fTc.12» ♦ 4». Fahrg. Musgabe Sk Nr. 61 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Lsennig, monailich E,- Sieichsmark voraus»ahldai. Unter ttrciuband kür Deultchlano, Danül». Saar, und Memelaebier. Oesterreichs Litauen� Luicmbur, 4.50 Reichsmark, für da« itbriae Ausland 5�0 Reichsmark vre Mono:. Oer.Borwärts' mit der illustrier. ten Sonntagsbeilaga»Boll und eiei:* lowie den Beilagen.Unlerhaltun, vno Wissen'.Aus der MImwcl!'. .Ztrauenftimme'.Der Kinder. freund'..Luaend-ZZorwärts' und .Mick in die Bllcherwelt' erscheint wocheniäalich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Delearamin-Adresse: .Sozialdemokrat Verlin» Morgen ansgabe ZZevlinev VolksblÄtt [10 Pfennig� Anzeigenpreise: Die«lnlvaltta» Ronvareille- icile SO Pfennig. Retlame, eil« d.— Reichsmark..Kleine Ameigen' das tettaedruckte Wort 25 Pienni» fguISMa ,wei lettgedrucktr Worte). ledes weitere Wort 12 Pfcnnia. Stellengesuche da« erste Wort IS Psenni«. jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte vber 15 Buch» staben gädlen für twei Worte. Arbeitsmarkt Keile 60 Pfennig. ikamilienan, eigen für Abonnenten Keile 40 Pfennig. »mteigen für die nächste Nummer müssen bis 415 Ubr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden» ftrasseS. abgegeben werden. Geöffnet von 8H Ubr früh bis 5 Ubr nachm. �entralorgan der Sozialdemokrat! fd�en parte» Deutfchlands ReSaktion und Verlag: Serlin EW. b8, LinSenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff SSÄ-SS7. Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Serlin EW. öS» Linüenffr.Z PoftscheSkanta! Berlin 37 53«— BanNont«: Bank»er Arbeiter. Angestellten and Beamte», wallst».«5: Diskonto-Gelelllchast. Z>e»»sttenlass« Lindenftr. 3. Kompromiß oöer Mehrheitsentstheiö! Die deutsche Delegation und die Saarfrage. V. Sch. Genf. 11. Mörz. 12.45 nachts.(Eigener Draht. verichl.) Die deutsche Delegation ist kurz vor 12 Uhr nacht» zu einer letzten Sitzung zusammengetreten, in der sie sich über ihre Haltung in der morgigen Sitzung de» Völkerbundsrats in der Irage des Eisenbahnschuhes im Saargebiet endgültig schlüssig werden muh. Die Alternative lautet: Annahme de» Vorschlages der Regierungskommission des Soargcbiets mit nur unwesentlichen Abänderungen oder Mehrheitsentscheidung. Das erste bedeutet die Ausgabe des Rechts st and- punkte? hinsichtlich des bedingungslosen Abzuges der slaozösischsu Truppen, nachdem die im Versailler Vertrag bestimmte lokale Gendarmerie schon geschaffen worden ist. Das zweite bedeutet hSchstwahrZcheinllch lleberstimmung Deutschlands ohne prak Ische Vorteile und womöglich unter Verzicht aus sonst zu erreichende kleinere Konzessionen. 3m ersten Fall wird sich Stresemann deulschnationalen An- griffen aussehen, im zweiten 3°� wird er als unterlegener Held in der Rechtspresse gefeiert werden, wenigstens ein paar Tage lang. Das heiht: 2m ersten JaU wird die Hugenderg-P reffe auf die Franzosen und Herrn Stresemann schimpsen, im zweiten Fall wird sie nur aus die Franzosen schimpsen. Das ist i n n e r p o l i t i s ch der ganze Unterschied, auheapolitisch wird eine Mehrheits- cnlschs dung die an sich nicht sehr günstige Atmosphäre der deutsch. französischen Beziehungen noch ungünstiger beeinflussen. Um%i Uhr dauert die Sitzung der deutschen Delegation noch fort.... Saargewerkfthaster bei vanServelüe. Brüssel, 11. März.(MTB.) Die Belgische Telegrophen-Ageiitur meldet aus Genf unter dem gestrigen Datum: Vandervelde empfing zwei Abgeordnete der sozialistischen Arbeiiergewerkschaft des Saar- gebiets. Sie erklärten, sie wünschten keine militärische Be- s e tz u n g, seien aber der Ansicht, daß. wenn ein Schutz für die Verkehrswege notwendig sei, diese aus den gegenwärtig im Saorgebiet stehenden französischen Soldaten ausgewählt werde, an die sie gewöhnt feien, da sie die Einsetzung einer V o i i 5 e i befürchteten, die möglicherweise aus unruhigen Elementen gebildet würde, wie diejenigen, welche die Separat! st enunruhen im Rheinland hervorgerufen hätten. Die Arbeitervertreter beklagten sich ferner darüber, daß mehrer« Mitglieder der Re» gieruugsko in Mission nicht deutsch sprechen, und äußerten den Wunsch, daß das Saannitglied der Kommission ab- wechselnd aus den Vertretern der verschiedenen bedeutenden Parteien des Landes gewählt werde. Nach der Unterredung hatte Vander- velde eine Zusammenkunft mit Chamberlain, Briand und v. Schu- bert, denen er die erwähnten Wünsche mitteilt«. veutschnationale Giftmischerei. V. Lad. Gens. II. März.(Eigener Drahtbericht.) Die deutsch- nationale Presse hat sich wieder einmal ein sauberes Stückchen ge- leistet. Wie hier inzwischen bekannt geworden ist, hat si« angebliche scharfmacherische Aeußerungen Paul Boncours in großer Auf- machung wiedergegeben. Der französische Völkerbundsdelegierte sollte erklärt haben, und zwar in Gegenwart deutscher Korrespon- deuten, Frankreich werde aus militärischen Gründen nicht n a chg eben und Deutschland würde sich daran gewöhnen müssen, im Völkerbundsrat überstimmt zu werden. Als auf diese Nachricht hin Genosse Paul Boncour von mir befragt wurde, was daran wahres sei, war er zunächst äußerst er- staunt über die Behauptung, bezeichnete sie als erlogen und sagte weiter:„3ch habe bisher überhaupt mit keinem deutschen Iour- nalisten, außer mit Ihnen, gesprochen. Einem französischen Journal. ssten, der sich bei dem Gedanken besorgt zeigte, daß der Rat schließlich in Ermangelung einer vorherigen Einigung durch«ine Abstimmung entscheiden müßte, habe ich erwidert: Was wäre denn dabei? Ist der Dölkerbunt» nicht dazu da. um im Falle von zwischen- staatlichen Meüumgsverschiedenheiten zu entscheiden? Er ist sogar eigentlich zu diesem Zweck geschaffen morde«. Ich finde, daß der Böikerbund schon früher viel öfter durch offene Ab- stimniungen zwischen zwei Thesen hätte entscheiden sollen, anstatt wie bisher allzu häufig durch Kuhhandel hinter den Kulissen Kam- promisse herauszuschinden, die niemanden befriedigen. Ich bin im Gegenteil der Ansicht, daß sich der Völkerbund immer mehr wird daran gewöhnen müssen, Konflikt« durch Ab st im- mungen zu entscheiden. Das und nichts anderes habe ich dem Berichterstatter der Havas- Agentur im Vorraum des Dölterbundssaales gesagt. Es scheint, daß dieses Gespräch von einem deutschnationalen Journalisten belauscht worden ist, der dann mein« Worte in unglaublicher Weise dahin verdreht hat, Deutschland müßte sich daran gewöhnen, im Rat überstimmt zu werden. Ich bitte Sie nochmals dringend, in der deutschen sozialdem»- kratischen Presse dieser Unwahrheit entgegenzutreten." (Siehe auch dritte Seite.) StiUßanö der /lrbeitslosigkeit. Rückgang der Unterstützungsempfänger um 3,7 Prozent. Wie amllich mitgeteilt wird, zeigt die Zahl der Haupt- Unterstützungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge in der zweiten Februarhäljte einen weiteren Rückgang um rund ti 5 0 0 O— 3. 7 P r o z. Die Zahl der männlichen Hauptunter. stützungsempfänger ist in der Zeit vom 15. Februar 1927 bis zum 1. März 1927 von 1 509 000 auf 1 458 000 zurückgegangen, die der weiblichen Hauptunterstützungsempföngcr von 252 000 auf 238 000, die Gesamtzahl von 1761000 auf 1696 000. Die Zahl der Zu- s ch l a g s e m p f ä n g e r hat sich von 2 034 000 auf 1 983 000 vcr- ringert. Diese Zahlen besagen, daß die Arbeitslosigkeit gegen Ende Februar zum Stillstand gekommen oder vielleicht sogar in winzigem Umfange.zurückgegangen ist. So stark, wie es nach der amtlichen Erwcrbslosenstatistik scheinen könnte, ist jedenfalls die Besserung am Arbeitsmarkt nicht. Von den langsriftig arbeitslosen Unter- stützungsempfängern ist nämlich wahrscheinlich auch im Lause des Februar ein erheblicher Teil„ausgesteuert" und der Unter- stützung durch die Gemeinden überlassen worden. Die Zahl dieser Ausgesteuerten ist für die zweite Februarhälfte nicht bekannt, da sie in der Regel nur einmal, und zwar um Monatsmitte festgestellt wird. Seit Ende Februar ist jedoch der im Frühjahr übliche Um- jchwung eingetreten, der durch die größere Wiederaufnahme von Außen arbeiten iin Baugewerbe und in der Land- Wirtschaft bedingt ist. Nach den übereinstimmenden Berichten von der Leipziger Messe und aus einer Reihe von Industriezweigen scheint diese saisonmäßige Belebung durch eine Besserung der Ge- samtkonjunktur noch verstärkt worden zu se'n. Infolgedessen ist seitdem mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit überhaupt zu rech- nen. Fraglich bleibt noch rnie sor. ob der Konjunkturoufschwung so wirksam ist. daß«r größere Arbeitermassen wieder für längere Zeit in den Produktionsprozeß zurückführt. Vorläufig liegt jeden- falls zu besonderem Optimism»« kein Anlaß vor. Deshalb bleibt es die Pflicht d e r R e i ch s r e g i e r u n g, mit einer raschen Durchführung des Arbeitsbeschaffungs- Programms dem Arbeitsmarkt den notwendigen Rückhalt zu verleihen und die verheerenden sozialen Folgen der Erwerbslosigkeit mit größerem Nachdruck als bisher zu bekämpfen. Die Musftchten des Mrbeitsmarkts. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit veranstaltete am Donnerstag in den Räumen des Reichswirtschoftsrates eine Tagung über das.Problem der gegenwärtigen Arbeitslojenkrise in Deutsch- l a n d". Unter anderem sprach über„Bevölkerungsentwick. lung und Arbeitsmarkt" Dr. Platzer, Direktor im Statistischen Reichsomt. Der Hauptgrund der Massenarbeitslosigkeit liegt noch seiner Auffassung in einer Zeit, in der die Wirtschaft nickt mit gleichem Tempo vorwärts schritt. Die Gesamtbevölterung Deutsch- lands hat seit 1914 aus dem Reichsgebiet nur um zwei Millionen zugenommen, im gleichen Zeitraum aber ist die erwerbstätige Be- völkerung von 15 bis 65 Jahren von 37,5 auf 42,5 Millionen ge- stiegen. Die deutsche Wirtschaft muh also 7,4 Millionen Er- werbstätige mehr aufnehmen als 190? und über 5 Millionen mehr als vor dem Kriege. Dabei ist eine fortschreitende Proletarisierung zu beobachten. Da- zu kommt, daß das Eindringen der Frauen in das Er- wcrbsleben stark zugenommen hat und noch stärker werden wird. Bis zum Jahre l930 wird nach eine weitere Million Erwerbs- fähiger die Armee der Arbeitnehmer vergrößern. Di« Auswirkung des Geburtenaussalles während des Krieges wird zwar von 1930 ab mildernd auf den Arbeitsmarkt einwirken, aber diese Wirkung wird keinen Rückgang der Erwerbslosen zur Folge haben. Die B e- tämpsung der Arbeitslosigkeit darf daher nicht hin- ausgeschoben w.'rden in der Hoffnung, daß das Arbeitslosen- Problem sich unter dem Einsluß der Wirkungen des Geburtenaus. falls einmal von selbst lösen werde. Es müssen vielinehr Mittel und Weg« gesucht und gefunden werden, die es der deutschen Wirtschaft ermöglichen, auch der vergrößerten Zahl seiner erwerbsfähigen Be- völkerung Arbeit und Beschäftigung zu gebe«. m7- 12. März- 1927. Das zehnjährige Jubiläum der russischen Revolution. Von Peter Garwy. Am 12. März jährt sich zum zehntenmal der Tag, an dem der drei Jahrhundert alte Thron der Romanowschen Mon- archie wie eine morsche, bis zu den Wurzeln oerfaulte Eiche zusammenbrach. In einigen Tagen war jede Spur der früheren Allmacht der zaristischen Selbstherrschaft verweht. Niemand— abgesehen von einem Häuflein Polizeibeamten in Petersburg— erhob sich zum Schutz des Zarismus. Das Land und die Armee an der Front nahmen die Kunde von dem Umsturz mit Begeisterung auf. Es war im vollen Sinne eine Bolksrevolution. In dieser Volkstümlichkeit der Revolution liegt das ge- schichtliche Urteil gegenüber dem Regime der Selbstherrschast. Die Märzreoolution, in gleicher Weise wie die Revolution von 1905, wurde vom Kriege, der die innere Zersetzung des Zarenregimes offen vor Augen führte, nicht heroorgerufe», sondern nur beschleunigt und entfesselt. Haben doch die Groß- fürsten und die Oberste Heeresleitung, der Hofadel und die Vertreter der Großbourgeoisie selbst eine Palastrevolution und die Entthronung Nikolaus II. vorbereitet, um den militari- sehen Zusammenbruch zu verhüten und die monarchistisch« Idee zu retten. Aber nicht die Palastrevolution von oben, sondern die Nolksrevolution von unten entschied das Schicksal des rufst- schen Volkes. Der Zarismus stolperte nicht über die Achsel- stück« der Hofleute, sondern.über eine ganz gewöhnliche Brot- rinde. Die vorübergehende Stockung in der Brot�u- fuhr End« Februar 1917 trieb die Petersburger Arbeiter- massen auf die Straße. Die Soldaten lehnten es ab, auf die Arbeiter zu schießen— und das entschied das Schicksal der Monarchie. Der Revolution, die von den Arbeitern und So!- daten, die sich aus der Bauernschaft rekrutierten, hervorgc- rufen wurde, schlössen sich in der ersten Zeit auch die höheren Gesellschaftsklassen an. Unter dem Druck der Arbeiter- und Soldatenmassen war die Reichsduma gezwungen, in den ent- scheidenden Tagen des Umsturzes sich an die Spitze der Bewe- gung zu stellen und die Revolution zu sanktionieren. Aber die Führung entfiel sehr bald den schwachen Händen dieser Ber- treter der bemsttelten Klassen und ging zum Arbeiter- und Soldatenrat über, an dessen Spitze seine Schöpser, die Sozial- demokraten-Menscizewisten, standen. Nicht die Bolschewisten, sondern die Menschewisten waren es, die überall an der Spitze der revolutionären Organisationen des Proletariats, in den entscheidenden Tagen der Liquidation des Zarenregimes, standen. Die treibende Kraft der Revolution war das immer wachsende Mißverhältnis zwischen den Bedürfnissen der kapi- talistischen Entwicklung des Landes und dem Regime der Selbstherrschaft, das die Ueberlieferungen der Leibeigenschaft und die Ständeordnung aufrechterhielt. Die Revolution von 1917 war berufen, die Aufgaben zu lösen, die die Revolution von 1905 infolge ihrer Niederlage nicht lösen konnte: die Be- seitigung des Zarismus, die demokratische Umgestaltung des staatlichen Apparats, die Aushebung der Ständeordnung, die Uebergabe des Gutslandes an die Bauernschaft, die Schaffung einer weitestgehenden Arbeitergesetzgebung usw. Dieses Pro- gramm wurde zum größten Teil bereits in den ersten acht Mo- naten nach der Revolution— bis zur Novemberumwälzung— verwirklicht. Kann man denn den sozialistischen Part?ien, die in der ersten entscheidenden Periode an der Spitze der Re- volution standen, den Vorwurf machen, daß es ihnen, in der Atmosphäre des Weltkrieges und der beginnenden Anarchie, nicht gelungen ist, dieses Programm in seinem ganzen Um- fange durchzuführen? Zum größten Unglück für die Revolution hat der Krieg der im marxistischen Geiste geschulten Arbeiteraoantgarde der Möglichkeit beraubt, die von der Revolution entfesselten Ele- mente planmäßig zu organisieren und die Errungenschaften der Arbeiterklasse und der Bauernschast zu sichern. Nicht die Arbeiterklasse, sondern die Bauern in Soldatenuniform unter- stützten hauptsächlich die Bolschewisten bei der Durchführung des Nooemverumsturzes. Die Bolschewisten, die in ihrer Jagd nach der Macht die bewaffnete Bauernschaft mit dem Ber- sprechen eines sofortigen, wenn auch„hundsgemeinen" Frie- dens auf ihre Seite heranlockten, erwiesen sich, am nächsten Tage nach dem Umsturz, in den Bärentatzen der bäuerlichen Elementargewalt... Auf diese Weise sicherte der Weltkrieg den Sieg der Ele- mentarkräfte über den Geist der Organisation, des anarchi- stischen Blanquismus über den Marxismus, des kleinbürger- lichen Revolutionismus über die schwachen Keime der prole- tarischen Selbständigkeit. Wenn der Krieg nicht gewesen wäre, so würde das russische Proletariat sich nie mit einer solchen Leichtigkeit in ein Opfer und ein passives Werkzeug der kleinbürgerlichen, revolutionären Elementargewalt,.die ihre Verkörperung im Bolschewismus gefunden hat, verwan- delt haben. Um so größer ist die geschichtliche Berantwortung, die auf der Partei, die sich die kommunistisch« nennt, lastet, die anstatt die revolutionäre Elementargewalt in ein plan- mähiges Fahrwasser zu lenken, die niedrigsten Instinkte der rückständigen Massen entfesselte, sie auf den Weg der blutigen Gewalttaten und sinnlosen Zerstörungen trieb und sie immer wieder mit dem Traumbild des„sofortigen" Sozialismus zu betören suchte. Die russische Revolution hat unter bolschewistischer Füh- nmg die objektiven Schranken ihrer geschichtlichen Möglichkeiten überschritten. Die vom Kriege beeinflußte Ueber- schätzung der Rolle des Staates und der nackten Gewalt bildet den Grundpfeiler der bolschewistischen Theorie und Praxis. Indem sich die Bolschewisten, vorwiegend aus demagogischen Gründen, die undurchführbare Aufgabe der Errichtung des Sozialismus in einem ökonomisch rückständigen Agrarlande, in den, das Proletariat eine verschwindende Minderheit bildet, gestellt haben— waren sie unvermeidlich gezwungen� den Weg der terroristischen Diktatur zu betreten. Diese kommunistische Versuchspolitik mit Hilfe des Terrors hat sehr bald zum vollständigen Zusammenbruch der Volkswirtschaft geführt. Sie erregte nicht nur den Unwillen der städtischen Arbeiter, die vor Hunger starben, sondern auch der Vauernschaft, die seinerzeit den Bolschewisten zur Macht verholfen hatte. Die neue Wirtschaftspolitik, der sogenannte R« p, der im Frühjahr 1921 verkündet wurde, bedeutete die Kapitulation des Kommunismus vor den individualistischen Bestrebungen der Bauernschaft, die zwar mit Hilfe der Bol- schewisten ihren Landhunger gestillt hatte, die aber die kom- munistischen Experimente entschieden ablehnt«. Aber der Nep erwies sich gleichzeitig auch als eine teil- weise Waffenstreckung vor den ehernsten Gesetzen der ökono- mischen Entwicklung, die Ruhland auf den Weg des Kapita- lismus drängte. Der Kampf gegen die ökonomische Rotwen- digkelt rächte sich mit der unaufhaltbaren— trotz aller linken Zicklacklinien— bürgerlichen Ausartung der bolschewistischen Diktatur. Di« innere Zersetzung und der Kampf der Fraktio- nen innerhalb der regierenden Partei ist nur eine Begleit- erscheinung des immer wachsenden Mihverhältnisies zwischen den dringenden Lebensbedürfnissen der wirtschaftlichen Eni- Wicklung des Landes einerseits und der fortgesetzten kommu- nsstischen Versuchspolitik und der terroristischen Diktatur an- dererseits. Die große russische Revolution, die viele Generationen von Sozialisten und Revolutionären durch ihren heldenhaften, opfernnitigen Kampf vorbereitet haben, befindet sich jetzt im Abstieg. Ihre Folgen lassen sich jedoch noch nicht übersehen. Groß ist ihre Bedeutung aus internationalem Gebiete. Sie hat lebhasten Widerhall im europäischen Proletariat gefunden. Es ist jedoch bezeichnend, daß sie in ihrer bolschewistischen Phase einen größeren Anklang nicht in den Reihen des«uro- päischen Proletariats, fondern in den rückständigen Agrar- l ändern des Ostens gesunden hat, die erst jetzt den Weg der kapitalistischen Entwicklung beschritten haben. Auf die Ar- beiterbswegung in Westeuropa übte die bolschewistische Phase der Revolution einen verhängnisvollen Einfluß aus: sie spaltete die Arbeiterbewegung und diskreditierte die Idee des Sozialismus, die in Rußland als Deckmantel für die Schreckensherrschaft des Terrors und die utopischen Versuche dient. Für die innere Entwicklung Rußlands war dieses .„ Jahrzehnt der Revolution von ganz außerordentlicher Bedeu- tuny. Die negativen Aufgaben der Revolution— Beseitigung der Monarchie, Liquidation des ständisch-bureaukratschen Re- gimes, Enteignung des Großgrundbesitzes— sind radikal, wenn auch xnit barbarischer Grausamkeit und um den Preis zahlloser Opfer, durchgeführt worden. Aber die schöpferischen, positiven Aufgaben der Revolution swßen in der terroristischen Diktatur und dem sozialen Utopismus der Bolschewisten aus ein unüberwindbares Hindernis. Die Revolution hat in Rußland den Boden für eine stürmische, rein amerikanische Entwicklung des Kapitalismus geebnet. Aber alle demokratischen Errungenschaften der 7d,l Prozent. Von Hans Bauer. Gegen die Kurpfuscherei richtete sich eine Unsstellung, die diese? Tage die.Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung des Kurpfuschertums" in Berlin veranstaltete. Das gegen die nichtapprobierten Aerzte beigebrachte statistische und dokumentarische Material war ver- nichtend. Noch dem Willen der Ausstellungsleitung wird man sich diese Leute fürder als Hochstapler, Zuchthäusler und Gauner vor- stellen müssen, al» Abhub der Gesellschaft, der, untauglich zu redlicher Arbeit, vorgibt, mit Pferdemist und Gartenerde die Lungenschwind- sucht heilen zu können. Nun, eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede.... und wenn der Schwärm der Laienbehandler sich einmal dahintersetzt. dann dürste es ihm nicht allzu schwer fallen, ein ebenso einseitiges Gruselmaterial gegen die Schulmedizin zusammenzustellen. Das soll immerhin nicht heißen, daß Licht und Schatten, Recht und Unrecht gleichmäßig verteilt wären. Gewiß sind bestandene Examina kein schlüssiger Beweis für Heilgenialität, aber nichtbeswndene sind es schließlich erst recht nicht, und während acht Semester Medizin selbst in hartnäckigen Fällen wenigstens eine Ahnung von den Einrichtungen und Bedürfnissen de« menschlichen Körpers vermitteln sollten, besteht diese Gewähr bei den Laien nicht ohne weiteres. Aber da war nun auf der Ausstellung, neben dem Greuelzeug der tur- pfuscherischen Schmierfette, Quocksalben. IouchentrönAein und im Aster zu tragenden Entgasungsröhrchen, dos Bild eines gewissen Heinz Weoer zu sehen, das der Sanitätsinspektor im Reichswehr- Ministerium der Ausstellung zur Verfügung gestellt hatte. Dieses Bild stellt« in etwas überschwenglich pathetischer Aufmachung das Jdealgesicht eines mit der Prüfung eine» Spritzeninhaltes beschäftigten Arztes dar und enthielt die denkwürdige Fessstellung, daß die„Schul- medizin' g? Proz. aller während des Weltkrieges in deusschen La- zaretten Behandelten am Leben erhalten habe, und daß 70,1 Proz. davon der Front hätten zurückgegeben werden können. 70,1 Proz.? Nicht mehr? Untertreiben Sie da auch nicht, ver- ehrte Herren Mediziner? Ist da nicht am Ende falsche Bescheidenheit im Spiel, unangebrachte Demut des Herzens? Es ist uns ganz so, als sei Ihre Kunst viel weiter gegangen, als hätten Sie 80 Proz., nein 00 Proz., nein 07 Proz. aller während des Weltkrieges in den Lazaretten Behandelten der Front zurückgegeben, nein,... auch noch die Z Proz„ die Sie leider nicht am Leben erhalten konnten. Wir erinnern uns»och deutlich Ihres Heilfanatismus, der furiosen Be- seffenheit, mit der Sie, unter Anwendung von Klistieren und Magen- auspumpungen, den Krankheitsteufel zum Teufel und uns— in die Hölle jagten: in die der Front. Und doch waren es also bloß 70,1 Proz.? Nun, es mag wohl sein. Am Ende wissen Sie es besser als wir und der Eindruck, auf oem sich unser Erinnerungsoer- mögen aufbaut, ist falsch gewesen. Sie können auch damit zufrieden jetoi. Auch 70 Proz. sind«n schöner Prozentsatz, sind ei« großer Märzreoostltion, die dem P r o l e t a r i a t die Freiheit seines Klassenkampfes um bessere Lebensbedingungen und den wahren Sozialismus sichern könnten, sind von den Boische- misten vernichtet worden. Die Arbeiterklasse, die die größten Opfer für die Revolution gebracht hat, und in deren Namen die Bolschewisten schon bald zehn Jahre ihre terroristische Herrschaft ausüben, geht aus der Revolution mit leeren Hän- den hervor, polinsch und sozial entrechtet und vollkommen wehrlos gegenüber der drohenden Gefahr des bürgerlichen Bonapartismus. Dadurch, daß das Proletariat die Ohnmacht der russischen Bourgeoisie für seine eigene Macht hielt und in der Agrarrevolution die Anfänge einer sozialistischen Re- volution erblickte, wurde es, dank den Bolschewisten, ein Opfer der größten geschichtlichen Mystifikation. Nunmehr geht diese geschichtliche Mystifikation— die bürgerliche Revolution im kommunistischen Gewände— ihrem Ende entgegen. Davon legen die von Sozialisten überfüllten Gefängnisse und die unaufhaltbare Wiedergeburt der städtischen und ländlichen Bourgeoisie ein beredtes Zeugnis ab. Falsch Gebild und Wort Verändert Sinn und Ort! Seid hier und dort! Rußland nimmt allmählich ein nachrevolutionä- res, bürgerlich-bäuerliches Antlitz an. Und nur die Rückkehr des Proletariats, das seine soziale Bedeu- tung allmählich wiedererlangt, zum Banner des demokrati- schen Sozialismus, nur der Kampf der breiten Massen in der Stadt und im Dorfe um die demokratische Uebenvindung der bolschewistischen Diktatur, um die Wiederherstellung der poli- tischen Freiheit und der Demokratie wird imstande sein, das bürgerlich-bonapartistische Finale der großen russischen Revo- lution zu verhindern. Eine feine Pleite. „Kalte Fürstenenteignung." „Wie aus Breslau gemeldet wird, ist über das Vermögen der Herzogin Dorothea Maria zu Schleswig. Hol st ein. Witwe des Herzogs Ernst Günther, auf Schloß Primkenau, vom Amtsgericht Sprottau das Konkursverfahren eröffnet worden." So steht zu lesen in der„Deutschen Zeitung" unter der Ueber- schrift„Kalte Fürstenenteignung". Die drei Dutzend teutonischen Abonnenten dieses Blättchens werden bereits gestern abend am Stammtisch getobt und geflucht haben über die nieder- trächtigen Sozialdemokraten, die eine Fürstin in den Konkurs treiben, nachdem sie sie nicht mit dem Volksentscheid enteignen konnten. Leider können wir für uns dieses Verdienst nicht in Anspruch nehmen. Wie nämlich jetzt durch Wolffs Bureau mitgeteilt wird, ist der Konkurs beantragt worden von dem Adoptivsohn der ver- witweten Frau Herzogin, der Schwägerin der verstorbenen Kaiserin Auguste Biktoria. Dieser saubere Prinz, ein geborener Hoch- adliger aus der Linie derer zu Schleswig-Holstein Glücks- bürg, hat gegen seine Pflegemutter mit der ausdrücklichen Begründung Klage erhoben, weil sie ihr Vermögen während der Inflation nicht in fremden Devisen angelegt hat. Der hoffnungsvolle Sproß eines uradligen Geschlechtes hat sich erst adoptieren lassen, um eine„standesgemäße Ausbildung und Erziehung" zu schnorren und verklagt dann seine Pflegemutter, weil diese das wirklich nicht gerade glückliche Schicksal von Hunderttausenden anderer Rentner teilt, die im Vertrauen auf Herrn v. Haoenstein ihr Geld verloren haben. Natürlich bemüht man sich, diese Pleite zu verhindern. Aber der Konkursontrag ist gestellt und damit der Familienstreit zu einer öffentlichen Angelegenheit geworden. Und das staunende Boll erfährt wieder einmal, daß„vornehme" Geburt und vornehme Gesinnung oft sehr verschieden« Ding« sind. Kalte Fürstenenteignung, ja, aber eine von jener besonderen Art, aus die die„Deussche Zeitung" samt ihrem Monarchistenklüngel stolz sein kann. Erfolg, auf den die Aerzteschaft sich etwas einbilden kann. Der Tod wird zuftieden gewesen sein mit Ihnen, mein« Herren Aerzte. Da hatte es schon geschienen, daß die 07 Proz. ihm entwischt seien, daß er doch nur halbe, nur Diertelarbeit an ihnen habe verrichten können. Aber da sprangen Sie in die Bresche und gaben ihm bei 70,1 Proz. noch einmal die Chance, sein Wert besser zu verrichten. Wie gesagt, es war uns, als hätten Sie mehr als diesen Prozentsatz dem Tod... Verzeihung, dem Leben zurückgegeben. Aber wir erkennen an, daß auch 70,1 Proz. viel sind, daß es äußerster Aufbietung aller Kräfte Ihres Geistes und Ihres Gewissens bedurfte, um dies« Zahl zu erreichen. Die Kurpfuscher, wenn die mit Heilerde und Fußbädern in den Lazaretten hätten herumwirsschasten dürfen, du lieber Gott, wer weiß, wieviel Gelegenheiten sie hätten oerstreichen lassen, deussche Soldaten in Augenblicken der Front zurückzuerstatten, da sie gerode noch zurechtkamen, um ein Zielobjett für Granatsplitter abzugeben. Ein Jubilar üer Voltsbühne. Am IZ. März sind 30 Jahre verflossen, seit G u st a o Wink- l e r m den Dienst der Bolksbiihnenbewegung trat. Als Geschäfts- führer der Freien Volksbühne, dann als Kassierer und schließlich als Archiv- und Bibliotheksverwolter der vereinigten Volksbühnen hat er segensreich gewirkt. Genosse Winkler hat aus den Ansängen der Freien Volksbühne in den„Blättern der Volksbühne Berlin" selber berichtet und wir glauben ihn am besten zu ehren, wenn wir ihn mit seinen eigenen Worten bei der Arbeit zeigen. „Die Arbeit während der ersten Zeit(der 1807 neu konstituier- ten Volksbühne) war aber noch schwer genug! Als Gehalt hatte ich monatlich 150 Mark zur Verfügung. Eine Bereinsgeschäftsstelle gab es nicht. Meine Privatwohnung— Stube und Küche— wurde zu diesem Zweck beschlagnahmt und diente nicht nur damals, sondern in den ganzen ersten dreizehn Jahren meiner Tätigkeit zur Abwick- lung der Lereinsgeschäfte. Von einer geregelten Arbeitszeit konnte keine Rede sein. Die Sprechzeit wurde nur von den Rachsstunden unterbrochen. Bei den regelmäßig stattfindenden Kassenrevisionen mußte erst das Kinderbett meines bei meinem Amtsantritt drei- jährigen Töchterchens Lisa in die Küche getragen werden, damit den Revisoren Platz geschaffen wurde. Beim Abtransport der zahl- reichen Drucksachen, Marken und Kortenpakete in die Zahlstellen half mir nebenamtlich meine Frau. Die Drucksachen wurden zu der kleinen Lisa iin Kinderwagen verstaut, und so fuhr sie. aufs engste mit dem Bolksbühnengedanken verbunden, kreuz und quer durch Berlin zu de» 30 Zahlstellen, die wir eingerichtet hatten. Kein Wun» der, daß die künstlerischen Ideen, die da i» Gestalt von Drucker- schwärze zu der kleinen Lisa gepackt wurden und mft ihr tn die Well hinausgingen Einfluß auf das junge Gemüt gewannen. Für die Kleine wurde es bald selbstverständlich, daß sie Schauspielerin werden müsse, und tatsächlich trat sie ja auch schon mit 16 Iahren, von dem damaligen Regisseur der Volksbühne, Direktor Fritz Witte-Wild, entdeckt, vor den Mitgliedern der Volksbühne auf die wellbewegen- den Bretter und fand dann in zahlreichen Rollen unter ihrem Bühnennamen Toni Willens Beifall." die Segnaöigung üer Graff-MSrÜer. Ein belgischer Protest. Nach Unterredungen mit Stresemann und o. S ch u- b e r t richtete gestern Vanderoelde namens der belgischen Regierung ein Schreiben an die deutsche, in dem er tiefes Bedauern darüber zum Ausdruck bringt, daß die von der deutschen Regierung übernommene Berpflichtung, im Falle des Mordes an dem belgischen Leutnant Graff für eine g e- rechteSühnezu sorgen, nicht eingehalten worden sei. Demgegenüber stellt sich die deutsche Regierung aus den Stand- punkt, daß durch die Begnadigung der beiden zum Tode ver- urteilten Polizisten, die Graff ermordet hatten, ihre Berpflich- tung nicht verletzt worden sei, da zehn Jahre Gefängnis «ine angemessene Sühne seien. Es handelt sich im Fall Graff um einen preußischen Gnadenakt. Er wurde vollzogen, als der Justizminister Am Zehnhoff eben im Begriff war, seinen Abschied zu nehmen. Zweifellos entsprang der Akt der Abneigung gegen die Todesstrafe und sonstigen Gründen der Menschlichkeit. Unseres Wissens richtet sich der belgische Protest jedoch nicht so sehr gegen den Gnadenakt selbst, sondern gegen die Tai- sache, daß man vor ihm nicht mit ihr Fühlung genommen und sie auch nach ihm nicht unterrichtet habe. Wurde das unterlassen, so liegt offenbar ein Versehen vor, das man ruhig zugeben sollte. Eine Begnadigung i m E i n v e r st ä n d- n i s mit der belgischen Regierung, die sicherlich nicht auf der Bollstreckung der Todesstrafe bestanden hätte, würde dem guten Einvernehmen besser gedient haben. Erwerbslosenunterftüiwng und Streitrecht. Gegen die Fußangeln der Arbeitslosenunterstützung. In der Weiterberatung zur Arbeitslosenversicherung im Sozial- politischen Reichsiogsausschuß wandte sich am Freitag Abg. hoch(Soz.) gegen die in der Regierungsvorloge enthaltenen Vorschriften, die bei freiwilliger Ausgabe einer Arbeitsstellung einen Entzug der Arbeitslosenunter- stützung auf vier Wochen vorsehen. Die für die Auslegung sehr dehnbare Fassung erfuhr im Haushaltsausschuß eine kleine Derbesse- rung. Der übrige Teil der Ausschußsitzung war ausgefüllt von einer sehr scharfen Auseinandersetzung über den Artikel 57, der nach den Ausführungen der sozialdemokratischen Redner Graßmann, Brey und Aufhäuser einem Antistreikgesetz gleichkommt. Nach der Regierungsvorlage würde allen Arbeitern und An- gestellten, die auch nur indirekt durch einen Streit oder eine Aussperrung In demselben oder irgend einem anderen Betriebe arbeitslos werden, für die Dauer des Ardeitskampfes die Unter- stützung entzogen. Der Regierungsoertreter vermochte diese Bestimmungen selbst nur sehr schwach zu verteidigen. Der Sprecher der Deutschen Voltspartei, Dr. Pfeffer, gab zu, daß insbesondere T« i l st r e i k s von qualifizierten Arbeiter- gruppen erschwert«erden sollen. Im übrigen fand sich aber auch in sämtlichen bürgerlichen Parteien nur noch der Zentrums- abgeordnet« Andre, der im schroffsten Gegensatz auch zur Hallung der christlichen Gewerkschaften diesen Antsstreikparagraphen in einer für die Arbeiterklasse geradezu empörenden Weise verteidigte. Es sst allerdings für die neue pokitrsch« Situation kennzeichnend, daß in letzter Zell dieser besonders reaktionäre Abgeordnete immer mehr zum Wortführer seiner Fraktion gemacht wird. Angesichts des scharfen Widerstandes von sozialdemokratischer und demokratischer Seite sst die Abstimmung über den Anri streik Paragraphen zunächst vertagt worden. Die deassch-ftanzösischen wirkschaftsverhandlunge«. Ministerialdirektor Posse, der Leiter der deutschen Handelsvertragsdelegation. ist am Freitag nach Paris zurückgekehrt, um die Verhandlungen mit der französischen Wirsschaftsdelegation wieder aufzunehmen. Gustav Winkler hat dann nach den schweren Iahren den Auf- stieg der Volksbühne und die gewallige Ausbreitung nach dem Bau des eigenen Hauses miterlebt, ja durch seine Arbeit mitherbeigeführt. Wir wollen ihm, der noch rüstig an der Arbeit Ist. wünschen, daß er noch Zeug« weiterer Triumphe der Volksbühnenbewegung werde. Möge die große Sache, der er sein Leben gewidmet hat, immer solche treuen Diener finden, die ganz in der Sache ausgehen. Ist Rheumatismus ansteckend? Der englische Regstrungsverlag gibt soeben den Bericht einer Kommission heraus, die sich mit dem Rheumatismus befaßt hat. Ein« der wichtigsten Aufgaben der Kommission war die Untersuchung darüber, ob Rheumatismus an- steckend ist. Ein schlüssiger Beweis für dies« Vermutung hat sich zwar nicht ergeben, doch glaubt die Kommission, daß manch« Gründe für einen solchen verdacht sprechen und daß es jedenfalls unmöglich fei, das Gegenteil zu behaupten. EI« Zoologischer park in England. Die Londoner Zoologische Gesellschaft hat jetzt ein Gebiet von 160 Hektar in der Mitte zwischen Trine, und Luton angekauft und will dort einen großen„Zoologischen Part einrichten, der sozusagen der Landausenthall der Insassen des Londoner Zoologischen Gartens werden soll. Dieser Park, der die Natur in einem noch ziemlich unberührten Zustande erhäll, wird ein Schutzgebiet für wilde Vögel und Ttere aller Art bieten. Im Londoner Zoo sollen nur diejenigen Tiere dauernd Unterkunft sin- den, die hier die günstigsten Bedingungen haben. All« anderen Tiere, besonders auch die kranken, werden zeitweife zur Erholung nach dem Park geschickt, der zugleich für die großen Tiermengen des über- füllten Zoo ein« Enssastung bietet. Lnrn» Wolter hat einen qlänzenden Antrag erhalten, in den nächsten drei Iahren 40 bis 50 Konzerte pro Saison in New Dort und den Ver« «inigten Staaten zu dirigieren. Sehr ehrenvoll! Aber wir würden es für wichtiger halten, datz Bruno Walter bei uns in Berlin bleibt. Di« Festvorsühroag de« Dalemkln. die für Sonntag vonnittaa im Emelka-Palatt angeietzl war. mutz insolge plötzlicher Abreise de? Potemkin- Operateurs E. Trssö verschoben werden. «mt ich« Führungen finden Sonnlag. t0— 11'/, Uhr vorm., im Alten Museum(Plastik des 4. Iahrh. v. Chr.— Prof. Neugebauer) und im Kaiser- Friedrich-Museu«(Rembrandt als Erzähler— Prof. Schottmüllcr) stall. Die prentzlsch« Llaalsbibllalhek will ihre technischen Einrichtungen in nächster Zeit so verbessern, dah eine beschleunigte Weitergabe der Bücher- bestellungen der Benutzer und eine Entlastung de« Lrbliothekpersonats möglich wird. Die Rohrpostlestung im LibtiothekSbau wird zu dieicm Zwecke umgelegt: der Anfchlutz aller Büchergeichofie, Lesesäle, der Leibitelle und Handmagazine an die Leitung ist dazu nötig. Der Eenbau von Äraft« sparern wird die Kosten der Rohrpost sehr verringern. Dl« Znkeniatlanole llrheberrechts-Konfere», findet im Oktober in R« m statt Ttze Einladung ist»ou der deutschen Regierung angenommen worden. Auf dieier Konferenz wird u.a. auch die Frage der Schutzdauer der Werte der Literatur und Kunst im intern uiionaien Rechtsverkehr zur Verhandlung kommen. „_ tst« Bicdtraafnahmt der«asgraboagen tn yercalmmn ist nm»er italienischen Regierung zu« 21. März angesetzt worden vorzeitige Rheinlanüraumung? Pariser Echo von Erklärungen Ttrcscmanus. ZZaris, 11. März.(Eig. Drahtber.) Die Kommentare der Pa- riser Presse zu den am Donnerstag in Genf abgegebenen Erklärungen Stresenianns über die Rheinlandräumung sind eine neue Illustration dafür, wie der Gedanke einer vorzeitigen Räumung der Rheinlonde in her französischen öffentlichen Meinung Fort- schritte macht. So finden es selbst die Blätter der Rechten durchaus natürlich, daß Strefemanns erste und hauptsächlichste Sorge die Räumung der Rheinlande sei und er seine Bemühungen darauf konzentriere, diese Räumung herbeizuführen. Man habe gar keinen Anlaß, erklärt zum Beispiel die„Information", über die An- sprüche Strefemanns verwundert zu sein. Wer dies täte, scheine zu vergessen, daß auf Grund des Friedensvertrages die Rheinland« in einigen Iahren geräumt werden sollen. Briand habe übrigens an den Worten Strefemanns keinerlei Anstoß genommen. Beide Minister seien über die Entwicklung der Politik durchaus einig. Vanüervelöes flmnestiereöe. V. Leb. Genf. 11. März.(Eigener Drahtbericht.) lieber den gestrigen Zusammenstoß zwischen Vandervelde und Chamberlain wegen des Appells Vanderveldes zugunsten einer Amnestie in Bulgarien sind noch folgende absolut authentische Einzelheiten nachzutragen: Während Vandervelde sprach, wurde Scialoja sehr unruhig und meldete sich schriftlich zum Wort. Er hatte die Tragweite des Vorstoßes Vanderveldes für die faschistische Regierung Italiens richtig erkannt. Am Tische des Dölterbundsrats befürchtete man sofort einen sehr ernsten Zwischmfall. Da griff Drummond ein und veranlaßte Chamberlain. sich zum Worte zu melden. nm eine Intervention Scialojas überflüssig zu machen. Es wurde zwischen Scialoja und Chamberlain eifrig hin und her mittels Zettelüberreichung oerhandelt und der Sinn der Erklärung vereinbart, die Chamberlain abgeben sollte. Die Besorgnisse Scialojas waren um so begreiflicher, als kürzlich die Vertreter der italienischen Sozialdemokratie Treues und Modigliani bei der Exekutivtogung der Sozialistisch«? Arbeiterinternationale in Poris dafür eingetreten waren, daß die In- ternationole auf den Völkerbund mit einwirken solle, da er vor den inneren Perhältnissen eines Landes nicht chalt mache, dessen reaktionäre Tendenzen notwendigerweise auch eine Gefahr für den Frieden in sich schließen. Die Entscheidung über den Antrag der italienischen Genossen war zwar in Paris vertagt worden, aber der italienische Völker- bundsratsoertreter witterte in dem Borstoß Vanderveldes die Ein- leitung zu späteren sozialistischen Lölkerbundsoffensiven gegen den Faschismus. Litauischer Sombeaanschlag. Auf das Volkssozialistenblatt in Kowno. Durch einen Bombenanschlag ist die Druckerei de, Volks- sozialistenblailes„Cjcfiroos Sinios" in kowno gründlich zer- stört, auch die Redaktion beschädigt worden. Da, Blatt ist die meistgelesene Zeitung der Opposiklou. Räch einer kurzen Zeil de» Schweigens, welches dem Blatt in den Staat». strelchtagen auferlegt war. hat es eiue sich mehr und mehr oerschär. sende Kampagne gegen die durch den Staatsstreich zur Macht gelangte Regierung eingeleitet. Auch gegen die poluische Grenze richten sich.Aktionen'. Zu de» letzten Tagen sind wiederholt polnische Grenzposten von Litauen her beschossen worden. Der Wahlrechtskampf in Polen. Reaktionäre AuSschustmehrheit. Marschau. 11. März.(Eigener Drahtbericht.) Im Verfassungs- ausschuß des Sejm wurde der Antrag des Nationaldemokraten Glombinsti auf Verschlechterung der Wahlordnung besprochen. Im Anschluß an eine Rede des deutschen Minderheitsabg. Genossen Kronig. der die Unterdückungstendenz gegen die nationalen Minderheiten bekämpfte, beantragten die polnischen Sozial- demokraten, über den Antrag Glombinski, der durch die vorgesehene Abschaffung der Proporzwahlen gegen die Verfassung verstoße, zur Tagesordnung überzugehen. Dieser Antrag wurde mit den Stimmen der Rechtsparteien abgelehnt. Die Vertreter der Linken und der nationalen Minderheiten verlletzen zum Zeichen des Protestes den Saal. Dann nahmen die Rechtsparteien den Ar- tikel 1 des Antrags Glombinski, der ein« Herabsetzung der Ab- geardnetenzahl auf 300 vorsieht, an. Noskauer Sethlen-dienst. Nach Rakosi— Szanto. Die neuesten Massenverhaftungen lintsradikaler Arbeiter in Budapäst scheinen neben ihrem Seibstzweck der Lethlenregierung die Möglichkeit geben zu sollen, sich der britischen Konservativen Partei und ihrem Kabinett als Schutzwehr gegen die„kommunistische Gefahr" empfehlen zu können. Soltan Szanto war in der ungarischen Räterepublik Angestellter des Wohnungsamtes und ist vor den Henkersknechten der Gegenrevolution nach Moskau geflüchtet, soll aber von dort wieder ausgesimdt worden sein, um in Ungarn die Weltvevolution zu fördern. Mit Geld versehen, nahm er Fühlung mit der Vagi- Partei, die schon früher, nicht ohne Hilfe Bethlens, die ungarisch« Sozialdemokratische Partei zu sprengen oersucht hat. So konnte auch Szanto monatelang mit Wissen der Polizei in den Vagi-Zellen agitieren. Ebenso wußte die Regierung davon, so daß ein Minister in einer Wahlrede sich darauf be- rufen und verschiedenes von den neu angekommenen Moskauern erzählen konnte. Früher waren die Werbeschriften usw. in Wien angefertigt worden. Das erschien ober zu teuer und man beschloß, in Budapest eine Geheimdruckerei einzurichten. Maschinen wurden bestellt und geliefert. Die Polizei hatte Kenntnis davon und unternahm nichts, das Fortschreiten dieser Bewegung zu hindern. Als Szanto die Bagileute genug geschult hatte, beschloß er, Budapest zu verlassen. Die Polizei Holle ihn an der Grenze aus dem Schlafwagen heraus und verhastete olle Mitbeteiligten aus Budapest und der Provinz. Unlängst war in Budapest der R a k o s i- Prozeß, der 53 Ar- beiter für Moskau büßen ließ und Hunderte in Elend und Rat brachte. Nichtsdestoweniger hat Moskau seine Versuche fortgesetzt und wieder Verderben über viele Proletarier gebracht. Das furchtbar« Massenelend in Ungarn, wo der Lebensstand der Arbeiter tief unter der Vorkriegshöhe ist und wo es kein« Arbeitslosenunterstützung gibt, will Moskau aus- nutzen, mit Geld die schwer ums Dasein ringenden ungarischen Arbeiter für sich zu gewinnen. So müssen immer wieder Prole- tarier, die der Verlockung erliegen, es im Zuchthau« büßen, und Zememoröprozeß wilms. Autrag auf Ausschluß der Oeffeutlichkeit abgelehnt.— Schulz im Verhör. Nach der Paus» erklärte R.-A. Puppe, daß die Verteidigung die Absicht habe, die Verteidigung niederzulegen. Dennoch habe die Verteidigung trotz aller Gewissensnot geglaubt, im Interesse der Angeklagten auf ihrem Posten bleiben zu müssen. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses wurden die Angc- klagten zunächst zur Person vernommen. Es wird öffentlich verhaoSelt. Dann sollte der Angeschuldigte Schulz zur Sacke ver- nommen werden. Iustizrat Hahn: Zch beantrage, die Oesfealllch- keil auszuschließen, und werde das in geheimer Sitzung beleuchten. — Dr. 6 a rf: Ich widerspreche, der Angeklagte Schulz hat nichts zu verheimlichen, nachdem das ganze Verteidigungssystem im Osten...— Staatsanwalt Lesser: Darüber muß in ge- heimer Sitzung verhandelt werden. Es wurde hieraus die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Nach einer halbstündigen nichtöffentlichen Sitzung oerkündet« Landgerichtsdirektor Siegert, daß der Ausschluß der Oesfenllichketl abgelehnt sei. Hierauf wurde Schulz vernommen, der sich über seine Tätig- keit im Wehrkreiskommando III verbreitete.— Vors.: Erzählen Sie uns etwas von den Arbeitskommandos.— Schulz (erregt): Nein, ich spreche nur zur Anklage, sonst schreibt die Presse wieder alles verkehrt und behauptet:„Der Oberleutnant Schulz lügt." Schulz im verhör. Auf Befragen erklärte de? Angeklagte, er sei 1321 vom Arbeitskommando Küstrin gekommen, dessen bekannte Organisation er schildert. Im Arbeitstommando Küstrin habe er selbst die aus ideellen Gründen sich Meldenden eingestellt.— Vors.: Wurde dem Eingestellten ein Derspvechen abgenommen?— Schulz: Jawohl, aufs Maulhalten.— Vors.: Wußten die Leute, was ihnen passierte, wenn sie nicht dicht hielten?— Schulz: Da ich ver- ontwortlich war, kam es aus meinen Scharfblick an, ob ich anständige Menschen oder Schurken emstellt«.— Vors: Meine Frage lautete anders.— Schulz: Merkt« ich, daß«in Mann nicht mit Lust dabei war. entließ ich ihn oder brachte ihn gut unter, damit er reinen Mund hielt.— Vors.: Wenn nun aber ein Spitzel eingestellt wurde, was dann?— Schulz: Nachweisen konnte man das keinem. Verdächtige gingen den Weg zurück, den sie kamen.— Vors.: Es soll auch mit der Todesstrafe gedroht worden sein.— Schulz: Das kam viel später vor, als ich nicht mehr da war. Als ich Führer des Arbeitskommandos war, ist kein Mann eingesperrt oder bestraft worden. Hätte ich einen Mann bestraft oder oerhauen, — an sich eine Gemeinheit— hätte ich ja erst da, Rachegesühl des Mannes erweckt. Schulz schildert« dann weiter, wie er ISA ins Wehrkreis- kommando III gekommen setz als für den Osten großzügige Abwehrmaßnahmen geplant seien. Er sei Bearbeiter der Landesverkeidlgungsfragen de, Chef» de» Stabe« geworden und habe Verpflegung, Löhnung und Ausstellung der Arbeitskommandos unter sich gehabt.— Vors.: Was machten Sie mit den Leuten, die sich bei Ihnen direkt zur Einstellung meldeten?— Schulz: Ich sandte sie den einzelnen Arbeits- kommandoführern zu.— Vors.: Haben Sie L i st e n über Material und Menschen gefühlt?— Schulz: Te,lw«is«.— vor f.: Was heißt das? Sie drücken sich immer um präzise Antworten herum.— Schulz: Die Listensührung war Sache der Wehrkreiskommandos. — Vors.: Haben Sie Instruktionen über Bestrafungen erhallen? — Schulz: Nein.— Vors.: Sie sollen sich angemaßt haben, durch sogenannte Gerichtsoffizier« die Schuld von Leuten sessstellen zu lassen.— Schulz: Ach, der berühmte Gerichtsossizier aus Landsberg! Im Arbettskommando war ich zuerst ganz allein. Ver einem Transport waren Diebstähle vorgekommen, und dre Leute baten selbst um Untersuchung. Das Gericht konnten«kr nicht an- rufen.— Vors.: Denn sonst wäre die Organisation»erraten worden.— Schulz: Wir waren keine Organisation, wir waren eine staatliche Einrichtung. Der„berühmt« Gerichtsossizier" war der Feldwebel Thieme,«in früherer Kriminalbeamter, der sich wohl selbst als Gerichtsosfizier ausgegeben hat. Auf Befragen des Vorsitzenden schilderte Schulz dann die Mu- nitionsschiebung in Küstrin. die in Landsberg bekanntlich im Prozeß Gädicke verhandelt worden sst. ' Vors.: Nun zum Fall Wilms. Sie sollen den Angeklagten Stantien als Gerichtsosfizier nach Spandau gesandt haben.— Schulz: Es wird behauptet, daß Wilms auf meine» Befehl von Spandau nach Rathenow versetzt worden sei. Das ist salsch. Ich habe das bereits in der Voruntersuchung klären wollen. aber der Untersuchungsrichter lehnte das ab. Spandau war das Durchgongslager für Döberitz. Wurde nun jemand entlassen, so brachte man ihn mit dem Personen- oder Lastkraftwagen noch Spandau zurück, damit der Transport nicht auffiel. Es gab offizielle Versetzungen durch den Wehrtreis und inoffizielle durch die Truppe. Beide waren statthaft.— Vors.: Wilms soll Unterschlagungen begangen und einen Soldatenrat gegründet haben.— Schulz: Darüber Hot der Truppenführer ein Protokoll auf- genommen. Der Vorsitzende stellt« fest, daß Wilms nach dieser Verfehlung dem Kommandanten der Zitadelle übergeben und dann dem Bataillon Gutknecht in Rathenow überwiesen worden sei. — Schulz erklärte, ihm sei von der Strafversetzung Wilms' nichts bekannt gewesen. Rechtsanwall Bloch hielt ihm vor. daß Wilnis schon vorher strafversetzt worden sei, da er beim Erscheinen einer Enieiüekommission sich ungeschickt verhallen habe. Auch das, so erklärt« Schulz, sei ihm unbekannt. Der Angeklagte Stantien schildert« in diesem Zusammen- hang seine Stellung beim Wehrkreis III. Er sei der Vertreter von Schulz gewesen, bis Hauptmann Kainer gekommen sei. Dann habe er die Kraftwagenobteilung organisiert. Er habe vor dem Fall Wilms die Verfehlungen des Kraftfahrleutnants V o« ck bearbeitet, der mit der Interalliierten Kommission in Der- bindung stehen sollte.— Der Vorsitzende hielt dem Angeklagten vor. daß er im Mordfall Pannier den Schützen Ponnier fest- gehalten habe. Wie kamen Sie dazu, den Mann festzuhallen, wenn er doch nicht bleiben wollte?— Stantien: Ich war der Meinung, ich könnte den Mann aus dem Arbeitstommando bis zur Feststellung seiner Personalien zurückhalten. Vors.: Die Lenke au» dem Arbelkskommando wäre« doch aber keine Soldaten, denen Sie Befehle geben konnten. Stantien: Da bin ich allerdings anderer Meinung. Eine Aussage gegen Schulz. Der Vorsitzende ging dann wieder auf den Fall Wilms ein. Eines Tages habe die Division gehört, daß ein Feldwebel Dieb- stähle bei der Abteilung Senden begangen Hab«, und Schulz sollte Auskunft geben. Der Habs aber aus seinem Bureau nicht fortgekonnt und habe Stantien beauftragt, Ermittlungen anzustellen. Er sei zur AbteUung Senden gefahren und habe dem dienstältesten Offizier Schöler mitgeteilt, daß er Wilms vernehmen solle. Zuerst habe er Oberleutnant Schöler vernommen, da Wilms Kompagnieseldwebel Schölers war. Wilms war von Schöler in Arrest gesetzt worden und gab den Diebstahl sowie die llnterschlagun- gen zu. Auch bestritt er nicht, eine Unteroffiziersvereini- gung gegründet zu haben. Gr, Skanklen, habe dann Vilms nach Spandau transportiert und dem Oberleutnant Budzinsky übergeben, der den Mann erst nicht nehmen wollte. Auf wiederholten Borhalt bleibt der Angeklagte Siankien dabei, Schul; habe ihm den Auftrag gegeben. Vilm» nach Spandau zu schaffen. Der Angeklagt: Budzinsky, der Kommandant der Zitadelle in Spandau, erklärte, er könne sich der Einzelheiten des Falles Wilms nicht erinnetn.— Do r f.: Fällt«s Ihnen nicht ein, nach- dem Stantien eben erzählte?— Budzinsky: Das grenzt ja an Suggestion.— Vors.: Sie haben bei einem Gewehrdiebstahl zu- saminen mit Wilms ein« Untersuchung vorgenommen. Wissen Sie auch das nicht?— Budzinsky: Nein, Wilms war für mich«in Durchgang, nicht mehr.— Staatsanwalt Lesser: Budzinsky kann den Fall nicht vergessen haben, da Wilms der einzig« Ge- fangen« der Zitadelle war. Budzinsky(erregt): Ich Hab« den Mann nicht festgejetzt. Hätte ich gewußt, was dem Mann blühte, dann hätte ich gesagt: Machen"Sie, daß Sie wegkommen.— Vors.: Was machten Sie, wenn ein Mann nicht die Geheimhaltung wahrt«?— Budzinsky: Gott, was sollt« ich denn machen, es war doch gar nichts geheimzuhalten, da alle Welt wußte, was wir waren.— Vors.: Aber es sind doch Leute beiseite- gebracht werden.— Budzinsky: Bei mir nicht, zeigen Sie mir den Mann, der auch nur«inen Schlag bei mir be- kommen hat. Der Angeklagte Fuhrmann erklärte hierbei, daß er in der vorgerückten Nachmittagsstunde de? Verhandlung nicht mehr folgen könne. Landgerichtsdirektor S i e g e r t vertagte deshalb den Prozeh auf Sonnabend morgen 9 Uhr. Moskau liefert unaufhörlich den ungarischen Terroristen wie G ö m b ö s und H e j j a s, aber auch dein Ministerpräsidenten Dethlen genügend« Gründe, die Arbeiterschaft ständig zu be- wachen und die Arbeiterpresse zu knebeln. Die Dummen werden nicht all». Mit den für aussichtslos« Agitation hinausgeworfenen Geldern könnte Moskau Tausenden Familien helfen— ober wo bliebe dann die„Weltvevolution"? « Im Gefängnis der Polizei und Staatsanwaltschaft sind die Ver. hafteten, auch Frauen, bestialischen Mißhandlungen der Horthyknechie ausgesetzt worden: man hofft, daß ihre inzwischen er- folgte U«berführung in das Untersuchungsgefängnis des Gerichts ihnen wenigsten« die Unantvftbarkeit ihres Körpers sichern wird---- RuMche Drohung in Peking. Eine scharfe Note. Schanghai. 11. Mörz.(WIB.) Eine zweite Rote der Sowjetregierung an China wegen der Beschlagnahme des vampser» „vamial Lenina"(Andenken an Lenin) ist in einem sehr energischen Ton gehalten. Es wird der Pekinger Regierung mitgeteilt, daß jede Richtachtung de» llnantastbarkeitsrecht» der Kuriere die Sowjet- regieruog zwingen werde, außerordentliche Maßnahmen zu ergreifen. Die Kuriere am Lebe«. Peking. 11. März.(WTB.) In Beantwortung der russischen Note gab Außenminister Wellington Ku dem Geschäftsträger der Sowjetregierung die Versicherung, daß sich die oerhafteten Russen wohlbehalten in Tsinanfu befinden und gut behandelt werden. Gedenkstreik für Tnnyatsen. Schanghai, 11. März.(TU.) Die Arbeiterunion hat für morgen einen eintägigen S e n e r a l st r« i k au« Anlaß des zweiten Jahres- tages des Todes Sunyatfens proklamiert. Kämftfc der Nordarmee gege« Wupeifu. Peking, 11. März.(WTB.) Die Ankunft von 60 0 Verwundeten ist ein Zeiche« für die weitere Entwicklung der Schlacht in der Provinz Honan. Di« Nordtruppen fahren fort, unter Ar- tilleriedeckung den Gelben Fluß an mehreren Punkten zu über- schreiten, trotz des Widerstandes einzelner Abteilungen der Streit- kräste Wupeisus. Dies« sind nach ihrer eigenen Erklärung halb selbständig, halb Anhänger der Südregierung, und sie stellen ein Hindernis dar, das die Nordtruppen beseitigen müssen, bevor sie mit den Südtruppen in Berührung kommen. Streik in Schanghai. Schanghai. 11. März.(WTB.) Zwei weitere Arbeit«» willige sind von gedungenen Mördern(man merkt die Reuter- mache! Red. d.„B.") ermordet worden. Der Streik auf der Wusung-Eisenbahn dauert an, ebenso einzelne Ausstände in Spinnereien. Proteststreik in flthen. Blvtige Zusammenstöße. Schon am Donnerstagabend war uns ein« Meldung darüber zugekommen, daß die Eewerkschaften Athens zum Protestgeneral- streik gegen beabsichtigten Mieterschutzabbou und Steuerdruck auf- gerufen hatten. In der Nacht wurde aus Athen offiziös gemeldet, der Streik sei bereits beendet, so daß ein Eingehen daraus unter- bleiben konnte. Nun aber ist der Streik wieder ausgelebt. In der Nacht hat es Zusammenstöße gegeben. Soldaten schössen auf eine Menschenmenge, die trotz des polizeilichen P e r s a m m- lungsverbotes mcht auseinandergehen wollte. Dabei wurden zwei Personen getötet. Infolge dieser Vorkommnisse ist der Streik wieder aufgelebt. Es ist aber zwischen der Regierung und den Streitenden ein Kompromiß zustandegekommen, auf Grund dessen der Streik wieder abgesagt wurde. Der Offizier, der für die Schüsse auf die Menge verantwortlich ist, wurde verhaftet und soll abgeurteilt werden. Hochschullehrerwgung. Eine öffentliche Tagung aller Hochschul- lehrer, die„unbeschadet ihrer wie immer gearteten politischen Grund- Überzeugung gewillt sind, auf dem Boden der bestehenden demo- tratisch-republikanischen Staatsordnung positiv mitzuarbei- ten am Ausbau unseres Verfafsungslebens und an der Erziehung der heranwachsenden Generation zu staatsbürger« lichem Denken im Dienst der großen deutschen Volksgemeinschaft", findet am 25. und 26. April in Weimar statt. Tagung der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Die Beschlüsse des Verbandsbeirats. Die Nerbandsbeiratskonferenz des Gemeinde- und Staats- arbeiterverbandes in Dresden nahm nach einem Referat van Schulz» Berlin über das Arbeitsschuggeseg eine Ent- schließung einstimmig an. tn der es heißt: „Ganz untragbar ist dos Verlangen der Regierung, dem Reichsarbeitsminister das Recht zu geben, unter Ausschaltung der geseggebenden Körperschaften durch etwa HO Einzelverordnungcn selbstherrlich Bestimmungen über die Regelung der Arbeitszeit zu erlösten. Wir erinnern hierbei besonders daran, daß die Fest- sctzung der Arbeitszeit für das Pflege- und a u s p e r s o- n a l aller Kranken-, Heil- und Pflegeanstalten von der Willkür des RAM. abhängen soll. Die Gemeinde-, Stacus- und Reichsorbeiter müssen unbedingt dagegen Einspruch. erheben, daß unter Aue- schaltung des larisvertrngsrcchts die Arbeitszeitbestimmungen für die Beamten durch Anordnung der Behörden aus die Ar- beiter übertragen werden können. Dazu kommt noch dos Ver- langen, die Gewerbeaufsicht auszuschallcn und durch die vorgesetzte Dienstbehörde als Aufsichtsinstanz zu ersetzen. Don dem, auch von den Arbeitsministcrn auf der Londoner Besprechung vertretenen ' Standpunkt ausgehend, daß die Zeit, während der der Arbeiter dem Arbeitgeber zur Verfügung steht, als Arbeitszeit anzusehen ist, fordern die versammelten Funktirnäre, daß m einem einheitlichen, olle Arbeiter umiassenden Arbeitsschutzgesetz die Arbeilszeil tm Höchstfall auf 8 Stunden täglich oder.<8 Gründen wöchentlich festzusetzen ist." D t t t m e r referierte dann über Btldungsfragen. Die Btldungsschule des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandcs besteht ein Iabr und weist eine erfreuliche Entwicklung auf� Darum sollen auch im Sommer 1927 wieder zwöls siebentägige Ferienkurse ein- aerichtet werden, wie bereits im Jahre 1926. Der Referent wies ferner darauf hin, daß auch die sonstigen Bildungseinrichtungen stärker von den Mitgliedern ausgenutzt werden müssen. Insonder- heit ist die Presse(es erscheinen im verbände vier Organe,.Die Gewerkschaft",„Beamlengewerkschaft",.Die Sanitätswarte" und „Technik und Wirtschaft") in stärkerem Maße als Mastenbildungs- mittel auszunützen. Ferner muß auch das Buch in stärkerem Maß? als bisher für die Weiterbildung unserer Mitglieder nutzbar gemacht werden. In der Abteilung„Bücher und Schriften" des Derbapdes hat im Jahr 1926 ein Umsatz vön zirka 30 090 Mark stattgefunden. Das Bibliothekwesen in den größeren Filialen muß noch wesentlich stärker ausgebaut werden. Ferner bleibt es Auf- gäbe der Großstädte, neben den zentralen Bildungseinrichtungen und den Kursen besondere Dortrapskurse zu schaffen, wie das in einer Zlnzahl Großstädte bereit? geschieht. In einigen Gauen des Derbandes ist man im Zuge, sogenannte Wochenendkiirse für drei bis vier Wochen fortlaufend einzurichten. Wo es irgend möglich ist, sollen Iugendgruppen eingerichtet werden, um hierfür be- sonder« Bildungseinrichtungen zu schaffen. Für die Zeit vom 21. bis 28. August 1927 plant der Verband für seine JTOitglieder eine achttägige Ferienreise über Dresden, Prag, Salzburg, Wien, Nürnberg. Der Derbandsbeirat nahm wester Kenntnis nach eingehenden Darlegungen des Referenten von der beabsichtigten Einrichtung einer eigenen Uerbandsbildungsschul« an einem bestimmten Ort. Die Kosten werden auf 300 000 M. geschätzt. Eine Diskussion über die Bildungseinrichtungen im Verbandsbeirat ergab die allgemeine Zustimmung, wenn auch von einigen Seiten Bedenken geäußert wurden über das ziemlich kon- sequent durchgeführte Alkoholverbot während der Kurse. Die Vorsitzenden M ü n t n e r und Becker referierten dann noch über Orgonisotionsfrogcn. Es soll versucht werden, bezüglich der Differenzen mit dem Metallarbesteroerband eine Ver- ständigung zu erzielen. Weck gab in einem ausführlichen Referat die Richtlinien des Reichsarbestgeberverbandes in bezug auf die R u h e l o h n o r d- nung wieder und unterzog diese Richtlinien einer scharfen Kritik, der ganz allgemein vom Verbandsbeirat zugestimmt wurde. lieber den gegenwärtigen Stand-der Ferngasversorgung berichtet« O r l o p p. Er wies darauf hin, daß die Ferngas- Versorgung unter allen Umständen gemeinnützig von Großstädten und Provinzialverbänden herbeigeführt werden müsse. Der Plan der Zechenverwaltungen gehe nur dahin, ihren Machtbereich zu ver- größern. während die Gaskonsumenten ohne Zweifel in höchstem Maße bei dem System der Zechenscrngasversorgung Schaden haben würden. lieber die Torisfragen der Gemeindearbeiter sowie der Reichs- und Staatsarbeiter referierten dann noch die Kollegen Schulz und S t e t t e r. Es wurde dabei festgestellt, daß der Reichsbund der Beamten und Angestellten(RDA.) im Verband der Gemeinde- und Staatsarbester erfreuliche Fortschritte in ollen Gauen Deutschlands aufzuweisen hat. Eine längere Diskussion entfallet« sich über die Haltung des Parteivorstandes der SPD. in bezug aui die Zugehörigkest von Mitgliedern der Sozialdemokratie zum Deutschen Beamten- b u n d. Nachdem der letztere nunmehr seine Verschmelzung mit der cbristlichen Zentrole voll-ooen hat, sei eine klare Bahn geschaffen. Der Parteioorstand der SPD. ist nunmehr eigentlich verpflichtet, von allen Mitgliedern der Partei zu fordern, daß sie der freien Ge- werkschastsorganisation, also dem ADD. angeboren, genau, wie auch von den Arbeitern erwartet wird, daß sie Mitglieder des ADGB. sind. Es fei auf die Dauer unerträglich, hier mit zweierlei Maß zu messen: das müsse der Propaganda der Sozialdemokratie in Beamtenkreisen erheblich Abtrag tun. D. was Herrn v. Siemens gefährlich erscheint. Da» ist eine Lohnerhöhung um K Proz. Herr Dr. Karl Friedrich v. Siemens fitzt nicht nur m der Leitung der Reichsbahngesellschaft, er ist u a. auch Auf- sichtsratsvorsitzender der Siemens u. Halke A.>G. In dieser seiner Eigenschaft konnte er zwar einen befriedigenden Austrogs- eingong verzeichnen und für die Folgezeil wiederum mit einem befriedigenden Ergebnis der Gesellschaft rechnen, allein er berück- sichtigte auch die Gesahrenmomente. Die rationellen FabrI- dationsmethoden ließen sich weniger dem jeweils augenblicklichen Bedort anpassen. Ein Rückgano des Absatz«« führe in viel türzerer Zell zu Verlusten, da die festen Fabrikotionsunkosten heute einen wesentlich größeren Anteil am Wert des Gesamtproduktes aus- machten. Eine weitere Gefahr aber erblickt Herr v. Siemens in der Lohnpolitik des Rsichsarbeitsministeriums. die er für die Arbeiterschaft als viel zu günstig betrachtet. Die Erhöhung der Löhn« um 6 Proz., die nach seiner Ansicht den Schlichtern vom Arbeitsministerium aufgetragen worden ist, wäre nur dann berechtigt gewesen, wenn«ine M i e t- e r h ö h u'jt g nicht wie jetzt um zweimal 10 Proz., sondern wie früher geplant um 30 Proz. durchgeführt worden wäre. Die Wirkung der Lohnerhöhung— um 6 Proz. nach der Rationalisierung— bringe die Preissenkung zum Stillstand und führe bei einigen Fabriken sogar zu einer Erhöhung der Preise. Jede Preis- «rhöhung aber kompensiere die nominelle Erhöhung des Ein- kommen?, weil die Unternehmer eben jedwede Lohnerhöhung auf irgendein« Weife„kompensieren" wollen— und zwinge die Der- wnltungen, noch mehr auf die Einführung arbeitsparender Fabri. kationsmethoden zu sinnen, um die Verwendung der immer teurer werdenden menschlichen Arbeitskraft überflüssig zu machen. Es ist«tn Verhängnis, nicht nur für die Arbeitnehmer- schaft, daß Männer mit Rieseneinkommen wie v. Siemens ganz- lich unfähig sind, sich in die Lage der schlecht- bezahlten Arbeiter- und Angestelltenfamilien hineinzuversetzen. Es genüqt ihnen, zu wassen, daß die Arbeiter leben, daß sie nicht vor Hunger zusammenbrechen, ober wie sie leben, das wissen sie nicht und wollen sie nicht wissen. Doch abgeseben von der rein menschlichen Seite dieser Angelegenheit, ist die Rüge, die v. Siemens dem Reichs- « r b e i t s m i n i st e r vor versammeller Mannschaft der Aktionäre gänzlich unberechtigt erteilt hat, auch sachlich unberechtigt und zeugt lediglich von der Engstirnigkeit des deutschen Unternehmertums, die Wirtschaft durch niedrige Löhne heben zu wollen. Die vermehrte Produktion durch die Rastonall- sierung setzt doch Abnehmer voraus. Persönlich mögen die Herren der Meinung sein, daß elektrisches Li äst in den Arbeiter- «ohnungen oder gar Staubsauger und dergleichen Dinge mehr ein unerhörter Luxus fei. Da der Arbeiter bei seinen Löhnen ohnehin als Abnehmer nicht in Frage komme, müsse der Lohn möglichst niedrig gehalten werden, eine Erhöhung um 6 Proz. durch eine 30prozentige Mietsteigerung kompensiert werden, um den Aus- landsmarkt zu erobern, durch billig« Preise auf Kosten der Lebenshaltung der deutschen Arbeiter. Wenn die menschliche Arbeitskraft überflüssig wird, den bs- schäftigten Arbeltern das Los der Arbeitslosen angedroht wird, dann wird nicht minder die Produktion zu einem großen Teil überflüssig, weil die Kaufkraft der bresten Mass« noch tiefer herabgesetzt wird. Das wollen die Herren um Siemens nun einmal nicht be- greisen, und ihre.. Direktoren, die ihnen das fließe, che»and au, Amerika herüberholten, haben diesen Teil des Sinnes der Ratio- nalisierung entweder nicht erfaßt oder ober nicht den Mut auf- gebracht, ihn ihren Auftraggebern klarzumachen. Die deutsche Arbeitnehmerschaft hat keineswegs Lust und Neigung, sich solange drücken und um eine bessere Lebenshaltung prellen zu lassen, bis endlich auch den Herren um v. Siemens und v. Bdrsig die Einsicht kommt, daß die Arbeitnehmer nicht nur Aus- beutungsobierte, sondern auch Konsumenten sind, daß ein« vermehrte Produktion einen aufnahmefähigen Absatzmarkt vor- ausfetzt, und daß es kleinlich und unklug ist, sich den Inlandsmarkt zu verfchlleßen. TarifkünSigungen öer berliner Semei'nüearbeiter. Die Funktionäre der Berliner Kämmereibetriebe der Städtischen Gas-, Wasser- imd Elektrizitätswerke, der Charlottenburger Wasserwerke und der G a s b e- t r i« b s g e s e l l s ch a f t, die etwa 30 000 Arbester vertreten, nahmen gestern abend in einer gutbesuchten Versammlung in den Andreas- festsälen Stellung zur Kündigung der Lohntarife. Nach dem Bericht des ersten Beoollmächstgten der Berliner Gemeinde- und Stoatsarbeiter, Genossen P o l e ns k e, von der letzten Sitzung der Tarifkommission und einer eingehenden Diskussion beschloß die Ber- sammlung ein st immig. sämtliche Lohntarife zum 31. März zu kündigen, die mst den genannten Betrieben ab- geschlossen sind. Die Organisation wurde beauftragt, für alle Ar- beiter und Arbeiterinnen in diesen Betrieben eine generelle Lohn- erhöhung von 10 Pfennig pro Stunde zu fordern. Schieüsfprvch mit 54-Stunüen-Woche. In den Berliner Färbereien. Am 9. März Halle der Schlichtungsausschuß Berlin über die Arbeitsverhältnisse der in den Färbereien und chemischen Wasch- anstalten beschäfstgten Arbeitnehmer zu entscheiden. Der Vorsitzende, Herr Gewerberat Körner, war erstaunt darüber, daß ein Familien, vater in dieser Branche einen Stundenlohn von nur 56 Pfennig erreicht. Er trat deshalb recht energisch für eine Lohnerhöhung um 10 Pro;, ein, da die Unternehmer überhaupt keine Zulage be- willigen wollen. Der Deutsche Textilarbeitcrverband forderte die 16stündigo Arbeitswoche. Ter Herr Gewerberat Körner aber befürchtete durch «ine Verkürzung der Arbcitszest offenbar«ine Schmälerung des Wocheneinkommens der Färber und Reiniger und setzte daher in seinem Schiedsspruch die S4stündige Arbeits- wo che fest. Die Arbeiterschaft hat sedoch für diese Art der Ein- kommenfürsorge durch eine um wöchentlich acht Stunden längere Arbeitszeit keinen rechten Sinn und wird deshalb diesen Schieds- spruch wegen der 54-Stunden-Woche ablehnen. Zum Tarifkampf der Buchdruckereihilfsarbeiter. Vom Hauptvorstand der graphischen Hilfsarbeiter geht uns sol- gende Mitteilung zu: Die Unternehmer des Tiefdruckgewerbes haben einen Lohnabbau bis zu 30 Proz. der Tariflöhne und andere wesenlliche Verschlechterungen des Reichstarifes beantragt. Diese Anträge sind veröfsentlicht und damit den Verbcmdsmitgliedern bekannt geworden. 2lus allen Teilen des Reiches gehen Pro- teste gegen dieses Vorgehen der Unternehmer beim Ver- bandsvorstand«in. Die Mitglieder verlangen sofort, noch während der jetzt schwebenden Verhandlungen, Kampfmoßnahinen zu ergreifen. Der Verbandsvorstand ersucht, strengste Disziplin zu wahren und zunächst die von den Verbandsinstanzen beschlossenen Abwchrmaßnahmen, Verweigerung der Ueber stunden wie jeder Mehrarbeit im Sinne der Bekanntmachung Nr. 3 der„Solidarität" strikte durchzuführen. Die Zahlung der Kamps- beitrage hat auch weiterhin wie bisher zu erfolgen. Sofort nach Beendigung der Tarifverhandlungen gehen den Verbandsmitgliedern weitere Weisungen zu, nach denen sie sich unbedingt zu richten haben. vie Hamburger Hochbahner auf öer Hohe! Sei den velriebsrätewahlen der Hamburger hoch. bahn A.-G. haben die Listen der freien Gewerkschaften einen glänzenden Erfolg davongetragen: Es entfielen im Straßenbahnbekrieb aus die Freie Geweikschaslsllste 65 34 Skimmen. auf die gelbe Liste 179 Stimmen: im hoch. bahnbetrieb lauten die entsprechende« Zahlen 13 9 6 und 154. Die Sommunisten, die im Straßenbahnbetrieb noch niemals richtig Soden fassen konnken, haben diesmal gar keine Anstrengungen gemacht. Zm hochbahnbetrieb, wo die Kommunisten bisher eigene Listen ausstellten, haben fie diesmal daraus verzichtet und sich mit Mandatszutcilungeu auf der freigewerkschaftlichen Liste begnügt._ Ter Textilarbeiterstreik in Polen. Lodz, 11. März.(WTB9 Gestern traf hier der Minister für H».ndel, Gewerbe und Industrie ein, um sich über die Streiklage m der Textilindustrie zu informieren und eventuell eine Vermilllungs- okiion einzuleiten. Die Loge in den letzten drei Tagen hat sich nicht geändert. Gearbeitet wird nur noch in drei Fabriken, während in den übrigen nur Notstandsarbeiten verrichtet werden. Auch ein Teil des Dureaupersonols hat sich dem Streik angeschlossen. Bisher verlief alles ruhig. Die Slreikenden erklärten sich bereit, eine U er- mitllungsoktion sestcns der Regierung anzunehmen, lehnen ober «ine Einmischung des Schlichtungsausschusses ob. Im Bielitzer Bezirk hat sich der Streik ausgedehnt. Der größte Teil der Arbester befand sich gestern bereits tm Ausstand. DI« Ausständigen verlangen eine 20prozcntig« Lohnerhöhung. Der Bielitzer Arbeitsmfpektor verhandelte gestern mit den Streikenden, die jedoch bislang eine abwartend« Haltung einnehmen. - Warschau, 11. März.(WT.®) Di« in den Lodzer Textllfabriken beschäftigten Metallarbeiter haben sich bereit erklärt, für den Fall einer längeren Ausdehnung des Textilarbeiterstreiks eben- falls in den Ausstand zu treten. Auch die in den lebens- wichtigen städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter haben Lohnforderungen gestellt und drohen für den Fall ihrer Nichterfüllung mit dem Streik. Lohnabbau rul Saar&ebicck. Saarbrücken, 11. März.(XU.) Wie aus Paris gemeldet wird. haben die Verhandlungen der Bergorbeiterorganisationen mst dem Minister für öffentliche Arbellen ergeben, daß die Löhne ab 16. April um 4 Prozent herobo« setzt werden. Der Schlichtungsausschuß Saarbrücken hat heute für die Schwer- eisenindustrie und die weiteroerarbellende Eisenindustrie sol- genden Spruch gefällt: Der beabsichtigte zwölsprozentige Lohnabbau wird bis zum 16. April hinausge- schoben. Vom 16. April ab wird der Lohn um 10 Prozent herab- gesetzt. Die Arbeiterorganisationen werden in kürzester Zeit zu diesen Sprüchen Stellung nehmen. Deutscher Baugewerksbund. Fachgruppe der Töpfer. Die Sperre über die Ofenfabrik Max Wallnig in Vehle- f a nz i.d. M. und über das Ofensetzgeschäft derselben Firma in Berlin. Nurnberaer Strotze 23. wird hiermll aus- gehoben, da die Differenzen beigelegt sind. _ Die Bezirksleitung. ytej« s«ute, Eonnabend. TM, Uhr. tant hie Grupve 16- Bretttviclab-ni>.- la RS U-buna im Zuzcndh-im Linien. »eutlcher S-harbeitek-erSand. Lehr«»«»er»lanlerindujirl«! Morgen. Eonntag, 13. RAr� vormltiag» U Uhr, ssührung durch das„Museum alter Muslk�nstrumentc.?refspunkt%n Uhr an der Hachschule fiir Musik, Fasanen- straße l. Die Teilnahme interessierter erwachsener.«lollezen ist erwünscht. Wir bitten, unsere Lehrlinge aus diese Veranstaltung hinzuweisen. Zuaendgrunpe de, Zd«. Morgen, Eonmag, Gang durch Alt-Berlin. Fithrer: Dr. Max schütte. Tresfpunkt ollnktlich Ig Uhr rorm.ttagz vor dem Marti- Verantwortlich für Volitik: Vietor Schiss; Wirtschaft:». ttlinaelhilser: SewerkschastobewegiiNg: Fr. fthlot«! Fei-illelon: Dr. John Schikowoki: Lolaleo: und Eonstige«: Zri» Karstadt! Änzeigen: lh. Glocke: sämtlich in Berlin Verlag! Varwärte-Verlaz S. m. b. H.. Verlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerri und Berlagsanstalt Paul Singer u So.. Berlin SW««. Lindenstrastc Z. Sier»? r-ilaa-n und.Unterhaltuna und Wisse»' �-«S* CO*.®| J: v.e«sV � *'■" w.H.w iTTia Nr. IZ»»»».?ahrga»g � l�Odt)Otrt0 Soanabro», Ii. MSrz 1927 Der neue Zlugbahnhos. Das stattliche Verwaltungsgebäude der Berliner Flug» Hafengesellschaft auf dem Tempelhofer Feld geht seiner Vollendung entgegen. Außer den für die Abfertigung der an- kommenden und abfahrenden Flugpassagier« bestimmten Räumen(in denen der Verkauf der Flugscheine, das Wiegen der Passagiere, die Zoll- und Paßkontrolle vor sich geht), enthält das weitläufige Ee- bäude ein großes R e st a u r a n t, dos am 1. April von der Mitropa eröffnet wird, ferner das Lustpostamt, eine Wetterberatungs- stelle, von der aus die Piloten mit genauen Wetteransagen versehen werden, endlich Zuschauerterrossen. Von hier aus kommen die Flughafenbesucher(Eintritt 20 Pf., Kinder 10 Pf.) das An- kommen und Abfliegen der Flugzeuge, das auf dem vor dem Ge- bäude befindlichen betonierten Startplatz vor sich geht, bequem beob- achten. Vor den Funktürmen erhebt sich der Windrichtungsanzeiger. in Form eines(zur Nachtzeit erleuchteten) Flugzeuges. Nach Osten /fomir- fchließen sich die G r o ß f l u g z« u g h a llen 4 und S an, die mit den modernsten Einrichtungen versehen sind und im Juli vorigen Jahres von der Deutschen Lufthansa bezogen wurden. 100 000 Liter fassende, durch Motorpumpen betriebene Tantanlagen und elektrisch betriebene Schiebesalltore erleichtern den gesamten Flug- hafenoetrieb. Die ganz außerordentlich« Steigerung des Flugverkehrs (32 000 Personen im Jahre 1020 gegen 20 000 im Jahre 192S und die beinahe verdoppelten Frachtzahlen) drängt nach einem weiteren Ausbau der Flughafenanlagen. Das großzügige Bauprogramm. in dem das eben fertiggestellte Verwaltungsgebäude erst den 15. Teil darstellt, soll in vier bis fünf Iahren verwirklicht werden. Dann werden auch die jetzt unschön wirkenden Baracken verschwinden und eine Flucht technisch einwandfreier Hallenbauten wird das Tempel- hofer Feld nach Norden zu abschließen. das verfängliche Freispruch im Meineidsprozeß Holz. Vor dem Schwurgericht I hatte sich gestern die verwitwete Hauptmannsfrau Ellen Holz unter der Anklage des Meineids zu verantworten. Frau Holz, eine 33jährige Witwe, steht nicht zum ersten Male im Mittelpunkt eines aufsehenerregenden Strafprozesses. Vor zwei Jahren stand sie vor demselben Schwurgericht, um sich gegen die Ankla ge der vorsätzlichen Tä tu ng i h res Ehemannes, des Hauptmanns Holz, zu verantworten: sie wurde unter Annahm« der Notwehr freigesprochen. Inzwischen wurde aber von Kriminalkommissar Trettin die Wiederaufnahm« des Mordprozesses betrieben. Am 7. April wird vor dem Schwur. gericht auf indirektem Wege der Mordfall Hoft nochmals aufgerollt werden. Außerdem betreibt Staatsanwaltschoftsrat Jacobi I ein weiteres umfangreiches Strafverfahren von zehn Fällen, unter anderem wegen Betruges und Erpressungen der Frau Holz. In dem gegenwärtigen Meineidsprozeß handelt es sich darum, daß die Angeklagte in einer Wechselklage gegen Frau v. Boschwitz falsch geschworen haben soll. Sie hatte einen Wechsel über 10 400 M.«ingeklagt und Frau v. Bosch- witz hatte den Einspruch der Fälschung erhoben. Begründet wurde dieser Einspruch durch einen beigefügten Abrechnungszettel mit der Unterschrift der Angeklagten, wonach der für ein Wertpapierdar- lehen als Sicherheit gegebene Wechsel ohne Fälligkeitsdatum nicht in Umlauf gesetzt werden sollte. Frau v. Boschwitz hatte behauptet, daß Frau Holz den Wechsel sofort am Ausstellungstage fällig ge- macht und eingeklagt hätte. Die Angeklagte, Frau Holz, bestritt ihre Schuld. Daß die Unterschrift von ihr stamme, gab sie zu. Es handelt sich um eine Blanko. Unterschrift für andere Zwecke. Den darüber stehenden Text habe Frau v. Boschwitz ohne ihr Wissen geschrieben. Demgemäß hatte auch Frau Holz den ihr auferlegten Eid vor der Kammer für Handelssachen ge- leistet. Gegenüber dieser Behauptung der Angeklagten hat der be- kannte Gerichtschemiker Dr. Paul Ieferich auf mitrophoto- graphifchem Wege den Nachweis erbracht, daß der Buchstabe „H* des Namens der Angeklagten mit den oberen Ausläufern in die letzten Zeilen des Textes hineinlause, so daß die Unter- schrift nicht vorher, sondern nachher geschrieben sein muß. Auf einen Vorhalt von Rechtsanwalt Dr. Pindar mußte der Sachverständige Dr. Paul Jeserich jedoch zugeben, daß das Verlaufen der Tinte auch dadurch entstanden sein könne, daß die Zeugin B. die Niederschrift aus dem Zettel gemacht habe, also die Unterschrift noch nicht trocken war, so daß sich bei der letzten Zeile die Tinten vermischt haben. Der Staatsanwaltschastsrat Dr. Jacobi I beantragte IV« Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrver- tust. Das Schwurgericht kam jedoch gemäß den Anträgen der Rechtsanwälte Dr. Pindar und Dr. Wetzet zur Freisprechung der Angeklagten. Die K o st e n wurden der Staatskasse auf- erlegt.-_ verbrecherjagü über die Dächer. Beinahe ein Stück aus einem Tetektivfilm. Eine ausgedehnte und aufregende Verbrecherjagd gab es gestern nachmittag in der Viktoriastratze. In feinen erregenden und spannen- den Einzelhetten nimmt sich der Bericht über die Jagd wie ein Stück aus einem Filmmanujkript aus und endet auch, wie es sich gehört, mit einem Sieg der Ordnungsgewalt. Zwei Kriminalbeamte des Sonderdezernats für Geldschrank- einbrüche befanden sich auf einem Bcobachtungsgang durch die Potsdamer Straße. Sie verfolgten die Spur eines 26 Jahre alten Paul Meister, der aus Augsdorf be! Eisleben stammt und der Kriminalpolizei schon seit geraumer Zeit wohlbekannt ist. Vor einiger Zeit war Meister aus dem Zuchthause ent- wichen und man hatte ihn im Verdacht, daß er von neuem an Einbrüchen teilgenommen hatte. In der Potsdamer Straße erblickten die beiden Beamten plötzlich den Gesuchten, hielten sich aber in einiger Entfernung von ihm, um seine Aufmerksamkeit nicht zu erregen. Plötzlich sprang Meister in eine Autodroschte, die nach der Margaretenstraße zu fuhr. Die Beamten folgten so schnell sie konnten zu Fuß nach. An der Viktoriastrahe hielt der Wagen an, und ein zweiter Mann, der ein großes Paket trug, wollte mit ein- steigen. Inzwischen war einer der Beamten herangekommen und veranlaßte durch seinen Zuruf: «Hall! Nicht weiterfahren! Kriminalpollzeir den Ehaffeur, mit seiner Droschke aus dem Fleck stehen zu bleiben. Jetzt sprangen beide Männer auf der anderen Seite zum Wagen hinaus und flüchteten nach verschiedenen Richtungen. Die Bersol- gung Meisters nahm den Weg durch die Virtoriastraße. die zu dieser Zeit sehr belebt war. Aus diesem Grunde wollten die Be- amten auch nicht von ihren Waffen Gebrauch machen, um nicht einen Unbeteiligten zu treffen. Der Flüchtling eilte in den weiten Hausstur des Hauses Nr. 2, an dem augenblicklich Bau- arbeiten vorgenommen werden. Einer der Arbeiter, der mit einer Karre durch den Flur kam und den Zuruf des Beamten gehört hatte, klemmte mit seinem Gefährt den Verbrecher so«in, daß ihm der Weg versperrt war. Meister riß sofort seine Pistole heraus und schoß, fehlte ober. Im selben Augen- blick warf ihm einer der Beamten die Aktentasche ins Gesicht. Der Verbrecher flüchtete weiter über den Hof und trotz eines ihm nach- gesandten Schusses, der ihn am Gefäß traf, die Treppe zum Hinter- haus hinauf. 3n einer Privatwohnung des ersten Stocks verlangle er Einlaß und bedrohte die Bewohner, die ihn verweigerten, mit der Waffe. Dann eilte er weiter nach oben. Im vierten Stock sah er rechts und links je ein« Tür. Seine durch die Angst gesteigerten Kräfte erlaubten ihm, die Türfüllung samt dem Rahmen einzu- drücken. Seine Mühe war aber umsonst gewesen. Es gab aus diesem Derschlag keinen Ausweg. Jetzt wandte er sich nach der anderen Seit«. Dort wohnte ein« alte Dame mit einer Kranken- Pflegerin. Von den Frauen verlangte der Verfolgte ein B r e ch- eisen, das sie ihm aber nicht geben konnten. Nu» eilte er weiter bis zum Dach, setzte mit einem waghalsigen Sprung über«inen zwei Meter breiten Spalt und gelangte so auf ein anderes Dach, lieber die Dächer weiter flüchtend, kam er schließlich bis zum Haufe Tiergartenstraße 2. Hier riß er eine Luke auf und verbarg sich auf dem Boden hinter einem Schornstein. In» zwischen waren ihm die beiden Kriminalbeamten, die auch Schupo- beamte und das Usberfallkommarrdo benachrichtigt hatten, auf den Fersen. Das auf dem Boden gewählte Versteck wurde ihm zum Ver- hängnis. Die Aufforderung der Dsan.len, sich doch angesichts der lieber- macht zu ergeben, beantwortete er mit den Worten:„Jetzt geht es erst richtig los!' und eröffnete zugleich das Feuer auf die Beamten. Von den Schüssen, die die Beamten abgaben, trafen fünf den Gestellten in den Kopf, die Lunge, den Bauch und die Hände. Aber noch immer hielt er sich. Erst als ihm ein weiterer Schuß den Griff der Pistole aus der Hand schlug und ihn waffenlos macht«, ergab er sich in sein Geschick. Der Verletzte wurde als Polizeigefangener nach dem Staatskrankenhaus gebracht. Das von Meister und seinem Begleiter in der Autodroschte im Stich gelassene Paket wurde beschlagnahmt. Es enthielt sehr gutes neues Einbruchswerkzeug, Gebläse, Brenner u. a. m. 41] Gerichtstag. von Fred verence. cowrielit 1925 by Päd Zsolnay, Wie»' „Du bist gemein, gemeiner als irgend jemand auf der Welt!" schrie ich ihm ins Gesicht.„Glaubst du denn, daß ich dir gleiche, weil ich dein Sohn bin? Hörst du mich, verstehst du mich?" Er versetzte mir eine Ohrfeige. Andr6 stürzte auf mich los. „Laß ihn," befahl der Vater. Und wieder ohrfeigte er mich und spuckte mir ins Gesicht.„Ich verfluche dich, hörst du, ich verfluche dich." Mit einer heftigen Bewegung stieß ich ihn beiseite, faßte meinen Hut, der im Vorzimmer lag und lief ins Zimmer zurück. „Adieu. Jetzt ist es ein Abschied für immer, niemals setzte ich meinen Fuß über die Schwelle unserer Wohnung, so lange sich diese Kreatur hier aufhält." Im Äugenblick, wo ich das Zimmer verließ, sah ich meine Mutter, totenblaß, schwanken und nach dem Herzen greifen. Ich wollte zu ihr stürzen, aber es war zu spät, eine unbekannte Gewalt stieß mich zur Treppe, ich lief hinunter. Der Bater eilte h'nter mir her und spuckte mich wieder an. Als ich aus der Haustür eilte, berührte mich jemand am Arm. Ich blieb stehen und erkannte die junge Engländerin, doch war ich zu erregt, um ein Wort zu sprechen. „Ich habe alles gehört," flüsterte sie,„nur Mut, möge Gott Ihnen die nötige Kraft verleihen." Sie drückte mir krampfhaft die Hand und eilte fort. Ich entfernte mich taumelnd, wohin ich gehen sollte, das wußte ich nicht. Nach dem Gewitter. Eine Stunde lang irrte ich in den Straßen umher,«in leichter Schleier lag über m-inen Augen. Die Geräusche drangen nur gedämpft bis zu mir und ich ging wie unter einem Alvdruck. Endlich zwang mich die Müdigkeit, stehen zu bleiben. Ich wchte nach einer Bank und da merkte ich erst. daß ich bis zur Ebene Plain Palais gelangt war. Als ich saß. war me-'n erster Gedanke, die Patin aufzusmben und ihr alles zu erzäblen. Aber eine unüberwindliche Scheu hielt mich davon ab und ich fiel wieder auf di« Bant zurück. Bon den anderen Vorfällen ist mir nichts in der Er- innerung geblieben und wenn ich jetzt zurückdenke, so sehe ich nur ein billiges Hotel, in dem ich die Nacht verbracht habe. Am nächsten Tag suchte der Vater meinen Chef auf und beklagte sich schr über mich: ich gäbe meiner Mutter so wenig, daß sie Mangel leiden muß, verbrächte alle Abende auswärts und käme nie vor ein Uhr nachts nach Hause. Schließlich hätte ich mich auch von einer fünfundvierzigjährigen P?rson einfangen lassen, die mich in Schande und Berderben triebe. Der Direktor erwiderte, daß er mit mir zufrieden wäre, und daß ihn mein Privatleben nichts anginge. Der Vater drohte, daß er eine Klage gegen mich einbringen werde, da ich noch nicht großjährig wäre, und nicht das Recht hätte, das Haus grundlos zu oerlassen. Ich erwartete nun die Kündigung, aber der Direktor schlug mir vor, mich in eine andere Kliale zu versetzen, was ich natürlich mit Freuden annahm. Ich wurde als Abteilungschef nach Lausanne geschickt. Dort blieb ich sechs Monate und wohnte in einem Zimmer der inneren Stadt. Bis acht Uhr war ich im Geschäft. Ich nahm mein Abendbrot in einem kleinen Restaurant ein und ging dann zu Fuß nach Ouchy. Manchmal unternahm ich einen Spaziergang am Seeufer. Das Gewühl der Fremden ver- wirrte mich. Herumziehende Musikanten spielten Operetten- melodien, ein kleiner Buckliger sang komische Lieder und begleitete sich selbst auf der Laute. Die Leute standen im Kreis und klatschten Beifall. Junge Burschen. Pensionats- zöglinge, spazierten barhaupt herum, sie hatten sich unter- gefaßt, waren fröhlich und unbekümmert. Doch beim Anblick von so viel Heiterkeit nahm mein« Angst zu. Eines Abends, als ich todmüde war. benützte ich die Zahnradbahn nach Ouchy. Beim Aussteigen hörte ich schon die herumziehenden Musikanten ein italienisches Lied im Chor singen: Ktretti,»trotti Hell' est»»! d'amor. Schaudernd wendete ich mich ab, dies« Wort« wühlten meine Wund« auf und machten sie bluten. Das Wort„Liebe" rief eine düstere Vergangenheit und eine Zukunft hervor, die mir noch trüber erschien. Dann zeigte sich mir ein freundliches Bild, nebelhaft verfließend, ein flüchtiger, verwischter Schatten, der schon einmal mein Herz hate erbeben machen. Später schlug ich auf dem anderen Ufer in der Richtung gegen Genf einen kleinen Pfad ein, der sich am See hinzog, an dm Bade- anstalten vorüberführte und sich in den Wiesen verlor. Dort war es friedlich und still. Nur einige eng verschlungene Liebespaare schritten langsam dahin und flüsterten sich zärtliche Worte zu. Wenn ich an ihnen vorbei kam, schwiegen sie plötzlich, als ob ich ihr Geheimnis entweihen könnte... und ich ging in dem fast undurchdringlichen Dunkel weiter. Bon allen Menschen fühlte ich mich zurückgestoßen, verachtet von allem, das lebt und atmet, ein Paria. Ein plötzliches Staunen faßt« mich, mir schien, daß überall das Leiden lauert; es beschleicht den Menschen, umklammert ihn mit seinen Krallen, zerdrückt ihn, daß er vor Schmerz schreien muß... Unter solchen Gedanken ging ich immer weiter. Am Himmel glänzten die Sterne und bejäten das Firmament, das fast schwarz schien. Auf dem anderen Ufer zeichneten sich die savoyischen Berge ab und man konnte die Lichter von Evian sehen. Bei ihrem Anblick fuhr ich unwillkürlich zusammen, dort hatte ja meine Marter begonnen... und dort ganz unten, wo sich di« Hügel senkten, lag Genf, die Sladt. die ich über alles liebte; wie träumend ging ich rascher in dieser Richtung. Bei einer Wegbiegung glaubte ich den rötlichen Schein zu sehen, der von weitem die Nähe der Sadt verrät. Aber der Himmel wurde von meinem Wunsch nicht gerührt und blieb farblos. Eine unendliche Trauer durchdrang und lähmte mein ganzes Wesen. Es gab Augenblicke, da ich diese großartige Natur, die Berge, die ihre Gipfel zu dem ewig lachenden Himmel erhoben, hassen mußte. Am liebsten hatte ich die Regentage und wenn es gerade am Sonntag regnete, genoß ich das schlechte Wetter mit einer Art Wollust. Ich ging am Wasser entlang bis nach Saint Sulpice; kein Mensch war zu seben, meine Seele floß mi der ganzen Welt zu- lammen. Der Grammont und der Dent d'Oche verschwanden hinter dichten Wolken. Der See hatte sich in ein graues Meer verwandelt, das in der Ferne verblaßte, die Felder waren durchtränkt von Nässe, die Bäum? zeichneten phantastische Silhouetten in den Nebel und meine Trauer wandelte sich allmählich in sanfte Freude. In meinen nächtlichen Träumen erschien mir nicht selten der klein- Paul und immer war auch meine Mutter dabei. Ich sah sie wanken, wollte ihr m Hilfe eilen, aber jedesmal, wenn ich nahe genug war. um sie zu fassen, stieg ein Schatten Zwischen uns auf, stieß mich zurück und ich konnte diesen Schatten, der mich vor Furcht lähmte, nicht erkennen. Kurze Zeit nach meiner Abreise hatte mir Andrä einen Brief voller Beschimpfungen geschrieben und der Vater einen zweiten, worin er seinen väterlichen Fluch wiederholte. Seit vier Monaten hatte ich nichts mehr von ihnen gehört. (Fortsetzung folgt.) Katastrophaler Wasserrohrbruch. Ein Haus vom Einsturz bedroht.— Ein S Meter tiefes Loch ausgestrudelt. Vor dem hause Prinzenstrahe ZZ eolflaad gestern oach- mittag gegen �4 Uhr ein Wasserrohrbruch, ded ungeahnte Folgen hatte. Riesige wassermengen ergossen sich in die Baugrube der im Vau befindlichen Schnellbahn Gesundbrunnen- Neukölln und unterhöhlten das Fundament des Hauses Prinzeustraße ZZ derart schnell, daß das Haus in die Gefahr geriet, einzustürzen. Der Bürger- steig, der hier mtt starken Holzbohlen belegt ist. stürzte unmittelbar vor dem haoseingang in einer Länge von etwa 12 Metern ein. Eine Straßenpassanlin. Frau w. aus der Geibelstraße 4. die in dem Augenblick die llnsallstelle passierte, zog sich Verletzungen zu, konnte aber in ihre Wohnung entlassen werden. Sonst ist zum Glück niemand welter zu Schaden gekommen. Ueber den Unglücksfall, dessen Folgen leicht zu einer Ka- tastrophe hätte führen können, erfahren wir folgende Einzelheiten: Das Haus Prinzcnstrahe?3 liegt hart an der Grenze des etwa vier Meter tiefen Schachtes der im Bau befindlichen Schnellbahn. Bor etwa acht Wochen entstand in den nach der Straße zu gelegenen Ausstellungsräumen der Lampenfabrik Siegel u. Co. ein starker Riß in der Decke, der sich über den Hausflur hinweg bis zu dem auf der anderen Seit« liegenden Konfitüren- gcschäft hinzog. Der Eigentümer des Hauses machte der Direktion der Schnellbahn Mitteilung von dem verdachtigen Riß, der sich im Verlaufe von vierzehn Tagen stark vergrößert hatte. Ein Architekt nahm daraufbin eine Untersuchung vor, erklärte aber, daß derRißunerheblichundkeineGefahrzubefürchten s e i. Gestern nachmittag platzt« aus noch unbekannter Ursache ein in etwa zwei Meter Tiefe liegendes HO Millimeter starkes Wasserrohr. Große Wassermengen schössen hervor und überfluteten die Baugrube. In wenigen Sekunden entstand durch den Wasserstrahl«in mehrere Meter tiefes Loch. Die wafsermcngea unterspülten die hausfnndamenle und überfluteten die dahinter liegenden Keller. Die Feuerwehr wurde sofort alarmiert, die nach kurzer Zett unter Leitung des Oberbrand- direktors G e m p p sowie des Baurates P a p k« und mehrerer Branddirektoren erschien. Gleichzeitig war die Baupolizei und die Bauleitung benachrichtigt worden. Auch ein großes Polizeiaufgebot war zur"Stelle, das die Prinzenstroße vom Moritzplatz bis zur Ritterstraß« absperrte. Der gesainte Straßenbahnverkehr mußte um- geleitet werden. Bon der Feuerwehr wurden sofort mehrere Pumpen in Tätigkeit gesetzt, die die Wassermengen entfernten. Um das ge- fährdete Haus vor Einsturzgefahr zu schützen, wurden von einer größeren Arbeiterkolonne Balken und Eisenträger zur Versteifung angebracht. Das acht bis neun Meter tiefe Loch wurde außerdem mit Sand und Zement ausgefüllt, um einem Einsturz der Haus- fundamente zu verhindern. Da zunächst noch Einsturzgefahr bestand. ordnete die Polizei die Räumung des Vorderhauses an. In mehrstündiger angestrengter Arbeit wurde das gefährdete Haus abgestützt, so daß die Bewohner wieder ihre Räume beziehe': kennten. Im Lauf« der Ausräumungsarbeiten erschien der P o l z e i- Präsident Zörgiebel oersönlich, um sich von den getrossenen Sicherheitsmaßnahmen zu überzeugen. Die Kunde von der Uebcr- schwemmung hatte eine riestge Menschenansammlung zu beiden Selten des abgesperrten Straßenzuges zur Folge: die Polizei hielt aber die Ordnung aufrecht. Roch spät abends rollten mit Sand und Z-ment beladene Wagen heran, deren Last von etwa fünfzig an der Unfallstelle tätigen Arbeitern in die Tiefe befördert wurden. Die Eregung, die sich der Hausbewohner bemächtigt hatte, übertrug sich auch auf die Mieter der anliegenden Häuser. Nach Ansicht der Sach- verständigen besteht hier aber keine Gefahr, da der Dorfall auf ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände zurückzu- führen ist. Infolge der Umleitung der Straßenbahnlinien 1 und 41 entstaub am hallcschen Tor ab 5 Uhr S Minuten eine empfindliche Verkehrsstörung. die sich an diesem Verkehrsbrennpuntt geradezu katastrophal auswirkte und erst gegen Uhr wieder behoben war. die§rau hinter üer Tapetentür. Nach sechs Jahren erwischt. Sechs Jahre lang wurde eine junge Frau aus der hol- steinischen Straße, die wegen Diebstahls ein Jahr Gefängnis zu verbüßen hat, vergeblich gesucht. Weil sie der Aufforderung, ihre Strafe anzutreten, nicht nachgekommen war, wurde Haftbefehl gegen sie erlösten, aber der Kriminalpolizei wollte es bisher nicht gelingen, ihn zu vollstrecken, weil Angehörige die Gesuchte stets zu verbergen wußten. Beamte der Fahndungsinspettion h. stellten durch ihre Beobachtungen wiederholt fest, daß die junge Frau in das Haus in der h o l st e i n i f ch e n S t r a ß e, in dem ihr Mann und ihre Schwiegermutter wohnen, hineingegangen war. Die Durch- suchungen hatten jedoch bisher keinen Erfolg. Die Angehörigen wollten nie etwas wissen. Gestern morgen hatten sich die Beamten wieder überzeugt, daß die Gesuchte im Hause sein mußte. Sie merkten auch, daß jemand aus dem Zimmer, in dem der Mann noch im Bett lag und auch die Schwiegermutter sich aufhielt, rasch in ein anderes hinüberwechselte. Wiederwurde diesesZimmer besonder» durchsucht, auch ein Schrank wurde von der Wand abgerückt, aber alles umsonst. Ein Beamter blieb nun trotz- dem in dem Zimmer zurück und verhielt sich Mäuschen- still, während andere die Nebenräume aufsuchten. Plötzlich nach einer Weile bewegte sich die Tapete, eine verborgene Tür öffnete sich ein wenig und durch den Spall lugte das Gesicht der Gesuchten heraus. Jetzt wurde sie endlich ergriffen und nach Moabll gebracht. Die Angehörigen hatten eine Nische zurecht- gemacht und mit einer Tapetentür versehen, die nicht im ge- ringsten auffiel, hier war die Verfolgte jedesmal hineingefchlüpst, wenn sie die Beamten kommen hörte. Mit einer Schnur, die innen angebracht war, hielt sie die Tür so fest, daß sie sich nicht bewegte. Die Neugier veranlaßte sie heute, einmal hinauszugucken, als in dem Zimmer alles ruhig war. Apotheker unS Provisor. Im Anschluß an den historisch-beschreibenden Aufsatz B e r» liner Apotheken* find uns aus Apothekerkreisen Mitteilungen zugegangen, die die dort gemachten Angaben in w i r t s ch a s t- licher Hinsicht ergänzen: Dem Zuge der Zeit entsprechend, sucht der Apothekenbesitzer trotz einer um 30— 40 Proz. höheren Benutzung mit den vorhandenen Kräften auszukommen, und bei unabwersbaren Neueinstellungen junge Kräfte hereinzunehmen, so daß es einer beträchtlichen Schar von Anwärtem auf Kon- zefstonserteilung nicht möglich ist, eine geschlossen« Konditionszeit aufzuweisen, da sie längere oder kürzere Zeit haben aussetzen müsten. Als Motiv ist neben den üblichen Ersparnisrücksichten der Bedanke nicht von der Hand zu weisen, daß bei stärkerer Einstellung von Personal der Schluß gezogen werden kann: die Konzessionierung einer neuen Apotheke ist notwendig. Für die wirtschaftlich« Lage der Apotheken darf wohl gelten, daß gerade dieses Gewerb« am wenigsten durch die wirtschaftliche Depression gelitten hat. Die Preise, die genommen werden dürfen, sind als hoch zu bezeichnen, was ja auch vom Publikum empfunden wird. Bei den sogenannten Spezialitäten(Patentmedizin) ist der Aufschlag 73 Proz.: Einkaufs- preis 1 M., Verkaufspreis 1,75 M., während er bei den freigegebenen Spezialitäten(die also auch der Drogist feilhalten kann) 50 Proz. beträgt. Den Krankenkassen, heute als Hauptabnehmer anzusehen, werden auf die Spezialitäten 10 Proz. bewilligt. Würden die hohen Preise herabgesetzt, so würde über den Umweg über die Kranken- kosten die Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenschaft ein« geringer« finanzielle Beanspruchung für die gleiche Leistung zu verzeichnen haben. Nach zwei Richtungen könnte eine kraftvolle B«r- tretung der Gehilfenschaft Nutzen stiften, einmal durch Aufklärung über die geschäftliche Lage zum Besten des Publikums und«in andermal eventuell unter Zuhilfenahme der Behörde zum eigenen Wohl«. So ist beim Tod« eines Konzessionars die Witwe in der Wahl eines Apothekenverwallers ganz frei, so daß ein ganz Jugendlicher— zwei Jahre nach der Approbatton— genommen werden kann, hier sollten die Anciennitätsoerhältnisse einigermaßen in Rechnung gestellt werden. Die Apotheken, die drei Wochen lang kpinen Nachtdienst haben, sollten um 7 Uhr geschlossen werden: jetzt findet sehr hausig ein Ostenhalten bis 8 Uhr statt. Für die Vertretung der Angestellten ist jetzt der verband deutscher Apo- t h e k e r vorhanden(der aus dem Verband konditionierender Apo- theker hervorgegangen Ist und— jedenfalls ein Unikum: auch Apo- thekenbefitzer zu feinen Mitgliedern zählt). Zu hoffen ist, daß in einer nicht zu fernen Zeit Bestrebungen zum Erfolge kommen, die eine Standesvcrtretung in einer freien Gewerkschaft erblicken. Jugendliche Eisenbahnfrevler vor Gericht. In der Nacht vom 13. zum 14. November vorigen Jahres wurden auf der Strecke zwischen Mahlsdorf und Hoppe- garten verschiedene Eifenbohnzüge mit Steinen beworfen. Da- bei wurde der Zugbrenifer eine» Güterzuges, der im letzten Wagen seinen Dienst oersah, im Gesicht oerletzt. Ferner waren vier ziemlich große Steine in das Abteil eines Personen- Zuges gefallen, es kam aber niemand zu Schaden. Auch ein V-Zug war beworfen worden. Nicht genug damit, hatten die vorläufig noch unbekannten Täter ein Signal zerstört. Den Ermittlungen der Kriminalpolizei gelang es schließlich, am IS. November zwei junge Burschen aus Mahlsdorf dingfest zu machen, die dann auch eingeltaiiden, die Züge mit Steine» be- warfen und das Signal zerstön zu haben. Die beiden, ein 20 Jahre alter km-fmännifcher Angestellter Erich Sch. und ein IS Jahre alter Arbeiter Johann P., hatten sich nun unter der Anklage der vorsätz- lichen Transportgefährdung vor dem erweiterten Schöffen- g« r i ch t Lichtenberg zu verantworten. Sie behaupteten, die Tat in sehr betrunkenem Zustande begangen zu haben. Während Sch. außerdem noch mit einem Revolver an bewohnten Orten ver- schied ene Schüsse abgegeben, hatte P. eine Straßenlaterne zerstört. Da der mafcizinifche Sachverständige Dr. Dyrcnfurthdie Handlungen der beiden als einen Dummenjungen st reich be» zeichnete und bei VerÜbung der Tat einen pathologischen Rauschzustand für vorliegend erachtete, sah das Gericht die Sache milde an und verurteilte wegen fahrlässiger Transportgefähr- dung, unbefugten Waffenbesitzes und Sachbeschädigung den An- geklagten Sch. zu sechs Monaten Gefängnis und 60 M. Geldstrafe. P. ebeirfalls zu sechs Monaten Gefängnis und 30 M. Getostroie unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Für den Rest der"träte erhielten sie eine dreijährige Bewährungsfrist. 1 1 50« Tafeln Tchokolade gestohlen. Nicht weniger als 11 500 Tafeln Schokolad« erbeuteten Ein- brecher, die in der Nacht zum Donnerstag die Schokoladen- fabrik von Paul Schmidt in der Donaustr. 83 zu Neukölln heimsuchten. Die Fabrik hatte die Schokolade für die Firma Derba u. Sohn an» Sachscndamni 45 zu Schöneberg hergestellt, die Tafeln aber noch nicht verpackt. Einbrecher schlösse» nun zur Nachtzeit mit einem Nachschlüssel die Tür auf und nahmen die ganze Menge mit, ahne daß jemattd etwas merkte. Die Tafeln wiegen zusammen 23 Zentnet. Die Dieb? müssen also unbedingt ein Auto oder sonst ein Fuhrwerk benutzt haben, um ihre süße Last wegzuschaffen. Mitteilungen zur Aufklärung an die Kriminalpolizei Neukölln. Rektor Franck rehabilitiert. Großes Aufsehen erregte im Mai v. I� die Verhaftung des Rettors Franck von der Städtischen Hilfsschule für Minderbegabte in Köpenick, der von einer 15jährigen hilfsjchülcrin beschuldigt worden war, sie in seinem Amtszimmer unzüchtig berührt zu haben. Am Mittwoch fand nun vor dem Schötfengericht in Köpenick die Häuptverhandlung gegen Franck statt. Die einzige Be- lastungszeugin war die löjährige frühere HUssfchülerin N. Geh. Rat Dr. Moll begutachtete, daß die N. zwar an einem leichten Schwachsinn leide, trotzdem ober nicht für ganz unglaub- würdig anzusprechen sei. Rechtsanwalt Bahn führte aus den eigenen Schriften des Sachverständigen Moll zahlreiche Stellen über. � die Gefährlichkeit der Bezichtigungen jugendlicher Schülerinnen von i Hilfsschulen an. die nach Geh. Rat Moll jelbst alle mehr oder minder! schwachsinnig seien. Das Gericht sprach den Angeklagten In später Abendstunden frei. Franck sei nach dem Zeugnis des vorgesetzten Schulrats eine solche Tat nicht zuzutrauen. Die Zeugin, die sich in viele Widersprüche verwickelt habe, sei nicht glaubwürdig. Konfektionseiabrnch in der Friedrichfiadt. Deckeneinbrechcr räumten in der Nacht zum Freitag in einem Kanfektionsgeschäst im Erdgeschoß eines Hauses der Charlotten- ftraße gründlich auf. Die Räume über diesem Geschäft werden zur- zeit erneuert und ausgebaut. Diese Gelegenheit müsien Einbrecher- spczialisten ausgekundschaftet haben. Sie verschafften sich Einlaß in die leerstehenden Räume, stießen die Decke durch und kamen so in das Konfektionsgeschäft, hier suchten sie für etwa 40 000 Mark fertige Kleider aus Crepe de Chine, Crepe Georgette usw. und schwarze und farbige Seidenstoffe aus. Die Gesellschaft, bei der das Geschäft versichert ist, hat auf die Wiederbeschasfung des gestohlenen Gutes eine Belohnung von 10 Prozent des Wertes ausgesetzt. Das„Begräbnis" der lebenden Echwester. Durch einen leichtsinnigen Streich hat sich der hanblungs» gehilse F. eine Strafe wegen Urkundenfälschung eingebrockt. Di« Geschichte der Anklage wirkte bei ihrer Verhandlung vor dem Erweiterten Schöffengericht Mitte wie eine Tragikomödie. Der leichtsinnige, jung« Mann hatte den angeblichen Tod feiner Schwester zum Borwand genommen, um bei feiner Firma an Stelle der aus- gebliebenen Weihnachtsoergüttnrg, auf die er schon Schulden ge- macht hatte, einen Vorschuß von 150 Mark zu erholten. Der Direktor der Gesellschaft hatte aber zur Bedingung gemacht, daß F. einen Nachweis über die Auslagen für die Beerdigung der auswärts vorgeblich asftorbenen Schwester beibring«. Nun war die Schwester zwar schwerkrank, aber sie erfreute sich noch immer des Lebens. Als der Bruder ihr von feinem Schwindel von ihrem Tode erzählte, fiel sie vor Schreck in Ohnmacht, und sie riet ihm dringend, das Geld zurückzuzahlen. F. folgte auch dem Rat. Da der Personalchef aber des Direktors wegen Bedenken äußerte, ent- schloß sich F. nun auch, den Beerdigungsschwindel durchzuführen: er fuhr nach Angermünde, bestellte dort einen Sarg, aus den er 20 M. anzahlte, und erwarb eine Grabstelle für 40 M. Auf dem Formular der Friedhossverwattung füllte er dann noch die fehlen- den Posten für Leichenträger, Grabschenuck usw. selbst aus und legte diese Urkuikde seinem Che' als Beleg vor. Tragisch« rw eise ist die Schwester selbst einige Monate später tatfächttch gestorben. F. hatte den Vorschuß langst zurückgezahlt, als die sache durch feine Ehefrau, die sich von dem 23jährigen Ehemanne getrennt halte, aus Rache zur Anzeige gelangte. So hatte sich nun der bisher unbescholtene junge Mann wegen Urkundenfälschung zu verantworten und bekam für seinen unüberlegten Streich, der chm nur unnötige Kosten verursacht hatte, eine Woche Gefängnis, jedoch wurde ihm dreijährige Bewährungsfrist zugebilligt. 14 Jahre nach dem Entstehen entdeckt plötzlich WUbelm Müller (Rüdersdorf) das Völkerfchlachtdenkmal In Leipzig. In der An- kündigung nennt«r es sogar.Ein Denkmal der deutschen Seele*. trotzdem man diese gewöhnlich in traulichen Holzschnitten zu spüren glaubt. Seinerzeit ist so viel für und gegen das Denkmal ge- schrieben worden, daß es heute vollkommen überflüssig ist, noch einmal seinen künstlerischen Wert oder Unwert zu dis- kutieren. Im Verlauf des Vortrags wird das Völkerschlachtdenkmal vollkommen vergessen und der Vortragende beschäftigt sich allein mit dem Schöpfer der Monumentalplastiken, Professor Franz Metzner. Warum soll das Publikum nicht an diesen hoch- begabten Frühverstorbenen erinnert werden? Aber Bezeichnungen wie Michelangelo des Norden treffen nicht auf ihn zu.—„Wie aus der Ferne längst vergangener Zeiten* klingt, was Adel« Schreiber in ihrem Zyklus.Bahnbrechende Frauen* über Ellen Key berichtet. Man vergißt zu schnell Wegbereiter neuer Gedanken, wenn diese Gedanken Wirklichkeit geworden sind. Alles, was Ellen Key wie auch der große Dramatiker Henrik Ibsen über die Gestaltung einer vernünftigen Ehe gesagt haben, ist heut« zur Binsenwahrheit geworden, auch die Ideen �>er Ellen Key über Kinder- «•Ziehung haben moderne Pädagogen beachtet. Es ist tatfächlich das .Jahrhundert des Kindes*-ana«brochcn Sehr feinfühlend zeichnet Adele Schreiber dos Leben dieser fortschrittlichen und gütigen Frau ohne schmückende Beiworte und Lobpreisungen. Sie macht sich nicht zu ihrem Herold, tondern läßt allein die Tatjachen und Ge. danken dieses reichen Frauenlebens sprechen- Wirkungsvoll ist Arno holz' Tragikomödie.Traumulus* auch als Sende- spiel. In«inigen Szenen, wie beim Stammtisch im ersten oder bei der Schülerknerpe Im 3. Akt vermißt man die Bühne, da hier die einzelnen Stimmen sich nicht klar genug von einander abheben. Aber der Konflikt ist durchaus innerlich, der Konflikt, In den der «delherzige und etwas utopistische Professor Niemeyer mit den Stützen der Gesellschaft gerät, die sich durch ntchrs anderes auszeichnen, als durch die„Trägheit ihres Herzens". Albert Steinrück lan» man die Güte dieses Menschen nur schwer glauben. Die an- deren unter Brauns Regie spielen brav und ordentlich, nur Wolf- gang Zilzer überragt durch seine wirklich überzeugende Jugendlichkeit. F. S. Feiern am Volkstranertag IVS7. Am Bolkstrouertag'(Sonntag, den 13. März) werden von, Ausschuß für die Festsetzung eines Polksirauertages in Groß-Berli» sieben Feiern zum Gedächtnis der im Weltkriege Gefallenen vei- ansialtet, und zwar: im Plenarsitzungssaal des Reichstages. im Großen Schauspielhaus(Am Zirkus 1). im Berliner Konzerthaus(Mauerstraße 82), in der Hochschule für Musik(Fasanem'traße 1), im Lehrervereinshause (Alexanderstraße 41). in der St a d t h a l l e(Klosterstraße) und in den Kammersälen(Tellower Straße 1— 4). Eintrittskarten zum Preile von 50 Pf. sind an den Eingängen der Säle zu haben. Die Eintrittskarten für die Feiern im Reichstag und im Großen Schouspielhause sind bereits oergrissen. Alle Feiern beginnen mittags 12 Uhr. Qvalitatsschau für Damenmoden. Der Reichsverband der Deutschen Moden- Industrie veranstaltet im Verein mtt dem Berliner Messe- Amt vom 18. September bis 9. Ottober in der F u n k h a l l e eine Oualttätsfchau auf dem Gebiet modischer Damenbeklcidungs- ortikel. Di« Entwicklimg künstlerischen Schaifens in der Reichs- Hauptstadt, als der Zentrale der Modewirtschast und Modekultur. soll hier im weitesten Rahmen zum Ausdruck gelangen, gleichzeitig aber soll die Berliner Ausstellungskultur durch Heranziehung erster künstleriicher Kräfte eine besondere Förderung erfahren. Der lünst- lerisch« Ausbau der Ausstellung liegt in den Händen de» Architeklsn Ernst Friedmann, der nach Entwürfen des Ailsstctttungsleiters der Staatstheoter, Emil Pirchan. dem Ganzen einen oeschmackoollcn, künstlerisch hochstehenden Rohmen geben wird. Die Ausstellung soll kein« Modem« sie darstellen, sondern wird die industriell-gcwcrbiichen Grundlagen, die Zusammenhänge zwischen Stoffen, Zutaten und Fertigsabrikat, kurz den Entwicklungsgang modischen Schafsens in industriellem und kulturellem Sinne dem Besucher vorführen. Die Textil- und Bekleidungsindustrie und die ihr angeschlossenen Grup- pen der �tosserzeugrlng und Verarbeitung, wie all die versä/iedenen verwandten Gewerbe aus den, Modegeoiete stellen heut« einen bemerkenswerten Faktor dar, der nicht nur als eine Angelegenheit des Lupus, sondern als ein Kernstück der Volkswirtschaft gewert« sein will. ver flüchtige Postagenl Becker, der auch von der hiesigen Kri- minalpolizei eifrig gesucht wird, wurde zunächst wegen Unter- schlagung von 14 000 Mark verfolgt. Die weiteren Er- mittlungen ergaben nun. daß er außerdem»och 13000 Mark unterschlagen und 1800 Mark durch Betrug erbeutet hat. Becker ist ein sehr gewandter Mann und ein Künstler-> u f der Klarinette, der vielfach zu geselligen Veranstaltungen her- angezogen wurde und deshalb eine Rolle spielte. Er Hot siw va» der Amtshauptmannschaft Borna einen Aiislondspah für Polen ausstellen lasten, ist ober neuerdings noch in Berlin gesehen worden. Die menschliche Granate. Eine nervenspannende Attrakttvn All sich der im Zirkus Busch gastierend« Zirkus Hagenbeck in dem spanischen Artisten Zacchini verschrieben, der gestern seine Generalprobe absolvierte. Herr Zacchini ladet sich selber in ein» Riesenhaubitze. Langsam hebt sich ihr rundes Maul zur Decke. Ein Ruf...«in Knall... eine furchtbare Pulverwolkc... in haushohem Bogen von der Kanone emporgeschleudert, fliegt der tollkühne Mensch durch den Zirkusraum und landet glücftich im Nezz. Der Polizeivizepräsident Friedensburg, der bekanntlich als Re- gienigspräsident nach Kassel geht, verabschiedete sich gestern Abend aus einem Bankett im Rheingold von den Beamten des Polizei- Präsidiums. Und hmw fvi/L i.OMiCiiM' ßu*' cht SitfneÄmM n/vt- fatwiZltis yhne+u /daßoi dodi nüditi Bmwuo /rie&ft a&~ Äöt dua UHMltUvefflSwo (wh QMicitfitüxrtc Mmtd+i/a&i&i und.— ODOL twduMjt eUtAtt ßycotkr otuffaufac A&Uf. Vier Tage lang durch künstliche Atmung erhalten. Chikago, 11. März.(WTB.) Der bisher nickt dagewesene Fall, daß ein Mensch vier Taxe lang durch künstliche Atmung erhallen wurde, hat heute mit oem Tode des Patienten geendet. Ein junger Mann, Albert Frick, war insolg« einer Grippe von Darm- lohmung befallen worden. Die Atmung hörte aus, während das Herz normal weiter funktionierte. Man griff zur künstlichen Atmung, die von Fricks Freunden vier Tage lang mit viertelstündiger Ablösung durchgeführt wurde. Der Patient war die ganze Zeit über bei Bewußtsein. In der vergangenen Nacht trat jedoch ein Kräfteversall ein, der zum Tode führte. Aubele legt Verufunq ein. ZNunchen. 11. März.(WTB.) Bor Ablauf der Berufungsfrist haben sowohl der zu fünf Monaten Gefängnis oerurteilte L o k o- motivführer Aubele als auch der Staatsanwalt gegen das Urteil des Erweiterten Schöffengerichts München Berufung ein- gelegt._ 3m Badezimmer verbrannt• Als in Breslau der Studien- rar N gestern nach Beendigung seiner Toilette eine Zigarette rauchte, geriet oine in der Nähe befindliche Flasche mit Ben- zi n durch einen Funken der Zigarette in Brand und explodierte. Der Studienrat brannte über und über und erlitt,«he man ihm Hilfe bringen konnte, so schwere Verletzungen, daß er Tags darauf verstarb. Stapellauf des Kreuzers„B.". Am 26. März wird auf der Marinewerft Wilhelmshoven der Staoellauf des Kreuzers„B." stattfinden. Es handelt stch dabei um ein Schiff von 6660 Tonnen im Nahmen der im Dersailler Friedensvertrag vorgesehenen Bestimmungen. 3u der Breslau«! MordasfSre Rosen ist zur, zeit der Unter- suchungsrichter bemüht, den Anteil des Strafgefangenen Alois Fleischer an dem Doppclinord durch Vernehmungen zu klären. Der Untersuchungsrichter hatte, wie gemeldet, den Antrag des Verieidi- gers der Neumann und des Schlossers Strauß, beid« aus der Haft zu entlassen, abgelehnt. Dagegen hat mmmehr der Verteidiger Rechts- onwalt Dr. Salz Beschwerde eingelegt, so daß demnächst die Strafkammer darüber entscheiden wird. Gif.selbstmord einer ungarischen Aerzkin. Die Assistenzärztin Dr. Mngd«l«ne Frank von der Fünf?jr6)cner Universität nahm während eines Dortroges des Professors Entz Zyankali und war in «inigen Augenblicken tot. Das Motiv der Tat ist undekann:. ä'er-Gefaiigskmzerke. Der.Gemischte SSor Norden verlin' der- Sonntag, 13. März, 3 Uhr, in der Singatademie(ftaiianten- ücrtdelm, Bothc 4 Kock und an der Kalle zu haben. „Freie Voitschor Tegel und Umgegend' veranstaltet Sonntag. Gr best«. anstaltet__.... Wäldchen) ein Konzerl mit Orchester:„DaS Paradies und die Peri.' Mitwirkende: Da» Berliner Sinfni«- Orchester. Golllten: Dora Busch Sopran, Georg Funk, Tenor, Inge Hermann, Mezzoiopran. Karten zu 1,25 M. find dei~"'• Der 13. März, i'l, Uhr, in der Aula der Hmnboldtschule. Tegel, ein Konzert unter Äitwirlung de» llellovirtuosen Armin Liebermann. VIe Zugendwelh« für SSalaewusterhause» und Umgegend findet am 57. März, voim. 10 Uhr, in der Aula Sonntag. Königen ullerdauie» statt. de» RealghnrnasiuniS in Di« Kinder, die daran noch teilnehmen wollen, werden gebeten, am Sonntag, 13. März, nachm. 2 Uhr, im Jugendheim in der Turnhalle KönigSwusterhausen zu erscheinen. flus öer Partei. Der Parteitag in Siel. Di« Reichstagsfraktion hat den Genossen Robert Schmidt beauftragt, auf dem Parteitag in Kiel, der vom 22. bis 27. Mai abgehalten wird, über ihre Tätigkeit Bericht zu erstatten. Siiiltabaitgni fit biete Rubril find Betli» SA 63, ainbenftrajn 3, parteinachrichten(n&k für Groß-Serlin Net«»» da» Dezitkisetretariat z. Hai, 3 Irep. recht», ,» richte». SezirksvorftanS. heute abend 6 Uhr: Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes im Zugendhetm, Lindenfir. Z. * 2«.«rei,»eiaickend-rf. Monlsg, 1«. Mär,, 7Zj 1 de« Rathaus«» Wittenau Sitzung de» engeren Hr. Im Keinen Sitzungssaal rreisvorstanbe». heute, Sonnabend. i2. ZNSrz: (6. Abt. 8 Uhr Mugblattverbreitung den Sichholz, Suvrqstr. 28. Zahlreiche Beteiliaung wirb erwartet. <7. Abt. Ätze Senafiianen und«enofien beteilige» fich nachmitiog, b Uhr an de- ,�!r:Mattverdrettung Mr Rieterverfammlung bei Siedentopf, Muslauer Morgen. Sonntag. lZ. März: 32. Abt. lg Uhr«armittaq» Aefichtigiing de» AmbulafoeiuMS des Verbände« der Kranlenkassen Verlins, Landsberger Sir.cnd. Rr Gm»»« Tiergarten: Heute, Sonnabend, 12. März, 8 Uhr,. Bremer Site Wielefstrofi«, Zimmer 8, Gruvvenabend. DIskussionsabcnd. Rest- rcnf Otto Zänichen. Alle Genossinnen und Genossen werden gebeten, bestimmt zu erscheinen. Gasse sind herzlichst willfowmen.— Gruppe Steinstkeadorst Heute, Sonnabend, 12. März. 7% Uhr, im Ledigenheim am Brunnenplotz gemeinsame Beranftaltiing der nördlichen Gruppen. Portrag!..Diktatur und Demokratie". "' z Levinsti.— Gruppe Sch" ---- hchwo'' Referent Franz echbnebrrg! Morgen, Sonntag, '''' Llteraturabenb: 18. März, „Nordische >« Jugendheim Sauptstr. 18 lSchwabenlandzimmer) Dichtung" iStrindderg, Andersen, Nezö). » KInberfrrund« tlharlottenbnrg: Elternabend heute, Eonnabend, 12. März. 7>� Ubr, im Jugendheim Rosinenstr. 4 Bortrag:„Die praktische Arbeit der Kindersrrundc". Referent Herbert Kriedemann. Sozialiftische flrbeiterjugenö Groß-öerlin. heute. Sonnabend, 12. März: Kottbvsse« Z»r: Jugendheim Reichenbcrger Str. 88, Aussprache:„Tages- Politik".— Nordost I; Fahrt Lanaenmühle— Bernau. Treffpunkt abends 8 Uhr Stettiner Bahnhof.— Fr>ebrich»h»fU! s Uhr Borstands, igüng beim Genossen John, Diestelmeverstr. 2. Zi» Uhr außerordentliche Witaliederversammlung bei Wachs, Frieden. Ecke Koppenftratzc.- Lichtenberg-Weft! Nachtfahrt. Treffpunkt 8z) Uhr Bahnhof Etralau»Rummcl«burg. Morgen. Sonntag, 13. ZNLrz:" Hainannplatz: Spielen auf dem Eper. Treffpunkt dort>z9 Uhr vormittag». — Hastaheibei Nachmittags'5)2� Uhr Probe �im Linbenhesm. Da» Erscheinen afw allrr Genossen ist Pflicht.— SchSneberg Ii Fugendheim Sauptstr. 15. März- stier.— Schinederg lll! Jugendheim Sauptstr. 18. Heimabend.— Steglitz l: Jugendheim Albrechtstr. 47. Bunter Abend.— Waniiste: SSiulc Eharlotien. straß«. Polkstanzabend.— Friedrichsbogen! Fugeiidbeim Säiarnweberstr. lO.Vi. Heimab nd.— Buchhelz: Fahrt. 7 Uhr Post.— Köpcniüer Bieriel: Fahrt das seibsUättge Waschmittel ifiemardKoiuienl; Das Haus für Volk»kief dunH nnd BeruffkleldanH NEUKÖLLN Hermanostr&jic 16-77;■ Riesenbriiie SO a. 80Pf. Z'lcle Schcn- Neuhclten! Mütren Duaend von 20 Pf. an. Alle Pest- und Vereins- Artikel sehr billig. 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ZiehungSlag 10 März 1927, nachmtfiagS «tuf Jede gezogcue Stummer find zwei gleich hohe«e- Minne geialla». und zwar so einer auf die Lose gleiche» Stummer In de» beide» Sldfelinngrn 1 nn» a 18«ctvinn« jui« 1000 mf. 32980 45579 93993 99355 244>03 294108 304754 308376 Ohne Gewähr Nachdruck verbolen ES wurden Gewinn« über ISO Mark gezogen 2 Gewinne zu je 5000 Ml. 303995 b uz.'to.m»|U 1( 8000*11. 102868 f 444 05 147019 176648 8 Gewinne ,u je 2050 M,. 15.266 164023 173347 253604 118294 70 Gewinne zu je 500 MI. 7744 11162 14243 28818 101152 104581 106822 1096,9 113941 118524 126594 131635 142633 165763 173850 193819 202634 212179 236004 240022 242977 244112 26431 1 267217 270197 300516 304106 304361 305271 316711 322986 324442 332579 341337 3480c5 ---- II. 4849 s 120249 127348 130315 131322 I 42092 148670 154364 160554 167008 173016 180074 183568 185912 189433 192011 194072 194102 194981 305864 215144 219647 219823 2204O1 221799 226719 226901 231632 232323 242663 243479 244840 245458 256827 256997 270048 271227 271381 264349 259818 292728 300112 304976 310291 318581 321134 322066 323303 32963« 329730 333623 336842 340069 346046 Schluß, i-hung. 27. Zlehungjtag 11. März 1927, vanfilttagt ES wurden Gewinne über ISO Mark gezogen 2 Gewinn« z» je 6000 MI. u. 2 vrtmte» 600000 MI 305588 2«-Winne zu a 300C«!. 1 13242 4 A-Winn« zu je 2000 Mi. 154196 221790 10 Gewinn« zu je 1000 Ml. 4900 133541 167906 24065« 311212 36 Gewinne zu je 5t0*ti. 63668 60416 84462 95309 150664 166306 205904 206651 216243 227839 238206 201717 270486 274393 335634 339203 34.. 68 349240 120 G-wInn« ,n s, ZOOM. 32390 36224 46694 47IZS 51862 56456 56215 56764 69ÖU2 62423 63260 71370 71712 72810 83931 89757 99198 99659 102079 113699 125031 128766 136930 146607 149680 164647 166042 165048 174288 178258 176223 191879 200904 204136 210385 227315 232729 249433 250756 266467 267182 270085 274487 274793 275157 286290 286878 296709 298147 300763 306176 307896 312400 319606 327187 327997 340111 341518 542100 34727» EAIPAttö-PARITÄT waoo der weisse Rabe unter den 4 Pfg. Cigaretten Warum? 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Werbebezirk Prenzlauer Bei Straße SS Sitzung der Auaf Dildungsausfchuß. g: Montag, Ij. März, yllsse für Feste und im Hei« Sreifenhaaener Feiern, Wirbeausschuß, vortrage, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.Schwarr-Rot-Goid�. S-fchäftsstelle: Berlin S 1«. Eebastianstr. 87/38. Hof Z Zr Rosenthal: Co., d. 12., 8 Uhr, bei Sblmeycr, Hauptstr. 13, Bortrag des Kameraden gornemann. Erscheinen Pflicht.— Wafserfport» abteilung: Zug Faltboot Sonntag, d. Ig., morgens Slb Uhr, Abfahrt Stralau- Rummelsburg nach FUrftenwalde-Erkner.— Reuenhagen, Koppegarten, Birken- stein: Sonntag, d. 18., nachmittags 2 Uhr, Antreten Friedrich-Ebert-Platz. Pflichtveranftaltung.— Ritte: Mo., d. 14., Turnabcnd.— Äreuzberg: Mo., d. 14., TA Uhr, Jugendwcrbeadend in der Schulaula Mittenwalder Str. 34/37. Musik, Filmrorillheung. Ansprache des Kameraden Dr. Mischler. Jeder Jugendliche ist willkommen.— Reukölln-Britz: Mo., d. 14., 1. Kameradschaft 8. Zug 8 Uhr Zugverfammlung bei Smeibidl, Kaiser-Friedrich-Str. 228. Refe- Aufgaben des Reichsbanners*. Erscheinen sammlung bei Balewfki, Boddinstr. 37. fpo>ch»btlllu»g: Aug Obersprec Sonntag, d. 1Z., Arbeitsdienst von S-1 Uhr. Gewerberaum- und Wohuuagsmieter. Mieterversammlung Sonntag, 13. Mär», I01p Uhr, im Reichenbergcr Hof, Reichenberger Str. 148. -ein ehemaliger Schüler der Knabenschule der jü Verein ehemaliger Schüler der Knabenfchuli - jüdischen Generalve Gemeinde zu Dönncrstagl 17. März, 8� Uhr,. "" König von Portugal", gemllt- Verwaltungsgebäude Rofenftr. 2/4. liches Beisammensei» mit Tanz und Vorträgen im Hotel Burgstr. 18. Eintritt 38 Pf. Gäste willkommen. Berliner Ssperantoneeeiaiguag. Dienstag, 13. März, 8 Uhr, im„Alten Askanier*, Anhaltstr. 11: Borlefung au- dem Roman„Zdoj de Orfeo*. Eintritt frei. Gäste willkommen... «eichabund der KriegabelchSdigt-a. Kriegsteilnehmer»ud Keieaerhinter- blieben«», vrtsverein Steglitz und Lichterfelde: 18. März, 8 Uhr, im Awrechts- — vrtsgr. Renkölln: Freitag, 18. März, ' 8, Hinterbliedenenoerfammlung. Deutschland e. B. Tonnerstag, 17. März, 8 Uhr,'Schübertfa-l, Vortrag von Prof. Dr. Theodor Leffin« über „Spinoza.»arten 1 M., filr Studierende 50 Pf., sind bei Werthkim, Bote u. Bock und an der Abendkasse erhältlich._ Gef-Ilfch-ft für Geschlechtskunde«.«. Dienstag, 13. März. 8 Uhr, Georgen. .-----'---.......'' Dr. Magnus Hirschseld:„Die sexuelle Rot Onanie, Pubertätsalter). Frage- Pf. wekterberichk der Sffenlflchea U! est erdien stsselle für Berlin und Umgegend fNachdr. verb.). Zeitweise beiter bei abnehmender Neigung zu Niederschlagen. ziemlich kühl.— Zür veutschland: Wolkig bis heiter. Ziemlich kühl. Strich- weise noch leichte Schauer. Gesthastliche Mitteilungen. Tüchtige Geschäftsleute im ganzen Reich überzeugen sich täglich mehr von der Beliebtheit der Wriglev P. K. Kaubonhons und bemerken, daß der leichte Verkauf der Päckchen dazu beiträgt, die Ladcnkass« zu füllen und die so teten Unkosten teilweise zu decken. 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Thtllmui. tnnmttar.'■ Morgen, Sonnlag, 3 Uhr: Abschied vom Rhein STainaus-Taeai. ..(dheraar; H»l. 81. Sonntag 411, u. 8", (Schlußtag der Ausstellung) All« Rheinlandfreunde Berlins müssen erscheinen I Ben Hur Schauspiel in 7 Akt. Vorzeiger dies, zah- | len für Park. 60 Pf. | Sonntag, nehm. 3 U.: Struwwelpeter leniral* Thea er Täglich s Uhr: Der blonde Zigeuner WW Nutil Kacpf, tanHll tünnan. tleii, Haieiid. khcin. Viltu. Käbae 100 ■zr.Tsir-t Qaltlunsis-.Batsi n.Reklamemarken legen Nachahmung gesetzt resch. fertigt seit45 Jahr. als Spezialität Conrad Möller Schkeuditz. I.eipzie ScfüMytntftmn, txichhciliujzs JfaqttX inlerieren bringt erpOlqj Nr. 12H ♦ 44. �ahrgaag 2. Seilage öes vorwärts Sonnabend, 12. Mäez1H27 Die Subventionen öes Siegerlanös. Heranziehung der kapitalstarken Montankonzerne.— Versagen der Kontrollausschüffe. Unsere allgemeine fjaliurtg gegenüber den Subventionen, die jetzt von der Regierung nur allzu freigebig der Industrie in Aussicht gestellt werden, macht auch eine Auseinandersetzung mit der Frage der Subventionen im deutschen Erzbergbau des Sieg», Lahn- und Dill-Gebietes notwendig. Di« Subvention, die Reich und Land(je 1 M. per Tonne Erz) seit Sommer v. I. gewährt haben, läuft am 31. März d. I. ab, doch wird es von interessierter Seite angestrebt, die Subventionen noch auf unbestimmte Zeit hinaus zu ver- l ä n g e r n oder, wie es heißt„den Abbau der Subvention nur all- mählich durchzuführen�. Die besondere Schwierigkeit des Sieger läadec Problems liegt, wie überhaupt im Bergbau, darin, daß die Stillegung einer nur vorübergehend unrentablen Grube dann einen Volkswirt- schaftlichen Verlust bedeuten kann, wenn etwa später die Förderung wieder rentabel hätte werden können, aber die Wiederauf- wältigung der unter Wasser gesetzten Bodenschätze zu kostspielig ist. Eine zweite Schwierigkeit liegt darin, daß man es hier mit einer alteingesessenen Arbeiterschaft zu tun hat, deren Umsiedlung auch finanziell große Schwierigkeiten macht. Trotzdem ist es fraglich, ob diese beiden Gründe ausreichen, um die Fortsetzung der Subvention zu rechtfertigen, wenn es sich herausstellen sollt«, daß die guten Betriebe des Erzbergbaues in Wirklichkeit auch aus eigenen Mitteln in die Höhe kommen können, während es bei den schlechteren Betrieben voltswirtschaftlich nicht lohnt, sie künstlich über Wasser zu hallen. Die Zusammensetzung des Siegerländcr Erzes ist an sich verhältnismäßig günstig, namentlich, infolge seines Mangangehaltes, zur Herstellung von Stahl- und Spiegeleisen. Auch wenn diese Spezialsorten heute nicht mehr die Marktgängigkeit haben wie in den Zeilen des Kriegsbedarfs, finden diese Erze doch einen genügenden Markt, wenn sie im Möller mit anderen Erzen gemischt werden. Was aber ungünstig ist, sind die Abbauverhältnisse (Verwerfungen!). Auch ist das an sich werwolle Erz durch Quarz vielfach verschlechtert oder verdrängt: oft unterbrechen die Quarz- gänge die Edelspatgänge. Hierin liegt die Hauptursache der Selbst- kostenschwierigkeiten des Erzbergbaues— sicherlich in viel größerem Maße, als etwa in der von den Unternehmern behaupteten Belastung durch das neue Reichsknoppschaftsgesetz! So wurde der deutsche Erzbedarf in den letzten Iahren immer mehr im A u s l a n d gedeckt, namentlich in Schweden und in immer wachsendem Maß« auch in Nordafrika. Die lothringische Minette, von der sich die deutsche Schwerindustrie in den Nachkriegsjahren absichtlich aus Gründen der Montan-Außenpolitik, um die Franzosen zu einer Ver- ständigung zu zwingen, absperrte, findet nunmehr nach der voll- zogenen Verständigung ihren Eingang nach Deutschland zu ermäßigtem Eisenbahnt aris. Di« Ruhrindustrie dehnt auch ihren eigenen ausländischen Erzbesitz in Schweden, in Nordoftita, in Chile au»: die Belieferung mit russischen manganreichen Erzen wächst immer mehr. Auf die Dauer kann da» Siegerläuder Erz mit der ausländischen billigeren Konkurrenz e» nur aufnehmen, wenn man sich nur auf die geologisch besten Gruben beschränkt, und wenn man die technische Rationalisierung der Förderung so weit wie möglich treibt.(Namentlich in letzterer Hinsicht wird man wohl Rußland und Nordaftita gegenüber ohne groß« Schwierigkeiten die Ueberlegenheit behaupten können.) Dauernde Subventi- onen aber sind einem volkswirtschaftlichen Verlust gleich. Die Wirkungen der Subveolloaev. Da» Bild ist dadurch etwa» verdunkelt, daß die Monate der Subvention gleichzeitig auch Monate einer von außen her bedingten ionjunktur waren. Dem Siegerländer Erzbergbau kam ...... � fch e Streik in zweifacher Hinsicht zugute: einmal durch die Lahmlegung der englischen und entsprechende Steigerung günstigen Konft der englische Streik in der deutschen Eisenproduktion, zweitens durch die Verteuerung der Ueberseeftachten, die das ausländische Erz im Preise steigerten. Von April bis November stieg die Erzftacht von Spanien nach Deutsch- land von J>,30 M. auf 12,60 M., von Schweden nach Deutschland von ZFO M. auf 8.70 M. per Tonne— dies« Frochtsteigerung war also noch größer als die Siegerländer Subvention(2 M.)I Wenn man ist wahr, daß die Arbeiterzahl von 4800 im April 1926 auf rund 9000 im Januar 1927 in den Siegerländer Gruben gestiegen ist. Ebenso bedeutend war auch die Besserung in den beiden anderen Subventionsbezirken: in den preußischen Dill» und Lahn- Gruben stieg die Belegschaft von 1900 im April 1926 auf 2900 im Januar 1927, in den oberhessischen Gruben von 700 im April auf 1180 im Januar d. I. Dementsprechend ist auch die Forderung gestiegen. Rechnet man die Ersparnisse an Arbeitslosen. Unterstützung und die Zunahm« des Eisenbahnoersandes zusammen, so ergibt sich, daß die Subventionsausgaben zu einem -roßen Teil wieder aufgebracht wurden. Auf die Dauer .äun aber diese Berechnung nicht stimmen: einmal, weil dies eine ewige Arbeitslosigkeit zur Voraussetzung haben würde: zweitens aber deshalb, weil die Ausnahmekonjunktur vorüber und es daher zweifelhaft ist. ob die Ausdehnung der Siegerländer Erz- produktton sich in demselben Tempo f o r t s« tz e n wird. Allerdings l ist die allgemein« Eisenkonjunktur immer noch im Ausstieg: dafür sprechen ebenso die letzten Zahlen der deutschen Rohstahlerzeugung (die jetzt IL Millionen Tonnen monatlich beträgt gegenüber 1 Million Tonnen im Jahre 1926), wie auch die soeben beschlossene Erhöhung der Produkttonszifser der internationalen Rohstahlgemeinschaft. Aber die Montanindustrie braucht ihre Ausdehnung nicht mit inländischen Erzen zu vollziehen, wenn sie ausländische Erze billiger bezieht. Ein großer Teil der Erzgruben im Siegerländer und Lahn-Gebiet gehört den großen Slahlkonzernen des Rnhrgeblets. Allein die neue, sehr unvollständige amtlich« Zusammenstellung der Konzerne und Interessengemeinschaften zählt über 30(von insgesamt SO) solcher Konzerngruben im Siegerländer Gebiet auf. Kapital- mäßig dürste der Anteil der Ruhrindustrie, darunter auch der Vereinigten Stahlwerke A.-G., etwa 80 Proz. des Sieger- lönder Erzbergbaues betragen. Es liegt im Sinne der kapitalistischen Wirtschaft, daß die Konzerne ihre Verluste— in welchen Teilen des Konzernbesitzes diese Verluste auch entstanden sein mögen— aus«igeneu Mitteln z u tragen hoben; das gute Stahl geschäft müßte also dazu dienen, das schlechte Erzgeschäst zu verbessern. Nicht das Reich, sondern die Ruhrherren haben also in erster Linie für die SanierungdesSiegerlandesdieLastenzutragen. Es geht nicht, daß man mit Hilf« des Reiches den Siegerländer Erzbergbau noch einige Jahre weiter schleppt, nur um den Ruhr- konzernen Zeit zu geben, chren neuen ausländischen Erz- grubenbesitz auszubauen, um dann die unrentablen ein- heimischen Gruben doch aufzugeben. Gerade deshalb hat aber die ganze Sanierung im Siegerland nur dann Sinn, wenn sie nicht eine derartige„Durchschleppung" ist, sondern einen wirklichen einmaligen wirtschafllichen und technischen Umbau bedeutet. Um diesen Umbau zu beaufsichtigen, waren im Sommer vorigen Jahres besondere Auffichlsausschüsse errichtet, die namentlich die Selbstkosten der einzelnen Betrieb« fest- zustellen hatten. Die Oefsentlichkeit hat aber nicht erfahren, ob die Arbeit dieser Ausschüsse auch wirklich erfolgreich war, oder ob man sich einfach damit begnüg: hat, die Subvention an die Betrieb« zu verteilen, sie dadurch äußerlich für den Markt konkurrenzfähig zu machen, den inneren Betrieb aber unberührt zu lassen. Auch tonnten wir nicht fessstellen, ob dies« Aussichtsausschüsic imstande gewesen sind, die Konzerngruben anders zu behandeln als b e- dürftige, aber technisch gesunde freie Gruben, ob es ihnen asso gelungen war, das Ruhrkapital wirksamer heranzuziehen. Roch eine weitere Quelle scheint nicht voll ausgenutzt worden zu sein. Die Reichsbahn hat zwar in Form von Mengentarifen gewiss« Verbilligungen des Erztronsports aus den notleidenden Ge- bieten zugestanden: das Zugeständnis könnte ober, wie osrlautot, noch viel weiter gehen, wenn die Reichsbahn für die besondere Strecke Ruhr— Siegerland, auf der die Erze eine Rückfracht für die Kohlen darstellen. noch weitere IrachtermSßigungen bewilligte. Di« heutige flüssige Geldlage der Reichsbahn würde diesen Versuch, der infolge der zu erwartenden Mengensteigerung bei der Tarisermäßigung keineswegs schr riskant ist, ohne weiteres recht- fertigen. Was die Arbeiterschaft anbetrifft, so kann sie sich mit den Auswirkungen des bisherigen Subventionsregimes keineswegs ein- verstanden erklären. Die lOprozentige Lohnerhöhung im Dezember kann keineswegs genügen: eine weitere Erhöhung der jetzigen Löhne, die 87 Pf. für gelernte Arbeiter be- tragen, wurde bei den jüngsten Schlichtungsverhandlungen a b g e- lehnt. Was die Arbeitszeit anbetrifft, so herrscht immer noch das alte Ueberstundenabkommen. Selbstverständlich zieht es manche Ar- beiterfamilie vor, für geringe Löhne zu arbeiten, als arbeitslos zu werden. Dadurch ergibt sich aber noch keine Rechtfertigung für eine unbestimmte Fortsetzung des Subven- tionsregimes. Der sozialdemokratische Antrag im Vreußischen Landtag. bei der Subvention möchten nur solche Betriebe berücksichtigt werden, die den Kontrollauzschüssen restlos die einwandfreie Feststellung der Selbstkosten ermöglichen, mid die angesichts der gesteigerten Lebens- Haltungskosten die Bergarbeiterlöhne angemessen erhöhen, ist deshalb für den Fall, daß die'Forssetzung der Subvention nicht zu ver- meiden sein wird, zu begrüßen. Auch der Wunsch der Landtags- ftaktion, nur absolut bedürftig« Grubenbetriebe zu berücksichtigen, kann zu guten Ergebnissen führen, wenn man dabei namentlich hie Konzerngruben von den freien Gruben, soweit dies« gleich rentabel sein sollten, unterscheidet. Man wird aber nicht vergessen dürsen, daß die Subvention nur als Rationalisierungsmaßnahme und deshalb ganz im Sinne der Rationalisierung nur als vorübergehend gedacht war. Man dürste deshalb gespannt sein, wie die suboentionssreudige Regierung die Kontrolle der wirklichen Rattonalisrerung zu sichern und wie sie die T e r m i n e de, wirklichen und nicht nur scheinbaren Abbaues der Subvention zu legen gedenkt. Der deutsche Steuerzahler, die Gesamtarbeiterschaft ist an der Beantwortung dieser Frage lebhaft interessiert. Besserung in öer ZNaschineninöuftrie. Anwachsen der Belegschaften. Der Februarbericht des Verbandes Deutscher Maschinenbau- onstolten über die Lage der deutschen Maschinenindustrie ist zum erstenmal deutlich optimistisch. Die Anfrage tätigkeit sei überall lebendig und ernsthast gewesen, besonders soweit die Jnlandskundschast in Frage komme. Bei dieser mache sich der seit langem aufgespeicherte Bedarf stärker geltend. Daß der Eingang neuer Aufträge im Februar keine Zunahme er- fahren habe, brauche deshalb nicht bedenklich beurteilt werden und hänge auch zum Teil mit einer vorübergehenden Zurückhaltung zu- sammen, die sich aus der Abhaltung der technischen Messe in Leipzig erkläre. Im Beschäftigungsgrad der Industrie wirke sich die Besserung der Konjunktur allmählich stärker aus, so daß sich in vielen Fällen ein Auftragsbestand angesammelt habe, der die i�chwankungen in der Beschäftigung auszugleichen oermöge. Die Zahl der als„schlecht beschäfttgt" bezeichneten Betrieb« sei im Februar auf 40 Proz. gegenüber noch SO Proz. im Januar gesunken. Das Anwachsen der Belegschaft gehe zwar nur allmählich vor sich, mach« sich aber in immer größeren Teilen der Moschinenindustrie bemerkbar. Die Berichte aus den einzelnen Zweigen der Industrie scheinen diesen Optimismus nicht ganz zu rechtfertigen, was aber vielleicht mit der Berichterstattung zusammenhängen mag. Insbesondere werden,-ivas für die Konjunkturbeteiligung wichtig ist, die Aus- sichten für den weiteren Absatz von Bergwerksmaschinen für den Kohlenbergbau weniger günstig beurteilt als vorher. Recht beachtlich sind die Gesichtspunkte, unter denen der BDMA. die zunehmende Bedeutung der technischen Messe in Leip- zig beurteilt. Diese entwickle sich immer mehr zu einem Knoten- punkt der Produktionsbeschaffung für die ganze Welt. Sic leiste wertvolle Arbeit zur immer engeren Ber- flechtung der Wirtschaft der Völker und zum Ausbau der inter- nationalen Arbeitsteilung. Zugleich stärke sie das Bewußtsein, daß diese Entwicklung im Interesse oller Böller liege, und daß der Austausch an Produktionsmitteln die stärkste Triebkraft für den Fortschritt in der Weltwirtschaft sei. Sehr mit Recht schließt der Bericht mit der Forderung, daß die Hemmungen dieses Aus- tausche« durch Schutzzölle und die Behinderung der Freizügig keil im Interesse aller Beteiligten abgebaut werden müssen. Lebhaste Beschäftigung in der Schuhindustrie. Die Schuhindustrie ist in den letzten Wochen gut beschäftigt gewesen und mit Auf- trägen fast d»r6:wcg reichlich versehen. In den Hauptzentren der Industrie, wie Pirmasens, Erfurt und Weißenfels, wird in fast allen Betrieben voll gearbeitet, und man rechnet auf Grund der vorliegenden Aufträge auch noch für die nächsten Wochen, teils sogar Monate, mit einer befriedigenden Beschäftigung. Die starke Beanspruchung der Reichsbant hat auch am Ende der ersten Märzwochc noch angehalten. In der gesamten Kopital- anlage der Reichsbank trat gegenüber dem starken Ausschwung zum Februarende ein Rückgang um nur 148,2 auf 1743 Millionen ein. Dabei hoben die Wechselbestände der Reichsbank nur um den geringfügigen Betrog von 39,8 auf 1604 Millionen abgenommen: ein Zeichen, daß die Banken erstens ihr Geld brauchen. und daß es zweitens sich für sie lohnt, die Reichsbank in An- spnich zu nehmen. Nur die Lombardbeständc sind erheblich, um 108,5 aus 46,2 Millionen zurückgegangen, bleiben ober mich mtt diesem Betrage noch relativ hoch. Für die Geldknappheit ist weiter charakteristisch, daß die an sich schon nicht sehr beträchtlichen Kunden- geider auf Girokonto noch um 15, l auf 524,2 Millio- neu abgenommen hoben. In der ersten Januarwoche, wo ein« ähnliche Situation vorlag wie jetzt, waren auf diesem Konto nicht unerhebliche Zugänge zu verzeichnen. Im Zusamn>enhong mit diesen Veränderungen blieb der Umlauf von R e i ch s b a n t- n o t e n r o ß. Er verringerte sich um nur 118,4 auf 3346,9 Millionen. Der Umlauf an Rentenbankscheinen ging um 33,6 auf 1080,4 Millionen zurück. In den Gold- und Devisenbeständen sind keine erheblichen Aenderungen eingetreten. Immerhin hat die Reich»- dank ihre G o l d b e st ä n d c seit längerer Zeit zum erstenmal wieder um 10,1 auf 1844 Millionen verstärkt, die Bestände an deckungsfähigen Devisen sind mit 202,1 Millionen(Rückgang 1,8 Millionen) nicht erheblich vermindert. Die Deckung der umlaufenden Reichsbanknotcn durch Gold und deckungsfähigc Devisen zusammen bat sich gegenüber der Vorwoche von 58,8 auf 61,1 Proz. verbessert. Inwieweit die Fortdauer der Inanspruchnahme der Rcichsbank im Zusammenhang mit den anziehenden Zinssätzen des Geldmarktes und der lcheinbar steigenden Kreditnachfrage der Wirtschaft zu einer Veränderung der Diskontpolitik nach oben führen kann, darüber ist fede Dennutung heute noch verfrüht. Daß die jetzige starke Inanspruchnahme der Reichsbank und die Verknappung auf dem Geldmark) aber mit dem saisonmäßigen Ausschwung der Wirtschaft im Frühjahr zusammenfällt, macht eine Bcrände- rung der Diskontpolitik im Lause der nächsten Woche immerhin nicht unwahrscheinlich. Oelproduktion der Leunawerke. Die schon vor einigen Togen aufgetretene Nachricht, daß die Leunawerke die Produktion von künstlichem Oel aufnehmen werden, wird jetzt bestätigt. Sie soll von April zunächst in kleinen Mengen stattfinden, die Produttion soll auch sofort aus den Markt gebracht werden. D« SCHUHMODE FRÜHJAHR verlanqr vornehm-ruhiqe Eleganz und qe= schmackvolle Zierlichkeit". Alles Schreiende und protzig Aufgeputzte ist verpönt. Die neuen Salamander-Modelle sind vorbildlich. Her mit Sem Achtstundentag! Sozialdemokratische Forderungen zum Sozialetat im Reichstag. ?>'r Reichstag verabschiedete in seiner gestrigen Vollsitzung zunächst drei Grenzabkommen zwischen Deutschland un d Polen in der erste» Lesung, ebenso den Gesetzentwurf über den Bcurilt des Reichs zu der Uebersinkunft von Monte- vidco vorn 1l, Ianuar 188ö über den Schutz van Werken der L>- tcratur und Kunst. Darauf wird die Beratung des chaushalts des Reichsarbeits- lninistcriuins beim Knpuel Arbeitsvermittlung und Er- werbslofen für sorge fortgesetzt. Den mündlichen Bericht des Bolkswirtschastlichen Ausschusses zur Denkschrift Über die Ar- b e i t s b e s ch n f f n n g s m a ß n a h m e n der Reichsregierung gibt Abg. Krüger-Merfeburg(Soz.): Der Ausschuß empfiehlt eine Entschließung, worin der Reichs- tag die Bemühungen des Arbeitsministers um die Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogranim anerkennt, obgleich Tempo und Erfolg der Ausführung der im chrli 19Sb geforderten Maßnahmen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Die Reichsbahn arbeiten haben nicht den erwünschten Ilmfang erreicht, der Wohnungsbaukredit in Höh? von 200 Millionen Mark und die Sondermittel für den Bau von Landarbeiterwohnungsn sind in ganz u n g e n ii a e n d e m Maße in Anspruch g e n a m- m c n worden, die Förderung des Straßenbaues durch Zins- nerbilligung ist in viel zu geringein Maße erfolgt, Siedlungen und Meliorationen sowie die Arbeiten gegen Hochwassergefahr sind unzu- reichend in Angriff genommen worden. Das Reich soll jchl nachdrücklicher als bisher auf die Reichsbahn einwirken, damit die verfügbaren Mittel schnellsten» Verwendung finden und die geplanten Entlassungen von Arbeitern sowie Betriebsstillegungen bei der Reichsbahn verhindert wer- den. Die Derwaltung der P o st soll die in Aussicht genommenen Erweiterungs- und Verbesserungsarbeiten beschlkiinigt ausführen. Die Belebung der Wohnbautätigkeit ist durch schleunige Verab- schiedung des sich auf mehrere Jahre erstreckenden Planes für den Wahnungsbau und seine Firranziening zu sichern. Im laufenden Jahre sollen möglich st 250000 Kleinwohnungen g c- baut werden. Die Arbeiten bei S t r a ß e n b a u t c n, Meliorationen, Siedlungen und beim Hochmosierschuft sind insbesondere auch durch Beseitigung der behördlichen Kompetenzstreitig- leiten sowie durch schnellere Regelung im Instanzenweg z u be- schleunigen. Bei allen Aufträgen find die Lieferfristen so zu gestalten, daß unter Vermeidung von Ueberstunden eine möglichst iimsassende Neucinstellung von'Arbeitskräften notwendig wird. Eine der wichtigsten Forderungen, um neben der Arbeitsbeschaffung zu einer wirksamen Entlastung de» Arbeitsmarkles zu gelangen, ist die schleunige Verabschiedung de» Arbeitszeit. nofgesehe». Der Berichterstatter fordert, daß bei allen Anträgen, die das Reich zu vergeben hat, die Znneholtung des Achtstundentages zur Bedingung gemachr wird. Wir müssen endlich dafür sorgen, daß ollen Arbeiter», die Brot für sich und ihre Familien schaisen wollen. Gelegenheit dazu gegeben wird: sie müssen wieder die Möglichkeit erhaktcn, am tut- turellen Leben teilzunehmen.. sLebhaster Beifall bei den Sozioldcm.f Abg. yoch(Soz.) stellt als Berichterstatter zum Etat fest, daß im Borvnschlag noch keine Mittel für die Erwerbslosen- f ü r sorge cingesteilt sind. Die Regierung muß sich bis zur dritten Lesung darüber schlüssig werden, welche summen zu diesem Zweck noiwendig sind. Diese Mittel sollten auch nich' als sortlausende, sondern als einmalige'Ausgaben eingestellt werden, da ja die Ausgaben für die Erwerbslosensürsorge stündig wechseln. Abg. Frölich(Soz.) behält der sozialdemokratischen Fraktion vor, einen Antrag auf Einstellung von Mitteln für Erwerbslosensürsorge einzubringen, wenn die Regierung dos nicht von sich aus tut. Es müßten all- monatlich Erhebungen über die Dauer des Bezugs von Unterstützungen angestellt werden, damit wir den Grad der Erwerbslosigkeit feststellen können. Von den einzelnen Unternehmern wird jetzt auch die Erhöhung der Schutzgrenze für Jugendliche bei Nachtarbeit verlangt, weil sie sonst angeblich ihre slufträge nicht fertigstellen könnten. Wir würden wünschen, daß Leute, die derartige Forderungen auf- stellen, selbst einen Monat lang Nachtschichien leisten müßten.(Sehr richtig bei den Soz.) Herr Eremer hat sich auch gegen die Unter- stützung der Landarbeiter gewandt. Abee wovon sollen die Landarbeiter leben, wenn sie arbeitslos werden? von den heutigen Löhnen können sie doch keine El sporn isse machen! Die Landwirtschaft wäre freilich sehr wohl in der Lage, ihre Arbeiter besser zu bezahlen. Die Mitiel dozii müssen vorbanden sein, denn die Ernteertrag, liste waren im Jahre 1026 wesentlich höher als im Jahre 1925. Selbst der von dem Abg. Behrens gefühlte Landarbeiterverband muß feststellen, daß in Ostpreuhe» ein verheirateter Landarbeiter euren Stundenlohn von Zzli- Pfennig erhält, wobei alle Bezüge eingerechnet sind. Jugendliche'Arbeiter werden mit 16,5 Ps. enilohnt. Knechte er- baltiln in bar einen Jahreslohn von 243 M., iveibliche Diensibote» 192 M. Es ist kein Wunder, daß bei solchen Löhnen die Land- arbeiter in Schulde.» geraten. Der Deutsche Landorbeiter- verband hat festgestellt, daß in Ostpreußen 1266 Landarbeiter zu- sammen eine Schuld von 34000 M. hatten, aus jeden einzelnen kam im Durchschnilt eine Schuld von 27 M. Wir sehen also, daß diese Leute Schulden machen müssen, um überlzaupt durch- kommen zu können. Wovon sollen sie denn leben, ivenn sie ohne Arbeit sind? Um die Erwerbslosigkeit einzuschränken, ist es nnbcdingt notwendig, das Uebcrstundcnwesen zu be- seitigeil. Es kommt ober immer noch vor, daß entgegen diese? dringenden Notwendigkeit von einzelnen Schlichtungsstellen sogar eine Verlängerung der Arbeitszeit zugestanden wird. Don diesem Standpunkt aus gesehen, ist es auch nicht ver- ständlich, wie das Reichsarbeit-ministerium einen solchen Wechsel- balg, wie das von der Regierung vorgelegte „Rolgesch zur Arbeltszeilregelung" hier vertreten kann. Die Sozialdemokratie tritt gemeinsam mit den Freien, Gewerkschaften dafür ein, daß die Regelung der Arbeitszeit in einer Weise erfolgt, die£9 ermöglicht, daß die Er- wcrbslosen einschließlich der Jugendlichen in den Produktions- prozeß wieder eingereiht werden können. Das Reichs- arbeitsminst'terium und die Parteien der neuen Koalition haben bisher nur schöne Worte gehabt, wir wollen nun endlich Taten sehen. Die Sozialdemokratie aber wird weiier dafür kömpsen. daß der Achtstundentag wieder allgemeine Geltung bekommt.(Leb- haster Beifall bei den Soz.) Abg. kenzler(Komm.) bezeichnet das Zlrbeitsbeschaffungs- Programm als«inen Schwindel. 'Abg. Frau Teusch(Z.) wünscht gleichfalls die Einstellung von Mitteln für die Erwerbslosenunterstütziiiig in den Etat. Die Per- zögening der Versicherung mache auch Maßnahmen gegen die Not der jugendlichen Erwerbslosen erforderlich. Abg. Lcmmer(Dem.) stellt gleichfalls die geringen Er- folge des Arbcitsbefchaffungsprogran, ms fest. Es habe aber allerdings miitclbar durch Hebung des Exports durch öffentliche Aufträge usw. die Wirtschaft belebt. Es folgt der Abschnitt sonstige soziale Maßnahmen. Slbg. Frau Zuchacz(Soz.) wünscht Auskunft darüber, wer die für das Sl r ch i v für Wohlfahrtspflege im vorigen Jahre bewilligten 18000 M. erhalten habe. Sie stellt weiter fest, daß die Verwendung der für die freie W o h l so h r t s p s l e g e b e st i m in t e n Mittel nicht durchsichtig genug ist. auch hierüber müsse Auskunft gegeben werden.'Auf die Dauer geht es nicht an, daß darüber keine Nochweise vorhanden sind. Ich bin der Ansicht, daß das Ministerium bei der Verwaltung dieser Milicl keine ganz planmäßige Politik betrieben hat. Die private Wohlsohrts- pflege hat keinen Anspruch darauf,, als gleichberechtigte Macht neben der staatlichen Wohlfahrtspflege zu gelten. Gegen die Verwendung der Mittel durch die Verwaltungen werden vielfach Klagen geführt, und wenn diese nicht zum Verstünuncn gebracht werden können, dann werden wir gezwungen sein, zu dieser Frage nach besonders Stellung zu nehmen. Di« durch das Arbeitsminffte- num veranlaßt« Verteilung der Mittel an die Verbände für freie Wohlfahrtspfleg? haben diese zu einer besonderen Macht- st e l l u n g im Staate verholfen. Wir wünschen weüer Auskunst darüber, in welcher Weise das Roichsarbeitsministerium die Höhe der Summen ermittelt hat, die de» freien Anstatten nach dem Gesetz zur Ablösung der öffentlichen Anleihen und der Verord- nuiig der Reichsregierung vom 4. Dezember 1926 zur Verfügung ge- stellt werden sollen. Man muß sich doch etwas dabei gedacht haben, als man für diese» Zweck in den Etat Millionen Mark ein- gestellt Hot. Ich habe Grund zu der Annahme, daß auch solche An- stalten ihre Ansprüche angemeldet haben, die ihren Besitz an An- leihen bereits früher veräußert haben. Die Rednerin stellt weiter fest, daß die Grundsätze de- Reichsarbeitsmiwsteriiims zur Fürsorg« für Sozial- und Kleinrentner»'cht überall die notwendige Beachiung finden. Es gibt noch eine große Anzahl solcher Rentner, die nur 20 Mark im Momii erhalten. Auch zum Lebensbediirs für die Kinder gehören mehr als 10 M., die dafür angesetzt sind. Es ist Aufgab« des Reichstags, darüber zu wachen, daß die von ihm geschaffene Gesetzgebung über die soziale Fürsorge auch zur richtigen und sinngemäßen Durchführung komm«. Es darf nicht- vorkomme», daß Reichsgesetze(o inauguriert werden, daß der in ihnep herrschende G« i st. und die damit verbundene B«- g r ü n d u n g hei der Durchfllhrung�einfach nicht berücksichtigt wird.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Frau Dr. Luders(Dem.) betont gleichfalls, daß die Lage der Kleinrentner erbärmlich sei. Es sei des Reiches un- würdig, daß es für die Zustände in den Ländern verantwortlich ge- macht werde, während es doch gar keinen Einfluß darauf Hab«. Die Weihnachtsbeihilfe des Reiches sei von manchen Gemeinden den Zkleinrentneni einfach nicht ausgezahlt worden.(Lebhaffes Hört, hört!) Abg. Frau Teusch(I.) erklärt, daß den Koalitionsparteien die Not der Kleinrentner und die Mängel des Unterstützungsverfahrens bekannt seien. Der Reichskanzler habe ja schon baldig« Hilfe in seiner Regierungserklärung versprochen. Abg. Frau Arendsee(Komm.) bringt eine Reihe von Beschwer- den über die mangelhoste Versorgung der Fiirsorgebedürstigen vor.— Es folgt nunmehr der Abschnitt Arbeilsschutz. Internationales Arbeitsrecht. Arbeitsgesetzbuch. Abg. Hoch(Soz.) als Berichterstatter macht auf die Erhöhung der Beiträge des Deutschen Reichs für das Internationale Arbeits- omt in Genf aufmerksam. Es sind in der letzten Zeit von dort ein« ganze Reihe von wichtigen Veröffentlichungen über die internatio- nale Sozialgesetzgebung herausgekommen. Wertvolles Material wird auch in den penodischen Zeitschriften des Arbeitsamtes veröffenilicht. Abg. Grotewohl(Soz.) Dem Kapitel Arbeiterschutz widmet die Sozialdemokratie stets die größte Aufmerksamkeit. Die Steigerung der Unfälle ha! in den Iahren 1924 und 1925 angehalten. Dabei muß doch an- erkannt werden, daß die Arbeitskraft mit allen Mitteln geschützt werden muß. Daher stellen wir in den Vordergrund oller unserer Forderungen zum Arbeitsschutz die Sicherstellung des Achtstunden- tages. In dem Entwurf zum Arbeikschuhgefeh werden jedoch die Interessen der Anlernchmer in den Vordergrund gerückt. Besonderen Schutz verdiene unter den Heuligen Umständen die Ar- beitskraft der Frauen und der Jugendlichen.(Sehr wahrt) Die Gewerbe- und Fabrikaufsicht ist nach immer ganz unzulänglich, sonst könnten die Unfälle in einem Jahre nicht um 40 Prozent in die Höhe gehen. Auch die neuesten Berichte meldeten ein« weitere Steigerung der Unfälle, so Berlin um 63 Prozent, Oberschlefien um 65 Prozent: es gibt keinsn Bezirk, der nicht über eine Steigerung der Anfälle zu berichten hätte. Im Oberbezirksamt Dortmund stieg die Zahl der Unfälle von 15 000 in den ersten Vierteljahren 1926 auf 26 000 in den letzten Vierteljahren. tHört! hörtl) Darunter befinden sich nicht weniger als 828 tödliche Unfälle im vierten Quartal 1926. Auch das Organ der christlichen Gewerkschaften, der„Deutsche" muß zugeben, daß diese Zustände vor allem durch dos Antreiberwesen und die mangelhasten Sicherheitseinrichtungen verursacht werden. Ei« werden verschlimmert durch die schlechten Ernährungs- und Gesundheitsverhältnisic der Bergarbeiter (Sehr richtig! bei den Soz.) Bei den Besichtigungen der Betriebe werden zahllose Verstöße gegen die Arbeiterschutzbeftimmungen fest- gestelll. auf jeden Betrieb kommt im Durchschnitt ein Verstoß. Die Besoldung und die rechtliche Lage der Aufsichtsbeamten ist nicht so, wie es ihrer Aufgabe entspricht. Für die Ueberwachuna des Angestelltenschutzes müssen die erforderlichen gesetzlichen Grund- lagen noch geschaffen werden. Wir werden daraus drängen, daß die Gewerbeaussicht reichsgesetzlich geregelt wird.. Die Sozialdemokratie wünscht eine tatkräftige Unterstützung des Internationalen Arbeitsamtes, das bereits heut« eine wichtige sozialpolitische Einrichtung ist, auf die die Kulturländer nicht mehr verzichten können. Erfreulich ist es, daß in diesem Etat zum ersten Male die Beiträge des Deutschen Reiches in ordnungsgemäßer Höhe eingesetzt sind. Wir müssen anerkennen, daß die Forderungen des Deutschen Reiches bereits weitgehend berücksichtigt sind. Auf der anderen Seit« hat Deutschland von den zahlreichen internatio- nalen Abkommen im ganzen er st vier ratifiziert, es steht in dieser Hinsicht von insgesamt 26 Ländern an 2 2. Stelle. Wenn nicht nur das materielle, sonder» auch das kulturelle Interesse dc? Arbeiters gewahrt werden soll, wie der Reichsarbeitsminister betont bat, so muß der Ausbau des Arbeitsschutzes mehr als bisher ge- fördert werden. Wer eine freie Entwicklung des Geistes will, der muß sich gegen jeden Vergewalligungsversuch des Körpers wenden. Ieder Ar bei's- schuh muß Wenschenschuh sein.(Lebhafter Beisoll bei den Soz), Reichsarbcitsminister Dr. Brauns wendet sich gegen die Antröge, die ein Verbot der S e l b st b e- lieserung der Krankenkassen erreichen wollen. Die Ge- werbetreibenden bilden doch selbst Organisationen zur eigenen Bor- sorgung und schalten dadurch die Lieferanten aus. Man müßte dann also auch diese Selbstbelieferüng verbieten. Auch das Reichsarbeit»- Ministerium sei der Auffassung, daß die Sozialpolitik weiter ausgebaut werden müsse. Das Lohnniveau zeige jetzt ein« steigende Tendenz: das Arbcitsministerium Hobe das Bestreben, die Löhne über die Mieterhöhungen hinaus zu verbessern, es fei gleichfalls der Meinung, daß die Rationalisierung auch den Arbeitenden zugnle kommen müsse. Für das Arbeitszeitnotgesetz sei schon im vorigen Jahre«ine Grund- läge geschaffen worden, über die mit der Sozialdemokratie verhandelt werden sollte.(Zuruf bei den Soz.: Sollte!) Inzwischen sei die Regelung dieser Frage noch dringlicher geworden. Die neue Re- giervng hob« betont, daß es sich jetzt nur um eine vorläufige Regelung handele, die endgültige Regelung soll beschleunigt morden Jetzt komme es vor allem darauf an, die Mißstände im lieber- stundenunwesen zu beseikigen. Der Minister will einen Aus- bau der Bestimmungen im Arbeitszeitnotgesetz nicht ablehnen, er hofft ober, daß es zu einer Verständigung darüber kommen merde. Die an der Vorlage geübt« Kritik sei übertrieben. Innerhalb be- stimmter Grenzen mühten von den Tarifkontrahcnten weitergehende Abmachungen über-die Beschränkung der Zlrbeitszeit getroffen werde.n. Der Minister b«st r e i t e t es entschieden, daß er g a w e r k- schaftsfeindliche Ziel« verfolge.. Beim.Betriebsrategejctz haben sich manche Unzuträglichkoiten herausgestellt, man solle aber mit einer Reform dieses Gesetzes warten, bis sich die Verhältnisse noch mehr konsolidiert haben. Die Klagen über die Anwendung ins Gesetzes über die Kündigungsfristen für Angestellte betrefffen wohl mir Einzelfälle, sollten sie allgemeiner werden, so müßten die ent- sprechenden Mahnahmen getroffen werden, lieber die Errichtung der Arbeitsgerichte habe sich das Ministerium mit den Ländern ins Benehmen gesetzt. Zur dritten Lesung der Etats sollen die ersorder- lichen Mittel für die Erwerbslosensürsorge angefordert werden. Di? Maßnahmen der Regierung zur Arbeitsbeschaffung hätten ohne Zweifel zur Einschränkung der Arbeitslosigkeit ge- führt, wenn auch einschneidende Wirkungen nicht zu erwarten g?- wesen seien. Daß die Zahl der Notstandsarbeiter zurückgegangen sei. lieg« an den ungünstigen Witterimgsverhältnissen des vorigen Jahres, sie habe jetzt wieder die Zahl vom Oktober erreicht. Di« Zahl der Erwerbslosen sei von 1 827 000 am 1. Februar erfreulicherweise aus 1 695 000 am 1. März zurückgegangen, die Zahl der Ausgesteuerten sei um 10 000 aus 200 000 gestiegen. Abg. heckert(Komm.) stellt fest, daß im deutschen Bergbau jeden Tag süns Tote und 165 Verletzte aui der Strecke bleiben. Redner polemisiert im folgenden gegen das Internationale Arbeits- amt und insbesondere gegen den Genossen Albert Thomas. Der Abg. Schneider(Dem.) meint, daß ohne Arbeitszeit- r e g c l u n g eine positive Sozialpolitik unmöglich ist. Noch dem heutigen Stand der Dinge ist davon nicht zu reden. Ein unerhörter Mißbrauch der Arbeitskrafl wird gelrieben. Der Redner belegt seine Ausführungen mit verschiedenen Aeuße- rungen, die ihm von vielen Seiten zugegangen sind. Alle Worte von der Notwendigkeit der Gesundung des Volkes bleiben leeres Gerede. wenn nicht in der wichtigsten Frage, in der Frage der Arbeitszeit, eine vernünftige Regelung eintritt. Zlrbeitsminister Brauns polemisiert gegen die Ausführungen des Abg. Schneider und bemüht sich, an Hand seines Materials Unrichtigkeiten klarzustelleu. Abg. Silberschmid(Soz.) spricht über sehr mangelhaften Bau- afbeitcrichutz. Er betont, daß die Regelung und Formulierung der neuen Bestimmungen vorgenommen wird, ohne die Organ i- sationen der Arbeiterschaft in genügendem Maße m i t heranzuziehen. Er fragt den Arbeitsminister, ob er mit einer solchen Praxis einverstanden sein könne und wie sich dieses Vor- gehen mit den reichsgesetzlichcn Bestimmungen vereinbare. Abg. Ianschek(Soz.) erhebt Beschwerde gegen die B e h i n d e- rungderKnappschaslskrankenhäuser. Diesen Krankenhäusern werden erhebliche Schwierigkeiten gemacht. Der Redner wünscht dringend, daß da ander« Wege eingeschlagen werden. Abg. Obendiek(Komm.) besaßt sich mit den Zuständen bei der Landarbeiterschaft. Die Löhne stehen da auf einem ganz unerhört niedrigen Niveau: so sei ihm bekannt geworden, daß ein Arbeiter auf einem pommerschen Gut einen.Vicrzehntagelohn von 1,50 Mark erhalten habe. Er skizziert die trostlosen Wöhnungsverhältnisse aus dem Lande. Um Vi9 Uhr vertagt sich das Haus auf Sonnabend, den 12. März. 1 Uhr. Soauabeaö 12. März 1927 Unterhaltung unö issen Seilage des vorwärts Ein schöner Zoll. Von N e e r a. Die Luigia war eins Hopfenstange, ohne Anmut oder Eigenart, � wie mit der Axt gezimmert; vorn wie hinten war sie eben, und die' Lochaften im Ort gaben ihr den Spitznamen„die beiden Gerade»"'. Das taten natürlich die mitzgünstigen Männer, denn die Frauen hatten nichts von ihr zu befürchten und ließen ihr gern alle Gerechtig- reit widerfahren hinsichtlich der Qualitäten, die sie für 5)aus und rüche befaß;;o, sie nahmen sie sogar gemeinsam in Schutz, wenn die Späßc das Maß überschritten,„llebrigens", meinten sie,„ist sie aar nicht so häßlich, wie sie glauben machen will; sie hat wunder- »alles Haar. Ein Schinetterling verfing sich aber darin nicht. Wie oft mochte sie wohl im Chors der Gefährtinnen mitgcsungm haben;„Es ist kein Sabbat ohne Sonne, kein Weib ist ohne Liebe"— aus persönlicher Erfahrung konnte sie das nicht bestätigen. Die jungen Männer batten kein Auge für sie, erwarteten sie nicht vor der Kirche, und zu ;brcn Fenstern drang keine schmachtende Musik herauf. Die Luigia band außerhalb ihres Geschlechts; sie mar so etwas wie ein neutrales Wesen, um welches die Wog« des Vcgehrcns nicht brandete. Kaum, daß ob und zu ein reifer Mann, ein Familienvater, in mitleidigem Wohlwollen zu prophezeien wogte:„Wer die Luigia heiratet, wird f or glücklich werden!" Aber diese indirekte Ermutigung führte dem jungen Mädchen auch nicht den Schatten eines Freiers zu. So war sie fast an die Vierzig Heraugekommen. Vielleicht aber täuschten sich d'ebel- wie Wohlgesinnte über den wahren Seclcnzustand dieses waoeren, traurig dreinblickendcn Geschöpfes, indem sie nach ihrcin Guidünken behaupteten, sie müsse sich— nud nur deshalb— Unglück sich fühlen, weil sie keinen Mann habe. Aber die Luigia hatte eine <'n?ige, verborgene, zurückgedämmte und mächtige Leidenschaft; die Kinder. Eine Leidenschaft, die mit der Ehe eng verbunden ist, aber auch unabhängig davon ihre eigene Lebenskrast hat, was nicht jeder- � mann weiß.. Schon wenn sie als halbwüchsiges Mädchen sich auf der Straße rersöumte und ihre Mutier schalt:„Luigia, Luigia, schnell! Warum ioinmsi. du nickst?"— in 90 von 100 Fällen stand sie dann wie ver- - ickt bei einer Gruppe Kinder, bewunderte bei diesen« das Kraus- haar, bei dem die Augen, bei allen aber den von ihnen ausgehenden völlig naiven Reiz. Sie beobachten, streicheln, ihr ungeschicktes Stammeln hören, ihrem Spielen zusehen, ihre kleinen Bosheiten si rckschauen— das war für Luigia ein unvergleichliches Vergnügen. Welcher Kristallglanz zitterte in diesen Pupillen, die so mißbegierig und aufrichtig waren, welche unberührte Frische entströmte ihren Mündchcn, welche kaum die kleinen weißen, Milchtropsen ähnlichen S>ähnchen zeigten. Diese Bäckchen glichen Rofenblöttsrn, die niedlichen, sich sausten anfühlenden Körper dufteten wie Moos und Vogelflauini all dies« Grazie, diese lachenden Lärvchen, und sogar die Tränen und Lerzweislungsschreie jener kleinen Miniaturwelt l ldetcn für sie eine unerschöpfliche Quelle des Interesses und der Wanne».Wenn sie aekonnt hätte—- einen ganzen Ai'm voll.hätte !; in ihrer Schürze nsttgenommen lind zu ihrer Freud«, zum Tröste' -brerj Einsämteit nach Haus« getragen, denn sie«vor vatcr- und mtatftlos, hatte niemand mehr. Wie sie vierzig Jahre zählte oder darüber, verbreitete sich im Ort die überraschende Nachricht, daß Luigia heiraten würde. So uirgläul'ig tmfongs viele waren, mußte«« sie sich doch von der Tat« fache überzeugen, als der Herr Pfarrer von der Kanzel verkündete, daß Luigia Peregalli mit Battifta Fenile in den Ehestand treten würde. Gemach! Die Luigia koniste sich noch jung und schön«rennen im Vergleich mit der zaundürren Gestalt Battistinos, der um ein Drittel kleiner als sie und ausgedörrt war wie ein vertrockneter Wcinstock. Wer hätte sich je ein so ganz zusammenpassendes Paar vorstellen können!„Ucbrigens," sagten die Boshaften, diesmal auch die Frauen,„sie verzehrt sich nicht vor Leidenschaft nach ihm." Wie die Heirat zuftondegekommen war. das wußten nur zwei. Bastista war einmal mit der bremrenden Pfeife in der Rocktasckze ein- g; schlafen; Luigia, seine Nachbarin, hatte sich liebenswürdig erboten, die Tasche— die halb versengt war— auszubessern,— und da blitzte i" Bcttistino der Gedanke an eine Ehe auf. Welch einsames Leben fübrien sie olle beide! War es nickst besser, sich zu wechselseitiger H'lfe zusan>m?nz«itun? Aus diesen Vorschlag ging das alte Mädchen nicht gleich ei»; ihre Zeit sei vorüber, und wenn sie jemals in ein« Heirat gewilligt hätte, daim wäre es un> der Kinder willen ge- wesen,. die nun nicht mehr zu erwarten wäre». Darauf führte Battistmo zur Bekehrung der Widerspenstigen nionche Gründe ins Trgjsen: daß mit Gottes Hilfe alles möglich und man niemals an der Vorsehung zweifeln soll. Er fügte hinzu: wenn nach Verlauf eines Jahres Gott ihre Verbindung nickst gesegnet hätte, dann würde er sich verpflichten, ein Findelkind zu adoptieren. Das Gewicht ! icses Grundes lieh die Wagfchole nach der Seile der Ehe nieder- sinken, die nach ein paar Monaten mit großer Feierlichkeit und zur vollen Zufriedenheit der Kontrahenten perfekt wurde. Nicht ein Jahr, wohl ober vier oder fünf wartete das Paar vergeblich a»f den Segen des Herrn, bis an einem Soiiimerobend, während sich beide, auf der Türschwelle sitzend, der Kühl« erfreuten, die Luigia ihren Mann an sein Versprechen— die Adoption eines Findlings— «nahnts. Battistino ließ sich erst ein wenig bitten, gab dann aber nach, da er sich für sein Alter einen Gehilsen heranzubilden hoffte. Das Glück der Luigia, als sie ein Knäblcin in den Händen hielt, das ihr— sowohl für die 12 Stunden des Tages, als auch für die der Nacht— ganz gehörte, war grenzenlos. Sie verjüngte sich wie durch-in Wunder, sprang mehr als daß sie lief und wurde so red- sel'g, daß die Frauen der Nachbarschaft schließlich einen abwehrenden Standpunkt einnahmen, um nicht dos unauihörlich von ihren Lippen fließende Lob des Kleinen anhören zu müssen. Schon normte sie ihn nicht mehr anders als„mein Sohn". Es schien, als ob diese zwei Worte, die seit so vielen Jahren auf dem Grunde ihres Wesens schlummerten, nun nach verspäteter Saat zu sprosien begönnen iind die verlorene Zeit nochholen wollten durch eine jähe Entwicklung der Triebe ui«d Knospen, durch bewundernde Eigenschaftswörter, durch überschwängliche Zärtlichkeit. Alles, was innige Liebe in ängstlicher Besorgtbkit, eifersüchtiger Pflege, an wunderbarem Vor- aussehen, an Entsagung, Hingabe, an Opfern aufbringt, das alles schenkte diese Pseudomutter der Frucht ihres so lange gehegten Wunsches. Sie haste die Genugtuung, ihn wie ein Wunder aus der Glut eines Feuerbeckens zu retten, in das er gefallen war, und ihn mit unsäglicher Mühe durch einen bösen Scharlach hindurch- zubringen.' wo ihn die Aerzt« aufgegeben hatten. „Wie geht es Ihrem Buben?" fragte sie eines Tages ein uin- herziehender Hausierer, der ihn vor einem Jahr gesehen lx,tte.—„Er ist Ihnen wie ems den Augen geschnitten." Bei diesen Worten wurde Luigia purpurrot,»nd ihr Herz hüpfte vor Freude. Der Gedanke, daß er ihr wirklich ähnlich sei, begann sich ihrer zu bemächtigen und versetzte sie in eine heitigc, ihr wohltuend- Erregung. Wie der Kleine eimnal graziös seine Aermchen um ihren Hals legte uitd sie„Maina" nannte, pießte sie ihn mit Inbrunst an sich, vergrub ihren Kopf in sein Haar und flüsteiie: „Mein Fleisch und Blut!" Von jetzt ob suchte sie Verkehr«nii Matronen, wo man von Schwangerschaften, Entbindungen, von Säuglingen und noch Unge- borenen sprach, von der Ernährung der Wöchnerinnen, von dein Hitler reüet wieder... aber die seltsame Form des Megaphons, dessen er sich aus Geheih der Regierung beim Reden bediente, fiel allgemein auf! Brei, den man den entwöhnten Kleinen zuerst zu geben pflegt, und ihre Leibe«, fchasstickstest. das Emdrrnglichs ihrer Wvrte trug über die anderen den. Sieg davo't. Ost begaiiii sie so:„Ich habe zw'ar nur einen Sohn, ober..." Und olle im Ort wiederholten:„Der Sohn der Luigia". Die Jungen, die erst vor kilrzcm Zugezogenen, die Zerstreuten, sie zweifelten nicht im mindesten, daß er wirklich ihr Sohn wäre. Die Angelegenheit interessierte die Oessentlichkeit auch nur mittelmäßig. Mit sechs Jahren wurde der Knabe zur Schule geschickt, wo er nicht imlner die besten Noten bekam; sein Zensurbuch füllte sich sogar öfters mit Worten des Tadels. Die Luigia geriet ernstlich in Verzweiflung, sie schrie, daß es Tunichtgute niemals in ihrer Familie gegeben hätte.'Eine Signoro, die in dem Jahr das Dorf als Villeggiotur erwählt hatte, beruhigte sie und sagte, daß gute? Blut nicht lügt, darum solle sie unbesorgt sein, Geduld und Zeit täten schon das Nötige, und es würde gewiß nicht fehlen, daß der Schlingel an Bravheit und Nechtschafsenheit seiner Mutter nachschlüge. Dieses Argument bestärkte die Luigia immer mehr in dem Glauben, daß sie den Knaben selbst geboren habe; und da ein fester Glaube zu ge- nügen scheint, um die Menschen zur Gefolgschaft zu veranlassen, so geschah es, daß niemand ihr widersprach, wenn sie die Aehnlichkeit ihres Sohnes mit sich oder mit dem schon seit manchen, Jahr zu einem besseren Leben eingegangenen Battistino hervorhob. Viele Legenden beruhen auf keinem solideren Grunde. In- zwischen war der Knabe ein Jüngling geworden, Halle bei einem Schreiner in der nahen Stadt gelernt, sich dort verheiratet und natürlich seine gut- Mama mitgenommen, welche jetzt sogen konnte, daß sie vor der Zeit ins Paradies gekommen sei, denn alle Jahre wurde ein Kindchen geboren, und eh- sie sich mit Dottistino in der anderen Welt wieder vereinigte, genoß sie die Freude, elf Sproß- linge— sechs männliche und fünf weibliche— zählen zu können. Wie schließlich auch für die Luigia der Augenblick kam, ihre Seele zurückzugeben, und der Arzt sie fragte, was für Krankheiten sie überstanden habe, da erwiderte sie:„Keine, nur bei der Geburt n>eines Sohne lag ich drei Tage zwischen Tod und Leben.. Wie konnte man Zweifel'.,, daß sie es wahrhaft meinte, da sie die Hände über dem Kruzifix gefaltet hatte und ihre Augen zum Himmel auf- schlug? Der Traum ihres ganzen Leb-ns war für sie Wirklichkeit geworden.i?-Hofer-Lied„Zu Mantua in Banden" und in einem Klavierkonzert von Beethoven. Noch berühmter ist ein anderes Beispiel, dos die außerordsnt- lichc Wirkung einer ins Ohr fallenden Melodie auf die verschieden- ortigsten Komponisten zeigt. Es ist dies dos sranzöftsche Soldatenlied"„Malbrougk s'cn va-t-rn guerre". Das Liebchen war am Ende des 18. Jahrhunderts so volkstümlich, daß es in sämtlichen Ländern Europas gesungen wurde und nickst nur den„reisenden Briten", sondern auch Goethe auf seiner Italienfahrt begleitete. Man kleidete sich damals ä!a Malbrough, gab Fest« a la Malbrough, und die Spuren der Begeisterung sür dieses Bolksliedchcn finden sich bei einer ganzen Reihe berühmter Komponisten bis 1830, so in der E-Dur-Sinfonie von Schubert, in Schumanns„Dichterliebe", in den„Prcludes" von Liszt und in Aubers„Stumme von Portici". Ein im Unterbewußtsein vorliondencr musikalischer Gedanke schleicht sich nur allzu leicht in eine Komposition hinein, wie man dies z. B bei einem Kirchenlied nachgewiesen Hot, das Schubert als Chorbub mitgesungen hatte. Ganz anders liegt die Sache, wenn der Ton- dichter bewußt und mit voller Absicht eine Stelle aus einem anderen Werk in feiner Komposition verwertet. So bat z. B. Bach ein nieder- ländisches Volkslied mit ganz geringen Veränderungen in einem der genialsten Ovgetthemen, die je geschaffen wurden, in der bc- rühmten(,-Moll-Fuge verwendet und gerade durch die leichte Um- sormung sein Genie bewiesen. Direkte Plagiate sind in früheren Zeiten in der Musik ebenso an der Tagesordnung wie in der Dich- tung. Wie Shakespeare und Mokiere das Gute nahmen,„wo sie es fanden", so auch Händel, in dessen gewaltigem Tonwerk„Israel in Aegypten" es eine große Anzahl von Stücken gibt, die keine Note von Händel haben, sondern aus Werken van Stradclla, Erbo, Carissimi«nd anderen Italienern stammen. Bewußt hat Beethoven verschiedentlich auf seine großen Vorgänger zurückgegriffen, so auf ein Thema aus dem„Messias" seines Aligottes Hänhrl in der „blis-a solemnia", auf eine Bachsche Fuge in der C-Moll-Sinfonie und in dem gleichen Werk auf ein Thema Mozarts, dessen Nnine in der Handschrist der Sinfonie ausdrücklich an der betreffenden Stelle verzeichnet ist.„Aus alledem ist ersichtlich," sagt Ochs,„daß es mit der Originalität der Themen nicht so einfach aussieht, wie der unbefangene Hörer oft glaubt, daß aber andererseits da. wo er eine absichtliche oder unbewußte Benutzung sremder Einiällc feststellen köitnen meint, häusig nichts vorliegt als ein belangloser Zufall." « Jugendlicher Hantel 24" iwawoJt Ripr flott« Biosen- V«rarb«itoBf« Shetland-Hantel 16" tehx fosch« Fortp Bücken m- Keller' falt«...... Kleiderstoffe Jacquard � �°u°. �75 doppeltbreit........ Mtr. Compose»p�« Neu- hrit. reine Wolle••••• Mtr. hcit, reine Wolle Shetland SSf?.;: fi50 Qualität, 140 cm breit... Mtr. 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