Nr. 152 ♦ 44.?ahrg. Ausgabe A Nr. 77 Bezugspreis. WiiSenilich 70 Pfennis, monalli» £.- Reichsmar! voraus»ahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzia. Saar, und Memelaebi«:� Oesterreichs Litauen. Luiembur« ■4,00 Sieichsmarl. für das übrige Äuslanb 3.Ö0 Reichsmark pro Monat. Der»Dorwärts� mit der illustrier- leit Sonntagsbeilage.Volk und Zeit' towie den Beilagen.Unterhaltung rino Wissen�.„Aus der lsiltmoelt*. .irrauenstimme"„Der Kinder- freund".'.Lugend-Vorwärts- und .Blick in die Bucherwelt" erscheint >-ochcntägIich soeimal, Sonntags ilnd Montags einmal. Telegramm-Adreste: «Sozioldemoira» Scrllu- Morgenausgabe wv* P. Derlinev Volksvl�kt Pfennig) Anzeigenpreise: Die einivaltige Ronvareille- zcile 80 Viennia. Reklame, eil« 5.— Reichsmark,.»leine Anzeigen- das fettgedruckte Wort 25 Vfcnnig fzulSina ,wei fettgedruckte Wort«), iedes weitere Wort l? Vkcnnig. Slcllcnaeiuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- Naben zählen für zwei Worte. Brbeitsinarkt Keile 50 Pfennig. ikamilienan, eigen für Abonnenten Keile<0 Piennia. Anzeigen für die nächste Nummer mllsten bis l'/i Uhr nachmittags im Hauvtaefchäft, Berlin EW 58. Lindcn- NrastcS. abgegeben werden. Geöffnet von ölb Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der öozialdemohratifcben Partei Dcutfchlands Reöattion und Verlag: Serlin EW. öS, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 293—297. Donnerstag, den 31. März 1937 vorwärts-verlag G.m.b.H., Gerlin EW. öS, Lindenstr.Z Postscheckkonto: Berlin 37 53«- Banlkonto: Bon« der Arbeiter,««gestellte» »nd Beamten,«allstr. 55:»iskonto-Sesellschast.»cposttenkastt Liudenftr. 3. Arbeiter ausgesperrt! Schwerer Kampf in der Zigarrenindnftrie.- Unternehmer gegen Schiedsspruch. M a n n h e i m. 30. ZNäcz.(VTV.) Der Reichsbund Deutscher Zigarrenhersteller hat in seiner lehten Sihung den Spruch des Schlichtungsausschusses abgelehnt und einstimmig be- schlössen, am 2. April sämtliche Arbeiter mit Wirkung vom lö. April auszusperren. f?s werden davon rund 125 000 Arbeiter betrosfen. * Dieser Beschluß der Zigarrenfabrikonten ist wirklich starker Tabak. Der Schiedsspruch, um deswillen die Fabrikanten die Ar- beiter aussperren, erhöht die elenden Löhne um kümmerliche 10 Proz. — praktisch um wenige Pfennige die Stunde— läßt den Unter- nehmern die Möglichkeit, drei Ueberstunden pro Wock>e ohne Zu- schlag anzuordnen und sieht erst von der 52. bis 51. Ueberstunde einen Zuschlag v»n 25 Proz. vor. Diesen Schiedsspruch hoben die Arbeiter trotz seiner bedenklichen Mängel angenommen. Di« Fabrikanten beschließen, sie dafür zur Strafe auszusperren. Mit diesem herausfordernden Beschluß, die gesamte Produktion stillzu- legen, zeigen die Fabrikanten, wie gut es ihnen geht. Offenbar sticht sie der Hafer. Unternehmer gegen Sozialpolitik. Eine Nundgrbunfl der Untcrnchmcrvcrbändc ncgcn die Jnvalidenversicheriittg. Eine Reihe von Spitzenoerbänden der Unternehmer aus Industrie, Handel, Banken, Handwerk, Versicherungswesen und Landwirtschaft veröffentlicht folgende Kundgebung gegen die zum Ausbau der Invalidenversicherung geplanten Maßahmen. Die unterzeichneten Verbände haben von den Beschlüssen der Regierungsparteien und des sozialpolitischen Zlusschusses des Reichs- tags zuk Invalidenversicherung Kenntnis erhalten. Sie stellen fest, daß die Anträge im Falle ihrer endgültigen Annahme durch den Reichstag eine Erhöhung der Gesamtausgaben auf dem Gebiete der Invalidenversicherung von insgesamt 283 Millionen Mark zur Folge haben würden. Dadurch würde der von den Ar- beitgebern und Arbeitnehmern zu leistende B e i t ro g s a n t e i l zur Invalidenversicherung, abgesehen von der durch Steuern aufzu- bringenden Erhöhung der Reichszuschllsse um 70 bis 100 Millionen Mark um 25 Proz. gegenüber dein augenblicklichen Zustande er- höht werden. Die derzeitigen Ausgaben für die Invalidenversiche- ning betragen bereits ohne' die vom Reichstag beabsichtigten Neuerungen rund 875 Millionen Mark gegenüber einem Betrage von 350 Millionen Mark im Jahre 1013. Die insgesamt für die deutsche Sozialversicherung zu machenden Aufwendungen einschließlich der Kosten für die Erwerbslosenfür- sorge(1,3 Milliarden Mark) haben bereits den Betrag von 1,3 Mil- fiarden Mark gegenüber rund 1,2 Milliarden Mark im Jahre 1913 erreicht. Die unterzeichneten Verbände haben wiederholt die N o t w e n- d i g k e i t der deutschen Sozialversicherung und sozialen Fürsorge in allen ihren Zweigen betont. Die Aufrechtcrhaltling der deutschen Sozialversicherung hängt aber von der Erhallung der L e i st u n g s- f ä h i g k e i t ihrer Träger und damit wiederum von der Pro- duktivität der deutschen Wirtschast ab, die in erster Reihe die Mittel für die Durchführung einer gesunden Sozialver- fichcrung auszubringen hat. Aus der Erkenntnis dieses Zusammen- Hanges heraus haben die deutschen Unterifehmerverbändc in den letzten Jahren wiederholt Reichstag und R-ichsregierung gegen-' über die Forderung vertreten, die Leistungen der deutschen Sozialversicherung den gegebenen wirtschafilichen Verhältnissen anzupassen und nur im Rahmen eines einheitlichen Sozialetats die Möglichkeiten etwaiger Reformen auf diesem Gebiet zu prüfen. Die unterzeichneten Verbände müssen zu ihrem Bedauern fest- stellen, daß ihre lediglich von der Sorge um die Erhaltung der deutschen Sozialversicherung getragenen Wünsche erneut bei den bisherigen Verhandlungen über die Invalidenversicherung von Reichstag und Reichsregicrung unberücksichtigt geblieben sind. Die in Aussicht geuoiiimenc Erhöhung der Ausgaben der Invalidenversicherung um 283 Millionen Mark kann nach Auffassung der unterzeichneten Verbände nicht verantwortet werden und muß in ihren Folgerungen zum Nachteil der Versicherten zu einer erneuten Mehrbelastung der Produktionskosten führen, denen irgend- welche andere wirtschaftliche Ausgleichsmöglichkciten nicht gegen- überstehen. Die deutschen Unternehmerverbände müssen daher erneut vor oller Ocffentlichkeit gegen eine Art der Gesetzgebung nachdrücklichst Einspruch erheben, die ohne genügende Berücksichtigung und sachliche Prüfung der Gesamlzusammenhänge und Zlus- Wirkungen letzten Endes die verhängnisvollsten Folgen für die Vvlksgesamtheit haben muß. ..Die Kundgebung der Unternehmerverbände ist ein starkes v? oV. 2.Notwendigkeit einer ausreichenden Fürsorge für die Arbeitsmvalidcn ist im„Vorwärts" wiederholt betont worden. Auch die Unternehmerverbände erkennen sie „grundsätzlich"— wie man so schön zu sagen pflegt— an, um ihren Ausbau zu bekämpfen! Man braucht also darüber sachlich nicht zu streiten. Wichtiger ist, daß die ver- schiedenen Reichs-' und Zentralverbände erklären, sie müßten ihre Grundsätze im vorliegenden Falle, wie übrigens zu- meist, wenn es um Sozialpolitik geht, verleugnen. Ganz unverblümt erheben sie den Anspruch, in sozial- politischen fragen als Nebenregierung anerkannt zu werden und dem Reichstag ihre Auffassung von der angeblich nicht vorhandenen Leistungsfähigkeit der Wirtschaft aufzu- zwingen. Dabei sind es diese Herren Industriellen, Bankiers, Händler und Agrarier, die die Regierung des Rechts- block s geschaffen haben. Man sollte von ihnen soviel Konsequenz erwarten, daß sie ihre Regierung auch dann decken, wenn sie einmal nicht alle Wünsche des Großbesitzes bis zum Tipfelchen auf dem i erfüllt. Kein Gedanke! Mit anfechtbaren Zahlen lehnen sie die Erhöhung der Invaliden- Versicherungsausgaben und-beitrüge ab. Dabei ist es ihre Wirtichaftspolitik, die die Notlage der Arbeitsinvaliden ver- schärft hat. Nun sollen die wehrlosen Opfer dieser Politik dem Elend preisgegeben werden. Merkwürdig ist dabei, wie schnell die Unternehmer sich für eine„Planwirtschaft" erwärmen, wenn es um die Be- ichräukung sozialer Ausgaben geht. Da wollen sie gleich einen einheitlichen Sozialetat mit dem Ziele, die Ausgaben einzuschränken. Geht es aber um die Regelung der Gesamtwirtschast, dann wollen sie von einer Planmäßig- keit nicht viel wissen. Da werden die Preise willkürlich hoch, die Löhne willkürlich niedrig gehalten, und so bleiben die Ursachen der wirtschaftlichen Rot unverändert bestehen, deren wehrloseste Opfer von den Unternehmern preisgegeben werden möchten. Das ist eine ganz wunderbare Logik. Die ganze Kund- gebung der Unternehmeroerbände erklärt sich ja wohl auch daraus, daß man den notwendigen Theaterdonner machen möchte, der ihre erregten Mitglieder erschreckt und zusammenhält. Die Sozialpolitik war es, die die politischen Führer der Industrie und Landwirtschaft zur Bildung des Rechtsblocks veranlaßt hat. Jetzt zeigt es sich, daß auch die reaktionäre Regierung nicht umhin kann, kleine soziale Zu- geständnisse zu machen, wenn ihre Parteien nicht den letz- ten Arbeiterwähler verlieren wollen. Die Re- gierung muß ob sie will oder nicht, auf diesem Gebiete manch- mal gegen ihre Auftraggeber regieren. Und so ergibt sich das köstliche Bild, daß die Reichsregierung so etwas wie Sozialvolitik— Geheimrat Hilger nannte es so schon„weiße Salbe"— ihren Arbeiterwählcrn spendierte, während ihre wahren Hintermänner vor der Oeffentlichkeit gegen die Sozialpolitik demonstrieren. Ein köstliches Bild, dessen bunte Farben nicht, über die Gegensätze im Lager des Bürger- blocks hinwegtäuschen können. c£s kann daher gar nicht schaden, daß die Unternehmerverbände durch ihre Kund- gebung weite Arbeiterkreise darauf hinweisen, wie groß die Gegensätze bereits sind und wie wenig die Arbeitgeber daran denken, die notwendigsten sozialpolitischen Zugeständnisse anzuerkennen. Schwenkung- in Englands Chinapolitik. Acußcrstc Besorgnis der Arbeiterpartei. London. 30. März.(Eigener Drahlbericht.) Aus die ver- schiedenen Anfragen von der Arbeiterpartei nach den nächsten Schriilen, welche die Regierung hinsichllich Chi,.> einzuschlagen gedenkt, antwortete Ehamberlain:„Die Schritte, welche die britische und andere Regierungen, deren Bürger solcher Art behandelt und deren Fahnen solcher Art beschimpft worden seien, einzuschlagen gedächte», stünden noch unter B e r a t u n g." Ehamberlain gab hieraus eine Darstellung der Vorgänge in Ranking, welche sich im wesentlichen mit der bereits verbreiteten Darstellung des amerikanischen Konsuls deckt. Seine Darstellung schloß mit den Worten, er sei überzeugt, daß die Ausschreitungen in Ranking planmäßig von regulären Anhängern der Kontonarmee vorbereitet und nicht darauf zurückzuführen seien, daß Truppen zufällig den Händen ihrer Führer entwichen seien. Diese Erklärungen Chamoerlains mit seinem Hinweis aus mögliche. nicht weiter definierte Schritte zum Schuhe der Ehre der britischen Fahne, haben in den Kreisen der Arbeiterpartei äußerste Besorgnis erregt und den bereits am Montag empfangenen Eindruck verstärkt, daß es die Regierung daraus abgesehen habe, einen Vorwond zu suchen, um endgültig Strich unter die Politik der Verhandlungen und des Verzichts auf exterritoriale Rechte zu machen, was Chambcrlains Darstellung der Vorkommnisse von Ranking anbelangt, so weist man ln parlamentarischen Kreisen der Arbeiterpartei daraus hin, daß sich Ehawberlains Erklärung nur zum geringsten Teil auf britische, hauptsächlich aus amerikanische Quellen stütze, deren llnzuverläsfigkeit sprichwörtlich sei. Internationaler Mutterschutz. Zum Frauentag der Internationale. Von Luise Schröder. Die Erkenntnis von der bevölkerungspolitischen Rot- wcndigkeit eines genügenden Schutzes der F r? u in Zeiten der Schwangerschaft und Mutterschaft schließt die Forderung nach dem internationalen Kampf um diesen Schutz unmittelbar ein. Einmal liegt die Geburt gesunder Menschen nicht nur im Interesse jedes Volkes, sondern auch der ganzen Menschheit, und zum anderen lehrt uns die Entwicklung, daß wirkliche soziale Fortschritte nur im internationalen Ringen zu erreichen sind. Diese Ueberzeugung hat die Sozialdemo- kratie bereits im Jahre 1893 geleitet, als sie aus dem I n t e r- nationalen sozial, st ischen Arbeilerkongreß in Z ü r i ch eine Entschließung zur Annahme brachte, die den Arbeiteroertretern aller Länder die Pflicht auferlegte,„nach- drllcklichst für den gesetzlichen Schutz der 2l r b e i t e r i n- neu durch Verwirklichung des Verbots der Frauenarbeit in allen gesundheitsschädlichen Betrieben, sowie durch das Ver- bot der Arbeit schwangerer Frauen zwei Wochen nach der Niederkunft einzutreten". Inzwischen ist diese Frage auf einer Reihe internationaler Parteitage und Frauenkonferenzen immer wieder zur Sprache gekommen. Die ersten Forderungen sind erweitert und vervollkommnet worden. Interessant ist nun, wie auch in dieser Frage die bllrgcr- liche Welt von der Arbeiterklasse gelernt hat. Während wir jahrzehntelang wegen unseres internationalen Zusammen- schlusses gehöhnt und beschimpft wurden, während noch heute diejenigen Kreise, die absolut nicht umlernen können, uns als „antinational" und„vaterlandslose Verräter" hinstellen möch- ten, hat gerade der Vertrag von V e r s a i l l e s die Vorbedin- gungen geschaffen für die internationale Verständigung über soziale Fragen in Gestalt der Internationalen Ar'oeitskonfe- renz in Washington im Jahre 1919 und des Inter- nationalen Arbeitsamtes in Genf. Besonders erfreulich war, daß diese erste Internationale Arbeitskonferenz die Frage des M u t t e r s ch u tz es für wichtig genug hielt, um sie als dritten Punkt auf ihre Tagesordnung zu setzen, und um von sich aus den einzelnen Ländern ein Uebereinkommcn betr. die Beschäftigung der Frauen vor und nach der Nieder- kunft zu unterbreiten. Nichts kann aber uns Frauen deutlicher den Wert unseres gemeinsamen Kampfes mit den Genossinnen aller Länder zeigen als das Schicksal dieses Uebereinkoinrnens. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in England, Frankreich, Däne- mark, der Tschechoslowakei und anderen Ländern stehen unsere Genossen im Kampf um die Annahme dieses Gesetzes. Leider haben bisher nur einige kleine Länder die Ratifikation vor- genommen. In Deutschland und den übrigen großen Jndu- strieländern war es bisher nicht möglich, die Annahme im Parlament durchzusetzen, oder wenn die Volksvertreter zu- gestimmt hatten, so lehnte sicherlich eine andere Instanz ab. Das dürfte der beste Beweis für die große Verständnis- l o s i g k e i t sein, die den Opfern der Frau noch immer cnt- gegengebracht wird die, belastet mit allen Leiden der Schwan- gerschaft, bis zum letzten Augenblick ihren schweren Körper zur Erwerbsarbcit an der Maschine, in der Landwirtschaft oder am Schreibtisch oder Verkaufstisch trägt. Dabei fordert dieses Uebereinkmnmen nichts Himmel- stürmendes. Es fordert die Arbeits?»he der Frau für je sechs Wochen vor und nach der Entbindung, sodann die Sicherheit, daß die Frau nicht wegen dieser Arbeitsruhe ihre Arbeit und damit ihre Existenz verliert, und schließlich während dieser Zeit eine Unterstützung, die ausreicht, um Mutter und Kind in guten gesundheitlichen Verhältnissen zu erhalten. Da- neben will es der stillenden Frau täglich zweimal eine halbe Stunde Stillpause gewähren. Ganz unzulänglich ist das Uebereinkommen schon deshalb, weil es sich nicht auf die Landarbeiterin und Hausangestellte erstreckt. Trotz dieser bescheidenen Bestimmungen bedeutet das Washingtoner 21 b- kommen für fast alle Länder einen Fortschritt, der für Deutsch- land nicht nur in der Dauer der Schonzeit, sondern auch im Kreise- der erfaßten Frauen liegt, denn das Arbeitsoerbot für die Schwangere erstreckt sich bei uns nur auf zwei Wochen vor der Niederkunft und nur auf die gewerbliche Arbeiterin. Selbst dieser bescheidene Schutz ist aber in einer ganzen Anzahl von Ländern nach nicht vorhanden. Worin ist nun die Weigerung gegen die Annahme dieser Mutterschr�bestimmungen begründet? Weil das eine Land nicht frllhec als sein Konkurrenzland zustimmen will..Gibt es eine bessere Lehre für die Internationale Frauenwoche? International ist die Wirtschaft verknüpft, und eine soziale Last in dem einen Lande bedeutet die Furcht der Wirtschaft, gegen- über dem anderen nicht konkurrenzfähig bleiben zu können. Wir wissen freilich, wie kurzsichtig diese Politik ist. Wir wissen, daß zuletzt das Land den wirtschaftlichen und kulturellen Sieg davontragen wird, das seine M e n s ch e n k r a f t a in b e st c n zu schützen weiß. Dafür ist die erste Vorbedingung der Schutz de? Mutter und damit des Kindes, als erstes der Schutz der arbeitenden Frau, aber in Gesiali genügender Mutterschaftsbeihilfe auch der Hausfrau, mit einem Worte: jeder Mutter! Die Nachrevolutionszeit hat un-s in dieser Hinsicht wich- tige Fortschritte gebracht. Sicherlich sind die unentgeltliche Hebammen- und Arzthilfe bei der Entbindung, das Wochen- und Stillgeld, die zwei Drittel aller Mütter in Deutschland erhalten, nicht gering einzuschätzen, und sicherlich' stehen wir damit an einer der ersten Stellen im internationalen Mutter- schütz. Aber das Beispiel des Washingtoner Abkommens lehrt ims, daß wir den letzten und wirklichen Mutterschutz f ü r a l l e Mütter nur im gemeinsamen Kampf aller Frauen erreichen werden, welche Sprache und Heimat sie auch immer haben. Deshalb freuen wir uns der internatio- nalen F r a u c n w o ch e: Sie soll uns auch die Parole für die Forderung bieten, daß die Mütter unter erträglichen Ber- hältnisten der Welt das neue Leben geben können, das körper- lich und geistig stark genug ist, die Entwicklung der Welt zu lenken im Sinne der Menschenfreude und des Sozialismus. Ehrharüt geht um. Neuer Bettel bei der Industrie. Nachdem sich Ehrhardt im Stahlhelm fundiert hat, setzt er seine mißglückten Betteleien bei den Indu- st r i e l l e n fort. Unser Hanauer Parteiblatt, die„Volks- stimm e" oeröfsentlicht folgende vielsagende Einladung, die an ungefähr sechzig Gießener Bürger versandt wurde. Kassel, 13. März 1927. Euer Hochwohlgeboren bitte ich sehr crgebenst um gütige Mit- teilung, ab Euer Hltchwohlgeboren eventuell bereit wären, an einer Besprechung teilzunehmen, die Herr Kapitän Ehrhardt mit rmzelneit führenden chc-rren der Wirtschast Ansang April in Gießen abhalten will. Ich bitte bemerken zu dürfen, daß es sich bei dieser Besprechung nicht um eine Bettelei handelt. Herr Kapitän Ehrhardt will den Herren in einein kurzen Lar- trage nur seine A i e l c auseinandersetzen, die zu einer Einigung innerhalb der Kreise führen sollen, die auf nalianalem Boden stehen. um die Herren zur Mitarbeit zu gewinnen. Es ist bekannt, daß Herr Kapitän Ehrhardt innerhalb der vaterländischen Bewegung und in dnderen nationalen Kreisen große Erfolge in der Erstrebung einer nationaien Einheit erzielt hat. Auch in anderen Städten haben derartige Besprechungen mit WIrlschaftssührcrn stattgefunden und zu eine», vollen Erfolge geführt. Nach Eingang ber Stellung- nähme Ew. Hcchwohlgeboren werde ich nähere Mitteilungen über 2.ag, On und Zeit der Besprechung folgen lassen. Falls ich bis zum 1. April 3927 leine Antwort erhalten habe, betrachte ich die An- gelegenhnt als erledigt. Ich bitte, noch hinzufügen zu dürfen, daß ich iin Austrage des Herrn Kapitän Ehrhardt in meiner Eigenschaft als Leiter derEhrhardt'- Bewegung fürden Westen Deutschlands handele. Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hocharistung„. Fichte. Der F e m e m o r d p r o z e ß W i l m s und der Gieße- n e r F e m s m o r d p r o z« ß haben bewiesen, daß das bis- herige Ergebnis der Ehrhardt-Bewegung ein vollkommener staatsbürgerlicher und moralischer Bankrott ist. Die Hanauer „Volksstimmc" deutet an, daß ein weitererFememord an dem Mitglied der Ehrhardtbewegung, Marineoffizier Tackenberg, nach auf gerichtliche Sühne wartet. Ehr- ha r d t aber, der Chef, der!iire das Ganze verantwortlich ist, das über viele feinere Verführten gekommen ist, hat die Stirn, von nettem mit Förderungen vor die Industriellen zu treten. Er bleibt der. als der er sich der Prinzessin Hohen- lohe gegenüber erwiesen hatte. Zum�Vberstkommandierenden der britischen Rheiuarniee ist General Thwaites ernannt worden. Der bisherige Oberstkomman- Kicrend» General Ducanc übernimmt den Gauverneurposten in Malta. �ttklagereüe in Gießen. Der Staatsanwalt �bezeichnet das ReichswehrgruPHen- kommando Kassel als Anstifter.— Das Urteil nach dreistündiger Beratung vertagt. Gießen, 20. März.(Eigener Drahtbericht.) Vier Stunden dauerte die Anklagerede des Staatsanwalts. Im ersten Teil der Anklagerede wurde der Beweis geführt für die Schuld aller drei Angeklagten. Im zweiten Teil aber bemüht» sich der An- kla gevertreter, diesen Beweis wieder zu verwischen und wohl dutzend- mal wiederholte er die Abbitte, man möge doch dem Vertreter der Staatsanwaltschost verzeihen, wenn er gezwungen sei. seine Pflicht zu tun. Zunächst stellte der Staatsanwalt die wichtigste, im Lauf« der sieben Lerhandlungstage Immer wieder ängstlich umgangene Frage: ..Woher hatten die Angeklagten das viele, viele Geld zu ihren Reisen und Festgelagen?".Es müssen Hintermänner vorhanden sein!" rief der Ankläger und er kennzeichnete sie mit den Worten: Die Fäden führen in die Schwarze Reichswehr und bis zum Wehrkreisgruppenkommando in Kassel, das die Beseitigung Wagners wünschte! Diese Feststellung des Staatsanwalts war wichtiger als sein« gs- samt« Rede und zerriß mit einemmal jenes Geheimnis, das tagelang vorher in den Gcrichtsgängen und auf der Zeugenbant geflüstert wurde, tzm weiteren Verlaus seiner Rede gab der Slaatsanwalt seiner lleberzeugung Ausdruck, daß der Mordversuch an Wagner zu dem gesamten Komplex der deutschen Fememorde gehöre, und zwar von einer, wie er selbst sagie.»Mordgenosscnschasl". deren Spuren bis in die Allenlate auf Rathenau und Scheideniann hinüberführen. Der Rede des Anklageverlrelers folgte das Plädoyer des ver. leidiger« Rechksanwalk Dr. Lulgebrune- GStllngen. Darauf zog sich das Gericht zur Beratung zurück. Räch dreistündiger Beratung gab der Vorsitzende bekannt, daß das Gericht noch zu keinem Ergebnis kommen konnte und beschlossen habe, das Urkeil erst am Donnerstag vormltlag 11 Uhr zu verkünden. Jall hipp. Misttraucnsantrag im Regensburger Stadtparlnment. München, 30. März.(Eigener Drahibericht.) Die sozialdemo- kratische Etadtratssraktion in Regensburg hat für eine sofort anzusetzende außerordentliche Stadtratgsltzung sol- genden Antrag eingebracht:.Die Presieveröfsentlichungen über die eigenartige Mitarbeit des Oberbürgermeisters Dr. Hipp am.Regens- burger Echo" haben das Vertrauen der Bevölkerung so stark er- schüttert, daß der Oberbürgermeister Dr Hipp nicht mehr länger geeignet erscheint, die Verwaltung der Stadt Regensburg zu leiten. Der Stadtrat wolle deshalb beschließen lassen:„Dr. Hipp b e- sitzt nicht mehr das Vertrauen des Stadtrats." Um üie Kleinrentnerfürforge. Der Rechtsblock lüsit die Rentner im Stich Im sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags wurde am Mist- woch der Antrag der Regierungsparteien über die K l e i n r e n t n e r- f ü r f o r g e zu Ende beraten. Genosse Hoch erklärt, daß die Vor- läge einfach unmöglich ist. Sie schafft Ungerechtigkeiten gegen- über den übrigen Fürsorgeempfängern. Kleinrentnern niit großen Cigenwohnungcn wird der Wert der Wohnung nicht ange. rechnet. Die übrigen FürforgebadiulUg««, rnuii«« ab«- iBiieto zahlen, die von der Unterstützung abgezogen wird. Wenn der Klein- renlner Teile seiner großen Wohnung untervermietet, wird ihm dieses Einkommen nicht angerechnet. Wenn aber andere Für- sorgebedürftige von ihrer knappen Wohngelegenheit noch Aboer- mietungen vornehmen, so wird dieses Einkommen bei der Fest- setzung der Unterstützung mit berechnet. Die Haltung der Deutsch- nationalen, die den Kleinrentnern Versprechungen gemacht haben auf Schaffung eines ReMenverforgungsgesetzes, ist außerordentlich bezeichnend. Für die Denischnationalen erklärte Dr. Schneider, daß sie den Antrag aus Kleinrentnerversorgung gestellt haben, ehe sie in der Regierung waren. Sic hätten sich inzwischen davon überzeugen müssen, daß noch erhebliche sinanziclle und sachliche Schwierigkeiten bestehen. Ein Vertreter Preußens warnte noch einmal eindringlich vor der Annahme des Antrages der Regierungsparteien. Trotz aller Differenzen, die in den Regieningsparteien über den Antrag be stehen, stellten sich aber die Redner dieser Parteien, namentlich die Arbeiterabgeordneten Schwarzer(Bayr. Volkspartei) und Andre(Zentr.) auf den Boden der Vorlage. Genosse Karsten verlangte Gleichstellung der übrigen Fssr- sorgeberechtigten mir den Kleinrentnern. Sonst sei die Vorlag«, so ungerecht, daß die Sozialdemokraten nicht dafür stimmen können. Die Sozialrenlner und die übrigen Fürsorgeberechtigtcn würden sich die ungleiche Behandlung nicht gefallen lassen und in der Fürsorge würde ein sehr scharser Kampf entbrennen. Die Abstimmung ergab die Annahme des Antrages der Re gicrungsparteien. Der Antrag, der die Regierung ausfordert,«inen Gesetzentwurf für ein Rentnerversorgungsgesetz vorzulegen, wurde gegen die Stimmen der Linken abgelehnt. Ein neuer Aollanschlag! Tic Einfuhr zu Schleuderpreisen als Vorwand. Im Reichstege haben die Regierungsparteien einen Antrag ein- gebracht, der einen Gesetzentwurf fordert, durch den die Reichs- regierung ermächtigt wird, bei D u m p i n g e i n f u h r e n. und zwar sowohl bei Valuta« als auch bei Handelsdumping, Zoll» zuschlüge, insbesondere gegenüber solchen Ländern, die ä h n- liehe Mahnahmen ihrersests anwenden, zu erheben. Dieser Antrag bezweckt, das geht aus der gegenwärtigen Rechtslage hervor, etwas anderes, als er ausspricht. Das geltende Zollgesetz enthält nämlich bereits diejenigen Bestimmungen und Er- mächtigungen, die es der Regierung ermöglichen, Abwehr- und Kmnpfzölle zu«rheben. Erforderlich ist dazu die Zustimmung des Reichsrates und eines Reichstagsausschusses, oder im Fall« der Kampszölle die nachträgliche Genehmigung des Reichstages. Wenn jetzt die Regierung«ine besondere Vollmacht zur Abwehr fremder Einfuhr erhalten soll, so kann diese nur den Zweck haben, ohne Mit- Wirkung des Parlaments solche Sonderzölle zu erheben, die die Preiskonkurrenz des Auslandes noch mehr als bisher beschränken. Die Unternehmer wollen die Monopolrente der Großbetrieb« in Industrie und Landwirtschaft ausschalten zum Roch- teil des Verbrauchers, der dann der Preiswillkür weniger Gruppen von Unternehmungen preisgegeben werden soll. Aus diesem Grunde muß gegen den neuen Zollanschlog Protest erhoben werden. Der Koalitionsstreit in Sapern. Vorläufiges Kompromiß über das Handels- Ministerium. München, 30. März.(Eigener Drahtbericht.) Der monatelang hinter den Kulissen der bayerischen Regierungstoalition geführte Streit um die Wiederbesetzung des Ministeriums für Handel, Industrie und Gewerbe, bei dem die Bayerische Bolksportei und die D«utschnationalen gegeneinander u», die Erhöhung ihres parteipolitischen Einflusses innerhalb der Regierung feilschten, wurde am Mittwoch durch ein Kompromiß beendet. Danach übernimmt der Ministerpräsident Dr. Held in Personalunion mit dem Ministerium des Auswärtigen das Handelsministerium, wobei ihm der frühere Geheim« Regierungsrat aus dem Reichsministeriuni; IH.'S awieill, t». von ben al« politischer Staatssekretär beigegeben wird. Der Landtag hat dieser Regelung am Mittwoch mst großer Mehrheit bereits zugestimmt. Die Amtsdauer Heids als interimisttscher Handelsminister ist entsprechend den deustchnationalen Forderungen bis 1ö. November d. I. befristet. Bis zu diesem Zeitpunkt muß im Rahmen der gesamten Staatsvereinsachung noch ein weiteres Mini- sterium, das Sozialmini st erium, abgebaut sein, andern, falls eine endgültige Neubesetzung des Handelsministeriums vor- genommen wird. Der Streit um Sie Volksbühne. Zur Kundgebung der vpposilion. Die Rufer im Streit gegen die Leitung der Volksbühne haben von den taljächlicheii Verhältnissen zum größten Teil total falsche Vgrstellungen. Dem Vorstand der Volksbühne wird von der sog.„Linken", die gestern im Herrenhaus ihre Versammlung abhielt, immer wieder „Verkalkung" und reaktionäre Gesinnung vorgeworfen. Dabei hat dieser gleiche Vorstand aus eigenster Initiative heraus gerade innner wieder Persönlichkeiten in den Künstlerischen Ausschuß berufen, von denen bekannt war, daß sie sjlr ein„revolutionäres Theater ein- treten, von Holitfcher bis Stein. Er hat den Iugendabteilungen, die van den„radikalen" Herrcnhäusiern als Tröger ihrer Ideen betrachtet werden, olle nur erdenkliche Förderung angedeihcn lassen. Man kann auch wirklich nichl sagen, daß er Stücke im Sinne der „Linken" systematisch vom Spielplan ferngehalten habe: wurden doch mit seinem Einverständnis, zum Teil direkt aus seinen Antrag, von der Volksbühne Toller, Paquet, Lunotscharsty, Achard, Welk und andere gespielt. Und ein Regisseur wie ' sJh0' 0 r unter seiner„Hoheit" weitesten Spielräum gehabt. Wenn dieser gewiß nicht engherzige Vorstand sich nun ver- pllichtet fühlte, gegen die Piscatoriche Inszenierung von Ehm Welts „Ge wltter über Gottland" Stellung zu nehmen, so muh das doch zu denken geben. Tatsächlich handelte es sich hier um einen Vorfall, der nicht ohne weiteres hingenommen werden konnte. Die Art, wie Piscator das Welkssche Stück herausbrachte, war gewiß interessant und hatte künstlerisch manch« Vorzüge. Aber jedem, der mit asienen Augen sah, mußte sich josort der Eindruck aufdrängen, daß der Regisseur hier ein Stück vergewaltigte, um es in den Dienss einer einseitigen parteipolitischen Propaganda zu stellen. Tatsache ist, daß die vom Künstlerischen Ausschuß der Volksbühne ange- nommene Dichtung auf Veranlassung Piscators erhebliche Umönde- rungen erfuhr, daß Ihr Schluß geradezu gefälscht wurde. �.atjache, daß ohne innere Notwendigkeit dem geistigen Haupt der Vitaliendrüder die Maske Lenins gegeben wurde. Tatsache, daß ohne eigentlichen Zusammenhang mit der Dichtung eine Reihe von Filme» vorgesuhrt wurde, die ganz einseitig propagandistisch wirken mußten, bis hin zur Darstellung von Szenen aus dem heutigen Schanghai. Tatlache, daß in Inschriften mit Worten Trotzkis die Diktatur des Proletariats verherrlicht wurde, und ähnliches mehr. Kein Zweifel auch, daß P iscator bewußt dag Welk'sch e Stück fär >»'"« k o m m u n i st i s ch e Propaganda ausschlachtete. Denn Piscator bekennt sich zu jenen Ideen des russischen Prolet- kults. wonach das Theater die Aufgabe hat, der politischen Propa- ganda zu dienen. Es ist sicherlich unehrlich, wenn seine Freunde es letzt(o darstelle» wollen, als ob er aus rein künstlerischen Erwogungen zu semen Filmbildern und Inschriften gekommen wäre. Sich gegen solche Ausschlachtung eines Stückes zu wenden, das gewiß inner« Beziehungen zu Problemen der Gegenwart hat. aber doch ebenw gewiß nicht geschrieben und von der Volksbühne ange- nomme» wurde, um eine bestimmte politische Richtung von heiile «u verherrlichen.— dazu hatte der Vorstand der Volksbühne nicht nur ein Recht, sondern sogar die Pflicht. Die Stellungnahme des Vorstandes war notwendig, um die I d e e der Volksbühne vor Miß- deutungen sicher zu stellen. Die Volksbühne hat stets einen über- parteilichen Eharaktcr gehabt. Das sog. Volksbühnenprogramm er- klärt das Theater wohl als Werkzeug zum Ausbau einer neuen frecheitlichen Gemeinschaststuliur, ober es sagt auch deutlich genug, daß die Kunstpslege innerhalb einer Volksbühne nicht außerkünst- lerischen, also etwa parteipolitischen Gesichtspunkten untergeordnet werden darf. Wohin soll auch der Weg führen, wen» jedem Regisseur die Möglichkeit gegeben wird, willkürlich ein Wert umzuändern, um sür seine politische Uebcrzeugung Propaganda zu machen, oben- drein sür eine Ueberzeugung, die doch nur von einem kleinen Teil derjenigen geteilt wird, sür die er arbeitet?! Was würden die Freunde Piscators in der Volksbühne sagen, wem:«in anderer Regisseur plötzlich ein Werk umgestaltete und durch Filme und Bilder ergänzte, um nationalistische Propaganda zu treiben?— Die Stellungnahme des Volksbühnenoorftandes war aber auch not- wendig, um die Volksbühne vor schwer st erwirtschaftlicher S ch ä d i g u n g, ja vor einem Zusanimenbruch zu bewahren. Gewiß. die Preniiere des„Gewitters über Gottland" fand Bsifall. Aber wer richtig hinsah, der tonnte sofort merken, daß nur verhältnismäßig kleine Gruppen von Theaterbesuchern demonstrativ klatschten, während viel«, viele andere mit Äeußerungcn des Mißfallens den Zuschauerraum verließen. Und schon die nächsten beiden Tage brachton eine solche Fülle von?kustritt»«rtlärungen empörter Volksbühnen Mitglieder, daß eine Fort- setzung der Aufführungen In der ursprünglichen Art zweifellos eine Katastrophe bedeutet hätte. Es ist lächerlich, wenn immer gesagt wird: die Volksbühne hat wie kein anderes Theater die Möglichkeit, Experimente in der Art des Piscator'schen zu machen. Wie kein anderes Theater ist in Wirklichkeit die Volksbühne in dieser Zeit einer schweren Wirtschaft- lichen Krise darauf angewiesen, die Mitglieder, die das ganze Unter- nehmen tragen, beisammen zu hallen. Scheiden auch nur einige Tausende aus, so ist das Fundament, aus dem der Theaterbetrieb der Volksbühne ruht, erschüttert. Die Abhängigkeit der Voltsbühne von ihrem Publikum bedeutet natürlich noch nicht das Recht oder die Notwendigkeit, auf hohe kullurelle Ziele zu verzichten und in die Bahnen eines x-beliebigen Unterhaltungstheatero einzulenken. Aber wohl bedeutet sie die Verpflichtung, die künstlerischen und kultu- rellen Ziele der Beweglmg mit Klugheit und mit Vorsicht zu ver, folgen.— Auch von jenen, die sich grundsätzlich der Aufsagung des Volks- bühnenvorstandes anschließen, ist hier und dort der Einwand erhoben worden: Warum hat man denn nicht vor der Aufführung einge- griffen?— Nun, der Vorstand des Vereins Voltsbühne hat stets die Auffassung vertreten, daß es nicht seine Aufgabe und auch nicht einmal sein Recht wäre, in di« Arbeit der Künstler hineinzureden. Sich um diese ständig zu kümmern, kann lediglich dl« Ausgabe des mit der künstlerischen Führung der Theater betrauten Direktor» sein. Dem Borstand der Organisation Volksbühne bleibt lediglich übrig. zu den fertigen Aufführungen Stellunq�.zn nehmen. Nebenbei wurde dem Leiter des Theaters bei der Inszenierung des Welk'schen Stückes»och besonders nahe gelegt,«in wachsames Auge zu haben. Gewiß kann die Frage auftauchen, ob die Direktion nun nicht in gewissem Sinne ihr« Pflicht versäumt«. Aber hier handelt es sich um eine unglückselige Verkettung von Zufällen, die es auch dem Leiter des Theaters unmöglich machten, sich ein wirkliches Bild von der Inszenierung zu verschaffen. Nur eines sei herausgehoben: Di- Filmstreifen, die am meisten Widerspruch herausfordern mußten. wurden so spät fertig, daß sie bei keiner Probe gezeigt werden konnten und erst fünf Minuten vor Beginn der Vorstellung im Theater«intrafen. Man mag schließlich hier oder dort ein Versehen feststellen: sicher ist, daß der Vorstand dem Mißbrauch der Volts- bühne zu parteipolitischen Zwecken entgegen treten mußte. Eine„Vergewaltigung der Kunst" fand nur durch den Regisseur statt, der aus einem ihm anoertrauten Stück etwas ganz anderes machte. Di« jetzt darüber schreien, daß der Vorstand der Volksbühne unrichtig gehandelt habe, tun es entweder aus grober Verkennung des«achvcrhalts oder aus einer sehr durchsichtigen Ab- ficht heraus: nämlich aus dem Wunsch, die Volksbühne zu einem Instrument ihrer Partcibestrebungen zu inachen. Die Taktik dieser Kreise, solche Porteiziele zu verfolgen, sich aber gleichzeitig als Ber- treter großer Ideen hinzustellen(einmal: Einheitsfront des Prole- tarlats:— das andere Mal: Rettung der Kunst!), ist ja bekannt genug. Aber ein Gewährenlasscn würde im Falle der Volksbühne noch mehr als überall sonst bedeuten: Vernichtung eines mtt vielen Mühen und Opsern aufgebauten wichtigen Kullurwerkes. Es ist nicht» dagegen zu sagen, wenn der Versuch gemacht wird. die Ideen des Proletkults m Wirklichkeit umzusetzen. Aber dann soll man neben der Volksbühne dafür eine besondere Organisation bilden. Sie brauchte nicht einmal in Kampfstellung zur Volksbühne zu stehen, sie könnte die Unterstützung vieler finden, die auch weiterhin noch in der Volksbühne mitarbeiten. Die Volksbühne selbst aber kann nach ihrerganzen Tradition, der Zusammensetzung ihrerMitgliedschast und nach her in ihr kebendigen Idee nicht Parteitheater sein »ndwerden. * Ueber die Protestversammlung selbst wird uns berichtet: Im Herrenhaussaal sand gestern Abend«ine von Arthur Holitscher einberufene Prot« st Versammlung gegen den Vorstand der Volksbühne statt. Man wartete mit großen Namen auf. Selbst der Intendant der staatlichen Schau- spielhouser. Leopold Jeßner. war erschienen, um gegen da» „Unrecht", das Piscator erlitten hatte, zu kämpfen. Er erklärt», daß er von einer Fusion von Volksbühne undStaatstsycoter nichts wisse, von der ein paar Zeitungen berichteten, daß aber bei einer eventuellen Fusian Piscator niemals sin Hemmungsmoment bedeuten würde, Piscator sei einer der wenigen, die heule über Initiative und Ideen verfügten. In demselben Sinne äußerte sich auch Karlheinz Martin. Die anderen Redner nahmen dann den Fall Piscator zum Vorwand, um in allen Tonlagen gegen den Vorstand der Voltsbühne zu donnern. Hauptsächlich Holitscher und I o- Hannes Jahnte von der Boltsbühnenjugend stellten die B«- hauptung auf, Repertoire und Gesinnung der Voltsbühne«nt- sprächen keineswegs mehr den ursprünglichen Tendenzen. Die Volksbühne soll in erster Reih« kulturelle und künstlerische Waffen zum Kainpf gegen das Bürgertum schmieden, der Spielplan muß proletarische Gesinnung zeigen. In diesem Sinne äußert« sich auch Die Schwarze Reichswehr. Die Untersuchungen des Femeansschnsses. Der Feme-Unterfuchungsausschuß d«s Reichs- tags begann am Mittwoch mit der Untersuchung über Vorkomm- nisse in der„Schwarzen Reichswehr". Nachdem der Vorsitzende, Dr. S ch e t t e r, ein Protestschreiben des Hauptmanns Röhm verlesen hat. der sich Rechtsanspruche wegen der von ihm verbüßten Haft st rate vorbehält— der Vorsitzende wird ihm erwidern, daß seine Beschwerde gegenstands- los sei— berichtet Abg. Dr. Levi(Soz.) über die Ergebnisse seines Studiums der Vorfälle in der„S ch w a r- z e n Reichswehr". Zunächst beantragt er Ladung des Hauptmanns K a i n e r, des O b e r st e n Bock und des O b« r st l« u t n a n t s Schleicher, die bekunden sollen, ob Akten über die Schwarze Reichswehr vorliegen. Der Berichterstatter bc- ginnt mit Schilderung von Vorkommnissen in den„oberschlesi- schen Kamerad sch aste n". Er beginnt mit einem Bericht über die MeutereieinesLeutnants Krüger. Der Bericht des Majors von Waldow konstatiert, daß diese ZNeulerei Krügers nur mit dem Tode bestraft werden könnte. Dag betreffende Protokoll datiert vom Juni 1S23. Das„K a m e- r a d« ng e r i ch t" erkannte auf Todesstrafe. Von Bestätigung des Urteils sah Generalleutnant H ä f« r ab, da bei Krüger Spuren von G c i st e s st o r u n g sich zeigten und er>n einer Anstalt beob- achtet werden sollte. Die Akten gingen an das Gericht Kreuzburg in Oberschlefien, daß die Sache der Oberstaatsanwaltschaft Oppeln übergab. Nach monatclangen Beobachtungen in der Anstalt wurde das Vcrfabren gegen Krüger im November ein- gestellt. 1926 wurde eine Anzeige gegen o. Waldow erstattet, die abgewiesen wurde. In der Bildung und Tätigkeit der Kamerad- schostsberichte wurde keine strafbare Handlung erblickt, da man die Dinge unter dem Gesichtspunkt eines Kriegszustandes ansehen müsse und Amnestie erlassen sei. Der Berichterstatter beantragte Ladung des Generals H ö f e rt. Von den organisatorischen Quellen der Feme in der„Schwarzen Reichswehr" kämen zunächst in Betracht die Akten gegen Roßbach und Genossen, wegen Vergehens gegen das Republik-Schimqesetz.„Schwarze Reichswehr" sei nicht nur in Berlin gebildet worden, sondern z. B. auch in Hannover und Württemberg. So sei in Stuttgart ein Student zu Uebungen im Korps„Hansen" einberufen worden, den seine Käme- radcn mißhandelten und der dann weglies. Der Berichterstatter ver- liest Aktenstücke über Bildung von Organisationen der„Schwarzen Reichswehr" in Hannover im Jahre 1923. In den Aktenstücken ist auch von einem„Abkommen mit Severing" dl« Rede. Die seinerzeit in Hannover Vernommenen beriefen sich darauf, daß ihre Täligteit durchaus im Einverständnis mit der Reichs- wehr erfolgt sei.' Sie hätten im Austrag amtlicher Stellen gehandelt. Roßbach hat einem der Vernommenen gesagt, daß er im E i n o e r st ä n d n i 5 mit dem Reichskanzler vorgehe. Fernhalten von jeder poli- tischen Betätigung wurde zur Bedingung gemacht. �rnzzen an Lecrkt. Im Kainps um die Vernehmung des Generals E e c ck t über die Beziehungen zwischen der Völkischen Freiheitspartei und der Reichswehr habe, so fuhr Genosse Levi fort, Rechtsanwalt B I o ch verlangt, daß an den General S e e ck t Fragen gerichtet werden sollten, die sich auf folgendes bezogen: Daß Schwarze-Reichswehr-Formatinnen(Marschformationenf existiert hätten und ihre Finanzierung aus versteckten Stellen>in Etat erfolgt wären? Daß die Angehörigen den Zusammenhang mit der Reichswehr ableugnen sollten und alles auf sich per- s ö n l i ch nehmen? Daß im Auftrage des Gruppenkommandos 1 ein Major Staehle schwarze Waffen der Reichcwehr In der Um- gebung von Potsdam verwaltete? Daß der Transport dieser Massen öfters durch Mitglieder der völkischen T u r n e r s ch a s t e n ersolgt sei, daß Major Staehle Roßbach solche schwarzen Waffen angeboten habe? Daß der Reichskanzler C u n o vom Bestehen dieser Schwarzen-Rcichswehr- Formationen gewußt hat' Ferner: Kennt der General Geeckt einen Major Buchrucker? (Im September 1923!) Der Fragebogen schließt mit der inter- essanten Bemerkung: Die Ausrede Schleichers ist ein Blust. Er merkt, daß es ernst werde.— Weiterhin verliest Dr. L c v i ein Schreiben des Relchswehrministeriums. in dem darauf hingewiesen wird, daß der Ministerpräsident Zeig- n e r das gesamte Material in der Angelegenheit Roßbach kenne und sogar Abschriften in seinem Besitz habe. Aus einem Schrei- bcn von Roßbach an Bloch geht hervor, daß die Reichsweh? besondere Beziehungen zur Organisation des Grafen Schulen- bürg(Orgesch) und F r i d e r i c u s gehabt hat. Nach langem Hin und Her ersolgt, ohne daß es zur Vernehmung Secckts gekommen wäre am 13. Oktober die Haftentlassung Roßbachs, und der Berich.erstatier Dr. Levi erinnert daran, daß Roßbach sich sofort auf die Bahn setzte und nach München s u h r. und daß unmittelbar daran anschließend sich die Ereignisse in München ab- spielten. Anschließend an diese Darstellung aus den Akten erklärt Dr. Levi die Vernehmung von Hauptmann K a i n e r, Oberst Schleicher und Bock für notwendig, um zu erfahren, ob Akten da sind. Nach längerer Debatte über diesen Punkt bemerkt Abgeordneter Dandsberg: Der Reichswehrminister habe zwar behauptet, daß keine Slkten vorhanden find. Damit sei nicht gesagt, daß nicht etwa Akten vorhanden waren. Es müßten welche vorhanden gewesen sein, und deshalb müsse auch fest- gestellt werden, was aus diesen Akten geworden ist. Speziell dazu sei auch die Vernehmung der drei Zeugen notwendig. Den Schluß bildet ein langer persönlicher Angriff des Abg. Schäfscr(Dnat.) auf Landsberg, indem er sich gegen die Dorwürse verwahrt, für seine Arbeit bei der Münchener Untersuchung des Fenieausschusses in München E n t s ch ü d i g u n g s g e l d e r kassiert zu haben. Landsberg weist diesen uiiqiialifizi«rbaren persönlichen 'Angriff mit aller Cntschikdenheit zurück. Es sei Schäfser wohl nicht bekannt, daß das Amt des Abgeordneten ein Ehrenamt sei. Für die Erhebung von Tagegsldern für die Arbeit in München fehle ihm jedes Verständnis, um so mehr, als das Bcamtcngchalt des Herrn Schäffer das ganze Jahr weitergeht. Rechtsblock unö Steuersabotage. Er Plädiert für milde Beurteilung. � Tie unterbewerteten Vermögen. Der SteuerausschußdesReichstages beschäftigte sich am Mittwoch mit drei Vorlagen der Reichsregierung über die B e- wertung. Eine Verordnung will, daß von einer Neube- wertung des landwirtschaftlichen und sonstige Grundvermögens für das Jahr 1927 Ahstand genommen wird. Ein Gesetzentwurf ermächtigt den Reichsfinanzminister. die Bindung einzelner Länder an die Einheitswerte des Reichsbswcrtungsgesetzes für ein weiteres Jahr hinauszuschieben. Eine Denkschrift der Reichsregierung gibt die Ergebnisse einer Umfrage bei den Landesfinanzömtern über die Erfahrung mit den Grundwertausschüssen wieder. Darin wird dos vorhandeniein von Steuersabolageaklen aus Veranlassung von londwirlschasllichen Organisalionen in dreizehn Landessinanzbezirken amtlich bestötizl. Genosse Dr. Herh hebt hervor, daß in der Denkschrift der Regie- rung zum erstenmal amtlich die Talsachc von Steuersabolage durch die landwirtschaftlichen Organisationen festgestellt worden sei. Es fei jedoch bedauerlich, daß die ostenkundigen Aufforderungen zur Gesetzesverl ctzung in 13 Landesfinanzamtsbezirken als vereinzelte Handlungen dargestellt werden. Der Redner vermißte auch Maß- nahmen der Regierung auf strafprozessualem oder disziplinarischem Wege gegen diejenigen Mitglieder der Grundwcrtausschüsse bzw. die landwirtschaftlichen Organisationen, die sich strafbare Handlungen haben zuschulden kommen lassen. Ungerechtfertigt sei auch das B e r f ch w e i g e n der Namen der Landesfinanzamtsbezirke und der Organisationen. Auch müsse die Regierung die Zahl der Offizial einspräche' mitteilen, weil aus ihnen am besten zu ersehen sei, welchen Umfang die Steuersaboiage angenommen habe. Ministerialdirektor Dr. Zarden wies demgegenüber darauf hin, daß in der Hälfte der Landesfinemzamtsbezirke Fälle von Sabotage nicht bekannt geworden feien. Auch in den anderen Bezirken feien sie nicht allgemein. Die Reichsregierung oerurteile selbstverständlich alle Akte von Steuersabotage und werde gegen sie aufs Schärfste vorgehen. Eine Nennung von Namen lehnte di« Re» g i e r u n g ab. Ebenso verweigerte sie eine Angabe über die Zahl der Ossizialeinsprüchc. Wenn man eine ordentliche Bcranlagung der Einkommensteuer wolle, müsse nian von einer Neubewertung des landwirtschaftlichen und sonstigen Grundvermögens im Jahre 1927 absehen. Recht intcreffant gestaltete sich die weitere Aussprache. Trotz des erdrückenden Materials, das über Steuersabotageakte von land- wirtschaillichen Organisationen vorliegt, und der amtlichen Bestäti- gung durch die Reichsregierung, wurde von Rednern der Rechts- Parteien der Versuch gemacht, diese Gesetzesoerletzungen z u beschönigen und als Einzelfälle darzustellen. Insbesondere wehrte man sich dagegen, daß die Spitzenorgani- sationen der Landwirtschaft hinter diesem Treiben ständen. Es seien nur Verfehlungen von örtlichen Organisationen. Don den sozial- demokratischen Mitgliedern des Ausschusses wurde folgende Entschließung beantragt: „Unter Bezugnahme auf die D e n k s ch r i f t des Reich-finanz- Ministeriums,»ach der in dreizehn L a n d e s f t n a n z- amtschezirten bei der Bewertung des landwirt- schaftlichen Vermögens in den Grundwertous- s chü s s e n Steuersabotage getrieben worden Ist. wird der Reichsfinanzminister ersucht, mit ollen ihm zur Ver- sügung stehenden disziplinarischen und strafrechtlichen Bestjimnun- gen gegen gesetzwidrige Machenschaften von Interessentenorgani- sattvnen j?g!tcher Art und Skissthutzvütgiisderw eiuzuschreiten und, soweit die geltenden Bestimmungen nicht ausreichen, ein« Der» schärfung beim Reichstag zu beantragen." Die Entschließung wurde gegen die Stimmen von Sozialdcmo- traten, Demokraten und Kommunisten abgelehnt, und eine sarblose Entschließung der Regierungsparteien angenommen, die die Reichsregierung auffordert, gegen Steuer. sabotage auch mit den Mitteln des Strafrechts vorzugehen. Die Verordnung wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten gebilligt und der Gesetzentwurf angenommen. Ernst Toller. Für ihn hat ein Drama überhaupt nur dann eine Existenzberechiigunq, wenn es„radikal" ist. Merkwürdig er- schien die Parallele, die er zwischen der Zeit des Kampfes von Bur- gertum und Feudoladel mit der Gegenwort zog. Er verlangt von der Volksbühne Mut und Ehorakter, sich bei den Bürgerlichen un- beliebt zu machen. Noch schärfere Worte fanden Kurt Tucholski und Leo Lania. Vertreter des Schauspielpersonais und des Sprechchars erklärten, daß das gesamte Personal der Volksbühne geschlossen hinter Piseator stehe. In d« Diskussion wagte» zwei Redner, Graf und Weidner, darauf hinzuweisen, daß Männer wie Bab und Nestriepke doch immerhin ihre Verdienste hätten. Trotz anfänglicher Störvngsocrsuche tonnten die Rechtferttgungsreden doch zu Ende geführt werden._____ Haltlose Gerüchte. Gegenüber gewissen Gerüchten, daß zwischen der Volksbühne, den Etaotstheatern und der S t ä d t i- i ch c> Oper Perhandlu.igen zum Zweck einer„o r g a n i s i e r t e n Konzentration" der Theater oder auch Verhandlungen über ein« Zusammenlegung der Abonnement» und ahn- liehe Dinge im Gange wären,«rtlärt der Vorstand der Volksbuhne E. V., ihm sei von solchen Verhandlungen oder Absichten nicht dos geringste bekannt: er denke gar nicht daran, dieSelb» ständigkeit der Voltsbühne irgendwie aufzu- geben öde? einzuschränken. Die Architekiur aus der Großen Berliner Kunstausstellung. Auf der Großen Berliner Kunstausstellung, die vom 30. April bis 30. September im Glaspalost«n Lehrter Bahnhof stattfindet, wird im Rahmen der Ausstellung ho» Kartelle der Vereinigten Verbände bildender Künstler Berlin» hje Architetten-Derelnlgung„Der Ring" unter Leitung des Archilette.c Hugo Häring zwei Ausstellungen ver- anstaltcm Die erste Ausstellung, die am 30. April eröffnet wird, be- schäftigt sich mit den städtebaulichen Fragen in erster Linie Groß- Berlins. Neben den verschiedenen schwebenden Projekten von Siraßendurchbrüchen und dem Plan einer Bebauung des Platzes der Republik sollen auck) historisch« Versuche großer Stodtanlogen unter künstlerischen Gesichtspunkten gezeigt werden. Unter diesen älteren Plänen seien erwähnt die Proickte von Schinkel und die Ergebiriss« des Wettbewerbes Groß-Berlin. Ferner hofft man. das Original der Pläne kür die städtebauliche Gestaltung Berlins zu erhalten, die seinerzeit von Haußmann entworfen und von Napoleon III. dem preußischen König zum Geschenk gemacht wurden. Für den Herbst wirj) eine zweite Ausstellung geplant, die Entwürfe der zum„Ring" gehörigen Bonkünstler zeigen soll und an deren Vorbereitung der Archilett Hilber»eiw«r beteiligt ist. ZNoseamifahriing«». Sonntag, den 3. April, Uhr vorm. finden amtliche Führungen im Neuen Mvleum sPaphruSiammlung) — Pros sior Schubart—, im Kailer-Kriebrich.MuIeuni che Genremalcrek) vr. Corn. Müller—, und im Museum iür Völlerkunde k«unst und Kultur w Loni», und»,nln)— Dr. Naumann— statt. Zulatzkarten zu öd Pf. o» Eingang der genannten Mwccn. Die Tammalinee Tlalre vonrssf, ttflinor lotdl», die am 3. April, ttovw. u'/, Uhr im Neuen Tbeateram Z o o llatttindct, umiakt, alte und neue Tänze nach Schumann. Stotkowllh, tloupertn. iiorciji. Brahm«. Turtini, Pugnnui, Tschailowsky, Ruellcr-Metburn, Scriabin«. Iah. Strauß, r. Reger.. Stresemanns Schrottbeziehungen. Dcutschttatuma'lc Beleidiger und nationalliberale Zeugen. Vor dem Schöffengericht in Plauen(Vogtland) rollt feit einigen Tagen der Prozeß ab, den der Reichsaußenminister S t r« s e m a N n gegen den Plauener deutschnativnalcn Rechtsanwalt Dr. Müller wegen Beleidigung onge- strengt hat. Müller hatte vor der letzten Reichstagswahl in mehreren Schreiben an die Deutsche Bolksportei und die Deutsch- nationalen, sowie in öffentlichen Versammlungen gegen Strese- mann den Vorwurf erhoben, daß er in amtlicher Eigen- s ch a s t als Mlnistcr sich zugunsten de» Großtaufmanii» Litwin ver- wendet und dadurch eine Begünstigung unzulässiger Geschäfte vorgenommen habe. Die Verhandlung hatte bereits vor mehreren Monaten einmal begonnen. Uebsrraschcnderweise aber stellte der angeklagte Rechts- anmalt während d«r Beweisaufnahme eine Reihe neuer Anträge, die darauf hinausliefen, das ganz« politische Wirten Stresemanns unter die Lupe zu nehmen und von einem Schöffengericht aburteilen zu lasten. Das Plauener Gericht ging, trotz des Widerspruchs der Staatsanwaltschaft und des Ver- treters de» als Nebenkläger zugelassenen Dr. Stresemann, auf diese Bcrschleppungs Methode ein, vernahm dann in Berlin einige der vorgeschlagenen Zeugen und läßt jetzt ln der neuen Verhandlung dem Angeklagten jede Freiheit, allerhand neue Dinge zu behaupten und wieder unter Beweis zu stellen. Der Kern der Vorwürfe gegen Stresemann ist dieser: Litwin l>otte neben anderen Firmen auch die„Evapo- rator"-Kesellschast gegründet, an der Stresemann beteiligt war und in deren Aussichtsrat er saß. Die Evaporator-Gesellschait beschöf- tigte sich hauptsächlich mit der Aermittlung von Schrott- gcschästen. Eines Tages wurde eine größere Ladung von Schrott, die an eine tschechische Eisenfirma adressiert war, an der sächstsch-tschechischen Grenzen angehalten, weil die Ausfuhrpopier« nicht in Ordnung waren. Die Ladung wurde beschlagnahmt. Daraushin wandte sich die Gesellschaft an ihr Aufsichtsratsmitglied Stresemann, damit er bei dem damaligen Reichswirtschaftsminister (es handelt sich um das Jahr 1923) interveniere und die Nach- Prüfung der Beschlagnahmeanordnung herbeiführe. Da der Wirt- schastsministcr auf ein entsprechendes Schreiben Stresemanns sich ablehnend äußerte, war die Angeleacicheit erledigt, bis sie im Rahmen der allgemeinen deutschnationalen Hetze wieder auftaucht« und durch den bekannten Kußmann-Frcund Knoll erst die rechte Auswertung erfuhr. In der Plauen« Verhandlung wurde gestern neben anderen Zeugen auch Litwin selbst vernommen, der erklärte, die Geneh- migung zur Aussuhr der später beschlagnahmten Schrottladung sei in ganz normaler Weise erteilt worden, nur wäre infolge eine» Versehens einer untergeordneten Stelle die notwendige Ilmadressle- rung unterblieben. Die von dem Angeklagten und seinen Freunden aufgestellte Behauptung, dos als Schrott verkaufte Alteisen sei in Wirklichkeit noch brauchbare oder doch schnell wiederherstellbare Kriegsmunition gewesen, die an ehemalige Kriegsgegner geliefert wurde, wird sowohl von Litwin als von dem irüheren Reichskommistar für Schrottwirtschost, Dr. Gompertz, in? Reich der Fabel verwiesen. Wenn jemand die entringt«» Grauguß- gronaten hätte wieder zu brauchbarer Munition hätte umarbeiten lasten sollen, so wäre das viel umständlicher und deshalb teurer ge, Wesen, als wenn neue Granaten hergestellt würden. Die Beschlag- nahm« und Bestrafung wegen der angehaltenen Lieferung an die Tschechoslowakei sei nur erfolgt wegen formaler Verletzung der Aussuhrbestlminungen, nicht over wegen unerlaubter Ausfuhr von angeblichem Kriegsmateriol. Daß es dem Angeklagten Rechtsanwalt Müller und seinen Hintermännern hauptsächlich auf die Herabsetzung und Ver- ächtlichmachung Stresemanns ankomnit, das zeigte die Ver- aehmung des von dem Angeklagten benannten Zeugen, des ehe- maligen nationalliberalen Landtagsabgcordneten Kommcrzicnrat Krahwinkel aus Vollmershausen. Dieser ist heute 7S Jahre all und außerordentlich schwerhörig. Er bekundet auf die Frage des Gerichts, warum er aus dem Rheinland« sich' bereit erklärte, in diesem Prozeß auszusagen, der sich um Schrott lieferungen handelt, er habe den Dr. Müller in Berlin ge- troffen und dabei sei vereinbart worden, daß er als Leumundszeuge über Stresemann und zwar sehr Un- günstiges aussagen solle! Dieses„Leumundszeugnis" sah nun etwa folgendermaßen ause Cr. Krahwinkel, kenne seinen Parteifreund Stresemann sehr genau. Im Jahre 1903 habe er mit ihm einen Wahlkamps in, Siegerland geführt. Als er damals Stresemann in einer Versamm- lu»g hörte, habe er siel) gesagt, einen solchen Eiertanz hätte er noch nicht erlebt. 1017 habe ihm der nationalliberale Frak- tionsvorsitzendc gesagt:„Von dem, was Stresemann sagt. pflege ich immer 75 Proz. abzuschreiben." Auch.dcr nationalliberale Abgeordnete Dr. R a u m e r habe ein« Aeußerung Ballins kolpor- tiert, die dahin ging, er wolle sich Stresemann kaufen und ihn nach Amerika schicken, weil Stresemann rechts und links schreiben könne! Mufrüftung in öer Tschechoslowakei. Gegen Deutschland gerichtet— von den deutschen Koalitionöpartcien bewilligt. Prag, 30. März.(Eigener Bericht.) Die deutschen Reglerungs- Parteien sind in den setzte» Tagen in eine neue Bedrängnis geraten. Im Parlament werden die neuen Wehrvorlagen, vor allem die Frage der Beibehaltung der a ch t z e h n in o n a t i g« n M i l i t ä rd i e n st- zeit verhandelt. Die deutschen Regierungsparteien haben den Vor- schlügen des Heeresmiiiisters U d r z gl in den Ausschüssen und in ihrer Presse bereits zugestimmt»nd waren eifrig bemüht, die unpopulären Maßnahmen ihren Wählern schmackhaft zu machen. Dl« tschechischen Bllrgerparteien scheinen aber entweder wenig Ver. ständnis für die Sorgen ihrer deutschen Regienmgskollegcn zu haben oder ihrer so sicher zu sein, daß sie es wagen können, ihnen noch ab» sichtlich Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Zwei Redner der tschechischen Regierungsparteien, darunter der Referent über hie Re» giorungsoorlage, wiesen zur Begründung der ungeheuren Rüstungen, di« in der Tschechoslowakei betrieben werden, auf di« angeblichen Rüstungen Deutschlands hin und erklärten ausdrücklich, daß Deutschland der Feind sei, gegen den die Tschechoslowakei rüsten müsse. Die deutsche Bevölkerung ist über die Tatsache, daß mit den Stimmen deutscher Parteien Rüstungen gegen Deutschland bewilligt werden, begreiflicherweise empört. Prag. 30. März.(Eigener Drahtbericht.) Das Abgeordneten- lrns hat die Wehrvorlage in der vom Ausschuß beschlossenen Fassung in erster und dann im abgekürzten beschleunigten Verfahren auch in zweiter Lesung a n g« n o m in e n. Die Opposition hatte in der Debatte vergeblich darauf hinge- wiesen, daß der Raub des Soldatcnwahlrechis eine Acnderung der Verfassung und eine Annahme dieser Vorlagen mit einfacher Mehrheit einen offenen Verfassungsbruch darstelle. Bei der Abstimmung über da» Soldatenwahlrecht kam es wiederholt zu längeren Pultdeckelkonzerten und Krawallen der Opposition. Der thüringische Landtag Hot am Mittwoch nach Entgegennahme der Mitteilung, daß über die Regierungsbildung noch keine Ver- ständigung erzielt worden ist, diese Frage gegen den Widerspruch der Kommunisten auf denk. Aprilvertagt, Der Magistrat gegen öie Arbeiter. Entlassung der Notftandsarbeiter, keine Lohnerhöhung, gegen Achtstundentag. Der Magistrat der Stadt Berlin läßt gegenwärtig aus einem Mangel an Voraussicht, der nicht mehr zu entschuldigen ist, gegen- über den städtischen Arbeitern und den Arbeitslosen eine Politik machen, die in ganz kurzer Zeit verhängnisvolle Auswirkungen haben muß. In nachfolgendem lassen wir die Tatsachen für sich sprechen, möchten aber jetzt schon dringend warnen vor den unvermeidlichen Folgen, wenn nicht schleunigst das Steuer ganz energisch herumgeworfen wird. Bekanntlich chefinden sich die städtiscl)en Arbeiter sowohl der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke wie der Kämmereibetriebe in einer Lohnbewegung. Es ist ganz überflüssig, die Notwendig- keit der Lohnerhöhung noch zu begründen. Die eingehenden Zahlen darüber hoben wir bereits veröffentlicht. Man sollt« meinen, daß der Magistrat angesichts der unmittelbar bevorstehenden Erhöhung der Mieten endlich sich zu einem Beschluß aufrafft. Nachdem die Beratungen darüber seit Wochen verschleppt worden sind, hat der Magistrat gestern die Beratung aufs neue vertagt. Die Wirkung dieses Beschlusses wird verschärft durch die Haltung der Direktion der städtischen Gas. und Wasserwerke in der Frage der Arbeitszeit. Es besteht dort die 48-Stunden- Woche, für die S ch i ch t a r b e i t e r der Gaswerke jedoch die S2-Stunden-Woche. Die Gewerkschaftsvertreter verlangten, daß auch die Schichtarbeiter in den Genuß der 48-Stunden-Woche kommen sollen. Diese Forderung konnte ohne weiteres bewilligt werden, weil, wie von den Arboitervertretern nachgewiesen und von den Vertretern der Direktion nicht bestritten werden konnte, die Einfüh- rung der 4S-Stunden-Wochc ohne jede Erhöhung der Be- triebskosten und ohne technische Schwierigkeiten vor sich gehen würde. Bei den Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß, die gestern stattfanden, beharrten die Vertreter der Direktion aus ihrem Justamentstandpunkt, der wirtschaftlich nicht zu verteidigen ist. Gegen die Stimmen der Arbeiterverireter wurde denn auch ein Schiedsspruch gefällt, der die 52-Stunden-Woche für die Schichtarbeiter beibe- hält und nur die Entschädigung für die planmäßige Sonntagsarbeit von 2Z auf 33'A Proz. erhöht. In seiner Begründung des Schieds- spruchs hat aber selbst Herr Körner die Einführung der 48-Stunden-Woche empfohlen. Um das Ganz< zu krönen, hat der Magistrat den Beschluß ge- faßt, zum 1. April sämtliche Itotstandsarbeiter in Berlin zu entlassen. Mit 250 000 Arbeitslosen scheint für den Magistrat ein Not- stand nicht mehr zu bestehen! Die Notstandsarbeiter sind produkt'v tätig. Die Zuschüsse, die die Stadt zu leisten hat, werden ihr bis zu 80 Proz. zu rückvergütet. Unter diesen Umständen ist der Beschluß des Magistrats, der vielleicht als ein Druck gegen die Regierung gedacht ist, praktisch eine nicht zu rechtfertigende Maß- nähme gegen die Arbeitslosen. Die Stadtverordnetenversammlung hat wiederholt Beschlüsse ge- faßt, die o�f eine erweiterte Durchführung der Not- standsarbeiten hinzielen. Die Stadtverordnetenversammlung hat vor nicht allzu langer Zeit auch beschlossen, daß in den Städti- sch�n Werken in Berlin nicht länger als 48 Stunden die Woche gearbeitet werden soll. DerMagistrat setzt sich über diescBoschlüssehinweg. Im Laufe der letzten Jahre ist in den städtischen Gaswerken die Belegschaft im Verhältnis zur erzeugten Gasmenge um zwei Drittel herabgesetzt worden. Die Durchführung der 48-Stund«n-Woche würde keinerlei Kosten verursachen. Trotz- dem setzt man sich in Gegensatz zu den Beschlüssen der Stadtver- ordnetenversammlung und den Forderungen der Arbeiter, verschleppt die Lohnoerhondlungen und beschließt, sämtliche Notstandsarbeiter zu entlassen. Eine derartige Politik ist in Berlin unmöglich. Hier muß schleunigst Remedur geschaffen werden! die verhanülungen bei öer Reichsbahn. Ein ungenügendes Angebot. Am Mittwoch fanden bei der Hauptverwaltung der Reichsbahn die von uns bereits angekündigten Verhandlungen zwischen den Tarifkontrahenten zur Neuregelung der Löhne und der Arbeitszeit der Eisenbahner statt. Die Vertreter der Hauptverwaltung machten zur Lohn- und Ar- beitszeitfrage ein Angebot, dos jedoch von allen Orga- nisationsvertretern als ungenügend bezeichnet wurde. In der Generalaussprache wurde die Hauptverwaltung von den Vertretern d« Eisenbahnergewerkscbasten sehr ernst und nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß angesichts der allgemeinen Teuerung?- welle und der stürmischen Bewegung der Arbeiterschaft zur Ver- kürzung der Arbeitszeit nur ein deutlich sichtbares Entgegenkommen das Eifenbahnperlonal zufriedenstellen könne. Der größte Unternehmer müsse bei der Neuregelung der Lahn- und Arbeitszeit- frage mit gutem Beispiel vorangehen. Mit einigen verklausulierten Zugeständnissen zur Zahlung der über acht Stunden hinausgehenden Ueberstunden und mit ein paar Pfennigen Lohnerhöhung, die gerade noch die Mictstcigerungcn aus- gleichen, kann die Reichsbahnhaupwerwaltung bei der sogar von den Reichsstellen ausdrücklich hervorgehobene» günstigen Finanz. läge der Reichsbahn unmöglich der Arbeiterschaft kommen. Hassent. lich erhalten die Unterhändler der HauPtoerwaltung für die Der- Handlungen, die am Donnerstag fortgesetzt werden, die entsprechen- den Instruktionen._ Tarifverhanülungen bei üer Reichspost. Erste Fühlungnahme. Gestern vormittag begannen die Tarifoerhandlungcn für die Lohnempfänger der deutschen Reichspost. Von den Vertretern der Arbeitnehmer wurden als wichtigste Forderungen die V e r k ü r- zung der heute noch 5 4stündigen Arbeitszeit auf 48 Stunden und eine erhebliche Erhöhung der Grund- löhne gefordert. Die Vertreter des Reichspostministeriums. die im Anfang der Verhandlungen jede Verkürzung der Arbeitszeit ablehnten, sagten nach längeren Verhandlungen eine„gründliche Prüfung der Arbeitszeitfrage" zu. Ob eine Einigung erzielt werden wird, läßt sich zurzeit noch nicht übersehen. Wenn man der Pest Findigkeit zuspricht, so wird man ihr i» diesem Falle gewiß nicht Findigkeit .....'Li.' Jj* nachrühmen können. Jetzt erst will das Reichspostminssterium die Arbeitszeitfrage„gründlich" prüfen. Offenbar h?t man dort von der Arbeitszeitfrage, die selbst die Bürgerblockregierung zur Ein- bringung eines Notgesetzes ocranlaßte, noch nichts gehört. die Aussperrung in öer porzellaninüuftrie. Heute Verhandlungen im Rcichsarbcitsministcrium. Im Tarifstreit der feinkcramischen Industrie haben die Arbeiter- organisationen die Schiedssprüche angenommen, die Unter- nehmer dagegen abgelehnt und bekanntlich die Aussperrung be- schlössen. Das Reichsarbeilsministerium hat die beiden Parteien für heute geladen, um nochmals einen Versuch zur Beilegung des Konflikts zu unternehmen Der Manteltarif üer Metallangestellten. Die Kündigung beschlossen. Entsprechend den in den Betrieben geäußerten Wünschen hat das AfA-Metallkartell nach eingehender Beratung die K ü n d i- gung des Manteltarifocrtrages zum 8 0. Juni d. I. ausgesprochen. Die übrigen ani Tarifvertrag beteiligten Angestellten- verbände haben sich gleichfalls unserem Vorgehen angeschlossen. Die Gründe, die zur Kündigung des Manteltarifvcrtrages ge- fübrt haben, dürften ja den Angestellten zur Genüge bekannt sein. Wir wollen hierbei nur die Arbeitszeitfrage und die bei der diesmaligen Neuregelung der Gehälter wieder in Erscheinung ge- treten« Anwendung des„Leistungsprinzips" in den einzsl- nen VBMI.-Betrieben in Erinnerung bringen. Das AfA-Metalltartell wird die Forderungen hinsichtlich de» neuen Montcltarisvertragcs demnächst vorbereiten und in einer AiA-Funktionäversammlung, zu der noch besondere Einladungen ergehen, dazu Stellung nehmen lassen. Des weiteren ist vor Beginn der direkten Verhandlungen mit dem VBMI. eine öffentliche Ängeftclltenocrsammlung der Berliner Metallindustrie von den AfA-Organisationcn geplant, um auch den letzten Angestellten bei der Bedeutung der diesmaligen Tarifverhand- lungen für die Bewegung zu interessieren. AsA-Nlelallkartell. Günther, Lange, Rothe. Streik im Schuhmacherhanöwerk. Die gesamte Arbeiterschaft der Schuhreparaturwertstätlcn der beiden Schubwarenhäuser H. Leiser Nach f. und Karl Stiller. rund 100 Personen, stehen seit gestern im Streik. Die Arbeiter hatten den Betriebsleitungen eine Forderung auf Erhöhung der Mindestlöhne von 88 Pf. auf 1,05 M. für männliche Arbeiter über 21 Jahre, entsprechenden Zuschlag für die übrigen Arbeiter, gestellt. Beide Firmen antworteten in ablehnendem Sinne. Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß führten zu einem Schiedsspruch für die Firma H. Leiser, der die Mindestlöhnc um 10 Proz. erhöhte, die Frage der Mehrvcrdiener jedoch offen ließ. Mit Rücksicht daraus ist der Spruch seitens der Arbeiter mit nur einer knappen Mehrheit angenommen worden. Da die Finna jedoch, wie bei ihrer bisherigen Einstellung zu erwarten war, den Spruch ablehnte, haben die Belegschaften beider Parteien fast einstimmig den Streik beschlossen. Die Firma H. Leiser sucht in der Volkszeitung bereits Streik- b r e ch e r. Alle Kollegen werden ersucht, �während des Streiks die beiden Firmen streng zu meiden, liebt Solidarität! Vcraniwortlich Mr Politik: Bictoe Schiff: Wirtschast: S. fllinpcthcfcr; Gcwerkschzftobcw.'avna: ftr. ftchkotn; gcnilWon Dr.?ohn Schikowski: Lokales: »nd Sonstiges:?ritz ttarstödi: tlmeigcn: Th. kloike: sämtlich in Berlin Verlag: Porwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck' Vormärts-Buchdenckere! und Verlagsanstalt Paul Singer u Co.. Berlin SW 68. Lindenstraßc ö Sicrzu 3 Beilage» und„Unterhaltung»nd Bissen". 9S WERTHEIM extra-Pre,se «II ra ra 0 HHI BBS 0Biiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiii!i>iiiiiiiiiiuiiiniiHiinuiiiiniiiii■ iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiii Leipziger Str. fVersand-Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Donnerstag bis Sonnabend Soweit Vorrat HAVNOSCHUHE Damen-Handschuhe Leinen imit. farbig. 60 Pf. Leinen U.Sdiweden Mansch ett! 95 Pf. 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Namen wie Strindberg und Ellen Key.Liljesors und L a r ss en. um nur einige markante Künstlernamen zu nennen, haben bei uns die gleiche Anerkennung wie in der Heimat gefunden. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Schweden sind rege: das Fährschiff zwischen Saßnitz und Trelleborg ist gleich jenem dänischen zwischen Warnemünde und Gjedser der sichtbare Ausdruck einer Interessengemeinschaft, die sich nur auf friedlich« Zwecke bezieht. Ein« seit langem in Berlin heimische schwedisch« Kolonie und namentlich die Art ihrer Betätigung spricht ebenfalls für die Freundschaft der beiden Völker. Die schweülsche Gemeinüe. Wer im Bereinswesen bewandert ist, weiß, wie schwer es ist, in einer Groß, oder gar Wellstadt die Mitglieder.bei der Stange zu holten*, und es war daher ein äußerst glücklicher Gedanke der schwedischen Kolonie, durch die Bildung einer Gemeinde und Ankauf eines Besitztums ein sichtbares Zeichen ihres Dasein» und zugleich eine jederzeit zur Verfügung stehende Versammlungzstätte zu schaffen. Am 7. Zun! lSOZ wurde die Gemeinde begründet durch die Herren Graf Ta u b e, Pastor Gunnar H e l a n d e r und Redakteur Gustav B l o m q v i st. Im Jahre ISOS wurde sie kirchlich ein- gegliedert: am 1. Mai 131,? trat der noch heute amtierende Pastor (schwedisch Kyrkoherde genannt) Frederick S e b a r d t, Legations- Prediger der Gesandtschaft, sein Amt an. und durch seine Arbelt wurde die ökonomische Grundlage der Gemeinde gesichert, die es ermöglichte, daß 1920 mit Staatsunterstützung die Prwaioillo. Wilmersdorf, Landhausstraße Z7/ZS. angekauft wurde. Ein schönes Dcsitztem mit großem Garten, in dem sich sowohl Gewächshäuser wie«in Tennisplatz befinden, und der noch Platz läßt für den ge- planten Bau eines Allersheims. Die Villa wurde den Gemeinde- zwecken entsprechend umgebaut und am 18. Juni 1922 der Be- Nutzung übergeben. Das Gebäude enthält im Souterrain eine sehr geräumige Küche, im ersten Stock«inen für den Gottesdienst be- stimmten Kirchenraum, ein Schulzimmer, einen Bibliothekraum, ein 5 Lgidsleute in BERLIN. Musikzimmer usw. Im zweiten Stock liegen die Wohnräume des Pastors und die Geschäftszimmer. Vom Aufgang bis zum oberen Stock spürt man eine kunstsinnige Hand in der Ausschmückung, die, ohne Prunk zu zeigen, allen Räumen das Gepräge der Behaglichkeit gibt. Der neben der Villa ausgeführte luftige Glockenturm erinnert an die itallenische Kampanile. Schwedische kulturpflege. Wichtig ist die den Kindern der schwedischen Familien gebotene Unterweisung in der Muttersprache. Es gibt einen für die Kleinsten berechneten Einführungsunterricht, für den die Eltern ein Schulgeld entrichten müssen, und einen Literatur- und Gefchichts- kursus für diejenigen Kinder, die deutsche Schulen besuchen. Der Schule wird eine staatliche Unterstützung zuteil. Eine Lehrerin, Fräulein Bera Natorp, leitet beide Kurse. An Stelle des zurzeit beurlaubten Pastors Sebardt führt Pastor Julius W e l h a g e n die Geschäfte der Gemeinde, ein für Weltfrieden und Völkerversöhnung begeisterter„Kirchenhirt*. Innerhalb der Gemeinde, die jetzt gegen 600 Mitglieder zählt, besteht noch ein Zugendoer ein, dann vor ollem eine Volkstanzgruppe(Danslag), die die alten schwedischen Tänze in den Nationalkostümen übt; ferner findet am letzten Sonn- tag im Monat im Gemeindehaus ein schwedischer Abend(svenst afton) statt, der der Pflege der geistigen Kultur der Heimat dient. So wurde am 27. Februar über den Dichter Karl David af Wirsen gesprochen, dabei Gedichte von ihm rezitiert und gesungen. Daß diese Veranstaltungen auch für das Sichkennenlernen der Mit- glieder bestimmt sind, zeigt die Bemerkung für die Eintrittsgebühr: 79 Pf. inkl.„svenskt Kaffe*. Dann werden die großen Kochherde in der Küche tüchtig zu tun haben, um den Ansprüchen einer so großen Versammlung schnell gerecht zu werden. Daß zu Weih- nachten die Feier nicht fehlt, ist selbstverständlich: ein Weihnachtsbasar wird abgehalten. Ein zweites ollgemeines Fest ist der Nationaltag: Svenska Flaggans Dag. am 6. Juni, gewisiermaßen auch als Mittsommerfest begangen. Der bestehende schwedische Uaterstühungsverein hat seine Zentrale in der Gemeinde, durch deren Organe auch die während der Äriegszeit von der Heimat gelieferten Nahrungsmittel oerteill wurden. Die Gemeinde beabsichtigt ihre Unterstützungsbedürftigen in Kassen einzukaufen. Andere vereine. Unseren eingangs gegebenen Hinweis auf das anfehnsiche Alter der schwedische Kolonie m Berlin belegt die Mitteilung, daß der Schwedische Verein(Svenska Föreningen) leinen Ursprung aus das Jahr 18ä6 zurückführen kann. Aus der Heimat wegen damaliger schlechter Wirtschaftsverhällnisse nach Berlin, Hannover usw. aus- gewanderte Handwerker haben ihn begründet, und der Verein hat alle Fährnisse, die ein Allern mit sich bringt, glücklich überwunden: seine Mitglieder versammeln sich jeden Sonnabend im Askanier. Vorsitzender ist Schneidermeister Iöns A n d e r s s o n. Ein Turn- und Sportverein ist Gymnastik-Föreningen. der unter Leitung von I I v e r s e n steht und seine Uebungen unter Leutnant v. Stedingk jeden Mittwoch in der Knesebeckstroße 24 abhält. Endlich gibt es noch eine„Deutsch-schwedische Vereinigung Berlin E. V.*, eine Schöpfung neuerer Zeit, in der aber das deutsche Clement über- wiegt. Ein in der Heimat, in Göteborg, erscheinendes, für die Ge- samtheit des Auslandsschweden berechnetes Blatt ist„Allsvensk Sämling*, das in Wort und Bild über die betreffenden Vorgänge in der ganzen Welt berichtet. Gjfizielle Vertretung. Da die schwedische Gemeinde außer ihren 699 Mitgliedern noch über 399 Adressen verfügt, kann die Zahl der gegenwärtig in Berlin sich aushallenden Schweden aus etwa 1299 geschätzt werden. Vor dem Kriege war sie höher, etwa 2999. Die offizielle Vertretung liegt in den Händen des a. o. Gesandten und ber. Minister of W i r s 6 n: das Gesandtschaftspalais besindet sich Tiergartenstraße 36. Generalkonsul ist Dr. Louis Raven«: das Konsulat hat seine Bureauräume in dem bekannten Raoenäschen Geschäftshaus, Wall- straße 5/8. Die hier gewählle neutrale Lage ist jedenfalls für die Mehrzahl der Besucher angenehm. Ein Visum ist für den Besuch von Schweden nicht mehr nötig: für Arbeit oder eine Stellung An- nehmende ist jedoch besondere Erlaubnis nötig. Das Gesandtschafts gebäudc wie das Gemeindeonwesen sind schwedischer Besitz. SchweSische Kunst in Serlin. Professor Alfred G renander, Lehrer am Kunstgewerbe- museum, ist nicht mir seinen Schülern, sondern auch den kunst- sinnigen Berlinern durch manche schöne Schöpfung bekannt ge- worden. Daß die Heimat einer Jenny Lind aber vor allem Sänger und Sängerinnen abzugeben hat, beweist die ganz stattliche Liste der in Berlin von der Oper und von Konzerten her mit Aus- zeichnung genannten Künstler: Ingeborg H o l m g r e n, Ruth B e r g l u n d. Gustav Rödin, Martin O e h m a n— Mitglieder der Städtischen Oper—, Göta Ljungberg(Staatsoper), Sara Kvarn ström, Dagmar G u st a v s o n, Knut Olof Strand- b e r g. Sie sind natürlich gern gesehen in dem Gemeindehaus, wo für die Mitglieder Gelegenheit genug vorhanden ist, Musik zu hören. Berlins Ruf als Musikstadr erstens Ranges trägt dazu bei, immer neue Musikbeflissene und Musikstudierende in Berlin heimisch zu machen— ist doch das Reich der Töne dasjenige Kunstgebiet, das am leichtesten die nationalen Unterschiede vergessen macht. * Frühlingssonne liegt auf dem Rasen des Gartens in der Land- hausstraße— die nahe Mittagsstunde läßt auch hier draußen den Verkehr anschwellen, aber nur schwach dröhnt der Lärm in dieses Idyll hinein, das in jedem Winkelchen von der sorgfältigen Be- treuung Zeugnis ablegt. Eine Mutter hat sich mll ihrem Kinde auf der Steinumfassung eine» Weges niedergelassen— die Sonnen- strahlen umspielen die Gruppe. Auch dem flüchtigen Besucher wird die hier zugebrachte Stunde nicht so leicht aus dem Gedächtnis schwinden— um wieviel stärker werden die Eindrücke bei denen haften, die sich hier als Teilhaber eines Besitzes dünken dürfen, wie ihn nur der große Reichtum sich verschaffen kann. vie Ehescheiüungsreform. In der gestrigen Sitzung der Vereinigung sozial- demokratischer Juristen referierte Genosse Rechtsanwall Dr. Kurt Rosenberg über die Ehescheidungsreform, welche gegen- wärtig den Reichstag beschäftigt. Er erörterte die Vorschläge welche die Parteigenossen der Reichstagsfraktion in dieser Beziehung ge- macht haben, und dre im wesentlichen darauf hinausgehen, eine Scheidung der Ehe auch dann zu ermöglichen, wenn ohne V e r- schulden eines Teiles eine Zerrüttung des ehelichen Lebens vor- liegt, die ein« rechte eheliche Gemeinschaft ausschließt. Entsprechende Resormbestrebungen machen sich zurzeit auch in vielen anderen Ländern gellend und haben dort bereit» ihren gesetzgeberischen Niederschlag gefunden. Genosse Rosenberg verwies insbesondere auf die neuere Gesetzgebung der skandinavischen Staaten, die von einem fortschrittlichen Geiste erfüllt ist und uns sti vielen Beziehungen als Vorbild dienen kann. Er besprach dann die mit der Ehescheidung zusammenhängenden Fragen, die Regelung der Vermögensverhäll- nisse, der Unterhaltspflicht und die Verteilung der Kinder; endlich auch die Fragen, die sich bei der Ehescheidung von Aus- l L n d e r n ergeben, wobei er sich auf den Standpunkt stellte, daß es am besten wäre, in solchen Fällen regelmäßig nach deutschem Recht zu entscheiden. In der D i s k u s s t o n sprachen die Genossen Solling, Rechtsanwalt Siegbert Lövy, Bendix, Rüben und andere sowie Fräulein Rechtsanwalt Dr. Münk, die als Gast anwesend war. Es wurde hierbei namentlich Gewicht auf die Rege- lung der Unterhaltsfrage gelegt, die gerade bei Scheidung von Proletarierehen die Hauptrolle spielt. Hierbei stellten sich die Redner größtenteils auf den Standpunkt, daß die Regelung am besten nach billigem Ermessen zu erfolgen habe, und daß bei Gehalts- Pfändungen dem Ehemanne wenigstens ein Teil seines Einkommen» belassen werden müsse, was nach dem gegenwärtigen Gesetz nicht der Fall ist. Auch die Frag« des ehelichen Güterrechts wurde besprochen, und es wurde die Einführung des Gütersystems der Errungen- schaftsgemeinschast befürwortet. Für das Verfahren in Ehesachen Sif. Das Weib, das den Mord beging. 81 Roman voa Arih Reck-ZIlalleczewea. Ein Windstoß fährt in diesem Augenblick durch die offen gebliebene Haustür den Gang hinauf, und es ist zu bemerken, daß die kleine Sif in diesem Augenblick von irgend etwas, was sie nicht kennt, gezwungen wird, der heruntereilenden Person nachzuschauen. Sie sieht, als eben diese Person schon den Gang durcheilt, daß es eine Frau ist, sie sieht im Licht- fel der draußen brennenden Laterne das, was ihr irgend- welche peinliche Erinnerungen an etwas schon halb Wer- gessenes weckt: daß nämlily diese Frau in der Hand«in sonderbares Ding, ein Halsband oder einen Rosenkranz . schwenkt, und daß serner diese Frauensperson, als sie die La- terne am Ausgang passiert und um die Ecke biegen will, im allerhöchsten Maße ihr selbst, Robbys angetrauter Gattin, ähnlich sieht. Es ist zu bemerken, daß diese Begegnung, die in den Akten der kleinen Sif mit Fug und Recht als zufällige Aehn- lichkeit, oder, wie die anderen seltsamen Begleitumstände dieser Geschichte mitleidig als Ausgeburten der Erregung oder gar als trübe romantische Erfindung abgetan wird... es ist zu bemerken, daß diese gleich darauf um die Ecke verschwun- dene Erscheinung sie eine ganz kurze Weile auf der Treppen- mitte festhält. Dann ist es die feit d«m Moabiter Zwischen- fall krampfhaft gesteigerte Entschlußkraft, das Grauen und das unbändige Verlangen nach Menschennähe, die sie die Treppe hinaufpeitschen und mit voller Kraft an dem Draht- klingelzug der Witwe Grandsean zerren lasten, daß innen sich ein ganzes Armsünderläuten in Bewegung setzt. Schritte schlurfen innen, ein Auge wird sichtbar an dem Guckloch. Dann wird die Tür. die direkt in den Raum führt, von einer kleinen, verhutzelten Person mit spärlichem, an dem Schädel geöltem Haar ge- öffnet... die Witwe Grandsean hat es nicht der Mühe für wert befunden, die horngefaßte Lupe aus dem Auge zu nehmen bei dieser Manipulation. Ein warmes, höchst gemütliches Zimmer mit Bieder- meiertapeten und den Silhouetten einer längst verschollenen Studentengeneraiion an den Wänden: offensichtlich der ein- zige Raum in dieser Etage des engbrüstigen, wunderlichen Kaufes. Ohne den Gruß ihres Gastes zu erwidern, schlurft die Witwe Grandjean hinter die Lette zurück, beugt sich über den Tisch, kramt in all den Etuis, den Zetteln, den blitzenden Dingen, beginnt, ohne dem Gast sonderliche Aufmerksamkeit zu schenken, ein großes Perlenhalsband zu beäugen... es ist zu bemerken, daß gerade über ihrem Kopfe an der Wand aus einer schwarzen Plakette, umgeben von all diesen buntbebän- derten Vandalen und Arminen ein silbergepreßler Engel mit der Devise„Gott mit dir" gen Himmel fährt. „Guten Abend," wünscht die kleine Tis noch einmal, und dann sagt sie freundlich, daß die alte Dame eigentlich viel Mut beweise, hier allein zu bleiben mit all den Schätzen da. Als Antwort, ohne im übrigen ein Wort zu sprechen, starrt die Alte, die Lupe als wunderliches Monokel noch immer im Auge, ihren Gast eine kleine Weile an, wobei sie den zahnlosen Mund aufklappt, greift unter die Lette und legt einen Revolver auf den Tisch. Es ist eine altmodische gewaltige Donnerbüchse, eine von jenen Waffen, mit denen man den Gegner am sichersten trifft, wenn man, statt zu schießen, damit nach ihm wirft... ja, es ist aber zu bemerken, daß der Anblick dieser Waffe, die Lupe im Auge und vielleicht selbst der silbergepreßte Engel an der Wand doch vielleicht manches beiträgt zur weiteren Entwick- lung der Dinge. „Sind Sie taub?* fragte die kleine Sif etwas gereizt. „Reden Sie nicht lange," sagte die Mtwe Grandjean, „und geben Sie rasch her." Die kleine Sif wird rot.„Morgen," denkt Sif,„morgen abend wird Robby kommen." Damit gibt Sif her, was sie gebracht hat. Die Alte nimmt die Schätze, geht gar nicht sanft damit um... Ohrringe und Kette fliegen sofort mit einem ver- ächtlich durch die Nase gestoßenen Laute der Ablehnung zurück. Die kleine Sif sieht, während die Alte wiegt, die Devise „Gott mit dir", sie denkt an Maria stricknadeldurchbohrtes Herz, an den Christus auf dem Leichenwagen und den auf dem Schwurgerichtstisch, der nach den Informationen des Schwagers Lex nicht gestorben ist für die Sohnesmörderin, sie fragt sich, wie viele Male ihr dieser Gott wohl begegnet sein mag an diesem Tage. Und dann sieht sie. wie die Alte wieder wiegt und rechnet und vor sich hermurmelt... ach Gott, sie selbst ist es ja. deren Schicksal da gewogen wird... ach Gott, ja, erbarm« dich endlich um diese große Not... Da sie es einfach nicht ertragen kann, dieses Rechnen zu beobachten, so sieht sie sich das auf dem Tisch liegende Perlen- kollier an, denkt daran, wer es wohl getragen haben mag vor zehn Jahren, streichelt über die kühlen Perlen, träumt sie an den eigenen Hals, nimmt sie in die Hand... Inzwischen ist die Alte fertig:„Gelump," sagt die Alte und stößt verächtlich durch die Nase, der Schlangenring fliegt über die Lette zu Sif zurück... Die kleine Sif hat noch immer das Kollier in der Hand, sie versteht da einfach nicht:„Von meinem Vater," sagt die kleine Sif,„wenn Sie gütigst erlauben... ich möchte.., ich hatte gern.. Die Alte faucht sie an:„Was wollte sie gern, he? Gelump. sage ich, ha..." wieder faucht sie durch die Nase, fixiert die kleine Sif durch die Lupe und hat plötzlich entdeckt, daß sie noch immer das Kollier in der Hand hält. „Die Perlen," schreit die Alte,„wollen Sie gefälligst..." Und vielleicht, wenn diese Lupe nicht gewesen, und. von dem Engel ganz abgesehen, dieser verfluchte drohende Schieß- prügel auf dem Tisch und dieser verächtliche Laut... Ja, wenn... So aber ist es geschehen, daß das weiche Kindergesicht der kleinen Sif, als die Alte wahr und wahrhaftig nach der Waffe greift, hart wird und beinahe grausam... so hart und grausam, wie in dem Augenblick, als sie das Hündchen Biicky zum Tode brachte. „Gott mit dir," schreit plötzlich die kleine Sif und weiß nicht, was sie tut, und sieht nur Feuerfunken vor sich stieben über«in grünes Gesichtsfeld und hat die Augen weit auf- gerissen und hat die Alt« an der Kehle... dort, wo die Hals- schlagadern sitzen und man den Lebensstrom abdämmen kann mit einem einzigen Griff. Ich will durchaus nicht entscheiden, welche Macht diese Hand so führt, daß die Finger diese Stelle gerade erfassen. Ich habe nur zu berichten, daß die Alte ohne Laut zusammen- fällt wie ein leerer Schlauch. „Gott mit dir," schreit sie noch einmal und schleudert die Witwe Grandjean zurück, daß sie mit dem Kopf gegen die Wand schlägt. Was ührigens bei diesem federleichten Körper ohne sonderliches Geräusch vor sich geht. Die kleine Sif atmet tief auf mit einem merkwürdigen Schnarchlaut, wie man ihn von ungezähmten Steppenstuten hören kann, die ihr Füllen bedroht glauben. Dann geht sie aus dem Zimmer> Es ist ihr im Augenblick noch ganz unbekannt, daß sie, während sie die Treppe hinabläuft, dos Perlenkollier in der Hand schwenkt... so schnell, daß man es bei der Geschwindig- feit der Bewegung halten kann., (Fortsetzung folgt-! imtrb« die Hinzuziehung von Laienrichtern gefordert. Der Vortrag des Genossen Dr. Rosenberg wird voraussichtlich demnächst ouszugs- weise in dem Mitteilungsblatt der Vereinigung sozialdemokratischer Juristen abgedruckt werden._ Die Tote von Schilühorn festgestellt. Fortgesetzte Suche nach dem Mörder. Der gestrige Fund der beiden Arme am Schöneberger Ufer und der Beweis chrer Zugehörigkeit zu dem grausigen Rumpffund in der Schildhornbucht hat schnell zur Feststellung der Persönlichkeit der Toten geführt. Nachdem die Hände vorhanden waren, nahm der E r- kennungsdienst der Äriminalpolizei die Arbeit auf. Nach mehr- stündiger Arbeit kam man zu dem Ergebnis, daß die Tote mit der um 13. Dezember 1901 zu Boeck in Lauenburg geborenen Hausangestellten Frieda Ahrendt personengleich ist. Eine Reihe von Beamten wurde sofort ausgesandt, um den letzten Aufenthaltsort des Mädchens, seinen Umgang und Verkehr zu ermitteln. Inzwischen fand im Leichenschauhaus die O b d u k- t i o n statt. Wie die Aerzte feststellten, war der Tod durch Ver- blutung eingetreten. Außerdem wurde noch eine Rippen- und Bauchfellentzündung festgestellt. Durch die ausgesandten Be- amten war nun folgendes ermittelt worden: Die Ahrendt hatte bei einer Familie in Charlottenburg eine Stellung als Hausmädchen inne. Im Februar d. I. hatte sie sich einige Unregelmäßigkeiten zu- schulden kommen lassen, war entlassen und bei der Kriminal- polizei angezeigt worden. In der Aernehmung gab sie an, daß sie gewisse Kleidungsstücke nicht gestohlen, sondern üur als Faustpfand für zu wenig gezahlten Lohn an sich genommen habe. Bis zur Gerichtsverhandlung wurde sie daher wieder entlassen. Am 5. März hatte sie bei einer Frau in der Spenerstraße ein kleines �Zimmer gemietet. Sie brachte einige Kleidungsstücke mit und er- zählte, daß sie bei Berwandten in Petershagen an der Nordbahn gewohnt habe. Jetzt habe sich ihr eine gute Stellung als Kinder- rnödchen bei einer Familie am Zoo geboten, die sie angenommen habe. Als sie zuzog, leistete sie eine kleine Anzahlung. Als am ZO. März der gezahlte Vorschuß abgewohnt war, forderte die Wirtin, die an die Stellung als Kindermädchen nicht glaubte, die restliche Mietssumme und die polizeiliche Abmeldung aus Petershagen. Die Ahrendt versprach alles zu besorgen. Am folgenden Tage, dem Ii. März, ging sie fort und kehrte nicht wieder zurück. Während ihres Aufenthaltes bei der Frau in der Spener- stroße sprach sie wiederholt davon, daß sie einen Freund in Spandau habe. Weiter fragte sie auch, wo das Rudolf-Virchow- Krankenhaus wäre, um sich dort in Behandlung zu begeben. In der Tat machte sie auch einen sehr kränklichen Eindruck, hustete viel und klagte inuner über Leibschmerzen. Dies war der letzte Aufenthaltsort, der bis jetzt ermittelt werden konnte. Nach der Be- schreibung war sie 1,54 Meter groß, schwächlich und hätte auffallend Helles Haar. Bei ihrem Fortgang am Ii. März trug sie einen lila Filzhut von runder Glockenform mit breiter Krempe, einen dunkel- grünen Mantel, dessen Saum mit Samt verziert mar, und hellgraue Lcderspangenschuhe. Personen, die irgendwelche Mitteilungen machen können, werde» gebeten, sich bei der Mordkommission im Zimmer S2 des Polizeipräsidiums zu melden. versuchter Gattenmorü. Unter dem Einfluß des Alkohols. Der Kohlenarbeiter Karl St. war dem Alkoholteufel versallen. Oft kehrte er nachts betrunken heim. Das führte zu häufigem •streit mit seiner Frau. Er gab ober immer noch pünktlich das Wochengeld ab. An einem Freitag abend im Juli v. I. ließ er sich in der Ab- Wesenheit seiner Frau von der Tochter das Geld wieder zu- rückgeben und vertrank es. Tagelang gab es Unfrieden im Haufe. Die Ehefrau oerweigerte ihm das'Eisen und ließ ihn auch nicht in das Schlafzimmer. In seiner Geldnot wollte St. sogar am Montag die Betten ins Pfandhaus bringen, um Schnaps zu haben. Er wurde aber damit abgewiesen. Als er heimkehrte, saß die Ehefrau in der Küche und machte das Abendessen zurecht. Da trat er plötzlich hinter sie und hob ihren Kopf hoch. Sie glaubte, er wolle einlenken und ihr einen Versöhnungskuß geben. Plötzlich fühlte sie den kalten Stahl an der Kehle. Mit dem scharfen Rasiermesser brachte St. seiner Frau, indem er etwas Unverständliches murmelte, einen tiefen Schnitt an dem Halse bei. Blutüberströmt wurde die bejahrte Frau ins Krankenhaus gebracht, der ärztlichen Kunst gelang es aber, die Schwerverletzte nach einer schwierigen Operation am Leben zu er- halten. St. hatte sich wegen dieser unselige» Tat unter der Anklage des versuchten Gattenmordes vor dem Schwurgericht III, unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Bombe, zu verantworten. Nach einem Gutachten von Medizinalrat Dr. S t ö r m c r ist die Tat nicht nur auf den Einfluß des'Alkohols, sondern auch auf die Eigenschaften des Angeklagten als Epileptiker zurückzuführen. Das Schwurgericht nahm zwar Vorsatz, aber nicht Ueber- l e g u n g a». da auch die offene Reue des Angeklagten berücksichtigt wurde. So lautete die Strafe wegen des Totschlagversuches sehr milde, nur auf ein Jahr drei Monate Gefängnis. Es wurden dem Angeklagten 8 Monate Untersuchungshaft angerechnet. Für den Rest der Strafe erhielt er Bewährungsfrist, der Haftbefehl wurde ausgehoben. Landgerichtsdirektor Bombe gab dem Ange- klagten aber für die dreijährige Bewährungsfrist die Mahnung auf den Weg, die Geschehnisse als Denkzettel zu betrachten und künftig den Alkohol zu meiden. Flugzeugabsturz auf dem Tempelhofer Feld. Gestern nachmittag stürzte auf dem Flugplatz Tempel- hos er Feld der bekannte Spartflieger Bäumer mit seinem Flugzeug aus beträchtlicherHöhc ab. Bäumer wollte in dem kleinen Sportslugzeug.Sousewind" der Bäumer Aera G. m. b. H. einige Kunstsliige ausführen. 5hirz nach dem Start setzte der Motor plötzlich aus, der Apparat stürzte in die Tiefe, überschlug sich mehrmals und wurde völlig zertrümmert. Der Pilot kam wie durch ein Wunder mit leichten Verletz u n gen davon. Die eingeleitete Unter- suchung ergab, daß das plötzliche Aussetzen des Motors auf einen Schaden in der Maschine zurückzuführen ist. Volksbücherei in Berlin-Ost. Die 15. Volksbücherei, die im Verwaltungs- bezirk F r i e d r i ch s h a i n auf dem Schulgrundstück Riga er 'Straße 81/83 untergebracht ist, war für einige Zeit geschlossen worden, weil ihr Bücherbe st and erneuert werden sollte. Nachdem diese Arbeit jetzt beendet worden ist, wird die Bücherei heute wieder eröffnet, und ihre Blicherschätze von jetzt 7000 neuen Bänden können nun wieder von Bildungsdurstigen' benutzt werden. Am Mittwoch wurde die erneuerte Bücherei von geladenen Gästen besichtigt. Stadtrat G e n s ch sprach die Hoffnung aus, daß die Benutzung gegen früher beträchtlich zunehmen werde. Er wies ' darauf hin, daß es dem B ü ch e r e i p e r s o n a l als selbst- verständlich gilt, den Benutzern der Bücherei mit Rat beizustehen, und daß es jedem rechten Büchereiverwalter eine Freude ist, helfen zu können. Die Bücherei ist auch mit neuen und zweckmäßigen Einricbtungen ausgestattet, die es ermöglichen, schnelle und sichere Auskunst darüber zu geben, ob ein Buch zu haben ist oder nicht. Gedruckte Bücherverzeichnisse gibt es leider noch nicht, weil zu ihrer Herstellung das nölige Geld fehlt/ Aber mit der Schreibmaschine oeroielsältigt« Bücherverzeichnisse sind für ein Geringes käuflich, auch liegen sie im Vorraum zur Benutzung für jedermann aus. Mit der Bücherei ist seit langem eine Lesehalle verbunden, die gleichfalls reckst fleißig besucht werden sollte. Die Direkt«v de, Aole-Thco'-r? e-inäbrt unseren-Listtn für die hrutfqc! tDonnerStag) letzte Ausführung.Das Mädchen von der Landilratze", Lotls- l f"'"f in drei Klkn, ganz besondere Vergünftigungew(Siehe heutiges Der Auftakt zum internationalen Frauentag. Eine imposante Kundgebung. Der internationale Frauentag der Sozialdemokratie aller Länder hat gestern in Verlin seinen Anfang genommen. Dieser Anfang ist vielversprechend! Der Aufmarsch der Frauen, der unter Borantritt einer Reichsbannerkapclle erfolgt«, war imponierend, und die proletarische Bevölkerung des Bezirks Friedrichshain umsäumte die Anmarschstraßen, um ihren Sympathien für die Demonstrantinnen Ausdruck zu geben. Schon lange vor Beginn der Kundgebung war der Prachtsaal am Märchenbrunnen überfüllt, und zahl- reiche Besucher fanden keinen Sitzplatz mehr frei. Auch die Einleitung der Feier hatte eine Reichsbannerkapelle mit trefflich into- nierten Märschen übernommen. Prächtig klang das:„Weil ich ein Freihettskämpfer bin!" durch den Raum. Der Männerchor Prenzlauer Berg verschönte die Feier durch formvollendet vorgetragene Lieder. Dann ergriff als Vertreterin der sozialistischen Internationale in einem Deutsch, das in jedem Worte verständlich war, die Genossin peletier-Amslerdam das Wort. Weil der Sozialismus, so führte sie aus, international sein soll und sein will, deshalb ist auch unser Frauentag international. Schon Marx und Engels hätten sich an die Arbeiterschaft der g a n z e n Welt gewendet. Denn ohne Organisatton seien Arbeitermänner und Abbeiterfrauen wehrlos dem Kapitalismus ausgeliefert. Nur durch Kampf und Abwehr können wir bestehen. Man müsse sagen, daß am meisten durch das Kapital Frauenund Kinder litten. Denn unsere Gegner hätten keine Vernunft an- genommen. Wie im England und Deutschland des Frühkapitalismus, so lägen die Berhältnisse heute in Japan und China. In Schanghai hätten Frauen für 20 bis SO Pfennig« pro Tag arbeiten müssen, und in Tientsin lauf« die Arbeitszeit für Kinder von 4 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. 7000 Mädchen unter 12 Iahren seien dort allein in den Textilfabriken beschäftigt. Der Kapitalismus sei einzig durch die Kampfkraft des Proletariats zu henimen. Und weil für alle die Probleme im Grunde die gleichen seien, und weil für alle der Feind der gleiche sei, bedürften wir unserer Internationale. Allen Menschen, welcher Hautfarbe auch immer, ge- bühre ein menschenwürdiges Dasein! Auch den Bölkerbund müßten wir ausnützen, aber über dem Bölkerbund stände die Werbekrast des Sozialismus.„In unseren Kindern", so schloß die Rednerin unter stürmischer Zustimmung,„wollen wir echten, wahren inter- nationalen Sozialismus großziehen." Als zweite Rednerin führte Genossin Bohm-Schuch aus, daß die sozialistische Berbundenheit durch die Anwesenheit zahl- reicher internationaler Rednerinnen in Berlin bewiesen werde. Diese Verbundenheit tue aber not angesichts der Ereignisse der letzten Monate, die deutlich die wahre Situation in Europa und Asien erhellt hätten. Nie wieder 1914, sei die Parole! (Stürmischer Beifall.) Da sei es eine Schande, wenn vom Bürger» block der R e i ch s w e h r e t a t fast unvermindert angenommen, würde, die Gelder für K i n d e r s p�e i s u n g e n aber gestrichen wären. Die Zeichen deuteten auf Sturm. Diesem Sturm aber wider- stehe man nicht mit Putschen, sondern nur eine erstarkte und kräftige Sozialdemokratie werde ihm begegnen können. Was die sozialistische Internationale vermochte, das habe sie da- durch bewiesen, daß sie den Staatsmännern Europas den Friedens- kurs von Hamburg und Marseille ausgenötigt habe. Deshalb vor, wörts zu friedlicher Entwicklung! Keinen Krieg! hinein in die Sozialdemokratie! Mit dem Vortrag von Bohm-Schuchs„Ich warte d e i n!* und dem Absingen der Internationale schloß die Kundgebung. Awei Dachstuhlbränöe in Wilmersdorf. Wieder Landhausstraße 41. Die Berliner Feuerwehr war im Laufe des gestrigen Nach- mittags mit zahlreichen Löschzügen an zwei verschiedenen Stellen in Wilmersdorf mit der Bekämpfung zweier Dach stuhl- brände, die in kurzer Zeit außergewöhnlich große und gefähr- liche Ausdehnung angenommen hatten, beschäftigt. Der erste Alarm kam gegen>41 Uhr mittags aus der Guntzel- straße 64 zu Wilmersdorf. Mieter der oberen Stockwerke nahmen eine starke Vcrqualmung wahr und riefen die Feuerwehr herbei, die mit vier Löschzügen an der Brandstätte erschien. Beim Em- treffen der Wehren brannte ein Teil des sich langhinziehenden Eck- hau-dachstuhls bereits lichterloh. Ueber eine mechanische Leiter und über die Treppenhäuser wurde mit vier Schlauchleitungen gegen den Brandherd vorgegangen. Nur unter großen Anstrengungen war es möglich, das Feuer niederzukämpfen und ein Uebergreifcn auf das zeitweise stark gefährdete Nachbargrundstück zu verhindern. Erst gegen VeS Uhr nachmittags war die Gefahr beseitigt und die Wehren konnten unter Zurücklassung einer Brandwache abrücken. Als Eni- stehungsursache kann mit ziemlicher Sicherheit Brandsttstung an- genommen werden. Noch waren die Wehrleute mit den Aufräumungsarbeiten in der Günßclftraße tätig, als die Feuerwehr nach der Landhaus- straße 41 gerufen wurde, wo in dem Dachstuhl des Hauses Feuer entstanden war. Zunächst rückten unter Leitung der Bauräte Scheele und Spahn drei. Löschzüge an die Brandstelle, die aber bei ihrem Eintreffen bereits einen so ausgedehnten Brandherd vorfanden, daß nacheinander zweiter, dritter und vierter Alarm, d. h.„Großfeuer" weitergegeben werden mußte. Zwei weitere Löschzüge eilten hierauf zur Hilfeleistung heran. Der Dachstuhl des rechten'Seitenflügels und des anschließenden Quergebäudes brannten in fast ganzer Ausdehnung. Das Feuer fand an Bodengedümpel, das wieder einmal in allzu großen Mengen in den Bodenkammern lagerte, reickje Nahrung. Das ganze Hans und der Hof waren derart verqualmt, daß die sämtlich mit Rauchschutzmasken versehenen Feuerwehrleute nur mit Mühe nach oben vordringen tonnten. Ins- gesamt wurde das Feuer mit sechs Schlauchleitungen angegriffen. Vier Feuerwehrbeamte wurden im Verlause der Löscharbeiten mehr oder minder schwer verletzt. Nach mehr- stündigem Wassergeben war die Hauptgefahr beseitigt, und die Ablösch- und Aufräumungsarbeiten, die bis gegen 10 Uhr abends dauerten, konnten vorgenommen werden. Der Feuer- und Wasser- schaden ist erheblich. Die außergewöhnlich starke Qualmentwicklimg erfüllte die umliegenden Straßen mit dichten Rauchschwaden. Eine große Menschenmenge umlagerte die.Bandstelle: ein starkes Schupo- aufgebot nahm umfangreiche Absperrungen vor und hielt die Ord- nung aufrecht. Es ist dies der dritte Dachstuhlbrand, von dem das Grundstück Landhausstraße 41 im Verlauf von anderthalb I a h r e n heimgesucht worden ist. Im vorigen Jahre brannte der Vorderhausdachstuhl nieder, einige Monate später fiel ein Teil des Vorderhaus- und Seitenflügeldachstuhls den Flammen zum Opfer. In beiden Fällen wurde Brand st iftung festgestellt, ohne daß es gelang, die Brandstifter zu ermitteln. Auch gestern scheinen wieder verbrecherische Hände das Feuer vorsätzlich an- gelegt zu haben. Die Kriminalpolizei ist mit den nötigen Ermitt- lungen noch beschäftigt. jtück in i uns«rat). Der„Arzt in der Rechtspflege" hat nach Dr. Wossgang Pinnow für die Zukunft recht negative Aufgaben. Unfruchtbarmachung geistig oder körperlich stark minderwertiger Personen ist immerhin noch eine Angelegenheit, die das Menschliche im Beruf des Arztes betont, also indirekt positiv. Ueber die Vernichtung unwerten Lebens, mindestens von dem Standpunkt aus betrachtet, von dem Dr. Pinnow es tat, nämlich um die Allgemeinheit von unnützen Lasten zu befreien, dürste anfechtbar erscheinen. Ueberhaupt beleuchtete Dr. Pinnow sein Thema mehr von der wissenschaftlichen als von der menschlichen eite. Daß er die Bedeutung der Psychoanalyse zum Verständnis des Verbrechers betonte und ihre Anwendung empfahl, war gewiß richtig. Aber die Aufgaben des Gerichtsarztes gehen tiefer als bis zur Anwendung wissenschaftlicher Methoden. Natürlich muß der gewissenhaft" sein und eine„segensreiche Unterstützung der Rechts- pslege" bedeuten. Doch über diese Aufgabe ist sich auch der Durch- jchnittsbürgcr längst klar, sse brauchte also nicht so besonders betont zu werden. Daß der Gerichtsarzt aber in erster Linie Mensch und Arzt und nicht Angestellter des Gerichts sein soll, wäre des Hervor- Hebens auch in Anlehnung an den von Dr. Pinnow zitierten Fall Hoesle vielleicht würdiger gewesen.— Dr. Kurt Singer setzte seinen Vortragszyklus, der eine Einführung in die Entwicklung der Musik geben will, mit Darlegungen über das Oratorium und die instrumcn- iste Form sort. Er zeigte, wie Händel die Oratorien, Bach und Beethoven die Messe zur höchsten Vollendung brachten. Und wie neben diesen gigantischen Schöpfungen die Bachschen Kantaten die Oratorien Haynds zur Volkstümlichkeit kamen. Daneben gab er einen Ueberblick über das instrumentale Musikschaffen der Jahr- hunderte bis in unsere Zeit.— Arn Nachmittag gab die Ingendbühne Goethes Einakter„Die Geschwister", daran anschließend ein Konzert. das Thenphil Defnelrieini mit vornehm geipielten Klavicrdardie-. lungeu, Erna Hochdors-Oljcn mit gutgejungeneu Liedern und Arien bestritt. Am Abend ein» heitere Stunde von recht durchschnittlicher Zusammensetzung. Doch Klassifizierung bei der Vergnügungssteuer? Der Magistrat hat sich auf Anregung des Haushallsausfchusses der Stadtverordnetenversammlung am 30. März 1927 nochmals mit der Frage der Klassifizierung der künstlerisch hochstehenden Ver- anstaltungen beschäftigt und ist zur A e n d e r u n g seines früheren ablehnenden Standpunktes gekommen. Er hat am 30. März 192? der Klassifizierung nach dem Borschlag« der Finanz- und Steuerdeputation zugestimmt. Danach sollen die den Staatsbühnen und der Städtischen Oper gleich- wertigen Veranstaltungen einen Sondersteuersatz von nur 5 Proz. (gegen 8 Proz. für die übrigen künstlerisch hochstehenden Veranstal, tungen) zahlen. Ueber die Frage der Gleichwertigkeit soll ein sieben- köpsiger Ausschuß entscheiden, der aus 2 Magistratsmitgliedern und 5 Stadtverordneten gebildet wird. Eine Dringlichkeitsvorlage hier- über wird die Stadtverordnetenversammlung schon in chrer Sitzung am 31. März 1927 beschäftigen. Ein rabiater Fahrgast. Ein unglaublicher Roheitsakt spielte sich gestern abend in eineni Straßenbahnwagen der Linie 88 vor dem Hause Cöpenicker Straße 42 ab. Ein Fahrgast, der 23jährige Monteur Arthur Sch. aus der Adalbertstraße, geriet mit dem Schaffner und Wagenführer in einen Streit, in dessen Verlaus beide von Sch. durch Boxhiebe derart zugerichtet wurden, daß sie schwerverletzt in das Bethonien-Kranken- Haus geschafft werden mußten. Der Täter wurde verhaftet- Durch den Borfall entstand eine längere Verkehrsstörung, Sergarbeiterkatofirophe in Amerika. wi-«m» stai*t»borg(J5en»«fi|l»»anla) ycniitticT nrtrb, sind 500 bis 600 Bergarbeiter bei einer Explosion iu den Ehrenfeld- Bergwerken der Pennsylvania Eoalcoke Com» pany verschüttet worden, doch ist es gelungen alle verschütteten bis auf zehn zu retten. Sozialistische Mrbeiterjugenü Groß-öerlin. Die«nteäge ,ur Erlangun-, der F-Hr»rel»ermäbigung für die Osterfahrtea sind bis spätestens Dirnstag, IZ. April, 6 Uhr, auf sosgendcn Bahnhpfcn zu stellen: Anhalter, Potsdamer, Lehrter, Eteitiner, Edrlitzcr und Wrirzener Pahnhof sowie die Stadtbahii-Ecrnbahnhösc, Echlesischer Bahnhof für die Zahr- tcn von der Stadtbahn nach dem Osten und Sharlottenburg silr die Fagrtei, von der Stadtdahn nach dem Westen. Alle Mädel nehmen an den internationalen ffraucnkundgebungen in ihre» Bezirken im Laufe dieser Woche teil.. Mitgliederversammlung. Lankwitz: Werbefeier in Lehmanns ffestsSlen, Kaifer-Wilhelm. E trabe 29—31. Rezitationen. Schmbkcrspicl, Lieder. Musik usw. Be. ginn 7>4 Uhr. Wcrbebczirk Neukölln: Iugendfsier im Stadt. Lichtspielhaus, Berg. straße U7. Musik, Gesang, Iugendspiel. Eintritt 30 Ps. Beginn Vi Uhr. Berdcbczirk Neukölln: Morgen, Freitag, im Jugendheim Stelnmetzstr. 114 Ausspracheabend mit den Eltern und der Partei. Thema:„Jugend und Partei." Aalkcnberg: Sonnabend, 2. April, 7 Uhr, Frühlingsfeier im Gcmeinschofts» Haus der Gartenstadt sGutshof). Gesang, Rezitationen, Lieder zur Laute. Iugendspiel, Sprechchor, Film. Unkostenbeitrag SO Pf. Sport. Betßn— Glogau(230 Kilometer). Am Sonntag, dem S. April. kommt auf der Strecke Berlin— Glogau die erste Etappe Petz großen Straßenr-iinens.Großer Preis von Deutichland* zur Austragung. Tie Beteiligung der besten deutschen Amateur- fahr er an dem Wettbewerbe ist gesichert. Die Nennungsliste weist alle Namen von Ruj aus. Wetterbericht der öffentsicheu Wetterdienststelle für Berlin vnd Umgegend (Nachdr. Verb.). Nach vorübergehender Enttrübung wechselnde, zeitweise geringere Bewölkung mit einzelnen Regenschauern, Temperaturen wenig verändert, ausiriichcnde Winde aus westlicher Richtung.— Für vculschland: Von West nach Qil fortschieitente zeitweise Trübung mit leichten Regen- fällen, Temperaturen wenig verändert. Versuede ergsbea, rlsß Usich-märfel b-rnahs Smol rolango reicht, alo eine der la.,... auch iiüssiz in Flaschen. Erhältlich in allen einschlägigen Geschäften. „Wlchemätlei"" Werke, Drceden-Bertln. Fernspr.; MoriepUtz luvst ÜhiJfoHni als ErZ;ehe?! Im Internationalen Arbeitsamt. Genf, 3». März�(Eigener Drahtbericht.) Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes beschloß mit geschlossener llnter- stützung der Arbcitcrvertreter die Scliasfuttg eines standige» beraten- den Sonderausschusses für die Angelegenheiten der geistigen Ar- bester. Der Beschluß unterliegt noch der Prüfung durch die Kommission für die geistigen Arbeiter des Völkerbundes und der Genehmigung des Völkerbundrates. Die Zusammenseßung des neuen Sonderausschusses ist vorläufig wie folgt vorgesehen: diei M tglieder des Verwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamtes, twci Mitglieder der Kommission für geistige Arbeiter des Völker- bundcs, ferner drei Mitglieder des Internationalen Verbandes der geistigen Arbeiter(worunter ein Vertreter der Ingenieure und Tech- nikcr), sowie ein Vertreter des Internationalen Journalisten- Verbandes. In der Donnerstagssitzung des Verwaltungsrates steht bei der Beratung des(Beschästsberichtes des Direktors Albert Thomas die Behandlung einer Besä) werde der italienischen Sie- g i e r u n g gegen die außeramtliche Betätigung von Beamten des Internationalen Arbeitsamtes als sozialdemokratische Politiker auf der Tagesordnung, worauf sowohl von dem Genossen Albert Thomas wie auch aus dem Schöße der Arbcitergruppe die richtige Antwort erfolgen wird. ver Lohnkonflikt in der Nheinfthiffoh?�. Ein unannehmbarer Schiedsspruch. Köln, 30. März.(Eigener Drahtbericht.) Zur Beilegung des Konflikts in der Rheinschisfahrt hat der vom Arbeitsminister be- stellte Schlichter in Köln nach langen Verhandlungen einen Schiedsspruch gefällt. Danach wird der Rahmcntaris- vertrag, der am 30. April abläuft, vom 1. Mai bis 31. Juli wieder in Kraft gesetzt. Die Kündigungsfrist beträgt vier Wochen. Der neue L o h n t a r i f, der die strittigen Zulagen als Gehalts- und Lohnteile erklärt, soll ebenfalls bis zum 31. Juli gelten. Auch hier ist eine Kündigungsfrist von vier Wochen vorgesehen. Die Arbeiterorgamsationen haben den Schiedsspruch o b g e- lehnt. Die Unternehmer haben ihn angenommen und seine Verbindlichkeitserklärung beantragt. Am Freitag Unden deshalb im Reichsarbeitsministerium weitere Verhandlungen statt. Auch die Hafenarbeiter in Duisburg, Köln und Mann- heim sind in ein« Lohnbewegung eingetreten. Lohnerhöhung üer Maßschuhmacher. Die Maßschuhmacher hatten eine Erhöhung ihres Mindest- stundenlohnes von S9 Pf. um 1214 Pf. gefordert. Direkte Verhand- lungen waren ergebnislos. Verhandlungen vor dem Schlich- tungsausschuß führten zu einein Schiedsspruch, der eine Erhöhung des Stundenlohnes auf 1,0S M. vorsieht. Dem Spruch haben beide Parteien zugestimmt. Das neue Abkommen gilt bis 30. September 1927._ Lohnbewegung im Ruhrbergbao. Bochum. 30. März.(Eigener Drahtbericht.) Die Bergarbeiter- verbände haben die L o h n o r d n u n g für den rheinisch-west- iälischen Steinkohlenbergbau zum 30. April gekündigt. Die Lohnforderungen werden bei den neuen Lohnverhandlungen münd- l-ch gestellt werden. Tarifabschluß üer Stukkateure. Am Dienstag abend beschäftigte sich eine gut besuchte Der- sammlung der Fachgruppe Stuck- und Gipsbau des Baugewerts- blindes mit dem Ergebnis der Tarifverhandlungen. Der Tarifver- trag war von den Stukkateuren zum l. April gekündigt worden. Nach zweimaligen freien Verhandlungen konnte sowohl über die strittigen sozialen und ähnlichen Bestimmungen des Tarifvertrages wie auch in der Lohnfrage eine Verständigung herbeigeführt werden. Die Unter- nehmer erklärten sich bereit, den Spitzenlohn ab 1. April auf 1,72 Mark und ab l. Oktober bis 31. März 1928 auf IVO Mark und die Löhne in den übrigen Gruppen im gleichen Pro- zentverhältnis zu erhöhen. Die Versammlung stimmte nach einem ausführlichen Bericht des Fachgruppenleitcrs, Genossen Scheck, über die Verhandlungen und einer eingehenden und fach- lichen Diskussion dem Angebot der Unternehmer gegen eine starke Minderheit zu._ Nie die Unternehmer flabilifleren. Paris, 30. März.(Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch vor- mittag hat eine neue Besprechung zwischen den Delegierten der Grubenarbeiter des Loire-Beckens in St. E t i e n n e wegen der von den Unternehmern beabsichtigten Kündigung der bestehenden Lohn- tarife stattgefunden. Die Arbeiterdclegierten betonten, daß sie jede Herabsetzung der Löhne ablehnen müßten, da die Lebenshaltung nicht billiger geworden sei. Die Unternehmer erklärten, daß sie an- gesichts der schlechten Wirtschaftslage auf die Herabsetzung der Löhne bestehen müßten, erklärten sich ober bereit, diese Herabsetzung in zwei Etappen und zwar 4 Proz. am 1. April und 4. Proz. am 15. April vornehmen zu wollen. Di« Arbeiterdelegierten erklärten, auch diesen Vorschlag nicht annehmen zu können. Die Verhandlungen wurden ober nicht abgebrochen. Auch in D o n a i haben Verhand- lungen für die Bezirke Norden und des Pas de Calais zu keinerlei Ergebnis geführt. Hier hotten die Unternehmer«in« Lohnherab- setzung um 10 Proz., ebenfalls in zwei Etappen, vorgeschlagen. Kundgebungen zum internationalen Frauentag heute, Tonnerstag, den Sl. März: 7'/, Uhr, in der»Neuen Welt". Neukölln. Hasenheide lOS 114 Ueferentinnen: Gertrud D u v y- Schweiz und Marie I u ck a c z. M. d. R. Aufmarsch der grauen: 14. fireis. Neutölln: Treffpunkt: 6 Uhr für die Abteilungen 8g, 90, 92, 93, 96 ab Herhbergplatz; Abteilungen 91, 94, 95, 97, 98 ab Schillerpromenade. 6. ftrel». Sreuzbrrg: Treffpunkt: 6'/, Uhr jür die AbteUungen 39. 40, 41, 42, 48 und Krei» Tempclhof aus kein Blücherplatz.— Die Abteilungen 43, 44, 45, 46, 47 und die Kreise Treptow und Cöpcnick ab Laufitzer Platz. morgen, Freitag, den 1. April: 7'/« Uhr. in den Spichernsälen, Charlottenburg, Spichernstr. 3. Vefetenflnnen; Frau K l u p z y n s t a— Polen und Adele Schreiber. Aufmarsch der Frauen: Eharlolleuburg und wesUlche Vororte: Sammelplatz Wittenbergplatz 6 Uhr. Ab 6 Uhr Platzkonzert. Aufm arsch: Spandau:?V, Ahr, Germaniasäle, Am hauptbohnhof. tteferenlinnen: Frau M a s s o n— Belgien und Marie K u n e r t. M. d. L. Bei den Betrieb« wählen der Dresdener Städtischen Straßen- bahn erlitten die Gelben einen bösen Rein fall. Trotzdem sie fieberhaft gearbeitet und die Wahlparole»Tarifpersonal oder Be- ointc" in den Kampf geworfen hatten, blieben ihre Bemühungen ohne Erfolg. Die Liste 1 der freien Gewerkschaften er- hielt 2377 Stimmen, die Liste 2„Gelbe" 205 Stimmen, Mithin erhalten die sreien Gewerkschaften vierzehn Sitze, die Gelben nur einen Sitz. Die Wahlbeteiligung betrug 95 Proz. ~ Achtung, Zllartthallcu! Freitag abend 8 Uhr bei Stammet(Schlefische Leimat), Reue Fricdrichstr. I, wichtige Versammlung aller in den Markt- ff- hallen beschäftigten Parteigenossen. Referat des Genossen Willi Rogge. Mi Zeder mutz erscheinen. Der graktiousnorstaud. h- Frcie Gewerkschastsjuaend. Heute abend 714 Uhr tagen die Gruppen: Schäneberg: Zugcnhhcim Sauptssr. 15. Literarischer Abend:„Heinrich Heine."— Löpcnich: Grnppenheim Jugendheim Grünauer Str. 5. Brettspielabend.— Frankfurter Allee und Landsberger Platz: Jugendheim Litauer Str. 18, 3. Z. Unterhaltunas. und Lcseabend.— Lichtenberg: Gruppenheim Jugendheim Park. ane 10. Leseabend:„Zungkämpserinnen" u. a. m.— Tempelhof: Gruppen. heim Luzeum Germaniastr. 4— 6. Schatten spielabend.— Südosten: Gruppen» heim Zleichcnborger Str. 68 sFeuerwehrhaus). Reihenvortrag:„Das Betriebs- rategesetz."— Spandau: Gruppenheim Jugendheim Lindenufer 1. Lustiges Monatsende.— Moabit: Grupnfnheim Stadt. Jugendbeim Bremer, Ecke Wielef- stratzc. Lichtbildervortrag:„Der Wald und seine Bewohner."— Gesund- bruunen: Gruppenheim Gotenburger Str. 2(Hortzimmer). Dortrag:„Soziale, Wandern."— Zugendabteilung de» Deutscheu Bekleidungsarbeiterverbanbe,: Verbandsjugendheim Sebaftianstr. 87—88, Hof pari., Jugendversammlung. Vortrag der Kollegin Luise Köhler:„Die Stellung der Frau in der Wirtschaft und im Erwerbsleben." Vorträge, vereine und Versammlungen/ Reichsbanner»Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle:«erlin S 14. Eebastianstr. 87/8». H-k Z Tr. Tiergarten, Kameradschaft Arminius: Fr., d. L, 8 Uhr, Bers. bei Schmidt, Wiclefstr, 17.— Tempelhos: Fr., d. 1., 8 Uhr, Mitgl.. Vers, bei Pommerenina. Vortrag des Kam. R. Hildebrandt, Fahnenweihe, Verschiedenes.— Lichtenberg nebst Untergruppen: Do., d. 81., nachm. 811 Uhr» Urnenbeisetzung des Kam. Wedemeyer, Friedhof, Rathausstratze. Sämtlich« arbeitslosen und dienstfreien Kameraden mit Fahnen und Tambourkorps treffen sich pünktlich am Eingang.— Prenzlauer Berg: Am So., d. 2., Fahnenweihe der Kameradschaft �""" Strasse, f'" im Lokal Erscheinen Pflicht._ Ardeiter-Samariter-Bund, e. B., Kola»»« Berlin, Fernruf Norden»840. Ausweis Nr. 605, auf dem Namen Schräder lautend, sowie Armbinde Rr. 282 sind verloren gegangen und werden hiermit für ungültig erklärt. Finder werden gebeten, die Sache» der Geschäftsstelle zuzustellen. Reichsbund jüdische« Froutsoldaten. Bezirk go». Donnerstag.»1. März, 814 Uhr, im Logenhaus, Kleiststr. 10. Konzertabcnd: anschlietzend Gesellschafts- abend. Gäste willkommen. Verband Volksgesundbeit. Donnerstag, 81. März. Schule Ifflandstr. 9, Vortrag:„Darwinismus. Freitag, 1. April, Schule Gotzlerstr. kl, Jugend- aruppe Osten: Heimabend. Freitag. 1. April, Jugendheim Schierkestr. 44, Jugendgruppe Süden: Hans-Paasche-Abend. Der Kiudcrchor de» Berliner Bolkschor«(Mitgl. d, ALB.) übt jedr» Donnerstag von 51h bis 7>4 Uhr im Andreas-Realgymnastum, Berlin O., Soppenstr, 75. Wochenbeitrag 5 Vf., Kinder von Arbeitslosen frei. Aufnahme von Schulkindern jeden Alters ebenda. „Germain-English-Society." Donnerstag, 8 Uhr, Cafe Leon, Bstlowstr, 1 (Nollendorfplatz). Gäste willkommen. Verband Eh-rechtsreform. Oeffentliche Versammlung Freitag, 1. April, 8 Uhr, im„Greissenberger", Zerusalemcr Str. 8. Vortrag von Rechtsanwalt und Rotor Dr. jur, Mendelfohn über„Reue Stimmen zur Eherechtsreform." Züdische« Arbeiter, kulturvcrein, Rosenthaler Str. 80. Sonnabend, 2. April, 8 Uhr, Vortrag über„Sechs Gestalten der Weltliteratur." Architekten, und Zugeuieurvcrein zu Berlin. Montag. 4. April, 8 Uhr, im Mcisterhaus, Köthencr Str. 88, Lichtbildervortrag mit Diskusston über „Politik und Bauwirtschaft." Berliuer Anwaltoereiu, e. B. Montag, 4. April, 8 Uhr, im Vereinshau» Deutscher Ingenieure, Friedrich»E!>ert»Str. 27, Vereinsversammlung. Tages- ordnung:„Probleme des Strafvollzuges." Referent Professor Dr. LIepmann, Kamburg. .Chor de« Jungen" sMitgl. d. DAS«.). Am Freitag, l. April, Mit- Wirkung bei der Frllhlingsfeier der Sozialistischen Arbeiterjugend im Restaurant Bürgerpark, Oberschäneweide, Weitzkopfstr. 18(Stvatzenbahnen l87, 87. 55). Beginn 148 Uhr. )mc�iyyikrü� lernten en£üfd?e Cffixien diurdj Wjre turtyfcfyerv �Sundesgenojjm die Chknt-�dmtte tynhen�wityrend dexj Oßrapazen des tfeißiuges gewannen fü diejen neuen fynvfi ß lieb, daß Jie iijnaud) rwd) i�rer�eim�elf/r nidjt metyr miffen wallten. Jie oerm- laßten dieJandonerJ(dndler, die Einfuhr JoldjerZigiretten austfktershuyfg, (Moskau undjtmßantinopel aufzunehmen. oft bam die Orient-d�Jirette TULd) dem ließen Europas-. jf�l�urcXjasse der Jchwarzineertabake, die jene Zigaretten schnell be- werden Hessen, gehört derSkmßun. Er iil die mildere cJrovehieni derc/lnbaugebiete am efehwarzen�eer und übertrifft alle anderen dort heimischen Korten an Zartheit und �eKömmlichkeit fieser �abak bildet einen sehr wichtigen(Seilandteil unserer c�arke KAVEMKLMF c/mf�sammenklang mit den eohtenUKazedanen der RAVEN KLAU- Mischung, deren rassige�rze er harmonisch verbindet, entfaltet er sein köüliches�roma. o4uf der ausgleichenden Wirkung und der besonderen cvflilde deSc&mT&un-Tabaks beruht derfeine, blumige öuft und die aussergewöhnliche WohlbeKömmlichkeitjdie unsere J�vmklan zur meislgerauchten Ö�,-2igarette Deutschlands gemacht hat, • O»H•&» ucclimfS' c-oy eleganter Mantel ün neuen ModestO aus zwei Stoffarten ach Ick kombiniert: ramagterte glänzende Kunzfzelde mit «tumpfer Charme- latnc, zu Randblende und Aufschlagen. 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Kassenbestand a) Bar................... 03 274,28 b) Bestand an Zinsscheinen und fremden Geldsorten 255137,81 3. Outhaben bei Noten- und Abrechnungsbanken...... 4. Wechsel, Schecks und unverzinsliche Schatzanweisungen a) unverzinsliche Schatzanweisungen.... 18 346,79 b) Wechsel und Schecks......... 29 987 348,51 5. Guthaben bei; l) JP b) sonstigen Banken.......... 8318 398.07 6. Lombard- und sonstige Darlehen an Banken(tägliches Geld) einschl. Reportsselder.................. 7. Eigene Wertpapiere.................. 8. Außenstände in laufender Rechnung a) bei Sparkassen............ 166 42ch38 b) bei Kommunalverwaltungen und deren Verbänden................ 1 168 534,60 c) sonstige.............. 26164 430.53 Avale und Bürgschaften 9. Darlehen mit festen Laufzeiten a) kurzfrlstigeTermingelder(auf 1—12 Monate) b) langfristige feste Darlehen(auf 1 und mehrere 3 609 059,19 85 674 372,47 4296 535,— Jahre) c) langfristige Tilgungsdarlehen(davon RM 2)88146,67 mit fünffachem Auslosungsrecht)................ 257 571 575�5 d) Aufwertungsforderungen 1. mit fünffachem Auslosungsrecht........... 2. ohne Auslosungsrecht.... 3. sonstige auf Grund des Aufwertungsgesetzes... 10. Am 31. Dezember 1926 anteilig fähige Darlelmszinsen und Venvaltungskostenbeiträge............... 11. Dauernde Beteiligungen................ 12. Bankgebäude.................... 13. Sonstige Gebäude und Grundstücke.....'...... 14. Inventar......... 729135,— 32 937,50 62 252,51 824 325,01 RM 500 000.— 3484123W 9718937 30 005 69530 32 42691736 10994 269,70 12 245 886,19 27 499 39131 34836680733 5652 751,80 656 701,22 3701 57131 475 66735 1,— 472971 262,83 Passiva 1. Betriebskapital..........,,,, 2. Rücklagen............., 3. Gläubiger a) Verpflichtungen bei der Reichsbank und der Staatshank............... b) seitens der Kundschaft bei Dritten benutzte Kredite(Akkreditive)........... c) Guthaben anderer Girozentralen sowie deutscher Banken und Bankfirmen d) Einlagen auf provisionsfreier Rechnung l innerhalb 7 Tagen fällig.. 25 583 8883» II. darüber hinaus ois zu 3 Mon. 85 800,— 59 098 405,70 einschließlich fällig.... III. später als nach 3 Mon. fällig Avale und Bürgschaften.... Langfristige Anleihen £"........■" 27 653 911,88 70 065 556,— 123 393 35636 ..... 3 609 059,19 ) langfristige Tilgungsdarlehen....... i) im Umlauf befindliche Obligationen.... (davon RM 2 188150,— mit fünffachem Auslosungsrecht) c) Aufwertungsverpflichtungcn 1. mit fünffach. Auslosungsrecht 66963230 2. ohne Auslosungsrecht..._ 26230 10 084 210,— 239 650 230,18 669 895.- Am 31. Dezember 1926 fällige, noch nicht gezahlte Barah- lösungen für Anleihen und Darlehen 6. Noch nicht eingelöste Zinsscheine.... 7. Am 31. Dezember 1926 anteilig fällige Zinsen 8. Agio-Konto.............. 9. Betriebsüberschuß.,,,,....... RM 28 875 000,— 2 518 893,77 182487561,96 250404335,18 44753233 41 4513' 5534 00933 56 768,95 2605 710,20 4729 71262,- Gewinn- und Verlust-Rechnung per 31. Dezember 1926. Soll 1. Geschäfts- und Verwaltungskosten einschl. der Geschäftsunkosten des Verbandes............... 2. Abschreibungen auf Gebäude und Inventar....... 3. Betriebs Überschuß................. Berlin, im März 1927. RM 4 461 97535 331 31735 2 605 710.20 7 399003,50 Gewinne: an Zinsen.. „ Provisionen Haben RM 5 604 397,70 1 794 60530 7 399 00330 -nzertpiano, Flügelton.. gel Gelegenheitskauf ab Fabrik, -" 16 XL Borderhaus, Steinmener» Deutsche GirosQRtris*©— Deutsche Oeifemliche Bankanstalt. a«brke, Mailar, Dr. Das Direktorium. Kleiner. Jursch. Schneider, Scheele. Sentz Wleebart Die durch den Tod des bisherigen Inhabers freigewordenc Stelle des 'II. BQrBermeisters der Stadt Herne soll baldigst neu besetzt werden. Die Wahl erfolgt auf die Dauer von 12 Jahren, die Besoldung nach Gruppe B II, Ortsklasse A, der Einzelgehälter der preußischen Besoldungsordnung. Die Anrechnung früherer Dienst- fahre auf das Pensionsdienstalter bleibt einen besonderem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vorbehalten. An Umzugskosten werden die nachgewiesenen Auslagen bis zur Höhe der staatlichen Sätze erstattet Herne ist Industriestadt mit 70 000 Einwohnern und wird durch nahe bevorstehende Eingemeindung auf über 90 000 Einwohner anwachsen. Bewerber, die die Befähigung zum Richteramt oder zum höheren Verwaltungsdienst besitzen u. möglichst auch praktische Erfahrung in der Leitung einer städtischen Finanz- und Struerverwaltung erworben haben, wollen ihre Meldungen mit den notwendigen Unterlagen bis zum 25. April 1927 an den unterzeichneten Stadtverordnetenvorsteher in Herne (Rathaus) einsenden. Herne, den 21. März 1927. Der SladtTerordneten-Vorsteher: Dr. H e I sch e n. Kunstfonneriehrlinge gegen Vergütigung verlangt Ballenlin ZX Co., Muskauer Sir. 20 TQchtige Arbeiterinnen auf glatte Seidenmäntel bei hohem Tariflohn außer dem Hause verlangen sofort Epstein& Baruchsotan Kronenstr. 30 31. Sozialsekretär(in) von der Duisburger Arbeiterwohlfahrt zum l. Mai gesucht. Tüchtige Kräfte, mit sozialer Praxis vertraut, können Bewerbung mit Lebenslauf und Zeugnisabschriften bis spätestens 10. April an die Vorsitzende Frau Cremeis, Duis- bürg, Lerchenstr.6. einsenden. ladcHfraBlein erprobt und geschickt im Staubsaugerverkauf, gute Erscheinung, angenehme .ÄT öesnAfl Persönliche Vorstellung mit Originalzeugnissen TauentslenslraAe 12b nfeente im Vorworts sichern Erfolg! MÄIM außer dem Haute mit Boriage verlangt Maz Müller junior Leipziger 66 Kr.lSS»4».?ohrgtmg 2» donnerstay, ZI. Marz 1927 Kehraus öer Großbankabfthlüsse. Deutsche Bank und Deutsche Girozentrale.— Die Zeugen zweier Systeme. Die Deutsche Bank beschließt als letzte den Reigen der dies-- jährigen Berliner Großbonkabschlüsse. Das hat in mehrfacher Hin- ficht eine besondere Bedeutung. Trotz der mannigfachen ilngliicks- fälle der Deutschen Bank, von denen der mit der II s a ihr Ansehen wahrscheinlich doch etwas schmälerte, ist sie die größte private Groß- dank geblieben. Ihre von 133 Milliarden auf 165 Milliarden gestiegenen Umsätze, ihre von 1246 Millionen aus 1569 Mil- lionen gestiegenen Bankeinlagen übertreffen, wenn auch ihr Wachs- tum vergleichsweise etwas kleiner ist, sehr erheblich die aller anderen ltzroßbanken. Man braucht dieses im Verhältnis geringere Wachstum noch nicht als Ausdruck verringerten Vertrauens zu be- urteilen, aber sicher bedeutet doch die Tatsache, daß die Deutsche Bank ihre vorjährige Dividende von 16 Proz. in diesem Jahre nicht wie die anderen Großbanken erhöht, äußerlich in gewissem Sinne einen Prestigeverlust. Der Geschäftsbericht, den wir in dieser Rummer abdrucken, äußert im übrigen eine bemerkenswerte Stellungnahme zur wirkschaftsenlwicklung. Für die Arbeiterschaft sind diese Aeußerungen nicht ohne Wichtigkeit. Nach der Meinung der Deutschen Bank konnte nämlich bereits am Ende des ersten Halbjahres 1926, also Ende Juni. die Krise für überwunden gelten, und zwar bevor sich die Folgen des englischen Kohlenstreiks in unserer Wirtschaft bemerk- bar mochten. Nach dieser Auffassung bedeutet also die zusätzliche Kohlenaussuhr des letzten Jahres im Werte von 567 Millionen Mark und die monatliche Steigerung der Rohstahlerzeugung von Juni bis Dezember um 326666 Tonnen, ein Geschäft, das die deutsche Schwerindustrie bereits außer ha l b der Krisen- Periode machen konnte. Die deutsche Schwerindustrie hat also die mit ihr eng verbundene Deutsche Bank gegen sich, wenn sie von der Wiederkehr der Krise spricht und eine besonders pflegliche Behandlung für sich beansprucht. Entgegen der von der Industrie vielfach preisgegebenen Stärkung des Inland- Marktes stellt die Deutsche Bank fest, daß die Arbeitslosigkeit durch vermehrten Außen Handel im besten Falle nur ge m i l d e r t werden kann, in der Hauptsache aber nur durch Belebung des Inlandmarktes geheilt zu werden oermag. Allerdings setft sie sich mit dieser ihrer Forderung selbst in Widerspruch, wenn sie diese Stärkung des Jnlandmarktes auf dem Wege über die V s r- m ö g e n s bildunq propagiert:„Der Wohlhabende kann sein Ein- kommen aufzehren, der Unvermögend« muß sparen." Daß größerer Reichtum im Sinne der Höherbewertung der Substanz durch die letztjährige Börsenhausse bestenfalls vorübergehend, nicht aber nachhaltig neue Inlandkaufkraft schafft, daß vielmehr erst die volle Ausnutzung, nicht schon die Höher b e w e r» t u n g der Produktionsonlagen Wohlstand und Kaufkraft steigern können, das sollte auch die Deutsche Bank wissen. Den deutschen Kapitalmarkt hält die Deutsche Bank für über Gebühr aufgebläht. Die letzt'ährige Beansvruchung des Kapitalmarktes mit fast 414 Milliarden Mark übersteige bei weitem den Betrag, der aus Ersparnissen tp Deutschland zur Verfügung stehen könne, Räch der Meinung der Deutschen Bank muß also kurz über lang cHf"9eni deutschen'Käpiraimärii öer auiy�n'liW�kkefllrchkesk' Rikck, schlag erfolgen. Für die Geschäfte der Banken zieht die Deutsche Bank dann die Konsequenz, daß nichts geschehen sei, um einen Ausgleich für jene Zeit zu schaffen, wo Effekten und Konsortial- gewinne wieder abnehmen und oersiegen. Diese Sorge ist nicht ganz unberechtigt: es können schlechtere Zeiten für die Banken kommen. Aber die Banken, die gerade diese Auf blähung des Ka- pitalmarktes selbst am stärksten gefördert und die Entwicklung des produktiven Kreditgeschäftes selbst am stärksten gehin- d e r t haben, sind dann verantwortlich für diese Entwickluna, Wäh- rend all« Welt in Deutschland rationalisiert und den Geschäfts- opparat verkleinert hat, htben die deutschen Großbanken einen unsinnig aufgeblähten Filialen- und Depositenkossenapparat Jahre lang Hindurchgeschleppi. Grojze vilanzzifferu.— verhalknismästig kleinere Gewinne. Im Vergleich mit den anderen Großbankbilanzen sind die Bilanzzifsern der Deutschen Bank nur wegen ihrer Größe bemer- kenswert. 1569(1246) Millionen fremde Mitttl, darunter 23 Proz., also fast 466 Millionen, in ausländischer Währung, und der Gegen- wert aus 93,2(73,6) Millionen Akzepten sind die Summen der der Bonk am Jahresschluß 1926 zur Verfügung stehenden Mittel. Aus den um rund 26 Proz. gestiegenen Kundschastsgeldern kam die absolut größere Hälfte dem Börsengeschäft zugute, für das die Vorschüsse mit 174,9 Millionen gegen 15,3 Millionen fast verzwölfsacht wurden. Der Wechselbestand ist von 344 Mil- lionen auf nur 465,7 Millionen, die Darlehen auf Waren und schwimmendes Gut sind von 169,3 Millionen aus 124,6 Millionen und die Schuldner in laufender Rechnung von 682,3 Millionen auf 798 2 Millionen erhöht. Von den Guthaben bei Banken mit 174,6 Millionen sind nicht weniger als 8 5 Proz, dem Ausland zurVerfüguna gestellt. Neben dieser Tatsache kann die ander« nicht überraschen, daß auch die Deutsche Bank(vielleicht ist die Ufa- ersahrung daran doch nicht ganz unschuldig) für die von ihr ge- währten laufenden Kredite wieder in gesteigertem Umfang Deckungspfänder verlangt hat: Die gedeckten Kredite wuchsen um fast 66 Proz., wähend die ungedeckten, darunter auch bcmerkenswerterweise die Ufakredite, gegen dos Vorjahr um fast 46 Proz. zurück gingen. Verdient Hot auch die Deutsch« Bank recht viel, wenn sie vorweg auch vielleicht größere Abstriche an ihren Gewinnen gemacht haben mag als die anderen Großbanken. Die Gesamtjahres- einnähme wird mit 124,5 Millionen gegen 121,8 Millionen aus- gewiesen: also gegen das Vorjahr nicht wesentlich höher. Aue dem Börsen- und Emissionsgeschäft müssen gegen die Uebung rund 11,8 Millionen in den Einnahmen ausgewiesen werden, um den Rohgewinn über den des Vorjahres hinaus zu steigern. Die Handlungsuntosten sind mit 86,2 Millionen gegen 82,6 Mil- lionen nur unerheblich geringer: immerhin konnte bei einer Umsatzsteigerung von rund 25 Proz. das Unkosteutonto gesenkt werden bei einer gleichzeitigen Verringerung des Personals von rund 16 666 auf 14 866. Sie veutsche Girozentrale— Deutsche kommunaibank ist eine Großbank ganz anderer Art. Aber die deutsche Oesscntlich- keit muß sich daran gewöhnen, das zentrale Ausgleichsinstitut der über 36ÖÖ deutschen Sparkassen, Landes-, Provinz- und Kommunol- banken als eine B an kg roß macht ersten Ranges in Deutschland zu würdigen. Haben doch die deutschen Sparkassen und Kommunalbankcn, deren Tätigkeit in ihrer Berliner Zentral- und Spiftenbank kulminiert, am 31. Oktober vorigen Jahres fremde Gelder im Betrage von nicht weniger als 6 Milliarden Mark verwaltet gegenüber 7,9 Milliarden Mark sämtlicher zu den Zweimonatsbilanzen berichtenden privaten Kredichantcn Deutsch- lands. Es ist nur ein Unterschied in der Funktion, nicht aber in der Bedeutung, wenn die(in dieser Nummer ebenfalls ab- gedruckten) Bilcrnzzissera der Zentralbank der deutschen Sparkassen erheblich kleiner erscheinen als die einer einzelnen Großbank. Die Entwicklung der deutschen Girozentmle im Jahre 1926 war schon diesen Ziffern nach bedeutend. Die ihr aus dem großen Reservoir der Sparkassen zur Verfügung gestellten Mittel sino im Jahre 1926 von 282,4 auf rund 182>ö Millionen M. zurückgegangen. Der starte Kapitalmarkt des vergangene,, Jahres erlaubte eine Verstärkung der Mittel aus langfristigen Anleihen von 3,5 auf 256,4 Millionen oder fast das 86fache. Sehr viel stärker als die neuen Gelder zugenommen haben, find die Darlehen auf lange Frist erweitert worden: sie stiegen von 162,8 auf 348,4 Millionen, also um nicht weniger als runs 246 Millionen, während nur rund 147 Millionen neue Mittel zugingen. Das erklärt sich durch das im vergangenen Jahre mit Energie oersolgte Prinzip, nicht kurz. fristige Kredite an Private, sondern langfristige Darlehen an rund 1566 deutsche Äommunalvcrbände zu geben. So sind denn auch die Wechfelbestände und diejenigen an unverzinslichen Schatzanweisungen von 72,1 auf 36 Millionen, die Darlehen auf Wertpapier« und an Banken von 23,4 auf 11 und die Kreditgewährung aus laufendes Konto von 49,1 auf 27,5 Millionen zurück gegangen. Die eigenen Wertpapier« sind mit 12,2 gegen 6,5 Millionen fvst verdoppelt, ein Ausdruck desselben Prinzips: dabei find 98 Proz, davon festoerzins- liche Wertpapiere. Die Bilanzsumme ist-i» einem Jahre von 369 auf 472,9 Millionen gestiegen, also um beträchtlich mehr als 5 6 Proz. Wie der Präsident Dr. Kleiner mit Nachdruck und mit vollem Recht festgestellt hat, erfolgte die Verstärkung des lang. fristigen und die Vernachlässigung des kurzfristigen Kredits nicht unter dem Druck der Prlvalbanken, sondern aus freiem, eigenem Entschluß, wobei sich die deutschen Sparlassen das Recht nach wie vor wahren, insbesondere den neuen deutschen„M i t t e l st a n d", die m t t t- lere und kleinere Industrie und das Handwerk mit pro- duktiven Krediten zu versehen. Wie die Gewinnrechnung erkennen läßt, hat die Deutsche Girozentrole, obwohl sie bei der zeitweise erheblich kleineren Zins spanne, mit der die Spar- tasten und Äammunaibanken im ibeocniag zu. den Privatbanken arbeiten, auf diese sehr stark Rücksicht nehmen mußte, ihren Be- triebsüberschuß fast oerdreifachen können. Er ist von 6,96 auf 2,61 Millionen Mark gestiegen, wobei die Geschäfts- und Verwaltung?- tosten nur deshalb verhältnismäßig hoch und auch weiter von 4,25 auf 4,46 Millionen gestiegen sind, weil durch die Girozentrale auch die gesamte Verwaltung des Deutschen Sparkassen- und Giro v e r- b a n d e s erfolgt. Die Gesamtzahl der Angestellten wurde im oer- gangenen Jahre von 764 aus 631 Personen verringert. Dabei ist sowohl für die Zahl der Angestellten als auch die Pilanz- und Gc- winnziffern zu beachten, daß die Frankfurter Zweigan- st a l t der Deutschen Girozentrale auf die Nassauische Landesbank seit deren Beitri't übergegangen ist und schon für Ende 1926 in deren Bilanz erscheinr. Arbeilsgemeinschafk öffentlicher Banken. Die schon seit langer Zeit zwischen der Deutschen Girozentrale und der Preußischen Staatsbank(Seehandluno) schwebenden Verhandlungen über eine Abgrenzung der Tätigkeit sollen nach den vom Präsidenten Dr. Kleiner gemachten Mitteilungen jetzt zu einem Ergebnis führen. Die Preußische Staatsbank über- läßt der Girozentrale und den ihr angeschlossenen Anstalten das kommunale Kreditgeschäft und erhält andererseits von der Girozen- trale die überflüssigen Mittel zur Verfügung eestellt. Gleichzeitig erfolgt ein P e r s o n e n a u s t a u s ch in den Aussichtsinstanzen der beiden öffentlichen Institute. Dabei ist bemerkenswert, daß die neu- trale und vermittelnde Stellung der Preußischen Seehandlung zwischen privaten und öffentlichen Banken auch bei diesem Abkom- men unterstrichen und für die Zukunft beibehalten werden soll. Die bisher schon zur Preußischen Zentralgenossenschaftskasse bestehenden Beziehungen sollen dadurch nicht berührt werden. Diese Vexeinbarungen bieten gewiß manche Vorteil«, Aber wir haben unsererseits nicht den Eindruck, daß es zweckmäßig wäre, wenn durch das Abkommen mit der Preußischen Staatsbank deren Verbindung mit den privaten Banken noch unter st richen wer- den soll. Es scheint uns keineswegs an der Zeit, daß das scharfe und volkswirtschaftlich sehr fruchtbare Konkurrenz. Verhältnis zwischen den öffentlichen und den privaten Banken jetzt schon planmäßig abgebaut wird. Es würde uns sehr viel zweck- mäßiger erscheinen, rr-enn man zunächst die Verständigung innerhalb der öffentlichen Bankan st alten möglichst weit führt«, um zunächst gemeinsam, und zwar in Konkurrenz mit den Privatbanken die Gesundung des gesamten deutschen Bant- wcfens vorwärts Zss treiben. Unter diesem Gesichtspunkt wür. den auch die Sparkassen g u t daran tun, bei ihren demnächst wohl sortzuführenden Verhandlungen mit den Privatbanken nicht unnötig nachgiebig und friedlich zu sein. Den Privatbanken hat es nämlich 1926, während sie glänzende Geschäfte machten, gar nicht mit den Verhandlungen geeill. vom Kampf gegen öle Konsumvereine. Im Oktober v. I. erklärte nach zutreffenden Berichten der Tagespresse der Geschäftsführer in der Vertretevesammlung des Konsumvereins für Zwickau und Umgegend bei der Erläuterung des schriftlichen Geschäftsberichts für das Jahr 1925/26: Der Konsumverein hat im Lause des Geschäftsjahres bewiesen, daß er für die Verbraucher in Stadt und Land große Vortelle ge» bracht hat. Preisvergleiche in verschiedenen Orten unseres Ausbrei- tungsgcbicts haben die Ueberlegenheit der Genossenschaft in der Preisbildung und vor allen Dingen in der Qualität der Waren beul- Daraufhin stellte das Wirsschaftskarlell für Handel, Handwerk und Gewerbe in Zwickau gegen den Geschäftsführer der Genossen- ichaft bei der Stoatsanwalifchoft Strafantrag wegen un- lauteren Wettbewerbs Am 14. März d, 3. teilt« die Staatsanwaltschaft mit, daß das Verfahren c i n g e st e t worden sei. Stillstand in der Ausdehnung des Güterverkehrs. Nach den Mitteilungen der Reichsbahn hat sich in der Woche zum 19. März der Güterverkehr nicht weiter gesteigert. Es sind im arbeitstäglichen Durchschnitt 144 866 Wagen gestellt worden gegen 144 566 in der vorhergehenden Woche. Es ist zu vermuten, daß dieser Stillstand zunächst noch ein augenblicklicher ist, da der Saisonoerkehr für das Frühjahr in der dritten Märzwoche wohl kaum schon endgültig abgeflaut sein dürfte. Dr. Dögler bleibt sich gleich. In der Generalversammlung der Vereinigten Stahlwerke A.-G, versuchte Dr. Vögler tatsächlich das Kunststück, der Oeffentlichkeit weih zu machen, daß es die Arbeiterschaft sei, die von der Rationalisierung in der Schwerindustrie bisher am meisten pro- f i t i e r t h a b e. Er bringt es auch sertig, der Arbeiterschaft den sicheren Rückfall in die schwere Krisenlage von vor einigen Jahren zu prophezeien, wenn sie nicht alle sozialen und sozialpolitijchen Forderungen unterlasse, die jetzt zur Diskussion stehen. Gewiß ist das die beste Sozialpolitik, um Herrn Dr. Vögler zu zitieren, die unsere Gesamtwirtschast so gut und so sia-? als möglich macht. Doch muß es Herrn Dr. Vögler überlassen bleiben, zu zeigen, wie diese Stärkung unserer Gesamtwirtschast anders möglich sein soll als durch die Stärkung der Kaufkraft des letzten Verbrauchers, den die Arbeiter nun einmal darstellen. Wenn Herr Dr. Vögler dagegen ankämpft, und das tut er, dann kann es wirklich passieren, daß er mit der«Schwerindustrie auf den rationalisierten, aber über- kapitalisierten Betriebe» sitzen � bleibt, weil das konkurrierend« Ausland in der Frage der Stärkung des inländischen Konsums eben doch gescheiter ist, als der allgewaltige Herr des Ruhrmontan- trusts. Profitsteigerung und Absatzocrgrößerung vertragen sich im heutigen Deutschland nur dann, wenn man Käufer schafft, die die Profite bezahlen, llmgekchrt wird eben heute kein Schuh daraus. Das begreift Herr Vögler nur nicht. Große Tleuauflräge der Reichsbahn. Rcichsbahngelder für die Golddiskonlbank. Der Verwa'tungsrat der Reichsbahn hat zur Er- lcichterung der allgemeinen Wirtschaftslage beschlossen, sein Arbeits- bcschaffungsprogramm wesentlich auszudehnen. Es werden außer den im Januar beschlossenen Waggonaufträgen(etwa 65 Millionen Marki für 1927 weitere Zlufträge im Werte von etwa 135 Millionen Mark erteilt werden, die sich aus die Bahn- Unterhaltung) Fahrzcugbcschaffuna und-Verbesserung sowie größere Bauten erstrecken. Es ist bemerkenswert, daß die Reichsbahn diese Ncuaufträgc als„durchweg unbedingt nötig" bezeichnet, deren Hinausschiebung bisher nur aus Mangel an Mitteln erfolgen konnte. Die neuen Aufträge sind gewiß sehr erfreulich. Doch glauben wir annehmen zu dürfen, daß die Reichsbahn nicht nur schon früher die Mite et dazu zur Verfügung Hatte, sonder».daß fix sich auch durch den von der Oeffentlichkeit(vielleicht auch von der Schwer- industrie) ausgeübten Druck endlich zu den ihr jetzt unbedingt not- wendig erscheinenden Aufträgen hat bestimmen lassen.— Zwischen Reichsbank und Reichsbahn Ist es zu einer Vereinbarung dahin gekommen, daß die Reichsbahn nach den Wünschen der Reichs- bant in Zukunft ständig einen Betrag von 166 Millionen Mark ihrer flüssigen Mittel der Golddiskont- dank zur Verfügung stellen wird. Damit wird die Verkehrs- kreditbank, die Bank der Reichsbahn, nicht unerheblich in ihrer Tätig- keit eingeschränkt werden, für den Streit zwischen Reichsbahn und Reichsbank um die Zentralisierung der Reichbahngelder bei der Reichsbank ist damit aber ein vorläufiges Kompromiß gefunden. „Einkracht" oerkeilt 16 proz. Dividende. Starke Produklions- steigerung. Eins der führenden Braunkohlen-Unternehmen, die „Eintracht" Braunkohlenwerke und Brikettfabrr- k e n, ist in der Lage, nach Abschreibungen von 3,2 Millionen, eine Dividende von 16 Proz. auf das Aktienkapital von 24 Mil- lionen auszuschütten. Die in der Bilanz erscheinenden Zugänge zu den Anlagekonten in Höhe von 2,13 Mill. sind aus Ersatz und Neu- anschafsungen für die Abraumbetriebe und insbesondere aus tech- nischen Ausbau von Gruben zurückzuführen. Die Durchorganisierung der Gruben hat sich bereits im abgelaufenen Jahr in erhöhrer Pro- duktion bemerkbar gemacht. Die Erzeugung von Kohle ist von 5,65 Mill. Tonnen im Jahre 1925 auf 6,45 Mill. Tonnen 1926 gestiegen und die Brikettproduktion von l,72 auf 2 Mill. Tonnen. Gegenüber dem Jahre 1919 ist die Kohlenproduktion um 76 P r o z. und die Briketterzeugung um 166 P r o z. g e st i e g e n. Grammophone und Radio ein gutes Geschäft. Die C a r l L i n d- ström A.-G., Berlin, deren Aktienkapital sich seit dem Vorjahr zu 51 Pro;, in den Händen der Anglo-American Phono- groph Company befindet, verteilt wie im Vorjahr aus einem Reingewinn von 6,96 Mill. Mk. 16 Proz. Dividende auf em Aktienkapital von 7 Mill. Mk. Die Bilanz weist ein außero'Henilich günstiges Bild auf. Die Außenstände sind von 1,77 Mill. auf 2,29 Mill. gestiegen, die Bankguthaben von 1,3 Mill. haben sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt und der Wechsel- bestand mit 1,97 Mill. fast vervierfacht. Dielen lausenden Kon- ten von 5,66 Mill. Mk. stehen auf der Passivseite auf dem Glau- b i g e r k o n t o nur 2,52 Mill, Mk. gegenüber, woxin aber noch Rückstellungen enthalten sind. Die Handlungsunkosten haben sich entsprechend dem erhöhten Umsatz von IH Mill. aus 1,9 Mill. erhöht. Sieben Prozent Dividende bei d�F. Pußke vernhard Zoseph- A.-G. Die Ende vorigen Jahres fusionierten beiden Berliner Metall, warenfirmen weisen in ihrer ersten gemeinsamen Bilanz zum 31. Dezember 1926«ine Dividende von 7 Proz. bei einem Rein- gewinn von rund 217666 Mark aus. Seit Mai v. I war eine dauernde Besserung in der Beschäftigung festzustellen: für die nächsten Monate ist durch den großen Auftrags- bestand volle Beschäftigung gewährleistet. {J/PINOLEMFELD BEI COPENlCK/ BEHL IN Abteilung Dampfwäsdterei fei Ihre crmci Osierwäs SoZialöemotratie und Reichswehr. Klarstellung im Reichstag.— Soldateumißhandlungen und Selbstmorde. Der Reichstag nahm gestern zunächst den R o t e t a t in dritter Lestmg ohne Aussprache an. Das chaus setzt darauf die zweite Beratung des Haushalts des Reichswehr Ministeriums fort. Abg. Locke(Wirtsch. Agg.) wünscht eine bessere Betreuung der aus den Dienst ausscheidenden Reichswehrangehörigen. Abg. Moses(Soz.): Seit Jahren sind wir leider genötigt, bei der Beratung des Etats für das Reichswehrministerium, das überaus traurige Kapitel der Selb st morde in der Reichsmehr zur Sprache zu bringen. Lassen Sie mich zunächst einige Zahlen hier wiedergeben: Di« Zahl der Selbstmorde in der Reichswehr einschließlich der Selbst- Mordversuche betrug im Jahre 1921 140, 1922 149, 1923 Ikl, 1924 184, 1923 163, 1926 136(Hört, hört!), also eine Steigerung biß zum Jahre 1924, dann in den beiden letzten Jahren eine Abnahme. Roch eine�klcine Statistik. Wenn wir eine Gegenüberstellung machen zwischen den Soldaten, die an Krankheit verstorben sind, also sagen wir eines natürlichen Todes verstorben sind, und denen die eines unnatürlichen Todes verstorben find, d. h. infolge Selbstniord oder durch Unglücksfälle zusammengenommen, dann ergibt sich folgendes Bild: Es betrug die Zahl der ctnr» nalllrlichrn Todes Verftordenc» ini Jahre 1921 .. 1922 .. 1921 .. 1924 „, 1925 ., 1926 187 16« 158 116 113 109 der eine« unnatürlichen Tode» Verstorbenen 220 199 222 219 ,819 209 Ich glaub« feststellen zu dürfen, daß in den letzten Iahren von allen Parteien dieses Hauses kein Problem in so ernster und fach- licher Weise behandelt worden ist, wie das Problem der Selbstmorde in der Reichswehr(Sehr wahr!) und ich würde es begrüßen, wenn der Reichswehrminister im'Plenum des Reichstags abrücken würde von den völlig haltlosen und unwahren Behauptungen des O f f i z i e r s b l a t t e s, das der Linkspresse in pöbelhafter Weise eine verlogene Behandlung des Problems vorwirft. (Sehr wahr!) Wir freuen uns, wenn General Heys im Hauptaueschuß ausdrücklich erklärt hat. wir sollten überzeugt sein, das Mißhandlungen, wo solche vorkommen, aus innerstem Empfinden I) willigte der Reichstag dem 100 OOO-Monn-Heer 110 Kapellen. Trotzdem dieser Bewilligung eine sehr scharfe Kritik vorausgegangen war, hat das Reichswehrministerium in den vergangenen Jahren auch hier heimlich aufgerüstet und die Zahl derKapellen noch von 110 aus 160 erhöht. Für einen Teil dieser neuen Kapellen, die längst in Funktion getreten sind, werden heute die Mittel angefordert. Meine Fraktion protestiert sehr entschieden dagegen, daß der Reichstag fortgesetzt vom Wehrministeriuin vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Wir lehnen aber auch aus fach- lichen Gründen diese Neusordcrungen ab. Für die Stärkung der Musitkorps sind hauptsächlich politische Gründe maßgebend. Es kann nicht bestritten werden, daß die dienstliche Pflicht- ersüllung der Militärmusiker sehr minimal sein muß, denn die Militärmusiker spielen meistens in Konzert-, Bier» und Tonzlotalen gegen Bezahlung und das zum Nachteil der Berufsmusiker. Wir wenden uns aber auch aus sozialen Gründen gegen die Vermehrung der?Nusikkapellen. Es ist leider eine Tatsache, daß die Militär- mustker zu Schmutzkonturrenten der Berufsmusiker geworden sind. Es ist schon soweit gekommen, daß Militärmusiker als Damen oerkleidet musizieren. Für eine Entschließung, die ich im Hauptausschuß eingebracht hatte, und die diesen Mißständen zu Leib« gehen sollte, halten auch die Vertreter der Demokraten und der Wirtschaftspartei gestimmt. Der W e h r m i n i st e r sprach sich aber gegen sie aus. Wir legen ihni heut« diese Entschließung von neuem vor. Wer noch«in Herz hat für die wirtschaftlich notleidenden Berufsmusiker und wer ernstlich will, daß durch die Reichswehr keine Erbitterung in das Boll getragen wird, der muß für diese Eni- schließung stimmen. Ein skandalöser Fall. Redner bringt dann folgenden Fall vor: Im Jahre 1922 hatte ein damaliger Fähnrich in einem Tanzsalon schamlose Szenen ausgeführt, er hatte die Anwesenden belästigt und die Domen iotlich beleidigt. Als er aus dem Saal entfernt wurde, gab er noch d r c i« ch ü I j e ab, und rief mehrfach laut: »Ihr mit eurer sozialistischen Republik. Eberl kommt das nächslo mal heran, das Schwein Ralhenau ist nicht der Letzte gewesen." Das war nach der Ermordung von Erzberger und Rathenau. Im Hauptausschuß hat der Oberst Streicher erklärt, dieser Fähnrich sei sofort entlassen worden. Ich konnte nun aus der Rangordnung nachweisen, daß dieser Fähnrich zweimal befördert worden ist und noch heute in der Reichswehr als Offizier Dienst verrichtet.(Hört, hört! b. d. Soz.) Nachträglich hat Oberst Streicher zugegeben, daß er sich geirrt hat. Ein Jahr später, nachdem sick? der Vorfall mit dem Fähnrich ereignet hatte, erstattete ein Sanitätsrat ein Gutachten, daß auf diesen Mann der§ 31 des Strafgesetzbuches zutreffe. Er habe bei Begehung seiner Tat unter geschlechtlicher Spannung gestanden, durch Berührung mit einem Mädchen habe sich diese Spannung noch erhöht. Dieser Offizier ist also heute noch in der Reichswehr. Es bleibt nur noch die Frage übrig, was mit einem Offizier geschehen wäre. der sich in ähnlicher Weise gegen Hindenburg ausgesprochen hätte. Wir brauchen auf keine Antwort zu warten, sondern nur festzustellen, wie staatsfeindliche»Zlemente von der Reichswehr behandelt werden.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Asig. Eggersikdl(Soz.): Unsere scharfe Kritik an diesem Etat ist nicht zurückzuführen aus die Voreingenommenheit bestinunter Parteien oder Personen gegen die Reichswehr, sondern auf die Besorgnisse über die andauernde starke Steigerung der Anforderungen an die Finanzen und an dick immer»och bestehenden Verbindungen der Reichswehr mit den R e ch t s v e r b ä n d e n. Die Verteidigung des Reichswehrministers hat uns nicht davon überzeugt, daß wir mit unserer Kritik Unrecht haben. Er hat behauptet, wir hielten uns nur an Einzelheiten, aber diese Einzelheiten sind doch entscheidend für die Beurteilung der Zustände bei der Reichswehr. Ich will heule nur daran erinnern. daß bei dem Slapellaus eines Kriegsschisses alle möglichen Fahaen gezeigt worden sind, nur die schwarzrolgoldene Fahne hol man dort nichl gesehen.(Hört, hört!) Der Minister hat behauptet, die Reichs- wehr habe während des Kapp-Pulsches nicht versagt. Wer die Dinge damals selbst mitgemacht hat, der wird das wohl kaum bestätigen können. Es ist doch schwerlich ein Minister so getäuscht worden, wie der damalige Reichswehrminister. Der Kapp-Pulsch im Iahre 1929 hat mehr Opfer gekostek, als die Umwälzung im Iahre 1918 und das war im Kampfe gegen die Reichswehr, die doch eigentlich zum Schuhs der Republik da sein soll. Die Koppisten hätten nichts unternchmcn können, wenn sie nicht von der Reichswehr unterstützt worden wären.' Die vsrsassungsmäßige Regierung ist damals von den Arbeitnehmern aller Richtungen geschlitzt winden. Ein Schulbeispiel dafür, daß der Minister alles verteidigt, was mit der Reichswehr zulammciihängt, ist sein Verholten gegenüber der s ch w a r z c» R e i ch e w c h r. Er hat immer erklärt, ergebe keine schwarze Reichswehr, die Reichswehr habe auch keine Beziehungen zu den Rechtsverbänden. Nach dem Urteil im letzten Fcmeprozeß wissen wir, daß diese Erklärung falsch war. Wir haben erfahren, daß die schwarze Reichswehr sogar Wache für den Reichspräsidenten Ebert gestellt hat. Ebert war also damals der schwarzen Reichswehr ausgeliefert und wenn irgend etwas vorgekommen wäre, dann hätte der Minister gesagt, es handle sich um einen Einzelfall und um eine einzelne Perjan.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Au» unserer Kritik kann nicht geschloffen werden, bätz wir grundsätzlich gegen die Reichswehr eingestellt sind. Wir waren es doch, die die Reichswehr in Weimar geschossen haben. Der Antrag zur Schaffung der Reichswehr war damals unterzeichnet von der Sozialdemokratie bis zur Deutschen Volkspartei, nur die Dcutfchnationale Partei Hot damals gefehlt. (Hört, hart!) Auch die Marin« ist in Weimar geschossen worden, aber damals sst nicht daran gedacht worden, die alte Marine wieder herzustellen. Wenn wir uns den Marineetat anselzen, dann können wir nicht sagen, daß darin gespart wird. Sind doch jetzt wieder f a st dreißig neue Positionen angefordert worden und diese einmaligen Beträge werden sicher von Jahr zu Jahr weiter steigen. Man muß de» Eindruck gekiinnen, daß beim Reichswehr- ministeriuin immer noch die Auffassung herrscht, die heutige Marine bilde den Rahmen für eine künftige große Flotte. Wir werden in den nächsten Jahren sogar mehr Admiräle als Schiffe haben. Der Redner geht auf die einzelnen Positionen des Etats ein und wendet sich dann gegen die Art der Verteilung der Unter- stützungen, es scheine, als wenn dabei die O t s i Z i e r e den Vorzug härten. Wir wünschen, daß die Zahlmeister aus ihrer bisherigen Zwitterstellung herauskommen. Unerträglich ist d'e Gesinnungsschnüffelei, die von nachgeordneten vtellen gegenüber den Arbeitern in den Marincbetrieben getrieben wird. Währenddem der Potemkin-Ftlni verboten war, durften die Mannschaften die Kinos nicht besuchen, die diesen Film brachten. Auch heute noch ist dies Verbot nicht aufgehoben, sollen die Kinos etwa dafür bestraft werden, daß fte den Film aufgeführt haben? Wir haben auch noch nichts davon gehört, daß der Boykott gegen das Gewerkschaftsbous in Kiel aufaehoben worden ist. Wir haben bisher noch nicht die Nachweisung über die Offiziere erhallen, die auf Dienstvertrag angestellt sind. Der Redner mit dem Minister zu: Sie haben sich zu entschciden. ob die�Reichswehr mehr Wert darauf legt auf die Verbindung mit den Führern der Rechtsverbände oder auf die Verbindung mit den Lolksmasscn. 3lO Diestt Oaranttedanö GOLD-SÄBA 44 � /tvu/TAULö$aJbmA,bckömmlidWi: weißen- BcandLj> GARBÄTY ( Führen Sie endlich die Reichswehr auf den Roden der Republik zurück, lösen Sie die Reichswehr von den Rcchtsverbändcn.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) ZNinisier Dr. Gchler: Ich habe den Kampf qezen die Verbindung der Reichswehr mit den Wehrvcrbändcn jahrelang geführt. Sie können mir höchstens vorwerfen, dag ich n i ch t genug Erfolg gehabt hätte. Ab.er das ist auf(gründe zurückzuführen, über die ich n u r, m F e m e- o u s s ch u ß sprechen kann. Disziplinar einschreiten kann ich erst, wenn die ordentlichen Gerichte gesprochen haben. Ich habe mich allerdings auf die Offiziere verlassen, aber ich hatte ja niemand anders. In den Jahren der Erregung waren wir wohl alle politisch ein wenig verstiegen. Je!) weiß, wieviel bei uns noch zu bessern ist, aber ich hatte in all diesen Jahren die Reichswehr erst aufzubauen und war mit Aufgaben überlastet, hatte mit tausend Schwierigkeiten zu kämpfen. Aber heute kann ich sagen: Für die Treue des grösjken Teils des vffizierkorps steheich ein. Die Unkorrektheit der Auslandsdeutschen ist bedauerlich. Wir haben aber angeordnet, dag z. B. bei Kranzniederlegungen schwarzrotgold neben schwarzweißrct gezeigt wird. Falls neulich in Wilhelmshaven scyroorzrotgold gefehlt hat, bedauere ich das. Nach weheren Ausführungen der Abgg. Treviranus(Dnal.), Wegmann(Z.), Lcuninghaus(D. Vp.) und Dr. Vredl(Wirtsch. Vg., der für seine Fraktion der lhprozeiitigen Streichung vom Reichs- wehrctat zustimmt, schließt die Aussprache. Die Abstimmung. Die von Sozialdemokraten und Kommunisten eingebrachten ZNIßtrauensavträge gegen den Reichswehrminifler werden gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Der von der So-ialdemokralic beantragte Staatssekretär wird gleichsalls abgelehnt. Auch die von den Sozialdemokraten beantragten Slreichun- gen bei einer größeren Anzahl von Titeln werden von den bürger- liehen Parteien abgelehnt. Die Abstimmungen über die Entschließungen, also auch über die demokratische Entschließung, beim Wehretot 10 Proz. einzusparen, finden wie üblich erst bei der dritten Lesung statt. Damit ist die zweite Lesung des Wehretats beendet. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag 10 Uhr vor- mittags: Knegslastenclvt, Haushalt des Finanzministeriums, zurückgestellte Teile verschiedener Etats. Schluß 8)4 Uhr. - i Die Abstimmungen über den Kultusetat. Abstimmungen im Landtag.— Kommunisten gegen Schulfortschritt. In der MiUwochsijzung des Landtages, wurde zunächst ein An- trag O b u ch(Komm.), der gegen die Hmausweisung der Derrrcter der Reichs- und preußischen Staatsregierung ans dem letzten Feme- prozcß protestiert, ohne Aussprache dem Femeuntersuchungsausschutz überwiesen; desgleichen ein tomniunislischer Amrag dem Geschäfts- o.dmmgsausschnß, der sich gegen Slreichungen wendet, die der Prä- sident Bartels in einem den Landgerichtsoireltor Jürgens b et rejf enden kommunistischin Antrag wegen ungehöriger Ausdrücke vor- genommen hat. Hierauf wurde die Debatte über Polizeifragen beim I n n c n e l a t fortgesetzt, in der Abg. ZNeheathin(D. Vp.) behauptet, daß d>e Kriminalpolizei in den letzien Jahren außerordentlich vcr- nachläsfigt worden sei. Die Organisarion der gesamten Polizei müsse reformiert werden. Abg. Larteld(Dem.): Wir haben alle Veranlassung, der preu- ßischrn Polizei unseren Oane ba sie wesentlich zur Austlärnng der Fememorde beigetragen hat. Hierauf wird die Debatte abgebrochen und die Abstimmung über die angesochtenen Titel des Kaltusetats und tue dazu gestellten Anträge, deren Zahl zirka ZOO beträgt, vorgenommen. A n g e ii o m m e n wird u. a. ein Antrag, die iin Etat bereit- gestellten Mittel für die nollcidc;rden Junglehrer von 2 Mil- lionen ans 13,7 Millionen Reichsmark zu erhöhen; ferner ein An- trag, Mittel im Etat bereitzustellen für die Frankfurter Simultanakademie. Für den letzteren Antrag stimmten Sozialdemokraten, Kommunisten, Demokraten, Volksvartci und Wirt- Sagegcn Deulschnationale, Zentrum uno Völkische. Bei der Abslimmunq über das Gehalt des Kultus» m i n i st e r s bleibt das Bureau zweifelhaft. Die Auszählung ergibt die Bewilligung des Ministergehaltes mit 191 gegen 150 Stimmen. Dagegen st i m m t c n Deutsch n ationale, Volks Partei, Wirts chafts- parte!, Kommunisten und Aölkische. Ein Antrag der Sozialdemokraten auf Errichtung einer well- lichen Akademie wird gegen Antragsteller und Kommunisten abgelehnt. Ebenso abgelehnt wird der Antrag der Volkspartei, im kommenden Reichsschulgesctz die Simultanschule in den Gebieten, Reichsausschutz kultureller Verbände Heute, Zl. März, abends Ahr. im Plenarsaal des ehem. Herrenhauses, Leipziger Slroße Z VrMlmdgedms segeii Ms MülKleiÄS Redner: Julius Sab. Prof. Rasselt, Molsgang Heine. Prof. Hildebrandt. Grete Ulm. Leopold Jeßuer, Wolter v. Molo, Prof. Paul Oeslreich. Eintritt frei. Einlaßkarten am Saaleingang. wo sie besteht, zu erhalten. Dafür stimmten nur Volkspartei, Sozial- demvkraten und Demokraten. Auch die Kommunisten, die er st kurz zuvor die Mittel für die Frankfurter Simultanakademie bewilligten, stimmen mit den Deutschnationalen und dem Zentrum dagegen. Die Kommunisten haben dadurch der Schulreaktion. zu einem billigen Siege verholfen. Der Antrag der Sozialdemokraten, den Unterricht im Geiste der Völkerversöhnung zu erteilen, wird gegen die Regierungsparteien ab- gelehnt; auch gegen diesen-Antrag stimmten die Kom- mu nisten.(Abg. Kilian sKomm.s ruft: Wir sind für den Klassen- kämpf!) Ebenfalls abgelehnt wird der sozialdemokratische Antrag auf Abschaffung der Prügelstrafe von sämtlichen bürgerlichen Parteien. Abgelehnt wurde ferner die sozialdemokratische Forderung, be- sondere Klassen für solche Schüler einzurichten, die noch ein neuntes Jahr die Schule besuchen wollen, und schließlich der sozialdemokratisch« Antrag, besondere Kurse einzurichten für im Erwerbs- leben stehende Jugendliche, die sich zur Erlangung der Universitäts- reif« ausbilden wällen.— Damit ist der Etat des Kultusministeriums in zweiter Lesung bewilligt. Das Haus vertagte sich danach auf Donnerstag, den 31. März 1927, mittags 12 Uhr. Tagesordnung: Kleinere Vorlagen, Verlange- rung des jetzt geltenden Polizeibeamiengesetzes bis zum 1. Oktober 1927 und Fortsetzung der Beratung des Jnnenctats. 17. Stett Lichtenberg. Bikdung-aueschng: Die noch nicht abgerechneten Karten »um 2. April sind heut«, Donnerstag, 8 Uhr, in der Bibliothek, Weichsel. straße 28, abzuliefern. Heute, Donnerstag. ZI. März: 17. Abt. Die Bezirlslafsiercr werden ersucht, die Restanten zu kassieren und dann umgehend mit dem Senossen Iacobi abzurechnen. l08. Abt. Köpenick. Kcllnische Dorstadt! Die Genossen werden gebeten, die sslugblätter sllr die Fraucnwcrbcwoche umgehend abzuholen bei Raschle, Rudower Ctratze. Bernau. 8 Uhr spricht in einer Internationalen graucnkundgrbung im Restau- rant„Bcllevue" in Bernau, Wandlihcr Thausscc, die Genossin Hedwig Schwarz. Wir ersuchen die Genossinnen für einen guten Besuch der Ber- sammlung Sorge zu tragen. Zeder bringe Gäste mit. Morgen. Areikag. 1. April: #0. Abt. Brih-Bnckow. 7U Uhr beim Genossen Kegcl.-Shaussccsir. 187(Schule), wichtige Funktionärsitzung. Erscheine» aller gnnktionärc ist Pflicht. Igt. und 102. Abt. Treptow-Baumschulenweg. 7 Uhr Sitzung des Bitdungs. ausschusses mit dem Abtcllungsvorstand in der Spedition Graetzstr. 50. 7. Bezirk Siidende der 82. Abt. Steglitz. Oeffentlichc Mictervcr- sammlung am Freitag, 1. April, 8 Uhr, in Mündts Festiälen, Siidende, Lichterfelber Str. 17. Bortrag:„Mieterschutz— Mietcrrecht. Alt» und Reubauwohnungen." Referent Ernst Rüben. Freie Aussprache. Er- scheint in Massen! Frauenveranstaltungen heute. Donnerstag, den 31. März: 4ö. Abt. Treffpunkt»ur Kundgebung in der Neuen Weit abends k's Uhr am Görlitzer Bahnhof. 17. Abt. Alle Genossinnen pressen sich bis. Uhr auf dem Lousitzer Platz(Schule) zum Dcmonstrationszug. 85. nnd 86. Abt. Tempelhös-Wariendors, 87. und 88. Abt. Raricnselde- Sichte«. radc. Die Genossinnen treffen sich dti Uhr am Blllchcrplatz zur Teilnahme an der Demonstration in der Reuen Welt. Frauenveranstalkungcn morgen, Freitag, den 1. April: 16. Abt. 7% Ilhr bei Krllger, Hussitenstr. 34, Literarischer Abend. Vortragen- der HeinZ Barthel. 74. Abt. Zehlendorf. Treffpunkt nachmittags 4� Uhr an der Endhaltestelle des Autobus 2ü Zwecks gemeinsamer Fahrt zur Demonstration nach dem '--------•~■ Hbsa' os. WWWWWWWWWWr jJriedrich-ZL MW_______ WW. Stratzenbahn 56 nach dem Wittcnbcrgplatz. Nachzügler gehen direkt zur Wittenber« Mus öer Partei. Aprilhesk der„Arbeiker-Zugend". In diesen Tatzen erscheint das neue Heft der„ArbeiterJugend". Es bringt u. o. im Haupt- blakt: Was willst du werden? Von Max Westphal.— Wieder einmal: Jugendschutz.— Von Robert Breuer.— Die Sache ist erledigt. Von Ernst Wilhelm Neum-nmi. Berlin.— Die Sozialistische Arbeiterjugend im Jahre 192l>.— Aus der Internationale.— Jugend in der Gesetzgebung.— Aus der Bewegung.— Was der Tag bringt. — Mitteilungen der Redaktion.— Mitteilungen der Verbandszentrale.— Fremdwörter. Die Arbsitsgemein schaff: Der Lebenslohn. Van 5). N. Broilsford(Schluß.)—„Rationalisierung". Von Walter Mafchke.— Film und proletarischer Kulturwille. Von Kurt Cisgruber(illustriert).— Hexenprozesse. Von Ehrhordt.— Sprochockc. Kultur und Leben: Osterseuer. Van Wilhelm Pseifendring.— Wera Fignor. Von Peter Garwy.— Wandern in alter und neuer Zeit. Von E. R. Müller(illustriert).— Jugend- wandern vor zwanzig Jahren. Bon Richard Timm.— Aus dem Tagebuch eines Setzerlehrlings. Von Felix Fechenbach.— Krischan und die S. A. I.— Für unsere Spielratzen und Rätjelknacker. parteinachrkchten für Hroß-Serlin W Letzte Abfahrt um>16 Uhr. 8l. Abt. Friedenau. Die Genossinnen trefsen sich zum Demonstrationsumzug abends 6 Uhr am Brunne» Frledrich.Wilhclni.Platz. Weiterfahrt mit der Straßenbahn 56 nach dem Wittcnbcr''~- Versammlung in den Eplchcrnsälcn. Arbeilsgemeinschaft der kinderfreunde. Die Helferschulc fällt NM Donnerstag, Zl. März, der großen Kundgebung wegen aus. Die Helfer beteiligen sich an dieler. Krei» Rcntölln. Sonnabend, 2. April, beteiligen wir uns an der Dcmon» stration der SAZ. durch Britz. Treffpunkt abends 7 Uhr Kranoldplatz. Prenzlauer Berg, Gruppe Norden: Freitag, 1. April, Tj Uhr, Elternabend im Altersheim Donzigcr Str. 62. Eltern, ZMcundc, Part?ig:nosse» und Gönner sind herzlichst eingeladen. ckharlottcnburg: Sonnabend, 2. April, 8 Uhr. Elternabend im Jugend- Helm Rosinenstr. 1. Thema:„Welche Funktionen hat ein Eltrrnpaar den Kindern gegenüber In der heutigen Gesellschaft?". Referent Genosse Katzenstei». Jnngsozialisten. Heule, Donnerstag, 31. Alärz: Gruppe ckhaelattenbnrg: 8 Uhr im Zugendheim Rosinenstr. 1 Besprechung wichtiger Kruppcnangclegenhcitc». Wahle».— Gruppe Osten: 8 Uhr im Jugendheim Tilsitcr Str. 1 Aussprache Uber unsere zutlluftiae Arbeit.— Gruppe Prenzlauer Berg: 8 Uhr im Jugendheim Danzigrr Str. 62 Aussprache: „Die Politik auf dem Balkan." Leiter Richard Trost. � Sterbetafel öer Groß-öerliner partei-Grganifation � i. Abt. BpHir.. W. WWW Norden. Ehre seinem Andenken. Einäscherung am.. 6 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten die Genossinncii und Gc> nosse» um recht zahlreiche Beteiligung. Unser Genosse Wilhelm Klaus ist plötzlich und unerwartet»er- Freiing, l. April, abends Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SS 68. Liadaustratze i. Net» an da» Deztrtsiekretariot. 2, Hos, i Trep. recht«, ,n richten. Rczirksbeamlenkag der SPD. Groh-Verlin. Der Bezirksnorsiaud beruft hiermit für Donnerstag, 7. April, 7>4 Uhr, nach »i l>« 1.?LahI der Mitglieder isir den«rweiterlcn Bezirksvorstand. Zur Teilnahme sind berechtigt lämtlichc Mitglieder der Beamienwerbeauslchüsse, soweit sie im Besitze eine- Mandats sind. Die Mandate kommen in den nächsten Tagen zum Vc-iand. Abteilungen, die noch nicht der Beamtenzcutrale, Verlin SS. 68, Lindenstr. Z, ihr« Äcrbcansschiissc gemeldet haben, müssen die, umgehend nach» »>"' ilrahme berelttigt die Mitglieder des Rcubsbcamtcu. Hefthastliches. Der Bczirlsvnrstand. �>Ie«. Feroer find zur Te_____... beirats»nd de» erweiterten Bezirtsrorstaudc». I. Kreis Mitte. Sitzung des engeren Kreisvorstandea am Freitag, 1. April, 7V Uhr, bei Lötschert, Reue Fricdrichstr. 108. 6. Kreis«reuzbcrg. Freitag. 1. April, Tn Uhr. Sitzung de, Kreiobtldung«. ausschusses mi! den Abteilungsleitern bei M-udler, Dieffenbachstr. 51. Jede Abteilung muß vertreten sein. 6. Kr«:» Wilmeredorf. Achtung, Abteilungsleiter! Fahnen zur Frauen. demonstratio» mitbringen. Alle Genossen werden bringend ausgeiordcrt, sich nicht»ur an der Frauenlundgebuna in den Spichcrnsäcr», sondern auch an dem vordre vom Witteoibergplatz au» erfolgendem Umzüge recht zahlreich«;i beteiligen. 11. Kreta Neukölln. D:e Arbeiterjugend und Kindcrsrcunde veranstalten am Freitag, 1. April, 7',» Uhr. im Jugendheim Cteinmctzstraße einen Au». spracheabcnd. Vortrag:„Jugend und Partei." Referent: Erich Ollcnhauer. MI�M�MM�WMMenossen sind herzlichst eingeladen, Eltern und 15. Krei» Treptow. Ärbc'lerwohllahrt: Freitag, l. April, 7'b Uhr, in der Schule Nicderschönewcide, Berliner Straße, I!. Kursusabcnd:„Die Leiftun- gen der öffentlichen Wohlsahrtspflcgc." Rcfcrentin Stadtverordnete Minna Todcnhagcn. Frühjahrsausstellung bei Grütifeld. Mit fröhlich-bunten Farben hält der dicejährige Mode-Frühling seinen Einzug und so bieten oll die ihm zu Ehren geschmückten Geschäftsräume ein farb�nsrohce, lebendiges Bild. Auch die Firma Grünseld zeigt die neuesten Schöpfungen in Kleidern, Blusen, Wäsche und Stoffartcn. Die Modefarbe ist also diesmal blau in allen Schattierungen, daneben alle bellen, paftellartlgen Farbtöne und sehr viel bunie Gewebe in Wasch-, Woll- und Scidenstossen. Während die Straßcnklcidung meist langännelig, hochgeschlossen und in cinsacher Verarbeitung gehalten ist, zeigen die Gesellschastskleider die Rückkehr zum Stilkleid mit bauschigem Rock: als Neuerung sind die Kleider fast durchweg gänzlich ärmellos, mit tiefem Länxsaus- schnitt, der in einem zum Kleid abgestimmten Ströußchen, rnchl weit ab vom Taillenschlust, sein Ende findet. Man verwendet hierzu wieder mit Vorliebe Tost, ebenfalls in hellen oder bunten Farben. Ebenso wie die bunten Kleider ist auch farbige Wäsche in gelb, rosa und lila stark in Mode. 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Sein Äamp temut und stete Streif. schuft für den Ausbau der Rechte der Hrbcitetfdia't werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Slnafchetuim findet am Freitag. den 1. Aarii. nachiniitags 6 Uhr, im fttemutocium IVerichlstraKe statt Allen denen, die unserem lieben Sohn und Bruder Ernst Steinhäaser bei seiner EinSscherung die letzte Ehre erwiesen haben, sagen wir hier- mit unseren besten Dank. Beiander, danken wir dem Redner des Verein» der ffreidenier, den Genossinnen und Senassen vam Bezirk Areuzderg. sowie den Sameraden oem Reichsbanner Hermann Steinhäuser und Tochter, Acmmandantenftr. 2S. Für die herzliche Telinohme bei der Einäscherung meines lieben Mannes »nd gulenVaters lagen wir allen daran Beteiligten unseren tnnlgsten Dank. Witwe Paula Zeqer und Tochter Mnrgaref«. leMeiwMM-wW Sonnabend, den Z. April, mittag» 12 Ahr, in Emald» Vereinshaus. Skaiihrr Skrahe 120 Versammlung � der erwerbslosen Graveure and Ziseleure. Tagessrdnusg. I Da» Erwerbs» Issrnoerstcherungsgeietz. Referent: Kollege vtto Grau. 2. Diskussion Ohne Mitgiiedsduch lein Zutritt. Kr* Jeder erwerbslose Kollege muß wt erscheinen. Sonnabend, den 2. April, abend» 6 Ahr, tn unserer KuttnrabteUnug, Clnleafltoba 10Z (gegenüber dem BeedandS Hause)) Filmvortragsabend Sr alle in der 91eppt- ie3fFfltndi3iüter txm. unserer �Kltah/ Roma v /i."•'-.*. MARGARINE 3Käb iijcrfeau/? tmdluiag jurdösQdd.-1törjxa. �uat 6 ganjc �und //Rarrm, truüerfein� Obs'das glaubst odernetl- dös bringt sehe was drvt- emerkbar muebten. Dazezen haben die Auswicinuizen des slebemnanatizen c n z 1 i s? h e n Streiks wie auch in anderen Exportländern unser xanzes Wirtschaftsleben i n zweiten Halblahr um so stärker beeinflußt. Sie haben in erster Linie die Kohlenindnstrie von der Bindunz Ihrer Betriebsmittel in flbereroßen Halden- beständen befreit nnd einen Ueberschuß der Kohlenansfnhr Im Werte von 505 Millionen RM(zezen 238 Millionen RM im Vorlahre) ennözlicht. In zweiter Linie wurde unserer Eisenindustrie unerwartete Beschäftizunz infolze des Ausfalls enzlischen Exports zuzeführt Bei der zcoßen Bedeutunz der Kohlen- nnd Eisenindustrie lür das zanze Wirtschaftsleben wirkte sich die gute Beschäftiznnz natürlich auch mehr oder wenizer auf alle anderen Er- werbszweize aus. so daß am Jahresschlüsse im allzemeiuen ein unverkennbar wachsender Antrieb der wirtschaftlichen Tätlzkeit festznatellen Ist. 1926 Jannar Juni Dezember Rohstahlerzeuzunz tn Tonnen,. 791 000 977 000 1 303 000 Tazes-Wazeozestellunz der Reichsbahn iu Stück. 101 800 121 200 139 300 Einnahme ans Güterverkehr in Mill. RM,,.• 180,9 225,6 266,7 Hatte die Anmeldnnr znm Eintritt in den V61kerbnnd schon im Inlande einen Eindrnck hervor Zernien, der für die Ueberwindonz der Krise von zrößter Wlehllfkeit war. so hat tntemational die endzflltlze Aufnahme Deutschlanda eine Stlmmnnz ausgelöst, die es ermözlichte, über den Oedanken nationaler Zusammenschlüsse hinaus auch mit dem Auslände Produktions-, Absatz- oder Preiaverelnbarunzen zn treffen. Zwischen deutschen und ausländischen Elnzelnnternehmonzen zl elcher Art kam es auf Grund einsejtizer oder zezeaseftizer Kapitafbetellizunz oder nur durch Vertrarsverhältnls zu enzer Znaammenarbeit; ao z. B. tu der Kunstseiden-Industrie, in der Röhrenfabrikation nnd hn Textllzewerbe. Viel wichlizer waren aber die Verein- harunzeo von Industrie za Industrie. Zehn internationale Kartelle nnd Syndikate. die fast alle erst In den letzten vier Monaten des Jahres zum Abschluß kamen,«lud wichtize Etappen auf dem Weze zu internationaler Wirtschalts- Solidarität Dem zldehen Ziele, Absehlleßnnzstendenzen zu bekämpfen nftd den QBter- anatausch zu fördern, dienten die Zusammenkünfte des deutsch-französischen Verständlzunzskomifees nnd die Besprechunzen engl i scher und deutscher Wirt. schaftsführer kl Romsey, sowie das im Oktober veröffentlichte Internationale WlrtschafUmanlfest, die Arbeit der Internationalen Handelskammer und die Vorberel tunn der WeltwirUchaftskonlerenz. Der Abschluß von Handelsver- träzen Indessen hat den erwünschten Forfzanz nur teilweise erfahren; mit Frankreich, Polen und anderen für uns wichtizen Ländern Ist man über das Vcrhandlunrsstadlnm noch nicht hinanszekommen. Eriolz Oder Mlflerfolz dieser vielfachen Bemühunzen werden auf die Fortsetzunt und Andauer der zezenwärtlzen Wirtschaftsbessemnz von aus- schlazzebendem Einflösse»ein. Unser Außenhandel zeigt zwar mit RM 9 951 M1II. Einfuhr und RM 9 818 Mill. Ausfuhr anscheinend ein recht befriedfzendes Bild. In Zukunft aber kann mit einer Drossinnz der Einfuhr wie Im abzelanlenen Jahre kaum Berechnet werden. Die Ernte dea Jahres 1926 war nnbefrledigend. Es wurden reerntet; Rozren 64,0 Millionen dz zeten 80.6 MJTTlansa dz im Vorlahre Weizen 25,9 n n M 32.1„»»„ Kartoffeln..... 303,3~ 417,1„.. Ein Mehr nur reizt der Ertrag an Hafer...... 63.2 Millionen dz gegen 55,8 Millionen dz Im Vorfahre. Für den Landmann Ist das Mindererträgnis durch höheren Preis teilweise aoszegilchen worden, volkswirtschaftlich bleibt der Ausfall bestehen und wfrd im laufenden Jahre zu höherer landwirtschaftlicher Einfuhr nötigen. Auch die Vermlndcrunz in der Lagerhaltung von Ware aller Art wird gelockert verden, sobald die sinkende Tendenz der Preise, wjn sie Im abgelaufenen Jahre zu verzeichnen war, wieder einmal ins Gegenteil umschlägt. Die Ausfuhr zeigt durch Zufallszewinn(Kohle) günstige Zifferp, die Ausfuhr von Fertizwareu. also der Export an Material gebundener deutscher Arbelt hat indessen im Verlauf des Jahres 1926 keine nennenswerte Zunahme erfahren. Oerade dieser Posten aber wird in Zukunft entscheidend sein lür die Er» füllnngsmazllcbkeit des Dawea. Planes und wichtig Ufr die Beschäftizunz der Millionen Arbeitslosen. So vielen ArbeitswilHzen. die zum Ten durch Rationaiislerunz der Betriebe und durch technischen Fortschritt beschäftigunzsios geworden sind. Betätizung zu schatfan, stellt wohl das wichtigste Problem unserer Wirtschaft dar. Ans diesem Gesichtspunkte haben wir 1925 den knrzfristlzen tOO-Mil- iioneo-Kredlt für Industrieexport nach dem für Deutschland besonders wichtigen russischen Absatzgebiet vermittelt, und im abzelanlenen Jnhre hn Verein mit anderen Banken und Bankier» die Industriekredite eröffnet, die für den längeren 300-MilIlonen-Kredit nötig waren. Durch vermehrten Außenhandel wird die Arbeitslosijfceft freilich im besten Falle gemildert werden, in der Hauptsache kann nur die Belebung des Inland- aarkte» Heilung bringen. DI« Konnumatelcernng hg dem Maße, wie sie hierzu nötig lat, kann durch Preissenkungen, so erwünscht sie auch sind, allein nicht bewirkt werden. Sie hängt neben der Lohn- und Einkommenshöhe sehr stark vom Vermögen ab. Der Wohlhabende kann sein Einkommen aulzehrea— der Unvermögende muß sparen. Die richtige Wertung der Substanz unserer Wirtschaft ist daher von größter Wichtigkeit. Für die zeltweillz aehr unterwerteten Anlagen unserer Industrie Ist die Berichtizung durch die stark verkannte aber volkswirtschaltlich ungemein förderliche Tätigkeit der Börse im vergangenen Jahre erfolgt; für des landwirtschaftlichen und atädtfaehen Grundbesitz steht sie noch aus. Fortdauer der Zwangswirtschaft und Ueberbestencrunt. die ia auf unser ganzes Wirtschaftsleben drückt, den Grundbesitz aber besonders hart trifft, wirken dez Besserung entgegen. Die Zunahme der Verachnldnng Deutschlands an das A■ s 1 a o d dürfte kaum mehr betragen als die rund 700 Millionen RM, nm die die Reichsbank Ihren Gold- und Deckungsdevisenbestand vermehren konnte. Zwar wurden etwa 1,6 Milliarden Reichsmark langfristiger Anleihen Im Auslände aufzenommen. sie dienten aber zum Teil der Abtragung kurzfristiger Auslandsverpfllchtunzea; dem Rest siebt eine wachsende Ausfuhr deutscher Ware auf Kredit zezenßber. Bedeutet für unsere Gesamt Wirtschaft das Jahr 1926 ab es In allem einen erheblichen Schritt auf dem Wege zur Gesundung, so kann das für das Bankgeschäft nur mit starker Einschränkung gelten. Der Ertrag ist zwar Ober Durchschnitt gut gewesen, seine Zusammensetzung Ist aber ungleichmäßig und nicht erfreulich. Das Zinserträgnis Ist stark zurückgegangen and ebenso die ans dem Kontokorrentgeschäft stammenden Provisionen. Der Geldmarkt war während des ganzen Jahres überreichlich mit Mitteln versehen, die wegen Ihrer Kurz- fälllgkeit für das Kreditgeschäft nicht verwendet werden konnten, oft Oberhaupt unverwendbar blieben, die aber auf die'Zinshöke drückten und die Reichsbank zu mehrmaliger Ermäßigung des Dlskontsstzes veranlaßten. Während im Voriahre die ganze Zunahme der bei den Banken angelegten Gelder zur Erhöhung der Barkredite verwendet wurde, steht im abgelaulcuen Jahre einer Zunahme der Kreditoren bis Ende Oktober von rund 1230 Millionen RM— bei den Banken, die Zweimonatsbilanzen veröffentlichen— nur eine Zunahme der Debitoren nm rund 520 Millionen RM gegenüber. Daraus darf keineswegs geschlossen werden, daß die Banken das Kredltbedürfnia in minderem Maße befriedigt hätten, es bnt vielmehr eine Verschiebung im Schuldner bestände stattgefunden, dia es dea Banken gestattete, ohne Kreditgesuche ihrer Kundschaft ablehnen zn müssen, ihre Liquidität anlznbeasern. Große Industrieunternchmungen, denen die Banken sehr bedeutende Beträge ohne Deckung vorgeschossen hatten, nahmen vielfach Auslands- oder Inlandsanleihen auf, mit deren Ertrag sie ihre BankverpfUchtnngen ablösten; die eingehenden Gelder konnten anderen Kreditsoehenden zur Vertagung gestellt werden, und es bedurfte darüber hinaua nur eines Teils des Einlagenzuwachses. um allen berechtigten Kreditnnaprfichen zu genügen. Wenn in den Bankbilanzen das Verhältnis der ungedeckten Debitoren za dea gedeckten eine auflällige Verschiebung zeigt, so ist das, mögen unliebsame Erfahrungen ans der Krise auch noch mitgewirkt haben, in der Hauptsache dieser Debitoreuumschicbtung zuzuschreiben. Die ungewöhnlich starke Versorgung des Geldmarktes mit Beträgen auf kürzeste Frist oder zur täglichen Verfügung ist Folge der allgemeinen Lagerverminderung, die in Erwartung von Preissenkungen nnd um Zinsen zn sparen vorgenommea wurde. Aus den kleinen Betrieben flössen die frei- gewordenen Gelder in die Sparkasse«, deren Einlageznnahme von iH Milliarden RM die anzunehmende Sparkraft sicherlich übersteigt, aus den mittleren und großen in die Banken. Die Lagerverinlnderung ist auch die Ursache, daß trotz Qoschäftsbeiebung der Wechselumlaut nicht zugenommen hat. Ein erheblicher Teil solcher nur augenblicklich überflüssigen Betriebsmittel suchte aber auch den Anlagemarkt auf, in der.Annahme, daß die erwartete fortschreitende Zinssenkung eine wenn auch nur vorübergehende Anlage in öffentlichen Anleihen, Pfandbriefen und Indnstrie-Obligationen lohnender gestalten werde als die Unterhaltung von Bankguthaben. Insbesondere dürfte ein Teil der Mittel, die durch Auslandsanleibe hereingebracht worden, solche Verwendung gefunden haben. Dadurch ist der inländische Markt der Anlagewerte über Gebühr aulgebläht worden. Eine Beanspruchung des Kapitalmarktes von mehr als 3Vi Milliarden RM für festverzinsliche Werte (davon entfallen allein 1% Milliarden auf Schuldverschreibungen der Grund- kreditanstaiten) neben fast 1 Milliarde RM lür Bank- nnd Indnstrie-Aktien übersteigt bei weitem den Betrag, der ans Ersparnissen der Emissionstätigkeit zur Verfügung stehen kann. Im Jahre 1913 hatten die Emissionen Im Ganzen nur eine Höhe von 2)4 Milliarden Mark erreicht. Dem Bankgeschäft hat die Aufnahmewilligkeit des Publikums für Wertpapiere aller Art im Emissionsgeschäft sowohl als Im Börsenhandel guten Nutzen gebracht. Das wachsende Börsengeschäft hat auch ermöglicht, eine» Teil der kurzfäliigen Gelder in Reports auf Halbmonatsirist lohnend anzulegen. Für den Rückgang im Zinsertrage und an Kontokorrentprovision wurde dadurch Ersatz erzielt; nichts ist aber getan worden, nm einen Ausgleich für die Zeit zn sebafieu, wo Effekten- und Kousortiaigewiune wieder abnehmen oder gar versiegen. Die Unkosten»teilen noch Immer in ungesundem Verhältnis zum Bruttogewinn. Die Konzentration in der übrigen Wirtschaft, die sich schon äußerlich in einer Abnahme der Zahl der Aktiengesellschaften von 17 074 Ende 1924 und 13 010 Ende 1925 auf 12 393 am 31. Oktober 1926 ausdrückt, hat sieb auf das Bankgeschäft noch nicht merklich übertragen. Zwischen Slfentlichen Banken nnd Sparkassen einerseits und den privaten Banken nnd Banklers andererseits ist eine Vereinbarung über die Qeschäftsabgrenzung noch nicht zustande gebracht worden. In einem weniger ertragreichen Jahre wäre diesen, für die Znkunftsentwicktung so wichtigen Punkten vermutlich mehr Eifer gewidmet worden. Die Anfnahmelähigkelt des Iniändlscheu Effektenmarktes für Neu- emisslonen von Aktien, ffir die er in der ersten Hälfte des Berichtslahres nur wenig iu Anspruch genommen war, veraulaüte uns, die ursprOnglicta zur Einführung im Auslande bestimmten RM 40/100.000 Aktien unserer Bank dem Inlandsmarkt zuzuführen und unter Einräumung elnea Bezugsrechtes für unsere Aktionäre an den deutschen Börsen zur Einführung zu bringen. Aus dieser mit Erfolg durchgeführten Transaktion ist unserer Reserve ein Betrag von RM 15,316,904 zugeflossen. Die Deutsche Bank hatte am 31. Dezember 1926 an 176 Plätzen Niederlassnugen. Daneben wurden 101 Stadt-Depositenkassen unterhalten, von denen 37 auf Berlin entfielen. Im Laufe des Berichtslabres haben wir 8 kleine Niederlassungen geschlossen. Unsere Filialen Im Inland und Ausland haben befriedigend gearbeitet. Die Zahl der Konten beträgt am Ende des Berichtsjahres 338 666 gegenüber 332 153 am Ende des Voriahrea. Die Steigerung erscheint geringer. als sie tatsächlich ist, weil im Laufe des Jahres die Zahl der Konten in fremden Währungen erheblich zurückging. Nichtsdestoweniger Ist der ziffermtßige Anteil der auf den Wihrungs-Konteu vorhandenen Salden, in Reichsmark umgerechnet. an den In unserer Bilanz ausgewleaencn Forderungen und Verpflichtungen immer noch ein recht beträchtlicher. Er stellt sich bei den Schuldnern auf ca. 27% und bei den Gläubigern auf ca. 23%. Die Umsätze sind auf RM 165 252 051 000 gestiegen. Mit dieser Ziffer haben sie die Höbe der Vorkriegsumsätze unseres Instituts(einschileß- lieh der inzwischen aufgenommenen Banken) uoeb nicht voll erreicht. Dies Ist ausschließlich auf dea Fortfall der Umsätze unserer frühereu Londoner und Brüsseler Niederlassungen zurückzuführen, hinter deren Umsätzen die unserer Amsterdamer Filiale noch wesentlich zurückbleiben. Bei unseren deutschen Niederlassungen sind die Umsätze der Vorkriegszeit bereits über- schritteu. Wenn hierbei berücksichtigt wird, daß der Durchschniftsbetrag der den Umsätzen zugrunde liegenden Buchungsposten erheblich geringer Ist als in der Vorkriegszeit, so ergibt sich, daß die aufgewendete Arbeitsleistung im verflossene» Jahre eine ungleich größere war wie früher. Befspielsweite stellt sieh der Durchschnitt dar tn 1926 bei unserer Zentrale eingereichten Wechsel nnd Schecks auf RM 952 gegen M 3213 la 1913. Die Anzahl der Buchungsposten im Kontokorrent bellnfi sich an! mehr als das Doppelte der Vorkriegszeit. Der Personalbestand Ist Im Geschäftsiahrc weiter verringert worden, näm'ich auf 14 800 Köpfe gegenüber rond 16 000 am Ende des vorletzten Geschäftsjahres. Die durch den Abbau im Geschäftsjahre erzielten Ersparnisse sind, soweit et sich am TarHaagestellte handelt, durch die uns im Wege der Verbindlicherklärung im Februar 1926 auferlegte Tariferhöhung fast völlig ausgeglichen worden, die zu Weihnachten 1926 gewährt« Sonder- Zahlung ungerechnet. Der Abbau kann nunmehr Im großen und ganzen ala beendet betrachtet werden, obwohl unser Personalbestand auch beute noch etwa 31% höher ist als Ende 1913. Erfreulich ist. daß die Zahl der erwerbslosen Bankangestellten trotz der nmfangreieben Entlassungen, die der Qe- schäftsrückgang im Bankgewerbe seit Beendigung der Inflation notwendig machte, nur gering ist. Bei dem Kampf nm die Arbeitszeit Ist dringend zn wünschen, daß der besonderen Eigenart des Bankgesctatfts weitestgehend Rechnung getragen wird. So wenig im Bankgewerbe anf Mehrarbeit bei stoßweise steigendem Geschäft verzichtet werden kann, so sehr halten wir es ffir unsere Pflicht, in stilleren Zelten die Angestellten auch schon vor Ableistung der achtstündigen Arbeitszeit dea Tagesdienst beenden zu lassen. Die Ausbildung unseres Nachwuchses, insbesondere der Lehrlinge, deren Zahl allerdings nur einen Bruchteil, bei unserer Hauptniederlassung z. B. 25%, der tariflich zulässigen beträgt, sehen wir als eine besonders wichtige Aufgabe auf dem Personafgebtet an nnd haben sie durch erweiterte Abhaltung von Unterrichtskursen in Kurzschrift, fremden Sprachen sowie durch Veranstaltung von banktechnischen Vorträgen gefördert. Die bestehenden Sport- Vereinigungen haben sich erfreulich entwickelt; die Spielplatzanlagen in Berlin sind erweitert worden. Aach unsere Niederlassungen wenden der Förderung der körperlichen and beruflichen Ausbildung ihrer Angestellten in erhöhtem Maße Ibra Aufmerksamkeit zn. In den Erholungsheimen.Johannaberg" und „Sellin" haben im Oescbäftslahre 593 Beamte an 12 079 Tagen kostenlose Unterkunft nnd Verpflegnng erhalten. Außerdem haben 218 Kinder von Angestellten in den Wlntermnnaten ffir die Daner ie eines Monats in„Jobannaberg" Anfnabme gefunden. Zn dea einzelnen Positionen der Bilanz nnd der Gewinn» nnd Verlnst-Recbun.ag bemerken wir iolgendes: Die Noatrogaftfaaben bei Banken and Baakllrmen besteben auch diesmal znm weitaus größten Teil ans Auslandsguthaben. Die Vorachllase aufWaren nnd Warenverschlffuugen enthalten lediglich die mit dem Außenhandel zusammenhängenden Kreditgewährungen. Unter Reports and Lotnbtrd-Vorscbßsne sind neben der Geldanlage Im Termingeschlft ffir fremde Rechnung nnr die börsenmäßig gegen Wertpapiere auf nahen festen Termin gegebenen Lombard-Darleben verbucht. Dagegen eracbelnea die zu wirtschaftlichen Zwecken oder unbefristet gegen Effektendeckungen gewährten Kredite unter„Schuldner ia laufender Rechnung". Unser Bestand an Eigenen Wertpapieren bat sich bilanzmäßig gegen das Vorjahr von 15 Millionen ani 30 Millionen Reichsmark erhöht; die Vermehrung Ist In der Hauptsache dadurch entstanden, daß wir einen Tai] unserer verfügbaren Mittel iu festverzinslichen Warten,— wie öffentliche Anleiben und sonstige bei der Reichsbank belelhbure Wartpapiere,— angelegt haben. Auf dem Konto Beteiligung an Qemelnschafts-Unter- nehmungen wurden im Laufe des Berichts fahr es eine Reibe von Oe- achlitea, darunter auch ältere, mit gutem Nutzen abgewickelt. Wir konnten uns andererseits teils führend, teils mitwirkend In erheblichem Maße an neuen Geschälten beteiligen. In den Dauernden Beteiligungen bei anderen Baaken sind keine wesentlichen Veränderungen eingetreten. Das Erträgnis stellt die Einnahme ens den Dividenden des Jahres 1925 dar. Bei der Deutschen Ueberseeischen Bank, die für das Jahr 1923 eine Dividende von 7% verteilte, ist«uch für das verflossene Qeschäilsiabr trotz des sich Immer mehr verschärfenden Wettbewerbs mit einem befriedigenden Ergebnis zu rechnen. Von den unseren Schuldnern in lanfender Rechnung gewährten Krediten sind 31 J% nngedeclrt. Die restlichen 68,5% sind zur ungefähren Hälfte durch börsengängige Effektea und zur anderen Hälfte durch sonstige Sicherheiten gedeckt. Dieses Decknugsverblltnis hat sich gegenüber der Vorkriegszeit wesentlich verschoben. Der Betrag der ungedeckten Kredite stellte sich damals anf nur ungefähr 20%, dem 80% gedeckte Debitoren gegenüberstanden, für die zn 55% Deckung in börsengängigen Effekten bestellt war. Auf den Konten Bankgebinde und Sonstiger Grundbesitz haben wir bereits In der Bilanz eine Abschreibung von rand RM 1,000,000 vorgenommen, wonach sieb dar Buchwert unserer Immobilien anf RM 49,000,000 stellt. Zur weiteren Abschreibung aal unseren Grundbesitz schlagen wir der Generalversammlung vor, RM 3,000,000 ans dem Reingewinn zn verwenden. Der Anteil der Ausländer an dar Gesamtsumme der Gläubiger In laufender Rechnung ist prozentual der gleiche wie Im Vorfahre und stellt sich anf rund 25%. Die Zins-Erträgnisse ans dem Vermögen des Dr. Georg von Siemens- Wohifahrtsfond wurden zur Zahlung von Pensionen und Beihilfen verwandt Die Einkünfte reichen aber bei weitem nicht zur vollen Bestreitung der für diese Zwecke erforderlichen Aufwendungen aus, die znm größten Teil dam Unkosten-Konto zur Last gefallen sind. Wir schlagen deshalb vor, den Fond durch eine Zuwendung in Höhe von RM 1,144,537.40 ans unserem Reingewinn auf RM 6,000,000 cn erhöhen. Die ans dem Kreditgeschäft vereinnahmten Zinses nnd Provisionen sind durch die wiederholt vorgenommenen Herabsetzungen der Bedingungen hinter den Erträgnissen des Voriahrea zurückgeblieben. Bei den Provisionen hat ein Ausgleich durch höhere Eingänge ans dem Effekten- Kommissionsgeschäft stattgefnnden. Einschließlich des Vertrags aus dem Jahre 1925 von RM 1.508,184.90 nnd nach Vornahme der Abschreibungen anf Bankgebinde, Sonstiger Grundbesitz nnd M o b i I i e n van insgesamt RM 1.370.427.71 bellnft sieb das Erträgnis des Jahres 1926 anf RM 26.444.054 03 Hiervon erhalten zunächst die Aktionäre 4% Dividende anf RM 150,000,000(nach§ 33b der Satzungen)„ 6,000,000.— Von den verbleibenden..........,., RM 20.444,084 03 beantragen wir, der R e t e rv e zwecks Erhöhung anf RM 75,000,000....... RM 4.683.096.— dem Dr. Georg von Sie- mens-Woblfahrtalond.»„ 1.144,537.40 za überweisen nnd als Sonder- Abschreibung auf unseren Grundbesitz zur Herabmlndernng des Buchwertes ani RM 46,000.000........„ 3.000 /X»—_ 8427,633�0 zu verwenden. Von dem fibrigblelhenden Betrage von abzüglich RM 1.939,031.25 Vortrag anf neue Rechnung erhält(nach S 33d der Satzungen) der Anfalchta- rat . RM 11.616.450.63 677,419.35 Wir schlagen vor, von den restlichen........ RM 10.939.031.28 6% Soperdivldende anf RM 150/300,000 mit„ 9.000,000— zu verteilen nnd dea Ueberschuß von......... RM 1.939,051.28 10% Dividende. auf neue Rechnung vorzutragen. Es würde demnach erhalten lede Aktin von nom. RM 60.—; RM 6.— 1/30.—.'„ 10»— „ 120.—:„ 12— „_„ 500.—;.. 50— Wenn die Generalversammlung die vorstehenden Anträge genehmigt, erhöbt sich das eigene Vermögen der Bank(Kapital und bilanzmäßige Reserve) zum 31. Dezember 1926 anf RM 225,000,000. Berlin. Im März 1927. Der Vorstand der Deutschen Bank A. Bllnzlg S. Fcbr C. Mlchalowsky O. Schütter E. G. V. Stauß Stellvertretend: P. Bonn P. Brunswig P. MIIIIngten-Herrmana O. Wnssermanti W. Kehl J. Mehl j Kleiderstoffe■ Seide Tisch- o. Bettwäsche >90 165 iugendl. Ripsmantel ganz gefuttert mit reicher Sejdcn- garnienmg ErBttn.- prels: Seiden■Mäntel Seid.-Mantel 4 75 (K'- Seide) achwarr T feamage____ 26.50| 7 Seld.-Mant o/\75 (K'- Seide)«chwarz t m. Rüschengarn. 32.- M» Seid.-Mant 75 (K'-SdeJFraoen-Form schwarz Rarnage 49.- � 1 Composi Kasack-Kleid, Russcnform, neuartige Stickerei. ErSifnungs- preis: 19" Kostüme Kostüm � n4K Shetland, 2-reihrg. M Sakkoform.. 36«W � Kostüm Burberryart, Stoffe, 4 Sf� Sportform... 49.— ♦w ww Kostüm e e Herrenstoff- Karos,■% Jacke a. r. Seide 69.— AM AM 75 00 00 ausendllcher Hut Glocke mit Bortenrand. ShetSand 140 cm kr., für Kostüm® nnd Mantel.... Mtr.* Jacquard strickstoffart- Gewebe, halbfert. gemustert Mtr. Popeline ms 100 cm breit, Qualität" ß wäre........ Mtr. CharmeSalne-oo oder Royal, 130 cm breit.... Mtr. 730 Poza-Seide i55 neuest. Druckmuster Mtr. I Bembers- Adler Seide, neue Pastell- färben....... Mtr. Bastseide � reine Seide, ca. 80cm I breit...........• Crepe de chlne großes Farbenaortiment JR 65 Mtr. 6.90 Gardinen Steppdeck. �75 doppelseitig, Satz ca. 140/200 7 Mull-Garnü 0 2 Schals, 1 Quorbeh, Rüschen garniemng.. Halbstores».90 mit Klöppeleinsatz n. groß. 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Gr- 3 ,5° Steigerung 1*— 13 Neu aufgenommen Knaben- Paletot Gabardine, 2 reibig m» Gurt und Falte, Gr. 0 75 14 Steigerung Damenhüte und Knabenkonfektion nur TurmstraPe Moabit: Turmstr. Ecke Ottostr. ART. _____ GB/. Nordosten: Landsberger Alle« 2, Donnerstag Zt. März 1927 Unterhaltung unö �Vissen Seilage ües vorwärts Der Efelssthrei. von Georg Ewanguloff. (Aus dem Russischen übertragen von Sascha R o s« n t h a l.) 1. Er nxir furchtbar empfindlich, dieser Esel, der schon seit einigen Jahren das Mehl aus der Mühle Roberts auf seinem Rücken in den Kooperatioladen schleppte, welcher hart am Wege zwischen der Kirch« des heiligen Paulus und der Post seinen Platz gefunden hatte. Das Dorf bestand aus ganzen 30 Häusern. Augenbrauen und Bort bepadert, mit geröteten Lidern, schritt der Müller Robert auf dem staubigen Wege dahin, den Esel an- treibend. Schon befand er sich in der Nähe des Dorfes, als der Esel unvermutet inmitten des Weges stehen blieb, gleich einem Holz- pferdchen die Beine spreizend. Auch der Müller blieb stehen. Nun beginnt's, dachte er, der die Art seines Tieres wohl studiert .hatte. Er sagt« nicht mal Brrr.., denn dazu hätte er die Pfeife aus dem Munde nehmen müssen. Doch es war heiß und der Müller vermied unnötige Bewegungen. Ohnedies wußte er vorzüglich, daß es fruchllos war, den Esel anzutreiben. Man mußte einfach warten, daß der Esel anderen Sinnes wurde und den Weg fortsetzte. Doch diesmal änderte der Esel seinen Sinn nicht. Mit ernsten Augen schaute er gerade vor sich hin und zog unaufhörlich die herabhängende Unterlippe ein, als flüsterte er etwas. Robert ging gewichtig um den Esel herum, in dem Wunsche, zu erfahren, was die Aufmerksamkeit des Tieres angezogen hatte. Da war weder ein Stein aus dem Wege noch ein Reis, noch irgend«in verdorrtes Gräslein— der staubige Weg Vag da in blendender Helle. unter dem Esel zeichnete sich genau der blaue Schatten ob und die langen Ohren bewegten sich kaum merklich auf dem gelben Sand«. Robert erriet es sofort. Der Esel betrachtete den eigenen Schatten. Es schien, als ob der Esel absichtlich die Ohren bewegte, um zu sehen, wie der Schatten sie auf dem Boden bewegte. Die lange Lipp« des Esels schmatzt« greisenhaft, als wollte sie sagen:„Ach, ist das komisch! Ach, ist dos komifchl" Der Müller bllckt« voll Angst den Weg entlang— ob nicht ein Auto sichtbar wurde. Er wußte schon, da der Esel eine Beschäftigung gefunden hatte, würde er sich nicht vom Platze rühren, selbst wenn es ein Erdbeben gäbe. Und wenn ein Auto auftaucht«, so würde der Ehauffeur gezwungen sein, dem Esel auszuweichen, und hierbei mächtig schellen, was Robert äußerst unlieb war, da er um seine Würde besorgt war: war er doch Bürgermeister der Konunune. Den Esel zu schlagen war zwecklos. Nur das haarige Fell zitterte leise und aus Eigensinn, so will's eben Eselsbrauch, versteifte er sich, in solchen Augenblicken um so länger dazustehen. Da war nicht» zu machen. Der Müller schimpfte, brellet« einen leeren Sack unter ein Bäumchen und setzte sich drauf. Er wartete. Die Sonne brannte. Bauern kamen des Weges aus dem Dorf«, .»nd da sie den Bürgermeister mit dem Esel erblickten, grüßten sie und scherzten.- „Guten Tag, Herr Robert: llnd euer Esel denkt immerzu?' „Er denkt immerzu.' „Guten Tag, oller Robert. Und dein Esel macht immerzu Ent- deckungen?' „Er macht immerzu Entdeckungen.' So antwortete der Müller einsilbig und schaute dabei den Esel an. Dieser wedelte mit den Ohren wie vorher. Schon war die Sonne bis zur Mille des Himmel» hinabgesunken und die Ohren des Esels wurden immer länger. Schon kehrten dieselben Bauern aus dem Dorfe zurück, doch Robert und der Esel rührten sich nicht vom Platze Einer der Bauern sagte im Vorübergehen:./vu hast aber einen alten Esel!' .La, ein aller Esel.' Und ein anderer fügte verdrossen hinzu:„Und halsstarrig ist er. Em rechter Esel.' Obgleich Robert selbst bejahrt war, so entging ihm doch die Ironie dieser Bemerkungen, die mehr ihm gallen als seinem Esel. Er ahnte nicht, daß fast das ganze Dorf sich über ihn lustig machte, nicht wegen des Esels, der Esel halle nichts damit zu schafften, sondern aus einem ganz anderen Grunde. Der Müller besaß nämlich eine Frau, die fünfzehn Jahre jünger war als er. Ihnen diente der Arbeiter Jean, ein junger Bursche, der eben erst von der Maroktokampagne heimgekehrt war. Dieser Jean gewann bald die Gunst der Müllerin und, wie man sagte, war die Sache ziemlich weit gediehen. Doch ein Alleinsein zu zweien halle große Schwierigkellen für die beiden, und es ging dos Gerücht, daß die jungen Liebenden für ihr« Zusammenkünfte die Abwesenhell Roberts ausnützten, während er dos Mehl aus der Mühle in den Kooperatioladen brachte. Besonders ftoh waren sie, wenn der Esel ein Bein stellte, ohne jeden wahrnehmbaren Grund unterwegs stehen blieb und dadurch den Bauer zwang, seine Heimkehr zu verzögern. Wie mutzte es nun den Bauern seltsam erscheinen, Robert auf dem Sacke sitzen zu sehen, friedlich seine Pfeife rauchend und nicht sonderlich erregt durch diesen Ausenthall, mdes dort zu Hause Frau und Knecht die Zell nicht ungenützt verstreichen ließen. Wie der Leser sieht, war der Esel zwar alt, doch nicht dumm, und freiwillig oder gezwungen(wer ergründet eines Esels Seele?) spielte er die Rolle eines Verschwörers und Beschützers der liebenden Müllerin. Endlich, als die Schatten, den die Ohren des Esel» warfen, die Mauern der Gemeindeschule streiften, reckte der Esel den Hals vor und sich dehnend, begann er so unartikulierte Laut« aus seiner Kehle hervorzustoßen, daß selbst Robert, trotz seines Phlegmas, die Stirn m Fallen zog. Das war dos Signal. Robert erhob sich, klopfte am Absatz seines Schuhes die Asche aus der Pfeife und in der Mühle gingen die Liebenden eilig voneinander. Alle drei wußten, daß der Esel nach dem Schrei unverzüglich feinen Weg fortsetzte und, gleichsam um die verlorene Zell einzuholen. in kurzem Galopp dahinsaust«, so daß der Müller kaum nachkam. __(Schluß folgt.) Zum Gedächtnis von Ifaac Newton. von Dr. Bruno Borchardt. Heute vor 200 Iahren starb bald nach Beginn seines 85. Lebensjahres Sir Jsaa c Newton, der gleich den hervorragendsten um die Menschheit verdienten Engländern in der Weitminsteroblei! *u London/beigeseb» wurde. An seinem Geburtshaus in Woolst- i Horpe ist ein« eulfach« Gedenllajel angebracht, die die Worte enthäll: t Nawr und ihr Gesetz oerborgen lag in Nacht, „Newton soll sein,' sprach Gott, mit ihm das Licht erwacht. Diese Worte zeigen, wie hoch die dankbare Nachwelt die wjssen- schaftlichcn Leistungen Newtons einschätzte. Ein tieferes Eindringen in die Geschichte der Wissenschaft zeigt zwar, daß in ihr eine folge- richtige Entwicklung herrscht, und das Verdienst des einzelnen Forschers, mit dessen Namen bestimmte Leistungen verknüpft werden, fast stets überschätzt wird. Denn die Fragestellungen und ihre Lösungen erwachsen stets aus dem jeweiligen Zustande der Wissenschaft, und es ist durchaus wahr, was Werner Siemens in hohem Aller im Vorwort zu seinen Lebenserinnerungen schrieb, „daß andere das tun werden, was man selbst nicht mehr fertig bringt, daß es also der Welt nicht dauernd verloren geht.' Diese Erkenntnis darf aber nicht etwa zu einer Untcrschätzung der Leiswn- gen der Geistesheroen führen, zu denen auch Isaac Newton in aller- erster� Reche gehört. Sein Name wird für immer fortleben als Begründer des Gesetzes von der allgemeinen Schwere der Himmelskörper. Das aus dem Allertum und Mittel- Der erhöhte Mehlzoll. Ist üas üer vom öürgerblock verheißene Aufstieg! aller überkommene Wellbild war durch Copernitus vollständia um- gewandest, die Erde war von ihrem Throne als ruhende Herrscherin im Mittelpunkt der Well herabgestürzt worden und die Sonne an ihre Stelle getreten. Etwa 100 Jahre später gelang es Kepler, die Gesetze der Planetenbahnen um die Sonne, die keineswegs Kreise sind, sondern eiförmige Ellipsen, aufzufinden, aber vergebens bemühte er sich um ein allgemeines Gesetz, welches diese Bahnen als notwendige Folgen mechanisch wirkender Kräfte erklärt. Diese Tat gelangt wiederum nach fast einem Jahrhundert Newton mit der Aufstellung des allgemeinen Anziehungsgesetzes: zwei Körper ziehen sich im Verhältnisse ihrer Massen und im um- gekehrten Verhältnis ihrer mll sich selbst multiplizierten Ent- fernungen an. Es wird gesagt, daß ein fallender Apfel im Garten Newton zuerst auf die Vermutung brachte, es sei wohl dieselbe Kraft, die den Apfel zur Erde treibt, die auch den Mond auf seiner Bahn um die Ende erhäll— eine ttotz ihrer Albernheit immer wieder er- zählle Anekdote. Anhallend beschäftigte sich Newton mit der Be- wegung des Mondes, ohne daß es ihm gelingen wollte, sie aus einem einfachen Kbastgesetz abzuleiten. Deshalb ließ er seine Rech- nungen liegen und nahm sie erst vierzehn Jahre später wieder vor, als er in einer Sitzung der Royal Society(Gesellschaft der Wissen- schaften) Kenntnis von den Resultaten der französischen Erdver- die genauere Werte für den Umfang man sie früher besessen und Newton gelegt hatte. Nun ergab sich ihm in der Tat das überraschend einfache Kraftgesetz zur Erklärung der Mondbewegung, das sich dann auch bei den Bewegungen der Planeten bestätigte. Einen ungeheuren Triumph feierte dieses Gesetz, als fast 120 Jahre nach Newtons Tod der Planet Neptun auf Grund dieses Gesetzes von Leoerrier aus sonst unerklärlichen Abweichungen in der Bewegung des Planeten Uranus berechnet und dann von Galle an dem berechneten Ort auch wirklich auf- gefunden wurde. Jeder Zweifel, daß durch Newton in der Tat die letzte wahre Ursache der Bewegungen der Himmelskörper er- kannt war, schien nunmehr geradezu widersinnig. Aber die letzten Rössel der Natur aufzuhellen wird dem Menschen wohl immer ver- wehrt bleiben, wir können uns stets nu» Bilder machen, unter denen wir die Wirklichkeit zu begreifen suchen, und mit dem Stande unseres Wissens müssen auch unsere Bilder andere werden. Mehr als 200 Jahre hat die Newtonsche Himmelsmechanik unbesttitten gegolten, aber vor knapp 20 Jahren ist sie als nicht mehr aus- reichend erkannt worden und hat einer neuen mit dem Namen E i n st e i n und der Relativitätstheorie verbundenen weichen müssen. Das tut natürlich dem Verdienste Newtons und den Erfolgen seiner Arbeit keinen Eintrag. Die umfassende Tätigkell dieses Geistes erschöpft« sich natürlich nicht in seinen Arbeiten zur Himmelsmechanik, auf fast allen Ge- bieten der Physik hat er sich erfolgreich betätigt, wir erwähnen nur seine Arbeiten zur Lehre von den Lichtstrahlen und den Farben,, die ihn auch zur Erbauung der ersten brauchbaren Spiegelf ernrohre führten, die der Astronomie unschätzbar« Dienst« geleistet haben. Geradezu bahnbrechend sind seine mathe- malischen Arbeiten, sie führten ihn zur Erfindung der heute unter dem Namen der Infinitesimalrechnung oder höheren Mathematik bekannten Fluxionsrechnung, bei der aus den all- ...... en, unendlich kleinen Aendcrungcn von Größen deren end- sicher Wert bestimmt wird. Uebrigens stehen auch seine mathema- tischen Arbeiten in engstem Zusammenhang mll den physikalischen und mechanischen Ausgaben, die er zu bewällrgen suchte. Di« Nachwelt wird dieses Geistes als eines Färderer» der Kultur und der Menschheit immer gedenken, zugleich mich als eine» Glücklichen, von dem es heißt: Es wird die Spur von seinen Erdentogc» Nicht in Aeoneu untergehn. Amerikanische Journalistik. Aus Gordvu Veatietls Anfängen. Salopp, aber frisch und packend war der Stil, in dem Gordon Bennetts„Herald", der dem amerikanischen Journalismus neue Wege weisen sollt«, in seinen Anfängen geschrieben war. Geschäftlich weiß Bennett genau, was er will, und ist überzeugt, daß er sich durchsetzt. Zunächst ttaut er sich zu. den ganzen Aufgabenkreis, dem er den neuen Blatte stellt, ganz allein zu erledigen.„Er war sein eigener Verleger, Redakteur, Anzeigenwerber und Vertriebsleiter." Im Keller eines Hauses der Wall-Street, einem engen und dunklen Gelaß als einzigen Redaktions- und Geschäftsraum, fing er mit einem Kapital von 500 Dollar zu arbeilen an. Er hat es selbst in seiner witzigen, aber für seine journalistischen Absichten sehr kenn- zeichnenden Weise beschrieben, und geht dabei in sehr klobiger Art gegen seine Konkurrenz vor. In einem Leitartikel sagt er: „Gestern haben wir wieder einmal auswärtige Meldungen ge- bracht, von denen weder die„Sun" noch der„Transcript'(beides Pennybläller. D. Red.) auch nur eine Zeile drucken konnte. Die „Sun" scheint überhaupt noch nicht zu wissen, worum es sich eigent- sich handelt. Allerdings veröftentlichten die großen Blätter(gemeint ist die S-Cent-Press«. D. Red.) die Nachrichten, aber da deren Re- dakteure, einer wie der andere, stinkfaule, dumme, schlappe und prahlende Klotzköpfe sind, hat keiner den interessanten Meldungen den Reiz abgewonnen und den Rahm abgeschöpft, den wir ollein unseren Lesern servierten. Einzig der.Lerald' weiß auswärtige Nachrichten gut aufzumachen und ebenso die lokalen Nachrichten lesbar abzufassen. Allerdings leben wir auch ganz anders als die verbummelten Wall-Street-Redakteure, die erst zwischen 10 und 12 in ihre Redaktionen kommen, sich einen Glimmstengel anzünden und ein« Schere hernehmen. Sie schneiden aus und paffen, paffen und schneiden aus, einige Stunden lang. Dann gehen sie zu Delmoniko essen, trinken, schlemmen und verhetzen friedliche Bürger. Wir aber stehen früh um 5 Uhr aus. Schreiben die Leitartikel, die Glossen, Uebersichten usw. noch vor dem Frühstück. Von 9 bis 1 lesen wir alle unsere Zeitungen und die Originalberichte unserer Mitarbeiter, die bei uns zahlreicher sind als irgendwo sonst. Aus alledem wird das Nachrichtenmaterial herausgearbeitet, Gedanken, Anspielungen, Einfälle werden notiert, um sie in einer Spalte eigener interessanter und wohlgewürzter Beiträge zu veröffentlichen.— Dann werden Besucher empfangen. Geschäftsleute und einige der lieblichsten Frauen New Porks. Sie alle wollen abonnieren. Gott segne sie! Um 1 bin ich draußen, erkunde unter den Bankiers und den Nichts- tuern der Börse den Stand der Kurse und des Geldmarktes, eile zurück und mache Redaktionsschluß. Vor 4 Uhr erledige ich dann die Derlagsangelegenheiten, die Ruhe und Ueberlegung fordern. Erst um 4 Uhr gehen wir zu Tisch und essen bescheiden und mäßig- Hinterher werden dann sofort Korrekturen gelesen, dann Außen- stände eingeholt, Anzeigen gesammett. Ihre Zahl oermehrt sich ständig. Spätestens um 10 liegen wir in der Klappe. So macht man ein« Zeitung mit Geist, Witz und Erfolg." Derart waren, so liest man in dem soeben in der Deutschen Verlagsanstalt, Stuttgart, erschienenen Buch des bekannten Berliner Journalisten Emil Dooifat„Der amerikanisch« Journalismus", die Anfänge eines Blattes, das später den ganzen amerikanischen Journalismus revolutionierte. Bonnett schuf damit die wirtschaftliche Grundlage, um schon wenige Jahre später die ersten Schrstte für den Ausbau eines großen Nachrichtendienstes zu tun. Die Form ist kaum mehr geistig zu nennen, aber sie drängt das Nur-persönliche in den Vordergrund und sucht damit auch die sachliche Wirkung zu erzielen. Gordon Bennett hat seinen Wert schon so klar erkannt, daß er sich nicht scheute, m den Jahren, da er sein Blatt durchsetzte, sich selbst und die persönliche Seite seiner Arbeit öffentlich zum Gegen- stand allgemeinen Interesse, zu machen. Schon in dem eben zitterten Leitartikel klingt das an. Es ist selbstverständlich, daß die grobe Anpöbelung der Konkurrenz nicht unerwidert blieb. So wie früher die Redakteure verschiedener Parteizeitungen sich gegenseitig die Scheiben einwarfen und auf der Straße mit Stöcken aneinander gerieten, wurde Gordon Bennett für die Redakteur« und Drucker der Konkurrenzblätter nunmehr vogelftei. Mehrfach stürmte man sein Kellergelaß in Wall-Street und kehrte das unterste zu obcrst. ebenso oft wurde er auf der Straße angefallen und verprügelt. Mit unverhohlener Freude scheint er diese Schlägereien durchfochten zu haben. Er berichtet darüber in seinem Blatte so ausführlich und ttiumphierend, daß man erkennt: diese Handgreiflichkeiten waren ihm höchst erwünscht und gaben Gelegenheit zu einem Leitartikel, den ganz New Jork mit größtem Vergnügen las:„Bennett abermals verhauen." Da heißt es einmal: „Als ich gestern gemächlich meinen Geschäften nachging und in Wall-Stteet Nachrichten für den„Herald" sammelte, kommt Watson Webb mir entgegen, mault Irgendwas Unverständliches, stößt mich eine Ladentteppe hinunter und haut viehisch und wütend auf mich ein. Mein Schaden war eine Schnittwunde am Mittelfinger der linken Hand(ich zog sie mir zu, als ich gegen ein eisernes Gitter flog), und dann drei abgerissene Westenknöpfe, die mir der Schneider für K Cent wieder annähen wird. Sein Schaden war aber eine mächtige Backpfeife, die einige Beißer aus feinem ungewaschenen Maul haut«, und dann, vom Kragen bis zum Hosenboden, ein riesiger Riß durch seinen wunderschönen schwarzen Rock, der 40 Dollar gekostet hat. Saldo zu meinen Gunsten: 39,94 Dollar.. Wenn er mich einschüchtern will oder glaubt, ich werde meinen Kurs durch solche Mittel ändern, irrt er sich. Weder Webb noch irgend sonst jemand kann mir imponieren. Ich sage in meinem Blatt die Wahrheit. Alles übrige lege ich in Gottes Hand. Mag man mich überfallen, mir die Bude stürmen, mich töten, mich ermorden. Aber ich gebe nicht nach! Ich gehe nicht vom Weg der Tugend, der Wahr- heit und des Rechts." Mit dieser Art von Journalistik genügte er allen Ansprüchen des Leserkreises, den er sammeln wollte. Nach einer solchen Schilderung stieg einmal die Aufloge von 6000 auf 9000.� Er befriedigte das rauflustige Volk des Hafenviertels so gut wie den Händler und Kommis, die an dem unerschütterlichen Mutterwitz ihr Vergnügen fanden, und warb schließlich mit dem religiösen Schluß um die Frömmler und Sektengläubigen, die an den Straßc?'cken ihre Predigt hielten. Gordon Bennett nimmt auch damit schon ein Charaktermerkmal des heutigen amerikanischen Journalismus vor. weg. Kein« Presse der Well spricht so viel und so oft wie die amerikanische von ihren idealen Zielen, und kennt so viele berusliche Gebote und Glaubensbekenntnisse. Doch beschäftigte Bemiett sich nicht nur in diesem gespreizten oder dem gereizten Sttl des Kampfes mit seiner Person. Auch die hettere Seite kam reichlich zu Wort und entbehrte oft nicht einer spaßigen Anzüglichkeit. Als er heiratete, kündete er das seinen Lesern durch«inen Artikel an, der folgende Schlagzeile trug: An die Leser de» Jierald'— Liebeserklärung— Endlich gefangen— Es wird geheiratet— Aufschwung der Zivilisation.— Dann folgt ein längerer Text, in dem es u. a. heißt:„In einigen Tagen heirate ich. Dos Wetter ist so wunderschön, die Zeiten werden immer besser, die Aussichten auf politische und moralische Forsschritte sind so hoffnungsvoll, daß ich dem göttlichen Trieb in der Menschen- natur nicht mehr widerstehen kann: also Heirat« ich... M«ncr Berufung werde ich damit untteu. Ich werde der Welt das Muster eines Ehelebens vorführen, alle Tugenden werden aus dieser ehe- lichen Lieb« erblühen. Ich danke dem Publikum— in Europa und in Amerika— für oll seine Gunst. Di« heilige Zeit der jungen Liebe wird meinen Eifer beflügeln, mich doppett nützlich zu erweisen. Gott der Allmächtig» segne Euch alle! James Gordon Ieur.cll." I Komische Operl Allabendlich SV« Uhr: Bünden der"Welt Die weltstädtische James- Klein- Revue! 1150 Mitwirkende./ Theaterk.S |ab 10 Uhr ununterbr. geöffnet.! Wa II n er-Theater 8V< Lihr Der Opcrettenerfolg 8>, Uhr Küsse Nacht Berliner illk-Tl'iO Neukölln. V Lahnstr. 74/75� Relchshallen'Theater Allabendlich 8 U. Suuitsis nachm. i Uhr. Stettiner Sänger (A�eysel, Britton, Steidl usw.) Nachmittags; Halbe Preise, Volles Programm Dönhoff- Brett vls Großes Frühlingsfest Ali« mit tainnHn tod kiiZkv dekoriert Wascnen Sie Ihre wollenen Winterdecken nur in Lux SeilenQocken; sie werden wie ndu. jedes Verfilzen, Vergilben und Eingehen der Wolle ist im prächtigen Lux» Schaum gänzlich ausgeschlossen. Verlangen Sie unsere vorteilhafte doppelgroße Packung zu 90 Pfg. LUX Idealer LfdiKplcic i mtv. 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