Nr. 170 ♦ 44. �ahrg. Ausgabe A Nr. 8b Bezugspreis. Wöchentlich?v Pknnt». m-natlich S.- Aeichsmarl vorans zahlbar. Unter«rembaad kür Deutschlan», D�u»i<>. Saar» and Merneiaebier. Oelterreich Litauen. Lurembur« 4,50 Zieichsmart. für da» äbciflt Ausland 5,50 Zieichsmart vro Moruu. Der»Borwörts� mit der Illustrier- ten Sonntagsbeilage.Boll und Seit* lowie den Beilagen.Unierdaltung uno Kisten-.Aus der Silmroelt*. .Frauenstimme-.Der Ninder- lreund-, ,Lugend-Lorwilr«s- und „Blick in die Bllcherwelt- erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal. Telegramm-Adretle: .SajIaiOemotcal Berlin" Sonntagsansgabe Derliner Volksvlakt 15 Pfennig} Anzeigenpreise: Die» t n i v a I t t a« Nonvareille- »eile SO Bkennia. Retlamczeile ö�- Reichsmark,»stiel»« Anzeigen- da» kettaedruckte Wort 25 Pscnnia szulissta zwei settaedruektr Wortes, lede» weitere Wort 12 Btennia. Stellengesuch« da, erst« Wort 15 Viennia,««des weitere Wort 10 Blennia, Worte übet 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Seile 60 Viennia. ikamilienanzeiaen für Abonnenten Seile 40 Viennia. Anzeigen für die nächste Ziummer «üsten bi« 4lb Uhr nachmittags im Kauvtaefchäft. Berlin SW 68, Linden- straheZ. abgegeben werden. Geöfsnet von 8!b Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdcmokratifcbcn parte» Deutfchlands Neöaktion und Verlag: ö erlin SW. b8, Lindenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Sonntag, den 10. April 19�7 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SV. bS, Lindenstr.Z Poftfcheekkont»!«erli» 37 58«- BanNouto: Bank der Arbeiter. Angestellten nnd Beamte» Sallstr.«5: Diskonto. Sefelschaft De»osttenkaste Siabevstr. 3. Eine Schlappe ö Ein englischer Krenzer von eil Schanghai. S. April.(Bcufer.) Die 24 Kilometer abwärts von Tschönnkiang befindlichen Forts haben das Fever auf den britischen Zerstörer„Veteran" eröffnet.„Veteran" antwortete und richtete dabei bedeutenden Schaden an. Das britische Schiff wurde getroffen, jedoch wurde an Bord niemand verletzt.— Vach Funk- telegrammen aus Tschönnkiang hat die Armee Tschuntschuanfangs den Abteilungen der S ü d a r m e e. die sich nördlich vom Kaifer- kanal bewegten, eine Niederlage beigebracht. Nähere Einzel- heilen fehlen. Es scheint jedoch, dah die Südlruppen, die nach dem Zangtfe zurückgeworfen wurden, in Zanglfchau eingetroffen find. hunderte verwundeter Kantoner wurden über den Flutz nach Tschönnkiang gebracht. 3n dieser Stadt werden die Kantonfahnen heruntergeholt. Eine weitere Beutermeldung berichte«, datz die längs der Bahn- strecke Tientsin— pukau vorrückenden Kantonefen in Bichtung Fongyan zurückgeworfen wurden und eine weitere Biederlage nördlich des Zangtfe vor kiangyin erlitten. Die kanlonefer feien daher im Bücken bedroht. Gemeinsanic Forderung der fünf Mächte. Paris. 9. April.(Eigener Drahtbericht.) Di« Regierungen von Frankreich, England, Nordamerika, Japan und Italien find dem „Temps" zufolge übereingekommen, bei der chinesischen Regierung Schadenersatz für die Ermordung von Europäern in Nanking zu verlangen. Es wird der chinesischen Regierung eine gemeinsame Note überreicht werden, und zwar ebenso der Regierung in Peking wie. den Pertreterrr der Südregierung in Schanghai und Hankau. � die Kantoner Kommunisten bestheiSen sich. Schanghai, 8. April.(EhIu.Bachr.-Agentur.) Eine vollständige Ausgabe aller Absichten der Kommunistischen Partei Ehlnas (KPE.). auf die proletarische Bevolution hinzuarbeiten, ist in dem Manifest enthalten, das von Ehen Tu S h u. dem Führer der KPE. für diese Partei und von dem soeben aus Frankreich zurückgekehrten ehemaligen Vorsitzenden der Bationalregierung ZDangEHingwei für die Kuo-Min-Tang gemeinsam unt erzeichnet ist. 3n dem Manifest wird ausgeführt, datz die Herrschaft durch das Pro lelariat in Ehina vorläufig nicht durchgeführt werden kann. Länder mit verschiedenen Wirtschaftssystemen können nicht die gleichen Elappen der wirtschaftlichen Entwicklung durchlaufen. Das chinesische Volk ist, uuähnlich anderen Völkern, eine unterdrückte Baste und deswegen müssen sich in Ehina die Besitzlosen mit allen anderen Klassen vereinigen im gemeinsamen revolutionären Kampf gegen ihre Unterdrücker. Wenn man nach den neuen Tendenzen der chinesischen Bevolution urleilt, ergibt sich die Tatsache, dah die Herrschaft durch das Proletarial sicher nicht auf- gerichtet werden kann, weder augenblicklich noch in der nächsten Zukunft. Was Ehina braucht, ist eine demokratische Begierung, die alle Klassen umsäht, die von den Händen der Sonterrevolulionäreu und Imperialisten gelitten haben. China er Kantonarmee. em chinesischen Fort beschossen. kann vorläufig keine Diktatur des Proletariats gebrauchen. 3n dem Manifest wird ausdrücklich erklärt, dah die kommunistische Partei Ehinas sich voll und ganz hinler die kuo-Min- Taug stellt. Es wird serner erklärt, dah keine Versuche gemacht werden sollen, um die Konzessionen mit Gewalt zurückzunehmen. Das Manifest schlicht: Zede Parleizersplittcrung würde nur den Militaristen und Imperialisten zugute kommeu. die absichtlich versuchen, mit«ller Gewalt eine Spaltung herbeizuführen. » Die kommunistische„Inprekorr* hat diese gemeinsame Kund- gebung>n anderer Fassung veröffentlicht als die Chinesische Nach- richtenagentur. Der Sinn des von der„Roten Fahne" abge- druckten Textes ist derselbe: entschiedene Absage an die Diktatur des Proletariats, Solidaritätserklärung mit der Kuomintang, Abkehr von allen Gewaltmethoden auch gegenüber den Fremden. Mer der Wortlaut der„Inprekorr" ist wesentlich anders. Da heißt es z. B.: „Zurzeit ist in China die Errichtung einer demokrati- schen Diktatur(?!) aller untcrjocksten Klassen zur Unter- drückung der Konterrevolution notwendig." In Europa bekänipfen sich Sozialisten und Kommunisten um die entscheidende Frage: Demokratie oder Diktatur? Und jeder, der an dem Grundsatz der Demokratie festhält, ist in den Augen der Bolschewisten ein Narr oder ein Verräter. In China aber pro- klamieren die Kommunisten die Synthese dieser beiden absolut entgegengesetzten Begriffe, indem sie das Schlagwort prägen: „demokratische Diktatur"! Und die„Rote Fahne" ist mit. dieser Parole offenkundig einverstanden, denn sie verkündet sie in fetter Ueberschrift als„das nächste Ziel". Mit Verlaub:„Demokratische Diktatur" ist entweder ein sinnlose r Vegnss oder es ist ein Bekenntnis zur Demokratie. Denn Demokratie bedeutet: Herrschaft der Volks mehr« h e st.„Demokratische Diktatur" ist jedenfalls das genaue Gegenteil des kommunistischen Programms, denn dieses sieht die Errichtung der Diktatur einer Minderheit vor. Nun sagen die chinesischen Kommunisten— mit ausdrücklicher Zustimmung der russischen Kommunisten, wie aus einem Bericht des Vorsitzenden der Kommunistischen Internationale, B u ch a r i n, unzweideutig hervorgeht—, daß die Lage in China nicht reif für eine kommunistische Diktatur des Proletariats sei. Dies sei hier nicht bestritten, obwohl gerade die russische Erfahrung dafür spricht, daß je rückständiger die Masse ist, desto relativ leichter es sein müßte, sie durch eine kleine, entschlossene Minderheit diktatorisch zu dirigieren. Aber wir fragen: welcher Kommunist wird mit gutem Gewissen be- haupten wollen, daß die Lage in irgendeinem europäischen Lande reif sei für die Errichtung der Diktatur des Proletariats? Etwa die Lage in England, oder in Frankreich, oder in Deutschland? Die Frage stellen, heißt sie verneinen. Mer die hiesigen Kommunisten bejahen sie trotzdem, wider besseres Wissen, um nicht den Bankrott ihrer gesamten Ideologie und Politik eingestehen zu müssen. Sie entschließen sich nur dann, die Wahrheit zuzugeben, wenn es sich um China handelt. ver hollänüische MaWeg. Der sozialistische Erfolg bei den Provinzialwahlen. » Amsterdam,?. April.(Eigener Drahlberichl.) Die Sozialdemokratie hat bei den provinziallandtagswahlen die Zahl ihrer Mandate in den Landtagen von 107 auf 120. also um 1Z. erhöhen und gegenüber 1923 100 000 Stimmen gewinnen können, so dah 600 000 gegenüber 500 000 sozialdemokratische Stimmen ab- gegeben wurden. Sie hat in keiner einzigen Provinz Sitze verloren und überall, sogar in den reaktionärsten Gebieten, einen Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Die Antirevolutio- nären und die Bömisch-Katholische Staatspartei haben die schwersten Verluste erlitten: die erstercn bühken 9. die letzteren 5 Sitze ein. Die große Bedeutung dieser Wahlen liegt in dem Einfluß der Einzcllandtaae auf die Zusammensetzung der Ersten Kanimer, deren Mitglieder die Landtage entsenden. Die Sozialdemokratische Ar- beiterpartei hat damit die Einbuße der Landtagswahlen 1923, bei denen sie 11 Sitze verlor, nicht nur wieder eingeholt, sondern ihre Position noch verstärkt. Allerdings war die Wahlbeteiligung bei den Kammerwahlen 1925 größer, aber unter dieser Gleichgültigkeit eines Teils der Wählerschaft haben alle Parteien gelitten: nicht die Ziffern von 1925, sondern die von 1923 sind daher Berglcichsgrund- lagen. Das Zentralorgan der holländischen Sozialdemokratie„Het Volk" beurteilt das Wahlergebnis dahin, daß die Partei ausgezeichnete Landtagswahlen gemacht habe, wenn es ihr auch nicht geglückt sei, den großen Zustrom neuer sozialistischer Wühler des Jahres 1925 aus der ganzen Linie dauernd an die Partei zu binden. Hier liege ein Problem intensiver Bemühung um die Bevölkerung auch in den Perioden zwischen den Wahlen, dem die Partei in die Augen sehen und das sie lösen müsse. Es sei dies im wesentlichen ein Problem der Verbreitung der P a rt e t p re s s e. Immerhin sei die Sozialdemokratie die einzige von allen Parteien, die aus der ganzen Front Gewinne und zum Teil wesentliche Ge- winne zu verzeichnen hatte. Sacco unü vanzetti vor der Einrichtung? Abermals zum Tode verurteilt. B o st on, 9. April.(WTB. Sacco und vanzetti wurden heule vom Gericht wieder zum Tode verurteilt. Da» Urteil soll in der am 10. Juli beginnenden Woche v o l l st r e ck t werden. In einer letzten Erklärung sagten beide, sie seien unschuldig. Sacco fügte hinzu:„Wir Unterdrückten versuchen, das Volk durch Bücher und Schriften zu erziehen, ihr Beichen aber verfolgt und lötet es. Deshalb stehe ich hier." Vanzetti warf dem Bichler(vorsihendeu des Schwurgerichts) vor, er sei voreingenommen gegen diejenigen, die das verbrechen der Ausbeutung der Unterdrückten bekämpften. » Wir haben erst dieser Tage wiederholt, daß die Voll- streckung dieser Todesurteile ein Justizmord im wahrsten Sinne des Wortes wäre. Es sei nochmals der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Regierung der Vereinigten Staaten nicht diese Schande auf ihr Land laden wird, das Wert darauf legt, als Hort bürgerlicher Freiheit zu gellen. Die ständige Kommission zur Untersuchung südslawisch-albanischer Grenzkonflikte ist jetzt gebildet worden. Sie besteht aus den Milstär- attachös der englischen und französischen Gesandtschast und aus einem Mitglied der deutschen Gesandtschast in Belgrad. Das Komitee wird ausschließlich nach den Instruktionen der einzelnen Regierungen handeln. Viel wird es nicht zu tun haben und, bei seiner Nachtrag- lichen Tätigkeit, noch weniger erreichen. das erste Sürgerblockquartal. Ein Rückblick. Don Hermann Müller- Franken. Der Reichstag ist am Freitag in die Osterserien gegangen. Er wird erst am 10. Mai wieder zusammentreten. Das deutsche Volk kann inzwischen Rückschau über die ersten drei Monate der Regierungszeit des Bürgerblocks halten. Die Regierung des Bürgerblocks kam erst nach langwierigen Auseinandersetzungen unter den Blockparteien zustande. Liebe auf den ersten Blick hat dies Gebilde nicht zusammen- geführt. Aber schließlich fanden sich die bürgerlichen Parteien, abgesehen von den Demokraten und der Wirtschaftspartei, doch zusammen. Den Demotraten waren die Blocktreiber in den Formulierungen über die kulturellen Fragen nicht ge- nügend entgegengekommen. Die Wirtschaftspartei will bis zu den nächsten Wahlen der Regierung fernbleiben. Sie hofft dann von den bis dahin an der Verantwortung beteiligten bürgerlichen Parteien möglichst viel Wählerinnen und Wähler zu erben. In der Außenpolitik wurde der alte Kurs zunächst weiter gesteuert. Die Politik von Thoiry hatte sowieso keine praktischen Auswirkungen. Die Deutschnationalen haben fest versprechen müssen, daß die alte Linie der Verständigungs- Politik weiter innegehalten würde. Sie haben sich unter das Kommando Stresemanns begeben. Das Zentrum m u ß in der Außenpolitik an der bisherigen Linie festhalten, denn seine Wurzeln liegen im Rheinland. Frühere Rheinland- befreiung ist aber im Zeichen nationalistischer Phrasenpolitik nun einmal nicht zu erreichen. Bleiben die Ostfragen. Zurzeit reizen sich polnische und deutsche Nationalisten gelegcnl- lich noch mit unverantwortlichen Redereien. Die Wirtschast des deutschen Ostens leidet gleichzeitig schwer. Die Deutsch- nationalen verschärfen die Gegensätze im Osten bewußt durch ihre agrarische Politik. Sie spannen das deutsche Schwein vor. Sie wollen die deutschen Belange im Kampf gegen die polnischen Säue retten. In der Zollpolitik kommt die Bürgerblockregierung deutschnationalen Wünschen stark entge'gen. In der Agrar- Politik gab es schon früher für die Deutschnationolen Be- rührungspunkte mit dem Zentrum. Zum Schutze des deut- schen Weins, des deutschen Gemüses und der deutschen Schweipeschinken fanden sich die jetzigen Blockparteien schon früher, als sie noch keine Mehrheitsregierung bildeten. Sehr bedenklich war die Erklärung, die Herr v. Guchrard bei der Beratung des deutsch-französischen Handelsprovisoriums für die Regierungsparteien abgab. Es hieß darin, daß die Regierungsparteien keinen Zweifel darüber lassen,„daß sie einer Herabsetzung der Zollsätze für Weine unter die mit Italien und Spanien vereinbarten in keinem Fall ihre Zu- stimmung geben können". Das soll eine feierliche Festlegung für die endgültige Regelung der deutsch-französischen Handels- beziehungen sein. Es ist begreiflich, daß die agrarische Presse hierüber jubelt. Sie vergißt dabei nur, daß man in der Po- litik niemals„niemals" sagen soll. Freilich wird die Agrar- Politik des Bürgerblocks erleichtert durch die Art, wie die an- deren Länder sich gegen deutsche Industrieprodukte, insbeson- dere auch durch zolltcchnische Schikanen abzusperren versuchen. Die.konsumentenfeindliche Zollpolitik des Bllrgcrblocks wird bleiben. Insbesondere arbeitet auch die Bayerische Volks- Partei in dieser Richtung. Reaktionäre beider Parteien wollen Zentrum und Bayerische Volkspartei in einer Arbeitsge- meinfchaft verbinden. Eine Politik, die gegen Josef Wirth und gegen die München-Gladbacher Arbeiterführer um Ioos zielt. Die Wirtschaftspolitik des Bürgerblocks gibt den werk- tätigen Massen böse Zukunftsaussichten. Sie läuft auf eine Stabilisierung des Erwerbslosen- e l e n d s hinaus. Mit dieser Wirtschaftspolitik geht eine Sozial- Politik parallel, die aus das Erwerbslosenelend keine ge- bührende Rücksicht nimmt, wie die Verabschiedung des Arbeitszeitnotgesetzes gezeigt hat. Dieses Gesetz ist mit der knappen Mehrheit von 11 Stimmen angenommen worden. Es nahm auf die gemeinsamen Wünsche aller Ge- werkschaften fast gar keine Rücksicht. Gewiß wird eine Kom- promißpolitik nie allen Forderungen gerecht werden. Aber hier hätten sich die Führer der christlichen Gewerkschaften doch sagen müssen, daß Nachgeben nur Zweck hat, wenn wenig- stens einige wesentliche Verbesserungen gegenüber dem bestehenden Zustund erreicht werden. Was wir beim Arbeits- zeitnotgesetz erlebt haben, wird sich bei der Verabschiedung des Arbeiterschutzgefetzentwurfs und der Ar- beitslofenversicherung, deren Beratung am 3. Mai beginnen wird, wiederholen. Wo bleibt serner die Ratifizie- rung des Washingtoner Abkommen? Will sich die deutsche Reichsregierung ewig auf die hinhaltende Taktik der sozialreaktionären englischen konservativen Regie- rung Baldwin berufen? Das Zentrum weiß wohl, wie diese Behandlung der Sozialpolitik auf die Arbeiter und Angestellten wirken muß. Nur so ist die Rechtfertigungsrede Stegerwalds bei Äerobschiedung des Arbeitszeitnotgesetzes zu erklären. Weil sich diese Sozialpolitik sachlich nicht verteidigen läßt, verirrte er sich nach Preußen. Ob es Herrn Stegerwald nach einer Auflösung des Preußischen Landtages ge- lüftet? Wenn in Preußen eine Bürgerblockregierung am Ruder wäre, so würde sich das Zentrum in Preußen genau so wenig glücklich fühlen, wie etwa die Deutsche Volkspartei zurzeit im Reiche. In Preußen würden Dcutschnationalc und Deutschen Volkspartei den Zentrumseinfluß stillegen. Die preußischen Zentrumsführer werden verdammt wenig Lust haben, sich in diese verlustbringende Stellung hinein- manövrieren zu lassen. Seit Herr Stegerwald preußischer Ministerpräsident war, ist einige Zeit verstrichen, in der er anscheinend vieles vergessen hat. Herr Stegerwald sollte wissen, daß Zentrum und Sozial- demokratie nicht nur in schwerster Zeit gemeinsam die Verantwortung für die deutsche Außenpolitik übernommen haben, was für die Sozialdemokratie gewiß ein ebensogroßes Opfer bedeutete wie für das Zentrum, sondern daß sie auch gemeinsam das Derfassungswerk von Weimar vor der Geschichte zu verantworten haben. Wer an die Summe von Verheißungen denkt, die noch zu erfüllen sind, wenn die Grundrechte der Weimarer Verfassung lebendig werden sollen, weiß, welche Aufgaben innerpolitisch noch der Lösung harren. Der G e i st von Weimar wird aber seine Auferstehung nicht feiern, wenn es reaktionären Zentrumspolitikern gelingen sollte, eine breite Kluft zwischen den sozialistischen und den Zentrumsarbeitern aufzureihen. Daß die Sozialdemokratische Partei jemals zwischen Bürger» block und Kommunisten zerrieben werden könnte, glaubt Adam Stegerwald im Ernst nicht. Allen Angriffen der letzten Jahre zum Trotz ist die Sozialdemokratische Partei die stärkste Partei Deutschlands geblieben. Der kommu- nistischen Partei gelang es nicht, die sozialdemokratische Be- wegung zu zersetzen. Obwohl die Sozialdemokratie ein ge- rütteltes Maß Verantwortung für die Politik des neuen Staates trug, bröckelte es nicht an ihrem Bau ab, sondern im Lager der Kommunisten bröckelte es so, daß wir jetzt schon vier kommunistische Richtungen haben und im Reichstag die hinausgeworfenen Kommunisten im Begriff sind, Fraktions- stärke zu erlangen. Wenn Stegerwald für die Existenzberechtigung seiner Gewerkschaften kämpft, so soll er nie vergessen, daß sich die Arbeiter der freien und der christlichen Gewerkschaften seit der Revolution viel näher gekommen sind. Die christliche Arbeiterbewegung hat heute noch weniger Recht auf Eigen- bewegung, als einst im Kaiserreich, in dem die hohe Obrig- keit, auf die Bajonette des preußischen Militarismus gestützt, dos zulässige Maß der Sozialpolitik bestimmte. Heute können christlich und sreigewerkschaftlich organisierte Arbeiter mit gleichen Masten auf gleichem Boden unter gleicher Verant- wortung für die Linderung ihrer Nöte kämpfen- Die Sonder- stellung der christlichen Gewerkschaften ist ein Anachronis- mus. Warum hat Stegerwald seine hochpolitischen Bemer- kungen nicht bei der dritten Lesung des Etats gemacht? Da hätten sie hingehört, als Hilfcrding sich hierüber ausließ. Es wird heute keinem christlichen Gewerkschaftsführer mehr ge- lingen, die Arbeiter beider Richtungen zur Freude der Ka- pitalisten gegencinandcrzuhetzen. Die Reaktionäre aller Schatlierungen hoffen, daß sich die Gegensötzc zwischen Zentrum und Sozialdemokratie bei der Beratung des Schulgesetzes weiter vertiefen, so daß eine Zusammenarbeit beider Parteien für lamje Zeit ausgeschlossen sein würde. Ganz selbstverständlich wird die Sozialdemo- kratie im Kampf um das Rdchsschulgesetz sich mit allen Mitteln für ihr Schulideal einsetzen im Bewußtsein, auch auf diesem Gebiete Wegbereiter einer besseren Zukunft zu sein. Sie wird sich aber auf keine öde Kulturkampf- p a u k e r e i einlassen. Sie hat während des Kulturkampfes mit dem Zentrum und mit den Bischöfen gegen Bismarck im Kampf gestanden. Sie bekämpft nicht die Religion. Affentheater hinter Glas. Von Kurt Offenburg. Oh— MenfchhcitI Ewig« Mischung aus Kind und Bestie! sentimental in Grausamkeit, boshaft in Güte. Von Mitleid über- fließend, von tiefster Barmherzigkeit, und doch zugleich sähig zu peinigen, was sie liebt. Jeden Tag führt mich der Weg an einer Tierhandlung vorbei. Es ist ein etwas altmodischer Laden init drei winzigen Schausenstern, die von unten bis oben mit lebendigein Inventar aus allen Zonen angefüllt sind. In einem der Erter stehen und hängen übereinander getürmt enge und weite Käfige(Laubsägeherrlichkeiten), in denen die kleinen und großen, buntfarbigen und singenden Vögel zum Ver- kauf gestellt sind. Die Jahreszeit, ihr Vogel-Frühling, dringt durch die Fensterscheiben in ihr Blut: sie entsalten die Pracht ihres Ge- fieders und die Macht ihrer kleinen Kehlen, als ob Gitter und Glas fix nicht sesthalten könnten. Immer sind die Fenster belagert. Schulbuben mit dem Ranzen auf dem Buckel versäume» den Heimweg. Junge Mädchen wünschen, unbewußt mütterlicher Sehnsucht voll, den Besiß und die Pflege eines einzigen Hänslings. Alte Damen oergleichen den Gcjundheits- zustand und die Schönheit ihres eigenen Lieblings daheim in der Stube. Gutmütig und liebevoll meinen sie es alle. Aber, ob das Getier es auch so spürt? Ach!— unsere egoistische Liebe, unser Bedürfnis nach ihrer kleinen, unbeschreiblich lebendigen Gegenwart verführt uns zu glauben, daß sie sich glücklich fühlen in ihrer goldenen satten Gesangenschast. Naturwissenschaftliches Interesse lockt die größeren Jungens vor die Kästen der weißen Mäuse, Laubfrösche, Eidechsen und Schild- träten. In unverständlicher, nie ermüdender Hast rennen die weihen. rotäugigen Tierchen durcheinander. Seltsam« Volksweisheit, die diese schauerlich rabiaten Tiere mit dem Wahnsinn des Säufers zusammen- bringt. Und seltsam rauhes Vergnügen der Erwachsenen, die hier stehen bleiben und diesem Gewiinmel zuschauen. Nein, ich will keine weißen Mäuse sehen. Aber, wann immer der Weg am Tierladen vorbeiführt: der Clou ist des Astenschaufenster. Seit Monaten sitzen sie hier gefangen, zwei kleine niedlich« Aeffchen. Ein ausgedörrter, entblätterter Ast mit zwei abgesagten Sprossen symbolisiert gleichsam die saftoollen Bäume, durchnäßte Holzwolle das mannshohe Gras und reiche Gestrüpp ihrer Urwaldheimat. Sie vertreiben sich auf ihre drollig äfsische Art die Zeit. Di« zweibeinigen Zuschauer amüsieren sich herzlich über ihre vierbeinigen verwandten und lachen, weil sie so unbefanden sind: Zärtlichkeit und Liebe, Elfersucht und Freßgier so öffentlich zeigen(ohne den üblichen Doppelboden der menschlichen Gesellschastsmoral). Wie sind sie entzückend, wenn sie sich mit nahezu menschlichen Gebärden die kleinen gegenseitigen Freundschaftsdienste erweisen: sich kraulen und die Gast-Tierchen aus den» Fell suchen: Sie ist ein« politische Partei. Wir brauchen ö i e christlichen Arbeiter für die Schaffung des Staates, in welchem dem Arbeiter fein Recht, fein wirtschaftliches Auskv'wen und fein Anteil an der Kultur werden soll. Wir geben diesen Staat dann erst recht nicht auf, wenn wir in der Opposition sind. Wir kämpfen für diesen Staat, auf dessen Boden wir die sozialistische Gesellschaft der Zukunft er- richten werden, wenn die Mehrzahl der Arbeiter und Ange- stellten ihre geschichtliche Aufgabe begriffen haben werden. Diese Bemerkung ist nötig. So schrieb zum Beispiel die „Kölnische Zeitung" nach Ablehnung des Etats durch die Sozialdemokratie unter Bezugnahme auf die bisherige Be- willigung des Etats:„Wenn sie jetzt mit dieser Gepflogenheit bricht, so ist das ein äußeres Merkmal für einen Stellungswechsel dem Staat gegenüber." Die diesjährige Ablehnung des Etats durch die Sozialdemokratie hat mit ihrer Stellung zur Republik nicht das g e- ringst« zu tun. Dies ging aus Hilferdings Rede klar hervor. Zum Ueberfluß habe ich bei der dritten Lesung des Wehretats gegen einen kommunistischen Redner ausdrücklich festgestellt, daß unsere Ablehnung des Etats nicht aus grund- sätzlichen Erwägungen erfolgt, was bei unserer Einstellung zum neuen Staat, den wir mit geschaffen hätten, ganz selbst- verständlich sei. In der Fraktionserklärung ist im einzelnen begründet, warum wir diesen Etat ablehnen. Es handelt sich um eine Entscheidung von Fall zu Fall. Die demokratische Erklärung ging von ganz falschen Voraus- setzungen aus. Unter dem parlamentarischen System hat die Opposition nicht die Pflicht, dem Staat unter allen Um- ständen die Mittel zu bewilligen. Die Opposition hat nicht die Pflicht, ihren Gegnern, weil sie die Mehrheit haben, aus» gerechnet den Etat so zu bewilligen, pie diese ihn nach ihren Bedürfnissen gestaltet haben. Unter dem parlamentarischen System muß die Opposition nur bereit sein, dem Staat den Etat zu bewilligen, den sie selber aufzustellen hat, wenn der oon der Regierung aufgestellte Etat abgelehnt und damit der Sturz der Regierung herbeigeführt wird. Darin fehlen die Kommunisten, die den Etat erst nach Eintritt der Weltrevolution bewilligen wollen. Sicherlich hat der Bürqerblock in einer sehr schwierigen Zeit die Verantwortung für die Regierungsgeschäste über- nommen. Das Defizit ist da. Ein ausgiebiger Anleihemarkt ist noch nicht vorhanden. Der Etat ist schwer in dcx Balance zu halten. Es muß gespart werden. Aber nicht so, wie der Bürgerblock das getan hat: beim Reichswehretat nicht einmal ein Prozent Abstriche, hingegen ernste Sparpolitik bei kultu- rellcn und sozialen Ausgaben. Man komme nur nicht mit dem Einwurf, daß Kulturpolitik Landessache sei. Nach dem verlorenen Krieg sind die Ländersinanzen abhängig vom Reich. Der Einwurf dürfte überhaupt nur dann Geltung haben, wenn allgemein nach ihm gehandelt würde. Zum Beispiel sind die Kirchenangelegenheiten unzweifelhaft reine Ländersache. Für kirchliche Zwecke darf das Reich aber ruhig zahlen. Wir haben ein Recht, die Stellung zur Regierung und zum Etat einzunehmen, die wir in den letzten zwei Monaten eingenommen haben. Es ist nicht Aufgabe der Opposition, der Regierung das Leben angenehm zu machen. Auf das Staatswohl haben wir aber immer genügend Rücksicht ge- nommen. Unsere kritische Stellung ist stark, weil wir bereit gewesen sind, in der Regierung mitzuarbeiten. Der Partei» ausschich hat das noch am 1l>. Januar d. I. ausdrücklich festgestellt. Wir wurden von der Bildung der Regierung absichtlich ausgeschlossen. Wir haben deshalb nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht zur Kritik, wobei wir immer sagen, wie es anders gemacht werden soll. Aus Ver- antwortung zum neuen Staat haben wir nie nur gefordert, sondern stets auch die Quellen angegeben, aus denen geschöpft lverden sollte. Das werden wir auch weiterhin tun. Auf das erste Bürgerblockquartal werden andere folgen, weim sie weise die greisenhaften Köpf« wiegen oder sich das Stückchen Brot aus den Pfoten zu reißen suchen. Komisch sind die kleinen Assen in ihrer schauerlichen Aehnlichkeit mit Menschen, die oon den Hemmungen der Zivilisation befreit sind. Witze stiegen unter de» Zuschauern hin und her, Reminiszenzen an bekannte Persönlichkeiten tauchen auf. Das Vergnügen ist groß. Aber: erschrickt niemand, wenn die Tierchen plötzlich den großen dunklen Blick(unter der breit abgedachten, runzligen Stirne) mit beinahe menschlicher Verzweiflung auf die in Freiheit Dressierten vor der Scheibe richten? Trauer schaut aus den Augen und die ewige Klage um den Verlust der eingeborenen Freiheit. Wir lieben die Tiere. Alle, die da täglich vor dem Laden stehen, sind Tierfreunde, liebenswürdige Menschen. Aber es ist hier, wie bei oller Freundschaft und Liebe: man darf nicht untersuchen, wieviel kindlicher Egoismus, wieviel naive Herrschsucht unseren besten Trieben untermischt sind. Wir lieben die Tiere, weil wir sie schützen, und wir setze» sie in Gefangenschaft, damit wir sie pflegen und schützen können. Alle menschlichen Beziehungen sind so: Güte in Selbstsucht getaucht, Selbstsucht in Güte. Oh— Menschheit! Ewige Mischung aus Kind und Bestie. Das erste wahre Zneöensöenkmal. Paris, Anfang Zlpril 1S27. Nach Mitternacht kam ich im Pariser Vorort Levallois-Perrek an. Zu Fuß geht man ein« Stund« zu ihm von der Pariser Innen- stadt. Levallois-Perret ist die Aulovorstadt von Paris. Hier hat die Firma Citroen ihren gewalligen Gebäudekomplex, hier sind hunderte von Garagen, wo die Autos abends schlafen gehen, und hier hat sich der Arbeitervorort entwickelt. Als ich dann mein Hotelchcn früh um sieben Uhr verlasse, überlegt sich plötzlich der Regen von Leoallois-Perret, ob er weiter kommen soll, sieht, was im Ort los ist, und kehrt um. Denn der große Tag oon Levallots- Perret soll nicht verdorben werden! Es wird langsam zwischen 8 und g Uhr. Rottweise in Gruppen zu zweien und dreien kommen die Schutzleute airgetrippelt. Dann in dicken Paketen. Sie umstellen den Friedhof. Demi dessen Toten- denkmal soll heute um 11 Uhr eingeweiht werden, und die Faschisten, die es schon einmal besudelten, habe» angekündet, sie würden die Einweihung durch die Behörden mit aller Gewalt oerhindern! Warum? Weil endlich neben den tausend Kriegerdenkmälern patriotischer Gssten nun hier endlich eins«Mstanden ist, das den Krieg ablehnt und auf ewig oerbannt! Ich bin der erste Zuschauer am Fricbhofstor, das noch fest ge- schlössen ist. Einen Tag vorher hatte noch der französische Minister- rat überlegt, ob die Regierung überhaupt bei der Einweihung offiziell vertreten sein darf. Der Innenminister Sarraut legte Photographien aller Teile des Denkmals vor, und schließlich wollte derselbe Pom- carä, der noch 1024 der„Liga zur Abschaffung des Derbrechens: Krieg" Schwierigkeiten bereitete, die Zusage einer offiziellen Per- tretung nicht mehr zurückziehen. Der fortschrittliche Stadtrat von Leoallois-Perret, der darauf energisch hinzuwirken wußte, ist gegen- über den faschistischen Angriffen Sieger geblieben. die der jetzigen Regierung noch unbequemer und die für daS Volk noch unangenehmer sein werden. Dos Volk wird den Segen des Bürgerblocks im täglichen Leben spüren. I? früher man" das Boll selbst zur(Entscheidunfl aufrufen wird, desto lieber wird es uns sein. In England ist es üblich, bei einem Wechsel der Politik dis Wähler auch dann zur Entscheidung aufzurufen, wenn die Regierung noch über eine sichere Mehrheit im Parlament verfügt. Solcher Gebrauch fehlt uns leider noch. Es wäre politisch interessant, zu wissen, wie die volksparteilichen und die deutschnationalen Wähler von 1924 heute über dieie Par- teien der gebrochenen Versprechen denken. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Mag sich ein Quartal Bürgerblockpolitik an das andere reihen, bis die Wählerinnen und Wähler nicht mehr an der Abrechnung gehindert lverden können, weil sie nach der Verfassung das verbrieft« Recht haben, sich minde- stens alle vier Iahpe die Volksvertreter gründlich anzusehenl Der flerger ües Neichslanübunües ... über die„Deutsche Bauernschaft". Wir haben kürzlich den Zusammenschluß des Deutschen Bauern- bundes, des Bayerischen Bauernbundes und des Reichsverbandes landwirtschaftlicher Klein- und Mittelbetriebe zur„Deutsch c n Bauernschaft" gemeldet. Dem Reichslandbund, der durch dis Inszenierung und Finanzierung der Hackbarthschen Berrüterei den Deutschen Bauernbund seinen großagrarischen Sonderinteresien vorzuspannen gedacht«, ist damit das Konzept gründlich ver- dorben. Seine Presie tobt, unb was zu erwarten war. geschieht: es wird behauptet, daß der Deutsche Bauernbund nunmehr die gesamte selb- ständig organisierte Mittel- und Klcinbauernschaft an die Sozial- demokratie verkauft hätre. Der Reichslandtmnd mag sich beruhigen. Seine Ostelbierpolitik liegt so klar zutage, daß die deutschen Bauern selbst wissen, daß es keine gemeinsame Front mit dem Reichslckndbund für sie geben kann. Die 400 000 organisierten freien Bauern, die sich jetzt in ihrer neuen Reichsjp itzenvrgani- sation eine Stelle zur unabhängigen Bertretung ihrer Interessen g«schassen haben, haben dem Reichslandbund nur die Quittung gegeben, die er für seine Politik verdiente. D>e Behauptung von der parteipolitischen Linksschwenkung der bäuerlichen Organisation ist darum nichts als ein« Finte des Reichslandbundes, um seine Niederlage zu bemänteln. Die neue„Deutsche Bauernschaft" hat dem Reichslandbund über- dies schon eine Antwort gegeben. Sie stellt fest, daß an den Kam- binationen der großagrarischen Blätter kein wahres Wort ist. An leitender Stelle der Organisation steh« der bayerische Landwirtschasrs- minister, Prof. F e h r. dem gewiß keine Linkssinstellung nach- gesagt wenden könne. Daneben seien fünf Abgeordnete des bayerischen Bauernbundes in der Leitung der neuen Organisation, die der Wirt- schaftspartci angehören. Das Programm der„Deutschen Bauern- schaft" entspreche in seinen Grundzügen den wirtschaftspolitsichen Fordsrungen des Deutschen Dauernbundes. Diese haben tatsächlich mit den wirklichen Bestrebungen des Reichslandbundes nichts zu tun, so sehr der Rcichslandbund auch Bauer»Politik zu mimen sich bemüht. Genosse Daviü in Ruheftanö. Dankschreiben des Reichskanzlers. Reichskanzler Dr. Marx h«t an den Reichsminister a. D. Dr. David, Darmswdt. das folgende Schreiben gerichtet: Sehr ver- ehrter Herr Minister! Nachdem Sie zum 1. April ix I. auf Ihren Antrag aus Ihrem Amt als bevollmächtigter Vertreter des Aus- wärtigcn Amtes und der Reichsregrmmg in Darmstadt in den dauernden Ruhestand versetzt worden sind, ist es mir ein herzliches Bedürfnis, Ihnen für die eifrige und erfolgreiche Arbeit in diesem Amt auch namens der Reichsregierung aufrichtigen Dank zu sagen. Indem ich Ihnen für die Zukunft von Herzen alles Gute wünsche, bin ich mit dem Ausdruck meiner besonderen Wertschätzung Ihr sehr ergebener geg. Marx. Endlich um 11 Uhr ist die Ansammlung riesengroß. Jetzt kommt die Menge. Ein Fcuerwehrzug— die Feuerwehr ist in Paris Militär— trägt einen Kranz und ein großes Blumengewinde voran unter her Führung von Bouju, dem Polizeipräsidenten oon Paris und Umgegend. Die umstehenden Zuschauer schließen sich langsam dem Zuge an. Das Friedhosstar ist jetzt breit geöffnet. Alle strömen hinein. Nach Z Minuten steht man vor dem Denkmal. Die Hüte fliegen in die Hand. Rouquier, der Bürgermeister des Ortes, spricht: „Dieses Denkmal ist errichtet gegen das entsetzliche Verbrechen: Krieg. Wer ihn mitgemacht hat, weiß, wie verbrecherisch er ist. Heraus mit dem Haß aus unseren Herzen, hinein mit der Vernunft! Suchen wir auch die anderen Völker zu verstehen! Alles muß vermieden werden, was die Völler trennt! Auf ewig muß der Krieg getötet werden. Dieses Denkmal soll uns Symbol fein für den allmächtigen Abscheu, den wir alle vor dem Krieg haben." Dann erklärte der Sorbonne-Professor Langeoin, dessen Kurse oft von nationalistischen Studeirten gestört wurden, das Denkmal im einzelnen. Prondy, der es schuf," wollt« damit zum Ausdruck bringen: Oben, die um ihre Söhne weinende Mutter. Darunter, vier durch Krieg gebrochene, aber doch zukunftsfrohe Soldaten, und ganz vorn das Wichtigste: ein junger Arbeiter, der auf seinem rechten Knie sein Schwert zerbricht. Darob das grausige Wutgeheul der Faschisten! „Prondy hatte als Vorbild in seiner Werkstatt ein Gewehr aus der Fabrik Mauser, das er selbst während des Krieges, den eck vom ersten bis zum letzten Tag mitmachte, getragen halle," sagt uns Langeoin. Und dann zog der Zug Olpe Zwischenfall vorbei. Witwen, ehe- malige Kriegstellnehmer, Äriegsverlegt«, Sozialisten, Kommunisten und Pazifisten. „A ICOS MORTS"(Unseren Toten) steht als Widmung auf dem Denkmal. Unter ihm liegen 150 Soldaten im Massengrab. Sein Sinn richtet sich„an alle". Kurt Lenz. Der älteste Kuppelbau der Well. Di« österreichischen Altertums- forscher Prof. Dr. Junker und Prof. Dr. Holey haben bei Aus- grabungen in Aegypten einen Kuppelbau aus der Zeit der sechsten Dynastie, alfo 2600 o. Ehr., freigelegt. Die Bedeutung dieses Fun- des liegt darin, daß bisher angenommen worden war. das Prinzip des Kuppelbaues sei erst etwa um 7 v. Chr. Geburt gefunden worden. Weiter wurden etwa 500 Gräber und 6 sehr gm erhaltene Statuen aufgedeckt._ vi«.Frühlahrsausitelluiiq der Berltaer Sejelflon ht die letzt« AnSstellimq in den Räuine» Kmfüritcndamm 232. Sie irfgießt am 24 April und Iii lawohl am Kalsrcitag als auch an den beideil Osterjeiertagen von 11— 2 Uhr geöffnet. lteder Iran und Kind in der Sawjelnnlon spricht auf Einladung der Grsellichast der Freunde de« neuen Rußland grau O. D. Karnenewa SienStag, den 12., 8 Uhr, im.Russischen Hos, Georgenstr. 2t. Der Frieden durch die 5chule. Unt-r diesem Tbema steht die Fnter- nationale Konierenz. die vom 16. 6i« 20. April d. F. in Prag durch da» Genscr Fnlernatianale ErziehungSbureau veranftallcl wird. Tie Ausgabe der Schule in der Erzeugung und Förderung de« Intcrnalionaleil sricd- lertigen Oteitle« soll nach allen Seilen deteuchlel werden. Meldungen an Rui). Hromada, SocharZla£33, Prag VII. Cin öeutschnationaler Kronzeuge vor Gericht Wcgcn Unterschlagung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Oldenburg, 9. April.(Eigener Drnhtbcricht.) Am Freitag hatte sich der dcutschnationale Bureaugehilse Willi Nicmollcr wegen auf dein Finanzamt begangener Unterschlagungen vor Gericht zu verantworten. Niemöller machte von sich reden, als im Reichstage der Untersuchungsausschuß wegen der Morincmeutereien tagte. Die„Oldenburger Nachrichten für Stadt und Land" brachten einen Alarmartikcl über die ganze erste Seite ihres chauptblattes, in welchem Niemöller sich den Rechts- Parteien als Zeuge anbot. Tags darauf brachte die„Re publik* in Rüstringen eine Mitteilung, wonach dieser Kronzeuge auf de in Finanzamt wegen Unterschlagung ent- lassen worden sei. Auf Grund dieser Mitteilung der„Republik", welche wahrscheinlich von einem Interessenten der Staatsanwalt- schaft zugeschickt wurde, erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Unterschlagung. In der heutigen Gerichtsoerhandlung gab der Angeklagte zu. eingezogene Steuerbeträge für sich verwandt und später eingezogene Steuerbeträge zur Deckung der unterschlagenen Gelder verwandt zu haben. Das Finanzamt scheint auf Grund der heutigen Zeugenvernehmung nicht erheblich geschädigt worden zu sein, zum wenigsten wurde bekundet, daß vor handene Fehlbeträge bis heute von dem Angeklagten gedeckt seien. Die geschädigten Steuerzahler hat der Angeklagte im Laufe der letzten zwei Jahre zum Teil befriedigt, doch hat er noch heute einen Betrag von 450 Mark abzubezahlen. Weshalb das Finanzamt seinerzeit nicht Strafantrag gestellt hat, ist nicht recht ersichtlich und bildet ein Kapitel für sich. Genau konnten die vcr- untreuten Beträge auch in der heutigen Verhandlung sonderbarer weise nicht festgestellt werden, jedoch ging aus der Verhandlung her vor, daß es sich um eine lange Kette von Veruntreu- » n g e n handelt, indem der Angeklagte neu eingenommene Beträge immer wieder gebrauchte, um die entstandenen Lücken zu decken. Der Amtsanwalt beantragte 6 Wochen Gefängnis und Tragung der Kosten, während der Angeklagte, der sich vor Gericht sehr geschickt verteidigte, um mildernde Umstände bat, da er bei seinem niedrigen Gehalt, das anfangs monatlich 130 M., später dagegen 175 M. betrug, nicht hätte auskommen können. Darüber hinaus sei sein Vater plötzlich in Wilhelmshaven am Herzschlage gestorben und habe er bei dieser Gelegenheit zum erstenmal den Betrag von 150 M. für sich verbraucht. Das Urteil lautete auf 2 Monate Gefängnis und Tragung der Kosten wegen Unterschlagung. Kein ZortsÄrntt in Genf. Abschluß der ersten Abrüstungsberatung. Genf. ll. April.(Eigener Drahtbericht.)?n seiner Begründung des deutschen Vorschlages auf eine Beschränkung der Zahl der Gewehre, Maschinengewehre, Geschütze aller Art mit ihrer Munition sowie der Panzerautomobil'e und Tanks führte Graf 'Bernstor ff heute in der Vorbereitenden Abrüstungskommiision aus, daß wohl mit der Materialbcschränkung auch die Mannfchafts- bestände herabgesetzt werden könnten. Die Einwände dagegen, daß man eine genügende Kontrolle darüber nicht besitze, seien hinfällig. Vor allem sei auch hier der Wille zu ehrlicher Vertragserfüllung die erste Voraussetzung. lodann aber sei die Zählung und Kontrolle von Gewehren und Munition nicht schwieriger als die der Motorkräste von Militär- flugzeugen. Die Angriffskraft, von der wiederholt gesprochen wurde. könne nur durch eine direkte Beschränkung des Kriegsmaterials erfaßt werden. Lernstorff schloß mit der Erklärung, daß ein Zlbrüstungsvertrag. der die wesentlichsten Arten des Ma- terials nicht erfaßt, nicht als eine befriedigende Lösung des Pro- blems angesehen werden könnte.„Man hat von der öffentlichen Meinung gesprochen, die unsere Arbeiten mit Sorge und Spannung rerfolgt. Die öffenlliche Meinung will, daß die Waffen niedergelegt wcrden. sie wartet daraus, sie will nicht Umwege, sie will' klare Tatsachen. Sie wird niemals oerstehen, daß man zu einer Beschränkung des Kriegsmaterials nur auf dem Ilmwege über die Beschränkung der Hceresausgaben sollte kommen können." Unter den Delegierten, welche den deutschen Vorschlag unter- stützten, ist vor allem der n o r d a m e r i k o n i s ch e zu nennen, der ihn wärmstens begrüßte und gründlich zu prüfen erklärte. Ferner stimmten der schwedische, sinnische und holländische Delegierte dem deutschen Dorschlag zu, wogegen der japanische, b e l- gische. südslawische und rumänische Delegierte ihn be- kämpften. Genosse de B r o u ckö r e- Belgien erklärte dabei. er sei im Prinzip mit Gras Bernstorfs einverstanden, daß das Kriegsmaterial in der Abrüftungskonoention irgendwie erfaßt werden müsse, zur direkten Beschränkung der Moterialvorräte fehlten jedoch die erforderlichen weitgehenden Kon troll- ig i t t e l und eine Aussicht, daß die Kommission diese zu beschließen gesonnen sei, bestehe nicht. In einem kurzen Schlußwort erwiderte Bernstorff auf einige Einwände gegen seinen Dorschlag. dankte für die ihm zuteil gewordene Unterstützung und behielt sich vor, seinen Vorschlag in der zweiten Lesung zu wiederholen. Kleinere Zaschiftenlänüer. Litauen. Aus Kowno schreibt man uns: Kriegs» unk» Feld» gerichte, Todes- und Zuchthausstrafen, politische Zensur und Massenverhaftungen sind an der Tages- ordnung. Reaktionärer Terror beherrscht das ganze Land. Allein 60 Sozialdemokraten und Bolkssozia listen schmachten seit dem Putsch hinter Gefängnismauern: sie wissen nicht einmal, was sie„verbrochen" haben. Die Machthaber aber hüten sich, öffentlich Anklage zu erheben. Dem Konzentrations- Inger in Warna werden täglich neue Insassen zugeführt, die polltisch verdächtig sind. Der Verdacht allein genügt, um Arbeiter und Angestellte ihrer Freiheit zu berauben. Dem Spitzeltum ist Tür und Tor geöffnet. Bulgarien. �• Sofia, S. April.(Eigener Drahtbericht.) In der ostbulgarischen Stadt S l i o e n hat die neue Verhandlung des vom Zkassotionshof an die Vorinstanz zurückverwiesenen großen Verschwörerprozesses begonnen, in dem im Vorjahre 28 Personen zum Tode durch den Strang verurteilt worden waren. Die Zahl der An- geklagten betrug 128: es sind zum großen Teil sunge Arbeiter. In der AnNageschrift heißt es, daß wie in allen anderen Kreisen Bulgariens auch in der Hafenstadt B u r g a s am Schwarzen Meere eine bolschewistisch« Verschwörerzentrale bestanden habe, die Ansang des Jahres 1925 ihren Sitz nach dem nahen Slioen verlegte: ihr Ziel sei der gewaltsame Umsturz gewesen. Als im Mai 1925 Der- treter der einzelnen Bezirke in den Balkanbergen zu einer Beratung zusammenkamen, wurde das Komplott verraten. Das ausgeschickte Militär umzingelte die„Berschwörer*. die bei der angeblichen Gegen- wehr all« getötet wurden. Damit nicht genug, wurden dann die übrigen Mitglieder dieser Verschwörung vor den Richter gestellt der 28 Todesurteile fällte. 3m Planntet Prozeß Stresemann gegen Rechtsanwalt Müller wird das Urteil Montag nachmittag 3 Uhr verkündet werden. Dobring in öer Klemme. Hat er sich mtt Politik gekümmert oder nicht?— Ein würdiger Funktionär der KPD. Man hat sich gestern im Reichstag über die Frage unier- halten, wer von den beiden Zeugen Dobring und S ach s e die unslimpathifchere Figur ist. Die Meinungen waren geteilt. Von Dobring war schon gestern hier die Rede. Ueber Sachse muß aber auch noch ein Wort gesprochen werden. Dobring hat ihn für den Kopf der Bewegung gehalten. Das war er nicht, er war nur ihr Maul. Dieses Maul hat keinen Augenblick gerastet. Die großen Redensarten sprudelten nur so aus ihm heraus. Als aber die Sache gefährlich wurde, gab es ganz andere Töne von sich. Herr Dobring wünschte„Geständniffe". Er halle sie schon. Er oerlangte Angaben über Mitschuldige. Er bekam sie auch unverlangt. Rette sich, wer kann! Als aber die Gefahr vorüber war, war auch das große Maul wieder da. Jetzt halle es die Revolution gemacht. Sachse wurde Funktionär der KPD. Er ist es noch heute. Wir beneiden sie nicht um ihn. * Im weiteren Verlauf der gestrigen Sitzung des Untersuchung;- ausschusses gibt Dobring die Erklärung ab, daß er keinen poli- tischen Prozeß geführt lzabe, fondern lediglich einen Prozeß gegen Leute, die mit Gewalt die Flotte zu Ende bringen wollten. Das Politische habe er dem Oberreichsanwalt überlassen. Abg. Bergslrässer(Dem.): Ist Ihnen bekannt gewesen, daß eine Erzwingung mit Gewalt dem Programm der USPD. widersprach?— Dobring.- Nein. Abg. Dillmann: Was wußte Dobring überhaupt von politischen Partelen und Ihrem Programm? Dobring: So gut wie nichts. Ich bin ein unpolitischer Mensch, nur Beamter und habe mich um derlei nie gekümmert. Abg. Diltmann: Aber Sie. sind doch von der Flottenabwehr. stelle mit der besonderen Aufgabe betraut worden, die SPD. und USPD. zu beobachten. Wie sollten Sie diese Aus. gäbe erfüllen, wenn Sie von Politik nichts wußten? Dobring: Diese Funktion blieb auf dem Papier stehen und von der Aufgab« einer derartigen Ueberwachung ist mir nichts bekannt geworden. . Diltmann: Sie wollten also das Politische dem Oberreichsan- matt überlassen? Aber am 24. November 1917 haben Sie an den Staatssekretär Admiral Capelle einen längeren Bericht geschrie- ben, der auf die Verurteilungen und auch auf den Kriegsgerichts- rat Dr. Lösch Bezug nimmt und ausführt, daß die Umtriebe auf der Flotte von den Reickstagsabgeordneten Hoase, Vogtherr und vielleicht auch Ledebour gekannt und vielleicht auch gebilligt worden seien. Reichpietsch sei für Propaganda jener Ziele von diesen Ab- geordneten ermächtigt und mit Material versehen worden. Es er- gäbe sich die Möglichkeit eines Landesverrats Prozesses gegen die Abgeordneten, und selbst wenn sie freigesprochen würden, so wären sie doch genug kompromittiert, damit sich der übrige Reichs- tag von ihnen lossage.— Sie haben also versucht, scharf zu machen nach politischer Richtung, und da sagen Sie noch, dos alle» habe mit Politik nichts zn tun? Dobring will sich damit ausreden, daß dieser Brief an Capelle längere Zeit nach dem Prozeß gegen Reichpietsch und Genossen geschrieben worden sei:« habe nur gesagt, daß dieser Prozeß mit Politik nichts zu tun gehabt habe. Die Berurteilung erfolgte am 26. August, die Erschießung am 5. September. Der Brief ist vom November. � � r Abg. Diltmann: Die Zeugen habew uns doch bekundet, daß Sie immer gefragt haben, welche Beziehungen die damaligen Be- schuldigten zu vdn USP.-Abgeordneten hätten. Dobring: Danach mußte ich fragen. Abg. Dilkmann: Aber Sie sagen doch, Sie hätten sich um da- Politische nicht gekümmert. Dobring: Das habe ich auch nicht. Ich habe nur gesagt, daß nach meiner Ueberzeugung die USPD. die Bewegung unter st ützt habe: daß sie sie«ingerührt habe, behaupte ich nicht. Zeuge Sachse erklärt wiederholt, daß«m bestimmtes Programm nicht aufgestellt worden sei. Er sei wohl mtt seinen Freunden auf anderen Schiffen zusammengekommen, und man habe die allgemeinen Fragen diskutiert. Aber ein Pro- gramm sei nicht aufgestellt worden. Es habe unter den Mannschaften keinerlei politisch« Klarheit bestanden. Was das Urteil darüber sage, sei falsch. Der Zeuge protestiert dann erregt dagegen, daß mau ihm und seinen Kameraden keine Möglichkeit gegeben habe, die Akten ein- zusehen, während Herr Dobring dos getan habe, um hier damit gegen die Zeugen zu operieren. Der Lorsitzende Philipp erklärt dazu, daß der Untersuchungs- ausschuß niemand die Akten zur Verfügung gestellt habe. Der Zeuge Dobring erklärt nach einigem Zögern, daß er durch das Reichsmarincamt Gelegenheit bekommen habe, die Akten einzusehen. Es sei ihm bekannt geworden, daß er als Zeuge im Münchener Dolchftoßprozeß vernommen werden sollte. Er habe sich deshalb Auszüge qjjs den Akten herstellen lassen, um sein Gedächtnis zu stärken. Abg. Bergsträßer(Dem.) fragt den Zeugen Dobring, ob ihm der Unterschied zwischen dem angeblichen Programm der Matrosen und dem Programm der Unabhängigen Sozialdemokraten bekannt gewesen sei. Zeuge Dobring: Mir ist gesagt worden, daß dos Programm vom Abg. Diltmann gebilligt worden sei. Es habe also eine Verbindung zwischen Dittmonn und dem Programm bestanden. Abg. Lergsträßer: Haben Sie die Listen so angesehen, daß st« dem Zweck der Zlnmeldung in die USP. dienten? Zeuge Dobring: Die, Liste ist mir von Sachse In die Hand gespielt worden. Bei seU»r Vernehmung hat Sachse angegeben, wo die Liste versteckt sei. dort ist sie auch vorgefunden worden. Abg. BergstrSßer: Ich unlestelle das als richtig, aber als was haben Sie denn die Liste angesehen? Zeuge Dabring: Die Liste hatte einen doppelten Zweck: Erstens: Mitglieder für die Unab- hängigen zu nennen, damit man die Namen auf der Stockholmer Konferenz verwenden und dort auftrumpfen könne. Zweitens: Diejenigen zu nennen, die entschloffen waren, die vier Punkte durch- zuführen. Abg. vergslräßer: Haben Sie denn damals die Unab- hängige Sozialdemokratie als illegal betrachtet? Zeuge Dobring: Ick> führte kein politisches Berfohren, die Zugehörigkeit zur Unabhängigen Sozialdemokratie hätte viel- leicht disziplinarisck> bestraft werden könne». Für mich handelt es sich nur darum, ob Gewalt angewendet werden sollte. Abg. Briininghaus(D. Bp.) steht eine» Widerspruch darin, daß der Zeuge Sachse erklart habe, schon seit 1915 habe es politische Gruppen gegeben, die sich für das Programm Karl Liebknechts erklärt hätten. Diese Bewegung sei im Jahre 1916 auf 3319 Mann angewachsen. Die Verpflegung sei doch überall schlecht gewesen. (Abg. Künstler ruft: Bloß nicht bei den Offizieren!) Zeuge Weber wendet sich dagegen, daß einzelne Stellen der Aussagen hier heraus- gegriffen und gegen die damaligen Angeklagten verwendet werden. Die Aussagen, die Über die Zustände an Lord gemacht worden sind, seien gar nicht in die Akten hineingekommen. Der Zeuge wendet sich beftio gegen die Art. wie Dobring die Unter- suchung geführt habe. Der Vorsitzende fällt ihm ins Wort, es gehe nicht, d>ß die Zeugen sich hier gegenseitig beleidigen. Zeuge Steinemann erklärt: Wenn wirklich im Jahre 1916 aus den Schissen schon eine so starke Bewegung bestanden hätte, dann würde sie doch ebenso schnell herausgekommen sein, wie im Jahre 1917. Abg. vrüninghaus: 1916 bestand die Bewegung nur aus Gruppen, auch 1917 ist man ihr ja erst auf die Spur gekommen, als man im Spind des Obcrheizers Fischer den belastenden Zettel gesunden hat. Der Berichterstater,?lbg. 3oos, verliest aus der Vernehmung des Sachse vor dem Untersnchiingsauslchuß die Stellen, die sich auf die Bewegung auf den Schissen bezog. Es sei damals von verschiedenen Seilen Agitation getrieben worden. Bei den L i st e n handelte es sich um eine ganze Reihe, auch um solche, die von der V o t e r I a n d s p a r t e i und anderen Orgam- sationen ausgingen. Zeuge Sachse führt dazu noch aus, daß es sich bei der bei ihm beschlagnahmten Liste um eine Ausstellung der Abonnenten i ii r die„Leipziger B o l k s z e i t u n g* ge- haudelt habe. Diese Zeitung sei von den Matrosen von der eigenen Löhnung bezahlt worden Zwei bis drei Mann hätten immer zu- sammen ein Abonnement gehabt. Die Abonnementsgelder wurden gesammelt und an die Zeitung geschickt. Das habe ich Herrn Dobring angegeben, denn das war entlastend für uns. Auf- die Frage des Abg. Ivos an den Zeugen Gaifleuer, ob dieser davon gehört habe, daß die Kame?aden über«ine Revolte sprachen, erklärt dieser, man habe wohl wiederholt gemunkelt, daß irgendetwas geschehen müsse. Aber von einer bevorstehenden Revolte habe er nie etwa» gehört. Abg. 3oos kommt nunmehr auf die Rede zu sprechen, die der Redakteur der„Leipziger Valkszeitung". H e r r e, der sich damals in Wilhelmslioven befand, vor einer Versammlung von Matrosen gehalten hat. Herre hat die Rede nach seinen Aufzeichnungen re- konstruiert, sie liegt in dieser Form dem Untersuchungsausschuß vor. Abg. Moses hält dem Zeugen Dobring vor, er habe Im Münchener Dolch- stoßprozeh behauptet, herre fei wegen Porattzfe vom Militär entlassen worden. Dos stehe ober Im Gegensah mit der von ihm im Masrosenprozeß vertretenen Behauptung, herre habe die Anwendung von Gewalt propagiert. Alle Zeugen haben hier aber ausgesogi, daß Herre gerotte das Gegenteil getan und vor der Anwendung von Gewalt warnt hat. Ein Zeuge hat Herre sogar dos Verdienst.zugesprochen, die Matrosen von der Anwendung von Gemalt abgehalten zu haben. Dabring erwidert, er habe in München nur das vorgetragen, was von anderen über herre gesagt worden sei. In dem Matrosen- prozeß sei behauptet worden, daß der Gedanke der Gewalt aernd« von Herre hereingebracht worden sei. Abg. Moses: Dann wäre es doch richtiger gewesen, Sie hätte» im Dolchstoßprozeß gesagt: Das habe ich von anderen gehört! Sic hatten sich dach hüten müssen, zu sagen, Sie selbst wüßten, daß Herre Gewalt gepredigt habe. Dobring gibt zu, daß er sich In München etwas vorsichtiger hätte ausdrücken und sich aus Reichpietsch, Weber vno Sachse hätte berufen sollen. Abg. Diltmann: Sie haben in München von Herre als von einem Paralytiker gesprochen, also ihn als einen Menschen hkngestdit, der nicht glaubwürdig sei. Meines Wissens war Herre 1917 schwer nervenkrank, Herre lebt heute noch. Er ist jetzt noch Redakteur der „Leipziger Volkszeitung". Die ganze Art der Aussage Dobring» muß den Eindruck erwecken, daß ihm daran lag, den Mann zu disguolisizieren. Dos ist ganz die Methode, die sich aus den Akte» über den Matrosenprozeß ergibt, hat er doch auch Reich- pielsch einen„Luden" genannt. Es muß Dobring doch bekannt sein, daß das Verfahren gegen Herre eingestellt worden ist. Er hättet also vorsichtiger in seinem Urteil über ihn' sein müssen. Zeuge Dgbring sagt darauf, Sochse hahe bei der Vernehmung behauptet, Reichpietsch hätte sich seines Verkehrs mtt der weiblichen Lebewett gerühmt. Zeuge Schneider, gleichfalls ein früherer Matrose, sogt aus, daß Reichpietsch, mit dem er eng befreunde: war, wohl von Abenteurer. tust getrieben wurde, als er sich 1912 freiwillig zur Marine meldete. Er habe auf gutes Aussehen Gewicht gelegt und sich gern heraus- geschmückt. Er sei in die zweite Klasse de» Soldatenstandes versetzt worden, weil er einmal.zu einem Ausgang in die Stadt die Klei- dung und die Stiesel eines Leutnants angezogen habe. Dieser Leutnant habe sich später auch dagegen gewendet, daß man Reich- pietsch, worum dieser gebeten hatte, wieder zurückversetze, also ihm das Mützenband wiedergebe. Als er van seinem Urlaub zurück- kehrte, erzählie er, daß er mit den Abgeordnelen Dillmann, hoase und voglherr über seine Bestrafung gesprochen habe, diese Höllen aber nichts für ihn unternehmen können und ihn vor unbedachten Schritten gewarnt. Seit Weihnachten 1916 sei die Verpflegung auf den Schiffen immer schlechter geworden. Allerdings nur für die Mannschaften, nstcht aber für die Offiziere. Abg. 3oo» fragt den Zeugen Dobring. ob niemals diesen Quellen der Unzufriedenheit nachgegangen worden sei. od man nicht die Urjache der Mißstimmung unter den Mannschasten geprüft habe. Dobring erwidert, er habe das nicht getan. Denn ihm sei ja bekannt gewesen, daß die Verpflegung überall zu wünschen übriggelassen habe. Die Angeklagten hätten ja damals auch gesagt, daß die Bewegung wegen des Eisens nur da« Lackmittel gewesen sei, dann sei aber die politische Seite und die Verbindung mit den Abgeordneten hinzugekommen. Er habe es nicht für seine Aufgabe gehalten, den klagen wegen der schlechten Verpflegung und der anderen Beschwerden nachzugehen. Zeuge Beckers erzählt dann solgeudeu Vorfall: Köbi? hatte drei Tage Urlaub. Er kam aber erst zwei Tage später zurück, weil sein Vater ertrunken war und man die Leiche nicht gleich ge« sunden hatte. Als er wegen Urlaubsüberschreitung zum Rapport kam, wurde ihm gesagt: „Und wenn 3hre Mutter auch noch ertrunken wäre, so hätten Sic doch zurückkommen müssen!" Abg. Vrüninghaus will sich erinnern, daß Reichpietsch deswegen in die zweite Klasse oersetzt worden sei, weil er eine Börse mit 250 bis. 2 60 Mark gestohlen habe. Zeuge Schneider stellt dazu fest, daß dieses Geld ihm und Reichpietsch gehört habe. Es stammte aus einem Z ig a r e t t e n h a n d e l, den die beiden an Bord betrieben hatten und weil das oerbotc» war. habe Reich- pielsch zugegeben, daß er das Geld gestohlen habe, um nicht auch noch seinen Kameraden hineinzulegen. Zeug« Dobring verliest nun aus dem Abschiedsbrief von Reich- pielsch an seine EI:ern zwei Stellen, i» dem er wegen seines„Ber- gehen«" um Aerzeihuug bittet. Abg. Diltmann nennt es unerhört, daß dieser Abschiedsbrief eines zum Tode Verurteilten hier gegen ih» ausgenützt werde. Das zeuge von der Gefühlsroheit des Zeugen Dobring. Dobring sucht sich damit zu entschuldigen, daß dieser Brief dem Ausschuh doch schon vorgelegen hob«. Abg. Diltmann hält dann dem Zeugen Dobring vor, daß er in anderen Prozessen gegen Matrosen gerade auf die politische Seite der Anklagen den größten Wert gelegt und ihnen schon als Verbrechen ange- kreidet habe, daß sie für«inen annektionslosen Frieden eintraten. Das stehe im Widerspruch zu seiner heutigen Be- h a u p t'u n g. daß die politische Seite für ihn keine Rolle gespielt babe. Dobring erklärt dazu, er habe in den späteren Prozessen als Verhandlungssührer nur das vortragen müssen, was ihm als Mo- terial vorgelegen habe. Damit ist die Vernehmung der Zeugen beendet der Ausschuß schließt gegen 3 Uhr die Sitzung. Das Notgesetz für öle Unternehmer. Ein Ausnahmegesetz gegen die Bauarbeiter. In welche Widersprüche sich das Reichsarbeitsministerium mit der Verteidigung des unmöglichen Arbeitszeitnotgesetzes verstrickt, zeigt sich am drastischsten in den Zusammenhängen zwischen Not- gesetz und Bauarbeit. Auf der einen Seite alarmiert das Reichsarbeitsministerium die Oefsentlichkeit und die maßgebenden Stelleu im Reich und in den Ländern, die Bauarbeiten mög- lichst gleichmäßig auf das ganze Jahr zu oerteilen, auf der anderen Seite läßt es die Bauarbeiter für den Schlendrian, der die staatlichen Mittel für den Wohnungsbau verspätet und kümmerlich fließen macht und das Bauprogramm durcheinander bringt, büßen, indem es im Notgesetz ein Ausnahmegesetz gegen die Bauarbeiter schafft. Der Reichsarbeitsminister kann durch das Notgesetz in Ge- werben, die ihrer Art nach in gewissen Zeiten des Jahres regel- mäßig zu erheblich verstärkter Tätigkeit genötigt stnd, nach An- hörung beider Parteien bestimmen, daß kein Ueberstunden- Zuschlag in diesen Zeiten gezahlt wird, wenn die Mehrarbeit durch Verkürzung der Arbeitszeit in den übrigen Zeiten des Jahres„ausgeglichen"' wird. Damit erhalten die Unternehmer im Baugewerbe die von ihnen seit Iahren verlangte zuschlagfreie Ueberarbett. Die Bauarbeiter sollen„gesetzlich" zum Ueberstundenschieben„ver- pflichtet" werden. Und das alles, obwohl es genug arbeitslos« Bau- arbeiter ln Deutschland gibt. Trotz der selten milden Wintermonate verzeichnete der Baugewerksbund Mitte März ZI.S Proz. arbeitslose Bauarbeiter. Im übrigen wird immer wieder vergessen, daß der Bauarbeiter in keinem Fall seinen Wohnsitz nach dem Arbeitsplatz einrichten kann. In der Großstadt und ebenso in der Kleinstadt leistet er ungezählt« unbezahlt« Ueber- st u n d e n durch Fahren oder Laufen von und nach seiner Arbeits- stelle. Die Ausnahmebestimmungen gegen die Bauarbeiter sind also wirklich herzlich überflüssig. Lohnverhanölungen für Sie Reichsarbeiter. Morgen, Montag, wird über die Löhne der Reichsarbeiter im Reichsfinanzministerium oerhandelt. Nach Lage der Dinge ist leider anzunehmen, daß auch bei den Verhandlungen im Reichsfinanz- Ministerium auf dem Verhandlungswege keine Einigung erzielt werden wird und daß es ähnlich wie bei den Eisenbahnern wahr- scheinlich zur Anrufung des Schlichters kommen wird. Die Reichs- und preußischen Staatsarbeiter Berlins werden o m Montag abend um 7� Uhr in den Germaniasälen in der Chmisseestraße in einer Versammlung zu dem Verhondlunasergebnis Stellung nehmen. In Anbetracht der außerordentlichen Wichtigkeit der zur Entscheidung stehenden Frage ist es Pflicht eines jeden einzelnen, unbedingt zu erscheinen. Holzarbeiter öerline! Am kommenden Dienstag werden die Wahlen zum dies- jahrigen Verbandstag der Holzarbeiter vorgenommen, welcher im Juni in Frankfurt am Main tagen wird. Der Zahlstelle Berlin stehen 1K Delegierte zu. Nachdem die Kommunisten bei den Wahlen der Bezirks- und Branchenleitungen sowie bei der Wahl der Generalversammlungsdelegierten Erfolge nicht zu erringen ver- mochten, machen sie oerzweiselt« Anstrengungen, wenigstens die Delegation zum Verbandstage in ihre Hände zu bekommen. Mit den üblichen Entstellungen und Verdrehungen wird in Flugblättern und in den Betriehen von jener Seite wieder gearbeitet. Unsere Kollegen müssen die letzten Tage vor der Wahl deshalb zu intensivster Agitation ausnutzen und dafür sorgen, daß jeder Kollege zur Wahl geht und seine Stimme für die Kandidaten der Richtung Amsterdam abgibt, welche auf dem Stimmzettel unter den Nummern 1— 16 aufgeführt sind. Die Wahlen finden nachmittags von tü bis 7 Uhr statt. Jedes Mitglied kann in einem beliebigen der 34 Wahllokale zur Wahl gehen. Agitiert und stimmt für die Kandidaten von 1— 16. Richtung Amsterdam. Alle anderen Namen sind auf dem Stimmzettel, welcher im Wahllokal ausgehändigt wird zu streichen. Ein Lohnschieösspruch für öle hoszinötistrie. Ms Ergänzung zu dem neuen Mantelvertrag für das deutsche Holzgewerbe, der am 16. Februar 1927 in Kraft getreten ist, gehört ein Lohnabkommen, um dessen Zustandekommen sich die Parteien bisher bemüht haben. Der Manteloertrag sieht vor, daß die Lohnverhandlungen fürt alle Bezirke gleichzeitig vor dem Lohnamt geführt werden unter dem Vorsitz eines Unparteiischen. Mehrtägige Verhandlungen, die gegen Ende März in Dresden geführt wurden, blieben e r g« b- n i s l o s. Der„Vorwärts" hat darüber am 26. März berichtet. Auf Ersuchen der Parteien hat dann der Reichsarbeitsmimster den Regierungsrat Dr. B r a h n zum Vorfitzenden bestimmt. Unter dessen Leitung wurde in den Tagen vom S. bis 8. April im Reichs- arbeitsministerium oerhandest An den Verhandlungen nahmen Vertreter aus den 18 Bezirken teil, in welche das Der- tragsgebiet gegliedert ist. Das Ergebnis war einSchiedssprud), durch welchen die„Ecklöhne" um fünf bis acht Pfennig in zwei Etappen, am 19. April und am 1. Oktober. erhöht werden. Der„Ecklohn" ist der Vertragslohn des über 22 Jahre alten Facharbeiter» in der ersten Ortsklasie eines jeden Bezirks; die Abstufungen von ihm sind vertraglich geregelt. Nach dem gefällten Schiedsspruch steigt der Ecklohn bis zum 1. Oktober im Bezirk Köln auf 114 Pf., Hamburg III Pf., Düsieldorf und Hetzen» Nassau(Frankfurt a. M.) je 110 Pf., Sachsen, Niedersachsen(Hon- nover), Mannheim je 103 Pf., Elberfeld 102, Bayern, Bremen, Katzel, Württemberg je 101 Pf., Schleswig-Holstein 100, Halle 99 Pf, Breslau 92, Lippe-Detmold 91 Pf.. Schlesien und Brandenburg je 84 Pf. Bei der Provinz Brandenburg kommt in Betracht, daß die Richtklotze nicht die höchste Ortsklasie ist. In der U m g e b u n g von Berlin sind die Vertragslöhn« höher, in Potsdam und Nowawes beträgt der Aufschlag 20 Proz. Das Lohnabkommen soll bis zum 15. Februar 1928 gelten. Der Schiedsspruch unterliegt nun der Entscheidung der Parteien. Die Erklärungssrist läuft am 21. April ab. Virtsthaststheoretiker gegen Virtschastsführer. In der gestrigen Abendausgabe des„Vorwärts" wandten wir uns gegen die gewerkschaftsfeindliche Ausfassung, die der General- direktor G o l d s ch m i d t in der Generalversammlung der Darm- städter und Nationalbank bekundete. Wir stellen dieser von uns als engherzig bezeichneten Auffassung eine vernünftig« Meinungsöuhe- rung gegenüber, die zwar keineswegs vereinzelt dasteht, jedoch be- sonders deshalb bemerkenswert ist, well sie vor einem Gremium von Industriellen erfolgt ist. Der„Süddeutsche Wirtschaftsdienst" der „Voss. Ztg." berichtet aus Frankfurt a. M. unterm 9. April folgendes: „Auf der Jahrestogung des Verbandes mitteldeutscher Industrieller sprach G e h e i m r a t Dr. Bücher-Berlin über die neue industrielle Organisation der Wirtschaft. Er betonte vor allem, daß wenn Gewerkschaften nicht beständen, man sie heute hätte schaffen müssen. Ihnen sei es zu verdanken, daßdieLöhnegebessert.dieKonsum- kraft der Massen gefördert und so schließlich die Produk- tion und der W o h l st a n d der an ihr Beteilgten erhöht worden sei. Leider sei diese segensreiche Auswirkung der G e w e r k- schafts-Institution nahezu ein Jahrhundert lang ver- k a n n t und bekämpft worden, statt sie in den Dienst der Wirt- schaft einzuspannen..." Wie diese„Einspannung" der Gewerkschaften gedacht ist, sei dahingestellt— Dr. Bücher wandte sich gegen die Politisierung der Gewerkschaften—, jedenfalls könnten gewisse Kreise wenigstens geistig etwas profitieren, wenn sie bei Bücher eine Lektion über Wirtschaftsdemokratie nehmen würden. Denn es ist nicht nur vom ästhetischen Gesichtspunkte aus furchtbar peinlich, wenn der eine oder andere erfolgreiche Wirtfchaftssührer sich in sozialen Anschauungen so weit zurückgeblieben und verknöchert zeigt, es erschwert gegebenenfalls auch ganz allgemein die zeitweilig not- wendigen Verhandlungen mit den Gewerkschaftsvertretern. vie Lohnverhanölungen im Säckergewerbe beenöet! Die Bäckermeister, welche in letzter Zeit die Backware imme? kleiner backen mußten, da ja die M e h l p r e i s e dies zum Teil be- dingten, streiten aber bei Lohnbewegungen eine Verteuerung der Lebenshaltung dauernd ab und find nie zu bewegen, aus freien Stücken den veränderten Verhältnissen entsprechend die Löhne zu er- höhen. Schlichtungsausschuß und Schlichler müssen erst immer in Bewegung gesetzt werden, um ihnen klarzumachen, daß durch Niedrighaltung der Bäckerlöhne es trotzdem nicht gelingt, den Brot- preis nicht zu erhöhen. In Verfolg dieser Einstellung bei den leitenden Personen der Bäckermeister, muhte auch diesmal wieder der Schlichtungs- ausschuß angerufen werden, da in freier Verhandlung nur 2 M. pro Woche in der Spitze von den Bäckermeistern anerkannt wurde, was sich nach unten prozentual verringern sollte. Der Schlichtungsausschuß hatte auf die Begründung der Organisation. daß die Teuerung alle Arbeiter gleichmäßig treffe, dann auch einen Schiedsspruch gefällt, welcher eine gleiche Lohnzulage für alle Arbeiter vorsah. Die Arbeitgeber lehnten diesen Spruch am 1. April in ihrer„Massenversammlung" ab, in welcher von 3600 Bäcker? meistern ganze 500 anwesend waren und durch starke Worte die fehlenden Meister versuchten zu ersetzen. Bei den Verhandlungen vor dem Schlichter ließen dann die Bäckermeister ihre bisherige Stellung fallen und kam es dadurch zu einer Verständigung, welche für die Gesellen«ine Lohnerhöhung von 3 Mark brachte und auch die anderen Beschäftigten nicht leer ausgehen ließ. Sind mit dieser Lohnregu- lierung auch nicht alle berechtigten Ansprüche b«friedigt worden, so darf jedoch dabei mcht außer acht gelassen werden, daß die Zahl der Arbeitslosen im Bäckergewerbe verhältnismäßig sehr hoch ist. Sind doch in Berlin bei rund 6500 beschäftigten Gesellen noch 2600 arbeitslos« Gesellen vorhanden, eine Situation, die von den Bäckermeistern ausgenutzt wird, und dies um so mehr, als ihnen nicht unbekannt ist, daß der gewerkschaft- liche Zusammenschluß der Bäcker noch viel zu wünschen übrig läßt._ Neue Lohnvereknbarungen für Suchbknöer. In den VDB.-Belriebea. Verhandlungen mit dem Verband Deutscher Buchbindereibe- sitzer über die Festsetzung neuer Löhne führten zu dem Ergebnis, daß ab 14. April der Spitzenlohn 1 Mark beträgt. Alles Nähere in der Funktionärversammlung morgen, Montag, nachmsttags 5 Uhr, im Askanier, Anhaltstr. 11. Schiedsspruch für die Asphalteure. Die Unternehmer hatten die Forderung der Arbeitnehmer auf Lohnerhöhung abgelehnt. Die Arbeiter haben daraufhin den Schlich- tungsausschuß angerufen. Am Donnerstag nachmittag fanden ine Verhandlungen statt. Die Begründung für die Lohnerhöhung gab Link, die Ablehnung der Arbeitgeber begründete deren Syndikus. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob ein Entgegenkommen bzw. ein Vergleich möglich sei, erklärte der Syndikus: nein. Das Resultat der Verhandlung war: Durch einstimmig ge- faßten Schiedsspruch wird den Arbeitern vom 7. April ab eine Lohnzulage von 5 Ps. und vom 22. September ab eine weitere Ziilag« von 2 Pf. pro Stunde gewährt. Zu diesem Schiedsspruch nahmen die Arbeiter am Freitag abend in einer stark besuchten Versammlung Stellung. Link berichtete eingehend und befürwortete nach Lage der gegenwärtigen Verhält- nisse die Annahme des Schiedsspruches. Nach einer längeren De- batte fand die Abstimmung durch Stimmzettel statt. Das Resullat war, daß der Schiedsspruch mit allen gegen s ü n s Stimmen angenommen wurde. Damit ist We Lohnbewegung erledigt. Sache der Arbeiter wird es nun sein, die Organisation so auszu- gestalten, daß die Lauen und Säumigensür die Organi- sation gewonnen werden. Was sagt der Berliner Magistrat dazu? Die Baufirma Tuch scherer führt Arbeiten in den Messe- hallen aus. Trotzdem über 800 Zimmerer in Berlin arbeitslos sind, hat diese Firma sich junge Leute aus Schlesien geholt, die täglich mit Ueber st unden und auch« o n n- tags arbeiten. Der Magistrat hat wiederHoll in der Stadtverordnetenversamm- lung erklärt, daß Ueber st unden- und Sonntagsarbeit unzulässig sind. Daran kehren sich die Unternehmer nicht, wie hier der Fall Tuchscherer zeigt. Die Berliner arbeitslosen Zimmerer verlangen von der Stadt Berlin, daß sie zur Ausführung dieser Arbeiten herangezogen werden. Zimmerer Berlins, lehnt die Ueberstunden- und Sonntagsarbeit überall und auch bei der Firma Tuchscherer rundweg ab! Textilarbeiterstrciks in Thüringen. In Thürigen ist es zu einer Streikbewegung der Textil- arbeiter gekommen. Die Direktion der Norddeutschen Woll- k ä m m e r e i und Kammgarnspinnerei in Delmenhorst erklärte, daß die Vereinbarungen in Westthüringen nicht für ihre thüringischen Betriebe in Betracht kämen, da diese aus der Tarifhoheit ausgeschieden seien. Der Generalissimus der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei. Herr Dr. H o r st, der mit seiner Gewallpoltik die ganze deutsche Industrie um- krempeln will, hat das schöne Wort vom„Austritt aus der Tarifhoheit" geprägt. Dr. Horst war bereit, sein Steckenpferd „P r ä m i e n s y st e m" noch weller zu reiten. Die Arbeiter machten aber einen Strich durch seine Pläne. In Langensalza und Eisenach kündigten die Spinner das Arbeitsverhältnis, in Cisenach ist der Streik bereits im Gange, während in Langensalza die Kündigung am Sonnabend abgelaufen ist. In Delmenhorst war es durch die Schuld Dr. Horfts seit Iahren unmöglich, zu einem Tarisoertrag zu kommen: Dr. Horst schwärmt für gelbe Gewerkschaften, gelbe Werkschulen u n d Prämiensystem. Auch hier befinden sich seit dem 4. April die Selfaktorspinner im Streik. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Kampf noch weiter um sich greift, da in anderen Bezirken die Belegschaften der zur Norddeutschen Wollkämmerei und Kamm- garnspinnerei gehörigen Betriebe ebenfalls in den Kampf eintreten wollen. Ter Lohnkonflikt in der schlesischen Metallindustrie. Görlitz. 9. April.(WTB.) Ueber die Lohnbewegung in der niederschlesischen Metallindustrie verlautet, daß die gestrigen Ver- Handlungen im Reichsarbeitsministerium ergebnislos geblieben find. Der Reichsarbeitsminister habe sich die Stellungnahme zu der> von den Arbeitnehmern beantragten Verbindlichkeits- erklärung für einige Tage vorbehalten und den Parteien neue Vorschlage unterbrellet, zu denen sie bis Montag abend Stellung nehmen sollen. SPD.-Fraktionsversammlung bei btt Firma Dr. Paul Mever, Drontheimor Straße, am Dienstag, 12. April, nachmittags 4% Uhr, bei Fritsche, Dronthelmer Str. 4. Achtung, Werner-Marieufelde! Dienstg� 12. April,.nachmittags Ö 55 V/i tlh«, im Lokal Witi grübe Bertammlung aller E7?. Genossen. Noll s zäUigsn Befuch erwartet Der Frattionarerftand.: fei Z SPD..Fl-iIS-r! Dienstag, 12. April, 7� llbr, in Boekers Fest. r=! =3 fälcn lllciner SaaO. Weberstr. 17, äußerst wichtige Frakt'onssttzung n aller S?D„Flcischer. Ohne Mitgliedsbuch der Partei und Organisation W lein gutritt. Erscheinen ist Pflicht. Der Fraltionsoorstand. I Freie Sewerkschastsiugend. Heute, Sonntag, folgende Beranstaltungen: Ärel» vberspeee: Gruppenheim Zugendheim Treptow, schule Wildenbruch. strafst 58/54. Sruppenveranstaltung mit besonderem Programm.— Spandau: Jugendheim Sindcnufer I. gusawmenkunft.— Sebdiog 1: Eptelfcst der Gruppe in Tegel. Illgendgrnpp« des gd«. Morgen. Montag, 7�4 Uhr. finden folgende Ver- anstaltungen statt: Südost Treptow: Jugendheim Ncichenberger Str. 86. Glag» brenner-Abend.— Temoelhof: Jugendheim der Schule(üermaniastr. 4 6. Echwa. bischer Abend.— Norden: Jugendheim Schul« Dangiger Str. 28. Gruppen. besprechung. Achtung, Steinträgerl Morgen, Montag, 7 Uhr, in den„Brunnensälcn", Brunnenstr. IS, aemeinsame Versammlung der Steinträger des Paugewerks. dunde» und der Freien Bereinigung.„Was hat nach dem Schiedsspruch d:s Schlicktungsausschusses zu gescheh-n?' Zutritt zu dieser Versammlung haben nur Mitglieder der genannten Organisationen, die sich durch Mitgliedsbuch ausweisen können. Anders- oder Nichtorganisierte haben keinen Zutritt. Dentscher Baugewerksbund, Bangewerlschaft Berlin. Freie Vereinignng der Ltrintrögcr. Vodenleger. Einseher»ad Ialonflearbeiter. Versammlung morgen, Mon- tag, nachmittags Z Uhr, bei Boekcr, Weberstr. 17. Tagesordnung: Bericht und Neuwahl eines Obmannes. ftrastbroschlenfiihrer! Morgen, Montag, 8 Uhr, versammlnng im Rosen. thalcr Hos, Nofenthaler Str. 11/12. Stellung zum Lohnkampf. Dentscher Baugewerksbund. Faihgrnpp« der Töpfer: Dienstag. 12. Aprit. 5 Uhr nachmittags, Mltgliederoersammliing in den„Andreas-Festlnlen", An- dreasstr. 21. Bericht Uber die legten Lohnvcrhandlungcn. Mitgliedsbuch legi- timiert. Ohne dasselbe kein Eintritt. Vollzähliges Erscheinen erwartet Die Fachgruppenleitung. Gemeinde-»nd Staatoarbeiter. Bezirk 5: Dienstag, 12. April, 7 Uhr, in Bäckers Festsälen, Berlin, Weberstr. 17, Bezirksmitgliederversammlung. Berantwortlich lstr Politik: Victor Sehiss! Wirtsedatt: S.«lingeldöfer; Grwerkslbafisbeweauna: Friehr«»kor»! Feuilleton: st. K. Dificher: Lokales und Sonstiges: Frist starstodt! Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Verl,» Verlag: Vorworis-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Berl-gs-nNalt Paul Singer u Co.. Berlin SW 6«, Lindenftroste 3, Hierzu 4 Beilagen.„Unterhaltung und«ist«»"»nd..An» de, Film-Welt". V0N KENNERN AL/ BE/TE ckT-s CICARETTE BEWERTET -pH AN O MEIN- Nr. 170 ♦»».Jahrgang 7. Seilage ües vorwärts Sonntag, 10. /lprU 1027 %» ts 91 Er hat so sein eigen Geficht— der Lenz, wenn er von drausjen über die Millionenstadt kommt und den würzigen Dust der frucht- baren Scholle hineinträgt in ine lärmenden Straßen, in die massigen Steinklötze der Geschästsoiertel, in die grauen Hose der Mietkasernen -- und in die sorgend hastenden Menschen. Urplötzlich überrascht er uns, und wir staunen, daß die Straßen so blank geleckt erscheinen, daß die Lust uns so watteweich streichelt und daß die Mitmenschen so freundlich scheinen. Das rasende Tempo der Stadt scheint gemil- dert und die pochenden Herztöne des Verkehrs so ruhig, so ohne die gewohnte Nervosität. Die Jenfter auf. Noch ein wenig frostig sehen des Morgens die Gesichter aus, die für Sekunden an den Fenstern erscheinen und dann— brrr— wieder oerschwinden. Aber Geduld, wenn die herbe Frühlingssonne die Häuserwände heruntergleitet und so scharfe blaue Schatten zeichnet, dann wird es an den Fenstern lebendig. Staubtücher flattern, bunt« Betten und Decken türmen sich, eine'Schlagermelodie gleitet durch ein offenes Fenster auf die Straße, Wirtschaftslärm dringt heraus, so neu. so fremd, daß es das Ohr aufnehmen muß. Die grauesten Höfe bekommen Frühlingstolorit. Ueberhaupt die Höfe und Hinterhäuser tun so recht mit, wie der flüchtige Erdengast Lenz diktiert, sie feiern ihn auf ihre Art und schinücken sich, wie sie es vermögen. Wie festliche Girlanden flattert lustig von Fenster zu Fenster wieder wäschefeuchtcs Leinen. Rot leuchten die klobigen Der Auszug In die Laube. Leiber von Matratzen, wetteifern mit Bettstücken, die herausgeschleppt wurden aus dumpfen Stuben. Krach— krach,— knallt der Ausklopfer,— Staub wirbelt. Neugierige Köpfe erscheinen an Fenstern — und über allem liegt der Duft von allerhand Gekochtem. Aber das scheint in dem begütigenden Sonnenlicht gar nicht so unfreundlich wie sonst, es stimmt versöhnlich.— Was würde das für einen Krach sonst geben, daß die Wendische aus der Dritten ihre Wäsche aus- gerechnet so gehängt hat, daß sie der Müllern aus der Zweiten direkt auf die Blumenbretter abtropft. Na— und der Portier wäre schon lange da,— und es würde einen mächtigen Kroch geben, weil Müller Jungs auf der Teppichstange herumklettern.— Aber freundlicher Frieden ist unter der Frühlingssonne. Irühllngsfarben. Kein Frühling ohne Maler, ohne Farben und Firnißduft. Sie sind die ersten, die da augenfällig bestätigen:„Der Lenz ist daT Eine? schönen Tages kommen sie mit Leitern und Bohlen, bauen ihr großes Gerüst, schleppen Eimer und Töpfe, bespritzen alles Erreichbare mit Farbe und ziehen dem Haus ein neues Frühlingskleid an. Wenn sie dann fertig sind, steht in alter Umgebung ein neues Haus, fremd, wie ein verirrtes Kind, erfüllt die ganze Straße mit Maler- geruch und ist im Parterre und an den Türen mit Zettelchen:„Frisch gestrichen" behängt,— und die Kinder kommen dann, tupfen mit den Fingern an der schönen bunten Farbe, um sie an Hose und Rock abzuwischen. Das ist dann auch die Zeit, wo man sich zum Ergötzen seiner Mitmenschen herzhast an frisch gestrichene Kandelaber lehnen und auf dito Bänke setzen kann. Auch der häusliche Familienvater greift zu Pinsel und Farbentopf. Sovglich wird das verwitterte Blumenbrett hereingenommen, in der Küche werden Zeitungsbogen ausgebreitet— und los geht es mit Pinsel und Farbe, bis das Blumenbrett wieder der schöne Fenstergarten ist,— schön grün mit schwarzen Ecken. Selbstverständlich muß sich auch der Balkon seine alljährliche Veredelung gefallen lassen, mit Hammer, Säge und Farbe, damit er wieder der Urheber häuslicher Zwiste werden kann, wenn der Putz von Kranichs Balkon ausgerechnet in Meiers Morgen- kaffee bröckelt, und Buntes sich beschweren, daß Meiers Blumen- kästen laufen.— Man weiß doch-- 1 junges Srün. Man bleibt vor den Parksträuchern, die wie mit einem duftig zarten Schleier grün bezogen scheinen, stehen. Andere Menschen, die geschäftig eilen, sehen es auch, oerharren— und nehmen dann so eine köstliche Ahnung von dem Erwachen und Werden mit zur Arbeit oder ins Haus. Wenn es schon soweit ist, dann hat sich auch schon das Stammpublikum der Anlagen eingefunden. Es bleibt alle Jahre gleich, nur die Gesichter wechseln. Die tollenden Kinder, die Mütter, die Alten, die müde in die Sonne blinzeln und ihr Schwätzchen holten, und die Gehetzten, die nur Minuten zwischen dem Grün oerpusten können— ach und dann soviel, viel, zuviel Erwerbslose, die vor der Enge ihres Heims und ihrer Lage hierher flüchten. Wenn die Fabriksirenen Mittag pfeifen, dann kommen aus Werk- stätten und Betrieben mit großen Stullenpaketen sonnenhungrig Alte und Junge, um Luft und Freude zu schöpfen. Draußen vor den Toren. Wie eine weiche, tröstende Hand gleitet da draußen, wo Lauben- kolcmien zwischen Schutthügeln liegen und die Stadt in kcchles Bauland oerläuft, die frühe Frühlingssonne über die nackten Lauben- dächer und Stakctzäune, streichest das häßliche Schuttgerümpel, die verbeulten Konservendosen, daß sie noch matt aufleuchten, die zer- drückten, rostzerfressenen Hausgeräte und die Scherben, die sich hier türmen. Nun kommt auch das Leben wieder bis hier heraus, wo ganz leise der Lärm der Stadt in der Luft zerrinnt. Kolonnen rücken an, mit Spaten und Picken, um die Schuttberg« zu ebnen, Fuhrwerke zittern. Ziegel werden abgeladen und zu Blöcken gepackt, es wird abgesteckt und abgemessen,— man will bauen,— die Stadt dehnt sich. Oester und öfter kreischen die Gartentüren im Laubengelände. Auch hier geht es los. Sie kommen nach dem langen Winter, kritisch prüfend, was der Winter ihren Herrlichkeiten angetan hat. Bon Zaun zu Zaun werden die Freundschaften oder Feindschaften vom vergangenen Sommer erneuert, da wird gefragt und gcschimpst und begutachtet— und selbstverständlich gibt es dann erst einmal einen Begrüßungsschoppen in der Kantine. Dann geht's aber los. Zuerst das Wichtigste, die Laube, da sind Risse im Holz, und da haben sich die Mäuse wieder durchgefressen— und der Stall für das Klein- vieh,— und dann der Zaun, und dann— und dann--- es gibt viel zu tun. Bis dann aber doch der eine Sonntag kommt, wo die Sonne es besonders gut meint und die Familien anrücken können mit Sack und Pack, mit Taschen und Bündeln, mit gestopft vollen Leiter- �71 Erneuerung auf dem Balkon. Wägelchen— und meistens mit ihren Hühnern oder Kaninchen, die auf Böden oder in Kellern überwintert haben. Der„erste Kaffee" draußen, das ist die Einleitung für eine Zeit voll Arbeit, Freude,— auch Enttäuschung, in Luft und Licht. Da wird viel beraten und eingeteilt:„Dies Jahr kommen aber die Kartoffeln hierher— und die Bohnen nicht so dicht an den Zaun, und der Kohl muß dahin." Es dauert dann nicht mehr lange, und es blüht und sproßt von neuem. -- dann wird es Frühling in Berlin. Ein alter Berliner Gassenhauer endet so, der das Elend der Losgelösten und Allerärmsten glossiert. Er ist nicht bös gemeint— und darum muß man an ihn denken, wenn man beobachtet, wie mit der steigenden Sonne die Bänke ein Publikum bekommen, das auf ihnen Zuflucht und Ruhe für die Nacht sucht, aus irgendeinem Grunde die städtische Fürsorge scheuend. Wenn schon die Stadt längst rumort, dann hocken sie noch zusammengekauert im tiefen Schlaf in den Anlagen. Der Nachtfrost sitzt ihnen in den Gliedern und wenn sie aufgeschreckt hoch- taumeln und dahintorkeln, möchte man nicht an den Frühling glauben, den auch sie als sichere Boten künden. Staatsordnung— oder nationalistisch-kommunistischer Radau? So lautet das Thema, das der Bundesvorfitzend« des Reichsbanners, Otto Hörsing, in der am Montag, dem 11. April, abends 8 Uhr, im Sportpalast stattfindenden Versammlung des Reichsbanners behandeln wird. Gemeinsam mit Hörsing ergreisen Landtagsabgeordneter Otto N u s ch t e und Reichs- kanzler a. D., M. d R., Dr. Joseph W i r t h, das Wort. Reichsbanner und republikanische Parteien fordern olle Republikaner auf, ge- schloffen an dieser bedeutungsvollen Kundgebung teilzunehmen und damit ein energisches Bekenntnis für die Republik abzulegen. Eintrittskarten zum Preise von 30 Pf. für Unkostendeckung sind bei allen Reichsbannerstellen zu haben. Karten für reserviert« Plätze (zum Preise von I M.) sind in sämtlichen Mosse-Filialen erhältlich. Gif. Das Weib, das den Mord beging. 17s Roman von Arih Reck-Rlallcczewen. Die kleinen violett gefärbten Zellhaufen, die da im ffistkro- skop zu sehen sind, tanzen vor ihren Augen. Da hinter ihr steht der Satan, spielt Klavier auf ihrer armen Seele... sie kann nicht mehr, läßt stöhnend den Kopf fallen. Im Augenblick ist er wieder bei ihr:„Aber was denn nur, meine Liebe? Wir verschwachen? Ja, wir sind wirklich eine kleine Anfängerin, die sich fürchtet vor ihren eigenen Talen. Josephe!" Der Russe erscheint, präsentiert auf den Wink des Obersten Miramon ein alkoholisches Ingredienz, das sie gierig trinkt. Dann verschwindet er wieder. „Weiter also, Madame... wir sind heute abend in Buenos Aires, wir haben keine Zeit zu verlieren!" Mit dem Mute der Verzweiflung, während der andere, der Satan, lässig eine winzige Tasse Kasse trinkt, eine lange Roienholzpfeife anzündet... mit der letzten Verzweiflung weitererzählt. Endlich fertig. Steht da mit hilflosen Händen, die ge- füllt sind von Menschenschuld, wehrlos ausgeliefert dem andern. „Josephe!" Er gibt dem Russen ein paar Anweisungen für das Packen der Koffer, das spätestens um zwölf Uhr be- ginnen muß. Dann fängt er an, in seinen Papieren zu suchen:„Sie sind also fertig, Madame. Ich bin nun orientiert. Ich bin Ihnen sehr dankbar, in Ihrem Interesie... durchaus in Ihrem Interesse. Was Sie anbetrifft, meine Liebe: Sie werden die nächsten Stunden dazu benützen, das hier," er übergibt ihr ein Aktenbündel,„in Ihr geliebtes korrektes Deutsch zu übertragen. Sie werden es aufmerksam studieren, Sie werden die Güte haben, bis drei Uhr nachmittags fertig zu fein damit." Eine Stimme, die so sanft befiehlt, daß Widerspruch töd- lich wäre! „Und nun: wir werden gute Freunde sein. Sie werden vor allem lernen, nicht zu widersprechen! Ich werde die Ehre haben, Sie heute an Land zu bringen." Damit ist die Unterredung zu Ende. Sie ist, als sie ihre Kabine erreicht, so zerprügelt von dieser halben Stunde, daß sie sich schluchzend vor Demütigung und Wut auf ihr Bett wirft und schließlich einschläft. Draußen zieht nun schon der Dunststreif vorüber, unter dem man Montevideo vermuten kann, Wachtschiffe werden sichtba», ab und zu kracht aus der allen Donnerbüchse eines Forts ein Signalschuß los. Und dann erscheint schon der Leuchtturm, der die endlose Bojenreihe des Zufahrtskanals eröffnet, dann überholt die„Manchouria" einen asthmatischen Raddampfer, der mit Vieh beladen den Strom hinankeucht, und dessen halbnackte Mannschaft massive Unanständigkeiten hinaufruft zu den eleganten Damen des Promenadendecks Die kleine Sif aber schläft... Und während die„Manchouria" zu fiebern beginnt in der Unruhe der bevorstehenden Landung, während die Stewards schon die erhaltenen Trinkgelder vergleichen, während Stadtpfarrer Pfleiderer aus Pfullingen seinen Koffer nicht zu- bekommt, im Zwischendeck neben ihrem Krimskrams opti» mistische kleine Galizierinnen herumschnattern und einfach ein Loch in ihre graue Umgebung brennen mit ihren anilinfarbe- nen Kopftüchern, während mit unglaublichen Schauerge- fchichten über die gestrigen Straßenkämpse der Binnenlotse an Bord kommt... ja, da liegt die kleine Sif. träumt in ihrer heißen Kabine den Traum, den sie schon einmal geträumt hat: Weiber in Fesseln werden geführt von Bewaffneten... Be» waffnete ziehen an den Ketten, unter Wehegeheul beginnen die Weiber zu tanzen... Dann aber ist es ein abgrundtiefer, gefunder Schlaf, der bis in die ersten Nachmittagstunden dauert. Und wenn nach dem Fieber der ersten Tage körperlich eine andere Sif auserstanden ist, so ist es vielleicht dieser Schlaf, der zum min» desten für diejen in ihrem Leben einigermaßen bedeutsamen Tag eine mutigere kräftigere Sf erwache� läßt. Das geschieht um ein Uhr nachmittag, als die„Manchou- ria" schon die gelbe Quarantäneflagge hat und oben schon alles durcheinanderläuft in Aufregung und Erwartung. Sie hat noch keinen Federstrich an der Arbeit gemacht, die sie in zwei Stunden abliefern soll... ja, aber was fürchtet sie sich denn eigentlich vor jenem Mann? Er kann sie den Behörden ausliefern, das ist alles.. was aber ist eine Freiheit wert, wenn sie sie verleben muß in der unabänderlichen Gesellschaft der Witwe Grandjean? An den Dämon, den Satan dort drüben die Seele ver- lieren, das ist die Hölle, und von ihr allein hängt es ob, ob sie sich von ihm weiterhin soll oergewaltigen lassen! Während sie es denkt, fällt ihr Blick auf ihren kleinen finnischen Damen- dolch mit dem Birkengriff: ein Spielzeug eigentlich, aber doch scharf und wehrhaft genug, um nötigenfalls einen Nachtalb sich vom Leibe zu halten... Es klopft. Der Russe kommt, um ihre Habseligkeiten zusammenzupacken, streift sie mit einem schmierigen Blick, wagt es, als er das auf dem Tische liegende Toilettenbesteck nehmen will, seine Hand auf ihre Schulter zu legen. „Hund..." Sie fährt auf wie eine Natter, stößt ihn zurück. Die Kreatur duckt sich wie ein geprügelter Hund, grinst unver- schämt, wagt aber nicht, sie auch nur anzuschauen in der nächsten Stunde... Und nun also das Herz in die Hand genommen und tapfer hineingegriffen in die Arbeit, kleine Sif! Sie liest. Ein Fall, wohlberechnet fiir ihre Situation, geschickt ausge- wählt, um ihr ihre Abhängigkeit von dem Manne da vor Augen zu führen: zwei aus Berlin nach irgendeinem miß- lungenen Attentat entkommene politische Desperados, nach Argentinien geflüchtet, von der deutschen Behörde zur Aus- lieferung reklamiert, vom Oberst Miramon begutachtet. Prä- zedenzfall des Bankdefraudanten Dispeter aus dem Jahre 1907. Mei völkerrechtliche mit aller juristischen Dialektik gegeneinander abgewogene Paragraphen. Beschluß: Aus- lieferung an dem und dem Termin, Bedingungen der Ueber- gäbe, formalistischer Kleinkram... Sie ließt es, als sie fertig ist, Wort für Wort noch ein- mal. Damit also soll sie endgültig unter seinen Willen ge- zwungen werden... Quälgeist, Satan... o, es ist der Protest gegen diesen Einschüchterungsversuch, es ist die De- mütigung von vorhin, die dieses kleine Weiberherz nun auf- peitscht zu einem verbissenen, wütenden Widerstand. Und siehe, als sie um die anbefohlene Stunde, als die „Manchouria" schon mit Viertelkraft durch den Kanal gleitet... als sie mit ihren Akten feine Kabine betritt, da kommt ihrem jungen Mute ein neuer Bundesgenosse: sie findet den Oberst Miramon schlafend auf dem Bette, der Oberst schnarcht, so unnatürlich laut schnarcht er, daß er den Gang der Maschinen unten übertönt, daß die noch immer auf dem Tisch herumstehenden Gläser leise klirren. Und nun schleicht sie vorsichtig näher, sieht, daß der Mensch da auf eine unheimliche Weise verändert ist, daß das Antlitz, auf dem nun grünlich-weiße Bartstoppeln erschienen sind, sich verwan- delt hat in eine hilflose Greisenfratze, daß aus den hängen- den Mundwinkeln einiger Speichel tropft.— tFortsetzung folgt.) »Serttner �ugenöpflege und-Zürforge/ Eine Jugendwohlfahrtskonferenz. Freitag abend fand im Saal 109 des Berliner Rathauses eine Iugendwohlfahrtskonferenz statt, an der die in der Jugendwohlfahrt tätigen Genossen und Genossinnen der Stadtver- ordnetensraktion, der Bezirksämter und der Bezirksoerordnetensrak- tionen sowie die parteigenössischen Jugenüpsleger und die Vertreter der SAI. teilnahmen. Nach Eröffmingsworten des Genossen R rille hielt Genossin Klara W e y l ein kurzes einleitendes Referat. Die Etatlage, so sagte sie, ist leider nicht besser, sondern schlechter geworden. Bei der Kinderoerschickung ist man dabei, die Einzelpslegestellen ab- zubauen. Denn der Bauer ist heute egoistischer, als noch vor wenigen Iahren. Es entfallen von rund(30 000 verschickten Kindern 35 000 auf Heime, 18 000 auf Verwandte und nur 6000 bis 7000 auf Einzelpslegestellen. Leider macht sich eine Schmutzkonkurrenz geltend: Während Verlin nur 6 höchstens 8 Wochen oerschickt, verschicken andere Städte für Z bis 4 Monate. Was die Sorge für die erwerbs- lose Jugend betrifft, so sind Mittel vorhanden. Man soll die Heim« für die Kurse so einrichten, daß sie später für die gesamte Jugend behalten werden können. Genosse Schneider- Neukölln wies in der Diskussion auf die Notwendigkeit der Errichtung weiterer städti- scher Kindergärten und Kinderhorte hin. Das messt« Geld hat die Stadt heute für private Heinie übrig, in denen ein religiöser Zwang ausgeübt wird. Genossin Todenhagen teilte mit, daß sich die privaten Heime als Lohndrücker erwiesen, indem st« die vom Ma- gistrat als Zuschuß überwiesenen 70 Proz. auf olle Angestellten verteilen, statt sie jedem ganz auszuzahlen. Da muß es heißen: Lohnlisten vorlegen, und stimmen sie nicht, dann kriegt ihr nichts! Bei den Einzelpslegestellen aus dem Lande muh mehr aufgepaßt werden, um die Kinder vor Ausbeutung zu schützen. Genossin W e y l erklärte die Sache mit den 70 Proz. für glatten Betrug. In der Frage der Kindergärten haben leider auch viele Parteigenossen noch törichte Ansichten. Auf dem Lande stehen Pfarrer, Lehrer und Bauern zusammen. Genosse Kreutz! er beleuchtete die Notwendig- kest, Heime für psnchopathische Kinder zu schassen. Eine enge Ver- bindung zwischen Zentrale und Bezirken tut not, um«in Programm aufzustellen und das Notwendige durchzudrücken. Genosse Sturm» Lichtenberg tadelte, daß die Ueberschüsse der letzten Turn- und Sport- woche durch Oberbürgermeister Böß nur den westlichen Bezirken zu- gewiesen worden wären. Genossin Todenhagen gab ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß die Schmutzkonkurrenz in der Kinder- Verschickung in der Presse behandelt werden müsse. Ueber das große Heimprojekt Heiligendamm sagte Genossin Weyl, daß der Plan an starken Widerständen gescheitert sei. Jetzt aber sollen mehrere Projekte vorgelegt werden. Genosse Dr. R o e d e r freute sich, hier als Stadtarzt so viel gelernt zu haben. Genosse Grün erklärte, daß die Arbeitersportler bei der Turn- und Sportwoch« keine Lor- beeren ernten könnten. Arbeitersport und bürgerlicher Sport sind einander diametral entgegengesetzt. Der Arbeitersport will kein» Spitzenleistungen. Genosse Schneider- Neukölln unterstreicht Kreutziers Forderung nach einem gemeinsamen Programm. Genosse K rille erklärt sich sehr«inverstanden, vorausgesetzt, daß kein Mund gezogen würde, wenn einmal etwas abgelehnt werden müsse. Genosse G r o ß m a n n verlangte mehr Jugendheime. Schulklassen sind keine Iugendheimel Die Lchrlingsfrage, wo es schlimm aus- sähe, behandelte Genossin Dietrich. Nottut ein modenies Heim für gefährdete Mädchen! Genosse L o e s ch e wies darauf hin, daß die Heime auch wirklich gemütlich eingerichtet fein müssen. Genosse Hesse bedauerte, daß die Arbeitersportler in der letzten Zeit doch mehr und mehr dem Spitzen- und Kanonenfimmel erliegen. Eine neue Spiel- und Sportwoche ist abzulehnen. Wieder Explosion in einer Wohnung. Vier Personen verletzt.— Ein Haus in Einsturzgefahr. Ein Rechtsanwalt wegen Untreue verurteilt. Sechs Monate Gefängnis. Seit etwa drei Wochen wurde vor dem Erweiterten Schöffen- gericht Wedding eine Anklage gegen ein Mitglied der Berliner Rechtsanmaltschast, Dr. Wetzel, verhandelt. Am Sonnabend nach- mittag wurde von Landgerichtsdirektor Krüger da» llrtell verkündet. Danach wurde Rechtsanwalt Dr. Wetzel wegen fortgesetzter Untreu« uno fortgesetzter vorsätzlicher verbotswidriger Ausfuhr zu sechs Monaten Gefängnis, 700 000 M. Geldstrafe oder im Nicht- beilreibungsfalle zu weiteren sieben Monaten Gefängnis, sowie zu 370 000 M. Wertersatz oerurteilt. Von der Anklage der schweren Urkundenfälschung(Fälschung von Ausfuhrscheinen) wurde der An- geklagte trotz dringenden Verdachts mangels Beweises freigesprochen. Nach den Urteilsqründen handelt es sich in der Hauptsache um die Ausfuhr von Inlandsschrott, während die Ausfuhr- bewilligung auf Auslandsschrott lautete und auch für eine andere Firma ausgestellt worden war. Der Angeklagte, der zeitweise im Reichsmirtschaftsministerium Referent und später Regierungsrat im Reichsernährungsministerium gewesen war, trat dann In die Berliner Rechtsanwaltschaft ein und beteiligte sich an Industrieunter- nehmungen. Nachdem er dem Vorstand der„Eisenchemie" angehört hotte, gründete er die Berliner Eisenhandelsgesellschaft(Behag), der auch sein Bruder im Auffichtsrat angehörte. Er selbst war Vorstand. Die Gesellschaft hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens von nur wenigen Monaten sehr erhebliche Exportgeschäfte gemocht. Es er- folgten Abschlüsse über die Lieferung von annähernd 7000 Tonnen Schrott.' Die Gesellschaft geriet in Schwierigkeiten, als im September eine große Zahl von Waggons beschlagnahmt wurde. Es erfolgte dann auch bald daraus der Konturs. Das Gericht hat den Eindruck gewonnen, daß die Gesellschaft von dem Berliner Rechtsanwalt nur gegründet worden ist, um die Ausfuhrscheine, die er sich zu ver- schaffen gewußt hatte, zu oerwenden. Die Ausfuhrgeschäste konnten aber nur auf unreellem Wege geschehen. Die samt« lichen Ausfuhrbewilligungen sind nicht für die„Behag" erlangt worden, sondern für«ii.e andere Firma, die nicht etwa, wie der An- geklagt« es darzustellen suchte, mit der„Behag" in enger Verbindung stand. Es liegt hier also eine unzulässige llebertragung vor, außerdem ober auch eine unerlaubte Ausfuhr von Schrott, denn es wurde gegen die Bestimmungen der Ausfuhr- In dem Hause wanzlitstraße 6 zu Reukällu ereignete sich gestern abend gegen X9 Uhr eine folgenschwere Benzin- explosion— die zweite am gestrigen Tage. Der Inhaber der von der Explosion betrofsenen Wohnung, der Arbeiter Paul Garbe, dessen Zkjährige Frau Agnes und die beiden 17 und Jahre alten Söhne Horst und Paul wurden durch Brandwunden zum Teil schwer verletzt. In der vierten Etage des Vorderhauses Wanzlitstraße 8 hat die aus vier Köpfen bestehende Familie des Arbeiters G. eine Zweizimmerwohnung. Gestern abend gegen%9 Uhr war der 17jährige Horst, während die Eltern in der Wohnstube weilten, in der Küche mit dem Reinigen eines Anzuges beschäftigt, wozu er Benzin verwandt«. Der junge Mann goß den Inhalt einer Flasche in eine Schüssel, die dicht neben dem Gaskocher stand, auf dem eine Flamme brannte. Es müssen sich Dämpfe entwickelt haben, die durch die Gasflamme zur Entzündung gebracht wurden Plötzlich fand eine Erplvsion statt. Sämtliche Wohuungswände stürzten ein. Die Fensterkreuze und die Möbel wurden zum Teil in hohem Bogen aus die andere Straßenseite geschleudert. Nicht nur in der Wohnung G.'s. sondern auch in der anstoßenden Wohnung wurde durch den starken Luftdruck eineWandzumEin stürz gebrocht. Di« Decke der dritten Etage stürzte ein. Glücklicherweise kam hier niemand zu Schaden. Die Explosion, die das Hau» in seinen Grundfesten erschütterte, richtete zunächst unter den Haus- bewohnen, eine heillose Verwirrung an. Auf die Hilferufe der in der Wohnung eingeschlossenen Verletzten wurde die Feuerwehr alarmiert, die mit mehreren Löschzügen an der Unglücksstätte erschien. Unter größten Vorsichtsmaßnahmen drangen die Feuer- wehrbeamten in die zerstörte Wohnung ein, da befürchtet werden mußte, daß die beschädigte Decke jeden Augenblick völlig einstürzen würde. E, gelang, alle vier Personen zu bergen. Sie wurden durch die Feuerwehr m das Urbankrankenhaus gebracht, wo außer dem Ehemann, der nach Anlegung von Notverbänden wieder ent- lassen werden konnte, die Frau und die beiden Kinder de- denklichdorniederliegen. Bei den Ausräumungsarbeiten durch die Feuerwehr stellte sich heraus, daß der Schaden und eine weitere Einsturzgefahr größer war, als zuerst angenommen wurde. Die Außenmauern des Hauses wiesen st a r k e Risse aus, so daß, um einen gefahr- drohenden Einsturz zu oerhindern, umfangreiche Bersteisungen vorgenommen werden mußten. Die Feuerwehr war bis in die späten Nachtstunden hinein mit einem großen Aufgebot von Beamten an der Unfallstelle tätig. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß außer der Benzinexplosion vielleicht noch andere Umstände mitgewirkt haben. E» ist sehr wahrscheinlich, daß das Gasrohr aufgerissen wurde, so daß große Mengen Gas entströmen konnten, die das Unglück erhöhten. Wegen der Einsturzgefahr mußten mehrere Woh- I nungen auf polizeiliche Anordnung hin geräuint werden. bewilligung verstoßen. Dies« lauteten nur auf die Ausfuhr von Auslandsschrott. Es ist aber, wie der Angeklagte zugegeben hat. lediglich Inlondsschrvtt ausgeführt worden. Bei 40 Waggons ist es beim Versuch geblieben. Das Gericht erklärt« weiterhin den Ver- steigerungserlös von 18 beschlagnahmten Waggon» in Höhe von etwa 73 000 M. für oerfallen._ Mitgegangen- Mitgehangen. Schwerverbrecher und Kriminalbeamte. Da» Schöffengericht Mitte hatte sich setzt zum zweiten Mal« mit der S e l b st b« z i ch t i g u n g de» in Deutschland wegen Münz. verbrechen» mit längerer Gefängnisstrafe und in Wien ebenfalls schwer vorbestraften Kaufmanns Max Bruckner zu beschästigen. Bruckner beschuldigte sich selbst der Beamtenbestechung und der An- stistung zu Amtsoerbrechen, um sein« Rache an der Kriminalpolizei zu üben. Schon vor einiger Zeit hatte er stch mit den Beamten eines Polizeireviers zusammen wegen einer ähnlichen Selbstbezichtigung zu verantworten. Es erfolgte damals aber, da die Belastung durch Bruckner allein dem Gericht nicht ausreichend erschien, die Frei- sprechung. Diesmal sind mit Bruckner die Kriminalasststenten Hell- muth und Thaermonn angeklagt. Beide Beamte sind auch in einem gewissen Umfang geständig. Die Triebfeder für Bruckner scheint zu sein, daß er die Auslieferung nach Wien durch diese An- zeigen gegen stch selbst aufschieben will, indem er hofst, In- zwischen aus der deutschen Strafhast auf Grund seiner Tuberkulose entlassen zu werde». Mit den beiden Beamten stand Bruckner zu verschiedenen Zeiten in Berbindung. Nach seinen Angaben hat H. ihm gegen Geldzuwendungen ständig Mitteilung über vi« gegen ihn chwebenden Strafverfahren und die fünf Steckbriefe gemacht. Er oll ihm auch in Gegenwart der Tänzerin Vala, der Braut Bs., in >essen Wohnung am Kurfürstendamm aus Wunsch die Personalakten eines Taschendiebes G'.ittmann zur Einsicht gebracht haben. Später äußerte Bruckner den Wunsch, daß sein Bild aus dem Ber- brecherolbum entfernt werde. H., der seine Beziehungen zu dem Schweroerbrecher Bruckner zugab, behauptete, daß er lediglich dem B. die R e ch e r ch e n k a r t e mit dem Lichtbild nur gezeigt, aber sie nicht vernichtet habe. Die Beziehungen Bruckners zu dem zweiten Angeklagten, Kriminalassistent Th., liegen auf einem anderen Gebiet. Nach der Bezichtigung Bruckners hat dieser Ange- klagt« mit ihm im Jahre 1923 bei der Beschlagnahme von Devisen halbpart gemocht. In Cafös, die als Schieberzentralen damals be- kannt waren, saß Th. am Rebenttsch, während B. mit Schiebern und Ausländern wegen des Ankaufes von Dollar und Pfunden ver- handelte. Sobald Bruckner die Devisen in der Hand hatte, schritt Th. auf ein Zeichen von Bruckner als Kriminalbeamter ein und verhaftete Käufer und Verkäufer. Hinterher wurde zwischen Bruckner und Thaermonn die Beute geteilt. So behauptete Bruckner. Th. wollte nur einen Fall zugeben und will es auch hierbei nur auf eine Belohnung für die Beschlagnahme von Devisen abgesehen hoben. Das Schöffen- gericht verurteilte die Kriminalbeamten Hellmuth zu 10 Monaten und Thaermonn zu 9 Monaten sowie Bruckner zu 1 Jahr Gefängnis Ein Beschluß über Bewährungsfrist für die verurteil- ten Beamten wurde vorbehalten. Der Morö an Zrieöa fihrenöt. Cin Oberschenkel gefunden, aber wieder verloren. Von der zerstückelten Leiche des Hausmädchens Frieda Ahrendt fehlten bisher immer noch der Kopf, der Unterkörper und die beiden Oberschenkel. Heute vormittag sah nun einer der Schiffer, die mit ihren Fahrzeugen zwischen der Eberts- und Fried- richsbrück« am Kaiser-Friedrich-Museum auf der Spree liegen,«in Paket an seinem Kahn entlongtreiben. Er fischte es heraus und rief seinen Schiffsjungen mit einem Eimer herbei, in dem er es vorläufig bergen wollte. Während er dabei war. löste sich die Verschnürung, die Papierhllll« ging auseinander und der Inhalt fiel In den Eimer hin-in. Es war ein Oberschenkel. Der Schiffs- junge, den das kalte Bein beim Herousgleiten an den Händen berührte,, ließ vor Schreck den mit einem Cell versehenen Schöpf- cimer fallen, so daß er über Bord ins Wasser sank. Als man ihn hochzog, war der Oberschenkel verschwunden. Er war aus dem Cimer wieder herousgeglitten und untergegangen. Die Papierhülle und die Schnur, die allein in den Händen des Schiffers blieben, st i m m e n genau mit der Verpackung üverein, in der sich auch die anderen bereits aufgefundenen Leichenteile befanden. Es ist wieder hellbraunes gekrepptes Packpapier und eine roh geflochtene Schnur mit vielen Knoten. Ohne Zweifel handelt es sich um einen Ober- schenkel der Ahrendt. Der Reichswasserschutz suchte sofort nach dem wieder verloren gegangenen Funde, bis jetzt aber noch ohne Erfolg. Mitteilungen über etwaige weitere Spuren nimmt die Mord- kommission Dr. Wöchter-Pippo im Zimmer 52 des Polizeiprästdiums entgegen. Die Unterschenkel, die Arme und die Füße wurden, wie seinerzeit mitgeteilt, in der Grunewaldstraße, am Schöneberger Ufer und in der Winterfeldtstraße gesunden. Jetzt scheint der unbekannte Verbrecher wieder dazu übergegangen zu sein, was er noch besitzt, ins Wasser zu werfen.__ Das Urteil im Marek-Prozeß. Vier Monate schweren Kerkers für Marek, drei Monate für seine Frau- Men, 9. April.(WTB.) Roch zweiwöchiger Verhandlunng, die reich an dramatischen Zwischenfällen war, wurde heute das Urteil im Marek-Prozeß gefällt. EmilMarek.der ebenso wie seine Frau des Versicherungsbetruges und der Verleitung zur falschen Zeugenaussage angeklagt war, wurde wegen Verleitung zu vier INovalcn schweren kerkere. seine Frau Wartha ebenfalls wegen Verteilung zu drei Wonalen schweren Kerkers verurleilt. Don den übrigen Anklagepunktcn wurden beide freigesprochen. Die Schwester der Frau Marek, Paula Löwen st ein, wurde zu drei Monaten strengem Arrest, bedingt mit zweijähriger Bewährungsfrist, der Spitaldiener Karl Mraz zu sechs Wochen schweren Kerkers verurteilt. Frau Mraz wurde freige sprachen. Dv. ungefähr vier Monate betragende Untersuchungshaft wird angerechnet. Die Angeklagten im Marek-Prozeß wurden sämtlich auf freien Fuß gesetzt, da die Untersuchungshaft bei allen aus die Strafe angerechnet wurde. In der Urteils- begründung heißt es u. a.: Das Gericht betrachtet es zwar als erwiesen, doß das Bein auf einer Unterlage aufgelegen ist, ist aber nach Erklärung der Sachverständigen der Ansicht, daß Un- erfahrenheit und Zufall einen solchen Unfall herbeiführen konnten und ist der Ueberzeugung, daß Marek den Unfall sicherlich nicht absichtlich herbeigeführt hat. Aehnliche Gründe sprachen auch für Frau Marek._ Starker Reiseverkehr Amerika— Deutschland. Wie wir aus New Port erfahren, ist es dort fa st unmöglich, für den Sommer noch irgendeinen Platz zur Reise nach Europa zu bekommen. Sämtlich« Transatlantikssnien, ein- schließlich der deutschen Schifsahrtsgesellichasten, sind bis auf ganz wenige Kajüten erster Klasse aus einzelnen Schiffen, restlos aus- verkauft, und für jedes Schiff sind darüber hinaus zahlreiche Bor- mertungen gebucht worden, falls doch noch durch Absagen Plätze ver- sügbar werden. Verschiedene Gesellschaften haben sich daher ver- anlaßt gesehen, auch solche Schisse für den Nordatlantikverkehr im Sommer 1927 einzusetzen, die gewöhnlich auf anderen Routen ver- kehren. Die Nachfrage nach Kabinen aus Publikumskreisen war in diesem Jahre nicht nur viel größer als in den letzten Iahren, sie war auch deswegen schwieriger zu befriedigen, weil die Zahl der durch die großen Reisebureous veranstaiieten Gesellschofts- reisen nach Europa ständig im Wachsen begriffen ist, so daß von dieser Seite aus schon frühzeitig große Reservationen an Schiffs- platzen um die Jahreswende getätigt wurden. Idyllische wellabgcschiedenhsik. Eine zu Rußland gehörige Insel in der Beringüraße zwischen Sibirien und Alaska ist jetzt nach 15 Iahren zum erstenmal wieder von einem Schiff angelaufen worden. Die Bewohner der Insel haben dadurch d I e erste Kunde von dem Weltkrieg und seinen Folgen er- halten. Auch von den Vorgängen in Rußland, dem Schicksal de» Zaren und der jetzigen Staatsform hatten sie keinerlei Kenntnis. Oberbett 9 fertia. grau-KtJnlett ' mit grauen Federn, 50 grau mt Kante, Od Oberbettbezug, ctanU* � 3 stark- fädiger Wäschestoff, cad20x200. 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Der Magistrat wird auch diesen drei Angeboten näher treten und wird prüfen, inwieweit sie zur Grundlage für Verhandlungen ge- macht werden können. Nach den bisherigen Ergebnissen der Ber- Handlung liegen die Fristen, in denen die Wohnungen in den Besitz der Stadt übergehen sollen, zwischen IS und 28 Jahren, ein end- gültiger Dorschlag ist aber bisher noch nicht gemacht worden. Rechtsanwalt von eigenen Gnaden. Sein Arbeitgeber war mit ihm zufrieden. Der Angeklagte will Ebert heißen, aber alles ist an diesem Menschen zweifelhast, sein Geburtsjahr, sein Geburtsort, ja, selbst sein Name. Bald ist er verheiratet, bald ledig, bald Hot er zwei, bald Hai er sechs Kinder. Das einzige, was unzweifelhaft richtig, ist sein Strofregister: seine Fingerabdrücke liesern hier den un- trüglichen Beweis, daß er und niemand anders die sechs Vorstrafen wegen Urkundenfälschung, Betrug, Amtsanmaßung und dergleichen mehr Himer sich hat. Als er sich in Berlin bei einer Firma um Stellung bewarb, hieß es in seinem Lebenslauf, er habe in Heidelberg und München studiert und sei in Breslau zum Dr. jur. promoviert. Seit 1911 sei er Rechtsanwalt, dann Hauptmann der Reserve im Kriege gewesen: im Jahre 1922 aus der russischen Gesangenschaft zurück- gekehrt und al» Syndikus beschäftigt gewesen. Dieses Bewerbung»- schreiben Ist die Niederschrift eines Wunschtroumes. Und die Wirt- lichkeit? Bor Gericht zeigte sie folgendes Gesicht: In Grünberg geboren und daselbst die Vollsjchule besucht, bis zum 13. Lebens- jähr Schreiber, 14 Jahre beim Militär als Zahlmeister, dann bei der Domänen- und Forstverwalwng der Regierung in Palm und bei der Gerichtsschreiberet des Landgerichts Posen beschäftigt, zwischendurch nervenkrank. Im Jahre 1914 die erste Strafe wegen Urkundenfälschung. Was hat ihn diesmal vor das Schöffengericht Wcdding geführt? Die Anklag« lautet auf Er- Pressung, Amtsanmaßung, intellektuelle Ur- kundenfälschung. Der Berus des Anwalt» hatte es ihm an- getan. Er legt« sich sogar ein Schild zu, vertrat Interessen ver- schiedener Leute, trat auch im Gericht auf. Das Schicksal ereilte ihn aber, als er in einer befreundeten Familie den Freier spielen wollte. Man schöpfte hier Berdacht. daß er weder Rechtsanwalt noch Doktor sei. Man forschte noch. Die Folge war ein Brief an die Anwalts- kammer, die Strafanzeige erstattete. So erschien er wieder einmal vor feinen Richtern. Das Eigentümlichste war aber, daß fein Arbeit- geber, bei dem er ein halbe» Jahr lang Mahnungen und ähnliche kleine juristisch« Sachen zu bearbeiten hatte, ihm nicht nur ein vor. züglicha» Zeugnis ausstellte, sondern sich sogar bereit erklärte, ihn wieder zu sich zu nehmen. Die Sachverständigen Professor Strauch und Dr. Bürger erklärten den Angeklagten für einen schweren Hysteriker, dem kein Wort zu glauben sei: er lüge aus purer Lust am fabulieren. Rechtsanwalt Dr. Frey, der sich für seinen i. I .Kollegen' sehr warm in, Zeug legt«, meint«, daß«r einen derartig uneigennützigen.Anwalt' noch nie aettoffen habe. Eine Strafe von drei Monaten Gefängnis— der Staatsanwalt hatte 8 Monate beantragt— dürste genügen. Da» Gericht ertonnte aus S Monate eine Woche Gefängnis unter Anrechnung von 10 Wochen Unter- suchungshaft. Er wurde auch sofort aus der Hast entlassen. Krieg üen fliegen! „Gefundheitswoche" auf dem Lande. Der Reichsausschuß für hygienische Boltsbe- lehrung plant für diesen Sommer eine hauptsächlich an die Landbevölkerung sich richtende Beranstal- t u n g, ähnlich der Gesundheitswoche, die im vorigen Jahr in den Städten veranstaltet wurde. Man will die Bewohner der Dörfer und der Kleinstädte eindringlich aus die Fliegenplage hinweisen, die mehr als nur eine Plage ist und zu einer Quelle der Gefahr für die Gesundheit werden kann. Merkblätter, Vorträge, Filme sollen in den Dienst dieses Fliegen- feldzuges gestellt werden, der in der zweiten Hälfte des Juni statt- finden wird. Schulen. Presse und Rundfunk sollen dabei mitwirken. Diese Gesundheitswoche wird die Bevölkerung ländlicher Gebiete belehren, daß die Fliegenplage, die als unvermeidliche Begleit- erscheinung der Liehzucht gilt, durch geeignete Borkeh- rungen«ingedämmt werden kann. Sie muß eingedämmt werden, weil die Fliegen durch Uebertragung von Krank- heiten gefährlich sind. Bei diesem Fliegenseldzug wird sich auch Gelegenheit bieten, Aufklärung zu verbreiten über hygienisch einwandfrei« Einrichtung und Behandlung der Ställe, der Dungstätten, der Aborte, ob« auch über die Hygiene der Wohnungen und der Rahrungs- mittel, besonder» der Milch. In einer Konferenz, die vom Reichsausschuß für Volksbelehrung zur Besprechung de» Planes einberufen worden war, sagten Vertreter einer Reihe von Oraani- sationen, die der Gesundheitspflege dienen, Unterstützung zu. Auch ein Vertret« des Hauptverbande» deutscher Krankenkassen äußerte sich zustimmend. Ein Fliegenseldzug wäre übrigens selbst für Berlin nicht ganz unnötig, denn auch hier gibt es in den Außenbezirken noch viel« Biehhaltungen und Gewerbebetriebe, die manchmal der Nachbarschaft sich durch ein« Fliegenplage sehr un- angenehm bemerkbar machen._ Nicht mtc Beratung, sondern auch Behandlung! Eine Derfammtung der Arbeitsgemeinschaft sozial- demokratischer Aerzt« beschäftigte sich dieser Tag« mit den Aufgaben der städtischen Fürsorg« st eilen. Genosse Geheimrat R a b e n o w, der als Schöpfer wichtiger Zweige der Fürsorge in Schöneberg zu einem Urteile besonder» berufen ist, er- örterte die für die raisuchend« BeoSlketung entscheidende Frage, ob m den Fürsorgestellen über die dort gewährt« Beratung und Betreuung der Kranken und Stellung der Krankheitsdiagnose hinaus Behandlung aefrieben werden dürfe. 21m Mittwoch, den 6. April, hatten in d» Sitzung der Medizinischen Gesellschaft durch dos rigoros« Vorgehen de» Vor- fitzenden sowohl unsere Genossen wie auch verschiedene bürg«. liche Kommunalärzie da» Wort zu diesem Thema nicht nehmen können, um ihren Standpunkt, daß auch ärztliche Behandlung un- bedingt gewährt werden müsse, zum Ausdruck zu bringen. Es ge> langte folgende Resolution zur Annahme:„2>i« Arbeitsgemeinschöst sozialdemokratischer Aerzte spricht ihr tiefstes Bedauern aus, daß der Vorsitzende der Berliner Medizinischen Gesellschaft unter Zustimmung eines großen Teils ihrer Mitglieder die freie Aussprache über die Aufgaben der Fürsorgestellen unterbunden hat. Gerode die Berliner Medizinisch« Gejelljchast als eine wissenfchastliche Gesellschaft hätte die Pflicht, die Belange der Bolksgesundbeit zu fördern ohne Rück- ficht aus die wirtschaftlichen Interessen der Aerzte." ---' Die nette Btratzenb«hnverb indnng mit Spandau. Die Arbeiten an der neuen StraßenbahnNnie Reichskanzler- p 1 a tz— Heerstraße— Spandau— H a k e n f e 1 d e sind soweit fortge- schritten, daß die neue Straßenbahnlinie bereits am Mittwoch, 13. April, eröffnet werden wird. Die Linie 7 6 wird von diesem Zeitpunkt an sinngemäß über die Heerstraße— Pichelsdorf nach Spandau— Hakenfelde verlängert. Die Wagen werden in der Regel viertelstündlich verkehren. Der gleichzeitig geschaffene Anschluß für das Stadion und die Rennbahn Grunewald wird nur bei Bedarf in Betrieb genommen werden. Diese neue Straßenbahnverbindung im Zuge der Heerstraße stellt ein« wesentlich« Verkehrsverbesserung gerade in diesem als Wohnviertel immer beliebter werdenden Teil Berlins dar und wird während der Osterfeiertage bereits auch ihre Bedeutung für den westlichen Ausslugsverkehr erweisen. Motorbootstationen am Landwehrkanal. Der Landwehrkanal wird nunmehr, nachdem verschiedene Pläne immer wieder gescheitert waren, mit Beginn dieses Frühjahres dem Personenschifssverkehr erschlossen werden, und zwar ist der Verkehr mit größeren Motorbooten einer an der Oberspree an- säsiigen Reederei noch den bekannten Ausslugsorten an den Wasser- straßen im Osten und Westen Berlins vorgesehen. Zu diesem Zweck sind an der Kottbuser� Belle-AMance-, Potsdamer und Charlotten- burger Brücke dieser Tage Anlegestellen geschaffen worden. hufeland-hospitai. Das Friedrich. Wilhelm- Hospi- t a 1 an der Ecke der Prenzlauer Allee und der Fröbelstraße soll künftig Huseland-Hospital heißen. So hat, einer Anregung des Be- zirksamtes Prenzlauer Berg folgend, d« Magistrat beschlossen. Die Aenderung ist nötig geworden, weil das Friedrich-Wilhelm-Hospital in der Fröbelstraße oft mit dem Friedrich-Wilhelm-Hospital in der Palisadenstraße verwechselt wurde. H u f« I a n d war ein berühm- ter Arzt, der von 1762 bis 1836 lebte. In Berlin hatte er an der Charitä den Posten eines ersten Arztes und später an der Universität «ine Professur. Von seinen Schriften ist wohl am bekanntesten seine„Makrobiotik oder die Kunst, dos menschlich« Leben zu ver- längern". Arbett«-Radloklub. Die Gruppe Friedrichshain veranstaltet heute, Sonntag, im Lokal Friedenstr. 61 eine Bastelausstellung. Zahlreicher Besuch erbeten! Bezirk» l»ildung»au«Ichus> Groß-Berlla. NZ-tsste Theatervorsiellung am Sonntag, htm 17. April(Ostersonntag), nachmittag» 8 Uhr, iw Theater der vollSbühne am valowplah. Zur AussüHrunz gelangt.Faust', der Tragödie erster Teil, von Goethe. Preis der Karte einschliestllch Theater. »etlel und Garderobe 1,20 M. Karten find in allen bekannten Verkaufs» stellen zu haben. vi« pädagogisch« und Mnstlerisch« Ausstellung in der Ansbau» schul« des Kailer-Friedrich-RealgymnastumS. Neukölln, Kaifer-Friedrich- Straße, ist am Sonntag von 11— 1 Uhr, am Montag und Donnerstag nächster Woche von 3— S Uhr geöffnet. «elchsb»»» bei»eleg-belchSdlgten, Rriegsteilnehmer und»rlegerhinter. bliebe»««. Bezirl Lichtenberg: Miiglirderversammlung Dienstag, 12. April, 7� Uhr, im gecilien-Lyzeum, Rathausstr. 8, Urwahl der Delegierten zum vunbestag. Vortrag des Kameraden Gustav Schwarz llbrr:«Dir Einstellung der Kriegsopfer zur Staaisform und zum Frledcnsgedankcn. WeNerberlchk der öffenillchr« wrttrrdicnststrllr für Srrlln»nd Umgegend (Nachdr. vrrb.). Ziemlich bester, ohne nennenswerte Regenlölle. Temverg- luren am Tage etwaS höher.— Zilr Dcniscbland! Siidraelldeubchland stärlerc Bewölkung und strichweise leichte Regensöllc. Im iibrlgen Dculsch- land ziemlich heiter. Temperaturen durchschnittlich etwaS höher. »dergibt man nur dem Na-bmei» des IBI B»B»H iBlltfSrmIlläll D-lllfch-n Mufikeroerbandrs, Brrlin.»om- BSBa«»ZJ» B UBdäS� 63,r>t Dönhoff 8277-7». ▼IvllVIllllll»vlIH V«eschäftszelt S-b, Sonntage 10-2 Uhr. Wunsch: Vertrelerbejuch. »■—«»1»»!—»■ WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. 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Der in einer stattliche» Broschüre vor- liegend« Geschäftsbericht umfaßt mit Rücksicht auf die geänderte Geschäftszeit den Zeitraum vom 1. April 1925 bis zum Dezember 1926. In einem Rückblick sind in großen Zügen die Arbeiten des Bezirksoerbondes zusammengefaßt. Als im April 1925 Hindenburg an Stelle des verstorbenen Genossen(Eberl zum Reichspräsidenten gewählt wurde, gab es in der Partei nur eine Meinung: Den Kampf ausnehmen! Dazu gab es in der nachfolgenden Zeit reichlich Gelegenheit. Die neu« Z o l l o o r l a g e, um die im Reichstag gekämpft wurde, und die das Werk der Regierung Luther- Schlieben- Neuhaus- Könitz- Schiele war gesellte zu dem ungeheuer- lichen Lohn- und Steuerdruck die Belastung der großen Massen der werktätigen Bevölkerung mit dem B r o t w u ch e r. In unzähligen Flugblkittern und Protestoersammlungen wurde von der Partei Auf- klärung in die Bevölkerung getragen. Die ganze(Empörung der breiten Massen zeigte am augenfälligsten die von Partei und Gswert- schatten vertwstaltete große Demo» st ratio» im Lu st garten im Juli 1925, die bei ganz hervorragender Beteiligung einen außer- ordentlich eindrucksvollen Verlauf nahm. Nur auf die Regierung und auf di« bürgerblöcklerische Mehrheit im Reichstag machten die Proteste der Bevölkerung keinen Eindruck. Sie entschied im Sinne der neuen Zolloorlage. Es folgte der große Betrug an den Sparern, Anleihezeichnern und Hypothekengläubigern, kurz an den Kriegs- und Jnflationsenteigneten. Im Reichstagswahlkampf halt« gerade die Aufwertungsfrage eine außerordentliche Rolle gespielt; mit ihrem hundertprozentigen Auswertungsversprechen hatten es die Deutschnationalen verstanden, große Teile der Wähler- schast aus den Kreisen des völlig verarmten Mittelstandes für sich zu gewinnen. Bei den ersten Verhandlungen im Reichstag war es allein die Sozialdemokratie, di« in zähem, monatelangem Kampfe den Gläubigern und Sparern zu ihrem Rechte zu verhelfen bestrebt war. Obwohl von einer Besserung de» deutschen Wirtschaftsleben» Ende 1925, als die Reichsregierung Luther abtreten mußte, nichts zu spüren war, wurde Luther noch einmal mit der Bildung eines neuen Kabinetts betraut. Im Januar des folgenden Jahres gab die neue Regierung in bezug auf die zu beobachtende Außenpolitik Erklärungen ab, die die sozialdemokratische Fraktion veranlaßten, durch Stimmenthaltung dem neuen Kabinett die Existenz zu ermöglichen. Sein« Einstellung zu den brennendsten innerpolitischen Fragen genügten allerdings den bescheidensten An- sprächen nicht. Di« neue Luther-Regierung stolperte bereits Anfang Mai über den sogenannten Flaggen- Erlaß infolge eines von den Sozialdemokraten eingebrachten Mißtrauen, ontrages. Das nun folgende Kabinett Marx führt« die Geschäfte mit wechselnden Mehrheiten, wobei die sozialdemokratische Fraktion eine abwartende Stellung einnahm und das Kabinett fast nur in der Außenpolitik unterstützte. Im Verlauf des Jahres steigert« sich jedoch der Einfluß reaktionärer Kräfte zusehends. Die Vorgänge in der Reichswehr gaben Anlaß zu scharfen Angriffen auf den Reichswehrminister, und als tue Volkspartei wieder einmal die Frage der Großen Koalition in den Vordergrund rückte, oerlangte unsere Fraktion eine klare Enffcheidung, wobei schließlich der Regierung Marx das V e r» trauen entzogen wurde. So war am Jahresende 1926 die Reichspolitik wieder einmal direktionslos und erst nach langen Ver- Handlungen gelang es dem Zentrum, der Deutschen Volkspartei und den Deutschnationalen, den Bürgerblock zusammenzuleimen. Die Sozialdemokratie, während der Verhandlungen zur Tellnahme an der Regierung aufgefordert, sah, daß ihre Mindestforderungen— Politik der Verständigung, Reichswehrresorm, Sozialpolitik, Achtstundentag— teils abgelehnt, teils in einer Form verwässert werden sollten, die es ihr unmöglich machte, dem Wunsche der bürgerlichen Parteien nachzukommen. Der Kampf um die Fürstenabfindung nahm all« Kräfte der Partei in Anspruch. Ein von der Sozialdemokratischen und der Kommunistischen Parle! gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund ausgearbeiteter Gesetzentwurf zur Enteignung der Fürstenvermögen wurde zur direkten Gesetzgebung dem Volke vor- gelegt. Von den Gegnern der entschädigungslosen Enteignung wurde ei» ungeheurer Terror angewandt, so daß am Abstimmungstage Millionen von Landarbeitern, Kleinbauern und wirtschaftlich Ab- hängigen der Entscheidung durch den Stimmzettel fernblieben. Die Abstimmung selbst ergab keine Mehrheit für die Fürstenenteignung. An Stelle der notwendigen 29 Millionen Stimmen ergaben sich nur 14% Millionen. Wenn es auch nicht gelang, di« Fürstenenteignung durchzudrücken, so stellt das Ergebnis der Abstimmung doch einen achtunggebietenden Erfolg unserer Werbearbeit dar, der um so höher zu veranschlagen ist, als die Agitation der Kommunisten«her hemmend als fördernd wirkte. In Berlin ergab d!« Abstimmung ein« überwiegende Mehrheit für die Eni- eignung. Von 3 043 507 Stimmberechtigten beteiligten sich 1 902 252 an der Abstimmung. Für die entschädigungslose Enteignung stimmten 1 759 376, dagegen 60 683. Es haben demnach rund 5 8 Prozent der Stimmberechtigten sich für die Enteignung der Fürsten ausgesprochen und damit gegen die Monarchie, für die Republik. Di« vom Parteivorstand im Ottober v. I. angesetzte Werbe- woche hatte für Berlin nicht den erhofften Erfolg. Das Resultat der Werbearbeit war, daß 2191 neue Mitglieder gewonnen werden konnten, worunter sich 529 Frauen befanden. Wie fast alle Kreise und Abteilungen berichteten, sind unser« Genossen aber durchaus gesonnen, das nachzuholen, was die Werbewoche uns versagte. Daß die in der Agitation stehenden Genossen ihr Versprechen wahr machten, beweist die Tatsache, daß sich der M i t g l i e d e r b e st a n d allein im letzten Quartal 1926 um mehr als 7000 gesteigert hat. Insgesamt hat sich seit Ende 1925 die Mit- gliederzahl in Groß-Berlin von 40 341 auf 45 087 Ende 1926 erhöht. Di« riesige, anhaltende Erwerbslosigkeit hemmte unsere Agitation ganz außerordentlich. Wenn e, trotzdem gelang, den Mitgliederbestand ständig zu erhöhen, so zeugt das von der großen Werbekrast der sozialistischen Weltanschauung trotz Reaktion, politischen und Wirtschaftskrisen. Die Abhaltung von Funktionär- Konferenzen fft zu einer ständigen Einrichtung geworden, mehrere Massen- Versammlungen beschäftigten sich mit dem Rechtsradikalismus, daneben fanden eine große Zlnzahl anderer Parteiveranstaltungen statt. Unsere Kommunalpalitik. Die Berliner Sozialdemokratie hat in der Berichtszeit erneut bewiesen, daß sie auch auf kommunalem Gebiete im Sinne positiver schöpferischer Arbeit erfolgreich zu wirken vermag. Sie ist bei ihren Entscheidungen und Beschlüsien immer von der Hofs- nung ausgegangen, daß auch in Berlin die sozialdemokratisch orientierte Arbeiterschaft einmal die Majorität erlangt, und daß schon deshalb über den Tag hinaus Politik gemacht werden muß. Dank der Politik der Stadtverordnetenfraktion ist es heute ein vergebliches Bemühen, an den Grundlagen der Einheitsgemeinde zu rütteln. Es war in der Berichts- zeit nicht möglich, die Zustimmung der kommunistischen Stadt- verordnetenfraktion zum Haushalt.zu erreichen, weder für 1925/26 noch für 1926/27. Trotz vieler Verbesserungen im Etat sind sie im letzten Augenblick abgeschwenkt und haben sich auf den Baden reiner Agitationspolitik zurückgezogen. Ohne sich zu? Deckungsfrage zu äußern, brachten sie namentlich bei den Beratungen des Haushalts 1926/27 dutzendweise Anträge ein. Eine besondere Initiative entfaltetö unsere Fraktion auf st e u e r p o l i t i s ch e m Gebiet. Hier hat sie sich nach Kräften bemüht, die Grundsteuer nach sozialen Gesichtspunkten umzugestalten. Im Kampfe gegen die Rot der Erwerbslosen war sich die Fraktion stets ihrer Pflicht gegenüber den Aermsten und Notleidenden bewußt. Sie hat in ununterbrochener Folge durch Anträge, Richtlinien, Arbeils- befchossungs. und Noffkaudsprogramme. die di« Zustimmung der städtischen Körperschaften fanden, in unendlich vielen mündlichen Unterredungen und Verhandlungen auf die Stadtverwaltung ein- gewirkt. In gleicher Weise hat sich die Fraktion um dos Los der erwerbslosen Jugend bemüht. Mitten in die Berichtszeit fällt die am 25. Oktober 1925 vor sich gegangene Neuwohl zur Ktadlverordnetcnvetsaimnlung und zu den 20 Bezirksversammlungen. Mit 87 Mandaten ging die Stodtverordneiensraktion in den Wahl- •kämpf und 73 Mandate brachte uns der Wahltag zurück. Die alle Fraktion, die sich aus den Vertretern der 1ISP. und SPD. zusammensetzte, mußte zum erstenmal ollein einen kommunalen Mahlkamps führe». Die bei der Wahl plötzlich und stark auftretende Wirtschajtskrise hat mit dazu beigetragen, die Mandatszahl zu ver- ringern. Ihr besonderes Augenmerk richtete die Fraktion vor allem auf zwei im Brennpunkt stehende Fragen: die wohnungs- neubaupolilik und das Verkehrswesen. Es kann ohne Uebertreiaung gesagt werden, daß alle Beschlüsse der Stadtverordneten und des Magistrats, die die Errichtung von Wohnungen s u r M i n d erbemittelte zum Ziele hatten, auf die Initiative unserer Partei zurückzuführen sind. Bei der Entwicklung des Berliner Verkehrs- wesens betrieb unser« Partei mit allen Kräften den beschleunigten Ausbau des Schnell bahn netzes. Die Fraktion bat ferner Hervorraaenden Anteil an der Schaffung und weiteren Gestaltung des Mesiemesens, des Großkraftwerkes Rummelsburg, der Freibäder, der Städtischen Oper, des Planetariums, der vielen Volks-, Sport- und Spielparks und weiterer sozialer Einrichtungen der Stadt Berlin. Von nicht geringer Le- deutung waren die(ErgänzungswaHlen zum Vkagistrat. Jiicht weniger als vier Stellen waren zu besetzen. Die Verhandlungen mit den Kommunisten scheiterten, weil ihre Politik es unserer Fraktion unmöglich machte, sie zu unterstützen. Die Wahl Halle den Erfolg, daß die Stellen des S t a d t s ch u l r a t e s, des S t o d t- bau rat es und die eines„politischen" Stadtrates uns zufielen. In den Bezirksämtern und Bezirksoersammlungen ergibt sich folgendes Bild: Von den 20 Bezirksbürgermeistern gehören 10 zur SPD,; von den 195 Be-irksstodträten sind 82 Mitglieder unserer Partei. Die vom„Vorwärts" herausgebrachte„S t a d t b e i l a g e' hat die kommunale Arbeit unserer Genossen wesentlich unterstützt die /kbeit in üen öetrieben. Unter Leitung und mit Unterstützung des Belriebesekrelarlols war in den Groß-Berliner Betrieben, Werkstätten und Bureaus eine umfangreiche Orqonisotions- und Propagandoarbeit zu vollbringen. um die oroße Masse der Arbeiter, Angestellten und Be- amten in sozialistischem und republikanischem Sinne aufzuklären. Rückschauend kann anerkannt werden, daß diese Arbeit von ansehn- liehen Erfolgen gekrönt war. Die Agltation wäre sicher bedeutend erfolgreicher gewesen, wenn der sortgesetzte Kampf in den Gewerkschaften z wische it Kommuni st en und den Anhängern der Amsterdamer Gewerkschastsrich t u n g ihn nicht gelähmt hätte. Trotzdem gewinnt die Richtung Amsterdam ständig Boden. Alle Berliner Ortsverwaltungen der Gewerkschaften, die bisher in unseren Händen waren, behielten wir, und in den Verbänden, die von Kominunisten geleitet werden, stieg unser Einfluß. Auch bei den Wahlen zu den Betriebs röten hat sich eine Wendung zum Besseren vollzogen, und dank der Arbeit unserer Genossen konnten aus vielen Betriebsratsposten die Kommunisten verdrängt werden. Neben der ständigen Liefe- rung unserer Werbezeitschrift„Der Kämpfer" sind zu allen wirtschaftlichen und politischen Anlässen Flugblätter, Broschüren und Agitationsschristen in Millionenauslagen verbreitet worden. Ebenso wurde sür den„B o nw ä r t s" in größtem Maßstabe Werbearbeit geleistet. In der Beamtenagilation hat der Richtungsstreit um die Organisaticknsform hemmend gewirkt. Der Reichs• beamtentag vom 4. und 5. September 1925 hat denn auch die Notwendigkeit der neutralen Stellung unserer Partei zu den beiden Beamtenspitzenorganijationen betont, und der Heidelberger Pareitag ist diesem Beschluß ausdrücklich beigetreten. Das öilüungswefen. Zu den erfreulichsten Erscheinungen der letzten Zeit gehört das wiedererwachende Interesse für Sildungs. und Sultursragen. da« sich in der Arbeiterschaft bemerkbar macht. Noch ist freilich nicht der Stand der Bildungsarbeit von vor dem Kriege erreicht. Es zeigen sich aber dennoch unverkennbare Merkmale eines Aufftieges, der ent- sprechend den neugeschaffenen Verhältnissen neue Wege, neue Me- j-■ Spangenschuhe braun und sebwars, Chr.- Chcvrcau, In besonders bequemen Formen, m. engliscbem Absatz, braun 7.25» schwarz Spangenschuhe kein farbig, eidechsleder» artig, In neuester Form, mit«merlkanischein, auch mit Komtessabsatz 6 105 Spangenschuhe braun echt Bozcalf» mit biegsamer Ledersohl e, Grösse 22/24 8.90, 19 21 Sandalen braun und sehwarz Bind- Jeder in prima Ausführung. ganz besonders billig, Grösse Ii 25 S-50 27/30 Spangenschuhe blond» echt Cherreea, In besonders guter Q u a 1 1 t A t, Grösse 25/26 4.90 23/24 Spangenschuhe grau und blond, mit felnfar- bigen Eldechslcdcrvcrzicrungen Grösse 27 28 7.90. 25/26 7.25, 23,24 0.50, 20/22 6.50, t8 19 Halbschuhe echt Rindbox, in aller- neuester Form, echt weiss gedoppelt, besonders billig Halbschuhe prima Spezial-CheTreau, in eleganter Form, Good- 4 4 50 year gedoppelt, besonders I B billig Halbschuhe braun, in allerneuester Form und Ausführung, echt rahmengenaht, besonders gutes Fabrikat Ällestes Schubhaus größlen Umfanges thoden sucht, um die ZlrbeiterkulturbewePMg vorwärts zu treiben und die lozialistischc Bildungsarbeit auf feste Grundlage zu stellen. Charakteristisch für die neue Situation ist die Vielgestaltigkeit der Bildungs- und Kulturbcstrebungen, Partei und Gewerk- schaft, Arbeiterjänger und Arbeitersportler, Volksbühnen und Jugendorganisationen, sozia- listische Lehrer und Kindcrsreunde— alle gehen eifrig daran, die Kulturbewegung der Arbeiterschaft zu fördern. Diese viel- gcstaltigen Bewegungen zeigen freilich in dem gegenwärtigen Stadium eine Zerrissenheit und Planlosigkeit, die noch überwunden werden müssen. Vornehmste Aufgabe der Parteibildungsarbeit ist die Schulung unserer Genossen. In einer großen Anzahl von Kursen wurden geschichtliche Themen, Schul-, Erziehungs- und Bildungsfragen, die internationale Politik, Wirtschaftsgeschichte, die Geschichte des Sozialismus behandelt. In Oberkietzmühle bei Freien- walde fand ein F e r i c n k u r s u s statt, der von 2S Hörern besucht war. Eine Reihe künstlerischer Veranstaltungen umfaßte alle Ge- biete der darstellenden 5iunst, wie Theater und Oper, Tanz und Konzert. Der Bezirksbildungsausschuß hat für die Veranstaltungen der einzelnen Parteiorganisationen in umfangreicher Weise Mit- wirkende jeder Art vermittelt. Eine besondere Aufmerksamkeit wird dem Radio zugewandt. Das Kulturkartell hat beschlossen, die Inter- essen der Organisation und der Arbeitenden bei der Rundfunkgesell- schast zu vertrete»! die Verhandlungen berechtigen zu der Annahme, daß die Absicht gelingen wird. ftus öer§rauen- und Jugendbewegung. Das �rauensekrelarial hat eine umfangreiche Arbeit zu bewäl- tigen gehabt, die von den Parteigenossinnen in den Kreisen und Ab- leilungen geleistet wurde. Allmonatlich finden regelmäßig hundert Frauenabende statt, gegen öS im Vorjahre. Die Vortrags- themen beHandel» alle Gebiete, die ein besonderes Interesse bei den Frauen voraussetzen. Ein großer Bezirksfrauentag leitete die Znternalionale Frauenwerbewoche im März v. I. ein. Bon ösfent- lichen Frauenversammlungen nach der Art, wie sie früher veranstaltet wurden, ist Berlin im Laufe der Zeit ganz abgekommen. Die Er- sahrung hat gelehrt, daß die allgemeinen össentlichen Versammlungen auf die politisch interessierten Frauen eine stärkere Anziehungskrast haben, während indifferente Frauen leichter in Kundgebungen mit künstlerischen Darbietungen kommen, selbst wenn ein mäßiges Eintrittsgeld zu zahlen ist. So hat beispielsweise eine solche Veranstaltung im Kreise Prenzlauer Berg einen Besuch von über 2000 Frauen zu verzeichnen gehabt. In der Zeit vom 14. bis zum 24. Oktober wurde eine allgemeine Werbewoche ver- anstaltet, die sich fast ausschließlich auf die Agitation von Mund zu Mund bei fjaushesuchen beschränkte und einen guten Erfolg hatte. Eine Anzahl von Unterhaltungsveranstaltungen, darunter die ., Frauenwelt"-Abende und eine große Dampferfahrt brachten die Frauen gesellig zusammen. Viele Kurse dienten der gründlichen Durchbildung der Genossinnen. Zur Vorbereitung der Veranstaltungen der Sozialistischen Arbeiterjugend wurden aus Grund der Ersahrungen des Vorzahres besondere Arbeitsaus- s ch ü s f c gebildet. Am Ende des Jahres wurde der„Kreis der För- derer der Sozialistischen Arbeiterjugend� ins Leben gerufen, der sich besonders die finanzielle Förderung der Jugendbewegung angelegen sein läßt. Das Mitteilungsblatt.Lugend voran" war im ganzen Jahre der treue Begleiter der Jugendlichen. Die sogenannte „Berliner SAJ.-Opposition" trat mit einer Erklärung heraus, die neben Selbstverständlichkeiten eine Reihe von unbegründeten Vor- würfen enthielt. Die Herausgeber lehnten es ob, sich zu oerant- warten, und so erfolgte ihr Ausschluß. Bei fast allen Parteiaktioneu haben sich die Jugendlichen der Parteiorganisation freudig zur Vitt- fügung gestellt. �rbeiterwohlfahrt. Die Zusammenarbeit zwischen der Arbeiterwohlfahrt und den anderen Verbänden der freiwilligen Wohlfahrtspflege ließ sich aiige- fichts der von den letzteren beobachteten Tendenzen nicht aufrecht- erhalten. Am Schlüsse des Jahres schied dieArbeiterwohl- fahrt aus der Zentralarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege aus. Im Interesse einer möglichst intensiven Arbeit ist die Arbeiterwohl- fahrt in allen Kreisen gut durchorganisiert worden, es stehen zurzeit über S00 leitende Funktionäre zur Mitarbeit zur Ver- fügung. Neben der Mitarbeit in der öffentlichen Wohlfahrts- pflege leistet die Arbeiterwohlfahrt sehr viel unmittelbare Arbeit an Rat- und Hilfesuchenden. Die Geschäftsstelle in der Lindcnstraße wurde von 1 2 53 Personen ausgesucht, von denen der größte Teil an die Mitarbeiter in den Bezirken verwiesen wurde. Ein be- sonders trauriges Kapitel unserer Zeit liefern die durchreisen- den Jugendlichen aus dem In- und Ausland, die täglich die Geschäftsstelle aufsuchen und hier Rat und Hilfe erwarten. Nicht immer kann ihnen geholfen werden. Am 6. März 1926 wurden die ersten Kinder nach dem neuerbauten August-Bebel-Kinderheim bei Gohrisch in der Sächsischen Schweiz gebracht. Seitdem sind etwa 350 Kinder in diesem Haus der Freude und der �Erholung unter- gebracht gewesen. Sie haben hier Gesundheit, Freude und ihre Jugend wiedergefunden. Der Kindergarten in der Blumen- straße 77 konnte gründlich renoviert und ausgebaut werden: in einer großen Anzahl von Kinderhorten wurden die Keinen Pfleg- linge mit vieler Liebe, vielem Verständnis und tüchtigem Können betreut. Entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen gewährt die Stadtgemeinde Berlin in der Wohlfahrtspflege den Verbänden der freiwilligen Wohlfahrtspflege Sitz und Stimme in den einschlägigen Deputationen und in den Verwaltungsausschüssen der Jugendämter. Die Arbeiterwohlfahrt versucht hier wie überall ihre grundsätzliche Auffasiung zu vertreten. die Unterorganisationen. Infolge der Bedeutung der Wohnungspolitik in der Gesamt- Politik stieg der Umfang der Tätigkeit der ZNieterbewegung als Parteiarbeit. Die Arbeit ging statutengemäß von der Frage des Mieterschutzes aus. Es ergab sich Uebereinstimmung darüber, daß die Frage des Mieterschutzes und der Mietzinsbildung keine zeitlich vorübergehende Maßnahme darstellen kann. Vielmehr muß Vorsorge zur die Verwertung der Inflationsgewinne des Hausbesitzes bei einem gemeinwirkfchaMchen Wohnungsbau getroffen werden. Ein weiterer Teil der Arbeit diente der Ausbildung der Arbeiterschaft für das Laienrichtertum in der Mietgerichtsbarkeit. Die kindersreundebcwegung hat sich im Berichtsjahr innerlich befestigt und äußerlich stark zugenommen. Ueberoll gibt es Kindcrgruppeu, ihre Anzahl ist von 37 auf 45 gestiegen. Die Anzahl der ständig zu den Kinderfreunden kommenden Kinder hat sich stark vermehrt, das fluktuierende Element ist geringer geworden. Außer vielen größeren Veranstaltungen fanden wöchentlich 115 sich wiederholende Spiel- und Bastelnachmittage statt. Für die Schulung der Helfer wurden Helferbesprechungen und Helferfahrten mit Wochenendkursen obgehallen. Die Mitgliederzahl der Eltern Vereinigung läßt noch immer zu wünschen übrig. Mit dem Erfolg der Elternbeirats- wählen können wir zufrieden sein. Der Höhepunkt der„christlich- unpolitischen" Bewegung scheint überschritten, sie ist zurückgegangen, wie die Wahlergebnisse zeigten. An den Groß-Berliner Gemeinde- schulen sind 1337 Elternbeiräte vorhanden, an den höheren Schulen haben wir über 100 Sitze. Die Schulbewegung ist im letzten Jahre wieder recht lebhaft geworden. Neue„Freie Schul- gemeinden" sind entstanden, die sich zum„Bezirksverband Berlin des Bundes der freien Schulgesellschaften" zusammengeschlossen haben. Die Bewegung zur Errichtung neuer weltlicher Schulen ist wieder in Fluß. Auch in der Genossenschaflsbewegung hat die Berliner Partei erfolgreich gearbeitet. Die Generalversammlung der Konsum- gmossenfchaft Berlin und Umgebung hat«ine überwiegende Mehrheit von Delegierten, die sich zu der Liste„G e n o s s e n s ch a s t s- a u f b a u" bekennen und die wirkliche Genosfenschaftsarbeit zu leisten imstande sind. öericht der pressekommZPon. Die im Jahre 1924/25 freudig begrüßte Aufwärtsentwicklung der sozialdemokratischen Presie hat unter der Wirtschaftskrise nicht angehalten. Wenn aber trotz der katastrophalen Arbeitslosigkeit in Berlin ein wesentlicher Rückgang der Auslage des„Vorwärts" nicht eingetreten ist, so mag das als ein Beweis für die Treue unserer Genosien und Leser zu ihrem Blatte angesehen werden. Zm tehtea Vierteljahre ist die Abonnentenzahl wieder ständig gestiegen. Bei den verschiedenen politischen Anlässen wurde der„Vorwärts", als Sondernummer gedruckt, in ungeheuren Mengen ctls Agitationsund Aufklärungsmaterial in die Masien geworfen. Allein bei der Reichspräsidentenwahl gelangte der„Vorwärts" in 1 350 000 Exem- plaren zur Verteilung, bei der Vereidigung Hindenburgs wurden 1 Million, am Tage vor der Stadtverordnetenwahl 580 000 und beim Volksentscheid etwa die gleiche Anzahl Exemplare ausgegeben. Eine ganze Anzahl von Bezirken wurde wochen- und monatelang systematisch in der Agitation für den„Vorwärts" bearbeitet. Als Ergebnis konnte der Gewinn von über 10000 neuen Abonnenten gebucht werden. « So zeigt der Geschäftsbericht des Berliner Bezirksverband eÄ unserer Partei die erforderliche Geschlosienheit der Bewegung, die nötig ist, um eine Partei, die in den Masien der arbeitenden Bevölke- rung wurzelt, vorwärts zu bringen. Der moderne Dummtmontel, D« geschmack». Frllhfahroman» grau gemusterter ttteler Anzug M«. grauem lich gummiert und modefardb gem»adardin«. blau Thevior mil Übertrüge» und Äimelstickerei Zi.- 1.18- 110- 142.- Herren-Valetotsre� Motorradlombinatwnen i j» mureng» stheotat 86.—, 75.—,#0.—, 56.—, l"*»u» wvrilgnterten Stoffe»>7.»» SU-, tst.-, Sport-paletots Damen-Ledersporljacke iic_ Sovercoat... Wn 1i.—> SN—» bd.—,• brau» Schwedennapp«....... J-lel« 5." Herren-Lllsteren� apart gemust. Dheviot» 90.-, 80.., TO.-, K.-, UU- Gabarbinemäntel.. 21- imprägniert« Qualitäten in m dernen Warden». 90.',' 7ö,«, 65� 58.-/ 86.-, 27,-, Breeches verschieb. Swstquattt. UV». IS... 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Weiter ist die deutsche Zündholz- industrie der Gegenstand eingehender Beratungen der Sachverständi- gen des Reichswirtschaftsrates gewesen, und zugunsten dieser In- dustrie soll jetzt ein besonderes Gesetz geschossen werden. Und nicht zuletzt hat sich bei der Beratung im Reichstag gezeigt, daß die Berkn�pfung zwischen politischen und geschäftlichen Interessen bei dieser Industrie erstaunlich innig ist. Aus all diesen Gründen geben wir nachfolgend die wichtigsten Tatbestände zur selbständigen Beurteilung der Zündholzfrage. Der Ilmfang der deutschen Zündholzindustrie. Es existieren in Deutschland, abgesehen von kleinen, Maschinen- losen und cheimarbeitsbetrieben, insgesamt 26 Unternehmun- gen der Zündholzindustrie. Es werden von ihr knapp 4000 meist weiblich« Arbeitskräfte beschäftigt. Großbetriebe sind die drei Unter. nehmungen des S ch w e d e n t r u st s mit 57 Komplettmaschinen, die Fabrikationsstätten der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine und drei der übrigen 22 beut- schen Fabriken. Die 22 deutschen Fabriken sind im Berband deutscher Zündholzfabrikanten vereinigt. Eine Kam. plettmaschine produziert täglich 10— lS Rormalkisten mit je 1000 Pa- keten, also je 10 000 Schachteln Streichhölzern. Der Zustand der deutschen Zündholzlndufirie. Die L e I st u n g s f ä h i g k« i t der deutschen Zündholzindustrie betrögt etwa 360 000 Normalkisten jährlich, von denen bald 20 Proz. allein in den Fabriten der Großein- kaufsgeseltschast Deutscher Konsumvereine hergestellt werden können. Das investierte Kapital der deutschen Zündholzindustrie wird mit etwa 22 Millionen Mark geschätzt. Der durchschnittlich« jährliche Bedarf an Zündhölzern beträgt in Deutschland etwa 180 000 bis 200 000 Normalkisten. Der Wert dieses Iahresbedarfes beträgt etwa 16 bis 17 Millionen Mark. In der deutschen Zünd» Holzindustrie wird also da» investierte Kapital jährlich noch nicht ein- mal umgeschlagen. Der Weltlrust in Deutschland. Der schwedisch-amerikanische Zündholztrust, der über die ganze Welt verbreitet ist, beherrschte im Jahre 1924 etwa 30 Proz. der deutschen Produktion, seither hat er durch Aufkäufe seinen Anteil an der deutschen Produktion bis auf 70 Proz. zu steigern vermocht. Private Friedensverträge und staatliche Hilfe. Auf der Basis eines Gutachtens des Reichswirtschaftsrates und mit starker Beteiligung des Reichswirtschaftsministeriums kam es zu einer Einigung aller Produzenten der deutschen Zündholzindustri«. Dieser„Friedensvertrag" besteht aus vier Teilen. Erstens schlössen die sämtlichen 26 Unternehmungen(drei vom Schwedentrust, 22 vom Verband der deutsches Zündholzfabrikanten und die Groß- einkaufsgesellschoft Deutscher Konsumvereine) einen Syndikats- o e r t r a g. Nach diesem Bertrag entfallen 65 Proz. der deutschen Produktion auf die drei Unternehmungen des Schwedentrusts, 35 Proz entfallen auf die Produktion der deutschen Fabriken. Der Bertrag wurde auf 25 Jahr« geschlossen. Die Großeinkaufsgesell- schaft Deutscher Konsumvereine unterliegt mit ihrer Produktion innerhalb ihres genossenschaftlichen Absatzgebietes keinerlei Ein- schränkungen. Zweitens wurde eine Deutsche Zündholz- oertriebs-A.-G. gegründet. Dieses Unternehmen übernimmt fortlaufend die gesamte Produktion der Mitglieder des Zündholz. syndikats. Die Bertriebs-A.-G. ist also ein Verkaufsunternehmen. Das Aktienkapital in höhe von einer Million Mark dieser Bertriebs- A.-G. befindet sich zur Hälfte in den Händen des schwedischen Trusts, zur anderen Hälfte bei den deutschen Fabrikanten einschließlich der Großeinkaufsgesellschaft. Drittens wurde«in« Zündholz- aktien-Derwaltungs-G.m. b. h. gegründet. In ihr sind jene 500 000 Mark Aktien der Deutschen Zündholzvertriebs-A.-G. fest- gelegt, die, wie eben erwähnt, sich in den Händen der deutschen Fabrikanten befinden. Damit soll erreicht werden, daß der Schwedentrust nicht etwa einzelnen deutschen Fabrikanten deren Aktien der Zündholzvertriebs-A.-G. abkauft. Viertens soll ein Sperrgesetz erlösten werden, das die Gründung neuer Zünd- Holzfabriken verhindert und dem Reichswirtschaftsminister eine Preis- kontrolle zugesteht. Der Sperrgesehenkwurf. Der Reichswirtschaftsminister und die Regierungsparteien be- haupten, daß das Sperrgesetz«in weiteres Vordringen des Schweden- trusts in Deutschland verhindere und die deutsche Zündholz- industrie schütze. Demgegenüber hat die sozialdemokratische Fraktion bei der Erörterung des Entwurfes im Volkswirtschaftlichen Aus- schuß des Reichstages festgestellt, daß durch die Annahme jenes Sperrgesetzes die deutschen Fabrikanten nicht geschützt werden. Es besteht ja die Möglichkeit des Quotenaufkaufes durch den Schwedentrust. Wir sind der Austastung, daß hier nur ein Mittel zur Klärung führt, und das ist, tKiß man mindestens ein sta at- liche» Handelsmonopol schafft. Der deulschnakionale Abgeordnete Behrens. Behrens ist nicht Mitglied des Volkswirtschaftlichen Ausschustes des Reichstages. Er interessierte sich aber für die Beratungen und wurde von seiner Fraktion sogar als Berichterstatter für den Sperrgesetzentwurf vorgeschlagen. Behrens ist Aufsichtsrat in der Preußischen hypothekenaktienbank. Die Majorität dieser Bank ist in den Händen der Swedish American Investment Corporation. Dieses Unternehmen ist die Finanzierung sgesellschaft des Schwedintrusts. Drei Vertreter des Aufsichtsrates der Preußischen Hypothekenaktienbank sitzen als Herren des Schweden- trusts im Ausichtsrat des Deutschen Zündhalzsyndikats.. Herr Behrens behauptet, daß er davon nichts, gewußt habe. Darüber wird-noch zu sprechen sein. Der Sperrgesetzentwurf steht im Volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstage« am 11.'Mai noch einmal zur Beratung. Kurt h einig. die Arbeitslosigkeit in Serlin. Rückgang auch in der letzte» Woche.— Noch 230 000 Arbeitslose. Nachdem die legten vier Wochen ziemlich gleichmäßig er- heblich« Rückgänge in der Zahl der Erwerbslosen gebracht hatten, hat die Woche zum 9. April den bisher stärk st en Rückgang gibrocht. Die Zahl der Erwerbslosen Berlins ging um rund 12 000 auf rund 230 000 Personen zurück. Die Entwicklung des Berliner'Arbeitsmarktes mag folgende Aufstellung verdeutlichen. Es waren bei den Arbeitsnachweisen eingetragen: in der Woche zum 1. Januar. "'' I 22.** mm m m 29.,. ....5. Februar. mm m»12.„. mm m m 10 m- mm m m 26..» ....5. März. mm m»12..- mm m„19...- 26.. II I' g 270 323 Arbeitslose 279 091 283 810 284 612 281 141 283 827 274 903 274 783 274 469 274 400 266 183 258 791 231 142 242 827 229 946•„ Danach erreichte die Berliner Arbeitslosigkeit am 22. Januar mit 284 612 Personen ihren absolut höchsten Stand. Darauf schwankte während voller sechs Wochen, die zum Teil schon in die wiederbeginnende landwirtschaftliche und Bauorbeit hineinragten. die Arbeitslosigkeit zwischen 284 000 und 274 000 Personen. In der Woche zum 12. Februar wurde die /höchstzisfer der Berliner Er- werbslosigkeit des Jahres 1926, die am 24. Juli 1026 mit 278 195 erreicht war, endgültig unterschritten. Mit der Woche zum 12. März begann die Kurve der Erwerbslosigkeit, wesentlich geführt von den Saisoneinslüssen, gleichmäßig nach unten abzusinken, um mit der Woche zum 9. April den stärksten Rückgang um rund 12 000 zu erfahren. Gegenüber der Höchstziffer der in Berlin in den beiden letzten Iahren überhaupt verzeichneten Arbeitslosigkeit, der Ziffer vom 22. Januar 1927 mit 284 612 Personen, ist b i s j e tz t eine Verminderung um rund 54 000 Personen eingetreten: für die Stadt Berlin eine außerordentlich fühlbare Erleichterung der F i n a n z l a st. Gegenüber der höchstzifser von 1926— 278 195 am 24. Juli— erfolgte ein Rückgang von rund 48 200 Personen. Die Ursachen dies-s Rückganges find in erster Linie natürlich saisonmäßige, die Arbelten in der Landwirtschaft und auf dem Baumarkt. Diese sind aber an sich in diesem Jahre durch die Zins- verbilligung. die die großen öffentlichen Bauten ebenso fördert wie die Aktionskrast der Landwirtschaft, größer als in normalen I a h r e n. Dazu kommen günstige Sonderbedingungen in der In- dustrie: erhöhte Unternehmungslust der Industrie durch Rationali- sierungs- und Konjunkturgewinne und vor allem die Sonderaufträge aus anormalen Geschäften: Elektrifizierungsarbeiten der Stadtbahn, das Aufarbeiten der Russenbestellungen, die zum großen Teil der Berliner Elektrizitätsindustrie zugute kamen und die nach den letzten Mitteilungen des Reichswirtschaftsministeriums noch kaum in An- griff genommen sind. Jedenfalls dürfte die starke Nachfrage nach Facharbeitern in Berlin hier ihre wesentliche Ursache haben. Das Landesarbeitsamt Berlin schreibt zur Lage: Die Aufwärtsbewegung auf dem Arbeitsmarkt nahm in der Berichtswoche einen gesteigerten Fortgang. Die Arbeitslosigkeit ist um über 12 000 Personen zurückgegangen, wovon auf Fach- arbeiter zwei Drittel und der Nest a»f ungelernte Arbeiter entfallen. Der Stand der Arbeitslosigkeit ist demnach aus 229 946 Personen zurückgegangen. Die M e t a l l i n d u st r i e verzeichnet ein« weitere merkliche Entlastung, auch dos Bekleidungsgewerbe steht weiter im Zeichen der Hochsaison und damit eines äußerst regen Kräftebedarfs. Eine gute Aufnahmefähigkeit zeigte auch die Land- und Forstwirtschaft, letztere besonders für weibliche Arbeitskräfte für Kulturarbeiten. Im Baugewerbe ist die Arbeitslosigkeit ver- bältnismäßig nur wenig zurückgegangen. Der Arbeitsmarkt für ungelernte Arbeiter ist von der Belebung in der Industrie nHü unberührt geblieben. In erster Linie werden weiterhin jugendliche Kräfte angefordert, so daß der Mangel an solchen immer fühl- barer wird. Es waren 229 946 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein- getragen gegen 242 827 der Vorwoche. Darunter befanden sich 152 175(160 348) männliche und 77 771(82 479) weibliche Personen. Erwerbslosenunter st ützung bezogen 90 803(96 575) männliche und 37 159(38 957) weibliche, insgesamt 127 962(135 532) Personen. Außerdem wurden noch 36 726(37 330) Personen durch die E r w e r b s l o s e n h i l f e der Stadtgemeinde Berlin und 32 325(31 519) Personen durch die K r i s e n s ü r s or g e unterstützt. Bei Notstandsarbeiten wurden 8115(8974) Personen be- schäftigt. So erfreulich nun diese Entwicklung scheint, so bleibt noch ein sehr weiter Weg bis zur Ueberwindung der Arbeitslosig- keit in Berlin. Vom Höchststand der diesjährigen Arbeitslosigkeit ist noch nicht ein Fünftel aufgeholt. Dabei liegt die stärkste Früh- jahrserleichterung bereits hinter uns, und die meisten Chancen, die jetzt außerdem zur Verringerung der Erwerbslosigkeit beitrugen, waren einmalige und kehren nicht wieder(Zinssenkung, englische Sonderkonjunkwr. Rationalisierungsgewinne, Russen- geschäft). Wir werden also bald wieder stehen, wo wir standen. So bleiben die Problem« und Aufgaben der Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit dieselben. Den diesmaligen 1. Mai kann die Arbeiterschaft darum wieder nur unter dem Gesichtspunkt des Willens zum entschlossenen Kampf feiern: zur Steigerung der Volkskaufkraft durch höhere Löhne, zur Kürzung der Arbeitszeit trotz des Attentats des Rechtsblocks zur Senkung der Preise, trotz der Kartelle und zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Völker trotz aller Zoll- schranken. Neue Fusionen. Um Steuern zu sparen. Am 1. Oktober tritt das Steuermilderungsges tz außer Kraft, das Fusionen von Industriennternehmungen zur Förderung der Rationalisierung b e g ü n st i g t. Die Flut von großen Zu- sammenschlüssen der letzten Jahre hatte nicht zuletzt in diesen Er- leichterungen ihre finanzielle Ursache. Es ist sicher, daß bis zum Ablauf des Gesetzes diese Flut noch andauern wird. Jetzt er- folgen weitere Fusionen dieser Art. Der Aufsichtsrat der Deutschen C r d ö l- A.- G. Berlin hat den Abschluß für das vergangene Jahr genehmigt, der den o»s- gewiesenen Reingewinn von 4,88 auf 7,22 Millionen und die Dividende auf das 100-Millionen-Kapital von 4 auf 6 Proz. erhöht. Außerdem werden 0,64(0,62) Millionen vorgetragen. Mit der Muttergesellschäst sollen jetzt' die Gesellschaft Graf Bismarck. die Rositzer Brounkohlenwerke Zl.-G., die Vereinigte Kohlen A�-G., die Gewerkschaft Regiser Braunkohlenwerke und die A.-G. Rams- Braunkohlenwerke verschmolzen werde», die bisher als Tochter- gesellschoften unter den Betelligungen geführt wurden. Biel neues Kapital wird die Fusion nicht kosten, da fast alle Aktienauleile und Kuxe schon bisher im Besitz der Deg waren. Wovon man selten hört, davon hört man bei dieser Fusion: man hofft, neben den Steuervorteilen auch an der Zahl der Aussichtsratsposten zu sparen. Wenn es nur wahr werden wird! Dann folgt im Deutschen Automobilkonzorn, dem die Vomag-, die Presto-, die Magims- und die Duxwerke angehören, eine Fusion. Die Prestowerk« A.-G., die bei einem Kapital von 4,04 Millionen hochrentabel ist, nimmt die Drix- Automobil- werke A.-G., die weniger rentabel ist, in sich auf. Bei einein Kapital von 0,66 Millionen haben die kleinen Duxwerke ihren Ver- l u st von 1924/25 im Jahre 1925/26 in einem kleinen Gewinn um- wandeln können. Auch hier handelt es sich mehr um einen sor- Mellen, als um einen wirklichen Zusammenschluß, da die Presto- werke schon bisher die überwiegende Majorität der Duxwerke be- saßen. Wie bei der Deutschen Erdöl A.-G. wird auch bei der Presto A.-G. kaum eine Kapitalerhöhung nötig, da die außenstehen- den Aktien gering sind und Vorratsaktien vorhanden sind. >. ver neue vamen /fA. 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Die Indexziffer der induftriellcil Rohstoff« und Halbworen ist um OL Proz. auf 130, ll zurück gegangen, wahrend diejenige der industriellen Fertigwaren leicht auf 142.4 angezogen hat. Die Schwerindustrie gegen die kommunalen Käufe von Kohlen? feldern. t!s war zu erwarten, daß d>e Schwerindustrie der Ruhr alles mobil machen wird, um die Beteiligung der Stadt Düffel- darf, die im chcrzeu des Ruhrgehietes liegt, an den Kohlenselder- taufen der Stadt Frankfurt zu hintertreiben. Das scheint der Ruhrindustric auch gelungen zu jeiu. Jedenfalls hat die«tadwer- waltung Düsseldorf, die sich bisher eine Option an den Kauf vor- beHallen hatte, beschlossen, von der Ausübung der Option zunächst abzusehen. Da die übrigen beteiligten Städte auf eine Fristver- längerung für diese Ausübung nicht eingingen, scheidet Düsseldorf aus dein Kreise der Interessenten aus. Die Anwendung der schwer- industriellen Machtmittel hat hier also einen Erfolg zu verbuchen. Di« Anstrengungen der Schwerindustrie beweisen aber, wie sehr ihr das Lorgehen der Städte auf die Nerven gefallen ist. Der Kamps um die Kraftfahrzeugsteuer. Der R e i ch s v e r- band dar Automobil-Industrie hat der Regierung neue itlorschläge zur Regelung der Kraftsahrzeugsteuer unterbreitet, die sich gegen die B e t r! e b s st o s f st c u e r weiiden, die eine einseitige Belastung der Automobilindustrie gegenüber den anderen Oel- betriebsstoff verbrauchenden Industrien darstelle. Auch die B e- rcisungssteuer wird abgelehnt, da bei dieser Steuer genaue Wertzahlen für die einzelnen Reifenkalegorisn, die je twch ihrer Stärke die Straßen verschieden beanspruche», geschaffen werden müßten, denen technisch« Hindernijsc im Wege stehen. Dagegen schlägt der Reichsvcrband vor, die Personenkraftwagen nach dem reinen Zylinderinhalt als Mehziffer progressiv steigend in Höhe pon Zö M. je 250 Kubikzentimeter, sowie hie L a st- k r a s t w a g e n nach dem Gewicht mit 1Z,50 M. je 100 Kilo zu besteuern. Krafträder sollen gleichfalls nach den, Zylinder- i n h a k t in Höhe von 16 M. je 250 Kubikzentimeter in progressiver Steigerung besteuert werden. Um die Erhebung der Kraftfahrzeug stcuer zu erleichtern, schlägt der Berband vor, die unterschiedliche Besteuerung zwischen Zweitakt- und Viertaktmotoren aufzuheben, sowie die Zahlungen der Pauschalsqße nicht einmalig, sondern in Raten ftattiinden zu lassen. Da nach Berechnungen der Automobil- industrie die Straßen mir zu eiwa 51 Prozent durch Krastsahr, zeuge beansprucht werden und andererseits die Wege durch die eisen- bereisten Gespanne einer stärkeren Abnutzung unterliegen sollen, bringt sie auch noch eine allgemeine Fahrzeug- und Zugtiersteuer in Vorschlag, die als Wegebauabgabe gedacht ist. Dieser letztere Vor- schlag ist ein Versuch, einen Teil der Steuer auch aus die breiten Schichten der Landbevölkerung abzuwälzen: denn bei einer allgemeinen Fahrzeug- und Zugticrsteuer müßte jedes Bauernsuhr- wcrs und Ackergerät der Besteuerung unterliegen. Ein Borschlag also, den die Regierungen sich dreimal überlegen müssen. Der Außenhandelsvcrband für da» deutsch-französische JJrovi nd gegen die Agrarsch begrüßt das deulsch-sranzösische bekomme sorium und gegen die Agrarschutzpolitik. Der Außenhandelsoerband begrüßt das deutsch-sranzösische Handelsprovisorium und stellt daß sein Nicht Zustandekommen wahrscheinlich die Kündix fest, des Eisenpaktes und des Saarabkommens zur Folge gehabt hätte.' Für die weiteren Verhandlungen sei notwendig, daß Deutschland auf agrarische»» Gebiete größeres Entgegenkommen zeige. Er wendet sich gegen die Erhöhung des bisherigen Vertrags- Zolles auf Mehl und stellt fest, daß jede die Agrarsragen bevor- zugendc Politik die endgültig«» Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich außerordentlich erschweren müsse. Skandard Ost Im sowfekrusstschen Ilaphlhageschäst. Die Wirt- schastsdiktatoren Rußlands sind nicht kleinlich. Schon längst war bekannt, daß zwischen dem russischen Naphthatrust und seinem stärksten Antipoden, der amerikanischen Oil Co., geschäftliche Abreden, und zwar auch für die Preis« bestehen. Bisher hatte Rußland die Standard Oil aber noch nicht i» ihr Naphtha gebiet hinein- gelassen. Das ändert sich jetzt. Im Naphthogebiet von Tiflis errichtet eine Gruppe amerikanischer Ingenieure eine große Erdöltierede- liivgsanlage, um das von Standard Oil in Rußland gekauile Petroleum den Ansprüchen ihres Abjatzmarkles anzupassen. Für die Errichtung der Anlagen werden lsÜVj Tonnen Maschinen aus Amerika erwartet. Die Fabrik gehl nach ihrer Errichtung in den Besitz des russischen Naphthosyndikats über, Standard Oil erhält sie aber zur Nutzung durch einen Pachtvertrag übertragen. Gleichzeitig soll auch von deutschen Firmen eine Anzahl von Petroleuinvsrcdelungebatterien ausgestellt werden. Wenn auch die Sowjetregierung noch wie vor die Erteilung von Erdöl k o u- Zessionen an ausländische Erdölkonzerne abzulehnen bemüht ist. hat sie doch durch die Zulpssung ihres stärksten kapitalistischen Kon- kurrenten in ihr Prpduktjonsgebiet dem von ihr theoretisch so schar-i bekämpften internationalen Oelkapital eine sehr beachtliche, auch politisch wichtige Konzession gemacht. „Normung und Typung im Bauwesen." Ein Sonderheft des Verbandes sozialer Baubetriebe. In ganz eindringlicher und auch für den Laien leicht verständlicher Weise behandelt die uns vor- liegende Sondernummer 7 der„Sozialen B a u w i r t s cha s t" dos Gebiet der Normung und Typung im Bauwesen von den uer- schiedeusten Seiten aus. In dem mit zahlreichen instruktiven Bildern ausgestatteten Heft wird dl« Normung im Hochbau durch den Go- schästssiihrer des Nonnenausschusses der deutschen Industrie, Regie- rungsbaumeister Sander und die Normung iin Flachbau von Stadtbaurat May, Frankfurt a. M., behandelt, lieber das Gebiet der Nonnung und Typung als Ganzes unterrichten zwei Allssätze „Normen und Typen als Hilfsmittel der Glitererzeuguilg" von einein ungenannten Volkswirt und„Deutsche Normung" von Ingenieur O. Frank. Ein weiterer Aufsatz von Ingenieur Otto Rode enthält einen beachtenswerten Vorschlag für eine Systematik der Normung und Typung im Hochbau, lieber den Nornreiigarten gibt ein Aussatz Leberecht Migges von der Siedlerschule in Worpswede Aufschluß. Ein« Reihe kurzer Notizen liegt in der gleichen Richtung. Auch einige van den Berliner Bauhütten eingeführte genormte Baubuden sind abgebildet. Wer sich über das zeitgeinäße Gebiet der Normung und Typung im Bauwesen ernsthaft unterrichten will, sei auf dieses Heft, dem auch ein Verzeichnis der Baunormen beiliegt, besonders hingewiesen. gtomtä&fca Wie in. jedem i - �ahrgewalfiger WM Wie in jedem. Hahr gewaltiger ArLdraxwnadi ansererLCtefer- Angebofen.. Aber troidem. dmxii unsere moderne Verkaufs- orgarusafion kein, lange* Warfen. * i&SÄIÄ ......... rM-nr; Rüben u MxisiKrrjaftffc indüerülMben» gui« ÜuaUiü.M imi Brannensi r. 1 W MM ROSrMTALEk PLAT2 FranKiu.r 1 erAlle e wo Osi«eüberras-tiurus. 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Gewinn..,, Oewlnnvortrag 1925... Erträge Cenossenschtftskonto. Warenvertrieb.... 18 895,5« JSÄÜ «55,65{ «933,71 ™3S| Biesenho rst, den 18. März 1927. Biesenhorst, Gemeinnützige Siedlung e. Q. m. b. ff. Mehlig. Der Aufaich Ural. . Seliger. KUwe. Vorstehend« Bilanz und Gewinn- und Verlust- Rechnung per 31. Dezembifr 192« der.Biesenhorst, Gemein- nütjlge Siedlung c, G. m. h. h", Berlin-Biesdorf, wurde von uns aufgestellt und mit den ordnungsgemäß geführten Büchern und Belegen der Genossenschaft in Uebereinstimmung gefunden- Berlin, den 18. März 1927. Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, A.-G., Treuhand Abteflung. Dr. w. Bachem. ppa. Heidelberg. Mitgliederbewegung. Bestand am I.Januar 1926............ Eingetreten................-■ 20 Mitglieder 774 794 Mitglieder Ausgeschieden.............. Bestand am 31. Dezember 1926........ BEOCsäwaBÄBSsaSaÄl Die Haftsumme beträgt bei 794 Mitgliedern,= 79400 RM. „HOFFNUNG ££ Bekleidungsindustrie G.m. b. H. (§) Berlin N 54, Bnmncnsfr. 188*90 Frühjahrs-Ulster u. Paletots in großer Auswahl Loden- und Gummi-Mäntel in allen Qrößen Sport- Anzüge In großer Auswahl , sehr preiswert Wlndjackon für Damen und Herren "in allen Preislagen UiUNiiotiHiMMUiuiiiiiiMiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiniiüiiiimnHiiiimuniiiiiijiniKMiiiitiiiimiiuiiiiwiiiiiiiii | Elegante Maßanffertigung| Herrenartikel. Oberhemden:: Krawatten:: Hüte WWW» Stöcke:: Schirme usw. wmmm in guter Qualität zu billigen Preisen. Lederbekleidung für Schöfföre. Oelmäntel und Oeljacken sowie Berufskleidung für Jeden Beruf. Alle Artikel für das Reichsbanner Fahnen, Fackeln, Lederzeug usw. Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag-, 10. April: Vorm. I: Morj.infeier. lljfr 12.50; Pljtjmuiik des Musikkoroi ijts I Ba- ♦«illoo« J.(Pttaj l Inlanterieresinients(Poisdamt. NbcImh, I.Ii! Di? Stunde der JUebcudeni Clilra Göll— lo-an Coli. 2„10: Sondcrgcbietc der Markenkundc. 3; Di« Pisehtrel»1s Nebenbelrith der Landwirtsehajt. 3-10: Märcb»::. 4: Die Pfauen der d«»tscbeq Literatur; In der Ranitntik. 4-30—4: Kapell» Gebrüder Steiner. 7.05: Erlebnisse in Mexiko. 7.30: ,,Sieh, das Oute lle»t TO nah." 8.15: Johannes-Passion von Job. Leb. Bach. 10.30--U.30; Tanzmusik. Montag, 11. April: blgchm. 3J0: Pr»#enfrigen: Das Auee für die ftol. 4: StreifzBf« durch Portngal, die Heimat des Portweins. 4.30: Novellen. 0-4: Ettd-Kammer- orchester. 0�0: Wann sollen wir Ostern fejern? 0�0: Die Oestallnnf des Radlahrverkebrs in OroO-öerlin. 7.20: Der Besinn des Weltverkehr« mit Qroß- Luftschiffen im Jahr« 1928. 0; Das Wlrtschaltsleben der Zukunft(Prof. Dr. Sombart). 8.30: Konzert. 9.30; Bruno Scbönlank- Dienstag, 12. April: Nachm. 13.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4t An deutschen PorschupssstOtten, 4.00 4: Orchester des„Cafd Vaterland". 4.30: Stunde mit Büchern, i.fe: Soziale Krankenhauslürsorge. 7.20: Oslerglaube und Oster- Sehnsucht. 7.45: Sterhliehkeitsforschung als Qrundlazs der Lebensversieherunt- 9: 200 Jahre Orchcstcrmosik: Jos. Haydn— Pr. Schuberl. Mittwoch, 13. April: Nachm. l.3tH"J: Glockenspiel der Parochlalkirche. 3.30: Winke IBr die Zusammenstellung des Küchenzettels. 4: Das Wunder des Grals. 4J0: Jugendbuhne. 5—4: Berliner Punkkapelle. 6.30: Die Sportschau des Monats. 7.05: Gesunde Mütter— gesundes Volk! 7-30:„Also sprach Zapathustra", 2. Teil. 7.55: Portschritte Im pädagogischen Jehrhundcrt. 8.30t Wilhelm von Schot. 9.30: Das Lied. Donnerstag, 14. April: Nachm. 12-30: Die Viertel stand« flr den Lendwirt. 4; Vorgärten in der Großstadt. 4.30:„Passion".»—6: Konzert. 7.05: Spanisch. 7-30: Die Ver, hütung von Schlagwetter-CxplosloneB, OJO: Sendespiel;„Galern", ein Pcst- zpiel von August Strindberg. Freitag, 15. April; Vorm. 9: Morgenfeier. Nachm. 4: Sendesplet;„Perslfel", ein Bohnen- weihfestspiel von Kicbtrd Werner. Sonnabend, 16. April: Nachm. 12.30: Die Viertelstunde für den Ludwirt. 4: Glockenspiel-Musik, 4.30—4: Kapelle Gebrüder Steiner. 7: Der Cherakter in unterer Zeit. 7-30: Di» Ausgrabungen in Ephesus. TM-. Weltstadlproblcme, SJO: Konzert des Kos- I eckschen Bläserbundet e. V, 10-30: Drahtloser Empfang ferner Stationen. 11.30: Ans„Paust" von Goethe. Kölligswusterhausen. Sonntag, 10. April: Uebertragungen aus Berlin. Montag, 11. April: Nachm. 230—3: Verhütung der Nervosität von Säugling und Kleinkind. Fr. Lfideritz-Ramelow. 4—5: Die Blldungsaufgabert der gewerblichen Berufsschule und ihre Durchführung. Stadtschulrst Pr.-Ing. Barth. 5—4: Schachfunk. E. Nebermann. 6—4.30: Die Bedeutung der Eorstnebenbenutzungen und der Jagd im deutschen Walde, Oberförster Dr. Hausendortf. 4.30—4.55: Engtisch für Anfänger. Slud.-Rat Priedel. Lektor Mann, 6.55—7.20: Bureauorganisatiou und Bureautechnik; Die neuzeitlichen Verfahren und Hillsmittel. Dr., Otto Hummel. Ab 7.20: Ueberlragung ans Berlin. Dienstag, 12. April: Nachm. 4—5: Die Bildungsaufgaben der gewerblichen Berufsschule and Ihre Durchführung. Stadtschulrat Dr.-tng. Barth. 5—5.30: Grundfragen der Staatenkunde: Volk. Nation und Rasse. Dr. Rieh. Berger. 5.30—6: Logisches Denken und seine Bedeutung für das Leben: Menschengeist und Tiervernunlt. Gummi-u. Regenhautmäntel M.Weinheber,C 2, Breitestraße 6. pr. H, Ellkenfeld und prau Suse Byk. 6 4.30: Aus der Präzis des Miet- «chbflengerlchts. Ein Zwiegespräch. Aratsgeriehlsrat Dr. Schuban, 4-30 4.55: Spanisch für Anlänger. 0. van Eyseren, C. M Allieri. 6.55- 7.20: Der Anteil der Deutschen an der Erforschung der Erde; Hermann v. Wißmann und Paul Pogge. Prof, Pr, Müdbraed. 730—7.45: Das deutsche Kunstlied hl« Schuhen. Pr, Mersmann. Ab 8.45: Ueberlragung aus Berlin. Mittwoch, 13. April: Nachm. 12—123»! Einheitskurzschrift für Schüler, Prot Dr. Amsel, Yher. «chullebrer Westermann. 1230—12.40: Mitteilungen des ReiehssUdtehundes. 2.30—3: Das Leinen In der Mode aller Zeilen, Dir K. Kisker, 330—4: Einheitskurzschrift für Anfänger. Pro|. Dr. Amsel. Oberschullehrer Westermahn. 4—430: Chinesische Jugend und chinesische Schulen. Dr. R. Meli. 430—5: Englisch für Portgeschrittene. Slud.-Rat Priedel. Lekior Mann, s- 5.30: Der Bau und das Lehen der Pflanze»:„Die Haut der Pflanzen", Prot. Dr. Kurt Krause. 530-6: Passions- und Gslermuslk: Malthäus-Passlon(J. S. Dach). Kapellmeister A. Ebel. Gesang: Minna Ebel-Wild, Paula Werner-Jensen, 4—6.30; Technischer Lehrgang für Facharbeiter! Flächen- und Raumberochnung. Qcwerbeobcrlatucr Mayer. 6—6 5»; Englisch für Anfänger. Slud.-Rat Priedel, Lektor Mann.»35—730: Die Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Ertrags. Steigerung In Deutschland und ihre volkswirtschaftliche Bedeutung. Dr. Nolte. 7.20—7.45: Die Kultur Europas Im Zeitalter der Renaissance und Reformation. Dr. Kranimer. Ab 8,30; Ueberlragung aus Berlin. Donnerstagr, 14, April: Nachm. 2.30—3: HausfrauenwOnschc zum Wohnungsbau: b) Die Gestaltung der Räume. Zentrale der Hausfrauenverein» Berlin. 4—4.30; Berulsberatung: Was ist beim Abschluß eines Lebrvertrags au beachten? Direktor Knofl. 4.30—5: Lehrgänge für Museumsführungen. Lehrer Konetzkj'. 5—5.30: Weltpolitische Stunde. Maximilian Müller-Jabusch. 8.30—6: Japan, sei» Volkstunv und seine Kultur im Wandel der Zeiten. Malor a. D. Dr. Trautz. 4-6.30: Schweinerotlauf und Schweinepest. Dir. Prof. Dr. Dahmen. 6.30— 6.55: Spanisch für Portgeschrittene. 0, van Eyseren, C. M. Allieri. 6.55—7.45: Sprechkunst Mit Slftrotoflie und Horoskopen, die heute wieder eine Hausse« erleben, rechnet Pros. Dr. M a r c u s e ob. Die falsche Einstellung der Astrologie besteht darin, dah sie mit der Stellung der Planeten zu den Bildern de» Tierkreises eine bestimmte Bedeutung auf da» Geschick des Menschen verknüpft. Astrologie ist nichts weiter als ein geschicktes und interessantes Kombinationsspiel. Die größte Verwirrung bereiten aber die wissenschaftlichen Astrologen, die hier unter dem Mantel der Wissenschast Unsinn als Wahrheit ausgeben. Dr. Kurt Singer beendet seinen Zyklus„Die musikalische Bildung des Arbeiters" mit dem Vortrag„Wege der mu- fikalischen Erziehung". Oftmaliges Hören eines hochwertigen Musik- wertes bildet die beste Voraussebung für die musikalisch« Selbst, erziehung. Es dürfen allerdings nur Werke von einer stilistisch fest umrissenen Form in Frage koinmcn. etwa Beethovens Sonaten und Symphonien, Mozarts Öuverturen oder Bach» Präludien. Durch oftmaliges Hören lernt man auch die einzelnen Orchester- und Ge- sangsstimmen unterscheiden, und man gewinnt das Gefühl für Tempo und Gliederung. Zu empfehlen ist ferner die Kenntnis der In- ftrumcnte, vor ollem ihrer Ausdrucksmöglichkeiten, und jeder, der Noten lesen kann, sollte sich an das Studium einer Orchefterjiartitur heranwagen.— Ueber da» Schnellverfahren im Straf r o z e h spricht Dr. F r i e d e r e d o r f. Er gibt ein. Bild von den Vorgängen in diesen Gerichten. Das Schnellversahren ist im Interesse de» Angeschuldigten selbst, ferner aber auch Im Interesse der Wahrheitsermittlung eingeführt worden. Verein- fachung, Verbilligung und Beschleunigung stnd die Resultate dieser gerichtlichen Neuschöpfung. Rest Langer und Ernst'Petermann be- schließen da» Programm der Woche. Vielleicht ist Rest L a n g e r s Portragskunst zu sein und unaufdringlich für das Mikrophon. Vor allem vermißt man aber ihr« Mimik. F. S. der Gcgwwarfi„Gogol zom 75. Todesiage". Dr. Prul Fechter. RezUatTotjf W. Buscholf. Ab 8: Uebertraffunff aus Berlin. Freitag,|5. April: Ucbcrtrasviigfn au� Berlin. Sonnabend, 16. April: Kachm. ,1— französisch für Anfänger, fekfer Cl.Ce-acÄrj, I GjohnfHir�P-QniT�TTfl-n ■uuiiiwuiiHiiiiintiiimniniiii/ntwini/iimuHiuiiiiiuijHiiuuänuiuJUiuuuuMtuujuuuuuJfJlu/ii Damen- 6ummi- Mantel Herren- Kumml• Hantel KftperMwebe la ▼•rachled. i Q Farben*. Formen M 27� I Damen- Gummi> Hantel in Kaschmir. Köper und Corercoat mod. Farben OQ und Formen... M. AS.» Oamen-Gabardine-Mäntel "uto wetterfeste Strapaz.» O/l QnalltÄten.... ML 30.» Oamen-Gabardlne-Häntel beste impr&gn. Qoalititen in mod.Farb. n.Form. M. 52.» Damen- Loden- Mäntel Impr&gn. Kamee Ih&arlod� OQ flotte Formen und Farben— Sdilangenhaut-RegenmSntel für Damen and Herren, 4 Q guter Oelbatist......• ft— Köper- rtiOovsreeatgewebe*A 60 prinaGommierug Ii tü.» Herren- Gummi- Mäntel pr. Cberiot-«. Kaschmirgewebe, in modernen For- 07 wen...... 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ANQESTEUTS BERUNCBOSENTHALERSTRSa _ t BUCH RANN ßOST UND ÖMA 000 OMAMTBN-HAMKBN- II J*MTmi**BXKHAnxrUiMI UtüSAND MAO* MUSBMAAß UATALDA BOAT/S d &linaste Ttauswasche Sßeauenrv Estegant HALBSihfe kmGEM D.OJt QlbcraCC XU iaben vs�sa, 10 Monate Herren-Anzfige von 50.— an Herren-Mäntel von 45.— an Herren-Gummimäntel von 19.50 an Damen- Mäntel von 28.— an Damen- Kleider von 16.— an Damen-Koslttme von 39.— an Herne Haftableilund bleiel daranlierl Knien Silz und prima Verarbetlnnd Loflnlnder Strafte 67 fijtUlSO Franttlurfer Allee 336 W-T» iL, üellanslail+ fflt eletttoniBDIjlnHiöe GeiltnetöoOe. cillik- nnü Höatgtn- tliMDie unD noturOeiilunde. öoüiöoDaiiiie, Bioüieinl? und äifiutectuien. SämMe meötünlfdien unD MlllkWtt. BoOftonDig gift.reie BßöanDiung. Seht gute und schnelle Heilerfolge bei allen inneren and«nsttren nrantheilen. speziell chronischen, bei Männern. Jeanen und Sladern. Nachweislich sind mit gutem Heilerfolge folgende ikrankheiten behandelt und geheilt worden: Kala-»ad Lungea.Tuberkulose und Katarih, Brouchialkotarrh. Bronchialasthma! jliuchbusien: Kerzcrweiteruag, Her, fehler und Kerztlappen. sehler, Herzasthma: Magcactwciliruua und.senkunq, Magen» und Dorm- katarch. nervöse Magenschwäche, Magengeschwüre: Stuhlorrssopfung: Leder- erkrankung, SaUensirine. Gelbsucht: Leber, uud Milranschwellung: Sicht und Rheuma.tsmu», rheumatische und nervöse llopfschmerzen, Schlaslosigkeit: Er. kraukungen de» Rer»«»si,stcm». Ncrvcnschwäch«, Reuraschenie, Kqsterie, Neur. algie Jachia», Trigeminua-Ncuralgi«. Migräne, Rückenmarkerk: anklingen: Stosswcchselkrankheltcn. ituSerk ankheit, harnfanre Diothcle. Fettlucht: Er- krantungen de, Blutes. Leukämie, Ehlorvle und Anämie: Nieren- und Blasenleiden: Erlältuagskronkheiten, znslucn,». Srii>»e; Schuvoenflechtc, chrvnische Slzem«, Bartflechte, Haaeaussall. frclsend« Hau flechte(Lupusl: Beiugeschmüre, frisch« uud veraltete Wauden und Fiftela. Rastdarmsisteln und -liffuren: Sämvrrhoidea: Oueischuugen, Blutergüsse: Furuutel und»arbunkel: 5tram»fadcrn, Muttermale: Resselsucht, Rase: Brandwunden: Drüsenschwel- langen jeher Art: Ohren- und Rasenleiden, Stirn- und iticfernhöhlenvcrcite- ruog: Adernverkaltung: Fvlgen«»» Schlaoansall, Lähmungen bei llindern und Erwachsenen:«inderkrankhei:«». Strophulvsc: Frauenleiden jeder Art: Geschlechtskraukheiten uud bereu Fvlgen bei Männern und Frauen. Bon den Hunderten Seheilten Nnd hter nur einige wegen Raummangels an- geführt: 1. S. Ränsch, Sattler, Bln., Frankfurter Allee löv, Rhoumatis- mu», geheilt. 2. Fr. E. Kohdvrf, Bln., Kolberoer Str. Nerven- und Knochenhoutentzündung vollständig gelähmt, aehellt. Z. S. Ritter. Bln.. Friedenau. Svonholzstr. ätz, v. Beinleiden geheilt. 4. H. M. Werner. Kauf- mann, Bln. R.. Sottschedstr. 2». Lungenleiden. Blasenkatarrh geheilt. 5. Knabe W. Mulack. Bln., Kwinglistr. SS. v. RüekengrotverkrUmmung mit LSHmungserscheinunqen Magen- u. Darmkatarrh geheilt. S. Fr. M. Wcincck, Bln.. Auguststr. 21. v. Muskelen'Mndung u. Her, schwache geheilt. 7. Fr. 3. Konisch, Bln.. Lübecker Str. 18. Blinddarmfistel, geheilt. 8. Fr. Hermann, Bln.-Schönebcrg. Fcuriastr. l3. Blinddarmfistel. geheilt. S. Fr.«. Heide- korn. Bln.. Gostlcrstr. 84 Selenkrheumalismus. Rückenschmerzen u. Neur- asthenie. geheilt. 10. L. 0 Bürger. Rentier, S'n. Reichenbcrger Sir. 141, Drülenschwellung geheilt. 11. K. Paul, Bln.. Rcichciibcrger Str. 181. Magen, u. Nervenleiden, geheilt. 12. Fr. 0. Blihner. BIn.-Reukörln. Harzer Str.«7. Krämpfe, geheilt. 18. H. O. Unqcr, Kaufmonn. Bln.. Wichertstr. 41. Mögen-. Leber- u Nierenleiden, geheilt. 14. Fr. E. Basel-n. Bln.. Pfluastr. 8 Magengeschwüre u. Blutarmut, geheilt. 15. Frl. Liedow. Bln., Kolbergcr Str. 2«/2g Gelenkrheumatismus, geheilt. 18. Fr. Ww. Fritsck>ler, Bln.. Marienburaer Str. 48 Dormaeschwulst. geheilt. 17. Fr. Hedwig«teen. Bln.-SchSneberg. Thgrwasdsenstr. Ist. LeberanlchweNung «allenblosenentzanduna. oeheilt. 18. Fr. A. Rohrmoler, Bln.. Breslancr Str. 1. Serzerweiternng. Sergneurofe allg. Nervenschwäche, geheilt. IS. Fr. Barls». Bln.-Eävenick. Rasenstr 2, schwere Blutverailtuna». Sandvercite- rnna aehellt. 20. S. v. vebme Schlächtermeister. Bln.. Thaerstr. 4N Her,- u. Mnaenseiden. Lcder.>,. Mil�tnschwclluna. geheilt. 21. Fr».»i-»n-e. Bln.. Dol,lger Str. 24 Manen-. Leber-». Gastensteinleiben Gelbsucht ac- heilt. 22. Herta Fabel. LIIbbenau-Spreewald. tuberkiilSlcr Knochenfraß. Knlegelenkscntillndnng. ocbcilt. 28. H Röhe. Ritterantsbeützer. E-nstmalbe Krs. Karvoweck. Ostvr.. schwere Blutvergiftung u. Gelchmilre. grbe'lt. 24. H V. Leovolb. Bln..Friedenau Knirerassee 128. eitrige L"ngen'islel oebeilt. 25. S. E. Msch-eli». Gastwirt. BIn..Tharlottenburg, Wolistr. 87. Lcberlciden. GaNenNeinleiden, Gelbsucht geheilt. 2«. H. Palizriassssten« R. K-amm, Bln., Kochhannstr. 20 von Maoenneschwürcn Maaeuerweiterung u. Senkung mit 80 Behandlungen geheilt. BWe sännen lagen, dost durch die«ur in ltn'eeer Heilanstalt leibst die SItelten. hartnäcklesten Oelden noch?!,r Heltung gebrocht werden und daß alle, die ihr höchste? Erdenglllck. die«esun»>>el«. bereits verloren zu haben glauben, wieder in den Bollbelitz derselben gesetzt werden. aMWF~ BrieMche Original-Anerkennungen von»ns geheilter VBIk- Patienten stehen im Wartezimmer der Anstalt lur Einüchl. Getrennte vehandtungsräunie für vanrea an» Herren! Relne briefliche Behandlung! Professor Dr. med. P. Misielsby, Arzf, KlUr im Auslande ernannt, promoviert und approbiert. Mitglied der Internalionalea Vereinitzang von Aerrten a. NatarSrzten. Berlin S016, Brückenstraße 10b, 2. Haus«ton der«ungeflrahe. 1 IRInnle von vhf. ZaananZIHdrllrte. Langjährige lachmSanllche ärztliche Sehaadlnag und Leitung. Sprech, und vehan»lung»,ett:»-1, Sonntag aad Feiertag: i 10-12«Hr.- Praxis«eil 1SS7.> Von der Reise zurück! nr. ,7»»»�?-chr->-mg 4» 6cilagc öcs«»»»«-?, i». flprni»�? Die Not der Arbeitszeit. Und das Arbeitszeitnotgesetz. Von S. A u f h ä u s e r. Das Arbeitzeitnotgesetz ist in dritter Lesung mit 18ö gegen 184 Stimmen angenommen worden. Hätten wenigstens sechs der den christlichen Gewerkschaften zugehörenden Reichstagsabgeordneten innerhalb der Regierungsparteien in Wahrung ihrer einfachen Organisationspflicht mit den Links- Parteien gegen das Gesetz gestimmt, dann wäre damit dem Reichsparlament die Kapitulation vor dem Unter- nehmertum erspart geblieben. Herr Stegerwald konnte in seiner mehr über- als erheblichen Verteidigungsrede diese schwere Pflichtverletzung seiner Gewerkschaftsfreunde nicht bestreiten, glaubte aber seine rebellierenden Mitgliedschaften im Lande damit beruhigen zu können, daß er die Haltung der Sozialdemokratie als hyperradikal charakterisierte. Als er an seine eigenen vorher im Lande gehaltenen Reden erinnert wurde, die eine volle Rechtfertigung der sozialdemokratischen Haltung und Stegerwalds Umfall bezeugen, meinte er, er hätte nie etwas anderes gesagt, als zweierlei: „Das Arbeitszeitgesetz müsse erstens eine Einschränkung der Ueberstundenwirtschaft und zweitens für die über 48 Stunden hinausgehenden Ueberstunden einen angemessenen Zuschlag bringen. Wenn es das nicht bringt, so werde die Koalition auf- gehört haben, zu existieren." In Wirklichkeit haben Stegerwald und seine Freunde im Ausschuß und Plenum des Reichstages sämtliche sozial- demokratischen Anträge niedergestimmt, die zur Sicherung dieser von ihm selbst proklamierten For- derungen gestellt waren, weil sie ihm nun plötzlich zu „radikal" erschienen waren. Durch die Streichung des Z 11 Abf. 3 der Arbeitszeitverordnung wollen die Vefitzblock- Parteien angeblich die bisherige straffreie„freiwillig an- gebotene Ueberarbeit" beseitigen. Diese falschen Arbeiter- freunde verschweigen aber geflissentlich, daß gleichzeitig ein neu formulierter t; 10 eingeschmuggelt worden ist, der die zu§ 11 erwiesene„Wohltat" reichlich aufhebt. Hier sind die sogenannten„außergewöhnlichen Fälle" konstruiert worden, die den Achtstundentag aufheben. Darüber hinaus ist an Stelle der bisherigen„freiwilligen" Ueberarbeit dem Unternehmer der Zwangszehn st undentag in die Hand gegeben, wenn eine„geringe Zahl von Arbeitnehmern an einzelnen Togen beschäftigt wird". Das Maß der „geringen Zahl", sowie alle übrigen Voraussetzungen stellt nur der Unternehmer selbstherrlich fest. Das Unrecht des bisherigen 8 11 Abf. 3 ist also nicht de- seitigt, sondern man hat im 8 18 eine andere noch viel gefähr- lichere Fassung geschaffen. Die U e b e r a r b ei t, deren Ein- schränkung Herr Stegerwald so gebieterisch gefordert hat, ist aber noch in einer Reihe anderer Paragraphen verewigt worden. So kann der Unternehmer, entgegen dem Verlangen und Angestellten der gesundheitsgefährlichen Betriebe gedacht. Sozialdemokratische Anträge, die ein Ueberschreiten der Acht- stundenschicht im Bergbau vermeiden sollen, sind ebenfalls ab- gelehnt worden. Im 8 9 ist für Ausnahmefälle in solchen Be- trieben sogardiebisherige Maximalgrenze von zehn Stunden gefallen. Die„radikalen" Anträge der Sozialdemokratie aber wurden abgelehnt. Alle Hinweise auf die steigenden Unfall- und Krankheitsziffern im Bergbau fanden taube Ohren. Die Stegerwaldfche Behauptung von der gesetz- lichen Einschränkung der Ueberstundenwirtschaft in diesem Gesetz ist falsch. Seine Koalition mit den Zechenherren hat aber auch OeffentBiche Kundgebung am Donnerstag, dem 14. April, in der„Heuen Well" Reichstagsabgeordneter Dittmanu und die 1917 zum Tode verurteilten ehemaligen Marineangehörigen Becker» au» Aachen und Weber aus Rheine i. w. sprechen über die Harinerevolte im Weltkriege. nicht etwa aufgehört zu existieren. Er hat vielmehr Arm in Arm mit ihnon die Sozialdemokratie bekämpft, als sie das Ver- langen der christlichen Gewerkschaften im Reichstag vertrat. Der angemessene Ueberfwndenzuschlag wird im Gegensatz zu den vorher erwähnten Behauptungen nicht gewährt: bei Mohrarbeit nach 8 2(Arbeitsbereitschast), bei Mehrarbeit nach 8 4(Vorbereituings- und Ergänzungsarbeiten), bei Mehrarbeit in Notfällen, Unglücksfällen oder„anderen unvermeidlichen Störungen". Herr Stegerwald hat auch verschwiegen, daß der Reichsarbeitsminister den gesetzlichen Anspruch auf Bezahlung der Ueberarbeit in den Saisongewerbein auf- heben kann; also Zehnstundentag im Baugewerbe. Zlls„angemessene Vergütung" soll 25 Proz. Zuschlag gelten,„sofern nicht eine andere Regelung vereinbart ist" oder„besondere Umstände ein solche rechtfertigen". Die Be- gründung zum Gesetz läßt keinen Zweifel, daß z. B. bei den Angestellten pauschale Abgeltung der U eberstunde nbe- zahlung zulässig ist. Der Unternehmer kann den einzelnen An- gestellten im Dienstvertrag zwingen, die Abgeltung der Ue-ber- stunden anzuerkennen. Hier ist noch nicht einmal der sozial- demokratische Antrag angenommen worden, der abweichende Vereinbarungen aus die beteiligten wirtschaftlichen Ver- einigungen begrenzen will! aller Gewerbschaftsrichtungen, von sich aus 38 Aus- nahmetage im Jahr festsetzen. Die Beschränkung tariflich vereinbarter Arbeitszeit auf acht Stunden, wie sie durch den sozialdemokratischen Antrag auf Streichung des 8 6 gewollt war, ist unter Mitwirkung der Stegerwaldkameraden gleichfalls abgelehnt worden. Durch Zwangskarif ist dem Neun- und Zehn- st undentag Tür und Tor geöffnet. Herr Stegerwald hat bei seiner angekündigten Ein- der Ueberstundenwirtschaft auch nicht an die Arbeiter Die L e h r l i n g e sind vollkommen von einer Vergütung der Mehrarbeit ausgenommen. Die Sozialdemokratie hatte zu all diesen Bestimmungen neben ihren grundsätzlichen An- trägen, die der gemeinschaftlichen Eingabe aller Gewerk- schaften entsprachen, noch einzelne Eventualanträge gestellt. Wenn der reaktionäre Block auch diese abgelehnt hat, dann zeigt das Gerede vom„Agitationsbedürfnis" der Sozial- demokratie und ihrem„Radikalismus" die ganze innere Unwahrhaftigkeit jener sonderbaren„Arbeiteroer- treter" im christlich-natiostalen Lager. Es war kein Zufall, daß die dem Reichstag angehörenden Unternehmervertreter im Plenum geschwiegen haben. Sie hatten willige Anwälte, die ihre Geschäfte be- sorgten. Dabei war es selbstverständlich, daß auch die Kom- munisten, wie immer im Augenblick des erbittertsten Kampfes der Sozialdemokratie gegen das Scharfmachertum unter Preisgabe der vitalsten Arbeiterinteressen den wüstesten Bruderkampf gegen die einzige Arbeiterpartei führten, und die Gegner des Achtstundentages völlig schonten. Wenn Herr Stegerwald aus dieser gewissenlosen Haltung der Kom- munisten den Schluß zog, daß die christlichen Gewerkschaften in Gemeinschaft mit Moskau die Sozialdemokratie einkreisen würden, so irrt er. Die Arbeiter und Angestellten im christ- lichen Lager sehen in der Achtstundenbewegung nur zu deut- lich, daß heute die Sozialdemokratie die einzige Arbeitervertretung ist. Nach dem Versagen des Parlaments werden sich die Arbeiter und Angestellten im Lande zum unmittelbaren Kampfe um ihre Menschenrechte vereinigen. Gegenüber dieser gewaltigen Welle organisatorischer Kraftentfaltung wird sogar die Anmaßung des Herrn Stegerwald bescheiden erscheinen. Pfarrer Heumanns Heilmittel stets audi vorrätig In den Alleindepots: Zions- Apotheke Berlin N 31, Anklamer Straße 39. Telephon: Amt Humboldt 1022 Adler- Apotheke Berlin- Friedenau, Kheinstraße 16. 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Den mü„Urbin", also mü KARNAUBAwachs gepflegten Schuh ficht nichts an, gleicherweise ertrügt er Hitze und Külte, Sonne und Regen, Schnee und Frost — eine Leistung, wie sie bisher keine Schuhcreme aufzuweisen hatte! LEIPZIGER STR. 42 jj 0RAN1ENSTR-165 JfiMvnmJmufa Alle MMWM»Meli l»e Moabit! Der niemals betrunkene„Wilhelma"-Ji1nger. Er ist ein rleiner. wohlgepflegter, wohlsituierter Mann und Layer. Mit einem Spitzbart, einein Luxusauto und einer Freundin. (Luxus-). In der selig verflossenen„Wilhelm«"' tränt er eine» Nacht» zehn Matz. Und ebensoviel» Liköre. Seine Freundin nur drei Mah. („Es können auch vier gewesen sein".) Und ebenso wenig Liköre.(Wie oben.) Di« zehn Matz lagen ihm ein bißchen schwer im Magen. Dieweil in ihnen unter schmetterndem Jubelgesang und lodernden Siegesmärschen all« Berliner und Krotoschiner Juden ertränkt worden waren. Aber, o leibhastiger(Bottselbeiuns! Am Kurfürstendamm gewahrt« er mit eigenen Augen noch zwei ganz gesunde, lebendige Juden gelassen einherwandeln. Gegen diese unverständlich« Tatsache protestierte er mit wütenden Ausfällen. Beschimpfungen und Beleidigungen. Vergeblich. Die zwei lösten sich weder in Lust noch in Bi«r auf, sondern rieten ihm, nach lzaus« zu gehen und sich ins Bett zu legen. Worauf er ihnen mit dem Stock die Köpfe blutig schlug. Also schwere Körperverletzung Dem Beamten, der sein« Personalien feststellen wollte, sagte er: ,Aier haben Sie 50 Emchen, machen Sie doch keinen Unsinn, lassen Sie mich laufen!" Also versuchte Beamtenbestechung. Fünf Zeugen schwören. Daß er sinnlos betrunken war.(Die Freundin.) Daß er nur angeheitert war.(Die Geschlagenen.) Daß er ganz nonnal war. (Der Schupo.) Daß er bei der Beleidigung normal war, bei der Körperverletzung unzurechnungsfähig war, bei der Vestechung wieder normal war.(Der Sachverständige.) Daß nur ein und nicht zwei Gottseibeiuns« dagewesen seien.(Die Freundin.) Daß zwei da- gewesen seien.(Der Polizist— und sie selbst natürlich.) Daß er sie mit„Barmatschweme, Kutiskerschweine usw." angerempelt hätte. (Die Angerempellen.) Daß nicht er den Gottseibeiuns, sondern der Gottseibeiuns ihn mit— wie oben— angerempelt hätte.(Die Freundin.) Der Staatsanwalt glaubt nicht der Freundin, sondern beantragt für alle Uebeltaten zusammen eine Geldstrafe von 1400 Mark. DerDerteidiger glaubt nicht der Freundin, sondern sagt:„Der Angeklagte Hot sich unanständig benommen, er muß bestrast werden, ich bitte aber milde Bestrafung, denn nicht er ist an den Ausschreitungen schuld, sondern die verflossene„Wilhelma"." Das Gericht glaubt nicht der Freundin und verurteilt den Sünder zuöOOMarkStrafe. Die platte. In einem Kelle rflair lag eine Platt«. Eine Holzplatte. Wecjen dieser Holzplatte sitzen zwei Menschen auf der Anklage- und drei aus der Zeugenbank. Weil sie nicht mehr existiert, sondern verbrannt wurde. Wann wurde sie verbrannt? Wem hat sie gehört? Drei Zeugen schwören. Zwei Angeklagt» wollen schwören. Daß sie Hauseigentum war.(Die Angeklagten— Hausverwalter und Portier.) Daß sie dem Feinde der Angeklagten gehört hat.(Der Feind der Angeklagten— ein Mieter.) Daß im Flur zwei Holzplatten gestanden hätten. Di« des Hauses und- die de« Feindes. (Die Angeklagten.) Daß nur ein« gestanden hätte. Seine eigene. (Der Feind.) Daß zwei gestanden hätten. Seine und die de» Feindes.(Ein zweiter Mieter— und Freund de» Feindes.) Da» gleiche.(Seine Frau.) Daß die Holzplatte schon im Oktober 1925 verbrannt wurde.(Die Angeklagten.) Daß sie im Herbst 1926 verbrannt wurde.(Die Frau de» Freundes de» Feindes.) Es ist also al» erwiesen zu betrachten, daß zwei Holzplatten im Flur standen. Ganz bestimmt. Möglicherweise aber auch drei. Die des Hauses, des Feindes, und des Freundes des Feindes. Eine Platte ist verbrannt worden. Ganz bestimmt. Möglicherwerse ist aber noch eine Platte gestohlen worden. Das Kernproblem ist also: Ist schon im Oktober 1925 die Platte verbrannt worden, oder erst im Herbst 1926? Geschah das schon im Oktober 1925, dann konnte es diejenige des Hauses gewesen sein, und die des Feindes muß im Herbst 1926 gestohlen worden sein. Andernfalls sind nur zwei Platten im Flur gestanden, und di« Angeklagten habe die feindliche Holzplatte verbrannt. „Haben Sie mit Ihren eigenen Augen gesehen, wie der Portier die Platte vernichtet hat?" fragt der Richter die Frau des Freundes des Feindes. Nein, sie hat es nicht mit den eigenen Augen ge- sehen, sondern mit den Augen ihres dreizehnjäh. rigenJungen. o>, j Und der dreizehnjährige Junge wird nun im neuen Termin lagen müssen, ob er es mit eigenen Augen gesehen, oder vielleicht nur mit den Augen des. siebenjährigen Brüderchens... öerliner varietäs. Die Scala stellt in ihrem April-Programm eine Reihe von Nummern auf groteske Komik zusammen. So die amerikanischen Exzentriker Pa l o und Se ll e ry, der tanzende Jongleur Clan K e y e». die Jmitationskünftler Geaik» und Geaiks. der sehr gute Reck- und Trampolinakt Flying P o t t e r s und das exzentrische £anzpaar Oinos und ßo leite. Das ermüdet ein wenig, da die komischen Eigennoten der einzelnen nicht sehr von einander ab- weichen. Ausgezeichner ist übrigens im weiteren Proaramin da» amerikanische Neaerquartett 4 Hormony Kings, Stimmen von einer ursprünglichen Musikalität, die ihresgleichen sucht. Kaum gibt es zwei schwedisch« Accordeon.VIrtuosen G ellin und Borg- ström, die mis ihren Instrumenten das Leben eine» ganzen Orchesters zu locken wissen. Auf tänzerischem Gebiet das Paar Fosca— altes Ballett, in Artistik gelöst— und Pauline Bin- eent, die im Tanz nicht ungeschickt einen exzentrischen Ausdruck sucht. Außer Burckhardt-Foottit, der sehr schöne Pferde. unter anderem den berühmten Ostpreußen Quadro, zeigt, muß noch der verblüffende Wasser-Illnsionsakt Nereida genanm werden. (Eine Dame erscheint und entsteigt einem in aller Öffentlichkeit mir Wasser gefüllten Glasbassin.) Zum Schluß die gute Radfahrtruppe Daunton-Shaw. Winlergarlen. Zwei prachtvolle Varietänummern lind diesmal auf dem Programm. Die arabische Springertruppe V e n L i o- z a e d Abdallah und die chinesische Tsingtau-Truppe. Di« Söhne Afrika» stürmen, in ihren roten Kostümen, wie lodernde Flammen über die Bretter, herrlich anzuschauen: ihre Sprünge sind von ganz unerhörter Kühnheit. Kühn und verwegen arbeiten auch die Chinesen. Sie zeigen Kampfspiele mtt blitzenden Waffen, Mann gegen Mann, Mann gegen Männer, immer haarscharf am Gegner vorbei. Ungeheuer gefahrvoll und ungeheuer spannend. Dabei ein rasendes Tempo. Wahrhaft heroische Spiele. Brillante Artistik bringt auch Harvard Winyfred und Bruce an den Ringen. Der Sprung von den Ringen an ein dünnes Seil ist«ine große Leistung. F r I t ch I e, der ungeschickte Hausknecht, macht seine Sache, das heißt einen tollen Unsinn, immer noch vortrefflich. Aber auch die Sportgroteste Bowden und Garden verdient uneinge- schräntkes Lob. Der humoristische Partner ist ein Spezialist un Finden de» Schwerpunktes auf den unmöglichsten Rädern. Weder die spanisch« Tänzerin Herrera noch das Dayelma-Ballett verfügen außer über«ine gute Spigcnlechnik über bemerkens- wert besonderes Können. Aber sowohl Tänzer und Tänzerinnen im Ballett als auch di« Spanierin geben sich so ungemein liebenswürdig und umkleiden chre Tänze mit so viel Freude am Tanz selbst, daß man entzückt ist. In der Serie der Zauberkünstler des Wintergarten? hält sich auch Herr M u st i wacker und erfolgreich. Herr in ico lau» zeigt mit seinem an sich ganz amüsant vorgetragene» üblichen aktuellen Kabarett- Gequassel, daß die Zeil der großen Ba- rtetekomiker i 1a. Reutter endgültig vorbei ist. Das F l e ß b u r g Quartett hingegen drückt auf die Rührunysdrüse: ihr deutsches Lied ist in der Hauptsache das Trinklied und ihr deutsches lebendes Bild ist vollendeter Kitsch. Man schenkt ihnen di« Bilder ganz und gar und wünscht, daß sie unter unseren prächtigen Volksliedern eine besser« Auswahl treffen, denn sie singen gar nicht Übel. Partemachrichten für Hroß-Serlm Staftabuagai fix biete üibrU flnb BcclU«S«S, Lwdeustratze 3. »et«*■ Das«ejirfefetretutiot 2. Hos, t Trep. recht», ,» richte» ZNlkgliederversammlungen und Zahlabende am Mittwoch. * 5.«teil Zelchtichoboi». Montag, 11. April. 7 Uhr. tn Schmidts Selell. schaftshou». ffruchistr. M»,«eel»f-i,ktio»äesU,»»g. Tagesordnung: 1. Vor. trag:.Do« Bertehr«vrobl-m von Sroh-Berlin". Referent Stadtrat Ernst Reuter. 2. Freie Aussprache.». streisangelegenlicitcn. Das Erscheinen sämtlicher Funktionäre ist Pflicht. Mitgliedsbuch und Funltionärkarte «. ftteu" sttenibet«,' Montag, 11. April, pstnktllch 8 Uhr, ermeiterte«reis. vorstandslijung mit der Beurksverordnetenfraktwn im groben Sitzung»- Ii. stttI,�'s«�li�.L?�«>i!.e?chterttlb� Rontag, 11. April. VA Uhr. im 13.«»i��ewpeÄ�M-rlenbor�Äarienselde.Lichteneabe. Dienstag, 11 April, Vi Uhr, Sitzung des streisbildungsausschulse» bei Niendorf, Marienbors, Ebausseestr. 1». Fstr die«olksauffllhrung am Ostersonntag, nachmittag» 3 Uhr, in der Volksblihne. sind noch starten zu haben bei den Mitgliedern de» Bildungsausfchusies, sonst beim Genossen Sllnther, Mariendorf, stur. 11.«eel�äenkösi»?' Achtung I Am 31. Mär, Ist bei der Frauendemonstratlon in der Voddinstrotze ein Schisissel gefunden worden. Derselbe ist»m Porteibureau, Reckarsir. 3. abzuholen._ 17. steei» Lichienbeeg. Di« Funktionärsitzung am Montag fällt au«, 18. steei« Seitzenit«. Monis«, 11. April. 8 Uhr. bei Galla« wichtlae Funk- tionärverlammlung. Achtungl Der streisvorstand tagt de reit» schon um 7 Uhr ebenda. yeule. Sonntag. 10. April: 83. Abt. Die«llcherkret-dände flnb»om Kassierer Paul»ep,«otzlerftr. 1. abzuholen. U. Abt.«Ilmeesdees.«eseligee«be»b Im Viktoriaaarten, Sil- helmsaue 114/115. Musik,»adareit, T-nz. Mitwirkende: Erna«lein, Räte Wegner.Peiser, The- Maret. Dr. Fausi. Einlatz 8 Uhr. Beginn 7 Uhr. Eintritt 75 Pf. einschlietzlich Tan,. Wir bitten bie Genossinnen und Genossen, recht zahlreich mit ihren Freunden und Bekannten zu erscheinen. Morgen. Montag. 11. April: 7. Abt. Vi Uhr bei«ärwalde.«chlegelstr.», wichtige SunMonärsttzm,,. 13. Abt. Die Funkt tonärsitziing fällt au». 14. Abt. 8 Uhr bei Lauritzen, Putbusser Str. U, ffunttionärsitzuna� 15. Abt. VA Uhr bei Obigla, Stralsunder Sit. u. Sitzung sämtlicher Funk. tionäre mtt den Vetriebsvertrauensleuten. 13. Abt. 7H Uhr bei Karl Kinzel, Usedomstr. 2Z, Funktionärsitzung 17. Abt. 7V. Uhr bei Dose, Rorddafen 8, Funktionärsitzung 13. Abt. 7V4 Uhr bei Echrepel. Srsinthaler Str. 13, Funkti-närsttzung. 23. Abt. 7V Uhr hei Grunewald, Kameruner Str. 19, Funktionärsitzung. 28. Abt. 7 Vi Uhr bei Bllttnee, S-Hwebter Sit. 23, Sitzung sämtlicher Funktionäre. 38. Abt. 7 Uhr bei Vohst. Lnchener Str. 1«. Ecke«targarber Strotze, wichtige Funktionärsitzung. Alle Funktionäre müssen unbedingt erscheinen. 41 Abt. VA Uhr im Lokal Siener Str. 28, Sitzung sämtlicher Funktionäre. Bericht vom Vezirk-ta«. Materialausgabe... 81 Abt. Tempelhof. 8 Uhr bei Bus«, Werder.. Eike»aiser.Wllbelm.Stratze, Funktionärsitzung.«ortrag:.Polizei, Veamtentzum und Partei". Referent ReuISlln.°"»l.� Ab".' i TvT Uhr bei Balews«. Voddin., Ecke Zfarstratze, Funkt io. närsitzung.— 94. Abt. 7V Übt bei Schröder,«einmetzNe. 52 FunNio. närsitzung. Erscheinen Ist Pflicht.— 1 Abt. VA Uhr bei Teich,«liefe. de-kstr-tze 185, wichtige Funktonärsitzung. Die Vezlrksfsihrer laben de. stimmt ein.. Dienstag. 12. April: 7.«dt. 8 Uhr in Eornis F-stsSIen, Gartensir. 8: MitgNrderoersammlung. Vortrag:„Die politische Lage". Referent Eduard stachert, M. d. L. 10. Abt. VA Uhr bei Triimper. Flensburger Str. 8: Wichtige Funktionär. sitzung. Die Bezirksfllhrer laden zur Mitgliederversammlung am Mitt- woch, 13. April, abend» 7 Vi Uhr, in der Schule Alt-Moablt 23, ein. 18. Abt. 7Vi Uhr hei Schade. Köslincr Sir, 0: Sitzung sämtlicher Funktionäre. 22. Abt. 7 Vi Übe bei Radzan. Brüsseler Str. 43: Sitzung aller Funktionärr. 24. Abt. 7Vi Uhr bei Schleiff, Winsstratze Ecke Ehrtstburger Stratze: Funk- 28. Abt. 7 Uhr bei Seiles, Prenzlauer Allee 239: Wichtige Funktionärsitzuna. 41. Abt. 7Vi Uhr bei Lipfert,. Mariendorfer Sit. 6: Sitzung sämtlicher Funk. tionärr. Montag abend: Beteiligung an der Kundgebung im Sportpalast. 42. Abt. 8 Uhr bei Wiersdorfs, Urbanstr. 8: Funktionärsitzung. 43. Abt. 7Vi Übt bei Mcndler, Dieffenbachstr. 54: Funktionärsitzung. 44. Abt. 7Vi Uhr bei Ewald, Skalitzer Str. 128: Funktionärsitzung. Achtungl 7 Uhr Sitzung de, Adteilungsvorsiandes ebenda, 48. Abt. 7Vi Übt bei Wallentnn, Särlitzer Str. 72: Funktionärsitzung. Gr- scheinen sämtlicher Funktionäre wird rrwartet, 47. Abt. TV Uhr bei Baatz, Raunynftr. 44: Funkionärsitzuna. 53. Abt. Eharlottenburg. 7Vi übt bei Sur. Lutienstr. 28: Funktionärsitzung. 85. Abt. Tem«rlhos. 8 Ubr bei Buse, Werder Etrotzr Ecke staiser-Wilhelm- Stratze: stablabend. 101. Abt. Treptow. 7 Ubr in der Spedition, Grätzsir. 80: Wichtige Vorstand»- Ntzimg mit den Vezirksfsibrern. III. Abt.«ohnsbsrf. 8 Ubr wichtige Voi stanbssitzung bei Seiman». Sölten- borfcr Str. 100. Erscheinen unbedingt erforderlich. « 12. Abt. Mittwoch. 13, April. VA Uhr: stablabende bei Schmidt. Wielefstr. 17, und Oehlschliiger. Beriichingensir. 5. 39. Abt. Achtungl Anderer Parteiveranstaltungcn wegen findet unsere Funktionärsitzung erst am Mittwoch, 18. April. 8V Ubr, statt. 87. Abt. Grunewald Mittwoch. 13. April. 8 Uhr im Bahnbafsrestaurant Grunewald: Abtellungspersammluna. Tagesordnung: Bericht»om Br- zirkstag und Geschäftliches, Die Bezirkoksibrer werden dringend gebeten. bestimmt einzuladen. Die Funktionäre treffen sich bereit» um 7 Uhr ebenda. 81 Abt. s-lenlee. Mittwoch. 13. April, 8 Ubr bei Sandmann. Westfälische Stratze 42: stahlabend, Vortrag:„Die politische Sagt'. Referent Dr, Norbert Marr, Alle Genossinnen und Gonosien müssen erscheinen. Die Bczirtsfllhrer worden gcbetcn, bestimmt einzuladen, Zrauenveranfkallungen. 11. steei». Renkälln Montag, 11. April, TV Ubr, bei Etabmann, Münckirner Strrtze. Kursus:„Einführung in den Sozialismus". Rrfercntin Stadt- verordnete Minna Todoiihagen. Zrauenvcranstallungen am ZNoniag, 11. April: 48. Abt. 7 Vi Uhr im Graphischen Bcreinshaus, Alerandrincnftr. 44: Bibel- winde. Referent Stabtverordnter Abolpb Soffmann. 82. Abt. Steglitz. Der Frauenabenh fällt wogen der Reichsbannerueranstal- tiing aus. 182. Abt. B-umfchulenwea. 7Vi Uhr bei Saß. Zaumfchnlensir. 78. Vortrag: „Eherechtsrrform". Referentin Elfe Scheibeuhuber. 118. Abt. 7Vi Uhr bei Werner, Cäpenicker Str. 125. Vortrag:„Privat- und Semeinwirtschaft". Referent Genosse Buchholz, Zrauenveranstaltungen am Dieaslag. 12. April: 124. Abt. Mahlsborf. 8 Ub' bei Dretz. Ublandstr. 18: Besprechung de- Gesetze, zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten.' Arbeilsgemeinschaft der Kinderfreunde. Tcmpelhof. Mittwoch, 13. April, Fahrt zum Gamensce, wo in der Jugend. Herberge bis zum Freitag Aufenthalt genommen wirb.— Freitag abend sind wir in Tcmpeihof. Die Kinder, welche daran teilnehmen wollen, müsion am Dienstag. 12. April, zum Seimabend ILO MI. mitbringen, 82. Abt. Steglitz. Dienstag, 12. April, von 4-8 Uhr im Heim Ald recht- stratze 47, Spielen. Iungsozialislen. «pielgeweinschast. Montag. 11. April, abend, 7Vi Uhr. bei»iller. Teltower Stratze 28, Probe.— Gruppe Reiaickeadars.v«. Montag, 11. Ap->I. abend, 8 Uhr. im Jugendheim, Seebad. Restdenzstr. 49, Arb-iiseem-inschaft. Einführung in die Wirlschaslsgcschichte.- Gruppe Süden Dienstag, 12. April, abend» 8 Uhr. in der Juristischen Sprechstunde. Lindenstr. 3, Gruppenabend. 1. Gruppenangelegenheiten. 2. Maiprogramm Genenlmrs-mmluni Öfter- fahrt. 3. Aussprache über da- Thema:„Rattonalwirtschast und»eltwirt- schalt".____ Sozialistische flrbeiterjugenü Groß-Serlin. heule. Sonnlag. 10. AprU: Hnmannplatz: Tresspunkt zur Feier de» Werbebezirk» abend»*7 Uhr Helm. holtzplatz.— Schöueber» l, Jugendheim Hauptstr. lo. Heimabend.— Schone. beeg III: Jugendheim Hauptstr. 15. Heimabc nd.— Sonnfe«: Schule Ehar- lottenstratze. Lichtbildervortrag, abend»« Ubr.— Friedrichshage»: Jugendheim Scharnweberstr. 105a. Heimabend.— Ried er lch ö n ewe: d e: Jugendheim Dder- schoucweid«. Bunter Abend.— Lichtenberg-Mine und-Best: Tresipunkt zur Frühlingsfeter tn Biesdorf abends 8 Uhr Bhf. Str-lau-Rumme sburg- Pauk»»: Nachmittags Spiel und Sport auf der Spielwiese im Volkspark- «eebebeziri Pee», lauer«er»: Allersheim Danziger Etr. 82.»und. l f gebung:.Der Weg der sozialistische» Zugcnb. Beginn 7 Vi Uhr abend«, jrt «eebebeztrl Lichtenberg: Schule in Biesdorf(Turnhalle). Früh.,. Ilngsseier mit besonderem Programm. Beginn abend» 7 Uhr. ZNorgen, Moukag, 11. April, 7� Uhr: Moabit It Schule Waldenserstr. 20..Der Wert de» Wanherns."-» Friedenau: Schule Offenbacher Str. 5». Borbereitung zur Osterfahrt. Letzter .-(ahlungstermin(Fahrgeld 2 M.).— Schöueberg III: Jugendheim Haupt. stratze 15. Lichtbildervortrag über die Ostcrfahrt nach dem Fläming.— Westen: Jugendheim Hauptstr. 15..Imperialistische Kriege nach dem Welt. krieg."— Britz: Schulzimmer der 1. Schule. Arbeitsgemeinschaft der Funk. tionäre.— Eharlottenburg. Nord: Tagungsort nicht in der Schule, sonder» im Jugendheim Rosinenstr. 4.— Banmschuleuweg: Jugendheim Ernststr. 18. Fahrtdesprechung.— Reu-Lichtenbcra: Pr>n,.AIbcrt.Stratze. Balladen-Abend. — Hermsbors: Turnhallengebäude Roonstratze..Astronomie."— Roseuthal: Schule Schillerstratze. Glatzbrenner-Adend. Peenzlauee Berg: Greifenhagener Str. 88. Borsitzcndenkonfercnz des Bezirks. Wcrbedezirk Reuiöllu: Engere Werdedezirkssttzung bei Lange, Witzmann. stratze 11_ Vorträge, vereine und Versammlungen. G Reichsbanner.Schwarz-Rol�vold". Geschäftsstelle:«erlin S 14. Sebastianstr. 37/38. Hof 2 Tr. Henuigsbaef: Sonntag, b. 10., 7Vi Uhr morgens, treffen sich bie Rad- fahret am Bereinsheim, Richtung Tegel-Birkenwerder. Rückkehr di, 1 Uhr. Bannerkleidung.— Mitte: Mo., d. 11., 7Vi Uhr, Antreten zur stund- geduna im Sportpalast im Garten de, Sportpalastes.— Dienstag, 12. April: Prenzlauer Berg: Eenefelder Platz 8 Uhr Bersammlung bei Püttner, Schwedter Straße. Friedrichshaiu: 1. Sektion Eckrionsoersammlung bei Hoffmann, Sita- lauer Mee Ecke Riarkgrasendamm. Neutölln. Britz: 8 Uhr stameradschastsver. sammlung bei Thomählen. Hertzbergslr. 22. Tagesordnung: Jahresbericht, Reu- wählen.— Tiergarten: Mo., d. 11.,%7 Uhr,»leiner Tiergarten. Abmarsch um Vi8 Uhr Magdeburger Platz.— Trept»»(Kreis): Mo., d. 11., 8 Uhr, Ab- fahrt RiederschSneweide. Abmarsch 7 Uhr vom Bhf. Schdueberg, Siegsried- stratze.— Schönebeck marschiert am Montag nicht geschlossen zum Sport. palast, sondern sammelt sich dort sa zeitig wie möglich. Fußball. Berichtigung: Adler 08 teilt mit, daß da, Spiel heute, Sonntag, gegen Lustig-Fidel auf dem Abler-Platz, Pankow, Andreas-Hofer-Stratze, statt- findet. Berliuei Biochemifchee Bcteirn. Dienstag, 12. April, 8 Uhr, Musiker- �estsäle, Kaifer-Wilhelm-Str. 31.«Die drohende Entrechtung des deutschen Caft Europci. Berlin ist wieder um ein neues großes Cafe reicher g« worden, um das Cafe Europa im Europahaus. König- größer Straße. Mit viel gutem Geschmack ließen die Herren Heinrich Prolin und George Ansbach eine Gaststätte entstehen, die vielen Vergnügen bieten wird. Die räumliche Einteilung ist gut gewählt, denn ob man im Parterre oder auf den beiden Rängen sißt, überall ist man gleich gut aufgehoben. Durch gut abgetönte Farben, rot und elfenbein, wird ein ungemein freundlicher Eindruck hervorgerufen. Sehenswert ist der Kronleuchter, der in Form einer silbernen Dolde von der Decke hängt. Zwei Kapellen sorgen für musikalische Unterhaltung, und damit auch die Tanzfrohen zu ihrem Recht kommen, hat im zweiten Rang ein Tanzparkett in Form eines großen Rechtecks Platz gefunden. Da» leidige Thema. Heute noch besteht in manchen Kreisen de» Publi- kum» ein Borurteil gegen Kaufen aui Kredit. Diejenigen, di» so urtnie», vergessen oder immer, daß es auch>m Kreditwesen verschiedenartige Spsiemc und Betriebe gibt. Was für das eine Geschäft empfehlenswert ist, lann für da« andere manchmal kaum verwendet werben. Immer aber hat dasjenige Kreditgeschäft den größten Zuspruch gehabt, das sich eng an feine Kundsäian anlehnte und dem aui Kredit«ausenden Mit vollem Vertrauen entgegenlrai. Diese» Spsteni wird im Kredithau» B. Feder, Möoes-Zentrate: Brurnienstr. 1, Konscktui»»-Zentrale: Brunnenstr. 197, am Rosenlhater Platz, Filialen(Möbel und Konfcltion): Krankiurter Allee 359, Kottbusier Damm 193. Ehariotlen. bürg, Scharrenstr. 5, Eck» Wilmersdorstr Stratze, streng beachtet; denn nicht der mit unzähtigen Fragen und Antworten ausgclüllt» Fragedogen stellt die Brücke zwischen dem Käufer und dem Kredithaus her, sondern«lnzlg und allein nur da» persönliche Beitrauen. Drum macht auch B. Feder vielen das Kaufen so autzerorbenri leiäit, entsprechend dem alten Grundsatz: Und wenn einmal da» Geld nicht cht, taust man bei Feder sederleicht. Die Rtesenläger in Wohnu»g»e»lrtch(>...«.n, Einzelmöbeln,«leinmöveln, Lurusmöbeln sowie in Damen- und Herrcnacl.cidung, Wäsche usw. biete» für jeden etwa». Bis zum Fest erhält jeder bei einem Einkauf von 30 M. an ein schöne» gefülltes Osterei gratis! Ostern frisch» Gardinen an di, Fenster! Nachdem da» große Osterreine- mache» glücklich überstanden ist, mutz es der Stolz jeder Hausfrau sein, die Fenster im Schmucke neuer Gardinen zu sehen. Da empfiehlt e» sich, die Firma Bernhard Schwartz, das älteste Berliner Speizalgoschast der Gardine nbranche. aufzusuchen, die in ihren beiden LerkausssleUen: Berlin, Wallst». 13, und Frie- denn», Rhrinstr. 83, entzückende Neuheiten in duftigen weitzen und tarliige» Dekorationen, speziell auch für Siedlu»»»- und Wochenendhäuser geeignet, au». Siellt, daneben auch Madras- und Kunstseide in immer wieder neuen und gc- chinackvvllc» Zeichnungen und Forden bringt und auch in Teppichen und Läufer- toffen da» Modernste zeigt, was dies« Industrie fabriziert. Mode und Industrie. Zum Osterfest hat da» bekannte Hau» für preiswerte Qualitdtsdeklciduna, die Barr Sohn. Aktiengesellschaft, Berlin N 4, nur Ehaussec- stratze 23/30, eine fabelhaft reichhaltige Auswahl von erstklassigen Beklettangs- stücken zum Betkauf bereitgestellt. Die Preiowürdigkeit, der gut- Geschmack und die ausgesucht gute» Oualltäten der Firma stnd sprichwörtlich und stadtbekannt. Das heutige Osterinserat zeigt eine Auswahl modernster Hcrrenheklechnug. Es lohnt stch für jeden Kauflustigen, bei Bedarf diesen Angeboten erhöhte Aut- merksamkett zuzuwenden. D!e eigenen Kleiderwerte, die zu den ältesten Berlins Schären, schaffen nach dem in ihnen eingeführte» Teilardeitssystem gleichmäßige ivalitätsarbeit, die eine deispiellMe Dauerhaftigkeit verbürgt. Der neue reich- haltige illustrierte Frühjahr», und Eommcrkatalog wird aus Wunsch gern losten. lo» zugesandt. Eine Reuerötsanng, die alle Hansfrauen interessiert! Im Zentrum Berlins, Leipziger Str. 107, wird am Dienstag, 12. April, eine Betkaufsstelle der de. werbe und Industrie besten» eingeführt. Die Berliner Hausfrauenwel! wird es begrüßen, daß sie bei ihren Einkänien im Zentrum Berlln» an bester Stelle nnnmehr»ine unverbindliche Besichtigung der vorzüglich-»»gestatteten Plaks. Filiale vornehmen kann, woselbst jrhe gewünschte Auskunft erteilt wird. Die Gardinenauestcllnng kann nur dann al» ein Muster für die eigene zeigt In ihrer Ausstellung von Gardinen und Dekorationen tn allen St'lartni und Formen Vollkommene». Die«eschäst-leitung bemüht sich, burch diese Aus- stellung dem Publikum die Wohl außerordentlich zu erleichtern. Ein Besuch ist unbedtngt lohnriid. KAFFEE HAG das bekannte Päckchen Kostet nur noch Rül. I.SO �«.t�mn.,.- Sonntag 10. fiptil 1927 Äus öer Die Zilme öer Woche. ,Ver General.� (Ufa-Palast am Zoo.) Auster Keaton ist der unfreiwillige Held dieser Militär- nschen Legebenheit. Das sagt bereits alles. Denn Buster Keaton ist alles andere als ein Held im gewöhnlichen Sinne des Wortes, i'nd schon die bloße Lorstellung, daß er ein« militärische Rolle spielt, muß zum Lachen reizen. Ist Buster Keaton nicht der vollendete Typus eines Verträumten, der Realität der Welt entrückten Peter Schlemils, der aber wie Hans im Glück aus den gefährlichsten Situationen heil wieder herauskommt und in seinem dunklen Drange, ohne es zu wissen und zu wollen, die Sache am richtigen Ende anpackt und gegen alle Erwartung zum guten End« führt? Dieser etwas linkische, unbebolsene, wortkarge MensH, der immer zu spät oder zu früh kommt, der mit seinen ernsten Augen hilflos in die ihm fremd« Welt schaut, müßte der geborene Pechvogel sein, und er ist es auch in ollen kleinen Dingen. Aber dann wird dieser unbrauchbare Mensch plötzlich vor große Ereignisie gestellt, und siehe, er wird ihrer spielend Herr. Aus diesem Kontrost von Erscheinung und Schicksal erwachsen natürlich die stärksten Wirkungen, die von, grotesken Ulk bis zum wunderbarsten Humor aussteigen. Buster Keaton ist diesmal in den amerikanischen Bürgerkrieg geraten. Merkwürdigerweise ist er Lokomotivführer und kann so keinerlei kriegerisch« Lorbeeren pflücken, so sehr er es seiner Braut zuliebe wünscht. Da wird ihm von den Feinden seine Lokomotive, der ..General", entführt. Ohne rechte Ueberlegung folgt er ihr auf einer anderen Lokomotive und gerät nun weit ins Feindesland hinein, führt als einzelner Krieg, übersteht die tollsten Abenteuer, weiß seine Braut mit tolpatschiger Kühnheit zu befreien, entdeckt zufällig den Kriegsplan der Gegner, kehrt mit seiner Lokomotive zu den Seinen zurück, versetzt die Gegner in die schwierigsten Situationen und wird schließlich der Urheber und glückliche Leiter einer sieg- reichen Schlacht. Man kann sich ungefähr vorstellen, welche Fülle tomischer Momente es dabei gibt. Buster Keaton hat sich nicht damit begnügt, sondern hat den militärischen Dünkel unsterblich lächerlich gemacht. Bis die hohen Herren eine einfache Situation — eine verbogene Weiche— erkennen und wieder in Ordnung bringen, sst ihr Verfolgter längst über alle Berge, hat er bereits die Brücke angezündet und alles für ihre Niederlage vorbereitet. Cigent- lich hätte er zum Schluß wieder in die Ecke gestellt werden müssen. Aber dos.gute Ende" machte es erforderlich, daß er zum Leutnant avanciert und die Braut gewinnt. Da« ganze kulturhistorische Milieu der Zeit ist mit bemerkenswerter Sicherheit getroffen. Wir sind in Wirklichkeit im Jahre 1862. Wer will, kann Modestudien machen, nicht bloß bei den zivilen und militärischen Menschen, sondern auch bei der Eisenbahn und vorzüglich der Lokomotive. D. ,die leichte Ifabell.- (Primus-Palast.) Ein junge« Mädchen mit einer Villa und einer Darsumme von hunderttausend Mark wird als Preis einer Zigarrenfabrik aus« geschrieben. Das Los befindet sich in einer Zigarre der Marke ..Die leichte Isabell". Die Idee haben Operette und Film einer be- kannten Magazinnovelle entnommen. Das Filmmanuskript hält sich an Zerletts Operettenlibretto, das den Schluß drastischer und poin- tierter gestaltet als die Novell«, in der ein harmloser Prvoinzonkel das Los gewinnt. Gegen eine Abschlagszahlung läßt er das Mädchen frei, das mit dem reichgewordenen Reklamechef der Firma nach Amerika geht. Hier im Film ist der Gewinner ein verheirateter Kellerkavalier. Die Zigarre ist auch nicht(jekaust, sondern aus dem Rinnstein gefischt. Daß der Liebhaber der lungen Dame die Zigarre dort hinwarf, ist echtes Filmschicksal, das auch später weise waltet und schließlich die beiden Liebenden zusammenführt. Der Film'in der Regie Eddy B u s s ch s erhält am Schluß Tempo, kann es sich aber nicht versagen, stellenweise ins Rührselige zu entgleisen. Man muß immer wieder zeigen, wie grundanständig Lee Parry ist. wie rührend mütterlich sie für ihre kleine Schwester sorgt, um derent- willen sie allein den Vertrag unterschrieben hat. Scheinbar kann ein deutsches Filmlustspiel ohne Zusatz von Sentimentalität nicht existieren. Davon abgesehen hat der Film sehr witzige Situationen, die wirklich filmisch erfunden sird und nicht nur in den Textein- lagen bestehen. Dazu ist Lee Parry diesmal besser als in ihren letzten Rollen frssch und ausgelassen und nicht nur Mannequin. unaufdringlich einen soignierten, amerikanischen Milliardär. Frieda Richard und Adele S a n d r o ck schaffen meisterlich« Chargen. Der Film ist keine Spitzenerscheinung, aber unterhaltend und durch- aus von Niveau._— t ,£of!cr.' (Marmorhaus.) Asta Ni eisen stellt eine große Künstlerin dar. eine berühmte Sängerin. Die berühmte Sängerin müssen wir ihr natürlich glauben, aber die große Künstlerin ist sie selber. Welch ein Verlust für unsere Fimwelt, daß diese Kraft jahrelang brachgelegen hat, daß man vor lauter Kultus uninteressanter Schönheiten eine solche Gestalterin des seelischen Ausdrucks nicht auszunutzen verstand! Immer noch ist die Asta Nielsen die souveränste Filmkünstlerin, die nur mit den filmischen Mitteln wirkt, dafür aber auch einen Reichtum der Nuancierung und eine ffirost der. seelischen Ueb ertragung wie keine zweite hat. Wie die meisten Rollen, in denen große Gestalterinnen sich offenbaren, ist auch die ihre nicht gerade literaturfähig. Aber man vergißt das Manuskript von Leo B i r i n s k i vollkommen, solange sie auf der Leinwand erscheint. Asw Nielsen spielt das Elend im Glänze, die Not im Ruhm, die Verlassenheit im Rausch der Welt. Sic ist dem Laster des Kokains verfallen. Sie hat Mann und Tochter verlassen müssen und sst für diese verschollen. Einem Impresario und Abenteurer, der st« mit Kokain versorgt, ist sie hörig. Er hat sie vollkommen in der Gewalt, wie auch andere Opfer dieses Lasters. Eben noch droht sie zusammenzusinken, schwach und hilflos, da peisscht eine neue Dosis Kokain sie auf. Sie wird wieder lebendig, strahlt und scheint Siegerin. Aber dann kommt der bleischwere Schlaf, der sie bis tief in den Morgen gefessell hält. Wie gelähmt liegt sie da. eine lebendige Leiche. Doch ihr Beherrscher läßt ihr keine Zell. Sie muß ihre Rolle weiter spielen. Draußen wartet bereits die Zahl der Verehrerinnen, um als Zeichen ihrer Huld ihren Namenszug zu empfangen. Unter diesen ist eines Tages ihre Tochter. Und nun folgt die unvergleichlich« Szene, wie sie an dem jungen Mädchen Interesse und Gefallen findet und mit einem Male entdeckt, daß es ihre Tochter ist. Ein plötzlicher Zusammenbruch befrest sie aus der Situation. Dann folgt eine unmöglich« Szene, worin ihr Impresario das Mädchen zu verführen sucht. Der Vater eilt herbei. In einem letzten Wiedersehen mit ihm muß sie erkennen, daß sie für immer auf ihre Tochter verzichten muß. Und sie muß weiter er- kennen, daß ihr Schicksal besiegelt ist. Ihre Gesundheit ist völlig untergraben. Ihr Sterben im Krankenhaus und der Abschied ihrer Tochter, die mzwischen die Tragödie ihrer Mutter erfahren hat, bc- schließen ihr Schicksal. Rudolf M e i n e r t hat mit sicherer Hand Asta Nielsen die Möglichkeiten bereitet, ihre ganze Kunst zu entfallen. Den Kolportagestil der Handlung vergißt man leider weniger in den Nebenszenen. Alfred Abel spiell darin einen modernen Mephisto, der alle Welt mit seinem Kokain beherrscht und ausb«utet, in großer Pose, und vor allem Werner K ra u ß führt eine pathologi- sche Studie eines vom Kokain völlig Zermürbten, dann in Tobsucht Ausbrechenden und seinen Ausbeuter Erdrosselnden mit ungeheurem Raffinement durch. Elizza La Porta weiß sich als Tochter neben der Mutter zu behaupten. In einer Nebenrolle brilliert wie immer Trude Hesterberg._ D. „Der Sieg der Jugenö.- (Piccadilly.) Märchenfllme gehören unbestreitbar mit zu den schönsten Ga- ben, die der Film uns schenken kann. Aber zum Märchenfilm gehört ein ganz besonderer Rhythmus, ein hauchfsines Zartgefühl. Fred Sauer erweist sich für echte Märchenstimmung nicht als der richtige Mann, er hat ein Sammelsurium zusammengebracht, aber kein Kunstwert geschaffen. Der Ansang zeigt Kitschbilder aus der guten, allen Zeit, in der Großmütterchen Märchen erzählle. Dann wird man an die Zeit des Radios erinnert, was durch tollen Bilder- wirbel sinngemäß dargestellt wird. Darauf zeigt ein Arme-Leute- Idyll, daß für Hans und Grete kein Raum mehr in der kleinen Hütte ist, und beide ziehen in die Well hinaus. Hans Brause- weiter als Hans in herzgewinnender, natürlicher Iungenhoftig- keit und Greta G r a a l als Kintopp- Sonnenschein. Im höchsten Stadium des Leidens fällt der Darstellerin nichts anderes ein, als sich die frossstarren Hände zu reiben. Und— Achtung: nun beginnen Berlin lacht Qber den köstlichen Lustspielschlager: Die leldile Beben nach der Operette von R. Gilbert mit Lee Parry Frida Richard* Adele Sandrock Gustav Fröhlich* Jul. Falkenstein Max Landa ♦ Eugen Rex Hans Wassmann ♦ Otto Walburg •[Täglich 5, 7, 9 Uhr| Primus-Palast Potsdaiher Strasse Verleih: Filmhaus Bruckmann& Co. A.-O. Oellage des vorwärts die Erlebnisse Die beiden treffen eine Schmierenkomödiantentruppe und bringen deren streikendem Motor Hilfe, doch kommen sie von der Truppe ab, weil sie erst an Dr. Frank eine Lebensrettung größeren Stiles vornehmen müssen. Beim Wiederfinden der Ko- mödianten wird bei einer Schmierenvorstellung in allerderbster Komik gespielt, bei der P i ch a als Theaterdirektor mitmacht. Her- nach verfällt der Regisseur in den wüstesten Kriminalstil und läßt Hans und Grete eine oerschleppt« Baronin erretten. Darauf erfolgt ideales Dienstbotenleben bei Frau Baronin, dem die schnöde Der- dächtigung einer Zofe ein Ende macht. Held und Heldin finden bei einer Bäckermsisterin Arbeit und Unterkommen, und im Traum er- lebt Grete in echter Waldesmärchenstimung das Märchen von Hänsel und Gretel. Ein Brand bricht in dem Bäckereibetriebe aus und gibt den willkommenen Anlaß zu einer ganz großen Sensation, denn Hans rettet Grete. Natürlich wird als Arzt Dr. Frank gerufen und endlich sind alle im überquellenden Glück vereint. Und das ver- danken sie der.deutschen Produktion der Denlig". e. d. «.Der Spielerkönig.- (Ufa. Kurfürskeudamm.) Das Lustspiel ist direkt für Menjou geschrieben. Dieser Spieler- könig ist ein reicher Mann, dem Wetten und Roulette den höchsten Lebensgeschmack bedeuten. Um einer Wette willen heiratet er ein junges Mädchen, das sich gerade mit einem wappenstolzen Herzog oerloben soll. Aber auch m der Ehe gibt er seine Leidenschaften nicht auf. Er stellt sogar einen dreißigstündigen Spielrekord auf. Erst als die Frau ihn verläßt, sinkt sein Interesse für das Hasard. Und dann erobert er sich seine Frau zurück, die in der Zwischenzeit einen fadenscheinigen Marquis geheiratet hat, gelobt Besserung, und wird sie bestimmt nicht hallen. Verfasser und Regisseur bleiben un- genannt. Im Mittelpunkt steht allein Menjou, der selten so sprühend und gelöst war. Er gibt diesmal die absolut beherrschte Haltung auf, er kapriziert sich nicht allein auf das kühl überlegene Lächeln, auf die skeptische Miene des alles Kennenden und Ver- stehenden, er zeigt jetzt sogar eine Ahnung von Gemüt, ist bestrickend liebenswürdig und geht nicht wie sonst auf den Generalnenner eines blasierten Wellmannes restlos auf. Der Regisseur bemüht sich, diesen glitzernden Menschen immer wieder in neuen Situationen zu zeigen. Wenn je, dan""............ Aber niemals Die Handlung Spieler wird hauptsächlich als Spieler fchaften erscheinen nebenbei in I belanglosen Geste, aus kleinen füllten SUuationen. Ein Kammerspiel von unaufdringlichem Humor ist hier entstanden, von einer stillen, überlegenen Heiterkeit, das das als«ine unterhallsame Komödie hinstellt. F. S- kleine Colombine.- (fflozorffooL) Dieser Film ist noch dem Warenhausprinzip gearbeitet: er bringt alles, was heute im Film gängig ist. Dem Heim des braven Kunstschnitzers wird das reiche Haus xegerübergestellt, dem Skisporr das Karneoaltreiben, der durchgehenden Anständigkeit die verbreche. rische Natur eines Verführers. Der Film verliert sich demgemäß in ein« Reihe Nebenfilme. Die Handlung wird notdürftig zusammen- gehalten durch die arme kleine Colombine, die aus ihrem Hinterhaus in die Spottwell gerät und dort Beziehungen zu jungen Männern anknüpft. Der«ine oerführt sie(wider ihren Willen) in der Alpen- Hütte, bestiehlt ihren Vater und hätte um ein Haar den wackeren jungen Mann aus dem Hirterhause, der ihn zur Red« stellt, ums Leben gebracht. Er zieht es dann vor, selber vom Schauplatz zu verschwinden. Der andere junge Mann tröstet die verlassene Colom- bin«, bewahtt sie vor dem Selbstmord und verlobt sich mll ihr. Es ist also alles so, wie es im Leben nicht ist. Aber A Schirokauer und F. S e i tz sind offenbar der Ansicht, daß dies« Lebensfern« dos Wesen des Filmes ausmacht. Wenn wenigstens der Regisseur F. Seitz das. wieder gut gemacht hätte, was das Manuskript verbrochen hat! Aber er holt weder aus der Winterlandschafr, noch aus dem Hüttenleben viel heraus. Nur in den Faschingsballszenen weiß er ein« eigene Note anzuschlagen. Die Hauptdarsteller, Walter R i l l a und Egon v. Jordan, der böse und der gute junge Mann, bleiben in der Routtne stecken. Eher interessiett schon Hilde Jen- n i n g s als Colombine. Das Beste aber leisten die Nebenfiguren, Hermann P i ch a als Lumpensammler, der sich in klassischen Zitaten ergeht, sowie Daleska Stock und Moria F o r e s c'u. die als Kartenlegerin in Figur macht. Wolfgang Z i l z e r endlich gibt einen unglücklichen Liebhaber, eine wahrhaft tragikomische Verkörperung. r. ,Die öräutigame der Sabette Somberling." (Ufa Palaft am Zoo.) Lächelnd erzählt Alice B e h r e n d von dem reich gewordenen Fabrikantenehepaar, das seine Tochter so gern vornehm verheiraten möchte, das auf ganz merkwürdiae Kandidaten verfällt, auf aus- rongierte Geheimräte, bankrotte Adelige und Hochstapler, bis der tüchtige Vetter schließlich als Sieger aus diesem Wettlauf nach den Millionen hervorgeht. Ganz vorsichtig und sein streichest Alice Behrend an dem Unwiß ihrer Menschen, aber diese charakterisieren sich weniger durch ihre Handlungen als durch ihre witzigen und bretten Beschreibungen der Verfasserin. Ueberhaupt geschieht in dem Roman so wenig, es kommt höchstens zu harmlosen Komplikationen, über die Betrachtungen angestellt werden. Sieht man von diesen hübschen Sätzen ab, so bleibt nicht allzu viel übrig. Der Stoff ist also von vornherein völlig unsilmssch, und es ist schwer zu begreifen, warum Jane Beß und Lüthge ausgerechnet„Die Bräutigame der Babette Bomberling" verfilmen mußten. Es enssteht ein Lustspiel zu breiter Anlage�dessen Handlung sich mühsam dahinquäll und das sich weder durch«pannung noch durch besonders witzige Situationen aus- zu t Anlage, dessen Handlung sich mühsam dahinquäll und das sich weder zeichnet. Auch die Schauspieler finden kaum Gelegenheit, sich als Gestalter zu bewähren, denn die Situationen bleiben sich immer gleich. Der Dorfteller ist auf eine einzige Note festgelegt und läuft sich fest. Selbst dem Regisseur Viktor I a n s o n, der früher über sehr witzige Eingebungen verfügte, sällt nichts ein. Namen bekannter Filmschauspieler sollen über die Oed« hinwegtrösten, doch weder Tiedtke noch Pavanelli, Rilla. Kostner oder Vespermann treten aus ihrer Zurückhaltung heraus, nur Ferdinand von Alten streift das Groteske, und Ida W ü st brilliert mit einem bezwingenden Lächeln. Henie D c s n i als achtzehnjährige Babctte forciert Jugendlichkeit und überschreit sich in Ausgelassenheit. Allein Lydia Potechina, jenseits jeder Karikatur und Ueberbetonung, stellt als Frau Bomber- ling einen ganzen Menschen hin. Das Fazit: ein Lustspiel, wie es nicht sei» soll. Trotz geschlossenen Ensembles bleibt die Wirkung aus, da Witz, Tempo und Steigerung fehlen. Das deutsche Lustspiel sollte seine Vorbilder in Amerika suchen. F. S. �Vie Iilmkönigin.� (II. X. Friedrichsirahe.) Der amerikanische Durchschnittsfilm hat gewiß auch seine Schattenseiten. Aber eins hat er vor dem deutschen voraus: er gibt neue Ausschnitc aus dem Leben, findet wenigstens neue Nuancen und hol, wenn er schon gegangene Wege geht, immer Tempo. So auch dieser. Der Regisseur Brown weiß sogleich das Interesse zu erwecken.. Er führt uns ins Warenhaus und zeigt dort ergötzliche Ausoerkaufsszenen und macht uns mit der kleinen Verkäuferin be- könnt, die wegen ihrer Achnlichkeit mit einer berühmten Filmdiva Hals über Kopf engagiert wird, diese abwesende Diva bei der Premiere zu vertreten. Alles geht gut ab. Aber dann häuft sich das Durcheinander, überschlagen sich die Verwechslungen und entsteht schließlich ein solches Tohuwabohu von Bräutigamen, Ehemännern, Liebhabern, deren Ehefrauen, skandalsüchtigen Reportern, daß der Zuschauer aus dem Lachen nicht herauskommt. Zu guter Letzt muß die echte Diva zurückkehren, um die unhaltbar gewordene Situation zu retten. Die echte und die falsche Diva werden einander gegen- übergcstellt. Sie werden natürlich' beide von derselben Laura La P l a nt e dargestellt. Sie gibt sowohl der Verkäuferin alle Natürlichkeit und Keßheit wie der Filmdiva die ihr zukommenden Allüren. Auch die übrigen-Darsteller sind wacker bei der Sache, vor allem ein Ueberreporter, der von einer geradezu bewunderns- werten Flegelhaftigkeit ist. Der Film ist sehr konzentriert ge- arbeitet, aber der Regisseur hat es nicht unterlassen, ihn mit vielen guten Einfällen zu spicken. Voran ging außer der sehr passenden Ouvertüre zur„Fleder- maus" ein instruktiver Kulturfilm: D i e W e l t i m W a s s er. r. ,vie Achtzehnjährigen.� (Emelka-Palast.) Es gehörte bislang zur Charakteristik der Noaschen Filme, daß sie ein gutes Niveau hielten. Darum ist man ob dieses Versagers zu Recht erstaunt. Manuskript und Film sind beide falsch angelegt. Es ist nicht di« Tragödie ein«» Achtzehnjährigen, sondern die Ge- schichte eines energielosen Tölpels, der den Reizen einer großen Kokotte erliegt. Und die Mutter, die um des Sohnes willen bei- nahe zur Mörderin wird, bekundet keine Mutterliebe, sondern verrät nur, daß ihr jegliches pädagogisches Talent abgeht. Doch die große Kokotte muß aus dem Leben des Haltlosen verschwinden. So wird sie von ihrem Affen erschossen. Und der Schluß, der bedenklich lange auf sich warten ließ, sieht drei glückliche Vereinte, die Mutter, den Sohn und die junge Studienfreundin. Selbst Frieda Richards wunderbares, ergreifendes Mienenspiel rettete nicht die Figur der Mutter, sie bleibt eine pathologische Erscheinung. Andree La F a y e t t e war eine blendende Erscheinung- als fabelhaft raffinierte Halbweltdame, und Eoelyne Holt rorr oft recht niedlich als Mal- akademieschülerin. Ernst V e r e b e s gab sich große Mühe, gestaltete mitunter auch eindrucksstark, dennoch, es wäre besser, man hätte ihn anders beschäftigt. Manfred Noa, der den Photographen Franz Planer zu mancher außergewöhnlichen Leistung anspornte, arbeitete sonderbarerweise mit Theaterschnee und jkulissenfrllhling. Man ver- niißt bei Noa jede Frische, selbst die filmisch völlig richtigen An- deutungen wendet er gedantenlos an. Bei der Schilderung des Nervenzusammenbruchs des Helden verliert der Regisseur jedes Tempo, was glatt zum Filmzusammenbruch führt. Man muß Noa wünschen, daß er sich selber wiederfindet und mit ausgeruhten, Kopf ein neues Werk schafft, das seinem Können entspricht. e. b. Volks dük ne Tliealei m Bülowplat, Uhr V o I p o n e 8 Uhr: Traninspiel Morgen 8 Uhr: Traumspiel Th. am Sdiiffbauerdamm •3 Uhr; Das Srabmal des anbekannten Soldaten 8 Uhr Tragödie der Liebe. Der Vorverkauf f. die Oslerfeieriade f. alle ReinhardibOhnen hai begonnen. DeiUsTMr Die Komödie Norden 10334—37 8 U. Ende 11 U. Der Arzt am Sdieideweä Kanunerspiele Norden 10334—37 8 Uhr: Ende lOUhr Letzte Sufführungen! Toni Dienstag, den 12., v-i2 Uhr: Zum 1. Male: Lockvögel SismarcK 2414. 7Sir 8 Uhr, EndelO'/tU. Mannequins Nachtvorstellung Täglich 11 Uhr: Revue: Was Sie wollen Preise 2, 3, 4 u. 5 M. Ttat. a.Hollendm'pl. Kurfürst 2091 8 Uhr; Ende gesell II Drei arme kljine Ktädels Sünle von Walter Rollo IComisehe Oper! Allab dllch S1/4 Uhr: �Unden der"Welt Die weltstädtische James» Klein- Revue) Sonnlag« nachm. 1 Kind freil bei halben Preisen. f Thsaterkasse ab 1Ü Uhr ananlerbrodien geöffnet.] I Theater Im Admiralspalast Direktion: Herrn. Haller Täglich 8�/4 Uhr: Gesamt- Gastspiel der Paiace-Revue, Paris j Vlvelafemmet Ei OcUtv, I Anfe. ste. Nm.2 Tnc tcrccL oLix. vltvcL clcLi CoajS-A-. Q. SLudLLvx. O• 22 MJSBUscft ) Der klassisch® Clrcus des alten � Rom erlebt seine Wleder- auffarstaHung ta dem gigantltchsten Mana->a-S den te frei. Konz.-Olr. C. u. E. Ebner| PUinannonlc Donnerslnfi, 14� ab«u.8 1 Auf TlelseltlEen Wunsch 3.(letzte) AuffOhrune der Wiener Sänger �. 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Doch, sagte der Erzähler, geht einmal nach Haust, schlagt ein Buch auf, fangt an zu lesen, ganz aufs Geratewohl— auf einmal kommt ein Wort, ein gang und gäbes Wort sonst, das schaut euch an so fremdvertraut, plötzlich«in Brückenkrachen, kein« Hand mehr, welche übern Wörterabgrund eure Hand erfaßt, auseinander fällt das Wort in tote Buchstaben: k, a, u. m?— vergebens, daß ihr sie zusammenleimt— kaum? Was ist das?— heißt das, mir erging's bei kaum so, einen anderen erschreckt ein anderes Wort, das plötzlich fahl wird— man mutz es selber ausprobieren, wißt ihr... Halt, noch eins, bevor ihr es zu Haufe versucht: dahinter kommt der Trost. Ist man nämlich lang genug um solch entseelte» Wort herum gegangen, nörgelnd, stochernd, bittend, fluchend, flehend schließlich, ohne daß es sich in Gnade wieder hat ergeben wollen, müßt ihr's machen wie bei einer Liebsten, die euch grundlos schmollt. Ihr müßt auch verstummen, ohne Zorn, und lautlos euch zur Türe wenden, worauf mit einem Male— nun das ander« werdet ihr wohl selber wissen, denf ich... Tage gingen hin und Wochen, geschäftig« und unruhvolle, bis ich wieder in«wer stillen Stunde ein Buch aufschlug, Seite öl war es, glaub' ich, wo mein Blick auf einmal hängen blieb an einem simplen Worte: eingewickelt. Hm, denk ich, emgewickelt? Was ist denn das gleich, eingewickelt? Na, den Deubel auch, ich werd' wohl wisien, was eingewickelt ist! Ich weiß bestimmt, ich hab's schon hundertmal gelesen— bin ich denn schon greisenhaft?— muß schon bitten, noch im schönsten Mannesalter— wär' noch schöner, daß man so etwas vergäße— nur kaltes Blut— jetzt mal laut gesprochen: ein— ge— wik— kelt— oha, ein Zeitwort Ist es— nun weiter... Aber weiter kam ich nicht. Da» Wort starrte mich an. Das Wort stäubte mit leisem ltrachen und Rieseln auseinander, wie wenn ein morsches Hau» zusammenfällt, ein wenig Buchstabentalk log auf meinen zugreifenden Händen, das war alles. Ich rannte wieder an und wieder, ich schrie, ich schlug in» Buch hinein, ich wurde vorwurfsvoll elegisch: Wort, ich weiß, wir waren du auf du, wie hast du mir so schmählich doch die Treu gebrochen— Halt, wie sagte jener damals, daß man's machen müßte? Iosa, ich weiß— Ich sah weg vom Wort, ich blätterte die Seite um, ich klappte leise und bestimmt das Buch zu, ich wandt« mich zur Türe— ha, da ging mir etwas nach auf schnellen Sohlen, da schlang mir etwas von hinten feine Arme um den Hals und deckt« mir die Augen zu: „Zlbcr Liebster, weißt du wirklich nicht mehr, wer ich bin?" „Eingewickelt!" rief ich,„liebes, liebes Eingewickelt..." und es überliefen mich mit nie gekannter Treue die Gesichte der vergangen- Helten, einmal, zweimal, dreimal... Das war damals, als ich aufgebesiert wurde. Der Schulbesitzer glaubte wunder was an mir getan zu haben. Zwanzig Märksr mehr im Manot gibt im Jahr— mit Verlaub, zunächst gab es ein Tuscheln unter denen, die mir was geliehen hatten. Ergebnis: abbezahlen, bitte! Hole der und jener alle Aufbesierungen, die zwanzig Märler plus ergaben fünfzig Märker minus. In dieses dreißigmärtig« Defizit mitten hinein fiel unser Neiner Fritzl. Dom Himmel meinetwegen. Aber leider aus die Erde, wo es weise Frauen gibt, die bezahlt fein wollen. Nun Ja, die Taxe war nicht hoch. Zwölf Mark genau. Aber wenn man zu den besseren Leuten zählen wollte... Der Unterschied ging über das Wieviel und Wie, bester« Leute gaben mehr und dieses Mehr auch eingewickelt. Also schön, Papier dazu war da, nicht so das Geld, als Frau Albers sagte, alles stünde gut und heut« käme sie zum letztenmal. Damit band sie unterm Doppelkinn die schwarzen Hutbänder, derweil ich im Nebenzimmer in der Kastenschachtel wühlte — akkurat zwölf Mark, da biß die Maus keinen Faden ab. Also ade Einwickelpapier, und zwölf Mark blank und ehrlich in die Hand von Madame Albers.— So, und meine Stellung unter besseren Leuten?— Bessere Leute hin und schlechte Leute her, ein Lump, der mehr gibt, als er— Ui, ui, nun war auch noch die Milchfrau draußen bei Frau Albers und redete und ging nicht und ging nicht. Eine weise Frau, ging's mir durch den Kopf, sieht man einmal und nicht wieder, eine Milchfrau ober täglich, also— Also? Also eingewickelt! Nun, in Gottes Namen— hall, auch die Haltung eingewickelt, bitte:„Und hier, liebe Frau Alber», haben Sie... bitte, bitte, nichts zu danken.. Eine Stunde später fand ich auf der Treppe«in zerknittertes Papier: Zensurstatistik. Note I erhielten... Hm. das war ja meine Schrift? Wie kam denn dieses Stück Papier—„Engewickelt— ausgewickelt!" knisterte der Fetzen. Mir wurde heiß. Note I erhielten— hm, und welche Note hatte ich bei Madame Albers jetzo? Hatten die Knitterfalten nicht den Umriß eines empörten Weisesrau- gcsichts:„Dieser Knicker, dieser Schwindler...1" Dan Stund an wich ich einer Frau im Städtchen aus, in weiten Bögen. Dan Stund an verstummte ich, wenn von Taxen irgendwo die Rede war. Von Stund an schrak ich zusammen, wenn etwas knisternd eingewickelt wurde. Aber alles mildert sich, selbst belastete Taxengewisten. Ein Jahr später, pfh, was war mir noch Frau Albers. mochte sie—„Was ich sagen wollte," unterbrach mich langsam meine Frau,„ich habe mich erkundigt— die weisen Frauen kann man hier nicht nach Belieben wählen."—„Soso, jajo." sagte ich möglichst unbeteiligt.— „Sondern man ist auf die für den Bezirk Zuständigen angewiesen." —.Meinetwegen," sagte ich.—.Mrnn— dann wollen wir also nicht— nicht umziehn— in einen anderen Bezirk?" Ich mußte nicht besonders geistreich dreingesehen haben:„Erlaub mal, wo ist der Zusammenhang?" Di« Papierserviette knitterte oerlegen unter ihren Hände». Eingewickelt! sprang's mich an mit Blitz und Donnerschlag. Und es h»b ein Rechnen an, sin Rechnen mit drei Größen, wahrscheinliche Gehattsausbesterung, Abbezahlung, Umzug-tosten. Die dicken Umzugskosten aber hatten einen Bund mit der beleibten Madam« Albers. Dageblieben! Ausgelöstett wird, was ihr euch selber eingewickelt habt! Ein Glück nur. daß der Hansl, der schon unterwegs war, aber unbeschwert noch von Hebammentoxen und von Eingewickeltheiten, vou oll den Alberssorgen seiner Eltern keinerlei Notiz nahm, Tausendkünstler Stresemann. „Meine Herrschaften, hier sehen Sie ein Konkordat.. ich drücke es kurz und klein.. .decke meinen Zylinder darüber...".... nehme ihn weg und habe wieder ein Konkordat. und so fort mit Grazie ad iakiaitum! Die Zeit kam, wo die besseren Familien ihre weisen Frauen wissen zu lasten pflegten:„Um die Mtte nächsten Monats also, nicht wahr, lieb« Madam«...?" „Bist schon dort gewesen?" fragte ich wie beiläufig beim Mittagessen. „Wo?" Wir sahen einander kummervoll an— al» ob wir seit Monaten an etwas anderes gedacht hätten als an die Klingel und da» rot« Licht im dritten Stock. Aber Kummer war nicht alles, sein komischer Trotzabkönnnling saß auch mit am Tisch:„Ich dachte, du wolltest einmal hin?" „Ich? Erlaub mal, ich bekomm' doch nicht da» K——?* „Ader eingewickelt hast du es damals! „Ich? Das Kind? Eingewickelt?" tat ich scheinheilig. „Tu nicht so— das Geld meine ich— Mann, Mann, wie hast du uns blamiert!" Eingewickelt meinst du?" Da kannst du auch noch spotten, pfui!" Tränen, Zorn und Gram, bis ich versprochen hatte, die Klingel nach dem dritten Stock zu ziehen—„demnächst", setzt« Ich hinzu. Gut, daß demnächst heut nicht ist, sondern morgen oder über- morgen oder überübermorgen oder— denkt man, aber das Geschick denkt anders. Roch am gleichen Nachmittag stand Ich festgeklemmt in einer Reihe vor einem Beomtenschalter und dachte angestrengt vorbei an allen Einwickelpapieren dieser Welt. Auf einmal fing es vorn« in der Warteschlange an zu ratschen:.Loja, nicht zu glauben ist es, Madam« Albers, wie schofel heutzutage gerade die besseren Leute stnd."—„So?"—„Ach tun S' nicht so, als ob Sie'» nicht am besten wissen müßten— da ist zum Beispiel«in« Lehrersfrau, bei der ich Putzfrau war vor einem Jahr— so genau, wie die wart Ob Sie'» glauben oder nicht, aus zehn Mark Hab ich der oft neun- unddreißig Pfennig rausgeben müssen—*—«Nun, st« wird hall rechnen hoben müssen."—„Lassen S' mich au». Seizkrägn sind sie alle, dies« sogenannten bessern Leut', und die gar. das G'naackl Sie müssen's übrigens selber kennen..." Flüstern der Putzfrau, der dürren: Frau Albers aber, die dick«, die nicht flüstern tonnte, sagte: Das Einwickelpapier!" pumpert« es in mir,„jetzt kommt das Eingewickelte!— So stark ist keine Frau zu einer anderen Frau, daß sie sich so was Knisterndes verbeißen könnte!" sagte— sagte— nichts. Nicht fo viel hat sie aus sich aus- gewickelt. Wie Hab' ich eine Viertelstunde später hochgemut dt« Klingel nach dem dritten Stock gezogen. Wie Hab' ich ein paar Wachen später frohgemut aus meiner Kassenschachtel im Nebenzimmer Geld herausgehalt und es offen in die gute dicke Hand gelegt— Das sind ja vierundzwcmzig, Herr, und— und nicht eingewickelt—?" „Es stimmt schon, liebe Frau, denn ich Hab' irgendwo gelesen: doppelt gibt, wer offen gibt statt eingewickelt." * Und daher kommt es. daß der eine meiner Buben ungeheuer offen und einfach ist in seinem Wesen und der andere mehr— verwickelt._ Die Tragikomöüie subjektiver Urteile. Van Hermann D. Nühr. Bei vielen Menschen ist das Beharrungsvermögen so stark«nt- wickett, daß sie sich gegen alles Neue von vornherein ablehnend ver- halten, ohne es überhaupt ernstlich auf seine Brauchbarkeit hin zu prüfen. Diese bewußt am Hergebrachten festhaltenden Naturen geroten in einer Wett, in der beständig alles in Umstellung begriffen ist, häufig in die Verlegenheit, chren ursprünglichen Standpunkt revidieren zu müssen. Die notwendig gewordene Korrektur ver- alleter Anschauungen, zu der die Gesetze des Lebens einen zwingen, wär« manchem erspart geblieben, wenn er sich vorurteilslos um ein Werturteil über eine neue Erscheinung bemüht hätte. Daß es selbst den bedeutendsten Köpsen einer Zeit oft nicht gelang, den Wert einer ----- jj-l— firstafe----------«x.«— WWW �WBi*s Denkens nicht übermächtig werden läßt. neu oustauchciiden Idee oder Erfindung richtig einzuschätzen, ist eine Tatsache, die das Vertrauen aus die Sicherheit de» menschlichen Die Geschichte ist reich an Beispielen falscher Einschätzungen und grober Trugschlüsse. Manche wichtige Neuerung oder Erfin- dung wurde zu ihrer Zeit mit einer Vcrständnislosigkeit aufge- nommen, die uns heute unverständlich ist. Wir können uns heute eine Welt ohne Eisenbahn nicht mehr vorstellen. Als seinerzeit die ersten Schienenstränge gebaut werden sollten, erklärt« Thier», der isch« Staatsmann und Historiker, daß die Eisenbahn eine närrische Erfindung wäre, über die die Nachwelt sich lustig machen würde. Diese Prophezeiung ist, wie wir wissen, nicht eingetroffen, aber als Thier» starb, besaß Frankreich ein Eisenbahnnetz von siebzehntausend Kilometer Länge. Nicht weniger glücklich als die Entgleisung des berühmten französischen Politikers ist in der gleichen Angelegenheit die Stellungnahme des preußischen Generalpost- meisters von Nagler, der sich zu dem Projekt einer Eisenbahnoer- bindung zwischen Berlin und Potsdam folgendermaßen äußerte: „Ich lasse täglich mehrere sechssitzige Postwagen nach Potsdam fahren, und es fitzt niemand drinnen: nun wollen die Leute gar «ine Eisenbahn dahin bauen! Wenn sie ihr Geld absolut los sein wollen, so sollen sie es lieber zum Fenster hinauswerfen, ehe sie es zu einem solchen unsinnigen Unternehmen hergeben!" Napoleon I. hielt Robert Fulton, den Erbauer des ersten Dampfschiffes, für einen Narren, weil er Schisse, die seit Jahr- taufenden vom Wind über die Meere getrieben wurden, mit einer Dampfmaschine fortbewegen wollte. Francis Bacon, der sich mit Descartes in den Ruhm teilt, dem abendländischen Denken neue Wege gewiesen zu haben, spottete über die großen Entdeckungen des Eopernikus, die eine geistige Weltwcnde bedeuteten. Laplace, der wissenschaftliche Begründer unserer heutigen Ansicht von der Ent- stehung der Welten, bestritt das Niederfallen der Meteore mit der ernstgemeinten Begründung: es könnten nicht Steine vom Himmel fallen, da es dort solche nicht gäbe. Charles Darwin glaubte nicht an ein Steinzeitalter, auch leugnete er die Tatsachen des Hypnotis- mus. Heinrich Schliemann legte unter dem Gelächter der Gelehrten seinerzeit die Trümmer des alten Troja frei, das die zünftigen Wissenschaftler an einer ganz anderen Stelle vermuteten, als wo der„archäologische Dilettant" Schliemann sie ausgrub. Ueber Friedrich Hebbel schreibt der seinerzeit hoch angesehene Literaturhistoriker Wolfgang Menzel:„Ein forcierter Trauerspiel- dichter voll von Unwahrscheinlichkeiten und Ueberspannthciten. Seine lyrischen Gedichte haben schöne, weiche Berse und manches liebliche Bild, widern aber durch die Dreistigkeit an, mit welcher der Dichter bald sein Mädchen, bald sein eigenes Ich zur wirklichen, wahren und alleinigen Gottheit erhebt. Seine Trauerspiele sind voll Unnatur." Zu Hebbels„Maria Magdalena" bemerkt der ge- fürchtete Kritiker:„Eine gräßliche Kriminalgeschichte, aber ohne Poesie." Ueber„Agnes Bernauer heißt es:„Ganz verfehlt Ist auch Agnes Bernauer und bei weitem nicht so ergreifend und rührend wie das ättere Stück vom Grafen Thorring." In einer Berliner Zeitung konnte man im Jahre 1784 über Schillers„Kabale und Liebe" folgendes lesen:„Ln Wahrheit wieder einmal ein Produkt, was unseren Zeiten Schande macht! Mit welcher Stirn kann ein Mensch solchen Unsinn schreiben und drucken lassen, und wie muß es in Kops und Herz dessen aussehen, der solche Geburten seines Geistes mit Wohlgefallen betrachten kann!— Doch wir wollen nicht deklamieren. Wer 167 Selten voll ekelhafter Wiederholungen gotteslästerlicher Ausdrücke, wo ein Geck um ein dummes affektiertes Mädchen mit der Vorsehung rechtet, und voll krassen pöbelhaften Witzes oder unverständlichen Galimathias durch- lesen kann und mag— der prüfe selbst. So schreiben heißt Ge- schmack und gesunde Kritik mit Füßen treten: und darin hat denn der Verfasser diesmal ssch selbst übertrofsen. Aus einigen Szenen hätte was werden können, aber alles, was dieser Verfasser angreift. wird unter seinen Händen zu Schaum und Blase.— Kostet in der Bossischen Buchhandlung allhier 10 Gr." Doch mit dieser vernichtenden Kritik glaubte der Kunstrichter der„Vossischen Zeitung" sich noch nicht Genüge getan zu haben: einig« Zeit später schreibt er:„... Bloß der Unwille darüber, daß ein Mensch das Publikum durch falschen Schimmer blendet, ihm Staub in die Augen streut, und auf solche Weise den Beyfall zu er- "ieichen suchet, den sich ein Lcssing und andere mit allen ihren lenten und dem eifrigsten Kunstfleiß kaum zu erwerben ver- mochten, konnte zu dieser ekelhaften Beschäftigung(des Rezensieren») anspornen.— Nun sey es aber genug; ich wasche meine Hände von diesem Schillerschen Schmutze und werde mich wohl hüten, mich je wieder damit zu befassen!" Ohne Zweifel hat das Anathema dieses Kritikers den land- läufigen Ansichten des Berliner Theaterpublikums über Friedrich Schiller um 1784 herum entsprochen. Dennoch zählt„Kabale und Liebe" heute zu unseren klassischen Theaterstücken. Robert Schumann urteilte über die Richard Wagnersche Ton- kunst:„Die Musik, abgezogen von der Darstellung, ist geradezu dilettantisch, gehaltlos und oft widerwärtig." Karl Gutzkow nannte Wagner den„Eagliostro der Tagesmusit": ein anderer Kritiker charakterisierte ihn ol» einen„Eklektiker mit schwacher musikalischer Inspiration". Der Kaiscrmarsch wurde wiederholt als eine„In- sulte gegen die erhabene Majestät des deutsche» Kaisers" bezeichnet. Ein ganz rabiater Anti-Wagnerianer erklärt ihn für ein„Musik- stück von so barbarischer Roheit, solcher Impotenz in der Erfindung, so schamloser Frechheit in der Anwendung alles erdenklichen Lär- mens, daß uns die Ueberschrift als eine Lästerung, die Aufführung vor einem zivilisierten Publikum als eine grobe Beleidigung er- scheint". Der Pariser„Figaro" schrieb nach der Aufführung des „Rienzi":„Dies ist die sogenannte Zukunftsmusik mit ihren Esfetten, wie sie Kasserollcngerasscl und zusammenstürzendes Porzellan Herl vorbringen." Ein Berliner Blatt bemerkt zu der Prügeljzeu« in den„Meistersingern�:„Wenn Musik stinken könnte, so würde man sich bei dieser Ecorcherie in Noten die Nase zuhalten müssen." Angesichts dieser grotesken Beispiele menschlicher Unzulänglich- keit, die ziemlich wahllos aus der Masse der bekannten Fehlurteile herausgegriffen wurden, will es wenig besagen, wenn wir lesen, daß das Volk in der Bretagne sich bei der Einführung der Pendeluhren empörte, weil es glaubte, die neue Art Uhren stände mit der Er- höhung der Salzsteuer in Zusammenhang. Um ein Beispiel aus jüngster Zeit zu geben, sei in aller Kürze an die heute recht sonder- bar anmutende Einschätzung des Grafen Zeppelin erinnert, die ihm und seinem Werk lange Jahre zuteil wurde. Wenn es für den menschlichen Scharfsinn auch nicht gerade schmeichelhaft ist, daß er über die Bedeutung einer Sache umlernen muß, so gereicht es ihm doch nicht zur Unehre, wenn er seine Irr- tümer einsieht und ohne Scheu zeitgenössische Fehl- und Vorurteile ablegt._ Oer Segrünöer öes öeutfihen Taub- ftummenunterrichts. Zum 200. Geburkskag Samuel Heinickes am 10. April. Obwohl es im Mittelalter nicht an charitatioen Werken größten Umsanges gefehlt hat, obwohl das Christentum allmählich die Sitten zu mildern verstanden hatte, blieben die ärmsten der Geschöpfe, die auf dieser Erde wandeln, von dem Segen mildtätiger Barmherzig- keit ausgeschlossen. Wohl gab es in manchen Städten Häuser, in denen Blinde Unterkommen und manchmal auch Arbeit fanden. Um die Erziehung und Bildung der unglücklichen Geschöpfe, die schon von Geburt an durch ewige Nacht zu wandeln oerurteilt waren, bekümmerte man sich dagegen nicht. Geradezu trostlos war das Schicksal der Geisteskranken, die bis ins 13. Jahrhundert hinein Ichlimmer als Verbrecher behandelt wurden, weil man in ihnen vom Teufel besessene Menschen zu sehen wähnte. Bei allen diesen von der Natur so stiefmütterlich behandelten Kreaturen glaubte man eben ihre physische Minderwertigkeit auf metyphysische Ursachen zurückführen zu sollen: man konnte sich nicht dazu entschließen, in ihren Gebrechen eine Krankheit zu sehen, an der die Bemitleidens- werten nicht die geringste Schuld trugen. Die Taubstummen er- freuten sich in dieser Hinsicht keiner Ausnahmebehandlung. Wohl sind aus Mittelalter und beginnender Neuzeit einige Fälle bekannt, wo sich barmherzige Mönche taubstummer Menschen annahmen und um ihre geistige Weiterbildung bemühten. Im Jahre 1570 zeigte zum Beispiel der spanische Benediktinermönch Pedro de Ponce, daß die Stummhett nur auf die Taubheit zurückzuführen sei; er wies nach, daß Taubstumme bei entsprechender Behandlung artikulierte Laute hervorzubringen vermögen und so instandgesetzt werden können, ihre Sprache wieder zu erlangen. Aber dies in Wahrheit menschenfreundliche Werk geriet in Vergessenheit, und es dauerte anderthalb Jahrhunderte, bis den armen Taubstummen zwei neue Helfer entstanden, deren Methoden grundsätzliche Bedeutung erlangt haben. Neben dem sranzösischen Priester Michel de TEpöe war es Samuel Heinicke. der als Begründer des deutschen Taubstummen- Unterrichts unsterblich geworden ist. Während de l'Epee beim Unterricht lediglich die Zeichensprach« anwandte, stellte Heinicke folgenden Grundsatz auf:„Die Ton- spräche ist der Grund meiner Lehrart für Taubgeborene: in ihr ist Leben: die Schriftsprache ist aber nicht einmal als ein Schatten von der Tonsprache anzusehen." Es konnte nicht ausbleiben, daß zwischen den beiden führenden Kämpfern für die Sache der Taubstummen ein starker Widerstreit der Ansichten entbrannte. Man warf Heinicke vor, er bilde nur Sprechmaschinen heran, wofür sich dieser rächte, indem er l'Epees Methoden als Produktion von Schreibmaschinen in Verruf bringen wollte. Die Beiden konnten sich nicht einigen. Die Kontroverse sollte vor der Akademie in Berlin entschieden werden, aber der Streitfall wurde, wie Ludwig Darmstädter aus den Akten der Staatsbibliothek nachwies, nicht erledigt: die Sache blieb in der Schwebe, Zu seinem eigenen Schaden wollte Heinicke seine Lehrmethode nicht preisgeben, und so konnte es geschehen, daß er keine Nachfolger fand. Bis in die jüngste Zeit konnte daher die Methode de l'Epöes das Feld beherrschen. Erst neuerdings hat man sich wieder an die Artikulationsmethode Samuel Heinickes er- innert, die mit gutem Erfolg nicht nur in den deutschen, sondern, wie es scheint, allmählich auch in den Taubstummenanstalten des Auslandes angewandt wird. Daß ihr Begründer, solange er lebte, in seinen Kämpfen mit de fEpce soviel Hartnäckigkeit und Schärfe bewies, hat seinen guten Grund in den Lebensumständen, die von seiner frühen Jugend an nicht die angenehmsten waren. Heinicke, der von reichen Bauern abstammte, sollte das Gut des Vaters übernehmen: aber er hatte andere Interessen, er wollte lernen, studieren, ein Ge- lehrter werden, und er sah sich in diesen Zielen von dem Pfarrer seines Geburtsortes Nautzschütz bei Weißenfels an der Saale nur bestärkt. Nur äußerlich fügte er sich dem elterlichen Zwang, dem er sich schließlich als Einundzwanzigjähriger durch die Flucht aus dem Elternhaus entzog. Er wandte sich nach Dresden, wo er sich in die Leibgarde des Kurfürsten einreihen ließ. Heinicke besaß genug Energie und Ausdauer, um jeden freien Augenblick auf feine Ausbildung zu verwenden. Sein Plan war, sich durch Privat- stunden die Mittel zu erwerben, um den Soldatenberuf an den Nagel hängen zu können. Aber die kriegerischen Wirren zwischen Preußen und Sachsen machten ihm einen Strich durch die Rechnung: Heinicke geriet in Kriegsgefangenschaft, entfloh und kam nach mancherlei Irrfahrten nach Hamburg, wo er sich als Privatlehrer und dann als Sekretär des Grafen Schimmelmann betätigte. Sein Brotgeber fand Gefallen an dem rührigen und strebsamen Mann, der ihm übrigens von Klopstock empfohlen worden war, und oer- schaffte ihm eine Kantorstelle in der Nähe von Hamburg. Hier fand Heinicke den Inhalt seines Daseins. Er kämpfte für Schul- reform und Volksbildung: er arbeitete zugleich an seinem Taub- stummenunterricht, mit dem er im Jahre 1773 begann. Er hatte Erfolg: als es ihm gelang, ein Fräulein von Vietinghoff, die Schwester der Frau von Krüdener, zu heilen, erregte er in der breiteren Oeffenttichkeit großes Aufsehen. Sein Plan war, eine Taubstummenschule zu errichten. Kurfürst Friedrich August von Sachsen ließ sich dafür gewinnen, und so tonnte am 14. April 1778 unter Heinickes Leitung das Kurfürstlich Sächsische Institut für Taubstumme in Leipzig eröffnet werden. Er blieb ihr Leiter bis zu seinem Tod am 30. April 1790. Seine Witwe und sein Schwiegersohn führten sein Werk weiter: sie hatten schon 1788 auch in Berlin eine Anstalt gegründet. Heinickes Bedeutung liegt indessen nicht nur auf diesem Gebiet, wo er bleibenden Ruhm ge- wonnen hat: er hat auch dos Verdienst, gegen die verwahrlosten Zustände im Schulwesen seines Jahrhunderts angekämpft zu haben. Die Entdeckung der Urestimos. KnudRasmussen ist dadurch als Forscher eine einzigartig« Erscheinung, weil sein menschliches Leben mit seinen Reisen eine Einhell bildet. Als Sohn eines dänischen Predigers und einer Grön- länderin in Nordgrönland geboren, oerbrachte er seine Kindheit unter Eskimos und hört« in der winterlichen Polarnacht beim Schein der Tranlampen schon als Knabe die Sagen und Lieder, die in die ferne Vorzeit der Menschheit zurückreichen. So ist er mit diesem so ge- heimnisvollen und liebenswerten Volk des höchsten Nordens durch Bande des Blutes und früheste Erinnerung oerknüvft, und er kann deshalb seine fünfte Thule-Expedition, die ihm im Verlauf einer einzigen Reise mit allen Eskimostämmen von Grönland bis zum Stillen Ozean in Verbindung brachte, als„eine glückliche Fortsetzung meiner Kindheit und Jugend" bezeichnen.' Diese Schlittenreise, die ihn über eisbedeckte Länder und Meere Z0 000 deutsche Meilen um den halben Umkreis der Erde führte, ist ein Markstein und in gewisser Hinsicht ein Abschuß der Estimoforschung: denn es gelang ihm, die Urheimat dieses Volkes zu entdecken und damit das Rätsel dieser Kultur zu lösen. Sein Buch ,L w e i Ja h r e im Schlitten durch unerforschtes Eskimoland", das diese Thule-Fahrt schildert und in deutscher Ausgabe bei der Frank- surter Sozietätsdruckerei in Frankfurt a. M. erschienen ist, erschließt uns die so schwer zugängliche, an Wundern und Ueberraschungen so reiche Gedankenwelt der Eskimos in einer Weise, wie es noch nie vorher geschehen. Nur dem„dänischen Bruder" dieser Menschen war es möglich, die frommen und dunklen Zusammenhänge auf- zudecken, die über Urwald und Steppe, über Schneewelt und Eis- bann hinweg die fremdesten Seelen zum gleichen Bilde oerknüpfen und die Gemeinschaft aller Kulturen in ihren Anfängen erkennen lassen. Rasmussen gelang es auf dieser Fahrt, die Eskimos als ein einheitliches Volt zu erfassen, das vom ostgrönländischen Angmagssalik bis zu den Klippen Sibiriens die gleiche Sprache spricht, den gleichen Glauben und die gleichen Gesänge hat. Den Schlüssel zu dieser Einheit aber fand er in der Urheimat dieses über die Erde verstreuten Volkes, indem er westlich von der Hudsonbai zu einem Stamm in Beziehungen trat, der die ursprüngliche Eskimo- kultur fast unverändert bewahrt hat. Diese„R e n n t i e r e s k i m 0 s", fo genannt, weil sie fast nur von der Renntierjagd leben, sind das abgehärtetste Volk der Welt. Ihr Land legt ihnen die schwersten Lebensbedingungen auf, und doch erscheint es ihnen als das beste der Erde. Das allmähliche Ein- dringen in ihr Leben, Denken und Glauben machte es Rasmussen ,.r Gewißheit, daß ihre Suktur die primitivste aller Eskimostämm« ei und nur im Inland entstanden sein könne. So ist ihre Religion eine ausgeprägte Inlandsreligion, von der des Küstenvolkes oer- schieden. Das Meer, das den übrigen Eskimostämmen so vertraut ist, bedeutete für sie etwas Neues. So viele Ueberlieferungen sie auch mit den Grönländern gemeinsam hatten, fehllen doch alle An- zeichen, daß sie sich jemals am Moer aufgehallen hätten. Aus dem reichen archäologischen und volkskundlichen Material, das Rasmussen bei diesen Stämmen sammeln konnte, ergab sich die für die Geschichte der Eskimos überaus wichtige Tatsache:„Die ursprüngliche Kultur ist ausschließlich an die Seen und an die Flüsse Im Innern des Landes gebunden gewesen. Im Gefolge der Renntierzüge oder möglicherweise auf der Flucht vor feindlichen Indianerstämmen sind dann die Eskimos zu den Küsten des Polarmeeres hinabgewandert, wo ihre Geräte den Erfordernissen des Moereises angepaßt und zu einer alteskimoischen Kultur umgebildet wurden. Die Renntierzüge, die parallel mit der Küste der Hudsonbai gehen, haben sie damals vermutlich bis in die Gegend zwischen Eoronation Golf und der Halbinsel Boothia geführt. Von dort sind die Wanderungen weiter- Begangen nach Westen hin bis Alaska, nach Osten bis Grönland. >er breite Tundragürtel westlich von der Hudsonbai hat indesien die ganze Gruppe, welche wir Renntiereskimos genannt haben, im Inland zurückgehalten, und auf diese Weise ist die ureskimoische Kulwr hier bewahrt worden. An der Beringstraße hat sich später eine neueskimmsche Kultur entwickelt, und innerhalb dieser Gebiete hat die Seetierjagd, namentlich auf Wale und Walrosie vom Leder- boot und vom Kajak aus eine einzigartige Blüteperiode durch- gemacht. Von diesen Gebieten um Alaska ist seitdem wieder eine Völkerwanderung nach Osten ausgegangen, und zwar durch die Nord- westpasiage, Hudsonbai, Baffinland, Labrador, ja bis nach Grönland hinüber. Alle festen Winterhäuser, die wir an den Küsten finden, sind Erinnerungszeichen an diese Kultur." Daß die Inlandseskimos nicht von Leuten abstammen, die einmal an den Küsten gelebt haben, ergibt sich daraus, daß diese Renntiereskimos keine Fischnetze, keine Ouerbeile und ähnliches gebrauchen, daß ihnen alle am Meer not- wendigen Geräte unbekannt sind und daß bei ihnen nicht wie an den Küsten Specklampen gebraucht werden. Diese Ureskimos verbringen ihre Winter in ungeheizten Schneehäusern, obwohl die Temperatur regelmäßig bis unter 50 Grad Kälte sinkt. Diese Renntiereskimos, deren Mythen und Sagen, deren Glaube und Aberglaub« so ergreifende Züge von dem ältesten Denken der Menschheit bewahrt hat, stellen die letzten Ueberreste des eskimoischen Urvolkes dar. ver Nährwert üer öanaae. Unter den verschiedenen Obstsorten, die olljährlich auf den Markt elangen, steht die Banane mit an erster Stelle. Sie hat einen .ohen GeHall an Nährstoffen und übertrifft dabei viele ander« Obst- sorten. So seien hier einige der wichtigsten miteinander verglichen und deren Mittelwerte angegeben: Wasier Eiweiß Kohlehydrate Salze Apfelsine... 8901 0.73 ö.54 0.49 Kirsche.... 80.26 0,62 11,41 0,73 Birne.... 83.03 0,33 Ii. 80 0,31 Apfel.... 83.58 0,39 12.90 0,80 Banane... 75.01 1,20 20,05 0,90 Neben ihrem hohen Gehalt an Nährwerten hat die Banane noch sonstige Vorzüge. Die Frucht ist von einer leicht abziehbaren Hülle umgeben, und es ist daher eine Verunreinigung dar Frucht nicht möglich, ferner hat sie keine großen Samenkerne und wird nicht von schädlichen Insekten heimgesucht. Die Heimat der Banane soll ursprünglich auf Indien beschränkt gewesen sein. Don hier aus ging in vorgeschichtlicher Zeit ihre Verbreitung über die tropischen Zonen der ganzen Well. So sollen bereits vor der Entdeckung Amerikas durch die Spanier in den Landstrichen der Westküste Bananen planmäßig angebaut worden und ein Nahrungsmittel der Jnkas und Azteken gewesen sein. Hauptsächlich werden jetzt Ba- nanen in Zentralamerika und auf den westindischen Inseln an- gebaut, während die in anderen Gegenden, wie den Kanarischen Inseln, angelegten Bananenpflanzungen für den Wellhandel von geringer Bedeutung find._- Da» vrelslrumpspaar. Amerikanische Firmen haben den Ge- brauch angenommen, zu jedem oerkauften Paar Strümpfe besserer Qualität einen dritten Strumpf derselben Art gratis mitzugeben. Diesen Ersotzstrumpf„braucht die Dame ebenso notwendig wie der Automobilist den Ersatzreifen", sagen die dafür gemachten Anzeigen. Es soll so ermöglicht werden, daß wenn ein Strumpf reißt, der genau gleiche Ersatzstrumpf zur Hand ist. Mmmek HANAU ICCELN WWWWWWWMiM Anmeldung von Sterbefällen, Auszahlung der Grabstellengebühren nur in der Hauptverwaltung Berlin$W29,Gnelsenaii$lr.4l (Freidenkerhaus) Telephon: Hasenheide Nr. 6720, 6721,7384 ymS twös Zweig-Geschäftsstellen: N018, Friedenstr. 60 Telephon: Königstadl 7072 Berlin N20, Schwedenstr.18 Telephon: Moabit 6777 Baumschulenweg, Kiefhoizstr.250 Telephon: Oberschöneweide 645. Größte Freidenkerorganisation! 475ooöTiitgiiederi Kir�he«austr!ttaedin�