Abendausgabe Nr. 757* 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 74 «,,u»,»«dlnaima»n mid Ämelatnv?«!?« sind IN dir Morgtnausaad««nstaed«» N<-i>aN!«v: STD. S«. Clnftcnflrabe i Fernsprecher: VSahoN 292- 292 r«l.. Adresse: SdzIoldemotralverN» Volksltlttkt Devlinev Zcntralorgan der Sozialdcmohratifchen parte» Dcutfchlands (lO Pfennig) Sonnabenö 2. �lpril 1�27 «erlog und«nielsevobtell«»,, Selchöftozelt dt» 6 Udr Verleger: vormdres. Verlag GmdO. Verlin sw es. elndeaslroh»» Z-rnsprecher- Vönhoss 292-292 Preußen besteht auf feinem Recht. Rededuell Braun- v. Guerard im Reichstag. Nach der Erledigung der chauezinssteuervorlage. über die wir tn der Beiloge berichten, befaßte sich der Reichstag mit der neuen Biersteuerregelung, durch die bekanntlich Preußen benachteiligt wird. Hierzu ergreift da« Wort Preuhischer Ministerpräsident Vraua: Mein Widerspruch richtet sich nicht gegen den Finanz- a u s g l e i ch sondern nur gegen die Bevorzugung anderer Länder gegenüber Preußen. Zu den gestrigen Ausführungen des Abg.v. Guerard verweise ich darauf, daß. wenn jetzt ini voraus 5g Millionen den süddeutschen Ländern zugeführt werden, dieser Betrag nicht mehr für die anderen Retchs- teile verfügbar bleibt, die somit benachteiligt werden. (Sehr wahr! linte.) Der Reichsrat hat die Hilse sür die Grenz- gebiete auf 30 Millionen erhöht, davon sind aber durch eine Der- cinbarung der Regierungsparteien noch 5 Millionen g e- strichen worden.(Hört, hört! links.) Run bot Abg. v. Guerard bemängelt, daß im Jahre»gZS die preußische Staatsregierung 5Z Millionen von den 75 Millionen Mark, die das Reich zur Ber- fügung stellte, nicht für den Zweck dieser Beihilfe verwendet habe. Preußen halte die lvuchl und die Opfer des Ruhreinfakl» fast allein zu tragen, hat aber von diesen 75 Millionen nur Z0 Millionen erhalten,* wovon.den Gemeinden des Ruhreinfallgebietes 25,8 Millionen zugeführt worden sind. Rur 4,2 Millionen sind in die Staatskasse geflossen zur Abgeltung der Ruhreinfollschpden, die nachweislich 50 Millionen betragen. Der preußische ginanzminlster hat damals 522 000 Mark mehr für die Ruh' schaden zur Lerfüguna gestellt, als im Extraordinarium des preußischen Haushalt» vorgesehen war. Wenn man es nicht gerade als eine Bevorzugung Preußen» gnsieht, daß sein Gebiet vom Ruhreinfall fast allein getroffen worden ist(Sehr richtig! links), so verstehe ich nicht, wie man hier von einer Bevorzugung Preußens sprechen kann. Preußen hat sür die Abgeltung der Ruhrschäden, aber auch für die besetzten und besetzt gewesenen Gebtete im Westen und Osten a l l« s g e t a n, was in den Grenzen der finanziellen Leistungsfähig- kcit möglich war. Hätte das Reich Preußen dasselbe Entgegen- kommen bewiesen, wie den süddeutschen Staaten, dann hätte Preußen noch mehr leisten können. Die gesamten Schäden Preußens durch den unglücklichen Ausgang de« Krieges und durch den Friedensvertrag betrogen 3� Milliarden Mark, wofür das Reich bisher ganz« 0 5 Millionen ersetzt hat. Würde Preußen wenigstens die 40 Millionen Mark jäyrlich erhalten, die den süddeutschen Staaten mehr gezahlt werden, dann würden die LeistungenPreuhen» sür die besetzten Gebiete entsprechend höher sein können. Man sollte sich doch immer vor Augen halten, daß Preußen von allen Ländern des Reiches die schwer st enKriegs- schaden an Menschen, Gebiet und Vermögen erlitten hat. Meine gestrigen Ausführungen waren lediglich von diesen Gedanken ge- tragen und die preußische Staalsregierung hat meiner gestrigen Cr- kirirung einstimmig zugestimmt.(Hört hört! links.) Abg. v..Guärard(Z.): Ich muß wiederholen, daß unsere Fraktion durch Inhalt und Form der gestrigen Rede des preußischen Minister- Präsidenten überrascht worden ist. Durch fast einstimmigen Beschluß des Reichstags find im letzten Nachtragsetat 45� Millionen Mark bewilligt worden» die ganz ausschließlich den gefährdeten preußischen Grenzgebieten zugute gekommen sind, so daß sogar die Wünsche süddeutscher Staaten, namentlich Bayerns, die wir für berechtigt gehalten haben, damals zurücktreten mußten. Es ist auch Nicht richtig, daß von den 75 Millionen Mgrk. die vor zwei Iahren für die besetzten Gebiete bewilligt worden sind, nur 50 Millionen Mark aus Preußen entfallen seien. Denn von den 75 Millionen Mark waren von vornherein 36 Millionen Mark bestimmt, um einen eigenen Fonds zu schaffen für Entlastung der Gemeinden und Kommusien des besetzten Gebietes. Hiervon ist der größte Teil nach Preußen geflossen und von dem Rest sind nach dem grundsätzlichen Verteilungsschlüssel 30 Millionen Mark auf Preußen entfallen. Inwieweit über Form und Inhalt der gestrigen Erklärung Braun» Einstimmigkeit im rpeußischen Kabinett herrscht, kann ich nickt beurteilen. Aber ich habe Grund, es nicht un- bedingt zu unterschreiben.(Hört! hörtl rechts.) Eine besondere Bevorzugung Preußens habe ich nicht behauptet und was der preußisch« Ministerpräsident über die besonders sckweren Kricgkverluste Preußens gesagt hat, das ist längst Gemeingut des ganzen deutichen Balte».(Zuruf links: Für Prei'ßen habt ihr die Worte, für die anderen d a s G e l d!).-. PreiMch�r ZMnistcrpräsidntt Braun erinnert an die Erklärungen, die der Vertreter Preußens währckrd erinnert an die Erklärungen, oie c«r Vertreter Preugens wayrsno dar Bergungen im Haukhaltoueschuß abgegeben Hot. Man bat dort die 40 Millionen sür Bayern und Württemberg bewilligt, sich aber über alle Bedenken Preußens hinweggesetzt. llebrigens Hab« es keine Ueberraschung hervorrufen können, daß die preußische Regierung ihr« Erklärung abgeben würde, auch die Regierungsparteien mußten über diese Absicht unterrichtet gewesen sein.»Der preußisch« Ministerpräsident stellt weiter fest, daß von dem an Preußen überwiesenen Betrog 25,8 Millionen den � G e- m e i n d e n überwiesen worden sind, während das Land für sich selbst nnur 4,2 Millionen in Anspruch genommen hat. Man könne olio nicht davon reden, daß dieser Betrng zu fiskalischen Zwecken verwende« worden sei. E» stehe doch fest, daß d a s R e i ch sür alle Schöben au» der Kriegs- und Nachkriegszeit aufzukommen hat. Wenn Länder und Gemeinden über ihre Pjlicht hinaus sich an der Wiedergutmachung dieser Schäden beteiligen, so entbinde das doch nicht das Reich von der auf ihm ruhenden Pflicht. Was dem Reich in dieser Beziehung bewilligt worden ist. war zur Abdeckung einmaliger Leistungen bestimmt, während jetzt festgesetzt werden soll, daß einzelnen Staaten dauernd 40 Millionen Marl jährlich überwiesen wer- den sollen. Da» Ist das, was wir bekämpfen. Die preußische Re- gierung wendet sich nicht dagegen, daß aus Reichsmitteln vorüber- gehend« Leistungen an einzelne Staaten gewährt werden. Sie/ wendet sich aber dagegen, daß dauernd die Ansprüche einzelne� Länder erfüllt werden, wodurch naturgemäß die anderen L ä y- der benachteiligt werden. Abg. v. Guärard(Z.) gibt seiner Genugtuung darüber Aus- druck, daß er mit dem preußischen Ministerpräsidenten darin ücher- einstimm«, daß das Reich für die den Ländern aus der Kriegs- und Nochkriegezeit entstandenen Schäden aufzukommen habe. Die Zen- trumsfraktion habe stets diesen Standpunkt vertreten, sie fei stets bereit, sich mit jedem Vertreter der preußischen Regierung aus diesem Boden zusammenzufinden.- Ab. Dr. herh(Soz.) stellt fest, daß die gestrige und die heutige Debatte das Ergebnis des Umweges sind, den die Regierungsparteien durch die Aus- schaltung der Länder bei der Beratung dieser Frage ein- geschlagen Hab«. Die sozialdemokratische Fraktion wird sür die dritte Lesung namentliche Abstimmung herbeiführen, um die Melirheits- Verhältnisse genau festhalien zu können, und um die Frage zu prüfen, ob dieses Gesetz mit versasiungsändernder Mehrheit zustandegekom- men ist. Wir schließen uns durchaus den Bebenken an, die die Der- treter der preußischen Staatsregierung im Ausschuß und bei den jetzigen Beratungen vorgetragen haben. Als das Gesetz vom Jahr« 1019 beschlossen wurde, da war nicht nur eine prozentuale Beteili- gung der süddeutschen Staaten vorgesehen, sondern gleichzeitig wurde auch die Höchstrente bestimmt, über die nicht hinausgegangen werden sollte. Di« heutigen Sätze stellen eine Verdoppelung der damals vorgesehenen Säße dar. Wir erkennen an. daß bei Anerkennung der Ansprüche aller Reseroatrechte gewisi« Verpflichtungen des Reiches bestehen. Dann bestehen aber auch solche Verpflichtungen gegenüber den Ländern. die durch den Krieg und den Ausgang des Kriege» entstanden sind. Alan kann also keinen Unterschied machen zwischen den Reserval- rechlea au» der Friedenszeii und den Rechten, die aus der Kriegsund Nachkriegszeit entstanden sind. Die Gründe, die der bayerische Bertreter gestern angesührt. sind durchaus unzutrefefnd. Der Redner erklärte zum Schluß: wir hoben nicht nur au« innerpolitischen Gründen gegen diese Lorlage Be» denken, sondern wir haben diese Bedenken auch vom außen- politischen Standpunkt au». Oos heiße Eisen. Das Rrpndlikschutzizesetz hat Zeit. Gegenüber den Meldungen, wonack die Reichsregierung das Republikschutzgesetz in seinen wichtigen Teilen über den 81. Juli d. I. hinaus zu verlängern beabsichtige, wurden von amtlicher Seite Notizen verbreitet, die zeigen, wie sehr man sich in dieser Angelegenheit Zeit läßt. Obwohl das geltende Recht nur noch drei Monate in Wirksamkeit ist, hat man noch keinerlei Beschlüsse im Kabinett über die Art und Form ge- saßt, wie man die wichtigsten Bestimmungen aufrechterholten will.- Man weiß, daß im Reichsjustizministerium des Herrn Hergt starke Kräfte am Werke sind, die eine Rückkehr des verslosssnen Kaisers wünschen oder wenigstens nicht ver- hindern möchten. Zu allem Ueberfluß hat nun noch der deutschnationale Reichsjustizminister Hergt am Freitag eine Rode gehalten, die zunächst den Umfall der Deutschnationalen in der Außen» Politik begründete, und dazu u. a� sagt: „Mit Deutschtand» Großmacht st ellung sei es nicht weit her Daher liege die Gefahr nah«, daß sich Deutsch- land mit anderen Staaten in Abenteuer einlasse. Fern von allen Abenteuern müsse die Regierung aber ihre bisherige Politik fortsetzen." Selten ist die Preisgabe der deutschnationalen Außen» Politik, die vor ihrem Regierungseintritt nur aus frevelhaftem Abenteuerspiel bestanden hat, so drastisch gekennzeichnet worden wie hier durch Hergt. Warum aber diese Schwen» kung? Hergt sagt es: In der Innenpolitik, betonte Hergt, sei es erreicht worden, daß die Dcutschnationalen die allen Reichsfarben ehren könnten, ohne daß ihnen ein Vorwurf daraus gemacht werden könnte. In der Flaggenfrage heiße es: Achtung gegen Achtung. Unzeit- gemäße Fragen, wie z. v. die Verlängerung de» Republikschuh. gesehe», dürsten nicht aufgeworfen werden, da sie nur neuen Un- frieden stislcn würden. Also man will das heiße Eisen des Republitschutz- gesetzes nicht anfassen. Herrlich aber ist die Begründung. Denn das Gesetz ist seinerzeit erlassen worden zum Schutz vor U n r u h e st i f t e r n, die sich nicht scheuten. Morde an republikanischen Politikern zu propagieren oder zu be- gehen. Letzt soll es Unfrieden geben, wenn man die Friedensstörer weiter in Schach halten will— merkwürdig, höchst merkwürdig! man Im Gegensatz dazu steht die verdächtige Eile, mit der das Reichsschulgesetz durchpeitschen will. Dabei ist dieses Gesetz in hohem Maße geeignet, den innerpolitischen Frieden u stören— um mit Hergt zu reden. Trotzdem soll der Reichstag dies« Vorlage bereits während seiner kurzen Sommertagung beraten. Dem Rechtsblock ist es eben wichtiger, so schnell wie möglich seine reaktionären kulturpolitischen Ziele im Desetz festzulegen als den Gefahren vorzubeugen, die sich aus der monarchistischen Propaganda für das ganze Lolt ergeben. Arbeitszeit und Tarifvertrag. Boraussctzungcn für die Sicherung des Achtstundentages. Der entscheidende Mangel des geltenden Arbeitszeitrechtce .ist die Möglichkeit, durch Tarifvertrag eine r e g e l- 'mäßige Verlängerung der Arbeitszeit bis zu zehn Stunden täglich vornehmen zu können. Das leigt mit größter Eindeutigkeit auch die auf Ersuchen des Reichsarbeits- und Reichswirtschaftsministers von der Reichs arbeitsverwaltung im Oktober vorigen Jahres veranstaltete Erhebung über die tatsächliche Arbeitszeit. Diese Erhebung erstreckte sich auf 3V23 Betriebe in allefi Landesteilen mit dreiviertel Millionen gewerblicher Arbeiter. Nach den amilichen Feststellungen hatten von den hier erfaßten Betrieben�nicht weniger als 1437 Betriebe eine wöchent- liche Arbeitszeit über 48 Stunden. Diese Ueberschreitung des Achtstundentages und der Achtundvierzigstundenwoche stützte sich in rechtlicher Beziehung für 1389 Betriebe auf tarifvertragliche Bercinbarungen. Mit Recht weist deshalb der Präsident der Reichsarbeitsver- waltung Dr. Syrup in einem Aufsatz„Arbeitsmarkt und Arbeitszeit" in Nr. 7 der„Deutschen Wirtschaftszeitung", dem Organ des Deutschen Industrie- und Handelstages, darauf hin, daß behördliche Ausnahmebewilligungen zur Heber- schreiiung des Achtstundentages eine ganz unter- geordnete Rolle spielen. Es ist wichtig, diesen Zusammenhang zu beachten, weil er für die Regelung im Notgesetz von ausschlaggebender Be-. deutung ist. Mit größter Virtuosität oersucht der Regierungs- entwurf die Aufmerksamkeit von diesem entscheidenden Punkt abzulenken. Zu diesem Zwecke schiebt er die b e h ö r d- l i ch e n Genehmigungen für die Ueberschreitung des Acht- stundentages in den Vordergrund, von denen der Präsident der Reichsarbeitsverwaltung zutreffend sagt, daß sie eine ganz untergeordnete Rolle spielen. Nach geltendem Recht darf die regelmäßige werktägliche Arbeitszeit, ausschließlich der Pausen, die Dauer von acht Stunden nicht überschreiten. Wird an einzelnen Werktagen im Gesamtbetrieb oder in einer Betriebsabteilung weniger gearbeitet, so kann dieser Ausfall von Arbeitsstunden nach Anhörung der gesetzlichen Vetriebsvcrtrctung an den übrigen Werktagen durch Mehrarbeit ausgeglichen werden, aber nur in der gleichen oder in der folgenden Woche. Es bleibt aber auch in diesen Fällen bei der Achtundvierzigstundenwoche oder der Scchsundneunzigstundendoppelwochc. Dieser öffentlich-rechtliche Arbeitszeitschutz wird nun praktisch durch den 3 5 der Verordnung über die Arbeitszeit weit- gehend aufgehoben. Er bestimmt, daß durch Tarif» vertrag die Arbeitszeit anders geregelt werden kann, und zwar bis zu zehn Stunden täglich. Liegt eine solche t a r i f- vertragliche Regelung vor. so gelten diele Bestimmungen an Stelle der öffentlich-rechtlichen Schutzvorschritten. Dainit. wird der Tarifvertrag, der ein Instrument zum Schutze der Arbeitskraft sein soll, für eine weitgehende Außer- kraftsetzuna öffentlichen Schutzrechtez miß- braucht Daß es auch wirklich geschieht, dafür sorgt das geltende Schlichtungsrecht. Im behördlichen Schlichtungsver- fahren werden für die tarifvertragliche Regelung der Arbeits- zeit zunächst unverbindlich« Vorschläge in Form eines Schieds- spruches gemacht, den die Tarifbeteiligten annehmen oder ablehnen können. Liegt jedoch erst einmal ein ungünstiger Schiedsspruch vor, dann ist die Position der Arbeitnehmer bereits in der Oefsentlichkeit geschwächt, denn der Schiedsspruch gilt häufig in der öffentlichen Wertung als«in unparteiisches Gutachten für einen gerechten Ausgleich der widerstreitenden Interessen. Als(xtztes Druckmittel für eine tarifvcriragliche Verlängerung der Arbeitszeit wirkt das Verfahren über die Verbindlichkeitserkläning von Schiedssprüchen: nötigenfalls wind durch eine Verbindlichkeitserklärung zwangsweise der gewünschte Rechtszustand geschaffen. So richtig der Grundgedanke ist, dem Tarifvertrag be» stimmte Funktionen in der Regelung von Einzelheiten öffent» liehen Schutzrechte, zu überlassen, die auf diesem Wege geregelt werden können als durch die Gesetzgebung, so verderblich ist es, staatliches Schutzrecht durch privatrechtliche Vereinbarungen in Form von Tarifverträgen i n weitestem Umfange außer Kraft zu fetzen. Da» ist die Preisgabe wesentlicher Funktionen des Staates, der nach der Reichsverfassung verpflichtet ist, der Arbeitekraft einen besonderen Schutz angedeihen zu lassen. Die bereits erwähnte amtliche Erhebung offenbart den Mißbrauch in erschwerendem Maße. Von den erfaßten 3023 Betrieben hatten Im April 806 Betriebe eine Wochenarbeitszeit über 48 Stunden, im Oktober stieg die Zahl der Betriebe auf 1437, also eine Zunahme von 26,66 P r o z. auf 47,47 Proz. der erfaßten Betriebe. Die Zahl der erfaßten Arbeiter betrug im Oktober 745.621, davon hatten nur 1 46 737 eine W o ch e n a r b e i t s ze i t von 48 Stunden, 203 883 arbeiteten verkürzt und 3 94 9 96 hatten eine Wochenarbeitszeit über 48 Stnn» den. darunter 255 720 über 52 Stunden. Eine Besserung in der Beschäftigungslage führt nickt in entsprechendem Ausmaße zu Neueinstellungen von Arbeitskräften und damit zu einer notwendigen Entlastung des Arbeitsmarktes, sondern zu einer Verlängerung der Arbeitszeit. In den kurzarbeitenden Betrieben erleben wir dann auch die Ueberschreitung der Achtundvterzig- stundenwoche. Die rechtliche Grundlage für eine solche Cnt- Wicklung ist in den tarifvertraglichen Vereinbarungen gegeben. Diese unhaltbaren Zustände werden auch nicht' durch eine gesetzliche Vorschrift beseitigt, die bestimmt, daß jede Mehr- arbeit über 48 Stunden in der Woche, ob auf Grund tarif- vertraglicher Genehmigung zugelassen, mit einem Zuschlag von 25 Proz. entlohnen ist. Es kommt darauf an, einen Zwang dahin auszuüben, daß fü r d i e M e h r a r b e i t über 48 Stunden in de-- Woche Arbeitslose eingestellt werden. Deshalb haben die Gewerkschaften aller Richtungen mit guten Gründen die Streichung der 8� 5 und 6 der geltenden Arbeits-- zeitverortnung gefordert. Die Beseitigung dieser Bestim- mungen ist die Voraussetzung für eine wirkliche Sicherung des Achtstundentages._ Hannbruch und �nationale'" Entrüstung. „Tiefer Mortimer starb euch sehr gelegen." Der frühere General v. W r i s b e r g ist einem Schlag- a n f a l l erlegen. Zweifellos für seine Angehörigen und Be- kannten ein sehr trauriges Ereignis. Sie werden still um den Verstorbenen trauern und sein Gedächtnis bewahren, wie andere. Sterbliche in ähnlicher Lage es auch tun/ Wenn der Name Wrisberg jetzt mehr in der Oeffentlich- keit genannt wird, als es erforderlich scheint, so deshalb, weil die nationalistischen Parteien aus dem Todesfall ein n a t i o- nalistisches Spektakel stück erster Güte zu machen bestrebt s>nd. Sie glauben, durch einen Riesenlärm die Auf- merksamkeit von der Tatsache ablenken zu' können, daß Wns- berg in Gemeinschaft mit den Delegierten des ch a k a t i st e n- Vereins einen ganz offenen Bruch der Bannmeile vollzogen, der an sich schon strafbar ist. Wir erinnern daran, daß mehrfach junge Reichsbannerleute, die etwa zum Pots- damer Bahnhof strebten oder von ihm kamen, wegen Ver- Setzung der Bannmeile auf die Polizeiwache zitiert und später bestraft wurden, weil sie nicht rechtzeitig ihre kleinen Gruppen „aufgelöst" hatten. Vor dem Bismarck-Denkmal marschierten nun lauter ältere Herren der früher regierenden Kaste auf, die die Vorschriften des Gesetzes genau kennen mußten, und Wrisberg h i e l t e i n e R e d e, die— ob kurz oder lang— durch das Gesetz v e r b o te n ist, wenn nicht die Reichsregie- rung durch das Rcichsinnenministerium Ausnahmen aus- drücklich angeordnet hat. Der Beamte, der auf das Verbot hinwies, handelte also durchaus korrekt, und niemand hat das Recht, ihm des- halb einen Vorwurf zu machen. Nach der Erklärung eines Augenzeugen, nämlich des Generals v. d. L i p p e, hat sich der Polizeibeamte„keineswegs brutal oder besonders unfreundlich" benommen, es hat viel- mehr nach der gleichen Quelle„ein kurzer Wortwechsel" statt- gefunden. Nach der Aussage des Beamten hat Wrisberg auf die Aufforderung, das Reden zu unterlassen, entrüstet erklärt: „Das i st u n e r h ö r t!" Erst darauf hat der Beamte ihn aufgefordert, mit zur Wache zu kommen. Das ist dem General sonst wahrscheinlich noch nicht passiert, und deshalb hat er sich so aufgeregt, daß ihn schließlich der Schlag traf. Die reaktionäre Presse wagt es, ganz offen zweierlei Recht zu fordern, das eine für demonstrierende Mon- archisten, das andere für das gewöhnliche republikanische Volk. Wir weisen diese Forderung als eine Unverfrorenheit zurück. Innerhalb der Bannmeile find alle Demonstrationen ver- boten, auch die von pensionierten Generälen. Anweisungen, den Bismarck-Tag anders zu behandeln, tpürden wir als eine Bevorzugung der Monarchisten ansehen, die den schärfsten Widerspruch aller Republikaner herausfordern müßte. Die„Deutsche Zeitung" hält es für geschmackvoll, den ver- storbenen Wrisberg als den„erbittertsten Gegner der Fortschrittlichen Volkspartei, der Sozial demkraten und der Unabhängigen" während de? Weltkriegs zu bezeichnen. Sie hätte an diese Feindschaft nicht erinnern sollen, denn es vie echte pariser Revue. Die Haller-Revue im Admiralspalast hat sich nuw ablösen lasien durch das Muster,, nach dem die deutsche Bühnenschau strebt, durch die echte, die original«, die Pariser Revue. Das Palac«- Theater-Paris absolviert ein Gesamlgastspiel. Neidlos stellen wir fest, daß die Pariser Revue mit fabelhaftem Schmiß und be- wunderungswürdigem Temperament heruntergespielt wird. Der Kapellmeister N a r d i n i hat die Eigenheit, statt mit einem Taktstock mit weißen Handschuhen zu dirigieren, wodurch aber die Musik auch nicht besser wird. Sie ist zwar sehr laut, aber nicht so melodiös und hinreißend, wie wir sie sonst gewohnt sind. Die Pauke führt ein so vorlautes Dasein, daß die Musik wegen des Tschingbumsasa- Charakters cm Tingeltangelkonzert erinnert. Und was an bezaubern- den Klängen dem Ohr eingeht, das haben wir schon teilweise bei der vorvorigen Charell-Revue gehört. � Ein verbindender Faden fehlt den drei Dutzend Reouebildern vollständig. Die Revue soll ja auch nur ein Prurzk und eine Augen- weide sein. Aber auch hier vermissen wir schmerzlich den künstlerisch hochstehenden Geschmack, der die großen Berliner Revuen zu einem ästhetischen Genuß werden läßt. Das erste grandiose Bild„Perlen" -ist direkt geschmacklos. Ein in überaltertein Stil konstruiertes Perlengebäude krönt eine fast völlig nackte und durchaus nicht sehr teizvolle Frau. Das große Schlußbild„Nymphen und Wasserblumen" ist ebenfalls von nackten Frauengestalten verbrämt und überladen. Ein Bild mit zahllosen Kostümen in Richelieu-Stickerei verliert seinen Reiz durch die billigen gemalten Hintergründe. Nur das Chinabild überwältigt durch sein« Farbenpracht. Die Fisher- Girls, die die auf Masienwirkung berechneten Tanzszenen bestreiten, sind hübsch«ingearbeitet, reichen aber an die Tlller-Girls nicht im entferntesten heran. Die Solonummern allerdings stehen auf der Höh« eines hervor- ragenden Barictös. An Jenny G o l d e r bewundern wir das über- sprühende Temperament und den Sinn für Hrnftor, an dem italienischen Universalkünstler S p a d a r o Eleganz und Witz, am Black-Bottom-Erfinder Harry Pilcer fabelhaste Beweglichkeit und an Pierre C l a r ö l den grotesken Humor eines Buster Keaton. Sein ewig beleidigtes Gesicht und beredtes Schweigen ruft Lachstürm« horoor.»■ � Sn der Pause wurden Darsteller und Direktoren durch herzlichen Applaus und viele Blumenspcnden geehrt. Mit unnachahmlichem Chorn-ie rief der Direktor ins Publikum: Wir sind alle sehr glücklich. Es tut mir leid, daß ich in die restlose Begeisterung der Zuschauer- schaft nicht einstimmen kann, was ich im Interesse der deutsch- französischen Verständigung und zur Abwendung diplomatischer Konflikte gern getan hätte. Bor allem wird man gut daran tun, den überwältigend albernen Sketch„Im Warenhaus" alsbald vom Spielplan abzusetzen. Er wird durchweg von deutschen Darstellern bestritteit. Ernst Degner. ist die Rolle noch nicht vergesien, die Wrisberg im Ebert-Prozeß spielte! Wenn man jetzt, aus Anlaß seines plötzlichen Todes, dem„verdienten General" besondere Kränze winden will, mag man es tun. Aber das darf nicht dazu führen, daß einem Polizeibeamten, der seine Pflicht ohne Ansehen der Person tat, nachträglich etwas am Zeuge geflickt wird. Der Beamte verdient keinen Tadel, der die Beachtung der Gesetze auch von Monarchisten fordert. Eher das Gegenteil! Man braucht sich nur vorzustellen, was geschehen wäre, wenn Wrisberg unbeanstandet hätte reden dürfen und nach ihm ein anderer seine politische Gegnerschaft gegen Bismarck, den Vater des Sozialistengesetzes und des Kulturkampfes, zum Ausdruck brachte. Hätte der Be- amte auch ihn ruhig reden lassen dürfen? Die Antwort auf dieie Frage könnte für spätere Bismarck-Tage immerhin von Bedeutung werden. Was wollen also die Veranstalter des neuesten Spektakels?_ völkilcbe Provokationen und Schlägereien. Zufammenstöste mit Kommunisten auf einer Leipziger Versammlung. Leipzig, 2. April sEigener Drahtbericht.) Am Freitag abend veranstaltete die nationalsozialistische Arbeiterpartei im„Schloß- kcller" zu Leipzig eine öffentliche Versammlung, in der Partei- sekretär Birnbaum eine der üblichen Schimpfreden gegen die Sozialdemokratie und das„internationale Kapital" hielt. Es kam bereits im Anfang schon zu stürmischen Austritten, da sich viele Kommuni st en eingeschlichen hallen. Sodann setzte eine w ü st e Schlägerei unter den Versammlungsbesuchern ein, die mit Zaunlatten geführt wurde. Die Versammlung wurde ge- sprengt. Als das Ueberfallkommando herbeigerufen wurde, um die Ruhestörer festzunehmen, wandten sich diese gegen die Polizei. Ein Unterwochtmeister wurde durch sieben Messerstiche schwer verletzt und mußte ins Krankenhaus gebracht werden, außerdem sind bei dem Zusammenstoß noch mehrere Verletzte zu oerzeichnen. Der„ZürfT von Sigmaringen. Und ein ullzu höfischer Regierungspräsident. Schon einmal bericheteten wir über das Leben und Treiben in Sigmaringen, wo Seine Hoheit„Fürst" Wilhelm von Hohen- zollern residiert und sich aufführt, als regierte er noch allerhöchst- persönlich, wie sein Ahnherr es v o r 1849 getan hat. Jetzt wird von einer seltsamen Fehde berichtet, die sich in dieser kleinen Residenz zwischen dem„Hose" und den republikanischen Spitzen der Behörden abrollt.' Der preußische Re- glerungspnisident Dr. S ch e r e r nämlich war bei seiner Amtsüber- nähme auf den immerhin recht entbehrlichen Gedanken gekommen, Seiner Hoheit einen Besuch abzustatten. Er lief aber an. Denn der Fürst wollte zwar den Regierungspräsidenten allergnädigst empfangen, hielt es aber für weit unter seiner Würde, diesen Besuch zu erwidern. Dadurch fühlte sich natürlich Herr Scherer ge- kränkt und brach seine kaum angeknüpften höfischen Beziehungen ab. Als dann aber das neue Rathaus in Sigmaringen eingeweiht wurde und der Magistrat den Regierungspräsidenten und— entbehrlicher. weis«— auch den Fürsten einlud, sagt« beide ab! Trotz dieses ofsenbaren Kriegszustandes ober nahmen etliche Be- amte eine fürstliche Einladung zum Frühstück an, worauf sie versetzt wurden. Bei früheren Fürsten sind erfahrungsgemäß Takt und Anstand eine sehr sellene Ware. Um so mehr müßte von republikanischen Regierungsbeamten erwartet werden, daß sie sich diesen Kreisen gegenüber die peinlichste Zurückhaltung auferlegen, damit sie sich keine Absuhr holen wie in Sigmaringen. Grelsl Zlalien Frankreich an. dann braucht Belgien wegen der Militärkonoention Frankreichs keine Waffenhilse zu leisten, evtlärte Vanderoelde in der belgischen Kammer. „Berlin, wie es weink und lacht." Ganz anspruchslos ist das Publikum im Theater in der Kommandanten st raße. Es läßt sich rühren und lacht unter Tränen über herzige Dinge, die bereits vor Generationen dieselbe Wirkung ausübten. K a l i s ch schrieb ein handfestes Volksstllck mit breitem Berliner Humor und mit großem Gesühlsauswand, der leider den Humor überwiegt. Allein das reine Herz, die blonde Tugend entscheidet, der Humor ist mehr eine Zugabe. Das Berliner Volksstück befindet sich bei Ztzalisch bereits im Zustand souveräner Sentimentalität. Angely hätte kaum die Szene geschrieben, in der die unschuldige Agnes hinter Gefängnis- gittern melodramisch schmachtet, und eine Geige dazu sehr sordlmert etwas unendlich Trauriges auf der L-Saite schluchzt. Diese Musik ist von Viktor Holländer neu frisiert worden, sie bringt ein paar nette Couplets, und die Ouvertüre macht sich opernhast verheißungsvoll. Sonst unterstreicht sie noch die goldenen Worte für das Stammbuch und hilft der bürgerlich-anstandigen Weltordnung zur reichsten Cnt» saltung. Ueber der Bühne lagert Mottenpulver und Lawendelduft trotz der witzigen, kecken Bühnenbilder Döblins. Man spielt, wie man bei der Erstaufführung vor wenigen Menschenaltern gespiell haben wird. Kitsch scheint eben unsterblich zu sein, und er wäre kaum .zu ertragen, wenn nicht Bladine E b i n g e r als zart besaitete Agnes auf der Bühne stände. Mik präzisen Bewegungen und einem zer- brcchlichen Stinimchen schafft sie eine wundervolle Parodie, lovgliert virtuos mit ihrer Rolle. Warum fand der Regisseur Raden nicht den Mut, die ganz verstaubte Herzensaffäre ald Parodie auszuziehen? F. S. Mevlel Einwohner hak Rußland? Die allgemeine Dolkszählung, die zum erstenmal seit 30 Jahren im Dezember 1926 von der Sowiet- regieruiig vorgenommen wurde, zeigt, daß die furchtbaren Lücken, die Krieg und Revolution unter der russischen Bevölkerung gerissen hatten, überraichend schnell wieder ausgefüllt worden sind. Nach dem bisher bekanntgewordenen Ergebnis beläust sich die Bevölkerung?- Ziffer der heutigen Sowjetunion auf rund 14 3,5 Millionen. Die Bevölkerung des gleichen Gebietes betrug 189? 104 Millionen. Die Zunahme beträgt also in 20 Jahren 39L Millionen, oder 38 Proz. Bei Kriegsbeginn wurde die russische Bevölkerung mit 135,5 Millio- nen angegeben: sie siel dann in den folgenden Jahren auf 131,5 Mil- lionen. Die Erhöhung der Bevölkerungsziffer gegen die Vorkricgs- zeit um 8 Millionen zeigt also das rasche Wiederansteigen der Be- völkerungszahl. Die Stadtbevölkerung beläuft sich auf 25,5 Millionen, auf 1 Million mehr, als man erwarten konnte. Die städtische Bevölkerung ist also ün Zusammenhang mit der Jndustrialisürung � besonders rasch gewachsen. Die größte Einwohnerzisfer Unter den «tädren Sowsetrußlands hat Moskau mit über 2 Millionen, dann kommt Leningrad init 1 600 000 Einwohnern, Odessa mit 411 000 und Charkow mil 410 000. Des Rachk» um die zwölsle Skunde... da empfanden unser� Vorsahren«in mehr oder weniger sanftes Gruseln, wenn sie aus- nahmsweise so spät ins Bett oder so früh wieder herauskamen. Heute ist das•— so möchten es wenigstens einige Theater ein- führen— die normale Zeit, um eine Nachtausfllhrung im Theater zu beginnen. Aber der erneute Persuch, den das„N e u e Theater am Zoo" anstellt«, bewies, daß wir doch noch nicht ganz reif sind für diese Kulturerrungenschast. Der Besucher ist ent- weder bereits müde und nicht mehr recht ausnahmesähig. oder er �vorläufig keine Truppenfendungen/ Tas Ergebnis der letzten Londoner Kabinettssitzung wegen China. Am Freitag beriet die englische Regierung über die Lage in China. Als Ergebnis„verlautete" hinterher, es bestehe vorläufig nicht die Absicht, nach dem Fernen Osten neue Truppen zu ent- senden, da man die Zahl der Truppen an Ort und Stelle für aus- reichend halte. Die Regierung fei jedoch der Ansicht, es müsse den Kantonesen gezeigt werden, daß es unüberschreitbare Grenzen gäbe und Großbritannien sich eine neue Demüti- g u n g nicht gefallen lassen könne. Japanische Flottenmanöver in chinesischen Gewässer». Tsinglau, 1. April.(MTB.) Die japanische erste Flotte. die aus vier Schlachtschissen, drei Kreuzern, sechzehn Zerstörern und acht Unterseebooten besteht, ist hier zu den jährlichen Manövern eingetroffen. Es wird betont, daß der Besuch mit der Lage in China nicht in Verbindung stehe.(!) Gegen den Mißbrauch der tzondelslustfahrt Vorschläge de Broucköres auf der Vorkonferenz. Genf. 2. April.(Eigener Drahtbericht.) De Brouckere machte zur Unterscheidung der Militär- von der Zioillustsahrt folgende Vorschläge: 1. Die Behörden der zivilen sollen von den Behörden, die sich mit Militärlustsahrt befassen, völlig getrennt sein. 2. Es darf keine staatlichen Vorschriften über die Umwand- l u n g von Zivil, in Militärslugzeuge geben. 3. Die Luftfahrt- gesellschasten dürfen nicht gezwungen werden, Militärflieger zu be- schästigen. 4. Bloß strategische Luftlinien dürfen staatlich nicht unter- halten werden.— Diese Borschläge enthalten nicht dos Verbot militärischer Ausbildung der Zivilslieger. Die deutsche Delegation hat ihnen grundsätzlich zugestimmt. Die übermütigen Matteotti-Mörder. Auch Volpi wandert ins Gefängnis. Don der italienischen Grenze wird unS geschrieben: Ebenso wie der im Chietiprozeß so gefeierte Hauptmörder Matteottis Dumini,. so ist auch sein Hauptkomplice Volpi von seinem Sch'cksal ereilt worden. Er hatte sich in Mailand etabliert und seine Stellung als Mitwisser gefährlicher Geheimnisse ausgcmitzt, um die Mittel für ein herrliches Leben einzutreiben. Alle seine For» derungen wurden von der Mailänder faschistischen Partei wohl oder übel bewilligt, wofür er ein faschistisches Rollkommando zur Ausführung der übelsten Gewalttaten leiten durfte. Indessen wurde er in seinen Ansprüchen so maßlos, daß er sich eines Tages mit dem faschistischen Parteis�retär Giamposi überwars. Mussolinis Bruder A r n a l d o, der Leiter des„Popolo d'Jtalia", ergriff zu- gunsten des Parteisekretärs Stellung, während der„Duce" Zunächst dafür eintrat, daß man Volpi gewähren lasse. Bis eines Tages Volpi an der Spitze seines Rollkommandos vor dem„Popolo bJtalia" erschien und eine lärmende Demonstration gegen Arnaldo Mussvlini inszenierte, bei der sogar Revolverschüsse gegen die Fensterscheiben der Rkdaklion abgefeuert wurden. Arnaldo setzte sich sofort telephonisch mit seinem Bruder in Verbindung und drohte, falls mit Volpi nicht endlich Schluß gemacht werde, selber Konsequenzen zu ziehen. Jetzt endlich entschloß sich der Mi- nisterpräsident, wenn auch schweren Herzens, gegen sein gefährliches Werkzeug Front zu machen. Schon am Nächsten Morgen saß Volpi mitsamt einigen Mitgliedern seines Rollkommandos im Gessäna- nzs. Sä vergeht der. Ruhm her Welt. A. Purcell und George hlcks, die zurzeit in Berlin an der Tagung des onglo-russischen Komitees teilnehmen, haben wegen Vagy und den anderen politischen Gefangenen, denen in Budapest der Prozeß gemacht wird, bei Graf Bethlen drahtlich interveniert. Sie erklären, sie vertrauten daraus, daß sein Einfluß den An- geklagten die Möglichkeit der Berteidigung und ein regelrechtes Prozeßverfahren gewährleiste. hat sich vorher ausgeruht, und dann ist er kritisch. Beides aber verträgt die Revue„Hailo. hier Republik" nicht. Eine zusammenhanglos« Sach� mit wenig Witz und um so mehr Selbst» behagen der Veranstalter. Ein paarmal blitzt etwas auf, aber dann ist wieder Nacht, und man erinnert sich, daß es Schlafenszeit ist. Gute Nacht, Annemarie Hase, Erwin Eckersberg. Elly Hofs mann, Ernst Pröckel und ihr anderen; es ist schade um euch.— r.' Die blaue Nelke. Eine Nelkenfchau, die gegenwärtig in London stattfindet, enthält mehr als 4000 verschiedene Exemplare, von denen viele neuartige Farben und Formen darstellen. Die phantasliscksslen Farben sind erzielt worden. So gibt es eine neue Art, die ein« helle Mauvefarbe zeigt; eine andere Blüte ist orangengelb mit purpurnen Flecken, wieder eine andere rot- und mauvefarben mit einem darüber- liegenden silbergrauen Ton. Solche exotischen Farbenmischungen werden von den Nelkenzüchtern besonder/ bevorzugt. Aber der höchste Ehrgeiz der Nelkenzüchter ist noch nicht erreicht; es sehst die blaue Nelke.„Wir haben viel« neue Nelkenfarben in stnesem Jahr aus den Markt gebracht," sagte der Vertreter der größten Firma von Nelkenzüchtern, die über eine Million Exemplare in ihren Treib- Häusern besitzt,„aber der Sehnsuchtstroum, eine blaue Nelke zu züchten, ist noch so fern wie je. Blau ist die Farbe, nach der alle Ncltenzüchter streben, und der Mann, der eine solche blaue Nelke auf den Markt bringen könnte, würde«in Dermögen verdienen." Erst«mffghrung-n der Woche. Dienst. Schauspielbau«:.Wildschütz- — Td. 1. d. Königirätzcr Stratze:.Die Schule von Uznach- Millw und tfreit.: Schauipiclhau«: Ga st spiel Wiener Sänger tnaden Slädt. Oper:„D i e S ch l a ch t bei Vittori a.-»Die Geschöpfe des Prometheus.-.Don Juan-— Th. i.d. Klosterstratze: .FrühlingSwahn." � IlroniaderanNallungen. ISalich:.Da« schas+ende Amerika.- SSnnt(7):.Sommerfabrt durch Jl 1 a« f n."—(9):»Der Z.anz.- Al> Moni, tägi.:.Da« Rätsel der Schöpfung- Millw.:.Berlin» Elektrizitätsversorgung-— Im Hörsaal: Sonnt, fö):.Da» rote Geheimnis.- Sonni., Moni l7>:.Canada.- Sonnt, Freik. (9):„Japan.- Ab Moni. lägt.(5):, E n t b l ä t t e r t e R o sc.- Ueber die Zukunsl de» deutfche« Jlim» findet heule abend. 8'/, Uhr, im Reichswirtschastsrat. Bellevucfirane 15, ein von der Gemeinschaft ver FUmschaftenden veranslalteler Distusfionsabcnd statt.» (kl e Beyer rezitiert in ihrem Vortragsabend beute, abends 8 Uhr. im Kiindworlh-Scharwenka-Saal aus Arno Holz.Blechichmiede- und„Dainis-. Arthur k olitlcher iprichl über das Thema:„Meine Reise durch China im Jahre 1926- In der Deutichen Liga lür Menschenrcchle in deren Räumen Withelmslrajzc 48 llll Tr.s, Monlag, 8>/, Uhr. Zn der Volksbühne findet Sonntag, nachmittags 8 Uhr, die 50. Aus» söhrung von Hebbels„Judith- statt. Die Judith spielt Agnes Straub, den Holojeriies Leo Neust. Do» Englische Theater ventscher Schaufple'er kilbrt Sonntag, vormittag» 11'/, Uhr, im Schiller-Theater GalSworlhyS.The Siloer-Box- aus. Die Geseülchast für Thcal rgc'chickste ielert Sonntag ihr 25 jährige« Bestehen. Um lly, Uhr findet, im. Foyer de« lstaatlichen Schausvielhauie« ein« Festsitzung statt, bei der Pros. Max Herrmann die Festrede halten wird. / Schulbeginn. Mückliche Gesichter, strahlende Augen, erwartungsvoll« Blicke, klopfende Herzen, unverfälschte Kindenchonheit und imgctrübtc Kindergemüter � an der Hand ihrer glücklichen— wenigstens in . diesem Moment ausnahmslos glücklichen— Mütter betreten die erst« Stufe der Lebensbühne. Sind sie wirklich glücklich? Sind sie es alle in gleichem Maße? Die erste Frage könnte im allgemeinen wohl bejaht werden, die zweite kaum. Aeußerlich vielleicht. Könnte und wollte man in all die kleinen Herzen hineinsehe«, so würde man sicherlich enttäuscht sei«! manche würden sogar behaupten, daß die erste Erbitterung an manchem so glücklich scheinenden Kinde euch äußerlich offensichtlich zu merken ist. Das empfindliche Gefühl eines Kindes wird verletzt, die ganze Freud«, auf die jedes Kind mit dem gleichen Recht vollen Anspruch hat, wird verkümmert schon durch eine größer« oder buntere Zuckertüte eines anderen Kindes, . die besten materiell bessergestellte Mutter zweifellos ohne böse Ab- sicht, nur um die Freude' ihres Kindes zu erhöhen, ihm auf den ersten Schulgang mitgegeben hat. Elegantere Kleidung und Schul- ousrüstung der Kinder bessergestellter Eltern sind die weiteren Ursachen, um glück- und freudeverderbenden Neid der anderen zu erwecken Muß das so sein? Würden die Kinder ausnahmslos nicht ebenso glücklich oder noch glücklicher sein, wenn die Eltern die Ausgaben für Zuckertüten der Schulverwaltung zur Verfügung stellen würden? Zweifellos würden alle von der Modetorheit noch nicht berührten Schulkinder, ob reich oder arm, gleich glücklich und zufiieden sein, rgenn die Schulverwaltung ihnen gleichmäßige einfache und billige, hygienisch und praktisch gleichgestaltete Schul- k l e i d u n g und Ausrüstung vorschreiben würde. In den ?rsten Schuljahren, nachdem alle Kinder die gleiche Schule besuchen müllen, ist dies in sozialer und sittlicher Hinsicht eine wohlberechtigte Forderung, der sich kein Denkender verschließen kann. Hefahrenpunkt �allescbes Tor. Einige Straßenbahnlinien sollen umgeleitet, die Brücke soll erweitert werden. Um die in letzter Zeit immer schwieriger werdenden Verkehrs Verhältnisse am Halleschen Tor, die besonders durch die vielen K r e u- zungen und Abbiegungen der Straßenbahnen hervorgerufen werden, zu bessern, soll jetzt der Straßenbahnvcrkehr an diesem wichtigen Verkehrszentrum Berlins in neue Bahnen ge- leitet werden. Zur Entlastung der Belle-Alliance-Brücke soll der Straßenbahi'verkehr in der Richtung von und nach Neukölln nicht mehr wie bisher über den Blücherplag und das Hallesche Tor geführt, sondern über die Brücke im Zuge der Zossener Straße geleitet werden. Die hierzu erforderlichen Gleis- bauarbeiten haben schon begonnen und dürften bereits in wenigen Wochen zu Ende geführt sein. Durch diese neue Regelung soll de- zweckt werden, daß die Straßenbahnlinien das Hallesche Tor nur rechtwinklig kreuzen und nicht mehr wie bisher in ver- kehrshindernden Kurven über den Platz abblsgen. Die von der Käniggrätzer Straße kommenden Linien werden in gerader Strecke durch die Gitfchiner Straße fahren, um dann über die Zossener Brücke nach Neukölln einzubiegen. Auf dies« Weise soll erreicht werden, daß der Verkehr nur gradlinig in nordsüdlicher und ostwestltcher Rsth- tung über das Hollesche Tor vonstatten geht. Die Verhandlungen über die endgültigen Linienführungen sind, w* wir hören, noch nicht endgültig abacscblostcn, da vor allen Dinacn die Umleitungen der Linien ii und« 25, die bisher von der Käniggrätzer Straße kommend >n die Belleallianccstraße einbogen und deren Durchbiegung über die Zossener Brücke einen zu großen Unweg bedeuten würde. Schwierig- feiten macht. Man hat bereits vorgeschlagen, die Brücke im Zuge der Großbeercnstraße zur weiteren Entlastung und Umleitung her anzuziehen: zu einem positiven Ergebnis ist man jedoch in dieser Frage bisher nicht gekommen. Der gesamte Straßenbahn- und Fuhr lvertsoerkehr muß aber im Laufe dieses Sommers sowieso umgeleitet werden, da die Bellealbiancebrücke umfangreichen Erneuerungsbauten unterzogen und zu diesem Zwecke für die Dauer von fünf bis acht' Wochen für den gesamten Verkehr gesperrt werden muß. Im Laufe der Jahre sind nämlich an der Bellcalliancebrücke. die Isolierungen infolge des Eindringens von Regenwasser usw. schadhaft geworden, so daß an einigen Stellen bereits das Mauerwerk in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Ta Man schon aus diesem Grund« sür langer« Zeit eine Umleitung des Verkehrs vornehmen müßte, will man bei dieser Gelegenheit gleich eine endgültige Umleitung der Straßenbahnlinien vornehmen, um einen übersichtlicheren Verkehr zu schassen und das Hallesche Tor zu entlasten. Die Pläne, das Hallesche Tor und den Blücherplatz in verkehrs- technisch'er Hinsicht einer, völligen Umgestaltung zu unter. ziehen, sind, wie wir hören, bisher noch nicht über das Stadium erster Erwägungen hinausgegangen. Falscher Mordalarm! Nach den Meldungen vieler Morgenblätter sollte in der Bremer Str. 63 in Moabit ein Gattenmord passiert sein. Die Nachforschungen der Polizei haben ergeben, daß an den mit allen Einzelheiten geschilderten Vorgängen kein Lahres Wort ist. Vielmehr ist die genannte Frau Plöhn, die gestern in der Woh. nung ihres Ehemannes den Besuch ihrer Schwester erhielt, von dieser in schwerkrankem Zustande angctrossen und sofort nach dem Moabiter Krankenhaus gebracht worden. Hier stellten die Aerzte eine schwere Nkerenentzündung fest. Da bald eine Herz- lähmung hinzutrat, so war alle Hilfe vergebens und die Frau verschied. Wie uns das Krankenhaus mitteilt, sind an der Leiche keine äußeren Berletzungen zu finden. Ein Poftschalterdieb Kksucht. Schwer bestohlen wurde gestern ein? Jnspektorin der Volks- kindergärten auf dem Postamt C. 1 in der S p a n d a u e r Straße. Die Dame wollte am Schalter Geld einzahlen, mußte ober des Andranges wegen warten. Umnittelbar neben ihr befand sich ein junger Mann, der ein großes Paket bei sich hatte und sie ungebührlich bedrängte. Obwohl sie ihm Geduld empfahl, drängte er eine Weile weiter, trat dann aber aus der Reihe der Wartenden, als ob es ihm zu lange dauerte. Als die Dame zur Abfertigung herankam und ihre Scheine aufzählen wollte, mußte sie feststellen. daß ein Päckchen mit 166 Scheinen zu je 16 Mark und ein weiteres mit 5 Scheinen zu je 16 Mark verschwunden waren. Ohne Zweifel hat der junge Mann im Schutze seines um- fangreichen Paketes den Diebstahl ausgeführt. Er ist etwa 26 Jahre alt und mittelgroß. Der Streifen, der die Notenpäckchen zusammen- hielt, trug den' Aufdruck der Firma Loeser u. Wolfs. Vielleicht haben andere Wartende Beobachtungen'gemacht, die zur Feststgl- lung des Diebes dienen können. Sie werden ersucht, sich bei Krr- minalkommissar Lobbes im Polizeipräsidium zu melden. » Mit ungewöhnlicher Dreistigkeit wurde gestern- nachmittag in der Zeit zwischen 1 und 11- Uhr ein Raub in der Friedrichstraße verübt. In dem Vorraum eines Bureaus einer internationalen Firma hielten sich zwei junge Leute auf, die anscheinend um Arbeit vorsprechen wollten. Als die Kassiererin, deren Platz in einem Verschlag ist. sich«inen Augenblick entfernt hatte, benutzten sie die Gelegenheit, drangen in den kleinen Raum ein und stahlen ein« aus dem Tisch stehende Geldkassette, mit der sie eiligst verschwanden Der Diebstahl wurde erst entdeckt, als die Kassiererin zurückkehrt«. Die braunnestrichene Kassette, die einen Nickelgriff hat und etwa 25 X 26 X 15 Zentimeter groß Ist, enthielt außer einigcn Schecks und Wechseln zwei Noten zu je 5 6 Dollar und eine Note zu 166 Dollar. Es dürste den Räubern nicht leicht werden, die ausländischen Noten ohne weiteres zu wechseln. Die Nummern der Schecks und Wechsel wurden sofort gesperrt. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, daß die Kassette kurze Zeit nach dem Raube Das Rimöha&is von Wilmersdorf. I.u Süoen von Wilmersdorf, und damit im Zentrum des südwestlichen Berlin ist mit dem Bebo-Filmpalast„Atrium" ein Bauwerk entstanden, das der modernen Baukunst große Ehre macht und das berufen ist, in seinem Innern mit Film, Sprechbühne und Bühnenschau das vielfältige Antlitz darstellender Kunst zu spiegeln. Die Gesamtpläne sind von dem Architekten Friedrich Lipp entworfen und von der Theaterbaufirmo Heilmann u. Litt- mann ausgeführt worden. Die Ecklag« des Bauwerkes an der Kaiserallee und der Berliner Straß« gab Anlaß zu der in den letzten Iahren in Berlin ungemein beliebt gewordenen Rundung der Front. Das<>Haus tritt aus diese Weise von der Straße zurück und bildet einech bedeutenden Vorplatz, der, da es sich bei dem Wechsel der Vorführung um«in Hin und Her von etwa 4666 Personen handelt, sehr erwünscht ist. Es entsteht eine besonders in den Abendstunden außerordentlich fesselnde Wirkung, wenn die in edlen schlichten Fonuen gehaltene Front, von Scheinwerfern indirekt beleuchtet, aus dem Dunkel der Umgebung aufsteigt. Auch im Innern hat man nicht so sehr den Eindruck eines Kinos als vielmehr den eines regulären Theaters. Und dieses Theater, das über 2000 Personen faßt, wird wahrscheinlich, wie einstmals das Bayreuther Fest- spielhaus und das Münchener Prinzregententheater, die Ausmerk- samkeit der Theaterfachwell im höchsten Maß erregen, denn es hat ein verhältnismäßig kleines Parkeit und einen weit vorgezogenen ersten Rang, der aber als Erweiterung des Parketts gedacht ist, sich fächer- artig erweitert und in einem Halbkranz von Logen endet. Während olle Vorräume in einem lebenswarmen satten Rot gehallen sind, weist der Zuschauerraum das Farbenspiel von Rot, Silber und Gold auf. Viel Gewicht wurde auf die gute Be- und Entlüftung des Hauses gelegt, um einen etwr siebenfachen Gesamt- luftwechsel in der Stunde zu gewährleisten. Ini Gegensatz zu den bisherigen Ausführungen wird die warme Luft in das Parterre in der Nähe des Gesundbrunnens leer wieder- gefunden wurde. Die Diebe find etwa 16 und 22 Jahre alt, doch fehlt eine nähere Beschreibung. Mitteilungen über das Auftauchen der Dollarnoten erbittet der 3. Kriminalbezirk der Kriminalinspektion Kreuzberg. Kokainrezepte für tzänüler.» Ein Arzt unter Anklage. Die Polizei behauptet, es gäbe in Berlin eine geringe An- zahl von Aerzten, die ihre Pflicht, den Mitmenschen zu helfen, so weit vergessen, daß sie aus deren Unglück ein Geschäft machen. Sie verschreiben Kokain, ohne sich darum zu kümmern, ob dies Gift nicht von Händlern an Koksschnupfer weitergegeben werde. Die Polizei glaubt diese wenigen Aerzte zu kennen. Gehörte aber der 52 Jahre alle Spezialist für Tuberkulose, der sich im In- und Aus- lande aus seinem Gebiete mit Erfolg auch literarisch betätigt hat, zu diesen Ausnahmen? Der P�lizeiarzt Dr A b r o m e i t zeigte sich der Verhandlung vor dem Schösfengericht Berlin-Mitte geneigt, die Frage zu bejahen: Professor Strohmann war aber anderer Ansicht und rettete somit seinen Kollegen vor einer Verurteilung. Es handelte sich um folgendes: Eines Abends erschien bei dem Doktor N., der in der Münzstrahe seine PZohnung hatte, ein Mann, der ihn äußerst erregt darum bat, ihm em K o t a i n r e z e p t aus- zustellen: er sei Schnupfer, seinen ständigen Arzt aufzusuchen könne er nicht mehr, da es dazu zu spät sei, er müsse aber unter ollen Umständen Kokain haben. Er bat so flehentlich, seine körperliche Untersuchung ergab so krasse Symptome dafür, daß es sich in diesem Falle wirklich um einen Koksschnupfer handle, daß Dr. N. ihm Kokain verschrieb. Das Honorar betrug 2 M. Nun sprach es sich aber in der Münzstrahe herum: Dr. N. verschreibt Kokainrezepte. Und die Kokainbedürstigen kamen. Schnupfer und Händler, nicht selten waren auch die Händler selbst Schnupfer. Dr. N. untersuchte sie mehr oder weniger sorgfältig und verschrieb ihnen das Gift. Vom 31. Dezember 1625 bis zum 24. März 1926 hatten ihn elf verschiedene Leute aufgesucht, denen er 49 Rezepte aus- aehändigt hätte: einem einzigen davon zehn Rezepte über je zwei Gramm. Die Polizei war aber erstaunt, bei den Verhaftungen der Händler festzustellen, daß sich zu den Ihr bereits brannten Namen von Kokain verschreibenden Aerzten noch derjenige des Dr. N. hin- zugesellt hatte. Sie verhaftete ihn unter der Anklage, daß er gegen § 2 des Opiumgesetzes verstoßen habe. Der alte Herr mußte eine wenig angenehme Nacht im Polizeipräsidium oerbringen und hatte sich nun vor einigen Tagen vor dem Richter zu verantworten. Prof. Straßmanns Gutachten bedeutete für ihn die Rettung: Das Medi- zinalkollegium der Provinz Brandenburg, so führte er aus, habe sich in der-letzten Zeit auf den Standpunkt gestellt, daß Narkotiras, die aus prophylaktischen Gründen verschrieben werden, als Heil- mittel zu betrachten seien. Es sei nicht abzunehmen, daß Dr. N., der für seine Rezepte Honorare unter der vorgeschrie- denen Taxe nahm, sie aus gewinnsüchtigen Motiven verschrieben habe. Der Staatsanwalt beantragte 500 M. Geldstrafe. Das Gericht ersparte dem Angeklagten zwar nicht den Vorwurf, unvar- sichtig gehandelt z» haben, sprach ihn jedoch gemäß dem Gutachten Pros. Straßmanns frei._ Razz'a in der Danziger Straße. Ei�en überraschenden Besuch von Kiiminalbeamten" erhielt gesterfi ein Lokal in der D a n z i g e r Straße. Die Beamten hatten beobachtet, daß viele Personen, die sich nicht getrauten, das Asyl auszusuchen, in diesem Lokal Unterschlupf fanden und zum Teil dort auch übernachteten. Kurz nach 9 Uhr erschienen Beamte der Streife Nord. Wer von den anwesenden Gästen sich nicht ge- nügend gusweisen konnte, mußte den Weg zur Wache in der El- unter dem Rang eingepreßt, um Zuglusterscheinungen durch Ueber- druck zu verhüten. Im Sommer dient diese Anlage als Kühl- anlag«, die, mit Ozon- und Lustfiltervorrichtung aus- gestattet, die Außentemperatur um etwa 16 Grad herabsetzen soll. Das Orchester, das zurzeit 55 Musiker unter Leitung des jungen Dresdener Kapellmeisters U l p i ch beher- bergt, ist versenkbar angelegt. Die Bühne, die einen Bühnen- ausschnitt von 13x9 Meter hat(dos Filmbild wird eine Größe von 4X6 Meter haben), enthält einen Kuppslhorizont und zwei hohe Seitenbühnen, die außerordentlich schnelle Verwandlungen infolge ihrer Anlage ermöglichen. Rechts- und links vom Orchester sind zwei unsichtbare Orgeln angeordnet. Eine technisch leicht und schnell durchzuführende Verwandlung ermöglicht zugleich Kenzertauffllhrungen im größten Maßstabe durch Zusammenfassung von Bühne, Podium und Orchester. Di« F e u e r s i ch e r h e i t ist in einem Umfang gewährleistet worden wie selten in einem Theater. Von zehn vorhandenen T r e p p e n a n l a g e n führen allein vier unmittelbar ins Freie. .Betritt man den Zuschauerraum, so wird man von einem Anblick gefesselt und überrascht, wie ihn Berlins Theater bisher nicht zu vergeben hatten: Ein riesiger Plafond im Durchmesser von 25 Meter, in blauaold irisierenden Farben gehalten, wird von etwa 166 verborgenen Scheinwerfern indirekt beleuchtet,«in wunderbar sanft erregender Anblick. Der aus der Unrast und dem Lärm der Straße Kommend« wird unmerklich in eine festliche, fast weihevolle Stimmung gezogen. Diesem Raum und diesem Theater kann man dieses hohe Lob erteilen: Es rafft die Menschen zulammen, es wirkt gemeinschaftsbildend. In allem hat ein reiches Maßhalten gewaltet, aber in einem hat man sich verschwenderischen Luxus gestattet: im Licht. Dieses Haus glänzt durch die Nacht wie ein märchenhaftes Kristallhaus auf dunklem Meeresgrund. binger Straße antreten. Es ergab sich die stattliche Anzahl von 56 Männern und 7 Frauen, die keine Papiere bei sich hatten. 13 Männer und 2 Frauen wurden dem Polizeipräsidium und der Fürsorgestelle eingeliefert. Disziplinarverfahren gegen Pfarrer Schnoor. Aus dem evangelischen Konsistor ru m erfährt der Evangelische Pressedienst amtlich:„Das Konsistorium hat gegen Pfarrer Schnoor in Königshof das Disziplinarverfahren eröffnet, aber nicht wegen des gegen ihn ausgesprochenen Mordverdachtes, sondern zur Untersuchung der sonst gegen ihn erhobenen Vorwürfe." Eine Untersuchung wegen Mordverdachtes kann selbstoerständ- lich das Konsistorium nicht ausführen, das ist Sache der Kriminal- polizei. keine Slahlhelmer im Saalbau Frledrichshain. Der Inhaber des bekannten Saalbaues Friedrichshain, Ernst L i e b i n g, bittet uns, mitzuteilen, daß die von einem kommunistischen Sensntions- abendblatt gebrachte Meldung, der Stahlhelmtag findet in seinem Lokal statt und er beherberge auch Teilnehmer der Tagung, nicht den Tatsachen entspricht. vle pofll sihc Lage der Veuischen in der Ischechoflowakel bespricht im Oelterreichtsch-Deuliiven VoliSburtd am Freitag,»cm 8. April, ab e n d S 8 Uhr, im Reichstag. 5ial 0 1, Eingang Borial 5, Dr. Josef Stark(AnwaU der österreichi'chen und deutschen Gesandtschast in Prag). Eintritt frei! Vieöer ein Erdbeben In Japan. Paris. 2. April.(WTV.) Den Zeitungen wird aus T o k i o berichtet, ein heftiges Erdbeben fei gestern voxmillag gegen 6 Uhr in ganz UZesljapan verspürt worden, und zwar in den gleichen Gegen- den. die Anfang März durch schwere Erdstöße oerwüstet wurden. Die Bewohner seien panikartig gefluchtet. Verluste an Menschenleben werden jedoch nicht gemeldet. Antike Möbel bei Gerson. Die Firma Gerson führt uns in einer Möbelausflellung in die Zest des 18. Jahrhunderts in Frankreich. Die Möbelkunst des damaligen Frankreich, die Formensprache französischer Königstlle, galt von der Mitte des vorigen Jahrhunderts bis in die.neuere Zeit wiedererwachten Stilwillens als leuchtendes Vorbild. Ein Salon ä la Louis XVI., zierlich« Damensekretärs aus Veilchenholz, all die zarten Schränkchen, Vitrinen, Kommodes Rögence mit ihrer kapriusiöfen, mannigsalten Art der Berarbeitung galten als der In- begriff vornehmen Mobiliars. In tausendfachen Wiederholungen und- allen möglichen Variationen wurden Kopien hergestellt. Natür- lich ging hierbei manch seine Nüancierung verloren, denn in der Kopie spiegelte sich der Geschmack der bctressenden Epoche und es waren in der Hauptsache die reich beladenen, goldverziericn Prunk- möb'el der großen SchlSssct, die für die besten Scböpjungen ge- halten und kopiert wurden. Die schlichten, zarten Möbel, deren Reiz in der Harmonie der Linienführung, der ungemein seinen, phantasievollen Ausführung bis in die kleinsten Details bestand, wurden ganz in den Hintergrund gedrängt. Und gerade sie wirken äußerst apart und haben in mancher Beziehung oft sogar etwas Gemeinsames mit' unserer Gesrbmäcksrichtung von heute. Di« Ans- stellung bietet in ihrer Reichhaltigkeit der Objekte viel Interessantes. Es handelt sich durchwegs um signierte Originale berühmter Meister ihres Faches, deren kunstvolles Handwerk sich durch Generationen weiter vererbte. Ein Stück wahrhaft alter Kultur, das einem unwillkürlich Wateausche Malerei und Mozartsche Musik wieder erstehen läßt, mit all ihrem Zauber kapriziöser Lebendigkeit und verwöhnter Lebensbejnhung Eine grelle Äütohupe draußen stellt uns slug» wieder auf feste Beine./ ßreigewertscbostliche Seamtenkonferenz. Im G«w«rkschastshause in Berlin fand dieser Tage die erste Konferenz des Landesausschusses Brandenburg des Reichs- bundes der Beamten und Ange st eilten statt. Die Wahl zum Lorstand des Landesausschsisses ergab folgendes Resultat: Strunk, Vorsitzender? N i e m s ch.'- Landsberg a. d. W., N a t e b u s- Potsdam und die weiblichen Mitglieder Otto- Lübben und Meyer- Görden Mitglieder des Dorstcmdes. Dann sprach Stetter über„Die künftige BesoldungsresornT. Er wies auf die große Gefahr hin, die den Beamten dadurch droht, daß die jetzige Reichsregierung an die Stelle der einheitlichen Besoldungsordnung mit ihren 13' Gruppen«ine solche mit 2 5 Gruppen stellen will. Auf Betreiben des Deutschen Be- amtenbundes und des Finanzministers von Schlieben wurde durchgesetzt, daß die gemeinsamen Verhandlungen mit den Arbeitern und Angestellten gesprengt wurden. Rur dadurch war es möglich, daß bei der letzten Besoldungsreform den oberen Beamten 70 Proz., den unteren dagegen nur 17 Proz. gewährt wurden. Aber auch heute sind die Lohnfestfetzungen der Reichsarbeiter sowie der Eisenbahner für die künftige Besoldungsreform der Beamten mit entscheidend. Die Beamten haben alle Ursach«, auf der �ut zu sein. Zu den Fragen der Ausbildung und Prüfung für das Pflege- personal, der Arbeitszeit. Schutzkleidung. Ruhelohnordnung, Ber- pflegung der Hauseingesessenen u. a. m. werden besonders Antrage an die Provinzialkörperfchaften gerichtet werden. Der Provinzial- landtagsabgeordnete Genosse Bruno La G ra n g e berichtet« über die Verhandlungen des Prooinziallandtage». Rur der Erklärung der sozialdemokratischen Vertreter, daß sie den Etat ablehnen würden, falls nicht eine ander« Eingruppierung des Anstaltspcrsonal» erfolge, war es zu danken, daß Entgegenkommen gezeigt wurde. Infolge des Verhaltens der bürgerlichen Parteien und der sonderbaren Ein- stellung der Kommunistischen Partei, war ein weiterer Fortschritt, ...»-..t.ii—.in----------—— Durch den rest- »u erreichen. Beschlossen wurde, den Tarifvertrag für dos nicht beamtete Per- fonal in leinen Bestimmungen über die Arbeitszeiten und die Lohn- sätze zu kündigen._ 40 Jahre„Deutsche Böttcherzeituug". Das Sozialistengesetz hatte die Organisation der Böttcher samt vielen anderen vernichtet. Doch blieb den Böttchern ihre Zentral- kranken, und-sterbekasse, aus der heraus die Kräfte zur Schaffung einer neuen Organisation rege wurden, die mit dem 1. Januar 18SÜ ins Leben trat. Der 2. Verbandstag im folgenden Jahre, der bereits 1800 Mitglieder in 16 Filialen mustern konnte, beschloß die Heraus- gab« eine» Derbandsorgans, das als„Deutsche Böttcher-, Küfer- und Schäfflerzeitung" am 1. April 1887 erstmals erschien. Das Blatt wurde in München gedruckt, der Redakteur Holtmann wohnte in Berlin und der Vcrbandssitz war damals schon in Bremen. Die Berbandsarbeiten mußten ehrenamllich nach Feierabend besorgt werden. Erst drei Jahr« später wurde der Redakteur angestellt, als Vor- sitzender der Krankenkasse. Die Sitzverlegung der Kasse nach Bremen wurde jedoch durch behördliche Schikanen bis zum 1. Oktober 1831 verzögert. Von einigen Geldstrafen abgesehen, wurden dem Ee- nossen Fritz Holtmann drei Gefängnisstrafen von vier, zwei und einem Monat wegen Verrufserklärung und Beleidigung von Streik- brechern aufgebrummt. Holtmann behielt die Redaktion bis zu seinem Tcoe im Dezember 1917. Während der Jnflativnszsit fehlte es an Geld, so daß einzelne Nummern des Blattes ausfallen mußten Die Auflage von 10 000 sank 1917 bis auf 6000, stieg in der ersten Nachkriegszeit auf IS 500 und ging dann wieder auf 11 000 zurück. Die Jublläumsnummer führt 1300 Mitglieder auf, die über 25 Jahre bis zu 42 Jahren ihrem Verband« die Treue bewahrt haben. Das ist der beste Beitrag, den sie bringen konnte. Kündigung des Lohnabkommens mit der Ufa. Wie uns von der Ortsoerwaltung Berlin des Deutschen M u l i k e r v e rb a n d e s mitgeteilt wird, ist das Lohnabkominen — 14"v-m Schutzverband Deutscher Filmtheater(Ufa), welches auch von den meisten Berliner Kinobetrieben anerkannt wird, zum 30. Zlpril gekündigt worden._ Tariffeindliche Kinos.' Bereits vor einiger Zeit wurde in der Arbeiterpresse auf die in Neukölln gelegenen, unter dem Namen Vereinigte Lichtspiel G. m. b. H. bekannten Kinos hingewiesen, in denen sowohl d i e Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht tariflich geregelt sind, als auch in der Hauptsache unorganisiertes Personal beschäftigt wird. Herr Direktor Baum hat in einem Schreiben erklärt, daß»räch den Tarifsätzen bezahlt wird, nur hat er leider vergessen anzugeben, daß dieser Tarif vxihrscheinlich in seinen» eigenen Bureau entstanden ist, ohne Hinzuziehung irgend- welcher Organisation. So muß von dem U. T.- H a s e n h e i d e, festgestellt werden, daß von sieben Musikern ein einziger i in Deutschen Musikerverband organisiert ist und daß dieser Musiker jetzt entlassen wird. Herr Baurn be- schüstigt in der Hauptsache in seinen Theatern Beamte, die»m Nebenberuf als Kinoinusiker tätig sind. Sobald irgendwie bekannt wird, daß der eine oder andere organisiert ist, gibt das einen Grund zur Entlassung. Auch die Verhältnisse in den anderen Theatern, die zum Konzern ehören, wie E d e n- P a l a st und Kukuk. Kottbuser Dainm, o l l k r u g am Hermannplatz. Stern. Lichtspiele in der Hermannstraße, Südstern, Exzelsior, Bergstraße, sind genau die gleichen, wie in dem vorhergehend genannten Theater. Von dem Stern-Palast in der Hermann st raße ist zu berichten, daß Kontrolleure mit 9 M. pro Woche für«ine 54stündig« Arbeitszeit bezahlt rverden. Herr Baum benutzt die gegenwärtige wirtschaftliche Notlatze, um auf Kosten seiner Angestellten möglichst hohen Profit zu erzielen. Alle Versuche der zuständigen Organisationen, mit Herrn Direktor Baum zu ver- handeln, sind bisher gescheitert. Die unterzeichneten Verbände ersuchen die Neuköllner werktätige Bevölkerwig, bei den Besuch von Kinos diejenigen Theater zu bevor- zugen, die organisiertes Personal beschäftigen und nach Tarif be- zahlen. Deutsche Filmgewerkschaft. Deutscher Musikeroerband, Ortsverwoltung Berlin. Leitergerüftbauer und Sauarbeiter! Die Unfallgefahr ist im Baugewerbe sehr groß. Ganz besonders groß ist die Gefahr für Arbeiter, die auf Leitergerüsten arbeiten. Um die Sicherheit der Leitergerüste einigermaßen zu gewährleisten. sind folgend« Vorschriften, die aus den Vauarbeiterschutzkongressen 1903 in Berlin und 1913 in Leipzig ausgestellt worden sind, neu ins Gedächtnis zu rufen: 1. Bei Einspannung in den Fenstern sind nur Eichenarme und Eichenklötze zu benutzen. 2. Bohlen von mehr als 5 Meter Länge sind zu vermeiden. 3. Bei Aufstellen der Leitern ist der Bürgersteig abzusperren. 4. Sämtliche Leitern müssen in Leiterschuhe gestellt werden. 5. Di« Leitern dürfen nicht weiter als 3,50 Meter gestellt werden. 6. Jede Dohle muß 25 Zentimeter Auflage haben. 7. Alle Bohlen müssen auf Eisenstäben liefen. 8. Bei hängender Rüstung an Brücken, ahnhofshallen und Maschinenhäusern sind a) doppelte Haken zu verwenden, b) oder mit Tauen oder Ketten abzufangen, c) Haken müssen mindestens 3 Zentimeter stark fein, d) die Stangen der Leitern müssen alle 3 Meter abgefangen werden. 9. Die Verlängerung der Leitern durch Lehnen ist verboten. 10. Die Stricke zum Befestigen der Leitern müssen aus Hanf hergestellt sein. 11. Bei Blockrüstungen dürfen nur Standleitern genommen werden. 12. Die Derkreuzungen müssen aus starken Kreuzungen bestehen. 13. Alle Aufsatzleitern müssen zwei Meter in der Unterleiter sitzen und in Eisenhaken hängen. 14. Zur Kontrolle der Gerüste ist es dringend notwendig, daß ein erfahrener praktischer Gerüstbauer hiiizugezogen wird. Bei den Rüstungsbauten ist in letzter Zeit festgestellt worden. daß nicht vorschriftsmäßig gerüstet wird: um dies zu vermeiden und Unglücksfälle zu verhüte»», sind alle nicht einwandfreien Rüstungen zu melden bei Hermann Walter, Pettenkofer Straße 25. Sektion der Leitergerüstbauer verlin». Tarifabschluß der Likörarbeiter. Die im Berliner Wein- und Li.örhandel beschäftigten Arbeiter atten ihre Organisation, den Lerkehrsbund, beauftragt, das lohnabkommen zum 31. März zu kündigen und sin« der Teuerung entsprechende Lohnerhöhung zu fordern. Die Unternehmer hatten sich nach längerem Verhandeln bereit erklärt, die Löhne ab 1. A p r i l um 2,50 Mark:= 6,2 Proz. und ab 1. September bis 31. Dezember um e«ne weitere Mark, insgesan»t also um 3,50 M.--- 8 Proz., zu erhöhen. Zu diesem Angebot nahm an» Dienstag abend«ine gut besuchte Versainmlung Stellung. Heftig kritisiert wurde die lang« Laufzeit des Abkommens und die ungenügende Lohnerhöhung, durch die die Verteuerung der Lebensmittel und Bedarfsartikel, der Mieten und Verkehrstarife knapp ausgeglichen werde. Die Verhondlungskommission erklärte dem gegenüber, daß die Zugeständnisse der Uirternehmer das über- Haupt in freier Verhandlung Erreichbare fei und empfehlen der Versammlung die Annahme. Das Angebot wurde schließlich nach längerer Diskussion mit einer knappen Mehrheit angenommen. Branchenversammlung der Hausreivigerinncn. Ein guter Auftakt zum Internationalem Frauentag war die am Dienstag abend im Königstadtkasino abgehaltene Branchcnversamm- lung der Portiers und Hausreinigerinnen. Die Landtagsabgeordnete Genossin K ü h n« r t sprach über den Kampf der Frau um die Würdigung ihrer Arbeit. Di« Referentin zeigte zunächst die Stellung der Frau in früheren Zeiten, wo sie, ein- geengt in ihre häuslichen Obliegenheiten, absolut keine Rechte hatte. Erst mit den Anfängen der Industrialisierung tritt eine Acnderung ein. Uebergehend zur Erwerbsarbeit der heutigen Frauen und Mädchen, wandte sich die RefcreMin gegen das besonders in dieser Wirtschaftskrise erhobene Geschrei vieler Männer, die Frau aus den Produktionsbetrieben zu vertreiben. Heute ist die Franenerwerbs- arbeit nicht mehr wegzudenken, denn wo sollen dir Frauen und Mädchen, die keine Familie gründen können, hin? Nicht Verbot, sondern gesetzlichen Schutz der Frauenarbeit in gesund- heitlicher Beziehung müssen wir fordern. Unhaltbar ist auch der Zustand, daß die Frau ihre Staatszugehörigkeit verliert, sobald sie«inen Ausländer heiratet. Im Völkerbund ist für dieje wichtig« Frage bereit»«in Ausschuß eingesetzt und es ist zu hoffen, daß hier bald eine grundsätzliche Regelung eintritt. Mit Recht wandt« sich die Referentin gegen die doppelte Moral, die immer noch angewandt wird gegen die uneheliche Mutter als Beamtin. Jeder Beamte erhält für seine unehelichen Kinder die gesetzlichen Zulagen, die Beamtin aber nicht, sondern sie kann einfach auf die Straße gesetzt werden. Sehr eingehend beschäftigte sie sich mit dem Recht der unehelichen Mutter und Kinder, der Schwangerenfürsorge, dem Z 218 und for- derte dann, daß die Geburtenregelung endlich in allen Staaten erfolgt. Aber all« diese Gedanken der Menschenökonomie können nur verwirklicht werden, wenn di« Frau im wirtschaftlichen und politischen Kampfe Schulter an Schulter mit dem Manne kämpft in der Sozial- demokratischen Partei, der Dorkämpferin der Frauenrechte, damit endlich mehr Glück und Sonne hineingetragen wird in die Reih«n der Arbeiterschaft. Reicher Beifall lohnte die mit großer Sachkennt- nis vorgetragenen Ausführungen der Referentin Nachdem die Versammlung 14 Delegierte zur örtlichen Generalversammlung des Verkehrsbundes gewählt hatte, brachte Genosse Herrlinger noch einige Freiheitsgedicht« zum Vortrag. &ttzelftreiks öer Metallarbeiter in Nieöerschleften. Görlitz, 2. April.(WTB.) In einer Reihe von Betrieben des Verbandes nied.erschlesischer Metallindustricller siiid während noch schwebender Verhandlungen vor dem Schlichter Teilstreiks ausge- krochen. Es stehen etwa 1500 bis 2000 Arbeiter im Streik._ Einigung im französischen Bergbau. Paris, 1. April.(Eigener Drahtbericht.) Nach einer mehr als dreistündigen bis in die Nacht dauernden Diskussion unter dem Vor- sitz des Ministers der öffentlichen Arbeiten ist eine Einigung in der Frage der beabsichtigten Herabsetzung der Löhne zwischen den Grubenarbeitern des Nordens und des Pas de Calais und den Grubenbesitzern zustande gekommen. Aus Grund derselben wird der Arbeitslohn um 2,60 Franken pro Arbeitstag für diejenigen Arbeiter herabgesetzt, die die höchsten Löhne beziehen, für die anderen Kategorien»vird eine Herabsetzung In deinselben Verhältnis spielen. Gleichzeitig haben sich die Grubenbesitzer bereit erklärt, vom heutigen Tag« an eine Herabsetzung der Verkaufspreise für Kohle zwischen 15 und 18 Proz. je nach der Kohlenart eintreten zu lassen. Die Herabsetzung der Löhne soll erst am 16. April eintreten. Der amerikanische Bergarbciterstreik. London, 2. April.(TU.) Wie aus New Pork gemeldet wird, sind von dem Bervarbeiterltreik die Bezirke Indiana, Ohio, Illinois und Pennfyloanien betroffen. Vor allen Gruben stehen Streikposten. Starte Polizeistreitkräfte sind noch dem Streikgebiet abgegangen. Mu/iuiit)«-'WMuvvc.tsv.i.i JJIC 1 1 Ii IU Vi/1 ll)l Binz Straße 23, führt auf der Baustelle Dubliner-, Ecke Glasowerstraße, Einschalwänd« aus und beschäftigt Putzer u n d, Träger vom„Jndustrieverband" Müllerstraße, die «C-iuizct uuut n\j> i u u 1 1 i uuitis„l/iu.u-cl.iiiuqi., nicht vom Arbeitonach we i a angefordert sirid, trotz- dem genügend Putzer für Einschalwänd« aus dem Arbeitsnachweis vorhanden find. Dieses Vorgehen der Firma verstößt gegen unseren Tarifvertrag. Infolgedessen ist die Firma für Einfchalputzer und Träger p e j p e r r t. Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe Stuck- und Gipsbau. von 146 Zechen des Ruhrgebietes liegen bisher die Ergebnisse der Betriebsrätewahlen vor. Danach erhielten Stimmen: Freie Gewerkschaften 127 742 1014 Mandate? Christen 47 690 339 Man- daie, Hirsch-Dunckersche 2803 14 Mandate? Polen 635 3 Mandate? Syndikalisten 3499 25 Mandate; Gelbe 4176 30 Mandate. Theater der Woche. Bom 3. Zlpril bis 11. April 1927. LollrbLhue! 8. bi» 7. und!>. Gcioittcr über IZotttand. 8. Volponc. 1v„ It. itraumspiel.— Oper am Plaz der Rcpublil! 8. eaoallcrla Idusticana, Laiazzi. 4., 10. Vainpyr. t. Der fliegcnb« Holländer. 6. Troubadour. 7. Sieg- fr. ed. 8. Socio chodunow. 9. Nvsenkavalier. II. Wailllre.— Btaatotheaierr 3., 4., 7., S.. 10. Ein besserer Herr. S.(Neu einstudiert) Der Wiidschutz. 0. Bastien und Z asticnnr. 8. Der Apotheker. II. Faust, I. Teil.— Schiller. Theater:. 3., S., II. Kilian. 6., 7., 10. Razzia. 8., 9. Prinz Fricdr.ch v. Homburg— Drutfche, Theater: Der Arzt am Scheideweg.— Kammcrfpiele: Toni.— Die Komcdie: Mannequins. 7. Ziachtvorstcllung: Was Sie wollen. Ab 8. tägl. Nochtoorftcllung: Was sie wollen.— Leistng-Theater: Der Patr.ot.— Theaier in de» Kitniggräher Strohe: Bi« 4. Die treu» Rymphe. Ad d. Di« Schul« von Uznach. Sradt. Oper Sharlottenbarg: 8. Da« 9 beingold. 4., 10. Der arme Heinrich. S. Tosca. 0. Turandot. 7. Jugend im Mai. 3. Die Schlacht bei Vittoria, Die©cfchdpfe deo Prometheu«, T on Juan. 9. Der Barbicr von Sevilla. II. Falstaff.— Drohe, Schaufpieihau«: Wie»inst im Mai.— Theater de- West«»»: Wissen Sie schon..— Sienaiffancc. Theater: Der drei zehnte Stuhl. Ad 7." M Spiel im SchloK Haus': Da« zweit________________._____. Theater am Zao: Das E«timom!ihel.— Trianoa-Iheater: Mitllers.— Residenz. WW tägl. Nachtvorst. 1014 Uhr Montmartre.— Die Tribiiae: chlosi.— Deutsche» Sünstlerthcater: Der Zarewitsch.— jtomcdien. ano: Da« zweite Leben.— Dcrltuer Theater: Der Hampelmann.— Neue» Theater am Zoo: Das Estimomädel.— Triailoa-Theater: Mitller».— Rr.„ Theater: Di« Frau aus Anteilscheine.— Zentral-Theater: Der blonde Zigeuner. "''-------*-«. 8. Di«: kömische Oper: Sünden der Welt. Theater: Di« Frau aus Anteilscheine.— Zentral-Theater: Der blonde Z — Theater in der kommandanteustrahe: Berlin wie c« weint und lacht letzt« Warnung.— Theater am Schissbanerdamm: Tragödie der Li komische Oper: Sünden der Welt.— Lustlpielhau«: Hurra— ein Junge.— Metropol-Theater: Die Zirkusvrinzcssin.— Thalia-Theater: Der mutige See. fahrcr.— Theater am Rolleudorsplatz: Drei arme kleine Mädel«.— Theater am Kursllrstendamm: Pit Pit.— Kleines Theater: DI« goldene Galeere.— Walluer Theater: kiiss« In der Nacht— Theater in der Klosterstrahe: 3. Pen. sion Schellet. 4., 7., 9, Lieb,. 5. Gespensier. 3. Pfarrhauskomödie. 8., 10., II. Friihlingswahn.— Walhalla-Theotee: Die von der Liebe leben.— Rose- Theater: Die be ben Nachtigallen.— Kasino-Theatcr: Familie Habenichts.— Theater in der Lützowstrahe: Die Frau ohne Mann. 7. kein« Thratervorstellung, dafür Tanzadcnd von Toni Freeden.— Theater im Admiralspalast: Bive la dafür Tanzabend von Toni Freeden.— Theater im Admiralspalast: Blve la femme!— Wintergarten und Seala: Internationale« Variete.— Reichshallen. Theater: Etcttiner Sänger. N»ck>mittaa»vor stellung«». vokk»büh»«: 8. Zudrth. 10. Bol- oone.— Over am Bläh der Republik: 3. Madame Butterfly.— Staatstheater: ammrrspiele: 10. llVh Uhr vorm., Bühne der Jugend 3., 10. Napoleon. Schauspielhaus: 3., 10 Wie einst im Mai.— Theater de» Westens: 3., 10. Wissen Sie schon...— Renaissanre. Theater: 10. Aber Mama.— Berliner Theater: 3., 10. Der Hampelmann.— Neue« Theater am goo: 3. vorm. llih Uhr: Tanz Malinte.— Trianoa-Thtate«: 8., 10. Klubleute.— Theater in der Kommardaatenstrah«: 3., 10. Hinkemann.— Theater am Schiff- baucrdamm: Z. Der Geizige. 10. Da« Gradmal des unbekannten Soldaten.— Komische Oper: 8., 10. Sünden der Welt.— Thalia-Theater: 3., 10. Der Bidcr. pelz.— Wallner-Theater: 3. Der Herr Senator.— Theater i»»er Kloftcrstrah«: 3. Maria Stuart. 10 Iphigenie.— Walhalla-Theater: 8., 10. Die oon der Llede leben.— Nose-Theater: 9., 18. Nobinson.— Rrich»hallen. Theater: 8., 10. Stettiner Sänger. Verantwortlich für Politik: Biet« Sckäss-, Wirtschaft:®. SlingelftPfct; Eewerlschafisbcweaima: Friedr Cpkorn: Keu:lleton: K. A. Dlscher: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt! Änzeigrn: Th. Gloikei sämtlich in Berll» Verlag: Borwarts-Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckcret und Verlagsanftalt Paul Sing-r n Co.. Berlin SB 38, Lindenstrahe 3. Hierzu 1 Beilage. » NEUERSCHEINUNGEN DES VERLAGES J.H.W.' DIETZ NACHF.££/ BERLIN SW68 Eva Klaar: Kartoniert Dr. Gayer, Dr. Moses: Gesetz zur Bekämpfung der Geschlethtskrankheiien. Nebst Erläuterungen und Kommentar. Kartoniert....... 1,60 M. Die vier Tage der Hanne Werth. ............. 1,50 M. Hans Schlegel: Spanische Novellen. Kart. ca. 3,50 M. Dr. Julian Marcuse: Hygiene des Arbeitersports. Kartoniert ca............. 3,— M. Pro?. Dr. Grotfahn: Das Gesundhaitsbuch der Frau. 4. Auflage, Halbleinen.......... 4,50 M. Karl Marx: Das Kapila\ Kritik der politischen Oekonomie. >1. Band. Volksausgabe. Herausgegeben von Karl Kautsky. Halbleinen ca............. 13,— M. Dr. John Schihowski: Kunstschaffen und Kunst- erleben. halbleinen ca......... 6,— M. Friedrich Eberl-Porträt. Bildgröße 46X62 cm. Nach dem Gemälde von Conradt. Sieben-Farben-Offsetdruck. 9.50 M. Zu beziehen durch jede Buchhandlung Unser Sortiment Lindenstraße 2 enthält reiche Auswahl aller Literatur. Besuch ohne Kaufzwang erbeten -< V'.•aVS'. *>.. � H»-»- . Sonnabend 2. Jtycll 1927 Sellage des vorwärts Neues Veröen. Wohl auf keinem Gebiete der Arbeiterbewegung macht sich in der letzten Zeit ein solches Drangen nach neuen Betätigungsformen, nach neuen Wegen bemerkbar wie auf dem Gebiete der Kultur» bewegung. Diese Tatsache veranlaht uns. all«. Erscheinungen auf diesem Gebiet« eing«hend«r zu verfolgen als es bisher geschehen konnte und den Erörterungen und Berichten über proletarische Kulturarbeit in einer von nun ab wöchentlich erscheinenden Beilage Kulturarbeit- Raum zu geben. Dem oberflächlichen Beobachter mag«s scheinen, als ob den ver. fchiedenartigen Zweigen der Arbeiterkulturbewegung ein« über. triebene Bedeutung beigemessen werd«. Wer aber mitten in der prole. wrischen Massenbewegung steht und die Empfindungen und Ge. danken jener breiten Kreise kennt, die sich aus der niederdrückenden Not der Gegenwart zu einem freien Menschentum emporzuringen suchen, der weiß, tatz gerade auf kulturellem Gebiet« jene neuen Gemeinschaftszellen sich bilden, jene neuen Ströme des Erkennens und Wollens entstehen, die berufen sind, frische, kräftig« Antrieb« in die Arbeiterbewegung hineinzutragen. Die bürgerlichen Parteien, die jetzt in ihrer übergroßen Mehr- zahl in der Front der Kulturreaktion marschieren, sorgen selber dafür, daß das Jnteresie für Kulturfrogen, das eine Zeltlang durch die Fragen kfer Politik und Wirtschaft zurückgedrängt war. wieder in den breitesten Kreisen der Arbeiterschaft erwacht. War es schon im alten Kaiserreich so, daß die Freiheit der Wisienschaft, Literatur und Kunst, die Freiheit des kulturellen Schassen», von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur bei der sozialdemokratischen Arbeiterschaft unbeugsame, konsequent« Aerteidigung fand, so tritt auch setzt mehr und mehr zutage, daß die sozialistische Arbeiterschast die stärkste Dortämpferln in dem Abnxhrkampfe ist, der in der Re. publik gegen die Dunkelmänner und Mucker geführt werden muß, die auf Schleichwegen die in der Berfasiung garantierten kulturellen Freiheiten zu zertrümmern suchen. Der .Sozialistisch« Kulturbund", der im vorigen Jahre als Spitzenorganifalion aller proletarischen Kulturorganisationen gebildet wurde, hat durch seine energischen Aktionen im Kampfe gegen das Schund- und Schmutzgesetz wie jejjt auch gegen das„L u st b a r k e i t s g e s e tz" bewiesen, daß in der Arbeiterbewegung der feste Wille lebt, der heraufziehenden Welle der Kultutreaktion entschiedenen Widerstand entgegenzusetzen. E» sind aber nicht allein diese durch die innerpolitijche Situation»nt- standenen Notwendigkeiten, die die Arbeiterschaft zwingen, sich in viel stärkerem Maße als bisher mit Kulturfragen zu befassen. Nicht minder stark wirkt sich in den letzten Jahren, allerdings noch nicht in genügend umfassendem Matze, die Notwendigkeit aus, durch Ver. stärkung der proletarischen Bildungsarbeit und durch Klärung der neuen Probleme, die überoll entstanden sind, die Ar. beiterschoft in den Stand zu setzen, ihren Gegnern aus allen Gebieten de» öffentlichen Leben» mü genügender Schärfe entgegenzutreten. Auch hier sind«» in erster Linie die praktischen Aufgaben de» Kamp. se» auf politischem und wirtschaftlichen». Gebiet«, die die vorwärts» strebenden Elemente der Arbeiterklasse zwingen, ihren geistigen Horizont zu erweitern und sich mit sachlichem und fachlichem Wissen auszurüsten, um Ihren Gegnern geistig gewachsen zu sein und die oft komplizierten und schwierigen Aufgaben in Staat, Gemeinde, Wirtschaft, Kulturarbeit usw. ausführen zu können. Dieses Streben nach besserer geistiger Ausrüstung und tieferer wisienschaftlicher Erkenntnis herrscht allerdings nur in jenen ver- hältnismäßig kleinen Kreisen der Arbeiterschast vor» die berufen sind, verantwortlich« Funktionen in der Arbeiterbewegung auszu- üben. Es wäre aber falsch, anzunehmen, daß in der breiteren Masse kein Drang nach Wissen und nach stärkerer kultureller Betätigung vorhanden ist. Auch hier sind die mannigfaltigsten Bestrebungen bemerkbar, sie haben nur noch nicht jenes einheitliche Gepräge ge. funden, das sie au» den oft chaotisch anmutenden Strömungen der Gegenwatt zu einem großen«irtheitlichen Strom zusammensühtt. Hier die nötigen Grenzlinien zu ziehen und die besten Wege au«. findig zu machen, ist ein« der schwierigsten Ausgaben, die der prole. tarischen Kulturarbeit in den nächsten Jahren bevorstehen. Es kann bsi der Lösung dieser Aufgab« nicht übersehen werden, daß in breiten Kreisen der proletarischen Bevölkerung, vor allen Dingen bei den Frauen und Jugendlichen. starke Gesühlsinomente zu berücksichtigen sind, die geweckt werden müssen, um die große Masse fester als bisher mit dem Sozialismus und dem proletarischen Befreiungskämpfe zu verbinden. Die Nüch. tcrnheit und Eintönigkeit de» Tageskompfe». der so manchem nur als aufreibender Kampf um kleine Lerbesserungen auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet erscheint, hat viele in dos Loger der Gleichgülti- gen und Untätigen getrieben. Die Unkenntnis der schwierigen und komplizierten Derhöltnisse. die die Arbeiterklasse auch in der demo» kratischen Republik zu überwinden hat, hält nicht wenige Männer und Frauen, die noch ihrer gangen Lebenslog« zu uns gehören, fem von der sozialdemokratischen Bewegung. Alle diese Elemente, die unerschöpflich« Reserven für unsere Bewegung bergen, können nur gewonnen werden, wenn durch umsassend« Kulturarbeit auf allen Gebieten und durch Verbindung dieser Arbeit mit den politi- schen und wirtschaftlichen Kämpfen das Seelen, und Gefühls. leben der proletarischen Mass« m stärkster Weise ersaht und de- einsluht wird. In dieser Richtung zeigen sich In der Arbeiterkultur. bewegung die erfreulichen Ansätze. Ueberall wird intensiv gearbeitet. Namentlich durch die Jugendbewegung geht ein frischer Zug. Die mächtig aufblühende Kinder- sreundebewegung pflanzt die Keim« sozialistischen Empsindens und eines neuen Gemeinschaftslebens in die Seelen der Ktnder. schütz' sie vor den Gefahren der Verrohung und Berwahrlosung, denen sie in der Enge und Not des proletarischen Daseins ausgesetzt sind. Die S o z i a l i- stische Arbeiterjugend schult die ljtronwochsende Generation, stärkt ihren Geist und Körper, lehtt sie jene enge Kameradschast üben, d>« Boraussetzung erfolgreicher Gemeinschaftsarbeit ist. Die sungsozialistischen Gruppen bieten den geistig mehr intneisietten jungen Parteigenossen die Möglichkeit Zur Selbstvcr- ständigung und theore ischen Klärung. Die s o z i a l d» in o k r a- tischen Lehrer und Lehrerinnen schaffen überall freudig mit» wo«» gilt, die junge Generation in sozialistischem Sinne zu schulen und die Angriffe auf die freie Schule abzuwehren. Di« Ar, beitersänger und- s p o r t l e r werben aus ihrem Gebiet. Die Volksbühnenbewegung sorgt ihrerseits dafür, daß ln der proletarischen Bevölkerung dos Verständnis für neue Formen der dramatischen Kunst sowie die Pflege der besten Traditionen im Theaterwesen Boden finden. Partei und G«. werkschaften bemühen sich durch ihre wissenschaftlichen und künstlerischen Veranstaliungen, daß das Bedürfnis nach Kursen, Vortrögen und Feiern, die eine be- sondere sozlalistlsch-proletorische Stote tragen, befnedigt wird. So sind zahlreiche Kräfte am Werke, die gemeinsam auf dasselbe Ziel hinarbeiten, gemeinsam das Kulturstreben des Proletariats unter- stützen, ihm neu« Wege des Erkennen? und Empfindens weisen und aus den Reihen der heranwachsenden Generation jene .neuen Menschen" heranzuholen suchen, die an die Stelle der Alten treten sollen. Was dieser vielgestaltigen Bewegung heute noch fehlt, ist die größer« organisatorische Einheitlichkeit und stärkere innere Geschlossenheit. Dieses Ziel kann nicht von heute auf morgen erreicht werden. Es wird aber verwirkllcht werden, wenn die in der Kulturbewegung tätigen Genossen zu der Erkenntnis gelangen, daß die notwendige Oekonomie der Kräfte nur durch engste Zusammenarbeit erzielt werden kann. Erst dann wird die Arbeiterkulturbewegung neben der politischen und wirt- schaftlichen Bewegung gleichwertige Beachtung finden und der ge- samten Arbeiterbewegung jene neuen Kräfte zuführen, die sie zur Verwirklichung ihrer großen menschheitsbefreienden Aufgaben braucht. Die berliner Arbeiterkulturbewegung. Von Richard Weimann. Der Gedanke der Arbeiterbildung hat in Berlin schon frühzeitig Gestalt gewonnen in der von Wilhelm Liebknecht im Jahr« ZSSI g«. gründeten Arbeiterbildungsschule, die wohl da» älteste sozialistische Bildungsinstitut in Deutschland ist. Neben dieser Einrichtung, deren Bedeutung für die Berliner Arbeiterbewegung unbestritten ist, be> gann eine planmäßige Pflege der Arbelterblldung erst In den letzten Jahren vor dem Kriege durch den damals errichteten Bezlrksbil- dungsausschuß für Groß-Berlin, der von der Partei und den Ge- werkschaften gemeinsam unterhalten wurde. Dieser Ausschuß gab für das Jahr 1013 und 1914 je einen Leitfaden für die Bildungs- arbeit in Groß-Berlin heraus, der den ersten ernsthaften Versuch darstellt, das Berliner Arbeiterbildungswesen aus eine gemeinsame Linie zu bringen und diese Linie klar und eindeutig herauszuarbeiten. Der Krieg hat diese hoffnungsvolle Arbeit zerstört und das Berliner Arbeiterbildungswesen in einen Zustand unheilvoller Zersplitterung zurückgewarsen. Erst die vor etwa Jahressrist erfolgte Gründung des Berliner Arbeitertulturtartell» erneuert, wenn auch noch sehr zaghast, den Versuch, eine Zusammenfassung der Kräfte vorzunehmen und der Arbeiterkulturbewegung damit die ihm sehlend« innere Kraft und äußere Wirkung zu geben. In keiner Stadt sind so günstige Bedingungen für die Arbeiter» kulturbewegung zu finden wie in Berlin. Kräfte und Mitarbeiter sind für alle Bildungsausgaben ausreichend vorhanden, große Massen wohnen dichtgedrängt zusammen. Aber es fehlt die Nutz. barmachung all dieser Kräfte und Energien für die sozialistische Kulturarbeit, es fehlt die Mobilisierung der Massen. Es ist er- schreckend, wie gleichgültig breite Arbeiterschichten noch allen An- gelegenheiten der Kultur, mag es sich nun um Schul- und Er- ziehungs. oder um die eigentlichen Arbeiterbildungsfragen handeln, gegenüberstehen. Diese Massen zu aktivieren, in ihnen«in sozialisti- sches.Kulturbewußtsein�zu wecNw.�ist«ine unserer dringendsten Aufgaben. Hinter dem Arbeiterkulturkartell stehen die arohen Orgonisa« tionen der Berliner Arbeiterschast mit ihren Massen von Mit- gliedern. Aber in den kulturellen Veranstaltungen ist von diesen Massen noch wenig zu spüren. Selbst wenn die proletarischen Feier- stunden im Großen Schauspielhaus ein volles Haus aufweisen, kann von einer wirklichen Anteilnahme der Massen, wenn man an die Hunderttausende Berliner Arbeiter denkt, noch kein« Red« sein. Warum sollte es aber nicht gelingen, durch ein Zusammenwirken aller Organisationen einmal ein sozialistisches Volksfest Ins Leben hinein! Morgenfeier der So,ialistiichen Arbeilerjugend Groß- verlin am Sonvtaa. dem 3. Avrll. vormittags ll Uhr, lm Großen Schauspiel- hau», Sarlstraße.— Einlaß l(M2 Uhr. Eintritt 0,50 M. in großem Stil durchzuführen? Oder ein« Maiseier zu ver. anstolten, die sich nicht zersplittert in viele Einzelfeiern, sondern den geschlossenen Aufmarsch der proletattschen Massen sieht? Solch« Der. anstastungen im Großen, deren Träger die breiten Schichten des werktätigen Voltes sind, müßten von stärkster Wirkung sein, würden die Bedeutung der sozialistischen Idee nach außen manifestieren und den einzelnen um so fester mit der sozialistilchcn Bewegung verbinden. Für diese Veranstaltungen müssen neue Formen, muß ein neuer Inhalt gefunden werden. Die proletarischen Feierstunden deuten die Linie an, wenn sie auch nach Form und Inhalt noch keineswegs befriedigen. Was an eigener Schöpferkrost in der Arbeiterschaft lebt, was an Eigenwertigem(vom Sprechchor bis zum Massenfest. spiel) in den einzelnen Kulturorganisationen vorhanden ist, da, be> darf der Förderung und mutz mehr zur Geltung kommen. Wir sollten dringend daraus hinwirken, un» von der.überkommenen Form der Feste, die die Besucher zum passiven Zuhören und Zu. sehen zwingt, loszulösen und die Massen nicht nur stärker zum eigenen Miterleben, sondern darüber hinaus zum aktiven Mit- t u n zu erziehen. Ueberhaupt wird die sozialistische Kulturbewegung sich stärker öffentlich bemerkbar machen müssen. Mit steigendem Erfolg werden bereits in anderen großen Orten össentliche Kulturtagungen, ja so. gar Kulturwvchen veranstaltet, die neben der Stellungnahme zu wichtigen kulturellen Problemen auch praktisch durch Darbietungen jeder Art die Kullurlätigkeit der Arbeiterbewegung veranschaulichen. Diese Veranstaltungen, die selbstverständlich sorgfältiger Vorbereitung bedürfen und darum nicht allzu oft stottiinden können, geben Rechenschaft über den Stand unserer Kulturarbeit, veranlassen zur Selbstkritik, legen aber auch vor der Oejsent.ichteit Zeugnis ab von dem starken Kulturwillen in der Arbeiterbewegung. Auch auf dem Gebiet der geistigen Schulung der Arbeiterschaft ist noch vieles zu tun. Obwohl die beiden Bildungsschulen in Berlin, die Gewerkschafts- wie auch die A r b e i t e r b i l. dungsschule im letzten Jahr einen erfreulichen Zuwachs an Hörern verzeichnen können, und obwohl auch die im vorigen Jahre gegründete Frei« Soziali st lsche Hochschule mit ihren Vortragsreihen und Seminaren lebhaften Anklang gesundem hat, muß da» Interesse der Arbeiterschaft für eine systematische sozialistische Schulung noch viel mehr geweckt werden. Das Haupt- augenmerk ist hierbei auf die jüngere Generation zu richten. In diesem Zusammenhang würde ein engeres Hand-in-Hand- arbeiten mit der Jugendbewegung in Frage kommen. Bor allem aber sind die beiden Schulungsstätten zu einem Lehrgebäude auszubauen, das durch einen organischen Aufbau eine systematisch« und methodische Ausbildung der Hörer ermöglicht, das aber auch auf eine gründliche Spezialausbildung der wichtigsten Funktionär- gruppen der Arbeiterbewegung Wert legt. Gleichzeitig wäre zu begrüßen, wenn die werwollen geistigen Kräfte, die in den beiden Schulen und im Bildungswesen tätig sind, stärker für die gesamte Arbeiterbewegung nutzbar gemacht würden. Die Veranstaltungen der Partei wie auch der übrigen Arbeiterorganisationen würden dadurch eine wertvolle Belebung und Bereicherung erfahren. Daneben seien nur angedeutet die Vereinheitlichung und der Ausbau der Arbelterbüchereien, die Mitarbeit am Rund. funk, die Auswertung des Films für die Arbeiterbewegung, um neben vielen anderen nur einig« der wichtigsten Aufgaben zu nennen, die unser« Beachtung verdienen. Diese Fülle der Ausgaben verlangt gebieterisch, daß«ine stärker« Zusammenfassung der kulturellen Orga« nisationen und Kräfte in Berlin erfolgt. Es bedarf der Schaffung einer wirklich leistungsfähigen Arbeiterkultur- zentrale für Berlin, die von dem Vertrauen der gesamten Arbeiterbewegung getragen ist und der sozialistischen Kulturarbeit Ziel und Richtung gibt. Der Sozialistische Kulturbund, der als zentrale Spitzenorganisation gegründet worden ist, wird seine großen Aufgaben nicht erfüllen können, wenn nicht auch in den bedeutsamen Kulturzentren des Reiches, vor allem in Berlin, eine geschlossene sozialistisch« Kulturbewegung geschaffen wird, die Ihm die organisatorische und ideelle Grundlage für seine Tätig- keil gibt.___ China van einst und heute. In der Brauerei Willner in Pankow hielt gestern abend Genosse Dr. B i e n st o ck einen Vortrag über das E h i n n von einst undbeute an Hand einer großen Anzahl von Lichtbildern. dl« vom Reichsbildungsousschuß zusammengestellt worden waren. Immer muß man daran denken, so führte der Redner aus, daß die Chinesen auf eine vieltausendjähripe Kultur zurückblicken. Davon zeugt auch die berühmt« chinesische Mauer, die vor Jahr- Hunderten gegen die Einfalle der umwohnenden Barbaren errichtet worden ist. Aber diese Mongolen und Tungusen sind chincsiriett worden, und der gleiche Asstmilationsprozeß hat sich auch bei den Mandschus abgespielt, die im 17. Jahrhundert eingedrungen sind und die letzte Dynastie de» chinesischen Kaiserreichs stellten. Viel gesähr- licher für China aber ist der Einbruch der„weißen Teufel" gewesen. erst der Portugiesen, dann der Engländer, Franzosen, Amerikaner. und Deutschen. Welche hohe Entwicklung zeigt nicht die Baukunst des alten Ehlna, die freilich tm Gegensatz zur Gotik eine Holzbau- t u n st gewesen ist: Und von hoher Kultur zeugt auch die Lehr« Konsutses, der im sechsten Jahrhundert vor Christus lebte und nicht eigentlich eine Religion, sondern«ine Moral verkündete. Be- trachten wir die berühmt« Totenstroße der Ming-Dynasti«, so sehen wir eine„S i e g e s a l l e e", viel viel würdiger und schöner als die von Berlin. China ist heruntergekommen durch die Korruption seines Herrscherhause» und setner Derwallung. Daher ist auch heute der Weg vom Bettler zum Räuber, vom Räuber zum Soldaten und vom Soldaten zum General so leicht. Während die Eisenbahnen in China noch nicht ausgebaut find, ist dos uralt« Wasser st raßennetz bewunderungswert. Im zweiten Teil seines Vortrage» führte Genosse Bienstock in das China oon heute. Der Kampf Kantons, so sagte er, richtet sich im Grunde gegen die ausländischen Unternehmungen und Konzesstonen, die einen Staat im Staate darstellen und ein« eigene Gerichtsbarkeit haben, der sogar die Chinesen unter- warfen waren. Der Stichtag dieser großen historischen Umwälzung war der 20. Mal I92S, als zum erstenmal tn Schanghai von den Engländern Chinesenblut vergossen wurde und der englisch« Kommissar das zum propagandistischen Schlagwort gewordene: „8 k o o t t o kill",„Schießen, um zu töten', sprach. Di« chinesi- schen Marschälle wie Tschangtsalin. Wupeifu, der gerissene„christ- liche" Fcng und Tschangtschungtschang. kommen erst in zweiter Linie. Unsere ganzen Sympathien, so schloß der Redner, stehen aus feiten de» chinesischen Befreiungskampfes vom ausländischen Joch. Arbeitcrsänger in der Garnisonkirchc. Der Männerchor Fichte-Georginia gab als Beet, h o v« n- G e d e n k s« i e r tn der G a r n i s on k j r ch e in der Neuen Friedrichstraß-«in Konzert. Unter der Leitung des Dirigenten Wilhelm Knöchel wurden sehr gut ausgeführte Männer- chöre gesungen. Das Lambinon-Lluartelt, eine unserer besten Streicher» Vereinigungen, bot Beethovens herbes Streichquartett in C-rnall, op. 18 in vollendetet Ausführung, später Schuberts V-Moll-Ouar- tett. Godfried Zilauder. der Cellist der Lambinon-Dercinlgimg, trug zu der schönen Veranstaltung noch zwei Eellosoli bei, die Organist Otto Priebe an der Orgel begleitete. Außerdem gab es an diesem Abend zwei Ersiaufführungen. Kompositionen des Chordirigenlen Knöchel. Ein Männerchor in Verbindung m«t Sprechchor war inter- cssant durch seinen Willen zu neuen Wegen, die aber Irrweg« sein dürsten. Ein Sprechchor, der scharf skandiert und unbetant durchaus nicht für die Sprcchchortechnit geschaffene Satz« in den Chorgesang hineinlprlcht, schaff, keine Stimmung, sondern zerstört sie. Eine ersreultchere Gabe für Männerchör« dürste dagegen die Lebensweise zum Text von Richard Dehmcl darstellen, au, der ein Bruchstück geboten wurde. Das Werk ist, soweit man nach dem Gehörten ur> teilen kann, eine recht siimmunasvoll«, durchaus als Ehorwsrk emp- fundene Komposition, die allerdings nicht ganz leicht zu singen ist. Der tüchtige, siimmlich sehr saubere Ehar Fichte-Eeorglnia bracht« sie In einwandfreier Aufführung. Ter. vte Ireidenker.Zuqendwelh, der»eichsarbcUsgemelnlchasl krelgelst gre Verdünd« sind«! nm Sonntag, dem S. April, vorm. 10 Uar, lrir Reutöltn Stern-Kino Palall, Hermannllr. 49. halt. Kanen a«0 Pl. sind in allen ZnHllleUtn der sZeucrbeslallung und an der Kasse zu Kaden. Da» Sess-kesagcnd'«no wohNahrlsan» vrenzlouer Vera veranilalltt einen Vorl'.agS'nisuS lür Milgtieder der NobnadrlSkommbsioncn. irei. willige Heiscr und Milarbeiter der irelen JugendbUse. Der erne lborlrag sindcl am l. Aviil. 8 Udr, im Saal der Bezlrttverianiinlung de» Beziik». amle« Prenzlauer Berg. Danzlger Slralre K». slalt. ZIadlamimann B e I b k e lv> icht über.Sozialversicherung(Kranlr». und' In- valideuoerjicherung)." Hauszinssteuervorlage angenommen. Alle Anträge der Opposition niedergestimmt. Die heutige Sitzung des Reichstags, die um 10 llhr eröffnet wurde, gall zunächst der Beratung der Hauszins st euer» vorläge. Bor Beginn der Berhandlungen steht stch der preußische Minister. Präsident Braun genötigt, eine völkische Berleumdung zu» rückzuweisen. In der Reichstagssitzung vom 21. März hatte nämlich der nationalsozialistische Abg. Dr. Frick von dem stellvertretenden Bevollmächtigten Preußens im Reichscat, Ministerialdirektor Dr. B a d t folgendes behauptet: „Dieser Mann, der vielleicht noch während des Krieges in Galizien irgendwo mit alten Hosen geschnorrt hat, maßt sich an. über einen deutschen Frontkämpfer zu urteilen." Der preußische Ministerpräsident stellt demgegenüber fest, daß der Ministerialdirektor Badt seit 1908 im preußischen Staatsdienst steht, bereits vor dem Kriege die beiden juristischen Staatsprüfungen bestanden hat, im August 1914 an der Front ver- mundet worden ist. Er wurde mit dem eisernen Kreuz ausgezeichnet, wobei ihm in einem Schreiben des Kolonnenführers gesagt wurde. er habe„besondere Umsicht, Unerschrvckenheit und Kaltblütigkeit be- wiesen", und er werde von den Offizieren, Unterofsizieren und Mann» schaften der Kolonne für dies« Auszeichnung von Herzen beglück- wünscht. Auch in den späteren Kriegsjahren ist Badt stets in ganz hervorragender Weise qualifiziert worden. Der preußisch« Minister- Präsident wies mit Recht diese Verunglimpfung des Bcvoll- mächtigten Preußens durch den völkischen Abgeordneten mit oller Entschiedenheit zurück. Von der Linken wurde Herrn Frick zugerufen:„Der Lump schweigt!", worauf Herr Frick sich mit dem Zuruf begnügte: „Ein Z i o n i st bleibt er." Das Haus trat darauf in die Tagesordnung ein. Ein Gesuch des Amtsgericht München, die Genehmigung zur Zeugenvernehmung der Abqg, Wisiell und Dr. Mittelmann zu ertellen, wird abgelehnt. Das Haus setzt dann die Beratung der mit dem Finanzausgleich zusammenhängenden Vorlagen bei der Houszinssteuer fort. ftbo. Sieöermann sSoz.): Als wir am 18. Februar mit der ersten Beratung des Haushalts begannen, war der Herr Finanzminister noch nicht im klaren, ob eine Mietpreiserhöhung kommen würde. Inzwischen hat die Regierung durch Verordnung vom 11. März den Schleier gelüftet und die 10- bzw 20prozentige Miet Preiserhöhung ab 1. April und l. Oktober angeordnet. Damit ist unser Antrag, vor dem 1. April 1928 die Mieten nicht zu erhöhen, überflüssig geworden. Trotz all unserer Warnung hat man sich nicht gescheut, in der tiefsten Krisis eine weilere Belastung der arbeitenden Massen durchzuführen. Damit hat der Desitzbürgerblock trotz aller Mahnungen das erste große G« s�h e n k ausgeteilt. Wir wissen schon heute, daß«in« Erhöhung der Zölle folgen wird und damit der Ring der Geschenke geschlossen werden soll, Mieterhöhung für Gewerbe- treibende und Hauswirte, L e b e n s m i t t e l z ö l l e für die Groß- landwirtschÄst und Industriezöll« für die Schlotbarone, in diesem Bing wird den drei en Massen nicht mehr wohl werden. Mit dieser MieipreiserhLhung aber ist die Hauszins st euer wieder akut geworden. Nach aller Meinung ist sie nicht nur die unsozialste Steuer. sondern sie ist In ihrer Erhebungsartroh.da sie auf keinerlei besonderen Verhältnisse Rücksicht nimmt. Nirgendwo tritt krasser der . Segen unserer Wirtschaftsordnung so hervor, als bei der Wohnung»- miete und der Hauszinssteuer.> Wir haben, als mit der Dritten Steucrnotoerordnunq die Hauszinssteuer eingeführt wurde, nie einen Hehl daraus gemacht, daß sie für uns nur trogbar als Inflations- steuer und die Solidarhaftung alter und neuer Mieter sei. Wir erklären auch heute wieder, daß die hauszinssteuer nur tragbar ist, wenn sie im weitesten Maße dem Wohnungsneubau dient. Solange die Länder das Recht hatten, die Höhe der Miete zu bestimmen. konnte man ihnen auch die Verteilung überlassen. Seit hingegen das Reich einheitlich die Miete festsetzt, muß es auch die Regelung der Verteilung übernehmen. Man kann unmöglich den Lönderregierungen irgendwelche Vorwürfe ihrer Politik wegen machen; denn alle Länder sind gebunden, erstens Hauszinssteuer zu erheben, und zweitens bestimmte Beträge für die Finnnzgebarung zu verwenden. Alle Beteiligten warten schon aus den fetten Happen, der ihnen mit der Mietpreiscrhöhung zugeworfen wird. Die Finanz- minister sehen hier ein sehr einfaches Objekt zur B a l a n- cierung ihrer Etats, die Grundbesitzer spitzen schon auf die größeren Mehreinnahmen und endlich warten alle Bau- stosflieseranten schmerzlich darauf, den Gewinn schon vorweg. zunehmen. Namentlich die Grundbesitzer, von denen ja aus der Vorkriegszeit bekannt ist. daß sie nie genug kriegen können, ver- langen den vollen Ertrag der Erhöhungen und die weitere Steigerung der Mieten aus IS« Prozent der Friedensmiete. Wir sind dagegen der Meinung, daß die Steuer vornehmlich dem Wohnungsbau dienen soll. Bf' einem Dcöarf an Wohm-ngen, besten Schätzungen 1.8 bi» 2 Millionen ergeben, der also auf ein Jahrzehnt hinaus die Schaffung von 200 000 Neuwohnungen im Jahr verlangt, follte der Neubau von Wohnungen unsere wichtigste Aufgabe sein. Schon heure sind die Folgen der Wohnungsnot unge- h e u e r l i ch c. Die Kinder werden bei dem engen Zusammenwohnen mit Angelegenheiten bekannt, die chnen viel besser noch sehr lang« vorenthalten blieben. Neue Ehen zermürben durch das Zu- fammenwohnen innerhalb ganz kurzer Zeit. Familienzwist zwischen Eltern und Kindern in einem Ausmaße, den man nie zu ahnen ver- mochte, sind die notwendigen Folgen. So steckt in der Wohnungsnot ein wesentlicher Grund für den so manches Mal beklagten Nieder- gang der Moral. Man kann direkter formulieren: was an W 0 h- nungsneubau geschafft wird, wird an Gefängnissen und ähnlichen Erziehungsanstalten gespart. Das Reich muß für die Verwendung der Mietzinssteuer einheitliche Linien herausgeben, weil heute die Mietzinssteuer in allen Ländern völlig verschieden ge- handhabt wird. Redner zeigt, wie sehr die Erhcbungssätze in den einzelnen Ländern schwanken. Ebenso starken Schwankungen unter- liegt die Handhabung der Anteile zu dem Wohnungsbau. In Sacksen und Preußen werden je 29 Proz. erhoben, und von dem neuen Bcirag nimmt Preußen ein Sechstel für allgemeine Finanz- zwecke, fünf Sechstel für den Neubau. Bremen verwendet das gesamte Aufkommen für den Neubau, ohne für den allge- meinen Finanzbcdars etwas einzubehalten. Schon heule hat das Baustoffgewerbe einen wesentlichen Teil der Steuern vorweggenommen. Noch dem„Frankfurter Handelsblatt" Nr. 228 ist der Reichsdurch- schnitt der Vaustofspreise von lS6,8 aus 168,1, also um 9 Proz., gestiegen.(Hört, hört!) Die Großhandelspreise sind dagegen nur von 148 auf 155,1, also um knapp S Proz., gestiegen, die Differenz ist in der Tasche der Bauunternehmer und der Kleinhändler ge- blieben.(Hört, hört!) Selbst das Reichsarbeitsmini- sterium sieht sich angesichts dieser Tatsache, nämlich der plötzlichen Stockungen auf dein Weltmarkt und der rapiden Steigerung der Baustoffpreise zu einem A l a r m r u f veranlaßt, weil das Woh- nungsbauprogramm für 1927 über den Haufen geworfen wird. (Hört, hört!) Alle sind daran beteiligt, die Hersteller von Zement, Ziegel und Holz. Der größte Preistreiber ist, wie schon in den letzten Iahren häufiger festgestellt werden muß, der Forstfiskus der Länder. Der Bauftoffindex stieg von Ende 1925 von 165 Proz. auf 166 im Februar/März, und man rechnet, daß er im April auf 176 Proz. gestiegen sein wird, da die steigende Tendenz anhält. Aus keinen Fall darf dem Drängen der Hauswirte nachgegeben werden, die alles für sich haben möchieu. Schon jetzt sind ihre Kreise am weiteren Treiben, um auf 160 Proz. der Friedensmiete zu kommen, unter der schönen Formel, daß damit die Neubautätigkeit für sie nutzbar gemacht werden solle. In Wirk- lichkeit steckt dahinter nichts weiter als der Versuch, die Friedens- Verkaufspreise zu erz'elen, um zu demselben Bau- schwinde! zurücklehren zu können, der schon in der Vorkriegszeit zu einer sozialen Frage er st er Ordnung geworden war. Das Elend ist überhaupt nicht abzusehen, wenn nicht das Reich die Verteilung der hauszinrsteuer regelt und außerdem zum Reichs- mlelcngeseh Vorschriften herausgibt, daß die Innendekoration wieder Sache des Vermieters wird.— In Absatz I des Geldentwertungs- ausgleichs ist im dritten Satz eine starke Bevorzugung landwirtschaftlicher Grundstücke ausgesprochen. Wir beantragen an deren Stelle zu setzen„die Länder können bestimmen, daß Steuerpflichtige, die eine bestimmte Einkommensgrenze nicht erreichen, von der Steuer befreit werden: doch muß die Einkommensgrenz« für die Besitzer aller bebauten Grundstücke d i e g l e i ch e sein". Schon jetzt stellt die Vertellung der Hauszinssteuer ein« starke Belastung der Städte und Industriegemeinden zugunsten des flachen Landes dar. Das ist auf die Dauer nicht zu ertragen, daß neben planmäßiger Steuerdrückebergerei, die vom Reichsfinanz. Ministerium selbst festgestellt ist. auch noch Ausnohmebestim» m u n g e n belassen werden, die lediglich landwirtschaftlichen Grund- stücken zugute kommen. Wir können die Hauszinssteuer Im Augenblick nicht beseitigen, sondern müssen abwarten, bis das von der Regierung angekündigte und versprochene Rahmengesetz herauskommt. Dabei sollte die Regierung die Umwandlung der au» der Hauszinssteuer gegebenen Darlehen inzinsfreieHypothekenvon vornherein ins Auge fassen. Die Steuer muß dazu dienen, den wohnungswucher zu be- kampsea und die Mietpreise ingesaml zu senken. Will man dieser Frage wirklich zu Leibe gehen, dann wird kein anderer Weg übrigbleiben als die Beihilfen aus der Hauszinssteuer für den Wohnungsneubau a fond perdu zu geben.(Lebhafter Beifall be! den Soz.) Abg. hölleiu(Komm.) wird gleich zu Beginn seiner Aus- führungen zur Ordnung gerufen, well er die Kompromißbeschlüsse der Regierungsparteien als ein Konglomerat von Raub und Unterdrückungswillen bezeichnet. Er begründe!« einige Anträge der kommunistischen Fraktion aus Beschränkung der Miete aus 89 Proz. der Friedenshöhe bis 1949(!) und Ab- wertung der Schulden und des Eigenkapitals des Hausbesitzers auf 25 Proz. Nachträglich erhält der Redner noch einen Ordnungsruf, well er der Rechten zugerufen hat:„Sie haben ja immer ein Brett vor dem Schädel!" Auch der Abg. Winnefeld(D. V.) wird zur Ordnung gerufen, weil er Höllein geantwortet hat:„Sie sind ein Schafskopf."(Hellerkeit.) Abg. Schneider-Berlin(Dem.) hält den Zeitpunkt der Mieterhöhungen für uuglücklich. Man hätte noch die weitere Wirtschaftsentwicklung abwarten sollen Aus die besonders schwer unter der Hauszinrsteuer leidenden Gewerbe, besonders auf die Saisonbetriebe in den Beadeorten müsse Rücksicht genommen werden. Abg. Dr. Joerissen(Wirtschaftsp.) beantragt die Aufhebung der Hauszins st euer, soweit sie fiskalischen Zwecken dient und Verwend,'ing der Steuern für M i e t b e i h i l f e n an leistungsschwache Mieter für Reparaturen und Wohnungsneubauten. Private Bauherren sollten ebenso berücksichtigt werden wie die ge- meinnützigen Baugenossengeschasten. Die Hauswirte sollen mit ihren Privotwohnungen von der Steuer befreit werden. Abg. Seisfert(Aufwertungsvartei) beantragt nur 29 Proz. der Friedensmiete als Hauszins ft euer zu erheben, die dem Wohnunosbau zugeführt werden sollen. Schließlich werden sämkliche Anträge zur Houszinssteuer ab. gelehnt. Es bleibt daher bei der blsheriaen Regelung. (Fortsetzung des Berichtes im Hauptblatt.) Der Etat öer Staatsbetriebe. Porzcllanmanufaktur inib Staatsbank.— Soziale Forderungen. ' Der Preußische Landtag bestätigte in seiner heutigen Sonn- abendsitzung zunächft mehrere Dutzend Ausschußantröge ohne Debatte und nahm gleichfalls ohne Aussprache den Etat der O b e r r e ch- nungskammer und der Staatsschuidenverwallung an. Beim Etat der Porzellanmanusaktur teilte Mlnisterial- direktor 0. Seefeld mit, daß zwischen den im vorigen Jahr« entlasse- nen Maklern der Manufaktur und der Manufakturlellung E i n i- gungsoerhandlungen durch den früheren Handelsminister Siering geführt worden seien. Die zehn noch nicht wieder in Arbeit gebrachten Maler hätten sich mit einer endgültigen Abfindung von 12 999 Mark einverstanden erklärt. Abg. Harlleib(Soz.): Die Manufaktur hat im letzten Jahre nur 67 Proz. ihrer Produktionsmöglichkeit ausgeschöpft. Nach einer Statistik der Abteilung Keramik des FßbMarbcitervvrbond«? liegen die Betriebsverhältnisse der Porzellanindustrie allgemein so ungünstig. Als Betriebsergebnis wird der sehr bescheidene Gewinn von 18 999 Mark ausgewiesen. Die Zahl der Arbeiter ist von 469 aus 431 z u r ü ck g» g a n g e n. Die Pensionskasse ersordert gegenwärtig einen jährlichen Zuschuß von 299 999 Mark. Unter diesen Umständen wird sie sich in der bisherigen Form nicht weiter führen lassen. Man wird möglichst bald eine allgemeine Pensions- kässe für die Arbeiter aller staatlichen Betriebe schaffen müssen. Di« Leitung der Direktion hat den Arbeitern und Angestellten gegenüber guten Willen gezeigt, aber es sollte nicht mehr vorkommen, daß die Manufaktur wegen irgendeiner Kleinigkeit vor den Schlichtungsaus- schuß oder das Gewerbegericht geht. Die Manusokturleitung sollre sorgfältig darauf achten, daß der Absatz in bemaltem Porzellan zurückgeht, in weißem Kunsiporzcvan und technischem Porzellan je- doch steigt. Sie sollte bei den Verhandlungen mit den zuständigen Gewerkschaften Entgegenkommen und soziales Ver» st ä n d n i s zeigen, weil nur wachsende Arbeitsfreudigkeit den Be- trieb rentabler und künstlerisch sruckubarer gestalten kann. Abg. Hackenberg(Dnat.) begrüßt, daß die Manufaktur mehrere alle Modelle aus der friderizianischen Zeit unverändert reproduziert hat. Cr wünscht vermehrte Propaganda für die dRanusaktur auch durch die deutschen Konsulate und Gesandtschaften. Abg. Paul Hossmann(Komm.): Die Forderungen der Arbeiter der Manufaktur sind nur zum kleinsten Teil er- füllt worden. Wir können die Regelung ihres Tarifvertrags nicht den beteiligten Gewerkschaften überlassen, sondern müssen ihn hier im Parlament festlegen. Abg. Merten-Berlin(Dem.): Mit Ausnahme der Kommunisten wird das ganze Parlament und die Arbeiterschaft der Manufaktur dem Abg. Siering für sein« Vermittlertätigkeit dankbar sein.(Leb- haste Zusiimmuiiä.) Der Manufaktur wünschen und erhofseu wir eine gedeihliche Weiterentwicklung. Abg. Haase-Liegnjtz(Wp.): Die entlassenen Maler haben außer den. 12 000 Mark Abs/ndung noch 5099 Mark Unterstützungen erholten. Wie fallen die Staatsbetriebe das aushalten, daß ein entlassener Arbeiter sie pro Kops etwa 1509 Mark kostet, insbesondere wenn umfangreichere Entlassungen nötig werden? Damit schließt die Debatte. Im Schlußwort legt der Berichterstaller, Abg. S i e r i n g dar, daß unter den besonderen Verhältnissen der Manufaktur die Äbfin» dung auch der Höhe nach berechtigt war. Jedenfalls habe er lür die entlassenen Maler getan, was er tun tonnte und eine volle Befriedigung auf beiden Seiten erreicht. Der Etat wird nach den Beschlüssen des Hauptausschusses unter Ablehnung der-kommunistischen Anträge onguiommen. Es folgt der Etat der Staatsbank(Sechandlung). Nach kurzen Worten Ausführungen des Berichterstallerz Dr. Leidig(D. Vp.) spricht Mz. dr. waentig sSoz.): Es ist selbstverständlich, daß weite Kreise der Arbeiter- und Angestelltenschast an der Gestaltung der Zinssätze des Preußischen Leihamtes ein großes Interesse haben. Der Zinssatz von 24 Proz. pro Jahr-ist natürlich viel zu hoch. Das Leihamt soll in erster Linie für Konsumtivkredite da sein: deshalb fordern wir für die kleineren Darlehen geringer« Zinssätze. Bei ihrer Festsetzung darf aus keinen Fall die Rücksicht auf privat? Pfandleiher maßgebend sein. Hier kommt es in erster Linie darauf an, den A e r m sl e n der Armen zu helfen. Wir begrüßen die Wiederherstellung des Normalzustandes in der Staatsbank. Eine etwa beabsichtigte Erhöhung des Kap'tals dieser Bank der Banken sollte aber möglichst aus eigenen Gewinnen erfolaen. Auch in diesein Jahre sind uns wieder von der Arbeiter- und Anoestelltsnschaft der Bant Klagen vorgetragen daß sie nicht wie die Beamten bei Leistungszuschlägen be rücksichtigt werden. Damit wird ganz generell die Frage aufgeworfen, ob es überhaupt wünschenswert ist, an Staatsbeamte solche Zu- Wendungen zu geben. W'r halten deshalb die grundsätzlidze Behandlung dieser Frage durch die Staatsregierung in einer Denkschrift für durchaus erforderlich. Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dr. v. W'nlerfeld(Dnat.): Auch wir wünschen die Herabsetzung der Zinssätze des Leihamtes. Vor allem begrüßen wir die Wieder- Herstellung des öffentlichen Vertrauens zur Staatsbank. Bei Schluß der Redaktion dauert d'e Debatte noch an. I-KaCMerlH« Badsir afze 26, Ecke Prinzenallee Neuheiten liimt Früh jalnssalson Herren- und Knabenmoden Fertig und nadi Na# Einsednunds-Anzflde von\ik. 18,— an Sport- und SaruEskleidung Trott tüUlier Preise nur änalilüls Ware B Ve bitte meine SSdiaafensler farteJJan 9Jos 3) Kunst Warmp A 9ec»n Slanck VEPIANGCN SIE SONPEPAMGEBOT' _ Wäsche Rollen UMenheräff- lT\ Maschinen p-Cj I Li n rieh- f 1 Berlin. Leipz'aen Srn 122-125 Berliner Elehlriher Genossensdialf anecschl.(icm Verb. soz. Baubetriebe Berlin kl. 24. Elsasser Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 652-, 65.6 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhansslr.4. Tel.; Plalibnr- 9551 Aasslellunjcsrünme and Laserl Alexanderstraße 39-40(Alexander Passage), Telephon: Königstadt Mi Herstellung elektr. 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