Hbenöausgabe Nr. 155 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 77 Bcjuurtrtlnminfl«» trnb BiUKlgtMwWl sind in d« Morxenausande angtncbcn ReBattioa: Sw. SS, CiaBenftrabe» Fernsprecher; VSnhofs 292- 292 XeL-KBtcfse: SojlalBemoftal Verls» SW w � ZZerlinev Volksbletlk (lO Pfennia) ßreitag l.flprilm? StTlag nnb«n>«igenabt»Ilii»9, ®eld)dftsjeii 84 btf 5 Übt Verleger: Vorwürtv verlog(SrabQ. Berlin Sw 98. clndenslrabe 3 Fernsprecher: VSnhoff 292— 291 Tentralorgan äer SosialclemoKratiscKen Partei Daitrchlands Der Zinanzausgleich heftig umstritten. Die Sozialdemokratie lehnt ab.— Preußen und Sachsen protestieren gegen Begünstigung Bayerns. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Reichstags steht eines der wichtigsten politischen und finanzwirtschaftlichen Probleme des Reiches: die zweite Beratung des Gesetzentwurfs zur llebergangs- regelung des Finanzausgleichs zwischen Reich. Ländern und Gemeinden. In Verbindung damit soll auch der Gesetzentwurf zur Aenderung der Gesetze über den Eintritt der Freistaaten Württemberg, Bayern und Baden in die Biersteuergemeinschaft, die Novelle zum Gesetz über den Geldentwertungsaus. gleich bei bebauten Grundstücken(chauszinssteuer), weiter die Haushalte der allgemeinen Finanzverwal» tung. der Reichsschuld, des Reichsfinanzministe- r i u m s sowie der Ergänzungseiats und der Haushalts. g e s e tz e beraten werden. Auf der Tagesordnung ist vorgesehen, daß jede Fraktion 2% Stunden Redezeit für den Finanzausgleich haben soll. Zugleich wird aber mitgeteilt, daß über die übrigen Gegenstände nur noch Abstimmungen stattzufinden hätten. Das Präsidium, in dem die kundige Führung des Sozial- demokraten Lobe fehlt, hat es so eilig gehabt, daß es ganz übersah, daß einige Gegenstände noch gar nicht einmal beraten worden sind, daß daher noch gar nicht darüber abgestimmt werden könne. Darauf machte bei Beginn der Sitzung der Führer der so- zialdemokratischen Fraktion. TKüller-Franken ausmerksam, inobeson- dcre verlangt er. daß vor der Abstimmungerst eine.Be- ratung der H a u s h a l t s g e s e tz e vorgenommen werden müsse. Vizepräsident Graes-Thüringen bestätigte diese Feststellung. Erklärung See Sürgerblockparteien. Die Beratung des Finanzausgleichs wurde vom Frakiionsführer der Deutschnationalen, Graf Westarp, mit der Ver. lcsung einer längeren Erklärung der Regierungs- Parteien eröffnet. Es wird darin der Wille des Finanzministers begrüßt, in die künftige Gestaltung des Reichshaushalts sowie in die Kassenfiihrung eine größere Klarheit und Einfachheit hinein. zubringen. Die Erklärung macht dann darauf aufmerksam, daß sich erst in den letzten Monaten die Auswirkungen der Steuersenkung von 192S und 1926 gezeigt hätten, auch die Reparationslasten machten sich in immer steigendem Maße fühlbar. Das Volk habe noch nicht den vollen Ernst der finanziellen Lage erkannt. Die Wünsche der Regierungsparteien sowohl bei den Besitzsteuern wie bei den Verbrauchssteuern eine rwitere Senkung herbeizuführen, hätten zurückgestellt werden müssen. Durch Garantierung erhöhter Ueberweisunaen an die Länder und Gemeinden sollten diese zu einer Herabsetzung und Milderung derjenigen Steuerlasten kommen, die auf der Wirtschaft unmittelbar und zum Teil auch durch Abwälzung aus die bretten Massen der Arbeiter am drückendsten ruhen. Die Länder könnten dies« Verpflichtung durchführen, zumal das Reich die Kosten für die Unterstützten der Erwerbslofensürsorge aus seine Kasse übernehme. Der end. gültige Finanzausgleich könne eist dann in Angriff g«. Nammen werden, wenn sich die Auswirkungen unserer Reparationsverpflichtungen in ihrem vollen Umfange übersehen ließen. Für die Real- und die 5)auszinssteuern soll ein Reicksrahmengesetz gescbassen werden. Die Erklärung gibt dann der Hoffnung Ausdruck, daß. durch die Neuregelung des Finanz- ausgleichs«Ine allgemeine Befriedung erreicht werde. Sie zählt ferner die einzelnen Veränderungen auf, die in dem Kompromiß der Regierungsparteien enthatten sind. Um eine Balancierung des Etats herbeizuführen, seien aus dem Betriebsmittelfond 199 Millionen sowie 299 Millionen Mark voraussichtlicher Ueber- schütze aus dem Etatsjahr 1926 in den ordentlichen Etat eingestellt worden. Preußen und Sachsen proteft'eren! Nunmehr erhebt sich unter ollgemeiner Spannung der preußische Minislerpräsidcnt Braun, um folgende Erklärung für die preußische Regierung abzugeben: Der Z 6 des Gesetzes vom 27. März 1919 und der Z 8 des Gc- fetzes vom 24. Juli 1919 lauten wörtlich: „Aenderungen dieses Gesetzes können nur unter den Vor- oussetzungen erfolgen, die nach der Re'chsoerfafsiing für Ver- fassungsänderungen vorgesehen sind." Daß es sich bei dem vorliegenden Gesetzentwurf über Erhöhung der Bicrsteucranteile um eine Aenderung dieser Gesetze handelt, kann nach dem sachlichen Inhalt keinem Zweifel unterliegen, er ist auch in der Ucberschrist und in den ZZ 1 und 2 nach ausdrücklich ausgesprochen. Hiernach st-ht fest, daß zur Verabschiedung des Gesetzentwurfes die in Artikel 76 der Verfassung verlangte Zweidrittel-Mehrheit sowohl im Reichstage wie im Reichsrat erforderlich ist. Neben diesen rechtlichen Bedenken besteben aber auch solche s chw erwiegender fachlicher Art. Mit dem alle Länder betreffenden allgemeinen Finanzausgleich soll ein Sonderfinanzausgleich zugunsten einzelner Länder verbunden werden. Der Reichshaushalt soll für immer um jährsich rund vierzig Millionen Mark zugunsten einzelner Länder mehr be- lostet werden, deren Finanzlage im ganzen nicht'wesentlich un- günstiger ist als im Durchschnitt die aller übrigen deutschen Länder. Und das in einem Augenblick, in dem die ungünstige Finanzlage des Reiches dazu nötigt, die nur einmalig vorgesehenen Ausgaben zur wirtschaftlichen und kulturellen Förderung der durch den Kriegsaus- gang schwer betroffenen Grenzgebiete, zu denen auch die besetzten Gebiete gehören, zu kürzen und möglicherweise in den folgenden Jahren ganz fortsallen zu lassen. Damit wird gegen den Grundsah der gleichmäßigen Behandlung oller Teile des Reiches verstoßen und gegen den weiteren Grundsatz, daß, je beschränkter die Mittel des Reiches sind, sie umso sparsamer und gerechter verteill werden müssen. Eiu solches Vorgehen muß in den durch den Unglück- lichen Kriegsausgang betroffenen Gebieten, deren ganze wirtschaftliche Basis auf das schwerste erschüttert ist, b e- rechtigte Der st Immungen auslösen. Die Stärkung und Förderung gerade dieser Gebiet« ist aber für das Reich politisch, kullurell und wirtschaftlich mindestens von der gleichen Bedeutung, wie die Befriedigung finanzieller Sonderwünsche einzelner Länder. Die preußische Regierung würde an sich bereit sein. Maß- nahmen der Reichsregierung zur Behebung vorübergehen. der finanzieller Schwierigkeiten einzelner Län- d e r zu unterstützen, gegen den jetzt eingeschlagenen Weg aber, der aus der einen Seite das Reich für immer um jährlich vierzig Mil- lionen Mark mehr belasten soll, auf der anderen Seite einmalige dringende Ausgaben zum Nachteile gerade der bedürftigsten Reichs- teile kürzen will, erhebt sie aus den angegebeneu Gründen pflichtgemäß Widerspruch. Sächsischer Gesandter Dr. Gradnauer gibt hierauf im Auftrag der sächsischen Regierung folgende Er- klärung ab: Die sächsische Regierung sieht sich genötigt, wie sie es schon im Steuerausschuß getan, auch in diesem Stadium der Verhandlungen die schwer st en Bedenken gegen die neue Vorschrift des Absatzes 2 des§ 4 zu äußern. Sachsen, das infolge der starken Eni» Wicklung seiner Industrie und bei seiner dichten Bevölkerung höhere Ausgaben, namentlich sozialer Art. als ander« Länder zu tragen und von jeher mit den schwierigsten Ernährungsverhättnissen zu kämpfen hat— Sachsen wird aus den in Sachsen ausgebrachten Steuern im wesentlichen an Bayern und Preußen Unterstützungen abzuführen haben. obwohl Preußen solche Beihilfen ablehnt und in Bayern Lebens- bedingungen bestehen, die zu den weitaus günstigeren im Reich ge- rechnet werden dürfen. Damit werden Bestimmungen in das Gesetz ausgenommen, die von größter grundsätzlicher und dauernder Be- deutung sind, die über den provisorischen Charakter des Gesetzes weit hinausgehen und die den berechtigten Interessen dies schwer ringen- den sächsischen Staates und seiner Gemeinden in keiner Weise gerecht Ja der heutigen Landtagssihung ereignete sich während der Abstimmung über die Grundsteuer ein seltsamer Zwischenfall. Der deutschnationale Abg. v. Schlange-Schön ingen ver- langte zur Geschäftsordnung das Wort und teilte mit, daß der General a. D. v. wrisberg während einer Kundgebung rechtsgerichteter Kreise am Bismarck-Denkmal von einem Schuhpolizeibeamten arretiert und hierüber so in Erregung gekommen sei, daß er einen S cht agan satt erlitten habe und daran v e r st 0 r b e n sei Ver Redner protestierte gegen dieses vor- gehen und verlangle, daß der preußische Innenminister wegen des Verhallens des betressenden Schuhpolizeibeomten sofort dem Hause Rede stehen sollte. Der Präsident wies das Begehren als geschäftsordnungs- mäßig unzulässig zurück. Sosort daraus wurde bekannt, daß es sich nicht um den General v. wrisberg. sondern um einen Major W e i ß b e r g handelt, der plötzlich verstorben ist. ch Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, hat sich der Vorfall wesentlich anders zugetragen, als ihn der deutsch» nationale Redner dargestellt hat. Aus Anlaß des Geburtstages Bismarcks fanden heute am Dismarckdenkmal größere Ansamm- lungen von rechtsgerichteten verbänden, vereinen usw. statt. Hierbei nahm der Maior W e l ß b« r g das Won zu einer Ansprache. Bekanntermaßen befindet sich das Bismarckdenkmal innerhalb der Bannmeile, für deren Respektierung gerade die Deutschnationalen stets mit be- sonderer Schärfe eingetreten sind. Der Schutzpolizist, der dem Major das Roden untersagte und seine Personalien feststellen wollte, befand sich daher in vollständig rechtmäßiger Aus- Übung des Amtes. Er ist auch in der Form keineswegs verletzend aufgetreten. werden. Die sächsische Regierung legt Verwahrung gegen diese Absichten ein und spricht in letzter Stunde die Erwartung aus, daß der Reichstag seine Hand zu Maßnahmen solcher Art nicht bieten wird.(Beifall links.) �ibg. vr. Hertz lSoz.): macht jetzt zur Geschäftsordnung darauf aufmerksam, daß die Er- klärungen der preußischen und der sächsischen Regierungen gezeigt hätten, daß durch die vorliegende Gestaltung des Finanzausgleichs nicht die von den Regierungsparteien erwartete Beruhigung, sondern das Gegenteil eingetreten sei. Die sozialdemokratische Fraktion glaubt, daß durch diese Erklärung eine neue Silualion geschassen worden ist. die zu einer Aenderung der bisherigen Dispositionen des Reichstags Veranlassung geben sollte. Durch diese Erklärungen ist die Notwendrgkett geschaffen, wenn man nicht schwere staatspolitische Gefahren und Konflikte heraufbeschwören wolle, eine Nachprüfung der verfassungsrechtlichen Voraussetzungen für die Frage der Neu- Verteilung der Biersteuerentschädigungen vorzunehmen. Wir beaa- tragen deshalb, den Gesetzentwurf zur Aenderung der Gesehe über den Eintritt der Freistaalen Württemberg, Layern und Baden In die viersteuergcmeinschafl zur nochmaligen Beratung an den Steuer» ousschuß zurückzuverweisen. beschlußunfähig l Die A b st i m m u n g über diesen Antrag ist zuerst Zweifel- Haft, da die Plötz« der Rechten und des Zentrums noch ziemlich schwach besetzt sind. Es muß daher eine Auszählung des Hauses (Hammelsprung) vorgenommen werden. Für den Antrag stimmen 123, gegen ihn 117 Abgeordnete. Es sind also im ganzen nur 24S Abgeordnete im Hause, der Reichstag ist b e s chtt u ß- unfähig. Vizepräsident Graes beraumt eine neue Sitzung auf eine halbe Stunde später, um 11 V* Uhr, an. Während der Erklärung des preußischen Ministerpräsidenten Broun spielen sich im Plenum des Hauses noch einige bemerkens- werte Vorgänge ab. Der Fraktionsnihrer der Bayerischen Volks- partei, Abg. Leicht, geht auf den Zentrumsführer 0. Guerard zu, offenbar, um ihn darüber zur Rede zu stellen, daß der preußische Ministerpräsident ein« solche Erklärung abgeben könne. G u e r a rd schüttelt mit dem Kopf, er scheint Herrn Leicht zu bedeuten, daß auch die Zentrumsmitglieder der preußischen Regierung mit der Er- klärung des Ministerpräsidenten einverstanden seien. Damit der Humor in dieser immerhin sehr ernsten Situation nicht fehle: Der deutschnational-völkische Abgeordnete S ch ä f f e r, seines Zeichens Staatsanwalt in Breslau, der sich selbst für einen der erleuchtetsten Köpfe des Reichstages hält, ist durch die falsche Tür in den Sitzungssaal eingetreten, so daß er mit der Linken für den sozial- demokratischen Antrag gestimmt hat. Er wird dafür von Herrn S ch u l tz e- Bromberg unter stürmischer Heiterkeit des Hauses öffentlich gerüffelt. Daß der Major Wsißberg sich über diesen Vorfall aufgeregt und einen Schlaganfall erlitten hat, ist gewiß bedauerlich, aber ein völlig unvoraussehbares Ereignis, mit dem der Schutzpolizist nicht rechnen konnte. die Mächte verhanüeln- und überlassen es Südslawien, sich gegen de« Faschismus zu wehren. Paris, 1. April. Die„Agence Havas* berichtet: Die Verhandlungen zwischen den interessierten Kanzleien über die Re» gclung des italienifch-sugoslawischen Streitsalles d a u e r n an. Es scheint nicht, daß man noch an dem Plan eines Ausschusses zur Untersuchung der von Italien Jugoslawien zur Last gelegten militärischen Vorbereitungen oder an dem Plan einer ständigen Kontrollkommission, die bis zum Eintritt einer Entspannung zwischen den beiden Ländern ihre Tätigkeit ausüben würde, festhält. Nach dem gegenwärtigen Stand der Besprechungen faßt man folgenden Plan ins Auge: Die Militärattaches Frankreichs und Eng l a n d s in Belgrad und ein Legationsfekretär der deutschen Gesondtfchaft sollen nach gemeinsamer Verständigung beauftragt werden, sich an Ort und Stelle zu begeben, falls sich an der italienisch- südslovischen Grenze Zwischenfälle ereignen während Südslawien und Italien eingehende Verhandlungen führen, und zwar sowohl über den Vertrag von Tirana, wie über das Abkommen von Ncttuno. Mussolini will den Vertrag von Nettuno erzwingen. Rom, 1. Slpril.(MTB.)„Giornale d'Jtalia meint, wenn Jugoslawien, dessen Haltung immer deutlicher zutage trete, daran gehen würde, endlich die Konvention von Nettuno einzu- halten, so wäre das noch nicht der Beweis einer friedlichen Politik gegenüber Italien, wohl aber ein realpolitischer Akt. Deutsthnationaler Hannbruch. Demonstration am Bismarckdenkmal.- Ein Major plötzlich verstorben. Die nsve Sitzung. Die neue Sitzung uurd um UV* Uhr vom Vizepräsidenten Graes eröffnet.' Das Ä« us ist jetzt wesentlich stärker b e- s c tz t. Die Verhandlungen werden wiederum mit einer GeschSsts- ordaungsdebatie bcgtnmen. ,21 bq. Dr. Lredt(Wirtjch. Vg.) entnimmt aus der Erklärung des pre�st.ischen Ministerpräsidenten, daß dieser den Staategerichtshos anruse:,! wolle und beantragt die Aus- setzung der Beratung der Biersteucranteile bis zur Ent- scheid» ii g des Staatsge.richtshofs. Der Antrag wird mit den«tknsmen der Regierungsparteien abgelehnt. Jetzt gibt bayerischer Staaisrai v. Wolf eine Erklärung ab, in der es heißt, dis Frage des v er s a jj s u n g s m ä ß tg e n Zu- standekommens dieses Gesetzes köirne man nach seiner Ber- abschiedung prüfen. Aber namhafte Jutisten hätten l»creits Gut- achten abgegeben, wonach nicht jede Aendeyung des Biei�euergesctzes verfassungsändernd fei. Die Anpassung der Bier st euer- antcile an die Geldentwertung sei lediglich deklarativer 2lrt und fei durch einfaches GefsK möglich. So sei auch bereits 1919 verfahren worden. In der Natiionaloersamm- lung sei man sich darüber eim'g gewesen, daß die Reservatstaaten voll entschädigt werden sollten, als das Reich die Bievsieucr an sich nahm. Wenn man nun die Entwertung der Gelder berücksichtige, so sei ein bayerischer 2snteil von 45 Millionen Mark, wie er jetzt beantragt werde, nicht zu hoch, zumal Bayern schoa 1911 aus der Viersteuer 35 Millionen Mark erhalten habe. G,egen die gleich- mäßige Behandlung aller Teile des Reiches verstoße das Gesetz nicht, denn es handele sich hier um ein Reservat. Der Rsedner weist dann auf die Fehlbeträge im bayerischen Haushalt hin, die von Jahr zu Jahr gestiegen seien, und erklärt, Bayern kämpfe um fem» Eriitenz, wenn es an seinem Recht festhalte. Nunmehr wird die 2lbstimmung über den Antrag Hertz (Soz.) auf Z u r ü ck v e r w e i s u n g der Biersteuernovelle an den Ausschuß wiederholt. Sie ist auf Antrag Illüller-Franken(Soz.) namentlich. Für den Antrag stimmen die Sozialdemokraten, Demokraten, Kommunisten und die Mitglieder der Wii-tschaftspartei. Der An- trag wird mit 189 gegen IliZ Stimmen abgelehnt. Vizepräsident Graes will nunmchr die Abstimmungen über den Etat des Finanzministeriums, des Etatgesetzes und verschieden« R e st e t a t s vornehmen. 2lbg. MiUter-Fraukea(Soz.) erhebt dagegen Widerspruch, weil die Restetats noch gar nicht beraten sind. Wzepriäsident Graes stellt aus dem Protokoll der Donnerstagsitzung fest, daß die Beratung dieser Reste tatsächlich mit der des Finanzministeriums nicht ver- bundsn war. Sie soll nach 2lbichluß der Finanzausjgleichsdebatte vorgenommen werden. Darauf wird dem Finanzminister das Gehalt b e- willigt, sein Etat nach der Fassung des Haushaltausschusses angenommen. Die Debatte über den Finanzausgleich geht weiter. Das Wort erhält: flbg. Junh tSoz.): Die Erklärung der Rexierungsparteien bezeichnet den jetzigen Finanzausgleich«Ls ersten Schritt zur Herbeisührung einer inner- politischen Befriedung. Wie die Erklärung der preußH'chen Regierung zeigt, und wie durch die Erregung auch in einzelnjen anderen bewiesen wird, ist gerade das Gegenteil eingetreten. Schon heute kann kein Zweifel daran bestehen, daß durch die ungleichmäßige Behandlung der einzelnen Länder die Gefahr besteht, daß die Reichsverdrossenheit unseligsten Angedenkens wieder auslebt. Ein Vergleich der Reeierungsvorlage mit der Vorlage des Aus- jchiisses zeigt, daß der Inhalt der Regierungsvorlage im Ausschuß eine vollständige Ii in wandlung erfahren hat. Die sachliche Absicht, den Finanzausgleich als Problem der Verteilung der Reichssteuern aus das Reich, die Länder und die Gemeinden zu behandeln ist zu verlassen. Die Borlage des Steuer- ausschusses beweist, daß rein politische Erwägungen von größter Bedeutmig für die Gestaltung des Provisoriums ausschlaggebend waren. Die Interessen des Reiche» sind gegenüber denen einzelner Länder stark in den Hintergrund gedrängt. Die unberechtigte Vormacht st elkung Bayerns als Staat hat sich genau so wirksam gezeigt wie der Einfluß der „Der arme Heinrich." Städtische Oper. Hans Pfitzner, der ewig Unzusriedens, wird mit diesem Abend, diesen Künstlern, diesem Publikum zufrieden gewesen sein. Es ist wohl in Berlin noch niemals etn Werk des gegen die Gesetze der Bühne schreibenden Mannes so durchlebt, so einheitlich, so wirkungsvoll aufgeführt worden. Und wir haben uns alle ein wenig korrigieren müssen im Urteil über Pfitzner. Aber freilich:„Der arme Heinrich" ist das stärkste seiner Musikdramen, eine Fanfare, wie diese, die ein 22-Jcihriger blies, drang nicht mehr an unser Ohr. Ganz erfüllt vom Bayreuther Ideal wendet Pfitzner den Blick zurück, fort von der Welt, von der Zeit, von den Menschen der Wirklichkeit. Traum und Wunder sollen die Realität ersetzen. Mit 22 Jahren ist wohl mancher noch Romantiker. Pfitzner aber blieb es sein Leben lang. Und so bekommt sein Wert über alle Schwächen Iiinwcg den Charakter des Persönlichen, des Notwendigen, des Stil-Gebundenen. Eine Wagnerische Erlösungs-Idee wird in Wag- nerischem Geist erfüllt. Beinahe werden auch die orchestralen Mjttel die gleichen. Aber, soviel Parsival» und Lohengrin-TSne dem jungen Musiker durch das weite Feld seines Gehirns laufen, er gewinnt doch in der Herbheit seiner eigenen Motive, in der orchestralen 2lskese, in der harmonischen Kombinationskühnheit eigenes Profil. Er macht aus Unwichtigem, Nichtigem ein Etwas, das sich rhythmisch regt, das Triebkraft hat. Er gibt den Personen seines Spiels eine musikalische Eharakteristik, die Licht, Farbe, Schatten duldet. Sehr bunt ist allerdings diese Palette nicht. Das scharfe Schwarz-Weiß, zugleich Himmel und Erde, Laster und Glaube symbolisierend, wirkt vor. Diese und Strenge und Unssnnlichkeit hat von jeher Pfitzner die Bühne verschlossen. Ein Mangel an Glanz und Sinnfälligteit verbindet sich mit einem ebensolchen Mangel an dramatischer Le- bcndigteit. Statt Oper Legende, statt Drama Mysterium, statt Ent- wicklung Stillstand. Während in Werken von Lebensdauer zwischen die Stationen der Handlung Einzel- und Ehorgcsang, Arie und Orchesterspiel gesetzt sind, drängt sich bei Psitzner umgekehrt zwischen endlose Gespräche und Monologe einmal ein Stückchen Handlung ein. Die Oper wird zur Sinfonie, und zwischen vier Menschen, die in Lyrik und Gebet miteinander verbunden sind, trägt erst das Orchester intensive dramatische Erregung und Spannung. Da ist ein Riß, da ist zwischen Ausdruck der Instrumente und Stimmen nicht alles abgewogen und ebenmäßig. Aber Gesang ist da und hymnisches Rufen und außcrweltlichcs Klingen: das muß Ersatz sein für ein verlorenes Drama, ein ganz entopertes Stück Seelen- leben, ein religiöses Bekennen von allmcnschlicher Wirkung. Diese mittelalterliche Geschichte der Jungfrau, die durch Opferung ihres Lebens den siechen Ritter Heinrich rettet, ist nicht gerade kurzwellig: wenn sie von der Erzählung zum Libretto verdichtet wird. Es gehört schon die Erinnerung an die grausigsten Leistungen der Kirche dazu, Bayerischen Volksparkei als entscheidende Regierungspartei. Dazu kommt, daß das Zentrum aus parteipolitischen Erwägungen den Forderungen der Bayerischen Bolkspartei weit entgegen- gekommen ist. Bei der Dauerregelung des Finanzausgleichs handelte es sich vor allem um die Entscheidung der größten prinzipiellen Frage: Uebenveisungssystem oder Zuschlagssyslem. Wenn man Selb st Verwaltung und Selbstverant- w o r t u ng will, so muß Man den Gemeinden eine gewisse De- w e g l i ch k e i t ihrer Einnahmen lassen. Das kann geschehen durch Zuschlagsrecht. Wir lehnen es ab. Dann bleibt nur Beweglichkeit bei anderen Einnahmequellen, vor allem bei Realbesteuerung und eigenen Tarifen. Wird die Realbesteuerung vor der Entscheidung über die grundsätzliche Frage des Finanzausgleichs gersgelt» dann entsteht die Gefahr, daß zwangsweise das Z uschlagssy st em die Folge ist. Unser« Befürchtungen in dieser Richtung flnd um so größer, als die Unternehmer die zwangsweise Herabdrückung der Rcalsleuern fordern und sie mit der Einkommensteuer verkoppeln wollen. Ans allen diesen Gründen sind wir für eine Verlängerung um ein 3ahr. Der Ausschuß beantragt nun die Verlängerung um zwei Jahre. Das wird zur Folge haben, daß dieser Reichstag den endgültigen Finanzausgleich nicht mehr nerabschiedet. Nun hätte man erwarten dürfen, daß der pronisorische Finanzausgleich nichts anderes sei, als die Verlängerung der bestehenden Ansprüche. Statt dessen sind aber so wesentliche Aenderungen vorgenom- men, daß man von einer Verlängerung des Provisoriums nicht mehr reden kann. Die Sozialdemokratie ist immer dafür eingetreten, daß den Ländern und Gemeinden die Erfüllung ihrer ver- fassungsrechtlichen 2lufgab«n ermöglicht wird. Erst im Januar d. I. sind von einer Konferenz, an der Vertreter der sozialdemokratischen Landtagsfraktionen und der Gemeindeverwal- tungen teilgenommen haben, Leitsätze für einen zukünftigen Finanz- ausgleich aufgestellt. Die leitenden Grundsätze sind, daß die Steuerhoheit des Reiches a u f r e ch t e r h a l t e n bleibt. Dem Reich wird aber die Berpslichtung auserlegt, den Ländern und Gemeinden die Befriedigung ihrer sozialen, wirtschaftlichen und kulturpolitischen Bedürfnisse zu ermöglichen. Die jetzige Regelung des Finaiiztiusgleichs geht aber weit über dieses Ziel hinaus. Sie bringt eine Erhöhung der Gesamt- garantie auf 2,6 Milliarden Mark und nimmt den Län- dern und den Gemeinden die Lasten für die Erwerbslosenfiirsorge ab. Diese Zugeständnisse aus Reichskosten erfolgen, damit die Real- st euer» und die Getränke steuern gesenkt werden sollen. Solck>e Maßnahmen erscheinen bei der jetzigen Ekalslage des Reiches außerordentlich bedenklich. Das Resultat einer solchen Finanzpolitik wird ein vefizitctat sein und den Zwang zur Aus. rechterhallung von Verbrauchssteuern auf den unentbehrlichen verbrauch noch sich ziehen. Es wird der Anfang mit einer unsoliden Pompwietschost gemacht. Rein politische Erwägungen sind für diese Maßnahmen aus- schloggebend. Für diese Annahme spricht auch die Verteilung der Ueberweisungssumme. Von den 2,6 Milliarden sollen 456 Millionen nach dem Verteilungsschlüssel für die Umsatzsteuer verteilt werden. Das bedeutet eine Bevorzugung der agrarischen Länder gegen- über den industriellen. Bayern wird in erster Linie der Wohltaten dieser Regelung teilhaftig. Gegen eine solche Bevorzugung wenden wir uns ganz entschieden. Für Bayern müssen dieselben Grundsätze gellen wie für das Reich, die übrigen Länder und die Gemeinden. Das heißt, vayern muß feine aufgeblähte Verwaltung ebenfalls abbauen und zu einer veenünftlgen Steuerpolitik übergehen. Es ist weiter beabsichtigt, eine Entlastung des Besitzes und eine Belastung des Massenkonsums auf dem Umweg über den Finanzausgleich herbeizusühren. Im§ 4a werden die Länder verpflichtet, den erhöhten Betrag von 266 Mit- lionen zur Senkung der Realstenern zu oerwenden. Daß die Schonung des Besitzes die Triebfeder zur Schaffung dieser Bestimmung ist. geht aus folgender Tatsache hervor: Wir haben im Ausschuß beantragt, daß neben der Berpslichtung zur Senkung der Realsteuern auch die Senkung der Hauszins- st euer zu erfolgen habe. Da ergab sich das Ueberraschcnde, daß fast alle Parteien versicherten, grundsätzlich auf dem Boden unseres Antrages zu stehen. Trotzdem lehnte man um zu glauben, daß wirklich ein Fanatiker des Glaubens Unschuld töten könnte, daß im Banne göttlicher Bision eine Mutter ihr Kind dem Tod anvertrauen könnte. Schritt für Schritt treten wir fehl, wenn wir in diesem Pfitznerschen Werk Menschen nach Menschencirt erkennen, erfühlen wollten. Die Unwirklichkeit hat uns wieder, eine Romantik des Ungreifdaren, eine Schwärmerei für Glaubens- Wunder. Auch wer die Bindung an Kirche und Priester, an Gott und Göttliches im Weltgeschehen ablehnt, wird von der Einmaligkeit solcher Apothese kirchlichen, religiösen Glaubens beeindruckt. Das geschah gestern. Aber die Sehnsucht nach dein Heute und nach der Welt, auch wenn sie gräßlicher, unedler, härter ist als die der Romantik, wird die gleichen Menschen wieder forttreiben von einem Werk, in dem die Entsagung und Opfersähigkeit, die Stille und Herbheit so gegen alle heutige Reizbarkeit, Schnelligkeit, Uebcr- Sinnlichkeit ausgespielt ist. Die gleiche Stimmung des Werkes zwingt auch zu einer Einheit von Mustk, Bild, Regie. Die war in der Städtischen Oper erreicht. Bruno Walter führte mit vollendetster Innigkeit und Beseelung, das Tempo in den epischen Momenten steigernd, im Feierlichen dämpfend. E r h a r d t aus Stuttgart inszenierte mit genialischem Blick für herbe, gotische Bildwirkung, Hugo L e d e r e r hatte in den Farben der Kostüme schon die Symbole der Liebe, der Treue und der Unschuld gezeichnet, seine Dekorationen wirkt ep im ersten und zweiten Akt stark. Ö st o i g gab der leidenden Amsortas-Figur des Ritter Heinrich zugleich Heldisches und Stilles, Wilhelm Rode und Helene W t l d b r u n n verkörperten in aller Schlichtheit, aber auch in Größe, mit aller Schönheit ihrer Stimmen das Elternpaar, Alexander K i p n i s sang, scharf akzentuierend, den fanatischen Mönch. Der ganze Zauber holdester Mädchenhaftigkeit, reinster Unschuld, seligsten Wunders ging von der Gcstall, vom Blick der Lotte Schöne aus. Man glaubte ihr das Unglaubhafte. Kurt Singer. Die herrenhausopposision. Das große Ereignis im Herren- hause: Der Kampfruf einiger Intellektueller, die Theaterpolitit machen möchten, gegen die Bolksbühnenleitung. hat statt zu einer Klärung der Sachlage nur zu hoffnumzsloser Verwirrung geführt. Jeder schreit seine parat gehaltenen vchlagworte hinaus, reagiert seine Mißstimmungen ab, und keiner weiß, was er will. Doch einer weiß es: die„Rote Fabne". Sie möchte aus der kleinen Gruppe der Oppositionellen eine Zelle konstruieren, um die Volksbühne als kommunistisches Propagandaorgan in die Hand zu bekomnien. Sie scheut daher auch nichts so als den Auszug der Unzufriedenen. Denn sie weih genau, daß nichts dahintersteht und oie kommunistische Bühne lebensunfähig ist oder an Langeweile eingehen müßte. Spaßhaft ist der Kommuflisteneiser gewisser Intekkekirieller. Weil der Bolksbühnenvorstand die Hineintragung kommunistischer Propa- gandamcthoden in sein Theater pflichtgeniäß verhindert, soll er ein Bekämpfer des Zeitgeistes, ein spießbürgerlicher Konsumvereins- lciter usw. sein. Ja, warum sorgen die gleichen Herren, die sich zu dieser konmmnistischen Drahtzieherei hergeben, nicht dafür, daß im „Berliner Tageblatt", in der»B. Z." oder im„Börsen-Courier" Ihn ab. Diese Haltung beweist treffend, daß nur der Besitz geschont werden soll; denn eine Senkung der Hauszinssteuer wäre den ge- werblichen Mietern, dem Mittelstand und der ärmeren Bevölkerung zugute gekommen, und das sollte verhindert werden. Ein« weiter« Belastung erfährt der Etat des Reiches durch den Z 3 5 des Gesetzes. Bayern lebte jetzt von der Gnade des Reiches. Die Regierung hat für dieses Jahr 15 Mn.ionen in den Etat für diese Sonderbeloswng eingesetzt. Zu dieser Angelegenheit einige kurze Aussührungeir: Wir wünschen aus vollem Herzen, daß die Klein st aale- rei in Deutschland verschwindet und werden alles tun, was in unseren Kräften steht, um dieses Ziel zu erreichen. Aber sa sehr wir dieses Ziel erstreben, denken wir nicht daran, es auf dem Wege über den Finanzausgleich zu erreichen. Auf der anderen Seite aber bekämpfen wir ebenso entschieden die Bestrebungen, durch den§ 35 nnwirlschafllichc Slaatengebilde künstlich zu erhalten. Der Z 35 wird nur aufrechlerhallen. weil er eine Stühe für den Föderalismus und den bayerischen partikularismus ist. Beides zu unterstützen, liegt für uns kein Anlaß vor. Zu diesen von mir ongeführten Belastungen des Reichsetats kommt noch eine weitere, die nur der Begürstigiing jür Layern zu danken ist. Das Gesetz über die Biersteuerentschädigung dringt für Baden ein Mehr von 3,655 Millionen Mark, für Württemberg 5,333 Millionen, für Bayern 27,8 Millionen. Dazu keunuit eine Nachzahlung für das Jahr 1926 von 9,172 Millionen, insMsamt also ein Mehrbetrag von 45,866 Millionen Mark. Betrachtet man den Finanzausgleich nun von der Seite der finanziellen Belastung, die die Reichskasse erfährt, so kommt man zu der Feststellung, daß diese Belastung sehr erheblich ist, weil offen- sichtlich einzelne Länder begünstigt werden sollen. Eines ergibt sich mit Deutlichkeit: Die B ürgerblockregierung und der Besihbürgerblock kommen dem deutschen Volke teuer zu stehen! Betrachtet man den Finanzausgleich unter dem Gesichtswinkel der sozialen Auswirkung, so ist ein« Borsch ärfung des Steuerunrechts festzustellen. Das Reich wird gezwun- gen, die Z u ck e r st e u e r ausrechtzuerhalten, trotzdem ein Abbau dieser Steuer bereits von Regierung und Regierungsparteien seier- lich zugesagt war. Die Herabsetzung der Realsteuern wird die Gemeinden zwingen, ihre Gebühren und Tarife zu erhöhen. Weitere M a s s e n b e l a st u n g ist aljo die Folge. Das Ergebnis dieser Politik wird sein: Drosselung der sozialen Ausgaben bei Reich und den Gemeinden. Das Reich gibt mit vollen Händen dorthin, um systematisch an der Aushöhlung der Republik gearbeitet wird. Eine solche Politik läßt das nötige Verständnis für die Röte des Tages vermissen. Eine solche Politik ist nicht nur schädlich im Innern, sondern wirkt auch ungünstig im' Auslände. Dieser Finanz- ausgleich und die Liebesgabenpolitik an einzelne Länder müssen im Auslande den Eindruck erwecken, als wenn das Reich im Gelds schwimmt. Zusammenfassend stelle ich fest, der vorliegende Finanzausgleich bringt: l. Eine Furückdrängung der Reichsiukeresseu. 2. Begünstigung der Länder zuuugunfieu der Gemeinden, 3. eine Verichöisiing des parlikularisinu», 4. eine Verstärkung des Steueruurechls. 5. eine Drosselung der sozialen Ausgaben. 6. eine Gefährdung der Einsichi des Auslandes, daß Deutsch. lauds Reparailonslasten zu hoch sind. Aus diesen Gründen lehnen meine Freunde diesen Flnanzaus- gleich ab.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) < Die Folgen üer Saknhvfsfchlacbt. Verfahren wegen Landfriedensbruch gegen National- sozialiste«. Die blutigen Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, die sich kürzlich am Bahnhos Be"n-Lichterfelde- Ost ereigneten, haben nunmehr nach Abschluß der polizeilichen Er- mittlungen für acht Nationalsozialisten, die als Hauvt- täter in Frage kommen sollen, ein Verfahren wegen Land- friedensbruchs zur Folge. Die Boruntersuchung soll soweit beschleunigt werden, daß dieser Prozeß bereits Ansang Mai vor dem Schöffengericht Berlin-Lichterselde zur Verhandlung kommen kann. die Posaune von Moskau erschalle? Weil man sie dort, wo sie ohne Kenntnis der Sachlage dem Theatersenkationsbedürsnisse dieser Blätter fröhnen dürfen, natürlich nicht weiter ernst nimmt. P i s- catorS Inszenierung war ein kommunistischer Vorstoß, so spät arrangiert, daß weder Theaterdirektor noch Volksbiihneiwor- stand vorher etwas davon wissen konnten. Darf man sich gegen Attentate wehren? Die Dersammlung im Herrenhaus« war größtenteils von Nicht- Mitgliedern der Volksbühne besucht. Ein merkwürdiges Publikum, um über die Volksbühne zu urteilen. Kurt T u ch o l s t i, du Ruser im Streit, der du wenigstens deinen Witz behalten hast, was würdest du sagen, wenn irgendwelche Leute deine„Weltbühne" schlecht redigiert sinden, vom Verrat am seligen Jacobsohn sprechen und, ohne Abonnenten zu sein, sie beeinflussen wollten? Du würdest sie auslachen. Die Volksbühne ist in der unangenehmen Lage, viele Dramen ablehnen zu müssen. Grund genug, daß ihr viele Dramatiker zürnen. Wir wissen nicht, ob Leo L a n i a, der auch die Freiheit der Zeitkunst retten wollte, zu ihnen gehört. Merkwürdig jedenfalls, daß In einer der Zeitungen, die die Volksbühne mit guten Lehren versorgen, gerade Lania der Volksbühne empfohlen wird. Die Volksbühne ist ohne diese Literaten groß geworden, die jetzt auf einmal entdecken, daß sie dort zur Leitung berufen sinb. Sie Hot jederzeit Ihren künstlerischen Ausschuß denen geöffnet, die wirtlich an einer Volkskunst mitarbeiten wollen. Sie wird es auch in Zukunft tun, und sie wird den Wünschen ihrer Jugend, auch wenn sie opponiert, gewiß Rechnung tragen. Zlber sie wird die auf- gedrängte Hilfe angeblicher falscher Freunde von sich weisen und die Schwärmer, die m ihrem Ueberschwang ihr Fundament bedrohen, zur Tagesordnung: zur Arbeit auch in mißlichen Zeiten zurück- zurufen. Ein neuer russischer Kalender? Lunatscharski, der Kustuskom- missar der Sowjetregierung, beabsichtigt, in Rußland einen neuen Kalender einzuführen. Es ist ganz und gar unmöglich, meint er, in einem kommunistischen Staat einen Kalender zu haben, der sich aus kirchliche Feiertage und religiös« Bezeichnungen der Tage be- zieht. Nur die Monate Februar und Oktober werden beibehallen, da in diesen Monaten die Revolution ausbrach und sie daher für das Volt ein« revolutionäre Erinnerung darstellen. Die übrigen Monate sollen Namen verschiedener Revolutiansgräßen und sowjet- russischer Staatsmänner erhalten. Januar wird in Lenins Aera umgetauft, März erhält den Nanien Stalins Aera usw. Der Sonn- tag wird Lenintag heißen. Montag wird Sowjettag umgetauft, Dienstag in Revolutionstag usw. Der Ruhetag wird nicht mehr Sonntag sein, sondern Dienstag, der Reoolutionstag. Man darf gespannt sein, ob dieser neue Kalender vom Rat der Bolkskommis- sare angenommen werden wird. Stoalsrevle für die Hilkwe Brande» Die Budgetkommiision dc? dänischen Parlament? bewilligte der Litwe Georg Brande? 3006 Kronen al? lebenölangliche Rente. Eine interr.atlonaie Sefells»aft für Mrsschast»geschichke Unter dem Bortitz von Vrof. W. Ashteii bat sich eine GeiellschasI stir WirtschastSgeschichl« gebildet, deren Zentrum»war in England ist. die aber einen öiler- nationalen Charalter tragen soll. Da» Organ der Gesevichast.„Ihe economic history review", wird von E. Llpjo» l» Cjjsid und N. H. Tawney In London hcranSgegebe». Opfer aus falf Ein Kind gab Vor dem Landgericht I begann heute morgen ein nicht alltäg- licher Prozeß. Der Elektromonteur P. und die Frau des Post- schaffners ch. stehen unter der Anklage des gemeinschaftlichen Tot- schlages, begangen am dreijährigen Kind« charry der Frau H. P. hat sich außerdem wegen schwerer Körperverletzung, begangen an der Frau ch., zu verantworten. Den Ausgangspunkt der Gkrichtsver- Handlung bildet ein mißlungener Doppelselbstmord, dem das Kind der fj. zum Opfer gefallen ist. P., der augenblicklich 26 Jahre alt ist, hat in einem Theater- verein das Ehepaar H. kennengelernt. Es entstand zwischen ihm und den H.'s ein freundschaftliches Verhältnis, das mit der Zeit zu intimen Beziehungen zwischen P. und Frau ch. führte. Frau S). hatte dem P. wiederholt über ihr unglückliches Eheleben geklagt. Sie hatten aneinander Gefallen gefunden, und so war aus der anfänglichen Freundschaft«in Liebesverhältnis geworden. P. behauptet, auch den Ehemann gebeten zu haben, seine Frau frei- zugeben, damit er sie heiraten könne. Die freundschaftlichen Be- Ziehungen zwischen P. und den Eheleuten S). hatten bereits drei Jahr« gewährt, als es im Februar vorigen Jahres zur K a t o- st r o p h« kam. P. und die Frau S). hatten schon früher, unabhängig voneinander, ernstliche Selbstmordobsichtem gehabt. Als nun bei der Frau H. der Verdacht aufgekommen war, daß ihr Mann ihr mit einer Frau S. untreu geworden war, beschloß sie, aus dem Leben zu gehen und veranlaßte auch den P. dazu. Da sie ihr Kind nicht auf der Welt allein lassen wollte, sollt« auch dies getötet werden. In der Nacht von Montag auf Dienstag, als ihr Mann Romantik. sein Leben hin. Nachtdienst hatte, wurde zuerst das Kind getötet. Wer es getan hat, steht im Augenblick noch nicht fest. Dann schoß P. der Frau f). eine Kugel durch den Kopf und feuerte einen zweiten Schuß auf sich ab. Beide blieben jedoch am Leben und haben sich nun wegen ge- meinschaftlichcn Totschlages zu verantworten. Da der Kopfschuß bei Frau S). schwere Folgen hinterlassen hat, so muß sich P. auch wegen schwerer Körperverletzung verantworten. Besonders zu be- merken ist die theatralische Aufmachung, mit der der Doppelselbstmord vorgenommen wurde. An der Eingangstür hatten sie unter anderem einen Zottel befestigt, auf dem zu lesen stand: „Unser R o s e n m o n t a g". Sie hatten Lichter angesteckt und das Bett mit einem Tannenzweig geschmückt. Auf dem Tisch lagen Abschicdsbriefe von Frau ch. und von P., die Aufschluß über das Motiv zu der schrecklichen Tat gaben. Einer der Abschieds- briefc von Frau S). lautete:„Liebes Muttchen und Bruder! Ich sage Euch Aufwiedersehen, ich nehine olles mit mir, was ich lieb habe. Sei nicht böse, Mutti, ich bin müde und möchte schlafen. Deine Tochter Anna und Schwester." Ein zweiter Brief lautete: .Lieber Papa! Wir gehen mit gegenseitigem Einverständnis aus dem Leben und bitten Dich um Verzeihung und um eine gemeinsame Grabstätte." In einem Briefe des P. an den Ehemann S). hieß es dann:„Durch Dein Familienleben sind wir, Mutti und ich, so durcheinandengerüttelt, daß wir beschlossen haben, an Deinem nächsten Nachtdienst Abschied von Euch zu nehmen. Die Gründe sind Dir ja bekannt, denn Du weißt, daß wir uns beide sehr gut sind. Den Bubi nehmen wir mit, damit er in der großen Welt nicht her- umgestoßen wird." ,lleibburs WWiiWW>«S» Is»«»»« TW«IMriWW«W)IWBaHMW» Herren- Ulster braai) meliert impräg. Gabardine Herren- U ister retnw modefarbicer Cheviot Gabardine-Ulster impr reinw.Gabard.in m�degrün Gabardine-Ulsteri graubraun meliert. kar.Rückseite' Covercoat- Paletot Spo rt f o rn Taschen. mit anfgesetzten 110.-. 97.- Frühjahrs-Paletot Maren go-Cheviot einreihig, rer- deckte Leiste.. 75.- 62» Sakko-Anzug rweireihig, mod. kariert. Cheviot Sakko-Anzug modefarb. eleganter Gabardine< mit feinem Ueberkaro.... BlauerSakkoAnz. aus reinw.Cheviot n. 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Auf die Tätigkeit der Branchenkommission ging er so gut wie gar nicht ein, behandelte dafür aber desto ausgiebiger di« Rationalisierung, den Notgesetzentwurf der Gewerkschaften, die Arbeitsgemeinschaftspolitik(?!) der Gewerkschaften und ähnliche „Branchenangelegenheiten�. Daß es dabei an einigen unwahren Behauptungen nicht fehlte, die nachher vom Genossen U r i ch richtig- gestellt wurden, nimmt weiter nicht wunder. Nach den Ausführungen Urichs, die den Kommunisten sichtlich unangenehm waren, wurde die Debatte geschlossen und die Wahl vorgenommen. Die Kommunisten hatten eine eigene Liste aufgestellt, da ihnen die in der Vertrauensmännerversammlung angebotenen sechs Sitze von insgesamt 22 in der Kommission nicht genügten und ihr Der- langen auf Einräumung von 12 Sitzen abgelehnt worden war. Die Vertrauensmänner batten darauf die alte Branchenleitung zur Wahl wnsjrschlagen. Die Wahl ergab mit 923 gegen 74S Stim- m e n(bei 49 ungültigen) die Wiederwahl der alten B ra n che n l e i t u ng, die mit Ausnahme von zwei Mitgliedern aus SPD.-Gciwffen besteht. Beachtenswert ist, daß sich an der vorjährigen Wahl nur wenig über 999 Mitglieder beteiligten und die Amsterdamer Liste nur mit wenigen Stimmen Mehrheit gewählt wurde. Bei dieser Wahl haben rund 1799 Mitglieder ihre Stimme abgegeben, wobei die Amsterdamer Liste fast 299 Stimmen mehr erhielt als die kommunistische. die unnötigen Leierschichten. Bochum, 31. März.(Eigener Drahtbericht.) Im westlichen Berg- bau ist für die nächste Zeit wieder mit Arbeitcrentlassungen zu rechnen. Unter den Belegschaften der Zechen und aller Privat- zechen macht sich deshalb schon jetzt eine große Erregung bemerkbar. Die Bergarbeiter sind der Ansicht, daß schon die Feier- schichten der letzten'Zelt keine zwingende Notwendigkeit gewesen wären, die Begründung, die Feierschichten hätten wegen des stocken- den Absatzes, hervorgerufen durch die zum 1. April in Kraft treten- den Sommerpreise für Kohlen,«ingelegt werden müssen, sei durchaus nicht stichhaltig. Die bevorstehenden Kündigungen im Staats- b e r g b a u zeigten deutlicher noch als die Feierschichten, was im Ruhrbergbau im Gange sei. Es handle sich um nichts anderes als um eine' abermalige Machtprobe des Zechenverbandes. Die Zechenbesitzer wollten auf administrativem Wege versuchen, den neuen Schiedsspruch für den Ruhrbergbau illusorisch zu machen, obgleich er den Bergarbeitern nur geringe Vorteile brachte. Jedenfalls hat es den Anschein, als ob der W i r t s ch a f t s» kämpf im Ruhrbergbau durch die Derbindlichkeitserklärung des letzten Schiedsspruchs noch nicht abgeschlossen ist. Es erscheint dringend notwendig, daß Handelsmimster und Arbcitsminister ein aufmerksames Auge auf die Dinge im Ruhrbergbau richten. KV�stiindiae Schicht im Aachener Bergbau. Der Schiedsspruch über die Arbeitszeit im Aachener Steinkohlen- bergbau ist am Donnerst« g für verbindlich erklärt worden. Danach tritt an die Stelle der achteinhalbstündigen Schicht- zeit vom 1. Juni ab«ine ochteinviertelstündige Schicht. Einigung in der Mannheimer Metallindustrie. Mannheim. 31. März.(Mtb.) Der seit mehreren Wochen schwebend« Lohnstreit ist gestern beim Landesschlichter in Karls-- ruhe beigelegt worden. Es kam eine Vereinbarung zu- stände, wonach sich die Spitzenlöhne um S Pfennig er- höhen und auch eine Erhöhung der Akkordbasis um durchschnittlich 5 Pfennig eintritt. Diese Vereinbarung gilt bis zum 1. April 1928. verbknölich erklärter SchieSsfpruch. Für die schlcsische Landwirtschaft. Wie uns soeben vom Berbandsvorstand des Deutschen Land- arbeiter-Derbondes mitgeteilt wird, ist der am 8. März für die schlesische Landwirtschaft gefällte Schiedsspruch vom Reichsarbeits- Ministerium für verbindlich erklärt worden. Damit dürste der Ent- stehung schwerer Kämpfe vorgebeugt sein. Um die Geltung der deutschen Sprache. Genf, 1. April.(WTB.) Der Gcschäftsordnungsausschuß des Verwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamts hat beschlossen, einen Antrag der Reichsregierung auf teilweise Einführung der deutschen Sprache durch Stellung bereits im Arbeitsamt vorhandener Dolmetscher für die Der- Handlungen im Arbeitsamt dem Verwaltungsrat zur Annahme zu empfehlen. Die Entscheidung über einen weiteren Antrag der Reichsregierung auf ofsizielle Uebersetzung der Beschlüsse des Verwaliungsrats und der Internationalen Arbeitskonfcrenz in die deutsch« Sprach« wurde auf eine spätere Tagung verschoben. Ävenn öie Sirene tönt imö den 3Jlnnn den Ittaffhinc von acht Stunden fchivccep Arbeit erlöst, will er am Abend sich selbst gehören. Idie angenehm vollzieht sich deiAbergmigzum Leievabenö. wenn er steh seine ge liebte Zigarette an- zünden kann. Die� Nerven werden ruhiger und mit dem bläulichen Naueh oer� Ä>erktag.Ls ist doch cfmasjeines um die erste nach heißer Arbeit. Xaldorf-Astdcia öMvettenfabnk Stuttgart Moderne Frühjahrs-Bekleidung Neueste Formen, moderne Stoffe, tadelloser Sitz und Verarbeitung, billigste Preise! HuiaiiniiniiiiinniiuiniiipuiiiiimiiuiiniiiiiiiimiimiiiiuiiiikffiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimifiiiiiiiiiiiuiiiiiviiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiinimiiiiiniiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiaitiiuitiiiiuiiriiiiiiiiifiiiiiiiiimfuiiiiMiiujiifni Sakko-Anzug 9R- Herren-Mantel on_ Sport- Anzug oh.Ti,.- 39« Gummi-Mäntel Beg inn Sioffe, Fol 1 da Form......... bUa femnelert, mit Gort nnd Falta... 5m Jt stalle, Fiscugr&teo-Muetar... 98.. V&l glatt, je nach Art 29.—, 24.—, 18.—, 13.60|U Sakko-Anzug qc_ Herren-Manie! 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