Ur. MS. Erscheint täglich außer Montags VreiS pränunierando: Viertel- iährlich s,zo Marl,»wnatlich I.io Mr., wöchenlltch-e PIg. frei ttt's Haus.. Eingetr. i» der Post-Zeitung»-Preisliste sür iss«»nter Nr. 7123. 12. Jahrg. JnsertionS-T-bühr beträgt für dt« frinsgespaliene Peliizetle ober deren Raum<0 Psg., für Vereins- nn» Verfammlungs- Anzeige» 20 Pfg. Jnserale für die nächste Nummer müssen bis» Uhr Nachmittags in der Erpeditio» abgegeben iverden. Die Erpedilio» ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Zesliagen bis 9 Uhr Vor- »ititagS geäffnet. Fernsprecher: Amt t, Ur. ldhil. Trlrgrainiu-Adressr: „Sostaideinoiirat Fcriiiit' Verllner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8V.l3. Weutk-Strclße 2. ßrpedition: 8V. 19, ZZeuth-Straße S. Vev Juttkerving. Hellen Jubels voll ist die Kartellpresse, daß endlich die konservative Partei in einen Gesundilnflsprozeß eintrete, nachdem die„katilinarischen Existenzen" den Laufpaß er- halteil hätten. Da wird wacker darauf los spekulirt, ivie nunmehr Bahn sei für das Kartell, wie der Oberlehrer Kropatschek und Pastor Engel, so viel reinlicher und zivcifelsohnlicher denn der Baron und der Hofprediger a. D., als Führer der gesäuberten konservativen Partei dem edeln Freiherrn v. Stuinm und dem nicht minder edeln Herrn v. Bennigsen die Hand reichen können zum schönen Bunde gegen die vaterlandslose Rotte der Sozial- demokratie. So malt sich das Bild dieser preußischen Zukunfts- weit in den Köpfen der Wortführer des deutschen Groß- bürgerthums aus. Aber ihren langathmigen Kannegießereieu über den angeblichen Häutungsprozeß der konservativen Partei gebricht es ani wichtigsten, der Würdigung der wirth- schaftlichen Interessen, die der konservativen Partei ihre nn- veräußerliche Grundlage geben, und der anderen, durch die die mittelparteilichen Interessengruppen zusanimcngehalten werden. Zwar für den nächsten Zweck des Kartells, einen noch näher von höherer staatsmännischer Weisheit zu sormulirenden Unterdrnckungsfeldzug gegen die Sozial- demokratie, werden die Junker zu haben sein, vorausgesetzt, daß ihnen ein klingender Lohn in die ewig aus- gestreckten Hände gedrückt wird. Wie es vor einem halben Jahre hieß:„kein Kailitz, keine Kähne!"— wird schon eine neue Schacherparole für die Betheilignng an der Ordnungsretterei von den nothleidenden Junkern beim Champagner ausgerathen werden. Zwar billiger werden sie es machen, als noch vor einigen Monaten das Geschäft sich hätte abschließen lassen. Aber so ein Kartell wird doch nicht blos zur Arbeiterkncchtnug„für Ordnung, Sitte und Religion", sondern auch sür allerhand andere schöne Dinge abgeschlossen, als da sind Erhöhung der Getreidezölle, Vermehrung der Liebesgaben, Ver- stärkung des Heeres und der' Marine, dann Kolonial- Politik, Erweiterung des Absatzgebietes für die Industrie- Produkte, billiger Kuli-Jmport rmd dergleichen Volks- beglückuugspläne mehr. Da sind nun aber die um Stumm und Bennigsen und die um— sagen wir vorläufig hinter Kropatschek— nicht durchweg eines Sinnes, weil sie nicht eines Geldbeutels sind. In Patriotismus machen allerdings alle beide Gruppen, aber sie seiern doch nur deshalb den Patriotismus in den nämlichen Worten, weil sie beide ihre eigensten engstell Interessen für identisch halten, und es ist immerhin ein interessanter Beitrag zur politischen Psycho- logie, daß die Auguren, die in den Kartellorganen die Zeichen der Zeit deuten, sich durch ihre eigene Schön- rederei über die thatsächlichen Verhältnisse hinwegtäuschen lassen. fNachdruik verboten. aus dem fudarneeikanistlheu AHinkeelande. 40 Natürlich... meint Herr Fernandez... er finde das sehr begreiflich. Ein Mann, der soviel im Kopfe habe. Ein armer Advokat sei dagegen ein ganz ander Ding, der müsse lausen, wohin man ihn rufe auf der Stelle, um einen Happen Brot zu verdienen für Frau und Kinder, die mittlerweile zu Hause säßen und ihre Mäuler aussperrten wie hungrige Vögel ihre Schnäbel. Da sei ein Geldmann doch viel besser dran. Und er lachte über das ganze Gesicht über seinen Vergleich mit den hungrigen Vögeln, beim die Sennora Fernandez war eine sehr elegante Dame mit seidenen Roben, die nur das Beste aß. Herr Gernian Winterseld fragte mit großem Interesse, ob er in der Estancia gewesen sei. „Natürlich, mein hochverehrter Gönner und Freund, natürlich." „Und haben Sie die Wittwe zu Gesicht bekommen?" „Das nicht gerade", sagte der Advokat,„sie empfängt nur höchst selten Besuch persönlich... soll krank sein... einen Ausschlag im Gesicht haben... vielleicht gar das Mal de San Lazaro... sieht fast niemanden... hat aber einen Vertrauten, ein Faktotum, den alten sPatino, der schlau ist wie eine Schlange... der hat mir genaue Auskunft gegeben über die Sache mit dem Kamp... ist ein Allerweltskerl und kennt sich aus und ein mit Gesetzen und Paragraphen, besser als ein studirter Advokat..." „Eh... an der Sache ist ja nichts zu rütteln, Don Fernaudo.. sagte Winterfeld obenhin. „Nun... nein... wie Sie meinen... doch wer weiß... werden ja sehen... übermorgen ist.schon der Termin... mein verehrter Gönner..." Was ist denn eigentlich die konservative Partei? Die deutsch-kouservative, um bei der für den Reichstag gewählten Parteibezeichnung zu bleiben. Wenn man von vereinzelten Sprengstücken absieht, rekrutirt sie sich aus den östlichen preußischen Provinzen. Ihr Kern sind die Großgrundbesitzer mit nicht zu ausgedehntem Grundbesitz, die Junker, wie ihre historisch erwachsene Bezeichnung lautet. Die bilden das Offizierkorps; ihre Truppe, das ist die bislang noch nicht ihrem Drill entwachsene Landbevölkerung; als schneidige, schuauzige Unteroffiziere sind ihnen Inspektoren rind Forstausseher zur Hand, und als Trommler und Pfeifer dient den„Patronen" die lamm- fromme Laudgeistlichkeit, die keine Tugenden eifriger predigt als Demuth und Unterwürfigkeit gegen die von Gott eingesetzte„Oberkcit": Gutsbesitzer, Landrath und Gendarm. Wenn alles, was sonst noch zu den staatserhaltendeu Elementen sich rechnet in Ostclbicn und dem Ostelbien an- gegliederten übrigen Deutschland, gleichfalls in dieser junkerlichen Interessengruppe die staatserhaltendste aller Parteien erblickt, so erklärt sich das daraus, daß in folgerichtiger Entwickelnng der staatlichen Etappenkette Brandenburg-Preußen-Deutsches Reich das ostelbische Junkerinteresse noch immer trotz zeitiveilgcr Abl eukungeu die ausgiebigste Berücksichtigung gesunden, das Junkerthnm die ausschlaggebende Rolle gespielt hat. Bei ialleii wichtigeren wirthschaftlichen Fragen wurde von jeher in betracht gezogen, wie sie auf das Junkeriuteresse wirkten; zu den besseren Stellungen im Heer und im Zivildienst lieferten die Jnnkerfamilien die bevorzugteren Kandidaten. Wie sollte da nicht in den Augen aller konservativ veranlagten Gemüther die Partei der Junkeriutercfsen als die vorzugsweise staatscrhaltcnde Partei erscheinen! Als in dem reicher gewordenen Großbürgerthum der Junkerschaft ein Konkurrent zu erwachsen drohte, haben die Junker es anfangs auf Tod und Leben bekämpft, dann mit ihm unter den Sicgespalnieu der Jahre 1866 und 1870 ein Bündniß geschlossen, das sie nie völlig befriedigte und das bei den Handelsverträgen in die Brüche ge- gangen ist. Der Ring der Korn- und Kartoffcljunker kann mit dem Schlotjunkerring immer nur ein vorübergehendes Kartell schließen. Elivaiger Selbständigkeitsregungen der Bureaukratie aber ist die Jnnkerschaft immer bald wieder Herr geworden. Die Männer ohne Ar und Halm können in Preußen- Deutschland auf die Dauer keine Rolle spielen. Wie hat nun die„kleine aber mächtige Partei" es bisher immer noch verstanden, ihren Interessen Oberwasser zu verschaffen? Vormals zu den Zeiten der Könige Friedrich Wilhelm II., III. und IV. konnte sie sich ganz auf die bewährte Hinter- treppenpolitik der geschmeidigeren als Hosschranzen ver- sorgten Juukersprossen verlassen. Da brauchten nicht ein- mal Scheiterhaufen angezündet zu werden; es genügten geist- liche und weltliche Pfenuiglichter, um jene gekrönten Häupter „Was ächzen Sie denn so, Don Fernando; man sollte glauben, Sie hätten Ihre Meinung wirklich geändert in der alberneu Angelegenheit..." Der Advokat strich sich überlegen durch seinen Bart und sagte dann gravitätisch: „Ein guter Advokat, und Ihr Diener schmeichelt sich, ein solcher zu sein, wird jedesmal auch bei der schlechtesten Sachlage die Rechte seines Klienten vertheidigen; das wissen Sie ja auch, Don German... und umso mehr in einem Falle, der wirklich einige Aussicht hat, daß er nicht verloren gehen kann.. „Zum Henker... an ein obsiegendes Urtheil ist für Sie doch garnicht zu denken... Sie könnten froh sein, wenn man Ihnen für die Baulichkeiten eine Entschädigung aus freien Stücken geben wollte..." „Ganz recht, ganz recht, mein verehrter Gönner und Beschützer; aber es ist doch noch ein ganz kleiner Haken da.... Wir werden ja sehen übermorgen... ich lege mich Ihnen zu Füßen, mein schönes Fräulein... guten Abend Caballeros.. und er gab seinem Pferd die Sporen und ritt davon. „Wenn dieser Mensch so geckig redet", sagte ver- drießlich Herr Winterfeld zu seinen» Schiviegervater,„so muß bei der Sache allerdings irgend etlvas nicht ganz in Ordnung sein." Fräulein Juanita wurde unwillig, daß man sogar bei dem Spazierritt nicht aufhöre, von Geschäften zu sprechen. Sie schlug ihrem Pferde mit der Peitsche über den Hals, daß es in» Galopp davonging, die beiden Begleiter hatten beinahe Mühe, ihr es glcichzuthun, und so wurde die weitere Unterhaltung über das angefangene Thema nicht iveiter fortgeführt. Herr Fernandez kam an der neuen Bank vorbei, als noch die Kisten mit dem letzten Silber abgeladen wurden. über die Interessen von Staat u>»d Gesellschaft zu erleuchten. Dann aber, als die moderne ivirthschaftliche Entwicklung auch das politische Getriebe revolutionirt hatte bis zu parlamentari- schen Einrichtungen, mußte auch der Acheron in Beivegung gesetzt»verde»». Da entstand die Staatsknnst der Hainmer- stein und Stöcker, gleichzeitig Meister in der höfischen Jntrigue und der Demagogie. Bei Hofe gingen ihnen allerhand dunkle Ehrenmänner zur Hand, in der Oeffcut- lichkeit die uimeschminkteren agrarisch- antismitischen Demagogen, die Plötz und Liebermann von Sonnenberg. Jetzt haben der cdele Baron und der theure Gottes- uiann sich durch allerhai»d Geschäfts- ui»d sonstige Praktiken so blaniirt, daß sie nicht mehr zu halten sind. Ja, glaubt ihr denn, daß deshalb der Jnnkerring gesprengt ist? Der Junkerring braucht einen neuen Geschäftsführer für die Presse ui»d einen neuen Gottesmann für Kirche und Volksversamnllung. Glaubt ihr, er werde sie nicht fii»den? An Talenten ist zivar immer arger Mangel ge»vesen im Junkerthum. Um jene Posten auszufüllen, dazu braucht's iudeß nicht viel Wissen und geistiges Vermögen. Wer sie ausfüllen»vill, der muß nur gottesfürchtig, schlau und dreist sein, hauptsächlich dreist. Und»vo die Situativ»» de»» Mailn so dringend erfordert, da hat er sich noch immer gefuudeu. Wie nian in Frankreich beim Ableben eines Königs früher rief: I-o roi est wart, vivo lo roi! so heißt es jetzt iin Jnnkerring: Der Herr Baron ist drunter durch, es lebe der Herr Baron!_ Frn Stadium dev Erklärungen ist der konservative Gährungsprozeß angelangt. Die „K r e u z- Z e i t u n g" bringt an erster Stelle folgende Erklärung. Das Koinitee hat an, 4. J»li den Freiherrn von H a in n» e r st e i n von seiner Stellung als Chefredaktenr der „Kreuz- Zeitung" snspendirt. Seitdem haben sich Thatsnchen herausgestellt, die uns genöthigt haben, alle Beziehtnigen zrnn Freiherrn o. Hammerstein definitiv zu lösen und die Angelegen- heit der königlichen Staatsamvaltschast zu übergeben. Berlin, 13. September 1895. Das Komitee der„Neuen Preußischen Zeitung". I. A.: Graf F i n ck e n st e i n. Gleichzeitig theilt das Blatt an anderer Stelle mit: Wie»vir von maßgebender Stelle vernehmen, hat Freiherr v. H a in m e r st e i n seine Mandate für den Reichstag ivie für das preußische»llbgeordnetenhaus unterm 11. d. M. nieder- gelegt. Er vertrat im Abgeordnelenhause feit 1876 den Wahl- kreis 1 Köslin: Slolp— Lauenburg— Bütow; im Reichstag zuletzt den Wahlkreis 2 Minden: Herford— Halle. Also völlig zu den Todten ist der einstmals mächtige Manu geivorfeu, vor dem Minister bebten, und nur vor dein Strafgericht feiert er vielleicht seine Auferstehung,— wenn er sich finden läßt. Sehr lehrreich nimmt sich neben obiger Erklärnng die folgende Mittheilung aus, die gleichzeitig mit offenbarem Er hielt einen Augenblick mit seinem Pferde an und sah dem Abladen und den neugierigen Menschen zu. „Es ist nicht zu leugnen," sagte er dann beiin Weiter- reiten zu sich selber,„daß dieser dumme Deutsche mehr Glück hat als andere Personen. Einen Haufen Gold und eine schöne junge Braut, für die er eigentlich schon zu alt ist. Wer hätte das ahnen können seinerzeit, als er ohne einen Heller Geld von hier weg ging und einen Bankrott gemacht hatte in einer so tölpelhaften Weise..." Am anderen Tage wurde wirklich die neue Bank er- öffnet. Als der Diener zum ersten Male die Flügelthüren, die zu den Kasscnräumen führten, auseinanderschlug, staiid der alte Don Maiias Patiuo, der ein großes sorgfältig in ein Tuch eingeschlagenes Packet hielt, und bei ihn» ein Pcon mit einem starken leinenen Sack. Er ging ruhig an ein Fenster bei der Kasse und stellte sein Packet vOr sich bin auf den Boden und zog dann einen Stoß nagelneues Papiergeld der Bank Winterseld daraus hervor, legte es ans das Zahlbrett und sagte kurz:„Konvertiren..." „Wo habt Ihr denn die Billets her, Alter," fragte mit halb ärgerlicher, halb niißtrauischer Miene der Beainte an den» Fenster,„wir haben doch noch keine ausgegeben, so viel ich»vciß." „Was geht's Euch an, Patron," entgegnete der Alte, „wo ich sie her habe... gestohlen habe ich sie nicht. Ihr »ocrdct mir dafür mein Silbergeld geben... die Billets sind echt..." Der Kassirer ging brumineild nach hinten, um mit dein Geranten zu sprechen..." „Es sind doch noch keine Billets ausgegeben.. „Doch... wenn auch noch nicht offiziell für das große fublikum. Der Chef hat schon vor der Eröffnung der ank einige Wechsel diskontirt... Sie wissen ja, Prä» fident und ähnliche, die sich bei solchen Hochzeiten iinmer einzustellen pflegen." Slülj ob ihrer amilichen Verbindungen von der„Deutschen Warte" veröffentlicht wird: Wie wir mnnnehr ermächtigt sind zu erklären, hat die hiesige Staatsauwaltschasl bisher keine begründete Anzeige er- halten, auf grund deren sie in ein Vorverfahren wegen eines be- stimmten Vergehens halte eintreten können. Die Anschnl- dignngen, welche in öffentlichen Blättern, ohne Nennung eines bestimmten Urhebers, gegen Herrn von H a m in e r- stein erhoben worden sind, haben nach der An- ficht der Anklagebehörde in Uebereinstimmung mit der des I n st i z m i n i st e r s nicht zu der Einleitung eines Ver- fahrens Veranlassung geben können. Sollten sich im Verlauf der von Herrn von Haunuerstein angestrengten Privatklagen nähere Anhaltspunkte bieten, so wird die Auklagebchörde natürlich die weiteren Ermittelungen erheben.— Merkwürdig, wie langsam, vorsichtig und znrückhaltcnd der preußische Strafvcrfolgmigsapparat in dieser Sache ge- arbeitet hat, in der es sich um gemeine Verbrechen handelt, der doch soitst so schneidig imd stramm fungirt, wenn der Verdacht eines Verdachtes der Beleidigung austaucht. ** « Im„Volk" lesen wir ferner folgende Erklärung. Eben nach Berlin zurückgekehrt, finde ich die Presse in einer unbegreiflichen, zum theil künstlich hervorgerufneu und zu schlechten Zwecken benutzten Aufregung über einen Brief, den ich im August I88S an Freiherrn von Hammerstein gerichtet habe» soll. Ob derselbe wortgetreu und vollständig abgedruckt ist, vermag ich nicht zu sagen, da ich bei seinem ganz ver- trauliche» Charakter keine Abschrift davon genommen habe. Ich erinnere mich desselben nicht, aber ich nehme an, daß er im wesentlichen richtig ist, da er der Lage von damals und meiner Auffassung derselben entspricht. Immerhin sollte» anständige Be- urlheiler in der Ausnutzung eines solchen Briese? zurückhaltender sein. — Politische Heuchler und Lohnschreiber thun so, als hätte ich mit dem Schreiben dieses Brieses ein großes Unrecht begangen; und unkundige Leute glauben es wirklich. Ich werde sofort in der „Deulsch-Evangelischen Kirchenzeitung" die Vorgänge, welche sich an die sogenannte„Waldersee-Versammlung" knüpfen, historisch genau darstellen, und hoffe dadurch alle ehrlichen Leute zu überzeugen, daß ich damals gegen unlautere Bestrebungen mit gutem Recht für das Ansehen der Krone und das Wohl des Vaterlandes eingetreten bin.— Der„Konservativen Korre- spondenz", die ohne genügende Kenntniß der Verhältnisse ein irrthümliches Urtheil abgiebt, erwidere ich, daß die konservative Parteileitung, soweit man darunter Herrn v. Helldorf und seine Freunde versteht, die damalige„Taktik" gemißbilligt haben mag, daß aber alle wahrhaft Konservativen, wie das auch nicht anders sein konnte, in der Entrüstung über das illoyale und uinnonarchische Verhalten der offiziösen und mittelparteilichen Presse mit mir völlig übereinstimmten. Zu einer Aeußerung der Partei ist es weder in der einen noch in der anderen Richtung gekommen. Was den Vorwurf gewisser liberaler Ehrabschneider betrifft, ich hätte Frhrn. v. Hammerstein in der Angelegenheit eines für mich bestimmten Fonds durch eine unwahre Erklärung decken wollen, so bemerke ich, daß ich sofort, als ich im Abgeordneten- hause von der Sache erfuhr, noch in derselben Stunde brieflich Aufklärung forderte. Freiherr v. Hammerstein bestritt in seiner Antwort den ihm in betreff des Fonds gemachten Vorwurf und zahlte nach wenigen Tagen den Rest desselben aus. Ein Theil davon war schon Monate vorher, ehe der Fall Haiumerslein irgendwie in die Oeffentlichkeit kam, zur Auszahlung gekommen. Berlin, den 14. September 18gö. Adolf Stöcker. An dieser Feder erkennen wir doch ganz unfern thenren Gottesmann. Die Erklärung ist sicher ebenso echt wie der von nns veröffentlichte Brief. Aus dem Ewald- Prozeß wissen wir ja, daß der zweite Luther hin und wieder an Gedächtnißschwäche leidet. So ist es denn be- greislich, daß er sich jenes Briefes n i ch t e r i n n e r t. Als vorsichtiger Mann bestreitet er natürlich die Echtheit eines Schriftstücks nicht, das möglicherweise im Facsimile ver- öffentlicht werden könnte. Wenn aber der thenre Gottesmann sich des Briefes, den er selbst vor sieben Jahren geschrieben, nicht erinnern kann, wie ist er dann im stände, die be- gleitenden Nebenumstände h i st o r i s ch genau d a r z u- st e l l e n. Das ist doch ein Räthsel, das wir nicht zu lösen vermögen. Oder weiß der Herr Hofprediger a. D. immer ganz genau, welcher Thatsachcn er sich zu erinnern hat und welcher nicht? Ueber seine Erklärung wegen des verschwundenen Fonds wird er sich noch mit der„Kölnische» Zeitung" auseinandersetzen müssen, die von einem Ehren- worte zu erzählen wußte. Aber um den Stöcker ist nns nicht weiter bange, der kommt mit seiner gottessürchtigen Dreistigkeit schon durch. Der Kassirer trug einen Sack mit Silber herbei und zählte langsam den Betrag aufs Zahlbrett. Es dauerte ziemlich lange, bis der Alte Stück für Stück nachgezählt hatte. Er that alles behutsam in den Sack, den der Peon trug, und dann wollte der Kassirer sein Fenster schließen. „Habt ein wenig Geduld, Herr," sagte der Alte aber, und schob seine Hand zwischen das Fenster,„ich habe noch eine Kleinigkeit mehr bei mir zum gleichen Zweck," und er legte ein anderes Packet Billets hin. „Habt Ihr noch mehr davon...?" „Es wird wohl für den ganzen Tag reichen, Patron, falls nur beide allein uns zu unterhalten haben und die Banken schließen ja immer frühzeitig, schon nach fünf Stunden," er packte dabei noch mehr auf das Brett.„Geh nach Hause, Pepe, in die Posada, wo wir abgestiegen sind, damit Bonifaeio das Silber in Empfang nimmt, und dann komme wieder mit einem leeren Sack..." Der Kassirer machte jetzt ein ärgerliches Gesicht, es war augenscheinlich. In Argentinien konvertirte sonst niemand die Billets; aber die anderen Beamten lachten, ließen ihre Bücher im Stich und kamen näher, um mit dem Indianer zu reden, der ohne jede Ueberstürzung Stück für Stück zählte. „Habt wohl kein rechtes Vertrauen in unsere Billets, Alter.'.." sagte der eine. „Mag so sein, Herr..." „Oh, es giebt mehr Silber hier in unserer Kasse, als Ihr und Euer Peon wegschleppen könnt, daraus könnt Ihr schwören..." „Desto besser für mich..." „Oder wollt Ihr den Chef arin machen.. „Der Alte ist ein Narr..." sagte der Gerant gleich- giltig aus dem Hintergrunde. In dem Auge des alten Richters zuckte es einen Augen- blick auf, dann ließ er wieder seine erhobenen Lider fallen und während er halblaut weiter zählte, antwortete er zwischendurch: „Ihr habt Recht, Patron, alle Indianer sind Narren. ... Hier habt Ihr noch 1000 Pesos Papier.. (Fortsetzung folgt.) JpoliLifdje Llebevfirlzk. Berlin, 14. September. Die übereifrigen Staatsanwälte und sonstigen Jäger vor dem Herrn, welche sich jetzt in Sozialisten- Zerschmetterung versuchen, thäten gut, wenn sie sich und die ganze Augeublickslage Deutschlands einmal im Spiegel der auswärtigen Presse betrachten wollten. In England steht mau geradezu sprachlos da vor einem Schauspiel, das die Engländer seit Jahrhunderten für ihr Land unmöglich gcmachl, und das sie nur in völlig zurückgebliebenen Ländern, wo die persönliche Freiheit nichts gilt, noch für möglich ge- halten haben. Daß Zeitnngsrednktcnre wegen Artikel, die in England für zahm gelten würden, angeklagt und mir nichts dir nichts ins Gefängniß geworfen werden, erscheint den Engländern nicht als ein Beiveis von Energie, wie vielleicht ein oder der andere nationale Kraftmeier denkt, sondern als Beweis der Schwäche und Rückständigkeit. Und waren die Kriliken der englischen Presse schon scharf vor einigen Monaten, als die deutsche Regiernngsprcsse sich darob bitterlich beklagte, so sind sie heute noch ungleich schärfer; und, wohlgemerkt, alle Schärfe wendet sich gegen die Verfolger und nicht gegen die Ver- folgten. Zri übersetzen sind die englischen Zeitungsartikel nicht in einem Lande, wo jeder Tadel von liiegicrnngsmaßregcln zu einer Majestätsbeleidignng znrcchtdcstillirt werden kann. Aehnlich wie die englische nrtheilt die belgische Presse. Die Brüsseler„Reforme"(bürgerlich-radikal) betitelt einen Leit- artikel, in dem sie die tollen Sprünge der deutschen Reaklionsparteien und deren innere Zerfahrenheit schildert, le desajToi en Allexnagne— der(reaktionäre) Kuddelmuddel in Deutschland— was gewiß nicht auf einen i m p o n i r e n d e n Eindruck des jüngsten Umstnrzfeldznges schließen läßt. Und„Kuddelmuddel" ist noch eine sehr milde Uebersetznng des Worts ckesarroi, das die rath- und hoffnungsloseste Verwirrung bezeichnet. Und nun erst die französische Presse! Welch schadenfroher Spott! Am freundlichsten ist noch der„Tcmps", der in einem„1883—1895" übcrschricbcnen Artikel das Treiben der preußischen Junker und deren Königs- freundlichkeit beleuchtet und bezüglich des herrschen- den Systems Wahrheiten ausspricht, die trotz der maß- vollen Form von keinem deutschen Blatt veröffentlicht werden können. So herrlich weit haben wir es gebracht!— Ueber Herrn b. Hamnicrstei» und die hinter ihm werden noch allerhand Mittheilungen ausgekramt. So versichert in der„Nation" jemand, der manchen Blick hinter die Kulissen gethan zu haben scheint, zu berichten, daß demnächst jenen Helfershelfern des Herrn Baron in der Hintertreppenpolitik noch unangenehme Ueberraschnngen be- vorständen: „Voraussichtlich wird schon in ganz kurzer Zeit der Augen- blick kommen, wo sich öffentlich der Nachweis führen läßt, wer unter der höfischen Junkerpartei sich über die Enthüllungen, die Stöcker und Hammerstein betreffen, überrascht zu entsetze», keine Veraiilnssung hat." Inden„Leipziger Nenesten Nachrichten", einem Bismarckblatt, wird angedeutet, daß die Beseitigung Hammerstein's auf eine lang eingefädelte Jntrigue zurückzuführen sei: „Es handelte sich um den Beginn einer mnsaffenden Kam- pagne gegen die oppositionellen Elemente der Rechten, es hau- belle sich für die Gruppe Eulen bürg vor allein um die Ablegung eines Befähigungsnachweises, indem sie es fertig brachte, die dem Kaiser höchst fatale konservative Eronde zu seiner Politik zu bekehre». Man ging also gegen errn v. Hammerstein keineswegs aus„moralischer Entrüstung" vor; er mußte fallen, weil die P u t t k a m e r- P l a u t h, die Mirbach, die Dönhoff und ihre feudale» Freunde das Bedürfniß fühlten, ans der Opposition in das kaiserliche Lager überzuschweuke» und die höchst fatale Situation zu beenden, in die man durch die eigene scharfe Opposition gelangt war." Graf W a l d e r's e e, dem Beziehungen zu Herrn v. Hamnterstein auf grnnd der Waldcrsee- Versamnilung nachgesagt waren, wird jetzt durch die Bersicherung in Schutz genommen, daß er dem eivig geldsuchenden Freiherr» zu Häuserspekulationen 100 000 M. geliehen habe, sie aber nicht hätte wiederbekommen können.— Weitere Anklagen«nd Beschlagnahmen. Aus Hof in Bayern meldet uns eine Privatdepesche: Dem Redakteur Stücklcn ist eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung ans Anlaß einer Kritik der Kaiserrede in der„Oberfränkischen Bolks-Zeitung" zugegangen. K o n f i s z i r t wurde am Sonnabend Mittag die neueste Nummer(37) der„Ethischen Kultur" wegen des Leitartikels: Der Kaiser und die Sozialdemo- k r a t i e, der angeblich eine Majestätsbeleidignng ent- halten soll. Die„Norddeutsche Allgemeine" hat sich das Verdienst erworben, dieses Blatt zu denunziren. Der Redakteur des„Sozialist", Witzle, wurde heute Abend �-9 Uhr in seiner Wohnung, Glogauer- straße 29, verhaftet. Vom„Sozialist" sind bis jetzt fünf Nummern erschienen, von denen die letzte, wie wir bereits berichteten, wegen angeblicher Majestätsbeleidignng konfiszirt worden ist.— Ei» englischer Nationalökouom über Sliisnnhmegesetze gegen die Sozialdemokratie.„Bei dem Rufe» nach einem neuen Sozialistengesetze, welches durch das Verhallen des „Vorwärts" der Sedanfeier gegenüber veranlaßt ist, ist es lehrreich zu hören, was ein angesehener nationalökonomischer englischer Schriftsteller auf grund der englischen sozialen Entwickeluug über llieprcssivgesesetze gegen die Arbeiterbestrebungen sagt. George Howell, welcher Sekretär des Geiverkvereins- Ausschusses war und deshalb zu einem sachgemäßen Urtheil besonders besähigt ist, sagt in seinem Werke über de» Kampf zwischen Kapital und Arbeit, die englische Entwickelung lehre einmal den herrschende» Klaffen,„daß Repressivgesetze sowohl unwirksam als gefährlich, und unterdrückend sind. Ihre Wirkung ist Demo- ralisation her Gesinnung; die Begriffe von Recht»nd Unrecht werden verwirrt, bis ein Gefühl erlittener Ungerechtigkeit die schlimmsten Uebel der Gewaltthat u»d Wildheit hervor» bringt. Menschen, welche wissen, daß sie Verbrecher durch die bloßen Bestrebungen sind, die sie im Auge haben, kümmern sich wenig, ob in den Mitteln, die sie anwenden, neue Verbreche» hinzukommen",(v. Schulze- Gävernitz, Zum sozialen Frieden. Bd. II. S. 251.) Diese Anschauungen sind heute für den eng- lischen Staatsmann etwas Selbstverständliches, weil die englische Entwickelung im 19. Jahrhundert gezeigt hat, daß die Ansicht Howell's richtig ist. Dabei war der englische Arbeiter bis zur Mitte dieses Jahrhunderls nicht weniger revolutionär gesinnt und nicht weniger vaterlandslos als unsere heutige Sozial- demokratie. Reformen aller Art, besonders aber die An- erkennung, daß die Arbeiter dem Fabrikanten gegenüber ein gleichberechtigtes Element sind, habe» den englischen revolutionären und vaterlandsloscn Jlrbeiter patriotisch und aller Gewalt abgeneigt gemacht. Nachdem man ausgehört hat, Imit Gewalt und Bersagung der Gleichberechtigung die Bestrebungen der englischen Arbeiier zurückzuweisen, hat nach Howell's Worten die Ver- gangenheil die Arbeiter lehren können,„die Weisheit der Mnßi- gnng in allen ihren Forderunge» einsehen, sowie verstehen, daß ihre Pflicht gegenüber dem Staat, dessen Glieder sie sind, ihnen gebielel, friedlich und in verfassungsmäßiger Weise ihre Ziele verfolgen, indem früher oder später ihre Forderungen, wenn gerecht, von der Gesetzgebung bewilligt werden müssen. Bei ihrer gegenwärtigen politischen Macht, wenn diese weis« angewandt wird, kann kein Anspruch, der auf Gerechtigkeit sich gründe. zurückgewiesen werden...' So lange wir nach Sozialistengesetzen rufen, werden wir auch noch revolutiouärgesinnte und vaterlauds» lose Sozialisten haben." Vorstehende Ausführungen druckt die„Germania" ab. Möge sie dafür sorgen, daß wir ihrer Partei dieses Zitat nicht einmal vorzuhalten haben.— ♦ ♦ « Tentschcs Reich. — Werden wegen Majestätsbeleidignng blos Sozialdemokraten verfolgt? Die„Leipziger Volkszeitung" zilirt aus den„Leipz. N. Nachr." folgenden Ausspruch eines noch immer für Stöcker begeisterte» Geistlichen: „Ich könnte Ihnen eine ganze Reihe der achtbarsten und angesehensten Männer nennen, die, wenn man ihre Privaläußernngen veröffentlichen wollte, ohne iveileres der Majestätsbeleidigung für schuldig befunden werden müßten." Ei, ei! So, so!— — Im Zeitalter des Verkehrs. Wir berichteten vor einigen Tagen, wie infolge der tiroler Manöver der Fracht- verkehr zwischen Bayern und Italien ganz zum Stillstände kam. Aehnliche Folgen scheinen die Manöver in Pommern gehabt zu haben. So schreibt uns ein Geschäftsmann: „Ich erwarte schon seit voriger Woche ein größeres Instrument ans Stettin, erhielt aber vorgestern die Nachricht, daß Güter wegen des Manövers bis Sonnabend nicht angenommen, folglich auch nicht expedirt werden."— Tie„Bolks-Zeitung" weiß hierzu zu melden: Zweinndfünfzig Extrazüge führten gestern die Gardetruppen. welche das Manöver bei Stettin milgemacht haben, von Kol- bitzow nach Berlin. Ter Güterverkehr war während dieser Zeit eingestellt, ein sehr großer Theil der Beamten ist zur Dienstleistung bei den Sondcrzügen abkommandirt. Schon seit mehreren Tage» erlitten die Züge bedeutende Verspätung, welche gestern ihren Höhepunkt erreichte. Kavallerie und Artillerie, welche gestern ebenfalls zur Rückkehr ausbrachen, werden am 20. d. M. in ihren Garnisonen eintreffen.— — Offenes Wort an das„dankbare Vater« land" von einigen alten Kämpfern auS dem „glorreichen" Kriege. Bon einem Invaliden des Feld- zuges 1870/71, Inhaber des eisernen Kreuzes, wird der„Leipz. Vvlksztg." geschrieben: Gegenüber den zahllosen Angriffen der so- genannten„gutgesinnten",„patriotischen" Presse auf alle die- jenigen Blätter, welche den nun glücklich verflossene» Sedan- rausch seinem wahren Werths nach beurtheillen, dürfte eine zeitgemäße Betrachtung darüber am Platze sein, in welcher Weise für die im Kriege verwundet und erkrankt gewesenen alten Soldaten aus den von ihnen selbst aus Feindesland ge- holten Fonds gesorgt wird. Es sind nach dieser Hinsicht so verschiedene Anschauungen im Volke vertreten, daß ein Hinweis auf die nach dem Gesetze vom Jahre 1871 gewährte» Bezüge nns sehr nothwendig erscheint. Nach diesem Gesetze hat z. B. ein vor dem Feind verwundeter Soldat gesetzlichen An« spruch ans den Betrag von 15 M. monatlich, wenn er infolge seiner Verwundung theilweise erwerbsunsähig, von 21 M. monatlich, wenn er größteutheils erwerbsunsähig geworden ist. Wie ein solcher größteutheils erwerbsunfähig gewordener Invalide mit den paar Hungergroschen von 60—70 Pf. pro Tag mit seiner Familie existire» soll, wird jedermann sich selbst beantworten können. In Frankreich, das materielle Opfer in so enormer Höhe gebracht hat, wird thatsächlich ganz anders für die invaliden Soldaten gesorgt, und so kann es geradezu als ciy Unikum in der Weltgeschichte bezeichnet werden, daß deutscherseits vertragsmäßig an die invaliden Soldaten in Elsaß- Lothringen eine Pension zu zahlen ist, welche die den deutschen Invaliden gewährte um nahezu die Hälfte übersteigt. Der ehe- malige Feind bekommt also weit mehr, als der mlt hochlönenden Phrasen vom„dankbaren" Vaterland regalierte, aber anderer- seits dem Darben ausgesetzte Sohn des Landes. Wie ferner das so oft betonte, aber nie bethätigte„Wohlwollen" beschaffen ist, beweist deutlich die durch nichts zu beschönigende Thatsache, daß es nach Verlaus von beinahe 25 Jahren erst zahlloser Petitionen der Invaliden aus allen Theilen des Reichs bedurft hat, um die Frage einer Erhöhung der überaus traurigen Bezüge anzuregen. Und was war das Resultat aller der end- losen Vorarbeiten? Eine Zulage von 9 Pfennigen— in Buch- staben: Neun Pfennigen pro Tag— ein Bettler-Almosen! Auf den schüchternen Vorschlag eines Abgeordneten, doch noch eine Mark pro Monat zuzulegen, wurde ihm bedeutet, daß die vorhandenen Mittel zu beschränkt seien— wenige Wochen darauf stellte der Staatssekretär von Posadowsky den bekannten Antrag, 67 Millionen ans dem mit unserem Blute erworbenen Invalide»- sends zu anderen Zwecken zu entnehmen! Lapienü sab! Dieser eine Beiveis des„Wohlwollens" für uns alte Soldaten hat aus unseren Reihen mehr„Vaterlandslose" der Sozialdemokratie zugeführt, als man es sich auch nur annähernd träumen lassen mag! Wir beanspruchen jedoch auch dieses „Wohlwollen" nicht! Wenn aber der Staat uns zwingen konnte, unsere gesunden Glieder für ihn zu opfern, so hat er auch die Pflicht, uns hierfür in menschenwürdiger Weise zu entschädigen, nicht aber mit einem Almosen abzufinden, das wir nicht einmal ihm zu verdanken, sondern uns erst aus Feindesland geholt haben. Und wenn infolge der Ueberlastung des von uns geschaffenen Fonds (mit Ansprüchen, die gar nichts mit ihm zu thun haben, das liebe dankbare Vaterland zu arm ist, uns eine genügende Ab- findung zu gewähren, so nehme man nur getrost die eben» falls von nns aus Feindesland geholte», im Julius- thurm zn Spandau lagernden Fonds, dann sind Milte! genügend vorhanden. Wenn spätere Generationen Kriege führen wollen und müssen, mögen sie auch die hierzu nöthigen Mittel ausbringen und aus Feindesland holen, wie wir es gethan. Darum auf, du liebes„dankbares" Vaterland, trockne deine um die gefallenen„Helden" aeweinte» Zähren nnd stille dafür die jahrelang geweinten aller der Wltliven, deren Ernährer für dich gefallen und die ihr ganzes bisheriges Lebenlang durch dich zum Darben vernrtheilt waren; sorg« genügend für sie und alle diejenigen, die in deinem Dienste Schaden gelitten! Dies ist deine wahre„Ehrenschuld", nicht die, wohlseile Zähre» zu heucheln und in„Entrüstung" aus- zubrechen, wenn deiner solchergestalt zur Schau getragenen „patriotischen Begeisterung" die verdiente Würdigung zu theil geworden ist!— — Von der Sedanfeier in Reuß älterer Linie meldet das„Leip. Tagebl." noch«ine bezeichnende Episode. In Crispendorf hatte der Militärverein am Sedaickeste einen Kirchgang mit Musit geplant und davon die zuständige Vehörde unterrichtet, einen Bescheid aber nicht erhalten. Als nun der Verein zum Kirchgang antrat, erschien der Gendarm, um das Vorhaben zu hindern. Der Vorsitzende berief sich aber auf die Anmeldung, worauf er mit dem Verein und unter klingendem Spiele zur Kirche marschirte, obgleich der Gendarm drohte, daß die Be- theiligteu eine schwere Gefängnißstrafe wegen Landsriedensbruchs treffen würde, denn„Reuß ä. L. habe seine eigenen Gesetze." Ein Ausnahmegesetz für Reuß ä. L.! — Flugblattvertheiler durch S o l d a t e n v e r Haftel. Ain vergangenen Sonntags wurde in den meisten zur Wahl stehenden sächsischen Landtagswahlkreisen unsererseits ein allgemeines Flugblatt verbreitet. Das geschah auch in Dippoldiswalde. Ueber einen interessanten Vorfall bei der Flugblatt vertheilung wird nun der„S. A.-Z." geschrieben: I» Dippoldiswalde liegt wegen der m dortiger Gegend statt findenden Manöver viel Militär in Quartier. Garnison ist es nicht. Einer der Flugblattvertheiler kam in eine Parterrewohnung und überreichte einem dort in Hemdsärmeln sitzenden Manne ein Flugblatt. Doch kaum hatte dieser einen Blick darauf geworfen, als er auch schon entrüstet aufsprang und rief .Ich bin königlich sächsischer Unlerofsizier und brauche Ihr Fhigl blalt nicht V Sehr ruhig nahm darauf unser Genosse 5t. das Blatt wieder zurück und ging weiter. Er war jedoch noch nicht weit gegangen, so wurde er von einem Lieutenant, dem der Unter offizier inzwischen schleunigst Meldung gemacht hatte, festgehalten. Da er unglücklicherweise keine Legitimation bei sich halte, rief er seinen in der Nähe soeben aus dem Hause tretenden Kollegen St. heran und nun wurden beide ohne Umstände festgenommen und unter militärischer Bedeckung, vorn ein Offizier und hinten zwei Mann mit aufgepflanztem Seitengewehr, zur Kommandowache transportirt. Dort sollten denn die Personalien festgestellt werden. Nicht wenig erstaunt war jedoch der dienstthuende Offizier, als sich St., der sich durch seine Militärpapiere legitimirte ebenfalls als königlich sächsischer Unteroffizier der Reserve end puppte. Nachdem noch der Stadtwachtmeister geholt worden war. wurden die beiden Uebelthäter schließlich, mit denen man leider nicht nach Kriegsgebrauch verfahren durfte, wieder entlassen und sie fuhren in ihrer Flngblattvertheilung unbeirrt fort. Für den dtenstthnenden Herr» Offizier Wmre es jedenfalls noch er staunlichcr gewesen, wenn er sämmtliche in Dippoldisivalde anwesenden Flugblattvertheiler auf seine Wache bekommen hätte Er hätte dann nämlich lauter königlich sächsische Unteroffiziere der Reserve alS sozialdemokratische Flugblattvertheiler kennen lernen können. Bezeichnend für deutsche Zustände ist es aber. wenn im Zivilverhältniß befindliche Staatsbürger bei Ausübung staatsbürgerlicher Rechte in Friedenszeiten von Soldaten ver hastet iverden können.— König Stumm, der bekanntlich wegen der Heraus fordernng des Geheimraths Professor Wagner zum Duell zu l-t Tagen Festungshaft verürtheilt worden ist, ist wie wir erwarteten, nach L4 stündiger Haft vom Kaiser begnadigt worden. Der Kartell- träger des Freiherrn v. Stumm, Abg. Bopelins, hat die über ihn »erhängte fünftägige Festungshast abgebüßt.— — Badische Landtags ivahlen. Wie die„Karlsruher Zeitung" meldet, finden die Wahlmänner» Wahlen zum badischen Landtag am II. Oktober statt.— — In Sachen des Herrn v. Berlepsch veröffentlicht die Köller'sche Korrespondenz folgende Berichtigung: „Die Nr. 212 des„Vorwärts" vom II. ds. Mts. bringt eine Nachricht aus H a n n o v e r, nach der die Redaktion des dort erscheinenden sozialdemokratischen Organs„D e r B o l k s wille" mit einer ergcbnißlos verlaufenen Haussuchung beglückt worden sei, weil sich der Minister für Handel und Gewerbe durch einen Artikel dieses Blattes beleidigt gesuhlt habe. In dem Artikel sei darüber Klage geführt worden, daß der Minister trotz zahlreicher Einsprüche� der Umwohner die Genehmigung zur Errichtung von Goldschwefelfabriken in der Nähe Hannover's ertheilt habe. Diese Nachricht bedarf in doppelter Beziehung der Richtig stellung. Erstens ist der fragliche Artikel des„Volkswille" dem Minister bisher nicht bekannt geworden, so daß er gar nicht in die Lage kommen konnte, Strafantrag wegen Beleidigung\ stellen. Zweitens ist die Genehmigung zur Errichtung der Gol schwefelfabrik(es handelt sich nur um eine) noch nicht ertheilt worden; die Angelegenheil schwebt vielmehr in der Rekurs- instanz." Wir hatten die vorstehend berichtigte Nachricht nach den An gaben unseres hannöverschen Bruderorgans gebracht, in dessen Lokalitäten thatsächlich nach dem Manuskript des in Rede stehenden Artikels gehaussucht worden ist, nehmen aber selbstverständlich gern davon Akt, daß Herr v. Berlepsch nicht in die Reihe derjenigen Staatsbeaniten getreten ist, die, anstatt mit Be- richtignngen, mit Strafanträgen antworten, wenn die Arbeiter- presse einmal eine unzutreffende Mittheilung veröffentlicht hat. Oesterreich. -»Die Bildung des neuen Ministeriumsist rm Gange. Wir enthalten uns, die Ministerlisten zu veröffent- lichen und zu kommentiren, weil sie bisher blos auf Kom- binationen beruhe». Sicher ist blos das eine, daß der ultra- reaktionäre Gras Badem Ministerpräsident wird und daß er seine Kollegen in der höchsten Aristokratie und anderen erz- reaktionären Gruppen sucht.— Ungarn. � Amnestie. Von unterrichteter Seite wird mitgetheilt, daß die Begnadigung der im Memorandumprozesse verurtheilte» rumänischen Agitatoren sich auf sämmtliche Verurtheilten er- strecken wird. Dieser Gnadenakt soll die Auffassung zur Geltung bringen, daß die Regierung hinsichtlich der nationalen Agitationen heute die Lage als beträchtlich verändert und gebessert ansieht. Vielleicht spielt bei diesem Entschluß der Regierung auch die Scham über die unerhörte Verurtheilung ein klein wemg mit.— Schweiz. — A r b e i t e r v e r s i ch e r u n g. Dem Bundesrathe sind nunmehr die Gesetzentwürfe über die Einführung der Unfall- und Krankenversicherung sammt den Motivenberichten zugestellt worden. Der Bundesrath wird dieselben nach erfolgter Durchberathung in der Dezembertagung der Bundesversammlung vorlegen.— Frankreich. — Im letzten Korruptionsprozeß, dem Südbahn- Prozesse, wurden sämmtliche Angeklagte von den Geschworenen freigesprochen, und zwar nicht deshalb, weil sie von der Schuld der Angeklagten nicht überzeugt gewesen waren, sondern weil sie sich weigerten, die kleinen Diebe zu hängen, während man die großen Diebe, die Senatoren und Deputirten, ruhig ins Ausland reisen ließ.— -»Die Expedition nach Madagaskar. Aus eniem aus Auberville in Paris eingetroffenen Privatbriefe eines Franzosen geht hervor, daß das französische Expeditionskorps auf Madagaskar unter der schlechten Ernährung und Ver- pflegung ungemein zu leiden hat. Es fehlt an Konserven und frischem Fleisch; außerdem an ärztlicher Hilfe und an Verbands- zeug. Zwei Regimenter sind bis jetzt vollständig aufgerieben, die Zahl der Todesfälle unter den Soldaten beträgt mehr als 3000. Italien. — Weitere Soziali st enverfolgungen. Aus Palermo, der Hauptstadt Siziliens wird telegraphirt: Der Präsident der Kommisston zur Anweisung von Zwangs» Wohnsitzen erließ in Anwendung des Gesetzes vom Juli 1834 einen Verhaflsbefehl, infolge dessen 12 Führer der revolutionären sozialistischen Partei zur Haft gebracht wurden. Unter denselben befinden sich mehrere in hervorragenden Stellungen, so der Fürst Cuto, sowie der Herausgeber und die Redakteure des Blattes„Riscossa", welches zu erscheinen aufgehört hat. Drei Personen, gegen welche Hastbefehle erlassen wurden, waren nicht aufzufinden.— Holland. — Politische Freiheit. Die Freiheit der Arbeiter, eine politische Ueberzeugung zu haben, wrtd treffend illustrirt durch nachstehenden Vorfall. Unter großem Klimbim ziehen seit einigen Jahren im Sommer die beiden Königinnen durch das Land, um die verschiedenen Provinzen zu besuchen, und„das Band, das das holländische Volk a» das Haus Oranien ver» bindet, fester anzuknüpfen". Die Bourgeoisie stellt selbstverständlich alles mögliche an, um diese Propaganda-Reiseu für das Königthum zu wahren Triumphzügen zu machen. Die indifferenten Arbeiter dienen als Staffage. Es darf aber nicht wundernehmen, daß auch in Holland nicht alle Arbeiter gewillt sind, auf hohen Befehl Hurrah zu schreien, und nicht selten ist es vorgekommen, daß an solchen nationalen Festlagen ein schriller Mißllang ertönte. Auch in Hengelo, einer Fabrikstadt in Twenthe, war dies bei dem letzten Besuche der Königinnen der Fall. Als der königliche Zug in Hengelo eintraf, wurden die„hohen Personen" von einem Theil der Arbeiterschaft statt mit dem gewöhnlichen Jubeln, mit Hellem Pfeifen empfangen. Aus Anlaß dieser Kundgebung hat der Fabrikant Stork zwanzig Arbeiter, d i e d e r T h e i l n a h m e an d e m a n t i ni o n a r ch i s ch e n Pfeifen verdächtig sind, entlassen. Man will eben die Arbeiter überall zum Heucheln zwingen. Rnstland. — Aus Kurland, Mitte September, geht uns von be- freundeter Seile die Mittheilung zu, daß neuerdings von Paris aus brieflich eine gedruckte„Abonnements-Einladung" auf eine mit 1. Oktober er. in Zürich erscheinende„Unparteiische Revue" verschickt wurde, als deren verantwortlicher Redakteur ein Herr Fritz Handel in Zürich zeichnet.—„Russische Zustände" ist deren Titel.— Die Redaktion wird u. a.„denjenigen Nachrichten und Mittheilungen den Vorzug geben, welche in Rußland selbst nicht publizirt werden können.——— Außerdem wird die Redaktion ihren Jahresabonuenten auf Aufrage-- kostenfreie Informationen über alles sich auf Rußland Beziehende ertheilen.---- Die am 1. Oktober d. I. erscheinende erste Nummer aber wird, unabhängig von ihrer Versendung an die Abonnenten, außerdem jedenfalls noch in 1000 Probe- Exemplaren kostenfrei verbreitet werden,—— Reflektanten mögen uns daher baldigst Nachricht zukommen lassen"--- so schließt dieser Abschnitt.—„Den gegenwärtigen Zuständen und Begebenheiten in Esth-, Liv- und Kurland" werden wir eine besondere Aufmerksamkeit widmen"— erklärt die Redaktion.—„Ohne sich auf irgendwelchen Parteistandpunkt zu stellen,"— wie sie eingangs erklärt, nennt sie sodann noch zwei sehr bekannte russische revolutionäre Schriftsteller in London und j steinen solchen in Genf und Paris, in erster Linie als angebliche Mitarbeiter und einen Herrn Oskar Arthur Schmidtli, Oberstraß, Zürich(Schweiz), als Brief- und Geldadresse. Der sonstige In- halt des Zirkulars ist mehr lockend-dckorativer Natur. Bei der neuerdings so außerordentlichen Rührigkeit der inter- nationalen russischen Polizeikonspiration im Aus- und In- lande und dem natürlichen Interesse, das eine so viel ver- sprechende„Revue" hier selbstredend erwecken muß, hielten wir es daher für nöthig, uns zu vergewissern, daß die Redaktion, die von ihren künftigen Abonnenten und Jnformationssuchern sv unbedingtes Zutrauen erheischt, auch ihrerseits durch und durch Vertrauenswerth ist.— Im Interesse der Mitarbeiter und Abonnenten in spo geben wir daher hier weiter, was uns von durchaus sicherer Seite diesbezüglich berichtet ist:„Unter dem Kosenamen„Hanuele Fritz" ist uns ein„Fritz Haudl", Oester- reicher von Abkunft, laut Verzeichniß der Studirenden in Zürich(18. Februar 1895) bekannt. Dieser wurde Ende Januar lausenden Jahres in Zürich in Ge- sellschaft des russischen Bombenbarons(Jaholkowsky) ge- troffen, welcher einige Tage zuvor, 4 bis 5 Uhr nachmittags, auf deni Limmatquai in Zürich, auch in Gesellschaft des Herrn Arthur Sauftleben gesehen ward.— Handl führte zwar öfter- reichischen Paß, war aber in Riga politischer(uniformirter) Gendarm, als solcher einem Indifferenten dorther bekannt, von ihm befragt, sagte er damals ausrichtig, er sei in Zürich des Dienstes�wegen! Ob der„verantwortliche" Redakteur Herr Fritz Handl in Zürich derselbe ist, wissen wir z. Z. noch nicht. Für alle Fälle liegt Fritz Handl's Signalement zur Information der Vorwärts-Redaktion schon heute bei."*)— Kuba. — Die Insurgenten sprengten das Fort Managnita mittels Dynamit in die Luft und griffen das Dorf Naselles an, welches von der spanischen Besatzung heldenmüthig verlheidigl wurde.—_ Die HAndtoeekee-Monfeeenz vom 89.-31. Juli 1895. Ueber den Verlauf und das Ergebniß der Berathung berichtet eine Korrespondenz nachstehendes: Nach den einleitenden Er- klärungen der Regierungsvertreter stellt die Vorlage zu 1 das Ergebniß der Prüfung dar, die an der Hand der Aeußerungen der Behörden und der öffentlichen Kritik über die seiner Zeit im„Reichs- Anzeiger" veröffentlichten Vorschläge, betreffend die Organisation des Handwerks und die Regelung des Lehrlingswesens im Ministerimn für Handel und Gewerbe stattgefunden hat. Dieselben seien wie überhaupt so insonderheit vom Standpunkt des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe auch, in ihrer gegenwärtigen Fassung durchaus nur vorläufiger und unverbindlicher Natur, da eine endgiltige Stellungnahme dem Herrn Minister erst möglich sein werde, wenn das Ergebniß der in Oesterreich vorgenommenen Unter- suchungen über die dortigen Zwangsgenossenschaflen und der neuerdings erfolgten statistischen Erhebungen über die örtliche Vertheilung der einzelnen Handwerke in verschiedenen Theilen des Reiches abgeschlossen vorliege. Weder das preußische Staalsministeriuw, noch der Reichskanzler haben sich über die vorliegenden Pläne schlüssig.gemacht. Ferner wurde wiederholt ausdrücklich hervorgehoben, daß auch in dem Entwurf unter 2 keineswegs eine endgiltige Entschließung bezüglich der zu machenden Gesetzesvorlage niedergelegt sei. Der Entwurf habe lediglich die Bestimmung, als Vorbereitung für eine solche Entschließung zu dienen, und es lasse sich zur Zeit nicht absehen, wie weit er als Grundlage werde angenommen werden. Schon bei Beginn derZVerathungen ließen die Regierungs- Vertreter keinen Zweifel darüber bestehen, daß die Reichs- und die preußische Staatsregierung sich der Forderung des„Be- ähigun gs- Nachweises" gegenüber unverändert zurchaus ablehnend verhalten und stellten anHeim, prinzipiell hier die Erörterung dieser Frage zu unter- lassen, da ein fruchtbares Ergebniß davon doch nicht zu erwarten sei. Infolge dessen wurde handwerksseitig diesem Standpunkte unter der ausdrücklichen Verwahrung Rechnung getragen, daß mit dieser Abstandnahme von der Dis- iusfion noch nicht der Verzicht auf die Forderung des .Befähigungsnachweises" an sich ausgesprochen sei, die- elbe vielmehr unverändert ausrecht erhalten werde. In dem Gesammtrahmen der'Organisation des Herrn von Berlepsch vermißte man jegliche Bezugnahme auf die deutschen Jnnungsverbände, welche vornehmlich auf grund des 1831er Jnnungsgesetzes sich zu einem sehr bedeut- amen Faktor im deutschen Jnnuugswesen entwickelt hätten. Man würde, so urtheilte man. ein großes Unrecht begehen, wollte man diese bewährten Verbandsschöpfungen fallen lassen und dafür etwas in seinen Erfolgen doch immer unsicheres Neues schaffen, sie seien ein nothwendiges Glied in der korpo- viereckiger rother Oberstraß-Zürich, *)„Hochgewachsen, blond, blaue Augen. Bart und(im April) Nr. 1 Vogelsangstraße, wohnhaft." »e- zu» rativen Organisation des Handwerks und müßte die Bezugnahme auf sie sich eigentlich wie ein rother Faden durch die„Grund- züge" hindurchziehen. Die neuen Borschläge des Freiherrn v. Berlepsch sollten indessen vor allem durchberathen werden, und da man die Behandlung derselben nicht stören oder aufhalten mochte, so beschloß man, die deutschen Jnnungsverbände seien als ein selbständiges viertes Element in der Organisation des Hand- werks anzuerkennen und demgemäß, neben den„Innungen", „Jnnungsausschüssen" und„Handwerkskammern", in die„Grund- züge" einzufügen. Die Art und Weise der Einfügung der deutschen Jnnungs- verbände in den Rahmen der Zwaugsorganisationen stellte man der Staatsregierung anheim und beschränkte sich als Grundlage hierzu auf die Erneuerung der aus die deutschen Jnnungsverbände bezüglichen Beschlüsse des deutschen Jnnungs- und allgemeinen Handwerkertages vom 9. und 19. April 1894, lautend: „Alle Innungen desselben Gewerbes oder verwandter Ge- werbe treten zur gemeinsamen Verfolgung ihrer Aufgaben sowie zur Pflege der gemeinsamen gewerblichen Interessen zu einem über das Reich sich erstreckenden Jnnungsverbände zusammen. Auf die Verbände finden die Bestimmungen der ß§ 104b ff. der Reichs-Gewerbe-Ordnung entsprechend Anwendung. Die Jnnungsverbände haben allgemeine Grundsätze ans- zustellen über: 1. die technische Ausbildung der Lehrlinge, 2. die einheitliche Behandlung der Gesellen(Gehilfen) in bezug auf Reise-Uuterstützuug, Arbeitsnachweis und Herbergs- wesen, sowie 3. alles zu thun, um dem Meisierstande die Kenntnisse der gewerblichen Fortschritte zugänglich zu machen. Die bisherigen deutschen Jnnungsverbände, deren Satzungen den Bestimmungen dieses Gesetzes innerhalb eines Jahres ent- sprechend geändert werden, haben die Rechte und Pflichten der Jnnungsverbände." Unter Anerkennung des Prinzips der Z w a n g s i n n u n g in den„Grundzügen", an stelle der früher in Aussicht genommenen „Fachgenossenschaft", wurde von mehreren Vertretern weiter gellend gemacht, daß der Bezirk einer Innung nicht unter allen Um- ständen auf den Bezirk des einzelnen Jnnungsausschusses abgegrenzt werden sollte, sondern um dem Jnnungsbedürfnisse verschiedener Haudwerkskreise entgegenzukommen, bis auf den Umfang einer Handwerkskammer sich ausdehnen dürste. Mit Bedauern vermißte mau unter den fakultativen Aufgaben der Innungen in den„Grundzügen" zwei Befugnisse, welche die heutige Gewerbe-Ordnung den Innungen verstattet, nämlich: a) für ihre Gesellen und Lehrlinge und die in ihren Betrieben beschäftigten Personen(Arbeiter, Arbeiterinnen) Krankenkassen, sowie b) zur Förderung des Gewerbebetriebes der Jnnungs- Mitglieder gemeinschaftliche Geschäftsbetriebe (Bezug von Rohmaterialien) einzurichten. Die Konserenz beschloß, daß diese Aufgaben auch in Zukunft den Jnuungen erhalten bleiben müßten. Sodann glaubten die Vertreter des Handwerks die Zu- ständigkeit der Gesellenausschüsse über die heutigen, ihnen durch die Reichs-Ge werbe- Ordnung gesteckten Grenzen hinaus nicht erweitern zu sollen und waren einig in dem Vorschlage, daß vor der Beschlußfassung der Innung über solche Angelegeuheiteu, bei denen irgend ein Geselleninteresse mit- spreche, der Gesellenausschuß zu hören sei. Das gleiche Verhältniß soll auch für den sellenausschnß des Jnnungsausschusses treffen. Die Kosten der Innung, einschließlich derjenigen des Gesellenausschusses, beschloß man, im Sinne der„Grnndzüge", durch die Junungsmitglieder in der Weise aufbringen zu lassen, daß die Beiträge entsprechend der größeren oder geringeren Höhe des Ertrages aus dem einzelnen Betriebe(Gewerbesteuer) abgestuft werden; außerdem aber hielt man es für nothwendig, den Be- schluß des 1894er deutschen Jnnungs- und allgemeinen Hand- werkertages zu Berlin hier zur Geltung zu bringen, nach welchem Gewerbetreibende, die zum Bei- tritt in eine Innung nicht verpflichtet sind, nach Maßgabe der in ihren Betrieben mit Nebenarbeiten beschäftigten Handwerks- mäßig vorgebildeten Gesellen für dievon der Innung getroffenen Wohlfahrtseinrichtungen prozent ualiter Beiträge an diejenige Jn�nu n'g zu zahlen haben, deren Gewerbe diese Gesellen angehören. Man erachtete es allseitig als eine ungerechtfertigte Bevor- zuguug der Großindustrie, indem beispielsweise große Brauereien zahlreiche Böttcher-, Kupferschmiede-Gesellen u. f. w. beschäftigten, welche von den Jr.nungsmeistern fachlich ausgebildet seien, ohne daß solche Großbetriebe zu Aufwendungen der Innungen für Arbeitsnachweise u. s. w. herangezogen werden. In der Organisation der Jnnungsausschüsse empfand man den Umstand als eine große Lücke, daß denselben neben den obligatorischen Aufgaben nicht auch solche fakultativer Natur ver stattet seien. Sie mußten nach dem einstimmigen Urtheile der Handwerkerkonfereuz mit dem Rechte betraut werden, gemeinfame Interessen der betheiligten Innungen, wie heute, jedoch auch Rechte und Pflichten Vermögens- rechtlicher und wirthschaftlicherNatur wahrnehmen zu können. Dem- gemäß sollte der I n n u n g sa us s ch u ß berechtigt sein, neben seinen obligatorischen Ausgaben Organisationen und Einrichtungen wirthschastlicher Natur, sowie Schiedsgerichte u. s. w. einzurichten. Bei der Frage der Einrichtung der Handwerkskanimern wurde es als eine Hauptsache erachtet, daß die gesetzliche Mög- lichkeit gegeben werde, den Bezirk einer Kammer erforderlichenfalls auch über mehrere Bundesstaaten ausdehnen zu können, und man zollte in dieser Beziehung den Bestimmungen Beifall, wie sie in dem Entwürfe eines Gesetzes, betreffend die Errichtung von Handwerkskammern, vor- liegen. Ferner hielt man die Aufnahme gewisser Bestim- mungen für wichtig, durch welche Konflikte der neuen„Handwerks- kammer" mit bereits in verschiedenen Bundesstaaten bestehenden Organisationen ähnlicher Art vermieden würden. Man gab daher den Regierungsvertrelern anheim, in bezug auf die Errichtung der Handwerkskammer den folgenden Gedankengang anzunehmen: Zur Vertretung der Interessen des Handiverks werden Handwerkskammern errichtet, und zwar für die größeren Staaten mindestens in jeder Provinz eine, die Zentralbehörde kann jedoch die Errichtung mehrerer Handwerkskammern für eine Provinz nach örtlicher Eintheilung anordnen. Die Bezirke der Handwerkskammern werden für jeden Bundes- staat von der Landes-Zentralbehörde festgestellt. Mehrere Bundes- staaten können sich zur Errichtung gemeinsamer Handwerkskammern vereinigen; die Vereinigung hat sich auch darauf zu erstrecken, yon welchen Behörden die in diesem Gesetz den Landes- Zeneral- behörden und der höheren Verwaltungsbehörde übertragenen Ob- liegenheiten wahrzunehmen und wie die dem Staat zur Last fallenden Kosten aufzubringen sind. Auf Beschluß des Bundes- raths kann der Errichtung von Handwerkskammern für solche Bezirke unterbleiben, in denen durch andere Einrichtungen (Handels- und Gewerbekammern) für eine ausreichende Vertretung der Interessen des Handwerks gesorgt ist. In bezug auf die obligatorischen Aufgaben der fand Werkskammer nach den„Grundzügen" beschloß die audwerkerkonserenz in der Nr. 1 dieser Aufgaben zu der Fassung:„Die Führung der Aufsicht über die Jnuungen nud Jnnungsausschüsse ihres Bezirks" den Zusatz„sowie über die von ihnen getroffene» Einrichtungen wirthschaftlicher 91 n t»iv?lußerde»i wuvbtn zwei neue Nummern wie folgt eingefügt: „5. i», Einvernehme» mit den Innungen gerichtliche Sach- verständige zu wählen resm vorzuschlagen, 6. eine» Ehrenrath zu bilden, der die Nufrechterhaltung der Staudesehre unter den Mitgliedern der Innung zu überwachen und die dazu erforderlichen Maßregeln zu treffen hat." Ferner wurde für die Handwerkskamniern die Befugniß in Anspruch genommen.«Initiativanträge bei den Be- Hörden zu stellen". Die Rechte des Kommissars(„Veanftragten") bei der Hand- werkskammer beschloß man dahin einzuschränken, daß ihm nicht das Recht schlechthin zustehen solle,„die Beschlüsse der Organe der Handwerkskammer mit ausschiebender Wirkung zu be- anstanden," sondern daß dieses Recht nur in bezug aus den gesetzlichen Bestimmungen entgegenstehende Beschlüsse angewendet werden dürfe. (Schluß folgt.) e i- H mljfc lchten. Parteiliteratur. Die vor einiger Zeit von der Buchhand- lung des„Vorwärts" angekündigte Broschüre über den Essener Meineidsprozeß gelangt n ä ch st e n M i t t w o ch unter dem Titel! „Der Essener Meineidöprozest. Geschichte und Glossen. Von Dr. Franz Lütgen au" zur Ausgabe. Der Verfasser ist selber Augen- und Ohrenzenge der Verhand- lungeu gewesen und führt in überzeugender Meise aus den Prozeßverhandlungen selber den Nachweis, daß die Angeklagten von den Essener Geschworenen, au deren Klasseniustinkte der Staatsanwalt nicht erfolglos appellirt hatte, für schuldig erklärt wurden, obwohl der Schuldbeweis einer objektiven Würdigung gegenüber nicht Stich hält. Um der Schrift, welche den Prozeß und das Urtheil aus den gerade in den rheinisch-westsälische» Jndustricbezirken so hoch gesteigerten lilassengegensätzen und Klassenscheidungen erklärt, die weiteste Verbreiluugsniöglichkeit zu sichern, ist der Preis auf nur 15 Pfg. festgesetzt. Agrarpvogramm. In Breslau beschäftigten sich zwei Versamnilungen mit dem Entivnrf, ohne daß die Debatte zum Abschluß gekommen wäre. In der ersten referirte Bruhns� Er empfahl folgende Resolution:„Die Parteiversammlung erkennt die Nothwendigkeit an, den innner wichtiger werdenden Agrar- fragen näher zu treten. Sie erwartet daher, daß der demnächst in Breslau tagende Parteitag den vorgelegten Programm-Eut- wnrf der Agrarkommission nicht unbedingt ablehnen wird, sondern den Versuch macht, ein den prinzipiellen Grundlage» wie dem agitatorischen Bedürfniß der Partei entsprechendes Agrarprogramm zu schaffen." In der zweiten Versammlung übte Geiser scharfe Kritik an den Vorschlägen; die Agrar- kommission hätte gezeigt, wie wir die Sache nicht anzufassen haben. Im übrigen erklärte er, wie Brnhns, daß die gerade für Schlesien sehr wichtige Agrarfrage nicht ans dem Ange verloren werden dürfe, sondeni man habe sich die nöthige Klarheit über diese Frage zu verschaffen und danach die erforderliche» Maßregeln zu treffe», l Am Mittwoch wird die Diskussion fort- gesetzt. Eine Parleiversauuulung in Iserlohn sprach sich gegen das Agrarprogramm aus und beauftragte den Telcghten, unbedingt gegen dasselbe in der jetzigen Form zu stimmen, da es geeignet sei, die Partei ihres revolutionäre» Charakters zu ent- kleiden. In Z e i tz beschloß der Arbeiter< Bildungsvercin«ach dem Referat Leopoldt's:„Die Versammlung erklärt, daß die Partei kein spezielles Agrarprogramm nöthig hat, sondern daß das jetzige Programm, riditig angewendet, ausreicht, Propaganda für unsere Partei auch auf dem Lande zu machen." In M e e r a n e wurde nach dem Vortrag G o l d st e i n' s beschlossen:„Die Versammlung hält die Ausstellung eines be- sonderen Agrarprogramms oder die Hineinarbeitung eines solchen in das Erfurter Programm für uunöthig und ist der Ansicht, daß zur Zeit niit dem bestehenden Programm anszukommen sei. Doch haben wir unausgesetzt unser Augenmerk auf die Eni- Wickelung der bäuerlichen Verhältnisse und insbesondere aus die Gewinnung der Landarbeiter und kleinen Bauern zu richten." Ii» L i ch t e n st e i n- C a l l n b e r g sprach sich nach den» Referat R o s e n o w' s einstimmig die Parteiversammlung des 17. sächsischen Wahlkreises„gegen das Agrarprogramm ans, ob- wohl sie einige Forderungen für annehmbar hält. Sie wünscht, die Agrarkommission möge fortbestehen bleiben als Untersuchungs- kommission. Auf grund beigebrachten T h a t s a ch e n Materials wären alsdann neue Forderungen aufzustellen." In Pirmasens in der Rheinpfalz beschloß eine Partei- Versammlung einstimmig folgendes:„Die Versammlung beantragt Verwerfung des von der Kommission ausgearbeiteten Entwurfs, da das heutige Programni vorläufig für unsere Agitation ge- nügt. Der Schiverpnnkt, agitatorisch bei der Landbevölkerung zu wirke», liegt nicht in der Prograinmform, sondern in de» Jntriguen der herrschenden Klassen, die durch Saalabtreibnng und sonstige Anwendung von Gewaltmitteln uns die Agitation auf dem Lande illusorisch machen." Auf der in Oggersheim abgehaltenen Parteikonferenz für de» ersten pfälzischen Wahlkreis S p e i e r bekämpfte der Referent Dickreu t her den Entwurf. Durch die Forderung nach Staatshilfe für die landwirlhschaftlichen Genoffenschaften kämen wir wieder ans den Lassalle'schen Vorschlag zurück. Ent- sprechend dieser Forderung müßten wir auch Staatskredit für Handwerkergeuossenschasten verlangen, was unserer Partei mehr schaden als nn günstigsten Falle nützen würde. Auch im übrigen halte�er den Entwurf für nicht dazu angethan, daß wir durch ihn die ländliche Bevölkerung unserer Partei zuführen könnten. Er empfehle es als viel dankbarer, die Agitation noch »nehr unter die Industrie- Bevölkerung zu tragen, da dort der Erfolg sicherer sei. Stubenreich erklärte sich dafür, daß der Entivurf an die Kommission zur Neubearbeitung zurückverwiesen werde. In ähnlicher Weise sprach sich M e tz g e r aus. Müller- Mutterstadt und Brendel- Maxdorf, beide Vertreter von ländlichen Orten, waren durchaus dagegen, daß dem Erfurter Programm solche Forderungen, wie sie der Ent- wurs enthält, beigefügt werden. Brendel meinte insbesondere, der Bauernstand müsse, infolge seiner schlechten Lage, von selbst zum Sozialismus kommen. Tasselbe erklärte Körner, der noch ausführte, der gegenwärtige Entwurf sei auf die süd- deutschen Verhältnisse zugeschnitten und für die All- gemeinheit«»annehmbar. Riedl wünschte an stelle eines Agrarprogramms eine Agitationsschrift zur Verbreitung unter den Bauern, womit der ländlichen Agitation am meisten gedient sei. Auch M a y e r- Grünstadt war gegen den Entwurf. Ehrhart trat für de» Entwurf ein und empfahl eine Re- solntion, worin ein Agrarprogramm für dringende Nothwendig- keit erachtet und die Kommission aufgefordert, wird, den Entwurf so auszuarbeiten, daß er allgemein annehmbar ist. Stein- Speyer und M üller-Ludwigshasen traten für die Ehrhart- scheu Ausführungen ein, während sich H u b e r gegen den Entwurf aussprach. Während der Debatte war schon folgende, von Dickreu ther eingereichte Resolution verlesen worden, die von Stubenreich empfohlen und mit starker Majorität angenommen wurde:„Die Konferenz ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß die von der Agrarkommission vor- geschlagenen Proarammpunkte sich zum theil in prinzipiellen Widersprüchen mit der bisherigen Ansicht der Partei befinden; sie ist der Ansicht, daß es nicht im Juteresse des Sozialismus liegen kann. Zustände zu befestige» und zu erhalten, von denen man überzengi ist, daß sie untergehen müssen; sie ist des fernere» der Ansicht, daß die Lösung der Agrarfrage zur Zeit überhaupt noch»übt spruchreif ist und daß das Programm in seiner bis- herigen Gestalt allen Anforderungen für die nächste Zeit genügt: die Konferenz ersucht deshalb den Parteitag zu Breslau, die Kommission aufzufordern, dem nächsten Parteitag andere und bessere Vorschläge zu unterbreiten, die, ohne dem bisherigen Prinzipe zu schaden, im Programm Ausnahme finden können." In M Ü n ch e n erklärten sich in einer Parteiversammlung der Referent Birk und sämmtliche Diskussionsredner für die Schaffung eines besonderen Agrarprogramms. Der Kern ihrer Aus- führungin ist in folgender Resolution enthalten, die einstimmig an- genommen wurde:„Die Parteiversammlung der beiden Münchener Wahlkreise ist in Uebereinstimmung mit dem Agrarbeschluß des Frankfurter Parteitages der Ueberzeugung, daß die ernsteste Be- schäftigung mit der Agrarsrage eine Nothwendigkeit für die Partei ist. Dem derzeit vorliegende» Entwurf eines Agrarprogramms kann sie ihre Zustimmung nicht geben. Die jetzige Agrardebatte ist zu begrüßen, weil sie die Aufmerksamkeit der Parteigenossen aus die wichtige Agrarfrage gelenkt hat. Aber die Er- gebnisse dieser Debatte zeigen deutlich, daß die Partei zur Zeit noch keineswegs hinreichend vorbereitet ist, um eine sachgemäße Entscheidung zu treffen. Die Partei- Versammlung stellt daher den Antrag an den Parteitag, den Agrarprogramm-Entwurf an einen Agrarausschuß zurück zu verweisen mit dem Auftrage, die thatsächlichen ländlichen Ver- Hältnisse der sorgfältigsten Prüfung zu»nterziehen, die Genosse» durch die Parteipresse in angemessenen Zwischenräumen über ihre Thätigkeit auf dem Laufenden zu halten und das Ergebniß ihrer Arbeite» dem nächstfolgenden Parteitage zu unterbreiten. Die Vertreter Münchens werden beauftragt, ans dem Parteitag in diesem Sinne zu wirken." Nachdem der„Vorwärts" nun ans allen Theilen Deutsch- lands die Meinung der Parteigenosse» über das Agrarprogramm durch wörtlichen Abdruck der Resolutionen, sowie in vielen Fällen auch durch Wiedergabe der Diskussion objektiv registrirl bat, glaube» wir in Uebereinstimmung mit alle» Lesern zu handeln, wenn wir icher die noch vorkommende» Beschlüsse von jetzt an summarisch berichten. Telegirte zum BreSlaner Parteitage. Lüdenscheid: Jserloh.— M ü n ch e»: Franz Schmiit und Adolf Müller.— Wahlkreis H e i l b r o n n- B e s i g h e i m: Röhrle ans Heil- broii».— Wahlkreis H a m c l n- L i n d e n: Brey.— Wahlkreis G r ü n b e r g- F r e y st a d t: Unglaube aus Grünberg.— Wahl- kreis Dessau-Zerbst und Wahlkreis Bern bürg: Pens. — Guben: Galke. I» Wilhelmsbnrg, wo i» den Fabriken eine große Anzahl polnischer Arbeiter beschäftigt wird, wurde von den polnischen Parteigenossen aus Hamburg ein Arbeiter-Bildungsverein ins Leben gerufen, dem außer dem Vorstande sofort 18 Mitglieder beitraten. In Konstanz, der Stadt, wo Hnß verbrannt wurde, Hai der nationalliberale Magistrat die zur Abhaltung einer Volks- versammluiig von ihm bereits zur Verfügung gestellt gewesene Turnhalle nachträglich verweigert. In dieser Versammlung sollten Bebel und Adolf Geck spreche». Tie Versammlung wurde nun ans schiveizerischem Boden, in K r e u z l i n g e n, abgehalten und war außerordentlich stark besucht. Ter Klub„Vorwärts" in Strasburg i. E. hat bei der Gemeindeverwalluiig schon wiederHoll um Ueberlassiliig der städtischen Markthalle zum Zirecke der öffentlichen Bericht- erstattnng des Reichstags-Abgeordneten Bebel nachgesucht. Nachdeni die preußisch-badische Reaktion auch die Abhaltung der sür Neumühl geplanten Versannnlnng verhindert hat, machte der Klub eine erneute Eingabe an den Gemeinderath. Derselben er- ging es wie ihren Vorgängerinnen: i» der Sitzung vom II. Seplember spcdirten die weisen und gerechte» Väter der Stadl das Gesuch in den Papierkorb mit der Motivirnng,„daß städtische Lokale zur Abhaltung von Versammlungen politische» oder konsessionellen Charakters nicht hergegeben werden." Nach diesem Grundsatz hat man bekanntlich nicht immer gehandelt. Ex-Teputirter Petri weiß davon. Er war freilich auch keinVer- trcter deS arbeitenden Volkes. Kongreß der französischen Arbeiterpartei, lieber den weitere» Verlauf des Kongresses wird uns ans Paris unterm 12. September geschrieben: Bezüglich der S e e- A r b e i t e r- Frage hat der Kongreß ans grund der dem Nationalralh zu- gegangenen Antworten auf die seinerzeit von ihm versandleu f ragebogen folgende Punkte als Grundlage eines uiarilimen rogramms angenomme»: 1. Eine Minimal- Altersrente von 600 Fr. sür alle See-Arbeitcr mittels einer von den Schiffsrhedern und Schiffsgesellschasten zu erhebenden Sondcrsteucr: 2. Errichtung eines maritimen Arbeilsralhes, deren Mitglieder von den Gewerkschaften der Fischer und Haudelsmatrose» zu wählen sind; 8. ei» zwölsstündiger Arbeitstag aus dem Verdeck und ein acht- stündiger in den Schiffsräume», sowie ein wöchentlicher Ltuhe- tag von 24 Stunden: 4. ein Minimalloh» in der Höhe, ivie er auf dem 1893 zu Paris stattgehabten Kongreß der Seclente festgesetzt wurde: 90 Frks. auf dem Verdeck, 199 Frks. in den untere» Echiffsräninen und 129 Frks. in den Kesselräumen; S. Errichtung von marilimen Arbeiter-Schiedsgerichten((lonseils de prud'hommes); 6. Ausübung der politischen Rechte der See- lenle; 7. Abschaffung der Seegerichte und Rückkehr zum gemeine» Rechte für die Seearbeiter. Gleichzeitig hat der Kongreß de» Nationalrath mit der Vervollstnndiguug des Programms betraut. In der Frage, betreffend die obligatorischen Ge- w e r k s ch a f l e n, ist der Kongreß zu dem Schlüsse gelangt, überall eine kräftige Agitation für Schaffnng eines Gesetzes zu entfalte», das die' Beschlüsse der Gewerkschaften über Lohntarife und über sonstige Arbeitsbedingnngen für alle Arbeiter desselben Berufes, gleichgiltig, ob sie der Gewerkschaft angehören oder nicht, bindend macht. Weiter hat der Kongreß noch folgende Forderungen auf- gestellt: Wahl der G-werbe-Jnspektore» und-Jnspektorinue» durch die Arbeiter und itlrbeiterinne»; Monopolisirnng der pharina- centischen Produkte durch den Staat; Besugniß der Gemeinde, vaterlose Kinder zu adoptire«, vorausgesetzt, daß sie auch diesen gegenüber alle Pflichten eines Vaters übernehmen; Wählbarkeit der dürftigen oder unterstützten Greise; Herabsetzung der Reservisten-Uebunpszeit von 28 Tagen auf 13 Tage und der bis- herigen 13tägigen Uebungszeit auf 4 Tage. In den Nationalrath der Arbeiterpartei wurden gewählt die Genossen Gucsde, Lafargue, Carnaud, Chauvin, Zevais, Dereure, Ferroul, Roussel, Prevost, Fortin, Maussa und Genossin Alme Valette. Den Schluß des Kongresses bildete eine öffentliche Ver- sammlung, in der man besonders der Regierung scharf zu Leibe rückte, und eine Sammlung sür die Streikenden von Carmaux vornahm. »» * Die bereits erwähnte Erklärung der französischen Arbeiterpartei, mit welcher der Kongreß seine Arbeiten begonnen hatte und in der die Sympathie sür die deutsche Sozialdemokratie ganz besonders hervortritt, lautet: „Der 13. Landeskongreß der französischen Arbeiterpartei ist erfreut, die seit dem letzten Nanter Kongeß gemachten Fortschritte zu konstatireni Die Wahl Gerault- Richard'?, die Flucht Easimir's von Anzin und die von den Sozialisten in den Departemental- Ver- ämmlungen eroberten Sitze haben gleichzeitig mit der Ohnmacht >er Ausnahms- und Reaktionsgesetze die steigende Macht des organisirten Proletariats bewiesen. Der Kongreß sendet den Glasarbeitern von Carmaux, die »id>t allein ihr Brot, sondern die politischen Rechte und die ge- werkschaftliche Freiheit des ganze» arbeitenden Frankreich ver» theidigen, mit seinem Scherflein seinen brüderlichen Gruß. Dieser durch die Willkür eines einzelnen, unter dem Schutze einer mitschuldigen Regierung nahezu 1199 Familien aufgezwungene Streik ist ein neuer und eklatanter Beweis von der Nothwendigkeit der politischen und wirthschastlichen Enteignung der Kapitalisten- klaffe. Es giebt keine Existenzsicherheit, keine politische Freiheil für die Arbeiter, solange sie nicht unter gesellschaftlicherForm dieEigenihümer der Produktionsinittel geworden sind, und sie haben nichts von den öffentlichen Gewalten zu erwarten, so lange sie sich derselben nicht bemächtigt haben werden. Im Namen des arbeitenden und bäuerlichen Frankreichs, das allein alle Kosten der sogenannten Kolonialpolitik— einer wahren mit den Leichen unserer Soldaten und Matrosen be» lriebenen Millionenfischerei— zu tragen hat, protestirt der Kongreß gegen die Schlachtbank von Madagaskar, die der Schlacht- dank von Tonkin angereiht wurde, und ruft mit aller Sehnsucht die Stunde herbei, wo über die verbrecherischen Urheber dieser mörderische» Freibeutereien Gericht gehalten werden wird. Desgleiche» weist er die Patrioten, würdig dieses Namens, abermals auf die Prellerei der angeblichen Allianz mit Rußland hin, die, die französische Republik nach Kiel schleppend, nachdem sie unter dem Vorwande der Revanche an dem Nationalersparniß einen Aderlaß von über 11 Milliarden vorgenoinmen, uns gleichzeitig die Ehre und das Geld nimmt. Der Kongreß beglückwünscht die italienische Arbeiterpartei, die trotz der von der Regieriing begangenen Gewallthätigkeiten lind Fälschunge'.!, gleichsam in vollem Belagerungszustand, in verdreifadzter Stärke aus den letzten Parlamentswahlen hervorgegangen ist und ans den Crispi'sdien Bastillen die Opfer der letzte» Kriegsgerichte herausgeholt hat, um der Bourgeois-Monarchie Humbert des Ersten und Letzten eine Ohr- feige damit zu versetzen. Der belgischen Arbeiterpartei, die, nad)dem sieder Bourgeoisie das Monopol des Negierens entrissen, gleich bei ihrem ersten Älustrcten, trotz des überaus ungleiche» Stinn»red)tes, nahezu ein Viertel der Nationalvertretinig für den Sozialismus gewonnen hat, sendet der Kongreß den Ausdruck seiner vollen Bewunderuug. Endlid; ruft der Kongreß: Dank und Bravo! den S o z ifa l i st e n jenseits der V o g e s e n zu, die getreu der internationalen Pflicht, welche sie mitten im Kriege von vor 23 Jahre» so heroisch erfüllt, sich soeben mit Gefahr ihrer Freiheit den Sedaufefteu entgegengeworfen haben und im Angesichte unserer Sieger den Militarismus und de» Krieg ver- dämme» und über die Grenzen hinweg ihre Solidarität mit den Sozialisten Fra»kreid>s bekräftige». Die französische Arbeiterpartei, die i h r e t« s e i t s ebenfalls den Frieden zivischen den Völkern will, wird immer st o l z darauf sein, für die Befreiung der Arbeit und der Menschheit Schulter an Sd>ulter mit der >v ackeren deutschen Sozialdemokratie zu kämpfe n. Hoch die Internationale! Todtenliste der Partei. In Alsfeld ist der Steinmetz Oskar Frank gestorben. In Konstanz am Bodens«« ertrank beim Baden der Parteigenosse Martersteig aus Arnstadt i. 2h. Beide Parteigenossen haben sich im Dienste unserer Sache wohlbewährt. Polizeiliche?, Gerichtliche?»e. — I» Posen ist es, wie uns geschrieben wird, den Ge- nossen entlich»ach langen Mühen gelunaen, ein Lokal, den Wiener Tunnel, zu eihallen. Einige Versammlungen fanden denn auch sdzon ohne irgend welchen Widerspruch der Polizei statt; doch als vergangene Woche durch Plakate bekanntgegeben worden war, daß zu einer Versammlung ei» polnischer Referent ans Berlin anwesend sein werde und die Gründung«i»»S polnisch- sozialdemokratischen Vereins in Aussicht genommen wäre, verbot die Polizei die Versammlung und kürzte dem Wirth des Wiener Tunnels die Konzession von 2 Uhr nachts auf 19 Uhr abends, also um volle 4 Stunden. Da der Wiener Tunnel allgemein nur als Nachtlokal gilt, so erscheint dies« Maßregel gleich. bedeutend mit dem Ruin des Wirthes. Am Tage der nun ver» botenen Versainiuliing hatte sich aber doch eine größere Anzahl polnischer Genosse» rui Wiener Tunnel eingefunden und beim Glase Bier und»ach dem Gesänge einiger polnischer Arbeiter- lieber erklärten sid> niigefähr 24 Genossen für die Gründung eines polnische» Arbeiter-Bildungsvereins. Man wird abwarten, ob das Lokal, das nach der bnupolizeilidicn Vorsd)rift für ungefähr 89 Personen Rani» bietet, der Polizei sür die Sitzungen de? Vereins ausreichend ersdieint. — Die Parteileitung Ungarns, die bekanntlich ivcge» der Flugschrift„Eine Frage an die ungarische Nation" zu sechs Monaten Staatsgefängniß verurtheilt wiirde, hat den staatsaiiwaltsd)aftlid>e» Bescheid erhalten, daß die neuerlich» Berhandlung in dieser Angelegenheit auf den 39. September an- beraumt ist. Vepesrlzen und letzke Aachvichkeu. Hamburg, 14. September.(W.T.B.) Der„Hamburgischen Börsenhalle" zufolge werden sämmtliche dem Pool angehörigen transatlantischen Dampferlinien vom nächsten Montag ab den Passagierpreis im Zwischendeck für die Fahrt von New-Iork nach Europa um 23pCt. erhöhen. Frankfurt a. M., 14. September.(B. H.) Der Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" in Paris erhielt Einsicht in die Rechlfertigungsschrift Benedetti's über seine Mission in Ems, welche die„Revue de Paris" demnächst publi- ziren wird. Benedetti wies zwar die moralische Ver« nntworluiia sür den Krieg Bismarck zu, indem er die un» bewiesene Behauptung aufstellte, Bismarck habe die Hohenzollern'sche Thronkandidatur geschaffen, um einen Krieg herbeizuführen. aber Benedetti legt ausführlich dar, daß die unmittelbare Ver- antwortung den Herzog von Gramont trifft. Obwohl Graniont durch Benedetti's Mittheilung wußte, daß König Wilhelm seine persönlid>e Zustimniung zu dem Rücktritt des Prinzen von Hohenzollern ausdrücklich erklären würde. verschwieg er dies der Kammer und ließ außerdem durch de» preußischen Gesandten in Paris an de» König jene Forderung von Garantien für die Znknnft stellen, weld)« den Abbruch der Verhandlungen herbeiführte. Benedetti erklärte diese Forderung für verhäiignißvoll und überflüssig, da er in Ems alles durchgesetzt, was die französische Regierung verlangt halte. Benedetti versichert, König Wilhelm habe ihin nicht die Thür gewiesen. Entgegen der Behauptung Bismarck's habe es in Ems weder eine» Beleidiger noch einen Beleidigten gegeben. Wie», 14. September.(B. H.) Amtlich wird bekannt ge- macht, daß die Regierung die Einsuhrbestimmungen von Rind» vieh aus den Regierungsbezirken Magdeburg, Düsseldorf. Aachen. Köln, der Kreishauplmannschaft Leipzig, dem Großherzogthum Sachse»- Weimar und den Herzogthüniern Sachsen- Alteiibnrg und Anhalt durch unbedingtes Einfuhrverbot verschärft hat. London, 14. September.(W. T. B.) Nach einer Meldung des„Reuter'schen Bureaus" aus Braß vom 13. September sind sämmtliche Franzosen, welche sich in Jola am Benueflusse niedergelassen hatten, auf Befehl des Sultans von Sokota ausgewiesen und von der Niger-Regierung nach Porto- Novo gebracht worden. Die Franzosen haben jedoch noch die Stellung in Ghajebo am Ostufer des Nigerflusscs in»«.— Der Einfluß des Abenteurers Rabah, welcher thatsächlich Sultan von Boniu ist, erstreckt sich aus das Gebiet im Südwesten von Kuka. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 3 Beilage«. 1. Beilage zum„Vomiirts" Berliner Bolksblatt. Uv. 216. Sonntag, den 13. September 1893. 12. Jahrg. Staakssnumlt Dietz gegen den „Doemneks�. Ein Prozeß gegen den..Vorwärts" wegen M a j e st ä t s- b e l e i d i g u n g beschäftigte gestern die 2. Ferienstrafkamnier hiesigen Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Lindenberg. Die Anklage richtete sich gegen den frühere» Redakteur des„Vorwärts", I o s. D i e r l. In Zwickau war seinerzeit der Weber Pawera wegen Majestätsbeleidigung zu �®}?nntcii Gefängniß uerurtheitt worden, weil er in einer Rede ausführte, daß der kaiserliche Erlaß zwar den guten Willen des Kaisers, den arbeitenden Klassen zu helfen, bekunde, der Kaiser diesen Erlaß aber nicht durchführen könne, da er gegen die Macht der herrschenden Klasse nichts ausrichten könne. Der Redner Pawera hatte dabei ein Wortbild gebraucht, welches das Gericht als eine Herabwürdigung des Kaisers an- sah.— Ter„Vorwärts" drnckte den Zwickaner Gerichtsbericht unter der Ueberschrist„Wie man in Sachsen Sozial- d e m o k r a t e n v e r u r t h e i l t" ab, milderte aber das ursprüngliche Wortbild des Webers Pawera und ließ einen ganzen Satz weg. Die Slaatsauwallschast erblickte aber auch � in der Wiedergabe jener milderen Forin eine Mnjestätsbeleidigung und ging gegen den Redakteur Dierl vor. Die Eröffnungs-Straskainmer lehnte die Eröffnung des Hauptversahrens ab, weil nach ihrer Meinung nicht hinlänglicher Verdacht vorlag, daß der Augeklagte das Be- wußtsein der Majeftätsbeleidigung gehabt habe. Diese Ansicht wurde in dem ablehnenden Beschlüsse ausführlich be gründet. Das Kammergericht hielt aber„diesen" An geklagten„nach Lage der Umstände" für hinreichend verdächtig und so wurde die Anklage erhoben. Staatsanwalt D i e tz beantragte das Schuldig gegen de» Angeklagte». Trotz der Unimodelung und der Wcg> lassung von Worten liege doch in der Wiedergabe des Gerichts- berichtes eine Majestätsbeleidigung. Ter Sinn der umgemodelten Worte sei derselbe, wie bei der ursprünglichen Majestäts- beleidigung, es sei auch ganz klar, daß der„Vorwärts" dasselbe habe sagen wollen, wie der Weber Pawera. Andernfalls würde ja der„Vorwärts" selbst die Vorwürfe unterstützen, die jetzt von der Rechten wie von der Linken gegen ihn erhoben werden, nämlich den Vorwurf, daß er frivoler und bewußter Weise Thatsacheu entstelle und falsch wiedergebe, durch welche Behörden, Gerichte und Privatpersonen in der öffentlichen Achtung herabgewürdigt werden sollen. Der„Vorwärts" habe alles ausgemerzt, was nach Majeftätsbeleidigung schmecken könnte, behaupte fälschlicher Weise, daß„dies eine Majestätsbeleidigung sei" und setze an die Spitze des Artikels die Worte:„Wie man in Sachsen Sozialdemokraten verurtheilt". Hier liege also eine be- wußte Unwahrheit zur Herabwürdigung der sächsischen Gerichte, gleichzeitig aber auch eine Majestätsbeleidigung vor. In verschiedenen Majcstätsbeleidigungs-Prozessen der letzten Zeit habe es sich darum gehandelt, daß die Angeklagten sich über de» Grad des Selbstbewußtseins des Kaisers in be- leidiaender Form geäußert, jedermann wisse doch auch nachgerade, daß der Kaiser das, was er sich vornimmt, innerhalb der ver- fassunosmäßlgen Grenzen kraftvoll durchführt und wenn nun �der Verfasser des Artikels es so darstelle, als ob der Kaiser den herrschenden Parteien gegenüber ohnmächtig sei, so liege i» dem diesen Zustand andeutenden Wortbilde eine Beleidigung des Kaisers. Der Angeklagte habe auch das Bewußtsein davon gehabt. Man brauche sich dabei nur zu vergegenwärtigen, was die Zeitung„Vorwärts" ihrem Titel und ihrer Tendenz nach darbiete. Wenn Zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe! Wenn ein monarchisch gesinnter Mann das Wortbild des Webers Pawera wiederholt und dabei in dem Tone der Entrüstung hinzugefügt hätte:„So etwas erlaubt sich so ein Mann gegen unseren Kaiser", so wäre das ganz etwas anderes, als wenn der„Vorwärts" die ursprüngliche Beleidigung— wenn auch nur im Gerichtsbericht wiederholt. Ter„Vorwärts"habelediglichdieAufgabe,das energischste Ziel der Sozialdemokraten, den Umsturz der heulige» Gcsellschasts- ordnung— wie die Sozialdemokraten sagen„mit gesetzlichen Mitteln" — zu verbreiten. Dazu gehöre selbstverständlich vor allen Dinge» der Angriff auf die Autorität der Gerichte, Behörden, Zivil- Personen und der allerhöchsten Person. Dies geschehe in dem weitesten Maße und der„Vorwärts" müßte täglich in einer Doppelnummer erscheinen, wenn jeder. der eine Veranlassung dazu hätte, falsche Dar- stellungen des„Vorwärts" berichtige» wollte. Die Untergrabung der Autorität sei der Zweck dieses Blattes und deshalb habe es auch jene Majestätsbcleidiguug wiederholt.— Letztere sei eine erhebliche und er beantrage dafür eine Strafe von neun Monate» Gefängniß.— Rechtsanwalt Herzfeld: Der Staatsanwalt habe sich nicht gescheut, bei dieser Gelegenheit, wo es sich doch um eine verhältnißmäßig untergeordnete Sache handle, zum Vorwand zu nehmen, um der Redaktion deS„Vorwärts" be- wußte Entstellungen von Thatsachen vorzuwerfen. Einen Beweis dafür habe er nicht erbracht. Es sei einzig, daß der Staats- anwalt den„Vorwärts" der Fälschung zeiht, weil er in dem Gerichtsbericht über eine Majeftätsbeleidigung den Wortlaut dieser Beleidigung milderte. Dieser Vorwurf sei das stärkste Stück, ivelches ihm in einer Gerichtsverhandlung vor- gekommen und die Redakteure des„Vorwärts" würden gewiß nicht ermangeln, sich deshalb mit dem Staatsanwalt auseinander zu setzen. Die Logik des letzteren sei auch überraschend. Auf der einen Seite werfe er dem Angeklagten vor, daß er die Majestätsbeleidigung des Pawera abgeschwächt und nenne dies eine Fälschung; ans der andern Seite sage er wieder: es sei doch keine Fälschung, die Majestätsbeleidigung sei vielmehr stehen gebliebe»! Ter Angeklagte habe durchaus nicht das Bewußtsein gehabt, eine solche zu begehen und dies habe auch die Eröffnungskammer voll anerkannt. Den, wohlerwogenen und wohlbegründete» Beschlüsse des Landgerichts stehe nur ein ganz formularmäßiger Beschluß des Kammergerichts gegenüber, welches bekanntlich der Mehrzahl nach aus früheren Slaaisanwälten bestehe. Die Tendenz des„Vorwärts" stehe hier doch nicht unter Anklage, sondern eine Majestätsbeleidigung. Selbst wenn diese Tendenz in der„Untergrabung der Autorität" bestehen sollte, so werde diese Tendenz sicherlich nicht durch Majestätsbeleidigungen verfolgt, das beweise die Thalsache, daß der„Vorwärts" in seinem IL jährigen Bestehen erst zweimal eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung erhalten habe. Er be< antrage die F r e i s p r e ch u n g des Angeklagten eventuell nur eine geringe Festungshaftstrafe.— Staatsanw. D i e tz: Er bleibe dabei, daß der Artikel des„Vorw." die tollste und frivolste Fälschung von Tbalsachen enthalte. Es liege nicht in seinem Geschmack, auf die gegen seine eigene Person gerichteten Angriffe etwas zu erwidern; was die Angriff« des Verlheidigers gegen das Kainmergericht betrifft, so hätte dieser nur die Unter- schriften, die unter dem Beschlüsse des Kanimergerichts stehen, anzusehen brauchen, um zu erkennen, daß sich kein„ehemaliger Staatsanwalt" darunter befindet, sonder» nur ehemalige Stadt- und Liudgerichtsräthe.— Rechtsanwalt Herzfeld: Er wolle noch auf das ungewöhnliche aufmerksam machen, daß der erst einmal vorbestrafte Angeklagte eine höhere Strafe erleiden soll, als der ursprüngliche Redner selbst erhalten hat.— Der Gerichtshof beschloß nach längerer Berathung, die Sache zu vertagen und Beweis darüber zu erheben, ob die in dem fraglichen Artikel weggelassenen Worte absichtlich aus- geschieden worden sind, um alles zu beseitigen, was wie eine Majestätsbeleidigung aussehen könnte. Der Angeklagte soll binnen acht Tagen den betr. Redakteur namhaft machen, um diesen Beweis zu führen. Auf die in vorstehendem Berichte wiedergegebenen Angriffe des Herrn Staatsanwalts in der gebührenden Weise zu ant- worten, müsse» wir uns versagen. Herr Dietz hat seine privilegirte Stellung dazu benutzt, uns zu beschimpfe»; er weiß, daß uns kein Mtttel zu Gebole steht, ihn dafür zur Ver- antworlung zu ziehe». Die interessante Erfindung des Kompetenz- konfliktes schützt ihn davor. Wollten wir aber gleiches mit gleiche»! vergelten, so würde einer der Kollegen des Herrn Dietz uns auf die Anklagebank schleppen; dieser Eventualität uns aber auszusetzen, das erscheint uns aufrichtig gestanden, dieses Herrn wegen nicht erforderlich. Das Urtheil über das Vorgehe» des Herrn Dietz gegen uns können ivir ruhig allen denen über- lassen, die noch einen Rest von Objektivität sich bewahrt habe». Uolmles. Achtung! Parteigenosse» des V. Wahlkreises! I» allen Zahlstellen und Lokale», wo Zahlabende im sechsten Wahlkreis abgehallen werden, liegen Listen aus zur Aufnahme von Abonnenten für die P a r t e i s p e d i t i o n. Alle Vertrauens- Personen sowie folgende Parteispedileiwe nehmen Abonnements ans den„Ä o r>v ä r t ö", den„Sozialdemokrat" und den „W a d r e n Jacob" u. s. w. entgegen: Für Moabit: H e in p e l, Lübeckerstr. 16, Hof p.; für Wedding und Oranienburger Vorstadt: S t o l z e n b n r g, Wiesenstr. 14, p.; für Gesundbrunnen: Gaßmann, Grünthnlerstr. 67, H. p.; für Rosenlhaler Vorstadt: Rosenthal, Granseerstr. 6, im Keller für Schönhauser Vorstadt: Mars, Kastanien-Allce 66, part. Diejenigen Genossen, die von den Parteispedilionen ihre Zeitung beziehen und am 1. Oktober ihre Wohnung wechseln, werden ersucht, ihre neue Adresse frühzeitig und genau an oben genannte Spediteure oder deren Boten abzugeben, damit in der Weiter- besördernng keine Störung eintritt. Au die Parteigenossen von D.-Wil»icrSdorf, Halensee und Rheingan. In der Generalversammlung des Arbeitervereins von D.-Wilmersdorf ist am 4. September der Beschluß gefaßt worden, bei dem Gemeindevorstand vorstellig zu werden, damit zur Regelung von Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein Gewerbegericht errichtet werde. Um unser Gesuch wirksam zu unterstützen, hat die unterzeichnete Kommission beschlossen, in nachstehenden Lokalen Petitions listen auszulegen, worin sich die Interessenten einzeichnen sollen. Versäume niemand diese Mühe. Die Listen liegen aus für Wilmersdorf bei den ßiestaurateuren H. Klingenberg, Berlinerstraße 40: A. Stabinsky. Berlinerstraße 18; W. Tepper, Uhland- und Günzelstraße- Ecke; für Halensee bei dem Re« staurateur C. Wünsche, Westphälischcstraße 44. Weiter ersuchen wir die Genossen, alles Material, welches die Errichtung eines Gewerbegerichts befürwortet, den Genossen Grcß, Berlinerstraße, Witte, Uhlandstr. 68, Küblcr, Sigmaringenstr. 32, und Rerre, Uhlandstr. 68, zu übermitteln. Die Parteigenossen in Spandau werden darauf aufmerksam gemacht, daß die in der letzten öffentlichen Partei- Versammlung gewählte Zeitungskommission ihre Arbeiten beendet hat und zu dem Entschluß gelangt ist, den Parteigenossen die Uebernahme der Expedition auf Kosten der Partei zum 1. No- vcmber zu empfehlen. Zur Durchführung dieses Planes bedarf es jedoch der Unterstützung aller Parteigenossen; und gerade in der jetzigen Zeit thut ganz besonderer Eifer nolh. Es sei für unseren Ort noch darauf aufmerksam gemacht, daß dem abhängigen Theil der Arbeiterschafr die strengste Geheinihaltung, sowie die peinlichste Vorsicht bei der Uebermittelung deS BlatteS zugesichert wird. Die Listen liegen bis zum I. Okiober an folgenden Slcllen aus: Radtke, Neumeislerstr. 5; Hallecker, Frobenstr. 12; Klinzsch, Pichelsdorfcrstr. 103; Feuerherd, Scharfe Laufe 2. Außerdem nehmen die folgenden Mitglieder der Zeitungs- kommisston Bestellungen entgegen: F. Glöge. Waldstr. 8; O. Grieben, Bergstr. 12, Laden; W.Piper, Pichelsdorferstr. 103; Wind, Pichelsdorferstr. 104; A. Schröer, Adamstr. 7; Knabe, Földerichstr. 3. Die Zeitungskommission. I. A.: Aug. Schröer, Adamstr. 7. Zur Lokalliste. In Spandau steht den Parteigenossen das Lokal von Bork, Staakenerstr. 14, nicht mehr zur Per- fügung. In Verl in ist das Lokal„Reichsadler", Beusselstr. 9, »nler den bekannten Bedingungen zu Versammlungen zu haben; serner ist Pnhlmann's Vaudeville-Theater. Schönhauser'Allee 148, frei. Schließlich ist das Lokal von Paster, Neue Königstr. 7, der Arbeiterschaft ebenfalls zur Verfügung gestellt. Die L o k a l k o m m i s s i o n. Giugriff deS KilltliöministerS in die Verliner Schul- Verwaltung. Nach der Städte-Ordnnng verwaltet der Magistrat die städtischen Gemeinde-Anstalten u. s. w. Nach§ SS der Städte- Ordnung können zur dauernden Verwaltung oder Beaufsichtigung einzelner Geschäftszweige besondere Deputationen, die entweder blos aus Mitgliedern des Magistrats oder aus solchen des Magistrats und der Stadtverordneten oder aus letzteren und stimmfähigen Bürgern gewählt werden. In deren Verwaltungen hat der Staat nicht hineinzureden. Solche Deputationen der letzten Art sind in Berlin z. B. die Armendireklivn, die Geiverbe- deputation, die Stenerdeputation und die Schuldeputation. Letztere besteht aus 6 Magistratsmitgliedern, 12 Stadtverordneten und 9 Bürgerdeputirten. Der reaktionäre Geist, der in dieser Verwaltungsabtheilung besteht, ist unseren Genossen ans den Verhandlungen ini rothen Hause sattsam bekannt. Trotzdem die sozialdemokratische Fraktion ihrer Stärke entsprechend den Anspruch erheben darf, durch zwei Mitglieder in dieser Depu- tation vertreten zu werden, hat die liberale Stadtverordneten- Mehrheit mit peinlichster Aengstlichkeit den Eintritt in diese Deputation unseren Genossen im rothen Hanse verschlossen. Die Deputation hat den rückständigen Bestrebungen ihres geistigen Hauptes, des Stadtschulraths Bertram entsprechend, fast allen Fortschritten ans dem Gebiete insbesondere des Fort- bildungs- und des Volksschul-Unterrichts gegenüber sich ablehnend verhalten. Um der staatlichen Behörde entgegenzukommen— die Taktik unserer Berliner Liberalen besteht ja ivesenllich in solchem Entgegenkommen— ist seit Jahren fünf Geistlichen in der Schuldeputation Sitz und Stimme eingeräumt. Ueber- dies hatte die Stadtverwaltung den Berliner zehn Schul- inspektoren Sitz, aber keine Stimme in der Schuldeputation ein- geräumt. Aus eigenem der Selbstverwaltung feindlichen An- triebe heraus halten die städtischen Behörden den Schul- inspektoren auch Stimmrecht in den ihr eigenes Dezernat an- gehenden Angelegenheiten einräumen wollen. Das Provinzial- Schulkolleginm und der Kultusminister haben nun den selbst- mörderischen Bestrebungen der„Selbstverwaltung" der Stadl gegenüber noch einen Schritt weiter gehen zu dürfen und zu müssen geglaubt. Sie haben verfügt, daß die Schul- inspektoren, denen zugleich die Bcsugniß von Kreis-Schnl- inspektoren beiwohnt, volles Stinnurecht in allen vie inneren Schulangelegenheiten betreffenden Sachen haben und daß sie ferner gegen die Beschlüsse der Schuldeputation in inneren Schulangelegenheiten ein Vetorecht haben sollen, also die Beschlüsse außer kraft setzen können. Daß durch diese Ver» fügungen das Selbstverwaltungsrecht der Schuldeputation und der Stadt fast illusorisch gemacht werden kann, liegt so aus der Hand, daß selbst die Berliner Liberalen über diesen Eingriff in die Selbstverwaltung sich gewaltig entrüsten. Die Behörden haben ihre Verfügungen trotzdem nicht zurückgenommen. Meinen sie doch nicht mit unrecht bezüglich der Magistrats- und Sladtverordneten-Liberalen:„Sie sind zwar liberal, doch stets erbölig, den Rock zu wechseln und die Haut, wenn nöthig". Wollen die städtischen Behörden ernstlich ihr bischen Selbstverwaltungsrecht sich wahren, so sollten sie versuchen, das Koquettiren und Nachgeben staatlichen und kirchlichen Behörden gegenüber zu unterlassen. Doch wer kann gegen seine Natur? So viel uns bekannt— es ist dies auch bereits in der Stadt- verordneten-Versammlung hervorgehoben— bestehen für die einzelnen Verwaltungsdeputationen nicht einmal Reglements, die die Wirksamkeit derselben organisch regeln und ihnen freie Selbstbestiinmung sichern. Fast durchgehends sind diese Selbstverwaltnngsdepu» tationen leider zu einer Art lediglich begutachtender Behörden herabgesunken, deren Beschlüsse von dem Magistratsdezernenten oder von dem Magistrat selbst annullirt werden können. Es wird sich ja bald herausstellen, ob auch der jetzt von liberalen Blättern so laut angekündigte Kampf gegen die erwähnten staat- liche» Verfügungen nicht lediglich ein Scheinkampf ist, an dessen Ende die Herren Stadtväter erklären:„Ich flieh, um öfter noch zu streiten." Am Zehnmillioneu-Dom vergeht kaum eine Woche, ohne daß nicht einige Arbeiter schwer zu Schaden kämen. Nachdem am letzten Donnerstag nicht weniger als drei Mann in ihrer Berufs- thätigkeit verunglückt sind, ist am gestrigen Sonnabend der Kalkträger Ernst Buch holz vom Podium herabgefallen. DerVerunglückte brach den linken Fuß und zwei Ziippen; er wurde in einen Kopp'schen Krankenwagen nach einer Heilanstalt befördert. Schon vor kurzem haben wir betont, daß die Ansicht der am Domban be- schäftigten Arbeiter dahin geht, daß die Schutzvorrichtungen durchaus verbesserungsbedürftig sind und daß bei sorgfältigerer Ueberivachung der gesährlicheren Arbeiten auch nicht an- nähernd die erschreckend hohe Zahl von Betriebsunfällen am Doinbau vorkommen würden. Uns ist zwar damals zu Ohren gekommen, daß der Bau- meister dem Maurerpolier ans Anlaß unseres Artikels Direktiven gegeben habe; auch sollen hier und da einige kleine Ver- besserungen in den Schutzvorrichtungen getroffen worden sein, doch wird von den Arbeitern, wie gesagt, die ganze Art der Betriebssicherungen auch heute noch für ungenügend gehalten. Es kommt noch in betracht, daß infolge der niedrigen Löhne, die am Dombau gezahlt werden, die Ar- beiter gezwungen sind, vielfach die nöthige Vorsicht außer acht zu lassen. Während z. B. die Steinträger an den meisten Bauten etwa einen'Akkordverdienst von sieben bis acht Mark täglich erzielen, was etwa eincni Nettoverdienst von sünfMark gleich- kommt, wird am Doinbau pro Tag nur etwa S,SO M. verdient; zur Ernährung seiner Familie bleiben dem Steinträger also täglich im höchsten Falle 3 M. übrig. Ist es denn an dem pomphaften Bau, der zur Ehre des Gottes der evangelischen Christen aus Kosten der Steuerzahler erbaut wird, wirklich nicht möglich, wenigstens solche Arbeits- bedingniigen zu schaffen, wie sie selbst an Profanbauten durch- weg gang und gäbe sind? Der«edantag mid da» patriotische Uiiteruehmerthnm. Ein Herr W. Holste stellte sich uns am Sonnabend vor und be- richtigte die Mittheilung, welche wir über die Firma Jordan in Sachen des Sedantages vor kurzem brachten dahin, daß Herr Jordan seine Wäschesabrikation im eigenen Hause von Zwischen- Unternehmern betreiben lasse. Als solcher habe er. Herr Holste, die im Hause betriebene Dampf- Waschanstalt im Besitz. Die Mittheilmig des„Vorwärts" über die Nicht- bezahlung der in Akkord arbeitenden Plätlerinnenn sei an sich richtig, nur müsse bemerkt werden, daß nicht Herrn Jordan, sondern ihn, Herrn Holste, der vom„Vorwärts" aus- gesprochene Vorwurf treffe. Uebrigens hätten sich die betr. Arbeiterinnen damit einverstanden erklärt, daß ihnen die am Scdanlag versäumten Stunden nicht bezahlt würden!— Die Arbeiter der Maschinenfabrik A. Roller, Prinzen-Allee 24, theilen uns mit, daß ihr Chef ihnen die am Sedantag ausgefallenen Stunden freiwillig nach Stundenlohn bezahlt habe. Die Urania hat für die nächste Woche ein sehr reich- haltiges Programm aufgestellt. Heute wird„Das Wunderland der neuen Welt" zum letzten Male gegeben. Am Montag und Freitag wiederholt Herr P. Spies seinen Experimentalvortrag, „Teslas Licht der Zukunft". Am Dienstag trägt Herr Dr. M. Wilhelm Meyer, der Direktor der Urania, den ersten Theil seiner amerikanischen Reiseerlebnisse unter dem Titel„Durch den Aellowstonepark bis zum Großen Ozean" persönlich vor, am Donnerstag den zweiten Theil„Durch die Sierra zum Felsen- gebirge". Eine ganze Anzahl neuer photographischcr Aufnahmen verleiht diesen Vorträgen ein erhöhtes Interesse. Am Mittwoch wird Herr Dr. P. Schwahn über„Die Erscheinungen der Gletscherwelt" sprechen und am Sonnabend findet die Premiöre des neuen großen Ausstattungsvortrages von Dr. P. Schwahn „Vom Fels zum Meere" statt. TaS Berliner Aquarium hat durch mannigfache Er- Werbungen feine Thiersammlungen wiederum um iiene und seltene Erscheinungen bereichert. Zunächst ist die Gruppe der Menschen- Affen oder Anthropomorphen um einen echten Schimpanse ver- mehrt worden, welcher sich von dem seit November 1893 im Aquarium befindlichen braungesichtigen, langgliedrigcn, schmächtig und schlank gebauten und seinerzeit allerdings auch als Schim- pause hier einpassirenden„Tschego" wesentlich unterscheidet. Er bewohnt mit dem letzteren dasselbe Hans, dicht neben dem roth- haarigen Orang, der sich während seines nun zweijährigen Hier- seins prächtig entwickelt hat. Sodann ist dem Aquarinin eine neue, mehrere Zoll lange, starke, braune behaarte Würg- oder Buschspinne überwiesen worden, welche die Reise aus ihrer warmen amerikanischen Heimath nach Deutschland als blinder Passagier gemacht hat, indem sie in Blauholz verborgen ohne Wissen des Absenders mit verfrachtet wurde und dann erst hier ans Tageslicht kam. Neber de» ermordete» Arzt Dr. Steiuthal ans der Varutherstraße werden folgende erbauliche Dinge berichtet: Die Untersuchung gegen die Modistin Elise Sänke wegen Ermordung des Arztes Dr. Steinthal hat Dinge zu tage gefördert, nach denen dem Ermordeten der Tod im Grunde nur erwünscht sein konnte, da ihm, wenn seine Geliebte geplaudert hätte, schwere Zuchthausstrafen nicht erspart geblieben wären. Er hat nicht allein der Sänke in gewissen Verhältnissen verbrecherische Hilfe geleistet, sondern auch zahlreichen anderen Personen. Bis jetzt sind außer der Sänke bereits neun Mädchen festgestellt worden. denen er geholfen hat. Anö dem Zeitalter sozialer Fürsorge. Auf der Straße ist vorgestern Nachmittag um 3� Uhr der Maler Pott ratz, ein Mmm von 70 Jahre», gestorben. Pottratz hatte leine Wohnung und nur sehr nnrcgelniapig Beschasttgung. Fand er sonstnio kein Unterkominen, so ging er ins Asyl. Gestern Nachmittag mar er mit einem Leidensgefährten in der Wilmsstrahe in der Nähe des städtischen Obdachs an der Fröbelstraße. Plötzlich klagte er, daß ihm schlecht werde. Sein Genosse wollte ihn stützen und ins Asyl bringen, aber er konnte nicht mehr gehen, mußte sich hin- fetzen und war bald darauf eine Leiche. Entkräftung wird seinem Leben ei» Ende gemacht haben. Die Polizei des 80. Reviers hat die Leiche beschlagnahmt, um die Todesursache feststelle» zu lassen. Unnütze Mühe! Die Vliithe der Bonrgcoisjugeud. Ein zuverlässiger Berichterstatter meldet: Ungefähr ein Dutzend Pistolenduelle haben allein während der Ferien bisher in der Umgebung von Berlin stattgefunden. Durchweg haben sich dabei Berliner Studenten gegenüber gestanden. Zu schwerem Verletzungen ist es in keinem Falle gekommen.— Es wird leider hierbei nicht berichtet, inwieweit es der Behörde möglich war, diesem alberneu Frevel entgegen zu treten. Arbeiterrisiko. In der Spandau er Geschoß- fabrik ist Donnerstag Vormittag ein bedauerlicher Unfall passirt. Eine Lowry war mit Eisen beladen worden; als sie in Bewegung gesetzt werden sollte, erhielt sie plötzlich das Uebergewicht und stürzte um. hierbei wurde ein Arbeiter so unglücklich von herab- fallenden Eisentheilcn getroffen, daß das rechte Schienbein zer° splittert und der rechte Arm gequetscht wurden.— Vom Thurm des Ausstellungs-Gebäudes im Treptower Park ist Freitag Nachmittag der Arbeiter Emil Müller herabgestürzt, wo- bei er sich eine schwere Wirbelverletzung zuzog. Ein schwerer Unfall hat sich im Manövergelände beim I. Garde-Feld-Artillerie-Negiment ereignet. Am 9. d. M. hatten alle Regimenter Kriegsmärsche zu mache», bei denen viel Gepäck auf Wagen mitgeführt wurde. Auf einen hochbeladenen Wagen der 2. reitende» Batterie waren auch 13 Fahrer gestiegen, um sich de» Weg bequemer zu machen. Da der Weg sich sehr schlecht fuhr, so ritt der führende Sergeant ein Stück voraus, um einen anderen zu suche». Man fand auch einen und schlug nun diesen nach Radewitz zu ein. Hier ging's zunächst besser. Nach einer Weile aber gcrieth der Wagen auf einen Steinhaufen und kippte um. Fünf Mann wurden unter den Gepäckkisten begrabe», zwei davon wurden innerlich und äußerlich schwer, drei nur äußer- lich, aber auch nicht unerheblich verletzt. Die Verletzten sind noch nicht in ihre Garnison zurückgekehrt, da sie bisher noch nicht transportfähig waren. Eine Dynamitsprenanng wurde gestern morgen in der sechsten Stunde durch eine Abtheilung Pioniere vollzogen. Es handelte sich um die Niederlegung des alten Schornsteins am Neichstagsuser bei der Sommerstraße, der für die Umgebung des neuen Reichstagsgebäudes schon lange eine störende Nachbarschaft bildete. Die Umwohner wurden schon Tags vorher durch die Polizei auf die bevorstehende Sprengung anfmerksam gemacht, und als diese heute vor sich ging, umstanden zahlreiche Neu- gierige den Sprengort. Der Schornstein wurde mitten durch gespalten und fiel ohne großes Geräusch in sich zusammen. Zur Naturgeschichte der Berliner Hausbesitzer. Seine eigenen Miether hat der Hausbesitzer Rentner Otto Soldau am 5tottbuser Damm Nr. 23 wegen Diebstahls augezeigt, weil sie sich einen alten, verwitterten Zaun, der eben durch eine Mauer er- setzt worden war, angeeignet haben. Es handelt sich um vier Micther, alles arme Leute, und um einen Bretterzaun, der drei bis vier Jahre gestanden halte und nichts mehr werth war. Die Maurer, die an stelle des Zaunes die Mauer errichteten, hatten die Leute noch besonders aufgefordert, sich doch die Trümmer des Zaunes mitzunehmen. Herr Soldau dachte jedoch anders. Als ihm eine Mielherin von dem Vorfall Mittheiluug machte, holte er sofort die Polizei und ließ die stellcr der beschuldigten Miether durchsuchen, in denen den» auch die Reste des Zaunes gesunden wurden. Das? das Geld in solche» Meugeu auf der Straffe liegt, daß der Verkehr dadurch gehemmt werden kann, erscheint kaum glaublich, indessen hat sich dieser immerhin seltene Fall gestern vormittag aus der Stralauer Brücke ereignet. Eine Bank in der Jägerstraße sandte eine Ladung Geld im Gesainmtgewicht von 3SO— 400 Zentner mittelst dreier lltollwagen nach der Ost- bahn, von wo aus die Sendung die Reise nach Rußland an- trele» soll. Uninittelbar vor der Pvchhammer'schen Fluß-Badc- anstalt brach eine Axe des zweiten Wagens, und zwar gerade ans den Pserdebahugcleisen. Der Wagen tippte um und ein Theil der Ladung rollte auf die Straße. Für„ehrliche Finder" war indessen nichts aufzusainmeln, denn das Geld war in großen massiven Kisten verpackt, die nicht leicht zu transportiren waren. Ehe ein anderer Wagen herbeigeschafft und die Umladung be- werkstelligt war, verging geraunie Zeit, so daß sich nach beiden Richtungen lange Reihen von Pferdebahnwagen ansammelten und der Verkehr für geraunie Zeit ins Stocken gerieth. Braudunglürk. Am Freitag Abend gegen 3 Uhr wollte die in der Neuen Königstraße 12 wohnende Frau des Handels- manncs Belker in ihrer Küche auf einem Spirituskocher Kaffee wärnien; dabei kan» die Iran der Flamme zu nahe, so daß die Kleidung Feuer fing. In ihrer Angst lief die Frau nach dem Hofe hinab, wo es Hausbewohnern nach längerem Bemühen ge- lang, die Flammen zu ersticken. Die Unglückliche hatte jedoch bereits so schwere Brandwunden am ganzen Körper erlitten, daß sie in hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhause Friedrichs-- Hain geschafft werden mußte. Die Leiche eines Mädchens wurde am II. d. M., nach mittags uni 2>/i Uhr, am Friedrich Karl-Ufer in der Spree ge fanden und von einem Schiffer gelandet. Die Leiche hat ein Wunde am Hinterkopfe. Die Persönlichkeit ist noch nicht fest- gestellt. Es handelt sich um ein ganz junges Mädchen. I« Verliu sucht man einen Mann namens Leon Baize, der vom Konservatorium für Musik in Brüssel verschwunden ist. TaS Bureau der Deutsche» FuhrtverkS-VerufSgeuosse» schaft ist von Berlin nach Dresden-Altstadt, Stephanieplatz Nr. 4, verlegt worden. Sittenverbrecheu. Der Buchhalter der Firma Max Her- mann u. Co., Grüner Weg 117, namens Bendorf befindet sich in Untersuchungshaft, weil er sich einer in dem Geschäft arbeiten- den Kunststopferin gegenüber des Verbrechens der Nothzucht schuldig gemacht haben soll. WitteruiigSiibersicht vom 14. September 1805. Wetter-Proguose für Sonntag, 15. September 1805. Nachts kühles, am Tage etwas wärmeres, zeitweise heiteres, vielfach wolliges Wetter mit leichten 3!egcnfällen und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau.� Polizeibericht. Am 13. d. M. vormittags wurde in der Großen Hamburgerstraße ein Lumpensammler durch einen Ar- beiter bei einem Streite zu Boden gestoßen und am Beine schwer verletzt.— In seiner Wohnung in der Jnvalidensiraße tödtete sich ein Mann durch einen Schuß in das Herz.— Nachmittags.fiel ein 3 jähriger Knabe aus einem Fenster der in der Emdcnerstraße im dritten Stock belegenen Wohnung seiner Eltern auf den Hof hinab und starb auf der Stelle in- folge eines Genickbruches.— Ein Mädchen versuchte in der Wohnung seiner Dienstherrschaft in der Johannisstrnße sich zu vergiften. Es wurde nach der Charitee gebracht.— Im Lause des Tages fanden neun unbedeutende Feuer statt. Ih», II ,„>d Mig-nschafk. Professor Adolph Menzel, der in diesem Jahre seinen achtzigsten Geburtstag feiert, soll vom Verein Berliner Künstler wie von der Akademie bei dieser Gelegenheit mit ganz besonderen Ehren bedacht werden. Die Akademie wird von berufener Hand ein Porträt des großen Künstlers anfertigen lassen. Soziale KeikztSpfleige. Gewerbeaericht. 91» das JnnungsschiedSgericht wurden sechs Schlächter mit 9Insprüchen an den Schlächtermeister Esch» verwiesen, die sie vor deni Eintritt des Beklagten in die Cchlächterinnnng zu Protokoll gegeben habe». Der Kompetenz- einwand des Beklagten wurde für berechtigt erklärt, weil i h m die 5tlagcn zwei und vier Tage nach seiner ossizicllen Auf- nähme in die Innung zugestellt sind und erst vom Moment der Zustellung ab als erhoben gelten. Weil sie sich»ls perfekte 9lrbeiterin aus- gegeben habe, eine solche aber nicht gewesen sei, behauptete der Arbeilsstubeninhaber Ralhhans eine gegen ihn auf Entschädigung klagende Näherin mit recht entlassen zu haben. Die Verhandlung ergab, daß die Klägerin erst nach vierwöchent- licher Thätigkeit entlassen worden war. 9!us diesem Grunde wurde Rathhaus verurtheilt. Man könne nicht, führte der Vorsitzende Techow aus, nach vier Wochen mit einem Male sagen:„Ihre Leistungen entsprechen nicht ihrem Vorgeben, gehen Sie." Wenn 4 Wochen, halte man es auch noch 14 Tage aus. Ob eine Arbeiterin den als Be- dingung des Engagements aufgestellten Anforderungen entspreche oder nicht, das müsse man in der ersten Woche heraus- haben. In der Begründung der Verurtheiluug des Bäckermeisters Gebhardt zu einer Lohncutschädigung stellte die Kammer 71 den Grundsatz auf. daß von einem Bäcker nicht verlangt werden könne, er solle Sonntags vor 10 Uhr Abends wieder in der Werkstatt sein. Ter Gerichtshof hielt auch deshalb ein widerrechtliches Verlassen der Arbeil nicht für vorliegend, obwohl der Kläger, den: gesagt worden war, er müsse um R/e Uhr antreten, erst um 10 Uhr am Eutlassungstage zur 9lrbeit gekommen ist. Indem L e h r i n st i t u t f ü r W ä s ch e s ch n e i d e r c i, mit welchem eine Frau Silber Berlin beglückt hat, können Herren und Damen für nur 20 M. die Zuschneidekunst erlernen, und obendrein werden ihnen noch— alles für die 20 M.— die Schnitlninster und Stellung oder Beschästigungsnachwcis nach beendeter Lehrzeit versprochen. Zwei junge Männer, Groß und Geißler, hatten dem Drange nicht widerstehen können, sich unter so günstigen Bedingungen in die Lehre zur Frau Silber zu geben. Die Undankbaren wollten nun, nachdem sie versucht, das Gelernte praktisch zu verwerthen, durchaus nicht begreisen, daß es an ihnen selbst liege, wenn es„nicht klappte". Sie verstiegen sich vielmehr dazu, ihrer Lehrmeisterin die Schuld beizumessen und, in Konserquenz davon, gegen sie beim Gewerbegcricht klag- bar zu werden. Sie forderten ihr Lehrgeld zurück, unter der Begründung, daß Frau S. ihr Versprechen, sie nach beendeter Lehre in Stellung zu bringen, nicht geHallen habe. Frau Silber machte gegen den 9lusprnch des Klägers Groß geltend, daß derselbe während der Lehre zu viel gebummelt, und daß er demzufolge noch gar nicht ausgelernt hatte als er sie verließ. Ter Kläger meinte dagegen, wenn er auch manchmal ausgeblieben wäre, so habe er das damit ausgeglichen, daß er mehrere Wochen länger lernte wie andere. Der Kläger Geisler gab zu, daß ihn die Beklagte zu den Gebrüdern lliitler geschickt, und daß er dort auch, allerdings nur ganze 5 Minuten lang, probeweise beschäftigt worden sei. Die Herren dort hätten ihm gesagt, alles was er gelernt habe, sei ganz zwecklos, er müßte u o ch m a l gründlich lernen, und zwar praktisch in einem g r ö ß e r e n G e s ch ä f t. Die Beklagte hatte verschiedene ihrer früheren weiblichen Lehr- linge zur Stelle gebracht, welche die Vorzüglichkeit ihrer Lehre bestätigen sollten. Von ihnen wurden nur eine Frau Tempel vernommen, die sich allerdings in Lobeserhebungen und Er- klärungen ihrer Zufriedenheit aar nicht genüge thun konnte. Dieselbe gab auch ein„Sachverständigeu-Gutachtcn" darüber ab. ob der Kläger Groß nicht noch als Lehrling zu betrachten sei. Bezüglich desselben kam das Gericht denn auch thatsächlich zu einem abweichenden Urtheil, indem es die Behauptung der Be- klagten für zutreffend hielt, daß Groß noch nicht ausgelernt habe. Dem Kläger Geisler wurden jedoch die 20 M. zugebilligt. Grund: Beklagte hätte ihre Bedingung:„Nach becndeler Lehre Beschäsligungsnachweis oder Stellung", erfüllen müssen, d. h. sich so lange darum bemühen, bis Geister thatsächlich untergebracht war. Gegen die Eutschädigungsklage eines Kellners wandte der Beklagte ein, daß sich der Kläger za ausdrücklich verpflichtet habe, in Streitfällen auf das Verfahren vor dem Gewerbegericht zu verzichten und sich dem Urtheil eines Schiedsgerichts des Ver- eins Berliner Gaflwirthe zu unterwerfen. Das Gericht erklärte den bezüglichen, vom Kläger unterschriebenen Revers für hin- sällig, wezl er dem Gewerbegerichts-Gesetz widerspreche. Aus- nahmen von der Erledigung gewerblicher Streitigkeiten zwischen gewerblichen Arbeitern und selbständigen Gewerbetreibenden durch das Gewerbegericht seien nur zulässig, insofern sie das Gesetz selbst annehme; dies nenne aber nur als Gerichte, welche die Zuständigkeit der Gcwerbegcrichte durch ihre eigene Zu- ständigkeit in gewissem Grade aushebe, die Jnnungs-Schieds- gerichte. Das Gewerbegcricht trat hierauf in die Verhandlung der niateriell nicht bedeutungsvollen Sache ein. Das Kammergericht hat nunmehr in dem Prozeß der Ge- sellschaft Victoria gegen die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft auf Abweisung der Klage erkannt. Die Victoria forderte wegen des Geräusches, das die Maschinen der Elektrizitätsgesellschafc auf dem Nachbargrnndstücke erzeugten, die Summe von 302 000 M. als denjenigen Betrag, um welchen ihr Grundstück durch die nachbarliche Maschinenanlage entwerthel worden sei; die erste Instanz hatte nur eine Entwerlhung in Höhe von 28 000 M. anerkannt und die Elektrizitätsgesellschaft zur Zahlung dieser Summe verurtheilt. Das Kammergcricht wies den Klage-?lnspruch ganz ab, weil das Geräusch der Maschinen das Maß des ortsüblichen und gewöhnlichen Geräusches, was in einer Stadt wie Berlin ertragen werden könne und müsse, nicht überschreite. Eine bemerkenswerthe Freisprechung wegen straf- baren Eigennutzes fällte gestern die siebente Strafkammer Landgerichts I. Ter Bügler Heinrich Stein halle beim„Stücken" eine Kommode und eine Wanduhr mitgenomme». Zu seiner Vertheidigung führte er an, daß er 8 Kinder habe und die Kommode als einzigen verschließbaren Gegenstand besitze, die Uhr sei aber völlig unentbehrlich, da seine Kinder schulpflichtig seien und nach derselben sich bezüglich des Schulganges richten müßten. Obgleich der Siaatsanwalt 20 M. Geldstrafe beantragte, er» kannte der Gerichtshof auf Freisprechung, weil diese Gegenstände allerdings unentbehrlich für einen Haushalt seien. Wegen unerlaubter Aufführung der Burlesken„Alle fünf Schwestern Barrison's und„Berlin bei Nacht" war der Theaterdirektor Samst vom Nntional-Theater in eine Polizei- strafe von 30 M. genommen worden. Während der drei Osker- seiertage wurden die beiden genannten Stücke von dem Personal des Nalional-Theaters im Weimann'schen Volksgarten zur Auf- sührung gebracht, ohne daß bis dahin auf die vom Direktor Samst nachgesuchte polizeiliche Erlaubniß eine Antwort ein- gegangen war. Diese ging erst am 18. April ein und lautete dahin, daß der Nachsuchende vorher für Beschaffung geeigneter Bühnenräume Sorge zutragen habe. Die Aufführung sollte näm- lich in dem Orchesterräume des Weimann'schen Gartens stattfinden. Direktor Samst beantraAte richterliche Entscheidung. ohne aber seinen Einspruch zu begründen oder persönlich zum Termin zu erscheine». Der Gerichtshof bestätigte daher das polizeiliche Strafmandat. Vor der Strafkammer des Landgerichts II wird sich am 27. d. M. wieder einmal ein Rixdorfer„Sicherheitsbeamter", der aus mehreren Säbelaffären bereits bekannte Nachtwächter L u t t e r wegen einer im Dienste begangenen Körperverletzung zu verantworten haben. Es handelt sich dabei um einen Fall, wo der betr. Beamte einem Rixdorfer Bürger mit dem Schlüssel- bund ins Gesicht geschlagen haben soll. GeweMfchaftliches. Ein neues Kampforgan für die österreichischen Eisen- bahuangcstellten. Unter dem Titel:„Das Flugrad" er- scheint seit 10. September in Wien ein neues Fachblatt, Zentral- organ des Verbandes der Beamten, Hilfsbeamten und Unter« beaniten der österreichischen Eisenbahnen.— Die Redaktion und Expedition befindet sich Wien, VI. Dreihnfeisengasse Nr. 3. RuS Kiel erhalten wir von unserem Korrespondenten das folgende Privat-Telegramm: Das am 23. August unter- gegangene Torpedoboot ist am Freitag ans dem Meeres- boden aufgesunden worden. Mit Hilfe des Bergnugs- dampsers„Norden" und des Kreuzers„Gefion" wird versucht, das Boot zu heben. Das Wetter war bisher stürmisch. Im N o r d o st s e e- K a n a l hat sich der englische Dampfer„Zar Alexander II." s e st g e f a h r e n. Ans dem frommen Oberschlesie«. Die Polizeiverwaltung in Beuthen macht nicht weniger als— 78 Personen bekannt, welche als Trunkenbolde erklärt werden und deshalb von keinem Gast- oder Schankwirth mehr Getränke erhalten dürfen. Be- zeichnend ist dabei noch besonders, daß sich unter den 78 Per- sonen, die in Beuthen ausgiebig dem Alkoholgenuß huldigen, auch 27 9lngehönge des— schöneren Geschlechts»ud unter diesen wiederum 14„Fräuleins" befinden. Aus Lemberg wird berichtet: Ein räthselhaftes Bor- kommniß, das sich Freitag Abend hier zugetragen hat, macht großes Aussehen. Ein Soldat des 24. Infanterieregiments snhr mittels einer Droschke außerhalb der Stadt, verließ dortselbst, auf einem eiusaluen Platze angekommen, das Gefährt, stürzte sich auf den Kutscher und ermordete ihn. Der Mörder ist ver« schwunde»; das Moliv zur That ist vollständig unbekannt. In Trieft schlug am Freitag am Mitternacht während eines heftigen Gewitters der Blitz in eine Papierfabrik«in, welche sammt den großen Papiervorräthen total niederbrannte; zirka 1000 Arbeiter sind dadurch beschäftigungslos geworden. Ucber eine Eisenbahn-Katastrophe wird aus Madrid berichtet: Auf der Station Alora der Linie Madrid-Malaga fand am Freitag eine Zugkollision statt, bei welcher 10 Personen»er- wundet wurden. SpvecklÄsl. Di« Nedatiion steNt die Beimsung des SorechsaalS, soiveil dir Nauur dasilr »bzug«!'«» isi, dem Publilum zur Beipr«ch»ng von Bug«lege»h«ile» allgeineinn, JuieresseS zur Verfüvuua: sie verwabrl sich aber gieichzeitig dagegen, mii dem Inhalt desselben identifizirt zu werden. In Sachen Agnes Wabnitz. Werther Genosse! Nachdem Sie unter Ihrem Ehrenwort erklärt haben, weder persönlich am Telephon gewesen zu sein noch durch Ihre An- gestellten eine Nachricht erhalten zu haben, halte ich die Sache für aufgeklärt und erledigt. Genosse Otto Schmidt, der in unserem Austrage telephonirt hatte, war der festen Meinung, den Gen. Waldeck Manasse persönlich am Apparat vor sich zu haben, während, wie sich jetzt heraus- gestellt, ein falscher Anschluß vorgelegen haben muß. 5iarl Mars, Kastauien-Allee 90. Geehrter Herr Redakteur! Obigen Brief übermittele ich Ihnen zur 9lusklärung für die Genossinnen und Genossen. Waldeck Manaffe. Briefkasten der Expedition. Für die Familien der im Essener MeineidSprozeff Vernvtheiltcn gingen ferner ein: Ernst Jhden 1,—. O. C. U. 1,20. Turnverein Fichte 17.80. Von einer Rotte Menschen aus der Gr. Frankfurterstrahe, darunter 80 Pf. von einem Proletarier-Zigarrenverkänfer 2,—. E. L., tamburg 2,—. Rauchklnb Virginia, 9ld»>iralstr. 21, 8,60. es. vom Personal der Genoffenschafts-Bäckerei, Müllerstr. 34, 1. Rate 12,—. Stammtisch Weigt 7,60. H. F. 10,—. Vom Gesangverein Männerklang 13,10. Werkstelle E. K. 2,28. Von einer schwarzen Kindtanfe Dosf. 2,80. Klebebriider a. D. 0,—. Metallwaaren-Fabrik Holzmarktstraße 8,18. Personal Pionier- Buchdruckerei 13,—. Summa 103,30 M.. Bereits quittirt 0220,32 M.; in Summa 6330,12 M. Briefkasten der Redaktion. Wir bilten bei jeder Slusrage eine Shifsr« szwei Buchstaben oder«ln« gabt) anzugeben, uuler der die Anlwort erihetil werden soll. Ranchklnb Hnmbold. Die Anzeige kann nicht aufgenommen werden, weil das Vergnügen in einem gesperrten Lokale stattfindet. P. F. 100,«. R. 7. F. G. Unterstützung der Familie n-9lngehörigen zu Friedens Übungen eingezogener Mannschaften. Der Anspruch auf die Unterstützung ist bei der Gemeindebehörde des Ortes zu erheben, an dem der Eiiiberusene zur Zeit vor der Uebung seinen ge- wöhulichen Aufenthaltsort hatte. Es genügt also ein Schreiben etwa folgenden Inhalts: 9ln den Gemeindevorstand(Magistrat oder dergl.) von.....„Ich bin(war) vom... bis... zu einer Reserve-(Landwehr-) Uebung eingezogen. Ich beanspruch« für meine Familie die ihr zustehende Unterstützung. Meine Familie besteht aus meiner Frau und.... Kindern. Me Kinder sind geboren: Else am...... Adolf am..... u. s. w. Der Anspruch erlischt, wenn er nicht spätestens binnen vier Wochen nach Beendigung der Uebung erhoben wird. Die Unterstützung beträgt für die Ehefrau 30 pCt., für jedes sonst unterstützungs- berechtigte Familiemnitglied 10 pCt.(insgesamiiil aber höchstens 60 pCt.) des ortsüblichen Tagelohnes für erwachsene männliche Arbeiter am Aufenthalt des Einberufenen. Puter stützuu gen find tut Uebiiugtu der Reserve, Landwehr und Seewehr, sowie für die zweite und dritte Uebung der Ersahreserve zu zahlen. Die Unieritützungen gellen nicht als Armenuntcrstützungen und sind zeder Pfändung entzogen. Das Gesetz ist am l. Juli 1892 mit rückwirkender Kraft bis zum 1. April 1892 in kraft getreten. Der Anspruch ans Unterstützungen ist Jahrzente lang vordem im Reichstage von den Sozialdemokraten erhoben — W. W. 10«. Der Eigenthümer ist berechtigt, Löschung der Hvpolhek zu verlangen, falls Zahlung schon geleistet ist und Löschung der Hypothek gegen Zahlung zu begehren, falls Zahlung noch nicht geleistet ist. In beiden Fällen haben Sie auf Ihre Kosten das verloren gegangene Hypothekeudokuinent aufbieten zu lassen.— U. 100, Selbstredend bleibt der Vater auch dann Bater seiner Kinder, wenn seine Ehe geschieden ist. Er bleibt auch gesetzlicher Vertreter seiner Kinder. Ueber die Frage. wer von beiden Eheleuten zu erziehen habe, ent- scheidet im Streitfall das Vormundschaftsgericht.— Tchiicidcr. Briefliche Antwort zu ertheilen lehnenl wir ab. Einen Auslandspaß brauchen Sie nicht für eine Reise nach Wien. — G. As 47. In dem Zivilprozeß können Sie sich bei einem Landgericht nicht selbst vertreten, sondern müssen durch einen Anwalt vertreten sein.— I. T. 5. 1. Eine bestimmte Frist ist nicht vorgeschrieben. 2. Ob eine Aufwärterin, die stundenweis täglich beschäftigt ist, falls nichts vereinbart ist, Kündigungsfrist zu� beanspruchen hat, ist nicht ausdrücklich im Gesetz vor- geschrieben. Die richtige Ansicht geht dahin, daß bei stundenweis bezahlten Aufwärterinnen mit Ablauf der Stunde, bei tage- weise mit Ablauf des Tages, bei monatsweise mit Ablauf des Monats Entlassung und Austritt ohne Frist zulässig ist. — I. W. 10?. Nein.— Quielqui«! it. f. tu. Die Einkommensteuer beträgt bei einem Einkommen von mehr als 900—1050 M. G SR, bei 1050—1200 SR 9 SR, bei 1200—1350 SR 12 SR, bei 1850—1500 SR 16 SR, bei 1500—1650 SR 21 SR, bei 1650 bis 1800 M. 26 SR, bei 1800—2100 M. 81 SR, bei 2100—2400 M. 36 SR, bei 2400-2700 M. 44 SR, bei 2700-3000 SR 52 SR, bei 3000-3300 M. 60 SR, bei 8300-3600 M. 70 SR, bei 8600 bis 3900 M. 80 SR, bei3900-4200 SR 92 M., bei 4200—4500 SR 104 SR, bei 4500—5000 M. 118 M.— H. SWl. Wie viel die Kosten in einem Krankenhaus betragen, ist für jedes Krankenhaus im Voraus festgesetzt. Die Sätze sind verschiede». Wanden Sie sich um Auf- schluß an die Direktion des uns nicht genannten Krankenhauses. — K. B., Schöneberg. Ja.— Klecn. Schriftliche Antwort können wir nicht ertheilen. Wenden Sie sich an das Reichs- Versicherungsamt.— Zl. S. Als Zeuge können Sie nach Ihren Vorstrasen gefragt werden, und dürfen dann die Wahrheit nicht verschweigen. Im allgemeinen tvird eine Frage wegen der Vorstrafen nicht vorgelegt. Wollen Sie möglichst sicher gehen, so theilen Sie vor dem Termin dem Gericht den Sachverhalt mit der Bitte mit, Ihnen die Frage in der Verhandlung oder in Gegenwart des Chefs nicht vorzulegen.— W. M. K7. Im allgemeinen: ja.— Th. R. Kommen Sie in unsere Sprechstunde. Für deuJuhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keiuerleiVerautwortuug Theater. Sonnta'g, 15. September. Nolks-DorsteUung(KelleaUiauce- Theater). Die größte Sünde. Kafsen-Eröffnung l'/s Uhr. Anfang der Vorstellung 2>/2 Uhr. Apernlians.(Kroll's Theater.) Der Freischütz. Montag: Hänsel und Gretel. Die Puppeufee. Kchauspielhau». Ein Sommernachts- träum. Montag: Die Nibelungen. ?entsche» Theater. Romeo und Julia. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kerliner Theater. Der Schlagbaum. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zesstiig- Theater. Maäamo Sans- G6ne. Montag: Drei. Niobe. Fmdrich-WUHrlmstiidt. Theater. Die Reise nach dem Mars. Montag: Dieselbe Vorstellung. Uruea Theater. Frau Müller. Vor- her: Der Eisbrecher. SNontag: Dieselbe Vorstellung. Kchiller- Theater. Die Journalisten Montag: Ultimo. Residenz- Theater. Fernand's Ehe- tontrakt. Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. Parade- bummler. Montag: Dieselbe Vorstellung. Erntral-Theater. Eine tolle Nacht. Montag: Dieselbe Vorstellung. Alerauderplah-Thenter. Ein Kind der Liebe. Vorher: Wahn und Wahnsinn, oder: Sie ist wahn- sinnig. Uational-Theater. Rund um Wien. Theater Unter den Linde». Matire. Montag: Dieselbe Vorstellung. American- Theater. Bulgarien in Berlin. Die Millionenerbin von Rixdorf. Apollo- Theater. Spezialitäten-Vor- stellung. Ueichehallen-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Schiller-Theater. (Wallner>Theatep.) Sonntag nachmittags 3 Uhr: Göh von Kerlichinge».— Abends 8 Uhr: Die Ionrnaliste». Montag: Ultimo. Friedrilh Wilhelmstiidt. Theater 25/26. Ehausieestr. 25/26, Sonntag, den 15. September: Zwei Vorstellungen der Liliputaner. nochmitt. 3 Uhr und abends 7>/s Uhr: Tie Reise Nlh Km Mars. Kinder nachmittags auf allen Plätzen halbe Preise. Montag, abends 71/2 Uhr: Die Reise nach dem Mars. Wral-IIleater. Alte Iakovstr. 30. Emil Thomas n. G. Zum 12. Male: Eiilt tolle Wcht. Große Ausstatlungsposse mit Gesaug und Tanz in 5 Bildern von Villi. Hannstlidt und Jnlins Freund. Musik von Julius Einödshofer. In Szene gesetzt v. Dir. Richard Schulte. Anfang 7V2 Uhr. Adolph Ernst-Theater. VaradkilMMler. Gesmigsposse in 4 Akten von Eduard Jacobson u. Leon Treptow. Kouplets von Ed. Jacobson und Gustav Görß. Musik von Gustav Stessens. In Szene gesetzt von A d o l p h E r n st. Anna Bäckers, Josefine Dora, Ida Schlüter, Adolph Ernst, Guido Tielscher, Karl Weiß, Georg Worlitzsch. Aiifang 7-/2 Uhr. Kein Anfgeld."WS Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich nach langen Mühen in Halen see eine Restanration cröffi et habe. 83b Ich bitte um gütigen Zuspruch. Hochachtungsvoll H. Wiepke, Halensee, Boruimerstraß«. Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes-Aussteiiungapark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. TSglich Torstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Auscblagzettel. Alexanderplatz-Tbeater Alevanderstr. 40. Direktion; Max Samst. Um 81/2 Uhr: Gin Kind der Kede. Sittenbild in 4 Akten v. Max Halftern. Vorher um 71/2 Uhr: Wahn und Wahnsinn oder Sie ist wahnsinnig. Schauspiel in 2 Akten von Melesville. Bearbeitet von W. Lembert. Regie: Max Samst. Nachmittags 3 Uhr: Velks-Verstellung. Gastspiel des Fräulein Sohjesha vom Nationaltheater in Agram. Die Gochzeit von Valehi. Schauspiel in 4 Akten von Ludwig Gaughoser und Mario Brociner. Regie: Hans Buchholz. Sonnabend, 15. September: hetzte Sonntag-Soiree der Stettiner Sänyer (Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder) in der Victoria-Brauerei Liihowflr. 111—112. Anfang 7 Uhr. Entree 50 Pf. Grandioses Programm. Nach der Soiree: Tai»iiträn?chen. Montag(sowie von nun an jeden Preitag und Montag): Soiree der Stettiner Sänger in der Tic- toria-Branerei. Sonntag, 22. September: Erste Soiree im Konzertha«« Sans- sourf. Castan's Panopticum. Friedrichstr. 165. iSalambo? Alcazai*. j Variete- n. Spezialitäten-Theater. I Dresdenerstr. 52/53, Ailnenslr.42/43 1 (City-Passage). Tornehmster Familionaufcnthalt!| SpezialtkÄten- Miiiiipe's Wtermihe«. Bourlesque von Vaidan. Musik von R. Thiele.Regie: E. Stempel. Anfang Wochentags 8, Sonntags 6 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. I Direktion: R. WinklerJ Passage- Panopticum. Letzte Woche! TiiiiMe Schlaugenbeschwörer, Arabische Schule, Bauchtänzerinnen, Derwische etc. Berliner Aquarium. Unter den Linden 68a— Ecke der Schadowstr.— Eing. Schadowstr. 14. 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Dmchgegailgetle Weiber. Große Posse mit Gesang und Tanz in 3 Akten und 5 Bildern v. E. Jacobsohn und H. Wilken. Großes Konzert, ausgejührt von der Hauskapelle. Spezialitäten I. Hanges. Entree 30 Pf. Reserv. Platz 50 Pf. W. Noack's Konzert- und Gesellscliäfts-Säle Brunnensir. 16. Eröffnung der �Vinter-Saison. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag: Große Extra- Theater-Borftellung. Schmeichelkätzchen. Lustspiel in 1 Akt von Kläger. De» Löwen Erwachen. Komische Operette in 1 Akt v. Brandt. Anitreten neuer Spezialitäten. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen 50 Mark 94b zahle ich dem, der mir beweist, daß ich ihm nicht echten aus Nordhausen direkt bezogenen Nordhänser verkaufe. E. Greulich, Carlottenburg, Krummeslr. 76. Vereinszimmer m. Piano, 30Pers.,z� verg. Manegold, Liegnitzerstr. 13. Restaurant oder Billard allein sof. billig zu verk. Fichtestr. 20. 90b Ausziehtische, Bettstellen, Stühle ver- kauft Richter, Laudsbcrgerstr. 108, 91b Aufgang a. 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Verbiülb betitslber Korbmillber (Filiale Kerlin). Montag, den 16. September, abends 8>/2 Uhr, Oranienstr. 51: 98/4 �ersanBOTiIunig. IRaxdorf« Dienstag, den 17., abends 3l/s Uhr, im Lokal des Herrn Nitschke, Stein- metzstraße 45: Nit�netle rvers aminlnnA der Freien Gemeinde. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Waldeck-Manafse. Diskussion. Vereins- angelegenheit. 62/2 Bin von Steinmehstr. 54 nach Potsdamemtr. 83c verzogen. Dr. Rast, Arzt, Sprichst. 8-10, 4- 5. Prestkohle», beste Senstenberger Marie, 6 Zoll 6 Mark, 7 Zoll lang 7 Mark 50 Pfennige, frei Keller. Probe- kohlen frei Hans. Frischeisen, jetzt Waldemarstr. 2, 1. Etage. 64b Schwarz. Anzug, Hose, Winterüberz., wenig gebr., bill. zu verk. Manteuffel- straße 92. 2 Tr. I. 87b Tischlerei, 4 Bänke, verkaufe billig. Näheres Küpenickerstr. III. Portier. Gefangspind billig Melchiorstr. 4. 97b Goldmann. Bettstelle umzugshalber billig zu verkaufen Dresdenerstr. 126 I r. S3b Umzugshalber 96b verk. 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Berichterstattung der Delegirten über die Provinziak Konferenz der Provinz Brandenburg. S. Der diesjährige Parteitag in Breslau. ». Stellungnahme und Diskussion eventneller Anträge zu demselben. 4. Wahl der Delegirten für den Breslaner Parteitag. 212/4 vis Vertranenspersonen. Achtung! �ÜV|ltj)Urv! Achtung Große öffentliche Versammlung aller in her Kürslhuerbraulhe beslhaft. Arbeiter u. Arbeiterinnen ain Montag, 1«. Sept., Abends 8'/- Uhr, in C o h n' s Festsälen, Beuthstrahe Nr. LS, S Dr. Tages-Ordnung: l. Vortrag des Genossen MiUarg: Die technische Revolution. 2. Diskussion. 9! 3. Werkstatt-Angelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersuchen Die Urrtrauensperlonrtt. Typographia Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgiesser. M. d. A.-S.-B.— Dirigent:«. SÜIIee. Sonntag, den 22. S e p t e m b e p I89Si Großes Pokal- Konzert in I.ouis Keller's Fest- Sälen, Koppenstraße 29. Nach dem Konzert in beiden Sälen: Tanx. 63/12 Billets i 30 Pf. vorher im Setzersaal des„Vorwärts" und an der Abendkasse. Al�tung: Artung: Bravere! Friedrichshain(früher Lips) Vop dem Ktfnigsthop. Vor dem Kfinigethop. Sonnabend-, de» 5. Gktober 1895: Großes Kokal Konzert ausgeführt von den Männerchören Kordvacht, Olympia n. Norddeutsche Schleife und den gemischten Chören Freya I, Freundestreue, Glockenrein n. Alpenveilchen (M. d. Arb.-S.-B.) ca. 200 Personen. Dirigent: Z!. Klobrl. Unter Mitwirkung einer 23 Mann starken Kapelle der Freien Nereinignng der Zivil-Kernfomnstbrr. Zur Aufführung gelangt: ,,OoIumKus" von Jul. Kecker. Große melodramatische Dichtung für Chor, Orchester und Deklamation; serner Gesänge für Männer-, Frauen- und gemischte Chöre. Ansang gl/s Uhr. Nach dem Konzert: Enlree 30 Pf. Billets sind beiGöppner, Cigarrengcschäft, Fennstr. 1»; Restaurant Wernau, Rosenthalerstr. 37; B u s k e(früher Seefeldl), Grenadierstr. 33; Rasche, Cigarrengeschäft, Reichenbergerstr. 160, und in allen mit Plakaten belegten Geschäften zu haben. 63/13 (1000) Astrachan(Damen) I Seiden-Plüschjackets, Astrachan-Krimmer- und PlUschkragen(Modelle) 6— 35,00, Winterjackets, Golfcapes 5— 20,00. Elegante Abendmäntel, Seide wattirt 8— 80,00, Herbst- Regenmäntel 7— 15,00.(50 Stück Seiden- Plüschjackets mit kleinen unscheinbaren Webefehlern ä 15,00.) Landsberger-Strasse 59, I Treppe, am Alexanderplatz. P" IM« in|nlin. Heute: Ketzter Tag und Schluß der �usstelkmci: Italien in Berlin. äW" Entree 50 Pf. pro Poroon. Kinder unter 12 Jahren frei. Alle Preise| sind in Zahlen an den Waarenl ausgezeichnet 24a Chausseesfrasse 24a zwischen Fricdrich-Wilhelmstädtischeni Theater und Jnvalidenstraße. II Bruckenstrasse Ii, Ecke Rungestrane. 16 Gr. Frankfurterstrasse 16, schrägüber dem Nationaltheater. 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Dezember 1894 sind insgesannnt 894 230 Quittungskarlen eingegangen und zwar 329 ö69 Karten der eigenen und 64 661 Karten fremder Anstalten. An Marken wurden insgesammt 16,9 Millionen verwandt, wofür 4,7 Millionen Mark erlöst wurden. Die einzelnen Lohnklassen stehen einander in folaendem Aerhältni» gegenüber I. Klasse: 0,1; U. Klasse: 6,6; HI. Klasse: 3,8; IV. Klasse: 8.2. Was die Leistungen anbetrifft, so wurden an Invalidenrenten 102 220,61 M., an Altersrenten 240 975,02 M., an Kosten des Heil- Verfahrens 150 475,15 M., zusammen 493 670,73 M. ausgegeben. Tie Verwallungskosten beliefe» sich dem gegenüber auf 129 733 M., betrugen also mehr als ein Viertel der positive» Leistungen. Wenn hier schon ein Mißverhältniß zwischen Leistungen und Ver- waltnngskosten zu konstatiren ist, so ergiebt sich noch ein weit stärkeres Mihverhältnip zwischen den Lasten, die den beitrags- pstichtigen Arbeitern aufgebürdet werden, und der Verwendung der Gelder, wenn man erfährt, daß im Jahre 1894 nicht weniger als 4.5 Millionen Mark kapitalisirt worden sind»ud das Ver- mögen der Anstalt jetzt über 18 Millionen Mark beträgt. Mehr als neunmal so viel Geld wird also in dereinen oder anderen Form in einem einzigen Jahre zur kapitalistischen Ausbeutung verwandt als die invalide» oder alten Arbeiter erhalte»! Wen» man diese Zahlen liest, muß auch jeder andere als nur der professionelle Nörgelei irre werden an dem Zweck, den die Jnvalidiläts- und Altersversicherung zu erfüllen hat.— Vielleicht noch auffälliger wird das Mißverhältniß, wenn man der Zahl der Versicherten— nahe an>/s Million— die Zahl der Nentenempfänger gegenüberstellt. Es erhielten nämlich gerade 2680 Personen Alters- und 1463 Personen Jnvaliditätsrentc; das ist knapp der hundertste Theil der Versicherten!! Im Durch- schnitt betrug die Altersrente 899 Mark, die Jnvaliditälsrenle 696 Mark. Bezüglich der Altersrente kann man allerdings einwenden, daß sich im Verlauf der vier Jahre, wo die Jnvaliditäts- und Altersversicherung besteht, daß VerhSltuiß zwischen Rentenempfängern und Versicherten noch nicht stabilisirt haben kann. Bei den Jnvaliditälsrenten-Empfängern ist das aber sicher der Fall und von dieser lächerlich kleinen Zahl aus muß man wirk- >ich sagen, daß die Krönung der sozialpolitischen Gesetzgebung viel Lärm um nichts ist. Bezüglich der Ursachen der Invalidität sei hervorgehoben, daß die Tuberkulose mit 17,86 pCt., örtliche Erkrankungen der Athmungswege mit 13,23 pCt., örtliche Krankheiten des Nervensystems mit 15,41 pCt., Eni- kräftung, Blutarmnth und Altersschwäche mit 10,76 pCt. be- theiligl sind. Interessant ist ferner noch die Nachweisnng des Alters der Rentenempfänger. Ter älteste Allersrentner ist 1789, die zweit- älteste Rcntnerin ist 1304 geboren. Von 1305—1310 geboren sind 29 Rentner; von 1811—1820: 1294 Rentner, von 1821 bis 1324: 1355. Von den Jnvaliditätsrenlen-Empfängern sind 184 in den Jahren 1810—1325 gebore». Der jüngste Jnvaliditäts- rentiier ist 1373 gebore», also erst 22 Jahre alt, dann kommen 6 mit 23 Jahren, je 3 mit 24, 25 und 26 Jahren, 71 bis zu 30 Jahren. Der Antheil der Frauen an der Renlenbewilligung betrug insgesammt 1114, davon waren 757 Alters- und 357 In- validitätsrentnerinnen. Der Bernfsstellung und dem Geschlecht nach vertheilcn sich die Renten-Empsänger wie folgt: 1. Bei de» Altersrenten. Männer Frauen Zusammen •A) Land- und Forstwirth- schaft...... 20— 20 B) Industrie...... 735 143 878 C) Handel und Verkehr.. 133 8 141 O) Lohnarbeit wcchselnderArt 907 433 1340 B) Staats- je. Dienst... 64 4 70 F) Gesindedienst..... 62 169 231 Summa 1923 757 2680 2. Bei den Jnvaliditätsrenten. A) Land- und Forstwirth- schaft...... 13— 13 B) Industrie...... 578 63 641 C) Handel und Verkehr.. 143 17 165 v) LohnarbeitwechselnderArt 330 135 465 E) Staats- jc. Dienst... 83 4 37 F) Gesindedienst..... 9 138_ 147 Summa tili 357 1468 Sonnkagsplaudovei. Da jetzt ringsum im Lande aller Orten der Sozialisten- tod in feurigen Zungen gepredigt wird, da ans wilde Etaatsretter immer wildere Dranfgänger ans offenem Markt ihre Heilslchren verkünden, haben jene Gegner des So- zialismns einen schweren Stand, die den Bramarbasrnfen nach Gewalt nnt Nachdenklichkeit begegnen wollen. Wo man sich an kriegerischen Fanfaren berauscht, wo eitles Streberthnm koiuödiantisch sich in immer wüstere Zorn- ansbrüche hineinredet, um mit Nummer Eins im Fcldzng für die geheiligte Weltordming zu bestehen, da müssen die ruhigeren Worte selbst solcher Männer verhallen, die ihrer Grnndanschauung nach die grimmigsten Feinde des Sozialis- mns sind. In der Wochenbetrachtung eines Schriftstellers, der Jahre lang in der„National-Zeitung" an leitender Stelle thätig war, konnte man jüngst von einem seltsamen Versuch lesen, der Sozialdemokratie in unseren heutigen Zeit- nud Lebensverhältnissen ihre bestimmte Stellung anzuweisen. Im Geist dieses Schriftstellers verdichtet sich die Sozial- demokralie zum M e p h i st o p h e l es unserer Tage; und weil diese Annahme nicht selten in den Köpfen der intclli- gcnteren Hasser des Sozialismus auftaucht, so sei sie hier hervorgehoben. Von dem Getöse jedenfalls, in das ancl) die heutige„National-Zeitung" miteiustimmt, und dem lärnieuden Eifer, mitdeni man eine„vernichtendeAktion",„Emanzipation von jeder lächerlichen Humanitätsduselei'" begehrt, sticht die nachdenkliche Erwägung ab: Ist die Sozialdemokratie über- Haupt mit Feuer und Schwert auszurotten? Wenn ihr von Ideologen mit bourgeoismäßigcr Empfindung die Rolle des Mephisto im Weltgclriebe zu- erkannt wird, so ist darin zugleich die schmerzliche Resignation ausgedrückt, ans dem Wege gewaltsamer Ent- schließnugen nicht mit der Sozialdemokratie ausräumen zu Von großer allgemeiner Bedeutung ist ferner der Alters anfbau der versicherte» Bevölkerung, über de» für die 329 012 in Berlin selbst versicherten Personen detaillirte Angaben vor- liegen. Es waren geboren von 1806—1824 1825—1834: 1835—1844: 1845-1854: 1355-1864: 1365—1874: 135 854 1875-1379: 37 813 1 751 Personen— 6 837„— 19 850„— 43 474„= 83 433..= 0,5 pCt. der Gesammtzahl 2,1 ,, n n 0.0„„„ 13,2„„„ 25,4„„„ 41.3 kh k 1 1 ,5„ Znsammen 329 012 Personen— 100,0 pCl. der Gejaiumlzuyl Man sieht auch Heer wieder von neuem, daß der eigentliche Arbeiterstamm sich ans Personen im Alter von 20—30 Jahren rekrutirt; 41,3 pCt. aller Arbeiter befinden sich in diesem Aller; in der nächst höheren Klasse von 31—40, dem„besten Mannes- alter" befinden sich nur noch 25,2 pCt. und in den höheren Zlltersklasscn nimmt die Zahl rapide ab, weil die Arbeiter da eben wie die Fliegen wegsterben, wenn sie ihre besten Kräfte zu Markte getragen haben. Ein weiteres, besonderes Interesse erregt das Verhältniß des Zuzuges und Abzuges der arbeitenden Bevölkerung, das mit Hilfe der Quittungskarten in bequemster Weise ermittelt werden kann. Aus dem Bericht ist zu entnehmen, daß ans 100 Fortzüge von Berlin 151 Zuzüge nach Berlin entfallen. Tie Zuzüge stammen nur zu 42—43 pCt.(1894 bczw. 1392) aus Branden- bürg. Im übrigen überwiegt Schlesien mit 12 pCt., ferner Ost- und Westprenßen mit 10,8, Pommern mit 8 pCt., Pose» mit 6 pCt. iveit den Zuzug aus den übrigen Theilcn Deutschlands. Berlin gilt eben noch immer als Eldorado der Arbeitsgelegenheit. Ebenso wenig aber ziehen die llientenempfängcr von Berlin fort. Bekanntlich suchten seinerzeit die Motive zum Gesetz die Gering- sügigkeit der Rente damit zu entschuldigen, daß die Rentner die Stadt verlassen nud auf dem Lande ihre Rente verzehren würden. Nach den Ermittelungen der Anstalt sind aber nur 170 Rentner, d. h.»och nicht 1l2 pCt. von Berlin verzogen. Aus alledem sieht man, daß die Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung ein Experiment gewesen ist, für das fast alle und jede erfahrungsmäßige Grundlage mangelte und das in seinem letzten Grunde nicht zu einer wesentlichen Erleichterung des Zlrbeiter- daseins ausschlug, sonder» deutlich den kapitalistische» Kern ent- hüllte, der auch in dieser angeblich rein von lauterer Fürsorge für das Arbeiterwohl getragenen Institution besteht und bestehen bleiben wird, so lange nicht die angesammelten Kapitalic» wirklich auch im Arbeiterinteresse durch Erhöhung der Renten und Herabsetzung der Altersgrenze verwandt werden. Soztole Mebevjlözk. Die Wirknngen des Kartells, das die transatlantischen Schifffahrlsgesellschaften abgeschlossen haben, um ihren Prosit zu steigern, sind bereits eingetreten. Der„Norddeutsche Lloyd" hat, wie aus Bremen telegraphirt wird, seine Zwischendeckspassagier-Preise vom 16. September an wie folgt festgesetzt: Nach New-Aork Schnelldampfer 140 M., Postdampfer 140 M., Nolanddampfer 130 M.; nach Baltimore Pvstdampser 130 M., Rolanddampfer 120 M. für deutsche, 130 M. für nichtdentsche Passagiere. Von New-Iork nach Bremen Schnelldampfer 134 M., Pondampser 126 M., Rolanddampser 113 M.; von Baltimore Postdampfer 113 M., Rolanddampser 113 M. Diese Pteise sind beträchtlich höher als früher, wo man unseres Wissens schon für 90 M.»ach Amerika gelangen konnte. Der Ansivanderung wird die Erhöhung des Passagierpreises allerdings kaum Eintrag thun, und wenn das politische und wirthschastliche Wirrsal, das jetzt in Deutschland herrscht, sich, wie in Aussicht steht, noch vergrößert, so wird der„Norddeutsche Lloyd" nicht genug Schiffe haben, um alle die übers große Wasser zu schaffen, die vor den traurige» Verhältnisse» des deutschen Heimathlandes das Hasenpanier ergreifen. Sedanfeier nnd Gcwerbegericht. Vor dem Gewerbe- gericht in Krefeld kam folgende Angelegenheit zur VerHand- lung. Ein Weber hatte die Firma L. T. Scheibler Nachfolger (Inhaber C. de Greiff) erstens wegen ungerechtfertigter Abzüge, zweitens auf 4 M. Vergütung wegen unfreiwilligen Feierns am Sedantage verklagt. Vom Geiverbegericht ivurde anerkannt, daß dem Arbeiter die Abzüge ungerechtfertigter- weise gemacht worden sind, weshalb es ihm das Geld hierfür zusprach. Betreffs des Sedanlagcs aber wurde der Weber mit der Begründung abgewiesen, der Prinzipal habe das giccht, an einem solchen Tage die Fabrik ohne Entschädigung der Arbeiter zu schließen. Nachgewiesen war. daß der Arbeiter, der in seinem Fach ein tüchtiger Mann ist, 4 M. täglich verdiente. Bemerkt sei noch, daß der Meister der Fabrik dem Weber erklärt können und der Trost, die optimistisch-bürgerliche Hoffnung, daß am Ende die böse Kraft der Sozialdemokratie snr die gesanimte Weltordnung, wie sie geworden, daß Gute schaffen müsse. Mephisto ist stich- nnd kugelfest. Ihn kann man nicht in Bande schlagen, und nicht hinter Kerkerthüren zur Raison bringen. Gegen die Selbstgefälligkeit, die alles, was voltbracht ist, gut heißt, kehren sich die Teufeleien des bitteren, satirischen Dämons Mephisto. Wäre die Weltordnnng so festgefügt, so lückenlos, wie die ergebene Menschheit glaubt, gäbe es keinen Hiob, der aus wunder Seele aufächzt, und gäbe es keinen faustisch- nnrnhvollen Drang in Menschcnköpscn, dann wäre auch Satan, der Versucher, nicht nothivcndig ge- worden nnd nicht der hämische Mephisto. Höher wohl steht diese Auffassung, als die beengte Anschauung derer, die da meinen, der blinde Haß gegen die Vollkommenheit der Weltordnnng, der finstere Neid wecke die Geister der Zerstörung; aber moral- theologisch bleibt sie doch. Mephisto ist der Dämon, der stets ver- ncint. Zu positiver, schöpferischer Arbeit ist er nicht gc- schaffen. Aber dadurch, daß er höhnisch gegen die Herrlich- keit der Schöpfung sich kehrt, nnd wo Schäden bloslicgen, sie mit grinsendem Behagen aufzählt, arbeitet er unfrei- willig an der allmäligcn Vervollkommnung des Geschaffenen mit, eben als„Theil der Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft". So wird Mephisto statt eines Zer- störers ein Berather; ihm ist im Natnrhanshalt die Aufgabe zugemessen, die etwa bitteren Hcilstränken innewohnt. So sehr die Medizin anividert, sie befreit im letzten Grunde von bösen Säften, die sich angesammelt hatten. Ans diesem Gedankenkreis also suchen liberale Jdeo- logen das Verhältniß der Sozialdemokratie zur Welt, die sie umgiebt, zu begreifen. Nicht mehr erscheint die sozial- demokratische Bewegung wie der Einbruch einer Vandalen- rotte in geheiligten Kulturbesitz; vielmehr wird mit ihr wie nnt einer widrigen Nothmendigkeit gerechnet. hatte, er werde sich mit seiner Forderung blamiren, denn der Sedantag wäre ein nationaler Feiertag. Das Gericht hat übersehen, daß der 2. September in Preuße» kein gesetzlicher Feiertag ist und daß es kein Recht hat, irgend einen solchen Tag dem gesetzlichen Feiertag gleichzustellen. Das Krefelder Gewerbegericht ist kein gesetzgebender Faktor. Was die Handlungsweise des Inhabers der in Rede stehenden Firma anlangt, so charakterisirt sie sich schon dadurch genügend, daß die Regiermigsblätter die Unternehmer aufgefordert halten, bei Geschästsschluß am Sedantage ihren Arbeitern den Lohn- verlust zu vergüten. Kraukenkasseiilvese». Der Krauken- und Begräbnißkasse „Germania" in Ottenhausen(E. H.) und der Eisenbahnarbeiter- Krankenkasse(E. H.) zu Bremerhaven ist vom Reichskanzleramt von neuem die Bescheinigung ertheilt worden, daß sie, vorbehält- lich der Höhe des Krankengeldes, den Anforderungen des§ 75 des Krankenversicherungs-Gesetzes genügen. Württemberg hatte nach dem Ergebuiß der Berufszählung 2 071 407 Einwohner gegen 2 036 522 im Jahre 1390. Die Zunahme betrug 1,71 pCt. Ei» neues Kartell ist, wie die sibirische Zeitung „Wostotschuoje Obosrenje" mittheilt, im westlichen Sibirien gebildet worden. Die Dampfschiffbesitzer haben einen Verband geschlossen, dessen Folgen sich jetzt schon darin spuren lassen, daß der Frachtsatz von Tjumen bis Barnaul, welcher vordem 18 Kopeken betrug, jetzt anf 30 Kopeken gestiegen ist. Einer der Paragraphen der Verbandsstatuten lautet:„Niemand von den Theilnehmcrn hat das Recht, auf dem Flusse Ob und seinen Nebenflüssen dem Verbände nicht beitretende Dampfschiff- Unternehmungen zu gründen." Da nun die Konkurrenz zwischen den Dampfschiffbesitzern aufhört, werden auch die Dampfschiff- Passagiere jede Hoffnung auf irgend welche Besserung in den Reiseverhältnisseu und auf eine Ermäßigung der Fahrpreise aus- geben müssen. (Beurevltfchal tliches. Cämmtllche MiUheNungen von Organisationen, vor allem solche über Ausstände oder Aussperrungen, müssen stets den Stempel der betressenden Organisation tragen. Zlchtung, Vergolder k Der Generalstreik in Berlin dauert fort. Zuzug bitte» wir streng fern zu halten. Die Arbeiterpresse des In- und Auslandes wird um Abdruck gebeten. Die Agitaliouskommission. Achtung, Stciuarbeiter! In Helmstedt haben in der Kunststein-Fabrik 20 Kollegen die Arbeit wegen Lohndifferenzen niedergelegt. Bei einer unbegrenzten Arbeitszeit von morgens früh bis abends spät ist es den meisten von ihnen nicht möglich gewesen, auf 20 M. die Woche zu kommen. Wir ersuchen des- halb, den Zuzug von Helmstedt streng fernzuhalten und die Streikenden auch materiell thatkräftig zu unterstützen. Außerdem ist der Zuzug nach K e l h e i m in Bayern und nach Cölln bei Meißen(Kirchenbau) zu vermeiden. Dre Geschäftsleitung der Steinarbeiter Deutschlands. I. A.: PH. T h o m a s. Der Porzcllauarbeiter-Streik in Alttvasser ist für beendet erklärt worden, nachdem die Direktion der Fabrik von Tielsch n. Ko. unter anderen Zusicherungen auch die gemacht hat, sofort 60 Dreher, 30 Maler und 13 andere Arbeiter wieder einzustellen, während die Direktion früher nur 20 Dreher und 15 Maler wieder annehmen wollte. Ohne Arbeit sind vorderhand noch rund 35 Ausständige. Der Ausstand hat 22 Wochen gedauert. Die über die Fabriken in Königszelt und Sophienau verhängte Sperre bleibt vorläufig noch bestehen, bis die dortigen Porzellanarbeiter über die Aushebung des Streiks Beschluß gefaßt haben. In der Norddeutsche» Stein gut-Fabrik Grohn-Begesack ist die angekündigt gewesene Aussperrung der Porzellanarbeiter unterblieben, da durch Bermittelung des Landraths ein für beide Theile annehmbarer Ausgleich zu stände kam. Die Sperre jener Fabrik ist infolge dessen aufgehoben. I» Vremeu haben die Textilarbeiter der Firma G. 5k l e v e» h ü s e n die Arbeit niedergelegt. Beim Streik in Knittelfeld in Oesterreich handelt es sich um die Arbeiter des dortigen E m a i l w e r k e s, die für die Email- werke B r ü n» s, wo bekanntlich ebenfalls ein großer Streik aus- gebrochen ist, keine Maaren herstellen wollen, so lange dieser Streik nicht beendet ist. Die Zahl der Ausständigen in Knittel- feld beträgt nach Angabe der Wiener„Arbeiter-Zeitung" un- gesähr 700. Hochmüthig freilich verharrt man immer noch auf dem Standpunkt, daß die mephistophelische Sozial- dcmokratie das Amt des Versuchers und Verführers zum Schluß doch umsonst geführt habe, daß sie am Ende, ivie jeder theologische Teufel, um die armen Seelen der Verführten geprellt werden müsse; denn über dem regsamen Schelmeugeist Mephisto wacht in ruhig erhabener Sicherheit der Genius unserer Weltordnnng, der herrlichen, der»n- erschütterlichen. Man braucht nicht allzu höhnisch von Gemüth zu sein, um solchen privilcgirten Trostspendern und Schirniherren der Knlturnienschheit, die von mephistophelischen Zerstörungs- gelüsten bedrängt ist, entgegen zu halten: Wozu dann der Entrüstungsrummel der letzten Tage auch aus Eurer Seite? Wie kann Euch in Eurer Gottähnlichkeit so bange werden, daß Ihr Euch dennoch mit allen Zeterschreiern ver- Kündet, den rückläufigsten Elementen Euch verwandt fühlt, die in polternde Raserei verfallen, wenn einmal ein Stöcker in all seiner wenig erfreulichen Menschlichkeit blos gestellt wird nnd um Rache wegen Frevels gegen die Weltordnung rufen? Die Mephistotheorie ist schön ausgeklügelt. Unter ihrem Schutz darf man, mag es ringsherum noch so stür- ine»,„vornehm gelassen" thun. Wenn die Sozialdemokratie sieghaft vorwärts schreitet, wenn nian ihre Anhänger wie Verbrecher beschimpft, weil vielleicht ein sozialdemokratisches Organ in scharfen, kritischen Aeußcrungen sich gegen unve- rcchtigte Heroenanbetnng kehrte; wenn dann die nichts- nntzige Sozialdemokratie den Leuten, die moderne Menschen zu altrömischem Zäsarendienst zwingen wollen, einen Spiegel vorhalten kann, wie jetzt den Stützen des Thrones nnd des Altars; wenn dank den Drohworten der Stumm nnd Genossen, dank den offenen und heimlichen Angriffen auf das Wahlrecht, dank der Münterei und der jüngsten Vorgänge gegen die sozialistische Presse der oppositionelle Geist verschärft und vertieft wird: dann Sozwle Nechkspflege. Die Frage, ob die Insasse» einer Zlrbeiterkolonic der e r s i ch e r u n g s p f l i ch t nach dein Jnvaliditäts- und Alters- nersichcrnngs-Gcsetz unterliegen, hat das Reichs-Vcrsichernngsamt rn bejahendem Sinne entschieden. Der Bundesrath habe die ihm gqctzlich verliehene Vefugnip, vorübergehende Dienstleistungen von der Bersicherungspflicht auszuschließen, hinsichtlich der so- genannten Verpflegnngsstatione» und ähnlicher Einrichtungen nngeiveudet, in denen umherziehenden Personen Natural- Verpflegung und zuiveilen auch ein kleiner Geldbetrag für ganz vorübergehende Arbeitsleistungen gemährt»verde. Diese Be- stimmung dürfe aber nicht erstreckt werden aus solche Insassen von Ardeiterkolonien. Fraueuheimen und anderen Anstalten, welche dort längere Zeit beschäftigt werden, um sich wieder au ernste Arbeit zu gewöhne». Im einzelnen Falle hänge die Ver- sicherungspflicht davon ab, ob den Kolonisten für ihre Be- schäsligung als Entgelt nur freier Unterhalt gewährt wird oder ob sie gegen baaren Lohn beschäftigt werden. Reichs-Versichernngsamt. Der Verlust eines Auges wird an sich, nachdem das Reichs- Versicherungsamt dies durch maßgebende Entscheidungen festgesetzt hat, mit 25, 30 und 33'/s pCt. der Vollrcnte entschädigt. In einem Rechtsstreit des Arbeiters Milz gegen die rheinisch-westfälische Maschinenbau- Berussgenossenschaft handelte es sich nnn um die Frage, ob die Genossenschaft berechtigt war, 6 Jahre nach dem Unfall eine so lauge gewährte höhere Rente auf den Normalsatz von 30 pCt. herabzusetzen. Die Beklagte behauptete, der Kläger- Habe in den sechs Jahren Zeit genug gehabt, sich an den neuen Znstand genügend zu gewöhnen. Märe die Ge- wöhnung aber wirklich noch nicht eingetreten, dann trage M. die Schuld daran, denn dann sei es lediglich die Folge davon, daß er sich von seinem früheren Berufe ab- und der Landwirth- schaft zugewendet habe. Vor dem Reichs-Versichernngsamt hob der Vertreter der Genossenschaft noch besonders hervor, daß dies Gericht letzter Instanz den Grundsatz bisher vertreten hätte, maßgebend für den Zeitpunkt der endgiltigen Feststellung der Rente sei. ob der Verletzte genügend Zeit zur „Gewöhnung hatte, d. h. ob die Möglichkeit derselben vor- banden war. Das Relursgericht wich in diesem Falle von dem Grundsatz ab— vorausgesetzt natürlich, daß es ihn thatsächlich aufgestellt hat; Beklagte wurde zur vorläufigen Zahlung von 40 pCt. verurtheilt, mit Rücksicht auf ein ärztliches Gutachte», m welchem konstatirt wurde, die Tiefsehfähigkeit des Milz fei_ thatsächlich noch keine normale und seine Arbeits- unfähigkeil auf vierzig Prozent zu schätzen. Daß M. die sogenannte Gewöhnung durch den Uebertritt in einen anderen Beruf erschwert hatte, wurde snicht berücksichtigt. Was würde ein pensionirter Osfizier sagen, wenn ihm eine Be- Hörde mit den von der Berufsgenossenschaft vorgebrachten Gründen die Pension kürze» wollte? Auch das Unfallversicherungs-Gesetz gehört bekanntlich zu denjenigen, deren versöhnende Wirkung den Arbeiter von der Sozialdemokratie abwendig und mit den gegen- wärtigen Verhältnissen zufrieden machen sollten. Vvvsmmttlmtövn. DaS Proportionaltvahl- System behandelte Genosse S a s s e n b a ch in einem Vortrage, den er den Mitgliedern des Wahlvereins für den fünften Kreis am Donnerstag Abend hielt. Nach der Anstcht des Referenten hat dieses System bedenkliche Schattenseiten. Er führte im einzelnen aus. daß entgegen der herrschenden, landläufigen Meinung auch hierbei bedeutende Minoritäten u n v e r t r e t e n bleiben könnten; die Wahlbündnisse gegnerischer Parteien würden zur Siegel werden. Das schwerwiegendste Moment sieht er darin, daß das System die Veranlassung abgeben könnte, daß die Wahlkämpfe künstig nicht mehr von großen politischen Parteien, sondern von Ständen und wirthschastlichen Gruppen, kleinen Jnteressenverbindungen ic. geführt werden. Der Redner schließt sich in seiner Kritik der in der„Neuen Zeit"(Nr. 2l— 31) geäußerten Ansicht vollkommen an und wünscht, daß der Partei- tag event. auch zu dieser Frage Stellung nehmen möge. Es folgte dem Vortrage eine lebhaste Diskussion. Mit den Anschauungen der Referenten einverstanden waren die Genossen Wels und L i s s a u e r, während R o g g e und L i p p m a n n kann man zu semer eigenen und seiner Freunde Beruhigung sprechen: Ja, Mephisto hat gerade viel Arbeit und uianchen Anlaß zur Arbeit. Aber die Unwetter werden sich rasch wieder verlaufen. So möchten sie mit verstandskühler Berechnung der unbequemen Be- wegung begegnen. Aber ihre Selbstvertröstung währt nicht lange vor. Der vorgebliche Mephisto bricht in seinem ohnmächtigen Haß nicht zusaninien wie ein Lügengott soll; immer weitere Kreise ergreist die sozialistische Hochfluth; und da vergeht die sorgsam ausgetüftelte Mephisto-Theorie. Den Ideologen der Bourgeoisie erfaßt der Schauer vor der unheimlich wachsenden Bewegung; und wenn ihm sein Witz zuflüstern niöchte, nur der Athem Mephisto's ist es, der die Massen entzündet, sein Gemüth verfällt trotzdem in Angst und Noth. Mit dem Herzen, dem warmblütigen verleugnet er seine graue Mephistotherie. Er fühlt es, daß die pro- letarisirten Menschen, gleichgiltig ob sie Hand- ob Kopfarbeiter sind, zur Sozialdemokratie durchaus nicht aufschauen, wie der ahnungsvolle Engel, etwa das Gretchen zu Mephisto aufblickte, dem es auf der Stirn geschrieben stand, daß er keine Seele lieben mochte. Und weil er es suhlt, darum � flüchtet er lieber in die Reihen der Sozialistentödter, als daß er sich darauf verließe, Mephisto in der Rolle des Ver- suchers werde mit all seinem Blendwerk nichts ausrichten gegenüber dem goldigen Glanz unserer Weltordnung. Wer heutzutage das Treiben in gewissen Kreisen ver- folgt, wer das Kriegsgeschrei und die wüste Hetze gegen die Sozialdemokratie auf ihre Tartüfferie und rein persönliche Profitgier hin prüft; wer hingegen hält, wie diese Hetze nichts verfängt, wie neue und neue Elemente zum proletarischen Bewußtsein gelangen und in der Sozialdemokratie erblicken, was ihnen Hoffnung, was ihnen Wärme leiht, dann könnte man leicht den Spieß unidrehen. Und wie Nathan in Lessing's Dichtung den christlichen Tempelherrn fragt:„Wer ist da der Jude?", so könnte man da ebenfalls fragen:„Wo steckt eigentlich Mephisto? Wer ist Mephisto?" Lebt nicht Geist von Mephisto's Geiste in jenen, die jede Wissenschaft, die unser Erdendasein verschönt, frostig leugnen, die jeden Druck, der Geistesfreiheit, also auch irdische Heiterkeit, lähmt, gut heißen und ihn fördern, die jedem gequälten Menschenkind mit kaltem Hohn zurufen: Lern es ertragen, wie's deine frommen Väter und deine Urväter getragen haben und wie es bestinimt ist im un- abänderlichen Rath des Schicksals? Und gleicht nicht auch ihr ganzes Gehaben dem Wirken Mephisto's? Sie wollen die Geister bändigen und lösen sie. Sie wollen die Massen in dumpfem Trübsinn erhalten und rütteln sie auf. Sie wollen mit Gewaltmitteln das Bewußtsein proletarischer Genieinsamkeit zersprengen und schmieden es nur fester. All' ihr Wollen verwandelt sich in gegentheilige Wirkung; und so sind sie in Wahrheit die Mephistogestalten, die das Dunkle wollen und Helligkeit schaffen. Aipba. dieselben bekämpften. Sie bestritten, daß ein vernünftig ange- wandtes Proportionalwahl-Systcin die angeführten schlimmen Folgen haben könne und wiesen besonders darauf hin, daß den dauernden Vorlheil von einem gerechteren Wahlsystem doch immer die Sozialdemokratie erzielen werde. Die Versammelten einigten sich dann auf die nachstehende Resolution: „Die Versammlung entnimmt den Ausführungen des Ge- nassen Sassenbnch, daß der Punkt des Programms, das Pro- portionalwahl-Sysicm betreffend, noch nicht genügend geklärt ist und spricht den Wunsch aus, daß in der Parteipresse und in den Kreisen der Parteigenossen diese für uns wichtige Frage künftig mehr besprochen wird." Von Adler wurde darauf der Antrag eingebracht, regel- mäßige Sitzungen sämmtlichcr Bezirksführer abzuhalten. Mit großer Mehrheit lehnte es nach längerer Debatte die Versamm- lung ab, diesen Antrag auf die Tagesordnung der General- Versammlung zu setzen. Lederarveiter. Der Fachverein der in der Lederwaaren- Industrie beschästigten Arbeiter nahm am 9. August bei Roll einen Vortrag des Genossen Pfeiffer über„Ferdinand Lassalle und seine Bedeutung für die Arbeiterbewegung" beifällig auf. Der Referent forderte sämmtliche noch fernstehenden Berufs- genoffen auf, der Vereinigung beizulreteteu. Hieraus besprach Kollege Heindke die Frage:„Welche Zeitung hat der Arbeiter zu lesen?" Die Ausführungen des Redners, welche allseitigen Beifall fanden, gingen dahin, daß ein jeder Arbeiter Abonnent sozialdemokratischer Blätter werden müsse, denn jede andere Zeitung träte den Interessen der Arbeiter entgegen. Zum Schluß forderte Kollege Voigt auf, den unentgeltlichen Arbeitsnachweis recht rege zu benutzen. Der Streik in der Steinlein'schen Lederfabrik beschäftigte am Freitag im Lokal von Feind, Weinstraße II, eine sehr gut besuchte Versammlung der„Freien Vereinigung der Lederzurichter, Lohgerber und Benifsgeuoffen"-. Vor Eintritt in die Tagesord- nung theilte Busse mit, daß gegen ihn aus Anlaß des Römer- scheu Streiks Strafverfahren wegen AbHaltens einer polizeilich nicht angemeldeten„Werkstatt- Sitzung" und„Verrufserklärung" schwebe. Denunziant ist in beiden Fällen, ivie ihm der ver- nehmende Kriminalkommissar erklärte, Herr H i s ch e r, mit dem zusammen weiter zu arbeiten seinerzeit die R ö in e r'schen Arbeiter sich entschieden weigerten und seine Nichtbeschästigung bei geuannter Firma bei Beendigung des Streiks bekannklich zur Bedingung machten. Zur Sache selbst übergehend gab Siedner dann ein Resümee der Ursachen des Streiks; da der Geist der Ausständigen ein guter ist, so könne sein Ausgang kaum zweifelhast sein.— Die Debatte, an der sich Fritsch, Böhm, Arnd, Rohwald und andere belheiligten, ließ nochmals alle die Uebelstände zu tage treten, welche bei der Firma S t e i n l e i n bestanden. Die Wcrkführer erschienen hierbei nicht im besten Licht.(Siehe Bericht der öffentliche» Ver- sanimlung der L e d c r b r a n ch e in der Sonnnbcnd-Nummer des„Vorwärts".) In einer einstimmig angenommenen Resolution erklärte die Versammlung den Streik und die gestellten Forderunge» für berechtigt und sicherte den Streikenden moralische und finanzielle Unterstützung zu. In der Tapezirer-Versnmmlnug vom 10. d. M. warnte Kollege Freiwald die Kollegen von außerhalb, anläßlich der nächstjährigen Gewerbe-Ausstellung hier Arbeit zu suchen. Am Sedantage mußte ohne Bezahlung bei Gerson einen ganzen Tag, bei der Firma Flatow u. Prilmer einen halben Tag gefeiert werden. Vorgänge beiin Jnnungs- Arbeitsnachweis ivurde» hieraus kritisirt und endlich bekannt gegeben, daß das Stiftuugs- 'est am 12. Oktober stattfinden solle. Ter Verband der Bäcker hielt am 10. September in Röllig's Lokal seine regelniäßige Mitgliederversammlung ab. Der Kassenbericht für Monat August ergab eine Einnahme von 118,97 M. und eine Ausgabe von 28,76 M., somit verblieb ein Bestand zu September von 90,22 M. An stelle des 2. Kasfirers, welcher m die Ferienkolonien einrückt, wurde Kollege Lenz ge- wählt, als Bibliothekar Kollege Brieskorn. Hierauf hielt Genosse Pinn einen beifällig aufgenommenen Vortrag über„Alte und Neue Zeit". Dann wurde beschlossen, eine Statistik der Verbandsmitgliedcr über Arbeitslosigkeit, sowie über die Gelder, welche für Arbeit an die Stellenvermittler gezahlt werde», auf- zunehmen und sie am Schlüsse des Jahres zu veröffentlichen. Es wurden noch Klagen geführt, daß von den Meistern die gesetzliche Sonntagsruhe nicht eingehalten wird. Die Mitglieder werden augewiesen, die betr. Meister dem Vorstand zur Anzeige zu bringen, welcher das weitere veranlassen wird. Eine anßerordentlich stark besuchte Versamnilnug der Maurer behandelte am 13. September„die Mißstände bei d e» K a s e r n e n b a u t e u auf d e ni T e in p e l h o f e r � e l d e". Die Einleitung der Debatte gab der Genosse .Blaurock, der in seiner beifällig aufgenommenen Rede den vielfachen Klagen der dort beschästigten Arbeiter Ausdruck verlieh. Der Bauleiter„Herr Reserve- Hauptmann" M ü l l e r aus Spandau soll danach vor allem bestrebt sein, den Arbeitern militärische Disziplin beizubringen. Dabei verlangt er recht viel und recht gute Arbeit zu einem Lohnsatz, der im Durchschnitt weit unter dem in Berlin sonst üblichen steht. Nach berühmten Mustern ist auch der Sedantag nicht bezahlt worden. „Haben Sie freiwillig gefeiert"? fragte der Referent die Ver- ammlung, und wie aus einem Munde scholl ein huudertstimmiges: „Nein" zurück.— Zu lebhaften Klagen giebt der Umstand Veranlassung, daß für alle, an vier großen Gebäuden beschäf- tigten Arbeiter nur eine einzige Baubude vorhanden ist. Die Liste der Unternehmersünden wurde in der Diskussion um ein bedeutendes vervollständigt. In den letzten Tagen ist man auf dem Wege der„militärischen Erziehung" der Arbeiter 'chon soweit fortgeschritten, daß dreimal des Tages, morgens, mittags und abends, so eine Art Appell abgehalten wird, wo ihre Namen verlesen werden und jeder Angerufene mit„hier!" zu antworten hat. Die Zeit, die mit diesen Experimenten ver- chwendit wird. bleibt unbezahlt. Hervorgehoben Ivurde auch, daß für die fiskalischen Arbeilen, welche von de» Steuerarosche» der breiten Masse gedeckt werden müsse», zum theilschlechtesMaterial (Sand) verwendet wird, was das Arbeiten ungemein erschwert. Die Maurer und Poliere der bclreffende» Bauten waren— ein 'eltencr Fall— vollzählig erschienen, auch von den letzteren nahmen einige das Wort, um die Anklagen, die gegen sie und ihren„Ches" erhoben wurden, zu entkräften. Es gelang nicht. Ein Polier, der im Brustton ehrlicher Ueberzeugnng erklärte, erzähle nicht unter 50 Pf. Stundenlohn, wurde ack absru-dum geführt, indem ein Arbeiter auftrat und nachwies, daß er nebst einer Reihe von Kollegen thatsächlich 45 Pf. erhalten hatte. Der Herr Oberpolier Mvwes gab zu, daß die Klagen der Arbeiter betreffs der Baubuden berechtigt seien; er entschuldigte das Fehlen der Buden mit— dem Platzmangel. Die„Verlesung" will er abschaffen; den niedrigen Lohn aber suchte er mit den bekannten Redewendungen von würdigen und unwürdigen Ar- beitern zu begründe». Die Versammlung faßte mit Einstimmigkeit folgende Beschlüsse: Eine Kommission von sechs Personen(deren Wahl gleich vorgenommen wurde) hat am Sonnabend früh dem Unternehmer die Forderungen der Arbeiter zu unterbreiten und alle Schritte zu thun, um dieselben zur Durchführung zu bringen. Gefordert soll werden: 1. Mindestlohn von 50 Pf. pro Stunde. 2. Für jeden Bau eine separate Baubude. 3. Anständige Be- Handlung von feiten des Meisters und der Poliere. 4. Bezahlung des Sedantages.— Die imposante Versammlung erreichte ohne Störung ihr Ende. In später Abendstunde erfahren wir, daß die Forderungen der Maurer nicht bewilligt wurden, daß der Bau als gesperrt zu betrachten ist. Ueber diese Angelegenheit findet Dienstag eine Versammlung statt. Näheres hierüber im Inserat des„Vorwärts" in der Dienstagnummer. Tie Metallarbeiter waren am 13. d. M. sehr zahlreich im Louisenstädtischen Konzerthause versammelt, um den Bericht des Vertrauensmannes entgegenzunehmen und Beschluß zu fasieii über die vorzunehmenden weiteren Schritte gegen diejenigen Fabrikanten, welche die erzwungenen Feierstunden am St. Sedan- tage nicht bezahlt haben. Dem Bericht des Vertrauensmannes Otto Rüther ist zu entnehmen, dag die Mehrzahl der bc« kannt gegebenen Firmen den Sedantag bezahlt haben. Tagegen hatte der Vertrauensmann eine ganze Reihe von Firmen nam- Haft zu machen, die erst nachträglich zur Anmeldung gelangt waren, welche die Zeit, welche sie zur höhere» Ehre des Sedan- festes ihre Arbeiter feiern ließen, am Sonnabend zu bezahlen vergessen haben bezw. diejenigen Arbeiter, welche den Muth hallen, Bezahlung zu verlangen, entlassen haben. Die Zahl derselben be- trägt 54.(Bezüglich der Fabrik von Cordes stellte der Vertrauens- mann eine frühere Mittheilung dahin richtig, daß diese Firma nicht allein den Sedantag voll bezahlt habe, sondern auch noch außerdem jedem Arbeiter 1 M., den Veteranen aber 3 M- für den Sedantag vergütet habe). Der Vertrauensmann empfahl allen denjenigen Arbeitern, welche den Ausfall des Sedantages am vorigen Sonnabend nicht bezahlt bekommen haben, bei der nächsten Lohnzahlung diese Bezahlung zu fordern. Allerdings müsse jeder Werkstatt und Fabrik die Regelung dieser Angelegen- heit überlassen werden, doch sagte er jedem thatkräftrge Unter- stützung zu, welcher wegen dieser Angelegenheit mit dem Unter- »chiner in Differenzen gerathen sollte. Er empfahl, so zu hau- dein, wie gehandelt werden müsse und gab zu bedenken, daß im nächsten Jahre der 1. Mai gefeiert werden solle. Wiesenthal setzte sich mit dem Referenten insofern in Widerspruch, als er die Ab- kanzelung, welche derselbe gewissen Arbeitern zu theil werden ließ, nicht billigte. Auch wünschte er, daß jeder einzelne seine Lohnforde« rung geltend machen solle, ohne sich auf andere zu verlassen. L i t f i n erklärte sich mit der Agitationsweise Näther's ebenfalls nicht einverstanden. Er fand es vom Klassenstandpunkte der Unternehmer aus ganz naturgemäß, daß sie Sedan feiern ließen und infolge ihrer wirthschastlichen Uebermacht die wirthschaftlich Schwächeren, die Arbeiter, zwangen, am Sedantage nicht zu arbeiten. Seine Meinung ging dahin, daß diejenigen Arbeiter, welche sich stark genug fühlen, den 2. September sich bezahlen lassen trotzdem'den I. Mai feiern sollen. Wer sich nicht stark genug fühle, der solle keine Bezahlung verlangen, dafür aber den I. Mai feiern. Seiner Meinung nach hätten die Unter- nehmer dasselbe Recht wie die Arbeiter; jene feiern Sedan, diese den 1. Mai. Seine Meinung ging dahin, daß die Arbeiterschaft, die große Masse, erkennen müsse, daß sie heute nach dem Willen einer kleinen Zahl von Unternehmern unterthänig sei, obgleich sie ebenso machtvoll sei wie diese, wenn sie nur wolle. Ueber diese Angelegenheit fand noch ein längerer Meinungsaustausch statt, ebenso über die Zweckmäßigkeit einer liebevollen oder bösen Behandlung der Arbeiter von der Firma Schwintzer u. Greff, welche der Redaktion des„Vorwärts" eine saftige Karte geschickt hatten. Die Versammlung gelangte zu dem Beschlüsse, diejenigen Firmen, welche die Arbeitsruhe am 2. September den Arbeitern nicht bezahlt haben, im„Vorwärts" bekannt zu geben. Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf den Streik bei der Firma Dewitt u. Herz und den Schleifermeister Roth, welcher für die vorgenannte Firma Arbeit liefert. In einem Schreiben ließ Herr Roth der Versammlung bekannt geben, daß er ganz ahnungslos die Arbeit übernommen habe. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, über alle Werkstätten, die für Dewirt u. Herz Arbeit übernehmen, die Sperre zu verhängen, sowie den chirurgischen Justrumentenmachern zu enipfehlen, den aussichts- losen Streik aufzuheben und über die Firma Dewitt u. Herz die Sperre zu verhängen. Kiirschnermeister. Wir werden um die Veröffentlichung der folgenden Erklärung ersucht: In der Sitzung der Vereinigung der selbständigen Kürschner u» d'M ü tz e n m a ch e r vom 9. Septeniber wurde der Bericht der öffentlichen Versammlung vom 25. August im „Vorwärts" verlesen, m welchem unser Verein als ein den Jnuungszielen huldigender und den Interessen der Arbeiter ent- gegenstehender hingestellt wurde. Unser Verein verwahrt sich hiergegen, da er ganz genau dieselben Ziele verfolgt, welche sich die Arbeiterschaft gesteckt hat, nur mit dem Unterschiede, daß er es nach den bestehenden Verhältnissen nicht für absolut noth- wendig hält, daß nur eine politische Ansicht vorherrschend ein soll. Der Vorstand der Vereinigung selbständiger Kürschner und Mützenmacher Berlins. Linidoniaiiul-chaft der Schleswig- Aolfteiiier«u Kerli«. Tonulag, den 15. September, abends s Uhr, tn den„Oranien-Hallen, Oranienstr. 5i: Eeniülbliches Beisammenfetn mit Vorträgen und Tanz. Schölirberg. Arbeiter- Btldungsverein. Montag, den IS. September, abends s Uhr. bei Obst, Erunewaldstr. no: Versammlung. Diskussion d-S Thnnas:„Eozlaldemolratie und Landbevölkerung".«Käste habe» Zulritt. Unentgeltliche Broschürenausgabs. Merein der zilaschinisten, Aeiier und Berussgenossen Berlins und der Umgegend. Sonntag, de» is. September, nachmittags s Uhr, Oranienstr. ei: Versammlung. tliwariter- Kursus der Arbeiter und Arbeiterinnen. Sonntag, den eptcmber, nachmittags s Uhr, in„Tansfouci" zu Schmargendors: Ver- sainmlung und öfsentliäie Nebung in'Verbänden bei Unglücksfällen. Nach diesem die gewöhnlichen Spiele.— Montag, den l«. September, abends sz; Uhr, bei Bolz, Alls Jalobstr. 7ö: Letzte Versammlung und Uebungsstunde de? SommerkursuS. freie Bereinigung selbfläudlger Karbier« u. f. m. Montag, den eptcmber, abends 10 Uhr, bei BuSke,«Srenadiersir. ss i Versammlung, V orlesung und Diskussion über:„Die Lage der arbeitenden Klassen",«on Dr. Lux. Arbeiter- KIlduugStchul». Sonntag, id— Ii Uhr: Nord-Schule, Müllerstr. 179a, und Südost-Schule, Waldemarstr. u: Lellüre(unentgeltlich). Montag, abends ili—sx Uhr: Lektüre, ssj— ioX Uhr: Nord-Schule: Natur- Erkenntnib.(Fällt bis zum 7. Oktober au».) Südost-Schule: Vollithümliche Medizin.(Bau und Lebenserschetnungen de» gesunden und kranken Menschen. Theil U. Wärme, Stoffwechsel, Bewegungsapparat, Nerven, Sinneswerkzeuge.)— Bei allen UnterrtchtSsächern werden neue Thetlnehmer, Damen und Herren, jederzeit aufgenonunen r- und Kisliutirklub». Karl Marx, Montag, abends 9 Uhr, bei Mariendorserstr. c.„Ausklärung" jeden i. Montag im Monat Sitzung, jeden s. Montag im Monat Bücherwechsel bei Ferger, Scbasitan- straße 7S.— Mar Kayser, jeden Tonnraa vormittag» Ivsj Uhr im Restaurant Schömann/ Heimslr. l».— Franz. Buchholz, jeden Montag abends 9 Uhr bei Lange, Hauplfir. es. Arbeiter- Sängerbund Kerti»« und tzlnigegend. l. Vorsitzender: Ad. Neumann, Pasewalkerstr. 3. Alle Aenderunaen im VereinSIalendsr sind zu richten an Friedrich Kortuni, ManteuffelstraKe«o, v. s Tr. Zblontag. Abends 9— II, UebungSsiunde und Ausnahme neuer Mitglieder. Liedertafel der Maler, Annenstraße s, bei Ehrenberg.— Wied erhall, Röpenickerstr. m bei Foge.— Zukunstl, Steglitz, Ahorn» straße>ea, Schelhose-s KambrinuS.— Arbeiter-Gesangverein B orw ä r tslll, Lichlenberg-Frledrichsselde, PrinzenAllce« bei Karl Schulz.— Lieder- zweig, Maidmannslusl, Berlincrstraße bei Zerbe.— LtedeSsrethei, lk, Strausberg, Wrtetzenerslraße bei Look, Bürgergarten.—«lockenretn (gcm. Chor) Schönhauser Allee eo bei Höhne.— Syrene, Schönhauser Allee 9S bei Kcllc.— Arbeiter.- Gesangverein der E» t e r d l e n, Swineinguder- straße«o.— H ossnung II, Teutsch WilmerSdorf, Günzelsir. 99.— z e n- b lüthe, Zeughofflr. s, Resiaur. Behleudorf.— Gesangverein Siberte: Wrangelsir. 8< bei Redanz.— Männerchor Sangeslust II, Pasewalterslr. 9 bei Ad. Reumann.— Gesangverein Freiheit 9, gemischter Chor, Bernau. Hussitenstraßc,„Elysium".—„Harmonie s", Wetnstr. Ii, Restaurant Feindl.—„«lr in ig keil 9", Groß-Ltchterselde, Amaltenstr. bei E. Singer.— H t la rta, Blumenslr. 4« bei Tomatschcck.— Klingmülle r-scheS Doppelquartelt, Ncu-Wctßensce, Langhansstrabe bei Ww. Busch.— Süd-Ost II, Faltenfleinftr. 7 bei Driltelwttz.— A l p e n p e i Ich e n, ge- mtschtcr Chor, Ltndowerstr. s« des Sachse.— S o l i d a r i tä t, Oranien- straße 109 bei Greiser.—„F reya 2"(gem. Chor), Rirdorf, Hermannftr.<9 „Bittoria- Säle".— Wacht aus II, Erkner, Restaurant Seebad am Dämmeritzsee. K>»>d»er gesellige» Arbeiterverein» Kerti,>««»d Zlmgegen». (Alle Zuschriften, den Bund der geselligen Arbeitervereine betrestend, sind zu richten an P. Gent, Adalbertstraße 96.)— Sonntag: vergnüguugSverein „Helgoland II". Rüdersdorserstr. 46,„Gesellschasishaus Ostend", nachm. von 4— s Uhr.— Uloutng: Pfeisenkub Felsenfest, Andreasstraße 26 bei Wille.— Vcrgnügungsvcreln F-lsensest, Ripdors, Hennannstraße 2> bei Sornburg.— Karlenliub Lust ig eB rüder,«rauiNraß- 48 bei Ratlke.— esclltger Verein Fridolin, Brnnn-nstr. 96 bei Wolf.— Arbeiter- Zither- verein Einigkeit, abend« Uhr, Uebung bei Rowack, Manleustelslr.». Thcaterverein LtebeSglück. Große Franlsurterslraße 74 bei Breuer, an jedem l. und 9. Eon»lag im Monat. Arbeiter. Ka, icherb,«»d Kerlin«„nd Umgegend. Aendermigen im VereinSka iendcr sind zu richlen an Karl Pflug ,- Breilauerstraß« 9. Keller. üloxtag, abends von«-li Uhr: Klub. Abend und Ausnahm« neuer Mil- Nieder. R ouchklub A mba lema. Srünauerstr. 9 bei Golz.—»ld orado. pallisadenst r.«» bei Gtyer.— M« rgen r o t h. LandSberaer Allee 44 bei Rohland. 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Kaufhauses nach meinem eigenen Hause Spandauer Brücke S, was bestimmt bis Ende Januar 1896 erfolgen muss. te jrojjcii MmO wegen an den SonnnMen, Sonntagen nnd Montagen richte ich die höfliche Bitte mi jene Kundschaft, deren Zeit es erlaub», ihre Cigarren so Bedürfnisse gefälligst D i e n st a g, Mittwoch, Donnerstag und Freitag decken zu wollen. durch das Bestreben,»leine Mitarbeiter auch in der stillsten Zeit lohnend zu beschästigen(ivas ich stets als meine vornehmste Aufgabe betrachtete).— Was imll ich mit meiner Neform-Eigarre?! Die Fori» inciner!>!csorin-Cigarre beginnt an der Brandfläche zum Theil breit, zum Theil eng, um nach der Mitte hin breit zu werden und wiederum an der Nauchscite eng zu enden. Es wird dadurch ermöglicht, daß die Ansammlung des Nicotins höchstens zun» dritten Theil so stark sein kann, wie in den althergebrachten Formen, weil zur Ansammlung des Nicotins höchstens der dritte Theil des Raumes vorhanden ist. Es entgeht dadurch dem Raucher nichts vom Genuß und sind die nachtheiligeu Folgen vernunftgemäß bis auf ein Drittel zusaimnengeschmolzen, und kann somit Jeder den Stummel seiner Rcsorm-Cigarre niit der größten Gemuthsruhe, ohne Gefahr für sein körperliches Wohl rauche»; was. bei den alten Formen niemals der Fall ivar. dnrch den Ankauf verschiedener kolossaler Posten Rohtabake im Gesammtbetrage von über 100 000 Mk., cu Amsterdam, Bremen, Hamburg, sowie auch lombardirtcr Posten, aus den feinsten Geivächsen bestehend, als Havanna, I.u Cruz des Almas, Havanna He.vileo, Sit, Felix, Vorsten Java»c.»c., ferner durch Abschlüsse von ca. S Millionen Cigarren zu so billigen Preisen wie nie zuvor, sowie 5 Millionen Cigarren-Abschluss! „ AI..s:..-, rcr.. o � � � � S vCt.— 2000 Stück und darüber lo vCt. Rabatt.— Jedem Einkaui reiv. Ailftraae füae ich ein Zliitchen. enthaltend Bitte die Bedingungen für Berkauf und Versand anfmerksam Nur gegen Nachnahme oder vorherige Einiendnng des Betrages wird versandt. Der Besteller ». erlegt den Betrag nur als Unterpsand für die zur Prüfung empfangene Ansichls-Waare.— Entspricht dieselbe feinen Erwartungen nicht, so beliebe er die Waare»»frantirt zurückzuschicken,— woraus sofort die Rücksendung des Betrages, sowie der Auslagen erfolgt.- Po» dieser Schadloshaltung des EinpfängcrS bitte ich de» ausgieblgfien Gebrauch z» machen.— Unter Ivo Stück von einer Marke werden nicht abgegeben. WO Stück und darüber sranco über ganz Deutschland. Bei Entnahme von SOO Stück 3 vCt— 1000 Stück i Marko» Schweizer Ci 4 Marken Schweizer Cigarren und" zwar „A"„B"„C"„D" Marl£e„A"co.9 cm lg., HavanilloslO« Stck. 1,20 Hh. Ularlie„»« ca. 8om„ 100 Stck. 1,35 Mk. Marke„C" ca. 9 cm„ 100 Stck. 1.50 Mit. M arke ,,»« ca. 10cm„ 100 Stck. 1,75 Mk. 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Deli- Decke). ca. 107, cm lang, ca. 57, cm Umf., leidenden Rauchern zu empfehlen, von durchaus lieblichem Geschmack, ein ~"ch. edler.W�'---- Ä1— Gemisck enthaltend überseeischer Tabake, wenig Nicotin .... per 100 Stck. 4,00 Mk. em- Mk. ca. 97, cm lang, S7, cm Umf., hochfeine Brasil- Einlage und Deli-Decke; diese Mischnnj pfiehlt sich allein.... per 100 Stck. 4,5� KT Relorm- Cigarrc II. Für Gesunde und Leidende, das Kostbarste in Geschmack u. Aroma, mit Holzspitze in jeder Eigarre, Deli-Maatschappy. hochfein, rein überseeisch, mit Para- Euba in der Einlage, ca. 117- cm lang, 5', cm Uinfg. per 100 Stück 4,50 Mk. Marke Termala, ca. 107- cm lang, ca. 57j cm Umf. Eine in ihrer vollendeten Forin sowohl wie durch ihre köstliche Mischung hergestellte Eigarre aus milden, vollen und iviirzigen, edlen überseeischen Tabaken, mit ostindischer Decke, deren außer- ordentlich hervorragende Eigenschaften Jeden immer mehr interessiren werden, je länger er sie raucht per 100 Stck. 5,00 Mk. ea. 107, cm lang, ca. 4V, cm Umf. Die Krone aller Havana- Dabake. der Gipfel köst- lichen Aromas und mildesten Geschmacks, ist die Eigarre mit 12 Mk. per 100 Stück nicht zu hoch be- zahlt. Durch de» vortheilhaftcn Einkauf von über einer halben Willion verkaufe ich dieselbe mit per 100 Stck.«.00 Mk. Fi Marke Vuelta Abajo, Marke IloIlUndische Cigarren, Prima Rcm- brandt van Kjn Nr, 3 per 100 Stck. 5 Mk.— Nr. 2 per 100 Stck. 6,50 Mk.— Nr. 1 per 100 Stck. 8 Mk.— Die Länge dieser 3 Marken ist ca. 15 cm, der Umfang ca. 43/4 cm. Nur aus den besten überseeischen Tabaken, kein deutscher Tabak. Alleinverkauf für Deutschland. Damit jeder Raucher sich ein Bild voit dein Geschmack und Gewicht der so verschiedenartig in der Cigarrc zusammengestellten Tabake machen lernt, verrathe ich ihm in folgendem Preisverzeichniß: Bas Ctaheimniss der Cigrarren-Fabrikation! Mandi Angin- Decke, 5 Psd�Deli-Umblatt, 8 Pfd. Marke Sumatra.» 17- Psd. Sumatradecke, 4 Pfd. Domingo-Umblatt, 4 Pfd. Brasil-». 4 Pfd. Java-Einl., zus. 137- Pfd. ca. 10 cm lang, 5 cm Umf. 100 Stck. 4 Mk. Marke Vorsteu-Java.* Neform-Faxon, 27, Pfd. Borsten-Java-Decke, 5 Pfd. Domingo-Umblatt, 8 Pfd. Felix-Einlage, zus. 157- Pfd., ca. 12 cm lang, 57. cm Umfang. 100 Stck..... 4,50 Mk. Marke St. Felix.'» Neform-Faxon, 6 Pfd. St. Felix- Decke, 5 Pfd. Deli-Umblatt, 3 Pfd. Vorsten- und 2Pfd. la Cruz des Almas-Einlage, zusammen 16 Pfd. ea. 10»,. cm lang, 57, cm Umfang, 100 Stck. 5Mk. Marke Mandl Angin.'» Resorin-Faxon. 2 Pfd. Felix-Einlage, zusanimen 15 Pfd., ea. IG/, cm lang, 57? cm Umfang. 100 Stck...... 5 Mk. Marke Deli 11 a.* Neform-Faxon, 2 Pfd. Deli- Decke, 5 Pfd. Mandi Angm-Utnbl.» 7 Pfd. St. Felix, n. 2 Pfd.Haoana-Einl., zusammen 16 Pfd., ca. 12 cm lang, 57? cm Umfang..... 100 Stck. 6 Mk. Marke Brillante Felix.* Reaalia-Faxon, 6 Pfd. Brillante Felix-Decke, 6 Pfd. Vorstenlanden-Uinblatt, 8 Psd. St. Felix-Einlage, zusammen 20 Pfd., ca. 14 cm lang, 6 cm Umfang, beschnitten und unbe- schnitten......... 100 Stck. 6 Mk. Dieselbe Marke in Reform-Faxo» 100 Stck. 6 Mk Marke Tandem.* Neform-Faxon, 2 Psd. Deli-Decke. 4 Pfd. Deli-Maatschappu-Uniblatt, 3 Pfd. Havana und 5 Pfd. St. Felix-Einlage, zusammen 14 Pfd., ea. 10 cm lang, 57, cm Uinfang. 100 Stck.« Mk. Marke vier Havana.* Reform-Faxon, 2 Pfd. Havana-Decke, 4 Pfd. Ceneinba Deli-Umblatt, 1 Pfd. Havana u. 4 Psd. St. Felix-Einlage, zus. 11 Psd., ea. 10 cm lang, 57, cm Umf. 100 Stück 6,50 Mk. Marke 94er Havana.* Neform-Faxon, 2»- Pfd. Hav.- Decke, 5 Pfd. Deli 0 a- Umblatt, 8 Pfd. a Cruz des Alinas-Einl., zus. 157, Pfd., ca. 117- cm ■i laug, 57? cm Um Marke Havana Mexiko.* eohbarsteui E-schmack und Arcina. wie sie „Slocki etwa»" will ich ans dein.... zufügen. Nichts steigert den(Nennst einer Cigarre mehr, wie der Wechsel der Onalität, wie uns die köstlichste Speise verleidet wird, wenn wir sie unabläbtich gemesten, so auch eine Cigarre bei dauerndem«Nennst. Mc 100 St. 7,50 Mk. Reform-Faxon, 3 Pfd. Bei Aufträgen wolle man gefälligst hinzufügen, ob die Cigarre frisch von der Hand de» Sioller» Iveg oder trocken gelagert gewilnlch» toir», ob träftig oder mild. Die mit einem* bezeichneten Marke» doeumentiren jenen wundervollen Geschmack, jinch im frischen Zustande geraucht, der bei dem pafnonirten Raucher echt importirter ausübt. Sämnitliche Cii � Cigarren eine so bestrickende Wirkung -ämmtliche Cigarre» sind tadellos im Brande. Inftend und von Suche meiner eigenen Erfahrung nnd dnrch den Verkehr mit Nanchern'hin- ""~ i»S di Schuhe und Stiefel in elegantester Ausführung, aus bestem Material hergestellt. tm <0UV|CUI ÜÜCl ViHUÜtlüUC- Achtung!! Bei k ferffmifniil Stfigfruiig gpltfr W liegt t§ Interesse des geehrten Publikums, ko"°�al�V°?rii!h7n soviel als möglich zu kaufeu, da voraussichtlich in beschränkt absehbarer Zeit Lederwaareit sich um»iindestellö 30 biö 50 pCt. im Preise erhöheil werden. f f Trotz vorhergegangrner peinlichster Kontrole könne» sich an de» von mir in den Handel gebrachten Waaren, ganz gleich ob bei Herren-Garderobe, Schuhwaaren oder Cigarren zc. jc. ♦ nicht sofort sichtbare Mangel herausstellen, ivelche den Käufer glauben macheu kömiten, minderwerlhige Waare erhallen zu haben.— Gdre» meinein alten Prineip, bleibt keine Nerlamation unberücksichtigt. Der Käufer empfängt— ganz nach Belieben— entweder neuen Ersatz in Waaren— oder sei» Geld und Auslagen, sowie— ausgiebigste Eutschädigimg für die gehabte Mühewallung— und bei Stiefeln oder Garderobe— wenn thunlich— die getragenen Gegenstände reparirt dazu, ohne einen Pfennig dafür zu bezahle». Sänuntlichc hier folgende Schuh- und Ttiefelsorte» könne» S5—50"/„ unter nachstehenden Preisen verkaust werden, wen» dieselben aus Faetis(sogenanntem Kuiistleder, welches auS Lederpappe und Gummi zusammengesetzt ist) im Znchthause hergestellt sind. Jeder Käufer solcher Waare ist»m sei» ausgegebenes Geld betrogen. Jede«„mestier" Schuhwnareufabrikate ist auf das Peinlichste und Reellste von bestem Material hergestellt, nnd übernehme ich für die Haltbarkeit volle Garantie. Die nüt einem* bezeichneten Artikel sind ausnahmsweise theils niit Faetiszuthateu in der Einlage hergestellt, da sie sonst ihren Zweck— sehr leicht zu sein— nicht erfüllen würden. Diese Artikel sind als solche auch die reellsten und werden nicht anders in den Handel gebracht.— Es lebt rm Publikum die Anschauung, daß jene Einlage, die sich in Schuhwaaren zwischen Sohle und Brandsohle besindet, minderiverthig ist, sobald sie aus Spahn und nicht aus Leder besteht.— Diese Ansicht ist eine irrige.— Die Spahneinlage ist um mehr als das Vierfache theurer als das Leder, welches man hierfür zu verwenden pflegt.— Spahneinlage ist nicht nur leichter, sondern auch in sanitairer Hinsicht mehr zu empfehlen als Leder.— Aus die Haltbarkeit übt die Einlage keinen Einfluß aus.— wurde meine Eoulanp vielfach insofern, als inan von mir Entschädigung für fehlerhafte Waaren verlangte, die bei unreeller Eoncurrenz gekauft worden sind.— Hin derartigen Auswüchsen unreeller Käufer entgegenzutreten, habe ich seit Jahresfrist Entjchädigungskarten cingeftihrt.— Jeder Käufer erhält eine solche und hat dieselbe aufzubewahren den» nur gegen Vorzeigung einer Entschädigungskarte»Verden Rcrlamationeu berücksichtigt.— Für auswärtige Käufer genügt die empfangene Rechnung— Roftleder Knabeustiefel zum Schnüren, inst Agraffen, genagelt, bis 187- cm....... 3,25 Mk. Dieselben bis 22 ein........ 4,25 Mk. Dieselben bis 26 ern....... 5,50 Mk Rostleder-Mädcheustiesel, z. Kilöpfen bis 18'/- em............. 3.25 Mk. Dieselben bis 22 cm........ 4,25 Mk. Dieselben bis 26 cm........ 5.25 Mk. Kalbleder-Kuopf- u.Agraffenftieselbis 18 cm 5,00 Mk. Dieselben bis 22 cm........ 5.75 Mk Tatin Kalbleder-Knopfstiefel, auf Rand gelb genäht, bis 18 cm............ 5,50 Mk. Dieselben bis 22 cm......... 6,50 Mk. Erstling-, Baby- nnd Mädchenschuhe' von Leder und in größter Auswahl und jeder Ausführung sowohl schwarz als farbig am Lager; Wiederverkänfern geivahre schon bei Entnahme von 1 Dtz. Paar Rabatt. Für Gummischuhe u. Guinmisohlen, obgleich zu den besten Fabrikaten gehörend, übernehme keine Garantie u. sind solche daher von jeder Reclamation ausgeschlossen. Das Besohlen(Keruleder, echte Luxemburger Eichen-Loygerbung) derHcrrcnstiefel eiuschltetzlich der Absätze berechne ich mit 2,40 Mk., genäht 10 Pf theurer; desgleichen Dainenstirfel 1,75 Mk.— genäht 10 Pf. theurer. Auf Wunsch Anfertigung nach Mast— Für Dame» ist in besonderen Räumen weibliche Be> dienung vorhanden. (Hervenstiefel.) EinsegmmgSstiefcl für Knaben, Noßleder auf Rand genäht mit Gunlinizna, 22—24 cm.,. 5,50 Mk. Dieselben satinirtRoßlcdcr in glattem Oberleder oder mit Besatz u. Knopfverzierung genagelt u. gestuppt, 22—24 ein., Handarbeit....... 6,50 Silk. Rindleder- Schaftstiefel ungeschiv. in starkem oder schwachein Oberleder Handarbeit genagelt 5,50 Mk. SPecialitäck: Rindleder- Zugstiefel in prima auS- gesuchter, frischer Waare,— Vollleder ohnc Seitcnnaht, eigenes Fabrikat, Handarbeit, das Beste, das ich jc geliefert habe,.......... 6,00 Mk Specialttä«: Rindleder- Schaftstiefel ungefchwürzt in prima ausgesuchter Waare, eigenes Fabrikat, Handarbeit.............. 6,50 Mk Spiegel-Roftleder-Zugstiefel ohne Seitennaht, genagelt eigenes Fabrikat, Handarbeit.... 7,25 Mk. Spiegel-Roh-Zugsticfcl ohne Seiteimaht, doppel- sohlig. genagelt, eig. Fabrikat, Handarb. 8.50 Mk. Rotzledur-Zugstiefel, a.Raud genäl>t,Handarb.8,2SMk. Rohleder-Zugstiefel mit Besatz, Knopfoerzierung und durchlochter Kappe ebenfalls..... 8,25 Mk Spiegel-Rostleder-Zugstief., gewalkt, Oberled. auS ein. Stück, auf Rand genaht(Handarbeit), eigenes Fabrikat............. 9,50 Mk. Bergsteiger- Schnürstiefel von Noßleder mit Agraffen, auf Rand genäht......... 9,00 Alk Kalbleder-Zugstiefel, auf Rand genäht, Handarbeit............ 9,50 Mk Kalbledcr-Zugsticfel, Karlsbader Fabrikat auf Rand genäht, Handarbeit mit Zwischensohle. 11,50 Mk. Rvstlcdcc-Kellncrschnhc, genäht, mit zwei Gummizügen Rostleder-Halbschuhe mit Gummizug und Knopf- Verzierung............ 5,00 Mk Rostleder-Besatz-Halbschuhe, zun» Schnüren oder mit Guinmizug, auf Rand genäht.... 6,50 Mk. Zatinirt Roftleder-Halbichuhe, auf Rand genäht mit Besatz in noch eleganterer Ausführung mit Gummizügen, oder zum Schnüren, Handarbeit 7,50 Mk. Lederpantosfel' auch Schlappe» genannt, durchgenäht 2,35 Mk (Damenstiefet.) Lederpautosfeln, auch Schlappen genannt, bis 25 cm Länge........... 1,60 Mk Rofchcder- Hausschuhe, ausgeschnitt., genäht 2,90 Mk. Gemsleder-Promciiadcnschnye*, ausgeschnitten, mit Schleife und Spitzkappc....... 2,75 Mk Dieselben mit Lederabsatz..... 3,50 Mk. Kalblack-Pronienadenschnhe*, ausgeschnitten 3.50 Mk. Dieselben mit Lederabsatz*....-t 25 mit Dieselben mit Lcderabsatz, einbällig, (Chic-Schuhe).......... 4,25 Mk durchgenäht , 4,50 Mk Roftleder-Schnürschuhe, genäht.... 4,50 Mk. Dieselben mit Gummizug ebenfalls.. 4,50 Alk. Rotzleder-Zugstiefel, S"hochiin Zuge, genäht 4,50Mk. Dieselben mit eleganter Lackkappc,(i" hoch im Zuge, auf Rand genäht...... 5,90 n. 7,00 Alk. Kalblrdcr Halbschuhe zum Schnüren oder Knöpfen auch mit Lackblatt......... 6 25 Mk. Rotzleder-Knopfstiefel, aus Rand genäht, mit aus- genähten Knopflöcher»... 7,25 und 8,25 Alk Satin-ttalbleder-Zugstiescl, mit und ohne Lackspitze, auf Rand genäht, 6" hoch im Zuge 7,75 u. 8,75 Mk. Glac6-Zugstiescl, sammetweich, auch mit Lackblatt, sehr hohes Faxon, auf Rand genäht.. 8,25 Mk. Tatin- Kalb- Knopfstiefel, auf Rand gelb genäht 9,00 u. 10,00 Mk. Glace-Kuopsstiefel, sammetweich, in vorstehender Ausführung, mit ausgenähten Knopflöchern, auch mit Lackblatt....... 9,50 u. 10,50 Mk Dieselben rings mit Kalblackbesatz 9.50 u. 10,75 Mk. (Kinderstiefes.) Bersand-Bedingungen!?cauca,ur 6e'm a)etinub Roftleder- Halbschuhe zum Schnüren, bis 18 ern............ Dieselben bis 22 ern........ Roftlrder-Zugschuhc, genagelt, bis 13 ern 22 ern 3,25 Mk., bis 25 cm(einbällig). genagelt, 2,50 Mk 3,25 Mk. 2,75, bis 3,90 Mk. __ berechnet. Umtausch Porto Auslage» trägt: doch tritt letzterer Fall nur deshalb»ich! ei», weit jeder von Seiten meines exvcdirenden Personals vorgekommen ist, trage ich felbftvcrftSndiick, sammtliche Auslagen. Es ist erforderlich, beim«»jirobirci, Äiie'Dickr'uiiterzUeaem dänitt dic'SoRe'niZt'"bck»m!ät"mi!>>"' Um w««„a wolle nia»«inen Stab in de» getragenen Sttesel-inpasse» und das Maß in Centinietern-ng-b-n. mit der B-in-rkuitg. ob Spann hoch oder niedrig°om>t o.c �oy.e n:q>t oeichmi.tzt wird. Um das Map die kcit festzustellen, Jacqnes Raphaeli, Berlin, Hauptgeschäft: Neue Pioinenade 8. gegeullber Stadtbahuhof BSrse. Zweiggeschäft: Spaudauer vriicke Nr. S. Fabrik für Cigarre», Schübe u. Stiesel Gerrenaarderobe«iköre t/T SäunntlicheAbtheilungen meines EtablifsemeutS find Sottn- ,.ud Feiertags wäl.r-,.d der volizeilicherfeits erlaubt7» Stu.tden geöü� Mein Inserat Herren- u. Knaben-Karderobe_ fictic Seite ä,«. Beiblatt. 5 pCt.— 2000 Stuck»ud darüber 10 pCt. Rabatt.— Jedem Einkauf resp. Auftrage füge ich ei» Kistchen. enth 5 Cigarre» in verschiedene» Marken, mit Preise» versehen, als Geschenk bei, wen» sich der betreffende Besteller ans diese Zeitung bezieht. Die Marke» bis zuinPriife von einschliesslich 2.25 Mk. per 100 Stück sind von Rabattgemährung, Francatür und Gratiftcalion ausgeschlossen nnd werde» 10 Pfg. bei diese» billigen Marken für Perpacknng berechnet. Cigarrc» von jeder Marke könne» probeweise unentgeltlich geraucht werde»! dasselbe gilt auch bei persönlichen Ein- kaufen. Neclamationen können nur innerhalb lö Tage vom Tage de- Versandes an berücksichtigt werden. Mir Nur unter diesen Bediiignngen wird versandt und verlauft. „Meiik Marke Rose von Schiras" Ranliääli III ca. U'/jcm lang, ca. 57, cm rcapnaeii in, Umfang, per 10« Stck.« Mk. Bei der Einführung dieser Cigarre im April 1893 setzte ich zwar voraus, daß sie den Beifall der raffi- nirtesten Feinschmecker finden und viel gekauft werden wird.— Der Consuni hat jedoch meine kühnsten Erwartungen weit übertroffen. wni-ii.. Raniiaöli I ca. 137, cm lang, ca. 67< ern hAPIISeil I. umf. Groß-Regalia Bockfaxon per IOO Stück jetzt nur 7,50 Mk. t&T Neue Marke Oeneral, ca. 107, cm lang, ca. 57, ein Umfang.„Mit dieser Havana- Cigarre, mg der allcredelflen nur den raffinirtesten den unversöhnlichsten Widersacher stutzig ztt mächen, und behaupte von ihr, daß sie in Bezug auf Preiswürdigkeit nicht ihres Gleichen findet." Dieselbe kostet per 100 Stück 9,— Mk. Mexiko-Decke, 5 Pfd. Deli-LA-Umblatt, 3 Pfd. 94er Havanna, 6 Pfd. La Cruz des Almas-Einlage, zusammen 17 Pfd., ca. 117, cm lang, 57« cm Umf. 100 St. 9 Mk. La flor Havana.* Resorin-Faxon, Handarbeit. 4 Pfd. 94er Havana- Decke, 5 Pfd. ITF Deli-Umblatt, 4 Pfd. Brillante Felix und 5 Pfd. Havana, 91er Einl., ztif. 18 Psd., ea. 12 cm lang, 57« cm Umfang 100 St. 12,50 Mk. Diese Cigarre wird von Kennern hSher wie echt iinportirte Havana-Cigarren geschätzt. Bei sämmtlichenMarke» versteht sich angegebenes Gesamnitgewich« pro 1000 Stück. > daZ ans der Iusan»»i»stellu»a der durchweg edlen Tabake von selbst ergicbt. s 3. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt Ur. AIS. Sonntag, den 13. September 1893. 13. Jaljrg. Russisches. Ein vevtraulicher Brief Dtmiotvo's an Pobedonofzew. Wir sind in der Lage, ein bisher nirgends veröffentlichtes gehe: m e s Akten st ück der zarischen Regierung, ivelches ein Helles Licht aus die inneren sozialpolitischen Kampfe in Rußland wirst, hier mitzutheilen. Es ist das ein Schreiben des Ministers des Innern I. R. Durnowo an den Ober prvkurator der heiligen Synode, K. P. Pobedonofzew. Dieses Schreiben, welches die Inschrift G a n z v e r t r a n l i ch", das Tatun» � vom 18. Marz l8SS und die Nummer LK03 tragt, wird im folgenden auszugsweise in sinn getreuer Ucbersetzung wiedergegeben. Es spricht eine genug beredte Sprache und wir haben zu seiner Er läutern» g nur weniges zu sagen. Die charakteristischsten Er scheinungen der letzten Zeit in Rußland sind die Entwickelung des Kapitalismus und das geistige Erwachen der Volksmassen Einerseits zwingt die wirthschaftliche Entwickelung mit elcnien- tarcr Gewalt den Staat und die herrschenden Klaffen, dem Volke gewisse Bildungsquellen zu eröffnen, andererseits aber muß die absolute Regierung aus jeden Schritt und Tritt gewahr werden, daß dem Kapitalismus und der Bildung der Geist des Aufruhrs und der Empfänglichkeit für revolutionäre Ideen auf den Fersen folgt. Und der russische Staat kämpft mit allen seinen Polizei lichen Mitteln und Mittelchen gegen die wachsende Gefahr an Ter Veckehr der sogenannte»„Intelligenz" mit den Leuten aus da»„Volke" und insbesondere mit den städtischen Arbeitern wird strengstens überwacht und jeder propagandistische Versuck) grau- sam geahndet. Bei der Ertheilung einer Genehmigung, an Volks- schulen und insbesondere an den„Sonntagsschulen" für er- wachsene Arbeiter zu unterrichte», werden die Kandidaten pein- lich auf ihre politische Gesinnung hin geprüft, alle verdächtig ge- wordenen Elemente sofort entfernt. Aber die polizeiliche Kon trolle soll— meint Herr Durnowo— noch verschärft werden es genügt nicht, daß im Jahre 1891 die Sonntngsschulcn voR ständig dem ganz ungebildeten russischen Klerus ausgeliefert worden sind, die Pfaffen sollen hinfort nur im E i n v e r st ä n d n i ß mit den G e n d a r m e n die Volksbildung überwachen. Es ist nicht das erste Mal, daß Herr Durnowo einem Kampfe gegen den Absolutismus begegnet, welcher„auf legalem Boden" gc führt wirt» Mit den Fortschritten der rvirlhschaftliche» Ent Wickelung streift die russische revolutionäre Bewegung immer mehr den Charakter der Verschwörung ab, der revolutionäre Geist dringt unaufhaltsam in diejenigen Klassen der Gesell« schaft ein, in deren Lebeusinteresse es liegt, den Absolutismus zu stürzen. Die Klasseninstinkte der Arbeiter und der Kleinbürger bilde» sich zum politischen Klassenbewußtsein um, die politische Propaganda der revolutionäre» Intelligenz, welche immer mehr für die Lehren des wissenschaftliche» Sozialismus gewonnen wird, fängt an, an die Klasseninslinkte der revolutio- nären Bevölkerungsschichlen zu appelliren. Und mit jedem Fort- schritt der wirthschafllichen Entwickelung werden die russischen Minister immer rathloscr vor dem„revolutionären Kampfe auf legalem Boden" stehen. Ist doch selbst Ällexauder III., der Gönner des russischen Kapitalismus, von der Mitschuld an der Revolution aus legalem Boden„nicht freizusprechen"!! Diese Art der Ro volution ist viel gefährlicher für den Absolutismus, als der heldenmüthigste terroristische Kampf. Mögen die russischen Sozialdemokraten immer mehr ihre revolutionäre Thätigkeit legalisircn— im Sinne des Herrn Durnowo. Zluf diesem Wege werden sie unfehlbar zü ihrem nächsten Haupt ziel, dem Sturze des Absolutismus und Erkämpfnng der poli- tische» Freiheit gelangen. Höchst bezeichnend ist der Hinweis des Chefs der russischen Polizei darauf, daß heute die Lehren von Marx und Engels den Ideengehalt der russischen revolutionären Bewegung ausmachen. Die russische Sozialdemokratie hat ein für allemal den Bakunin'schen Theorien als praktisch- revolutionären ein Ende gemacht. Dieser ungeheure Fortschritt konnte auch der zarischen Regierung nicht entgehen. Hier die Auszüge: „Hochgeehrter Herr Konstantin Petrowitsch! Die im Lause der letzten Jahre eingelaufenen Berichte bezeugen, daß sowohl in politischer Hinsicht verdächtige Personen als auch ein Theil der studirenden Jugend gewisser Richtung bestrebt sind— nach dem Vorgange der sechziger Jahre— als Lehrer, Lektoren, Biblis thekare u. s. w. in die Sonntagsschulen einzutreten. Dieses syste malische Bestreben, welches, da alle Aemter in genannten Schulen unentgeltlich bekleidet werden, nicht einmal durch Erwerbs- rncksichtcn gerechtfertigt werden kann(sie!), beweist, daß besagte Erscheinung nur ein Mittel für die regierungsscindlichen Ele niente darstellt, auf legalem Boden de» Kampf gegen die in Rußland bestehende staatliche und gesellschaftliche Ordnung zu führen"................... „Aus den eingelaufenen Berichten ersieht man, daß nicht nur unter den Lehrern sich Personen politisch schädlicher Richtung befinden, sondern daß auch nicht selten die Schulen selbst unter geheimer Leitung ganzer Zirkel politisch verdächtiger Leute stehen, welche, ohne dem. ossiziellen Schulpersonal anzugehören, ans Aufforderung der von ihnen gestellten Lehrer und Lehrerinnen Abendvorträge halten und sich mit den Schülern beschästigen, wobei in einigen Schulen auf je einen Schüler e i n nicht offizieller Lehrer entfällt. Obgleich die öffentlichen Vorträge i» den Schulen dieser Art auf grund der Allerhöchst bestätigten Ordnung vom L4. Dezember 1876 zugelassen und Vorlesungen religiös-sittlichen Inhaltes von den Diözesenbischöfen unter der Aussicht der aä hoc delegirten Personen gestattet werden, giebt jedoch schon die Möglichkeit allein, daß solche Vorträge von außenstehenden Personen gehalten werde», dem Eindringen von direkt revolutionär gesinnten Leuten den weitesten Spielraum. Solche Personen werde» es selbst- verständlich verstehen, jeden Gegenstand und beliebiges Programm dazu zu benutzen, um den Zuhörern, freilich mit Vorsicht und in gewisser Allmäligkeit, regierungsfeindliche Ideen beizubringen." Als vortreffliche Illustration hierzu führt Durnowo einen bei der Gelegenheit einer politischen Haussuchung beschlagnahmten Brief eines Sonntagsschul-Lehrers an, dessen Identität bis jetzt nicht festgestellt werden könne. Der Brief, ans welchem Durnowo ein längeres Zitat mittheilt, handelt über die Tendenzen und Ans- gäbe der geschichtlichen Vorträge in den Sonntagsschulen und weist auf die Nothwendigkeit hin, das kollektive Bewußtsein, das Klassenbewußtsein zu betonen. Des weiteren wird darin aus- geführt, daß auch geschichtliche Vorträge nur dann von Nutzen seien, wenn man Vergangenheit und Gegenwart zusammenhalte, denn nur die Kenntniß der uns umgebenden Verhältnisse schaffe „Bewußtsein und Aktivität". „Abgesehen davon", fährt Herr Durnowo fort,„hat das Ministerium des Innern auf geheime Weise folgendes Programm eines öffentlichen Vortrages in einer der Moskauer Sonntags« schulen in Erfahrung gebracht: Entstehung der Gesellschaft. Die Urgesellschaft. Die Entwickelung der gesellschaftlichen Organisation. Der Staat und wozu ist derselbe da. Ordnung, Freiheit, Gerechtigkeit. Formen der Staatsverfassung. Absolute und konstitutionelle Monarchie. Die Arbeit als Grundlage des allgemeine» Wohlstandes. Nützlichkeit und Reichthum. Produktion, Tausch und Kapital. Wie verlheilt sich der Neichthum. Die Verfolgung des Selbstinteresses. Eigenthum und inwiefern dasselbe nothwendig ist. Die Emanzipation des Bauern mit Grund und Boden. Grundrente, Prosit, Arbeitslohn. Wovon hängt der Lohn und seine Formen ab. Sparsamkeit. Ein Vor- trag nach diesem Programm, welches unbedingt in eine Volks- schule nicht gehört(sie! ÜB. In den Sonntagsschulen werden fast ausschließlich Erwachsene unterrichtet), giebt dem Vor- tragenden vollkommen die Möglichkeit, seine Hörer allmählig in die Lehren von Karl Marx, Engels u. f. w. einzuführen, obwohl die von dem Diözesenbischof mit der Aussicht beauftragte Person kaum imstande sein wird, in dem Vortrage die Elemente der sozial- demokratischen Propaganda zu entdecken." Des weiteren führt Herr Durnowo als Beweis für das Ein- dringen von rcgicrungsieindlichen Elementen in die Sonntags- schulen mehrere Namen der Lehrer und Lehrerinnen in einer Fabrik-Sonntagsschule in Moskau und in de» Sonntagsschulen in Elez(Gouv. Orel) und in Tiflis an. Die genannten Per- sönlichkeiten seien notorisch revolutionär gesinnte Leute. „Indem ich Ew. Exzellenz das oben Angeführte mittheile, halte ich es für meine Pflicht, hinzuzufügen, daß meinem Dafür- halten nach es dringend nothwendig erscheint, die wirksamsten Maßnahmen zu ergreisen, um die Möglichkeit zu be- seitigen, daß Leute, welche nicht zu den» offiziellen Personal der Sonntagsschulen gehören, als Lektoren auftreten und überhaupt irgendwie, selbst in indirekter Weise, an dem Unterricht resp. der Leitung desselben theilnehmen." Als„sehr erivünscht" bezeichnet terr Durnowo Herrn Pobedonoszew gegenüber, daß die iözesenbischöfe, bevor sie jemand zum Unterrichte in den Sonntagsschulen zulassen, die Polizei über die politische Gesinnung des betreffenden Kandidaten befragen, und fordert Pobedonoszew.auf, eine entsprechende Verfügung in seinem Ressort zu machen. ** * Ntissischc Gefniifftiisjstaiistik. Anläßlich des vor kurzem in Paris getagten internationalen Kongresses über Gefängnißwesen hat der„Vorwärts" schon eine, dem an den Kongreß gerichteten Brief der sozialistischen Partei Polens entnommene Schilderung der russischen Gefängnißzustände gegeben. Den jährlichen Berichten, welche von der Hauptver- waltung der russischen Gefängnisse herausgegeben werde», ent- nehmen wir nun noch folgende statistische Daten über das Ge- fängnißwesen in Rußland. In allen der Hauptverwaltung unterstellten Gefängnissen des europäischen und asiatischen Rußlands, Untersnchungs- und Transportirungsgesängniffen, Zuchthäusern zc. befanden sich (einschließlich der Frauen und Kinder, welche ihren Familien Häuptern freiwillig in die Verbannung folgten und sich daher auch in Transportirungsgefäugnisse» aushalten mußten) Jnsgesammt Männer Frauen 607 732 96 641 710 6S4 107 291 741416 113 940 727 971 114 758 diesen Zahle» die Im Jahre 1869 1390 1391 1892 Rechnen wir in inhastirte Personen 764 373 817 945 855 356 842 729 ihnen nicht mit ein- begriffene Bevölkerung der Gefängnisse, welche der Haupt- Verwaltung nicht unterstellt sind, also der Militärgefängnisse, derjenigen, welche der bäuerlichen Selbstverwaltung unterordnet sind, wie auch derjenige» des transkaspischen Gebiets hinzu, so können wir getrost sagen, daß in Rußland jahraus jahrein eine Million Menschen hinter Schloß und Riegel schmachtet. Das Transportirungsgesnngniß von Tjumen, welches das Reservoir ist, durch das sich die ganze Masse der auf dem Land- wege nach Sibirien transportirten Verbannten ergießt, passirtcn Verbannte aller Kategorien auf grund von Gerichtsnrtheilen für Kriminalverbrechen, sowie auch auf administrativem Wege sür politische Vergehen Verurtheilte einschließlich der ihnen freiwillig solgcnden Frauen und Kinder: Im Jahre 1839: 18 363 Personen 1890: 20 106 „ 1891: 20 727 „ 1892: 17 160 Was in 5 Jahren die Sunime von 76 356 Personen aus- macht. Außerdem werde» auf dem Seewege ans Odessa nach Sibirien(hauptsächlich»ach Sachalin) transportirt: Im Jahre 1689: 1162 Personen beiden Geschlechts „„ 1890: 1141 „„ 1891; 1442 „ 1892: 1583 Also in 5 Jahren insgesammt 5323 Personen. Rechnen wir sie den aus dem Landwege transportirten hinzu, so sehen wir, daß im Lause von 5 Jahren 81 684 Personen in die Verbannung nach Sibirien gegangen sind! Der hohen Anzahl der Inhastirte» und Verbannte» ent- sprechen auch die Slusgaben für das Gefängnißwesen. Für das- selbe waren bestimmt im Staatsbudget des Jahres 1889: 14 370 052 Rubel') 1890: 14 351 602 1891: 14 875 331 1892: 14 802 205 1893: 14 763 095 In 5 Jahren verschlangen also die Gefängnisse Rußlands die Kleinigkeit von 73 162 285 Rubel. Von dieser Summe entfieleu allein auf die Ausgaben sür den Transport der Verbannten nach Sibirien: Im Jahre 1889: 1099 949 Rubel „ 1890:1 134 022 ,. „ 1891:1226021„ Abgesehen von dem unsäglichen Elend des russischen Volkes, welches dasselbe mit elementarer Gewalt zu Verbreche» treibt, wie auch von der politischen Verfolgungösucht der russischen Regierung, auf deren Konto namentlich ein nicht unbedeutender Bruchlheil der Zahl der nach Sibirien Verbannten zu setzen ist, kommt für Rußland noch eine Ursache der großen Bevölkerungszahl der Gefängnisse in betracht. Nehmen wir die im vorigen Jahre im Druck erschienenen Miltheilungen des russischen Justizniinisteriums über die Kriminalgerichts- Verhandlungen im Jahre 1889 zur Hand, so sehen wir. daß von den in jenem Jahre verurtheilte» 80 059 dem Bauernstande gehörigen Personen nicht weniger als 64 206 Analphabeten waren. Bei Erhöhung der Ausgaben für die Volksbildung würde die russische Regierung sich ivenigstens einen Theil der enormen Summe, welche sie sür die Gefängnisse auswirst, erspare». Doch scheint sie dies einigermaßen schon eingesehen zu habe», denn sie sorgt väterlich auch für die Befriedigung der geistigen Bedürfnisse der unglücklichen Opfer der sozialen Verhältnisse Ruß- lands: von den 14 351 602 Rubel, welche im Jahre 1890 sür das Gefängnißwesen ausgegeben wurden, entfielen 71 Rubel 26 Kopeken auf die Erwerbung von Büchern und Zeitschriften für die Insel Sachalin und im Jahre 1891 wurden für die Erwerbung von Büchern und Zeitschristen und anderer im Bericht nicht näher genannten Gegenstände für diese Insel sogar ganze 83 Rubel 53 Kopeken ausgeworfen. Allgemeiner Streik in Bialystok. Die Redaktion„du Bulletin ossiziel du P. S. P." schreibt uns: Der in Bialystok ausgebrochene allgemeine Streik dauert fort. Bialystok ist eine reiche, an der Grenze von Kongreß- Polen und Littauen gelegene Stadt mit 30 000 Einwohnern. Große Tuch- und Hutfabriken beschästigen über 1900 polnische Arbeiter, darunter auch Deutsche und Jude». Die Stadt ist ihrer geographischen Lage wegen sür die polnische sozialistische Partei sehr wichtig. Der Streik, obgleich äußerlich aus ökono- mischen Gründen entstanden, trägt einen ausgeprägten po- litischen Charakter, indem er sich in erster Linie gegen die russische Despotie richtet, die de» Arbeitern Arbeitsbücher auf- zwängt, damit ihre Reichssrcundschast(blagonadiechnost) durch die von der Regierung besoldete und ihr mit Leib und Seele er- gebene Fabrikinspeklion leichter beobachtet werden konnte. Der Ausstand begann am Dienstag, den 20. August, in der großen Tuchfabrik„Komichow", dann stand am Sonnabend, den 24. August, die große Hutfabrik von Voß still. Während dieser Woche forderten die Arbeiter überall aus den Fabriken ihre Pässe zurück, da man das Gerücht verbreitete, daß die Pässe an die Arbeitsbücher angehestet werden sollen und der Paß bekanntlich zusammen mit Seele und Leib einen russischen Unterthanen bildet. Am 25. August wurde vom Lokalkomitee der Polnischen sozialistischen Partei folgende Proklamation veröffentlicht: Genossen! Die Unternehmer und die zarische Regierung gehen Hand in Hand, um uns besser knechten, besser ausbeuten zu können. Die Unternehmer leben von unserer Arbeit und die zarische Regierung, die auf unsere Kosten eine Bande von Beamten mästet, macht die Gesetze, welche uns der Gnade und Ungnade des Protzen- thums preisgeben. In den Arbeitsordnungen wird viel vom Gehorsam gesprochen, welchen wir den Fabrikanten schuldig sind und von den Strafe», welche uns erwarten, wenn wir auch nur einen Augenblick daran denken, daß auch wir Menschen und nicht willenslose Geschöpfe seien. Es steht aber kein Wort in den Arbeitsordnungen, daß es dem Fabrikanten verboten sei, uns zu lange zu beschäftigen, daß er uns eine gerechte Bezahlung und eine menschliche Behandlung schuldet. Und wenn es auch in den Fabrikgesetzcn etwas gutes für die Arbeiter giebt, so sorgen schon die Beamten des Zaren, die Fabrikinspektoren und die sonstigen Polizisten dafür, daß uns kein Nutzen zu theil werde. In den Fabrikkomitees sitzen nur Fabrikanten, die Ar- beiter sind ferngehalten. Genossen! Die Gesetze, vom Zaren und seinen Beamten ge- macht, sind ungerecht und für die Arbeiter demüthigend. Während der Arbeiter für den Kontraktbruch z. B. mit Gefängniß bestraft wird, zahlt der Fabrikant in diesem Falle nur eine kleine, lächer- lich unbedeutende Geldstrafe; während der Unternehmer für jedes kühne Wort den Arbeiter entlassen kann, ist es dem Arbeiter ver- boten, den Kontrakt zu brechen, selbst wenn er vom Unternehmer thätlich mißhandelt wird; nur die schweren Körperverletzungen sind nach den Gesetzen ein ausreichender Grund für den Arbeiter, den Kontrakt z» brechen; während den Fabrikanten immer das Recht zusteht, die Arbeiter auszusperren und ihre Geschäfte gemeinschaftlich zu berathen, ist eS nach den zarischen Gesetzen ein Verbreche», wenn die Arbeiter ihre Nothlage gemeinschaftlich besprechen. Und diese Arbeitsbücher, die man uns gcrvaltsam aufdrängen will! Ja, darin soll schwarz ans weiß unsere Abhängigkeit und Knechtschaft stehen. Es wird daraus jede Spur unserer Rechte sorgsam ausgestrichen, die uns den Unternehmern gegenüber schützt. Es wird darin unser Benehmen beschriebe», damit die- jenigen, die gegen die Gewalt und Abhängigkeit protestircn, nie eine Arbeit bekommen könnten. Sie erinnern an die alte Hörigkeitszeit, wo der Bauer ein willenloses Geschöpf war, das sich nicht frei bewegen konnte. Fort mit de» Arbeitsbücher»! Genossen! Unsere Unterdrücker vereinigen sich, um uns in Knechtschaft und Unwissenheit ewig zu erhalten. Wir sollen uns auch vereinigen, um aus der Sklaverei einmal zum Licht und zur Freiheit zu gelangen. Ueberall und immer war es die elende Lage der Arbeiter, welche von den Ausbeutern und Regierungen unbeachtet blieb, so lange die Arbeiter ihre Sache nicht selbst in die Hand genommen haben, so lange sie nicht selbst für ihre Rechte eintraten. So war's überall, so ist's auch bei uns. Wir müssen von de» Unternehmern die Besserung unserer Lage erkämpfen. erkämpfe» müssen wir sie auch von der Zarenregierung, die hinter den Fabrikanten mit der Knute steht. Ohne Kampf können wir keinen Schritt weiter für unsere Befreiung machen. Fast alle Arbeiter wissen es schon, daß es lächerlich ist, von den Unternehmern»nd Kapitaliste» eine Besserung zu erwarten, es giebt aber noch solche, die etwas von der Regierung hoffen, von der zarischen Regierung, die der grimmigste Feind der Ar- beiter ist. Als im Jahre 1392 in Lodz sechzig Tausend Arbeiter die Arbeit einstellten, bewilligten die Unternehmer eine Verkürzung der Arbeitszeit und eine Erhöhung des Lohnes, aber der Repräsentant der Rergierung, der Gouverneur Müller, verbot den Fabrikanten, den Arbeitern irgend welche Zugeständnisse zu mache». Er schickte gegen die Streikenden die Kosaken vor. Tausende von solchen Versprechen könnten zitirt werden. Sie beweisen, daß die Regierung unsere Sklaverei zu einer ewigen machen will. Alle heutigen Gesetze werden von ihr gemacht und wenn man auch darin manchmal etwas Gutes findet, so war die Regierung dazu durch den unerbittliche» Kampf der Arbeiter gezwungen. Genossen! Gedenkt, daß Eure Befreiung ohne Kämpfe und Erkenntniß unmöglich ist. Erinnert Euch, daß die Morgenröthe einer besseren Zukunft sür uns aufgehen kann, wenn wir selbst Herren im Lande, wenn wir im Besitz der politischen Macht sind! Vereinigt Euch mit den zielbewußten Arbciterschaaren, vereinigt Euch und helft der sozialistischen Partei Polens. Den 25. August 1895. Das Arbeilerkomitee von Bialystok. Am folgenden Tage wurde die Arbeit in allen Fabriken von Bialystok und Umgebung eingestellt. Die ganze Arbeiterschaft feierte. Polen, Deutsche und Juden hielte» alle zusammen. Am Sonntag kam schon der Gouverneur von Grodno mit Kosaken und den Vertretern der Fabrikinspektion. Seine„väterlichen Er- Mahnungen" an die Arbeiter richteten nichts aus. Dienstag früh erließ er einen Aufruf, der aber nicht gelesen wurde. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch klebte» unsere Genossen die obengenannten Proklamation des Lokalkomitee's wieder und diesmal so fest an, daß die Polizisten bis 10 Uhr niorgens damit genug Arbeit hatten. Zwei Laternensäulen mit der Proklamation mußten aus dem Pflaster herausgezogen und zum Polizeimeisler gebracht werden. Die Truppen werden von überall zusammengezogen. Zum Schieben ist es noch nicht gekommen, aber an einigen Orten wurden die Arbeiter von den Kosaken schändlich gemißhandelt; einige Verhaftete ließ man frei, da sie vollständig unschuldig waren. Man spricht in der Stadt nur vom Streik. Von Gendarmen wimmelt es hier, man spürt den„Führern" nach, sie sind aber nicht zu finden. •) 1 Rubel— 2 M. Vvvmifikzkes. In Zeutrnl-Amerika hat sich am Freitag eine schreckliche Katastrophe ereignet. Nachdem am Sonntag in Honduras hef- tige Erdbeben stattgefunden hatten, trat Freitags der Vulkan Misoso in Thätigkeit. Die Lava ergoß sich thalwärts und I richtete ungeheure Verheerungen an. Achtttttg; Drechsler nud Berufsgenossen! Achtung! Wie E»ch bekannt, besteht seit 18S4 die Freie Krank«»-«nd Kterbe- knlse fnr Drechsler»nd Kernfogenossen. Dieselbe leistet ihren Mit- gliedern im Erkrankungsfalle bei einem ivöchentlichen Beitrag von 60 Pf. resp. 50 Pf. eine Unterstützung von 12,60 M. resp. 10 M. bei freiem Arzt »nd Medizin(die Unterltütznngsdauer beträgt 52 Wochen), außerdem ein Sterbegeld von 80 resp. 75 M. Wenn man nun den vielfachen Wechsel der Arbeit in betracht zieht und den dadurch bedingten Wechsel der Kasse, so ist es wohl klar, daß die freie Hilfskasse, in der man immer Mitglied bleibt, den Ortskassen vorzuziehen ist, zumal die Leistung bei geringerem Beitrag eine höhere ist(gegen die immer geringer werdenden Leistungen der Ortskassen). Ans oben angeführte» Gründe« ist diese Kasse wohl alle» Drechsler»«nd Kernfsgenossen 1« empfehlrn. Die Zahlstelle«, in welchen an jedem Sonnabend Abend von 8— 10 Uhr neue Mitglieder(bis 45 Jahren) aufgenommen werden, befinden sich bei B ö ck e r, Naunynstr. 78; Meier, Lnngestr. 35; H o ff m a n n, Reichen- bergerstraße 16; Krause, Skalitzerstr. 65; Grube, Mariendorferstr. 5; Lenz. Alte Jakobstr. 69; Wittchow, Kleine Hamburgerstr. 27; Klautsch, Georgenkirchstr. 25. 86b Die Grtsverwaltnngr«. Achtung! Achtung! MelltMDrt- Arbeiter, Kiltscher mb CvebitiM-Arbeiter Heute, Sonntag, den 15. September er., abends 6 Uhr, in» Louisenstädtischrn Konzerthans, Alte Jakobstraße Dr. 37: Große öffentliche Versammlung Tages-Ordnung: I. Vortrag. 2. Diskussion. 3, Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 75/6 Der Dertrauens«»«»». O. Schumann. Nach der Versammlung findet geselliges Keisa»«»nens«in mit Tanz statt. Kitte, aufuierksam lesen. Aamrkanf 3» � ÄS" erfolgen muß. Jacques Raphael!, Wii, Achtung Uergolder und Kevnfsgenojseu. Große öffentliche Versammlung SM M o ii t s g, den 16. Septembep, vormittags 10(Ihr, in der Krrliner Dessonrre, Kommandantenstr. 57. Tages- Ordnung: Die Situation unseres Generalstreiks. 227/6 Die Agitatio»vko»»u»iss»»N. ._ W. Schnorre._ Graveure, Ciseleure. Dienstag, den 17. September, OranienstrasseSI, Versammiung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Dr. Zadel über„Werkstatt- Hygiene". 8. Diskussion. 4. Verschiedenes. 5. Fragekasten. 74>5 Freie Vereilliguilg aller to kt llfirursischen Braich beschäftigte» Krrufsgenosse». Hontsg, Ssn 16. Sept.,»denäs 8 vkr, in Krullächl's Salon, Lrunusnstr 188, Versammlung» Tages- Ordnung: I. Vortrag des Genossen Dr. äoöl über Religion und Sittlichkeit. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Vorfitzenden. 3. Der Streik bei Dewitt und Herz. 5. Verschiedenes. 48/11 Zahlreichen Besuch erwartet Der Dorstand. mettiem eigenen Hanse Spandaner tvas bestimmt bis Ende Januar 1836 erfolgen muß. Fabrik für Cigamn, Schuhe und Stiefel, Herren- Garderobe, __ Liköre. Hauptgeschäft: Nene Promenade 8, gegennb. 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Stiftungs-Fest sü in Bus«' Salon, Grosse Frankfnrterstr. 85, unter Mitwirkung des Gesangvereins Sängerchor der Töpfer(M.d.A.-S.-Bch Großer Kall. Anfang 8 Uhr, Entree inkl. Tanz 30 Pf. Hierzu ladet freundlichst ein Der Vorstand. Billets sind in sämmtlichen Zahlstellen sowie Gipsstraße 16(Restaurant) und in sämmtlichen»Kit Plakaten belegten Geschäften zu haben. D. O. Schloss Weissensee. l0©�8; Zum Sternecker. CßvoKcs VolKsfefk sowie DoppeKRingkampf bis zur Entscheidung um 8>/2 Uhr zwischen Charles Rabason, � Ion: und dem Meisterschaftsringer N. Nikmauu aus Ramburg. Grosses Militär- und Promenaden-Concert.?lih8 Grosser Bali im Bai champStre sowie Volksbelustigungen aller Art. 76b Entree: Vorverk. 40, an der Kasse 50, reservirt 75 Pf. 4g. Rarth. Homöopath. Arzt Dr. Hösch, Liuienstr. 149. 8—10, 5—7, Sonntags 8—10 Uhr. für Brust, Unterleibs-, Frauen-, Nerven-, Hautkrankheiten, Gicht, Rheuma. 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Fern jp rech- Anschluß: Amt III. 1296. Allgem. Weiter-«. Weiterinnen-Ukrein Berlins und Umgegend. Montag, de» 16. September, abend» 8�s Uhr: Mitglieder-Versammlung bei Köllig, Uene Friedrichstraße Kr. 44. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn vi». Wepl über: Die Bedeutung der Lungen- krankheiten für das Proletariat. 2. Diskussion. 3. Vereiussachen. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wird gebeten. Gäste haben Zutritt."Der Vorstand. HL. Die Zahlstelle des Kollegen Noack, Swinemündcrstr. 127, wird durch dessen Umzug am 1. Oktober nach Nr. 79 derselben Straße verlegt. Der Kassirer Arndt wohnt jetzt Adlershof, Kronprinzenstr. S. Wohnungs- Wechsel der Mitglieder sind dem Kassirer Arndt zu melden. 18/10 Tentslher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Rosenthaler und Schönhauser Uorstaöt. Montag, den 16. September, abends 8Vz Uhr: VtrtrwknsmlinM-MOmmlnng in Mörachel's Salon, Schönhauser Allee 28. 77/12 Tages-Ordnung: Besprechung über Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Leffentl. Schneider- n. Näherinnen- Versammlung� Montag, dr» 16. Sept., abends 8>/2 Uhr, in der Kerliner Rrssonece, Eingang: Stallschreiberstr. 43. Tagesordnung: 1. Die deutsche Dichtkunst vor und während der 48er Revolution. Referent: Schriftsteller Heinrich Schulz. 2. Diskussion. 3. Abrechnung der Agitatronskommission. 4. Ergänzungswahl der Agitations- kommission. 164/2 Eingeladen sind die Kollegen und Kolleginnen aller Branchen, als: Maaß- und Tagschneider, Militär- und Beamten-Lieferungsschneider, Herren- Konfektionsschneider und-Näherinnen, Damenschneider und Schneiderinnen, Kinderkonfektions-, Mäntel-, Blousen- und Trikottaillen-Näherinnen, Bügler, Stepper w. Di« Agitationo-Kominisiion der Schneider u. Schneiderinnen Kerlins. I. A.: I. T i m m, Vertrauensmann. Schuhmacher! Gr. oHenftiche Versammlung aller in der Kchnhindnstri« bc schüft. Arbeiter n. Arbeiterinnen am Montag, den 1«. d. M., abends 8>/9 Uhr, bei Joel, Audreasstraße 21. Tages-Ordnung: I. Abrechnung der drei Agitationskommissionen und der letzt verflossenen Streiks. 2. Neuwahl einer einzigen Agitationskommission für Berlin und Umgegend. 3. Wahl der Delegirten zur Gewerkschastskommission. 4. Ver- schiedenes. 169/4 Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber ist es Pflicht jedes einzelnen Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. vi« Agitations>Kommission, I. A.: Carl Rott, Cotheniusslr. 19. Friedrächsberg. Wung! Dienstag, den 17. September, abends S'/a Uhr, Versammlung der Mitglieder des Arbeiter• Bildungsvereins iür Friedrichsberg im Lokale des Herrn Fuchs, Dorfstr. 2. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Die Entwickelung der Sozial- demokratie." Referent: Genosse G. Wagner. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tages-Ordnung ersuchen wir kämmt- liche Mitglieder und deren Freunde, in dieser Versammlung Mann für Mann zu erscheinen.[kl/Lj_ Der Vnrlfitnd. Achtung I R i x si o r f. Achtung! Ltfftllllicht Versammlung der in d. Holzindustrie beschäst. Arbeiter u. Arbeiterinnen, als: Tischler, Drechsler, Stellmacher, Kürsten n. Ninselmachcr u.f. w. am Montag, den 16. September 1895, abends SVs Uhr, in den Viotorla-Feetsälen, Hermannstr. 48—50(kleiner Saal). Tages-Ordnung: I. Vortrag: Die wirthschaftlichen und politischen Zustände der Gegen- wart. Referent: Genosse F. Hansen. 2. Diskussion. 3. Berichterstattung des Gewerkschaftskartell- Delegirten über seine Thätigkeit. 4. Verschiedenes. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet 77/11 Der Sinberuter. Möbel-, Spiegel- uMllemmM-MÄ C. Raetsoh,% SWttstM 00, ESjeno Tischler- n. Tapezirer-WerkatStten. Billige Preise. Mehrjähr. Garantie. G.Superczynski, WlicheWne, JilvlMenßr.M,!!. üesellschaftshans 35, SwinemQnderstrasse 35. Wen Smiag: Gr. Kall. Einige Sonnabende sind»och an Vereine zu vergeben. kilbner. Buss' BailsäSe, Große Franbfnrterstraße 85. Gänzlich und elegant rcnovirt. Sonntag: Großer Kall. Entree frei. 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