flg. 1�6 ♦ M.Jafyrg. Ausgabe M Nr. 64 Bezugspreis. «SSentlich 70 Ptenuia. manatlid Zitichsmarl voraus»adldar. Unter kreuzbanv kür Deutschlan». S> P ihrer eigenen deutschnationalen Presse bescheinigt, daß sie auf außenpolitischem Gebiet an Mißerfolgen leidet. Ob die Wähler der Deutschnationalen nun bemerken werden, welches Spiel mit ihnen gespielt worden ist?-, Völkerbund und Kriegsgefahr. Flottendemonstrationen zur See und m der Luft. Genf. 15. März. sWTB.) Das Ratskomitee unter dem Vorsitz des deutschen Delegierten, Gesandten Goeppert. hat die Erörterung des ihm vorliegenden Berichts über die vom Völkerbund im Falle drohender Kriegsgesahr zu ergreifenden Matznahmen a b g e- schlössen. Besonders umstrüten in der Diskussion, die sich über zwei lange Sitzungen erstreckte, waren die vorgeschlagenen Matz- nahmen in bezug auf die Zurückziehung der Truppen, Schaffung einer neutralen Zone. Sicherung de? fitatuse sich Frankreich für den 21. März vorbehalten hatte, wird also nicht geschehen. Auch für die Restdauer des Provisoriums haben sich die beiden Delegationen Zugeständnisse gemacht. Deutschland gewährt Frank- reich gewisse Kontingente für die Einfuhr sranzösischer Weine nach Deutscbland zu den gleichen Tarifsätzen wie für spanische und italienische Weine, wogegen Frankreich sich schon jetzt zu einer teilweise« Erweiterung seiner Einfuhrliste bereit erklärt hat. Die französische Delegation gab die Zusicherung, daß der neue Zoll- taris nach Möglichkeit beschleunigt von den Kammern erledigt werden wird! da sich aber die Lorarbeiten in der Kommission sehr schwierig gestalten, ist kaum vor Juni mtt der Verabschiedung zu rechnen. Dte Eupen-Nlalmeüp-Debatte. Scharfmacherische Rede Jaspars. Brüssel. IS. März.(WTB.) Der sozialistische Abgeordnete Somerhousen interpellierte in der Kammer über di« Politik der belgischen Regierung gegenüber den einverleibten Kreisen Eupen und Malmedy. Ministerpräsident I a s p a r ant- wartete, er hätte geglaubt, daß der Vorredner über die Art und Weise interpellieren wollte, wie Belgien diese Kreise verwalte. Die Rede Semerhausens entspreche aber nicht dem Wortlaut der An- frage. Die Loge der beiden Kreise sei festgelegt und endgültig geregelt._ wahlvorfpiel in Deutsck öfterreich. Ein Sozialistcnvcrlenmder zu drei Monaten verurteilt Dien. IS. März.(Eigener Drahlbericht.) Der L e r l e u m- dungsseldzug gegen die Sozialdemokratie ist soeben gericht- lich gebrandmartt worden. Einer dieser Verleumder, der dem niederösterreichischen Landesrat Genossen H« l m e r die An- nähme von Provisionen nachgesagt hatte, wurde vom Wiener Schwurgericht wegen Beleidigung zu drei Monaten Haft ver. urteilt. Der Verteidiger dieses Angeklagten mußte zugeben, daß der Wahrheitsbeweis mißlungen und der Kronzeuge ein Lügner ist. Regiemugsdireklor Dr. Weiß VoNzelvlzeprösidenl»an Berti». In der gestrige» Sitzung des preußischen Staatsministerium» ist an Stelle de» al» Regierungspräsident nach Kassel versetzten Polizeivize- Präsidenten Dr. Friedensburg der bisherige Regterungsdlrettor im Berlin» Pofizeipräsidlum, Dr. Weiß, zum PolizetvizePtä» s i d e nt e n ernannt worden. »Recht' in Indien! Englische Ueberjunker— und ihre Richter. Bon Franz Josef Furtwängler. Ragpur, Mitte Februar. Welchen Grad der Vollkommenhett das System weltweiter Information erreicht hat, ersehe ich aus dem Morgen-„V o r- w ä r t s" vom 2v. Januar, der uns soeben in Nagpur, im Herzen Indiens, erreichte. In der genannten Zeitungsnum- mer steht der Bericht eines Erlebnisses unserer Delegation in Madras, wo einer der deutschen Delegierten(der Schreiber dieser Zeilen) Zeuge der Mißhandlung eines alten indischen Dieners durch ein englisches Ehepaar mar und sich zugunsten des allen Mannes einmengte, wobei er von dem Engländer tätlich angegriffen wurde. Der Vorfall sollte im späteren Berichte in Zusammenhang mit Schlimmerem nebenbe, erwähnt werden, doch mögen jetzt, nachdem er bereits in Europa bekannt geworden ist, die Freunde und„Vor- wärts"-Lcser von diescin und einiges von weit ärgeren Bei- spielen indischer Zustände erfahren. Ich spazierte damals vor meinem Parterrezimmer des Landhaus-Hotels im Freien auf und ab und wurde durch das Schreien des Kulis auf den Vorgang der Mißhandlung aus- merksam, der sich unter der offenen Tür metner Zimmernach- barn vollzog. Da mir die ausgemergelte Gestalt des Alten leid tat, sprang ich dazwischen, schob das Kulturträgerpaar ein wenig zurück und zog den Mißhandelten aus ihren Händen. wobei der wütende Engländer mir mit der Faust vor die Nase stieß. Indem ich diese Höflichkeit erwidern und ihm gleichfalls eine unters Gedaiikensach schwingen wollte, gewahrte ich, daß der Angreiser sein gebrochenes oder beschädig- tes Bein in Schienen und Wickelbinden trug, hielt inne und erklärte, daß ich auf die billige Genugtuung, einen Krüppel zu Boden zu hauen, verzichten muffe. Als ich mich darauf in mein Zimmer begeben hatte, erschien bei dem Ehepaar der Hotelbesitzer— offenbar mit der unerfreulichen Ausklärung, daß der Streit und seine Konsequenzen über den trauten Familienkreis der sechzigtausend englischen Rcgieningsbeamten dieses Landes hinausreichc, da der Widersache? Mitglied einer internationalen Kommission sei; und dazu einer Proletarierkontmission. Nun erschien das Paar, einzeln und zu zweien, wiederholt auf meinem Zimmer mit der flehent- lichen Bitte, zu verzeihen und von einer Meldung Abstand zu nehmen. Die schlotternde Hascnangst des hohen Regierung?- beamten, der sonst wie eine zürnende Gottheit über einige Hunderttausend Inder gebietet, erfüllte mich mit einem Gemisch von Mitleid und Verachtung, so daß ich schließlich in den Verzicht etnwilligte und ebenfalls Shaw davon abhielt» den Fall dem Gouverneur der Madrasprovinz vorzutragen. Letzteres erschien mir auch verkehrt, weil die Regierung wahr- scheinlich zum Zweck einer großen Eeitc vor der Delegation den kläglichen Beamten allzu exemplarisch bestraft haben würde, während jahraus, jahrein viel schlimmere U e b e l t ä t c r von den Gerichten freigesprochen werden. Denn was hier geschah, war in der Tat harmlos im Vergleich zu dem, was uns seither zur Kenntnis kam. In der Madraffer Textilfabrit„Buckingham und Carnatie Miels" wurde kurz zuvor ein indischer Arbeiter von einem englischen Aufseher halb erwürgt. Die klageführenden Gewertschastsleiter erhielten von dem lachenden Richter die Antwort— das sei ein Temperamentsausbruch, der ihm auch passiere, deshalb sei eine Verurteilung nicht möglich. Und da der salomonische Urteilspender seine indischen Hausdiener ver- mutlich ähnlich behandelt, so wäre er obendrein ein Heuchler gewesen, hätte er gegen seinen Klubfreunb aus dex B. u. C.- Fabrik anders geurtcilt. Nicht an der Person des Richters liegt die Scheußlichkeit solcher Urteile, sondern die Ursache ist in dem Umstand zu suchen, daß ein paar Whiskhklubs landfremder Menschen dies alte Kulturland wirtschaftlich, politisch und juristisch dirigieren: klüngelhaft einig und vertraut unter sich sind sie ohne Verständnis, ja, ohne jegliche Berührung mit dem Volk dieses Landes und reden vor diesem mit der aus Unkenntnis und Seldsigefälligkeit geborenen Verachtung als von Schwarzen und Negern. Sicherlich hätten wir von diesem Fabritsalle niemals erfahren(denn die Arbeiter und ihre Führer sind, wie uns öfters auffiel, auch gegen Delegationen mißtrauisch), wenn nicht die n a t i o n a l- i n d isch e n Blätter in so schmeichelhafter Weise in ihren Leitartikeln von dem„Gentle- men-German" und dem„ritterlichen Deutschen" gesprochen hätten, der durch sein Eintreten sui den Eingeborenen ein Exempel gesetzt habe. Seitdem haben sich uns die Archive der Zeitungen und Sekretariate geöffnet und in Kalkutta war das Vertrauen so groß, daß ich als Gast sogar zu tntimsten Aus- sprachen erscheinen durfte. Dort, in Kalkutta, in der Iutespinnerei„Eouripur Jute Mills" wurde im September ein indischer Weber, der zum Aerger feines englischen Aufsehers. Mister Spence. um Urlaub sragt«, von diesem zu Boden geworfen und mit den Eützen getrampelt, daß er zwei Stunden darauf verschied. er Freispruch des Scheusals fübrte zu einem Ausstand der Arbeiter der Fabrik, der mit Polizeiaufgebot unterdrückt tvurtie. unft die Agitation 8er national-indischen Presse bewirkte eine Veruhigungsaktion durch Wiederaufnahme des Falles mit dem Ergebnis eines abermaligen Frei- I p r u ch s— weil die Zeugenaussagen über die Einzel- hellen(I) der Mißhandlung sich nicht deckten. Die Tatsache des toten Proletariers selbst tonnte man sogar den Indern nicht bestreiten. In Simla, dem Sormnersig der Regierung, wurde«in Rikschakuli von einem Offizier in ähnlicher Weise mißhandelt. Dieser uniformierte Täter kam nicht so glatt davon» sondern wurde bestraft— mit einer Ordnungsstrafe von hundert Rupien, gleich zwei Tagesgeldern. Obgleich die Sklaven- rnrung im heidnischen Römerreick, härter gesühnt wurde(der Leser findet die Sätze bei Mommsen)» war dies schon eine exemplarische Strafe, die in Indien Aufsehen machte,, denn in zahlreichen anderen Fällen geht der Täter ungestraft davon, weil sich im Klub ein Arzt findet, der„konstatiert", daß der geschundene Kuliproletarier ja sowieso bald gestorben wäre— etwa irrfolge einer erweiterten Milz. Die Frei- sprechungen in Fällen der S k! a v e n t ö t u n g mit der Eni- schuldigung der erweiterten Milz(e;nlar?ecl spieen) sind so häufig, daß das Wort vom„enlsr�ecl sxlsen" in den Kreisen der indischen Freil�eitsbewegung längst zum blutigen Sarkas- nw.s geworden ist. Nur, wo es eben gar nicht anders geht, wird statt des Fveilpruchs eine formelle Ordnungsstrafe ver- hängt. So ereignete sich vor einigen Monaten der Fall, daß in Delhi eine Indierin von drei betrunkenen englischen Sol- daten aus offener Straß? überfallen wurde und an den Folgen bestialischer Notzuchtshandlungen unmittelbar dar- auf st a r b. Obwohl es nach landläufiger Rede„nur ein schwarzes Weib"(enlj' a black wo man) war, geboten Rit- terkchSeits- oder Zweckmäßigkeitserwägungen dem weißen Richter, den einen der drei Schandsubjekte auch sechs Mo- n a te(!) einzukorzern, derweil die beiden anderen wiederum ungestraft davonkamen. Hätte nicht die nationale Bewegung den Fall aufgegriffen, so hätte wahrscheinlich nach der toten Inderin kein Hahn und kein Reuter-Bureau gekräht. Dies sind nur einig« wenige Fälle unglaublich brutaler Herrfchaftsousübung und Ncchttprechung, die sich neben zahl- reichen anderen allein in einer Zeitspanne von sechs Monaten. d. h. in der zweiten Jahreshälfte lS?S ereignet haben: andere sind mir noch bekannt, doch besitze ich im Augenblick nicht die exakten Einzelheiten und unterlasse es daher, sie an dieser Stelle zu erwähmw Ost fragte ich mich, wie es möglich sei, daß Menschen einer Rasion, die in bezug aus Bildung und Kultur in Europa gewiß nicht die letzte ist, in einem fremden Lande so Hausen können. Nachdem ich mir die ganze Soziologie des indischen Engländertums oergcgsnivärtiate, war es mir klar: dies hier sind keine Engländer, wie wir sie in Europa kennen, sondern eineKastefürsich. Nicht, daß sie erwa in ihrer Mehrzahl hier in Indien geboren und fern der Briteninsel ohne den Segen der heimatlichen Gentleman-Bildung au�- gewachsen wären. O nein, dt« meisten, fast alle von der Mili- tär- und Beamtenkaste(die die erdrückende Mehrzahl der Engländer Indiens ausmacht), kommen erst nach Bollendung ihrer Studien von England hierher und senden auch ihre Kinder zur Erziehung dorthin. Sie selber ziehen sich ebenfalls im Alter von 45 bis 50 Iahren wieder nach England zurück, so daß von einem isolierten Stamm indischer Engländer nicht die Rede fein kann. Die„geistige Umstellung" vollzieht sich also nicht auf genealogischen� Wege, sondern durch ein plan- mäßiges System. Dieses tritt in Wirksamkeit mit dem Augenblicks, wo der junge Verwaltungsbeamte. Ossi, zier. Soldat oder Kaufmann das Schiff besteigt, das ihn„jenseits vom Suez" fährt. An Bord wird ihm von Kundigen Weisung zu- teil, wie er alle? Farbige mit Ablehmmg und Verachtung zu behandeln hat. Keiner dürfte sich dort eine Unierhalsimg mit einem noch so gebildeten Inder, ja kaum einen Gruß erlauben. (Der Leser erinnert sich meines ersten Reiseberichtes vom Schiff, wo ich diese Atmosphäre beschrieb, aber noch nicht die Ursachen kannte.) In Indien angelangt, sieht der in Gentle- man-Manieren gezähmte junge Mann lauter Sklaven um sich, die er gegen eine Ordnungsstrafe in den Staub treten, sonst aber so ziemlich nach B-lieben behandeln kann und sieht sich mit Machtoolllommcnheiten ausgestatet, die'hm den Kopf schwellen. So schmilzt dann unter Indiens Tropensonne die düime Schicht Eton-Salbe oder Orsord-Firnis wie die Zuckerglasur vom Pfefferkuchen Die mannigfachen Aus- na h m e n von diesem Typ mögen hier besonders lobend er- wähnt sein, da es wirtlich ein persönliches Derdienst ist. der Einwirkung dieser Atmosphäre zu widerstehen. Der Typhus aber ist es, der den Grundton des Regimes im Lande be- stimmt und sich auch schwerlich von einem in London residie- reichen„Ministerium für Indien" ins Handwerk reden läßt. Auf den umgekehrten Fall dagegen: daß diese Ueberjunker nach ihrer Heimkehr sich zuweilen auf der ullrakoniervativen Seite der inneren englischen Politik betätigen und ihre Denk- ort dort hineintragen, hat bereits die Indien-Denkschrift der Independcnt Labour Party hingewiesen. Die deutsche vo'kspartel üroht. Sie verlangt zwangsweisen Abbau der Stealstenern. In der wtiteren Aussprach« über den Finanzausgleich im Steuerausschuh des Reichstages am Dienstag trat die U n- stimmigkeit unter den Regierungsparteien aufs neu« bei der Rede des volksparteilichen Abg. K« i n a t h schross hervor. Er beschäftigte sich mit der Bedeutung des Finanzausgleichs für den Steuerzahler. Die Bevölkerung sei uberlostet. Das vor- liegende Gesetz wolle darin nichts ändcni. Man müsse jedoch den Beginn der Steuernnlderung verlangen. Dabei denkt die Volks- partei natürlich nicht an einen Abbau der drückenden Massen- belastung, durch den in erster Linie den schwachen Dostekreisen ge- Holsen wird, sondern an den Abbau der Steucrarien, durch die die kapital! st ischen Kreise belastet werden. Daher verlangte Keinalh einen Zwang de» Kelche» auf Länder und Gemeinden zum Abbau der Realsteuern. Der von den Regierungsparteien vorgelegte Antrag gehe nicht weit genug, da er nur eine Soll bestimmung vorsehe. Diese mild« Form tönn« nur bestehen bleiben, wenn die Länderregierungen befriedigend« Erklärungen abgeben, daß sie da- nach verfahren wollen. Daran fehle e» aber leider immer noch. Die Deutsche Boltsparld mache aber von solchen besriedigendea Er- klärungen ihre endgültige Stellungnahme abhängig. Da auch die folgenden Redner Abg. Seifert(Völt.) und Koenen(Komm.) die vorgeschlagenen Anträge ablehnen, so hängt alles davon ab. dag die Regierungsparteien nicht ausbrechen und von der WirtschastZ- Partei unterstützt werden. Zu den Ausschuhverhandlungen über den Finanzausgleich hat die Sozialdemokratie zahlreiche Abändern ngs- antrüge gestellt. Die Sozialdemokratie oerlangt 1. zur hauszlnssteucr Bestimmungen, wonach die Länder an- ordnen können, bah Steuerpslichsige, die eine bestimmte Ein- kommensgrenze nicht erreichen, von der Steucr befreit werden. doch muß die Einkommensgrcnze für die Besitzer aller bebauten Grundstücke die gleiche sein.' Von der Hauszinsjteuer sollen nicht mehr alz 20 P r o z. der Friedensmietc zur Deckung des ollge- meinen Finanzbedarfs verwendet werden dürfen. Auch wird die Begrenzung der Miete auf Ivll Proz. der Friedensmiete bis al. März 1928 verlangt. 2. Zur Einkommensteuer wird gefordert: restlose Besteuerung der Spekulationsgewinne und Verschärsung des § 40 über die Besteuerung nach dem Verbrauch. 3. Bezüglich der Verbrauchssteuer« wird die völlige Auf- Hebung der Zuckersteuer verlangt. i. Für den Fall der Aufhebung der gemeindlichen Gelrönke- steuern sollen die Gemeinden aus Rcichsmitteln Ersatz- l« i st u n g in Höhe von je 75 Millionen Reichsmark jährlich erhalten. 5. Für den Fall der Annahme der Erhöhung der EntschSdi. gung der süddeutschen Staate« aus der Biersteuergemeinschast soll der dem Reich entstehende Mehraufwand durch die Er- höhung der Börsenumsatzsteuer beschafft werden. Die allgemeine Aussprache, in der auch diese Vorschläge der Sozialdemokratie zur Debatte stehen, wird am Mittwoch sortgesetzt. Die Mißwirtschast bei üer Reichsbahn. Der Achtstundentag fast allgemein überschritten! Im Ausschuß für den Reichshaushalt wurden in der Dienstag- sitzung bei Gelegenheit der Beratung des Etats des Reichsverkehrs- Ministeriums Eisenbahnangelegenheiten erörtert. Genosse Schumann-Frankfurt führte u. a. hierzu aus: Es sei unbestritten, daß in weitesten Kreisen große Unzufriedenheit mit der Leitung der Reichsbahn herrsche. Nicht nur wegen der Haltung, die sie allen Kanalfragen gegenüber«ingenommen habe. nicht nur wegen ihrer Tarifpolitik, sondern vor allem auch wegen der von ihr verfolgten Perscnalpolitik. Noch immer sei es nicht ge- lungen, Vertreter des Personals in den Derwaltungsrat hineinzu- bringen. In diesem wichtigsten Organ der ganzen Reichsbahnver- waltung sähen ausschließlich Vertreter der Unternehmer und gerode solche, die an Lieserungen für die Reichsbahn stärkstes geschöst» liches und persönliches Interesse haben. Auch der Personalabbau verdiene schärfste Kritik. Während 1924 nach 145 17ö Werkstätten- arbciter vorhanden waren, bezisfert sich der Bestand jetzt auf 113 000, so daß also rund 33 000 Arbeit er abgebaut sind. Der Gedanke lasse sich nicht abweisen, daß die Reichsbahnwerkstäsien so verkleinert worden sind, um möglichst viele Arbeiten an die Privat- i n d u st r i e herausgeben zu können. Ebenso ungünstig stehe es mit der Arbeitszeit des Per» sonals im Betriebs- und Berkehrsdienst. Während in den gewerb- lichen Betrieben 74 Prozent aller beschäftigten Arbeiter 48 Stunde« und weniger arbeiten, haben bei der Reichsbahn nur 3,KS Prozent «ine Arbeitszeit von 48 Stunden und weniger. 48 bis 60 Stunden wird in gewerblichen Betrieben von 53 Prozent der beschäftigten Arbeiter gearbeitet, be! der Reichsbahn bc- ziffert sich der Prozentsatz derjenigen Arbeiter, die 48 bi» 80 Stunden zu arbeiten haben« auf 96,3 Proz. Diese lange Arbeits- zeit bedinge natürlich auch die steigend« Unfall- und Er» krantungsziffer. Während die Ortskrankenziffer 3,90 Proz. beträgt, belauft sich der Krankheitsftand bei der Reichsbahn auf 5,51 Proz. Genosse Schumann ruft dos Berkehrsministerium auf, alles zu tun, um auf den gerügten Gebieten Derbefserungen herbeizuführen. Schließlich begründet Schumann«in« R e s o l u- t i o n. die die Reichsregierung ersucht, auf die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschast einzuwirken, daß die Reichsbahn ihren Verpflichtungen gegen die Pensionär« der Reich»- bahnarbeiicrpensionskasse durch Uebernahme de» Fehlbetrages in der Abteilung B erfüllt und die Pensionäre, die vor dem 1. Januar 1926 pensioniert worden sind, nicht weniger als die nach dem ZI. Dezember 1925 Pensionierten erhalten. Reichsjusti'z! Ein Jahr Gefängnis für eine falfthc Nachricht'. Leipzig. 15. Mörz.(Eigene Drahtbericht.) Am Dienstag hott« sich der verantwortliche Redakteur des kommunistischen„Ruhr- Echo" in Essen Willi Riegel wegen versuchten Lande«verrat» vor dem Reichsgericht zu verantworten. Da»„Ruhr-Echo" hatte am 17. Juli 1926 eine Notiz veröffentlicht, nach der das Deutsche Reich mit Genehmigung der Entente 17-Zentim«tcr° Geschützrohre sowie 40 000 Maschinengewehrläufe bei der Firma Krupp in Auftrag gegeben hatte. Es wurde gleich zeitig behauptet, daß die Firma Krupp den Auftrag des Essener Konsumvereins„Eintracht" zur Lieferung von 20 Kraftwagen ablehnt«. Ein als Zeuge geladener Direktor der Firma Krupp be» stritt, daß neue Maschinen zum Geschützbau aufgestellt wäre«. Richtig fei sedoch, daß im vorigen Jahre mit Genehmigung der Entente 9000 Gewehrläufe und 4000 Maschinen- g e w e h r l a u f e bei der Firma Krupp fabriziert worden sind. Der Reicheanwalt beantragte 13 Monate Zuchthaus. Das Urteil lautete auf 1 Jahr Gefängnis. Der Diking-Prozeß verkagt. Die Verhandlung vor dem Stootsgerichtshof zum Schutz der Republik wegcn des Verbot» von„Wiking" und„Olympia" ist vertagt worden. Die ursprünglich auf den 17. d. M. angesetzte Verhandlung wird voraussichtlich am 23. März beginnen. �iltagsmerkwürSigkeiten. Von Hubert Laskari. „Lauf doch nicht so schnell!" Kürzlich hatte ich dienstlich in einem Ministerium zu tun. Der Pförtner am Hciiptporkal nannte mir die Nummer des Anmelde» zimmers des Regieningvrats, mit dem ich eine Besprechung verab- redet hatte, und ich eilte über Treppen und Gänge nach dem be- zeichneten Zimmer. Niemond begegnete mir aus meinein verhältnismäßig langen Wege. Eine undurchdringliche Etill« lag in dem ge- wältigen Gebäude, und ich empfand allerhand Hochachtung vor der offenbar unheimlich angestrengten Arbeit, die hinter den zahlreichen verschlossenen Türen geleistet wurde. Das Anmeldezimmer war leer. Einige Augenblicke wartete ich und spähte dann, von einer leisen Unruhe gepackt, den langen Gang hinunter. Aber nirgends ließ sich ein Lotenmeisier blicken. Zu dumm, wenn man sich so beeilt hat und zu guter Letzt ohne eigenes Verschulden doch nicht pünktlich sein kann! Minuten uni Minuten vorrannen. Fast kam ich schon aus de» ketzerischen Gedanken, unan- gemeldet in das nebenan liegende Zimmer des Regierungsrats ein- zudringeu. Da tauchte am äußersten Ende des Gange« eine Gestalt auf. Ich erinnere mich nicht, jemals einen Menschen mit solcher fried- lichen Gemächlichkeit sich vorwärtsbewegen gesehen zu haben, wie diesen Botenmcister. Man konnte mit bloßem Auge überhaupt nicht erkennen, ob er näher kam. Ich stand wie aus Kohlen und trippelte nervös hin und her. Als der Mann endlich an inich herangekommen war, kroch gerade ein anderer Botenmcister mit einer Mappe die Treppe empor nach einem höhergelegenen Stockwerk. Der Mann aus dem Gange blieb stehen und rics seinen Kollegen an:„Mensch, lauf doch nicht so schnell!.Hast bn's so eilig?"—„O nein." war die Antwort,»ich habe Zettl" Dann latschte der vergnügt lächelnde Mann in das Anmelde- zimmer. Ich bat ihn, mich dem Regierungsrat zu melden. Er sah mich von oben bis unten an, macht« ein« große Kunstpause und bedeutete mir schließlich, daß er hier nicht zuständig sei. Aber sein Kollege müsl« ja jeden Augenblick kommen. Im Lause des Tages gelang es mir auch wirklich noch, den „zuständigen" Botemncistcr zu erwischen. Ich bin, weiß Gott, kein Freund von Diktatoren. Aber ein Diktator, wie ihn Jules Romains schildert, dessen erste Amtshand- lang als Minister die Einführung eines flotteren Dienstbetriebes ist, könnte, wie mir scheint, auch unseren hcheu und höchsten Behörden nicht schaden. „H o n n c t e s Himmelfahrt." Vor mir saß neulich im Theater der allwinterlich« Provinzbesuch eine» Berliner Herrn, eine ältliche Dame in rührend altmodischer ländlicher Aufmachung. Ihr Begleiter ließ ergeben ihren breiten Redestrom über sich ergehen— sie war, wie bald das ganze Parkett aus ihrem unbekümmerten Wortschwall hatte entnehmen können, die Schwiegermutter, die keinen Widerspruch duldete und alles bester wußte— und wagie nur manchmal halb verstohlen«inen bittenden Blick, wenn sie während der Aufführung allzu heitig hustete oder «ine laute Randbemerkung über die Worte aus der Bühne von sich gab. Sie tat sich sehr viel auf ihr literarisches Urteil zugute. Das Stück, das sie gerade sah, in dem Arbeiter eine Hauptrolle spielten, war natürlich scheußlich, und wurde von ihr mit Worten abgelehnt, die ich bereits im„Lokal-Anzeiger" gelesen zu haben glaubtt. Desto mehr schwärmte sie von der„Königin Luise", die ihr noch vom vorigen Winter her in unvergeßlicher Erinnerung geblieben war. Durch irgendeine Gesprächswendnng mar die Unterhaltung mit ihrem Schwiegersohn auf„Die heilige Johanna" gekommen.„Ach ja," meinte sie,„das ist auch ein sehr schönes Stück. Das habe ich schon vor ein paar Iahren im Kino gesehen." „Unmöglich!»Di« heilige Iohana" ist doch noch gar nicht ver- silint worden." „Aber natürlich! Besonders die Engel waren wundervoll." „Was für Engel?" „Ra. du weißt doch. Das ist doch die Geschichte von dem Mädel, das im Armenhaus« stirbt und in den Himmel kommt." Ein aristokratischer Filmdarsteller. Zweiundfünszig Generationen seiner Ahnen kann er laut Stammbaum nachweisen. Auf was für ein« ruhmreiche Vergangen« hsit seines Geschlechts muß er da zurückblicken können! Müssen seine ältesten Vorsahren nicht noch in Wäldern und Höhlen gehaust und mit Wotan und seinen Walküren auf du mid du gestanden hoben? Und dieser erlauchte Sproß des deutschen Uradels, der trotz seiner reinrassigen langen Ahnenreihe noch gar keine Spuren von Entartung zeigt, hat sich dem Berufe des Filmdarstellers zugewandt! Da werden ja olle teutonischen Aristokraten voll grimmer Entrüstung ob einer solchen unwürdigen Verleugnung des feudalen Standes- bewußtseins sein. Aber werden sie ihn nicht doch ein klein wenig um seine nachweisbaren zweiundfünszig Ahnen beneiden, den-- deutschen Schäferhund Rolf, der in mehreren neuen Fox-Filmen die Hauptrolle spiest? „Zunge Dichker." Ernest ine Münch heim, die im Orgel- saal des Antiquitätenhauses A. Wcrtheim einen Vortragsnach- mittag.Lunge Dichter" gab, ist eine gut« Prosasprecherin. In den Abschnitten aus Ratzel Sanzaras schicksalsschwerein Roman„Das verlorene Kind" spürte man das stark« seelisch« Mitschwingen der Vortragenden, der es weniger darauf ankam, eine künstlerisch« als «ine menschliche, mütterlich« Ausdeuterin des Werkes zu sein. Leider wurde dieselbe Absicht den Gedichten verhängnisvoll. Frau Münch- heim verfiel bisweilen in einen geradezu peinlich gütigen alt?« Tantenton. Ganz schlimm wirst« in dieser Uebers'entimentaliiät Arthur Eilbergleils ohnehin reichlich sentimental zerfließende.Alt« Stadt". Dock auch zu Werken von Zuckmayer, Artur Neumann und Birkenfelo fand die Vortragend« selten das rechte Verhältnis. Es schien, daß der Wunich, jungen Dichtern(die es gewiß verdienen) förderlich zu fein, Frau Münchhcim verführt hatte, Werke zu sprechen, die ihrer Erlebniswelt fremd waren. Rur einige wenig« Gedichte erinnerten daran, daß es sich bei diesem Lortragsnachmittag um eine vsfentliche Veranstastung und nicht um einen freundlichen Familien- tee handelte. T e». Das billige Holzhaus. Ein außerordentlich interessantes Beispiel über die Wirkung der Rationalisierung ans die Warenpreise in Amerika berichtete dieser Tage Stadlbaurat E. May. Ein amerika- nischer Grundbesitzer, der über eigenes Holz verfügte, wollt« sich in seinem entlegenen Orte ein Holzhaus bauen lasten von der Art. wie sie in amerikanischen Warenhäusern fertig zum Verkauf angeboten werden. Er ließ von den einheimischen Handwerkern die Her- stellungskasten auekalkulieren. Obwohl dgs Holz für den Selbstbau keinen Pfennig gekostet hotte, stellte sich doch heraus, daß das Haus in fertigem Zustande aus dem Warenhause von New Port bezogen. noch um ein Fünftel billiger wurde, al» wenn es der Besitzer au» seinen eigenen Holzbeftänden hätte herstellen lassen! Die Oraani» scm cm der Arbeit und der Technik ist eben bei der Maflenherslellung von fertigen Holzhäusern soweit gediehen, daß der Rohstofsprei» und die erheblichen Transportkosten dabei keine Rolle mehr spielen. auch nicht die hohen Arbeitslöhne, die der Fabrikant seinen Arbeitern zu zahlen hat.— Die Amerikaner liesern derartig rationalisierte Ware eben billig, worin sie sich freilich von den deutschen Unter- nehmen, noch heut« vorteilhaft unterscheiden. 75 Stunden künstliche Atmung. Ein ZSsähriger Ehicagver Verkäufer, Albert Frick, ist der Gegenstand eines Bersuche» geworden, den amerikanische Aerzte für ein« der erstaunlichste« Leistungen in der Geschichte der Heilkunst erklären. Man hat ihn mehr als 75 Stunden durch künstliche Atmung am Leb«, erhalten. Frick wurde an einem Sonnabend mit einer schweren Grippe ein« geliefert, die bereits eine Lähmung der inneren Organe hervor- prüfen halle. Als am Sonntag die Atmung aushärte, leitete der behandelnd« Arzt sofort tünstliche Atmung ein. und 25 Kollegen Fricke arbeiteten ununterbrochen, indem sie sich all« 15 Minuten ablösten, Tag und Nacht, um die künstlichen Atmung-bewegungen an ihm durchzuführen. Je zwei waren immer 15 Minuten an ihm beschäftigt. Aus diese Weise wurde die Atmung mehr als 75 Stunden durchgeführt. Während der ersten beiden Tage mußte Frick künst- sich ernährt werden: dann aber erholten sich die Schling- und Ver- dauungsorgane von der Lähmung, und der Krank« konnte Nahrung zu sich nehmen. Man hofft, ihn auf diese Weise am Leben zu erhallen._ Der Vrasvstveiskovst,» in RnßUnt» hat sich während der letzten Renale seit Einsührunn eine» hachprozeutigcn Schnapses sehr ftark�cbeben. JX« den letzten drei Monaten wurden tu Rußland SOO Millionen lllufiel für Branntwein ausgegeben, was gegen di« gleiche Periode de« Vorjahre« eine Steigerung um IIS Proz. bedeutet. In dieser Zahl ist d«»ou den Bauern jclbst hergestMe Branntwein nicht einbcgriffcu. Streikrecht und Arbeitslosenversicherung. Protest gegen die bürgerlichen Vorschläge. Im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags er- fuhr gestern Dienstag die Regierungsvorlage der Arbeitslosen- Versicherung in den Vorschriften über die Erfüllung der Anwart- schaftszcit gemäß den sozialdemokratischen Anträgen wesentlich« Ver- besserungen. Im Anschluß an die Ausführungen der Abgeordneten G r o t e w o h l(Soz.) und Luise Schroeder(©05.) wurde beschlossen. die Erfüllung der Anwartschaftszeit zu erleichtern, wenn der Arbeitslose sich in einem geregellen Ausbildungsgange zu Be- rufsumschulung oder Fortbildung befunden hat. Ferner wurde dem Krankheitsfälle die zeitweise Arbeitsunfähigkeit durch Schwan- gerschaft gleichgestellt. Der sozialdemokratische Antrag, die An- wartschaftszeit von LS auf lS Wochen zu verkürzen, wurde von den bürgerlichen Parteien abgelehnt. Dann legten die Regierungsparteien ein« neue Fassung zu Z 57 vor, der sich auf den Entzug der Arbcitslosenunterstügung bei direkter oder indirekter Aussperrung oder bei Streik bezieht. Ab- geordneter Graßmann(Soz.) wies die Unmöglichkeit auch dieser neuen Fassung in einer außerordentlich eindrucksvollen Rede nach. Seins Darlegungen über dos Unsittliche des Streik- b r e ch c r t u m s. das bei der geplanten Fassung gezüchtet werden würde, übten auf den gesamten Ausschuß eine solch starke Wirkung aus, daß der neu« Vorschlag wahrscheinlich zurückgezogen wird. Mittlere Seamte in öer Rechtsprechung. Ei« sozialdemokratischer Antrag. Der Bund Deutscher Iustizomtmänner hat den Reichstag neuerdings in einer Eingabe gebeten, die mittleren Iu- stizbeamten zur Wahrnehmung der Termine im Gütevcrsah- ren zuzulassen und ihnen die Ermächtigung zum Erlaß von Ler- säumnisurteilen zu erteilen, falls sich im Güteverfahren das Vor- liegen der Vorausseßungen für ihre Verkündung ergibt. Beide Arten von Geschäften sind bisher den gelehrten Richtern vorbehallen. Der Berichterstatter Abg. Landsberg(Soz.) stand der Petition, über die am Dienstag im Rechtsausschuß beraten wurde, wohl- wollend gegenüber. Er verwies u. a. darauf, daß die mittleren Iustizbeamtev, unter denen viele hochqualifizierte Kräfte seien, auf dem Gebiete des Mieterschuggesetzes zur Mitwirkung im Güteoerjahren berufen und für den Erlaß von Aahlungsbesehlen, die sich von Versäumnisurteilen doch nicht unterscbieden, zuständig seien. Sein Antrag ging dahin, die Petition der Reichsregieruna als Material zu überweisen. Ihm traten der deutschnatiouale Abg. Dr. L o h m a n n und der Kommunist Dr. Rosenberg entgegen. Der erster« führt« reichlich dünkelhaft aus, die Äitung des Sühne- termins im Güteversahren erfordere die volle tatsächliche und recht- liche Beherrschung des Stosfes! dafür seien die mittleren Iustizbeam- icn nun einmal nicht vorgebildet. Die Gründe, aus denen Herr Rosenberg sich für die Ausrechterhaltung eines Monopols der Beruisrichter einsetzte, waren, obwohl er sie vortrug, nicht verständlich. Beide Redner forderten, daß man über die Petition zur Tagesordnung übergehe._ Die Thüringer Regierungskrise. Doch noch große Koalition? Weimar, 15. März.(Eig. Drahtb.) Aus den Verhandlungen zwischen dem volksparteilichen Unterhändler und dem Vorsitzenden der Sozialdemokratie zur Regierungsbildung ist bemerkenswert, daß der Dolksparteiler erklärte, seine Partei, die Wirtschaftspariei und der Landbund wären einer Koalition mit den Sozialdemokraten nicht abgeneigt. Dies« Aufasiung muß schon deshalb verwundern, als der Landbund vor wenigen Tagen offiziell durch seinen Führer als Verhondlungsziel der bürgerlichen Parteien«in« nichtmarxistische Regierung bezeichnet«. Der Nationalsozialist D i n t« r hat inzwischen der Oeffenllichkest mltgeteill. daß jede von„Marxisten" besetzte oder unterstützte Re» gierung seiner und seines Freundes im Parlament Feindschaft sicher sein könnte. Nur einer bürgerlichen Regierung, wenn nicht anders, so auch mit Einschluß der Demokraten, sagte er wohlwollende Unterstützung zu unter der Voraussetzung, daß die Redeerlaub- nis fürchitler nicht wieder aufgehoben werden dürfe. Zastbisien-Jusiiz gegen Stlöer. Ein deutscher Journalist in Italien eingesperrt. Genua, 15.. März.(WTB.) Im Verfahren gegen den deutschen Journalisten Karl Delius, Korrespondent der„Berliner Illustrierten Zeitung", der unter der Anschuldigung oerhastet worden war, daß er seiner Zeitung Bilder und Artikel übersandt habe, die ein- Herabsetzung Italiens darstellten, ist gestern das Urteil gefällt worden. Das Strafgericht verurteilte Delius wegen Ver- stoßos gegen das Gesetz zum Schutze des Staates zu 30 Tagen Gefängnis und Tragung der Prozeßkosten. Von der Anklage der Aufreizung zum Klassenhoh wurde Delius freigesprochen. e» Di« Verurteilung ist erfolgt wegen photographischer Auf- nahmen aus den Schwefelgrubsn Siziliens und wegen des Textes, den Delius dazu geschrieben hatte und worin er sagt«, daß trotz aller Versprechungen die Arbeiter der Schwefel- gruben heute unter der faschistischen Herrschaft noch schlechter daran sind ol» früher. Wir Sozialisten erinnern uns dabei, daß schon vor Jahrzehnten der damalige italienisch-sozialistische Führer de F e l i c e in einer Aussehen erregenden Schrift die fürchterlichste Ausbeu- tung der Schwefelgrubenarbeiter geschildert hat. Dos Urteil gegen Delius wird damit begründet, daß er das„An- sehen Italiens geschädigt" habe. Als vor drei Monaten ein Gesetz zur Verteidigung des faschistischen Regimes gemacht wurde, hat auf Einschrellen der ausländischen Journalisten in Rom der Justiz- minister Roppa, sogar in einem Schreiben, ausdrücklich erklärt, daß das Gesetz auf Ausländer nicht angewendet werden solle. Wahrscheinlich hat man zur Verurteilung da» neueste Fa- schistengesetz„Zur Verteidigung der öffentlichen Ordnung" heran- gezogen. Sofort beim Bekanntwerden der Verfolgung Delius' hat die deutsche Botschaft die Ausmerksamkell der italienischen Regierung daraus gelenkt, daß hier eine schwere Beeinträchtigung der Auslandsberichterstattung und ihrer Träger ver- sucht werde. Der Senokspräsidenl von Celltand, Tschaksle, ist im Aller von 6? Iahren nach längerem Leiden einer Herzschwäche erlegen. Tschakste. ein aller Vorkämpfer der Unabhängigkeit Lettlands, wurde im Jahre 1918 zum Vorsitzenden des lettischen Lolksrates und dann vom ersten lettischen Parlament zum Staatspräsidenten gewähll. 1925 erfolgte sein« Wiederwahl. Riesenprozeß gegen Henry Jord. In Detroit begann ein Riesen- prozeß gegen Henry Ford, der von dem Chicagoer Rechtsanwalt Sapiro auf eine Million Dollar Schadenersatz verklagt worden ist. Die Zeitschrist Fords„The Deorborn Jndepcndent" hatte In 20 Ar- titeln Sapiro vorgeworfen, daß Sapiro die Farmer�tlfsorganifa- tion geschaffen hob«, um jüdischen Finanzinteressen zu dienen. Die Artikel sprachen von �Iudenbande".«Jüdische» Anreißet«" usw. Wilhelms /lmazonenheer. Deutschnationale Osterspaziergänge nach Doorn. Alljährlich zu Ostern empfindet Wilhelm derChemaligc eine oerzehrende Sehnsucht danach, deutsch« Männer, deutsche Frauen um sich zu sehen und seine Firma sozusagen in empfehlende Erinnerung zu bringen. Darum ergehen von..Haus Doorn" um diese Zeit stets Einladungsschreiben an ungesähr 20—25 sorgfältig gesiebte, garantiert kaisertreue Leute, denen der Schloß- Herr von Doorn in altbekannter Redelust dann die Welllag« erklärt, damit sie wissen, mit welchem Futter sie im kommenden Jahr ihre Echäflein und Hammel zu mästen haben. Diese Propagandatätigkeit des Hauses Doorn spielt sich be- greiflicherweise unter Ausschluß der breiten Ocffentlichkeit ab, und auch in den Blättern der nunmehr„versasiungstrcu" gewordenen Dcutschnationolen wird man kaum einen wahrheitsgemäßen Bericht über diese unter ihrer Aegid« entfaltete Propaganda finden. Nur selten gelingt es Außenstehenden, hier einmal hinter die Kulisse zu sehe». Jetzt hielt am Dienstag in der deutschnationalen Frauongruppe der Arbeitsgemeinschaft Luisenstadt Nord, Mitte und Jonnowitz- brücke Stadtverordnete Frau Ulbrich im„Fürftenhos", Köpenicker Straße 137, einen Vortrag über ihren„Besuch im Hause Doorn", und es ist interessant, wie diese im amilichen Stadt- verordnetenoerzeichnis als.Heimarbeiterin" bezeichnete Dame hier die„verfosiungstteue" Maske fallen ließ,„Alle Jahre mindestens einmal." so erzählte sie,„lade der Kaiser aus den Kreisen der Bismarckbündler. der evangelischen Arbeiterbe- w« g u n g und der deutschnationalen Partei Personen zu sich, um die Fühlung mit Seinem Volke nicht zu verliercn. Denn es sei immer wieder notwendig, dem deutschen Volke ins Gedächt- ms zu rufen, wie groß das Verbrechen der November- tage gewesen sei, und wie der so oft mißdeutete„Uebertritt" des Kaisers nach Holland doch nur ein Opfer fei, da« der Herrscher gebrocht habe, um dem deutschen Volke noch größere Schmach zu ersparen— denn zweifellos hätten die„roten Machthaber" ihn sonst auf Verlangen der Entente ausgeliefert, und diese Schmach hätte sich nie vom deutschen Namen abwaschen lassen. Noch der Dersailler Vertrag hätte ursprünglich«ine Klausel über die Aus- lieserung des Kaisers enthalten, und die Kunde davon und daß zum zukünftigen Exil ihres teuren Gatten ein« westindische Insel mit mörderischem ZAima bestimmt sei, habe„der Kaiserin das Herz gebrochen."— Der Kaiser habe sich gottseidank infolg« der schweren Erfahrun- gen des Wellkrieges gewandell und geläulert, und nach seine» eigenen Worten sei es ihm jetzt klar, daß die Frei. maurer und die internationalen Juden den Krieg e»t- fesselt hätten— ein« Genugtuung für jedes völlische Herz, dos früher schmerzbewegt gesehen habe, wie oft es der Kaiser an der nötigen Distanz gegen diese Kreise habe fehlen lassen!— Am zweiten Ostertage hätte, so erzählte Frau Ulbrich weller, der Kaiser in einer erschütternden Predigt sein Schicksal mit dem des Gerichts des Pontius Pilatus über Christus verglichen: denn jo wie auch Ponttus Pilatus nicht aus sich heraus Christus angeschuldigt habe, so sei auch dos deutsche Volt nur den Ein- flüfterungen der Fremdlinge erlegen. Und wenn man vom deutschen Proletarlgt spreche, das die Novemberrevolution auf dem Gewissen habe, so sei das eine infame Lüge, denn der deutsche Arbeiter sei kein Proletarier, und er, der Kaiser, an der Stelle eines deutschen Arbeiters, würde jeden, der ihn so tituliere, links und rechts ins Gesicht schlagen! Ob mit dem Titel„Proletarier" durch dieses Rezept auch die Not zu beseitigen sei, verriet der Schloßherr von Doorn freilich nicht. Cr hat auch. wie die.Heimarbeiterin,, Ulbrich bezeugt, genug mit seiner eigenen „Not" zu tun, denn in der schlimmen Zeit, als er für seine groß« Familie nur 5 9099 Mk. Monotsrente erhalten Hot, mußte er sogar eine Wiese seines Parkes verkaufen! Im übrigen überließ es Wilhelm meist seinen Lakaien und Dienern, seinen„Gästen" Gesellschaft zu leisten, ober schon die zwei Andachten und die sehr kurzen„Audienzen" hatten genügt, den Busen der Frau Stadtverordneten Ulbrich rand- voll mit Begeisterung zu füllen, so daß sie zum Schluß in die zündenden Worte ausbrach:„So Helsen Sie. liebe deutsche Zraueu, alle mii zur Erreichung des herrlichsten Zieles— die Iran spricht ja oft noch, wenn Männer schweigen müssen!— damit wir bald sagen können: Ann ist sie überwunden» die taiserlose, die schreck- liche Zeil!" Eine Diskussion fand natürlich nicht statt, doch hiell es die Vor- sitzende, Frau Walch, noch für erforderlich, die„wertvollen An» regungen" der Vortragenden durch das Versprechen zu er- ganzen:„das undankbare Zudenoolk, das nur den Hohenzoller» seine Freiheit verdanke, habe zwar den deutscheu Saiserlhro« gestürzt, ober die deutschen Frauen würden ihn wieder«richten— und mit Gottes gnädiger Hilse werde ihnen das große Merk gelingen!"—- Sensationchen im wilms-prozeß. Angeklagte und Zeugen mit schlechtem Gedächtnis. Di« Spannung im Fememordprozeß W i l m s hat am vierten Tage noch nicht nachgelassen. Selbst die Zahl der Regierungsver- treter hat zugenommen. Die Gerichtsverhandlung wird immer wieder von neuen Sensationen und Sensatiönchen durchbrochen. Man merkt es im Gcrichtsfaal. daß die Zeit der Schwarzen Reichswehr in gewissen Kreisen junger Leute heute noch stark nachwirkt. Die Arbettskommandos waren eben die Hoffnung der völkischen Putschisten: Buchrucker hat es gestern vorzüglich zum Dusdruck gebracht: „sie haben nur gewartet, um den ganzen Sau laden zusammen- zuschlagen". Und die zahlreichen jungen Leute, die durch die Arbeitskommandos gegangen sind, verfolgen mit größtem Interesse den Verlaus des Fememordprozesses. Da ist es kein Wunder, daß heute plötzllch«in neuer Zeuge erschien, der auch etwas über den Fememord- prozeß Wilms erzählen tonnte. Es ist nicht wahr, daß die jungen Menschen, wie dies die Angeklagten darstellen wollen, aus purem Idealismus in die Arbeitskommandos gegangen sind: zu fressen hatten sie nichts. Und die seelische und materiell« Not dieser jungen Leute haben Oberleutnant Schulz und die Seinigen in der schlimmsten Weise mißbraucht. Eigenartig« Zeugen �ind das. Während der Untersuchung hat ihr Gedächtnis vorzuglich funktioniert, jetzt versagt es. Im Gerichissaal, da sie plötzlich vor ihren früheren Lorgesetzten stehen, erhäll die militärisch? Suggestion Gewall über sie. Sie reden die Angeklagten an:„Jawohl, Herr Oberleutnant", und schlagen die Hacken zusammen. Der eine oder der ander« ist auch der Ansicht, daß noch immer alle zusammenhalten müssen. Unter den Angeklagten ist es Dudzinski, dem das Gedächtnis nach immer versagt. Um diesem nachzuhelfen und den Beweis zu erdringen, daß Oberleutnant Budzinfki in den Iulitagen des Jahres 1923, als Wilms in die ihm unterstellte Zitadell« Spandau gebracht wurde, noch nicht auf Urlaub gegangen sein konnte, legt der Staatsanwalt gestern«in polizeilich«« Protokoll über eine Vernehmung Budzinskis vor, die eine angeblich« Spionage- fache eines gewissen Esser zum Gegenstand hatte. Dieser Esser hatte sich an der Havelbrücke plötzlich von seinen Legleitern, unter denen sich auch der Angeklagt« U m h o s« r befand, losge- rissen, und ssch mii den Worten: ,�)ilf«, man will mich hier ver- hauen" unter den Schutz der Polizei begeben— ganz so. wie es seinerzeit der später ermordete Pannter gemocht hat. Der Angeklagte Budzinfki macht dazu die bedeutsame Erklärung, daß er den Hauptmann Kainer um Rat gefragt habe, was er in dieser Sache bei der Polizei aussagen sollte und den Bescheid er- hallen habe, daß er über innere Dienstangelegenheiten nicht» aussagen dürfe. Der Zeuge Zimmermann, der frühere Bursche des Leutnants v. Poser, hat in der Voruntersuchung diesen Angeklagten schwer be- lastet. U. a. hatte er damals erzählt, daß bei einer Auseinander- setzung zwischen v. Poser und dem Feldwebel Polz, dem Nachfolger Wilms, dieser zu jenem gesagt habe. „Sie wollen es mit mir wohl genau so machen, wie mit wilms." Vorsitzender(zum Zeugen Polz): Wie kamen Sie zu dieser Aeußerung? Zeuge Polz: Es gingen doch damals allerlei Gerüchte über das Verschwinden von Wims: ich wollte ober damit nicht sagen, daß v. Poser an diesem Verschwinden die Schuld trage. v«r Zeuge Zimmermann bestätigt auch, daß es Fahlbusch war. der zusammen mit Wilms nach Rathenow gekommen fei. Uebrigens war «r es. dieser Zeuge, der auf den Befehl v. Poser seine Dienstpistole dem Wilms gebrocht hatte, bevor er sein« Fahrt mit Klopprorh, Düsching und Fahlbusch antrat. Zimmermann behauptet auch, daß der Unteroffizier Roepke nach der Aufsindung der Leiche von Wilms geäußert habe, daß dieser im Auto erschossen worden sei. Der Zeug« Roepke war es übrigens, dem Fuhrmann seine Mittäterschaft an der Ermordung gebeichtet hoben sollte. Es folgen nun ein« Reihe von Zeugen, dl« darüber bekunden sollen, ob dos Kompagniefest, das der Angeklagt« Fuhrmann seiner Mannschaft gegeben haben will, wirklich am Mordtoge statt- gefunden hat. Der Kaufmann Mater, früher Wachtmeister bem, dritten Retterregiment in Rathenow, hat an einem Mittwoch- abend mit mehrere» Freunden eine Zecher« von acht bis zehn Leute» aus einem Arbeitskommando mit angesehen. Auch die Angeklagten Fuhrmann und Klavproth sollen dabei gewesen sein. Der Zeuge Bsdenga, der zu dem Trupp des Oberleutnants Fuhrmann gehörte, will wissen, daß Fuhrmann, der vom Oberleutnant v. Poser schon abgelöst worden war, noch etwa acht Tag« lang in Rathenow geblieben sei. Er kann ssch nicht mehr dessen entsinnen, daß Klapproth bei dem Abschiedsfest der Kompagnie an» wesend gewesen war: dagegen entsinnt er sich genau, daß der An- geklagte Fuhrmann bis zu d«n frühen Morgenstunden da geblieben war und dann mit einem Auta dooongeiabre.n ist. In der B o r u n t e r s u ch.u n g hatte der Zeuge mehr g e. wüßt. So konnte er z. B. sich damals an die Anwesenheit Klapp» roihs und auch zweier anderer erinnern, die aus Berlin g e- kommen waren und den Wagen in die Neu« Welt mitgebrocht hatten. Der Zeug« Vittrich belastet durch sein« Aussage schwer den Angeklagten Fuhrmann: er war eines Abends mit seinem Motorrad zu einem Kompagniefest in die Neue Welt tzekommen. Fuhrmann habe ihm das Rad abgenommen und fei für einige Zeit weggefahren. v Poser hotte nämlich behauptet, daß Fuhrmann auf einem Motorrad dem von Schulz versprochenen Auto entgegengefahren sei. Der Zeuge Bittrich bestätigt. daß Fuhrmann wirklich mit Umhofcr, Klapproth und Fohlbusch, die mit einem braunlackiertem Anto eingetroffen waren, zurückgekehrt sei. Auch dieser Zeug« will wissen, daß Fuhrmann in den frühen Morgenstunden mit einem Mädchen im Auto weggesahren sei. Ein« Sensation bedeuten die Aussogen des Zeugen Becker. Auch seine Erinnerung muß aus Grund der Voruntersuchung aufge» frischt werden. Nach dem Verschwinden Wilms habe ihm Vüschtng aus sein« Frage erklärt, wilms habe einen Auftrag,„von dem er sobald nicht wieder kommen" würde, und etwas später habe er noch hinzugefügt,„das Konto ist wieder um einsgestiegen". Ein« noch größere Sensation brachte aber der nächste Zeuge, der-Student Lorenz aus Flensburg. Seinerzeit gehörte auch er dem Arbeitstommando auf der Spandauer Zitadelle an. Dieser Zeuge ist früher nicht vernomwen worden. Er hat sich aber, am Sonntag bei dem Iustizrat Hahn gemeldet und erklärt, daß er wichtig« Bekundungen machen könne. Er habe im Zubörerroum gesessen und sich nun zur Aussage entschlossen. Und wirklich, feine Aussage Ist nicht uninteressant. Der Zeuge war mit Lüsching befreundet: eines Tages, kurz vor der Auflösung der Arbeitskommando« hon» tierte dieser mtt einer kleinen schwarzen Pistole. Aus die Frage. woher er diese Waffe habe, erwiderte Lüsching:„Das ist ein« üble Geschichte. fie gehörte einem Manne, den ich erschösse» habe. Es war ein Halunke, der in Döberitz einen Soldat«nrat bilden wollt». Zuerst wollten wir ihn mit Fahlbusch verhauen, dann entschlossen wir uns, ihn zu töten. Wir unternahmen eine Autofahrt, Fahlbusch steuerte den Wagen, ich und der� Feldwebel sahen hinten. Plötzlich zog dieser eine Pistole und hielt sie mir mit den Worten vor„Ich weiß schon, was Ihr wollt, laßt mich aussteigen." Da entriß ich ihm die Waste und erschoß ihn damit: die Leiche warfen wir in die Havel." Der Vorsitzende und der Staatsanwalt interessieren sich, weshalb der Zeuge trotz der vielen Säulenanschlöge bis jetzt geschwiegen habe.„Ich habe ja gar nicht gewußt, daß es sich um Wilms handelte. Als ich aber jetzt vom Zu- hörerroum aus die Schilderung des Sackzverhaltes hörte, kam ich erst darauf, daß es Wilms gewesen sein mußte."— Di« Bedeutung dieser Aussage wird verständlich, wenn man bedenkt, daß Fahlbusch und Lüsching die einzigen sind, deren Aufenthalt unbekannt ist. Der Zeuge Zimmermann be- stätigt, daß Wilms einen kleinen Revolver besessen hatte. Belastend ist für den Angeklagten v. P o s e r auch die Aussage des Handlungsgehilfen Riebe aus AUdamm. Er hatte in der Vor- Untersuchung bekundet, daß er und andere nach dem Verschwinden von Wilms an den Angeklagten Poser herangetreten sei und ihn ge- beten hätte, festzustellen, ob der Verschwundene mit der auf« gefundenen Seiche identisch sei. Poser habe ihm aber erklärt,«r habe die Leiche schon gesehen und könne sagen, daß es sich nicht um Vilms handle. Der Zeuge will sich dieser Aussag« nicht mehr entsinnen. Eigenartig« Zeugen sind das! Der Kampf um öen /lchtstunöentag. Kundgebung der Berliner Betriebs- und Gewerkschaftsfunktionäre. Vor den Berliner Betriebs- und Gewerkschaftsfunktionären htelt Gen.!ll u f h ä u s e r gestern in den Musiker-sfestsälen einen Vortrag über den Kampf um den Achtstundentag. Aushäufer führte aus: In den letzten Wochen ist innerhalb der bürgerlichen Parteien und deren Presse eine Diskussion entbrannt, über die Vertretung der Arbeiterinteresscn durch die bürgerlichen Parteien. Es scheim beinahe, als ob die Arbeitsrvertreter in den bürgerlichen Parteien ver- suchten, in letzter Stunde ihren Anhängern gut zuzureden, um eine wei.ere Feinr-schoft zwischen Arbeiterfchakt und Unternehmerschaft nicht aufkommen?u lassen. Die bürgerlichen Parteien haben allen Anlaß, zu versuchen, ihre Arbeiterwähler zu hallen. Es würde aber naiv fein, den bürgerlichen Parteien zuzureden, denn die jetzige Ne. gierung ist zu dem Zweck eingesetzt, o n t i s o z i a l zu wirken. Bei den Regierungsverhnndlungen ist viel über die Staats- form und Außenpolitik geredet worden. Die tieferen Ursachen zur Bildung dieser Regierung ist der wirtschaftliche Kampf, ist die Auseinandersetzung zwischen Aibeiter und Unternehmer. Es waren wichtige Z.ele für die Deutschnationalen, oll das abzu- schwöien, was ihnen bisher heilig gewesen ist, es galt bei dem Aufbau der Wirtschaft mit der Regierung! gewatt die Macht in der Hand zu haben. Die Regierung des Bürgerblocks ist gebildet worden, zu ent. scheiden, soweit es galt ob durch die Rationalisierung ein gesteigerter Prozentsatz an der Mehrproduktion auch dem A r be i t e r zugute kommen soll. Es ist nicht die Krise, sondern die Umstellung, die heute den starken Anreiz gegeben hat. eine Regierung gegen die Arbeiterschaft zu bilden. Die Rationalisierung ist begleitet, so abnorm es klingt. vom Zehnstundentag und ltohnoruck. Niemand, vor allem die Arbeiteischasl nicht, wiid eine richtige, vernunftgemäße Ratio- nalisierung ablehnen. Auch in der sozialistischen Wirtschaft müßte der größte Nutzesfett herausgeholt werden. Der Ertrag aus ver- besfeiter Produktion muß aber auch dem ArbeUer zugute kommen. Die Produktion ist gesteigert, die Arbeitslosigkeit vergrößert worden, so daß durch die Schwächung der Kaufkraft die Spannung zwischen Vorrat und Absatzmöglichkeit erheblich vergrößert ist. Di« steigenden Aktien, die Flüssigkeit des Geldmarktes beweisen uns, daß ander« Ursachen als Arbeitsmangel den Massennotstand gebracht haben. Die Rationalisierung ist verbunden mit verlängerter Arbeitszeit. Heute werden !l eberstunden geleistet wie nie vorher. Di« Statistiken der Gewerkschaften ergeben, daß 98 Prozent in der Textitindustrie und 88 Prozent in der Metallindustrie B«. schäftigte mehr arbeiten als acht Stunden.- Im Bergbau werden wöchentlich bis zu 32 Ueberstunden geieistei, die Arbeitszeit beträgt dort 63 Stunden in der Woche und ist schon, wie ein Beispiel aus Essen zeigte, bis auf 72 Stunden gestiegen. Die Maschinen, und Metallindustrie allein könnte heute 19 999 Arbeiter mehr beschästigen, wenn die Ueberstunden in Wegfall kämen. Mir der Rationalisierung ist die Produktionssteigerung o u f Kosten der Arbeiter vorgenommen. Im Bergbau betrug die tägliche Förderung 1913, die Arbeitsleistung, pro Mann und Schicht 934 Kilogramm, im November 1926 ist diese Arbeitsleistung aus 1145 Kilogramm gesteigert worden. In der A u g u st- T h y s f« n- Hütt« Hamborn ist laut Geschäftsbericht die Rohslahlerzcugung bei gleicher Bclegschast um 75 Prozent gesteigert. In den Hochöfen betrug die Gesamterzeugung am 25. September 1925 785 999 Tonnen und tm August 1926 859 999 Tonnen, also 16 Prozent Produktionssteigerung trotz Rückgang der Beleg- s ch a s i s z i s s e r von 21 999 auf 17 009. Trotz ungeheurer Ersparnis, trotz Verbilligung der Produktions- kosten ist keine Verbilligung der Preise eingetreten. Das Institut für Konjunkturforschung hat festgestellt, daß durch die Massenarbeitslosigkeit vier Milliarden Arbeitsstunden verloren gegangen sind. Der Kampf um den Achtstundentag ist nicht zu trennen vom Arbeitslofenproblem und von der Lohn» frag«. Die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie haben ver. sucht, durch die Gesetzgebung einen Arbeitsschutz zu gewährleisten. Bisher sinb die Folterungen der Gewerkschaften unberücksichtigt geblieben, da die Regierung den berechtigten Bedürfnissen der Wirtschaft weitgehend entgegenkommt. Aus dem Arbeitsschutz ist ein»W i r ts cha s t s j ch u tz" geworden. Die Vorschriften sollen den strengen Grundsatz des Achtstundentages mit den wechselnden Ansordeiungen der„Wirtschaft" in Einkloirg, bringen. Der Kampf um den Achtstundentag ist zu einer Lebenssiage der deutschen Arbeiterschaft geworden. Die Parteien und die Gewerkschaften werden die Versuche fortsetzen, durch die Gesetzgebung die Arbeiiszeitfrage zu regeln. Wir geben uns dabei aber kein'n Illusionen hin. Die Ent- s ch e i d u n g über die Arbeitszeit sällt draußen auf dem Lande in den Kämpfen der einzelnen Gewerkschaften. Pier Millionen Arbeiter st ehe n augenblicklich im Toriskamps und in diesem Kamps wird sich zeigen müssen, wie weit eine Regelung der Arbeitszeit möglich sein wird. �Lebhafter Beifall.) Nach kurzer Diskussion im Sinne der Ausführungen des Refe- renken und einem Schlußwort des Genossen Aushäufer schloß der Vorsitzende, Genosse Holz, die vom besten Kampfgeist getragene Kundgebung. Tarif kämpf in öer sächsischen Metallinöuttrie. Dresden, 15. März.(Eigener Drahtbericht.) Bei den Der- Handlungen mit dem sächsischen Metallinduslriellenverband ist eine Einigung über die Arbeitszeit bisher nicht erzielt worden. Die Verhandlungen werden im Laufe dieser Woche s o r t g e s e h t. Die Verhandlungen mU dem Arbeitgeberschuhverband haben zu einem Ergebnis geführt. Danach betrögt d i e wöchentliche Arbeitszeit 4L Stunden. Die Betriebe, in denen die Arbeitszeit mehr als 48 Stunden beträgt, müssen ihre Arbeitszeit aus die vereinbarte Stundenzahl herabsehen. Die erste lleberstnnde, die über die vereinbarte Arbeitszeit hinausge- leistet wird, wird mit 10 Proz. Zuschlag, die zweite lleberstnnde mit 30 Proz. Ueberstundenzuschlag errechnet. Die Akkordverdienst. bestimmungen haben Verbesserungen erfahren. In der Zerlensrage hat man sich ans sechs Tage geeinigt. Die Be- Zahlung der Ferien geschieht in der weise, daß die Lohnarbeiter ihre vereinbarten Stundenlöhne, die Akkordarbeiter ihren Grund- akkordlohn plus 10 Pro;, erhalten. Die Stunden- und Akkordlöhne werden vom 24. März ab um 10 Pro z. erhöht. Die Vertragsbestimmungen treten am 1. April in krast. Die Ergebnisse sind aus Grund sreier Verhandlungen erzielt worden. Es wäre nur Im Interesse der Metallindustrie zu wünschen, daß auch zwischen dem Melalllndustriellenverband und den Metallarbeitern ein Ergebnis bald erzielt wird. Schieösfpritch in Mittelüeutsihlanö. halle. 15. März.(WTB.) Gestern wurde nach achtstündiger Der- Handlung des Halleschen Schlichtungsausschusses über die Arbeitszeit für die Betriebe der mitteldeutschen Verbände der Metallindustriellen (Anhast sowie die Regierungsbezirke Merseburg und Magdeburg umfassend) ein Schiedsspruch gefällt, wonach die Arbestszeit, die grundsätzlich 48 Stunden beiragen soll, im Benehmen mst der Betriebsvertrctung bis zu 52 Stunden wöchentlich verlängert werden kann, und zwar ist die 49, 59. und 51 Stunde mit 19 Proz. Zu- schlag, die 52 Stunde mit 15 Proz. Zuschlag zu bezahlen. Der Manteltarif wird derart verlängert, daß er erstmalig am 31. März 1928 mit sechswöchiger Frist gekündigt werden kann. Die Republik als Unternehmer. Wie die Staatsarbeiter bezahlt werden. Dom Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter wird uns geschrieben: „Wenn es uns nicht gelingt, der deutschen Arbeiterschaft die Liebe, zur Republik beizubringen, dann ist Deutschland verloren!" An diese Worte des ehemaligen Reichskanzlers Dr. W r r t h wird man in diesen Tagen, wo die Lohntarise der Reichs- und Staatsarbeiter gekündigt worden sind, unwillkürlich er- innert. Bis jetzt sind die Arbeiter in den Reichs- und Staats- betrieben leider noch immer ebenso auf Hungerration gesetzt, wie unter der kaiserlichen Aera. Besonders schlimm steht es in den östlichen Gebieten Dernsch- lands. So erhäst heute noch, um nur einige wenige Städte heraus- zugreifen, ein ungelernter Arbeiter in den Reichsbetrieben in Breslau 51 Pf., in Königsberg und Frankfurt a. d O. 46 Pf. pro Stunde. Es gibt auch Städte, in denen der Lohn auch heute noch 42Pf. pro Stunde betrögt. Mit diesen Lohn- sätzen erreichen die Arbeiter in den vorgenannten Städten noch nicht einmal den Lohn der Vorkriegszeit, trotzdem auch hier die Lebenshallung um 59 Proz. teurer ist als in der Bor- krtcgszest. Aber nicht nur in den vorgenannten Städten sind die Lohnver- höstnisse derart miserabel. Die vom Statistischen Reichsamt errech- neten tartflichen Stundenlöhne betragen im gewogenen Durchschnitt im Reich in Pfennigen für Gelernte im November 94,8 Pf., für Ungelernte 66,4 Pf. Wir haben demgegenüber in ungefähr 159 Orten des Reiches, in denen vorwiegend Reichsarbester beschäftigt sind, ebenfalls Erhebungen angestellt. In keiner einzigen Stadt des Reiches wird der vom Statistischen Reichsamt errechnete Durchschnitt erreicht. Selbst in einer Stadt wie Berlin bleibt der Durch- kchnsttslohn des gelernten Handwerkers noch um 11 Pf. hinter diesem Satz zurück. Ferner haben wir aus der von dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund allmonatlich erhobenen Lohnstatistit festgestellt, daß die Löhne der Reichsarbester durch- schnsttlich um 29— 30 und noch mehr Pfennige hmter den vergleich- baren Lohnsätzen der Arbeiter in der Prioatindustrie zurückbleiben! Die Verhandlungen über die Neuregelung der Löhne sollen nun im Lause dieser Woche beginnen. In der Oeffenllichkeit ist bereits durchgesickert, daß das Reichsarbeitsministcrium die Absicht hat. den Arbeitern die durch � Mieterhöhungen entstebenden Mehraueg<>''en zu bewilligen. Genau- soll das pro Stunde l'fr Pf. betragen. Man wird vermutlich eine Lohnerhöhung von 2 Pf. pro Stunde anbiete» und im übrigen wieder erklären, daß aus finanziellen Gründen nicht mehr gewährt werden könne. Das Reichsfinonzministerium soll sich nicht täuschen. Heute ist nicht mehr 1923. Damals haben die Arbester infolge der Noilage des Reiches sich mit Hungerlöhnen abfinden lasten. Jetzt ist es Zeit, daß das Versprechen des früheren deutschnationalen Finanzministers S ch l i e b e n. aufzubestern. sobald es die Finanzlage des Reiches gestattet, einzulösen. Wenn die Finanzen es gestatten, wirt- schaftlichen gemeinnützigen Unternehmungen Darlehen zu geben und mit dem Gedanken umzugehen, auch weniger wirtschaftlichen Unternehmungen, wie Film- und anderen Konzernen, mit S u b- ventionen unter die Arme zu greisen, wenn ein Staatswesen imstande ist, seinen abgetakelten Generälen, Konzlern und Ministcrn a. D Tausende von Mark Penstonen in die Tasche zu stecken, für die sonst 24 Arbeiter ein ganzes Jahr leben müsten, dann besteht auch die moralische Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß die Arbeiter, die dem Staate jeden Tag ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen, nicht zum langsamen Verhungern gezwungen werden. Di« deutsche Republik soll nichr nur eine demokratische, sondern auch eine sozial« Republik sein. Großkampf in öer keramischen Inöustrie. 33 000 Arbeiter gekündigte In der feinkeromischen Industrie hat ein Teil der Mitglieds- sinnen des Arbeitgebervcrbandes m Boyern, Thüringen. Schlesien, Mittel- und Norddeutschland zum 26. März rund 33 999 Porzellan- und Steingutarbei- tern und»arbeiter'nncn gekündigt. Die Aussperrung?- ankündigung soll das Reichsarbeitsministerium zum Eingreifen veranlassen und die Arbeiterschaft, die in den einzelnen Be- trieben nach Beendigung des Tarifoerhältnistes den Kampf ausnahm, einschüchtern. Der Komps geht um eine Verbesserung des Reichs- mantestarijoertrages, um Lohnerhöhung und um die 48-Stunden- Woche. Bei den Verhandlungen in Leipzig spreizten sich die Unter- nehmer gegen jede Verlängerung des Urlaubs, gegen jede Er- hohuna der Löhne, gegen jede Verbesserung in der Frage der Ar- beitszeit und der Arbeitsbedingungen, unter dem Vorwande, daß die Industrie das nicht tragen könne, angestrengt und ununterbrochen arbeiten müsse, um überhaupt bestehen zu können. Run auf einmal können olle Arbeiter auf Wochen in Festen geschickt werden. Jetzt ist es„tragbar", daß die ganze Industrie stillgelegt wird. Lohnbewegung in öer chemischen Inüusirke. Die Funktionäre der chemischen Jndustste Groß-Berlins waren am Montagabend im Gewerkschajtshaus verfammest, um zur Lohn- bewegung«lellung zu nehmen. Poch vom Fabrikarbeiter- verband referierte einleitend über die wirtjchaitllche Lage in der chemischen Industrie und hob dabei hervor, dos; durcl� den Zu- sammenschluß der tonangebenden Betriebe zur I. G. jz a r b e n- industrie A.-G. die gesamte chemische Industrie von diesem Kon- zern beeinflußt wird. Die später erfolgten Fusionen in dieser In- dustnegruppe, z. B. Rhenania-Kunheim, Heyl-Bcringcr usw.. sind eine Bestätigung dafür. Die Löhne in der chemischen Industrie sind unzureichend. Bei den Lohnverhandlungen im Herbst 1925 wiesen die Arbeitgeber auf die„Stillcgungsaktion" hin. die im Gange fei. Die Lebenchastung ist nicht billiger, sondern teurer ge- worden. Es ist deshalb durchaus zu oerstehen, wenn aus den Be- trieben Anträge an den Fobrikarbeiterverband gerichtet wurden, das bestehende Lohnobkommen zu kündigen. Das Chemiekartell hat am 19. März zu den Anträgen Stellung genommen und den Beschluß gefaßt, den Lohntaris für die chemische Industrie zu kündigen und eine löprozentige Lohnerhöhung zu forden«. Zur Kündigung des K 2 des Rahmentarifver- träges(Arbeitszeitabtommen), d'e in den Anträgen ebenfalls verlangt wird, ist zu sagen, daß die Kündigung nur vom Haupt- o o r st a n d vorgenommen werden lonn. In der Diskussion wurde bemängelt, daß nur 15 Proz. und nicht 39 Proz. Lohnzuschlag gefordert wurden. Die Unter- nehmungen in der chcmiichn Jirduftrie seien in der Lage, für die zum Teil gefahrvollen Arbeten bedeutend höhere Löhne zu zahlen. Eine Resolution, welche die Kündigung des Lohnrarifcs und die Forderung von 15 Proz. Lohnerhöhung gutheißt, wurde gegen eine große Minderheit angenommen. Ei» Antrag, den Hauptoor- stand um Kündigung des§2 des Rahmentarifes zu ersuchen, wurde angenommen. Der Versammtimgsleiler B e n t i n machte zum Schluß darauf aufmerksam, daß am Sonntag, dem 3. April, vorm itags 19 Uhr, eine Besichtigung des Chemischen Museums in Charlottenburg stattfindet. Der Streik im Cafs Michalfki. Dom Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caftangestell- ten, Elsasier Str. 86/88 III. wird uns berichtet: Zur erfolgreichen Durchführung seines Wirtschaftskampfes gegen die Arbeitnehmer hat Herr Michalfki nunmehr die Gerichie in Anspruch genommen. So- weit er Maßregeln gegen den Zenträlverband der Hotel-, Restaurant- und Cofeangestellten oerlangte, ist ihm dies zwar nicht geglückt. Sein Antrag auf eine einstweilige Verfügung ist insoweit zurückgewiesen worden. Wohl aber hat das Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die st reitenden Kellner erlassen, daß sie keine Flugzettel des Inhalts vertellen sollen, daß in diesem Verrieb die sämtlichen Angestellten streiken und nur die Streikbrecher den Tariflohn erhallen. Diese Anordnung des Gerichts dürfte mst der Reichsverfassung. die den Arbeitern die Koalitionssteihest gewährt, kaum im Einklang stehen. Für Herrn Michalfki ist es aber bezeichnend, daß er tatsäch- lich seinen Arbeitnehmern den Anspruch auf den Tariflohn ver- weigert und durch gerichtliche Verfügung verhindern will, daß dies bekannt wird. Denn dies beweist, daß er sein Unrecht einsteht und es nur zu bemänteln oersucht. || NrHanq, 4f«®.-9taanen9tof)«! Am ssreitag, 18. März, nachmittags f- 9 SH Uhr, im Lotal Hussitenstr. 35, ar cht igt Vtrsammluna. alltr SPD., ffienontn. Ettllungnahme zur Bttritbsratswabl. Bollzähligtl! Dtluch erwartet So Fealtionsvorstaud II Zugendgruppe de» IdA. Heute, Mittwoch. 7 Vi Uhr: Reulölu: Jugendheim Nogatftr. 53. Stslurf.on:„Das bedeuten Werksgemeinschaft und SBerffport?''— Schöne bog: Jugendheim Hauptsir. 15 stzrankenlandzimmer). Ausspracheabend Uber„Bub und Mädel."— Sedding-Sesundbrunuen: Zugendheim Schönstedt- straße 1(Ledigenheim), 5 Treppen. Aortrag:„Scxualsragen der Zugend" 6. Vortrag:„Tahlor und tzord."— Weihense«: Jugendheim Varkstr. 80. Vortrag:„Die Theorie des Schachspiels." zreitaa,>8. Miez, Beteiligung an der Vrotestlundgebung des Arbeiter- Kulturkartells in d:n Prachtsälen am Märchenbrunnen, Am ftr edrichs'-ain. Souaabend, 19. März, veranstaliet die Zugendzentrale einen Filmnortrag: „Sin Tag in den lZorbbetrtebe n. Eintrittskarte» stnd kostenlos in der Zentrale und den Gruppen zu haben. Verantwortlich wr Politik: Biet,» Schiff: WirUchoft:«. Klingelböser: Gewerkschaftsbewegung: gr. Edkoen: IZeuillctou Dr. John Schikowskl: Lokales: und Sonstiges: ffritz Karftödt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin Verlag:?orwärts-Vcr>ag G m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u Co.. Berlin ED 08. Lindcnstraße 3. Hierzu 2«eilaaeu und.Unterbaltuna und Wissen" ••., Zve rä � MMM"' W.H.WITTIQ Nr. 126 ♦ 64.?ahrgaag 1. Seilage öes vorwärts Mittwoch, 16. März 1927 \)-'�)U/ WM " �jr�OKl'A.CI Trotz oller Erschwerungen hat die Feuerbestattimg innner mehr Anhänger gefunden, und zwei von den Berliner Krematoriumsfried. Höfen müssen schon dazu übergehen, die Aschenkapseln in der Mauer beizusetzen. In Wilmersdorf. hat man an einem Teil der Mauer nun eine offene Halle gebaut und in der Art eines Kolum- bariums ausgestattet. Je zwei Urnennischen befinden sich über- einander, darunter sind dann noch zwei einfache, durch einen glatten Stein verschlvfsene Oesfnungen zur Aufnahme der Aschenkapseln. Im Krematoriumsfriedhof Gericht st raße aber hat man einfach die Mauer des Friedhofes in gleicher Weife ausgestaltet. Wilmersdorf ist sogar dazu übergegangen, die Friedhofserde zu rationieren, und eine Erdbestattung der Aschenkapsel ist hier nur Wilmersdorfer Ein- wohnern erlaubt: alles«zugezogene Dolk" kommt an, resp. in die Wand. Ein besonderes Problem für die Krematorien ist aber die Beisetzung der«Vergessenen", deren Aschenkapseln nach der Ber- brennung nicht abgeholt wurden. Ursprünglich rechnete die Krema- toriumsverwaltung für jede Aschenkapsel, die drei Wochen nach der Verbrennung nicht abgeholt war, 5 Mark.Lagergeld". Die Fälle, in denen sich aber nach der Einäscherung niemand mehr um den Toten kümmerte, mehrten sich aber derartig, daß jeder der Kremato- riumsfriedhöfe jetzt ein Massengrab der Vergessenen hat, Wilmers- dorf wie Gerichtstraße: und in dem Massengrab auf dem Friedhof Gerichtstraße sind nun schon die Aschenkapseln von 2l>l)l> ver- gessenen Toten namenlos beigesetzt. Wie Sas Gefetz es befiehlt... So sammeln sich allenthalben die sauber verlöteten Büchsen aus, und jetzt, IS Jahre nach Erlaß des preußischen Feuerbestattungs- gefetzes, wird bald«in Urnen friedhof nach dem anderen dazu über» gehen müssen, die Vergessenen, deren Stelle nicht mehr erneuert wird, in irgendeiner gemeinsamen Gruft beizusetzen, woher kommt schließ- lich diese ganze«Wohnungsnot" der Toten? Allein aus dem Paragraphen 6 des Jeucrbestalwngsgesehes:..Die Ajchenreste von ver- brannten Leichen müssen in einem für jede Leiche besonderen, be- HSrdlich verschlossenen Behältnis entweder in der Urnenhalle(Urnen- grab) oder in einer anderen behördlich genehmigten Beftatlungs- anläge beigesetzt werden." In Berlin wird die Befolgung dieser gesetz- lichen Bestimmung auf die Weise gesichert, daß die Asche den Bc. stattungspslichtigen nur bei Nachweis des Erwerbes einer Urnenstell« ausgefolgt wird. Wer aber trotzdem Mittel und Wege findet, das Gesetz zu ungehen, wird mit 1S0 Mark Geldstrafe oder entsprechender 5) oft bestrast... in Preußen. Denn auf diesem Gebiet herrschen in den verschiedenen deutschen Vaterländern die unterschiedlichsten Rechts- zustände. In Thüringen z. B. kann man die Asche der verstorbenen Angehörigen in der Wohnung aufbewahren, ohne daß die Obrigkeit irgend etwas dagegen hat. Auch Sachsen und die Hansestädte kennen keinen Bestattungszwang, und m Lübeck kann es der Verstorbene seinen Erben zur Pflicht machen, seine Asche in die Ostfee zu ver- senken. Was aber der Oftfe« recht ist. ist darum der Havel nicht billig! Wer hier testieren wollte, daß seine Asch« an der„Bammel- ecke" in die Havel zu schütten oder irgendwo im Walde zu vergraben oder mit dem schönen romantischen Ausdruck„in alle Winde zu streuen" sei, brächte seine Erben in eine peinliche Situation, denn sicher würde man zum Exempel«in Strafverfahren gegen sie er- öffnen! Wer sich aber den Luxus erlauben kann, noch nach seinem Tode eine„Vergnügungsreise" zu machen, braucht nur seine Ueber- führung nach Gotha anzuordnen, dann kann er sich beisetzen oder im Thüringer Walde verstteuen lassen. Blas nach Preußen darf er nicht niehr, wenn er sich nicht in«inen Friedhof oder ein Kolumbarium sperren lassen will; denn bei uns herrscht Ordnung und eine derartige Leichenvagabondage, wie in Thüringen, wo man die Asche der ver- storbenen Angehörigen von Gotha nach Friedrichroda oder einen anderem Nest gänzlich gebührenfrei überführen kann, ist hier nicht gestattet! Gebührenftei. Ja, gebührenfrei— da liegt der Hase im Pfeffer! Denn als man und in den„Äusführungsbestimmungen" vom 14. September 1911 ist wörtlich ausgeführt, daß auf eine Revision de» Gebührentarifes hinzuwirken fei,„wobei mit ins Auge zu fassen sein wird, daß durch zu niedrig« Geführenbemessung nicht«in individueller Anreiz ge- fchaffen werde, die Feuerbestattung der Erdbestallung vorzuziehen. Es wird... darauf Bedacht zu nehmen fein, daß die Kosten der Feuerbestattung nicht unter die der Erdbestattung herabsinken". Das ist in Wirtlichkeit der springende Punkt: Ohne deu Bestattougszwaug würde die Feuerbestattung zu billig werden! Denn alle anderen Ein- wände gegen«in anderes Aufbewahren, Beisetzen oder Verstreuen der Asche sind recht hinfällig. Die vorgeschriebene gerichtsärztliche Totenschau garantiert weitgehende Sicherheit gegen Verschleierung eines Verbrechens, und es ist auch noch kein Fall öffentlich bekannt geworden, daß die Exhumierung einer Aschenkapsel notwendig ge- wesen sei, um einem Verbrechen auf die Spur zu kommen. Von irgendwelchen hygienischen Bedenken kann aber überhaupt nicht die Rede sein, denn die wenigen ausgeglühten Aschenreste sind völlig keim- frei, und wemt das Vergraben kapselloser Asche auf fmem Felde oder im Walde überhaupt irgendeine Wirkung hat, dann höchsten- falls die, daß dort das Gras im nächsten Sommer ein wenig grüner und dichter steht... Aber da bleibt noch die Pietät. Es ist ja sicher eine schöne Sache damit, aber viel ist hier in der Großstadt sowieso damit nicht anzufangen. Denn die Bestattung in Reihenstellen, nach der Nummer, und die endlos weiten Entfernungen reißen die ein- zelnen Bestattungsstellen so weit von einander, daß an eine wirkliche Grabpfleg« von der Familie oft gar nicht gedacht werden kann, und Erbbegräbnisse kann sich der Proletarier nicht leisten. Wohl aber können gute Freunde selbst das Verstreuen der Asche in Formen vornehmen, die niemands Gefühl verletzen, und wer die Asche de» Berstorbenen In der eigenen Wohnung aufbewahren will, beweist damit vielleicht mehr Pietät als der, der seinen Benommiervorfcchren eine Totenkapelle aus ZNarmor baut... vom pietätsgefihäst. „Sehen Sie, das ist ein Geschäft, das bringt noch was«in..." Und an dieses schön« Lied muß man unwillkürlich denken, wenn man die Bestattungskosten der verschiedenen Gememde- und Kirchenfried- Höfe vergleicht. Am billigsten ist hier die Stadt. Mark 14,50 bis 21,60 kostet durschnittlich eine Beisetzung aus einem städtischen Fried- Hof, aber es gibt auch da große Schwankungen, denn der städtisch« Friedhof Heerstraße z. B. hat keine Stelle unter 100 Mark, und ein Onadratmeter Boden Hann hier sogar 300 Mark kosten! Dazu kommen dann noch 10 Mark für die Beisetzung und 10 Mark für die Anfertigung der Gruft: in Erkner kann sich aber allein von diesen Gebühren ein« ganze Famiii« begraben lassen, denn Erkner hält den Rekord der Billigkeit und rechnet für die Urnenstelle nur 1 Mark und 1 Mark für die Beisetzung! Aber selbst die Gemeindesriedhöf«, bei denen der Preis der Stelle an sich ungefähr gleich ist, stellen recht verschiedene Gesamtkosten auf: Da werden auf einzelnen Friedhöfen die Stellen nur mit„Tasclzwcmg" abgegeben, d. h. es wird von den Gemeinden eine einheittiche Tafel geliefert und dafür werden Z bis 18 Mark in Rechnung gesetzt. Auch aus der Bepflanzung der Stellen verstehen manche Gemeinden ganz schön Kapital zu schlagen: Tempel- Hof rechnet für die Bepflanzung einer Stelle 18 Mark— bei Ein Massengrab für Ascbecreste. anderen Gemeinden wird sie für 4 bis 5 Mark geliefert, wieder bei anderen einfach den Angehörigen überlassen. Angebot und Nachfrag« wirken aber auch hier preisregulierend, und so hat der kirchliche Friedhof in Stahnsdorf, der den Berlinern doch zu weit draußen liegt, seine Preise bedeutend herabgesetzt, so daß man sich jetzt dort schon für 24 Mark begraben lassen kann. Aber sonst— sonst oersteht es die Kirche ausgezeichnet, aus dem Pietätsgeschäft Geld zu „] Gerichtstag. Bon Fred Bckrence. Cosyricbt 1921 br Pul Ztolnty, Wie«' „Und vor mir konnte er gar nicht genug liebenswürdig sein." „Ich muß dir noch em Wort sagen: wenn du wieder zu Hause sein wirst, so beobachte alles, ohne zu sprechen. Du mußt deine Kräfte für den entscheidenden Moment auffparen." „Schon wieder so geheimnisvolle Worte, erkläre es mir endlich." „Ich weiß es nicht gewiß, ich denke mir. daß der Augen- blick kommt, wo man einen Entschluß fassen muß und für diesen Augenblick gilt es, seine Kräfte zu sparen." Der Schaffner rief: Einsteigen nach Lausanne, Menne, D6l6mont, Basel!" Ich stieg in mein Abteil und ein paar Minuten später setzte sich der Zug in Bewegung nach Lausanne. Wieder fühlt« ich mich ganz zerschlagen. Mir war, als ginge jede Umdrehung der Räder durch meinen Leib, das Rollen des Zuges riß an meinen Nerven: während der ganzen Fahrt saß ich regungslos auf meiner Bank zusammengekauert. Plötzlich blieb der Zug stehen, wir waren in Laufanne. Ich fuhr mit der Hand über die Stirn, um meine Bangig- keit zu oerscheuchen. Mir schien es, als schritte ich einem Abgrund en�egen, der mich in die Tiefe zog. Einen Augenblick durchs ihr mich der Gedanke, in Lausanne zu bleiben, aber ich wies ihn zurück. Das wäre Feigheit, vielleicht konnte ich das Schisflein doch noch retten. Und unwillkürlich wiederholte ich ganz laut:„Vielleicht, ja vielleicht!" Die Tat. Ich wurde mit offenen Annen aufgenommen und die ersten Tage ging alles gut. Der Dater war überströmend herzlich zu mir, aber ich trat aus meiner Zurückhaltung nicht heraus. Der Haß. den ich empfand, schlief nicht ein: je mehr ich mit dem Vater beisammen war und meine Abneigung verbergen mußt«, um so heftiger und glühender wurde er. Die Beziehungen zwischen den Eltern waren sehr gespannt. Die Mutter begrüßte den Bater gleichgültig und wenn er sie aus die Stirn küßte, senkte sie ergeben den Kopf. Paul hall« nicht selten unter dem Jähzorn des Daters zu leiden. Dann flüchtete der arme Kleine zu mir und so oft ich konnte, ging ich mit ihm spazieren. Das waren die einzigen wirklich schönen Stunden. In der ersten Woche kam der Dater fast nüchtern noch Haus«: wohl strömte sein Atem einen leichten Geruch von Rum oder Kognak aus, aber fein Benehmen war tadellos. „Das ist ein wahres Wunder, ich bin nur neugierig, wie lange es diesmal anhalten wird," meinte Andr6. Es dauerte nicht lange: eines Abends, als er gegen elf Ulr heimkam, schwankte er ein wenig auf seinen Beinen. Wir saßen im Speisezimmer, die Mutter stopfte Strümpfe, AndrH und ich lasen, die Kleinen waren schon zu Bett gegangen. Mit schwerer Zunge grüßte der Vater und küßte meine Mutter zärtlich. Sie stieß ihn voll Ekel zurück und sagte streng:„Du host schon wieder getrunken." Er ließ sich auf den Diwan fallen und begann bitterlich zn weinen, wie ein kleines Kind. Sie sah ihn an, zuckte die Achseln und dann sagte sie ihm englisch, die Verachtung klang aus ihren Worten:„Geh' schlafen, du wirst so am besten deinen Rausch los." Er erwiderte in derselben Sprache:„Schämst du dich nicht, mich in Gegenwart der Kinder zu beschimpfen?" „Die Kinder schlafen schon," erwiderte sie französisch,„und wenn du dich nicht schämst, so vor deine Kinder hinzutreten, so schäme ich mich natürlich auch nicht, dir gerechte Vorwürfe zu machen. Glaubst du denn, daß sie blind sind? Glaubst du denn, sie sehen nicht, wie du bist?" Er beharrte darauf, das Gespräch englisch fortzuführen: „Me kannst du erwarten, daß sie ihren Dater achten, wenn tm mich vor ihnen beschimpfst?" „Hör' schon einmal mit dieser Komödie auf, längst achtet dich ja niemand mehr." Er stellte sich kerzengrade vor ihr auf. ,J>u bist schlecht. Wie kannst du es wagen, mich in Gegenwart meiner Söhne zu beschimpfen?" brüllte er. Ich wollte mich auf ihn stürzen, aber Andr6 hielt mich am Aermel zurück. „Rüh»-' dich nicht vom Platze, er tut ihr nichts." Die Mutter blickte ihrem Peiniger starr ins Gesicht, ich glaubte, daß sie ihn ohrfeigen werde. „Sag' nur noch einmal, was du gesagt hast, sag's nur!" Er senkte den Kopf und begann im Zimmer auf und ab zu geben, dabei gestikulierte er heftig. „Du bist der gemeinste Mensch, gemeiner als alle anderen, ich habe es dir schon oft gesagt und ich wiederhole es hier, m Gegenwart deiner Söhne," schrie sie. Er wendete sich zu uns, streckte die Arme aus, als wolle er uns zu Zeugen nehmen. „Seht nur, wie eure Mutter mich behandelt, wie den letzten Schurken. Jawohl, ich habe Fehler begangen, ich habe meine Pflichten verletzt, das gebe ich alles zu. Oft bin ich schwach gewesen doch ich hatte immer den festen Willen, für euch zu kämpfen. Aber weil mich ifos Unglück verfolgt hat, ist noch lange kein Grund vorhanden, mich jeden Tag mit Vorwürfen zu überhäufen. Wie oft habe ich nicht versucht, den Stier bei den Hörnern zu packen, gegen alle Widrigkeiten anzukämpfen, aber das Unglück ist immer stärker gewesen als ich. Und eure Mutter war immer bereit, den ersten Stein aus mich zu werfen, sie hätte mir helfen, mich ermutigen, mir neue Kraft einflößen, mich wieder aufrichten können. Aber sie hat sich mit meinen Feinden verbunden und mich verfolgt." „Nun, nun," warf ich ein. „Schweig," riefen die Mutter und Andrö im Chor,„er redet ja irre." Er faßte meinen Einwand als Vorwurf für die Mutter auf und wendete sich jetzt ausschließlich an mich. „Du weißt nicht alles, mit ihr ist das ganze Unglück ins Haus gekommen: sie wirft mir meine Schulden vor, aber wie hätte ich denn sonst ihre luxuriösen Gelüste befriedigen können?" „Welche luxuriösen Gelüste?" „Nun, du scheinst immer gerade das zu vergessen, was dir paßt. Erinnerst du dich des Kaffeeservices aus Seoves- Porzellan, das für die Königin von Schweden angefertigt worden war? Du hast es dir in den Kopf gesetzt, ein gleiches zu bekommen. Da man das Modell vernichtet hatte, war es nicht möglich. Die gnädige Friu hatte sich dann«in fast gleiches machen und das Modell zerschlagen lassen: ist das wahr, ja oder nein?" „Es ist wahr." „Hört ihr, daß es wahr ist? Die Gnädige hatte königliche Launen. Wieviel taufend Franken hat es gekostet, könntet du mir das nicht sagen?" „tftas braucht dich nicht zu bekümmern, du hast es fa nicht gezahlt." „Wieso habe ich es nicht gezahlt?" „Nein, meine Mutter hat es doch gezahlt." „Und sie hat es von deiner Mitgift abgezogen. Und die anderen Ausgaben, zu denen du mich gezwungen hast? Und einmal habe ich in ganz Paris herumlaufen müssen, um die Kristallschale zu finden, die du zwei Jähre früher in einer Auslage gesehen hattest."(Fortsetzung folgt.) flehen! Läßt man s«ine Angehörigen auf dem Kirchhof ihrer Kirchen- ricmeiabe beisetzen, hat man trotzdem die Stelle zu taufe», will man sie aber aus irgendwelchen Gründen auf einen anderen Friedhof beerdigen, so verlangt die Gemeinde„Auslösung" der nicht benutzten Stelle, und eines schönen Tages kriegt man ein Schreiben im Kosernenton, in dem die Kirche für eine Bestattung, die ihr sozusagen entzogen wurde, Geld verlangt! Für Andersgläubige wird die Stellen- gebühr doppelt gerechnet, von einem Genossen wurde sogar, weil er Dissident war, für die Bestattung seiner evangelischen Ehefrau doppelte Taxe verlangt! Die Stellen selbst sind reichlich teuer auf den Berliner Kirchhöfen— den Vogel schießt wohl der Helrikirchkof am ßönigstor ob: der verlangt für eine 50 mal 50 Zentimeter große Urncnsielle 38 Mark, und bei späteren Beisetzungen auf derselben Stelle(vier Urnen sind zulässig) jedesmal denselben Betrag! Die übrigen Kirchen aber versuchen, so weit sie Urnenbestattung auf ihren Friedhöfen überhaupt zulassen, an„Nebengebühren" das äußerste berauszuschinden. Der„Merkxüahl" kochet 1 bis 6 Mark, neben der Stelle werden noch bis zu 20 Mark an„Notgebühren" gerechnet: für den Lcichenträger, der die Urne von der Tür bis zur Gruft bringt, rechnet man auf dem Emrnauskirchhof 3,30 Mark, und aus dem Markuskirchhof muß für die schwarz« Decke, die der Leichenträger über die Aschenkapsel deckt. 3 Mark gezahlt werden, trotzdem dieser smndig wieder benutzte Fetzen Stoff vielleicht nicht einmal neu so viel gekostet hat! Das ist nun nur ein« kleine Blütenlese aus der Anarchie des Groß-Berliner Bestattungswesens, und sicher herrschen in fast allen preußischen Großstädten ähnliche Berhältnisse. Es wäre Zeit, einmal an eine Reform unsere» preußischen Feuerbe» stattungsgesetze» oder bester, an eine reichsgesetzliche Rege» lugg dieser Materie zu denken und dabei nach sächsischem und thüringischem Vorbild endlich den Bestattungszwang fallen zu lasten; denn es gibt Zeiten, in denen Gesetze schnell altern— zumal solche „Spätlinge", wie dieser Sprößling des Preußischen Landtages und des.Herrenhauses"! Durch Serlin für 20 Pfennige. Die Geburtswehe« des Einheitstarifes. In großen und ganzen klappt es schon, da» darf man offen zu- oeben! Und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß sich unser Ber» liner Großstadtpublikum in wenigen Tagen an den Einheitstarif g e- wähnt haben wird. Sehr begrüßt wird, wenigstens in sozial ein- gestellten Kreisen der Bevölkerung, daß auf der Hoch- und Unter. grundbahn das leidige„fflassenwahlrecht" gefallen ist. Hat doch beispielsweise das sozialistische Kabinett Stauning in Däne» mark auch bei den Fernzügen eine Einheitsklast« geschaffen und da» mit gezeigt, daß es auch bei der Benutzung der Verkehrsmittel nicht unbedingt Menschen erster, zwoiter, dritter und vierter Klast« zu geben braucht! Wie man weiß, ist es noch den Bestimmungen unzulässig auf einen und denselben Cinheitsfahrschein hin- und zurückzu- fahren. Ganz Gerissene freilich haben auch diesesmal ein Loch im Zaun des Gesetzes entdeckt, durch das sie hindurchschlüpfen können. Will man beispielsweise vom Halleschen T»r zum Bahnhof Gneisenaustraße oder Hermannplatz und dann wieder zurück zum Hallcschen Tor. so kann man bei der Hinfahrt die elek- irische Straßenbahn und bei der Rückfahrt die Untergrundbahn be- nutzen. Da nun auf diesem Untergrundbahnhos mir e i n Bahn- steig ist, von dem aus die Züge nach beiden Richtungen fahren, io hat der kontrollierend« Beamte keine Möglichkeit, sestzustellen, ob sein gerissener Fahraast nicht nach dem Halleschen Tor zurück- fährt. Und eine Ausgangskontroll« besteht ja nicht mehr! Auf allen Bahnhöfen der Hoch, und Untergrundbahn in der Richtung Neukölln, mit alleiniger Ausnahme des Bahnhofs Belle-Alliance- Straß«. ist nur e i n Bohnsteig, so daß hier der gleiche Verstoß gegen die Beförderungsbestimmungen überall möglich ist. Und ebenso werden die Dinge beim Bahnhof Kreuzberg liegen, wenn diese Strecke weiter ausgebaut sein wird. Ungewohnt und deshalb vorläufig unangenehm Ist für die Schaffner auf den Autobussen der Äboag das Knipsen der Fahrscheine mit der Lochzange. Bisher hatten sie nur nötig, den Fahrschein einzureißen, und so will vorläufig, besonders in den Hauptverkehrsstraßen, die bisher ungeübte Tätigkeit nicht allzurasch vorwärtsgehen. Aber auch diese Neine Kalamität wird sich natür- sich bald legen. Im großen und ganzen darf man faxen: Der Einheit»- f ah rs che i n marschiert! Ein Kostüm für 2 Mark! Bei einem verdächtigen Handel wurde von Streifbeamten der Spondauer Kriminalpolizei ein Mann angehalten, der durch die Lokale mit gewissem Damenverkehr hausieren ging. Er bot hübsche Frühjahrs- und Backfischkleider und-kostüme für 2 bis 10 Mark das Stück an und hatte bei diesen Preisen natürlich guten Absatz. Weshalb er so billig verkaufen konnte, war bald aufgeklärt. Der Händler wurde festgestellt als ein der Kriminalpolizei als Kallidieb bereits bekannter �0 Jahre alter wohnungs- und berufsloser Max T. Er hatte seine Waren zwei Stunden vorher nach seiner Art aus dem Lehrter Bahnhof„eingekauft". Eine Berliner Konfektionssirma hatte drei große Kortons mit Frühjahrskleidern auf dem Lehrter Bahnhof als Eilgut nach Harburg a. d. E. auf- gegeben. Während die Kartons auf dem Bahnsteig auf einem Transporttarren lagen, um in den D-Zug verladen zu werden, be- nutzten T. und ein noch unbekannter„Kompagnon" die Gelegenheit, in einem unbewachten Augenblick je einen Karton an sich zu reißen und damit vom Bahnhof zu verschwinden. T. war sofort nach Spandau gefahren, um die Beute zu Geld zu machen. Der größte Teil dessen, was er bereits verkauft hatte, wurde bei den Käuferinnen wiedergefunden und ebenso wie sein Dorrat beschlagnahmt. Seinen „Kompagnon" will er nicht kennen. Eine wirkliche Totengedenkfeier. Eine loten�edcnkfeler, die sich wohltuend von der nationalistisch- militärischen Feier des Herrn Pfarrers Siems am letzten Sonntag begann mit einem Musikstück von Beethoven. Darauf folgte eine Ansprache von einem Mitglied des Beamtenausschusses, in der zum 'Ausdruck kam, daß man Immer der für uns und für das Vaterland gefallenen Brüder gedenken möge, die au» Begeistening und in ernster Pflichterfüllung ihr Leben hingegeben haben, daß man aber auch künstig dahin wirken möge, daß nie und nim- nier solche Opfer wieder gebracht werden müssen. Zum Schluß forderte der Redner von den Anwesenden, im Sinne ter toten Kameraden durch ernste Pslichtersüllung, jeder an seinem Platze, am Aufbau des deutschen Volksstaates mitzuarbeiten. Das Lied vom guten Kameraden schloß die Feier. Elektrische Züge Berlin— Tegel— Velten. Auf der Strecke Schönholz— Velten wird heute der elektrische Betrieb zunächst mit einem Zuge aufgenommen. Ent- sprechend der Zahl der zur Verfügung stehenden Fahrzeuge werden dann nach und noch sämtlich« Dompfzüge durch elektrische Züge ersetzt. Tolbstanschln�amt Schmöckwitz. Ära 20. März wird in Berlin-Schmöckwitz, PerlinerStr. 11, eine neu« Fernspvechvennittlungsstell» mit S« l b st a n s ch l u ß- betrieb unter der Bezeichnung„Schmöckwitz" eröffnet, an die ein» Anzodl von Teilnehmeranschlüssen der Vermittlungsstellen Grünau xrnd Zsuth«n herangeführt wird. Es wird dringend empfohlen, vor Sem Ute UkMklMs!- 50 1 lZWsn MsWW Freitag, den 18. März, abeod» 7'/, Uhr, in den Pracht- iäleo am Märcheadrunneu, am FZedrichshaia 29— Zt, Krövs protsstluinckgsdimg gegen da» Gesetz zum Schuh der Zugend bei Lustbartelten. Redner: Dr. Kurt Löweasleia, UI. d. R.— Lichtbilder- Vorführungen und Darbietungen der Zugeodgruppea.— Zur Betesiigonq rufen auf die dem Arbelter-Kulturkaitell Groß-Lerlin angeschlossenen nachstehenden organifatioaen Sozialistische Arbeiterjugend. Zuagsoziolistlsche Vereinigung, Arbeits- gcmeinichast der Sinderfreunde. Gewerkichaftsjugend. Zugendgruppe der AfA-Gewerkschaften. Zuqend-Abteilung des Touristen- Vereins „ftaturfreuade", Freie Turnerichait Groß-Serlin, Arbeiter- Sänger- rund, Ortsausschuß de» AVGB., AfA-Orlskartell, AUgera. Deutscher Beamtenbund, Volksbühne<£. v, Sezirksoerband SPD., Arbeiter- Sulturkaitell Groß-Berlin. Anforderung von Verbindungen mit Teilnehmern der Vermittlungs- stellen Grünau und Zeuthen aus dem Fernsprechbuch 1927 fest- zustellen, welche Anschluhbezeichnung der oerlangte Teilnehmer erhalten hat. Nur dann können Verbindungen ohne Zeitverlust hergestellt und oerzögernde Nachfragen bei den anfangs stark belasteten Auskunftstellen vermieden werden(vergleiche auch die Ausführungen auf dem roten, dem Fernfprechbuch 1927 beigegebenen Merkzettel). Der Betrieb des neuen Amtes Schmöckwitz ist dem Fernsprechamt Südost in Berlin unterstellt. Wie bereits bekanntgegeben worden ist, veranstaltet die Oberpost. direktion eine Reihe von Borträgen, in denen die Teilnehnier der vorhandenen Vermittlungsstellen für den S e l b st a n s ch l u ß- betrieb sich über die neue Betriebsweise unterrichten können. Wei- tere Vorträge sind vorgesehen: in Zehlendorf am 16., 17. und 18. März in der Oberrealschule, Burggrafenstr. 27: in Spandau am 21., 22. und 24. März in der Oberrealschule, Moltkestraßc, und tn Wannsee am 28., 29. und 30. März in der Wilhelm-Conrad-Schule, Chorwttenstr. 10._ Serliner Slinöenfürsorge. Die Blindenau st alt der Stadt Berlin hatte gestern Besuch. Die Vertreter der Presie waren eingeladen worden, die Einrichtungen der Anstalt sin Berlin- Südost im Hause Oronien- straße 26) zu besichtigen. Direktor N i e p e l, der einleitend über die Aufgaben dieser Wohlsahrtsanstalt sprach, legte Wert daraus, ein gegen die Blind en bestehendes Vorurteil zu zerstreuen. Wer den Blinden helfen will, muß ihnen Arbeit und Lohn verschaffen. Das ist in größerem Umfange nur möglich, wenn noch mehr als bisher die Bahn frei wird für die Einstellung von Blinden in Betrieben des Gewerbes und der Industrie. Daß ein Blinder nichts Rechtes leisten könne, ist ein Irrtum, dem man bei Arbeitgebern leider noch recht oft begegnet. Nicht selten er- langen aber Blinde in geeigneten Berufen eine so weitgehende Leistungsfähigkeit, daß sie mit einem Vollarbeiter fast Schritt halten können. Die wegen der Unfallgefahr und der Unfalloersicherung früher für nötig gehaltene Erschwerung der Verwendung von Blinden in gewerblichen Betrieben ist unter dem Einfluß des Krieges gemildert worden, doch das Vorurteil besteht fort. Die Veschädigtenfürsorge Berlins hat, dank dem Gesetz, das auch den Blinden zugute kam. etwa 800 Blinde in Arbeit bringen können. Durch die Fürsorgepfltchtverordnung von 1924 ist den Gemein- den die Aufgabe zugewiesen, die Blindenfürsorge auch auf die Ausbildung der Blinden zu erstrecken, auf die Ausbildung mich der Blinden, die längst über dos Alter der Schulpflicht hinaus find. Diese Fortschritte sind Errungenschaften der modernen Blindenfürsorge. Die Fürsorge der Berliner Blindenanstalt kann ihr Ziel weniger weit stecken. Sie hat eine Blindenschule für schulpflichtige Kinder, eine Fortbildungsschule für Jugendliche und Er- Wachsens,«ine B e s ch ä f t i g u n g s a n st a l t für Erwachsene. Die Beschästigungsairstalt ist für arbeitsuchende Blind« nicht mehr als ein Notbehelf. Stuhl- und Mattenslechterei, Bürsten- und Besen- binderei und Korbmacherei sind die hauptsächlichsten Beschäftigungen der etwa 250 Männer und Frauen, die täglich von ihren Ange- hörigen zur Anstalt geführt werden, um in den Werkstätten zu arbeiten. Die Blinden zu beschäftigen und sie vor dem Mühsal erzwungener Untätigkeit zu bewahren, ist hier der eigent- liche Zweck. Die Löhn«, die sie täglich dabei erarbeiten, sind gering. Beim Berkauf der angefertigten Waren, für die die An- stalt in ihrem Hause einen offenen Laden hat, wird nicht der Preis unterboten, sondern durch g u t e A r b e i t um die Gunst der Käufer geworben. Aber die Mehrzahl der zur Beschäftigungsanstalt kam- wenden Blinden gehört eben doch nicht mehr zu den rasch Arbei- tenden, so daß der in Akkordarbeit verdiente Lohn nicht dem- jenigen eines sehenden Vollarbeiters gleichkommt. In den Räumen der Beschäftigungsanstalt sahen wir manche bejahrte Frauen und Männer, die«in Leben voll Sorge mürbe und morsch gemacht hat. Die weiblichen Handarbeiten, die früher gleichfall» in der Belchästi- gungsanstvlt gepflegt wurden, sind abgeschafft worden, weil sie gar zu wenig Lohn brachten. Ein großer Segen geht von der Blindenschule aus, die den blinden Kindern das Nötigste an Schulbildung ausgiebt und ihnen den Weg ebnet, sich in da» Volksganze als nützliche Mitglieder einzuordnen. Blinde wollen nicht bemitleidet werden, sondern fordein Anerkennung ihrer Brauchbarkeit und Ver. wendbarkeit als Mitarbeitende und Mitschasfende. Die Schuleinrich- hingen der Berliner Blindenanstalt, ihre Blindenschule und ihr« Bruno Seidler-Winkler bot an diesem Abend un- problematischer Beethoven-Werke Gutes. Dem Konzertabend ging eine Einführung Dr. Leopold Schmidt» voran. Da Dr. Schmidt erkrankt war, mußte sie leider nach dem Manuskript oerlesen werden. Einen anderen Klassiker der Tonkunst behandelte Prof. Oskar Wappenschmidt, der über den„Aufbau der Opern Mozarts" sprach. Er zeigt« an der Oper„Figaros Hochzeit" Mozarts geniale musikalische Ausdruckskrast. die dort noch Tiefe und Zusammen- hänge in das Wert hineinlegte, wo das Textbuch davon nichts ahnen läßt. Der anregende Bortrag hätte allerdings noch an Wert gewonnen, wenn Prof. Wappenschmidt vkel stärker, als es der Fall war. zu musikalischen Erläuterungen gegriffen hätte. Denn nicht allzu viele Hörer werden sich unter einem Uebcrgang von Ss-Dur nach ö-Dur etwa» vorstellen können, aber fast alle werden ihn verstehen, wenn man ihn aus dem Klavier deutlich macht. Von den übrigen Vorträgen seien die Ausführungen Dr. Werner Mahr- holz' über dos„Arbeitsleben der Großstadt" erwähnt, in denen eine klare Analyse der großstädtischen Entwicklung im Arbeitsprozeß gegeben und die sachlichen Folgerungen aus dieser Entwicklung gc- zogen wurden. In seinem Vortragsznklus„Hauptfrage ndcr A e st h e t i k". definierte Prof. Max D e s s o i r das Tragische als Grundbestandteil des menschlichen Sein« überhaupt, da» nicht mit Moralbtgrlffen zu erfasien oder durch sie zu negieren ist. Er zitiert« Hebbels treffenden Ausspruch, daß der Untergang des Bösen in der Tragödie nur dem ein verwöhnendes Moment darstellen kann, der auch in dem Galgen einen Verföhnungspfahl sieht. Blindenfortbildmngsschule sind wichsige Mittel der Bsindenftirsoro«. Sie tragen dazu bei, die Blinden arbeitsfähig zu machen und ihnen hierurft ihr Los zu erleichtern. res. öranüstistung unü Meineiö. Zuchthaus für einen deutschnationalen Stadtverordneten. Ein interessanter Fall beschäftigte gestern das Potsdamer Schwurgericht. Wegen Meineides angeklagt war der 57jähngs Sägewerksbesitzer und Stadtveordneter Karl Lehmann aus Jüterbog. Aus einfachsten Verhältnissen hatla sich Lehmann emporgearbeitet. Er besitzt in Jüterbog ein großes Sägewerk und bekleidet seit 25 Jahren das Amt eines S t a d t v e r- ordneten in Jüterbog, ist Fraktionsvorstaud der Deutschnationalen Bolkspartei und bekleidet außerdem zahlreiche Ehrenämter. Sein Einfluß ging weit über Jüterbog hinaus. Am 2 2. Oktober 1905 brannte das Sägewerk ab, das der Angeklagte mit seinem Sozius Adolf Haas« inne halte. Die Feuersozietät zahlle eine Versicherungssumme von 18400 Mark aus. 1917 schied Haase aus dem Wert aus und setzte sich.zur Ruhe. 1924 verlor er sein ganzes Vermögen und nun kam er dauernd dem Angeklagten mit Forderungen. Zwanzig Jahre waren seit dem Bland des Sägewerks verflossen, da schwirrten 1925 Gerüchte in Jüterbog herum, daß der Stadtverordnete Lehmann mit seinem damaligen Sozius Haas« das Sägewert in Brand gesteckt haben sollte. Die Feuersozietät erfuhr davon, Haale war inzwischen verarmt, log im Siechenhaus, aber Lehmann war inzwischen in Iüteibog in einflußreicher Stellung und sehr ver- mögend. Haase wußte, daß die Schuld der Brandstiftung nach zehn Iahren verjährt. Er schrieb Briefe an seine Verwandten des Inhalts, daß�er und Lehmann seinerzeit das Werk in Brand gefte-kt hätten. Die Feuerversicherung sandte zueist einen Versuchs- b a l l o n voraus: sie stellte eine Rückforderuna von 1000 Mark an Lehmann. Diese wurden anstandslos be- zahlt und darauf klagte die Versicherung die weiteren?» Unrecht gezahlten 17 000 Mark«in. Der Angeklagte weigerte sich, diese zu zahlen: nun schob man ihm den Eid darüber zu, daß er das Sägewerk nicht in Brand gesteckt hat. Am 30. November 192-5 beschwor Lehmann vor der Potsdamer Zivilkammer folgendes:..fjch habe das der Offenen Handelsgesellschaft gehörige Sägewerk in Jüterbog in der Nacht zum 22. Oktober 1905 weder selbst in Brand gesteckt, noch ist dasselbe durch andere mit meinem Willen und Wissen in Brand gesteckt worden." Dieser Eid war falsch, denn spätere, durch den Oberlandjäger Klauke bei Verwandten de? Haase beschlagnahmle Brief« besagten deutlich, daß der Angeklaate und sein damaliger Kompagnon den Brand angelegt hatten, um die Versicherungssumme erreichen zu können. Der Staatsanwalt bean- tragte wegen wissentlichen Meineides drei Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverlust und diesbezügliche Neben- strafen. Das Urteil erging gegen den voll geständigen An- geklagten auf ein Jahr sechs Monate Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und dauernde Unfähigkeit, als Zeuge und Sachverständiger aufzutreten. Der Angeklagte wurde sofort in Haft genommen. Roch eine gestürzte Gemeindegröhe. Unterschlagungen von Mündelgeldern und andere Handlungen der Untreue wurden dem Rechtstonsulenten Eugen Ruttowjti aus Neutölln zur Last gelegt, der eine Zeittang im Gemeindeleben Neuköllns eine Rolle gespielt hatte. Er bekleidete eine Reihe von städtischen Ehrenämtern, so war er Mitglied des Waisenrats sowie Bezirks- und Armenoorsleher. Politijch gehörte er zur Deutsch- nationalen Partei. In seiner amtlichen Eigenschaft übernahm er die Bormundschaft für einen wegen Geistesschwäche ensinündigten Mann, der eine» Besiganteil an einem Grundstück in der Schön- hauser Allee hatte. Den überwiegenden Teil seiner Einkünfte ssat R. nicht an sein Mündel abgeführt, sondern für sich s e I b st oerwendet. Mehr als 2000 Mark hat R. aus diese Weise veruntreut. Von den monatlichen Einkünften in Höhe von 200 M. gab er kaum mehr als 25 M. ab und sagte iminer, das Finanzamt sitze ihm„zu arg auf der Pelle". Um die Veruntreuungen vor dem Vormundschaftsgericht zu verschleiern, hafte sich R. von seinem geistesschwachen Mündel Blanko quittungen ausstellen lassen, die er dann mit Abrechnungen ausfüllte. Auch als Hausver- walter hatte R. in einem anderen Falle seinen Auftraggebern die Hauszins st euerbeträg« in Anrechnung gebracht, sie aber nicht abgeführt. Der Angeklagte, der sich sogar ein Auio zugelegt halle, entschuldigte sich mit seiner„Notlage", in die er durch die Ausgaben infolge der vielen städtischen Ehrenämter geraten sei. Das Echöfsengericht Neukölln hatte ihm das nicht geglaubt und ihn zu der Strafe von ein Jahr drei Monaten Gefäng- nis und drei Jahren Ehroerlust wegen Untreue in ver- schiedenen Fällen und wegen schwerer Urkundenfälschung verurteilt. Auf die von Rechtsanwalt Dr. Arthur Brandt eingelegte Berufung kam die Berusungsstrafkommer des Landgerichts II zu einer Herab- setzung der Etraje. Einmol wurde die mit den Blankoquittungcn vorgenommene schwere Urkundenfälschung als eine mit der Untreue im Zusammenhang stehende einheitliche Handlung angesehen, da'", aber erfolgte auch Freisprechung in vier Fällen der Untreue, die dadurch begangen sein sollte, daß der Angeklagte Honorare an An- wälte für Zioilprozesse, die ihm zur Führung übertragen worden waren, zwar vereinnahmt, aber nicht abgeführt hatte. Hierbei kam ihm«ine Lücke im Gesetz zugute. Die Strafkammer setzte das Urteil auf 10 Monate Gefängnis herab, und ließ auch den vom Schöffengericht erkannten Ehrverlust wegfallen. Eine Bewährungsfrist wurde von der Strafkammer jedoch glatt abgelehnt. Der Mann auf de« Hochspannungsleitung. Am gestrigen Diens- tag nachmittag?L4 Uhr erkletterte der etwa 20jährige Eduard P l u s t w a aus der Schäferstraße zu Spandau in selbstmörderischer Absicht die Hochspannungsleitung. Er fiel jedoch her- unter und wurde von einer Streif« der Reichswasserschutzpolizci in schwerverletztem Zustande auf dem Boden liegend aufgefunden und von der alarmierten Feuerwehr nach dem tranken haus Lynarstroße in Spandau gebracht. P. hatte an den Händen 'hwere Brandwunden und auch durch den Fall noch andere schwere erletzungen erlitten. Zu SW»lMW Lei ßiäii, Rlwaiisirn Znäer-. Nieree-. Blasen-, Hamleiaen(RsrssSnre), Arterien- verliji]M.FraDefi]eliien.Mo�eii!eIiieni/,8 Uhr, in der Aula der Sophitnfchuli. W-inmeisterstr. tS/l? Lustmord in Rom. Rom. IS. März.>d. strichweise«edel. ZwCttÄ snweileiWsl sm-Zllliiis am Sonntag, dem 20. INSrz 1927, vormittags 11 Ahr. im Großen Schauspieihou», Sarlstroße INikwIrkeude- LerNner volkichor: Ceiinng l>r. Zander• An der Orgel: WIM Zae er ♦ Cello-Trio: Armin Lieb ermann, Arth Hoppe, -Sa« Lenzewsti• Weiher ed«: vr. Lehmann» OerSprechchor der prole- «arifchea Zeieriinnde. Leilnng Alb.Alorath ond Cluzelsprecher heinr. Witte Einirlitstarlen in den vetaonten Verkaufsstellen Groß-Serliner Parteinachrichten. Oeffenkliche Mieterversammlung am Doaner»tag, 17. Mär», 7% Uhr. I» ISriischen gelt, ehorlottenburo,«er. lmer Str. 5Z. Sagesortnitno:„Äoatpf dem Ricwiuchcr, fär äSictriWafc und cf» sozial« Mirtrecht.' Zlcferrnt«rast Siabrn.«Ic I-tereflentr- find ei». gclade». SPK.-Eharlottrnburg. 11.«rei»«chöneberg.F riedenan. Heute. Mittwoch, 1«. März, b'.h Uhr, Fr»! sorderli 17.«rei, ich. «tri» Lichtenberg. Arbeit« rwohlfahrt- Freitag, 1». März. 7 Uhr, letzter «ursuoabend im Nathauo, Möllendorfftratze, himmer SS. Lortrog des Genossen Etadtarzt Dr. Georg Löwenslein. Thema:„Was mutz der frei. willige Seifer von den gesundhettsfllrsorgerifchen Ginrichtungen de» Be. zirks wissen? 1». Treis"" edingt _..------------------------- ng. Vortrag:„Unsere nächsten Aufgaben." Aussprache. Verschieden«. Referent Genosse Sutfahr. Mit- gliedsbuch als Ausweis mitbringen. heute. Mittwoch. IS. Mörz:' 11. Abt. Ad 8 Uhr bei Schmidt, wiclefstr. 17, wichtig« Flugblatlverbreiwng. «8. Abt. Temipelhos. Die B-«rdigun« de» Sohne» unseres Genossen Gutmann findet nachmittags Z Uhr auf dem Gemcindrfriedhaf in der Germania. stratze statt. Wir bitten um recht rege Beteiligung. Morgen. Donnerstag. 17. Mörz:,. K. Abt. Berriniguag für Schul-»nd Grziehungsfragen, Stralauer Zar: Ler. fammlung abend» 8 Uhr in der Echulaiila Ehrenbrrgstr. 2«. Dortrag:„Di, Großstadtfamilie." Referent Herr Hoefner. ». Abt. 7>4 Uhr bei Seehaat, Willibald-Aleris.Str. 8,»ortrag:..Oeffentliche Wohlfahrt." Referent Genosse Otto. Erscheinen aller in der Wohlfahrts- «lege tätigen und intercffierten Mitglieder wird erwartet. dt. SIchterfrld«. Alle Bezirksführer und sonstigen tätigen Bartcigenossen trrffrn sich zur Funktionärfitzung abends 7>4 Uhr beim Genossen Srull, Lankwitzer Str. Ist. Räntaenthal, Zepernick, Schwanebeck. 8 Uhr im Lokal Basenrr, RSntgenthal, Zahlabrnd. Wichtiger Bortrag. Erscheinen oller Genossen und Genossinnen ist Pflicht. Gäste willkommen. Arauenveranfiallungeu: Marz, findet«ine Be- ibnra, Rofinenslr. 4, statt. _____________»Platz, Linie 52. Die Friedenauer Genossinnen treffen sich nachmittags 2 Uhr auf dem Friedrich. Wilhelm-Platz. Wir erwarten rrcht reg« Beteiligung. Arauenveranstallnngeu am Donnerstag. 17. März: tl. Abt. 7i4 Uhr bei Berg er. Lroetzowstr. 21. Ecke Iagowstraße, Reuter-Abend. t« abend. Gäft« sind herzlichst willkommen. Zrauenveranstaltungen am Freitag. 18. März: 37. Abt. Zchtu, Lichtenberg, Normaluhr_________________________,___________ 38. Abt. Bcfichtigung de»«onfums in Lichtenberg. Tieiipnntt vormittag, 9>4 Uhr auf dem Landsberger Platz. Nachzügler 10' i Uhr Rittcrgutstratze in Lichtenberg. * Bxabttfttuabt Neulälln, Gruppe Quelle: Donuerstog, 17. März, 8 Uhr pünktlich, in der Schule Mariendorser Weg, Zeichensaal, Feierstunde. Die Genossen und Genossinnen der 98., 97. und 98 Ab!, werden gebeten, die Beranstallung zu besuchen. Sterbetafel üer Grost-Verliner partei-Grganisation 8. Abt. Unser Genosse Friedrich Einfalt, Fchrbelliner Str. 48. ist am Sonnabend. 12. März, verstorben. Einäscherung am Donnerstag, 17. März, nachmittag, 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um recht rege Beteiligung. «2. Abt. RcuISll». Die Tochter untere, alten Genossen Engelhardt, Helene Engelhaidt. Stuttgarter Str. 58, Ist am Freitag, ll. März, nach kurzem schweren Seiden im blühenden Alter von 20 Jahren verstorben. Beerdigung heute. Mittwoch, 18. März, nachmittag» 2 Uhr, auf dem Gemeinde. friedhof, Mariendorfer Weg. Dir bitten um recht rege Beteiligung. 181. Abt. Zreptow. Unsere Genossin Gertrud Scharf, Graetzstr. 2, ist am Freitag. 11. März, verstorben. Einäscherung am Donnerstag, 17. Mörz. nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Berliner Str. 101—103. Dir erwarten recht reg« Beteiligung der Genossinnen und Genosse». Arbeiter- Knltur-Kartell Grotz- Berkin Sounabeud, den 19. März, abends 7'/, Uhr. im großen Saale der Philharmonie. Lernburger Straße. 4. Arbelter-Sinsonlekonzert mit dem PHIlhärmonlichen Orchester nuter Leitung von Zascha horenslein Ludwig van Beethoven (t 26. März 1827). Zur Feier des 100. Todestages 1. Ottvrrtflte zu Eollia» Trauerspiel„Eorlolau" Opus 62, Leethoven— 2. Konzert für v'oline und Orchester. Opus 77. Lrohm»«Violine: Gustav Have- mann)— Z. Sinfonie Nr. Z fkroica) Opus S5 Beel Hoven. Eintrittspreis IJiO Mark Karten sind z» haben: Ortsausschuß d««DGB.; AiA»Ottslartell: Gewersschaf!?. hau», Engsluirr 24—25: Hoifch, ZigatrengeschSI». Seweikschastshau«: Linke. Fnfel» straßr 8'Tabal-Bertrieb bei GEGtt 3 H. W Dietz. Buchhandiuvg, Ltnbenftratzc 2; ort»sn Odieuten der Kreis- und Abteiiungs- Blidungsausschüsse; im Bureau des Kultur-Karlell, Lindcnstraße S, ll. Hof, 2 Tr. r., Zimmer 8. Sozkalististbe?krdekterfugenö Grofi-Serlin. Beethoorn-Abend: Sonntag, 27. März, 7>4 Uhr, im Jugendheim Linden. stra�e�tz.� Prof. Leo Kcstenbcrg spricht über„Beethovens Leben und Wirlungen." «uudgebung gegen da, Gesetz zum Schutz« der Jugend»ei Lnstbar- keiteu am Freisag, 18. März, 7>.z Uhr, in den Prachtsalen am Märchen» brunnen. Am Friedrickisbain 29/31. Redner Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Treffpunkt 7 Uhr Landsberger Platz. Einlaß 10 Pf. Di» Karten müssen umgehend von allen Gruppe» abgeholt werden. Gesangschor, Sprechchor und Rnsikerl Morgen, Donnerstag, 7Zj Uhr, in der Schule Kochstraße, erste Probe zur Werbefeier im Großen Schau- spielhaus. Abteilungakasficreel Heute, Mittwoch, von 5—7 Uhr Abrechnung, Ausgabe de« März...?ugcnd voran" und der„Arbeiter-Fugend". Die Bücherstube ist heute, Mittwoch, von 5—7 Uhr geöffnet. Heute. Mittwoch. 714 Uhr: — Fallenberg: Jugendheim Am Falkenberg 117.„Sozialismus und Bolschewismus."— Friedrich-hagrn: Jugendheim Scharnweberstr. 105.„Das Gemein» schaftsleben auf unseren Veranstaltungen."—«anlsbors: Schule Adolfstraße. „Fugendschutz und-recht."— Lichtenbeeg.Mitte: Jugendheim Dossestr. 22. ..China."— Lichtenberg-Befti Jugendheim Scharnweberstr. 20.„Die Sozial- dcmokratie." Werbebezlrt Osten: Werbeversammlung in der Schulaula Frankfurter Allee 37. Der Werbebezirk Osten trifft sich TVt Uhr küstriner Platz. Vorträge, vereine unü Versammlungen. # Reichsbanner„Schwär,- Ztot-Gold�. SefchSftsstell«: Berlin s 14. Sebastian ftr 87/88, Hof 1 Tr. Kreuzberg: Achtung! Zeuge» des Ueberfalle» von Hakenkreuzlern auf Zivilisten und Reichsbannerlcute am Abend d« 11. Marz in der Nahe des Grimmparks werden gebeten, ihre Adresse Herrn Richard Betnareck, Potsdamer Str. 106 /ADD.), zu übermitteln.— Unser aktioer Kam. Julius Eitelsberg von der Abt. 12 ist verstorben. Die Beerdigung findet am Do., d. 17., nachm. 3 Uhr, auf dem Reuen Thomas-Kirchhof. Neukölln, Hermann- straße 179, statt.— Die Kreise treten am Fr., d. 18., mit Musik und Fahne» wie folgt on: Mitte: 7 Uhr Lllschingplatz. Weddln«! 8 Uhr bei Müller. Ufer. straße 12. Cpartrnleiter laden ein. Prenzlaner Berg: 7 Uhr Abmarsch von ''''' Abmarsch vom J. Lichtenberg: ----„J—„-----.--------------—»rnp pensitzungen fallen au». Weißensee: 8 Uhr Grünrr Baum, Berliner All«« 204.— MUttooch. 16. März. Krcianerri» Ziergarten, Kameradschaft Hansa: 8 Uhr Kamerad- schaflsvers. bei Berger, Zagvwsteaß». Frirdttchshal». 2. Sektton: SeNIonssitzuna bei Rostin, Wcmeler Straße. Lichtenberg! Zug- und Sruppenführersitzung bei E. Krüger, Türrschmibtstr. 83. Alle Züge und Ortsgruppen müssen verireten sein.— Donnerstag, 17. März. Bcißenfc«: 71! Uhr FunktionSrsitznna, 8 Uhr Kamrradschastsvers, Grün« Baum, Berliner Allee 204. Pankow: 8 Uhr samt- I'ch« Iungkameraden im Jugendheim Görschstrage. Portrag.— Freitag, 18. März. Prenzlaner Berg: Dir für die Kameradschaften Arnswalder Platz und Humann. platz angesetzten Persammlungen fallen aus. Wilmersdorf: 81 Uhr Gruppen. ssthrerbefprechung bei Kulta. Laueubueger Str. 21. Pankow! Wichtige Zu- samme'ikimft Turnhalle Wollankstr. 131 abends 8 Uhr. NachrichtendienÜ labet ein. Wildan: Verf. bei Dubian, Neüaurant„Zum grüne« Baum".— Renkissln- »ritz, 2. Kameradschaft: Pfl!chta»tnttn am Sonntag, d. 20.. nach«. 8 Uhr. Hertzbergstr. 23. Alle» erscheint zun, Umzug, der mit Untersllltung de» Kreio- verein« vorgenommen wird. Ab 41 Uhr Fahnenweihe in Erbe» Festsitlen. Hasenhcide. Eintritt l M.____ Unentgeltlicher Esperanto-Unterricht für Anfänger beginnt Mittwoch. 18. März, 7 Uhr, im Restaurant Wenbt, NW. 21, Wilhelmshavenrr Str. 8«. Interessenten willkommen. Landsmannichost der Schleswig.Holstrinrr»n Berlin. Donnrrstaa, IT. Ratz. 8 Uhr, Restaurant Oranienstr. 182, plattdeutscher Vortrag des Herrn Karl Seemann über„Hoch und Platt, für jeden watt."— Sonnabend, 19. Rittz. 85. Stiftungssest im Dresdener Kasino, Dresdener Str. 08. Landsleute, Säfte willkommen. «erri» bei Freidenker. Ottsgrnpp« Rofenthal: Donneratag, 17. März. 71 Uhr, im Lokal von Schneider. Hauptstraße, Mitgliederveesammlung.— Ottsgrnpp« Steglitz: Donnerstag. 17. März, 8 Uhr, bei Schellhase, Ahorn- straße 15.,. Lichtbildervortrag Uber„Kirchengcschichte." Referent Genosse Dr. Schiff Gäste willkommen!— Oeisgrnppe Seemsdorf-Waidmannslnss. Glienicke: Mittwoch, 18 März, 8 Uhr. Mltgliederversammlnng in Sermsdorf. Restaurant D-iliner. Ecke Babnbofstraize. Dortrag. Bereinignva ehemaliger Kriegsgefangener Groß. Berlin, e. B. Freitag, 18. Mörz, 8 Uhr, im Greiiswalder Hof, Grcifswalder Str. 43, Bollversammlnng mit Dortrag des Herrn Lang über fein« Erlebnisse in Afrika während des Weltkrieges. De, MIclerbunb bee Berwalwngslezlrk» BerNn-Stealitz, e. B. Freitag. 18. Marz, 8 Uhr. im Lokal„Zum Hindenburg", Lichterkelde, Hindenbvrg. dämm 115. ösfentliche Versammlung:„Der Kampf um die Aufhebung der Zwangswirtschaft im Wohnungswesen." Protest gegen die von der Reichs. regienmg beschlossenen Mietstrigernngen. ..German-Engllsh• Society". Donnerstag 8 Uhr Konditorei Leon, Bölow- striche l(Noilendortplatz). Gäste willkommen. Gefchastliche Mitteilungen. „Stagtl. Zachingen", das wohlschmeckende und bekömmliche Gesundheit». wasser. ist in seiner Art»nllbertroffen bei Störungen drr Berdauung», und Harnorgane und bei Stoffwechselkrankhelte». Srieftasten üer Redaktion. Index. Ueber die Löhe de» Anfwretungsbeteage» entscheidet im Nicht- einlgungsfolle das Gericht. Im üür'gen ist es sehr zweiselbgit. ob Sie die Sachen zurückverlangen tönne».— Tgl. 3188. Die gesetzliche Regelung Zhe-e Frage steht noch aus.— M. B. 181. Es ist die tzolitc der Kirchensteuer zu entrichten.— H. K. 73. 1. Ihre Schwägerin soll sich an dcn Wshlsahets- kommffstonsvorstchrr wenden. 2. Die Kündigung lann ausgesprochen werd-v. Sollt« die Räumung abgelehnt werden, so muß Klagt beim Amtsgericht er. haben werden. Die Klage lann zu Pro.ololl des Gerichlsschreisiers erklart werden.—(9. M. 4. Sie könne» mit einer Beschlagnahme rechn-n.— ®. Z. 21. Maßgebend ist nicht die Riete, sondern der Steuerbetrag, den her Hauswirt zu entrichten hat. Es können 100 Vroz. de» Gemeindezufchloges umgelegt werden.— Wette. Dgnon ist uns nichts bekannt.— R. S. 81. Wenden S'e sich an den Arbeiter-Abstinentenbund. Berlin SO. 15, Engel- ufee 20.— S. H. 27. Königewnsterhansen.— 100 R. O. 1. 18W. 2. Ur. sprünglich als Gipsligur ans dem Zimpelbofer Platz anläßlich de» Bett-�ea de» König« Humbert ron Italien, bann in Bronze gegossen und auf dem Aleranberrlatz aufgestellt. Stae. Wohnungsangabe fehlt, l., 2., 8 Ilpbe. kmint.- L. K. 79. Maniiffript erhalt'm. Bitte Geduld, es ist viel zu tun.— S. H. 28. 1. Phosphoramorben, Cchwefelanttmon und Bindemittel. 2. Fobrl. kationsglheimnis. daher unbelonnf. -WS» ZtO AcftL iSarsnttedand /n&uc Ädiehfa Jrfi/Svh ang~� AÄ-nAvrer GOLD-SABÄ /nAtT�xittd Sab Aroma, bekö m milchet: G�ialttät A�nd WizißarL BccUirL-? dAUBÄTY Die Jehler öer wirtsthastspolitik. Zündholzmouopol.- Wie nicht rationalisiert werden darf.- Curtius verteidigt sich. Die gestrige Reichstagesitzung brachte die Fortsetzung der Debatte über den Haushall des Reichswirtschaftsmini» steriums� Dar Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Frau Arcndsee sKomm.) von neuem die Beratung der Anträge auf Erhöhung der Invalidenrenten, weil die Erklärungen der Regierung im Ausschuß unbefriedigend gewesen seien. Abg Thiel(D. Bp.) wideripricht der Beratung.— Der Wider» sprach macht die Beratung unmöglich. Zum Haushall des Reichs» wirtschoftsministeriums sprach nun Abg. Diener sDnat.). Er weist darauf hin. daß nach den Ergebnissen der letzten Berufs» Zählung die Zahl der Selbständige» immer mehr zurückgehe. Er führt das darauf zurück, daß die öffentliche Hand zu stark als Unternehmer in das Wirtschaftsleben eingreife. Schwer ge» schädigt toerde das kleine Gewerbe auch durch die K r e d i t n o t. Der Redner fordert einen Staatssekretär für das Hand» werk im Wirtschaftsministerium. Abg. Veylhien(D. Bp.) dankt namens des Mittelstandes dem Minister dafür, daß er für Aufhebung der Preis» lreibereiverordnungen gesorgt habe. Unsachliche Kritik, wie ste die Wirtschaftspartei üb«, werde sich gegen sie selbst wenden, wenn sie einst die Verantwortung mit übernehme. Er begrüßte die Schaffung eines Ministerialdirettorpostens für die Fragen von Handwerk. Einzelhandel und Gewerbe. Abg. Sommer lZ.) begründet sein« Interpellation, die besonders auf die Konkurrenz der Reichsdruckerei für da» Buchdruckgewerbe hinweist. Solch« Eingriffe in die Privatwirtschaft müßten per» boten werden.» Abg. Vüll(Dem.) ist enttäuscht von der Kartelldenkschrist, die er nur als einen..Katalog' bezeichnet. Das Wirtschaftsministerium überschätze die Bedeutung der Industriekapitän« und unterschätze die» ienig« des Kleingewerbes. Von der Industrie fordert der Redner Aufhebung ihrer Werkswarenhäuser, von der Gesetzgebung Verbot des Zugabeunwesens. Abg. Lemmer(Dem.) bekämpft das Gesetz über Erlaubniszwang für Herstellung von Zündhölzern. Durch ein deutsches Gesetz soll« einer ausländischen Kapitalistengruppe ein staatlich garan» tievtes Monopol gegeben werden. Immer wieder hören wir die Klagen über die Eingriffe des Staates in die Privat» Wirtschaft, hier aber wird durch ein Gesetz zugunsten eine» privakkapiiasi. stischen Trust» die Gewerbefreiheil für einen Industriezweig vollkommen ausgefchaltel. Wenn zur Sicherung gegen die Ueberfremdung Schutz geschaffen werden solle, dann schon ein Staatsmonopol und kein Privat» Monopol. Gegen diese Vorlage müsse der schärfste Kamps geführt werden.(Beifall links.) Reichswirtschaflsminister Eurlius schlägt vor, künstig die sorgfältig vorbereiteten Reden schon vor» her der Press« zu übergeben, statt sie hier vorzutragen. «Stürmische Zurufe links: Und Ihr« Vorlesung? Unerhört!) Der Minister habe sich gestern bemüht, auf die Wirtschaftspolitik der Re» gierun� einzugehen, darauf sei die Rednerin der Sozialdemokratie nicht eingegangen. Die ollgemeine Lohusteigerung erhöhe die Produktionskosten und erschwere die Absatzmöglichkeil im Auslande. Das Reichswirtschaftsministerium fei von Interessenorganisationen nicht einseitig abhängig, es verhindere, daß da» Reich davon überwuchert werde.' Bei jeder wichtigen Wendung der Wirtschaftspolitik würden sowohl die Vertretungen der Unternehmer wie der Arbeller gehört. Di« Vorwürfe der Demokratischen Partei seien unbegründet, denn bis vor zwei Monaten habe sie die Wirtschaftspolitik der Regierung unterstützt, sie sei auch durch die neu« Koalition nicht geändert worden. Auf die Erziehung zur Wirtschaftlichkeit leg« das Ministerium den größten Wert, die Ausbildung von Diplom- ingenieurcn in Amerika solle gefördert werden. Die Maßnahmen zur Entwicklung der Qualitätsarbeit sollen unterstützt werden. Die Preise für Grundstoff« seien zurückgegangen, die für Kohle und Eisen seien auf einer relativ niedrigen Höhe erhallen geblieben. Als die Kalipreise erhöht wurden, hätten sich die Verhältnisse in der Landwirtschaft wesentlich gebessert, eine Reserven- bildung wäre ohne Preiserhöhung nicht mehr möglich gewesen, die Landwirtschaft habe ihm zugestimmt. Das Handelsvertragssystem habe wegen der noch un- sicheren Währungsverhältnisse in wichtigen Ländern Europos noch nicht weiter ausgebaut werden können. Die Regierung i" adriger als Frau Sender angegeben Hab«. Bei der Lösung der Zündholzfrage Hab« sich die zuerst versuchte Kontingentierung als ungangbar erwiesen. Der Reichswirtschaftsrat habe dann durch seinen Berichterstatter den Weg vorgeschlagen, den die Regierung mit ihrer Vorlage gegangen sei. Es sei der einzige Weg gewesen, um die völlige Ueberfremdung der deutschen Zündholzindustrie zu verhindern. Abg. Loibl(Dayr. Vp.) beantragt, die wirtschaftlichen Betriebe des Reichs und der öffenllichen Körperschaften mit Ausnahme der gemeinnützigen Versorgungsbetriebe auf das u n- er läßlich« Mindestmaß zu beschränken; er fordert ferner ein« Uebersicht über Zahl und Art der Reichsbetriebe und den Umfang ihrer Tätigkeit und eine Anweisung an die Reichsbehörden, bei Auftragserteilung keine Bedingungen zu stellen, die die Rechte und Freiheiten, die die Erwerbsordnung gewährt, irgendwie beein- lrächtiaen könnten. Abg. Varlschot(Dem.) stellt gegenüber der Kritik des Ministers an den vorbereiteten Reden der Abgeordneten fest, daß dieser selbst seine Rede vorgelesen Hab«, allerding« sei sie nicht von ihm, sondern von anderen vorbereitet worden Abg. ZNollalh(Wirt. Vgg.) setzt sich mit dem Abg. Loibl über die Frage auseinander, wer von beiden mehr für den Mittelstand getan habe. Staatssekretär Trendelenburg teill mit, daß die Beratung über die Ausgestaltung der Elektroversorgung im Gang« sei. Abg. Creutzburg(Komm.) begründet einige Anträge, in denen öffentlich« Krebste für da» Kleingewerbe. Kontrolle der verteilten Darlehen durch Vertreter der Kleingewerbetreibenden und Verbot von Pfändungen bei den in Not geratenen Kleingewerbetreibenden. Abg. Simon-Fromken(Soz.) begrüßt es, daß für den Ausbau der Statistik erhöhte Mittel ange» foroert werden. Es wäre notwendig, eine bessere Statistik über die Erträgnisse in der Landwirtschaft aufzustellen, die bisherigen Melhoden geben kein genaue» Dild über den wirklichen Ernteertrag. Auch die Lohnstatistlk muß verbessert werden. Es genügt nicht, die Tariflöhne festzustellen, es müßten vielmehr die tat» sächlich gezahlten Löhne«rmittell werden. Der Redner be- gründet eme Entschließung der sozialdemokratischen Fraktion, worin die Reichsregierung ersucht wird, dem Reichstag baldmöglichst«inen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Verpflichtungen der Unternehmun- gen regelt, dem Statistischen Reichsamt auf produktionsstatistische Fragen wahrheitsgemäße Auskunft zu geben. Abg. Sinn(Z.) wendet sich gegen die preistreibenden Tendenzen der Kartelle. Abg. Soenen(Komm.) bringt eine Reihe von Wünschen für die Durchfuhrung von Statistiken vor. Abg. husemaaa(Soz.) weist darauf hin, daß die Arbeiter keine Gegner des technischen Fort- schrilles seien und daß der Deutsch« Berga rbeitcrverband schon im Sommer 1925 Richtlinien für die Umstellung im Kohlenbergbau aus- gestellt habe. Diese Umstellung sollte aber unker maßgebender Mitbeteiligung der Arbeiter vorgenommeu werden. Die Verhandlungen darüber sind ergebnislos verlaufen und das hat unter den Bergarbeitern heftige Emvörung hervorgerufen. Ein« günstige Forternwicklung der Kohlemvirtschaft kann nur dann erfolgen, wenn die im Produktionsprozeß Stehenden gleichberechtigt daran Anteil nehmen. Di« vom Reichswirtschaftsministerium bisher aufgenommene Produktions- und Lohnstatistik ist un- zulänglich, die Bergarbeiter fordern die Einführung einer S e l b st k o st e n st a t i st i k, an der die Arbeitnehmer mirtwirken. Die Syndizierung derKohlenwirtschaft darf nicht zum Bersten der Un- ternehmer wirken, sie muß zum Besten der gesamten Volkswirtschaft ausgebaut werden, so daß sie eine wirklich« Kohlengemeinschaft ist. Dieser Ausbau muß auf die Veredlungserze uaung aus- gedehnt werden. Der Redner oerlangt zum Schluß, daß unter Mit- Wirkung der Arbeitervertreter rechtzeitig die erforderlichen Maß. nahmen getroffen werden, um die zu erwartende Rückführung der Saargruben in deutschen Besitz reibungslos zu vollziehen. Abg. Frau Luders(Dem.) macht auf die Arbeiten für die Typi» sierung der Massenwaren aufmerksam und ersucht um größer« För- derung dieser Bestrebungen. Abg. Limberh(Soz.) begründet ein« Entschließung der sozialdemotrattschen Fraktion, worin eine Aenderung des Gesetzes über die Regelung der Kaliwirtschaft verlangt wirb. Die BeteiligungsMer soll für die Zeit einer über sechs Wochen hinausgehenden Stillegung eines Kaliwerkes ruhen. Bei Uebertraguna, Rückgabe, Rücknahme oder Austausch von Beteiligungszlsfern hat das Kaliwerk, das Enttassun- gen von Arbeitern oder Angestellten vornimmt, diesen für die Daner von 52 Wochen d«, vollen Lohn oder das volle GeHall zu er. setzen. Um Umgehungen des Gesetzes zu verhindern, soll die Beteili- gungszifter auch dann ruhen, wenn trotz der Stillegung aus Vorräten geliefert wird und wenn die Stillegung eines Werkes nur vorüder- gehend erfolgt. Der Redner weist darauf hin, daß wie nicht raflo- die Salilndnflrie ein Musterbeispiel dafür biete. nalisiert werden dürfe. Unter den Stillegungen hatten die Bergarbeiter außer- ordentlich gelitten. Ihre Iaht ist um 13 000, die der Angestellte» um 3500 zurückgegangen. Die Stillegungen sind nicht aus dem Grunde der Rentabilität erfolgt, sondern nur vom personellen Ge- stchtspunkte aus. Eine Rationatisierung Hab« nur dann einen Zweck. wenn sie die Preise senken und die Lebenshaltung der Arbeiter hebe. Das war boi der Kaliindustrie nicht der Fall. Die Rationalisierung im Kalibergbau ist im Interesse der Konzerne durchgeführt worden. Ihr folge eine Preiserhöhung. Die von der Sozialdemo. kratie verlangte Aenderung des Kallgesetzes ist deshalb notwendig geworden, weil sich eine ganze Anzah! von Mißständen ergeben haben, unter denen die Arbeiter und Angestellten zu leiden haben. Abg. Albrechl(D. Bp.) polemisiert gegen die Abgeordneten Husemann und Limbertz. Er behauptet, daß die Unternehmer im Bergbau die Interessen der Gesamtwirtschaft und auch die der Ar- beiter und Angestellten wahrnehmen. Die Kaliindustrie sei ein Musterbeispiel dafür, daß der Staat nicht in die Wirtschaft eingreifen dürfe. Damit ist die Ausfprache geschloffen. In einer persönlichen Bemerkung stellt Abg. Frau Sender(Soz.) fest, daß der Minister, der der Opposition den Borwurf wohlvorbereiteter Reden gemacht hat, seine ganze Rede abgelesen habe. Es müsse aber festgestellt werden. daß bei diesem Etat die gesamt« Wirtschaftslage behau- delt werden mußt«, daß sich die Redner also nicht nur an das hallen konnten, was der Minister vorgetragen hatte. Es folgen die Abstimmungen. Der Haushalt wird nach den Be- schlüflen des Ausschusses angenommen. Die sozialdemokratischen Entschließungen über Errichtung eines Kontrollamies für Kartelle zur Aenderung des Kaligesetzes und zur Verpflichtung der wahrheitsgemäßen Austunfterteilung auf pro- duktionsstatisttsche Fragen werden dem Volkswirtschaftlichen Au»- schuß überwiesen Di« übrigen mit der Au»spra Elegantes jugendliches Sport-Kostüm eus vorzüglichen Shellandstoffen, grau und mode, Jacke ganr auf fein geblümtem Füller nur 20 mit) sSmtliche Anteil« der T. S. F. Kahlbaum. Themtfche Fabrik G. m. b. S). besitzt. Zwischen dem Mutterkonzern und den beiden anderen Gesellschaiten wird jetzt eine finanzielle Umstel» lung vorgenommen, derart, daß die Kahlbaum G. m. b. H. mit der Scherina A.-G. fusioniert wird. Zu diesem Zweck erhöht die Chemische Fabrik vorm. E. Schering A.-O. ihr erst im vergangenen Jahr« auf Iß, 8 Millionen erhöhtes Kapital neuerdings um 4 Mil- lionen, darüber hinaus zum Umtausch von Genußscheinen in Aktien um weitere 4,2 Millionen, so daß �stch das Aktienkapital txr Chemischen Fabrik auf Aktien, vorm.«schering auf 25 Millionen Mark erhöht. Damit wird die Schcring-Gesellschast auch kapital- mäßig zur stärksten Beteiligung des Oberkokskonzerns� Sowohl die Schering A.-G. als auch die Kahlbaum G. m. b. H. gehörten bekanntlich bis zu ihrem Uebcrgang an den Oberkokskonzern zum Ostwerk«- Schultheih-Konzern. Texlilkonjunklur und Baumwolloerbrauch Wie außerordentlich stark der Absturz der Baumwollpreise und die gleichzeitig einsetzende Textilkonjunktur in Deutschland den deutschen Verbrauch an Roh- boumwolle in die chöhc getrieben haben, zeigt eine Zusammenstellung der International Federation os Cotton Spinners and Mannsacturers Association. Danach betrug der Baumwolloerkauf Deutschlands in den sechs Monaten von Zlugust l92K bis Ende Januar l9Z7 insgesamt 702000 Ballen gegen 501 000 Ballen im Halbjahr von Februar bis Ende Juli. Das bedeutet in einem halben Jahr eine Verbrauchs- stcigerung von über 40 Prozent. Da nach den überein- stimmenden Berichten die Konjunktur in der Boumwollinduslne sehr günstig geblieben ist, läßt sich ein Baumwollverbrauch erwarten, der keineswegs weit hinter dem des letzten Vorkriegsjahres zurückzu- bleiben braucht. 1912/13 wurden im alten Reichsgebiet 1 728 000 Bal- len von der Textilindustrie verarbeitet. Starte Verschiebung der krastgvellen in der deutschen Strom- «Zeugung. Nach der Betriebsstatistik der Bereinigung der öffentlichen Csektrizitätswerke ist von 1924 auf 1925, oljo in einem Verhältnis- mäßig sehr kurzen Zeitraum eine starke Verschiebung in den Kraft- quellen bei der Stromerzeugung eingetreten Während die mit D a m p f k r a f t erzeugte elektrische Arbeit 1924 noch 88,25 Proz. der deutschen Gesamtstromerzeugung ausmachte, ist sie im Jahre 1925 auf 82,33 Proz. zurück gegangen. Auf der anderen S«it« ist der Anteil der Wasserkraft von 10, ßO auf 15.81 Proz. g c- stiegen. Ueberrwschend groß ist der Anteil der Braunkohle «Ca Araftguekk«. Cr da« Vordringen d«r km Jahr« IM gegenüber dem Borstchr durch sserkrast zwar wie der der Steinkohle«twas zurückgegangen, bedeckt aber mit 34,14 Proz. über ein Drittel samt- licher Kraftquellen, wozu noch der Anteil von 14,39 Proz. der Kraftquellen entfällt, die aus gemischte Betrieb« kommen. Eine neue Filiale der Arbelkerbank. Die von uns vor län"«« Zeit schon angekündigte Errichtung einer Zweianicderlassung der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten 2L-G. in Berlin in Bremen ist jetzt erfolgt. Die letzte Filiale wurde bekanntlich in Franklnrt a. M. errichtet. Eine überflüssige Gründung. Die günstige Konjunktur auf dem Pfandbriefmarkt ist offenbar auch Anlaß zur Gründung einer eigenen Hypothekenbank im Lübeckschen Staatsgebiet unter der Firma L ü- becker Hypothekenbank A.-G. Wie alle privaten Hypothe. kenbanten hat die Gründung den Zweck, gegen die Ausgabe von Pfandbriefen und Kommunalschuldverfchreibungen Hypothekendar- lehen bzw Koinmunalda riehen zu gewähren. Das Kapital beträgt zunächst 1 Million Mark. Wenn für die Gründung der neuen Bank angeführt wird, daß der Hausbesitz noch immer Schwierigkeiten habe, Hypolhsksndarlehen zu erhalten, so kann diese Begründung nicht über- zeugen. Man muß vielmehr annehmen, daß hier ein neben der bisher günstigen Pfandbriefkonjunktur lokalpatriotifches Interesse zu einer durchaus überflüssigen Gründung geführt hat, da wir an Hypothekenbanken wahrlich keinen Mangel haben. flus öer Partei. Ein Sicbenzlgjähriger. Genosse Klem.ns Hengsbach in Köln a. Rh. vollendet am Iß. März fein 70. Lebensjahr. Tijchler voi« Beruf, ist er schon in jungen Jahren zur Partei gekommen, um für die Ziele des Sozia- lismus zu kämpfen. In ollen Sturm- und Dranaperiodcn, die die Partei in einem halben Jahrhundert durchzumachen hatte, hat er seinen Mann gestanden, hat in steter Pflichterfüllung und treuer Gesinnung immer zu ihr und ihren Bestrebungen gehalten. Sein be. scheidcnes Wesen und seine ehrliche sozialistische Gesinnung ver- schafften ihm Achtung und Anerkennung bei Freunden und Gegnern. Seit 1912 war er in unserem Kölner Dnickereigeschast angestellt. außerdem war«r Firmenträger des Diklsburge? Partswnte» nehmen». Im Jahre 1907 wurde er im damaligen Wahlkreis Duis- bura-Mülheim als Reichstagskandidat ausgestellt, schlug in hartem Wahlkampfc den Zentruniskandida:en um rund 800 Stimmen und kam dadurch mit dem Naiionallibecaien in die Stichwahl, über den er den Sieg davontrug. Er vertrat den Wahlkreis bis 1911 als Ab- geordneter im Reichstag. Sein etwas erjchütterler Gesimdheitszusland zwang unseren Jubilar, im Sommer 1924 in den wohlverdienien Ruhestand einzutreten. Der Parteitag in Jena 1911 Halle ihn zum Mitglied der Äontroll- kommission gewählt, der er bis heute angehört., Wir wallen nicht versäumen, am Heuligen Tage deni alten Kämpfer einen recht langen und heiteren Lebensabend zu wünsche». Der Bezirk Brandenburg-Grenzmark hält am 23. und 24. April in Berlin. Prinz-Albrecht-Straße seinen ordentlichen Be- zirksparteitag ab. Die Verhandlungen beginnen am 23. April nachmittags 5 Uhr.?lus der Tagesordnung steht: 1. Ge- schästsbericht: g) Allgemeiiiee und Organisation, Berichterstatter W. Krüger: bf Kasse, Berichterstatter Rich. Schmidt: c) Frauenbewegung und Arbelterwohlsahrt, Berichterstatter A. M a t s ch k e. 2. Das Agrorprogramm, Referent Dr. Baabe. 3. Die Arbeiter- schaft und die soziale Gesetzgebung, Reserentin Marie I u ch a c z. 4. Der Parteitag in Kiel(Wahl der Delegierten). 3. Wahl de» Frauenoertretung zum Zcntralvorstand. ß. Anträge, soweit sie durch die vorstehende Tagesordnung nicht erledigt sind. Am Montag. dem 23. April, findet im Anschluß an den Bezirksparteitag eine Bezirks-Frauenkonfcrenz statt. Tagesordnung: Die Frau in der Partei, Referentin Anna M a t j ch k e. Zur Teilnahm« am Bezirksparteitag sind berechtigt: Die auf den Unterbezirkskonie- renzen gewählten Delegierten und die Sekretäre der Unterbezirke, die Mitglieder des Bezirksvorstandes und die Revisoren, je ein Ver- treter der tri der Provinz erscheinenden Parteizeitungen, die in der Provinz gewählten Reichs- und Landtogsabgeordnete'n, die von den Provinziallandtagsfraktionen gewählten Vertreter. Wir fordern die Ortsvereine auf. in Mitgliederversammlungen zur Tagesordnung des Bezirksparteiiages Stellung zu nehmen. Anträge der Ortsvereine find bis spälestens 15. April an den Unterzeichneten schriftlich einzureichen. Ouartiermeldungen werden bis spätestens 15. April an das Bezirkssekretariat Brandenburg, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, erbeten. Thcalcr' Llüi�pleSe nfw. ■■■■■IMBIMNI Staats-Theater Opernhaus «• Platt d.Ftepuh! 7*/»: La TrarSala Sctaaasplelhau« 8 U.: Plachsmann als Erzieher 8chlller*Theatcr 8 Uhr: Raztla »W Opei Charlottenburz 7>/, Uhr Jagend im Mai Ahonn.-Turnus I. DeiitsMeater Norden 10334— 37 8 Uhr Bonaparte JSatntnersptele Norden 103«— ä7 7»„ Uhr: Zum 1. Male; Toni Die Komödie BismarcK 2414. Mir 8'r, Uhn Letzte Woche: Die Perle Freitag, Sonnabend. Sonntag Letzte Woche: Nacbtrorstelluas: 11 Uhr: Rasoi ein Bind Preise 2, ,1 u. 4 MarV Tbeat. aJollendcrip! Kurfürst 2041 8 Uhr; RaxSdaiberi in �MOIler«" ItaRUa-ThMJer 8 Uhr; vik nmtiBg Seefalsw Nollcndorf 7360 8 Uhr und die übrigen Sensationen! Stsubnils i.'mitsgi 2 Vurstellungeii 3-° und« Uhr. 3'° zu ermäßigt. Preisend. ganze Programm Folge dem erlahrencn Ratschlag junge Mutter: so wichtig wie die Körperpflege Deines kleinen Lieblings ist auch die Reinigung seiner zarten Hüllen und Kleidchen. Vermeide alle scharfen Waschmittel; wasche alles was die zarte Kinderhaut berührt nur mil Lux Seifenflocken. L123 LUX SEIFENFLOCKEN Dl. � S�'CHT» Rose-lhsater SV« Uhr: Oos Mldchrn von der I�ndsiraMR Volks büh ne Ibistir na SCIovplali 8 Uhr Volpone Morgen 8 Uhr Vo I e> o n e Iii. 10 IMdiowIiom 8 Uhr: Das Graimial des onbekaneten | Komische Oper) Allabendlich a1/, Ubn Sünden der tJPelt Die weltstädtische j James» Klein» RevueS |*50 Mitwirkende/ Theaterk.l | ab 10 Uhr un'jnterhr. geöffncLl Neues Theater am Zoo Qroßberliner Schauspiele UrauHöhning Gonya- die Enkelin des Königs Lear v. Carl— Regie: Hanns Marland Sonntag vormittag Ii1/, Uhr, 20. März Billett- Vorbestellung Amt Oliva 180. £RIK CHARELL BRINGT { Tdp Koh S Uhr Und© 11 Chr Sonntay, nachm. 8 Chr. nnUvh. halb© Prela© Denera Hnpfer Bandow Alfred y ramllla Weolcmelrr Braun Spira'» a. luarsz Manmba Jjnphonl! Orchester. PsrmtnA brelher« u. viele Ati.raüti'iiirn Vorverlt.(10-1) anueterbro- hen. Hühnenbilder: Ernst Stern. Dii ignnt: Dr. Ernst Ritmer. iGrosses Schauspielhaus Uiianknh-ÜitHS Ots. Künstlrr-Th üidard Titler. Illtiürürt 8 Oer Zarewitsci; Lessing-Theater 8 U«: Der Patriot •sratr. IsitMr P Lustspielhaus \ Uhr: P Gold# Tk'elsdwr iRurra-tinJiingel! •»•eeeseee ieirostoi• neai. Täglich 8 Uhr: JirkuniDiiDiii alter- Jtame Theater Im Admiralspaia«! Täglich 8V, Uht An il aus hRPentral- ThMler Täglich 8 Uhr: Oer bisüde Imm BAntt» wi ItjrtiB Snosf. ilfinwm.»W», Rihittdi, Sd*«n, ViltH. Ulüi waibaila-Tbeai. «dnhrnnt fifi. 81< 8'.', Uh r: Ben Hur Gr. Soutmullik in i Bliäun Vor?- halbe Kassenpreise von 50 Pf. an PhtUumuMUe 8 Uhn Srtra des Philharm. Orch. Dirig.; Arnold Ebet Neunte Sinfonie mit SchiuBchor öer Bär? Brettal Variete, Konzert. Tanz. Wallner° Theater Doaaeratag. den 17. Atärs 8 Uhr Uraufführuns g ehr Kfisse In der Nsdil Lnst�nief mit Musik und Tanz von Sachs u.Taufs-cia— Musik von U>jacco Mittwoch« den 16. März Zum letzten Maie: Das Dlonde Wander MM ycirtcry. Arfteiter, Angestellte. Beamte besucht die Veranstaltungen der „No-Va-Co" Karlshorst, D utsches Haas Treskowallee(amBahnh.) Jed. Dienstag Pankow, Konzerthsus BreitestraSe 34 Jeden Mittwoch Cöpenick. SfadttheaUr Fried rieh str. 6 Jeden Freitag u. Sonntag Tegel, Vereinshaus(Hamaseck) HaunUtraBe 6 Jeden Sonntag Notstaads•Variete•Kommission der Intern. ArtistenaLope B. V. SARRASANI K£oeAlUatia>lc,2ö.Marz letzter Tag I T ägl. 7°. Mittwoch, Sennabend, Sonn- 1 tag, auch 3 Uhr, Kinder halbe Preise.' zi« Unterhaltung unö ANissen Instruktion bei öer Schwarzen Reichswehr. 4 #6cfondtt3 zu bekämpfen hobt?hr üen inneren§einS. Wer ist öer innere 5eioö, pachulski!" ,?aneres Jeinö is preißisthes Innenminister, Herr Leitnant!' Katjas Zlucht in Sie Schönheit. von Heinz Eisgruber. Kotia war siebzehn Jahr« all unb lebte in einem gobrlfborf der Provinz Posen. Sie wohnte mit ihren talggesichtigen Ellern und zwei rachitischen Geschwistern in einem windschicsen Lehmhaus und ging tagsüber in die Fabrik. Wenn sie abends von der Arbeit kam. setzte sie sich vor ihren Toilettentisch, der aus einer allen Kiste bestand. An drei leeren Bierflaschen, die im Dreieck angeordnet waren, lehnten alle, halbblinde Spiegelscheiben, in deren optischem Widerspiel Katja nach der Schönheit ihres blassen Knabengesichtes fahndete. Mit Hilfe eines zahnlückigen Kammes, einer Schale ranzigen Oeles und eines allen Modsjournals durchprobt« sie zäh und in wangenrötendem Eifer die tausend Gestallungsmöglichkeiten ihrer schwarzen, dünnen Haarsträhnen. Dann lief sie durch das Dorf, verfolgt von den Stichelreden der Burschen und Mädchen, die unter den Haustüren standen, zuweilen auch getroffen von dem zitternden Blick einer kühneren, ahnungsvollen Männerphantasie, und verschwand in einer grauen, bau- fälligen Hülle am Dorfrand«. Hier erwartete sie eine alle, auf- gedunsene, schmierige und sellsam angeputzte Frau, von den Dorf. insassen die„Berlinische Hexe"' genannt. Man sprach sehr schlecht von ihr im Dorfe und ging ihr tagsüber aus dem Wege. Aber wenn die Sonne hinter den Wäldern versunken war, bekam sie viel Besuch von den Ehrbaren und Durchsichtigen, denen sie für ein paar Pfennige aus den Karten wahrsagte. Mit Katja verband sie schon seit Jahren eine zärtliche, mütter» lich« Kameradschaft. Sie liebte das schmalbrüstige Mädchen mll der schweifenden, flackernden Phantasie als wäre es ihr eigen Kind. Sie erzählte der Kleinen, die zusammengekauert mit leuchtenden Augen in der Ecke saß, Abend für Abend von der Well jenseits der Dorf» wälder und Fabriken. Und Katjas beschwingte, matzlose Phantasie zog willig und kühn mit fort und malle sich eine zauberhast schöne Well zurecht, die so bunt und märchenhaft erstrahlle wie der Delbrück über dem Lager der Alten. Katja träumte es nicht nur, daß die Well so schön sein konnte, sie mutzte es auch, seit sie einmal in die Villa ihres Brotherrn geschickt worden war. Eines Tages versickerte die Quelle, an der sich Katja» Phantasie fallgetrunken Halle: ihre alte Freundin starb. Sie starb keine» natürlichen Todes. Katja fand sie bei ihrem abendlichen Besuch In- mitten einer Blutloche. Die schmutzigen Habseligkeiten der Alten waren teils umhcrgestreut, teils gestohlen. Man sprach von man- dernden Zigeunern, die in der Gegend gesehen worden waren, und verscharrte die Alte sang- und klanglos. Katja lief feit jenem Tage mit trüben Augen herum Und eines Tages war sie verschwunden. Bald fand man Spuren, aus denen nian schließen konnte, daß Katja durchgebrannt war. Der Dater tobte eine Weile, aber die Mutler besänftigte ihn: vielleicht hat sie Glück da draußen. Und bald spürten beide erleichtert, daß Bell und Etznapf größer geworden waren. Katja aber war unterwegs nach dem Ziel ihrer Sehnsucht: nach Berlin, der Wunderstadt. Solange ihre Pfennige gereicht hotten, war sie mll der Lohn gefahren. Dann war sie auf der Landstraße weitergelaufen. Ein Wanderbursche schloß sich ihr an, der das gleiche Veiseziel hatte und die Landstraße kannte wie seine Westentasche. Sie ü beinachteten in Scheunen oder im Freien. Er schützte und wärmte sie, und sie bezahlle ihm seinen Beistand mit ein wenig Liebe. An ihrer sehnsüchtig erregten Phantasie glitten all die Wirk- lichkeiten dieser Reise ab. ohne in ihr Bewußtsein einzudringen. Alz sie müde und zerlumpt in der Riesenstadt angelangt waren, er- brauste in Katjas Herzen das Getriebe der Millionen als Triumph- choral erfüllter Sehnsucht. Hier spiegelte in hunderttausend Facetten all die Schönheit, von der sie geträumt hatte. Hier schienen alle Schönheiten der Well aufgestapelt zu sein, um sich über die Herzen und Leiber der Millionen z» ergießen. Katja wanderte selbstvergessen an der Hand ihres Wander- freundes durch die blinkenden Straßen, und verzückte Rufe sprangen von ihren Lippen. Dann mündeten die beiden in einer dunklen, schmalen Straße, in einem von Rauch, Musik, Papierflitter und Lärm erfüllten Lokal. Hier sah Katja Mädchen und Männer sitzen, die ihr sellsame Zwittergebild« aus der Häßlichkeit ihrer Fabrik- Heimat und dem Glanz der Millionenstadt schienen. Die Lippen der Mädchen waren leuchtend rot und ihre Haut samten bestäubt wie Schmetterlingsflügel: aber um ihre Augen lagen dunkle Schatten und um den Mund gruben sich bittere Linien. Es schien Katja, als kenne ihr Wanderfreund alle, die hier saßen und sich zu der aufreizenden Musik auf den Stühlen räkellen. Und auch diese sprachen olle vertraut miteinander und in einem Idiom, das sie kaum verstand. Eine schwüle Atmosphäre umhüllt« sie olle, und Katja, die noch nie so hüllenlose Kameradschaft gespürt hatte, tauchte widerstandslos in chr unter. Als ihr Wanderfreund mtt einem Mädchen kam. das sogleich den Arm um Katja schlang ung gut zu ihr war, als Katja Körperwärme und den süßen Geruch eines betäubenden Parfüms spürte, sühlle sie sich wundersam ge- borgen. Sie ging auch selig mit ihrer neuen Freundin fort und streckte sich wohlig in dem Bett, das ihr die Freundin bot. Mitten in der Nacht wurde Katja wach. Im Zimmer waren zwei Männer und lärmten. Katjas Freundin stand vor dem Bett, deutete auf die Männer und lachte Katja war voller Angst und wußte nicht, was sie tun sollte. Sie stand schließlich aus und schlüpfte in ihre Kleider. Ms die Männer brutal wurden, flüchtete sie zur Freundin. Als diese sie beschimpfte, lief Katja au» dem Zimmer und auf die Straße, mit Augen, die denen eines gehetzten Tieres glichen. Zwei Tag« schlich Katja durch die Straßen und Anlagen der großen Stadt, die ihr von Stunde zu Stunde grauer wurde und häßlicher. Sie suchte Arbett und Esten. In einer Lorstadikneipe kaufte ihr ein aller Arbetter einen Teller Suppe und schickte sie nach dem Arbeitsnachweis, einem grauen Haus, vor dem Hundert« von Menschen warteten. Sie bekam Adressen, lief in ferne Straßen, schlich Treppen hinauf und hinab und wurde überall abgewiesen. Am Abend stand sie wieder vor jenem Lokal, in das ihr Wonder- freund sie am ersten Tage geführt hatte. Ein junger Mann zahlte ihr Esten und Bier. Die Freundin mit den roten Lippen kam, starrte ihr ins Gesicht und ging höhnisch lachend vorüber. Später kam ihr Wonderfreund. Cr nahm sie mit sich in eine klein«. schmutzige Dachstube. Sie war mute und schlief: sie war hungrig und aß: sie war stumpf und ertrug Liebe. So ging sie auch in der Nacht zum siebenten Tage ihres Auf- enthattes in der Wunderstadt mtt ihrem Freunde fort, durch duntl«, menschenleere Gasten, um ihm und seinen Kumpanen bei einem Einbruch zu helfen. Katja stand fröstelnd an einer Straßenecke, während die anderen über ein Gitter kletterten und sich den Weg in eine Villa bahnten. Als zwei Sipos kamen, zog sie mechanisch ein Pfeifchen hervor, steckte es in den Mund und pfiff heftig das verabredet« Signal. Do wurde es in der Straße lebendig. Katja vergaß, was ihr der Freund eingeprägt hatte und rannte hastig über die Straße, vis sie an die nächste Straßenecke kam. fühlte sie sich von kräftigen Fäusten gepackt. Man brachte sie auf die Polizei- station. Dort gestand sie schliichzend alles ein. Zwei Wochen später, nach qualvollen Vernehmungen und Der- Handlungen, wurde Katja von einer Frau auf den Bahnhos gebracht, von dem die Züge nach dem Osten gingen. Katja saß zusammen- gekauert in einer Ecke des Abteils und antwortete kaum, wenn ihre Begleiterin sie fragte. In ihren Ohren erklang nur immerfort be- drückend der Nome ihres Heimatortes, den sie gehört hatte, als ihre Begleiterin mtt dem Bahnbeamten gesprochen hatte. Als der Zug sichKotjas Bestimmungsort näherte, als sie durch dos Fenster dic Wälder ihrer Heimat auftauchen sah— ihrer Heimat, die keine war—, da wurde sie unruhig, und vor ihren weitaufgerissenen Augen tanzten die höhnischen und drohenden Grimassen der Dorfbewohner und der Eltern. Kurz vor der Einfahrt des Zuges öffnete Katja schnell die Wagentüre und sprang hinaus. Sie war sofort tot. Ihr Kopf war auf einen Stein auf- geschlagen. Langsam sickerte das rote, sehnsüchtige Blut Katjas aus der klaffenden Wunde auf die Erde. Es sah aus, als trüge sie eine rote Rose im schwarzen Haar, von der blinkende Tanperlen tropften. Erinnerung an �nuraöhapura. Von Andreas Lechko. (Schluß.) II. So dicht, als es die nächtliche Ankunft befürchten läßt, ist die Wildnis um Anuradhapuro nicht. Au» Glaudenselfer haben sich der englischen Regierung Tausende von Eingeborenen unenizeitlich zur Derfügung gestellt, als man vor einigen Jahrzehnten daran ging, die heilige Stadt aus dem Pflanzengewirr, das sie ver» [chlungen hatte, wieder herauszuhauen. So gibt es jetzt eine äußere und eine inner«„Grcuisr read", zwei einigermaßen ausgerodete Ringstraßen durch den kleinen, freigelegten Teil des Ruinenfelde». Um diesen mühsam errungenen Besitz geht aber der Kampf tm- entwcgt weiter, der Dschungel rückt immer von neuem vor, treibt seine Wurzeln wie sprengende Keile in den schön geschnitzien Stein, schlingt das Gewirr seiner Hängepilanzen und Luftwurzeln er- drosselnd um die ausrechien Säulen-- nian muß darauf ver. zichten,«eitere Gebiete freizulegen, und ist froh, wenn Mittel und Arbeitskräfte ausreichen, das„Wenige" zu erhalten, das der Ur- wald bisher.zurückgegeben hat. Wer dieses„Wenige", in diesem Wenigen nur die Trümmer der wichtigsten Paläste und Kirchen, mit der Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt, besichtigen wollte, müßte nicht nur eine Woche min- bestens in der einzigen, unreinlichen Herberge ausharren, er müßte vor allem die Widerstanoskraft besitzen, die nur lahrelanger Aus- entholt in den Tropen dem Europäer verleihen kann. Denn«ich der tleine, ausgegraben« Teil der Königsstadt bedeckt eine Fläche von mehreren Quadratkilometern, man kann mtt dem Wagen nur über die beiden Ringstraßen fahren die schönsten Relief«, Säulen- köpfe, Treppenteile und Buddha-Heiligtümer liegen abseits, und zu Fuß durch die Glut des tropischen Flachlandes sich fortzubewegen kostet unvorstellbare Selbstüberwindung, die geborstenes Bauwerk nicht lang« zu nähren vermag Selbst Pompeji, mit seinen wunder. bar erhaltenen Palästen, die Einblick in das intime Leben eines versunkenen Jahrtausends gewähren, könnte, derart zerstreut und von dem Himmel der Aequatorialgegend überwölbt, wenig Laien zu eingehender Besichtigung verlocken. Hier aber ist das Auge wett weniger beschäftigt als die Phantasie—und die versagt, will man die Bauten sich vorstellen, deren abgebröckelte Partikelchen. Köpfe, Säulen und gestürzte Schmuckfiguren derart gigantische Maße zeigen. Vierhundert Jahre oor Chnfti Geburt haben in Anuradha- puro die siegreichen Heerführer der Singhalesen ihre unumschränkte Macht in Prachtbauten ausgetobt, ihrem eigenen Ruhm« Paläste errichtet, die nach zweieinhalb Jahrtausenden dem Besucher, der aus dem„Zeitalter der Technik" herüberkommt, unglaubwürdig er- scheinen, wenn er sie aus den umherliegenden Andeutungen zu rekonstruieren sucht. Erst später, als die neue Religion Buddha» ihre Seelen bändigte und die Eignung ihrer Leiber zum Kriegs- Handwerk entsprechend untergrub, in dieser deklinierenden, den Niederlogen zuglettenden Periode erst bauten sie um die irdischen Ueberreste, die Knochenteile und Zähne Buddhas Tempel auf, die mit ihren bescheideneren Dimensionen der Zeit und dem Wald bis in die Gegenwart hinein widerstehen konnten. Diese Heiligtumer, besonder» die„Dagobo". die den linken Backenknochen de» Göttlichen entHallen soll, haben zum Teil nicht» von ihrer MonumeittalüÄ eingebüßt; man sieht Steinfiguren, dte ein preußischer Kürassier, wenn er sich auf die Fußspitzen stellt«, vielleicht in den Kniekehlen kitzeln könnte. Aber eine Einheit erwächst aus all diesen Einzel- Helten nicht! Don der Residenz de» Königs Anu. von der Pracht der ganzen Stadt, vermag das Trümmerseid keine Vision zu gebären. Ein Beispiel: Da stehen, wie Soldaten gereiht, mächttge Granit- faulen, einzelne noch ganz erholten, viele gebrochen bi» aus einen kleineren oder größeren Stumpf, zu Staub geworden, so weit sie aber aufrecht stehen, sorgfällig freigelegt, und dennoch unübersehbar, denn ihrer nicht weniger als sechzehnhundert bildeten allein das Erdgeschoß des„Ehernen Palastes"! Neun Stockwerte hoch waren sie cin(t llbereinandergctürmt, jeder einzelne Pfeiler mit Erzplotten verschalt, und das ganze Gebäude mit einem blanken Kupferdache überdeckt. Wie sollte die ärmliche Andeutung des grauen Stein- labyrinths genügen, um das Funkeln des Metall» im Feuer der Tropensonne neun Stock hoch in den Himmel zu projizieren?-- Aber wenn der Rückblick auch nur sehr unvollkommen gelingt, so zwingen dafür die Ruinen von Anuradhapuro dem Beschauer Gedankengänge auf. wie sie nur in Aegypten, am Fuß« der Pnre- miden.. oder vor den Tempeln von Efu und Karnak. mit gleicher Wucht auf dos Eegenwartsgsfühl de» Europäers einstürmen. Wie im Märchen von einem Zauberer angehaucht, imd in«in winziges Infekt verwandelt, sieht man sich zuletzt zwischen den gestürzten Kapitälen und eingesunkenen Stufen wandeln, eine Fliege, die keu- chend über die zerstreuten Brotkrumen aus dem Tischtuch klettert!.. Lielleicht wäre es zuweilen heilsam, das hochmütige Sichsclbft- genügen der Gegenwart ein wenig durch diese vom Urwald nieder- gerungene und zerschmetterte Residenz zu führen, kreuz und quer durch die Ruinen einer Zeit, die ihren Königen — vor zwanzig Jahrhunderten!— neun Stock hohe Erzpoläste er- richtete, und dem Führer ihrer Seele Tempel weihte, die, eingestürzt und von Pflanzen überwuchert, immer noch sechzig Meter hoch über den Erdboden ragen. Elve diamanteninsel. vi« Insel Bvrneo, die zweitgrößte Insel der Erde, scheint sich immer mehr als eine wahre Diamanteninsel zu entwickeln. Der Diamantenreichtum dieses Bodens hat schon die holländische Regie- rung oor einiger Zeit veranlaßt, Sachverständige zur Untersuchung der edelsteinhalttgen Erde zu entsenden, die sich aus kristallinischem Schiefer, Granit und Diorit zusammensetzt und außer einem reichen Goldlager auch eine bisher noch ungeahnte Meng« Diamanten in sich birgt. Besonders tn Westborneo und im Süden bei Martapura ist der Boden Borneos gewissermaßen mit den kostbarsten Ma- terialien so stark vermischt, daß man hier auf Gold- und Diamoitten- lond tritt. Es kommt dazu, daß das Gestein auch sehr plotinholtig ist, ebenso wie das gleiche Gelände reich an bestem Eisen ist. Dos Schwemmland der Flüsse war schon früher in Bvrneo die Stätte reichster Diamantensunde, obwohl die Ausbeute dieser Insel nickt systematisch oor sich ging. Die Diamanten von Bvrneo haben außer» dem den großen Vorzug, daß sie zu den schönsten Edelsteinen der Erde gehören. Kein Land der Wett, auch nicht Transvaal, bringt Steine von so reinem Glanz hervor, wie dos Diamantenland Borne». Einer der berühmtesten Steine ist der sogenannte„Danauradia". ein Diamant von fast 400 Karat Gewicht, der sich im Besitze des Prinzen von Moton befindet und auf Bornes gefunden worden ist. Bisher galt Transvaal mit feinem„Blauen Grund" als das dioman- tenhalttgste Land. Die Ursache dafür ist aber nur darin zu finden, daß Transvaal von geschäftskundigen Männern systematisch ousge- beutet wird. In Bvrneo dagegen ist die Gewinnung des Edelsteines noch sehr im argen, auch die Gold- und Plolinproduktion, die sich meist in den Händen von Chinesen besindet, ist augenblicklich noch sehr gering. Es ist aber zu erwarten, daß nunmehr die Ausbeute in größerem Maßstäbe vor sich gehen wird. Die Eingeborenen nannten schon früher das Gelände mit dem Namen„Diamantenland". Offen- bor haben die Bewohner des Landes diefe Kenntnis feit Urzeiten, da dem Vernehmen nach hier fett frühesten Tagen Gold und Diamanten gewonnen werden. Abgesehen von diesem Reichstum ist Börnes auch auf anderem Gebiete ein wahrhaftes Goldland, denn e, ist an allen teuren Erzen wi« Kupfer Zinnober, Blei und Zink sehr reich, ebenso wie an Petroleum und Salz. Die Ausbeute an Gold betrug in den letzten Iahren kaum 4 Millionen Mark, da sie von den Chinesen nur mangelhaft gehoirdhabt wird. Die Ausbeute an Diamanten hat kaum mehrere hundert Karat betragen und ist nur In den sellensten Fällen auf über 1000 Karat gestiegen. Die Straße der.Zukunft. Der englische Serkehrssachoerftändige Lord Montogu of Veaulieu veröffentlicht soeben»in Buch unter dem Titel„Achtung! oder: Wie man die Straßen benutzen soll", in dem er ein Bild der Zukunft der Großstadtstcahen und des Fußgängerverkehrs entwirst. Er ist überzeugt, daß Rolltreppen und Rolltrottoirz künstig eine viel größere Rolle spielen worden als heute. An den Stellen besonders starken Verkehrs werden unter- irdische Uebergäng« für die Fußgänger mit großen Paternoster- aufzögen geschossen werden. WM Metaliariieiier-VeriiaDil Vtrwaliuagitlclle Derlln. ®« JtoIUgrn jut Rachricht, daß unm»eüegf, der Hehlschleis, r Friedrich Einfalt am 13. Slttr, gesterde» ist Ehre seinem Andenken. Einäscherung«m Donnerstag, dem 17 Mär», nechm i Uhr. im jtrema- torlum Baum ich«'«», g,»>»s h,l»slr. Reg, Brtnllgung erwarte DI« OrteTerwal nag. erlln-Hambg.-Bahn). afc." Frauenleiden. Ertols tausendfach de sötic"""" .. i_ Mp Verwaltung und diverser Reisebureaus. W W Erfolgreichstes ad gegen Gicht. Rheuma, Ischias und enleiden. Erfolg tausendfach betigt. Eröffnung I.Mai 1927. Kuraeit gaaijihrig. Prospekte durch die Bade- i Gerhard Höhnen i ! Das Haus- f&r Volkskleid ang and Berufskleidung NEUKÖLLN Hermannsire�e 76-77 MliiA detaMtiter-V Ami a'*"'n*! BetTle&smte Di, Betr»d«tiite-z,itschrist Nr. S ist erschienen und kenn gegen Borlegung der Sgitimatienefarte de» Betriederaie- edmanne, in unsere» Bureau, Zimmer i. oder nach 4 Uhr im gimmer 4 ntigegen. genommen»oerden. WM! Verttaveiislelite UM «m Tenneroiag. dem 17.«ärz. sind-n in den delannren Lrfalen die vrnnche». Uertrauen»»>anneefenleren,en Natt. 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