Menöausgabe Kr. 123* 44. Jahrgang Ausgabe B Kr. 61 EtiUflsttMn«uns»B und Snjeistnsttif« Rüli tn l>tt Morxrnausüal»« en«taeb!« R«i)a(tion: SS). ÖS, CinftenfUobe 3 Zervsprechcr> vönhoN 192- 387 XcL-Ubceffe: Sajlalbcmoftcl Ccclin Volksblatt Vevlinev Zentralorgan der Sozialdemokratifd�en Partei Deutfchlands (10 Pfennig') Montag 14. März 1427 Lcrleg l»n»«r,z-Iz«nab>,llLi>8, S-schösiizett b>» 5 Ubi »»rl.gor: v»rwSrt».v»rlog Gold». virtto STD 65, ClnDreftrage t Srr«lpr»che»> v«»tzost 292~ 197 Enttaufthung über öie Saarregelung. Forderungen der Sozialdemokratie des Saargebictes. Saarbrücken, Ii. März.(Eigener Trahibcrlcht.) Dos auf der diesjährigen Genfer Tagung in den Saarfragen erzielte Ergebnis hat im ganzen Saargcbiet große Enttäuschung hervorgerufen. Unsere Genossen gaben auf ihrem heute in Saarbrücken statt« gefundenen Unterbezlrtsparteitag, nach einem ZZortrog des Genosien chermann Wendel über„Völkerbund und Sozialdemokrati«", dieser Enttäuschung in folgender Ent- schließung Ausdruck: „Der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei des Saargebiete« gibt seiner Enttäuschung über die Behandlung der Saarfragen durch den Löltcrbunderat Ausdruck. Die dem Verbleiben des Belgier« Lambert durch j)errn Briand gegeben« Begründung steht im Widerspruch zu der Tatsache, daß die Saarbeoölkerung bereits feit zwei Fahren, zuletzt noch in einer Eingabe der Sozialdemokrati- jchen Partei an die Märztagung 1g2S, dessen Abberufung forderte, cherr Briand stützt sich darauf, daß es dt« deutsche Be« gierung unterlassen hat. rechtzeitig offiziell diese Forderung geltendzumachen. Di« Sozialdemolraiisch« Partei steht darl» ein schlimmes Versagen der heuttzen Re'.chseegierung in einer von der ganzen Saarbevölkerung seit langem leidenschaftlich erörterten Frage. Die Saarbevölkcrung Hot zu cherrn Lambert kein Vertrauen und erwartet— im Bewußtsein ihrer Gleichwertigkeit mit jedem anderen Volt«— unter Berufung aus das dem Völker- bunde zugrunde liegende Prinzip der„Selbstbestimmung der Völker", daß die Frage der Nochsolg« für Herrn Lambert bis spätestens zur Iunitagung des Vates geregelt wird. Die Schaffung des sogenannten„Bahn schütze?" bedeutet di« Beibehaltung der bis- herigen fra�göstschen Besatzung in äußerlich verschleierter Maske. Die Sszialdsmokratische Partei betont nachdrücklich da? dem Saargebiet durch den Versailler vertrag gemachte Zugeständnis, daß im Gebiet kein Militärdienst gestattet Ist. Sie verlangt daher nach wie vor in Uebereinstimmung mit ihren diesbezüglichen Denkschriften an den Völkerbund und dem fortgesetzt in ihrer Preste vertretenen Ver- langen, daß da» Militär gänzlich herausgezogen wird und di« Aufstellung einer neuen verlleideten Trupp« unter dem Namen„Dahnschutz" unterbleibt. Der Schutz der saarländischen Anlagen(Dahnen und Grub«» usw.) findet seine beste Sicherung In der von großem Derantwortungsbewußtsiin ersüllten und aus baldige, restlose Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich bedachten Bevölkenmz selbst, tm der Erfolglostgteit der deutschen Delegation bei der diessährigen Behandlung der Saar- fragen sieht die Sozialden, akratische Partei neben dem Schettern der deutsch-polnischen Berhandlungen die zweite schlimme außenpolilische Auswirkung des heute I« Deutschland regt er enden Reckztskab'.nett?. Sie ruft daher die arbeitende Bevölkerung zur größeren Anteilnahme am politischen Leben auf und fordert von ihr. durch ihren Anschluß an die Sozialdemokratisch« Partei di« Kräfte zu mehren, die allein berufen und imstande sind, die Sache Deutschlands außenpolitisch mit Ersolg zu oertreten und innenpolitisch der Arbeiierklass: einen Schutz gegen die Wicdcrauftichtung der Neaktion bietet." da«? an vanServelöe und Slum. Saarbrücken, 14. März.(Eigener Drahibericht.) Der am Sanntag abgehaltene Parteitag der deutschen Sozialdemokratie de« Saargebiet? nahm solgende Entschließung an:„Der sozialdemo- kratische Parteitag dc? Saargebictz dankt dem Genosicn B a n d e r- veld«, dem unermüdlichen und Unerschrockenen Borkämpser für demokratische und sozialistisch« Forderungen im Döl'erbund-rat, für die tatkräftige Unterstützung der Saardevölkerung in ihren Wünschen. Der Parteitag begrüßt insbesondere die nach den bisherigen Meldun- gen erfolgte Anregung Aandervelde» aus Ernennung eines zweiten deutschen Mitgliedes der Regierungstommisston in der Person eines S o z i a l i st«n, zim einerseits die sozialpolitischen und arbeitsrechtlichen Problem« des Saargebiets vorwärts zu treiben und andererseits ein« stärker« Vertretung der deutschen Interessen in der Saarkommisston entsprechend dem Anspruch Deutschlands noch seinem Völkerdundseintritt zu gewährleisten. Der sozialdemokratisch« Partei- tag steht mit dem Kenosten Vanderveld« eine endgültig« Lösung des Soarproblems nur auf dem Wege der Vollendung dar deutsch- französischen Verständigung" Außerdem gelangte noch folgend« Entschließung zur Annohm«: „Der Parteitag der deutschen Sozialdemolrati« an der Saar dankt dem Führer der französischen Sozialdemokratie, dem Genossen Lövn B l u m, für sein« kühn« Stellungnahm« zugunsten dos SelbstbesUmmungsrechls der Sacrrbevölkervnz und der sofortigen Zurückgab« des Soargebiats an Deutschland. Wir deutschen Sozialiften an der Saar haben es als besonders mutig empfunden, daß die französische Sozialdemokratie bereits im Januar 1SZ4 unter der LlleinHerrschost des Ztotionalcn Blocks dem deutschen Saarvolk« ihre Unterstützung gegen jedem Imperialismus zusagte, und wir sind einig mit der vor einigen Togon proklamierten Forderung unseres französischen Genosien Löon Blum nach s o- sortiger Rückgabe des Saargebiet s. Di« deutsch« Sozialdemokratie an der Saar sieht in der Haltung ihrer französischen Genosien nicht nur«Inen Beweis internationaler sozialistischer Solidarität, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur deutsch- französischen Verstöndigung." Luch zu dem Ergebnis der Völkerbundsratstagung wurde«ine Entschließung angenommen, die das Genfer Kompromiß vom Stand- punkt des Rechts aus zwar als ungenügend bezeichnet, aber in ihm doch«ine Etappe auf dem Wege einer weiteren deutsch- französischen Verständigung mit dem Entziel der Zurückführung des Saargebiets an das Vaterland sieht. Gleichzeitig macht die Entschließung aus di« unheilvollen Folge» des Eintritts der Deutschnationalen in die Neicheregierung für die Saarprobleme aufmerksam und fordert dos deutsch« Proletariat auf, alles daran zu setzen, um eine andere Zusammensetzung der Reichsregicrung zu erreichen. Scharfmacherei gegen /lchtstunöentag Die Berliner Industrie- und Handelskammer an die Negiernng. Die Jnlnrstrie- und Handelskammer zu Berlin hat sich gegrn d-n Entwurf«'Ines Arbeits�eirnotgesstzes der R. gierung mit folgender Begründung gewandt: .�vle vorgeschlagenen Aenderungen der Ardeltszeit« Verordnung erscheinen zum Tel! nicht unbedenklich, vn» angebracht Ist es, die Freiheit drg Tarisvertrages in der Weise ein« zuschränken, daß«in» Kündigung der Bestimmungen über die Arbeits- zeit unwirksam gemacht werden kann. Gegen die vorgesehen« Vor- schrift, der gemäß Mehrarbeit mit angemessenen Zuschlägen zu entlohnen ist, ist an sich nichts einzuwenden. Bedenklich ist die Höhe des lleborskundevzuschlaqcs o»» W Pr#j„ der die in Berlin üblichen Sätze stock überschreitet. Dlr Bcsciligung d« Möglichkeit, Arbeils-eit über zehn Stunden täglich hinaus durch Tarifvertrag zu regeln, ist zu beanstanden. Di« jedesmal erforderlich« behördliche Genehmigung ist zu schwerfällig, um als Ersatz für den Tarifvertrag gelten zu können. Die Bcftiliguug der Slraflosigkeit des vrbei'geber, bei Annahm« freiwilliger Mhrarbeit muß für viele Delrieb«, vor allem sür solch« mit häufig und plötzlich wechselndem Ecschästsumsong«, von ein- schneidender Bedeutung sein, da es ihnen unmöglich wird, besonderen Anforderungen durch freiwillige Mehrarbeit der Arbeitnehmer gerecht zu werden. Eine Bemessung des Persenolbestande» noch dem Maximum der geschäftlichen Inanspruchnahme ist wirtschaftlich untragbar und Im Bedar'sfclle muß oft von Einstellung nicht eingearbeiteter und nicht genügend sachkundiger Hilfskräfte abgesehen werden, Gegen mißbräuchlich« Erweiterung des Begriffs der„frei- bietet«ine im Vorjahre ergangene Entscheidung den Arbeitnehmern einen genügenden willigen Mehrarbelt de» Reichegerichts Schutz." Das heißt mit wenigen Worten: es soll bei der Ardeiis- zeltverordnung von 1S2S bleiben. Keine Berkürzung der Ar- beitszrit, kein Achtstundentag l uiiiiiuiiiii■ imniiim m iimiuii um iinin vor dem Urteil km �ürgensprozeK. Der StaatSnninalt hat daS Wort. Schon lange vor Eröffnung der Sitzung im Jürgens- Prozeß drängen stch di« Zuhörer und die Presieoertreter und be- reit»«ntlosiene Zeugen vor dem Eingang in den Gerichissaol. Um Hl Uhr ist die Tür immer noch verschlailen. Der Eintritt ist nur gegen Vorweis der speziell sür den heutigen Tag ausgegebenen Karten gestattet. Auch an dem Einganz vor dem Gerichtsgebäude auf der Strohe drängt sich das Publikum. Im Gcrichtsgebäude selbst und draußen sind besondere Vortehrungsmaßregcln getroffen. Nach Eröffnung der heutigen Verhandlung im Jürgens-Prozeß kommt zuerst der Slratsonwalt zu Wort. Da auf se've ausführlichen Darlegungen ein« nicht weniger ausführlich« Replik der Ver» teidigung erfolgen dürste, so wird wohl das Urteil erst in den späten Abendstunden gesällt werten. Landgerichtrdirektvr D o m b« gibt nach Eröffnung der Sitzung seinerseits gegenüber Andeuiungen einzelner Vlürter die Erklärung ab, daß niemand von den Richtern sich befangen fühl« und daß er von sich selbst sagen müsi«, daß er Jürgen« früher nicht ge- könnt habe und während de» Krieges im Nachrichtendienst nicht tätig gewesen sei. Daraus trat das Gericht in die Verhandlung ein. vor öer Verantwortung. Tie Tentschnntionalen und das Ergebnis vo» Genf. Am Mittwoch wird sich der Auswärtige Auss6)uß des Reichstags mit dem Ergebnis der Genfer Ratstagung be- ichäftigen. Die deutschnationale Regierungspartei wird vor die Frage der Verantwortung gestellt werden. Es sind Kräfte in der Deutschnationalen Partei am Werke, die das Spiel von 1S?S wiederholen wollen: die Ab- lehnung der Derantwortung für die Politik der eigenen Re- gierung. Die Hugenberg-Preffe und die„Deutsche Zeitung" reden in den alten kräftigen Tönen der„natio- nalen Ooposition" gegen Herrn S t r e s e m a n n, der wieder einmal das deutsche Recht verraten hat. Diese Abart der Rechtspresse ist mit der Methode der Stresemannschen Außenpolitik so wenig einverstanden wie mit dem Prinzip. Die Deutschnationalen sind Regierungspartei. Sie haben sich beim Eintritt in die Regierung ausdrücklich zur bisherigen Außenpolitik bekannt. Sie haben Herrn Strefemann ein Ver- trauenovowm gegeben. Wenn ein Teil ihrer Presse sich mit so großer Entschiedenheit gegen die Außenpolitik der eigenen Regierung wendet, so muß man der kommenden parlamen- tarischen Auseinandersetzung mit einiger Spannung ent- gegensehen. Es handelt sich bei der Stellungnahme der„Deutschen Zeitung" und der Hugenberg-Presse um nichts weniger als um akademische Proteste gegen Taktik und Ergebnis von Genf, sondern um außerordentlich scharfe Angrisse gegen den Außenminister. Die„Deutsche Zeitung" schreibt: „Nicht in einem einzigen Punkt« hat Strefemann auch nur den Versuch gemocht. Deutschland» Rechte ernst- hast und«illeNs stark z u vertreten. Er hat sich von Anfang an auf Nachgeben eingestellt und diese Zielsetzung allerding, mit verblüffender Folgerichtigkeit angestrebt. Er hat Z a l« s t h dem polnischen Außenminister, in der Frage der Aus- Weisungen nachgegeben, er hat in der o b e r s ch l e s i s ch e n Schul- srag« Zugeständnisse über den Versailler Vertrag hinaus gemacht und er hat in der Frage des B a h n s ch u tz e s im Saargebiet sich sogar so weit drängen lassen, daß er selbst ein gegen die klaren Be- stimmungen des Versailler Vertrages peisttoßrudes Kompromiß vorgeschlagen hat. Wieder müssen wir feststellen, daß diejenigen recht behalten haben, die den SIn'rltt Dsutschlands in den Völkerbund als soifch. ol? verwerflich bezetchuct haben. Man wird gespannt s-tn. wie das Kabinett sich zu den neuen Eigenmächtigkeiten des Herrn Reich»außen- Ministers stellen wird. Daß er selbst schleunigst von der Lrllunz der deutschen Außenpolitik zn verschwinden hat, ist das allergeringste, was gefordert werden muß. Darüber hinaus aber hallen wir den Augenblick für gekommen, den Auslrill Deutschlands aus dem Völkerbund zu erklären." Der„Lokal- Anzeiger" sieht im Ergebnis von Genf«ine„n e u e N i e d e r l a g e". die allein Herr S t r e s e- mann zu verantworien habe: .Fiält man dies beides zusammen: die Betonung Dr. Strcse- mann», daß er ohne Instruktion aus eigen« Verantwortung Handel«, und den Umstand, daß das jetzige Reichskabinett mit den beiden Genfer Hauplprvbtemen überhaupt ncch nicht besaßt worden war— wo« haben wir dann anders vor uns, als die Taktik, di« Ministerkollegen und die Koalitions- Parteien„vor vollendete Tatsachen zu stellend" Eine Taktik, vor der wir den Reickieaußenminlster schon bei der Nildung des Kabinetts warnen zu müssen glaubten, wa« uns ern- rüstete Belehrungen aus dem engeren Loger der Strcscmaiin-Presje eingetragen hat." .Zusammengefaßt: Auch in der Saarsrage hat Dr. Strefemann den Nechlsboden unter dem Druck der anderen aufgegeben. lieber den Frieden von Versailles hinaus und gegen ihn ist mit feiner Zustimmung die französische Besetzung verewigt worden. Die Vordehalt», die Dr. Strefemann beim Ausgeben ins Rechtsbodens gemacht hatte, sind mit einer einzigen und völlig inhaltsleeren Ausnahme unter den Tisch gefallen. Deutsche Nieder- tage. Erlitlen von Dr. Slrescmonn; ohne Instruktion, aus eigen« Verantwortung, zv der er stch bekennt und dte er tragen will." Noch drohendere Töne schlägt der a g" an, der Herrn Strefemann grundsätzliche Auseinandersetzungen an- kündigt: „Diese Improvisation des Herrn Strefemann bedeutet ein« schwerwiegend« Riederlag« Deutschlands, die so leicht nicht wieder gut zu machen ist. Wir nehmen on, daß diese klägliche Episode noch Anlaß zu grundsätzlichen Erörterungen geben wird, di« dem Verantwortlichen vermutlich nicht gerade angenehm sein werden." Das ist das alte Spiel: die Deutschnationalen sind in der Regierung. Sie wollen gleichzeitig die Rolle der Opvositwn übernehmen. Sie schieben die ganze außenpolitische Berant- wortung dem Außenminister zu, und schreien laut: wir sind unbeteiligt. Jede Regierung trägt jedoch für die Schritte ihrer Ver- treter Kollektivverantwortung. Weigert sick«ine der in der Regierung vertretenen Parteien, diese Kollektiv- Verantwortung zu übernehmen, so bedeutet das eben die Sprengung der Regierung. Die Deutschnationalen stehen vor der Berantworttiiig. Ihr Geschrei:..Strefemann ist schuld!" hilft ihnen gar nichts. Gefällt ihnen die Polttik nicht, die in Genf betrieben wurde. so mögen sie das im Parlamnet öffentlich erklären und ihre Konsequenzen ziehen, sonst müssen sie die p o l> t i s ch e u n d parlamentarische Verantwortung für das E r g e b n i s v o n G e nf auf sich nehmen. Das ist eine Ent- scheidung, die in erster Linie eine interne Angelegenheit der Bürgerblockparteien ist. Sie müssen zeigen, ob sie geschlossen die Verantwortung übernehmen. Die übrige deütschnationale Presse hält sich zurück. Man darf daraus schließen, daß sie damit rechnet, daß die deutsch- nationale Reichstagsfraktion die Tätigkeit Strefemanns und das Ergebnis seiner Genfer Politik billigen wird. Ueber- nähme der Verantwortung, nicht Wiederholung des Rückzugs aus der Regierung von 1923. In diesem Falle werden die lauten Töne der �ugenberg-Presse in der Tonart der„natio- nalen Opposition" nur aufklärend wirken. Sie werden zeigen, wie die deutschnationale Reichstagsfraktion hinter dem Wagen der Weltgeschichte hergeschleift wird. Rosenberg, üer Wahrer üeutfther Ehre. Völkisch-antisemitische Verleumder. 5)itlers„völkische Beobachter" veröffentlichte am 3<1. April 19Z6 einen Artikel mit der Ueberschrift„Der ungeheuerliche Skandal des Femeausschusses in München.— Wann wird sich der sozialdemokratische Berichterstatter L e o i von dem Vorwurf reinigen, bezahlter englischer Spion gewesen zu sein?" In dem Artikel hieß es: .Wir weisen die deutsche Oeffentlichkeit erneut darauf hin, daß der Berichterstatter Levi derselbe ist, von dem seit über einem Jahre in der Schrift„Bolksvergiftung" unwidersprochen behauptet wird, von englischen Spionen Geld genommen zu haben, also vom Feinde bezahlt worden zu sein. Dieser somit al» niedriger Landesverräter Hingestellte ist Präses des Rechtsausschusses des Deutschen Reichstages und Berichterstatter des Femcausschusses. Dieser als Landesverräter Bezichtigte hat somit Einsicht in die geheimsten innerpolitischen Verhältnisse deutscher Wehrverbände. Doch da Levi nicht geklagt hat, müssen wir als wahr unterstellen, daß er wirtlich be- zahlter englischer Spion gewesen sei. Wer garantiert uns aber, daß der sozialdemokratische Führer nicht auch heute Landesverrat betreibt, und als englischer Spion im Deutschen Reichstage sitzt?" Wegen dieses letzten Vorwurfes hat Genosse Levi die B e- keidigungsklage gegen den verantwortlichen Redakteur des antisemitschen Blattes eingereicht, der den Namen— Rosen- b c r g trägt, aus Rußland eingewandert ist und seit dem Jahre 1323 die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Die Gerichtsverhandlung, die schon vor einiger Zeit angesetzt war, mußte damals vertagt werden, da der Beklagte den Wahrheitsbeweis antreten wollte. Zu der heutigen Verhandlung vor dem Amtsgericht Berlin-Schöneberg war Genosse Levi und als dessen Vertreter Genosse Dr. Rosen- feld erschienen. Der anwesend« Beklagte Rosenberg wird von dem Rechtsanwalt Herold verteidigt. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld möchte vor allem festgestellt wissen, ob der Beklagte wirklich deutscher Staatsangehöriger ist, da er ja für sich den 8 �3, d. h. die Wahrung berechtigter Interessen in Anspruch nimmt. Der Angeklagte lssostttberg hat demgegenüber die Stirn, zu sagen, als Deutscher gehör« er ja an und für sich zu Deutschland, den Rechtsanwalt Rosenfeld halte er zu dieser Frage überhaupt nicht berechtigt, da ein Jude, selbst wenn er deutscher Reichsangehöriger ist, kein Deutscher sei. Dem Richte r selbst wolle er jedoch die Frage beantworten. Er legt darauf«inen Reise- paß vor, aus dem zu ersehen ist, daß er seit 1323 deutscher Staats- angehöriger ist.;• Es folgt nun eine längere Auseinandersetzung über die Frag«, was eigentlich Gegenstand der Beleidigung ist. Dt« beklagte Partei ist über die Beschränkung der Prwatklage auf die inkriminierte Stelle des Artikels, die den Lorwurf erhebt, daß Genosse Levi bezahlter englischer Spion sei, höchst ungehalten. Sie möchte die Gerichts- Verhandlung auf das allgemein« politische Gebiet hinüberleiten und gewissermaßen einen kleinen Ebert-Prozeh noch dem Magdeburger Borbild inszenieren. Genosse Levi erklärt jedoch, daß ihn der Borrrurs des Landes- Verrats nicht berühre, da er über sein Verhallen während des Krieges Victor Hugo im �Theater öes Westens" Die Franzosen spielen Victor Hugos„R u y B l a s". Das Stoff. liche dieser stolzen und hochgestellten Tragödie ist mehr als inter- essant. Behandelt wird eines der traurigsten und schwierigsten Ka- pitel aus der scheußlichen Geschichte Spaniens. Kurz vor 1730 war die spantsch-habsburgische Dynastie bis auf die Knochen verrottet. Wir können ein Buch lesen, das soeben der französische Arzt und Historiker Dr. Cabanis über dieses entartete Geschlecht drucken ließ. Was da steht, ist niedcrschmellernd: des allmächtigen Karl V. Mutter war jene Johanna, der selbst die ergebensten Hofchrontsten der Zeit den Namen der Wahnsinnigen gaben. Die Prinzessinnen und Prinzen dieses Hauses waren religiös fanatisch bis zur Tollheit, was sie nicht hinderte, alltäglich?3 Pfund Früchte, etliche Pfunde Fleisch und dazu noch einiges Geflügel aufzufressen. Karl V. war wahrscheinlich ein Syphilitiker, und was aus seinein Blut gezeugt wurde, verbiß sich in die Freude an den Inquisitionegreueln. Man verbrannte zwei Jahr- hunderte lang und länger- die angeblich ketzerische Menschheit auf dem Scheiterhaufen. Die Urmutter des Geschlechts, die tolle Johanna, gönnte dem Leichnam ihres Gatten nicht die Erdenruhe und führte den Kadaver mit sich herum, um ihm bei jeder Gelegenheit die Füße zu küssen. Dieser den Irrenärzten als ein« böse Seelenverwirrung bekannte Geschmack an der Leichenvcrgötterung vererbte sich auf Sohn und Enkel bis auf den lendenlahmen Karl II.» der keine Nach- kommen mehr zeugen tonnt«, obwohl man ihn init einer gesunden und sinnenfreudigen und ausdrücklich zu diesem Zweck berufenen deutschen Prinzessin verheiratet hat. Diese deutsche Prinzessin hat die Phantasie Wctor Hugos ge- reizt. Er dichtet« ihre Tragödie. Er verwickelte sie in eine mächtig vorwärtsgepeitschte Intrigue der Liebhaber der Königin. Ruy Blas liegt am Schluß vergiftet auf der Bühne. Victor Hugo wollte, wie >«r selbst gesteht, in Ruy Blas den Sohn des revolutionären Volkes charakterisieren. Victor Hugo liebte das Volk. Er traute ihm alle guten Instinkte zu. Er wollte als Dramatiker Corneille und Shakcjpeare zusammenschmieden. Er gesteht, daß er seine Tragödie über die empfindsamen Frauen, über die tiefen Denker für die schau- lustige Masse zugleich schaffen wollte. Die Erfüllung dieses Wunsches wurde ihni nach unserem heutigen Geschmack nur teilweise gewährt. Was von seinem Stück übrigbleibt, das sind die großartigen Theater- tiraden, die bis heute das Entzücken aller Tragöden und Tragödinncn von virtuoser Atemtechnik bilden., Aber diese Riesenarien sind die Verführung der Schauspieler. Die Künstler deklarieren ihre Alexandriner ins Uferlose. Man hat auch in Frankreich versucht, solche Monsterrhetorik einzudämmen: die Tradition ist jedoch so stark, daß die wenigsten Schauspieler ihr entgehen. Bei uns in Deutschland versuchen die kleinsten Regisscure die Lilassiker, die eben von der Zeit verstaubt sind, frisch und lebendig zu machen. Der stilistische Konservatismus ist in Frankreich säst mtr seiner Partei, den Wählern und der Oeffentlichkeit Rechenschaft schulde, und daß ein Gerichtsurteil darüber nicht entscheiden könne. Di« beklagte Partei habe nur den Beweis dafür zu erbringen, daß er bezahlter englischer Spion gewesen sei. Der Angeklagte gibt sich aber mit dieser Erklärung nicht zu- frieden. Er will wissen, ob Levi nicht von irgendeiner anderen Seite Geld erhalten habe. Der Vorsitzende erklärte jedoch, er würde sich auf das politische Gebiet nicht abdrängen lassen, es handle sich hier nur um den Vorwurf, daß Levi bkzahller englischer Spion gewesen sei. Run versuchte der Angeklagte aus einer Schrift, die von Ber. tram und Wolfheim herausgegeben ist» nachzuweisen, daß Levi doch englischer Spitzel gewesen sein müsse. Der anwesende Zeuge Wols- heim, der auf Antrag des Nebenklägers geladen worden ist, läßt den Herrn Rosenberg jedoch völlig im Stich. Er, früher Kommunist, Parteigenosse des Gnossen Levi, und später Nationalbolschewist, er- klärt, er habe nie behauptet, daß Levi englischer Spion gewesen sei oder zu Spionogezwecken Geld erhalten habe. Nach der Kenntnis der Persönlichkeit des Genossen Levi halte er dies, für völlig aus- geschlossen. Er habe nur von einem Fall Kenntnis, wo Levi im Jahre 1313, also nach der deutschen Revolution, auf die Bitte eines Hamburger Parteigenossen ausländisches Geld eingewechselt habe, das dem Hamburger Arbeiter- und Soldotenrat von r u s s i. scher Seite zu revolutionären Zwecken eingehändigt worden sei. Seines Wissens rührte dieses Geld in Wirklichkeit vom englischen Nachrichtendienst her. In seiner Broschüre habe er nur so viel sagen wollen, daß Genosse Levi von sich aus englische Politik getrieben habe: er treibe ste auch jetzt noch, ferner, daß die ganze deutsche Revo- lution von englischem Geld verseucht sei. Die Beweisaufnahme ist damit geschlossen. Das Gericht ver- urteilte Rosenberg zu 333 Mark Geld st rase. In der Urteilsbegründung wurde u.a. ausgeführt: Der Wohrheits- beweis sei mißlungen: der§ 193 komme für den Beklagten nicht in Betracht, wenn der Vorwurf des Landesverrats im Artikel auch nicht so sehr in den Vordergrund trete, so sei der andere Vor- wurf, daß der Kläger englischer Spion gewesen sei und noch jetzt als solcher im Reichstag sitze, um so schwerwiegender. Daß der Beklagte solange geschwiegen habe und erst jetzt das Maß der ver- leumdung als gerüttÄt voll gehalten habe, fei sein« Sache. Dem Beklagten wird die Publikationsbefugnis im„völkischen Beobachter" zugesprochen._ Der Surft. Ein echter Hohenzoller im Schwnbenlande. Sehr wichtige Ding« ixerden aus Sigmaringen, der vor- inaligen Hauptstadt des vormaligen Fürstentums Hohenzollern, gemeldet. Seine Durchlaucht Fürst Wilhelm, übrigens«in Bruder des rumänischen Königs— Fürstenhäuser sind international bis auf die Knochen!—, hat Geburtstag gefeiert, und die Stadt trug, wie sich das für eine Haupt- und Residenzstadt gehört, reichen Flaggenschmuck. Es gab einen Festgottesdienst, ein Festessen und ähnlich« festlich« Dinge. Interessant ist weiter, daß unsere treu republikanischen Reichswehroffiziere, die zufällig gerade an diesem Tage zur Besichtigung eines Manövergeländes aus Tübingen herbei- geströmt waren, in fürstlicher Equipage mit galonierter Dienerschaft am Dahnhof abgeholt wurden, um an der Geburtstagstafel Seiner Durchlaucht teilnehmen zu können. Und noch nachträglich wünschen wir ihnen guten Appetit! Fürst Wilhelm ist übrigens auch sonst ein bemerkenswerter Knabe. Letzthin nahm er an irgendeiner öffentlichen Feier teil und beschwerte sich bitter, daß nicht Ihm, sondern den gasetz- und ver. fassungsmäßig, hierzu berechtigten Vertretern der obersten Behörden die Ehrenplätze zugewiesen wurden. Er droht«, zusamt seinem Hofstaate Sigmaringen fluchtartig zu verlassen und nach München zu übersiedeln. Er scheint es sich aber inzwischen anders überlegt zu haben. Sand und kleine Stein- nennt man Kies. Das Benehmen der Sigmaringer Bürger aber, die aus dem Geburtstag eines simplen, wenn auch nicht unbegüteiten Privatmannes eine große Angelegen- heit mit Flaggenschmuck und Tschingdada machen, bezeichnet man als K n e ch t s i n n. der einzig geeignet ist, die Ueberheblichkeit deposse- vierter Potentaten zu fördern. unausrottbar. Unsere französischen Gäste taten alles, um innerhalb der Ueberlieferung zu bleiben. Das französische Theater bereitet Jubelfeste vor. Es soll die Er- innerung an die Anfänge der Romantik gepflegt werden. Man er- richtete an der Sarbonn« einen eigenen Lehrstuhl für Victor Hugo, um des Urvaters der Romantik respektvoll ausgiebig zu gedenken. Victor Hugo brachte den ungeheuren Schwung und die Leidenschaft des überschwenglichen Gefühls in die französische Dichtung. Die Generationen, die nachher folgten, nährten sich von seinen Gaben des Ueberslusses voller Dankbarkeit, vielleicht bleibt von dem unge- heuerlichcn Reichtum der Victor Hugoschcn Dichtung nur einiges, was in schlichten Versen und in stilleren Stunden gesagt wurde, und dann noch die Großartigkeit der Hugoschen Romane, durch die in Europa überhaupt erst die soziale Erzählung angeregt wurde. Alles übrige ist nur noch Rest für die Philologen und Relique für die Parteileute, die sich um den Namen des Unsterblichen zusammen- scharen, um ihm eine unbestrittene Unvergänglichkeit zu sichern. Wir sind ganz zufrieden, daß wir in Berlin einen Abglanz dieser Feste für die Romantik erhaschten, wurden wir auch nicht übermäßig erwärmt und beglückt. Max Hochdorf. Stäütijche Gper: HaftSirizenten. Man sollte Kapellmeister, die auf Engagement gastieren, neue Opern einstudieren, an Chor, Orchester, Solisten ihr pädagogisches Talent erproben lassen. Nur so lernt man erkennen, wes Äeistes Kind die Orchesterführer sind. Opern, die im Repertoir„stehen", glücken am Abend der Ausführung auch dem Mittel-Degabten, und andererseits kann sich der Begabteste an der Intoleranz von Kräften, an der Eingleisung bestimmter Manieren, Tempi, Ausdrucksnuancen zu Tod« laufen. Dazu kommt, daß die Stimmung der Bühnenleute dem neuen Besen gegenüber nicht immer günstig ist, und auch die Wahl des vorgeführten Werks, dankbar, gesanglich, problematisch, hinreißend, spricht mit, um das Urteil schwer, verantwortungsvoll zu machen In der Städtischen Oper gehen ein paar Kavellmeister ab, andere sollen ans Pult kommen. W a g h a l t e r und D e n z l e r dirigierten bereits, S e b a st i o n und Oppenheim sollen folgen, vielleicht auch noch andere. Erst nach Abschluß sämtlicher Gastspiele wird sich die Oper entscheiden und in der Wahl das Schicksal des Instituts, die Notwendigkeit bestimmter Dngicrspezialitnien. dos Hör- urteil, die Resonanz bei Publikum und Presse berücksichtigen. Auch die Einstimmung des Gastes in die Mentalität der Ausübenden, der leitenden Kunstfaktoren, menschlich wie artistisch, wird nicht ohne Einfluß sein. Das Ziel aber heißt: die Einzelqualität der Auf- sührungen in der Städtischen Oper heroufzuleiten zu der Sicherheit der Dauerqualität. Daran litt dos Theater bisher: hier wird und muß Rat geschafft werden. Der Zufall oder die besondere Einsicht des Intendanten T i e t j e n brachte es zuwege, daß die beiden ersten Probedirigcnten an Werken zu Wort kamen, die ihnen besonders gut liegen, uird die ihre Befähigung deutlich macht. Es glückten beide Abende. Aber es wäre eine Verschleierung des Tatbestandes, wollte man mit einem Die Kanalprojekte. Ausspräche im HauShaltauSschuft des Reichstags. In der Montagssttzung der Vereinigten Ausschüsse für den Reichshausholt und den Verkehr fand die ollgemeine Aussprache über die schwebenden Kanalprojekte statt. Das Kernproblein dieser ganzen Frage ist die Fortführung des Mittellands- k a n a l s von Peine bis Magdeburg, gegen die im Gegensatz zu den Auffassungen der Vorkriegszeit jetzt auch auf vielen Seiten schwere Bedenken bestehen, sowie die Ausführung de- sogenannten Südflügels des Kanals, nämlich des Verbindungsstückes niit dem Wirtschaftsgebiet der oberen Saale. Zur Erörterung stehen wsüer die Fragen des Rhein— Wcfcrkanals, des Küsten- kanals, des Neckarkanals, des Klodwitz— Hansa— Aachen— Rheinkonals. Als Unterlage für die VerHand- lungen sind den Mitgliedern der beiden Ausschüsie im Laufe der letzten Wochen von Interessenten und Gegnern Stöße von Gut- achten, Plänen, Karten usw. zugegangen. Der volfspartsilichc Abg. Dr. Cremer führte aus, daß nach seinen Berechnungen die bereits in Angriff genommenen Projekt« mit den Bau--und sonstigen Ausführungen, die sie im Gefolge haben müssen, 1% bis 2 Milliarden verschlingen werden. Solche ungeheuren Summen könnten, wenn überhoupl, nur durch Anleihen flüssig ge- macht werden. Man müsse auch bedenken, daß es den Kredit Deutschlands nicht erhöhen könne, so ungeheure Summen aus Anleihen für Unternehmungen auszugeben, die die Zinsen und Amortisation dieser Anleihen selber nicht decken können. Genosse Schumann erklärte, daß für ihn und die Sozialdemo- kratie bei der Prüfung aller Projekte lediglich rein Wirtschaft» liche Gesichtspunkte in Betracht kommen. Die Uebernohme des gesamten Eisenbahnnetzes der Länder durch das Reich habe auch UebZrgäng aller Wasserstraßen auf das Reich zur notwendigen Folg« gehabt. Das Ziel dieser Zilsammenfassung des gesamten Eisenbahn- und Wasserstraßenoerkehrs in einer Hand sei gewesen, beide Ver- kehrsmöglichketten genau aufeinander abzustimmen und einheitlich zu betreiben. Dieses Ziel sei durch die Dawesgesetze zerstört. Zln Slclle des Aufeinandercbstimmens sei eine große Verschärfung der Gegensätze zwischen Bahn- und Kanalfreunden getreken. An diese Verschärfung trage die Reichsbahn ein gut Teil der Schuld. Sie habe geglaubt,'zunächst allen Kanalprojelten gegenüber eine scharf ablehnende Haltung einnehmen zu können. Die wichtigste Auf- gäbe des verkehrsminifieriums fei es, die richtige Mitte zwischen den Fordeningen der Eiscnbahnfexe und der Kanalfexe zu finden, wenn durch neue Wasserstraßen nicht große Wirtschaft-- vorteile aeschasfen werden, dann solle man die Hand davonlassen. Seit 1913 seien an neuen Kanälen nur wenige Kilometer gebaut. gegenüber 12 831 Kilometer Wasserstraßen, die wir in Deutschland haben und deren Leisti-.ngsfäh'gkeit außerordentlich ungleichmäßig ist. Auf dem Rhein könnten Schiffe bis 4333 Tonnen verkehren. dann geht es hinunter bis zu 173 Tonnen, mit denen nichts anzu- fangen sei. Das Rückgrat der ganzen künstlichen Wasserstraßen in Deutschland seien die großen Ströme. Diese bewältigen allein etwa fünf Sechstel des gesamten Wasserstraßenoerkehrs, unb es fei daher die Hauplaufgabe, diese großen Ströme als Wasser. strotzen auf der Höhe zu hallen. Die Weserkanalisserung scheine ihm notwendig zu sein, auch das letzt« Stück des Mittellandkanals müsse fertiggestellt werden. tzakenkreuzlerterror m Köln. Ueberfall auf ein israelitisches Wahllokal. Köln. 14. März.(Eigener Drahtbericht.) Die israelitisch« Kultusgemeind« wählte am Sonntag in ihrer Revräsen- tantenoersammlung ihre Vertreter. Durch Terrorakt« eines Trupps Hakenkreuzler kam es dabei zu blutigen Schlägereien. Eine Anzahl Rowdies überfiel am Nachmittag ein Wahl-j lokal. Es entstand«in großes Handgemenge, wobei mehrere- Personen verletzt wurden. Die Polizei muhte eingesetzt werden, die unter Verwendung des Gummiknüppels Ruhe schaffte und einige schwarzweißrote Raufbold« oerhaftete. Der Terror der Hitlsrianer ist zu einer förmlichen Land- plage geworden. Wenn nicht bald von den Behörden derart durchgegriffen wird, daß diese Burschen zur Vernunft kommen, wird man wohl oder übel im Rheinland zur Selbsthilfe greisen müssen, was für die Hakenkreuzler peinlich werden könnte. anderen als einem problematischen Urteil dem Problem der neuen Dirigentengarde begegnen. Der Takt verbietet, viel von Wag- Halter zu erzählen. Einmal, weil er von seiner Tätigkeit an der Gregorschen und an der Charlottenburger Oper her in Berlin be- kannt genug ist: das anders Mal, weil gerade wir ihn bei allen Vakanzen als Prätendent öffentlich empfohlen hatten. Also nur so- viel: Seine„A i d a"- Interpretation war gekonnt, routiniert, leiden- schaftlich, glanzvoll. Und das, obgleich feine Tempi durchaus nicht die immer gewohnten waren, und obgleich ckr eine im Beginn deutlich fühlbar« Obstruktion zu überwinden hatte. Sehr bald berauschte die Musik Dirigent und Bühne und Orchester mit gleicher Macht. Di« Homogenität von Spiel, Musik und Tanz war hergestellt. Die Starre des Raumes wurde leicht, die Stimmgcfahr bei der Aida allmählich, die Gemütlichkeit der Amneris durch Lockerung ihrer herrlichen Bewegungskunst, die Unbeweglichkeii der Chöre durch Gewalt und Kraft überwunden. Der Wille des Kapellmeisters siegte. Robert D e n z l e r ist eine ganz andere Natur. Sachlich, streng, herb, ohne Sinn für Glanzlichter, für Effekte, für Hitze. Eine kühle Begeisterung geht von ihm aus. Die Ruhe und Sicherheit seiner Bewegung faßt klar Orchester und Sänger zusammen. Der Klang der.,Mcistersinger"-Partttur ist für D e n z l e r der kammermusi- kalische. Nicht gewohnt an das große Haus, dämpfte er gar zu sehr, lockt aber an bezeichnenden Stellen die Instrumente wohlig, nie ausdringlich, aus ihrer Ruhe. Temperament wird durch Fonngefühl zurückgehalten, und eine Brillanz der Dynamik fehtt wie' eine Brillanz der Stabführung. Man ist auch bei diesem Mann ge» borgen, der sein Handwert typisch deutsch beherrscht, und der auch in Momenten der Begeisterung beherrscht bleibt. Kein Publikums- dirigent mit Konzessionen, aber immer von kultiviertestem Gestbmack. In der Aufführung fiel besonders die frohe, natürliche, saubere Spiel- art des Ditterschen Hans Sachs angenehm auf. Italienisch« Musik, deutsche Musik. Die beiden Kunstarten waren bezeichnend von zwei entsprechenden Rassentypen des Diriqierens ins rechte Licht gesetzt worden. Zwei Erfolge. K. S. Ehrung deutscher Künstler. Thomas Mann, der in War- schau vortrage hielt, ist dort außerordentlich gefeiert worden. Max Reinhardt ist in Paris Gegenstand vieler Aufmerksam- leiten geworden. Gämier, der Direktor des zweiten Staatstheaters. lud ihn ein, bei der für Juni in Paris geplanten internationalen Theaterveranstaltung mit einer Truppe mitzuwirken. Deutschlands Erdölförderung befrag nach einer Skalistlk. die in der„Umschau" veröffentlicht wird, im Jahre 1324 63 333 Tonnen, so daß jetzt ein Zwölftel unseres Bsdarkes durch Eigenförderung gedeckt wird. Fast das ganze Oel in Deutschland wird in der Provinz Hannover gewonnen, und da wenig Aussicht besteht, neue Oelkelder bei uns zu entdecken, so sst das verfahren zur Derflüfsigung der Kohle für uns von besonderer Bedeutung. .Sünkllerische Formgebung des Nelches». Sonntag fand die Eröffnung der neuge-rdneicn ftSdkiichen Valerie in Nürnberg«lait, mit ber eine »om ReichSkunstwart Dr. R-dölab vorbereitete Ausstellung.KünsUerische Formgebung des Reiches- verbunden ist. Ein radiuwhaltiges Araa-Glimmerlager wurde in der Rühe von Lackeuv Sei Llennont-ckerravS(Frantreich) entdeckt AwWenfalle im KemeproZeß» Der Angeklagte Fuhrmann entzieht seinem Verteidiger das Mandat. Der heutige dritte Tug des Wilms-Prozesses bringt ein Massen- ousgcbot van erwa 5 0 Zeugen, die kaum heute alle vernommen merden dürften. Der Vorsitzend« ermahnte die Zeugen besonders eindringlich, die Wahrheit zu sagen, und erklärte:„Sie müssen und dürfen alles sagen. Es wird Ihnen nichts passieren. Wir werden Sie in jedem Fall?,u schützen wissen." Darauf stellte Rechtsanwalt Dr. Sock eine Anzahl Beweis- antrage über die Tatsache, daß dem Besehl zur Aushebung des kommunistischen Wassenlagcrs nicht Schulz, sondern.Hauptmann G u t k n e ch t gegeben habe. Hauptmann Gutknecht befinde sich in Britisch-Südwcstafnka. Er soll durch einen Konsul oder Bezirks- richter vernommen und feine Stimme durch Parlograph sestgestellt werden. Das sei nötig, um zu beweisen, datz die Stimme Gutknechts der des Angeklagten Schulz zum Verwechseln ähnlich sei. Vors.: Ein Eingehen aus diesen Antrag bedeutet Vertagung des Pro- zcsscs. Fuhrmann ohne Verteidiger. Einen Zwischenfall gab es, als der Verteidiger des Ange- klagten Fuhrmann, Rechtsanwalt Puppe, einen Beweisantrag stellt, ober dabei erklärte, daß dieser Angeklagte ihm den Auftrag zur Berteidsgung entzogen Hobe. Der Versuch, aus den Reihen der anwesenden Anwälte einen Offizialvertreter zu benennen, scheiterte an deren Widerspruch. Dr. Puppe hat seinem Kollegen Dr. Bloch gesagt, er würde dem Gericht davon Mitteilung machen müssen, daß Som.ncrfeldt vor seiner Vernehmung bei B l a ch gewesen sei! Dieser erklärt jedoch, es habe sich bei dieser Rücksprache nicht um den Prozeß, sondern um eine Schulden- angelegenhcit gehandelt. Nach längerem hin- und her übernimmt der zufällig im Saal anwesende Rechtsanwalt Hildebrandt die Verteidigung und die Verhandlung geht fort. Oberleutnant Held von der Infonterieschule in Dresden, der früher beim Wehrkreiskommando III tätig war, erklärte als Zeuge, er wijse vom Fall Wilms überhaupt nichts. Dagegen verbreitete sich der Zeuge über die Stellung des Angeklagten. Schulz habe Befehlsgcwalt gegenüber den Arbeits- kommandos direkt nicht gehabt. 3n dringenden Aöllen Hobe er selbständig gehandelt, dann aber hinterher die Sanktion des Wehrkreises eingeholt. V o rs.' Wie wurden strafbare Handlungen geahndet.— Zeug«: Durch sofortige Entlassung, da uns andere Mittel nicht zur Verfügung standen. Schulz als alten Soldaten war es klar, daß er Disziplinargewalt nicht besaß.— Vors.: Wurden Strafakten angelegt?— Zeuge: Darüber bin ich nicht ganz im Bilde.— Auf Befragen des Vorsitzenden, ob die Angehörigen der A. Ks. Ausweise bekamen, erklärte der Zeuge, daß die Offiziere seines Kommandos wenigstens solche Ausweise hatten. R.-A. Bloch: haben Sie Herrn StaNtien Befehle gegeben, die er ausführen mußte?— Zeuge: Befehle brauchte er als Zivilangestellter nicht anzunehmen. — Iustizrat Hahn: Was stand in den Zivildienstverträgen drin, besonders bei Buchrucker?— Zeuge: Der Wortlaut ist mir nicht bekannt.— Iustizrat Hahn: War darin nicht direkt aus die Schweigepflicht Wert gelegt?— Zeuge: Jawohl, das war bei der diskreten Tätigkeit der Arbeitskommandos auch not- wendig. Iustizrat Hahn: Wissen Sie. daß Klapproth zur besonderen Verwendung sür Schulz stand? Zeuge: Ich weiß nur. daß Schulz einige Leute als Baten, Ehaufseure usw. benutzte. Als dann dieser Klapproth mit der Polizei in Konflikt kam, ersuchte ich Schulz, Klapproth im Wehrkreis nicht mehr zu be- nutzen.— R. A. Hildebrandt: War den Offizieren ausdrückuckz gesagt worden, daß ihr Verhältnis zum Wehrkreis nur das des Angestellten zum Arbeitgeber war.— Zeuge: Direkt wohl nicht.— R. 21. Hildebrandt: Weshalb wurde dann das Verhältnis der Leute so verschleiert.— Zeuge: Weil mi-» Spionagetätigkeit abwehren mußten.— Iustizrat Hahn: Sind für die Arbeiter der Arbsitskommandos auch Jnvaliden- marken geklebt worden?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— Iustizrat Hahn: Wurden die Leute her Arbeitskommandos auch im Waffengebrauch exerziert?— Zeuge: Da die Leute mik Vossen zu tun hatten, mußten sie in großen Zügen damit um- gehen können.— Iustizrat Hahn: haben die Arbeitskommando Ls'lte mit der Reichswehr zm s a m m c n g e ü b t?— Zeuge: Mit der Reichswehr ni''r, eis-> vie ei' t in kleinem Ilmsang.— Iustizrat Hahn: Mußten sie Munition ins RuKrrevier bringen?— Vors. und Erster Staatsanwalt: Das gehör doch nicht hierher.— Iustizrat Hahn: Doch meine Herren es war so. daß die Leute der Arbeitskommandos sich als Soldaten fühlten, nicht als Arbeiter. die zu den Offizieren sagen konnten:„Ihr habt uns gar nichts zu befehlen." Zeuge: Gewiß haben wohl die Leute aus vaterländischer Gesinnung eine soldatische Auffassung gehabt. Auf weitere Fragen über die Stellung der Reichswehr zu den Arbeitskommandos antwortet der Zeuge ausweichend. Dr. Sack: Wußten Sie etwas von Femelistcn? Zeuge: Wir hatten nur Listen d?r Leute'n den Arbeitskommandos, andere L-tstcn hatten wir nicht. Dr. Sock: In der Presse wird es immer so dargestellt, als ob Schulz der„Macher des ganzen Ladens" gewesen sei. Stimmt dos? Zeuge: Schulz war nur eine ausführende Hand des Vehr- kreiskommandos. nicht eine selbständige Hand. Dr. Sack: Konnte sich aber vielleicht ein ähnlicher Eindruck bei den untergeordneten Leuten festsetzen? Zeuge: Gewiß, da viele Leute von ihm ein- gestellt wurden, bildete sich ein geryisses Abhängigkeits- aefühl heraus, oder besser gesagt der moralischen Verpflichtung. Iuizrat Hahn: Welche Dienstanweisung galt für die Arbeitskommandos, etwa die der Armee? Zeuge: Rein, es war eine besondere Anweisung. Iustizrat Hahn: Im Kottbusser Prozeß hat Oberstleutnant Bock ausgesagt, daß die Leute in den Arbeitskommandos derselben strengen Manneszucht unterlagen, wie die anderen Soldaten. Zeuge: Wer in die Ar- beitskommandos freiwillig hineinging, mußte sich den Vorschriften fügen. Vors.: Es war also freiwillige Unterordnung unter die Disziplin. Mir fällt da ein Wort des Kommandanten der freiwil- ligen Feuerwehr ein. der sagte: Bei uns ist freiwillig nur der Eintritt. Iustizrat Hahn: War die Festnahme eines Mannes, der einen Soldatenrat bilden wollte, oder gestohlen hatte, rechtmäßig? Zeuge: Im ersten Fall wäre die Festnahme ungerecht gewesen, im zweiten Fall hat jeder Mesch das Recht, einen Mann fesizu- nehmen, der sich eines Verbrechens schuldig gemacht hat. Nach weiteren Vernehmungen wurde die Verhandlung bis um 2 Uhr unterbrochen. ,volkstrauertag/ Zur Erinnerung an die im Kriege Gefallenen veranstaltet« der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge" wieder einen„V o l k s t r a u e r t a g". Von den sieben öffentlichen Trauer- seiern, die in Berlin am gestrigen Sonntag stattfanden, war die Feier im Reichstagshous die größte, hier sah man unter den Teilnehmern den Rcichspräsidenien hindenburg und Mitglieder der Reichsregierung und der preußischen Staatsregicrung. Stärker noch als im vorigen Jahr drängte sich die Empfindung auf, daß diese Veranstaltungen des Volksbundes nicht geeignet sind, all« Schichten des Volkes zu einer gemein- samen Kundgebung zusammenzuführen. Pfarrer Siems, der Präsident des Volksbundes, betonte in seiner Gedenkrede immer wieder, daß in der Erinnerung an jene uns teuren Toten doch das ganze Volt einig sein könne. Aber er versagte es sich nicht, die erledigte Person des früheren Kaisers hineinzuziehen, indem er von den zwei Millionen Toten rühmte, daß sie„ihrem Kaiser, Volk und Land die Treue gehalten haben bis zum Letzten". Uns scheint, gerade an einem Volkstrouertag wäre es richtiger, daß die mehr oder minder lauten Verehrer des 'rü Heren Kaisers wenigstens hier von ihm schweigen. Hot der ledner, der ihn nicht unerwähnt lassen zu dürfen meinte, vielleicht arauf angespielt, daß in der Stunde des Zusammenbruchs dieser Kaiser durch Flucht vor„seine m" Volt sich nach Holland in Sicherheit brachte? Ach nein, davon zu reden, hätte dem Volksbundpräsidenten wahrscheinlich als„Partei- Politik" gegolten. Er sagte auch nichts davon, daß wir heute eine Republik hoben, in der wir«inen Hort des Friedens sehen dürfen, vergeblich wartete man auf ein Wort gegen den Krieg, ver- geblich auf das Gelöbnis, daß all« Volksgenossen thrc ganz« Kraft etn'ctzen wollen und werden, ein« Wiederholung jenes grauenvollen Völkermordens zu verhüten. Uns predigt ein Dolkstrauertag: .Nie wieder Krieg!" Aber wer wollte das von diesem Redner erwarten? Bei seinen hinweisen auf Deutschlands Zukunft, hei seiner Mahnung, nach vorwärts zu blicken auf neu« Werte und auf neue Ziele, konnte jeder sich denken, was jedem nahe lag. Was die Rachekriegshetzer bei solcher Mahnung sich denken, wissen mir. Man braucht auch nicht darüber in Zweifel zu sein, was sie sich bei der Schlußansprache gedacht haben werden.„So schauen wir," sagte Pfarrer Siems,„in diesem Augenblick auf unseren großen Führer, unseren hindenburg. Bei den zwei Millionen Toten geloben wir ihm in ihrem Sinne und in ihrem Geist«: Vorwärts! Aufwärts! Deutschland muß leben!" Mit dem Gesang des Deutschlandliedes fielen die Teilnehmer der Kundgebung ein, dem Gesang der e r st e n Strophe und nur der ersten, wie das ihnen in die Hand gegebene Programm es vorschrieb. Die dritte Strophe, die Einigkeit und Recht und Freiheit als des Glückes Unterpfand preist, hätte wohl nicht zu dieser Feier gepaßt. Nach welcher Seite hin der„Volkstrauertaa" sich entwickeln will, das war auch an der Betonung des Militärischen zu erkennen. Im vorigen Jahr begnügte man sich noch mit dem Schmuck der Fahnen von Studentenkorps, deren Abordnungen in den Saal «inzogen. Diesmal kamen dazu noch alte Armeesahnen, die von der Reichswehr feierlich hereingetragen wurden. Und draußen vor dem Reichstagshaus, auf dem Platz der Republik, war eine Kompagnie Reichswehr aufmarschiert, zu der noch Schluß der Feier der Reichspräsident sich hinansbegab, um die Front abzu- schreiten. Die Forderung, einem„Volkstrauertag" alles Militärische fernzuhalten, wäre vermutlich eine von jenen„Sentimentalitäten", die Pfarrer Siems in seiner Gedenkrede ausdrücklich ablehnte. » Neben dieser großen Feier, an der sich Regierungsstellen und Behörden betelligten, fanden noch sechs weitere Kund- gedungen statt. In der S t a d t h a l l e in der Ktosterstraße, wo der Zentralverband der Kriegsbeschädigten sein« Mitglieder ver- sammelt. hatte, sprach der Reichstagsabgcordnete Thiel: im Lehrer- vereinshause am Alexandcrplotz nahm der Coriiasverband an der Feier teil, hier sprach Kaplan Fahsel. In der Hochschule für Musik veranstaltet« der Prooinzaloerein vom Roten Kreuz, Berlin, eine Feier, die von musikalischen Darbietungen umrahmt war. Auch für diese Feiern galt, was oben gesagt wurde. Es waren „ationalistifch-militaristische Verherrlichungen des Kriegssterbens und dem wirklichen Sinn eines Volkstrauertages so weit wie möglich entfernt._ Einbrüche am Sonntag. Mr 150 000 Mark Bente in der Markgrafcustrnhe. Außerordentlich große Beute machten Einbrecher, die im Lause des gestrigen Sonntags eine Seidengroßhandlung in der Markgrafenstraße heimsuchten. Di« unbekannten Berbrecher gingen vom Hofe aus vor, erbrachen eine Kellertür, kamen über eine Treppe gleich in den Laden und dann auch noch in das in dem großen Raum etwas höher gelegene Prioatkontor. hier erbrachen sie den Schreibtisch und stahlen die Portokasse. Aus den Fächern des Berkaufsroums und des Lagers nahmen sie die ganzen Kartons mit Seide aller Farben heraus. Im Keller leerten sie sie und packten den Inhalt zum Wegschassen in Säcke. Ohne bemerkt zu werden, verschwanden sie mit der großen Beute auf dem Wege, auf dem sie gekommen waren. Als der Wächter gestern abend um 10 Uhr seinen Dienst antrat, entdeckte er den Embruch und benachrichtigte gleich die Polizei des 13. Reviers. Eins Absuchung des Grundstückes hatte keinen Erfolg mehr. Die gkstohlene Seide hat einen Wert von etwa 130 000 M.— Auch an anderen Stellen haben die Sonntagseinbrecher gestern gearbeitet. Ev wurden nachmittags zwischen 8 und 3 Uhr, während sich die Käste im gemeinsamen Speisezimmer aufhielten, aus verschlossenen Zimmern eines Penssonotes in der Gegend des Zoo zwei kostbare Damenpclzmäntel gestohlen, ein Zobelmantel, der 25 000 M. wert ist und ein Persianer im Werte von 3000 M. Kiihlmanns Befinden weiterhin ernst. Das Befind!» des am Sonabend voriger Woche Unter den Linden bei einem Straßenunfall verunglückten Staatssekretärs a. D. v. Kühlmann, der in der Klinik Ziegel st raße Ausnahm« fand. h't nach wie vor unverändert. Der Patient hat die legie Nacht ein!- germaßen gut verbracht, und man hofft, falls keine Kcmplikationen eintreten, ihn am Leben zu erhallen. Tie Arbeitsiuvaliden protestieren. In vier großen Kundgebungen protestierte gestern der„Zentralverbond der Arbeitsinoaliden und Wllwen Deutsch- lands" gegen die beabsichtigte Verzögerung der Neuregelung der Rentenbezüge. Die Versammlungen waren sehr gut besucht, einige sogar überfüllt. Die Redner, Reichstagsabgeordneter Genosse Kar- st e n, Landtagsabgeordneten Genossen Michel und P f l a u m c r, referierten unter stürmischen Zustinimungen der Versammlungen über die Forderungen des Zentralverbandes. Mit 42 Mark im Monat soll ein Rentenempfänger seinen Lebensunterhalt bestreiten. Der Krieg und die Inflation haben dazu beigetragen, daß aus vielen produktiv Tätigen durch den gewalligen Derbrauch an Ar- bcitskröiten Rentenempfänger geworden find. Di- Rentenempfänger haben jahrelang ihre Beiträge bezahll und damit Anrecht auf Unter- stützung erworben. In der heurigen Regierung sitzen die Rechts- S-rteien, und jedesmal, wenn die Vertreter der Linksparteien die iegterung auffordern, zu den Forderungen der Arbeitsinvaliden Stellung zu nehmen, wird nur geantwortet, die Regierungsparteien sind sich noch nicht mit dem Finanzminister einig. Mll dieser Aus- rede haben sich die Regierungsparteien in den Ausschüssen und im Plenum herausgeredet. Das Zentrum wird um die Entscheidung nicht herumkommen. Die Regierung will nur kleine Zugeständnisse machen� Lg solle» die Renten der Invaliden, die schon vor dem Kriege Invalidenmarken geklebt haben, etwa 2 Mark mehr erhalten. Bei den Beratungen des Sozialetats muß die Regelung der Renten- bczüge geklärt werden. Unter reichem Beifall der Versammlungen konnten die Referenten feststellen, baß die Linksparteien jede Ge- legenheit benutzen werden, um bei den Etatsberatungen die Forde- rung der Arbeitsinoaliden zu unterstützen. Die am Sonntag im ganzen Reich veranstalteten Kundgebungen des Reichsverbandes sollen diesem parlamentarischen Kampf genügend Nachdruck ver- leihen. Nicht Abbau, sondern Auf- und Ausbc» der sozialen Gesetzgebung verlangen die Arbestsinvaliden und Witwen. Schweres Motorradungliick am Magcrviehhof. Ein folgenschweres Motorradunglück ereignete sich in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag auf der M a r z a h» e r Chaussee, in nächster Nähe des Magerviehhofes. Ein in flotter Fahrt heran- kommender Motorradfahrer fuhr mit einem Doppel- g e I p a n.n zusammen. Der Anprall war so heftig, daß der Molorradsührer, ein Kausmann Karl Willi M ü r s ch i n g aus der Longen Straße 109 und ein noch unbekannter Begleiter, der auf dem Soziussitz faß, in hohem Bogen auf das Straßen. Pflaster geschleudert wurden. Mürsching erlitt eine so schwere Schädelverletzung, daß er wenige Minuten später an der ilnfallstelle verschied. Sein Begleiter zog sich einen Schädel- bruch und eine schwere Kieferoerletzung zu und mußte in sehr bedenklichem Zustande in das naheliegende Huberwe-Kranken- Haus gefchaist werden. Sein Befinden gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Der Führer des Pferdegespannes blieb unverletzt. Nach seiner Aussage ist M. buchstäblich in sein Gefährt hineingefahren. Der dritte Dahlemer Banderolendieb gefaht. Nach langen und mühevollen Ermittlungen ist es dem Sonder- dezernat der Krimmalpolizei nunmehr gelungen, auch den dritten und letzten der Dahlcmer Vanderolendicbe zu fassen und hinter Schloß und Riegel zu bringen. Dieser dritte Täter war zunächst nur unter seinem Spitznamen„Otto" bekannt, und es dauerte geraume Zell, bis die Ermittlungen ergaben, daß er in Wirklichkeit ein 34 Jahre alter aus Schlesien gebürtiger Karl Spang war, der im Oktober v. I. aus dem Zuchthaus in Brandenburg a. d. h.. wo er wegen Geldschrankeinbruchs noch zwei Jahre zu verbüßen hatte, entwichen war. Alle Zlnzeichen deuteten darauf hin. daß der Entsprungene sich in Berlin aushiett, man konnte aber seinen Schlupfwinkel nicht ausfindig machen. Schließlich wurden die Lokale der Gegend am Gesundbrunnen ständig beobachtet und am gestrigen Sonntag mittag wurde Spang endlich in einer Gastwirtschaft in der Prinzcnallee erwischt. Er saß dort als harmloser Gast bei einem Glase Bier. Aus dem Polizeipräsidium gab er seine Flucht aus Brandenburg zu, will aber von dem Banderolendiebstahl in Dahlem nichts wissen. Die noch sehlenden Wertzeichen, die„Otto" süss Karl Spang zweifellos als Beuteonteil erhiell und von deren Ver- kauf er seinen Unterhalt bestritt, konnten bisher noch nicht entdeckt werden. Ehrung eines 7Zjährigcn Reichsbonnerkomeraden. Eine seltene Ehrung konnte gestern mitag der Kreisverein Charlollenburg des Reichsbanners seinem Kameraden Gerechter bereiten, der sein 79. Lebensjahr vollendete. Dem Kreisvorstand des Reichsbanners hatte beschlossen, dem Kameroden die Ehrenmitaliedschaft des Reichs- banners zu verleiben. Das Musikkorps des Kreises brachte einige Musikstücke zum Vortrag, dann sprach Kamerad Ackermann im Namen des Kreisoorstandes. Mit dem Wunsche, den rüstigen 2llteli noch lange in gewohnter Rüstigkeit in der Mitte der Kameraden zu sehen, schloß die kurze Ansprache. Ez folgte ein Vorbeimarsch des Kreisvercins mll Musll und Fahnen. Vit krach und Schläger«! gingen in der Nacht zum Montag leider die letzten Gäste der im übrigen harmonisch und erfreulicg verlaufenen Ausstellung„Deutscher Rhein— deutscher Wein", die gestern geschlossen wurde, auseinander. Zahlreiche Käste, djc eine Koje in der Funthalle am Kaiserdamm trog der eingetretenen Poli- zeistunde um Z Uhr jrüh nicht verlassen wollten, gerieten miteinander in Streit, der schließlich in eine Schlägerei ausartete. Etwa zwanzig Personen gingen auseinander mit Stöcken, Schirmen usw. los, wv-� bei drei Beteiligte durch Stockhielle und Fußtritte ver- letzt wurden. Pölizeibeamte mußten schließlich vom Gummi»» kniippel Gebrauch machen, um die Streitenden zu trennen. Drei Rädelsführer wurden verhaftet. Abschied im Polizelpräsidium. heute vormittag um 19 Uhr fand im Polizeipräsidium die Abjchiedsfeter für den scheidenden bisherigen Vizepräsidenten Dr. Friedensburg statt, an der außer dem Polizei- Präsidenten Vertreter sämtlicher Beamtenkategoncn und der Ange- stellten und Arbeit.'r der Behörde sowie Vertreter dis Offizierkorps und der Beamtenschast der Schutzpolizei teilnahinen. Polizeipräsident Zörgiebel richtete an den Scheidenden eine Ansprache, auf die Regierungspräsident Dr. Friedensburg mll Worten des Dankes erwiderte. Eisenbahners Tod. Ein schwerer Unfall ereignete sich heute früh kurz vor 8 Uhr aus den Fernbahnglersen zwischen den Stationen Lankwitz und S ü d e n d e. Der 31jährige Eisenbahnarbeiter Reinhold Strähler wurde von einem heranbrausenden v-Zug überfahren und aus der Stelle getötet. Die Schuld- frage bedarf noch der Klärung.— Ein weiterer schwerer Unfall trug sich in der Nähe des Bahnhofs Eharlottenburg zu. Der ö3jährige Arbeiter Paul Woirzowjky aus der Kantstr. 107 zu Eharlottenburg wurde beim Ueberschreiten der Geleise von einem Zug erfaßt und schwerverletzt. W. wurde in das West- cnder Krankenhaus geschafft, wo er hcffnungslos danieder- liegt. Auch in diesem Falle bedarf die Schuldfrage noch der Klärung. S. ftrel»— Kremberg. Achtung! heute, Montag, den U. März, abends 7'/, Ubr, bei Bieter, Diefienbachstr. 16. Zulammenkuntt aller in der Arbeit er- Iborlbeivegung tätigen Genossen. Erscheinen ist wegen der Wichligen Tages« ordnung unbedingt ersordeitich. Großer Zinanzfkanüal in Paris. 10 000 Personen NM 50 Millionen Frank geschädigt. Pari», 11. März.(Eigener Drahlberichl.) Da» große Ereignis von Pari» ist die gestern erfolgte Verhaftung eines der größten Flnanzbelrügcr Frankreich» in den letzten 30 Zähren, namens Rochette. Rochette hat bereits vor dem Kriege durch riesige Finanzskandale von sich reden gemacht. E» sind jetzt, wie bekannt wird, in den tchken Tagen über 10 000 Klagen gegen den Betrüger eingelauserr. die höhe der von ihm verübten B e- t r ü g e r e i e n soll sich auf rund 30 Millionen Frank belausen. Er hat durch mehrere durch ihn redigierte Finanzzeil. schrislen in der Provinz mehr als 10 000 Personen ver. anlaßt, gute Wertpapiere gegen andere zum Teil erfundene werllose Papiere umzuiauschen. Schweres Grubenunglück in Oberschlesien. veukhen. 11. März.(MTB.) Auf der Kleophosgrube fuhr am gestrigen Sontag früh um 6 Uhr der Steiger Eich mann mit fünf Mann seiner Belegschaft nach einer Strecke des Blücherschachtes, um ein- in Brand geratene Stelle abzudämmen. Alle sechs gerieten dabei in dichte Schwaden. Gegen 9Vi Uhr begab sich eine Rettungsmannschaft nach dem Schacht,, um sich über ihren Berbleib zu informieren. Die sechs Bergleute wurden nur noch als Leichen aufgefunden und dem Knopp- jchaftslazarett zugeführt. Eine Kommission de» Oberbevgamte-'. Sallowitz begab sich nach der Unglücksstelle, um eine Untersuchung vorzunehmen. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer im Reich. Nach dem Stande vom 1. März beträgt die Zahl der Rundfunkieilnehmer im Sende- bereich Berlin 399 180: München 98 653: Stullgart 19183: Breslau 93 386: Frankfurt a. M. 117 968: Hamburg 208 235: Köln 217 933: Königsberg i. Pr. 23 896: Leipzig 173 381. Gegen öie Reichsgerichtsurteile. Tie strafgesetzliche Verantwortung des Maschinensetzers. Im Mittelpunkt der zu gestern varmlttag nach dem Gcwerk- Ichkiftohaus einberufenen Aerfammlung des Branden- burgischen Masch Ine nfekerv-reins stand«m Bortrag des Rechtsanwalts Dr. S a m t c r über die letzten Urteile des Rciäisgerichts gegen Ardeiter und Angestellte de» Buchdruckgcmerbes. Er zeichnete noch einmal ein Bild von der Unhaltbarteit dieser Tcndenzurteile. die nicht nur dag Buchdruck- und Prestgewerbe zu knebeln droben. sondern die gesamte Arbeiterbewegung. Es könnte in der Praxis dahin sühren,' daß sämtliche Werke, die das Denken, Fuhlen und die Weltanschauung der Arbeiterschast schildern, unterdrückt und ein- f«zogen werden. Es hat den Anschein, als ob die Justiz einen ystematischen Fcldzug g c a e n die Arbeiter, l i t e r a t u r führen will, wogegen sich die Arbeiterschaft ganz ent- schieden wehren muß. Die Versammelten verzichteten aus jede Diskussion und legten ihre Auffassung in solaonder einstimmig an- genommenen Entschließuno nieder: „Die heutige Versammlung des Drandenburgischen Maschinen- sttzeroereins ist empört über die in den letzten Wochen von dem Reichsgericht gegen Buchdrucker, Setzer. Boten. Rodsahrer, Buch- Handelsangestellte, Buchhändler und Verleger erlassenen Urteile. Sie betrachtet diese als eine der Arbeiterliterntur, der Arbeiterklasse, der vroletarischcn Welt- und Geschichlsanschauung feindliche Recht- sprechung. die imter Verletzung des Wortlautes und des Geistes der Gesetze die Grenzen unter den, Barwand der Gesetzausleaung verletzt, um zu einem von vornherein juristisch sestgelegten End- eifekt zu gelangen, der eine politisch tcnöenzlöse Wirkung verfolgt. Diese Rechtsprechnng hat mit Recht die größte Unruhe unter den Arbeitern und Angestellten des Prcßgewerbes hervorgerufen und läßt die schlimmsten Folgen für die allgemeine Rechtsprechung befürchten. Die heutige Versammlung verlangt die sofortige Aushebung dieser Urteile und die Außerkrosisctzung der Strafvollstrcckungz- ersuchen durch das Rcichsjustizministerium. Sie fordert sosortrge gesetzliche Zusatzbestimmungen zum Schuge gegen diese uferlose Ve- drohung der Berussangehörigen des Drucke'. eigcwcrbes, zum Schutze der geistigen Kultur, des menschlichen Fortschritts und der geistigen Zulunst-aufgabcn der Arbeiterliteratur." Verhandlungen bei den Neichsvenva!tungen. Die cm Tarifvertrag füv die Rcichsvenvaltungen beteiligten Ar- belterverbände habe» kürzlich zu der Frage der Sündigung der Arbeitszeit und der L o h n b e st i m m u n g e n des Tarif. Vertrages Stellung genommen. Die Forderungen sollen noch näher formuliert und dein Relchesinonzniinisterium bei der Ausnahm« der Verhandlungen überreicht werden. Sie erstrecken sich aus die Ein» sührung der achtstündigen Arbeitszeit, eine zeit- gemäße Erhöhung der Löhne. Wie aus dem Reichrftnonzministerium mitgeteilt wird, finden die Lohnoerhandlungen für die Reichsarbertcr am Donnerstag, den 17. März, vormiltags. statt. Nach dem Wortlaut dos Ein- ladungsschreibens zu schließen, dürfte es sich dabei wahrscheinlich nur um eine Entgegennahm« der Arbeitnchmerforderungen handeln. �ua üem ver,ichenmgsgewerbe. Vom Zentralverbond der Ang« st eilten wird uns mitgeteilt: Der Reichstarifvertrag mit dem Arbeitgeber- verband deutscher Dersicherungs Unternehmungen ist vom Zentraloerband der Angestellten, Gedag und dem TcA. irrst. und formgerecht zum 31. März 1327 gekündigt worden. Die Vor- Ichläge und Forderungen sür einen neuen Reichstarisocrtrag sind dem Arbeitgeberverband bereits vor einigen Wochen zugestellt war. den. Der Arbeitgeberverband hat am IG. März dem rl)2l. schriftlich mitgeteilt, daß er es ablehnt, in Partcioer- Handlungen über einen neuen Reichstarisoertrag mit ihm einzutreten. Eine ablehnende Antwort erhielten auch der Gedag und der GdA. Der Grund der Ablehnung ist darin zu suchen, weil der Allgemeine Verband der Bersicherungsan- gestellten, der nur einen kleinen Bruchteil der Aer- sicherungsangtstellten vertritt, hinter dem Rücken der am Tarifvertrag beteiligten Gewerkschaften mit dem Arbeitgebcrverbond einen Tarifvertrag abgeschlossen hat. Mit diesem Scheintarifvertrag versucht der Allgemeine Verband der Versicherungsangestcllten, die Derstcherungsangcstellten hinsichtlich ihrer Gehälter bis zum 3 l. März 1925 wirtschaftlich zu knebeln. Der Zenttaloerband der Angestellten hat sofort gegen den Arbeitgcberverband deutsckzer Versicherungsuntcrnehmungen beim Relchearbeitsministerlum die Einleitung eines Schlich- tungsverfahren» beantragt. Die Berliner Versicherungson gestellten nehmen morgen, Dienstag, in den„Armin-Sälen". Kommandanten. straße, in einer öffentlichen Versammlung, in der der ReichsfachgruppenleUer, Kollege Drillte, referiert, zu diesen Vorgängen Stellung._ Wie Garöerobeufrauen bezahlt»e Ken. Das Gewerbegericht beschäftigte sich kürzlich mit der Klag« einer Garderobenfrau, die von dem Weinbaus M. K e m p i n s t i am Äursürstendamm den Tariflohn von wöchentlich 13 Mark sür dreizehn Wochen nachforderte. Außerdem verlangt: sie die Rück- Zahlung von 233 Mark sür süns Garderobenblocks, die sie dem Wein- restaurant abzuführen hatte. Vor Gericht wandte die Beklagt« ein, daß die Klägerin erheb- I r i n kg die sie von den Gästen(täglich etwa LGGG Personen) erhielt und von liche Einnahmen aus den Trinkgeldern abhobt hätte, denen sie..nur' Der Zentroloerbandsvertrcter, welcher der Termin beistand� geißelte nicht mit Unrecht die merkwürdige Lohn- Politik der Beklagten, die nicht nur ihre Garderobensrauen sozusagen IG Pf. pro Marke hä.te abliefern müssen. Klägerin in ihrem vom Publikum entlohnt wissen will, sondern außerdem noch an deren pieren möchte. Er DMi r weiblich» Personen überhaupt nicht gegen Prozente verwies weiter auf die g e- wonach im Gastwirisgewerbe Einnahmen partizipieren möchte. setzlichen Bestimmungen. weiblich»' beschäftigt werden dürfen. Dos Gewerbcgericht machte sich im wesentlichen die Ausführungen de, klägerischen Vertreter« zu«igen und stellte ousdrü-�. lich fest, daß die Firma Äernplnffi verpflichtet ist. ihren Garderobenfrauen einen festen Lohn zu bezahlen. (Berliner Tarif 23 Mark.) Unbenommen blieoe der Firma sa, ein» besondere Kasteite für die Aufnahm« der Trinkgelder bereit zu hasten und die Gesamtsumme nach Abzug des Tariflohnes in bestimmt ge- reget. er Weise zur allgemeinen Verteilung unter die Garderoben- frauen zu bringen. C�iglich mit Rücksicht daraus, daß die Klägerin innerhalb der dreizehn Wochen aus den Trinkgeldern einen gewissen Verdienst ge- habt hätte, schlug die Kommer einen Vergleich auf der Basis von 130 Mark vor, der denn auch zustande kam. „Tie Notlage der Bäckeruieistcr." � Der mst dieser Uebcrschrift versehene Bari cht in der gestrigen Sonntagsnummer des„Vorwärts" suchte in dem gegenwärtigen Lohn- streit die Interessen der Bäckereiarbeiter zu versechten und die von den Arbeitgebern bei Lohnforderungen stets erhobenen Klogen zu illustrieren. Dabei ist j-doch— wie uns vom Deutschen Nahrungs- und G e n u ß m i tl e in rb e i t er v e rb a nd. Orisvsrwaltung Berlin, mitgeteilt laufen, als die Statistik über die Bäckermsistern sich n> ch t a u f d i � v« u c. c,, bezieht, sondern aus die Bäckermeister in ganz Deutschland. Unter den etwa 3400 Berliner Bäckereibetrieben sind ungefähr 1500 Zwergbetrieb«, die ohne Gesellen, höchstens mit einem Lehr- lma. arbeiten. Der allein arbeitende Meister, für den übrigens die Gehilsenkordsrungen kein direktes Interesie haben, wird es nicht zum Hausbesitz bringen, wenn er nicht van vornherein Hausbesitzer war. Allein die wirtschaftlich unpünsiigere Lage dieser Meister tommt sür den gegenwärtigen Lohnstreit überhaupt nicht in Frage. Gegen- teil, sie können durch günstiger: Gestall der Lohn- und Arbeits- bedingimgen nur gewinnen. Sie sind auch kaum Freunde einer GGstündigen Arbeitszeit, zumal sie meist noch nach der Verrichtung ihres Arbeitspensums die Ebesrau im Verkaufsraum ablösen wüsten. Irgendein« Beleidigung der Bäckermeister, insbeiondere ober der Klein- und Alleinmeister lag unserem Benichterstaiwr vollständig fern. Es dreh!« sich, nie geiaft. darum, den Klagen der väckcreibe'itzer bei Forderungen der Bäckereiarberer die in der Statistik der Arbeitgeber im Bäckergewcrbe festgestellte Tatsache entgegenzuhalten. Protest der Bergarbeiter in der Tschechoslivakci. Prag. 12. März.(Eigener Drahtbcricht.) Die ilchechoflowakische Regierung bereitet einen Angriff vor, durch den die Ver�orbeiter und - Wlim n fch Weifen der Bergarbeiter schwer geschädigt werden sollen. Bor allem soll die seit Iahren beflehende selbständige Berg- arbeitcrversicherung aufgehoben werden. D:e B.'igorbeiier zeigen sich entschlosien, diesen Angriff ans ihre Eristenz mit allen Mitteln abzuwehren. Ihre gewerkschaftlichen Organi- sationen haben darum in einer gemeinsamen Sitzung zunächst be- Ichlossen, am Donnerstaa, dem 21. März,«inen eintägigen Generalstreik der Bergarbeiter in der ganzen Republik zu pro. llamiercn und an diesem Tag« Masscnprotestkundgebungcn t n allen Revieren des Landes zu veranstalten. Einigung in der Textilindustrie NordböhmcnS. Warnsdorf i. V.. 14. Mörz.(Eigener Drahtbericht.) Die Krise in der nordböhm'schen Textilindustrie der Dertragsbezirke Reichen- berg, Friedland. Rumburg, Warnsdorf, ein Gebiet mit über 60 000 Textilarbeltern, ist endlich� nachdem die Verhandlungen zweimal ab- gebrochen waren, am 12, März in Reichenberg beigelegt worden. Die alten Verträge bleiben bestehen und können erstmals am 1. Sep- tamber gekündigt werden. D e Arbeiterschaft hatte bekanntlich eine Erhöhung der Lohnsätze gefordert. Ter Streik in Polen»cht weiter. Warschau, 14. März.(Mtb.) Die Intervention der Regierung«. Vertreter bei den Lodzer Industriellen ist gänzlich ohne Crsoltz ge- blieben. Die Industriellen sind nach Lodz zurückgekehrt und der Streik geht weiter. Man befürchtet setzt einen Generalstreik. Am heutigen Montag sind die ersten Versammlungen der Arbester. Ichast angekündigt, in denen über den Genervlstr-lk Beschluß gefaßt werden so!!.__ Amerikanische(Gewerkschaften gegeu de« BolfchewismnS. Paris. 14. März.(Eigener Droh'.bericht.) Aus Rem York wird gemeldst, daß der Präsident der amsrikonischen Arbeiter-Föde- ration, Green, erklärt hat, die amerikanische Föderanon wolle in R u h l a n d alle Element« eifrig unterstützen, die sich die Bekamp- fung des Bolschewismus zur Auigabe gemacht hätten, genau so. wie sie früher die russischen Gewerkschaften unterstützt höbe, um den Zarismus zu bekämpfen. » Wenn der hier ausgesprochenen Absicht auch keine besondere praktische Bedeutung beizumessen iO. so ist sie doch bezeichnend für die Stellung der amsrikanisclren Gewerkschaften gegen die bolsche- wistische Einmischung In die Gewerkschaftsbewegung aller Länder. Zur Lohnbe-ve�uug der Bremer Bleiallardeitcr. über die wir in Rr. 118 d«s..Vorwärts kurz beridneten. fei bemerkt, daß die Forderung auf Erhöhung des Stundenlohnes um 6 Pf. lautet— nicht um 6 Proz. W» »ft m Chirlaitenkori 7 Uhr Hargaretlie. Abonn.«Turnus I. WMIIlM Korden 10334— 37 * Uhr ReiMv.Giieisfliis Morgen Bonaparte Jtose-Theater «<', Uhr: Ou MSiche» tob der LandttriuM moiöa-nieaier S'/, Uhr: MüIgWM hiMtt lugnfliAn nrMo Jfcmmerspiele Korden 1033�— J7 « Uhr Utit: IMIlsisiiM DicGefengene Die Konrädle BIsmarcK 341«. J3U i'i, Uhr: litt! Sirffftrmp! Die Perle IhHUlüll�ertpl Kurfürst 3091 8 Uhr; Max Adalbert in.MaUe«- Täglich 8 Uhr: Dsi Uiali ügciiH lunllsvu tiütb Uni läaiN, ue». Häijiiii. <«*ia Vilfu, Klkit OU& Wfcein» mit UKreö Brenn CamiOfiSpira Oenera. Kapfar, Bandaw Weilar. . aeiar u. A. BeMenhans Cegr. fJ6« t||?5€ MCjCr � 1,08 Das Saus der QualttatStvare «antzkrastr m/ l'ü Srnnme mfo Inlette, nur iederdiehta Qualitäten._ . Matallhetateilen. _____________ W,...... Bettfedarn Däaoan/ Steppdeckan Aaflasrreatratxaa al-racar Fabrikation Volksbühne«"M IllllU 2B BlüWUti 8 Uhr Traarasplel Morgen 8 Uhr Vo i p o n e Tu iQ fdiiiltaudiBm 8 Uhr: Bas Gnlmal i!« nnbEkanntOT Ssldatsa. Wallner- Theater 8', Oer Schlager g'/4 Das blonde Wunder CA5INO-THEATER s Uhr: IZüMlsMMIii öiessr Wu\\ Familie Kahenichtsl iRSHttBCitfeB Gutschein 1—4 Pari. Fauteuil nur l Mk, Sessel 1J8 Mk. ttolchshailen-Thealer Abends 8 U r u. Sonntag naenm. 3 Un; it Stettiner Sänger Das neue Programm I NidiQittos; läalbe knitt. volles Pftifimn! bönhoff>Brct|'i VartatS, Konrert. Tant. SV. Uhr: Ben Hur If. StaaihMiiä'» i äWm Vorr. nal c Kassen- preise von H Pf an tnlerieren brinr' EKPOLQ Lt-iS. flits:. Ertautailc jhMkknttb. iiMZüIlc.' Pumpe nfabrlk Derlla N«S, lilniinlirlef Str. 55 SerUnerelik-TrlO kJeuUölln. vS' uhns'.r.TI 7S< Sport. Das inlernaiior-ale Eishockeylurmer. Die letzten großen Turniertage im Berliner Sportpalast brachten den Veranstaltein sowohl am Sonnabend wie auch am Sonmag ein ausverkauftes Haus. Das größte Interesse der Zuschauer konzcn- stierte sich wieder auf die Eishockeywcttkämpi«. Dieser Sport ist so schnell beliebt geworden und hat in kurzer Zeit so viele begeisterte Anhänger gefunien, daß eine größere eissporiliche Ver- anstaltung ohne Eishockey kaum noch denkbar erscheint.— Am Sonnabend garen sich die London-Lions und Belgier das erste„Stelldich- ein" Dos Spiel endete mit einem Ueberraschungssieg der seor sympathischen belgischen Mannschaft, trotz der gelegentlichen Ueberlegen- heit der Lions. Mit tz: 4 Toren zogen sich die Belgier glänzend aus der Affäre. An der Niederlage der Engländer Hai ihr Torwächter. ein glatter Versager, besonderen Ameil. Die zweite Begegnung brachte die kombiniert« Mannschaft SE. R i 1 1 e r s e e- SC. Charlotten bürg gegen den Berliner Schlittschuh- k l u b aus die Eisfläche. Nach den beiden ersten Spieldrüteln war der Stand 4:1 für den DSC. Im letzten Teil klappten die ,„Kom- dinierten" ganz zulammen und mußten mit 1: 3 geschlagen das Feld räumen.— Am Sonntag erreichte das Turnier seinen Höhepunkt: London Lions gegen kombiniert: Risscrsee-Charlottenburg und Bel- gien gegen den Berliner Schlittschuhklub(BSC.). Nach einem inter- essanten, hitzigen, recht wechselvcll verlaufenen Kamps siegten die im letzten Spieldrittel stark aufkommenden Lions mit S: 5. Beim letzten Seitenwechsel war der Stand des Sv'els noch 5:3 für die Kombi- nierten(!). Schließlich errang der BSE. noch«inen knappen, ober verdienten 4:3- Sieg über die Belgier, die im letzten Teil des Spiels allein dreimal die Scheibe ins Berliner Tor jagten. Alles in allem ein großer Abend, der das Publikum wiederholt zu starkem Beifall hinriß.— Der Schnellaufwettbewerb Antwerpen— Berlin gestaltet« sich zu einem überlegenen Siege der Antwerpener Manb- schoft.___ Hennen zu ZNariendorf am Sonnkag, dem lZ. März. t. N e n n e n 1. Kepitnin Jdallt(2. JSrfhl, 2. n>ido Maaoivan, S Vunikr. Toi«: 177: 10. ff-las: 55. 22, Ü4:10. fternrr lieien: Dolerit. Kinoitern. t'wili», sannttigepiinz, LinSeott jr, Hofmelfterin, Weinbrand, tlrnstied, EraZmu», Eveit, Natal. Hkrilrller, Venu». Ilona W. 2. Rennen. 1.?Iga(tzauz jr.). 2. Per aipeto. S. Antenne. Toto: 17: in. Platz: 11. It. 11; 10. tzerner liefen: Tie Pub de, Lindow.Peter, Vichtelmann, Matth, Halle, l'sng Albeit. P.'inn! Halle, strebe-tnndis. 8. Rennen. 1. Lindowkind fy. Grigat), 2. PetionellaA.. S. Silla. Tote: 2-1:10. Platz: 2t. Z4, VS: 10. sterner liefen: Salome, st. Kära lier. «Hontzl'.ettz Kloria, Rbhiilab Siloer,!Ran!ua. Roraenla'i, N'tula, stiietzrich Rex. Jimiene, Dunojec. Prinz Kuckuck.Jiitereffent, Konsul. Höhensonne. 4. 8! e n n e n. 1. Karn-val lJ. Mill«), 2. Ziipengeier. i. PeSfackel. Tot»: 18:10. Platz: 10, 10. 11:10. sterner lieien: Jean Tortt.tz, Eadiac eixwottby, glatterrose, Progreh. klll'olb. Jnterbellant. ». Rennen. 1. Cofiino fI. Mills), 2. LudwiiR.. S. Mög'ich. Toto: S3: 10. Platz: 19, 18, 14: M. steinet lieien: Ave b.nt'er, Kinokön atn, Klettereoi«. Tina Satt», Ca'anoba, Radiola, Stogmoaul, Kurfürst, Aenedict. Erispa. S. St enn en. 1. Velwln(Jautz jr.), 2. Denkmünze. Z. Der Beste. Toto: 24:10. Platz: 12. 22. 14:10. derner liefen: ManzonareZ, König?- adler. Peter Hatvester, Ccenn(Kirl. Batniaib, Dolina, Jeanette, Rudi. 7. Renne n. 1. Eitelsried(G. Lauleiiherger), 2. BsISdam, 3. Einsicht. Tat»: 32:10. Platz: 18, 17, 37: 10 sterner liefen: Mistral. Kedestraum. Matedame, Propeller, Lach muskel, Isegrim, Lehedame, Str Eaitz, Ostmark. Eist, grank. 8 Rennen. 1. Olleb(B. Heckert). 2. Euda. S. P-u'a Singen. Tolo: 40: 10. Platz: 20, 27. ISO: 10. sterner liefen: Margot 1, Hetve« Prinz I. Printesstn Elaivad, Fürst, strancieeo. Blaumeise, Tudvra, Baron Axivorihtz, Katdatlna. Importeur, Aldalro?, Nxwortdy I., Tafna. veraniwortpch für Pvlitil: Sictoe Schiff! Mrtfchast: ch. 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Ems- Vveziälitllt: Bauchanzügr, footfbill!,� Kalpern, Stosenthalerstr. 4. arftr Etage. vis«in Regulator des Sleffweehsels Man eas» frisch« Früchte»or der Mahheitj m» verhindern des UeberrnaS, tu dem eine wohl rabe- reitete Speise uns allsuleicht treibt. Man esse auch Früchte während der Mahlreit, enn sie erzeugen den für die Verdainrng notwendigen Speichel. Dies frische Frucht nach der Mahlzeit ist Erfordernis des xuten Stoffwechsels und behebt die Trögheit des Körpers nach dem Essen. fMfacAttä undJhrbieibtgesund! Täglicher GenuB Irischer Früchte ist kein Luxuo, son'ern Notwendigkeit. Frische Früchte gibt es ru jeder Johresreit Heißes Ziironenwasser gegen Influenza!