flg. 146 ♦ 44. �aheg. Musgabe A Nr. 71 Bezugspreis. DSchentll» TO©ennt*. memBU äUidismorl Beton» KiUxtt. Unter Rteusbanb für Drntllbland, Dentin. Sanr- und ZSemelaebiet. Oelirrreich Litauen. Luremdnr« «.so Aeichsmail. für da» itdri» Ausland SJO Reichsmarl vro Monat. »er.ZonnSrt». mit der ilultrler» ten Sonntagsbeilage.Soll und Seif sowie den Beilagen.Unierdallung uns Wissen..An» ttz SllmmtW, .Stoucnftimme'.Der ftiniwo freund...Luaend-Borwürts. und �Zlick In die Blicherwelt. erscheint wochentTglich»weimal. Sonntag« und Montag» einmal. »eIe«rannn.Adresse: »Zoztaldeneotrat Veellu» Morgenansgave Vevlinev VolksblÄtt Zcntralorgan der Sozialdemokrattfcben Partei Deutfcblands 10 Pfennig) Anzeigenpreise: Die«tnivaltta« Slonvareiss«» «eil, SO Piennia. ReNamereil« 5«— Reichsmark,.»leine Au,«ige». das tettaedruckt« Wort 2B B kennig kluliiMa>wei kettaedruckic Wort«), iede« weiter» Wort 12 Bkennig. Stellengesuch« da» erst« Wort li T kennig. jede» weiter« Bort 10 Pfennig. Worte llder ld Buch- staden»Sdlen für ,wei Wort«. Arbeitsmarkt Keile SO Bkennig. Aamiiienan, eigen kür Abonnente» Keile«0 Pfennig. Anteigen Mr die nllchste Ziunime, müssen bis«lb Ukir nachmittag» im Sauvtaekchilft. Berlin SW SS. Linden» strasseZ. abgegeben werden. ibcSkkuet von Olb Ilbr früh bis S Übt nach«. Neöaktton unö Verlag: Serlin SW. 68, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Donnerstag, den 24. März 1927 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SW. öS, Linüenstr.Z Bsftkcheensut»! Berlin ST SOS— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Augestelt«, »ud Beamten. Waststr.«:»iskonto-Sesellichast.»euasitcnlass« Liudenktr. S, 700 Millionen Stenerruckstanöe Eine Denkschrift des Finanzministeriums. Von Paul Hertz. Di« Deckung des Reichsetats für das Jahr 1927 bereitet der Reichsregierung und den Regierungsparteien ernste Schwierigkeiten. Sie selbst geben das Defizit auf 725 Mil- lionen an, von dem nur ein Teil durch chöhersetzung der Ein- nahmen bei der Einkommen- und Körverschaftssteuer gedeckt ist. Sie suchen infolgedessen den Fehlbetrag durch Abbau sozialer Ausgaben zu verringern, obwohl dadurch die Lage der Erwerbslosen, der Kriegsbeschädigten, der Invaliden und Kleinrentner weiter verschlechtert wird. Diese Absicht kann bei einer Reaierung-konstellation nicht wundernehmen, die ihre größte Aufgabe in der Sicherung des Unter- nehmervrofits sieht und die die w»rtscbastlichg Gesun- dung auf Kosten der breiten Mafien des Volkes herzustellen gedenkt. Deutlicher noch«igt sich diese unsoziale Tendenz des Bürgerblocks bei der Gestaltung der Einnahmen des Reiches. Jede Erhöhuna der bestehenden Beiigsteuerbelastuna wird ab- gedehnt. Selbst die Lücken des Besitzsteuersnstems, die nur der Schonung steuersckieuer Elemente dienen, sollen nicht ausaefüllt werden. Datür aber wird die Mietsteuer wesentlich erböbt, die Verbrm'chssteuern werden in alter Höhe anbrecht- erhalfsn und iede Mildening wird abgelehnt. Aber nicht nur durch die Gssehgebunq, sondern auch durch die Verwal- t u n g werden die besitzenden Kreise steuerlich geschont. Anläßlich der Etatberatuilg hat das Reichsfinanz- Ministerium eine Denkschrift über seine Tätigkeit vorgelegt. 5!n ihr wird mitgeteilt, daß außerordengich hohe Rück- stände an Reichssteucrn vorhanden sind, und zwar be- trugen sie: Stand am GeiamtWnt. der©i.rbon Miickunnde ae'tiindet 1. t. tdSK.... 307 477 gk» M. 176 072 000?!. 1. 4. 1026.... 47K 3<100a, 241 145 000„ 1. 7.1926.... 420578000, 215«71(WO. 1. ID. 1926.... 620 181 000. 337 999 000. Diese Uebersicht ergibt, daß die Rückstände, die zu Anfang des Jahres 192k rund 389 Millionen betrugen, bis zum 1. Ok- tober auf K20 Millionen gestiegen sind. Das Reichsfinanz- Ministerium gibt zu, daß diese ungeheure Steigerung nach nickt den Höhepunkt darstellt und daß am 1. Januar 1927 diese S"mme erheblich überschritten sein wird. Man wird infolge- dessen annebmen können, daß die rückständigen Steuern zu Beginn des Jahres 1927 die gewaltige Summe von 799 Mil- lionen erreicht haben werden. Das ist ein ganz unerträglicher Austand, der die Desorganisation unserer Finanzverwaltung grell beleuchtet: aber die Tassachs ist noch bedenklicher, daß nur etwa die Hälfte dieser Summe aus gestundeten Steuern bc- steht und die andere Halste rückständig ist, obwohl niemals eine Stundi'ng ausgesprochen wurde. Auf welche einzelnen Steuern diese Rückstände entfallen, gibt die Denkschrift des Neichsfinanzministeriums leider nicht an. Es ist nur ersichtlich, daß diese Ausstellung nur die Rückstände an Besitz- und Verkehrssteuern enthält und die Rück- stände an Zöllen und Verbrauchssteuern nutzt unstaßt. Hier sind sie aber ebenfalls, zum Beispiel bei der Tabaksteuer, recht erheblich. Rur für die Erbschafts st euer gibt die Denk- schrift Einzelheiten an. Denn gerade bei der Erbschastssteuer spielen die Rückstände eine besonders große Rolle. Sie sind um deswillen so erheblich, weil für Grundvermögen und Be- triebsvennögen im Erbschaftssteuergssetz ein gesetzlicher Sstindungsanspruch mif 19 oder 29 Jahre besteht. Die Außen- stände betragen daher bei der Erbschaftssteuer nach dem Stande vom 1. Januar 1927 schätzungsweise 59 Millionen. Sie sind asto doppelt so hoch wie der Ertrag, den die Erbschafts- steuer im Jahre 1926 in die Reichskasie geliefert hat. Als Erklärung für diese Tatsachen führt das Reichsfinanz- Ministerium zweierlei Gründe an: 1. die Neigung vieler Steuerpflichtiger, die Steuerleistungen hinauszuzögern, um sie dann doch auf dem einen oder dem anderen Wege erlassen, zu erhalten, und 2. die Ueberbelastung der Finanz- ä m t e r, die mit den vorhandenen Kräften nicht für einen ordnungsgemäßen Einzug der Steuern sorgen können. Selbst weniz man dies« beiden Gründe für eine aus- reichende Erklärung ansieht, so sind sie eine schwere An- klage gegen imser jetziges Steuersystem. Die Höhe der Rück- stände beweist, daß ein großer Teil der Steuerpflichtigen es mit oder ohne Genehmigung der Finanzbehörden versteht, sich den gesetzlich festgelegten Steuerleistungen zu entziehen. Wir haben also eine gleichmäßige Steuerbelastung nur aus dem Vapier, aber nicht in Wirklichkeit. Wir haben neben der g e- f e tz l i ch e n Ungleichmäßigkeit— die Lohnsteuerpflichtigen zah'en ihren Lohnabzug in jedem Fall, die Veranlagungs- Pflichtigen nur nach festgestellter Leistungsfähigkeit— auch eine tatsächliche Ungleichmäßigkeit. Der Verantwortung«- volle ehrliche Steuerzahler kommt seiner Vflicht zu? Steuer» leistung nach, der verantwortungslose unehrliche entzieht sich ihr mit oder ohne Duldung der Finanzverwaltung. Sinnloses Blutvergießen. Erklärung des Ministers Grzefinski über die Berliner Vorgänge. Im Landtag hat sich gestern der Innenminister Genosse Grzefinski mit den Berliner Vorgängen vom Sonntag und Dienstag abend auseinandergesetzt. Er hat dabei mit- geteilt, daß einige Lichterfelder Polizeibeamte, durch deren Unachtsamkeit und Unfähigkeit der Ueberfall der National- sozialisten auf die Roten Frontkämpfer möglich wurde, kurzer- Hand entlassen worden sind. Er hat es auf der anderen Seite aber auch an einer scharfen Verurteilung der Kommunisten nicht fehlen lassen, die am Dienstag Polizeibeamte überfallen und damit die blutigen Zusammenstöße herbeigeführt hätten. Wie immer man sonst über diese beklagenswerten Vor- gänge denken mag, soviel steht fest, daß sie vollkommen über- lüsftg und politisch sinnlos waren. Wenn es den National- ozialisten gelingt, einige Kommunisten blutig zu schlagen, so ind die Verletzten menschlich zu bedauern, aber politisch be- deutet das sonst nichts. Dasselbe gilt von den Zusammen- stößen zwischen Kommunisten und Polizei. Wenn rechtsge- richtete Blätter den Kommunisten die Absicht zuschieben, durch Angriffe auf die Polizei neue Gewaltkämpse um die politische Macht zu eröffnen, so kann man darüber nur lachen. Die Kommunisten denken wirklich nicht daran, auf der Weberwiese und am Knie in Charlottenburg die politische Macht zu er- obern, sie haben ganz andere Sorgen. Genosse Grzefinski hat daran erinnert, daß er als Polizei- Präsident von Berlin wiederholt von denKommunisten um polizeilichen Schutz angegangen worden ist, die Kommunisten oersuchten, das wütend zu bestreiten. Des- wegen bleibt es doch nicht weniger wahr, daß die Kommu- nisten, die nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung von Berlin darstellen, des polizeilichen Schutzes bedürfen und daß er ihnen oft gewährt worden ist. Gerade das Versagen der Lichterfelder Polizei im Schutz der Kommunisten hat doch eben erst zu berechtigten Angriffen auf die Polizei und zu ein- schneidenden Maßnahmen des Polizeipräsidenten geführt. Man soll auch die Dinge nicht so darstellen, als ob die Berliner Schutzpolizisten blutgierige Bestien seien, die nur darauf warteten, sich auf friedliche Arbeiter zu stürzen. Viel besser wäre es, wenn die Kommunisten durch eineu aus- reichenden O r d n e r d i e n st dafür sorgen würden, daß Zu- sammenstöße vermieden werden. Keine Partei kann die Garantie dafür übernehmen, daß sich in ihre Demonstrationen nicht rauflustige Elemente einschleichen, die ihre eigenen Ab- sichten verfolgen. Diesen gegenüber ist Selbstschutz durch einen Olchnerdienst am Platze. Jetzt tobt die Rechtspresse gegen die preußische Regie- gegenüber den Kommunisten versage und sich nur gegen die Rechtsradikalen wende� Die kommunistische rung, well sie gegenüber den Kommunisten versage und Presse behauptet natürlich das gerade Gegenteil davon. Not' wendig ist auf olle Fälle, daß beide Seiten mit gleichem Maß gemessen werden. Notwendig ist auch, daß die Polizei rechtzeitig zur Stelle ist und sich in ihren Maßnahmen auf das sachlich Erforderliche beschränkt. Daß sie dazu da ist, friedliche Demonstranten nicht zu bekämpfen, sondern zu beschützen, versteht sich von selbst. Die ekelhaften, sinnlosen Raufszenen in den Straßen Berlins müssen aufhören, sie haben weiter gar keinen Zweck, als daß sie einzelnen Men- fchen Unheil bringen. * Iimemninister Genosse Grzefinski führte in seiner gestrigen Landtagsrede aus: Die Vorgänge der letzten Tag« in Lichterfelde, Berlin und in Köln veranlassen mich, gleich zu Beginn der Aus» spräche über den Innenetat das Wort zu nehmen. Zuvor möchte ich aber noch daraus hinweisen, daß der Kapitänleutnant a. D. Ehrhardt gegen mich Strafontrog wegen Beleidigung gestellt hat, weil ich in meiner Denkschrist über Bund Wiking und Olympia auf das gegen ihn wegen Meineid und Anstiftung dazu eingeleitete Verfahren hingewiesen habe, das nur auf Grund der Amnestie eingestellt wurde. Ich stelle fest, daß aus den Akten des Staatsgerichtshofcs hervorgeht, daß das Verfahren nur eingestellt wurde, weil der Angeklagte dargetan hat, daß er zu den Straftaten auch aus politischen Beweggründen gekommen ist. Danach hat Ehrhardt die Straflalen des Meineides selbst ausdrücklich,»gestanden und es ist eine llnverfrorenhell. wenn er jetzt die Einleitung eines Strafverfahrens gegen mich beantragt. Der Staatsanwalt Hot die Erhebung einer Anklage gegen mich abgelehnt.(Sehr gutl links.) Nun zu den Störungen der öffentlichen Ruhe und Ordnung, die begreifliche Beunruhigung erregt haben. Ich bin gewillt, den Ursachen mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln nachzugehen und die Quellen,, aus denen sie fließen, zu verstopfen. Erfreulicherweise aber haben die Vorgänge nicht die Bedeutung, wie die Ruhestörungen verflossener Zeiten. Ich stelle fest, daß die deutsche und die preußische Republik in jeder Weise gefestigt sind und euch die Machtmittel des Staates stark genug sind, um Angriffe auf sie zu unterdrücken. Leider haben sich Polizeibeamte der Durchführung dieser wichtigen Slaatsaufgabe nicht immer gewachsen gezeigt. Beamte und vorgesetzte, die hierzu nicht die ganze Staatsmacht an» wenden und einsetzen, gehören nicht aus solchen platz und müssen wegen Unachtsamkeit oder Unfähigkeit von diesem Vossen entfernt werden, wie das erfreulicherweise der Polizeipräsident von Berlin aus Anlaß der Vorgänge in Lichterfelde und Steglitz rücksichtslos getan hat.(Sehr gut! links.) Von einer Maßregelung kann in diesem Falle gar keine Rede sein. Das unverantwortliche Treiben der Heiden extrem radikalen Richtungen bringt leider eine außerordentliche Inanspruchnahme der Polizei mit sich. Wenn Polizeibeamte, die nichts weiter als ihren Dienst tun, mißhandelt werden, wie dos in Berlin geschehen ist, so sollten sich diejenigen, die hinter den Angreifern stehen, aufs tiefste schämen.(Sehr richtig!) In solchen Fällen ist es schließlich für den Beamten zwingende Notwendigkeit. von der Waffe Gebrauch zu machen, die er dazu hat, sich zu schützen und Ordnung zu stiften. Diese Art Demonstrationen sind nicht mehr der Ausdruck politischer Handlunge«, sie sind der Ausfluß eines Rowdy- und Slraßcnräubertums.(Lebh. Sehr richtig!) Ich habe den Wunsch, daß die Justizbehörden die Landfriedens- brecher ohne Ansehen der Person der Bestrafung zuführen mögen. Ich habe nicht die Absicht, die Meinung?- und Demonstratio»?- freiheit zu beschränken.(Zuruf des Abg. Kasper(Komm.): Sie schützen nur die Rechtsorganisationen.) Herr Abg. Kasper, Sie sind der ollerletzte, der sich über mich zu beklagen hat. Ihre Freunde haben mich wiederholt um polizeilichen Schutz gebeten, als ich noch Polizeipräsident war und sie befürchteten, daß ihre Veranstaltungen gestört würden.(Lärm bei den Komm., Lebhaftes Hört, hört!) Dafür ist der Rote Frontköm pfertag Pfingsten 1926 der beste Beweis. Ich habe ihnen damals den von ihnen be- anspruchten polizeilichen Schutz pslichtgemäß gewährt. (Hört, hört!) Den Ralionalsozlalisten. die am Sonntag Angehörige des Roken Fronlkämpserbundes in der Eisenbahn nbersollen und crhebllch verletzt hoben, werde ich in nächster Zell allergrößte Ausmerksamkeii zu widmen haben. Ihre Schriften deuten daraus hin, daß si« beabsichtigen, durch bewaffnete Stoßtrupps Versammlungen Andersdenken- der zu st ö r e n. Die vom Berliner Polizeipräsidenten vor- genommene Durchsuchung zweier nationalsozialistischer Versomm- langen haben Waffen zutgge gef ordert, die ich auf den Tisch des Hauses niederlegen lasse.(Auf einem Brett aufgeheftet werden auf den Tisch des Hauses die beschlagnahmten Trommel- rcvalver, Brownings, Gummiknüppel und Dolche ausgestellt.) Leider beschränkten sich die Terrorakte nicht auf die Rechtsoerbände, auch der Rot« Frontkämpferbund hat sich m letzter Zeit an Ileberfällen beteiligt. Mein Amtsvorgänger und auch ich hol«» wiederholt die radikalen Verbände vor Terrorakten gewarnt. Di« Warnungen haben eine Zeit long gewirkt. Wenn das inzwischen in Vergessenheit geraten ist, erkläre ich, daß immer noch die feste Absicht besteht, unter allen Umständen für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Das seinerzeit ergangene S t o ck o e r b o t kann deshalb auch n icht a u f g e h o b en werden, wie überhaupt jede Bewaffnung von Demonstranten in den Versammlungen verhindert werden muß. Privatpersonen sollten überhaupt keine Waffen tragen, und an, liebsten wäre es mir. wenn Waffenscheine überhaupt nicht mehr ausgestellt würden. Wenn ich di« Bewaffnung beseitige, sichere ich die Demonstranten selbst und die anderen auch!(Sehr gutl links.) Die Waffendurrchsuchungen des Berliner Polizeipräsidenten billige ich durchaus und es wäre notwendig, daß die Partelen von den Ruhestörern ganz entschieden abrückten. Erfreulicherweise ist die Stahlhelmleitung davon abgekommen, den S t a h l h e l m t a g am 1. Mai in Berlin abzuhalten. Er soll acht Tage später stattfinden. Trotzdem möchte ich vor Provo- kationen warnen und Andersdenkenden empfehlen, dies« Ber- anstaltung zu ignorieren. Ich schließe zusammenfassend damit, daß alle Einsichtigen sicherlich mit mir der Meinung sind. Andersdenkende nur durch Rede und Schrift, aber nicht mit Gewalt zu überzeugen. Nur so werden wir dies- üblen Erscheinungen, die unseres Volkes unwürdig sind, überwinden und für die Zukunkt unmöglich machen.(Leb- hoster Beifall links»nd in der Mitte.) (Schluß des Berichts auf der 3. Seite.) Die Denkschrift des Rcichsfinanzininisteriums liefert auch aus begreiflichen Gründen keine Angaben über die Höhe der Rückstände im Einzelfall. Es ist kaum denkbar, daß die Riesensumme von 799 Millionen Rückständen allein von den kleinen und leistungsschwachen Steuerpflichtigen erreicht wer- den kann. DiegroßenSteuerzahler müssen an diesen Beträgen mit erheblichen Summen beteiligt sein, so daß auch noch eine besondere Begünstigung der großen Steuerpflich- tigen durch das gewaltige Anwachsen der Rückstände anzu» nehme« ist. Es wäre die dringende Pflicht der Reichsregierung und der Regierungsparteien, alle Maßnahmen zu treffen, um diese Rückstände einzuziehen. Gewiß wird darunter mancher Bc- trag sein, der kleinen Gewerbetreibenden oder Landwirten aus Billigkeitsgründen zu erlassen wäre. Wir sind durchaus dafür, daß durch die Steuereintreibung di« wirtschaftliche Existenz von Unternehmungen nicht untergraben wird. Abel selbst wenn man dre Rückstände dort erläßt, wo Billigkeits- erwägungen Raum haben, so wird man immer noch viele hundert Millionen für die Reichskasse retten können. Hochschulring und Stahlhelm. Tie völkischen Studenten lassen die Masken fallen. Die maßlose Hetze, die von einem Teil der Slu- dentenschaft unter Mißbrauch ihres Selbstverwaltungsrechts gegen den preußischen Kultusminister geführt wurde, wird durch ein von der„Germania" veröffentlichtes Rundschreiden in ihrem wahren Charakter enthüllt. In diesem Briese fordert der Hochschulring die studentischen Verbände zu einer großen Kundgebung auf. die im Mai d. I. statt- finden soll. Heber die Form der Kundgebung wird gesagt: Im Rahmen von Darbietungen des Berliner Hochschulchors wird ein Akademiker die Festrede halten, deren Sinn und Absicht durch «inen Hochschullehrer(vorgesehen ist Herr Professor S e e b e r g. Universität Berlin) und durch den Stahlhelmführer Selte (Akademiker) in kurzen Worten unterstrichen und unterstützt wird. Die Mitwirkung des Stahlhelmführers Selte ist deshalb möglich und wünschenswert, als im Mai d. I. in Berlin der 8. Stahlhelm- tag angesetzt ist, und der Ausdruck einer Kampfgemeinschaft zwischen nationaler Studentenschaft und vaterländischen verbänden durch die kurze Mitwirkung des Stahlhelmführers zwanglos erreicht wird. Der deutsche Hochschulring ist für die rechtsradikalen Ten- denzen in der deutschen Studentenschaft verantwortlich. Weder die katholisch-konfesfionellen, noch die sozialistischen, noch andere republikanisch gesinnte Studentengruppen wollen mit ihm eiwas zu tun hoben. Visher hatte der Hochschulring die Oeffcntlichkeii irrezuführen verstanden, indem er sich als parteilos hinstellte und jeden Angriff auf seine Forde- rungen zur parteipolitischen Mache stempelte. Heute erklärt er selbst, daß er sich nur als Anhängsel der politisch reaktw- nären Stahlhelm Organisation betrachtet. Das bringt lvenigstens Klarheit in die unsauberen politischen Machenschaften, zu denen sich einige Studentenschaften von ihren politischen Drahtziehern oerleiten ließen. Regierung unterm Kreuz. Marx» Kettdell» Curtius bei der Erstaufführung des antipolnischcn Films. Sie haben es sich nicht nehmen lassen, unsere Bürgerblock- minister. Sie mußten am Mittwoch die Erstausführung des Oberschlesicnsilms„Sank) unterm Kreuz" mitmachen, o b- wohl das Auswärtige Amt von der Aufführung des Films eine Beeinträchtigung der deutsch-polnischcn Beziehungen befürchtete. Der Außenminister Dr. Stresemann blieb freilich fort. Ob er die Befürchtungen noch jetzt teilt? Der Film i st ein politischer Tendenzfiim. Was er von der Schönheit und von der Not Oberfchlefiens zu sogen weiß, hätte mit besseren Mitteln vielleicht noch eindringlicher gefaxt werden können: die deutsche Republik hat viel gutzumachen, nichr nur das, was die Zerstörungswut polnischer Insurgenten in den Putschkämpsen und eine unsinnige Grenzziehung vernichtet haben, sondern auch das, was Unterlassungen in Jahrzehnten altpreußischcr Ostpoli. t i k verschuldet haben. Aber die Erinnerung an die glorreiche Zeit der K ä ni p f c und des Selbstschutzes hat es den Reaktiv- nären angetan. Und den Zentrumssreunden waren die schönen Bilder von den Kirchen, Messen, Wallfahrten und Prozessionen das Wichtigste. So wurde der politische Kitschfilm— gut für leichtbegeisternde Nationalisten. Nicht immer wird— wie gestern der Abg. U l i tz k a— «in Sprecher da srtn, der die Wirkunx, des Films mit Worten ab- ichwöcht und erklärt, man wolle fa nicht gerade einen Krieg, um dix ersehnte Wiedervereinigung des unsinnig abgetrennten Ost-Ober. schlesiens mit der übrigen Heimat zu erlangen. Auf viele wird der beabsichtigte Appell an die Heimailiebe als zündender Hahgesang wirken. Doch die Minister des Rechlsblocks haben die Ec-staufsühning bc- grüßt. Sie standen stark unter den: Eindruck desselben Kreuzes, das immer wieder die Landschaftsbilder des Films überstrahlt, und das die polnischen Putschisten anbeteten, als sie ihre im Filmbild verewigten Zerstörungen begingen. Mutter Kirche verträgt solch« kleinen Betriebsunfälle. Ob auch die deutsche Außenpolitik sie verträgt, möchten wir ebenso bezweifeln, wie die Beamten des Auswärtigen Amtes, die gegen die Ausführung des Films wenig- stens für eine bestimmte Zeit Bedenken hatten. Der Massenaufmarsch der Vürgerblockminister bei der Aufführung eines wegen seiner antipolnischen Tendenz zeitweilig verboten gewesenen Films war zum mindesten ein außenpolitischer Schildbürger- streich. Fährt man so fort, die außenpolitischen Beziehungen zu seinem Bergnügen zu stören, so wird man sich über die Folgen nicht wundern dürfen. Finanzausgleich und Erwerbslosenlaften. Heftige Gcschaftsordnungsdebatten im Steuer» ausschuß. Der Steuerausschuß des Reichstages setzte am Mittwoch die Einzelberotung zum Finanzausgleich fort. In den Boroerhandlungen hat die Reichsregierung den Ländern und Ge- meinden zugesagt, daß sie vom t. April ab die Lasten der Erwerbs- loscvfürsorge ganz aus das Reich übernehmen werde. Demzufolge beantragten die Regierungsparteien die Einführung einiger neuer Paragraphen, deren wichtigster lautet: „Das Reich erstattet den'Ländern und Ge- meinden die Beträge, die sie nach der Verordnung über Erwerbslosenfürsorge vom 16. Februar 1324 für die Zeit vom 1. April 1927 bis zum Inkrafttreten des Arbeitslosenversicherungs- gefetzes zum Fürsorgeauswand beizusteuern haben." Dies« Bestimmungen sollen jedoch mit dem 3 0. September 19 27 außer Kraft treten. Wie aus der Begründung der Antrag- steller hervorging, soll auf diesem Wege ein Zwang zur schleunigen .Verabschiedung dos Arbeitslosenoersicherungsgesetzes ausgeübt werden. Genosse Seil erklärte sich mit der Tendenz des Antrages der Regierungsparteien einverstanden, wandte sich ober dagegen, daß die Bestimmungen bis zum 30. September 1927 befristet werden. Man wisse nicht, ob das Arbeitslosenversicherungsgesetz bis dahin in Kraft treten könne. Sei das nicht der Fall, dann würde der Fortfall der Erstatlungspflicht des Reiches die Finanzlage der Gemeinden gefährden und eine unbillige Unsicherheit für die zwei Millionen Erwerbslosen herbeiführen. Demgegenüber erklärte Staatssekretär Popiß, es könne nicht davon die Rede sein, daß die Ansprüche an die Erwerbslosensürsorge etwa aufhören. Die Rechte der Erwerbslosen blieben unter allen Umständen gewahrt. Es handele sich lediglich um eine interne Erstattuitgspflicht des Reiches gegenüber den Ländern. Die Begrenzung fei notwendig, weil das Reich allenfalls die Erstattung für eine halbjährige Uebergangszeit übernehmen könne, keinesfalls aber bei seiner gegenwärtigen Etatslage für eine unbeschränkte Zeit. Der Antrag der Regierungsparteien wurde angenommen. Im weiteren Verlauf der Sitzung kam es zu einer heftigen Geschäslsordnunzsdrbatle. Die Regierungsparteien verlangten näm- lich, daß alle von den Oppositionsparteien zur Hauszinssteuer, zur Einkommensteuer und zur Zuckersteue? gestellten Antröge ohne Befristung zurückgestellt würden. Die Oppositionsparteien dagegen verlangten ihre sofortige Beratung. Die Genossen keil und 3 unke wiesen nachdrücklichst darauf hin, daß die sozialdemokratischen Anträge ebensogut im Zusammenhang mit dem Finanzausgleich stehen wie z. 23. der Antrag der Regierungsparteien auf Erhöhung der Bierstcuerentschädigiing für die süddeutschen Staaten. D i e Regierungsparteien wollten nur unangenehmen Entscheidungen aus dem Wege gehen. Eine derartige mißachtende Behandlung lasse sich die stärkste Partei des Reichsiags nicht gefallen. Denn die Regierungsparteien au ihren ver- gewaltig, ingsabfichten festhielten, werde die Sozialdemokratie au? jede weitere Rlitwirkung an den Zlusschnhberakuogen verzichten. Angesichts dieser Erklärung ließen die Regierungsparteien zunächst die Beratung der Anträge zur Hauszinssteuer zu. Sie endete zunächst mit der Annahme einer Entschließung, nach der die Länder aufgefordert werden, die Hauszins st euer bei Saison- betrieben nicht für das ganze Jahr zu erheben. Die neue Sattowißer Stadtverlretnng hat einen Deutschen zum Borsitzenden gewählt und zu unbesoldeten Stadträten sieben Deutsche, vier Polen und einen von der �Vereinigten Mieterpartei". Preußen und die Justizreform. Eine Erklärung des preußische» Justizmittisteriums« Dem Reichsrat liegt seit End« 1924 der Entwurf eines Strafgesetzbuches vor, der als einheitliches Strafgesetzbuch für Deutschland und Oesterreich gedacht ist. Das preußische Justizministerium hat nun dem preußischeil Staatsrat«ine Denkschrift über seine Stellungnahme zu den Pro- blemen zugehen lasten. Danach ist die Staatsregierung mit dem Entwurf in wesenllichen Punkten einverstanden, besonders mit der Zlbficht, durch das Gericht in Zukunft mehr den Täter als die Tat betrachten zu lassen. Besonders soll das Gericht bei der«traf zu- Messung abwägen, inwieweit die Tat auf einer verwerflichen Ge- sinnung oder Willensneigung des Täters und inwieweit sie auf llr- fachen beruht, die ihm nicht zum Vorwurf gereichen, die Berücksich- tigung der Beweggründe und der persönlichen und w i r t- schaftlichen Verhältnisse des Täters zur Zeit der Tat wird den, Richter besonders zur Pflicht xemocht. Bei den Reichs- ratsberatungen ist auf Antrag Preußens eine Ergänzung noch der Richtung beschlossen worden, daß auch die persönlichen und wirt- fchostlichen Derhältnisse nach der Tat bis zum Zeitpunkt der Ab- urteilUug mitberücksichtigt werden sollen. Was die Frage der Erweiterung des richterlichen Er- meffens anbetrifft, so Hot sich Preußen grundsätzlich dafür aus- gesprochen, aber doch beantragt, daß das völlig schrankenlose M i l d er u n g s r e ch t. das der Entwurj vorsieht, und das es dem Richter ermöglichen würde, selbst bei Derbrechen bis auf 3 Mark Geld strafe herabzugehen, beseitigt, und die Befug. nie zum Abschen von Strafe eingeschränkt werde. Was dos St ras syst ein betrifft, so behält der Entwurf die. Todesstrafe bei. beschränkt sie aus den Fall des Mordes und schränkt mich für diesen ihr Anwendungsgebiet wesentlich ein, indem er für den Mord allgemein die Annahme mildernder Umstände und damit Freiheitsstrafe zuläßt. Mit dieser Bestimmung hat sich Preußen einverstanden erklärt. Dagegen hat es die völlige Beseitigung der Fe st ungs- Haft als Strafmittel verlangt und sich gegen die Sonder- behandlung des Zweikampfes im Strafgesetz aus, gesprochen._ Ein Protest der Internationale. Gegen Ungarns Willkürregitucnt. London. 23. Mörz.(Eigener Drahlberichl.) Der Vorsitzende der Sozialistischen Arbeiler-Zniernalional- und Generalsekretär der englischen Arbeilcrpariei. Arthur henderson. das bekannte Mitglied de» eogsischeu Unterhause» und Minister de, Innern im Kabinett Macdovald hat am Mittwoch an den ungari- scheu MinisterprSsidenten vethlen folgendes Tele- gromm gerichtet: „Nachdem ich erfahren habe, daß ein Abgeordneter in Ungarn verfolgt wird, weil er an einer Sitzung der Exekutive der Sozialistischen Arbeiler-Zuteroationaie in Paris»eilgenommen hat. bei der ich den Vorfitz führte, betrachte ich es als meine Pflicht. Sic in Kenntnis davon zu setzen, daß die Arbeiterklasse der ganzen Welt von Empörung darüber erfüllt ist. daß Sie sortsahrea, die für die unmittelbare Kriegsgefahr bestimmten Ausnahme- g e s e h e gegen politische Gegner auf Grund politischer Anklagen in der Friedenszeit anzuwenden." Seudell und Auschüh. Das Reichsamt des Innern erläßt ein« Erklärung, um die staatsrechtliche Unkenntnis zu beschönigen, die Prof. Anschuß Herrn Keudell nachgewiesen hat. Es verwendet dazu ein Zitat, in dem Anschüg sagt, daß die Länder ihre„Staat- l i ch t e i t" nicht vom Reich aewincrmaßeii als Lehen, sondern aus eigenem Recht innehaben. Schön und reckt, Herr o. Keudell hat ober von einer„Souveränität" der Länder gesprochen, weil er eben staatsrechtliche Begriffs nicht auseinanderhalten kann, und hat sich dafür zu Unrecht auf Anschütz berufen. Und das ist es, was Anschütz mit Recht als„kompletten Unsinn" zurückgewiesen hat. Die große Woche. Konzerlumschau von Kurt Singer. Man mag dagegen sprechen, wie viel und wie oft man will: weder Publikum»och Künstler lassen es sich nehmen, Beethoven in diesen Tagen besonders zu huldigen. Da läuft dann der Troß hinter den Führern her und macht mit, das Wort Beethoven oui den Lippen, den Jazz im Herzen. Aber eine ganze Welt hält auf einmal, für eine�Scknnde der Ewigkeit den Atem an und lauscht. In dieser«inen Sekunde wird jeder vom Hauch des Genius berührt. Das ist etwas Großes: und jene Wid-rsacher Bcethovenscher Kunst, die i�m die subjektive Gebärde seiner Musik verübeln und die keinen Anteil mehr an ihm haben wollen, diese Jungen und Jüngsten er- kennen wohl in diesem Augenblick, daß inan nicht mit schwachen Aermchen einen Felsen umreißen kann. Aus Schwäche wird nie- mals Kraft durch bloßes Maulausreißcn. Diese Tage mahnen uns zur Ehrfurcht, so wir sie nicht schon fühlten, zur Anerkennung Beethovenscher Freudenbotschaft, zum Ausblick nach dem Sternenzelt. Das erst ist Sachlichkeit, ist Freiheit, ist Glück, wenn wir„etwas vernehmen, was über uns ist. Indem wir es oernehmen, heben wir uns zu ihm hinauf..." So Wolfgansi Goethe. Wir wollen es mit diesem goldenen Wort halten und uns freuen, daß ein Beethoven gedichtet und geschaffen hat. Großer Feiern bedarf es dazu nicht. Immer noch ist das Spiel im eigenen Haus, still, für sich selber die beste Feier. Ein Gau- Fefttonzert als Beethoven-Feier aufzuziehen, ist geschmacklos. Für 59 gemischte Chöre oder 2000 Sänger hat Beethoven nichts, gar nichts geschrieben. So etwas hätte er als absurd verworfen. Und das alles in Umformungen des originalen Satzes, die keine stärkere Dynamik und Intensität ausstrahlen, als das Original selber, und zwischendurch in dem Riesen-Sportpalast, unter Tausenden ein Ein- zelner, der solistisch durch das Chaos der Köpfe und Leiber hindurch sich stimmlich einen Weg sucht. Am Schluß des Programms (Beethoven-Feier!) die ehrwürdig-ernsten Lieder„Drauß ist alles so prächtig" und„Hopsa. Schwabenliescl". Run also, wenn draußen alles so prächtig ist. so singt doch in der� frischen Lust und treibt nicht Spott mit Beethoven im Palast des Sports! Kittel dirigierte. Im Konzert Bruno Walter s gab es einen bemerkenswerten Auftakt. Cr las ein Bekenntnis zu Beethoven ab. Ja. er lieferte für dieses Bekenntnis eine öffentliche Generalprobe und eine Auf- führung. Dies war das einzig Unschöne. Was er aber sagte, war klug und prachtvoll geformt und glühte von innerer Leidenschaft (der die Stimme leider nicht nachkam). Beethoven als prophetische Statue, als Anfang einer Periode neuer Seelenstimmungen, als Ihilttirbringer, als Stifter einer Religion des Herzens. Man möchte die Worte des großen Interpreten über den Genius Beethoven, strenge, herbe, kunstphilosophische Worte noch einmal lesen. Denn, als die ersten Takte Beethovenscher Musik erklangen, war alles Wort vergessen. Großartig rauschten Eoriolan und Leonore auf und schufen herzlichsten Widerhall. Dazwischen die Arie„/Mr perlido", mit der W i l d b r u n n als Solistin. Sie war nicht in großer Form. Man mußte schon die ganze Beliebtheit dieser Leonore und die absolute Bewunderung für den schönsten aller dramatischen Soprane in Rechnung stellen, um über die Inlonationsschwierig- keilen ohne Gram hinwegzukommen. Die würdigsten Beethooen-Huldigungen hatte zweifellos die „Volksbühne" dargebracht. In einheitlichem Zuge die Klavier- Sonaten(Schnabel) und zuletzt die IX. Sinfonie(Kleiber). Das ist Beethoven in allen Färbungen seiner Kunst und seines Wesens. Aehnlich rundet sich das Bild vom künstlerischen Charakter Beet- Hovens in den Quartettabenden des H a v em a n n- Ensembles. Derselbe Havemann trat solistisch im letzten der fünf großen Konzerte des Arbeiter- Kultur-Kartells auf. Er spielte das Brahmsfche Geigenkonzert. Besonders der erste Satz gelang in seiner kerben Sinnlichkeit und trotz aller technischen Gefahren hervorragend schön. H o r e n st e i n war auch hier ein so guter Begleiter, wie er — in Werken Beethovens— ein geharnischter, mit bestem Rüstzeug bewehrter, unsentimentaler, kraftvoller Deuter wurde. Diese Kon- zerte des Arbeiter-Kultur-Kartells dürfen nicht aufhören. In Pro- gromm und Interpretation waren sie Lichtblicke der Saison. Selbst Bedenken wegen der Finanzierung müssen zurücktreten vor dem großen Gefühl, daß hier wirklich etwas für die Kunst im Leben de« Arbeiters geschieht. Es müssen Mittel gefunden und geschafft werden, um diese Institution samt ihrem außerordentlichen Kapellmeister am Leben zu erhalten. Es wäre nicht die schlechteste Beethoven-Feier. wenn ein solch kulturelles Werk weiter gestützt würde, auf daß es immer mehr arbeitende Menschen hintrüge zum Bekenntnis für den SRcister, der so recht in Volkes Seele hi'neingesungen hat. In keinem Konzert sehst natürlich der Name des Gefeierten. Bei Maurice Eiscnberger hätte man gern eine der drei Cello- Sonaten gehört. Statt dessen die entzückenden, schwebend leicht und tüchtig interpretierten Variationen über ein Papageno-Thema(mit V. E. Wolfs am Flügel). Hermann Trews unterzieht sich der großzügigen und undankbaren Sluigabe, die Goldberg-Barianonen Bachs und die Hamnierklaoier-Sonate Beethovens zu spielen. Das spricht für Ernst. Aber die 30 Bachschen Variationen sind zu un- einheitlich für eine geschlossene Reihe, und sie vertragen oder ver- langen doch eine andere, eine stärkere Persönlichkeit, als Trews sie heute noch ist. Immerhin: er hat viel aelernt und wird(in Sachen der Modulation des Tons und Pedalgebrauch) welter lernen. Daß Frau Siewert-Mtchels unter ihren Schülern wenig Tempe- ramente und nur einige schöne Stimmen aufzuweisen hat und den- noch gute Vortrogsleistuitgen zuwege bringt, spricht für die künstle- risch-pädagogische Fähigkeit der Frau. Gertrud Fiedler aber werden wir uns merken: sie hat das Zeug dazu, in der Oeffentlich- keit mit Erfolg wirken zu können. Auch Heinz Unger machte— nicht zum erstenmal— seine Reverenz vor Beethoven. Ngch Ab- schluß seiner Konzerte ist dem hochstrebenden Mann und seiner „Gesellschaft der Musikfreunde" für ihr Wirten zu danken. Hassent. lich folgt dem glorreichen Kunstwinter kein Sommer des Wirtschaft- lichen Mißvergnügens. „Schmutz und Schund" in der Rotor. Während die Ausfüh- rungsbestimmung�n zur Lex Külz der Bearbeitung unterliegen, hallen wir uns für verpflichtet, die zuständigen Instanzen auf einen wich- tigen, im Gesetze leider übersehenen Punkt hinzuweisen: Nicht nur des Menschen Tun und Treiben, auch das Gehaben der freien Natur ist des Schmutzes und Schundes voll! Wir brauchen dabei kaum ans die Tierwelt zu verweisen, denn schon dos Reich der angeblich lieblichen Kinder Floros gibt zu den schwersten Bedenken Anlaß. Bereits Schopenhauer hat mit Abscheu auf die Blumen hingewiesen, und er hat die uns demnächst leider wieder bevorstehende Blüten- pracht als eine widerliche Massenschaustellung von zwar botanischen aber darum nicht minder deutlichen Geschlechtsorganen an den Pranger gestellt. Selbst unserem sonst nichts weniger als prüden Goethe war diese ewige, öffentliche(„phanerogame" sagt schamhast der Botaniker) Massenheiratcrei zuwider, lind dabei wußten beide noch nichts von den Ergebnissen späterer Forschungen, die die Blüten- well als so ziemlich das stärkste Stückchen entlarvten, das die Natur sich geleistet hat. Was die Natur hier mit Unterstützung der Insekten an versteckten Einrichtungen. Absteigequartieren usw.»n Tausenden von verschiedenen an Raffiniertheit sich überschlagenden Modi- sikationen zustande gebracht hat, das läßt das Scheunenviertel lils eins moralische Anstall erscheinen! Es ergibt sich die Forderung, daß mit den Sonderzügen zur Werderschen Obstblüte Schluß zu machen ist! Des weiteren sind die naturgsschichtlichen Werke, besonders die für Spezialforscher bestimmten, einer gründlichen Durchsicht zu unter- ziehe». Man sindet darin, selbst in der Zoologie, Geschöpfe, die an Perversität Schauerliches leisten. So z. B. eine gewisse Bonellia, über deren Teiden Näheres zu verraten wir uns hüten werden. Diese Bonellia hat leider das Glück, fern im Mittelmeer auf die Lex Külz pfeifen zu können. Aber auch vor den Toren Berlins fehlt es nicht an Gipfel- punkten schmutzigschundiger Natur. Den Gipfel selbst erreicht ein Pilz, der sich unsere schönsten Wälder ausgesucht hat und den Namen Uballu, irapudicus führt. Der Name sagt alles— wir selbst werden allerdings vorsichtigerwcise nichts darüber sagen. Dieser Pilz hat eine durchaus Polizei» und külzwidrige Form, und überdies stinkt er zum Himmel. Und zwar in einer Weise, daß man sich, che man ihn zu Gesicht bekommt, aus zehn Meter im Umkreise die Nase zuhallen muß.... Wir schlagen vor, die gesamte, außerhalb von Museen noch be- merkbare Statur als Naturschutzpark zu erklären und das Betreten zu verbieten. Rip. Frei« Sossallsslsche Hochschule. Sonnabend, abend« 7'/, Ubr, fpricht Prosessor Emil Lederer- Hcidelbera im SitzunaSlaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. 8, über.llhtna in der Weltpolitit." Karten zum Preise von 50 Di. in der Buchhandlung I. H. W. Dietz, Lindenstr. 2, sowie an der Abendkasse. ver Männerchor.Flchte�VeorgwIa" gibt DonnerSiag, abends 7 Uhr, in der Alten Garnssonbrcke. Reue Friedrichllrai!«, ein Konzert, verbunden mit Beetboven-Ebrung. Mitwirkende: Das Lambinon-Ouartett und Organist Otto Priebe. Karten zu 1 M. einlchliejzlich Programm an der Kusse. Veechooen-Feiee in der Sorbonne In der Pariicr Sorbonne land«in« Feltaussührung von Werken Beethovens unier Mitwirkung von Kilnftlern der Oper und Opera Eomigue statt. Dle Orchester standen unter Leitung der Kapellmeister Vincent d'Indli. Henri Rabaud und Philippe Gaubcrt. Es kamen die Ouvertüre zu Eoriolan, die b. und S. Sinfonie und da« Leethopen-Ouartett zur Aussührung. Briefmarken mit dem Bildnis Ibsen«. Dem OSloer„Dagbladet" zukolg« bat ein Vorschlag,. auS Anlast des hundertsten Geburtstages von Henrik Ibsen, am 20. März 1928, Briefmarken mit JbseriS Bild drucken zu lassen, die freudige Zustimmung aller Behörden geiunden. Die Morien sollen in einer laichen Aussage gedruckt werden, dast jeglicher Verdacht einer Spekulation auSgejchlossen ist. Deutschnationale und flrbeitszeitnotgesetz. Die deukschaakionalen Zod«. Die deulschnalionalea Angestellten zum Arbeilszeiluot- geseh. Nachdem die deutschnationalen Industriellen der Oeffenllichkeit eine Entschließung gegen das Ar- beitszeitnotgcjetz übergeben haben, hat der R e i ch s a n g e st e l l- tenausschuß dieser Partei ebenfalls eine Entschließung gefaßt. Sie lautet: „Unter Bezugnahme auf das in Aussicht stehende Arbeitszeitnot gesetz hat der Reichsangestellten> misschuß der DNVP. folgende Entschließung gefaßt: In der Tagung des Reiche angeftelltenausschusses vom Sep tember lS26 und in der Reiche angestelltentagung vom 16. Januar 1327 find der Parteileitung die ernsten Bedenken der Aagestell- lenschasl gegen eine Fortdauer der Mißstände aus dem Gebiete der Arbeitszeit im einzelnen zum Aus druck gebracht worden. Ein hin auszögern und eine die seht un genügend geschühte Arbeltszeil- tage der Angestellten nicht voll berücksichtigende Behandlung der Frage würde nicht nur die An- gestellten, sondern auch letzten Ende» die Wirtschaft schwer schädigen. Insbesondere erfordert die Lage der Angestelljenschaft eine alsbaldige Umgestaltung des % 11 der Arbeitszeitverordnung. damit sogenannte„freiwillige" Mehrarbeit nicht mehr unter Zuhilfenahme wirtschaftlicher Pression erzwunoen werden kann. wie es jetzt von festen der Arbeit- geber in weitem Umfange ge- schieht. Notwendig ist ferner die P f l i cht zur höherbe- Zahlung der über 48 Wochen- stunden hinausgehenden Mehr- arbeit, um zu einer gesunden Konzentration der Tagesarbeit zu kommen. Der Ausschuß hegt das volle Vertrauen, daß die Parteileitung ihren ganzen Einfluß einsetzen wird, um die wohltätigen Wir- kungen eines diesen Forderungen gerecht werdenden Arbeitszeit- notgefetzes den Ange- st eilten, ihren Arbeit- aebern und der deut- schen Wirtschaft zu- kommen zu lassen. Sie Hot dieses Vertrauen um so mehr, als sie dankbar davon Kenntnis nehmen konnte, daß die Partei gelegentlich der Regie» rungsbildung ihre Zusage zur «chasfung dieses Gesetzes gegeben hat." Woher diese wunderschöne Zusammenstellung, die Geist und Gesicht der Deutschnationalen Partei so überaus treffend kennzeichnet?— Nun, sie findet sich in der Nationalliberalen Korrespondenz, dem Pressedienst der Deutschen Volks- partei. Diese kann es sich wohl leisten, ihre Koalitions- nachbarn zu höhnen. Denn sie hat als reine Unternehmerpartei es nicht nötig, auf sozialpolitische Arbeiter- forderungen Rücksicht zu nehmen. deulschaakionalen 3adn striellen zum Arbeikszeitnol gesetz. Unter Bezugnahme auf das in Aussicht stehende Arbeitszeitnot- gesetz hat der A r b e i t s a u s< fchuß D eut sch na t i o na l er Industrieller folgende Eni- schließung gefaßt:„In der Versammlung des Arbeitsausschusses Deutschnationaler In- dustrieller von Groß-Bcrlin am 11. November 1926 und in der Tagung des Reichsarbeitsaus- schusses Deutschnationaler In- dustrieller am 23. Januar 1S27 sind in der Parteilestung die ernsten Bedenken der Wirtschaft gegen eine untragbare Regelung der Arbeitszest im Arbestzeit- notgesetz im einzelnen zum Aus- druck gebracht worden. Eine übereilte und die Lage der deutschen Wirt- schaft nicht voll berück- sichtigende Lösung würde nicht nur die Wirtschaft, sondern auch letzten Endes die Arbeitneh- mer in ihren Folgen mit der gleichen Härte tref- f c n. Insbesondere hegen die Wirlschastskreise wegen der Um- gestaltung des§ 11 der Arbeits- zeitnotverordnung die schwersten Besorgnisse. Die Ausschließung erforderlicher Mehrarbeit und die finanzielle Ueberlastung durch die Forderung der Mehrbezahlung der über 48 Wochenstunden hin- ausgehenden Mehrarbeit selbst in laufenden Verträgen würde viele Betriebe zum Er- liegen bringen, die be- stehende Erwerbslosigkeit nicht vermindern, sondern oermehren und infolge der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung unserer Konkurrenz im Ausland einen Lohndruck unvermeidlich machen. Der Arbeitsausschuß hegt das volle Vertrauen, daß die Darlcileilung ihren ganzen Ein- siuß einsehen wird, um schwer- ichädigende Wirkungen von der deutschen Wirtschaft und damit von den Arbellgebern ebenso wie von den Arbeitnehmern fernzuhalten." Das Hießener ZüylS. Nachsichtige Verhandlungsführung- geschickte Regie der Beschuldigten. Verwaltungsprobleme in Preußen. Ter Etat des Innenministeriums im Landtag. Im weiteren Verlaus der Landtagssitzung nahm Genosse Bubert das Wort: Die Absicht des Ministers, die Ordnung aufrecht zu erhalten, begrüßen wir. Aber hier ist mit aller Deutlichkeit nachgewiesen, daß die Ruhestörungen von rechts ausgegangen sind. Die Suspendierung von zwei verant- wörtlichen Polizeiofjizieren aus diesem Anlaß gibt uns die Hoffnung, daß noch weiter durchgegriffen wird, den» leider gibt es noch mehr reaktionäre Offiziere bei der Polizei.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokroten.) Bei dieser Gelegenheit danken meine politischen Freunde vor ollem dem Manne, der sechs Jahr« als Amtsvorgänger des jetzigen Ministers �diesen schwierigsten aller Posten verwastet hat: unserem Kollegen Seoering!(Lebhastez Bravo! bei den Sozialdemo. kraten.) Die Hoffnung, ihn durch Verleumdung zu erledigen, ist zu Schanden geworden, und die Republik, an deren Bestand er so her- vorragenden Anteil hat, wird sein, solange sich die deutsch« Arbeiter- schaft mit ihm zu ihr bekennen wird.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokroten.) Di« vemokralisierung der Verwaltung ichrritet zu langsam vorwärts. Das Berufebeamteutum muß sich innerlich aus den Bolksstaat einstellen. Die Auffassung der Rechts- patteien, daß der Beamte nur den Staat und nicht die Stoatsform zu bejahen braucht, ist unerträglich. Wenn ich anerkenne, daß die Ilnterbeamten der Zentralstellen gut republikanisch eingestellt sind, kann ich dasselbe von den Beamten in der Provinz leider nicht sagen. Hier wird die Aufgabe des Ministers sein, für g run d- legende Aenderung zu sorgen. Die freie Meinungsäußerung der Beamten findet ihre Grenze, die durch Amt und Takt gezogen ist. Sie darf nicht in Schimpsfreiheit ausarten. Es ist eine Tatsach«, daß s-hr viele Beamte dem Stahlhelm angehören, in dem Herr Ehrhardt jetzt eine maßgebende Rolle spielt. Diese Organi- iation hetzt nicht nur gegen dos Reichsbanner, sondern auch gegen die Reichsregierung. Besonders Stresemann wird von führenden Leuten dauernd als Landesverräter beschimpft.(Hört, hört! links.) Wir fordern deshalb für die Personalpolitck mehr Beachtung als bisher. Bor ollem muß bei Auswahl des Nachwuchses vorsichtig verfahren werden. Durchaus unklar sind die Derhältnisse in den Kommunal- Verwaltungen, die vielsach sehr zu unrecht aus parteipolitischer Gehässigkest, namentlich wenn es gegen Sozialdemokraten geht. wegen ihrer Fiironzwirtschast angegriffen werden. Das Ministerium muß daraus dringen, daß der künsNge Finanzausgleich den Gemeinden mehr als bisher bringt. Die jetzt bestehende Unsicherheit in dieser Frage schafft bei den Kam- munaloerwoltungen nur Verwirrung. Die Tntsache, daß es jetzt in VreuKen mehr als eine Million Polizeiverordnungen gibt, weist darauf hin. daß die öiseutlich-rechlliche Gesetzgebung viel zu schwer- sällig ist. Hier hat die Reform der Verwaltung und der Behörden- vrganisatwn eine dankbare Aufgabe.(Beifall bei den Sozial- deinokraten.) Gießen, 23. März.(Eigener Drahtbericht.') In dem Gieße n e r Fememordprozeß, der geeignet wäre. System, Or- ganisation und Geldgeber der Feme zu enthüllen, ist bisher ein großer Aufwand nutzlos vertan worden. Da ist ein väterlich milder Vorsitzender, der alles glaubt, was man ihm erzählt. Da ist ein alter, fast rm Ruhestand lebender Staatsanwalt, der sich beinahe entschuldigt, daß er da ist und den die Angeklagten mit herausforderndem und beleidigendem Tone antworten, wenn er sich erlaubt,«ine belanglose Frage zu stellen. Da ist eine im Hintergrunde unsichtbare, aber desto besser wirkende Regie, da ist der von den Mitangeklagten und Zeugen so hochgeschätzte Heinz, der große Patriot und Organisator: er ist frei und kann ungehindert mit seinen Untergebenen, die als Zeugen auftreten, verhandeln. Kein Wunder, wenn der am Mittwoch als Zeuge austretende Oberleutnant o. D. Wagcner, an dem der zur Perhand- lung stehende Mordversuch begangen wurde, vollkommen für den Staatsanwalt o« r s a g t. Wagener nimmt seine belastenden Aus- sogen aus der Voruntersuchung stellenweise zurück. Er kann sich aus nichts Genaues besinnen, erzählt nur, daß er am Tage des Attentats nach Bad Nauheim gelockt, in Weinlokalen von den Rathenau-Mördern Kern und den Angeklagten v. Salo. man und Schwing mit Sekt und Wein freigehalten worden ist, dann habe man ihn zu einem Bordell eingeladen. Unterwegs sei er dann bei einem Teiche von den Begleitern überfallen, halbtot geschlagen und in den Teich geworfen worden, nachdem man ihm seine Brieftasche mit 3000 M. ge. raubt und seine Kleider mit einem schweren Stein b e- schwert habe. Als er wieder aufgetaucht sei, habe man noch dreimal nach ihm geschossen. Im übrigen weiß der Ueberfallene nicht, wer ihn angepackt, wer ihn in den Teich geworfen und wer auf ihn geschossen hat. Aus feinen Aussagen ist lediglich die Tat- fache interessant, daß er für die Befreiung D i t t m o rs 3500 SN. erhalten hat, aber nicht die versprochene Anstellung, daß er sich benachteiligt gefühlt und Briefe geschrieben hat, in denen er halbversteckte Drohungen mit der Polizei machte. Daß Wagener französischer Spion gewesen sein soll, wird heute von keiner Seite mehr behauptet. In der Reihe der Zeugen erscheint dann ein Oberst v. N v st i z aus Frankfurt a. M., der sich als Mitglied und Ehrenmitglied»an 18 nationalen Verbänden bezeichnet und der seit 1919 400 politisch« Reden gehalten haben will. Don Nostitz hat Wagcner nach dessen Entlassung aus dem Krankenhaus in Frankfurt a. M. unterstützt und außerdem den Briefträger gespielt zwischen Tillessen und Wagener. Daß sich auch Wagcner und Kern nach dem Attentat wieder getroffen haben, wirst nicht nur ein Licht auf Wageners völlig belanglos« Aussagen, sondern auf die ganzen Zustände mner- halb der nationalen Organisationen. Ein Zeuge v. Neindorf marschiert auf, er bezeichnet sich als Mithelfer bei der Dittmar- Befreiung und weiß sonst von nichts. Ein wenig lebhafter wird es bei der Vernehmung des Zeugen Syndikus Dr. Klotz aus Frankfurt a. M., der dort einer der Hauptorganisotoren der nationalen Verbände ist. Während di« Verteidigung es bisher immer so hingestellt hat, als hätte es keine Feme bei den nationalen Perbänden gegeben, erklärt dieser Dr. Klotz, der es wissen muß. daß auch nach seiner Ansicht die verröter den verdienten Lohn empfangen müßten. Deshalb hat er auch keine Bedenken gehabt, daß der Attentäter Schwing in der Organisation nationolgcsinnter Soldaten verbleiben könne, als dieser ihn nach dem Attentat deshalb sragte. Klotz ist der dritte Zeuge, der am Mittwoch vor Gericht behauptet, daß er von dem Abfasser des Untersuchungsprotokolls falsch verstan- den worden sei. Darin sagte er u. a.: Schwing hätte ihm er- zählt, er hätte von Heinz Austrag erholten, in Bad Nauheim einen Offizier zu beseitigen, der Verräter an der guten Sache sei: auf diese Aussage kann sich Klotz nicht mehr besinnen und es könne unmöglich wahr fein, daß er damals etwas derartiges behauptet habe. Das Wort: Auftrog von damals wäre höchstens mit dein Wort„Prügel" zu verstehen. Im übrigen schlägt auch Klotz di« Taktik der Angeklagten sowohl wie der vorhergehenden Zeugen ein, indem er den toten Kern als treibende Kraft der Organisatlon bezeichnet hat. Heinz, der sich selbst als den großen Organisator bekannt hott« und der auch dementsprechend von den Angeklagten und Zeugen bisher so charakterisiert wurde, soll jetzt nach der Aus- sage des Dr. Klotz völlig im Bann« des Korn gestanden haben, so daß er als Auftraggeber an dem Attentat gar nicht in Frage kommen könne. Damit schloß der zweite Derhandlungstag, dem noch ein Lokal- termin in Bad Nauheim folgte. Abg. Dr. Schmedding(Z.): Das Bestreben des Ministers, Ord- nung zu schaff«», billigen wir ebenso wie seine Grundsätze in der Vcrwaltungspolitik. Höhere Berwaltungsbeamte dürften nur Leute werden, die den neuen Staat auch innerlich freudig bejahen. Abg. Baecker(Dnat.): Wir sind der Auffassung, daß «in Beamter zur Verfassung stehen und den Staat nötigenfalls verteidigen muß.(Zuruf bei den Sozial- demokraken: Also Republikaner sein muß!) Da« habe ich nicht gemeint.(Heiterkeit und hört, hört! links.) Herrn Seoering wünschen auch wir zu seiner Wiederherstellung und zur Wieder- aufnähme seiner parlamentarischen Arbeiten Glück. Möge er dieser Arbeit nicht wieder durch ein hohes Staatsamt entzogen werden! Die Personalpolitik des Innenministeriums ist unerträglich. Wir mißbilligen die Stellungnahm« des Ministerpräsidenten Braun gegen die Reichswehr. Das Reich treibt eine zusammenfassend«, Preußen«ine trennende Politik. Wir wünschen den Zusammen- schluß aller zusammonsassenden Element« in Preußen, um die Syn- these zwischen Preußen und dem Reiche herzustellen. Abg. Dr. o. Richter(D. Bp.) bezeichnet die Demokratisierung der Verwaltung als ein Schlagwort. Di« freie Meinungsäußerung sei den Beamten durch die Persassung gewährleistet. Er polemisiert gegen die Entlassung des Staatssekretärs Meister, die sicher ihren Grund in Unstimmigketten zwischen dem jetzigen Minister und diesem Beamten habe. Hierauf wird die Debatte abgebrochen und die Fortsetzung auf Donnerstag, mtttags 12 Uhr, vertagt. In ihr wird auch Genosse Seoering zu Worte kommen. Der Niesenftreik in Schanghai. 160 000 Arbeiter im Ausstand. London, 2Z. März.(Eigener Drahtbericht). Am ZNttkwoch abend war die Lage in Schanghai nach den hier vorliegenden Titel- düngen verhältnismäßig ruhig. Die regulären Truppen der Kontonarmee, von denen sich etwa 20 000 wann in der Stadt besindea, haben Ruhe uud Ordnung in der Elngcborenenstadt her- gestellt. Di« verstreuten Truppenkontingente der Rordarmee haben sich nunmehr entweder ergeben oder nach llebergabc ihrer Waffen die Erlaubnis erhalten, da» Gebiet der internationalen Siedlungen zu betreteu. von hier au» werden sie nach MSglichkeit abgeschoben. Aus diese weise wurden am Mittwoch Z000 Mann Schantuogsoldaten aus dem Wasserwege wieder in ihre Heimal zurückversandl. Lediglich im Nordwesten Schanghai» kam e» zu ernsten Zwischenfällen, al» eine chinesische Menge den Eintritt in die Konzession erzwingen wollte. Sie wurde von britischer Garde und Amerikanern, welche das Durhamregiment abgelöst haben, mit Gewehrkolben zurückgehalten. Bei dem ganzen Vorfall siel kein einziger Schuß. Der Kommandeur von Schanghai. General pai. hat eine Proklamation erlasien. in welcher er«Närt. daß Schanghai uichl nur der Mitlelpuukl de» ganzen Handels im fernen Osten, sondern auch eine starke Grundlage für die welk- revolnliou bilde. Da» Volk müsse jedoch, fügt er hinzu, zwischen dem Kamps« gegen den Imperialismus und Angriffen gegen einzelne Aosläoder unterscheiden und dürfe Ausländer weder beschimpfen noch ausländische» Eigentum verletzen. Der General hat die Beendigung des Generalstreik» an- geordnet, aber von den Arbeitern die Antwort erhalten, sie künulen solche Weisungen nur von ihren eigenen Führern eut- gegennchmen. Die Kantonarmee ist nur noch wenige Milometer von Nanking entfernt. Der Fall Nanking», der schon ver- schieden« Male voreilig gemeldet wurde, stehk unmittelbar bevor. Für die Weltrevolution— gegen den Rabikulismus. Schanghai, 23. Mörz.(Reuter.) Der britische und der fran» zösische Generalkonsul in Schanghai haben heut« vormittag mtt dem Führer der Kantontruppen, Pattschingshi, Berbindung ausgenommen. Er versicherte, daß es seine Absicht sei. die Ordnung aufrechtzu- erhallen. Er hat eine öffentliche Erklärung erlassen, in der er sich gegen di« ausländischen Imperialisten wendet und erklärt. Schanghai werde nicht bloß ein fester Stützpunkt de« chinesischen Ratio- nalismus, sondern auch' der Weltrevolutlon werden. Im weiteren Verlauf der Erklärung heißt es sedoch, das Dolk müsse zwischen dem angriffslustigen Imperialismus und einfachen Fremden einen Unterschied machen. Es dürfe di« Fremden weder beleidigen noch ihr Eigentum zerstören. Weiterhin dringt Paitschingshi auf Schasfunz einer Schiedsinstanz zur Abwendung von Streiks und wendet sich gegen die unmäßigen Forderungen der Gewerkschaften, die zu einer vollständigen Schließung der Fabriken führen müßten. Genfer Nüftungskämpfe. Frankreich fordert intcrnatronale Kontrolle, Englauii lehnt sie ab. Genf, 23. März.(TU.) Die Nochmittagssitzung der Vor- bereitenden Abrüstungskonferenz setzte die allgemeine Debatte über die grundsätzlichen Abrüstungsfragen fort. Dabei bemerkt« der ru- in ä n i s ch e Delegierte, daß sowohl der englische wie der französische Abrüstungsentwurf der besonderen Loge der Nachbarstaaten Sowjet- rußlands nicht gerecht werden würde. Paul Voncour begründete den gestern veröffentlichten französischen Konventionsentwurf, der besondere Bedeutung dadurch habe, daß er endlich international«� Sicherheitsgarantien schaife. Nach seiner Ansicht könnten die ak« tiven Militärbe stände allein unter die Abrüstung fallen. da nur sie kontrollierbar seien. Das sei für di« Kriegestreitkrästs unmöglich. Besonders bemerkenswert waren Paul Bcncours Aus- fiihrungen darin, daß er den bisher von Frankreich vertretenen Begriff des potentiel äe xuorrre fallen ließ. Die Reservisten seien dem potentiel de guerrre zuzurechnen und müßten daher außer- halb der Abrüstung stehen. Das von Frankreich gewünscht« international« Kontrollorgan, der Hauptgrundsatz der künf- tigen Abrüstungskonvcntwn, müsse den Bölkerbundsrat stets über jede militärische Bewegung in einem Staate unterrichten. Der Rat müsse dann von sich aus jede Truppenvermehrung wieder auf den normalen Stand zurückzubringen wissen. In diesem Kontrollorgan der ständigen Abrüstungskommission könnten auch Vertreter Amerikas sitzen, trotzdem die Bereinigten Staaten nicht Mitglied des Völkerbundes seien. Die in dem französischen Entwurf vor- gesehene freiwillige Form der Kontrolle durch die ständige Ab- rüstungskommission sei grundsätzlich anders zu bewerten, als die Kontrolle des Siegers über den Besiegten. Nur handele es sich um ein« Kontrollform gegenseitiger Natur. Paul Boncour be- tonte zum Schluß, daß seine Delegation unter keinen Umständen auf den Gedanken einer internationalen Kontrolle verzichten könne. In unterrichteten Kreisen ist man der Ansicht, daß der englische und der französische Konvcntionsentwurf im gegenwärtigen Zustand so grundsätzlich« Verschiedenheiten aufweisen, die«ine Einigung als wenig wahrscheinlich erscheinen lasten. Die von Frank- reich verlangte internauonale Kontrolle wird von Amerika, England und Italien kategorisch abgelehnt. Neues Kesseltreiben gegen Vanüervelüe. Brüssel, 23. März.(MTB.) Bei der Beratung des Budget« des Ministeriums des Aeußeren wies der Berichterstatter auf di« Art und Weise hin, wie Deutschland die Entwaffnung auf« fasse, und erwähnte insbesondere die umfangreiche Herstellung von Flugzeugen, die, wie er behauptete, angeblich Handelszwecken dienten, die jedoch rasch auf Kriegszwecke umgestellt wer- den könnten. Minister des Aeußeren Dandervelde erklärte, wenn Deutschland die Bestimmungen des Dersailler Vertrages hinsichtlich der Herstellung von Flugzeugen und chemischen Produkten nicht einhielte, so würde dies ein« wirkliche Gefahr bedeuten. Der Minister äußerte, er stimm« mtt dem Budgctberichterstatter hin- sichtlich der Tatsachen überein, habe aber eine andere Auffassung über die Folgerungen, die man daraus ziehen müsse. Man müsse«ine Politik der Bersöhnung und der Beruhigung betreiben, um eine Wiederkehr des Krieges zu verhindern. Die Entscheidung über die Auslösung des mecklenburgischen Landlage« ist aus die kommende Woche vertagt. Einer Heber» gangsregelung. die nach Abt-Hnung des H'aushalls die Führung der Staatsgeschäste gewährleistet, hat die Sozialdemokratie zugestimmt. ver ehemalige estnische woskaugesaudle Birk, der abberufen, aber nicht heimgekehrt, sondern zu Moskau übergegangen war. ist jetzt nach Reval zurückgekehrt. Er wird angeklagt der Peröffentlichung geheimer Nachrichten, wodurch die Sicherheit des Staates und seines Heeres bedroht wird, offener Widersetzlichkeit im Amt, Verbreitung falscher Nachrichten in amtlicher Stellung. Es droht Birk eine Züchthaus st rase von 6—8 Iahreu. Das MrbettsMnotgeseH. Der Regierungsentwurf beim Reichsrat. VTV. meldet: Das Reichstablnetl beriet gestern erneut die Frage de» Notgesehe» über die Regelung der Arbeitszeit. Es erklärte sich einstimmig mit den vou den Regierungsparteien in der Ursprung- llchea Vorlage vorgenommenen Zlenderuugen einverstanden, die eine Ergänzung im Sinne der Reichsregierung darstellen, und verfügte dl« sofortige Weiterleitung der Beschlüsse an den Reichsrat. Das Stillschweigen, das über die Einzelheiten der Ab- änderungen des Regierungsentwurfs bewahrt werden sollte, war wie üblich nicht von langer Dauer. Bereits im gestrigen Abend- blatt gaben wir von den zu verschweigenden Einzelheiten Kenntnis, die die„Tägliche Rundschau" gestern früh gebracht hat. Besser informiert scheint„Der Deutsche" zu sein, der über die Abände- rungen folgendes berichtet: „Der neu« Entwurf sieht dem Vernehmen nach im Kern wie folgt aus: Dem§ 6 wird wahrscheinlich ein neuer Ms. Z zugefügt: War die Arbeitszeit tarifvertraglich geregelt und ist der Tarifvertrag seit nicht mehr als drei Monaten abgelaufen, so dürfen die in Abs. 1 bezeichneten Behörden nicht längere Arbeitszeiten zulassen, als nach dem Tarifvertrag zulässig gewesen wäre. Der bisherige Abs. 3 des Z 6 wird Abs. 4. Hinter dem§ 6 wird ein neuer§ 6a eingeschaltet. Er sagt u. a.: Wird Mehrarbeitet geleistet, so haben die Arbeitnehmer(mit Ausnahm« der Lehrlinge) Airspruch auf eine angemessene Ver- gistung über den Lohn für die regelmäßige Arbeitszeit hinaus. Als angemesten« Vergütung gilt«in Zuschlag von 25 Prozent, sofern die Beteiligten eine ander« Regelung nicht vereinbaren. Im Streitfalle entscheidet bindend der Schlichter. War die Mehrarbeit am 1. April schon tarifvertraglich verein- bart oder behördlich zugelassen, so gellen die Borschristen der Abs. 1 und 2 erst nach Ablauf des Tarifvertrages oder der Genehmigung. Spätestens jedoch vom l. Juli 1927 ab. § 9 Abs. 1 soll folgende Fassung erhalten: Di» Arbeitszeit darf bei Anwendung der in den ZZ Z bis 7 bezeichneten Ausnahm« 10 Stunden täglich nicht überfchreilen: sine Ueberschreiwng ist nur in Ausnahmefällen, aus dringenden Gründen des Gemeinwohls mll befristeter Genehmigung zulässig. und wenn es stch um Vorbereitungs- und Ergänzungsarbellen handell, bei denen eine Vertretung des Arbeitnehmers durch andere Arbellnehmer des Betriebes nicht möglich ist und die Heran- ziehung betrlebssremder Arbellnehmer dem Arbeitgeber nicht zu- gemutet werden kann. Was als Dorbereitungs- und Ergänzungs- arbeit anzusehen ist. bestimmt der Reichsarbellsminister. Nack) Anhörung der wirtfchafllichen Vereinigungen der Arbellgeber und Arbeitnehmer. 8 10 besagt folgendes: Die nach dieser Berordnung stch ergeben- den Beschränkungen der Arbellszeit finden keine Anwendung bei Arbeiten in Notfällen und in anderen außerordentlichen Fällen, die un- abhängig vom Willen der Beteiligten eintreten und nicht auf andere Weife zu beseitigen sind, besonders wenn Rohstoffs oder Lebensmittel zu verderben drohen oder wenn ein Arbeitererzeugnis zu mißlingen droht. Das gleiche gill, wenn eine geringe Anzahl von Arbellnehmer» an einzelnen Tagen mll Arbellen beschäftigt wird, deren Nicht» erledigung das Ergebnis der Arbeit gefährden oder einen unverhält- nismäßig großen wirtschaftlichen Schaden zur Folge haben würde, und wenn den Arbeitgebern andere Vorkehrungen nicht zugemutet werden können. Ms. 3 des ß 11 und§ 12 fallen weg." Das Blall bemerkt hierzu: .Leute nachmittag gegen 3 Uhr findet eine weitere inter- fraktionelle Besprechung stall, in der noch weitere Eni- schlleßungen gefaßt werden. Deshalb darf das Dorstehende nicht als feststehend angesehen werden." Offenbar soll auch über diese weiteren Entschließungen Still- schweigen bewahrt werden— bis die Rechtspresse heute morgen darüber berichten kann. Der Nuhrbergbauschieüsspruch verbindlich! Achtstundentag— unter der Erde. Der am 18. März gefällte Schiedsspruch zur Beilegung des Tarifkonflikts im Ruhrbergbau ist durch das Reichsarbeits- Ministerium für verbindlich erklärt worden. Schlichter und Ministerium haben es also nicht über sich ge- bracht, die vom Reichsarbeitsminister für die Arbeitszellfrage selbst empfohlene Politik auf weit« Sicht zu treiben. Kurzsichtig starren sie auf den augenblicklich zwischen dem deutschen und eng- lischen Kohlenbergbau bestehenden Konkurrenz- kämpf. Dabei ist schon jetzt deutlich zu erkennen, daß die steigen- den Arbeitslosenzissern im englischen Bergbau allmählich auch der englischen Oeffentlichkeit auf die Nerven gehen müssen. Infolge der verlängerten Arbellszell ist die Produktion in den englischen Gruben pro Kopf wohl gestiegen, dafür aber sind 100 000 Berleut« weniger beschäftigt als im April 1926. Ins- gesamt suchen 200000 Bergleute Arbeit. Man rechnet im englischen Bergbau mll einer dauernden Arbeitslosen- zisfer von über 100 000 Mann: das bedeutet, daß die All- gemeinheit eine schwere Last zu tragen hat, damit die englischen Grubenunternehmer höhere Gewinne machen können. Die Arbeitszeitverkürzung im Ruhrkohlen- b« r g b a u» vor allem die Sicherung der 7-Stunden- Schicht unter Tage, zu der sich weder Schlichter noch Reichsarbeitsmini st er ausraffen konnten, kommt doch: denn in der Arbeitszeitfrage ist die Zeit der große Alliierte der Arbellerschaft. Der Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit im Ruhrbergbau geht weiter: er wird um so eher mit Erfolg durchgeführt werden können, je stärker sich die Bergarbeiter um ihre Organisation scharen. Verkehrsministerium gegen fichtstunüentag. Eine Erwiderung und eine Bestätigung. Auf die konkreten Angaben, die in der Erwiderung auf die Berichtigung des Reichsverkehrsministeriums enthalten waren, er- klärt dieses, daß die Behauptung, daß in seinen Betrieben, z. B. bei der Reichswasierstraßenverwaltung, regelmäßig 12 bis 14 Stun- den gearbellet werde, sei unwahr. Der auch die Behörden bin- dende Tarifvertrag mll der Reichswasierstraßenverwaltung bestimme den Achtstundentag und lasse nur in dringenden Fällen Auenahmen zu. Im Sommer, wo der Wasierstand niedriger und der Tag länger ist, werden»—10 Stunden in der Regel ge- arbeitet, im Winter weniger, lieber den Zehnstunden- ta g(!) der Arbeitszeitverordnung(!) werde nur in ganz dringenden Fällen wie Unglücksfall, Hochwasser und dergleichen hinausgegangen. Schon im Dezenwer habe der Reichsverkehr»- minister den ihm unterstellten Behörden Befolgung der Richtlinien des Reichsarbeitsministeriums vorgeschrieben. Man achte auch dai> auf, daß bei den beteiligten Unternehmen, nicht übermäßig viel Ueberstunden gemacht werden. Eine dahingehende Beschwerde J gegen die Firma L e i m a n n sei durch den Gewcrbeinspektor ab- gestellt worden. « Bei der Lektüre dieser Erklärung des Reichsverkehrsministeriums hat man das Gefühl, daß der Reichsverkehrsminister die nach- geordneten Stellen, gegen die er sich nicht durchzusetzen vermag, preisgibt. In dieser Erklärung wird zugestanden, daß der tariflich vereinbarte Achtstundentag auch die Behörden bindet. Aber wie wird mit diesem Achtstundentag umgesprungen? Im Sommer werde in der Regel neun und zehn Stun- den gearbeitet. In der Regel! In Ausnahmefällen wird der Z e h n st un d e n t a g der Arbeitszeitoerordnung— wir glaubten bisher, die Arbeitszeitverordnung sehe als normale Höchstarbeitszeit den. A ch t-st u n d e n t a g vor— auch überschritten. Im übrigen achte man darauf, daß bei den beteiligten Unternehmern nicht übermäßig viel Ueberstunden(über den Zehnstundentag hinaus?) gemacht werden Was übermäßig viel ist. darüber scheint man im Reichsverkehrsministerium besondere Ansichten zu haben. Herr Koch, der gegenwärtige Reichsverkehrsminister, ist zwar ein Deutschnationaler, aber immerhin doch auch ein christlicher Ge- werksä>aftsoertreter. Wir empfehlen ihm, einmal in seinem Mini- sterium nach dem rechten zu sehen. Da scheinen allerlei A u f r ä u- mungsarbeiten notwendig zu sein. Und wir gestehen ihm von vornherein das Recht zu, sich auf einen dringenden Notstand zu berufen und Ueberstunden machen zu können. Zum Tarifkampf üer graphisthen Hilfsarbeiter. Am gestrigen Mittwoch tagte wiederum eine überfüllte Ber- sammlung der Berliner graphischen Hilfsarbeiter, um zur Lage im graphischen Gewerbe Stellung zu nehmen. G l o t h berichtete über das Ergebnis der bisher gepflogenen Verhandlungen, deren Endergebnis durch die beantragte Verbindlichkeitserklärung des am 12. März für die Buchdruckereihilfsarbeiterschast gefällten Schiedsspruchs noch aussteht. Nach einer regen Diskussion, in welcher von allen«eiten der erfolgte Schiedsspruch als nicht befriedigend erklärt wurde, erfolgte einstimmig die An- nähme folgender Entschließung: „Die am 23. März in Kliems Festsälen überaus zahlreich ver- sammellen Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen der Berliner Buch- druckereien nehmen den Bericht über die seit dem 8. März dauernden Tarifverhandlungen entgegen und sind über den Schiedsspruch des Zentralschlichtungsausschusjes außerordentlich enttäuscht, da derselbe in keiner Weise den berechtigten Forderungen des Hilfspersonals Rechnung trägt, sondern verschiedentlich« Verschlechterungen des bis- herigen Tarifes herbeiführt. Nachdem die Buchdruckunternehmer diesen Schieds- s p r u ch abgelehnt haben und ein« Verbindltchkeitserklärung bisher nicht erfolgt ist, erwarten die Versammelten vom Haupt- vorstand und der Tarifkommission alle vorbereitenden /UliUing, SPD.- Holzarbeiter! Am Freitag, dem 25. März, abend» 7 Uhr, Im Berliner Clubhau», Ohmslr. 2 iNahe Rungestr.), wichtige Versammlung aller SPO-Se- nassen. E» ist Pflicht aller Parteigenassen ,u ericheinen, paitei- auswei» mitbringen. Der WerbeausschuSI Maßnahmen zur Aufnahme des Kampfes für unsere aufgestellten Forderungen am 1. April. Der Gauvorstand Berlin wird beaustragt, die für Berlin vorzunchmeniien Kampfmaßnahmen am Mittwoch, dem 30. März einer allgemeinen Funktionär- oder Mitgliederversamm- lung zu unterbreiten. Alle Mitglieder haben deren Beschlüsie un- bedingt zu befolgen."_ Gescheiterte Tarifverhanülungen. In der sächsischen Metallindustrie. Die Tarifverhandlungen in der sächsischen Metallindustrie sind gescheitert. Bezüglich der Arbeitszeit soll der unhaltbar« Zustand bestehen bleiben, daß zwar die 48-Stundenwoche festgelegt wird, die Arbeitgeber aber das Recht haben fallen, während der ganzen Vertragsdauer eine längere betriebliche Ar- beitszeit«inzuführen, ohne daß die Betriebsvertretujrg'hre Zu- stimmung zu geben braucht. Die Arbeiter müssen aber darauf bestehen, daß die reine betriebliche Arbeitszeit von wöchentlich 48 Stunden in die Erscheinung tritt und alle Arbeitszeit über die tägliche Arbeitszeit hinaus als U e b e r- stundenarbeit gekennzeichnet wird, die nur unter be- stimmten Voraussetzungen beansprucht werden kann, und für deren Leistung ein besonderer Zuschlag bezahlt werden muß. Abgelehnt wurde von Arbeitgeverseit«, für die Akkord- arbeit er in der Akkordbestimmung Sicherungen gegen willkürliche Akkordreduktionen zu schaffen. Ferien sollen wie früher sechs Tag« gegeben werden, doch will man keine genügende Bezahlung bewilligen. Di« Verhandlungs- kommission der Arbeitgeber erklärte ein weiteres Berhandeln für zwecklos. Daraufhin zogen die Parteien ihre Einigungsvorschläge zurück. Die Lohnverhandlungen finden morgen, Freitag. statt. Am gleichen Tage soll auch eine Einigung darüber er- zielt werden, vor welcher Instanz die Verhandlungen weitergehen werden. Man wird sich jedenfalls auf ein Schiedsgericht einigen. Bei der bisherigen Haltung der Arbeitgeber ist zu befürchten, daß die Tarifbewegung der sächsischen Metallarbeiter zu den ernstesten Differenzen führen wird. Verhandlungen bei der Marinewerft Wilhelmshaven. Wilhelmshaven. 23. März.(MTB.) Die gestern abend zwischen den Gewerkschaftsorganisationen und Vertretern der Marineleitung Berlin im Arbeitsamt der Marinewerft Wilhelmshaven geführten Verhandlungen über die Forderungen der Werftarbeiter auf Einführung der Acht st undenarbeits zeit und Lohnerhöhung sind ergebnislos geblieben. Im Ein- Verständnis beider Parteien soll das Reich-arbeitsministerium angerufen werden zur Einsetzung eines Sonder- schlichtungsau sschusses. Einigung in der Remscheider Metallindustrie. Barmen. 23. März.(WTB.) Im Rahmentarifftreit in der Remscheider Metallindustrie«inigten sich die Parteien vor deni staatlichen Schlichtungsausschuß. Der Arbeitgeberverband nahm alle ausgesprochenen Kündigungen zurück. Streik in der Stuttgarter Korsettindustrie. In der Stuttgarter Korsettindustrie kam es zum Streik, Die Stuttgarter Korsektfabrikanten lehnten einen«chiedsspruch des Schlichtungsausschusses ab, durch den die im Vorjahre erfolgte Lohn- kürzung um 5 Prozent wieder ausgeglichen werden sollte. Eine Firma'nahm sogar einige ne u e L o h n k ü rz u n g e n vor. Dig. Verhandlungen verliefen bisher resullatlos. Zuzug ist fern- zuhalten._ Die Fricdeusbediugungcn in Lodz. Warschau, 23. März.(Eigener Drahtbericht.) Die Vertreter der T e x t i l ar b ei t e r und der Industriellen haben ihren Stand- punkt bezüglich einer endgültigen Liquidierung des Streiks durch das von der Regierung vorgeschlagene Schiedsgericht schriftlich formuliert und der Regierung am Dienstag überreicht. Der Schiedsspruch muß bis zur nächsten Lohnzahlung, die noch vor Ende des Monats erfolgt, gefällt fein. Streik bei einer japanischen Reederei. Paris, 23. März.(WTB.) Wie die Agentur Jndopacifique aus Tokio berichtet, ist das Personal einer japanischen Schiftahrtsgesell- schast in den Streik getreten, nachdem die Leitung der Gesellschaft eine vorgebrachte Forderung abgelehnt hatte. 200 Matrosen sind in Aakohama und 100 in Kode an Land gegangen. Die Bewegung dehnt sich aus die übrigen Häfen aus. Acht»»». SPD.-Baii.»»».»«ldlchrail!schl»ll«: Am Freitag, � 25. Marz, rz: Uhr. im Lokal Schulz, Stallschreiberstr. 39, wichtige Ver. sammlung aller Parteigenossen. Jeder muß crscheinrn. �er grattiooooorstaod. D Verband der Särtner und chärtaereiarbritrr, Gruppe Landschastrgartnerei. Slenavahaen. Morgen. Freitag,« lllir, Andreas-Fcsssiile,«lndreasstr. Zi, wichtige Gruppcnocrsammlung. Bericht der Lodnkommiisson Uber die mit dem Unternchmerverband gefübrte Tarifocrliandlung. Freie Sewerkschaftrsugend. Heute.?onnerotag, T~ Uhr, tagen die Gruppen.- Schöncbcrq: Jugendheim Hauptstr. 15. Märzkämpfe.— Köpenick: ibruppc». heim Jugendheim GrUnaucr Str. 5._3Bir lesen aus Hans Paasch«:»Die Briese des Negers Lu' Sruppcnheim Leseabend.— MWWW — Tempelhos: Gruppen heim Lnzeum Germaniastr. 4�-6. Singsang.— Südosten: Sruppenheim Reichenberger Str. 66 iFeuerwehrhaus). Reichstage. Gruppenheim Gotendurger Str. 2(Rote Schule). Hosemann kommt.— Nord- ring: Mädchcnabend. Verantwortlich sür Politik: Virtor Schiff: Wirtschaft:®. Rlingelböse«; Gewerkschastsbcwegu»�: Fr.«chlor»: Feiiillcion: Dr. John Schikowsti: Lokales: und Sonstiges: Fritz Horstedt: Anzeigen: Jh. Glocke: sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts-Berlag S. m. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerel und Verlagsanstalt Paul Singer u Co.. Berlin EW 66, Lindcnsteaßc 3. Hierzu 3 Beilage» und.Unterhaltung»nd wisse»'. TAST" WAOEX- REIFEN fTt. 140 ♦ 44.�ahrgang ?. Seilage ües vorwärts donnerstag, 24. März 1427 Ein Winter, der keiner roor, eine reichliche Durchfeuchtung des Bodens—.warum sollte man nicht hoffen, daß diesmal ein schönes Frühjahr uns beschieden sei, daß der übliche Osterspaziergang im mitten grüner Büsche und blühender Blumen sich vollziehen werde. Freilich kann man nur prophezeien„ohne Garantie'— gerade das Wetter ist noch immer nicht den Reagenzgläsern und Retorten der Menschheit dienstbar gemacht. Alles hängt von der Kraft der Sonnenstrahlen ab und die Sonn« hat uns wahrlich in den ver- floffenen Monaten nicht verwöhnt, erst die letzten Tage sind sonnen- durchflutet. VräagenSe Arbeit. Im März beginnt das„Hegen und Pflegen' des Landes. Wer sein Aeckerchen auch schon in den Wintermonaten in Ordnung ge- bracht hat, wird doch noch mehr Arbeit vorfinden, als er sich vor. stellt. Namentlich das niedrig gelegene Laad wird diesmal Sorge machen. Um es zu lockern, ist rigolen ein gutes Mittet, aber der Wasserstand war im Herbst und Winter sehr hoch� und leicht tritt auch jetzt noch beim ersten Spatenstich Wasser zutage. Die Arbeit, die man auf den Frühling verschieben mußte, ist auch jetzt nicht möglich. Wer nun über einen genüge, rd großen Komposthausen ver- fügt, tut gut, auf das feuchte Land neuen Boden aufzubringen, der nur flach untergegraben zu werden braucht. Gerade sür das schwere Gemüse, Kohl, ist ein feuchter Untergrund nützlich, und die Zungen Pflanzen finden in der ausgeruhten Komposterde einen vorzüglichen Nährboden für kräftiges Wachstum. Wer den Kompost. Haufen au» Jauche. Stallmist und Abort, auch mit Ruß und Asch« zusammensetzen kann, ihn ein- oder zweimal umsetzt, hat in dieser mistarmen Zeit ein schönes Kapital erspart— rechnet man doch den Wert einer Abortgrube auf jährlich Sl) M. pro Person. Der er- schreckende Rückgang de» pserdematerials in Berlin wird die Dünger- frage zum wichtigstcn Diskufsionsgegenstand der nächsten Zahre machen. Bielleicht auch eine Abkehr von den heute üblichen Moden der Beseitigung der Ausscheidungen von Mensch und Tier her- vorrusen. Der am Orte seiner landwirtschaftlichen Betätigung wohnend« Siedler hat dem bloßen Laubenkolonisten gegenüber den Borteil, den Komposthaufen nach Wunsch behandeln zu können. Daß Kunstdünger, so großartig er wirkt, dem Boden hinsichtlich seiner Beschaffenheit nichts gibt, ist nun wohl schon Erkenntnis weitester Kreise geworden: nur der Naturdünger schließt den Boden auf und macht ihn dauernd ertragsfähig. Trotz aller Schwierigkeiten, sich Pferdemist zu verschaffen, muß jedem Blumen- und Gemüsezüchter geraten werden, sich ein Mtslbeet, weuu auch nur ein paar Fenster groß, zuzulegen. Di« Kosten der Anschaffung werden bald eingebracht und bei sorg- fältiaer Behandlung hält die Einrichtung viel« Jahre. Schon die „Kastengurken', die man im Sommer, mag er auch noch so schlecht sür die Gurkenkultur sein, nach Beendigung der eigentlichen Pflan- zenheranzucht auf dem kleinen Fleckchen erntet, lohnen die Aus- gaben, zumal eine Kastengurke noch zarter ist als eine Landgurke. Freilich etwas Mühe macht da» Hantieren mit dem Mistbeet und es muß Vorsorge getroffen werden, daß die nötigen Arbeiten, wie Gießen, Lüften, Bedecken mit der Schattendecke usw. auch recht- zeitig ausgeführt werden. Aber nicht ollein Gemüsepflanzen, auch die einfachsten Sommerblumen, die man sonst wohl gleich in den Boden sät, gedeihen ganz anders, wenn man sie als Pflänz- linge dem Mistbeet entnimmt. Und noch eine Ausbeute, die sehr willkommen sein kann, liefert uns der Kasten im Winten die im Herbst gesäten Frühkohlpflanzen können in ihm überwintert werden, was eine möglichst frühe Ernte gestattet. In klimatisch bester ge- stellten Gegenden Deutschlands pflanzt man solche Frühkulturen im Herbst direkt ins Land in Rillen, die den nötigen Schutz gewähren. Die Ueberwinterung im Kosten stellt unsere Gegend jenen bevor- zugten Gebieten gleich: namenttich bei Blumenkohl ist der Gewinn ein beträchtlicher. vom Treib-Nhabarber. Mit den ersten Blumen reckt sich auch wenigstens«in eß- barer Sprößling der Natur ans Tageslicht: der Rhabarber. Kluge Leute haben nun schon seit langem herausgefunden, daß man diese Triebe schnell zur konsumsählgen Länge erziehen kann, wenn man einen Eimer ohne Loden soder offenes Korbgeflecht) darüber stülpt. Auch rät man wohl an, den alten Boden etwas abzukratzen und neue, besonders zubereitete, nahrhafte Erde aufzubringen. Statt dieser Ernährungsart kann man aber auch den Eimer mit lockerer Komposterde füllen, durch die sich die Triebe hindurchwachsen: sind sie über dem Eimerrand sichtbar, so haben sie die pastende Länge und werden unten abgeschnitten. Daß Rhabarber nicht nur viel Nahrung, sondern auch viel Feuchtigkeit verlangt, ist bekannt, des- gleichen, daß seine Zubereitung viel Zucker erfordert. Ost erntet der einzelne mehr als er gerade frisch verspeisen kann, und ein Ver- kauf ist nicht gut mögsich: man sollte dann Rharbarher einwecken: die Durchdringung der einzelnen Stücke mit Zucker ist eine sehr intensive und das im Winter genostene Kompott übertrifft das Frühlingsgericht um ein Beträchtliches. Der SlumenfteunS. wird sich aber nicht nur um die neuen Saaten zu kümmern haben, sondern auch den alten Beständen sein« Aufmerksamkeit widmen müssen. Wo Schutzdecken in Gestalt von kurzem Mist oder Laub- streusel liegen, also über Blumenzwiebelbeete, neu gepflanzte oder verpflanzte Stauden, Erdbeeren usw. wird man die Decke erst lockern, dann ganz fortnehmen. Knollen, wie die der Dahlien, sind auch schon einer Besichtigung zu unterziehen, ebenso die Gladiolen auf etwaige faulenden Zwiebeln durchzumustern. Ein Antreiben— durch Eintopfen und Warmstellen— dieser erst im Laus« des April ins Frei« zu bringenden Pflanzen ist dem, der Muße hat, anzu- raten: nur muh er sich stets vor Augen halten, daß die so oerweich- lichten neuen Triebe nach dem Auspflanzen vor Frost geschützt werden müssen. Wenn die Knollen und Zwiebeln auch nicht „kaputt' gehen— eine unangenehme Störung bedeutet eine solche Vernichtung der jungen Triebe durch den Frost stets. Junge Gladiolen wollen auch reichliche Bewästerung haben.— Daß die Zimmerpflanzen uingesetzt werden können, liegt auf der Hand—« das warme Licht lockt die neuen Triebe hervor, für deren Er- nährung neue Erde notwendig ist. Die am kalten Ort oder im Keller aufbewahrten Pelargonien, Fuchsien, Heliotrop usw. werden zurückgeschnitten und verpflanzt. Auch Stauden, die man teilen will, kann man noch verpflanzen, wenngleich die Zeit nach der Blüte im allgemeinen die bessere ist. Das Material für die Balkonbe- Pflanzung liefem entweder die Stecklinge der Pelargonien usw. oder aber auch Sommerpflanzen, die bei richtiger Wahl und nach einander folgenden Pflanzen einen Flor sür den ganzen Sommer ergeben, der für wenig Geld zu beschaffen ist. -i- Vielgestallig ist die Praxis, die sich aus der gärtnerischen Tätig- keit ergibt. Auf die Wurzeln kommt es vor allem an, aber auch auf die Ernährung. Nichts ist so unwesentlich, daß es nicht eine Wirkung hätte, sei«s ins gute oder ins schlechte. Dieses Be- treuen stählt die Willenskraft und damit den Charakter. Das Kleine nicht gering achten— dieser Satz ist für den Blumen- und Ge- müsezüchter ganz besonders geschaffen. Wohl uns, daß wir einer Generation angehören, die mit Eifer sich dem Boden wieder zu-, wendet— der Scholle, die der Ursprung alles Irdischen geweserf' ist und auch fernerhin sein wird. Unsere Maifestzeitung. „Der Tag des Ausblicks', so bezeichnet sich diesmal das Titelbill» der M o i s e st z e i t u n g. Unser Parteivcrlag I. H. W. Dietz Nachfolger hat in dicsem Jubiläumsjahre der Maifeier beson« deren Wert nicht nur auf künstlerische, technische und textliche Ausstattung gelegt, sondern auch auf eme frühzeitige Ausgabe. Infolge der frühzeitigen Dispositionell des Verlages und der Redaktion über- steigt die Auflage bei wdtem alle früheren Auflagen. Die Mai- festschrift der Partei wird sicher zur Freude aller Anhänger unserer Sache in diesem Jahre in mehreren hundert- tausend Exemplaren Verbreitung finden und so in wahrstem Sinne des Wortes eine wuchtige Propagandaschrift für die Sache des Sozialismus sein. Aus bestem Jlluftrationspapier iu Gif. Das Weib, das den Mord beging. 21 Roman von Arih Reck-ZNallerzeweu. Und wenn die kleine Braut sich auch gleich erinnert, daß es höchst unpassend ist, mit solchen Erinnerungen vor den Tisch des Herrn zu treten, so muß sie sich doch-schon in einer uner- klärlichen Mattigkeit auf den Arm des staatsanwaltlichen Schwagers Lex stützen, der als Brautmarschall neben ihr geht. Und dann wieder ist es dieser süßliche Hauch, der aus den unterirdischen Geheimnissen der Domgrüfte kommen mag, und dann wieder diese allzu enge Hochzeitsrobe und endlich wieder die Erinnerung an den rätselhaften Menschen vorhin im Gang. Noch kämpft sie tapfer mit dem Schwindel, der an ihr zerrt. Aber dann fällt ihr Blick gerade auf das Bild mit dem Totentanz, und da muß sie sehen, wie ein braunbeledertes Toten- gerippe gerade so eine kleine Sifbraut aus den Armen eines mittelalterlichen Robby reißt, und am Ende verfangen in den Gewölben oben sich diese schreckhaften Posaunen der Orgel und stürzen sich nieder in übermächtigen Tonkatarakten auf eine kleine aufgeregte Braut. Und plötzlich wird vor ihren Augen ein Chaos von Lichtern und Orgeltönen und rotem Plüsch und silberbestickten Krokodilen, und Tatsache ist es, daß auf dieser korrekten Trauung die Braut ohnmächtig vor dem Mar liegt. Die Orgel bricht ab mit kläglichem Miauen, der Skandal isi fertig. Daliegend fühlt sie, wie jemand ihren Kopf tief lagert, wie eine Hand, die breite behaarte Hand eines Orang- Utan an ihrer Robe nestelt. Und nun kommt diese abscheuliche Hand, nun legt sie sich mit widerlicher Wärme auf ihr Fleisch, nun weht ein Gemisch von Peau d'Espagne und männlichem Begehren sie an... em abscheulich geiler Hauch, der die Mumie einer Jsispriesterin aus tausendjährigem Schlaf er- wecken würde: neben der Furcht vor dem Skandal ifk es eigentlich der Ekel lwr diesem Brodem, der sie aufichreckt aus ihrer Ohnmacht. Als sie sich aufrichtet, erkennt sie, daß es ihr Schwager Lex gewesen ist. der sich da um sie bemüht hat. Dann steht sie wieder an Robbys Seite und klammert sich an seinen Arm. Dann gibt es ein paar halblaute Worte zwischen Brautführer und dem Geistlichen, dann winkt der Geistliche dem Organisten zu wie ein mittelalterlicher Gerichts- Herr dem Henker, dann fahren wieder durch die Gewölbe, üb» die Grüfte der verwehten Toten die Donner des Gerichtes: ein zwanzigjähriges schönes Geschöpf kämpft, da es auf einer erst- klassigen Hochzeit keinen Skandal geben darf, ihre tödliche Schwäche nieder und verspricht dem kleinen Jungen an ihrer Seite, ihm treu zu sein, bis daß der Tod sie scheide. Und dann diese Hochzeitstafel mit den schönen Tisch- reden... Onkel Ministerialrat mit dem Hausorden„zum Halse heraus*... Schwager Lex mit der behaarten breiten Hand und dem obszönen roten Stein im Siegelring: ein statt- licher Mann, em Mann wie ein Stier... wie man sich nur hat fürchten können vor solchem Manne! Und dann endlich Robbys armselige Atelierwohnung nicht gar weit vom schlesischen Bahnhof... der Morgen, an dem man, die Hand gefüllt mit Herrlichkeiten, erwacht als junges Weib... dieser Morgen, der alle Regenwolken verscheucht und einen letzten brennend schönen Oktobertag heraufgeführt hat. Und da eines bislang erfolglosen kleinen Kunstmalers Hochzeitsreise sich gerade bis zu einem der kleinen Grunewald- feen erstrecken kann, so sitzen an diesem Nachmittage eng an- einandergefchmiegt die beiden Menschenkinder in dem schütte- ren Walde zwischen fortgeworfenen Eierschalen und Ziga- rettenetuis und all diesen häßlichen Residuen der Großstadt, kochen aus Spiritus eine magere Erbssuppe, füttern mit den Resten das Vastardhündchen„Binky", das Sif als einziges Brautgut in die Ehe mitgebracht hat. Und Radfahrerverein« kommen vorüber auf der nahen Straße, die haben in Form von bunten Fähnchen ihre poli- tische Gesinnung auf ihrer Lenkstange gehißt... klein« Bureaumädchen dann. die. um nur nicht schon pränume- rando den Schreibmaschinenlärm des nächsten Tages in den Ohren zu haben, so jämmerlich laut zu einer zweifelhaften Be- gleitung Lautenlieder singen. Und brutaler Lärm kommt van der Gartenwirtschaft des Jagdschlosses, das sich inmitten von Weibergekreisch und Kindergequäk nach den Hifthörnern und der Waldesstille vergangener Jahrhunderte sehnt, und un- barmherzig wie gestern im Dom dröhnen von der anderen Seeseite, von den Rummelplätzen die Orchestrione der Achter- bahnen, vermengt zu einem abscheulichen Brei mit dem Keifen zankender Ehepaare und dem Hupengeheul der Höllenwagen auf der Straße. Ja, da sitzen sie und versuchen, die häßlichen Bemerkun- gen zu überhören, die vorüberziehende halbwüchsige Lümmel ihrer Verliebtheit zuschicken, übertönen mit ihren Zutunsts- Plänen die geheime Angst vor dem«Knock out* der große» schrecklichen Stadt: morgen schon fährt Robby nach München, verbandelt über seine Graphiken mit einem Verleger... gib acht, kleine Sif, nach vier Tagen ist er zurück, behängen mit Aufträgen wie ein Weihnachtsbaum... im nächsten Jahre muß man fwndenlang bei Robby antichambrieren, wenn matt sich porträtieren lassen will bei ihm... im nächsten Jahre schon machen sie sich frei von der großen Stadt... ja, um Gottes willen, wo ist eigentlich Binky geblieben? l Dort unten auf der Straße, wo eben mit flatternden Fahnen der Jungtrupp der politischen Kongregation„Neues Leben* vorübergezogen ist und nach sich eine Wolke von Ge- gröhl und Staub zieht, dort unten liegt als winselndes kleines Bündel Binky, der es offenbar gewagt hat, einen der Jung- linge anzukläffen, und dem ein Stockhieb das Rückgrat ge» brachen hat: langgezogenes Heulen, zierlick>e weiße Vorder, pfötchen, die nach sich den gelähmten Hinterleib schleppen... arme, um Gnade bettelnde Augen, in denen schon dek Tod umgeht...> „Töte es," schluchzt die kleine Sif und weiß genau, was hier noch zu tun ist...„so töte es dwh endlich!* i Und da, als Robby nichts anderes kann, als mit hem- mungslofem Weinen zu erwidern, da geschieht etwas Seit- sames: sie stampft wütend mit dem Fuß, sie fährt Robby an. sie bricht, als alles nichts nützt, einen soliden Knüppel ab, sie schlägt zu... zweimal� dreimal, bis das kleine Bündel stille liegt. Dann geht sie weinend in den Wald, um dem toten Binky fein Hundegrab zu graben/ Auf der abendlichen Heimfahrt dann der rohe Kampf um die Plätze... Menschen, die wie Trauben an den Wagen hängen... Gebrüll der heimkehrenden Fußballmannschaft „Camperdown"... die Verliebtheit, mit der sie sich dann doch umschlingen inmitten all des rohen Lärmes... der erst« Zwischenfall dieser Ehe scheint überwunden. Folgendes ereignet sich am nächsten Abend: Robbys Koffer sind gepackt, um sieben sitzen sie in der Stadtbahn, umt acht Uhr wollen sie sich mit Schwager Lex in der Bar des Excelsiorhotels treffen, bis um neun Robbys Zug geht. Und dann, während der Fahrt, vom Fluß herauf der frische Wind mit dem Hauch von Teer und Wasser, die Stadt, die ihren Synkopenrhythmus von Trambahnklingeln und Hupenlärm heraufschickt, die schönen Lichterdiademe der stumm vorüber- gleitenden Fernzüge: Reiselust, Lebensmut... sicherlich bringt Robby aus München einen ganzen Koffer zurück mit erfüllten Sif-Wünsthen. (Fortsetzung folgt.) oftegeftnem Oelfarbendruck, hergestellt te ba„BorwSrts�-Luch- htuffcoci, zeugt die Maifestschrift an sich von dem hohen technischen Können unseres größten Druckereibetriebes. Kraftvoll, licht und iebeizssroh präsentiert sich das Titelbild: Die Gestalt des Kämpfers, der Ausblick hält und die herrliche Landschaft überschaut, ist lebens- mahr gezeichnet. Alle anderen Illustrationen der Inseitigen Schrift schließen sich durch zuversichtlich-volkstümlich gehaltene Zeichnung würdig an. Im Text sprechen eine Reihe unserer bekanntesten Führer kurz, knapp und leicht verständlich über die Bedeutung des l Mai und über die Aufgaben und Notwendigkeiten der Arbeiterklasse. Allen voran Otto Wels.— Man darf fest davon über- zeugt sein, daß die Maifestschrift viel dazu beitrogen wird, neue Kämpfer für die heilige Sache des Volkes zu gewinnen. Erhöhte Alarmbereitschaft. Neue Masinnchmcn des Berliner Polizeipräfidente«. Die Aera der täglichen Krawalle von rechts- und linksrodikaler Seite, die mit den ersten Frühlingstagen enrzusetzen drohte, soll sehr schnell zu einem unrühmlichen Ende geführt werden. Di« Polizei wird besonders dem Vorhaben der Nationalsozialisten— -als den Urhebern der Zusammenstöße— ihre Aufmerksamkeit schenken. Ihr neuer Führer. Dr. G ö b b e l s, soll den Ehrgeiz haben, sich als Kernpunkt dieser Aktivität zu fühlen, was ihm in Berlin nicht mehr lange Freude machen wird. Jedenfalls hat das Polizeipräsidium eine Reihe von Sicherungsmaßnahmen gelrossen, um die Berliner Bevölkerung vor neuen Ruhestörungen zu schuhen. Der preußische Innenminister Genosse Grzesinski hat bereits im Landtag mit allem Nachdruck daraus hingewiesen, daß neuen poli- tischen Krawallen mit aller Schärfe entgegengetreten werden soll. Die Beamten der Berliner Schuhpolizei sind am gestrigen Dienstag in erhöhte Alarmbereitschaft geseht- worden, und auch der Polizei- liche Streifdienst ist erheblich verstärkt worden, so daß nran bereits gestern ein wesentlich stärkeres Polizeiaufgebot in den Straßen Groß-Verlin bemerken konnte. Die für heute abend von den Kommunisten nach dem Kranoldplatz in Lichterselde-Ost einberufene Protestkundgebung wegen der Zusammenstöße mit den Nationalsozialisten auf dem Bahnhof Lichterselde-Ost am Sonntag ist nicht verboten worden. Die Polizei wird aber, wie wir hören, alles hm, um durch verstärkten Schutz und größere Begleitmannschaften in Lastautomobilen die öffentliche Sicherheit aufrecht zu erhalten. Durch Radfahrerpatrouillen und beritten« Polizeimannschaften wird außerdem gesorgt werden, daß bei etwaigen Zusammenstößen rechtzeitig Verstärkungen der Polizei herangezogen werden können. Die Polizei wird also am heutigen Donnerstag wieder den ganzen Tag in Bereitschaft sein, da die Demonstrations- züg« geschlossen von alle» Bezirken Berlins nach dem Treffpunkt am Bahnhof Steglitz marschieren werden, und einen Umzug durch den ganzen Bezirk mit anschließender Kundgebung auf dem Kra- noldplatz veranstalten wollen. Die der Abteilung l A des Polizeipräsidiums zugeführten 13 Demonstranten sind bereits im Laufe des gestrigen Tages nach Feststellung der Personalien wieder auf freien Fuß ge- setzt worden, da es sich nur um kleinere Delikte, wie Nicht- befolgung der polizeilichen Anordnungen, gehandelt hat. Die H o u p t t ä t c r, die die Polizeibeamten angegriffen und in mehreren Fällen niedergeschlagen und erheblich verletzt habe», konnten von der Polizei bekanntlich nicht s e st g e st e l l t werden. Es sind je- doch Ermittlungen im Gange, um der Schuldigen noch nachträglich habhaft werden zu können. Die genaue Zahl der Verwundeten war auch gestern noch nicht amtlich bekannt, da die meisten Kommu- nisten von ihren Gesinnungsgenossen in Sicherheit gebracht worden waren. Die polizeilichen Ermittlungen wegen des sonntäglichen Zu- sammenstoßes zwischen Nationalsoziali st en und Kommu- nisten am Bahnhof Lichterfelde-Ost gehen noch weiter und werden erst m einigen Tagen abgeschlossen sein, da bisher einige der verletzten Teilnehmer immer noch nicht vernehmungsfähig sind. Die Haftbefehle der festgenommenen Nationalsozialisten sind de- kanntlich vom Untersuchungsrichter bestätigt worden, so daß an eine Haftentlassung zunächst nicht zu.denken ist. Selbftbeherrschung und Lebensüienft. Der„Sozialethiker" als Heiratsschwindler. Zwei Soztalechiker im Gerichtssaal: Der eine, ein bekannter Berliner Schriftsteller, als Schöffe, der andere, der seit Jahren an einem Werk„Selbstbeherrschung und Lebensdienst" schreibt, als Angeklagter. Der Schöffe, ein theoretischer Kriminalist von Ruf, der Angeklagte ein praktischer Kriminalist, d. h. Heiratsschwindler und Gefängnisinsasse. Er ist bereits achtmal vorbestraft. Der Schriftstellerschöffe ist durch seine spitze Feder bekannt, der Angeklagte will zu seinem Lebensunterhall satirische Gedichte in Cafes Künstlern verkauft haben: auch der Schösse ist in Künstlercases zu Hause. Ein eigenartiges Zusammentreffen im Gerichtssaal. Der Angeklagte, ein Drogist, ist Sohn eines Rittmeisters, der einstmals einen Rennstall belaß. Nach dem Kriege begannen seine Betrügereien. Er will auch in einer Irrenanstalt gewesen sein: das Gedächtnis für sein ganzes vorheriges Leben sei ihm abhanden ge- kommen: er wisse selbst nicht, weshalb er jetzt so handle und nicht anders, er fühle nur, daß er nicht anders kann. Sein Lebenswerk. an das er schreib«, heiße„Selbstbeherrschung und Lebensdien st". In Wirklichkett beherrscht der Biedere nur vor- trefflich die Kunst, Frauen zu betören, und dient allein dem schnöden Mammon. Diesmal war es eine ganz eigenartige Geschichte, etwa die zehnte in dieser Art. Er hatte auf der Straße ein Mädchen kennengelernt, das von Hause durchgebrannt war, mietete für sie ein Zimmer in einer Pension, entdeckte aber am nächsten Morgen, als er die Tochter der Wirtin sah, daß das kleine Mädchen nicht das sei, was er brauche, sondern daß sein Herz eigentlich der Tochter der Wirtin gehöre. Und so mietete er die Kleine aus und mietete sich selbst im Herzen der etwa dreißigjährigen Tochter der Wirttn, einer frisch und gut aussehenden Dame, ein. Er trug ja ein so gutes und bescheidenes Wesen zur Schau, und er sprach so begeisternd von seinem Werk, das in den nächsten Tagen fertig werden und ihm 40 000 Mark einbringen sollte: er las so vortrefflich aus seinen Schriften vor: es ergaben sich zwischen beiden so viele gemein» jame geistige Interessen. Und so entstand die Liebe. Man versprach einander die Eh«. Da» tat man aber nicht für«inen Bräutigam? Er bekam erst 100 Mark, dann 50 Mark: er schmückte sich mit der Uhrkette seiner Verlobten, streifte ihr den Perlenriny, dann auch noch den Brillantring vom Finger. Am 1. Juli war die Bekannt- schast gemacht worden, am 6. sollte die Verlobung und die Fertigstellung des großen Werkes„Selbstbeherrfchaung und Lebensdienft" gefeiert werden. Der Wein und alles Erforderliche waren einge- kaust, ein kleiner Kreis von Gästen geladen. Noch am Morgen war der Verlobte bei seiner Erwähllcn erschienen. Als aber der Abend kam, da war er es, der fehlte. Erst Monate später entdeckte man ihn— im Gefängnis in L i eg n i tz, wo er eine Gefängnis- strafe von einem Jahre und einem Monat für ähnliche in Leipzig verüble Betrügereien verbüßen mußte.- Das Schöffengericht Bcrlin-Schöneberg verurteilte ihn jetzt zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Als der Staatsanwalt feine Strafe beantragte, verlor der so milde Sozialethiker seine„Selbstbeherrschaung": er bekam einen W u t a n f a l l und schleuderte seinem Opfer die unflätig- sten Schimpfworte an den Kopf. Das Gericht hat ihm aber trotzdem mildernde Umstände zuerkannt, da ihm die Frauen seinen Lebens- und Liebesdienst so leicht gemacht hatten �ochwafferschäüen. Die Akademie des Bauwesens hatte zu gestern nachmittag 6 Uhr in den Gelben Saal des Kaiserhofs eingeladen. Die Eröffnungsansprache hielt der Präsident der Akademie. Geheim- rat Geyer. Cr führte unter anderem aus, daß die Akademie, die heute 11g ordentlich« und außerordentliche Mitglieder zähle, im laufenden Geschäftsjahr mehr als bisher durch Preisaus- schreiben und Veröffentlichungen zur Förderung des Bauwesens beitragen könne, da das preußische Finanzministerium ihr eine Summe für diese Zwecke überwiesen Hobe. Er hoffe ober, daß sich in Zukunft das Zusammenarbeiten zwischen der Akademie und den Reichs-, Staats- und Kommunalbeomten noch inniger als in den Vorjahren gestalten würde. Hierauf Ergriff dos Wort der Geheime Baurat Dr.-Ing. S o l d a n zu einem Vortrag über„Die großen Schadenhochwässer der letzten Jahre und ihre Ur- fachen". Im Verlauf seiner sehr lehrreichen Ausführungen, bei denen der Vortragende eine Fülle besonders instruktiver Lichtbilder zeigte, sagte Dr. Soldan unter anderem, daß wir bis heute noch nicht alle Mittel gesunden hätten, um solchen Elementarereignisten wirksam zu begegnen. Erfahrungsgemäß seien die Schäden, die ein längeres Hochwasser mit verhältnismäßig niedrigem Wasserstand her- vorrufe, größer, als wenn ein kurzes Hochwasser mit vielleicht viel höherem Wasserstand eintrete. Ein längeres Hochwasser töte jede Vegetation aus weite Frist hinaus. Es sei aber zu hoffen, daß vorbauende Maßnohmen im Verein mit den Fortschritten der Wetterkunde in der Zukunft die Folgen solcher furchtbarer Naturkatastrophen herabmindern würden. ver Notschrei aus öem Spreewalö. Aus dem Spreewald, der nicht nur wellberühmt ist wegen der vorzüglichen Qualität seiner Gurken, die dort gezogen werden, son- dern auch als Reiseziel für Erholungsbedürftige aus dem ganzen Reiche beliebt ist, kommt ein Notschrei.» Das Hochwasser, das Mitte Juni vergangenen Jahres so viele Landstriche mit schwerer Not heimgesucht hat, hat auch den Spreewald nicht verschont. Mitten in die Erntehoffnungen brach das Unheil und vernichtete die Arbeit eines ganzen Jahres: die ganz« stuchtbore Niederung des Spreewaldes mit ihren 300 verästelten Wasserläufen und Kanälen stand wochenlang tief unter Wasser. Wiesen und Ackerflächen und die Wasserläufe bildeten zusammen einen einzigen See. Nach dem Rückgang des Hochwassers gingen die Bewohner zwar frischen Mutes an die Bestellung der Wintersaat. Aber eine neue Flut zerstörte auch den Erfolg dieser Arbeit. Hochwassers, mit Leinöl. körperlich schon ohnedies schwer mitgenommenen Bevölkerung, und die diese Nahrung noch hatten, waren froh, denn vielen ging es noch schlimmer. Seit etwa 14 Tagen fhtd die Hochwassermengen völlig verschwunden. Aber damit sind die Nöte, die sie erzeugten, nicht verschwunden. Grauenvolle Fälle von Unterernährung werden erzähll. Sehr viele Wohnungen haben seit vergangenem Juni fast ununterbrochen unter Wasser gestanden. Di« Feuchtigkeit an den Wänden reicht jetzt noch etwa 30 Zentimeter hoch. Der Kottbuser Kreisarzt berichtet, daß etwa 400 Wohnungen mtt 2000 Köpfen Belegschaft in einem Zustand sich befinden, daß sie einfach als unbewohnbar gellen müssen. Nicht ausgenommen von den Krankhellen ist dos Bich. Unterernährt und krank wie die Menschen, mit dem es die Wassernöt« hat teilen müssen, hat es an Wert für den Bauern erheblich verloren. Der Milchertrag ist ein geringer und der Fleischwert ebenfalls. Dringende Hilfe tut not. In Frage kommt neben der unmittelbaren Fürsorge für die notleidende Bevölkerung ein Ausbau der Fließe und die Herstellung von H o ch w a s se r s ch-u tz b e ck e n, die solche Kata- strophen in Zukunft vermeiden oder doch in ihrer Wirkung ob- schwächen sollen. Koasum-Frühlwgskhav im Gewerksihafishaus. Der im November v. I. von der Konsumgenossenschaft Berlin (GKB.) veranstaltete» ersten Berliner Konsum-Werbeschau ist nun- mehr als zweite Veranstallung dieser Art in den sämtlichen Räumen des Gewerkschaftshauses eine Konsum- Frühlings- s ch au gefolgt, die gestern nachmittag von dem Direktor der KGB. Genossen M i r u s vor einem zahlreichen Publikum mit einer An- spräche eröffnet wurde. Damals führten wir Ihnen warme Klei- dung vor, denn es ging zum Winter. Heute, so meinte der Redner humorvoll, führen wir Ihnen angesichts der großen Wärme bereits die neuesten Badetosttiiue vor. Diese Schau ist aber nicht Selbst- zweck, sondern Mittel zum Zweck! Wir wollen mit ihr werben. Berlin ist hier totsächlich als erste vorangegangen und nun machen es die Konsumgenossenschaften in der Provinz bereits nach. Daß wir mit einer solchen Werbcschau dos Richtige getroffen haben, geht aus der Totsache hervor, daß nach der ersten Schau im November der monatliche Uv Prozent gehoben hat. li fei mjatz sich von 5—10 Proz. auf 28— 30 Nach der Ansprache fand z» den lockenden Weisen des vorzüglichen Orchesters des Deutschen Musiker-Verbandes, überspiell von funkelnden Lichtbündeln auf dem mitten itzirch den Saal gezogenen erhöhten Blumensteg die Vorführung der neuesten Modeschöpsungen aus den Warenhäusern der KGB. statt. Von Badekostümen und dem Morgenklcid ging es im raschen Zug zü den schönsten und reizvollsten Frühlinas- und Sommerkleidern, die in wirklich überraschender Mannigfaltigkett von den geringsten Preisen angefangen geboten wurden. Die duf- tigsten, zartesten und jugendlichsten Kleider entlockten den erfreuten Frauen lebhafte Beifallsäußerungen. Das Ganze darf als recht ge- lungen bezeichnet werden. Nur wäre zu wünschen, daß bei den Vorführungen das an sich vortreffliche Orchester in dem nicht sehr� großen Saal etwas gedämpfter spielte. Daran schloß sich eine Be- sichtigung der Ausstellung. Im Saal 1 werden Damen-, Herren- und Kinder-Bekleidung, Herren-Artikel und Mäntel- und Kleider- stofse gezeigt: im Saal 2: Gardinen, Stores, Teppiche, Brücken und Bettvorleger und Möbelstoffe verschiedener Art: im Saal 3: Leinen-' und Baumwollwaren, Wäsche. Trikotagen und Strümpfe und Bade- artikel und im Vestibül: Artikel für den Sport und für die Reise, Artikel für Siedlung, Garten und Balkon: im Saal 5 stellt die„Hoffnung" Bekleidungsindustrie G. in. b. H.. ihre eleganten und modernen Herrenfachen aus. Die Modenvorführungen werden jeden Tag wiederholt. Die Schau sst bis Mittwoch, den 30. März, täglich von 1 Uhr nach- mtttags bis 10 Uhr abends bei einem Eintrittsgeld von nur 25 Pf. geöffnet. Büchsenspinat. Eine geheimnisvolle Vergiftungsaffäre beschäftigt zurzeit die Kriminalpolizei. In dem Hause Pankstr. 62 erkrankte gestern vor. mittag der im vierten Stockwerk des Vorderhauses als Untermieter wohnende 24jährige Kaufmann Richard P., dessen 25 Jahre alte Ehefrau Erna und deren dreijähriges Töchterchen Hildegard unter Vergiftungserscheinungen. Die Erkrankten wurden im Laufe des Tages in das Virchow-Krankenhaus gebracht, wo sie zum Teil schwer daniederliegen. Nach den bisherigen Ermittlungen liegt offenbar eine Lebensmittelvergiftung vor. Frau P. richtete am Sonntag für den Mittagstisch" B ü ch s e n s p i n a t her, von dem noch ein Rest übrig blieb, der am Dienstagabend oerzehrt wurde. Ver- mutlich war der Spinat nicht mehr einwandfrei. Abermals Feuer in der Wilmersdorfer Gasanstalt. Wie wir gestern früh mitteilten, brach in dem Pumpenhaus der Städtische» Gaswerke in der Forckeubcckftraße 12 zu Wilmersdorf am Dienstag nachmittag gegen 3 Uhr Feuer aus, das sehr schnell um sich griff. Die Feuerwehr mußte wegen der Gefähr- lichkeck des Feuers sofort aus mehreren Schlauchleitungen Wasser geben. Gestern nachmittag kam aus der Forcken deck st raßc 12 abermals Feueralarm. Ein bisher vom Feuer verschont gebliebener Test brannte beim Erscheinen der Wehr"lichterloh. Nach ziemlich zweistündiger Tätigkeit, wobei aus zwei Schlauchleitungen Wasser gegeben wurde, war die Gefahr beseitigt. Das Feuer ist wahrschem- lich durch Funkenflug entstanden. In dem Raum wurden eiserne Träger mit einem Schweißapparat zerschnitten: glühende Eisenspäne setzten Teer in Brand, das explosioartig aufloderte. Nur mit Mühe konnten sich mehrere Arbeiter noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. In der„Palme". Das in Berlin NO. in der F r ö b e l st r a ß« gelegen« Obdach der Stadt, die sogenannte„Palme", wurde gestern in den Nach- Mittagsstunden von Vertretern der Presse besucht, die einer Ein- ladung des Wohlfahrtsamtes gefolgt waren. Zu sehen war ja nicht viel, denn die große Abteilung für die nur über Nacht beherbergten Obdachlosen ist am Tage natürlich leer. Nur in der sehr viel kleineren Abteilung für Mütter mit Kindern, wo die Pfleglinge auch am Tage beherbergt werden, gab es ungefähr einen Einblick in den Betrieb. Aber auch in den leeren Stuben des Nachtobdachs konnte der Besucher wenigstens das merken, daß diese Räume, wenn sie gefüllt sind, für die Insassen ganz gewiß kein Paradies bedeuten. Der Verwaltungsdirektor Roestel, der über D? THOMPSON'S verwendet die weiibllckende Joausfrau für Ihre Wäsche nur InThompsons Seifen pulver\ denn sie will sich ihren Wäschebeshnd erhallen. SEIFENPULVER diesefScfietz Wirklichkeit wäre ond Sie inflbfen mit verbundenen Augen einen Pudding kosten, so würden Ihnen das zarte Aroma und der feine Ge- sdunade sofort ver-'s'" � Versuch wird Sie überzeugen/ Viele Sorten— raten, daf> es ein x UWUfflC/ rom einfachen bis zum Oefker- Feinkost- Pudding- stellen alle Ansprüche zufrieden. Verlangen Sie Dr. Oefker' s Puddingpulver nur in Originalpackungen(niemals lose) mit der Schutzmarke- Oefker' s Hellkopf". Gute Rezepte für 506- und Geleespeisen sind in dem neuen farbig illustrierlen Oefker- Rezeptbuch, Ausgabe F enthalten. Sie lesen darin auch Näheres über den vorzüglichen Backapparat„Küchenwunder", mit dem Sie auf kleiner Gaskocher- Flamme backen, braten und kochen können. Dos neue Buch ist für 15 Pfg. bei Ihrem Kaufmann zu heben, wenn vergrihen, gegen Ein- Dr. M, Oetker. Bielefeld. 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Denn in Lettland sei der Ar. beitgebcr für die ärztliche Versorgung verantwortlich und in Eng- land hätte jedes Kassenmitglicd zu Ansang des Jahres die Ausgabe, sich bei dem ihm genehmen Kassenarzt für eine kommende Beiiand- lung einzutragen. Der Referent ging dann auf die verschiedenen Systeme, freie Arztwohl, fixierte, festangestellte oder beamtete Kassenärzte ein. Ambulatorien beständen außer in Berlin nur in Oesterreich und Polen, dort gebe es 3l2 Ambulatorien und Hl) Kossenopotheken. Als einen Wertmesser für dos Ansehen des ärztlichen Standes bezeichnet der Referent die Anzahl der Aerzte in den Parlamenten. An der Spitze stehen hier Frankreich und Eng- land. Von Frankreich schein: aber der Referent trotz seines, wie er angab, vierjährigen Studiums des Problems nicht ,zu wissen, daß in Elsaß-Lothringen auch jetzt noch die deutsche Kranken, und Invalidenversicherung besteht. In der Diskussion sptuch f)err Dr. G ü t« r b o ck über die englische Sozialversicherung und er hob rühmend hervor, daß die englische Gesetzgebung es den Krankenkassen verbiete. Röntgenein. richtungen, Bäder, ja sogar eigene Kasiengebäud« zu besitzen. Er fand es auch ganz in der Ordnung, daß die Krankenkossen nichts zur Bekämpfung der Tuberkulose und Geschlechtskrankheiten tu» dürfen. In seinem Schlußwort griff Herr Dr. Finkenroth in unparla- mentarischer Weise unsere medizinischen Mitarbeiter an, indem er von einer„gewissen Presse" sprach, die die Aerzte angreife, und da- bei verschiedene mit Namen gezeichnete Artikel des„Vorwärts" er- wähnte. Da Prof. Lennhoff, der medizinische Mitarbeiter der „Vossischen Zeitung", als Lester der Versammlung diese Anrempc. lungen des„Vorwärts">Vertreters stillschweigend duldete, wird sich die Berliner Gesellschaft für össentliche Gesundheitspflege gezwungen sehen, zu einer solchen Dersammlungsleitung Stellung zu nehmen, d. h., wenn sie ein Interesse hat, daß über ihre Sitzungen noch weiterhin berichtet werden soll. vertretertag öer freien Schulgefellschasten öerlins, >Am Sonntag, dem 20. März, fand im Saalbau Friedrichshain der l. Vertretertag des Bezirksverbandes Berlin des Bundes derfreien Schulgefellschasten Deutsch- londs statt. Das Referat des Genossen� Dr. Löwen st ein: „Die schulpolitische Lage und die weltlichen Schu- l c n" brachte wertvolle, umfassende Informationen. Genosse Löwen- stein betonte besonders, daß wir im Kampfe um das Reichsschul- gesetz uns auf den Boden der Verfassung stellen müssen, die für uns die beste Rechtslage bietet. Eine Derfassungsändening (wie sie die KPD. fordert. Der Berichterstatterl) wirb in jedem Falle gegen uns ausschlagen. Es gilt zunächst, Sicherung der Regel- schul« der Reichsverfassung als Borzugs st ellung und der weit- liehen Schule dieselben gesetzlichen Unterlagen wie der konfessionellen zu schassen. Doneben heißt es, schon jetzt die Wirklich- leiten zu schaffen durch eine weltliche Schulbewegung im großen, breiten Rahmen. Wenn die weltlichen Schulen, die so- genannten Sammelschulen, nicht beständen, würde heute kein Mensch mehr von der weltlichen Schule reden. Sie wäre ein bloßer Programmpunkt. Di« Keimzellen in den christlichen Schulen aber wären längst verdorrt. Es gibt eine Reihe von Beispiele für Forderungen, die man allzulange in die ideelle Zukunft projiziert hat mit dem Erfolg, daß man ihre Ver- wirklichung immer mehr entschwinden sah. Die bestehenden weit- .ichen Schulen haben der Forderung noch Verweltlichung des Schulwesens erst Leben und Loden ständigkeit gegeben. Die Gefahr der Isolierung ist nicht so schlimm. Der Beweis ist erbracht, daß es einmal bei einiger Anstrengung noch Möglichkeiten gibt, die christlichen Schulen nicht der christlich-un- politischen Reaktion zu überlassen und zum anderen, daß die weit- lichen Schulen die führenden sind, die die anderen Schulen vorwärts getrieben haben und viele neue Probleme geschaffen haben. Diese Theorie der Isolierung ist zu oberflächlich. Wo eine weltliche Schule steht, da entsteht ein Kulturzentrum. Wo ein Pro- grammpunkt steht, gibt es höchstens eine Diskussionsunterlage. Das ist das Große an der weltlichen Schulbewegung, daß sie nicht eine Lehrerbewegung, sondern eine Bewegung der Arbeiter ist. Um die weltliche Schule sammeln sich die Pioniere einer welllrchen Kullurbe- wegung. Der Gedanke, auf dem Wege über die Simultanschule zum Ziele der Verwelllichung des Schulwesens zu kommen, ist auch nur ein schöner Gedanke, der nirgends festen Loden fassen konnte. Je mehr weltliche Schulen wir schassen, desto mehr Grundlagen schaffen wir für die Erfüllung unseres Programms. Es gilt soviel Kräfte als möglich zu mobilisieren. Der reich« Beifall, die Zustimmungs- öußerungen und die kurze Aussprach«, die die Lehrerfroge streifte, waren der Beweis, daß Genosse Löwenstein der Meinung der Ver- sammlung mit seinem Referat Ausdruck gegeben hotte. Eine Ent- schließung gegen das L u st b a r k e i t s g e s'e tz und eine Entschlie- ßung für die Errichtung weltlicher Akademien wurden einstimmig angenommen. Es wurden sodann die Satzungen des Bezirksverbandes beschlossen und Antröge erledigt. Genosse Zitscher gab den Kassenbericht, Genosse Schröter den Geschäftsbericht. Di« Bewegung hat im letzten Jahre einen starken Aufschwung genommen und beschäftigt auch in immer stärkerem Maße die Oessentlichkeit. Es bestehen bereits 10 Ortsgruppen. Die Zahl der Schulen ist bis zum 1. November 1926 in Berlin gestiegen auf ZS mit 458 Klassen und 15 099 Schülern und Schülerinnen. Genosse Schröter wies auch besonders auf das erfreuliche Verhältnis zur Sozialdemokratischen Partei hin. Die Wahlen ergaben einstimmige Wiederwahl des Ge- nassen R. Sch röter zum Vorsitzenden, des Genossen Zitscher zum Geschäftsführer, des Genossen M i e t h k e zum Stellvertreter. Mit dem gemeinsamen Gesänge:„Brüder, zur Sanne, zur Freiheit!" wurde die arbeitsreiche Tagung geschlossen. keine klassisiziernng bei der Vergnügungssteuer. Der M a- g i st r a t hat eine Klassifizierung der künstlerisch hochstehenden Ver. anstaltungen bei der Vergnügungssteuer abgelehnt, weil er die Klassifizierung selbst für undurchführbar hält. Billige Aischtage. Zu einem billigen Fischverkauf werden für Donnerstag bis Sonnabend vom 24. bis 26. März angeboten: Lebende Edelkarpsen Größe 114 bis 3 Pfd. pro Pfund 1,10 M. und Zander(gefroren) pro Pfund 75 Pf. Die Verkaufsstellen sind durch Plakate kenntlich gemacht. Der gewaltsame Tod eines jungen Mannes beschäjtigt die Kriminalpolizei in Spandau. Der 20 Jahre alte Maurer Bern- hard Rcchrtnich erhielt am Montagabend in der Neuendorfcr Straße in Spandau von einem unbekannten Mann hinterrücks mit einer Latte einen so wuchtigen Hieb über den Kops, daß sich die Latte in der Mitte spaltete. Dann lies de? Mann davon. Di« Zeugen des Vorfalles verfolgten chn, verloren ihn aber in der Dunkelheit aus den Augen. Rohrbach, der zusammengebrochen war, wurde nach dem Krankenhause gebracht und starb bald nach der Ausnahm«, ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein. Mit- teilunzen zur Aufklärung an die Kriminalpolizei in Spandau. Jeden Taq zwanzig Fahrraddiebftähle. Die Fahrraddieb st ähle nehmen, wie jedes Jahr bei Be- ginn des besseren und wärmeren Wetters, auch jetzt wieder über- ha n d. Täglich werden der Kriminalpolizei im Durchschnitt zwanzig Diebstähle geineldet. Die Spezialisten dieses Gebiets, eine oder niehrere Kolonnen, arbeiteten zunächst in der Gegend von Britz und Neukölln und haben sich von dort nach Schöne- bcrg, Steglitz, Friedenau, Dahlem und L i ch t c r- f e l d e hinübergezogen. Hier suchen sie namentlich öffentliche Ge- bäude hen». Post- und Finanzämter und Schulen. Ihre Beute ist um so größer, als ihnen in dieser Gegend meistens wertvollere Räder in die Hände fallen. Auch die Arbeit ist hier leichter, weil die Straßen nicht so belebt sind. Viele Leute glauben nun, daß eine Behörde, die an oder in ihren Gebäuden Fahrradstände angebracht habe, auch für den Schaden aufkomme, wenn ein Rad gestohlen wird. Das trifft aber nicht zu. Man sollte also auch hier mindestens ebenso vorsichtig sein wie anderswo. Diele Radler aber schließen ihre Ma- schinen gar nicht an. Andere benutzen viel zu schwache Ketten, die der Schere des gewerbsmäßigen Raddiebes gor keinen Widerstand leisten. Gestohlene Räder wieder herbeizuschaffen, ist sehr schwer. Sie werden jetzt, wie Kriminalsckretär Smettons und die Beamten der Dienststelle L S festgestellt haben, gleich in die Provinz ge- schafft und dort o e r k ä u s t. Die Diebe haben dazu ihre „T i p p e l k u n d e n" an der Hand, die sie oft mit 3 bis 5 Rädern hinausschicken. Umgekehrt kommen auch viele Provinzler nach Berlin, um ein Rad zu kaufen. Sie wissen in der Regel gar nicht. daß sie von Händlern, die ihnen ihre Ware aus der Strohe anbieten, gestohlenes Gut kaufen. So erging es gestern wieder einem Manne aus Schwedt a. d. O.,' dem in der Münzstraße 5 Räder an- geboten wurden. Er erwarb sie in gutem Glauben, um sie in Schwedt wieder zu verkaufen. Als er sie jedoch auf dem SteUmer Bahnhof aufgeben wollte, stellte man an den Nummern fest, daß alle fünf gestohlen waren. Jetzt wurden sie beschlagnahmt, und der Käufer hatte das Nachsehen. Vezirksbildungsausschuß Groh-Verlin. Beethoven- Feier der Stadt Berlin. Aussührung der dl i s»»« o I s m n i» am 26. und 28. März, abends 71/, Uhr, im Saalbau Friedrichs Hain. Eintrittspreis einschließlich Kleiderablage 50 Pf.— Nächste Theatervorstellung am Sonn- tag. dem 17. April, nachmittags 3 Uhr. in der Volisbühne am Bülowplatz. Aufgesührt wird:„Faust", der Tragödie erster Teil, von Goethe. Preis der Karte einschließlich Kleiderablage und Programm 1.20 M. Karten in allen bekannten VerkausSstcllen und im Bureau des BezirkSbildungS« ausschufses, Lrndenstr. 3, 2. Hos 2 Tr., Zimmer 8. Telephon Deutschland— Dänemark. Auf Grund einer Vereinbarung zwischen der dänischen und der deutschen Telegraphenverwollung ist, wie bereits gemeldet, Ende vorigen Jahres ein neues Fernsprechkabel durch die Ostsee von Warnemünde nach Gjedser gelegt worden. Inzwischen sind auf beiden Seiten die A n s ch l u ß st r e ck e n und die technischen Einrichtungen fertiggestellt worden, so daß die neue Ver- bindung dem Betrieb übergeben werden konnte. Ein zur Er- öfsnung des neuen Weges zwischen Herrn Staatssekretär im Reichs- postministcrhim Dr. Feyerabend und dem Generaldirektor der dänischen Telegrophcnverwaltung, Herrn Krarup, gewechseltes Ge- spräch hat ergeben, daß die Verständigung ausgezeichnet ist. Eisenbahnunfall in der Schweiz. Schul»(Schweiz), 23. März.(MTB.) Gestern abend ereignete sich vor der Einfahrt zum Tunnel bei Schul» ein Eisenbahnunfall. Der letzte von St. Moritz kommende Zug stieß gegen einen mächtigen Felsenblock und entgleiste. Zum Glück wurde die Lokomotive gegen den Tunneleingong abgedrängt und so ein furchtbares Unglück verhindert. Andcrnsalls wäre der ganze Zug in den Abgrund gestürzt. Die Lokomotive wurde zu- sammengedrückt und der Lokomotivführer getötet. Von den Reisenden sind sechs oerletzt worden, darunter zwei schwer. Wahrheit in der Wlame,. einem viel beachteten ünserat kündigten wir vor etwa sechs Monaten an.dass die Qualität unserer OVERSTOU um 50% verbessert werden konnte, obgleich ihre gute Mischung sie schon vorher zur meistgerauch- ten 5%.- Zigarette in Deutschland gemacht hatte. Aese bedeutende Hebung des Qualitäts-Niveaus war das letzte Resultat einer gewaltigen Umsätzsteigerung, die es uns ermöglicht hatte�pezial- fabriken für diese Sorte einzurichten und in unserm Fach neuartige Arbeitsmethoden anzuwenden. . Dne Verbesserung der ÖVERSTOLl um 50% war unser grösster Erfolg seit langen 3ahren.Die C�reude an diesem Erfolg würde uns geschmälert, müssten wir glauben, dass irgendjemand unsere schwer nachzuprüfenden Angaben auch nur im geringsten als eine re- klamemässige Übertreibung aufgefasst hätte. 0en Grundsatz„Wahrheit in der Reklame M betrachten wir als ein erstrebenswertes Ziel im deutschen Wirtschaftsleben. Um den Beweis zu erbringen, dass wir auch praktisch nach diesem Grundsatz - handeln.haben wir uns entschlossen, unsere damaligen Angaben noch nachträglich von einem Notar prüfen zu lassen. Tie über seine Feststellungen? in unserer Rohtabakzentra- le aufgenommene Urkunde hat folgenden Wortlaut: fiermit bescheinige ich, der unter&ix&ricteßamburgisdie Notar, DrQustav Otto Bartels, dass ich aus den mir vorgelegten Original-Ja�turen, denMisdiungsbüchem und ' Statistiken derJäba�Jä�tom G.m.b.H. injfambwrg fest- gpstettt habe, dass die von dieser an die offene Jfandelsgesellschaft (JiausWeuerbiirg zyrjferstellung der Zigarette OVERSTOLZ geäeferten$zbafyn isch ungen in derjbit vom 5. Oktober bis 5 Oktober mo im dinkaufswerte um über 50% gestiegen Sir {ffßtaneUtS Register N' 120/ IfSJ HAMBURG, ftm 1L1.19S7/ Nocj) druck von Wort und BUd verboten!' DI« obigen Angebote«leben«b Donnerstag zur Verfügung!— Schriftliche Bestellungen künnen nicht berücksichtigt werden! iUf Wir such«« per sofort geübt« RUglcr tr Färberei und chemische Walchanstast. 3. Spindler Epindlersseld bei käpenick. MA MWM'MM 2äM(imettslofe%£ DezawUmtg statt. Sonnabratt, bau 26. ntfltj, mlttoa* 12 Ahr, bei Caafcc, Caafistec Sic. 25 Erwerbslosen Versammlung aller Metalldrücker und Polierer. S Jeder erwerbslose Kollege muß erscheinen SeMMbonb, den 26. Mar,, abend» 6 Abc, in unserer»allacableiiaaa, Liaieustc. 102 Filmvortrags-Abeud für alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiterinnen und Arbeiter der Atrmeu Siemens, Zmtetnfch und Loewe. Programme 1. An prach«. 2. Ztuhr- kohle. iFärderung der Kohle Ober» und Untertaa«.> i. Man steigt nach lHinnoreske) «SU- Eintritt frei.-HWS IUgeadkollen, erschein« all« zu dieser Beranftaltung!_ Sit Auezahwng der IBqutbalU» erfolgt in der geit von 12—«>/, Uhr im Ummer 20. Sonnabend, de» 26. nOcj. 2 Ahe, Im Lokal ooa Sachse, Clndontec Skcahe 26(am Weddmg) Branchenversammlung aller Kollegen Sesfelschmtede und verwandten verufe. Tag«,»rdnnng: 1. Jahresbericht 2. Neuwahl der Branchenkommisfion. 3. Branchenangelegenheiten. Ohne Mitgliedsbuch tel» gutritt. Es ist unbedingte Pflicht aller Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. via Ocleaereoallnna Berliner- El ektrtKer- ticnosscnsdiaN Berlin N 24, Elsllsser Str. 86-88 Fernsprecher Norden 65 24 u. 6J 26 Filiale Westen, Wilmersdorf LaodhausMrsac 4. Tel.: Pfalzbor? 9831 M—M(Alexander-PaiMSe) Laser jTfeL: SM. Elektriaehe Anlagen Jeder Art n. Jeden Umfange* zu kulanten£ahli Belenchtungskörper nnd iungsbedingungen. Osram-Lampen zn Fabrikpreisen. LJUERÖENS ALEXANDER PLATZ �WcSbftH�, Verkäufe Klappsportwage»,«Inderwagen, Metallbetten mit Polsterauflage 1SA0, Ruhebetten, Kinberbetteu. Riesenaus- wähl. Ratenzahlung. Spezialgeschäst, Schönhauser Allee 5, Schönhauser Tor.' wenig getragene Frackanzüge. 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Nieder- wallftraste 12, gimmer 2l._ Die durch den Tod des bisherigen Inhabers freigewordene Stelle des II. Bürsermelsters der Stadt Herne soll baldigst neu besetzt werden. Die Wahl erfolgt anf die Dauer von 12 Jahren, die Besoldung nach GruppeB II, Ortsklasse A, der Linzel- gehafter der preußischen Besoldungs- 'nrechnung früherer Dienst- das PensionsdienstaUer Gruppe B II, Ortsklasse A, der ifh" Ordnung. Die An la bleibt einen besonderem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vorbehalten. An Ilmzugskosten werden die nachgewiesenen Auslagen bis zur Höhe der staatlichen Sätze erstattet Herne ist Industriestadt mit 70 000 Einwohnern und wird durch nahe bevorstehende Eingemeindung auf über 90 000 Einwohner anwachsen. Bewerber, die die Befähigung zum Richteramt oder zum höheren Verwaltungsdienst besitzen u. möglichst auch praktische Erfahrung in der Leitung einer städtischen Finanz- und Steuerverwaltung erworben haben, wollen Ihre Meldungen mit den i notwendigen Unterlagen bis zum 23. April 1927 an den unterzeichneten Stadtverordnetenvorsteher in Herne (Rathaus) einsenden. Herne, den 21. März 1927. Der Stadtverordneten-Vorsteher: Dr. Heischen. Fixum und Provifi»» Wilhelmstrast« 9. korzwmwrsrdeU. Alleinstehende Frauen und Mädchen nach der Neumarl gesucht. Meldung?» bet den Bezirksardeit. nachweisen sowie im Landesaroeilsamt Berlin. Riedrrwall- straste 12, stimme- 21. Wir suchen per sofort geübte Bügler für Färberei und cfacmisdie Waschanstalt W. Spindler A.-G. Spindlersfeld b. Köpenick Wir suchen per sofort geübte für Färberei und chemische Waschanstalt W. Spindler A G. Spindlersfeld b. Köpenick . )'..' rr' n•'-•; Voanerstag. 2». März 1927 Nr. 140* 44. Jahrgang - 2. Heilage öes - Reichstagsöebatte um Genf. Kritik der Parteien.— Stresemannn antwortet. Der Retchstag setzt« gestern die 2. Lesung des Haushalls des Auswärtigen Amtes fort. Abg. v. Graese(Dölk.) beschwert sich über den Beschluß des Aeltestenrats. wonach sämtliche Fraktionslosen als«ine Einheit zu betrachten seien, der insgesamt die Redezeit einer Frattion zuzu» billigen sei. Vizepräsident Ester schlägt vor, daß einstweilen Völkische. Nationalsozialisten und Linkskommunisten je eine halbe Stunde Redezeit zu diesem Etat erhalten sollen. Abg. v. Graese erklärt sich damit einverstanden. Abg. Dr. Haas(Dem.) macht darauf aufmerksam, daß die Re- gierung sowohl in der Saarfrage wie in der oberschlesischen Schul. frag« aus einwandfreie deutsch« Ansprüche ver» z i ch t« t habe. Die Demokraten wollen aber keine demagogische Oppositionspolitik treiben, sie erkennen die Schwierigkeiten an, in denen sich der Reichsaußenminister befand. Die Deutsch- nationalen müßten endlich die Verantwortung für die Politik ihrer Regierung übernehmen. Es gehe nicht länger an, daß sie draußen den starken Mann spielen, im Kabinett aber die Politik, die sie öffentlich angreifen, ohne jede Einschränkung billigen. Die Rede des Grafen Westarp über das Elsaß hak den Bestrebungen der elsässischen kreise schweren Schaden zugefügt. Ebenso unglücklich war seine Rede in Schneidemühl. Trotzdem wir nicht die jetzigen Grenzen im Osten als zu Recht be» stehend anerkennen, müssen wir uns doch bemühen, durch eine Besserung des Verhältnisses zu Polen ein« friedliche Lösung dieser schweren Probleme zu erreichen. Deshalb war es auch e i n Fehler, daß wir die Handelsvertragsverhand- lungen mit Polen abbrachen. Wir brauchen ein auf- richtiges Verhältnis im Westen wie im Osten. Trotz unserer Oppositionsstellung wünschen wir, daß die Regierung auf dem Ge- biet« der Außenpolitik Erfolge erzielt und insbesondere daß sie in absehbarer Zeit die Räumung des Rheinlandes erreicht. Abg. Dr. Bredt zurückgekommen. Was damals als Aequivalent angeboten wurde, hätte seine Bedeutung gehabt, wenn es gebraucht wurde zu großen Transaktionen. Daneben sind nun olle politischen Leidenschaften entzündet worden, und in allen Ländern geht der Kamps um den Gedanken, daß L o c o r n o mehr ist, als «in Traktat, das Zeichen eines Geistes, der dahin geht, überhaupt in Europa zusammenzuwirken und nicht die Staaten gegeneinander zu führen gegen diejenigen, die sich in diesen Ge- dankengang nicht hineinfühlen. Deshalb brauchen wir nicht pessimistisch für die Zukunft zu sein, und«z bedeutet nicht«ine Der- fchiebung der deutschen Forderung all calenckos graecas, wenn ich Sie gebeten habe, der Regierung den Zeitpunkt zu überlassen, in dem sie glaubt, sie mit Erfolg geltend machen zu können. Wenn Dr. Breitscheid mich gestern einen Wanderer zwischen zwei Koalitionen nannte, so erwidere ich darauf: Herr Dr. Breitscheid. Sie sind ja jederzeit in der Lage, mich zurückzurcißen durch Ihre warnende Stimme!(Heiterkeit.) Es kommt nicht darauf an, welche Koalition eine Außenpolitik unterstützt, sondern daß dem deutschen Außenminister die größten Erfolge zuteil werden, der darauf hin- weisen kann, daß Regierungsparteien und Oppo- sition ihn unter st ützen.(Lebhafter Beifall.) hierauf werden die A b st i m m u n g« n zum Haushalt des Innern vorgenommen. Die von den Kommunisten bean- tragte Verbindung einer Interpellation über die Vorgänge in Berlin-Lichterselde' wird infolge des Widerspruchs von rechts ab- gelehnt. Das von den Kommunisten beantragte Mißtrauens- votuni gegen Mini st er v. Keudcll wird gegen Sozial- demokraten und Kommunisten abgelehnt. Abg. Erlelenz(Dem.) erklärt dazu, daß seine Fraktion gegen den Mißtrauensantrag stimme, weil erst kürzlich über Vertrouensanträge abgestimmt worden sei und keine Veranlassung vorliege, in so kurzen Zeiträumen solche Abstimmungen zu wieder- holen. Anmihme des Etats. Darauf wird der Etat in der vom houshaltsausschuß vor- geschlagenen Form angenommen. Zur Förderung von Wissen- jchqft und Kunst hat der Ausschuß swtt 1,2 1,7 Millionen eingesetzt, von' kulturell- gemeinnützigen Bereinigungen statt 0,? 1' Million, ferner wurden erhöht die Beiträge für Turn- und Sportwesen (Jugendherbergen) von 1 auf 1h Millionen, für die Kaijer-Wil- helm-ltzesellschost von 0,01 aus 1,1 Millionen, für Turnstätten- bauten von 0H aus 0,0 Millionen, zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche von 0H auf 1„2 Millionen. 2H Millionen für die Junglehrer und 2S0 000 Mark für das Haus des Deutschtums in Stuttgart wurden neu eingestellt. Eine Neihe mit dem Etat ver- bunden« Anträge werden den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Das Haus setzt dann die Aussprache über den Haushalt des Auswärtigen Amtes fort. Abg. Graf Reveutlow(Nat.-Soz.) meint, die Würde des beut- fchen Außenministers hätte Herrn Dr. Stresemann zur Ablehnung des Nobelpreises veranlassen müssen. Abg. v. Graese(Völk.) vergleicht den Reichstag mit einem Krematorium, in dem die letzten Reste des deutschen Leibes ver- brannt würden Ein kommunistischer Antrag auf Streichung des Ministergehalts wird gegen Kommunisten und einigen Völkischen abgelehnt. Vor der Abstimmung über einen kommunistischen Miß- trouensantrag gegen den Reichsauhenminister Dr. S t r c s e. mann erklärt-Abg. Breitscheid(Soz.), daß die sozialdemokratisch« Fraktion keinen Grund habe, dem Reichsaußenminister wegen ieiner bisherigen Tätigkeit ein Mißtrauensvolum zu erteilen. Es sei aber salsch, was Herr Dr. Stresemann heute ausgeführt habe, daß nämlich die Sozialdemokratie die jetzige Zusammensetzung der Re. gierung leicht nehme. Im Gegenteil, die Sozialdemokratie habe wegen der jetzigen Mitarbeiter � des Reichsauhenministers die schwersten Besorgnisse.. Sic stimme dem kommunistischen Antrag nicht zu, sie könne aber auch nicht die Verantwortung für die Politik der jetzigen Regierung übernehmen, deshalb werde sie sich der Stimme enthalten. Der Mißtrauensantrag wird darauf gegen die Stimmen der Kommunisten und Völkischen bei Stimmenthaltung oer Sozial- demokratie abgelehnt. Der Haushalt wird darauf nach den Beschlüssen des Haus- Haltsausschusses angenommen. Darauf beginnt die zweite Beratung des Haushalls de» Reich». verkehrsminisleriums. Der deukschnationale Vcrkehrsminisier für Dawe»! Reichsoerkehrsminister Dr. koch führte unter anderem aus: Für Erhöhung der Besoldung stehen kein« Mittel zur Verfügung. Die Schließung von Werkstätten sei durch die Einführung neuzeitlicher Arbeitsmethoden verursacht worden. Die abgebaute» Arbeiter sollen nach Möglichkeit in anderen Betrieben untergebracht werden. Die Entscheidung über die h ö ch st m ö g- liche Arbeitszeit bei der Reichsbahn sei bis zur Erledigung der Regierungsvorlage über die Arbeitszeitrcgelung ausgesetzt worden." Der Minister werde mit Nachdruck darüber wachen, daß die Beamten von der Reichsbahngesellschaft nach den Bestimmungen der Reichsgesetze behandelt würden. Die Ausführung der Dawes- Laflen, bei der die Reichsbahn eine wichtige Rolle spiele, werde die Regierung sich besonders angelegen sein lasie,:. Um 6% Uhr vertagt das Haus die Wciterberowng auf Donnerstag, mittags 1 Uhr. u Tube 60 Pfg, große Tube Mark 1.— die herrlich erfrischenöe Zahnpaste beseitigt unangenehmen Mundgeruch Erhöhung öer Invalidenrenten. Neue Regierungsvorlage im Sozialen Ausschuß. Nach langem Zögern haben die Regierungsparteien dem So- zialen Ausschuß des Reichstags endlich eine neue Vorlage zur E r- höhung der Invalidenrenten unterbreitet. Der Antrag wurde in der Sitzung vom Mittwoch von Ministerialdirektor Grieser erläutert. Während die ursprüngliche Regierungsvorlage einen Gesamtaufwand von 126 Millionen Mark ausmochte, der zwischen Reich und Versicherung im Verhältnis von 2 zu 1 aufge- bracht werden sollte, ist der Gesamtaufwand nach der neuen Vor- läge mit 196 Millionen beziffert, wovon das Reich 122 und die Versicherungsanstalten 74 Millionen beitrogen sollen. Die L oh n k l a s s e n sollen um eine vermehrt werden. Die neue VII. Klasse soll die Löhne von mehr als 36 Mark wöchent- lich umfasien. Die Witwenrente soll künftig auch denjenigen Witwen gewährt werden, die, ohne Invalide zu sein, das 6S. Lebens- jähr vollendet haben. Für die Beiträge aus der Zeit vor dem 1. Oktober 1921 sollen folgende Stcigerungssätzc gewährt werden: Lohnklasfe I: 2 Pf. pro Beitrag(bisher nichts): Lohn- klosie II: 4 Pf.(2): Lohnklasfe III: 8 Pf.(4): Lohnklasie IV: 14 Pf.(7): Lohnklasse V: 26 Pf.(16). Die Wochenbeiträge sollen in den einzelnen Klassen betragen: 36, 66, 90, 126, 156, 186 und 266 Pf. Den vor dem 1. Januar 1912 invalide Gewordenen soll das Kindergeld gewährt werden. Soweit solche Renten vor dem 1. Januar 1912 noch lausen, sollen sie Anspruch auf Hinter- bliebeneiioersorgung rechtfertigen. Die Rentenerhöhung tritt am 1. April, für die laufenden Renten aber erst am 1. Juli dieses Jahres ein. Die Angestelltenversicherung soll als einmalige Abgeltung an die Invalidenversicherung 4 6 M i l- l i o n e n Mark leisten. Ministerialdirektor G r> e s e r betonte in seinen Ausführungen. daß keine schematische Erhöhung der Leistungen geplant ist. Die Aenderung soll vielmehr vor allem denjenigen Versicherten zugute kommen, die viele Marten geklebt haben oder sich in höheren Lohnklassen befinden. Es soll also ein Ausgleich für die Schäden der In- flation geschaffen werden. T h i el(D. Vp.) äußert Bedenken gegen die Erhöhung der Beiträge und gegen die vorgeschlagene Abgeltung der Angestelltenversicherung an die Invalidenversicherung. Genosse A u f h ä u s e r erklärt, daß die Sozialdemokratie die finanzielle Bereinigung zwischen den nun einmal nebeneinander be- stehenden Versicherungen als erforderlich ansieht. Eine solche Be- reinigung muß aber zur Voraussetzung haben, daß auch endlich die Mitgliedschaften zwischen der Angeslelltenversicherung und der Invalidenversicherung klar abgegrenzt werden. Wenn neuerdings immer wieder Werkmeister insbesondere in der Textil- industrie aus der Angestelltenversicherung herausgenommen werden, weil sie überwiegend körperliche Arbeit verrichten, so sei das eine durchaus falsche Auslegung des Slngestelltenbegrisses. Er fordert von der Reichsregierung eine entsprechende Aenderung des Be- rufskataloges zur Angestelltenversichcrung. Ministerialdirektor G r i e s e r erklärt, daß die Regierung Wert darauf legen müsie, zunächst einen Beschluß über die A n e r- kennung der Abgeltungssumme von 46 Millionen Mark zu bekommen, dann werde sie zur Abgrenzung des Versichertcnkreises «in« entsprechende Erklärung abgebe». Genosse K a r st e n bezeichnet die Regierungsvorlage als unge- nügsnd und ungerecht. Gerade zu den jetzt laufenden Renten sollen in der unter st en Lahnklasse keine Steigerun gs- betrage gegeben werden. Die Rentensteigerungen für die laufen- dey Renten würden erst am 1. Juli 1927 eintreten. Diese weitere Verzögemng sSi für die Sozialdemokratie unannehmbar, da bereits am 1. April die Mietsteigerungen kommen. Da die Steige- rungsbeträgc bis 1. April nicht mehr berechnet werden können, müsie der Grundbetrag oder der Reichszuschuß erhöht werben. Die Regierungsparteien sind an die Beitragserhöhung sehr behutsam herangetreten, um die Arbeitgeber nicht zu belasten. Ohne die Beitragserhöhung kann jedoch die Invalidenversicherung zu keinen ausreichenden Leistungen gelangen. Für die Zlngestellten- Versicherung hatten die bürgerlichen Parteien mehr übrig. Die Beratung wird alsdann auf Freitag vertagt, um die Ver- treter der Invalidenversicherung und der Angcstelltenversicherung über die Abgeltung zu hören. Am Donnerstag kommen die Klein- rentnerfürsorge und ein sozialdemokratischer Antrag zur Derhand- llmg, der eine Verlängerung der Krisensürsorge und die Erhöhung der Unterstützungssätze für Erwerbslose vorsieht. Sport. VerNo— Tolkbu«— Lerlla. Am kommenden Scnntag findet aus der ie- kannten Strecke.Berlin— Cottbus— Berdn'(2S6 Kilometer) das elfte große Jbus-Strahenrennen statt. Die Beteiligung ausländischer i)adrer an dem Wettbewerb ist in diesem Jahre ganz besonders groß. ES starten iür Italien: Belloni, Zanaga. Linari, Bestem, Ciacchert, Tonani und Gay. Frankreich: Blanchoniiet, Jbron, Jayumot mid Brlle. Belgien: Gebr. DcbaelS,»an Hml, ThvS, Vermondet. Und Sellier. Schweiz: Blaltmann, Saccomani, tz. Tulcr, Notier und Äntenen. Teutich-Lester- reich: Bulla. Dieien stehen die Deutschen Huschle, Paul Kohf, Rebe, Remold, O. Tietz. Rörenberg, Pfister, Klaß, Friedemann.(Sielow. Passen- Heim, Manthey, Setserth, M. Kohl, Michael und Miethe gegenüber. Mit der 9. Sinfonie erreicht der Beethoven-Zyklus und auch die Serie„2 6 6 Jahre O r ch e sie r m u f i k" den Höhepunkt. Das grandiose Werk soll ganz allein auf den Hörer wirken. Darum stellt man«s mit keiner Ouvertüre oder Konzertstück zusammen. Gewissermaßen als literarischen Auftakt liest Theodor Loos vorher einige Briefe Beethovens und Grillparzers Erinnerungen sowie seine Red« bei der Enthüllung des Beelhoven-Gedenkstcines. Dann noch Szell, Blech und Kleiber endlich Bruno Walter als Dirigent.(Der reichste, einfachste und durchgeistigste.) Selten ent- wickelt dos Funkorchester eine solche Klangfülle und Schönheit des Tons. Slm stärksten ist der Eindruck beim Scherzo. Im Rahmen der Iugendbühne schildert Alfred Braun das Leben Beethovens. Einfach und ohne pathetisch zu werden. In kluger Weise beschränkt er sich auf einen kurzen Lebcnsabriß. Die Vortragsfolge über Nietzsches„Zarathustra" beginnt Theodor Kapp st ein mit einer Biographic des Philosophen. Es folgen dann Andeutungen über die Stellung Nietzsches zu Richard Wagner und zur Philosophie seiner Zeit, vor allem zu Schopenhauer. Kappstein gibt hier kaum ein klares Allgemeinbild von Nietzsches philosophischen Bestrebungen. Er verknüpft eine psychologische Ausdeutung mit dithyrambischem Schwung, was aber vielleicht mehr von der Wesensart Nietzsches vor- mittelt als eine nur exakt wissenschaftliche Darstellung. Professor Franz Kahl stellt in der ,.N o t u r k e n n t n i s in der R e- uaiffanec� die überlegene Kultur der Araber der des mittel- olterlichen Abendlandes gegenüber und sucht vor allem die Einflüsse des fortgeschrittenen arabischen Denkens aui die werdende Re- naissancekultur aufzudecken. Er datiert den Beginn dieser Epoche auf die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück, als der große Staufer Dietrich II. in Sizilien eine Derquickung von maurischen und italischen Kulturformen anstrebte. F. S. Sozialistische �lrbektersugenA Gtroß-Serlin» Beelhovcn-Zibend Sonntag, 27. Mäez, 7',? lthi, im Zugendheim Lindenstr. Z.»Das Lebe», Leiden und Swafien Becthooeoe."»Das Aciligcnstadter Testament." Einlaß i-ci. Prode für die slcier am Z. April heute, Donnerstag, 7�, Uhr, in der schule Äochstr. 13. Alle Genossen beteiligen sich, Musiker bringen ihre Zustrumente Mit.. »..«..Eihung heute, Donnerstag, pünktlich 7 Uhr. garten für die Veranstaltung am S. April im Schauspielhaus holen die Gruppen sofort ab. heute. Donnerstag. 71- Uhr: Norden: Schule Putbusser Str. 3.»Volkstanz und Modetanz."— Schön. Häuser Vorstadt: Schule Driefcuer Str. 22. Keethooen,At>end.— göoeoicke: Viertel! Schule Wrangelstr. 128. to-Minuten-Rcserate.— Südwesten: Beteili- Ean der Probe zur Echulentlassungsfeier in der Schule Kachstr. 13.— WWW ü Lichletf clbe.U....--------------------.--- W..■ oraauifation?"— Rosenthal: Schule Schillerstraße.»Warum Schmutz- und Ean der Probe zur Schulenilalluugsl-ler IN oer ipaiuic»aamr. la.— cnan: Zugendheim Offenbacher Str. äa.»Uiu'erc Zährten.— stharlotten, Roed: Schule Wiebcstratze.»Gedichte."— Lichteesctde: Jugendheim Sichterfelde,West,«lbrechistr. lt.,.»Ist die EAI.«amp,.-der Bildungs. zraanifation?"— Rosenthal: Schule Schillerstraße.»Warum Schmutz- und Schundgefctz?"— Wittenau: Jugendheim Rofmhaler Str. 16.„Einführung in den Sozialismus.",..„, Werbebczirk Prenzlauer Berg: Alle Gruppen beiciligen»ch an der Probe in der Schule Sorfistr. 13 für die Feier im Grotzcn Schauspielhaus. Werbebczirk Neukölln: 7 Uhr Troffpunkt Hermannplatz(Apotheke) gunhgebunz der freigeistigen Verbände in Erbes Festsälen, Hascnheide. Zur vortrage, vereine unö Versammlungen. G Reichsbanner»Schwarz Rot Gold- Gefchäftsstelle: Berlin S 14. Sedaltianstr. 3733. Hof Z Zt. Gauoorstand. Achtung, EpieNeute! Fr., d. 25., 8 Uhr, Generalprobe aller Berliner Spietleuie auf dem Sporipwtz an der Sonnen. alle« in Neukölln. Nähe Bhf. gaiser-ftriedrich.Siraßc. Sonntag, d. 27., nackm. 1 Uhr Platzkonzert in Neukölln, Schillerpromenadc.— Krcuzberg: Unser Kam. Dahlinger, Fürstenstr. 11(Abt. 11), ist verstorben. Einäscherung Fr., d. 26., 6 Uhr, Krematorium Baumfchulenmeg. Die EinSfäicrung des«am. Ernst Sieinhäufer,«ommandanicnftr. 26(Abt. 7). finde! am>po.. d. 26., nachm. 5 Uhr, iui Krematorium Baumfchulcnweg statt. Wir bitten»m reg« Bcteili» gnng.— Dounerstag, 2«. März. Steglitz(Kreis): Turn- und Uebungsabend in der Turnhalle Ringstraße.— Freitag, 26.März. Mitte: 8 Ubr in der Alhambra, Wallnerthcalerstr. 13, Werbevers. Es sprechen Kam. Kurt Änlrr, Ma,or a. Uber»Republikaner, wacht auf!" und Kam. Direktor Läskler über„Republik und Volk." Lichteubcrg nebst Untergruppen: Zugsttzung in den bekannt?» Lokalen. t e n.— S-nnabe-d, 2». März. Fliedrichshei»: Jugend. abteilung 614 Uhr Wriezener Bhf. Fahrgeld 1.30 M. Für. Uebernachtcn 80 Pf. Ohne Bannerkleidung antreten. Kreuzberg: 714 Uhr Sitzung der Funktionäre mit erweitertem Kreisvorstand bei Ewald, Skalitzer Str. 120. Arbeiter-Nadio-Kli-b, Ortsgruppe grenzberg. Freitag, 29. Mörz. 8 Uhr, im Iägerheim, Nostizftr. 29, Vortrag:„Auoionempfänger" und praktische Vor. führungen. Di« Führung drr Sportorrbände durch die Frllhjahrsausstellung»Sport" der Berliner Sezession, Kurfllrstcndamm 232, findet Freitag, 25. März, 9 Uhr, statt.•___ wetterberichl der öfienINchen weit erdien slfielle für BerNn und Umgegend sNachdr. verd.). Größtenteils bewölkt, strichweise etwas Regen. Anfangs noch mild. Später stärkerer Temperaluriückgang. Für veulschland: Bon Norden nach Süden lortlchreitende Abkühlung. Ueberall stärker bewölkt und Neigung zu Niederschlägen. Kinder lieben diesen Hustensirup Ganz leicht selbst herzustellen. Bei Kindern muh gegen Husten bei den ersten Anzeichen vor- Begangen werden. Zeitige Maßregeln vermeiden ernsthafte Kompli- aitoncn. Sie können eine» wirksamen Hustensirup, den alle Kinder lieben, selbst herstellen. Er ist auch für Erwachsene gut. Man nimmt 66 g Ansy(dreifach tonzentriert) mit 236 s vorher in einem viertel Liter kochenden Wassers gelöstem Zucker. Das ergibt fast ein halbes Liter Hustcnsirup, der bei einem Drittel des Preises besser ist als die meisten Fertigpräparote. Die Heildämpse des Ansy dringen in alle Sltmungsorgane und sorgen für schnelle Abhilfe bei Hals- und Brustentzündung. Versäumen Sie nicht, sich Ansy(dreifach konzen- triert) zu besorgen. In jeder Apotheke erhältlich. 'd(?) !no Cigent- ffi&tM&r- wtr/fe MMJEm. Berlin NA. tsvf Chauffeeftr. a%o Un'e�� JtetT/nerßatintiof ZCgiZsie, Summlmänh!- FgUtJLK Donnerstag 24. März 1927 Unterhaltung unö AAssen Seilage öes vorwärts «Wir flnö Gefangene." Don Oskar Maria Graf. (Schluß.) Und nun antwortete es auch schon aus allen Zellensenstern rundherum, von unten bis oben, von links bis rechts, kreuz und quer, das ganze Haus schrie: Levinö-Nissen!" Drunten im chof knackte es. Alles drängte sich an die Fenster. Grelles Kcnnmandieren drang von unten herauf. „Maul halten! Weg vom Fenster! Weg! Still mit dem Spektakel da droben! Weg. weg!" gellten Soldatenstimmen, und plötzlich knallten elliche Schüsse heraus, daß die am Fenster wie weg- geschlagen in die Zelle zurückflogen. Einige Augenblick« war es still, dann schimpfte es aus allen Zellen:„Sauhunde! Dreck- schlawiner, windige! Am Arsch leckt's uns!" ..Ich— ich hob's gesagt, ich hab'sk gesagt, fetzt geht's uns schlecht!" jammerte der Sportkostümler, aber keiner hörte auf ihn. Immer wieder rannten Wütende ans Fenster und fluchten hinunter. Eine erbitterte Kühnheit war in alle gekommen, sogar die Schieber und der ängstliche Redakteur wetterten. Und weil es schon so war. sing ich an mit einigen, die um mich waren, die Marseillaise zu singen. Immer mehr sielen ein, die Zell« sang und wieder sang das ganze Haus. Es war bloß schade, daß die meisten nur einen Vers wußten. „Ruhe! Ruhe, Bande!" schrillte es schon wieder im Hof drunten. Wir stimmten die Internationale an. „Aufhören! Maul halten da droben!" drohte es noch einmal. „An Dreck und o Photographie!" johlte einer hinunter, und von allen Seiten erscholl Gelächter. „Und jetzt singen wir das schöne Lied„Schmiert die Guillotine!" sagte ich mutig, und weil es keiner kannte, sagte ich eifrig die Dcrse auf, zu jedem ging ich und lernte ihn an. „Also, also, jetzt! Jetzt geht's an. jetzt also!" schrie ich und schwang belustigt wie taktschlagend meine Arme:„Schmiert die Guillotine! Schmiert die Guillotine!" Alle waren dabei. Es dröhnte förmlich. Auf einmal brachen wir alle ab. Die am Fenster warnten hastig:„Jetzt kommen's!" „Um Gottes willen, wir sind verloren!" wimmerte der Sport- mensch und lehnte sich wachsbleich an die Wand. Wir drängten uns wie gewöhnlich aneinander vorüber und redeten gleichgültig. „Ja, ja, kommen schon! Horch! Horch!" rief wer von der Türe her. Wir lauschten. Drunten hörten wir Lärm und Zellen- türenschlagen. Schwere Sticfellrstte kamen über die Steintreppen herauf. „Keiner hat gesungen!" rief einer halblaut:„Wer was sagt, ist hin!" Jeder oerstand es. Die Tür ging auf, und ein Leutnant mit dem Revolver und einer Hundspeitsche trampelte mit drei Soldaten herein. „Wer hat hier gesungen!? Hier war's! Antwort!" fragte er schneidend. Keine Antwort. Stumm blickten wir olle auf ihn. Er fuchtelte förmlich schlaggierig mit der Hundepeitsche."• „Hier war's! Wer hat gesungen?!" Stumm blieb es. -.».Krieg ich Antwort oder nicht!" drohte er. .Jjier hat keiner gesungen... Da hinten weinen zwei," er- widerte ihm endlich ein hünenhafter, ausfallend breitschulteriger Ar- bester ruhig, und deutlich tonnte nian hören, wie die meisten aus- atmeten. Der Ofizier blieb einige Augenblicke in diesem dumpfen Schweigen stehen, machte eine rasche Kehrtbewegung. drehte noch einmal den Kops herum und rief schnarrend:„Ra wartet nur, ihr Kerle! Ihr kommt olle noch an die Wand!" Es wirkte aber nicht. Sporcnklirrend verließ der Mann mit seinen Soldaten die Zell«. Wir warteten eine Weile stumm, und jeder hatte ein gleichmütiges Gesicht. Der Redakteur sagte endlich:„Das werde ich mir mal merken." Dann fingen auch wir wieder zu reden an. Anfangs war es eigentlich ganz unterholllich hier, nur die Nächte sollten nicht gewesen sein, und wenn man beim Tag durch die Gitterfenster zum schönen, blauen Himmel hinaufschaute, wurde man mürrisch und ungeduldig. Vier bis fünf Tage war es wie ein Warten, allmählich aber fing die Zeit an. sich unerträglich zu dehnen. Es gab Stunden, da war jeder unzugänglich und brummig. Die Angehörigen durften jetzt das Esten bringen und zum Türloch hineinreichen. Das Fräulein kam fast jeden Tag, wir wechselten elliche hastige Worte, und Schluß war es wieder. Ein- mal erschien auch meine Frau und jammerte mir vor. Ich konnte nichts darauf sagen und war froh, daß der Wärter n»r etliche Mi- nuten duldete. Nach einer Woche kam ich zum Verhör. In einer Stube, wo vor jedem schreibenden Ausfrager ein Häftling feine Angaben zu machen hatte, wurden meine Personalien aufgenommen. Dann fragte mich der kleine, dicke Kommissar:„Haben Sie was anzugeben?" „Das wollll ich eben Sie fragen," sagte ich frech darauf. „Was?" frug der Polizist scharf. „3a. ich wollt' Sie«ben� fragen, was Sie über mich anzugeben haben." wiederHolle ich versteckt boshaft. „Also Sie haben nichts anzugeben?" „Nein." Wieder fragte der Mann:.Kaden Sie Enllastungszeugen?" „Ja," sagte ich gedehnt und besann mich ein wenig,„wenn ich keine B e lastung Hab', dann brauch' ich doch auch keine E n t- lastungszeugcn." „Also Sie haben einfach gar nichts anzugeben?" fragte der Kommissar kurz und griesgrämig«ilsam. „Nein." Er schrieb. Ich muhte ein Protokoll unterschreiben. Als ich wieder in die Zelle kam, waren neue Leute gekommen. Lauter Arbeiter. Einer stand traurig immer unterm Fenster und schaute vor sich hin. Auf Fragen antwortete er:„Ruinieren wallen sie mich... Ich war im Luitpoldgymnasium und Hab' meine Löhnung holen wollen... Jetzt bin ich Geiselmörder." Wester sagt« er fast nichts. Er war ruhig und bedrückt. In vier Tagen war er grauhaarig. Später hat man ihn zu fünfzehn Iahren Zuchthau» oerurteilt. Mit ihm hatte man einen mittelgroßen, leicht ongefetteten Bäcker eingeliefert. Er war immer guter Dinge und erzählle frei heraus, daß er die Erschießung gesehen hälle, einer habe ihm das Gewehr gegeben, und er habe es ihm geHallen, weil er austreten mutzte. Später hat man ihn zum Tode oerurteill und erschossen. Pürzer hieß er. Dienstwillig war er jedem gegenüber, machte derbe Spähe und hatte etwas von einem gutmütigen Tier. Einmal schrie der Wärter zum Türloch herein:, Kaste nberger!", Der Ärbeiter, welcher in den ersten Tagen so hitzig noch seiner j 9er Strafanftaltspfarrer. Der Oberpfarrer Drusch?« vermittelte lm Gefäugvi» den verkehr von Oberleutnant Schulz uad v. Poser. .das Christentum oerlangt es. Steht doch geschrieben: Meide meine Unschuldslämmer/ Frau verlangt hatte, schnellte van der Pritsche auf, auf der man ihn stets liegen ließ und rannte ans Loch. „Ihre Frau ist gestorben!" rief der Wärter gleichgültig kurz und ging. Kostenberger blieb etliche Augenblicke stocksteif stehen und glotzt« geradeaus. Jeder, der um ihn stand, wartete auf einen neuen Tobsuchtsansall, aber der Mann knickte nur ein wenig zu- sommen. schnaufte und kroch wieder aus seine Liegestatt. Er drehte sich zur Wand und sagte nicht ein Sterbenswort. Nachts plötzlich fing tn dieser Ecke ein Geschrei an, und wir hörten dumpfe Auf schläge und ein fast röchelndes Keuchen. Kastenberger schlug seinen Kopf unausgesetzt mst aller Wucht an die Wand, und als ihn einige überwälligten, biß er einem fast den Finger ab. Es gab einen be- drohlichen Tumnll. Wir schlugen Lärm und meldeten dem Wärter, Der ging wieder. Erst nach fast einer. Stunde war es wieder ruhig. Am anderen Tag lag Kastenberger mit einer schwere» Verletzung am Kopf, blutüberströmt aus dem Rücken. Er rührte sich nicht, als man ihn anredete, er ließ sich das dreckige angenäßte Sacktuch drüberlegen, sich abputzen. Er schnaufte nur ob und zu schwer auf. Erst zwei Tage darauf wurde er weggebrocht. Runö um Sie Zeitung. Die Heiligung der Presse. Die irdische Vertretung des lieben Gottes wird immer zeitge- mäßcr. Sie legt ein Lorurteil nach dem anderen gegen die moderne Entwicklung ab und macht sogar ihren Frieden mit der Presse, indem sie diesem Teuselswerk auf— Kirchenfenstern huldigt. Die New Porker Kathedrale St. John the Divine(Heiliger Ja- Hannes) soll ein Mosaiksenstcr zu Ehren der Presse bekommen, dessen Herstellungskosten in Höhe von rund 2�l>N00 Dollar amenlanischc Zeitungen aufbringest wollen. Der zuständige Bischof W. T Man- ning erklärte begründend: ,„.. Dies« Huldigung ist die nationale Anerkennung des guten Einslustes, den die Presse auf das Schicksal von Millionen ausübt. Sie soll verhindern, daß die Männer, die an den Funda- meisten der öffentlichen Meinung bauten und weiter bauen, hin- fort ungeehrt und unbesungen vergessen werden..." Ausgezeichnet. Durch farbige Kirchenfenster fällt das Licht der Wirklichkest gebrochen und verklärt in den Tempel des Herrn. Das gibt Stimmung, und Stimmung ist die Hauptsache. Kirche und Presse erkennen sich auf dem Gebiete ihrer Erzeugung fortan als ebenbürtig an. Wer aber zahlt die Kosten? Das geheiligle Geschäft. Selbstverständlich gill der Dienst der Zeitung den öffentlichen Interessen, der Allgemeinheit und ihrer Belehrung. SonderiMer- essen kennen die großen Weinungsfabriken nicht einmal dem Be- griffe nach. So kostet z. B. die Sonnabcndnummer der„New Porkcr Times" 5 Dollarcents. Sie liefert dafür bedrucktes Pavier. das einen Selbstkostenpreis von 12 Dollarcents beansprucht. Und den- noch bringt dies„Geschält" soviel ein. daß es einen Wolkenkratzer von 17 Stockwerken braucht und die Arbeitskraft von etwa 3000 Angestellten verschleißt. Den Druck besorgen 80 Rotationsmoschinen. Die Bilanz ist sehr aktiv. Zwei Drittel des Zeitungsumfanges werden nämlich für Inserate verbraucht. Die bringen das Geld und decken die Differenz zwischen Selbstkosten- und Verkaufspreis plus Gewinn. (Alles im öffentlichen Interesse und zum Borteil der Leser, die selbstverständlich unparteiisch aufgeklärt werden.) Auch die„Saturday Evening Post"(Samstagabend-Post), die illustrierte amerikanische Mammutwochenschrist, pflegt die allge- meinen Interessen und mauyrt an den Fundomenten der öffentlichen Meinung durch Inserate. Eine Seite kostet zwischen SOOO und 16000 Dollar und muß für gewöhnlich monatelang vorher bestellt werden. Wer das tut und zahlen kann, wird mit seiner Ware in 2,7 Millionen Exemplaren der„Saturday Post" über die Staaten ausgelobt... 1011 verinseriert« man in den Vereinigten Staaten rund 230 Millionen Dollar, 1920 bereits über 600 Millwnen. Für 1S2S schätzt man das amerikanische Inscratcngcschäft aus etwa eine Milliarde (Dollar natürlich). Kein Wunder, daß alle Gewalten sich vor der Macht bedruckten Papiers beugen. Zumal, wenn es selbst für ein Inserat in Kirchen- scnstcrform eine Viertelmillion Dollar bezahlen kann.... welklauf mit dem Ereignis. Weshalb wir immer unrvmanttscher werdeii? Sehr einfach, wir kennen keine Neugierde, keine Hoffnunq auf das Unbekannte mehr. Die Maschine hat uns beides gestohlen. Die Ungewißheit. diese teils aufregende, teils zermürbende, Im ganzen aber erfrischende Neroenmassage/ kann sich nicht mehr entwickeln: die Druckmaschine schlägt sie schon in ihren Anfängen tot! Die Londoner„Daily Mail" baut sich jetzt ein neues Geschäfts- haus, in dessen Maschinensaal 42 Pressen stehen sollen. In einer einzigen knapven Stunde werden sie die Gesamtauflage des Blattes von zurzeit 7bZ 000 Exemplaren, je mindestens 24 Seilen stark, aus- gedruckt haben. 210 pro Sekunde! Gezählt, gefalzt und Versand- fertig gebündelt! Größlich: eine ausgedruckte Zettung wird in Z Minuten durch- flogen, Makulatur. Eine Stunde nach dem Ereignis ist es Maku- latur, lockt keinen Hund mehr hinterm Ofen vor. Die Druckmaschine hat es entgöttert, indem sie seine Geburt verkündet, bevor noch recht der Nabelstrang zerrissen. Die Technik mordet die Erwartung, unser bestes Teil. Der- fluchtcs Tempo! häusliche Intimitäten. England ist prüde. Sagt man Hofe, fällt eine richtige Miß in Ohnmacht, sagt man Bauch, kriegt sie Krämpfe. Aber ibre Zeitung liest sie gern, las sie gern, denn jetzt darf sie nicht mehr schildern, wann, wo und wie nian sündigt mit dem, was die Hose birgt. Malheur, Malheur.... Die englischen Zeitungen konnten ihre Leser. Sonst sachlich und korrekt bis zur Langenweile, gestalteten sie eine Ecke gerichts- stenographisch aus: die der Ehescheidunas- und sonstigen Skandal- Prozesse. Haargenau konnte man da lesen, wann Mister I mit Miß V oder Mistreß Z gegen sein Ehegesponst gesündigt hatte, wi», wie oft, wann. wo. in welchem Kostüm, mit welchen Taten, schrlft- lich oder in Persona, vermittels Bett, Sofa, Stuhl, Tisch, Schoß, Teppich und sonstiger Gelegenheiten, die zur Sünde locken. Damit ist jetzt Schluß gemacht. Ein kürzlich veröffentlichtes Gesetz verbietet fortan die Schilderung„häuslicher Intimitäten" In der Presse, woninter besonders die Wiedergabc von Details aus Ehescheidungs- und ähnlichen Prozessen verstanden wird. In Zu« kunft dürfen nur noch die Noincn der beteiligten Parteien, der Zeugen und Richter sowie die Entscheidung und Gründe der Jury nebst dem Urteil veröffentlicht werden. Undelikyte Enthüllungen in der Verhandlung selbst, die eigentliche Seelenspeise der prüden Züchtigen, die nicht dabei waren, sich aber gern in die Roll« der Helden versetzten, um dann um so bester schmöhlen zu können, also undelikate Begebenheiten muß die Preise verschweigen, wenn sie nicht bis zu vier Monaten Gefängnis und bis zu SOO Pstrnd Geldstraf« riskieren will. So wird den Engländern wieder mal ein Vergnügen geraubt, die Freude am Abglanz der Wirklichkeit, über die man erröten darf. wenn andere sie üben. Wie aber soll die Preste nun ihre Leser und Leserinnen bilden und belehren, wenn sie ihnen die Wahrheit am abschreckenden Beispiel nicht mehr verdeutlichen darf? Die Zeitung als Lotterie. Zurzeit geht überall das Kreuzworträtsel um. Auch die Zei- tungen sind davon befallen und setzen Preise in Wettbewerbunge» aus. Am tollsten wütet der Bazillus jetzt in Glasgow, wo die Post- Verwaltung festgestellt hat. daß in letzter Zeit ollwöchentlich über Postanweisungen an Gewinner in Kreuzworträtselbcwerben 8000 bis 10000 Pfund von Zeitungen und Zeitschristen versandt wurde». Diese wiederum bekamen im Durchschnitt der letzte» Wochen rund 2S0 000 Briefsendungcn in Kreuzworträtselangelegenheiten, in einer besonderen Wettbcwerbswoche sogar etwas über 400 000! Drei Biertel der Einsendungen kamen aus England selbst, die übrigen aus den Kolonien und dem Slusland. Um dieser Flut Herr zu werden, hat die Post eine Anzahl Hilfs- kräfte anstellen müssen. Ans Dankbarkeit wollen diese einen Verein gründen und sämtliche Glasgowcr Zeitungen und Zeitschriften abonnieren, außerdem aber für das Kreuzworträtsel Propaganda machen. Woraus abermal« die Kulturbedeutung der Presse erhellt..,, nealer UdUipielcl ■fW. Staats-Theater Openahaas ». Platz d.Rcpabl. 7>/,Uhr;OttaeIls Sehanzpielbaaz IU.: Bin bezszrcr Herr Schiller«Tbeater i Uhr; Razzia MIM Dp» Charlottenbart PI, Uhr: Hoffmanns Erzählongen Abonn.-Turnus 11 Norden 10331—37 8 U. Ende lO'/jU. Bonaparte Freitati den 21, Zum 1. Male: Kanmerspiele Norden 10331—37 8 Uhr: Ende 10 Uhr: Toni Die EomSdie Bismarck 2111. 751f 8 Uhr, Ende nach 10 NanoeqDins TbraUllollenilorfpl. Kurfürst 2001 «Uhr: Max Adalbert in«Maliers- Kose-Tbeater «>/. Uhr: Das Mtdcfaea tob der laadstrnsse 3an»*skyS9h»n Th.Könlesrätz.St Hasenheide 21 10 8 Uhi: Die freue Nymphe Elisabeth»erxner HomOtUeiihaDi Norden 6301 8 Uhr: Vorletzte Aufführung! Dom-Calais tjWrh, r.TMIiiiin. mubeRt, Draafflbnug: Das zweite ledee } enlral- Thealer Opinth vor Midia Kupf. ilfowaa, Kliis, Halilidi. 14» in, Wlllat, libit SCAlA Nollendorf 7360 8 Uhr. o und die übrigen Seasationen! 2 Vorstellungen 3" und• Uhr, 3" zu ermäBIgt. Preisen d. ganze Programm f; \ R31TI3 buH'crpßiri � MARGARINE Vi. �fund nurSO�fg. maflä-Theater 8 Uhr: Du DStige Seefahrer ►tetropol- TDoot Täglich 8 Uhr: ZlrlmspfiDiessiD TrHmon-TRenier Täglich 8«/» Uhr: DbitelDeuDartier Clghft) Jggadlidn rotal» SalhabeifUbna Ots. Künstler-Th Ridard Tubv, Rill Etui 8 Der Zarewilsch l essing Thesler 8 U,: Der Patriot »b|t. Rfh» �««»«»««« Lusisplelbans 1 «>/. Uhr: 1 Gilde Tbhlid» .Burra-eisJongel! ««««»««»» Walhalla- Tueai. S'v iecbenjt*« 11/20 Die von der UeDe leben I Ks Süll dn Ubeu ttr litt Ikb reih Leste le 4 Ihn hpsdlldie brsn lehnt 1 f tellEDaDgelrate| 1(Irin I» lirvbti{ JbcfeBeadltlöi Cafe Vaterland Potsdamer"Platz Große Konzerte idwZ'w' Neu eröffnet: Tanz- ParKett Douglaa-Jazm-BanU— WOehenUch PrrUkonkurrertm für die besten Paare im C/borlcstere, foxiroll und Walser KempinsRi- Be/rie2>/ Volks büh ne IheitRi a» Bllovplih Th. im SduffliiittdiDin 8 Uhr Gewitter Ober Gottland Morgen 8 Uhr Gewitter Ober Gottlied 8 Uhr Tragödie der Liebe. | Komische Operj AllabendHeb SVi Übet fünden der-Weit Die weitstädtische 1 James* Klein- Revue I 250 MUwtrkeBde/ Theaterk.1 | ab 10 Uhr ununterbr. geöffnet! Wallner-Theater S'l, Uhr Der Operetlenerlolg 8l 4 Uhr Küsse<« Nacht Achtung! Billiger Fleisch- ud Wurstverkauf billig und gut 40 Thaerstraße 40 IletamD 1. Klasse am 2fl. mil 21. Anrll Piiie Staati-Lotteiie 7 SO 000 Loie, 280 000 Ge vinu im GnamiUetraOe?, fibor{ 53Plilli(oneiBRPI.| BSebsfaewIim aaf I Doppellos (g• des Pl«as|: 2 Millionen Uörbatg« wlnn Bat 1 ganzes Loa« 1 Million«.-Mark| 4 mal SOOOOOrn 2 bmi SOOOOOrm 2 BMI aSOOOOO BN. lo bmi iooooo bm. '£• V.S. V.fi. V.12, V, 24 fl. Doppellose 48 M. Krögers%£ierlii Frledridulrafie 192/193, alleiizioeritrsDe] zur Miete WäO.Ansbacherstr.l B tu der Qetemtaaflafe des.VonrÄrU" sind besonder« wrlrkja» «ad trotzdem sehr billig I ■ Wofpei*! man1 OniiLbUiur Nur OreB-Berlln JUezandojlal� CM ARU' rchauftc, Wrlmcidoffkritr. M tckp5chill«r5|r. /tr/ri Larferf. BesuMüput o�e mftn CASINO-THEATliRs Uhr- DasentefoWiD dieser Spielzeit Familie Habenichts! SBUMUneldeBl. Gutschein 1— 4 Pen. Fauteuil nur 1 Mk_ Sessel 1�0 Mk. VlinteF Carien Rd liehen geitättct SARRASANI Nene anloballe. 27. M*rz letzter Tag Tägl.?*. Mittwoch, Sonnabend, Sonn- tag, auch 3 Uhr, Kinder halbe Preise. Relchshailmn.Theater Abends 8 Uhr u. 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Ltr. 190 SOBer feinster Douro Portwein.. Ltr. 2.60 Feinster Wermutwein....... Ltr. 175 Heine Spirituosen an 6Qte feinste Klasse Feinster retner AquavK, 35%... Ltr. 2.95 Feinster Weinbrand-Verschnitt 38°/, Ltr. 3.20 Feinster deutscher Weinbrand 38% Ltr. 4.20 Alle LlkOre bü 38%....... Ltr. 4.45 Echt 3am.-Rum-Verschaltt 45%.. Ltr. 4.45 (Teerum) 3am.-Rum-Verschn. 55% Liter 5.20 Korbflaschen etc. werden geliehen. Ohne Kaufzwang t Keslproben gratlal Ausschank dlrukt wem FaB I Rote und welBe Flaschen-Weine zu zehr billigen Preisen I Ein Postan 1921er HautSeuternes PL XSS Achten Sie genau auf die Firma: Eduard Süßkind Hauptgeschäft Berlin N 31, Brunnenstr.48. 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März 1927 Das Hohelieö öes Profits. Zu den Abschlüssen der Darmstädter und Nationalbauk und der Commerz- und Privatbank. Die Darmstädter und Nationalbonk fft es, die unter den Troß- danken bisher am beschwingtesten das chohelied der Privatwirtschaft- lichen Rentabilität als der Quelle des deutschen Wiederaufbaues an- abstimmt Hot. Ein« Erklärung dafür liegt nahe. Nur nennt die Darmstädter und Notwnalbank sie in ihrem Geschäftsbericht nicht selbst: Das ist die Vervielfachung ihrer im Jahre 1S26 gegenüber dem Vorjahr erzielten Gewinne. offene Gewinnsteigenmg um 125 Proz. Nach der von ihr vorgelegten Gewinn- und Verlust- r e ch n u n g hat sich der ausgewiesen« Reingewinn bei einem Kapital van 60 Millionen Mark von 9,12 auf 20,96 Millionen Mark erhöht, d. h. um 12S Proz. oder, auf das Kapital bezogen, auf mehr als ein Drittel des Nktienkapitals. Die tatsächlich er- zielten Gewinne sind unvergleichlich viel höher: sie dürsten S 0 P r o z. des Aktienkapitals über ft eigen, ohne daß die neu entstandenen stillen und unausgeschöpften Reserven auf dem Konto der Wertpapiere, der Beteiligungen und Grundstücke dabei ein- gerechnet werden; und wenn die Danatbank ihre Dividende von 10 aus nur 12 Proz. erhöbt, so weiß sie, daß SO und mehr Proz. Divi- dende tatsächlich möglich gewesen wären. Natürlich klagt die Danat über den hohen Stand ihrer Unkosten(sie steigerte den Umsatz von 85 auf 119 Milliarden, verzeichnet von 54,7 auf 52,9 Millionen verringerte Unkosten und bewältigt« den um 40 Proz. g e- st i e g e n e n Umsatz mit einem von 8300 auf 7293 Angestellten verkleinerten Personal); und sie glaubt wie der Leiter der Diskontogesellschaft aussprechen zu dürfen, daß die riesigen Emissions- und Cffektengewinne eigentlich nicht als Einnahmen angesehen werden können, die man für den Gesichtspunkt der Rentabilität heranziehen dürfe. Wenn sie 10 Millionen davon in die Gewinn� rechnung setzt und sie dann den offenen Reserven hinzufügt, weil sie zur Dividende nicht notwendig sind, dann erscheint das fast als«in Akt der Gnade gegenüber der Oeffentlichkeit. Don dieser hohen Warte der Sewinnübersättigung aus erscheint dos chohelied de» Profits, da» die Danat in ihrem Geschäftsbericht an- stimmt, daher auch dann verständlich, wenn die eigentlich« Ursache des Gesanges im Bericht verschwiegen wird. Sapilalreate und Volkswirtschaft. Aber die Darmstädter und Nationalbank versucht ihr Lob der Kapitalrente in ihrem Geschäftsbericht auch Volkswirtschaft» lich zu begründen. Produktivität und Rentabilität, diese beiden Grundpostulat« der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, feien auch die Grundlage für die Förderung des Allgemein- wohls. Da» Jahr 1926 Hab« den Begriffen der Rentabilität und Produktivität bei uns wieder eine stark« Geltung verschafft. In dem Vertrauen der Welt zur deutschen Wirtschaft und zu ihren Leistungen lägen dafür die unverkennbaren Wirkungen, und in untrennbarem Zusammenhang mit der Konsolidierung de» Vertrauens habe sich auch die Bewertung der deutschen Substanz national und international geändert. Sie habe ihren beredten Ausdruck in der bedeutsamen und vielumstrittenen, aber für die erfolgreiche Gestaltung der Dinge ausschlaggebenden Bewegung anöden Effektenmärkten gesunden. Bei dieser Argumentation stützt sich die Danatbank aus den Konzentratums- und Rationalisierung� vrozeß in der chemischen, der Stahl-, Zement- und Kaliindustrie, sowie In der Schiffahrt und bei den Werften. Aber die Danatbank v e r- schweigt, wa» diesen zweifellos prioatwirtschaftlichen und privat- kapitalistischen Fortschritten an volkswirtschaftlichen Be» last un gen gegenübersteht. Kein Wort von der drückenden Ge- fahr der Ueberkapitoliiierung bei diesen Konzentrationen. Di« furcht- bare Sorge um den Arbeitsmarkt wird auf da» Gebiet der Bevölke» rungsproblematik abgeschoben. Daß die gewaltig« Steigerung de» Substanzwerte» der Unternehmungen und der Bodengüter durch vermehrte Arbeitslosiakeit. Drosselung der Massenkaufkrast und durch milliardengroße Zollsubventionen für die Landwirtschaft er- preßt sind, wird verschwiegen, und kein Wort verlautet von dem englischen Lergarbesterstreik, dem einzig produktiven, aber rein zufälligen Element wirtschaftlicher Koniunkturbelebung im Jahre 1926, nachdem der große Rationalisierungsprozeß der Volkswirt- schaft bisher jede Belebung durch Preissenkung versagt hatte. Ob- wohl dem so ist, eskomptiert die Danatbank die unerhörte Steigerung des Substanzwerte» der Unternehmungen und Bodengüter im Jahr« 1926 bereit» als dauernd gesicherte» volkswirtschaflliches Plus. Die Lehre» der Bilanz. Dazu hat die Darmstädter und Nationalbank ebensowenig wie die übrige» Großbanken irgendwelchen Grund. Das zeigt auch die Bilanz. E» ist besannt, daß die große Steigerung der Kreditoren bei den Banken einmal auf den Zufluß großer Auslandsanleihen, dann auf den Aus- und Abverkauf der Läger, dann auf Steuer- senkungen und Diskontherabsetzungen, auf die Sondergewinne au» dem englischen Bergarbeiierstreik, und endlich auf kapitalisierte Rationalislerunasgewinne zurückzuführen ist. Es sind also echt« wirtschaftliche Quellen, aus denen die Mittel der Banken ver- stärkt wurden, und es hätte selbstverständlich sein müsien, wenn die Banken ihr« volkswirtschaftliche Funktion richtig erfüllen, daß diese neuen Nittel auch wirtschaftlichen Zwecken wieder zugeführt worden wären. Es mag sein, daß die Reichsbant durch mannigfach fehlerhafte Politik die Banken dazu nicht zu zwin- gen vermocht«. Aber von sich au» haben die Banken alles getan, und zwar au» reinem Proflttnteresi«. um die Belebung der Wirt- schaft durch reich« und billig« Kreditversorgung zu verhindern. Bei der Danat sind die Kreditoren von 859,1 auf 1326.6, also um fast 60 Proz. angewachsen. Von diesem Zuwachs aber sind rund 140 Millionen der Börse zugeführt worden. 86 Millionen dienten zur Verstärkung der sofort greifbaren Guthaben bei anderen Banken. Diese Verstärkung ist begreislich. Aber mit 70 Proz. erfolgte sie bei ausländischen Banken, um damit ausländischen Beleg- schaften und ausländischen Betrieben neue Beschäftigung zu geben. In sehr viel geringerem Umfang al» die Ausstattung der Börsenspekulation und die Versorgung ausländischer Banken mit flüssigen Mitteln erfolgte die Kreditgebung im Inland auf laufendes Konto und durch Diskontierung von Wechseln. Bei den von 429,4 auf nur 580,2 gestiegenen Geldausleihungen auf laufen- des Konto wurde dabei die die Entfaltung der Produktiv- kräfte drosselnd« Pfänderpolitik sortgesetzt. Die Bestände an Wechseln(darunter auch unverzinsliche Schatzanweisungen) wurden um nur 85 auf 331.4 Millionen erhöht. Und die Vorschüsse aus Waren und schwimmende» Gut erfuhren eine Steigerung um knapp 18 auf 84,1 Millionen. Diese Bilanzentwicklung der Danat beweist, daß gerade ihre eigene Politik, wie die Politik der Großbanken über- Haupt, viel weniaer der wirklichen Stelgerung der Produktivität al» der rem spekulativen und prositlichen Antreibung der Spekulation zugewendet war, und daß die behauptet« Produttivrtöts- fteigerung noch nicht Wirklichkeit sein kann, sondern ein Wechsel ist, den die Zukunft erst einzulösen baben wird. Profite trüben den Blick! Freilich. imIahre19Z5,ale nach dem Stinnes-Zusammen- bruch und der Gefährdung riesiger Kredit« durch die Konzern- zujamwendrüch« auch dt« Danat»oll Hanger Sorge war, da fand sie für die volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten andere Worte. Da hieß es:»Wir brauchen Kapital, um Produktion zu schaffen, wir brauchen Produktion, um Arbeitsmöglich- keitenzu schaffen und damit die Preisverbilligungen durchzuführen, die durch künstlich« Mittel niemals ge- schaffen werden kann. Rur so kann, auch der darnieder- liegende Konsum im Inland gefördert und gehoben werden, und nur so kommen wir zur Wiedergewinnung ver uns verlorengegangenen Konsumländer der Welt, d. h. zu einer Er- höhung des Exports/ Auch damals fang die Danatbank das Hohe- lied der Rentabilität und des Profits. Aber sie sang es mit dem Zungenschlag der Sorge. Heute aber liegen für die Darmstädter und Nationalbant die Dinge so: Sie hatte und bekam Kapital, und sie brauchte es, um Börsen gewinne zu machen, weil chr Produktionskredite nicht profillich genug und zu riskant erschienen. Sie brauchte Börsengewinne und die Substanzaufwertung, um Bankgewinne zu machen und oerhinderte damit jene o r g a- nische Produttionsbelebung, die zur Senkung der Preise hätte führen können, die Fehlleitung der Auslandskredite verhindert und eine Rationalisierung ermöglicht hätte, ohne die unheimliche Steige- rung der Arbeitslosigkeit, die heute zu verzeichnen ist. Aber es kam anders. Und die Verantwortung dafür trägt zu einem sehr großen Teile das„Führertum* der Großbanken, dem die Darmstädter und Nationalbank vergeblich einen Lorbeerkranz zu verflechten versucht Es ist nicht allzuviel, was in diesen Tagen der Bankdirektor Dr. Albertchahn in einem Aufsatz des Instituts für Kon- junkturforfchung über den voltswirtfchaftlichen Erkenntnis- wert der Bankbilanzen verraten hm. Aber die Herren Großbank- führer mögen sich in diesem Aussatz ihres volkswirtschaftlich doch etwas besser beschlagenen Frankfurter Kollegen davon überzeugen, wie die Bankmittel wachsen und die Börsenspekulation beleben können bei riesigen Privatprofiten der beteiligten Ban- ten, ohne daß dabei der Volkswirtschaft irgendwelcher Nutze« zu erwachsen braucht. Der Abschluß der Commerz,»od Privatbank. Der Abschluß der Commerz- und Privatbank hat die Dividende für da« Kapital von 42 Millionen(kürzlich aus 60 Millionen erhöht) von 8 auf 11 Proz. erhöht Der Reingewinn wird mit 8,04 gegen 5,12 Millionen ausgewiesen. Auch hier ist in der Gewinn- rechnung nur ein kleiner Teil der in Emission und im Effekten» geschäft erzielten Gewinne ausgewiesen, und zwar mit 2,24 Millionen Mark. Insgesamt wird ein Rohgewinn von 54,0 gegen 50,4 Millionen im Vorjahre in Rechnung gestellt Der von 68 auf 85 Milliarden gestiegen« Umsatz wurde mit Handlungsunkosten bewältigt die von 40,5 auf 39,7 Millionen gesunken sind. Gleichzeitig wurde das Personal geringfügig, und zwar um 117 aus 7226 Angestellte erhöht Di« Bilanz zeigt da« bei den Großbanken ziemlich allgemein gewordene Bild. Rur hat die Tat- fache, daß die Commerz- und Privatbank stärker im Kunden- und Seehandelsgeschäft steht, die Börsenausleihungen weniger stark, da» eigentlich« Kreditgeschäft dagegen relatw stärker anwachsen lassen als bei anderen Banken. So kommt es, daß von den von 600,4 auf 789,2 Millionen angewachsenen Kreditoren dem Börsengeschäft nur rund 86 Millionen zuwuchsen, während sich das Wechfelportefeuill«, die Bevorschussung von Waren und schwimmendem Gut und die Kreditgewährung in laufender Rechnung um rund 82 Millionen erhöhen konnten. Wie bei den anderen Großbanken ist auch hier die Stärkung der sofort greifbaren inneren Reserven und der stillen Reserven bei Bank gebäuden und Grundstücken sehr beträchtlich. Aus der in diesem Jahre vorgenommenen Kapitalerhöhung auf 60 Millionen Mark wird den oftenen Reserven noch ein Kursgewinn von etwa 10 bi» 11 Millionen Mark zufließen, wozu wahrscheinlich weiter« anderthalb Millionen au» dem Dortrag von 1,52 Millionen Mark stoßen werden. Im Gefchöftsbericht werden die Zukunftsanssichten etwa» kritischer beurteilt als von anderen Großbanken. Im Zusammenhang mU der Arbeitslosigkeit wird die geringe Konsum- fähigteit weiter Kreise gebührend unterstrichen, die besondere Be- deutung de» englischen Bergarbeiterstreits wird hervorgehoben. Allerdings fehlt der schon zur politischen Mode gewordene Hinweis auch hier nicht daß der Landwirtschast wieder einmal geholfen werden müsse, obwohl sie noch nie so gut darstand wie jetzt der Arbeitsmarkt in üer dritten Märzwoche. Weiter« Besserung.— Hauptsächlich attS Saison- gründe«. Die allgemeine Loge de» Arbeitsmwrtte» hat sich auch in der dritten Märzwoch« nach den Berichten der Landesa rbsitsämter weiter gebessert Aufnahmefähig waren vor allem die Landwirtschaft die Industrie der Stein« und Erden, darunter besonder« das Ziegelei. gewerb«, in dem die Kampagne langsam einsetzt, sowie das B a u g e w e r b e, Darüber hinaus macht sich die Besserung de» Be schäftigungsgrade» im Metallgewerbe wie im Maschinenbau und in der Elektroindustrie bemerkbar. Auch im Spinnstoffgewerbe Ist der Beschäftigungsgrad unverändert günstig, desgleichen trat im Bekleidungsgewerbe überall eine weitere Besserung zutage. In der Entwicklung des Ruhrbergbaues tritt zum ersten Male fett Mitte des vorigen Jahre» die Neigung zur Abschwächung aus. Die Papierindustrie ist im allgemeinen befriedigend beschäftigt Scharfe Steigerung ües Güterverkehrs. Von der Reichsbahn wirb für die Woche zum 12. März eine tarke Steigerung des Güterverkehrs gemeldet Die arbeit»- tägliche Wagengeftellung erhöhte sich gegenüber der Vorwoche von 139 200 auf 144 500. Tabellarische Ueberflcht seit Dezember. 2. 9. 16. 23. 30. 6. 13. 20. 27. 6. Woche 1.- 8. 1.-15. 1.-22. 1.-29. 1.— 5. 2.— 12. 2.-19. 2.-26. 2.- 5. 3.-12. wöchentlich 1. 1. 1. 1. 2. 2. 2. 2. 3. 3. > 1927 721.3 778.1 790,3 793,4 795.6 802.9 815,0 825.0 886,0 867,1 1926 602,2 644,1 633,0 667,0 668,4 660,8 672.1 688,4 686,7 689,9 (In 1000 Stück) durchschnittlich pro Ardetteto» 1927 120,2 129,7 131,7 132,2 132.6 133,8 135,8 137.5 139,2 144,5 1926 100,3 107,4 105.5 111,2 111,4 111,6 112,0 113,9 114.3 115,0 Auch wenn man die Wiederaufnahm« der landwirtschaftlichen und der Bauarbeiten berücksichtigt, bleibt die Steigerung des Güter- Verkehrs beträchtlich. Sie geht im Verhältnis weit über die Steige- rung des Vorfahr«« hinaus und ist stark progressiv. In den zehn Wochen seit Jahresbeginn stieg die arbeitstaglich« Wagengestellung um über 24 000 gegenüber nur rund 15 000 in der gleichen Zeit des Vorjahre». Die konzentratlonsbewegung im Einzelhandel. Die Warenhaus- konzentration macht weitere Fortschritte. So hat der Linde- mann-Konzern, dessen Hauptarbeitsgebiet bekanntlich die Warenhäuser in den größeren Provinzstädten sind, der ober auch in Berlin drei Warenhäufer mittleren Umfangs besitzt, das langjährig bestehende Kaufhaus Nathan Sternfeld in Preuße"'~ ,en erworben. Auf der anderen Seit« rüsten sich die mittleren. und kleineren Geschäfte gegen den Großeinzelhandel der Waren- Häuser dadurch weiter zur Abwehr, daß sie sich zu Einkaufs- organifationen zusammenschließen. So ist in Berlin von einer Reihe mittlerer Geschäfte der Textilbranche die„G r o k a' als Einkoufszentrale gegründet worden, und die aus dem Emden- Konzern übrig gebliebenen Einzelhandelsgeschäfte haben sich unter dem Namen.Der Ring" eine Einkaufszentrale geschaffen. Be- kanntlich sind eine Reihe von Prooinzgeschäften des Emden-Konzerns von dem Karftadt-Konzern aufgenommen worden, während die Iandorffchen Geschäfte, die ebenfalls dem Emden-Konzern ange- gliedert waren, in den Besitz von Hermann Tietz übergegangen' find. Unter der Firma„G r o d e k u s", Einkaufsvereinigung mit dem Sitz in Münster(Wests.), haben sich endlich achtzehn bedeutende Firmen des Kurz». Schreib, und S p i e l wa r en g r o ß- Handels zum genieinsamen Einkauf vereinigt, wie von der .Texttlwoche" mitgeteilt wird. Um 30 proz. gestiegene Umsähe und 3 proz. Dividende bei Brown Bovert Die Brown Boveri u. Eo A..G.. Mannheim, Tochtergesellschaft des Schweizer Konzerns für Dampf- und Elektro. großkraftmafchinen schließt ihr Geschäftsjahr 1926 mit einem Rein- a e w i n n von 1,03 Millionen Mark ab. Da hiervon 0,59 Millionen für Sonde rabfchreibungen auf Anlagen(neben 0,86 Millionen Normalabschreibungen) verwendet wurden, tritt in der Dividende von 8 Pro� noch nicht die Hälfte des Reingewinns zutage. Die.. vermehrten Aufträge der Mafchinenindustrie, die Elektrifizierung von Betrieben und Bahnen bewirkten im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Steigerung des Umsatz«, um etwa 30 Proz. gegen. über 1925. In das neue Gefchäftsjabr konnte die Gesellschaft mit einem Auftragsbestand gehen, der weit über dem Stande des Bor- jahres liegt In der Bilanz wirkt sich die im Laufe des letzten Jahres vorgenommene Kapttalerhöhung um 10 auf 15 Millionen besonders in der starten Verringerung des Gläubi�erkontos aus, das um 8,6 Millionen Mark auf 5.6 Millionen zurückging. Demgegenüber stiegen durch den vermehrten Umsatz die Forderungen von 13,45 auf 17,8 Millionen Mark. Die Hoch- tonjunktur an der Börse warf bei der Kapitalerhöhung Kursgewinne von 1,15 Millionen ab, die dem ordentlichen Reservefond» zugeführt wurden. Trotz der gewalligen Umsatz fteigerung gegenüber 1924 haben sich die G e n e r a l k o st e n nur unwesentlich erhöht. Sie stiegen von 8,33 auf 9,31 Millionen, also um 12 Proz. während die Steuern sell 1924 von 1,33 auf 1,05 Millionen im Jahre 1925 zurückgingen und 1926 stch auf 1,07 Millionen hielten. Daß trotz dieser glänzeichen finanziellen Lage das Unternehmen noch über die zunehmenden sozialen Laste» klagt, ist nicht weiter aus- regend, da solche Klagen den Unternehmern zur Gewohnhell ge- worden sind. Große Gewinne der Velvelindustrie. Seitdem Anfang dieses Jahre» die Mechanische Weberei zu Linden- Han- n o v e r und die Berliner Velvetsabrik M. Mengers Söhne A.-G. sich zusammengeschlossen haben, wobei die Han- nover-Lindener Gesellschaft ihr 6,87-Millionen-Kapital um 3,7 auf 10,5 Millionen erhöhte, ist der wichtigste Teil der deutschen Baumwollsamterzeugung in einer Hand vereinigt Die Beloetproduktion gehört schon seit langem zu den rentabelsten Zweigen der Textil- industrie. Durch den Sturz der Vaumwollpreise im vorigen Jahr ist chr noch ein besonderer Vorteil zugewachsen. Bei der Mechanischen* Weberei Linden-Hannover kommt das wieder darin zum Ausdruck, daß sie, wie im vorigen Jahre, eineDividendeoonlöProz. verteilt. Der Reingewinn ist von 1,24 auf 1,29 Millionen erhöht Auch au» dem um fast 50 000 Mk. erhöhten Vortrag läßt sich die Steigerung der Gewinne deutlich erkennen. Der Umsatz des vorigen Jahres lag erheblich über dem von 1925. Man wird es wohl als Auswirkung des Zusammenschlusses betrachten dürfen, daß dl« Preise der Velvetindustvie. nachdem sie eine kurz« Zell abwärts zeigten, im neuen Jahre sich wieder nach oben bewegen. werkzeugindustrie und Battonallsierung. In dem Geschäfts- bericht der Spiralbohrer-, Werkzeug, und Maschinen- fabrik R. Stock u. Co. A.-G. finden sich folgende interessante Bemerkungen über die Rationalisierung:„Das Problem der Ratio- nalisierung wirkt sich kür unseren GefchällsMieig dahin aus, daß die Verbraucherkreise die Lagerhaltung in wesentlich höherem Maße als früher auf den Produzenten abwälzen, der infolgedessen höhere Lorratsbeftände für den Abruf bereit- zuhalten und darin größere Mittel mindestens so lang« fest- zulegen hat bis sich fließende Fabrrkatton und fließender Absatz allmählich ausgleichen. Dann weist der Bericht auf die un- günstigen Folgen der Rationalisierung für die Wevkzeugindustrie hin. Sie habe eine Verringerung des Absatzes in Werkzeug- Maschinen zur Folge gehabt, die noch durch die Auflösung von Lägcrn stillgelegter Betriebe verschärft wurde. Die geringen Umsätze dokumentieren sich in den hohen Vorräten, die in der Bilanz per 30. September 1926 mit etwas über 4 Millionen Mark ausgewiesen werden. Die Gesellschaft erzielle bei einem Aktienkapital von 7,56 Millionen M. einen Reingewinn von 62 330 Mark, der auf neue Rechnung vorgetragen wird. Doppelter Ilmsah. auf ein vrilkel verringerte Belegschaft. Die PreßluftwerkzeugundMaschinenbau A.-G., Berlin- Oberschöneweide, schließt ihr Geschäftsjahr 1926 vom 1. April beginnend schon am 31. Dezember 1926 ab, um nunmehr das Ge- fchäftsjahr dem Kalenderjahr gleichzusetzen. Für dies« neun Monate wird eine Dividende von 8 Proz. ausgewiesen, die einer I a h r e s dividende von etwa 11 Proz. entspricht. Der Vorstand des Unternehmens hat beschlossen, das Aktienkapllal von 2A auf 1,7 Millionen herabzusetzen und 0,7 Millionen Mark Vorratsaktien einzuziehen, um den hieraus entstehenden Luchgewinn zu außer- ordentlichen Abschreibungen zu verwenden. Die Ge- schäststättgkeit des Unternehmens hat stch im Laufe des Jahre» 1926 sehr belebt, da neben der Mafchinenindustrie die Schiffswerften und Eisenbahnen des In- und Auslandes als Besteller wieder stärker in Erscheinung traten. So konnte der Umsatz gegenüber 1924/25 fast verdoppelt werden. Es ist«in klassisches Zeugnis für die Mög- llchkelten der Rattonalisterung, daß dieser doppelte Umsatz mit nur 35 Proz. der Belegschaft erwirtschaftet wurde, denn von 420 De- schäftigten im Jahre 1924 waren in diesem in der Preßluftindustrie führenden Unternehmen 1926 nur noch 150 Arbeller und Angestellte bei dem Unternehmen tätig. Der varmer Vaakvereia. einst von Hugo Stinne« zu seiner Konzernbank ausersehen, hat, wie alle großen Privatbanken, im ver- angenen Jahre reiche Gewinne zu verzeichnen. Er verteilt auf sein kapital von 21 Millionen ein« um 2 auf 10 Proz. erhöhte Dividende bei wahrscheinlich erheblicher Neuschaffung mehr oder weniger geheimer Reserven. Sehr beachtlich ist, daß im Gegensatz zu mehreren Großbank«« das Wechfelportefeuill« um über 60 Proz. erhöht ist und die Warenvorschüsse mehr als v e r v i« r- facht sind. Die starke Konjunktur im Ruhrgebiet scheint den Barmer Bankverein also von dem bevorzugten Börsengeschäft mehr ab- «drängt zu haben als die Berliner Banken. In der Gewinn- und Verlustrechnung fällt gegenüber der erheblichen Ausdehnung der Ge- fchäfte die starte Verringerung der Verwaltung»- kosten von 8,4 auf 6,4 Millionen besonders auf. Die Berliner Aboag wird für 1926 wie im Vorjahr eine Dividende von 10 Proz. verteilen. •isfmbaaflra ffit bUfe XsbrU(tab «ctlia es 68, Lwb-»ftr. analnfe.* STcfetcnt Genosse Dr. eernfetb-ffiien. 2. vortr»g:.Drr A»fb»» brr prevßilchrn Pollz-ischul«." Referent Genosse P»llzeilch»lrat Bole. 3. Ber. schiebenes. * 1. Anis Ritte. Freitag, 25. Rar,, 8 Uhr, bei gschiesmg, Ackrrftr. L Sitzung sämtlicher Elternbeiräte de»«reise». Referentin Genossin Rähler. Thema:„Elternbeiräte und Lesebuch frage." Alle Elternbeiräte werde» ge- beten, bestimmt zu erscheinen. Z. Brei» Wedding,»rdei«erwohlfahrt: Freitag, 25. März, M Uhr. im Stadt- bad Gerichtstr. 55, Besuch der Sonderausstellung„Volkskrantheiten" de» Gesundheitsamtes Wedding Uber„Altobolismu»".m Lokal Lindenpari, Berliner Straße. 102. Abt. Banmschnlenweg. Pstnktlich 7V4 Uhr bei Borgmann, Baumschule»-, Ecke Biesholzstrahe, außerordentliche Miialiederversammlung. Vortrag: „Schul- und Erziehnngsfragen, unier Beistckstchtigung der Grotz-BerNaer Perhältnissr." Referent Stadtschulrat Rndahl. Gäste und.Borwäet»"- Leser sind herzlichst willkommen. Achtung! Dir Funktionäre treffen sich im gleichen Lokal dereit» um 8 Vi Uhr. • 83. AbL Lichteeselde. Alle Bezirisfvhrer rechnen am Sonnabend, 28. Mär». mit dem Abteilungskasflerer bei dem Genossen Richard Schmidt, Klnden- burgdamm. Ecke Roonsiraße, von 8 Uhr ab. Alle Bartothekkarte» sind unbedingt mitzubringen. 82. AbL Steglitz. 7. Bez. Südende: Sonnabend, 28. März, 8 Uhr. Unteehnlinoiwotend im Biktoriagarten lHermann Pichler), Lankwitz, Biktoriastr. 58—58. Gäste und Freunde find herzlichst willkommen. 1 Zungsozialisten, heute. Donnerstag, 24. März: lich 8 Uhr Gruppenabend in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 8. Vor, trag des Genossen Dr. Bernfeld:„Plychoanalnle und sozialistische Erziehung." Mitglieder anderer Gruppe» sind eingeladen. Sonntag, 27. März, Fahrt nach Erkner. V>8 Uhr stich Treffpunkt am Echlesischen Bahnhof.—»rnppe Osten: 7% Uhr Forssetzung unserer Arbeitsgemeinschaft im Rahmen der Ar. beiterbildungsschule.— Gruppe Prenzlaner Berg: 8 Uhr im Jugendheim Danziger Str. 82 Bortrag:„Bevölkerungspolissk." Referentin Genossin Hartog. — Gruppe Renkölo 1 und 2: SM Uhr in der Bollsbllcherei, Ganghoserstraße, Bortrag:„Das moderne Indien." Referent Dr. Sturm. Frauenveranstaltungen: 9. Brei, vilmer»d»rs. Konnabend, 28. März, TM Uhr, im Biktoriagarten, Wilhelmsaue, Gemütlicher Abend. Ansprache: Etadtnerordnetr Minna "odenhageiz. 7. AbL Freitag, S. März, 8 Uhr, in Eorni» Festsälen, S-rtenstr. 8. Fort. setzung de« Vortrages„Die Frau in der GrfeÜschaft." Referent Genosse Brendel. >08. AbL Böpenick. Freitag, 25. März, TM Uhr, im Deinen Saal de, Stadt- theaters, Auftakt zur internationalen Frauenwerbewoch«. Bortrag:„Die internationaleu Forderungen der Frauen." Ref. Marie Bunert, M. d. 8. 138. Abt. Sermsdors. Freitag, 25. März, 8 Uhr, im Lokal„Zur scharfen Ecke", Berliner, Ecke Bahnhofstraße. Vortrag:„Der Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten." Referentin Margarete Schenka- lowski). Gäste find willkommen. Arbeitsgemeinschast der Klnderfrennde. 19. Brei» Pankow. Sämtliche Helfer beteiligen sich»m Freitag, 25. März, 8 Uhr, an dem Diskufsionsabend der SAI. über.Arbeileringend und Binder. freunde" in der Schule Rlederschönhausen, Blankenburg er Straße. Sterbetafel der Groß-öerliner partei-Grganifation' 48. AbL Achtung! Die Einäscherung unsere» verstorbenen Genossen Richard Dahlinger, Fstrstenstr. 11, findet nicht, wie irrtllmlich angegeben, am Donnerstag, dem 24., sondern am Freitag, dem 25. Rät,, abend« 8 llhe, im BrematorillM Baumschulenweg, Biefholzstr. 221, statt. Wir bitten die ve- nosfinnen und Genossen um recht rege Beteiligung. Gefthästliches. Bildhauerkunst im Schaufeaster. Mancher w«rd sich heute noch der primitiven Figuren eines Neger» oder Indianers entsinnen können, die vor Jahren«inst die Auslagen der Tobakhändler schmückten. Der Wert dieser Plastiken lag nicht allein in ihrem Alter oder in der Ausführung: er wurde vor allem durch die Eigenschaft bestimmt, daß alle diese Aus- stellungsftück« ein.Symbol des Tabaks* waren. Wie früher sieht man auch heut« wieder in den Schaufenstern der Zigarrengeschäft« solch«ine traditionelle Plastik, die auf einem anderen Niveau steht als die landläufigen Attrappen. Es ist der„R a v e n k l a u*- R a b e der Firma Haus Neuerburg, eine künstlerisch hochstehende Arbeil, welche Beachtung verdient. Der alte Gedanke lebt darin wieder auf, wenn auch die Ausdrucksmittel der heiuttgen Kunst für ihre Gestaltung bestimmend waren. Aus zahllosen feinen Messing- plättchen setzt sich das blinkende Gesieder des Raben zusammen, der für die Zigarettenmark«„Ravenklau' welDen soll. Die Plastik dürfte gowih thren Zweck erfüllen, das besondere Augenmerk auf diese Zigarette zu lenken. Baffe»«aierlond— Brmplnski.verleb. Verschiedentlich wurde da» Serllcht verbreitet, daß das Baffee Baterland während des Umbaue» de» großen Ufa- Hause«, da»»an nun ab in die Bempinski-Betriebe einbezogen wirb, geschlossen bleibt. Diez entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Das Baffee Baterland wurde renoviert. Die Leitung des Baffee» hat die Neuerung eingeführt, daß das Pndlikum Gelegenheit flirtet, auf der oberen Terrasse bei der Original- Douglas Jazzband zu tanzen. Die großen Bonzeete, die von mittags bis 2 Uhr nachts dauern, bestehen fort und die volkstümlichen Preise sichern weiter» hin dem Unternehme» einen regen Besuch und vollen Erfolg. Zu gelte» wirtschaftlicher Rotloge ist der haushälterische Umgang mit vor- handenen Borräteu nicht in das Ermessen der Einzelperson gelegt, sondern ein Wgemeinbedürsnis geworden. Die Lebenshaltung ist teuer, namentlich was Bleidung und Wäsche anbelangt. Gerade letztere kann nue durch sachgemäße Bebandwng vor frühzeitigem Verschleiß und Unansehnlichkeit bewahrt werden. Bekanntlich leidet die Wäsche beim Waschen am meisten, da Reidarbeit und mit zersetzenden Bestandteilen durchmischte Waschmittel zerstörend ans da» Gewebe wirken. Die fürsorgende Hausfrau kennt keinen Waschtag, ohne den Beistand, den ihr Dr. Thompson» Seiseupnlver mit dem Schwan, nach dem Gutachten zahlreicher namhafter Ehemiker frei von schädlichen Stoffen, in oollendetem Maße gewährt. Darmstädter und Nationalbank Kommanditsescllsctaaft auf Aktleo* Einladung zu der am Freitag, dem 8. April 1927, vormittags 11 Uhr, in unserem Gebäude Berlin, Behrenstraße 68-70, stattfindenden ordentlichen Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Erstattung des Geschäftsberichts für 1926. 2. Beschlußtassung Ober die Genehmigung der Bilanr mit Gewinn- und Verlust-Rechnung für 1926 und die Gewinn-Verteilung. Z. Beschlußfassung Ober die Entlastung der persönlich haftenden Gesellschafter des Aulsichtsrats. 4 Feststellung zu§ 13 des Gesellschaftsvertrages betreffend das Ausscheiden des Herrn Generalkonsul Fr. Hlncke aus der Zahl der per- lich haftenden Gesellschafter. 5. Aufsichtsratswahlen. Zur Stimmenabgabe sind diejenigen Kommanditisten berechtigt welche ihre Aktien oder den von einem Notar oder von der Reichsbank oder von dem Giro-Effekten-Depot der Bank des Berliner Kassen-Vereins über dieselben ausgestellten Hinterlegungsschein spätestens drei Werktage vor der Generalversammlung bei einer der nachbezeichneten Stellen deponieren, und zwar 1. bei unseren Hauptniederlassungen in Berlin(Behrenstraße 68-70), Bremen, Darmstadt; 2. bei unseren sämtlichen Filialen und Zweigniederlassungen; 3. in Barmen he! dem Barmer Bankverein Ulnsherg. Fischer t Comp., , Breslau bei dem Bankhause Elchboni 4 Co. Danzlg bei der Danziger Bank für Handel und Gewerbe Aktlesgescllschaft . Esse» o. d Ruhr bei dem Bankhause Gebrüder Hammerstein. bei dem Bankhause Simon Hirschland, , Frankfurt o. M. bei der Deutschen Effecten- und Wechsel-Bank, bei dem Bankhause Otto Hirsch& Co., bei dem Bankhause Lincoln Mennjr Oppenbelmer, bei dem Bankhause Jacob S. H. Stern, bei dem Bankhause Gebrüder Sulzbach, „ Hamburg bei dem Bankhause U Behrens& Söhne. bei dem Bankhause M. M. Warbnrg* Co, . Hannover hei dem Bankhause Ephroim Meyer 4 Sah«, . Karlsruhe bei dem Bankhause Veit L. Homburger, . Köln bei dem Bankhause A. Levy, bei dem Bankhause Sai. Oppenhelm|r.'4 Cl«_ . Leipzig bei der Allgemeinen Deutschen Credlt-Aastall, . München bei der Bayerischen Vereinsbaak, bei dem Bankhause Merck, Flock 4 Co., . Nürnberg bei dem Bankhause Anton Kohn, 4. in Amsterdam bei der Amsierdamschcn Bank, > bei der Inlernaiionalco Bank te Amsterdam.. „ Wien bei der Mercurbank. DarmstSdter and Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien Berthl, des 23. März 1927. Goldschmidt von Simson. Darmstädier und Nationalbank Kommanditgesellsdiafi auf Aktien Bericht der persönlich haftenden Gesellschafter. Tastend und unsicher hat die deutsche Wirtsdiaft das Jahr M96 und mit Zweifeln und Widersprüchen ist sie auch in das neue Jahr hinein- p�pa-Dgen. Noch immer bestimmt eine revolutionäre Entwicklung den Verlauf der Dinge und zwingt den wirtschaftenden Menschen, sich mehr als In früheres Perioden auf die Kräfte von Natur und Zell zu verlaaaen. als seiae Entschlüsse lediglich aufzubauen auf dem Material, das Statistik und Erfahrung liefert. Die Rückkehr zu..normalen Verhältnissen**, die nach den Erlebnisaea des Krieges und seiner Folgen sich mehr und mehr snm Ziel und sor Sehnsucht aller herausbildet kann nicht allein mit den überkommene« Mittel« der Erfahrung erkämpft werden. Die Lösung mufi im wesentlichen durch achdp- ferisches Erfassen der treibenden Ideen und Kräfte der Gegenwart gewonnen ■werden. Es ist natürlich, daß dabei Zweifel und Widersprüche«kh bei dem an führender Stelle stehenden Menschen geltend machen, und zwar am so mehr, je mehr die Erkenntnis wächst, daß unsere Zeit in ideeller und materieuer Hinsicht neue Begriffe und Gedanken fordert Erst ia späterer Zukunft wird sich erweisen, ob die Fundamente, die von der Wirtschaft aufbauend auf diesen Ideen und Begriffen geschaffen werden, geeignet waren, um als Träger für eine neue Wirtschaftsepoche zu dienen. Die Zweifel und Widersprüche, die sich aus solcher Lage ergeben müssen. hat man in letzter Zeit häufig aus dem Gegensatz der Begriffs Optimismus und Pessimismus zu erklären versucht Wenn man auf diene bequeme Formel verzichtet und die gegensätzlichen Auffassungen kritischer betrachtet wird mau feststellen müssen, daß diese Unterscheidung praktisch eine viel geringere Bedeutung bat als es zunächst den Anschein gewinnt Jeder verantwortliche Wirtscfaaitler, an welcher Stelle er auch stehen mag, übersieht, auch wenn er aus natürlicher Veranlagung heraus an eine aufwärtsführende Entwicklung glaubt, klar und deutlich die Gefahren und Schwierigkeiten, die Gegenwart und Zukunft zeigen. Die Notwendigkeit aber, neue wirtschaftliche Gebilde konstruktiv zu schaffen, neue Ideen in feste Formen zu gießen, neue Entwicklungswege* zu erschließen, wenn man überhaupt dem wirtschaftlichen Leben wieder Inhalt und Kraft verleihen will, zwingen auch den, der nach Charakter und Erlebnis gewöhnt ist, zunächst die Schwierigkeiten und Schattenseiten der Dinge auf sich wirken zu lassen, zum Handeln und damit im eigentlichen und höheren Sinne zum Bekenntnis zum Opitimismus. Nur das sich hieraus ergebende Vertrauen auf eine fortschreitende Entwicklung bringt uns über die Zweifel und Widersprüche hinweg, die als Produkt einer Särenden Zeit entstehen und die überwunden werden müssen, wenn wir za cm Ziel gelangen wollen, der kommenden Generation ruhigere und gefestigtere Wirtschaftsgrundlagen zu schaffen...... Das Jahr 1926 hat den Begriffen der RentabiBtftt und Prodokhvitit bei uns wieder eine starke Geltung verschafft. Die Wirkungen sind unverkeuabar eingetreten. Deutschland ist international wieder zu wirtschaftlicher Ab- erkennung gekommen und hat sieh das Vertrauen der Welt durch seine Leistungen neu erworben- Die heutige Einstellung der amerikanischem Finanz und des amerikanischen Kapitalmarktes, wie überhaupt der Weltfinanz zu Deutschland baut sich auf aem Viedergewon nenen Vertrauen zur deutschen Zukunft auf. Unsere Verschuldung gegenüber dem Aaslande ist auf der Basis dieser veränderten psychologischen Einstellung grundlegend geändert worden. Die kurzfristigen hochverzinslichen Kredite wurden in langfristige Anleihen mit tragbarem Zinsfuß umgewandelt, so daß wir in Rune und Sicherheit den Modernisicrungs- und Aufbauprozeß in der Wirtschaft durchzuführen vermochten. In unfrennbarÄn Zusammenhang mit dieser Konsolidierung des Vertrauens hat sich auch die Bewertung der deutschen Substanz national und international geändert. Sie fand ihren beredten Ausdruck in der bedeutsamen und viel umstrittenen Bewegung an den Effektenmärkten. Lange Zeit waren sieh alle Kreise im In- und Auslände, einerlei ob optimistisch oder pessimistisch veranlagt, über die schwere Krise und die große Gefährdung unseres WirtschaftsletHms einig. So war ea nur natürlich, daß diese Auflassung am nationalen und internationalen Kapitalmarkt Bewertungsgrundlagen für deutsche Werte schuf, die außergewöhnliche Krisen- und Risikonrämien enthielten. Nur die allmähliche intuitive Erkenntnis, daß der deutsche Wirtschaftskörper diese Krisenperiode überstehen würde, und die Tatsache, daß er Kräfte fand, um seine Lebensfähigkeit wirksam zum Ausdruck zu bringen, führte zur Schaffung einer Vertrauensatmosphäre im In- und Auslände, die spontane Wirkungen auf alle arbeitenden und produktiven Kräfte des Landes und auf die Bewertung der im Lande enthaltenen Werte auszuüben vermochte. Man darf bei der Beurteilung dieser Bewegung nicht Ursache und.Wirkung verwechseln. Sie ist niemals allein oder auch nur in ausschlaggebender Weise bewirkt worden von der Berechnung einer Rentabilität. Es handelte sieh im Jahre 1926 gar nicht darum, die Rentabilität der Industrie äußerlich durch Dividenden nachzuweisen. Die Möglichkeit dazu war durch die vorliegende Situation überhaupt völlig genommen, abgesehen davon, daß sich ja auch der Rentabilitätsbegriff erst jetzt wieder zu fest nmrissenen Formen entwickeln sollte, nachdem er sich vorerst noch im Einklang mit der fließenden Entwicklung mit Schnelligkeit verschob. Erst der praktisch betätigte Wille der deutschen Wirtschaft, aus dem Wirrwarr, den eine Weltkatastrophe herbeigeführt hatte, herauszukommen, hat im In- und Auslände wieder das Vertrauen zu Deutschlands Wiederaufstieg entstehen lassen. Nur jn diesem Vertrauen wurzelte die Kraft, die alles in Bewegung brachte, Unternehmern und Arbeitern ein gleiches Ziel gab. der Prodnktions- fnhigkeit der Industrie wieder eine kräftigere Grundlage schuf und damit den Weg für eine neue bessere Bewertung freilegte. Eine starke Steigerung des Sparkapitals und die ausgedehnte Möglichkeit, dieses Kspital iodustnellen und sonst igen Emissionswünschen dienstbar zu machea. waren Folgeerscheinungen dieser wiedergekehrten Zuversicht Allerdings mschteu bei dieser ganzen Bewegung auch Imponderabilien ihre Einflüsse geltend, die bei einem so starken Entwicklungszug zur Wert kor rektur nicht unterdrückt werden konnten und die hei einem normalen und gleichmäßigen Gang der Wirtschaft mehr und mehr v ieder in den Hintergrund treten müssen. Der dabei zum Ausdruck kommende spekulative Weseuszug mußte natürlich an den Effektenmärkten stärker in Erscheinung treten als irgend wo anders. Solche Ten- (teeren hatten aber euch voruer Zentönuagea verursach L, dem Umfang ebenfalls nur durch eine sü gemeine psychologische KinsteHnne erklärt werden konnte, die ihre Ursache in dem katastrophalen Zusammenbrach hatte, der der DeOationsperiode folgte. Feststehend bleibt, daß die Bewegunz an dea deutschen Börsen im Jahn 1926 für die erfolgreiche Gestaltung der Dinge vieles und in mancher Hinsicht Ausschlaggebendes getan hat Unter den zahlreichen Schwierigkeiten, dia, bedingt durch die Verhältnisse der inneren wie der äußeren Politik, unsere Wirtschaft immer noch bedrängen, bleibt in erster Linie das Arbeitaloacnproblem eine ernste Gefahr für uns. das letzten Endes im Bevölkerungsproolem wurzelt Die wohltuenden Wirkungen, die von der Erhöhung und Verbüligung der Produktion ausgehen, haben sich bereits im Jahre 1926 gezeigt nnd werden sich anch weiterhin allen theoretischen Versuchen, insbesondere auch des Gesetzgebers, diesem Problem beizukonunen. überlegen zeigen. Dia Ueberspannung sozialpolitischer Maßnahmen mufi früher oder sniter eine Revision erfahren, denn es ist nicht möglich, daß die deutsche Wirtsmaft die ohnehin durch unerhörte Abgaben auf Grund des Da wen- Pianos und der sich daraus ergebenden Steuerlasten schwer betroffen ist zwei- bis dreifach höhere Beträge als vor dem Kriege für soziale Zwecke aufbringen kann in dem Augenblick, wo sie sich zu neuem wirtschaftlichen Aufbau durchringt Eine reine soziale Fürsorge in diesem Ausmaße kann erst wieder in Angriff genommen werden, wenn die Wirtschaft auf einer ganz anderen Kapitalsand Reservebasis steht Es ist besser, heute in erster Linie die individuelle Arbeitsleistung materiell anzuerkennen und damit die Einzelversorgung Scherer zu gestalten. Die Methode zn weil gehender gesetzlicher Fürsorge indert dorm ihre Wesensart als Hilfsaktion den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit nicht herab, sondern steigert ihn. Noch immer wird die menschliche Arbeit von einer Zentralstelle ans in Zeit und Entlohnung nach Schema tischen Grundsätzen dirigiert. Mit wachsender Besorgnis beobachtet die Wirtschaft die noch immer anhaltende Betätigung der öffentlichen Hand in der Privatwirtschaft Mehr und mehr verliert der Staat, der die höchste neutrale Stelle darstellen soll, seine Objektivität da er selbst die Rolle eines Privstinteressentcn übernimmt Er wird in dieser Eigenschaft die schweren Aufgaben, die ihm gerade In wirtschaftlicher Hinsicht auferlegt sind, kaum zn lösen vermögen, sondern wird vielmehr immer stärker hineingedrängt in eine bedenkliche Neigung zum Kompromiß, die durch die Verbindung zwischen Privatinteresse und Staatsinteresse geschaffen wird. Die Gefahren, die damit nach mancherlei Richtungen hin für das Staatswesen verbunden sind, sind unverkennbar und dürften besonders stark hervortreten, wenn einmal die Regelung dieser ganzen schwierigen Fragen in dea Händen von Menschen einer späteren Genera hon liect die den Werdegang dieser eigenartigen Gestaltung der Dinge nicht memr miterlebt haben und die infolgedessen auch viel leichter den Gefahren unterliegen werden, die die Zeitgenossen dieser Entwicklung noch leicht zu bewältigen vermocht haben. Die Banken haben im Jahre 1926 durch die bemerkenswerte, vielfach widerspruchsvolle, aber letzten Endes doch zu normalen Grundsätzen hindrängende Entwicklung am Geld- und Kapitalmarkt eine starke Tätigkeit entwickeln können, die sich insbesondere auf dem Emissionsgebiet bewegte, wo sie den Anforderungen der Wirtschaft erstmalig nach der Stabilisierung wieder gerecht werden konnten. Gegenwärtig muß es bedenklich erscheinen, daß sich der ausländische Kapitalmarkt jetzt, nachdem man die ausländische Emissions tätigkeit stark beschränkt hat, nicht mehr für reine deutsche Markanleihen zu interessieren vermag, weil die Kapitalertragsteuer, die nur für den Ausländer eine Belastung bedeutet, ihn von solchen Anlagen abschreckt Nachdem man die in einem früheren Zeitpunkt zweckmäßigen steuerlichen Erleichterungen für ausländische Anleihen mit Recht beseitigt hat, sollte man jetzt dazu Übergehn, die Kapitalertragsteuer für Aulagen in deutschen Anleihen aufzuheben. Es kann uns nur erwünscht sein, daß das Interesse für inländische Anleihen in der Welt hervoigrnfen wird und bestehen bleibt Es entlastet schließlich den inländischen Markt in einer natürlichen nnd unbedenklichen Weise und erhöht den internationalen Geld- und Kapitalverkehr. ebenso wie die Emissionsfähigkeit im Inlands selbst. Die Beseitigung der Kapitalertragsteuer dient zudem im Inlande der Vereinfachung des Steuersystems, das nach der letzten Programm rede des Reichsfinanzministers in seinem technischen Aufbau ernstlich geändert werden soll, ein Programmpunkt. dem die gesamte Wirtschaft mit Freude zustimmen wird. Nach wie vor steht das Bankgewerbe und anch unser Institut dem schwierigen Problem gegenüber, einen günstigeren Koeffizienten zwischen Handlungsunkosten-Konto nnd Gewinn zu schaffen. Die Schwierigkeiten auf diesem Gebiete sind im Jäher 1926 etwas zurückgetreten infolge der bedeutsamen und unerwartet schnellen Entwicklung, öie die Bewertung an den Effektenmärkten genommen hat. Es war selbstverständlich, daß die Banken hieraas durch ihre Bestände, die sie aus der Inflationsperiode schon bei Aufstellung der Goldbilanz aufzuweisen hatten und die vielfach durch die kritische Entwicklung der Deflationszeit erhöbt worden waren, nennenswerte Vorteile zu ziehen vermochten. Es muß hervorgehoben werden, daß es sich hierbei um Gewinne und Einnahmen handelt, die zwar die Stoßkraft eines Unternehmens zu erhöhen vermögen, nicht aber als Einnahmen angesehen werden können, die man für den Gesichtspunkt der Rentabilität heranzuziehen vermag. Wir haben uns deshalb, im Gegensatz zn unserem bisherigen Grundsatz, zwar für verpflichtet gehalten, in unserem Gewinn- und Verlustkonto außergewöhnliche Einnahmen ans dieser Entwicklung in einem Betrage vou RM. 10 000 000 sichtbar zu machen, haben jedexh inith Schaffung mnes besonderen Reservefonds in Höbe dieses Betrages die Kapitalbasis nnserer Bank vergrößert Damit steigen die offenen Reserven unseres Instituts auf RM. 50 000 000 und Kapital und Reserven erhöhen sieh auf ins- Sesam t RM. 110 000 000. Wir haben im Jahre 1926 eine Erhöhung des äpilals nicht vorgenommen, weil wir ans Gründen der Liquidität, die uns in erVrr Linie onsschhiggeLend für dir Enticheidung über die Frage einer Kapitalsrrfaöhung zu sein schienen, koine Veranlu'song dazu zu haben glaubten und weil wir vor allen Dingen die Rentahihtätsgrundlagen des deutschen Bankgewerbes aus den laufend ea Geschäft, das alieta als aossc klag gebend dafür anzusehen ist noch nicht hinreichend geklärt und gesichert ansahen, um eine gleichmäßige Dividendenpolitik auch bei hohem Kapital für gewährleistet zu halten. Es ist verschiedentlich die Frage der Größe des Bankkapitals zur Diskussion gestellt worden und man hat dabei vielfach d�n Grundsatz aufgestellt, daß die Höhe der Kreditoren auMchlaggebend für die Kapitalshöhe sein müsse. Diesem Grundsatz vermochten wir uns nicht anzuschließen. besonder« nicht in einer Zeit, in der Kapitalserhöhnngen eine ungünstige Verschiebung der inneren und äußeren Reserveposten herbeigeführt hätten.__ Mit dem Ablauf des Berichtsjahres Ist auch dl« Her« bsctau ag unsere« Persenal bestände« im großen und ganzen beendigt worden. Er stellte sich am 31. Dezember 1936 auf 7393 Köpfe gegenüber einem Bestände von 4743 Köpfen im Jahre 1913. Soweit wir noch Kündigungen vornehmen mußten, sind wir auch im abgelaufenen Jahr bemüht gewesen, den Betroffenen finanziell zu helfen. Di« Zahl nnserer Filialen und Depositen kssaen ist durch Schließung von weiteren 15 Zweigstellen auf 114 Filialen und 51 Berliner sowie 46 auswärtige Depositenkassen zurückgegangen. Die Ertragnisse aus dem Kousoriial- und Effektenkonto sind von uns zum Teil zur Schaffung der schon erwähnten besonderen Reserve von RM. 10 000 000 herangezogen worden, zum Teil zn weiterer innerer Reservestellung verwandt Die für das Jahr 1926 zu vereinnahmenden Beträge auf dem Konto„D auernde Beteiligungen" werden erst im nächsten Jahre zur Verrechnung gelangen. Im Zusammenhang mit den in unserem Bericht erwähn teu En twidd untren hat unsere Emissions tätigkeit im abgelaufenen Jahre wieder eines beträchtlichen Umfang angenommen. Wir waren an einer Reihe von Transaktionen wie z. B. der Gründung der Vereinigten Stahlwerke, mit der nachfolgenden Emission der deutschen Tran che der von dieser Gesellschaft aufgelegten Anleihe. an der Gründung der Vereinigten Oberschlesi sehen Hüttenwerke., der Mitteldeutschen Stahlwerke, an der Fusion der Hapar mit den Deutsch- A astral- und Kosmos-Linien, an der Fusion Miag, Mühlen bau und Industrie A.-G. und Schlesische Portland-Gemen t-Industrie Aktiengesellschaft führend oder mitführend beteiligt._ Zu 6a» ciasdae» Posirionca der BOemz»»6 der Gewi»»- wmi Verlust. rechnanf bemerken wir folgendes: Die Nostro-Gutheben bei Banks» u»d Benkfirmoe besteh«« za rund 70% aus Auslandsguthaben. Die Vorschüsse auf Ware» und Waren Verschiffungen erfuhren anch in diesem Jahr im Zusammenhang mit der fort- schreitenden Gesundung von Handel und Industrie eine bedeutende Erhöhung. Das starke Anwachsen der Reports find Lombards erklärt sich vou selbst durch che außerordentliche Belebung, nie das Effektengeschäft durch die hinreichend bekannten und auch in unserem Bericht im einzelnen dargelegten Gründe erfahren bat Es sind hier nur Vorschüsse verbucht, die börsen mäßige gegen Wertpapiere gegebene Darlehen enthalten. Voa unseren Bürgschaften sind RM. 38 049 167 in deutscher Währung und RM. 6 040 303 in fremder Währung geleistet. Das Konto Bankgebände wird unverändert aufgeführt Es enthält 146 eigene Grundstücke, von denen 115 reinen Bankzwecken dienen, während die restlichen 31 anderen Zwecken nutzbar gemacht sind. Von der Gesamtsumme der Gläubiger in laufender Rechnung entfallen rund 20% auf ausländische Guthaben. Hiervon sind rund 70% in aus- liadischer Währung gegeben. Der Umsatz von einer Seite des Hanptbnchcs betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 119 Milliarden Mark gegen rund 85 Milliarden Mark im Vorjahre 1925. Unter vorsichtiger Bewertung aller Aktiven ergibt sich laut Gewinn- und Verlustkonto unter Einrcchnung des Gewinnvortrages per 1925 in Höhe von RM. 2 263 512,84 ein Bruttogewinn von........ RM. 79 736 703,51 Nach Absetzung RM. A der Handlungsonkostea mit 52 932 252,24 der Steuern mit............ 5 846 499.1« insgesamt: 58 778 751.42 verbleibt ein Reingewinn von.......*«••.fi.. 20 957 952,09 dessen Verteilung wir wie folgt vorschlagen: RM. 12% Dividende............. 7 200 000.— Einlage in eine besondere Reserve..... 10 000 000.— Tantieme des Aufsichtsrats......... 480 000.— Zuwendung an den Pensionsfonds ffir Beamte 1 000 000.— insgesamt: IS SSO 000.-» so daß als Vortrag auf neue Rechnung RM. 2 277 95 2. 09 verbleiben.* Na oh Genehmigung dieser Vorschläge durch die Generalversammlung werden»sh unsere offenen Reserve» auf RM 50 000 00 0.—, Kapital«ad Reserven auf RM. 1 10 000 000.— belaula». B e r 1 i■, im Mlrz 1927. Die persönlich haftenden Gesellschafter. 2r. ßeheim-Sdiwarxbach. Bodcnhelmer. Goldtduoldl. Hlncke. Dr. Eottn. von Slnuon. Dr. Strub«.