Hg. 134 ♦ 44.?ahrg. Ausgabe A Nr. 6$ Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pknnt«. monatlich B.- Reichsmari ootaas«ahlbar. Unter Stceiubant für Bentfdjlani, S>ciUio. Saar- and Memelaebiot. Oellcrreich� Litauen� Luiembrrr« «cho Reichsmart, für das übrig» Ausland SchO Reichsmark vra Monat. Scr.Borwirts' mit der Illustrier, ten Eanntagsdeilag«.Boll and geit' iawie den Beilagen»Unterhaltung uno WifTfn*.Aus der SUmmtlf, »Frauenstimme'»Der Rindern freund* Lugend-Barwärts* und »Blick in die Bücherivelt* erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Tele sramm-Adrest e: „SojialOemoltaf Berlin" Sonntagsansgabe IPW Derlinev VolKsblakt (�IS Pfennig� Anzeigenpreise: •U«Inivaltia« Nonpareille- »eile 80 Bfcnrtta. ReNameZeil« ts- Reichsmark.»Rleiue An, eigen* das fettgedruckte Wort 25 Bienni» (juläffta»wei fettgedruckte Wort«), ledes weitere Wort 12 Bkennig. Stellengesuche das erste Wort 1! B fennig. Ildes weitere Wort 10 Pfennia. Worte über IS Buch- staben»ählen für»wei Wort«. 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Die italienische Regierung hat dabei darauf hingewiesen, datz nach ihren Beobachtungen in Jugoslawien starke mili- kärische Vorbereitungen mit Bezug auf Albanien gelrossen würden. Die italienische Regierung beabsichtigt nicht, hierauf mit militärischen Gegenmatznahmen zu ant- worten. Sie werde aber der deutschen Regierung ebenso wie den übrigen am Balkan interessierten Mächten zur Entkräftung der in Zusammenhang mit diesen Rüstungen gegen Italien eingeleiteten Kampagne alsbald ausführliches Material vorlegen, das die tatsächliche Lage aufkläre. London beruhigt. London, 19. März.(Reuter.) Hinsichtlich der Mitteilung Italiens an Großbritannien über seine Besorgnisse wegen der Lage an der albanisch-jugoslawischen Grenze vertreten die hiesigen gut unterrichteten Kreise den Standpunkt, daß, so lange die Groß. mächte vereint für den Frieden arbeiten, wie sie es neulich in Genf getan haben, die Ruhe Europas nicht gefährdet fein werde. Paris ist nervös. Paris, 19. März.(Eigener Drahtbericht.) Die Blätter ver- zeichnen auch am Sonnabend mit besonderer Bcunruhi- g u n g die Meldungen über die italienisch-jugoslawische Spannung. Man sieht die Nachrichten aus römischer Quelle, noch denen � die jugoslawische Regierung militärische Vorbereitungen an der alba- nischen Grenze treffe, nur als italienischen Vorwand an, um weitere italienische Interventionen in Albanien zu recht- fertigen. Diese Auffassung wird damit begründet, daß alle Bs- mühungen der italienischen Diplomatie der letzten Monate am Balkan nur darauf ausgegangen seien, durch den Korridor von Albanien festen Fußzu fassen. Die Existenz der Kleinen Entente schien der italienischen Diplomatie nach hiesiger Auffassung eines der letzten Hin- d e rni sse auf dem Wege einer imperialistischen Balkanpolitik, da sie den sranzösischen Einfluß in den Balkanländern verkörpert, und man glaubt hier in ofsiziellen Kreisen, daß Mussolini durch An- erkennung der Souveränität Rumäniens über Bes- sarabien nur den Zweck verfolgt hat, die Kleine Entente zu sprengen. Die offiziellen Demarchen, die er in den vetschiedenen Hauptstädten unternehmen ließ, um aus die angeblichen jugoslawischen Rüstungen hinzuweisen, werden deshalb hier als sehr ernst angesehen.„Es ist die beunruhigendste Episode seit 1914", schreibt der„Soir",„die Politik der Diktatur und des Jmperialis- mus des italienischen Duce mußte notwendigerweise so weit führen. Ohne Zweifel sieht die faschistische Regierung die diplomatische und militärische Vorbereitung als genügend an. Die Völker tun also gut, überall auf der Hut zu sein!" Rom erzählt Märchen. „Agcnzia Stefani" telegraphiert eine» Artikel des„Giornalc d'Italia", in dem behauptet wird, die„jugoslawische antiitalienische Tätigkeit" werde durch eine„kräftige Aktion der s o z i a l d e m o- k r o t i s ch e n(!) internationalen Freimaurerei" unterstützt, da diese glaube, in Jugoslawien Krieg-mittel gegen den Faschismus zu finden. Mit dieser„sozialdemokratischen Freimaurerei" stehe die „Weiße Hand" in Verbindung, eine serbische Militärorganisation, der fast alle serbischen Generäle angehörten. Zugleich stehe aber die „Weiße Hand" auch mit den Bolschewisten in Verbindung usw. Es handelt sich osfenbar in diesem Fall um ketne„Weiße Hand", sondern um w e i ß e M ä u s c. Die Geschichte von dem Geheim- bund der Sozialdemokraten, Gcneräic, Freimaurer und Bolsche- wrsten ist so aberwitzig, daß sie nur von einem Publikum ernst genommen- werden kann, das durch eine dauernde Pressezensur im Dunkel gehalten wird. In der übn'gen Welt kann sik nur Gelächter hervorrufen. öelgraö ist entrüstet. Belgrad, 19. März.(EP.) Die Angriffe der italienischen Presse gegen Eüdslawicn hoben in der Oeffentlichkeit und in der politischen Welt große Entrüstung hervorgerufen. Einstiminig wird aus die UnHaltbarkeit der Angaben der italienischen Presse hinge- wiesen hnd betont, daß niemand in Südslawien an einen Krieg denke. Das griechische Dokument wird dementiert. Am Schluß unserer Mitteilung im Sonnabendsrühblatt unter dem Titel„Mussolini intrigiert auf dem Balkan.— Ein griechisches Dokument" stand, daß auf diese Verössentlichung„weder ein offi- ziöses noch offizielles Dementi erfolgt" fei. Dazu teilt uns die griechische Gesandtschaft mit, daß das griechische Außen- Ministerium am 4. März d. I. folgendes Dementi veräfsentlicht hat:„Das zuständige Amt macht bekannt, daß die von der Belgrader „Politika" veröffentlichten Mitteilungen und die darin enthaltenen Ratschläge, die angeblich die Regierung Großbritanniens durch Ver- mittlung des griechischen Gesandten Kaklamanos(in London) an die griechische Regierung gemacht haben soll, jeglichen ernsten Charakters entbehren. Die Nummern der Eintragung und die Daten, die angegeben werden, um die Uneingeweihten zu täuschen, sind buchstäblich nur Phantasiecrzeugnisse." 9er Streit um Sessarabien. Russischer Protest in Rom. » ZNoskau, IS. März.(Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Die Note der Italients chen Regierung, in der sie die Ratifizierung des bessarabischen Protokolls durch Italien mitteilt, sowie die Antwortnote der Sowjetregierung, die der russische Botschafter Kamenew im italienischen Ministeriuni des Zleußern überreichte, werden hier verössentlicht. Die russische Note verweist darauf, daß die Sowjetregierung angesichts der ganzen Welt und vor den Regierungen, die die Pariser Abmachungen von 1929 unterzeichneten, und speziell vor der italienischen Regierung in einer Note vom 7. Oktober 1926 mehr- fach dargelegt Hab«, daß die Annexion Vessarabiens durch Rumänien eine brutale Besitzergreifung des Territoriums entgegen dem Wunsche der dort ansässigen Bevölkerung ist. In sämtlichen Verhandlungen über die bessarabische Angelegenheit habe sich die Sowjetregierung stets auf den Standpunkt gestellt, daß da« Schicksal dieses Gebiets ausschließlich durch die freie Willensäußerung seiner Bevölkerung entschieden werden kann und soll. Deshalb zeige die Ablehnung des Volksentscheids seitens der rumänischen Rvgierung am beut- lichsten die Erkenntnis der rumänischen Regierung, daß sie ihre Macht- stellung in Bessarabien lediglich kraft militärischer Okku- pation und kraft der Vergewaltigung des Willens seiner Bevölke- rung innehat. Diese Tatsache könne keinesfalls durch irgendwelche Abmachungen dritter Staaten bzw. durch die Ratifizierung derartiger Abmachungen von irgendeiner Seite im Bewußtsein der Bevölkerung der Sowjetunion und Bessarabiens selbst geändert werden. Unter Hinweis darauf, daß die Unterzeichnung der Pariser Abmachung 1929 zu einer Zeit erfolgt ist, als. die an der Abmachung beteiligten Mächte nicht nur keinerlei Beziehungen zur Sowjetunion unterhielten, sondern faktisch gegen dieselbe einen Interventionskrieg führten, erklärt die Sowjetunion, daß die Ratifizierung dieser Urkunde drei Jahre nach wieder- Herstellung normaler Beziehungen zwischen beiden Ländern weder vom Gesichtspunkte des Völkerrechts und noch viel weniger vom Gesichtspunkte der Interessen beider Länder zu rechtfertigen sei. Indem die Note den entschiedenen P r o t e st der Sowjet- rcgierung gegen den Schritt der italienischen Regierung zum Aus- druck bringt, betont sie, daß die Sowjetunion wie bisher die Annexion Bessarabiens durch Rumänien als reinen Gewali- a k t betrachte, und daß das gegenwärtige, ohne Teilnahme der Sowjetunion und ohne Befragung der bessarabischen Bevölkerung ratifizierte bessarabische Protokoll eine Abmachung ist, der keinerlei rechtliche Bedeutung zukommt und die nicht nur nicht imstande ist, den Frieden im Osten Europas zu sichern, sondern auch in krassem Widerspruch zu den Grundsätzen friedlicher Politik steht. Albanien. Italien klagt über Friedensstörung....! Am Sonnabendmorgen berichtete die Londoner„Times", die Uaüenische Regierung habe der britischen Regierung und anderen Regierungen mitgeteilt, sie habe Informationen er- halten, daß auf jugoslawischem Gebiet Vorbereitungen in ge- waltigem Maßstabe für einen Einbruch nach Albanien gemacht würden, um die albanische Regierung in Tirana zu stürzen. Italien habe vor kurzem den Vertrag von Tirana mit der Regierung Ahmed B e y Z o g u s, des Präsidenten� der albanischen Republik, abgeschlossen, und es verlaute, daß die italienische Regierung gegenüber dem Schicksal dieser Regierung nicht gleichgültig bleiben werde. Die Meldung des Londoner Blattes hat nicht geringe Aufregung hervorgerufen, besonders natürlich in Belgrad, wo man die Behauptungen der italienischen Regierung energisch dementiert. Aller Welt ist die Bedeutung des Gegensatzes. der zwischen Italien und Jugoslawien wegen Albaniens be- steht, unter die Augen gerückt. -p Albanien, das noch keine Million Einwohner zählende südliche Nachbarland Jugoslawiens an der Adria, ist ein Svät- Produkt des Zersetzungsprozesses der europäischen Türkei. Erst während des Balkankrieges von 1912 erklärte sich dieses vor- wiegend von Mohammedanern bewohnte Land für unabhän- gig. und im Londoner Frieden vom 30. Mai 1913 wurde seine Unabhängigkeit anerkannt! Der deutsche Prinz Wichelm von Wied, der etwa ein Jahr später als Fürst einzog, sah von Anfang an seine Herrschaft durch die Bürgerkriege, die seit je zwischen den einzelnen Stämmen tobten, schwer bedroht; kurz nach. Ausbruch des Weltkriegs verließ er das Land, das zeit- weilig auch zum Kriegsgebiet wurde. Aus dem Frieden ging Mbanien als selbständige Republik hervor, und im Jahre 1920 wurde es auch in den Völkerbund aufgenoinmen. Dauernd blieb jedoch das Land ein Streitapfel zwischen Italien und Jugoslawien. Auch dieser Streit hat seine Vor- geschichte, die bis in die Zeit vor dem Weltkrieg zurückreicht. Denn schon damals machten sich Bestrebungen Italiens geltend, sich auch auf der östlichen Seite derStraßevonOtranto festzusetzen. Das alte Oesterreich sah diese Bestrebungen höchst .ungern. Denn saß Italien auf beiden Seiten der Adria, dann war damit der sogenannte„Flaschenhals" verschlosten, die Fahrt von Trieft ins Mittelmeer untet italienische Kontrolle gestellt, die Adria ein italienisches Meer. Nun ist Jugoslawien in die Lage geraten, in die zu kommen Oesterreich gefürchtet hatte. Denn der Vertrag, den Italien mit dem führenden Mann Albaniens, Ahmed Zogu, am 27. Na- vember v. I. in Tirana abschloß, besagt, daß jede Störung des gegebenen Zustandes den politischen Interessen beider Länder widersprechen würde und daß man sich gegen diese Gefahr gegenseitig unterstützen werde. Italien hat sich damit den maßgebenden Einfluß auf das kleine Land gesichert, in dem es kurz zuvor Erdölkonzessionen erworben hatte und damit, nebenbei gesagt, englischen Interessen in die Quere gekommen war. Italien übernahm die Schutzherrschaft über den Machthaber Ahmed Zogu und damit faktisch das Protek- torat über Albanien. Jetzt hat es seine Protektorstellung nach- drücklich geltend gemacht, indem es den Mächten die angeb- lichen feindlichen Absichten Jugoslawiens gegen seinen Schütz- ling signalisierte. * Jugoslawien, das aus der Vereinigung Serbiens mit Kroation und Slawonien entstandene Königreich, hat zur Sorge mehr als einen Grund. Mit Bulgarien lebt es wegen Mazedoniens in ständigem Hader. Rumänien feiert Mussolini als seinen Freund, weil dieser seine Rechte auf Bessarabien, die Rußland bestreitet, anerkannt hat. Dann hat Italien auch mit U n g a r n, das von altersber ein Feind Serbiens war und es durch den Verlust weiter Gebiete im Weltkrieg noch mehr geworden ist, diplomatische Fäden angeknüpft. So kann mit gutem Grund von einer Einkreisung Jugoslawiens durch Italien gesprochen werden. Wie steht es mit der Haltung der nicht unmittelbar be- teiligten Mächte? Die freundschaftlichen Beziehungen der konservativen Regierung Englands zu MussoNni sind be- kannt. Sie spiegeln sich in der Haltung wider, die ein großer� Teil der englischen Presse gegenüber den neuesten Ereignissen' einnimmt. Allerdings kann daraus nicht ohne weiteres ge- schlössen werden, daß London die italienische Expansions- politik auf dem Balkan ohne weiteres und bis zu jeder Konse- quenz unterstützt. Auf der anderen Seite steht Frankreich in freundschaftlichen Beziehungen zu Iugoflawien, es war der Protektor der sogenannten Kleisten Entente, die Jugoslawien, Rumänien und die Tschechoslowakei zu einem Schutzbund gegen etwaige ungarische Revancheansprüche vereinigt. Aber was ist aus dieser Kleinen Entente geworden? Die Tschecho- slowakei liegt weit ab, Rumänien aber segelt in italienischem Fahrwasser. Frankreichs Einfluß im nahen Orient zer- rinnt wi« Schnee in der Sonne. Der Kampf um Albanisn und darüber hinaus um die Adria und um den politisch entscheidenden Einfluß am Balkan ist ein Kampf z rv i s ch e n den Siegern im Welt- krieg. Er ist damit ein Beweis für die Unzulänglichkeit der Friedensschlüsse, die nicht einmal die Verhältnisse zwischen den Siegern selbst zu ordnen vermochten. Die Sieger sahen Kriegsgefahren— kurzsichtig genug— nur in ihrem Verhältnis zu den Besiegten,\u Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei. Diese klein zu halten und gegen ihre Reoanchebestrebungen Schutzmaßnahmen zu finden, war das einzige Bemühen. Wieviel hat sich seitdem geändert! Die Rivalitäten derer, die gemeinsam den Krieg gewonnen haben, untereinander, sie sind es, die jetzt Europa nicht zur Ruhe kommen lassen wollen. Deutschland genießt jetzt— man darf diesen Para- dox vielleicht aussprechen, ohne sich in die Gefahr gehässiger Mißdeutungen zu begeben— die Gunst der Niederlage. Es hat im Weltkrieg keine Beute gemacht und ist daher an dem Kampf um die Beute unbeteiligt. Es hat weder auf der„Straße nach Bagdad" noch sonst irgendwo machtpolitische Stützpunkte, die es zu perteidigen har. Es sucht in der Welt nichts als offene Türen für seinen Handel. Es wäre zumindest eine arge Torheit, wenn es draußen etwas anderes suchen und sich' der Hoffnung hingeben wollte, es könitts irgendwo im Trüben fischen. * Für Deutschland gibt es kein anderes Interesse als die Erhaltung des Friedens. Darum kann der italienische Imperialismus, der nach dem Balkan hinübergreift, in Deutschland— von gewissen Kreisen abgesehen— sicherlich keine Sympathie finden. Ebensowenig aber wäre es vom Standpunkt des Friedensfreundes zu billigen, wenn Jugoslawien das Netz des Gegners durch Ge- walt— sei es durch Organisierung eines Aufstandes, sei es durch militärische Interventionen in Albanien— zu zerreißen versuchte. Es wird vernünftigerweise zu der vorsichtigeren diplomatischen Methode greifen müssen, die, mit Geduld und Geschick angewandt, größeren Erfolg verspricht. Dasselbe gitt, wenn auch nicht ganz in demselben Sinn von Frank- reich, das heute in der Welt stärker dastände, wenn es ihm gelungen wäre, zur deutschen Republik in ein ganz klares freundschaftliches Verhältnis zu gelangen. Die Wacht, die Frankreich am Rhein hält, wo nichts zu bewacheit ist, während der Pariser Einfluß in der ganzen Welt sinkt und sinkt, wird immer mehr zur weltpolitischen Groteske. Eng mit dem Problem des deutsch-franzäsifchen Ver- tältnisses hängt ein anderes zusammen: das Problem des Völkerbundes. In unserer Darstellung der Mächte, die sich so oder so um den Fall Albanien gruppieren, ist nicht eine, die nicht Mitglied des Völkerbundes wäre. Europa ist heute bis an die Grenzen Rußlands im Völkerbund organisiert. Trotzdem bietet der Völkerbund heute noch keine unbedingt zureichend« Garantie dafür, daß alle Streitigkeiten zwischen den Staaten Europas auf friedlichem Wege ausgetragen werden. Diese Garantie wird erst gegeben sein, wenn sich F r a n k r e i ch u n d D c u t s ch l a n d als europäische Völker- Hundsmächte in dem Willen vereinen, mit den Mitteln des Bundes den Frieden unseres Erdteils zu wahren, der wert- poller ist als Albanien und alles, was drum und dranhängt. deutschnational gleich arbeiterfeinülich. Ein Geständnis. Die Stellung des Bürgerblocks zur Arbeiterschaft wird wit nicht zu übertreffender Prägnanz in der„Kreuz-Zeitung" klargestellt: „Uebcr das Arbeitsnotgesetz steht die Einigung der Re- gjerungsparteien unmittelbar bevor. Es handelt sich wohl nur noch um die Form, wie die Frage des Heber st undenlohnes festgesetzt werden soll. Sollte er tatsächlich auf 25 Prozent nor- miert werden, so müßten wir darin eine sehr schwereBelastung der Wirtschaft sehen, die überdies eine Derieuerung auch für den Konsumenten zur Folge hätte. Zum mindesten müßte gewissen Industrien eine Ausnahmestellung zugewiesen werden, und der Heber- stundentarif dürfte u. E. nicht sofort in Kraft treten, denn wir haben ohnehin infolge der Mieterhöhungen vom 1. April und l. Oktober bereits mit Lohnerhöhungen zu rechnen. Koinmt hierzu noch der hohe Heberstundenlohiitarif, so wird die Produktion in einer Weise ver- teuert, die die Industrie zum Teil konkurrenzunfähig macht. Es ist darum erklärlich, daß die deutschnationalen und volks- parteilichen W i r t s ch a s t s k r« i s« sich gegen«in« Heberspannung sträuben. Wenn hier und dort die be- sonder? schwierig« Lage der stark industriell eingestellten Volks» Partei betont wird, so wird man ihr zu bedenken geben müsien, wie auch die„Kölnische Zeitung" ganz richtig ausführt, daß bel einer anderen Zusammensetzung der Regierung, beispielsweise in der großen Koalition, Zustände eingetreten sein würden, bel denen die Schwierigkeiten für diese Parlei gerade in den Arbeilerstageu vor- aussichtlich n»eit größer gewesen wären. Es ist für die Volks- partei sicher leichter, sich auch auf diesem Gebiete mit den Deutschnationalen und dem Zentrum zu verständigen, als mit dem Zentrum und der Sozialdemokrat! e." Was da gesagt wird, ist zwar selbstverständlich, aber die kläglichen Versuche lügen, den Büraerblock als eine arbeiter» freundliche Regierung und die Deutschnationalm als arbeiter- freundliche Partei hinzustellen. Das Geständnis der„Kreuz-Zeitung" lautet: Die Sozialdemokraten vertreten die Arbeiter- forderungen, die Deutschnationalen bekämpfen die Arbeiterforderungen. Eine Regierung, an der die Sozialdemokratie beteiligt ist, berücksichtigt die Arbeiterforderungen, eine Regierung mit den Deutschnationalen sabotiert sie. Die Deutschnationalen sind zuverlässige Bundesgenossen der Schwerindustrie. Man weiß das alles, gewiß. Aber es ist interessant, das so prägnant von Deutschnationalcn selbst zu hören. Der erste Defizithaushalt. Fehlbetrag von Millionen.— Tahcr Drosselung sozialer Ausgaben. Mit Hochdruck arbeitet der Reichstag gegenwärtig an der recht- zeitigen Verabschiedung des Reichsetats vor dem l. April. Indessen scheint es außerordentlich zweifelhaft, ob dieses Ziel erreicht wird. Neben den Streitfragen beim Finanzaus- gleich sind es vor allem die Schwierigkeiten bei der Aus- b a l a n z i e r u n g des Etats, die die rechtzeitige Erledigung in Frage stellen. Trotz mehrfacher interfraktioneller Verhandlungen der Regierungsparteien und Kablnettbefprechungen ist nämlich bisher die Frage nicht beantwortet, w i e das Gleichgewicht im Reichshaus- halt hergestellt werden kaum Daß es sich um ein« sehr schwierige Aufgabe dabei handelt, ist angesichts der großen Gegensätze unter de» Regierungsparteien und den hohen ungedeckten Aehlbelrögen verftäichlich. Das ist aber keine Nechtfertigustg für die Geheim- nistuerei, die jetzt in diesen für das ganz« Volk lebenswichtigen Fragen betrieben wird. Die Regierung sollte sich doch darüber im klaren sein, daß sich die Oppositionsparteien, insbesondere die Sozial- demokrati«, trotz des Wunsches nach rechtzeitiger Erledigung des Etats, das Recht auf eine ausführliche Kritik nicht nehmen lassen. Der von der Regierung vorgelegte Haushaltsentwurf für das Rechnungsjahr 1S27 deckte sich in Einnahmen und Ausgaben. Inzwischen aber sind neue Ausgaben in erheblichem Hmfange beschlossen worden, bzw. zu erwarten. Die größte Rolle hierbei spielen die Ausgaben für Crwerbslosenfür sorge, für die im Etat von Airsang an völlig ungenügende Mittel vor- gesehen waren. Ursprünglich nahm man nämlich an, daß das neu« Gesetz über die Erwerbslosenversicherung am l. April in Kraft treten könnte. Jetzt rechnet man frühestens mit dem Inkrafttreten am l. Oktober. Da durch die Zusage der Reichsregierung vom 1. April ab auch die Anteile an der Erwcrbslosenfürsorge, die bisher von den Ländern und Gemeinden getragen wurden, vom Reiche übernommen werden sollen, so ist eine sehr erhebliche Summe erfor- derlich. Die Reichsregierung schätzt sie auf etwa 250 Millionen, was aber nur dann ausreichend ist, wenn die Erwerbslosigkeit weiter zurückgeht. Für die Erhöhung der Invalidenrenten ist eben- falls«ine Mehrforderung notwendig. Auch über ihre Höhe läßt sich etwas Genaues noch nicht sagen, doch kann man annchmen, daß der Betrag von 100 W> l l i o n e n annähernd erforderlich sein wird. Die Erhöhung der Mieten zwingt das Reich zu einer Erhöhung des Wphnungsgeldes seiner Beschästigten. Das erfordert einen Mehrauiwaird von rund 60 Millionen. Für weitere Cntfchä- digungen an die Liquidationsgeschädigten rechnet man mit einer Summe von 50 Millionen Mark. Weitere rund 100 M i l- l i o n e n sind für die Deckung der Mehrbewilligungen des Reichstages erforderlich, sie oerteilen sich auf eine größer« Zahl von kleineren Positionen. Insgesamt ist also ein Mehrauswand von reichlich 550 Millionen zu decken. Dabei ist der Mehrbedarf aus de in Finanzausgleich noch außer Betracht gelassen worden. Zwar erhalten Länder und Gemeinden nach den Vorschlägen der Regierungsparteien aus den Ilebcrweisungep der Einkommen- und Körperschaftssteuer einen Mehrbetrag von 200 Millionen. Für die B i e r st« u e r- entschäüigungen an die süddeutschen Staaten sind 45 M i l- l i o n e n erforderlich. Als Ersatz für den Fortsall der gemeindlichen Getränke steuern ist den Gemeinden ein Betrag von 20 Mit- l i o n e n aus der Reichstasse zugesichert. Die Reichsregierung glaubt sür diesen Betrag von insgesamt etwa 265 Millionen eine Deckung zu haben. Sie rechnet damit, daß dl« Einkommen- und Körper- schaftssteuer statt 2750 Millionen einen Ertrag von 3020 Millionen bringen wird, so daß der Mehrertrag ausreichen würde, um die echöhtcn Anteile der Länder und der Gemeinden zu befriedigen. Es bleibt jedoch bis Ausgabe, den Restfehlbetrag von mehr als einer halben Milliarde zu decken. W-ie da? geschehen soll, ist seit Tagen Gegenstand interner Beratungen der Regierungsparteien und der Regierung, über die streirge Bertraulich- keit gebreitet ist. Nach den Erklärungen maßgebender Regierungs- Parteien im Steuerausschuh des Reichstags kann man annehmen, daß an Stcuererhöhungen, insbesondere an die Erhöhung der Hm f atz st euer nicht mehr gedacht wird. Man will viel- mehr an den erhöhten Ausgaben Abstriche vormchmen. <£s besteht die große Gefahr, daß diesen Absichten durch eine unzulänglich« Erhöhung der Znvalidenrenleu Rechnung getrogen wird, und daß auch sonstige soziale Ausgaben gestrichen oder stark eingeschränkt werden. Den dann noch an Mehrausgaben verbleibenden Betrag könnte man günstigstenfalls auch nur teilweise decken. Aus dem Jahr 1926 wird voraussichtlich ein Heberschuß von rund 200 Millionen zur Verfügung stehen. Aber wenn man auch diesen Betrag heranzieht, so bleibt immer noch»in ungedeckter Fehlbetrag von 200 bis 300 Millionen. Seit dem Jahre 1924 hat das Reich stets feinen Etat Im Gleich- gewicht erhalten. Jetzt stehen wir zum erstenmal seit dem Ende der Inflation wiederum in der Defizit- Wirtschaft, die das Reich innen- und außenpolitisch schwerem Schädigungen aussetzt. Aber unter dem Druck der bürgerlichen Parteien sind die Erfordernisse einer gesunden Steuer, und Finanz- Politik außer acht gelassen worden. Für chre Folgen tragen sie des- halb auch die ausschließlich« Bcrontwortmig.\ posilische Verlobung. Der volksparteiliche Abg. v. Kardorff hat sich mit seiner früheren Fraklionskollegin, Frau o. O h e i m b. die später aus dem Reichstag und der Bolkspartei ausschied und sich vorübergehend der Wirtschastspartei angeschlossen hatte, verlobt. Der nordamerikanische Senator King, bekannt als Kritiker der imperialistischen Einmischungspolitik, wollte mit anderen Mtiglicdern des Außenausschusses die mittelomerikanische Republik Haiti be- suchen, ober der Präsident Borna hat King als„Ruhegefährder" die Einreise verboten! Dabei ist Haiti ebenso Hnions- Protektorat wie Nikaragua. ?m Zoo. Von Otto Flake. Was hilft es den Tieren, wenn einer im Feuilleton fragt, wie sie sich mit der Gefangenschaft abfinden? Wenn er versichern wollte, daß er vor der Melancholie in den Augen der Löwe» erschrickt und sich beim Anblick des Zldlers, der nie mehr fliegen wird, für die Mensche» schämt, wäre er der Sentimentalität überführt. Wen» nicht gerade Krieg ist, stirbt hier kein Tier des Hungers', wenn es Zahnweh hat, werden ihm die Zähne plombiert, und die Pflege ist musterhaft, am Käfig des Wüstenkönigs befindet sich, wie es seinem Rang zukommt, ein Heißwasserhahn. Sicher denkt so ein armer, müder Stroßengaul, für den das Leben Arbeit. Peitsch« und Schimpfwort ist, mit Neid an den Vetter Zebra, der da drinnen pünktliches Futter, Ruhe, gute Behandlung findet, und reflektiert mit Bitterkeit, daß man bloß ein Ausländer mit«in paar exotischen Streifen sein muß, um es wie Gott in Frankreich zu haben., Immerhin, alter Gaul, das Tier lebt nicht von Heu nllein, es will auch Freiheit haben. Glück ist, nach seiner Fasson zu leben. Die Weisheit der Tiere dürfte sich mit der der Menschen decken, und vielleicht ist es doch nicht so sentimental, beim Eintritt in das Löwenhaus vor der Melancholie der Slugcn zu erschrecken, wie? Heber Phantasie wird viel geschrieben, was sehr bedeutend klingt, und doch ist sie nichts anderes, als sich in die Haut eines anderes versetzen zu können und zu wissen, was in einer gegebenen Lage bei gegebenem Naturell das Mitgeschöpf fühlt, will, tut. Wie sie da vor uns liegen, haben sie olle schon die Willens- brechung hinter sich. Sie toben nicht niehr, ihr Haß ist nicht mehr identisch mit dem Satz a» die Kehle des Feindes. Die Lust des erwärmten Hauses belebt sie nicht, hie Muskeln üben sich nicht mehr im Sprung durch weite Räume, es bleibt ihnen keine Zuflucht als der Traum. Sicher träumen sie von dem, was war, und sicher ist das Gift für die Seele. Schwerer zu erraten bleibt, was die träumen, die im Käsig geboren sind. Ihre Instinkte müssen noch mehr depraviert fein, als die der Eltern, die das Land Abessinien noch sahen, noch nicht die Milch der Hundeamme tranken. Ich weiß nicht, ob Tiere vor Hoffnungslosigkeit wahnsinnig werden können oder ob sich der Adler vor Wut über sein« unkönlg- liche Situation den Kopf am Gitter zerschmettert. Ihnen gab kein Gott zu sogen, was sie leiden, sie n?ürgen es hinab. Irre ich mich, wenn ich fand, daß die Weibchen im Löwenkäfig frischer aussehen als die Männchen? Aus gewissen Beobachtungen zu schlichen, gewinnen sie dem Leben noch Reize ab, und bei den Raubtieren wenigsten» scheint festzustehen, daß die Damen der unternehmendere Teil sind. Geradezu aufdringlich benehmen sie sich und geben keine Ruhe, bis er brummend aussteht: vielleicht denkt er, der Klügere gibt nach. Äber kaum hat er nachgegeben, tritt er zurück und legt sich phlegmatisch wieder hin, seine Ruhe wird nicht lange währen. Er sieht, an seinem Weibchen gemessen, geradezu schon aus- gestopft aus� Loch es ist billig, boshaft zu sein. Die Komik des geplagten Ehemanns ist verslogen, wenn die Hnrast über ihn kommt und er zu wandern beginnt, auf und ab, hin und her, stundenlang. Dann geht ihm auch das Weibchen aus dem Weg. Und er ändert doch nichts an seinem Schicksal: fünf Meter Spielraum und der Fluch, der ihn zwingt, zu wenden und immer zu wenden. »Tragööie üer Liebe/ Erstaufführung im Theater am Schiffbauerdam». Das eheliche Dreieck, das der Skandinave Gunnar Hei. berg vor einem Bierteljahrhundert konstruierte,.ist schwierig zu lösen. Nach der Ansicht des Dramatikers soll die Frau in ihrer Be- gehrlichkcit ausdauernder sein als der Mann. Bei dem Manne sudli- micrt sich die Sinnlichkeit zur Seele, bei der Frau revoltiert der Ja- stinkt. Dann stellt sich der Dritte ein. Er ist bei Heiberg«in Dichter, wodurch die Lösung schwieriger wird. Der Dramatiker entscheidet gegen den Dritten, obwohl der Dichter niemals über den Strang der Mo- ral schlägt und nur in Gedanken tut, was das Bürgerliche Gesetzbuch verbietet. Der Dramatiker entscheidet auch gegen die Frau und drückt ihr das Jagdmesser in die Hand, das diesmal nicht zum edlen Weid. werk dient. So geschieht viel Hnheil auf der Bühne. Obwohl der Dramatiker dieses Unheil heraufbeschwört, kann er ep theatralisch nicht meistern. Diese„Tragödie der Liebe" bietet nur einen großen dichterischen Akt, der allerdings verrät, daß hier ei» verlocken- der Mann die Liebesdinge bcgrübelte. Das Stück, das aus den, Reli- qvienfchrank hervorgeholt wurde, zeigt aber vier Akte und harmont- siert deswegen nicht mehr mit der Nervenästhetit von 1927. Wenn diese sacht hinsterbenden Dramatiker der grauen Vergangenheit nur bei dem Seelischen geblieben wären, dem lzeute unser Herz immer noch gehört, so würden sie uns»och innig bewegen. Doch sie sehnen sich auch danach, die priniitiven Trieb« der Neugierde zu bctroinmeln, und für dies« Ouolerc: reicht ihre Rassiniertheii nicht mehr aus. So entsteht ouch während der Ausführung des Heibergschen Schauspiels jene Abspannung, die beweist, daß der Dramaturg in die falsche Schublade hineingrisf. Doch es ist erfreulich, daß Frau Agnes Straub wiederum eine moderne Frau spielt. Sie hatte sich schon zu arg auf die heroische Geste stilisiert. Nun findet sie sich wieder zurück zu ihrer wirklichen Natur. Die Schauspielcrnatur der Frau Straub ist nicht sehr mannigfaltig, weil sie allzu leicht mit dem schweren Geschütz der Charakteristik auffährt,«ie möchte nicht nuopcieren und nur mit einem einzigen Leitmotiv der Empfindung den Zuschauer bewegen, dann wenigstens, wenn sie übermenschliche Frauen zu spielen hat. Sie wird viel urjprünglicher, wenn sie die Sprache des Alltags redet, wenn sie die Frau unserer Zeit spielen darf. Dann stilisiert sie gar Sicht mehr, dann läßt sie sich zu ternerUi Palhetik fortreißen. Darm ist sie eine von den wenigen deutschen Schauspielerinnen, die den Hrton des Fraueiiherzens finden. Hans Rehmann und Leo R e u ß ringen um diese Frau, beide wuchtig« Schauspieler, taktvoll der Rolle unterworsen, nicht bemüht mit einem überspni- delnden Naturell sich einzuprägen. Da in dem Heibergschen Schau- spiel manche Worte schonungslos aufgedonnert werden, wurde diese Schlichtheit zum erfreulichen Stil. Trotzdem konnte man deutlich wahrnehmen, daß Parkett und Ränge durch die Ereignisse auf der Bühne unruhig wurden. Man fühlte das Mißverhältnis zwischen dem Theatralische» und dein Geistigen, d. h. dem Gegensatz zwischen dem Poetisch-Douerhaften und schon der Vergessenheit Ausgelieferten. Die Volksbühne sollt« sich ober davor hüten, Stück« von solcher Problematik aufzuführen die mehr mit dem Literaturfilm al, mit dem naiven Kunstsinn empfangen sein wollen.______ M. H. Ostpreußen kunst. Gestern wurde in Anwesenheit verschiedener Reichs- und Staatsbehörden eine Ausstellung ostprcußi- scher Künstler in der Deutschen Kunstgemeinschast (Schloß) eröffnet. Zusammengebracht ist sie von den Malern A n- derson, Klaus Richter, Bischofs und Heinrich Wolfs. Es handelt sich doruin. die Kunst der abgelegenen und abgetrennten Prooiiu in ihrer Gesamtheit dem Reiche oorzuführen: also Künstler. die in Ostpreußen vor allem an der Königsberg«? Akademie tätig sind, und solche, die In Ostpreußen geboren wurden. Heber die Schau selber werden wir noch berichten. P. F. S. Dr. Karl Heine, der bekannte Theaterschriftsteller und Regisseur, ist im Alter von 65 Jahren Plötzlich gestorben. Er war Mitte der IMOcr Jahre als künstlerischer Leiter der Leipziger.Literarischen Gesellsckaft" zuerst an die Oesfentlichkeit getreten und hatte dann dos Ibfen-Theater gegründet, eine Wanderbühne, mit der er ganz Deutschland durchzog, um sür die damals neue Kunst des dramoti- lchen Naturalismus Propaganda zn machen. Später war er unter Reinhardt als Regisseur und Dramaturg am Deutschen Theater tötig Heine gehört« zu den gebildetsten und geschmackvollsten Tbeater- männern jener Zeit, dessen Inszenierungen zum Teil vorbildlich gewirkt haben. Den literarischen Vertretern der damaligen„Mo- derne", namentlich Wedekind und Hartlcben, hat er persönlich nahe- gestanden._ ver Sprech- und Veweaongschor der vnlkbSha« wirb geweüiia« mit der Tonzgrupve Storonel-Trümpy am Sonntag, 27. März, tl'/i Ubr, trn Tbcalrr am VMowdlatz vor ein» breiter« O«s!«ntllchkei> treten. Karten zu IM) Si. in den Geschäftsstellen. Linienitr. 227 und Platz der Republik 7, lowie in den fonittgen Karlenoerkauftftcllen der volkSbahne E. V. vi«.Typographla', Mesangvereln Berliner Buchdrucker und Schrift- gieher. verauilaltet unter Leitung ihre» ChormeiiterS Alexander Beinbaum ein gi r ü h f a b r«> k o n z« r t-m 24.. pbend« S Ubr. im Konzertiaal der Staatlichen Hochichul« illr Muftk, Mitwirkender Höfel Bolielbal.-- Su Ebr»n de» Gedächtnisse» Be-Ihvoen» sinket tn demlelden Saale am 3. April. nachwntaqS 4 Ubr, ein« Beetboven-Gedenk- seler statt, bei welcher Iotel i?ols»tbal!olifti>ch und mit einem Streich, auartett. lerner Nilbelm Wullmann von der Städtische» Over, iowi« die Pianisten Romouald Wikariki und Alexander Beiubanm nülnnrten werde». Karte» an den bekannten Perlauläftellen und an der Kasse. proseNor Vr. liehe, der weit über Schlejieu hinau» belanute vre» lauer Chirurg, stt aa der Gripp« gestorb«» Selaftenöe Aussagen im Jemeprozeß. Die Mörder wolle« bereits amnestiert sein! Die Verteidiger der Fememörder haben gestern in der Vor- mittagssttzung des Feniepruzesses Wilms die Behauptung aufgestellt, das preußische Staatsmiyifterium habe bei der Aus- lösung der Schwarzen Reichswehr den in der Spondauer Zitadelle zernierten Arbeitstommandos Straffreiheit versprochen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Sack, richtete an den Sachverständigen, Reichswehroberst v. Bock, folgend« Frage: Erinnern Sie sich, daß der damalige Oberregierungsrat Weiß bei seinem Besuch in der Zitadelle Spandau aus den Haupt- mann Guttnecht mit den Worten zutrat: Ich komme direkt aus der Sitzung des Staatsministeriums und erkläre Ihnen. Herr Haupt- mann, daß Skrasverfolgungen nicht einsehen werden, da höhere Znfer- essen aus den, Spiel stehen.(Große Bewegung.) Rechtsanwalt Bloch: Nach unseren Informationen ist die Aussprache zwischen dem preußischen Innenminister und den oberen Reichswehrofsizieren crsolgt nach einem telephonifchcn Ge- sprach init dem Minister des Innern. In diesem Telephongesproch war vom Ministerium den AK.-Leuten Straflosigkeit zugc- sichert worden, aber man war mißtrauisch geworden und verlangte etwas Positives. Man hatte den Verdacht, daß lediglich freier Ab- zug zugesichert werde, und daß dann das dicke Ende hinter- her kommen würde. Deshalb fuhr der in Frage kommende Offizier der Reichswehr zum Minister des Innern und kam einige Stunden später mit der Meldung zurück:„Es ist uns Straffreiheit zugesichert." Oberst v. Bock: So war es nicht ganz, denn ich selbst habe die Verhandlungen mit dem Herrn Innenminister geführt. (Bewegung.) Rechtanw. Bloch: Da Sie sich nun selbst dazu be- kennen, bitte ich, den Zeugen v. S e n d en zu hören, was Herr v. Back nach seiner Rückkehr in die Zitadelle den Leuten gesagt hat. Zeuge Oberleutnant v. S e n p e in Am 2. Oktober �923 kam Herr Oberst v. Bock zu uns und verlangte die Ablieferung aller Waffen. �Wir fürchteten samt und sonders, daß wir nun mittellos auf die Straße fliegen sollten, und wir Führer waren der Ansicht, daß die erbitterten Leute nun erst recht sich zusammentun und einen Putsch inszenieren könnten. Denn die Erbitterung der Arbeilskommandoleute war nicht nur gegen- über de» Behörden, sondern auch gegenüber der Reichswehr sehr groß. die die Mannschaften unter Versprechungen erst herangeholt und sie dann im Stich gelassen hatte. Deshalb vertanglen wir Unter- brtngung auf dem Lands. Oberst v. Bock sagte uns das ausdrücklich .zu und wollte sofort Quartiermacher entsende». Er versprach uns ferner Entlassungsuntformen und Ausweise, in denen es heißen sollte, daß wir als überzählige Reichswehr- ange hörige zur Entlassung gekommen seien. Viele Leute sürch- teten aber, daß sie besonders nach der Entlastung von der P o l i z e i unter die Luz>e genommen würden, und da verlangt« ich, daß diesen Leuten Straffreiheit zugesichert werde. Vors.: Sollte sich diese Strafsreiheit auch aus Straftaten beziehen, dl« die Leute in der zurückliegenden Zeit etwa beaanzen halten? Zeuge v. Senden: Einzelheilen wurden dabei nicht ver» einbart. Ich weiche in meiner Aussage und der Darstellung dos Herrn v. Bock darin ab. daß die Straffveiheit auch insofern für alle Leute gelten sollte, als dl« Tätigkeit der Arbettskommandos mit den Strafgesehe« von vornherein mehrfach in Konflikt geraten war. Wir verlangten«ine Amnestie für uns. R.-A. Bloch: Und Herr v. Bock hat Ihnen diese Amnestie des preußischen Innen- Ministers ausdrucklich zugesichert? Zeuge Oberleutnant v. S e n d e n: So haben wir es verstanden. Vors.: Und wenn nun ein Mann des Arbeitskommandos einen anderen totgeschlagen Halle. sollt« der vielleicht auch strastrei sein? Zeiige Oberleutnant v. S e n, den(achselzuckend und die Hände ausstreckend): wenn es auf Befehl geschah... Am Montag soll über den ganzen Fragenkomplex, der mit der Auslosung der Arbeitskommandos in Verbindung steht, der letzige Dizepolizeipräsident und damalige Oderregierungslat Dr. Weiß vernommen werden. Nach der interessanten Auseinaizderfetzung zwischen Verteidigung und sachverständigen Zeugen des Vonniltags konzentrierte sich das Hauptintcreste am Nachmittag auf heu Zeugen Schmidt- Halbschuh. Dieser Name ist mit dem gesamten Femenwrd- komplex auss engste verbunden, Schmidt-Halbschub wqr einer der ersten, der der politischen Polizei über da» Femetrejben ausjiihrlich berichtet hat. Seine Aussagen spielten auch keine gering« Rolle in den Landsberger Feinemordprozesjen. Damals faßte ihn die Verteidigung scharf a». Gestern fragte ste Ihn recht vorsichtig aus. Es mag sein, daß sie der Ansicht ist, daß auf diesen Zeugen das Gericht doch nicht allzu viel Gewicht logen wird. Die Aussagen des Zeuge» Schmidt bewegen sich in ZACi Richtungen. Einerseits sind sie tatsächlicher Natur und nehmen direkt Bezug aus die Teilnahme der einzelnen Angeklagten! zum andern behandeln sie den gesamten Femekomplex. Schmidt-Halbschuh gehörte zur Komvagnie des O b e r l e u t- n a n t s v. Pa n n w i tz. Den Angeklagten Umhofer, der in der gleichen Kompagnie war, kenn! der Zeuge bereits seit 19M aus der örgam« sation Nationale Armoe und von den zwei Befreiungsversuchen Ehr- Hardts her. Um de» U, Juli herum ging Umhofer nach Rathenow, wi« er chm sagt«, zur Abhaltung eines Maschinen. gewehrkursus. Nach einigen Tagen kam er aber von Rathenow zurück und erzählt«: ..heule Nacht haben wir«inen schwimmen lasten. E» war der, der oben aus der Stube ZV gewohnt hat. Wikm», den Du sortbringen solltest." Während der Unterhaltung fügte er hinzu: „Du wirst in der nächsten Zeit unseren neuen„Z.-b.-B."-Chef kennen lernen, der war auch mit dabei. Das ist ein forscher Kerl und er wird demnächst nach Spandau kommen." Gemeint war damit Fuhrmann. Umhofer schilderte auch ganz genau, wie die Tat begangen worden war; daß man dem Wilms ein Geständnis habe abriirgen wollen und daß er, bevor man Ihn erschossen hat, einige Male das Bewußtsein verlor. Eine Disse» renz ergibt sich bei den Bekundungen des Zeugen hinsichtlich des Datums, an dem der Mord begangen sein soll. Es soll dies der II. oder 12. Juli 1 923 gewesen sein, während alle bisherigen Bekundungen für den 18. Juli sprechen. Der Zeuge bleibt aber dabei, daß es am 11. oder 12. gewesen sei» mußte, da es vor Ehrhardts Befreiung war und diese am 13. Juli statt- gesunden hat Schmidt-Halbschuh belastet aber nicht allein Fuhrmann und Umhofer. Aus dessen Erzählungen will er wissen, daß auch Älapproth dabei gewesen sei. Ueber Schulz weiß er ver- jchiedenes zu erzählen. So soll v. Pannwitz gemeint habe», daß er den Büsching, der in Küstrin auf Fahlbusch einen verheerenden Einfluß ausübte, nicht fortschaffen könne, weil er sich dem B e- fehl von Schulz und der Division nicht wider- setzen könne. Und als am j. Oktober der ganze Laden platzte und Schulz geflohen war, da habe Fahibusch gesagt:„Jetzt sind alle Täter im Stilb gelassen, Schulz ist nicht mehr zu finden, nun werde ich wegen meiner sechsfachen Morde belangt werden können." Den Angeklagten Stantien erinnert der Zeuge an den Ausspruch, den er in Verbindung mit den Fememorden getan haben soll: Warum sagt Schulz nicht die Wahrheit, daß er nichl anders handeln konnte, weil er keine Dlsziplingewalt besaß?". Schmidt-Hqlbschuh kihauptet: Die Feme war gewissermaßen eine E i l j u st i z. die in technischer Hinsicht in der Ueberwachung Ver- dächliger und in der Feststellung ihrer Talen bestand und auch eine Exekutive in sich schloß. Die Urteile, sofern man von solchen sprechen kann, wurden aus der Division gefällt. Die Deckung dafür lag bei der Reichswehr. Es fei Tatsache, daß auch in den anderen Wehrkreiskommandos die Todesstrafe als Sicherung gegen Verräter empfohlen worden sei. Wiste» Sie das mir aus eigener Erfahrung oder vom Hörsagen? sagte der Vorsitzende Zeuge: Ich weiß es üon einem Major R i ck« l t, daß dieser Vorschlag beim Wehrkreis l gemacht worden ist. Iustizrat Hahn: Es handelt sich um den Polizeimajor Rickelt in Berlin. Er hat sich dieser Tage auch a» mich gewandt und er- klärt: Die Reichswehr halte in diesem Prozeß mit de» Tatsachen zurück. Der Zeuge sagt weiter: Im ganzen seien vier Z.-b.-V» Kommandos vorhanden gewesen, und zwar Wurster, Fahl, busch, Büsching. er selb st und dann Fuhrmann. Den letzteren sollte der Hauptmann E b e r b a ch ablösen. Dieser „Hauptmann Cberbach" ist niemand anders als der anwesende Zeuge G r a s s u n d e r. Er bestreitet mit aller Entschiedenheit die Richtig, keit der Behauptung des Zeugen Schmidt-Halbschuh. Er wird aber scharf ins Gebet genommen und einiger Unwahrheiten bezichtigt. Viel Nachteiliges über Schmidt-Halbschuh erzählt der Zeuge Wüster, der im Kottbustcr Prozeß zu einem Jahr Festung ver- urteilt worden war: Schmidt liebe zu renommieren, er sei Kokainist, habe die Sachen des Zeugen unterschlagen und dergleichen mehr. Sehr aufgeregt gestaltet sich die Vernehmung des Pfarrers H« n f ch k e aus dem Moabiter Untersuchungsgesängnis. Auf Wunsch der Behörde hat er die Femegefangenen zweimal in der Woche besucht und aus eigener Initiative es sich zur Aufgabe gestellt, in dem ganzen Wilms-Prozeß sich Klarheit zu schassen. Der einzige, der ihm als unglaubwürdig erschien, war o. P o s e r. während alle andere« Schulz entlosteten, belastete ihn dieser hart- Näckig. Deshalb beabsichiiqle der Pfarrer ein Zusammenkressen der beiden zu bewerkstelligen, daß sie einander näher kommen könnten. Diese„gute Absicht" hat aber den Staatsanwalt veranlaßt. sich bei der Strafvollzugsbehörde zu beschweren. Der Pfarrer ist noch heute der Ansicht, daß er mit dieser eigenartigen Methode, sich die Besugnisse einep Untersuchungsrichters anzueignen, nichts anderes als Seelsorge betrieben habe. Auch Iustizrat Hahn teilt diese An- sichi. Der Vorsitzende und der Staatsanwalt sprechen aber ihre Verwunderung über eine derartige Art der Seeisorge aus. Der Pfarrer ist aus Antrag des Verteidigers Hildcbrandt geladen worden: er sollte bestätigen, daß Fuhrmann auch ihm gegenüber sein Teilgeständnis gemacht hat. Der Zeuge bestreitet dies jedoch. Aufregende Auseinandersetzungen gibt es zwischen der Ver- teidiaung Fuhrmanns und dein Zeusten Röpke. R.-A. Hilde- branot bezichtigt den Zeugen des Meineids und verlangt dessen Verhaftung. Interessant gestaltet sich di« Vernehmung des Zeugen Eckelt, der auf Befehl Bndzynskis von Umhofer verhastet werden sollte und sich unter den Schutz der Polizei begeben hat. Er war damals bereits acht Wochen aus dem Arbeitskommqndo entlassen und hatte mit Erlaubnis seines Leutnants die Uniform mitgenommen, da er nichts anderes anzuziehen hatte. Bei der Verhaftung wurde ihm aber gesagt, haß er wegen Spionage und Fahnenflucht in di« Zita- delle zurück müsse. Der Leutnant Reichelt stellt fest, daß die Ver- hastung qus Grund eines Befehls des Wehrkreises stattgefunden habe. Der Vorsitzend« weint dazu: Na Schulz, was sagen Sie dazu? Die Verhandlung wird am Montag, 10 Uhr, sortgesetzt. �hkna und die deutsche Arbeiterschaft. Eine Zuschrift aus der nationalen Bewegung. Wir erhalten von dem zurzeit in Berlin weilenden Sekretär des chinesischen Soeleuteverbandes und Vertreter des chinesischen Gewerkschastsbundes Chan K u e n folgend« Zuschrift: Von befreundeter Äste wurde ich auf den Leitartikel in Nr.-13 des„Vorwärts" aufmerksam gemacht, in dem die Stellung der deutschen Arbeiterschaft zum Kampfe in China behandelt wurde. Diese Frage ist noch immer aktuell. Ich mächte deshalb mit Ihrer Erlaubnis auf diese Frage kurz zurückkommen. Der erwähnte Artikel anerkennt die weitgehende Bedeutung der chinesischen Revolution, betont aber, daß»die deutsche Arbeiterklosse sich ganz naturgemäß in erster Linie auf die Pro- bleme konzentrieren wird, die sie unmittelbar angehen", und als dos Ziel der deutsche» Politik, dos allen vorangeht, wird die deutsch-sranzösische Verständigung bezeichnet. Meiner Meinung nach hat die deutsche Arbeiterklasse an dem Siege der chinesischen Revolution ein unmittelbares Interesse, und die Frage der deutsch-sranzösischen Verständigung hängt meines Erachtcns mit dem Schicksal unserer Revolution aufs innigste zu- sammen. Durch die gemeinsame Politik oller imperialistischen Mächte gegenüber unserem Lande, durch hie Kämpfe der verschiedenen Gruppen auf chinesischem Boden wurde die Entwicklung der Pro- duktiokräste in China dauern gehemmt und stark zurückgeworfen. Die jetzige Revolution macht die Bahn frei für die weitere Eni- Wicklung und schafft die Vorbedingungen eines vielfach gesteigerten Güteraustausches mit der übrigen Welt. Der chinesische Markt wird für die großen Industrieländer, insbesondere für Deutschland bald von sehr großer Bedeutung werden. Der Auebau des Verkehrswesens, die Unterstützung der mächtigen Massen der londwörtschaftlichen Bevölkerung(Regulierung der Flüsse gegen Ueberschwcmmung, die Urbarmachung unbesiedelter Gebiete, die Verwendung besseren Saatkornes usw.)— all dies wird den Bedarf europäischer Industrieprodukte rasch steigen'. Hinzu kommt, daß die Beseitigung der krassen Ausbeutung der Arbeiterschaft in den Städten(der Skandal der Kinderarbeit ist Ihnen sicher bekannt) ohne Zweifel eine Auswirkung auf die Arbeitsverhältnisse auch der Industriearbeiter der anderen Länder haben wird. Bei einer Arbeitslosen.zahl von— wie es scheint— über zwei Millionen hat meiner Meinung nach die deutsche Ar- beiterklasse ein unmittelbares Interesse daran, daß die � imperialistischen Hemmungen der Entfaltung der Produttivkräfke auf einem so großen Gebiet wie China beseitigt werden. Und nun zur Frage der deutsch-sranzösischen Verständigung. Durch die Weltpolitik der britischen herrschenden Klasse gewinnt diese Frage eine» untrennbaren Zusammenhang mit der chinesischen Revolution. Die Sicherung der Herrschaft über Indien und dos Gleichgewicht der Mächte in Europa sind wohlbekannte Grund- Prinzipien der britischen Außenpolitik. Durch die Gleichgewichts- Politik in Europa sucht sich England Bewegungsfreiheit in Asien zu sichern. Dieses Spiel geht bekanntlich fest Jahrhunderten. D i e englischen Konservativen bekämpfen in anderer Form und mit anderen Methoden, aber mit eben- solcher Schärfe die deutsch-sranzösische Berstän, digung, wie die chinesische Revolution. Die»Erb- feindschast" zwischesi Deutschland und Frankreich Ist die Garantie der englischen Konservativen in Europa und in Asien.� Darum woge ich zu behaupten, daß die beiden Fragen aufs tnmgfte zusammenhängen. Wer di« deutsch-sranzösische Nerständi- gung will, der muh auch den Sieg der chinesischen Revolution wünschen und unterstützen. Rur derjenige kämpft unseres Erachtens auch für den Frieden. Die englische Arbeiterklasse hat diese Wahrheit erkannt. Unser größter Wunsch ist. daß auch die deutschen Gewerkschaften im In- teresse des Frieden- gegenüber den chinesischen Freiheitskämpfen nicht neutral bleiben. Sehr richtig schreibt der»Vorwärts":»Die Haut ist uns näher als das Hemd." Aber ich glaube, wenn das Hemd von einem Geschoß zerrissen wird, besteht dann nicht die Gefahr, daß auch die Haut verletzt wird? Wenn da« Hemd in China angezündet wird, wie leicht verbrennt dann auch die Haut der deutschen Ar- beitorschast. Zusammenbruch der Kantongegner. Die Rordtruppcn in Schanghai umzingelt. London, 19. März.(Eigener Drahtboricht.) Am Generalstreik in Schanghai haben noch den hier vorliegenden Meldungen nur 22 900 Arbeiter teilgenommen. In der Stadt selbst hört man an- geblich bereits Geschützdonner, die Südarm« soll 30 Kilo, meter südwestlich Schanghais weiter vorgehen. Der Zusammenbruch der Front der Nordtruppen ist auch nach den hier vorliegenden offiziellen Meldungen nicht mehr zu bezweifeln. Ein Teil der Nordgeneral« ist mit Truppen zum Süden übergegangen und bei Nanking soll die Nordfront ebenfalls auseinandersalle». Schanghai ist infolge des Durchbnichs bereit» vom Lande abgeriegelt-und damit sind die in Schanghai stehenden Truppen von ihrer Rückzugslinie al'geschmtten. Eine Zierde der Kapp-£eute. Putschist— Hochstapler— Betrüger. Stockholm, 19. März.(Eigener Drahtbericht.) Die Stockholmer Polizei hat am Sonnabend nähere Angaben über einen internatio- nalen deutschoölklschen Abenteurer verössentlicht, der kürzlich hier wegen Betrugs verhaftet wurde. Es handelt sich um den früheren deutschen Rittmeister Eberhard Konstantin von Schoeler. der unter dem Ramen Freiherr von Tornow in einem Stockholmer Hotel auf Kosten einer schwedischen Bankiers- witwe wohin«, der er die Ehe versprochen hatte. Nachdem v. Schoeler verhostet wurde, zeigte sich, daß er auch von der f i n n i. schen und von der preußischen Polizei gesucht wird. Schoeler war Teilnehmer am Kapp-Putsch und an der Ermordung Rathenaus. Er verbarg seinerzeit den Chauffeur des Mörderauto» in seiner damaligen S t e t t I n e r Wohnung und flüchtete nach Finnland, als die preußisch« Polizei ihm auf die Spur kam. In Finnland trat er mit den,„?our le merite" auf, den er nie besessen hat und erreichte durch Erzählung semer Heldentaten, daß er bei einem Freikorps eingestellt wurde. Er heiratete dort ein« Pfarrerstochter, trotzdem er schon in Stettin verheiratet ist. und verübt« Betrügereien und Schiebereien zum Schaden de« Freikorps, so daß ihm auch dort der Boden zu heiß wurde und er unier falschem Namen nach Deutsch- land zurückging. Dort gelang es Ihm, angeblich durch Vermittlung eine, rechtsstehenden Politikers, die Agentur einer Motorradfabril zu erhalten und er heiratet« zum dritte» Wale ei»» fchlefische Aristokratin. Weil er aber der Motorenftrma Geld unterschlug, mußte er wieder flüchten und ging mit falschem Paß nach Kopenhagen, wo er in konservativen Kreisen auf Grund seiner Prahlereien mit Kriegs- und P»tschab«nteuern Eingang fand, bis ihn die Polizei in Stockholm verhaftete.- Der Ehrenmann beansprucht, nicht nach Deutschland ausgeliefert zu werden» da er politischer Flüchtling sei. Di« Entscheidung darüber liegt bei der schwedischen Regierung. Kolonialkorruption. Französische Untersuchung ln yndochina. Parts. 19. März.(Eigener Drohtbericht.) Gegen dt« Vermal- tung von Französisch-Indochina, an deren Spitze der(deshalb von der Sozialistischen Partei ausgeschiedene) Abg. V a r« n n e steht, sind sehr schwere Korruptionsanschuldigungen erhoben worden. Der Ministerrat hat deshalb beschlösse», eine Kommission nach Indochina zu entsenden, die die Bedingung-» untersuchen soll, unter denen die Konzessionen in der Kolonie vergeben wurden. Vi» zur Rückkehr dieser Kommission hat die Regierung die Verteilung jeder Kon- Zessionen suspendiert. Reaktionäre LauSbübcrei. Paris, 19. März.(Eigener Drahtbericht.) Di« I a u r e e- Statue in Perpignan ist in der letzten Nacht mit Teer h«, sudelt worden. Do» de» Tätern fehlt vorläufig jede Spur. Kampfruf der polnischen Sozialisten. Gegen die sozialreaktionäre Regierung. Warschau. 19. Mär,.(Eigener Drahlbcrichk.) Das Zentral- exekutivkomitee der Sozialistischen Partei Polens hat gemeinsam mit den Gewcrkschaslsleilungen einen scharfen Beschluß gegen das ofscnkundtg sozlalreakilonäre Vorgehen der Regierung gesaht und ihr den entschiedenen Kamps der organisierten Arbeiterschaft angesagt. Die» ist die erste offene Sampfansage der polnischen Sozialdemokratie gegen die Pldsulski-Regierung. Der gefährliche Franzose. Di« Deutschnationalen haben sich vor einiger Zeit bitter über«inen Referenten de, preußisch«» Kultus» Ministeriums beschwert, weil er deutschen Volksbüchereien französisch« Autoren zugeführt Hobe. Da sehe man wieder einmal die internationale Einstellung de, rot angehauchten Preußen- kabinett». Kultusminister Dr. Becker hat e» sich nicht nehmen lassen, der Sache nachzugehen. Er teilte das Resultat in der letzten Landtags- sitzung mit. Der französische Autor, den die deutschnationalen Hüter der deutschen Kultur auf» Korn genommen hatten, wor«in gemiger w Jean Paul, Der Kampf um üen fichtftunöentag. Ernste Lage in der mitteldeutschen Metallindustrie. Halle. lS. März.ie Gewalt in den Händen hat. Pereits am Sonnabend ist es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Arbeitern gekommen, als diese für die Weiter- führung des Stieiks demonstrierten. Die Annahme des Regierungs- Vorschlages ist gleichbedeutend mit Wiederaufnahme der Arbeit am Montag. folgen dieselben Zuschläge. pro Stunde von 3 bis 5 Pf. Verantwortlich Mr Politil- Victor Schill! Birtschoft: S. ftlingclhöfcr: und Berlagsansmlt Paul Singer u Co.. Berlin CW 88. Lindenstrake 3. chienn 4 Beilagen,„Untcrdaltuna und Willen' und..Aus der gilm-Welt'. BMM Kleid aus Veloutlne.'Wolle m. Seide, m. Leder- ».54.00 Stficfe-Kostüm Pullover mit Rock, Kunstseid. m. Baumwolle, se- äv. 19.50 Kostüm aus vor» zugl. reinwoil. Rips, Jacke auf reinseid. SR 59.00 NJCld aus reinwollenem Rips, Kragen u.Weste aus CrCpe de____ »35.00 Stricfc-Kostom Lumberjack mit Rock_ ».19.75 Mantel grau ge- must. impräg. Stoff, Lg. 60 cm,___ ä«;"' 9.25 Mantel aus schwarzer, gemust Kunst-„_ 'ä. 35.00 Kleid aus reinwoil. kariert. Stoff, Lg. 60 cm,___ fa:"; 8.75 Mantel aus vor- zügl. reinwoil. Kasha m.Blesen..._ »39.00 Verlängerung der Gardinen-Ausstellung Kleiderstoffe Foule-Karos reine Wolle, auf 0 7C pastellfarb. Orund, 100 cm br. Mtr.«•! u Compose-Vigoureux glatt und klein kariert in neuen All Melangen, ca. lOOcm breit....... Mtr. vsTv kür Kostüme und Mantel. r AA XVaSna reineWollc in neuen Farben, S ü l) ca. 130cm breit.............. Mtr. v v Kammgarnstoffe füMOe'fd« fi ÄA und Mäntel, Neuheit, 130 cm br..Mtr. v»ÜU Crepe-Caid neuestes Gewebe, weichfließende Qualität, Frühjahrs-/ xfl Pastellfarben. 130 cm breit....... Mtr.•«v/ U Strickstoff Wolle m. 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Alfred Graf hat in einem Buch(„Schülerjahre", Erlebnisse und Urteile namhafter Zeit- genossen) zusammengestellt, was heute als lebenstüchtig anerkannte Menschen über ihre Schuljahre sagen— und der Inhalt dieses Buches ist«ine einzige, große, grelle Anklage gegen Schule und „Schulmeister- alten Stils. Denn so war es nun einmal: Je reicher, je ursprünglicher sich die Persönlichkeit eines Kjndes entfaltete, desto weniger wußte die Schule damit anzufangen. Die Erziehung zum Untertan. Kennen wir sie nicht noch— die Lesebücher unserer Schulen, die zu zwei Dritteln aus„patriotischer- Lektüre bestanden?— Vom .großen Kurfürsten- bis zu unseren! legtverflossenen Wilhelm dem Ausgerissenen wurden alle höchstpersönlich vorgesührt, und nur die vor"dieser Periode regierenden Hohsnzollern wurden nicht ganz so häufig serviert Aber was über die anderen alles erzählt wurde, vom„großen Kürsürsten als Familienvater" bis zu„Unserm Kaiser als Kronprinzen", das ging wahrhastig auf keine Kuhhaut. Und dann die vielen patriotischen Kriegsgedichte! Auch in den Anssah- themen tobte sich der gleiche Hurrapatriotismus wenigstens einmal jährlich aus. Vom„Geschichtsunterricht" selbst aber sei geschwiegen — er bestand nur aus Kriegsdaten und Regierungszeiten, und es ist wohl den wenigsten geglückt, sich aus der Schule wenigstens ein ungefähres Wissen um die Entwicklung der deutschen Kultur zu er- werben. Am Religionsunterricht haben seinerzeit olle teilgenommen. auch die Dissidententinder mußten ja einen staatlich anerkannten Religionsunterricht besuchen, und rabiate Eltern schickten manchmal ihre durchaus arischen Kinder in den jüdischen Religionsunterricht. Schlimmer als dies alles aber war das, was die Schule an den Seelen der Kinder sündigte. Autorität hieß der Göhe, dem hier täglich geopfert wurde, und„gehorchen lernen" war das Ziel der Schule. Wohlverstanden, es wurde nicht irgendwie versucht, einen freiwilligen Gehorsam, eine freie Einordnung in einen sozialen Or- ganismus zu erreichen, sondern es gab nur ein„du mußt" und ein „das ist verboten". Was war nicht alles verboten! Berboten war, beim„Melden" aufzuspringen, verboten war, in der Pause„regel- los durcheinanderzulaufen", verboten waren bunte Buchzeichen, oer. boten---- Da schrieben wir alle Jahre einen Aufsatz:„Mein schönster Ferientag", und ein kleines Mädel lieferte eine lebendige Schilderung einer— Herrenpartie, auf die sie ihr Boter mitgenommen hatte. Es war eine ganz„stubenreine" Herrenpartie lustiger Angelbrüder, die allerlei gegenseitigen Schabernack aus- übten, sich Heringe an die Angeln banden und Frösche in die Früh- stückspakete praktizierten— und das ganz begabte Mgdel hatte die Geschichte frisch und lustig, fast wie eine der Thomaschen Lausbuben- gefchichten, geschrieben: die Lehrerin hatte sich auch herzlich über den Aussatz amüsiert und hat ihn im Freundeskreis oft vorgelesen: offi- ziell aber kriegte die kleine Sünderin eine große Standpauke, und dann mußte sie einen neuen Aufsatz schreiben, einen Aufsatz über einen langweiligen Sonntag, an dem aber die Autorität der„großen Leute" nicht gefährdet wurde, und mußt« den zum„schönsten Ferientag" umlügen. Wer aber gar, entweder auf Grund der häus- lichen Erziehung oder durch einen anderen Anstoß sich ein? andere als die vorschriftsmäßige Gesinnung zugelegt hatte, der kam aus den Konflikten nicht heraus. Es gab Fälle, in denen die Wohl be- stimmter Gedichte zum-Vortrag als.„Störungsversuch" mit Ve- tragenstadeln geahndet wurde, und es gab Lehrer, die sich ein be- sonderes Vergnügen daraus machten, derartige Rebellen„kleinzu- kriegen", und wenn so ein bakelschwingender Halbgott einen Jungen erst mal„auf dem Zug" hatte, dann hagelte es Maulschellen und Püffe, und es wurde mit allen Mitteln oersucht, das Selbstgefühl des Kindes zu brechen, seine Entwicklung zur Persönlichkeit zu hemmen. So züchtete man aus schwachen Charakteren Duckmäuser und Feiglinge, die sich günstigstensalls zum Normaluntsrtan mit dem Ideal„deutsch, treu und pensionsberechtigt" entwickelten: die wenigen anderen aber wurden trotzig und verbittert, sie standen meist allein: nur allsrstärksten Naturen gelang es, ihrer Klasse ihren Stempel aufzuprägen, und so verküminerten oft in den Besten und Kraftvollsten die sozialen Instinkte völlig. Für den Klasscn- staat aber, der nur Zwangrgesittung, Zwangsgesinnung. Zwangs- gesellunq kennt, waren die Produkte der alten Schule gerade so recht. Kenntnisse nur so weit, als sie dem Kapital zur Erhöhung der Profitrate nützlich sein können, Religion als Opium, und zer- brochene Charaktere: das war das, was die bürgerliche Gesellschaft der Volksschule als Ziel setzte. ,Vir bauen eine neue Velt!" Run, ganz so schlimm ist es wohl nun an den meisten Schulen nicht mehr, besonders ist der Hurrapatriottsmus aus der Volks- schule im großen und ganzen ziemlich verschwunden. Es braucht kein Dissidentenkind mehr zwangsweise am Religionsunterricht teilzunehmen und an den welllichen Schulen kommt man sehr gut ohne die„Hypothese Gott" aus. Aber alle diese Schulen haben sich noch nicht grundsätzlich von allem Alten losgesagt: Noch existiert der alte„Stundenplan", an dessen festliegende Einteilung auch die ge- Kunden sind, deren Neigungen und deren Begabung dabei gar nicht auf ihre Rechnung kommt, noch immer muß jedes Kind die gleiche Menge„Lernstoff" in sich hereinfressen und einen oft nur toten Wissensballast aufstapeln.— Etwas grundsätzlich Neues dielen dagegen die„Gemeinschaftsschulen", und uns, die wir in den alten, starren Schulgebilden großgeworden sind, erscheinen manche der dort durchgeführten Dinge noch heute als so platte Unmöglichkeiien, daß uns so leicht kein theoretischer Aufsatz von der Möglichkeit überzeugen kann, auf diese Weise das„allgemeine Bildungsziel" zu erreichen. Aber ein einziger Vormittag, an dem, man an diesein Unterricht teilnimmt, beweist hier mehr, als die besten Propaganda- aufjätze. Da sitzt, zu einer Klasse vereinigt, die ganze Oberstufe beiein- ander: 35 Mädel und Jungen im Alter von 1t> bis 15 Iahren. Gerade ist der Tag, an dem die Klaffe nach selbstgewählter Ord- nung für gewöhnlich neue Aufsätze liefert und bespricht oder auch einzelne Schüler frei gewählte Gedichte zum Vortrag bringen. Auch die Aussähe sind hier keine Pslichlarbeilen, und trotzdem ist das Kon- tingent der Schüler, die neue Aufsätze haben, sie vorlesen und zur Kritik stellen wollen, so groß, daß die Zeit eines Vormittags nicht im entferntesten hinreichen würde, um alle zu Wort koinmen zu lassen. Ach, wir denken noch an die berühmten Themen„der Nutzen des Wassers" oder ähnliche Alpträume unserer Kindheit— und nun? Nun stehen da Mädel oder Jungen und lesen kleine Ge- schichten aus dem eigenen Leben, und die Sachen sind lebendige, plastisch anmutende Schilderungen aus dem eigenen Leben, Streit- szenen von der Straße, kleine Episoden aus dem täglichen Leben. — Daun kommt die Kritik zum Wort. Denn hier fährt nicht mehr der„Herr Lehrer" mit roter Tinte dazwischen, sondern in gegen- seifiger Kritik finden die Schüler selbst die Fehler ihrer Arbeiten, 43s Gerichtstag. von Fred Berence. Lapvledl 192S by Paul Zsolnay, Wie»' Ich beobachtete ihn lange. Er saß mir gegenüber und starrte zu Boden, seine gesenkten Lider schienen aus Blei zu sein und verliehen dem Geffcht einen Ausdruck von Leiden, der mir ins Herz schnitt. Ein fast unmerkliches Beben ließ manchmal seinen ganzen Körper wie unter einem elektrischen Schlag erzittern. Als die Geschworenen eintraten, machte er eine Bewe- gung, wendete den Kopf, hob die Augen, sein Ausdruck ver- änderte sich, ich konnte von seinem Gesicht eine bittere Re- signation ablesen. Dann nahm er wieder seine frühere Stellung ein: nur ließ er die Hände entmutigt auf die Knie sinken. Ich weiß nicht, wieso mich diele Hände fesselten, mir seltsam erschienen. Sie zitterten unaufhörlich, waren mittel- groß, sehr mager und leicht behaart; während der Unter- suchungshaft waren sie ganz blutlos geworden. Es schien mir, als könnte ich die Nerven sehen, die in diesen armen 5)änden zitterten. Meine Augen hafteten unverwandt auf ihnen, aber ich konnte doch ihre Sprache nicht verstehen. Das Zeugenverhör begann. Frau Balcourt in tiefer Trauer näherte sich der Barre; ich konnte ihre Züge wegen des dichten Witwenschleiers, der ihr Gesicht verhüllte, nicht unterscheiden, sie stützte sich auf den Ann eines jungen Mannes, in dem ich Andn* erriet. Als der Angeklagte seine Mutter erblickte, hob er die Augen, senkte sie aber rasch wieder und starrte auf den Fuß- boden. Ich bemerkte, daß sich seine Hände zusammenkrampften, und da verstand ich in einer plötzlichen Eingebung ihre Sprache: Sie brüllten vor Schmerz. Mit langsamer, gebrochener Stimme wiederholte Frau Balcourt ihre ersten Aussagen. Sie war mit ihrem Manne in der Nacht in Streit über eine Geldangelegenheit geraten. Ihr Sohn hatte den Wortwechsel gehört, war in das Zimmer getreten und hatte seinen Vater zur Rede gestellt; sie konnte sich nicht mehr genau an die Worte erinnern. Der Sohn hatte ihren Mann beschimpft und sich plötzlich mit der Schere in der Hand auf ihn gestürzt: was dann geschehen"war, wußte sie sticht mehr. Als sie ihre Aussage beendigt hatte, brach sie in krampf- Haftes Schluchzen aus. Ich beobachtete den Angeklagten, er biß sich die Lippen, seine ha'bgeschlossenen Lider verliehen ihm das Aussehen eines Gefolterten, und wieder verkrainpften sich seine Hände. Ihr Todesschrei schnitt mir ins Herz und tat mir so weh, daß ich mich auf die Lippen biß, um nicht selbst aufzuschreien. Jetzt kam die Reihe an den Bruder?cs Angeklagten; er hatte nichts gesehen, nichts gehört; auf den Schrei seiner Mutter war er ins Zimmer geeilt, da war der Leichnam ge- legen. Auf alle Fragen, die man ihm stellte, antwortete er unverändert:„Ich weiß nicht." Die früheren Protokolle wur- den verlesen und neue Zeugen hereingerufen. Es waren vier Nachbarn, die zugunsten des Toten und gegen den Angeklagten aussagten, den sie als hochmütig und verschlossen schilderten, im Gegensatz zum Ermordeten, der die Hilfsbereitschaft in Person gewesen war. Dann verhörte man die letzte Zeugin, nämlich die Eng- länderin. Sie wiederholte ihre früheren Angaben, die sich von denen der anderen Nochbarn vollständig unterschieden. Sie hatte mehrcre Auftritte gehört, beschrieb sie genau so, wie sie der Ang-klagte in den Aufzeichnungen erzählt hatte und die nur Dr. Serval, seine Frau und ich kannten. Die Engländerin ver- hehlte nicht, daß sie den Angeklagten mm Verlassen des Vater- Hauses zugeredet hatte und schloß ihre Aussage damit, daß sn immer Herrn Balcourt für einen Irrsinnigen oder einen gefähr'ichen Verbrecher gehalten hatte. Dieser Bericht aus dem Munde einer weißhaarigen Frau machte einen gewissen Eindruck auf die Geschworenen. Als die Zeugin zu ihrem Platz zurückkehrte, ging sie am Angeklagten vorüber; er hob die Augen, in denen Tränen der Dankbarkeit glänzten, zu ihr auf. Sie verlangsamte ihre Schritte und grüßte den jungen Balcourt mit einer gütigen, anmuffgen Bewegung. Er senkte den Kopf zum Zeichen des Dankes und schloß die Augen, um die Tränen zurückzubalten, die ihm die Lider verbrannten. Hierauf wurde der Angeklagte verhört; er antwortete mit tonloser Stimme, verkrampfte die Hände und meinte, daß er zu den früheren Aussagen nichts hinzuzufügen hätte. Nun stand der Staatsanwalt auf und verlas die Anklage- schrift, die vernichtend für den Beschuldigten lautet. Er schloß mit der Bitte, ein Erempel zu statuieren und beantragte das höchste Strafmaß: Lebenslänglichen Kerker, Ich beobachtete unausgesetzt den Angeklagten: er hörte die Rede, die ihn beschmutzte und ein Ungeheuer aus ihm machte, gleichgültig und resigniert an. Ein paar Minuten herrschte Schweigefi. Die Leute um mich herum flüsterten:.„Er ist verloren." Eie sauerd Stimme meinte:„Geschieht ihm ganz recht." Eine andere bestätigte salbungsvoll:„Du sollst nicht töten." „Aber man sieht doch, wieviel er durchgemacht hat." „Wieso denn? Schauen Sie ihn nur an, diesen eigen- sinnigen und verbohrten Ausdruck," fuhr die saure Stimme fort. Jetzt ergriff Dr. Serval das Wort und das Flüstern ver- stammte. Der Rechtsanwalt begann mit langsamer, gemäßigter Stimme sein Plädoyer zu verlesen. Er sprach von der Jugend des Angeklagten, feinen Kämpfen, dann legte er sein Konzept hin, seine Stimme wurde überzeugend, vibrierte vor Erregung, sie fand Töne unerwarteter Wärme und durchdrang den großen Saal, in dem plötzlich tiefftes Schweigen herrschte. Punkt für Punkt erörterte er die Argumente des Staatsan- waltes, widerlegte und zerstörte sie. Aller Blicke hingen an ihm, er hatte das Auditorium gepackt. Das entging ihm nicht, denn er war ein Mann, der die Massen kannte. Nach- dem er die Grundbedingungen der Anklage zerpflückt hatte, plädierte er für mildernde Umstände: zum Schluß verlangte er kurz un bündig den Freispruch. Seine Red? war zu Ende, er trocknete sich die Stirn, auf der große Schweißtropfen stan- den. der Widerhall seiner klangvollen Stimme tönte nach. Zu- erst herrschte vollständiges Schweigen, dann härte man plötzlich Beifall im Auditorium. In diesem Augenblick überflog den Angeklagten ein Zittern, das lange andauerte, er öffnete ganz weit die Augen und sah betroffen auf das Publikum. Der Ausdruck seines Ge- sichtes tat mir tyeh. Seine armen Hände begannen stärker zu zittern. Er wendete sicb an den Verteidiger und warf ihm einen flehenden Blick zu. Dr. Serval trat an seine Seite und sagte ganz laut:„Mut." Da stand der Angeklagte aus und verließ, von den beiden Iustizsoldaten begleitet, den Saal. Die Geschworenen zogen sich zur Beratung zurück., (Schluß folgt.) I «md e» ist«in« Freud«,«t» sachlich hier seder Fehler in der Lnlaa« eine, Aufsatzes durchgesprochen wtrd. Dann aber kommt die große Ueberraschung: Es werden Gedicht« eigener Wahl rezitiert, ja. wahrhaftig, nicht„aufgesagt*— man hat wohl zur Gedächnishilf« das Buch noch in der Hand, aber das, was diese 13- bis löjährigen Proletarierkinder da bringen, das ist ein Erlebnis!— Eines der Mädel hat sich den„Haideknaben* von Hebbel, ein anderes ein Gedicht von Dehmel gewählt, und man fühlt, daß diesen Kindern die Gedichte bis in das letzte Wort lebendig geworden sind. Ernst und gesammelt hat die Klasse zugehört. Aber dann wird wieder zur Kritik cjerufen, und nun wird Hebbel ebenso vorgenommen, wie vorher irgendein Klassenkamerad, eine ganze Anzahl findet den Schluß des Gedichtes unbefriedigend, ein kleiner Kritiker erklärt: „Das is ja eben das Komische bei Hebbeln, daß man nachher doch nicht janz richtig Bescheid weiß*... Und um diesem„Komischen bei Hebbeln* auf die Spur zu kommen, wird schnell eine Sammlung beschlossen: es sollen von drei verschiedenen Gruppe« drei Hebbel- dramen durchgcorbeitet werden.— Hebbel hier, in der Oberklasse einer Gemeindeschule, gelesen und dargestellt von Proletarier» lindern, unter denen einig« nicht einmal fllns Pfennig zu der Sam- lung beisteuern können, und diese Kinder al, dialektisch durchaus nicht ungeschickte Krilikerl Und an diesem Beispiel steht man deut» lich, wie hier ein Rädchen das andere treibt: keine Stund« bleibt ohne neue geistige Anregung, und jede wird begierig von den Kindern aufgegriffen: So bleibt kein Wissen tot und isoliert, alles verknüpft ein lebendiges Band— mögen die Schüler nun Theater spielen oder stch einen Dortrag aus der Geographie bestellen. Bei dem nächsten Besuch steht man eine Gaunerkomodie in der Art der Ccmimerlia ctel irte und die Umarbeitung eine« Gedichtes von Liliencron, hört selbstgesunden« Melodien und steht die Bilderaus» stellung und lernt an all dem dos Wort de» Schulleiter begreifen: „Wir wollen das schöpferische Kind befreien!*— Das ab«r die neue Schule für die Entwicklung der Eharaktere der Kinder be- deutet, zeigte ein kleines Erlebnis, dessen Zeugen der Zufallsgoft wurde. Es war nicht mehr und nicht weniger al» ein« Nein« Revolte, eine. Revolte gegen den gütigen und freundlichen Letter der Klasse. Grund: Die Klosse fand, daß ein hochbegabte» Midel die Aufmerksamkeit des Lehrers in zu hohem Maße erfordere, daß ihr zuviel seiner Zeit gewidmet sei, und die Rufer nn Streit scheuten stch nicht, den Lehrer daran zu erinnern, daß„doch in ledem was steckt, was man fördern und rauskriegen muß*— und der Lehrer wurde auf die Kameraden hingewiesen, denen nach der Meinung der Klasse nicht völlig ihr Recht wurde. Leidenschaftlich, wie homerische Helden, kämpfte die Klasse um ihr Recht. Und das war das Erlebnis der neuen Schule: Wie dies« Zug«nd, ungebrochen in ihrem Charakter, antiautoritär in ihrer ganzen Ein- stellung, solidarisch empfindend in allen ihren Mitgliedern heran- wächst, eine Jugend voll gesegneter Respektlostgkeit, aber tief emp- findend, eine Jugend, der die Schule nicht di« Entwicklung zum vollen Menschentum hemmt« oder unterband. Uich dies» jungen Vollmenschen, die denken lernten, statt«inen Vollast toten Wissens herumzuschleppen, zeigen, schulentlassen, sich fast stet, w allen Dingen des praktischen Lebens als die Ueberlegenen. Lücken, di« ihr Wissen irgendwo aufweist, werden raschesten« ausgefüllt und sie treten bei weitem gereifter in das Leben wie irgendein Kind der„allen Schule*. Und wenn der neuen Schule erst einmal die Lernmittel ebenso reichlich zur Verfügung stehen, wie den alten Anstalten allen Stils, werden ihre Resullat« noch erstaunlicher sein.— D t e I u- gend aber, die heute hier groß wird, wird viel» leicht einmal neu« Züge in da» Gesicht der pro l«» tarischen Bewegung graben. Neue weltliche Scholen. Für die Verwaltungsbezirke Prenzlauer verg, Frie» d r ich s h o i n und Kreuzberg hat die B e z i r k» s ch u l d e p u» t a t i o n der Bezirke 1 bis 6 jetzt die Schulen festgesetzt, die zu Ostern in weltliche Schulen umgewandelt werden. Ausersehen sind für Prenzlauer Berg die Schulen 288/289 in der Seneselder- straße oder die Schulen 182/197 in der Danziger Straß«, für Friedrichshain die Schulen 181/S9 w der Diestelmever» st r a ß e, für Kreuzberg die Schule 20 in der Waldemarstraße. In den Kreisen der Gegner weltlicher Schulen ist in den letzten Monaten und Wochen alles aufgeboten worden, da» Zustande- kommen der neuen weltlichen Schulen möglichst zu erschweren. Nachdem der Widerstand, der gegen die Hergäbe der in Aussicht genommenen Schulen sich geltend gemacht hatte, bei der Schul- deputation keinen Erfolg gehabt hat, rechnen die„Christlich-Un- politischen" jetzt auf das Provinzialschultollegium. Wir bezweifeln, daß sie bei dieser Stelle mehr Glück haben werden. Ein Kampf um das„Kraukenhaus im Grünen". Wir meldeten, daß bei der Besichtigung des von der Stadt Berlin zur Entlastung der städtischen Krankenhäuser herangezogenen Sanatoriums Birkenwerder, des am Kiefernwald schön gelegenen„Krankenhauses im Grünen*, der Gemeindevor- st e h e r von Birkenwerder feine Bedenken gegen die Umstellung des Sanatoriums vorbrachte. Die Bedenken stnd, wie wir bereits hervorhoben, durchaus unbegründet, ober der Gemeindevor- steher meinte, in der künftigen Belegung von 100 Betterr des Sanatoriums mit Kranken der Stadt Berlin eine Gefahr für de» Ort sehen zu müssen. Inzwischen ist sogar versucht worden, den Weiter- betrieb der so umgewandelten Anstalt zu verhindern, und gestern war das Gerücht verbreitet, daß au! Einspruch der Gemeinde- Verwaltung Birkenwerders bereits die Schließung erfolgt sei. Das trifft jedoch nicht zu. vielmehr hat der L a n d r a t S ch l s m- m i n g e r vom Kreis Niederbarnim sofort veranlaßt, daß der Einspruch zurückgenommen worden ist. Das Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin hat ausdrücklich erklärt, daß Kranke mit offener Tuberkulose nicht dort unter- gebracht werden sollen. Hiermit dürste der Streit geschlichtet sein. Die gestern eräfsuele Reichsgastwirtsmesse ist am heutigen Sonn tag von 10 bis 8 Uhr geöffnet Eintrittspreis 1,50 M., für Interessenten 1 M. der geheimnisvolle Betriebsstoff. Seufationelle Wendung des Prozesses gegen Heinz v. Lehn. Der Autoschieberprozeß gegen den Kaufmann Heinz v. Lehn und vierzehn Mitangeklagte, der das Erweiterte Schöffen- gericht Mitte unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Liebegott fett dem 25. Januar beschäftigt, nahm am gestrigen Tag« unmittelbar vor Abschluß der zweimonatigen Beweisaufnahme eine sensationelle Wendung. Der HaupwngeNagte Heinz o. Lehn, der der„König der Auto- chieber* genannt wird, hatte sich von Ansang an aus das Ent- chiedenste dagegen gewehrt, daß er auf Schwindeleien ausgegangen ei und die von ihm erworbenen mehr als 80 Autos lediglich habe verschieden wollen. Durch di« anläßlich einer Beleidigungs- ZomweU dnAMeiMl M-BeilliK heut«. Sonnlag, den 20. Rlärz 1927, vormittag» 11 Ahr, im Großen Schanipielhan», Sarlstraße Atitwirteud«: Berliner voltschor: Cctlang Oc. Zayder« An der Orgel- Willi Zaeger» Cello-Trio: Armin Lieb ermann, Arltz Hoppe, Sari Lenzeivjki» Weiherede: Dr. Lohmann» Oer Sprechchor der prole- «arischen Zeicrslunde, Leitung ttld.Aloraty vnd Einzeljprechcr tzemr. Wille Eintrittskarten sind an der Sajs« erhältlich. ossäre mit der Kriminalpolizei ersolgt« Berhastung seien sein« großen Umernehmungen in Bettin und Hamburg zusammenge- brachen. Wäre da» nicht geschehen, dann wäre er mit Hilse seines neuen Betriebsstoffes heute ein schwerreicher Mann. Heinz o. Lehn behauptete, daß der von einem Münchener Ingenieur Zkaisler er- fundene Betttebsstoff durch Walserzusatz bei dersetben Leistungsfähigkeit wesentlich billiger sei als Benzin und Benzol. Er habe erfolgreiche Probeoerfuch« gemacht und so vor dem Abschluß eines großen Lieferungsvettrages mit den Opelwerken gestanden. Es sollten auch in Berlin und dem ganzen Reich Tankstellen eingerichtet werden. Diesen neuen Betriebsstoff hatte Heinz o. Lehn unter der Bezeichnung Hydrosperin paten- tieren lassen und ihn dann in verbesserter Form„Apels Spezial- benzol* genannt. Der Bttriebsstosf soll aus einer Mischung von Benzin, Benzol, Spiritus und etwa sechs ungenannten Chemikalien bestehen. Durch den Zusatz von 30, vielleicht auch 40 Proz. Wasser werde dieser Detriebsstoss wesent- lich billiger als di« jetzt in Verwendung kommenden Matettalien, Benzin oder Benzol. Die Sachverständigen für das Automobil- wesen hatten die Angaben des Angeklagten als unmöglich be- zeichnet. Bekanntlich vermischt sich Wasser nidst mit Benzin und Benzol, und der Motor stoppt sofort, sobald Wasser hinzukommt. Der Angeklagte aber und auch der eigenttlch« Erfinder blieben bei ihrer Behauptung. Das Gettcht glaubte nunmehr, doch dem Angeklagten einmal Gelegenheit geben zu müssen, seine vorgeblich« epochemachend« Erfindung prakttsch vorzuführen. Diese Dersuche wurden am gestrigen Nachmittag in Moabit vorgenommen. Im Gerichtssaal stellten Heinz o. Lehn und Ingenieur Kaisler in einem großttr Glasbehälter die Mischung der eigentlichen Betriebs- stosfe zusammen, der Menge wurde dann 22 Proz. Wasser hinzuge- fügt. Was vom Angeklagten immer behauptet worden war. ver- wirklichte sich: es erfolgte ein« vollkommene Dermischuna des Wasser, mit den anderen Stoffen. Darauf begab stch dos Gettcht auf den Hos de» Krtminalgerichtsgebäudes. Dort wartet« bereits ein« herbeigeholte Autodroschke„Nr. 37 848*, die mit der Misch- menge versorgt wurde. E» fanden zunächst auf dem Hofe mehrere Probefahrten statt, an denen Mitglieder des Ge- ttchts, Stoatsanwaltschastsrat Dr. Ziegel.und die Sachverständigen teilnahmen. Darauf wurde in der mit sechs bis sieben Personen belasteten Autodroschke in schnellem Tempo eine längere Fahrt durch Alt- Moabit bi» zur Kalsettn-Auglista-Alle« und zurück unternommen. Der Motor war bei sämtlichen Der- fuchsfahtten w bester Verfassung, und die Fahnen wickelten stch tadellos ab. Nach der Rückkehr auf den Gerichtshof mußte der ge» ttchtliche Sachverständige für das Automobilwesen, Ingenieur Dr. Heller, zugeben, daß diese versuche besläiigt hätten, daß e» möa- lich sei, einen Brennstoff herzustellen, der mit 20 Proz. Vasserbei- Mischung genügend empfindlich sei. um einen Motor in Betrieb zu hallen. Er glaube auch, daß Schwierigkeiten wegen der Außen- temperalur und wegen Uebcrhitzung kaum in Frage kommen dürften, nachdem der Motor so lange in Betrieb gewesen und die Zündung nicht versagt Hobe. Nachdem der Sachverständige Dr. Heller noch festgestellt hatte, daß für die Probeversuche die nor- male Zündkerze verwendet worden war, fanden die interessanten Probeversuche ihren Abschluß. Autoparkplätze znm 1. April. Die Einrichtung der Autoparkplätze in verschiedenen Stadt- teilen, die schon ursprünglich zum 15. d. M. in Aussicht genommen war, stch aber iniolge der noch ausstehenden Genehmigungen einiger behördlicher Instanzen oerzögerte, wird jeßt endgültig zum 1. April erfolgen. Die Verhandlungen mtt dem Polizeipräsidium und den übrigen Stellen wegen der Eröffnung von Autoparkplätzen in der Nähe der großen Tbeater, der Varietes und des Sport- Palastes werden noch einige Zeit In Anspruch nehmen, so daß auch diese Plätze in einigen Monaten in Betrieb genommen werden dürften.* Dental-Schau. Der Verband Deutscher Dental-Fabrikonten veran- staltet alljährlich in den Nestaurationsräumen des Z o o eine Aus- stellung, die einen Ueberblick über den Produktionsstand sämtlicher oas Gebiet der Zahnhsilkunde betreffenden Erzeugnisse bietet. Die Verbesserungen und Neugestallungen der verschiedenen Bedarfs- artikel geben«in deutliches Bild der Entwicklung dieser Industrie, die naturlich wie jede andere bestrebt ist, hinsichtlich der Vervollkommnung ihrer Erzeugnisse und Steigerung der Qualität der- selb« Fortschritt« und damit echShte Koickurrenzfähigkett zn erzielen. Die reich beschickte Ausstellung zeigt alles, was«in modern eingerichteter zahnärztlicher Arbeitsraum— auch Matterkasten genannt— enthalten muß. Vom kleinsten, unscheinbarsten Stiftchen angefangen, bis zum„elektrischen Stuhl*. Es ist eine bunte Fülle von Erzeugnissen oerfchiedensler Form und Art, deren Herstellung in ihrer Vielseitigkeit Wissenschaft und Industrie beschäftigt. Die Chemie liefert die Präparate, die Technik Lichtanlagen. Heizkörper sowie olle erforderlichen Apparaturen, die Industrie, deren Betäti- gungsseld das ausgedehnteste ist. stellt die Einrichwngsgegenftände, die verschiedenen Instrumente, die Metall-Legierungen, Ersatzzähne und was sonst noch zur Zahnheilkunde erforderlich ist. her. Die Aus- stellung bleibt bis zum 21. März geöffnet. Venn man nicht radfahren kann! Schwerer Straßenunfall in Berlin O. Ein folgenschwerer Straßenunfall. der durch das unsicher« Fahren eines jugendlichen Radler» verursacht wurde, und bei dem vier Straßen Passanten mehr oder minder erheblich verletzt wurden, ereignet« stch gestern nach- mittag gegen 4 Uhr vor dem Hause Mühlenstraße 37. Vom Stralauer Platz her nahte eine Kraftdroschke, an der ei» von der Brommybrücke kommender Rodfahrer, der gerade in die Mühlenstraße einbiegen wollt«, trotz der Warnungssignale des Chauffeurs noch vorbeizukommen suchte. Der Radfahrer geriet dicht vor die Kraftdroschke und wäre unzweifelhaft überfahren worden, wenn der Führer nicht im letzten Augenblick seinen Wagen nach links herumgerissen hätte. Unglücklicherweise kam die Kraft- droschke ins Schleudern, gettet auf den Bürgersteig und fuhr in eine Schar spielender Kinder hinein. Zwei Kinder imd ein Passant wurden überfahren und zu Boden gerissen. Verletzt wurde die IZjähttge Liselotte Dommeyer und die gleichaltrige Gerda Artlich, beide in der Mühlen- straße 33 wohnhast, der 33iährige Kaufmann L. aus der Prinz- Albert-Straße zu Lichtenberg und der 14�jShrige Radfahrer Wilhelm H. aus der Memeler Straße, der den Unfall verursacht hatte. Die beiden Mädchen hatten so schwere Verletzungen erlitten. daß sie durch einen Wagen des Städtischen Reitunqsomtes in das Krankenhaus am Fttedttchshain gebracht werden mußten. L. und H. kamen mit stark blutenden Schnitt- und Fleifchwimden davon und konnten nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnungen entlassen werden. Einen tragischen Tod fand gestern nachmittag die achtjährige Tochter Henni des Klempnereibesitzers David. Die Kleine spielte in der in der R u p p i n« r Straße 3 gelegenen Schlosserei ihres Vaters und kam einer Werkzeugmaschine zu nahe, die umstürzte und dem Kinde den Sibädel zertrümmerte. Der Tod trat aus der Stelle ein. Die Leiche wurde beschlagnahmt und dem Schauhaus zugeführt. „Grüße aus Amrrfka." In der Maske eines Amerikaners„John Dexton* betätigt» stch ein Gauner, der mit dem alten aber immer noch wirksamen Trick arbeitete, daß er angeblich Gttih« aus Amerika zu überbringen hätte. Er kundschaftete aus, wo Geschäftsleute und Gewerbetreibende verwandte in Amerika hatten, erschien bei ihnen und wußte viel von dem großen Besitz der Ausgewanderten zu erzählen. Scheinbar ganz nebenbei lieh er auch einfließen, daß man wohl auf ein« größere Dollorfpende rechnen dürfe. Die erfreuten Leute zeigten sich dem Grußüberbringer in den meisten Fällen gern erkenntlich und beschenkten ihn für die guten Nachrichten. Erhielt der Mann kein Geld, so hatte er noch ein anderes Eisen Im Feuer. Er zeigte an- geblich„echt engl i Ich e Stoffe* vor, di« er zu einem lächerliches billigen Preise abgeben könne. So hielt er sich in anderer Weile. schadlos. Erst zu spät erkannte» die Spender und Käufer, daß sie einen Schwindler beschenkt oder ganz minderwertige Stoffe zu teuerem Preise gekyust hatten. Endlich geriet dcr Gauner an den llnrechlen. Bei dem Inhaber einer Ledcrmöbelfabrik In der Retchenberger Straße wollte er wieder Grüße bestellen. Als dieser Trick nicht versing, brachte er seine Stoffe zum Vorschein. Das war fein Verhängnis. Der Gefchäffsmann, der fachkundig war, erkannte fofott, daß die Stoff« nichts wert waren und benachrichtigic das 81. Polizeirevier, das den Schwindler festnabm. Die Kriminal- polizei ermittelte verschiedene Leute, die der Verhaftete betrogen Halle, darunter auch eine Dame. Ihr gegenüber bestritt dcr Schwindler, sie jemals gesehen zu haben, so daß sie schließlich selbst an einen Irrtum glaubte. Zufällig war aber bei seinem Erscheinen bei der Dame ein Bekannter, ein auffallend großer und stattlicher Mann, anwesend gewesen. Als dieser dem Betrüger energisch eni- gegentrat, gab er nun den Schwindel kleinlaut zu. Er wurde fest- pestellj al» ein 39 Jahre aller„Kaufmann* Siegmund Lewin. der tatsächlich eine Zettlang in Amerika gewesen ist und sich dort die Kenntnis der englischen Sprache erworben hat. Ohne Zweifel ist er mit seinem Trick noch an vielen anderen Stellen aufgetreten. trogene, die noch keine Anzeige gemocht haben, werden ersucht, sich bei Krtminolsekreiar N e u m a n n, Dienststelle v. 3, im Zimmer 545 des Polizeipräsidiums zu melden. Der provisorische Bahnhos Gichkamp. Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft, Reichs- bahndirektion Berlin, teilt uns zu den Ausführungen„Verkehrsver- fchlechterung auf der Vorortbahn:* in Nr. 110 des„Vorwärts" vom 6. März 1S27 folgendes mit:„Der provisorische Bahnhoi Eichkamp wird voraussiclstlich nur 8 Monat« bestehen. Auf beiden Bahnsteigen werden demnächst Wartehäuschen aufgestellt werden."_ villige Fischloge. Es kommen vom Montag, den 21. bis Mitt- woch, den 23. März, zum Verkauf: Grüne Heringe, große Norweger, Pfund 20 Pf., mittel Holländer Pfund 25 Pf., Kabliau im ganzen Fisch Pfund 25 Pf„ im Anschnitt entsprechend teurer, Schollen von 25 Pf. an, Fischfilet Pfund 60 Pf., Mittelzander(gefroren) Pfund 80 Pf. Die Verkaufsstellen sind durch Plakate kenntlich gemacht. P! Fertige Betten Oraarot Inlett mit grauen Feflera Oberbett. Unterbett Kissen.. Ä.LS 7.S0 3.43 Aufarbeiten von Seiten u. 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Warenabgabestelle: Mahlsdorf, Melanchthon- straße. Wahllokal: Nordstern, Honöverstraße. 193. Warenabgabe- stelle: Bankow, Kissingenstrahe. Wahllokal: Engelhardt. Kissingen- straße 4. Wahllegitimation: Mitgliedsbuch der Itonfumgenosienschastl Unsere zu diesen Warenabgabestellen gehörenden Genosien und Genossinnen haben heute ihrer Wahlpflicht zu genügen. Zu wählen ist die Liste Genosfenschastsausbaui 5eier im Krematorium Gerichtstraße. Das Krematorium in�der G e r i ch t st r a ß e lud die Anhänger der Feuerbestattung am Sonnabend nachmittag zu einer würdigen Feier ein Die 50 000. Einäscherung war der äußere Anlaß. Genosse Bürgermeister Leid wies einleitend darauf hin, wieviel Kummer, wieviel Tränen in dieser Kuppelhalle ihren Widerhall gefunden. Nicht Rekordsucht sei der Anlaß dieser Feier, sondern die Notwendigkeit, der Idee der Feuerbestattung gerecht zu werden. Im Jahre 1913 gab es in diesem Krematorium 852 Einäscherungen, im Jahre 1926 an 5800, wozu noch die von Baumschulenweg und Wilmersdorf hinzukommen An 35 vom Hundert aller Berliner Bestattungen sind jetzt schon Feuerbestattungen. Die Krematorien müßten mit den Urnenhainen in Verbindung stehen, was zugleich der Grünflächen- Politik entgegenkäme. Es sprachen noch Eanitätsrat Dr. Wegscheider und Dr. P a u l y über die Anfänge der Feuerbestattung, die für B e r l I n im Verein für Feuerbestattung von 1874 ihren geschichtlichen Anfang haben. Widerstand auf Widerstand war zu bezwingen, um den düsteren Todesgedanken des Mittelalters wenigstens teilweise zu bannen. Nicht ein Schreckgespenst, sondern der Jüngling mit um- gekehrter Fackel des klassischen Altertums ist der Tod in der Vor- stellung der Feuerbestatter. Ueber die Entwicklung der Feuer- bestattung sprachen dann noch Stadtrat Müller für den Volks- feuerbestattungsverein und Geschäftsführer S i e o e r s für die Frei- denker für FeuerbestatlunA. Beide forderten von Staat und Ge- meinde ein weniger stiefmutterliches Verhalten. Sievers wies, gleich den dnderen auch besonders noch darauf hin, daß die Bestattung keine Frage der Politik und der Religion sein dürfe, doch die Herr- schenden Gewalten klammerten sich eben aus diesen Fragen heraus überall noch an die allen Bräuche. Die interessante Feier wurde stimmungsvoll durch Orgelspiel. Musikvorträge und Gesänge um- rahmt._ „Kaiserliches Postamt� in Berlin. Die Republik muß doch noch sehr jung und unbekamtt sein! Denn heute, km neunten Jahr« der Republik, liegt vor uns eine Postlagertarte des Postamts Berlin SO 93 vom 17. Januar 1927, die geschmückt ist mit der immerhin etwas ver- blüffenden Unterschrift: Kaiserliches Postamt.— Herr Stingl hat uns den Fr'dericus beschert. Vielleicht überrascht un» Herr Schätzl, der neue bürgerblöckliche Reichspostminister, mit einer Der- fügung, die dem Unfug„kaiserlicher Postämter" endlich einmal ein End« macht. Das angewärmte Mutzbad. Für die neue Flußbodeanstalt, die an der Ober- s p r e� auf Lichtenberger Gebiet neben dem Großkraftwerk R>t»KM e l s b u r g im Entstehen ist, fordert jetzt der Magistrat von dler Stadtverordnetenversammlung die Zustimmung jät Hergabe von einer halben Million Baukosten., Die Vorlage berichtet über die Einzelheiten des Projektes, da« im„Vor- wärts" bereits vor einem halben Jahr eingehend besprochen wurde. Festgehalten wird an dem Gedanken, daß vom benachbarten Groß- kraktwerk das warme Kondenswalser durch das eine der aus dem Spreestrand angelegten und durch Zufluß aus der Spree gefüllte Schwimmbecken hindurchgeleitet wird und von da zur Spree abfpeßen soll. Die mäßig« Erwärmung des Schwimmbecken«, die dabei erreicht wird, könnte ermöglichen, die Flußbadecmstalt auch in den minder wannen Monaten des Jahres zur Benutzung offen zu hallen. Allerdings dürste die Aus- dehnung der„Badesaison" doch ihre Grenzen daran finden, daß die Badenden nicht nur vom Wasser, sondern auch von der Luft eine erträgliche Temperatur fordern. Zum Gedächtnis der obcrschlesischen Abstimmung. Der vorstand der Landesgruppe Norddeuischland der„Der- einigten Verbände heimattreuer Oberschiester" Halle zu Frettagabend zur sechsten Wiederkehr des Abstimmungs- tages vom 20. März 1921 zu einer Gedenkfeier im Stadthaus eingeladen, und es ist erfreulich, festzustellen, daß die Feier im großen und ganzen äußerst würde- und weihevoll und ohne natio- Ktafte Sh Schmaek aad Cdelgiräts, bleibt nden Wart behalten i ßinsegnungs- u. Oster■ gestynke JuwtUa, Uhren, Gold- und Silber-Waren tu Königstraßi 30 <■ btkunnttr Prelsivürdtgkttt a. i. Ntum FrUirUJtttr, nalistisckes Brimborium versief. Sehr gut vorgetragene Musik- stücke, so vor allem Beechovens unvergängliche Egmont-Ouvertüre und Franz Schuberts„Sanctus", umrahmten die Festrede des Ministerialrats Dr. Strahl, die an Stelle des erkrankten Red- ners Oberregierungsrat H o f f m a n n verlas. Er betonte, daß die preußische Staatsregierung allen Bestimmungen zum Schutze der Minderheiten nachgekommen, daß also mit der wahnwitzigen Hakat.istenpolitik endgültig Schluß gemacht ist. Hoffentlich wird auch Polen bald zur Einsicht gelangen! Der ein- zig«, der etwas allzu bürgerblöckliche Töne anschlug, war der Reichs- tagsabgeordnete Ulitzka. Er sprach von der Wiedergewinnung des an Polen verlorenen Ostoberschlesiens und sagte, daß diese nicht unbedingt durch einen Krieg Wirklichkeit werden müsse. Nein, Herr Prälat, überhaupt nicht durch einen Krieg! Man kann sich im Gegenteil vollkommen zu der Resolution stellen, die nach den Ansprachen angenommen wurde und in der es heißt:„Don den Regierungsstellen aber fordern wir, daß jede Gelegenheit, die uns die Mitgliedschaft im Völkerbund bietet, ausgenutzt wird, um unseren bedrängten Londsleuten ihr Los unter ftemder Herrschaft zu erleichtern." Der Wunsch eine» verstosienen Majors, es möchte davon ge- sprachen werden, daß Deutschland„verkauft und verraten" sei, ging nicht in Erfüllung. Hindenburg, Marx und Stresemann hatten ge- schrieben: der preußische Innenminister Grzesinski hatte sich durch Oberregierungsrat Dr. Roeckner oertreten lasten. �rne öorg� im �umbolüthafen. Die Verwandlung des Kollidiebes. Eine große Ueberraschung erlebten gestern früh Kriminalbeamte, die seit einiger Zell in der Gegend des Humboldthafen« hinter einem K o l l i d i e b her waren. Dort wurden schon seit einem halben Jahre rätselhafte Kollidiebstähl« verübt. Von Frachtdampfern, Kähnen und Rollwogen verschwanden bald«in großer Ballen Stöfs, bald eine Kiste Stiesel, bald ein Sack Mehl usw. Der Dieb mußte ein Mann sein, der den Eindruck«ine» Hafen- arbeiters machte und nicht so auffiel, denn er stahl eine ganze Zeillang am hellen Tage. Dann verleg!« er seine Tätigkeit in die Nachtzeit und suchte Dampfer und Kähne heim, die nach dem Ein- und Aus- laden nicht alle Luken geschlossen hatten. Beamte der Dienststelle C. 8 legten sich nun auf die Lauer und sahen in der Gegend wieder- holt einen alten Bekannten, einen F r i tz R u b e, mit dem sie früher schon öfter zu tun gehabt hattett? Gestern früh um 414 Uhr kam Rube mit einem Paket von einem Dampfer herunter. Als er merkte, daß er beobachtet wurde, warf er das Paket weg und lief das Krön- prinzenufer entlang. Plötzlich machte er einen Hechtsprung und verschwand im Wasser. Bald darauf sahen die verfolgenden Beamten einen Mann austauchen. Mft einem Schifferkahn ruderten sie an ihn heran und fischten ihn aus den noch sehr kühlen Fluten heraus. Zu Ihrer Verwunderung aber war es gar nicht mehr der verfolgte Dieb. Mit einiger Entrüstung, aber immer noch höflich, fragte der Schwimmer, wie man dazu komme, Ihn bei der „Arbeit" zu stören. Er sei doch Arne Borg und trainier« im Humboldthafen. Dabei blieb der Mann auch hartnäckig selbst auf dem Polizeipräsidium noch. Von einem Kollidieb Rube wollte er natürlich nichts wissen. Erst als der Erkennungsdienst sich mit ihm beschäftigt hatte, gab er es auf, die Rolle des Meisterschwimmers weiter zu spielen. Nachdem man ihn getrocknet hatte, wurde Rube dem Untersuchungsrichter vorgeführt. 24. März- Kriegervereinshaue, ffhauffi 25. März: Prachtfäl« Treptow, Am Tri ver unsterbliche Kater Camp«, unsere» allzu früh verstorbenen Emil Rosenow» prächtige» Lustspiel, ebenbürtig dem berühm. tcn„Biberpelz" von Gerhart Hauptmann, wird von der G a st- spielabteilung der Bühnengenossenschast an den folgenden Tagen und Stätten jeweils abends um 8 Uhr zum Ein- tritt sp reis von 50 Pf. ausgesührt: Montag, 21. März: Lind- ners Konzerthaus, Pankow, Breite Straße 34: Dienstag, 22. März: Andreas-Festsäle. Andreas st raße 21; Donnerstag, ereinshau«, Chau s s-�est r�ß« 94: Freitag, reptower Park 25: Sonn- tag, 27.'März: Stadthall« W e i ß e n s e e, Pistoriusstraße: Diens- tag, 29. März: Schloßbrauerei, Schöneberg, Hauptstraße 122/23: Donnerstag, 31. März: Lindners Konzerthaus, Pankow, Breite Straße 34: Dienstag, 5. April: Orphcum, Hasenheide 32/38: Donnerstag, 7. April: Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 12. Vorverkauf: Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Zimmer 13, und Zigarrenacjchäft Harsch; Metallarbeiter, Luisenstraße 83/85: Gemein«, und Staatoarbeiler, Iohannisstraße 14/15; Holzarbeiter, Rungestraße 30; Graphische Hilfsarbeiter. Luisen- ufcr 37: Tabakarbeiter, Münzstraße 24; Lekleidungsarbeiler. Se- bastianstraße 37/38; Fleischer. Zorndorfer Straße 32; Werkmeister, Kurfurstenstraße III; ZdA., Belle-Alliance-Straße 7/10; Dietz, Buchhandlung, Lindenstraße 3. Die Stadloerordoekenvcrsammlong hat in dieser Woche ihre Sitzung am Donnerstag um%5 Uhr Der Houshaltousschuß tritt am Montag zusaminen und hat in der Woche sogleich drei Sitzungen. Mit der zweiten Beratung des l)alishall planes wird die Stadtoerordnetenperfemmlung in der nächsten Woche beginnen. Zur Generalversammlung des Gaues Berlin des Arbeiter. Sängerbundes wird uns mitgeteilt, daß der genannte Kritiker a» der Chorfammiuiig. Herr Günther, nicht Ehorführcr, sondern Ehordlrigent ist. Der Abhaltung der Werbewoche wurde zu- gestimmt, nur die Zeit und die Ausführung den Bezirken überlasten. Zu den Wahlen fei festgestellt, daß im letzten watz ein Irrtum insofern vorliegt, als Vorstand und Kontrollkommission kein« Ver- änderung erfuhren. Neu als Beisitzer zum Z«ntraloor stand wurden hinzugewählt Ehormeistcr Günther und die Sanges- schwester Eggers. das Zeuerbestattunsswefen km Jahre 1�26. 1 000 000 Verllaer für Aeuerbeftattung. Im Jahre 1926 sind in 76 deutschen Krematorien (einschließlich Danzig) 40045 Personen eingeäschert worden, davon in Berlin 12604, Dresden 2605, Leipzig 1851, Dortmund 257, Hamburg 2783, Hannover 423, Kiel 203, München 852, Nürnberg 455, Stettin 215. Das 77. Krematorium ist jetzt. in W e i ß e n f e l s(Februar) in Betrieb genommen worden. Im ersten Berliner Krematorium in der Gericht st raße fand kürzlich die 50 000. Einäscherimg seit seinem Bestehen statt. Seit 1912 sind in Berlin 83716 Personen in drei Krema- tonen eingeäschert worden. In Berliner Feuerbestattungsvereinen sind zurzeit rund 1050000 Personen als Mitglieder eingetragen, also etwa«in Viertel der Gesamtbevölkerung. Einge- äschert werden in Berlin jetzt 30 Proz. aller Verstorbenen. Arbeiten vou Werkkursea der erwerbslosen Zugend zeigte eine kleine Ausstellung desIugendamtesFriedrichshaininder Schulaula Friedenstr. 31. Es durfte dabei durchaus eine frucht- bringende Tätigkeit der erwerbslosen Jugendlichen unter guter An- leitung festgestellt werden, vor allem war dies von den Klcidungs- stücken der beiden Nöhkurse für Mädchen zu sagen. Aber auch, was an Schlosser- und Treibarbeiten, in der Herstellung von Skiern und Faltbooten, sowie von Zeichnungen und Fröbelarbeiten gezeigt wurde, bedarf unbedingter Anerkennung. Es bewies die Zusammen- stellung", daß man sich im Bezirk Friedrichshain der Berant- wortung in der Fürsorge für die erwerbslose Jugend voll bewußt Ist, das ging auch aus den erläuternden Worten des Stadtjugendpflegers Genossen K o h l« r hervor, der aus die Bedeutung solcher Arbeiten und der geselligen Zusammenfassung der Jugend hinwies. Für diese Praxis hatte man den Abend zugleich als ernste gesellige Beranstaltung aufgezogen. Besonders erfreute hierbei die M u s i k g e m e i n s ch a s t W e d d i n g. Hier ward den Erwerbslosen Kunstgenuß von ibresgleichen geboten, die sich in mühseliger Feierstundenarbeit nacy des Tages Last und Mühen solch« Fertigkeiten angeeignet haben. Da» Ausland und die Znlernastonale Preffe-Ausstellung 1928. Die Propaganda des vorbereitenden Ausschusses für die in Köln im Jahre 1928 stattfindende Internationale P r e f f e- A u s- stellung,„Pressa" genannt, scheint besonders im Ausland aus snichtbaren Boden zu fallen. In Amerika bekundet man jeden- falls ein sehr lebhaftes Jnteresie. -Freie Sozialistische kfochfchule. Am kommenden Sonnabend, dem 2 6. März 1927, abend» 7»/, Uhr, findet im großen Saal des ehem. Herr enhause», Berlin', Leipziger Str. 3, ein Vortrag vom(Ncnosicn Prosclsor Dr. Emil Ledercr-Heidelberg über da» Thema: .Cbina in der Wektvolitit* statt. Karten zum Preise von 50 Pf. im Bureau des BezirkshildungZausschusics, Lindenstr. 3, 2. H., l. 2 Tr, Zimmer 8: Buchhandlung I. H. W. Dich Nachf, Lindenstr. 2; Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritterstrafje, Ecke Suiienuier; Ztgarrengeschäft Horjch. Engeluser 24/25; Berliner GewertlchastSkommisston, Engeluser 24 iGewersschaftshauSi; Verlag de» Verbandes der Deutlchen Buchdrucker, Dreibundstr. S; Tobakoertrieb, Jnselstr. 6;„Werkireude"- Bücherstuben, Potsdamer Str. 104, sowie in allen Borwärtispeditionen. Führunaea im votanischea«arte». ÜW' esci Wie in den Vorjahren, werden anch'in diesem Sommer wieder vollSlümliche Allhrungen im Boianijchen Garten, Berlin- Dahlem, durch wiffenschastliche Beamte deS Instituts ver- nnstaltet. l. FübiungSreihen. Jede Reihe monallich einmal von April bis September, nach Wahl Montan» oder DienSIag». 51/,— 7 Uhr(ini September von 4'/,— 6 Ubr>. 1. Reihe: Montag, 4. Avril. 2. Mai, Z3. Juni. 8. August, 5. September(Proj. Dr. Graebner): 2. Reihe: DienSiag, S.April, 3. Mai, 14. Juni. 9. August, S. September iDr. Bumti; 8. Reihe: Montag. 11. April, 9. Mai, 20. Juni. 15, August, 12. September(Dr. Schmidt): 4. Reihe: Dienstag, 12. Avril. 10. Mai, 21. Juni, IS. August. 13. September (Dr. Melchior». II. Ewzelführungen. 1. Kakleen und andere Suttulenlen: DonneiStag,12.Ma>.und Donnerstag, 19. Mai, 5—5'/, Uhr iProj. Dr. Vaupcl); 2. KewächSbäuser(Tropische und suptropische Vegetation): Donnerstag, 7. April, 5. Mai, 1. September. 5— 6'/, Ubr(Pros. Dr. Mildbraed). Eintritt»- karten sür eine KührungSreide sind zum Preise von 2 W., jür Einzel- sührungen zum Preise von 50 Ps. teinlchl. Eintrittsgeld in den GarlenT. erhältlich bei den PtSiwern de« Gartens. Für die Einzelsührungen können .Karten nur in beichränller Zahl ausgegeben werden(evtl, Wiederholung der Führungen). Kinder unter 14 Jahren werden nicht zugetajsen. vortrage, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E IS. Sebastlanstr. 37138.»ot 2 Tr- Kriedrichshain! Iugendversammluna am Mo., d. LI., 7V» Uhr, im — w* Jugendheim Litauer Str. IS.— Stcutijll»-Britz: 4. llameradicha-:, Mo., d 21., Kameradschaitsvcrsammlung um 7 llhr im Zlestaurant Lindcnparr, sthaussceslr. I«. Für Aiigehör'ge um VjO Uhr. Der Junge Thor(Mitgl. d. DASB.). Monlog abend Mliwirknng bei:» Be�irkoaini Neukölln. Treffpunkt 5�8 Uhr Neukölln. Vcrgstr. 147, Alle Uillfic» erscheinen. Ardcitcrvercin für Biochemie und Lcdensecsorm i. B. B. De,irt»v«rsaimn» lungcn: Montag, 21. März, Lichtenberg, Lotal Weriella, Hohenlohesir. 3: „Ein Siundgang durch den menschlichen Lorxer"(Dr. Bnseinann): Prenzlauer Berg. Lotal Walstebcn.«openhageticr Sir. 4!»:„Der Mensch als Industrir- valaft"(L. Dariel». Dienstag, 22. Mars, Kursus, Hobenloheftr. 3, Lokal Wcriella, Lichlbildervortraa Dr. Busemann:„Lungenleiden". Mittwoch, 23, Mär», Weihensce. Lokal Miiiendorf, Streu- Ecke WIlhelmstratze,„Tuberku- er-........_"'—*'■*-'.ritt Hti, lose"(H. stragsgper». kommen. Beginn ZllS Uhr abends, CEinlr Säst- will- Arbeiter-Atstinent-n.Buad. Vrtsgruv»« Berti». Landsberger Str.»2, TU Uhr. Miigliederocrfammlung. 1. Äe,itationcn(Thema:©ottlose Lyrik). 2. ff. Schmidt: Religion, ltirche und Ard-ilerfchust. %&&€&€€«««»»SSSSS� & Unseren Genossen � f Emilie und Georg Neitzel* f. jnr»ilb-rhochj-i« dl« herzlichsten«IllckwSasch«. vi, � Die Gmeuen Der 35. Uteilung.& «# eecees «ssssss # Unseren Genossen * Richard Schulz». � Karl Kleinschmidt ist zum 25 sähe. Partcijubiläum ist die herzlichsten cvllltteuansche. H Di« Genosien der 35. Ibleilong. st, NUR NE SCHUHE UHSERER EIGEHEN MHHK! SIE KAUFEH ALSO BEI UNS DiREKT VON DER WEITAUS GEÜSSTEN UND LEISrUNCSFÄHKiSTEN DEUTSCHEN SCHUHFABRIK. SALAMÄND WERTHEIM Leipziger Str.(Vereand-Abt.) Könlgstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Ausstellung Frühjahrs-Moden Die Ausstellung bietet ein Bild der neuesten Moden In Damen- u. Kinderkleidung. In dieser Woche Verkauf zu Extra-Preisen. BDmiimiüuuiiiinniimnuirniDiiminiiimiiiiiüniiiiiiimii Damen-MSnicl u. Kleider lUtanfol"«rtcoalartlg ivianxei Mantol llus»halandart IViantei siotr�n,»an, getattert, arOSc« bis 48 K/|3n4a| shctlandart. Stoff IVIdnici grau, ganz auf Cr�pe de Chine gefüttert KostQm|fcmmomd; Tresse, a Putl�tarb., schwarz M�nfot«us kunsfselden. IVIaniei Rips, hellfarbig und schwarz, wie Bild, 4MB 1075 29m 39 m 47m 65m Nachmittagskleid Crepe de Chine, m. Stickerei ITlalA Veloutlne,(Seide m. rviem Voile), Stuten, de- ettckt. 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Die im.Vorwärts* besprochenen Gewinnabschlüsse der deutschen Großreedereien, die unerhörte Steigerung der Reedereiaktien von rund 63 Proz. im Oktober 1925 auf rund 270 Proz. Ende 1926, verraten«ine glanzvolle Entwicklung der deutschen Grotzschiffahrt. Neben dem englischen Streit haben dazu die großen Zusammenschlüsse, die internationalen Kartellvereinbarungen und das amerikanische Frei- gabegesetz wesentlich beigetragen. Unter diesen Umständen mußte auch der ehemalig« Reichskanzler Generaldirektor Dr. Cuno auf dem Deutschen Seeschiffahrtstag zugeben, daß die deutsche Schiff- fahrt auf staatliche Subventionen nicht angewiesen sei. Trotzdem profitiert sie gern von den großen Subventionen, die äußer- lich den deutschen Werften zuzukommen scheinen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Subventionen den eben begonnenen Ge- fundungsprozeh der Werften nur aufhalten können. Der Bau- bestand der deutschen Werften betrug Ende September 1926 etwa 84 000 Tonnen. Seit Ottober 1926 sind dagegen nicht weniger als 660000 Tonnen in Auftrag gegeben worden. Damit ist der Auftragsbestand der deutschen Werften heute nach Großbritannien, dessen Werften End« Dezember 1926 760 000 Tonnen im Auftrag hatten, an die zweite Stelle in der Well gerückt(Bau- bestand der Bereinigten Staaten Ende Dezember 1926 151000, Frankreich» 143 000, Hollands 145 000, Italiens 239 000 Tonnen). Wenn auch die deutschen Werften nur etwa zu 50— 60 Proz. ihrer Leistungsfähigkeit ausnützen, so ist dies angesichts der Weltlage nicht als ungünstig zu bezeichnen. Die Leistungsfähigkeit der Schiffsbauwerften in der Welt beträgt gegenwärtig über 6 Millionen Tonnen im Jahr, wovon 1926 etwa 2 Millionen, 1927 nach maß- gebenden Schätzungen höchstens ZV» Millionen Tonnen ausgenützt werden können. Dr. Euno ist der Meinung, daß die Neubauten der deutschen Schiffahrt zu einem Dorsprung auf dem Weltschiffmarkt zu verHelsen vermögen. Wie immer man aber die Erfolgsaussichten der neu zu bauenden Schiffe einschätzen mag, so entbehrt die Schiffs- bauförderung durch Subventionen in einem Zeitpunkt, wo wir einen Ueberfluß an Welttonnage haben, jeder Berechtigung. Der Ueberflust an Weltschiffsraum. Der vorhandene Weltfchiffsraum betrug Mitte 1926 64.8 Millio- nen Tonnen gegenüber 49 Millionen im Jahre 1914, also ein Mehr von 30 Proz. Der Weltschiffsraum ist also übermäßig groß, denn der Welthandel liegt gegenwärtig noch unter dem Bor- kriegszustand. Nach Feststellungen der Völkerbundsstatistik war der Wellhandel 1925 zwar um 4,5 Proz. größer(der europäische Außenhandel um 11,7 Proz. geringer) als vor dem Kriege, aber das Jahr 1926 brachte statt eines Fortschritts einen wertmäßigen und wahrscheinlich auch einen mengenmäßigen Rückgang der Welthandels- umsähe. Die deutsche Tonnage betrug 1914 5 093 000 Tonnen. Mitte 1926 3 049 000 Tonnen. Der deutsche Anteil an der Welthandels- flolle sank von 12 auf 5.2 Proz.: diese Ziffer ist aber dennoch bedeut- fam, da die deutsche Handelsflotte nach dem verlorenen Krieg ganz neu aufgebaut werden mußte. Sämtliche Schisfahrtsländer haben ihre Welllonnoge feit dem Krieg erhöht: am wenigsten England, da das vor dem Krieg mehr als zwei Fünftel, gegenwärtig ober weniger als ein Drittel der Welttonnage besitzt. Am meisten haben die Der- einigten Staaten ihre chandelsslotte(von 1,8 Millionen im Jahre 1914 ouf'11,1 Millionen Mitte 1926) erhöht. Besonders groß war die Schiffbautätigkeit in Italien, das im Jahre 1926 bereits Deutschland überbolte und nach England, den Vereinigten Staaten. Japan und Frankreich an die fünfte Stelle rückt«. Dieser ungeheure Schiffs- räum kann aber nicht ausgenützt werden. In den Vereinigten Staaten mußten mehr als vier Millionen Tonnen o u s d e m V e r k e h r g e z o g e n und zum Teil verschrotet werden. Das jüngste Ereianiz der amerikanischen Schiffahrt ist der Verkauf der Withe Star Line mit 500 000 Tonnen Schiffsraum für 140 Will. Mark durch die Morgangruppe an den britischen Royal-Mail-Kon- zern. Aber auch in England, Norwegen, Japan usw. liegt immer noch ein großer Teil der Schiffstonnaae unbenutzt. Ein internatio- nales Abkommen für eine organisierte Zurückziehung der überflüssigen Schiffe aus dem Verkehr konnte, trotz der erheblichen Fortschritte der internationalen Verständigung in der Weltschiffahrt, nicht erreicht werden. Erhöhte Oesflungen ln der Weltfchiffahrt. Der Ueberfluß an Weltschiffsraum wird erst ganz ersichtlich, wenn man die gesteigerte Leistungsfähigkeit der Handelsflotte berücksichtigt. Vor allem fällt die Veränderung im Altersaufbau der Schiff« in» Gewicht. Infolge der fieberhaften Schiffsbantätigkeit während des Krieges und in den Nachtriegsjahren besteht heute d>e Welthandelsflotte zum größten Teil aus verhältnismäßig jungenSchiffen. Mehr als die Hälft- des gesamlen Wcltschifss- raums entfällt auf Schiff« im Alter von unter zehn Jahren, in den Vereinigten Staaten sogar 67.6 Proz.. in Deutschland 60,9 Proz. Eine Vermehrung der Schiffsbautonnage aus Gründen der Ueberalterung ist deshalb nicht geboten. Auch ist die G e s ch w i n- d i g t e i t der neuen Schiffe gegenüber der Vorkriegszelt sehr erheb- lich g« st I e g e n. weshalb heute derselbe Schiffsraum«inen größeren Umschlag zu bewältigen vermag. Vielleicht ist in dieser Beziehung bezeichnend, daß im Jahre 1926 die Nettotonnoge im Verkehr der deutschen Häfen um 21,8 Proz. über dem Vorkriegsstand hinaus- gegangen ist. Ein charakteristischer Zug der Nachkriegsentwicklung ist der Uebergang von Dampfschiffen zu Motor schiffen und von Kohlen- auf O e l f f e u e r u n g. Im Jahre 1926 entfiel bereits mehr als ein Drittel der Welttonnage auf den Antrieb durch Oelfeuerung und Motoren, während dieser Anteil 1914 nur 3,1 Proz. erreichte. Auch dadurch wurde, ebenso wie durch den Uebergang auf größte Typen, die Leistungsfähigkeit des Weltschiffsraums erhöht. Diese Steigerung der Leistungsfähigkeit war mit ein Grund für den ver- mehrten Bau von neuen Schiffen, da der Konkurrenzkampf das Zu- rückbleiben mit modernen Typen nicht zuließ. Rückgang der Frachksähe. Angesichts dieser Entwicklung kann es nicht Wunder nehmen, daß die Frachtraten während der ganzen Nachkriegszeit gedrückt waren und die allgemeine Preiserhöhung der übrigen Waren und Leistungen nicht mitmachen konnten. Bis zum August des ver- gangenen Jahres lag der deutsche Seefrachtenindex unter den Vor- kriegssätzen. Die letzten Monate des englischen Bergarbeiterstreiks machten riesige Kohlenverschisfungen nach England nötig und haben daher die Frachtsätze besonders für einige Strecken in die Höhe ge- trieben, wobei allerdings auch die Preissteigerung für Bunker- kohle mitspielte. Der deutsch« Seefrachtenindex stieg im November auf 159, der englische auf 169, d. h. über den Großhandelsindex. Doch dauerte dieser Aufschwung nur kurze Zeit. Gegenwärtig stehen die Schiffsfrachten wieder, und zwar trotz der großen Ge- treideoerschiffungen, die im Februar eine neuerliche Steigerung der Frachtraten verursachten, erheblich niedriger als die Warenpreise, wenn auch noch höher, als ein Jahr zuvor. Der Frachtenindex des „Economist" betrug für Februar 120�5, d. h. eins Steigerung von nur 20,5 Proz. gegen die Vorkriegszell. Da der Ueberfluß an Schiffsraum einmal vorhanden war, tonnte der niedrige Stand der Frachtraten selbst durch die sogenannten Konferenzen (internationale Schiffahrtskartelle) nicht weiter ge- hoben werden. Deutsche und andere Subventionspolltik. Die deutsche Subventionspolllik pflegt mll der Subventions- Politik anderer Schiffsbauländer verteidigt zu werden. In der Tat wurden den Wersten und Reedereien in verschiedenen Ländern Subventionen zuteil, die je nach den Umständen verschiedene Ge- stalten angenommen haben. In England wurde aus dem Fonds für Ausfuhrförderung etwa 140 Millionen Mark Ausfallbürg- f ch a f t e n gewährt, die dem Staat allerdings fast nichts ge- kostet haben.' In Italien sind Bauzuschüsse(100 Millionen Lire jährlich) und zollfreie Einfuhr von Schiffsbaumateriol. in Spanien besonderer Schutz der heimischen Schiffsbauindustrie (Einfuhrverbote, Hafenpolitik), in Japan Zuschüsse für die Moder- nisierung der Handelsflotte, in den Vereinigten Staaten die billige Auslieferung der Staatsflotte an die private Schiffahrt Mittel einer Subventionspolitik. Diese Subventlonspolitik, die im wesentlichen dieselbe Rolle spielt wie die Zölle bzw. Exportprämien im Außenhandel, hat aber schlechte Früchte getragen: sie ist zum guten Teil Schuld an den ungesunden Verhältnissen in der Well- schiffahrt und damit auch in jenen Ländern selbst, wo die Subven- tionen gewährt werden. E« hat den Anschein, als ob die meisten Länder von der Subventionspolitik abzurücken be- ginnen. In England ist das Gesetz, das den Reedern und Schiffs. baumeistern staatliche Ausfallgarantie gewährte, kürzlich außer Kraft getreten. Auch wurden die italienischen Subventionen einst- weilen eingestellt, was angesichts der künstlichen Aufblähung der italienischen Handelsflotte unbedingt nötig war, und die sofortige erhebliche Verminderung der Bauaufträge zur Folge hatte. Somit kommen die neuen Subventionen für die deutschen Reedereien in einem Zeitpunkt, wo die anderen Länder dem An- schein nach von dieser Politik abrücken. Die Schiffahrk in der Zahlungsbilanz. Di« Einnahmen aus der Schiffahrt spielen in der Zah- lungsbilanz aller Schisfahrtsländer eine wichtige Rolle, da sie in ihrer Wirkung der Waren a u e f u h r gleichkommen, während die Fracht a u s g a b e n an die ausländische Schiffahrt in der Zahlung?- bilanz dieselbe Rolle wie die Waren einfuhr spielen. Deshalb sind die Bestrebungen zur Steigerung der Einnahmen aus der nationalen Schiffahrt begreiflich. Bon einer künstlichen Förderung der nationalen Schiffahrt durch Subventionen kann man jedoch ebensowenig gutes erwarten wie von dem Hochschutzzoll. Die Hochschutzzölle sind heute in der Regel keine Erziehungszölle mehr, sondern nur Mittel, welche der Industrie durch Hochhaltung der inländischen Preise die Schleuderousfuhr zu erleichtern ver- mögen. Die Schiffahrtssubventionen haben eine ähnliche Funktion: sie sollen auf Kosten der Steuerzahler ein Dumping mit den Frachtraten ermöglichen. Man braucht jedoch nicht zu be- tonen, wie unrichtig es ist, die Verbesserung der Zahlungsbilanz auf diesem Wege anzustreben. Di« Subventionen in dem einen Land rufen ähnliche Maßnahmen In den anderen Ländern hervor, wodurch die Ueberproduktion an Schiffsraum verewigt und eine vernünftige Entwicklung des Weltfrachtenmarktes überhaupt unmöglich gemacht wird. A. H. Zeinöe üer Konjunktur. Die Ruhrindustrte verlangt höhere Eisenpreise. Daß die Montanherren an der Ruhr ihren Vorteil zu wahren wissen, ist bekannt. Der englische Streik hat ihnen ge- wältige und noch lange' nachwirkende Markt- und Preisvorteile gebracht. Die Produltion wurde bei gleichzeitiger starker Kosten- senkung bedeutend g e st e i g e r t, die Preise auf der ganzen Linie nicht unerheblich erhöht. Daß sie aber im gegenwärtigen Augen- blick, wo die Entscheidung über die zukünftige Konjunkturentwick- lung in Deutschland fallen soll, mit n« u e n Preiserhöhungen herauskommen würden, war jedoch nicht ohne weiteres zu erwarten. Dennoch sind diese setzt angekündigt worden. Der Hauptvorstand des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, der Ausschuh der Fachgruppe der eisen- schaffenden Industrie und der Vorstand der nordwestlichen Gruppe des erstgenannten Vereins kündigen nach einem Referat des Haupt- geschästsführers und Reichstagsabgeordneten Dr. Reichert eine Erhöhung der Eisenpreise a'n. Ferner fordert die Versammlung für die deutsch« Reaierung eine Ermächtigung zum Erlaß oonAntl- dumpingzöllen gegenüber denjenigen Ländern, die den beut- scheu Markt mit Schleuderverkäufen stören. Zur Begründung wird angefi'hrt. daß die R a t i o n a l I s> e,r u n g der deutschen Eisenindustrie, die eine Selbstkostenverbilligung zum Ziele habe, immer wieder durch Rohstokfverteuerung und insbesondere Lohn- erhöhungen und ähnliches durchkreuzt werde. So mache die jüngst«Lohnerhöhung(!), die anläßlich der Miet- Preissteigerung eingetreten sei, leider eine Elsenpreiserhöhung not- wendig. Was die Eisenindustriellen hier fordern, Ist ein Anschlag gegen volkswirtschaftliche Interessen, wie er ge- fährlicher und zugleich unbegründeter kaum aus- zudenken ist. Mehr als je wäre die schwere Industrie heute in der Lage. Lohnerhöhungen von viel größerem Ausmaß zu tragen, als sie bisher erfolgt und als in der Zukunft zu erwarten sind. Die deutsche Roh e i s e n erzeugu ig ist vom Januar bis Dezember 1926 um rund 60 Proz.. die Roh stahl erzeugung um über 6 0 Proz. gestiegen. Die Produktion von Tragern hat sich in derselben Zeit mehr als verdreifacht. Die Tagesleistung der Hochöfen ist pro Kopf der beschäftigten Arbeiter von Januar bis Dezember von 1,2 Tonnen auf 1,7 Tonnen gestiegen, die Tages- leistnng der Stahl öfen in derselben Zeit von 1,4 Tonnen aus 1,9 Tonnen. Jeder Jahresbericht der großen Montangesellschaften verrät, soviel darin auch oerschwiegen wild, mit aller Deutlichkeit eine vor Jahkesfrift noch von niemand erwartete Steigerung der Rentabilität. Die Rentabilitötssteige- rung wurde noch gefördert durch die allgemeine Steuersenkung, durch den besonderen Erlaß von Fusionssteuern, durch die außer- ordentlich starke Senkung des Zinsniveaus. Die hierdurch beson- ders stark geförderte Rationalisierung der schwerindustriellen Be- trieb« führte zu einer Senkung der Selbstkosten, die fast noch höher anzuschlagen ist al» die Wirkung de« zusätzlichen Absatzes, den die Englandkonjunktur brachte. Soweit find Lohnerhöhungen praktisch nie zu treiben, daß die gewaltigen Ratlonalisie- rungsgewinne, die die Schwerindustrie bisher zu verzeichnen hatte, auch nur entfernt ausgezehrt werden könnten. Aber bei der Schwerindustrie Handell es sich um tlwas anderes. Nach der schweren Depression bis zum englischen Bergarbeiterstreik hat sie seitdem an großen mühelosen Gewinnen wieder Geschmack gewonnen. Diese großen Gewinne werden auf dem Weltmarkt jetzt von England und der übrigen Konkurrenz wieder bedroht. Darum areift sie auf den Inlands markt zurück, der ihr in den letzten Monaten ohnehin schon immer größere Produktenmengen abgenommen hat. Die Ausnutzung dieser begin- nenden Jnlandskonjunktur durch höhere Preis« ist i h r Z i e l. Die angeblich«„Notwendigkeit*, die„bedrohte* Ratio- nalisierung durch höhere Preise weiter zu treiben, ist eine vorgeschobene Ausflucht Sie benutzt die durch die internatio- nale Rohstahlgemeinschaft und die durch das kommende inter- nationale Roheisensyndikat garantierte Herrschaft auf dem Inlandsmarkt unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu einer Preis- crhöhung, die ausschließlich einer künstlichen Fortsetzung der nun zu Ende gegangenen Englandkonjunktur im Inland dienen soll. Da die Konjunktur im Inland scheinbar auswärts weist und eine Hochkonjunktur insbesondere im Bauwesen zu er- warten ist, sollen die verarbeitenden und die Bauindustrien des In- lands nun jene Sonderkonjunkturgewinne der Schwerindustrie lie- fern, die die Weltmarktkonjunktur gegenwärtig wieder versagt. Mit dieser rücksichtslosen Ausnutzung des faktischen und unbeschränkten Monopols in Deutschland wird der Konjunkturaufschwung, der sich kaum in den ersten Anfängen gezeigt hat, an der empsindlichsten Stelle abgedrosselt. Die deutsche Oeffentlichkeit muß sich aufs e r n st l i ch st e fragen, wie sie diesen gefährlichen Absichten der Schwerindustrie entgegentreten kann. Nachdem die Konkurrenz des Auslandes vom deutschen Binnenmarkt fast vollständig ausgeschlossen worden ist, gibt es kein anderes Mittel mehr, wenn die gesamt- wirtschaftlichen Interessen geschützt werden sollen, als den Staats- eingriff in die Preispolitik der monopolistischen Der- bände. Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo diese von uns längst geforderte Kontrolle erfolgen muß. Diese unsere Forderung muß sich die deutsch« Oeffentlichkeit im volkswirtschaftlichen Interesie zu eigen machen. Allerdings braucht man sich bei der gegenwärtigen Regierung über die Rücksichtslosigkeit der Schwerindustrie nicht zu wundern. Wird sie doch, auch abgesehen von der Reichsregierung, in ihrer Politik selbst von Angehörigen des I n st i t u t s f ü r K o n- junktursorschung gestützt. In dem letzten Heft der„Wirt- schaftlichen Nachrichten für Rhein und Ruhr*, das zugleich das Publikationsorgan des mit der Schwerindustrie versippten Lang- namenoereins ist, verteidigt Dr. Schneider vom Konjunktur- forschungsinstitut die preiserhöhende Politik der Eisenverbänd« gegen Angriffe in der Oeffentlichkeit. Man muß sich fragen, wie so etwas möglich ist durch eine Amtspersönlichkeit desjenigen Insti- tutes, das über die Gefahren der Eisenverteuerung gerade im gegen- wärtigen Augenblick absolut im Bild« sein muß, und da» ebenso wissen muß, daß diese Eisenverteuerung absolut unbe- gründet ist. Auch dagegen muß sich die Oeffentlichkeit zur Wehr setzen, daß amtliche Personen durch außeramtliche Tätigkeit Gesamt- interessen in solchem Maße verletzen, wie es hier geschehen ist. weitere Entspannung Ses slrbeitsmarktes. Rückgang nm 7400 Personen. Aehnlich wie in der vorigen Woche ist auch zum 19. März eine nicht unbeachtliche Verringerung der Arbeitslosigkeit in Sroß-Berlin eingetreten. Die Zahl der Erwerbslosen ging um 7400 Personen auf rund 258 800 zurück. Neben den Anforderungen für Landwirt- schaft und Baugewerbe, die saisonmäßig bedingt sind, nahmen auch der Maschinenbau und die Elektroindustrie Erwerbslose auf. Mit fast 260 000 Personen bleibt die Arbeitslosigkeit natürlich noch er- schreckend hoch und der Ausschwung der Konjunktur müßte ganz unerwartete Ausmaß« annehmen, wenn diese Ziffer eine wirklich fühlbare Entlastung erfahren sollte. Das Landesarbeitsamt Berlin schreibt zur Lage: Der Berliner Arbeitsmarkt weift eine weitere langsame Eni- spannung auf. Bemerkenswert ist, daß der Rückgang der Arbeits- losigkeit mit rund 7400 Personen sich fast n u r a u s mä n nli che Kräfte beschränkt. In der Hauptsache trist wiederum ein stärkerer Bedarf an Facharbeitern bervor. Die Besserung de« Be- schäftigungsgrades im allgemeinen Maschinenbau und in der Elektroindustrie, die bisher zum großen Teil auf die Wieder- emführung normaler Arbeitszeit und Wiedereinstellung früherer Werksangehöriger beschränkt blieb, macht sich jetzt allgemein durch den stärkeren Abruf von Arbeitskräften bemerkbar. Nicht unwesent- lich wirkt sich auch dos stärkere Einsetzen der Frühjahrsbestellung in der Landwirtschaft sowie der Bautätigkeit aus. Daneben hält die gute Beschäftigung im Bekleidungs- und Spinnstoffgewerb« an. Hier konnte der Mangel an einzelnen Fachkräften teilweise nicht behoben lrvden. Eine Besserung des Bsch'äftigungsgrades macht sich auch in der Lederindustrie bemerkbar. Dagegen ist der Abruf von Kräften für ungelernte Arbeit mit Ausnahme von Notstands- arbeit gegenüber dem großen Angebot sehr gering. Es waren 258 791 Personen bei den Arbeitsnachweisen e i n g e- tragen gegen 266 183 der Vorwoche. Darunter befanden sich 173 908(180 381) männliche und 84 883(85 802) weibliche Personen. Erwerbelosenunterstützung bezogen 110 692(117 783) männliche und 43047(46 339) weibliche, insgesamt 153 739(164122) Personen. Außerdem wurden noch 38 058(38 422) Personen durch die E r w e r b s l o se n h i l f e der Stadtgemeinde Berlin und 30 054(29 568) Personen durch die Krisenfürsorg« unterstütz«. Bei Notstandsarbeiten wurden 8631(8157) Personen beschäftigt. Der Großhandelsindex. Di« auf dem Stichtag des 16. März be- rechnete Grobhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamt» beträgt 135,0 und hat gegenüber der Vorwoche um 0,4 Proz. nach- gegeben. Der Rückgang der Indexziffer ist vor allem auf die abwärts gerichtete Preisbewoguug landwirtschaftlicher Erzeugnisse zurückzuführen. Die Indexziffer der Agrarstosfe ist um 1.0 aus 135,5 gesunken, die Indexziffer der i n d u st r i e l l e n Rohstoffe und Halbwaren zeigte mit 130,7 keine Veränderung, während die- jenige der Industrie f e r.t i g w a r e n um 0,2 Proz. auf 142,1 an- gezogen hat. Aus dem Februarberichl der Reichsbahn. Die von uns schon festgestellte dauernde Zunahme der Wagengestellung(täglich 135 000 gegen 128 600 im Januar) wird im Februarbericht der Reichsbahn eftätigt, und namentlich durch Saisontransport«(Süd- früchtc, Holz, Düngemittel, Zement) erklärt. Die Wagenanforde- rungen für Kohlen gingen um rund 71 000 auf 1 225 000 Wagen im ganzen Monat zurück Für den Monat Januar werden G e- samteinnahmen gemeldet von 344,95 Millionen Mark, davon 232,18 Millionen aus dem Güterverkehr, denen für Betrieb und Unterhaltung 249,70 und für Erneuerung 22,10 Millionen an Aus- gaben gegenüberstehen. Das Ergebnis ist außergewöhnlich günstig. Der Personalbe st and hat zum Ianuarende wieder eine sehr beträchtliche Verringerung erfahren, die von der Reichsbahn allerdings durch den Ausfall von Bahnunterhaltungsarbeiten während der kalten Jahreszeit erklärt wird. Gegen 700 399 Per- lonen End« Dezember waren Ende Januar insgesamt nur 656 384 Personen beschästigt. �. CinfcnbuageB für diel« Nodri! find Berlin SA«8, Einbcnftrnfee 3. partewachrschten für Groß-Serlkn flet»«n da» Bciirtsletretarint 2. Hos.: Srtn. recht», ,n richten 1. Atel» Mitte: Montag, 21. Mörz, 7Vä Uhr, bei Lbtscher, Reue Friedrich. siraßc Ivb, Sitzung der Obleute der Kommunalen Kommisston. Jede Ab- leilung mutz vertreten sein. Z. Kreis Wcddlng. Arbeiterwahlfahrt: Montag, 21. Mörz, 7H Uhr, bei Mllller, Uferstr, 12, Vortrag:„Die Aufgaben der Arbeitermohlfahrt." Referentin Etadwcrordnete Minna Todenhagen. Alle In der Arbeiter- Wohlfahrt tätigen Genossinnen und Genossen werben ersucht, bestimmt zu erscheinen. 4. flnia Prenzlauer Berg. Montag, 21. März, 7 Uhr, im Ledigen. heim Papvelallce>5, Kreisvertreter, und Kreiasunktionärversammluag. Vortrag:„Der Rcichsparteitag in Kiel." Referent Dr. Julius Moses, M. d. R. Lorschläge zum Parteitagsdelegiertin. Erscheinen aller Gr. iwsflnnen und Genossen dringend erforderlich. «. Krei» Prenzlauer Berg und!>. Krei» Friedrichshain. Dienstag, 22. März, 7 Uhr, im Bezirksamt Danziger Etr. M, Borderhaus 2 Dr., Zimmer 7, Sitzung des Blldungsausfchusses. I. Krei» Kreuzberg. Dienstag, 22. März, 7V4 Uhr, bei Rabe, Fichte. strotze 29, öffentlich« Proteftversammlung gegen die Aufhebung des Mieterschutzes. Referent Ernst Rüben. Di» 39. bis tZ. und 4«. Abt. f?i beteiligen sich geschlossen an der Versammlung." . Krei» Eharlottenburg. Montag, 21. März, von 5—7 Uhr Besichtigung der Schlllerarbciten von der weltlichen Schule, ssllhrung und Erklärungen durch die >ft. Sonntag, 27. März, vormittags pllnktlich li Uhr, im Schiller» lhcatcr, Frühjahrsjugendweihe der Groß-Berliner Ärbeiterschaft. Mit- wirkende: Iuoendä>or Harmonie, Künstlertrio und Sprcchchor. Weiherede: Rektor Genosse Wilhelm Schmücke?. Karten» 75 Pf. sür Erwachsene und 49 Pf. für Kinder im Figarrengeschäft von Schmidt, Roflnenstr. 4, und an der Tageskasse.— Dienstag, 22. März, 749 Uhr, erweiterte Kreisvor» standssitzung im Zimmer 1 des Rathaufe».— Beamtenwerbeaussckintz: Sitzung des Beamtenwerbeausfchusses am Dienstag, 22. März, 7% Uhr, bei Reimer, Eharlottenburg, Wilmersdor/er Str. 21. Tagesordnung: I. Fraktwnsbildung. 2. Referat des Genossen Sänger, Lehrer, über„Das neue Beamtenrechh". Z. Freie Aussprache. 4. Verschiedenes. Krei» Tempelhof, Maricndors, Marienfelde, Lichtenrade. Arbeiterwohl. fahrt: Mittwoch, 23. März, 7H Uhr, 1. Kursusabcnd bei Niendorf, Marien- darf, Ehaussecstr. 19. Vortrag:„Die Arbeiterwohlfahrt." Referent Genosse Becker. Alle interessierten Genossinnen und Genossen sind herzlichst ein- geladen.— Die Jugendweihe für den lZ. Krei» findet am Sonntag, 27. März, vormittags 19 Uhr, im Lyzeum Tempclhof, Kermaniastratze, statt. Eintrittskarten» 59 Pf. sind zu haben in den Konsumverkauf». stellen. Ausserdem für Tempelhos beim Genossen Bielschowski, Kaiser. Wilhelm-Str. 21,' für Mariendors bei Günther, Kurfllrstcnstr. 19, und beim Genossen Tiborr, Kaiscrstr ZI. 19. Krei» Pankow. Montag, 21. März,» Uhr. im Türkischen Zelt, Breite Strasse 14, Sitzung de» Krcisbildungsausschussc». Tagesordnung: Pro. . gramm zur Maiseier. Heule. Sonnlag. 20. März: 9. Abt. Die Bezirksführer rechnen bestimmt am Mittwoch, 2Z. März, 7i4 Uhr, bei Fabcr ab. Die Reste für Dezember, Ianuar, Februar müssen unbedingt kassiert werden. Bei Faber werden die Maimarken ausgegeben. Jeder Bezirksführer mutz unbedingt erscheinen. Z4. Abt. K Uhr in den Eomenius-Sälen, Memeler Etr. 17, Politisch. satirischer Abend. Mitwirkende: Erich Weinert. Fritz Richard. Ein- trittskarten zum Preise von 79 Pf. sind bei allen Bezirksführern er. hältlich. bis zum 2tz. März �eim Kassierer, Bärwaldstr. 5Z. 115. Abt. Lichtenberg. Die BezirkssUhrer werden gebeten, bi» Montag, 21. Mär: abzurechnen. Mittwoch, 2Z. März, 7 Vi. Uhr, bei Gonell, Jung., Eck Scharnweberstratze, Abrechnung und Revision. Morgen. Montag, 21. März: I. Abt. 7Vtz Uhr bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11, wichtige Funktionär. gtzung. 17. Abt. 7Vb Uhr bei Gerth, Tegeler Etr. 59, kurze wichtig« Sitzung aller Partei- und Eewcrkschaftsiunktionäre. Niemand darf fehlen. IZ. Abt. Die Funktionärsitzung fällt aus. Die Funktionäre beteiligen sich an der Kreisvertrcter. und Funktionäroersammlung. Heute, Sonntag, 29. März, - vormittags lOVj Uhr, bei Blumke, Treffpunkt zur Wahlhilfe. 4». Abt. Die Funktionärfltzung fällt aus. Die Bczirksführer wollen bitte zur Abteilnngsversammluug am Mittwoch, ZZ. März,«inladen. 79. Abt. Wilmerodors. Abrechnung der Etraßensührer 7V4 Uhr bei Kroih», Holsteinische Etr. 99. Am Mittwoch, 2Z. März, Revision bei Paul, Holsteinische Str. 4. lll. Abt. griedenan. 7'4 Uhr bei Klabe, Landjerystr. 59— 61, Mitgliederver. sammluna der Konsumgenossenschaft. Vortrag:„Die wirtschaftliche Lage und Konlumgcnosscnschast." Refcrcntin Gertrud Lodahl. Die Mitglieder werben gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. 94. Abt. Reulölln. 7 Vi Uhr im Zeichensaal der Schule»eifestr. 1»—«. Elternvcrsammlnng. Vortrag de» Genossen Dr. Kurt Löwcnstein, M. b. R. Dienstag, 22. März: 24. Abt. ni Uhr bei Winzer, Christburger, Ecke Winsstratze, Funktionär» sitzung. Alle Bczirksführer müssen unbedingt erscheinen. 29. Abt. Achtung, Bzirkssührerl 7 Vi Uhr Abrechnung bei Burg, Prenzloner Alle« 189. Die Karten zu unserer Veranstaltung am 2. April sind gleich. falls mitzubringen. Mittwoch, 23. März: 14. Abt. S Uhr in der Schul« Putbusser Str. I Abteilungsverfammlung. Vortrag:„Vcdarfswirtfchast und Bevölkerungspolitik." Referent Pastor 'f fände. Die Funktionäre und Bezirksführer müssen unbedingt bi« zu »lelent Tage die Arbeitersportler und die Genossen, die in der Wohl» raycispflege tätig find, festgestellt haben und anaeben. 25. Abt. Achtung, Vezirksführeri Zur Mitgliederversammlung spricht Genosse Dr. Lcvi und ist Einladung am Platze. Ferner fehlen noch die Adressen der Freldenlermitglieder. 19. Abt. 7 Vtz Uhr im Ledigenheim Pappelalle« 15 Mitgliederversammlung. Portrag:„Die wirtschaftspolitische Lage" Referent Robert Schmidt, R. d. R. Alle Genossinnen und Genossen müssen erscheinen. Sympathisserende»»d „Vorwörts",Leser sind herzlichst«ingelade». 15. Abt. Achtung! Die Mitgliederversammlung findet nicht in der Schul» Rezitationen, Volkstänze der Kinderfreunde. Gäste stirb herzlichst will- kommen. 59. Abt. Eharlottenburg. 7 Vi Uhr bei Ioskowiack, Holtzendorffstr. 29, Mit. gliederverfammlung. Vortrag:„Gewerkschaftlich« und politische Jugend» bewegung." Referent Ludwig Diederich. Die Bezirksfvhree---— beten, bestimmt zu diesem Tage einzuladen. werben ge» ?rauenveranstallungen: Krei» Ritte. Achtung, Genossinnen I Montag, 21. März, pünktlich 9 Uhr, bei Zschiesing, 4. Kursusabend:„Heidelberger Programm." Alle Teil» nehmer sind verpflichtet, zu erscheinen. 4. krei» Prenzlauer Berg. Die Abteilungsleiterinnen werden gebeten, am Montag, 21. März, pünktlich 6% Uhr, zu einer kurzen wichtigen Be» sprechung im Ledigenheim Pappelallee 15 zu erscheinen. 14. Krei, Neukölln. Dienstag, 22. März, 7Vi Uhr, bei Stahmann, Mllnchener Stratze 42. Kursus:„Das Heidelberger Programm." Refcrentin Stadtoer. ordnete Minna Todenhagen. Wodienpnjgrfsnim des Berliner Rundfunks.» Sonntag 20. März: Vorm. 9: Morgenfeier. 10.29: Moraeafder des Arbeltcr-Kiftar-ICartells OroO- Berlins. 11.30: Flatzransik des Masikkorp# des III, Bali. 9.(PrcoB.) Inf.-Rex. Spandan. Nachm. 12.20: Max und Paul. 1.10: Die Stunde der Lebenden: Musik- vorträge. 2.30: Der Handelswert der Briefmarken(Undenberg). 3: Der Wald als Bodenwirtschaftsform(König). 3-30: Der Punkbcinrelman« erz&hlL 4-30— 5.30; Orchester des..Cafd Vaterland". 6: Sendespiele: Siegfried roa Richard Wagner. 10.30— 12.30: Tanxmasik. Montag. 21. März: Nachm. 3-30: Moderne Technik in englischen und deutschem Haushalt (Margis). 4: Technische Wochcnplanderei(Boehmcr). 4-30: Novellen. S— 5: Kapelle Gebrüder Stelner. 6.30: Le ccntenairc du romantisme(Prof. Colson). 7.05: Bei den deutschen Kolonisten an der Wolga(Richter). 7.30: Mit der Zeitlupe im Baugewerbe(Paegc). 7.55: Die Ausweitung des Wirtschaftskörpers (Prof. Dr. Sombart). 8.30: Dem Gedenken Beethovens. 9: C-dnr-Messe. 10.30— 12.30: Tanzmusik. Dienstag, 22. März: Nachm. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4: Rhythmische Gymnastik(Dr. Herrmann). 4.30— 6: Ettö-Kammcr-Orchester. 6.10: Stunde mit Büchern. 6.40: Die Frauen der deutschen Literatur: In der Renaissance (Dr. Hoffmann-Harnisch). 7.05: Das Vergnügungsleben der Großstadt(Dr. Mahrholz). 7.35: Siebenbürgens Beziehungen zu Deutschland(Prof. Dr. Csaki). 8: Hanptfragen der Acsthetik: Das Komische(Prof. Dr. Dessoir). 8�0: Kammermusik: Dem Gedenken Beethovens. Mittwoch, 23. März: Nachm. 1.3Ö—2: Glockenspiel der Ptrochialkirchc. 3.30: Wo bekommen wir unser tägliches Obst her?(Richert). 4.30: Jugendbühoe: Beethovens Leben. 5— 6; Konzert-Orchcster-Kermbach. 6.20: Die Beschwerden der alternden Fr an (Dr. Ullmann). 6.50» Frühlahrsarbclten Im Garten(Lcsser). 7.15: Nietzsches Werdegang als Mensch und als Philosoph(Kappstein). 7.45: Renaissance, Humanisrans, Reformation(Prof. Pähl). 8.15; Dr. Schmidt spricht über Beethoven. 8.30: Beethoven. 9.15; 200 Jahre Orchester-Musik: Dem Gedenken Beethovens. 10.30—12.30: Tanzmusik. Donnerstai;, 24..März: Nachm. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt 4; Onkel Doktor als Märchenerzähler. 4.30—6: Kapelle Gebrüder Steiner. 6.30: Zweckmäßige Arbcitsgcstaltung(Prof., Dr. Moede). 7.05: Spanisch. 7.30; Graf Hermann Kayserling(Dr. Zarek). 8: Die musikalischen Formgebilde(Dr. Singer). 8.30; Beethovens Musik zu„Egmonf4 mit Zwischentexten nach Goethe und Grill- parzer. 10.30— 12-30: Tanzmusik. Freitag, 25, März: Nachm. 3.30: Die Frau in Sumatra(Schal ek). 4; Auf den Eisenbahnen fremder Länder.(Dr. Mayer). 4.30— 6; Ett6-Kammcr-Orchestcr. 6.30; Sport und bildkünstlerische Darstellung(Dr. Brattkoven). 7.05: Die germanische Dichtform(Dr. Schirokaucr). 7.30: Die heutigen Verkehrsverhältnisse in Afrika (Dr. Seitz). 7.55; Geschichte der Strafrechtsreform(Dr. Ebermaycr). 8.30: Kammermusik: Dem Gedenken Beethovens. 10.30— 12.30; Tanzmusik. Sonnabend, 26. März: Vorm. 11.30: Beethoven-Gedenkfeier für die Schulen. Nachm. 12-30: Die Viertelstunde für den Landwirt 4: Mtdizinisch-hyglcnische Plauderei !un ÄNf Am Nachmittag Maria Ney und Wilhelm Bendow vor dem Mikrophon. Am Abend Hans R«imann. Ein bißchen viel des Guten aus einmal. Aber gutes war es doch. Bendow und Maria Ney spielten akustisches Kabarett. Unterhielten sich mitein» ander, belachten gegenseitig ihre Vorträge. Aber man spürte Gott sei Dank sehr wenig Bemühung in allem, �luch aus diesem un» sichtbaren Podium bewahrten die beiden Schmiß und Niveau. Hans Reimann gab sich wie immer wild wechselnd: Pauker» geschrchten, die köstliche„Reise nach Bitterseld", eine ganz rei» männische Liebesskizze„Eva". Abschluß des Abends: Blasorchester- konzert des Adolf-Becker-Orchester. Tes. lvr. rrink). 4J0: Rrritatiooe«. 5—4: Nadmittarskonzert. 4.3«: Die Erl wcrbnnx der Mark Brandenborz durch die Hohcnzollcrn(Dr. Delbrück 0. ProO, 7J9: Zur 100. Wiederkehr des Todestages Beethoveris. Uebertramm ans der Staatsoper:„Fidelio". Oper io zwei Akten von Ludwi, V. Beethoven. Danach Tnnzmnsik. Königswusterhausen. Sonntag, 20. März: Ucbertragungea au Berlin. Montag. 21. März; Nachm. 2.30: Fr an E. Buri-Q5rz: D-L-Q.-PrOfonzea hnnswirtschastllcher Maschinen, ihre Handhabung und Ihr Erfolg. 4s Ob.-Stud.-Dir. Dr. Lenschan: Die Lage der höheren Schulen in der Gegenwart. 4.30: Dr. Klopfer: Erzlehungs- beratung. 5: E. Nebcrmann: Schachfunk. 6: Dr. Laube, Petkus: Tagesfragen zur Frühjahrsbestellung. 6.30: Stud.-Rat Friebel. Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 6.S5: Ob.-Stud.-Dir. A. Rohrberg: Bedeutung des Rechenslabes für den Kautmann. 7.29: Dr. Welse: Berlin eine Weltstadtpersönlichkeit.. Ab 8.30: Uebertragnng ans Berlin. Dienstag, 22. März: Nachm. 4: Dr. Freyhan: Das deutsche Drama am die Wende des JahN hunderts(Wedekind und Strindhcrg). 4-30: Ob.-Stud.-Dir. Dr. Lenschau: Din Lage der höheren Schulen in der Gegenwart 5: Prol. Dr. Scb linemann: Da» Wesen der Musik. 6: Min.-Rat Mettgenberg: Völkerrechlllche Fragen: Da» freie Geleit 6.30: Spanisch lür Anfäeger(Q. van Eyseren, C. M. Alsterl). 6,55: Prof. Dr. Günther, Freiburg: Der Anteil der Deutschen an der Entdeckung der Erde: Gerhard Rohiis. 7.20: Privatdozent Dr. Mersmann: Beethovens Chorkompositionen. Ab 8J0; Uebertragnng aus Berlin. Mittwoch, 23. März: Nachm. 12: Französisch für Schüler(Lektor Claude Qmnder. Q. van Eyseren. 12.30: Mitteilungen des Reichsslädtebundes. 2-30: Frau Anna Rose Bude: Mode und Kultur. 3.30: Einheitsknrzschrilt für Anlänger(Prol. Amsel und Oberscbul. lehrcr Westcrmann). 4: Prof. Dr. Schrcyer, Oberschulrat Hilker: Kunst und Erziehung. 4.30; Englisch für Fortgeschrittene(Stud.-Rat Friebel, Lektor Mann). 5: Prof. Siegfried Ochs: Unsere Kirchenmusik. 6: Technischer Lehrgang lür Facharbeiter; Gewcrbcoberlehrcr Mayer: Flächen- und Raummessung. 6.39: Englisch für Anfänger(Stud.-Rat Friebel. Lektor Mann). 6.55: Prof. Dr. Prion: Spaziergang mit einem Laien dnreh die Börse. 7.29: Erziehung zu weltpolitischem Denken: Dr. Paul Rohrbach: Ost- und Südasien io der heutigen Welt» Politik. Ab 8.15: Uebertragnng ans Berlin. Donnerstag. 24. März: Nachm. 2.30: Zentrale der Haasfranenverelne. Oo9-Berlin: Kafleesortes unck ihre Zubereitung. 4: Reg.-Rat Dr. Kaetbe-Oaebel: Uebetbllck über die aka- demischen Berufe: Theologin, Bibliothekarin. Architektin, Landwirtin. 4.30: Oberschullehrer Westermann: Aus dem Zcntralinslitut für Erziehung und Unter. rieht. 5: Weltpolitische Stunde(Redakteur Müller-Jabnsch). 8.30: Prof. Dr. Windclband: Bismarcks auswärtige Politik. 4: Prof. Dr. Freckmann: Düngung und Piiege der Weiden nnd Wiesen. 6.30: Spanisch Illr Fortgeschrittene(Q. van Eyseren, C. M. Alfieri). 6.55: Dr. Edert, Schleswig; Schleswig-Holsteins Er- hebnng im Jahre 1848. 7.20: Dr. Edert. Schleswig: Ans schleswig-holsteinischen Dichtungen. Ab 8.30: Uebertragnng aus Berlin. Freitag, 25. März; Nachm. 12: B. K. Graes: Sprechteehnlk für Schiller. 3: Dr. Hausse: Wi» härte ich mich ab? 3.30: Einheitskurzschrilt für Fortgeschrittene(Prof. Dr. Amsel, Oberschullehrer Westermann). 4: Eioiühung zu..Fidelio". Uebertragung ans Berlin. 4.30; B. K. Graes: Die Kunst des Sprechens. 9: Prot. Dr. Nau- mann. Frankfurt: Frühgermanische Dichtung. 6: Chefredakteur Nairz: Wie ver. bessert man seinen Rundfunkempfang? 6.39: Englisch für Fortgeschrittene (Sind.-Rat Friebel, Lektor Mann). 6.55: Prof. Dr. Prion: Wie die Börsenkurse zustande kommen. 7.20: Wissenschaftlichher Vortrag für Aerzte(Thema und Name des Dozenten werden in den ärztlichen Fachzeitschriften bekanntgegeben). Ab 9.30: Uebertragung aus Berlin. Sonnabend. 26 März: Vorm. 11.30: Beethoven-Feier für die Schulen. Uebertragung aus Berlin. Nachm. 3: Französisch für Anfänger(Lektor Claude Grander. Q. van Eyseren). 330: Esperanto(Postrat Behrendt, Fräulein Moelke). 4: Prol. Dr.-Ing. Holl: Flugzeugbau. 430; Prot. Dr. F. Lampe: Europäischfcr Filmkongreß. 5: Staatssekretär Prof. Dr. Hirsch: Auswirkung des Dawes-PIanes lür die Beamtenschalt. 530: Schriftsteller Fr. Wendel: Vom EinfiuB der Arbeit und ihrer Technik aul die Sprachbildnng. 6: Dr. Hans Sachs; Der Einfluß seelischer Vorgänge auf die Lockerung der Zähne. 630: Prot Dr. Naumann, Frankfurt: FrühgennanUche Dichtung. Ah 730; Uebertragung aus Berlin. Jronenoeranffdhingen am Monfag, 21. März: 2. und 3. Abt. 7z5 Uhr im Konferenzsusi de» Eewerkschaftshsufes, Engel» ufer 24—25, Porirsg:.Seelische Funktionen." Referent Artur Rschvw. Gäste sind willkommen. 4. Abt. 7zh Uhr bei«rienttz, norm Schwarz, Viankenfeldestr. 10, Bortrag: „Bllrgeritche oder Sozialistische Lebensgestaltung." Referentin Irma Fechen» hoch. 3». Abt. Die Mitwirkenden zur Frühlingsfeler treffen sich zur Probe um 9(ü Uhr im Städtischen Zugendheim Belle-Bllianee.Piatz 1. 40. Abt. 7(4 Uhr im Lokal„Zum Echultheitz", Kreuzbergstr. 12, Portrag: �Pestalozzi als Voikserziehrr. Referentin Johanna Kühn. 45. AbL 7(4 Uhr bei Wienziers, Reichenberger Str. 194, Vortrag:„ftaattab» schaff in der Erziehung. Referentin Einra Bohm-SDuch, M. d. R. Eharlottenburg. 57. Abt. 7(4 Uhr bei Thunack, Wieiandftr. 4. Mar Barthel liest aus eigenen Werken.— 58. Abt. 8 Uhr bei Alfchäfffkv, Ansbacher Stratze 41, Dortrag:..Da» Gesetz zur Bekämpfung der Geschiechtskrank. heilen." Referentin Margart« Edhenkalowsky. Um Einführung von Gästen wird gebeten. 74. Abt. gehleohorf. 8 Uhr bei Schnorr«, Potsdamer Str.». S. Borttrag». abend:„Marx und Engels." Referent Genosse Kau». 82. Abt. Steglitz. 7>4 Uhr bei Thiel,«ibrechtstr. 87. Portrag:„Ein englischer Biograph über Friedrich n." Referentin Wallt, Weber. 103. Abt. Oberschöveweibe. 8 Uhr bei Imberg, Wishelminenhosstr. 34, Portrag: �Körperpflege und Gymnastik." Referentin Genossin Aibrecht. 110. Abt. Grünau. 8 Uhr bei Werner, Köpenicker Str. 12b, Lichtbildervortrag: „Schwangerschaft." Referent Dr Samuel. 140. Abt.«orsigwaldi. 7>4 Uhr bei Woischnch. Eruftstr. 1, Bortrag:.Eherecht" Referent Ernst Rüben. Gäste sind willkommen. Arauenveransialtungen am Dlenslag. 22. März: Für bie Frauen der 2., 44., 87., 82. uub 129.«onfumabgabestele findet eine Besichtigung der Konfumbetriebsanlaaen in Lichtenberg, Riiiergutstr. 16—29, statt. Treffpunkt vormittags 9�4 Uhr Bahnhof Schönhauser Alle« und 1914 Uhr in Lichtenberg, Ritterguistratze. 19. Abk. 7>4 Uhr bei Krüger, Hussiienstratze, Bortrag der Genossin Rasch. 37. Abt. 74 Uhr bei Rafchke, Matiernstr. 14, Bortrag:„Der Gesetzentwurs Sur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten." Reserent Dr. Georg Löwen. lein. Ibt. Ebarlottenburg. 7 Uhr bei her Genossin Lange, Rosinenstr. 9, Bor» trag:„Da» Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten." Referentia Margaret« Echenkaiowsky. 78. Abt. Schöneberg. 8 Uhr bei Knopp, Mllhlenstr.», Bortrag:„Lily Braun." Referent Dr. Greil. 199. AbL Johannisthal. 7V4 Uhr bei Boiha, Stuben rauchstratz», Bortrag be« Genossen Hans Kamm. Gäste find willkommen. 123. Abt. Kaulsborf. 74 Uhr bei Hüdner, Wildeimstratze, Paul-Keller-Adenh. Referent Heinz Barthel. Gäste sind eingeladen. 131. Adr. Riederschönhaufen. 7(4 Uhr in der Semelnheschnl« Bismarckstratz« Vortrag:„Sozialistische Frauen." Referentin Genossin Moebus. Um rege Beteiligung wird gebeten. Gäste sind willkommen. 3ang{o]ianf!ea: Gruppe Reinickendorf: Montag, 21. März, 8 Uhr, im Seebad, Residenz- stratze 49, Fortsetzung der Arbeitsgemeinschaft:„Einführung in die Wirischasts» geschichte." Bezirksamt Lichtenberg: Mittwoch, 23. März, 7 Uhr, im Lokal W Wegner, Frankfurter Alle» 236, Fraktionssitzung aller beim Bezirksamt■. tätigen parteigenöfsischen Ardeiter, Angestellten und Beamten. Tage». W ttgen ordnung: Bortrag:„Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der köm. munalcn Berwaltung." Referent Stadtverordneter Richard Krtlle. Wahl de» Fraktionsnorstande». Erscheinen sämtlicher Genossen ist Pflicht. Kinderfreunde. Neukölln, Kruppe Bergstratz«, beteiligt sich heute am Spiele» der SAZ. t» der Königsheide. Treffpunkt 14 Uhr Hermannplatz. SrUpv« Einigkeit: Dienstag, 22. März, 4—7 Uhr Märchennachmittag. Kinder der Parteigenossen find eingeladen. Kreis Sharloitenbnrg. Sonntag, 29. März, Treffpunkt zur Zelteinwcihuna um 9 Uhr am Wilhelmpla«. Abends pünktlich 7 Uhr Heifer-Arbeltsgemeinschaft bei Genossin Wnrniuth, Am Bahnhof Westend 2. 82. AbL Steglitz. Dienstag, 22. März. Spiele» im Seim. Albrechtstr. 47. von 4 bi» 6 Uhr nachmittags. Friedenau, Gruppe Ofsenbach: Montag, TL März. Boikstanzabend. Dienstag, 22. März Besuch der Gruppe Schöneberg. Donnerstag, 24. März, Basteln. Sonntag, 27. März, Fahrt nach Bernau. Krei» Webbing, Gruppe Tchilcepark. Montag. 5 Uhr, Leopoibplatz, zur Besichtigung der Boikskrankheiien-Ausstellung. Mittwoch. 46 Uhr pünktlich, vor dem Mercedes-Paiast zum Einzug in die neue Turnhalle Freitag Basteln im Heim Eeestratze Ecke Turiner Stratze. | Sterbetafel der Groß»Serliner parteUGrgauisation� 19. Abt. Unser Genosse Dr. Paul Nathan, Altvnaer Str. 29, ist am 15. März verstorben. Beisetzung am Sonntag. 29. Mörz, nachmittag» 2 Uhr, auf dem Jüdischen Friedhos in Weißens»«. Um reg« Beieiligung wird ersucht. 24. Abt. Die Einäscherung unseres oerstorbenen Genossen Karl Krakow findet am Montag, 2l. März. 64 Uhr im Krematorium Baumschulenweg statt. Rege Beteiligung wird erwartet. TErtkerdericht drr SffrnMchrn Wetterdienststelle für Berst« und Umgegend (Nachdr.»erb.). Meist bewölli und trecken. Weiter din miid. Mätzige Weitwinde.— Zür veolschlond: Im Südwesten stellenweile leichte Nieder- Ichläge, sonst vorwiegend trocken. Auch nach» ziemlich mild. blütenreine Kleidung. Darum schicken Sie bitte die zum Färben, chemisch Reinigen oder Waschen gewählten Stücke unverzüglich in die nächste Filiale oder Annahmestelle der COPENtCKS BtßllN Er ladit Ihnen andi aus unseren imposanten und interessanten Schaufenstern entgegen, die jetzt zur KsllSÄMt-NwlWMWMM im Schmucke der neuen Frühjahn- Kleidung prangen. Hier lohnt sich wirklich eine Besichtigung, die Ihnen um so mehr Freude machen wird, in dem Bewußtsein, daß Sie das, was Ihnen gefällt, auch ohne große Anstrengung haben können. Denn dafür sorgen untere sprichwörtlich r v niedrigen >1 . horf»*» »icWetof ".i.(Ol ä»» «n4»«be Lenp"»». j Äo yiZ trlrd lim«» «(eilen Aporter She(-t lend. ManleL' Die reichen Kellemahle Im Rüchen. der helle Kregen- . bcsalraus Imlt i Schlangenleder /Sind hochsdilck. iHalb auf eleganten] Futter. äSO Für Sie aaent- behrUch. der flotte Mantel für Stadt und Rebe: hochmodern mit vollen Fallen Im Rüdcen und Taschen. Aul gutem Karo- Herrenaloft »OO Fe»ehe Modewhflpfun# der vornehme Mantel hocheleg. au, gwel Stoff- arten geschaffen. Malter. «chwerer Wollrlp, mll glanrendem weUhölehen- den JacquardCKumtMtde), �eln Konlrait Richer Wirkung. AeuSent apart der neue. Ober Schnur eingereihte Kragen a der welle PauenSrmcL Halb auf Crepe de cblaa Königstr. 33 ChaMissestr. 113 Oranlenstr. 40 Ajb»kl. lUcci*»d«rpL Bei« St«lil««r Bahn!»«' An O raniaa• P la Is Die obigen Angebote stehen Ihnen ab Montag zur VerfQgungl- ScbrllUIcbe Bestallungen können nicht berüekslohtlgt werden] Brandenburgiscber HascblDeoselzer-Verein Am 17. Män verstarb nach schwerer Operation unser Expedient, Kollege Otto Schäfer. MM. eine kfilln, Marlendorter weg, statt Um sahireiche Beteiligung bittet Oer Vorstand. DgQtsdier Wierüßitef-Vßrtiaiid Verwaltungsstelle Berlin. Den Selleqen jut Nachricht, daß unser Aallege, der Rohrleger Karl{Engel am 17. März flctotbcn Ist. Ehre seinem Andenken I Die Einälcherung findet am Mitt- woch. dem 23 März, nachm. S Uhr. im Strematorium Derichtstraße statt Rege Beteiligung erwartet Oie Ortsverwal'nne, Allen � trauriges kreunden und Eenasten die iachricht.daß meine iiebeFrau klllM3 ZkMSllg Lnnfär am IS. März, nachmittags Ut, Uhr, gestorben ist Einäscherung am 32 März, abends 7 Uhr. im Strcmatarium Derichtstraße. Paul Zemang, Tegeler Str. 7. WMWMM-WÄ Olcaalag, 22.»Ar,,■band« T Ahr, Ins Sihungsfoal des Oerdan»» Hanse», Clnlcnstc. SS SS: Konferenz der weiblich. Vertrauenaperionen oud Betriebsräte. Tagesordnung: L Bortrag der Aollegtn Gertrud Sanna. Arbeite- rinnen-Selretärin der ADS». Uder.Die Soz'al-Geletzgebung und die Frau- 2 Ber> danbsangelegenheiten uud Berschiedenes Da der Entwurf Uber die Ardeiier-Se- sehgebung behandelt wird, muß seder Be- trieb oertreten sein. Die Funttionärinnen können organisierte Aollegiunen als Säfte einiühren Olenatag. San 22. Aldrz. aadtmlttags S Uhr, Im Jugendheim de» Ofiaa», 9t. frankfurter Str. 16 C® e. Saal): w Versammlung-M« aller Lehrliage uud jugeudlicheu Ardeileriuneu«ad Arbeiter des 2. Bezirks. Tagesordnung 1.___ Machtrui beißt»Organisation- ssr. Neumann. Z. Diskussion ztrksange egenhitten Wchlige Fragen find zu erdrtaru. scheint darum alle �Bortrag:Unser serent: T Be- vleu»tag. den 22 Mär,, add». 7A»r. 1« groben Saale de» Oerda»»»» Hanse». Clnienlht SS SS Branchen Versammlung aller Eiseudreherlehrllag«. Tagesordnung l.Borttag März. kämpfe in der Arbeiterbewegung. 2 Aus- spräche Uber Betriebssragen. Alle Zugendkolleaen sind zu dieser»er. sommlung eingeladen. stahlreiches und pünktliche» Erscheinen wird erwartet Oieuatag. den 22. MSr,. abend» Tllf|r. InilSacfcrccYaal hes Berboods- hau e» Clnieaffc. 63 53 Branchenversammlung aller in der Eiseakonflruktiou de schäftigteu Kollege«. Tagesordnung' 1 Stellungnahme zu unserer Lohnforderung. 2 Berschiedenes. Der wichtigen Taaesotdnung wegen ist das Ercheinen aller Kollegen dringend erforderlich MiWllI MWschlilgN»Ilitiinii Die am 22. Mär, fällige Branchen. »errammlnug findet umständehalber erst am Mittwoch, den 30. März, statt wjüüsI MkMglUiM totE! des A�G.-Konzerns »Ikkmoch. da» 2S.»Srz. adand» 2 Ahr. Im Parkarrasaal da» Oar- dandshansa». eialenstr SS, SS str Versammlung-«■ aller im w«rt,euabaa de» AEG. »sn,eras beschäftigte« Kollegen. Taaesordnung 1 Wie können wir unsere Lohn- und Arbeitsbedingungen zeitgemäß regeln? i Diskussion. 3. Der- schiedeue» Das Erlchelnen aller im Werkzeugbau des AEG-Aonzerns beschäftigten Kollegen ist dringend ertoederlich. Milkmach, San 23. März, nachmittags S'/j Ahr, im Lakai fl n a u a c. tftcon- baarrnitraha, om Bahnh. Martenseide. smr Versammlung aller eehrliage, jugeadi. Arbeiter unb Arbeiterianea der Alarieu- seider Betriebe Tagedordnungt> Die Zugend w der Deseßgedung. Referent:«ollege t. Hellwig. 2 Beschwerden aus den etneden Iugendkollegenl Erscheint resilos In dieier Bersammlutig. Bringt die unor ganisierien Arbritskolleqen mit »Itkmach, da» 2S. Alärz. add». 7 Ahr. Arntalkskr. 0 sArdeiisausgaderaum). »M- Versammlung n der Znnungsichrniede. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu w chtigen Beiriedsftagen. 2. Branchen. ontelegenhelien. Ballzähliges Erscheinen aller Aallegen Ist unbedingt notwendig via Orisuarwalknag. vaaksagnng Für die oielen Beweise derzliäier Teiwahme uud die zahlreichen Kronz. spenden bei der Einäscherung meiner liedsnFrau.unseterSchwe tet u Tente Berta Lietsch Ionen wir allen Getto, sinnen und(Je- nosten. Freunden undBslattmen sowie den Wielern der Häuser Wiidenbruch» ftraßsSächS unseren herz ichsten Danll Die Hinterbliebenen. Ztatt Karte«! Fstr die vielen Beweise berzl icher Teil nähme an dem schweren Verlust, der uns durch das Hinicheiden unserer lieben vartrud getrosten hat sagen wir allen Frepnden und Bekannten. Aalleqett. der Berlretung der AGB sowie den Berireiern der SPD. unseren herzlichsten Dank Ww. Anna Scharf nebst Kindern. G WÖRSTCHEN'* BOCKWIW�" A Elinas ganz Besnnderes f Bettfedern ans erster Hand, Psd grau ans 60 Pf.,' geschl. 90 Pf, Rup, 1 75, Halbdaune 276, i weiß. 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Beim west- f ä l i s ch e n S ch u l st r e i k, an dem die Parteigenossen des jetzigen Ministers beteiligt waren, ist die st a a t l i ch e Autorität in ganz gröblicher Weise verletzt worden. Venirteilt er den Mißbrauch des Konfirmandenunterrichts bei diesem«chulstreik? Verurteilt er die Hetze des Evangelischen Ellernbundes gegen Verfügungen des Staates? Von der westfälischen Lehrerorgan i- s a t i o n, der die Lehrer aller Richtungen angehören, ist dieser Schulstreik einmütig gemißbillig t �worden. Es gibt allerdings nicht nur solchen Schulterror, sondern auch anderen politischen Mißbrauch der Schule. Die staatspolitische Er- Ziehung in der Schule muß ebenso der R e p u b li k wie dem Ge- danken des Völkerbundes gewidmet sein. Wie verträgt es sich aber damit, daß noch immer in Lesebüchern völkerverhetzcnde und monarchistische Lieder zu finden sind? Pflicht des Ministers ist es, dafür zu sorgen, daß in Braunschweig die verfassungs- treuen Lehrer gegen die V e r f a s su n g s v e r l e tz u n- gen der Regierung geschützt werden.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) � Abg. heuß(Dem.) erklärt, daß es nicht auf die Schulpro- gramme ankomme, sondern aus den Geist, von dem sie erfüllt sind. Dem Staat muß die unbedingte Vorherrschaft im Schul- wesen eingeräumt werden. Abg. Rosenbaum(Kom.) legt erneut Bilder vor, die im Schloß- park des Herrn v. Keudell aufgenommen worden feien, und die Gruppen von Jugendverbänden zeigen sollen. Abg. Aröhling(Bat)'. Vp.) wünscht, daß auch die Leibesübungen des weiblichen Geschlechts gefördert werden. Das Jugendherberge- wesen müsse gefördert werden. Turnen und Wandern dürfe man aber nicht übertreiben. Abg. Dr. Spuler(Dnat.) erblickt in der Religionslosigkeit ein Zeichen plattester Halbbildung. Zwei völkische Redner beschließen die Debatte. Es folgt der Abschnitt Gesundheitswesen. Reichsminister des Innern v. keudell teilt mit, daß die einheit- liche Ausbildung des Krankenpflegepersonals gefördert werden solle. Die A u s f ü h r u n g s b e st i m m u n g e n zum Gesetze zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, das am 1. Oktober in Kraft treten soll, befänden sich in Vorbereitung. Das Gesetz zur Bekämpfung der Tuberkulose könne leider noch nicht geschaffen werden, da die finanziellen Verhältnisse die Durchführung dieser Aufgab« noch nicht gestattet hätten. Wegen Beschlußunsähigkeit des Hauses oertagt sich das Haus auf eine Viertelstunde. In der neuen Sitzung begründet Abg. hemeter(Dnat.) eine Entschließung, wonach gesetzliche Bestimmungen für die umher- ziehenden Zigeuner erlassen werden sollen. Abg. Dr. Moses(Soz.):. Nachdem die uns zuletzt vorgelegte Denkschrift abgeschlossen worden war, hat erst die Arbeitslosigkeit in größtem Umfange ein- gesetzt. Die dort geschilderten Gesundheitsverhältnisie sind durch die inzwischen eingetretenen Verhältnisse überholt. Das Reichs- gesu n d h e t t s a m t soll allen Ministerien als die gutachtcnde Instanz dienen, soweit Fragen der Volksgesundheit in Betracht kommen. Wie erfüllt es diese Aufgabe? Krieg und Nachkriegszeit haben uns auf keinem anderen Gebiete vor so große und neue Auf- gaben gestellt, wie das Gebiet der Gesundheitspflege. Das Reichs- gesundheitsamt sollte zu größeren Aufgaben herangezogen werden, als es heute geschieht. Es inüßte feststellen, wie der Achtstundentag, wie die Arbeitsteilung vom gesundheitlichen und beoölke- rungspolitischen Standpunkt aus zu betrachten wäre. Es hätte zu zeigen, daß die Verkürzung der Arbeitszeit eine gesund- heitliche und bevölkerungspolitische Forderung ist, deren Erfüllung zwingend ist. Deutschland muh produzieren, um leben zu können, dabei dars es aber nicht sein Grundkapital angreifen, nämlich seine Volkskraft. Wir bedauern es außerordentlich, daß dqs Tube r- kulosegesctz infolge der finanziellen Verhältnisse noch nicht er- lasten werden soll. Wir wissen aber, daß ein solcher Entwurf bereits ausgearbeitet worden ist, das Ministerium sollte daraus hinarbeiten, daß er uns bald vorgelegt wird. Wie weit ist das Reichs- apothekengeseg', zu dessen Vorbereitung müssen auch die Vertreter der Krankenkassen hinzugezogen werden, die Haupt- abnehmer pharmazeutischer Artikel. Wie steht es mit dem Reichs- i r r e n g e s e tz, wie mit der Neuordnung der Prüfungsausschllstc der Medizinischen Akademie? Welche Pläne hat das Rcichsgefund- heitsamt in diesem Jahre mit der Gesundheitswoche, wird es sich die Erfahrungen des vorigen Jahres zunutze machen? Zum Schlüsse weist der Redner aus das ungeheuerliche vorgehen der Slaalsanwaltschast in Stuttgart hin. die aus Grund des Gesetzes gegen Schund und Schmutz eine Reihe wissenschaftlicher Werke beschlagnahmt hat. Es wäre notwendig, eine neue Jlol- gemeinschaft zu bilden zur Abwehr solcher Uebergriffe gegen die deutsche Wissenschost? Das Reichsgesundheitsamt könnte in diesem Falle als begutachtctzde Instanz der deutschen Wissenschaft einen großen Dienst erweisen, indem es der Justiz im Reich und in den Ländern klar macht, welcher Schaden durch die Verfolgung einer bestimmten wissenschaftlichen Richtung verursacht wird. Wir protestieren ganz entschieden gegen post-Abonnenten Ttamit öl» regetmäßlge Zustellung äti.vorwärt«' im nächsten Monat keine unliedsaine Unterbrechung er- lelött, bitten wlr unsere post-Abonnenten, öas vezugsgelö für öen tommenöen Monat zu bezahle»/ sobald öle Post mit öer kinziehung beginnt. Zur AvonuemenlSerneueruagen nach öew£4. erhebt öle Post eltie Verspätungö�ebühr von 20 Pfennig. Vorwarts-Verlag G.m.b.H. dieses Vorgehen der Staatsanwaltschast in Stuttgart, und das deutsche Kultur- und Gesundheitsministerium hat die Pflicht, sich schützend vor die deutsche Wissenschast zu stellen.(Lebhafter Beifall bei den So- zialdemokraten.) Abg. Rickes(D. Vp.) fordert eine Refonn des Krankenpflege- wefcns. der Säuglingspflege und Wochenpflege durch Reichsgefetz. Abg. Frau Dr. Luders(Dem.) beantragt gleichfalls reichsgejetz- liche Regelung des Hebammenwcfcns, der Krankenpflege und der Tuberkulosebekämpfung. Abg. Frau Weber-Berlin(Z.) beantragt Forschungen auf dem Gebiet der Bestrahlung und dem der Berufskrankheiten. Präsident des Reichsgesundheitsamts Hömel schildert die Tätig- keit seines Amtes im Innern und seine Beziehungen zum Ausland und zum Völkerbund, in dessen Hygienckommission Deutschland zwei S-tze hat. Der Gesundheitszustand des deutschen Volkes sei besser ge- worden. Das Dresdener Hygienemuseum werde Wanderausstellungen veranstalten. Ein Arzneimittelgesetz sei in Vorbereitung. Uebcr die Zigeuner schweben Verhandlungen mit den Ländern, die ärztliche Prüfungsordnung sei in voller Bearbeitung. Ausführungen der Abgg. Frau Arendsee(Kom.) und Pehold (Wirtsch. Vgg.) beenden die Debatte. Um 5 iihr vertagt das Haus die weitere Beratung auf Montag mittag 1 Uhr. Kulturö�batte im Lanötag. Das Selbstverwaltungsrecht der Studenten. In der Sonnabendsitzung des Landtages, über deren Anfang wir bereits im gestrigen Abendblatt berichteten, wurde die Aus- spräche über den Kultusetat beim Abschnitt«Universitäten und sonstige Anstalten" sortgesetzt. Abg. Dr. Lauscher(Ztr.) billigt das Vorgehen des Ministers gegen den Hochschulring deutscher Art. Abg. Dr. Bölih(D. Vp.): Unsere Forschungsinstitute bleiben infolge der falschen Sparsamteitspolitik des Finanzministers hinter dem Ausland zurück. Die Ausgaben für die Kirche sind seit l9lZ um 71 proz., die für die Wissenschast um 45 proz. gestiegen. Der Redner tritt besonders für das Ämerikainstitut, die Institute sür Krebssorschung und Gehirnforschung und die religionsgeschichtlichen Sammlungen in Marburg angesichts.des bevorstehenden 400. Jubi- läum dieser Universität ein. Abg. Hofsmann(Komm.) schildert die Raum- und Geldnöte in Berliner Universitätskliniken.- Auch für das Personal in den Kliniken sei schlecht gesorgt. Abg. Dr. vohner(Dem.): Bei aller Dürftigkeit der Ausgaben für die Wistenschaft muß ich doch seststellen, daß sie unter der Regierungskoalition rascher gewachsen sind, als unter jeder früheren. (Hört, hört, links.) Die Autonomie der Fakultäten wird politisch stark mißbraucht. Hierauf wird die Debatte abgebrochen und auf Montag, den 21. März, mittags 12 Uhr, vertagt. Cm Nachtragsetat. 1,3 Millionen für den Völkerbund. . Trotz aller aufgewendeten Mühe hat die Prüfung des Reichs« etats für das am 1. April beginnende Rechnungsjahr 1327 im Haus- Haltsausschuß nicht zu Ende geführt werden können, da die B ü r g e r- blockparteien gerode über die wichtigsten Fragen, Finanz- ausgleich, Ucberweisungen an die Länder, Kanalprojekte u. a. hier weder unter sich, noch mit der Regierung zu einer Verständigung gelangen konnten. Und schon ist gestern vormiUag dem Reichstag ein Ergänzungsetat für 1927 zugegangen. Dieser Ergänzungs« etat fordert bei den fortdauernden Ausgaben 3 387 OOl), bei den einmaligen Ausgaben 839lX>l1, zusammen 4 226 000 Mark neue Mittelt Den Löwenonteil dieser Nachtragsforderung beansprucht mit 1,7 Millionen das Auswärtige Amt. Dieser Mehraufwand des Auswärtigen Amtes wirir in der Hauptsache bedingt durch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Die bereits bestehend« Zusamnienarbeit mit diesem und den ihm angehörenden Staaten hat durch den Eintritt Deutschlands eine erhebliche Erweiterung erfahren. Entsprechend dem Umfang der zu erwartenden Geschäfte ist eine Per- sonaloennchrung erforderlich, die mit rund 33 000 M. veranschlagt ist. 20 000 M. werden für die Bücherei angefordert, um die ein- schlägige Literatur des In- und Auslandes vervollständigen zu können. Die Kosten der Teilnahme an Sitzungen des Völkerbundes und seiner Kommissionen werden für die deutschen Vertreter auf 100 000 M. berechnet. Schließlich hat Deutschland als Jahresbeitrag zu den kosten des Völkerbundes für das Rechnungslahr 1327 1,3 Millionen Goldsranken zu zahlen, als deren Gegenwert Ich Millionen Reichsmark angefordert werden. Das Wehrmini st criu in verlangt 1 Million als ersten Teilbetrag für einen Erwetterungsbau auf dem reichseigenen Grund- stück Fasanenstraße 87 in Charlottenburg, um dort die frühere In- spektion sür Waffen und Gerät geschlossen und besser als bisher unterbringen zu können. Das R e i ch s f i n a n z m i n i st e r i u m legt für das ihm unter» stellte Rcichsentschädigungsamt für Kriegsschäden, das zum 31. März 1928 aufgelöst werden soll, einen neuen Etat vor, der gegenüber dem Hauptetat eine Mehrsorderung von 973 000 M. vorsieht. Diese Mehrsordcrung ist dadurch entstanden, daß der vorgesehene Abbau des Reichsentschädigungsamtes nicht so schnell wie vorgesehen durch- zuführen sein werde. Eine Frage von erheblicher grundsätzlicher Bedeutung wird im Haushalt des Rechnungshofes des Deutschen Reichs dadurch � angeschnitten, daß dort dieKostenfür den Reichssparko»i- m i s s a r und sein Bureau nunmehr unter den fortdauernden Aus- gaben mit 599 800 M. eingestellt sind. Die durch die Einsetzung des Reichssparkommissars entstandenen Kosten waren für 1925 und 1926 mit je 262 000 M. im Haushalt des Reichsfinanzininisieriums als einmalige Ausgabe bewilligt worden. Sie werden jetzt unter den fortdauernden Ausgaben angefordert, weil die Einrich- tung voraussichtlich längere Zeit bestehen wird und sich die Not- wendigkeit ergeben hat, das Sparbureau zu erweitern. Die Begrün« dung lautet:„Die Mittel sind unter dem Gesichtspunkt angefordert, dem Reichssparkommissar eine umfassende und schnelle Weitersührung seiner Aufgabe zu ermöglichen." Im Hausholl des Reichsjustizministers entstehen beim Kapitel Reichsgericht 71 000 M. neue Kosten dadurch, daß das Arbeits- gerichtsgesetz vom 23. Dezember 1926 die Errichtung des Reichsarbeitsgerichts beim Reichsgericht vorsieht. Dadurch wird die Bildung eines neuen Senats beim Reichsgericht not- wendig. Es ist beabsichtigt, den neu einzurichtenden Senat aufzu- lösen, sobald die Verhältnisse es gestatten werden. Im Etatsgesetz selbst wird gefordert, daß die dem Reichsminister der Finanzen im Rechnungsjahr 1926 und früher erteilte Garantie- ermächtigung auch für das Rechnungsjahr 1327 in Kraft bleiben solle. Es handelt sich in der Hauptsache um die Garantie zur Förde- rung des deutschen �Außenhandels(175 Millionen), für Ausfubr- gcfchäste nach Sowjetrußland(105 Millionen), für Wcchselforderungen der Fmanzierungsgesellschasten für Landtraftmaschinen(15 Mit- lione:), für Flachskredite(9 Millionen). Demokraten yeaen Zentrum. scharfe Auseinandersetzung wegen des F-inanzausgleichs. Im SteuerausschußdesReichstags gab es am Sonn- abend scharf zugespitzte Auseinandersetzungen zwischen d?m>Vertreter der Demokraten, dem Abg. Dr. Aischer-Köln und Dr. Brüning vom Zentrum. Dr. Fischer verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Demo- traten und ihre Presse hätten durch ihre Kritik am Finanzausgleich die außenpolitischen Interessen Deutschlands geschädigt. Die von maßgebenden Organen der Deutschen Volkspartei an den Regle- rungsparteien geüble Kritik könne viel eher im Auslande den Ein- druck erwecken, daß sich unsere Finanzpolitik nicht mehr in guten Händen befinde. Die Bestimmung über die Senkung der Realsteuern AeftL MranNtband hümtfü�Aie� /TiCAA� Ädcixtc. � Ainb&rer GOLD-SABA frisch« matilpuliei±, smit köstlicKatr� Aroma, bckÖmmlichcc Qualität MmA wcißcrL GARBÄTY md über bos Reichsrahmengesetz nenne sogar Ms„Köknische Zeitltng' «ine„Fasiade"� Dr. Fischer sorderte die Regierung auf, �ur Nrn» rsgelung der Besteuerung der Landwirtschast und zur Senkung der Zuckersteusr Stellung zu nehmen. Abg. Dr. Brüning tA.) erklärt, seine Partei würde sick, ganz ent- schieden gegcneineErhöhungderUmsatzstcuer wenden. Sie wolle auch möglichst bald zu einer Herabsetzung der Zucker st euer kommen. An der Begrenzung des Aufkommens aus der Lohnsteuer auf 100 Mill. inonallich halte das Zentrum est. Die von der Sozialdemokratie gefürchtete Gefährdung dieser estimmungcn des Lohnsteuergefetzss durch die Erhöbung der Goran tis auf 2,6 Milliarden fei nicht berechtigt. Gegenüber Dr. Fischer beharrte er auf dem Vorwurf, es fei eine Irreführung, daß die Länder 200 Millionen vom Reiche freiwillig mehr erhielten. Zn Wirklichkeit handele cs sich um nichts andere? als um die Erhöhung der Garantie auf die höhe des totsächlichen Aufkommens an Heber- weifungssteuern. Die Verhandlungen der Regierungsparteien über die Beseitigung des Defizits im Rcichöhaushalt ssien noch nicht abgeschlossen. Abg. Dr. Preyer(Dnat.) polemisierte gegen Dr. Fischer und t)r. Hertz. Er erklärte sich persönlich für ein« Erhöhung der Umsatzsteuer und bezeichnete eine völlige Aufhebung der Zuckersteuer als unmöglich. Staatssekretär Dr. Jtop'h bestritt die Berechtigung des Vorwurfs des Abg. Dr. Hertz, seine Auslegung des fj 8 des Gesetzes über die Biersteuercntschädigung rechtfertig« jeden Verfassungsbruch. Gewiß sei eine Kritik an den Vorschlägen zum Finanzausgleich berechtigt und erwünscht. Die Kritik würdige jedoch Nicht die Fortschrille der jetzt vorgeschlagenen Regelung. Die Sonder. äaranti« für die Umsatzsteuer sei gefallen. Ein weiterer Fortschritt sei die Senkung der Realsteueru und der Druck auf Länder und Ge« meinden, auf diesem Wege vorzugehen/ Auch die einheitliche Rege- lung der Realsteuerfrage durch das Reich fei überaus bedeutungsvoll. Uebcr die Gefamtfinanzluge de» Reiches könne man erst beim Eist der allgemeinen Fnianzl c. mol.'ung uiihercs sagen. Zum Schluß gab der sächsische Ministerialdirektor v o n S i ch a r t die Erklä>«inz der Koalitionsporteien des sächsischen Landtages be- könnt, die sich scharf gegen die Anträge der Regierungsparteien aus- spricht. Damit war die allgemeine Debatte deendet, so daß der Ausschuß am Montag in die Spezialdebatte eintreten kann. Iiir erhöhte Aufwertung. Ter sozialdemokratische Standpunkt im RechtsauSschnh. Im Rechteausschuß des Reichstags wurde am Sonnabend die Debatte über den Regieningssntwurf zur Abande- ruug des Zlufwertungsgefetzea fortgesetzt. Den Standpunkt der sozialdenwkratischen Fraktion verirat Avg. Keil, der zunächst den krassen Unterschied der Reden Dr. hcrgls von heute und von früher betonte und festftellic, daß der neue Entwurf nicht geeignet fei, Beruhigung in den Kreisen der Gläubiger und Sparer heivorzu- rufen. Dieser Entwurf mache nicht einmal den Versuch, die grau- s a m c n Härle», die sich bei der Anwendung der Gesetze ergeben haben, zu mildern. Eine völlige Neuregelung des Aufwertungs- rechts halte die Soziaidcmotrotie im Gegensatz zu Herrn Best heute nicht mehr für möglich, da sich die Rechts-»nd Wirtfchaftsoerhäll- nisie, die feit der Stabilisierung neu einstanden seien, nicht rückwärts revidieren liehen. Einig fei die Soziatdemokraiie aber mit Herrn Best darin, daß die Aufwertungsgesstze den Schuldner viel zu g ii n st! g, den Gläubiger viel zu u n g ü n st r g behandeln. Sie sei serner der Meinung, daß bei der inzwischen eingetretenen Kräftigung vieler entjchuldcler Ilnternehmungcn beträchtliche Ver- besserungen zahlreicher Einzelpunkte des Gesetzes mögllch seien. Jede Störung der winschostlichen Entwicklung, jede Gefährdung der Währung und jede neue Masseiibclastuiig müsse allerdings vermieden werden. Aber auch unter Wahrung dieser Gesichtspunkte sei eine Erhöhung des Aufwertungssatzes dort möglich, wo eine o s f e ms! cht l i che große Bereicherung des Schuldners vorliege. Bei vorbehaltlos vor dem 1o. Juni 1022 angenommenen Rückzahlungen könne heute noch uiiter gewisien Boraussetzungen eine Auswerliing vorgeschrieben werden. Di« Lbligattvnenaufwertung stehe in krassestem Mißoer« hältni« zu der Entwicklung der Aklienkurss und den Erträgen dieser Unternehmungen. Die Versicherungsgesellschaften seien in der Lage, ihren Gläubigern mehr zu geben, als vor zwei Iahren angenommen wlirdc. Die Banken hatten sich glänzend entwickelt und tonnten sehr wohl langfristige Einlagen auswerten. Die leistungssähigen Sparkassen müßten gezwungen werde», über den Satz von 12'� Vroz. hlnauszupchcn. Den Fabrik. und Werkpensionskasson müsse Hilfe gewährt werden. Wenn Reich und Länder in der Lage seien, wieder volle Pensionen bis zu den höchstbczügen hinaus zu gewähren, so dürsten sie nicht ihren Gläubigern gegenüber ihre Zahlungsunfähigkeit geltend machen. Bezüglich der Anleiheablösung gehe die Sozial- demokratie nicht so weit wie die deutschnationalen'Wahloersprcchun- gen, aber sie halte die Auegabe eines fortlaufend verzinslichen Papiers an Stelle des auf 30 Jahre sich-erstreckenden Aus- losunqssystems für einen großen Vorzug Der Zentruinsabgeardnete Dr. S ch c t t c r schloß sich im wesentlichen den Ausführungen hergls an, der Demokrat Freiherr v. R i ch t h o f e n übte dagegen an dein Entwurf lebhafte Kritik. Der Kölner Balizeipräsidenl hat das varläufige Umzugsvcrbot vom Ich Mär, gegen Stahlhelm, Jung Stahlhelm, Werwolf, Front- triegerbund, Treubnnd Schlagetsr, Eiserne Schar»nd FrontbanN ausgehoben. Das Verbot gegen die Nationalsozmiisten bleibt bestehen. Der Wiener Ober-Hochschulbub, ein gewisser Robert Körbckr, hat die Leitung der hakenkreuzler-Roheilsübungen niedergelegt und will sich aus der„Hochschulpolitik" zurückziehen. Am Ende sängt er gar noch zu studieren an. die logische Zolge. Nach See kommunistischen Sie faschistische Welle. Die Pressenachrichten des Internationalen Gewerkschaits- Hundes schrcchen: Einen, Originolbericht aus Bulgarien entnehmen wir, daß die Lage der bulgaris-ben Arbeiterscbost von Tag zu Tag schlechter wird und die Gewerkschaften unter Bedtnaungen wirksam sind, wie sie in Westeuropa vor 40— SO Jahren bestanden. Von ge< reaelten Arbeitsbebinaungen, anständigen Arbeitsröumen, staatlicher Fürsorge für Arbeitslose oder Kranke usw. weiß man in Bulgarien, wo bei den Behörden die größte Korruption herricht»nd Unmengen von Geld zwecklos vergeudet werden, nichts. Die verfolgten und unterdrückten Gewerkschaften find zu schwach, um aus eigener Kraft das Elend der arbeitenden Masten zu lindern. Auch in jenen Be- rusen, wo die freien Organisotionen größere Bedeutung erlangt habe», können sie nichts ausrichten, da sie von der Polizei j e a- sicher Bewegungsfreiheit bebau bt werden. Gewerkschaftsversammlungen werden verboten oder gesprengt, Streikende durch die Vollzei verhaftet.verprügelt, inter- n i e r t oder oerichtlich oersotgt. Die wirtschaftliche und politische Reaktion, die Immer schlimmere Formen annimmt, macht solche Fortschritte, daß neben den bürger- lichen faschistischen Organisationen, die das Land terrorisieren, sogar unter den Arbeiten,»nd beionders unter den Jugendlichen faschistische Organisationen entstehen. Arbeitslosigkeit. Hunger und Elend tragen viel dazu bei. die am niedriger Kulturstuse stehenden unorganistertcn Arbeiter in die faschistischen Organisationen»u treiben, wo sie mit Abzeichen, Unilormen und Gemehren onsaestattct werden und kür ein geringes Entgelt geaci, ihre klassenbewußten Arbeitsbrüdcr »lehen, um sie ibrer Freiheit Zu beronben. Daß unter solcken Umständen die Behörden aeoenüber den Protesten der freien Arbeiter- organiiationen taub bleiben, läßt sich vorstellen. Alles in ollem kann aelagt werden, daß stck, die Ereigniste in Bulgarien in den lebten Jo'wen so entwickelt haben, daß an Stelle der bolschewistischen Welle, die tn den Jahren 1910— 1923 das Land überflutete, eine noch schlimmere Welle des blutigsten Faschismus getreten ist. Die schniergevrüsten freiaewcrkschaft- llch organisierten Arbeiter, die sich unbeirrbar gegen die Reaktion von rechts und links wehren, erwarten in Ihrem Kamvie»m de» Ausbau ihrer Organisationen, um Menschenrechte und Freibeit die brüderliche Svmpatdie und Hilfe. der Internationale und der ihr an- geschlossenen Organisationfn!_ De? Streik im Cafe Mlckialftt. Born Zentralverdond der Hotel-, Restaurant, und Caföange- stellten, Elsasier Str 86�88, wird uns berichtet: Durch den Streit der Kellner und der mit diesen solidorischen Schönebergrr Bevölkerung Hot Herr Michaliki eingesehen, daß es am besten ist, wenn er au» Schöneberg verduftet. Er bat desbalb in aller Eile dos Ease Michallk! verkauft. Die Uebernahme findet an, 1. April statt. Bis dahin bleibt der Betrieb a c sperrt. Der Betrieb wird auch bei den, Nachfolger gesperrt bleiben, wenn er die Streikbrecher weiterbeschäftigt. Die bisherioen Gäste erwarten von Hern, Grunge, daß er das an den streikenden Kellnern begangen« Unrecht wieder gutmacht. Herr Grunge kann sich täglich im neuaekauften Geschäft überzeugen, daß sich nur sehr wenig Gäste einfinden, um sich von Streikbrechern bedienen zu lasten. der Seamte im neuen Staat. Der Preußische Beamtenbund(DBB.s hotte anläßlich seines 3. ordentlichen Bundestages gestern nachmittag in, Lehrer. vereinshaus eine öffentliche Sitzung, in der der Ministerialdirektor von, vreuhischen Inuenministerium Dr. K l a u s c n e r einen sehr interessanten Vortrag Ihielt über das Thema:„Der Beamte Im neuen Staat". Er� legte zunächst dar, daß das Berusvbeamtentum,. wenn es seine Stellung im Staat« und lein Ansehen vor der Bevölkerung wahren wolle, sich nicht nur mit den Fragen des Beai»tcnrech«s oder der Gchaltspolitik in der Oeftentlichkeit beschästige» dürfe, sondern sich immer wieder auf die großen ethischen Grundlage» des Berufsbeamtentum» besinnen müste. Der Berusebeonne iei niait ein Arbeiter oder Angestellter, der gegep Gehalt seine Dienstzeit verrichte, sondern er stehe zu dem Staate in einem besonderen Treueverhältnis, und dieser Begriff der Treue gebe de», Bcrufvbcamte» Wert und Ansehen. Treue ist aber nicht Neutralität, sondern aktives Eintreten» innerliches Erfasse n und Bejahen des Staatogedankens. Tarensrol,? Mit- arbeit am Wohle des Bolkes und des Daterlandes. Solche ilnfgaiic ist die vornehmste, die es geben kann, und damit die eihischc Grundlage für ei» echtes Stnndesbewußtseln, das nicht Kastengeist und Klassenabschluß ist, sondern das sich in der verdoppelten Erfüllung der Standespslichle» äußert. Dein beifällig ausgenommenen Vortrag folgte ein Referat des Direktor» Lenz vom Deutschen Beamtenbund über die B e- an, tenbesoldungsreform, das seinen Niederschlag fand in einer einstinunig anoenommenen Entschließung, in der auf die Gefahr für den Bestand des jetzigen Staates hingewiesen wird, die entstehen muß, wenn der Beamtenschast weiterhin die zu einer geordnete» Lebenssllhrung und ihrer Stellung als Stützen des Staates und Träqer de? Staatsoedankens entsprechende Besoldung vorenthalten bleibt. Die preußische Staateregierung wird darin ausgesordert, mit Rücksicht aus die sortschreitende Verschuldung der gesamten Beamtenschast die Initiative zu orgreifen und daiür zu sorgen, daß unverzüglich die Besoldung der Beamten mit der Kaufkraft des Geldes in Einklang gebracht wird. Zu dem dritten Dortrag de» Polizeihauptinanns a. D. Sie- r u» g vom Deutschen Beamtenbund über die„R e ch t l i ch c S t e l. l u n p. der Polizeibeamten" wnrde ebenfalls eine Entschließung einstimmig angenommen, in der«s zum Schluß heißt, die preußische Beamtenschaft, vertreten durch den Preußischen Beamtenbund, lehnt mft der PoNzeibeamtenschaft den vorliegenden Entwurf eines preu« ßilchen Polizeibeamtengesetzes aus das entschiedenste ab und fordert sür die preußische Polizei ein durch Gese,, festgelegtes Rechtsvcr- hältnis, das die Polizeibeamten sämtlich in das allgemeine Beamten« recht eingliedert._ Cook manövriert. London. 19. März.(Eigener DrahtbenchU Der englische Berg« arbesterfühler Cook erllärtc nach seiner Rückkehr von der Bei- l i i, c r Tagung der Bergarbeiter-Internationale, folgende zwei Fragen einer Urabstimmung der britischen Bergarbeiter unterwerfen zu wollen: 1 Wollt ihr Hodgcs als internationalen Sekretär bei- behalten? 2. Wollt ihr Cook als Sekretär des britischen Verbandes beibehalten? �.. Cook behauptet, nicht Hodges und nicht er hätten in Berlm auf der Anklagebank gesessen. Die Vertreter der anderen Länder seien über Hadgrs Haltung während des Grubenstreiks verblüfft gewescir Cook erwähnt mit leiiieil, Wort, was die Berliner Konserenz über sei.re Moskauer Rede» gesagt hat und teilt zum Schlüsse mit, die britischen Vertreter häite» die Gelegenheit benutzt, um mit den Ver- tretern der riilsischön Bergarbeiter zusammen zu tomincii. Darüber wird der Exckuilvc Bericht erstattet werden. * Ob eine Urabstimmung stattsiiidcn soll und welche, darüber ent- scheidet schließlich nicht Cook allein. Die Märchen, die Cook von den Verhandlunoen der Eisekulive erzählt, sind ein Beweis mehr für die Richtigkeit Les Protestes sämtlicher festländischen Bergarbester- ege» das Austreten Cooks. Das Zusammentresfcn ergarbeitervertreter mit den russische» erklärt sich orgailtsationen der englischen___........ W..... W>.... cinsach daraus, daß zur selben Zeit, als die Lsrgarbcitcr-Jnter- nationale in Berlin tagte, sich die Vertreter des ciiglifchen Gcwcil- schaftsbundes mit denen der russischen Gewerkschaften trasen, um mit diesen über das Ergebnis der Verhandlungen im Vorstand der JGB. zu beraten._ Gesperrte Sondiloreibetrlebe. Der Deutsche Rahrungs- und Ge> nußmiltelarbeiter-Verband schreibt uns: Auf Anfragen testen wir mit, daß in der Konditorei M i ch a l s k!, Lindenstr. 94, nur unorganisiertes Personal beschäftigt wird. Ferner sind solgende Betriebe für organisiertes Personal gesperrt: Konditorei G e p p I e r, Oranien- straße 13(Am Heinrichsplatz) und Cafe Kolbcrg, Prinzen- alle« 23/26 sowie Brunnenstr. 02. Versand-Konditorei fi n o b e& Co., Berlin 51, Müllerstr. 40a,„A n g st- K o n d i t o r e i". Jnh. Patzek. Berlin EW.. Lindenstr. 108. In letzterem Betriebe werden die Gäste auch von organisationsfelndlichem Personal bedient. Der Ortsausschuß des ADGD. weist nochmals darauf hin, daß trotz de» hervorragenden Programms des Zirkus Ligenbeck nach wie vor Karte» zu Holben Preisen sür die Mitglieder aller prole- tarischen Organisationen, einschließlich der Mitglieder der Konsum- Genossenschaft, für alle Tage, außer ConiNags, im Gewerkschafts- hgus z» haben sind. Die Frankfulter Straßenbahner beschlossen in einer Miiglieder« Versammlung, das Bezirtslohn abkommen zum 30. April 1S27 zu kündigen._ ZdA.-5unktionSrc der ZNetavindustriet Dienstag, 22. Mär». 7!4 Uhr, in l>?n MufitcrlSlen, Naislr-Wilhelm-Str. Zt, wichtige Fvuktionärversaminlung. I. EozialvoNIil— Acht oder Zehnstnade». tag? Ziefcrent Kollege Ka»» Dottnir.tN. 2. Wichtige Tarlfsragc««In>. Bei der«ichtiqteit der»u fassenden Deschliigc erwarten wie da» bestimwtc tte. Icheine» allce guaktianär«. -Q-i X/-'/ I j' I i i i i Achtung,»ergmann. Stosei-tlal! Dienstag nachmittag 4 Uhr Im Lokal Mililte, Lindenaller, ssraktionznersammlung aller ZPD.-oienoiseN. Wichliae Tagesordnung. Der FrattionsnorNnnd. Achtung, Acrgmaun. Seestraste! Dienstag nachmittag � Uhr bei Kroll, Utrechtek, Cde Kennigsdorfer Straße, wichtig« Hersaimniimg aller SPD.»Se nagen. All« Eenogen mltsien anwesend sei». Der Arattionsoorfiand. Freie«dewerkichastd.Zngrnd. Seule toigende Beraniiollungen: Ollkreis: Druppenlitim, Dieiielmenerslr. Z, 7>4 Uhr:„Die gemiedllchen Sachsen". Aus Anlag unseres Osiertrefsens in Sohnstein. Wciikreis: Bciciligung an der Rordkrcis.Peranstaltuna. Südkreis: Krupncnheim, Reukölln, Z'öiimische Cdc Conncrstrake. 7 Uhr. MiltZseter. Nrei« Oberspree: Frlh.Reuter.Abend. Nord. kreis! Kruppenheim de» Z'ezirtsami» Wcddina, öchönlledtllr. 1, Miirz.Erinne» rungen. Desichiigunaen: Vormiiioa« Iii Uhr Aonsumgenossenschaft Berlin, Berlin-Lichienderg, Rittergulftr. Iii»v. Ingendgruppe dea gd«. Morgen, Montag, 1H Uhr, finden folgende Ber. anslallungcn slalt: Bezirl SUdost Treplow! Jugendheim ReicheNdergcr Slr. Wt, Liederabend. Bezirk Aordrn' Jugendheim Eainle Danziaer Slr. 2l>, Vortrag: „Dir Ausgaben der freigewerklchasilichen Iuqend." lSschdach.) Zenträlnerdand der Bagesrellte». Ortsgruppe ZLrog-Berlin, tzachgruope Behörden. MUgliederoersamniluna mit Wösten. Montag, 21. Miin, 7!o Uhr, Musiter-ssestsöle, Kaiser. Wilhelm. e?tr. Zl. Tagesordnung:„Da» Arbeitslosen» Bersscherungsgeseh." Neferent Kollege Dr. Croner. Sattler-, Tapezierer- und PortesenILrr.Vrrband. Reiseartlkcl.»nd Psrte. fcuillcsbranchc. Montag, 7 Uhr, Vranchcnoersaiiiinlung bot Borler, Wrberstr. 17. Bericht von de» Lohnverhandlunge». tzutrltt nur gegen Vcrbandsausweis. Jeder Vetrteb muß vollzöhltg nertreten sein. AsA-Belsisier tund Oiellvertreterl der«erwaltungoausichlige der Bezirk»- Arbeitsnachweise! Moniag. 7 Uhr, Zusammenkunft im Nalen Saal des Ze». tralverbondes der Bngellelllen,/ SW Ilt, Belle.Alliouce.Etr."llllll. Tages. ordiumg:„Das ksmmrnde Arbeitslosenrerstcherungsaeseh und die Ardelt in de» Bezirksarhelisnachweisen." Referent Stadtrat Fabiunke tWedbings. Achtung. Zimmerer! Wir gebe» hiermit«ochmais solgeudes bekannt: Dieeistag. 7 Uhr. bei Kube. Dresdener Llr. A>, lsunktionäikonserenz. Alle Bezlrkslrilungc» nlltgrtl verlretrn fein. Die Vezirksnersammlunge» stndrn t» der Zeit vom �Mittwoch, dem 2Z.. bi» Freilag, dem 2l>. Mör.,. statt. Bezirks li lagt Mittwoch, 21. Mörz, 7 Uhr, bei Neusner, Äagelderger Str. Zlt». und Bezirk 2g»m h tlhr bei Will, Schöneberg, Martin-Lulher-Str.(W. Donnerstag, 24. Mälz, lagt der Bezirk 2n. 7 Uhr, bei Nagun, Erl- Ecke Donanstrahe. Freilag. 2.1. Mörz, 7 Uhr. Bezirk l bei Rott. Stragmannstr. 2g: Bezirk 10 vci Starr. Bredowstr. II, und Bezirk Ist bei Glirsche, Kapenhagcner Str. 74. Deutscher Bekleidung» Arbeiter-Verband, Filiale Veelin. Dienstag, 7k> Uhr, Mltg'ledcrverfammlung in drn Restdcnz.FestiölrN, Lanbsbcrger Str. gl, kllr olle in der Herrenkontcktion Befchöktigte» sowie Zuschneider und Zu, schnriderinnc». Tagrsordnung: 1. Iahrrsberichl. 2. Wahl der Branchen. komniilsion. t. Wahl dea Branchcnleiters. 4. Wahl der Delcaierlen zur '.'o.. stasf. m» kurzer o. cr langer Hose, i»»ach Ou Ii äi lstr l-jönrig« g 24.-. 21, 17 50. 14 50 12-.O.— f. grbh eno tn, SchulanM (täfhqcn ßtofti »röste 7 9, nuc 4 C 30 flfligcn S losten. 19.50 13-, 10. Spottanzüge schma<0>.dera>b.ZZ...Z0.-.27- 24-, ii»— 8«ßbcnulftet�Ä«o Quaiiwieti. 21.—, ll-. 15.-, lt.— Knavea codenvelerivene; Imprägnier,........ von U 30 an ou« g 73 30 Knaben-codentiiüniet n NU« lMpragn. SMchlonen»NN Ick. KnahenGummimSvtet«« au« guten Stoffen verarv. vo> 1. 1. Kliabeu-WinS ecken lmvrögn Stosten.»röste 7 u S Knaden-Leibchenhoftn« arm gezwirntem nomcsou» von 1» an Ünoben-Schuti'iofeu,- »röste 7, 12........ von ck. o Kvabell-Marchefler felüchentjoien®tB6e"»on 2.? 1 Berlin M 4Lss£ Chattsseesir. bmuhqc ntechaltung unö ANissen Settage ües vorwärts Illustrierte Zeugenaussage. .E, waren ganz gewöhnliche Zwilorbeitrr... allerding» holten wir ihnen Uniformen gegeben... und da fie doch Waffen reinigten, muhten sie mit dem Gewehr umgehen tönneu... und damit sie dabei keinen Schaden nahmen, und einfachheit»halb«r den Rest der und um zu zeigen, dah sie militärisch kriegten sie einen Stahlhelm verpoht... seldmarschmähigen Zluirüstung.... nichts leisteten, üblen sie Sturmangriff... aber Solöaten waren öas ganz gewiß nicht! i» Sonntag 20. März 1927 Papa Kollers Rückstanö. von Eugen ZNolnar. (Ueberfetzung aus dem Ungarischen von Morus Mezei.) Dohlgelaunt betrat der Gefängnlsbeamt« die Kanzlet. Di« frische Morgenluft hat sein« Wangen gerötet, als er den weiten Hof durchschreiten mußte, von wo aus«in« kurze Treppe In die in Keller- raumlichkeiten untergebrachte Schreibstube führte. Er rieb sich die Hände und nickt« den Schreibern ini Slräflingsgewand« freundlich zu. Dies« hatten sich der Reihe nach von ihren Sitzen erhoben: die grünlichen Flammen der dopnclamugen Gaslampe, di« an einer weißgetünchten Stange herabhing, verliehen den abgehärmten, sah. len Gesuhiern einen unhemilichen Glanz. Es war das sog«nannt« „besiere, das intelligentere Cl«ment, das hier an den schier endlosen Kolonnen und Rubriken arbeitete. Die hagere Gestalt mit dein herabhängenden Schnurrbart, ein entgleister Advokat, gilt als die Zierde des Schreibheeres. Neben ihm ein rundliches Männchen mit beginnender Glatze, aber noch hinreichender Muskelreserve, die er sich in der Außenwelt aufzuspeichern gewußt Hot: er ist Hccreslie. ferant, der nun eine lange, schwere Kerkerhaft abbüßen soll. Der Vogelkopf hier mit den blinzelnden Augen war in seinen befferen Tagen Hilfsnotar: öffentliche Gelder waren in seinen Händen kleben geblieben. Und dort in der Ecke kauert demutsvoll, die Nase in den altmodischen Kneifer gezwängt, Papa Koller. An ihn richtet der Beamte zuerst das Wort: „Also heute soll die Entscheidung fallen. Vertrauen Sie in die Gerechtigkeit, Kollcrchen?' „Der Oberst« Gerichtshof ist weise," lautet die kaum oernehm- bare Antwort der gebeugten Gestalt,„in ihn setze ich alle Hoffnung." Di« Schreiber sitzen wieder: nur der Ex-Advokat tritt an den Beamten heran, legt ihm verschiedene Aktenstücke vor und macht sich mit devoten Bücklingen um ihn herum zu schassen. Dabei läßt er sich die Gelegenheit nicht entgehen, ihin ins Ohr zu flüstern: „Ich werde die Wiederaufnahme des Prozesses betreiben.... jawohl.... das ist mein endgültiger Entschluß. Meine Unschuld muß an den Tag." Der Beamte zuckte gleichgültig die Achsel, wie der Ladenlnhaber, wenn er zum hundertsten Male befragt wird, warum alles so teuer sei. Hörte doch unser biederer Gesäiignisbeamte sein ganzes Leben lang nichts als sortwährendc Unschuldsbeteuerungen. Das groß« gelbe Haus barg überhaupt nur„Unschuldige" in seinen Mauern. In jungen Iahren, da konnten diese vertraulichen Bekenntnisse noch fein Herz bewegen. Damals brachte er in seinem Gcoechtigkeits- gefllhl diesen seelischen Ergüsicn der Strafhausinsassen eine Achtung enlgegen, wie sie etwa das Sakrament der Beichte einflößt. Er empfand diese Offenbarungen wie eine Anklag« gegen eine selbst- süchtige Gesellschaftsordnung, und er selbst, ein freier Mann, suhlte sich als solcher schuldbewußt. Ein gewisser Ehrgeiz spornte Ihn on, seinen Forscherblick in die tiefen Gründe ungeklärter Geheimnisse zu lenken, die ungerecht Erniedrigten wollte er wieder ausrichten. Doch mit den Jahren begann der edle Elser allmählich zu erlahmen. Es brach sich die Erkenntnis Bahn, daß die Lüge jener Strohhalm ist, an dem der mit dein Untergang Kämpsend« sich verzweifelnd klammert, denn als letzte Zuflucht bleibt ihm das Betäubungsmittel der Phantasie, die ihm Trugbilder vorgaukelt, mit denen er auch andere täuschen zu können glaubt. > Lauernden Blickes verfolgte die traurige Schreiberschar das Gc. haben des für seine Sache plädierenden Rechtsanwaltes. Rlir Papa Koller ließ sich in seiner Arbeit nicht stören und wenn sich sein Gc. ficht verzog, s» war das wegen eines Rechenfehlers, dem er auf die Spur zu kommen hatte. Er hatte den Zwicker aufgesetzt und schien über etwas nachzusinnen, während au« der Fern««in dumpfe» Geräusch,'wie etwa das Raffeln eines Bauernwagens, an sein Ohr drang. Zehn Monate sind es her, daß er, wenn auch seine Unge- duld meisternd, den berauschenden Augenblick der wiedererlangten Freiheit herbei s«hnt«, und noch niemals in diesen zehn Monaten hat «r in so schrillen Tönen den lockenden Ruf des Lebens vernommen. wie jetzt. Cr horchte. Näher und näher schien das knarrende und rasselnde Geräusch zu kommen. Schon konnte man ganz deutlich Pferdegetrampel und Peitschenknall lziüerscheideit� Mauern und Fenster zitterten, und es war, als würde eine Stimme sich vor- nehmen lassen: „Hier draußen pulsiert das freie Leben, hier draußen harren euer Weib und Kind, Arbeit und neue Pflichten. Menschen, ersaßt ihr den Sinn dieser Worte? Erschauert nicht eure Scele bei dem Gedanken an all das. womit Ihr euch einst wohlseile Genüsse erkaust habt? Wißt ihr nun das Katzengold der Sünde richtig einzU- schätzen? Wahrhaftig, es ist keinen Psifserling wert." Der Wagen hält vor den Fenstern. Die verschwommenen Um- risse einer schwarzgekleideten Fraucngestalt werden sichtbar. Müh- som arbeitet sie sich aus dem Baucrnwagen heraus. Der Pförtner erkennt sie Es ist Papa Kollers Gemahlin: zu Fuß hat sie die Stadt verlassen uild unterwegs ein Bauerngefährt angehalten, um. in ihre Schleier und Tücher gehüllt, sich neugierigen Blicken ent- ziehend, den Kalvartcnweg zurückzulegen. Die Erlaubnissormalitäten waren rasch erledigt. Auf dem düsteren Korridor, der von der Kanzlei nach dem Hauptgebäude, der Massenbehausung der Sträsling«, führt, trafen das Männlein mit dem Zwicker und di« Dam« in Schwarz zusammen: natürlich war auch der Gefängnisbeamte zugegen. Bor Müdigkeit erfchöpit. siel die Frau dem unglücklichen Gatten»m den Hals. Die Augen hinter dem Zwicker wurden feucht. Sanft ließ er die liebkosende Hand über die Lebensgefährtin gleiten, und alles, was von scjnen Lippen kam, war eine Frage nach den Kindern. Frau Koller beachtete die Frag« nicht. Wichtigeres hatte sie hierhergeführt, und sie wunderte sich, daß der Gatt« sie nicht mit den Worten empfing:„Nun, wie hat da» Oberst« Gericht entschieden?" Daß Koller nicht di«se Frage gestellt? Er stand eben noch ganz im Banne seiner Rechenaufgabe, der endlosen Ziffern der Strashausverwaitung. in die er sich mit der ganzen Hingab« de« gewissenhaften Bureaumenschen vertieft hatte, so daß er gar nicht Zeit fand, an die belanglose Bagatelle seiner Privatangelegenheiten zu denken. „Das Oberste Gericht..'." stammelte die Gattin. Jetzt erst begann Koller sich zu besinnen. Auf seinem etwa« runzeligen, aber glaitraiiertcn Gesicht malten sich die Züge quä- lendster Neugierde. Starr bohrte sich sein Blick in das Antlitz der Frau, die in dieser letzten Stunde keimender Hoffnung und drücken- der Angst gekommen war, damit sie sich gegenseitig stützten. „Unser Rechtsfreund versprach, sofort noch Dertündung des Urteile eine dringende Depesche abzuschicken," bracht« Frau Koller mühsam hervor, zwischen unterdrücktem Schluchzen und krompf- hastem Zucken der Lippen.»Spätestens um drei Uhr nachmittag» werden wir alles wisien. Bis dahin bleibe ich da. Ich weiche nicht von deiner Seite." Sie warf dem Beamten einen flehenden Blick zu. „Man könnte Sie aber inzwischen in der Wohnung mit der Depesche aufsuchen," wandte der Beamte ein. „Nein, bitte," antwortete die gebeugte Gattin,„ich ließ sie direkt hierher adressieren. Sie werden doch nicht böse sein." Papa Koller mußte zurück zur Arbeit. Die Gattin wurde in das Vorzimmer des Direktors geleitet. Jetzt, wo sie sich unbeob- achtet wußte, brach erst der zurückgehaltene Tranenstroi» hervor. Sie dachte daran, was Ihr das Leben weltsr zu bedeuten habe, wenn ewige Schande den bisher geachteten Namen verdunkeln sollt«. Wie Dolchstiche tzurchschniU es ihr das Herz, wenn sie an dos künftige Los ihrer Kinder dachte. Was soll aus Ihnen werden? Und Plötz- lich erschien ihr im Geist« das Elternhaus. Ihr Dater, wie er seine Bedenken äußerte. Leute mit fixer Besoldung, wie Koller, können leicht straucheln. Schätze sind seiner Obhut anvenraut Tie Ver- suchung Ist groß, besonders, wenn die Gattin Kleider braucht oder das Kind erkrankt Ist. Aber sie verlangte niemals mehr, als unbe- dingt notwendig war. Sie konnten so schön haushalten mit den wenigen Groschen, die einem Bahnbcamten— so»ngesöhr der neunten Rongklasse— gebührten. Koller war kein Spieler: den Trunk verschinäht« er. Bor ihr Höste er die Bestechung wohl nicht verheimlicht. Sie hätte von t«n MOS Schilling, die er sür die ge» sälschten Frachtbricsc erlzaltcn haben soll, unbedingt wissen müssen. Wie oft hatte sie das Haus durchstöbert, nirgends war eine Spur des versteckten Geldes zu finden. Ihr Gatte wurde nicht müde, vor seinen Richtern zu beteuern, daß niemals ein falsches Dokument durch seine Hände gegongen sei. Oh, sie kannte Koller. Der Mann war einer Lüge nicht fähig, und inochte er sich auch nach Wohlstand sehnen, so halte das doch nie schlechte Gedanken in ihm erweckt. In den zwanzig Iahren ihrer Ehe sollte sie ihn doch gründlich kennen gelernt haben. Nur von einem Fehler wußte sie, den er in jungen Iahren begongen. Der Direktor einer großen Mühle hatte ihm den Antrag gestellt, den Staatsdienst zu quittieren und seinem Unter- nehmen betzutreten! er brauchte einen arbeitsamen, gewissenhasten Menschen. Koller aber schlug dieses Anerbieten aus. Das Staats- brat wäre sicherer, wenn auch karger, meinte er damals. Di« Mühl« könnte ein Raub der Flammen werden, der Staat ober wäre ein immer zahlungsfähiger Arbeitgeber.... So lftß sie denn oll die vielen Erinnerungen Revue passieren: eine Reminiszenz verdrängte die ander«: es war doch manches schon gewesen in diesem grauen Beamtensamilirnleben, dos die Liebe zum Idyll verklärt hatte. Bor ihrem geistigen Auge tauchten die Kinder aus, als sie noch ganz winzig waren. Im Geiste durchdachte sie nochmals die Zukunft». plane, die sie mit ihnen vor hatte: die ältere wird Beamtin, dl« jüngste soll das Apothekergewcrbe erlernen, der Söhn aber in Papas Reich, bei der Eisenbahn. Karriere machen. Nur langsam rückt her Minutenzeiger vor. Drei Uhr nachmittag. Der Beamte legt der von Unruh« de- fallen«» Gattin nah«, daß c« am besten wäre, wenn sie schön nach .Hause ginge. Sollte die Depesche später eintressen, so würde er sie schon übernehmen«nd den Gatten vom.Inhalt verständigen. E» war fast 4 llhr, als grau Koller, matten Blickes, zitternd das düstere Haus verließ. In später Abendstunde wurde ungestüm an der Hausglocke gerüttelt. Das Telegramm? Nein, der Hcrv Rechtsanwast war es selbst, der au» der Hauptstadt kam, ihr die Freudenbotschaft zu überbringen. „Triumph." rief er schon Im Vorzimmer der ihm«nlgegenetlen- den Frau Koller zu.„Freispruch. Ballständige Rehabilitierung. Gnädige Frau, ich bin glücklich, Sie beglückwünschen zu können." Di« Frau griff sich an» Herz. Sie wurde von Weintrampf be- sollen. Dann brach sie aber in ein krampshoftc» Lachen au» und stürzte zu den Kindern. „Papa ist srei!" rief sie..,t£» gibt eine göttliche Gerechtigkeit." In stiller Andacht waren die Kinder auf die Knie gesunken: über dir Wangen de» größeren Mädchen» rannen einige heiße Tränen. Und Papa Koller? Im Fieberschauer der Unruhe wälzte er sich auf seinem harten Lager. Wußte er, daß Friede und Glück- seligkeit eingekehrt waren dort, wo zehn Monat» hindurch Sorge und Derzweiflung gehaust haben? Nein, Papa Koller wußte von alledem nichts. Cr schlief seinen ruhigen, regelmäßigen, träum- losen Schlaf. Wovon hätte er auch träumen sollen? Morgen ist wieder ein Tag. ein Tag der Arbeit, wie gestern. Frühmorgens hielt ein Mietwagen vor den Gefängnispforten, Frau Koller entstieg ihm, ihr Schritt war elastisch, ein Lächeln spielte um ihre Lippen. Sie hatte den besten Hut aufgesetzt, deii sie bloß bei besonderen Gelegenheiten zu tragen pflegte: den Schleier hatte sie nicht angelegt. Triumphierend schwang sie das Morgen- blast. Der Gesängnisbeamte eilte ihr> entgegen.' � „Wir wissen schon," sagte er glückstrahlend. Papa Koller erhob sich aus seinem Winkel, eilte aus die Gattin z». drückt« sie stumn, an seine Brust. Dann aber gewann in ihm der Pslichtmensch die Oberhand. „Nimm es mir nicht übel, bitte," entschuldigte er sich stam- melnd,„es sind noch viele Rückstände aufzuarbeiten. Punkt zwölf Uhr bin ich zu Haus«." Verblüfsung malt« sich in den Zügen des Beamien. Er sprach kein Wort, so tief hatte c» ihn crgrissen. Er fühlte sich zurück- verseht In die jungen Jahr«, da er den Unschuldsbeteueriingen noch zugänglich war, an das Gute im Menschen noch glauben konnte. Di« Gattin blickte verständnislos bald Koller und bald den Be- amten an und dachte, daß es wohl so recht sein müsse: Koller wüß!« schon, was er tut. Sie nahmen freudig Abschied. Da» Kollersche Haus war in den Nachmittagsstundcn ein Wall- fahrtsort der zahlreichen- Freund« und Verwandten. Laut ging es wieder dort zu, wo zehn Monat« lang sich selbst der Beltl«r nicht blicken ließ. Auch Kollers Borgesctztcr»wr erschienen. „Ich bin wirklich glücklich," sagte er,„ich Hab- auch keinen Augenblick an dem Siege der Gerechtigkeit gezweifelt. Also morgen nehmen Sie wieder Jbren alten Platz ein." Koller richtete sich seinen Zwicker zurecht. „Jawohl, Herr Chef, nur möchie ich um etwa» Nachsicht bitten; etwa für dir Dauer einer Woche. „Ach, das versteht sich ja von selbst. Die seelische Erschütterung, die Leiden..." ..... denn," fuhr Koller ruhigen Tones fort,»von 7 bis !) Uhr morgens möchte Ich die Rückstände aufarbeiten, di« auf meinen, letzlen Posten noch der Erledigung harren. Herr Chef werden begreifen. Der Gefängnisbeamte meint, ich allein wäre imstande, diese Arbeit z» verrichten. Und mein Gewissen fände keine Ruhe, bevor ich das nicht in Ordnung gebracht habe. Herr Chef belieben mich zu verstehen?" Die Sonne wagt« sich aus den Wolken nicht hervor, als sürckteie sie, in ein Gelächter auszubrechen. Der Blick des Ehefs weist« lang« auf dem Antlitz Kollers. Und als er diese» puritanische Haus verließ, machte er eine tiefe Verbeugung. Spanische Straße. Von Armin T. Wegner. Sevilla, im März. Straßensinfvnie. Um S Uhr morgens unter einem flammend gelben Himmel weckt mich da» Geschrei einer keifenden Frau. Es ist die Stimme eines Papageien, der böse und zänkisch in die erwachende Gasse schimpft. (Natürlich spricht er spanisch.) Jetzt beginnt eine Katze zu miauen, ein Esel schreit melanchalisch, als beweinte er den Untergang der Welt. Sa bebt bis tief in die Nacht mit tausendfachen Geräuschen der Mund der Gasse zu singen an, dessen Lied in allen Städten Andalusien« da» gleich« ist. Ein Scherenschleifer verkündet mit hellem Pfeifentriller sein Nahen, zwei bettelnd« Musikanlen zupfen die Mandoline. y boras! Afiruat. Aftua frejca! Qu« bucnos mclrmcR como alniihar!"(Seemuscheln! Walser! Frisches Wasser! Gute Melonen, süß wie Honig!) ertönen die Ruse der Straßenverkäufer. Unter der Tür meine» Hauses küßt eine Mutter ihr Kind nach andalusischcr Art so lange und heslig, daß es wie da» Zwitschern von Vögeln klingt. Eine männliche Stimme beginnt sich laut und ausgiebig zu räuspern: dieser Ton in dem Konzert der andalusischen Straßensinfonic darf nicht fehlen. Es gibt andere Südländer, die spucken: aber sie tun es nicht mit der gleichen Abscheulichkeit, elefantcnhaft laut und wie vor dem Ausbruch einer Seekrankheit. Um 7 Uhr abends ist die Stunde der mechanischen Klaviere gekommen.. Um 10 Uhr kräht zum ersten Male der Hahn, was er bis Mitternacht ununterbrochen fortsetzt. Offenbar hat er die Gewohnheiten seiner andalusiscken Landsleute angenommen, die erst um diese Zeit ihren Tageslauf beginnen. Der Schleier Arabiens. „Drei kostbare Vermächtnisse haben uns die Araber hinterlassen," sagt ein spanischer Dichter,„die schwarzäugigen Schönen, die Palmen und die klassische Mantilla, den andalusischen Schleier." Einst dazu bestimmt, als Frauenmantel das Gesicht nach den Geboten des Islams bis an die Augen zu verhüllen, ist er im Wandel der Zeiten zu einem reinen Schmuckstück geworden. Aber nicht nur in der Mantilla �eigt sich das starke Nachwirken arabischer Einflüsse im Lande. Das ganze Leben der Frau, die säst nie mit dem Manne gemeinsam ausgeht, mit ihrem geringen Bildungsgrad« ausschließlich auf die Häuslichkeit beschränkt, erinnert noch heute an das Ge- fangenenleben des Harems. Die Fenster der Häuser sind wie in den maurischen Städten mit Gittern versehen, di« großen eisernen, nach innen offenen Käfigen gleichen. Die Räume liegen um einen großen sontiengeschiitzten Hof, so daß sich daS'tzanze Leben des Hauses nach innen richtet. In die Höfe(Patios) kann man von der vtraße aus durch das Eingangsgitter hineinsehen. Der Fußboden der Bor- nehmen ist mit Marmor getäfelt, die Wände sind mit Kacheln belegt. Zwischen Palmen und der bunten Stickerei der Blumen steht die weiße Säule eines Springbrunnens wie ein schmaler silberner Faden. An Arabien erinnern auch dl« engen Gassen dieser Städte, die flachen Dächer der Häuser, arabisch sind die Bewässerungskanäle des Landes, seine Lieder, Tänze, tntten und Gebräuche, die Mosaik- orbest seiner Schmuckstücke, seine Schimpfworte und Gebärden, sowie die Zubereitung seiner Speisen in vielen kleinen Gerichten. Selbst die Pflanzenwelt Andalusiens ist arabisch-afrikanisch. Perberfeigen, Reis, Maulbeerbäume führten die Mauren ein und in Elche besitzt diese Provinz einen Palmenwald, wie man sie in gleicher Aus- dehnung nur an den Ufern des Tigris findet. Am stärksten spricht die Bedeutung der arabischen Kultur naturgemäß aus den Baudenk- mälern jener Zeit, dem vielhundertstämmigen Säulenwalds der Kathedrale von Cordoba, oder aus der Giralda, dem einstigen Gebet- tunne Sevillas, lieber allen Menschen und Dingen des Landes liegt jene geheimnisvolle Mantilla ausgebreitet, der Schleier Arabiens, durch den das christlsich-europäifche Spanien seltsam ver- wandelt und mit verführerischem Lächeln hindurchblickt. Müßiggänger und Zigeuner. Womit beschäftigt sich der Andalusier? Reisende behaupten bos- Haft, daß es nur zwei Berufsstände in Andalusien gibt: Leute, die Schuhe putzen und solche, die sie sich putzen lassen. Aber zum mindesten die Tätigkeit des Losverkäufers, des Fremdenführers, der Bettler und Zigeuner erfreuen sich nicht geringerer Beliebtheit. Gibt es etwas Angenehmeres, als zwischen den Tischen der Kaffeehäuser ' hlendernd Lotterielose zu verkaufen, die überall guten Absatz finden, weil jeder bessere Bürger in Andalusien es für unter seiner Würde hält, auf andere Art Geld zu verdienen als ohne Arbeit? Fragt man ein junges Mädchen nach seiner Tätigkeit, so erhält man in der Regel die Antwort:„Ich gehe spazieren." Besonders auf den Bahnhöfen der kleinen Städte versammeln sich zu einer täglichen Promenade weibliche und männliche Jugend, Verkäufer und Nichts- wer belagern neugierig eine Viertelstunde den durchfahrenden Zug, bis nach dem umständlichen Läuten der Glocke der kleine Bahnhof inmitten der weiten Ebene wieder in Schweigen versinkt. Die„Gitanos", die Zigeuner, sind im Wahrsagen, Betteln, Stehlen vollendete Meister. Ihre Zahl in Spanien wird aus über <0 000 geschätzt: kn manchen Städten wie in Granada hoben sie ihre eigenen Stadtviertel. Gleich Kaninchenlöchern ziehen sich ihre Höhlenwohnungen, die in den weichen Felsen gegraben sind, die Hänge des„Monte Sacra" hinauf. Von Kaktushccken überwuchert, gleicht der Berg von weitem eher einem verwilderten Hügel als einer bewohnten Stadt. Die Wände im Innern der Höhlen sind sauber und weiß getüncht und der Neuzeit entsprechend— elektrisch beleuchtet. Blankgeputzte kupferne Pfannen hängen an der Wölbung, unter der eine angenehme Kühle herrscht. Jetzt tritt aus dem grellen Sonnenlicht, die Kastagnetten schlagend, eine junge Zigeuner herein. Langsam beginnt sie mit erhobenen Armen die Seoillana zu tanzen, die geschmeidigen Glieder dehnend wie eine Katze. Ihre Blicke fallen wie gezückte Dolche über uns her. Das rote Büschel Mohnblumen in ihrem ijaar tanzt über ihrem Haupte wie eine kleine züngelnde Flamme.' Die Liebe Gottes. Hörst du die Seele des mechanischen Klaviers donnern? Hörst du das Tamburin, die Gitarre? Es ist 10 Uhr abends, die Stunde des höchsten Lebens in Sevilla. In der Verlängerung der„Sterpes", der belebtesten Promenade, die wie die Gassen Venedigs für Wagen- verkehr verboten ist, durchschneidet die„Lalle �nivr cke Oios" die Stadt, die„Straße der Liebe Gottes". Aber es ist eine sehr weit- liche Liebe, denn an ihr liegen die meisten Singspiel-Cafes(cske cantante), Tanzbühnen und öffentliche Ballsäle, weltlich, wie Gott nur in Spanien sein kann, wo bei aller geistigen Unduldsamkeit der Kirche Maskenscherze und Stierkämpsc die religiösen Feiertage erfüllen, Priester im Ornat auf den Redaktionsstühlen der Zeitungen sitzen und in Männergesellsthoft beim Wein heitere Gassenlieder fingen.„O Jüngling," sagt ein Spruch,„was bist du für ein Tänzer, tanzend gehst du zur Hölle." In bunten Pfützen glänzt das rote Licht auf dem Pflaster. Für den Preis eines Glases Kaffee kannst du drei Stunden lang den Fandango oder die Seoillana ge- nießen. Weder bei den meisterhaft geschulten Tänzerinnen in den Theatern Madrids noch bei den Zige-ern von Granada habe ich das gleiche Feuer, die gleiche Ursprünglichkeit gefunden wie hier. Mit seinen aufregenden Verdrehungen, die alle Elemente des arabischen Bauchtanzes enthalten, verrät der Tanz aus jeder Be- wegung seinen orientalischen Ursprung. Es gibt keinen Tanz der Erde, der ihm an erotischem Reiz gleichkonunt.„/mda hija! Viva la gracia! Viva tu mare!" ertönen die Schreie. Die Bühne ist von Zigarettendampf umwogt. Hände klatschen mein- ander. Stöcke rammen sich in den Boden im Takt des Zigeuner- rhythmus. Eine junge Tänzerin im Faltenrock tritt nach vorn. Die Hände, die sich über ihr wie erschrockene Scblangen bewegen, scheinen irgend etwas aus der Luft zu greisen. Zitternd hebt und senkt sie sich wie der Wassersall einer Fontäne: man fühlt, sie würde zu Boden stürzen, schwiege plötzlich die Musik. Eine k�ine dämonische Gestalt folgt ihr, gleich einer Panterkatze aus dem Winkel schnellend. Einen Augenblick kauert �je zwerghaft auf der Erde, nur mit den Schultern zuckend, springt$on neuem in die Höhe, die Haare fallen ihr in die Stirn, die Blumen vom Kopfe, mit wildem Schrei stürzt sie auf die Erde, sich mit der Hand bald an die Stirn, bald auf den Boden schlagend, daß der Staub wirbelt. Ihre Schultern entblößen sich, ihre Hände zucken von Fieber geschüttelt, als wollte sie sich wie rasend den Kopf, alle Kleider vom Leibe reißen, in dem Ausbruch eines �plötzlickien und vollkommenen Wahn- sinns und bricht erschöpft unter dem Schweigen der Musik zusammen. Junge Männer trommeln auf ihre Strohhüte wie mit Kastagnetten den Text weiter. Zurufe, Schreie, Mützenwerfen. Keuchend erhebi sich die Tänzerin und mit blitzenden Augen, den Hut eines ihrer Verehrer schief auf dem Kopf, beginnt sie den Tanz ihrer zügellosen Ekstase von neuem. Retorüleistungen von pflanzen. In den Tropen gibt es Pflanzen, die an Größe und Schnelligkeit des Wuchses alle Vorstellungen übertreffen, die wir uns von den Leistungen einer Pflanze machen. Solche Rekordleistungen stellt B. Voigtländer in der Leipziger„Illustrierten Zeitung" zusammen. Das bekannteste Beispiel ist die größte Wasserrose der Welt, die Victoria regia. Ihr Samenkorn ist nicht größer als das der Erbse, und ihre ersten Blättchen lassen nicht ahnen, daß die voll ausgewachsenen Blätter im Laufe von einer Woche einen Durchmesser von 2— 2,5 Meter erreichen Eine Pflanze, die ungefähr Mitte Juni das erste vollgroße Blatt zeigt und dann bis Ende Oktober wöchentlich regelmäßig ein Blatt erzeugt, bringt 25 Blätter mit über 100 Quadrat. meter Fläche hervor, entfaltet also eine Kraft des Wuchses, die von keiner anderen Pflanze auch nur annähernd erreicht wird. Ein einzelnes Blatt kann eine Last bis zu zwei Zentnern tragen. Auch die Hervorbringung der regelmäßig alle drei bis vier Tage erscheinen- den Blüten von Kindskopfgröße erfordert eine gewallige Kraft- anftrengung. Während bei unseren Pflanzen das Flächenwachstum aufhört, sobald Frucht oder Same gebildet wird, bringt die Victoria regia trotz der Samenbildung noch unaufhörlich Blätter und Blüten hervor. Als die größte Blume der Welt kann man die Schlingpflanze.AristolocKia gigas bezeichnen, von der es-etwa 200 verschiedene Arten gibt. Dieses bizarre Gewächs schlingt sich binnen einiger Wochen 30 bis 40 Meter hoch um die Urwaldriesen. Bei uns, wo eine solche Pflanze im Gewächshaus gleichsam„im Ge- fängnis" sitzt, ist ihr Wachstum natürlich beschränkter, aber ckuch hier bedeckt sie binnen kurzer Zeit einen Platz von 10, Quadratmeter. Außer dieser Rekordleistung im Wachstum weist �ristolochia riefen» hafte Blumen auf, di« so fchnell wieder vergehen, wie sie entstehen: sie sind nur ein bis zwei Tage vollerblüht, und die pelikanschnabel- förmige Form der Knospen verwandell sich dann in ein riesenhaftes Elefantenohr, weshalb die Engländer die Blume„üllepbant's ear" nennen. Andere riesenhafte Schnellwachser der Tropen sind die Bombusongräser, die binnen fünf bis sechs Wochen 15 bis 20 Meter lange armstarke Triebe erzeugen. Auch der neuseeländische Flachs zeigt ein erstaunliches Wachstum, besonders wenn man berücksichtigt, daß seine Blätter so außerordentlich fest sind, daß sie zu Schiffs- tauen verwendet werden. Eine Universität für Papageien. In der amerikanischen Stadt Brownsville im Staate Texas besteht seit einiger Zeit eine Papa- geien-Unioersität, die in großer Blüte ist. Die jungen Papageien kommen nach ihrer Ankunft zunächst in den sogenannten Kinder- garten; von dort aus werden sie, je nach den Talenten, die sie ent- wickeln, in die höheren Klassen versetzt. Neben einem allgemeinen Unterricht in den gebräuchlichsten Redewendungen eines wohlerzo- genen Papageien erhalten einzelne von ihneu auch Sonderlektionen in fremden Sprachen, wobei die Bedürfnisse des Publikums aus den einlaufenden Bestellungen sorgfältig berücksichtigt werden. Am stärksten ist die Nachfrage, abgesehen von den Vereinigten Staaten selbst, aus Südamerika, wo Papageien mit guten spanischen Kennt- nissen gewünscht werden. Hundertjahrfeier der Ziehharmonika. Das französische Städtchen Brioe-la-Gaillarde feiert tn diesen Tagen das Jubiläum der Zieh- Harmonika, die bei der Bevölkerung dieser Gegend das beliebteste Instrument ist. Ein Guitarrenfabrikant namens Damiamjoll vor 100 Jahren die Ziehharmonika erfunden haben, und man will nun einen großen Wettstreit zwischen den Ziehharnionikaspiclern Frank- reichs zu Ehren dieses Gedenktages veranstalten. 'Juwr�f o» Oeni WO« 0 stratz« t?.__' «eachtenowert! Deutsche» Teppichhaus Emil Lefdvre seit 1882 nur Oranien ltratze 1S8. Keinerlei Beziehungen zur Firma gleichen Namen» Potsdamer. ltratze_______' Taselwage«, Dezimalwagen, Gewichte b eiswert. Georg Wagner, Köpenicker. iah« nur 71, Hof. Kein Laden, dafür illigere Preis«. Klappsportwagen, Kinderwagen, Me. tallbetten mit Polsterauflage 18�0, Ruhebetten, Kinderbetten. Riesenaus- wähl. Ratenzahlung. Spezialgeschäft, Schönhauser Allee ö, Schönhauser Tor.* Abessiuierpumpen, Spritzpüinpen, Er. satzteile, Erdbohrer. Ilebernehme aus Wunsch Aufstellung. Wolfs. Pumpen. fabrik, Gartenstraße 78. Humboldt 8340. Teppiche, Läuserslosfe, Tischdecken, Diwandecken, Brücken, auch oinzelne Teppiche mit klemen Fehlern. 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