�benöausgabe Nr.llH ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 54 ©«luflstelilnsunfle» uirt«Rjttjinpteit« finb in d,r Morsenau»gab» cnstBebea Hebonion: 99. 69, Ciaaeaflrafcc a .?eruspr»cher- Vinhoft 1S2- 29t XH.'Uött(f»: SojinlbmattofStrU« sw Derlinev Volksltlcrkk (10 Pfennig") Zreitag 11. März 1427 «erlog und Ani«tg«nadt»tl»»Ke Gefch Sftzzett Bhj dt« 6 Uhr ««clcger: vorwärts-vorlag GmbH. Qaclin kW 68, Cittdmfitafj« 3 Jormsprochor; vdnhoft 292— 297 Zentralorgan der Sozialdemokrat! fchen Partei Deutfcblands Das Lüttwitz-Gehalt. Lüttwitz will alles nur ganz legal gemacht haben. Lor dem II. Zivilsenat des Kammergerichts unter Vorsitz des Senatsprästdenten Ruckert fand Heui« die Berufungsverhandlung In dem Prozeh des General» v. L ü t t w i tz und des Majors v. Bischoff gegen den Reichsslstus auf Zahlung bzw. Aufwer- wng ihres Gnadengehalts statt. Rechtsanwalt Milte betont« al» Vertreter de, Reichs- Wehrministeriums, daß der Reichsfiskus bei seinen Einwendungen gegen die Klage bleibe. Der TatbestandderMeuterei liege auch insofern vor, als y. Lüttwitz der Aufforderung des damaligen Reichswehrministers Roste, von seinem Posten abzutreten, zunächst nicht nachgekommen sei. Ausschlaggebend für sein« Entlassung sei der Kapp-Putsch gewesen. Die Amnestierung Hobe nur Mir- kungen in strafrechilicher Hinsicht, nicht aber hinsichtlich der zivil- rechtlichen Ansprüche. Der Lorwurf der unerlaubten Cnt. f e r n u n g beziehe sich auf das verhalten der beiden Offiziere vor ihrer Entlastung. Schließlich mach« da» Reichswehrministerium auch Kompensationsansprüche geltend, weil Ge- neral von Lüttwitz sich durch Verfügung vom 14. März 1920 die Stellung eines Reichswehrministers angemaßt und in dieser Eigenschaft den Angehörigen der Reichswehr gewiste Bezüge versprochen hatte, die zum Teil ausgezahlt wurden. Der Vertreter des Generals v. Lüttwitz und des Majors B i f ch o f f. Rechtsanwalt Dr. Horn, mochte zunächst geltend, daß Major Bischoff sich überhaupt nicht am Kapp.Putsch beteiligt habe. Er sei nur zufällig zwei Tage vorher nach Berlin getommen. um nach Auflösung seiner Eisernen Brigade in Mecklenburg vom Reichswehrministerium Auskunft über seine weitere Verwendung zu erhalten, und habe dabei von Lüttwitz den Auftrag bekommen. wieder nach Mecklenburg zurückzukehren. Durch die Lahmlegung des Verkehrs fei er dann aber während des Kapp.Putsches in Berlin fe st gehalten worden, ohne sich an diesem Unternehmen zu beteiligen. Mas die Entlastung de» General» v. Cfitfroitz betreff«, so sei Reichsminister Schiffer damals gor nicht stellver- tretender Reichskanzler gewesen, er habe sich dieses Amt nur zu- gelegt, weil der Reichskanzler Müller Berlin verlassen hatte. Schiffer sei überhaupt nicht berechtigt gewesen, den General v. Lütt- witz zu entlassen, er habe ihn ja auch nur seines Postens enchoben. Entlasten sei Lüttwitz erst durch die am 29. März 1920 ergangene Verfügung des Reichspräsidenten, die den General aber erst im April erreicht haben soll. Bei dieser Gelegenheit macht« der Anwalt von den bisher kaum bekannten Umständen des Wegganges Lüttwitz' von Berlin Mitteilung. Der General sei am 17. März 1920 mit wissen der bürgerlichen Parteien und ausgerüstet mit einem Ausweis, der auf den Ramen eines Geheimrats lautete, in Begleitung eines Offizier» der Kommandantur Berlin im Auto auf ein Gut de, Zürsten Lyn« bei Angermünd« gefahren, habe sich hier bi, zum April der Reichsregierung zur Verfügung geholten und sich dann ins Ausland begeben. Demgegenüber bestritt der Vertreter des Reichs- f i s t u s, Rechtsanwalt Wille, daß die Reichzregierung von diesem Aufenthalt des General» v. Lüttwitz etwas gewußt habe. Es sei darüber nur mit Vertretern der bürgerlichen Parteien ver- handelt worden. Rechtsanwalt Dr. Horn bemerkte dann welter, daß, wenn Lüttwitz die Verfügung de» Reichspräsidenten Ebert erst im April 1920 erhalten habe, seine Gehallsansprüche auf Grund des Offiziersentschädigungsgesetzes auch berechtigt seien. Im übrigen habe es sich bei seiner Entlassung nicht um eine Einzelverfügung de» Reichspräsidenten, sondern um eine Verabschiedung zu- sammen mit zahlreichen anderen Offizieren gemäß den Bestimmungen des Offiziersentschädigungsgesetzes gehandelt. Der Vorwurf der Rlcuterel sei gegen den General nicht einmal in dem hochvcrratsversahren erhoben worden, ebensowenig liege im- erlaubte Entfernung vor. Der Vertreter des Reichssiskus beantragte demgegenüber, die Akten des Oberreichsanwalts heranzuziehen zum Beweise für eine Beteiligung des Majors Bischofs am Kapp-Putsch. Gegen General v. Lüttwitz s«l schon am 24. März 1920 ein Haftbefehl erlassen worden. Reichsminister Schisfer sei damals zum Stellvertreter des Reichskanzlers bestellt worden. Die Entscheidung des Kommergerichts wird in einem besonderen Termin verkündet werden. Jememoröprozeß Vilms. Die Verteidiger gegen das Schwurgericht.- Die Befangenheitsanträge abgelehnt. Die Fememörder, finster« Gesellen, sind es, die auf der Anklage- bank sitzen, zusammen mit ihren Helfern und Helfershelfern. Reben den schlanken Fuhrmann und Umhofer der breitschultrige Klapproth, der bereits durch da» Landsberger Gericht zu 18 Jahren verurteilt stt. Zwischen ihnen glaubt man die flüchtigen Pfahlbusch und Büfching zu sehen. Reben Ihnen schaut krank und niüde v. P o s« r drein, als wundere er sich, daß er auf der Anklagebank sitze. Und vor der Barriere die entschlossenen S-fichter der S t a n t i e n und Budczinski. Nur einer von den Angeklagten fühlt sich absolut sicher— die Seele der Fememorde, der Oberleutnant a. D. Schulz. Die Attacken, die die Verteidigung gegen da, Gericht reitet, oerfolgt ex mit einem Gesichtsausdruck, als wollte er sagen: .Nur zu. Jungen», feste drusfl" Ungefähr so mag er ausgeschaut haben, als er seinen Untergebenen die Befehle erteilte, seine Opfer umzulegen. Besonders amüsiert funkeln aber setn« Augen, als die Aerteidiger zu seinem Schutz di« Heiligkeit der Der- f a s s u n g heraufbeschwören. Die Dertkidiger de» Schul, ol» Wahrer und Hüter der Verfassung! Eine Groteske im Gerichtssaal. Dazu ist ihm die Verfassung gut genug, um deren Wohltaten für ihre Klienten in Anspruch zu nehmen, die am liebsten, je eher, je besser, sie stürzen würden.„Die Weimarer Verfassung ist noch das ein. zige, was Staat und Reich zusammenhält," deklamiert der Ber- Leidiger und beschwört dl« Seele der Verfassung, Preuß, heraus: und hinter ihm sitzt Schulz, die rechte Hand des K ü st r i n« r P u t s ch i st e n und Verfassungsstürzlers Buchrucker! Di« Verfassung sei oerletzt, weil das Justizminstteriuni für die um- fangreiche Fememordsache, di« einer längeren Vorbereitung bedurfte und deren Prozeß von längerer Dauer sein wird,«ine besondere „Schwurgerichtsperiode" einberufen Hab«. Eine Besorgnis der Be- fangenheit sei in die Herzen der Angeklagten eingezogen, da sie er- fuhren, daß sie ihren ordentlichen Richtern entzogen seien. Welch«ine Besorgnis? Es könnte ihnen durch dies« Richter nicht Recht widerfahren? Glauben etwa die Derteidiger, daß ihre Klienten bei der Kammer de» Landgerichtsdirektor» Bomb« bester fahren würden? Jedenfalls hat es der Verteidigung die Rede de» Ministerpräsidenten Braun in Magdeburg angetan, ln der er sich darüber beklagt hat, daß der Ausschluß der Oeffentlichkeit im Fememordprozeß Pannler unter Bombee Vorsitz den Eindruck habe erwecken müsten. als stelle sich dieses Gericht schützend vor die Hintermänner der Fememörder. Gegenüber dem Ministerpräsi- denten Braun und dem Justizminister erklärte mit Pathos der Rechtsanwalt Hahn:„Ich bin deutschnational. Aber wohin sollte das führen, wenn es in unserem Vaterland« gestattet sein sollte» nach Belieben die Gerichte zu besetzen, wenn das Recht de» Bürger», von seinem ordentlichen Richter abgeurteilt zu werden, ein Recht, das «ine Errungenschaft der Revolution ist, verletzt würde." Der deutfch- nationale Verteidiger beruft sich auf die Errungenschaften der Revo- lution. Eine verkehrte WeltI Der Oberstaatsanwalt Rombrecht erklärt kurz und bündig, dos Justizministerium werde wohl tristige Gründe gehabt haben, al» es die Fememordsache einem besonderen Schwurgericht überwies. Nach Ablehnung de» Antrages der Verteidigung auf Vertagung der Ge- richtsverhandlung lehnte die Verteidigung die Richter als b e- fangen ab. Als der Vorsitzend« des Gerichtshofes in neuer Zu- fammensetzung nach Entgegennahme der Erklärung der Verteldigunz di« Angeklagten fragt, ob sie sich den Ausführungen ihrer Verteidiger anschließen, schlägt der Angeklagt« Schulz mit der Faust auf di« Barriere und schreit lachend in den Gerichtssaal hinein: „R r r« st— l o» I" Aber das„rrrest— los!" nützt den Schulz und Genosten nichts. Auch der Befangenheitsantrag wird abgelehnt, der Gerichtshof er- hält sein« alle Zusammensetzung und nun geht den Verteidigern der Atem aus. Sie bitten um eine Pause, die ihnen noch einigen ironischen Fragen de» Vorsitzenden auch genehmigt wird, da es inzwischen Mittag geworden ist. (Siehe auch 2. Seite.) heraus aus öer Saar! Genosse Blum für sofortige Slbstimmung. pari», 11. März.(Eigener Drohtbericht.) Unter der Ueber- schrift:„Wir müssen die Saar räume nl" betont heute Blum im„Populaire", daß Frankreich polltisch klug und dem vertrag von Locarno entsprechend handeln würde, wenn«» sobald wie möglich dos Soargebiet völlig räumen wllrd� Deutsch- land habe, so betont Blum, den Dawe»-Plan erfüllt, ist in den Völkerbund eingetreten und hat seit Locarno die nach Ansicht Blums für die Folge schwierigst« Kraftanstrengung geleistet, indem e, freiwillig den durch seine Niederlage geschaffenen internatio- nolen Zustand anerkannt hat. Es habe deshalb ein Recht, zu verlangen, daß Frankreich ihm in der Frage der Besetzung seiner Gebiet« entgegenkommt, um so mehr, al» die Räumung der Rhein- lande, di« nach den Besprechungen von Thoiry für die nächst« Zeit in Aussicht gestellt war. wieder auf unbestimmte Zeit verschoben ist Es wäre also von Frankreich klug, Deutschland setzt«ine G«» n u g t u u n g durch Räumung des Saargebiets zu geben oder min- besten» der Saarbevölkerung jetzt schon Gelegenheit zu geben, in einer freien A b st i m m u n g zu erklären, worüber auch in der Folge kein Zweifel bestehe, daß sie deutsch ist und deutfch bleiben will. Zehnstündiger Achtstundentag. Hinter de» Kulissen des Bürgerblocks. Die Parteien des Bürgerblocks sind sich noch nicht einig geworden über das Notgesetz zur Arbeitszeit. Auch die Re- aierung des Bürgerblocks kann sich der Tatsache nicht ver- schließen, daß gegenwärtig in Deutschland 214 Millionen Arbeitslose durchgeschleppt werden müssen, obwohl, wie jetzt wieder die Leipziger Messe gezeigt hat, keinerlei Notlage der Wirtschaft vorliegt, und daß trotz der ungeheuren Arbeits- lostgkeit, wie die Erhebung der Regierung nachgewiesen hat, mehr als die Hälfte der Arbeiter Ueber st un- den leisten. Die Regierung hat also einen Entwurf ein- gebracht, der angeblich diese himmelschreienden Mißstände beseitigen soll, tatsächlich aber unter dem Aushängeschild der Wiederherstellung des Achtstundentages den Z e h n st um- d e n t a g als gesetzlich zulässig normale Arbeitszeit verankern will. Der Retjierungsentwurf wird an den bisherigen Zu- ständen fast nichts ändern, ja in mancher Beziehung noch eine Verschlechterung bringen. Innerhalb der Parteien des Bürgerblocks wird jetzt um die Form gerungen, die diesem zehnstündigen Achtstundentag gegeben werden soll. Dazu ist zunächst zu bemerken, daß der Ausgang dieser Verbanolungen hinter den Kulissen des Bürgerblocks, daß auch der Ausgang der Verhandlungen im Reichstag nur dann eine Beendigung des Kampfes um die Arbeitszeit bedeuten wird, wenn der Achtstundentag tat- sächlich als normaler Arbeitstag wiederhergestellt wird. Jede andere Lösung ist keine Lösung. Die Gewerkschaften sind entschlossen, diesen Kampf mit allen Mitteln bis zum Ende durchzuführen. Sie sind sich dabei bewußt, daß sie sich nicht nur aus die Arbeiterschaft stützen können, sondern daß sie in diesem Kampfe die gesamte Oeffentlichkeit auf ihrer Seite haben werden. Die Unternehmeroertreter im Regierungsiager operieren mit den abgebrauchtesten Argumenten, um nachzuweisen, daß die Mederherstellung des Ächtstundentages wirt chaftlich nicht durchführbar sei und au den größten Schwierigkeiten führen würde. In der„DAZ." wird ausgeführt, daß«s z. B. nicht möglich fei, im Zeitungsgewerbe den Achtstundentag einzuhalten. Der besonders große Umfang der Sonntags- ausgäbe der Zeitungen zwinge zu einer auf einen kurzen Zeitpunkt zusammengepreßten Mehrarbeit, die nicht durch Einstellung von Arbeitslosen geleistet werden könne. Die Tatsachen widerlegen aber diese Behauptung. In Dorbereihing; der nunmehr abgeschlossenen Tarifverhand- lungen im Buchdruckgewerbe hatte der Buchdruckerverband die Weisung ausgegeben, Ueberstunden über die tariflichen Pflichtüberstunden hinaus zu verweigern und auch diese nach Möglichkeit einzuschränken. Diese Weisung wurde von den Mitgliedern des Buchdruckerverbandes eingehalten. Was war nun die Folge? In Berlin allein wurden dadurch 600 arbeitslose Buchdrucker eingestellt. Die Unternehmer haben ganz einfach sich umstellen müssen, indem sie die Inserate für die Sonntagsnummer früher hereinholten und Vordrucke im Laufe der Woche machen ließen. Es ging also sehr gut. Es ging um so besser, weil durch diese Umorganisierung der Arbeitsmarkt nicht unerheb- lich entlastet wurde. So wie hier liegt es auch anderswärts. Die Frage der Arbeitszeit ist in erster Linie eine Frage der Durch- organisierung der Betriebe. Den Unternehmern ist es höchst unbequeni, diese Umorganisierung vorzunehmen. Die Arbeiter sollen für die Schlamperei der Unternehmer durch Leistung von Ueberstunden büßen. Deshalb wehren sich die Unternehmer auch jetzt bei den Verhandlungen innerhalb des Bürgerblocks gegen die in Borschlag gebrachte Bestimmung Ueberstunden ganz all- gemein mit einem Zuschlag von 25 Proz. zu bezahlen. Der Regierungsentwurf schlägt vor, daß nur für die aus wirtschaftlichen Gründen von den Behörden zu- gelassene Mehrarbeit ein Lohnzuschlag von 25 Proz. gezahlt werden soll. Für die Mehrarbeit, die auf Grund des 8 3 der Arbeitszeitverordnung der Unternehmer von sich aus an- ordnen kann, für die aus sogenannten betriebstechnischen Gründen und für die durch Tarifvertrag, somit also auch durch Zwangsschiedssprüche zugelassene Mehr- arbeit, soll dieser Zuschlag nicht gezahlt werden. Damit würde es mit dem Zuschlag von 25 Proz. bei Leistung von Ueberstunden ungefähr so aussehen wie mit dem Achtstunden- tag nach dem Regierungsentwurf. Praktisch würde dieser Zuschlag nur in Ausnahmefällen gezahlt werden müssen. Die entscheidende Frage, vor die der Reichstag gestellt ist, und um die unsere Gesetzgebung so oder so nicht mehr herumkommen wird, ist folgende: Soll es dem Unternehmer gestattet sein, durch die Rationalisierung der Betriebe Mil- lionen von Arbeitern und Angestellten brotlos zu niachen, und den Rest der noch Arbeitenden zu unmenschlicher Arbeits- zeit zu verdammen? Wie rückständig unsere Unternehmer in wirtschaftlicher Beziehung sind, dafür zeugt nicht nur das jetzt vorliegende Ergebnis der Rationalisierung. In einem Lande, dessen erwerbstätige Bevölkerung zu 75 Proz. sich zusammensetzt aus Gehalts- und Lohnempfängern, Häven die Unternehmer noch nicht begriffen, daß diese Gehalts- und Lohnempfänger nicht nur ein Faktor im Produktionsprozeß, sondern daß sie die Grundlage des Absatzes sind. Nach der Wirt- schaftsweisheit, die heute noch im Unternehmerlager regiert, können die Arbeiter gar nicht lange genug arbeiten und nicht schlecht genug entlohnt werden. Die im Reichsverband der Deutschen Industrie und in der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände maß» f lebenden Herren, die heute im Bürgerblock das große Wort ühren, sehen allerlei Gefahren für den Bestand der kapitalistischen Gesellschaft, wenn der Arbeiter und der An> gestellte bei kurzer Arbeitszeit eine große Kaufkraft besijjt, anders ausgedrückt, wenn es ihnen gut geht. Dem Ar- beiter und dem Angestellten kann es nach der Praxis dieser prominenten Unternehmervertreter gar nicht schlecht genug gehen. Wir wollen hier gar nicht auf die amerikanischen Unter nehmer oerweisen, die bei der Vertretung ihrer kapitalistischen Interessen gewiß nicht hinter den deutschen Unternehmern zurückstehen. Wir möchten aber nur einmal hier die Frage stellen, wie man sich im Bürgerblock die F o l g e n der wirt- schaftlichen Entwicklung in dem jetzt eingeschlagenen Tempo vorstellt. Alle Programme der Arbeitsbeschaffung, alle Not- standsarbeiten haben sich als wirkungslos ergeben. Die Arbeitslosigkeit ist nicht geringer geworden. Wenn wir von den Saisonschwankungen des Arbeitsmarktes absehen, dann kann man wohl sagen, daß wir gegenwärtig in Deutschland im Durchschnitt ein Heer von Arbeitslosen von zwei Millionen unterhalten müssen. Geht es in dem gegenwärtig beliebten Schlendrian in der Arbeitszeitfrage weiter, dann wird bei der fortschreitenden Rationalisierung auch dieses stehende Arbeitslosenheer noch vermehrt werden. Glaubt jemand ernsthaft im Bürgerblock, daß man damit Zuständen entgegentreibt, die zu Wirtschafts- frieden und zur Stabilisierung des kapitalistischen Systems führen? Jedenfalls wird innerhalb des Bürgerblocks bei dem Kampf gegen die Wiederherstellung des Achtstundentags über- sehen, daß die Arbeiterschaft nicht nur ein Faktor im Pro- duktionsprozeß und auf dem Warenmarkt, fondern auch ein politischer Faktor von entscheidendem Gewicht ist. Christliche Arbeiter für �lchtstunüentag. Protest gegen die Regierungsvorlage. Köln. 11. März.(Mtb.) Das deutsch« Gewerkschaftskartell Köln tchristlich-nationale Gewerkschaft) hat abermals zur Arbeitszeit- frage Stellung genommen und in einer Entschließung erklärt, daß die Gesetzesvorlage über die Arbellszeitftage nicht den berechtigten Erwartungen entspreche. In dem Gesetz müsse festgelegt werden, daß der Achtstundentag nicht nur theoretisch, sondern auch p r a k- tisch zu gelten habe. Der vorliegende Entwurf enthalte zwar grundsätzlich den Achtstundentag, doch seien derart weitgehende Aus- nahmen zugelassen, daß in Wirklichkeit der jetzige Zustand noch erheblich verschlechtert werde. Der vorläufige Zinanzausgleich. Eine politische Regelung zugunsten Bayern». Nach wochcnlangen Verhandlungen sind die Regierungsparteien endlichn unter sich soweit einig geworden, daß st« dem SteuerausschuH des Reichstags einen gemeinsamen Abänderungsantrag zu der Re- gierungsvorlage über den Finanzausgleich unterbreitet haben. Der Antriig sieht vor, daß das Provisorium statt auf ein Jahr auf zwei Jahre verlängert wird. Die G e s a m t g a r a nt i e für die Einkommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer zusammen soll von 2,4 Milliarden auf 2,6 Milliarden erhöht werden. Die be- sondere Umsatzsteuergarantie, die der Reichsrat verlangt und die die Reichsregierung bekämpft, soll in Fortfall kommen. Dafür aber will man eine andere Verteilung der auf- kommenden Steuerbeträge vornehmen. Don dem Gesamtbetrog sollen 456 Millionen nicht nach dem örtlichen Aufkommen, sondern nach der Bevölkerungszahl zur Verteilung gelangen. Außerdem aber ist eine neue Vorschrift vorgesehen, die die Lände? veranlasten soll, in ihren Bestimmungen über die eigen« Real- besteuerung über die Bemessung der Gemeindeantelle an den Reichs- steuern, sowie über die eigenen Steuern der Gemeinden Vorsorg« dafür zu treffen, daß die Mehrerträge der Ueberweisungen aus den Reichssteuern in erster Linie zurSenkung derRealsteuern verwendet werden. Ueber die gemeindlichen Getränke- st e u e r n wird in dem Antrag nichts gesagt, so daß anzunehmen ist, daß die Regierungsparteien in dieser Frage nicht einig sind. Die Regierungsparteien legten aber ferner einen Antrag vor, der den Anteil Bayerns an der Bier st euer von 17 2 000 M. auf 45 Millionen erhöht, den Württembergs von 3.3 auf 8,6 Millionen und den Badens von 2,2 auf 5,7 Millionen er. höht und zwar teilweise rückwirkend für 1926. Eine weitere Be- stimmung garantiert den vorwiegend agrarischen Ländern. vor allem Bayern, ihren Anteil an der Einkommen, und Körper- schastssteuer nach§ 35 des Finanzausgleichsgesetz trotz der Mehr- Überweisung aus dem neuen Umsatzsteuerschlüssel. Nach einer dürftigen Erläuterung dieses Antrags durch di« Re- gierungsparteien oertagte der SteuerausschuH seine Beratung auf Montag. Die von den Regierungsparteien vorgelegten Abänderungsanträge verändern den Charakter des provisorischen Finanzausgleichs völlig. Aus einer sachlichen, auf die Bedürfnisse von Reich. Ländern und Gemeinden abgestellten Rege- lung wird eine rein politische Regelung. Unter dem Druck der Bayerischen Volkspartei stnd Bayern Zugeständnisse gemacht worden, für die eine sachlich« Begründung nicht ge- geben werden kann. Bayern, das di« teuerste und veralteste Der- waltung besitzt, das seine eigenen Steuerquellen künstlich schwächt, erhäll auf Kosten anderer Ländern und auf Kosten des Reiches Sondervorteile. Da außerdem angekündigt ist, daß auch die Ab- f i n d u n g e n Württemb«rgs und Bayerns für ihr P o st r e g a l erheblich aufgewertet werden sollen, ergeben sich weitere schwere Be- lastungen des Reiches, zumal auch Preußen für seine Eisenbahn- abfindungen bereits feine Aufwertungsansprüche anmeldet. Alles in allem kann kein Zweifel daran bestehen, daß der Rechtsblock die Regelung des'Finanzausgleichs in erster Linie zu einer Stabilisierung seiner politischen Herrschaft durch finanzielle Konzessionen an Bayern be- nutzen will. Hrzefinfti in Dochum. Grundsteinlegung zum neuenPolizeipräfidium-Uebergabe der Polizeiuntertunst„Minister Karl Geveriug". Lochum. 10. März.(Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag wellte der preußische Innenminister anläßlich der Grundstein- l e g u n g zu dem neuen Polizeipräsidium und zur Ueber- gäbe der neuen Polizeiunterkunft an die Schutzpolizei in Bochum. In der bei dieser Gelegenheit gehaltenen Rede befaßte sich Grzestnski auch mit dem neuen Polizeibeamtengesetz. Der Gesetzentwurf bring« grundsätzlich den immer wieder von den Polizeibeamten geforderten einheitlichen Aufbau der Polizei. Er bringe auch eine Rege- lung ihrer Stellung im Beamtenrecht. Die Polizeibeamten- schaft müsse sich bewußt sein, daß jede ihrer Handlungen zu er- folgen habe unter dem Gesichtspunkt freudiger hingebender Be- jahung des neuen republikanischen Staates und seiner Verfassung. Der Innenminister gab dann der neuen Polizeiunterkunft zur Er- innerung an die Verdienste des Ministers Severing um di« Or- ganisation und die Festigung des Staates und insbesondere um die großen Verdienst« Severings um das Ruhrgebiet den Namen „Polizeiunterkunft Minister Karl Severing". Bei der Begrüßung der Mannschaften in der Turnhalle der neuen Polizeiunterkunft, zu der Minister Grzesinski in Begleitung der Vertreter der Berliner Regierung, des Regierungspräsidenten K ö n i g- Arnsberg sowie des Polizeipräsidemen S ti ebler und des Offizierskorps erschien, wurde der Innenminister von den Offi- zieren und Mannschaften mit lautem Jubel begrüßt, spontan auf die Schultern gehoben und unter endlosen Hochrufen durch die Turnhalle getragen. Der Innenminister war von dieser spontanen Huldigung völlig überrascht und brachte seinen herzlichen Dank darüber zum Ausdruck, in der er in erster Linie ein Symptom des Geistes einer neuen Zeit und zwar des immer mehr sich durchsetzenden Gedankens der republikanisch-demokra- tischen Staatsform erblicke. Genfer Entscheidungen fallen morgen. Eine Ueberwachungsfrage. V. Lab. Gens. 11. März.(Eigener Drahtbericht.) In der Saarfrage ist noch immer kein Fortschritt zu melden. Indessen wurde dieser Punkt auf die morgige Tagesordnung gesetzt, da man hofft, bis dahin eine Einigung zu erreichen und die Kraftprobe einer Abstimmung im Rat auf diese Art zu vermeiden. Ebenso wird der oftoberschlesische Schulstreit erst am Sonnabend zur Beratung kommen, da über die Einzelheiten der Einigung weiter verhandelt werden muß. Endlich ist der u n g a r i s ch- r u m ä n i s ch e Kon- f l i k t endgültig auf die I u n i t a g u n g verschoben worden, da es sich als unmöglich erwiesen hat, innerhalb weniger Tage eine Klärung der tatsächlichen und rechtlichen Seiten dieses Problems zu erzielen. Infolgedessen beschäftigte sich die heutig- Ratssitzung nur mit Rebenpunkten, von denen die Frage des Opiumhandels die relativ wichtigste war. Ueber einen weiteren Gegenstand der Tagesordnung, von dem bisher kaum gesprochen wurde, der aber für Deutschland recht unan- genehm ist, wird hinter den Kulissen noch eifrig verhandelt. Es handelt sich um die Ueberreichung der Liste der deutschen zivilen Flugzeugführer. Deutschland hat sich seinerzeit bei der Unter- Zeichnung de» Luftfahrabkommens dazu verpflichtet, diese Liste beim Völkerbundssekretariat zu überreichen, jedoch zu einer Zeit, als das Investigotionsrecht des Völkerbundes noch nicht geregelt war. Deutschland befürchtet nun, daß dies« von ihm geforderte Vertrags- «rfüllung als eine erst« Investigation aufgefaßt werden könnte. Man ist daher bestrebt, in gütlichem Einvernehmen ein« Ab- setzung dieses Gegenstandes von der Tagesordnung der jetzigen Session des Rates zu erzielen und die Wünsche der Gegenseite auf ander« Art zu befriedigen. Darüber verhandelt« im Laufe des gestrigen Tages schon während mehrerer Stunden Staatssekretär v. Schubert mit dem Berichterstatter des Rates über diesen Punkt, dem tschechostowakischen Außenminister Benesch. Benesch hat sich nicht abgeneigt gezeigt, Deutschland entgegenzukommen und es wird zurzeit noch eine Einigungsformel gesucht. Garantievertrag Sowjetunion�Cettlanü. Ei« Durchbruch durch die russische Selbstisolierung. Moskau, 11. März.(MTB.) Das Mitglied des Volkskom- missariats für Auswärtiges. Araloff, und der lettische Minister des Aeußern. Zielens, haben den Garantievertrag zwischen der Sowjetunion und Lettland paraphiert. Noch nicht in Ueber- einstimmung gebracht stnd lediglich die Texte der Anhäng« zum Der- trage, darunter der Text der Note Lettlands über seine Beziehungen zum Völkerbund im Zusamemnhang mit dem Garantieoertrag. Die Verhandlungen über die Anhänge zum VeOrag wird der beooll- mächtigte Vertreter der USSR. in Lettland, Lorenz, führen. 5ememorüprozeß Vilms. Tie Verteidigung beruft sich auf die Verfassung von Weimar! vor dem Schwurgericht des Landgerichts lll begann heute unter Vorsitz von Landgerichrsdirektor Siegert der Fememordprozeß Wilms. in dem sich wegen Mordes, Anstiftung zum Morde und Begünstigung folgend« Angeklagte zu verantworten hoben: Der kaufmännische An- gestellte Oberleutnant a. D. Fritz Fuhrmann aus Potsdam, der Bergwerksvolontär, ehemalige Feldwebel Peter Umhoier aus Petershagen bei Berlin, der Landwirt Erich Klapproih, der Direktor des Verbandes der Landvolkgenossenschaft Oberleutnant Mutter unS Sohn. Von M. Soschtschenko. Ich habe dieses Gespräch wortgetreu aufgeschrieben. Und Gott straf« mich, wenn ich auch nur etwas übertrieben habe. Ich habe nichts übertrieben. Es ist alles genau so gewesen wie ich sage. Das Gespräch fand im Gefängnis statt. Im Besuchsraum. Eine Mutter kam, ihren Sohn zu besuchen. Es war ein wahrhast inniges Wiedersehen. Die Mutter weinte vor Freude und auch der Sohn schien sehr gerührt zu sein. Nachdem die erste Wiedersehenssteude vorbei war, setzten sich beide nebeneinander auf«ine Bank. So, sagt« der Sohn, da bist du also. Ja, Waßinka, sagte die Mutter. So, wiederholte er. Voller Interesse schaut« er auf die kahl«, graue Wand, dann auf den Ofen, aus die Tür und richtete schließlich den Blick auf seine Stiefelspitzen. So, sagt« er zum dritten Male und seufzte. Die Mutter seufzt« auch und schaute sich im Zimmer um. während sie an den Fransen ihres wollenen Umschlagtuches zupft«. Na ja, sagte der Sohn und putzt« sich geräuschvoll die Nase. Danach saßen sie drei Minuten schweigend da. Endlich sagt« der Sohn: Weißt du. Mutter, die Besuchszeit ist neuerding» sehr vertürzt worden. 20 Minuten soll sie jetzt nur noch dauern. Das ist aber wenig, sagte die Mutter vorwurssvoll. Ja, wirklich, das ist nicht viel, erwiderte er. Ich denke, Waßinka, daß das sogar sehr wenig ist— 20 Minuten. Man kann sich ja nichts sogen, gor nichts... Die Mutter schüttelte betrübt den Kopf und fügte hinzu: Na, ich werde schon gehen, Waßinka, es wird Zeit. Na gut, Mutter, geh. Beide standen eifrig auf, seufzten und umarmten sich. Der Sohn sagte: Na ja. Gut. Besuch' mich doch mal, Mutter... ja, was wollte ich denn noch jagen? Ach so, raucht der Herd in der Küche immer noch? Der Herd? Ja, Waßinka. Der raucht immer noch. Neulich war die ganze Wohnung voll Rauch... So, ja... na, dann geh, Mutter... Mutter und Sohn blickten einander liebevoll und zärtlich an und trennten sich. <«u» dem Russischen von Nina Stein) 3m Theater am Schiffbauerdamm findet am 13.. abend« S Uhr, die 200. Siufiührung von RaunalS.Grabmal de« unbekannten Soldaten- in der Inszenierung von Berthold Viertel, mit Erila Burgin, Ernst Karchow, Robert Müller statt. 5ranzöststhe Schauspieler im Theater öes Westens. Noch bevor die französischen Schauspieler gekommen waren, ent- stand ein Streit. Die Impresarien, die auf eine pompös« Reklame erpicht waren, gaben alle französischen Schauspieler als Bonzen der Eom4die Fran<:aise aus. Darauf wehrte sich der Direktor des fron- zösifchen Nationaltheaters und schimpft«, weil durch die Weltreise- künstle? in Frankreich der Name seines ehrwürdigen Hauses miß- braucht werde. Die Berliner Manager wurden etwas kleinlauter und dämpften auch das große Gerede von dem Locarno der Kunst, das durch dieses Gastspiel eingeweiht werden müßt«. Hüben und drüben viel zuviel Großmäuligkeil, und die Tatsach« allein besteht. daß di« Franzosen bei uns ein wenig Ruhm und vielleicht auch«in wenig Geld erwerben möchten. Denn es geht den Theatern in Paris miserabel und man ist gelegentlich froh, wenn man sich und seine Kunst für eine Weile exportieren darf. Darum wollen wir gar nicht erst prüfen, wer Pensionär der Comödie Frangaise ist und wer nicht, wir wollen nur sehen, wie die gastierenden Franzosen spielen. Sie spielten am ersten Abend, ohne im Guten oder im Bösen aufzuregen. Sie führen mit sich das Fräulein Mari« Bell— als Vedette— als Zugkraft oder Kanone, sagen die Manager. Fräulein Bell ist wirklich ein liebes Wesen, eine geschmackvolle und takwolle Beherrscherin ihrer Gaben, sie spielt im Mussetschen Singspiel„M it der Liebe soll man nicht spaßen" jene spröde, vertändelte junge Dame, die mit dem Kloster liebäugelt, weil sie den Anbeter quälen möchte. Traurig wird der Anbeter und tröstet sich mit einem unschuldigen Bauernmädchen. Die süße, naive Rosette nimmt das Spiel ernst und geht in den Tod, als sie erkannt, daß sie nur gefoppt wurde. Die spröde und heuchlerische Liebhaberin fällt vor einer unschuldigen Leiche in Ohnmacht. Fürwahr, es wird sehr tragisch erwiesen, daß man mit der Liebe nicht scherzen darf. Die Franzosen haben dieses kleine Theaterstück der Romantik für den ersten Abend auserwählt. Müsset, der bezaubernd« Vers- dichter und leidenschaftliche Lebenskünstler hat für das kleine und kleinbürgerliche Kammertheater so rührend langweilig und eintönig gedichtet, daß die Haustöchter in den Mädchenpensionaten ihn heute noch dilettierend deklamieren dürfen, ohne daß ihr« Tugend er- schüttert wird. Trotzdem steckt mehr darin und dahinter. Es steckt auch in diesem Dramolett die passionierte Romantikerlust, die Liebessensationen mit peinigender Gründlichkeit auszukosten. Da wir zum lebendigen Kunstgenuß und nicht zur philologischen Betrachtung ins Theater ge- rufen wurden, müssen wir über das literaturhistorische Thema schweigen._ � H- Mar Barchel am Vortragstisch,»ei der Sozialistischen Arbeiterjugend im Bezirk Lichtenberg las Max B a r t h e l aus eigenen Werken. In der Aula der Schule an der Parkaue hatte sich eine große Schar Iungsozialisten ver- sammelt um den proletarischen Dichter zu hören. Äarthel ist kein Meister der Vortragskunst. Manche Verse konnte man sich viel inniger und warmherziger gesprochen denken. Am besten log ihm der harte Rhythmus proletarischer Lieder und freie Prosa. Aber schließlich war ja auch der Sprecher Barthel unwesentlich: es kam auf den Dichter an. Diesem galt mit Recht die Begeisterung seiner jugendlichen Hörer. In dem Bericht vom Hamburger Iugendtag „Rote Fahnen und golden« Lichter" formulierte er das Gesetz des Sozialismus und sein Ziel: Menschenverbrüderung, gegenscitigcs Verstehen der fernsten Nationen, nicht durch die äußerliche Hilf« der Sprache, sondern durch das inner« Wissen, daß jeder jedes Bruder sst. Doch Barthel ist kein etstatischer Dichter. Er glaubt, er hofft: aber er sieht das Leben wie es ist. Das zeigt« er in einer Erzählung„Nina und Carlos", einer kleinen, fast sentimentalen Liebesgeschichte von nüchternster Struktur, die gerade durch die Selbstverständlichkeit, mit der sie erzählt wird, packte. Neben den Prosastücken hörte man noch Gedichte aus dem Gedichtband„Tot- schaft und Befehl". Umrahmt wurde die Veranstaltung von schönen Musikdarbietungen der Iungsozialisten. Tc5. Zuge Arank, di« in der„Komödie" eine Matinee gab, hält die Mitte zwischen Kunst- und Amüsiertanz. Angenehmes, bühnen- wirksames Aeußeres. Geschmackvolle Kostüm«. Sehr sichere Technik. Weiche, voll ausklingende Schwünge(„Romanze"). In den Kompositionen wenig originelle Motiv«, viel Dagewesenes, viel Pantomimi? („Verschlossener Tempel") Betonte Abhängigkeit von der Mufi� („Walzer"). Neigung zum Kitsch(„Blume der Nacht") und zu pikan ter Nuditätenwirkung, die Mit dem träumenden Blick der düsteren Nirwanaaugen zuweilen ein ulliges Ensemble bildet(„Ballade"). Alles in ollem: ein zweifellos überdurchschnittliches tänzerisches Talent, das leider auf falscher Fährte ist. x. g. Blort Twains Illustrator. P. Richards, sprach in der Urania über„Humor in der Z e i ch e n k u n st". Wer die außerordentlich vergnüglichen Bilder kennt, die Richards zu Mark Twains Büchern geschaffen hat. und di«, wenigstens in England und Amerika, fast ebenso berühmt geworden sind wie diese Büch-r. mußt« sich viel von dem Vortrag versprechen. Leider wurde er enttäuscht. Richards, der di« deutsche Sprache durchaus beherrscht und der sehr gut zusammenhängende Ausführungen hätte geben können, begnügte sich mit Randbemerkungen zu schaueroollen Lichtbildern. Zuerst erblickte da der Zuhörer Köpfe von Generälen und Heersührern, die im„großen Krieg" Richards die„anständiae" Gesinnung oder so ahnllches bezeugt hallen, dann kllschioe Zeitungo- illustrationen Richards aus eben dieser großen Zeit. Bisweilen sali allerdings hier schon der Karikaturist durch die KriegsbegeisterunLs- tünche, und der gab dann einige Physiognomien, die jäh aus diesen süß-senttmentalen Szenen herausstechen.' Das schlimmste aber war. daß zu allen diesen Bildern Klavierbeglellung erklang,„Muß- denn zum Städtele hinaus", Salonstücke, Choralklänge zu einem Kirchen- btld, schlimmste Vorstadtkinomusik. Vermutlich Halle der Pianist sich die Werk« nach solchen„künstlerischen" Titelbildern herausgesucht, wie sie später im Lichtbild als„Gebrauchsgraphik" empfohlen wurden. Denn Richards hatte eine ganz edle Absicht: er wollte über den Beruf des Zeichners sprechen und sein« Aussichten in Amerika, und er sagte darüber manches Gescheit« und gewiß auch manches praktisch Wertvolle. Aber die Illustrationen zu seinen Aus- führungen muteten wie parodiftische Ergänzungen dazu an. Nur einige wenige Bilder standen auf höherem Niveau. Sz. a L. Pank Schulz. d«r Chemiker Dr. tng. Kurt Stantien. Oberleutnant der Reserve aus Berlin, der kaufmännische Ange- stellte Oberleutnant d. L.a. D. Adolf Budzinsky aus Berlin- üenningsdorf und der Landwirt Leutnant a. D. Henning v. P o s e r aus Cambst in Pommern. Die Anklage wurde vom Ersten Staatsanwalt R o m b r e ch t und Staatsanwalt L e s s e r vertreten. Zu der Berhandlung sind Vertreter des Ministeriums des Innern und des Justizministeriums erschienen. Bei der Feststellung der Verteidiger durch den Vorsitzen- den ergab sich, daß Rechtsanwalt Duncker die Ver- teidigung des Angeklagten Schulz nieder- gelegt hat. Die Verteidigung lehnt das Gericht ab. Darauf erhob sich Rechtsanwalt Dr. Puppe und erklärte: Die Verteidigung sieht sich gezwungen, den Antrag zu stellen, daß die Sache an das ordentliche Schwurgericht verwiesen wird. Warum ist dem ordentlichen Schwurgericht unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Bombe die Sache nicht überwiesen worden? Man munkelt hier im Gebäude, daß die Angeklagten ihren ordent- lichen Richtern entzogen werden sollen. Es fiel uns sofort auf, daß die Erklärungsfrist für die Anklage nicht verlängert wurde. Zch behaupte, daß der Landgerichtspräsident besondere Anweisungen vom Iustizminlsterium hatte. Ich oerlange ferner den Arbeitsplan des ordenttichen Schwurgerichts. Ausfallend ist. daß Landgerichtsrat Vormbaum, der ordentliches Mitglied des ordenttichen Schwur- gerichtes ist, nirgendwo zu sehen ist. Ich erwarte vom neuen Justiz- minister, daß er Herrn Oberjustizrat Wirth und Herrn Landgerichts- rat Bormbaum die Genehmigung zur Aussage gibt. R.-A. Dr. Sack: Ich erinnere an den Landsberger Prozeß, wo plötzlich Herr Oberjusttzrat Wirth aus dem Justizministerium erschien und nach einer sehr lebhaften Aussprache mit dem Oberstaatsanwalt Rohrlack, nahm dieser plötzlich die Anträge des Nebenklägers auf. Die Mitglieder dieses Gerichtes sind bestellt worden, ohne daß man auf den Geschäftsplan des Schwurgerichtes irgendwelche Rücksicht nahm. Für uns besteht die Frage, ob hier ein Eingriff in die Rechtspflege, in§ 105 der Reichsverfasiung oder des Te- richtsoerfasiungsgesetzes besteht. Wir bejahen diese Frage. Dr. Sack beanttagte, die Sache dem ordentlichen Schwurgericht zu überweisen. Iustizrat Hahn betonte, daß nach der Verfassung niemand seinem ordentlichen Richter entzogen werden dürfe. Der preußische Minister Präsident habe gegen die Mitglieder des Schwurgerichtes im Fall« Pannier schwere Anklage erhoben, sie hatte durch Ar Oeffenttichkett sich schützend vor die Angeklagten gestellt. usschluß ;. Kamr der WM..... bammer- gericht und Reichsgericht hatten den Beschluß'des Schwurgericht» gebilligt. Der Verteidiger wies ferner auf den Landsberger Feme- mordprozeß, wo die Angeklagten elf Monate auf die Verhandlung gewartet hätten. Zwischen Justizminister und Landgerichtspräsident hatten Besprechungen darüber stattgefunden, daß die Herren Bombe. Flicke und Vormbaum in diesem Schworgerischt nicht mitwirken dürfte». Der Landgerichtspräsident solle als Zeug« darüber gehört werden, daß die Tagung des außerordentlichen Gerichte» nicht nötig gewesen sei. und daß das Justizministerium die» verfügt habe aus politischen Gründen, weil e« Angst vor der Oeffenttichkeit gehabt habe, wenn das ordenllich« Schwurgericht die Sache erhiell. Rechtsanwall Bloch schloß sich den Anträgen an. Bekannt sei. daß in dieser Jahr und Tag dauernden Sache der Entwurf der An- klage wiederHoll dem Minister«ingereicht werden mußt« und jedes- mal zurückkam mit dem Bemerken, daß er erweitert werden muß- Das ist in der deutschen Justiz bisher noch nicht vorgekommen. Die Angeklagten fordern nicht die ersehnte Bombe-Kammer, sie fordern ihren ordenttichen Richter. Iustizrat Schwwdt lehnte das Gericht ebenfalls ao. O'ocrsiaatsanwall Rombrecht bat, den Antrag abzulehnen. Es handele sich nicht darum, den Angeklagten die verfassungsmäßigen Richter zu rauben. Dagegen, daß dem Iusttzminister der Anklage- entwurf überreicht sei. sei rechtlich aus§ IIS des Gerichtsverfasiungs- gesetzes nichts einzuwenden. Zeugen zu diesen Vorwürfen könnten aus rechtlichen Gründen nicht vernommen werden. Weiter will ich jetzt nicht» sagen. Iustizrat Hahn: Diese Ausführungen beweisen, daß hier Mini- sterialiustiz betrieben wirb, die wir ablehnen. Erster Staatsanwalt: Ich muß es ablehnen, über die Gründe Rechenschaft zu geben, die zur Einsetzung diese» Gerichtes führten. Das ist Aufgabe meiner vorgesetzten Behörden. Da» Gericht zog sich hierauf zur Beratung zurück. Der Antrag abgelehnt. Nach längerer Beratung verkündete Landgerichtsdirektor Sieyert die Ablehnung des Antrags, weil das außerordenlllche Schwurgericht«cht die Maßnahmen der Justizverwaltung nachzu- �"'Rechtsanwalt Dr. Sack: Ich lege die Verteidigung von Fuhrmann und Umhofer nieder. Er lehnt im übrigen auch Iuktizrat Hahn. Landgerichtsdirektor Siegert, Landgerichtsrat Schuster und Landgerichtsrat L i l i e n t h a l als besangen ab. Iustizrat Hahn begründet die Ablehnung mit der Erklärung, es komme lediglich darauf an, ob vom Standpunkt des Ablehnenden aus vernünftig« Gründe für die Annahme vorliegen, daß der Richter befangen fei, es komme nicht darauf an, daß tatsächlich eine politische Beeinflussung der in das außerordentliche Schwurgericht berufenen Mitglieder erfolgt sei. Landgerichtedirektor Siegerk: Ich für in«ln« Person erAare, daß ich vollkommen unbefangen bin. Auch die beiden anderen Richter gaben dieselbe Erklärung ab. Darauf verließ das Gericht den Saal. Es trat nun unter Vor- sitz von Langerichtsdirektor Lehmberg die zweite Strafkammer des Landgericht» III zusammen, die zur der Ablehnung Stellung zu nehmen hatte. Für die Verteidigung trug Rechtsanwalt Sack nunmehr die AblchuungsgrLnd« erneut vor. Iustizrat Hahn erklärte: Wenn ich als Irstizverwaller nach Belieben außerordentliche Gerichte einsetzen kann, dann kann ich ganz nach meinem Willen politische Gegner einfach erledigen. Wenn«in Gericht erklärt, daß es solche Iustizverwallungsmaßnahmen nicht nachzuprüfen habe, so verstößt es gegen die Verfassung. Rechtsanwall Bloch: Die Tatsache der Einsetzung des außer- ordentlichen Schwurgerichts hat bei den Angeklagten wie eine Bombe des Entsetzens eingeschlagen, nicht wie eine Bombe ».er Bcmbe-Kammer. Erster Staatsanwalt Rombrecht: Ueber die Gründe, die zur Einsetzung de» außerordenllichen Gerichts führten, zu sprechen,� habe ich nicht nötig. Die Ablehnung der drei Richter ist nicht genügend begründet, und ich bitte, den Anttag abzulehnen. Vors. Landgertchtsrat Lehmberg: Bisher kann ich nur fest- stellen, daß konkrete Tatsachen, die den einzelnen Richter als befangen erscheinen lassen, nicht vorgetragen sind. Rechtsanwall Schwindt: Dadurch, daß die Richter den Beschluß der Justizverwaltung deckten, haben sie selbst gegen die Verfassung verstoßen. Auch der vefangeuheitsaukrag abgelehnt. Nach einer etwa halbstündigen Beratung lehnte das Ge- riebt den Autrag der Verteidigung ab. Ueber die Be- rusung einer besonderen Schwurgerichtsperiode habe das Justiz- Ministerium zu befinden, im übrigen schreibe das Gesetz vor, daß die Einberufung vor sich gehen könne, sowett dies erforderlich ist. Daraufhin entfernte sich das Gericht, die früheren drei Richter nahmen ihre Plätze wieder ein und Landgerichtsdirektor Siegert fuhr in der Verhandlung fort. Rechtsanwalt Dr. Puppe bat darauf um Pause, da die Ver- teidiger sich über die neue Situation besprechen müßten. Landgerichtsdirektor Siegerl fragt, worüber die Besprechung stattfinden solle: er sähe keine Veranlassung zu einer Pause. Die Verteidiger beschränkten sich darauf, um Eröffnung der Mittagspause zu bitten. Da» Gericht beschloß so. Zigeunertämpse am Hesunöbrunnen. Die Berliner Kriminalpolizei führt wieder mal einen heftigen Kampf gegen einige Zigeunerbanden, die sich mitten in Berlin auf allen Bauplätzen mit ihren Wagen niedergelassen haben. Die Well- stadt scheint auch auf diese Nomaden eme starke Anziehungskraft aus- zuüben, jedenfalls scheint sie ihnen mehr Verdienstmöglichtetten zu bieten als die kleinen Städte oder dos flache Land. Diesmal Handell es sich um eine Zigeunergruppe, die auf einem freien Ge- lande an der Ecke Schwedter Straße und Behmftraße am Bahn- Hof Gesundbrunnen ihr« Wagen ausgestellt hat und gegen ein andere» Zigeunerlager eine heftig« Fehde führt. Das alles spiell sich mitten in Berlin ab. Ursache sind die Frauen. Die Stämme beschuldigen sich gegensettig, daß die Männer versuchen, Frauen und Mädchen in ihr Lager herüberzulocken. Beim Versuch allein soll es auch oft nicht geblieben fein. Mehr oder weniger blutig« Auseinandersetzungen sind dann immer die Folgen. Die Polizei hat schon mehrmals versucht, die Ordnung wiederherzu- stellen und Leute, die in der Gegend wohnen, wollen beobachtet haben, daß Schusse und Steinwürfe auf Eisenbahn- züge aus dem Lager an der Schwedter Straße und Behmftraße herrührten. Das gab kürzlich Veranlassung, dieses Lager einmal enauer zu untersuchen. Als Kriminal- und Schupobeamte er- ienen, war gerade wieder einmal ein heftiger Streit entbrannt. Schon griffen sich einige Männer an die Kehlen, während andere noch mit Aexten und Beilen bereitstanden. Die Durchsuchung förderte Schlagringe und ähnliches Kampsgerät, an Schußwaffen aber nur einen allen verrosteten Revolver zutage, aus dem neuer- dings nicht geschossen worden sein kann. Ausgeschlossen ist natürlich nicht, daß aus nicht gefundenen Pistolen doch einmal eine Kugel einen Stadtbahnzug getroffen hat, während sie Gegnern des feind- lichen Stammes zugedacht war. Auch Stein« mögen wohl ihr eigent- liches Ziel verfehlt haben. Mtt anderen oersuchte das Mädchen, um das der neue Kampf entbrannt war, während der Durchsuchung des Lagers zu verschwinden. Alle aber wurden von den Kriminalbe- amten wieder herangeholt. Die Besuche der Polizei scheinen aber den Insassen des Winterquartiers nicht mehr zu behagen. Zwei Wagen rückten sofort ab und man hofft, daß ihnen die anderen binnen kurzer Zeit folgen werden. Der Winter scheint ja nun auch vorbei zu sein und der Frühsing lockt zum Wandern. * Ein Zigeunerlager wurde heute morgen zwischen 6 und 7 Uhr am Ziegeleiweg in Reinickendorf-Ost von Beamten des 291. Reviers durchsucht. Man fand fünf Männer und eine Frau, die dort Unter- schlupf gefunden hatten. Wo sie herkamen und weshalb sie sich verborgen hiellen, wird noch näher untersucht. Ueberraschte Einbrecher. Unter Zurücklassung des„Handwerkszeugs" entwischt. Geldschrankeinbrecher hatten es In der vergangenen Nacht ohne Zweifel auf die Reichsschuldenverwaltung abgesehen. Ein Mann hatte beobachtet, daß in dem Seitenflügel des Hauses O r a n i e n- st r a ß e 10 t, in dem er wohnt, die Bodentür aufgeschlossen und daß jemand durch die Luke auf das Dach hinausgestiegen war. Er be- nachrichtigt« zwei Streifbeamte des 105. Reviers, die sofort die Er- mittlungen aufnahmen. Man zweifelte nicht daran, daß Geldschrankknacker über die Dächer hinweg der Reichsschuldenverwallung einen Besuch machen wollten. Diese gehört zu dem Häuserblock, der von der Oranien-, Alten Jakob-, Feilner- und Lindenstraße begrenzt wird. Die beiden Beamten holten von der Revierwache noch Verstärkung und das Ueberfallkommando heran. Alle Gebäude des Blockes wurden von den Dächern bis zu den Kellern hinab durchsucht, die Einbrecher wurden aber nicht mehr gefunden. Hinter einem Schornstein auf dem Dache des Hauses Lindenstr. 36 entdeckte man nur noch zwei lacklederne Koffer und eine elegante Aktentasche, Behältnisse, wie sie gewerbsmäßige Geldschrankeinbrecher zu tragen pflegen, um unauffällig ihre Werkzeuge mitführen zu können. Koffer und Tasche enthielten den auch sehr gutes„Handwerkszeug" in großer Menge, Sauerstossgebläse, Brenner, Knabber usw. Die Einbrecher, nach den aufgefundenen Spuren zwei oder drei Mann, hatten alles im Stich lassen müssen, aber doch durch einen der vielen Ausgänge des Häuserblocks unbemerkt das Freie gewonnen. Die große Suche verurfachte trotz der späten Stunde erhebliche Auf- regung. Alles, was in den Häusern wohnt, war auf den Beinen. Beamte des Geldschrankdezernats untersuchten die Gebäude heute früh noch einmal, um aus der Art des Vorgehens der Flüchtigen vielleicht einen Anhalt zu ihrer Ermittlung zu finden. Schweres Autounglück bei Potsdam. Ein schwere» Autounglück, bei dem ein« Person getötet, zwei weitere schwer verletzt wurden, ereignete sich heute vormittag etwa 200 Meter vor Nedlitz bei Potsdam. Der Inhaber des Restaurants„Schweizerhäuschen", Birkholz, be- fand sich mtt seinem Sohn und zwei weiteren Fahrgästen von Pots- dam auf der Fahrt nach Nowawes. Kurz hinter der Artillerie- kaserne, etwa 200 Meter vor Nedlitz, platzte«in vorderreifen. Das Auto überschlug sich mehrmals und ging vollständig in Trümmer. Birkholz konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Sein Sohn und ein noch unbekannter Fahrgast wurden schwer verletzt und mußten in das dortiae Krankenbaus geschafft werden. Berliner Absud. Di« vom Bezirksamt Berlin-Mitte veranstaltete Vor- tragsreih«.Berlin in Wort, Bild und Lied ist nun bei der Gegenwart angelangt. Am Mittwoch lockte Dr. FranzLede- r e r s Vortrag über.Das moderne Berlin in Dichtung und Musik" wieder eine zahlreiche Zuhörerschaft noch den Musikersälen in der Kaiser-Wilhelm-Straß«. Einlettend richtete Bürgermeister Genosse Schneider von Berlin-Mitte einige Worte an die berlinfreundliche Gemeinde, die sich da versammell hatte. Mit berechtigter Freude konnte er den Erfolg dieser Berliner Abende feststellen, die den Berlinerneinmalihr Berlin zeigen sollten. Der Bürgermeister begrüßte eine Reihe volkstümlicher Dichter und Komponisten des neuesten Berlin, die auf Einladung an der Veranstaltung tellnahmen. Dr. Leder er führte ein in Dichtung und Musik des Zeitabschnittes von 1390 an, der vielen noch aus eigenem Erleben in Erinnerung ist. Im Plauder- ton erzähll« er von den damals jüngsten Poeten, die heute zu den Allen gehören, den vorwärtsdrängenden Naturalisten. Aus der Ber- liner Operette, von der die alte Berliner Lokolposse sich hatte bei- seiteschieben lassen, und aus der Flut von Tanzliedern, die dem Berliner jener Zeit zusagten, gab das Sängcrpaar Charlotte Freyer und Alexander Fleßburg manche wirkunasvolle Probe. Aber auch grotesk-unsinnige Erzeuonisse. wie„Im Grüne- wald ist Holzauktion",.Lille, kille, Pankow" und ähnliche.Schla- ger" tollten an dem Ohr des lächelnden Zuhörers vorüber, damit der.Berliner Geist" gewissenhast von allen Seiten beleuchtet würde. Nach diesen Ausartungen, die nicht fehlen durften, konnte der Vor- tragende wieder mit wertvolleren Gaben der Berliner Dichtung er- freuen. Don dem Humor Erdmann Gräsers und Hans Brennerts bot er ein paar schöne Proben. Bei einigen der Liedvorträge wirkten die anwesenden Komponisten(EwodshofechrMm Viktor Holländer und andere) selber mit, indem sie die Begleitung übernahmen. Alles in allem:, ein anregender, gemütlicher Abeyh,. der fast wie«in Familienfest wirkte. Die Zuhörer kargten nicht.. mit ihrem Beifall. ms/, /lnreißerterror ia der Rosenthaler Straße. In der Rosenthaler Straße und am Rosenthaler Platz haben sich in den letzten Iahren ganze Kolonnen von An- reißern niedergelassen, die Straßenpassanten und Kauflustige b e- lästigen und versuchen, sie in recht zweifelhafte Geschäfte zu locken. Besonders vor den großen Konfektionsbäufern stehen ganze Kolonnen, die in Spanner und Anreißer eingeteilt sind. Ein Spanner steht in der Nähe des Polizeireviers, um, wenn Schupo- streifen kommen, Nachricht geben zu können. Straßenpassanten, die sich gegen die Anreißer wehren, werden beschimpft. Die Konsektionsgeschäfte stehen vollständig unter dem Terror dieser Kolonnen. Niemand, der die Läden betreten will. bleibt unbelästigt. Das Personal der Geschäfte wird von den An- reißern tätlich bedroht. So wird uns berichtet, daß der Geschäfts- führer eines Konfekttonshauses, der die Anreißer bei der Polizei namhaft gemacht hatte, in seinem Laden von vier Leuten bedroht wurde. Es wurde ihm versichert, wenn er noch einmal solche Anzeige mache, bekäme er ein Messer in den Leib. Sehr häufig haben die Anreißer Glück. Possanten, in der Hoffnung, einmal billig kaufen zu können, folgen den Anreißern. Sie werden dann nach der Brunnen st raß« oder nach einer der umliegenden Neben- straße verschleppt. Es wird ihnen auch meist angedeutet, daß die Anzüge so billig wären, weil die Waren gestohlen sind. Die Ge- schäfte, die als Engrosgeschäste bezeichnet werden, sind keine offenen Geschäfte. In einem Hinterhaus haben die„Geschäfte" e i n Zimmer gemietet und hallen dort einige Anzüge zum Verkauf bereit. Das Geschäft der Anreißer muß sehr rentabel sein. Täglich entstehen neu« Firmen, die mit Anreißern arbetten. Bisher sind elf Firmen festgestellt, die solche Anreißer beschäftigen. Die Polizei, die auf Grund der Beschwerden einmal fester zugepackt hatte, muhte feststellen, daß sich dies« Anreißer durch Geld- und Gefängnis- strafen nicht von ihrem Gewerbe abschrecken lassen. Der Polizei fft es in der Schönhauser Straße gelungen, ähn- sich« unwürdige Zustände zu beseittgen. Warum gelingt es nicht auch in der Rosenthäler Straße? Dachstuhlbrand in einer Schule. Ein großer Dachftuhlbrand kam gestern nacht gegen%12 Uhr in der Gemeindeschule Amtsstraße 1 in Köpenick zum Ausbruch. Auf den Alarm eilten die Wehren von Köpenick, Adlershof und Niederschöneweide unter Leitung des Brand- direktors P o z d z i a ch herbei. Das Feuer, das vermutlich durch Unvorsichtigkeit entstanden war, hatte inzwischen erhebliche Aus- dehnung angenommen. Aus den Bodenluken schlugen bereits hohe Flammen hervor. Ueber die völlig oerqualmten Treppen und eine mechanische Leiter wurde das Feuer mit vier Schlauchleitungen an- gegriffen. Nach mehr als einstündigem Wassergeben war die Haupt- gefahr beseitigt. Nach Beendigung der Aufräumungsarbeiten rückten die Wehren gegen*63 Uhr morgens, unter Zurücklassung einer Brandwache, ab. Der Dachstuhl ist vollständig vernichtet, der Feuer- und Wasserschaden sehr erheblich. 19 golden« Hochzeiten in einem Dorf. In einer kleinen Schuh- sabrikstadt der englischen Grasschaft Leicester mit 5000 Ein- wohnern fanden am Mittwoch 19 goldene Hochzeiten statt. Eine- der Jubelpaar« hatte 15 Kinder. Das gesamt« Alter der Hochzeiter beläuft sich auf 2767 Jahr«. „Polt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Postauflage bei. P«r ANGEBOTE Strümpfe Weisswaren Morgenhauben�C C I Cröpe de Chine- Q25 Westen mit 8*nmeh«n.. MB In TleL Farbnn, mit Valencia nn« Spitz« und Blnsatz garniert.... Damen-Strümpfe QS Spachtelkragen ßO|Spachtei-Westen I90 Baumwolle,«cltwar» n. farbig, Doppelsobia. Hoeh/erse UM OMPk. gerade Form........... ,7....... j mit Crtpe de Chine................. I Damen-Strümpfe l45 prima Seidendor oder Habe...................... 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Sie fordern, daß nur von denen der„politische" Beitrag erhoben werden darf, die ausdrücklich ihr« Absicht erklärt haben, di« Arbeiter- Partei unterstützen zu wollen. Bis jetzt sind diese Vorstäße ergebnis- los verlaufen. Ein anderer Versuch, die Tätigkeit der Gewerkschaften einzu- engen, ist kürzlich mst Unterstützung de» reaktionären Hetzblatt«? „Morningpost" unternommen worden. E» fand sich ein Mitglied des Verbandes der Ladengehilfen, das gegen seine Gewerkschaft einen Einhaltsbesehl erwirken wollte dahingehend, daß ihr ver- boten werde, aus den allgemeinen Mitteln Beiträge an den englischen Gewerkschaftsbund zu leisten, weil dieser ein« politische Körperschaft sei. Der Kläger wurde jedoch kostenpflichtig abgewiesen mit der Begründung, daß der beklagt« Verband im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen gehandelt habe. Interessant ist die Feststellung, daß Leser der„Morningpost" einen besonderen Fonds stifteten, mtt dessen Mitteln die erwähnte Klage finanziert wurde. Der vorjährige Generalstreik hat anscheinend die Gemüter der guten Bürger arg in Aufregung versetzt. Eine Glanzleistung des Gewerbeaufsichtsamtes. Dem Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caföangestell- ten. Elsasser Straße 86/88 III, wurde wiederholt von dort ver- kehrenden Gästen mttgeteilt, daß im Cafe F r e y s e, Schöneberg, Brunhildstr. 1, die weiblichen Angestellten 12 bis 13, auch mehrmals 16 Stunden täglich beschäftigt werden. Ein Beamter der Organisa- tion stellte auch mühelos die lange Arbeitszeit fest. Daraufhin wurde Anzeige beim Gewerbeaufsichtsamt Berlin-Südliche Vororte in Berlin-Lichterfelde-West, Killmannstr. 3, erstattet. Dieses ent- sandte eine Beamtin, die die Angestellten in Gegenwart der Tochter des Inhabers nach der Arbeitszeit ausfragte. Alle Angestellten bis auf eine hatten nicht den Mut zur Wahrheit. Am 24. Februar teilte das Gewerbeaufsichtsamt mit,„daß die Beschwerde geprüft ist. Ein Anlaß zum Einschreiten war nicht gegeven." Am Tage darauf wurde der Angestellten, die die Wahrheit gesagt hatte, gekündigt. Freyse sagte zu ihr:„Ich hätte Sie für intelligenter gehalten." Die unzähligen Ueberstunden hat Herr Freyie natürlich vergessen zu zahlen. Das Hast ilt für organisierte Gehilfen gesperrt._ Ein Bubenstreich. „Beko" meldet: Im„Berliner Lokal-Anzeiger" vom 27. Fe- bruar 1S27 finden wir folgende» Inserat: „Reisend«! Vertreter aller Branchen zur Besetzung von Direktorposten gesucht. Beamter ausgeschlossen.— Schriftliche Meldungen beim ersten Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes, Potsdamer Str. 166." Unsere Vermutung, daß es sich hier um einen Bubenstreich handelt, bestätigt sich. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes hat dieses Inserat nicht veranlaßt und konnte das schon aus dem Grunde nicht tun, weil Direktorposten bei ihm nicht existieren. Der Zweck des Inserats war, den Allgemeinen Deutschen Bcamtenbund von der Gesamtbeamtenschaft als b e a m t e n f e i n d- l i ch zu denunzieren. Den Beamtenpolititer mutz schon die Tatsache stutzig machen, daß ein solches Inserat nicht in den Publikations- blättern des ADV. erfolgt sst. Man kann einer Organisation angehören, welcher man will. eine solche Kampfesmethode in den Organisationsstreit hinein- zutragen, wird jeder sachliche Kämpfende zurückweisen. AfA-Lelriebsräte Berlin»! Für di« Berit»«« Botriebiratiwahlen. ist letzt«I« b«lo»d»r»» Flugblatt i», di««sA'Seueritchafte»»am Si7«-vrt»kariell Berlin herau-g g-be» wotbta. Betriebe, di» dieses Flugblatt zur Verteilung bringen wollen, müssen umgchendst di« benStigt« Anzahl von Exemplar«» bei den Eeschältsstellen der AfB-Gewert- sch-sten-der beider«eschSft-stcll- de» AsA-Ortsl-rtell»«erlin.«erlin SO. IS, Engeln er IHK, Aufgang A,«. Stock. Telephon: Morigpla» 11«K», ansordern. Nach einiger zeit tiinnen Nachbestellungen nicht«ehr ersolgen. AfA. L rt» ka r tel l«erlt». Spott. Die Sieger im vorlmunder Sechstagerenr-qu. Dus am Donnersiag abend zu Ende gegangene zweite Dort- munder Sechstagerennen endete mit einem sicheren Siege der Mannschaft Lorenz-Tonani. Insgesamt wurden 3729 Kilo- meter zurückgelegt. Das Endergebnis lautet: Lorenz-Tonani 668 Punkte, Kroll-Miethe 462 Punkte, Rielens-Thollembeek 386 Punkte, H. Aerts-Duvivier 273 Punkte, Bruskie-Golle 38 Punkte. Eine Runde zurück: Bufchenhagen-Frantenftein 288 Punkte, Hürtgen-Raufch 67 Punkte. Zwei Runden zurück: Cugnot- Rieger 489 Punkte. 'AJ u vn. axxs qxjd&n äb-ßert adtextint, MM � M � � Herr.-Sakko-Anz. modefarb.. apart, kariert. Cheviot Herr.-Sakko-Anz. dunkelbrauner Kammgarn-Che- ßO— ▼ioi dezent kariert..... üfc« Herr.-Sakko-Anz. »Mslrstblg. prima Kammgarn. Inn_ mlttalgran kariert....... 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