überzugehen. Oberstaatsanwalt Jordan hatte nämlich als Sachverständigen dafür, daß Kommunisten nicht so vorgehen, wie Iür- gens es hier behauptet hatte, den Sachbearbeiter dieser Frage. Polizeirat Mittasch vom Berliner Polizeipräsidium. ferner als Sachverständigen für Polizeihundfragen den P o l i z e i- s e k r e t ä r Böttcher von derselben Behörde geladen, die beide vom Gericht zugelassen wurden. Daraufhin beantragt« Iustizrat Werthauer, als Gegenzeugen den Ankläger aus zahlreichen Kom- munsstenprozessen, Reichsanwalt Neumann- Leivzig, sowie den Chef der Berliner Kriminalpolizei, Regierungsbirektor D r. W e i ß. zu laden, die bekunden sollen, daß das Vorgehen der Kommunisten schon wiederholt ein solches gewesen sei, wie Jürgens es darstelle. Das Gericht behielt sich eine Beschlußfassung hierüber vor. Weiter wurde mitgeteilt, daß die frühere Schwiegermutter der Frau Jürgens, die 89jährige F r a u K u g e l. die kommissarisch vernommen werden sollte, ihre Aussage verweigere. Unter den zahlreichen Zeugen, die auch für heute wieder geladen waren, befanden sich die Stettiner, Staraarder �und Kolberger Polizeibeamten, die die Feststellungen üoer die angeblichen Diebstähle getroffen haben. Zunächst wurde der Bücherrevisor Seiler-Stargard als Sachverständiger über die damalige Vermögenslage des Ehepaares Jürgens ver- nommen, wobei sich die merkwürdig« Tatsache ergab, daß in den m»isten zur Erörterung stehenden Zeitabschnitten die Einnahmen erheblich höher waren als die Ausgaben. Di« Differenz betrug in einem Fall 2999 Mark. Der Landwirt K« m p f f«- Stargard war an demselben Abend, an dem später der Einbruch verübt sein soll, bei Jürgens zu Besuch, weil er ihn als ehemaligen Hauptmann i« einer Ossiziersangelegenheit sprechen wollte. Jürgen, war jedoch gerade im Begriff, zu dem Herren essen in, Kasino zu gehen, und auf besonderen Wunsch der Frau Jürgens blieb Kempffe nim Abendbrot bei ihr, weil Frau Jürgens sich dadurch beruhigter fühlt« Gesprächsweise fragte Frau Jürgens an jenem Abend, ob «obl da, Bild ihres verstorbenen Mannes mit 20911 Mark zu hoch versichert sei. Im übrigen fet alles in der Wohnung in bester Ord- nung gewesen. Am nächsten Tag« habe er erst«Nähren, wa» sich nach setnem Fortgang zugetragen habe. Vors.: War Frau Iür- nn tcrtcm Abens sehr oufgereat? � e u q e: Nein, Aar nlcfrt. — Auf Befragen de, Angeklagten bestätigt« der Zeuae noch, daß Wryens ibni rmeberb�'t von kom'nnnistsschen Drohbriefen und auch von dem Brand im Garten erzählt habe. Gpfertage öer Nothilfe. verkguf von WohlfahrtSbriefinarken am i;., S. und 7. Marz. Die Deutsche Nothilfe veranstaltet in Berlin a m 5., 8. und 7. Mär, drei Opfertage, um durch verkauf von «ohlfahrtsbriefmarken den Wohlfahrtsvstegevereinen die Geldmittel zur ergänzenden Fürsorge für «ranke. Altgeworden«, Arbeitsunfähige usw. zu beschaffen. Freiwillige Helfer, die mit behördlichen Legitimationen verschen sind, werden in Thratern, Kino», Restaurants usw. und auch in den Wohnhäusern von ganz Berlin die Wohlkahrtsbries- marken zum Kauf anbieten. Die Markenhest« zu 59 Pf. »der zu 2 M. enthalten jedes eine Zusammenstellung von 5 Ps.- und 19 Pf.-Marken, die als Woblfahrtsbrtefmarken gekennzeichnet stnd, «ber wie jede ander« Briefmarke zur Freimachung von Briefen bis 3 9. Juni dieses Iabres benutzi werden können. Der Preis ist doppelt so hoch als der Nennwert, man erhält also für 59 Pf. Marken von zusammen 23 Pf. Wert (drei zu 6 Pf., eine zu 19 Ps.) mid sür 2 Mark Marken von zusammen 1»t. Wert(acht zu 5 Pf., sechs zu 19 Pf.). Der Preisaufschlag kommt den beteiligten Dohlfahrtspflegevereinen zugute. An dem llivoneehmen dieser Opfertag« sind Bereine der freien Wohl- fohrtspflege ohne Unterschied der Partei und der Konfession beteiligt. Dazu gehört auch die Arbetter- zoohlfahrt. so daß auch ihr bei reichlichem verkauf der Wohl.> fahrtsbriefmarken ein entsprechender Anteil an dem Reingewinn zufließt. Mit dem Verkauf von Wohlfahrtsbriefmarken wurde von der deutschen Nothilfe schon vor zwei Iahren begonnen. Ver. kaust wurden im ganzen Deutschen Reich in 1925 für 3 Millionen Mark Marten, in 1926 für 19 Millionen Mark Marken. Der Rein- gewinn für die damals beteiligten Wohlfahrtsoercin« stellte sich in beiden Iahren zusammen aus 214 Millionen Mark. Bei der Ver- teilung auf die große Zahl der beteiligten Dereine kommt von diesem Betrag auf jeden einzelnen Verein nicht viel, aber im ganzen kann damit' doch manckze Rot gelindert werden. Durck die jetzt veranstalteten Opsertage hofft man besser als bisher an die Gebe- freudigen heranzukommen, so daß der Markcnumsatz und der Rein- gewinn beträchtlich gesteigert werden, könnten. Unterftützungsstbwmöler. Auch ein Kapitel zur Not der Zeit. Der arme Sünder, der vor den Richtern steht, hat die Stadt Berlin um über 399 M. betrogen, indem er soft ein halbes Jahr lang nebeneinander die Woche 23 M. Kranken geld und 12 oder 14 M. Erwerbslosen Unterstützung bezogen hat. Also einmal als „Erwerbsunfähiger" Unterstützung von der Krankenkasse, das andere als„Erwerbsfähiger" von der Notstandsaktion der Stadt, beides zu gleicher Zeit. Dazu kam eine Kriegsrente für Leicht- beschädigte von 17 M. im Monat, so daß er, ohne zu arbeiten, mit 49 M. die Woche mehr Einkommen hatte als andere bei voller Be- fchäftigung. Bei Arbeitsaufnahme wäre außerdem noch die Frei- milch von der Stadt für seine beiden Kinder fortgefallen, aus die er als Erwerbsloser Anrecht hatte. Es ist zu verstehen, daß dieser Weg des leichten Erwerbs einen nicht gefestigten Charakter ver- lockt«. Und diesen Eindruck machte der etwa dreißigjährig« An- geklagte. Ermöglicht war ihm der Schwindel dadurch, daß er seine Krankenversicherung und den Bezug des Krankengeldes stets verschwieg und auf mehrfachen Anträgen unterschristlich anerkannte, daß er andere Einnahmen als die Kriegsrente und die Rotstandserwerbslofenumerstützung nicht habe. Ja noch mehr. Er, der in Behandlung seines Krankenkassenarztes stand, ließ sich von der Notstandsaktion Krankenscheine auf Stadtkosten geben und von dem mehrfach gewechselten Arzt wiederum auf Kosten to;r Stadt Milch verschreiben und andere Dinge. Doch der Krug ging nur so lange zu Wasser, bis er brach. Der Schwindler wurde entlarvt, überführt, gesteht ein. zahlt den damals noch ge- ringen überhobenen Betrag zurück, wird verwarnt, erkennt unter- schriftlich an, daß er im Wiederholungsfall dem Richter versallen ist. Und doch gelingtihmbalddaraufderBetrug wieder, diesmal mit einer größeren Summe. Nun nimmt das Schicksal seinen Lauf. Da» Amtsgericht hielt«inen Monat Gefängnis als genügende Sühne. Berufung beiderseits. So muß nun der Fall noch einmal vor der Kleinen Kammer des Landgerichts in Moabit abrollen. Zu leugnen ist nicht viel. Nur will der Angeklagte die derzeitige Verwarnung vor dem Arbeitsamt nicht richtig gehört hoben, weil er„schwerhörig" sei. Der kleine Schacher kann froh sein, er hat weise Richter gefunden. Sein« betrügerische Aneignung von Wohlfahrtsmitteln, die er anderen Bedürftigen wegnahm, wird zwar diesmal mit zwei Monaten Gefängnis geahndet. Aber er erhält B e- währungssrist. Wenn er sich drei Jahre lang gut führt und in dieser Zeit den vollen veruntreuten Betrag an die Stadt zurück- erstattet, jo wird ihm die Strafe erlassen. Versuche dieser Art, sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an öffentlichen Wohlfahrtsmstteln zu bereichern, find leider in dieser Zeit der ungewöhnlichen Rot nicht selten. Da ist zum Beispiel eine Witwe Beziehen» von Kriegselterngeld, heiratet wieder einen erwerbstätigen Mann und bezieht über ein Jahr lang Rente, Zusotzrente und auf neuen Antrag sogar eine städtischeZusatzunterstützung, indem sie bei verschiedenen Prüfungen im Hause ihren Ehemann als Astermieter ausgegeben hat. Immer beantrcgt und quittiert sie mit ihrem früheren Witwennamen, der auch noch ihre Wohnungstür ziert, also Betrug und Urkundensällchung. Es ist selbstverständlich, daß in all diesen Fällen die geschädigten Stellen vollen Ersatz thres Schadens zwangsweise beitreiben, dielen Betrügern also kein dauernder Gewinn bleibt. Dieser Ersatzleistung gegenüber tritt die eigentliche Strafe oft zurück. Aber nicht all diese kleinen Sünder aus der Rot der Zeit finden solch einsichtige Richter wie lener „Schwerhörige" in Moabit._ Ein schweres Unglück trug stch gestern nacht kurz vor 11 Uhr auf dem Bahnkörper der Vorortstrecke Berlin— Grünau, in unmittelbarer Näh« des Bahnhofs N i e d e r s ch ö n e wei d e, zu. Eine Ar- besterrott« war mit Gleisarbetten beschäftigt, Der Bahnunterhal- tungsarbeiter A r t u r Müller aus der Hussitenstr. 16 zu Berlin wurde von demherannahendenZugl528ersaßtund überfahren. Der Unglückliche wurde noch etwa zwanzig Meter m i t g e s ch l« i s t, ehe die Maschine zum Halten gebracht werden konnte. M. konnte mir noch als Leiche geborgen werden. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt. Thälmann, Notfront- unö blau! Don einer Kundgebung des„Roten Frauen» und Mädchen- bundes" am 24. Februar im Saalbau Friedrichshain gibt die„Skom- munistische Arbeiterzeitung" ein niedliches Stimmungsbild: Dann erhielt Teddy Thälmann das Wort zu seiner Band- wurmrede. Thälmanns Rede zeigte den ganzen Bankrott der KPD. auf. Selbst KPD.-Leute äußerten sich mißbilligend. Er sprach völlig unzusammenhängend« wirre Sätze. Staunen, Verlegenheit, Langeweile war das Resultat. Endlich hörte ich aufklärend:„Teddy ist heute wieder blau"!! Das war die einzig« und richtige Erklärung für dos konfuse Ge- rede. Einige Stilblüten mögen dies beweisen: Er sprach von dem „bolschewisierten Liebknecht" von 1916. Weiter: die Kantonarmee rückt mit ihren siegreichen Truppen und mit a l l« m T a t s a ch e n- Material immer weiter vor. Oder: Wer sehen kann, der kann auch blicken. Oder: Die 3. Internationole drückt jedes Herz an ihre Brust. So in diesem Stil geht es weiter. Endlos. Broschüren, Mar- ten, Bonbons werden inzwischen verkauft. Thalmann redet. Di« Leitung wird verlegen. Das Bureau berät flüsternd. Teddy redet weiter, Gruppen unterhalten sich im Saal ungezwungen. Thälmann fällt aus der Rolle und brüllt:„Was ist denn da los? Seid doch ruhig!" Er findet offenbar keinen geeigneten Schluß. Es ist heiß. Sanitäter werden gerufen. Thälmann spricht immer noch im Schweiße seines Angesichts. Endlich nach 1)� Stunden hört Teddy Thälmann auf. Wir können wieder aufstehen und singen und d i e Faust hoch st recken. Diese Kundgebung war eine einzige Katastrophe für die KPD. Der denkende Proletarier ringt nach einer solchen blöden Ko- mödie verzweifelt nach Luft. So die.�kommunistische Arbeiterzeitung", das Organ der KAPD,! DaS Treptower Eifersuchts-Attentat. Gestern abend kurz nach 7 Uhr starb im Urban-Krantenhaus die 46jährtge Privattere Emilie B i e n d el aus der Wexstr. 46 zu Wilmersdorf an den Folgen ihrer schweren Schußoerletzung, trotz der in den Nachmittagsstunden vorgenommenen Operation. Das Befinden des im Bethanicn-Krankenhause schwer daniederliegenden Krastwagenführers Eduard P. ist nach wie vor unverändert. Sein Zustand gibt zu Besorgniffen Anlaß. Die Verletzungen des Direktors Grau sind zwar schwer, doch besteht zurzeit keine Lebensgefahr. Sollten keine Komplikationen hinzutreten, dürfte er mit dem Leben davonkommen.— Wie wir noch erfahren, wurde die Täterin schon am Mittwoch abend in der Nähe der Wohnung beobachtet. Ohne Zweifel hatte sie schon am Mittwoch das Attentat geplant, und nur auf den Umstand, daß Direktor G. sehr spät heimkehrte, ist es wahr- scheinlich zurückzuführen, daß sie nicht schon an dem fraglichen Abend zur Ausführung der Tat schreiten konnte. Selbstmord eines Potsdamer Polizeibeamtev. Ein tragischer Vorfall hat sich in der letzten Nacht um 141 Uhr auf der Chaussee Eiche— Potsdam, zwischen der höheren Polizeischule und der Heeresschule zugetragen. Dort kam ein Polizei- auto mit zwei Polizeiofsizieren und zwei Regierungsbeamten im langsamen Tempo von der höheren Polizeischule her angefahren. Der Lenker des Wagens, Polizeiwnchtmcister Steffens aus Potsdam, verlor plötzlich die Steuerung und fuhr mit dem Kotflügel gegen einen Baum. Insolgedeffen mußte ein anderes Auto requiriert werden, und als es ankam, hörten die Herren plötz- lich einen Knall. Man glaubte an eine Fehlzündung, bemerkte dann aber das Fehlen des Stessens und fand ihn hinter dem Auto mit einem Schuß in den Schädel tot auf. Steffens hatte sich mit seinem Revolver erschossen. Der Verstorbene wird al» überreizt und sehr ehrgeizig geschildert. Verwandte von ihm haben ebenfalls durch Selbstmord geendet. Ein rabiater Ehemann. Ein unglaublicher Fall von Roheit spielte sich heute früh im Hause Reue Grünstr, 22 ab. Der Arbeiter Heinrich E., der erst morgens gegen 145 Uhr von einer Kneiptour heimkehrte, geriet mit seiner Löjäyrigen Frau Else in Streit. Plötzlich zog E. ein Messer hervor und versuchte seiner Frau, die im Bett lag, die Pulsadern durchzuschneiden. Er brachte ihr schwere Schnittwunden bei. Auf die gellenden Hilserufe der Frau eilten Hausbew-ohner herbei, die die bedrohte Frau aus ihrer bedrängten Lage befreiten. Frau E. mußte zur nächsten Rettungsstelle gebracht werden, wo ihr Rot- verbände angelegt wurden._ „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, und »Der Kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. kommunistische Rohlinge. Als zwei Parteigenossen, darunier ein 73 Jahre alter langjähriger Angehöriger unserer Partei, mit vier anderen, den beiden aber unbekannten Männern, ein Lokal in der Skalitzer Straße verließen, wurden sie von einer Horde junger Menschen angeariffen und trotz wiederholten Hinweises, daß ein Irrtum vorliegen müsse, beschimpft, geschlagen und zu Doden geworfen. In der Tat lag«in Irrtum vor. Di« Helden vom Gummiknüppel und Schlagring waren jung« Kommuni st«n, die Nationalsozialisten eine Tracht Prügel zugedacht hatten. Hernach aber, wenn solche Burschen gefaßt und für ihre rohe nnd gemein« Tat eine gerechte Strafe bekommen, rast die kommunistische Presse über die„Ungerechtigkeit" der Justiz. Die Beisetzung des ermordeten Potsdamer kasseabolen. Unter großer Beteiligung der Potsdamer Bevölkerung fand gestern nach- mittag die Beerdigung des am Ruinenbcrg in Potsdam ermordeten Kasscnboten Bernhard Hammermeister statt. Die Zögling« de» großen Potsdamer Waisenhauses unter Führung ihres Lehrers gaben dem Toten ebenfalls das letzt« Geleit. Ein Lehrer wegen Rolzuch« verurteilt. Das Schwurgericht i« Kiel verurteilte den Lehrer Klaus Blunck aus Gremersdorf wegen Rotzucht in zwei Fällen zu drei Iahren Zuchthaus und acht Iahren Ehrverlust. «ekretene» Recht der krtezeopler. Zu diesem Tdema nersuslallet»er NeickiSbund der.giier>?btIck>Sdigtcn am Sonnlag, dem«r März 1927, vorwittn,« 10 Nbr, im.Dalballa-Tbeatci'. WeinbergSweg 19/20, eine aros;e Preten« kundgebling.?unieSvorsitzerder Chnsloph Psändner spricht über:.«tvrsckvlivnteeb»ng ibr die Plllfbere« Itie?Irb-It ued b»ao meliert Hu-*" Frühjahrs- Ulster ailUlf r»u- iapr. ZirlrB-ChtTiol Gabardin.-Mantel nrelrelhig mit Gtxrt, i» taakftl" friu and danktlmod«.... Frühjahrs» Ulster ans kÄnertem Cheriet, rain« CO Wolla............. Uta"" Frühjahrs- Ulster rq dunkelpTanor impr. Gabardina Uv)«*"* Frühjahrs- Ulster rq ■•Mwbig. Clidiot».Uskaiksro 00-"" Gabardine-Ulster in Covercoatfarbe und dunkel» fC trau, karierte RttckiHte... Frühjahrs-Mantel aas elof»ntem. nütelfraaeB OQ Shetland. einreihig...... v Ja"" Frühjahrs- Ulster ane fein gestirntem imprSgm. 0*7 Gabardine..........•** Frühjahrs- Ulster a'ie dun uelinodefarbi gern elej. tflfj Gabardine, karierte Rückseite. lUUa'"* Uebergangs-Ulster ■ob grmbruunem b»lb.oh*.rm 11C GBb.rdin........... I lüi"" Frühjahrs-Paletot an» Maroago-CheTlot, einreihig, J*? rerdeckte Leiste 75— 63.—■ffa* Jüngl.- Schlüpfer er»» n. B«d»?trblnr>»»»,»»11. OjI CabardiB........ Gr fct SH«— Jünglings> Ulster ■edera geoaeterter Cheriet 99 ............. Gr 31 Ulla— Jüngl,- Schlüpfer modefarbiger Well- Cheriet 9C ......... Gr SS vllaläu«Bi Taek er fUr KnBb.B, BOB für» Jthr»...... J.4.«.lt.r* OrbS. t— nehr Knaben-Ulster tue braurmellertem Cheviot. eln- u. sweirelhlge Form, für2 Jahre. Jede reltere GrbGe 0.50 mehr Knab- Schlüpfer aus modern gemustertem Cheriet für 2 Jehre....... Jede weitere GrSfte L— mehr 0f%jJhScü°i£S-OTVcLrdjeX' yfpyö&cnsie Siofie* ytecueste �wrruerx* yiiedrigste ffeeigie OLrtfehcrst wachfenüer Metallverbrauch. Zugleich Preissteigerungen durch Produklionseinschränkung. Auf den Metollmärkten ist seit einigen Tagen�'ein Umschwung eingetreten, der zu erheblichen Preissteigerungen an nllen internationalen Metallbörsen gesührt hat. Die Gründe für dos Auf- leben des Geschäfts sind sowohl in den bevorstehenden Produtlions- einschränkungen de? amerikanischen Erzeuger, als auch in der Beste- rung des allgemeinen Metallverbrauchs zu suchen. Die Marktlage hatte sich für Blei. Kupfer und Zink seit Herbst' vergangenen Jahres von Monat zu Monat o« r s ch l« ch- t e r t, während Zinn infolge Knappheit an Vorräten, Verminderung der Erzeugung und Steigerung des Verbrauchs seine enormen Preis- steigerunaen fortsetzen konnte. Den größten Druck hatte das schlechte Kupfcrzeschäst ausgeübt, und die Haltung des internationalen Kupfer- kartells, das widerstandslos der Marktbewequng gegenüberstand, führt- sogar zu Differenzen zwischen den Mitgliedern des Kartells. Bisher hatte man alle Hoffnungen auf eine weiter« Steige- rung des amerikanischen Derbrauä)?? gesetzt, doch sah mau sich darin durch das Nachlassen der amerikanischen Käufe getäuscht. Es genügt der Hinweis, daß der Kupfervcrbrauch in Nordamerika im Monat Dezember um ungefähr 10 000 Tonnen, der Zinkoerbrauch um'S000 und der Bleivcrbrauch um 8000 Tonnen zurückgegangen ist. Die amerikanischen Vorräte haben sich infolge des sinkenden Inlands- Verbrauchs und der Verschlechterung der Exportverhältniste seit An- fang Dezember stark oermehrt. Die Welworröte von Zink z. D. sind während der Zeit vom 1. September 1026 bis 1. Februar 1027 von zirka 27 000 auf 47 000 Tonnen angewachsen. In allen Metallen außer Zink ist die Erzeugung ohne Rücksicht auf die Verschlechterung des allgemeinen Wclwerbrauches so gestiegen, daß die Statistik für 1926 und für Januar 1927 Rekordziffern aufzuweisen Hot. Jetzt haben die amerikanischen Kupfer-, Blei- und Zinkcrzeuger gemeinsam mit den europäischen ein« Einschränkung der Kupfererzeugung um etwa 8 Proz., der Dleierzeugung um 15 Proz. und der Zinkerzeugung um zirka 10 Proz. beschlossen. Gleichzeitig setzt eine größer« Nachfrag« der europäischen und amerikanischen Industrie nach Blei, Zink und Kupfer ein, so daß die Krise, die an den Metallmärktcn herrschte, als überwunden anzusehen ist. Für Zinn ist die Lag« so günstig geworden, wie nie. Di« Welterzeugung ist für l 026 um 3000 Tonnen z u r ü ck g e- gangen, während der Weltverbrauch um etwa 2000 Tonnen gestiegen ist. Die Vorräte sind mit ungefähr 14 500 Tonnen so niedrig, daß der Monatsverbrouch der Vereinigten Staaten nur zweimal gedeckt ist. Die Preisbewegung ergibt sich aus folgender Zufammenstellung: 7. S 27 Elektrolhtkupfer Blei.... Hüttenzink.. Zinn... Auch die zurückgehalten 8. 1. 27 120' st M. BS1/«. . 66 V,. . 613„ Spekulation, hatte, betätigt sich 126-st M. je 100 Kilo 63... 62 64o.... die seit Mitte Dezember sich sehr am Londoner und am Berliner 123", M. 54'/,. 68'/,. 620. Markt seit einigen Tagen in Erwartung einer Metallhausse wieder sehr stark. Da auf dem Zinkmarkt der Konflikt zwischen In- dustrie und Handel durch Abmachungen maßgebender Großhandels- firmen und Zinklieferanten beigelegt wurde, wird für Zink«in« steigende Preisentwicklung erwartet. Di« Verhandlungen über die Bildung eines oberschlesischen Zinksyndikats sind vorläufig vertogt, dach sind bereits Besprechungen zwischen Zlmerita und Europa über«in« internationale Er- zeugungstontrolle im Gang«. D!« Anregung zur Fühlung- nahm« der Zinkerzeugung geht von derHarriman-Gruppe aus, die seit dem vorigen Jahre(Giescha!) ja einen großen Einfluß auf die deutsche und polnische Zinkcrzeugung gewonnen hat. Hegen die Srotteuerung! Trotz ungenügender Versorgung und steigender Lebensmittel- teuerung streben di« deutschen Agrarier noch weitere Zugestöndnist« an, wodurch die an und für sich ungünstige Getrcideoersorgung Deutschlands noch unzureichender fein wird. Ols Cietr 100125 Dexitsclvlaitdls tx.l9a6 Iix.lOOO dz U 851801 Ernte Ea Ausfuhr IlEinfulir Bvcrsor�unC 66516 62090 59inh = mar, 6621»! 1 Itr m 702. is i: IS I? i 1 S 9 SL S Ii i P P z!■ ch»4 s s S 44 3.96m Ii ZA See=di m ä | K S S w» i 2... i? ig l? is =5=E i I i i 1911/13 1926 1911/13 1926 1911/13 1926 1191/13 1926 Roggen Welzen Gerste Hafer In dieser B«zl«hung ist die vorstchende Graphik sehr instruktiv. Die Eeireideversorgung Deutschlands im Jahre 1926 Hot beim Roggen nur 69,4 Proz., beim Weizen 77,1 Proz., bei der Gerste 66,2 Proz. und beim Hafer 8Z!0 Proz. der jeweiligen Ergebniste für den Durchschnitt 1911/13 erreicht. Mengenmäßig verglichen war im Jahre 1926 beim Brotgetreide der Einfuhrüberschuß rund 2 Millionen Doppelzentner größer als 1911/13, obwohl die Versorgung?- menge 41,4 Millionen Doppelzentner kleiner war. Auch die Versor- gung Deutschlands mit F u t i« r getreide zeigt ein unersreuliches Bild: 1926 sind 19,1 Millionen Doppelzentner weniger eingeführt worden als 1911/13,»nd die Versorgungsmeng« weist einen Ausfall von 33.5 Millionen DoppelzeMnern aus. Angesichts dieser gefährlichen Lage müssen die bisherigen Schutz- maßnahmen zugunsten der deutschen Landwirtschaft einer gründ- lichen Revision unterzogen werden. Für di« Versorgung mst billigem Brotgetreide hat die Sozialdemokratie durch ihren Antrag auf Suspendierung des Roggenzolis den Weg gewiesen. Ueberflüsiige Verteuerung beim Wohnhausdau. Dazu wird uns geschrieben' Dem Minderbemittelten stehen für seinen Vau Houpi- sächlich die Hauszinssteuer, die Stadtfchasten und Sparkassen als Geldgeber zur Verfügung. Wer«in Haus bauen will, möge reich- llch vor dem beabsichtigten Beginn die Unterlagen beschaffen und die geldlichen Angelegenheilen regeln. Di« Beschaffung der Grund- buch-, Kataster- und sonstiger Auszüge erfordert mindestens fünf '-*1 Wochen. Anirag'*----- 1—"---- n Fall ein hol bis sechs Wochen. Am rag« auf Hauszinssteuer laufen im g ii n ' i g st e n Fall ein halb« der Stcihrichaft kann man mit 12 Wochen rechnen. st ! s bis dreiviertel Jahr. Bei Der Betrag der Hauszinssteuer kommt voll zur Auszahlung, die Gelder der Stadtschaft j«doch nur mit 95� Proz. Man sollte meinen, daß dies« öfsentlichm Institut« Vermittler und sonstig« Vevteuerer nicht zulassen, da ihre Existenz kein Gelzsimnis und die Weiterleitung von Anträgen keineswegs«iner Leistung entspricht. Der Einwand, daß die Anzahl der Geldsucher zu klein und somit «in« Vermittlung erwünscht wäre, dürft« durch di« große Anzahl der vorliegenden und zurückgestellten Anträge glatt zu widerlegen sein. Die groß« Zahl der Daulustigen, gerade aus minderbemitiel- ten Kreisen, die jeden Pfennig für ihr Eigenheim mühsam absparen. werden hierdurch überflüssigerweis« geschädigt. Bei einer Vermitr- lung von 5000 M. b«! der Äadtschast erhält der Hypothekensckuldn-r nach Abzug der Gebühren und 2 Proz. Provision statt 5000 M. nur 4635 M. Bei einem Privotgeldgeber erhält man wenigstens den Rennbetrag. Es ist daher dringend zu fordern, daß oll« öfsentlichen Slelleu Auf- träge von Vermittlern zurückweisen, um die Bevölkerung vor solchen unverdienten Geldleistungen zu schützen. Ein Zusammenschluß aller Wohnungssürsorgegesellschosten zu einer einheitlichen Abwehrfront ist sehr zu begrüßen. Die Wohnungsfürsorgegesellschaft Berlin m. b. H. ist mit gutem Beispiel vorangegangen und warnt ausdriick- lich vor solchen Vermittlern, die unter keinen Umständen bei ihr zugelassen werden._ Di« preußischen Handelskammern znr wirlschastslage. Der von der preußischen Regierung aus Grund von Berichten preußischer Industrie- und Handelskammern zusammengestellte Konjunkturbericht für den Monat Februar 1927 stellt fest,„daß die in der zweiten Hälfte des Vorjahres begonnene Besserung der Wirt- schastslage, wenn auch langsam, doch stetig sort- schreitet". Wenn auch die durch den englischen Streit gesteigerte Kohlenproduktion allmählich wieder aus ihren natürlichen Stand zurückgeht, hat die Eiftnindustrie»in« weitere Belebung erfahre». Di« Lage der elektrotechnjschen Industrie hat sich wesentlich»er- bessert. Auch der Stand der- chemischen, der Textil- und der Rah- rungsmiitelindustrie ist befriedigend. Bezüglich des Arbeitsmarktes wird bemerkt,„daß der im Winter eingetreten« erneute Tiefstand überwunden zu sein scheint". tokM-tern. MMi 19 On 9 Hin Erfa'gc wijf» kli iif wiitrci«r'ingcil Blutsbruderschaft 12 spannende Akte Das arstklassire Belproc;: Die grelle nQfinenscnj ramm. an. WMiM-WM. KM. 18 Ab Freitag, den 4. Mira: Die Tfiiszerin des Zaren Ein russ. Sensationsfilm i.Usp. Akten Da» große Belprogiamm.— Die erstklasoltte CoQCorilia-Palait, MeautraBe 64 Vom 4. bis 7. März Eine tolle Nacht dazu: Gespensterfarm BGhneosctiau. ZnrNenelnrtdimD�, Urnzofi oder ßenoviernnd Ihrer Wohnung empfiehlt sich Dekorateur Alfred Walter La�er und Anfertigung von Dekorationen und Gardinen aller Art Betl-Jlsdca Diwondedien iuBerst billig nur MeuKOlla. Seldiower Str. 6 II. Etage, Kein Laden I Tel. 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Sannabend, Sonntas- Beginn der VorsteUunRen: WoehantajfS 7 und 9 Uhr, Sonntag;» 5, 7 und 9 Uhr. Einheitspreis auf allen Platzen 0,89 Mark. MwortMe iBilaiii: IMn-fila-SKiiMiM e. G. i. b. H. ifcederel ralckensteifistr.49 Kicck Moritzplatz SI97, Ab Oberbaumbrücke jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag sowie an allen Feiertagen 2 Uhr mittags reizvolle Frflhlinösfahrfen mit dem eleganten Decksalondampfer„Poseidon" nach Neu-Herlngsdorf und über den Müggelsee nach Neu-Hclgoland Fahrpreise: Hin and sarfick: 1.— Hark— Sonntags l.SO Hark— Kinder die Hälfte. Total- Ausverkauf wette Aattobe der VcrhanlMtcil« aar Riesig herabgesetzte Preise I�W Bett-Wfisciie| Damen-Wische Bcrren- wasche Beft-BczUt*.• v. 2.Wan Bett- Laken... V. I tS an Bett• Oaraitaren Damast• Dimltl- Linau Leberlaken, gern. Kissen enorm herabgesetzt. Hemden Nachlhemden Hemdhasen v. JSPf. an v. 2.25 an v. l.H an Mikabitist. Garnituren PrlnreSrficke, Unlertaillen bis 60•/„ herabgesetzt Okerhemdea.ZKrg. T. Z«o an Nermalhd. o. 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