Itr. 72» ♦ 44, �ahrg. Ausgabe A Nr. tS Bezugspreis. WSchentlich 70 Pkiiaie, moiMflUi 8.- Zikichsmart voraus»abldar. Unter r>reu»l>airt tllr Deutschland. Taiulio.»aar- und Wemeloebiet Ocilcrreich. Litauen. Luiemdur, ijß Acichsmarl. für das übnfl« Ausland äjfl Zicichsmart oro Monat. Der..DorwSrts� mit der Mulkier- te» Sonntagsbeilage»Boll und Zeit* iowie den Beilagen.Unterbaliuna «lno Bissen*»Aus der Kilmwelt*. »irrauenitinime*»Der Kinder- freund*..Lugend-VorrvZrts* und »Blick in die BUcherwelt* erscheint wochentäglich tweimal. Sonntag» und Montags einmal. Telearamm-Adreise:! »Sazialdemotrat Berlin» Morgen ansgabe ZZevlinev Volksvlakt �10 pksnnis) Anzeigenpreise: Die«inlvaltia« ZionvareMe- »eile 80 Pfennig. ReName, eile Reichsmark.»Kleine«»»eigen* das fettgedruckte Wort 25 Pfennig teuISfssa>wei iettaedruckie Bortet. jedes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuch« das«rli« Bari 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte Uber 15 Buch- Itaben Höhlen für»wei Borte. Arbeitsmarkt Keile 80 Pfennig. gamilienangeiaen für Abonnenten Keil« 40 Pfennig. Angeigen für die nöchfie Nummer müssen bis 4� Ubr nachmittags im Sauvtaefchäft. Berlin SB 88. Linden. Krasse 8. abgegeben werden. SeSkfnet von 8ib Ubr trüb bis 5 Ubr nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokrat! feben parte! Deutfchlands Neüaktion und Verlag: Heriin 6Ü). öS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 293-297. Jürgens freigesprochen. Fünf Monate Gefängnis für Frau Jürgens.— Fahrlässiger Falscheid. Aach mehr als fiebenstündiger Derawng wurde lm ZLrgens- Prozkh g?gcn 7 Uhr abends folgendes Urleil verkündet. Die Angeklagte Marie Zürgrns wird wegen Mein- e i d e s nach Z 157 des Strafgesetzbuches zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft als ver- büßt gellen. Im übrigen wird sie freigesprochen. ver Angeklagte Bernhard Jürgens wird frei- gesprochen. Die kosten de? Verfahrens, soweit Freisprechung erfolgte, werden der Slaalskajse auferlegt, im übrigen der Angeklagten Marie Jürgens. Die dem Angeklagten Bernhard Jürgens er- wachsenea notwendigen Ausgaben werden der Staats- lasse auferlegt. « Das-Urteil im Jürgens-Prozeß kam nicht überraschend. D'c LZummüng im Gerichtssaal, ein Barometer in jedem Pto�cs, mar f ü r den Angeklagten. Sie war es nicht zuletzt wegen der feindlichen Einstellung des Gerichtssaales gegen den ObeMoatsanmalt. Wenn die Antlage überhaupt irgend- welchc Chancen befaß, den Beweis der Schuld des Land- gerichtsdireklors Jürgens zu führen, so hat die Unfähigkeit des Oberstaatsanwalts Jordan sie oerscherzt. ZUs vor einem Jahr die ersten Nachrichten über die an- geblichen schweren Verfehlungen des Landgerichtsdirektors Jürgens in die Oeffentlichkeit drangen, horchte man auf. Ein Landgerichisdjrekwr unter der schweren Anschuldigung sin- gierter Einbrüche, Betrügereien und des Meineides! Daß aber diese Anklage gerade einem in so hohem Maße p o l i- tischen Richter treffen mußte, einen Menschen, der die schlimmsten Ueberlieferungen des preußischen Beamten in die Republik mitgebracht hatte, dem so schwer Belastendes aus seiner Hannoveraner Tätigkeit als Leiter der Abwehr- stelle nachgesagt wurde, einen kommissarischen Untersuchungs- richter am Staatsgerichtshof, der rücksichtslos gegen lommu- nistische Arbeiter. Opfer der politischen Irrungen und Wir- rangen gewütet halle, schien um so bedeutsamer. Hätte ein preußischer Staatsanwalt den Mut aufgebrocht, gegen einen preußischen Landgerichtsdirektor das Ermitt- lungsverfahren zu eröffnen, wenn er nicht s ch w e r w i e- gendeBeweise in den Händen gehabt hätte? Und hätten Landgericht und Oberlandesgericht Berhaftungsbefchwerden eines" Landgerichtsdirektors unberücksichtigt gelassen, wenn nicht schwerwiegende Verdachtsgründe vorgelegen hätten? So durste die Oeffentlichkeit auf den Prozeß gespannt sein. Der Verlaus der Gerichtsverhandlung ist bekarmt. Die Beweisaufnahme hat ergeben, daß einem bis zum Exzeß kor- rekten preußischen Beamten, einem Herrenmenschen, das Un- glück passieren mußte, sich an eine Frau zu binden, die aus ihrer Vergangenheit nicht allein einen guten Haushalt und einen nicht zu oerachtenden Nachlaß von ihrem ersten Manne mit in die Che brachte, sondern auch einen hysterischen Cha- rakter und ein« angekränkelte sitlliche Auffassung. Die Beweis- aufnähme ergach daß die Frau den Mann hintergangen hat, daß über ihrem Leben ein Geheimnis gelastet hat, das noch heute nicht gelöst ist. Wo hatte sie das Vermögen gelassen? Die Beweisaufnahme ergab ferner,— und die Urteilsbegründung hat das bestätigt—, daß die Frau nach der Art ihrer Persönlichkeit und nach der Lage der Verhältnisse die fingierten Einbrüche um des Verstcherungsbetruges willen hätte begehen köninen und daß sie einen Meineid geleistet hat. Und der Ehemann, der Landgerichtsdirektor? Wäre auch er fähig gewesen, an den fingierten Einbrüchen, falls sie von der Ehefrau begangen sein sollten, mitgeholfen zu haben? Das darf bestritten werden. Hat er aber einen Meineid oder einen fahrlässigen Falschheit geleistet? Das Urteil sagt nein. Selbst der Verdacht, daß er das getan hätte, be- stehe nicht. Sollte aber dem Landgerichtsdirektor Unrecht widerfahren fein, so wird man sich mit Recht fragen dürfen: Wenn gegen «inen Landgerichtsdirektor unberechtigt«in Ermittlungsverfahren eröffnet werden kann, wenn ein so hoher Richter ein Jahr in Untersuchungshaft festgehalten wird, und von einem Staatsanwalt eine Zuchthausstrafe von 2% Jahren beantragt werden kann, wessen hat sich dann der einfache Mann zu gewärtigen? Jürgens ist von der Anklage des fahrlässigen Fascheides freigesprochen worden.' Man mag über den juristischen Tatbestand denken, was man will, eins muß man aber verlangen. daß ein jeder deutscher Staatsbürger mit dem gleichen Maß gemessen werde. Der Ober- staatsamoall F r i e d e r s hat erst vor kurzem ein« Gefängnis- strafe von fünf Monaten über sich ergehen lassen müssen. Man hat diesen Prozeß eine deutsche Dreysusiaüe genannt. Der Oberstaatsanwalt Frieders hatte gegen den Stachel der Thüringer Reaktion gelökt. Wenn gegen den Sozialdemo- kraten L o e b nur halb soviel Verdachtsmomente vorgelegen hätten wie gegen Jürgens, so wäre er nie von der Anklage des Meineids freigesprochen worden. Was wird mit Jürgens nach dem Urteil? Als unabsetz- barer Richter wird er Landgerichtsdirektor in Berlin bleiben. Nach alledem, was über ihn und sein Leben bekannt geworden ist, wird eine richterliche Tätigkeit dieses Mannes in der Vor- stellung des einfachen Mannes eine große Belastung bedeuten. Sollte er wirklich weiter Richter in Strafsachen bleiben? Ober soll er über Hab und Gut seiner Mitmenschen zu entscheiden haben? Darf er auf das Vertrauen seiner Mitmenschen An- sprach erheben dessen ein Richter bedarf? /lbrüstungsöebatte im Unterhaus. Die Arbeiterpartei für ein Abkommen über Flottenabrüstung. l.' London. 14. März.(MTB.) Unterhaus. Der Arbeiterführer Amman erklärte, es könne keine bessere Zeit als die gegenwärtige geben, um allen anderen Nationen den aufrichtigen Wunsch zu zeigen, die Flottenausgabe zu vermindern. Die Maß- nahmen der Regierung in dieser Frage seien ungenügend. Um die Aufrichtigkeit Englands w der Frage der Abrüstung zu beweisen, müßten all« Neubauten, die dieses Jahr zwanzig Schiffe umfaßten, eingestellt werden, bis das Ergebnis der Konserenz bc- könnt ist. Amman wies weiter darauf hin, daß die neuen Kreuzer nach der E h i n a st a t i o n gingen und England das größte Kreuzer- geschwader m der Welt haben werde. Cr sagte, die Umgruppierung der Flotte in den östlichen Gewässern sei ein« Gefahr für den Wellsrieden. Es sei dieselbe Lage wie in der Nordsee vor dem Krieg. Man habe den Singapyre-Plan, die indische Flotte und die Versammlung dieser Streitkräfte in den Gewässern des fernen Ostens. Was sei der Zweck? Welches sei die Gefahr? Der konservative Admiral Reginald stall führte unter anderem aus: Bei der Abrüstungskonferenz dürfe England sich nicht auf das Verhältnis ö: S: 3 für Kreuzer beschränken, wie im Falle der Schlachtschiffe. In seiner amtlichen Laufbahn bei der Admiralität sei die große amerikanische Flotte niemals in die Berich- niingcn aufgenommen worden. Wenn zum ersten Male Amerika stch vis Feind klassifizieren wolle, so sei dies feine eigene Sache. England werde nicht gegen Amerika bauen. Es müste jedoch seine Hände frei haben, um seine Handelswege zu schützen, indeni Dp sich nicht an eine beftlmmt« Zahl bindet. � Der Liberale erklärte, es nähere sich rasch«in Punkt in der Geschichte der Flottenabrüftung, wo eine neue Krists entstehen werde, wenn die Periode des in Washington festgesetzten Abrüswngsobkommens zu Ende gehe, und es könnte leicht ein neuer„Ausbruch- de» Flollenbane» stattfinden. Der Arbeiterpatteller kenworthy befürwortete eine Int er. nationale Konvention der drei Hauptslottemnächte Groß- britannien, Amerika und Japan, daß sie einander im Falle eines nicht herausgefordetten Angriffes gegenseitig unterstützen werdcn. Kuomintangs vormarsth. Chinakriegsschiffe vor Schanghai unter der Kantonflagge. London. 14. März.(Eigener Drahtbericht.) Die letzten Meldungen über die militärische Lage um Schanghai werden in London dahin beurteilt, daß General Tschnng-Tschung-Tschang bereits j e g- liche Hoffnung aufgegeben habe, Nanking oder Schanghai zu halten und seine ganze Taktik daraus hinausgeht, die Verbindung mit dem Norden, seinem Hinterlande, aufrechtzuerhalten. Die Kantontruppen stehen SS Kilometer von Nanking entfernt. Der schon so oft angekündigte Fall Nankings steht angeblich unmittelbar bevor. Eine Meldung aus Schanghai besagt, daß die chinesischen maritimen Streitkräfte vor Schanghai sich weigerten, Tschang-Tschung-Tschang Folge zu leisten und berett» die Kuomintang- Flagge gehißt hätte». vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. öS, Linöenftr.Z PotttSecklont«: Berlin I? 88»— BanNout»! Bunt de» Arbelte». Auaesteitc» und Beamte». Wallvr. 85» Dilianto-Selelllchast Denasttrnkasse Lindeustr.». Minister und Unternehmer. Tie Wirtschaftspolitik als Magd des Unternchmerttims. Der Reichstag hat gestern mit der Beratung des Etats des Reichswirtschastsministeruims begonnen. Der Reichs- wirtschaftsminister hat die Beratung eröffnet mit einer Rede, die programmatisch sein sollt«, in Wahrheit aber zu erkennen gab: das Reichswirtschastsministerium läßt die Zügel schleifen. Es führt nicht, es wird geführt. Ueber dieser ganzen Debatte schwebte wie ein düsterer Schatten die Tatsache: wir haben zweieinhalb Mil- lionen Arbeitslose in Deutschland. An dieser Tat- fache kann keiner vorübergehen. Weder der Minister noch der Abgeordnete, weder der Unternehmer noch der Arbeiterver- treter. An diese Taffache knüpft die bange Frage an: was geschieht, um das Riesenheer der Arbeits- losen wieder in Arbeit zu bringen? Der Reichswirtschaftsminister des Bürgerblocks, Dr. Cur- tius, hat den programmatischen Satz geprägt: .Endziel der ganzen Rationalisierung muß die Wiederaufnahme aller brauchbaren Arbeitskräfte in dea Arbeitsprozeß und die Hebung der Kaufkraft der ganzen Bevölkerung seilt." Jawohl, das müßte das Endziel sein! In Wahrheit hat das deutsche Unternehmertum als Ziel der Rationali- sierang betrachtet: Steigerang der kapitalistischen Rente auf Kosten der Arbeiter und der Kaufkraft des Volkes! Und die amtliche Wirtschaftspolitik hat sich unter die Führung des Unternehmertums begeben. Herr Dr. C u r t i u s fft der Wirffchaftsminister des Bürgerblocks. Er verbirgt das wahre Wesen seiner Regierung hinter einer theoretischen Zielsetzung, die mit seiner eigenen praktischen Politik im schärfsten Widerspruch steht. In der Debatte gab der deutschnationale Abgeordnete Reichert, der Vorsitzende des deutschnationalen Jndu- striellenäusschusses, eine Erklärung dafür, wie dos Unter- nehmertmn die Ausführung dieses Programms auffaßt. Er sprach von den Erfolgen der Rationalisierang für breiteste Volksschichten, von einem Steigen der Löhne und der Lebens- Haltung, um schließlich auszurasen: .wenn einzelne Arbeitslose leiden, so dürfen Sie nschl übersehen. wie sich tsie Löhne der Beschäftigten entwickelt haben." Dieser Aussprach eines deutschnationalen Unternehmers, und dieser programmatische Satz des Reichswirffchaftsministers des Bürgerblocks— das ist das Gesicht des Bürgerblocks, das Wesen der Wirtschaftspolitik unter der Führung der Unter- nehmerverbände in Deutschland. Mit brutaler Rücksichtslosig- kett gleitet der Unternehmer über Rot und Schicksal der Arbeitslosen hinweg. Wenn auch einig« Arbeitslose leiden____ Es sind 2V4 Millionen, diese einzelnen Arbeitslosen, 2� Millionen. die Herr R e i ch e r t mit einer Handbewegung beiseite schiebt. 2� Millionen, deren Schicksal das Unternehmertum nicht kümmert. Man müßte die Arbeitslosen in den Produk- tionsprozeß eingliedern, sagt der Minister. Aber es bleibt beim Wort: der Unternehmer ist stärker. Für ihn existieren die Arbeitslosen nicht, er kennt nur seine Rente. „Die Nationalisierung hat uns doch wenigstens wieder eine Rente gebracht!" rief Herr Reichert voll Freude aus. Er will diese Rente mit Nägel und Zähnen verteidigen- Deshalb will er die Verlängerung der Ueberstundenwirtschaft, deshalb wehrt er sich gegen die Regelung der Arbeitszeit, gegen den Achfftundentag. Rationalisierung— das ist für ihn die Rente des Unternehmertums um den Preis der Ueberarbeit bei Maffeno�beitslosigkeit. Der Minister hat von Aufbau der Wirffchaftspolrtik auf wirffchaftswissenschaftlicher Erkenntnis gesprochen. Der Unter- nehmer hat gezeigt, daß im Bürgcrblock das brutale Klassen- interesse des Unternehmertums über die wirtschaftswissen- schaftliche Erkenntnis triumphiert. Das theoretisel?« Ziel des Ministers, und die Praxis der Unternehmer, sie sind nicht zu vereinbaren. Aber die Praxis des Ministers und die Praris des Unternehmers stimmen nur zu gut überein. Die Rednerin der Opposition, die Genossin Sender, hat den Worten des Minffters die Talsachen der deutschen Wirt- schaftspolitik gegenübergestellt, in wirkungsvollen, tempcra- mentvollen Ausführungen. Sie hat den Minister im Schlepp- tau der Interessentenverbände gezeigt. In der Tat: was hat der Minister getan, um seine theoretisch« Zielsetzung der Ein- gliederung der Arbeitslosen in den Produktionsprozeß durch- zusühren, um die Kaufkraft der ganzen Bevölkerung zu heben? Auf dem Gebiete der Handelspolitik: nicht Abbau, sondern Aufbau der Zölle, damit Hebung statt Senkung des Preisniveaus, Absperrung vom Ausland. Auf dem Gebiete der Kartellpolitik: kein Ein- schreiten gegen die Prei»diktatur, sondern Duldung und För- derang. Und auf dem Gebiete der Sozialpolitik: hat der Minister sich eingesetzt für eine Berlängerang der Arbeitszeit, für den Achtstundentag, für die wirksamste Bekämpfung der Ueberstundenwirtschaft, damit die Arbeitslosen in den Produktionsprozeß aufgenommen werden können? Er hat es nicht getan; denn er fft der Wirtschaftsminister des Bürgerblocks. SHcfc Relchstagsdebatk war«myrheuer lchnaich. Sie hat die traurige Situation der deutschen Wirtschaft gezeigt. aber auch die traurige Situation der deutschen Wirtschafts» Politik. Die soziale Not schreit zum Himmel, und die Leute vom Bürgerblock müssen sich mit chr auseinandersetzen. Es tut es jeder auf sein« Weise. Der eine mit Brutalität, der andere mit schlechtem Gewissen, das ihm schöne Worte eingibt. Aber ob Brutalität, ob schlechtes Gewisien: das Klassen- interesfe des Unternehmertums triumphiert, und die amtliche Wirtschaftspolitik wird zu seiner Magd. Herr Curtius hat einst, als er ausersehen war, der Kanzler des Bürgcrblocks zu werden, feierlich oerkündet, daß auch der Bürgerblock eine soziale Politik treiben werde. Er hat mit gemachter Entrüstung das Wort vom Besitzbürgerblock zurückgewiesen. Herr Curtius hat auch gestern wieder ver- sucht, dem Bürgerblock ein soziales Gesicht zu geben. Aber der deutschnationale Unternehmer hat ihm fast noch in derselben Stunde einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dieser Unternehmer, der Deutschnationale Reichert. das ist der Typ jener, die in Wahrheit die deutsche Wirt- schaftspolitik bestimmen. Die Rente über alles— mögen auch 2% Millionen Arbeitslose auf dem Pflaster liegen und die Arbeitenden unter Ueberarbeit seufzen! die Rente über alles — um den Preis der Verewigung des grotesk-grauenhaften Widerspruches zwischen Ueberarbeit hier, Masienarbeitslosig- keit dort. Soziales Gewissen? Das soziale Gewissen des Bürger- blocks kommt zum Ausdruck in den Worten:„wenn auch einzelne Arbeitslose leiden..." Wenn auch einzelne Arbeitslose leiden... Wir haben 2l4 Millionen Arbeitslose in Deutschland, und der Bürgerblock bestimmt die Wirtschaftspolitik! Erwerbslosen� unü Krisenfürsorge. Notwendige Massnahmen z» ihrer Verlängerung. Der bisherige Verlauf der Beratungen über die Arbeitslosen- Versicherung läßt keinen Zweifel mehr darüber zu, daß dies«, Gesetz nicht am 1. April in Kraft treten kann. E, ist deshalb notwendig, das Gesetz über eine Krisenfürsorg« für Erwerbs- lose, das nur bis zum 3t. März t927 gilt, unverzüglich zu ver- längern. Die Möglichkeit dazu bietet der Z 10 Absatz 2 des Gesetzes über eine Krifenfürsorge. Danach kann die Reichsregierung mit Zustimmung des Reichsrats die Geltungsdauer dieses Gesetze» verlängern. Es erscheint uns selbstverständlich, daß dieses ohne Ein. schränkung auf einzelne Berufe oder Bezirk« geschieht. Gleichzeitig muß auch für Berlängerung der Kurzarbeiterfürsorge und für die Beibehaltung der Unter st ützungssätze gesorgt werden. Das Reichsarbeitsnnnisterium hat d« Pflicht, die notwendigen Maßnahmen sofort zu veranlassen, damit die gegenwärtige Unsicher. hest beseitigt istl wenüung im Stahlhelm. Der Herzog von Stoburg Bundesführer. München, 14. März.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag ver- sammelten sich in K o b u r g die Größen des Stahlhelms. An ihrer Spitze der Bundesführer S e l d t e, der Putschist Ehrhardt und der ehemalige Führer der früheren bayerischen Einwohnerwehren Forstrat E s ch e r i ch. Lei dem öffentlichen Begrüßungsakt, an dem di» städtischen und staatlichen Behörden teilnahmen, wurde be- sonders der Beitritt des Herzogs von Koburg zum Stahl. Helm gefeiert, der, wie erklärt wurde, als erster deutscher Bundesfürst sich nunmehr aktiv an der oaterlärchischen Arbeit beteilige. In seiner Ansprache wies Kapitän Ehrhardt darauf hin, daß gerade vor sieben Jahren fein Versuche die heutige Staat». sonn mit Gewalt zu brechen, an der Gleichgültigkeit und Uneinigkeit der nationalen Führer gescheitert sei. Heute sei e, unmöglich. noch einmal»V Gewalt den Staat umkvanpelu m Aenderung könne nur durch inteusio« Kleinarbeit bewirkt werden. Zur Errichtung des neuen Staates müsse man in den jetzigen Staat hinein. Vahlaoftatt la deutstbösterrelch. Sozialdemokratische Erfolge. Drei Jahrzehnte sind oergangen, seitdem in Lltösterreich zum erstenmal das allgemeine Wahlrecht angewendet worden ist. Das war in der sogenannten fünften Kurie, die den vier Wähler- tlassen der Besitzenden angeschlossen wurde; danach sollte jeder über 24 Jahre alt« männliche Oesterreicher wahlberechtigt sein, und die bevorrechteten Wähler der oberen vier Klassen stimmten auch noch- mal in der fünften mit, auf daß die Besitzlosen mögllchst eine eigene Bertretung nicht erlangten. Die fünfte Kurie hatte zu den 353 Abgeordneten der Begüterten noch ganze 72 hinzuzuwählen. Es gelang der jungen österreichischen Sozialdemokratie aller Na> tionen, auf den ersten Anhieb 14 von diesen 72 Mandaten zu erringen, ungeachtet der gewaltigen Größe der Wohlkreise und trotz der zumeist noch indirekten mündlichen Wahl! Zwei von den damaligen 14 sind heute noch sozialdemokratische Abgeordnete: der Deutschböhm« Eduard Rieger im Rational. rat zu Wien und der Pole Jgnaz Dajzynski im Warschauer Sejm, dessen Vizemarschall er ist. Run steht die deutschösterreichische Sozialdemokratie wieder«in» mal vor einem großen Wahlkampf. Nicht mehr wie damals können die C h r i st l i ch s o z i a l e n in Wien durch ungeheuer st en Amtsmißbrauch de» städtischen Wahlamt«» die Wahlen fälschen, auch auf dem Laiche draußen geht da» heut« nicht mehr. Datum versuchen sie nun, durch den Schutzbundschrecken die Wähler einzuschüchtern. Wie gering ihre Erfolg- aussichten sind, hat sich erst jüngst gezeigt, al» drei Ge. meindevertrewngen in niederösterreichischen Landorten neu gewählt worden sind. In T u l l n gewannen unsere Genossen Stimmen, wenn auch nicht ein weitere» Mandat, während die Christlich» sozialen und Großdeutschen je ein Mandat an die Wirtschastspartei verloren: in Bruck an der Leitha konnten dl« vereinigten Bürger- lichen ihre Mandatzohl nur mit Rot und unter Stimmenverlust be» haupten, während unsere Genossen erheblich Stimmen und das Mandat der Kommunisten hinzugewannen. Und auch in dem Industrieort Breitenau war das Verhältnis da» gleiche: überall die Sozialdemokratie im Bormarscht So wird der 24. April ein Eiegeszug unserer Bruderpartei in unserem Lruderlande, der deutschen Alpenrepublik. sein. Kommunistisches Augebot und sozialdemokratische Autwort. Auf den Brief der kommunistischen Partetlettung. tn der diese sich bereit erklärt, bei den Wahlen Stimmabgabe für die Sozialdemokrtie zu empfehlen, wenn sich die Sozmldemokm- tische Partei verpflichtet, im Fall« der Eroberung der Mehrheit im Nationalrot gewiss« Forderungen der Kommunisten durchzusetzen, hat der sozialdemokratische Parteivorstand geantwortet, daß die Partei im Wahlkampfe nur für ihr eigenes Wahlpro. gramm kämpfe und sich, falls sie die Mehrheit erobere, nur von den Grundsätzen ihre» Programm» leiten lassen könne. Deshalb sei der Parteioorstand nicht in der Log«, zu dem Zweck der Wahl- Vereinbarungen mit anderen Parteien in Verhandlungen über das Programm der Sozialdemokratie einzutreten. Nach öer Ratstagung üke Rbrüsiungsfrage. Starke Gegensätze. Genf. 14 März.(Eigener Drahtbericht.) ver Bat» au». schuh für Abrüstungsfragen oersammelte sich am Montag unter L o r s i tz des deutschen Bertreter», Ministerialdirektors Göppert. zur Beratung der von dem belgischen Delegierten de Brouck�r«(Soz.) stammenden und gemeinsam mit Lord Rod»et»«eil»ch dm, WamSam Tltutefce Vorschläge für Anwendung von Art. 11 de» Völkerbundspakt» tq Fällen von Kriegsdrohungen. Der itaNenisch« Bertreter S c> a l o ja> sprach scharf gegen di« Dorlog«, indem er namentlich die Festlegung von neutralen Zonen bekämpfte.«Sin Standpunkt wurde jedoch vo» Lord Robert Cecil. de Brouckere, Benesch und Titutesco entschiede« abgelehnt. Der französische Bertreter Paul Boncour bezeich� nete den jetzigen Zustand al» ein«»icht für all« Fäll« au»« reichende Friedensversicherung. Am Montag nachmittag trat der Sonderausschuß zur vor« bereitung der Konserenz für die Kontrolle der Wossensodrlta- t i o n zusammen. Borsitzender wurde der deutsche Vertreter Graf B e r n st o r s f. Luch hier kam t* sofort zu einem starte« Gegensatz, indem der amerikanische Vertreter als Pro- gramm seiner Regierung die Ausdehnung der Kontrolle auch auf die staatliche Wafsensabrilation bezeichnet«, während der italienische Vertreter den Standpuntt vertrat, dah« sich nur um eine Konferenz für dl« Kontrolle der privaten Wassenher« stellung handeln könne. Die Vorbereitung ein» Prograrnment- wurfs wurde einem Unterausschuß überwiese», dem auch de Brouckere, aber nicht Paul Boncour angehört. Das oftoberschleftsche Schultompromkß. Nachprüfung in 1793 Fälle« erforderlich. Lei den Anmeldungen tn die deutsche Minderhettsschul« hat dt» polnisch« Regierung 7114 Anmeldungen für ungültig erklärt. Prä- sident Calonder hatte die polnische Zurückweisung in insgesamt 602 Fällen für berechtigt erklärt, und zwar in 14S Fälle» wegen mangelnder polnischer Staatsangehörigkeit der Kinder, w 301 Fälle» wegen mangelnder Erziehungsderechtigung der anzumeldenden Per- sonen, in 47 Fällen wegen Richtzugehörigtett zum Schuloerband, in 12 Fällen, weil der angemeldete Schüler für eine andere Schule bestimmt war. und in 7 Fällen, weil der angemeldete Schüler nicht mehr schulpflichtig war. In ollen anderen Fällen ging der Spruch dahin, daß die angemeldete» Schüler de» Mmderheitsschuleu über- wiesen werden müßten. Bei den jüngsten Senfer Erörterungen warde festgestellt, daß in 1427 Fällen, n» die deutsch« Sprache al» Muttersprach« ange- geben war und 2340 Fällen, wo die deutsche und zugleich die pol, Nische Sprache angegeben war, die Kinder den Minderheitsschule» überwiesen werden müssen. Da» jetzt abgeschlossene Kompromiß be- zicht sich auf die 1793 Schüler, für die allein die polnisch» Sprache als Muttersprache angegeben worden ist. In diesen Fällen soll eine Nachprüfung stattfinden. Es kann angenommen werden, daß von diesen Fällen eine größere Anzahl auch noch al» für di» deutsch« Minderhestsschul« geeignet befundeu wird. Relchstagspräsident Genosse Löbe wird am Mittwoch die Ktorff verlassen und in seine Wohnung zurückkehren. Sein Besinden Ist nach wie vor gut. Er wird ober zur völligen Genesung einen län- geren Erholungsurlaub nehmen müssen. Klara Zetkin soll in Leningrad schw«?»rtra«tt fei». hakenkrenzlerische hochschulbabe» tn Me» haben durch ihr» Pöbeleien jetzt auch die Schließung der WeUhandelshochichule er- zwungen. Bulgarisch« Faschistenburschen taten dabei mit, sie wissen, was di« Seipel-Regierung solchen Ausländern erlaubt. ver polnische Abg. IvojenmdfN. der seinerzeit vom Pllsudski- Organ und vom Vizekanzler Bartel als Lockspigel der politischen Polizei bezeichnet worden war, ist vom„Marschallsgericht", einem Sonderausschuß, den er zunächst als befangen ablehnen wollte,� rehabilitiert worden. Der Ausschuh erklärte die Beschuldigung sür haltlos. KerensN geohrfeigt. Als KerensN bei einer New Porter Feier des 10. Jahrestages der russischen März-Reoolution sprach(gegen die Sowjetregierung), wurde er von der Braut eines zaristischen Offiziers, die Kercnski vorwarf, am Tod ihres Verlobten schuld zu sein, geohrfeigt. Offenbar gründet sich diese Beschuldigung darauf, daß Kerenski den Krieg sottgesetzt hat, was ja zum Sieg der Bosschewiki führte. Kerenski bemerkte lediglich, daß monarchistische Offizier« eine Frau vorschöben. Die Bersammlung verlies stürmisch. pensionopolis. von Hermann Schützinger. Zunächst:„Pensionopolis" hat nichts mit Thea von Harbon» Musterfilm„Metropolis" zu hm und ist eine simple Erfindung d» „Lotal-Anzeigers" für seine Leser mit Offizierspension. Bekanntlich hat sich vor einigen Wochen die von der Rechten herausbeschworene„Denkschrift über die Pensionen und Wattegelder der Minister und Generäle" wie ein Donnerwetter über den Urhebern der Aktion entladen und die Tatsache ans Licht gebracht, dah für 1856 Minister, Staatssekretäre und Generale jährlich 23 Millionen Reichsmark aus dem mageren Staatssäckel hervorgeholl werden müssen. Selbstverständlich denkt kein Mensch daran, diese bedanernswetten „Großpensionäre" nun von heute auf morgen an den Bettelstab zu bringen und das Prinzip der Abgeltung ein» redlich erworbenen Ruhegehalts zum Schaden der gesamten Beamtenschaft zu durch» löchern. Dagegen gill». die krassen Auswüchse vor allem de» Militär- Pensionsetat, gründlich zu beschneiden und die Einkommen der in Handel, Industrie und auf ostelblschen Ritter» gütern recht gut untergebrachten„Doppeloerdiener d» ehemaligen Offizierskorps auf ein der allgemeinen Bolksoerornmng angepaßtes Maß herunterzuschrauben.' Änß die» sehr wohl möglich ist, beweisen die unter dem Ramen „Penstonopolis" im„Berliner Lokal-Anzeiger" kürzlich erschienenen „Bekenntnisse einer schönen Seele", die uns einen Rundblick in die „Mußestadt" des..Großpeusionärs'tun lassen, der der Komik keineswegs entbehrt.* Der verfasse? vergleicht die Lage der Militärpenflonäre kurz Noch dem Kriege, unter dem Druck der Revolution und der Inflation und heutzutage mit einer Wagenfahtt, in der es früher mal höchst ungemütlich war, jetzt aber recht konifottobel zuzugehen pflegt: „Genau in derselben Lage befinden sich jetzt unsere Pensionisten. Räch dem Kriege, da war das Gedrücktsein, Gedrängtsein, Zu- sammenpressen so groß, daß der Atem ausblieb, daß ein jeder fürchten mußte, aus dem Wagen, der das tägliche Leben hieß, herauszufallen." Man sieht, die Revolution hat den Herren mehr Schrecke» ein- gejagt als sie wahr haben wollen! „Und setzt, nach Jahren hat man sich eingewöhnt. Ja, ich habe sogar wiederholt alte, pensioniette Herren da» Monocle handhoben sehen. Die Enge wird nicht mehr als Schmerz, al» unerträgliches Uebel befunden. Es gibt Rundblicke. Man freut sich wieder der schönen Stadt Pensionopolis. Man sieht wieder ihr« Sonnenfellen, ihre schöne Lage, ihr gutes Theater, ihre Sammlungen, hött ihre Konzerte.-- Das Erholungsbedürfnis meldet sich. Nun gibt es wieder Klubs und Kränzchen und-- Kaffeesl Kaffees wie in alten Zellen!" Tränen der Rührung rollen dem.,Lokal-Anzeiger".Mann über die Backen herab! Und dann erzähll man sich in der„guten allen" Gesellschaft, der Onkel Stresemann und Papa Luther durch Aushebung de» „Pensionstürzungsgesetzes" neue Geldströme zugeleitet haben, aller- Hand Schauergeschichten au« der„guten" und aus der„bösen" Zell: „vor dem Kriege existiett« gar nichts in der Well, da» man sich nicht für sein Geld hätte kaufen können, vor dem Kttege hatte man nur gute und reichliche DienerschaftI--* Jetzt aber:„Und wenn auch in der furchtbaren Ktteaszeit der Herr des Hauses eigenhändig jeden Tag sein Viettellller Milch über die Straße trug und Kohlen aus dem Keller Holle— heute hat er wieder— Gottlob— sein Monocle im Aug«, heute ist er doch— nun selbswerständlich— immer noch ein ganzer Haufen mehr al» ungetttelte Leute und sieht sich schon bedeutend in seinem Lebens- wagen um." Und nun kommen die verdammten„Roten" und bedrohen den Traum Seiner Exzellenz von der„guten und reichlichen Dienerschaft" und von der Wiederauferstehung des„Monocles" über„ungetitelte Leute"— mit einem„Pensionskürzungsgesetz"! Zugunsten der notleidenden kleinen Beamten und der arbeitslosen Broleten sollen die Herren etwas zusammenrücken in ihrem„Wagen"? Ach was! Der schwarzblaue Block sorgt schon für die Unantast- batteit von Penstonopolis!_ • ver ArchiteNe». und Zngenirarverelu veranstaltet« im M e i st« r s a a l sein diesjähttge» S ch i n k« l- F e st. Im Anschluß an den Iahresbettcht des Vorsitzenden erfolgt« die Preisvetteilung an die Schinkel-Sieger. Den ersten Preis, die Schinkel-Plakette und 1700 Mark zur Ausführung einer Studienreise, empfing Regierungs- bauführer Fritz Ulrich-Aachen für seinen Entwurf sür Messebauten für eine norddeutsche Stadt. Den Festvottrag hielt Prof. Dr. P e t e r Behren». Er charokterisiette Schinkel als den genialen Bau- meiste?, der in seinem Schassen strenge Sachlichkeit mll künsttettschem Idealismus zu vereinigen wußte. Nicht der Stil seiner Werke, son- dern der Geist, der dies« Werk« erfüllt, hält uns die Arbeit dieses großen Künstlers lebendig. Peter Behrens erinnerte daran, daß Schinkel in seinen Bauten schon da» Nare griechisch« Kunstgefühl zeigte, da« wir eigentlich erst durch die Ausgrabungen Schliemanns kennengelernt hoben. Schinkels Werke sind nicht Kopien klassischer Bauwerke, aber sie weisen dieselbe Ruhe und Geschlossenheit, das- selbe Gefühl für Schönhell und Zweckbewußtsein aus wie dies«. Zum Schluß stellte Behrens die Frage, ob Schinkelscher Geist noch in dem Kunstschaffen unserer Zeit lebendig sei. Er kam zu der Antwort, daß dieser Geist, die Bereinigung von Idealismus und Materialis- mus, jede Kunst zu jeder Zell ausmache. Goethes Werk sei damit ebenso charakterisiett wie die Kunst der Gotik oder die wahre Bau- kunst unserer Zeit. Zum Beweise zitierte Prof. Behrens Aus- sprüche der modernen Architekten Aull und le Eorbusier, die trotz ihrer strengen Sachlichkeit doch immer in ihren Werken ein klares bewußtes Schönheitsideal verkörpern. S-z. Fränze Roloff und<£. C. Achaz gaben auf Einladung der Volksbühne im Bürgersaal des Rathauses einen Vortragsabend mit Werken von Mocleod, Ernst Stadler, Hans Siemfen und Knut Hamsun. Fränze Roloff la« zuerst eine finnische Sage von Maeleod, einen düsteren Bericht vom Lieben und Sterben eines finnischen Fischers. Wie ein sichtbarer Spuk wurde die Erzählung unter ihren Worten lebendig. Fränze Roloff bewies sich hier als eine Sprecherin von höchsten Qualitäten. Sie beherrscht das Instrument der Sprache mit Vollkommenhell: ihr leisestes Flüstern bleibt noch in jedem Winkel vernehmbar, und selbst Ihr schneidendster, lauter Ton geht nicht in Schreien über. Dabei hat sie jede Nuance in der Gewalt: ihr« statte Ettebniskrast wird nie von einer mangelnden Sprechtechnik gehemmt. Leider läßt sich das gleiche nicht von C. L. A ch a z sagen. Seine natür- lichen Fähigkeiten können sich selten frei zeigen, da er die Kunst des Sprechens nicht beherrscht. Wie häufig auf der Bühne, so schreit er auch im Vortragssaal zu viel, wahrscheinlich nicht, weil er Wucht mit Lauthell verwechselt, sondern weil bei ihm Wucht zur Lautheit wird. Aber abgesehen von diesen technischen Mängeln sprach er eindringlich und lebendig. Am stärksten kam Hans Siemsens„Auch ich— auch du. Aus den Papieren eines Irren" zur Geltung. Es war das innerlich packendste Werk des Abends, wenn auch nicht das künstlerischste. Grausam d«ckte dieser Monolog eines Wahnsinnigen die ganze heuchlerisch« Kullur unserer Welt auf. Tes. Was verdienen russische Autoren? Die Moskauer„Prawda" hat soeben eine Statistik über die Einkünfte sowietrussischer Autoren veröffentlicht. Man ersieht daraus, daß von 1312 Autoren 1061 cm vorigen Jahre nur 200 Rubel verdient haben. 147 Autoren hatten einen Verdienst von 600 Rubel. 57 Autoren tonnten 1200 Rubel Honorar buchen, und nur 28 waren so glücklich, je 4800 Rubel verdient zu haben. Es gibt trotzdem einige Autoren, die diese Ziffer unter sich lassen. So hat z. B. der populäre Dramatiker Romanschow an Tantiemen 7600 Rubel verdient. Andere Bühnen- autoren haben ein Honorar zwischen 2000 und 2300 Rubel buchen können, während andererseits ein gewisser Wolkenstein nur 100 Rubel im ganzen Jahre als Tantieme erhalten hat. Nicht viel größer waren die Einnahmen des Komponisten Ipolitow Iwanow. dessen Tantiemen sich aus 400 Rubel stellten. Zwei Autoren, die für die Arbeitertlubs Theaterstücke schreiben, haben dafür im ver- gangenen Jahre ganze 18 und 21 Rubel verdient. Eine außer- gewöhnliche Ausnahme stellten die Tantiemen des Dichterpaares Tschegolew und Tolstoi dar, die an ihrem erfolgreichen Schlager „Die Verschwörung der Zarin" in einem Jahr 33 000 Rubel ver- dient haben. Ihr nächstes Werk,„Asew", brachte ihnen aber nur 2000 Rubel ein. verichkignng. In das Referat über die Aufführung von„Ruy Blas"(gestrige Abendnummer) hat sich ein sinnentstellender Fehler eingeschlichen. In der 9. Zeile des zweiten Absatzes muß es heißen: „f ü r die empfindsamen Frauen, für die tiefen Denker und sür die schaulustige Masse".___ ONpreußen�nst w Bettln,«n her Deutschen KnnNgemein. s ch a s t imSchloh wird am 20. eine Ausstellung von(Aeinätde», Graphik und Plastik ogpreusischer Künstler eröffnet. Der Snnstsalon hirzel-Spanler. Gchillstr. 5. stellt im März Arbeiten van Adele Retsenb erg. Herta Wendhausen und«arl Hess» er aus. Die Ausstellung ist wochentags von 10—6 Uhr geöffnet. ver Zremdenserkehr In Italien Im Zahre lSZS. Der italienische fffternden- verkehrZverem Enit veiöffentlicht eine Statistik über den liremdenverkekr Italiens, im yabre 192«. Danach kam-n nach Jtalien 1100 000 Fremde. Der Natlonalitat nach setzt?« sich Die Reisenden zusammen auS: Deutschen 2ä2 000, Engländern 137 000. Franzosen 103 000. T'chechen, Unaarn Oesterreichern und Jugoslawen 170000, Amerilanern 140 000 uui, igüi* «nenlanctn 41 000. Reichswehr und Mrbeitskommanöss. Klärung im Prozeß Wilms.— Klapproth Bertrauensmau« der Reichswehr. Selbstbezichtignng des Schulz? Auch im weiteren Verlauf der gestrigen Verhandlung im Fememordprozeß Wilms standen zunächst im Mittelpunkt die Be- Ziehungen der Arbeitskommandos zur Reichswehr. Ausschlaggebend in dieser Hinsicht waren die Aussagen des früheren O b e r l e u t- nants v. Senden, der selbst Arbeitskommandoführer war. Ndchswehr und flrbeitskommanöos. Nach seinen Angaben wurden die Leute bei dem Eintritt zwar nicht vereidigt, aber zur strengen Verschwiegenheit ermahnt. Er selbst erhielt vom Reichs wehrgruppenkommondo bei seinem Eintritt die Anweisung, die Führer der Arbeilstommandos müßte« ihre Autorität durchsehen und die Leute militärischen Dienst versehen lassen. Oberleutnant Schulz habe bei einer Ansprach« erklärt, für die Mitglieder der Arbeitskommandos seien die Kriegsortikel maßgebend, vor den Ossizieren der Reichs- wehr Oberstleutnant Held und Lock oder Hauptmann kainer hätten Gruppen der Arbeitskommandos eine Gefechtsentwicklung gemacht. Danach sei die Gefechtslage besprochen und Kritik geübt worden. Schulz sei der direkte Vorgesetzte der Arbeitskommandos gewesen und von Major Buchrucker auch so bezeichnet worden. Ein Auftrag von Schulz galt als dienstlicher Befehl, der namens de» Wehrkreiskommandos erteilt wurde. Hauptmann Kainer von der Reichswehr versuchte bei semer Vernehmung die Angaben v. Sendens abzuschwächen. Den Mit- gliedern der Arbeitskommandos sei bei ihrer Einstellung lediglich mitgeteilt worden, daß sie sich ein Landesverratsverfahren zuzögen, wenn sie nicht reinen Mund hielten. Weder die Leute noch die Führer der Arbeitskommandos hätten einen berechtigten Grund gehabt, sich als Soldaten zu fühlen. Die positiven Angaben v. Sendens kann allerdings auch Kainer nicht entkräften. Klapproth— Vertrauensmann der Neichswehr. Fast sensationell wirkt« es, als in der gestrigen Sitzung zum «rnstenmal die Frage, welche Stellung Klapproth und die anderen z.b. V.-Leute nun tatsächlich einnahmen, klargestellt wurde. Ober. leuwant Held von der Reichswehr sagt aus, daß die z. b. V.-Leute den Auftrag hatten, Waffen, die von der preußischen Polizei be- schlagnohml worden waren, wieder helmlich zu entwenden. Der- artig« Defehle sind, wie auch Klapproth betont, direkt von der Reichswehr gegeben worden. Auch Hauptmann Kainer bestätigt, daß die Leibgarde des Schulz von der Reichswehr— z. B. auch von ihm— Aufträge bekommen hätte. Klapprolh sei der wann gewesen, auf den man sich bei allen schwierigen nächtlichen Ersastungen unbedingt habe ver- losten können. Hauptmann Kainer gibt weiter zu, daß im Zu» sammenhang mit den Arbeitskommando» Te« heimatten bestanden, die im Auftrage von Schulz ange- fertigt und beim Reichswehrkreistommando im Tre- s 0 r verwahrt wurden. Der Fall Wilms selbst wurde auch gestern— abgesehen von einer zwar aufsehenerregenden, aber noch mcht nachgeprüften Aus- sage— nicht wesentlich geklärt, v. Senden sagte aus, er habe Oberleutnant Schäl er, als sich Wilms mißliebig gemacht hatte, zu Schulz gesandt und ihn gebeten. Wilms abzulösen. Darauf sei Oberleutnant Stantien gekommen und habe Wllms mit- genommen. Als er Schulz die Verfehlungen des Wilms gemeldet habe, habe dieser ihm noch seiner Ansicht zum mindesten ge- antwortet, daß Wilm» abgeholt werde. Ob er dies auf eigene Initiative oder auf Vefehl des Wehrkreises getan habe, könne er nicht entscheiden. Wenn Zeuge Stein behauptet habe, sein Schwager sei Herr v. Kuhnheim und er Hab« bei ihm an Femebesprechungen teilgenommen, so müst« er beides als unrichtig bezeichnen. Hauptmann Kainer erklärt« bei seiner Vernehmung, daß der Befehl in S-achen Wilms tatsächlich vom Wehrkreis erfolgt fei. Wer den Befehl gegeben habe, wiste er nicht, doch habe er selbst, als er von den Verfehlungen hörte, gesagt, der Mann müsse versetzt werden. Er hob« nicht den Eindruck, daß die Fahrt Stan- tiens der erste Schritt zu dem schweren Verbrechen gewesen sei. Von den weiteren Zeugen schränkt bei der Vernehmung der Zeuge E n» k o t seine Aussage, Wilm» Hab« nach einem An- schnauz» de» Schulz»klärt,» wäre heute in d» Stimmung, den Kommunisten alles zu verraten, sehr stark ein, nachdem ihm Iln- richtigkeiten nachgewiesen worden waren. Monteur Kauffer, der sein»zeit im Döb«ritz» Lage war. bekundet, daß dort etwa 200 Kabelmusfen von d» Art lagen, wie man sie zur Beschwerung d» Leiche des Wilms benutzt hatte. Eine Selbstbezichtigung des Schulz! Oberleutnant a. D. Cckord Schöler, der bereits wegen des Mordes an Ponm» zum Tode verurteilt, ab» dann zu fünf Jahren Zuchthaus begnadigt worden ist, bestätigt, daß er an dem Tage nach der Festsetzung des Wilms auf Befehl v. Sendens Oberleutnant Schulz Meldung gemacht und daß dieser ihm erklärt Hobe, er werde Wilm« abholen last««. Er habe Schulz kurz darauf noch ein- mal aufgesucht. Bei dies» Gelegenheit erzählle ihm Fahl- busch, d» Ordonnanzdienst hatte, daß Wilms tot sei. Vach der Auffindung der Leiche de» Wilm» habe er Schulz bei ein» Unter- redung mit Vudzinski gekrofsea. Dies» habe»zählt, er müsse zum Polizeipräsidium zur Vernehmung. Schulz habe daraus sofort um Rachricht nach d» Vernehmung gebeten und hinzugefügt:„Wenn mein Freund Weiß wüßte, daß ich die Ermordung von Wilms an- geordnet habe, dann würde« sie sich mächtig freuen." D» Angeklagte Ludzinskl bestritt da» sehr en»gisch. Er sei nur einmal in ein» ganz anderen Sache von der Polizei vernom- men worden. Als die Leiche des Wilms gefunden worden sei, sei er längst nicht mehr bei der Schwarzen Reichswehr gewesen. Strefemanns Heimkehr. Dcutschnationales Durcheinander. In einigen Monaten wird man sicher mit dem Kopf schütteln, wenn man sich daran erinnern wird, worum auf der Märztagung des Völterbundsrates so heftig gestritten wurde. Einstweilen wirkt aber die künstliche Erregung, in die man sich während der ganzen vergangenen Woche gegen» seitig versetzt hat, noch nach, und besonders Herr E t r e s e- mann muß sich nach seiner gestern abend erfolgten Rückkehr nach Berlin weitere heftige Kritiken gefallen lassen. Es sind vor allem deutschnationale Blätter, also keine Organe der Opposition, die über ihn herfallen. Allerdings ist die Tonart sehr verschieden und man merkt es der Rechts- presie an, daß sie selbst noch gar nicht weiß, wie weit sie diesen Feldzug führen darf. Neben der„Deutschen Zeitung" sind es vor allem die Hugenberg-Blätter, die die schärfere Tonart vertreten und die, wenn sie auch nur acht Tage konsequent blieben, unvermeidlich eine Stresemann-Krise, d. h. eine Regierungskrise hervorrufen würden. Auch die„K r e u z- Z e i t u n g" fühlt sich aus Tradition verpflich- tet, Opposition zu markieren und Stresemann vorzuwerfen. daß er auf eigene Faust gehandelt und Kompromisie ab» geschlossen habe, für die er allein die Verantwortung trage. Die„Deutsche Tageszeitung" dagegen ist vor» sichtiger, denn die großagrarischen Kreise haben ein zu starkes Interesse an ihrem Regierungseinfluß, als daß sie das Spiel mit dem Feuer eines ernsthaften Feldzuges gegen Strese» mann wagen würden. Dieses Blatt läßt im Gegensatz zur „Kreuz-Zeitung" durchblicken, daß nach ihrer Auffassung das G e s a m t k a b i n e tt die Verantwortung für Strefemanns Kompromißabschlüsie dadurch übernommen habe, daß es ihm a b s i ch t l i ck> freie Hand gegeben hätte. Ueberhaupt ist die Kritik der„Deutschen Tageszeitung" an den Ergebnissen von Genf viel milder als die oer meisten anderen deutschnationalen Blätter. Sie besteht vor allem darin, daß die Frage aufgeworfen wird, ob es nicht doch besser gewesen wäre, es auf eine Abstimmung ankommen zu lassen und dabei zu unterliegen, als die formelle Zustimmung Deutschlands zu einer Lösung zu geben, bei der wir einerseits den eigenen Rechtsstandpunkt aufgegeben und dafür nicht einmal nennenswerte Konzessionen erzielt haben. Nach unserer Ueberzeugung ist Kritik an der Haltung der deutschen Delegation in Genf durchaus am Platze, aber aus einem anderen, hier bereits mehrfach dargelegten Grunde. Wir meinen, daß es ganz überflüssig war, ein« internationale Haupt» un'd Staatsaktion aus der Frage zu machen, ob der Dahnschutz S00 oder 800 Mann stark sein sollte. Darüber hätte man sich, wahr» scheinlich sogar mit größerem Enderfolg, schon vorher, zu Beginn der Ratstagung oder sogar noch früher, ver- ständigen können. Hier hat die Regie vollständig o e r s a g t und das Ergebnis jener in aller Oeffentlichkeit ausgetragenen Debatte war für Deutschland jedenfalls kein Gewinn. Viel geschickter ist in dem oberschlesischen Schulkonflikt verfahren worden, dessen Lösung sachlich auch wesentlich besser sür die deutschen Interessen war als m der Saarfrage. Aber alle diese Punkte der Tagesordnung waren ja gar nicht den Aufwand an diplomatischen Mitteln wert, der in Genf getrieben wurde. Ihre Regelung vermag uns trotz aller Schönheitsfehler nicht aufzuregen. Viel wichtiger uno bedauerlicher erscheint uns die Tatsache, die man leider als Fazit der gesamten Tagung feststellen muß, daß der Rück- schlag in der deuisch-fronzLsischen Verstän- digungspolitik unverkennbar ist. Dies» Rückschlag ist zum guten Teil eine Folge der deutschen Rechtsentwicklung und ihreH Wirkung auf die öffentliche Meinung der ganzen Welt. In einer Zeit, in der die weltpolitische Lage durch den englisch-russischen Konflikt und durch die Aaressivität des Faschismus besonders gekennzeichnet wird, wäre ein Fort» schreiten der deutsch-französischen Verständigungspolitik not- wendiger denn je. Hier gilt es für olle Freunde des Friedens und der Demokratie den Hebel anzusetzen und dafür zu sorgen, daß die gleichen innerpolitischen Boraussetzun» gen geschaffen werden, ohne die der große Fortschritt der Jahre 1S2S und 1926 nicht möglich gewesen wäre. Ein Kartellkontrollamt geforüert. Gegen die Preisdiktatur der Kartelle. Im Reichstag ist zur zweiten Lesung de» Haushalts des Reichs- wirtschaftsministcriums eine Entschließung Müller-Fran- ken(Soz.) und Lemmer(Dem.)«ingegangen, in d» gefordert wird, die Reichsregierung zu ersuchen, im Hinblick aus die ständig gefährlicher werdende Wirksamkeit der Kartelle und ähnlicher Monopolorganisationen. die stch durch ihre monopolistische Beherrschung de» Markte» nicht nur zu ein» großen Existcnzgefahr der weit«rv»arbeitenden Industrie auswachs«, sondern auch durch die Hochhaltung unberechtigt hoher Preis« den Warenverbrauch und die Lebenshaltung des Lölkes verteuere, die Gesundung der Wirtschaft und die Unterbringung d» Erwerbslosen verhindere; 1. dem Reichstage bald«ine Borloge zu unterbreiten, die die Errichtung eines Kontrollamte» für Kartell« und alle Unter- nehmerorganifationen oder Unternehmungen anordne, die nach Größe und Art goeignet seien, einen wesentlichen Einfluß auf den Markt auszuüben: 2. bei der Weltwirtschaftskonferenz dahin zu wirken, daß mtt» Mirwirtung des Bölterbundes Vereinbarungen der Staaten über die Kontrolle international» Monopolorgani- sationen, insbesondere auch über die Geschäftspolitik der Rohstoff» Monopole, getroffen würden._ Reichsgericht gegen Kpd. Eine verworfene Revision. Leipzig. 14. März.(MTB.) Der dritte Strafsenat de, Reichsgerichts verwarf heute die von der kommunistischen Arbeiterin Auguste Bartels eingelegt« Revision gegen das Urteil des Schwurgerichts in Göttingen vom 10. Novembep 1926. Dieses lautete gegen die Angeklagte Bartels wegen Sprengstoss- tomplotts aus 5 Jahre Zuchthaus und gegen ihren Sohn wegen Beihilfe auf 6 Monate Gefängnis. Das in d» Wohnung der Frau Bartels verabredete Komplott auf«inen deutsch- nationalen Gutsbesitzer war auch ausgeführt worden, hatte jedoch nur wenig Schaden angerichtet: Frau Bartels hatte ihre Mitwirkung zugegeben. Ein»faules Kompromiß". Der Provisorische Finanzausgleich vor dem Stencransschntz. Unt» groß» Beteiligung von Ländervertretern und Abgeord- neten begann d» Steuerausschuß de» Reichstags am Montag die Beratung der Uebergangsregelung des Finanzausgleichs. Die Anträge der Regierungsparteien haben sowohl bei den eigenen Anhängern als auch bei den Ländern Gegnerschaft ausgelöst. Co spricht die»Kölnische Zeitung", das Hauptorgan d» Deutschen Volkspartei, von einem faulen Kompromiß, da» einen Sieg der bayerischen Auffassung darstelll. Der verkrek» von Sachsen bekämpfte die Anträge der Regie» rungsparteien, well sie den Grundsatz der bi-herigen Regelung verletzen. wonach jedes Land drei Viertel des Auskommens an der Einkommensteuer erhallen müsse. Die neu« Dorschrist sei staats- rechtlich d» erste Schritt zur Einführung eines Lastenausgleichs unter den Ländern zu Lasten der Länder. Man nehme also den Ländern den Rest ihrer Selbständigkell und drücke sie aus das Niveau der Gemeinden herab. Der Derlreler Hamburgs schloß sich diesen Darlegungen an. Hamburg werde durch die Vorschläge der Regierungsparteien um 3,6 Millionen geschädigt, Sachsen um 4L Millionen. Bremen ungefähr um eine Million. Den Vorteil hätten die agrarischen Länder, in erster Linie Bayern. Der preußische Finanzmiuister Höpker-Aschoss tellte die grundsätzlichen Bedenken Sachsens. Die Ueberweisung von 2,6 Milliarden fei ab» kein Geschenk an die Land». Preußen habe durch Senkung d» Gerichtskosten. Erhöhung des Wohnungsgeldes durch die Mietsteigerung. Beseitigung des Zuschlags zur Grund- erwerbssteuer und durch etwaige Beseitigung d» Getränkesteuer eine Minder ei nnahm« für Staat und Gemeinden von etwa S6 Millionen. Dem stehe nur eine Mehreinnahme von 52 Millionen gegenüber. Deshalb sei die Erwartung aus Sand gebaut, daß nach dem neuen Finanzausgleich die Länder die Real- steuern senken könnten. Die Beseitigung der Getränke- steuern sei falsch und gefährlich. Ihre Erträge machen überall ein Fünftel bis ein Drittel der Gewerbesteuer aus. Werde die Gettänkefteuer beiseitigt, so wird in sehr vielen Industrie- gemeinden die Möglichkeit vernichtet, die Gewerbesteuer herabzudrücken. Als erster Redner der Opposition kam Genosse Dr. Hertz zu Wort: Bei den neuen Vorschlägen der Regierungsparteien han- bell es sich um ein Kompromiß rein parteipolitischer Art. Sachliche Gründe sind zu sein» Rechtjerligung nicht aozu- führen. Es ist ein glatter Sieg Bayerns, das jetzt end- güllig den Beweis geliefert hat, daß ihm seine Eigenstaattichkell gegen finanziell« Zugeständnisse seil ist. Der rückständige Partiku» larlsmus Bayerns, das sich jeder wirksamen Reform seiner Ver- wallung, der Herabdrückung seiner Ausgaben und der Erhöhung sein» Einnahmen widersetzt, wird gefördert. Mit d» Begünstigung Bayerns geht einh» die Begünstigung oll» Staaten mit agrari- schein Eharakln aus kosten d» industriellen und großstädtischen Lcvölk»ung. Das ist um so ungerechter, als diese Gebietsteil« die notleidendste Bevölkerung haben, die ohnedies am stärksten belostet ist. Die Vorschläge der Regierungsparteien belasten auch den Reichsetat so stark, daß die Gefahr eines Defizits bzw. die Drosselung der sozialen Ausgaben und die N i ch t h e r a b- setzung der Zucker st euer droht. Dah» fei auch die Beseiti- gung der Getränkesteuern, durch die den Verbrauchern keinerlei Nutzen»wächst, unverantwortlich. Wir fordern für die geschädigten Semeinden vollen Ersatz. Zw ganzen gesehen, sei die Neuregelung eine Bestätigung sür die Gefahren des Besißbürgerblocks. Die Besitzbelastung wird abgebaut, die Wassenbelasluna erhöhl, die unteren Schichten de» Volke» werden in ihr» Lebenshaltung beeinträchtigt. Abg. Dr. Fisch»(Dem.) lehnte die Vorlage ab. Das setziae vorgehen sei nicht nur ein« Förderung des Föderalismus, sondern sogar des engstirnigen Partikularismus. Im Gegensatz zu dem.,»! sozialdemokratischen Redner vermißte Dr. Fischer eine ousreichende Berücksichtigung d» Interessen der Wirtschaft. Auch gab er der Befürchtung Ausdruck, daß neue Besitzsteuern notwendig würden. Die Emkominensteu» müsse ermäßigt werden. Auch sei ein Zwang zur Herabsetzung der Realsteuern angebracht. Die Verlängerung des Finanzausgleichs auf zwei Jahre verewige die finanzielle Vor- macht d» Länder. In sehr gereizt» und nicht immer glücklicher Form polemisiere d» Reichsfinanzminffter Dr. Köhl» gegen die Redner der Oppo- sition. Man kann ihm gewiß zugeben, daß es wertvoll ist, wenn er noch weitergehende Wünsche Bayerns abgewehrt hat. so die be- sondere Umsatzsteuergarontie und die Erhöhung des Anteils an der Einkommensteuer von 73 auf 90 Proz., ebenso die Erweiterung des § 33. Das ist aber kein« Rechtfertigung für die Zu- geständnisse. die auf anderen Gebieten gemacht wurden und die da« Reich ebenso schädigen wie die leistungsschwachen Länder und Gemeinden. Weder Dr. Becker noch Dr. Köhler haben den Versuch gemacht, den Vor- wurf zu entkräften, daß die Neuregelung des Finanzausgleichs nicht auf sachlicher Grundloge, sondern entsprechend dem Diktat Bayerns auf rein parteipolitischer Grundlage erfolge. Das ist schließlich das best« Eingeständnis welch schlechte Sache die Regierungsparteien vertreten. Regkerungsverhanülungen in Thüringen. Weimar. 14. März.(Eigener Drahtbericht.) Als Vertreter des plötzlich erkrankten Lolksparteilers Bauer trat am Montag der Abgeordnete W i t t m a n n- Gotha an die sozialdem»'.-�- tische Fraktion zwecks Verhandlungen über die Regierung»- bildung heran. Di« von den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion Frölich und Hermann geführten Verhandlungen mit Wittmann hatten lediglich informatorischen Charakter. Ein belgischer Genosse als„üentscber tzelü". Seltsamer Mummenschanz in der„Deutschen Tageszeitung". Heute soll im belgischen Parlament üb» Eupen-Malmedy verhandell werden. Darüber ließ sich die„Deutsche Tageszeitung" gestern aus Brüssel folgendes telegraphieren: Dienstag wird der deutsch« Abgeordnete Somer- Hausen die Regierung über ihre Eupen-Malmedy-Politik inter- pellieren. Als Auftakt zu dieser Interpellation haben die Ein- wohner von Eupen und Malmedy eine Erwiderung aufdie abschlägige Antwort der belgischen Minister nach Brüssel gerichtet, in der es wörtlich heißt: „Der Abgeordnete Somerhausen, welcher bis jetzt unser Selbstbestimmungsrecht verteidigte, wird in kurzen, in der Kammer hierüb» interpellieren, und wir hoffen, daß dieser Ruf zu ein» gerechten Lösung der Frage führen wird." Diese Art der Berichterstattung fordert geradezu die nationalen Lyriker heraus. Somerhausen, deutscher Held, der drüben in „Feindesland" tapfer für deutsche Belange ficht... Am Ende gar macht ihm eine deutsche Gutsbesitzerstochter«inen Hcirotsantrag. Wir warnen— sie würde enttäuscht sein! Somerhausen ist kein Deutscher, sondern ein Belgier, ußd«in Sozial» d e m o k r a t. Bloß weil die Leser nicht erfahren dürfen, daß Sozialdemokraten für internationale Gerechtigkeit kämpfen, macht die„Deutsche Tageszeitung" einen«deutschen Abgeordneten" aus ihm. Kapitalistische Kurzflchtkgkeit. Die Eingabe der Industrie- und Handelskammer. In unserer gestrigen Abendausgabe haben wir die Eingabe der Berliner Industrie- und Haudeiskanimer zur Frage der Arbeitszeit bereits aeröffentlicht. Man muh schon sagen, dah sich die Berliner Industrie- und chandelskommer nicht gerade angestrengt hat. Ihre Argument« muten wie die ältesten Ladenhüter an, die man vor 25 Jahren gegen den Achtuhrladenschluh ins Feld sührte. Es scheint ihr eine gottgewollte Einrichtung, daß die Bequem- lichkeit der Unternehmer und der Äunden nicht gestört werden darf. Es erscheint ihr„wirtschaftlich untragbar�, wenn die Austräge und deren Ausführung so verleilt worden, dah Arbeitslosigkeit und maß- lose Ueborarbeit einander nicht ablösen oder nicht, wie gegen- wärtig, nebeneinander bestehen. Der himmelschreiende Mißstand, daß Arbeiter und Angestellte monatc- ja jahrelang arbeitslos sind und die Oefientlichkeit und schliehlicb die Wirtschaft belosten, während gleichzeitig Ueberstundcn geleistet werden, scheint der Industrie- und Handelskammer von Berlin völlig unbekannt zu sein. Zu der Eingabe der Berliner Industrie- und Handelskammer kann man nur sagen, daß sie wirtlich anders ausgefallen wäre. wenn die in der Verfassung vorgesehene paritätische Der- tretung der Arbeiter und Angestellten erfüllt wäxe. Es würde dann vor allen Dingen wohl die Frage zu beantworten sein, ob es wirlschoitlich und sozial tragbor ist, daß in einem Lande, dcsion erwerbstätige Bevölkerung zu drei Vierteln sich aus Lohn- und Et-baitsempfängern zusammensetzt, eine Arbeitszeit von mehr als acht Stunden noch zugelassen werden kann, solange Millionen von Arbeitern und Angestellten vergebens nach Beschäftigung Ausschau hasten.> Wenn die Industrie- und Handelskammer von Bertin wirklich das Gefühl für eine wirtschaftliche Verantwortung besäße, so müßte sie gerade in dieser Frage mit großer Energie die Einreihung der Arbeitslosen in den Produktionsprozeß fordern. Als einseitige Vertretung der Unternehmer denkt sie aber nur an den Profit von beute und verschließt ihre Augen vor den unabwendbaren Folgen, die die Ausrechterhaltung des gegenwärtigen Zustandes nach sich ziehen muß. verKieick im SankgewLkbs. Der Allgemeine Verband behält fich feine Stellung vor Zu dem am H. März d. I. im Reichsarbcitsministerium abge- fchlosisnen Vergleich zur Beilegung des larifkonfliktes im Bank- gewsrbe erstchrcn wir vom Allgemeinen Verband der Bankangc- stellten, daß dessen Zentraloorstand in dem Vergleich gegenüber dem im vorigen Monat ergangenen Schiedssprüche keinen Fort- schritt zu erblicken in der Lage ist. Da jedoch der Deutsche Bant- bcamtenuercin und der Deutschnationale Handlunasgehilsenoerband, wie auch der Frankfurter Kasienboicnucrband diesem Vergleiche bereits ih'-e Z u st i m m u n g gaben, hielt der Allgemeine Verband es für richtig, vor feiner endgülligcn Stellungnahme die Meinung seiner Ortsgruppen einzuholen. lieber den Inhalt das Vergleichs erfahren wir: Die Urlaubsregelung wird gegenüber dem Schiedsspruch vom Lfobi'uo!" zugunsten der Angestelllc» verbessert. Es verbleibt m0*'n1 Schiedsspruch novgeschenen Gehaltserhöhung von - Proz. An Stelle der im Schiedsspruch vorgesehenen tarifvcrtrag- lichen Verpflichtung zur Auszahlung eines halben Monatseinkommens om 15. Dezember übernimmt der Reichsverband der Vantlcüungcii die Verpslickitung. seinen Mitgliedern die Auszahlung l'i empfehlen. Die vachstehenden Banken, Eommerz- und .Zrioatbank, Donatbank, Deutsche Bank, Disloutogesellschast und Dresdener Bank haben sich bcoeits im Anschluß an die VerHand- lmigen verpflichtet, dieser Empfehlung seinerzeit Folge zu leisten. Notgcsetz vnü christliche Metallarbeiter. Ablehnung des Regierungseutwurfs. Am Sonntag fand in Duisburg eine ooni chrisllichen Metall- orbeitcrverbond einberufene Konferenz der Metallarbeiter für die eiscnschoifende Industrie statt, die von 5(X> Delegierten aus ollen Teilen Deutschlands besucht war. Die Konserenz nahm zu den schwebenden sozialen und wirtschaftlichen Fragen, besonders aber zu der Frage der Arbeitszeit Stellung. Aus dem eingehenden Referat des ersten Verbandsoorsitzenden Wieder(M. d. R.), des zweiten Vorsitzenden Schmitz und einer ausgedehnten Diskussion ging klar die Forderung nach Wiedereinführung der drei- geteilten Schicht in der Schwerindustrie und des Acht- stundentages als h ö ch st z u l ä s s i g e Arbeitszeit in der Schwerindustrie hervor. Die Konferenz nahm scharf Stellung' g« gen die Ucbcrstunden und die Sonntagsarbeit. Infolge der Ra- tionalisicrungsmoßnahmen seien die Gefahren für Leben und Gc- sundheit der Arbeiter erheblich verschärft, was die Steigerung der llnfallziffer« beweise. Wirtschaftlich seien die verlangten Re formen der Arbeitszeit durchaus tragbar. Die wirtschaftliche Loge der Schwerindustrie sei sehr günstig. Die allgemeine Signatur sei: Steigerung der Produktion und der Preise, billiger« Erzeugung, Sicherung der Absatzgebiete, Besserung des Beschäftigungsgrades und größere Gewinne. Diese Tatsachen böten die Möglichkeit, die ver- langte verkürzte Arbeitszeit zu tragen. Den Regierungsent- w u r f zur Arbeitszeitverordnung lehnte die Konferenz als u n- befriedigend ab und hiell eine Reihe von Verbesserungen für unbedingt geboten. Eine befriedigende Lösung der Arbeits zeitfrage fei nicht möglich ohne entschiedene Selbsthilfe in den ge werkschaftlichen Organisationen. gonfm oller SM.'MiedS' nnö SelveMaslssuMMre heule vieuslag, dem IS. März 1927, abends 7 Uhr. in den MnsikersSlen, Kaiser- Mlhelm-Slraße Zt »Der Kampf um den Achlstundentog." Reserenl:«enofle S. Ans Häuser. M. d R.— Aussprache. Wahl von drei Mitgliedern zum erweiterten Vezlrksvorstond. Wir ersuchen alle Anukllanäre. an dieser Konferenz teilzunehmen. Innftlanäransweis und Parteibuch mllbringenl Lctriebssekretariot. Der neue Reichstarif der Schuhindustrie. Pfennig Lohnerhöhung. 25 Prozent Ueberstuudeazufchlag. Frankfurt a. M, 14. Mörz.(MTB.) Aus Anlaß der Heber- reichung des Abänderungsaniroges zum Reichstarifvertrag für die Schuhindustrie hatten die Gewerkschaften vor einiger Zeit den Fabri- kantenverbänden neue Lohnforderungen unterbreitet. In dieser An- gelegenheit haben nun in der vergangenen Woche in Frankfurt a. M. Verhandlungen stattgefunden, die zu einem beide Teile be- sriedigenden Abkommen geführt haben. In der Arbeitszeit- frage wurde festgelegt, daß die Ueberarbeit mit einem 2Sprozentigen Lohnaufschlag vergütet werden muh. In der Urloubsfrage ist keine Aenderung eingetreten, bis auf den Fortfall der Bedingung, daß die Arbeiter bereits vier Wochen im Betriebe beschäftigt sein müssen. Der Mindest lohn eines männlichen Arbeiters über 21 Jahre der Ortsklasie I ist um vier Pfennige auf 78 Pfennige pro Stunde erhöht worden. Für die Akkordarbeiter ist die Lohnerhöhung in die Akkordsätze umzurechnen. Eine Kündigung des neuen Lohn- tarifes ist vor dem 1. Oktober d. I. ausgeschlossen. ver Konflikt im Nuhrbergbou. vergeblicher Einigungsverfuch. Essen. 14. Marz.(WTB.) Die Schlichtungsverhandlungen im Ruhrbergbau, in denen die hauptsächlichsten Streitpunkte betreffend die Arbeitszeit. Urlaub und Gedingeregelung ausführlich erörtert wurden, führten, wie zu erwarten war. zu keiner Einigung zwischen den Parteien. Nach vielstündigen Verhandlungen wurde eine Schlichterkammer gebildet, die unter dem Vorsitz des Schlichters, Landgerichtsdirektors Dr. Ivetten, morgen zusammentritt. vie Lohnverhandlungen der Reichsarbekter. An den Gemeinde- und Staatsarbeiterverdand ist zn L o h n> Verhandlungen für die Reichsarbeiter eine Ein- ladung des Reichsfinanzminssteriums zum Donnerstag, dem 17. März, ergangen. Nach dem Einladungsschreiben zu schließen, dürste es sich dabei wahrscheinlich nur darum handeln, daß dos Reichsfinanzmini- sterium zunächst nur die Forderungen der Arbeitnehmer des Reiche» entgegennehmen will._ Lohubeweguag der ftfphalteure. Die Fachgruppe der Asphaltenre und deren Hilfsarbeiter des Deutschen Baugewerlsbundes. Baugewerlschaft Berlin, beschlossen am Sonnabend nach einem eingehenden, die zeitigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse würdigenden Referat von Link, das bestehe,»de Lohnabkommen zu k ü n d i g« n. Die Aussprache war nur kurz und bewegt« sich im Sinne des Referenten. Folgende Entschließung wurde einstimmig von der stark besuchten Berfammlung ange- nommen: .Die heutig« Fachgruppenversammlung der Asphalteure der Baugewerkschast Berlin erklärt nach reiflicher Erwägung, daß die heute noch geltenden Löhne, die durch die Lohnoereinbarung vom 2. Juli 1925 festgesetzt wurden, in keinem Verhältnis mehr zu den Ausgaben für die Lebenshaftung stehen. Die Lebenshaftungsindex. Ziffer"" p" als für �ie Straßen-, Hoch- und Untergrundbahn tritt mit dem 15. März ein. Aus all diesen Gründen beschll« Zeßt und beauftragt sie die Fachgruvpenleltuvg, das Lohnabkommen zu kündigen und mit der Unternehmeroereinigung Verhandlungen anzustreben." Weiter wurde beschlosien, jede Ueberstundenarbeften abzulehnen. Der Lohnkonfiikt in der Rheinsthlffahrt. Die verhandluttgea gescheitert. Duisburg, 14. März.(Eigener Drahtbericht.) Die Lohnverhand- lungen für die Rheinschiffohn sind gescheitert, weil die Arbeitgeber eine Herabsetzung der Gehäller und Löhne verlangten, was von den Gewerkschaften nicht nur abgelehnt, sondern mit der Forderung auf weiter« Erhöhung der Löhne und Gehäller beantwortet wurde. Die Gewerkschaften haben zahlreiche Versammlungeu einberufen, in welchen zum Lohnkonflikt und zur Arbeitszeftfrage Stellung ge- nommen werden soll. Lohnbewegung der rheinische» Bautechnikcr. Köln. 14. März.(Eigener Drahtbericht.) Der Bund der tech- nischen Beamten und Angestellten. Gau Rheinland-West- folen, tellt mit, daß die tariflichen Gehaltssätze für die Ange- stellten im Hoch-, Beton, und Tiefbouaewerbe(Tarif- vertragsgebiet Westdeutschland) für den Monat März gekündigt wurden. Auf die bisherigen Mindestgehäfter wurde eine Er- höhung van lö Proz. gefordert. versthSrfmig lm polnischen Textilarbeiterstreik. Einiguag in Bielist. Lodz, 14. März.(Eigener Drahtbericht.) In Bielitz ist es am Montag zu einem Vergleich zwischen den Textilarbeiicrn und den Industriellen gekommen, der eine zehnprozentig« Lohnerhöhung vorsieht. In Lodz hat sich dagegen die StreiNag« ganz bedeutend verschärft. Nachdem die In- dustriellen trotz der von Regierungsseite erfolgten Intervention die größte Unnachgicbigkeft an den Tag legten, haben die Berufsver- bände in Lodz beschlossen, den Streik auch auf die anderen Arbeitsgebiete auszudehnen, und, wenn nötig, den Generalstreik. zu proklamieren. Die Regierungsbehörden haben inzwischen jede Versammlung unter freiem Himmel oerboten, so daß in den wenigen großen Sälen der Stadt täglich mehrere Kundgebungen der Arbeiter stattfinden, die vor. Zehntausenden besucht sind. Die Arbefter sind entschlossen, an- gesichts des unnachgiebigen Standpunktes der Industriellen, bis zur vollen Erfüllung ihrer Forderungen zu kämpfen. Einscherk Wegen Ecke Cammer Straße. berg, gesperrt. Lohndifserenzen ist der Bau Osnabrücker Arbeften der Firma Mittog-Sprem- Deutscher Holzarbeiterverband. Mäezsei» Freiteg, 18. März, Saalbau Friedrichabain, Am Fried» richzhaiu 16—23. Ernst Toller svricht, Alfred Beicrle rezitiert. Orgel,- j Vortrag, Kroße-, Sinfonieorchester, u. a. Bcctbovens Z. Sinfonie, Si Sanunerlangerin Thea Bieber. Eintritt nur 50 Pf. Billetts im Gc. werlschastshaus, Zimmer 82, und an der Abendkasse erhältlich. Deutscher Vcrlehrsbunb, Eettio» I. M Bund der technische,» Angestellte» und Beamten, vrtevcrioaltung Serpn. Gemeinsame Mitgliederversammlung der Fachgruppen Baugewerbe, AcchUctI n und Steinmehtechniker am Dienstag, lä. März. Uhr, in Hn das Krankenhaus am Friedrichshain geschafft werden. 431 Gerichtstag. von Fred Bckrence. Mii t>r P«b1 Zsolnar. Wie«' „Nicht war? Hör' mich an," er näherte den Mund meinem Ohr, faßte mich am Arm und ich fühlte feine Hand zittern. „Beinahe jeden Abend spielen sich schreckliche Szenen ab und ich glaube sogar, daß er sie mißhandelt." „Was sagst du?" .Still, das ist nur«in Verdacht. Natürlich spricht sie davon nicht: übrigens redet sie nicht viel, aber vorige Woche härte ich sie zu ihm sagen:„Du bist der elendeste Schurke", und zwei Tage lang hat sie kein Wort mit ihm gesprochen. Da hat er ihr dann den Vorschlag gemacht, an dich zu schreiben." „Wenn ich wüßte, daß er sich untersteht... Ich wagte das Wort nicht auszusprechen. „Und du bringst es zustande, mit ihnen zu leben, ohne einzugreifen." „Das ist leicht gesagt, ein einziges Mal habe ich«ine An- spielung gemacht, da hat die Mutter geschworen, daß«s nicht wahr ist. Ich bleibe hier, um das Schlimmste zu verhüten. Weißt du, daß ich nicht mehr bei meinem Architekten bin?" „Nein, das weiß ich nicht, warum denn?" „Sehr einfach: Nach deiner Abreise war kein Sou im Hause und der Herr Papa verdiente Geld mit Worten und mit Projekten, aber in Wirklichkeit sah cs schäbig damit aus. Da bin ich als Verkäufer in ein Kolonialwarengeschäft ein» getreten." „Tut es dir um das Baufach nicht leid?" „Offen gestanden, es ist mir nicht besonders schwer gefallen, meinen Beruf aufzugeben, ich habe gar keiae Lust, für andere Menschen Häuser zu bauen, ich rvtll mir selbst lieber was Ordentliches ausbauen und wenn hier etwas geschieht, bin ich wenigstens unabhängig und brauche mich um niemand �Fürchtest du denn, daß«twas geschehen könnte?" Ja ich befürchte das Schlimmste, du wirst schon sehen, daß»In Unglück passieren wird." „Aber was denn? „Entwcder wird sie sterben oder ihn umbringen." „Was sprichst du da?" „Du kennst eben die Mutter nicht. Den ganzen Tag macht sie den Mund nicht auf und plötzlich hat sie Zornanfälle wie eine Wahnsinnige. Da zerschlägt sie Geschirr, vor zwei Wochen, als er ihr Vorwürfe über dich gemacht hat. warf sie ihm«inen Deckel an den Kopf: zum Glück oder unglücklicher- weife ist«r daneiwn geflogen. Wie sie wieder bei sich war, ist sie ganz welß geworden, ist in ihr Zimmer gelaufen und in Tränen ausgebrochen." „Das ist ja schauderhaft. Und wenn ich zurückkam«?" „Komm jedenfalls zurück, ärger als es jetzt ist, kann es schon nicht mehr werden, vielleicht gelingt es hir, ein wenig Ruh« in unser Haus zu bringen. Ich bitte dich, pers.iche es. „Mein Wort darauf." „Es ist sehr brav von dir. mic nichts nachzutragen, du hättest wohl das Recht dazu, ich will nicht einmal versuchen, mich zu entschuldigen. Mein unglückseliges Temperament reißt mich fort und ich kann nichts dagegen tun. Ich muß dir sogar gestehen, daß ich mich in dieser gewitterschweren Atmosphäre wohl sichle, da glaubt man, ein doppeltes Leben zu führen: also hüte dich auch vor mir." Mir fielen die warnenden Worte ein, die er vor ein paar Monaten zu mir gesprochen hatte. Er blickte mich an und mein« Gedanken erratend:„Es ist nicht meine Schuld, wenn ich bestimmt bin. die Rolle des Judas zu spielen. Heute, wo alles schwankt, bin ich entschlossen, dir zu helfen. Wch müssen das Schlfflein retten: ich kann dir nicht schwören, ob ich es in dem Augenblick, wo es außer Gefahr fein wird, nicht wieder in den heftigsten Sturm zurückstoßen werd«. Ich sag« dir nochmals: Sei vor, mir auf der Hut." „Nein, ich will nicht vor dir auf d«r Hut sein, ich will gemeinsam mit dir arbeiten, um sie uno die Kleinen zu reit«»." „Ich habe denselben Wunsch, wenigstens noch heut«." Ich schwieg, Andn* war mir ganz unheimlich. .Und kommt die Patin noch?" „Sehr selten, sie hat wohl nichts von dem Gerede erfahren, aber sie merkt, daß wir dem Ruin entgegeneilen und will lieber nichts sehen, um un« nicht zu kränken: oft läßt sie die Kleinen zu einem Spaziergang abholen und die Mama»er- bringt manchmal einen Abend bei ihr." „Und was hat sie zu meiner Abreise gesagt?" „Cr hat ihr alles auf feine Art erzählt. Sie hat auf- merksam zugehört und gemeint, daß du sehr nervös seist und man Nachsicht mit dir haben müsse. Seither richtet sie«s immer so ein, uns dann zu besuche», wen» der gewiss« Herr nicht zu Haus« ist: natürlich unterläßt er bei keiner Gelegen- heit zu versichern, daß sie nur um deinetwillen kommt." „Und du hast das geglaubt?" i „Ichs Nicht einen Augenblick, ich wollte dich nur hänseln." i „Nichtsdestoweniger..." „Lassen wir die alten Ding« ruhen," unterbrach er mich, „das ist schon lange vorbei." „Und hat die Mama es geglaubt?" „Wie soll ich das wissen? An manchen Tagen glaubt sie alles, was er ihr sagt." Alice rief uns:„Meine Herren, die Suppe ist auf- getragen." „Wohnen die Engländerinnen noch immer im Hause?" „Ja, sie sind sogar sebr lieb zu den Kleinen, besonders zu Paul, und ich könnt« wetten, daß er jetzt zur ihnen gelaufen ist, um deine Ankunft zu melden." Wir setzten uns zu Tisch. Der Vater blickt« uns mit einem väterlichen Lächeln an. Dis Essen verlief ohne Zwischenfall. Am Nachmittag blieben wir zu Hause und abends begleitete mich die ganze Familie zum Bahnhof. Von nnn an verbrachte ich jeden Sonntag bei ihnen. All« bemühten sich, die Wolken zu verscheuchen. Man verheimlichte mir die Bangigkeit und die Sorgen, die ihnen am Herzen nagten. Die Mutter stellt« sich heiter und unbekümmert, der Dater war guter Laune. „Samstag ist er immer ruhig, Montag verändert sich das Vild," vertraute mir Andrö. Der Zustand der Mutter flößte mir Schrecken ein. Un- geachtet ihres Leugnens merkte ich. daß sie von Tag zu Tag schwächer wurde. Ich konnte kaum erwarten, wieder bei ihr zu sein und baute Luftschlösser, ich mußt« sie retten und dem Abgrund entreißen. M-tne Versetzung nach Gens, um die ich angesucht hatte, wurde mir bewilligt. Am letzten Sonntag vor meiner endgültigen Rückkehr ich sollte Donnerstag kommen begleitete mich Andr6 allein zum Bahnhof. Es regnete in Strömen und ich hatte di« Mutter gebeten, zu Haus« zu bleiben. Als wir auf die Abfahrt des Zuges warteten, sagte Andrö unvermittelt:„Du kannst dir gar nicht vorstellen, welche Erleichterung deine Rückkehr für mich bedeutet, es ist nicht mehr auszuhalten." „Ich hatte dich doch gebeten, mir alles zu erzählen." „Ja, aber Mama hat mich gebeten, zu schweigen." „Was gibt's denrr? Ich hätte keinen Augenblick Ruhe, sprich endlich." j „Er Ist wieder von einer empörenden Roheit." (Fortsetzung folgt.), # Erfreuliche künstlerische und Am Sonnabend und Sonntag tagte Im Gewcrkschaftshaus am Engeluser die Generalversammlung des Gaues Berlin und Ilm- gebung vom Deutschen Arbeitersängerbunde. Noch- dem am Sonnabend der Jahresbericht verlesen worden war, trat man in die Aussprache ein, die stellenweise recht temperamentvoll verlief. Es folgte dann die Beratung über wichtige Anträge und über die Stellungnahme des Berliner Gaues zu dem Bundessängcr- fest in Hannover. Die Mitglicderzahl ist trotz steigender Arbeitslosigkeit im letzten Rechnungsjahr nicht zurückgegangen. Am Ende des Jahres lv26 zählte der Gau 11 052 aktive Mitglieder(8S)S7 männliche. 2095 weibliche) in 169 Männer-, 10 Frauen- und 27 gemischten Chören. Der alle Bestand konnte dadurch gehalten werden, daß sich die Zahl der weibliche« Mitglieder erhöhte und den Rückgang an männlichen ausglich. Allmählich begannen auch die gemischten Chöre an Beliebcheit zu gewinnen. Zwölf Reu- grünoungen fanden im vergangenen Jahre statt. Es ist ein Zugang von fünfzehn Vereinen zu verzeichnen, während neun aus dem Gauverband austraten, gestrichen wurden oder sich auflösten. Einige Kinder chöre wurden ebenfalls neu gegründet, ihre Gesamtzahl beläuft sich jetzt auf fünfzehn. Die öffentliche Betätigung der Arbeitersänger im gemeinnützi- gen Sinne hat, verglichen mit den Vorjahren, eine Steige- rung erfahren. Das wingen auf öffentlichen Plätzen ist aller- dings zurückgegangen, dggegen fang man öfter als früher in Krankenhäusern, Erholungsstätten. Alters- Heimen und veranftallete sogar zahlreiche Konzerte in Strasan st alten. Vom Magistrat der Stadt Berlin wurden für diese Tätigkeit und zur Unterstützung des Chorwesens 3000 M. und um Weihnachten nochmals 1000 M. überwiesen. Für 1927 sind 5000 M. beantragt und auch bereits in den Etat� eingestellt worden. Zu Massenchoren stellte der Gau eine größere Sängerzahl bei Begrüßung der Wiener Sänger und bei der Jubiläumsfeier des Internationalen Gewerkschaftsbundes zusammen. Von besonderer Bedeutung war das G a u f e st in Brandenburg. Trotz des großen Defizits bedeutet dieses Fest doch einen Fortschritt, den» es faßte die im Gau vorhandenen Kräfte zu bcgeisterungsfroher Zlrbeit zusammen. Zu erwähnen bleibt, daß der in diesen, Jahre angesetzte Chorführerkursus eine starke Beteiligung ausweisen kann. 'Anträge und Aussprache beschäftigten sich hauptsächlich, ab- gesehen von Kritiken an dem Gaufest, mit den Richtlinien und Programmen des Arbeitersängerbundes. Besonders der zweite Bezirk zeigte sich unzufrieden mit dem bisherigen Zustand. Die einzelnen Ansichten stehe» sich hier scharf gegenüber. Es handelt sich, kurz formuliert, um die Frage, ob Volkslied oder rein proletarisches Lied. Ein Antrag wies den Gedanken, von der Musik aus die Bildung einer Volksgemeinschaft etwa im Poehdeschen Sinne anzustreben, auf das Entschiedenste ab. der l öer flrbsiterfänger. organisatorische Fortschritte. Proletarier soll seine Eigenart auch im Lied zum Ausdruck bringen. Einige Diskussionsredner gingen sogar so weil, die Ablehnung eines Chors von Roscbery d'Arguto darauf zurückzuführen, daß dieser Chor zu revolutionär gewesen sei, ein Einwand, den Genosse Schneider sofort widerlegte. Man fordert im Gegenteil gute Tendenzchöre, aber schließlich macht es die Tendenz nicht o l l e i n. der künstlerische Wert entscheidet ebenfalls. Damit war die heikle Frage der künstlerischen Beiräte berührt. Man war keineswegs einverstanden, daß Bürgerliche in dieser Organisation schen und bestimmen, was der Arbeiter singen soll, bis Genosse Meyer vom Zentralvorstand die Dinge klärte. Dem Beirat liegt durchaus nicht allein die Entscheidung ob, der Vorstand ist mit- bestimmend. Neunzig Prozent aller eingereichten Kompositionen sind künstlerisch unfertig. Man irrt, wenn man bei Ablehnung irgend- wie bösen Willen vermutet. Die Roscberysche Chorkomposition er- schien nicht ausreichend, vor allem wenn man den crorbitanten Preis von 500 M. in Rechnung stellte, llcbrigcns urteilt der Beirat nur über den Wert der Musik, nicht über textliche Fragen. Sehr scharfe Kritik übte Chorführer Günther an der Liedersammlung für gemischten Chor, die den Erwartungen in Beziehung auf Tendenz- chöre nicht entspricht. Der Antrag, bei der in Aussicht gestellten Sammlung für Männerchöre radikaler zu verfahren, wurde an den Zentralverbnnd oerwiesen. Dagegen wurde Rosebery d'Ar- gutos Antrag, der Arbeiterfängerbund solle aus dem Kulturkartell austreten, weil dieser zu stark mehrheitsso- z i a l i st i s ch orientiert sei, von dem Antragsteller selb st zurückgezogen. Ein weiterer Antrag, eine Werbcwoche für die Arbeitersängerbewegung zu veranstallen— es wurde die Zeit vom 3. bis 9. Juli vorgeschlagen—, konnte nicht erledigt werden, da man heute noch keine Entscheidung darüber zu fällen oermag. Unter den Anträgen atkf Aendernng der Satzungen gewinnt der des neunten Bezirks Bedeutung. Es handelt sich hierbei um Aenderung des Paragraphen 4, der besagt, daß Vereine unter •40 Mitgliedern in Berlin nicht aufgenommen werden. Für die Aus- Hebung machte man geltend, daß sich viele kleine, bürgerliche Gesang- vereine in diesem Fäll dem Arbcitersängerbund anschließen würden, dagegen sprechen jedoch künstlerische Rücksichten. Man fürchtet, daß diesen kleinen Vereinen mehr an geselliger Unterhallung als am Singen liegt. Der Antrag wurde abgelehnt. Dann erörterte man die Frage des Arbeiter s�nger-Vundesfe st es, das im nächsten Jahr in Hannooer abgehallen werden soll. Es sind bereits drei Kirchenkonzerte vorgesehen, ein Moment, dos in wellen Kreisen der Arbeitersängcr tiefe Verstimniung hervor- gerufen hat. Der fünfte Bezirk brachte eine Protestresolution da- gegen ein. der Antrag wurde an den Zentralvorstand verwiesen. Die Versammlung beschloß darauf, �aß sich der Gau in zwei Sonder- aktionen mit zwei Chören am Sängerbundessest beteiligen solle. Die Wahlen schufen keine Aenderung an der bisherigen Zusammen- stellung des Vorstandes. Neu ist Sangesbruder Eckers als Mitglied der Kontrollkommission. Aufklärung über Volkskrankheiten.. Eine Ausstellung auf dem Wedding. Das Bezirksamt Wedding veranstaltet eine Sonder- a u s st e ll u n g„B o l k s k r o n k h e i t c n", die der Belehrung der breiten Volksmassen dienen will. Sie umfaßt drei Abteilunzen: die Tuberkulose einschließlich R a ch R i s, den Alkoholimus und die Geschlechtskrankheiten. Daß man mit Belehrung allein keine Volkskrankheiten aus der Welt schaffen kann, weiß selbstverständlich auch das Bezirksamt Wcdding. Bürgermeister Genosse Leid, der am Montag die erste Abteilung der Ausstellung vor einem Kreis geladener Gäste e r- öffnete, heb das hervor. Zu einer wirksamen Bekämpfung der Voltskrankhcitcn wären, sagte er in der Begrüßungsansprache, gerade im Bezirk Wedding mit seiner proletarischen Bevölkerung viele Mit- lioncn nötig, die das Bezirksamt nicht hat. Aber den Wert der Belehrung, durch die oft die Entstehung einer Krankheit ver- hütet oder die Heilung einer entstandenen Krankheit erleichtert werden kann, soll man doch auch nicht unterschätzen. Stadtrat Genosse Dr. Drucker, unter dessen Leitung die Zlusstellung zustande gekommen ist, gab den Gästen einige Erläuterungen. Da für die Aus- stellung nur ein mäßig großer Raum des Sladtbadcs Wedding in der Gerichlstraße zur Vcrsügung lieht, so können die drei Ab- t e i l u n g e n nicht gleichzeitig nebeneinander, sondern nur nach- einander gezeigt werden. Die laufende Woche vom 14. März ab bietet Belehnina über Tuberkulose und Rachitis, in der zweiten Woche wird man einen Einblick in die Gefahren des Alkoho- lismus erhallen, in der dritten Woche soll die Ausstellung dem Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten gewidmet fein. Die Be- schränktheit des Raumes hat auch zu einer Beschränkung des Stoffes genötigt, aber hier ist. aus dem Mangel ein Vorzug geworden. Die Besucher(und Besncherinnen, denn den Müttern muß wegen der Belehrung über die den Kindern so gefährliche Rachitis der Besuch ganz besonders empfohlen werden) finden nicht eine verwirrende Fülle aller möglichen Dinge, fondern eine kleine und übersichtliche Auswahl des Wichtigsten. Die in der Regel nicht sehr beliebten Tabellen und Kurven, die meist wenig beachtet werden, fehlen hier fast ganz. Gut oertreten sind die bild- lichen Darstellunaen, und die meisten sind von einer Ein dring- l i ch k e i t und E i n p r ä g s a m k e i t, die von diesen Belehrung?» mittel« einen nachhaltigen Gewinn aus dem Besuch erwarten läßt, Die Ausstellung ist geöffnet an Wochentagen von mittags 12 Uhr bis abends 9 Uhr, an Sonntagen von vormiltags 10 Uhr bis nach- mittags 5 Uhr. Der Zutritt ist unentgeltlich. An jedem Tags werden von Aerzten belehrende F ü h r n n g s» o r l r ö g c gehalten, an Wochentagen abends um 7 Uhr, an Sonntagen mittags um 12 Uhr. �.Senfation�. � Gefängnis für einen Verantwortlichen Redakteur. Wegen verleumderischer Beleidigung des Schauspielers Alfred Braun, des bekannten Rundfunksprechers, wurde gestern der ver- nntwortliche Schriftleiter eines jener auf den Straßenoerkaust berechneten Wochenblöttchen, Hoffmann, vom Aintsgericht Mitte zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Am 9. November war unter scnsatianeller Ueberfchrift mit voller Namensnennung ein Artikel oeröfsentlicht worden, in welchem der Angeklagte über ein angebliches Erlebnis in einer zweideutigen Nacht- Veranstaltung berichtete und dabei die Frage auswarf, ob der gc- hcimnisvvlle Direktor dieser Vcraiistaltung etwa Alfred Braun sei und ob„unser Alfred" das nötig habe. Der Angeklagte übernahm die Verantwortung für den Artikel, behauptete aber, daß es doch noch mehr Leute desselben Namens gebe. Rechtsanwalt Dr. Alsberg, der den Kloger als Rcchtsbeistand vertrat, bezeichnete es als zweifellos, daß nicht irgendein Braun gemeint sei, sondern niemand anders als der Kläger. Das gehe aus der Ueberfchrift und aus den Worten ,„unser Alfred" ocutlich hervor. Der Angriff habe dem Kläger an- gesichts feiner künstlerischen Stellung große Unannehmlichkeiten be- r-llet, und es müsse eine nachdrückliche Bestrafung verlangt werden. 2iuf die Frage des Vorsitzenden erklärte Alfred Braun selbst, daß ein Bedauern und eine Entschuldigung des Angeklagten ihm nicht genügend sein würde. Weiter fragte der Vorsitzende den Ange- klagten:„Wollen Sic ernsthast die Behauptung aufstellen, daß der Kläger an dem Unternehmen beteiligt war?" Angeklagter:„Rein, eswarnureineFragc, weil ich den Namen von zwei Herren am Nebentisch flüstern hörte." In den Urteilsgründen bezeichnete Amtsgerichtsrat B ü ch e r t das Vorgehen des Angeklagten als eine sehr schwere Beleidigung gegenüber dem Kläger, besonders schwerwiegend, weil Alfred Braun eine in der Ocssentlichkeit be- kannte Persönlichkeit sei. Wider besseres Wissen sei ohne jeden Anlaß der Name hincingezerrt worden. Ohne jeden Klauben, daß etwas Wahres daran fei, habe man einen bei derartigen Blättern üblichen sensationellen Reklnmetrick angewendet. Eine Geldstrafe würde nicht ausreichend sein, da derartige Artikel sich anscheinend bei Blättern dieser Art gut bezahlt machen und eine Geldstrafe vor einer Wiederholung nicht abschrecken würde. Das Gericht hat dem Kläger auch den Ersatz der Kosten für die notwendigen Auslagen und die Publikationsbefugnis zugesprochen. Markthallen und Wochenmärkte. Für einige Außenbezirke Groß-Bcrlins(Oberschöneweide und Tempelhof) besteht der Plan, neue Markthallen zu schaffen, und in Oberschönewcide, Withelminenhofftraße, ist bereits ein Grundstück für diesen Zweck erworben worden. Run werden zurzeit in Oberschöne- weide in der Woche neun teils Gemeinde-, teils Prioatwochenmärkte obgelzalten, drei davon in der W i l h« l m i n c n h o f st r o ß e als Gemeindcmärkte. Diesen Wochenmörkten kann ihre Existcnzberechti- gung nicht abgesprochen werden. Di« Notwendigkeit der Errichtung einer Markthalle in dieser Straß« wie überhaupt in diesem Orte kann also mit Recht bezweifelt werden, wenn berücksichtigt wird, daß durch die bestehenden neun Wochenmörkte der Bevölkerung alle notwendigen Lebensmittel und olle Gegenstände des Wochenniarktez a»f dem schnellsten Wege und in bester Qualität zugeführt werden. In Tempelhof werden wöchentlich acht Märkte abgehalten und in diesem Falle muß neben der Frage der Notwendigkeit auch die der Rentabilität angeschnitten werden. Vor ctwa 40 Iahren sollten ja schon einmal die damals errichteten Markthallen in Berlin die Existenz der Wochenmärkte untergraben Es hat sich aber gezeigt, daß die BevSlkerunq die Wochenmärkte mehr in Anspruch nahm, als dieses von den Markt- Hollen der Fall war. Diese feststehende Tatsache in Verbindung tamit, daß ein Wochenmartt«ine bewegliche, leicht verlegbare Ein- kaufsmöglichkcit darstellt, die den Gemeinden ohne Unkosten stets eine bestimmte Einnahme sichert im Gegensatz zu den Markthallen, die große Unkosten verursachen und sich außerdem oft als unrentabel erweisen, sollte dazu beitragen, daß die verantwortlichen Stellen den Wochenmärkten größere Beachtung schenken, als es bisher ge- schehen ist. Einen tragischen Ausgang nahm am Sonntag ein« Ein- s e g n u n g s f e i e r in der Swbbenkammerstr. 11. Mehrere Gaste, die bei der Familie Z. an einer Einsegnungsfeier teilnahmen, wollt«,, sich gegen 1 Uhr nachts nach Haust-begeben. Am letzten Treppen- podest verfehlte der 53jährige Paul P. aus der Franksurter Allee 131 eine Stufe, stürzte die Treppe hinab und blieb unten be- sinnungslos liegen. P. wurde zur Rettungsstelle Winsstraße ge- bracht, wo der Arzt nur den infolge doppelten Schädel- bruches eingetretenen Tod feststellen konnte.— Ein ähnlicher tödlich verlaufener Unfall trug sich am Sonntag in der Baumstr. 21 In Marzahn zu. Der SSjährlge Gastwirt Gustav Staad stürzte im Dunkeln die Kellertreppe hinunter, wo er besinnungslos liegen blieb. Ein hinzugerufener Arzt stellte den Tod infolge Schädel- bruches fest. Todessturz eines Lehrling-i durch ein Glasdach. Am Freitag voriger Woche stürzte der bei der Firma«ch neider u. Sohn, Gipsstr. 19, beschäftigte Glaserlehrling Walter Sakalowsski beim Reinigen eines Glasdaches infolge eines Schwindelansalles durch das Glasdach etwa 18 Meter tief in den darunterliegenden Raum. Mit schweren Knochenbrüchen und inneren Verletzungen wurde er in das«pandauer Krankenhaus eingeliefert, wo er in der Nacht seinen Verletzungen erlag. Der Fall ist um so tragischer, als der Lehrling zu Ostern auslernen sollte. Der V o lk s tT a u e r t a g ist vorläufig eine private Einrich- tung, es war also nicht notwendig, das Programm des Rundsunks den ganzen Tag auf Moll zu stimmen. Aber innerhalb dieses Rahmens wurden künstlerisch hochstehende Leistungen geboten. Das Funkorchestcr unter«elmar Mcyrowitz spielte am Abend ein- drucksooll die tragische Ouvertüre von Brahms, nachmittags fang Sabine M a y e n mit ihrer kleinen, aber gut gebildeten Stimme Lieder von Schubert und die Arie aus Flotows„Stradclla", und an Stelle des verhinderten Ebert sprach Walter F r a n ck. Seine schneidende, stark nasal gefärbte Stimme eignet sich wenig für Rezi- tationen. Balladen könnte er sprechen, aber Lyrik klingt bei ihm merkwürdig hart, allerdings ist er stark im Rhythmischen, deshalb gelang ihm Konrad Ferdinand Meyers Totcnchor am besten. Lina Lossen ist, mit Franck verglichen, eine vorbildliche Sprecherin für Lyrik. In der„Stunde der Toten" las sie Werke im Kriege gestor- bener Dichter. Arnold Zweig zeichnete die Tragik dieser Genera- tio», die nicht zur Reife gelangte, deren Entwicklung plötzlich ob- brach. Ein Zwischenglied in der Entwicklungsreihe von der Dekadenz am Ende des Jahrhunderts zur modernen Sachlichkeit, vergeistigt, bedrängt vn, inneren Bisionen und nicht imstande, ihre Persönlich- keit voll entfalten zu können. Die Vorlesung umfaßte ungefähr zwanzig Dichter, von denen Lina Lossen wegen der Kürze der Zeit nur kurze Dedichtproben zum Vortrag brachte. Vielleicht wäre es besser gewesen, allein die repräsentativen Gestalten wie Heym, Stadler, Lichtenstein oder Trakt, auszuwählen, weil in ihnen das Wollen dieser Generation am klarsten und formvollendetsten zum Ausdruck kommt. So ober entstand ein wenig bejriedigender Over- schnitt und kein abschließender Eindruck der einzelnen Persönlich- leiten. Uebrigens Lichtcnstein, auch Stadler fordern einen männlichen Sprecher. Erwähnenswert der Vortrag des Oberstudicndirektors Mackensen über das Thema: In welche Schule schicke ich mein Kind? Er gab einen guten Ueberblick über die Verteilung der Lehr- fächer in den verschiedenen Schulen und warnte die Eltern, nur aus Ehrgeiz die Kinder in das Gymnasium zu schicken. Die Pariser Skizzen, die Walter Hasenclever am Man- tag in der Novellenstunde las, beweisen, daß er sich in der letzten Zeit gewandelt hat. Die Sprache ist gelöster, ruhiger und anschau- lichcr geworden. Hasencleoer schildert jetzt mit der Genauigkeit eines Reporters Menschen und Dinge. Dr. Ado Baeßler, der längere Zeit in den peruanischen Cordilleren'als Forschungsreisen- dcr lebte, entwirft eine eingehende Schilderung von dem Leben des Cholos, das sind die indianischen Bewohner des Landes. Trotzdem sich die Verhältnisst in Peru für die Eingeborenen gebessert haben, merkt man ihnen noch immer die lange Zeit der Knechtschaft an. Nur an dcn Küsten bewahren sie ein freies Auftreten, aber in den Talern der Hochebene führen sie in elenden Lehmhütten ein menschenunwürdiges Dasein. Ein freies, hochkultiviertes Volt ist durch die Gewaltherrschaft der Europäer zu Parias erniedrigt worden. Hilde- gard M a r g i s stellt in ihrem Vortrag„neuzeitliche Hauseinrich. tungen in England und bei uns" fest, daß die modernen deutschen Siedlungshäuser in bezug auf Hygiene und Zweckmäßigkeit dem eng- l'schen kaum nachstehen, nur baut man in England weitläufiger und komfortabler, weil man dort nicht mit, der Wohnungsnot zu kämpfen hat. Immer geht aber die Tendenz dahin, das häusliche Leben so rationell wie möglich zu gestalten. Am Abend die Uebertragung der „M argarethe" au» der Städtischen Oper in Charlottenburg. Wie bei den„Meistersingern" der ersten Uebertragung ist auch hier der befriedigende Ausglich zwischen Orchester und Singstimme fest- zustellen, selbst die großen Chorszenen im 2. und im 4. Akt kamen zur Geltung. F. S. Nach üem Skat. WnS der Boxer Mielenz rn Potsdam erlebte. Der Oberverwaltungssekretär Hermann Appernowski- Potsdam und der Bauführer K o r r i t t k i- Berlin wurden seinerzeit vom Amtsgericht Potsdam weger schwerer Körperverletzung des Boxers Erich M I e l e n z zu je 200 M. Geldstrafe verurteilt. Als Nebenkläger trat der Boxer M i e l e n z auf. Ein dritter Ver. waltungssekretär H e i n tz e wurde freigesprochen. Gegen das Urteil haben die Angeklagten Berufung eingelegt. Mielenz hatte sich in der Nacht zum 27. Januar v. I. von seiner in der Kaiserfiraße in Potsdam wohnenden Braut oerab- schiedet. Die Dam- stand im Zimmer am Fenster, Mielenz am Bürgcrsteig vor dem Fenster. In diesem Augenblick kamen die An- geklagten in feucht-fröhlicher Stimmung vorbei. Körrittki nicht ahnend, daß er einen Boxer vor sich hatte, rief. Kleiner, steig man nicht gleich ein und schon wurde dem Boxer die Mütze vom Kopf geschlagen. Mielenz fragte, ob die Herren sich nicht entschuldigen wollten Aber statt dessen erhielt er einen Schlag. Das war der Auftakt zu einem regelrechten Boxkampf auf der Kaiferstraße. Mielenz wurde erheblich verletzt, die Berwaltungs- sekvetärc bluteten und Mielcnz konnte längere Zeit am Training nicht teilnehmen. Hilferufe nach der Polizei gellten durch die Nacht und abwechselnd lagen die Sekretäre und mal der Boxer am Boden. In der Berufüngsverhaiidlung vor der Potsdamer Strafkammer behaupteten die Angeklagten, sich nur zur Wehr gesetzt zu haben. Mielenx bestreitet, der Angreifer gewesen zu sein, da er wisse, daß es bei seinem Zuschlagen nur halbierteKinnladen gebe. Als Zeugen in diesem Prozeß waren geladen: Zwei Nachtwächter, ein Fischhändler,«in Malermeister, ein Straßenbahnkontrclleur und die Braut. Als Beweisstück auf dem Richtertisch ein Hose, auf der sich plastisch noch heute die erhaltenen Fußtritte markieren. Im Zuhörerraum Berufs- und Amateurboxer. Der Staatsanwalt be- antragte Verwerfung der Berufung. Urteil: Appernowski wird freigesprochen, Körrittki erhielt wegen einfacher Körpervcr- letzung 50 M. Gc l d st r a f e._ Um ein Stück Brot. Im Städtische» Obdach in der F r ö b e l st r a ß e kam es gestern abend kurz nach 10 Uhr zwischen mehreren Obdachinsasscn zu einem heftigen Streit. Plötzlich zog einer der Gegner ein dolchartiges Messer hervor und stach aus den Chinesen Wu-Hsiang-Fu ein, der von mehreren tiefen Stichen in die Herzgegend getroffen bluiüberftrömt zusammenbrach. Hsiang-Fu wurde durch einen Wagen des Städtischen Rettungsamtes in das naheliegende Krankenhaus am Friedrichshain geschafft, wo er bedenklich daniederliegt. Der Streit soll um ein Stück Brot, das der Widersacher dem Ch'ncsen abforderte, entstanden sein. Der Täter wurde von der Polizei verhastet. macht z af/en reinen Teint. Denn gute Verdauung fchafft zarten reinen Teint. Also nehmen Sie regelmäßig ein LAX/N-KONFEKT Verlangen Sie kostenlos die interessante Brosdtäre Ober Laxin von den Llngner-Werken, Dresden volksbilüungsabenö am ZrkeArkchshakn. Die Kullurbcgriffe eines Volkes leben in seinen Kunstwerken. -ler Wille zur Kultur, der in jedem Menschen steckt, ist ein Natur- gesctz. Er formt sich zur schöpferischen Tat, wenn eine besonders betonte Aufnahmefähi-zkeit unserer Eindrücke— das innere Sehen— die Wiedergabc des Gesehenen in stark persönlicher Empfindung ermöglicht. Bildende Kunst ist Darstellung in Farbe und Form, und so ist die Malerei, die den Schein körperlichen Daseins am stärtsten widerspiegelt, eigenllich die realste und wirksamste Kunst. Nach diesen interessanten Darlegungen über den Begriff der bilden- den Kunst im allgemeine« gab der Vortragende des Abends, der bc- kannte Berliner Maler, ZeiHner und Radierer chans Baluschek, einen kurzen Rückblick über Entstehen und Werdegang der einzelnen Kunstgattungen, angefangen von der primitiven Malerei srllhester Epochen ohne jede Perspektive lind Raumwirkung in die Tiefe, ausschließlich als Schmuck von Gebäuden dienend; von den ersten Holzplastiken in Griecheitland. wo Holz und Stein als heilig verehrt wurden und wo man aus Holz heilige Pfähle schnikte und diese niit plastischen Darstellungen bedeckte, bis zu unserer Zeit mit ihren vielen verschiedenen, stark wechselnden Künstbegriffen und Kunstrichtungen. Richtung heißt in der Kunst bewußte Gruppierung künstlerischer Kräfte. Jede Kunst ist natürlich den Modeströmungen ihrer Zeit stark unterworfen, und es wirkt sich eine zur Macht ge- langte Richtung auf den verschiedensten Gebieten aus. Theater, Mode,� Kunstgewerbe, das Kostüm stehen sämtlich unter dein Einfluß des herschende« Kunstbegriffes. Daraus ergibt sich naturgemäß ein ständiger Kampf wirtschaftlicher und kultureller Natur. In diesem Kampf, de.r kein rein ästhetischer ist, behauptet sich schließlich aber doch stets der wirkliche, starte Künstler, dessen Werke in chrer starken Persönlichkeit eine gewisse ZeUlosigteit enthalten. Der anregende Vortrag, der aber vielleicht für das Laienpublikum manchmal zu stark fachmännisch gefärbt war, fand bei der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft viel Interesse. Im Vortragssaal fand gleichzeitig eine kleine Ausstellung von Zeichnungen von Köte Koll- wih, Feierabend, Krummer usw. statt. Vorgarien-Pramiierung Berlin lS27. In diesem Jahre soll wiederum eine Werbung für die Instand- seßung und Pflege der Vorgärten in Groß-Berlin durchgeführt werden. Unzichlbar sind die ungepflegten VorgäNen in der Stadt, diese Lagerstätten von Papicrfetzen, Staub und Unrat. Darum ist es zu begrüßen, daß sich Fachleute der Abstellung dieses Uebels angenommen haben. Der Magistrat hat diesen Bestrebungen seine Mithilfe zugesagt, und Oberbürgermeister Böß selbst unterstützt die Werbung sehr wöhlwolleich durch sein Protektorat. Für die Beteiligung am Wettbewerb werden keinerlei Bedingungen gestellt, wenn nur die Pflicht, den an der Straße liegenden Vor- garten zu pflegen und zu schmücken, erfüllt wird. Preisrichter- lommissionen werden im Laufe des Sommers ohne besondere Auf- forderung die Vorgärten besichtigen und die Preisträger ermitteln. Durch Presse, Rundfunk und Flugschriften soll der GÄanke beson- ders in den Kreisen der Hausbesitzer verbreitet werden. Von Künstlerband geschaffene Ehrenpreise werden die belohnen, die Zeit und Mühe für ihr Vorgärtchen im Laufe des Jahres aufgewandt haben. Diesen Bestrebungen, die Straßen Berlins zu schmücken und dadurch dem Berliner wie dem zugereisten Fremden ein freund- bches Bild zu zeigen, kann nur ein guter Erfolg gewünscht werden. Die Geschäftsstelle der Vorgarte-iprämiierung Berlin 1S27 befindet sich Berlin NW 40, Kronprinzenufer 27 II. Die Orbner der prolelarischen Jeierilnnben treffen sich am Sonntag, dein 20. März, vmmillagS 8'/, Uhr, im®iojjen Schauspielhaus zum Dienst für die Jugendweihe. partemachrlchten für Groß-Ser!w Eiiuendunqen lur diel« Rubrik sind v«rl>» SA! Sb. Lmdensiraße 3. >1 et» an da» Bezirksseiretartai iS. Hai. i Trep. recht«, zu richteu vczirksarbeiksgemeinschafl sozialdemokratischer Beamten und Lehrer Groß-Berlin. Dir Fsrtfetzuug der in der Dersamuilnag In den ttammerfäle» abaetrochc- nrn TisU-iswn über das Rcfcrat de««enosicn Sieeiag findet, oje desihlosicn, an, Freitag, 18. März, 7V. Uhr, im Ingeudhcim Lindcnstr. Z statt. Wir bitten, meglii st pünktlich ,« erscheine». ß 8. ltrci»«rcuzberg. Mittwoch, 18. März, 7% Protcstvcrsammlung gegen die Aufhebung des Mieterschutzes im Reichen- Uhr, öffentliche bcrgcr Hof, Rcichenberger Etr. 147. SUufien. Referent Landgerichtsrat Ernst i El«. ltrei» Wilmersdorf. Freie S-bnlgemeinde: Oeffenttiche Berfamm. P lung heute, Dienstag, 15. März, 8 Uhr, in der 1. Rolksschule, Zeichen» lanl. Eiesclcrstr. 1—7. Vortrag:„Eine, weltliche Schule oon der Grund- schule bis zur Hochschule." Rcscrcnt Obcrstudiendireltor Dr. Fritz K-rs-n. Erscheint in Massen. 19. Kreis Pantow. Arbeitcrwohlfahrt. Mittwoch. IK. März. 8 Uhr, im Türkischen Zelt, Breite Str. 11, Kursus:„Einsührung in die Wohifahrls- pflege." Beferentin Stadtverordnete Minna Sod'nhagen.- 24. Abt. Die Bczirlelllhrer werden ersucht, bis spätestens Sonntag, 20. März- bei ihren Gruppenführern bestimmt abzurechnen. heute. Dienstag, 15. März: tz8. Abt. 8 Uhr bei Lubotta- Richthofcnftr. 1. Sitzung der Zeitungskommissions. obleutr mit den Spediteuren. Jeder Bezirk mutz unbedingt vertreten sein. «5. Abt. Achtung! Die Abrechnung der Bczirkssiihrer siiidct Nicht heute. Dienstag, sonder» erst aw Dienstag. 22. März, statt. ZNorgen, Mittwoch. 1k. März: 49. Abt. Schwerhörige. 714 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 8, 2. �of, Z Dr.. wichtige Mitgliederversammlung. Vortrag:„Die politische Lage. Resercnt Sladtverordneter Hermann Lempert. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Gäste sind herzlichst willkommen. 57. Abt. ebarlotienbneg. I. Gruppe: 7% Uhr bei Pohl. Leibrnzstr. 70, nichtige Bcsprcaiung sämtlicher Bezirkssvhrer._ 82. Abt. Steglitz. 7>4 Uhr Im Lokal Schellhose, Ahornstratze, wichtige Mit. gliedcrversammlung. Bortrag:„Dos Arbeitszeltgcsetz und Erwer„losen. Versicherung." Referent Rudolf Karsten. Gäste sind willkommen. 85.?!b«. Tempclhof. 8 Uhr im Lokal„Zur Linde". Friedrich-Karl-. Eck« Werder- slratzc. wichtige Funkt ionärsitzung. Sem die fMmMlDii!- J9r roaliteii MM«! Freitag, den IS. TNärz, abend» 71/, Uhr. in den Pracht- säleo am Märcheubrunaen. am Friedrichshain 29—31, Große Protestkundgebung gegen das Gefetz zam Schatz der Zogead bei Lustbarkeiten. Redner: Vr. Surk Löweastein, M. d. R.— Lichtbildervorführungen und Darbietungen der Fugendqruppen.— Zur Leteiligung rufen auf die dem Arbeiter-kulturkarlell Eroß-Lertin aagefchlossenen nachstehenden organifatianen Sozialistische Arbelterjugend, Zungsozialislische Vereinigung, Arbeitsgemeinschaft der Sinderjreunde. Gewerkichaslsfugend, AfÄ-Zugend. Jugend- Abteilung des Touristen- Vereins.Raturfreunde", Freie Turnerichait Groß-Seriin, Arbeiter-Sängerbund. Ortsauslchuh des ADGB., Bezirtsverband SPS., Arbeiler-Kulturkaitell Groß-Berlin. 88. Abt. Lichtrnrab«. 714 Uhr In der Schule Roonstratze Mitqliederversamm. lung. Bortrag:„Wohnungs- und Baupolitik." Referent Architekt W. Hart- leben. Gäste sind herzlichst eingeladen. 12. Abt. Neukölln. 8 Uhr bei Wolff, Kaifer-Friedrich-, Ecke Ziostl Funktionärsitzung. Die Bczirkssllhrer laden dazu«in. Kein Funktionär darf fehlen. Wichtige Tagesordnung. I. Abt. Britz. Buckow. 7 lj Uhr wichtige Zusammenkunft der Genossinnen Genossen der Großsiedlung Britz im Restaurant Buschkrug. Mitglied: legitimiert. Niemand darf fehlen. und Mitgliedsbuch 1». Abt. Friedrichshage». 8 Uhr im Lokal Scholz, Friedrichstr. 81, Abteilungs- Versammlung. Vortrag:„Wesen und Aufgaben der konsumgenoffenschaft. lichcn Organisation." Referent Bruno Gröppler. Bericht von der Kreis- vertrcterversammlung. Wahl der Delegierten zum Bezirksparteitag. Ber- schiedcncs. 12«. Abt. Fricdrichsseld«. 714 Uhr Im Lokal Etoper, Waldschlvtz, Treockowallee, Versammlung. Bortrag:»Di« Parlament« und die Kriegsbeschädigten." Referent Gustav Schwarz vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten. 121. Abt. Karlshorst. Pünktlich 714 Uhr im Deutschen Hans Mitgliederver- sammlnng. Bortrag:„Politische und wirtschaftliche Zeit- und Streitfragen." Referent Genosse Buchwitz-Görlitz, M. d. R. Ferner wichtige Mitteilungen. 122. Abt. Biesdors. 714 Uhr bei Porath, Marzahner Str. 81, Mitalieoerver. sammlnng. Vortrag:„Sozialpolitik und Partei." Referent Paul Judrian. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Gäste sind eingeladen. 128. Abt. Kaul-dorf. 8 Uhr bei Efcherisch, Frankfurter Str. 55. Mitgliederversammlung. Bortrag:„Die politische Lage." Referent Dr. Carl Mieren. dorfs. Alle Genossinnen und Genossen werden gebeten, bestimmt zu er. scheinen. 124. Abt. Mahlsdorf. 8 Uhr bei Emil Anders, Bahnhosstr. 87—39, Mitgliederversammlung. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. Die Delegierten. Wahlen in der 192. Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft am 20. März. Erscheine» aller Mitglieder ist Pflicht. 187. Abt. Reinickendorf-West. 714 Uhr im Boskshaus, Echarnweberstr. 114, wich. tige Mitgliederversammlung. Vortrag:„Was bedeutet die Freidenker. bewegunq für die Arbeiterschaft?" Erscheinen aller Genossinnen und De. nassen ist Pflicht. 139. Abt. Tegel. Seiligensee, Ren-Keiligensee, SGulzendors, Siedlung am Bahn» Hof Keiligcnsce. 8 Uhr Im Restaurant Hiihnert wickitige Mitgliederver. sammlnng. Vortrag:„Baufragen." Referent Bezirksverordneter Well- schläger. Gäste sind herzlichst willkommen. Rowawcs. 8 Uhr im Eisenbahnhotel, Nowawes. Mitgliederversammlung. S raucnveranstalkungen: 5. Krei» Frlcdrichshain. Die Funktlonärinneu ber Arbeiterwohlfahrt nnb Ninderschutzkommission am Mittwoch. IS. März, 714 Uhr, bei Rosin, Gubener Strotze 19. Bon jeder Abteilung müssen zwei Genosstnncn erscheiiien. 13. Kreis Temvelbof, Mariendarf, Marienfelde, Lichtenrade. Mittwoch. 18. März, 8 Uhr bei Niendorf, Riariendorf, Cbansseestr. 19. Funktioiiä» tinnenkoilferenz. Erscheinen unbedingt erforderlich. Arauenveranskalkungen, heuke, Dienstag, 15. März: 74. Abt. Zchlendors. Punkt 2 Uhr Treffen an der Endhaltestelle de» Auto. bus 20. Fahrt nach Charlottenburg, dort Besichtigung de» Konsumwaren- Hauses, Rosinenstraße. 78. Abt. Achtung! Der Frauenabend fällt heute aus. Iis. Abt. Lichtenberg. Heute abend 714 Uhr bei dem Genossen Tempel. Gudrun- straße 7(am Bahnhof Friedrichsfcldc) Krcisfrauenabcnd. Genossin Else Scheibenhnber spricht llber„Die Frau im bürgerlichen Recht." Wir bitten alle Genossinnen, sich daran zu beteiligei.. Arauenveranstaltungen am Mittwoch, IS. März: 24. Abt. 714 Uhr bei Kühler, Greifswalder Str. 80b, Bortrag:»Die Frau in Palästina." Refereniin Irma Fechenbach. 54. Abt. Charlottcnbnra. 8 Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 4. Vortrag: Bevölkcrungspolitik. Refereniin Dr. Reißer-Schräter. 77. Abt. Schöneberq. 7>4 Uhr bei Illrgens, Barbarossastr. 5o< Vortrag:»Di« Frau im Staatsrecht." Refereniin Hedwig Wochenheim. 79. Abt. Schöneberg. 714 Uhr bei Groß, Sedanstr. 17, Vortrag:»Allgemeine Fürsorge und Arbcitcrwohlfahrt." Referent Ferdinand Bauhofs. Jungsozialisien, heuke. Dieuskag. 15. März: Gruppe Weißcnfce: 714 Uhr im Jugendheim Parkst!. 38 Kursus:„Die Gr- schichte des Sozialismus." Referent Studienrat Erwin Marguardt. Alle Ge. Gruppe SckLucberg! 7>4 Uhr im Iugendhci», straße 15,' Ostmark, immer, 4. Vortrag:»Die sozialistische Jugendbewegung/ Referent Gerhard Bothur. ! Sterbetafel öer Groß-Serliner partei-Grganisation 24. Abt. Unser Genosse Karl Krakow, Greifswalder Str. 208, ist am Sonnabend, 12. März, verstorben. Ehre seinem Andenken. 47. Abt. Unser alter Parteigenosse Julius Eitelsberg, Waldemar. straße 7l wohnhaft, ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Die Beerdigung findet am Donnerstag nachmittag 3 Uhr auf dem neuen Thomas-Friedhof, Rcukäll», Sermannstr. i7S. statt. Rege Beteiligung erwünscht. 85. Abt. Tcmpclhot. Der Sohn unseres Genossen G u i m a n n wird am Mittwoch, 18. März, auf dem Gemeindefricdhof, Eermaniastraß«: beerdigt. Um recht rege Beteiligung wird gebeten. 92. Abt. Die Genofstniien und Genossen werden gebeten, sich recht zahl- reich an der Einäscherung unserer Genossin Berta Li tisch am Mittwoch nachmittag 1214 Uhr im Krematorium Baumschulenweg zu beteiligen. So�ialiftistbe �rbeitersuflenA Grofi-Serlin. Bcethoven-Abend: Sonntag. 27. März. 714 Uhr, im Jugendheim Linden. straße 3. Pros. Leo Kcstenberg spricht über„Beethovens Leben und Wirkungen." Einlaß frei. si Kundgebung gegen ba» G-f-tz zum Schutze ber Jugend bei Lustbar- g W leiten am Freitag, 18. März, 714 Uhr. in den Prachtsälen am Märchen. Pi 3 brunnc». Am Fricdrichshain 20/31. Redner Dr. Kurt Löwenstcin. gi M. d. R. Trefspunkt 7 Uhr Landsberger Platz. Einlaß 10 Pf. Die W Karten müssen umgehend von allen Gruppen abgeholt werden. 1. Probe für Sänger und Mitwirkeade am Sprechchor für die Wcrbeteier im Großen Schauspielhaus heute, Dicnstag, IS. März, 148 Uhr. im Zeichensaal der Schule Kochstr. 13. heuke. Dienskag. 7� Uhr: Brnnnenplatz: Schule Wiesen-, Ecke Pankstraße.»Die weltliche Schule."— Gesundbrunncn! Schule Kothenburger Str. 2. Märzfeier.— Weddiug-Rord:. Jugendheim Turincr, Ecke Serstraße.»Sozialismus in der Familie."— Humannplatz: Schule Schcrenbergstr. 7.„Bub und Mädel."— Scncselder. Viertel: Schule»anztger Str.«.„JtürpervNege und Racktkulwr."— Hasen. Heide: Badeanstalt Bärwaldstr 84.„Formale und wirklich« Demokratie." Steglitz I:.Albrcchtstr. 47.„Alt-Berlin."- Neuiölln I: Jugendheim Sander-, Ecke Hobrechtstraße.„Sexuelle Fragen."— Rentälln II: Jugendheim Bergstr. 29. „Die frcidenkende Jugend in den Augen der Kirche."— Neukölln III: Jugend- heim Steinmetzstr. 114.»Leben und Wirke» Karl Marx'."— Neukölln Ii': Jugendheim Rogatstr. 53.„Leben und Wirken Karl Marx'."- Reinickcndors. Oft: Seebad. Residenzstr. 48.»Junge und Mädel In der Jugendbewegung." Halensee: Schule Ioachim.Friedrich.Str. 35—38. Marcell-Ealzer-Abend.— Treptow:»Vorwärt2".Spcditu>n, Eraetzstraßc.„Revolution und Evolution." Vorträge, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz Rot-Gold- Gefchättsstelle: Berlin S 14. SebaManstr. 37/38. Hot 2 Tr. Prenzlauer Berg. Kameradschaft Robert Blum: Do., d. 17.. Vers. bei Klug, Donziger Str. 71. Kameradschaft Rordkap: Do., d. 17» 8 Uhr, Bers. bei Suchetzki, Echivelbeincr Str. 10.— Bdlcrshos: Do., d. 17., 8 Uhr, Monotsvers. bei Kam. Lehngui, Sedanstr. 3. Vortrag des Vezirksver- ordneten Schaap:„Die heutige Regierung und das Reichsbanner." Erscheiuen Pflicht(Bannerkleidung). Kurzschrift-Berci» Stolze-Sibreh zu Berlin(gegr. 1993). llebungen Diens- Anfängcruntcrricht beginnt jederzeit. Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Donnerstag, 17. März. 714 Uhr. Mitgliederversammlung der 8. und 189. Abg-bcstelle(Arndts««. 29 und Dxeibundftr. 5—8) im Restaurant Lichtcrfelder Str. 11(Schultheiß-Brauerei). Arbeitcr-Robiollub. Bezirlegruppc Berlin. Charlvttenburg tagt jed-» Donnerstag Wielandstr. 4.— Friedrichshain tagt jeden Mittwoch Strausbcrgcr Str. 3. Am 23. März Basteladend.— Kottbusser Tor tagt jeden Donnerstag Adalbertstr. 21. Am 24. März Vortrag über„Kurzwellen, Empfang und Sender."— Lichtenberg tagt jeden Dienstag Kronprinzcnstr. 47.— Lichter. feldc.Ost tagt jeden Freitag Lankwitzstr. 10 bei Kroll— Neukölln tagt jeden Freitag Prinz-Hondjerp-Str. 70. Am 25. März Generalversammlung.— Prenz. lauer Berg tagt jeden Donnerstag Schönhauser Allee 1345. Am 24. März Vortrag Leistner llber„Rcnirodpne."— Echönebcrg tagt jeden Donnerstag Sedanstr. 53.— Südost tagt jeden Donnerstag Liegnitzcr Str. 10, Lokal Thicleri. — Wedding tagt jeden Donnerstag Pafewalker Str. 3.— Wilmersdorf tagt jeden Freitag Angustastr. 18. Am 25. März Vortrag llber„Fcrncmpjang."— Kreuzberg tagt jeden Freitag Rostizstr. 29. Restaurant„Schneckoppc". Gäste überall willkommen. Rcichsbund deutjcher Mieter, Ortsgruppe Köpenick. Große öffentliche Mleterverjammlung Dienstag, 15. März, 71� Uhr, im Stodtthcater. Tages» ordnnng:„Der Kampf um den Mieterschutz." Referent Rechtsanwalt Dr. Götzel. Verein der Thüringer zu Berlin. Mittwoch, 18. März, 8ll Uhr, Sitzung im Würzburger Hofbräu- Lindcnstr. 18—17. Heimatliches. Landsicutc will» kommenl Longfellov English Debatlng Club, Bfllowstraße 104. Mittwoch, 16. 3., 8 Uhr. Sport. Das lukernakionale Kunsteisläufen. Bei den großen«ssportlichen Veranstaltungen im Sportpolost. die vom Freitag bis zum Sonnabend währten, fanden an allen drei Tagen internationale Kunstläufe statt, die außer den dcut- fchen Teilnehmern zahlreiche Konkurrenten aus. Oesterreich, Belgien, Ungarn usw. an den Start brachten. Wiederholt gab es hervorragende Leistungen zu sehen, die das an allen Turniertagen zahlreich anwesende Publikum zu wahren Beifallsstürmen hinrissen. Am Sonntag zeigte die neue, erst 1öI4 j ä h r i g e W« l t m« i st e r i n, die Norwegerin Sonja Henie, ihr großes Können. Die jugendliche Eiskünstlerin wurde von allen Seiten stürmisch gefeiert.# Ergebnisse. Dame».Senioren: 1. Frau Brockhöft-Berlin: 2. Frl. Brunncr. Wien.— Serren-Iunioren: 1. I. Bernhauscr-Wien: 2. Schroctlcr-Wien.— Damen-Zunioreu: 1. Frl. G. Kixbitschek.Wien; 2. Frl. E. Hecht-Bodapest: 3. Frl. A. Dletze-Derlin.— Herren-Senioreu: 1. K. Schäfer»«!«»: 2.®. Haertel- Berlin.— Paarlansen: l, Frl. Scholz-Herr O. Ka!fcr»Wien: 2. Frl. Kishauer- Herr E. Düstc-Berlin.— Walzerwcttbewcrb: 1. Frl. Iust-Hcrr Richtcr-Wieni 2. Frl. Flebbe-Hcrr Grauel-Bcrlin. Saisonbenlun bei Walter RSIIi Am kommenden Sonntag wird die Rsttt-Ärena ihre Bloricn zur diesjährigen Sommersaisen eröffnen. Nachdem Im Vorjahre nicht alles so fertig gestellt werden konnte, wie eS beabsichtigt war, bat Walter Rütt die stillen Wintermonate dazu benutzt, >im seine schöne Anlage, die im Sommer wieder Schaudlatz großer rad- sportlicher E.re!gniffe sein wird, wesentlich zu vervollkommnen. Hübsche Anpslanzungen werden das Auge des Besuchers erfreuen. Große Restauroilonsräume sind gejchaffen worden und ein Heer von Malern ist damit beschälllgt, der gesamten Anlage ein iarbenirohes Bild zu geben. Der Bau der beiden Kuroentribünen ist ebensalls in An triff genommen-und am zweiten Renntag. 3. April, werden die Badipprt- degeisteiien Hier ihr Plätzchen beletzen können. Auch das Denkmal sür die im Weltkilege pesallenen Berliner Rennfahrer, das bisher aus der nunmehr eingegangenen Tievtower Bahn stand, ist nach der Rütt-Arena übergesiedelt und neben dem Haupteingang zur Bahn ausgestellt worden: hier ist vor dem Beginn der Rennen am 8. April eine o s s i z i e I l e Ein- weibungS- und Gedächtnisseter geplant.— Der Innen- räum ist, um die Sicht noch mebr zu verbeffern, um ein beträchllichcs Stück vert'esl und der Erdboden befestigt worden, so daß in Zukunft eine Staubentwicklung völlig oeimieden wird. Hesthastliches. Modenschau in Moabit. Der Reklamexeist moderner Geschäftsleute findet immer wieder neue Mi.tel und Wege, das Publikum, dessen Kaufunlust tief- begründet ist, mit seinen neuesten Saisonschöpsungen bekannt zu macheu. So hat dos Kaufhaus Giesen Turm straße 42, seine Frühjahrsmodenschau zu einer regelrechten Nachmittags- Kabarettoorstellung im Ufa-Theater, Turmstraße, ausgebaut. Ein weiblicher Ansager macht« von der Bühne herab die Honneurs, stellte die vorführenden Mannequins vor und oerriet die recht vor- teilhasten Preise der FrüHjaHrsneuHeiten. Eine Sängerin trat auf. ein Tanzpaar produzierte sich und dergleichen mehr. Dazwischen gab's immer wieder Kleider, Hüte, ja sogar schon Badckostüm« zu sehen. Eine Vertreterin der gymnastischen Wissenschaft zeigt« den ersehnten Wey zur schlanken Linie und Streckung des Vorrates an Jugend und Grazie. Im dichtgefüllten Saal konnte buchstäblich kein Apsel zur Erde fallen Die gesamte Weiblichkeit des Umkreises war zu Gaste gebeten worden: es wurde gestaunt, bewundert, gelacht und als ersprießliche Folge all des Gebotenen wird nachher dies oder jenes gekauft. wellerbeticht der Sffeulstchen Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend fRachdr. veib.j. Wolkig bis bester, keine erheblichen Niedeischläge. Am Tnge wieder ziemlich m>ld, Naebisrostgesahr.— Zür Leotschland: Im nördlichen und westlichen Deutichiand vorwiegend Iiockcn, in-üd- und Ost- deulschland veibreitete leichte Niederichläge. überall ziemlich kübl. Was hat öas mit Sport zu tun! Daß sich die bürgerlichen Iubballoereine gegenseitig die Spieler abspenstig machen und daß dabei der rollende Rubel«ine maß, gebende Roll« spielt, ist ein vssenes Geheimnis. Neuerdings ve» sucht man. Arbcitersportler zu kaufen, wahrscheinlich deshalb, weil . sie hilliger sind. So stand der Velberter Fußballklub vor dem drohen- den Llbstieg. Was tun? Er machte sich an Arbeitersportler heran. Der Versuch gelang leider. Zwei Arbeitersportler von Tönis« Heide und einer von Neviges ließen sich breitschlagen und halfen dem Velberler Fußballklub. Bier Spiele waren noch auszutragen: die beiden ersten gingen verloren, jedoch die beiden anderen wurden mit chilfe der drei Arbettersportler gewonnen und— der Velberter Fußballklub war der Absliegsgesahr entronnen. Doch jetzt kam da» dich« End». Der au, dem Arbeiter-Turn. und Spielverein Tönis- Heide„erworbene* Mittelläufer Helmut I a l k e n st e i n empfand Gewissensbisse. Hören wir, was Falkenstein erklärt: „Da Unterzeichneter, bisher Mitglied de, Turn» und Spielver« ein» Tönisheide, schon mehrmals vom Velberter Fußballklub zur Rede gestellt worden ist wegen Mitspielen in deren Mannschaft, bin ich, als nach meiner Vermutung dos letzt« Mittel. der Herauswurf aus meiner Arbeitsstätte in An- wendung kam. gezwungen, nachzugeben. Bestärkt wurde ich in dieser üblen Loge durch den Hinweis, ich könnte Arbeit be, kommen. Am 6. Januar d. I. waren bei mir im Elternhaus die Herren Schmidt und Ortmann oben genannten Vereins und über, gaben den Eltern S0 M- mit dem Ersuchen, doch am 16. Januar 1927 mit gegen Lagerfeld zu spiclen. Für die weiteren drei Spiele sollte ich Ratenzahlungen big zur Gesamt- summe von 250 M. erhalten. Zugleich sollte ich Arbeit beim Eisenwerk in Neviges erholten... Velbert, den 14. Januar 1927. Unterschrift: Helmut Falkenstein, Emil Ellflepen.* Unterm 25.. Februar 1927 erklärte Falkenstein weiter:„...Auf die 59 M., die ich in der Wohnung meiner Eltern erhalten habe, habe Ich als weitere Zahlung 50 M. erhalten... vor dem Spiel in Langerfeld. Bezüglich der weiteren Ratenzahlungen kann ich mich nicht mehr des Datums entsinnen. Bestätige ober, daß ich insgesamt 2S0 M., wie im Protokoll vom 14. Januar 1927 angeführt, er- halten habe... Werde Vorstehendes jederzeit unter Eid aussagen. Tönisheide, den 25. Februar 1927. Unterschriften: Helmut Falkenstein, Emil Tllsiepen, Fritz Kempfer. Otto Biesenbrück.* Die Dokument« sprechen für sich. Ob der Westdeutsche Spielver- band jetzt endlich ans seiner Reserve heraustreten wird? Tut er es nicht, so muß er sich gefallen lassen, daß er öffentlich als o e r- kappte Lerufsspielerorganisation bezeichnet wird. Straßenrennen ües fl.-N.-S. Soltüarktät. Um die vezirksmeisterschaflen. Mit einem erstaunlichen Eifer geht die Rennfahrerabteilung de, Arbeiterradfahrerbund«?„Solidarität* daran, sich einen Stamm von guten und zuverlässigen Bahn- bzw. Straßenrennfahrern zu schaffen. Vor acht Tagen war e» das Rennen auf der Olympiabahn in Plötzen. se«, wo die Bezirksmeisterschasten ausgetragen wurden und teilweise recht guten Sport brachten. Am letzten Sonntag tat e, ein 5l)-Kilo- meter- S t r o h e nr« n n« n um die Bezirksmeisterschaft des 1-, 2. und 21. Bezirks, das über Mariendorf, Dohlwitz, Zossen und zurück führte und am Restaurant Adlermühle, dicht hinter der Tropprennbohn Marisndorf, gestartet wurde. Ueber 90 Meldungen lagen vor. 82 Fahrer, darunter 28 Gäste(22 Junioren, 3 Alter»- sayrer) stellten sich dem Starter. Je sechs Fahrer bildeten«ine Mannschaft, wovon jed«r vierte beim Eintreffen am Ziel gewertet wurde. Ilm 8.17 Uhr begaben sich die Gästefahrer(die Alters- lahrer mit 10 Minuten Vorgab«) auf die Reise: in Abständen von 2 zu 2 Minuten folgte das Gros. Ein starker eisiger Wind, der von den Zuschauern schon unangenehm empfunden'wurde, machte den Rennteilnehmern trotz der guten Wegverhältniss« aus der Chaussee viel zu schaffen. Die Streckenbesetzung war überall sehr gut. Besonders vor und in Zossen Hort« sich eine vielhundert, köpflg« Zuschauermenge eingefunden. Di« Kontroll« am Wendepunkt war von der Ortsgruppe Zossen übernommen und gut durchgeführt. Auch die Verteilung der Arbeitersamarlter war in jeder Beziehung gut organisiert. Einige Fahrer wurden zwar in gefahrlich aussehende Stürze verwickelt, nahmen jedoch keinen Schaden. Da» Rennen selbst verlief von Anfang bis zum Ende äußerst spannend. Die Sieger, die erste Mannschaft der 8. Abtei- lung. die als letzte gestartet war. konnte erst auf der Rückfahrt bei Lichtenrade der zweiten Mannschaft der gleichen Abteilung, al, Spitzengruppe, bis aus 800 Meter nahekommen, bis es ihnen dann durch einen famosen Spurt gelang, die Spitze zu übernehmen und diese bis zum Ziel zu halten. Auch die übrigen Konkurrenten gaben ihr bestes, so daß die Veranstaltung ein voller Erfolg für den ARB.„Solidarität* wurde. «tMlnlffei«.»Ilomkter.ManKsch-ftesohren. 1. Bezirk, fflfftortet waren vier Mannschaften, wovon drei g-sckiloffen durchs giel gingen, l.«. Bb«., 1. Mannschaft, 1:45; 2. S. Abt., 2, Mannschaft. 1:52; 3. 6«it. 1;B2.-~ 2. Bezirk. Gestartet zwei Mannschaften, wovon ein« gcschlosse» durch, giel ging. I. Schiineberg 1:47; 2. Ciartottenburg, vereinzelt eingelaufen. 21. v e- z i r t sWetsiensee). Gestartet eine Mannschaft, dt« sehr auseinandergezogen einlief.— tid Silameter-Bästefahren. 22 Junioren, 8 Alterefaircr. l. Paul Annen, 3« Jahr«, 1:43: 2. Franz EchBnfnsz, 28 Jahr«, 1:41; 3. Werner Stlimer, 18 I-Hrr 1:48.—«rwSH»-n»w«rt! Adolf Böhme, SS Jahre, 2:12. Schwimmest der Freien Schwimmer Norden. Bei schwachem Besuch hielten vorgestern die„Freien Schwimmer Norden* im Stadtbad Wedding ihr internes S ch w i m m f e st ab. Als gut waren die Leistungen der Knaben und der weiblichen Jugend an- zusprechen. Beim Schauspringen gefielen besonders der Knaben- fpringer sowie die Mädchen. Der gut ausgeführte dreifache Sallo hätte das Springen beenden sollen. Die Rettungsvorsührungen waren etwas zu ausgedehnt, vor allem aber muß mehr Ernst dabei fein. Die Frauen ernteten mit ihrem Figurenliegen reichen Beifall. Für die Belustigung der Zuschauer sorgte das Tauziehen. Ein Sandsacktauchen, sowie ein Wasserballspiel zweier Mannschaften, da, die erste mit 9: 7 Toren gegen die zweite gewann, vervollständigten das Programm. Ein gut geschwommener Lampionrelgen boendet« da» Fest. Werbefest der Turner-Jugend. Enttäuschung und Freude gab es om Sonntag zugleich. Eni- täuschung. well nur knapp 200 Zuschauer erschienen waren, und Freud«, well demgegenüber ein vorzügliches Programm geboten wurde, da, begeisternd all« in Ihren Bann zog. Gleich die Erössnung bot ein besondere» Bild. Aon vier Seiten stürmte die Jugend der Freien Turnerichast Groß-Berlin mit Fahnen zur Mitte, bann brachte der Sprechchor der Turnerjugend die bekannte Szene au» der Götterdämmerung, den Kampfruf der Zwerge»ach Befreiung aus der Knechtschast, und wirkungsvoll schloß sich Hiera» der Prolog:„Die Ihr aus harter Erde haust* mit dem Ruf aller: „Wir sind der Sturmi* und dem Gesang der Internationale. Nun bejjann da» sportliche Programm. 200 junge Burschen zeigten nach Musik gymnastische Hebungen. Die nackten Körper, zumeist gebraunt und nur mit kurzer Sporthose bekleidet, ließen die intensive Muskelarbeit bei der neuen Gymnastik erkennen. Nach einem allgemeinen Geräteturnen folgten die Pendel- sta fetten 10X40 Meter, bei denen die Sportler von Wedding den Sieg davontrugen, an zweiter Stelle stand Friedenau. Als Sondervorfvhrungen zeigte Norden sl die Freiübungen zum Kreis- fest, die freilich durch die Einbeziehung rhythmischer Stellungen nicht stilrein erschienen. Turner von Wedding brachten Hebungen am großen Ring,' Süden, Svortlerkreillbungen. Beim Tauziehen waren die Sportler von Wedding sichtlich überlegen. Das Handball- spiel der Bereinsmannschast war eine gute Propaganda für dieses beliebte Spiel. Bei den allgemeinen Spielen zeigte Norden III einen Ziehkampf an einem neuen Apparat. Das Hauptoergnügen gab es in der Mitte des Saales, wo das Prellen mit Erfasse» des langen Taues vorgeführt wurde, was die Lachmuskeln ausgiebig in Tätigkeit treten lieh. Bei den Rundstafetten(10x80 Meter) waren die Sportler von Wedding Sieger, ihnen folgte Süden, Das Schlußlied:„Wenn wir schreiten Seit an Seit* beendete dieses erste Werbefest der männlichen Jugend. Schwlmmerfolge der Neuköllner in Breslau. Der Breslau«?„Schmimmveretn Poseidon* hatte am Sonn- abend und Sonntag die Vereine aus Dresden, Görlitz, Liegnitz Waldenburg und Neukölln in der Badeanstalt an der Zwinger- straß« zu einem großen Tressen eingeladen. Sportlich war das gut besuchte Fest ein voller Erfolg für die Arbeiterschwimmbewegung. Bei den sechs Wasserballspielen wurde hart um den Sieg gekämpft. Wir lassen die R e s u l t a t« s o l g e n: Zretst>lst«ssel«X»° Meter: 1, Neuköll:, 3:57,4: 2 Bvcelau 4:05,5.- Brust- schivimmei, 10« Meter- L Mchlsng-Gvrlitz und Grandke-Waldenburg 1:30,4: 2. Mllnzer.Treeluu und Moebue-ZIeukölln 1:32,5. � KovswcitspruilN! i. Duhlc. Neukölln, 16,20 Meter.— Lvffenstasette 4x100 Mete«! l. Neukölln 5:20,0; 2. Brevlau 5:20: 3. Tr,»d?n 5:32,0.— greistllstafsel 40, 00, 80, 100, 80. 00, 40 Mete«: 1� Neukölln 5:14,3: 2. Breslau 5:23,2; 8. Görlitz 5:25,4.— Leite 100 Meter: Fanlde-Bre-Iau 1:18,0: Weise-Dresden 1:22,8.— Rütkenfchuiimme» 10« Mete.: 1. ffrohn—"—-............... Dies den 1:20,9.— Fi hn-Neukölln 1:10 9j 2. Dowe-Neukölln 1:19 4 tdift.): 8. Nosse. 10« Bieter I. �IWWWWWWW» Dresden 1:2«,«.— Freistil 1«« Meter: 1. Gölke-Neuköllu 1:05,3! 2. Paluza-Bres- lau 1:08,3; 3. DI-tschrc-Neukölln 1:10,0.- Freistilst-fette 3X190 Meter: 1. Neu. tölln 3:27,5: 2. Görlitz 3:41,5: 3. Breslau 3:43.— Wasserball,- Neukölln— Dre». den 3: 3: Neukölln— Breslau 3! 3: Breslau— Görlitz 3: 2: Dresden— Brcs- lau titz. � Das hallensporlfest abgesagt. Das vom Sortellverband für den 27. März im Sportpalast be- absidstigt« Hallensportfeft kann nicht stattfinden. Es ist auf den November oerschoben worden. Schon verkaufte Eintrittskarten werden gegen Rückerstattung de, gezahlten Eintrittsgeldes vom Ver- käufer zurückgenommen. Wer ober das Werbeturnen der Kreis- Turnersporte am Sonntag, dem 20. März, vormittags 10 Hhr, besuchen will. Mercedespalast, Neukölln. Hermannstr. 212/216, kann die schon gekaufte Karte zum Hollensportfest für den Eintritt zum Werbeturnen benutzen._ Fünf Faßte 53. Moabit. Der Sportverein Moabit hatte am Sonntag zu einer Matinee anläßlich seine» fünfjährigen Bestehen» eingeladen. Hm es gleich vorweg zu jagen: die Moabiter haben es oerstanden, gleich ihren rein sportlichen Veranstaltungen, diesmal auch die Gründungs- seier interessant zu gestalten. In bunter Reihe wechselten turnerische Darbietungen, teilweise humoristisch zugeschnitten, mit sportlichen Darstellungen und unterhaltenden Einlagen. Besonders beim Demonstrationen Schülerturnen„Einst und jetzt* kam der Hnterschied zwischen den bockbeinigen Hebungen von ehemals und dem körpsr- befreienden Gliedertraining von heute zum Ausdruck. Die Weißen- feer Freie Turnerschaft steuerte ein politisch-satyrisches Spiel. „Höllenvevue* genannt, bei.__ kostenlose Verbands« igenkojen auf der wochenendausflellung. Für Turn- und Sportverbänd«, Hnterverbände und eventuell auch für große Vereine stellt die Ausstellungsleitung der Wochenendaus- stellung(16. April bis 12. Juni) kostenlos Eigenkojen in Größe von 6 mal 6 Meter Grundfläche zur Verfügung und trägt die Prämie für die Versicherung der Ausstellungsgegenstände. Aitträge auf Eigenkojen sind zu richten an das Berliner Messeamt, Berlin C. 2, Breit« Str. 35, Abt.: Reukirch(Fernruf: Magistrat Berlin, Leitung 610). Um die Vezitkpmeisterschaft im Ilorden. Trotz her kalten Witterung fanden sich ungefähr 2000 Zuschauer auf dem Adlersvartv�tz ein, Pin Zeugen interessanter«-impfe zu werden. Das crile Spiel se» Adler 08 mit 4:1 al» Sieger tiber Spandau LZ. In den ersten zwanzig Minuten sah ea sllr die Pankower allerdings sehr brenzltch aus, doch ver- mochten die EtUrmer Svandauz keine zählbaren Erfolge zu erringen. Songfam macht sich Adler sret und erzielt btntcreinander zwei Dcre. Spandau versucht nun aufzuholen,{flott geht e» dem Adler. Tore zu und eine Flanke vom Linksaugen muß der Torwart Adler» passieren lassen. Dadurch ausgemuntert areift Spandau weiter an. Adler» Berteidiaung verhindert aber jeden Erfolg. Auch auf der anderen Seil, können Tor,»ich! mehr erzielt werden. Nach der Pause ist Adler stitndlg Überlegen. Gutes Sombina!'on»lptel briuai die Paukower immer wieder vor das Tor. ohne daS es jedoch gelingt, den Ball in» Netz zu jagen. Ceft nach viertelstündigem Spielen gektngl es dem Mittelstürmer an dem herausgelaufenen Torwart vorbei das dritte Tor zu erringen. Zehn Minuten vor Schluß gelingt dann Halblinks noch der vierte Trelfer und damit ist Spandaus Schicksal be. siegelt.— Nach Interessaniee al» das vorerwähnte Spiel war das Treffen Vor. wärt». Hennigsdorf gegen Borussta.Netnickendorf, da» nach einem sehr Wechsel. vollen Spielverlauf unentschieden ltz-tz) cndele. Die junge Borussenmanufchajt verstand es meisterhaft, die größere Spielerfahrung der tbennigedorfer durch Kampfgeist und Eifer wettzumachen. Gute Zerflörungsarbrit d-r beiderfeiligen Hintermannfchafien verhinderten zunächst jeden Erfolg. Erst kurz vor d-r Pause konnte Vorwärts durch den Halblinle» in Fuhrung aehrn. Glqudts man, daß Borwärts nach der Pause, mit dem Winde al» Bundesgenossen, den Borussen bestimmt das Nachsehen geben würde, so sah man sich getäufch:. Im Ii teilweise al» die deffeee Halblinks hergestellt. Kurz» _____ 1» in Führung zu bringen. och nicht lange dauerte die Freude. Auf der Gegenseite ließ der Torwart einen schon sicher gefangenen Ball aus den Händen fallen und der Ausgleich war wiederum hergestellt. Der Anstoß bringt Borussia soforl wieder vor dos Tor der Heunigsdorfer Die Vcrteidlgiing klärt jedpch die gefährlich auefedend» Situation durch kräftigen Schlag. Der Sturm Nimmt den Ball auf, und bevor der Torwart der Ncinickendorfer«» sich versah, lag Hennigsdorf in Führung. Nur»och wenige Minute» fehlten bis zum Schluß, al»«» den Borussen gelang, ihrerseits den Ausgleich herzustellen.— Die Serienfpiele brachten wieder einige Uebcrrafchungen. So gelang es im Südwesten Fortuna die an zweiter Stelle liegenden Nvwawese« mit 1:0 zu schlagen. Auch der hohe Sieg Brande», durgs üoer Potsdam(9:3) kommt lld-rraschend. Potsdam, hl» zur Pause mit 1:4 im Nachteil liegend, holt in der zweiten Spielhälfte mächtig aus. Beim Stand von 4:3 erkennen die Brandenburger aber den Ernst der Lage und schnüren den Gegner»ollkommen ein. Noch 5 Tore sind die Ausbeute. Edensalls überraschend kommt die hohe Zlicderlage der K-ischendorfer aus eigenem Platz gegen Stralau. Li» zur Pause liegt Stralau schon mit 3:0 in Führung. Nach Wtederbeginn stellt Stralau dann das Resultat aus 4:0, dem dt« Ketschendorser, durch Unaus, merksamteit der Berteidigung, den Ehrentresscr entgegensetzen. Kurz vor Schluß köpsen die Gäste dann»och zum fünften Tor ein. Mit Adlershos scheint e» immer welter zurückzugehe». Auch gegen Berliner Sportverein 22 mußten die Puiitie durch elne l:S.Niederlaae abgegeben werden. Woltersdors versagte gegen .Hertha 22 volllowmc» und mußl« Mit 10:1««schlagest die Heilnrets« aiilrcten.— Wettere Resultat-:! Luckenwalde l gegen Eintracht 25 5:3. Neuköllner Balllpiel-Slub gegen Luckenwalde 11 2:7. Ftlsch-Aus gegen Ehorlott-ndurg 5:2. Mariendorfer Sport-Elub gegen Ficht» 21 1:2. Adler-Mabl-dors gegen Friedrichshagen 2:1. Echwetsu-rne gegen Mttncheberg 0>3, Fußvallrlna gegen Kreuzberg 2:2. Moabit gegen gehlendorf 0:1, Schöncbcrg gegen Stern-Marlcn, fclde 0:2. Diktoria gegen Tilania 2:1. Aoltersdors gegen Luckenwalde 5 0:1» Rord-Oranienburg gegen gichle 24 2:3. Turnverein Pankow gegen Wttunau 1:3. c_ ii___ ii.......„ r»,........... r.%-An 44 Ol 1 4_(V. I« all 7 1*1 cd «peunen oeuinuui uua jiuuiicutu geoen umvti?» so)6.v----- v,„, Gegenteil. Die Borussenmannschaft erwies sich sogar teilweise als die bessere Partei. Bald wurde der Ausgleich ebenfalls durch Halbltnl» h«r< Feit nachdem gelang es dem gleichen Spieler Borulsta in Führung Nord 2:7. H-velder'g' gegen Lenzen 3-0. g-ulhen gegen Berliner Svort-Beret» 13 5:0, Biktvria gegen Britz 3:1, EtseiispaUcr-i gegen Wacker 24»iß, handballbeticht vom 13. Marz. Niederschön eweid« gegen Ficht« 10 3 1 4(1:2). Kupferhammer I gegen Ficht- 12 I 1:0(0; 0). Ficht« 4 11 gegen Hermsdsrs I 0,1(0:1). Ooer. svree I gegen Eroß-Berlin-Wedding 1 2 i 4(0:1). Spandau I gegen Groß» Berlin. Süden i 4 i 1(1: 0). Groß-Berlin.Zrtcdmau hatte zwei Spiele zu bestch.'n. Im ersten Spiel gegen Fichte 8 If mußten st-«in, Nt-d-rlage von 0:1(Sil) hinnehmen. Eine Stund« foäter spielten sie gegen Giwß.Bcrhii, Osten und mußten auch dort eine Niederlage ron 4: 1 einstecken. Stein, kurth I gegen Pankow l, Pankow nicht angetreten. Brandenburg I gegen Adlerehaf l 1! � Brandenburg II geflen Adlershof N 2: 0. Fichte 1 gegen Fichte 2 1: 0(0; 0). Bornstedt 1 gegen Fichte 8 l 0 i 3(0: 1). Lichtenberg 2 I gegen Wcdding II 2:0(0: 0). Lichtenberg 2 II argen Lichtenberg 8 I 1; 1 (1: 1). Wittenau I gegen Ficht« 18 10:0. Schonpw 11 gegen Ficht« 3 III 2: 0-2: 0). Schönow i gegen Brandenburg 2 I, Brandenburg nicht angetreti». Sparta Ii gegen Betten 110:0. Sparta I gegen Beltsn I 1! 1(0: J). O-nr, spree II grgen Weddinz in 1:0(1; 0). Neukölln III Perein, Mannschaft gegen Fichte. Süd III 0: 0. Neukölln II Bereinsmannschast gegen Fichte-SÜd II 0: 1 (0: 0). Neukölln I Bcrcinsmannschgtt gegen Fichte-Süd I 1:3(0:1). Fichte 4 I gegen Biesdorf 12:0<2; 0). Graß.Bcrlin.Nokenthal gegen Schön. bolz 8:0(4:0). Frei««onuighrer I gegen Eroß'Berlin-Süden II 0! 1(ll! t>. Köpenick I gegen Stralau 1 2: 0(1: 0). Bahnsdorf I gegen Weitzenfee 11:1 (1: 0). Kaulodorf I gegen Erkner I 0: 1(0; 1). Rowawcs II gegen Neu- kölln 2 II 2: 12(1: 7). Nowawcs I gegen Neukölln 2 I I! 0(8: 1). Frauen: Ficht« 0 A gegen Adl-rsdof 2 i 1(2; 1). Schönow I gegen Neukölln 2 10-1 (0:1). Fichte 20 gegen Lichtenberg 2 I 2: 0(l: 0). Spandau gegen Groß. Berlin-Süden 0 j 0, Luckenwalde gegen Lichtenberg 1 10:5(0:0). Fichte Z I gegen Tegel 10:0 Fichte 5 i gegen Ficht- 3 II fl; 0. Reukölln B-relnsmon». (chaft gegen Aeißense, 2:0(1:0). Ficht- 4 gegen Hcrmsdorf 4:1(0:0). Jugend: Lichtenberg 2 l gcgkn Sparta u öiO(4:0), Ficht« 3 u gegen Fichte 5 l 0:3(0:3). Edcrswalde gegen Ficht« 3 1 1:8(1:1). Kupfer, Hamme« I gegen Fichte 3 1 t I 5(l: 3). Köpenick I gegen Treptow I 0: 1<0: 0). Neukölln Bereinomannfchast gegen Fichte-Süd 1: 3<1.1 1). Oberspree gegen Adlcrehof 2:2(2:1). Velten gegen Sparta 0:5(ll 1 2). Schönow grgen Moabit. Moablt nicht angetreten. Schüler: Lichtenberg 3 l gegen Sparta 3: 0 (1; 0), Grotz-Berlin-Nasenthal gegen Adlershos 4! 0. was die vereine vorhabeni Dl« Freie Turnerstl oft Neukölln veranstaltet am Sonntag, 27. März, im große» Saal der Neuen Welt>hr» diesjährige Werbeveranstaltung als Porschau zum Kreisfest im Juni diese» Jahre». Der Berel» will alle» Arbeitern und Arbeilerinnen zeigin, wie jung und alt Sport und Körper- pflege treiben kann. Karten im Vorverkauf bei allen Abtetlungskofsterern und in der Fichte.Verkaufsstelle Neukölln, ftaiser-Friedrich-Stratz«, für 50 Pf. Ein, laß?Vi Uhr. Der StztlUWWWWWW,_____..■___ W.__ teilungrn einen Borgab«, Wal blau f durch das Selänhe der Nchbrrge und de« Iungfernheld« zum Austrag. Die Männcrabteilung startet über Sportpereiu M-adit bringt� am kommenden Sonntag für feine. Ad- 5 Kilometer, m:t den Spielern, Turner» und Altherren über 3 Kilometer. Bis zu 4 Minuten Vorgaben aufzuholen wird den Malleuten als Aufgab« gestellt. Di« Jugendlichen lausen über 3 Kilometer mit Vorgaben bis zu 2% Minuten, die Schüler und Frauen übe« etwa l�ii Kilometer. Start und Ziel Seestrag». Eck» Afrikanische Straß«(gegenüber de« Hachschul-Pr-zuerci). Ablaut nachmittags 3 Uhr. Gastteilnahm« der Brudcrvrreine zulässig. Zu einem Frühjahr». Waldlauf des 1. Bezirks in der Königs. Heide zwischen Johannisthal»nd Z'aumfchulenwcg am Sonntag, 3. April, nach- M'ttago 3 Uhr. ladet der Athletik-Eport-Tlud«in. Es sind Etnzelläuse, Mann- schastsläufe und ein Propagandalaus vorgesehen. Meldeschluß am 27. Marz de: Hans Rahn, Berlin 9 0.55, Marienburger Str. 47. Ausgebt!' d von der Tatsache, daß die Provinz und da, platt» Land von d'N Arbeitersportvercinen mehe al« disder unterstützt werden muß, vcranftattct die Leichtr>:hletik'vart« ihre Frühiahrswaldläufe In den einzelnen Bezirken. De» 4. Bezirk wirb nunmehr am 3. April einen Waldlauf IN Luckenwald« -Setzhiidr) abhalt-u. Di, Au»schreidung steht vor: Männer a Kilometer, Einzel. laus mit Mannschaftswertung<4 Mann ein« Mannschaft). Jugend 09 10: g-Kilomeler-EinzeUäuf mit Mannschaftswertung(4 Mann eine Mannschaft), Jahrgang 10/11: 1500 Mete« wie uorhee. Frauen Jahrgang 10-12: Einzellauf 1000 Meter. Aeltere 1500 Meter Meldeschluß am 20. März bei W. Bismarck, Luckenwalde, Anhaltstr. 10. Meldegedühren pro Mannschaft 20 Pf., Einzel- läufer 10 Pf., Frauen 5 Pf. Die M-ldegedühr ist gleichzeitig mit der Meldung einzureichen, sonst keine Starterlaudni». Die Sonntagsrückfahrkarte hi» Lücken, malde beträgt 2,20 M. Fahrten auf Iugendschein 1,70 M. Nach der Sler- -nstaltun« im neuen Turnerheim der Luckenwalde« Turnerschast gesellige» Bei- sammenfein. Durch seine am letzten Sonntag gefahrenen Nennen hat der Arbeite»» Radfadrer-Bund.Sclidae'tät" erneut den Beweis gebracht, daß er es mit dem Nennsporl ernst mein« und sich vor seinen bürgerlichen Konkurrenten nicht verstecken braucht. Bflicht aller dem Arbetterftande angebörenben Nad, und Rennsahrcrn muß es sein, ihren Sport nur in„Solidarität" zu betrelben. Ret einem Eintrittsgeld von 1 bis l 50 M. und einem vierteljährlichen Bei- trag von 2 M., für Jugendliche 50 Vf., bietet der Bund außer der kostenlosen Bundcszeitung Sterbegeld und Krankengeld bei Nadunfällen; außerdem Rechts. schütz, Hastpflicht und Diebstah'sverstcherung, zollfreie Grenzllberfchreitung mit den: Fahrrad usw. Kein» Nadfporlorganisgtian ist tn der Lage, bei solchen niedrigen Beiträg'N ähnliche Leistungen zu bieten. Mitglieder nehmen ans! Will» Pirquien, Berlin SO. 33, Euvrvstr. 22: Rudolf Meinert, Berlin SO. I«, Brückenstr. 5b; Erich Dreier, Plötzensee, Waldhütte, verlängerte, Nordufer. Di» nächsten Rennteemine sind: Sonntag, 20. März, gut der Strecke Marien, darf— Zossen und zurück; Gaumeifterfchaften be« Gau« Im Manntchaftestraß-n. fahren. Am 3. April, früh 3 Uhr, Nadrinncn im Treptower Park, große Spielwiese. Welter find vorgesehen: Fliegerrennen für alle Bcreisungsartcn, gemischte Stafette, Radballspiel. Reigenfahrc». Eintrittsgeld wird nicht erhoben. 1. Bezirk, Lelchtathletitspirte. Sonntag, 3. April.>0 Uhr, vor dem Früh- sahrs-Waldlaus in der Königsdcide. sindct im Restaurant Bürgergarten, Ja- hannistbal, Parkstraße. Eck« Sterndamm, der Bezirksspartentag statt. «rtiftei-verei» Berlin. Probierhalle: Augustst«. 07— 4>8, Turnhalle. Probier» stunden: Dienstags und Freitags von tz— 10 Uhr abend«. Ausnahme neuer Mitglieder mit und ohne Borkcnntntsse, Busdlldunz zum Artisten unter sach- kundiger Leitung. Zuschritten an d>« Geschäftsstelle Walter Kühne, Perlin N. 31, Nuvpiner Str. 21. Kartell bezirk Prenzlauer Berg. Sitzung 13. März. 8 Uhr, Lokal Werner, Senefelderstr. 32. Tagesordnung u. a.: Platzverteilung. Delegiertenausweis und Mitgliederbestand mitbringen. Di« Bereinovorsttzenben der Berel», de» Kartellverbende» treffen sich zur Entgegennahme van Inlvrmatipnen über hie Unfallversicherung und der siaat. lichcn und städtischen Beihilfen Sonnabend, 1«. März, 7 Uhr. ln der Geschäst». stelle de» Kartellverdande», Landsderge« Str. 32. Legitimation, Nam?n und genai-e Adresse des Borsitzend'n mit Vereinsstempel versehen. Wir bitte» zu beachten, daß prrsönlick» Rücksprachen in der Geschäftsstelle nur in der Zeit von 2 bis 3 tlhe nachmittag», außer Sonnabends, erledigt werden können. Anruf ist letzt: Königstadt 504. Der Geschäftsstihrende Ausschuß. Toneiftenvi-rein.Sie Ratuestennd»*, Zentral, wie». Ortogruvpe Verls»« Mittwoch, 10. März, 8 Uhr. in der Aul» de« Sovhien.Lhzeums, Betnmeister» straß« 10—17, Vortragsabend!„Bolk-gefunddeit und Letbesiidungen." Referent Oberreglcrunqsrat Dr MaNwltz. Gäste o nfornrn-n,— Abt. Friedriched-iin: Dienstag, 15. März, 8 Uhr, im Seim Edertystr 12, Leseabend.— Abt. Friedenau: Dienstag, 15. März, 3 Uhr, im Heim Offendacher Str. 5», Vor. trag:„Demokratie und Sozialismus."— Abt. Norden: Dienstag. 15. März, 8 Uhr, im Heim Sonnenburger Str. 20. Rur die Zugendgrupve tagt.— Abt. T'ernarten! Dienstag, 15. März, 3 Uhr, im Heim Wielesstr. 5.— Abt. Weddinq: Dienstag. 15. März, 8 Uhr, im Heim Luxemburger Str. 7, Licht. bildervortrag:„ssrühlingserwachen."— Abt. Treptow: Dienstag, 15. März, 8 Uhr. im Heim Elsenstr. 3, Gesanqsgrupp«.—«bt. Pankow: Dienstag, 15. März. 8 Uhr, im Heim GLrlchstr. 14. Vortrag:„Freiligrath."— Abt. Frledrl�shagen: Donnerstag, 17. März, 3 Uhr, im Seglerheim. Bellevue-, Ecke Secstraße, Lieberabend.- Abt. Prenzlauer Berq: Donnerstag, 17. März. 8 Uhr, im Heim DanPger Str. 23, Bortraa:.Jugendpflege und Jugendfürsorge."— «bt. Rciuickevdors: Donnerstag, 17. März, 8 Uhr, im Iugendhaus, Seidelstraße, Liederabend.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 17. Mär». 8 Uhr, im Heim Rarlane 10, Liederabend.-- Abt. Neukölln: Donnerstag, 17. März, 8 Uhr. im Heim Steinmehstr. 1>4. Märzfeier.— Am Freitag, 18. März, 7U. Uhr. Teil. nahm« sä-ntli-der Gruppen an der Kunbgedung des Kulturkartells in d?n Prachtsälen am Märchenbrunnen, am Friedrichshain. Grupp-nv-ranstaltungen an diesem Tag« fallen au». Kaufen Sie MÄQGI8 Suppen-Würfel und Sie werden zufrieden sein! Reich« Sorienauswahl.- 1 Würfel für 2 Teller 13 Pfennig.- Z Teller 1 Nr. 124 � 44. Jahrgang 2� Vieustag, 15. März 1H27 Deutsthlanö und Sie Rationalisierung. WLrtschaftsPolitische Debatte im Reichstag.- Genossin Sender gegen den Reichswirtschafts- minister.- Das Unternehmertum zeigt sein wahres Gesicht. Der Reichstag nahm gestern zunächst die deutsch- pol. nischen Grenzabtommen sowie den Gesetzentwurf über den Beitritt des Reichs zum imernotionalen Abkommen über den Schutz von Werken der Literatur und Kunst ohne Aussprache in zweiter und dritter Beratung an. Darauf wird die zweite Beratung des Reichshaushalts beim chaushalt des Rei chs w i rts cha f ts m i n ist e rium s fortgesetzt. Reichswirtsihafisminisier Vr. ftirtius gibt einen Ueberblick über die Tätigkeit seines Ministeriums. Nur auf gewissenhaften Erkcnntnisgrundlageu sei das Zusammenwirken der verschiedenen Wirtschaftszweige und der Ausgleich der großen Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit möglich. Deshalb verfolge das Wirtschastsminisierium eingehend die Aufgaben periodischer Untersuchungen und ständiger wissenschaftlicher Durchdringung des ganzen Wirtschastsgescheheiis und suche die Arbeiten der Enquete- Kommission sowie die dauernde Tätigkeit des Statistischen Neichsomts zu fördern. An neuen Aufgaben für 1927 nennt der Redner die R e i ch s w o h n u n g s zä h l u n g, die Erhebung von Haushaltsrechnungen zum Aufschluß über die Lebens- Haltung der Bevölkerung, die Produktions» und Lohn- st a t i st i k. Die treibhausartige Entwicklung der Berussorganisationen nach dem Zusammenbruch habe einem Beharrungszustand Plag gemacht. Die Zusammenarbeit mit den Behörden erstrecke sich auch auf wirt- schastspolitische Ausgaben. Trotzdem könne man ein Zentrolorgan, den Reichswirtschaftsrat, nicht entbehren. In der Rationalisierung sei nur die erste Etappe er- reicht. Die Bervollkommnung der Technik stehe noch bevor. So. bald der Plan eines Großspannungsnetzes fertiggestellt fei, dürss seine Durchführung nicht durch Schwierigkeiten bei der Ver- leihung des Enteignungsrechtes gestört werden. Endziel der ganzen Rationasisierung müsse die Wiederaufnahme aller brauchbaren Arbeitskräfte und die Hebung der kauskrasl der ganzen Bevölkerung sein. Der Minister verwies dann auf die beiden Denkschriften der Regie- rung über Konzern- und Trustbildung und über die Tätigkeit des Kartcllgerichts. Die Kartellbedingungen ständen unter dauernder Beobachtung einer besonderen Abteilung des Ministeriums. Bei besonders hartnäckigen Gruppen genüge meist die Drohung mit einer KlaAe vor dem Kartellgericht. Bei Besprechung der Zoll- and handelsvertragspolisik betonte der Redner, daß der Anteil Europas an der deutschen Ausfuhr zu- gunsten des außereuropäischen Anteils stark gemindert sei. Die Ausfuhr nach den europäischen Ländern sei im ganzen genommen geringer als vor dem Kriege, wobei den Hauptausschlag die verminderte Ausfuhr nach Rußland und Frankreich gebe. Bei den anderen Ländern zeige sich in manchen Beziehungen eine günstige Auswirkung der mit ihnen obgeschlolse. nen Handelsverträge. Asien und Afrika nähmen wachsende Mengen deutscher Äusfuhrerzeugnisie auf. So sehr Deutschland danach trachte, das Handelsvertragssystem zum Abschluß zu bringen, so sei man noch immer vom Ziel entfernt und habe noch schwer« Aufgaben, wie die Handelsverträge mit Polen, Frankreich und der Tschechoslowakei zu lösen. Mi. nister Dr. Curtius erhofft sich von der im Mai in Genf stattfinden. den Weltwirtschaftskonferenz eine gewiss« Erleichterung der allgemeinen handelspolitischen Lage. So wenig befriedigend im ganzen Deutschlands Handelspolltische Lage zurzeit auch sein möge, so werde die Reichsregierung doch eine Aenderung der Methoden und die Schaffung eines neuen Zolltarifes in nächster Zeit nicht verantworten können. Die Einbringung eines neuen deukscheu Zolllarifs, die vom Reichstag gefordert werde, würde im Augenblick nur ooch größere Verwirrung hervorrufen. Der Minister kündigte eine Vorlage der Reichsregierung über die Gestaltung der Agrarzölle sür die Zeit nach dem Zl. März d. Z. an und verwies auf die neuen Wege, die man zwecks Steigerung der Ausfuhr zu gehen beabsichtige. Dein Auslande müsse klar gemacht werden, daß die Garantie- lcistung für sogenannte Russenkredite, die Exportkredit- Versicherung, die Vergebung von Darlehen an durch den Kriegsausgang geschädigte deutsche Exportfirmen und anderes Maßnahmen seien, die auch andere Staaten, sogar in weit größerem Umfange träfen und daß gerade die besondere Schuldnerlage Deutsch- lands zur Förderung der Ausfuhr zwinge. Auf dem Gebiet der Geld- und kreditpolllik hätten die Geld- sätze der Auslandsanleihen und d6s Inlandskapi- t a l s im vergangenen Jahr eine beträchtliche Verminderung erfahren. Auch die Spannung zwischen Soll- und Haben-Zinsen bei den Banken sei verringert worden. Trotzdem sei ober die Zins- belastung noch immer außerordentlich hoch und bedenklich, wenn man erwäge, daß die mit diesen Sätzen belasteten Unternehmungen auf dem Weltmarkt mit Firmen zu konkurrieren haben, die erheblich geringere Zinsen zahlen. Man müsie jetzt daher ernst überlegen, ob und welche Mahnahmen zur Verbesserung des Geld- und Kredit- fystems ergriffen werden können. Bei den Besprechungen zwischen Dr. Schacht und dem Reichskabinett fei auch von den Rückwirkungen die Rede gewesen, die von den Bewegungen des Geld- und Kredit- Marktes auf die Zahlungen der Reparätions- l e i st u n g e n ausgingen. Die bisherige Erfüllung der Reparations- Verpflichtungen, die im wesentlichen darauf hinauslaufe, Annuitäten durch Aufnahme neuer Schulden zu schaffen, führe zu Substanzver- lust-n und sei daher alles andere, als eine ordnungsmäßige Er- füllung des Dawes�planes. Der Minister betonte weiter, daß sich der Staat mit besonderer Sorgfalt des Handwerkes und des miklelständischen Gewerbes an- nehmen müsie, das zweifellos in gefährdeter Lage sei. Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius betonte zum Schluß seiner Ausführungen, daß mit diesem Ueberblick über wirtschaftpolitische Fragen, die in den eigenen Zuständigkeitsbereich seines Ministeriums fielen, die staatliche Wirtschaftspolitik keinesfalls erschöpft ssi. Erst aus der Gesamtbetrachtung aller großen Ge- biete der Staatsbetätigung, bei denen der Staat in den Verlaus der Wirtschaft eingreife, ergebe sich die Gesamtheit der staatlichen Wirt- schastspolitik. Reben der Zollpolitik stehe die Außen- h a n d e l s o o l i t i t in weitestem Sinn«. Der zweite große Komplex wlrtschaftspolitischer Betätigung liege in der Steuer- p o l i t i>. Einen letzten Zweig bilde die Verkehrs- Politik. Der Minister betonte, er habe sich stets bemüht, durch rege Mitarbeit an allen Fragen auf ein« einheitliche Linie und eine planmäßige Zusammenfassung der staatlichen Betätigung yuf wirt- schastlichem Gebiet hinzuwirken. Darauf gibt Abg. v. Raumer(D. Vp.) den Bericht über die Verhandlungen des Ausschusses. Mg.§rau Senüer(Soz.) stellt fest, daß der Minister zwar alle möglichen Einzelheiten aufgeführt, aber keine.Auskunft darüber gegeben habe, durch welche Maßnahmen die Regierung die Krise über- winden wolle, welche Wirtschaftspolitik sie denn überhaupt treiben wolle. Wenn man die Ursachen dieser Krise prüfen wolle, so müsse man von der Feststellung ausgehen, daß sie im Zusammen- hang steht mit der Krise, unter der Europa soit vielen Jahren zu leiden hat und die noch immer andauert. Anstatt aber gegen die durch den Weltkrieg veursachten Störungen des Wirtschaftslebens anzukämpfen, sehen wir überall das Sireben nach der Absperrung vom Auslände, aus der sich dann wiederum die Zerreißung des Marktes ergibt. In Deutschland ist der wirkliche Zustand der Wirtschaft durch die Inflation lange verschlrierr worden. Die fortschreitende Sen- kung des Reallohnes ermöglichte die Konkurrenz auf dem Weltmarkt zugunsten der Großindustrie und der Spekulation wurden die kleinen Sparer und der Mittelstand enteignet, zugleich aber der Ausbau des Produktionsapparates vernachlässigt. Erst die Stabilisierung der Währung entschleierte die wahre Sachlage. Die Krise, die chr folgte, und die auch heute noch längst nicht überwunden ist, unterscheidet sich wesenllich von den Krisen, die dem normalen Ablauf des kapi- talistischen Produktionsprozesses eigentümlich sind. Diese Krise ergibt sich aus dem Mißverhältnis zwischen Produktion und d.em Derbrauch. Jeder Der- such.zur Lösung dieses Mißverhältnisses mußt« sich zum Ziele setzen die Steigerung des Gesamtwohlstandes, mußte die Volkswirtschaft als ein Ganzes ansehen. Das Reichswirtschafts- Ministerium ließ sich aber nicht von diesem Ziele leiten, sondern über- ließ sich der Leitung der kapitalistischen Interessenten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wie es dabei gemacht wird, das hat Professor Schmalenbach in der Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung dargestellt: „Einige Sachverständige arbeiten den Entwurf aus, im Reichs- fustizministcrium wird diese Arbeit durch Beratungen begleitet, bis die Arbeit zum Referentcnentwurf gediehen ist. Bevor der Entwurf das Parlament erreicht, wird man ihn den großen In- teressenverbänden vorlegen müssen: vermullich werden sie schon von Anfane an an den Beratungen beteiligt sein. In den Parla- menten selbst werden die Inieressentengruppen sich erneut und mit großer Macht Geltung machen." Dieser Vorgang steht nicht vereinzelt da, er wiederholt sich fast bei jeder wirtschaftspolitischen Maßnahme. Für das Reichswirk- fchaftsministerium haben die Wünsche und Forderungen der Unter- nehmer eine weit größere Bedeutung als die Interessen der ge- samten Wirtschast. Wenn wir einen Rückbllck auf das Wirtschaftsjahr 1926 werfen, so sehen wir, wie in der ersten Hälfte die schwerste Krise aus allen Gebieten herrscht. Die zweite Hälfte bringt eine Erleichterung durch den englischen Bcrgarbeiterstreik, die aber auch zugleich die Folge des Bcreinigungsprozesses in der Wirtschaft ist. Mittlere und kleinere Unternehmungen werden in großer Zahl aufgerieben, nicht zuletzt infolge der Beleihungspolitik der Reichsbank, bei der die Großunternehmungen vor den kleinen begünstigt worden sind. Dieselben Kreise, die soviel von der Rettung des Mittelstandes reden, haben diese Entwicklung gefördert.(Sehr wahr bei den Soz.) Die Großindustrie saugt die kleineren Betriebe auf. aus der von der Regierung vorgelegten Denkschrift ergibt sich ja, daß 65 Proz. des gesamten deutschen Aktienkapitals in Konzernen oder ähnlichen Gebilden vereinigt sind. Die Opfer dieser Zusammcnballung des Kapitals sind der Mittel- stand, sind die Arbeiter und Angcsiellten. Run müßte das Ziel jeder vernünftigen Wirtschaftsführung sein, die volle Verwertung aller Arbeitskräfte und damit das Höchstmaß an Wohlstand zu erreichen. Die Wirtschaft umfaßt ja nicht nur Unter- nehmer. ihren wesentlichsten Teil bilden die Arbeitskräfte, die Pro- duzenten aller Art. die Handwerker. Arbeiter und Angestellten. Woher nehmen die Unternehmer überhaupt die Berechtigung, sich als„Wirtschaftsführer" aufzuspielen? Wir brauchen nur einen Rückblick auf die vergangenen Jahre zu werfen, um zu sehen, wie oft sie sich bei der Beurteilung der Lage getäuscht haben.(Sehr wahr bei den Soz.) Herr Stinnes redete in Spa davon, daß wir in der Kohlenfrage infolge der Gebietsverluste unter einem dauernden Siechtum zu leiden haben würden. Bald darauf kam wirtlich eine Kohlcnkrise, aber keine Krise des Mangels, sondern eine Krise d e s U e b er f l u s s e s. In den Iahren 1321 /22 wurde von den „Wirtschaftsführern" gesagt, daß ohne eine endgültige Regelung der Reparationsfrage, ohne Beseitigung des Defizits in der Handels- bilanz und ohne die Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaus- hall die Stabilisierung der Krise nicht möglich sei. Ende 1323 war keine dieser drei Boraussetzungen erfüllt und die S t a b i l i s i e- rung ist trotzdem durchgeführt worden. Es wurde weiter gesagt, das deutsche Volk müsse länger arbeilen und weniger verbrauchen. Die Unternehmer haben eine Verlängerung der ArbeikszeU und eine Verschlechterung der Lebenshaltung der breiten Massen durchgesetzt. Und was ist die Folge? tzeuke feiern Millionen, weil sie keine Arbeit finden können, die Gesamtwirtschaft befindet sich in einer schweren Krise und nur die Industrie, das Kapital befindet sich im Ausblühen!(Sehr wahr bei den Soz.) Nun sind ja durch die Rationalisierung wesentliche Er- folge erzielt worden. Die Mechanisierung des Bergbaues wurde gewaltig entwickell und dadurch eine erhebliche Pro- duktionssteigerung erreicht. Im Ruhrgebiet stieg der Fördcranteil pro Mann und Schicht von 334 Tonnen im Jahre 1313 auf 114S Tonnen im Jahre 132K.(Hört, hört!) Die Gesamtpro- duktion im Ruhrbergbau ist erheblich gestiegen, trotzdem die Beleg- fchaft um 33 030 Mann niedrigen ist als 1313. Der dadurch er- zielten bedeutenden Senkung der Produktionskosten ist aber keine Senkung der Kohlenpreise gefolgt. Roch deutlicher sehen wir den gleichen Vorgang in der Eisen- und Stahlindustrie. Trotz- dem die im Betrieb befindlichen Hochösen von September 132S bis August 1926 von 96 auf 84, also um 12,5 Proz. zurückgegangen sind. konnte die Gesamterzeugung von 78S 333 auf 850 000 Tonnen, also um 16 Proz. gesteigert werden. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter ging von 21 000 aus 17 000, also um 13 Proz. zurück, aber die Tagesleistung des einzelnen Arbeiters stieg von 1,17 Tonnen auf 1,60 Tonnen.(Hört, hört!) Die Hochofenleistung iv Deutschland hat sich gegen 1913 mehr als verdoppelt, sie ist höber als in irgend- einem anderen europäischen Lande. Trotz der dadurch erzielten erheblichen Senkung der Unkosten sehen wir ein Anziehen der Preise. Die Tonne Roheisen ist jetzt 3,50 M. teurer, als im September 1925, der Preis für Stabeisen stieg von 122 M. auf 133,25 M. Der Röhrenoerband erhöhte seine Preise durch die Senkung der Rabatte für Deutschland um 1)4 bis 5 Proz. Im Auslande kommt diese Perteuerung allerdings nicht zur Auswirkung. Nachdem der Verband die Händler zusammengesaßt hatte, nahm er sofort eine Erhöhung der Preise vor, in Süddeutschland wurde das Eisen um 10 M. die Tonne verteuert.(Hört, hört!) Die Ratio. naliflerung hat sich also bisher nur für die Unternehmer ausgewirkt. Auch wir wollen die Rationalisierung, ober wlr verlangen, daß sie sich auf die gesamte WirtschasI auswirkt. Zede Rationalisierung ist sinnlos, wenn ihr nicht eine Senkung der Wareu- preise folgt. Bleibt der Nominallohn unverändert, so muß durch Senkung der Preise erhöhte Kauskrast für Konsumgüter hervorgerufen werden. so daß die Gesamtkaufkraft des Volkes mehr wächst, als die Per- ringerung der Kaufkraft bei den durch die Rationalisierung frei- gesetzten Arbeitern. Erst diese Erhöhung der Gesamtkauf» kraft führt zu verstärkter Nachfrage, zwingt zur M e h r e i n- st e l l u n g von Arbeitern, sie belebt nicht nur die Konsum» i n du st r i e n sondern auch die Produktionsmittel» industrie. Diesen Weg, der allein das gewaltige Heer der Er» werbslosen einzuschränken und die Lebenshaltung der breiten Massen zu steigern geeignet ist, ist man bisher in Deutschland nicht gegangen, man will ihn auch jetzt noch nicht gehen. Die Regierung folgt m ihren Maßnahmen den Forderungeu der llulernehmerver. bände, die keine Lohnerhöhung zugestehen wollen, dagegen aber THehrarbeit verlangen.(Sehr richtig bei den Soz.) Die Produktion in Deutschland hat bereits die Vorkriegshöhe erreicht, zum Teil ist sie schon darüber hinausgegangen. Trotz dieses Aufschwungs der Konjunktur sehen wir in der Zahl der Er» werbslosen keine wesentliche Erleichterung. Januar 1927 wurden einschließlich der Notstandsarbeiter und der unterstützten Ausgesteuerten 2 050 000 Erwerbslose gezählt. Unter ihnen befinden sich 612000 Personen, die über 26 Wochen, 263 000, die über 39 Wochen und 135 000, die über ein Jahr arbeits» los sind. Nach den neuesten Feststellungen ist die Zahl der Aus» gesteuerten auf über 200 000 gestiegen. Die von der Regierung und den Unternehmern betrieben« Wirtschaftspolitik hat sich also nicht zum Ziel gesetzt, diese freigewordenen Arbeitskräfte wieder in den Produktionsprozeß einzureihen, sondern die sich aus dem Ans» schwung der Konjunktur ergebende ZNehrarbeft soll durch lleber- stunden erledigt werden. Nach der amtlichen Statistik des Reichsarbeitsministeriums, die nach den Angaben der Unternehmer aufgebaut worden ist, haben im April 1326 von 743 686 erfaßten Arbeitern 213 045 Arbeiter über 48 Stunden in'�tzer Woche gearbeitet, im Juli 1926 waren es 260 082 Arbeiter von 721 413 erfaßten Arbettern, im Oktober 1926 sogar 394 996 von 745 621. Im April haben 28,6 Proz., im Oito- ber 52,37 Proz. der erfaßten Arbeiter mehr als 48 Stunden ge- arbeitet. Trotz dieser Tatsachen arbeitet nicht die Regierung an der Beseitigung des Ueberstundenunwesens und damit an der Einschrän- kung der Erwerbslosigkeit, sie tut das Gegenteil: durch die von thr eingebrachte Vorlage soll der Zehnstund enlag jetzt sogar legalisiert werden. Diese; Ueberstundenunwesen sst nur ermöglicht worden durch die von den Unternehmern betriebene Lohnpolitik. Die Unternehmer wollen die riesige industrielle Reservearmee er- halten, um auf diese Weise jede wirksame Lohnsteigerung zu verhindern. Während der Lebenshaltunosindex vom Januar 1926 bis Ende Februar 1927 von 139,8 auf 144,6 gestiegen ist, er. höht« sich der Durchschnittslohn der gillernten Arbeiter nur von 44,98 auf 46,36 M. DerArbeitslohn hat sich durch den Abbau der über. tariflichen Löhne und die Berschlechterung der Akkorde tatsächlich aber noch verringert. Hätten die Regierung und die Unternehmer eme vorausschauende Wirtschaftspolitik getrieben und die für die Ueberwindung der Krise erforderliche Entfaltung des inneren Massenabsatzes richtig eingeschätzt, so wäre die Steigerung der Real- löhne gefördert worden. Es sst aber weder eine Senkung der zum großen Teil überhöhten Warenpreise noch eine Steigerung der Arbeitslöhne durchgeführt worden.(Sehr richtig! bei den Soz.) Die durch die Rakonalisierung erzielken Mehrgewinne find rest- los in die Taschen der kapiialbesshcr geflossen. wie sich das aus der Steigerung der Dividenden, der Erhöhung'der offenen und versteckten Reserven und der Investierungen, sowie aus der außerordentlichen Steigerung der Aktienkurse ergibt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Am deutlichsten zeigt sich der Sieg der Interessenten in der Handelspolitik. Wirtschaftsminifterium und Auswärtiges Amt stehen beim Abschluß von Handelsverträgen ganz unter dem Druck der starken Wirtschaftsv er bände,. Die B e r h a n d- lungen niit Frankreich sind über dos europäische Cisenkartell geführt worden, für wesentliche Teile der Verhandlungen mit Japan bildeten die privaten Vereinbarungen der chemischen In- dustrie die Grundlage. Die Handelspolitik der Regierung läßt jede Führung vermissen, es wird stets denjenigen Kräften nachgegeben, die es verstehen, ihre starke Wirtschastsmacht in politischen Druck umzusetzen. Die Zölle, die unsprünglich zum Schutze der In- dustrie geschaffen worden sind, dienen heute zum größten Teile der Festigung der Bor Herrschaft der Kartelle. Entgetz«,, den Warnungen der Wissenschaft sind zum Schutze der getreide- bauenden Großagrarier auch die Getrcidezölle wesentlich er- höht worden. Die Schwierigkelten in der Landwirkschaft, wo sie noch vor. Händen sind, können nicht durch Zölle beseitigt werden, sondern nur durch Verbesserung der Böden und der Broduktionsmethoden, durch die der Ertrag bedeutend gesteigert werden kann. Auch jetzt noch sollen die erhöhten Roggenzölle aufrecht erhalten bleiben, obwohl die Versorgung der letzten vier Monate dieses Wirtschaftsjahres durch Einfuhr vom Auslände gesichert werden muß, weil die inländische Ernte schon vollständig ausverkauft ist. Nach der Schaffung des Zolltarifs mußlc der van der Regierung angekündigte Kampf gegen das Kartellunwesen ein Kampf"gegen Windmühlen bleiben, wir können diesen Kampf mir führen, wenn in die deutsche Wirtschaft ein frischer Luftzug durch den Abbau der Zollmauern hineinfährt, der den Wettbewerb mit der Kartelldiktatur ermöglicht.(Sehr richftg! bei den Soz.) Wie wenig ernst�cs der Regierung mit dem Kainpf gegen die Kartell« ist, zeigt die Tatsache, daß das Reichs ernrtschafts- Ministerium die ihm gegebenen Vollmachten nicht einmal im Sinne der Preissenkung ausgenutzt hat, wie das besonders deutlich das Beispiel der Kaliindustrie zeigt, wo trotz verbesserter Lage die Preise wesentlich erhöht worden sind. Währet» die Regierung auf jede Einwirkung auf die private Wirtschtiftssübruna verzichtete, hat sie den Zugang zu den öffeitt» lichen Mitteln� denjenigen Großinteressenten freigemacht. die in der Krü-•*> Sc�vierigkeiten geraten waren. In Form ver- bllligter Reichskredjt» x�er aao Garantien stob 732 Mllloueu Mark an Subventionen der Großindustrie zugeführt worden. Wie leicht- fertig dabei vorgegangen wird, beweist der Fall Krupp, wo erst 2l> Millionen verlangt wurden: nachdem diese Subvention ge- icheitert war, teilt der Geschäftsbericht der Firma mit, daß sie auf hie Subvention verzichten konnte, weil sich die Geldflüssigkeit ge- bessert habe. Bezeichnend ist jetzt das zur Diskussion stehende Subventionsgefucl) der Filmindustrie, hinter dem in der Hauptsache die Ufa steht. Es wird mit dem Verkauf des Unternehmens an Amerikaner gedroht, bezeichnend ist es aber, daß die Bankkreis« es ablehnen, den nationalen Interessen ohne Reichs- Hilfe Rechnung zu tragen. Wie wird die Begründung bei der Suboentiotnerung der M o l o g a sein, bei der weder eine Förde- rung des Exports noch eine Mehrbeschäftigung von Arbeitern in Deutschland in Frage kommt, sondern hauptsächlich die Holzver- Wertung im Lnnern von Rußland? Ueberblicken wir das Gesamtbild der deutschen Wirtschaftspolitik, so kommen wir zu dem Ergebnis: imr die Arbeiterschaft ist imstande, das Gesainiinteresse der Bolkswirtschaft zu wahren, um deswillen wird sie kämpfen für eine produktive Sozialpoliiik durch Verkürzung der Arbeit»- zeit und Steigerung der Kaufkrast, für einen Abbau der Zoll- mauern, für die Steigerung des Exports und für die Herstellung des europäischen Gleichgewichts, also für eine Steigerung der Massenwohlfahrt gegen die Selbstsucht der Sapilalsbcsiher. :Dir fordern den planmäßigen Aufbau einer Wirtschaft, die sich auf der Grundlage der Solidarität aller arbeitenden Menschen aufbaut, und alle, die den Mut zum Schöpferischen haben, werden mit uns gemeinsam um die Erfüllung dieser Forderungen kämpfen!(Leb- hafter Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Reichert(Dnat.) wendet sich gegen die Ucber- nähme wirts chaftlicherBetriebe durch die öffent- liche Hand, weil die Betriebe dann unrentabel würden und sie außerdem, von Steuern befreit, eine unfair« Konkurrenz für die schwer belasteten Privatbetriebe würden. Die Sozialdemokratie habe selbst aus Rationalisierung gedrängt, seht dürfe sie sich uicht über die Aolgen beklagen. Aber die Rationalisierung habe doch auch pure Folgen. Sie habe endlich einmal wieder eine Rente ge- schaffen und Bebel habe ja selbst einmal gesagt:„Ohne Profit raucht kein Schornstein!" Auch die Preissenkung im Innern werde kommen. Arbeitszeit dürfe man aber nicht ratio- nieren nach Schema R. wenn einzelne Arbeitslose litten, so dürfe man doch auch nickst «--ergessen, wie die Löhne der veschäfliglen gestiegen seien. Die Kon- funktur sei noch nicht stabil, die Rentabilität der Betriebe noch nicht gesichert. Von einer merklichen allgemeinen Belebung der deutschen Wirtschaft, wie sie die Reparationssachoerständigen erwarteten, sei noch keine Spur vorhanden. Das Ausland müsse zum mindesten durch seine Handelspolitik die Erfüllung der Dawes-Berpflichwngen durch Steigerung unserer Ausfuhr ermöglichen. Bei den deutsch- polnischen Verhandlungen müsse man unbedingt freies Nieder- lassungsrecht fordern. Die Schwierigkeit der Berhandlungen mit Frankreich sei verständlich, wenn man sehe, welch ein dickes Buch die französische Zollnovelle darstelle. Di« Kartellauswüchse würden maßlos übertrieben. Ueber sozialisiert« Monopols, die tatsächlich be- ständen, beklage sich dagegen kein Mensch.(Zuruf links: Und wie steht es mit dem Stahlmonopol?) Das besteht in Ihrer Phantasie, erwidert der Redner. Abg. Schlack(Z.) glaubt aus verschiedenen Erscheinungen zu erkennen, daß es mit unserer Wirtschaft vorwärts gehe. Aber der Wiederaufbau sei nodf lang« nicht gesichert. Wenn wir die Dawes- Last für uns verwenden könnten, würden wir KM(XX) Menschen mehr beschäftigen können. Die Erfüllung de» Dawes-Plans sei überhaupt nur durch Steigerung der Ausfuhr möglich Deshalb müsse der Völkerbond dafür sorgen, daß die Zölle inkernalional abgebaut werden. Deutschland solle auf diesem Wege vorangehen. Aus der Kartelldenkschrift ergebe sich, daß sich doch ganz ge- waltige Kapitalmächte in den Konzernen konzentriert hätten. Soziale Schranken gegenüber de« Kartellwesen seien unbedingt notwendig. Die von Dr. Reicherl b chaupleleu Erfolge der Rationalisierung für die breiten volkssch.chten vermiß« der Redner. Im Gegen- teil seien die Preise gestiegen, die Lebenshaltung habe sich ver- schlechlerl. Daß dieser Zustand untragbar sei, müsse sich doch die Wirtschaft selbst sagen. Für den Aufstieg unserer Wirtschaft komme es nicht auf die Reserve der Industrie an, sorGern auf die Hebung der Kauf- traft der großen Masse. Abg. Albrecht(D. Dp.): Bisher seien noch längst nicht alle Industriezweige von der Rationalisierung erfaßt, uns ständen noch zwei wichtige Phasen bevor, nämlich die technische Erneuerung der zusammengefaßten Betriebe und die Durch- organisierung der Unternehmungen. Die Vorwürfe, allein der Arbeiter habe die Lasten der Rationalisierung zu tragen, seien zu mindesten verfrüht, denn die Unternehmungen würden in der nikckisten Zeit außerordentlich große Geldmittel verbrauchen müssen. Wem, die Rationalisierung verübergehend auch die Ar- beitslosigkeit verschärfe, so sei sie doch das einzige Mittel, um durch wettbewerbsfähige Preise größere Märkte zu erschließen, die Produktion zu erweitern und auf dies« Weise die Einstellung neuer Arbeitskräfte zu ermöglichen. Die Kartelle seien ein reines Defensiv- mittel, denn sie brächten Produktion und Absatz miteinander in Ein- klang und verschafften der Gesamtheit den Vorteil stabiler Preise. Dagegen stelle die Konzern- und Trustbildung ein Offensivmittel zur Senkung der Produktions- kosten und damit der Preise dar. Die internationalen Wirtschaftspakte seien zu begrüßen und man müsse hoffen, daß die bevorstehend« Wiltwirtschastskonserenz in dieser Hinsicht neue An- knüpsungspunkte bieten werde Ob die Gesundung der deutschen Wirtschaft anHalle, werde wesentlich davon abhängen, daß die R«- parationsgläubiger als nüchterne Geschäftsleute einsehen, daß es sich bei dem Sanierungsversuch des Dawes-Plans nicht allein um Geld und Waren handle, sondern um«in Volk, das sich bei härtester Arbeit eine neue Zukunft erkämpfen wolle. Abg. Svenen(Komm.) weist auf die Zusammenballung des Kapitals in Deutschland hin. Die Industrie Hab« ihre Gewinne zu erhöhen vermocht, während die Reallöhne der Arbeiter zurück- gegangen seien. Abg. Meier-Berlln(Dem.) kritisiert die Außenhandels- Politik des Ministers Curtius, der es bisher nicht oe- lungen sei, die europäischen Zollmauern abzubauen und im Innern „der kalten Sozialisterung" enigegenzuwirken. Auch auf dem Ge- biete des Kartellrechts sei nichts Durchgreifendes geschehen. Der Redner begründet eine Interpellation zur Handelspolitik, die nach dem Zeitpunkt für die Vorlegung des neuen Zolltarifs fragt. Im Interesse der Bauern wird Aufhebung der Futtermittel- zolle aus der letzten Novelle gefordert. Einer Durchpeitsch ung des neuen Zolltarifs, wie es im Sommer 192S geschehen sei, würden sich die Demokraten mit allen parlamentarischen Mitteln widersetzen. Der Redner unkcritüht den so-laldemokrokischen Antrag auf Auf. Hebung der Roggenzölle. Die Futtermittelzölle müßten beseitigt werden, da sie zur vorzeitigen Abschlachtung des Viehs und zur Beschränkung der Fleischversorgung führten. Um 7% Uhr ruft Vizepräsident Graes die noch auf der Redner. liste stehenden Abgeordneten Drewitz(Wirtsch. Bgg.) und Rauch- München(Bau. Vp.) aus. die beide nicht in dem fast leeren Sitzungs- saale sind, und als letzten„Mohikaner" den Abg. Feder(Dölk.), der auch nicht da ist. Er will schon die Sitzung vertagen, da erscheint schnell noch der Abg. Rauch-München im Saal. Der Redner wendet sich gegen die Konzentration des gewerblichen Lebens in Berlin. Abg. Drewitz(Wirtsch. Dgß.) führt au», daß die wirtschaftliche Freiheit des einzelnen durch die Bertröstungscrscheinungen bedroht werde. Um 8 Ii Uhr vertagt das Haus die Weiterberawng auf Dienstag nachmittag 2 Uhr, außerdem 5?aushalt für Ernährung und Land- Wirtschaft. i 1....... Geschäftsbericht der Dresdner Bank für 1926 Das Jahr 1926 brachte der deutschen Wirtschaft das Ende der Deflations- krise. Lm die Mitte des Jahres, etwa mit dem Ausbruch des englischen Berg- urbeitcrstreiks, aber doch nur teilweise durch ihn bedingt, begann man eine Belebung des Geschäfts zu spüren. Die Kraft zur Ueberwindung der Krisis entsprang in erster Linie der deutschen Wirtschaft selbst, die nun die Früchte der energischen Umstell ungsarfcciten der Jahre 1924 und 1925 zu genießen be- Sann. Steigende Umsätze wurden mit geringerem Aufwand an Kapital und räften erzielt, ohne daß allerdings die Leistungsfähigkeit der Industrie roll ausgenutzt werden konnte. Infolgedessen mußten als unerwünschte Begleiterscheinungen des Ümstcllungsprozesses eine vennehrte Arbeitslosigkeit und ein schwacher innerer Markt in Kauf genommen werden. Das Sinken des Ihdgx für die industriellen Rohstoffe und Halbfabrikate von 134,4 im Monat Januar auf I2S,7 Ende Dezember vorigen Jahres und für industrielle Fertig- waren von 158,0 auf 141.9 deutet den WiederanschJuß der Industrie an die \ Weltmärkte an. Da das heutige Deutschland mehr als tot dem Kriege von den Wirtschafton der anderen Völker abhängig geworden ist, so ist es empfindlicher als vordem für besondere Ereignisse weltwirtschaftlichen Charakters, wie die Schwankungen der westeuropäischen Valuten oder die Auswirkungen des englischen Streiks, sowie für die aus der Verflechtung der einzelnen Volkswirtschaften sich ergebenden internationalen Fragen, die auf die Handelspolitik der Völker ihren Einfluß ausüben. So ist das Mißverhältnis zwischen Produktion und Absatz ein internationales Problem und für Deutschland besonders deshalb wichtig, weil es durch den Dawesplan auf den Export hingedrängt wird. Aber die Aufnahmefähigkeit der Märkte hat mit der Vermehrung der Produktionskräftc der Welt nicht Schritt gehalten. Dies geht auch aus der Preisbewegung der industriellen Grundstoffe im Verlaufe des Jahres 1926 gegenüber J013 hervor, die zum Teil sogar einen absoluten Rückgang ohne Berücksichtigung der seit 1914 eingetretenen ca. 50prozentigen Goldentwertung aufweist Auch der schnelle internationale Zinsabbau während des Jahres!92o ist nicht nur auf den wachsenden Ausgleich zwischen dem amerikanischen Geldübcrfluß und dem europäischen Geldmangel zurückzuführen, sondern in erheblichem Maße auf die noch immer beschränkten Verwendungsmöglichkeiten von Kapital in den notleidenden Wirtschaften des Kontinents und die geringe Kaufkraft der durch den Krieg geschwächten Länder. Deutschlands Außenhandel hat demgegenüber, als ganzes genommen, mit einem Passivsaldo von 0,13 Milliarden RM. gegenüber einem Passivsaldo von 3,6 Milliarden RM. im Jahre 1925 eine erfreuliche Besserung aufzuweisen. Wenn diese günsüge Enfwicklung auch in erster Linie auf einen starken Rückgang der Einfuhr zurückzuführen ist, so ist doch die Tafsache, daß eine Verminderung des Imports um 2500 Millionen RM. bei gleichzeitiger Belebung der Konjunktur möglich war, vou grundsätzlicher Bedeutung. Hierbei darf jedoch nichr übersehen werden, daß die Ausfuhr an Fertigfabrikaten zwar um 342,2 Millionen RM. auf 6968 Millionen RM. zugenommen hat, ihr prozentualer Anteil am Gesamtexport aber von 75,3 Proz. im Jahre 1925 aui 71 Proz. zurückgegangen ist Die Entwicklung einzelner Exportinduslrien, deren Lage auf dem inneren Markt sich zum Teil nicht wesentlich gebessert hat, zeigt, daß eine allzu zuversichtliche Beurteilung der Dinge noch nicht am Platze ist. So ergibt ein Vergleich mit der Vorkriegszeit, daß Deutschland als elektrotechnischer Lieferant auf dem Weltmarkt erheblich verloren hat und daß auch die Maschinen-Industrie ihre Ausfuhr auf ca. 66-/» Proz. des Vorkriegsstandes reduzieren und ihre führende Stellung auf dem Weltmarkt an oic Vereinigten Staaten abgeben mußte. Immerhin besteht die begründete Hoffnung, daß im weiteren Verlauf, insbesondere nach dem Fortfall des Valuta-Dumpings der westlichen Inflationsländer und in dem Maße, in dem die Befriedung Europas zu einer weiteren Konsolidierung der kontinentalen Verhältnisse führt, auch Deutschland von der allgemeinen Erholung im Außenhandel wird Nutzen ziehen können. Die starke Stütze, die Deutschlands Außenhandel vor dem Kriege in der Kaufkraft des inneren Marktes fand, wird es, solange es den wirlschailllchen Gesetzen des Dawesplanes un verworfen ist, kaum wieder erlangen können. In dieser Tatsache liegt zum Teil die Erklärung für seine im allgemeinen immer sichtbarer werdende Neigung für kontinentale und internationale wirtschaftliche Zusammenschlüsse, wie wir sie in der Rohstahlgcmeinschaft, dem Schienenkartell, dem Knpfcrkarfell und den Abmachungen der Kali-Industrie mit der französischen Kaligruppe im vergangenen Jahr kennengelernt haben. Selbstverständliche Sorge jeder deutschen Regierung muß sein, den inneren Markt soviel wie möglich zu stärken, insbesondere die Kaufkraft der Bevölkerung zu heben, die. nach den steigenden Sparkassenguthaben und Monatserträgnissen der Rcichseinkommensteuer und den Umsätzen bei den Konsumvereinen im Jahre 1926 zu urteilen, immerhin gewachsen ist Aber noch sind viele Hemmnisse zu verzeichnen: Die so notwendige ökonomische Besserstellung unserer Landwirtschaft ist trotz ihres hohen technischen Standes bisher nicht erreicht; die viel zu hohe Besteuerung ebenso wie die Arbeitslosigkeit behindern die Weiterentwicklung: die Zwangsbewirtschaftung der städtischen Grundstücke wird zum Schaden der Wirtschaft noch immer aufrecht erhalten, ohne daß ihr planmäßiger Abbau ernsrhaft in Angriff genommen wird, während die öffentliche Hand die Seil ständigkeit und die Zahl der freien privaten l nternehmungen auf allen Gebieten einengt. Das verflossene Jahr hat der Landwirtschaft eine gewisse Erleichterung auf dem Gebiete der Geldversorgung gebracht. Es hat eine beträchtliche Konsolidierung schwebender Schulden stattgefunden. Infolge'der Umwandlung persönlicher Schulden in niedriger verzinsliche Real k red ite sowie infolge der Geldverbilligung dürfte trotz der Erhöhung der Schuldsumme Im Laufe des Jahres die Zinslast der Landwirtschaff nicht gestiegen sein. Sic wird such. wenn man die auf rund 3 Milliarden zu schätzenden Aufwcrtungshypothekcn berücksichtigt und den Zinsendienst für die Renten bankbel astung hinzurechnet, immer noch um schätzungsweise 100 Millionen hinter den im Jahre 1915 zu leistenden Zinsausgaben von ca. 700 Millionen(auf das jetzige Reichsgebiet berechnet) zurückbleiben. Eine Abdeckung der kurzfristigen Verbindlichkeiten aus den Einnahmen der Ernte ist allerdings auch im vorigen Jahre nicht möglich gewesen, da das Ernteergebnis für fast alte Feldfrüchte wesentlich hinter dem des Jahres 1925 zurückgeblieben ist. Wenn der mengenmäßige Ausfall auch durch die feste Preisgesialtnng etwas ausgeglichen wurde, so ist doch mit einer raseben Behebung der Aprarkrisis nicht zu rechnen, solange nicht die Belastung durch Steuern und Abgaben, die auf etwa das 3— Hache Sonnaden!l.Sonn- tag, auch 3 Uhr. Kinder halbe Preise. Illgl. I Ubr in Budi-lidiSiidi: Oer Uetslsdu Zirkus 1 HAGEN BECK Die neue Welt-Sensation: Der Mensch als CranaSe KanalöebaÄe fm Rekchstagsausstbuß. Gesamtkosten der Projekte 1% Milliarden Mark. Mißtrauen gegen die Reichsbahn. In d-r fortgeführten Aussprach« über die Kanalprojekte In der Sitzung vom Montag nachmittag im Ausschuß für den Keichshaushali bemerkt der Zentrumsredner Schlack, es scheine ihm zurzeit durch das deutsche Volk eine Kanalpjychofe zu gehen, von der auch das Ministerium sich nicht freihalte. Seine Partei werde die Frage prüfen unter den Gesichtspunkten der wirt. fchaftlrchen Notwendigkeit, der Geldbeschaffung und der Rentabilität. Freilich dürfe man Grenzgebie-e, wie z. B. Aachen, nicht versacken lassen. Das würde geradezu eine Katastrophe werden und die Reichsbahn scheine sich leider gerade hier drängen, zu lassen, anstatt selbst die Initiative zu ergreisen. Versage sie. so müsse ein Kanal gebaut werden, auch w«nn er unwirtschaftlich sei. Abg Dr. Slönne(Dnat.) bat, bei d«r grundsätzlichen Betrach» tung der Verkehrswertigkeit der verschiedenen Transportmittel auch die Fortschritte der Technik nicht zu übersehen. Die fort» schreitende Elektrifizierung großer Landstrecken mache Kohlen. transporte überflüssig. Dos gleiche finde durch die Oelfeuerung der Seeschiffahrt statt. Eine entscheidende Rolle in der Transporis! age werde die Verflüssigung der Steinkohle spielen, ebenso die Umwandlung von Braunkohle in Briketts und Strom. Auch die Fernversorgung mit F e r n st r o m und Gas müsse berücksichtigt werden. Alle Ratio» nalisierung in Erzeugung und Transport der Güter bringe eine starte Derbilligung und damit wahrscheinl'ch auch eine starke Vermehrung der Gütererzeugung und des Transports hervor. Die entscheidende Frage sei, ist der Transport der Güter auf den Wasserstraßen billiger als auf der Eisenbahn. Diese Kardinalfrage sei noch nicht völlig geklärt, soweit die künstlichen Wasserstraßen in Frage kommen. Abg. Dietrich(Dem.) meinte, angesichts der Tatsach«, daß die Wasserstraßen immer noch ein Viertel des Verkehrs bewältigen. könne man sich nicht einfach auf den Standpunkt stellen, die Eisen» bahn sei so leisiungzfZhig, daß Waffersiraßen überflüssig sind. Man habe sich grundsätzlich zu überlegen, was man angesichts der Re- parationslaften in den nächsten Jahren finanziell verkraften könne. Sodann müsse die Entwicklung in der Richtung der Transportver» meidung gedrängt werden und endlich müsse man der Eisenbahn Zeit lassen, ihre verkehrsverbilligenben Pläne durchzuführen. Abg. Engbe.ding(D. Vp.) tritt mit Nachdruck sür den Ausbau der Wasserstraßen ein.und bezeichnet dte bisherige Argumentation der Reichsbahn gegen die Wtsserftratzen als oberslächlicheauitd sich widersprechend. Die Kernfrage des ganzen Problems sei die Stet» ge r u n g unseres Exports durch billigere Frachten für Massen- guter, und damit die Aktivierung unserer Zahlungsbilanz. Die Reichsbahn sei niemals in der Lage, so billig zu fahren wie die Binnenschisfahrt. Reichsverkehrsminister Dr. Soch wies darauf hin, daß gegenüber den Kanalbauten m der Oeffentlichkeit jetzt eine krttifchere Stimmung eingetreten fei als zuvor. Deshalb könne er auch neuen Wünschen nicht ohne weiteres nachgeben. Aber bezüglich der in den Staatsverträgen vereinbarten Kanalbouten dürfe das Steuer nicht ständig hin und her geworfen werden. Die Länder müßten überzeugt sein, daß einmal getroffene Abmachungen auch gehalten werden. Die Reichsbahn habe gegen die Wasserstraßen in der Hauptfache finanzielle Bedenken geäußert. Letzten Endes sei die ganze Frage eine Tariffrage. Bisher habe die Reichsbahn sich noch nicht entschließen können, die von der Wirtschaft verlangten billigeren Tarife zu schaffen. Sie sei der Ansicht, daß die Dawes-Lasten eine billigere Tarifierung zurzeit nicht zulassen. Die Reichsbahn habe bezüglich der Gestaltung ihrer Tarife noch immer keinegenaue Antwort gegeben, sondern sich stets in allgemeinen Wendungen bewegt. So habe sie letzthin die Antwort gegeben, daß sie zu den Tarifen fahren werde, die ein Kanal gewähren könne, der seine Anlagekosten voll verzinst und amortisiert, feine Betriebs, und Unterhaltungskosten voll deckt und für den nur wirklich ernst zu nehmende Frachtungen in die Bor» anschlage eingestellt werden. Auf diese Weise komme es natürlich S keiner Einigung über die Berechnungrgrundlage. Bei solchen wankenden Vorbedingungen frage es sich nun, ob der Haus- yaltsansfchuß auf die Kanalbauten verzichten will. Das sei lediglich eine Vertrauenssrage. Tedensalls sei nicht zu verkennen, daß gegenüber der Reichsbahn starkes Mißtrauen platz greise. Auf Wunsch verschiedener Abgeordneter gab im Laufe der De- balte Staatssekretär Gulbrod die folgende Auskunst über die mui- maßlichen Kosten der verschiedenen Kanalprojekte. Danach werden die im Bau befindlichen und die von der Reichsregierung projek- tierten Kanäle aus Reichsmitteln einen Betrag von 6Sg M i l- l i o n e n erfordern. Von dieser Summe entfallen 325 Millionen auf die neuen Kanalprojekte, der Rest auf den Ausbau schon bestehender Wasserstraßen. Zu diesen 650 Millionen, die das Reich auszubringen hat, haben die Länder auf Grund der Verträge 200 Millionen Mark zuzuschießen, so daß also die obigen Pläne im ganzen einen Kostenauswand von 850 Millionen erfordern werden. Außer den obigen Projekten sind von der Industrie an das Ministerium noch die folgenden Projekte heranrebracht worden: Der Aachen— Rhein-Kanal, veranschlagt aus 240 Millionen, der Hansa» Kanal mit 300 Millionen, der Klodnitz-Kanal mft 65 Millionen, so daß bei Durchführung aller bisherigen Projekte ein Betrag von et ma 1H Milliarden in Frage kommen würde. Als Abschluß der Kanaldebatte wurde im Reichshaushaltsaus- schuß einstimmig die folgende Resolution angenommen: die Reichsregierung zu ersuchen, mit der Reichsbahngesellschast wegen Klärung und positiver Abmachungen umstrittener Verkehrs- Probleme in Verhandlung en zu treten, sowie festzustellen, 1. ob und inwieweit ein weiterer Ausbau von Wasserstraßen oder Eisenbahnen vorgenommen werden soll; 2. in welcher Weise den wirtschaftlich besonders hart bedrohten Grenzgebieten auf Verkehrs- politischem Gebiet beschleunigt und wirkungsvoll geholfen werden kann. 3. Bestimmte Zusicherungen von der Reichsbahn bezüglich der künftigen Tarifgesialkung, insbesondere bei großen kanaltraos. porlfähigen Massengütern Im Sinne einer allgemeinen Verbilligung derselben gegeben werden können. Diese Berhandlungen sind zu be- schleunigen und dem Reichstag nach seinem Wiederzusammentritt von dem Ergebnis Mitteilung zu machen. Voiksdllkns Tlieatcr im Ulorzlih 8 Uhr Tolpone Morgen 8 Uhr Vo i p o n e Th. in SdiiffliinnliDin 8 Uhr: Das Gratnul das DDbekanoten Soldaten. Komische Oper Allabenilllch 8V, Uhn fünden der"Welt Die«reltstadtische Jaroes» Klein• Revue 250 Mitwirkende/ Theaterk. ab 10 Uhr ununterbr. geöffnet. Neues Theater am Zoo QroBberllner Schauspiele UreuffUhrung Qonya- die Enkelin des Königs Lear von Carl Leyst Sonntag vormittag 11'/, Uhr, 20. Ml Billett-Vorbesteliung Amt Oliva 160 Reichshallen'Theater Abends S Uhr u. Sonntag nactao. 3 Ubr Stettiner Sänger Da» neue Programm I liaiinitta«: Halbe Preise, volles Prwanni uonhoh-Brett'i Variete. Konzen. Tanz. f V � liehen Qnehs /*?f«f man Jas Beste, was Küche und : e//er fassen. plaudert sieh so angre> reehm- bei einer lasse hostlieh JafienJen Sicffaes, Jen Jie Hausfrast, Jem(faste xu Chrcn. besonders sorrgfältiy bereitet haL Cin halber Wüsfet X/ehers CaelshaJer aenü&t. dem (yehänh die herlnvürzitye Kraft der Kaffeebohne zu vw» mäicln und ihm Jen einladend efoldenen Schimmer des Carlsbader Kaffees xu geben. Gn Päckdten lostet ntfrSS P/sr. und würzt weit über lOOTassenf Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Republ. 7'/?: Versiegelt. Spanisches Fest. Ländliclie Tänze. Schauspielhaus 71/,: Der Barbier von Sevilla Schiller« Theater 8 Uhr: Razzia SilHTipi Ciiarloüenburg 7',, Uhr: FrJstaff Abonn.-Turnus I. UMWIDM Norden 10334—37 8 Uhr Conaparte Katumerspiele Norden 10331—37 8 Uhr Letzte Aufführung I Die Gefangene Morgen« dtn 16. Zum 1. Male: Tori Die EomSdie Bismarcit 2414, 7Slf 8", Uhr: Letzte Woche: Die Perle EäuEiidipL Kurfürst 2091 8 Uhr: Max Adalbert in �MCUers" ReiroDOi- ntect. Täglich 8 Uhr: Mitwiiim entraN Theater Täglich 8 Uhr; Dsr Monde Zigeuner i ptmiina Kaitli Kr.«!' AHltnuDo. Klein, titinisöi. fdir/en. Wiüen. KSIme laltabgij-Kinnen Ots. Künstler-Th Zlldenl Tseber, Kita üterg 8 der Zarewitsch Lcssing-Thcater 8 U.; Der Patriot Wcnener. Rorhiit 2' ? Lustspielhaus {• 8'/, Uhr;' Saido TbieUthr 1 Hnrra-einJnngeL S»G«OSO»OO waihaua-rrxai. tfalobergsve; ligl. S", 8Ve Uhr: Elen Hur Ir.SeiitilionsitBit Inlblldcn Vorz. halbe Kassen- preise von 50 Pf. an Nollendorf 7360 8 Uhr: und die übrigen Sensatüraen! loanebtnib a. laalats 2 Vorstellungen 3« und$ Uhr, 3» zu ermäßigt Preisend, ganze Programm Tbaita-tbetuer 8 Uhr: Der mutige Seefahrer rrianon-TD etiler 8'/i Uhr: MtLlMiM eiilritt Jggodlidn«erbet» Kaller- Jtarae Theater im Aämiralspalast Täglich 8>/. Uhr An il aus Hose-Theater 8V, Uhr; Dm MAddecn von der L.ndstrawe feraovtbT-jäbnen Th.Kdnlg'rätz. St. Hasenheide 21 10 8 Uni; Die treue Nymphe Elisabeth Bergner HontOdiennans Norden 6304 8 Uhr: lliiyer- Calais Kobeih, i.TbellnaM. Cragievther. PiiUharmonle um Konzen des PhikSarm.Orch. Dirijßcnt: Proi Dr. G. Schumann Sol.; MiaNeiuUzer- Thönluen Iefondcn »Irksam sind die KLEINEN ANZEIGEN In derGesamt; aufläge des „Vorwärts" und trotzdem nimiutii mTÜiä.i Fcrmani Brothers Piano Kiddies u.vfela /tlrrlt tägl 8 Uhr Sonntags 3 Uhr utali. halbe Preise Allreil Brenn, Camilla Splra) Oonera, Kupfer, Bendow Wester- moler o. A. Wallner» Theater 8', Der Schlager 8V« Das blonde Wunder Meiallbellen 10» Sclilafcliaiseloiips24.- Fabrikpreise Ratenzahlung f tfilhl* Berlin, Pappelallee 12 Ulf 281 Pankow, schmldtstr.l frei jeder Bahiutotidhiu braudien nodi sorgfäl« tigere Pflege als schwarze. Flecken in hellen Strümp« fen müssen eine V�rnung sein. Ihre farbige Schuh« creme ist dann nicht ein« wandfrei. Ja, sie ist gefähr« lieh für das Leder. Hüten Sie sich. 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Lebensjahre nach kurzem Leiden sanft entschlafen. Ww. Labe Peiers, geb. Rommel and Kinder. BerUn-NeuköItn, den 12. März. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 17. März, nachmittags 31/, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt Am 10. März verstarb plötzlich Herr Robert Nitze Betriebsleiter unserer Filiale Schwiebus. Der Verstorbene hat Jahrzehnte hindurch 1 unserem Betrieb in Schwiebus vorgestanden und| an dessen Aufbau und Weiterentwicklung in hervorragender Weise mitgewirkt In dankbarer Anerkennung gedenken wir I seiner unserer Firma geleisteten treuen Dienste I und werden dem Verstorbenen allzeit ein treues| | Andenken bewahren. Dlrehtion der Berttner Venrettn&riH ff. nendert& sonne, Au.-eesq Berlin so. 33 Beerdigung am 15. März, nachm. 2 Uhr, von 1 der Halle des Gamisonfriedhofes Hasenheide aus. * HUNDE ♦ Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. ! TlerSrzflldie PolIhllnlH ChausseestraBe 93 ♦ neuen Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr KLEINE ANZEIGEN Noch turwm, schwerem Leihen mt- schlles um Ten ilabend, dem 12 Mär,, mein lieber Mann, der Sufiwlrt Wilhelm Zippke im 67. Lebensjahre Dies zeigt tiefdelrflbt an Rosa Zippke als Gattin, Berlin, Gr, Arantinrter Sit 50/51. Die Beerbigung findet am Mittwoch, dem 16, März, nachmittag, ZO, Uhr. von der Halle Friedrichs- leide au» flott. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht daß unsere liebe, gute Mntter Witwe Marie NeDbaoer geb. Kunze Berlin WS7, Bautzen er Str. 7 em 11 März nach turjrm fttonfen- leget sanft»ntfchiofen ist. In äntn der tmindm flintertlitbaa Ostac Ttenbouec Setlte S 14, Neue Zalodstr. 17. GfnSschmungl vanneretaa, den 17. d. M,, nechmitkigs 1>/, Uhr, im ÄremafatiuM«ecichlfiraße. Am 19. 9. Wt veefiard unsere liebe Genaffin. Frau Berta Lietseh im 61. Lebensjahre Ghre ihrem Anbeuten! SieGtuaschcrung finaet am lS.b M,, nachm I2>/, Uhr, im Ärematormm Ban.mschiiIenweg,Aiesho!jftr,22Lftait Rege Beteiligung erwartet SPD.(92.«dL-ilnng) SleutäHn. Danksagung. Für die beim Hinscheiden meiner lieben erwiesene Teilnahme sage ich meinen Frau.. W,, besten Dant, insdesandere der70, Abt. S den Frauen, dem Gen, Hildenbrand, Redner der Freldenler und den Mielern de« Hanse» Holsteinische Str. 58 Adolf Neubert. e,,,eee»eeeS»«,ee,«» Gerhard Kolmcn Das Haas ffir Volkskleidaad and Berufikleldang NEUKÖLLN Hermanastrafte 16-27 Bekanntmachung Arbeitnehmer, die für da» Zahr 1926 wegen Berdienstanesall» ober wegen de- sonderer wirtschaftlicher Belastung einen Antrag ans Grslaktnog der Lohnsteuer stellen tönnen, werden erneut daraus hin- gewiesen, daß die Anträge dl, ZI. März 1927 bei dem Finanzamt, in besten Be- zirt ste am 3u Dezember 1926 ihren Wohnsiß gehabt haben, gestellt fein mllsten, Fristversäumni» hat Ad ehnnng de« Er- tiattnngsantrage» zur Folge, Die Einzel- Helten ergeben sich au» einem Merlbiait, das ebenso wie Bordrucke zu Erstattung»- anträgen, die aus Berdienstansfall geltiigi werden, bei den Finanzämtern unentgeit- iich erhältlich ist, Berlin, den 12, Mär, 1927. VI« Finanzämter des LanbeafinanzamtsbezirtsSectin /MW!?!>!. fsftzedwdtu tfiei Ii?s, liellniz 1 ietizednidtt» Äefti/.— iieiwiznedl! du I,»eil liest,-dnläil Ii?!,, jedn eeilm Wori 1 0 Pf, Worte»Ii melif als Ii Badutaben tililu lir twei Wgrta. tineijn, veldu lär die nädute ilamzer bcsliaiml slDd.nliseabissaltnleas IV't Ubr aaduaittigi ia der Haapt-Eioaditian das Varwärts, LiadanstraBa 3. abga�bca wtrdaa.Diesalbe istwodieniagi m mnsans B'/jl/irbis Dadm.SOhi aagateibmhag griffael. Verkäufe DKrlopp-Nähmaschinen gegen Z-Mark- Wochenraten. 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Lex. der Achljahrbub, fitzt auf einer Fußbant unterm Küchen. fenster. auf dem sich wurmähnlich nackt halblrocken« Blumengewächse recken, und liest. Auf den Knien hält er ein Märchenbuch. Lex hat Ferien. Trotzdem durch das offene Fenster Klänge einer Hoforgel, be- gleitet von übermütigen Jauchzern seiner Kameraden dringen, rührt nur sein Atem die Blätter des Buches. Seine Welt, die Straßen und Höfe, dünkte ihm jetzt kaum schön. Die Welt ist schmutzig. Kinder zanken sich und spucken einander an. Bon der Gosse steigt schlechter Geruch. Die vielen Hunde ähneln mit ihren grauen Fellzotten fast den, Rock der Eierhändlerin Münk. Frau Münk steht vor dem Buchladen, den Lex so gern besucht. Hier plärrt sie. mit Gebärden eifrig auf die Eier weisend, den Preis über die Straße. Diesem Alltag fehlt es nicht an bunten Bildern des Geschehens, doch Lex träumt sich in eine andere, größere Welt. Soeben fährt er— im Märchenbuch— auf einem großen Drei- mafber nach Asrika, Arabien und Indien. Die Segel des Schiffes blähen sich stark: ganz nach seiner Phantasie. Hitze ist fühlbar, dick- träge das Wasser. Matrosen tapsen über Deck. Einige reinigen, im Munde an einer kalten Tabakspfeife saugend, ihre Schlaftojen. Da. zwischen ertönen, begleitet mit Gesang, von der Ziehharmonika fremde und Heimetsweisen. Bald kyßt die Windstille oereint mit der Hitze nach, worauf hurtig dem rtsten Anlegehafen zugesteuert wird. Hinter dem eilen- den Schiffe ziehen in munterer Jagd gefräßige Haie. Matrosen werfen ihnen ranzigen Speck zwischen die Zähne und Lex denkt, daß er als Haifisch chel mageren und salzigen Speck schlingen wollte, wonach sich schnell der Durst(Lex löscht ihn gern mit Htmbeerwasser) einstellt. Nun, der Speck und die Haifische haben den Achtjahrbub etwa abgelenkt?— Nach Tagen guter Fahrt, kein Sturm erregte dem unterm Fenster über Worten lauschenden Lex die Sinne, betritt er den Ur. wald mit seinen Moskitos, schillernden Giftfliegen, riesig rundem Schlangengewürm, Sümpfen und schlingernden Ranken. Frech- Affen, langbeschwänzt, braunbepelzt, turnen hoch in den Baum- krönen über seinem Kopf. Zimmtfarben« Papagelen mit roten Füßen durchschwirren die Luft mit schrillen Rufen. Ihm zur Seite blühen große, weihe Blumen, deren lange, betaut«, blaue Staub- fäden wie zum Gruß seine Wange strekcheln. Das Märchenbuch muß jetzt seine besten Schätze herausgeben. Lex blättert aufgeregt darin und läßt schon um bestimmt« Sätze eigene Phantasie fortarbeiten. Auf dickledern« Nilpferd« wird ein« pomphafte Jagd gemacht. Lex sch'eßt ihnen eigenhändig die Kugel in den Kops, ewhäutet si«, speist die Delikatessen, um über den zurückbleibenden Kadaver in anatomische Betrachtungen zu versinken. Der Häuptling des dorti. gen Negerstammes veranstaltet darauf ein dreitägiges Fest, an dem der Achtjahrbub gründlich den Charakter, die Sitten und bachantischen Tänze der Wilden erlernt. Aus Ehrung erlaubt der wohlwollend« Häuptling, drei Tag« allein mit feiner schönen, jungen, glutäugigen Toch er Im Wigwam schlafen zu dürfen. Hier gerät die Phantasie bei Lex gründlich in» Stocken!-- lieber idyllische Wasserwege landet er nach Verabschiedung von dem sreundlichen Negerstomm in Arabien. Und gierig schauen die Augen:»In grellsonnigen Stadtstraßen, deren Häuser verschwistert erscheinen, feilschen dunkelhäutige Händler. Geheimnisvoller frem- der Wortlaut klingt girrend in den Ohren. Magisch zieht ihn ein Bazar an. Er wühlt und fingert in all den farbensatten und glim- mernden Dingen. Perlenketten, Ringe mit Steinen, seltsam funkelnd, bebilderte, fransige Teppiche, buntes Tuch und die herrlichen, zwei- schnittigen Schnörkelwafsen durchtränken sein« Wünsche." Doch da» sei vergessen! Lex reitet auf sehnigen Hengsten durch lockeren, ockergelben Wüstensand. Wie ein Pfeil, von den Musen Arabien» geschützt, entrinnt er dem Immer Opfer fordernden Wüstensturm Samum. Lex ist glück- lich, siegreicher Abenteurer und sonnengebräunter Träumer. Roch jetzt dl« Augen eines Nimmersatt, doch mit geschmeidigen Gliedern und einiger Reiseerfahrung, wandelt Lex nach Fortzug aus Arabien unter indischen, lederdicken, moosgrünen, langschweren, schwertähnlichen, spitzbeblätierten Palmen. Leichte freie Kleidung der Inder umhüllen seine Glieder: auf dem Kopf ein Turban. Lex wandert wie jemand, der ruhen möchte.— Die herrlichsten Paläste, marmorn sundamentiert und wachsend bi» zur goldenen Kuppel, prunkvollste Gärten, ihre Blumen wie Perlen, duftzart die Sinn« umweben. Tempel, in deren reiner Stille Befangenheit fußi, die stark trächtigsten Urwälder mit heiliggesproche- nen Tieren, dos hat Lex durcheilt und wurde seinen Augen vertraut. Bor einem Schlangenbeschwörer hemmt er den Schritt. B«. gleitet vom monotonen Spiel der Flöte, ringeln, schlängeln und scklingen sich spalizungig, gistgezöhnte Schlangen im Tanze. Die Flöte wimmert leiser Lex ist, als schwimme er sinnetrunken zwischen glühenden Würmern. Schwerer wird ihm der Kopf, feuriger werden die Würmer. Jäh fährt er jetzt hoch! An der Tür hämmern Freundeshände. Erschrocken, taumelnd wie eine entblöß!« Mär, öffnet er die Tür. Nicht lange läßt ihn der Freund„Begehr" fragen. Er zerrt ihn über ausgetretene Treppen und dunklem Flur auf die Straße. Und die Ulfache? Einer der stärksten Jungen des Umkreises hält in den grob- fleischigen Tatzen«ine Schwalbe. Si« sollt« sich Im Fluge am Dach« eines Hauses gestoßen haben und heruntergefallen sein. Unter heißem Disput und Handeln bangen die Augen der Schwalbe In Sehnsucht und Schmerz. Sie ist ihrer Freiheit beraubt, aus dem sonnigen Aether gefallen. Lex tauscht das Tierchen mit Mühe gegen sein Märchenbuch ein. Nukt taumelt er, seinen Kameraden enteilend, zur Wohnung. Mütter. lich huschelt er die Schwalb« in ein mit Watte gefülltes Kistchen. Keine Aerletzung ist an ihr sichtbar. Lex netzt den Schnabel mit Wasser und fängt Fliegen, die sie jedoch— nicht frißt. Da wird es dunkel in seinen Augen. Beide blicken einander wehmütig und zitternd an. � So trägt Lex den Bogel sorgsam in beiden Händen zum Sand- platz. Um ihn herum erstrecken sich kleine geschorene Rasenflächen. Hier setzt er die Schwalb« ab. die. sich duckend, nicht rührt. Schon naht bedenklich eine Rotte schreiender Burschen. Das Herz klopft Lex bei ihrem Anblick: denn wenn diese heran sind, P fein Schützling verloren. Hastig greift er das Tierchen und wirft es hoch in die Lust. Die Schwalbe flattert wie geschwächt über die Wiese, steilt ihren schlanken Körper hinaus, und entschwindet mit gewohntem kühnen unö Flug hinter geröteten Wolken, den Rufen der Rotte und dem Blick ihrer» Befreier,. Lex geht darauf zu der Rotte, die In den Sandgruben einem wilden Spiel huldigt und spricht herausfordernd:„Glaubt ihr, daß die Schwalbe Asrika, Arabien und Indien von mir grüßen wird?" Lex hat das in Liebe und nach Freiheit schlagende Herz wie der Bogel. In ihm blüht Freude und keimt Kraft. Stolz blickt er bei seiner Frage auf die sich ballenden Wolken. Aber die Rotte wirft ihn hinterhältig in eine Grube. Bespottet, belacht und bestreut Lex mit Sand, als sei er ein Abtrünniger! Stresemanns Heimkehr. hergk:.Meinen herzlichen Glückwunsch zu Ihren Erfolgen in Genf, lieber Slresemann! Unter uns: wenn ich nicht in der Regierung war— gäbe das einen Mibtraueusanirag!" Erinnerung an /Inuraöhapura. von Andreas Lahko. 1. Man muß Ceylon von früheren Reisen her kennen, oder aus der Insel ansässige Freunde haben, um mit der richtigen, rafsi- nierten Regie noch Anuradhapura, der versunkenen, vom Urwald verschlungenen Residenz des großen Rajah(schreib Radha) Anu zu gelangen. Den meisten„Bergnügungs'-Reisenden bedeutet schon der zweitägige Aufenthalt in dem primitiven Rasthaus, da» nur von einigen Eingeborenenhütten umgeben am Rande des Ruinen- feldes steht,«in allzu hartes Opfer kür die Besichtigung, von Trüm- mern, die mehr als zweieinhalb Jahrtausend« hinter unserer Ge- schmacksrichtung zurückliegen. Wäre die Verlockung der bequemen Schlaswagenverbindung nicht, die nur eine Rocht zwischen die Esplanade von Kolombo, und die kleine, mühsam erhaltene Lich- tung mitten im tiefsten Dschungel legt— es würde sich nur selten ein Europäer— ohne jede Aussicht auf Geldgewinn— so weit in den Urwald verirren. Und doch sollte, wem schon die seltene Gnade zuteil wird, mit selbstgeschauten Bildern aus diesem Tropenparadies sein Lebensbuch illustrieren zu dürfen, die Mühe eines doppelten Umwegs nicht scheuen, um das Erlebnis der Fahrt, aus den höchsten Regionen der Insel mitten in die Wildnis des Tieflandes hinein, als letzte Erinnerung an Ceylon mitzunehmen. Wer diesen Wechsel voll aus- kosten will, muß mit der Gebirgebahn, die der große Strom der Tropenreisenden nur bis Kandy benutzt, bis an die Endstation Nur-Elia hinauffahren. Es ist nicht zu leugnen, daß die Strecke dinier Kandy nicht viel Sehenswertes bietet, sie schraubt sich, wie jede europäische Alpenbahn, in mächtigen Kehren zur Höhe, und der größte Teil der Fahrt ist nur geeignet, die Augen Mister Lip- tons zu erfreuen, dessen Namen in riesigen Buchstaben alle Finger lang über das Zwcrggewächs des Bergabhanges emporragt.. Drei volle Stunden lang durchschneiden die Schleifen des Geleises den- selben dichten Wald von winzigen Bäumchen, die jährlich einmal von taufenden fleißigen Singhalesensingern abgezupft werden, um den berühmten Liptonschen Tee nach Europa zu liefern. Auch das Endziel der momentanen Reise ist wirklich erstrebenswert nur für die ansässigen Europäer, die dort oben nahezu 2000 Meter über dem Meere die erfrischende Kühle ihrer fernen Heimat atmen, abends sogar am Kaminfeuer ihre Füße wärmen, und am Montag morgen ausgelüstet in den Backofen von Kolombo zurückkehren. Man muß nicht nur die höllische Glut des tropischen Tieflandes kennen, man muß auch Engländer sein, um ganz zu begreifen, was kür die»aufleute. Plantagenbesitzer, Offiziere und Beamten der Insel die Möglichkeit bedeutet, die beiden letzten Tage der Woche auf dem prächtigen grünen Rasen des Golfplatzes von Nur-Elia richtig gehen, bei hoch am Himmel stehender Sonne zu Fuß dem Ball« nacheilen zu können! Für den flüchtigen Besucher der Tropen hingegen, für den neugierigen Gast, der ja gerade tropische» Klima und tropisch« Begetation zu erleben aus Europa herüberkam, bietet das grün« Hochtal ohne Palmen nichts, was er in so weiter Ferne zu suchen brauchte. Die Stimmungsbilder von Nur-Elia, die dekolle- tierten Engländerinnen, die sich frierend um die flammenden Scheite der Hotelallee drängen, beschert ihm ohne Seereise ein Herbstabend in jedem beliebigen Schweizer Kurort mit Golslink». Das Erlebnis bedeutet die Rückfahrt mit dem Morgenschnell- zog, den man zwei Stunden vor Kolombo verläßt, um in den Gegenzug der Nordbahn umzusteigen. So erreicht man noch am Abend desselben Tages, kaum zwölf Stunden noch der Abfahrt von Nur-Elia. die Endstation der Flachlandlinie: Anuradhapura. Am Morgen rollt der Reisende, in seinen dicksten Ulster gehültt, einen wollenen Schal um den Hals, über die gepflegten Straßen Nur- Elias, im Hotelauto zum Bahnhof hinaus-- und am Abend steigt er im Scheine einer einzigen, blinzelnden Petroleumlatern«, vor einem winzigen Stationsgebäude, das wie erschrocken über die eigene Kühnheit in den Schatten de» Urwaldes sich duckt, in einen ungefederten Karren, den zwei Büffel ziehen. Ringsum rauscht, zirpt, singt und brültt der Dschungel, aus dem Schlaf« geschreckte Affen kreischen in den hohen Kronen, durch uferlos« Finsternis kollert und humpelt der Karren, über mannsdicke Wurzeln hinweg. die knorrig, wie geizige Finger das Recht des Besitzers auf jeden Fußbreit Boden verteidigen, den Weg zu versperren suchen im Namen de« ewigen Walde», der Jahr für Jahr mit Aexten, Hacken, Schaufeln, Sägen von neuem zurückgeschlagen werden muß Immer tiefer stolpert man In dt« Wildnis hinein, dickflüssig wie Tinte ist die Finsternis, unheimliche Laut« zucken auf und vergurgeln, ein unsichtbares Leben wimmelt ringsum in der Schwärze, und die Fahrt nimmt kein End«, die unverständlichen Zurufe des Kutschers an feine Büffel gellen drohend aus dem Urwald zurück— daß die Herzen lauter klopfen und die Hand mißtrauisch nach dem Revolver tastet. iHVtt $| i«V" II öes vorwärts Da taucht endlich ein Licht auf, schwimmt näher, der Karren hält vor dem leisen Schimmer einer hellen Mauer, man ahnt Tische in einer rötlichen Zaubergrotte, steigt an ihrem geöffneten Rachen vorbei über Stufen, die verfallen und wackelig sind, wie die zwei- tausendjährigen Ruinen des Königs Anu nebenan. Acht von Mäusen Ratten, Eidechsen und Schlangen durchraschelte Höhlen, die der Besitzer„Zimmer" nennt, öffnen ihre Türen auf ein« gemein- same Terrasse: man wird gewarnt, durch Anstecken der Kerze den Mücken und Fledermäusen den Weg zu seinem Bett« zu weisen, und zugleich dringend hinuntergebeten zum„Dinner" in der Grotte. deren Dach die Terrasse ist. Wenige Minuten später liegt auf dem Streckstuhl vor der Zimmertür splitternackt der neue Gast, hört in unerreichbarer Höhe über sich das schwarz« Gewebe der Palmenblätter rauschen, und von seinem Leib, der vor Stunden im Ulster»och fröstelte, rieselt in gleichmäßig fallenden Tropsen der Schweiß aus den glühenden Steinboden nieder. Di« Nacht ist zu dunkel, als daß er auch nur das Weiß seiner eigenen Glieder erspähen könnte: aber das mehr- stimmige Geflüster in der Nähe verrät, daß alle Bewohner des Hauses es vorziehen, ihr Blut den Mücken zu opfern, wenn sie nur das Kleben keines Fetzchen Stoffes auf dem gefolterten Körper er- tragen müssen. Die Türe des unsichtbaren Hochofens, der den Atem seiner Eisenlava unter das Laubdach des Tropenwaldes faucht, steht wieder offen: die Phantasie lehnt es entschieden ob, an eine Mög- lichkeit zu glauben, die menschliche Wesen zwingen kann, sich gegen Kühle zur Wehr zu setzenl--- In hundert Jahren wird man vielleicht wirklich erleben können, was die Reise von Nur-Elia noch Anuradhapura vortäuscht: die Distanz einer Tagesreis« zwischen dem Frühstück im Schweizer Alpenhotel, und der Nachtruhe auf der Terrasse im Urwald, nackt unter dem südlichen Kreuz, das durch die Finsternis der Palmen- blätter blinzelt, statt des Kläffens der 5)unde am Morgen, das Kreischen der Assen und das Brüllen des Tigers irgendwo in der Nacht.(Schluß folgt.) ' Die Cnte. Eine Klein st adtgeschichte von Alfred Fritzsche. Große Aufregung herrschte in der Straße, die doch sonst von erschütternden Ereignijsen oerschont blieb. Scharf und spitz waren die Stimmen der Leute(die vor Wut zitternd einhergingen), und feindselig ihre Blicke. Das war ja'auch zum In-die-Hölle-fahren. Wie einen Peitschenhieb empfand man diese Schmach. Diesen Hohn, der gellend durch die Gassen pfiff. Durch alle Ohren, durch olle Hirne, alle Herzen. Es war ja gerade, als hätte der Teufel ein Bündel Disteln in die Seelen der Leute gestopft. So aufgebracht waren sie. So rot, so puterrot im Gesicht. Die Augen hingen ihnen beinahe zum Kopfe heraus und spuckten Salztränen vor Wut — vor unsagbarer Wut. Es heulte in allen Gemütern und fletschte in ihnen wie das Gebiß eines tollen Hundes. Was war denn los? „Haben Sie es nicht gehört?" „Haben Sie es noch nicht gesehen?" Die Röcke der dicken Schwagweiber rauschten heran, und die Männer drehten ihren Schnauzbart steil nach oben, daß er wie Blitz in den Himmel stach. Dieser MittgersI Dieser Krämer mit dem kleinen Laden. Wie hohläugig er in ihm stand und die Kasseebohnen abwog oder ein Viertel Pfund Margarine zusammenkratzte. Wie ein Gespenst kam er aus der dunklen Stube in den dürstigen Laden hinein, wenn die Türbimmel läutete. Der Mittgers hatte jetzt einen langen rostigen Nagel in die Wand hineingeschlagen und eine Ente daran auf- gehangen. Eine Ente! Wer sollte die denn kaufen? Die Hinter- Häusler etwa? Oder die Borderhäusler? Die waren nicht reicher! Puh, es war ja zum Lachen, daß sich die Balken biegen konnten. Die Hinterhäusler aßen Pferdefleisch und klapsten sich des Sonn- taas Freibankfleisch in den Bauch. Aber— eine Ente! Daß der Mittgcrs eine Ente heraushing! Mochte die dort hängen bleiben mit ihrem langen Hals und dem Fleischllumpen daran. Wie das Gesicht einer Wasserleiche sah sie aus. Gelbweiß, zäh. stopplig. Als sie den alten Merker aus dem Kanal zogen, hatte er genau so ausgesehen. Jawohl, den Vergleich zogen die Hinterhäusler heran und wollten — sollt« es einem cinsallen, den Judas zu spielen und doch die Ente zu kaufen— damit allen den Appetit verderben. Und dem Mittgers das Geschäft. Nicht ein Heringsschwanz sollte aus seinem Laden getragen werden. Lieber lies man eine halbe Stunde durch die Stadt und stritt sich mit den Marktleuten. Dann bekam man seine Sachen auch so billig. Und das war recht: eines Abends hatte der kleine Iule der Ente eine Feder aus dem Steiß gezogen und war triumphierend damit fortgerannt. Und die Burschen und Mädchen hotten das Küssen gelassen und aus den Hausfluren gepfiffen. Zum Mittgers hinüber. Der hatte es wohl gemerkt, daß es ihm galt. Wie er bang in der Ladentür stand und nach der Kundschaft spähte.... Jawohl, die blieb ihm weg. So einem... Höchstens, daß einmal einer ging und auf Borg einkaufen wollte— und dann das Geld nicht wieder zurückbringen mochte. Hohaha! Der Ente Hals wurde immer länger nnd ihr Körper schrumpfte zusammen und sing von unten an blau zu werden. Der Mtttgers hatte Mühe, die Fliegen fortzuscheuchen. Aber eine mußte sich wohl doch festgesetzt haben In der Mitte log schon ein grüner Streifen, um den es in allen Farben schillerte. Und einer hatte mal der Ente auf den Rücken getippt und dabei gefühlt, daß er ganz weich mar... Der Mittgers nahm den Unglücksvogel des Abends zitternd hinein. Jedesmal trauriger. Selber tonnte er ihn nicht essen. Und da verlangte er. daß arme Leute ihn kansen sollten. Was der Mittgers sich wohl �gedacht haben mag! Meinte der, ein Reicher liefe die schmutzige Straße entlang und kaufe sich ausgerechnet hier eine Ente? Gerade bei ihm? Wie der schon immer auf den gelben Schnabel und die Pfotm sah. Jeden Tag hoffnungsloser. Das war ihm aber recht. Die Ente stank ja schon den Leuten in die Nase hinein. Im großen Bogen» gingen sie um den Laden herum. Teils hatte es seine Berechtigung, teils wollte man es mit Absicht schlimmer machen. Uuuuh!... Eines Morgens war die Ente verschwunden, und Mittgers lag lauernd hinter dem Ladentisch. Mit fast weinerlichem Gesicht. Hatte jemand die Ente gekauft— das stinkende Biest? Das konnte nicht sein, das hätte man auch gesehen. Man hatte doch den Laden gehörig bewacht. Aber nein, der kleine Iule— dieser Held!— hatte sie in der Müllgrube, tief unten, gefunden. Und die Marie, die nicht laufen konnte, hatte gesehen, wie Mittgers die Ente mit einem fürchterlichen Fluch in die Müllgrube geschleudert und dann Mist und Kram über sie geschüttet hatte. Also doch? Und nun? Der Alp war gewichen. Diesmal war es aber gerecht hergegangen. Ganz für die armen Leute zum Vorteil. Und der Mtttgers? Der hatte nicht wenig Groschen zum Fenster hinausgeworfen— in die Müllgrube hinein. Wie umständlich. Das mußte ihn hart mitnehmen. Schließlich war er doch auch ein armer Mann. Jawohl, das war er. Nun hatte er redlich gebüßt für den Hochmut, eine Ente vor den Laden zu hängen? Bielleicht hatte er es gar nicht so gemeint und den Geld- beute! seiner Kundschaft überschätzt? Daran dachte man und fühlte sich soaar ein wenig geschmeichelt, und ging wieder in den Laden von Mitigers und— kaufte. Und langsam verrann dieses böse Ereignis in den großen Strom der Zeit, und man sah sich wieder unbefangen in die Augen. Mittgcrs hatte auch den langen rostigen Nagel aus der Wand gezogen. Nur ein kleines Loch blieb zurück. Wie eine Wunde,,, Der Musbau öer Elektrowerke. Erweiterung der Anlagen.— Befriedigender Abschluß. Die dem Reich gehörenden Elektrowerke A.-G. mit ihren Großkraftwerken in Golpa-Tschornewitz. Trattendorf und Laube haben dos Geschäftsjahr 1926 zu einem starken Ausbau ihrer Anlagen benutzt. Die geplanten Neubauten, die die Leistungs- fähigkei't dieser Werke aus mehr als 400 000 Kilowatt brachten. find fertiggestellt An dem technischen Ausbau der Gruben, eben- so wie an der Erweiterung des Fernleitungsnetzcs wurde weiter- gearbeitet. Gleichzeitig sicherten sich die Reichswerke neue Ab- s a tz g e b i e t c durch Stromlieferungsvertröge mit Schlesien und durch den bekannten Vertrag, den die Elektrowerke mit den Berliner Städtische» Elektrizitätswerken gemeinsam für die E l e k t r t z i tätslicferung an die Stadtbahn abgeschlosien haben. Zur Erfüllung der Verträge werden neue I00 000-Volt-Lel> t u n g e n vom Krastwcrk Trattendorf in der Niederlausitz noch Berlin, und nach Tschcchnitz bei Breslau geführt. Produkkkrnsergebnisse. Die Stromerzeugung selbst wurde beeinträchtigt durch die Tatsache, daß die dem Reiche gehörigen Mitteldeutschen Stick- stoffwerke im letzten Jahre ihre Umstellung vornahmen und infolge- dessen wesentlich weniger Strom bezogen. Aus diesem Grunde ist der gesainte Stroniabsatz der Elektrowerke von 1S77 auf 1486 Millionen Kilowattstunden zurückgegangen. Der Absatz an die übrigen Teilnehmer ist jedoch gestiegen. Der Geschäftsbericht stellt daher fest, daß die zentrale Großoersorgung, die auch vielfach AusHilfslieferungen bei Störungen anderer Werke benutzt wurde, gerade im Berichtsjahr ihren Nutzen besonders ausfällig gezeigt hat. Entsprechend der geringeren Stromlieferung Ist die Förderung der Gruben etwas zurückgegangen. Nur die Briketterzeugung weist eine Steigerung von 110 000 auf 127 000 Topnen auf. Die Herstellung stärkerer Beziehungen zu den Abnehmern und die Erweiterung des Interessenkreises in der Stromerzeugung führte zum Erwerb neuer Beteiligungen, über die wir bereits srüher berichtet haben. Gewinn- und Bilanzergebnisse. Die Konsolidierung, die von den Reichselektrizitäts- werken planmäßig betrieben rrurd, findet ihren Niederschlag auch in der Bilanz und der Gewinn- und Vcrlustrechnung. Der Betriebs- Überschuß hat sich trotz des verringerten Stromabsatzes um rund 330 000 M. auf fast 14 Millionen Mark gehoben. Der Reingewinn wird nahezu unverändert mit 5 Millionen Mark aus- gewiesen. Den größten Teil, nämlich 4,8 Millionen Mark erhält das Reich in Form einer Dividende von 8 Proz. In Wirklichkeit sind die erzielten Ueberschüsie wesentlich höher gewesen, was in der Bildung st i l l e r Reserven zum Ausdruck kam. Zwar werden die großen Anlagekonten(Grundbesitz, Gruben- krastwerkc, Fernleitungen usw.) um rund 13 Millionen höher aus- gewiesen als im Vorjahr. Es ist aber mit Bestimmtheit anzu- nehmen, daß die neuerstellten Anlagen und die Neuerwerbungen mit großer Vorsicht bewertet worden sind. Das gilt auch für die Effekten und Beteisigungen, die einen Zuwachs um 1,1 auf 9,69 Millionen Mark aufweisen. Vorweg aus dem Betriebsgewinn abgezweigt, ist, ebenso wie im Vorjahr, ein Betrag von 5,7Z Millionen Mark, das dem Erneuerungskonto gutge- schrieben wurde. So erhöht sich diese offene Rücklage, die trotz der Erweiterungsbauten und Neuerwerbungen im Vorjahre nur un- wesentlich in Anspruch genommen worden ist auf 35,97 Millionen Mark— ein weiteres Zeichen dafür, wie die Aufwendungen für die Neuonlogcn und Neuerwerbungen aus laufenden Betriebs- Überschüssen entnommen worden sind. Das Erneuerungskonto beträgt jetzt mehr als die Hälfte des Aktienkapitals, zuzüglich des gesetzlichen Reservefonds. An Bankguthaben werden 8,27 Millionen Mark ausgewiesen, die allein bereits die Kreditoren in Höhe von 8,4 Millionen fast vollkommen decken. Außerdem bestehen noch Forderungen an befreundete Gesellschaften in Höhe von 8,4 Millionen Mark. Während dieses Konto im Vorjahre noch 16 Millionen betragen hatte. Diese Zahlen zeigen, wie die Gesellschost darauf bedacht gewejfn ist, auch ihre Liquidität zu verstärken. Bei dem günstigen Abschluß leuchtet nicht ein, weshalb die Rücklagen für soziale Zwecke, die im Vorjahre 250 000 M. betragen hatten, in diesem Jahre nur mit 100 000 M. neu bedacht worden sind. Die Elektrowerke im Rahmen der Gefamkwirtschafi. Im ganzen ergibt der Abschluß der Reichselektrkzitätswerke das Bild eines vollen Erfolges, dieses dem Reich gehörenden Unter- nehmens, sowohl in bezug auf seine Rentabilität wie in b«< zug auf die Erfüllung seines wachsenden Aufgobenkretfes. Immer stärker greifen die Interessen der großen Elektrizttätsunter- nehmungen ineinander über. Di« Reichselektorwerke sind jetzt das größte unter den Großkraftwerken. Es wäre daher nur zu wünschen, wenn die im legten Jahre viel diskutierten I n t e r. essengegensätze zwischen den Rcichswerken und den preußi- fchen Elektrizitätswerken allmählich hinter dem Willen einer be- wußten Zusammenarbeit sämtlicher betelligten Stellen zu- rücktreten. Die bisher von Preußen nach dieser Richtung ange- kündigten Maßnahmen, die auf eine Zusammenfasiung der preußi- schen Eleklrizitätsinteressen abzielen, lassen hoffen, daß dieser Weg zu gemeinsamer Arbeit auch auf diesem Gebiete bald geöffnet sein wird. Im übrigen brauchen die Reichselektrizitätswerke, das zeigt auch der vorliegende Abschluß, keineswegs den Vergleich mit irgendwelchen ähnlichen privaten oder gemischtwirtschaftlichen Unter- nehmungen zu scheuen, wie es überhaupt gut wäre, wenn die Träger der öffentlichen Wirtschaft gegenüber den Angriffen der privaten Industrie etwas mehr aus sich herausgingen und ihre B«» d e u t u n g für die gesamte Volkswirtschaft damit zugleich für die private Industrie stärker als bisher betonten. Ss. Oer Segen öer Konsumvereine. Bilanz im Zentralverband deutscher Konsumvereine. Für den Zentraloerband deutscher Konsumvereine, und zwar für 1036 von insgesamt 1090 Genossenschaften, veröffentlicht der Zentraloerband deutscher Konsumvereine jetzt die Bilanz für das Jahr 1926. Wenn irgendwo, so lassen sich in diesen Ziffern der ge. waltige Ausstieg der deutschen Konsumvereine, ihre wachsende Wirk- samkeit und ihr Segen für den Haushalt der Massen deutlich er. kennen. Wir haben die Hauptzijfern der letztjährigen Entwicklung hier zusammengestellt und mit dem Vorjahr verglichen. 1925 1926 Zahl der Verteilungsstellen. 8 500 8 780 Umiav........ 616 000 000 271 747 000 000®k. Duribichniltsumsatz pro Mitglied........ 182. 234, Erlös aus selbstprod Gütern 161 000 000, 186 000 000, In der Produktion beswäsligie Personen....... 6 273 6 555 Produk>ion«wert pro Per'on 25 607, 28 390, In der Verleitung beschäitigle Personen....... 31045 32 954 DiiirbicbniliserlöS pro Person 19 849» 22 660, Ge'chä'isguihaben.... 20000000, 29400000, Reserven........ 29 300 000, 33 900 000„ Svareinlagen...... 67 900 000, 109 100 000. Buchwert des Grundbesitzes. 89 100 000„ 103 500 000, , d. Einrickl u.Masch. 8800000„ 14600000, , des Warenbestandes 87 00 000, 97 900 000, Warenickmloeir..... 40 500 000„ 33 500 000, Banlilbulden...... 10200000,■ 4 800 000. Reinertrag, Rabattguthaben uns Ueberweisunq... 24 300 000„ 82 000 000, Rückvergütung an Mitglieder 3 500 000, 5 200 000, In der Mitgliedschaft wurde die große Reinigung von Gelege ii heitsgewinnlern aus der Inflation abgeschlossen: Die Mitgliederzahl ging von 3 382 000 auf 3 196 000 zurück. Dabei wurden aber über 16 5000 neue Mitglieder aufgenommen, von denen sicher ist, daß sie keine Gelegenhcitsgewinnler seur werden. Groß ist die Steigerung der Leistungen und der Wirtschaft- lichkeit. Während der Gesamtumsatz der Verteilungsstellen um mehr als zwanzig Prozent gestiegen ist, stieg der Durchschnittsuinsatz pro Mitglied um fast dreißig Prozent. Die gesamte Uinsatzsleigerung war so groß, daß der Verkaufserlös aus selb st- produzierten Gütern der Umsatzsteitzerung nicht sollen konnte und obwohl dieser gegenüber der Vorkriegszeit beträchtlich gestiegen ist, blieb sein Anteil am Gesamtumsatz im letzten Jahre gegenüber 1925 dadurch noch um 1,2 Proz. zurück Daß die Wirtschaft'- lichkeit in der Warenverteilung wieder sehr beträcht- lich erhöht wurde, beweist die Tatsache des DurchfchniUserlöses auf jede in der Güterverteilung beschäftigte Person gegenüber dem Vorjahr uni fast zwanzig Prozent: der hohe Durchschnittsumsatz der Vorkriegszeit, wo die Kaufkraft noch eine so sehr viel größere war (allerdings bei niedrigeren Preisen), ist überschritten. In der E i g e n- Produktion ist der Produktionswert, der auf jede der 6555 beschäftigten Personen entfällt, von 25 607 auf 28 390 M., also um über zehn Prozent gestiegen. Auch hier ist die Friebenszifser wieder überschritten. Die Geschäftsguthaben sind von 3,25 auf 3,95 Proz. des gesamten Umsatzes vermehrt. Die Spareinlagen sind sogar von 11,02 auf 14,61 Proz. des Gefaint'imsatzes gestiegen. Auf der anderen Seite konnten die Waren- und Bank- schulden sehr erheblich gesenkt werden. Während die Warenschulden mit 40,5 Millionen im Jahre 1925 noch 6,57 Proz. des Umsatzes ausmachten, betrugen sie Ende 1926 nur mehr 33,5 Millionen, oder 4,49 Proz., der Anteil der Bankschulden sank noch stärker, von 1,65 Proz. auf 0,65 Proz. des Umsatzes. Wie sehr der Nutzen für die Gesamtmitgliedschaft wuchs, zeigt die Steigerung des Gesamtertrages: von 24,3 Millionen erhöhten sich Rein- ertrüge. Rabattguthaben und Ueberweisungen auf 32 Millionen, d. h. von 3,93 auf 4,29 Pro.z. des Umsatzes. Aus diesem Gesamtertrag der konsumgenossenschaftlichen Tätigkeit«nt- fallen 21,2 Millionen allein auf Rabattguthaben, die gegenüber dem Jahre 1925 um rund 50 Proz. erhöht sind. Den Mitgliedern w»rde als Rückvergütung die Summe von 5.2 Millionen Mark überwiesen, oder 0,70 Proz. des Gesamtumsatzes gegenüber 3,5 Millionen, oder 0,56 Proz. im vor'gcn Jahre. Das ist im ganzen ein glänzendes Bild. Es ist um so glänz- voller, als noch vor drei Jahren Gegenwart und Zukunft der Konsumgenossenschaften höchst ungewiß waren. Aber es ist noch unendlich viel Arbeit zu leisten innerhalb und außerhalb der Or- ganisation, bis die deutsche Arbeiterschaft in ihren Konsumvereinen und Produktionsbetrieben die Gesamt Versorgung des Haushalts der Masten bcwäliigt haben wird. Aber das ist das Ziel, und es muß erreicht werden. Zur Lage öer SeefthUahrt. Generald'reklor Dr. Cuno über Schiffahrtssubventionen. Angesichts der großen Neubautätigkeit, der sehr günstigen Ab- schlösse der großen Reedereien und der neuen Subventionen für Schiffahrt und Werften ist eine Rede, die Herr Cuno, der ehe. malige Reichskanzler und jetzige Grohreeder, auf dem deutschen See- fchiffahrtstag hielt, von erheblicher Bedeutung. Er begann mit der Feststellung, daß die deutschen Reederien für die verlorenen Teile ihrer Flotte nicht ein Biertel des verlorenen Wertes vom Reich erhalten hätten, obwohl bekannt ist, daß die Reichsentschädi- gnng über 700 Mill. oder die gute Hälfte des Wertes betrug. Don rund 600 000 Tonnen sei die deutsche Seehandelsflott« wieder auf 3,2 Millionen Bruttotonnen angewachsen und umfasse heute 5,2 Proz. der gesamten Welttonnage gegenüber 12 Proz. im Jahre 1914. Den besonderen Wert der neuen deutschen Flotte erblickt Dr. Euno in dem hohen Prozentsatz an neuerTonnoge. Bei einem Weltdurchschnitt von 16,5 Proz. und einem Anteil Deutsch- lands von 34 Proz. im Jahre 1913 sei der Anteil an Schissen i m Alter von weniger als fünf Iahren in der deutschen Flotte heute auf 40 Proz. ge st legen. Obwohl Dr. Cuno die Zukunftsaussichten im Welthandel nicht opti- m i st i s ch beurteilt, und obwohl die allgemeine Ueberzeugung dahin geht, daß die Neubaupolitik unter heutigen Derhältnissen gefährlich sei, bekannte sich Dr. Cuno zu dem Satz, daß gerade wegen der tnternottcmalen Ueberkonkumnz die Aussichten neuer, schneller und ökonomischer Schisse ganz besonders günstige und damit die deutschen Schisfsneubauten im besonderen gerechtfertigt seien. Daran mag etwas richtig sein. Aber wir glauben, daß die deutschen Reede- reien die von ihnen durchgeführten Schisfsneubauten kaum in solchem Ausmaß vorgenommen hätten, wenn ihnen nicht die sogenannten „Weriten'subventionen zur Verfügung gestanden hätten, die in Wohrycit Subventionen für die großen Reedereien sind. Die Werften, und Schifsahrtssubventionen möchte Dr. Cuno damit rechtfertigen, daß die schnelle Indienststellung neuer Schiffe die Ueberlegenhett der deutschen Handelsslotte in der internationalen Schissahrt fördere und damit der Beitrag der deutschen Reedereien zur Aktivierung der Zahlungsbilanz steige. Grundsätzlich erklärt sich Dr. Euno im Namen der deutschen Reeder gegen Subventionen Weder die Kredite aus dem öO-Millionen-Fonds noch die jetzige Zinsverbilligungsaktion habe mtt Subventionen irgend etwas zu tun. Beide Aktionen seien unter dem Gesichtspunkt der produktiven Arbeitslosenhilfe zu betrachten und seien ein notwendiges Uebel gewesen. Subventionen in dem Sinne, daß laufend« Unterstützungen gezahlt würden, um di« mangelnde Rentabilität einzelner Firmen auszugleichen, lägen nicht vor. Dies Art. grundsätzlich„Subventionen" abzulehnen. praktisch aber soviel Zinsgeschenke vom Staate in Anspruch zu nehmen, als nur erreichbar sind, eine solckie Argumentation ist kühn und komisch zugleich. Aber sie ist charakteristisch für das deutsche Unternehmertum überhaupt, und man muß es begrüßen, daß Herr Dr. Cuno die Gelegenheit dazu gegeben hat, das wieder einmal festzustellen. 51 proz. Dividende bei INuralli. Eine Frage an den Steuer- flskus! Geradezu tolle Gewinne schütte: die Muraltt A.-G. an die Aktionäre aus. Aus einem Reingewinn von 105 927,06 M. ergeben sich zunächst 21 Proz. Dividende(wie schon im Vorjahr) aus 500 000 Mark Aktienkapital. Außerdem ober erhalten die Aktionäre eine außerordentliche Zuwendung von 150 000 M., und zwar, wie es im Geschäftsbericht heißt, zur Abdeckung von Dar- lehnsschulden der Aktionäre gegenüber der Gesellschaft. Natürlich sind diese 150 000 M. dem Gewinn entnommen: den Aktionären werden ihre Schulden geschenkt, so daß sich die tatsächliche Dividende damit auf 51 Proz. erhöht. Es muß die immerhin auch für den Steuerzahler recht interessante Frage aufgeworfen werden, ob die Aktionäre der Muratti A.-G. für ihr 150 000 M.„Darlehns"geschenk die Kapitalertrags st euer zahlen, die sie bei Einrechnung der 150 000 M. in die Dividende zu zahlen hätten. Abbau der Hafengebühren bei der Behala. Die Berliner Hafen- anlagen sind von der Stadtgemeiiid« Berlin in die gemischtwlrt- schaftliche„Behala", Berliner Hafen- und Lagerhaus- A.- G., eingebracht worden. Bon dem 1,68 Millionen Mark be- tragenden Aktienkapital haben die Stadt Berlin und die bekannte Speditionsfirma Schenker u. Co. den größten Teil im Besitz. Die Stadt, die aus der Verpachtung der Betriebs- anlagen an die Gesellschaft vorläufig so gut wie keine Ein- nahmen hat, und, da die Behala bis letzt ohne Ueberschüsie arbettete, auch keinen Reingewinnanteil bezieht, ist gegen früher, wo die Verwaltung der Häfen regelmäßia Verluste ergab, insofern besser gestellt, als sie jetzt keinen Zuschuß mehr zu leisten braucht, dafür aber von dem Betrieb Steuern (im letzten Jahre rund 110 000 M.) erhält. Die Behala hat von 1924 bis 1926 ihren Umsatz von 874 540 auf 1 591 635 Tonnen erhöhen können, ihre Einnahmen dagegen nur von 2,9 aus 3 Millio. neu Mark gesteigert. Es ist also eine Berringerung der Hafengebühren usw. von 3,35 auf 2,02 M. je Tonn« erfolgt. Diese Gebührenpolitik, die von den Kreisen der Industrie und des Handels natürlich begrüßt w �de, hat den Anlaß zu beilipen Angriffen seitens konkurrierender Transportunternehmungen ge» geben. Bemerkenswert ist, daß in den letzten drei Iahren ins- gesamt 3,22 Millionen für Neubauten, insbesondere für die Erweiterung des W e st h a f e n s, ausgegeben wurden. Die gesamte Steuerleistung ist von 113 747 M. im Jahre 1924 auf 227 692 M. im Jahre 1926 gestiegen. Der Rohgewinn des letzten Jahres wird fast ganz zu Abschreibungen(258 000 M.) verwandt, so daß nur 1607 M. als Reingewinn verbleiben, die zusammen mit 21872 M. Vortrag aus letztjähriger Rechnung für 1927 vorgetragen werden. Die Zahl der Augestellten wurde von 162 auf 125 v e r- r i n g e r t und der organisatorische Ausbau des Betriebes weitgehend vereinfacht. Rückgang der Kohlenförderung. Im rheinisch-westfälischen Kohlen- syndikat wurden Mitteilungen über den Rückgang der Kohlen- förderung und des Kohlenabsatzes gemacht. Die arbeitstäglich« Förderung ist im Februar auf 400 000 gegen 430 000 Tonnen im November gesunken. Aehnlich ging der arbeitstägliche Gesamtabsotz des Syndikats zurück, nämlich von 324 000 Tonnen im November aus 288 000 Tonnen im Februar: seit dem I ckn i v. I. die niedrigste Ziffer. In der ersten Märzwoche ist gegenüber der letzten Februar- woche die arbeitstäglich« Förderung von 408 000 auf 397 000 Tonn"r weiter zurückgegangen. Elegisch klingt die Bemerkung aus der Mitgliederversammlung, daß man eine sobald nicht wiederkehrende Gelegenheit zum höheren Absatz nunmehr unwiderbringlich verloren habe und einem erheblich verschärften Wettbewerb gegenüber stehe. Im Inland mache sich die Konkurrenz der einzelnen deutschen Berg- baubzirke stark fühlbar: noch schärfer zeige sich der Umschwung in den von der Auslandskonkurrenz bestrittenen Gebieten. In der Zu- kunft liege der Angelpunkt für den Auslandsabsatz mehr in der Preis- und Sortenfrage als in der Mengenfrage, die in den letzten Monaten die Situation vorwiegend beherrscht habe. Die Internationale der Unternehmer— so lautet ein Vortrag. den der unseren Lesern bekannte Wirtschaftskritiker Genosse Paul Ufermann in Foim einer Broschüre(Verlag des Ortsausschusies Lübeck des ADGB.. Preis 0,50 M.) hat drucken lassen. Die Schrift gibt eine anschauliche Uebersicht über die verschiedenen Formen überstaatlicher Derbindungen von Unternehmern aus Industrie. Handel und Verkehr. Ist die Darstellung in dem engen Rahmen von 42 Druckseiten auch nickt erscköpsend. so gibt sie doch einen ausgezeichneten zusammenfasienden Ueberblick der wichtigsten Formen und Zwecke der kapitalistische» Zusaiiinienscklüsse vor und nach dem Kriege bis in die neueste Zeit hinein. So eriäbrt der Welt- vetroleumtrust nicht anders als die internationale Rohstahlgemein- schast und das die ganze Welt umspanireiide Elüh.aiiipensynuttat unter v'elen anderen Organisationen eine Würdigung. Ufermann schließt die Darstellung mit einem starken Appell an die internatio- nale Arbeiterschaft, durch Stärkung der internationalen Gewerkschastsorganisationen und ihrer Schlagkraft gegen die immer mächtiger werdende kapitalistische Jnternalionale ein Gegengewicht zu schaffen. weitere Krupp-Verkäuse. ffl« gemeldet wird, hat der Krupp- Konzern jetzt das schon seit einigen Iahren still egende Stahl- werk in Annen verkaust. Erwerber ist die L. Haas A.-G. Magdeburg, die sich mit der Verwertung maschineller Einrichtungen und stilliegender Anlagen beschäftigt. Hahn-Maccaroni werden nach einem jahrzehntelang bewährten Verfahren aut rainam auaarlaaenan HartweizengrieB hergestellt Wenn man sie nach der jedem Paket aufgedruckten Vorschrift mit reichlich Wasser kocht wird man erstaunt sein, wie stark si» aulqueHan, wie ausgiebig sie sind und wie gut sie schmecken. Ein Mtttac- essen, wie es preiswerter, wohlschmeckender und nahrhafter kaum gedacht werden kann.