Nr.lZS ♦ 44.5ahrg. Musgabe A Nr. 70 Bezugspreis. «öcht»tliib 70 Psenni«, Btanatlü » Zteich-mark ootaus»olllbct. Unter ftteiubotii für Deullckian». SJciuiia Saar- und ffiemelaebiet. OeftertttiS. Sitautn. Cuttaibut« täO Reichsmark, für bas üb eise Kuslanb 5S0 Reich-marl pro Monat. Der.BarwZrt»' mit der illnftrier» ten Sonntassbeilage»Bolk nnb Zeit' sowie ben Beilagen.Unterbaltn», uno Wissen'.Aus der Zitawelt*. «Zrauenstimme*.Der ftinbep- freunb*..Lugend-BorwSrt»* und .Blick in die Bücherwelt* erscheint wochentaglich zweimal. Sonntag« und Montag» einmal. kelegramm-Adreffe: �i>oztols»«a»otrot ver»»' Morgenausgabe Verlinev (�10 pksn�ig� Anzeigenpreise: Di««tnibalttg« Ronoareive- «eile 80 Viennig. Nellame,oil» B,— Reichsmark..Kleine An,ei!»»n* das iettaedruckte Wort 28 Vrenn M s»llISssia»wei settacdrncktr Dort«.». jedes weitere Wort 12 Vkcnnia. Stellengesuch« das erst« Wort U Vscnnig. iedes weitere Wort 10 Biennig. Dort« über lö Buch- ltaben«iiblen für«wei Worle. tlrbeitsmarkt Keile 80 Dkennig. Damilicnan, eigen für Abonnenten Keil« i3 Diennig. «lnteigen für die nilchlie Rumm«: Müllen bis«tb Ubr nachmittags im Sauvtaelchäst, Berlin SW 88. Linden. strake 3. abgegeben werden. EeSfsnet von 8!t, Ubr srüb bis S Ubr nachm. Zcntvulorqun der Sozialdemohratifcben Partei Deutfcblands Reüaktion und Verlag: ö erlin SW. öS, Linöenstraße 2 Fernsprecher: Tönhoff SSS— 2S7. was geht in Schanghai vor! Schießereien— Plünderungen— Brande- Panik— Generalstreik. London. 22. März.(Eig. Drahkbcr.) Es ist am Dienslag- abend schwerer als jemals, sich ans der Masse einander wider- sprechender Scnsalions- und Tcndenzmeldvngen ans Schanghai ein Bild über die wirkliche Lage zu macheu. Augenscheinlich waren die Unruhen am Dienstag im weseallichea aus Schanghai- Borden beschränki, wo zahlreiche versprengte und völlig demo- rolisierl« kleine Truppenteile der geschlagenen Bordarmee wahllos plünderten und seuerien. Diese plündernden Soldaten wurden von Irregulären der Sanlonarmee und bc- wajfncten Arbeitern Schanghais angegrifseu und nachdem auch reguläre Truppen der Sanlonarmee eingegriffen, oom Rückzug nach dem Borden abgeschnitten. Sic versuchken nach Süden aus- zuweichen vnd durch die Verteidigungslinie der lnlernalionalen Siedlungen durchzubrechen. Dabei kam es zu zwei Gefechten mit britischen und japanischen Truppen. Der erste Dnrchbruchsoersuch schelui erhebliche Verluste verursacht zu haben: bei dem zweiten versuch wurden Z00 Soldaten der Bordarmee entwaffnet. Die Hauptmasse der Santo». armee rückte am Dienstag nachmittag 4 Uhr chinesischer Zelt In Schanghai ein und hat erfolgreich begonnen, im Borden Ordnung zu schaffen. Ein Gesahrenmoment besonderer Art ergibt sich aus der Tatsache, daß die iuternationale europäische Verteidigungslinie, die sich bereit» auf rein chinesischem Bob-n» außerhalb der Konzessionen befindet, am Dienstag noch r.iler in rein chinesisches Gebiet hlueln ausgedehnt war- dcu ist. Dieser Schritt hat unter der chinesischen Bevölkerung große Erregung hervorgerufen. Die Militärs erklären aber diesen Schritt zur Verteidigung der europäischen Siedlungen für unbedingt uötig. Britische Bachrichlen meldeten übertriebenerweise. daß die europäischen Siedlungen ununterbrochen unter Feuer stehen. Mit diesen Meldungen steht aber die Totsach« im Wider- spruch. daß noch den hier vorliegenden Meldungen bisher kein einziger getöteter oder verwundeter kämpfender europäischer Soldat verzeichnet wurde. Aus den vcrschie- denen Meldungen gewinnt man den Eindruck, daß die britische Be- völkerung von Schanghai das Opfer einer Panik geworden ist. Sie befürchtet, daß in der Bachl zum Mittwoch die streikende Ar- belterschofl gemeinsam mit den Kantontrnppen den Bersuch machen wird, die Verteidigung der europäischen Siedlungen zu durchbrechen und tu die internationalen Siedlungen einzudringen. Der Streik selbst dauert an. Die Streikleitung hat«inen Ausruf erlaßen, daß der Streik keinerlei sremdenseind- lichcn Eharakler trage. * Dieses Telegramm unseres Londoner Korrespondenten scheint uns in treffender Wcisp die W i d e r s p r ü ch e zwischen den zahlreichen Meldungen zu charakterisieren, die im Laufe des gestrigen Tages aus englischer Quelle über die Ereignisse in Schanghai verbreitet worden sind. Wir verzichten des- halb auch darauf, diese zahllosen Meldungen wiederzugeben. Bor allem scheint daraus hervorzugehen, daß die vielfach gemeldeten Versuche von Angehörigen der N o r d t r u p p e n, in die ausländischen Konzcssionen einzudringen, so zu er- klären sind, daß diese geschlagenen und demoralisierten Truppen sich vor der Verfolgung durch die einrückenden Kantontruppen durch Ucbertritt auf das internationale Kon- zessionsgebiet zu retten versuchen. Daß sie bei dieser Ge- legenheit, soweit es ihnen gelungen ist, in die internationale Konzession einzudringen, noch obendrein plündern, war unvermeidlich. Die Engländer haben jedoch kein Recht, sich darüber zu entrüsten, denn bis vor kurzem setzten gerade sie ihre chosfnungen auf die Nordtruppen gegen die national- revolutionäre Armee der Kantonregierung. Sie haben keinen Finger gerührt, als noch vor wenigen Wochen ein Generalstreikverfuch der Schanghaier Gewerkschaften in der barbarischsten Weise von dem dortigen Gouverneur unter- drückt wurde. Es haben im Gegenteil einzelne englische Zeitungsberichterstatter die Mechode des Enthauptens von Streitposten auf offener Straße als„das wirksamste Mittel gegen das Streikfieber" gepriesen. Die jetzige Panik der britischen Zeitungskorrespondenten ist durch ihr schlechtes Gewissen erklärlich. Bis zur Stunde gewinnt man den Eindruck, als hätten die regulären Truppen der Kantonarmee keinerlei Ausschreitungen begangen und als hätten sie den strikten Befehl, die fremde Stadt einstweilen nicht zu besetzen. Allerdings kann sich die Lage jeden Augenblick ändern. Auch Nanking gefallen. L o n d on. 22. März.(MTB.) Bläflermeldnngen au» Schang- Hai zufolge wird die Einnahme Bankings durch die Sanlonesen gemeldet, die dadurch Herren ganz Chinas südlich des Zangtse-Flustes«erden. k" Internationale und Saltankriegsgefahr. französische Genossen verlangen eine Tondertagung der Internationale. Pari«. 22. März.(Eigener Drahtbericht.) Abg. Genosse R e a a u d e l Hot an den Sekretär der Sozialistischen Internationale, Genossen Friedrich Adler telegraphiert, daß er am Mittwoch vom Verwaltungsrat der sozialistischen Parle! Frankreichs den Anlrag auf schleunige Einberufung de» ExekuNvkomIiee, der Arbeiter- internationale nach Genf verlangen werde, um eine Slellong- nähme der Arbeilerschafi zo dem bedrohlichen Sonflikt zwischen Jlallen und Iogoslawien herbeizuführen. Srianü über üas Zusammengehen üer Mächte. Pari», 22. März.(MTB.) Auf eine sozialistische Znicr- pellation über deu Bolkankouflikl erklärte B r i o n d. die sranzSsische Regierung Hab« gleich iu den ersten Stunden Ratschläge der Vorsicht, der Kaltblütigkeit und der Mäßigung gegeben und zwar in Uebereinstimmung mit Großbritannien und Deutschland. Die Beratung der IulerpÄlatiou wurde trotz sozialistlschea Protestes auf nabestimmte Zelt vertagt. Kein Ergebnis üer diplomatischen S'eileguagsversuche pari». 22. März.(Eig. Drahtber.) Dem Ministerrat Hai Driond über den Stand der diplomatischen Verhandlungen über den jugo- flawisch-italienischen Konflikt berichtet. Aus dem Bericht geht hervor — und das wird hier außerordentlich bedauert—> daß in den Ver- Handlungen zwischen den Kabinetten keinerlei Fortschritt« erzielt sind. Die Blätter, besonders die der Linken, geben ihrer Be- stürzung darüber Ausdruck, daß durch die l a n g e Dauer der Ber- Handlungen kostbare Zeit verloren geht. Ein Eingreifen des Dölkerbundes scheint angesichts der ab- lehnendenhaltunggtaliens gänzlich ausgeschlossen. Aber auch von dem Plan der Entsendung einer internationalen Unter- suchungskommission scheint man abgekommen zu sein. Der„I«mps" glaubt, daß die rascheste Beilegung durch direkte Derhandlungen zwischen Rom und Belgrad erzielt werden könnte. . Reuter behauptet Befferung. i London. 22. März.(Reuter.) In der ttolienisch.jugoslawischen Krise wegen Albanien ist nach dem allgemeinen Eindruck in London Dw Dejf«r»ng eingetreten.— Au, Gens wird berichtet, der Eindruck in Bölkerbundskreisen sei, daß di« ita- lienisch-jugoslawische Schwierigkeit durch di« Mächte geregelt und nicht vor den Völkerbund gebracht werden würde. die Genfer �brüftungsüebatte. Eine Erklärung des Grafen Bernftorff. Gens, 22. März.(Eig. Drahtb.) In der Borbreitenden Ab- rüstungskommission betonte der deutsche Delegierte Gras Bern- st o r s f, daß nach den vielen mühsamen Derhandlungen der Sach- verständigen nunmehr auch Taten folgen müßten. Die Blicke namentlich der kleinen und der bereits abgerüsteten Staaten seien aus Genf gerichtet. Gegenüber der Gefahr eines ungleichen Rnstmigsslandes sei die wichligste Aufgabe die Herabsetzung der Rüstungen. Die deutsche Regierung, die zu ernster Mitarbeit bereit sei, könne unbefriedigenden Lösungen nicht zustimmen. Endziel müßte eine An- und Ausgleichung der Rüstungen sein, die allein dem Völkerbund vollste Aktionsmöglichteit gewährleiste! Am Schluß sagte Bernstorfs, daß die Unterzeichner des Schlußprotokalls zu den Lo- canroverträgen sich verpflichtet haben,„den vom Völkerbund aum Zweck der Abrüstung unternommenen Arbeiten ihre ehrliche Mit- Wirkung zu gewähren und durch gemeinsame Berständigung diese Bestrebungen in die Wirklichkeit umzusetzen. Sokal-Polen warnt« vor unbestimmten Lösungen, die nur gut- gläubige Opfer der Abrüstung schassen könnten. Polen sei bereit, an der Beschränkung der Rüstungen mitzuarbeiten. vorzugsbehanölung für Nathenau-Nörüer. Ein TtrafanstaltSdirektor vor Gericht. Beumünster. 22. Mörz.(TU.) Ein Prozeß, der mit einer gewissen Spannung erwartet wurde, wurde heute in Reumünster abgeschlossen. Der frühere Direktor des hiesigen Zentralgefängnisses stand unter der Anklage der Gefangencnbefreiung vor dem Schöffen- gericht. Es wurde ihm zu? Last gelegt,«inen Strafgefangenen, und zwar den früheren Marineoberleutnant Brandt, der wegen feiner Verwicklung in der R o t h e n a u- Mardoffäre vier Jahre Gefängnis zu verbüßen hatte, vorzugsweise behandelt zu hoben. Er erhiell an Stelle eiiier cm sich verwirkten Gefängnisstrose von einem Monat «ine Geldstrafe von200 Mark, dazu die Kosten des Der- fahren».. Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SW. HS, Llnöenstr.Z V«stsavt»i Berlin 37 83«— Bankkontai Bans der Arbliter. Angest-IIc» nnb Beamten. Wallslr.«8: Dislanta-Selclllibast. Dcnasitrntasse Linden ftr. 3. Mußenpolitisches Halbdunkel. Tic Debatte im Reichstag.— Und was tut Marx? Herr Stresemann» den nach dem nationalliberalen Jubiläumsliede„der Himmel auserkoren zum Führer aus der fremden Knechtschaft Fron". Herr Stresemann hat gestern im Reichstag eine sehr kurze Rede gehalten. Man darf an- nehmen, daß Herr Stresemann länger geredet hätte, wenn es ihm möglich gewesen wäre, über Erfolge zu berichten. Indes hat er den edlen Freimut besessen, selber zu verkün- den, daß solche Erfolge— vor allem auf dem entscheidend «yfitigen Gebiet der Räumung. des besetzten Gebiets— n ichT�v-varzeichnen sind, und in dieser Lufsassung sind ihm auch sämtliche Redner des Hauses beigetreten. Eine schön« Harmonie! Heber die Ursachen dieses wenig erfreulichen Zustondcs find die Meinungen geteilt. Herr K a a s hat für das Zentrum der Auffassung Ausdruck gegeben, daß die Umbildung der Regierung noch rechts an ihm nicht ganz un- schuldig sei. Nicht daß sich der außenpolitische Kurs der Re- gierung geändert hätte— eine solche Aenderung, sagt Herr Kaas, würde das Zentrum gar nicht gestatten— aber psychologisch sei es eben für das Ausland nicht ohne Wirkung, wenn man die Deutschnationalen auf der Regierungsbank erblicke. Also man macht mit den Deutschnationalen die alte Außen- Politik weiter, man macht sie aber mit geringerer Aussicht auf Erfolg. Gäbe es eins Abstimmung darüber, so würde der Reiche- tag mit Mehrheit entscheiden, daß die Beteiligung der Deutsch- nationalen an der Regierung für das Deutsche Reich außen- politisch schädlich ist. Trotzdem haben wir die Bürgerblock- regicrung und gibt es eine Reichstagsmehrheit, die sie stützt. Dabei kann man der deutschnationalen Reichstagsfraktion aus ihrer Haltung nicht einmal einen Vorwurf machen, abgesehen von dem einen, daß sie im Gegensatz zu allen deutschnationalen Theorien steht. Sie benimmt sich wie ein Schüler, der keinen anderen Wunsch kennt als den, zu Ostern versetzt zu werden, und überläßt es in schöner Arbeitsteilung ihrer Presse, das außenpolitische Porzellan zu zerschlagen, das etwa noch heil ist. Darüber hat B r e i t s ch e i d gestern Aus- gezeichnetes gesagt, was man in seiner Rede nachlesen mag. Breitscheids Rede war von hohem außenpolitischen Ber- antwortungsbewußtsein diktiert. Auch Italien gegenüber. Gegen Herrn Mussolini sind im Reichstag, damals als die Antwort auf feine Brenner-Redc gegeben wurde, ganz andere Tön« geredet worden als gestern, und Herr Strefe- mann saß daneben und schmunzelte wohlgefällig. Brcitscheid hat aber recht gehabt, sich in seiner Kritik des faschistischen Diktators auf das Allcmotwendigfte zu beschränken, denn es kann nicht unsere Aufgabe sein, in das Feuer zu blasen, das in Albanien angezündet worden ist. Um so erstaunter mußte man sein, daß sich Herr Stresemann gleich nach der Rede unseres Parteigenossen erhob, um sich schützend vor Mussolini zu stellen. Diese Beflissenheit dem Duce gegenüber war ein schwerer taktischer Mißgriff, denn es ist gefährlich, djesen Mann in dem Glauben zu bestärken, er habe schon ganz Europa in der Tasche. Die englische Presse hatte d�s vier- vndzwanzig Stunden früher erkannt und eine sichtbar-' Schwenkung vorgenomfnen. Wir wünschen nicht, in Händel mit dem wilden Mann von Rom zu geraten, aber genau ebensowenig wünschen wir, uns mit ihm allein auf weiter Flur zu finden. Im übrigen hat Herr Stresemann in seiner Rede— wir erkennen auch das Gute gerne an— einen sehr klugen Satz gesprochen. Nach einem Hinweis auf das Friedens- b e d ü r f n i s Deutschlands sagte er:„Es ist für uns eine glückliche Tatsache, daß das wohlverstandene gesamt- europäische Interesse mit dem individuellen Inter- esse Deutschlands sich völlig deckt." Das ist allerdings eine Tatsache, und eine sehr glückliche. Würde sie in den: Mittelpunkt der ganzen auswärtigen Po- litik Deutschlands gestellt und würde Deutschland als die große moralische Friedens macht Europas in Er- scheinung treten, so wäre das ein sehr großer Gewinn. Aber wie macht man das mit dieser Reichswehr und mit dieser Reichsregierung? Das ist das große Problem. Wenn Herr Spahn jumor, den der Reichstagswitz im Gegensatz zu seinem leider verstorbenen Vater den Erünspahn nennt, von den schönen Zeiten der C u n o- R o s c n b e r g fchnzärmt, in denen wir den frischen fröhlichen Ruhrkrieg führten, und wenn die größte Regierungspartei im stillen jetzt wie vor- dem im lauten von internationalen Konflikten träumt, bei denen ihr Weizen blühen soll— wo soll dann der Glaube an die große Friedensmission Deutschlands herkommen? Ja, wo soll dieser Glaube herkommen, wenn zum Beispiel Borgänge wie der folgende möglich sind: Die Filmprüfstelle verbietet einen Film„Land unterm Kreuz", nachdem Ver- treter des Auswärligen Amtes die Meinung kundgetan, daß die Darstellung der oberschlcsischen Wirren während der Derhandlungen in Genf nicht opportun sei. Die Filmprüfftelle nimmt, wie uns scheint, nicht mit Unrecht, an, paß es auch nach Gens Verhandlungen mit den Palm geben wirk, die mW gestor! werksn sollen, und verbiete! den Film. Darauf Sturm in der deutschnationalen Presse, be- sonders im Hause Hugsnberg, dem die„Deulig", die Unter- nehmerin dieses Films, angegliedert ist. Und richtig, die Ober prüfstelle hebt in einer Besetzung, die durch das Beisein des Lic. Mumm charakterisiert wird, das Berbot auf. Und nun ladet die„Deulig" für heute nachmittag zur Erstaufführung des Films ein mit dem Bemerken: „Der Herr Reichskanzler hat sein Er- scheinen zugesagt!" In Polen kennt man den neuen Oberschlesienfilm nicht. Man weiß nur, daß das Auswärtige Amt fein« Aufführung während der Genfer Berhandlungen für bedenklich erklärt und daß eine deutsche Prüfstelle ihn als einen antipolnischen Hetzfilm angesehen und verboten hat. Und dieser Film wird jetzt, nachdem sich die deutschnationale Presse für ihn eingesetzt hat, dennoch aufgeführt, und der Reichskanzler Dr. Marx will durch sein Erscheinen diesein Akt die höhere Weihe geben. Man stelle sich einmal vor, die ganze Geschichte hätte sich in Polen abgespielt— wie würde die„nationale" deutsche Presse über ihn urtellen?„Polnische Frechheit! Pol- niscke Unverschämtheit!" wäre das allergeringste, was man dann in ihr zu lesen bekäine. Hat Herr Marx nicht begriffen, daß Polen in seinem Erscheinen bei der Erstaufführung dieses Films eine ganz überflüssige und darum desto mehr verletzende a n t i- polnische Demonstration erblicken mutz? Herr Marx wird sich vielleicht darauf berufen, daß das Auswärtige Amt gegen den Film ja nur während der Genfer Vcrbandlungen Bedenken gehabt hat und daß es jetzt„die historische Wahrheit" des Films anerkennt, worauf sich ja die Oberprüfstelle auch beruft. Aber das Auswärtige Amt ist nicht die Stelle, die über die„historische Wahrheit" zu entscheiden hat, sondern es hat zu prüfen, ob ein Film die Beziehungen Deutschlands zu auswärtigen Staaten ge- fährdet. Diesen Tatbestand hat es für einen bestimmten Zeit- abschnitt anerkannt, und die Filmprüfftelle hat das für die Dauer getan. Es wäre zu wünschen gewesen, daß das Aus- wärtige Amt in dieser Angelegenheit mehr Konsequenz gezeigt und wenigstens dem Reichskanzler van dem Besuch der Erstaufführung dringend abgeraten hätte. So ist die deutsche Außenpolitik durch die Beteiligung der Dcutschnationalen im Großen wie im Kleinen in ein' gewisses Halbdunkel gerückt. Herr Stresemann spricht noch immer glänzende Sentenzen über Deutschlands Friedensmission. Nur die Politik, die ihnen entspricht, und die Erfolge, die sie erntet, sucht man vergebens. Runüfunk- ftnüachten. Und ihre Wirkung auf die Hugcnberger. Allsonntäglich werden die freidenkenden Berliner— die frei- willig nie eine Kirche besuchen— am Rundfunkhörer durch eine geistliche Ansprache behelligt, mag sie nun von katholischer oder protestantischer Seite kommen. Diejenigen Berliner, die solche mehr oder minder gottseligen Reden im Rundfunk für ganz über- flüssig halten, können dagegen nichts anderes tun, als den Hörer vom Ohr zu nehmen oder den Lautsprecher abzustellen. Sie sind zumeist so tolerant, daß sie nicht einmal durch einen Eingabesturn, sich die Einmischung der Rundfunk-Sendegesellschasten in ihren Religionsbereich verbeten haben, trotzdem das sehr nahe lag. Nun hat aber am legten Sonntag Genosse Crispien eine Morgenondacht durch den Rundfunk zu den tausenden sozialisti- scher Hörer gesprochen. Selbstverständlich eine Andachtsonsprachc, die aus sozialistischer Weltanschauung und aus dem Diesseitsglaubcn fußte, ebenso selbstverständlich, daß sie sich frei von Angriffen auf die„Herren Vorredner" im Rundsunk hielt. Aber schon die Tatsache, daß ein Sozialist es wagt, den Rund- funk für eine sozialistische Morgenandacht zu benutzen, hat die Hugenberg-Prcsse in helle Entrüstung versetzt. Sie, die den Weg nach Tipperory' zur Heimkehr Wilhelms II. wandert, fordert das Eingreifen der Reichsregierung— will heißen des Kapp- Mintsters Keudell—, um den Sozialisten das Mundstück am Sender zu verbinden! Zwar dürften die Hugenberg-Christen dasselbe Recht zur Tole- ranz haben wie die Freidenker. Zwar dürften sie ebensogut wie diese die Hörer vom Kopf nehmen und den Lautsprecher abstellen können, wenn jemand zu ihnen sprechen will, dessen Meinung sie nicht teüen oder auch nur hören wollen. Aber die Hugenberger sind dreist und— gottesfürchtig! Sie fordern die Staatsgewalt gegen die größte deutsche Partei, gegen Millionen von Anhängern der sozialistischen Weltanschauung heraus. Aber im Kopp-Ministerium Keudells. sicher aber im Reichskanzlerpalais dürfte die Tatsache nicht unbekannt sein, daß allein im letzten Jahre in Berlin nicht weniger als 43 000 Kirchen austritt e. vollzogen wurden. Soll durch eine Reichsexetutive gegen den Rundfunk diese Austritts- bewegung noch künstlich gesteigert werden? Sollen die leeren Kirchen Berlins noch leerer werden? Dann braucht man nur den Winken Hugenbcrgs und seiner Presse zu folgen. Die aufge- zwungenen geistlichen Funkandachten könnten nmnchcn zum Nach. denken bringen. Keine Aufhebung ües Roggenzolls. Alle bürgerlichen Parteien gegen den fozialdetno» kratifchen Antrag. Der Handelspolitische Ausschuß de» Reichstags befaßte sich am Dienstag mit dem sozialdemokratischen Antrag, den Roggenzoll bis zum 30. Juni d. I. ailfzuheben. Verbunden damit war die Beratung des demokratischen Antrages, den Zoll sür Futterger st e und Mais sollen zu lassen. Gegen beide Anträge sprachen sich die Vertreter aller bürger- llchcn Parteien aus, einschließlich der Demotraten, nur daß sie gerade noch für ihren eigenen Antrag eintraten. Die Begründung für diese Haltung mochten sie sich alle sehr einfach und bequem: sie beriefen sich aus die Etatsrede des neuen Ernährung»- Ministers Schiele, wonach unter airderem die deutsche Brotoer- sorgung bis zur neuen Ernte als gesichert betrachtet werden könnte, und meinten darüber hinaus, daß die Aushebung des Zolls nicht den Verbrauchern, sondern nur den Spekulanten zugute käme. Auch die Vertreter der Regierung wandten sich gegen die Anträge. teils aus Uebereinstimntung mit den Gründen der bürgerlichen Par> teien, teils in Rücksicht auf bevorstehende Verhandlungen über den Abschluß von Handelsverträgen. Demgegenüber wandte Genosse Dr. H i l f e r d i n g ein. darin lebhaft unterstützt vom Genossen Schmidt(Köpenick): Der sozial- demokratische Antrag sei nicht eingegeben vom reinen Konsumenten- interesse, sondern auch in Rücksicht auf die Landwirtschaft. Diese werde keine Dreisstabilisierung erreichen, wenn sie an der jehl- gen Zollpolitik festhalle, vielmehr dürste wahrscheinlich auch für sie bald der Zeitpunkt kommen, an dem sie sich hiervon abwenden und ihr Heil teilweise in gleitenden Zöllen, teilweise in einem Getreidemonopol sehen würde. Wenn die Aollsuspension, noch Ansicht der bürgerlichen Parteien und ihrer Regierung, die Preise nicht beeinflusse, dann sei nicht zu verstehen, weshalb»ran sich so sehr dagegen wende. Dabei stände fest, daß sich das meiste Ge- treibe gegenwärtig in den Händen der Spekulanten befände, so daß die Landwirtschaft selbst nach der Einstellung ihrer Vertreter im Ausschuß nicht das geringste zu befürchten brauche. Allerdings würde mit dem jetzigen System der Einsuhr- scheine die Getreideausfuhr nach dem Auslands geradezu gefördert und fände während der letzten Zeit wahrscheinlich auch in hohem Maße statt. Wenn sich besonders die Deutschnationalen gegen jede Aenderung der Zollsätze aussprächen, dann sei dos außerordentlich bezeichnend. Denn bei der Beratung der neuen Zollgesetznovelle habe die Regierung ausdrücklich erklärt, daß sie die hohen Zölle nur zu Verhandlungszwecken haben wolle, also um sie gegenüber den Dertragsländern gegen entsprechende Konzcssionen herab- zusetzen. Jetzt aber gehe das ganze Bestreben daraus hinaus, diese Zölle nicht nur beizubehalten, sondern die Zoll mauern noch zu erhöhen. Das aber widerspreche nicht nur dem Lebens- interesse der Verbraucher, sondern auch der Landwirtschast. tung„La Voix des Negres" des in Paris in der Rue Simplon residierenden„Comite de Döfense de la Rae« Negre". Aber schon haben seit dem Krieg drei bis vier Millionen Neger die französischen Kolonien verlassen, und in den anderen Kolonien ist es ähnlich. Da gibt es, um nur ein Beispiel wieder zu erzählen, ein Dorf Uom. Vorm Krieg wurden dort zehntausend Einwohner gezahlt, jetzt tausendundachtzig. Man schaff: Wandervölker, Elendsoölker. Leise singsummt wieder ein Lied durch den Raum. Ein schwarzes Lied? Ein rotes Lied? „Der Neger in Europa hat ein leichtes Los, verglichen mit dem seiner Brüder in Afrika. Warum sind die Weißen da unten uns so überlegen, Weil sie so lügen, wie sie atmen. Sie geben vor, es sei unser Glück, wenn sie uns zur Arbeit zwängen. Es sei nötig, daß wir Geld für sie verdienen, damit sie uns hübsche Dörfer und große Brücken und die eisernen Maschinen bauen können. Wenn die Maschinen erst da waren, hätten wir auch weniger Arbeit. Ja, wo sind die hübschen Dörfer und die großen Brücken und die eisernen Maschinen? Und wie ist das mit der Arbeit? Wird das nicht schlimmer von Jahr zu Jahr? Und wie bezahlt man uns? Eine Zeitlang gibt inan uns für's Kilo Kautschuk drek Franken und plötzlich, von einem Tag aus den anderen, nur noch einen Maya und fünf Bimbas. Wissen Sie, wieviel das ist? Fünf- zehn Sous find das! Grausam langsam töten sie uns..." Wieder ein Lied. Ein schwarzes Lied? Ein rotes Lied? „Während des Krieges erlebte ich einmal in Bordeaux die Szene, daß ein Reger von einem Amerikaner Fußtritte bekam. Das Bolk ergriff die Partei des Negers, zehn Minuten später log der Amen« koner in seinem roten Blut auf dem grauen Pflaster. Aehnliches hat ssch in Toulon und Marseille abgespielt. Christlich ist solch« Justiz nicht zu nennen. Eine Warnung könnte sse sein..." Wieder ein Lied. Ein schwarzes Lied? Ein rotes Lied? Um zwei Uhr nachts soll der Keller geschlossen werden. Man zahlt und geht. Ehrerbietig verabschieden sich all« vom„Redner des Abends". Es war der begabte, mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet« Autor des von Claire Göll ins Deutsche übertragene» schönen Ro- mons„Batuala", der Negerdichter Rene Maran, gewesen. Für uns nur«in Dichter. Für seine Brüder mit setner Feder ein Führer, ein Revolutionär. Eine Erinnerung an die Erste 3nlernakionale im Haag 1872. Bor einiger Zeit feierte im Haag der Nestor der holländischen Journalisten, P. A. Haaxmon, seinen achtzigsten Geburtstag, zu dem sich seine Kollegen natürlich nicht nur al» Gratulanten, sondern auch al»— Interviewer einstellten. Einem von diesen erzählte der körperlich und geistig noch vollkommen rüstig« Greis außer seinen interessanten redaktionellen Erlebnissen beim„Dagbiad van Zuid- Holland" während des deutsch-französtschen Krieges von 1870/1871 auch folgende reizvolle Erinnerung.„Ein ganz besonderes Geschehnis in meiner journalistischen Lausbahn? Ja, die Z u s a m in e n k u n s t der Ersten Internationale im Haag im Jahre 1872, wo ich Karl Marx in höchsteigener Person mit seinem historischen Kart sah. Mas für eine Bewegung brachte das Zusammentreffen oll Nach dieser eingehenden Aussprache wurden beide LntrSg« ab» gelehnt, gegen die Stimmen der sozialdemokratischen und low- munistischen Vertreter. Damit hat aber die Sache noch nicht ihr Ende, vielmehr findet am Freitag bereits eine neue Sitzung statt, in der die Regierung dem Verlangen des Genossen Hilferding entsprechen will, doch einmal onzuzebcn, was eigentlich die Ge- treidehandelsgesetlschaft im ersten Jahre ihre, Bc- stehen? getan, wie sie vor allem die 30 Millionen Mk. verwandt hat, die ihr zur Beeinflussung des Getreideprcises bereitgestellt worden sind._ Nationalsozialistische Sonntagskrawalle. Sozialdemokratische Interpellation im Landtag. Die Ausschreitungen der Hakenkreuzler am Sonntag aus dem Bahnhos Lichterfeldc-Ost, in Steglitz, an der Gedächtniskirche und am Wittenbergplatz und das auffällig passive Verhalten der Polizei hat die sozialdemokratische Landtagsfraktion zum Gegenstand einer Großen Anfrange gemacht. Sie verlangt eine restlose Aufklärung der Vorgänge, rücksichtslose Bestrafung der Schuldigen und Vor- beugungsmaßnahmen gegen die Wiederkehr derartiger Aus- schreitungen. Die Große Anfrag« dürfte am Mittwoch bei der Beratung des Jnnenetats zur Besprechung kommen. Mecklenburger Regierungsschwierigkeiten. Völkisches Mißtrauensvotum. Schwerin, 22. März.(Eigener Drahtbericht.) Der mecklenbuo- gische Landtag befaßte sich am Dienstag mit dem kommunistischen Antrag auf Auflösung des Landtag«. Sämtliche Parteien stimmten in der Aussprache der Auflösung z u. Die sozialdemokratische Fraktion knüpfte an die Zustimmung die Be- dingung, daß vor der Auslösung der Notetat, das Wohnungsbau- Programm, das den Bau von 20 000 Wohnungen vorsieht, und das Steucrermäßigungsgesetz verabschiedet werden. Da die Rechts- Parteien mit den Kommunisten diese Doroussetzung ablehnte», stimmte die Sozialdemokratie gegen die Auslösung, die insolgedcsscn mit 29 gegen 20 Stimmen abgelehnt wurde. Die Völkischen brachten darauf ein Mißtrauensvotum gegen die vor 14 Tagen gewählte Regierung ein. Darüber wird heute, Mittwoch, verhandelt Das obligate tzochverratsurteil. Leipzig. 22. Mörz.(Eigener Drahtbericht.) Der 4. Straf- senat des Reichsgerichts beschäftigte sich am Dienstag wiederum mit einem Liter aturprozeh. Es hatte sich der verantwortliche Redakteur des.Muhr-Echo" Georg Schwarz aus Essen wegen Vorbereitung zum Hochverrot und Vergehen gegen das Republik. schutzgeseg zu verantworten. Schwarz ist Verfasser der Broschüre „Rot-Front an der Ruhr!", die mehrere revolutionäre Gedichte ent- hält, u. o. auch das Gedicht„Barrikaden an der Ruhr" von Kurt Klöber. Das genügte dem Oberreichsonwast zu einem Verfahren gegen Schwarz. Der Angeklagte gab zu, die Aroschüre verfaßt zu hoben, ist aber erstaunt, daß auch Gedicht« von namhaften Schriftstellern hochverräterische Tendenzen haben sollen. Das Reichsgericht ver- urteilte Schwarz wegen Vergehens gegen§ 7 des Republikschutz- gesetzes und Lorbereitung zum Hochverrat zu 6 Monaten Festungshaft und 50 Mark Geldstrafe. Platten und Formen sind unbrauchbar zu machen, die Broschüre wird beschlagnahmt. Da» Land ohne Regierung. Das Präsidium des T h ü r i n> gische n Landtags beauftragte am Dienstag den oolksparlei« lichen Abgeordneten Bauer, die Berhandlungen über die Regie- rungsbildung weiter sortzusühren, da Bauer seine Mission noch nicht als endgültig gescheitert betrachtet. Fall» bis Ansang nächster Woche eine Verständigung unter den Parteien über ein« Regierungsbildung nicht zustande gekommen ist, wird der Londtagspräsident das Plenum zur Stellungnahme«inberufen. dieser... petroleurs und Petroleusen aus Paris, wie sse mein Chef- redakteur, der damal» weithin bekannte Jzoak Lion, sie tm„Dogblad" nannte, in das ganz« Land! Von allen Seiten fiel man über den Justizminister wegen der Tatsache her. daß er hier die„Communards" zugelassen habe! Die Redoktion hatte eine Einladung zu dem Kongreß erhalten, adressiert an den„B ü r g e r- R« d a k t« u r" des„Dagbiad". Aus fast allen Ländern waren Gehelmagenten ge- kommen, um die hier Bersammelten zu beaufsichtigen, und als der Kongreß nach drei Tagen beendet war, drang das„Dogblad" bei der Gemeindeverwaltung darauf, die Stadt sofort zu-» des- infizieren!" Die Zeiten ändern ssch, mit ihnen auch die Einsicht der Menschen. Und heute lächelt der ehemalige, damals auch abweisend« Nestor der holländischen Journalisten über den einstigen Kinderichreck der Internationale, die heute eine Macht geworden ist. Z. Unser neuer Roman. Fritz Reck-Maileczewen ist unter den deutschen Romanschriststellern ein Name von weitem und gutem Klang. Elegante und gediegene Fonn, stoffliche Reize, psychologisch« Tiefe und Feinheit, und— nicht zuletzt— die lebendig« und spmmeiide Art des Vortrag» zeichnen feine Werke aus. In der neuen Arbeit, deren Veröffentlichung wir heute beginnen, treten diese Bor- Züge besonders glänzend zutage. Wir verfolgen die Schicksale der fchuldig-unschuldigen Romanheldin durch zwei Erdteile, lernen in packender Milieuschilderung Leute und Zrsstände in der Heimat und in der Fremd« kennen, die der Mehrzahl von uns Neuland bedeuten, erweitern unser« Menschenkenntnis und unser Wissen um das Leben und Treiben der großen internationalen Welt des Reichtum», des Elend» und des Verbrechens. Und diese wertvoll« Bereicherung unseres Ich» geschieht mühelo« im Lauf einer leichten und doch ge- haltvollen, literarisch oolln artigen und doch amüsanten Erzählung. Ein HSndel-Feslspielhau» In Vergedors. In Bergedorf bei Ham- bürg soll nach dem Vtuster von Bayreuth ein Festspielhaus zur Auf- sührunfl Händelscher Oratorien und Opern errichtet werden. Berge- darf ist als Wirkungsstätte des berühmten Höndribeorbeiters Friedrich Ehrysander. als Geburtsort des Zeitgenossen Handels, Adolf Hasse, und als Sitz der Hafle-Gesellschaft für einen solchen Plan besonders prädestiniert. Der Ausschuß, der den Plan trägt. hofft die noch sehlenden 800 000 M. durch Spenden von Kunstfreun- den und durch Veranstaltungen aufzubringen. Di« Verleihung de» staatlich?» Veethoven-Vreise». Der Präsi- dent der preußischen Akademie der Künste, Max 2j«b«inann. teilt mit:„Wie bereit» bekanntgegeben, hat die preußisch« Htoatsregie- rung anläßlich des 100. Todeswges Ludwig van Lesthooen»«inen Beethoven-Preis geschafsen, der von der preußischen Akademie der Künste jährlich an hervorragend begabte, strebsame jünger« oder an- erkannt« ältere Tonsetzer, die die deutsch« Reichsangehörigteit haben. verliehe» wird. Auf Vorschlag de» Kuratorium» de» Beethoven- Preises ist der Preis von der Akademie der Künste bei der erst- maligen Verleihung zu gleichen Teilen mit je 3000 Mark den Komponisten Dr. Gerhard v. Keußler in Hamburg und Kurt Thomas in Leipzig zugesprochen worden." Europareti« Uuamevo». Der ivamjch, Dichter Miquel de Unamuno wird im klvril«in, AoUragStourn«» durch Deutichland und di« Schwei» unternebmen Bisher find Borti azScbendi in Lern, Zürich, Freiburg(Schweiz), Karlsruhe, München, Franksuit und Berlin vorgesehen. Negerfeier. Bon Erich Gottgetreu. In den Gäßchen neben dem Boulevard St. Michel, nahe der Seine, stehen die Häuser so eng gegeneinander, daß man meint, die Bewohner müßten über die Straße weg sich von Fenster zu Fenster die 5)and reichen können. Sonnenstrahlen dringen nicht zu Tal. Verkehr, die moderne Erfindung der Technik, ist hier noch unbekannt. In der Rue de l'Hirondelle hat tief unten, sehr versteckt, das Volk da vor vielen Jahren einen Keller ausgekundet, einen Keller für die langen Abende, einen Keller für's Singen, für die Unterhaltung, für den billigen Wein— bis heute hat der nichts von seinem Reiz ver- loren. Daß Verlaine hier verkehrte, Wilde, D'Annunzio, was eine Zeitlang die Fremdenindustrie interessierte, konnte die Namenlosen nicht vertreiben. Es ist gut so� Steinboden, harte und lehnenlose Stühle, dicker Armeleutedunst, alles das ist nichts für Dollarkönige und Pfundfürsten der Nachkriegszeit. Im Eingang hängen Bilder, alte, neue, gute, schlechte, Drucke, Aquarelle, Skizzen, fünfzig Jahre Pariser Kitsch und Kunst ist hier versammelt. Ausgetretene Stufen führen nach unten, auch hier blühen Kitsch und Kunst— wer weiß die Grenze zu ziehen? Ar- beiter mit mäßiger Stimme und viel Geschmack singen hier ihr« Chansons, und Arbeiter, Arbeiterinnen, ganz kleine Angestellte, bis- weilen Neger, singen den Refrain stets mit. Wer Cochonnerien vor- trägt, bleibt dabei doch liebenswürdig, und nirgends spürt man etwas Häßliches, etwa, wie bei uns manchmal, Kriegsgeist oder so. Bleibt einer stecken, was öfters vorkommt, grinst keiner höhnisch im Publi- kum. verwirrt niemand durch Zwischenrufe. Dos„Kabarett der Namenlosen" der Berliner Iögerstraße wäre in dieser Brutalität in Paris nicht möglich. Gestern bannt« das schwarz« Lied, das Negerlied. Dreizehntausend Neger gibt es in Frankreich, fast dreitausend in Paris, tätig in allen Berufen, das Volk liebt sie.„oben" aber starrt ihnen oft noch Kälte und Verachtung entgegen, zu schweigen von der Behandlung, die man den„sujet, franeais"— selten avanciert einer zum„citoxen"— in den Kolonien oft zuteil werden läßt. Um so enger schlingt sich dag herrliche, unsichtbar« Band der Brüderlich- keit hier unten im kleinen Keller der kleinen Leute. Gegen Mitternacht steigt einer der schwarzen Gäste aufs Podium und trögt im Singgespräch seines Stammes Lieder vor, bald stimmen leise die anderen Neger«in, Sehnsucht und Heimatlieb« tönen durchs Gewölb«. Und einer erzählt in vollendetem Französtsch uns Weißen von seines Lande« Schönheiten, von der unheimlichen Tiefe des Ur- wolds, den Menschen dort: schweres Joch lastet aus ihnen: Arbeit zu Huogerlöhnen. widerwillig angenommener Zwang auf drei Jahre für die imperialistischen Interessen anderer Militärdienst zu leisten. Der Neger, der in Europa war und dort die Sprach« seiner Herren S«I«nt hat, kann sich wenigsten» verteidigen, und oft geschieht es auch mit Erfolg. Ein ZortjHritt ist da auch die Schaffung der Zei- Der Moröansthlag am Nauheimer See Feme-Prozeß in Gietzen. Gießen, 22. März.(Eigener Drahtbericht.) Wie wir bereits in unserem gestrigen Abendblatt meldeten, begann in Gießen vor dem Landgericht der eigenartigste der bisherigen Fcmeprozesse. Oberleutnant Wogner, das Opfer des Anschlags der Schwing, Solomon und Heinz, kam mit dem Leben davon, machte aber alle Qualen des Gerichteten durch, der trotz des Ertränkungsoersuchs, trotz Prügelei und Schußwunden sich doch noch zu retten vermochte. Die Art, wie der Mordversuch vorbereitet und ausgeübt wurde, wirst grelle Schlaglichter aus die in anderen Fememordprozesscn behandelten Fälle, wo die Opfer nicht mehr auszusagen vermochten. Der Fall W i l m s wird— das zeigen alle Anzeichen— sich noch dem gleichen System abgespielt haben. Im System und in seiner nachträglichen Lertuschung steckt Methode. Was sich ain ersten Dcrhandlungstag bei der Vernehmung der Angeklagten abrollt, bietet das altbekannte Bild aus den Jemeinord- Prozessen: Verkrachte Existenzen, degenerierte Jünglinge, die ihr Lotter- und Sauflcben hinter patriotischen Phrasen verbergen wollen und jahrelang ihre Existenz durch ein rohes Landsknechts- leben gefristet und mit der nationalen Gesinnung ein gutes Gcschäst gemacht haben. Vor Gericht drücken sie sich feig um die Tat herum, wenn es gilt, für dos angebliche vaterländische Heldentum zu zeugen. Sie stellen sich dumm und können sich im entscheidenden Moment auf nichts besinnen: Nervenzusammenbrüche und Weinen ist das Merkmal dieser Befreier Deutschlands. Belastende Aussagen in der Voruntersuchung werden widerrufen, und wo kein Zweisel an der Schuld mehr möglich ist, wird der blinde Vorgesetzten- gehorsam hervorgeholt und mit zusammengeschlagenen Hacken demonstriert. Niemals ist das ehemalige aktive Offizierskorps so beleidigt worden als durch solche Buben, die behaupten,«in Vorgesetzter brauche nur einen Mord zu befehlen, und der Unter- gebene müsse gehorchen, ihn auszuführen. Was war die Tot der drei? Aus der Verhandlung geht folgen- des hervor: Tillessen und Wagner sowie die Rathenou-Mörder Kern und Fischer hatten den aus den Reichsgerichtsprozessen bekannten Oberleutnant zur See Dittmar aus dem Gefängnis befreit. Zwar war um jene Zeit der Erzbergcr-Mord getan. Scheid« mann und R a t h e n a u standen aber jetzt als Nächste auf der Liste. Wagner war nicht mehr ganz sicher. Er versucht«, wie die An- geklagten behaupten, au» seiner Mitwisserschaft ein Geschäft zu machen und Geld zu erpressen. Vielleicht drohte er auch, irgend- einen Plan zu verraten. Deshalb mußte Wagner.unschädlich" gemacht werden. Allerdings sagte man vor Gericht, er habe im Dienste eines fran- zösischen Spionagebureaus gestanden. Eines Tages geht Tillessen auf Urlaub mit der Bemerkung:„Daß mir ja kein« Schweinereien vorkommen." Prompt stellen sich aber nach dem Weggange von Tillessen diese Schweinereien ein. Zunächst hört man au« der Vernehmung der Angeklagten von Saufgelagen in Bordells und Bars in Frankfurt a. M. Wagner ist jedoch nicht aus der Stadt zu locken. Darauf begibt man sich einige Tage später nach Bad Nauheim, wo der Angeklagte Schwing Chausseur in einer Bar ist und außerdem Vorsitzender der Ortsgruppe der nationalgesinntcn Soldaten. Kern. Solomon und Schwing erkunden am Nachmittag des März dos Gelände. Am Abend treffen die vier zusammen. Gegen 10 Uhr wird ein Spaziergang gemacht. Schwing schleppt dabei angeblich auf Befehl Sern» einen 15 Pfund schweren Stein mit. Plötzlich wird Wagner in der Nähe des vorher erkundeten großen Teiches angefallen. Wagner wehrt sich. Einer gegen dreil Bold ist Wagner halbtot geschlagen, der schwere St /in wird ihm unter die Kleider ge st eckt, und dann wird der Halbtote an den Beinen gepackt und in den See geworfen. Als er wieder auftaucht, werden ihm noch drei Schüsse in den Körper gejagt. Die Täter entfliehen. Wagner wird auf seine Hllferufe vom Ertrinken gerettet und in ein Krankenhaus gebracht. Hier ver- weigert er jede Auskunst, gibt einen falschen Namen an und einig« Tage später wird für seine Behandlung von einer unbekannten Frau ein namhafter Geldbetrag abgegeben. Noch seiner Eni- lassung ist Wogner vier Jahre verschollen und nur«in Zufall bringt die Sache ans Licht. Dos ist der nackte Tatbestand. Aus der Vernehmung de» in Zuchthauskleidung vorgeführten Solomon ist folgendes Frage- und Antwortspiel zwischen ihm und dem Staatsanwalt bemerkens- wert:.Sie sollen sich einmal über Kern beschwert haben?" Salo- m o n:„Jawohl, weil mich Kern immer getäuscht hat und über seine Pläne im Unklaren ließ und weil ich auch damals schon wußte, daß Sern den Rathenan ermorden wollte." Schon aus dieser Aeußerung ergibt sich klar, daß dieser Prozeß, soweit es nicht schon vorhanden ist, Licht bringen könnte in die Er- mordung von Erzbcrger und Rathenau sowie über dos Attentat auf Scheidcmann, und wie weit Herr Henning als Vorsitzender der nationalgesinnten Soldaten von diesen Dingen wußte. Es erhebt sich die große Frage: Wer hat diesen Leuten jahrelang das Gxld gegeben? Vielleicht ist es der am Mittwoch zu vernehmende Zeuge Wagner, der die Schleier darüber lüften wird. Er könnte es bestimmt, aber man weiß ja nie, wie weit die Ding« im voraus hinter der Szene sehr gut ousprobiert sind. 1 1 der blamierte Keuüell. Professor Anschütz weist ihm Unkenntnis noch. Der Kappist und gegenwartige Reichsinnenminister Neu bell, dessen Unzulänglichkeit von Tag zu Tag klarer in Erscheinung tritt, hatte im Reichstag von der„<5 o u v e- ränität der Länder" gesprochen und schließlich zu seiner Verteidigung sich auf den Verfassungskom- m e n t a r des Staatsrechtslehrers Anschuß in Heidelberg berufen. Dafür erteilt ihm jetzt Professor Anschuß in der „Frankfurter Zeitung" diese gepfefferte Abfuhr: „Der Herr Reichsminifter des Innern hat in seiner Reichstags- rede vom 17. d. M. für gut befunden, den deutschen Ländern „Souveränität" zuzusprechen. Wenngleich nun diese Behauptung unverzüglich als das hingestellt wurde, was sie ist, nämlich als kompletter Unsinn, sa möchte ich es doch nicht unterlassen, in der Sache auch meinerseits kurz das Wort zu ergreifen, weil der Herr Minister in einer zweiten Rede, zu meinem nicht geringen Er- staunen, sich auf mich als Gewährsmann berufen hat. Ich soll ein Bekenner der„Souveränität der Länder" sein? Da ist dem Herrn Minister ein Malheur passiert, wie es Leulen leicht zu begegnen pflegt, die Ausflüge in unbekannte Gebiete unternehmen: er ist auf einen Holzweg geraten. Daß ich die deutschen Länder jemals für souverän gehalten hätte, ist unrichtig. Richtig ist vielmehr, daß ich schon unter dem Kaiserreich gelehrt Hab«: „Die Staaten im Bundesstaate also auch die Einzelstaaten des Deutschen Reichs— sind nicht souverän. Sie sind der Bundesgewall als einer über ihnen stehenden Gewalt unterworfen."(G. Meyer-Anschütz, Staatsrecht. S. 53.) Dieser Satz drückt nicht meine subjektive Meinung, sondern die bereit» damals absolut herrschende Ansicht der Wissen- schast au». Und in meinem Kommentar zur jetzigen Reichsocr- faffung steht klipp und klar: „Daß von irgendwelcher SooveränilSt der Länder heule noch viel weniger die Rede fein kann als früher, ist selbstverständlich und iu der Wissenschaft unbestritten."(S. 39 der neuesten Auf- lag«.) Natürlich verüble ich dem Herrn Minister nicht im mindesten, daß er meine Schriften nicht gelesen hat(er dürfte freilich, wenn er st« nicht gelesen hat, auch nicht über sie reden):— bedauerlich ist aber, daß der für da» Derfassungsrecht des Reich» zuständige und also doch wohl zur Kennlnis dieses Recht» verpslichlete Ressortminister eine Behauptung wie die in Red« stehende überhaupt hat ausstellen kännen. Weiß der Herr Minister nicht, was Souveränität bedeutet? Daß man darunter die rechtliche Unabhängigkeit eine» Gemeinwesens von höheren Mächten versteht? Will er im Ernst behaupten, daß die deutschen Länder~ mag man ihnen aus Grün- den, die nicht hierhergehören. Staatlichkeit(auf bayerisch:„Eigen- staatlichkeit") zuschreiben oder nicht— in diesem Sinn« unabhängig sind? T?ese Länder, die weder ein Recht auf � eigene auswärtige Politik, noch Wilitärhoheit, noch«ine nennenswerte eigen« Finanz- Hoheit mehr besitzen, die in der Gestaltung ihrer Verfassung durch das Reichsrecht aufs engst« beschränkt sind— dies« Länder, die nicht einmal ein unentziehbares Daseinsrecht haben, indem jedes von ihnen jederzeit ohne unh wider seinen Willen gemäß Art. 18 Reichsverfassung durch Reichsgesetz a u f g e- löst werden kann? Das soll„Souveränität" sein? Man sieht: der Herr Berfassungsminlsler hat sich arg verlaufen. Aber die Schuld liegt nicht bei mir." Anno 1S20 wußte der Landrat von Keudell zu Königs- berg(Neumark) nicht zwischen seinen Aufgaben zu unter- scheiden. Er stellte sich deshalb den Hochverrätern zur Verfügung und ließ seinen Beamteneid im Stich. Jetzt hat er sich zum Verfassungsminister des Reichs machen lassen und schon verheddert er sich wieder in bösartiger Weise. Dieser deutschnationale Reichsinnenminister ist ein« Kata- strophe. Die Siersteuer wirü erhöht. Aber die Luxusgetränke werde« steuerfrei. Im Steuerausschuß d«» Reichstags legten am Diens- tag die Regierungsparteien einen neuen Antrag zur Besteuerung der Getränke vor. Bisher war geplant, die gemeindlichen Getränke- steuern vom 1. April 1927 ab vollständig sortfollen zu lassen und den steuerschwochen Gemeinben als Ausgleich für den Ausfall Im Jahre 1927 20 Millionen und im Jahr« 1928 19 Millionen Mark aus der Reichskafse als Zuschuß zu zahlen. Diese Absicht ist voll- ständig fallen gelassen worden. Statt dessen will der neue Antrag der Regierungsparteien den G« m e i n d e n das Recht geben, mit Genehmigung der Landesregierung Steuern auf den örtlichen verbrauch von Vier zu erheben. Die Genehmigung darf nur erteilt werden, wenn sicher- gestellt ist. daß die Neueinführung, oder Erhöhung der Biersteucr durch enlsprcchende Steuersenkungen auf anderen Gebieten, ins- besondere aus dem Gebiet der Grund- und Gebäudesteuern und Ge- werbesteuern ausgeglichen wird. Die Steuern dürfen nur vom H e r- steiler des Vieres oder demjenigen erhoben werden, der Bier in die Gemeinde einführt. Sie dürjen 7 Proz. des Herstellerpreise» nicht übersteigen. Zur Begründung dieses Antrages wies Staatssekretär Dr. P o p l tz darauf hin, daß durch den Zuschuß de» Reiches als Ersatz für den Fortfall der Gemeindegetränkesteuern di« Finanzlage des Reiches welter verschlechtert werde. Da auch die Verschieden- artigkeit in der gemeindlichen Besteuerung der Getränke unerträglich sei. müsse man den Ausweg inderRückkehrzurVergangen, h e I t erblicken. Die Gemelndebierfteuer, die die älteste Ge- meindesteuer ist, Hab« sich sehr bewährt. Der sozialdemokratische Redner, Genosse S i m o n- Schwaben, bezeichnete den Antrag der Regierungsparteien als unannehmbar. Wolle man schon die Gemeindegetränkestener beseitigen, dann müsse das vollständig ge- schehen. und man müht« den Gemeinden vollen Ersaß aus der Reichskasie gewähren. Di« Gemeindesteuer aus Sek', Dein und B-anntwein aber auszuheben, sie dagegen für Bier zu erhalten und überall einzuführen, sei der Gipfel einer unsachlichen Slevervolitik. In der Tat wandle man jeßt mit der Begünstigung der Luxus- aetrönke und der schärfsten Besteuerung der Getränk« de» kleinen jManne» in den Bahnen de» alten kaiserlichen Deutschlands. Die großen Regierungsparteien->- Deutschnationale, Zentrum und Deutsch» Dolkspartes—. hüllten s i ch in Schweigen. Abg Dr. P f l« g« r(Bayer, vp.) begrüßt den Antrag. Abg. R o l t« (Wirtschaftspartei) behält sich die Stellungnahme vor. Abg. Dr. Fischer(Dem.) lebnt ebenfalls den neuen Antrag der Regie- rungsparteien ab Dsr Antrag wird unverändert angenommen. Auch bei einem Antrag auf ander« Gestaltung de« Per. teilungsschlüssel» für die Einkommensteuer und die Körperschaft» st euer nützen die Regierungsparteien ihre zahlenmäßige Ueberlegenheit rücksichtslos au». Sie stimmen einem Antrag auf Beriagunp der Abstimmung bis noch der Borlage einer schriftlichen Begründung nieder. Durch il�en eigenen Antrag, der zur Annahme gelangte, wird der den I n d u st r i e gemeinden ungünstige Verteilungrschlüssel des Jahres 1925 auf- m e h r« r« Jahre verlängert und werden neu« Grundsätze für die Der- teilung des Steuererttoge« rntf Sitzgemeinden und Betriebsgemeinden feftzelegt,___________________________ Sät Kriegsbeschädigte ist kein Geld üa. Der Bürgcrblork vertröstet die Kriegsopfer. Im Vorjahre hatte der Reichstag nahezu einstimmig eine Entschließung angenommen» die-von- der.-Regt-rung verlangt»,- jpätestens im Haushalt für 1927 weiter« Mittel zur Ver- besferung der unzulänglichen Versorgung der Kriegsopfer zur Ver- fügung zu stellen. Da die Regierung bei der Aufstellung de» Haus- hallsplanes diese Entschließung völlig unbeachtet ließ, beantragte die sozialdemokratische Reichstagsfraklion, 15 t> Millionen M. neu für die Zwecke der Kriegsopser in den Etat einzustellen. Dieser Antrag wurde dem 17. Ausschuß de»' Reichstags überwiesen, der sich, nachdem sowohl die Regierung als auch die Regierung»- Parteien wochenlang Verschleppungsversuche gemacht hatten, am Dienstag endlich mit der Frage beschäftigte. Reichsfinanzminister Dr. Köhler erklärte, daß die Regie- rung grundsätzlich an der organischen Verbindung der Kriegs- Versorgung mit der Besoldungsregelung für die Beamten sesthalte. Die Neuregelung der Beamtenbezüge habe die Regierung als eine Staatsnotwendigteit erklärt, und sobald die wirtschaftlich« Lag« es gestatte, werde sie entsprechend vorgehen. Im Zusammenhang da- mit würde dann auch eine Verbesserung der Bezüge der Kriegs- opfer eintreten. Einen genauen Zeitpunkt für die Ver- wirklichung der Vorschläge der Regiening könne er allerdings nicht angeben. Di« Regierung hoffe, noch im Laufe dieses Jahres dem Hause eine Vorlage unterbreiten zu können. Er lege Wert auf die Zusicherung, daß es sich bei seinen Ausführungen nickt um einen sogenannten Kanzleitrost handle, der Regierung sei e» vielmehr ernst mit ihren Absichten. Abgeordneter»ohmaan(SPD.) bezeichnet« big, Erklärung des Finanzminister» als eine glatte Abweisung der berechtigten und auch vom Reichstog anerkannten Wünsche der Kriegsopfer. Roch von keinem F i n a n z m i n i st e r der vergangenen Regierungen sei den.Kriegsopfern so wenig geboten worden wie von dem Finanzminister des Besitzbürgerbiock». Das beweis«, was die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen von dieser Regie- ryng zu erwarten hätten.. Der R e i ch» s> n a n Z m i n i st e r verwahrt« sich dagegen, daß er eine glatte Abweisung beabsichtige: di« Regierung habe vielmehr die ernste Absicht, diese schwierige Frage noch im Laus« dieses Jahres zu lösen. Es sei jedoch ganz unmöglich, die ersorder- lichen B e t r ä a e in dem lausenden Reichshaushalt unter- zubringen ctr setzt nachträglich allein infolg« der oerzögerten Verabschiwnne de-» Gesetzes über die Arbeitslosenversicherung mit einer unvorhergesehenen Ausgabe von etwa 239 Millionen Mark belastet werde... � �.. Während di« Regierungsparteien den versuch machten, die Worte des Retchsfinanzministers möglichst günstig sür di« Der- sorgungsberechtigten guszulegen, erklärte der Abg. P as f e h l lSPD.), daß diese merkwürdige Osterbotschost des Reichsfinanz- minister» die hellste Empörung auslösen würde. Die Debatte geht am Mittwach weiter. Der Kreöit für Köttewitz. Die Vernehmungen im Barmat-Pvozetz. Im Barmatprozeß erfolgte gestern die Vernehmung des Zeugen Kchasee-Bonn, di» sich zeitweile durch die nervösen Fragen des Angeklagten ziemlich erregt gestaltete. Der Zeuge ichildorts, wie Lange-Hegermann, den er von einem Holzgeschäft her kannte, an ihn mit dem Anliegen herangetreten sei, der Familie Burtscher durch die Erwerbung ihrer Papiere einen Dienst z» erweisen. Der Minister Dr. H o e f k« stellte zu diesem Zwecke unter der persönlichen Bürgschaft Lange-Hegerwanns zwei Millionen Mark zur Verfügung. Davon, daß diese» Geld für da» befehle Gebiet verwendet werden sollte, sei keine Red« gewesen. Dem Zeugen sei es bald klar gewesen, diß das Unternehmen zu gigantisch sei und er ohne- Beteiligung des Geueraldirettars Schmidt und Lange-Hegeruiann« mit ihm nicht fertig vßsrden würde. Es fei deshalb beschlossen worden, daß jeder von den vreiea sich mit einem Drittel beteiligen solle. Als sich di« Lastenschuld als viel höher erwies, als es angenommen worden war, da beschloß er aus d e r S a ch« herauszugehen. Er fuhr»ach Bonn und stellte von dort aus die 79 Prozent seiner Beteiligung dem Lange-Heger- mann zur Verfügung. Lange-Hegermann bestreitet mit aller Entschiedenheit, daß van»*, seiner Det«iligung von vornl)crein die Rede gewesen sei. Er will dem Zeugen gesagt haben, daß es sich für ihn n u r u m eine Gefälligkeit der Familie Burtscher gegenüber handele. Der Staatsanwalt hält aber dem Angeklagren seine eigene Erklärung entgegen, laut der er sich bereit erklärt batte, daß eine Option sür i1> n ausgestellt werde, er habe verlangt, daß die Anstellung bis zum Aprij 1923 erfolge, und zwar daß bis dahin alles mit der Familie Burtscher in Ordnung gebracht werde. Diese Option ist notariell nicht gemocht worden. Der Dorsihende Interessiert sich, ob darüber, daß die Kredite von der Post gegeben worden waren. Schweigen gehütet wurde. Der Zeuge erklärt, daß dies allgemein bekannt gewesen sei, daß er das selbst den Beamten der Fabrik gesagr babc und daß auch der junge Burtscher ihn gefragt habe, ob das. Geld bald überwiesen werden würde. Mtt dem Zeugen Schäfer wurde dann noch die Deckunqsfrage besprochen, wobei er angab, daß er als Ausfallbürgschaft ein» Hypothek von 3 Millionen«ingetragen hob«. R.-A. T h e m a l:„Iit e? richtig, daß Lange-Hegermann nur eingeschaltet wurde, weil Babmat es verlangte?" B a r m a t:„Das weiß ich nicht mehr. Lange-Hegermann wie« dann noch daraus hin, daß er den Kaufmann Schäfer sür sehr reich gehalten habe und ihn nach Ausiünsten auf 7 bis 10 Millionen Mark schätzte, was der Zeuge jedoch als übei trieben bezeichnete Jedenfalls hätte er, Schäfer, bei dem Geschäft sein ganzes Vermögen verlieren können, wenn er auch geglaubt habe, daß er als Ansfallbüra: nur für di« 1� Millionen mit eiirem Teil hätte geradestehen müssen. Al» nächste Zeugin wurde dann die Privatsetretärin des verstorbenen Ministers Hoefle gehört, die von ihrem Amt der Verschwiegenheit entbunden worden war. Soweit sie sich entsinnen könne, sei der Brief an den Staatssekretär Schätzet ihr voin Minister Hoefle diktiert worden. Sie habe zwar manche Briese auch nach Stichworten geschrieben, aber nicht solche von so weittragender Bedeutung wie der fragliche. Bei der nun folgenden Vernehmung des Direktors S ch ä f f« r von der Merkurbank kam zur Sprache, daß sich bei den Akten der Merkurbank eine Notiz über Verhandlungen wegen des Kredit» in der fraglichen Zeit befindet, au« der heroorqcht, daß als Ver» wendungsort für die Kredife die Papierfabrik Köttewitz angegeben worden ist. R-.-A. T h e m al wies darauf hin, daß dadurch also� die Behauptung Barmats, daß bei den Verhandlungen nie von Kötte- wiß geredet worden sei, widerlegt werde. Vors.:„Hallen Sie da« aufrecht, was Sie gesagt haben. Herr Barmat?* B a r m a t:„D o s kann nicht anders gewesen sein." Dem nächsten Zeugen, Direktor L i ch t e n st e i n von der Merkurbank, legte Dr. Thema! die Frag« vor, woher er den Prälat Schreiber kenne. Zeuge:„Aon der Ikommerz- und Privatbank, wo Herr Prälat Schreiber Kunde war" R.-A. Themal:„War er ein besonders interessierter Bankkunde? Wir können nämlich nicht die Ansicht verhehlen, daß die lediglich seelscraerische Tätigkell dem Herrn Prälaien noch recht viel Zeit zur geschäftlichen Ge- wondtbeit übrig ließ." Zeuge: Ich habe mit Prälat Sckr«iber sehr oft wirtschaftlich« Gespräche geführt. Seelsorge. risch hat er sich bei mir nicht betätigt."(Allgemeine Heiterkeit.) Die Verhandlung wurde dann aus Donnerstag vertagt, und zwar wird zunächst der jetzige Reichspostminister Dr. Schätzet sowie Präsiden» Schröder und andere Beamte der Staatsbank al« Zeugen gehört w-'tden. Eine Abfuhr für die sächsischen Reaktionäre. Im Sächsischen Land- tag wurde ein deutschnotianaler Antrag auf Aufhebung der proletarischen Feiertag« ain 1- Mai und 9. November mit den Stimmen der Kommunisten, der so�oldemakratischen Abgeord- neten uird der Abgeordneten der asten Sozialdemokratie gegen die bürgerlichen Stimmen abgelehnt. Di» beiden Nationalsozialisten jvaren bei der Abstimmung nicht im Saale anwesend,_ Das �rbeitszeitnotgesetz eine Mißgeburt? Der naheliegenden Befürchtung, daß das Arbeitszeitnotgesetz, das die Regierung nunmehr dem Reichsrat zuleiten will, sich als ein« Mißgeburt erweisen wird, gibt„Der Deutsche" bedingten Ausdruck. Die gestrige Kabinettssitzung besaßtc sich mit dieser Angelegenheit. „Es hat den Anschein, als ob die A r be i t sz ei t f r a g e, soweit sie das Arbcitszeitnotgcsetz betrifft, in das entscheidende Stadium eingetreten ist"— schreibt„Der Deutsche". Er berichtete, daß die Regierung in einer Besprechung mit den IZarteiführern am gestrigen Nachmittag ihren Entwurf mit den Bec- besierungen vorlegen wollte, die sie auf Grund der bisherigen inter- fraktionellen Verhandlungen für notwendig und tragbar halt« und — wie auch das Ergebnis der Parteiführerkonferenz sein werde— den veränderten Entwurf sofort an den Reichsrat gelangen lasse. „Man kann mit Recht gespannt sein, wie das Produkt dieser langwierigen und für manche Teil« auch sicher schmerzlichen Geburtswehen aussehen wird. Sollte es eine Mißgeburt werden, so werden die Vertreter des Deutschen Gewerkschastsbundes im Reichstage das Wort haben. Mit sozialen Programmen allein ist der Arbeimehmerschost nicht gedient." Der Meinung sind wir natürlich schon längst und auch die Der- treter der freigewerkschaftlich organisierten Arbeit- nehmerschaft im Reichstage werden zu dem Regierungsentwurf recht deutlich sagen, was dazu zu sagen ist. Bedauerlich bleibt, daß die Einheitsfront der drei Gewerkschaftsrichtungen in diesem Punkt« von den Christlichen verlassen wurde. Wollte die Regierung«in wirkliches Arbeitszeitnotgesetz schaffen, dann mußte sie den Forderungen der Gewerkschaften stattgeben und der ganzen Heber st undenwirtschaft ein Ende machen. Ein Kompromiß zuslandegckommea. TU. meldet: Der interfraktionelle Ausschuß der Regierung»- Parteien des Reichstags verhandelte gestern abend unter Beteiligung de» Reichsarbeitsmtnistcrs Dr. Brauns und der Fraktionsfülhrer Graf Westarp(Dnat.) und Dr. Scholz(D. Vp.) nochmals über das Arbeitszeitnotgesctz, mit dem Erfolg, daß eine K o m. promißbildung gefunden wurde, lieber die Einzelheiten wird noch Stillschweigen bewahrt. Eine Unterkommission wird in den nächsten Tagen die Formulierung, fertigstellen. Nach eiiwr RD.-Mcldung soll den Fraktionen Gelegenheit ge- geben werden, zu dem neuen Kompromißnorschlag Stellung zu nehmen. Dieser Konipromißvorschlog soll nicht mehr daran festhalten, daß die Ueberstunden mit einem Lohnzuschlag von 25 Proz. bezahlt werden müssen, ein Satz, gegen den be. kanntlich von Wirtschoftskreisen die schwersten Bedenken geäußert worden waren. Wann die Vorloge im Reichstag zur Beratung ge. langen wird, läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen. Graf W e st o r p, Dr. Scholz und Arbeitszeitnotgesetz, was anderes als eine Mißgeburt kann dabei herauskommen! Tarifkoaflikt ia öen Gas- trnö wasserwerkeu-�G. Di« feil Monaten geführten Verhandlungen über den Reu- abfchluß eines Manteltarifvertrages für die Städtischen Gas- und Wasierwert« in Berlin sind endgültig gescheitert. Die Verhandlungen wurden abgebrochen, weil die Direktionen der Werk« unter keinen Umständen bereit waren, trotz des Beschlusses der Stadtoerordnetenoersamm- lung, die wöchentliche 48stündige Arbeitszeit für die Schichtarbeiter im Mantellarifvertrag zu verankern. Di« Arbeitnehmer waren bereit, zuzugestehen, daß, wenn wichtige technische oder wirtschaftlich« Verhältnisse es erfordern, auch über 48 Stunden hinaus Arbeit geleistet werden soll. Die Direk- tionen lehnten dieses Entgegenkommen ob. Sie haben sich damit in scharfen Gegensatz zu den Beschlüssen der Stadtver- ordnetenoersammlung gestellt. Der Verband der Gemeinde- und Stoatsarbeiter hat den Schlichtungsausschuß Groß-Berlin angerufen. v!e öerliner Suchürucker nehmen öen Manteltarif an Di« Urabstimmung über den vor kurzem abgeschlossenen Manteltarif für dos Buchdruckgewerbe hotte in Berlin folgendes Ergebnis: Insgesamt wurden 10 415 Stimmen abgegeben» davon 6737 Stimmen für und 3628 Stimmen gegen Annahme des Tarifs. Ungültig waren 50 Stimmen. Damit ist der Manteltarif in Berlin mit knapper Zweidrittelmehrheit a n g c- nommen. Das Resultat über die Abstimmung aus dem ganzen Reiche kann erst End« des Monats bekanntgegeben werden. VTS. und fein hausverein. Tarif aar mit dem Verein der Angestelliem Bekanntlich hat die Continental- Telegraphen- Compagnie, Wolffs Telegraphisches Bureau A.-G., Berlin, dem Z d A. als ein- zigen Täriskontrahenten den Tarisvertra g zum 31. Mörz 1927 gekündigt. Der Einladung des ZdA. zu Verhandlungen zwecks Abschluß eines neuen Tarifvertrages hat die Direktion nicht Folg« geleistet. Anläßlich des Termins vor dem Schlich- tungsausschuß Groß-Berlin am 17. März, welcher eine klare Entscheidung herbeiführen sollte, ob die Direktion gewillt ist, mit den Gewerkschaften in Verhandlungen zu treten, erklärte sie, daß sie nur mit dem Verein der Ana« st eilten des WTB. in«in Bertragsverhältnis treten will. Ein Spruch wurde, da es sich zunächst um keine Verhandlungen materieller Art handelte, nicht gefällt. Der ZdA. hat bereits die� A n b« r a u m u n g eines zweiten Termins vor dem Schlichtungsausschuß veranlaßt. Gleichzeitig werden die materiellen Forderungen ein- gereicht werden. Der Schlichter muß der Direktion des WTB. auch beweisen, daß«in Unternehmen, welches im innigsten Konnex zum Reich steht, bei Tarifverhandlungcn die anerkannten Gewerk- schaftcn über den Kopf seiner Angestellten nicht so ohne weiteres übergehen kann. Die OeffenkNchkert hat«in Recht darauf, über das gewerkfchafts- und t o r i f f e i n d l i ch e Verhalten und die Gelben Züchtung des WTB. die Wahrheit zu erfahren. Heute Abstimmung der Hamburger Werftarbeiter. Hamburg. 22. März.(TU.) In der im Gswerkschaftshau» ad- gehaltenen Versammlung der Vertrauensleute der organisierten auf den Seejchiffswerften beschäftigten Arbeiter wurde beschlossen, den Arbeitern zu empfehlen, in der am Mittwoch stattfindenden Ur- abstimmung den vom Hamburger Schlichter Dr. Stenzel gefällten Schiedsipruch abzulehnen. Als Gründe für diesen Beschluß wurde hauprsächlich die lange Bindung des neuen Lohn- tarifes auf ein Jahr bis zum I. April 1928 und die nicht genügende Lohnerhöhung bezeichnet.__ Aussperrung in der Frankfurter Mctakliudustric? Franksurl o.' M.. 22. März.(Mtb.) Annähernd 10 000 Mc- tallarbeiter haben wegen des ihnen unzulänglich erscheinen- den Schiedsspruches, den der Schlichter für die Frankfurter Metallindustrie gefällt hat. das Arbeitsverhältnis ge- kündigt. Es verlautet, daß die Metallindustriellen als Gegen- Maßnahme die Aussperrung der gesamten Metall- arbeiter von Frankfurt erwägen. Die Kündigung erfolgte �e- meinsam mit dem Deutschen Metallarbciterverband und dem Christ- liehen Metallarbeiterverband. Der Reichsarbeitsminister hat über die von den Arbeitgebern beantragte Verbindlichkeit des sraglichen Schiedsspruches Verhandlungen am 24. März in Berlin festgesetzt. AchtvOg. 25. Mar«, 7- sammlung a SPD.-Bau. mtb.«Srlbschraakschl-ffrr! Uhr, im Lakai Schuht, Swllschreibrrltr.! er Partcizcnasscn. Jeder muß erfcheutett. Der SiaUusssstftoxb. Srctr Sewrrklchaftijugcnd. Heut«, Mittwoch,"IVi Uhr, tagen die Druppeni IIa I: Grupvrnhcim Jugendheim Bergstr. 2S, Hof. Vortrag:»Die Ge. werkfchaftsbcwcguna in den dsisloatcn".— Südwesten: Eruppenheim Bezirks- jugendheim Städtische Schwimmhalle Bijrwaldstr. 64. Friß.Reuter. Abend.— Shartottcnburg: Wir besuchen die Gruppe Schöneberg.— Rarbring: Gruppen. heim Jugendheim Ebcrswalder Str. 10, Zimmer 12, Vortrag:»Aua den Sie. volutionstagen non 1848",— Baumschnleaweg: Jugendheim Baumschulenweg, Ernststr. l«. Bortrag:»Di««ulturbestrebungen der Gewerkschaften".—«eißen- sc«: Zugendheim Parkstr. 86. Liederabend.—«nltnrabteilung de, Deutschen Metallarbeiterverbande», Linienstr. 197(6 Ilhr). Programm: 1. Ruhrkohle. 2. Zechnik. 3. Unterhaltungsfilm. Ingend�uppc des ZdA. Heute, Mittwoch, 7 Vi Ilhr: Straläln: Jugendheim Nogatstr. 53. Schwäbischer Abend sEugen Ernst).— SchSnederq: Zu«.'ndh-:m Hauptstr, 15 Iffrankcnland, immer). Löns-Abend.—.«ebbing-GelmebbrnRnea- Jugendheim Schönstedtstr, l(Ledigenheim 5 Tr.). Vortrag über-Zuaendlchutz". — Osten: Jugendheim Schule Litauer Str. 18. Bortrag:»Körperkultur�.— Aharlotteaburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Epielabcnd(Brettspiele mit- bringen). Zimmerer! Wir weisrn hierdurch auf folgende Bezirksverfammlungra hin: Leute, Mittwoch, tagen die Bezirke 8, 26 und 40: morgen, Donnerstag, die Bezirke 20, 28 und 29 und am Freitag. 2ö, März, die Bezirke 1. 10. 15, 17, 18 und 24. Alle Kameraden m listen restlos erscheinen. Berantwortlich für Politik: Bietor Schilf: Wirtschaft: Gewerkschastobewegung: Fr. stblor»: Feuilleton: Dr. und Sonstiges: Friß Karstadt: Anzeigen: Th. Gl». Berlag: Vorwärts-Verlag G. m. o. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u Co.. Berlin SW 68, Lindenftraße Z. Hierzu 3 Beilagen und»Lntcrhaltnng und Wissen". Sirtschaft:«.«lingelhöfer: !r. John ZänlatMki: Lokales: block«: sämtlich in Berlin, WERTHEIM Exm-PüUi Leipziger Str.(Versand-Abt.) Könlgstr. RoeenthaJer Str. Moritzplatz Mittwoch bis Sonnabend Soweit Vorrat \ a WlrttthrilfArtikel Emaille Schm°?°Ä.60p,.M.2,o Kasserollen ao hh QBpi. ohne Ring, grau u. larb. von. "Wasserkessel. xreu und farbig• � Olü Kaffeeflaschen cc mit PalentverschluO OOPt dt» 110 WasserkonsoJ mwtioaB 85 pt "Waschgarnituren 1fl 5 flg., mod. Porzellanform u. Dekorc' �'S "Waschtöpfe ol,ne%"*- vtrz7'- mit Sieb und Deckel �65 W®**75 Schmortöpfe.« Cußelscn, innen we!0>»5 bis 0 1 5 Wassereimer... 35pl. 1 25 Runde Wannen 80 pr. b. 1 25 Wannen«,»1. grnn Los w» 3 85 Stahlwaren Eßbestecke.. 65 w» 80 pr. Eßmesser.... 25 wa 75 pr. 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Rohrklopfer... Haarbürsten.. Toilettebürsten Blankbürsten.. Schmutz bürsten Cremebürsten. Bohnerbesen» T eppichkehr- M"ch 775.. Handwaschbürst.7 b. 12 pf. Kleiderbürste->u vr-u 85 Pt Schrubber.. 25, 35, 45 Pt 45, 75 pt 50 wi Sso 45, 55 pt 55, 85 pt ... 20 pi» ... 15 pt 4V, kg. 523 5 Hamm.,(Messing n braun) mit 60 an �3» S Seidensdiitm Atpaka- Bestecke Pertrand-, Faden* oder glattes Master Kaffeelöffel Eßlöffel Destecke 20p/. 40 pi. Iss Jlf&HÖSPf. 85 Pt. 1 BS vSZZriSSp/. los 4u In dieser Woche A ussie llung Frühjahrs-Moden Die Aussiellung bietet ein Bild der neuesten Moden in Damen- u. Kinderkleidung Nr. 1ZS» 44.?ahrgang � Mittwoch, 2Z.Nlärz1?27 jTAOTßiLD KÖPENICKS UM Die Geschichte Berlins ist die Geschichte seiner Nachbarort«, die heute«inen Teil seines Bestandes bilden. Und bunt und mannig» faltig im Wechsel der Zeiten ist gerade die Geschichte jener Ort- schasten, die, wie die einstige Stadt Köpenick, aus ein vielhundert- jähriges Bestehen zurückblicken können. Einen Abriß aus dieser so interessanten und wechselvollen Geschichte hat Arno Iaster in seinem vor kurzem erschienenen Werk„Die Geschichte Köpenicks"(Scheu- mann Verlag) nach alten Quellen sehr originell zusammengefaßt. Seltsamerweise paßt die Darstellung, die ein sarazenischer Gesandt- schaftearzt Ibrahim Ibn Iacub im Jahre 97S vom Wesen des slawischen Burg- und Stadtbildes gibt, ausgezeichnet aus die der Stadt und Feste Köpenick. Er schreibt nämlich: „Wenn die Slawen eine Burg gründen wollen, so suchen ste sich Weideland, das an Wassern und Rohrsümpfen reich ist, und stecken dort einen runden oder viereckigen Platz ab, je nach der Gestalt und dem Umfange, den ste der Burg geben wollen. Dann ziehen ste darum einen Graben und häufen die aufgehobene Erde auf. Diese wird mit Brettern und Balken ganz festgestampft. Ist dann der Wall bis zur erforderlichen Höhe aufgeführt, so wird an der geeigneten Stelle ein Tor abgemessen und von hier an eine hölzerne Brücke über den Graben gebaut." Daß„Eopnie", die Anstedlung auf der Insel zwischen Spree und Dahme, ihren Namen nach einer Auslegung den Fischern zu verdanken hat. legt Iaster. dessen Werk auch das Folgende auszugs- weise entnommen ist, kurz dar. Zwar ist diese Auslegung nicht» weiter als eine schöne Soge, aber als ein Teil der Heimatpoeste verdient sie erwähnt zu werden. » Die Sage um den Namen. Als einst in grauer Vorzeit ein alter Fischer sein Netz au» den Fluten des Müggelsees zog, fand er unter vielen Fischen auch einen großen Krebs. War der Alte schon über die riesenhaften Formen de» Tieres erstaunt, so wurde er fast starr vor Schreck, al» der Krebs an Land kam und zu sprechen anfing:„Ich will dich zum reichsten Manne machen, wenn du mich über die Spree bringst nach dem ersten Ort am jenseitigen Ufer." So sagte der Krebs zum Fischer. Dieser nahm, als er sich von seinem Schreck erholt hatte, das Tier und trug es nach seinem Wohnort, wo er«» zum Kauf anbot. Da just Markttag war. kamen viel Leute herbei, die den großen Krebs anstaunten; al» aber einer sich fand, der Lust hatte, das Tier zu erwerben, rief der Krebs plötzlich mit oernehm- licher Stimme:.Lop nich, köp nich!"(Kaufe nicht.) Der Fremde lieh sich einschüchtern und stand vom Kaufe ab. Aber in Stralau, wohin der Fischer sich begab, wurde der Krebs doch zu Geld« gemacht. Der Ort, wo der Krebs die Wort« auf dem Markt gesprochen, wurde seitdem Köpenick genannt und Stralau führte bislang auf seinen berühmten Fischkästen den großen Krebs als Wahrzeichen im Schilde.— Das war zunächst der Name, wie ober wurde Köpenick dem deutschen Einfluß unterworfen? Ostlands- fahrer waren es, die um das Jahr 1200 ihren Fuß auf Sumpf und Sand de» Spreegau«» setzten. Ostlandsfahrer, denen die cheimat west- lich der Elbe zu enge wurde. Sie kamen und rodeten Wälder und pflanzten Felder, trieben Handel und gründeten Städte und Dörfer. Wir wenden unsere Anteilnahm« allein der deutschen Siedlung in Köpenick zu und können sagen, daß im Hinblick aus jene Zeit unsere Sage das Rechte trifft; nämlich: die Fischerei allein gehörte den Wen- den. Den deutschen Solonisten gehörte durch den Loden und seine Er- Zeugnisse auch der Handel. Wie überall hatten die Wenden auch hier den Gemeinbesitz den Deutschen überlassen, und wo noch vor kurzem der leichte wendische Hakenpflug die Erde oberflächlich und„unnahr- haftig" umwarf, arbeitete nunmehr der niedersächsische oder schwä- bische Bauer put dem schweren Eisenpslug. Er fühlte, daß er zum erstenmal Neuland durchschnitt. Hufe reihte sich an Hufe, die Häuser wuchsen und das Gebiet der kleinen Stadt dehnte und streckte sich in dieser Zeit. So lernten sie Grenzstein und Grenzfließ, Grenz- bäum und Grenzhügel, Grenzweg und Grenzwall kennen. Die Wenden aber zogen sich an Frauentag und Dahme zurück, wo sie, ab- und ausgeschlossen vom deutschen Gemeinwesen, In ihren Fischer- Hütten,«cbxca" genannt, wohnten, au» denen sich später die„Siehe" entwickelten. Der Kampf um den Sesitz. Aus dieser Zeit meldet die„Cbronica marchionium Branden- burgensium":„Die Brüder Johann und Otto traten Anno Domini 1220 an und hatten, weil sie Kinder waren, den Grafen Heinrich von Anhalt zum Vormund. Als der jedoch(122S) aus der Bor- mundschaft geschieden, beherrschten sie unter ihrer Mutter Heirat ihr Land mit Einsicht. Nachdem sie aber herangewachsen waren, lebten sie, einander beratend und einträglich, wie sich's für Brüder gehört, zusammen. Durch solch Zusammenhalten warfen sie ihre Gegner nieder, brachten ihre Freunde zu Ehren, vergrößerten ihr Geoiet und nahmen zu an Ruf, Ruhm und Macht. Vom Herrn Barnem«rhiellen sie die Ländchen Vorn, Teltow« und andere mehr." Um das Jahr 1240 brach für Köpenick eine schwer« Zeit an. Die Askanier waren wegen ihrer Grenzburgen.Ftoppenick und Müddenwalde" in ernste Kämpfe mit Markgraf Heinrich dem Erleuchten von Meißen verwickelt worden. Sie hatten zunächst die Entscheidung des Erzbischofs Wilbrand von Magdeburg angerufen und ihm beide Schlösser übergeben. Der Kirchenfürst hielt sie dann auch längere Zeit mit seiner Mannschaft besetzt, überließ sie aber, als er den Frieden nicht herzustellen vermochte, dem Meißner. Da- durch war das geheime Einverständnis mit Meißen und Magdeburg sichtbare Tatsache geworden, und es blieb den Askaniern nichts übrig, als zum Schwerte zu greifen. Bier Jahre hindurch schwankte das Krieasglück zwischen beiden Parteien; es gelang Heinrich von Meißen, das Land Köpenick bis Strausberg mit Raub und Brand zu verwüsten. Erst nachdem Wilbrand, der Erzbischof, sowie Ludolf, der Bischof von Halberstadt, am Bieseflühchen in der Allmark von Johann überrascht und vollständig geschlagen waren, und auch Mark- gras Heinrich bei Mittenwalde eine entscheidende Niederlage er- litten halle, kam durch die Vermittlung der Ritter Gottfried von Wedding und Burchard von Erxleben ein Vergleich zustand«, in dem Köpenick und Mittenwalde wieder askanisch wurden. Von neuem begann der Kampf gegen Sumpf und Wasser, Wald und Flugsand: von neuem erstanden Dörfer und Städte und Durgen. Und e» war recht und billig, daß olle die, welche sich schon eines Erfolges freuen durften, mithalfen, indem sie nach der Höh« ihrer geldlichen Verpflichtungen herangezogen wurden. Im übrigen lag Köpenick im tiefsten Dornröschenschlaf, ohne eigene Bedeutung. Das dahinstnkende 13. Jahrhundert erwähnt seinen Namen nur noch einmal, als Berlin am 28. September 1298 vom Markgrafen Otto IV. die Niederlage und den Zoll von Flößen und Schiffen erwirkt, die durch Fürstenwalde und Köpenick gehen. Selbst über den Kaufpreis sind wir diesmal unterrichtet. 200 Talente branden- burgische Münze bedeuten nämlich S2 800 Silberpfennige oder, nach dem Gewicht berechnet, mehr als 8 Kilogramm Silber. Jedoch zeigt dieser Verkauf schon— wie viele, die ihm voran- gingen und noch folgten—. daß die Staatsautorität im Schwinden war. Die Fürsten brauchten Geld, um ein prächtiges Hofleben zu führen, und verpfändeten und verkauften eine Gerechtsame nach der anderen. Es war, traditionell betrachtet, eine Zeit des Ver- falles; das große römische Imperium starb dahin; die Hansa über- wand es innerlich. Die Städte wuchsen und wurden reich und schlössen sich zur Wahrung ihrer Rechte zum mittelmärkischen Städtebund zusammen, dem im Jahre 1323 auch Köpenick beitrat. Zwei Jahr« später, am 2. Juli 1325, ließ es sich vom Markgrafen Ludwig die Stadtrechte bestätigen. Das war so der Anfang dieser Stadt, die im Laufe der Jahre nach schweren inneren und äußeren Kämpfen immer fester in die Arme Berlins geriet. Wie sich diese Entwicklung vollzog oder voll- ziehen sollte, das ahnte bereits 1876 ein aller Berliner Bänkelsänger Christoph Wild in einem Scherzgedichte„Groß-Berlin", das Iaster seinem Werke eingefügt hat und das so lautet: Berlin, mein Kind, wird jetzt Provinz, Eine Menge Orte sind'»; Merk' als neu vor allen diese: Schießplatz und die Mickreitzwiese, Zwiebusch-, Wühl- und Iungfernheide, Dahlem. Ober- und Nieder-Schönweide, Tegel, Schönholz, Kietz und Britz, Steglitz, Lanck- und Schmöckewitz, Alt-, Neu-, Schöne-, Lichtenberg und Pankow, Friedrichs-, Scharfenberg und Treptow, Auch gedenke Köpenicks; Von den Dörfern merke Rix-, Schmargen-, Dall-, Deutsch-Wilmers-, Gießen- Marien-, Reinicken-, Heinersdorf, Süßen Grund, Eierhäuschen, Tiergartenforst, Rauchfangswerder und Karlshorst, Südend, Tempel-, Adlershof und Friedenau,, Kanne. Plötzen-, Weißensee und Stralau; In Charlotten-, Rummelsburg, Boxhogen, Magst nach Friedrichs-, Lichterfelde fragen, Auch Saatwinkel, Grünerlinden, Nieder-, Neu-, Hohen-Schönhausen wirst du finden: Endlich aber sind dabei Lohmühlen und die Buschmeierei: Was vorher schon Berlin genannt, Setzt voraus man als bekanntl :Q rnoi u(5em Großen, aber auch die Größe.— Den Zweck rhythmischer Gymnastik erblickt Dr. Ernst Hermann in der Schöpfung einer neuen Persönlichkeitskultur. Sie be- deutet ein Gegengewicht gegen die intellektualistische Einstellung der Gegenwart. Sehr scharf nimmt er Stellung gegen die Rekord- sucht der Engländer und Amerikaner. Uebertrieben erscheint aller- dings die Bemerkung, der Kunsttanz fei„die höchste Form künst- lerischen Ausdrucks".— Ausgehend von der Siebenbürgi- scheu Volkskunst aus st ellung schildert Prof. Ezaki die Beziehungen Siebenbürgens zu Deutschland. Für ihn ist dieses Land der Kristallisationspunkt osteuropäischen Deutschtums mit der Aufgab«, die Einwohner fremder Länder mit deutschem Zhtlturgut vertraut zu machen. Am Abend spiette Prof. Havemann mit stür- mischem Temperament die Kreutzer�Sonate, allen Akzent auf den Ausdruck legend, F. S. das Innere des Gebäudes in gesamter Ausdehnung unter sehr starker Qualmentwicklung bereits lichterloh. Wegen der Gefährlichkeit des Feuers— in nächster Nähe des Brandlzerdes stehen mehrere größere Gasbehälter— mußte das Feuer sosort mit vier Rohren größten Kalibers angegriffen werden. Glücklicher. weise gelang es, das Feuer auf das Pumpenhaus zu beschränken. Nach mehrstündiger Tätigkeit konnten die Wehren unter Zurück- lassung einer Brandwache wieder abrücken.— Die Feuerwehren der Außenbezirke wurden gestern nachmittag nach B o h n s- d o r f und nach den Müggelbergen gerufen, wo größere Wiesen und Waldbestände in Brand geraten waren. Es gelang, das Feuer in beiden Fällen einzudämmen und abzulöschen. Verzweiflung über einen Fehltritt und seine Folgen haben einen 24 Jahre allen Arbeiter L. aus der Pannierftraße zu Neukölln i n den Tod getrieben. Der junge Mann unterschlug auf der Arbeitsstelle, auf der er in Berlin beschäftigt war, 30 Mark und wurde deshalb auf der Stelle entlassen. Als seine Frau von einem Ausgang heimkehrte, fand sie ihn tot auf dem Sofa liegen. Er hatte sich in ihrer Abwesenheit mit Gas vergiftet. vvWeUe keSeinns Ibres eraelen Sie durch den Niederdruck. Reifen. Er wirkt wie ein weiches Kissen, dämpft alle Stöße der Straße und leitet sie nicht auf den Wagen weiter. Ihr Wagen läuft selbst auf schlechtesten Straßen ruhig mit: Reifen «Fahr' Conti, und Du bleibst dabei k" Zurücknahme der Verufuug im S?larz-Prozeh. Ein überraschend vorzeitiges Ende nahm gestern die Berustings- Verhandlung in dem Strasverfahren gegen den Kaufmann Heinrich S k l a rz, die feit dem 3. Februar vor der Großen Strafkammer des Landgerichts I unter Borsitz von Landgerichtsdirektor Lehmann ver» handelt wurde, und deren Ende vorläusig noch nicht abzusehen war. Bekanntlich war Heinrich Sklarz unmittelbar vor der Berufungsver- Handlung wegen Verdunkelungsgefahr in Haft genommen worden, weil das Gericht den dringenden Bevdacht hatte, daß er die Zeugen zu beeinflussen suche. Wiederholte Anträge von Rechtsanwalt Dr. Bendix, den Haftbefehl auszuheben, wurden stets wegen der Ver- dunkelungsgesahr abgelehnt. Gestern gab Dr. Bendix die Erklärung ab, daß sich der Angeklagte genötigt sehe, seine Berufung gegen das Schöffengerichtsurteil zurückzunehmen. Da auch der Staatsanwalt gegen die Zurücknahme der Berufung des Angeklagten nichts einzu- wenden hatte, war die Verhandlung damit beendet. Jetzt entschied auch die Strafkammer, daß das Moment der Verdunkelungsgesahr in Wegfall gekommen sei und hob den Haftbefehl gegen Heinrich Sklarz auf. Damit ist das Urteil gegen Heinrich Sklarz, der wegen Betruges teilweise in Tateinheit mit Untreue und Erpressung zu Jahren Gefängnis und 50 000 M. Geldstrafe von der ersten Instanz verurteilt worden ist, r e ch t s k r ä f t i g geworden. Heinrich Sklarz wurde aus der Hast entlassen. Betriiqcrischer Wohnungsverwittler. Guter Verbindungen mit dem Wohnungsamt rühmt stch ein Schwindler, der seit einiger Zeit sein Unwesen treibt. Er führt sich bei Leuten, die Wohnung suchen, als erfolgreicher Vermittler ein, spiegelt ihnen vor, daß er eine passende Wohnung an der Hand habe, schildert auch die Lage der Wohnung in den hellsten Farben, hat stets Grundrisse und Bilder bei der Hand und versichert, daß er durch seine Beziehungen zum Woh- nungsamt in der Lage sei, alle etwa auftauchenden Schwierig- leiten zu beseitigen. Wenn man eine Zeit zur Besichtigung verein- bart hat, bittet der Vermittler um einen Vorschuß, weil er nicht wieder umsonst laufen möchte, wie er sagt. Er habe oft trübe Erfahrungen gemacht. Die Bewerber hätten ihn mehr als einmal 'stundenlang warten lassen und seien nicht erschienen. So erhält er denn Vorschüsse oder Anzahlungen von 10 bis 20 Mark, läßt nun aber seinerseits die Wohnungssuchenden vergeblich warten. Der Schwindler nennt sich„Bruno A ck e r m a n n". Wie die Kriminalpolizei feststellte, hat ein Mann dieses Namens bis zum Februar dieses Jahres in einem offenen Laden in der Klosterstraße eine Woh- nnngsvermittlung betrieben, ist seitdem aber nicht mehr zu finden. Ob er jetzt Schwindelgeschäfte macht oder ob ein anderer seinen Namen mißbraucht, steht noch nicht fest. Mitteilungen zur Aufklärung an die Dienststelle E). 5 im Polizeipräsidium. Werbeversammlung des Reichsbanners. Am Freitag, 25. März, abends 8 Uhr, findet in den Alhambra-Festsälen, Wallnertheater- straße 15, ein« Werbevvsammlung des Kreises Berlin-Mitt« des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold statt. In dieser Versammlung wird Major a. D. Anker über„Republikaner, wacht auf!" und Herr Direktor Heinrich L ö f f le r über„Republik und Volk" sprechen. Republikaner sind hierzu herzlichst eingeladen. Tos aus dem Seddinsee geborgen. Im Dezember vongen Jahres mußten wir mitteilen, daß Genosse Ernst Steinhäußer aus seiner Wohnung in der Kominandantenstr. 25 spurlos verschwunden war. Jetzt, nach 13 Wochen, ist seine Leiche, im Seddin- s e e treibend, ausgesunden worden. Ob Genosse Steinhäußer er- mordet worden ist, wird sich kaum noch feststellen lassen; auch für einen Selbstmord liegen nach der Ansicht seiner Angehörigen und seiner Freunde absolut keine Anzeichen vor. Man wird mit einem Ilnglückssall rechnen müssen. Genosse Steinhäußer war Schriftführer der 30. Abteilung lKreuzberg) und auch Reichsbannerkamerad. Die 30. Abteilung verliert einen treuen, tüchtigen und beliebten Ge- nossen. Tag und Stunde der Einäscherung und Beisetzung werden in der Sterbetafel bekanntgegeben werden. Spreibchor für prole'atiidie Jclerftmbfi». Die Uebunaistunde fällt in dle'cr Woche au». Die Mitglieder treffen sich am Sonntag, dem 27., stüh 8 Ubr, im Groben Schausp'elbau» zur Jugendweihe. Anqelica Lalababoff spricht am Donnerstag, dem 21. März, abend» 8 Mr, im arohen Saal de» Lebrervereinsbauses am?llexanderplatz in einer groben VolkSoersammIung aus Einladung der Deutschen Liga für Menschen- rechte unter dem Vorsitz von Ernst Toller noch einmal über das Thema: .Mussolini, der ttalienische Faschismus nnd Menschenrechte". Untosten- bcitrag 30 Ps. Bücher fr ci«. Technische Schwierigkeiten machen eine AuSNeserung der VöcherkreiSwerke im Monat März unmöglich. Die slieseruvg durch die Hauptgeschäftsstelle beginnt spätestens am 5. April. Srlefkaften der Redaktion. Zll. P. Söchssens aus Billigkeitsgriinden. Wenden Sie stch an das Finanz» aint.— E. M. 87. Uns ist der Tiiel des Buches nicht bekannt— 6. 59. 1. bis 3. Zweifelhait. Aach unserer Ansicht kann nur der Sohn den Beitrag ansechten. 1. Eine Klaac muß belni ordentlichen Scricht(Landgericht) erhoben werden.— #. Sch. 1885. 1. Die Privatllagc kann erst erhoben werden, nachdem ein Ellhneversuch staiigesundcn hat. wie müssen sich daher zunächst an den Schieds, mann, dessen Anschrist Sie vom Bezirksamt erfahren, wenden. 2. Die Frage läßt stch nicht allgemein beantworten. Erkundigen Sie stch bei der Erwerbs» lofenfstrsorgeilelle.— W. 11. J. Nach unserer Ansicht sind Sie zur Zahlung nicht verpflichtet. 2. Erheben Sic beim Amtsgericht Klage auf Scrausgabe der Sachen. D!« Klage kann zu Protokoll des Scrichtsschreibcrs erklärt werden.— E. Sth. Bei Erstattungen von Lohnsteuern werden die Sonntage nicht ge» rechnet.— Tcdanstr. Der Vermieter mutz nach unserer Ansicht die Ausnahme Ihre« Schwiegersohnes dulden, zumal er stch mit ihr zum mindesten still. schweigend einverstanden erklärt Hot. Die Zahlung des„Zuschlages" ist abzulehnen. Notfalls ist das Mirteinigungsami anzurufen, das die Erlaubnis des Vermieters ersetzen kann, da Ihre Kinder einen eigenen Haushalt führen.— ®. 3- Odcrberg. I. Der Lohn ist unbeschränkt pfändbar. 2. Gegen die einst. weilige Berfüguna müssen Sie durch Ihren Anwalt Widerspruch erheben lasten. — E. L. 98. 1. Ja. Solange der Unterhalt gewährt wird. 2. Ja. 3. und i. Nein.—®. N. 4. t. Die Frage läßt sich nicht allgemein beantworten. Fordern Sie die Gesellschoit zum Schadenersatz aus. Tln« eventuelle Klage muß beim ordentlichen Gericht erhoben werden. 2. Wenden Sic stch an de» Magistrat tWohlfahrtsdcputation).. kreis Sozialistisdie Hodisdiule. Sonnabend, 26. März, 7 Vi Uhr abends im Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, V ortragdes Gen. Prof. Dr.Zmil Lederer-Heidelberg „China in der Weltpolitik" Eintrittskarten zürn Preise von 50 Pf. sind zu haben an der Abendkasse sowie an folgenden Stellea: Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3 Z. Hof, II, Zimmer 8.— Buchhandlung J. H.W. Dietz, Lindenstraße 2.— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritterstraße Ecke Luisenufer.— Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24-25, Oewerkschaftshaus.— Tabakvertrieb, Inselstr. 6.— Verlag des Verbandes der deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. 5.—„Werkfreude" Bücherstuben, Potsdamer Str. 104.— Berliner Gewerkschaftskommission Engelufer 24-25(Gewerkschaftshaus), sowie in allen Vorwärts-Speditionen. Groß-Siedlung Britz: Vorwärts-Spedition Lange Str. 5.» Parteinachrichten Einsnbiragca für diese Rubrik sind Beclia es 68. Lwdeustraße 3. für Sroß-Serlin stet» au da» Bezirksiekretariat L Los, 2 Trep. recht», zu richten Achtung, Jugendwohlfahrtskonferenzi St« sie Freitag, 25. März, nach dem Berliner Rathanse einbernsene Kam» »»aale Konserenz mit dem Thema:„Berliner Inaendpllege»nd Fürsorge" findet an diesem Tage nicht statt, sondeza wird»erlegt anf Freitag, 8. April, nach Saal 199 de» Berliner Rathanse». Da» Kommunale Sekretariat. 5. Krel« Wedding. Sonnabend, 26. März, 7 Uhr, Bunter satirischer Abend in den Pharussälen, Mlillerstr. 142. Mitwirkende: Käte Hyan, Fritz Nichard, Erich Wiiuert. Anschließend Tanz. Eintrittspreis ein» schlt-ßlich Tanz 75 Pf. ». Krel» Wilmer»dors. Donnerstag, 24. März, 6 Uhr, Sitzung de» engeren Kreisvorstandes mit den Abteilungsleitern und dem Biloungsausschutz bei Andreas, Pfalzburger Eck« Güntzelstkotze. II. Kre!» gehlendorf. Donnerstag, 24 März, 8 Uhr, bei Schnorre, Zehlendorf, Potsdamer Str. 3, Kreisvorstandssttzung. Erscheinen unbedingt erforderlich. 17. Kre!» Lichtenberg. Arbeiterwohlfahrt: Donnerstag, 24. März, 7 Uhr, im Raihaus Möllendorsstr. 6 Kursus zur Einführung in die Wohlfahrtspflege. Referentin Dr. HeMnger. heule. Mittwoch. 23. März: 12. Abt. 7% Uhr bei Schmidt, Biclefstr. 17, wichtige Fnnktionärsttzung. 39.«bL Pünktlich IVi Uhr im Städtischen Jugendheim Belle-Alliance-Plotz 1 Frühlingsfeier. Festrede Frau Dr. Hildegard Wegscheidel. Rezitationen. Lieder zur Laut«. Tänze der Kinderfrcundc. 92. tfbt. Neukölln. IVi Uhr zwei Werbeversammlungen:«) bei Klein, Wildenbruchstr. 15. Ecke Kölnisches Ufer, d) bei Seiiaart(früher Käcke. ritz), Innstr. 8, Ecke Weserstraße. Referenten Genossen Schlimme und Zachert. M. d, L. Tagesordnung: 1. Vortrag:..Bestrebungen und Ziele der SPD." 2. Frei« Aussprache. Zahlreiche Beteiligung der Bewohner der neuen Häuferblocks sowie der Genossinnen und Genossen wird Bs erwartet. Morgen, Donnerstag. 24. März: 38. AbL 7)4 Uhr bei Mogwitz, Barnlmstr. 13, Sitzung der in der kommunalen Wohlfahrtspflege tätigen Genossinnen nnd Genossen, im de- sonderen des Abieltungsvorstandes und der Bezirksführcr. Referent Stadtrat Wilhelm Mann. «I. Abt. Friedenau. 8 Uhr im Gesellschaftszimmer des Rathauses, Am Lauter» platz, Mitgliederversammlung. Bortrag:„Rationalisirrung". RMcrent Dr. von Ungern-Sternderg. Gäste und Sympaihisterrnde sowie„Vorwärts", Leser sind herzlichst eingeladen. 127. Abt. Kohenschänhausea. 7 Uhr Abmarsch noch der„Weißen Taube". Treffpunkt Schule ffreienwalder Str. 5/S. Um 8 Uhr Zusammenkunft sämt. licher Genossinnen und Genossen sowie„Porwärts".Leser der kinderreichen Familien bei Rutzky. Arauenveranstaltungen: 6S. Abt. Hale«see. Donnerstag, 24. März, 8 Uhr, bei Gandmann, Westfälische Straße 42°, Vortrag:„Die ssrau in der heutigen Gefellschaft". Refercntin Stadtverordnete Minna Todenhagen. Gäste sind willkommen. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groh-Berlin. Die Kelferfitznug findet am Donnerstag, 24. März, wiederum in Neukölln, Lessingstraßc, in der Lessingschule statt. Anfang wie gewöhnlich. Gruppe Norden: Donnerstag, 24. März, 7s, Uhr, in der Schule Cbcrswalder Straße 10 Elternabend. Thema:„Die weltliche Schule". Achtung, Zungsolzalisten! Die nächste Gesamtveranstaliung fit nicht am Montag, 28. März, sondern bereits am Sonntag, 27. M indet WWWW»>WW>»WW> W stärz, abends 7 Uhr, in der Schulaula Kodistraße statt. Hendrik de Man spricht r' Über:„Marxismus und Psychologie". Sonntag abend 6 Uhr ebenda F~i wsi /fvl j />* TP,»-*. vsmo tv?r-\ r» f ov firv 7 wichtige Gruppe nkonserenz. I Sterbetafel der Groß-öerliner pavtei-Graa�flation 8. Abt. Am Donnerstag, 24. März, findet nachmittags Iii Uhr die Einäscherung unseres im 5«. Lebensjahre verstorbenen Genossen Karl M a» s o l f im Krematorium Wilmersdorf. Berliner Straße, statt. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Um recht rege Beteiligung bittet die Ab. teilungsleitung. 32. AbL Unser Genosse, der Bezirksfilhecr Friedrich Grunwaldt, Lange Sir. 59, ist am Sonntag, 20. März, verstorben.- Einäscherung am Donnerstag, 24, März, nadimittags 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Berliner wiraße. Zahlreiche Beteiligung der Genossinnen und Genossen wird erwartet. 47. Abt. Unser Genosse Albert Zander, Naunynstr. 38, ist am Eonniag, 20. März, früh, am Herzschlag verstorben. Einäscherung am Donnerstag, 24. März, nadimlttaas 4'h Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitte» um zahlreiche Betcilignng. 48. Abt. Unser Genosse Richard D a h l i n g e r, FUrstcnstr. lt. ist am 21. März verstorben. Einäscherung am Donnerstag, 24. März, abends 6 Uhr, im Krematorium Bamnichulenweg, Kicfholzstr. 221. Rege Beteiligung oller Genossinnen und Genossen ist erwünscht. flrbekterjugenö Grost-Serlin. B.»v..eitzung morgen, Donnerstag, pünktlich 7 Uhr. Prob« für den Sefang». und Sprcchchor sowie Mnfiker für die Feier am 3. April morgen, Do»ner«tag. 7% Uhr, m der Schule Kochstr. 13. Die VLcherstnbe ist heute von 5—7 Uhr geöffnet. Beethooen-Abend: Sonntag, 27. März, Tfr Uhr, im Jugendheim Linden. straße 3,„Das Leben, Leiden und Schaffen Beethovens."„Das Heiligenstädicr Testament." Einlaß frei. Heule, Mittwoch, 23. März, abends 7M Uhr: Jugendheim Ebcriystr. 12. Elaßbrenner-Adend.— Reichenberger Viertel: Jugendheim Reichenberger Str. 0». Liditbildervortrog fällt aus. Dafür Fahrtbesprechung.— Kanlsdors: Schule Adolfstroße. Zehn-Minuten-Re. fergte.— Lichtenberg-Mitte: Zugendhciin Dossestr. 22.„Der März und die Arbeiterschaft".— Lichtenberg»Acst: Ingevdhrm Scharnwcbcrstr. 29. Mit» gliedcrnersammlung.— Spandan: Jugendheim Lindcnufer 1.„Sicrnenkunde". Werbebczirk Neukölln: Engere Werdebezirksvecanftaltung im Parieiburcau Reckarstr. 3._ Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz Rot-Gold" Geschäktsstelle: Berlin S 14, Sebastianstr 37/38, Hof 2 Tr. Resnickcndorf(Kreis): Fr., b. 25., pünktlich 8 Uhr, Vollversammlung im Schützenhaus, Residenzstr. l. Vortrag.— Bernau-Ladebur»: Do., d. 24., 8 Uhr, Versammlung mit Damen bei Löwe. Vortrag des Gauvorsihenden von Pommern. Anschließend gemütliches Beisammensein. Eintritt frei. Vor. stand 7)4 Uhr bei Löwe.— Lichtenberg nebst Untergruppen: Sämtliche arbeitslosen und dienstfreien Kameraden sammeln stch zur Einäscherung unseres Kameraden Willi Wedemencr am Do., d. 24., 5H Uhr, mit Tambourkorps uud Fahnen am Bhf. Baumschulenweg. Kameraden anderer Kreise werden um Beteiligung gebeten.__ Berel iiianna der Frrnnd«»an Religio»»nd BöNersriebe». Genosse Pfarrer Bleier spricht Donnerstag, 24. März,>48 Uhr, Aula 30. Gemeindeschule, Ehar. lottenburg. Neues Ufer, Eingang Wicbestraße, über:„Neue Wege zum Sozia. lismus". Eintritt 20 Pf., Arbeitslose 10 Pf. Sonntag, 27. März, 10 Uhr, spricht Pfarrer Bleier im Nahmen einer religiösen Feierstunde anläßlich des 100. Todestages Ludwig van Beethoven, über das Thema:„Heilig ist die Mustl" Die Feierstunde findet in der Trinitatiskirche, Eharlotienburg, Karl. August.PIatz, statt. Verband de« Hansa rztvereine. Ortsverein Wilmersdorf»nd Umgegend: Freitag, 25. März, 7>4 Uhr, im Lokal„Zur Lauenburg". Wilmersdorf, Lauen. burger Str. 2l(Nähe Uhlandstraßc), Generalversammlung. Vcrbandsvorsttzender Genosse Jacob spricht über:„27 Jahre Bolksgesundheitspflege". Gäste haben Zutritt. Ortsgruppe der Deutsche» Friedensgesellsibaft. Dannerstag, 24. März, 8 Uhr, im„Aslanier", Anhaltstr. 11, Vortrag von Frau Adele Schreiber.Krieqer über: „Persönliche Erfahrungen auf dem Gebiete der deutsch.fanzöstschen Perstäudt» gung". Eintritt im. Vereinigung der Fachschriftstcller für Motorcntechnil nnd-spart. Donners. lag, 24. März, 8 Uhr, im Grondhotel am Knie(frllher Hotel am Tiergarten), Bismarckstr. 1, Diskussionsabend. Themar„Berliner Verkehrsfragen und dos Motorrad". Deutscher Arbeite«»Sängerbund, Gau Berlin. Fstr die an der Veeihoven, Feier beteiligten Chöre findet henke, Mittwoch, eine Probe statt. Männcrchäre üben:„Die Himmel rühmen", Kinder» und gemischte Ehöre:„Bundeslicd". Lokal Saaldau Friedrichshain, Gklötensaal. Semischic Ehöre 7>4 Uhr, Männer» chöre 8>4 Uhr. Verein der Thüringer z» Berlin. Sonnabend, 26. März, 8 Uhr, 36. Ei!f> iungslest Schloßdroueru Schöneberg, Kaupistr. 122/123. Landslenie w'llkommrn. „Boll»sLrsorae"»Verstchert« Prenzlauer Berg iHänlerblöckc Schönbauser Allee, Eberswalber Straße, Echwedier Straße, Bornholmer Straße). Donnerstag, 24. März, lull Uhr, wichtige Versammlung bei Gliesche, Kopenhagener Str. 74. Sport. vi«Ttaeater 3. Wallcnticlns Tod. 8 Uhr: Razzia Mine Dp» Charlottenburg VI, Uhr: DertUeüende Hoimnder Abonn.-Turnus II. ilose-Theater 8'/, Uhr; Da* Mlddren tob der Landslrawe SCÄtä Nollendorf 7364 8 Uhr: und die übrigen Sensationen! _______ l. Sonltgs 2 Vorstellungen J" und 8 Uhr, 3» zu ermäßigt Preisend. ganze Programm Oeattdies Theater Norden 10334—37 8 U. Ende IO'/jU. Bonaparte Preltas. den 25. Zum I. Male; OerArztaoiSdieideveg Kammerspiele Norden 10334—37 8 Uhr: EndelOUhr: Toni Die Komödie Bismarck 2414. 7Slf 8 Uhr, Ende nach 10 Mannequins TheaUNollendortpl. Kurfürst 2091 8 Uhr: Max Adalbert in»MftUers" trumtHilun Th. Kttnlg/rälz St. Hasenheide 21 10 8 Um; Die treue Nymphe Elisabeth ttergner HomOCleniiaus Norden 6304 8 Uhr; Nur noch 3 Aufführungen! Dm-W Roberts, f. Tbellmann, SonnabeBd, Uraufführung: aas zweite Leiten Volksbühne TL n UünbtHiUu 8 Uhr Tragödie der Liebe. Ibutei in itlowilih 7'/,; Zum 1. Hole: Gewitter Ober Gottland Morgen 8 Uhr Gewitter überliottlaid | Komische Oper) Allabcndllcb 8l/< Uhrt Bünden der Tf7el< Die weltstädtisehe 1 James» Klein» Revue i 150 Mitwirkende/ Theaterk.l I ab 10 Uhr ununterbr. geöffnet, 1 Wallner-Thealer S'l, Uhr Der Operttleacrfolg 8'< Uhr Küsse-er Nacht CASINO-THEATER s Uhr Das erste Mssttldt in dieser iplelzeit Familie Habenichts I dniKtmeiden l Gutschein 1—4 Perl. Fauteuil nur t Mk, Sessel 1J0 Mk. SARRASANI Nene Antohaile, 29. März letzter Tag Tägl. 7M. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag, auch 3 Uhr. Kinder halbe Preise. Reichshallen-Theeier Abends 8 Dur u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Da* neue Programm I »ßdwiittm: halbe Frtiu. VOUes Frairinn; Dönhoff-Brett'l Variete, Konzert, Tanz TUHU-ineaier • Uhr: Dir niligt Sntakm Netrapoi> Tbeal. Täglich 8 Uhr: ZirkosprlDzessio Trlanen-Theater Täglich 8V< Uhr; Usteigeimartier (MW » entral« Theater täglich 8 Uhr; Der Undi Zigeno Owtrh«s äntii iHSf. tmnun. IWs, lliliha, Urin. Wiltn. Uh« Dl». Künstler-Th ____ luRr. Bf» h«! 8 Oer Zarevitsch Ltsslag-Thcittr SU.; Der Patriot OGOOOOOO 1 kusupieibtui 1 8'/, Uhr: 1 1 CliATkltWMr •inn-»iilia OGOOOOO Theai. 8"» Witihmm IJ/JÜ Die von der Liebe leben I Dl SDW 4a Itim Ik thl U nth Inn Ii« Utas JütaliOs Man UMtt I Arbeiter. Angestellte. Beamte besucht die Veranstaltungen der „Ho.VD.co' Ktrlshortt, Deutschet Hau« freskowallee(amBahnh.) J ed. Dienstag ankow. Konzerthaus Breitestrate 34 Jeden Mittwoch Cöpenick, Stadttheater Friedrichstr.6 Jeden Preiug u. Sonntag Tegel, Vercinshaus(Hanoteck) Hauptstrale 6 Jeden Sonntag NoUtanda• Varl et 4.Kommission der lotera. ArtUten.Loge E. V. Vlinter A Variete harten RdÜcKen gestätfet. mm BRIK CHARELL BRINGT Mi TOclleh g Dhr Bonntag, naehns. 8 Vbr, halb« Ptala« 11 Ohr Ufaetä.imjßu heaera __ Kapfar Baadaw Alfred Camilla Westermeier Braun Spira T«-a. Vier Pleno Klddl», Sunshlne-Qlrls, Permanä brothers U. viele Attraktionen. Vorverk.(10-6) ununterbrochen. Bühnenbilder; Ernat Stern. Dirigent: Dr. Emst RSnier. Großes Schauspielhaus Allen Freunden und Bekanntes die traurige Nachricht, d«8 unser Kollege Albert Zander am 20. März im 76. Lebensjahre verstorben Ist Die Einäscherung findet statt am Donnerstag, den 24. März, nachmittags 4>/, Uhr, im Krtmstorium Baumschulenweg. Die AngeaielUea des Kranken- UoterstOisoBgibumdes der Schneider, 5 Meie Berlin. VerBcaaaf ssiellen: Köponicker Straße 75. Steglitz, Bismarck* Straße 64a. Lankwitz, BruchwitzstraBe 0. Berlin N, Mülleistr 153a Neukölln, Kottbusser Damm 103 Neu eröffnet: Alte Schönhauser Straße 40 PlOtzltch ttnb unerwartet ftard am Sanmag. dem»a, März, unser»«der Safer. Schwteger. und Stojoatet Albert Zander tat 78. Ledensjatzra. DU OlelatrDIUhenea, Pfe Einäscherung findet am Penneretag, dem 24 Mür,, nach- mittags 4'/, Uhr. im Rrematorwm vaumschulenmeg statt. NstsUdetten Ziadlmairairen, Klnderdeiiea Reil,» trii. Kai. 650 ir. Elten toObelfadrlk budli.Thür. Der schönste Sciunackl für Veranden, Balkon, Fensterbretter usw. sind unsere weltberühmt, echten Illustrierte Preisliste hierüber, sowie Ober anderen Balkon- und Gartenpflanzen-, Blumen- u. Gemüsesamen gr. u. fr. Zahlreiche Anerkennungsschreiben! Eibl&Co.,VersaadgSrtnerei Traunstein 110(überb.) Rlesenauswohl entzückender Kasha-Kleider in TorsOgUchen Qualitäten. Alle modernen Formen (Jumperform etc.) mit reichem Fallen-, Sticke- ©acllel Heute Mittwoch Kindertag! kSh/gsfr. ££-<26 1, Stock Regenmäntel aus imprägnierten Herreniloffen neuester Art, bester QualilSt. In den apartesten Dessins und J den feschesten, modernsten Formen(Herren- Nr.1AS ck44.5ahrga«g 2» �0ftDCI�0 Mittwoch, 23. März 1H27 Strefemann und Sreitstheiö. Die außenpolitische Debatte im Reichstag. Die große außenpolitische Aussprache im Reichs» t a g, der diesmal angesichts der internationalen Spannungen eine besondere Bedeutung zukommt, begann gestern mit der Red« des Außenministers Stresemann, deren Inhalt wir in der Abendausgabe bereits kurz andeuteten. Stresemann wandte sich zunächst gegen die Paßgebühren und fuhr dann fort: Wir sehen in der gesamten Weltlage Entwicklungen, die uns zwingen, bei unseren außenpolitischen Erwägungen mehr und mehr auch die Faktoren zu berücksichtigen, die außerhalb unserer eigenen auswärtigen Beziehungen liegen. Der drohende valkaukonflikt. Man wird gut tun, von den alarmierenden Meldungen über die Lage am Balkan viel abzustreichen. Soweit sich die Dinge bis- her von Deutschland aus übersehen lassen, glaube ich nicht, daß irgend welche akute Gefahr besteht. Der Wille, Europa vor jeder Kriegsgefahr zu bewahren, hat ia allen Ländern so stark Wurzel geschlagen, daß ein frieden». brach der weltocrurtellung verfallen würde. Aber auch die ruhigste Beobachtung der Dinge kann nicht verkennen, daß wir von einer endgültigen Konsolidierung der all- gemeinen internationalen Lag« noch weit entfernt sind. Seit den legten Iahren Hot sich die außenpolitische Lage Deutschlands in weitgehendem Maße geklärt. Wir haben infolge dieser Klärung eine f e st.e Grundlage für die Entschließungen gewonnen, vor die wir etwa künftig gestellt werden könnten. Deutschland hat nur das eine große Interesse, daß die Entwicklung nicht unterbrochen und daß die Bemühungen um die herbeisührung einer internationalen Zusammenarbeit am Wiederausbau Europas nicht gestört werden. Wir können nichts dabei gewinnen, daß Verwicklungen zwischen dritten«tasten entstehen. Für Deutschland kommt eine Politik der Sonderbündnisic nicht in Betracht, sondern nur eine Politik, die den Gedanken derVerständigung unddes Ausgleichs wider- streitender Interessen fördert. Es ist für uns eine glücklich« Tatsache, daß sich in dieser Beziehung das wohlverstandene gesamteuropäische Jmercsse mit dein individuellen Interesse Deutschlands völlig deckt. Wohin unsere Wege gehen, das zeigen die internationalen Der- träge, die wir in den letzten Jahren geschlossen haben. Unser Weg ist gekennzeichnet durch die Verträge von Locarno, den Eintritt in den Völkerbund und den Berliner Vertrag. Damit liegen unsere Absichten und Ziele offen vor aller Welt zutage. Daß wir uns in dieser Situation von jederunnötigcn Einmischung fernzuhalten haben, versteht sich von selbst. Soweit aber Deutschland zu einer Mitwirkung berufen sein sollte, kann unser Be- mühen nur darauf gerichtet sein, zur Beseitigung jener Span- nungen das vnserige beizutragen. "Zu n, einer Ucberroschung haben einzelne russische Zeitungen plötzlich wieder die altbekannte Frage aufgerollt, ob Deutschland bei Verwicklungen in östlichen Ländern den Truppen von westlichen Mächten den Durchmarsch durch deutsches Gebiet zu gestatten habe. Für diese Frage kommt ausschließlich der bekannte Artikel 16 der Völkcrbundssatzung in Betracht, und zwar nach Maß- gäbe der ebenso bekannten Note, welche die übrigen Locarnomächte hinsichtlich der Tragweite dieses Artikels an Deutschland gerichtet hoben. Weitere Abmachungen irgendwelcher Art über diese Fragen bestehen nicht. Wenn ich von den allgemeinen weltpolitischen Fragen zu den einzelnen deutschen Fragen ubergehe, so kann ich auch hier feststellen, daß die Komplizierung jener Beziehungen nichts geändert hat und nichts ändern kann an der Art und Weise, mit der wir die Lösung dieser deutschen Fragen anzustreben haben. In dieser Hinsicht besteht das außenpolitische Programm, das der Herr Reichskanzler vor wenigen Monaten dem hohen Hause mitgeteilt hat, auch heute noch in jedem Wort zu Recht,«eitdem ich von dieser Stelle aus das letzte- mal über di« uns unmittelbar interessierenden Probleme der Außen- Politik gesprochen habe, hat Deutschland an zwei Taguugeu des völkerbundsrales teilgenommen. Die Ergebnisse dieser Tagungen sind im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags ausführlich beraten worden. Die beiden Tagungen des Völkerbundsrats haben«inen neuen Beweis dafür gebracht, wie richtig der Entschluß mar, Deutschland durch den Eintritt in den Völkerbund die Möglichkeit dieser aktiven Mit- arbeit zu geben. Wir sehen unsere Mitgliedschaft im Völkerbund keineswegs nur als ein aus opportunistischen Gründen gewähltes Mittel an, um unsere Sonderintcresien zu fördenr. Die Deutschland berührenden Fragen stehen aber auch im Völkerbund besonders in der vordersten Reih«, weil der Völkerbund neben seinen großen all- gemeinen Aufgaben auch zum Voll st recker einer Reihe n o n B e st i m m u n ß e n des Dersailler Vertrages gemacht worden ist und wir selbstverständlich an diesm Fragen als Sachwalter unserer eigenen Angelegenheiten austreten. Das haben wir im Dezember und am Anfang dieses Monats getan, und das werden und müssen wir weiterhin tun. Gewiß ist es uns nicht in allen bezeichneten Fragen gelungen, den deutschen Standpunkt restlos zur Geltung zu bringen. Wir haben bei Aufrechterhaltung unseres Rechtsstand- Punktes in einigen wichtigen Fragen uns zu Kompromissen für die Gegenwart verstanden. Gerade die offene Diskussion im Völkerbundsrat und die im Anschluß an jede Völkerbundstagung gegebene Möglichkeit zu offener vertrauensvoller Aussprache mit den leitenden S t a a t s mä n n e r n anderer Staaten berechtigen uns zu der Er- Wartung, daß der loyale Verständigungswille, den wir bei Erörterung dieser Fragen gezeigt haben, auch von der Gegenseite in den großen Fragen bewiesen wird, deren Lösung noch vor uns liegt. Sie wissen olle, an welche Fragen ich dabei denke. Wir waren zu der Hoffnung berechtigt, daß man auch in denjenigen Ländern, welche noch Truppen im Rheinland stehen haben, zu der Erkenntnis gekommen war, daß eine baldige Räumung des Rheinlandes und die Rückgabe des Saavgebietes an Deutschland eine Notwendigkeit wäre. wir stehen heule vor der Tatsache, daß wir uns in den letzten wonaten von der Erfüllung dieses Wunsches eher entfernt haben, als daß wir ihr nähergekommen wären. Wenn ich als Außenminister dazu rate, die weitere Entwicklung der Dinge ohne Ausbrüche der Ungeduld abzuwarten, so weiß ich, wie leicht sich ein derartiger Standpunkt kritisieren läßt. Ich bitte Sie aber, das Wort„abwarten" nicht gleichzusetzen mit dem Gedanke» passiver Resignation seitens der Regierung. Auch im Ab- warten kann ein Moment enthalten sein, das die weitere Entwicklung in unserem Sinne fördert. Sie wissen, daß die Regierung, wenn sie die Räumung des Rheinlandes fordert, sich stützen kann auf die im Dersailler Vertrag selbst gegebenen völkerrechtliche» Grundlagen, sich stützen kann auf die moralische Auswirkung der Locarno-Ver- träge, sich stützen kann auf jene von den führenden Großmächten Europas gewünschte Entwicklung eines guten Einvernehmens init Deutschland. Wir wissen ebensogut, daß die alsbaldige Räumung des Rheinlandes ohne den guten Willen der anderen be- tetligten Mächte schwer erreicht werden kann. Ich glaube jedoch nicht, daß wir es deshalb nötig haben, oder es auch nur richtig wäre zu versuchen, diesen guten Willen durch Wiederholung gemachter Angebote oder durch neue Anerbictungcn irgendwelcher Art h e r v o r z u r u f e n. Es wird und muß auch im Auslande die Erkenntnis reisen, daß das, was wir erstreben, nicht eine bloße Vergünstigung für Deutschland ist. Was wir von der Volksvertretung und der öffentlichen Meinung erbitten, ist lediglich das Vertrauen, der Regierung die Entscheidung darüber zu überlassen, welche Schritte nach dem weiteren Verlauf der Dinge zu tun sind.(Beifall.) Als erster Redner ergreift das Wort Mg. dr. öreitstheiü sSoz.): Auch wir stellen fest, daß sich seit der Verabschiedung des letzten Etats des Auswärtigen Amtes die internationale Po- litik nicht unwesentlich oerändert hat. Wir sehen be- drohliche Wolken am politischen Horizont, wir verfolgen die Kämpfe in E h i n a, wir verfolgen die Vorgänge auf dem Balkan. Wenn auch diese Vorgänge Deutschland nicht unmittelbar angehen, so berühren sie es doch mittelbar außerordentlich. Andererseits können wir von erfreulichen um« begrüßenswerten Fort- schritten auf dem Wege zur Befriedigung Europos sprechen. Kennzeichnend für diesen Weg sind die"in großer Zahl abgeschlosiencn S ch i« d s ge r i ch t s a b k o m m e n, in erster Linie aber ist bedeutend dafür der Eintritt Deutschlands in den Völker- b u n d. Vergessen werden darf nicht, daß durch diesen Einfluß die Locarno-Verträge in allen ihren Einzelheite».und in ihre» weiteren Folgen möglich waren. Dadurch sind die Ansähe einer deulsch-sranzösischen Verständigung verstärkt worden. Dieses Kapitel erfreulicher Ereignisse wird durch die Tatsache be- reichert, daß die innerpolitische Gegnerschaft gegen Locarno wenigstens formell abgeschwächt worden ist durch die bekannten Richtlinien bei der Regierungsbildung. Die deutschnationale Fraktion, Gegnerin der Locarno-Verträge, hat die Rechtmäßig- keit dieser Verträge formal anerkannt, sie billigt die loyale Mitarbeit im Völkerbund: und wenn sie die Gleichberechtigung Deutschlands in dieser Organisation verlangt, so ist das eine Forde- rung, die lange vorher schon von uns ausgestellt wurde. Eine große parteipolitische Polemik ist nicht nötig, ich er- inner« nur an den schnellen erfreulichen Wechsel in der Stim- mung der Deutschnationalen und darf darauf hinweisen, daß im letzten Winter Herr H e r g t in seiner Braunschweiger Rede erklärte— Herr Hergt ist jetzt Iustizminister—:„Was wir im Völkerbund treiben können, wird leine deutsche Politik sein."(Hört! hört! bei den Soz.) Wir hoffen nur, daß sich diese Sinnesänderung auch bei Ihren Anhängern im Lande draußen allmählich herumsprechen wird. (Sehr gut! bei den Soz.) Wir haben in der letzte» Zeit oft hören können, daß Deutschland im Völkerbund Bindungen eingegangen sei. die nicht im wohlverstandenen deutschen Interesse liegen. Daß der Starke am mächtigsten allein sei, ist der Grundton dieser Auf- fassung. Wir hallen demgegenüber an unserer allen Meinung fest, daß Deutschland nicht stark genug ist. um eine Politik der Selbst- isonerung zu treiben.« Wir haben den starken Wunsch, daß der Völkerbund einen u n i- versalen Charakter im Lause seiner Entwicklung an- nimmt. Seine Möglichkeiten, den Frieden zu sichern, würden da- durch beträchtlich erhöht werden. Wir begrüßen es, daß die russische S o wj et r e g i e r u n g an den Genfer Abrüstungsver- Handlungen teilzunehmen wünscht und hoffen, daß die dem entgegenstehenden Schwierigkeiten baldigst beseitigt werden. Bedauerlich ist, daß der Stand der Abrllstungsverhand- l u n a e n durch die arbeitenden Untertommjssionen nicht wesentlich gefördert wurde. Die Dinge sind noch sehr im Rückstand, wo Ad- Mirale, Generale und Diplomaten zusammensihen, scheint für die Rotwendigkeil der Abrüstungspolitik nicht viel Verständnis zu be- stehen. Die öffentliche Meinung müßte mehr als bisher einen Druck auf die Genfer Verhandlungen ausüben.(Sehr wahr! links und in der Mitte.) Wir verlangen, daß die Konsequenzen der von uns durchgeführten Abrüstung vom Ausland gezogen werden. «ollte an Deutschland das Ansinnen gestellt werden, die zwischen der Schweiz und Rußland bestehenden Prestigefragen zu über- brücken, so sollte sich Deutschland diesem Wunsche nicht" verschließen. Wenn wir in diesem Zusammenhang an Rußland einige An- regungen geben wollen, von denen wir befürchten, daß sie nicht entgegengenommen werden, so sagen wir das nicht im russischen Interesse, sondern im allgemein europäischen. Auch für Rußland gilt, daß der außerhalb einer Orgamsation Stehende für die Mitglieder dieser Organisation so oder so als eine Art Gegner gilt. Immer hat der Abwesende unrecht. Sie werden mir entgegnen, daß das für Amerika nicht gilt. Ich stimme dem zu. Das liegt an der finanziellen Abhängig- keit, in der sich die europäischen Staaten von Ainevita befinden. Dem Gläubiger gegenüber ist man freundschaftlich, zuweilen auch schmeicblerisch. Ware Ruhland im Völkerbund, so hätte es die Möglicykeit, für seine Sache zu plädieren und nicht der Gefahr aus- geseht zu sein, einseitig von anderer Seite angegriffen zu werden. Es wäre kein Wunder, wenn England versuchte, in Genf eine Rußland abträgliche Stimmung zu erzeugen, so etwas wie eine moralische Einheitsfront gegen die Sowjetregierung zu propagieren. Das wäre' solch ein Fall, wo sich Rußland zum Teil das Recht auf Beschwerde selb st vorenthält.(Sehr richtig! bei den Soz.). Der russisch-englische Gegensah überschattet heute die internakio- nale Politik. Wir bedauern, daß der Völkerbund nicht kräftig genug ist, diesen Gegensatz zu schlichten. Dieses Kraftminimum des Völkerbundes zeigt sich auch" in seiner Stellung zu den Vorgängen in Asien. In Asien findet der alte englisch-russische Gegensatz seine Fortsetzung mit ande- ren Mitteln und anderen Vorzeichen. Mühig wäre es, zu untersuchen, wer der Angreifer ist. England fühlt sich bedroht, Rußland sympothi- siert mit den aufsteigenden Völkern Asiens. Es will seine Ideologie bei den Völkern des Ostens propagieren. Auch wir haben Sympathien für China, das sich aus jahrelangem geschichtlichem Schlaf zu politischen Lehren ausrüttelt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Zu bedauern ist, daß sich England nicht sehr geschickt der Sowjctregie- rung gegenüber benommen hat. Im Gegensatz dazu ist auf die sehr kluge Politik hinzuweisen, die von England unter der Regierung von Mac- Donald betrieben wurde. Einen Kpieg wird Eng- lanh unserer Ueberzeugung nach schon deshalb nicht gegen Ruhland beabsichtigen, weil das russische Reich in jeder Situation u n a n- greifbar ist. Wenn dagegen ein wirtschaftlicher Boykott beab- sichtig» würde, so sagen wir, daß kein Preis, den England zahlen könnte oder wollte, für uns hoch genug wäre, um uns an einer solchen Koalition gegen Rußland zu beteiligen.(Na, nal bei den Komm.— Sehr richtig! bei den Soz.) Wir werden so wenig Preiswächler Englands wie Vorposten Rußlands fein. Auch die deutsch-russische Konzession der sogenannten Mologa-Gejell- schast fordert Kredite, die weniger wirtschaftlich als politisch begründet werden. Wir lehnen die Subvention an die Mologa-Gesellschaft ab. Wir beklagen und verurteilen den Zlbbruch der Verhandlungen mit Polen und wünschen, daß die in Genf eingeleiteten Besprechungen zwischen dem deutschen und dem polnischen Außemziinistcr die Wiederaufnahme der Handelsvertragsverhandlungen' mit Palen beschleunigen. Das so oft gewünschte Locarno des Ostens, gegen das von deutsch- nationaler Seite her Sturm gelausen wird, b est e h t im Grunde schon. Wir haben de» deutsch-polnischen Schiedsgerichtsvertrag, nach dem beide Staaten sich einig darüber find, daß das Recht des «inen Staates nicht ohne seinen Willen abgeändert werden kann. And zum Rechte jeden Staates gehör» das Recht auf die Grenzen. In Zusammenhang mit dem russisch-englischen Gegen- satz wird vielfach der Konflikt zwischen Italien und Jugoslawien gebracht. Hier tritt die friedensstörcnde Absicht des italienischen Diktators mit aller Deutlichkeit in die Erscheinung. Er scheint es für notwendig zu erachten, durch außenpolitische Abenteuer das Gefühl seines Volkes für den Druck, der auf ihm lastet, zu erleichtern. Es wäre für die Zukunft des Völkerbundes äußerst bedenklich, wenn zwischen Italien und Jugoslawien ein ernsllicher Konflikt ausbrechen würde, den der Völkerbund nicht rechtzeitig zu verhindern in der Lage gewesen wäre.(Sehr gut bei den Soz.) Es darf nicht. dahin kommen, daß in der Welt der Glaube geweckt wird, daß wir fern bleiben, wenn Mussolini, der große Abenteurer, sich in diese Dinge hineinmischt.(Sehr wahr bei den So.z.) In den Bestrebungen nach einem Ausgleich mit Frankreich sind den sonnigen Tagen von Thoiry kalte Winterfröste gefolgt. Angesichts dieser Situation würde es sehr nahe liegen, ein Lied im d e u t s ch n a t i o n a l e n Volkston zu singen, wie es von den Deutschnationalen wahrscheinlich gesungen würde, wenn sie heute nicht in der Regierung säßen und über die Erfolge der letzten Zeit von der Oppositionsstellung aus urteilen sollten.(Sehr richtig bei den Soz.) Zu den Deutschnationalen: Sie würden erklären, daß der deutsche Außenminister sein Vaterland preisgegeben habe. 3n Genf sind tatsächlich Rechte, die wir au» dem Friedens- vertrag und aus den mit ihm zusammenhängenden Abkommen hatten, ausgegeben worden.» Natürlich ist der prinzipielle Rechtsstandpunkt aufrechterhalten worden, faktisch haben aber die anderen gesiegt. Bezüglich der S ch u l« n in O st o b c r s ch l e s i e n ist dieser Rückgang offen- sichtlich. Das trifft auch zu für die Tatsache, daß im Saarrevier keine fremden Truppen gehalten werden dürfen auf Grund der Be- 0(4# blütenroin© Kleidung, Darum schicken Sie bitte die zum Färben, chemisch Reinigen oder Waschen gewählten Stücke unverzüglich In di© nächste Filiale oder Annahmestelle der mmeuum MLHomuc�BEßiiti stimmungm d«s Dersoiller Vertrages. Im Gegensatz dazu sind wir genötigt, die Anwesenheit von&*"> Mann fremder Truppen im Saar- revier zu dulden. Hier sind Rechte Deutschlands aufgcaebgn worden: aber wir sind nicht demagogisch genug, daraus eine Anklage gegen den Außenminister selbst zu richten. Herr Stresemann hat darum ge- kämpft, ob 800 oder 3M Mann fremder Truppen im Saarreoier stehen sollen,«r hat einen Erfolg davcmgelrage», daß die bisherige Besatzung zurückgezogen wird, die Eisenbohnschutztruppe bleibt. Es ist allerdings eine bedenkliche Taktik, in den Kampf zu ziehen, wenn man von vornherein entschlossen ist, diesen Kampf mit einem Kompromiß zu beenden. Wie dem auch sei, wir wissen, daß in Genf nicht viel mehr zu erreichen war, als erreicht worden ist. Was würden aber die Herren von der d eu t s ch n a t i o n a l e n Fraktion gesagt, haben, wenn wir mit einem solchen Resultat aus Genf zurückgekommen wären und erklären müßten, selbst die Rechte, die wir noch besaßen, konnten wir nicht aufrechterhalten. Bar einem Jahre erklärte der Abg. Laverrenz, daß seine Fraktion nicht um einiger Ministersitze willen Völkerbunds- Politik im Sinne der bisherigen Mehrheit treiben werde. War die frühere Völkerbund-politik aber etwas anderes als die Völker- bundspolitik der Regierung, in der Sie die stärkste Partei sind? (Zustimmung links.) Sie(nach rechts), erfüllen ganz anders als wir es getan haben. Sie sind Meister in der Ersüllungspolitit. wo sind Zhre großen Erfolge? Sie kommen aus Gens mit hängenden Ohren zurück! Wir hätten vom Außenminister gern etwas darüber gehört, was die Herren Briand und Vandervelde über die Umgestaltung der in n e r p o l i t i s ch e n Verhältnisse und ihre notwendig« Rück« Wirkung aus die deutsch-französischen Beziehungen gesagt haben. Die Anwesenheit der Deutschnationalen in der Regierung hat zum mindesten den Tlationalisten aus der anderen Seile de» Reiche« einen vorwand für ihre Hartnäckigkeit gegeben. Wir verlangen trotzdem die schnell« Befreiung des Reiches und der Saar. wir fordern die Herabsetzung der Besatzungsziffer, es geht auf die Dauer nicht, daß wir im Völkerbund sitzen, ohne di« gleichen Rechte zu genießen. Wir sagen aber auch den Franzosen: überschätzt doch die Deutschnationalen nicht(Lebhafte Zuftimmun- linke), nur um ihre innerpolitisch« Machtstellung zu behaupten, g«ben sie außen- politisch preis, was sie irgendwie preisgeben können. Die Furcht des Auslandes vor Ihnen ist gänzlich unbegründet. Sie haben die ersten Schritte nach Locarno gemacht, Sie haben die ganze Politik der Verständigung im Jahre 1925 solange mitgemacht, bis Sie den Z o l l in ihren Scheuern hatten(stürmische Zustimmung bei den Soz.), und abgegangen sind Sie erst wieder, als zunächst innenpolitisch nichts mehr zu gewinnen war. Wir glauben, daß der Außenminister an seinen bisherigen Absichten festhalten will; aber wir haben Mißtrauen und Besorgnisse wegen der Mitarbeiter, deren er sich erfreut und wegen der Unter- stützung, die er van den Deutschnationolen genießt. Vielleicht wird Herr Stresemann, um sein« Zuverlässigkeit auch in dem neuen Kabtnetl zu erweisen, sich aus die Verleihung de» Nobel« Friedenspreises berufen. Aber dieser Preis ist an«inen Herrn Stresemann oerlichen worden, der um da» Jahr 192 3 geboren wurd«, und nicht an einen Herrn Stresemann, der während der Kr i e g s z e i t geredet hat Jedenfalls, der Nobelpreis verpflichtet auch den Außenminister. Unser« Aufgabe ist e», eine sehr nüchterne Politik zu treiben, in der Vermeidung oller außenpolitischen Koalitionen und Kombi- Nationen den weg zum Frieden und zur Verständigung zu gehen. dosür zu sorgen, daß man von Deutschland sagen kann: es hat alles getan, was in seiner Kraft stand, um diese Politik zu treiben, die auf Frieden und Ausgleich zwischen den Nationen gerichtet ist. (Stürmischer Beifall bei den Soz.) Außenminister Stresemann: iJJch habe nicht die Absicht, aus die sowohl im allgenieii�n wie für mich speziell sehr interessante» Ausführungen des Herrn Kol- legen'Vrcitscheid in diesem Augenblick zu antworten. Aber ich bitte, mir zu gestatten, sofort aus eine Aeußeruug einzugehen, die in seiner Rede enlhaltc» war. Di« königlich italienisch« Regierung hat gestern Gelegenheit genommen, uns ihre Mitteilung zu der albani- scheu Frage zu überreichen. Darin ist ausdrücklich zum Ausdruck gekommen, daß die italienische Regierung ihrerseits kein« Not- w e» d i g k e i t sieht, zu irgendwelchen Gegenmaßnahmen gegen diese militärische Aktion zu greisen, und weiterhin legt sie entscheidendes Gepicht darauf, sich zu verwahren gegen irgend- welche Anschauungen, die dem von Italien ebenso wie von Europa gehegten Geist des Friedens nicht entsprechen.(Zuruf von den Kominunistss: Die Tatsache» in Albanien sprechen dagegen!) Wenn deshalb der Herr Abgeordnete Dr. Breitsch«id, wenn ich ihn recht verstanden habe, von den osfen zutage liegenden s r i c d« n- störenden Absichten des Herrn italienischen Diktators, wie er sich ausdrückte, sprach, so bedauere ich, daß dieser Satz hier ge- sprachen worden ist: denn ich glaube, gerade angesichts der gesamten Verhältnisse in Europa haben wir alle Veranlassung, die uns ofsiztell gegebenen Erklaruiwen einer Regierung wie der königlich Italieni- sch«» Regierung unsererseits nicht in Zweifel zu ziehen, solange nicht irgendwelche Tatsachen dagegen sprechen. Abg. Dr. Spahn(Dnat.) gibt für seine Fraktion eine Erklärung ob, wonach weiteste Kreise des Volkes von d«n letzten Genfer Verhandlungen nicht nur ein« befriedigende Regelung der auf der Togosordnung stehenden Fragen, sondern eine wirksam« Förderung des deutschen Anspruches auf baldige Räumung von Rhein- und Saarg«biet erwartet hätten, bedauerlicherweise seien diese Er- Wartungen enttäuscht worden. Die gefaßten Beschlüsse de» Völkerbundsrat«, so heißt es in der Erklärung weiter, für di« das Kabinett die Verantwortung übernommen hat, sind nunmehr auch für uns die gegebenen Grundlagen für unsere weitere Arbeit. Das Aufhören der Besatzung ist eine unerläßliche Voraus- setzung der Verständigung und Befriedung, die nach den wieder- holten und feierlichen Erklärungen aller Staatsmänner von allen Mächten erstrebt wird.(Leifall bei den Dnat.) Abg. Saa,(Z.) erklärt, daß die Frucht der deutschen Festigkeit im März vorigen Jahres nichl ausgeblieben sei. Die September- tagung habe in allen wesentlichen Punkten die Verwirklichung der deutschen Bedingungen für seinen Eintritt in den Völkerbund gebracht. Gegenüber der starken Aktivität der deutschen Außenpolitik in den vergangenen zwei Jahren besteht heute das Gefühl einer bedenklichen Versteifung. In einem Augen- blick, wo jede Regung des Mißtrauens im Auelande gegenüber der parteipolitischen Struktur Deutschlands als eine Erschwerung der im Zuge befindlichen außenpolitischen Aktionen sich auswirken mußten, haben meine politischen Freunde den W«g der Rechtserweile rung des Kabinetts nur mit Widerstreben gewählt. Wir geben der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß die Reichsregierung sich dafür einsetzt, daß. was die Märztagung den Saarländern o«rsa g t hat, ihnen auf der Junitagung nicht vorenthalten wird. Di« deutsch« Delegation mußt« in Genf den Weg des Kompromiss«« gehen. An dem obsektiv unbefriedigenden Charakter dieses Kompromisses ist natürlich kein Zweifel. Ob da» von Deutschland in Genf gebrachte Opfer sich lohnen wird, läßt sich zurzeit nicht beurteilen. Wir erwarten, daß der Völkerbund nicht untätig bleibt, während an verschiedenen Stellen Europas di« Feuerfunken aufzufliegen beginnen. Auf die loyal« Mitarbeit Dsutschlands für di« Erhaltung des Friedens wird, man im Ausland unbedingt rechnen können. Abg. Freiherr o. Rheinbaben(D. Dp.) regt di« Wieder- einführung von kleinen Anfragen auf außenpolitischem Gebiet an. Wir hasten das Ergebnis von Genf für keineswegs be- f r i e d i g e n d, ober wir danken dem Außenminister, daß er in tot- kräftiger und würdiger Vertretung der deutschen Interessen das durch- geführt hat, was erreichbar war.(Beifall b. d. D. Vp.) Mit innen« politischen Vorgängen hat das unbefriedigende Ergebnis von Genf gar nichts zu tun. Der Wert der Locarno-L ertrage liegt darin, daß die geschlossen« Front gegenW« Denkschlank» durchbrochen sst. Erst jetzt können wir wieder europäisch« Politik treiben. Das Festhalten an dem heutigen Wortlaut des Versatller Vertrages müssen wir mit aller Schärfe bekämpfen und den Grundsatz der Mantel- note und des Artikels 19 durchsetzen: das Eoolutionsprinzip. Wir verlangen, daß endlich die verabredete„G e s a m t l ö s u n g" in Angriff genommen werde. Ein Ost- Locarno darf es nicht geben!(Sehr richtig rechts). Rußland mutz aushören, den Kapita- lismus zu bekämpfen. England muß unser Recht auf Kolonien an- erkennen. Abg. Skoecker(Komm.): Stresemann scheint von Herrn v. Keudell, dem großen Schweiger, gelernt zu haben, wie man um schwierige Probleme am besten herumkommt. Wo ist Ihr berühmter Geist von Locarno, wo die Verständigung von Thoiry? Im Gegenteil: Die Kriegsgefahr ist heute ernster denn je. Stresemann macht jetzt sogar Chamberlains Block gegen Sowjctrußland mit/ Aber die deutschen Arbeiter werden sich nicht als Landsknechte gegen Sowjetrußland mißbrauchen lasten. Darauf wird die Weiterberatung auf Mittwoch 1 Uhr vertagt: außerdem stehen der Haushalt des Vertehrsministeriums und die Abstimmungen zum Haushalt des Innern auf der Tagesordnung. etatsüebatten im Lanütag. Kultusetat.— Lottcricvcrwaltung. In der Landtagssitzung vom Dienetag beantragten zu- nächst die Kommunisten die Beratung eines von ihnen eingebrachlen Antrages über die Sonntagskrawalle der National- s o z i a l i st e n am Bahnhof Lichterfelde-Oft. Da von den Rechts- Parteien Einspruch erhoben wurde, kam der Antrag nicht zur Ber- Handlung. Der Landtag genehmigt« dann in zweiter und dritter Lesung eine Vorlage über Landgewinnungsarbeiten an der Nordseeküste und beschloß eine Ermächtigung für die Rc- gierung, die im Haushastsplan für 19Z7 vorgesehenen Bauten sofort in Angrifs zu nehmen. Es folgte die Einzelberatung in der zweiten Lesung de» Kultusausschusses. Bei der Universität Marburg erhoben die Kommunisten Einspruch gegen die Feier des vierhundortjährigen Bestehens der Universität, weil Marburger Studenten die Arbcitermörder von Mechterstedt seien. Beim Kaiser-Wilhelm-Institut fragt Abg. K o l l w i tz(Komm.) an, warum diese wissenschaftlichen Forschungsstätten nach einem Idioten benannt seien. Abg. Frau Dr. wegscheider(Soz.) bittet dem verdienst- vollen Direktor der Treptower Sternwarte einen Assistenten zu be- willigen. Abg. koch(Dnat.) wiederholt, vom Präsidenten zur Sache ge- rufen, die gestrigen deutschnationalen Reden gegen den Intendanten Prosessor Ießner: Wir oerlangen, daß Ießner, wenn wir hier sein Gehalt regeln sollen, von seinen politischen Uebungen abgeht. (Lachen links.) Abg. Frau Dr. Wegschevxr(Si>z.) krktkssert dt« Tatsache. daß Schüler der Hochschule für Musik lein« Lerechttgung zur Be» Nutzung der Staatsbibliothek erhalten, weil sie kein Abitur haben. Diese Bureautratie grenze an Chinesentum.— Im ehemaligen Gebäude des Kunstgewerbemuseums hätte der Kahn- konzern den dorr noch sitzenden jungen Künsllern die Ateliers ge- kündigt. Das Ministerium habe die Pflicht, zu helfen. Abg. Frau lvellmann(Soz.) weist auf den Mißstand hin. daß an höheren Lehranstalten Schüler wegen rückständiger Schul- gelder öffentlich in den Klassenstunden gemahnt werden. Sic führt dafür Fälle aus Osnabrück an, wo im Karolinum sogar Kinder aus dem Unterricht sortgeschickt wurden, um das Schulgeld zu holen. Ein Ministerialvertreter sagt Abhilfe zu. Abg. Harnisch(Soz.) fragt an. wann endlich der Lau des Staatlichen Gymnasiums in Neukölln erfolgt. Di« Raumnot gestatte nicht das weitere Verbleiben der Anstatt in städtischen Schulräumcn. Ein Regierungsvertreter sagt den Bau für die nächste Zeit zu. Damit ist die Beratung des Kultusetats zu End«. Nach Erledigung einer Reihe kleinerer Etat» spricht beim Etat der L o t t e r i e v e r w a l t u n g Abg. Senkel(Dnat.) der Generallotteriedirektio» Dmlk und Anerkennung der Deutschnationalen Partei aus. Abg. Meier- Berlin(Soz.) macht auf die M a u o p s l � stellung weniger großer Lotterieeinnehmer auf« merksam und schlägt vor. die ihnen gewährten Schreibgebühre« (Provisionen) degressiv zu staffeln. Der Etat wird bewilligt. Nächste Sitzung Mittwoch, 12 Uhr: Haushiv de» Ministerium» des Innern.__ j Der Helfer der verfolgten. Eine kleine Anfrage zum Fcmcmordproze« Wiltnck. Im Preußischen Landtag hat die sozialdemokratische Fraktion durch den Abg. Kuttner folgende Anfrage an die Re-- gierung gerichtet: Nach der Beweisaufnahm« im Fememordprozeß Wilms hat der ehemalige Oberstrafanstastspfarrcr Pettscht« ein« mehr als eigen» artige Rolle gespielt. Er Hot versucht, die Aussage» der vev-> schicdenc» Mitangeklagten in Uebereinstimmixng zu bringen und namentlich den Angeklagten P o s» r zur Zu» rücknah me seiner belastenden Aussagen gegen Oberleutnant Schulz zu bewegen. Zu diesem Zweck hat er sogar«inen Frage- bogen des Schulz dem Poser zur Ausfüllung übermittelt, was mit Recht der Staatsanwalt der Vermittlung von Kassibern gleich- stellte.— Was gedenkt die Staatsregierung gegen den Oberpfarrer Penschke zu unternehmen? Wird sie insbesondere ein Strafversahren wegen Begünstigung und Amtsvergehen» gegen ihn eiii!ei»cn? fayi Öevßar BK (kUl" ss ff m h-_ 5 isi Ä wi I7J1 DH KON «iW«0N S)as J'fcucslc- Einh eifsfäh rs ch ein e für die meisf- ben ufzten Verkehrs miffel Berlins* Ibas JktibeKcijinfe'. Einh eiisn s ch fräge den Berliner Raucher nach der Cigareile von der es heißii Jos Gtti Jixno Berlins melsigerauclxte 4 3 Cigareile Mittwoch 2Z.März 1927 Unterhaltung unö Seilage öes vorwärts „Vir flnö Gefangene/ Don Oskar Moria Graf/) Ich wurde nicht vernommen, sondern gleich in den Vorraum des Gefängnisses geführt. Dort stand ein langer Tisch, gleichgültig nahm mir der Wärter alles ab, was ich bei mir trug. Auch den Blumenstrauß notierte er als eingeliefert. Der Soldat ging. Ein anderer Wärter bracht« mich in die Zelle dreizehn. Es war ein Raum mit ungefähr neun Holzpritschen, die vollauf besetzt waren. Außerdem stand auf jedem Fleck wer. Man konnte nicht auf und ab gehen, nur sich notdürftig aneinander vorbeidrängen und hin und wieder an den zwei kleinen, offenen Gitterfenstern ein wenig Luft schnappen. Ein« buntgemischt« Gesellschaft, hauptsächlich Ar- beiier, einige Kellner und Schieber, ein Herr in hellem Sporttostüm und ein bebrillter Redakteur, umgab mich. »Ah. auch unschuldig?" fragte ei« kecker Arbeiter ironisch, und alle lochten. Ich lachte ebenso. „Geschoben?" erkundigte sich der eine Kellner. Qualm, Schweißgeruch, Gestank herrschten drückend. Hinten auf dem Klosett saß immerfort ein alter, vollbärtigcr Arbeiter, graunzte, drückte und klagte über seine schmerzenden Hämorrhoiden. Einige hockten in kleingepferchtem Kreis iH einer Pritscheneck« und spielten lärmend Tarock. Diele pfiffen, sangen, unterhielten sich, und es gab wieder welche, die einfach stumm und leer vor sich hinstarrtcn. Nachdem ich endlich die Situation ein wenig erfaßt hatte, wurde mir leichter. Wenigstens keine Cinzelzelle, wenigstens unter einem Haufen, und immer kleine Abwechslungen, dachte ich ruhig. Das Anfreunden ging schnell. Ich fragte herum und erfuhr fast stets das gleiche.„Wegen roter Umtriebe," war die immer gleiche, gelassene Antwort. Keinem lag was dran. An das Morgen dachte niemand, jeder fügte sich, so gut es ging, ins Ganze. Don Zeit zu Zeit ging immer wieder die Türe auf, und ein Neuverhafteter wurde herein- geschoben., „Ja, Herrgott, wir haben ja sowieso keinen Platz mehr!" schimpften die meisten. „Wird schon leerer," meinte der Wärter und zog die Tür wieder zu. „Ja, wenn wieder ein Dutzend erschossen werden!" schrien die meisten höhnisch. Und dann stand der Neuling da wie ein begossener Pudel, und alles lachte galgenfroh:„Ah, auch unschuloig, was?" Sagte er ja und wollte beteuern, so wurde das Gelächter noch stärker. Gutmütige Spöttereien mischten sich ineinander:„Iaja, mir sind ja alle unschuldig, Kamerad! Aber da brauchst überhaupt gar nichts sagen! Da geht's sehr einfach! Ob du was gemacht hast oder nicht, derschossen wirst doch! Am gescheitesten ist's schon, du sagst gleich, du hast zwanzig Weiße niedertartätscht." „Schmier' eini!" kam es aus der Tarockerccke und„Ah, haut schon! An Herzzehna! Uens gehört's' sekundiert« der andere Spieler In wenigen Minuten war so ein Neugekommener sicher und gehörte zu uns. Voll und immer voller wurde es. Wie die Heringe standen wir aneinander, heiß und heißer wurde es, Läuse und Flöhe, Wanzen und Russen gab es. Ich schob mich hin und her, zog mich an den Gitterstäben des Fensters hoch und blickte in den Polizeihof hinunter. Da standen rundherum Gewehrpyramiden und Abteilungen von Soldaten, Maschinengewehre und Bagagewagen. Auch an den anderen, gegenüberliegenden Zellenfenstern sah ich hochgereckte Köpfe, es schrie herüber, es winkte. Plötzlich packt« drunten ein Soldat ein Gewehr und schrie anlegend herauf: „Weg da! Weg, ihr Hunde!" Dann wurden die Fenster wieder für eine kurze Zeit leer. So vergingen die Stunden. Dunkler wurde es, Licht kam In der Decke, zwei Wärter brachten dünne Suppe und je ein Kommißbrot. „Ja,, wie ist's denn da mit dem Schlafen?" erkundigte ich mich. „Schlafen?" lachte ein Kamerad.„Iaja, das ist sehr einfach, du hast ja deine zwei gesunden Füß' noch... Na also... Da stehst einmal auf dem einen, dann wieder auf dem anderen, und hie und da kannst du auch Glück haben und kommst auf die Pritsche." Dann kam also die Schlafenszeit. Wirklich lag alles berggleich übereinander auf den Pritschen und darunter. Der Rest versuchte stehend, an die Wand gedrückt oder aneinanderlehnend, zu schlafen. Das ging ober nie sehr lange. Auf einmal fing das Rutschen an. Alles, was stand, sackte schief hin. rührt» sich wieder und tappte schlaftrunken herum. Flüche knurrten, Gemurmel fing an, Unter- Haltungen begannen und brachen ermattet wieder ab. Schrecklich langsam verliefen diese dunklen Stunden. Die Augen taten weh, der Körper juckte, man scharrte und stieß dabei den Nebenmann. Der murrte ein wenig und schnaufte schwer auf. Aus einer Ecke stöhnte ein Lungenkranker, der nachmittags eingeliefert worden war, keuchte, hustete wie sich erbrechend und spuckte. Dort träumte einer laut und schlug herum.'Die neben und auf ihm Liegenden wachten auf, weckten ihn und versuchten sich anders zu placieren. lim den Abort stritten einige, das Wasser rauschte, irgendwer schimpfte und verlangte Ruhe. Endlich, endlich wurde es langsam hell, und fahl siel das Licht über den wüsten Schlafberg, der oll- gemach wieder lebendiger wurde. Eine Blechschal« voll schwarzen Kaffees gab es und wieder Kommißbrot, truppweise durften ab und zu welche in die Waschzellen. Das Fräulein war angekommen und hatte mich auf der Polizei erfragt. Es durste aber nicht herein. Der Wärter reichte mir durch die viereckige Türöffnung eine Konservenbüchse, Brot und einig« Zigaretten. Wie jeder hier, teilte ich aus. Gemeinsam wurden di« Zigaretten bis zum letzten Stummel geraucht, dann streifte einer die Glut weg und zerkaute das Uebriggebliebene. „Schuster!" brüllte der Wärter draußen abermals. Der Gerufen« kam heran und ging durch di« offene Tür«. Zwei Soldaten nahmen ihn in die Mitte und führten ihn über die steinernen Treppen hinauf. „Mensch, endlich fangen st« doch einmal mit dem Verhören an," sagte ein unterwachsener Arbeiter. Ich erfuhr, daß einige schon fünf und acht Tag« unverhört hier waren. Manchmal kam der Geholt« wieder, manchmal nicht mehr. Die«inen mutmaßten, er sei erschossen worden, die andern waren der Meinung, man habe ihn in«in anderes Gefängnis gebracht.„Erschossen wird da herinnen kaum einer... Ja, vielleicht in den ersten Tagen!... Jetzt nicht mehr... Wir können ja von Glück sagen, daß man uns erst so *) Oskar Maria Graf, der Münchener Dichter, läßt demnächst im Drei-Masten-Verlag, München, feine eigen« Werdegeschichte unter dem Titel„Wir sind Gefangene erscheinen. Diese ungewöhnlich« Autobiographie erzählt nicht nur das Leben und schwere Werden eines Menschen und Dichters, sie umspannt die Zeit von 1905 bis 1919 und schildert die Ereignisse dieser letzten zwei Jahrzehnte. So wird das Buch zu einem menschlichen und zeitgeschichtlichen Doku- ment. Wir sind vom Verlag ermächtigt, das Kapirel, da, die München«! Reoolutionswirrnisse widergibt, zum Abdruck zu bringen. spät gefaßt hat," sagte ein Arbeiter und fing zn erzWen an von den Erschießungen im Schlacht- und Viehhof und im Hofbräuteller. Viel mehr unschuldige, denunzierte und willkürlich festgenommene Zivilisten als Rotarmisten seien an die Wand gestellt und ohne Verhör einfach niedergeknallt worden, berichtete er. Kein Wort war erlogen. Später mußte sogar der Polizeibericht und derjenige des., sozialdemokratischen Aktionsausschusses dies zugestehen. Ick) sagte, was ich im Ostfriedhof gesehen hatte. .La, das sind di« sogenannten standrechtlich Erschossenen," meinte«in anderer Kamerad:„Gell, Weiber hast du unter den Toten gar nicht gesehen?" „Nein." „Die hat man weggeräumt, damit« sticht so feig aussieht," sagte er. Eine Weile verging schweigend. „Mensch, für das hat man im Feld de» Schädel hingehalten." brummte einer. Die Tür ging auf. Ein Neuer kam. Ein smgefähr vierzig» jähriger, zerhetzt dreinjehender Arbeiter war es. Er blieb stehen und schaute, als wolle er jeden auffressen.. Als wir ihn gemütlich an». Helüen öer Schwarzen Reichswehr. 1923 .Da» Schwein, der Severins muh gekillt werden.. 1927 „wir glaubten doch. Herr' Severing hätte uns Amnestie bewilligt. redeten, brüllte er auf einmal furchtbar auf. rannte an die Tür und oersuchte, dran zu reihen, schrie, schrie:.Meine Frau stirbt! Mein« Frau! Laßt mich hinaus!" Der Wärter kam und schimpfte herein. ging wieder.- Der Mann fing gräßlich zu heulen an, rannte herum wie ein Irrsinniger, fand den Abort und zerstampfte ihn mit seinen schweren Stiefeln. Wir überwältigten ihn und beruhigten ihn. so gut es ging. Er blieb schlotternd auf der Pritsche liegen, starrte irr zur Decke, dann brüllte er wieder furchtbar auf:„Meine Frau! Die Hunde! Die Metzger! A— a— ach!" Und weinte, weinte. Ein anderer wurde hereingeschoben, und blitzschnell war der Weinende an der Tür. aber sie klappte schon wieder zu. Der Rasende riß abermals dran und fiel bleich und wutschäumend lang hin. schlug um sich. Wir legten ihn wiederum auf die Pritsche. Einer taucht« sein Taschentuch in» ausgelaufene Abortwasser und legt« es dem Schreienden auf die heiße Stirn. Der Mann fing wieder sein ver- zweifelte« Weinen an. und nun weinte auch der Lungenkrank« hustend auf, stoßweise, immerfort.> Der Neugekommene erzählt« von der Festnahme Levinö-Niflen». „Den erschießen sie wie einen Hundl" sagte jemand. „Aber sicher!... Der kann noch so recht haben, er wird hingemacht!" gab ein anderer zurück. „Der muß da herinnen in der Polizei sein," sagte der Res» wiederum. Die neben ihm hoben die Köpfe und schauten ihn an. „Da? Da herinnen?... In der Polizei?" „Ja, da herinnen... Er muß in einer Einzelzelle sein." Auf einmal drängte sich jeder um den Neugekommenen, auf einmal fragt« jeder, auf einmal wich die Gleichgültigkeit, auf einmal belebte sich jedes Gesicht. „Da?... Ganz gewiß?... Wirklich»... Da. w da Polizei?" Abermals bejahte der Neue. Jetzt wußten es alle, jetzt schaute jeder sekundenlang dem andern in die Augen, ein stockendes Schweigen setzte ein. nur die Weinenden hörte man noch, und auf einmal schrien etliche au» der Mtte:„f>och! Hoch Levine-Nissen!" Und wie ein jähe», aufmunterndes Signal ergriff es alle. „Schreit da, nicht, da geht's uns schlechter," mahnte d-r im Sportkostüm kläglich. „Feigling!" plärrte ihn einer drohend an, und wie auf ein Zeichen wiederholte di» ganz« Zeye:„Hoch! Hoch, Levinö-Nissen! Hoch!"_(Schluß folgt.) Der Sieg öes Lebens. Don Willi L�y. Der Moralist möge klagen, der Gottesgelehrte fluchen, der Skeptiker lachen und sich sonst jeder in gewohnter oder ungewohnter Weise betätigen_ die Aussichten für einen Weltuntergang werden immer geringer. Der Naturforscher ist Zeug«. Dia Wirbelstürme und Erdbeben, dt« di« ganz« Erde abmurksen sollen, wolle» nicht kommen. Da» Meer will nicht austrocknen, aber auch nicht alles überschwemmen, unt�Äie Eiszeit fühlt sich anscheinend in Grönland so wohl, daß sie nW an Jtalienreisen denkt. Mit den astronomischen Katastrophen hfl es noch schlimmer. Der Mond weigert sich hartnäckig, wie Mancher Abgeordnete, seinen Platz zu verlassen und uns auf den Kopf zu fallen, wie es die Welteislcute doch so nötig sür ihre Theorie brauchen, die Sonne denkt einfach nicht daran, kälter zu werden(2 Grad jährlich sind Vorschrift, aber die hat sie wohl nicht gelesen), und die schrecklichen Kometen wird Hagenbcck wohl nächstens einsangen lassen und dressieren. Asso eine Katastrophe größeren (wirklich westbedeutenden) Ausmaßes— na, also höchst ungern. Und wenn, dann würde da? Leben mit ihr fertig werden. Wie, 'das haben wir schon einmal vorgemacht bekommen bei einem kleinen Privatweltuntergang im fernen Insulinde. Es war 1883 im August, mitten in der blauen Sundasee. Die Vulkaninsel Krakatau erplodierte buchstäblich. Kaum die Hälfte blieb von ihr übrig. Der Rest wurde Ä Meter hoch mit Asche und glühendem Bimsstein bedeckt. Ein Jnselchen in der Nähe,„Ver- loten Eiland", wurde ebenso verschüttet,«ine 30 Meter hohe Flut- welle vernichtete aus Java und Sumatra 40 000 Menschenleben. Bis Ceylon hörte man den Donner der Katastrophe. Bis nach Kalifornien und Frankreich kam ein Rest der Flutwelle. Wenn je- mals ein Eid unbedingt sicher war, kein fahrlässiger Falscheid zn sein, so war es der, daß kein Lebewesen auf Krakatau und Verlaien Eiland am Leben geblieben war. Nun war es dem Direktor des Botanischen Gartens zu Boitzenzorg bei Vatavia vergönnt, auf zwei Expeditionen zu beobachten, wie die Natur das Stück toter Welt zurückeroberte. Drei Jahre nach dem Unglück tat er die erste Fahrt. Da war auf Krakatau schon„etwas los". Auf den Bimsstein- und Lava- brocken klebten saust- bis kopfgroh« schwarzgrünliche Gallertklumpen, Algenkolonien. Ferner hatten sich elf tropische Farnartcn ein- gesunden, zwei Gräser und vier Blumen. Alle hatten sich schon nach Möglichkeit ausgebreitet— diese im Innern, am Strande war der Fels von 11 Sorten verschicdencr Strandpflanzen erklettert worden.— Elf Jahre später die zweite Fahrt. Da fanden sich außer den schon vorher dagewesenen Ansiedlern noch eine Wolfmilchsart, Pan- danus, Trichterwindcn, Leguminosen. Gräser, sogar Kokospalme», Farbholzbäume, Zuckerpalnie, Mangos. Eichen und alles Mögliche andere. Weiter im Innern Erdorchide'en und große Korbblütler inmitten kleiner Farnwälder. Verlöten Eiland hatte außerdem noch kleine Welten von Kasuarbäumen, die eigentlich in Australien heimisch sind. Der Gencralappell ergab: 22 Algen, 12 Farne und 50 Blüten- pflanzen. Vor 11 Jahren wären es 8 Algen. 11 Farne und 15 Blütenpflanzen gewesen. Als Transportweg« der Sporen und Samen fand man heraus: Für alle Algen, Farn« und 17� Blütenpflanzen den Wind. Für 32 der letzteren die Wellen, und für den Rest Transport durch Seevögcl und Flughunde. Eine Ticrstatistik liegt mir leider nicht vor. Man wird an das denken müssen, das da fliegen oder schwimmen kann.— Wenn es einmal durch ungeahnte Möglichkeiten einem ganzen Planeten so schlecht gehen sollte, so helfen die anderen aus, wie hier die Nachbarinseln: sie senden Bazillen durch den leeren Raum, und dann beginnt eben das Entwicklungsvergnügcn von neuem. Also, Leser, vernimm der Geschichte traurigen Ausgang. Du bist, da du dies liest, noch lebendig und gehörst somit zur Angelegen- heit„Leben"— und das ist eine Sorte, die sich nicht unterkriegen läßt. Und dein eigenes Leben wirft du wohl auch zu Ende leben müssen—. schade, man mär« ganz froh, auf eine so anständige und vornehme Art, wie es ein Weltuntergang doch nun einmal wäre, dem Jammertal zu entwische),. Aber es HRtr ja keinen Zweck, denn nach uns würden doch nur andere kommen, die densciben Wunsch hätten.— Die Väter öes Sieres. Diö alten Babylomer sind schon vor sechstousend Jahren leiden- schaftliche Biertrinker gewesen, sie sind die„Väter des Bieres". Die Bedeutung der Bierbereitung im alten Babylonien behandelt ein Aufsatz von Dr. E. Huber im neuesten Heft der„Umschau". Aus den Archiven der königlichen Domänen und Tempelgüter, die bei den Ausgrabungen entdeckt wurden, erfahren mir, daß schon Ende des fünften Jahrtausends regelmäßig aus den Magazinen der Kön/igs bestimmte Mengen Emmer, Gerste und Gerstenmalz an den „Vorstand des Bierhauses" überwiesen wurden, um verschiedene Bierarten herzustellen. Aus derselben Zeit sind„Braubüchcr" der Brauereidirektoren erhalten, in denen sie über die Verarbeitung der Rohstoffe Rechenschaft ablegen. Neben dem Dattelwein war das Bier das einzige alkoholische Getränk der alten Babylonier, denn der Wein aus Trauben wurde aus dem Ausland eingeführt und war nur«in Luxusgetränk der„großen Herren". Dagegen stand der Blerkrug in, alten Babylon ebensogut auf dem Tisch des Königs wie auf dem des Arbeiters. Das Bier war der flüssige Teil der täglichen Nahrung: die Gehälter und Löhne wurden zum Teil in Bier ausgezahlt. So erhielten die Arbeiter täglich ein Maß Bier, di« höher entlohnten. Spezialarbeiter zwei, die Beamten und „akademisch" Gebildeten drei bis fünf Maß Bier. Ebenso spielte dieses Getränk beim Opfer eine große Rolle. Bier und Brot wurden täglich den Göttern dargebracht, und zwar regelmäßig ein Maß, die Menge, die als die Norm"für den täglichen Lebensunterhalt des Menschen betrachtet wurde. Bei festlichen Anlässen wurden auch Krüge m!» 10 und 27st> Maß geopfert, und als Dank für einen Sieg bracht« König Cudea Opfer in„altem Lagerbier" so reichlich, daß der Vorsaal des Tempels wie„ein großes Meer" war. Das altbabylonisch» Bier unterscheidet sich von ollen Viersorten der übrigen anttken VölKr dadurch, daß dabei Malz und ein oder auch zwei Rohfruchtarten verwendet wurden. Als Rohfrucht wurden Emmer und Gerste Zu gleichen Teilen, zur Malzbereitung nur Gerste verwendet. Die allen babylonischen Bierbrauer stellten Trockenmalz auf Vorrat her und bereiteten aus Malz und Roh- frucht hell«„Bierbrot«', aus denen das helle Bier, und„Röstbier- brote", aus denen dunkelbraunes Bier gemacht wurde. Wie der deutsche Name„Brauer" ursprünglich„Malzmacher" bedeutet, so werden di« babylonischen Bierbrauer als die Leute bezeichnet,„die da» Malzbrot machen". Ob bei der Gärung Hefe benutzt wurde, wissen wir nicht. Gewöhnlich wurde das Vier nach vollendeter Gärung als Iungbier getrunken. Es wurde aber auch Lagerbier in große Tonnen gefüllt, di« im Boden des Bierkellers vergraben waren Hier machte das Bier noch eine Nachgärung durch, bis es dann in versiegelten Krügen, die zwei bis fünf Matz faßten, für festliche Gelegenhellen aufbewahrt wurde. Es gab auch„Misch- biere", bei denen eine Art Malzextrakt durch Mischung mit Wasser zu gebrauchsfertigem Jungbier verarbeitet wurde. Im ganzen werden in den allbabylonischen Urkunden 10 verschiedene Biersorten angeführt: von diesen war die größere Anzahl Spezialbiere, die nur bei Festen auf die Tafel kamen. Im alt- babylonischen Haushalt begnügte man sich mit dem„gewöhnlichen Gerstenbier", dem„Schwarzbier", dem„guten Schwarzbier" und dem.wrima Bier". Bei Tisch wurde das Bier aus hohen Bechern oder flachen Schalen getrunken:«s muhte dann erst durch Seihen mit einem Leinentuch von den Getretdekörner- und Bierbrotrestchen befreit werden. Tüchtige Zecher aber saugten den Gerstentrvnk aus langen Röhren direkt ans dem großen Kruge, und diese Sitte de»„Biersaugens" ist von anderen anttken Völkern übernommen worden. So saugten das Bier' auch die germanischen Völker am Schwarzen Meer, und mit ihnen kam dann das Hvpfenbier, das dt« Babylonier in späterer Zell verfertigten, während der Völker- Wanderung»ach Deutschlasch. E MeideettoKe W ollmusselin ca. 80 cm breit, diverse Master............... Meter■ Helnw. 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Allerdings hat die Krisis sich in den ersten Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahres noch fühlbar gemacht� seit Mitte Mai vollzog sich jedoch ein Umschwung, der bis Ende Dezember immer sichtbarer wurde und auch im laufenden Jahre bisher angehalten hat. Die deutsche Industrie hat im Berichtsjahre die schon früher begonnene Nationalisierung weiter fortgeführt. 1926 ist ein lahr der industriellen Konsolidierung gewesen, die nach außen vor allem durch die Zusammenfassung glcidmrtiger und verwandter Betriebe zutage trat Dabei ist bemerkenswert, daß diese Verschmelzungen oder Umwandlungen nicht an den Landesgrenzen haltmachten, sondern sich auf die Industrien verschiedener Staaten ausdehnten und damit hoffentlich den Grund zn einem wirtschaftlichen Frieden in Europa legen; die bedeutendsten Zusammenschlüsse bilden die I. G. Farben Industrie Aktiengesellschaft und die Vereinigte Stahlwerke Aktiengesellschaft. Einen Aufschwung für da» deutsche Wirtschaftsleben brachte der englische Bergarbeiterstreik, im besonderen für die deutsche Kohlenindustrie, die ihre allzu großen Ilaldenbcstände fast völlig räumen und ihre Produktion steigern konnte, Die Lage der deutschen I�and Wirtschaft ist noch immer unbefriedigend, zumal die schlechte Witterung des vergangenen Sommers sowohl Brotgetreide als auch Kartoffeln quantitativ wie qualitativ schweren Schaden zugefügt hat. -Hoffentlich tragen die auf dem Gebiet der Krcditgcwäbnirfg geschaffenen Er- iriditcrnngen dazu bei, dem deutschen Landwirt über die andauernde Krisis Ken wegzuhelfen. Außenpolitisch zeigt das Jahr 1926 eine weitere Entspannung, die durch Deutschlands Aufnahme als ständiges Mitglied des Volkermindes äußerlich in Erscheinung trat. Es steht zu hoffe«, daß die Forderungen Deutschlands, die als Grundlage für seine zukünftige Existenz dienen, in den zu führenden Verhandlungen. und in der Weltwirtschaftskonferenz als berechtigt anerkannt .worden und gegenseitiges Einlenken zu einem annehmbaren Resultat führt. Unsere Außenhandelsbilanz stellte sich günstiger als im Jahre 1925, da im reinen Warenhandel nur ein Ueberschuil der Einfuhr von etwa 130 Mill. RM verblieb; indessen darf man hieraus nicht einfach anf eine Besserung der Wirtschaftslage schließen. Einerseits waren im Jahre 1925 übergroße Wareneinkäufe vorgenommen worden, die noch im darauffolgenden Jahre zur Befriedigung des Bedarfes herangezogen werden konnten, andererseits spielten niedrigere Preise beim Import von Rohstoffen und die Ausnahmccrscbcinung der erhöhten Kohlenausfuhr eine erhebliche Rolle. Während das Jahr 1925 ein Jahr der Kapitalknappheit war. herrschte in der Berichtsperiode überwiegend anhaltende Geldflüssigkeit. Die Gelder aus den Ausländsanleihen, die naturgemäß nicht sofort für ihre Zwecke Verwendung fanden, ferner die in der öffentlichen Hand angesammelten großen Betrage aus Steuereingängen und aus Zöllen suchten Unterbringung am offenen Markte. Die Reichsbank hatte die Genugtuung, ihre vorsichtige Politik als richtig anerkannt zu sehen, und war nunmehr stark genug, nachdem durch ihre Maßnahmen die Furcht vor einer neuen Inflation geschwunden war, den Kreditbedürfnissen durch Merabsetzong des Reichsbankdiskontes Erleichterung zu verschaffen. Wir folgten unserer Kundschaft gegenüber ebenfalls durch Ermäßigung der Sollzinsen nnd der Provisionssätze, trotzdem wir die Haben- Zinsen nur in einem geringeren Verhältnis herabsetzten und die Unkosten im Betriebe sich kaum vermindern ließen. Der Reichsbankdiskont, der am Jahres- l»eginn 9% betrug, wurde bis Anfang Juli allmählich auf 6% ermäßigt. Der Iah resd urchsdm i 1 1 für tägliches Geld stellte sich auf 5,31% gegen 9,08% im Vorjahre, der Satz für Privatdiskonten anf 4,91% gegen 7,62%. Wenn auch die Kapitalbildtmg in Deutschland sich wieder langsam im 'Aufstieg befindet— haben doch die Einlagen der preußischen Sparkassen pick im Jahre 1926 von RM U26 537 000 auf RM 2 018 932 000, das heißt pro Kopf der Bevölkerung von RM 29,50 auf RM 52.80 erhöbt— so wäre die Geldflüssigkeit ohne die Unterstützung des Auslandes, hauptsächlich der Vereinigten Staaten von Amerika, nicht möjrhch gewesen. Im abgelaufenen Jahre sind zahlreiche Anleihen, in erster Linie von führenden deutschen Industriennter- > nehmnngen, im Auslände aufgenommen worden. Der Gesamtbetrag dieser Anleihen wird von der Berliner Handelskammer auf rund 1634 Millionen Mark geschätzt gegen 1472 Millionen Mark im Jahre 1925. wobei bemerkt sei, daß mit den im Jahre 1926 aufgenommenen Anleihen teilweise frühere kurzfristige Kredite zurückgezahlt wurden! Diese großen Suromen sind gleichzeitig ein Beweis für das wachsende Vertrauen, welches das Ausland in die Konsolidierung der deutschen Verhältnisse setzt Der Zinsfuß für festverzinsliche Werte anf dem Inlandsmarkt ging entsprechend dem Geldangebot zurück- Hatte noch auji Jahresbeginn eine 8% Anleihe nur einen Emissionskurs von 85% erzielt, so konnten im Dezember 7% Anleihen zu 95% mit Erfolg aufgelegt werden. Im Januar 1926 notierten 10% Goldpfandbriefc unter pari, wahrend bei Schloß des Jahres 7% Goldpfandbriefe den Pari-Kurs streiften. Die Emissionstätigkeit auf dem Markt der Anleihewerte war sehr umfangreich. Auch wir hauen allein oder mit Freunden eine große Anzahl von Anleihen übernommen, die leicht placiert werden konnten. Die anhaltende Geldflüssigkeit sowie die teilweise bestehende Abneigung, langfristige.Investierungen vorzunehmen, führten der Börse immer weitere in- und ausländische Käufersckickten zn, wodurch am Aktienmarkt unerwartete Knrscrhöhungen hervorgerufen wurden; Intercssenkämpfc zur Erlangung maßgebenden Einflusses in einzelnen Gesellschaften trugen das ihrige dazu bei. Die Gewinnergebnisse verschiedener Unternehmungen beweisen zwar, daß eine Besserung in den Betrieben eingetreten- ist, doch drückt das derzeitige Kurs- niveau auch vielfach nur Zukunftshoffnungen aus. Wenn sieh in der deutschen Volkswirtschaft im allgemeinen eine Auf- wartsbewegung eingestellt hat und die Hoffnung besteht, daß auch im laufenden Jahre die weitere Gesundung anhält, so sind Rückschläge keineswegs ausgeschlossen. Noch immer ist die Zahl der Arbeitslosen groß: sie ist mit der Verkleinerung unseres Wirtschaftsgebietes durch den Frieden von >ereailies und mit der Vergrößerung der Zahl der Arbeitsuchendeu infolge Auflösung des stehenden Heeres nur teilweise zu erklären, sie zeigt vielmehr an. daß noch erhebliche Störungen im Wirtschaftsleben zu überwinden sind, bevor von einem normalen Gang der deutschen Wirtschaft gesprochen werden kann. Im engen Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit steht die verminderte Konsumfähigkeit weiter Kreise der Bevölkerung, die namentlich im Mittelstande eine Folge der Verananng dieser Schienten ist Dam kommt daß, wenn auch die internationale Verständigung im Jahre 1926 Fortschritte peraadit hat, das Ausland, von Ausnahmen abgesehen, bisher nur ein geringes Verständnis für die schweren Gefahren zeigt, die die Erhöhungen der Leistungen aus dem Da wes- Abkommen für die deutsche Wirtschaft mit sich bringt zumal das Transfcrproblem noch seiner Lösung entgegensieht Es scheint deshalb richtiger, die Aussichten des laufenden Jahres mit einiger Vorsicht und mit abwägender Kritik zu betrachten. Während des Jahres 1926 waren wir an zahlreichen Konsortialgeschäften beteiligt von denen der größte Teil im Berichtsjahre mit gutem Erfolg zur Abwicklung gelangte. U. a. haben wir mitgewirkt bei der Begebung von Lckatzan Weisungen der Reichspost sowie von Anleihen und Schatzanwcisongen verschiedener Länder, Provinzen und Städte. Au» der Reihe von Konsortial- geschäftcn, die unter unserer Mitwirkung bzw. unserer Führung zur Durchführung gelangten, erwähnen wir: 8% Anleihe der Conti nentaJ-Caoutchouc- nnd Gnfta-Percha-Compagnie, Aschingers Aktien-Gesellschaft. Klöckncr-Werkc AG. Saccharin-Fabrik Akt-Ges. vorm. Fahlberg, List 4 Co., Vereinigt« Deuiscke Textil werke Akt.-Ges., Chemnitzer Actien-Spinncrei, Salzmann& Comp. Mcck. Leinen-, Drcll- und Segeltuch Webereien. VorwoMcr PorfJand-Zemcnt-Fabrik Planck & Co-, 7% Anleihe der HamJbargisckcn Elcctrjcitäts-Werke AiticngcseUichaft, Vereinigte Stahlwerke Aktiengesellschaft, Vereinigte Indusfrie-Lniernchmiinge.B Aktiengesellschaft(Viag), Mitteldeutsche Stahlwerke Aktiengesellschaft, Con- cordia Bergbau- Akt.-Ges. 6Va% Anleihe der Siemen«& Halske, Akt.- Ges./Sicmcns-Schuckcrtwerke Ges. m. beschr. Haftung; Vorzugsaktien der Deutschen Reicksbahn-Gesellsckaft; neue Aktion der Hamburg-Amerika-Linic, Bank für Brau-Industric, Deutsche Orientbank Akt.-Ges., Feldmühlo, Papier- u. Zellstoffwerkc Akt.-Ges., Holsten-Brauerei, Paradiesbcttcnfabrik M. Steiner & Sohn, Akt.-Ges., Rigaer Internationale Bank. Berliner Hypothekenbank Aktiengesellschaft, Deutsche Hypothekenbank('Acticn-Gcscllscuaft), Norddeutsche Grund-Credit- Bank, Preußische Pfandbrief-Bank. Leber das Geschäft im einzelnen berichten wir: Der Gesamtumsatz betrug im abgelaufenen Jahre RM 85 690 099 555,08 gegenüber RM 66 343 412 776,81 im Vorjahre. Das Geschäft in unseren Filialen und Depositenkassen bat eine weitere Ausdehnung erfahren und ein günstiges Ergebnis erbracht. Unsere dauernden Beteiligungen haben befriedigende Resultate ergeben. — Die N. V. Hugo Kaufmann& Co's Bank in Amsterdam wird für das Jahr 1926 wieder 7% Dividende verteilen; die Pank hat im neuen Jahre ihr Kapital von hfl. 1 500 000 auf hfl. 2 500 000 erhöht. Renorts und Lombards weisen entsprechend dem lebhaften Effekten- geschält eine wesentliche Erhöhung auf. Das Vorschußgcschäft auf Waren und Warenverschiffungen, dem wir stet» eine besondere Aufmerksamkeit widmeten, hat an Umfang zugenommen. Der erfreuliche Zuwachs der uns anvertrauten Gelder hat es uns ermöglicht, unserer Kundschaft mit erweiterten Krediten zur Verfügung zu stehen, was in der Steigerung der Debitoren von rund 294 Millionen Mark auf 366 Millionen Mark zum Ausdruck kommt. Das Ergebnis des Zins- und Wechselkonfo« hat infolge der Ermäßigung der Zinssätze einen Rückgang erlitten; dagegen hat da» Provisionskonto trotz der herabgesetzten Provisionssätze durch den erheblich gesteigerten Umfang des Geschäfte« ein erhöhtes Erträgnis gebrückt. Das Wertpapier- und Konsortialkonto hat nach vorsichtiger Bewertung einen Lcberschufl von RM 2 238 396,09 aufzuweisen. Die in unserem vorjährigen Bericht erwähnten Maßnahmen zur Ver- hilligung unseres Betriebes haben trotz der Ausdehnung der Geschäfte cune kleine Verringerung des ünkostenkonfos herbeigeführt. Die Zahl unserer Beamten beträgt Ende 1926 7226 gegen 7109 Endo 1923. Demgegenüber zeigt das Konto Steuern und Abgaben neuerdings wieder ein« Erhöhung. Aus dem in der vorliegenden Bilanz ausgewiesenen Reingewinn von RM 8 049 687.15(inkL RM 1 529 540.13 als Vortrag) beantragen wir. 11% Dividende zn verteilen und demgemäß den Gewinn wie folgt zu verwemden: 4% auf das Aktienkapital von RM 42 000 000.—.. RM« 680 000.— in den Reservefonds..............„ 1 500 000,— Gewinnanteil an den Aufsichtsrat•••••••«•„ 411 880.— -oz—.'4— rv-: j............. 2 940 000,— 7% weiter« Dividende Vortrag...... 1 517 807.15 RM 8 049 687,15 Um unsere eigenen Mittel dem gesteigerten Geschaffsurafang anzupassen, haben wir durch Beschluß der außerordentlichen Generalversammlung vom 8. Febriiar 1927 unser Aktienkapital von RM 42 000 000.— um RM 18 000 000.— auf RM 60 000 000,— erhöht; die neuen Aktien sind vom 1. Januar 1927 ab dividenden berechtigt. Das Agio aus dieser Kapitalserhöhung fließt dein Reservefonds zu. Hamburg, Berlin, im März 1927. Der Vorstand. Nr. 1ZS 4 44. Iahrgaog 5. Heilage öes Vorwärts 23. März m7 Die gute Konjunktur öer Wersten. Aber Hungerlöhne nnd Ueberstunden der Belegschaften.— Und die Regierung hilft dazu. Unmittelbar vor Ausbruch des Weltkrieges verfügten die ge. samten deutschen Schifssbaubetriebe über eine Belegschaft von etwa 75 000 Kopsen. In den Kriegsjahren, in denen zur Bewältigung der zahlreichen, immer sehr eilixi auszuführenden und durch die ent- stehenden Verluste sich stets wiederholenden Neubau« und Reparatur» auftrage für die ehemalige kaiserliche Marin« naturgemäß auf allen Wersten Hochbetrieb herrschte— ein Hochbetrieb, der das Entstehen mehrerer neuer Wersten herbeiführte, di« sich auch für die Nach- kriegszeit noch ein lohnendes Geschäft versprachen— erhöhte sich die Arbeiterzahl, vermischt mit weiblichen Arbeitskräften, zestweilig auf mehr als 100 000 Leute. Ende 1918, als der ganzen Kriegs« Herrlichkeit ein jähes Ende bereitet wurde, blieb die Hoff« nung der Unternehmer auf den Bau einer neuen, gewaltigen Kriegs- marine unerfüllt, und diejenigen Werften, die bisher in der Haupt- fache für di« Marine gearbeitet hatten, mußten sich auf den reinen Bau von Handelsfahrzeugen umstellen. Damit vergrößerte sich die Konkurrenz bei der Vergebung der für den Wiederaufbau der deutschen Handels- flotte herzustellenden Schiffe, zu deren Bau der Staat aus den vom Volke ausgebrachten Steuern Zuschüsse bis zu 700 Millionen Mark leistet«, enorm. Immerhin bescherte dieser Wiederaufbau allen Werf- ten bis zum Jahre 1921 noch reichliche Beschäftigung: erst dann ging es langsam bergab. Parallel mit der Abwicklung des Neubaupro. gramms fiel die Gesamtarbeiterzahl der Wersten im Laufe der nächsten Jahre bis auf etwa 40 000 Mann. Mit dieser Arbeiterzahl war ein Tiefstand erreicht, wie ihn der deutsche Schiff- bau seit Jahrzehnten vorher nicht zu verzeichnen gehabt hatte. Die Folgen äußerten sich zunächst in ständia zunehmenden Ar« besterentlassungen sowie in der Schließung und Stillegung mehrerer der neueren, im Kriege entstandenen Werften. Im Jahre 1925 muh- ten aber auch alte, gutbekannte Schiffbaubetrieb«, wie die Reiher. stiegwerst in Hamburg, die Howaldtswerk«, Kiel, und andere ihre Pforten schließen, und es blieben schließlich, nachdem bis in den September 1926 hinein ein weiteres Zusammenschrumpfen der Ar- beiterzahl erfolgt war, neben einer erheblichen Zahl von Werften, denen jeden Tag das gleiche Schicksal blühen tonnte wie den vor« erwähnten Betrieben, nur ganz wenige Großwerften übrig, die sich noch einigermaßen zu behaupten vermochten. In diese-r Krisenzeit, deren Bestehen offen zugegeben werden soll, tauchte bei den Wersten zuerst der Gedanke auf, durch ein« Konzentration nach dem Beispiele vieler anderer Industrien der Lag« wieder Herr zu werden. Viele der noch bestehenden etwa 30 Seeschiffswerften versprachen sich van dieser konzenlralloo eitle gleichmäßige Verkeilung der wenigen, damals zur Vergebung gelangenden Neubauaufträge und auch eine ausgeglichenere Bearbeitung des Reparaturgeschäfts. Es war in jenen Tagen des öfteren die Rede von der beabsichtigten Bildung eines Nordfeewerfttrufts. Die Konzentrations- bestrebungen scheiterten aber zunächst an dem Widerstand der ver- einzellen besser beschäftigten großen Schiffbauanstalten, bis es gegen Ende des Jahres 1926 dem Bremer Bankier Schroeder ge- long, die drei Werften Weser A.-G,, I. C. Tecklenborg und die Vul- kan-Werk«, Hamburg, unter der Firma Deutsche Schiffs- und Maschinenbau-A.-G. zu vereinigen. Da dies« Gruppe auch noch An- stalten machte, die Deutsche Werst A.-S. zu sich herüberzuziehen, um ihren Einfluß in Hamburg weiter zu verstärken, seßte. nun von dort aus eine Gegenaktion ein, die unter Anteilnahme der de- deutendsten Seeschiffswerft, der Firma Blohm u. Voh, Hamburg, die bisher dem Konzentrationsgedanken durchaus ablehnend gegen- über gestanden hatte, zu der Vereinigung des Teilbetriebes der Deut- schen Werft A.-G., Hamburg-Tollerort, mit der seit Anfang 1926 unter der Firma Reiherstieg Schifsswerste und Maschinenfabrik Wetzet u. Freytos K. a. 21. wieder in Betrieb gesetzten alten Reiher stiegwerft führte. Das neue Unternehmen erhiest di« Firmem bezeichnung Reiherstieg-Deutsche Werft A.-G. MitUerweile waren den deutschen Reedereien, insbesondere durch den englischen Bergarbeiter st reik, der nahezu die gesamte Schiffahrt des Jnselreiches lahmgelegt hatte, im letzten Halb icchr 1926 oageahak hohe Verdienste in den Schoß gefallen. Was auch dos letzt« der in den Kriegs- und Nachkriegsjahren den Reedereien mehrfach von der Regierung ge- mochten Kreditgeschenke— der 50-Million«n.Schifsbauso�>s— nicht vermocht hatte, trat jetzt in Erscheinung. Die Reeder gaben ihre bis ins dritte Vierteljahr des Jahres 1926 beobachtete Zurückhalung in der Auftragserteilung auf Schiffneubauten nach und nach auf: st« bestellten, nachdem im vorangegangenen halben Jahr zusammen nur etwa 50 000 Brutto-Register-Tonnen an Neubauten in Auftrag ge- geben worden waren, im Oktober 1926 etwa 87 000 Br.-Reg.T., im November etwa 125 000 Br.-Reg.-T. und im Dezember bereits etwa 170 000 Br.-Reg.T., und schließlich traten sie zur allgemeinen Ueber- raschung mit Bestellung en von zum Teil ganz riefen- haften Ausmaßen an die Wersten heran. Es fei hier er- innert an den Auftrag des Norddeutschen Lloyd auf zwei Schiffe von je 46 000 Tonnen(Fahrzeuge, wie sie bis dahin noch nie gebaut worden sind), die nicht minder gewaltigen, unmittelbar darauf ver- g ebenen Aufträge der Hamburg-Amerika-Linie, denen sich vor ganz kurzer Zeit noch weitere Bestellungen der gleichen Reederei aus neue 90 000 Tonnen anschlössen: die Bestellungen der Homburg-Südameri. kamschen Dampsschissahrts-Gesellschaft, der Reederei H. C. Horn, Flensburg, der Hansa-Linie. der Standard Oil Company usw. Durch die Erteilung aller dieser Aufträge schlug die feit 1923 bis ins dritte Quartal 1926 zugegebenermaßen nicht gute Lage der deutschen werften plötzlich in eine glänzend« Konjunktur um. Dom dritten Vierteljahr 1926 ab hat sich die Loge der Werften ganz gewaltig oerbessert. Der Gesamtauftragsbestand dürfte zurzeit etwa 750000 Tonnen betragen, und seit Beginn der größeren Bestellungen sind etwa 9000 Werft- arbeiter neu zur Einstellung gelangt. Wenn der Ver- ein Deutscher Seeschisfswerften in seinem Jahres- bericht für 1926 trotz alledem die Lage noch immer grau in grau malt und behauptet, daß auch die eingetretene Besserung in der Werft- konjunktur noch bei weitem nicht genügen könne, um dos Sterben der ZLerften zu verhindern, so geschieht dieses in der Hauptsache deshalb, um außer der Fortsetzung der Millionenunterstützungen eine Ablehnung der gerechten Forderunpen der Werftarbeiterschaft auf eine endliche durchgreifende Aufbesserung der seit Jahren auf den Wersten gezahlten Huagerlöhue zu erwirken. Bisher war es den Arbeitgebern noch immer gelungen, unter Berufung auf die so ganz abnorm schlechte wirtschaftlich« Lage der Werften in allen Verhandlungen der letzten Jahre eine nennen»- wert« Erhöhung der nur etwa 60 bis 70 Pf. betragen- den Stundenlöhne zu verhindern. Leider hat sich auch bei den jetzigen Verhandlungen wieder herausgestellt, daß sich das Gejammer der Unternehmer bzw. ihrer Verbände als durchschlapskräfttg genug erwiesen hat, um den Schlichter Dr. Stenzel zu veranlassen, der Werstarbeiterschaft eine Lohnerhöhung von sage und schreibe 2 bis 6 Pf. anzubieten, die als ausreichend befunden wurde, um die doppelle Mieterhöhung und die sonstige sett den letzten Verhandlungen«ingetretene Verteuerung der Lebenshaltung auf die Dauer eines ganzen Jahres auszugleichen. Das Kalirätsel öes Herrn Curtius. Oder wie man umfällt! Entweder ist der Reichswirtschaftsminister selbst sehr ver- g e ß l i ch, oder er überschätzt die Vergeßlichkeit der Oeffentlich- k e i t. Sonst kann man seine Antwort aus die sozialdemokratisch« Kritik in der Kalipreisfrage einfach nicht verstehen. Noch im Oktober erklärte der Bevollmächtigte des Reichs- wirtschaftsminister»:.Di« Entwicklung der reinen Herstellungskosten vennag die Forderung einer Preiserhöhung für Kali nicht zu rechtfertigen. Selbst die im einzelnen anfechtbaren Berechnungen, von denen das Kalisynditat ausgeht, vermögen den Nachweis nicht zu erbringen, daß der Nettoerlös der Werte nicht ausreicht, die unter Zugrundelegung eines gewiß hohen Abschreibungssatzes errechneten reinen Gestehungskosten zu decken. Es mag sein, daß es auch in der Kaliindustrie Werte gibt, welche so ungünstige Selbstkosten haben, daß sie bei den geltenden Preisen eine Deckung für die Belastungen(nämlich aus der Quotenentschädigung und aus der Ausländsanleihe) oder vielleicht sogar für ihre Selbstkosten nicht finden. Die Feststellungen des Reichswirtschaftsministeriums haben aber ergeben, daß die Annahme des Syndikats, der Erlös reiche zur Deckung dieser Kosten nicht aus, für den Durchschnitt der Werte nicht zutrifft. Diese Feststellungen stützen sich auf eingehende Kostenermittlungen in einem Zeitraum, in dem sich zwar die Zusammenlegung der Betriebe, nicht aber schon die groß- zügigen Wertsausbauten und Neubauten ausgewirkt hatten. Die Annahme des Syndikats, daß nicht nur einige schlecht arbeitende Werke, sondern die Kaliindustrie als solche sich bei Beibehollung der jetzigen Preisstellung in einerNotlag« befinden, steht ferner im unlöslichen Widerfpruchzu der Tatsache, daß bei einer großen Zahl von Werten nicht unbedeutend« Dividenden aus- geschüttet worden sind." Am 15. März aber erklärte der Reichswirtschaftsminister in seiner zweiten Etatsrede:.Vor ollem aber hatte eine Prüfung der Selbstkosten(!) und der ganzen Verhältnisse in der Kali- industrie mir gezeigt, daß ohne die Preiserhöhung die Kaliindustrie bei einer mäßigen Abschreibung nicht in der Lage gewesen sei. irgendwelche weiteren Re- serven zu bilden." Diese �.Prüfung der Selbstkosten und der ganzen Verhältnisse" kann nur zwischen Oktober und Dezember 1926 statt- gefunden hoben, denn schon im Dezember, wo die Preiserhöhung beschlossen wurde, hatte sich die überraschende Schwenkung in der Hallung des Ministers vollzogen. Es wäre interessant, zu erfahren, welch« der Kostenprüfungen denn die eingehenderen gewesen sind. und ob der Urteilswechsel von.gewiß hohen Abschreibungen" zu den.mäßigen Abschreibungen" neue Tatsachen zur Grundlag« gehabt hat. Uns erscheint e« zweifelhast. Das schlechte Ge- dächtnis des Herrn Ministers mahnt ober die Oeffentlichkeit zur Vorsicht. Wenn Tatsachen heute so und morgen so aus- gelegt werden können, so muß mau alle Tatfachen, die zur amt- lichen Darstellung gelangen, mit größter Skepsis betrachten. Nament- lich wird man solchen Tatsachen, die in der Hand der I n t e r- essenten selb st liegen, wie zum Beispiel den bald bevor- stehenden Dividendenerklärungen der Kaliindustrie, angesichts solcher Vorgänge nur mit dem denkbar größten Mißtrauen gegenüberstehen dürfen._ Eine wichtige Kartellentscheiüung. Gegen das Marktoronopol der Syndikate. Seit Monaten führt die organisierte Arbeiterschaft einen scharfen Kamps gegen die monopolistische Marktbeherrschung und Markt- ausbeutung durch Kartelle und Verbände. In dieser Richtung hat nun das Kartcllgericht am 17. Februar ein« Ent- scheidung von großer grundsätzlicher Bedeutung gefällt. Der Antrag eines von dem Deutschen Stahl w e r k s- verband abhängigen EisengroßhandelsverbanSes auf Einwilligung des Gerichts, gegen einen nicht dem Verbände angeschlossenen Eisen- Händler die Lieferungssperre zu verhängen, wurde a b- gelehnt. Hätte das Gericht dem Antrag stattgegeben, so würde die bisher praktisch schon restlos bestehende Abhängigkeit des o r g a- n i f i e r t e n Eisenhandels nicht nur legalisiert worden sein, sondern der gesamte noch freie Einzelhandel wäre durch die rechttich« Möglichkeit der Liefersperre faktisch zum Anschluß an die Handels- organisation des Stahlwerksoerbandes gezwungen worden. In den Ablehnungsgründen finden sich sehr bemerkenswerte Ausführungen grundsätzlicher Art, die selbswerständlich sein müßten, wenn die Macht der Montanverbände nicht bisher schon alle Gerichtsentscheidungen in ihren Bann gezwungen hätte. E» wird festgestellt, daß nichts gegen eine Liefersperre einzuwenden sei, wenn ein Eisenhändler aus eigenem Entschluß einem Verbände bei- träte und den Sperr-Reoers akzeptierte. Gegenüber jedem freien Händler dagegen müßte die Liesersperre abgelehnt werden. Würde eine derartige Sperre gestattet sein, so wäre die automatisch« Ausschaltung jedes freien Handels die notwendige Folge. Damit würde aber auch die letzte Möglichkeit freier Preisbildung auf dem Markte zerstört, das Monopol der Produzentenyerbände auf dem Markte absolut und die Verbraucherkraft dem Diktat der Verbände ausgeliefert. An diesen Feststellungen ist von größter Bedeutung, daß das Kartellgericht einmal die Notwendigkeit des freien Handels gegenüber Produzentenoerbänden und ihren Absatz- organisationen unterstreicht und zum andern feststellt, daß das V e r- braucherinteresfe gegenüber dem Diktat von Pro- duzentenoerbänden �und abhängigen Handelsorganisationen g e- schützt werden muh. Diese Anerkennung ist wichtig, weil sie eine Abkehr von jener jahrzehntelangen„Gesetzgebung unter der Hand" ist, die die Produzentenoerbände durch ihr« Macht- Politik faktisch treiben und die bisher von den Gerichten in den meisten Fällen stillschweigend sanktioniert worden ist. Selbstverständlich kann sich die Oeffentlichkeit mit einer solchen Spruchpraxis nicht begnügen, sondern muß, da die Beherrschung des inneren Marktes zum System geworden ist, auch eine g e- setzliche Kontrolle oller Kartelle und monopolisttschen Ver- bände nach wie vor fordern.. j• Heüenken gegen die Eisenpreiserhöhung. In der verarbeitenden Industrie. In führenden Kreisen der Eisen verarbeitenden Industtie ist man durch die Ankündigung einer Eisenpreiserhöhung auf das äußerste überrascht worden. Man häll eine solche Maß- nahm« in mehrfacher Hinsicht für sehr bedenklich. Die verarbellende Industrie würde bei einer Erhöhung der Eisenpreise ouß«r der eigenen Lohnerhöhung auch noch die der Eisen schaffenden Industrie tragen müssen, ohne bei den herrschenden Konkurrenzverhältnissen in der Lag« zu sein, die Belastung auch nur zu einem Teil abzu- wälzen. Die Eisen schassende Industrie würde die soeben beginnende A b s a tz b« l e b u n g, die sich in einzelnen Zweigen der Weiter- Verarbeitung zeigt, auf das empfindlich st e stören. Im übrigen ist d«r Vorschlag einer Erhöhung der Preise um 2 Proz. auch' bei einem Teil der Eisen schaffenden Industrie wegen der damit verbundenen Gefahr einer Einengung des Inlands- absatzes auf schärfften Widerstand gestoßen. Die Bedenken der Eisenverarbeiter gegen die D«rteuerung ihrer Rohstoffe begegnen sich mit unserer eigenen Kritik an diesem volks- wirtschaftsfeindlichen Plan. Zv den Rakionalisierungsgewinnen der Eisenindustrie gibt die „Kölnische Volkszeitung" aus einem Referat einige Ziffern bekannt. die angesichts der sozialpolitischen Bockbeinigkeit und den Preis- «rhöhmigsabsichten der Eisenindustrie festgehalten werden müssen. Es wird festgestellt, daß im dritten Vierteljahr 1926 gegenüber dem Vierteljahresdurchschnitt des Rekordjahres 1913 die Mehr- Produktion an Roheisen 91,5 Proz., an Rohstahl 111,82 Proz., an Walzwerkserzeugnissen 99,78 Proz. betrug. Die Leistungssteigerung einzelner Werk« illustrieren folgende Ziffern: Belegschaft GutehoffnungShütte Rückgang 8.0 Proz. Vulkanwerke Duisburg„ 19.2„ Tyssenhütte Hamborn, 16,3, Krupp Rheinhausen. 11.9, Hoefch Dortmund„ 14,5, Union Dortmund, 9,6, Produktion Steigerung 71,6 Proz. 60,3. 62,0. 7,8. 31,2. 22,9. Aus der Steigerung der Kopfleistungen von 1926 gegenüber 1913 um 80 bis 97 Proz. wird geschlossen, daß der A ch t st u n d e n- tag und die Wiedereinführung der dreiteiligen Schicht ohne jede Schwierigkeit durchgeführt werden könnte. Es ist nur sehr schade, daß von dieser Auffassung der Zenttums arbeiterschaft bi» zur Regierungspraxis der Zentrums p a r t e i ein so weiter Weg ist. Die Pleite Im Reichslandbund. Daß der Reichslandbund heute Regierungsmacht geworden ist, scheint ihn doch nicht vor neuen Pleiten im Kreise seiner Genossenschaften zu bewahren. Wie ge- meldet wird, ist über das Vermögen der Kreisbezugs- und Absatz- genossenschast des Reichslandbundes in Düren das Konkursver- fahren eröffnet worden. Im Gläubigerausschuß sitzen u. a. die Städtische Sparkasse der Stadt Düren und die Rheinische Bank für Landwirtschaft in Düsseldorf. Die erste Versammlung der Gläubiger, wo diese ihren Schaden besehen dürfen, findet am 12. April statt. Der verband/ Deutscher waren- und Kaufhäuser über Textit- leuerung. Der Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser hat auch für das Jahr 1926 wieder einen umfangreichen Bericht vervffent- licht. Daraus verdient die Feststellung, daß die Preise für Kob? baumwolle gegenüber 1914 zurückgegangen sind, die Fertig- fabrikate daraus aber ganz bedeutend über den Friedenspreisen liegen. Während der Preis für amerikanische Baumwolle am 7. Dezember 1926 aus 12,45 M. pro Pfund gegenüber 13,40 M. am 15. Juni 1914 zurück gegangen war, kostete der Meter Kattun oder Croisö am 8. Dezember 1926 38— 40 Pf., während er 1914 nur etwa 23 Pf. kostete. Diese Fertigfabrikate aus Baumwolle lagen 1926 rund 6214 Prozent über dem Friedens- preis. Da der Großhandelsindex am 15. Dezember 1926 sich nur auf 133,5 belief, log die Preisstellung in der Zeit der billigsten Rohstoffversorgung also auch fast 30 Proz. über diesem Index. Der Verband Deutscher Waren und Kaufhäuser(E. V.) zieht daraus den Schluß, daß die Kaufkraft heute infolge dieser Entwicklung hinter der Möglichkeit zurückbleiben muß, im gleichen Ausmaß wie in der Vorkriegszett sich eindecken zu können. 49&V grau ScgcUuch GrAue 3»-J» 1,?» CieueM-42 1,95 Greste a-*t 2,25 Sdi war« Chromleder-- Spangenschuhe gS* durchgenäht. 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Die Unternehmer weigerten sich hartnäckig, diese Ausnahmebestimmung zu streichen und machten den gesamten Tarisabschluß von der Zurück- nähme der Forderung abhängig. Als die Verhandlungskommission dennoch bei ihrer Forderung blieb, stellten die Unternehmer ihre Gegenvorschläge zur Abänderung des Mantel- t a r i f c s auf. In ihrem Gegenentwurf verlangten sie eine Verlängerung der Arbeitszeit auf Sl Stunden wöchent- lich, Kürzung des Urlaubs und der Bezahlung bei Krankheit, Beseitigung des Ivprozentigen Zuschlages für Aus- Hilfeorbeiter und der Bestimmung des Tarifvertrages, der die Ein- st e l l u n g von Arbeitern durch den paritätischen Ar- beits nächweis vorschreibt Damit nicht genug, forderten sie weiter, daß in Zukunft der Urlaub bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem Betrieb nicht mehr abgegolten werden und auch die Exirabezahlung an den Sonntagen vor Weihnachten, an denen die Geschäfte offen gehalten werden dürfen und für die Jnventurzeit fortfallen soll. Nach Sl'-stllndiger Verhandlung wurde aus Vorschlag der Ar- beitervertrcter folgende Protokollnotiz vereinbart: „Die Vermeidung oon Ueberstunden soll nach Maßgabe der betrieblichen und technischen Möglichkeiten durch Einstel- lung von Arbeitslosen im Benehmen mit der gesetzlichen Betricbsvertrctung angestrebt werden." Eine weitere Protokollnotiz legt die im Tarifvertrag vorgesehene Ueberarbeit präziser aus und lautet:„Unter vorbereitenden und abschließenden Arbeiten sind solche Arbeiten zu verstehen, die sich im regelmäßigen Geschäftsverkehr wiederholen, soweit sie nicht ohne Störung des ordnungsmäßigen Ge- schästsverkehrs innerhalb der regelmäßigen Arbeitszeit erledigt werden können." Es wurde weiter festgelegt, was alles unter den Begriff der vorbereitenden und abschließenden Arbeiten fällt. Rachdm über den Manteltar>f eine Uebereinstim- m u n g erzielt war, erhöhten die Unternehmer ihr zu Beginn der Verhandlung gcmachies Angebot in der Lohnfrage, das aber von den Arbeiterverlreiern als noch zu niedrig abgelehnt wurde. Die Unternehmer lehnten es ab, den Handelsarbeitern die gleiche Zulage zu machen wie den Angestellten und begründeten das damit, daß im vorigen Jahre die Gel älter der Angestellten viel stärker abgebaut worden seien als die Löhne der, Handelsarbeiter. Ihr endgültiges Angebot ging schließlich dahin, die Löhne der Ledigen über 22Jahre von36 M. auf 39,75 M., die der Verheira- teteiivon37,S0M. auf40,7S M.. die der Verheirateten m i t Kindern von 39 M. auf 41, 7S M. und die der Jugendlichen um 19 bis 17 Prozent erhöht werden sollen. Das Lohnabkommen soll vom 26. März 1926 bis 31. März 1928 laufen, jedoch mit der Einschränkung, daß nach dem 1. Januar über eine Neufestsetzung der Löhne verhandelt werden kann, wenn bis dahin eine wesentliche Steigerung der Lebenshaltungskosten eingetreten ist. Zu diesem Verhandlungsergebnis nahmen die Funktionäre der Handelsarbeiter in einer überfüllten Versammlung am Montagabend Stellung, und nach einer längeren Diskussion lehntensieesmitgroßerMehrheitab. Die Ablehnung erfolgte in der Hauptsache wegen der zu langen Geltun gs- d a u e r'des Lohnabkommens und der zu geringen Er- h ö h u n g der Löhne fürdieVerheiratetenmitKindern. Die endgültige Entscheidung trifft eine Mitqliederversamm- lung am Freitagabend. Wie die Abstimmung in dieser Ver- sammlung ausfallen wird, ist nach der Stimmung der Funktionäre wenig zweifelhaft. Moskauer Methode in veutschland. Die Hamburger Slauereigenossenschask sabotiert. Zwischcii der Hamburger Stauercigenosscn- s ch a f t, die im Jahre 1922 von größtenteils kommunistisch orientierten Schauerleutcn ins Leben gerufen worden war, und der K o m m u n i st i s ch e n Jst a r t e i hat es plötzlich einen bösen K räch gegeben. Die Stauereiyenossenschaft, deren Aufgabe es ist, die in Hamburg einlaufenden Schiffe der Sowjetregie- r u n g zu beladen oder zu löschen, bewahrte eine Zeitlang ihre Selbständigkeit gegenüber der KPD. Die Parteileitung machte große ?lnstrengungen, das Unternehmen in ihren Dienst zu spannen, um dadurch zugleich Eingang in die freien Gewerkschaften zu finden. Bald befand sich dos Unternehmen so stark unter der kommunistische n Jß arteisuchtel, daß mehrfach Genossen- schaftsmitglieder als Stiinmvieh zu verschiedenen kommunistischen Gewerkschaftsversammlungen kommandiert wurden. Wer sich nicht fügte, flog ind verlor sein« Arbeit. Kein Wunder, daß plötzlich eine Generalversammlung der Stouerei- g c n o s s e nscha f t die auf Moskau eingeschworenen KPD.-Leutc ihrer Funktionen im Lorstand und Auffichtsrat enthob und an ihre vor üem Lnöe des Zemeprozesses. Die Beweisaufnahme im Prozeß Wilms geschlossen. Der gestrige Derhandlungstag im Fememordprozeß Wilms brachte den Abschluß der Beweisaufnahme. Der Zeuge S ch m i d t- H a l b s ch u h gab auf Befragen des Justizrats Hahn zu, daß seine Aufzeichnungen über die F e m e f ä l l c durch einen Mittelsmann an die Behördm ver- kauft worden seien, jedoch nicht an das preußische Innenmini- sterium, die Abteiluno I A, sondern an den R e i ch s k o m m i s s a r für die öffentliche Ordnung. Major Buchrucker gab dann zu den Darlegungen des Oberstleutnants v. Hammerstein eine Erklärung ab: Rechtlich sei die Stellung der Arbeitskommandos so gewesen, wie Oberst Hammerstein es dargelegt habe. Praklijch mußten sich die Leute aber als Soldaten fühlen. So habe das Arbeilskommando Berlin wiederholt die Wache vor dem Palais des Reichspräsidenten gestellt und Arbeitskommandoleute hätten vor dem Reichspräsidenten präsentiert. Scharfe Auseinandersetzungen gab es darauf bei der Derneh- munq des Oberpfarrers P c n s ch k e, besten unglaubliche Versuche der Zeugenbeeinflussung bereits Anlaß zu einer sozialdemokratischen Anfrage im Landtag gegeben haben. Unter Hinweis auf den Frage- bogen, den Penschk« dem Schulz überbracht hat, fragt der Erste Staatsanwalt: Das Zutragen von Briefen, sogenannten Kassibern, war doch streng verboten wegen V e r d u n k- lungsgefahr. War Ihnen das nicht bekannt? Vors.(ab- wehrend): Wir haben hier doch keinen Fall Penschke. Pfarrer P e n s ch k e(sehr erregJ: Die Herren sind doch keine Perbrecher, das waren für mich ehrenwerte Leute. Vors.(wieder abwinkend): Die Angeklagten haben ihr« eigenen Verteidiger.(Heiterkeit.) Da? umstrittene Telephongespräch. Im Anschluß hieran kam es zu neuen Auseinanderfetzimgen über die Frage, ob das Telephongespräch nach Rathenow, bei dem der Auftrag zur Abkommandierung von Wilms für die angebliche Aufhebung eines kommunistischen Waffenlagers gegeben wurde, von Schulz oder von Gutknecht mit dem Angeklagten v. Pdser geführt sein könne. Bekannllich liegt eine Telephonquittung über ein vom Wehrkreiskommando am 17. Juli 1923, also einen Tag vor der Ermordung des Wilms, geführtes Telephongespräch mit Anschluß 136 in Rathenow(Kaserne des Reiterregiments), vor, auf der der Name des Hauptmanns G u t k n e ch t oerzeichnet steht. Der Angeklagte v. P o s c r betonte heute von neuem, daß er das fragliche Telephongespräch nicht am Tage vorher, sondern am selben Tage, an dem die Tat ausgeführt wurde, und zwar vor- mittags, entgegengenommen habe. Er lei Hauptmann Gutknecht gar nicht unterstellt gewesen und könne deshalb auch nicht mit ihm telephoniert haben. Sein porgesehler sei Schulz geweseu. Zeuge Zimmermann: Ich weiß, daß das Telephongespräch am Vormittag des 18. Juli aufgenommen wurde �Jptaats- anwaltschaftsrat L e s s e r: Demgegenüber kann Ich seststeuen. daß das Gespräch, aus das sich diese Quittung bezieht, am Nachmittag des 17. Juli um 4,10 Uhr geführt worden ist. Als nun Einzelheiten über die Art der Stellung Gutknechts be- handelt wurden, erklärt Sachoerständiger Oberst v. Hammer- st e i n: Jetzt merkt man, wie die Dinge tatsächlich lagen. Es be- standen einmal die Arbeitskommandos, darüber hinaus in taktischer Hinsicht eine weitere Gliederung, die aber nur einen Rahmen für Landesverteidigungszwecke dar- stellte, der nur aus dem Papier stehen durfte, und drittens bestand wohl noch eine Gliederung für eventuelle hoch- verräterische Zwecke. Ein Bataillon v. Senden öder Gukknechl ist von der pklNtär. behörde überhaupt nicht anerkannt worden. Tatsächlich mag es aber wohl existiert haben. Major Buchrucker: Diese Gliederung ist nicht hinter dem Rücken des Wehrkreiskommandos erfolgt. Ich weiß, daß ein Bataillon Gutknecht bestanden hat. Ich weiß auch, daß das Bataillon v. Senden als taktische Formation besichtigt worden ist. Staatsanwaltschaftsrat L e s s e r: Das Bataillon von Senden war 120 Mann, die Kompagnie Fuhrmann 8 Mann stark. Major Buchrucker: Gutknecht war überhaupt nicht berechtigt, v. Poser einen Befehl zu geben. Vors: Sie halten es also für unwahrscheinlich, daß er den Befehl gegeben hat? Buchrucker: Darüber will ich mir kein Urteil erlauben, jedenfalls, wenn er ihn gab. war es unzulässig. auch ver- Ab- Staatsanwaltschaftsrat Lesser: Ich möchte die Kombination widerlegen, daß Schulz an dem Tage, an dem dieses Gespräch ge- führt wurde, nicht anwesend war. Mir liegt hier eine Aus» Zeichnung von Oppermann über einen eingenommenen Betrag vor mit dem Vermerk„Erhallen von Schulz, 17. 7. 23".(Bewegung.) Vors.: Na, Schulz, was sagen Sie dazu? Angckl. Schulz(sehr aufgeregt): Da steht doch nur, daß Oppermann das Geld erhalten hat, aber wo steht mein Name, Herr Staatsanwalt, wo steht das, wo steht das. Ich hatte mit den Geschäften gar nichts zu tun. Staatsanwaltschaftsrat Vesser: Hier steht„Von Oberleut- nant Schulz erhalten". Zeuge Zimmermann erklärt auf Befragen: v. Poser hat uns immer gesagt, als Arbeits- kommando unterstünden wir Schulz, und für die Landesverteidigung gehörten wir zum Havelländischen Re- giment des Majors Förster. Der Major hat uns auch einmal be- sichtiat, und beim Küstriner Putsch war ich zwischen ihm und Poscr als Meldegänger tätig. Nach der Mittagspause trat der Zeuge E ck e l t noch einmal vor, um seine neuliche Aussage zu ergänzen. Zunächst machte er Mit- teilung davon, daß bei dem Kommando Reichelt in Potsdam noch zwei andere Leute, Feldmann und Geisenberger, wegen Wasfenverschiebung schwer mißhandelt worden seien. Geisenberger sei mit mehreren Fahrpeitschen prügelt worden, von denen auch Umhoser bei seinem, Eckelts, lransport eine mit sich geführt und ihn geschlagen habe. Geisen- berger sei ganz oerschwollen gewesen und habe blutunterlaufene Stellen gehabt. Bei der regulären Reichswehr, mit der dos Arbeits- kommando Reichelt in der Kaserne in Potsdam lag, habe über die Mißhandlung Geisenbergers große Erbitterung geherrscht. Beim Essenholen habe ein Reichswehrmann einem Arbeits- kommandomann das Essen ins Gesicht geschüttet, und die beiden seien so hart aneinander geraten, daß der Küchcnoffizier mit der Waffe dazwischentreten muhte. Die Leute vom Arbeitskommando hätten dann zwei Tage schlaflos in Erwarlirng des Angriffs der Reichswehr auf ihren Stuben gelegen. In jeder Stube sei ein Maschinen- g e w e h r mit scharfen Patronen aufgestellt und scharfe Hand- granaten bereitgehalten worden. Major Buchrucker trat dann noch einmal vor, um zu e» klären: Der Aufbau der Formationen sei so gewesen, daß alles, was an Truppen vorhanden war, nicht nur auf dem Papier, sondern in Wirklichkeit da war. In der Provinz als Einheit wurde for- miert, und als Formation galt das, was mit Waffen versehen da war. Grundsätzlich sollte als Stamm mindestens eine Gruppe dableiben, während die übrigen Mannschaften auss Land beurlaubt wurden. Nach einer kurzen Pause wurde dann noch zum Fall Eckelt der Bruder des bereits vernommenen Leutnants R e i ch e l t gehört, der Eckelt als militärisch unbrauchbar und sexuell anormal schilderte. Für die Abteilung habe es sich lediglich darum gehandelt, die Uni- form zurückzuerhalten, die Eckelt widerrechtlicherweise mit- genommen habe, alle anderen Behauptungen seien gemeine Ver- leumdungen, ebenso die Darstellung, daß er, der Zeuge, Eckelt miß- handelt hab«i vielmehr sei dieser Mann als ihm feine Entlassung mitgeteilt wurde, in Krämpfe versallen, und er, Reichelt. habe ihn noch aufgehoben, aus das Bett gelegt und ihm Wasser ein- geflößt. Mit einer Femesache habe dieser ganze Fall nichts zu tun. Auch Schulz sei an der Angelegenheit kaum beteiligt. Er habe später nur einmal gesagt, Reichelt solle zusehen, daß er die Uniform bekomme. R.-A. Dr. Sack überreichte dann dem Gericht noch einiges Ma- terial, das er aus der von der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellten Kiste mit Dokumenten der Arbeitskommandos gesichtet hatte, darunter eine Anzahl von Akten st ücken. Vors.: Schulz hat uns doch gesagt, es wurden keine Akten geführt? Schulz: Doch, es handelte sich dabei um Erpressungssachen. Staats- anwaltschaftsrat Lesser: Alle diese Schriftstücke wurden bei Leut- nant Oppermann beschlagnahmt./ Dann trat nochmals der Zeuge T h i« m e vor, um die Auflösung der Arbeitskommandos in der Spandauer Zitadelle zu schildern. Am späten Nachmittag wurde die Beweisaufnahme ge- schlössen. Der heutige Mittwoch bleibt zur Vorbereitung der Plädoyers oerhandlungsfrei. Die Plädoyers sollen sich über Donnerstag und Freitag erstrecken, zoorauf dann, am Sonnabend das Urteil verkündet wird. Stelle Anhänger der ultralinken Richtung brachte. Sosort nahm die kommunistische Parteileitung des Be- zirks Wasserkante gegen die Genossenschast mit allen Mitteln Stellung. Gegen eine Anzahl Kommunisten wurde das Ausschlußverfdhren eingeleitet, außerdem aber, und das ist das wichtigste, wurden der Stauerei genossenschaft die Aufträge entzogen, d. h. das Entlöschen und Beladen der russischen Schisse wurde von nun an einer Hamburger Privatstauerei- sirma übertragen. Dieser Racheakt gegen eine Genosienschoft, die sich bemühte. ein durchaus soziales Verhältnis mit den bei ihr beschäftigten Schauerleuten zu pflegen, hat in weiten Kreisen der Hamburger Hafen arbeiter schaft große Erregung und Er- bl t t e r u n g ausgelöst. Man sieht hier wieder einmal, mit welch unerhörtem Terror die KPD. die Meinungsfreiheit in ihren eigenen Reihen unterbindet._ Die Sparkasse der Bank der Arbeiter. Angestellten unhs Beamten A..G„ Berlin, Wallstr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 5— 7 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. verleih von kocheleganten Sescll. schaltsaniillaen. 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