) Abendausgabe Nr. 757 � 44. Jahrgang /lusgabe B Nr. HS ©MttssStifngumwn anb �ftyttäfnprcif« fini) in der Worzenausgade angegeben Sebaf f Ion: Zw. LS, cindenstrabe 3 Zernfpeccher> VSnhoN 202- 292 Xcl.-ttbccffe: SejialScmofcat SecliB Derlinev VolksblÄtt (lO Pfennig) Dienstag 22. März 1�27 «erlaz und«nieiidnadttlluir« «-sch«ft-,ett«>» bis i Übt Bcrtegcc: Oacnätle-Oetlag Gindh. Berlin SB» 68, Cin»en|tca{|e S Zemsprecher» CSnftaff 282-292 Zcntralorgan der Sozialdemokrat» fehen parte! Deutfchlands Die Chinesen in öer Kremöenstaöt. . Truppen beider Richtungen dringen in Schanghai ein.— Die Engländer schießen. Stratzenkämpfe im Gange. Schanghai. 22. März.(Reuter.) Itordtruppen. deren Zahl aus mehrere hundert geschätzt wird, habe« die Dcahtocrhavc des nördlichen Teils der internationalen Rieder- lassung durchbrochen und sind durch Seitengassen, die nur schwach von den britischen Streitkräften besetzt waren, ein- gedrungen. Straßentämpfe im Sange. L o n do n, 22. März.(MTB.)„Evcning Standard" berichtet aus Schanghai, dah nach einer die ganze Rächt andauernden Schreckensherrschaft in der Eingeborenenstadl, während deren zahlreiche chinesische Soldaten und Zivilisten getötet und verwundet wurden, die Lage heute rasch einer Srisis zutreibt. Die Kanlonesen und die Rordtruppen versuchten mehrmals in die internationalen Rie- derlajsuugen einzudringen, und die brili- scheu Streitkräfte, die die befestigten Ausgänge der Sonzesfion verteidigten, waren gezwungen zu feuern. Die Verluste der Ausländer betragen, soweit bisher be- kaanl ist. drei Engländer gelötet, vierzehn verwundet, ein Japaner und ein Portugiese verwundet. Santonesische Truppen umzingelten einen britischen Panzerwagen und verwundeten die Mannschaft; es gelang Im Reichstag begann heute, t Uhr nachmittags, die A e- ratung des Etats des Auswärtigen Amtes. Haus und Tribünen waren stark besetzt. In der Diplomatenlage sah man u. a. den amerikanischen Botschafter S h u r m a n. Gleich nach Beginn der Sitzung nahm der Außenminister Dr. Streseman.. das Wort, um seinen Etat zu begründen. Er beschästigte sich zu- nächst mit Einzelheiten und wandte sich sehr lebhaft gegen Berliner Durchbruchsplän«, bei denen das Haus des Ausnärtigen Amtes in Mitleidenschast gezogen werden könnte. Dann spricht er von der Notwendigkeit, die Auslandsvertretungen auch autzcrhalb Europas wieder wie vor dem Kriege auszubauen, heut« s«i nur die Hälfte dessen, was wir vor dem Kriege hatten, vorhanden. Auch müsie jetzt die diplomatische Karriere auch vermögenslosen Personlich- keiten eröffnet werden. Das olles koste Geld. Zahl« man zu schlecht« Gehälter, so wanderten die besten Kräfte in die Privatwirtschaft ob. Dann erst ging Stresemann zur auswärtigen Lage über. Er kündigte an. datz er drei Komplexe besprechen wolle: die Borgänge im fernen Osten, das Verhältnis zwischen ./Rußland und England und das zwischeii Italien und 'Jugoslawien. Was das letzter« betreff«, sei von den alarmierenden Aiiliellun- gen der Presse viel abzuschreiben. Er glaub« nicht an eine akute Gefahr und gründet seinen Optimismus besonders auf die Mit- tciiungen, die die italienische Regierung in Berlin gemacht habe. Der Wille. Europa den Frieden zu erhalten, sei überaus stark und ein Frledensbruch würde Verurteilung durch die ganze Welt ersahren. Dennoch sei die Lage von einer endgültigen Konsolidierung noch sehr weit entseryt. Die Deutfchnationalen in üer Klemme. Tchluh der Generaldebatte über die Zlufwcrtung. Am Dienstag vormittag führte der Rechtsausschuß des Reichstags die allgemeine Debatte über die Aufwer- t u n g s f r a g e n zu Ende. Nach der sachlichen Seite trat in der Haltung der Regierungsparteien, die bekanntlich dahin geht, daß sie grundsätzlich am gellenden Auswermngsrecht nicht rütteln wollen, keine A endet ung ein. Parteipolitisch war ober von besonderen Interesse das Bemühen sowohl der Redner der Deutschen Volkspartei, als auch der Deutsch- nationalen. alle Schuld an der Erregung der Sparer und Gläubiger von sich abzuwälzen. Der Volksparteiler wunderlich sprach wieder einmal von der Hetze, die in den Sparerkreiscn betrieben würde und der deutsch- nationale Dr. Radcmacher suchte zu beweisen, daß seine Partei nicht mehr versprochen habe, als was erfüllt sei. Diesen Darstellungen gegenüber verwies Abg. keil(Soz.) aus di« verantwortungslose Agitation, die vor den letzten Wahlen von dm Deutschnationalen betrieben und bis in die letzten Tage vor ihrem zweiten Eintritt in die Regienmg sortgesetzt wurde, der Mannschaft zu enlkommen unter Zurücklastung des Panzerwagens, den Polizei und Militär wieder in Besitz zu bekommen sich bemühen. Die Konfliktsgefahr in Schanghai. Die amerikanischen Truppen in das Fremdenviertel zurückgezogen. London, 22. März.(Eigener Drahtb«richt.) Am Montag nach- mittag sind in Schanghai neu« amerikanische Truppe» gelandet worden. Die Truppen marschierten in Eilmärschen durch die internationale Niederlassung und verschanzten sich dann zum Teil in der Ehincsenstadt, zum Teil im freiem Gelände in leichten Feldstellungen. Erst nach«inem Protest des internationalen Konsularkorps in Schanghai an die amerikanische Regierung wurden die Truppen zurückgezog«», und zwar mit der Order, die von den internationalen Behörden gegenüber der Ehinesenstadt gezogene Demarkationslinie nicht zu überschreiten. Im übrigen haben die Kämpfe in der Eingeborenen st adt zwischen Trupp«» und bewaffneren Zivilisten, die bereits an ein- zelnen Stellen der Stadt am Montag nachmlltog begannen, sich nicht weiter ausgedehnt. Auf Grund der hier vorliegenden Mel- düngen ist anzunehmen, daß die Südarmee völlig Herr d e r L a g« ist. Die an verschiedenen Punkten von Schanghai aus- gebrochenen Brände sind ebenfall» gelöscht. Auffallende Ruhe herrscht geradezu in den Ausländervierteln. An der Hand offizieller Kundgebungen der Deutsch- nationalen Partei wies unserer Redner nach, daß sich die deutsch- nationalen Wahlkandidaten durch Unterschrift liche Per- pflichtungen auf den Boden der Bestschen Forde- rungen gestellt und die sofortige Verzinsung und Teilau«- Zahlung der öffentlichen Anleihen in Gold versprochen hat. Noch im letzten herbst, unmittelbar vor ihrem Eintritt in die Regierung, hatte sie ihren Inttiativgesetzentwurf im Reichstag ein- gebracht, der den Rentnern einen Rechtsanspruch aus Ver- s o r g u n g durch das Reich zuspricht, was nach bescheidenen Schätzungen des Arbeitsministcriums z ä h r l i ch äüO Millionen erforderte. Jetzt aber bieten sie denselben Rentnern 25 Millionen Mark. Unserer Redner wandte sich schließlich auch gegen die Ab- lehnung des Volksbegehrens des Sparerbundes durch dos Kabinett Marx, Eurtius, Külz im August v. I. Die Rechtsauf- fassung. mit der diese Ablehnung begründet worden sei, führe im Endeffekt zur Unterbindung jeden Volksbegehrens. Don der württembergischcn Regierung, die im Reichsrat eine» Verbesierungsantrag zugunsten der Gläubiger eingebracht hat, erwartete der Abg. Keil, daß sie nun auch mit allem Ernst diesen Antrag dem Reichstag gegenüber vertrete und sich nicht auf eine leere Geste beschränke. Der Hießener Zememoröprozeß. Unter der Anklage des versuchten Mordes. Gießen, 22. März.(WTB.) Unter starkem Andrang des Publikums begann heute vormittag vor dem hiesigen Schwurgericht der Fememordprozeß gegen den 3lljöhrigen Ehaufseur Ernst Casimir Schwing, den 25 Jahre allen früheren Leutnant o. Solomon und den 28|ährig«n früheren Oberleutnant und ehemaligen Redakteur des Stahlhelms Friedrich Wilhelm Heinz. Alle drei stammen aus Frankfurt a. M. Zu dem Prozeß sind über 80 Zeugen geladen. Die Anklage lautet gegen Schwing und v. S a l o in o n auf Mordversuch, gegen Heinz auf Beihilfe. Nach Feststellung der Personalien verliest der Vorsitzende den Erösfnunasbeschluß. Danach haben Solomon und Schwing in der Rocht zum 5. Mai»022 in Bad Nauheim den Ober- lcutnant o. D. Wagner töten wollen, wobei Heinz Beihilfe geleistet haben soll Zuerst wird v. Solomon ver- nommen. Solomon war nach dem Kriege an den Kämpfen gegen die Kommunisten beteiligt, war in Baltikum, machte später den K a p p. P u t s ch mit und mußte wegen seiner Beteiligung daran seinen Abschied nehmen. Damals war er noch nicht lS Jahre alt.»021 ging er nach Oberschlesien und kehrte dann wieder nach Frankfurt zurück, wo er T i l l e s s e n und Kern kennenlernte. Mit Kern schloß er nähere Freundschaft. Faschistischer Kriegsstraßenbau. Der Berichterstatter der „Daily Herold" in Lugano drahtet, daß die faschistische Re° gicrung einen Vertrag geschlossen hat mit dem Mailänder Ingenieur P u r i c« l l i über den Bau strategischer Straßen an der Alpen- grenze. Er fügt hinzu, daß die italienische Regierung einen Auftrag an das haus Georg Fischer in Schafs hausen gegeben hat für eine große Anzahl von Maschinengewehren, Tanks und leichter Artillerie. ?m innersten Indien. Don Franz Josef Furtwänglor. Ragpur, Anfang März. Nagpur, die Industrie- und Universitätsstadt der Zentral- Provinzen, zählt etwa 140 000 Einwohner. Die hiesige Uni- oersität zeigt den reinen indischen Typus der Lehranstalten dieser Art, der eine konsequente Weiterentwicklung des eng- lischen Systems ist. Eine Anzahl von„Eolleges" mit hör- sälen, Internaten und Lehrerstab bilden zusammen die Uni- versität, wie in Oxford und Cambridge, und wie dort ist die Universität selber lediglich Verwaltungsbureau, Aufnahme- und Prüfungsanstalt. Während aber die altenglischen Col- leges alle Hochschulwissenschaften lehren, ist man in Indien zu einer Spezialisierung übergegangen in der Weise, daß ganz bestimmte Gegenstände in je einem College studiert werden. Und diese Spezialanstalten, die zusammen die Universität bilden, sind meist auch räumlich weit voneinander getrennt und nur organisatorisch verbunden, was in England wieder- um nicht der Fall ist. Europäer, die ständig ansässig sind, hat Nogpur weniger als irgend eine andere indische Stadt, die wir bisher sahen. Es sind dies in der Hauptsache etliche Regierungsbeamte, so- wie einige Angestellte der verschiedenen Baumwollspinnereien. Diese selbst befinden sich übrigens völlig in indischen Händen. Der größte hiesige Betrieb dieser Art sind die„Empreß Mills", die zu den Unternehmungen des weltberühmten indischen Tata- konzerns gehören. Welch' ein augenfälliger Kontrast, die neuesten und vollendetsten Maschinen aus Lancashire hier im tiefsten Indien zu sehen und daneben die unbeschreiblich primitiven Hütten der„miil handB", der Textilardeiter! In deren Quartieren herrscht zurzeit die Pest. Auch diese Geißel Indiens sollten wir auf unserer Reise noch kennen lernen. Man begreift die häufigket ihres Erscheinens erst, wenn man solche Behausungen sieht. Nackte, über und über mit Staub bedecktc Kinder spielen zwischen krepierten Ziegen und Katzen: dazwischen schieichen räudige 5Wnde, die Augen mit Eiter ycrklebt, der Pelz zersresien, so daß überall die wunde und schqrshedeckte Hanf in großen Flächen sichtbar ist. Die schlimmsten„Fälle" hat man in Konzentrationslager ab- gesondert, die aus schilsgeslochtenen Hütten bestehen. Das diesem Lande aufgeklebte Stuck Europäerzivilskotion besteht aus Selfaktorspindeln und mechanischen Webstühlen, Kriminal-' departemenls und Militärstationen, aber nirgends reici't der Segen dieser„Zivilisation" soweit, den Opfern der Volks- seuchen eine wesentliche Hilfe zu bringen. Drinnen in der Stadt spielt ein Kinotheatcr allabendlich Dramen aus der Londoner Gesellschaft und in den Straßen machen maskierte Kinder Reklame für Wrigleys amerikanischen Kaugummi. Damit aber haben die Wohltaten westlichen Fortschritts so ziemlich ihre Grenze erreicht. Und derweil in der Stadt Tausende von Webstühlen rasseln, hunderttausende von Spindeln schwirren und draußen am Rande die Pest sich ihre Opfer unter Hütten- nnd höhlen- bewobnern aussuckit, komme» von fernher aus England und Amerika zahlungsfähige Gäste, um auf Elssantcn rücken den Tiger zu jagen. Denn Nagpur und seine Umgebung beherbergen nickt nur Universitäten, Textilfabriken, sondern auch Tiger und Panther in so unmittelbarer Nähe, daß eine dieser Bestien gelegentlich den Textilarbeiterdörfcrn einen Besuch abstattet, wie es erst in einer der jüngstvergangenen Nächte wieder geschah. Die Jagd auf den Tiger, sagten uns begeisterte Freunde dieses Sport, die wir hier trafen, fei gefährlich und nervenkitzelnd, denn das verwundete Tier stürme zuweilen selbst ain Rüssel des Elefanten zur Sänfte enipor. Noch eine andere Art der Äagd steht hier zurzeit in Blüte. Sie ist weniger gefährlich für den Ausübenden, dafür aber gerade heute von einer politischen Bedeutung, welche der Ver- folgung des grimmigen Dschungelkönigs keineswegs zutomftU. Sie datiert von dem Zeitplmkt der erfolgreichen Hindu- mohammedanischen Einigungsoersuche Gandhis. Zwar Hut die britische Regierung diesen Versuchen seitdem Hindernisse und Reibflächen genug bereitet, indem sie die alte Methode abwechselnder Begünstigung der einen und der anderen Partei mit neuen Milleln fortsetzt und so die Gegensätze zu verschärfen. und zu verewigen sucht. Allein gleichzeitig wächst die Kops- zahl und der Einigungswille der intellektuellen Jugend und des gewerkschaftlichen Proletariats, die sich darin begegnen, daß sie in der Verfolgung ihrer Freiheitsziele weder Rasse noch Religion kennen, wie immer strenggläubig auch die Führer und Mitglieder dieser Bewegung in ihrem persönlichen Leben sein mögen. Es gibt nichts Erhebenderes, hoffnungs- volleres in diesem Lande als die Zusammenkünfte und das Zusammenwirken des jungen Fortschrittselements aus beiden Religionen, besonvers in Studenten- und Arbeiterzirkeln. In der Einsicht der Unzulänglichkeit ihres bisherigen Verfahrens des Teilens und herrsthens sah die Regierung sich veranlaßt, rechtzeitig nach neuen BeHelsen Umschau zu halten. So allein erklärt sich die Tatsache, daß sie seit wenigen Iahren in einem nie erlebten Ausmaß die Jagd auf die unsterblichen Seelen der Eingeborenen durch die christliche Mission fördert und inspiriert. Ich beeile mich, zu betonen, daß die Missionare selbst, soweit ich sie kenne, katholische sowohl wie protestantische, mit durchaus ehrlicher Absicht und ohne politische Hintergedanken an ihr Werk gehen: will auch nicht die Frage dis- kutieren, ob es, zweckmäßig sei, einem Volke das christliche Bekenntnis in dieser oder jener Form zu empfehlen, das selbst der Menschheit die Werte einer allen, tiefen philosophisch- Stresemann spricht im Reichstag. Keine akute Kriegsgefahr. religiösen Gedankenwelt zu bieirrr hat. jzier soll nur fest- gestellt werden, daß die britische Regierung selbst in früherer Zeit wenig Wert darauf legte, Hindu oder Mohammedaner zu Christen zu machen, was sich am deutlichsten darin zeigt, daß die knapp fünf Millionen Christen Bntisch-Indicns einen winzigen Prozentsatz darstellen gegenüber der Zahl der Katholiken in dem kleinen portugiesischen Indien und anderen romanischen, auch französischen Äollonien. Seit Gandhis Aktion aber hat die Regierung den politischen Vorteil erkannt, der darin liegt, dem Hindu- und Mohammedanerelement eine dritt� Religionsgemeinde beizufügen, stark genug, um auch als polmKher Faktor ins Gewicht zu fallen und getrennt behandelt werden zu können. Unter: solchen Gesichtspunkten vollzieht sich auch in Nagpur die derzeitige Bebehrungskonjunktur, was Hindu und Moham- medaner mik begreiflicher politischer Besorgnis erfüllt. Sie haben mir vorgerechnet, daß unter Beibehaltung des jetzigen Bekchrungstempos in den nächsten fünf Jahren ebenso viele Christen!, produziert" werden, als in den hundertundfünfzig vorhergegangenen, so daß schon in der nächsten Generation eine potlirsche Christengemeinde da sei, welche gegen die alten Bekenntnisse zuni Nu&en der Regierung und zur Hemmung des Freiheitskampfes ausgespielt werden könne. Es soll hier auch keineswegs verschwiegen werden, daß eine Reihe von Misstanaren wertvolle soziale Arbeit leistet, aber unter dem posttischen Gesichtswinkel betrachtet, kann leider der Freund des indischen Volkes nicht die Befürchtung loswerden, daß auch das. christliche Taufwasser, wenn es erst in breiteren Bächen fließt, die Mühlen der Fremdherrschaft hilft. Ferner müssen die materiellen Vorteile, welche die Bekehrung bei Arbieitsoergebung usw. erwiesenermaßen mit sich bringt, gegen die religiöse Qualität der Begehrten miß- trauisch machen und so kann ich nur wünschen, daß nicht falsches Christentum des Inders Seele zerfresse wie Wriglcys Kaugummi seine weißen Zähne. Der weg nach Tipperarp. Tie Rückkehr Wilhelms vorbereitet. Die gestrige Reichstagsdebatte über die Möglichkeit der Rückkehr Wilhelms nach Deutschland entlockt dem Beauftragten Hugenbergs Freudentränen. Besonders begeistert ist er über die Erklärung des Zentrum red- nc r s, die ihm so wohl gefallen hat, daß er sie mit diesem Geständnis begleitet: Das Interessanteste daran ist, daß der Zentrumsredner Wegmann nur erklärt: Hoffentlich würden die R a t g e b e r des Kaisers uns die Beunruhigung ersparen, die seine Rückkehr mit sich brächte. Mehr nicht! Es ist ein longer weg bis lipperary, ober es scheint, daß wir ein gut Stück schon hinter uns haben.... Inzwischen wartet Hugenberg auf den„Leutnant mit zehn Mann", der den Reichstag auseinanderjagt: Wenn wirklich einmal„der Leutnant mit zehn wann" käme, um unsere neuen Souveräne abzusehen, was wir übrigens durch- aus nicht herbcibeschwüren möchten, so würde die öffentliche weinung vermutlich nur belustigt sein und erklären.— endlich einmal habe es doch etwas von Zateresse im Reichstag gegeben. Hugenberg, der solche Weisheiten in seinen Blättern verkünden läßt, ist Mitglied. der deutschnationalen Reichstagsfraktion, die soeben den Schutz der Republik und ihrer Symbole feierlich im Reichstage als ihre Aufgabe bezeichnet hat. Man weiß nun wenigstens, wie Hugenberg— neben Everling— dieses Versprechen„auffaßt": Sehnsucht nach Wilhelins Rückkehr— zu der„bereits ein gut Stück Weges zurückgelegt" ist— und nach der faschistischen O f f i z i c r s r e v o l t c, die den Reichstag und damit die republikanische Verfassung beseitigen soll. Wir nageln dies Bekenntnis zum Hochverrat hier an. Zusammentreten öer flbrüftungstommisston Ein englischer Abrüstnngscntwurf eingereicht. . Genf, 21. März.(Eigener Drahtbericht.) Die vorbereitende Abrüstungskommission wurde Montag nachmittag in An- Wesenheit von zwanzig Delegationen eröffnet. Lord Roberl Cecll-Englond äußerte sich in gleichem Sinne und legte ein Diskussionspro- j e t t zu einer Abrüftungskonoention vor. Das Projekt jetzt im einzelnen fest, daß jedes Land feine Land-, See- und Luftrüstungen in de»Grenzen der vereinbarten Tabellen zu halten sich verpflichtet, deren Ueberschrei- tung nur in Ausnahmefällen des Krieges, der Kriegs- bedrohung sowie Revolution und auch dann nur mit Zustimmung des völkerbundsrales zulässig sein soll. Ebenso hat jedes Land fein Militärbudget in den zu bestimmenden Grenzen zu halten und darüber eine jähr- liche Berechnung�dem Wlkerbund einzusenden. Im Abschnitt 2 ist die herabsehung der Landrüstungen durch Beschränkung der Esfektiv- bestände vorgesehen, d. h. derjenigen Truppen, welche innerhalb einer zu bestimmenden Frist ins Feld rücken können. Offiziere sollen nicht mehr als einer für IS Soldaten, Unteroffiziere je einer auf S Soldaten gehalten werden. Abschnitt 3 umschreibt die Flotteu- beschränkungeu auf Grund der zu haltenden Kriegsschiffe und des festzusetzenden Tonnengehalts sowie Zahl und Art des Kalibers der auf den Kriegsschiffen verwendeten Schisfsgeschütze. Jedes Land soll außerdem die in den Artikeln 13 bis 18 der Washingtoner See- obrllstungs-Konvention vorgesehenen Bestimmungen als bindend an- nehmen. Nach Abschnitt 4 sollen die Militärflugzeuge, welche zum aktiven Dienst in der ersten Kampflinie bestimmt sind, beschränkt werden. In Abschnitt 5 wird die Dauer der Konvention auf zehn Jahre und die Dauer der Abrüstungstobellen auf fünf Jahre fest- gesetzt. Die Konvention soll erst In Kraft treten, weun sie von Deutschland, den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich. Italien und Japan ratifiziert worden ist. Der französische Delegierte Paul Boncour kündigte für Dienstag die Vorlage eines französischen Gegenprojekts an. Die amerikanischen und japanischen Delegierten sprachen sich im allgemeinen für den Entwicklungsgedonken aus, wogegen der t t a- l i e n i s ch e Delegierte verschiedene Dorbehalte machte. Der Sarmat-prozeß. Tas Kapitel Lange-Hegerman«.— Prälat Prof. Schreiber als Zeuge. Wie bereits gestern kurz mitgeteilt wurde, Hot im Barmat- Prozeß das Kapitel Lange-Hegerman n begonnen. Lange- Heger mann und dem verstorbenen Postminister H o e f l e wird zur Last gelegt, daß sie uiiter Vorspiegelung falscher Tatsachen für ein Unternehmen im besetzten Gebiet Postkredite erholten hätten, die in Wirklichkeit für die Papierfabrik Burtscher in Köttewitz(Sachsen) bestinimt waren. Der Angeklagte Lange-Hegerman n schilderte einaangs seiner Lernehmung ausführlich, wie er nach Rücksprach« mit seinen Fraktionsgenossen die Aufsichtsratsstelle in der Barmat-Merlurbank übernommen habe. Zur Angelegenheit der Sanierungs- aktion der Papierfabrik Burtschcr erklärt Lange- Hegermann, daß fein Fraktionskollcge der Prälat Professor Schreiber sich an ihn mit der Bitte gewandt habe, der Familie Burtscher, die in große Geldschwierigkciten geraten war, zu Helsen: ob er nicht mit dem damaligen Postmintster Hocsle wegen der Per- leihung eines Postkredits Rücksprache nehmen wolle. Hoesle habe aber erklärt, daß ohne ein Giro eine Gewährung von Postlrediten unmöglich sei. Die Verhandlungen mit Hoefle hätten aber schließ- lich dazu geführt, daß dieser seinem Parteigenossen S ch a e tz e l, den jetzigen Postminister und damals Staatssekretär in München. gebeten habe, einen Kredit von zwei Millionen zu gewähren f ü r ein Unternehmen i n> besetzten Gebiet. Lange- Hegcrnionn will Hoefle zur Rede gestellt haben, wieso er die Kredite iiir die besetzten Gebiete forder«, da sie ja in Wirklichkeit für die Zapiersabrik in Sachsen bestimmt seien. Hoefle habe dazu gesagt, er würde die Gelber schon verrechnen und im übrigen sei e r doch Minister. Schließlich habe S ch a c tz e l die Kredite zur Verfügung cstellt unter der voraussehung. daß das Geld für die besehten Gc- iete verwendet werde und zwar unter besonderer Berücksichtigung der Rheinpfalz. Das Bestätigungsschreiben trägt die Unterschrist Lange-Hegermann: der Angeklagte crtlärt dazu, daß er Hocsle. einen Blankobogen gegeben habe, den dieser nach seinem Gutdünken ausgefüllt habe. Lange-Hegermann hat bekanntlich die Kredite darauf persönlich erhallen und sie durch Schäfer- Bonn zum Ankauf des Unternehmens Burtscher verwenden lassen. Auch er soll bei diesem Anlauf beteiligt gewesen sein. Heute morgen wurde als erster der Prälat Professor Schreiber vernommen. Die Familie Burtschcr ist an ihn un- mittelbar nach den Reichsiagswahlen, also nach dem 4. Mai 1924 mit der Bitte herangetreten, für sie Kredite zu besorgen. Da er mit der Familie seit langem befreundet ist, und sie als angesehene und in höchstem Maße charitatio kannte, telephonierte er Lange- Hegermann, den er für einen wirifchaftlich sehr versierten Menschen hielc, und bat ihn, die Angelegenheit der Papierfabrik der Burtscher in die Hand zu nehmen. Da im Reichstag oft von Eisen- bahn- und Postkrediten die Rede war, deutete er Longe- Hegermann an, ob in diesein Fall nicht Postkredite zu erhalte» sein würden. Bei einer Besprechung, die er bald darauf mit Hocsle in Münster hatte, sagte der damalige Postminifier, daß die Kredi,: nur unter der Boraussetzung gegeben werden könnten, daß sie durch eine D-Bank gehen würden, und daß ein Sanierungsplan aufgc- stellt werde. Der junge Burtschcr sollte den Postminister besuchen und er, Schreiber, sollte an den Abg. Lange-Hegermann euren Blies schreiben mit der Bitte, einen Sanienlngsplan auszustellen. Einige Tage später wyfde ihm telephonisch mitgeteilt, daß der junge Burtscher bei Hoesle gewesen sei und daßausderSache nichts würde. Darauf bat tr Lange-Hegermann noch einmal, sich für die Angelegenheit zu interessieren und dieser versprach ihm, die Sanierungsaktion in die Hand zu nehinen. An der weiteren Abwicklung der Sache ist er hinterher nicht be- t e i l i g t gewesen. Cr stand plötzlich vor der vollendeten Tatsache, des Verkaufs des Burtscherschen Unternehmens. Er hatte wohl erfahren, daß die Familie Burtscher mit 19 Prozeni beteiligt werden sollte, was diese jedoch ausgeschlagen habe. Daß aber das Geld durch einen gewissen Schäfer gegeben wurde, der auch als Käufer aufgetreten ist, und daß auch Lange-Heger- mann am Kauf beteiligt war, hat er erst durch die Presse im Jahre 192S erfahren. Trotz der zahlreichen Vorhaltungen durch den Borsitzenden und den Staalsanwalt. das, es doch aufsällig sei, daß Lange-Hegermann ihm, der zu Anfang eine so rege Anteilnahme an dem Schicksal des Burtscherschen Unternehmens genommen hatte, später von dem Berlauf der Angelegenheit gar keine Mitteilung gemacht haben sollte, blieb der Zeuge bei seiner früheren Erklärung. Lange-Hegermann macht auch seinerseits dem Zeugen Prof. Schreiber eine Reihe Borhaltungen, aps denen hervorgeht, daß zwischen dem Angeklagten und dem Zeugen zahlreiche'Differenz- punkte bestehen. So kann sich der Zeuge nicht erinnern, daß cr bereits im Mörz 1924 an den Angeklagten herangetreten sei mit der Bitte, sich für die Angelegenheit Burtscher zu interessieren. Er bestreiket nach wie vor mit aller Entschiedenheit hinterher aus dem lausenden geHallen worden zu sein: er entsinnt sich auch nicht, daß Lange-Hegermann ihm mitgeteilt habe, daß ohne Giro-Kredite nichts zu erhalten sei. Er will auch nichts davon gewußt haben, daß Postkredite gewährt worden seien und daß Schäfer als Käufer ein- getreten sei und Lange-Hegermann als Geldgeber figuriert habe. Auch die heftigsten Vorhaltungen des Angeklagten ergeben kein anderes Resultat. Der Vorsitzende konstatiert, daß sich zwischen den Aussagen des Zeugen und des Angeklagten Widersprüche ergeben hätten. Sosern sich diese Im Lause des Prozesses nicht lösen sollten, würde das Gericht natürlich aus diesem Umstände seine Schlüsse ziehen. Die Verteidigung ist der Ansicht, daß es unglaublich erscheine, daß der Zeuge, der so großes Interesse für die Familie Burtscher gezeigt habe, und ihr unter allen Umständen habe helfen wollen, sich von einem bestimmten Punkt« an, plötzlich gar nicht mehr dafür interessiert haben sollte, was aus der Sache geworden sei. Es sei für den Angeklagten von De- deutung, daß hier nicht der Anschein erweckt werde, als habe er mit Absicht seinen Fraktionskollcgen den Abg. Schreiber in Unwissenheit über den weiteren Berlauf der Dinge gehalten. Der Vorsitzende erklärt dazu, daß ihm leine Mittel zur Ver- fügung stünden, den Zeugen zu einer anderen Aussage zu ver- anlassen. Es würden noch eine Reihe von Zeugen vernommen, aus deren Aussagen heraus die Bekundungen des Zeugen Prof. Schreiber zu beurteilen sein würden. Die Berhondlung geht weiter. Aentralisierung öes Theaters! Eine Denkschrift der Reinhardt- Bühnen. Offenbar angeregt durch die Erfahrungen, die Reinhardt während seiner legten vier Monate dauernden Spielzeit in Amerika gemacht hat, ist von der Direktion der Reinhardt-Bühnen unter dein Titel„Weg aus der Theaterkrise" eine Denkschrift heraus. gegeben worden, die, wenn der darin niedergelegte Plan Wirklichkeit würde, zu nichts anderem führen könnte als zu einer Zentralisierung des ganzen Theaterbetriebes und zu einer mindestens teilweisen Ausschaltung der Prooinzthcater. Die Denkschrift stellt nämlich fest, daß es zuviel Theater gibt, und sie fordert, daß ein erfolgreiches Theaterstück von einer ein- zigen großen Bühne einstudiert und dann durch G a st- spiele de in Theaterpublikum im Reich zugänglich gemocht wird. Dadurch will man nicht nur die besten Darstellun- gen ermöglichen, sondern man will auch das künstlerische Niveau des deutschen Dranias heben, indem eine Versammlung der besten Direktoren, Dramaturgen und Regisseure feststellt, was an drama- tischcr Dichtung wert der Ausführung ist. Dieses Richterkollegium soll dann maßgebend sein für das ganze Reich, wo die Theater ein selbständiges Leben zu führen aufhören würden. Kommerziell liege. so meint die Denkschrift, der Vorteil einer restlosen wirtschaftlichen Ausnutzung eines Erfolges darin. Es soll hier von den Nochteilen, die dieses Tourneeprinzip in künstlerischer Hinsicht haben könnte, abgesehen werden. Gegen die sozialen und wirtschaftlichen Folgen für den ge- samten Schauspieler st and kann man nicht genug Bedenken geltend machen. Den vielen gutgeleiteten uich auf einem hohen künstlerischen Niveau stehenden Provinzbllhnen gewissermaßen die Existenzberechtigung absprechen, heißt denn doch die Dinge zu sehr unter einem amerikanischen Gesichtswinkel sehen, heißt das dichte- rifche Schaffen und das künstlerische Gestalten auf der Bühne in Schranken bannen, die für die Entwicklung der Theaterkunst katastrophal werden müßten. Der Einwände, die man gegen eine solche Industrialisierung und Zentralisierung des Theaters erheben könnte, gibt es noch eine ganze Reihe. Aber man kann es sich versagen, sie alle herbeizu- holen. Der Plan, so wie er auf dem Papier steht, dürste schon ein- fach daran scheitern, daß seine Durchführung so viel Gelder erfordern würde, daß Reinhardt den Plan, ehe er überhaupt konkrete Umrisse wird annehmen können, wahrscheinlich wieder fallen lassen wird. Reinhordt dementiert auch bereits die Mitteilung, daß die der Denk- schrift zugrunde liegenden Theaterpläne irgendwie die seinen wären. Heatrit de Itlan, der Lersasser des bekannten Buche?.Kur Psychologie de? Sozil-liSmuS". spricht am 27.. abends 7 Ubr. in der Aula des Itriedrich-Wilbelm-NhmnasiumS, Kochltr. IS, über daS Thema.Marxismus und Pshchologie'.«äste sind wüllomme». Eine Ausstellung deutschen Kunstgewerbes in Verlin. Die un- längst durch die Presse gegangene Nachricht, die deutsche Abteilung der Kunstgewerbeausstellung von Monza werde vor Abgang an ihren Bestimmungsort in den Räumen der Bereinigten Staatsschulen, Hardenbergstr. 33, der Oesfentlichkett zugängig gemacht, beruht auf einer Verwechslung. Es wird dort in diesen Tagen eine gewählte Ülusstellung deutschen Kunstgewerbes eröffnet werden, wie sie in Zukunft zedes Jahr an dieser Stelle gezeigt werden soll. Um die nach Monza gehenden Objekte handelt es sich nicht. Beelhoven-Feier in England. 4999 Schicken und Erziehung?. behörden haben bei dem Beeihoven-Hundertjahrfeier-Ausschuß den besonders von Henry Hadow für die Beethoven-Feiern nächste Woche vorbereiteten Borlesungskursus erbeten. Die Vorlesungen werden erläutert durch Grammophone, die von dem Ausschuß frei geliescn werden. Ein Mitglied des Ausschusses äußerte, man schätze die Zahl der Kinder in ganz England, Schottland und Irland, die sich dem Wclttribut für den toten Meister anschließen, auf dreiviertel Millio- neu. Der Gouverneur des Wakesicld-Gefängnisses hat Vorlesungen und Grammophone für eine Gedächtnisfeier beantragt, und auf der Flottenschule in Poitsmonth wird den Kadetten die ganze Reihe von 14 Vorlesungen über Beethoven geboten werden.(Musik wäre besser als Vorlesung!) Das Ende der holländischen Windmühlen. Die holländischen Windmühlen, die für den Charakter der holländischen Landschaft so bezeichnend waren und von Malern so oft dargestellt worden sind, scheinen dem Untergang geweiht zu fein. Die Gesellschaft zur Er- Haltung der Windmühlen in Holland, die sich vergeblich den Forderungen der modernen Technik entgegenstemmt, hat soeben einen Bericht verösfentlicht, demzufolge von den 3694 Windmühlen, die noch 1923 in Holland vorhanden waren, nicht weniger als 1626, also mehr als 45 Prozent, niedergerissen wurden. Es ist mit Sicherheit damit zu rechnen, daß auch die Mehrzahl der übrigen in wenigen Iahren vom Erdboden verschwunden sein wird, und man wird dann nur noch «in paar dieser malerischen Bauten als„Nationaldenkmäler" erhatten, damit sich spätere Geschlechter wenigstens noch eine Vorstellung von dem machen können, was einst den Ruhm und einen besonderen Reiz Hollands ausmachte. Die erste Voltszählung in Marokko. Eine Dolkszählung wider- spricht der Religion der Mauren, denn sie hatten es für Sünde, irgendetwas zu zählen, was.cher Herr gegeben hat". Fragt man einen Mauren, wieviel Fisch« er gesangen oder wieviel Böget er geschossen hat, so wird er stets nur antworten:„Was Allah mir gegeben hat." Wenn man Waren kauft, ist aber das Zählen nicht verboten. Jetzt ist zum erstenmal gegen den Widerstand der Be- völkerung eine Dolkszählung in Marokko durchgeführt worden, allerdings nur in den„friedlichen Gebieten". Dabei ergaben sich die Zahlen der Mauren mit über 4 Millionen, der Juden mit mehr als 197 999, der französischen Bürger mtt 66999, der Fremden mit 37 999. Im ganzen wurden 4 229 999 Einwohner gezählt. Die Drachenechsen von komodo. In der letzten Sitzung der Londoner Zoologischen Gesellschaft führte Lord Rothschild da» nawr- getreue Modell einer Rieseneidechi« von der Insel Komodo in ZUederländisch-Ostindien vor und erläuterte das Modell durch wisseu- schaftlich« Erklärungen über die Lebensgewohnheiten dieses eigen- artigen Tieres. Auf Grund der Untersuchungen, die eine amerika- nische Expedition kürzlich an Ort und Stelle vorgenommen hat, kann man die Zahl der heute noch auf der Insel lebenden Rieseneidechsen auf 2909 beziffern. Nur fetten überschreitet die Körperlänge der Tiere drei Meter, doch finden sich auch einzelne Eidechsen, die über vier Meter lang sind. Die Drachenechsen von Komodo unterscheiden sich von anderen Artgenossen vor allem dadurch, daß der Schwanz kürzer ist als der Körper, und durch das Gewicht, das bei einem starken, drei Meter langen Tier nicht weniger als drei Zentner beträgt. Die anatomischen Unterschiede zwischen anderen Arten der Familie sind im übrigen gering. Die Berichte, nach denen diese Rieseneidechsen kleine Pferde überrennen und auffressen sollen, sind Fabeln, deren Auskommen sich möglicherweise durch einen Vorfall erklären läßt, den Lord Rothschild von einem seiner amerikanischen Mitarbeiter erfuhr. Danach wurden drei Drocheneidechsen mit den Hinterfüßen an einen Pfosten gebunden, wo» sie keineswegs hinderte, einen Esel, der ihnen zu nahe kam, anzuspringen. Wie Dr. Malcolm Smith bei dieser Gelegenheit noch ausführte, finden sich ähnliche Eidechsen, die vielleicht derselben Gattung angehören, auf den benachbarten Floresinseln. Es sind Tier«, die sich, wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet, mit Vorliebe von Aas nähren. Rothschild machte am Schlüsse der Versammlung die Mitteilung, daß er sich bemühe, lebende Komodoeidechsen zu erhalten, um sie dem Londoner Zoo zum Geschenk zu machen. Rudolf Blflirnt« trägt auf seinem erftett dIe?jZlirig«n Vortragsabend ht der KurcktauSslelblng.Der Sturm", Potsdamer Str. 134», am 23. zum Teil noch nicht gchöite Dichtungen von Auguir e-tramm, Ltto Nebel. Kurt SchwittcrS und feine Lautdichtung„Xngo laina" vor. Beginn'/.g Uhr. ckia Artbar-SUVeeateit-Abead findet am 23., abend? 8>/. Ubr. in der Buch- und Kunftdandumn von Reuh& Pollack. Kurnnftentamm 229. unter veriöiilichcr Mitwiilung de? Dickter? statt. Rosa Roth liest aus Tild.rglcit? Werken. Einführung Gertrud Jsolani. .Gymnastik und lany- zeigen Po.fiiürungen von Dorothea Knospe mit 49 Schülerinnen in den Lichterselder Feftfälen, Zehlendorfer Strohe 5, am 20., abends 7'/, Uhr. Wettbewerb für den Neubau eine» Rolhouse» In Vkortevbarg. Zur Erlangung von Borentwürlen für den vor dem Marientor geplanten Neubau eines Ratbauie? bat der Marienburger Magistrat einen allgemeinen Wettbewerb ausglschricbcn. Die Unterlagen sind nach vorheriger Einsendung von 19.— M. au die Sladthauptlasse Marienburg vom Magistrat zu beziehen. Eine Leelhoven-Auestellunq veranstaltet die Staatsbibliothek in ihrem grojzen AnSstellungSsaate vor allem mit den vielen Lrigmal- bandlchristcn, die die Muiilabteilung von Beethoven besitzt. Die Au?» stcllung ist vom 23. März bi? g. April täglich, auch Sonntag? von 11 bi? 2 Uhr, unentgeltlich geöfsnet. Beethovea-Ieiern überall. In Wien wurde eine vom Wiener Männer» gesangverein gektistete Gedenktafel im Tbealer an der Wien eni' üllt, wo seinerzeit- die Erstauifüfirung von Beethoven? Oper Fidelis slattsand.— In Prag wird an dem Hauie. in dem der Komvonist während seine? Prager Autenibait? gewohnt bat. von der Prager Stadtgemeinde eine Gedenktasel angebracht werden.— Die Beethoven-Woche tu Amerika begann mit Vorträgen und Konzerten bei groser Beteiligung. Zweihundert Städte, Kirchen, Schulen und Unwerfitäten nehmen aa den Lcranftuttmizen teil. Noch einmal Lanösberg. Wicderaufrollung im Wilms-Prozcst. Im WilmsProzeh wurde heute der Fuhrer de- Arbeits- kommandos Küstrirt, Leutuam o. D. Knüppel, vernommen, einer der Zeugen im Landsberger Prozeß. Er leugnet, von Schulz gemoßregelt worden zu sein, weil er die Tötung des Feld- webels Gaedecke durch Klapproth verhindert habe, und bezeichnet die diesbezügliche Aussage von Stein als Lüge. Knüppel schilderte dann die schon in den Landsberger Prozessen vielfach erörtenen Vorgänge, das Verhör des Leutnants Ianke in Küstrin in Gegenwart von Schulz. Ianke habe seine Schuld an der Muni- tionsschiebung rückhaltlos eingestanden. Erregt darüber, daß ein Lsfizier sich so weit vergessen könnte, habe man dann Ianke für verhastet erklärt und die Offiziersuniform ausziehen lassen. Auf dem Wege zur Arrestzelle bedrohten den Arrestanten die Leute des Arbcitskommandos mit schwersten tätlichen Angriffen, so daß ein Offizier mit gezogenem Degen Ianke schützen mußte. Darauf wurde der frühere Leutnant Ianke vernommen. Vors.: War der Angeklagte Schulz bei Ihrer Festnahme dabei, hat er Anordnungen getroffen? Zeuge Ianke: Oberleutnant Schulz ließ mir die Achselstücke abreißen. In dem Augen- blick stürzten Klapp roth und Büschs ng herein und wollten auf mich losgehen. Schulz hat das aber verhindert, und Ober- lcutnant Körtke haste auch später verhindert, daß die Mannschaften auf mich losstürzten. Der ehemalige Leutnant 5)ayn, der in Landsberg frei- gesprochen worden ist, schilderte seine bekannte Unterredung mit Schulz in einem Küstriner Caf6, bei der ihm Schulz allgemeine Dienstanweisungen gab. Hayn haste früher sehr ins einzelne ge- hendc Angaben darüber gemacht, dag Schulz im verlauf des Gesprächs geäußert habe, Verräter müßleu verhauen und Gaedecke speziell beseitigt werden. Heute behauptet Hayn, Schulz falsch verstanden und seiner- zeit als Angeklagter vor dem Untersuchungsrichter nicht in allen Dingen die Wahrheit gesagt zu hoben. Zeuge bleibt bei seiner Behauptung, obwohl ihm vorgehallen wird, daß er die ur- sprünglichen Bekundungen auch in späteren Vernehmungen aufrecht erhallen habe. Er leugnet, in der Zwischenzeit beeinflußt worden zu sein. Schulz äußert zu der Angelegenheit: Ich habe damals in Küstrin zufällig von der Munitionsschicbung gehört und auch Hayn nur zufällig in Spandau getroffen. Gerade auf meine Ber- anlassung ist die Sache dem Ordentlichen Gericht übergeben worden. Klapproth erklärt: Ich habe niemals einen Befehl be- kommen, um in Tschernow Gaedicke zu erschlagen. Ich habe ihn damals in Tschernow zufällig getroffen und da hat mich die Wut gepackt, weil er die von mir gesammelte Munition verschoben hat und da habe ich ihn geschnappt und hingefunkt. Gegenüberstellung Venn— Stein. Nachdem dann die Verteidigung auf die Vernehmung der preußischen Minister Am Zehnhoff und Stegerwald verzichtete, kam es noch einmal zu einer sehr interessanten Gegenüberstellung zw ischen Benn und Stein. Benn bestritt eine Reihe von Behauptungen, die Stein gestern aufgestellt hatte, und berichtete auch, das Schulz die Entlassung des Enskat wegen militärischer Unbrauchbarkest ausdrücklich gebilligt habe.— Stein: Ich halte alle meine Bekundungen ausrecht. Ich möchte auch noch folgendes sagen: Im Gefängnis in Gollnow beim Spaziergang habe ich es so eingerichtet, daß ich hinter Vena gehen konnte und habe ihn gefragt, was er von Schmidl-halbschuy halte, der in der Rechts- presse so madig gemacht worden sei. Da sagte Vena, Schmidt habe wohl die Wahrheit gesagt."— Benn: Es ist möglich, daß wir über Schmidt-Halbschuh gesprochen hoben, das weiß ich nicht mehr so genau. Stein hat mehrfach versucht, in der Hast an mich heran- zukommen. Einmal hat er mir gesagt, ich müßte alle Vorgesetzten angeben, möglichst bis zum General, so würde ich nicht freikommen. Ein anderes Mal rief er mir beim Spaziergang über den Hof zu: Mensch sag doch, Schulz war es", und als ich darauf nicht einging, drohte er mst der Faust: Dann schadet es dir gar nischt. daß du lebenslänglich Zuchthaus bekommen hast. Später sieh er mir durch einen Gefangenen sagen, ich hätte es gar nicht «Stig, im Gefängnis zu sein, ich brauchte ja alles nur abzuwälzen. Ein' anderes Mal erklärte er mir: Blut muß fliehen, bis zu den Knien will ich in Blut waten, wenn mal ein Umsturz nach links kommt. Der erste ist Schulz, der nächste Iustizrat Hahn und dann die ganzen Deutschnationalen. Stein: Ich habe nicht versucht, mich an ihn heranzumachen. Nur einmal kam ich hinter ihn. da habe ich ihm gesagt, er solle doch eingestehen, daß Schulz ihm den Befehl gegeben habe. In der Kirche hat einmal Bcpn hinter mir gesessen. Da hat er mir zugeflüstert: .Stein, Kopf hoch, kein verrat, alles politisch." nrf nn: Ich habe ihm nur ein Zeichen gegeben, er solle nicht .»-1 läpp machen. Stein: 1923, als ich in Wittenberg Polizei- bcamter war, da lieh mich Venn, der auf der Durchreise war, zum Bahnhof rufen und sagte mir:„Stein, wenn hier etwas herauskommt, daß Sie keinen belasten." Benn: Das war. als ich zum Frontsoldatentag nach Magdeburg fuhr. Ich habe Stein nur Vorhaltungen gemacht, dah er die Vorgänge im Fall Pannier nicht richtig erzählt habe. Dann wurde Stein und Knüppel gegenübergestellt. Stein: Knüppel hieß bei uns Knüppel-Kunze. Er erzählle uns in Döberitz, in Küstrin sei eine Schweinerei vorgekommen. Schulz habe ihn entlassen wollen wegen des Falles Gaedicke, daß es ober schließlich bei seiner Versetzung nach Döberitz geblieben sei. Vors.: Was sagen Sie dazu. Zeuge Knüppel: Da kann ich nur staunen, ich kann mich nicht einmal an das Gesicht von Stein er- inner». Vors.: Weshalb wurden Sie nach Döberitz versetzt? Zeuge: Ich sollte wohl«ine Swdentenkompagnie übernehmen. v. Senden: Ich hatte einen neuen Kompagnieführer angefordert, weil ich den Borgänger von Herrn Knüppel wegen Verstoßes gegen die Disziplin entlassen mußte. Heber die Versetzung Knüppels nach Döberitz kam es dann noch.zu längeren Auseinandersetzungen. Die Verhandlung geht weiter. Der Faschismus sucht Dollars. Eine Anleihe wäre rechtsungültig! pari», Zt. März.(Eigener Drahtberlchl.) Die Italienische Liga für Menschenrechte und der verband der italienischen Demo- kralea haben an Präsident E o o l i d g e folgendes Telegramm ge- schickt:„wir wissen, daß die faschistische Regierung Italiens von neuem Anleiheoerhondlungen in Amerika führt, wir erklären, dah solche Verhandlungen ebenso wie ihr Ergebnis der Rechts- gruadlage vollständig ermangeln und vollkommen nichtig wären, weil diese Regierung vom italienischen Volk nie- mais die Vollmacht erholten hol, es zu oertreten." Der Wikingprozeß abermals vertagt. In Rücksicht auf den Wilms-Prozeh ist der Prozeß Wiking- Olympia, der jetzt vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig beginnen sollt«, auf den 2l. April vertagt worden.— Der Ankläger in den Lands- berger Fememordprozessen. Oberstaatsanwalt Rohrlock, ist auf Anordnung des preußischen Iustizministers an die Oberstaatsonwalt- fchast in Verlin-Mitte versetzt worden. Diese Bersetzung steht im Zusammenhang mst der Prozeßführung. Zn teltland ist setzt an Stelle des verstorbenen T s ch a k st e der Sejmpräsident Genosse Paul Köln in, Mitglied der Exkntion der Arbeiler-Internationale, zeitweiliger Staatspräsident. Der neue russisch« Gesandte hat deshalb ihm sein Beglaubigungsschreiben über- reicht, polizeimaßnahmen gegen hakentreuzler. Eine Erklärung des Polizeipräsidenten.— Das Waffenversteck im Klavier. Zu den lleberfällen aus Straßenpassante« im verliner Westen am vergangenen Sonntag abend durch hakenkreuzler, die nach ihren Heldentaten aus dem Bahnhos Llchterselde-Ost aus den Wittenberg- platz marschierten, und zu den Beschwerden über das Richleingreisen der Polizei läßt der Polizeipräsident erklären, dah er fest ent- schlössen ist. gegen Polizcibeamte vorzugehen. die ihre Vorschriften verletzt haben: selbslver. ständlich sei auch das Polizeirevier nicht berech. tigt gewesen, sich zur Entgegennahme einer An- zeige als unzuständig zu erklären. Im Berliner Polizeipräsidium wurden auch heule vormittag die Ermittlungen wegen der schweren Ausschreitungen auf dem Bahnhof Lichlerselde-Ost durch Rcgierungsdirektor Wündisch und Kriminalkommissar ZNaslack fortgesetzt. Es sind gestern neue Zeugen vernommen worden, die übereinstimmend die Schuld an den Vorfällen den Rationalsozialisten zuschieben. In- folgedcssen hat sich heute vormittag der Reichslagsabgeordnel« Frick mit dem Ralionalsozialistischen Führer G ö p p e s ins Polizeipräsidium begeben, um zu versuchen, die Freilassung der sechs Fest- genommenen zu erwirken.. wie wir hören, ist kaum daran zu denken, daß die verhafteten auf freien Fuß gesetzt werden. Nachdem auch gestern abend wieder eine Anzahl Waffen in nationalsozialistischen Versammlungen ge- funden worden sind, ist vielmehr mit der Taksache zu rechnen, daß bis auf weileres Veianstallungen und Umzüge der Ralionassozialissen in Berlin verbalen werden. Die Nationalsozialistische Arbeiterpartei hielt gestern im Osten Berlins in der Warschauer Straße und in" Wilmersdorf in den Hohenzollern-Festsölen Versammlungen ab, die zwar einen ruhigen Berlauf nahmen. Die Hakenkrcuzler erlebten jedoch eine für sie wenig angenehme Ueberraschung. Auf Grund der blutigen Zwischenfälle am Sonntag in Lichterfelde-Ost besetzten Polizeibeamte unvermutet die Türen und Ausgänge der Versammlungsorte und nahmen eine genaue Durchsuchung nach Waffen vor. Während in der Warschauer Straße nur ein Totschläger und ein leerer Patronenrahmen gesunden wurde, hatte die Durchsuchung in Wilmersdorf ein wesentlich anderes Ergebnis. Zu- nächst blieb die Suche nach Waffen erfolglos, bis eine in einem Klavier versteckte und mit allen möglichen Waffen gefüllte Akten- tasche aufgefunden wurde. Offenbar hatten die Wilmersdorser Hakenkreuzler von ihren Gesinnungsfreunden, die in der Warschauer Straße tagten, von der Wafsendurchsuchung telephonisch Mstteilung erhalten, so daß noch Zeit genug war, die Waffen unbemerkt ein- zusammeln und im Klavier zu verbergen. Gesunden und beschlog- nahmt wurden: 1 Mauserpistole mit 16 Schuß Munition, 1 Trommelrevolver, 2 Stahlruten, 2 Schlagringe, 1 Totschläger, 1 Bleistahlrute und 3 Dolche. Der De- sitzer des aufgefundenen leeren Patronenrahmens in dem Vcrsamm- lungslokal Warschauer Straße konnte von den Beamten ermittelt werden. Bei der Vernehmung gab der Betreffende zu, an der Lichtersclder Schießerei beteiligt gewesen zu sein. Er wurde sofort in Haft genommen und der Abteilung la im Polizei- Präsidium zugeführt.— Gestern abend kurz nach 11 llhr kam»s am Rudolf-Wildc-Platz zu Reibereien zwischen Stahlhesinern und Kommunisten. Noch bevor die Schlägerei größere Formen an- nehmen konnte, erschien ein Ueberfallkommando aus' der Bildslächc, das aber nicht einzugreifen brauchte, da es die Gegner vorzogen, in der Dunkelheit die Flucht zu ergreifen.— In der Berliner Straße zu Charlottenburg suchten zwei Personen, die angaben, von Kom- munisten überfallen zu sein, die dortige Rettungsstelle aus. Beide hatten Verletzungen am Kopf, die vermutlich durch Hiebe von einem Schlagring herrühren. Die Täter konnten nicht ermittelt werden. Raubüberfall am Kurfürftenüamm. Ter Räuber ergriffen. Ein frecher Raubüberfall wurde heute am hellen Vormittag auf dem Flur des Hauses K u r f ü r st c n d a in m 232 verübt. Die Firma Albert R o s e n h a i n, die dort Geschästsräume Hot, schickte in der letzten Zeit jeden Vormiltag zwischen 10 und 10� Uhr ein Lehrmädchen mit größeren Geldbeträgen, die sie in einen kleinen Ledertoffer trug, nach der Bank. Seit vier Tagen war nun schon ein junger Bursche ausgefallen, der sich in der Gegend umhertrieb. Einen bestimmten Verdacht aber hegte man gegen ihn Nicht. Heute ergab sich nun, daß er das Geschäft beobachtet und die Gänge des Lehr. Mädchens genau ausgekundschaftet hat. Ausnahmsweise wurde jetzt ein anderes Mädchen mst dem Gelde wcgaeschichckt. Als es die 5zin- tertreppe hinunterging, stand der junge Bursche in ihrer Nähe auf dem Hausflur und las scheinbar harmlos eine Zeitung, die er aus- gebreitet vor dem Gesicht hielt. Er ließ sie an sich vorbeigehen, ver- setzte ihr dann aber hinterrücks mit einem Gummiknüppel mehrere Schläge auf den Kopf, so daß sie mit einem lau- ten Aufschrei zusammenbrach. Jetzt entriß er. ihr den kleinen Koffer, der 8000 Mark enthielt, und eilte mit der Beute auf die Straß« hinaus. Ein Maler, der sich auf der Bordertreppc befand, nalirn auf die Hilferufe die Verfolgung auf, holte den flüchtigen schon vor einem der nächsten Häuser, gegenüber der Konditorei Schilling, ein und nahm ihn fest. Auf der Wach« gab der Räuber an, daß er«in 16 Jahre alter Schlächterlchrling Felix K o s i n sei. Der Koffer mit dem Gelde wurde dem Räuber gleich abgenommen und dem Geschäft wieder zugestellt. vor öem �lbbau öer privatschulen. Die Privatschulen Berlins können nicht leben und wollen nicht sterben. Daß die Unterstützung aus städti. scheu Mitteln endlich einmal aufhören muß, ist eine grund- sätzlich« Forderung der sozialdemokratifchcn Stadtverordneten. Für die nächste Zeit bis zur gänzlichen Entziehung dieser Beihilfe hat der M a g i st r a t jetzt folgende Richtlinien aufgestellt: „Die allmähliche Ueberführuinq der Privatschulen in städtische Verwaltung ist anzustreben. Bis zur Er« reichung dicfes Zieles gelten für die Gewährung von Unterstützungen an Prioatschülen folgende Richtlinien: 1. Eine Erweiierung der Zahl der bisher unterstützten Schulen erfolgt grundsätzlich nicht. Durch Auslösung kleiner«chulen und Ueberführung anderer in städtische Bcrwoltung nach einem noch festzulegenden Plane muß eine allmähliche Verringerung der Zahl erstrebt werden. 2. Schulen, für die ein öffentliches Bedürfnis nicht anerkannt werden kann, scheiden aus der Lifte der zu unterstützenden Anstalten c us, und zwar s) sofort diejenigen, deren Schiilerzahl zurzeit so gering ist, daß sie ohne Schwierigkeiten auf städtische Anstalten übernommen iverden können, d) später, wenn eine Uebcrnahme der Schüler nicht sofort durch. sührbar, die Errichtung neuer Klassen an der Privatichule aber nicht notwendig ist, weil städtische Anstaften sämtliche Renan- Meldungen im Bezirk berücksichtigen können. 3. U n t e r st ü tz u n g e n werden grundsätzlich nur an Anstalten gewährt, für deren Weiterbestehen ein öffentliches Bedürf. n i s anzuerkennen ist. deren Bedürftigkeit nachgewiesen ist, die nicht durch andere Körperschosten Beihilfen erhalten und deren Lehrkräfte euch mindestens 80 Proz. der staatlichen Sätze erhallen. 4. Eine Unterstützung der Privatschulen durch die Stadt Berlin konn nur dann in Frage kommen, wenn die drei in der Reichsoer- fassung Art. 147 Abs.' 1 geforderten Bedingungen totsächlich erfüllt sind. Ergibt die Nachprüfung die Nichterfüllung der ver- sassungsmäßigen Bedingungen, so ist die Unterstützung abzulehnen. 3. Den weiter zu unterstützenden Privatschulen ist zur Pedin- gung zu machen, daß die im Eigentum des Schulleiters stehenden oder von ihnen gemieteten Schulräum« nicht Schulunternehmungen zur Verfügung gestellt werden, die als Ersatz für die Grund- schule anzusehen sind."_ Der„Diplomat". Den französischen Diplomaten spielte ein Schwindler, der in der letzten Zeit in Berlin sein Unwesen trieb. Ein gut gekleideter Kunöe kauft« in Geschäften Kleinigkeiten oller Art für 10 bis 20 M. und gab jedesmal«ine belgische 100-F r a n k n o t e in Zahlung. Weil er erzählte, daß er als„D i p l o m a t" bei der hiesigen französischen Botschaft sei. so hegte man nicht das geringste Mißtrauen, nahm die Note gern an und gab den Ueberschuß heraus. Daß der Mann ge- brachen französisch sprach, Hölle eigentlich Mißtrauen erregen sollen. Die Geschäftsleute mußten aber nachträglich erfahren, daß die 100-Franknoten ausnahmslos allere Ausgaben waren, die längst außer Kurs gesetzt sind. Am Freitag voriger Woche verübte der Schwindler in Berlin seinen letzten Streich. Dann verschwand er. Seine Spur führte, wie die Knminalpolizei feststellte, nach München und dort wurde er bald nach seiner Ankunft ergriffen und als ein Ungar namens Dencs Neufeld entlarvt. Persisches Neujahrsseft. Der Naurustag wird seit über 1000 Jahren in Persien gefeiert, und wo immer in' der Welt Perser beisammen sind, begehen sie diesen Tag mit Freuden. Das Naurusfest hat eine doppclre Bedeu- tung, man feiert an ihm den ersten Tag des Jahres und das Er- wachen der Natur. Seit fünf I ihren begeht der persische Studentenverein„Iran" in Berlin dieses Fest. Di« ersten Feiern übermittelten viel Wissenswertes von persischer Musik, per- fischen Bräuchen und Sitten, das diesjährig Fest hingegen war im Hotel Esplanade vollkommen europäisch aufgezogen, es war ein Ball und einzig und allein ein Tisch mit Fruchtbrot und Früchten«r- innerte an den Orient. Bielleichk ist heutzutage die persische Studentenschast rein zahlenmäßig nicht mehr stark genug, um ein künstlerisches Programm aus eigenen Kräften zu. gestalten. Es liegt den hier studierenden sechzig persischen Studenten sehr ernsthaft an guten Beziehungen zwischen Deutschland und Persien, mit_ allen Kräften erstreben sie ein gegenseitiges Berstehen. Dazu ist freilich imbedingt erforderlich, daß die zukünftigen persischen Staatsmänner, Mediziner und Techniker in Verlin nicht nur Charleston tanzen ler- nen, sondern auch den richtigen Eindruck mimehmeu von der Arbeit, die in dieser Millionenstadt geleistet wird. ..Frlslablauf für Lohnsteuer-Erstattungen am 31. Märzi" Das Reichssinanzministerium weist nochmals daraus hin, daß die Anträge der Arbeitnehmer, die wegen Verdienstaussalls oder wegen besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse Erstattung der Lohnsteuer für 1926 beanspnlchen, bis zum 3l. März 1927 bei dem Finanzamt eingereicht werden müssen, in dessen Bezirk die Arbeitnehmer am 3l. Dezember 1926 ihren Wohnsitz gehabt haben. Friswersäum- nis Hot Ablehnung der Eritattungsanträge zur Folge. Merk- b l ä t t e r, aus denen sich sie Einzelheiten ergeben, und Vor- drucke zu Erstattungsanträgen, die auf Verdienstaussall gestützt werden, sind bei- den Finanzämtern unentgeltlich erhälllich." Zugendweihe ln Ileukölla. Die Jugendweihe findet nm Zonntag. dem 27. März. vormittaoS lO1/, Uhr, im arokeir Feitlaal der„Neuen Welt", Hasenheide, itatt. Mitwirkende: Elie Jansen. Gesang, Anna Hovs-Ge>del, Harfe, Elsriede Hovs. Harmonium, Hermann Hopf, Cello, die �-eavpoll»- Vereintguna ded Berliner Volkschors. Dirigent: Dr. Zander. Weiheredc: Stadtrat Schneider. Einlankarten zum Preise von 75 Pf. für Erwachsene und 50 Pk. für Kinder einschließlich Garderobe und Programm sind in den Vorwärtsspcditionen Neckaritr. 2 und Siegsriedsir. 25/26, von 2 bis 6 Uhr, zu haben. Die noch nicht abgeholten Elternkarten können am Mittwoch, von 4 bis 5 Uhr nachmittags bei Schneider, Oderltr. 30, in Emviang ge. nommcn werden. Freitag, den 25. März, nachmittag» 4 Uhr: letzter Unterricht Donaustr. 118/120. Alle Kinder müssen erscheinen. Führung durch Alt- Berlin. Die bis zum Januar unter Leitung des Schriftstellers Georg Baniberger veranstalteten„Führungen zu den ver. gesienen Winkeln des ältesten Berlin" fanden so großen Zuspruch, daß vit nicht alle Teilnehmer zugelassen werden konnten. ES werden daher diese Führungen, nachdem jetzt Herr Bamberger von seiner Reise zurückgekehrt ist, wieder ausgenommen. Das Bezirksamt Ichöncberg veranstaltet die nächste Führung am Sonntag, dem 27. März d. IS. Treffvunkt: st,U Uhr aus dem Spiltelmarkt, Ausgang Untergrundbahn.— Teitiiahme 50 Psg. Opfer öer Kohleverflüjffgun?. 12 Arbeiter bei einer Explosion verletzt. Ludwigshafen, 22. März.(WTB.) Gestern abend gegen 1V Uhr entstand im Kohleoerflüssigungsbetrieb der IW.-Farbenmdustrie infolge Defektwerdens einer Leitung, eine Exposion, bei der zwölf Arbeiter verletzt wurden. Zwei Arbeiter, deren Berletzungen erheblicher Natur sind, wurden in das Krankenhaus Frankenthal gebracht. Die Uebrigen kamen mit leichteren Berletzungen davon. Grosifeuer in einer Korkmühle. Murr(Obcramt Marbach), 22. März.(MTB.) Infolge einer Staubexplosion entstand am Sonnabendabend in der Kork- mühle der Firma Ludwig Zinser ein Feuer, das an dem Korkmchl und den Korkballen reiche Nahrung fand. Die Fabrik brannte voll» ständig nieder. Ein Arbeiter wird vermißt: er ist ver- mutlich verbrannt. Der O b e r m ü l l e r Unselt erlitt bei der Explosion so schwere Brandwunden, daß er noch in derselben Jlacht im Krankenhaus starb. Durch eine einstürzende Mauer wurde ein Mann schwer verletzt. Drei Personen erlitten leichtere Verletzungen. Nachahmenswertes aus Wien. Der sozialdemokratische Gemeinderat Wiens hat damit begonnen, jeder Mutter, ob sie bedürftig ist oder nicht, für die von ihr geborenen Kinder die Säuglingswäsche zur Verfügung z u st« l l e n. Jedes Neugeborene erhält nunmehr von der Gemeinde Wien als Geburtstagsgeschenk einen Karton, der, mit einem Bilde der Harnnakschen„Mutter"-Statue geschmückt, eine aus besten Stoffen ausgewählte Säuglingsgarnitur enthält, wie sie bisher nur begüterte Müller ihren Kindern kaufen konnten. Der Karton enthält 24 Windeln, zwei Flanelle, eine groß« warme Flanelldecke, ein Bade- tuch, zwei Gummieinlagen, sechs Hemdchen, sechs Jäckchen, ein Tag- kleidchen, zwei Nabelbinden und«ine Houtgarnitur— bestehend aus Seife, Kindercreme und Streupuloer. Bei der Geburt von-Zwillingen bekommt die Muller zwei Garnituren.— Und diesen„roten Ge. meinderat" nennt die kapitalistisch« Presse„bevölkerungsfeindlich". Allerdings nimmt er die Steuern rücksichtslos dort, wo wirklich weiche zu holen sind! Ein Racheakt. Zwei Todesurteile sind, laut Meldung der „Prawda" vom 18. März, von dem Bezirksgericht Kamensk-Rußland gegen die Großbauern Woronkow und Oskolkow gefällt worden, die am 13. Januar d. I. dem Kleinbauern Krjukow einen T e i l s e i n e r Zunge abgeschnitten hatten. Krjukow hatte nämlich der Walhlkommission über die Bauernwirtschaften der beiden gewisse Mitteilungen gemacht, die den Verlust des Wahlrechts für W. und O. zur Folge hatte, und aus Rache hatten sie die fürchterlich« Tat begangen. Woronkow ist übrigens ein früherer zaristischer Land» Polizist gewesen, Die Zoröerungen öer Eisenbahnen. Wiederherstellung des Achtstundentags und Lohnerhöhung Die Tarifgemeiiilchaften der Eisenbahner haben ihre fouiruilier: fen Forderungen der Hauptverwaltung der Reichsbahnge/cllschaft überreicht. Die Verhandlungen darüber dürften Ende dieser Woche beginnen. Die Eiscnbahncrgewerkschafien verlangen neben einer Lohner höhung von 6 Ps. pro Stunde für die Lohngruppen I bis Vill und für die Lohngruppe VIII 75 Proz. der Lohngruppe VII, eine Der- türzung der Arbeitszeit aus acht Stunden täglich, und zwar ohne 6 in buh« a ir Lohn. Dementsprechend sollen luch die D i e n st d a u e r vo r s ch r i s te n verkürzt werden. Für die Schichtlöhne wird gleichsalls eine entsprechende Lohnechähung dzw. Bezahlung der VII. Lohngruppe gefordert. Es wird weiter gefordert, daß die Reparaturarbeitcr der Eisenbohnbetriebswerke j» wie der Arbeiter im Güterbodendienst, in den Umladehallen und selb iiändigen Dienststellen aus den Dicnstdauervorschrjften heraus zenommen werden sollen. Die„Rote Fahne" behauptet, daß die Zahl der zu leistenden lleberftunden tariflich vereinbart werden soll. Davon kann gar keine Kode sein, weil Ueberstunden(für die ein prozentualer Zuschlag ge. iarderl wird) heute nur mit der Betriebsvcrtretung vereinbart werdev Annen. Nur in Notfällen, wie bei Eisenbahnunfallcn, kann »hne Zustimmung der Betriebsvertrctung die Leistung der lieber. künden angeordnet werden. Wenn die„Rote Fahne" weiter die höhe der geforderten Lohnzulage bemängell, dann ist dazu nur zu ogen, daß man in der Redaktion der„Roten Fahne" offenbar chlecht rechnen kann. Davon abgesehen, muß festgestellt werden, daß die eine der bei- »en Hauptforderungen, die Wiederherstellung des Acht stunden- >a g e». von der Richsbahnvcrwaltung nicht mehr abgelehnt werden dnn, wenn sie sich nicht in Widerspruch mit den Zusagen der Reichs- egierung und den sozialen Notwendigkeiten setzen will. Es ist ein- och unerträglich, daß das größte Unternehmen Deutschlands elbst in den Betriebswerkstätten heute noch den N c u n st u n d« n.. >ag aufrechterhält und in den Dienstdaueroorschriften Schicht- ,eiten bis zu 16 Stunden zuläßt, während über zwei Rillionen Arbeitslose von der Ocssentlichkeit unterhalten werden nüssen. Daß die Löhne dnugend der Aufbesserung bedürfen, schon rshalb, weil seit Abschluß der letzten Lohnvereinbarung die Lebens. soltungskosten ganz erheblich gestiegen sind und weil außerdem am l. April eine Erhöhung der Wohnungsmieten einttitt, bedarf wohl eines weiteren Nachweises. Diese Lohnerhöhung ist in Wirklich- tit nur ein Ausgleich gegenüber der verteuerten Lebens-- oltung. Darüber hinaus muß die Reichsbahn aber auch einen Ans- ,leich für die gesteigerte Leistung zahlen. Die rseßge krbestslosigteit, unter der die Arbeiterschaft und mit ihr das ge- imte Wirtschaftsleben leidet, ist direkt verursacht durch die in die stihe getriebene« Leistungen, für die aus der Lohnjeite kein lusgleich geschafft» wurde. Die sinanzielle Lage der Reichs- ahn ist derart, daß sie die geforderten Lohnerhöhungen auch zahlen ann. also zahlen muß._ lerkehrsminifteriumuoü�trbeitsbeschaffung Arbeitszeiten von 10 bis 12 Stunden. Zu der Erwiderung des Reichsvertehrsministeriums wird uns geschrieben: «.o�Das Reichsverkehrsministerium fühv sich ungerecht durch unsere » der Abendausgabe des„vorwärts" gebrachte Notiz beschuldigt Ad erklärt, daß die Arbeiten des Bauhofes Magdeburg licht zum Arbeitsbeschaffungsprogramm gehören. Dem Reichsverkehrsministerium ist betzonnt, daß die bei Ar- eiten des Arbeitsbeschaffungsprogramms zu verwendenden Geräte Af dem Bahnhof instand gesetzt werden. Das Reichsverkehrsministe- tum bestreitet nicht die acht Stunden überschreitende Arbeitszeit. dem Reichsverkehrsministerium ist bekannt, daß in seinen Betrieben r gelmäßig S. 10, 12 bis 14 Stunden täglich gearbeitet wird. Im »ahmen des Arbcitsbeschaffungsprogramms vergibt das Reichs- »rrtehrsministerium Arbeiten an Unternehmer, die regelmäßig v bis 12 Stunden täglich arbeiten. Dem Reichsverkehrsministerium st dieser Zustand bekannt, ohne daß Abhilfe ge- lch a f f e n i st. Auf den Neubaustellen des Hebewerks Niedersinow, vor >en Toren Berlins, sind Arbeiten vom Reichsverkehrsministerium m die Firmen Ways u. Freitag und Kurt Zindt ver- leben, die ihre Arbeiter zu einer regelmäßigen zehn- und nehr stündigen Arbeit zwingen. Die Firma Ley- na nn. die Arbeiten des Reichsverkchrsministeriums ausführt, irbeitet 12 Stunden usw. Unzweifelhaft bedeutet diese überlange Arbeitszeit, die zum teil im Rahmen des Ar b e i t sb e s cha ffu n g s p ro- l r a m m s ausgeführt wird, eine Sabotage desselben. Herr Reichsverkehrsminister. es wird Zeit, daß tjie energisch zugreifen und diese Sabotage des Arbeitsbeschaffungsprogramms turch die Ihnen unterstellten Beamten verhindern! Zur Lohnbewegung in den Buchbindereien. Auch de» Akkordarbciteru gebührt die Lohnerhöhung. In den Zcntraltheater-Festsälen nahm die Arbeiterschaft, die unier dem Api-Tarif beschäftigt ist, Stellung zu den letzten Lohn- Verhandlungen. Nach ausführlichen Darlegungen des Genossen Herzog, der auf die Schwierigkeiten hinwies, um zu dem erzielten Resultat zu kommen(7 bzw. 9 Pf), wurde doch von allen Diskussionsrednern das endgültige Abkommen, noch dazu auf so lange Zeit, aufs schärffte kritisiert. Besonders hervorgehoben wurde, daß nur die Hälft« der Kollegenfchoft in Lohn arbeite, für die übrige 5)älfte der Akkordarbeiter aber überhaupt keine Zulage erhandelt morden fei. Während bei früheren Lohnverhandlungen der prozen- tuale Zuschlag auf den Lohn auch den Akkordarbeitern zugute kam. indem die Prozente auch auf die Akkordprcise gelegt wurden, hat man diesmal letzteres vollständig aus den Augen gelassen. Da dies nicht geschehen ist, protestierten die Akkordarbeiter gegen das Lohn- abkommen und verlangen von den Unterhändlern, Maßnahmen zu ergreifen, damit auch die Akkordarbeiter zu ihrem Rechte kommen. Zunächst verpflichteten sich ober die Vertreter der Arbeiterschaft in den Betrieben mit allen Mitteln zu versuchen, daß die prozentuale Zulage auch für die Akkordarbeiter Gellung erlange. Ein« Resolution in diesem«sinne wurde einstimmig angenommen. Es nürd nunmehr darauf ankommen, daß die Arbeiterschaft in den Betr/eben daraus dringt, daß die Akkordtarif« entsprechend umgearbeitet werden. Es kann natürkich nicht angehen, daß eine HKlfte der Arbeiterschaft ein« Lohnzuloge bekommt, die andere Hälfte-aber völlig leer ausgeht Konflikt!n See Portefeuilles- unS Reifeartikelbranche Am 1. März hatte die Mitgliederversammlung der Portefeuiller- uOd Reiseartikelbranche beschlossen, das seit dem 18. September 1925 gestehende Lohnabkommen zu kündigen und eine Erhöhung der Löhne um 2ö Proz. zu fordern. In den Verhandlungen am Donnerstag voriger Woche zeigten sich die Unternebmer dieser Forderung gegenüber zunächst hartnäckig »nd versuchten den Beweis dafür anzutreten, daß seit dem Abschluß des letzten Lohnabkommens eine nennenswerte Berteuerung per Lcbenzhalmngskosten gar nicht eingetreten sei und die Forderung jeder Grundlage entbehre. Als Beispiel ihrer„sachlichen" Argu- mentotion sei nur angeführt, daß sie u. a. behaupteten, der Arbeiter bönne sich heute sür 12,30 M. ein ebenso gutes Paar Schuhe kaufen wie zu dem gleichen Preis in der Vorkriegszeit. Es fiel der Derhandlungskommisston nicht schwer, dieses und ähnliche Argumente zu widerlegen und nachzuweisen, wie der Lebensstandard der Arbeiter seit Abschluß des letzten Tarifs gesunken und wie begründet die Forderung sei. Nach vierstündigen Ver- Handlungen machten die Unternehmer schließlich das Angebot, die Löhne ob 1. April um 5 Proz. und ab 1. Oktober bis 31. März 1928 um weitere 2 Proz., insgesamt um 7 Proz. zu erhöhen. Nach diesem Angebot würde sich der Spitzenlohn ab 1. April von 88 Pf. auf 02,5 Pf. und ob 1. Oktober aus 94 Pf. erhöhen. Dieses Angebot wurde von der Verhandlungskommission ab- gelehnt und die Forderung dabin reduziert, daß sür das erste Halbjahr 10 Proz. mehr gleich 97 Pf. Spitzcnlohn und für das zweite Halbjahr weitere 3 Proz. gleich 1,01 M. Spitzenlohn gefordert würde». Die Unternehmer lehnten darauf jede weitere Verhand- lung ab. so daß die Verhandlungen ergebnislos abge- krochen wurden. Die Vronchenkommission, die sich dann mit der Situation be- chäftigte, beschloß nach eingehender Beratung, den Schlichtungsaus. chuß nicht anzurufen. Sie empfahl der zu Montag abend nach Boekers Festsälen einberuscn�i Brauchenversommlung die Annahme einer Entschließuna� in der das Angebet der Unternehmer als völlig ungenügend abgelehnt und die Verhandlung?- kommission beauftragt wird, nochmals mit den Unternehmern in Verhandlungen zu treten. Die gut besuchte Versammlung stimmte nach einem Bericht des ersten Bevollmächtigten der Ortsverwaltuna des Verbandes der Sattler. Tapezierer und Portefeuiller, Genossen Blume, der vor- gelegten Entschließung einstimmig zu und wird die weiteren Be- schlüsse nach dem Vorliegen eines anderen Verhandlungsergebnisses in einer neuen Versammlung fassen. Hautag ües Deutschen LanSarbeiterverbanües. Zum 19. und 20. März hatte die Gauleitung des Deutschen Landorbeiterbondes in Landsberg a. d. Warche ihre Delegierten zu einer Tagung für den Gau Brandenburg-Grenzmart einberufen. Hervorzuheben ist, daß von den geladenen Behörden und Gästen auch das Reichsernährungsministerium durch Ministerialrat Faa ß vertreten war. Nachdem der Gauleiter den Geschäftsbericht und einen Bericht über die Lohnbewegung gegeben halle, sprach der erste Bor- sitzende, Genosse Georg Schmidt, über die wirtschaftliche Lage der deutschen Landwirtschaft. In seinem von wiederholter lebhafter Zu- stimmung unterbrochenen Vortrag bewies er, daß die Wirtschaft- liche Lage der Landwirtschaft im allgemeinen sich gebessert hat, mit Ausnahme der zur Landwirtschaft gehörenden Landarbeiter. Ingenieur Karte von der Brandenburgischen landwirtschast- lichen Berufsgenassenschaft sprach über die linfallgefahren in der Landwirtschaft. Auch dieser interessante Dortrag wurde beifällig ausgenommen. Am zweiten Tag sprach zuerst Dr. Ries, Leiter des staatlichen Versuchsguts Oldenburg, über die praktische Auswirkung der Land- arbeitslchre für die Landarbeiter. Der Raummangel gestattet uns nicht, auf das besonders für die Landorbeste? so wschksge Thems näher einzugehen. Zum legten Punkt der Tagesordnung, die wirtschaftliche Auf- gäbe der Betriebsräte in der Land- und Forstwirtschait, sprach das Vorstandsmitglied Genosse Kreutzer. Dieser Vortrag zeigte, wie die Agrarier gegen das Beiriebsrätegesetz ankämpfen, wie aber auf der anderen Seite dieses Gesetz von der Landarbeiterschaft viel zu wenig zu ihren Gunsten gel>andhabt wird. Alles in allem ist zu jagen, daß diese von einem guten Geist getragene Konserenz zweiielsohne seine Nachwirkungen auf dem flachen Lande im Interesse des Deutschen Landarbeiteroerbandcs haben wird._ Lohnbersegung öer sächsischen Hemeinüearbeiter. Dresden, 22. März.(Eigener Drahtbcricht.) Die Landesocr- sammlung des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeüer, Wirt- schaftsbezirk Sachsen, beschloß einstimmig, die geltende Lohnverein- barung init dem Arbeitgeberoerband sächsischer Gemeinden zu k ü n- digen. Die Landestarifkoinmission wurde mit der Ausstellung der einzureichenden Forderungen beauftragt. Für die Bewegung kommen etwa 20 000 Arbeiter bei den sächsischen Gemeinden in Betracht. Die jetzigen Löhne der sächsischen Gemeindearbeiter stehen bei den ge- lcrmen Arbeitern an 14. Stelle, bei den angelernten und bei den un- gelernten Arbeitern an 16 Stell« gegenüber den Löhnen der Ge- mcindeorbeiter in den übrigen deutschen Ländern. Unter 24 In- duslliearbeitergruppen in Sachsen stehen die sächsischen Gemeinde» arbeiterlöhne erst an 18. Stelle. Gewerkschaftseutwicklung in der Schweiz 1925. Die Gewerkschaftsbewegung in der Schweiz hat im Vergleich zur Vorkriegszell einen recht bemerkenswerten Umfang ange- Nammen. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sind Haupt- sächlich Mitglieder des schweizerischen Gewerkschastsverbandes. Diesem Verbände gehörten 1913 89 398 Mitglieder(davon 9,7 Proz. weibliche) an, der Höchststand der Entwicklung wurde 1m Jahre 1919 mit 223 588 Organisierten(davon 19,6 Proz. weibliche) erreicht. Allerdings brachte bereits das tolgende Jahr einen Rückgang um insgesamt 30,8 Proz. aus 134 692 mit sich, der sich bis zum Jahre 192.3 fortsetzte, wo 137 433 männliche und 12 564 weibliche Mitglieder gezählt wurden. Es zeigt sich also im Verhältnis zur Gesamtarbciterzahl der Schweiz, die 1920 1 327 089 betrug, einen Rückgang der Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter von 16,8 Proz. im Jahre 1919 auf 11,3 Proz. im Jahre 1923. Der größte Teil der(62,4 Proz.) der Mitglieder im Jahre 1923 war in Privatbetrieben, der Rest in öffemlichen Uillernehmungcn tötig, davon ollein 36333(24,3 Proz.) in Eisenbahnbetrieben. Bon den bei privaten Unternehmungen Beschäftigten enifielcn 28,-3 Pro.z. aus die M e t o l l- und U h r e n i n d u st r i e, 11,8 Proz auf das Baugewerbe. 7,6 Proz. auf die T e r t i l i n d u st r i e und der Rest von 21 833(14.-3 Proz.) auf den Handel, Verkehr und das Nahrungsmittelgewerbe._ Sch. flus öer Partei. Die britische Arbeiterpartei und die Kommunisten. Der Lioerpooler Parteitag der britischen Arbeiterpartei halte zu einem Antrag auf die'Aufnahme der Kommunistischen Partei(die Labour Party ist«in Verband von Organisationen) aus Empfehlung des E�ekutioausschusses beschlossen, daß 1. kein Mitglied der Koni- munistischen Partei in die Labour Party ausgenommen werden oder deren Mitglied bleiben kann und 2. die angeschlossenen Gewerk- schaften ausgefordert werden, auf die Entsendung von Kommunisten oder Mitgliedern nicht angeschlossener politischer Parteien als Delc- gierte zu Parteitagen oder Konferenzen von Lokalorganisationen und Kongressen zu verzichten. Gemäß diesem Beschluß, dessen Durch- führung seither den Lokalorganisationen stets wieder in Erinnerung gerufen wurde und der mehrere Ausschließungen notwendig machte, wurden bei einer kürzlich abgehaltenen Eitzung der Erekutwe der Labonr Party drei Ortsgruppen in Wales„wegen fort- gesetzter Zuwiderhandlung gegen die Lioerpooler Beschlüsse" aus- geschlossen. Pcr-niwoitlich für Politik:«ictor Schilt! Wirtschaft: S.«li-arldöser: GewerksKaftsbcw�iZUna: Fr. Ejskorn; Fenlllcton: Dr. John Schikowsli: Lokales: und CEouftiges: Fritz Äarstödt: Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Terlag: PorVörts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: VorivSrts.Bnchdruckerei und Verlagsanstalt Vau! Singer u Co.. Berlin EM 68. Lindenftr/iße 3. lmM-pM. knöMMe 64 Vorn 22. bis 24. Märr Luciano Albcrtini ia Rtnaldo MnsiMi! llallsiliiDliilii-UdilsM.Biisti.IS Ab Dienstag, den 22. März 1427 Opfer des Blutes mit Cola\rgrl u. Die Bluibochzeit des Castros mit Rudolf Valcntino Du mttUnlst Bi atMrämn.: Ditml! iüratnidiw. »MM-IüM. BaWraße 13 De ptln fillice rjjn bis DnnTsfit nr iisgirt imn, der SftredtUdte Eelaart iL ia jrMUma Dessl de tidsliub lattlon Das gute Beiprogramm. Die ersütlassiee Bühncoschnn. Berliner||ik-TriO Neukölln. MM Lahn»; r- 74 781 WÜRSTCHEN* BOOKWURST g Etwas ganz Besonderes! Rlesenbrlile SC a. 60 PI. Viele Schcrr- Neuhelien! Mützen Dutzend von 20 PI. an. 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