Mbenöausgabe Nr. 167 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe g Nr. 83 ««»us-bedlnaunmn vnd An�isrnvrkN, find in der Morgtnausqob« angeaebe« »e»»»»ioi>: Sw. SS. cwdeostrah»» Fernsprecher, vönhoss 202- 292 XeL-VbtcIsc: Sozioldemokra» verlin sw Derlinev VolKslrlÄkk (lO Pfennig) §reitag S. Bprüm? CtrUg nnb«nielsenabtdlunti S«schSst-,ett SV, bi»& Übt Verleger: vorwürio-verlcig GmbH. Berlin Sw. SS, Llnbenstratz» i Zerojprecheri VSnhosl 232-292 Zentralorgan der Sozialdemokrat» feben partel Deutfcblands Das Mbeitszeitnotgefetz angenommen! Nach heftiger Debatte hat der Reichstag heute mittag das Arbeits- zeitnotgeseh des Bürgerblocks mit der knappen Mehrheit von 19£> gegen 184 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen. Heute vormittag 11 Uhr begann die letzte Sitzung des Reichstags vor Ostern. Dritte Lesung des Arbeitszeit- notgesetzes. Die Debatte begann mit einer Rede unseres Gen. G r a ß m a n n. die die Gründe der sozialdemokratischen Fraktion gegen das Gesetz noch einmal knapp zusammenfaßte. Sein abschließendes Urteil: Gewogen und zu leicht befunden, fand auf der Linken stürmisches Echo. Nach Graßmann sprach der christliche Arbeiterführer Stegerwald. Seine Rede trug den offenkundigen Charakter einer E n t l a st u n g s o f f e n s i v e. Di« christ- lichen Gewerkjchaften haben den Boden der gemeinsamen Beschlüsse zur Arbeitsfrage verlassen, weil das Zentrum in den Bürgerblock ging. Es war die Aufgabe Stegerwalds, vor den chrisllichen Arbeitern diese Tatsache zu rechtfertigen. Stegerwald begann mit der Ankündigung, daß er einige „hochpolitische" Bemerkungen machen wolle. Seine selbstbewußte Einleitung wurde von der Linken mit Heiterkeit aufgenommen. Aber auch die weitere Rede des christlichen Gewerkschaftssührers war von einem Selbstbewußt- sein getragen, das geradezu unerträglich wirkte. Es stimmt, daß das Zentrum bei der gegebenen politischen Kräfte- Verteilung das Zünglein an der Wage bildet, daß es mit rechts oder links regieren kann. Wenn aber Herr Steger- wald aus dieser Tatsache den Schluß zieht, daß das Zentrum gewissermaßen als unfehlbar anerkannt werden müsse und daß die Sozialdemokratie nichts anderes zu tun habe, als sich durch Wohlverhalten gewissermaßen das Wohl- wollen dieser Partei zu erwerben, so wird das kein Sozial- demokrat anerkennen. Im Gegenteil, müssen durch eine so ungeheuerliche und st ellenweise ge- radezu lächerlich wirkende Anmaßung die Gegensätze verschärft werden. Aber das ist ja gerade das, was Herr Stegerwald will. Er will d i e dauernde Spaltung der Arbeiterbewegung. Er hat sich zu der Drohung verstiegen, die Christen würden mit den Kommunisten die Sozialdemokraten„einkreisen" und ihr das Lebenslicht ausblasen. Das Hohngelächter der sozial- demokratischen Fraktion war die einzige Antwort, die darauf gegeben we'-den konnte.. Herr Stegerwald hat eine Rede für die Zer- störung der Arbeiterbewegung gehalten. Herr Stegerwald denkt nicht daran, die Arbeitgebcrverbände zu zerstören. Aber zwischen den Arbeitern soll der Kampf weitergehen. �_ Wir fragen: Zu wessen Gunsten? Herr Steger- wald hat seine ganze Rechnung auf den Satz gestellt; das Zentrum kann ohne die Sozialdemokratie manches, die Sozialdemokratie kann ohne das Zentrum nichts. Er, der sich rühmt, seine ganze Politik auf soziologische Zusammen- hänge aufzubauen, hat sie auf eine augenblickliche Situation aufgebaut. Er vergißt, daß die Sozialdemokratie ohne und gegen das Zentrum eins gekonnt hat und noch kann: Nämlich wachsen, stärker werden und Macht gewinnen. Seine überhebliche Rede muß auf die sozialistisch ge- sinnten Arbeitermassen wie Sporn und Peitsche wirken und sie daran erinnern, was für sie zielsetzend sein muß: D i e Mehrheit imBolkzu gewinnenund sichselber zu helfen, auch ohne und gegen Herrn Stegerwald! Das Echo der Rede bei den christlichen Arbeitern ist ab- zuwarten. Stegerwalds Autorität bei ihnen ist gewiß noch immer recht groß. Daß es ihm aber gelingen wird, sie in einen neuen Kampf gegen die freigewerk- schaftlich organisierten Arbeiter zu treiben, möchten wir bezweifeln. Nach Stegerwald sprach der Kommunist H e ck e r t und der Nationalsozialist S t ö h r. Dann nahm Genosse Graß- mann das Wort. Graßmann stellte den„hochpolitischen" Phantasien Stegerwalds wirksam und würdig die nüchternen Tatsachen gegenüber. Die freien Gewerkschaften wollen den Kamps zwischen den Arbeitern nicht. In der Frage der Arbeitszeit stand man-ja auch einträchtig beisammen— bis eben das Zentrum in den Bürgerblock ging. Und sind die christlichen Arbeiter mit dem Ergebnis zufrieden? Die Aeuhe- rungen ihrer Presse beweisen das Gegenteil. Es folgt eine Rede des Genossen L i m b e r tz, der die Schimpfereien des Kommunisten Heckcrt gegen die Sozial- demokratie und die Gewerkschaften kräftig zurückweist. Die Kommunisten heulen. Der Kampf um das Arbeitszeitgesetz löst sich auf in einen Kamps zwischen Arbeitervertretern und solchen, die es fein wollen. Die Vertreter der Unternehmer sitzen dabei und reiben sich die Hände. Limbertz appel- liert— hier im Hause vergebens— an die Einigkeit, weil es um Leben und Tod von Millionen Arbeitern gehe. Der deutschnationale Bäckermeister R i e s e b e r g ist eine Nummer für sich. Er nennt die Verordnung der Volksbeaus- tragten, durch die der A ch t st u n d e n t a g eingeführt wurde, eine Zuchthausvorlage. Der freie Mann arbeitet, so lange er will. So, der Bundesgenosse, mit dem Herr Steger- wald gegen die Sozialdemokratie in die Schranken reitet. Herr Stegerwald selbst meldet sich auch noch einmal zum Wort, um seine Ausführungen wesentlich abzuschwächen. Seine Polemik habe sich nur gegen einen Teil der sozialdemo- kratischen Presse gewendet, in dem von einem Arbeiterverrat des Zentrums die Rede ist. Mit dem Gesetz sei auch er nicht zufrieden. Dann noch einmal der unvermeidliche Heckert. Gegen den deutschnotionalen Borkämpfer der unbeschränkten Aus- beutungsfreiheit findet er natürlich kein Wort. Er keift noch etwas gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften und dann wird das Arbeitszeitnotgesetz an- genommen, so wie der Bürgerblock es will. Die Mehrheit ist erstaunlich knapp! * Der Reichstag Hot sich heut« zu seiner letzten Sitzung vor den vsterferien versammelt. Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt die drille Beratung des Arbeitszeitnolgcsehes. Vor Beginn der Verhandlungen verüben die Kommunisten noch eine ihrer leeren Demonstrationen: der Abg. Slöcker verliest nämlich eine Interpellation, in der die Regierung gefragt wird, was sie zu dem Ueberfgll Tschangtsolins auf die rüsfifche Botschaft in Peking zu tun gedenke. Vizepräsident Esier bemerkt dazu, daß die Interpellation erst dann auf die Tagesordnung gefetzt werden könne, wenn die Regie- rung sich bereit erklärt, sich dazu zu äußern. Da aber noch kein Regierungsvertreter da sei, so müsie man die Sache noch verschieben. Nunmehr beginnt die dritte Lesung des Arbeitszeitnotgesches. fibg. Graßmann sSoz.j weist darauf hin, daß zur Beseitigung der Mißstände im Arbeitszeit- wcsen gesetzgeberische Eingriffe notwendig sind, besonders dort, wo der Einfluß der Gewerkschaften nicht stark genug ist, wie vor allem im Kleingewerbe. Der Reichsmühlenverband hat in einer Eingabe eine Ausnahmestellung für sich beansprucht. Es gibt in Deutschland etwa 20000 Getreidemühlen, unter ihnen S3 Proz. Klein- betriebe, die weniger als 6 Arbeiter beschäftigen. Auf diese Betriebe soll nun. wie der Mühlenoerband es wünscht, das Arbeitzeitnotgesetz keine Anwendung finden. Nun ist gerade in diesen kleinen Mühlen eine faktische Arbeitszeit von 11 bis 10 Stunden am Tage gang und gäbe, in den Großmühlen kann diese Arbeitszeit sogar noch oer- längcrt werden. Im Fleischereigewerbe, das mit die höchsten Ziffern an Arbeitslose» hat, wird eine Arbeitszeit von 12 Stunden und darüber verlangt. Nach den Ermittlungen des Fleifcherverband-s fmder man dort Arbeitszeiten mit mehr als 70 Stunden die Woche, ohne daß die Mehrarbeit besonders be- zahlt wird. Die behördliche Erlaubnis zu dieser Mehrarbeit wird nur in äußerst seltenen Fällen eingeholt. Dort, wo eine Kontrolle erfolgt, werden die Gewerbeaufsichts- beamten vonden Unternehmern falsch informiert und die Arbeiter wagen nichts über die Mißstände zu sagen, zumal die Kontrolle in der Regel im Beisein der Unternehmer er- folgt. Dabei wäre gerade im Fleischerei- und Schlächtereigewerve die Beseitigung des Ueberstundcnwefens durchaus möglich, da das Fleisch doch in Äühlhallen und Eisschränkcn frischgehalten werden kann. Im Bäckereigewerbe sind die Verhältnisse etwas besser geworden, nachdem es gelungen war, der Nachtarbeit den Garaus zu machen. Nun aber befürchtet man in diesem Gewerbe, daß jetzt eine Verschlechterung eintreten wird. Der Deutsche Nahrungs- und Genußmittclarbeitervcrband hat sich in einer Entschließung scharf gegen das Arbeitszeitnotgesetz gewandt, wegen der Ausschaltung der kleinen Betriebe. Hier ist zu befürchten, daß eine unbegrenzte Arbeitszeit Platz greift und Zustände geschaffen werden wie vor 1833, wo zum ersten Male die Arbeitszeit im Bückereigewerbe auf 12 Stunden beschränkt worden ist. Ein« kompakte Mehrheit hat es während der Beratung der Vorlage erkennen lassen, daß sie sich auf nichts mehr einlassen wolle. Dieses' Gesetz lräzk das Kainszeichen des Konipromiffcs an der Slirn, und die Erwartungen der Arbeiter werden aufs bitterste enttäuscht. Der größte Teil der von den Arbeitern und ihren Organisationen vorgeschlagenen Beschwerden sind vollständig unberücksichtigt geblieben. Auch nach der Verabschiedung dieses Gesetzes wird es im wesentlichen bei den bisherigen Zuständen bleiben. Die Vorlage bietet keinen Anlaß zu durchgreifender Besserung. Sie berührt das Problem nicht in feinem innersten Kern, man sieht nur ein H c r u m- doktern an Symptomen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Noch kein Schritt öer Mächte. Unüberwindliche Meinungsverschiedenheiten in der Chinapolitik. London, 8. April.(MTB.) Der diplomatische Korrespondent des.Daily Telegraph" schreibt: Anscheinend habe es sich her- ausgestellt, daß die Meinungsverschiedenheiten zwischen der britischen, der amerikanischen und der japanischen Rc- gierung über die von den kantonesischen Behörden zu verlangende Miedergutmachung weit e r n st e r und schwieriger zu regeln seien, als in London noch vor einigen Tagen geglaubt und erwartet wurde, hierauf sei der bedauerliche Aufschub der Abscndung der Boten zurückzuführen. Japan bestehe darauf, daß nur eine geringe Entschädigungssumme und keinesfalls eine öffentliche Entschuldigung für die den Flaggen der drei Mächte zugefügte Kränkung verlangt werden soll. Washington, 8. April(MTV.). Bach Mitteilungen aus maßgebenden a m t l ich e n Kreisen wird über den genauen Wort- laut der Bote der vereinigten Staaten noch zwischen dem amerika- nischen Botschafter in Peking MacMurray und dem Staatsdepartement verhandelt. Bew Port Times schreibt: Wir verfolgen die Bestrebungen in Ehina, Altchina außer der Mandschurei und der Mongolei unter nationaler Führung zu einen mit voller Sympathie. Der einzige Mißton sind die sporadischen Ausbrüche von Fremden- haß und die Anlehnung an Sowjetrußland. Wir sind gern bereit. unsererseits Schwierigkeileu aus dem Wege zu räumen, indem wir die amerikauifcheu Slaatsaugehörigen aus den Gefahrzonen ab- befördcrn. Die Slockaöe öes Sowfetkonsulates. Moekau, 7. April.(Telegraphen-Agentur der Sowjetunion.) Eine weiter« Meldung aus Schanghai besagt, daß der Außen- kommissar der Regierung der Provinz Kiangsu, Kuotaichi, am 7. April den Generalkonsul der Sowjetunion in Schanghai, Linde. besuchte und sprach sein und des Oberkommandierenden Be- dauern aus. entschuldigte, sich wegen der Pekinger Ereignisse und stellte fest, daß dies die Agonie der Nord- Militaristen sei. Die hiesigen Ereignisse seien für Kuotaichi völlig unerwartet gekommen. Morgen wird Kuotaichi bei den ausländischen Konsuln persönlichen P r o t e st einlegen und darauf hinweisen, daß das Konsulat der Sowjetunion bei der chinesischen Regierung b e- g l a u b i g t und niemand zu derartigen Maßnahmen gegenüber dem Sowjettonsulat ohne sein Misten und seine Zustimmung berechtigt sei. Kuotaichi sprach dann in seinem Namen und im Namen des Oberkommandierenden die höchste Entrüstung über dies« Vorgänge aus. Das Konsulat ist noch immer umringt. Briefe und Telegramm« werden von der Polizei abgenommen, doch ist die Polizei bisher in das Konsulat noch nicht ein» gedrungen. Die Lage ist überaus gespannt. Chinaerkiärung im Neichstag. Ter deutsche Gesandte wurde überrascht. Im Reichstag gab In vertrelung des Reichsaußenministeriums der Leiter der ostasiatischen Abteilung Geheimer Regierungsrat Dr. Trautmann folgende Erklärung über de» Zwischenfall von Peking ab: Durch die neueste telegraphische Berichkerftaltung unseres Gesandten in Peking wird bestätigt, daß er von dem Vor- gehen der Polizei gegen die russische Bolschaft vorher nicht in Kenntnis gesetzt, sondern dadurch vollkommen überrascht worden ist. Zu einer erschöpfenden rechtlichen Beurteilung des vor- gehcns der chinesischen Polizei, dos ja erst vorgestern vormittag statt. gefunden hat, fehlt es dem Auewärligen Am» im Augenblick noch an den nötigen taisächlicheu Unterlagen. Aus alle Fälle muß be. rückjichtigt werden, daß Deutschland in dem Vertrag von ver- saille» auf die Rechte aus dem sogenannten Pekinger Protokoll von 1301, auf dem die besondere rechliche Stellung des Pekinger Ge. saudlschastsvierfcl» beruht, hat verzichten müssen. Ich möchte schließlich besonders davor warnen, einzelne ausländische Regierun. gen wegen dieser Ereignisie anzogreifen(Lebhafter Widerspruch bei den Kommunisten, deren Redner die britische Regierung scharf g«. tadelt hatte), deren Tatbestand nicht einmal ganz festgestellt ist. Die deutsche Sozialpolin?, traf die man In Deutschland srSher so stolz war. ist jetzt einer ip-tulatioen Koalitionspolitik zum Opfer gefallen. Von den Unternehmern der Industrie und der Landwirt- schast widersetzt man sich jetzt wieder avfs heftigste jedem Fortschritt in der Sozialpolitik. Es ist jetzt wieder so wie damals, als Bismarck erklärte: „wenn es keine Sozialdemokratie und keine Furcht vor ihr gäbe, dann gäbe es auch keine Sozialpolitik.- (Schr wahr! bei den Sozialdemokraten, Unruhe im Zentrum.) Bei unseren Versuchen, den Gesetzentwurf zu verbessern, haben wir uns nicht allein von sozialpolitischen Erwägungen, sondern ebenso von den wirtschaftlichen Notwendigkeiten leiten lassen. Wir sind davon ausgegangen, dah es notwendig ist, der Erwerbs- losigkeit zu Leibe zu gehen, und die nüchternsten Erwägungen hätten Ihnen(nach rechts) doch sagen müssen, daß die Unterbringung von IlXiOlM) Arbeitslosen durch Verkürzung der Arbeitszeit bedeutet die Wiederherstellung Hunderttausender von Kunden, von Konsumenten, die wiederum Zehntauscnde von Arbeitern und Konsumenten nach sich ziehen. Ueber der Besserung der Exportmöglichkeiten dürfen wir den inneren Markt in seiner ungeheuren Bedeutung nicht ver- gessen. Wir geben uns jetzt allerdings keiner Hoffnung mehr hin, daß wir noch eine Aenderung in der Haltung der Regierungsparteien herbeiführen könnten, auch wenn wir mit Engelszungen zu Ihnen redeten. Bei der Bedeutung dieser Vorlage werden wir namentliche Abstimmung verlangen. helft euch selbft! Unsere Arbeit ist damit aber nicht beendet. Wir«erden den Arbeitern draußen sagen müssen: Es ist notwendig, nachdem Uhr bei der Gesetzgebung in diesem hause nicht den erforderlichen Schuh gesunden habt, dah Uhr Euch selbst helft! Genau so wie die Unternehmer keine religiösen oder politischen Unter- schiede bei der Wahrnehmung ihrer wirtschaftlichen Interessen machen, so müßt auch Ihr Euch in großen und einheitlichen gewerkschaftlichen Organisationen zusammenschließen. Wir werden den Arbeitern sagen: Hinein in die Gewerkschaften! Stärkt sie, baut sie aus, holt Euch das, was Ihr braucht: von diesem Gesetzentwurf aber wird es heißen: Gewogen, zu leicht befunden, verworfen!(Lebhafter Beifall bei den SoZ.) StegerwalSs Cntlaftungsoffenftve. Abg. Stegerwald(Z.) behauptet, daß die Vertreter der Sozial- demokratie sich Uebertreibungen zuschulden kommen ließen. Der Entwurf widerspreche nicht den Richtlinien der christlichen Gewerk- schalten. Die christliche Arbeiterbewegung sei groß geworden, nicht durch die Duldung der Sozialdemokratie, sondern durch sich selbst. Denn wenn Ihre(zu den Soz.) Agitation im Lande ein Tänzchen baben will, gut, wir sind bereit. Aus dem Zentrumslager werden Sie keine Anhänger gewinnen und aus dem kommunistischen Lager auch nicht. Das Verhandlungsergebnis fei von allen Seiten nur als Richtlinien angesehen worden, die nicht plötzlich und restlos im Reichstag durchgesetzt werden könnten. Durch forsches Auf» treten könne man die Arbeitszeitfrage nicht lösen. In Preußen, so meinte der Redner weiter zu den Sozial- demokraten gewendet, hängt Ihre Mitwirkung im Staat nicht von Ihnen, sondern vom Zentrum ab. (Große Unruhe links.) Im Reich regieren wir sehr gut ohne Sie. (Beifall im Zentrum). Die deutsche Arbeiterschaft befand sich nach der Staatsumwälzung in derselben welthistorischen Stunde, wie das Bürgertum nach der französischen Revolution vor hundert Iahren. Es war der alte soziale Konflikt entstanden, daß ein« Klasse ihre bevorzugte Stellung nicht aufgeben wollte. Weil das Bürger- tum die Tatsache der sozialen Umwälzung noch wenig bemerkt hatte, so war das die Ursache da- für, daß die Arbeiterbewegung in den letzten Jahrzehnten so stark geworden ist. Diese Dinge haben bei der Haltung der Zentrumspartei in ihrer Einstellung gegenüber der Sozialdemokratischen Partei stark mitgewirkt. Was die Sozial- demokratie aber im Dezember 1926 getan habe, fei bestimmt kein politisches Meisterstück gewesen. Der direkte Weg zur Arbcitszeitregelung, den die Sozidldemo- kratie jetzt eingeschlagen habe, führe nicht zum Ziel. Gegen die weltkonkurrcnz könne man von einem Tag aus den andren nicht neue Arbeitsgelegenheiten schatten. Auf meine Ausfiihnmgen. in der Großen Koalition wäre amh nicht mehr zu erreichen gewesen, rief mir neulich Herr S o l l m a n n zu:„Darum sind wir ja nicht in die Große Koalition gegangen!"'(Hört, hört! rechts und im Zentrum.) Wenn man selbst wußte, daß nicht mehr zu erreichen war, dann dürfe nian auch nicht den christlichen Gewerkschaften einen Vorwurf machen. Abg. heckert(Kom.) wirft der Sozialdemokratie vor, daß sie jetzt den Dank von Herrn Stegerwald dafür bekäme, daß sie mit den Christlichen zusammen den Achtstundentag verroten hätten. Den Bergarbeiterverband hätten die Sozialdemokraten kaputtgemacht. (Abg. Husemann(Soz.) ruft: Das ist eine Lüge!) Warum hat die Sozialdemokratie das Washingtoner Abkommen nicht ratifiziert, als sie die Regierungsmacht hatte? Wo bleibt die vom Internatio- nalen Gewerkschaftsbund beschlossene Ratisizierungskampagne? Jetzt fordert der ADGB. jeden Arbeiter auf, die Ueberstunden zu verweigern, aber nicht, gemeinsam und mit Unterstützung der Gewerk- schaften zu kämpfen. Die Gewerkschaften seien zum Gespött geworden und nur so habe Stegerwald jetzt eine solche Rede lzalten können. Wo bleibt Eure außerparlamentarische Aktion? Eure Versamm- lungskampagne?(Zurufe von den Sozialdemokraten: Und wo denn die Eure?) Die Antwort öer SozialSemokratie. Abg. Graßmann erwidert dem Abgeordneten Stegerwald, daß die Sozialdemokratie sich weder an den früheren Koalitions- rogierungen im Reich, noch an der jetzigen in Preußen um der schönen Augen des Zentrums willen beteiligt habe. Die Enlschei- düng über die Koalition in Preußen liege nicht bei Herrn Sieger- wold, sondern bei den Herren Heß und Schwerlng. Abg. Graßmann führte dann weiter aus: Wir sind allerdings der Meinung, daß in dieser wichtigen Frage alle Richtungen der Arbeiter zusammenstehen müssen. Darum oerstehen wir nicht, wie gerade die Herren A n d r e e und Stegerwald sich zum Wort- führer ihrer Partei in dieser Frage gemacht haben. Warum haben sie die Verteidigung dieser Vorlage nicht anderen überlassen? Sie selbst können ja nach ihrer früheren Auffassung mit diesem Entwurf gar nicht zufrieden sein. Herr Stegerwald hak ja selbst die Kundgebung der Gewerk- schaften unterschrieben und sie bis in die jüngste Zeit hinein in Versammlungen und Aussätzen verlrelent Die anderen christlichen Gewerkschaftsführer sind genau der gleichen Meinung wie wir. Roch am 6. März hat der„Deutsche' gegen den Entwurf Stellung genommen. Es wurde dort ausgeführt. daß dle Vorlage wesentlich weitergehen müsse, sonst würde sie den einmütigen Widerstand der Arbeilerschaft auslösen. Di« bürgerlichen Parteien sollten doch bedenken, daß, wenn eine gewaltige Enttäuschung über das Notgesetz bei den christlichen Ar» beitern Platz greifen würde, das doch auch Folgen für ihre Partei nach sich ziehen würde. Wir haben durch unsere Anträge versucht, dem Entwurf die schlimmsten Zähne und Hörner auszu- reißen, sie sind von der Mehrheit abgelehnt worden. E» ist ein Unglück für die deutsche Arbeilerschaft. daß fie in dieser so emiueul wichtigen Situation nicht einmütig zusammen- steht. Es gibt ja so mrendlich viele Fragen, in denen die Arbeiter ,zu- sammengehen müssen, in denen es gleichgültig ist, wie ihre religiösen oder politischen Ansichten sind, wären die Arbeiter jetzt zusammen- gegangen, das Arbeitszeitnotgesetz sähe anders aus!(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. LImberh(Soz.): Die achtstündige Arbeltszeit kommt gewiß, wenn auch nicht von heute auf morgen, aber sicher. Es ist unmöglich, die höllischen Zustände andauern zu lassen, unter denen heute die Arbeiter im Bergbau und in der Industrie leiden müssen: wenn dem nicht abgeholfen würde, so würden wir eines Tages Explosionen in den Vetrieben erleben, die die ganze Wirtschaft aus das schwerste tressen. Darum aber ist es nicht nur verbrecherisch, sondern auch ungeheuer dumm von den Kommunisten, mitten in diesem Kampf die Sozialdemokratie zu beschimpfen und gegen die GewertschafückBhm z» Hetzen, stakt d« gemetnsame Vorgehen aflee Arbeiter zu fördern. Die Bergarbeiter müssen heute unter der Achtstundenschicht viel länger und mehr arbeiten als unter der 8l4-Stundenschicht vor dem Kriege, und zwar infolge der An- treiberei, der Rationalisierung und des technischen Fortschritts. Ebenso bedauerlich ist es, daß das Zentrum aus politischen Gründen die Interessen der Arbeiter verrät.(Widerspruch im' Zentrum.) Sie wollen das Konkordat. Wenn Sie das erst hätten, würden Sie vielleicht auch den Arbeitersorderungen mehr Rechnung tragen. Wenn die Gewerkschaften schwächer geworden sind, so ist das die Schuld der Kommuni st en und ihrer 5zetze.(Geschrei der Kommunisten.) Die kommunistische Presse trägt unausgesetzt Verleumdungen gegen die Gewerkschaften zu- sommen. Es kommt ihr gar nicht darauf an. unter einer hetzerischen Ueberschrift im Text das Gegenteil davon zu sagen. Wer dieses Zeug acht Tage lang lesen muß, der ist beinahe reif für Dalldorf. Wir haben uns seinerzeit im Aufsichlsrat des kohlensyndikals uud sonst überall den Stiunes und Konsorten aus das äußerste widerletzt. die durch ihre nationalistische Verstiegenheit den Ruhrkampf her- beiführten, ja die Ruhrbesetzung sogar verlangt haben. Als sie aber kam, haben wir natürlich dagegen kämpfen müssen. Schon da sind uns die Kommunisten in den Rücken gefallen. Bereits im April 1923 hat die Leitung des Bergarbeiter- Verbandes als erste den Abbruch des Ruhrkampfes verlangt, weil sie vorausgesehen hat, daß er mit einer Niederlage enden muß, deren Kosten wieder die Arbeiter bezahlen müssen. So ist es ja dann auch gekommen. Und daraus folgte bei der Widerstandsunfähigkeif der Arbeiter die Arbeitszeitverlängerung. Die Kommunisten schrien immerzu nach dem General st reit. Di« Der- treter der„Union", die zu uns gekommen waren, mußten aber selbst sagen, daß in dieser Situation gar kein Gedanke an K a m p s und General st reik sein konnte.(Lebhaftes Hört, hört! bei Soz., Geschrei der Kommunisten). Sie wußten keinen Weg anzu- geben, wie mehr herauszuholen wäre. Aber nachher und heute noch haben sie uns deswegen angegriffen, weil wir nicht mehr heraus- geholt haben! Nächtelange Kämpfe im Reichsarbeitsministerium haben wir damals geführt, konnten aber die Arbeitszeitvcrlängerung nicht verhindern. Die jetzige geringe Arbeitszeitverkürzung genügt uns nicht. Aber weil wir im Augenblick nicht mehr erreichen können, müssen wir uns damit abfinden. Wir haben die Ruhrbergarbeiler aufgesorderk. vom 1. April ob nur 7 Stunden anzufahren und trotzdem die neue Hetze der Kommunisten, lcohdem immer wieder Zersplitterung anstatt Zu- jammensassung der Arbeilerschaft! Gegen die Weltanschauung und die religiösen ileberzeugungen der christlichen Arbeiter führen wir keinen Kamps: sie müßten in ihrem eigensten Interesse mit den freien Gewerkschaften zusammen- gehen, damit wir endlich die notwendige ArbeitszeUoerkprzung er- reichen, die im obersten Interesse von Gesundheit und Leben der Arbeiter liegt!(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Die Sürgerdlockvorlage mit außeroröentlich knapper Mehrheit angenommen. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Rieseberg(Dnotl), Stegerwald(Z.) und Heckerl(Komm.) wird das Arbeilszeilnokgeseh in namentlicher Abstimmung mit 195 gegen 184 Stimmen bei zwei En haltungen angenommen. Vizepräsident Esser teilt darauf mit, daß die Regierung sich be- reit erklärt habe, die von den Kommunisten eingebrachte Znlerpellation über die Vorgänge in Peking sofort zu beantworten.(Ueber die Antwort der Regierung berichten wir auf der ersten Seite.) Nach der Beantwortung erklärte Vizepräsident Esser: Damit ist die Anfrage erledigt. Ich schlage vor, die nächste Sitzung abzuhalten am 10. Mai d. I., wenn nicht besondere. Umstände ein früheres Zusammentreffen erforderlich machen. Sie sind damit einverstanden und auch damit, daß Tag und Stunde der Sitzung vom Präsidenten bestimmt werden. Mit einigen Worten über die abgeschlossene Sitzungsreihe und den üblichen Urlaubswllnschen schließt der Vizepräsident die Sitzung kurz nach)42 Uhr mittags. Montmartre in öerlin. Die Kaufleute des Vergnügens von Montmartre klagen. Die Geschäfte gehen nicht mehr. Viele Tingeltangel, Tanzsäle und Bars sind hundeleer. Es nutzt auch nichts, daß die Vergnügungskaufleute sich wie die Stahlindustriellen zu einem richtigen Trust zusammen- schlössen, er Rachtbummel, der durch Kabarett, Champagner und noch materiellere Genüsse verschönt werden soll, muß in ziemlich stabili- siertem Geld« bezahlt werden. Da die Amerikaner und besonders die Amerikanerinnen, die fleißigen Schützlinge von Cook, lange gemerkt haben, daß nur auf ihre Dollars und nicht auf ihre Gemüt- lichkeit spekuliert wird, hat sich das Gewissen der Businehmen gerührt. Kurz, der Montmartre ist bankrott. Man weih noch nicht, ob er saniert werden kann. Inzwischen wird das Beste exportiert. Die Pariser tragen ihre Freude ins Ausland, genau so, wie es seit einigen Jahren die Wiener tun, die sich auch zu Hause nicht nähren können und in die Fremde gehen. Die Wiener sind schon bei uns heimisch geworden, die Pariser sollen es erst werden. Natürlich finden sie bei uns nicht das fröhlich« Bohöme-Theater, in dem alles improvisiert und auf Augenblicks- cogötzung eingerichtet ist. Bei uns in Berlin müssen diese Moni- niartre-Leute im luxuriösen Renaissance-Theater ihre Gassenhauer singen. Sie fühlen sich selbst etwas unbehaglich und verängstet und entschuldigen sich durch ihren Bandenchef, Herrn Luxien Boyer, dah sie sich in das sehr vornehme Haus hinein- gewagt haben. Doch die Schüchternheit ist bald überwunden. Fräu- sein Bertrande singt und deklamiert so gefühlvoll und herz- bewegend, wie es nur zu ertragen ist, wenn der Wein die Seele in ausgelassenste Heiterkeit oder in alkoholische Melancholie hinein- getaucht hat. Und Herr C h a u b e t, ein lyrischer Mann, singt und musiziert vollkommen nach dem Geschmack, den die kleinen Soldaten und die zu ihnen gehörenden kleinen Mädchen aus der Werkstatt oder gar vom Trottoir lieben. Herr Lucien Boyer schmeichelt als ein wohlbeleibter Hanswurst um das viel zu gesittete Parkett in diesem noblen Theater herum, er ist Clown, Coupletdichter und Anreißer, ein runder beweglicher Mann mit einer Glatze und einem spanischen Erobererbärtlein. Er ist gewaschen mit allen Mittelchen, die der Hanswurst braucht, um seine Leute zu kitzeln. Und es singt France Martin, ein Fräulein, dessen Scheitel schon ergraut, so fröhlich und sentimental, als wenn sie selbst ein Backfisch, als wenn ihr ganzes Auditorium nur ans Backfischen zu- lammengesetzt wäre. Nach dem Tingeltangel-Programm folgen Reoueszenen, olles dick angestrichen. Heute ist dieses Vergnügen des Montmartre, wie alles in der Welt, ein bißchen durch National- ökonomie vergällt und verludert worden. Der Montmartre gehörte einstmals uns allen, dann hat er eine Zeit lang nur den Amerikanern gehört, jetzt will ihn keiner mehr recht haben. Wird er aussterben? Wir wissen nur, daß wir einer fröhlichen Auferstehung in Berlin bei- wohnten, und grüßen die munteren Leute, die uns bis 1 Uhr morgens amüsierten. MaxHochdsrf. westliche Miniaturrevue. Die Erfinder der Vilderbogenschau auf der Bühne, der Revue ohne Ausstattung, der Kabarettrevue mit politischen und aktuellen Anspielungen, Marcellus Schiffer und Friedrich Hol- l ä n d e r, sind in die„Komödie" gezogen, wo sie nachts, 23 Uhr, ihr neuestes Erzeugnis„W a s Sie wollen",„eine Speisefolge in 19 Gängen", servieren. Das Menü ist ziemlich lang. Das Dessert gibt es erst am nächsten Tage, um �2 Uhr. Wie immer hat Friedrich Holländer zu dem witzigen Text von Marcellus Schiffer eine spritzige, stets originelle, leichte und schlagkräftige Musik geschrieben. Das Orchester Weintraub Syncopators, das ein ganzes Museum von Musikinstrumenten abwechselnd benutzt, entwickelt eine melodiöse Tonfülle, als ob es das große Philharmonische Orchester wäre. Marcellus Schiffer, ein moderner Saphir, dem Wortspiele mühelos aus dem Gehirn sprudeln. In der Speisefolge werden serviert: Külzkoteletts, Hamlette surprise> Ullsteinschnitt— zel und — nicht zu vergessen— Quatsch mit Sauce. Den Gipfel der Akwali- tät erklimpft die Revue in dem Couplet„Titel, Orden" mit dem Refrain:„Laßt das Kind doch Orden haben!" Und ein sehr netter Einfall ist das Lied: in Schnadahüpferl-Manier„Was heißt denn hier Kanonen, was heißt denn hier Gewehr?" Da sich die lustigen Stimmungsmacher Wilhelm Bendow und Margot Lion um die Sache bemühen, so bleibt der späte Theatergast bis in die Nacht hinein wach und aufgeräumt. Auch der kompaktere Hans� Brausewetter versucht sich hier als Revuekabarettist. Sein ver- bissener Humor in einem Duett mit dem wirbligen Hubert von Meyerink erntet Applaus auf offener Szene. Stella Gojo kopiert wieder einmal, aber mit wenig Glück, Iosefine Baker. Im übrigen sind die Tänze von Bruno Arno mit Schwung ein- studiert. Wenn die Autoren noch ein paar Ideen dazu bekommen, dann wird das Menu noch vielen Theatergästen den Gaumen kitzeln. � Dgr. Kreislauf. Also, das Unmögliche kommt vor. Es kommt vor, daß der Staatsanwalt Dr. P u s ch in Mainz wegen Rechtsbeugung verurteilt wird. Zu einem Jahr Zuchchaus. Und damit verliert er sein Amt. Es kommt aber auch vor, daß der verurteilte Staatsanwalt Pufch, nachdem er die Strafe verbüßt hat, mit Erfolg ein Wieder. aufnahmeverfahrer betreibt'und als unschuldig freigesprochen wird. Damit erhält er sein Amt zurück. Und nunmehr kann Dr. Pusch als Staatsanwalt wieder Straf- antrüge stellen gegen Angeklagte, die ihre Unschuld beteuern. Das Unmöglich« kommt vor. Der Nachfolger von Friedrich kraus, Professor Gustav von Bergmann, hat soeben die Leitung der zweiten Medizinischen Klinik der Chorite übernommen. Seine Lehrtätigkeit als Ordinarius an der Universität, deren medizinische Fakultät so viele Jahre seinen Vater, den Chirurgen Ernst von Bergmann, zu den ihrigen zählte, wird er voraussichtlich im kommenden Sommersemefter beginnen. Gustav von Bergmann, selbst ein Schüler von Kraus, war früher Assistent an dieser Klinik und Oberarzt an der Charit«, dann Altona, Marburg und zuletzt in Frankfurt a. M. tätig Preisausschreiben über internationale Verständigung. Wie der Preußische Kultusminister in einer Bekanntmachung mitteilt, hat die Ameriesn School Citizenship League in einein Preisausschreiben einen„W eltaufsatzwettbewerd 1926/27 für S t u- dierende aller Länder" erlassen. Als Thema ist für die Besucher von Lehrerseminaren gestellt:„Der Lehrer als Makler internationaler Verständigung." Das Thema für Desuazer der oberen Klassen der höheren Schulen lautet:„Wie kann die Weltjugend die internationale Verständigung fördern?" Für die drei besten Aussätze jeder Gruppe sind drei Preise von 75, 50 und 25 Dollar bestimmt. Der Wettbewerb wird am 1. Juni d. I. ge- schlössen. Ferner ist für St u d e n t e n aller Länder ein„Dabney- Preis-Wettbcwerb" erlassen worden. Ausgesetzt sind zwei Preise von 300 und 150 Dollar für die besten Aufsätze über das Thema: „Die Macht des Völkerbundes, den Weltfrieden aufrecht zu erhalten und die Wohlfahrt der Menschheit zu fördern." Die deutschen Teil- nehmer am Wettbewerb müssen ihre Arbeiten bis 30. April abends an die Adresse von Prof Paul Oeftreich. Berlin-Friedenau, Menzel- straße 1, gelangen lassen. Die weltliche Schulbewegung im Lande Vraunschweig macht dauernd Fortschritte. In der Kreisstadt Wolfenbüttel, wo man die Dissidentenkinder von dem Zwang der Konfessionsschulen befreien will, sind bisher 270 Anmeldungen für die weltliche Grund- schule eingelausen. Der Grundstock zur weltlichen Schule gilt damit als gesichert. Die Dissidentenkinder der vier letzten Jahre werden einstweilen noch im lebenskundlichcn Unterricht zusammengefaßt, doch hofft man, daß im nächsten Schussahre auch weltliche Sammel- schulen für die älteren Jahrgänge eingerichtet werden können. volkbübue. Die Aufsübrung der Schauspiclcleven»Der junge AchilleZ" von Echmidtbonn, Regie: Günther Stark und»Herr Peter Squenz' von, GryPhiuZ, Regie: Viktor Schwanncke, findet am 9. April, nachmittags 3'/, Uhr, im Theater am Schisjbauerdamm statt. volksbSdaen-vlaNnee vlary Mgman und Gruppe. Die 6. Tanzmatinc« der Volksbühne, in der Marh Wiqman ihre jüngste Tanzichöpsung.Die Feier" zur Aufführung bringt, findet bestimmt am Sonntag, den 10. April, vorm. U'J, Uhr, im Theater am Bülowplatz statt. Eine beschränkte Anzahl Karten ist noch tn den EeschäilSstellen der Volks- kühne E. V, an den Tietzschen Theaterkassen usw. erhältlich, m Eagli'che, Theater Oeulscher Schauspieler. Am 10., vorm. II1/, Uhr wird im Schillcrtheater SaiSworthyS Komödie.Tbo Silver Box* geglben. Große Auegr-buvgefunde In Slambul. Eine britisch« Expedition, die mit AuSgrabungSarbeiten in Stambul beschästigt ist. bat nach Meidungen auS Konstantinopel bemerkenswerte Funbe gemacht. Unter diesen befindet sich die Truhe eines byzantinischen Wagenlenter». die Gold und kostbare Juwelen enthält und Eigentum Kaisers Constantin geweien sein soll, fterner ist auch eine Minialur-Phramtde ägyptischen SlilS und eine Venuj-Staiue entdeckt worden. Deutschland auf der Iulernafiaiialen in INonza. Deutschland wird in diesem Jahre auf der Jniernalionqlc» Kunstgewerbe-AuZstcllung in Monza bei Mailand mit einer eigenen Abteilung vertreten tein. Mit ihrer siu- sammenstelluna ist Pros. Bruno Paul, der Direktor der o-reinlgt-n Staat». schulen sür trete und angewandte Kunst betraut worden. Tie Ausstellung wird am 15. Mai eröffnet. ) Moröprozeß vor ö Ein 15 jähriger, der Eines der fürchterlichsten Verbrechen der letzten Zeit, um so fürchterlicher als es von einem damals noch nicht 16jährigen aus- geführt wurde, soll heute seine Sühne vor dem Jugendgericht in Oranienburg finden. Es handelt stch um den Mord in Oranienburg, dem drei Personen zum Opfer fielen. Nicht der erste, aber sicher ein sehr seltener Fall, der das Jugend- gericht nötigt, sich mit einer so furchtbaren Tat zu beschäftigen. A n- geklagt ist der am 23. November 1911 in Breizingen im Kreise Sangerhauscn geborene Fürsorgezögling Karl Ernst Müller. der am Abend des 12. Oktober v. 3. in der Königsallee 62 zu Oranienburg den 75 Jahre alten Postsekretär a. D. Joses Dobrindt, dessen 66 Jahre alte Arau Anna und die 42 Jahre alte Tochter Käthe des Ehepaares ermordete und beraubte. Müller, der Sohn eines verstorbenen Baumeisters, hatte Privat- Unterricht in Englisch und Französisch erhalten, weil er einmal Zei- wngsredakteur werden wollte. Er taugte aber nichts und wurde wegen sittlicher Verwahrlosung auf Veranlassung eines Arztes in die F ü rs o r g e a n st a l t Johanneshaus gebracht. Dort«nt- wich er am 7. Oktober 1926 noch Berlin, wo er sich eine Pistole und einen Dolch kaufte. Am 12. Oktober fuhr er abends nach Oranienburg zu, stieg in einer Vorstation aus und ging nach der Wohnuirg der Familie Dobrindt, die er durch eine Tante kennen gelernt hatte. Mit seinem Dolch erstach er das alte und kranke Ehe- paar und dann auch die Tochter, als diese ihn überraschte. Ein Maschinenbauer Fritz Liedtke, der in der Ueberwohnung zu Besuch war, hörte die chilferufe der Ileberfallenen, ergriff den Burschen, als er aus der Wohnung herauskam, ließ ihn aber los, als er seine Pistole zog. Uebcr und über mit Blut besudelt, entfloh der Ver- brecher durch den Schmachten h'agcner Wald nach der För- sterei Teerofen, mit der eine Wirtschaft verbunden ist. Hier bat er unter der Vorspiegelung, daß er auf der Chaussee überfallen worden sei, um ein Jackett. Der Förster traute aber dem Burschen nicht, benachrichtigte vielmehr den nächsten Landjäger. Dieser war von der Mordkommission von dem Verbrechen bereits in Kenntnis gesetzt und nahm den Burschen fest. Kriminalkommissar Trettin holte ihn mit seinen Beamten in einem Auto ab, um ihn zunächst nach dem Mordhause zu bringen. Hier muhte jedoch der Wagen umkehren, weil die empörte Bevölkerung den Ertappten zu lynchen drohte. Der Angeklagte behauptete, daß er ohne Mordabstcht nach Oranienburg gekommen sei. Er habe stch nach Stettin begeben wollen, um„Zeitunqslehrling* zu werden. Käthe Dobrindt habe er erstochen, weil sie ihm mit Anzeige bei der Fürsorgeanstalt gedroht habe. Dann habe er auch ihre Estern umgebracht, da m i t s i e i h n nichtverraten könnten. Als Zeugen find u. a. auch Berliner Kriminalbeamte geladen, als Sachverständiger der Gerichtsarzt Me- dizinalrat Dr. Störmer, der Müller längere Zeit auf seinen Geistes- zustand beobachtete. em?ugenögericht. drei Personen tötete. Der Angeklagte ist weit über sein Alter entwickelt. Er ist groß, kräftig, erscheint viel älter und— erscheint bei seiner V«r- nehmung in dem Anzug, den er bei der Tat trug und der noch die blutbefleckten Stellen erkennen läßt. Er erzählt seinen Lebenslauf. Er ist in Breitzungen geboren, sein Vater starb früh, die Mutter siedelte in ihre ostdeutsche Heimat über, beide waren dann nach der Okkupafton des mütterlichen Heimatlandes in verschie- denen Flüchtlingslagern. Der große Junge hat sich immer gut ge- führt, er ist n i e b e st r a f t. Er bestreitet, daß seine Mutter an ihm mit einer gewissen„Affenliebe" gehangen hätte.- In Stettin hat er sich Massen gekauft, ein Jagdgewehr und eine Taschen- lampe, bezeichnenderweise in Fonn eines Revolvers:„Weil er ein großer Waffensreund seil" Die Waffen wollte er zum Wider- stand gegen Leute benutzen, die ihn etwa in die verhaßt« Fürsorge- onstast zurückbringen wollten. Die Massen hat er ohne Wasfenschein erhalten: gegen den Berkäufer schwebt deshalb ein Verfahren. Zwei vrüöer als Vatermörder. Wegen gemeinschaftlicher schwerer Mißhandlung mit Todes» ausgang, begangen an ihrem eigenen Dater, dem SZjährigen Fischhändler Fritz Bült aus Steglitz, haben sich heute vor dem Schwurgericht des Landgerichts II dessen beide Söhne, der 2ajährige Markthelfer Otto Bült und der 21jährige Händler Erich Bült zu verantworten. Den Anlaß zu dem Borgang gab eine Kneiperei der beiden Angeklagten. Der Bater wollte sie aus der Kneipe heimholen, da sie zu Hause die Versorgung von Pserd und Hund vernachlässigt hatten. Zum Dank dafür wurde er mehrmals zu Boden gestoßen. Der dritte Stoß brachte den Mann so un- glücklich zu Fall, daß er nach dem Geständnis des einen Angeklagten wie ein Brett zu Boden fiel, mit dem Hinterkopf schwer auf das Pflaster schlug und, ohne das Bewußtsein wiederzuerlangen, am übernächsten Tage im Krankenhaus verstarb. Der Angeklagte Otto Bült sagte aus:„Erich rief mich aus dem Lokal hinaus, und da kam mein Vater auf mich zu, und stieß mit dem Fuß nach mir, ohne mich zu tressen. Do habe ich ihm einen Abwehrstoß gegeben und er blieb liegen. Ein Fremder regte sich darüber auf und wollte es der Polizei melden. Da habe ich wohl gesagt:„Wenn du nicht ruhig bleibst, kriegst du auch eins". Wir liefen ihm nach und als wir zurückkamen, hoben wir den Batcr auf, der sich am Zaun fest- hielt. Wir gingen beide ins Lokal zurück und tranken Bier, bis Erichs Braut weinend rief:„Vater liegt auf der Erde". Nun schafften wir ihn mit anderen Leuten nach Hause ins Bett und gingen dann noch ein paar Glas Bier trinken. Auf Befragen von Landgerichtsdirektor Dust gab Erich Bült zu, daß der Vater nach der ersten Mißhandlung geschimpft habe:„S o etwas muß man sich von seinen Kindern gefallen lassen, und wird noch geschlagen." Der Prozeß geht weiter. Sacmeister u. Co. Ter Ursprung der Stresemann-Hetze. Ueber die Vorgeschichte des Prozesies, der sich jetzt in Plauen um die Person Stresemonns abspielt, erhalten wir d i e. A u s- Zeichnungen eines Eingeweihten, die so interesiant sind, daß wir eine kurze Inhaltsangabe der Oeffentlichkeit bekannt geben wollen. Im Winter 1924/25 wurden mehrere Heroen, darunter auch unser Gewährsmann, in den Ratskeller zu Münster eingeladen, wo eine Besprechung mit Herrn Bacmeister, dem Herausgeber der „Bergisch-Märkischen Zeitung" und dem Stadtrat Tenfelde stattfinden sollte. Tenfelde war zu Beginn der Besprechung noch nicht anwesend. Bacmeister leitete die Besprechung mit der Frage ein, ob Tenfelde momentan sehr flüssig sei. Es würden nämlich erhebliche Gelder für folgenden Zweck gebraucht: Eine staatlich« Dienststelle, nämlich das Reichsschatzamt, habe eine ganze Ladung Akten zum Einstampfen gegeben. Unterwegs aber sei ein Aktenstück verloren gegangen und in andere Hände gelangt. Daraus wisse man, daß dieses Aktenmaterial sehr wichtige Vorgänge betreffe, durch die eine Anzahl Politiker schwer kompromittiert seien. Die Korruption reiche bis In die Reihen der Deutschen Dolks- parkei hinein. Auch Schacht habe schwer mitverdient. Als diese Angabe von Teilnehmern der Besprechung bezweifelt wurde, erklärte Bacmeister, daß der Generaldirektor der Evaporator-Gesellschaft. der Jude Litwin, Kriegsmaterial und Munition an die Polen verschoben habe und daß Strcsemann und Schacht ihm die behördlichen Wege geebnet hätten. Beide hätten offenbar gut mitverdien«. das gehe aus den Bnchauszügen hervor. Das gesamte Material könne nun aufgekauft werden, und zwar durch den ehemaligen Hauptmann Knoll. Hierzu seien aber mehrere tausend Mark nötig. Knoll werde etwa drei bis vier Monate brauchen, um das Material durchzuarbeiten, und hierfür müsse man ihm schon 509 Mk. pro Monat geben. Natürlich könne über das Geld keine Rechnung gelegt werden. Bacmeister führte dann weiter aus: Er stehe noch mit einer Reihe von anderen Herren in Verbindung, denen man mit Geld nicht kommen dürfe. Mit diesen trinkt man dann einige Flaschen Wein und frühstückt in irgendeiner Stube. So ar- l eite er. Bacmeister, im engsten Einvernehmen mit den Assessoren kußmann und Easpary,„Juden, aber prachtvolle Menschen".(Nur Easpary ist Jude, nicht Kußmann. Red. d. Vorw.) Der Assessor K u ß m a n n insbesondere führe als Staatsanwalt im Kam- missorium die Sache gegen Barmat. Um seine engen Beziehungen zu Kußmann zu beweisen, entnahm darauf Bacmeister seiner Mappe ein Schriftstück und legte es vor. Es stammte von Knoll und hatte etwa folgenden Inhalt: „Ich bin gestern bei Herrn kuhmann gewesen, der mir das beifolgende Material für Sie gegeben hat. Strafrechtlich ist es direkt nicht zu verwerten, weshalb er Sie bittet, es politisch zu ver- össenllichen." Als einer der Anwesenden sein Befremden darüber äußerte, daß ein Staatsanwalt in dieser Weise mit amtlichem Ma- t c r i a l umgehe, raunte Bacmeister:„Um Gott o-s willen, sprechen Sie nur ja nicht darüber I" Inzwischen traf auch Tenfelde ein, er wurde kurz ins Bild ge- setzt, erklärte aber bezüglich der von Bacmeister verlangten Geld- hergäbe, daß er sich die Sache überlegen müsse. Nach der Be- sprechung äußerte er dann unter vier Augen zu einem der Teil- nchmer an der Konferenz, daß er nichts geben wollt«. Bac- meister hätte bereits erhebliche„Repräsentationsgelder" erhalten und es sei unangebracht von ihm, jetzt für solche Zwecke noch Geld zu fordern. Sowest die Darstellung unseres Gewährsmannes, die noch«ine Anzahl weiterer Einzelheiten enthält, auf die wir im Augenblick noch nicht eingehen wollen. Es würde sich empfehlen, diese Dar- stellung mit der Zeugenaussage Bacmeister im Prozeß zu ver- gleichen. Bacmeister wie Knoll haben unseres Wissens bestritten, daß Bacmeister von Kuhmann über Knoll Material und Jnfor- mationen erhalten habe. Wir sind bereit, den Behörden den Na- men unseres Gewährsmannes, der keineswegs der erste, beste ist, mitzuteilen._ Zerienbeginn im Lanütag. Vertagt bis zum 3. Mai. Der Landtag nahm in seiner heutigen Vormittagssitzung nach Erledigung kleinerer Vorlagen zunächst den Gesetzentwurf zur Vermehrung und Verbesserung von Arbeiterwohnungen auf den Staatsdomänen ohne Debatte in zweiter und dritter Lesung an, desgleichen die Lorloge über Urbarmachung von staatlichen Mooren in den Regierungsbezirken Königsberg und Gumbinnen und über Bodenverbesserungen auf den staatlichen Domänenvorwerken. Die Abstimmung über die nachgesuchte Genehmigung zur- Strafverfolgung des Abg. Grube(Komm.) wegen Be- * leidigung des Reichspräsidenten Hindenburg wird auf Antrag des Abg. Leinert(Soz.) bis nach den Osterferien vertagt. Zum Schluß wird noch eine Novelle zum Diätengesetz, die sich der vom Reichstag beschlossenen Regelung anpaßt, angenommen. Hierauf vertagt sich das Haus auf Dienstag, 3. Mai, mittags 12 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des Etats für Berg-, Hütten- und Salinenwcsen. Deutsche Dauernschast. Eine Gründung gegen den Reichslandbund. Räch vorbereitenden Verhandlungen traten heute die Gesamt- vorstünde des Deutschen Vauernbundes. des Vayeri- schen Bauernbundes und des Beickisverbande» landwirtschaftlicher klein- und 2N i l t e l b e t r i e b c zusammen und beschlossen, unter dem Hamen„Deutsche Bauernschaft" eine einheitliche Spihenorganisation zu be- gründen. Die bisher de« einzelnen Spihenorganisakionen ange- fchlossenen Landes- und Proviazialverbände schließen sich unter Bei- beHaltung ihrer lokalen Selbständigkeit der neu gebildeten„Deutschen Bauernschaft" an. Der sranzösisch-russische Finanzausgleich wird von der franzö- fischen„zuständigen Stelle" dementiert. Die Verhandlungen würden fortgesetzt, hätten jedoch noch in keinem Punkte zu einem Ergebnis geführt. Die Wohnungsschiebung im Dezirt weüüing Eine amtliche Tarstellung. Zu den Verfehlungen des Stadtsekretärs Haus im Wohnungs- amt Wedding wird jetzt vom Bezirksamt Wedding in einer amt- lichen Erklärung Stellung genommen, wonach auf Grund der bis- herigen Nachforschungen dem Haus 19 Fälle schwerer Verfehlungen zur Last gelegt werden. Fünf Wohnungen, die von ihm unrechtmäßig vergeben wurden, seien bereits wieder freige- macht und ihrer richtigen Besetzung zugeführt, und zwar hätten mehrere der unrechtmäßigen Wohnungsinhaber von vornherein auf Rechtsmittel verzichtet und ihre Wohnungen nach erfolgter Beschlag- nähme sofort freiwillig geräumt. Gegenüber der in einer Reihe von Blättern verökfentlichtcn Schilderung einiger Fälle, in denen angeb- lich der Dezernent des Wohnungswesens des Bezirks Wedding, Stadtrat F a b i u n k e» und der Stadtoberinspcktor M i e l k e nicht einwandfreie Wohnungszuweisungen vorgenommen hätten, wird von dem genannten Wohnungsamt eine Sachdarstellung der einzelnen Fälle gegeben, wobei unter Anführung aller Einzelheiten betont wird, daß es sich in diesen Fällen um völlig einwandsteie, nach jeder Richtung hin korrekte und aktenkundige Zuweisungen handele. Haus, der verschiedene dieser einwandfreien Zuweisungen selbst ver- antwortlich bearbeitet und als Nachweisleiter selbst befürwortet habe, versuch« auf diese Weise seine schweren Verfehlungen im möglichst milden Lichte erscheinen zu lassen. Im übrigen sei Stadt- sekrctär Haus erst seit 1929 bei der Stadt Berlin tätig. Gegen Verhetzung unö Gewalttat. Unter dem Motto: Gegen Verhetzung und Gewalt- tat! veranstaltete die Ortsgruppe Berlin des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten gestern zwei eindrucksvolle Kund- gedungen. Nach Einleitungsworten des Borsitzenden Dr. London nahm der demokratische Landtagsabgeordpete Pfarrer Graue das Wort. Die Religionsstifter, ein Moses, Christus, Mohammed oder Buddha, so rief er aus, gaben der Welt Größeres als die Feld- Herrn. Und keine Religion gab es, die nicht Friedfertigkeit als das Höchste hinstellte. Und fo sollen im demokratischen Deutschland Pro- testanten, Katholiken, Juden und Ungläubige friedlich nebeneinander leben. Rabbiner S a l o m o n s k i behandelte die Frage vom jüdisch- religiösen Standpunkt aus und schloß mit den Worten: Ich bewun- dere die Phantasie des Geistes und die Aristokratie des Denkens, aber ich beuge mich nur vor der Demokratie des H«rzens! Rechts- anwalt Dr. E l k e l e s schilderte als alter Frontkämpfer in wirk- samen Ausführungen die Schande des Antisemitismus angesichts der 12 999 im Weltkrieg gefallenen Juden. Die Zeit möge nicht mehr fern sein, wo über Verhetzung und Gewalttat nur noch in den Schul. bllchern berichtet wird unter den Kapiteln, die handeln von den Ver- wirrungen nienschlicher Leidenschast. Als letzter Redner sprach der demokratische Landtagsabgeordnete Chefredakteur R u s ch k e. Der Sonntag von Lichterfelde-Ost, der Sonntag der Ausschreitungen am Wittenbergplatz war ein schwarzer Tag für Deutschland. Ich bin ein Feind des Gummiknüppels, aber gegen Halunken, die wehrlose Frauen überfallen, hilft nur der Gummiknüppel energischer Polizei- bcamtcn. Deutschland und Berlin geraten in der ganzen Welt in schlechten Ruf, aber diese Rüpel sollen die Straße nicht zum Tummel- platz ihrer Exzesse, Deutschland nicht zum Skandalhaus machen. Unsere Parole sei: Achtung jeder U e b e r z e u g u n g, Aechtung jeder R ü p e l e i l In den S p i ch e r n s ä l e n sprach Staatsminister a. D. Ge- nosse Wolfgang Heine. Er wandte sich in scharfen Worten gegen die Justiz, die gegen Terrorakte zu milde sei und allzuleicht Be- gnadigungen bewillige. Besonders kraß sei der Fall der Erfurter Friedhossschändung. Was solle man dazu sagen, daß der völkische Lehrer, der auf einem Zlusslug seine Schüler einen jüdischen Fried- Hof in nicht wiederzugebender Weise besudeln ließ, zu einer geringen Geldstrafe verurteilt wurde? Schon bald nach Kriegsbeginn wurden Juden in der Beförderung zurückgesetzt, und s-lbst das preußische Kriegsministerium war gegen den Antisemitismus gewisser Offi- zierskreise mochtlos. Die Krawalle, die den Anlaß der heutigen Kundgebungen bieten, so sagte der Redner, sind rechtlich Landfrie- densbruch, aber diesen üblen Provokationen gegenüber entscheiden sich die meisten Gerichte für die milderen Paragraphen der ge- meinsamcn Körperverletzung. An uns aber liegt es, zu- sammenzuhalten gegen Dummheit und Brutalitätl Reichs- minister o. D. Genosse S o l l in a n n billigte jedem das Recht der Anschauung zu, aber Sauberkelt müsse sein. Und dafür hätten vor allem die Völkischen in ihren Reihen zu sorgen. Der Redner wies daraus hin. daß der völkische Abgeordnete Dr. Frick sich wegen seiner Beleidigungen gegen den Ministerialdirektor Dr. Ba d t selbst nach deq. Klarstellungen durch den preußischen Ministerpräsidenten Braun nicht entschuldigt habe. Wahnsinn sei es. die Schuld am Zu- sammenbruch den Juden aufzubürden. Wenn die völkischen jugend- lichen Terroristen einmal etliche Monate wirkliche Kosernenluft schmecken würden, dann würden sie sich vielleicht ganz anders ein- stellen. Die Waffen sollen in den Händen der gesetzlich zum Schutze der Bürger Berufenen, nicht aber in denen von jungen Burschen sein! Bilden wir die Front oller reifen Staatsbürger gegen die unreifen Staatsflegel. In gleichem Sinne äußerten sich Albrecht Graf M o n t g e l a s und Arnold Stein. In beiden Versammlungen fand eine Resolution einmütige Annahme, die besagt, daß die Versammelten ihrer Entrüstung Aus- druck geben gegen die Gewalttaten, die infolge skrupelloser Verhetzung von Anhängern der Nationalsozialisten gegen friedlich« jüdjsche Bürger begangen sind. Sie erwarten von den zuständigen Behörden tatkräftiges Eingreifen und wirksame vorbeugende Maß- regeln. � Drei Zentner Roh-Opium beschlagnahmt. „Gewürze und Perserteppiche". Ein Perser, der von der Kriminalpolizei wegen verbots- widrigen Handels mst Opium verhaftet worden war, verübt« nach seiner Freilassung einen Selbstmordversuch. Er wurde aber ge- rettet und in ein Krankenhaus gebracht. Durch einen Zufall erfuhr die Opiumstelle des Reichsgesund- heitsamts von diesem Selbstmordversuch. Sie setzte ihrerseits die Kriminalpolizei in Kenntnis. Wie Sonderdienststelle v 7 vermutete, daß der Selbstmordversuch in Irgendeinem Zusammenhange mit einem ausgedeckten umfangreichen Rauschgifthandel stehe und ging der Sache weiter nach. Der Verdacht bestätigte sich. Bei«iner Durchsuchung der Wohnung des Persers fand man ein Testament, in dem der Perf-r einem Freunde zwei Koffer vermachte, die „Gewürze und Perserteppiche" enthalten sollten. Die Kriminalbeamten fanden die beiden Koffer im Lager einer Berliner Spedition. Sie waren dort z» der Zeit in Verwahrung gegeben worden. Statt der Perserteppiche und Gewürze enthielten sie drei Zentner Rohopium in kleinen Blcchkästen, die in Stofshllllen eingenäht waren. Diese waren mit der Aufschrift„Muster ohne Wert"— Rohmaterial für Medikamente— bedruckt. Jedes Päckchen enthielt 499 Gramm. Die weiteren Ermittlungen stellten fest, daß dieses Rohopium aus Teheran gekommen ist. Die Menge wurde beschlagnahmt und dem Reichsgesundheitsamt überwiesen. Fetter in Siemensstadt. Ein Feuer, da» große Ausdehnung anzunehmen drohte, entstand heute früh gegen m9 Uhr in dem Kabelwerk der Siemeno-Schuckert Werke in Gartenfeld bei Spandan. Starke Oualmbildung erweckte den Anschein eines Großfeuers, so daß 9 Löschzüge unter Leitung des Berliner Oberbranddirektor» G e m p p, und mehrerer Branddirektoren und Baurätc herbei- eilten. Aus bisher noch nicht einwandfrei geklärter Ursache hotte sich Teer in einer Absaugeleitung entzündet, das unter starker Stichflammenbildung und Rauchentwicklung brannte. Das Feuer griff mit großer Schnelligkeit auf eine Teerkabel- tränkanlage über, die in wenigen Minuten ebenfalls in hellen Flammen stand. Die entstehenden Oualmmassen ließen zunächst den Umfang des Brandherdes nur vermuten, so daß der Sllarm„Groß- feuer" gegeben wurde, worauf 9 Löschzüge heranrückten. Im Verein mit der Fabrikfeuerwehr gelang es den mit Schutzinasken vor- dringenden Feuerwehrbeamtcn unter Einsetzung von 5 Schlauch- lcitungen den Brandherd, der sich inzwischen auch noch auf die Dachkonstruktion ausgedehnt hatte, zu lokalisieren. Nach mehr- stündiger Tätigkeit rückten die Löschzüge wieder ab. Der Betrieb erleidet durch das Feuer keine Unterbrechung. ver Oesserrelchlsch-veutiche Volksbund veranstaltet am Freitag, dem 8. April, abend» 8 Uhr, im Rcich»taa»gebäude. Saal O 1, Eingang Portal 6, einen VortraaSabrnd, an dem Rechtsanwalt Dr. Joses Stark(Anwalt der österreichischen und deutschen Gesandschast in Prag) über»Die politische Lage der Deutschen in der Tschechoswwakei' sprechen wird. Eintritt frei. Verantwortlich sllr Politik: Victor Tckisi! Wirtschatt:®.«Hinge ll.öscr! Sewerkl-liailobeweauno: Srirtr. Ctkatn; lr-uMeion:». 0.»»scher: Lokal«, und Sonstig«»: ffris,»arstödt:«n, eigen: rp.«l»«e; sämtlich in»erlm. Verlag: Vorwärts-Verlag G. rn. b. H., Verlin. Druck: Vorwiirts.Buchdcuckrr»t und V«rlag«anstalt Paul Singer n Co., Berlin SW 68, Lindenstroße 8. Hierzu 1 Vellage. Kratzer frühjahrsverhauf! Käufer und Käuferinnen! Laßt Euch ja nicht locken durch Angebote„ohne Preisauischlag"odersogar„BarpreiseB usw. 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Ji r". /*.•..n" Irettag 8. �pril m? ß&iltwarbeiL Seilage Ses vorwärts Wahret Sie Vüröe öes Tages l Ein Wort zur neuen Feslkultur von Viktor Engelhardt. Erster Mail— Tag der Hoffnung— Tag des Willens. Feiertag der Welt! Aus Verbitterung und Verzweiflung wurden die Mai Umzüge geboren. Zuversichtliches Wollen hat heute die Abendfeiern mit Festesfreuden geschmückt— und bald wird der Tag höchstes Heiligtum fein. Wir brauchen Feste. Im Fest erleben wir Gemeinschaft. Kein verstandesgemäßes Grübeln, kein pflichtbewußtes Mühen um das Werk der Gemeinschaft dringt so tief in das innerste Herz wie das Erleben, das alle in gleichmäßiger Freude umspannt. Wir brauchen Feste, wollen wir sozialistische Menschen erziehen, die mehr sind als Kämpfer ums Brot. Aber wahre Feste müssen es sein. Kein Abklatsch spießbürgerlicher Vereinsmeierei, kein seichtes Vergnügen beschließe den Tag, der Weltfeiertag zu werden bestimmt ist. Tanz und oberflächliches Lachen haben ihr Recht im menschlichen Leben.— Zum ersten Mai aber taugen sie nicht. Die Frommen der mittelalterlichen Welt haben auch getanzt— und gelacht, recht derb und fröhlich sogar—, ihr Weihnachtsfest aber haben sie nicht mit Lärmen begangen. In der Kirche war die Gemeinde oereint und erlebte im Kult, was damals Gemeinschaft war— die Einheit der gläubigen Christen. Dies« Einheit ist heute zerbrochen. Sie mußte zerbrechen, denn die Geschichte geht ihren Weg. Aus der Wirrnis der Tage aber ringt sich der Schrei nach neuer Gemeinschaft. Ihr Symbol ist der sozialistische Mensch— ihr Glaubensinhalt„Sozialismus". Das Fest der neuen Gemeinschaft muh die Herzen packen, wie das der Alten, sonst ist es kein Fest- An der wahren Ausgestaltung dieses, unseres Festes, hemmen uns jedoch die Schlacken der individualistischen Zeit. Von ihnen müssen wir uns gründlich befreien. Drum weg mit dem Streben, immer neues, abwechslungsreiches zu bieten. Durch ewig neues wird die Sensationslust beftiedigt, aber nicht die kultisch« Feier gestaltet. Im Gegentell! Die Feste, die uns am tiefsten packen, sollen— müssen sich in ewig gleichbleibenden Rhythmus durch das Leben hinziehen. Der Kult wird zum Kult erst dann, wenn seine Formen ganz fest mit unseren Erinnerungen verwachsen sind. Diese müssen bis in die Kindheitstage zurückgehen. Rur was schon da war. bevor wir über seine Entstehung nachdenken konnten, hat sich in unsere Seele so tief eingegraben, daß uns ewige Wiederholung nicht ermüdet, sondern gerade— durch Anregung unserer Seele— zum tiefsten Erlebnis wird. Diese Wirkung heißt es suchen. Wir werden auf unsere Kinder verwiesen. Unseren Kindern muß der erste Mai ein Feiertag sein, der sich in edler, gleichbleibender Weise Jahr für Jahr wiederholt. Sind die Kinder erwachsen, so werden sie mit der Feier ein« starke Lebenserinncrung vermischen, die dem Tag tiefste Weihe verleiht. Ist erst das Leben aller in gleicher Weis« mit der Feier oer- Kunden, so ist die sozialistische Gemeinde geschaffen, die allein Träger des Kultes sein kann, ja die in der jtulthandlung der Feier zur wahren Einheit oerschmilzt. Heil uns, daß uns solche Einheit des Geistes im sozialistischen Wollen, nach der Zersplitterung vergangener Tage, wieder erblüht! Die Epoche hat uns zu Großem berufen, die Kultureinheit der Zukunft müssen wir bauen. Di« Aufgabe verlangt den tiefften Ernst— und verbietet an dem Tag, der dem Zukunftswollen gilt, jeden oberflächlichen Lärm. Nur wer die Maifeier aufwühlend im innersten Herzen erlebt, ist würdig, em Streiter für die Zukunft zu heißen. /lrbeiterftrienreifen. Die Ferienzeit des Arbeiters ist kurz, darum muß er mit der Zeit haushalten. Er kann nicht, wie die Besitzenden, sich wochenlang ergötzen und ein faules Schlemmerleben führen. Dazu fehlt es ihm auch an den notwendigen Mitteln.„Mondäne" Badeorte kann er nicht besuchen, denn er ist das Aschenbrödel der Gesellschaft. Wie mit der Zeit mutz er mit seinem Geld rechnen. Insofern ist die Ferienfrage auch sehr stark eine wirtschaftliche Frag«. In manchen Fällen haben die Arbeiter den Unternehmern bereits die Zahlung eines„Feriengeldes" abgerungen. Angesichts der Bedeutung der Ferienkultur für die Arbeiterschaft kann man nur wünschen, daß es sich hierbei nicht um Ausnahmefälle handelt, sondern daß die Ge- Währung von Feriengeldern bald zu einer allgemeinen Einrichtung wird. Insbesondere sollten die Organisationen dieser Frage ihre besondere Aufmerksamkeit widmen. Auf die kurz« Ferienzeit und die gering« Leistungsfähigkeit der Arbeiter muß die in den letzten Jahren entstandene Bewegung zur Pflege der Arbeiterkultur Rücksicht nehmen. So arbeitet die Ferien- heimgenossenschast„Naturfreunde" in Thüringen unermüdlich daran, Erholungsheime zu schaffen, die gegen einen äußerst geringen Tages- satz dem Arbeiter einen wohlfeilen Aufenthalt bieten und ihm Ge- legenheit geben, feine Freizeit im Kreise gleichgesinnter Menschen zu verleben. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit ver- anstaltet Ferienkurse, die in schön gelegenen Heimen stattfinden und den Teilnehmern gegen Zahlung eines geringen Kostensatzes eine Woche lang Erholung und geistige Anregung vermitteln. Das wertvollste Mittel aber, die Ferientage mit Genuß und Gewinn zu oerleben, smd Ferienreisen. In jedem Menschen lebt der Drang, sich loszureißen von den Gewohnheiten des Tages und fremde Verhältnisse, Landschaften und Menschen kennenzulernen. Die geheimnisvolle Welt da draußen, von der man nur weiß, daß sie da ist, ohne daß man sie kennt, reizt und lockt. Es ist ein anderes und darum interessantes Leben, das dort in der Fremde sich abspielt, von anderen Menschen gelebt und von anderen Sitten beherrscht. Darum möchte man es kennen lernen und mit dem seinen vergleichen. Auf jeder Ferienreise erobert man sich ein Stück Neuland, gewinnt man neue Eindrücke und Gesichtspunkte. Es kommt freilich darauf an, daß man sinn- und planvoll reist. Auch Reisen ist«ine Kunst, die verstanden sein will. Viele gehen achtlos gerade an dem vorbei, was besonders charakteristisch und sehenswert ist, oder sie sehen nur die äußere Fassade, nicht aber das Wesentliche, was dahinter liegt. Sie begnügen sich mit dem äußeren Schein, ohne die Wirklichkeit und den Inhalt zu sehen. Die gedruckten Führer, wie Bädecker u. a., die sicher sehr nützlich sind, können den Arbeiter nicht befriedigen. Sie sind nicht für ihn geschrieben, sondern für ein anderes Publikum bestimmt. Der Sozialist braucht andere Gesichtspunkte, wenn er reist, er will die Welt mit den Augen des Sozialisten, nicht des satten Bürgers sehen. Er will neben den Schönheiten der Landschaft und Architektur noch andere Dinge kennen lernen, das Leben in seiner Wirklichkeit erfassen, die Zusammenhänge erkennen, hinter die Kulissen äußerer Pracht schauen. Diesem Zweck dienen die Ferien- und Studienreisen der Arbeiter, Angestellten und Beamten, die seit einigen Jahren veranstaltet werden. Sie vermitteln dem Arbeiter in der ihm zur Verfügung stehenden kurz bemessenen Zeit die wesentlichsten Einblicke in das Leben, die Verhältnisse und den Kulturstand anderer Völker. Die Führer auf den Reisen sind Sozialisten, die in der Welt des Arbeiters leben und darum seine Interessen und Bedürfnisse kennen. In der Regel werden Genossen aus den besuchten Ländern zur Führung mit herangezogen, die natürlich die Verhältnisse ihres Landes ganz anders kennen, als fremde Führer, und darum viel unmittelbarer wirken. Die stärksten Eindrücke aber gewähren die gemeinsamen Zusammenkünfte mit ausländischen Genossen, die uns nicht nur wert- volle Informationen über die Arbeiterbewegung im Auslande geben, sondern uns die Wirksamkeit der völkerverbindenden Idee des Sozialismus veranschaulichen. Das ist das Große an dieser Idee und der von ihr getragenen Bewegung, daß sie über die Landes- grenzen hinweg die Herzen verbindet, daß wir überall mit gleich- gesinnten Menschen zusammentreffen, mit denen wir uns auch im fremden Land sofort als Freunde und Kameraden, beseelt durch die gleiche Idee, verbunden fühlen. Wenn die Völker, wie man uns glauben machen will, durch eine Mauer des Hasses oder der Miß- Verständnisse voneinander getrennt sind, so kennen die Sozialisten diese Mauer nicht. Und soweit sie künstlich aufgerichtet worden ist, wird sie durch die persönliche Fühlung zwischen den Genossen der verschiedenen Länder mit Leichtigkeit niedergerissen. Für die P'lege der Solidarität und internationalen Gesinnung sind darum Arbeiter- Ferien- und Studienreisen von unschätzbarem Wert, An den vom Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit oer- anstalteten Reisen nahmen im Vorjahr 427 Personen teil, mehr als das Dreifache als im Jahr zuvor. Darunter befanden sich 232 männ- liche und 145 weibliche Personen. Bei den männlichen Teilnehmern überrascht die starke Teilnahme der Handarbeiter, die 115 Personen, also etwa 4l) Proz. betrug. Diese Tatsache straft, diejenigen Lügen, die behaupten, die eigentlichen Arbeiter könnten an solchen Reisen nicht teilnehmen, weil sie zu teuer seien. Es ist unvermeidlich, daß Reisen ins Ausland immer eine gewisse Summe Geldes kosten, die durch das infolge der großen Entfernungen bedingte hohe Fahrgeld verursacht wird. Daran läßt sich leider nichts ändern. Trotzdem find die Kosten der Ferienreisen ins Ausland so gering wie möglich gehalten, so daß sie auch dem Arbeiter, wenn er nicht gerade arbeitslos oder Kurzarbeiter ist, erschwinglich sind. Daß die Kosten in Monatsraten gezahlt werden können, erleichtert das Aufbringen. Wem aber auch die Monatszahlungen für eine diesjährige Reis« zu hoch sind, der kann schon jetzt anfangen, für dos nächste oder, wenn er will, für das übernächste Jahr zu sparen. In diesem Fall sind die Monatsraten so gering, daß es bei ernstem Willen möglich ist, auf diesem Wege zu einer Ferienreise zu kommen. Ferienreisen waren bisher«in Vorrecht der besitzenden Klassen. Auch dieses Vorrecht muß wie viele andere beseitigt werden. Der Zlrbeiter, Angestellte und Beamte, der tagein tagaus angestrengt tä.ig sein muß, hat die Fericncrholung viel mehr nötig, als der Besitzende. Hier muß die Zlrbciterschaft wie auf allen anderen Gebieten den Weg der Selbsthilfe beschreiten. Es gilt daher, den Gedanken der Arbeiter- Ferienkuliur nach Kräften zu fördern und Möglichkeiten zu schqsfen, daß die Ferien für den Arbeiter zu einer Quelle der Freud«, zur Erholung und geistigen Bereicherung werden. Zreie fozialististhe hochfihule. In dieser Woche ist das erste Wintersemester der S e m i n a r e. der„Freien s o z i a l i st i s ch e n H o ch s ch u l«'. die im vorige.?�- Herbst eingerichtet wurden, zu Ende gegangen. Es kann mit Be- sriedigung festgestellt werden, daß dieser Beriuch der Schasfung einer neuen Lehrstätte, die dem Reichsausjchuß für sozialistische Bildungsarbeit angegliedert ist, einen guten Er- folg gehabt hat. Von Oktober bis April wurden, mit kurzer Unter- brechung während der Weihnachtsferien, einmal wöchentlich folgende Seminare abgehalten: Prof. Heinrich Cunow:„Der Staat und seine Entwicklung": Dr. Karl Herz:„Verfassungs- und Verwaltungs- künde": Fritz Naphtali:„Grundfragen der Wirtschaftspolitik": Dr. Albert Solomon:„Grundlagen der Soziologie": Alexander Stein:„Sozialismus und Arbeiterbewegung". Zwei von diesen Kursen(Kursus Naphtali und Solomon) werden auf Wunsch der Hörer noch bis Pfingsten fortgesetzt. Von den zirka 150 Personen, die sich ursprünglich für die Kurse Semeldet hatten, blieb, wie das bei derartigen Seminaren stets der all zu sein pflegt, nach den ersten Abenden«in Teil fort. Dennoch tonnten alle Seminare mit einer durchschnittlichen Zahl von 2l) bis 25 Teilnehmern zu Ende geführt werden. Die angewandte Arbeits- Methode: Vorträge mit anschließenden Aussprachen sowie seblständige Referate der Teilnehmer, erwies sich als durchaus ersprießlich. Wenn irgendwo, so kann das Wort„Arbeitsgemeinschaft" aus diese Seminare angewendet werden, denn die Teilnehmer kamen nicht nur hin, um den Dozenten zu hören, sondern arbeiteten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, intensiv mit, die einen durch rege Beteiligung bei den Aussprachen, die anderen mit selbständigen Arbeiten, die von den Dozenten angeregt waren. Die Folge dieser Arbeitsmethode war ein so enges Verhältnis zwischen Hörern und Seminarleitern, wie das bei ahnlichen Ver- anstaltungen selten zu beobachten war. Nach Ueberwindung der an- sänglichen Zurückhaltung kamen die Teilnehmer sehr bald zu der Erkenntnis, daß sie sich hier in einem Kreise befanden, in dem sie nicht nur ihre Zweifel ohne Scheu vorbringen, sondern auch die Lücken ihres Wissens durch entsprechende Anfragen an den Dozenten ausfüllen konnten. Wertvoll erwies sich auch die Möglichkeit, durch Vorträge und schriftliche Arbeiten das noch vielfach vorhandene Minderwertigkeitsgefühl unterdrücken und den Weg zur selbständigen wissenschaftlichen Arbeit finden zu können. Was hier durch die Gründung der Seminare der Freien fozia- listischen Hochschule ins Leben gerufen wurde, ist natürlich nur ein Anfang. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit wird auch im nächsten Winterhalbjahr dieselbe Zahl von Seminaren, vor- aussichtlich unter der Leitung derselben Dozenten, fortsetzen. Das Programm dieser Seminare wird noch bekanntgegeben werden. Es wird nicht nur den Wünschen der bisherigen Teilnehmer angepaßt. sondern auch so gestaltet sein, daß neue Teilnehmer zu den Arbeiten zugelassen werden können. Hoffentlich ist die Beteiligung auch im nächsten Wintersemester eine so lebhafte, daß diese neue Lehrstätte, die allen sozialistischen Kreisen offensteht, weiter aus- gebaut werden kann._ Morgenfeier üer Sozialistischen flrbeiterjvgenö. Im Großen Schauspielhaus veranstaltete die Sozia- listische Arbeiterjugend eine Morgenseier, die in erster Linie den eben Schulentlassenen galt. Diese sollten vor allem ein Bild vom Leben und Treiben in der sozialistischen Arbeiterjugend bekommen, und so hatte man eine Veranstallung in heiterer Bunt- heit zusammengebracht, in deren Mitte der Film vom Hamburger Jugendtag stand. Diese Bilder, die mit den riesigen Scharen der Sozialistischen Arbeiterjugend aus allen Ländern durch Hamburg an die Nordsee und nach Helgoland führten, gaben einen Eindruck davon, was die Jugend aus eigener Kraft zu schassen vermag. Aber schließlich vermittelte die ganze Morgenfeier diesen Eindruck. Denn alles, was hier geboten wurde, gab Jugend der Jugend. Das kleine Orchester, das den Film flott begleitete, bestand aus Miigliedern der Sozialistischen Arbeiterjugend, ebenso wie die Sängerscharen, die Bewegungs. und Tanzgruppen. Und was vielleicht das Schönste dabei war: es wurde nichts ge- zeigt, nichts getan, was auf Publikumswirkung berechnet und nur mit Rücksicht darauf einstudiert worden war, sondern die Mädel und Burschen sangen, tanzten und musizierten, so, wie es jeder von ihnen tut, wenn sie fröhlich beisammen sind. Und weil man das fühlte, war diese heitere Feier viel mehr ein Fest, an dem im Grunds alle Zuschauer im riesigen, gefüllten Theaterraum teil- nahmen, nicht mit dem bewundernden Gefühl: das tut man für uns, sondern froh und befreit: das sind wir. Wer diese glückliche und im Grunde doch so anspruchslose Veranstaltung sah, wird einen Begriff davon bekommen haben, was die sozialistische Kultur gerade für die proletarische Jugend bedeutet. S z. Aus dem diesjährigen Arbeiter-Reiseprogramm. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit ver- cmstallet für Arbeiter, Angestellte und Beamte in den nächsten Monaten die folgenden Reisen ins In- und Ausland: Auslandsreisen: Gesellschaftsreise Rioiera— Mittelmeer(8.— 17. Juni). Gesellschaftsreise nach den Südschweizer Seen(19.— 26. Juni). Schweden(Anfang Juli). Brüssel— Antwerpen— Paris(3,— 10. Juli). Wien— Semmering— Klagensurth(25. Juli bis 2. August). Studienreise nach London(30. Juli bis 8. August). Studienfahrt Oberbayern— Nordtirol. Jnlandsreisen: Rheinreise(Wiesbaden, Bingen. Bacharach— teilweise Dampferfahrt— Caub, Koblenz, Bonn, Köln(12.— 18. Juni). Bremen— Helgoland— Hamburg— Hasenrundfahrt, Besichtigung der SchenswürdigkeUen, Ausflug in die Lüneburger Heide(31. Juli bis 6, August). Für die Reise Oberbayern-Nordtirol ist die Teilnehmerliste ab- geschlossen, obwohl bereits 2 Gruppen gebildet sind. Jede Gruppe zählt 30 Teilnehmer. Im Hinblick auf den Studiencharakter der Reise kann eine höhere Teilnehmerzahl nicht zugelassen werden. Für die übrigen Reisen können Teilnehmer noch zugelassen werden. Schluß der Anmeldefrist ist etwa 1 Monat vor Beginn der Reise. Der ausführliche Prospekt, sowie die herausgegebenen„Reise- blätter" können gegen Einsendung von 0,35 Mk durch den Reichs. ausschuß für sozial! st ische B'ldungsarbeit, Ber- lin SW. 68, Linden st r. 3, bezogen werden. �_____ Mbelterkonzerte. »Unser KampflieS.� Ein schöner Sinn lag in den beiden Worten, welche der „Berliner Sängcr-Chor"(M. d. ASB.) als Titel seiner Veranstaltung in der„Neuen W e l t", Hasenheide, wählte. Bon jeher war das Lied des Männerchors in der Hauptsache ein Aus- druck der Kampfesfreude, der Siegeszuversicht. Aus den Helden- liedern der Vorjahren formte sich im Laufe einer langen geschicht- lichcn Entwicklung das Lied der Arbeiter, der Sturmgesang nach Freiheit! Den Abend leitete sehr wirkungsvoll Wagners ,.R:enzi"- Ouvertüre, gespielt vom Berliner S i n f o n i e> O r ch e st c r, ein. Dann sang der Chor mit Orchesterbeglcitung Paul Büttners „Sieg der Freude". Stark unterschiedlich von den meisten der Proletarierlieoer packt dieses Werk durch eine in musikalischer Be- Ziehung ungemein schlichte, selten abgeklärt wirkende Form der Ton- sührung, außerordentlich stark. Die Musik ist manchmal den stürmen- den, drängenden Worten nach Erfüllung weit voraus in einer zu- versichtlichcn Siegesbewußtheit. Es folgte der Uthmannsche Chor- gesang„Du fernes Land". Alfred B e l e r l e brachte Rezitationen von Herwegh„Bei und arbeit",„Strophen aus der Fremde" und Freiligraths„lieguiescat" prachtvoll zum Vortrag. Der kämpferisch- ekstatische Moment der Dichtung ist seine Stärke. Schmerzhafte Sehnsucht gestalten, gelingt ihm nicht so gut. Der Abend brachte in weiterer Folge eine interessante Uraufführung des Männerchors „Charleroi" von Offner nach eincm Gedicht von Verlaine. Der Text charakterisiert jenen berühmten Hochofen, der gleichzeitig der Ausgangspunkt vieler Arbeiterunruhen war. Die Musik ist etwas lyrisch-opernhaft und erklärt die herbe Trauer der Worte. Den Abschluß bildete das schöne, sinnige„Erntelied". Die Gesamtleituny hatte Philipp Heid.— t. öeethoven-Ieier öer Tppographia. Der Gesangverein der Berliner Buchdrucker und Schristaießer, „T y p o a r a p h i a", hielt in der Staatlichen M u s i k h o ch- schule seine Becthoven-Feier ab. Man hatte sie, bis auf eine Ausnahme, künstlerisch hochwertig gestaltet. Die Ausnahme aber fiel sehr aus dem Programm heraus. Keine Sinfonie Beet- Hovens gehört in der Klavterbearbeitung in den Konzertsaal. Wenn es aber neben der Neunten«ine gibt, die besonders ungeeignet ist, in dieser Form produziert zu werden, so ist es die Fünfte. Dieses trotz seiner knappen Form gigantische Werk ist mit den Gefühlswerten der Instrumente geradezu unlöslich verknüpft, und es bedeutet eine Entweihung Beethovens, wenn man es als konzertmäßiges Klavier- stück einer Hörerschar vorspielt. Beethovens Sinfonien in der Be- arbestung für zwei Klaviere dienen dem anspruchsvollen Haus- gebrauch. Wer die Originale sehr gründlich kennt, vermag natürlich diesen Skeletten aus der Erinnerung heraus Gestalt zu geben. Hier aber wurden sie einem buntgemischten Publikum vorgesetzt, das jeden Satz als virtuose Leistung auf zwei Klavieren mit Beifall quittierte, dem das tiefste Verstädnis für das Werk aber sicher durch diese Darbietung auf lanqe Zeit verschüttet wurde. Sie war für das Kunstverständnis des Dirigenten der„Typographia", Alexander W e i n b o u m, jedenfalls kein glücklicher Beweis. Die übrigen Darbietungen dieses Konzertes hielten ernster Kritik stand. Die Streichervereinigung Josef Wolfsthal, Gustav Fine- mann, G'vvanni Bargarotti, Eva Heinitz gestaltete das C-Dur-Ouartett c>p. 18 in schönem Zusammenspiel und präch- tiger Tonausgeglichsnheit. Wilhelm Guttmann von der Städtischen Oper zeigt an vier Beethoven-Liedern seine Kunst, und die„Typographia" bewährte sich mit einem Einleitungs- und einem Schlußchoc wieder als hochstehende Sängeroereinigung. T es. Schkeüsspruch für öie Kämmereiarbekter. Die Tarifschiedsstelle sällle heute nach mehrstüudigea Verhandlungen in der Lohnstreilsache nachstehenden Schiedsspruch: Die Slundenlohnsahe der im Zeitlohn stehenden städtischen Arbeiter über 24 Zahre werden in der Spihe um S Pfennig ab erste Lohnwoche im April 1327 und um weitere 3 Pfennig ab erster Lohnwoche im O t t o b e r 1327 erhöht. Die Ieitlohnstunden. löhne der übrigen Arbeiter und aller Arbeiterinnen erhöhen sich in dem bestehenden Prozcntverhällnis. Diese Regelung gilt bis 31. März 132S. Erklärungsfrlst bis Donnerstag. 14. April. Eine Million spielt keine Rolle. Die„Deutsche Arbeitgcber-Zeitung" ist von der „klassenkänipferisch eingestellten" Gewerkschaftsbewegung so wenig erbaut, daß sie die freien Gewerkschaften am liebsten zertrümmern möchte. Do dieser fromme Wunsch jedoch unerfüllt bleiben muß, be- gnügt sich das Blatt mit der Verkleinerung der Gewerkschaften durch die falsche Behauptung:„Der ADGB. vereinigt heute nur noch knappe drei Millionen Mitglieder." Die„Gewerkschasts-Zeitung" wendet sich gegen diese unsaubere Methode mit der Feststellung, daß die Mitgliederzahl der dem ADGB. angeschlossenen Verbände Ende 1325 insgesamt 4 132 511 betrug, worunter 75 035 Mitglieder, die zugleich dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund angehören. Für 1326 liegen die Mitglieder. zahlen noch nicht vollständig vor, doch ist eine nennenswerte Ver- Minderung der Mitgliederzahl nicht zu erwarten. Die unterschlagene Million muß also das Scharfmacherblatt wieder hergeben. Erhöhte Vergütung für hanöwerkslehrllage. „Angemessene" Aerienzeil. Die jüngste Volloersammlung der Berliner Handwerkskammer beschäftigte sich u. a. mit einem Antrag des Gesellenausschusses, die Aorgütungen für Lehrlinge zu erhöben, und zwar um 4 Mark pro Monat für das erste Lehrjahr, um 6 M a r k für das zweite, um 8 Mark für das dritte und um 10 Mark für das v i e r t e L e h r j a h r. Von verschiedenen Rednern wurden gegen diese Erhöhung der Sätze Bedenken geltend gemacht, der Antrag aber schließlich doch gegen wenige Stimmen angenommen. Von dem weiteren Antrage des Gesellen ausschusses aus Erlaß von Bestimmungen über die Festsetzung von Ferien für die Lehrlinge nahm die Versammlung Kenntnis und gab ihrer Ansicht dahin Ausdruck, daß eine allgemeine Regelung nicht möglich sei, weil die Verhältnisse in den einzelnen chandwerks- zweigen zu verschieden lägen. Die Handwerkskammer sprach aber den dringenden Wunsch aus, daß die Lehrherren ihren Lehrlingen in jedem Jahre eine angemessene Ferienzeit gewähren, da gerade die zurzeit im Lehroerhältnis stehenden jungen Leute durch Krieg und Inflation und deren Folgen in ihrer körperlichen Ent- ofafbmg beetntrSchtlgt warben sind und«tne Srhotang der Lehrlwge nicht nur in deren gesundheitlichem Interesse liegt, sondern auch zur Hebung der Arbeitssreudigkeit und Leistungsfähigkeit beitrögt. Auf Grund einer Anregung soll bei der staatlichen Museums- Verwaltung versucht werden,«ine Offenhaltung der Ber- linerM u seenauchindenAbend stunden herbeizuführen, da weite Kreise der Bevölkerung infolge ihrer Arbeitszeit sonst nicht in der Lage sein würden, die Kunstschätze der Berliner Museen zu genießen. Die Handwerkskammer will in diesem Sinne bei der Museumsverwaltung vorstellig werden, um wenigstens zu erreichen, daß an einem»der zwei Tagen in der Woche die Museen auch abends geöffnet bleiben._ Was öer kaufmännischen �ugenü nottut. Zum Eintritt in das Berufslebea. Viele junge Menschen sind mit dem Monatswechsel in das Be- rufsleben eingetreten. Tausende davon werden den kausmännni- s ch e n Beruf ergreifen. Sie erhoffen sich von ihm ein sicheres Fort- kommen. Es gilt, mit aller Kraft auf die Erlangung eines voll- ständigen beruflichen Wisse ns hinzuarbeiten, das bei den gegenwärtigen schwierigen Verhältnissen allen Anforderungen ge- nügen kann. Da ist die Zugehörigkeit zu einer gewerkschaft- l i ch e n Organisation, die in jeder Hinsicht die Berussausbil- dung der kaufmännischen Lehrlinge fördert, von allergrößter Wichtig- keit. Der Zentraloerband der Ange st eilten bietet seinen Jugendmitgliedern die Möglichkeit, in den an vielen Orten eigens für sie eingerichteten Iugendgruppen zu ernster Bil- dungsarbeit zusammenzukommen. Besondere Kurse dienen der Erweiterung des Berufswissens der kaufmännischen Lehrlinge und jugendlichen Angestellten. Daneben wollen die Iugendgruppen des ZdA. durch die Pflege geselliger Unterhaltung, gesunden Wan- derns sowie durch Spiel und Sport den Bedürfnissen der Jugendlichen gerecht werden. Vorträge über die verschiedensten Gebiete tragen zur Bereicherung des allgemeinen Wissens bei. Allen Jugendmitglicdern werden die Jugendblätter kostenlos zugestellt. Im besonderen zeichnet sich der Inhatt dieser kaufmännischen Jugendzeitschrift durch Vielseitigkeit und Abwechslung aus. Von größter Wichtigkeit für jeden jungen Kaufmann ist aber noch die Zugehörigkeit zu seiner gewerkschaftlichen Organisatton, weil diese ihm in allen schwierigen Lagen seines Berufes Hilfe l e i st e t. So bietet sie ihm Rechtsschutz und Unterstützungen in mannigfacher Hinsicht. Mit Rat und Tat steht der Zentralverband der Angestellten dem jungen Menschen jederzeit zur Seite und hilft ihm durch den Einfluß und die Stärke des Zusammenschlusses der Gleichgesinnten beim beruslichen Fortschritt und der wirtschaftlichen Besserstellung._ Lohnerhöhung in der Pforzheimer Industrie. Ein von der Zweigstelle Pforzheim des Karlsruher Schlichtungs- ausschusses gefällter Schiedsspruch erhöht die bisherigen Mindestlöhne in der Psorzl)eimer Schmuckwarenindustrie für gelernte Arbeiter über SS Jahr« von 69 auf 74 Qf. vle Gekkunssbamr de» vchl«d»> spruches läuft bis zum 31. März 1928. Aktionen der Transportarbeiter-Internationale. Die Vorarbeiten für die internationale Aktion der Seeleute, die gemäß den Beschlüssen der Pariser Tran-oortarbeiter-Konferenz durchgeführt werden sollen, stehen vor dem Abschluß. Vergangene Woche fand in Antwerpen eine Zusammenkunst mit dem Vertreter der internationalen Organisation der Schiffs- o f f i z i e r e statt, der sich für ein gemeinschaftliches Auf- treten oerbürgt. Demnächst wird ein Manifest in neun Sprachen unter den Seeleuten der ganzen Erde verbreitet werden, worauf in allen Hafenstädten der ganzen Welt öffent- liche Versammlungen stattfinden sollen. Die der Transportarbeiter- Internationale angeschlossenen Seeleuteverbände haben beschlossen, je Mitglied 25 Cents Extrabeitrag für 1927 zu zahlen. Mit Ver- tretcrn des chinesischen Seeleuteoerbandes haben ebenfalls Besprechungen stattgefunden, die wahrscheinlich zu einem gleichartigen Abkom- men führen werden. Für die Hafenarbeiter wird ein Gesetzentwurf über inter- nattonale Vorschriften für die Sicherheit der Hafen- arbeiter ausgearbeitet werden. Für die Nordseehäfen sollen Löhne und Arbeitsbedingungen in Uebereinftimmung gebracht werden. Eine internationale Untersuchung der Dienst- und Ruhezeiten des Eisenbahnpersonals ist vom Sekretariat eingeleitet worden: die Enquete wird als Grundlage einer Aktion für den Achtstundentag des Eisenbahnpersonals dienen. Des- gleichen soll dem international organisierten Eisenbahnpersonal bei den Beschlüssen der internationalen Organisation der Eisenbahn- betriebe hinsichtlich der Arbeitsverhältnisse und-bcdingungen in den verschiedenen Ländern ein Mitbestimmungsrecht gesichert werden. Vom 27. bis 29. Juni findet in Paris ein internationaler Kon- greß der Chauffeure statt, der sich u. a. mit den Vcstimmun- gen über die Erteilung von Fahrerlaubnisscheinen, mit den Sicher- heitsoorschriften für den Verkehr und mit der Aufstellung eines Pro- gramms der Forderungen der Berufschauffeure be- fassen wird. In Verbindung mit dieser Tagung steht serner ein vom 30. Juni bis 2. Juli in Paris stattfindender internationaler Kon- greß des Straßenbahnpersonals, der der Verbesserung des Arbeitsrechts und des Arbeiterschutzes dient und einen Beirat für die Straßenbahnersektion der Internationale schaffen soll. Auf der vor kurzem abgehaltenen Donauschiffahrts- tonferenz in Budapest nahmen Organisationen aus Deutschland, der Tschechoslowakei, Oesterreich und Ungarn teil. Der Zweck der Konferenz war die Sicherung einheitlichen Arbeitens. Eins Kon- ferenz zu ähnlichem Zweck wird dieser Tage für die Balkan- l ä n d e r vorbereitet. Die Mitgliederzahl der Transportarbeiter- Internationale hat im vergangenen Jahre um etwa?0000 zugenommen. HefTsn-Lcfilüpfsf impr. Zwirn- Cheriot, in gnu und modefar'oi j........ Herren- Ulster grau melierter Cheriot.... Herren- Ulster reinwoIL modefarbiger Cheriot Gabardine-Ulster In Corerooatfarbe und dunkel grau, karierte Rückseite... 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