Nr. tt6 ♦ 44.?ah?g. Ausgabe A Nr. 59 Bezugspreis. WAchentlich 70 SfenntiL monatlich ». äictdismorf voran» zahlbar. Unter Kremdand kirr Deutschland, Drwio Saar, und äHtmelaebtet, Oeiltttctd) Litauen Lurembur, 4,50 Zi-ichsm-il, für da» llbri«, Ausland 5L0 Reichsmarl vro Monat. Der»Vorwärts� mit dar illustrier» ten Sonnlogsbeilag«.Boll und kieit� sowie den Beilaaen.Unlerhallunq und Dissen".Aus der llilmwelt-, .Frauciitlimme-.Der ilinder- freund" �Luaend-Lorwärts" und .Blick in die Bilcherwelt" erscheint wochentaalich zweimal, Sonntag, und Montags einmal. Telearamm-Adreste: »sozialoemolrot verlia- Morgenans.qabe IIWW ZZerlinev VolKsblakt �10 pksnnig� Anzeigenpreise: Die e i n l v a I t i a« Ronrareille. »eil« SO Pfennia, Reklame, eile i,- Reichsmark,.stlelne Anzeigen- das kettaedruckie Dort 25 Pfenni» szuläMa zwei kettaedruckii Dort«), I.edes weitere Dort 12 Pkenn'a. Liellenaesuch« das erste Dort 15 Biennin,>edez weitere Dorf 10 Pfennia, Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarks üeile 50 Pkenni». gamillenanzciaen für Bbonnenlcn Ü-ile 40 Vsennia. «nzaigan Mr die nächst« Nummer müssen bis IIb Uhr nachmittaas im Kauvtaefchäft. Berlin SW 03. Linden. strafte 3. abaeacben werden, EcSi-net von S1j> Uhr trüb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifcben parte» Deutfchlands Neüaktion und Verlag: öerlin EW. HS, LinSenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff ÄSÄ-SS7. Deutfth-polnisthe Besprechung in Genf Die Minister hoffen auf Beilegung der Schwierigkeiten. V. Scfi, Gens, 9. März.(Eigener Drahtbericht.) Die erst« Be- gegnung Stresemanns mit Z a l e s k i fand heute nachmittag im chotelzimpler des deutschen Außenministers statt. Zunächst lediglich unter vier Augen, dann wurde auch Gesandter Rauscher zuge- zogen. Folgender amtlich« Bericht wurde ausgegeben: Reichsminister Dr. Stresemann empfing heute den polnischen Minister des Aeußern Zalesti und hatte mit ihm eine Unter- redung, in der insbesondere die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen Gegenstand der Besprechungen waren Aus Grund dieser Unterredung werden die beiden Minister des Aeußern ihren Kabinetten Vorschläge unter- breiten, von denen sie«ine Behebung der gegen- wärtig bestehenden Schwierigkeiten erhoffen. Dieses Kommunique wird dahin ausgelegt, daß zwar gewisse Schwierigkeiten noch immer bestehen, daß jedoch die baldige Wiederaufnahme der chandelsvertragsverhandlungen zu c r- warten ist. Mehr war schon deshalb nicht in Erfahrung zu bringen, weil unmittelbar, nachdem Zalefki dos Hotel Metropol verlassen hatte, B r i a n d bei Stresemann erschien und ihm erst kurz vor einem offiziellen Festessen verließ, das Stresemann zu Ehren der Völker- bundsratsmitglieder veranstaltete. Rur Briand nahm daran nicht teil. Aber irgend eine politische Bedeutung kommt seinem Fern- bleiben nicht zu, denn der französtsche Außenminister nimmt auf ärztliche Anordnung überhaupt niemals eine Einladung zu einem Abendessen an. Er ist(53 Jahre all, sein Gesundheitszustand hat stch seit einigen Monaten sichtlich verschlechtert und er muß spätestens um 9 Uhr abends zur Ruhe gehen. Zu diesem Galadiner sei nebenbei bemerkt, daß die deutsche Sprache einen weiteren Sieg auf dem Weg« zu ihrer Gleichberechti- gung erfochten hat. Das Menü wurde in deutscher, statt, wie noch allgemein üblich, in französischer Sprache gedruckt! Die„staats- bürgerliche" Regierung hat somit in Genf wenigstens einen be- trächtllchen Erfolg— in Ermangelung anderer— errungen. Uober die Unterredung Briands mit Stresemann weiß man, daß sie sich in der Hauptsache um die Saarfrage drehte. Die Schwierigkeiten sind noch immer bettächtlich, nachdem die Franzosen sich aus den bereits dargelegten Gründen weigern, den Belgier Lambert zu ersetzen. Dazu sei noch folgendes bemerkt: das französische Argument, daß das deutsche Ersuchen um Ersetzung Lamberts durch eine Persönlichkeit, die das Vertrauen der Saar- beoölkerung genießt, zu spät mitgeteilt worden sei, trifft nur zum Teil zu. Richtig ist, daß die S a a r d e l e g a t i o n, die bei jeder Tagung des Rates in Genf erschien, ihre Beschwerden und ihr Miß- trauen gegen Lambert schon l ä n g st zum Ausdruck gebrocht hat. Das hat insbesondere die saarländische Sozialdemo- tratie getan, die im März 19215 in einer den Ratsmttgliedern ein- gereichten Denkschrift den Fall Lambert ausführlich und eindeutig erörtert hat. Aber die deutsche Regierung soll in der Tot versäumt haben, sich diese Forderung offiziell rechtzeitig zu eigen zu machen. Erst vor etwa zwei bis drei Wochen sollen die ersten omt- lichen Schritte getan worden sein. Der Formfehler liegt anscheinend in Berlin. Jedenfalls ist infolgedesien die Einigung über das Kompromiß wesentlich erschwert. Dennoch erklärte Briand nach seiner Unterredung mit Stresemann den französischen Pressevertretern, die Einigung habe Fort- schritte gemacht und die endgültige Einigung sei nur eine Frage von Stunden: im übrigen sei die Saarfrage nicht von weltpolitischer Bedeutung. vas erschwindelte Schubert-?nterview. V. Sek. Gens, 9. März.(Eigener Drahtbericht.) Di« sonder- baren Aeußerungen, die der Pariser„Excelsior* am Dienstag dem Staatssekretär v. Schubert in den Mund gelegt hat, sind heute abend Gegenstand eines deutschen amtlichen Dementis. Es handelt sich um einen unentschuldbaren groben Vertrauensbruch. Ein nicht mehr ganz junges französisches Fräulein Tabouy. die Nichte des einstigen französischen Botschafters in Berlin. Jules T a m b o n. jetzigen Borsitzenden der Botjchaster- konserenz, meldete sich am Sonntagnachmittag bei Staatssekretär v. Schubert an, den sie von der Zeit her kennt, als ihr Onkel noch in Berlin wirkt«. Herr v. Schubert glaubte aus Gründen der Courtoisie und der Diplomatie diese Dame empfangen zu müssen, die im übrigen sorgsältig verschwieg, daß sie sich nebenbei noch journalistisch betätige. Im Laufe der Unterredung betonte Schubert zweimal ausdrücklich, daß es sich natürlich nur um ein rein p r i° vates Gespräch handle. Das hinderte die Dame aber nicht, die Aeußerungen des deutschen Diplomaten, zum Teil wohl auch in entstellter Form, dem Dertreter des„Excelsior" zu v e r- taufen. Gegen solche journalistischen Raubrittermaniercn müssen die ernsten Presseberichterstatter aller Länder entschieden protestieren, denn dann hört jedes Vertrauensverhältnis zwischen Pressevertretern und Staatsmännern auf, das die Boraussetzung für ein nützliches Wirken der Presse bildet. Das alles ändert nichts an der Tatsach«, daß Herr o. Schubert in seinen Aeußerungen allerdings unvor» l° ch t i g gewesen ist. Mafarpk besucht den Rat. Präsident Masaryk hat von Prag aus seine Erholungsreise nach dem Süden angetreten, trifft am heutigen Donnerstagnachmittag in Genf ein, wird einer Ratssitzung beiwohnen und eine Besprechung mit Briand haben, der einst als erster EMenteminister Masaryk gegenüber schon 1915 die Zerschlagung Oesterreich-Ungarns und die Errichtung des Tschechenstaates als eines der Kriegsziel« anerkannte. tzollanü gegen Süöchina? Scharfer Protest der Sozialdemokratie. Amsterdam, 9. März.(Eigener Drahtbericht.) Das sozialdemo- kratische Zentralorgan„Het Volk" wendet sich entschieden gegen eine Teilnahme Hollands an den Kämpfen um Schanghai. Das Blatt schreibt, daß unter dem Borwande eines Höflichkeitsbesuches das niederländische Kriegsschiff.Sumatra" vor Schanghai erschienen ist und nunmehr die Niederländer mit den Japanern gemeinsam den östlichen Teil des Stellungsgürtels um die europäische Niederlassung beziehen, also die Besucher aus die Be- suchten schießen sollen. Alle offiziösen Erkläningen, daß die Nieder- lande sich an dem Konflikt nicht beteiligen, seien demnach Irre- sührungen gewesen. Man müsse aber auch mit der Rück- Wirkung dieses bewaffneten Auftretens auf die Bewohner von Holländisch-Jndien rechnen. Ablehnung des Abrüstungsantrags. Amsterdam. 9. März.(Eigener Drahtbencht.) Da Artikel 1 des sozialdemokratischen Abrüstungsgesetzentwurfes mit 33 gegen 32 Stunmen abgelehnt wurde, zog Abg. L a a h den Gesetzentwurf zurück. Der Entwurf sah eine wesentliche Verminderung des Heeres vor. Fortschritte der Südarmcc. konton. ö. März.(Chinesische Nachrichtenagentur.) Vor Schanghai liegen gegenwärtig insgesamt S1 Kriegsschiffe englischer, amerikanischer und japanischer Natwnalität. Die S ü d a r m e e besetzte gestern W u h u am Yangtsefluß, eine wichtige Handelsstadt In der Provinz Anhui, und setzte den Bormarjch in der Richtung-uf Nanking fort. Rußland gegen Tschangtsolin. „Weiße" Russen, die bei den Nordtruppen sind, haben ein sowjetrussisches Schiff auf dem Jangtjekicmg geraubt, aus dem u. a. ein diplomatischer Sowjetkurier und Frau Borodiu, die Gattin des bekannten russischen.Beraters" der Kantonarme«, waren. Das Schiff wird als Truppentransporlschisf gegen die Südormee be. nutzt und den Gefangenen soll Lebensgefahr drohen, wenn sie nicht gar schon hingerichtet sind. Rußland hat von der Pekinger Regierung, sehr nachdrücklich Rückgabe des Schiffes und der Ge» fangenen gefordert. Kampf um Wutschau. pari». 9. März.(EP.) Wie die Agentur Inda- Pacffique meldet, ist die Schlacht um Wuffchau in vollem Gange. Noch nicht bestätigte Gerücht« wollen wissen, daß die Kantoner den Einzug in die Stadt erzwungen haben. Hungerstreik in Bulgarien. Verzweiflungsakt ion der politischen Gefangenen. S o f i a. 9. März.(Eigener Bericht.) Der Im hiesigen Zentralgefängnis unker den politischen Gefangenen ausgebrochene Hungerstreik beginnt sich auch auf die Gefängnisse in der Provinz auszudehnen. wie aus Philippopel. Basardschik und anderen Stödten gemeldet wird, verweigern auch dort die politischen Sträflinge die Annahme jeder Nahrung. Die faschistischen Zeitungen fordern Ablehnung jeder Amnestie und melden lroalsch, daß die von den Sirelkenden verwelgerlc Nahrung an die kriminellen Verbrecher verabreicht wird, die sich dabei„wie nie zuvor wohl fühlen". Die französische Wahlreform steht die Rückkehr zur Kreis- wohl ohne Proporz vor. Je 190 999 Einwohner werden durch einen Abgeordneten vertreten sein. Die neu« Kammer wird da- nach 587 Mitglieder, also drei mehr als gegenwärtig, zählen. Der unredliche Verwalter des beschlagnahmten Feindeigenlums in Nordamerika. Miller, ist zu 18 Monaten Gefängnis und 5999 Dollar Buhe verurteilt worden. Der Mitangeklagte Dougherty wurde freigesprochen, da sich das Gericht über sein« Schuld nicht einigen tonnte. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin Ew. öS, Linöenftr.Z «»NlSikckfsnt»! Belli» 87 530—«»»Nouto: Bank der Arbeiter. All« esse Ute» »ab Beamten. Waller. 05:»irkoaio-Selellsibait. I>e»»Iitcnkasse Lindcnstr. 3. Heerschau öer Wirtschast. Jndustrialifierung und Beschäftigung ISO? und 1S2f>, So viel über Volkswirtschaft geschrieben und gesprochen wird, so gering ist zugleich die Möglichkeit, die großen wich» tigen Tatsachen und Zusammenhänge einwandfrei nachzu- prüfen. Schon über den Einzelbetrieb breitet das Geschäfts- geheimnis einen Schleier, der selbst von den Eingeweihten schwer zu durchdringen ist. Die Volkswirtschaft als Ganzes, die Wechselbeziehungen zwischen Kapital und Arbeit, die Ver- teilung der Menschen Otis die einzelnen Produktionsgebiete innerhalb eines Landes— alle diese wichtigen Tatsachen wer- den ungefähr nur zweimal in jedem Menschenalter zahlen- mäßig gemessen und geprüft. Eine solche Messung hat am 16. Juni 1925 für das Deutsche Reich stattgefunden. Die ersten Ergebnisse dieser Zählung für das ganze Reich liegen jetzt vor. Die Umschichtungen in der Industrie, im Handel, im Verkehr sind so entscheidend für die gesamte Wirtschafts- und Sozial- Politik, sind von so grundlegender Bedeutung für die Beurtei- lung politischer und soziologischer Zusammenhänge, daß es notwendig erscheint, die hervorstechendsten Tatsachen festzu- halten. Unaufhaltsam schreitet Deutschlands Entwicklung zum Industrisland vorwärts. Seit 1907, dem Zeit- Punkt der letzten Berufs- und Betriebszählung, hat sich die Zahl der Gewerbebetriebe— wobei 1925 das Saargebiet nicht einmal berücksichtigt ist— in dem Deutschen Reich heutigen Umfanges um nicht weniger als 429 000 nämlich von 2 983 000 auf 3 412 000 erhöht. Das sind 14,4 Proz. Gering aber ist diese Steigerung im Verhältnis zur Zahl der A r b e i t s k r ä f t e, die Industrie, Handel und Ber- kehr angesogen haben. Fast vier Millionen Menschen, genau 3,78 Millionen Arbeitskräfte mehr als vor 18 Iahren, arbeiten in der Industrie. Die Steigerung beträgt 28,5 Proz., ist also doppelt so groß wie sie nach der Zu- nähme der Betriebe sein müßte, wenn die durchschnittliche Größe des einzelnen Betriebes sich in den 18 Jahren nicht geändert hätte. Der Einzelbetrieb hat sich jedoch wesentlich vergrößert. Die Statistik bestätigt nur die Erfahrung des Alltags, wenn sie feststellt, daß heute bei gleichen Zahlmethoden auf 100 Be- triebe im Durchschnitt 500 Arbeitskräfte kommen, wo 1907 7mr 445 Köpfe je 100 Betriebe gezählt wurden. Die Ent- Wicklung heutet die Konzentration des Kapitals an, soweit sie sich in der Größe der Fabrikattonsstätten, Niederlaffungen, Agenturen usw. ausdrückt. Sie deutet an—. Worüber sie jedoch nichts sagt, das ist die kapital- mäßige Zusammenfassung der Einzelbe- triebe in den Händen weniger Besitzer. Wir wissen aus der kürzlich veröffentlichten und im„Vorwärts" gewürdigten Konzerndenkschrift der Reichsregterung, daß heute zwei Drittel der Aktiengesellschaften, von denen viele bereits mehrere Produktionsstätten umfassen, in Wechsel- seitiger Abhängigkeit voneinander oder von einer ihr übergeordneten Finanzgruppe sind. Das war 1895 nicht einmal in spärlichen Anfängen der Fall. Hätte die Betriebs- Zählung exakt festgestellt, wieviel Arbeitskräfte vor 18 Jahren und heute auf denselben Arbeitgeber entfallen, so würde das Bild von der Konzentration des Kapitals unend- lich viel deutlicher sein. Ader auch in den genannten Zahlen kommt bereits zum Ausdruck, wie der gewerbliche M i t t e l st a n d von dem Mühlrad der Kapitalakkumulation, der wachsenden Mechanisierung der Produktion erdrückt wird. Und es wirkt fast lächerlich, mit welchem unverwüft- lichen Optimismus sich die Mittesständler politisch an die Frackschöße derjenigen Partelen klannnern, deren Träger zu» gleich die Nutznießer der Kapitalhäusttng und des Forsschritts zum Großbetrieb sind. Tatsächlich ist das, was die Betriebszählung über die fort- gesetzte Ausdehnung der Großunternehmungen sagen kann, nur ein schwacher Abglanz der wirklichen Entwicklung. Da- von gibt eine andere Erhebung Auskunft, die gleichzeitig durchgeführt wurde und die den steigenden Einsatz mechanischer Arbeitskraft an Stelle der mensch- lichen kennzeichnet. Die deutsche Industrie verbrauchte 1925, also noch längst vor dem Beginn der großen Ralionalifierung, dreimal soviel Krastmaschinenleistung wie 18 Jahre ftiiherl In einer Zeit, wo man den Verbrauch menschlicher Arbeitskraft nur um ein gutes Viertel steigen, konnte, hat man die dem Menseben dienstbaren Raturkräste unter gewaltigem Kapitalaufwand verdreifacht. Da die mecha- nische Kraft in weit stärkerem Maße dem Groß- als dem Kleinbetrieb zugute kommt, zeigt sich in diesen Zahlen mit großer Deutlichkeit die Wirkung des großen Umfchichtungs- Prozesses vom kleinen Werkstatthandwerk zur großen Fabrik, wie ihn die deutsche Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten seit dem Iahrhundertende erlebt hat. Und doch wurde trotz steigender Zahl und Leistung der Maschinen wenigstens bis zum Zeitpunkt der Betriebs- zählung der Bedarf an Arbeitskraft nicht geringer, er stieg vielmehr um 28,5 Proz., wie bereits erwähnt wurde. Ein guter Teil dieses Mchrbedarfs— leider ist er nichl zähl- bar— ist auf die wachsende Macht der Gewerkschaf- ten zurückzuführen, die mit wachsender Ergiebigkeit der Pro- duktion einen größeren Anteil am Ertrag der Gütererzeu- gung dem arbeitenden Menschen zu sichern vermach- ten. Die Arbeitszeit wurde sozialer gestaltet, gegen den Willen der Unternehmer. Wäre heute noch allgemein der Zehn» und Zwölfstundentag der kapitalistischen Frühzeit in Geltung, so hätte der Bedarf an Arbeitskräften sicher nicht in dem Maße steigen können, wie es tatsächlich der Fall war. D a ß es so kam, daß ein größerer Teil der Menschen an einem wachsenden Produktionsertrag teilnimmt, fei es durch höhere Löhne, fei es durch kürzere Arbeitszeit und durch sozialere Arbeitsbedingungen, das beweist den vollendeten Unsinn kommunistischer Agitation gegen die Rationalisierung, die in Wirklichkeit ein Kampf gegen wirt- schaftlichen Fortschritt ist. 1907 bis 192-5 war eine solche Zeit der Rationalisierung, nur daß man sie damals nicht so nannte. Und die Arbeiterschaft braucht den Fortgang der Rationali- sierung nicht zu fürchten, wenn sie stark, geschlossen und kämpf- bereit dem Willen der Unternehmer entgegentritt, die Rationalisierungsgewinne nur dem Kapital- profit dienstbar zu machen. Indem die Kommunisten die gewerkschaftliche Arbeiterfront zu schwächen suchen, sind sie in Wirklichkeit die Diener des Kapitals. Die Zahl der erwerbsfähigen Männer in Deutschland ist in dem Zeitabschnitt zwischen den Zählungen um 3,7 Mil- lionen gestiegen. 3 Millionen davon hatten Juni 1925 in Handel und Industrie und Verkehr wieder Unterkunft ge- funden. So ist einmal die Bedeutung dieser Ge- werbezweige gegenüber der Landwirtschaft eestiegen. Jeder Verzicht auf industrielle Beschäftigungsmög- lichkeiten ist aber auch eine soziale Belastung, der die Landwirt- schaft keine entsprechende Gegenleistung gegenüberzustellen vermag. Wenn die Regierung zugrinsten von agrarischen Hochschutzzöllen den Abschluß von Handelsverträgen verzögert, so bohrt sie damit eine Quelle volkswirtschaftlicher Verluste an, deren Segen sich auf die breiten Massen in Form von Erwerbslosigkeit ergießt. Diese Tatsache ist eine Mahnung an die Regierung, die nur allzu geneigt ist, das Wohl großer Volksmassen der Kapitalrente der Großagrarier zu opfern. In die wachsende soziale Not, in die S p r e n g u n g der Familie leuchtet die Tatsache hinein, daß die Zahl der erwerbstätigenFrauen viel stärker als die arbeiten- der Männer, nämlich um zwei Fünftel gestiegen ist. Die Verzerrung der Volkswirtschaft durch die Inflation, die gewaltige Zunahme der Handelsbetriebe und insbesondere des Kleinhandels, der die letzte Zuflucht vieler verarmter Kleinrentner war, charakterisiert sich in den hohen Zahlen, die der Anteil dieses Gewerbes an der gesamten gewerblichen Tätigkeit aufweist. Diesem sozialen Abstieg steht eine gewaltige Erstarkung der Schwerindustrie gegenüber, die längst aufgehört hat, vorwiegend Arbeits- induftrie zu sein und sich in gewaltigem Umfange mechanisiert hat. Ebenso ist die Bedeutung der chemischen Industrie be- deutend gewachsen. Vieles hat sich seit Juli 1925 oerändert. Ein großes Heer von Arbeitslosen wartet, teilweise seit Jahr und Tag, auf Beschäftigung. Wohl scheint die Absatzkrise im Abflauen zu sein. Aber immer noch lastet der D r u ck d e r N o t auf Hunderttausenden von Arbeiterhaushaltungen. Die ver- stärkte Tendenz zum Großbetrieb, die zunehmende Abhängig- keit großer Arbeitermassen von wenigen Großunternehmern, die Fehlschläge in der kapitalistischen Wirtschaftsführung seit Krieg und Inflation— alle diese den Sozialisten längst be- kannten Tatsachen werden durch die neue Statistik neu be- stätigt und neu beleuchtet. Und sie zwingen zum ver- stärkten KampfumdieRechte der Arbeiterschaft in der Wirtschaft und um einen größeren Anteil der Ar» beitskraft am Ertrag der Gütererzeugung. Voltskunstfragen. r Von Wilhelm Schüssen. �lurz vor dem Erwachen hatte ich einmal einen wunderlich hellen beglückenden Morgentraum. Es träumte mir, daß ich soeben einen eigenartigen Roman vollendet hatte. Es war Frühling oder Sommer, und ich befand mich auf einer Fußwanderung. Wie es nun zuging, daß ich, auf einer alten Gartenmauer am Bodensee sitzend, das erste Kapitel meiner Arbeit vorlas, und wer die Ein- ladung dazu besorgt hatte, kann ich wirtlich nicht sagen. Schon der Anfang des Romans war furchtbar spannend: denn als ich tag» darauf in einem wohl sechs Stunden nördlich von dem See ent- lernten Marktflecken das zweite Kapitel vortrug, befanden sich unter der Zuhörerschaft auch einige Andächtige des ersten Kapitels, die vor lauter Anteilnahme die Nacht über unruhig geschlafen hatten und mitgewandert waren. So ging es nun von Flecken zu Flecken, von Städtlein zu Städtlein. In Dorffchänten, auf Hügeln, in hoch- gewölbten Buchenhallen, an blumenbestickten Rainen, auf weiten Sonncnfluren, in schattigen Kegelbahnen, Turnhallen, Ballsälen und Gemeindehäusern wickelte sich das Traumwunder dieser Lesungen vor einer sich von Kapitel zu Kapitel mehrenden Menge ab. Der Roman schien endlos, unerschöpflich zu sein. Wir waren bereits am Ende des Ländchens, und immer hatte er noch kein Ende. Auf diese Wiese mußten wir schließlich zu Fuß noch ans Meer gelangen und dort ein Riesenschiff mit weißen Segeln besteigen, das die Fähigkeit befaß, im Mondlicht den Aether zu durchfliegen. Da er- wachte ich. Und schon begann ich zu lächeln: doch da fiel mir ein, daß ich in jüngster Zeit tatsächlich Abend für Abend eine ganz« Romankette von Vorträgen und Veranstaltungen aller Art mit» angehört hatte oder doch hätte mitanhörcn können, und daß es in der Großstadt sicherlich so manchen reichen und auch armen Menschen gab, der am Ende eines Jahres wohl seinen hundertsten Vortrags-, Konzert-, Theater- oder doch Kino- und Iuxbrüderabend hinter sich hatte. Und mit völlig nüchternen Sinnen hiell ich nun meinen an- scheinend so wunderlichen Traum fest. Es war mir. als warteten draußen auf dem platten Land alle die Städtlein und Flecken und Dörfer auf den auch ihnen von Gottes und Rechts wegen zu- kommenden Teil am goldenen Ueberfluß der Kunst. Wie man hört, will nun das Theater ins Land reisen und will mit einer wandernden Volksbühne wirklich hinaus zum Volk. Auch die Dichter müßten wieder wie enst das Wandern in diesem Sinne anfangen und ihr lebendiges Wort nicht nur den Leuten in Wien und Berlin bringen, wo ein Kunst- und Kulturabend den anderen jagt, sondern namentlich auch dem Volke in den Flecken und Städtlein des platten Landes. Vielleicht schafft auch hierin die neue Zeit neues, und vielleicht gibt es noch einmal Landeskunst- röte oder Lebensmittelämter für künstlerische V o l k» t o st, und dann erhalten wohl die hierzu berufenen Spiel- Sekenntnisse. Aus Sem Scruiurelsurium des Bürgcrblocks. Die republikanischen„Richtlinien", die Herr Marx aus dem Zentrumsmanifest herausdestilliert hatte und die dann, neben der offiziellen Regierungserklärung, als Grundlage der Bürgerblock-Regierung dienen sollen, sind nicht nur von den Deutfchnationalen, fondern auch von der B a y e- rischen Volkspartei offiziell anerkannt worden. Das Wesentlichste dieser Richtlinien ist das Versprechen, die Republik und ihre Symbole zu schützen. Wie das Versprechen bei den Deutschnationalen geachtet und ge- halten wird, hat schon Dr. Everling mehrfach bewiesen. Jetzt hat sich auch der bayerische VolksparteUer L o i b l. nach dem Reichstagshandbuch„Kgl. bayerischer Major d. L. a. D.". in einer Versammlung in Regensburg über seine wahren Ge- fühle geäußert. Er erklärte dort nach dem Bericht des „Bayerischen Vaterland": Ein König von Bayern müsse Herr sein im eigenen Hause, und dazu müsse die Finanzhoheit wiederhergestellt werden... Die Arbeitsgemeinschaft mit dem Zentrum bezeichnete der Redner nur als eine lose Bindung und Zusammenarbeit, wobei die Bayerische Volkspartei nichts von ihren Grundsätzen aufgegeben habe. Ich bin Monarchist und werde nie an einer Partei mit- arbeilen, die das monarchistische Prinzip nicht anerkennt. Das ist ganz klar und eindeutig. Herr Loibl gehört zu den Stützen der Bürgerblock-Regierung, die die Republik und ihre Symbole schützen und vor Angriffen sichern will. Ein Monarchist mehr, der offen Farbe bekennt, auch wenn Marx und Stegerwald diese Farbe nicht sehen wollen! Fast gleichzeitig hat in Pommern der deutschnatio- n a l e Reichstagsabgeordnete M e n tz e l sich ganz ahnlich ge- äußert. Nach dem Bericht der„Pommerschen Tagespost" er- klärte er auf dem Kreisparteitag der Deutschnationalen von Randow,„die alte Devise sei nicht gestrichen, die G e- s i n n u n g bleibe dieselbe, unser Ziel: Ein Gott, ein Volt, ein Kaiser!" Um diesen Spruch ganz zu verstehen, sst notwendig, da- neben zu halten, was unmittelbar von Mentzel der Abge- ordnete Schlange- Schöningen auf demselben Kreispartei- tag sagte: In heutigen polltischen Zeiten sei es nicht wohlgetan, das Herz und seine Ideale auf den Lippen zu tragen. Es gelle, den Mut nicht zu verlieren, sondern zu warlen und zu wissen, da». was jetzt getan werde, fei nichts weiter al« eine Vorbereitung. Vorbereitung— wozu? Etwa um die republikanische Staatsform, zu deren Schutz die Deutschnationalen sich feier- lich verpflichteten, noch fester zu verankern? Oder um das „Ziel":„ein Kaiser!" baldmöglichst zu erreichen? Vielleicht kann der Rst�hskanzler M a rx auf diese Fragen Antwort geben...!_ Rosenftiel. Ein Landrat, der keine Rcichsfarben kennt. Der Landrat des Kreises Anklam, von R o s e n st i e l, veranstaltete im vorigen Jahre in dem zu seinem Kreise gehörigen Orte Crien ein Iugendsest, bei dem sportliche Jugendwettkämpse ausgefochten wurden. Bei der Gelegenheit verteilte er auch Prämien an die Sieger. Trotzdem er als Veranstalter für die Aufmochung des Festes verantwortlich war, duldete er es, daß der Festplatz mit den Monarch! st enfahnen geschmückt wurde, daß aber die Reichsfarben fehlten! Der Minister des Innern hat ihn über sein Verhalten zum Bericht aufgefordert und da dieser die Tatsache nicht au» der Welt schaffen konnte, seine Versetzung al» Re- gierungsrat an ein benachbartes Regierungsprästdium an- geordnet. Darüber sind nun die Blätter der Rechten auf» äußerste em- pärt. Sie, die jede Maßregelung eines politischen Beamten während leute und Dichter von Zeit zu Zeit aus irgendeinem weltverlorenen Flecken oder Städtlein ein sinniges Schreiben mit der Einladung, für ein Abendessen und ein gen Süden gelegenes Dachbett ihre ewig elllen und doch ewig unentbehrlichen, bunten, glitzernden, herz- und nervenerfrischenden Sonntagsdinge vor himmelaufblühenden Ge- mütern auszupacken. Aber nun stehen wir schon wieder mitten in einem Roman. Und schon beginnt die Spannung. Da will ich denn sofort aufhören. Ein Meisler der Gehirnchirurgie. Professor Fedor Krause, ordentlicher Honorarprofessor an der Universität und Ehefarzt des Augusta-Hospitals in Berlin, vollendet heute fein 70. Lebensjahr. Seinest Arbeiten sst es vornehmlich zu verdanken, wenn Operationen am Gehirn für den modenren Chirurgen keine ungewöhnlichen Ein- griffe mehr darstellen. Als leitender Chirurg des Städtischen Krankenhauses Altona widmete Fedor Krause umfassende Studien u. a. den, äußerst qualvollen Leiden des Gesichtsschmerzes. Er gab ein neues operatives Verfahren an, nach dem der tief in der Schädel- höhle sitzende Nervenknoten des Trigeninus entfernt wird. Bald wandte er fein Interesse der Gehirnforschung im engeren Sinne zu. Bekanntlich kann sich nach Gehirnoerletzungen Epilepsie einstellen. Splittert das Schädeldach und wird die Großhirnrinde durch die Knochenstückchen angespießt oder sonstwie gereizt, so kann ein epi- leptsscher Krampfanfall ausgelöst werden. F. Kraus« gebührt das Verdienst, die Technik der Hirnoperationen zur Heilung derartiger Epilepsiefornwi ausgebaut zu haben. Man weiß, von welchen Teilen der Hirnrinde die Bewegungen bestinimter Muskelgruppen reguliert werden. Beginnen die Krämpfe immer wieder in denselben Muskel- gebieten, so kann man daraus schließen, daß die entsprechenden Hirn- teile erkrankt sind. An dieser Stelle wird die Schädelkapsel eröffnet und die Geschwulst oder der Knochensplitter oder was sonst die Störung hervorruft, entfernt. Nachdem der Krankheitsherd genau festgestellt ist, wird der erkrankte Teil der Hirnrinde heraus- geschnitten. Befruchtend hat F. Krause auch auf die operative Be- Handlung der Wirbelentzündung gewirkt, die meist auf Tuberkulose beruhende Einschmelzung einzelner Glieder der Wirbelsäule. Die ge- fürchtesste Folge der Erkrankung ist die durch die einsinkenden Knochen oder durch Knochenwucherungen verursachte Quetschung des Rückenmarks, die zu schweren Lähmungen führt. Der geistig außer» ordentlich rührige Chirurg hat durch seine komplizierten Hirn- und Rückenniarksoperationen zahllose Kranke von ihren Leiden befreit und sie vor dem Verlust ihrer materiellen Existenz bewahrt. Konzert der Berliner Liederfreunde in der Hochschule. Dem Programm nach sind fast alle heutigen Konzerte unserer Arbeiter- chöre selbst für den anspruchsvollen Musiker achtunggebietend und anziehend. In gewählter Mischung zwischen Klassikern, arrangierten Klassikern und bekannten, bewährten Neueren verlief auch die Vor- tragsfolg« der„Berliner Liederfreunde"(vereinigt mit dem Männer- chor Weißensee). Die Bewältigung dieser nicht immer leichten Ausgaben unter Alfred Göbels Leitung war ebenfalls im allgemeinen recht anerkennenswert. Ein frischerer Lustzug im ganzen könnte allerdings nichts schaden. Das Strengmustkalische, dem sich unsere Chöre erfreulicherweise immer mehr zuwenden, droht allmählich dl der Kaiserz e�t unterschiedslos billigten, flellen sich, als old sie ein Recht der republikanischen Regierung nicht anerkennen könnten, das von den politischen Beamten der Republik Schutz der republikanischen Symbole vor Nichtachtung zur Pflicht macht. Diese gemachte Entrüstung sst gar zu durchsichtig. Im allen Kaiserreich wäre ein Landrat, der ein sozialdemokratisches Fest auch nur besucht hätte, nicht etwa versetzt, sondern glatt entlassen worden. Im neuen Staat wird der Herr Rosenstiel zum Regierungsrat er- nannt und versetzt. Das ist für einen Beamten, der die Reichs, färben nicht kennt, eine sehr milde Behandlung. Westarps Zrankfurter Reöe. War sie der Regierung zuvor bekannt? Aus unseren und anderen Berichten aus Genf geht hervor, daß die vielfach erörterte Red« des Grafen W e st a r p in Frankfurt a. M. wesentlich dazu beigetragen hat, die ohnehin nicht leichte Stellung der deutschen Delegation in Genf noch unbequemer zu machen. Noch wird, wie wir hören, von deutschnationaler Celle zur Verteidigung Westarps behauptet, dieser habe seine Rede, bevor er sie hiell, dem Auswärtigen Amt oder einer anderen amtlichen Stelle zur Bcgnt- achtung vorgelegt, ohne daß gegen ihren Text irgendwelche Bs» denken geäußert worden seien. Bielleicht ergibt sich im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags Gelegenheit, auch diesen eigenartigen Ee« rüchten nachzugehen._ Preußen und Groß-ffamburg. Ausbau des preußischen Hafengcbietes? Das preußische Staatsministerium hat dem Staatsrat die an- läßlich der Debatte über die Groß-Hamburg-Frage im Landtag angekündigte dritte Gesetzesvorlage zu dieser An- gelegenhell vorgelegt. Zur Unterstützung der preußischen Rand- gemeinden und Kreise am Stadistaat Hamburg wird in den zwei bereits im Landtag zur Beratung stehenden Gesetzentwürfen außer umfangreichen Umgemeindungen mit dem Ziele der Schaffung leistungsfähiger Gemeinden auch ein Sonder-Finanzaus- gleich vorgesehen. Die nunmehr herausgekommene dritte Gesetzes» vorläge bringt eine Ermächtigung des Staatsministeriums, für den Ausbau des preußischen Hafengebietes an der unteren Elbe einen Kredit von 23,7 Millionen Mark aufzunehmen. Nachdem bisher zwischen Preußen und Hamburg keine Einigung in den Gebiets-Auseinandersetzungsfragen erzielt werden konnte, will Preußen durch Gesetzesvorlagen für eine wirtschaftlich möglichst gute Ausgestaltung seiner dem Druck« des reichen Stadsstaats Hamburg ausgesetzten Randgebietsteile sorgen. /luch Hamburg will ausbauen. Hamburg, S. März.(Eigener Drahtbericht.) Auf die Anfrage der hamburgischen Regierungsparteien, welche Stellung der Senat zu der durch die Rede des Ministerpräsidenten Braun im preußischen Landtag über die Groß-Hamburg-Frage geschaffenen Sach- läge einnehm«, antwortete Bürgermeister Dr. Petersen am Milt- wech im Senat u. a., daß der Senat nach wie vor zu Ver- Handlungen bereit sei, durch die sowohl die Interessen des Reiches als die des Niederelbegebietes gewahrt werden. Deshalb werde auch die Entschließung des Haushallsausschusses des Reichs- tags, die das Reichskabinell zum Eingreifen auffordert, begrüßt. Allerdings könne es sich bei solchen Verhandlungen nach der Durch- führung der jetzt vor dem Abschluß stehenden preußischen Gesetzes- vorlagen nur noch umTeillösungsn handeln. Hamburg werde darum mll äußerster Energie die Intensivierung seines Hafens betreiben und die ihm verbliebenen Möglichkellen auch in oerkehrstechnischer und städtebaulicher Hinsicht voll ausnutzen. Aus dle Roblnson-Ernsoe-Insel verschickt die Regierung wnll Chile eine Anzahl K o m m u n i st« n mit Baustoffen, Sqotgut, Haustieren und Aufsichtssoldaten. Die angeblich fruchtbare Insel heißt offiziell Mas-Afnera. inneres Grübeln und Asketentum auszuarten. Sehr viel Piano, selten ein voller, schmetternder Chorklang, am seltensten die mittleren dynamischen Stufen. Etwas Monotonie ist da die unausbleibliche Folge. Ein Ideal von prachtvollem, allem klanglichen, dynamischen und geistig-musitalischen Ansprüchen gleich gerechtem Aufbau war die„Ehre Gottes" von Beethoven. Auch der größere Teil der anderen Chöre tvor, abgesehen vyn dieser schon gerügten Lessetreterei, die sich auch rein technisch in allzu reichlicher Anwendung des Falsett (dazu eines fehlerhaften) zeigt«, rein, gut in der Diktion und sicher. Nur das wieder tief einschneidende„Glockenlied"(Lendvai ist ein richtiger Reformator des Männerchors) und noch mehr das schwäch- liche„Gebet" von Karl Kämpf waren ziemlich unrein und haltics. Das von R. Ruck, dem geborenen Bearbeiter kühner Weife, gesetzt« »Trinklied" Kaspars aus dem.Freischütz" durfte sür den Chor noch etwas zu schwer sein. Dagegen ein gefundenes Essen für mittler« Bereine ist dos stürmisch äa cspo verlangte, von Moldenhauer prächtig bearbeitete.Jütländische Tanzlied". Eine Beethoven-Feier im kleinen steuerte der Pianist Julius Dahlke mll zwei solid und sauber gespielten Sonaten und der zündenden, aber etwas vcr- hetzten„Wut um den verlorenen Groschen" des Meisters bei. H. M. Photographie aus 6 Kilometer Entfernung. Nach einem Bericht aus dem Haag soll ein Telegraphenbeamter zu Hoogezand in Holland einen Apparat sür Photographie auf weite Entfernung erfunden haben, mit dem photographische Aufnahmen aui Strecken bis zu fast g Kilometer gemacht werden können. Die Aufnahmen sollen schärfer und genauer sein als die, die durch die gegenwärtig vor- handenen Methoden erziell werden. Das holländische Kriegsministe- rium hat nach befriedigend verlaufenen Prüfungen«inen Versuchs- opparat angekauft. Buddha als Leuchtturm. Ein neuer Leuchtturm, d'er an dem Hafen von Nagoja, der etwa 120 Kilometer nordöstlich von Kioto liegt, in Gestalt einer riesigen Buddha-Statue in Beton errichtet wurde, stellt die größte Buddha-Figur dar, die es bisher gibt. Dieser Buddha, das Geschenk eines Hafenbeamten von Nagoja, Saikichi Äamada, der schon viel für die Beröesserung des Hafens getan hat, wiederholt die berühmte Buddha-Darstellung von Kamakura in ge- wattigeren Ausmaßen. Die Statue ist 72 Fuß hoch, hat in der Mitte einen Umfang von 32 Fuß, und an der Stirn, wo sich bei den ge- wohnlichen Buddha-Figuren ein Edelstein befindet, leuchtet hier ein elektrisches Licht von 10000 Kerzenstärke weit über den Hafen als Signal für die Seefahrt._ vle groß« Munch-Avsssellung im KrondrinzinpalaiS wird am Sonn- abend feierlich eröffnet werden. Die Vorbestchtigung ist am Freitag. Ailmoorttag. Anlätzllch der Anwcsenbeit des Potemkin- Op«rateurs E. T t s s ö in Berlin veranstaltet die Prometheus Sonntag mittag 12 Uhr im Emella-Palaft, Kurfürstendamm, eine Sondervonl-llung de» PotcmkinfilmS. Daraus spricht Herr E. Tiffö über.Neue Wege der russischcnFilmkunst-. Eintrittskarten bei Dertheim, Bote u. Bock und an der Theatertaffe. VI« Staatliche Kunstakademie in Kassel begebt in dicleui Jahre die Jubelfeier ihres tSvjährigen BestebenS. AuS tielem Anlaß findet vom 1. Juni bis September eine Ausstellung im Orangerieichloß zu Kassel statt, die nebe» einer rückschauenden Ausstellung Kasseler ftflnitler ein« Ueberfichl über das gesamte deutsch« Kunstschassen der Segenwart zeigen fall. Die Ueberlastung üer Knanzämter. Der Finanzminister fordert die sofortige Einstellung von Hilfskräften. Der Ausschuß für den Reichshaushalt begann und beendete in der Sitzung vom Mittwoch die allgemeine Aussprache über den Etat des R« i ch s f i n a n � m i n i st e r i u in s. Der größte Teil der Ausführungen der einzelnen Redner betraf Beanüenfragen und Beamtenwünsche, auf die der Reichsfinanzminister in seinen Er- widerungen zum Teil ausführlich einging. Der Berichterstatter Dr Obersohren fDnat.) wünschte, daß die Zahl der Finanzämter verringert werde, eventuell selbst ohne Be- rücksichtigung der Kreisgrenzen. Bon den 990 Finanzämtern seien allein 200 in Bayern. Es dürfte auch ein einziges hanseatisches Landesfinanzamt genügen. Wenn nicht Durchgreifendes zur Ent- lastung der Außenverwaltung geschehe, so drohe diese zusammen- zubrechen. Genosse Dr. Hertz stimmte dem Berichterstatter darin zu, daß die Organisation der Außenverwaltung im Vordergrunde des Interesses steh«. Eine wesentliche Vereinfachung der Gesetzgebung und Verwaltung käme zurzeit nicht in Frage. Auf Beseitigung der Ueberlastung des Per- sonals durch eine solche Vereinfachung könne daher zunächst nicht gerechnet werden. Bei den Finanzämtern bedeuten aber Ein- sparungen an Personal nicht nur, wie bei allen anderen Verwal- tungen, gesundheitliche Schädigung des Personals, sondern solche Personalersvarungen wirkten sich zugleich in der Herabdriickung der Höhe der einkommenden Steuern aus und führten so zu einer neuen Schädigung der Lohn- und Gehaltsempfänger. Genosse Dr. Hertz fragte, welche Maßnahmen der Minister plane, um eine Ent- lastung der Finanzämter herbeizuführen. Den Finanz- ämtern dürften Aufgaben, die sie nichts angehen, nicht zugewiesen werden. Bayern, Hessen und der Freistaat Bremen zum Beispiel übertrügen aber ihren Finanzämtern ganz abseits liegende Aufgaben, wie Einziehung von Vcrsscherungs- und anderen Beiträgen, in so wesentlichem Umfange, daß die eigentlichen Aufgaben der Aemter schwer darunter leiden. Genosse Dr. Hertz führte weiter Klage darüber, daß die Durchführung der Steuergesetze, insbeson- der? des Bewertungs- und des Einkommensteuer- g e s e tz e s. infolge von Beeinflussung durch Jnter- c s s e n t e n schwer beeinträchtigt werde. Selbst dos Reichsfinanz- Ministerium schreibe in seinem sehr vorsichtig gehaltenen Tätig- keitsbericht, daß insbesondere beim landwirlschastlichen vermögen vielfach aus Veranlassung der landwirtschaftlichen Organisationen in einzelnen Gemeinden Einsprüche bis zu l00 Prozent eingelegt werden. Vielfach haben sich auch da, wo die Grundwertausschüsse bei der Bewertung die von den Finanzämtern vorgeschlagenen Werte un- gebührlich stark herabgedrllckt haben, die Finanzämter genötigt ge- sehen, Offizialeinsprüche einzulegen. In einem süddeutschen Landesfinanzamtsbezirk sind bei 56 Finanzämtern, in denen die Veranlagung bisher durchgeführt war, fast genau 100 Prozent Einsprüche eingelegt worden und zwar zur Hälfte Offizialeinsprüche, zur Hälft« Einsprüche von den Steuerpflichtigen. Mit allen diesen Einsprüchen gehen die Finanzämter in das Jahr 1927 hinein. Dr. Hertz schließt aus diesen tatsächlichen Angabe« des Reichsfinanzministeriums, daß die Mitwirkung der Jnter- «sienten bei der Veranlagung der Steuern zurzeit derartig stark sei, daß die allgemeinen Interessen darunter schwer leiden. Reichsfinanzminister Dr. Köhler begrüßt es, daß die Vorredner die Reichsfinanzverwaltung nicht mit dem gleichen Maße wie irgendeine andere Verwaltung messen. Di« Ueberlastung sei in der Tat so groß, daß man in letzter Zeit mehrer« Tausende Aushelfer habe einstellen müssen. Ein verhältnismäßig kleines Landesfinanzamt habe kürzlich 200 Aushelfer eingestellt, um seine Arbeit auch nur einigermaßen bewältigen zu können. Ohne sofortige Einstellung neuer Arbeitskräfte im Außendienst. und zwar mindestens 2000. könne er für eine geordnete Abwicklung der Geschäfte der Finonzverwallung nicht mehr garantieren. Was die Veranlagungstätigkeit betreffe, so weise er mit Nachdruck darauf hin, daß den Wirtfchastsverbänden nur eine begutachtend« Mitwirkung bei der Steuerveranlagung zusteht. Die Entschei, dung hingegen habe ausschließlich die Finanzver-, waltung zu fällen. Abgeordneter Ersing(Z.) fragte noch dem Schicksal der in früheren Jahren bewilligten Kredite und wie es mit der Zurück- zahlung dieser Gelder stehe, nachdem die Stillegung der betreffen- den Werke vermieden worden sei. Wie er höre, hätten zum Bei- spiel die Deutschen Werke die hingeliehenen 10 Millionen Mark schon zurückgezahlt. Reichsfinanzminister Dr. Köhler sagte z«, eine Nachweisung aller gewährten Kredite und ihrer Rückzohlunns- fristen zu geben. Genosse Steinkopf tadelt den unangenehmen militärischen Ton, der immer� noch in der Zollverwaltung herrsche und verlangt Abstellung. Auf die An- gestellten, insbesondere die älteren Angestellten, müsse mehr Rück- ficht als bisher genommen werden. Für den Fall, daß ihre Leistun- gen genügten, dürfe man ihnen wegen ihres Alters allein den Ueber» gang zum Beamtentum nicht verwehren. Des weiteren machte Genosse Steinkopf darauf aufmerksam, daß im Etat 1926 Einzel» nachweise der kaufmännisch eingerichteten Wirt- schaftsbetriebe des Reichsfinanzmlmsteriums gegeben worden seien. Im Jahre 1927 seien diese Einzelnachweisungen fortgefallen und es seien nur die Ergebnisse zusammengestellt. In dieser Zu- sammenstellung sind nun als Abschreibungen bestimmte Geldbeträge in der Ausgabe ausgeworfen. Er frage, wo werden diese ge- sammelt? Wie hoch sind die Reserven aufgelaufen, wie und wo werden sie verwaltet? Auf diese Fragen ist der Minister bisher die Antwort schuldig geblieben. Um üas �rbeitszeit-Notgesetz. Noch keine Einigung des Vürgerblocks. Das von den Gewerkschaften geforderte Notgesetz zur Be- seitigung der U c b e r st u n d e n in i ß w i r t s ch a f t und der Entlastung d c.s A r b e i t s m a r k t s entspricht so sehr der wirtschaftlichen Notwendigkeit, daß auch die Rcchtsregie- run�f sich dieser Forderung nicht ganz oerschließ-en kann. Da in der jetzigen Regierung aber dcrMachtwillederUnter- nehm er weit mehr ins Gewicht fällt, als die Rücksicht auf das Wohl der Allgemeinheit, wer- den alle Anstrengungen gemacht, um das Notgesetz zu einem Messer ohne Klinge zu machen, das„der Wirtschaft" unge- fährlich erscheint und doch den Anschein erweckt, als ob e t w a s geschehen sollte. Die Rechtspresse macht sich die Sache höchst einfach. Sie stempelt die wirtschaftliche und soziale Forderung des Rot- gesetzes zu einer politischen Forderung und lehnt sie deshalb ab. � Der starke Druck, der von unten eingesetzt hat, scheint auf die Reichsregierung nicht ganz ohne Eindruck geblieben zu sein. An den Verhandlungen am gestrigen Tage im interfraktionellen Ausschuß der Regierung, die sich stundenlang hinzogen und schließlich auf heute vertagt wurden, nahmen der Reichskanzler Dr. M a r r und der Reichsarbeitsminister Brauns teil. Wie oerlautet, hat man sich zu einer Abänderung des Regierungsentwurfs entschlossen, die dahin geht, eine generelle Mehrbezahlung aller Ueberstundcn durch einen Zuschlag von 25 Proz. einzuführen. Das würde natürlich keine Lösung bedeuten, keine Der- Hinderung der nicht durchaus notwendigen Ueberstunden. Die Unternehmer würden sich bald mit ihren Löhnen auf die Uebersti'ndenmehrbezahlung einzurichten wissen, die beschäf- tigten Arbeiter wären die Geprellten und die Arbeitslosen Junten weiter die Arbeitsnachweise füllen. Mit Halbheiten ist hier nichts getan, es muß durchgegriffen werden. Die sozialdemokratische R e i ch s t a g s f r a k- t i o n wird jedenfalls darauf bestehen, daß ihr Initiativ- antrag zum Natgesetz noch in dieser Woche im Plenum beraten wird. Da die Rechtsregierung in dieser Frage offen- bar nicht homogen ist, muß der Reichstag nunmehr Klarheit darüber schaffen, daß der zwingenden Notwendigkeit eines wirklichen Arbeitsnotgesetzes nicht mit Ausreden be- gegnet werden kann. tzilfe für Sie Notleiüenöen. Ein Erfolg der sächsische» Sozialdemokratie. Dresden, 9. März.(Eigener Drahtbericht.) Am 16. Dezember war im Sächsischen Landtag mst den Stimmen der sozialdemo- kratischen� kommunistischen, nationalsozialistischen Abgeordneten und mst den Stimmen der Abgeordneten der Aufwertungspartei ein An- trag angenommen worden, der die Regierung ersuchte, den Für- sorgeoerbändcn 10 Millionen Mark als Beihilfe für besonders Notleidende zur Verfügung zu stellen. Die Regierung legte ober dem Landtag einen Gesetzentwurf vor, der nur die Verwendung von einer Million Mark für den ge- nannten Zweck vorsah. Die Partei für Aufwertung und Volksrecht war schon im Ausschuß umgefallen. In der heutigen Landtagssitzung wurde der Antrag, 10 Millionen Mark zu bewilligen, mit 46 gegen 46 Stimmen abgelehnt. Für den Antrag stimmten nur noch die Sozialdemokraten, Kommunisten und die beiden Mtionalsozia- listischen Abgeordneten, während alle übrigen Parteien einschließlich dar Abgeordneten der alten Sozialdemokratischen Partei und der Partei für Volksrecht und Aufwertung gegen den Antrag stimmten. Der Antrag wäre jedoch angenommen worden, wenn der kom. munistische Abgeordnete Ewerl nichl gefehlt hätte. Einstimmig an- genommen wurde jedoch ein Antrag, wenigstens 3 155 000 M. für die Bedürftigen flüssig zu machen. Wenn auch die Sozialdemokratische Partei Sachsens nicht durch- setzen konnte, daß ihr ursprünglicher Antrag angenommen wurde, so hat sie doch erreicht, daß ein immerhin erheblicher Betrag für die Bedürftigen bereitgestellt werden muh, und sie hat damit einen beachtenswerten Erfolg erreicht. die Erhöhung üer Nieten. Ter Standpunkt der preußischen Regierung. Trotz der scharfen Proteste aus Mieter- und Verbraucherkreisen haben die Vertreter der preußischen Staatsregierung im Reichsrat am 8. d. M. der Verordnung der Reichsregierung zugestimmt, wonach die gesetzliche Miete zum 1. April d. I. um 10 Proz. und zum 1. Oktober d. I. um westere 10 Proz. erhöht wird. Wie der Amtliche Preußisch« Pressedienst mitteilt, war für diese Stellungnahme des preußischen Staatsministeriums in erster Linie der Gesichtspunkt ausschlaggebend, daß die derzestige Lage auf dem Wohnungsmarkt die Bereitstellung weiterer Mittel zur Förde- rung der Neubautätigkeit erheischt. Im übrigen konnte sich das preußische Staatsministerium lediglich den Standpunkt der Reichsregierung zu eigen machen, daß die vorgesehene Erhöhung der Miete aus ollgemeinen wohnungspolitischcn und wohnungs- wirtschaftlichen Gründen erforderlich, und daß die Annäherung der gesetzlichen Miete an die wirtschaftlich notwendige und gerecht- fertigt« Neubaumiete insbesondere auch eine Voraussetzung für die Beseitigung der Wohitungszwangswirtschoft ist. Wohnungsbau und freier Kapitalmarkt. Die Stellungnahme der preußischen Regierung in der Mietensrage wird verständlich, wenn man berücksichtigt, daß Preußen trotz seiner schwierigen finanziellen Bewegungsfreiheit nach Krästen bemüht ist. der Wohnungsnot durch Befruchtung der Bautätigkeit z u steuern. In dieser Richtung liegt auch eine Mahnahme, jetzt am freien Kapitalmarkt vorhandenes flüssiges Geld in er- höhtem Maße dem Wohnungsneubau nutzbar machen soll. Die be- tciligten preußischen Minister haben jetzt zugelassen, daß auf Antrag von Gemeinden neben den Rückeinnahmen an Zinsen aus den berests stüher ausgegebenen Hauszinssteuerhypotheken jetzt auch ein be- grenzter Teil der laufenden H a u sz i n s st e u e r erträgnisse des Jahres 1927. soweit sie für den Wohnungsbau bestimmt sind, zur Gewährung von Zinszuschüssen sowie zur Anlage von Bürgschaftsslchcrungsfonds durch die Gemeinden verwcndet werden kann. Die Zuschüsse, die aus laufenden Hauszinssteuermitteln ent- nommen werden, fallen nur zur Z i n s v e r b i l l i g u n g solcher Darlehen dienen, die vom freien Kapitalmarkte(Sparkassen, Hypothekenbanken, Versicherungsanstalten usw.) über die nor- male Grenze hinaus gegeben werden, d. h. unter den äugen- blicklichcn Verhältnissen für Hypotheken, die den Wert von im all- gemeinen 40 Proz. der heutigen Herstellungskosten einschließlich des Wertes des Grund und Bodens überschreiten. Voraussetzung für die Bewilligung der Zinszuschüsse ist im übrigen, daß der für den betreffenden Wohnungsbau nach den seitherigen Grundsätzen als Hauszins st euerhypothek zu gewährend« Betrog um die Summe gekürzt wird, die vom freien Kapitalmarkte über die normale Beleihungsgrenze hinaus gegeben wird. Wenn hiernach etwa für einen Wohnungsbau bisher eine Hauszinssteuerhypochek von 5000 Mt. in Betracht kam, so wivd es künftighin möglich fein, diese auf 3000 Mk. zu senken, sofern durch Inanspruchnahme des freien Kapitalmarktes dem Bauherrn eine aus Mitteln der öffent- lichen Hand zu verbilligende zweite Hypothek in Höhe von 2000 Mi. gewährt wird. Der Zinszuschuß kann im allgemeinen bi» zur Dauer von fünf Iahren zugestanden werden, allerdings unter der Bedingung, daß eine Kürzung des Zuschusses«rfplgt, sobald und sowest sich aus der Gesamtlage— etwaige Erhöhung der Altmieten, Sinken des Zinsfußes für die auf dem freien Kapl- talmarkte aufgenommenen Darlehen— für die betreffenden Woh- nungsneubauten Mieten ergeben, welche die Mieten für entsprechende Altwohnungen nicht erheblich übersteigen. Ob die Gemeinden aus dem dafür freizugebenden Teile des laufenden Hauszinssteueraufkommens die Zinszuschüsse an den Bauherrn für ein von diesem auf dem freien Kapitalmarkte aus- genommenes Darlehen geben, oder aber ob sie unter Inanspruch- nähme der für Zinszuschußgewährung freigegebenen Hauszins- steuermittel ihrerseits Wo hnungsbauanleihen aufnehmen, um daraus den Bauherren oerbilligte zweite Hypotheken zu ge- währen, ist dem Ermessen der Gemeinden überlassen.— Di«� beteiligten Minister erhoffen von dieser Regelung eine nennenswerte Streckung der für den Wohnungs- bau bestimmten Hauszins st euermittel. der Jememorü an Vilms. Gerichtsverhandlung gegen Stantien und Genossen. Bor dem Landgericht III beginnt morgen unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Siegert in einer außerordentlichen „Schwurgenchtsperiode" der Fememordprozeß gegen Elan- tin und Genossen. Außer dem Hauptangeklagten, dem kauf- männischcn Angestellten Oberleutnant der Reichswehr a. D. Che- mikcr Dr. ing. Kurt Stantien werden sich zu verantworten haben: der kaufmännische Angestellte Oberleutnant a. D. Fritz Fuhrmann, der Bergwerkvolontär Feldwebel Peter Um- hofer, der Landwirt Erich Klapproth— der bereits von anderen Femcmordprozessen her bekannt ist—, der berüchtigte Oberleutnant a. Dr. Paul Schulz, der Oberleutnant a. D. Adolf Budzin sky und der Leutnant a. D. v. P o s e r. Die Anklage lautet gegen Schulz aus Anstiftung zum Morde, gegen Fuhrmann, Umhofer und Klapproth wegen Mordes und gegen Budzinsky, Koser und Stantien wegen B e i h i l f«. Ihr Opfer war der Feldwebel W i l m s. Seine Leiche wurde am 24. Juli 1923 aus der Havel nördlich Rathenow gelandet Die Leiche war mit einem gußeisernen K a b e l s ch u tz m u s s de- schwerst sie wies Verletzungen am Schädel und am Hirn auf. Der Tod war durch den üblichen Schuh in den Hintertops ver- ursacht worden. Wilms hatte sich im April 1923 bei der Schwarzen Reichswehr gemeldet: er wurde nach Spandau geschickt und dorr als Koinpagniefeldwebel eingestellt Später kom er nach Rothe- now, und von dort nach Döberitz. Hier unterstand er dem Major o. Senden. Kurze Zeit nach seinem Eintreffen in Döberitz macht« er sich durch eine Propaganda unter den Unteroffizieren unliebsam bemerkbar: davon wurde Oberleutnant Schulz in Kenntnis gesetzt: Wilms sollte entlassen werden. In der Zwischenzeit hatte er aber einige verdächtige Bemerkungen fallen gelassen, die vermuten ließen, daß er nicht reinen Mund halten würde. Er war gerade bereit, Döberitz zu verlassen, als seine Sachen durchsucht und Munitions- gegenstände bei ihm gefunden wurden. Am S. Juli erschien Stantien in Döberitz, nahm hier ein Proto- toll auf und brachte daraus Wilms nach Spandau zu dem Ober» leutnant Budzinsky. Ein paar Tage später wurde er durch Umhostr und angeblich durch den flüchtigen Fahlbusch noch Rathenow ge- bracht. Am selben Tage erschien nach telephonischem Anruf von Schulz der Oberleutnant Fuhrmann in Rathenow mit dem anged- lichen Auftrage, gemeinsam mit Klapproth, Umhofer und den slüch- tigcn Büsching und Fahlbusch von Rathenow aus ein„tommu- nistijches Waffenlager auszuheben".- Wilms sollte min— Abends brachen alle sechs auch wirklich in einein Sluto auf. Am nächsten Morgen kehrten Umhofer, Klapproth. Büsching und Fahlbusch nach Rathenow zurück und teilten mit, daß— Wilms von Kommunisten erschossen sei! Als Poser am gleichen Tage davon Mitteilung machte, soll Schulz zu ihm gesagt haben:„Es ist gut, man weih schon!" Fuhr- mann soll in der Voruntersuchung bestritten haben, in Rathenow ge- wesen zu sein: Umhofer soll sich dagegen zu einem Freunde aus» führlich über den Hergang in der Mordnacht geäußert haben. Das Trio Klapproth, Fahlbusch und Büsching, das ja in einer großen Anzahl Fememorde eine Rolle spielt, läßt keinen Zweifel darüber, daß der Befehl von Schulz ausgegangen ist. Es steht zu erwarten, daß ein Teil der Angeklagten sich gegen- seitig belasten wird. Schulz wird natürlich oersuchen, ähnlich wie in früheren Fememardprozessen den Unschuldigen zu spielen. Für den Prozeß sind fünf Tage vorgesehen. Die Verteidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte Sack, Puppe, Hahn, Drucker, Bloch, Pündern, Wedelt die Spannung zwischen„duce� uns König. Ein königlicher Familienrat. Aus Mailand wird uns berichtet: Die italienische Regierung hat sich beeilt, die verschiedenen jüngsten Berichte über Unstimmigkeiten zwischen Mussolini und König Victor Emanuel sowie die über den von den faschisti- scheu Extremisten gegen den Generalstabschef B a d o l i o geplanten Schlag zu dementieren. Nichtsdestoweniger sind die Beziehungen zwischen dem„Duce" und dem Ouirinal ziemlich gespannt, und in Bälde wird man darüber sensationelle Neuigkeiten vernehmen. Don wohlunterrichteter Seite wird uns versichert, daß zwischen M u s s o- l i ni, dem Unterstaatssekretär B a lb o und dem Generaldirektor des öffentlichen Sicherheitsdienstes B o c ch i n i eine Besprechung über die Maßnahmen stattgefunden hat. die gegen innere Unruhen er- griffen werden sollen im Fall, daß der Konflikt zwischen dem„Duce" und dem Monarchen offen ausbricht und zu irgendeiner Krise wie Abdankung oder dergleichen führt. Ebenso wird uns bestätigt, daß gleichzeitig im Ouirinal ein Familienrat vor sich ging, bei dem zum erstenmal sich die Mit- glieder der königlichen Familie die wahre Sachlage vor Augen ge- halten und die eventuellen Auswege daraus erörtert haben. Um die wahre Bedeutung dieser Zusammenkunft zu maskieren, hoben die Hoskreise ihr einen rein familiären Charakter beigemessen, so, als habe es sich bloß um die Zlbtretung der früheren Residenz der Königin Marg Herita in Via Ben et o gehandelt, die von der amen- konischen Botschaft erworben werden soll. Slbcr offenbar soll dies lediglich den wahren Sachverhalt verschleiern. Ein Zaschiftenftreich in Algier. Eonstauline( Algier). 9. März.(Havas). Sieben Personen, die den kommunistischen Abg. C o r n a o i n auf seiner Propagandareise bei. seiner Ankunft empfingen und in einem Auto ent- f L h r t e n, um ihn auf kurze Zeit zu verhindern, seine Propaganda- tätigkeit aufzimehmen. find zu einem Franken Schadenersatz ver- urteitt worden. Cornovin war von den Entführern gastlich be- wirt et worden. Sie hielten ihn so lange fest, bis der Pofizci- kommissar ihm das Auftreten in öffentlichen Versammlungen ver- boten hatte, so daß er unverrichteter Sache wieder nach Frankreich zurückreisen mußte. Der Reichsbahn geht es gut. Den Eisenbahnern miserabel. Die Cisenbahnerorganisatkonen haben ihre Forderungen zur Er- höhung der Höhne und Verkürzung der Arbeitszeit der Reichsbahn- Hauptverwaltung übermittelt. Die Lage der Reichsbahn hat sich seit Juli 1926 glänzend entwickelt. Von den Gesamt- einnahmen von chSSv Milliarden waren einschließlich der geschätzten Dezemberausgaben von 446 Millionen rund 3,852 Milliarden in Abzug zu bringen. Demnach verbliebe der Reichsbahngesellschast ein Velriebsüberschuh von rund 700 Millionen Mark. mit dem sie in das Jahr 1927 gegangen ist. Gegenüber dem Vorjahr, das allerdings über 15 Monate lief. blieb die Einnahme um rund 110 Millionen Mark zurück. Die Monate Januar und Februar zeigen ein wesentlich freundliche-- res Bild als dieselben Monate des Jahres 1926. Es waren an Einnahmen im Januar 1926 292,8 Millionen, im Februar 289,9 Millionen zu verzeichnen. Die beiden entsprechenden Monate 1927 erbrachten jedoch 386,3 Millionen und 380,4 Millionen Mark. Auch die W a g e n g e st e l l u n g ist ununterbrochen gestiegen. Neben den persönlichen und sachlichen Ausgaben, die bis Ende November 3,412 Milliarde» ausmachten, sind noch die R c p a- ratio n slasten, die gesetzliche Rücklage und die Di vi- dende auf Vorzugsaktien von rund 695 Millionen Mark zurücktchstellt bzw. gezahlt worden. Die in den ersten Monaten des Jahres 1926 aus dem Betriebsfonds von 1925 cntnammenen 91,059 Millionen sind demselben wieder zugeführt. Der damalige Betriebsfonds von 153 Millionen ist also wieder voll ausgefüllt. Darüber hinaus sind bis einschließlich November 12,069 Millionen als N e i n ü b e r s ch u ß zu buchen und 43,728 Millionen als all- gemeine Rücklage zurückgestellt worden. Die Liquidität der Gesellschaften betrug demnach am 1. Januar 1927 208,797 Millionen Mark. Im Gegensatz zur glänzenden Lage der Reichsbahn steht die Notlage des größten Teils des bei der Reichsbahn befchäf- tlglen Personals. Die persönlichen Ausgaben, ausschließlich Reparationslasten, Rücklagen aller Art und Dividenden betrugen durchschnittlich im Jahre 1926 65,7 Proz. der Ausgaben. Sie waren Ende November bereits auf 62,5 Proz. gesunken. Dementsprechend betrugen die sach- lichen Ausgaben 34,3 Proz. im Durchschnitt und waren Ende November auf 37,5 Proz. gestiegen. Dieses Verhältnis ist als absolut gesund zu bezeichnen und steht auf der gleichen Linie wie vor dem Kriege. Dabei ist zu beachten, daß j« mehr an Austrägen an die P r i v a t i n d u st r i e geht, desto mehr die sachlichen Un- kosten steigen müssen und somit der Unkostensatz des Personals noch weiter sinkt. Aber auch ohne die Vergebung von Aufträgen an die Industrie werden auf Grund der verminderten Beschöstigungs- zahlen die persönlichen Ausgaben verringert. Wurden im Dezember 1926 noch 700 399 Personen beschäftigt, so sank die Zahl im Januar 1927 auf 656 384 Köpfe. Trotz verminderter Kopfzahl reibungslose Bewältigung des aus der erhöhten Wagengestellung sich ergebenden starken Verkehrs, also ungeheure Dienstleistungen des Personals. Unter diesen Umständen ist die Forderung auf ausreichende Lohn- und Gehaltserhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden mehr als berechtigt. Die Erfüllung dieser Forderungen ist unumgänglich, wenn nicht der lebende Bcstöndteil des Betriebes eines schönen Tages zusammen- brechen soll. Schieüsspruch für Sie Krafiörofihkenfahrer. In den gestrigen vom Verkehrsbund für die Berliner Fahrer . geführten Verhandlungen mit den Großkraftdroschkenbetrieben über die Neuregelung der Bezüge, wurde ein Schiedsspruch qejälU, der den Chauffeuren ob 1. April einen Fe st l o h n von 2 M. sür die Monate April, Mai und Juni und 2 3 Proz. der Ein- nahmen zugesteht. Mit den Innungsbetrieben besteht bereits ein Abkommen, wonach ein Festlohn ebenfalls 2 M. beträgt, die Bc- teiligung an der Einnahme beträgt aber 20 Proz. Die Parteien haben zur Erklärung eine Woche Frist. Lohnbewegung in öen Serliner Verkehrsbetrieben. Das Fahrpersonal fordert IS Ps. Stundenlohnzulage. In der vorigen Woche nahm eine Konferenz der Funktionäre der Berliner Verkehrsbetriebe zu der Kündigung des Lohnabkom- mens Stellung. Der Vcrkehrsbund hat darauf das L o h n a b- kommen milder Berliner Straßenbahn zum 31. März gekündigt und wird die beiden Lohnabkommen mit der Hochbahn und der Aboaz ebenfalls zum nächsten zulässigen Termin, dem 31. März, kündigen. Am Montag beschäftigte sich nochmals eine stark besuchte Funktionärtonferenz mit der Aus- stcllung der Forderungen und beschloß nach eingehender Jeratung, die Organisation zu beauftragen, für alle Arbeitnehmer der Vcr- kehrsbetricbe eine Lohnzulage von 15 Pf. pro Stunde zu fordern. Lohnstreit im ösrl'ner Möbeihanöel. Das letzte Lohnabkommen für die Arbeiter de- Berliner Möbel- Handels winde im Juli 1925 abgeschlossen mit einem Spitzenlohn von 39 M., der sich ab 16. August 1925 aus 4 0 M. erhöhte. Das Lohnabkommen wurde dann zum 31. Oktober gekündigt und eine 25prozentige Lohnerhöhung verlangt. � Die Unternehmer lehnten jede Verhandlung darüber ab. Der Schlichiungsausschuh weigerte sich, einen Schiedsspruch zu fällen, und überließ es den Parteien, sich in freier Verhandlung zu einigen. Als auch in diesen VerHand. lungen von den Unternehmern jedes Entgegenkommen abgelehnt wurde, wurde das Lohnabkommen auf unbestimmte Zeit verlängert. Durch die inzwischen eingetretene Verteuerung sämillchcr Lebensmittel und Bedarfsartikel, besonders aber der Mieten, sah sich der Verkchrsbund neuerdings veranlaßt, dos Lohnabkommen zum 26. Februar zu kttnoigen, eine Erhöhung der Spißenlöhne um 7 Mark wöchentlich und der übrigen Löhne im gleichen Prozent Verhältnis zu fordern. Die Unternehmer erklärten sich in den direkten Verhandlungen bereit, bis Ende dieses Jahres eine Lohnerhöhung von 3 Mark pro Woche zu gewähren, und lehnten jedes weitere Entgegenkommen ob. Die zu Montag einberufene Versammlung der in dieser Branche Beschäftigten verwarf dieses Angebot der Unternehmer, nicht nur wegen der völlig unzulänglichen Lohnerhöhung, sondern auch wegen der langen Vertragsdauer, nach eingehender Diskussion mit großer Mehrheit. Die Versammelten vertraten die Auffassung, daß der zur- zeit äußerst gut beschäftigte Möbelhandel, der zur Be- wältigung feiner Aufträge von den Zlrbeitcrn Ueberstunden in großer Zahl verlangt, sehr wohl in der Lage sei, die Forderung der Arbeiter zu bewilligen. Die Organisation wurde beauftragt, sich mit der Unternehmer- organisation in Verbindung zu setzen und diese aufzusordern, s p ä- testens bis Freitag nochmals in Verhandlungen zu treten und in einer Versammlung am Freitagabend über das Ergebnis der Verh indlungen zu berichten. Die Stimmung der Per- sammliing ließ klar erkennen, daß die Arbeiter des Berliner Möbel- Handels entschlossen sind, für die Durchsetzung ihrer berechtigten For- derung eventuell auch in den Streik zu treten, so daß die Entscheidung über den Frieden im Berliner Möbelhandcl nunmehr bei den Unternehmern liegt. Der S�-Stunöen-SchieSsspruch abgelehnt! Wie uns aus Osnabrück tclegraphisch gemeldet wird, haben die Osnabrücker Metallarbeiter sowohl den am 2. März in der L o h n s r a g e gefällten Schiedsspruch mit einer Zulage von S Pf in der Spitze abgelehnt, wie auch den am 3. März ge- fällten Arbeitszeitschiedsspruch, der in skandalöser Weise den Z e h n st u n d e n t a g in den durchgehenden Betrieben der Metallindustrie verankern sollte und den Feuerarbeitern weiterhin eine tägliche zwölfstündige Arbeitszeit zumutete. Dieser Arbeitszeitschiedsspruch verhöhnt die Arbeiterschaft in schlimmster Weise, da er die schreienden Mißstände unverändert zu legalisieren suchte. SchieSsspruch für öie Lanöwirtsthast Schlesiens. Nach langwierigen Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium ist endlich ein Schiedsspruch zustande gekonm>en. Zwischen den Vertretern der Landarbeitergewerkschosten und den Vertretern des schlesischcn Bauernbundes und des oberschlesischen Bauern- Vereins war schon vor kurzem ein Tarifvertrag vereinbart worden, offen blieb aber der Lohnstreit zwischen den Landarbeitergcwcrk- schaften und der Schlesischcn Landwirtschaftlichen Arbeitgeberver- einigung. Die neuen Verhandlungen haben folgendes Ergebnis gehabt: Es wird ein neuer Tarifvertrag mit Geltung bis zum 2. Janiiar 1928 geschaisen. Die B a r l ö h n e der Lohn- g ä r t n c ri! P f. Plag, vom 1. Septcniber ab beträgt der Lohn 16 Pf. Ebensalls sollen die Löhne der in bäuerlichen Betrieben Beschäftigten etwas erhöht werden. Wesentlich ist die neue Bestimmung, daß künftig die Jahres- vertrüge mit vierteljährlicher Kündigung laufen sollen. Dadurch ist den Landarbeitern die Möglichkeit gegeben, ebenfalls von dem im Betriebsrätegesetz vorgesehenen Einspruchs- recht Gebrauch zu machen. Die unter die Familienoerträge fallenden Kinder dürfen nicht älter als 16 Jahre sein. Der Abschluß für Jugendliche über 16 Jahre ist unzulässig. Die elfte Arbeits- stund« verschwindet vollständig. Abweichungen von der Mittagspause sind nur zulässig im Einverständnis mit den Ar- beitern. Bemerkenswert ist weiter, daß in dem neuen Tarifvertrog erstmalig Bestimmungen über eine Erntezulage enthalten sind. Sie besagen, daß die Erntezulage für sechs Wochen bezahlt wird und Mar in einer Höhe von 40 Pf. an den Mann und 20 Pf. an die Frauen und Jugendlichen. In dem alten Tarifvertrag war eine Bestimmung entHallen, noch der schlechte Betriebs- und Absatzverhällnisse den Landwirt berechtigen, einen Lohnabzug bis zu 10 Proz. eintreten zu lassen. Diese Be- stimmung wurde in rücksichtslosester und willkürlichster Weise aus- genutzt. Jetzt ist beschlossen, daß das Vorhandensein schlech- ter Betriebs- und Slbsatzverhältnisfe von dem Prooinzial-Tarifausschuß festzustellen ist. Den Vorsitzenden dazu stellt der Oberpräsiöent. Ganz war die Bestimmung trotz energischster Bemühungen der Arbellervcrtreter nicht zu beseitigen. Gemüscland wurde bisher nur vcreinzell abgegeben. Jetzt wurde bestimint, daß zu der Wohnung ein Stück Gemüse- l a n d gehört: wo es nicht gewährt werden kann, muß eine Eni- schädigung erfolgen. Bei den W c r k w o h n u n g e n war bisher vorgesehen, daß nichtbeschästigte Kinder nur dann aufgenommen werden durften, wenn sie schnlpslichtig sind. Jetzt darf der Woh- nungsinhaber nichtbeschäftigte Kinder bis zu 18 Iah- r e n aufnehmen. Daa ist der wesentlichste Inhalt, der auch über die schlesischen Verhällniste hinaus interessierenden Bereinbarung. Die Erklärungs- frist für sie läuft am 16. März ab. Mm oller SvS.-Mleds- und GmerWoslsfuulWire am vlenskag. dem IS. März tSZ?« abend« 7 Uhr. In den Ukusikersälen, Saiser-Wilhelm-Strahe 31 »Der Kampf um den Zlchlstundetiiag." Referenk: Genosse S. Sl u f h ä u s e r, M. d R.— Aussprache. Wahl von drei Mitgliedern zum erweiterten Vezlrksvorstand. wir ersuchen alle Funktionäre, au dieser Konferenz teilzunehmen. Funktionärausweis und Parteibuch mitbringen! vetrlebssrkretaiiat. Der Lohnftreit in 8er badischcn TexkiNndustrie. Freiburg. 9. März.(MTB.) Der Lohnstrell in der badischcn Textilindustrie ist durch Abschluß eines Abkommens mit den Gewerkschaften beendet worden. Der vom Reichsarbeits- Ministerium für verbindlich erklärte Schiedsspruch ist durch einen in freier Vereinbarung abgeschlossenen neuen Lohntarif ersetz? worden, der die Lohnvcrhältnisse bis zum Herbst regelt. Damit ist die Gefahr eines Streiks in der badischen Textilindustrie ver- mieden worden._ Die Lohnbewegung im Saargebiet'. Saarbrücken. 9. März.(MTB.) Die am Dienstag in Paris erössnctcn Verhandlungen zwischen dem französischen Arbeits- ministerium und den gewerkschaftlichen Organisationen des Saar- bergbaues über den für den 16. März geplanten Lohnabbau sind noch nicht zum Abschluß gekommen. Der Lohnkonflikt in der Saareisenindustrie� wird erst am Freitag vom amtlichen Schlichtungsansschuß in Saarbrücken behandelt werden._ Zum Streik üer polnischen Textilarbeiter. Der Streik in der polnischen Textllindustri«, der sich von dem Industriezentrum Lodz über ganz Polen ausdehnt, ist von den drei Arbeiterverbänd'en Polens, dem sozialistischen.. dem nationalpolnischen und dem christlich-demokratischen Ärbeitervei' band mit bemerkenswerter Einstiinniigkeit beschlossen und auch schon bereits im ganzen Lande durchgeführt� ward«> nachdem die Lohnforderungen der Arbeiter durch die Industriellen entschieden und rücksichtslos zurückgewiesen worden sind. Die Arbeiter forderten eine 2öpro.;entige Erhöhung ihrer Löhne als annähernden Ausgleich ihres Lohneinkomnrens mit der seit der letzten Lohnerhöhung um über 30 Proz. gestiegenen Teuerung. Die Industriellen erklärten, daß eine derartige Erhöhung jede Kol- kulation über den Hausen werfe, und boten eine Erhöhung von 0,5 bis 6 Proz. an, die sich jedoch nur auf diejenigen Arbellcr beziehen sollte, deren Tagesverdienst den Betrag von 5 Zloty(unge- fähr 2,30 M.) nicht überschreite. Auf diese Weise versuchten die Industriellen, die Einheitsfront der Arbeiter durch Bevor- zugung einzelner Kategorien zu durchbrechen. Die Der- trcter der Arbeiter wiesen jedoch diese demagogischen Vorschläge zurück und ontwoi teten mit der Proktamierung des Streiks, wovon sofort alle Städte verständigt wurden, so daß am Dienstag sämtliche Textilarbeiter in ganz polen in den Streik traten. In Lodz wird der Streik durch eine Aktion der Auge- stellten dcr gemeinnützigen Betriebe unterstützt, und die in der Tcxtil- industri» beschäftigten Bureauangestellten sind ebenfalls in den Aus- stand getreten. Die Rcg'erung hat es vermieden, vermittelnd in die Derhand- lungen einzugreifen, sich vielmehr darauf beschränkt, nach Streik- ausbruch die P o l i z c i o r g a n e zu alarmieren, und ihnen anbe- fohlen, keinerlei Aussthrcllunqen der Streikenden zuzulassen. Im Lause der letzten Monate kam es wiederholt zu Lohn- bewcgungen unter der polnischen Arbeiterschaft, besonders in der Textilindustrie, doch haben sich die Arbeiter hierbei stets mit halben Zugeständnissen abspeisen lassen, well sie keinen Streik unternehmen wollten und auch den Versicherungen der Reoieriing, die eine energische Bekämpfung der Teuerung und weitestgehenden Schutz der sozialen Einrichtungen oersprach, Lertraucn entgegenbrachten. Die Regierung, die im Mai 1926 ans Ruder kam, war traft ihrer beson- deren Stellung durchaus in der Lage, einen Druck auf die In- dusiricllcn auszuüben. Aber es zeigte sich allzubald, daß die Regie- rung ihre Machtstellung in ganz entgegengesetzter Rich- tung ausnutzte und bestrebt war, die Großindustrie und die Groß- ograricr durch entsprechende wirtschaftliche und soziale Politik sür sich zu gewinnen. So trägt sich die Regierung schon längst mit der Absicht, dem-r-m Drängen der Arbeitgeber auf Abschaffung des Achtstundentages und anderer mühsam erkämpfter sozialer Einrichtungen nachzugeben, und es kostet den Vertretern der Arbeiter im Parlament unsagbare Mühe, diese tagtäolich erneuerten Angriffe abzuwehren. Die Gefahr, die in einer solche» Politik liegt, ist keineswegs nur wirtschaftlicher Natur, wenn auch die zunehmende Auspowerung der breiten Masjen eine völlige Einstellung dcr Konsumkraft des Landes zur Folge haben wird: die Gefahr liegt vor allein auch auf politischem Gebiet, und die ausgehungerten, ständig unterdrückten und ihrer primitivsten Recht« beraubten Arbeiter werden nur allzu willig ihr Ohr Einflüsterungen radikaler Agitatoren hinneigen, die sich in der letzten Zeit in ganz Polen wieder in ste'gendem Maße bemerkbar machen. Der Streik in dcr Textilindustrie ist ein Zeichen für die Bereit- schaft der Arbeiter, ihren Forderungen, wenn nötig, auch mit scharfen Methoden Geltung zu verschaffen, und es ist anzunehmen, daß die polnische Reercrung diesen Streik Nim Anlaß n-'bmen wird, lbren bisherigen Standpunkt in diesen Fragen einer Prüfung zu unter- ziehen._ Achtung. SpD.-Eisenbahneri Morgen, Frritog, 7 Uhr, in den floolordlosälcn, Hnbrcosflr. 6(, Bersnm«, fang atl-r im Ei'knbohnbctrieb bclchäftigtrn srciqcwcrüo'asllich organisierten Senossen.„®ie«irtslsasttich« und soziale Lage dcr kisenbadoer- Referent Ecnalse L. Brcuing. Luosprache. verschiedene». Der Äerbeau.->chlig. ssrelc Sewertscheftsingend. Heute,?onncrstag, 7� Uhr, tagen die Kruppen: Frankfurter Alle« und kand»berger Plajj: Iiiaendheim Litauer Str. l8, aupistr. 15. 2. Vortrag:„Aus fernen Welten".— Lichtenberg: Gruppe >eim Jugendheim Parkaue l& Rezitationsabend.— Tempelhos: Grupp.-nheim Lyzeum Germaniasir.-4 6. Vortrag:„Vom ZunNgesellen zum freien Arbeiter�. — Südosten: Gruppenheim Neichen berger Str. 66 tFeuermehrhaus). Vortrag: „Die Lehren des englischen Bergarbeitersirciis".— Spandau: Gruppenheim Jugendheim Lind'nuser 1. Lichibildorrortrag:„Das Bergmerk und seine Ar- beiter".— Moabit: Gruppenheim Städtisches Jugendheim Bremer Ecke Wiclef- straße. Vortrag:„Die Rationalisierung der Arbeit".— Gesundbrunnen: Gruppenheim Eotenburger Str. 2 iRote Schule). Vortrag:„Bürgerliche und proletarische Jugendbewegung".— Rordring: Mädchen. Zusammenkunft.— Iugendabtcilung de» Deutschen Beklcidungsarbciteroceba-ides: Im Jugendheim des Verbandes, Eebastianfir. 37/38, Hof pari., Spielabend. Zngendgrvppe de« ZdA. Heute, Donnerstag. 7>h Uhr: Bezirk Sherlotte». bürg: Jugendheim Rofincnstr. i. Lichtbildervortrag muß ausfallen, dafür Unterhaltungsabend._ Die Sparkasse der Rank der Arbeiter, Angestellten und Leamken A.-G� Verlin. Wallstr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 5— 7 Uhr, Sonnabends von 9—1 Uhr geöffnet. Verantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft:».«lingelbrscr; Dewcrkschaitsbewegung: Fr. dtilorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokales: und Sonstiges: Fr!« Karstädt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts-Vcrlag G. m. b. H.. Berlin, Druck: Vorwäris-Buchdruckerri und Verlagsanstalt Paul Singer u Co.. Berlin EW 68, Liudenstraßr 3. Hierzu 2 Beilagra,„Unterhaltung und Wissen"»ad.Stadtbeilage". lli V »Intf«hirdi die neuen Forschungen der WUscnstheft In besseres Licht gerfidd und die Lehre von den lebenswichtigen Aufbaustoffen— Vitamine genannt- erregt berechtigtes Aufsehen. Ohne SSurnen sollte der Gcnub ron Mlldi. der als Jungbrunnen unserer Volksernährung wohlschmeckenden Oetker'Puddings, die sich einfach, schnell und preiswert mit Milch herstellen. lassen. Kinder sind ausgelassen ror Freude, wenn sie wissen; Heute » gibt's Oetker'Pudding!— Verlangen Sie Dr. Oetker's Puddingpulver nur In Originalpackungen(niemals lose) mü der Schutzmarke „Oetker's Hellkopf*. Dr. Oetker's neues farbig illustriertes Rexepibuch. Ausgabe F bietet Ihnen vie'e neue Anregungen cum Backen. 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Im Mittelpunkt das Schlößchen Löwenberg, das noch vor wenigen Jahren kaum mehr als den Eindruck einer Ruine auf den Besucher hervorbrachte. Mit oer- mauerten, erloschenen und zerschlagenen Fenstern und Türen, so berichtet Regierungsbaumeister Peschke im neuesten Brandend. Jahrbuch, in völlig verwahrloster und verkrauteter Umgebung, auf drei Seiten von Wasser und Gräben umfaßt, bot es im Schatten hoher Bäume bisher den lebenden Beweis von der ewig wechselnden Erscheinung und dem Verfall, dem alles Irdische unterworfen ist. Aber schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts ist Schloß Löwenberg nicht mehr wie früher der Mittelpunkt des Ländchens, sondern zum einfachen Rittergut geworden, um welches sich, durch neue Kulturen ins Leben gerufen, eine Anzahl neu«ingerichteter wirtschaftlicher Anlagen erheben, die bald selbständig« Besitzungen werden. Die letzten Jahrzehnte hat das Schlößchen dann ganz unbewohnt ge- standen: seine Benutzung als Schnitterkaserne und Unterkunft für kriegsgefangene Landarbeiter war das Ende. Der für den Landbesitz einschneidendsten Folge des Krieges, der Enteignung und der Auf- teilung größerer Güter zur Ansiedlung vertriebener Deutscher, fiel das Gut Löwenberg als erstes zum Opfer, und der einstige Mittel- punkt eine» geordneten Besitzes, ja das Mutterhaus der Landschaft, sollte als unbrauchbarer Störenfried der Spitzhacke überliefert werden. Der Provinzalverband Brandenburg trat schützend für die Erhaltung des stattlichen Hauses ein und erwarb es mit neun Morgen Acker und Wiese. Seinerzeit hat das Schloß- anwesen eine heute nur schwer zu erkennende Gestalt gehabt. Die bis zu 1,30 Meter starken Mauern des Nordflügels weisen auf einen Turm hin. Das Haus ist ursprünglich um zwei Fensterachsen kürzer gewesen, eine Zugbrücke führte über den die Burg vollständig um- gebenden nassen Graben. Ein Dorhof gab den Küchen- und Neben- gebäuden Raum. Ja, sogar der so oft als Sage erwähnt« unter- irdische Gang war und ist auch heute noch vorhanden, sein« Richtung zeigt zur Kirche hin. Wir haben es somit bei dem mittelalterlichen Bestand« mit dem Wehr- und Schutzbau eines nicht so sehr auf Ackerbau, als auf Lieferung des Zehenten vom Bauer bedachten Ritters zu tun. Wie schon gesagt, befand sich das Haus zur Zeit der Uebernahme im Zustande trostlosester Vernachlässigung. Es war nach und nach zu einer Art Steinbruch und billigen Holzquelle ge- worden, aus dem jeder sich nach Bedarf sein Baumaterial holte. Die Westseite war durch die eindringende Feuchtigkeit besonders mit- genommen; ist doch in einem Raum« kein einziger Balken mehr mit der Mauer verbunden gewesen, so daß man sagen kann, nur Ge- wohnheit und Schmutz hielt die Konstruktion zusammen. Dem Umbau zu einer Jugendherberge wurde durch den Mangel von Kanalisation und fließendem Wasser von vornherein das Bauprogramm gegeben. Am Eingang des Grundstücks wurde als Abschluß nach außen und innen hin ein kleines Torhäuschen errichtet und die Wegführung dadurch zwangsläufig so gelegt, daß sich der Blick auf das Schloß erst in der Frontansicht öffnet. In unmittelbarer Näh« eines neugebohrten Brunnen» erhebt sich ein neues Fachwerkgebäude, es enthält Wasch- und Aborträume sowie einen kleinen Stall für den Hauswart. Der Graben ist geräumt, die Böschung befestigt, der nach der großen Spielwiese führende Teil des Grabens wieder als trockener Terassengang geöffnet. Vor dem Schlosse bleibt ein bekiester Turn- und Spielplatz, umgeben von Obstbäumen und jungen Pflanzungen. An und in dem alten Hause selbst ist sehr wenig verändert. Zunächst mußt« es von zahlreichen späteren Einbauten befreit werden, denn Luft und Platz sind die crssen Erfordernisse. Der nördliche Flügel des Erdgeschosies enthält die Herbergstüche sowie die Wohnung des Hauswarts mit Küche und drei Stuben, der südliche Flügel zwei größere Schlafzimmer und einen kleinen Tagesraum. Die zum Obergeschoß führende Treppe, die auf Grund alten Befundes vollständig neu aufgestellt wurde, gibt mit ihren breiten Stufen, dem mächtigen Handlauf und den starken Das Schloß vor seiner Wiederherstellung. Pfosten den beiden Dielen etwas sehr Festtiches, sie bereitet vor auf die durch einen offenen Bogen miteinander verbundenen großen T a g e s r ä u m e. Es ist, nach Regierungsbaumeister Peschke, so wenig wie möglich an dem alten Bestände geändert, denn die Auf- gäbe hieß nicht, eine neue Jugendherberge zu errichten, das wäre mit weniger Mitteln und anderen Bauformen leichter und vielleicht auch besser durchzuführen gewesen. Die Provinzialverwaltung hat erstrebt, den Bau zu erhalten und seine eindrucksvolle Sprache unserer Jugend verständlich zu machen, und es ist zu hoffen, daß dieses Streben durch den Erfolg belohnt wird. isss neue Straßennamen. Nach einer Mitteilung des„Vorwärts" hat der vor etwa Jahres- frist zur Neuordnung unserer Straßenbezeichnungen eingesetzte Aus- schütz des Magistrats und der Stadtverordneten beschlossen, rund ISVlZ Straßennamen umzubenennen. Wenn der Aus- schuß glaubt, uns möglichst viel neue Namen bescheren zu müssen, so hat er seine Aufgabe gründlich verkannt. Wir brauchen nicht neue, nicht mehr, Straßennamen, sondern einige tausend Namen weniger! Groß-Berlin hat heute fast an 10 000 Straßennamen: welcher Chauffeur, welcher Straßenbahner oder Verkehrsbeamte soll sich darin zurechtfinden? Dabei sind noch weite Strecken zwischen den einzelnen Vororten unbebaut, wo noch viele tausend Namen untergebracht werden können und, wenn man in der bisherigen Weise fortfährt, auch untergebracht werden müsien. Sollte in den, Ausschuß wirtlich niemand sitzen, der den übrigen Herrschaften klar- macht, daß wir endlich einmal aus dem Wirrwarr der unendlich vielen Straßennamen, den uns der Kommunal-Freisinn hinterlassen hat, herauskommen müsien? Es ist nicht damit geholfen, daß wir einem Vorort, wie Biesdorf, anstatt seiner Kaiser-, König-, Prinzen-, Fürstenstraße, die es in Berlin selbst oder in anderen Vor- orten schon gibt, ebensoviele neu« Namen verschaffen, sondern es muß Ordnung, Planmäßigkeit, Uebersichtlichkeit in das Wirrsal der Straßenbezeichnungen hineingebracht werden. Die Straßennamen sollen doch dazu dienen, dos Zurechtfinden in dem Häusermeer zu erleichtern oder überhaupt erst zu ermöglichen. Die Orientierungsmöglichkeit muß daher das Leitmotiv bei der Umbenennung der Straßennamen sein. Zu berücksichtigen ist dabei, daß die Straßen nicht nur dem Verkehr innerhalb der Stadt, sondern im Zeitalter des Automobils auch dem Verkehr von Stadt zu Stadt dienen sollen. Es muß daher verlangt werden, daß die Hallesche, Bernauer usw. Straße nicht eine versteckt gelegene Seiten- straße ist, sondern auch nach Halle, Bernau usw. hinführt. Die großen Ausfallstraßen müsien daher möglichst vom Mittelpunkt der Stadt, auf jeden Fall aber von dem betreffenden„Tor" aus bis zur Grenze des heutigen Groß-Berlins einen einheitlichen Namen führen. Ueberhaupt müsien einheitliche Straßenzüge auch ein- heitliche Namen führen. Wer viel in Berlin herumzulaufen hat, der weiß, wie irre- führend und mit wieviel Zeitverlust es verbunden ist, wenn die Straße plötzlich einen ganz anderen Namen führt, obwohl man immer geradeaus gegangen ist. Die in Berlin übliche Art der Nummerierung der Häuser erhöht diese Irreführung noch. Kommt man in eine fremde Stadtgegend, so kann einem in den meisten Fällen niemand eine richtige Auskunft erteilen, denn die meisten Berliner kennen nur den Weg von ihrer Wohnung zur Arbeits- ftätte, was rechts oder links davon oder gar noch weiter darüber hinaus liegt, ist ihnen mit Ausnahme der großen Verkehrsstraßen gänzlich unbekannt. Bei der absoluten Systemlosigkcit der Straßen- bezeichnungen ist das auch nicht zu verwundern. Sache des be- rufenen Ausschusses ist es daher, nicht etwa anderthalb Tausend neue Straßennamen auszuklügeln, sondern Planmäßigkeit und Orb- nung in das ganze System zu bringen. * Ein Friedrich-Eberl-Plah in Lübeck. Anläßlich der Wiederkehr des Todestages des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert hat der Senat von Lübeck den Lindenplatz, einen zwischen der Holsten- brücke und dem Bahnhos gelegenen alten, mit Linden umsäumten Platz, in Friedrich-Ebert-Platz umbenannt. 39) Gerichtstag. von Fred Lsrence. covrrlrl» lSK dir Paul Zaolnar, Wie»' „Was soll das nützen, er Wird höchstens sagen, daß ich dich gegen ihn aufreize." „Wenn nur die Patin niemals ein Wort von dieser Sache erfährt... und du muht so viel als möglich vermeiden, mit ihr längere Zeit zu sprechen, das ist viel klüger und an- ständiger." „Anständiger?" fragte ich.„Sprichst du auch so? Die Patin könnte ja meine Mutter seinl Du weißt ganz gut, daß zwischen ihr und Doktor Claude Beziehungen bestehen. „Was soll ich tun? Dein Vater hat so aus mich eingeredet. daß mir der Kopf schwirrt." Sie schwieg, ich sah sie an, sie warf mir einen Blick zu. Wir fühlten tiefes Mitleid miteinander. „Wie glücklich sind wir noch vor sechs Monaten gewesen," murmelte sie. „Das ist wahr." „Irl)' habe keine Ruhe mehr, bin überreizt, immer fürchte ich ein Unglück und du wirft sehen, daß ein Unglück passieren wird. Nachts kann ich nicht schlafen, bei Tag bin ich durch die häuslichen Arbeiten und diese fortwährenden Streitigkeiten so erschöpft, daß ich nicht einen Augenblick Ruhe für meine Nerven finde. Und dazu immer das quälende Gefühl, das mich nicht verläßt, mich überall hin verfolgt: es wird ein Unglück geschehen." „Mama, mir zuliebe mußt du dich beruhigen." „Oh, ich weiß es sehr gut, der Abgrund ruft den Abgrund, Unglück zieht neues Unglück herbei, Gedanken sind lebende Wesen, die handeln. Ich weiß genau, daß ich aus lauter Furcht vor der Gefahr die Gefahr anlockte, aber ich habe keine Kraft mehr dagegen anzukämpfen. Jetzt fängt der ganze Jammer wieder von neuem an und ich meinte doch, daß ich nicht mehr unter dieser fürchterlichen Angst würde leiden müssen. Das bringt mich noch ins Grab. Auch für dich ist der Kampf zu hart, mein armer Junge, ich sehe es, ich möchte dir helfen, aber ich habe keine Kraft mehr." Im Korridor wurden Schritte hörbar, instinktiv wichen wir voneinander zurück, aber wir empfanden Scham bei dieser Bewegung. Die Tür öffnete sich und der Vater kam herein. „Ihr habt euch ja sehr lange Geschichten zu erzählen." .„Jacques hat mit mir Geschäftliches besprochen. ..So, so!" Ich hatte die Ellbogen auf den Tisch gestützt und aß mechanisch mit der rechten Hand. Mein Vater blickte mich voller Verachtung an, dann tat er, als ob er zur Mutter spräche. „Er kann nicht einmal ordentlich essen." „Laß' ihn in Ruhe, er ist müde." „Immer mußt du ihn entschuldigen, er läßt sich jeden Tag mehr gehen; schau, wie er den Teller zurückgestoßen hat, da kann man sehen, in welcher Gesellschaft er oerkehrt, das sind die Manieren eines Reisenden." Wut schnürte mir das Herz zusammen, ich fand keine Antwort und das steigerte noch mein« Empörung. Aber ich sprach kein Wort und blickte ihm nur voller Verachtung in die Augen. Er wendete sich wieder seiner Frau zu:„Sieh nur, wie er mich mit seinen Blicken herausfordert, er hat den Augenausdruck eines gebackenen Karpfens." Ich erinnerte mich, daß auch meine Mutter vor einigen Jahren dieses Wort gebraucht hatte, das tat mir weh und ich brummte:„Jeder hat den Ausdruck, der ihm paßt." „Was sagst du, du Rotzbub?" und er hob seinen Stock. Die Mutter warf mir einen strengen Blick zu: ich verstand, daß dieser Blick„Schweig jetzt" bedeutete, aber ich kümmerte mich nicht darum. „Ich bin nicht rotziger als andere; ich habe Kopfschmerzen und gehe zu Bett, gute Nacht." „Das ist das Gescheiteste, was du tun kannst," höhnt« der Vater,„wart' nur, ich werde dich schon unterkriegen. „Das wird sich zeigen." „Gute Nacht," sagte die Mutter und schob mich mis der Küche. J6> ging in mein Zimmer und in einem Nu war ich im Bett. Alles geschah wie im Traum und ich hatte das Gefühl, daß mich eine unsichtbare Hand antrieb. Ich war ganz kraft- los, konnte keinen klaren Gedanken fasien, die Angst hielt mich mit eisernen Krallen gepackt. Endlich schlief ich ein, aber fürchterliches Alpdrücken quälte mich. Es war schon heller Tag, als ein undeutliches Stimmengewirr an mein Ohr lchlug. Ich hörte den Vater schelten:„Neun Uhr und der Bursch' ist noch nicht aufgestanden, wirklich eine Schande. Andrch geh' ihn wecken." Sofort wurde die Tür lärmend aufgerisien, Andre trat ein und rief:„Herr Faulpelz, es ist schon Zeil aufzustehen. Glaubst du vielleicht, daß man dir das Frühstück ins Bett bringen wird?" „Laß mich in Ruh!" Und ich drehte mich zur Wand, ganz entschlossen, dann aufzustehen, wenn es mir passen würde. AndrH ging hinaus. Nach ein paar Minuten öffnete sich wiederum die Tür und ich erkannte die Schritte meiner Mutter. Neugierig, was sie mir sagen würde, stellte ich mich schlafend. Sie berührte mich an der Schulter. «Jacques, steh' auf, es ist neun Uhr vorbei, du schläfft wie das Vieh, das tust du absichtlich, um den Vater aufzuregen." Ich wendete mich um und blickte sie an: in ihren Augen war der unheilverkündende Stahlglanz. Sie wiederholte ungeduldig:„Steh' schon endlich auf." „Er hat dich mit dem Austrag geschickt, nicht wahr?" „Ich lasse mir von niemandem etwas befehlen," erwiderte sie eisig. „Aber er hat dich doch geschickt." „Ich weiß nicht, wen du meinst." „Deinen Mann, das ist doch klar." „Ich verbiete dir, so zu sprechen." „Schon gut, wieder ist es ihm gelungen, dich von meiner Schuld und von seiner kindlichen Reinheit zu überzeugen." „Du bist unverschämt, dein Vater hat ganz recht, man muß dich unterkriegen." „Du sprichst so, obgleich du so gut weißt, was ich zu leiden hatte?" „Das wird immer schöner, spiel' dich nur auf den Mär- tyrer hinaus." „Keinswegs, wir haben ja schon an dem einen gewissen Herrn genug." „Ich verbiete dir nochmals, so von deinem Vater zu sprechen." „Vergiß nicht, daß er wie mein ärgster Feind an mir gehandelt hat." „Du übertreibst immer und alles: jetzt steh' auf und tu« mir den Gefallen, dich heute anständig aufzuführen." Sie ging aus dem Zimmer und warf die Tür zu. Ich stand aus, zog mich an, ging in die Küche, wo sich die Mutter und das Dienstmädchen der Patin befanden. In diesem Augenblick kam ein durchdringendes Gefchrei aus dem Hof. Es war Pauls Stimme, dann ein großer Lärm, Bellen, meine Mutter war zum Fenster gestürzt. Es wurde angeläutet und mit einem Satz waren wir bei der Tür. Alice führte Paul an der Hand, zwei große Bluflpuren zogen über sein Gesicht. (Fortsetzung folgt.) Moabit! Um Sie kleinen nnd kleinsten SünSer. Ein kleiner, magerer Mann mit einem etwas schiefen Kopfe und nervösen Händen hat in seinem Leben zum fünften Mal« ein« Tat begangen, die weder mit einem der zehn Gebote der Bibel noch mit der xhundert Paragraphen des Strafgesetzbuchs zu vereinbaren ist. Er hat s e i ne r Frau, die in der Praxis nicht mehr seine Frau ist, etwas G e ld und einen Pfandschein gestohlen. Soweit die Akten. „Haben Sie gestohlen?" Nein. Seine Frau sei ihm einen Haufen Geld schuldig. Sie fall ihm nur zuzahlen. Die böse Kreatur! „Ach, dann haben Sie ja gar nicht gestohlen?" Nein, das habe er nicht. „Dann müssen wir den Prozeß oertagen, um zu hören, wieviel Ihnen Ihre Frau noch zuzahlen will." Bertagen? O, er sei gewiß ein Liebhaber von allen guten Dingen, von Fleisch, von Suppe und auch von Mädchen. Aber„ver- tagen" sei doch ebenso gewiß kein gutes Ding. Ja, es sei überhaupt nichts, weder Fleisch, noch Suppe, noch Mädchen. Ja, und dann. Er möchte doch dem lieben Gericht den Anblick seiner Frau ersparen. „Ich kann Sie nur verurteilen, wenn Sie sagen, daß Sie ge- stöhlen haben..." „Ich habe nicht gestohlen!" .. und nur freisprechen, wenn Ihre Frau sagt, wieviel st« zuzahlen will." „Ich habe gestohlen!" « Unwillkürlich mit Grauen schaut man auf den Mann, dem das Strafregister die Sllndenliste vorliest. Diebstahl: drei Monate Ge- fängnis. Diebstahl: fünf Monate Gefängnis. Urkundenfälschung: sieben Monate Gefängnis. Diebstahl: acht Monate Gefängnis. Betrug: neun Monate Gefängnis. Und so geht es monoton endlos weiter, um bei einer Gesamtstrafe von fünf Jahren innerhalb fünf Iahren einen Augenblick Atem zu schöpfen. Und schon spricht man von neuen Verbrechen. Von einer Unterschlagung. Und doch sieht dev gräuliche Verbrecher gar nicht so schlimm aus. Ein Mensch wir irgendein anderer Mensch mit Augen, Händen und Füßen. Nur daß der Krieg aus diesem Menschen ein Häuf- lein Unglück gemacht hat. Im Jahre 19ZS an der Westfront verschüttet, tonnte er sich von den Folgen dieser Nerschüttung nicht mehr erholen. Wurde ein hall- und willenloses Geschöpf, ergeben allen zügellosen, dunklen Trieben. Nervosität zermürbte ihn, epileptische Anfälle und Branntwein fraßen ihn auf. Kurz:.Ein Psychopath durch und durch, ein Mensch, der für seine Taten nicht verantwortlich gemacht werden kann!" stell: der Sachverständige fest. „Wenn er die Tat überhaupt begangen hat!" meint der Richter. Nein, er habe sie nicht begangen. Behauptet das Häuflein Unglück. Ein Reisender wäre zu ihm gekommen und hätte ihm für einige hundert Mark U n t e rw ä s ch e gegen Ratenzahlungen aufgeschwätzt. Unter Cigentumsvorbehalt. Natürlich hätte er die Hemden und Hosen nicht bezahlen können. „Und dann haben Sie die Ware verkauft?" „Nein! Sie ist mir gestohlen worden!" Eines Tages hätte er mtt seiner Frau, wie schon so oft, einen heftigen Streit gehabt. Daraufhin packte er alle seine Sachen, u. a. auch die fragliche Wäsche, zusammen und rannte in ein Wirtshaus, um mit Branntwein seinen Zorn und Aerger zu verbrennen. Am anderen Tage hätte er sich dann auf einer Bank in einer Anlage gefunden, aber nur sich allein, und nur zur Hälfte bekleidet. Die andere Hälfte mit allen Habseligkeiten wäre verschwunden gewesen. In der Tat, das Gericht konnte ihm nichts nachweisen, nicht, daß er seine Frau nicht verprügelt, nicht, daß er sich nicht be- trunken, nicht, daß er sich nicht am anderen Morgen halbnackt in einer Anlage gefunden, und nicht, daß er sich selbst bestohlen hätte. Und sprach ihn deshalb auf Staatskosten frei. Sillige Kohlen für ftäütifche Werke. Durch Frachtsenkung um 20 Proz. beim Groftbezug. Gestern. Dienstag, fand im Ständigen Ausschuß des Reichs- eisenbahnrats die Beratung einer Tarifoorlag« statt, die für die Berliner st ädtischenWerk« von größter Wichtigkeit ist. Der neue Tarif gilt für Steinkohlen deutscher Gewinnung aus dem Ruhrgebiet, aus Oberschlesten und Niederschlesien und ist nur für solch« Kohlen bestimmt, die in den Berliner Städtischen Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerken verbraucht werden. Er fetzt weiter reget- mäßige Beförderung in geschlostenen Großgüter- wagenzügen voraus und ist an eine Jahresmindestmenge von 800 000 Tonnen gebunden. Unter diesen Bedingungen steht der Tarif Ermäßigungen gegenüber den Normalsätzen von durchschnittlich 20 Proz. vor. Di« Deutsche Reichsbahn- Gesellschaft glaubt, diese erhebliche Ermäßigung geben zu müssen, wenn sie nicht nur an den Mehrtransporten, welche die Errichtung des Rummelsburger Werkes bringe, keinen Anteil haben, sondern darüber hinaus auch ihren bisherigen Besitzstand von Transporten an den Wasserweg verlieren soll. Zwei neue ABOAG.-Vorortlinie». Bon nichtamtlicher Seite verbreitete Meldungen über einen von der ABOAG beabsichtigte» Vorortschnelloerkehr ent- hallen Angaben, die nicht den Tatsachen entsprechen. Richtig ist, daß die Omnibusgesellschast ihren Ausslugsverkehr erweitern wird, und zwar durch zwei neue Linien: Vom S t e t t i n e r Bahnhof nach Summt(Schorfheide) und von Zehlendorf- Mitte nach der Glienicker Brücke(Potsdam). Weiterhin sollen sogenannte Wochenendfahrten in neuen modernen Aussichts- wagen(Klubwagcn) veranstaltet werden. Die Teilnehmer können auf diese Weise ein- oder mehrtägige Reisen in beguemen Wagen ausführen. Die Brandstiftung auf Rennbahn Ruhleben. Am S. Januar 1S27 brach, wie erinnerlich, in den Abendstunden auf der Trabrennbahn Ruhleben in dem Heuboden der Stallungen des Trainer» Eugen Treuherz ein Brand aus. Die darunter be- findlichen Stallungen waren mit Pferden stark besetzt, da am Tage ein Trabrennen stattgefunden hatte. Jedoch konnten die Pferde rechtzeitig gerettet werden. Auch das Feuer wurde bald gelöscht. Unter der Anklage, vorsätzlich die Stallungen der Trabrennbahn Ruhleben in Brand gesetzt zu haben, wurde der Stallmann I o b a n n R o t h m e i e r dem Schöffengericht Charlottenburg aus der Unter- fuchungehaft vorgeführt. Die Tat des Angeklagten erschien im höchsten Maße fonderbar. Nothmeier erklärte, daß es wohl schon so gewesen sein werde, daß er es aber nicht mehr wisse. Er Hab« sich das Leben nehmen wollen, weil er arbeits- und mittel- los gewesen sei und wisse nur noch, daß er einen Hammer mit- genommen habe, als er auf den Heuboden ging. Landgerichts- dircktor Mäder hielt dem Angeklagten vor, daß er der Polizei an- gegeben hatte, er habe das Heu angezündet und sich mit dem Hammer vor den Kopf geschlagen, damit er umfalle und mitver- brenne. Die anderen Stalleutc bekundeten, daß Rothmeier m i t blutüberströmtem Gesicht und einem Hammer in der Hand zu ihnen in den Stall gestürzt kam und rief:„Rettet, was ihr retten könnt, ich habe angesteckt wegen Treuherz und den Schuften." Mit den Worten„Ich will Selbstmord machen", stürzte er davan. Der Zeug« Treuherz hält den R. für geisteskrank, denn für die Tat lag gar kein Anlaß vor. Sanitätsrat Dr. Leppmann hat den Angeklagten auf seinen Geisteszustand geprüft: er hat e» ytdkiche ZwSkfvi gsuwnnen, ob die Tat im Zustande des Bewußtseins ansgeführt worden ist. Das Schöffengericht sprach nach kurzer Be- ratung den Angeklagten auf Kosten der Staatskasse frei. Der /lrzt unü seine hausöame. IV« Jahre Zuchthaus wegen Verleitung zum Meineid. Aus einem siebenjährigen Ehescheidungsprozeß, der sich zu einem Rattenkönig von anderen Zioilprozessen, u. a. Klo gen auf Schadenersatz, Herausgabe der Kinder und Strafanzeigen von der geschiedenen Ehefrau gegen den obsiegenden Ehemann, ausgewachsen hatte, ist die Anklage gegen den 1880 geborenen prakt. Arzt Dr. Hans Hermann hervorgegangen, die ihn jetzt uMer der Anklage der Verleitung zum Meineid und der Abgabe einer falschen eides- stattlichen Versicherung vor das Erweiterte Schöffengericht Mitte führte. Es handell sich um eine sehr verwickelte Angelegenheit, bei der es sich um die Beziehungen des Angeklagten zu dem früheren Kindermädchen Marie Gundermann dreht, die jetzt die wichtigste Velastungszeugin ist. Sie war bereits in der ersten Ehe des An- geklagten zur Pflege der drei Kinder ün Jahr« 1915 eingetreten und wurde nach ihrem Ausscheiden im Jahr« 1925 vom Angeklagten wegen Diebstahls eines seidenen Kleides angezeigt. Inzwischen hatte die erste Ehefrau eine Klage wegen Herausgabe ihrer Kinder an- gestrengt, die sich darauf stützte, daß Dr Hennann in intimen Be- Ziehungen zu Marie G. gestanden und auch dem anderen weiblichen Dienstpersonal dauernd nachgestellt hätte. In den: Ehescheidungs- prozeß vor dem Kammergericht hatte die G. im Jahre 1921 alle Beziehungen zu dem Angeklagten abgestritten. Sie wurde vom Kammergericht über den Punkt der ehewidrigen Beziehungen uneidlich vernommen. Im Jahre 1926 aber hatte sie in einer Klage der Ehefrau zugestanden, daß sie seit dem Jahre 1917 mit Dr. Hermann wie in einer Ehe gelebt habe, und daß Dr. H. ihr auch die Heirat versprochen hätte. Der Angeklagte habe ihr vor ihrer Vernehmung vor dem Kammergericht gesagt, sie dürfe über die Beziehungen zu ihm nichts zugeben, und auch die Aussage nicht verweigern, weil er ionst den Prozeß verlieren würde. Dr. Hermann habe auch sie aufgefordert, nötigenfalls zu schwören. Ter Angeklagte selbst hat im Juli 1926 die eidesstattliche Versiche- rung. abgegeben, daß er mit Marie Gundermann niemals die Ehe gebrochen habe und sie auch niemals veranlaßte, vor Gericht Un- wahres auszusagen. Dr. Hermann bestritt jede Schuld und führte alles auf einen Racheakt zurück. Ueber feine erst« Ehe machte Dr. Hermann folgend« Angaben: Seine Ehe war nicht glücklich. Seine Frau vernachlässigte Haus- halt und die drei Kinder. Im Jahre 1916 übernahm Fräulein Gundermann, die jetzige Hauptbelastungszeugin, die Pflege der Kinder. Vors.: Ihre Frau behauptet, daß sie Sie mit dem Kindermädchen schon 1917 überrascht habe. Angekl.: Das ist nicht richtig. Vors.: Als die Gundermann ihre Ladung zum Termin bekam, sollen Sie ihr gesagt haben, was sie aussagen solle. Angekl.: Das bestreite ich. Vor s.: Daß Sie mit der G. ver- kehrt haben, geben Sie doch zu? Angekl.: Ja. Der Angeklagte gibt auch zu, daß er anderen weiblichen Hausangestellten nachgestellt hat. Vors.: Zu diesem Versahren wäre es nie gekommen, wenn Sie dos Mädchen 1925 nicht entlassen und es, nachdem es fast zehn Jahre bei Ihnen gewesen war, wegen Diebstahls angezeigt hätten. Unverständlich ist es, wie man einen Menschen, von dem man zehn Jahre Gnies im hause gehabt hat. wegen eines lumpigen serdencn Kleides anzeigen kann. Das sprich: doch auch gegen Sie. Als erste Zeugin wurde Mcirie Gundermann zunächst unvereidigt vernommen. Sie sagte aus: Bis 1917 sei nichts vorgekommen, aber Dr. Hermann habe ihr schon immer nachgestellt. Anfang 1917 ic: sie ihres Rufes wegen aus dem Haufe gegangen, well Frau Dr. Her- mann behauptete, sie habe ein Verhältnis mit ihrem Manne. Dr Hermann habe sie zurückgeholt. Bald darauf begannen die in- timen Beziehungen, da inzwischen die Frau aus dem Haufe gegangen war. Ich habe den Mann geliebt und habe fei: 1917 eine richtige Ehe mit ihm geführt. Aus meinem Eide beim Kammergerichl wurde alles auseelaffen, was sich auf die persönlichen Beziehungen bezog. Vors: Haben Sie über die falsche Aussage Gewissensbisie ge- habt? Zeugin: Sehr oft, aber Dr. Hermann verlröstele mich immer mit der künftigen Ehe. Rechtsanwalt- Dr. Joffe hielt der Zeugin entgegen, daß b«i dem Eid vor dem Kammergericht nur das ehewidrige Verhalten ausgenommen worden fei. Die Zeugin behauptete jedoch, daß diese Auslassung sich aus die ganzen person- lichen Beziehungen erstreckt habe. Dr. Joffe: Wie'si tlrau Hermann auf Sie gekommen? Sie hatten doch rmmsr vergchcrr, daß nichts passiert' fei, solange die Ehe nicht geschieden war. Zeugin: Ich hatte inzwischen in einem Zioilprozetz der tzrau Hermann gegen ihren Mann die Aussage verweigert. Staatsanwaltschastsrat Iacoby I hielt den Angeklagten Dr. med. Hermann für überführt, die Zeugin Gun- dermann zum Meineid vsrleilet und selbst eine falsche eides,!at.. liche Versicherung in einem Zivilprozeß seiner Ehefrau gegen ihn im Mai 1926 abgegeben zu haben. Er beantragte die Verurtciwng des Dr. Hermann zu IZ-S Jahren Zuchthaus und sunf Jahren Eh?- Verlust Rechtsanwall Dr. Walter Iaffö hielt die Rolle der Be- lastunq�zeuqin Gundermann für eins zweifelhafte und beantragt- Freisprechung. Das Gericht verurteilte Dr. Hermann wegen Ver- leiwnq zum' Meineid und wegen Abgabe einer fallchen eidesftmt- lichen'Versicherune, zu einem Jahr einem Monat Zucht- hau« Die Untersuchungshaft von sechs Wochen wurde dem An- geklagten voll angerechnet. Ein Hastbcfehl wurde gegen ihn mcht wieder erlösten, da er inzwischen eine Kaution von 10 000 M gestellt hat Das Schöffengericht hat eine große Reihe von Schuld- Momenten gegen den Angeklagten für festgestellt gehal'en: er bat sich außerdem gegen seine Angestellte von einer seltene,, Unvornebmheit gezeigt. Rechtsanwalt Dr. Iaffö legte sofort gegen das Urteil Benifung ein.___ Dem Abschluß entgegen! Plädoyers der Verteidigung im Jiirgcns-Prozetz. In seinen wetteren Ausführungen suchte Justizrat Dr. Werthauer das Verhalten des Angeklagten bei seiner Vernehmung in Kassel zu erklären. Schon die Art und Weise, wie die alte Frau Kugel ihn in die Sache hineingezogen habe, mußte ihn zu äußerster Vorsicht mahnen. Dazu kam die seelische Erregung wegen der wenige Tage vorher in Berlin erfolgten Haussuchung in seiner Wohnung. Der Beweisschluh des Kasseler Gerichts war ihm nicht zugestellt, ebenso- wenig war vor der Vernehmung ein Hinweis daraus erfolgt, daß er evenwell seine Aussage verweigern dürfe, weil es sich um Be- hauptungen handle, die für seine Frau ehrenrührig waren. Nicht der Vernehmungsrichter, wie es Vorschrift sei, sondern Jürgens selbst in seiner seelischen Erregung habe damals das Protokoll diktiert. Deshalb müsse es im Sinne des Verfassers, aber nicht im Sinne des Richters ausgelegt werden. An dieser Tatsache scheitere jeder Versuch, aus diesem Protokoll einen Meineid zu konstruieren und deshalb hätte der Oberstaatsanwall in diesem Punkte hie Anklage fallen lassen müssen. Der Anklagevertreter sei auch dem Wesen des Angeklagten, dem von zahlreichen Zeugen Fleiß, Klugheit und Ge- wissenhaftigkeit bescheinigt werde, nicht gerecht geworden. Bei einem Manne wie Jürgens könne man sich nicht vorstellen, daß er nach Kassel reise, um dort wegen eines Objekts von 500 Goldmark einen Meineid zu leisten. In diesem Zusammenhang bedauerte der Ver- teidiger, daß der zweite Anklagevertreter, Staatsanwallschaftsrat Weiß- Stettin— der in diesem Prozeß bekanntlich überhaupt nicht hervor- getteten ist—, erkrankt sei, da es immerhin interessant gewesen wäre, ob er sich den Anttägen des Oberstaatsanwalts und dessen Beweis- führung angeschlossen hätte. Justizrat Dr. Werthauer streifte dann noch kurz die übrigen Anklagepunkte, in denen sich �er Oberstaatsanwalt nach diesem Ergebnis der Beweisaufnahme hätte sagen müssen, daß sowohl die Sachverständigen, wie die Zeugen ihn verlassen hätten. Seit über einem Jahr wartet Jürgens darauf, daß er freigesprochen wird, und ich hoffe, daß das jetzt geschieht. Sachlichkeit ist das Schlagwort der Gegenwart. Man will nicht mehr die Dinge schildern eingehüllt in romantische Nebel. Man will sie geben, wie sie wirklich sind. Fort mit den psychologischen Irreführungen bei der Schilderung interessanter Helden. Reportage: das ist die neue Kunstform, der schriftstellerische Ausdruck dieser Sachlichkeit. Ein Stenogramm des Zeitgeschehens, in Amerika und Frankreich zur Vollendung gebracht, befindet sich in Deutschland noch in ihren Anfängen. In Deutschland, wo sich jeder in die Geheimnisse seines Berufes einkapselt. So etwas umreißt Leo L a n i a den Begriff Gestaltete Gegenwart. Josef Roth, Leo Lania und Artur Holitscher kommen dann als Vertreter dieser Sachlichkeit mit kurzen Schilderungen zu Wort, die plastisch, klar, nüchtern, allein das Wesentliche, den Extrakt geben. Leo Lania liest vollendet, aber Sonja Bog bringt ein gefühlsmäßiges Moment hinein, das diesen Dingen fremd ist.— Den Beamten als Ver- treter der Staatshoheit behandelt Geheimrat D r. T u l l. Ein paar Sätze aus diesem Vortrag sollte jeder Beamte, ob hoch oder niedrig, beherzigen. Der Beamte erhält seine Amts- gewalt vom Staat, er ist nur exekutives Organ. Immer sollte er sich daran erinnern, drß ihm die Macht höhere Pflichten auferlegt. Niemals darf er vergessen, daß er dient und nicht herrscht, eine Regel, die vor allem für Vcrwaltungs- und Polizei- beamte gilt.— Margarete Weinberg spricht über die Frau im Wohlfahrtsdienst. Zunächst ein kurzer geschichtlicher Ueberblick, dann eine Schilderung der Wohlfahrtseinrichtungen, denen sich heute Frauen widmen, verknüpft mit einer psychologischen Betrachtung über die Eignung der Frau zum Wohlfahrtsdienst.— Auf der Iugendbühne Franz Grillparzers Trauerspiel„Des Meeres und der Liebe Wellen". Braun führt diesmal musterhaft Regie. Keiner der Beteiligten legt wie sonst eine Arie hin, keine falsche Deklamation stört. Kraußneck spricht wundervoll den Ober- Priester, sehr oerinnerlicht Lucie Mannheims Hero, und Lothar Müthel verleiht dem weichlichen Leander eine kraftvolle Sprache. Sonaten von Händel und Bach beschsiehen harnionisch den Tag. F. S. Um K2 Uhr wurde die Verhandlung auf Donnerstag früh 9 Uhr vertagt, und zwar werden zunächst die übrigen Verteidiger des Landgerichtsdircktors Jürgens und im Anschluß daran Rechts- anwalt Dr. Alsberg für Frau Jürgens das Wort ergreifen. Einheitstarif vom 15. März ab. Der Auffichlsrat der Berliner Straßenbahn- Belriebs-G. m. b. h. beschloß In feiner heutigen Sitzung. den neuen Einheltslaris für die drei städtischen verkehrsunlernch. mungen vom 15. JUärz ab In Kraft treten zu lassen. Nach den Einschränkungen, die die Aussichtsbehörden be! der Einführung des neuen Tarifs vorläufig gewüuscht haben, berechtigt der neue Einheitsfahrschein zum preise von 20 Pf. zur einmaligen Fahrt mtt Umstcigeberechftgung innerhalb des Rehes der einzcl- nen Unternehmungen oder mit Umfleigebcrechligung von der Straßenbahn zur Hochbahn und umgekehrt und vom Omnibus zur Straßenbahn und zur Hochbahn. Die llmfteigeberech.igung von Straßenbahn und Hochbahn zum Omnibus kann erst eingeführt werden, wenn, entsprechend dem Verlangen der Aufsichtsbehörden, der Wagenpark der Omnibusgesellschast erweitert worden ist. Diese Er- Weiterung wird my der denkbar größten Beschleunigung betrieben werden._ Aus dem Schaffen jugendlicher Erwerbsloser nennt sich«ine Ausstellung, die gestern nachmittag in den Räumen des Tagesheims, P a p p e l a l l e e 2 5, vom Jugendamt. Prenzlauer Berg eröffnet wurde. Einleitend wies Stadtret Genosse Friedlaender auf den Zweck der Tagesheime hin. Sie sollen den jungen Arbeitslosen die Zeit ihrer Arbeitslosigkeit er- leichtern, indem sie ihnen die Möglichkeit geben, sich handwerkliche Kenntnisse zu erwerben. Kostenlos wird ihnen Mittagessen und Noch- mittagskaffee verabreicht und unter fachmännischer Leitung werden ihnen berufliche Kenntnisse in der Schusterei, Schlosserei, Buchbinderei und Tischlerei sowie in Hausarbeiten und Näherei vermittelt. Von dem Erfolg dieser Kurse gaben die ausgestellten Arbeiten lehrreiche Proben, und es war erstaunlich zu sehen, was hier junge Menschen, die keine fachlichen Vorkenntnisse hatten, geleistet haben. Erstaunlich ist die überaus große Zahl der Arbeilen, die für sozial« Einrichtungen und Kameraden anderer Heime angefertigt wurden. In einem an die Besichtigung sich anschließenden Licht- bildervorttag, der Bilder aus dem Leben der Heimbcfucher zeigte, erkannte man, daß neben dem Ernst der beruflichen Arbeit auch der Sinn für Spiel, Sport und Wanderungen vorhanden ist. Um die Ausstellung noch einem größeren Kreis von Besuchern zu zeigen, ist sie am Donnerstag und Freitag von 3—7 Uhr und am S o n n a b e n d von 3—6 Uhr geöffnet. Kriegsbeschädigte und Bodenreform. In einer vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen (Bezirk Westen) nach dem Schub ertfaal Berin einberufenen Versammlung wurde nach einem Vortrag des Genossen Victor s/cAer wirkend bei VersfopFung, Alle 2 oder 5 Tage e/'n Lax/n-Konfekt nach dep Abendmahlzeit reguliert die Verdauung Verlangen Sie kostenlos die Interessante Broschüre über taxin von den Llngaer'Werktn� Dresden Wootf tfne Entschließung einstimmig angenommen, worin die Reichsregierung aufgefordert wird, nun endlich das von den ver- gangenen Regierungen bereit» schon sieben Jahre verschleppte, seit "eben Jahren von den freigewerkscha'tlichen, christlich-nationalen und sreiheitlich-nationalen Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenorgani- lationen geforderte Reichsbodenreformgesetz dem Reichs- mg vorzulegen, und zwar nach dem Reichstagsbeschluß vom S. Mai vorigen Jahres in einer Fassung, die dem bekannten Entwurf des ständigen Beirats für cheimstättenwefen beim Reichsarbeitsmini- ftcrium gerecht wird und nicht etwa durch Berwäsierungen an boden- refonnerifcher Bedeutung verloren hat. Eine wohlgelungene Werbeveranstallung war das Früh- l i n g s f e st der 4. Kameradschaft vom Kreisverein Reukölln-Britz des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Unter Vorantritt des Tam- bourkorps und der Fanfarenbläser marschiert« der stattliche Zug durch Britz und die Großsiedlung, freudig begrüßt von der Bevölke- rung. In Beckers Gesellschaftshaus oereinigte der Abend die Käme- raden mit ihren Familienangehörigen. Die Festansprache des Kreis- veretnsvorsitzenden Kameraden Gutschmied wnd reichen Beifall. Kamerad« ch m a r s o w konnte als Kameradschaftsführer mehrere Fahnennägel entgegennehmen. J!" Lesterrelchlsch-devlfche Volksband veranstaltet am Donnerstag, i Marz, 8 Uhr, im Rcichstagsgebäude sEingang Porlalö) einen Vortrags- abend, an dem Redakteur Alexander Szauto über.Ungarn und die oilcrrcichische Anschlußfrage" sprechen wird. Eintritt frei! � Sprechchor für piolelariscke Zei erstunden Nächste UedungSslunde am Freitag, abends 8'i, Ubr, im Meiangssaal der Sopbienschule, Weinmcister- präge 10/17. Ten Text der letzten Jugendweihe mitbringen. „ Vrbeiler-Solkurkortell(Broß-Betlin. Sonnabend, den 19. Mär,, abends If I.br, �m grohcn Saale der Philtarmonie, Bernburaer Strohe, viertes Aibciter-Linioniclonzcrt mit dem Philbaimoni chen Orchester unter Leitung von Jascha Ho-.enstein. Ludwig van Bcctbovcn(f 26, Mär, 1827). Kur Fpter des hundertsten Todestages. 1. Luvertüre ,u Colli»? Trauersviel „Eoriolan', op. 62. Vcethovcn. 2. Konzert für Violine und Orchester, op. 77, ■i iennts. 3. einfonic Nr. 3(Eroica) op. 55, Beelhoven. Violine: Gustav Savemonn. Eintrittspreis 1.50 M.— Sonntag, den 13. März. vorm. m. Ubr, im Tbcatcr der Volksbübne. am Büiowvlatz. Ein Krablings. Ayitrrtum, dramatisches Chorwerk von Bruno Schönlank, Musik von Heinz Die Platze werden verlost. Tie Verlo'ung beginnt um>1,11 Ubr. UintiiltvpreiS 1,50 M. Korten im Bureau des Arbeiterkulturkartells, Linden- »rage 3. 2. H., Zimmer S, in der VorwärtSbuchhandlung, Lindenstr. 2, und an der Theaterkasse. Zirkus und variÄe. Zirkus Sarrafani. Nach mehrjähriger Abwesenheit, bereichert durch feine amerikanischen Erfahrungen, hielt der Zirkus Sarrafani mieder seinen Einzug in Berlin. Die neue AutoHalle am Kaiserda mm hat sich in eine stattliche Arena verwandelt und bietet im Verein mit dem großartigen künstlerischen Aufgebot ein prächtiges, farbenreiches Bild. Eine Polonäse sämtlicher Artisten und Künstler gab den Auftakt. Das reichhaltige Tiermaterial, Künstler aus aller Herren Länder, zeigte Proben sorgfältigster Dreisur und großen Könnens. Allen voran die Rifkabylen als Vyramidenbo.uer und Springer, die Tfcherkesfen als wildvermegene Reiter, Chinesen in ihren heimatlichen Kunststücken auf dem Gebiete des Jonglierens, Feuer- und Degenschluckens boten gute Arbeit. Direktor Sarrafani dirigierte feine Elefantengarde, Frl. Walterftcin ritt elegante hohe Schule. Ein reichhaltiges Ballettpersonal, wohl dressiert und kostümiert, führte allerlei nette Tanzleistungen vor. Besonderes Lob verdient noch ein Lustakt am dreifachen Trapez und am Luftreck. Die Clownerie wurde von ein paar würdigen Ver- tretern dieses Faches besorgt. Das Programm ist— nach amerikanischem Muster— ganz auf Massenwirkung aufgebaut und ver- blufft durch seine Ueberfülle an Darbietungen, die im Schnellzugstempo mit allen Tricks moderner Regiekunst an einem vorüber- huschen. Die Scala hat in diesem Monat eine sehr bunte und lustige Zusammenstellung von Dingen, die nicht ganz in das artistische Fach gehören. Eine muntere Abwechslung, die man sich gern gefallen läßt. An der Spitze steht wieder einmal R a st e l l i, der Unvergleichliche, das Jongleurgenie, der die Gegenstände ihrer physikalischen Eigen- schaften entkleidet und sie scheinbar mühelos zu Objekten seiner Launen macht. Dann gibt's L i n g a-S i n g h, der seine indischen Tricks so hübsch ausführt, daß man ihnen die Verwandtschaft mit dem europäischen nur schwer anmerkt. Ganz fernöstlich kommt uns auch Richard Bells Chinesen-Revue, die vor allem ausge- zeichnete altchinesische Waffenspiel« zeigt. Aus Amerika sind diesmal erschienen: die Vortragskünstlerin Alma Barnes, nicht sehr originell, dafür um so mehr ihre Landsmännin Gypfy R h 0 ii m a- j e, so ziemlich das außerordentlichste, was man an dieser Stelle je gesehen. Sie zeigt eine tänzerische Akrobatik, ungewöhnlich und phantastisch, trotzdem aber beherrscht in der Form. Aehnlich bizarr gibt sich das prächtige Tänzertrio von den Folies Bergöres in Paris: Titzä, Tippet, T a r a s s o w. Schließlich meldet sich auch wieder Anton Klings gelehriger Schimpanse Tarzan I I, der alles macht, was man von einem Gent im Abendanzug verlangen kann. Als Letztes die zwei S p y r a' s in ihrer wirklich unver- wüstlichen Szene„Dienstmann Rr. 17". Im Mnlergarlen trifft man im Märzprogramm wieder auf eine Anzahl guter Bekannter. Griffiths Wunderpferd Pogo wurde zu schnell wiederholt. Dunio und Gegna werden als lustig« Musikanten bezeichnet, wirken bei sehr gutem Spiel eher ein wenig elegisch. Auch Rasayettes Hundedressuren sind wieder da. Fritz Wiesenthal und Klara Karry singen und sind auch mimisch vorzüglich, bedeuten aber kaum mehr als einen hübschen Faschingsulk. Vier Akrobatik- und Gymnastikakte hingegen sind ausgezeichnet besetzt und bringen zum Teil überraschend Neues. Der Untermann der Junetros bringt, noch dazu auf Stelzen stehend, ein imerhörtes Stück fertig. Er fängt den vom Trampolin springenden Portner Kopf auf Kopf, ohne Zuhilfenahme der Hände. Auch der amerikanische Onesime- und Kid-Akt, der einen ganz jungen fast kindlichen Partner hat, ist erstklassig. Das jung« Kerlchen springt, schlingt und schwingt sich mit unvergleichlicher Behendigkeit und Leichtigkeit. Der Partner ist trotz seiner Dürre ein muskelstarker Untermann. Die Handstand- und Sturzakrobaten Triboli und Smiles verbrämen, ohne clownhaft zu fein, ihre Leistungen mit gutem Humor. Sehr zeitgemäß ist das Morgen- training einer Sportsdame von Fräulein Athea. Powers Riefen-Tanz-Elefanten sind nun schon in Berlin bekannt. Mag man auch heute noch die„Wunder" einer solchen Dressur bewundern, die Zeit scheint nicht mehr fern zu sein, wo man solche Darbietungen als der wahren Natur des Tieres zuwider kühl ablehnen wird. Seine helle Freude hat man an den Tänzen ddr schlanken und lustigen Schwestern»taeding, und Pierino Farabonis Pirouettentänze sind ebenso neu wie einzigartig. Die lebende Granate. Aufsehen erregte eine Kanone, die, auf einem Lastautomobil verstaut, durch die Straßen Berlins gefahren wurde. Der Wagen trug den Namen Carl Hagenbeck, und ohne weiteres konnte man es sich nicht zusammenreimen, was Tier- fang und Tierhandel mit Kanonen zu tun haben. Die Sache oerhält sich so, durch diese Fahrt auf der Kanone stellte sich dem Berliner Publikum der Artist Ugo Zacchini vor. Dieser Chilene ist nämlich zurzeit im Zirkus Carl Hagenbeck engagiert. Ugo Zacchini. der früher als Cowboy arbeitete und diese ihm so liebe Tracht noch heule trägt, ist von Jugend aus Artist. Sein Bruder wurde In- genieur, doch das Zlrtiftcnblut wird oft zum Verhängnis, es trieb auch ihn dazu, im Zirkus tätig zu sein, und zwar als Luftturner. Eines Tages stürzt« er vom Trapez und brach ein Bein. Während eines elsmonatigen Krankenlagers plagten ihn die Gedanken, wie finde ich eine Lösung zwischen meinem Ingenieur- und meinem Artistenberus. Da kam er auf die Idee, eine Kanone zu kon- struieren. aus der sich sein krästiAer, verwegener Bruder Ugo in hohem Bogen durch die ganze Distanz des Zirkus schießen läßt. Seit fünf Jahren arbeiten die beiden Brüder nun zusammen, und in dieser Zeit waren die beiden in Aegypten. Syrien, Pa'ästina, Portugal und England. Jetzt sind sie noch Deutschland gekommen, wo zum ersten Male in Berlin Ugo Zacchini sich als lebend« Granat« verwenden läßt. ZUMung, Genossinnen! Funttionärinnen-Konferenz am Freitag, dem lt. März, abends 71/, Uhr. im Sewerkschaftshaus, Engeluser 24/25. Tagesordnung: t. Dortrag: Da» Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Refereutin: LulseSchröder, M.d R.— 2 ver Internationale Frauentag. Türkontrolle: t. Sreis-Mitte. Die kreisleiterinnen werden gebeten, um 7 Uhr pünktlich zu erscheinen. »» * Freie Schulgemeinde Lichtenberg Freitag, den 11. März 1927, abends?'/-> Uhr. in der Aula der Snabenmittelschule. Morkistrahe. öffentliche Versammlung: Die weltliche, proletaiifche Einheitsschule von der Grundschule bi, zur Hochschule. Referent: Oberstudien- direktor vr. F. Kursen, Reukölln.— Zu diesem Vortrage sind alle Eltern, Lehrer und Freunde der Schule herzlichst eingeladen. Eintritt frei! Die ErÜbebenopfer in �iapan. Viele Europäer getötet, angeblich keine Deutsche«. Tokio. S. März.(MTB.) Nach den letzten amtlichen Mstteilun- gen über die Erdbebenverluste beträgt die Zahl der Toten über 2500 und die der verletzten 4000. Es wurden 7S00 Häuser zerstört(jedoch nur kleine Holzhäuser). Der Gcsamtschaden wird daher auf nicht über 10 Millionen Den geschätzt. Das Dorf A m! n a, das eine Bevölkerung von 4000 Menschen hat, ist f a st ganz z e r st ö r t. Ein neugebautes Theater stürzte dort ein und es brach Feuer aus, bei dem 200 Menschen das Leben einbüßten und 500 verletzt wurden. Truppen graben die Leichen aus. Der Innenminister teilte im Oberhaus mit, die letzten amtlichen Berichte zeigten, daß 1635 Personen getötet worden sind und 4548 Häuser zerstört wurden, jedoch nicht einschließlich der Bezirke von Miyazu und Mineyama (die am meisten gelitten haben), und von denen infolg« der Zer- störung der Verbindungen noch keine Einzelheiten vorliegen. * Riga. 9. März.(TU.) Nach einem Funkspruch aus Tokio hat das Erdbeben nachgelassen. Unter den Erdbebenopfern befindet sich «ine Reihe Europäer, jedoch kein Deutscher. Der Mikado hat den Opfern des Erdbebens eine Million Den gestiftet. von einer Lawine überrascht. Nach einer Meldung aus B e f a n c o n wurden 50 Mann eines Alpenjägerregiments bei einem Patrouillengang von einer Lawine überrascht. Zwei Unter- offiziere und ein Mann fanden dabei den Tod. Die Leichen sind noch nicht geborgen. Raubmörder Schröder im Zuchthaus. Der Magdeburger Raub. mörder Schröder ist nunmehr nach seiner Begnadigung zu leben»- länglichem Zuchthaus zur Verbüßung seiner Straf« dem Zuchthau» Lichtenburg zugeführt worden. Ein vierzehnjähriger Massenmörder. Wie aus Leningrad ge- meldet wird, erstach in einem Dorfe ein vierzehnjähriger Junge seine siebenköpsige Familie während des Schlafes. Der Junge ist sestgenommen worden. Ein historische» Gasthaus am Rhein niedergebrannt. Am Sonn- tag abend ist das uralte, aus dem 12. Jahrhundert stammende Gast» Haus„Zum Vater Rhein" in Rhens bis auf die Grund- mauern niedergebrannt.____ Mus 6er Partei. Sozialdemokratie und Berufsbeamlentum. Unter diesem Titel erschien mit einem Vorwort von Reichsiago- abgeordneten Hermann Müller-Franken und Beiträgen von Senatspräsident A. F r e y m u t h � Bürgermeister Ernst Falk und Reichstagsabgeordneten Hennann Wäger im Verlag I. H. W. Dietz Nachf., Berlin SW. 68, eine 32 Seiten starke Broschüre, die nicht nur für Beamte lesenswert ist.(Preis 50 Pf.) In feinem Vorwort wendet sich der Parteivorsitzende Genosse Müller zunächst gegen die unwahre Behauptung, die Soziatdcmo- kratische Partei sei ein Feind des Berufsbeamtentums. Die Sozial- demokratie setzt vielmehr die Errungenschaften der Beamten aus früherer Zeit den Errungenschaften der Arbeitnehmer gleich und tritt deshalb für ihre Erhaltung ein. Wenn der Volksstaat den Beamten ein größeres Maß von Freiheit gewährt, so darf aber die Meinungsfreiheit nicht zur Untergrabung des Staates miß- braucht werden.„Wer den heutigen Staat verneint, sollte sich, wenn er Wert auf Anstand legt, eine andere Beschäftigung suchen, als gerade dem Staat zu dienen.... Der Obrigkeitsstaat erzog Heuchler. Der Volksstaat will keine Heuchler zu Staatsdienern haben...." Deutschland ist noch keine soziale Republik. Die um ihre Lebenshaltung wie um ihre sozialen und kulturellen Rechte ringenden Volksmassen müssen unterstützt werden durch ein von den Interessen der Wirtschaft unabhängiges, staatsbürgerlich denkendes, mit den Masten des Volkes fühlendes Beamtentum. Genosse F r e y m u t h erläutert die rechtliche Stellung des Be- amten in der deutschen Republik. Er verteidigt das Recht der Be- rufsbeamten und fordert, daß der Berufsbeamte des neuen Staates sich freudig als Teil des neuen demokratifch-republikanischen Staates fühlt, daß er„im tiefsten Herzen empfindet, daß die Staatsgewalt vom Volke ausgeht und daß jeder einzelne Beamte klar an jedem Tage seines Wirkens.und in jeder einzelnen Amts- Handlung sich fühlen muß als Volksgenosse gegenüber den anderen Bolksgenossen." Der folgende Beitrag von F a l ck dient ebenfalls dem Nachweis, daß Beamtenrecht nicht Arbeitsrecht, sondern Staats- und Verfassungsrecht fei. Wäger hebt den Unterschied zwischen der beruflichen Tätigkeit des Beamten und der des Arbeiters hervor, erörtert die Beamtenpolitik der Partei, ihr Beamtenprogramm und ihre Grundsätze und Forderungen. Da in den Beamtenkreisen noch vielfach eine gewisse Vorein- genommenheit gegen den Anschluß an die Sozialdemokratische Partei besteht, müßten die parteigenössischen Beamten bei der weitesten Verbreitung dieser Schrift von allen nichtbeamteten Genossen unter- stützt werden. tfa dem Tllemunffssireii unserer Tage sind sich die Berliner über zwei Dinge einig: Jn der Liebe zum älien Berlin— und in der Wähl ihrer Lieblings- CigäreLLe: «/bse//i«/ano Berlins meistgerauchte 4�S Qg&reite mu$ diesmal»ein Gedidü* werden.- Das steht fest!- Und wird es sein» wenn Sie's bei uns kanten! Das sdi5nstc,was die Mode überhaupt ersonnen hat, hier finden Sie's vereint in einer imposanten Auswahl. Und— dafür sind Sie ja bei fabelhaft billig! 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MSrz 1927, nachmittags Ans jede geisgep» Ramme» Km»»»el alel»»»he Oe» Winne aefallen. an»»war i»«tat» aal»«• S»l« alciAc« _ Wümme» ia vea»«t»ew«dtetlaagea 1 and a_ Ohne Gewähr Nachdruck verboten ES wurden Gewinne über löv Mark gezogen 4 OeMinne zu 1« BOOO Ml. 6B670 94677 4«eluimte ju je 3000 Ml, 109261 219631 16(Hetvrntu ju Je 2000 ggf, 45469 104300 119400 367736 301486 907149 314298 319729 32©ettinneiu je 1000 3BI. 3636 24002 96610- 114866 115783 119990 126865 143167 164730 178061 203062 228181 248594 266129 330964 336116 84«rttnimc]u je 600 Ml. 9118 15679 25202 26199 66476 74410 78344 89100 95666 96253 110583 111978 120681 145524 147568 153322 106970 159140 169933 176082 177476 196273 198029 210213 210288 210395 220'26 221129 222326 223341 250590 266142 267616 268692 273261 295080 301993 306544 306446 311189 324944 325281 190Sewmne ,u je 300 Ml. 2682 4899 4964 7943 19240 22360 24469 34301 36366 42887 43182 43560 46168 46943 47890 48261 60613 52370 63287 66046 66148 71377 74616 79643 91352 92419 67825 09619 101144 103346 103843 105002 106701 107245 108091 140970 149095 152462 152970 160797 161925 167660 177863 180108 183219 183239 191180 196949 196405 193638 196986 198640 204051 209100 213973 221346 222703 226621 230957 232835 238753 239863 243357 253985 2631 46 263525 266131 268494 272917 277897 280243 281427 283883 284519 286236 288150 292474 293307 294200 297089 307902 308766 312133 313916 315561 317665 317904 319868 326502 327198 330196 330689 331417 332565 337671 25. Ziehungstag 9. März 1927, vormittags ES wurden Gewinn« über 150 Mark gezogen 2«ewUme ,u je 25000 Ml. 342543 2 Gewinne zu je 19000 Ml. 281870 2 Gewinne zu je 5000 MI. 235981 6 Gewinne zu je 3009 MI. 44758 61917 216283 18 Gewinne ,u je 2000 Ml. 102376 130706 140942 169859 236431 244866 283157 343866 348941 24 Gewinne zu je 1606 Ml. 214 69318 137669 1S4600 170997 173467 180384 244122 255066 291265 293331 313844 94 Gewinne z» je 500 Ml. 12394 13610 16266 23141 3361 1 40390 60161 52925 57439 69263 693.9 99156 196666 117856 120777 124632 127014 128332 137374 139307 146231 152437 164595 171363 172003 182239 183149 186960 197519 202717 207073 208663 210979 212197 229761 233708 238214 246872 260812 261611 260178 266454 273354 290947 294909 327962 348313 170 Gewinne zu je 300 Ml. 3689 3731 4201 15595 16812 19656 20429 28683 32444 34355 34423 36438 39576 47318 50249 64613 65539 68641 71986 72521 76472 89256 80562 01710 95075 95951. 126844 130236 131528 132268 138545 142414 143621 146272 152779 160912 168728 172852 174470 180014 182212 183336 186579 187436 193668 195064 196466 190778 204908 210693 216014 220741 226891 237286 239986 286887 268922 277837 282439 286268 288404 288700 289646 292760 296420 296793 300042 306886 310063 312941 313427 321060 320548 331006 338126 333429 334636 334666 331309 338889 341934 842042 343143 344061 848204 Volks büh ne Ttiealei am Bülowplati 8 Uhr Volpone Morgen S Uhr: Volpone Iii. am Sdiiffbaoerdaimn 8 Uhr: Das Grabnial lies onbekannten Soldaten. Komische Operf Allabendlich 8V, Uhr: fünden der"Weit Die weltstädtische 1 James» Klein» Revuel I 250 Mitwirkende/ Theaterk.l | ab 10 Uhr ununterbr. geöffnet.| CASINO-THEATER« Ohr OaserstelfoltatBdnfl dieser iplelzeit Familie Habenichts 1 AniMllieUlea Cutschein 1—4 Pers. Fauteuil nur 1 Mk., Sessel 1,50 Mk. tfaller-ftevue Theater im Admiralspalast Täglich SV, Uhr AniLaiis ©IsnihgmnlellonjaO ü 3 u. 8'.Uhr; 6 Nachm. die ganze Vorstellung zu halben Preisen! ■■ lesonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im „Vorwirtl- und trotzdem NdUUfiN Wallner- Theater 8 V, Der Schlager 8V, Das blonde Wunder Vfinteja Carlen RäUchen acftattct Reichshalien-Thaater Abends 8 Uhr u. Sonntag nachm. ä Uhr Stettiner Sänger Da* neue Programm I Nidinlltiiis: halbe Pteiu, Volles PmQraniiii! Oönhoff-BreU'l Variete, Konzert, Tanz. netronoi- Theat. Täglich 8 Uhr: ZirkuwiDzeKin Nollendorf 7360 8 Uhr; und die übrigen Sensationen! 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Lambach(Dnat.) wendet sich gegen die Bestrebungen, das Reichsarbeitsministerium abzubauen. Die sozialpolitische Gesetz- gebung müsse einheitlich gestaltet und die gleichberechtigte Ein- gliederung der Arbeitnehmer in das politische, wirtschaftliche und soziale Leben gesichert werden. Dem Problem der Erwerbs- l o s i g k e i t könne nur zu Leibe gegangen werden, wenn der beut- schen Landwirtschast in entscheidender Weise geholfen werde. In anderen Ländern, z. B. In Italien, habe man erkannt, daß nicht nur Beschäftigung, sondern auch Nahrung beschafft werden müsse. Solange das bei uns nickst geschehe, sei auch die Arbeitslosen- Versicherung nicht lebensfähig. Die Selb st Hilfe dürfe durch die obligatorische Arbeitslosenversicherung nicht erdrosielt werden. Der durch die Kriegsoerluste verursachte Aussall in den mittleren Lebensjahren und die Verlängerung der durchschnittlichen Lebensdauer werde zu Beitragserhöhungen in der Altersversicherung in den nächsten Jahren führen. Der Redner wendet sich gegen den schematischen Achtstundentag, mit dem man nur das Wirtschaftsleben vergewaltigen würde. Der große Streik in England habe gezeigt, daß wir mit unserem Schlichtungswesen aus dem rechten Wege seien. Man solle aber den Kreis der tarif- fähigen Gewerkschaften weiter ziehen und auch den neugebildeten Organisationen die Möglichkeit geben, ihre Daseins- berechtig, mg zu beweisen. Die internationale Sozialpolitik sei bis- her unbefriedigend gewesen. Dem deutschen Arbeitnehmer im Aus- lande müsse die Sicherheit gegeben werden, daß er den von ihm gewünschten Arbeitsplatz einnehmen könne. Die deutschen Konsulate müßten sich seiner in dieser Beziehung mehr als bisher annehmen. Abg. Erkelenz(Dem.) vermißt die Mitarbeit des Reichswirt- fchaftsrats und des Reichswirtschaftsministeriums bei der Ratio- nalisierung der Betriebe. Wöhrend das Reichskuratorium für Wirt- fchaftlichkeit sich dieser Aufgabe mit großem Fleiß und Geschicklichkeit annehme, sei bei den führenden Staatsmännern die propagandistische Mitarbeit zu vermissen. Da die Rationalisierung vorüber- gehend die Arbeitslosigkeit vermehre, müsse der Arbeiterschaft die wirtschaftliche Bedeutung dieser Maßnahme klar- gemacht werden. Der gute Wille der Arbeiter sei bei der Modern!- sierung der Betriebe von großer Bedeutung und könne auf die Dauer nur hergestellt werden, wenn die Vorteile der Rationalisierung auch den Arbeitnehmern zugute kämen. In d>eser Hinsicht seien von den rationalisierten Industrien die nötigen Maßnahmen noch nicht gc- troffen worden. Der nötige Absah könne nur gesichert werden, wenn die kauf. kraft der Bevölkerung mindestens ebenso steige wie die Pro- duktionsvermehroag. Auch hier fehle die zielbewußte propagandistische Arbeit des Reichs- wirtschafts- und des Reichsarbeitsministers: beide sollten sich über die Weiterfühning der Rationalisierung, über die Preis- und L o h n g e st a l t u n a, die sich aus ihr ergebe, und über die plan- mäßigen Weg«, wie die erforderlichen Lohnsteigerungen ohne Streik und Aussperrungen durchgeführt werden können, Rechenschaft ablegen. Es fei nicht gelungen, beim Arbellszeilnolgeseh zwischen Anlernehmern und Arbeitern eine Verständigung herbeizuführen. wenn hier nicht schleunigst eine Umkehr erfolge, so werde Deutschland bald von schweren sozialen kämpfen. Streiks und Aussperrun- gen erschüttert werden. Abg. Beier-Dresden(Wirtsch. V.) warnt vor einer lieber- spanirung der Sozialpolitik. Bedauerlich sei, daß die Anstedlung von Erwerbslosen an Zwistigkeiten zwischen Reich und Preußen scheitere. Man solle nicht der Reichsbahn durch Kanalbauten Kon- kurrenz machen, sonder» lieber die Arbeitslosen bei Straßenbahn- bauten beschäftigen. Staatliche Lehrwerkstätten, wie sie die Sozial- demokraten fordern, könnten keine Facharbeiter heranziehen. Staat und Gemeinden sollten Handwerk und Gewerbe durch Aufträge unterstützen. Dadurch würde auch Beschäftigung für Lehrlinge ge- schaffen werden. Die Mietzinsfteuer dürfe nicht für Berwaltungs- ausgaben verwendet werden, sie müsse zum Teil auch den Haus- bcsigern für Instandsetzungsarbeiten zur Verfügung gestellt werden. Abg. Schwarzer(Bayer. V.) versichert, daß mit der neuen Re- gierungsbilduna die Sozialpolitik nicht zum Stillstand kommen werde. Der Haushalt des Arbeitsministeriums habe sich ja auch gegen das Vorjahr nickst verschlechtert, und der Minister sei der- selbe geblieben wie unter der alten Koalition. Die Arbeitslosenver- Schern ng und die jetzt bald zur Beratung stehende Erhöhung der noalidenrenten seien übrigens alle Forderungen nicht einer, sondern sämtlicher Parteien. Solange wir keinen Wohnungsüberschuß haben, könne von einem Abbau der Zwangswirtschaft nicht die Rede sein. Der private Wohnungsbau komme jetzt langsam wieder in Gang. aber ohne den gemeinnützigen Wohnungsbau sei die Wohnungsnot nicht zu beheben. Die Erhöhung der Mieten werde eine Verschlechterung der Lebenshaltung breiter Massen bringen, aber auf die Dauer lasse sich die Miete in ihrer jetzigen Hol)« nicht aufrechterhalten. Die Länder müßten einen Teil der Mehrbelastung der Mieter zum Bau von Wohnungen vcr- wenden. Der Radikalismus habe leider nicht nur bei den Arbeitern, sondern auch bei den Angestellten und dem Mittelstand Fortschritte gemacht. Das sei darauf zurückzuführen, daß große Volksschichten heute schlechter leben als vor dem Kriege. Um so mehr müsie des- halb für den Ausbau der Sozialpolitik geschehen. Damit ist die ollgemeine Aussprache geschlossen. Die Einzel- beratung des Haushalts des Reickst-arbeitsministertums wird um 6)4 Uhr auf Donnerstag nachmlltag 2 Uhr oertagt. �lufwertungsfragen im Reichstage. Unterbrochene Verhandlungen. Gestern nachmittag traten die Führer der Regierungsparteien Im Reichstage zu einer Besprechung zusammen, die sich in der Hauptsache damit befaßt«, bis zu welcher Grenze die Auf« wertungsbestimmungen— vor allem für die Altbesitzer— günstiger gestaltet werden können. Die Verhandlungen, die sich im Ansangsstadium befinden, sollten eine Verständigung zwischen den Regierungsparteien herbeiführen, um dann mit der Regierung selbst einen Weg zur Erfüllung der dringendsten Wünsche zu finden. Wie jedoch bei dem Charakter der Rcchtsblockregierung nicht anders zu erwarten war, wurden die Aufwertungsverhandlungen sofort nach Beginn wieder abgebrochen. Es wurde davon gesprochen, daß die Regierung selbst vielleicht eine Vorlage darüber einbringen wird. 7ahrgaag WehrmachtunöSozialöemokratie Das neue Buch von Julius Deutsch. Von Hermann Schützinger. In dem Augenblick, in dem der Bürgerblock glaubte, die „Wehrfeindlichkeit" der deutschen Sozialdemokratie zu einer grundlegenden Umstellung der deutschen und der europäischen Politik benutzen zu müssen, erscheint im I. H. W. Dietz-Verlag eine Broschüre des ehemaligen deutschösterreichischen Wehr- Ministers Julius Deutsch(„Wehrmacht und Sozialdemo- lratie"), die mit schlagenden Worten alle die Redensarten Geßlcrs und Reinhardts von der utopisch-pazifisti- schen Verseuchung der deutschen Sozialdemo- k r a t i e abtut und über die Grundsätze der modernen sozial- demokratischen Wehrpolitik Klarheit schafft. Justus Deutsch ist nicht irgendwer. Er hat als Offizer der Gilten öcherreichifch-ungarifchen Armee zusammen mit Otto «auer das österreichische 3l) OOO-Mann-Heer aus dem Boden �.stampft und ihm nach seinen Rücktritt aus dem Wehr- Ministerium bis auf den heustgen Tag als„Parlaments- kommissar für das Heerwesen" seinen republikanischen Eha- rakter gewahrt. Als Führer ders„Republikanischen Schutz- bundes" hat er mit dem deutschen„Reichsbanner* und den Wehrpolistkern des republikanischen Deutschland, vor allem mit Paul L ö b«, engste Fühlung bewahrt und nicht zum erstenmal fein Wort mit allem Nachdruck in die deutsche Reichswehrdebatte geworfen. Julius Deutsch rechnet zunächst mit dem Schlagwort ab, die internationale Sozialdemokratie habe seit ihrem Bestehen nur im„knochenerweichenden Pazifismus" geschwelgt und überall die„Landesverteidigung" sabotiert. Gewiß, argu- mentiert Deutsch, die gefühlsmäßige Abneigung des Prole- tariats gegen den kapitalistischen Interessen- und Eroberung?- krieg war zu allen Zeiten außerordentlich groß und hat sich auf internastonalen Meetings und Kongressen unzweideutig durchzusetzen gewußt. Daneben aber hat die Sozialdemokraste mit ihren führenden Köpfen m Deutschland(Bebel), Oester- reich(Viktor Adler) und Frankreich(Jean Iaurds) höchst reale sozialdemokratische Wehr Politik gemacht, die Miliz gefordert und die internationale Abrüstung verlangt. Nie- mals aber fei sie, seit dem ersten internationalen Arbeiter- kongreß zu Paris im Jahre 188S, vom Prinzip einer Vernunft- gemäßen„Landesverteidigung" und von einer höchst nüchter- nen Betrachtung der militärpolitischen, zwischenstaatlichen Gegebenheiten abgewichen! Auch die Weglassimg der Absätze über die p r o l e t a- rische„Wehrhaftigkeit" im österreichischen Linzer und im deutschen Heidelberger Programm bedeute keineswegs einen Berztcht der Sozialdemokraste auf jede Art von Landes- Verteidigung oder jede Art proletarischen Selbstschutzes Im Bürgerkrieg. Obwohl sich Julius Deustch ziemlich unver- hohlen angesichts der hoffnungslosen, europäischen Entwaff» nungsmisere für die Uebergangszeit bis zur Festigung des tnlernationalen Rechts auf den Standpunkt der M i l i z stellt und ihr einen besonderen Wert auch für innerposttische Macht- kämpfe beimißt, bekennt er doch, daß die Frage„Miliz oder Söldnerheer" bei den militärpolitischen Bedingungen des B'rsailler Vertrages nur im Zusammenhang mit der gesamt- europäischen Abrüstung von der nächsten Generatton gelöst werden wird. Die Sozilademokratie verurteile in der heustgen. unge- klärten militärpolitischen Lage weder den„Wehrgedanken" an sich, noch ein bestimmtes Wehrsystem: .Wenn«kr von Militarismus reden, meinen wir kein bestimmtes Wehrsystem. Wir verstehen unter Militarismus das Bestreben der Militärs, über ihr engeres Fachgebiet hinaus zu greifen und, anstatt dem Staate zu dienen, ihn zu beherrschen. Wo die zivile Verwaltung von militärischen Einflüssen nicht bewahrt ist. wo dl« Militär»«ine geselkschaftlich« Sonderstellung bekleiden und Vorrechte genießen, wo die Leitung des Staates unter dem Drucks militärischer Kommandostellen steht—, dort gibt es einen Militarismus. Die Abwehr des Milltarlsmus ist für die Sozialdemokratie eine Selbstverständlichkeit. Aber ihr Kampf gegen den Militarismus braucht und soll keine Ablehnung des Militärs sein. So entschlosien die Sozialdemokratie gegen olle militaristischen Bestrebungen kämpfen muß, so falsch wäre es, wenn sie einem Volk« zumuten wollte, nicht militant, nicht wehrhaft zu fein." Im übrigen zieht Julius Deutsch die Folgerungen aus der Gestaltung der deutschen und der österreichischen Wehr- Politik der letzten Jahre, indem er die Forderung erhebt: Das sozialdemokrastsche Proletariat muß im Zeitalter der faschistischen und der kommunistischen Diktatur„w e h r h a f t" sein! Die Wehrmacht der von der Sozialdemokratie mitgetragenen Republik muß vom politischen Einfluß des durch- weg antidemokratischen Offizierskorps losgelöst und h u n- dertprozentig republikanisch fein: „lieber keine Bestimmung des österreichischen Wehrgesetzes jam- mern die Reaktionäre mehr als über die, die den Soldaten die politischen Rechte sichert. Ihr Schmerz ist zu ver- stehen, denn der Soldat mit politischen Rechten ist ein ganz anderer Mensch, al» der, den die Reaktton für ihre Zwecke benötigt. Die Ratticm möchte so wie in der Zeit der Monarchie durch das Offi- zierskorps über willen- und rechtlose Soldaten herrschen können. Der von ihr ersehnte sogenannte„unpolitische" Soldat ist der entrechtete, versklavte, seinen Offizieren völlig au»- geliefert« und eben deshalb zu jedem polttijchen Mißbrauch benutzbare Waffenträger. Die Verleihung der politischen Rechte an die Soldaten bedeutet m ihrem Ergebnis eine Cntpolittsierung der Wehrmacht, nämlich eine Vorbeugung gegen ihren Mißbrauch zu politischen Zwecken." Das Fiasko der deutschen republikanischen Wehrpolitik aber führt Deutsch auf die antimilita- ristische Haltung der deutschen Arbeiterschaft, die dem Ruf Noskes nicht gefolgt sei, und auf gewisse Regiefehler im Resiort des ersten Reichswehrministers zurück. Es mag völlig dahingestellt bleiben, wie der„Ruf Roskes" an das deutsche Proletariat hätte herangebracht wer- den müssen. Fest steht, daß die im Jahre 1920 noch 200 000 Mann starke Reichswehr noch etwa 100 000 ehemalige„Ka- pitulanten", d. h. durchweg den unteren Voltsschichten ent- stammende Männer enthielt, die zusammen mit ihren meist polltisch völlig indifferenten Berufsgenossen ebenso einen republikanischen Kern der deutschen Wehrmacht hätten bilden können wie in Oesterreich die Militär- technische Esite des Proletariats. Erst die in Deutsch- land viel schwerer zu meisternde„Offiziersherrschaft", die Zerschlagung des„Reichsverbandec der Berufssoldaten" und die Entwindung der staatsbürgerlichen Rechte der Reichs- wehrsoldaten unter dem zweiten Wehrminister schufen das „Vakuum", den luftleeren Raum, in dem Geßlers Reichs- wehr entstand und die Armee der deutschen Revolution zer- rann. Ein wchtiges Gebiet schneidet Justus Deutsch zum Schluß noch an, die organische Verbundenheit von Wehrgedanken und Proletariat für jede Art von Landesverteidigung und die militärische Wertlosigkeit jeder Armee im Maschinenzeitalter der Gegenwart ohne die Mithilfe der Arbeiterschaft: „Ein Hunderttau sendmann. Heer fft nach der bisher üblich gewesenen und noch immer und besonders in Deutschland sorgsam gehegten Art militärischer Betätigung« i n R i ch t s. Es wäre aber«ine gar nicht so unbrauchbare Waffe, wenn es als ein Jndustrieheer aufgebaut werden würde. Ein so kleines Heer wie die deutsche Reichswehr dürft« sich nicht den Luxus leisten, den Großteil seiner Mannschaft zu einer Infanterie— und das noch dazu in veralteter Form— auszubilden... Das Streben der Reichswehr müßte vielmehr dahin zielen, ein technisches Heer zu werden, denn darm allein kann seine Zukunft liegen. Man kann mit Fug und Recht sehr verschiedener Meinung darüber sein, ob Deutschland überhaupt einen militärischen Schutz braucht. Aber man soll uns nicht einzureden suchen, daß das, was Deutschland heute an Militär besitzt, in dieser Beziehung irgendwie in Betracht käme. Ganz anders lägen u-nseres Erachtens die Ding«, wenn die deutsche Reichswehr, anstatt sich als ein Kader zu organisieren, dem im Kriegsfall« allerlei reaktionäre vaterländische Verbände anzugsiedern sind, sich al» ein Kader für«in Industrieheer betrachtete. So ohnmächtig die deutsche Reichewehr einem äußeren Feinde gegenüber ist, wenn sie sich auf die vaterländischen Ver- bände stützt, so mächtig könnt« sie sein, wenn die industrielle Arbeit zu ihrer Unterslützung bereitstünde." In dem Augenblick, in dem sich der Bürgerblock anschickt» „deutsche Politik" gegen die deutsche Arbeiterklasse zu machen, kann man ihm nicht deutlich genug den Gedanken unseres österreichischen Genossen unter die Augen rücken. b1ütenr«ine Kleidung, Darum schicken Sie bitte die zum Färben, chemisch Reinigen oder Waschen gewählten Stücke unverzüglich In die nächste Filiale oder Annahmestelle der /PlNOLEH/fBLD BEI COPEMCK S BEßllN voltswirtsthast mö /lchtstunöentag. Tchlichtungs- und Staatskrise.— Die Zlnfgaden der Arbeiterschaft. In den letzten Tagen bot das englische Unterhaus der Welt ein beachtenswertes Schauspiel: die englischen Bergherren hatten gegen ihre Belegschaften gerade ihre große Schlacht g e- mannen, der Arbeitsminisier der konservativen Regierung wollte für die N i ch t rotisizierung des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag daraus die Konsequenzen ziehen. Aber mit den Vertretern der englischen Arbeiterschaft erhoben sich die Vertreter sämtlicher Parteien einschließlich der konservativen Regierungspartei gegen den Arbcitsminister in einer Front und forderten d i e R a t i f t z i c r u n g. Da praktisch in England der Achtstunden- tag durchgeführt sei, dürfe man, so wurde ausgeführt, nicht auf Deutschland und Frankreich warten. England müsse durch sein Bei- spiel Deutschland und Frankreich zur Ratifizierung moralisch zwingen, nn Interesse Englands, weil sonst England unter dem Arbeitszeit- Dumping des Kontinents ersticke und die englische Wirtschast aus olle Zeiten aufs schwerste gefährdet wäre. So in England. In Deutschland ist man noch nicht so weit. Wohl wird in privaten Konventikeln von Arbeitgebern, wo man unter sich ist, er- klärt, daß Man sich der Forderung des Achtstundentages nicht ent- ziehen könne. Wir missen das. Die heutige Regierung legt ober ein Arbeitszeitgesetz vor, das praktisch den Z c h n st u n d e n- tag legalisiert. Weil es den die Regierungen beherrschenden privatkapitalistischen Mächten mit dieser Legalisierung des Zehn- stundentages ernst ist, ist die organisierte Arbeiterschaft Deutsch- lnnd». da die Ueberwindung der Wirtschaftskrise von der Regelung der Arbcitszeitfrage abhängt, vor die schwerste Entscheidung gestellt, die sie seit langer Zeit zu treffen hatte. Der Slchtslundenlag als volkswirtschastllche 7!olwend!gkeit. Die gesamte organisierte Arbeiterschaft hat den gesetzlichen Achtstundentag gefordert. Das Arbeitszeitnotgesetz, das die Spitzen- verbände verlangten, war der entscheidende Grund zur Vereinigung der sozialpolitischen und agrarischen Reaktion zur heutigen Rechts- rcgierung. Das ist bekannt. Die organisierte Arbeiterschaft hat ihr« Forderung im gesamt wirtschaftlichen Interesse gestellt. Zu den bisher augeführtsn Gründen noch folgende Beweisführung: Nach einer Ausstellung des Instituts für Konjunkturforschung gingen 1926 rund 4 Milliarden Arbeitsstunden durch Arbeitslosigkeit v e r- l o r e n. Bei einer Mckrk Lohn pro Stunde entspricht dieser Ar- beitsverlust einem Kaufkraft- und>1 m s a tz v e r l u st von 4 Milliarden Mark. Nimmt man Deutschlands langfristige Aus- landsvsrschuldung ebenfalls init 4 Milliarden Mark an und unter- stellt einen einmaligen llmschlag dieses Kapitals im Laufe eines Jahres, so entspricht die durch die jährliche Arbeitslosigkeit verloren- gegangene Kaufkraft dem jährlichen l> m s a tz w c rt der gesamten deutschen Auslandsverschuldung. Diese Auslandsschulden müssen verzinst werden. Bei rationeller Wirtschast hätten mindestens die Zinsen für die Auslandsverschuldung aus der Äauftraft der Arbeits- losen erwirtschaftet werden können, wenn diese Beschäftigung ge- funden hätten. Aber die Arbeitslosen haben nicht nur nicht arbeiten können. Sie mußten, sagen wir mit rund einer Milliarde Mark, erhalten werden, die so oder so von den arbeitenden Be- trieben und Belegschaften gezahlt wurden. Das gesamte Kapital der deutschen Auslandsverschuldung wäre aber in vier Jahren volks- wirtschaftlich nutzlos verbraucht, wenn die Arbeitslosigkeit von 1926 nur vier Jahre lang fortdauerte. Die deutsche Auslandsschuld müßte aus der Substanz des deutschen Volksvermögens amorti- siort und verzinst werden. Run ist die lleberstundenarbeit nicht allein die Ursache der Arbeitslosigkeit. Diele kann durch die Vermeidung von Ueberstunden auch nicht allein beseitigt worden. Da aber der Achtstundentag das Optimum an Arbeitsintensität und Anlagennutzung sicherstellt, so zeigt die Forderung des Acht- stundentages unter möglichster Vermeidung von Ueberstunden für die rationellste Verwertung aller Produktivkräfte Deutschlands grundsätzlich den richtigen Weg. Es versteht sich für die organisierte Arbeiterschaft von selbst, daß der gesetzliche Acht- stundentag k e in schemotischer ist und auch die Ueberstundönarbeit nur in der Regel, nicht in der Ausnahme ausscheiden muß. Aber die organisierte Arbeiterschaft verlangt mit Recht, daß sie diese Ausnahmen in freiwilliger Vereinbarung mit den Unter- nehmern frei bestimmt und jeder Z w a n g s tarifvertrag für Ueborstundenleistung durch Verbindlichkcitserklärung nicht nur praktisch ausgeschlossen wird, sondern auch durch das Gesetz. Vom Regierungsenlwurs zur Schlichlnngskrise. Dieser ausschließlich im oolkswirtschoftlichsn Gesamt interesse erhobenen Forderung der organisierten Arbeiterschaft hat die Rechts- regixrung einen eigenen Entwurf zur Aendcnmg der Verordnung vom 21. Dezember 192Z entgegen gestellt. Dieser Entwurf er- hebt praktisch den Zehnstundentag zur R o r m, stellt den A ch t- stundcntog praktisch in dos Ermessen der Unternehmer und Be- Hörden und hält für die beliebige Ausdehnung der Arbeitszeit auch über 19 Stunden hinaus, solange als bis zu 19 Stunden v e r- kindlich geschlichtet werden kann,„dringende Gründe des Allgemeinwohls" in Bereitschaft. Das Entscheidende ist, daß der„gesetzliche" Ächtstundentag unter den heutigen Regierungsvcr- Hältnissen mit grundsätzlicher Wirkung zur zehnstündigen Norm erhoben werden kann: sobald nämlich nach Ablauf eines Vertrages die Arbeitszeit zum Streit gegenständ wird, die Schlich- tungsmaschine von den interessierten Arbeitgebern in Gang ge- bracht und über den Einlassungszwang und die Verbindlichkeits- erklärung der Annahmezwana für den Schiedsspruch eintritt. Die absolut unmoralische Bestimmung, daß Tarifver- träge auch für grundsätzliche Fragen des Arbeitsschutzes, wie ins- besondere die Frage der Arbeitszeit, nach dem Ermessen der Echlichtungsbehörden auch entgegen dem Willen der Arbeiter- schast durch Zwangsschiedsfpruch geschaffen werden können, tut in diesem Kreislauf ihre Wirkung: Sie hebt den„gesetzlichen" Acht- stundentag grundsätzlich auf. macht die schematische lleberstunden- arbeit praktisch zur Regel und den angeblich„schematischen" Acht- stundentag überhaupt zur Ausnahme. Selbstverständlich ist es. baß unter den heutigen Machtverhältnissen das. Reichsarbeits- Ministerium diese gesetzlich gegebenen Möglichkeiten im Inter- esse der die Regierungen beherrschenden Mächte zur Wirtlich- k e i t machen muß. Von der Schlichlungskrise zur Staalskrise. Durch die sozialen Konsequenzen dieser von der heutigen Rechts- regierung gewollten Regelung, die die Arbeiterschaft nichl hinnehnien kann, ist die Krise des Schlichtungswesens gegeben. Aber diese Schlichtungskrise wlrd zur Staatskrise, well die hinter der Regie- rung stehenden Wirtschastsmächte alles daran setzen und daran setzen wollen, mindestens diesen Regierungsenlwurs, der an dem bisherigen Zustande nichts ändert, durchzusetzen. Diese Mächte können das nur, wenn sie sich an der Macht halten. Das wiederum können sie nur, wenn sie unter demagogischer Irreführung der Oeffentlichkeit sich das Ziel einer Verfassungsänderung stellen. Und es geschieht: zwar verhüllt, aber offen genug. Nirgends Hot das Gcwerkschastsgesetz Mussolinis so nachdrückliche Beachtung gefunden als in Arbeitgebertreisen. Die schwcnndustrielle Presse hat ein Trominelseuer gegen das„M o n o p o l" der die organisierte Arbeiterschaft gesetzlich vertretenden Gewerkschaften er- öffnet und diskutiert in vollstem Ernst die Zerschlagung der Gewerkschaften. Der Reichslandbund, die wicktigste Truppe der agrarischen Reaktion, ist in seinen. Ginne auf dem Marsch gegen Berlin: er hat gegen den parlamen- tarischen und für den berufe st ä» bischen Staat eine Offensive eröffnet und den deutschnationalen Abgeord- neten Lambach dahin zurechtgewiesen, daß seine wirtschafteverbänd-- lerische und volksbürgerliche Koalitionspolitik ein Torso bleiben müsse, wenn nicht das politisch« Parlament durch ein benifestön- disches Wirtschastsparlament zu gleichen Rechten ergänzt würde. Der Regierung und den herrschenden Wirtschaftsmächten ist es mit der sozialen Reaktion, und well diese nach der Lage der Dinge in Deutschland ohne politische Reaktion nicht möglich •ri. �...; l W 2. C___— v r 2.r.... r i. �£.1 Vi. U U i L UJ Uy t. 11 vyc|uiiuuiu-u.)lt C1IIC iiiM/i. vstiuyzfw« Herausforderung ist, da Angriffe gegen die politische Verfassung Deutschlands von der Arbeiterschaft Im Gesamt- Interesse abgewehrt werden müssen, da endlich die sozialen und politischen Kampssragen nach der heutigen Wirtschaft»- und Gesell- ichaftsversassung Deutschlands in der Schlichtungspraxis kulminieren, vermag das Schicksal des Regierungsentwurfs zur Abänderung der Arbeitszcitverordnung das Zentrum einer Krisc der Schlichtung und einer Krise des Staates zugleich zu werden. Zum Kampf gezwungen! Die organisierte Arbeiterschaft hat in dieser eindeutigen Lage, für die sie keine Derantwortung trägt, keine Wahl. Sie hat im Jahre 1923 dem§ 5 der Arbeitszeitverordming, Der die Schaffung von Tarifverträgen durch behördliche Berbindlichkeiteerklärung aua) für den Fall der Arbeitszeitverlängerung zuläßt, als einer Rot- Maßnahme zur Ueberwindung der damals noch unübersehbaren Schwierigkeiten der Stabil!- s! e r u n g zugestimint. Dies« Notmaßuahnre m uh heute zu- gunsten der absoluten Freiwilligkeit von arbeitszeitvcrlängernden Verträgen auch gesetzlich fallen. Die Arbeiterschaft verlangt das au«„dringenden Gründen de» Allgemeinwohls", und weil bei gerechter Abwägung der Interessen aller Teile des Volkes ein« solch« Regelung der Billigkeit entspricht und ihre Durchführunng aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen notwendig ist.(Im Sinne des Artikels 1 8 6 Absatz 1 der Schlichtungsverordnung vom 39. Oktober 1923.1 Die organisierte Arbeiterschait darf im Gesamtinteresie nicht zulassen, daß, ähnlich wie es 1924 durch die Ueberschichten im Kohlenbergbau schließlich zum Sturm der Zechenverwaltungen s« l b st gegen die Ueberschichten kam, die soziale Reaktion im Schlichtung-- wesen nur deshalb verankert wird, daß schließlich die gesamte Aolkswirtschoit an den falschen Kosten für die fortdauernde Arbeits- losigkeit unabsehbar leidet. In, Gegensatz zu den heute herrschenden Wirts chastsmächten ver- läßt sie den Boden der Legitimität nicht, sie stellt ihre Forde- rungen im Rahmen der Legitimität und verteidigt sie. Die Frage der Arbeitszeit ist eine grundsätzliche Frag« des Arbeits- schütze« und darf nicht einseitigen Entscheidungen des staatlichen Lerwaltungsapparates anheimgegeben werden. Man muß sich klar machen, daß, wenn der Staatsakt an so wichtige grundsätzliche Dinge herankommt, wie die Regelung der Arbeitszeit durch die staatliche Exekutive, daß man sich dann in äußerst bedenk- licher Weise der Methode des Faschismus nähert, nach der die Schlichtnngsbehörden alle Arbeitsbedingungen unter Verbot jedes Kampfes regeln. So war die deutsche Schlichtungsgesetzgebung nicht gedacht, als sie gemocht worden ist: so darf sie auch nicht gedacht sein, wenn sie im Rahmen der deutschen Reichsverfassung bleiben will. Die deutsche Arbeiterschaft führt deshalb gegen den Zwangstarif über dt« Arbeitszeit nicht nur einen legitimen Kampf, sondern auch einen Kampf für die Aufrechterhal- tnng der Grundsätze der Verfassung der beut- schen Republik. Für diesen Kampf kann ihr kein Einsatz zu hoch sein. der Abschluß öer tzapog. Gewaltige Entwicklung.— Wozu noch Subventionen t Wir haben gestern die Gewinnzisfern des Norddeutschen Lloyd bekanntgegeben und besprochen. Heute liegt der Geschäftsbericht des Konkurrenten des Norddeutschen Lloyd, der zugleich die größte deutsche lleberseereederei besitzt, der Hamburg— Amerika- Linie. vor. Die besondere günstige Frachtenentwicklung im Jahr« 1926, die wir gestern als Hauptursache der günstigen finanziellen Entwicklung der Reedereien hervorgehoben haben» brachte für die Hapag ein besonders glänzendes Geschäft, da bei ihr das Paffagiergeschöft nicyt das Hauptgeschäft ist. Di« Entwicklung, die die Hapaa im vergangenen Jahre ge- nommen hat, ist kolossal. Die Hapag hat in dem einen Jahr 1926 durch die Rückkäufe der drei Schiffe von Harriman, die Fusion mit Austral-Kosmos(auch die Stinnes-Linien) und durch 86 299 Bruttotonnen Schiffsneuhauten ihren Schistobestand mehr als verdoppelt. Gestern haben wir aus der letzten Aufsichtsrats- sitzung der Hapag bekanntgegeben, daß sie weitere rund 139 090 Tonnen Schiffsneubouten in Auftrag geben wird, womit sich die Gesamttonnage der Hapag aus über eine Million Tonnen erhöhen wird, also mehr als sie in der Lorkriegszeil in Dienst hatte. Das Gesamtpersonal(ohne Stinnes-Linien) hat sich von 8828 aus 12 759 Personen im Inland, auf den Schissen und in, Ausland erhöht. Das Aktienkapital wurde im ver- gangenen Jahre zweimal erhöht, einmal um 21 Millionen auf 75 Millionen, dann um weiters 55 auf 139 Millionen, worauf jetz, der Vorschlag einer neuen Erhöhung um weitere 39 auf 169 Millionen gefolgt ist. Em« solch« Entwicklung einer Reederei in einem Jahre dürfte in der Welt auch dann einzigartig dastehen, wenn man die besonderen Umstände berücksichtigt, die die Hapng dazu führten.(Neuaufbau der Flotte nach dem Schiffsverlust durch den Verfailler Vertrag, Konzentration und Rationalisierung. Harriman. Vertrag. Subvention für den Schiffbau.) Aber auch wenn man die große Ueberlegenheit berücksichtigt, die die deutschen Handels- flotten wegen der durchgängigen Neuheit ihre» Schiffsbestande» gegenüber anderen Ländern haben, kann einem vor dieser Entwick- lung angst werden. Es wird sich in den kommenden Iahren erst zeigen, ob die tolle Schiffbautätigkeit, die nicht zuletzt durch die Subventionen ausgelöst worden ist, sich nicht an den Reedereien noch bitter rächen wird. Jedenfalls dürften auch die neuen Bestellun- gen von über 139 999 sonnen wesenilich wieder durch die>-uo- ventionepolilik des Reiches veranlaß, sein. Die Gewinn'« der Hapag aus dem vergangenen Jahre mutzen gewattig sein. Nach dem Geschäftsbe icht wurden im vergangenen Jnhr 86 299 Tonnen aus eigenen Mitteln der Gefellschasr gebaut. Ein großer Teil der neuen Bestellungen wird ebenfalls aus laufenden Mitteln gezahlt werden. Es handelt sich dabei um Betröge von vielfachen 19 Millionen, die in de n B,- lan zen nicht erscheinen. Die Gewinn- und Buanzziffern, die die Hapog veröffentlicht, dürsten daher über die tatsächlichen Gewinne im vergangenen Jahr nicht allzu viel verraten. Immerhin iit sowohl die Bilanzsumme auf 247,9 Millionen gestiegen und mehr als verdoppelt. Dasselbe gilt für den Rohgewmn. der von 16.3 auf 32,3 Millionen erhöht ist. Dabei sind die Handlungs- Unkosten, Steuern und sozialen Lasten im Verhältnis stark gesunken: sie sind von 7,9 nur auf 9,3 Millionen erhöht Aus dem Betriebsertrag von 20,5 Millionen werden 14»10 Millionen (im Lorsahr 7,95'Millionen) für Abschreibungen verwandt. Die Aktionäre erhalten 6 Proz. Dividende, wobei sich die Dividende allerdings nur aui 75 Millionen Mark bezieht, weil nur diese 75 Millionen dividendenherechtigt sind. Die Bilanz zeigt eine Stärkung des Reservefonds von 8,9 auf 13,4 Millionen, und Z�var aus den Kursgewinnen aus der letzten Kapitalse�öhung. Die Schulden sind erheblich g e s u n k e n, auf der anderen- Seit« zeigen sämtliche Aktivposten«ine große Steigerung. Die gesamt« jzlotte ist mit 176,1 gegen 91,45 Millionen eingesetzt. Im ZusamMxhang mit dem Erwerb der Aktien der Stinnes-Flotte und den Fusionen mit Austral-Kosmos sind die Beteiligungen von 7,8 auf 17,4 Millionen gestiegen. Wertpapiere und sonstige BeteiliguiiAen sind von 9,6 auf 2.8 Millionen erhöht. Die Rentabilität, die einem aus dem Gefchciitsbencht der Hapag entgegentritt und die wohl manche besondere» Konjunkturgründe haben mag, legt doch die Frage nahe, was man eigentlich mit den Subventionen der Reeder noch will. Entweder ist es so, daß das überseeische Passagier- und Frachtengeschäft so glänzend ist, daß unsere großen Reederelen bauen lassen müssen, dann brauchen auch die Werften nicht besonders gefördert zu werden, oder aber es ist so. daß man tatsächlich nur die Subvention ausnützen will, um Gewinn« zu häufen, dann leistet man sowohl den Werften als den Reedereien den denkbar schlechtesten Dienst. In beiden Fällen sind Subventionen gefährlich und verwerflich. Aber den beteiligten Ministerien scheint es ja wirklich mehr daraus anzu- kommen, dem Schwerkapital auf Kosten des deutschen Bol- t e s gefällig zu sein als darauf,'hren Aufgaben als B e a u f- tragt« des deutschen Volkes sachlich zu dienen. Fusion in der Schnellpressenindvflrie. Die Biichdruckmllschinen- industn« ist in den letzten Monaten der Gegenstand besonders starker Ktmzentrationeoorgänge. Vor wenigen Wochen haben sich die Fabri- kanten von Rotationsmaschinen z» einer Jnteressengemein- schast vereinigt, die sehr weitgehend bereits die betriebiicken und Marktvorteile einer Fusion vorwegnimmt: es fehlt im wtfentliche» mir der finanzielle Zusammenschluß. Vor einem �Iahr etwa wurde durch Fusion die Dresden- Leipziger S ch>i e l l p e s f e n A.- G. gebildet, die zwei der bedeutendsten Schncllpressenerzeuger zu einem Betriebe vereinigt«. Die DreSden-Leipziger Schnellpressen A.-G. nimmt jetzt eine weitere Fusion vor. Die Aufsichtsrats- sttzungen dieser Gesellschaft und der ebenfalls sehr bedeutenden Faber und Schleicher A.-G. haben beschlossen, ihre Betriebe rückwirkend ab 1. Januar 1927 zu vereinigen, um durch die Vorteil« der Rationali- sierung und der Senkung der Generalkosten ihre gemeinsame Position auf den Märkten zu stärken. Eine besondere Spezialität der zu- sammengeschlossenen Firmen ist der Offsetdruck, für den sie in Deutschland die größte Produktion darstellen und auch em großes Ausfuhrgeschäft entwickeln. Das Kapital der Dresden- Leipziger Schnellpressen A.-G. wird für den Fusionszweck auf 4,8 Millio- nen Mark ver doppelt. Di« für das vergangene Jahr zu ver- teilend« Dividend« wird die Aorfahrsdioidenden(10 Proz. bei Dres- den-Leipzig, 6 Proz. bei Faber und Schleicher) noch übersteigen. Die Verluste der Seehandlung getllgl. Die Preußische Staatsbank(Seehandlung) hat heute noch trotz ihres verhält- istsmäßig geringen Eigenkapitals(19 gegen 199 Mill.' 1913) und trotz der jetzt selbständigen Verwaltung der Reichsbahngelder eine groß«? Bedeutung. Wie das Anwachsen der Umsatzziffern um fast 59 Proz. auf 29,4 Milliarden Mark i. I. 1926 zeigt, hat die Bank an der'im letzten Jahre erfolgten allgemeinen Geschäitsbelebung des Bankverkehr» in vollem Umfange teilgenommen. Die Einlagen inländischer Banken und Bankiers sind von 54,5 auf 120,8 Mill. gestiegen, die sonstigen Guthaben von 821 auf 796,5 Mill. zurück gegangen, vor allem wohl infolge der Verknappung der öffentlichen Kasscnhaltimg. An staatliche Unternehmungen sind 142(125) Mill. aus- geliehen, der Rest an Private, und zwar inoollerHöhealsge- deckte Debitoren.(Die Vorsicht wird.also jetzt übertrieben!) Der Zin»gewinn ist, trotz des erheblich erweiterten Geschäfts, von 14,9 auf 9,6 Mill. M. z u r ü ck g'e g a n g e n, da die Bant ihre Zinsfpanne(im Gegensatz zu den Privatbanken) möglichst niedrig gehalten hat. Der Abbau der Zinsspann« gebt daraus her- vor, daß zu Anfang des Jahres der Haben-Zins durchschnittlich rund 6'/«. der«oll-Zins rund 7>s Proz. betrug, während bei Jahresende die Sätze auf 5 und 4)4 Proz. zurückgegangen waren, die„Spanne" also auf genau)» Proz. beschränkt wurde(Provisionen aus dem Kreditgeschäft wurden nicht erhoben?) Der gesamte Rein- gewinn stellt sich auf 8,6 Mill. M., wovon 4.6 Mill. M. zur Til- gung des Dorjahrsoerlustes und 4 Mill. M. zur Bildung einer neuen Rücklage verwandt werden. Die Verluste aus 1923/24 (Barmot-Kutisker) sind also nun völlig ausgeglichen, und die Verwaltung bezeichnet es als möglich, daß im neuen Jahre noch gewisse Beträge, die bisher als verloren angesehen wurden, ein- gehen. vor einem interna tionalen Roheisenkarlell? Die Kartelli'enmg der internationalen Schwerindustrie bleibt in lebendigem Fluß. Nachdem erst kürzlich die Quotenschwierigkeiten, die dem deutschen Partner durch seine Ueberproduktion erwachsen waren, v o r l ä u s i g durch Heraufsetzung der Gcsamtquote für dos zweite Quartal 1927 behoben worden sind, weitere mitteleuropäische Industrien in das Rohstahlkartell aufgenommen wurden und auch die Bildung von internationalen Verkaufsvcrbänden bereits ins Auge gefaßt wurde, scheint jetzt der zweite große Schritt zur internationalen Kartcllierung der Eisenindustrie bevorzustehen. Der Stahlkartellierung soll die Kartellienmg des Roheisens vorgeglisdert werden. Die Dinge wurden, in der Sitzung der Internationalen Rohstahlacmein- sckast am 4. und 5. März in Düsseldorf behmldelt. Bei der Bildung des internationalen Roheiseutartells würde es sich darum handeln, zunächst die zwischen den westlichen Eisenproduzcnten bereits be- stehende lose Roheisen e n l e n t e auf die deutsche Sckuverjndustrie auszudehnen. Von deutscher Seite werden hie Bestrebungen des kontinentalen Zusammenschlusses der Rohcisenproduktion sehr begrüßt: jedoch wird mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß Deutschland als Partner nur in Frage komme, wenn die q u o t e n- mäßige Bindung der einzelnen Länder in einem s e st e n Kartell gelinge. Die deutsche Führung, die schon immer auf eine strafte Äariellorganisation hingearbeitet hat. macht sich also auch hier deutlich bemerkbor. Die Verhandlungen sollen noch Ende dieses Monats in Brüssel fortgesetzt werden. Chlorodont lüde 60 ptzg. große lüde Mack L— die herrlich erfrischenöe Zahnpaste macht die Zähne blendend weiß Donnerstag 10. März 1927 Unterhaltung unö Sellage öes vorwärts Die chinesische Hydro. Don Arthur H o l i t s ch e r. (Schluß.) Ton den zweiundzwanzlg Provinzen Thinas ist allein das nord- westliche Schonst vom Bürgerkrieg verschont geblieben: auch in anderer Beziehung ist Schonst eine Musterprovinz, blühend und kul- turellcn Einrickstungen und Neuerungen zugänglich. Manche Pro. tiinzcn, im Zentrum Chinas gelegen, abseits von den großen Wasser- wegen und daher fast außer der Welt liegend, in Geheimnis un- durchdringlich gehüllt, sind, wie spärliche Kunde schauernd berichtet. durch Kämpfe. Massakers fortwährend bis zum Untergang erschüttert und vernichtet. » Ich erwähnte bereits, daß das Militär in China«ine oer- achtete Menschenklassc darstellt. Groß war meine Ueberrafchung daher, als ich in der kleinen, eine halbe Tagereise von Schanghai entfernten Provinzstadt Sootschau eine Straßenszene beobachten konnte, die mir einen ganz neuen Begriff von dem Verhältnis des Volkes zu den militärischen Machthabern vermittelte. Auf dem Wege durch eine kleine Bazarstroße wurde ich mit meinem Begleiter durch einen Zug aufgehalten, der uns vom anderen End« der Straße entgegenkam. Es war wie ein wüster parodistischer Wildwestsilm. Abenteuerlich aufgetakeltes Reitsrvolk auf wohlgenährten RSssern, junge Burschen mit Rauhreiterhüten, Lederhosen und mexikani- schen Steigbügeln ritten vor einer Sänfte, hinter der wieder allerlei wildes und buntes Reitervolk, aber auch einige regulär uniformiert« chinesische Kavalleristen klirrend dahertrotteten. In der Sänfte, auf die hinten eine zusammengerollte Matratze gebunden war, saß«in miltärischer Würdenträger. Wir hatten un» an die Mauer gedrückt, um nicht nnter die Hufe zu geraten. Der Würdenträger schoß auf uns einen raschen scharfen Blick im Borüberwanten ab. C» war ein blasser, vornehmer Chinese mit lang herunterhängendem Schnurr- bart. Cr hielt die Hände vor sich gefaltet, und seine Lippen wakeN eng zusammengepreßt. Wo er vorüberkam, die ganze Straße ent- lang, stürzten aus ihren Läden die Kaufleute hervor und knieten vor den Schwellen ihrer Läden auf dem schmutzigen, feuchten Straßenvflaster nieder: Kotau vor einem Mächtigen der Erde! Als ich dieses Erlebnis in Schanghai und Peking jungen Stu- beuten und Professoren erzählte, wollten sie es mir nicht glauben, da es dem chinesischen Charakter so völlig entgegengesetzt wäre... („Mögen sie mich hassen sverachtenl, solange sie mich fürchten!*) * ' Während der Ncujahrswoche stand eine Nachricht in den Zei- tungen Pekings: die Zentralregisrung hatte auf die Eisenbahnfahr- karten einen Ausschlag für kulturell« Zwecke und Bildungsorgani- saiionen, Schulen und Hospitäler verordnet— es waren in der Tat einig« Millionen eingegangen, die dann von einem General, dessen Namen ich vergessen habe, mit eleganter Handbewegung für Kriegs- zwecke in die eigene Tasche weggeschnappt worden seien. Es ist mit- hin in der Tat vollkommen gleichgültig, ob es englische, französische, japanische oder amcrikamsrtje Usurpatoren sind oder einheimische unksormi-rt« Räuber, die den Chinesen ausplündern. Die General« werden auch auf den Likin, den Jnlandzoll, auch auf die Salz- steuern usw. die Hand legen, wenn keine ausländische Kontroll« sse daran verhindert. Vielleicht sind sogar die„Unterstützungen*, die den chinesischen Generalen von den Mächten zutell werden, nicht allein Zuwendungen, die die allmähliche Zermürbung des Landes bezwecken, sondern auch Besänftigungsgelder, damit kein Mißbrauch van dieser Seit« mit den Zöllen und vertragsmäßigen Abgaben geschehe! Auf alle Fälle kämpft das revolutionäre Intellektuellentum mit dem revolutionären Proletariat Chinas gleichzestig an der Besesti- gung der unerhörten Bedrängnis des Volkes durch die fremden, Mächte und die dem eigenen Volke entstammenden Räuber. * In der Woche nach Neujahr hat der Flugsand aus der Wüste Gobi die nördlichen und östlichen Schützengräben um die Stadt ver- weht und zugedeckt. In der bitterkalten Woche, die den Februar beendet, fahr« ich von Peking nach Tientfin, um mich nach Dairen einzuschiffen. In Peking herrscht Ruhe, ringsum im Land Ruhe. Friedlich geht jeder seinem Gewerbe nach. Aber schon zwei Stunden hinter Peking ist zu sehen, wie das Militär seinem Gewerbe nachgeht. Wir können nur langsam fahren, denn es sind große Züge. Lastzüge unterwegs. Die Fengiusiang-Armee wird in die Kampffront gebracht, denn Tschangtsolin rückt vom Osten mächtig und nüt großem Heeraufwand vor. Aber auch die Fengiusiang-Leute, die zweite Volksarmee, ist gut ausgerüstet. Sie haben zwar nur klein« Feld- gefchütze, Mörser und Maschinengewehre, aber Mannschaften und Ossiziere sehen frisch und kampflustig aus, sie führen in den offenen Frachtwagen Pferde, Kamel« mtt und Automobile, neu und von guter Konstruktion. Eine Stunde hinter Peking heben Soldaten Schützengräben aus. Wieder hat sich dieser furchtbare Sandktunn erhoben, der da» Land in eine undurchdringbare Wolke von Gelb- grau hüllt. Allmählich verschwindet die Außenwelt um unseren Zug vollkommen. Jetzt, nach Aufnahme der Geschäftsverbindungen, nach Neujahr, ist die Frequenz der Eisenbahn wieder sehr stark geworden. In unserem Zuge ist jeder Platz besetzt.(Gott sei Dank, ich werde das Räuspern und Spucken nur noch ein paar Stunden long hören. Hoffentlich spucken sie in der Mandschurei und in Japan nicht so wild und ausgiebig wie hierzulande.) Aufmerksam und«indringlich werden die Fohrkarlen kontrolliert, sogar zweimal hintereinander. Jedesmal gehen hinter dem Schaffner dre, Soldaten den Zug ent- long, ein Ossizier und zwei geringere Chargen mit dem Gewehr auf dem Rücken und schweren Revolvern in ihren breiten Leder- tuschen. Jedes Billett wird von vier Augenpaoren beguckt» acht Händen umgedreht, wahrscheinlich gegen das Licht gehalten. In meinem Wagen stimmt alles. Auf einmal— die Kontrolle ist eben vorüber— hält unser Zug mitten auf freiem Felde. Sollte der Krieg hier und in diesem Augenblick beginnen? Es wäre unangenehm, denn, wi« oerlautet. ist die Kriegführung der Chinesen seit dem letzten Zusammenstoß au« einem reinen Stellunge- und Davonlaufkrleg zu wirtlichen Feuer- oktionen gediehen. Es handelt ssch indes um keine Aktion außerhalb unseres rollenden Zuges, sondern im Zug selbst scheint etwas passiert zu sein. Man merkt das sofort, denn aus dem Nachbarwagen fliegt auf einmal ein großes Bündel die Böschung hinab. Wir stehen alle an den Fenstern und schauen zu, was nun geschehen wird. Dem Bündel folgt ein Mensch in großem Bogen. Offenbar durch einen Fußtritt befördert, fliegt er die Böschung hinunter Unter Reichsgerichtsräten. .Sehen Sie, Kollege, fo einen Zeitungsschreiber kriegen wir in jeöem§oU: Hat er öle Unwahrheit geschrieben, ist es versuchter �anüesverrat, hat er üie Wahrheit geschrieben, ist es vollendeter Landesverrat." dem Bündel nach und bleibt liegen. Unsere drei Kontrollsoldaten steigen, von weiteren zwei assistiert, au» dem Zug, springen die Böschung hinunter und packen den Menschen, der soeben seinem Kleiderbündel nachgeflogen ist. Einer packt ihn beim Halse, drückt ihm den Kopf in den Sand, zwei packen seine Beine, halten ihn fest, und mm liegt der Mensch auf dem Bauch mit dem Gesicht nach unten im Sand« da. Einer von den Soldaten hat einen derben Knüppel in der Hand, den er, wie wir an den Fenstern— die anderen auf chinesisch, ich auf deutsch— zählen. 2Smal auf den Hintern des liegenden Menschen niedersausen läßt, und zwar mit solcher Wucht, daß man das Knacken durch die geschlossenen Doppel- schciben hereinhört. Offenbar ist da einer schwarz gefahren und wird dafür braun und blau geprügelt. Armer Hund. Wird er diese Behandlung überleben? Regungslos liegt er da. Beim 24. Stock- streich wird man unruhig: werden es 50 sein, dann bleibt er liegen! Aber auch so, nach diesen 23, müßte es ein Wunder Gottes fein, wenn er ohne gebrochene» Rückgrat oder Steißbein davonkäme. Nach dem 25. Streich gibt der Offizier dem Lokomotivführer ein Zeichen. Di« vier Soldaten lasse» ihr Opfer los, steigen rasch in den Zug, der sich, m den Gelenken knirschend, in Bewegung setzt. Der Mensch, der eben seine Strafe bekommen hat und den wir für halbtot hielten, krabbelt in die Höhe, faßt sein Kleiderbündcl unter den Ann, grinst noch einmal zum Zug zurück und läuft, land- einwärts, als ob nichts passiert wäre, mit raschen Schritten davon. Harter Kerl. Hartes Land. Leb' wohl, China. die Geburt öes?ozz. Der soeben«rschelnenden Abbaudlnng von Paul Bcru. Harb:„Jazz, ein» musikalische geitfraiic" sDesphin-Verl-g, München) entnehmen wir mit Denchmignnz des Verlages iolgenden Abschnitt über die Einführung des Jazz und die Herkunft seines Namens. Wie die gesamte Zivilisation den Idealen und Bedürfnissen der Großstadt entspringt, so sind auch die neuen Tänze aus dem organi- sicrten und geregelten Tumult der Großstadt entstanden. Sie haben sich in ihrer Produktion dem Tempo und dem Abwechslungs- bedürfnis der Großstadtbewohner angepaßt und unterliegen in ihren Einzelheiten ebenso der Mode uno ihren Wandlungen wie die Bekleidung der Frau. Denn der neue Tanz hat neben seinen musikalischen und psychologischen Fundamenten einen sehr ge- wichtigen Halt in seinen gewerblichen Auswirkungen. Angesichts der Tatsache, daß die Jazzband nahezu allein herrscht aus allen Tanzplätzen der zivilisierten Erde, muß daran erinnert werden, daß dieser Siegeslauf durch die Länder seinen Ausgang nickst früher genommen ha: als 1915. Der Ursprung des neuen Tanzes war bisher in Dunkelheit gehüllt. Er hat, wie von jeher die echten Volkslieder und Tänze, annonym seine Wanderung angetreten. Erst nach endlosen, mit wilder Leidenschastlichkeit in den Zeitungen Amerikas ousgefochtenen Meinungskämpfen konnte man sich auf die Lösung der Frage nach der exakten Entstehung des Jazz in Wort und Inhalt«inigen. Die Debatte gilt als beschlossen und der Wissensdurst des Forschers wie die Neugier der Millionen Tänzer und Hörer, die— mit richtigem Instinkt— diese Frage zu einer wichtigen nationalen erhoben hatten, kann befriedigt werden. Das Ergebnis der Nachforschungen, die sich aus die ungeheuere Zeit- spanne von— zehn Iahren erstrecken mußten, ist folgendes. In der 31. Avenue zu Chikago hatte der Wirt des Cafe Schiller, Mr. Sam Hove, zur Unterhaltung seiner Gäste im Jahre 1915 einen Neger angestellt mit Namen Iasbo Brown. Dieser Bursche blies zur Begleitung von Klavier und Banjo bekannte Melodien, Negerlieder und Tänze, indem er verschiedene Instru- mente wie Horn, Saxophon, Klarinette, Oboe, Flöte beim Vortrag ständig wechselte und so aus neue Weise als Einzelner eine große Slangvarietät darbot. Dabei hatte es aber nicht sein Bewenden, denn Dionysos segnete Nigger Brown nicht nur mit himmlischen. sondern auch mit seinen irdischen Gaben. Er bediente ssch dazu der stets zahlreicher werdenden Gäste des Cafe Schiller, die den guten Iasbo zum Dank für seine überraschende» und belustigende» Inspirationen immer verschwenderischer mit Cocktails bewirteten. War Iasbo genügend enthusiasmiert geworden, das heißt wörtlich dos Gottes voll, vergaß er die Schranken, die die leidige Konven- tion auf Grund der Vor-Jasboschen Musikepoche errichtet hatte. Er wurde souverän, sein Genie erhob sich, und er variierte und paraphrasierte seine Songs durch wageinntige Figurationen. bisher unerlausckste. in keiner Harmonielehre begründete Dissonanzen. groteske Lach-, Wein- und Schinipf-Rezitative, 0'e um so tollkühner und halsbrecherischer wurden, je mehr sich die Hörer- und Tänzer- schaft mitgerissen fühlte. Dieser wilde harmonische Expressionismus hatte aber sein» feste musikalische Basis in der dem Nigger Iasbo Brown eingeborenen unerschütterlichen Rhythmik, die er jovial lächelnd gegen die Anstürme des Bacchus verteidigte. So bildete Brown auf dein Fundament de» unantastbaren Gnindrhythmus, der ihn vor dem Absturz Ins Nichts bewahrt», eine neue Musik, bis zur Ekstase geladen mit rhythmischen und melodisch-harinonisÄen Improvisationen und bis zur Starrheit cingespaimt in die Fesseln eines Motors. Bald verbreitete sich sein Name. Erst entstanden Nachahmer in der 31. Avenue, dann überall in Chicago, kurze Zeit daraus spielte man„ä la Iasbo* in allen Städten Ämer.tas. Mit den amerikanischen Truppen kam der„Jaz.)*, die neu« Musik. noch Europa und über die ganze Erde, wobei der brave Reger ganz in Vergessenheit geriet. Man mag der Foini, in der da» Genie Brown ausgetreten Ist, spotten. Aber man darf nicht leugnen, daß der N«ger Iasbo die im angelsäckstischen Volk schlummernden veralteten und steril gewordene» Musik- und Tanzvorstellungen durch seine Phantasie mit einer Wirkung befruchtet Hot, die in aller Geschichte der Künste nickst erlebt ivurde. Freilich ist solche Auewirkung nicht möglich, wenn nicht der Boden bereit liegt, aus- nahmefähia und begierig nach neuem Samen und sruchtbar durck die oerwesende Masse des Alten. Aber diese Erkenntnis schmälert nicht das Verdienst Iasbo Browns als Begründers der omeri- konischen Musik, und ein Mann, dessen Name zum erstenmal olle Zivilisierten der Erde in gemeinsamer Triebrichtung zu Lust und Tanz vereint, gehört der Geschichte. Er verdiente, und wäre er nur ein anner„emleast*. ei» Denkmal wie Gilles, der berühmte italienische Clown, dessen Züge, von der Hand Watteaus fest- gehalten, im Louvre durch die Jahrhunderte lächeln. Erst in den Iahren 1915 und 1916 entwickelte sich in der Tanz- und Volksmusik die Form, die wir heute mit„Jazz* be- zeichnen. Wenige Jahre vorher hatten die Matrosenschenken Argentiniens einen Tanz an die partetbisrten Säle der amerikanisch- europäischen Geselligkeit ve> schenkt, den herrlichen Tango, geboren aus der tragisch-stolzen Ueberltssming spanischer Haltung und durchglüht von der Flamme und Melancholie kastilischcn Blutes. Er tom noch in die von Wohlhabenheit, Dünkel und Kastentum strotzende, todgeweihte Welt der Jahre 1919 bis 1914, voll Ver- ackstung gemieden von Hof und Uniform, geliebt von allen tänzerisch Begabten als aristokratischer Fremdling in der Derschwisterung»och mit Walzer und Franxaise. Aber mit ihm begann die gewerbliche Bertnüpfimg. Die gemessenen Verschlingungen der tanzenden Paare erheischten neue Kleidersormcn. Neue Linien im Fall und Gleiten der Röcke traten hervor. Die Mode beinächtigte ssch mit brennenden Händen der Ausgabe. Sie schuf Tangotleider und -srisuren, eine Tangotarb« für die Bekleidungsstosse beider Geschlechter. Die Tanzlust entflammte in der Pracht»nd dem Reich- tum der Toiletten, sie belebte unzählige verwaiste Säle bei Tag und Nachr. Da? Gewerbe der Wirte und Kellner, Verleger und Musiker. Tanzlehrer und Kokotten, Kleider-, Schuhmacher und Friseure und der unabsehbaren Kette ihrer Lieseranien blühte aus. Alle Interessenten grissen ineinander und gipfelten in der Erieiiu'- nis: Das Tanzfieber darf nicht erlahmen. warum funkeln die Sterne? Die Stern« erscheinen unserem Aug« nicht in ewiger Ruh«, sondern wir erblicken sie häufig in einem zitternden Zustande, wi« wenn sie ihre» Ort«rließen und schnell wieder zurückkehrten. Auch in ihrer Lichtstärk«, ja sogar in ihrer Farbe, wirken sie oft verändert, und«s entsteht auf dies« Weis« das Funkeln oder Flackern der Stern«, das bei den Fixsternen lebhafter ist als bei den Planeten. In der Nähe des Horizontes funkeln die Sterne mehr, als wenn sie sich in größeren Höhen befinden, und am deutlichsten ist das Gefunkel, wenn in den oberen Regionen der Atmosphäre lebhaft« Wind« wehen und Wolken rasch über dos sonst klare Firmament ziehen. Die Ursache dieser Erscheinung, über die sich schon mancher den Kops zerbrochen hat, wird von Welheim Naegler in einem Autsatz von„Reclams Universum* erklärt. Das Funkeln entsteht durch oie ungleich« Brechung, die das Licht in uxinner und kalter sowie in feuchter und trockener Lust erleidet. Infolge dieser Strahlenbrechung, die die von den Gestirnen kommenden Licht- strahlen beim Durchgang durch die Atmosphäre erfahren, erscheint jeder Stern am Himmel höher, als er wirklich ist. Da in der Näh« des Horizonts häufig Luftströmungen auftreten, durch die«in Wechsel der Luftschichten von.verschiedener Dicht« entsteht, so sst hier das Funkeln lebhafter. Auch durch Dünste und Nebeldläschen, die die Luft bei ihrer Bewegung an einer Stell« verdrängen, wird eine stärkere Ablenkung des Lichtstrahls und damit ein lebhafteres Funkeln verursacht. Seit oltersher will man in dem starken Funkeln der Sterne«in Vorzeichen nasser Witterung sehen, und die wissenschaftlich« Beobachtung hat die Richtigkeit dieser Bauernregel»rwiesen. Mit dem Eintritt oder dem Herannahen von Regenwetter sowie mit der Aiinalstii« des Luftdruckes und der Temperatur wird das Sternen- gefunkel verstärkt: es ist im Winter stärker als im Sommer. Das Funkeln tritt nicht nur an den Regentogen selbst deutlicher hervor, sondern schon«in bis zwei Tag« früher, und nimmt unniittelbor nach dem Aufhören des Regens wieder ab. Da» Austreten heftiger Wind« und Herannahen einer Barometer-Depression erhöht ebenfalls die Intensität des Funkeln». Dam en- Wäsche Trägerhemden l95 au Kaum WSacucbaMst, r*Icli aosgestattat............ 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Die Befürworter einer Bauberatung gehen von dem durchaus richtigen Gedanken aus, daß uns seit vielen Lahrzehnten eine eigene Daugesinnung fehlt, die uns instondgesetzt hätte, unsere Städte und Dörfer so auszubauen, daß sie uns eine wahrhaft schöne und liebenswerte Heimat geworden wären, während es bis vor kurzem in oen Städten eine wilde und schlimme An« Häufung von Mietkasernen und unerträglich geschmacklosen Prunk- bauten gab und in den Dörfern eine stmnpfsinnige, geistlose Nach- ahmung nicht nachahmenswerter städtischer Vorbilder. Deshalb fordern Baukünstler, die ihrer unzulänglichen Zeit vorauseilen, aber hier und da die Möglichkeit haben, ihre Ideen und Wünsch« in die Wirklichkeit umzusetzen, eine Beratung aller Bauenden, der Bau. Herren wie der Baumeister und der Baubehörden. Stadtbaurat B r ä u n i n g- Tempelhof ging zuerst auf das Besetz gegen die Verunstaltung von hervorragen- den Gegenden vom 15. Juli 1907 ein, desien erster Paragraph einen Bau verbieten kann, wenn dadurch eine gröbliche Verun- staltung des Landschafts- bzw. Städlebildes eintritt, während der 15�2 anordnet, daß auf bestimmten Plätzen von geschichtlicher oder künstlerischer � Bedeutung die Baugenehmigung versagt werden kann. Berlin hat nun durch Ortsgesetz diesem Paragraphen Ge- biete von außerordentlichem Umfang unterstellt, muß jetzt aber daran gehen, die Grenzen dieses Paragraphen enger zu ziehen. Andererseits muß der Paragraph verschärft werden, denn nicht ollein gegen Verunstaltung, sondern auch gegen Beeinträch- tigung des Stadtbildes muß eingeschritten werden. Neuerdings werden in den östlichen und nördlichen Außenbezirken Berlins sehr viele Einfamilienhäuser gebaut, Objekte etwa von IS 000 bis 20 000 M., die in ihrer Gesamtheit das Stadtbild Ber- lins jetzt schon außerordentlich beeinflussen. Baiipolizelliche Bau. genehmigung kann nicht gut versagt werden. Nun baut jeder, wie es ihm oder seinem Baumeister gerade einkommt. Hier ist Bau- berotung unbedingt notwendig, und zwar durch die städtischen Hochbauämter. Wesentlich anders ist es im Westen. Hier sind die meisten Häpfer baukünstlerisch einwand» frei, aber es kommt keine Gesamtwirkung zustande. Eins bebt das andere wieder auf. Es kommt aber nicht so darauf an. daß sich im Bauwesen ein schrankenloser Individualismus durch- t, als vielmehr darauf, daß das gesamte Niveau gehoben wird. >as Straßenbild muß wieder eine einheitliche Gnmdgcsinnung spiegeln. Die Wohmmgszwangswirtschaft hat durch das enge Zu- fammenarbeiten von kommunalen Baubehörden und privaten Archi- ttkten dazu geführt, daß der Häuserbau eine durchschnittliche künst- lerische Höhe erreicht hat, die die Leistungen der Vorkriegszeit weit überragt. Es macht sich hier eine Art von Planwirtschaft bemerkbar, die zu guten Ergebnissen geführt hat. Architekt Heinz Stoffregen sprach sodann von dem Standpunkt des einzelnen Architekten aus. Di« Bauberatung hat ibre besten Erfolge in Ostpreußen gehabt. Städte und Dörfer waren im Krieg vernichtet worden. Die Baumeister haben beim Wiederaufbau auf die Lösung von Bauproblemen ver- zichtet und in Ilebereinftimmung mit den Anschauungen der Be- völkerung etwas Neues gebaut, was in jeder Hinsicht erfreulich und befriedigend wirkt. Es ist unter Mithilfe der Dauberatung ein guter ehrenhafter Durchschnitt erreicht worden, und das soll ja auch der Zweck der Bauberatung sein. Leider ist in Berlin in einer Zeit, in der ein Mann wie Ludwig Hoffmann maßgebend war, ein solcher erstrebenswerter ehrenhafter Durchschwtt nicht erreicht worden. Jetzt aber geht es in Berlin um Ausgaben größ- t e n Stils. Jetzt soll Vorbildliches für spätere Zeit geschaffen werden. So, wie bisher, darf es nicht weitergehen. Hamburg hat ganz anderes als Berlin geschaffen. Deshalb müssen in der heranwachsenden Generation die gestaltenden, schöpfe- rischen Kräfte von den oerwaltungstechnisch Eingestellten getrennt werden. Der Gemeinsinn muh unter den Bautünst» lern und unter den Bauherren gehoben werden. In Berlin merkt man nicht viel von der Bauberatung und ihren guten Folgen. Das wird erst anders werden, wenn die Kann- Vorschrift in eine Muß- Vorschrift umgeändert wird.— Professor Paul Schultz«- Naumburg steht die erste und einfachste Mag- lichkeit der Bauberotung in dem Einfluß, den künstlerisch und tech- nisch gut durchgebildete Fachleute auf die Bauvorhaben künstlerisch Ungeschulter und Unbegabter gewinnen können. Der Redner will sodann verhindert wissen, dajz durch eine unentgeltliche amtliche Bauberotung den freischaffenden Baukünstlern Konkurrenz gemacht und ihr Einfluß gemindert wird, und daß durch das Streben nach einem guten Durchschnitt die Gestoltungskrast des einzelnen allzu- sehr gehemmt wird. Dennoch ist die Bauberatung das ein- Z ig e Mittel, um das künstlerische Bild unserer Zeit vor dem schlimmsten zu bewahren. Leider geht die Bevölke- lung noch nicht mit: sie weiß und versteht vielfach gar nicht, was der Baukünstler und die Bauberawng wollen. Ihr erscheint noch immer gut und schön, was der Baukünstler schon längst als nn- erträglich erkannt hat. Hier liegen die Schwierigkeiten der Bau- beratung. Deshalb ist m solchen Fällen das einzige Mittel, durch objektiv Denkende feststellen zu lassen, wer recht hat.— In der Aussprache betonte Bruno Taut, daß Schultze-Naumburg die Grenzen der Bauberatung treffend charakterisiert habe. Er sieht die einzige Möglichkeit, um zu gesunden Verhältnissen zu kommen, in der möglichst großzügigen Zusammenfassung der Bauobjekte. Zusammenfassend darf man wohl sagen, daß die Berliner Bau- künstler sich darin einig sind, daß in städtebaulicher Hinsicht in Ber- lin viel versäumt worden und viel gut zu machen ist. So wenig dabei die Bauberatung zu entbehren ist, so wenig ist aber auch der Architekt eigener Prägung, der neue Wege sucht und findet, zu ent behven. Trotzdem ist der Bauberatung weit mehr als bisher Be achtung zu schenken, rreil sie geeignet ist, eine dringend notwendig« neue Barigesinnung zu wecken und das baukünstlerische Gesamt. empfinden der Bevölkerung auf ein höheres Niveau zu heben. neue wecken und das baukünstlerische Gesamt. Bauberatung ist ein unentbehrliches Mittel gegen architektonischen Kitsch und Schund, die bisher das Antlitz unserer Städte entstellt haben und noch entstellen. Der letzte. Zweck der Baubera» t u n g kann nur sein, auch an dieser Stell« den Grundwillcn des neuen deutschen Menschen nach Ehrlichkeit, Einfachheit, Schönheit und Gemeinschafl zum Ausdruck zu bringen. Da nun aber das Haus der augenfälligste Gegenstand im Menschenleben ist, so nit eine solche Einstellung ganz besonders not. Wir sind heute außerstande, den Gedanken zu ertragen, daß sich unsere Nachfahren ein- mal dessen, was wir ihnen hinterlassen, ebensosehr schämen müssen, wie wir uns heute dessen schämen, was unsere Borfahren uns hinterlassen haben. öerlin, Sie Stadt der Arbeit. Die Ergebnisse der Berufszählung vom 16. Juni 192ö werden in den statistischen Aemtern Preußens und des Reichs bearbeitet; ihre Pollendung wird noch viele Monate in Anspruch nehmen. Mittler« weile veröffentlichen die.Beiliner Wirtschaftsberichte" die Haupt- ergebmsse für Berlin. Die Zahlen verdienen um so mehr Beachtung. als sie erstmalig feit dem Zusammenschluß der Eroß-Berliner Ge- meinden zur neuen Stadt Berlin einen sicheren zahlenmäßigen Ein- blick in das Gefüge der jüngsten Weltstadt geben. Bei der B e r u f s z ö h l u n g werden die erwerbstätigen Per- ftnen im Gegensatz zur Betriebszählung nicht in den Be« trieben, sondern in den Wohnungen ersaht. Daraus ergeben sich zum Teil nicht geringe Abweichungen. So sind bei der Betriebs« Zählung die vorübergehend Erwerbslosen nicht ersaßt, wohl aber bei der Zählung nach Berufen. Dagegen sind die außerhalb wohnenden. aber in Berlin Beschäftigten nur'in der Betriebszählung mit einge- schlössen, während umgekehrt die in Berlin wohnenden, außerhalb Arbeitenden nur in der Berufszählung erscheinen. Als Haupt- beruflich erwerbetätig gelten olle Personen, die als Selb- ständige, Angestellte, Arbeiter, Hausangestellte oder auch als Haupt- beruflich mithelfend« Familienmitglieder regelmäßig einem Erwerb nachgehen. Danach ergibt sich, daß von den 4 023 907 Einwohnern Berlins 218 4 27 9, davon 1383279 Männer, 801000 Frauen, also genau 54,3 Proz. erwerbstätig sind. Dazu kommen 751 991 Ehefrauen und 807 413 übrige Familienangehörige ohne Haupterwerb, schließlich die berufslosen Selbständigen: 280 224. Insgesamt ergibt sich, daß den 1848747 Männern 2175180 Frauen gegenüberstehen. Bei den Männern steigt der Anteil der Erwerbstätigen bis auf 74,8 Proz. Aber auch beim weiblichen Teil der Einwohnerschaft, einschließlich der Kinder sind unter je fünf Personen annähernd zwei erwerbstätig. In diesen Zahlen spiegelt sich Berlin als die Stadt der Arbeit wieder,.zugleich auch die für die heutig« Zeit so charakteristische starke Beteiligung des weiblichen Geschlechts am Berufsleben. Der bei weitem größte Teil der Erwerbstätigen entfällt auf die beiden Gruppen: Industrie und Handwerk mit 1 112 956 und Handel und Verkehr mit 650 958. Rechnen wir hierzu die Frauen, die sonstigen Familienmitglieder und die bei den Ange- hörigen dieser Kruppe tätigen Hausangestellten(63 628), so kommen wir auf die stattliche Zahl von 3 044 363 Personen. Das ist mehr als drei Viertel der Gesamtbcvölkerung der Hauptstadt, die aus In- dustrie, Handel und Gewerbe ihren Lebensunterhalt beziehen. Die Landwirtschaft, Gärtnerei, Forstwirtschaft usw. sind naturgemäß in der Großstadt nur schwach, und zwar mit 19 837 Erwerbstätigen vertreten. Vergleichsweise stark vertreten sind in- folge der Tnhäufung der großen Lssentlichen und privaten Ver- waltungen in der Reichshauptstadt und deren umfangreichen Ein- richtungen auf dem Gebiete des Kunst-, Schul- und B i l- dungswefens die Berufsgruppe Verwaltung, Heer- wesen, freie Berufsarten, die 170 510 oder 8,2 Proz. der Erwerbstätigen umschließen. Im Gesund heitsw es en(einschl. Wohlfahrtspflege, eingerechnet auch die in Krankenhäusern und in der offenen Kranken'behandlung tätigen Aerzte, Apotheker, Heb- ammen, Fleischbeschauer, im Bestattungswescn»nd Desinfektions- wesen usw.) sind 63 547 Personen oder 3 Proz. beschäftigt. Der Abteilung„Berufslose" sind die von eigenem Vermögen Leben- den, Pensionäre, Renten- und Unterstützungsempfänger, Studierends, Anstaltsinsassen aller Art zugewiesen. Die Zahl all dieser Personen ohne Beruf beträgt 280 224, mit ihren Angehörigen nicht weniger denn 400 696 oder 10 Proz. der GesanNbevölkerung. Eine ungeheure Anzahl von Menschen, die in gewissem Sinne außerhalb bcs eigentlichen Erwerbsleben? stehen. Das sind zunächst die ersten groben Ergebmsse der statistischen Erhebungen, denen in längeren Abständen wertere Einzelbearbeitungen folgen werden. Unsere Kreisöelegiertenversammlungen. � Kreis Neukölln. Die Kreisdelegiertenversammlung Neuköllns wurde am 7. März in den Passage-Festfcilen abgeholten. Den Geschäftsbericht gab Genosse H a r n i f ch, der in seinen Ausführungen betonte, daß gerade in Neukölln, einer Arbeiterftandt, die Werbemöglichkeiten für die Partei, solang« wir indirekt oder direkt an der Regierung beteiligt waren, geringer waren. Im letzten Jahr ist die Mitgliedsziffer um 350 gestiegen. Di« Wahlziffcr in den letzten Iahren ist ständig und schnell gewachsen. Bei dem Voltsentscheid ist von den Genossen eine fast unmenschliche Arbeit bewältigt worden. Auch die Wahlziffer in den Landbezirkcn ist durch die zähe Arbeit der einzelnen Abteilungen gestiegen. Für den Bildungsausschuß sprach Genosse Schneider. Außer den acht Veranstaltungen, die die Bezirke über ganz Berlin abgehalten hatten, kamen in Neukölln noch sechs große Veran- staltungen hinzu, die zuerst sehr schwach besucht waren. Bei den letzten Veranstaltungen war die Beteiligung eine sehr gute. Leider wurden die von der Partei eingerichteten Kurse nicht gut besucht. In der sehr regen Diskussion wurde von den Genossen eine intensivere Bildungsarbeit oerlangt. Nach einer Aussprache wurde ein Antrag, die Partei solle auch von den Beamten verlangen, daß sie sich frei- gewerkschaftlich organisieren, angenommen. Ferner wurde der An- trag angenommen, daß bei wichtigen Abstimmungen in den Par- lamenten die Genossen im„Vorwärts" genannt werden, die gefehlt, und aus welchem Grunde sie gefehlt haben. Ein Antrag, Genossen dürfen am.Voltsstaat"— dem Blatt der sächsischen.Altsozialisten" — nicht mitarbeiten, wurde angenommen. Der alt« Vorstand wurde en bloc wiedergewählt. Genosse Harnisch zum ersten Vorsitzenden. Genosse F e l l e r zum zweiten Vorsitzenden, Genosse F e ch n e r und Arndt als Schriftführer und Genosse Eichstädt als Kassierer. Kreis Prenzlauer Berg. Im Ledigenheim in der Pappelallee tagte am Freitag, dem 4 März, die Kreisvertreteroersammlung des Kreises Prenzlauer Berg. Genosse D ö h n e r t erstattete den Bericht vom Vorstand. Der Mitgliederbestand ist im letzten Jahr um etwa 500 gestiegen. Die Werbewoche brachte eine Zunahme von 239 Mitglieder. Auch die Wahlziffer ist erfreulicherweise erheblich gestiegen. Bei der Eltern- beiratswahl ist trotz guter Arbeit der Erfolg ausgeblieben. Die Sozialistische Arbeiterjugend hat im Geschäftsjahr in enger Zusammen- arbeit mit der Partei eine Propaganda veranstaltet, die einen guten Erfolg gehabt hat. Genosse Schenk berichtete über den Bildungs- ausschuß. Mit der eigenen Maifeier und dem Sommerfest hat die Partei gute Erfolge verzeichnen können In der sehr regen Dis- kussion wurden teilweise sehr scharf die Leistungen des Borstandes kritisiert, und eine Reih« organisatorischer Anträge besprochen. Die Wahl ergab Wiederwahl des Genossen D ö h n e r t zum ersten Bor- sitzenden, des Genossen Maderholz zum zweiten Vorsitzenden und der Genossin Berta Friedrich und des Genossen Riedel als Schriftführer und der Genossen Seebinder und D r a t w a r'i Kassierer. Kreis Friedrichshain. Am 24 Februar fand im Schmidtschen Cesellschaftshaus die Vcrtreterversammlung des Kreises Friedrichshain statt. Genosse B u ch m a n n berichtete über die Arbeit des Borstandes, nachdem er die politischen Ereignisse der letzten Jahre ausgezeichnet hatte. Erfreulicherweise ist die Mitgliedsziffer erheblich gestiegen. Die Kassenverhältnisse können als gut bezeichnet werden. Genosse M a r d u s berichtete über die Erfolge der„Freien Schul- g e m e i n s ch a f t". Ein Beschluß der Partei, weltlich« Schulen einzurichten, konnte in kurzer Frist verwirklicht werden. Am 1. April werden die Schulen eröffnet und zwar im Schulgebäude in der Distelmayer Straße. Bis jetzt find 680 Kinder angemeldet. In der anschließenden Diskussion wurde von der Partei eine festere Personalpolitik verlangt. An die Fraktionen und Bczirksamtmitgliedcr wurde das Ersuchen gestellt, keine Möglichkeit unversucht zu lassen, zur Behebung der ungeheuren Arbeitslosigkeit beizutragen. Bei der Vorstandswahl wurden alle Genossen wieder- gewählt; zum ersten Vorfitzenden Genosse B u ch m a n n, zum zweiten Vorsitzenden Genosse Boß, zum Schriftführer der Genosse Bley, zum Kassierer Genosse B e y. Kreis Schöneberg-Friedenau. Die Kreisvertrcterverscmmlung des elften Kreises fand am 25. Februar statt. Genosse Mendt gab den Bericht ves Vorstandes, nachdem er den im Berichtsjahr verstorbenen Genossen, besonders dem Genossen Fritz Z u b e i l, einen tief empfundenen Nachruf ge- widmet hatle. Der Mitgliederbestand ist der gleiche wie km vorigen Geschäftsjahr, die Wahlzisfer ist besonders bei den letzten Wahlen er- heblich gestiegen. Noch einem kurzen politischen Rückblick betonte Genosse Mendt die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit der Ingeno und die Heranbildung von Funktionären. Di« nach einer schr regen Diskussion vorgenommenen Wahlen ergaben: Genosse Mendt zum erste» Borsitzenden, Genosse Hausse zum zweiten Vorsitzenden, zum Kassierer Genosse Laser und zun: Schriftführer die Genossen Hagemann und Hellwig. In die Preß- tommissicm wurde der Genosse Paulus gewählt. Selbstbereiteter Sirup heilt de» Husten Unfehlbar, sicher und billig Husten artet bei Vernachlässigung gerne in Lungcnleiden aus. Gegen die ersten Anzeichen von Husten oder Erkältung muß sofort vorgegangen werde». Nehmen Sie einen bis zwei Kafseelösscl Ansy-(dreifach konzentriert) Hustensirup. 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Diesen» Ausschuß, der am 17. Februar v. I. gebildet wurde, gehären u. a. außer den Reichstagsabgeordneten Ge- noffen Schreck und Dr. Löwen st«in Genosse Wildung von der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege und Gc- nossc Geliert, der Aorsißende des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes an. Die Nationaloersammlung hat bereits im Jahr« 1913 der Regierung die Forderung auf ein« tägliche körperliche Uebungsstunde „als Material" unterbreitet. Der Reichstag hat dann am 23. Januar 13ZS den Beschluß gesaßt, den Lairdern die Einführung von sechs Wochenstunden für körperlich« Uebung. zu empfehlen. Di« Denk- schrift gibt nachträglich die Begründung zu dem vor Jahresfrist ge- faßten Beschluß. Die Denkschrift bezeichnet die täglich« Turnstunde als«in« hygienische und eine pädagogisch« Notwendigkeit. Hygienisch soll sie einen Ausgleich schaffen für die Wachstums- henimung, die das Stillsitzen in der Schule gegenüber dem normalen Wachstumsoerlauf ausübt. Es wird ausdrücklich hervorgehoben, daß der weibliche Körper unter diesen Schäden in der Entwicklung noch mehr leidet als der männliche. Diese Schäden sind um so größer, als der Körper nach Abschluß d«r Schulzeit vielfach den gleichen un- günstigen Bedingungen unterworfen bleibt deren Folgen die Denk- schrift als„G r o ß st a d t- E n ta rt u n g" bezeichnet. Gegen die Züchtung der lang aufgeschossenen, schmalbrüstigen Schwindsucht?- tandidatcn sind Leibesübungen ein bewährtes Mittel. Die Schrift erörtert dann die Frag«, in welchem Lebensalter der Entwicklungsnutzen der körperlichen Bewegung der größte ist.„Der Haupterfolg entsteht in der Zeit der höchsten Wachstumskräft«"', daher muß„die Zeit der höchsten Wachstumskräft« die Zeit der höchsten Türnpflichi sein, und darum brauchen wir„eine täglich« Körperübung vom 6. bis zum 2 9. Lebensjahr", also den täglichen Unterricht in allen Volks- und höheren Schulen und eine Förderung von Turnen, Sport unh Wandern bei den Schulent- lassenen. Vor der Geschlechtsreife müssen Spiel und wechselnde Ge- schicklichkeitsübung dem Turnunterricht sein Gepräge geben. Doppelt notwendig sei die täglich« Turnstunde dann in der Zeit der Geschlechts- reife, wo es ihre Aufgab« sein muß,„das Längenwachstum in ein Breitenwachstum überzuführen". Dreifach notwendig ist sie bei allen Schwächlichen, dreimal bei allen Armen, die schlecht genährt sind, denn Leibesübung führt eine bessere Ausnutzung auch des geringwertigen Nährstoffes herbei". Schließlich erklärt die Denkschrift:„Ohne eine tägliche Turnstunde auch kein Hygieneunterricht". Auch aus päda- gogischen Gründen kommt die Denkschrift zu ihrer Forderung. Di« täglich« Turnstunde sei auch ein Mittel zur Erziehung des ganzen Menschen, zur Entfaltung seiner sittlichen und auch geistigen Kräfte. Um die Streitfrage zu klären, ob die geistig« Ausbildung unter der körperlichen leiden müsse, schlägt der Ausschuß die Gründung zweier Versuchsschulen, einer Volks- und einer höheren Schule mit täglichein, vorbildlichem Turnunterricht vor. Die Denkschrift erörtert dann die Voraussetzungen für die Einführung der täglichen Turnstunde. Natürlich könn« nicht daran gedacht werden, den heutigen Turnunterricht einfach zu verdreifachen. Erforderlich sei vielmehr Erweiterung und Durchgeistigung des Turnstoffes und daher Ver- tiefung und Erweiterung der Turnlehrerausbildung. In dieser B«- ziehung kommt die Denkschrift zu der Forderung einer Verein- heitlichung der Turnlehrer, und- l e h r« r i n n e n- ausbildung in Deutschland. Nur die best« und tiefste Aus- bildung sei gut genug, denn der Turnlehrer beiderlei Geschlechts müsse Bildner an Leib und Seele sein.„Do die Einführung der täglichen Turnstunde in der Volksschule Hauptaufgab« ist, muß die Turnlehrer- befähigung des Volksschullehrers in erster Linie vertiest werden." Bei der Erörterung der Frag« des künftigen Stundenplanes wird aus- drllcklich betont:„an eine Vermehrung der Gesamtzahl der Unter. richtsstunden haben die Forderer der täglichen Turnstunde nicht ge- dacht". Die bisherige T u r n h a ll« soll in Zukunft nur noch als Schlechtwcttererfatz gelten. Aber mit jeder Turnholle muß ein Um- kleideraum und eine Duschvorrichtung verbunden sein. Di« Haupt- stätte für Leibesübungen muß der Spielplatz und die zu ihm gehörige Schwimmbahn werden. Die Denkschrift oerlangt d«z- halb die Spielplatzbaupflicht für die Gemeinden. Die hier- für nötigen, gewiß nicht unbedeutenden Mittel werden unmittelbar der Volkskraft zugute kommen, die Soziallasten vermindern und die Steuerkraft erhöhen. Die Denkfchrift will die Einführung der täglichen Turnstunde jedoch keineswegs von der Erfüllung dieser Voraussetzungen ab- hängig machen, sondern verlangt vielmehr, daß die tägliche Turn- stund« sofort behelfsmäßig durchgeführt roerde. WenMdi« Unterrichtsverwaltungen von dem Gedanken der Notwendigkeit der täglichen Turnstunde erfaßt feien, werde es auch nicht an der nötigen B«. geisterung fehlen, sofort die täglich« Turnstunde behelfsmäßig sicher- zustellen. » In Schöneberg beabsichtigte man, alsbald mit der Einfüh- rung der täglichen Turnstunde zu beginnen. Wie wenig man Höherenorts von den Vorteilen der täglichen Turnstunde überzeugt ist, zeigt folgender Bescheid des Provinzialschulkolle- g i u m s an den Bczirksschulausschuß von Schöneberg:„Der Herr Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat uns beauf- tragt, das Bezirksamt Berlin-Schöneberg darauf hinzuweisen, daß es weder für die betreffenden Schulen einen nennenswerten Gewinn bedeuten noch für die grundsätz- liche Klärung der Frage der täglichen Turnstunde von wesentlicher Bedeutung sein würde, wenn nach dem in Aussicht genommenen Plans an einer größeren Anzahl von Schulen mit einzelnen Klaffen derartige Versuche durchgeführt werden sollen. Es wird sich viel- niehr empfehlen, den Versuch auf die eine oder andere Schule zu beschränken, dafür aber sämtliche Klassen dazu heranzuziehen. Des weiteren sieht der Herr Minister einer Acußerung des Bezirksamts darüber entgegen, 1. ob die in Aussicht genommenen Schulen im- stände und gewillt, sind, sorgfältige, laufende körperliche und psychologische Feststellung über den Anfangszustand, die Entwicklung der Schüler und Schülerinnen und die Ergebnisse des Verstichsjahres zu übernehmen, 2. ob die dortige Schulverwaltung bereit ist, die ge- samten persönlichen und sachlichen Unkosten zu übernehmen, 3. ob die Elternschaft über die Bedeutung des Versuchs und die Anforde- rungen, die dabei an ihre Kinder gestellt werden, hinreichend auf- geklärt ist." Das Bezirksamt Schöneberg gab darauf diese Antwort: „Wir oermögen der Auffassung des Horm Ministers, daß durch die versuchsweise Einführung der täglichen Turnstunde an einzelnen Klassen einer größeren Anzahl von Schulen weder ein nennens- werter Gewinn noch eine Klärung der Frage der täglichen Turn- stunde erzielt werden kann, nicht beizutreten." Geschäftliches. Die Verlih-Sprachschulen-G. m. b. H. hat ihr Hauptinstitut von der Leipziger Str. 123» nach Leipziger Str. 110 verlegt. Die Firma Redelsheimer schuf im neuen Heim geschmackvolle Räum- lickteiten, die vollkommen zweckentsprechend sind und dabei doch nicht tasernenhaft wirkende Schulstuben darstellen. Ein ungefähr 40 Per- sonen starkes Lehrpersonal vermittelt einer Schülerzahl, die bereits die stattliche Zahl von tausend erreicht hat, den Unterricht aller lebenden Sprachen. Der„älteste" Schüler, der in verhältnismäßig kurzer Zeit das Spanische erlernte, zählte 75 Jahre. Mit viel Er- folg wird Sprachunterricht an Blinde erteilt, eine interessante Tat- fache aus dem Grunde, da die Berlitz-Mcthod« ja doch eigentlich in der Hauptsache auf Anschauungsunterricht aufgebaut ist. Andern- teil» kommt aber in solchen Fällen das bewährte System individueller Unterrichtsweise zur vollen Geltung. Im nächsten Jahre feiert das Institut das Jubiläum seines Svjährigen Bestehens. Einse«d«vgeu für diese Rubrik sind verli» GW SS, Livdenstraße Z, parternachrschten für Groß- Berlin Net» an da» Bezirkaletretartat. 7. Hof, i Trep- recht», zu richte». Sezirksvorftanö. Sonnabend, den 11. März, abends S Uhr pünktlich. Sitzung des crwciterlcn Bezirksvorstandes im Zugendheim, llindenstraße Z. * 4. Kreis Prrnzlaurr Berg und 5. flt-iu Friedrichsh»!». Bildi-ugsau-schllfu Freitag, ll. März,» Uhr, bei Eott,«niprodc. Ecke Bardelebcnstratzr, wichtige Besprechung wegen der Maifeier. ».«reis«reuzberg. Freitag, ll. März, 7% Uhr, br« Rabe, Fichte. strahe 23. Krei-delcgiertenrersammlung. Tagesordnung: Vortrag:„Der Neichspartcitag". Stellungnahme zu den Anträgen.— Achtung! Pünkt- lich fiYt Uhr erweiterte»rcisvorstandsfitzung im oberen Saal.— Die Abteilnngsoblcute der Kommunalen Kommission treten»m Sll Uhr zu eincr Sitzung im obcrc» Ecal(Eingang) zusammen. 0. Kreis«reuzberg. Freitag, ll. März, 7>H Uhr, bei Rabe, Ficht-str. 2S, Sitzung des Biloungsausschusses....... 7. Kreis Eharlsttenburg. Die Abteilungsleiter werden ersucht, die Handzettel und Plakate zur Mieterversammlung am 17. März vom Genossen Will, Schillerstr. 40, abzuholen. k 1«.«reis Köpenick. Freitag, u. März, s Uhr, im Stadttheater, stl E] kleiner Saal, Krcisdelegicrtenvcrsammlung. Vollzähliges Erscheinen aller fi Genossen ist dringende Pflicht. Z H 17.«reis Lichtenberg. Donnerstag, 10. März, 8 Uhr, in der Bibliothrk Wetchfelstr. 28, s. Abend:„Kunst und Technik des Sprechens". Leiter Leo Mentcr. Morgen, Freilag. 11. März: Z2. Abt. 7ZH Uhr bei Valentin,«rautstr 80. Kommunal- Konferenz. Ver. pflichtet zur Teilnahme sind all- auf kommunalem Gebiet tätigen Ge. nossinnen und Genossen. 48. Abt. Wir bitten die Kecisdclegicrtcn, panktllch zu erscheinen bei Rabe, Fichtcstr. 23. Karten am Saaleingang. Platz: 2. Tischrcihe. 128. Abt. Kaulsdarf. 8 Uhr bei killbner Funktionärsstzung. Erscheinen ist Pflicht. 124a. Abt. Mahls dorf'Süd. 8 Uhr bei Dietz,. Uhlandstr. 18, wichtige Funk. tionärsttzung. Alle Funktionäre müsse» erscheinen. 127. Abt. Sohenschänhauscn. Achtung! Die für Freitag, II. März, angesetzte Mitgliederversammlung findet umständehalber erst am Freitag, 18. März, in der Schule Frcienwaldcr Str. S/S statt. Bortrag:„Die politische Lage". Referent Bernhard Krüger. Frauenveranstallung am Donnerstag. 10. März: Bernau. 8 Uhr Restaurant Bellcvue Frauenabcnd. Frauenveranslaltung am Freilag. 11. März: 8«. Abt. 7>4 Uhr im Lokal„Zum Burgfrieden", Wichertstr. 03, 8. Kursus. abend:„Das Heidelberger Programm. Leiter Hans Willige. Gäste sind willkommen. Jungsozialisien. heule. Donnerstag. 10. März: Gruppe Eharlottcnburg: 8 Uhr im Jugendheim Rostnenstr. 4 Ausfprache: „Weltpolitische Rundschau".— Gruppe Osteil: 7.» Uhr im Jugendheim Tilstter Straße 4 Fortsrtzilnq unserer Arbcitsgrmeinschaft im Rahmen der Arbeiter. bildungsschule. Thema:„Probleme der Rachkriegswirtschaft".— Gruppen Reu- kW» I und II: 8>„ Uhr in der Volksbücherei Ganghofrrstratze Bortrag:„Die verschiedenen Forme» der Kapitalzusammcnballungen iTruste, Syndikate usw.)". Referent Genosse Saternu».— Gruppe Prenzlauer Bcrg: 8 Uhr im Jugend- heim Danzigcr Str. 02 Bortrag:„Die Iunzsozialistcn im Reiche". Referent Otto Lamm. Sozkattstksche flrbektersugenü Groß-BerNn. Sitzang de« B.-D. mit den Werbcbezirkslciter» heute, Donnerstag, pünktlich V6 Uhr, im Zugendsekretariat. Die Konfcrenz der Iugendbeiräte fällt am 12. März aus. heule. Donnerstag, abends 7% Uhr: Norden: Schule Putbuffer Str. 8.„Körper- und Nacktkultur".— Schön- houfcr Vorstadt: Schule Driesener Str. 22.„Religion und Sozialismus".— Köprnicker Viertel: Sämle Wrangclstr.>28.„Unsere Agitation in de»?e. trieben und Schulen". Südwest: Jugendheim Lindenslr. 8.„Sozialistische Erziehung".— Rofenthal: Schule Schillerstraße.„Proletarische Jugend- bcweguilg und Körpeekiiltiir".— Wittenau: Iiigendheiin Roscntholcr Straße. „Einführung in den Sozialismus", 2. Teil.— Steglitz II: Jugendheim Albrecht- stratzc 47.„Religion und Sozialismus". Werbebezirk Lichtenberg: Aula des Reform-Eymnastums, Parkauc 10. May Darthel lieft aus feinen Werken. Beginn 8 Uhr. Eintritt 2S Pf. vortrage, vereine unü Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Seschästsstelle: Berlin s 14. S-bastianstr. 37/38, Hof 2 Er. Steglitz(Kreis): Do., d. 10., Turn, und Ucbungsabcnd in der Turn» halle Ringstratzc. Fr., d. 11., 8 Uhr, Krcisvermmmlung im Restaurant Aldrechtshof, iochünensaal. Referent Erich Frankel.— Erkner: Die Monatsversammlung f:ndct nicht im Eescllschastshaus(Karde), sondern bei Sperling,„Restaurant zur Löckuitz", statt.— Prenzlauer Berg: Fr., d. 11., 8 Uhr, bei Burg Sitzung der Iugeudleitcr und des Iuaendausfchusscs.— K reuzberg: So., d. 12., 8 Uhr, Versammlung der Abt. 10 bei Müller, Schön- leinstr. 0. Vortrag des Kameraden W. von Ocrtz'n:„Rcchtswehr oder Repu- blikanischc Reichswehr?"— Ober-, N-cdcrschöncwiide und Ioh,nni«thol: So., d. 12., 8 Uhr, im„Kühlen Grund", Tabbcrtstr. 1 in Oberschöneweide, Licht. bildcrvortrag:„Der Rhein". Referent Kamerad Küter. Familienangehörige und Gäsic haben Zutritt. Borstand und Gruppenführer treffen sich um 7 Uhr. — Ritte: 0. Kameradschaft Kameradschaftsvergnügen in Eornis Feftfäl-n, Gartcnstr. Ks, am So., d. 12. Anfang pünktlich 8 Uhr. Eintritt 00 Pf.— Tchöneverg-Fricdenan: Kameradschaft Friedenau So., d. 12., in den Gesamt- räumen des Restaurants Waldfricden in Dahlem 3. Stiftungsfest. Kameraden vom Kreis sind dazu eingeladen.__ Lichtenberger Berel» für Einheitskurzschrift. Donnerstag, 10. März,(48 Uhr, Eröffnung neuer Lehrgänge für Anfänger und zur Fortbildung, Knaben- Mittelschule Lichtenberg, Marktstr. 10/11. Znternatiounler Verein für Ind vidualpsychologie, Ottsgruppe Berlin. Freitag. 11. März, 8/4 Uhr, im Sozialwlsseuschaftlichen Klub, Wilhelmstr. 18, Diskussion über:„Zndividualpfycholvgie, Aufgaben und Organisation der ösfent. lichcn Erziehung. Referent Genosse Hermann Laasch. Freie Bereinigung von Eternfreuoden, Berlin. Versammlung Sonnabend, 12. März, 8 Uhr, beim Vorsitzenden Echuldlrcktor G. Freund, Halensre, West. fäjische Str. 27», 1 Tr. Bortrag Obcrpostdircltor Frentzrl:„Zn« Gedenktage Scvcls". Gäste sind nach vorheriger Anmeldung(Uhland 8028) willkommen. Am 20. März gemeinsamer Besuch der Marsausstcllung auf drr Treptower Sternwarte. Bereinigung für Schul- und Erzichnngsfragen. Berlin-Treptow. Freitag, U. März, 8 Uhr, Zeichensaal der Ecmcindefchulc Wildcnbruchstr. 53.„Jugend und Wohnungsnot. Frl. Elfricde Klapvrr. Verein der Stralfundcr zu Berlin. Donnerstag, 10. März, 8)4 Uhr, Lokal „Zur Sonnenuhr" Sitzung. Verband Volksgefuudhcit. Donnerstag, 10. März, Schule Jfflandstr. 0 Sterbetafel öer Groß-öerliner Partei-Grga?ifatloa 70. Abt. Wilmersdorf. Am 8. März verstarb unsere hochverdiente Genossin Auguste R c u b e r t nach 2Zlährigcr treuer, aufopferungsvoller Arbeit für die Partei. Wir werden ihr Andenken stets in Ehren halten. Der Tag der Ein- äfchcrung wird im„Vorwärts" unter„Familicnanzcigcn" bekanntgegeben werden. Wir bitten um rege Beteiligung bei der Einäscherung. Jugendheim...... land und die Arbeiterbewegung". Deutsche Land»mannfckaft der Prooiuz Pose». Groß-Berli». Monatssitzung Donnerstag, 10. März, 8 Uhr, Kindlbrauere: Neukölln, Hermannstr. 214>213. Bund der Atheisten. Donnerstag, 10. März, 8 Uhr, im Spatenbräu. Frledrichstc. 172, Kain von May Eulrnbergcr, Wien, vorgetragen von Lin» Etagen, Berlin. Gäste willkomme». Amerikanischer Verkehr! Derkehrswacht Berlin-Brandenburg e. B. Donners- tag, 10. März, Lthrrrvercinshaus Vortragsabend. Dr.-Jng. Ladcmann, der vor kurzem aus Ämerlka zurückkehrte, hält einen Lichtbildoerortrag über amerikanischen Verkehr. Eintritt frei. Beginn 8>„ Uhr. Zcntralvcrband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschland-, Stt-oruvpe Berlin. Sonntag, 18. März, 10 Uhr, große Prolcstverfammlungen. Im Süden: Unionsbrauerei, Safenheide 22/81. Zentrum: SophienfSlr, Sophicnstr. 1718. Norden: Pharusfäle, Müllcrstr. 142. Ost:n: Böhmisches Brauhaus, Landsbcrgcr Straße 12. Thema:„Rcntenocrsorgung und Fürsorge". Refcrentru Genossen Karsten, M. d. R., Michel, Pflaumcr. IveNerbettchl der öffentlichen 2>el!erdienstskeNe für Berlin und Umgegend (Nachdr. verb.). Wechselnde meist stärkere Bewölkung mit einzelnen Regen- schauern, Temperatur wenig verändert, mäßige Winde. Für veulschland: ftn Westdeutschland Regensälle, in Nord- und Msttcldeutschland viclsoch Regenschauer, im übrigen vorwiegend trocken bei mäßigen Temperaturen. f.'' Suma hilft Jhnen spaten! Früher, als Leinen- und Baumwollstoffe noch billig waren, brauchten Sie in der Wahl des Waschmittcls für Ihre große Wäsche nicht so vorsichtig zu sein. Heute aber, wo jedes einzelne Stück Wäsche einen erheblichen Geldwert darstellt, werden Sie gewiß alles vermeiden wollen, was vorzeitigen Verschleiß verursacht. Sic gehen sicher, wenn Sie Suma, das neuartige und bessere Waschmittel der Sunlicht Gesellschaft verwenden. Frei von allen scharfen und der Wasche schädlichen Bestandteilen, gibt Ihnen Suma blendend weiße Wäsche, und sie bleibt wie neu, auch wenn hundertmal gaivaschen. 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