Nr. 174 ♦ 44. �ahrg. Ausgabe Ä Nr. SS Bezugspreis. WSchentli»?0 Plrnnia, monatlich v.- Zicichsmarl voraus»ahlbor� Unier Kreuiiband tür Dcutlli!lan!>. Danzia. Saar» und Memeiaebrc! veiterrcich. Litauen. Lurcmbur« 4,!0 Zteichsmart, für das itbria« Llusland S.ö0 Rcichsmarl pro Atonal. »er»Vorwärts� mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage.Voll und Zeit' iorvie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen*„Aus der üilmwelt*. .ssraucnstimme*„Der«inder- freund*..Iugend»Vorwärts* und »Blick in die Bilcherwelt* erscheint «ochcntZglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdemotrat Berlin* argen ansgabe Nerlinev Volksvlski �1S pksnnig) Anzeigenpreise: Die eintvaltiae Nonvareill«- ,cile»0 Bfennia. Reklame, eil« K,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen* das tettaedruckte Wort 2! Vtennig tzulSista zwei fettgedruckte Wortel, jedes weitere Wort 12 Vtenniq. Stellengesuche das erst« Wort 15 Dkcnnia. jedes weiter- Work lg Mennig. Worte über lb Buch» Itaben zählen tür zwei Worte. klrbcitsmarkt Keile!M Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Keile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4>H Uhr nachmittags im bauvtoeschäkt. Berlin SW OS. Linden. strafte», abgegeben werden. Geössnet Ben 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokratifcbcn Partei Deutfcblands Reüaktion unü Verlag: Serlin EW. öS, Linüenstraße Z tQ. lO�T _ Fernsprecher: Dönhoff 292-297._|| Mittwoch, ÖCtl Id. Apr»! 1947 Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SV. bS, Linüenftr.Z Postscheckkonto: Berlin 37 031— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellte» und Beamte»,«allftr.»5:»tokonto-Sesellschast. Dcuesitenkasse Liudenstr. 3. Zum 1. Mai 1�27. An die Arbeiter aller Länder! In einer Zeit großen geschichtlichen Geschehens, voll drückender Sorgen und drohender Gefahren, rüstet das internationale Prole- toriat zum Festtag der Arbeit. Im Vordergrund der weltpolitischen Ereignisse steht das Erwachen des chinesischen Volkes, fein gewaltiger Kampf um das Recht auf volle Selb st best immun g. Er erfüllt mit Freiheitshoffen die Seelen der unterdrückten Völker aller Farben und aller Rassen und zeigt den Imperialisten aller Länder: die Epoche kolonialer AusbeutunggehtzuCnde!„Das, was in China geschieht, ist der erste Anfang der großen Meuterei der letzten großen Reservearmee des Kapitalismus und deswegen, Genossen, ist, was dort geschieht, unsere eigenste Sache und deswegen wollen wir den Arbeitern dort drüben unseren Gruß schicken!* In richtiger Vorahnung künftiger Ereignisse wurde diese Erkenntnis vor zwei Iahren unter dem stürmischen Jubel des ganzen Kongresses der Sozialistischen Arbeiter-Internationnle in Marseille ausgesprochen: heute ist sie zum Gemeingut der Arbeiter- Masse der ganzen Welt geworden. Soviel Zwiespalt es innerhalb des Proletariats über den besten Weg zu seiner Befreiung auch geben mag, in der Sympathie und Solidarikäi für die nationale Freiheiksbewegullg in China besteht volle Einigkeit. Ein Drittel der Erdkugel liegt.zwischen London und Schanghai. Wir können der Revolution, in deren vordersten Reihen die chinesischen Proletarier kämpfen, keine unmittelbare chilfe leisten. Aber wir können sie unterstützen durch unsere Aktwn in der cheimat der' imperialistischen Ausbeuter. Sie oerfügen über die Machtmittel des Staates, für sie ist der Weg nach China offen, sie hoffen noch immer mit Pulver und Blei die schmähliche Schande ihrer„Konzessionen" und„Erterritorialitätspnvilegien" zu behaupten. Und deshalb demo.istrieren wir an diesem 1. Mai neuerlich für die sofortige Rück- berufung der fremden Truppen und Kriegsschiffe aus China! Arbeiter, Sozialisten! Auch Europa ist von neuen Kriegen bedroht. Je weiter die Völker durch die Reaktion in den Abgrund ökonomischer Verwüstung und geistiger Versklavung gestoßen werden, um so größer wird die Gefahr, daß die Diktatoren das Vabanguespiel eines Eroberungsfeldzuges riskieren. Insbesondere liegt auf euro- päischem Gebiet das Gefahrenzentrum der kriegsstiflung in oem verbrecherischen System des Faschismus. Schon ist A l b a n i e n auf dem Wege, in ein« wirkliche Kolonie Italiens umge- wandelt zu werden. Die Gefahr eines neuen Balkankrieges mit allen seine» Schrecknissen für ganz Europa steigt drohend herauf. Und daher demonstrieren wir an diesem 1. Mai neuerlich für die alte Forderung der Sozialistischen Internationale: Der Balkan den B a l k a n v ö l k e r n I Für die B a l k a n f ö d e r a t i o n der freien Völker des Balkans! Weder die Verwüstungen des Krieges, den wir erlebt, noch die. Gefährdung des Friedens, die neu vor uns ersteht, haben den kapitalistischen Regierungen das Gewissen geschärft. Die imperia- listischen Interessen sind stärker als der Abrüstungsgedanke. Welch «in Abstand zwischen den Verheißungen Wilsons und den bisherigen Resultaten des Völkerbundes! Arbeiter, euch erwächst daher die Pflicht, neuerlich zu demonstrieren gegen das Wettrüsten in allen seinen Formen, gegen den Militarismus, für die Friedens- p o l i l i k der Arbeiterklasse! Rückaany öer Erwerbslojlykeit. Um ein Fünftel weniger Hauptunterstütznngs» empfänger als Anfang März. Die Zahl der hauplunlerslühungsempsär.ger in der Erwerbs- losenfürforge zeigt nach amtlicher ZUitteiluag auch in der zweiten Alärzhälsle einen erstaunlichen weiteren Rückgang, und Zwar um 305 000 gleich 21,2 p r o z. Zu berückss hligen ist jedoch dabei, daß die Ausgesteuerten, in der krisensürforge der Gemeinden be- sindlichen Erwerbslosen hierin nicht enthalten sind. Da man leider annehmen muh. daß trotz der Belebung am Arbcitsmartt noch eine beträchtliche Zahl langfristig Erwerbsloser aus der llnisr- stühung ausscheidet, ohne Arbeil zu finden, wird talsächlich der Rück- gang der Arbeitslosigkeit nicht ganz so hoch zu veranschlagen sein. Trotzdem ist die Besserung am Arbeitsmarkt unleugbar. Im einzelnen ist die Zahl der männlichen hauplunlerstühungs. emvfänger in der Zeit vom 15. Riärz bis 1. April lN27 von 1222000 aus 946000 zurückgegangen, die Zahl der weiblichen von 214 000 auf 1S5 000, die Gesamtzahl von 1 4Z6 000 auf 1 131 000. Die Zahl der Zuschlagsenipfänger hat sich von 1 664 000 aus 1 297 000 verringert. Der Gesamtrückgang in� der Zahl der haupiunler- fiühungsempsänger lm vional Milrz beträgt 535 000 0 096 000 Unter der Erdrosselung der Meinungsfreiheit leidet die Arbeiter- bewegung in den Ländern ohne Demokratie. Keine Pretzfreihett, keine Versammlungsfreiheit, keine Organisationsfrci- heit, diese Wahrzeichen des russischen Zarismus herrschen heute wieder über einen großen Teil Europas und in Rußland selbst! Tausende und Taufende politische Gefangene sitzen in den Kerkern und Verbannungsorten, Tausende und Tausende politische Flüchtlinge er- dulden das horte Los der Emigranten! Daher demonstrieren wir an diesem 1. Mai neuerlich für die Wiederherstellung der politischen Freiheit und der Demokratie! für die Amnestie der politisch verurtelllen und Gefangenen! und wir benutzen die Feier des 1. Mai zur Stärkung des Matteotti- Fonds, des Hilfsfonds für die Arbeiterbewegung der Länder ohne Demokratie. Seit der letzten Maifeier ist im Kampf für die V e r t e i d i- g u n g des Achtstundentages ein kleiner Fortschritt erzielt worden. Belgien hat die Konvention von Washington über den Achtstundentag ratifiziert. Aber noch immer leisten die großen Industrieländer Europas, vor allem England und Deutsch- land, passive Resistenz. Daher demonstrieren wir an diesem 1. Mai neuerlich für deu Achtstundentag! für die Raiifikation des Abkommens von Washington! Jahr« um Jahre vergehen, aber der Kapitalismus erweist sich als unfähig, die Massenarbeitslosigkeit, die sein Welt- krieg erzeugt hat, zu beseitigen. Noch immer sind Millionen gesunder Menschen zu Untätigkett und Verelendung vcr- dämmt. Daher demonstrieren wir an diesem 1. Mai neuerlich für die Arbeitslosenfürsorge m allen Formen, für die Be- seitigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, deren Wahnsinn sich im Schicksal der Arbeitslosen am sinnfälligsten offenbart. Unter allen sozialpolitischen Forderungen sind die wichtigsten die Sicherung unseres Nachwuchses vor Verelendung, die Schasfung von Lebensbedingungen, die die körperliche und geistige Gesundheit der Jugend verbürgen. Daher demonstrieren wir am 1. Mai für Iugendschutz und Jugendrecht! Aber wir haben für die Jugend nicht nur zu sorgen, wir haben auch Forderungen an die Iugend. Soll das Werk, das die Arbeiterklasse unter den schwierigsten Kampsbedingungen in unendlichen Mühen und Opsern begonnen, zum siegreichen Ende geführt werden, so mutz die neue Generation erfüllt sein mit sozialistischen Iugendidealen! Diese neue Generation, auf deren Kindheit das Elend des Krieges gelastet hat, die die Arbeiterbewegung zuerst kennen lernte in den Irrungen und Wirrungen der Nachkriegszeit, sie muß den Skeptizismus und den Kleinmut überwinden, sie muß die Erhabenheit des sozialistischen Endzieles erschauen, sie muß sich durchdringen zur Erkenntnis der gewaltigen Größe des Kampfes der Arbeiterklasse, die sich und die Menschheit befreit, sie muß in sich ausnehmen den Geist und den Opfermut der großen Vorkämpfer des internationalen Proletariats. Der Glaube an die sozialistische Maienbotschast, der uns erfüllt, soll auch lebendig werden in den Herzen und Hirnen unserer Iugend, soll sie eingliedern in die siegreich fortschreitenden Kampfreihen der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. Das Bureau der Sozialistischen Arbeiker-Jnlernalionale. hauplunlerstützungeempsönger am 1. März 1927 gegenüber 1 131 000 am 1. April 1927). Ueber die Krisensürforge siegt eine neuere Zahl nicht vor. da diese nur in der Witte jedes Wonals seslgestellt wird. Lanü unterm iueuZ. Polnische Protestnote. Die polnische Regierung hat der Reichsregierung eine Protestnote gegen die Vorführung des Films„Land unterm Kreuz" übermittelt. Die Note ist am Dienstag in Berlin eingctrofsen und dürfte in den nächsten Tagen in ablehnendem Sinne beant- wartet werden. Kein Minderheitenschutz in Lstobcrschlcsien. katlowih, 12. April.(MTB.) Die Schulkommission der deutschen Minderheitsschule in Breziz(Polnisch-Oberschlesien) plante für sämtliche Schulkinder einen Märchenabend mit Lichtbilder- Vortrag. Statt des von den Behörden zugesagten polizeilichen Schutzes erschien ein« Gruppe ehemaliger Insurgenten, die derart lärmten und die Versammlungeteilnehmer bedrohten, daß die Veranstaltung abgebrochen werden mußte. Die Cr- Mittelungen ergaben, daß es sich um von auswärts b e st e l l t e und für diesen Zweck bezahlte Elemente handelt. das Serufsausbilöungsgesch. Grundsätzliche Bemerkungen zum Regierungsentwurf. Der seit Jahren in Aussicht gestellte Entwurf eines Berufsausbildunggesetzes liegt nunmehr vor. Er knüpft an alte Forderungen der Gewerkschaften, wie sie insbesondere der Gewerkschaftskongreß in Nürnberg zur gesetzlichen Neu- regelung des gesamten Lehrlingswesens aufstellte, an. Das geltende Lehrlingsrecht ist nicht nur. wie das Arbeits- vertragsrecht, in zahlreichen Gesetzen verstreut, es erfüllt auch nicht seine große Aufgabe, umfassende Bcrufsaus- b i l d u n g zu gewährleisten und die jugendliche Arbeitskraft ausreichend zu schützen. Zu diesen großen Mängeln kommt erschwerend hinzu, daß für zahlreiche Grup- pen überhaupt keine gesetzliche Regelung des Lehrverhältnisses besteht, ebenso die Berufsausbildung aller Jugendlichen außerhalb eines Lehrverhältnisses bisher überhaupt unberück- sichtigt geblieben ist. Die Notwendigkeit einer umfassenden gesetzlichen Neu- regelung des gesamten Fragenkomplexes liegt am Tage. Es ist deshalb zu begrüßen, daß durch den vorliegenden Regie- rungsentwurf endlich die Möglichkeit besteht, an die Lösung der Aufgabe heranzugehen. Der Reichstag hat sich, dank der Initiative der sozialdemokratischen Reichpstagsfraktion wiederholt für die baldige Einbringung dieses Gesetzentwurfes ausgesprochen: er wird nunmehr auch dafür zu sorgen haben, daß fin der Verabschiedung keine unnötige Verzögerung eintritt. Der vorliegende Gesetzentwurf will, nach den Erläute- rungen seines Verfassers und ausgezeichneten Sachkenners, Ministerialrat Schindler, eine einheitliche, das gesamte Gebiet der Berufsausbildung Jugendlicher umfassende gesetzliche Regelung herbeiführen, die grundsätzlich davon absieht, für jeden einzelnen Berufsstand Sondervorschriften zu erlassen, sondern die sich darauf beschränkt, in Form eines Rahmen- gesetzes die allgemeinen Grundsätze festzulegen, und die im übrigen den gesetzlichen Bcrufsvertretungen, also der beruf»- ständischen Selbstverwaltung der Beteiligten die Durchführung des Gesetzes im einzelnen überträgt. Zu einer umfassenden Regelung gehört auch die Neu- ordnung des Berufsschulwesens. Die Berufsschule ist die unentbehrliche Ergänzung der praktischen Berufscnisbil- dung, häusig sogar der wichtigste Faktor in der Berussaus- bildung Bei dem engen Zusammenhang mit dem gesamten Schulwesen empfiehlt sich jedoch hier zweifellos eine gesetzliche Sonderregelung, so daß man der Tendenz des vorliegenden Entwurfs, sich auf die Regelung der Fragen der p r a k- tischen Berufsausbildung zu beschränken, durchaus zu- stimmen kann. Um so unverständlicher ist es aber, die Land- Wirtschaft und die landwirtschaftlichen Nebenbetriebe auszu- nehmen. Selbst wenn die Behauptung so richtig wäre, wie sie falsch ist, daß die Verhältnisse in der Landwirtschast wesent- lich anders liegen als in anderen Berufsgruppen, es könnte bei einem Rahmengesetz, das nur allgemeine Grundsätze fest- legt und die Durchführung im einzelnen der Selbstverwaltung überläßt, kein Grund für eine Ausnahmebehandlung sein. Deshalb ist es auch gar nicht notwendig, die gesamte Verufsaus- bildung Jugendlicher in der Landwirtschaft durch ein beson- dere? Gesetz zu regeln. Das ist auch nur eine Ausrede, um die Einbeziehung zu verhindern. In Wirklichkeit erfolgt der Ausschluß aus den gleichen Motiven wie beim Arbeitsschutz- gesetz: die Ausbeutung der Arbeitskraft in der Landwirtschast soll nicht weiter eingeschränkt werden. Deshalb bleibt die Kinderarbeit in der Landwirtschaft im Arbeitsschutzgesetz un- geregelt und auch das �.Berufsausbildmigsgesetz geht mir fadenscheinigen Gründen an dieses düstere Kapitel vorbei. Im Mittelpunkt der großen Streitsragen, die das Berufsausbildungsgesetz zu klaren hat, steht die Notwendigkeit einer deutlichen Kennzeichnung des Lehrverhältnisses als eines Arbeitsverhältnisses, das auch der tariflichen Regelung in allen seinen Einzelheiten zugängig ist, mit dem besonderen Ziele der Sicherung ausreichender Berufsausbildung. Der Lehrling erhält nicht das volle Aequivalent für seine Arbeits- leistung. hat aber dafür den Anspruch auf eine Verwertung seiner Arbeitskraft, die eine uinfassende praktische Berufs- ausbildung gewährleistet. Zur Sicherung dieses wesentlichsten Inhalts des Lehrverhältnisses ist notwendig, daß Betrieb und Unternehmer die sachlichen und persönlichen Voraussetzungen für die Erfüllung dieser Aufgabe bieten. Deshalb bestimmt der Eniwurf, daß Lehrlinge nur in Betrieben beschäkst-st werden dürfen,' die von der gesttzlichen Berufsvertretung, der Reichsregierung oder der obersten Landesbchörde als Lehr- betriebe anerkannt sind: der Entwurf enthält weiter Vor- schriften über die persönliche Eignung des Arbeitgebers oder feiner Vertreter zur Berufsausbildung. Das find zweifellos bedeutsame Fortschritte gegenüber dem geltenden Recht. Mit dem hier ausgestellten Grundsatz ist es jedoch unvereinbar, daß die Reichsregierung oder die obersten Landesbeho-den summaristh Betriebe bestimmter Art oder bestimm'er Berufe oder Bcrnfsgruppen dauernd oder auf Zeit als Lehrbetriebe zulassen können. Zur Erreichung des Lehrzieles ist nicht nur notwendig. daß Betriebe und Unternehmer zuvor auf ihre Eignung für die Berufsausbildung geprüft find, auch der Lehrling ist einer solchen Prüfung vor Eingehung des Lehrverhältnisses zu unterziehen. Der Entwurf macht auch hier den entscheidenden Schritt nach vorwärts. Damit dürften aber auch alle erforder- lichcn sachlichen Voraussetzungen für die Erreichung des Lehr- Zieles gegeben fein. Der vorgesehene Ausbau des Prüfungs- wefens nach Beendigung der Lehre ist deshalb praktisch über- flüssig. Durch die vorherige Prüfung von Betrieb, Unternehmer und Lehrling wird von vornherein der Schaden verhütet, während die Abschluß- Prüfung nur den eingetretenen Schaden feststellen kann, wenn es bereits zu spät ist. Niemand denkt auch im Ernst daran. den eigentlichen Sinn dieser Abschlußprüfungen wieder� aufleben zu lassen, daß nämlich die Berufsausübung damit scharf abgegrenzt werden soll. Das hieße die fortschreitende indu- strielle Entwicklung leugnen. Damit ist aber auch ihre Ueber- flüssigkcit erwiesen denn die Entwicklung der Technik kennt keinen Zlbschluß, sie fordert vielmehr ein ständiges Hinzu- lernen. Hieraus erwachsen ja erst die eigentlichen Probleme der Berufsausbildung unserer Zeit. Der Entwurf begnügt sich hier mit einigen arbeitsrechtlichen Schutzvorschriften, die den Kern der Dinge nicht berühren, in der Begrenzung des Entwurfs auch nicht berühren können. Die arbeitsrechtlichen Bestimmungen über den Lehrvertrag bedürfen eines weiteren Ausbaues. Den gesetzlichen Berüfsvertretungen muß deshalb die Pflicht auf- erlegt werden, das Lehrverhältnis in all feinen Einzelheiten zu regeln, soweit nicht günstigere tarifliche Vereinbarungen vorliegen. Der Regierungsentwurf verkennt die wichtige Funktion des Tarifvertrages auch auf diesem Gebiete und weist ihm deshalb eine ganz untergeordnete Rolle zu. Noch der gegenwärtigen Konstruktion des Entwurfs hängt alles von dem guten Willen der Unternehmer ab: die letzte Ent- fcheidung liegt bei den obersten Landesbehorden. Das ist aber keine Selbstverwaltung, wie der Entwurf behauptet. Der vorgesehene Ausbau der Handwerks- und Handelskam- mcrn als Selbftvenvaltungsorgane mit paritätischen Aus- fchüffen von Vertretern der Arbeitnehmer und Arbeitgeber genügt nicht. Vor allen Dingen muß aber auch die Gewerbe- und Handelsaufsicht eingeschaltet werden, wie auch die Je- triebsvertretungen stärker heranzuziehen find. Der vorliegende Entwurf bedarf dieser wesentlichen Er- gänzungen, wenn feine Absichten, eine qualitative Steigerung der Arbeitskräfte zu ermöglichen, verwirklicht werden sollen. Gewerkschastsfühm im Hurgerbiock. In der Verlegenheit. Die ch? i st l i ch e n Gewerkschaftsführer fühlen sich im Bürgerblock nicht recht wohl. Sie find besonders im Kampfe um das A r b c i t s z e i t n o t g e f s tz bei ihrer An- hängerschaft ziemlich in Mißkredit gekommen und ver- suchen nun, ihre veränderte Position zu rechtfertigen. An der Tatsache, daß sie durch den Eintritt in die Bürgerblockregie- rung zu gewissen Rücksichten verpflichtet und so in der Ber- fechtung der Arbeitnehmerinteressen ziemlich behindert sind, ist nicht zu rütteln.„Der Deutsche" ist deshalb eifrig bemüht, durch Ausfälle gegen die Sozialdemokratie den Blick von dieser Tatsache abzulenken. In seiner letzten Ausgabe betont er„die Erdenfchwerc wirtschaftlicher Realitäten", zu der bei seinen Freunden die der poli- tischen Realitäten hinzukomme, um den Beweis- zu führen, daß auch die Sozialdemokratie, so lange sie in der Regierung und„mit Verantwortung belastet" war, die Interessen der Arbeitnehmerfchaft ebenfalls hinter die der Wirtschaft, der Allgemeinheit, zurückgestellt habe. Der„Deutsche" muß weit zurückgreifen, nämlich bis zur Sturm- und Drangperiode der ersten Nachkriegszeit, aus der er einen Aufruf der sozialistischen Regierung zitiert. Der Versuch eines Dergleichs zwischen dem damaligen Verhalten unserer Genossen an leitender Stelle und dem jetzigen Verhalten der christlichen Arbeiterführer in der Rechts- regierung zeugt nur für die Verlegenheit, die ihnen aus ihrer heutigen Erdenschwere erwachsen ist. Das damalige Verhalten der sozialdemokratischen Führer, die den infolge der Kriegsverwilderung und des Kriegszusam- menbruches aus Rand und Band geratenen Masten Vernunft predigen mußten, ist für sie nur ehrend, läßt sich aber beim besten Willen nicht vergleichen mit dem Verhalten Steger- walds in der Abwehraktion gegen die Ueberstundenmiß- Wirtschaft. Auch heute noch rechnen die freien Gewerkschaften samt der Sozialdemokratie mit wirtschaftlichen Realitäten. Sie haben jedoch stets die Interessen der Arbeitnehmer- schaft über die d e r �wirtschaftlichen und politischen Reaktionäre gestellt. Wenn Stegerwald und der„Deutsche" damals gesagt j hätten, was der" Aufruf der sozialistischen Regierung besagte, dann würde nicht— wie das Blatt behauptet—„der ganze sozialistische Blätterwald den kompletten Verrat für erwiesen halten". Inzwischen aber sind einige Jahre ins Land ge- gangen, und was damals notwendig war, kann heute nickst als Freibrief für die Rücksichtnahme auf die Bürgerblock- verbündeten der Christlichen gelten. Es muß Farbe bekannt werden!_ GefZngnks für Kritik an öer Justiz. Ein unbegreifliches Urteil. Weimar, 12. April.(Eigener Drahtbericht.) Ein drakonisches Urleil vcrkündsis am Dienstag das Jenaer Schöffengericht gegen den sozialdemokratischen Redakteur Konrad Finkelmeier. Der Angeklagte Finkelmeicr halte nach der von uns mitgeteilten Frei- sprechung des wegen Meineids angeklagten nationalsozialistischen Abgeordneten S p i l l e r Vergleiche mit dem Frieders-Prozeß angestellt und dabei folgendes gesagt:„Diese Freisprechung ist geeignet, die Ausfassung zu unterstützen, daß im Falle Frieders eine Rechtsbeugung vorgelegen hat." Finkelmeier erklärte vor Gericht, nur eine im Volte verbreitet« Meinung wiedergegeben zu hoben. Der Oberstaatsanwalt beantragte trotzdem zwei Monate Gefängnis mit der Begründung, die Justiz könne es sich nicht gefallen lassen, daß ihr„das Vertraue n" untergraben würde. Das Gericht wollte von einer Aktion der thüringischen sozialdemo- kratischen Partei gegen die gesamte Justiz wisisn und sah in der inkriminierten Wendung einen Teil dieses teuflischen Planes. Weil also Finkelmeicr Funktionär der Partei ist, glaubte das Gericht die ungeheuerliche Strafe von sechs Wochen Gefängnis für den als Meiming wiedergegebenen Vorwurf der Rechtsbeugung aus- sprechen zu müssen. Gegen das Urteil wird selbstverständlich Ve- rufung eingelegt werden. Das Urteil des Jenaer Schöffengerichts ist weniger in formaler als in sachlicher Beziehunq unbegreiflich. Der Oberstaatsanwalt in Jena konnte wissen, daß die Vertrauens- krife gegen die deutsche Justiz nicht von heute und gestern ist, sondern eine Folge von Urteilen, für die das Bolk kein Berständnis aufbringen kann, weil sie gegen Angehörige verschiedener Parteirichtungen und bei gleichen Straftaten verschieden lauten. Bis ins Reichsgericht hinein waltet die Praxis, hochverräterische Umtriebe von links anders zu werten als solche von rechts. Pflicht der Presse, die das Interesse der Oeffentlichkeit wahrzunehmen hat, ist es, auf derartige Un- stimmigkeiten hinzuweisen und ihren ganzen Einfluß dahin auszuüben, daß die Rechtsprechung besser wird und wieder das Vertrauen des ganzen Volkes verdient. Dieses Verbrechests hat sich Genosse Finkelmeier schuldig gemacht. Er hat fürdie Sauberkeitderdeutschen Justiz gefochten. Das Jenaer Gericht aber glaubt, die Sauberkeit der Justiz dadurch herzustellen, daß sie deren Vorkämpfer sechs Wochen lang ins Gefängnis sperrt. Das ist eine Ungeheuerlichkeil, die an mittelalterliche Rechts- auffasiungen erinnert. Dabei bleibt es ganz ohne Belang, ob der Vorwurf der Rechtsbeugung an sich als Beleidigung der Justiz gelten kann oder nicht. W e n n er erhoben wurde. so geschah das nur im Sinne einer sachlichen Kritik, für die ein seiner Verantworiung bewußtes Richtertvm auch dann dankbar fein müßte, wenn es den Borwurf als zu weitgehend und zu verletzend ansehen würde. Furcht vor Kritik aber ist noch nie als ein Zeichen der Klugheit und des guten Gewissens angesehen worden. Die Jenaer Richter haben der S t a n d e s e h r e des deutschen Richtertums einen denkbar schlechten Dienst erwiesen und dürfen sich nicht wundern, wenn durch ihr Urteil die Vertrauenskrise in der Justiz, von der ja selbst der frühere Reichsjustizministe? Bell ebenso wie sein Nachfolger im Reichstag offen gesprochen hat, durch derartige Urteile verschärft, anstatt gemildert wird._ Die öeutschnatioNale Jutterkrippenpolitik. Keudell auf SchicleS Spuren. Es erregtes berechtigtes Aufsehen, daß der neue Reichsinnen- minister v. Keudell nach der Verabschiedung des Etats die beiden führenden republikanischen Beamten, Staatssekretär Schulz und Ministerialdirektor Brecht, kurzerhand verabschiedet hat, um R e- aktionäre an ihre Stelle zu setzen. Keudell verfolgt damit nur weiter die Personalpolitik, die sein Kollege Schiele bereits betrieben hat, als er das Reichsinnenministerlmn bekleidete. Das„Berliner Tageblatt" erinnert daran, daß Schiele als Rcichsiiincnmi nister nicht weniger als sieben rechtsgerichtete Beamte in das Innenministerium gebracht hat, und zwar den Ministerialrat G L h r i ch und den Bruder des jetzigen Minsters v. Keudell. Jetzt hat der Innenminister v. Keudell den Sohn des Reichstagsabgeordneten W a l l r a f als Regierungsrat übernommen. Schiele hat ferner den überalterten Oberregicrungsrat v. G l a s e n a p p auf Prtvatdienstvertrag in sein Ressort übernommen, er hat die Regicrung-räte G i u l i n i und G i e se in dieses Amt gebracht. Um nun noch den Assessor K on r a d im Innenministerium unterbringen zu können, hat er sich sogar eine Regierungsrats st eile von einem Finanzamt über- schreiben lassen. Er verlautet übrigens, daß der gleichfalls dcusschnationale Oberregierungsrat Rupp.ert ebenso wie Reg'crungs- rat Wallraf demnächst zu Ministerialräten avancieren sollen. Diese Personalpolitik des Herrn v. Keudell ist außerordentlich interessant. Wie oft haben doch gerade die Deuischnationalen über Futterkrippenwirtschaft gezetert! Heute beeilen sie sich, vor aller WKt mit jeder gewünschten Deutlichkeit den Nachweis zu führen, daß ihnen die fachliche Eignung von Beamten nichts gilt, wenn sie nur reaktionäre Anwärter auf Beamtenstellen standes- gemäß unterbringen können. Es macht ihnen auch nichts aus, wenn durch die außer Dienst gestellten Beamten die Zahl der Pensionäre und Wartegeldempsönger des Reiches vollkommen unnötig vermehrt wird. So werfen die Deutschnationalen alle ihre schönen Grund- sätze über Bord, mit denen sie bisher ihre Wahlen bestritten haben. Bon ihrer Praxis werden aber hoffentlich alle diesen gen Rcpub'i- tan er lernen, die, wo immer es sei, den notwendigen Einfluß haben, über Beamtenstellen zu verfügen. NieZerstbissiens Not. Grzefinfki un Waldcnburgcr Revier. Breslau, 12. April.(Eigener Drahtbericht.) Auf setner NiedeV-m schlesienreise weilt« der preußische Innenminister G r z e s i n s k i am Dienstag nachmittag in Waldenburg, wo im Rachaus ein« AuK?" spräche mit den Vertretern der Behörden und der Wirtschaft statt- fand. Der Minister wie» von sich aus auf die schwere Rot- läge hin, in der sich gerade der Waldenburger Jndustriebczirk befindet, von dessen Gesamtbeoölkerung 70 Proz. Arbeiter sind. Hier gelle es, alle Kräfte zusammenzufassen, um Abhilfe zu schassen. Das sei vor allem dringend nötig bei der furchtbaren Wohnungsnot des Bezirks, die geradezu einen Gesundheitsoerfall der Bevölkerung zur Folge hm. Eine Minute. Von Erich G r i s a r. Waren je Menschen versklavt, wie wir, Menschen dieses Jahr- Hunderts? Kein Brandmal schündet unsere Stirn, keine Kugel aus schwerem Metoll hemmt unseren Schritt, kein Strick, keine Kette fesselt unsere Glieder, ober unsichtbar sind wir gebunden, enger ge- Hunden, tiefer versklavt als je Menschen versklavt waren durch Mensche»: denn wir sind gebunden, gefesselt, gezeichnet, versklavt durch die Zeit. Unser Skiaveinneister ist die Minute. Ihr entrinnen wir nicht. An ieder Straßenecke, jedem Häuservorsprung. in unfern Taschen, am Arm unserer Freunde, selbst in unfern engen Stuben, steht eine Uhr. die jeden unserer Schritte bewacht. Der niemand entrinnt. Was schiert mich die Zeit, denkst du. Was kümmern mich Uhren. Ich bin frei. Dos sagt sogar die Verfassung. Aber ivage es nur, morgens, wenn der Wecker rasselt, den kastliche» Augenblick des Erwachens auszukosten: wage es nur zu sagen: eine Minute... Du wirst sehen, wie gebunden du bist, wie das unsichtbare Band dich bindet. Du verschläfst die Zeit deines Ausbruchs. Ohne Kaffee, ohne Brot mußt du au« dem Hause, um den Vorortzug noch zu kriegen. Das ist deine erste Strafe. Aber in der Eil« hast du vergessen, die Jacke zu schließen. Eine Erkältung ist deine zweite Strafe. Dann kommst du zum«ahnhos. Der Zug. der dich fortbringen soll, an deine Arbeit sieht bereit. Doch wie du den Bahnsteig erreichst, be- ginnt er zu fahren. Du rennst hinter ihm her, du erreichst ihn, schon willst du aufspringen, da fühlst du dich gehalten. Du drehst dich um und mußt dem Beamten� der dich hielt, noch dankbar sei» dafür, daß er dich nicht anzeigt. Ja. er beweist dir, daß du ohne ihn jetzt schon Gegenstand einer Zeitungsnotiz wärst. Unter Neues vom Tage. Eine Minute, denkst du und fluchst. Der nächste Zug erst bringt dich zur Arbeit. Du läufst, um die verloren« Zelt einzuholen. Eine Minute denk» du, dann bin ich da. Da bläst die Sirene. Schneller noch läufst du, und doch erreichst du nur ein verschlossenes Tor. Der Portier läßt dich nicht mehr hinein. Eine Minute Verspätung sagt er. Das ist erlalibt. Aber keine Sekunde darüber. Er hat seinen Befehl. Der Tag ist verloren für dich. Verloren der Arbeit. Aus- gestrichen aus deinem Leben: denn du wirst dir den ausgefallenen Verdienst abdarben müssen. Und äst, nächsten Morden bist du der erste iu> Wert. Gehorchst du der Uhr. Bist du der Sklave einer Minute. Oder aber du bist arbeitslos und suchst Arbeit. An jedem Morgen drängst du dich vor dem Aushang der Zeitungen. Aber der Andrang ist groß und ehe du herankommst, ist eine Minute ver- gangen. Diese eine Minute bestimmt über dein Leben. Denn ein andrer bekonimt die Stelle, die du erhofftest. Dir bleibt nichts als der Strick, oder du stiehlst und kommst ins Gefängnis. Die Uhr eines Streckenwärters geht eine Minute zu spät. Zwei Züge rasen zusammen. Sein Leben und das dutzender Menschen ist vernichtet durch die eine Minute. Eine Minute. Sie ist die Herrin. Sie hält dich gefesselt wie keiner und keiner. Ihr Gefangener bist du. Eine Minute zu spät oder zu srüh entscheidet dein Leben. Eine Minute entscheidet das Schicksal der Welt. Aber es rückt auch heran in der endlosen Zahl der Minuten eine, da wird verkünden ein Mensch die Freiheit der Armen. Und nur das Bewußtsein für diese ein« zukünftig- Minute zu leben, hilft dir hinweg über das unsägliche Gefühl der Bedrückung durch den Sklavcnmeister dieser, deiner Zeit: Eine Minute.___ Stresemann redet: Lie« zuerst: nun oben nach, unten— auf dem Parieiiag«. Dann: von linke nach recht«— im Reichetage. Mein Mund dich wirklich gerne Du alter, liberaler Geist! spreist! Als dieses Staates Fundament skennt. Die deutsche Freiheit längst man Gar arg im Baferland es stände, Wenn überall Zensur man fände. Ein Bivat hock,, daß laut es kracht Der deutschen Freiheit sei gebracht! Du ultraschwarzes Konkordat! Um dich ist es gewiß nicht schab I Das blau-jchwarz Band sieb oft serweist Als Würgerllrick für jeden Geist. Ohn'solchcnSchul-undStuhlvcrtrag Enthoben wären wir mancherPlag Dem klerikalen Konkordat Wie stets ein kräftig Pereat! W a tz. Arthur� Vollmer gestorben. Einer von der alten Garde des preußischen Staatstheatcrs ist mit Arthur Vollmer dahingegangen. Seit dem Jahre 1874 gehörte er ihm an. Wenn er auch länge Zeit brauchte, um in seiner vollen Bedeutung erkannt zu werden, so hat er doch— einmal in, Sattel— bei allen Kennern dauernd den Ruf als erster Charakterkomiker dieser Bühne behauptet. Sein Repertoire war von größter Vielseitigkeit: von Shakespeare bis zu Wildenbruch(Ouigow), vom„Revisor" bis zur„Frau vom Meere". Immer war Vollmer ein treuer Diener seiner Rolle, der nicht auf den bloßen Effekt hin spielte, sondern ihren wahren GeHall ver- körperte. Der Künstler, der bereits aus einer Künstlersamilie stammte, war am 2. März 1849 in Königsberg geboren, hatte das Konservatorium in Leipzig besucht und sich dann dem Theater zu- gewendet. Vier Jahre Prager Tätigkeit ließen seine Begabung fürs Komische reifen. Seit zehn Jahren hatte Vollmer der Bühne entsagen müssen, nachdem er noch kurz zuvor sein vierzigjähriges Bühnen- jubiläum gefeiert hatte. Cr starb in Bnllenstedt, wo er seine letzten Jahre verbrachte. Verlegung de« Instituts für Menschheitskuade. Wegen der durch den Neubau des Opernhauses Unter den Linden eingetretenen Einsturzgefahr des neuen Unioersitätsgebäudes muhten jetzt die Sammlungen des Instituts für Mcnschheitskunde in das Institut für Sexualwissenschaft(In den Zellen 10) verlegt werden. Es ist beabsichtigt, aus der derzeitigen Ausstellung all- mählich ein großes Museum für Geschlechts- und Menschheitskun!« erwachsen zu lassen. Die«ainmlungen stehen dem Publikum nach Anmeldung zu verabredeten Zeiten vfsen. Di« Besichtigung ist jedoch nur in Form methodischer Führungen mit sachkundigen Er- läuterungen gestattet.— Die Sammlungen finden ihre Ergänzung in der Spezialbibliochck des Instituts für Sexualwissenschaft, deren Älrbeitsplätze während des Sommers den wissenschaftlich arbeitenden Besuchern wochentäglich von Z— S Uhr nachmittags unentgeltlich zur Verfügung stehen. Die Bonner Boelhoven-Feier. An dem großen deutschen Beethoven-Fest in Bonn vom 21. bis 30. Mai"werden Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, an ihrer Spitz» Reichskanzler Marx, ferner Vertreter der österreichischen Regierung teilnehmen. Da'o gesamte diplomatische Korps in Berlin ist dazu eingeladen. Der Alldrang zu dem Musikfest ist außerordentlich stark. Die Konzer!« werden infolgedessen doppelt ausgeführt werden. Reben dem Musik- fest ist am Sonntag, dem 22. Mai, eine Feier vor dem Beethoven» Denkmal und im Anschluß hieran ein Festakt m der Beethoven- Halle vorgesehen. Mennontlen In Paraguay. Die argentinischen Zeitungen kün- digen die Ankunft einer aus zweihundertvierzehn Köpfen be- stehenden Mennonitcngruppe in Buenos Aires an. Diese kommen aus Saskatchewan in Kanada, um sich im Chaco von Paraguay niederzulasscu, wo ihnen zu günstigen Bedingungen Ländereien zur Verfügung gestellt worden sind. Insgesamt gibt es heute rund 230 000 Mennoniten, von denen 18 000 in Paraguay leben. Sie leiten ihren Nomen von dem Holländer Menno Simons ab, der dieser Sekte das.Fundamentalbuch" gegeben hat: dieses verwirst den Eid, den Krieg und jede Art von Rache, die Ehescheidung und die Uebernahme obrigkeitlicher Aemter. Die Obrigkeit wird zwar als notwendige, aber durchaus unchristliche Einrichtung angesehen. Bemerkenswert ist die Geschlossenheit, die sie im Lauf der Jahr« hunderte bewahrt hoben: ihre Ueberzeugungstmie, mit der sie, um- geben von den ganz anders gerichteten Tendenzen der modernen Zivilisation, an ihrer Lehre festhalten und alle Handlungen ver» weigert haben, die sie in Widerspruch zu ihrer Lehre gesetzt hätten. So pflegen sie konsequent jeden ihnen auferlegten Eid zu ver- weigern, wie sie auch niemals für erlittenes Unrecht Rache üben oder einen Dienst übernehmen, außer Schulunterricht und Kunst» Handlungen. Der neue Keneraldlrcktsr der LerNner ZNu-ern Da« Preußische Ztaat«- minlslerium hat auf Vo, schlau de« ZluIIliSmlnibei« Becker dem Ministerialrat Dr. Wilbelm Waetzold von, l. Ollober ZS27 zum Generaldirektor der staatliche» Muieen in Berlin ernannt. Die enropSische tehrfilmton crenr Am DIenZtag wurde die europäisch« Lrürsilmsonscrenz in Baiel geschlossen. Im Veilauie der Veibondlungen inurdc die Einsetzung eines ständigen Arbeitsausschusses, b-stebend auJ drei Verlanen, mit Sitz in Dasei beschlossen. Tcasschiand ist darin durch Eünther-Berijn vertreten. Iheaterchrouik. Im»Theater im AdmiralSpalast- wird on beiden Osterfeiertageu die Revue»Viv« la kemme' nachmittags um 3 Uhr zu halben Preisen ausgesührt. Das Suöapefte? Stanögericht unzuftänöig! Der Rechtsstandpunkt der Verteidigung anerkannt! Budapest, 12. Aprik.(Eigener Drehtbericht.) Zum heutigen Deg'nn des St-mdgerichtsgrozeffes gegen S z n n t o und 31 Genossen waren die Straßen der Umgebung von Trup- pen abgesperrt. Bezeichnend ist, daß der Henker mit seinen Knechten und mehrere Geistliche sich bereits am Montag beim Staatsanwalt gemeldet haben und von ihm für den Fall der Ver- urteilung in Bereitschaft geHallen werden. Unter den Angeklagten fehlt Eduard Rubin. Der Staats- anmalt behauptet, daß er geflohen sei. die Angeklagten behaupten aber ganz entscheden, daß er inzwisckzen zu Tode gemartert worden sei. Im übrigen widerriefen die Angeklagten am Dienstag ihre Geständnisse. Infolgedessen müssen jetzt doch noch Zeugen verhört werden, so daß für die Verhandlung drei Tage kaum ausreichen dürften. Die Anklage lautet auf Aufruhr, ohne daß ste mit irgendwelchen Taten der Angeklagten begründet wäre. Die Staatsanwallschalt begnügt sich vielmehr m't dem Hinweis, daß die Kommunistische Partei, also die kommunistische Bewegung durch die Satzungen ihrer Internationale als bewaffnete Bewe. g u n g bezeichnet wird und auch das kommunistische Manifest(!) die Gewalt verkündet. Die Verte-diger bestritten sofort die Zuständigkeit des Stand- gsrich'z. Szanto und seine Mitangeklagten hoben bei ihrer Ver- nehmung hervor, daß sie in der Untersuchungshaft nur ein Gc» ständnis abgelegt hätten, weil verschiedene der Mitangeklagten miß- handelt worden seien, deren Geständnisse ihnen als Beweis vor- gelegt wurden. Die Verteidiger mit Professor Vambsry an der Spitze be- gründeten ihre Anfechtung der Zuständigkeit des Gerichts.damit, daß nur für den Versuch des Hochverrats, aber nicht für dessen Verabredung das Standgericht zuständig fei. Nach zweistündiger Beratung schloß das Gericht sich diesen Rechtsausführungen an, erklärte sich für unzuständig und verwies die Sache an das ordentliche Gericht. Dadurch find die Angeklagten der Alternative„Todesurteil oder Freifpruch" entzogen. Die Verteidiger klärten auch das Verschwinden des Rubin aust Er ist nämlich Polizeispitzel gewesen und darum aus der Haft entlassen worden. Dokumente zum Zusammenbruch. Erittnerungen des Prinzen Max von Baden. Dsr litauische Sejm aufgelöst. Infolge Tadclsdotums gegen die Putschrcgierung und ohne Anselzung der Neuwahl. Riga, 12. April.(Eigener Drahtberichi.) 2m liiaulschcn Sesm wurde am Dienstag das Mißtrauensoolum gegen die Regierung Dolde maras wegen der verfassungswidrigen Verhaftung des Abg. Dr. P o j a u> i s mit 45 gegen 3S Stimmen angenommen. Der Staatspräsident hat daraus den Sejm sür aufgelöst erklärt, ohne gleichzeitig die Reuwahl anzusehen. Die oppositionelle Rlchrhcil bestand aus den Sozialdemokraten, den Volkssozialisten und den ntchtlilauischen Abgeordneten. lieber den Verlauf der Sitzung wird berichtet: Die Kommission, die in der letzten Sitzung gewählt morden war, und die prüfen sollte, rb die Verhaftung Dr. Pajaujis zu Recht erfolgt war, stellte sich in ihrer Mehrheit auf den Standpunkt, daß die Verhaftung zu U n- recht erfolgt sei. Ministerpräsident Woldewaras vertrat den entgegengesetzten Standpunkt. Bald nach der Abstimmung übergab der Ministerpräsident dem SejmprSstdiuw den vom Staatspräsidenten unterzeichneten Erlaß üoer'dte Aü flö'suAg�dfS''Sesw, den d?� Sejmpräsident am Schluß der Sitzung verlas. In diesem Erlaß wird erklärt, daß Reuwahlen durch einen besonderen Erlaß aliszeschricben werden sollen. Die Erklärung der nationalen Minderheiten zur Begründung ihrer Abstimmung besagt, daß die memeiländischen Deutschen, die jüdisch- und die polnische Fraktion jegliche verfassungswidrige Handlung ver- urteilen, gleichviel, wer sie begehe. Im Hinblick auf die Tat- fache, daß die jetzige Negierung sich über die Be- schlüsse des Sejm hinwegsetze, würden die genannten Fraktionen für das Mißtrauensvotum st mmen. In der Sitzung hatte Woldemaras auf die Anfrage der Memel- ländischen Deutschen Fraktion über den Kriegszustand und die Zensur im Memelgebiet erklärt, daß dieser Zustand nach seiner Ansicht aufrecht erhalten werden müsse. Der Colmerer fiutonomlftenprozeß. L'PcrcttenhafteS Ende: Frcispruch noch Klagczurück- Ziehung.— Allgemeine Verbrüderung. In Colmar i. Elf och spielte sich in den letzton Tagen ein sogenannter Autonom» st en-Prozeß ab. Der bekannte elsössische klerikale Politiker und Jourbalist Dr. Hacgy. früherer Reichstagsabgeordneterl hatte gegen einen Journalisten des Pariser „Journal" eine Beleidigungsklage angestrengt, weil ihn das Blatt beschuldigt hatte, von deutschem Gelde bestochen zu sein. Optimisten hatten gehofst, daß der Prozeß eine Klärung über die Autonomiebewegung in Etsaß-Loihringen bringen werde. Im Lause der Zeugenvernehmung standen sich die politischen An- sichten über die Beweggründe der Autonomiebcwegung schroff gegen- über, je nachdem ob die Zeugen aus dem Ersaß oder aus Paris stammten. Am Dienstag fand der Prozeß ein überraschendes und dramatisches Ende. Der General st oatsanwalt beantragte den F r e i f p r u ch des angeklagten Pariser Journalisten und appellierte an die Vaterlandsliebe des Privotklägers Haegy. Unter ungeheurer Bewegung, dem Gesang der Marseillaise und Hochrufen Ulis Frankrcich, ließ sich Haegy dazu bestimmen, die klag« zurückzuziehen. In einer allgemeinen Verbrüdern ngskundge- b u n g wurde der Freisprach oerkündet. Die politische Frage, die dem Prozeh zugrunde lag, hat keine Klärung erfahren. Zaniboni geht aufs Ganze. Mailand. 12. April.(Eigener Drahtbericht.) In dem am Vtontag begonnenen Prozeß gegen den wegen versuchten Attentats auf Mussolini angeklagten Abgeordneten Zaniboni, erklärte der Angeklagte, von dem Vorsitzenden zu einer Aeußerung aus- gefordert:„Ich erkläre, daß ich die Absicht hatte, Mussolini. den Führer des Faschismus, aus dem Wege zu räumen. Wenn die Polizei am 4. November 1924 nur einige Minuten später(?) ge- kommen wäre, bin ich s i ch e r daß ich mein Vorhaben durchgeführt und mein Ziel getroffen hätte. All da, habe ich getan, um die Gewost und die Führung des Staates wieder an den recht- ?n ä ß i g c n Inhaber übergeben zu können. Ich hatte gehofft, daß dein Attentat die Militärdiktatur und die Wicderhor- stellung der Macht des Königs folgen würde. Der König aber ist der oberste Herr im Staate und ich habe niemals gegen den König gearbeitet." Sosben erscheint, fast neun Jahre nach dem militärischen und politischen Zusammenbruch des alten Systems, bei der Deutschen Berlagsanstalt, Stuttgart, ein dicker©rinne» rungsband des Prinzen M a x v o n B a d e n, des letzten Kriegskanzlers de? kaiserlichen Zeit. Diese Veröffentlichung sollte ursprünglich eine Art Rerhtfertigungsschrift vor der Mitrvelt und den Nachlebenden sein, sie sollte dia besondere Tätigkeit des Kanzlers aus einem souveränen Fürstenqeschlecht darstellen, ste ist aber unversehens zu einem umfassenden Quellenrvcrk über die Vorgeschichtedes Zusammen- b r u ch e s geworden. In der politischen Geschichtsschreibung wird sie zweifellos noch eine bedeutende Rolle spielen. Von besonderem Interesse sind die Aufzeichnungen, so- weit sie die letzten Tage des alten Regime? be- treffen. Mar von. Baden traf am 1. Oktober 1918 in Berlin ein. nachdem er den Ruf erhalten hatte, in letzter Rot die Bildung einer Regierung zu übernehmen. Das erste, was vorlag, war die Auffordsnmg der Obersten Heeresleitung, es müsse sofort ein Friedens- und Waffen still» standsangsbot an Wilson gerichtet werden. Der Prinz hatte sich von vornherein dagegen erklärt, daß man ein überstürztes Angebot mache, weil das nach feiner Mei- nung die militärische Kapitulation einschließe. Er wollte wenigstens einige Tage Zeit gewinnen, um die neuzubildende Regierung mit einiger Autorität auszugestalten. Aber noch am gleichen Tage, da er von Dessau her in Berlin anlangte, wurde ihm das folgende bekannte Tele- phonat des Feld Marschalls Hindenburg vor- gelegt, das am Mittag in Berlin angekommen war: „Großes Hauptquartier, 1. Ottober 1918. 1,30 Uhr nachts, an- gekommen 2 Uhr nachmittags. Wenn bis heute abend 7 bis 8 Uhr Sicherheit vorhanden ist, daß Prinz Max von Baden die Regierung bildet, so bin ich mit dem Aufschub bis morgen vormittag einverstanden. Sollte dagegen die Bildung der Reg'erung irgendwie zweifelhaft sein, so halte ich die Ausgabe der Erklärung an die fremden Regierungen heule nacht für geboten. v. H i n d e n b u r g." Dieses D r ä n g e n der Obersten Heeresleitung, die bisher alle Autorität für sich in Anspruch genommen hatte, erschien dem prinzlichem Kanzlerkandidaten so ungeheuerlich, daß er sofort dem Ehef des Zioilkabinetts, v. Berg, erklärte, er könne die Konzlerschaf! nicht annehmen und das Waffenstill- standsangebot nicht unterzeichnen. Man habe ihn erst ge- rufen, nachdem es zu einem solchen Bankrott gekommen war und er solle nun seinen Namen und sein Ansehen hinein- werfen, um noch zu retten, was noch zu retten ist. Rückschauend sagt Mar von Baden über den Beherrscher der Obersten Heeresleitung und der Regierung: „Glaubte denn der General Ludendorff, daß er B c- fehlsgewalt über Foch und Wilson hätte, wie er sie In diesem Augenblick über die Berliner Regierung beanspruchte? Das Friedensangebot vom Dezember 1916, die Iuniresolution.die Kühlmann-Rede, alle öffentlichen Friedcnsfühler waren der Obersten Heeresleitung bisher ein Greul gewesen, weil sie -„die Moral des Feindes stärkte, die unsere schwächte". Wenu das richtig war. dann mußte ja der geplante Hilfeschrei dazu führen. Dr. Noldi« wird deportiert. Innsbruck, 12. April.(WTB.) Hier heute eingetroffene private Nachrichten besagen, daß das I n n e n m i n i st e r i u m die Berufung Dr. Noldins gegen seine Zwangsverschickung abschlägig be- schieden hak Das Urteil des Präfekten Vaccari von Trisnt Ist damit rechtskräftig geworden. Der �angtfe noch kantonisch. Reuter Meldet Kantoncr Vorgehen gegen Kommunisten und Gewerkschaften. London. 12. April.(Eigener Drahtbericht.) Die letzten aus China eingetroffenen Meldungen lassen erkennen, daß es den Nord- truppen doch no ch nicht gelungen Ist, den Iangtse zu überschreiten und die Kantonarmee noch im Besitze der Eisenbahnlinie Schanghai— Nanking ist. Das halbamtliche britische Nachrichtenbureau verbreitet eine Meldung aus Schanghai, nach welcher der dortige Militär. tommandeur mit der En t w a s s n u n g der Mitglieder der Ar- bciterunion begonnen habe. Drei Gewerkschaftsbureaus seien van bewaffneten Mitgliedern der Kantonarmee in Z i v i l k le i du n g(!) besetzt worden, wobei IS angeblich be- woffnete Gewerkschaftler getötet und 699 nach Eni» wafsnung verhaftet worden seien, darunter auch der Führer der Kominumsten von Schanghai. Die Truppen hätten bei dieser Gelegenheit bedeutende Waffenmengcn, daninter sieben Maschinengewehre, erobert. Das Hauptquartier der Arbciterunion sei weiterhin besetzt, ebenso die Gcwerkschaftsgebäude in Hangtschau. Llus der gleichen Quelle wird gemeldet, daß nunmehr vor Schanghai die größte inkernattonale Kriegsflotte liegt, die jemals In chinesischen Gewässern angetrofsen worden ist. Sie umfaßt 171 Kriegsschiffe mit 8 Admiralsn, wovon 3 amerikanische und englische und j- ein französischer und japanischer. Von den Kriegsschiffen seien 76 britische, 48 japanische, 39 omerika- Nische, 19 französische, 4 italienische Kriegsschifse. Außerdem wird je ein spanische-, portugiesisches und holländisches Kriegsschiff ge- meldet. Dazu kommen 39 weiter« Hilssschitfc als Truppentransport-, Lazarett-, Kohlen- und Tankschiffs. Von den Kriegeschiffen find 4 8 direkt vor Schanghai stationiert, die 8 rerschiedenei» Nationen angehören. Die japanische Regierung hat inzwischen 4 weitere Kreuzer m die chinesischen Gewässer entsandt. Was Wir) aus öen Reparationen! RcchtSregierung unb DaweS-Laste«. Die„Deutsche Zeitung", das Organ der Alldeutsch- Völkischen berichtete in ihrer gestrigen Morgenausgabe in sensatio- neller Aufmachung, daß, wie sie„aus unbedingt zuver- lässiger Quelle" erfahre, ein« neue natürlich höchst' gefährliche—„Reform" der„Erfüllungspr-litrk" geplant sei. Danach soll die Reichsrcgicrung, neben anderem, boabsichtizen, die Reichs- p o st in eine Aktiengesellschaft, ähnlich der verselbständigten Reichsbahngesellslhaftz umzuwandeln, und zwar schon zum daß unser Millicncnheer die Dassen wegwarf und die Bleute der Feinde jubelnd zur Todeshah anirak." Max von Baden gibt eine sehr lebendige Schilderung von dem weiteren Verlaus dieses Ringens mit der Ober» sten Heeresleitung, d. h. mit Hindenburg und L u d e n d o r f f, die alle Versuche, die Hinausgabe des Waffenstillstandsangebots noch um einige Tage zu verzögern, entweder schroff ablehnten oder durch ausweichende Be- merkungen die Verantwortung für das Kommende auf die Berliner Regierung zu wälzen schienen. Alle telephonischen, tclegraphischen oder schriftlichen Antworten aus dem Haupt- quartier endeten immer wieder mit der Bemerkung, daß die Lage sich täglich verschärfe und die Oberste Heeresleitung zu schwerwiegenden E n t s ch l ü f s e n zwingen" könne. Noch am 3. Oktober schrieb Hindenburg persönlich an den Prinzen den ebenfalls bekannten Brief, in dem es zum Schluß hieß: „Unker diesen Uinstöndcu ist es geboten, den Kampf abzubrechen, um dem deutschen Volke und seinen Verbündelen nutzlose Opfer zu ersparen. Zeder versäumte Tag kostet Tausenden von tapferen$ol- dcitcn dos Leben." Roch schlimmer als die Zeit des Ringens mit Ludendorff und Hindenburg war die Periode, die sich mit der notwen- digen Abdankung des Kaisers beschäftigte. Die vollkommene Unfähigkeit Wilhelms II., den Ernst der Lage zu erkennen, die E n t f ch l u ß l o f i g k e i t dieses sogenannten Monarchen treiben— man fühlt das zwischen den Zeilen— seinem Vetter au? Baden noch heute die Schamröte ins Gesicht. Was da zwischen Berlin und dem Hauptquartier in Spa hin und her telephoniert. telegraphiert, versprochen und widerrufen wurde, das mutet zwar heute an wie ein Treppen- witz der Weltgeschichte. Aber es leuchtet doch hinein in eine Periode der furchtbarsten körperlichen und seelischen Anspan- nung aller derer, die ernsthaft noch die Erhaltung der man- archischen Staat�form für notwendig hielten und dieses Ideal zerbrechen sahen an der persönlichen Unzulänglichkeit des Mannes, den man auch mit den gröbsten Schmcichel- reden nicht dazu bewegen konnte, endlich einmal etwas „Königliches" zu tun. Erst als das von Hindenburg und L u d e n d o r f f so leidenschaftlich geforderte, von dem prinzlichen Kanzler als übereilt und verheerend angesehene Waffenstillstandsangebot seine unfehlbare psychologische Wirkung im Volke getan hatte, erst alsdieWellenderRevolutionübe r D e u t s ch- l a n d fluteten, und erst, als Max von Baden selbst die Abdankung des kaiserlichen Betters durch Wolffs Bureau hatte verbreiten lassen, da entfloh Wilhelm über die holländische Grenze. Das war das Ends des Prunkstückes, das dieser Hohenzoller dem deutschen Volke vorgespielt hatte und das in einem Meer von Blut ertrank! Die Erinnerungen des Prinzen Max von Baden sind mehr als eine Rechlfertigungsschrift für ihn selbst. Sie sind eine neue Widerlegung der„Dolchstoß"- legemdev nrih der die'deutschen Natwmilisten jahresang sich selbst und andere betrogen haben. 1. Okiober 1927: ferner soll die Einführung eines Tabak- Monopols, dieErweiterungdes Spiritusmonopols und eine stärkereVelastung desZuckers zu Reparations- zwecken vorgesehen sein. Die zuständigen Regierungsstellen erklären übereinstimmend, daß an den sensationellen„Enthüllungen" des alldeutsch-völkischen Organs aikch nicht ein Wort wahr f e!. Dennoch fällt es schwer, dem amtlichen Dementi zu glauben, daß sich die„Deutsche Zeitung" einen verspäteten April- scherz geleistet habe oder daß die Dtng« vollständig aus der Luft gegriffen feien. Wie erst durch die jüngst erfolgten Beamtenbesetzungcn wieder mit aller Deutlichkeit erwiesen wird, legt die Reichsrcgierung den größten Wert auf intime Beziehungen auch zu dem radikalen Flügel der Deutfchnatianalen. Man wird demnach vermuten können, daß die Meldung tatsächlich aus„unbedingt zuverlässiger Quelle", nämlich aus einem der Ministarien, stammt, und daß sie, wenn auch in Einzelheiten absolut unrichtig, den Inhalt vertraulicher Ressortbcsvrechungen wiedergibt, die, formell durchaus mit Recht, jederzeit dementiert werden können. Es wäre jedenfalls nicht verwunderlich, wenn man sich im Reichsfmanzministerium schon jetzt Gedanken darüber machte, wie die in den nächsten zwei Jahren stark wachsenden Reparations- Verpflichtungen des Reiches im einzelnen neu zu verteilen sind. Aus Mitteln des Reichsetats sind im fünften Dawes-Jahr, dos während des nächsten Etatsjahres— 1928-29— beginnt, allein 1259 Millionen Mark aufzubringen, gegenüber„nur" 599 Millionen im vierton Darves-Iahr, dessen Belastung im eben verabschiedeten Rcichsetat 1927-28 noch nicht voll in die Erscheinung tritt. Es ist fraglich, ob man die ganze Summe aus dem Steuersystem in seiner jetzigen Reform aus die Dauer herausholen kann. Eine Reform de» Dawes-Planes und der Lastenverteilung oder gleich beider Gebiet« ist früher oder später nicht zu vermeiden. Die„Deutsch« Zeitung" scheint allerdings über die Absichten der Reichsregierung, die natürlich heute noch nicht spruchreif sind, nur recht mangelhaft orientiert zu sein, denn was sie vorbringt, ist reichbch ungereimtes Zeug. An ein« Mehr- belastung des Branntweins ist unter der gegenwärtigen Regierung nicht zu denken: beim Zucker ist, da eine neue Zollbelostung unmöglich ist, zum Ausgleich eher ein Abbau der Steuern zu erwarten. Die Einführung eines Tabakmonopols ist zum mindesten unwahrscheinlich, und eine weitere„Privati- sierung" der Reichspost. die schon reichlich autonom wirtschaftet, wäre wohl auch überflüssig. Bon der„Sensation" der„Deutschen Zeitung" bleibt also, bei richtiger Ueoerlegung und bei entsprechender Würdi- gung der Regierungsdcmentis, nicht viel mehr übrig, als der Ein- druck, daß die alldeutsche Prasse durch vorzeitiges Radau- machen und hysterisches Geschrei die Möglichkeiten für eine ruhig und planmäßig durchzuführende Reform der Dawes-Derpflich- tungen zu sabotieren bemüht ist. Ein abgewendeker Fürstenkonkurs. Wr berichteten von dem famosen Adoptivsohn der Herzogin Dorothea Marie zu Schleswig- Holstein, der, um sich zu bereichern, gegen das Vermögen seiner Pflegemutter Konkurs angemeldet hatte. Nachdem die Sache bis zum Oberlandesgericht Breslau gegangen ist, wurde der Kon- kurs aufgehoben. Dos habgierige Prinzlein hat da» Nachsehen. Tagung der Polizeibeamten. Um das neue Polizeibcamtengcsetz. Der Allgemeine Preußische Polizeibeamten- P e r b o n d hält vom 12. bis 1Z. April in Berlin seinen ordentlichen Vertretertag ab. Der gestrigen Erösfnungssißung wohnte eine Reihe von Vertretern der preußischen Behörden, des Reichstages und Preußischen Landtags bei, von denen insbesondere der Landtagsabgeordncte Genosse H e i l m a n n und der Reichstagsabgeordnete Genosse K ii n st l e r in ihren Begrüßungsreden das starke Interesse der Sozialdemokratischen Partei an den Schicksalen der Beamten betonten. Die Ausführungen dieser Redner. die besonders die Verbundenheit der Beamten mit den Arbeitern und Angestellten als eine zwingende Notwendigkeit bezeichneten und das Verdienst gerade der preußischen Polizei um die E r h a l t u n g u n d Festigung d e r R e p u b l i k in den Vordergrund stellten, wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. Im Mittelpunkt der Tagung des gestrigen Vormittags standen das Referat des ersten Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Be- amtenbundcs, Falkenberg, über »vedeukung, Aufgaben und die Zukunft der freigewerkschafllichen Leamtenbewegung" und der Dortrag des Polizeiobersten a. D. Dr. Schützinger über »Das neue Polizeibcamtengesetz". Anschließend an dos Referat Falkenbergs, der vor ollem für ein enges Zusammengehen der Be- amten mit den Arbeiter» und Angestellten in allen Fragen sprach und sich dafür einsetzte, daß den in großer Zahl vorhandenen be- sähigten unteren Beamten nicht der Ausstieg in höhere Gruppen oersperrt wird, fand folgende Entschließung einstimmige Annahme: „Der am 12. April in Berlin tagende Dertretertag des Allge- meinen Preußischen Polizeibeamtcn-Verbandes erblickt in der republikanischen Gesinnung der Beamten nicht nur schöne Worte und begnügt sich nicht nur damit, sich„auf den Boden der gegebenen Tatsachen" zu stellen, sondern steht in innerer Einstellung im Sinne und Geiste zum neuen Staat und seiner Verfassung. Der Vertretertag protestiert gegen die Tatsache, daß oftmals mit geradezu raffinierten Mitteln versucht wird, ehrliche Republikaner in der Beamtenschaft klein zu kriegen und unmöglich zu machen. Die im Allgemeinen Preußischen Polizeibeamten-Berband zusammengefaßten Polizeibeamten werden stets bestrebt sein, eine wahre Volkspolizei zu werden und sich das volle Ver- trauen der gesamten republikanischen Bevölkerung zu erwerben. Sie erwarten, daß sie von der gesamten werktätigen Bevölkerung in ihrem Bestreben u n t e r st ü g t werden und daß man ihren berechtigten Kampf um die Sichcrstellung ihrer rechtlichen, dienstlichen und besoldungstechnischen Interessen das notwendige Verständnis entgegenbringt." Zu dem Vortrag des Genossen Schützinger über das neue PoNzeibeamlcngeseh wurde ebenfalls einstimmig eine Entschließung angenommen, in der der Entwurf des Polizeibeamtengesetzes als mit den Grundsätzen des Berufsbeamtentums und des allgemeinen Beamten- rechts unvereinbar abgelehnt wird und von den republikanischen Parteien des Preußischen Landtages verlangt wird, „daß sie alles daran setzen, um das werdende Gesetz seiner Ausnahmebestimmungen gegen die Polizcibeamtenschast zu cnt- kleiden. Durch die Beseitigung der„Ehebeschränkung", der„Kündigung wegen Ungeeignetheit", der„ausnahmsweise» Entlastung nach zwölf Dienstjahren", der Beibehaltung des durch das ehemalige Schutzpoli.-eibeamtengeietz geschaffenen Rechtszustandes bis zum Jahre 19", 8 für einen Teil der Beamten, sowie der„fristlosen Ent- lastung" weoen„Verstöße gegen die Manneszucht" wird der Allge- meine Preußische Poli�eibeamten-Verband dem Gesetzentwurf eine Form zu geben versuchen, die für die preußische Polizeibeamten- schait tragbar erscheint." Der Nachmittag des ersten Tages wurde ausgefüllt von der Diskussion über die beiden Referate. Neuer Schieüsfpruch für Sie ZigarreninSuftrie. Der Reichsarbeitsminister hat es abgelehnt, dem Antrage der Tabakarbeiterverbände auf Verbindlichkeiteerklärung des Schiedsspruches vom 25. März. zu folgen, der eine Lohnerhöhung von 10 Proz. vorsah. Diese Entscheidung führte sofort zu erneuten Schlichtungsver- Handlungen. Eine Einigung wurde nicht erzielt. Es kam zu einem neuen Schiedsspruch, wonach der seit September 1925 ge- zahlte Lohnzuschlag von 7 Proz. auf 16 Proz. erhöht werden soll. Der Schiedsspruch hat damit die Differenz zwischen dem ersten Schiedsspruch von 19 Proz. und dem letzten Angebot der Fabrikanten von 5 Proz. halbiert und den Arbeitern eine Zulage von etwa VA Proz. zugestanden. Die Zuschläge für Ueberstunden wurden für die e r st e n sechs Ueberstunden auf 15 Proz., für weitere Ueberstunden auf 2 5 Proz. bemesten. Die Arbeiter hatten für jede Ueberstunde einen Zuschlag von 25 Proz. gefordert, die Fabrikanten zuletzt einen solchen von 10 Proz. zugestanden, während der Schiedsspruch für die ersten drei Ueber- stunden keinen Zuschlag, für die weiteren drei Ueberstunden 10 Proz. und bei mehr als sechs Ueberstunden 25 Proz. vorsah. Wie wir hören, findet dieser neue Schiedsspruch, trotz der Aus- fperriingsandrohung bei den Tabakarbeitern wenig Gegen- liebe. Er weist gegen den ersten eine kleine Verbesterung in der Ueberstundenbezahlung auf, in den Löhnen aber«Ine Ver- schlechterung um VA Proz. Wird der Schiedsspruch von den Funktionären der Tabakarbeiter abgelehnt, dann ist ein großer Kampf unvermeidlich. Die Kündigungsfrist für die Tabakarbeiter läuft am Sonnabend ab, womit dann die Aus- s p e r r u n g beginnen würde. Streik üer Serliner Töpfer. Die letzte Versammlung der im Baugewerksbund organisierten Töpfer hatte nach der Ablehnung des völlig ungenügenden Ange- bots der Unternehmer Ihre Fachgruppenleitung beauftragt, nochmals umgehend Verhandlungen mit den Unternehmern nachzustichen und am Dienstag in einer Vollversammlung endgültig zu beschließen. Die Unternehmer haben sich zwar zu neuen Verhandlungen bereit erklärt, ober auch in den Verhandlungen am Montag nur unge- nügende Zugeständnisse gemacht. Die Verhandlungskommission hatte entsprechend dem Verlan- gen der Töpfer die Erhöhung der Stundenlöhne aus ILO M. a u f 1,70 M. und des Berechnungssatzes für Akkordarbeit von 135 Proz. auf 100 Proz. gefordert. Diese Forderung wurde im Laufe der Verhandlung ermäßigt und die sofortige Erhöhung der Stundenlöhne auf 1,05 M. und des Akkordberechnungesatzes auf 150 Proz. verlangt. Die Un ernebmer waren nur bereit, ab 19. April den Stun- denlohn a u f 1,00 M. und den Akkordberechnungssatz ab 15. Mai auf 140 Proz. zu erhöhen. Da im Töpfergcwerbe fast keine Lohnarbeit vorkommt, sondern fast ausschließlich Im Akkord gearbeitet wird, hätte die Annahm« dieses Angebotes nur eine Erböhung der Akkordpreise um 5,7 Proz. be- deutet. Die Verhandlungen wurden daraufhin als ergbnislos a b- gebrochen. Die überfüllte Volloersammlung der Töpfer, die Dienstag abend in den Andreasfestsälen zu dieser Sachlage Stellung nahm, be» schloß nach dem Bericht des Fachgruppenleiters John und einer eingehenden Aussprache gegen nur wenige Summen heut« früh in den allgemeinen Streik zu treten. Lohnkampf der Kraftdroschkenfahrcr. Der Verkehrsbund hatte zu Montag abend nach dem„Rosen- taler chof" eine Versammlung der Kraftdroschkensührcr einberufen. Der Seklionsleiter Heil schilderte eingehend die zahlreichen und schwierigen Verhandlungen mit den Jnnungsbetriebcn wie mir den Großbetrieben und die zu den von uns bereits mitgeteilten Schiedssprüchen geführt haben. Er bewirte, daß es mrnmehr an den Ber- tiner Kraftdroschkenführern selbst liege, den Wider. stand der Unternehmer zu brechen, den diese dem Ver- langen auf eine menschenwürdige Entlohnung entgegensetzen. Der V e r k e h r s b u n d hat sich vor dem Schlichter zur An- nähme des letzten Schiedsspruchs bereir erklärt und beim Reichsarbeitsministerium seine Verbindlichkeitserklärung beantragt, da die Untenrehmer sofort erkennen ließen, daß sie ihn ablehnen würden.(Was gestern bereits geschehen ist.) Die Organi- sotion wird die Entscheidung des Reichsarbeiisministeriums noch abwarten und, wenn dieses die Verbindlichkeitserklärung ab- lehnt, die Krafldroschkenfahrer zu einer öffentlichen Demonstratio»-- Versammlung aufrufen, in der die notwendigen Kampfnraßnahmcn beraten werden sollen. Es gilt nun, alle Kräfte anzuspannen und die G l e i ch g ü l t i- gen aufzurütteln, damit die Demonstration zu einer macht- vollen wird. Darüber hinaus müssen aber auch die der Organi- sation noch Fernstehenden gewonnen werden, da- mit der anscheinend unvermeidliche und von den Unternehmern provozierte ossene Kampf erfolgreich beendet werden kann. Nach einer ausgiebigen Debatte, m der die Erregung über das unverständ- liche Verhalten der Unternehmer zum Ausdruck kam, wurde der Vorschlag der Organisationsleitung, eine öffentliche Demon- stratiönsversammlung so schnell wie möglich einzuberufen, angenommen._ Die Aussperrung am Marchcnbrunncn. Die Aussperrung der Gastwirtsgehilfen in den Prachtsälen am Märchenbrunnen, früher Schweizergarlen. geht weiter. Der Inhaber P a e s ch k e verharrt nach wie vor auf seinem hartnäckigen Stand- punkt. Trotzdem treibt ihn die Unrube zu seinen Kollegen, um sich Rat zu holen, wie er sich verhalten soll. Es ist ihm geraten worden, die Ausgesverrten wieder einzustellen und die Derbandlungen auszu- nehmen" Herr P a e s ch k e erklärt jedoch, er will ja gerade den Kampf mit der Organisation und ibn auch austragen. Damit erbringt er den Beweis, daß er mit der Arbeiterschaft nichts zu tun haben will, sondern sein Geschäft einzig und ollein auf die Hakenkreuz ler einstellt, von denen er am 8. und 9. Mai 1500 verpflepen bzw. beherbergen will. Die organi- sierte Arbeiterschaft wird ihm den Dank kür sein Verhalten mit Zinsen heimzahlen. Vom paritätischen Arbeitsnachweis gesuchte Arbeitswillige baben die Annobme der Arbeit aus Solidarität verweigert. Gebolien hat ihm der Kellnerverein Zentrum aus der Jnselltr. 11'15, Ecke Reue I-ckobstraße. mit seinem Arbeitsvermittler Simon B a l t r u s ch a t. Der Betrieb ist nach wie vor g e s p e r rt._ Die Löhne in den Berliner Konditoreien. Von der Zahlstelle des Nahrung?- und Gen'-ßmittelarbeiter- Verbandes wird uns geschrieben: Die Berliner Äonditoreibesitzer sind nicht mehr in der Lage, anständige Löhne zu zahlen. Das Im Deutschen Nahrungs- und Genußmittelarbeiteroerband organisierte Konditoreipersonal hatte von der Konditorei-Innung Lohnerhöhungen gefordert. Die Verhandlungen mit der Innung waren ergebnislos. Der Schlichtungsausschuß fällte am i. Avril einen Schiedsspruch, welcher eine wöchentliche Lobnerhöbung von einer M-"-?, nur für eine Gruppe von 5 M.. im Durchschnitt von einer Mark und 57 Pfennige vorsah. Dieser Schieds- fprucb wurde von der Ko n d I t o r e n- I n nu n a abgelehnt, weil ste solch hohe Löhne nicht zahlen könnte. Welche Löhne werden nun in den Konditoreien bezahlt? Ein Konditorgehilfe im Alter von 21 Iahren, welcher eine vier- jährige Lehrzeit durchaemacht hat und noch drei Jahre als Gehilfe tätig war, erbält nach dem aeltenden Tarifvertrag den fürstlichen Lobn von 40.50 M. pro Wocke. Da? weibliche Personal im Aster von 19 Iahren erhält 26,50 M. Dieser Lohn wird aber nur gezahlt in den Betrieben, in denen die Organisation Einfluß hat. In vielen Geschäften lieht es recht traurig aus. Monatslöbne von 20 bis 30 Mark bei sechzehn- bis achtzehnstündiger Arbeitszeit für weiblich«?lnvestellts werden von uns immer wieder und wieder festr-efiellt. Die Arbeitgeber haben noch das Recht, für Kost und Wohnung 50 Proz. des Lohnes einznbehalten. Dafür Hausen mehrere Personen in Räumen, die sonst nur als Rumvelkammern benutzbar sind. Die Kosten eines Mittaaessen? für 21 Personen betrugen in einem Betrieb in voriger Woche sieben Mark und 20 Pfennige. Dabei beachte man die P r e i s e, die für Konditorwaren gefordert werden. Davon soll nach Ananben des Innunnsvertreters der Lobnantell 30 Proz. betragen. Wenn in den Bäckereien für dieselbe Ware im Durchschnitt um 50 Proz. niedrigere Preise gefordert werden, trotz- dem Hort höhere Löhne bezahlt werden, mit welcher Intelligenz müslen dann die Konditoreien geleitet werden? Würde sich das Personal mehr auf seine OrganiiatianspflicH besinnen, dann würden die Konditoreibesitzer ohne weiteres anständige Löhn« bezahlen können._ Zum Treben gegen öas ssnappfckastsgek'etz. Aus dem Geschäflsbcricht der Niederlausiher kohl?nwerke. In ihrem jüngsten Geschäftsbericht erbebt die Verwaltung der Niederlausitzer Kohlenwerke Berlin, die im Be- richtsjahr enorme Gewinne aufbäufen konnte, sck-arie An- qr'ffe gegen das Reichsknappschaftsgesetz. In dürren Worten wird nichts anderes gesagt, als daß unmittelbar mit dem Inkrafttreten des Gesetzes und der Erhöhung der Krankengelder die Krankmeldungen der Belegschaften in vielen Betrieber. sich verdoppelt, d. h. auf deutsch, die Arbeiter sich auf Kosten des Unternehmens auf die Bärenhaut gelegt hätten. Die Berwaltung behauptet ferner, daß die Krankengelder in ihrer jetzigen Höhe fast an de Arbeitsverdienste heranreich- t e n, die Pensionen sie z. T. sogar überschritten. Diese Angriffe der Berwaltung der Niederlausitzer Kohlenwerke sind umso unerhörter, als sie selbst vorher in ihrem Geschäftsbericht die Arbeitswillig keit der Belegschaften ausdrücklich an- erkennt. Wenn die Krankenziffern so angeschwollen sind, so ist die Ursache in der jahrelangen berüchtigten Ueber- slundenwirtschaft der Braunkohlenindustrie zu suchen und wenn zwischen Arbeitsverdiensten und Krankengeldern sowie Pensionen kaum noch Unterschiede bestehen, so ist das nur ein Beweis mehr, wie stark die Löhn« der Arbeiterschaft im Mittel- deutschen und Ostelbischen Braunkohlenbergbau herabgedrückt worden sind._ Nlaifeieraufruf öes 3<&6. Amsterdam, 12. April.(Eigener Drahlberichl.) Der Znter- nationale Gewerkschaflsbund fordert in einem Manifest zum 1. M o i die Arbeiier aller Länder auf, angeflchks der wlrlfchaftlicheu Zerrüttung und der Bedrohung des Friedens Zeugnis ihres ent- fchloffeneu Willens zu gemeinsamer Zrontbildung abzulegen. E? gilt, am 1. Mal die restlose Anerkennung des Acht- stuudenlages und d?n Aueba» der Kazlalgefetzzebvug zv verlangen sowie für die koalilionsfreiheil und Freiheit aller Völker zu demoasirieren. In Polen zurückgewiesene Rubel. Warschau. 12. April.(MTB.) Der Vorstand der Textilarbeiterverbände in Lodz hat auf die Mitteilung des- Moskauer Texlilarbeiterverbandes, daß Moskau für die streikenden Lodzor Textilarbeiter 10 000 Rubel b e st i m m� habe, ein Schrei. den nach Moskau gerichtet, in dem die materielle Hilfe abgelehnt und t o n t wird, daß die L o d z« r T e x t i l- arbeitet der Amsterdamer Internationale anae- hören. In der Zuschrift weist der Aorstand darauf hin, daß die kommunistische Agitation in Polen die Einheitsfront der Arpeuer- bcwegung zerschlage._ Russische Gelder in Mexiko unerwünscht. Mexiko. 12. April.(MTB.) Die Zeitung„Universal Grafico" meldet, verschiedene mexikanische Gewerk- schalten hätten an Präsident Calles eine Eingabe gerichtet, in welcher sie die Ausweisung der Frau Kollantai, der Gesandtin der Sowjetunion in Mexiko, verlangen. Als Grund wird angegeben, sie stehe in Verbindung mit Bertram Wolfe, einem amerikanischen Kommunisten, der aus Mexiko ausgewiesen worden ist, oder mit seiner Frau, was dadurch zum Ausdruck gekommen sei, daß sie den streikenden mexikanischen Eisenbahn- arbeitern russisches Geld geschickt habe. Auf diesa Weise werde den Feinden Mexikos Gelegenheit geboten, zu sagen. daß Bolschewisten im Lande an der Arbeit seien. » Wir geben diese Meldung mit ausdrücklichem B o r b e h a l t, da wir uns nicht recht vorsteilen können, daß die Gewerkschaften die Ausweisung der russischen Gesandtin fordern. Wollen die Gewerkschaften im Streikfolle keine Unterstützung aus Moskau, dann haben sie nur nötig, die angebotene Unterstützung abzulehnen. Entscheidung gegen die amerikanischen Gewerkschaften Washlng'on, 12. April.(WTB.) Der höchste Gerichtshof hat entschieden, daß gewerkschastiiche Bereinigungen und deren Mit- glieder durch Einhaltsbefehl zur Einstellung der gewerkschaftlichen Tätigkeit gezwungen werden können, falls diese den zwischen- staatlichen Handel gefährdet. Die Entscheidung erfolgie auf die Berufung von vierundzwanzig Sand st«inunter nphmen Indiana� hin, die sich durch Streikbefehle des Nationalaver- bandes der Steinschneider benachteiligt fühlten. Der Reichsflnanzmiaisker Dr. Köhler selber, nicht sein Ve-x- treter— wie in unserem gestrigen Bericht irrtümlich gesagt— hat wegen seiner von den Reichsaroeitern als reaktionär beurteiltem Einstellung in der Lohnsrage das besondere Befremden der Reichs- arbeiter hervorgerufen.___ JrMit Scwcrlschast-jugcnd. Heute. Mittrsoch, 7>-z Uhr, tagen die Gruppen: ollu I: Eruvpenhcim Iuaendhciin Bergstr. 2g, Hof. Vortrag:„Die Eni. stehung dir deutschen Geo-rrkschasten."— Südwesten: Gruppenheim Bezirk»- lugendheim Städt. SchaiimmhaUc Aärroaldslr. Vortrog:„Wirtschgfts- dcmolraiic."— stharlottcuburg: Gruppeuhcim Jugendheim deutsche» Lraar.'n» kassenhaus. Verlincr Etr. 1S7. Heim er Abend.— Rordriug: Eruppenheim Jugendheim Ebcrswaldcr Etr. Ig. Vortrag:„Das kommunistische Mamsest." —»aumschulenwca: Jugendheim Ernststr. Ib. Die letzten Vorbereitung:n zur Ostcrfahrt.— W-itzcnser! Jugendheim Parkstr.'it. Vortrag:„Das 9. Echul» j-hr."— gentrnm: Jugendheim Zchdenicker Etr. 24—25. Aus nach Hohenstein. stnltnrabtcilnng dc» Metallarbe.tcrprrbaudc», Linienflr. 197, abend» 7 Uhr: 1. Vau und Betrieb einer elektrischen Lokomo.ive. 2. Mecrcstiere. 3. Eine Fahrt durch» Ammcrgaucr Land. 4. Wa» viele nicht wissen. S. Der Lelbst. Mordkandidat. Teilnehmer am Zugeodtrcffen Berlia-Dresden auf der Jugcndburg Hohen. stein. Morgen, Donnerstag, abends pünktlich 6'j Uhr Treffen Möckern., Ecke Hallefchc Etratz«. Zuaendzrnxpe des ZdA. Heute fallen sämtliche Sruppenvcronstaltungen »u«. Alle Jugendlichen beteiligen sich an der Jugendfeicr für du schul,'i. lsssene Iugcnb im E.tzungsfaal de» Bezirksamtes ikreuzbcra, Dorckstr.!l. abend» 714 Uhr. Musik, Ansprache, Ztezitat onen, Gesang, Weih« eines Jugend« wimpcl.Ftlms:„Ich jähre in die Welt!" Modelltischler de- Kleinbetrieb«. Morgen, Donnerstag, nachmittags 4'4 Uhr. Versammlung im Vcrbandohause, Dungestr. 30, Hos parterre. Bericht von der Lohnbewegung unb Stellungnahme zum Schiedsspruch. Die Ortsverwaltung. Verantwortlich kür Volitik: Victor Lchisf: Birtschaft: G. stlingelhöscr! Gewerkschoktsbeweau':,: Friede Slikor«: Tt-ondeton: 8. 8. Dtzichrr: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt: Anzeigen: Th. G loche: sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts-Verlag G m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret'1 r i. und Berlagsanstalt Vaul Singer» So.. Verlin EW 33 Lindcnstrahe 3. sierzu 2 Beilagen und.Uuterbaltnno und Bisten" �Dassind die wahren Xiix Säfenßacken! Wie alles Bewährte haben auch die Lux Seifenflocken viele Nachahmer gefunden. Es gibt für Lux Seifenflocken keinen Ersatz zur Pflege und Reinigung aller zarten Gewebe. Lux Seifenflocken werden nie offen verkauft! Achten Sie auf die blaue Originalschachtel. Normalpackung SO Pfg. Doppelgroße Packung 90 Pfg. SUNLICHT Mannheim. L120. Nr. 174 ♦ 44.�ahrgattg l. Seilage öes vorwärts Mittwoch, 13. �tprll 1427 lsLi� fältig aus einzelnen Raten zusammengesetzt wurde, die fich aus die vier Pferde, die Viktoria, den Wagen und die Holzlieferung de- Der Tor-Umbau fast vollenüet. Bon allen Denkmälern Berlins darf sich die Quadriga auf dem Brandenburger Tor, dessen Erneuerungsarbeiten in diesen Tagen vollendet sein werden, der interessantesten Geschichte rühmen. Einmal wurde die Quadriga heruntergeholt und nach Paris übergeführt, und von dort wurde das alt« Wahrzeichen Berlins wieder zurück- geholt und auf seinen alten Platz gestellt. Doch bevor sich all dieses Aufregende mit der Göttin und ihren Pferden begab, ja, bevor das Monument zum Dasein erstand, hatten sich schon viele Leute den Kopf über diese Bekrönung des Brandenburger Tores zerbrochen. Und viel Äerger plagte Künstler und Handwerker, bevor das Pferdegespann auf dem First des Tores seinen Platz fand. Im Jahre 1789, als das Brandenburger Tor im Entstehen begriffen war, wurde die erste Konferenz über die zu schaffende Quadriga abgehalten, an der sich der Schöpfer des Denkmals, S ch a d o w, beteiligte. Das Protokoll dieser Konferenz besagte, daß Schadow ein Modell nach einem kleineren Maßstabe anfertigen solle, wonach dann das Modell in natürlicher Größe aus Holz zur Ausführung gelangte. Die eigentliche Ausführung der Quodriga in Kupfer wurde dem Kupferschmied Jury übertragen, und dieser sollte die Arbeit spätestens im Herbst 179V beendigt haben. In der Konferenz wurde festgelegt, daß die Stellung der Pferde von zwei zu zwei ziemlich gleichförmig fein solle, so daß im Modell eigentlich nur zwei große Pferde von verschiedener Stellung, jedoch mit vier oer- schiedenen Kopfwendungen zu arbeiten waren. Es ist also dadurch die interessante Tatsache festgelegt, daß von den vier Pferden j« zwei sich völlig gleichen und daß nur ihre Kopfstellungen oerschieden sind. Schadow selbst stellt den Entwurf von drei Pferden dieser Quadriga aus der Kunstausstellung von 1789 aus. Sie waren 81 Zentimeter hoch, und noch heute befindet sich ein Gipsmodell der Schadow- schen Arbeit in der N a t i o n a l g o l e r i e, ein anderes ist im Besitz der Frau Eugenie Schadow in Groß-Lichterfelde. Nachdem eine Einigung über die Gestalt der Quadriga erzielt worden war, wurden die Äusführungsarbeiten den ver- schiedenen Handwerkern zugeteilt. Das große Holzmodcll wurde bei den Gebrüdern Wohler in Potsdam in Auftrag gegeben, während der 5hips«rschmied Jury, wie schon gesagt, mit der Ausführung in Kupfer betraut wurde. Die Gebrüder Wohler sollten für ihr lsolz- modell im ganzen 2000 Reichsthaler erhalten, welche Summe sorg- zogen. Ganz besonders vorsichtig war aber das Kollegium bei der Aufstellung des Kontraktes für den Kupferschmied Jury. Run sollte der Bau beschleunigt und bald beendigt werden, aber der Holz- Modelleur und der Kupferschmied waren offenbar nicht flink genug bei der Arbeit. Die Potsdamer Behörde erhielt den Auftrag, diese beiden zu tadeln und ihnen den Unwillen des Ministers über die Verzögerung der Arbeiten bekanntzugeben. Der Kupferschmied Jury und die Hozmodelleure Gebrüder Wohler gaben darauf die folgende interesiante Erklärung ab:.Warum wir laut unfern Accort vom 6. S. 1789 nicht gehörig betrieben hätten, in dem die Proportion der Pferde auf zehn Fug und die Viktoria auf 12 Fuß und der Wagen auf 11 Fuß festgesetzt wurde, und uns 8S2 Fuß Holtz dazu berechnet ist, so haben wir so schleunig als möglich das Holtz in den Heiden auf zehn fllssige Proportion, des Transportes wegen, zuschneiden lassen, nachdem dieses geschehen, so erhiellen wir unter dem 19. Julius 89 den Befehl von Herrn Geheimdrath Langhans, daß sich ein Zweifel gefunden, und wir einhalten sollten, bis die Academie der Künste die Proportion zu der Gruppe bestimmt hätte. Unter dem 15. September 89 erhiellen wir den Befehl, daß die Academie die Gruppe auf 12 Fußhöhe resolviert hötte. Indem solche Colossus nur alle Jahrhunderte vorfallen und auch der Größe wegen nicht genau beurteilt und beaccordiert werden können, auch nicht auf eine bestimmt« Zeit abzuliefern, wenn sie der Critik der Kenner nicht ausgesetzt sein soll, so muß es nicht an Zeit und Be- zahlung mangeln, aber nach solchen Skizzereien und unregel- mäßigen Modellen ist ein Künstler im Stande, seine Arbeiten so zu liefern, wie es ein Ober-Hof-Bau-Amt von uns anzufertigen oer- lange." Auch der Kupferschmied Jury war unzufrieden und hatte besonders schweren Aerger mit seinen Gehilfen auszuhalten, die dieser Arbeit nicht sonderlich gewogen waren. Dadurch wurde Herr Jury krank und so bat er, die Anfertigung von zwei Pferden einem anderen Künstler zu übergeben. Die Figur der Viktoria wurde denn auch dem Klempnermeister Köhler in Auftrag gegeben. Schließlich konnten sich aber die Mitglieder der Akademie, unter denen sich auch Ehodowiecki und Schadow befanden, zur Besichtigung des Holzmodells eines der fertigen Pferde nach Potsdam begeben. Dieses Kollegium fand nicht weniger als 21 Fehler, deren Abstellung den Gebrüdern Wohler aufgegeben wurde. Wenn auch etwas später als vorgesehen, so wurde die Quadriga doch endlich fertiggestellt. Auf dem Wasserwege wurde sie nach Berlin über- geführt und auf dem Brandenburger Tor befestigt. Allem Anschein nach ist damals auch gleich die jetzige Stellung, nämlich mit der Front nach der Stadt zu, vereinbart worden, so daß selbst der in Berlin viel umstrittene Glaube, die Viktoria habe früher mit dem Gesicht nach dem Tiergarten zu gestanden, keinen eigentlichen Halt findet. Später wurde dann die Viktoria an der Tiergartenseite noch mit einem fliegenden Gewände versehen. Starker Gfterreiseverkehr. Die Hauptzüge bereits ausverkauft« ver Berliner Osterreiseverkehr entwickelt sich nach den Beobach. tungen der Reisebureaus in diesem Jahre besondes günstig. Schon jetzt kann man sagen, daß der Verkehr wesentlich stärker sein wird als im vergangenen Jahre. Das liegt wohl einestells daran, daß sich die allgemeine Wirtschaftslage inzwischen noch weiter gebessert hat, anderenteils ist es besonders dem Mittel. stand möglich gewesen, im Laufe der letzten Zell gewisse Ersparnisse zu machen, die nun für eine Besuchs- oder Erholungsreise ver- wendet werden. An den Auskunsts- und Fahrkartenverkaufsstellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus herrscht seit Montag von morgens bis abends ununterbrochen starker Andrang, obwohl ein- zelne Bureaus bereits von 8 Uhr an geöffnet halten. Als Reise- ziele in Deutschland scheinen besonders Baden-Baden, Wiesbaden, die Bergstraße, der Taunus, Harz, Sächsische Schweiz und Riesen- gebirge bevorzugt zu sein. Die beiden Sonderzüge der Reichs- bahn nach Ostpreußen sind bereits so gut wie ausverkauft. Auch für die übrigen Sonderzüge nach Hamburg und dem Riesen- gebirge besteht lebhafte» Interesse. Soweit es sich im Augen- blick schon übersehen läßt, wird namentlich auch das Reisen in die nähere Umgebung Berlin» unter Benutzung der Sonn- tagsrückfahrkarten einen ziemlich großen Umfang annehmen, denn die Sonntagsrückfahrkarten gelten ja während der Ofterfeiertage bereits vom Gründonnerstag 2 Uhr mittags ab und ermöglichen die Rückfahrt bis zum Dienstag vormittag 9 Uhr. Uebrigens find die am Donnerstag abfahrenden Vormittags- und Mittagszüge nach Dresden und Harzburg samt den Vorzügen bereits voll besetzt. Dos gleiche gill von dem Münchener Zuge, der 19.45 Uhr vormittags vom Anhalter Bahnhof abfährt. Einen erheblichen Prozentsatz nimmt im Gegensatz zum Bor- jähre der Auslandsreiseverkehr ein. Sehr bevorzugt find die großen Erholungsorte der Südschweiz: Lugano, Locarno, auch die Orte am Genfer See, serner Meran und Bozen. Darüber hin- aus entwickelt sich wieder stärkerer Verkehr nach Italien. Zahlreich sind die Osterfahrten nach Rom, und die«Primavera Siziliana- bietet besonderen Anreiz zu dem erheblich billigeren Fahrpreis, Sizilien aufzusuchen. * Aus Anlaß des Osterfestes werden in der Zeit vom 15. bis 19. diesen Monats einschließlich auf der Kreisbahn Bees» kow— Fürstenwalde neben den fahrplanmäßigen Zügen Sonderzüge verkehren. Im Anschluß an die Fern- und Bor- ortzüge ab Berlin-Friedrichstraße 7,96, 7,43(erst ab 17. April) morgens, 12,41 mittags und<5,5S abends verkehren zwischen Fürsten» walde und Pieskow drei weitere Züge. Ab Fürstenwalde 9,15 morgens, 2,39 nachmittags und 8,12 abends. In Pieskow treffen diese Züge um 9,49 vormittags, 3,99 nachmittags und 8,42 abends ein. Zur Rückfahrt stehe., in den Ostertagen vier weitere Züge zur Verfügung: Ab Pieskow 19,19 vormittags, 4,48 nachmittags (nur am Karfreitag und Ofterfonnabend), 6,49 abends(nur am 1., 2. und 3. Ostertag) und 19,55 abends. Die Züge treffen in Fürstenwalde um 19,49 vormittags 5,18 nachmittags, 7,17 abends und 11,25 abends ein. Anschluß nach Berlin ist ebenfalls mtt Fem» und Vorortzügen vorhanden._ Jolly wegen verbotene«(Glücksspiels angeklagt. „Wieviel Besucher waren am letzten Tage bei Jolly?"— so lautete ein Preisausschreiben, das der Hungerkünstler Jolly während seines Retordhungerns im Kriegervereinshaus ausgeschrieben hatte. Dem Errater der richtigen Zahl war ein Preis von 19 999 M. in Aussicht gestellt worden. Jeder Teilnehmer an dem Rätselroten mußte aber eine Broschüre Iollys zum Preise von I Mark erwerben. Die Polizei verbot jedoch die Veranstaltung dieses Wettbewerbes. Obwohl Jolly nur wenige Exemplare abgesetzt hatte, und nach Einlaufen des Verbotes den Käufern den Betrag wieder zurückerstattete, wurde gegen ihn ein Strafverfahren wegen unerlaubten Ausspielens eingeleitet. Gestern vormittag wurde Jolly vom Schöffengericht Mitte durch Amtsgerichtsrat Dr. Wartenberger im Sinne der Anklage wegen Uebertretung und unerlaubten Aus- spielens zu 49 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Staatsamvall hatte 199 Mark beantragt. Gif. Das Weib, das den Mord beging. 19� Roman von Iritz Reck-Malleczewea. Hamburger Kommis sind da, die von den Wei.zenpreifen sprechen, und argentinische Fleischbarcne, in Cabz und Tendcms paradierend, besichtigen mit ihren Damen die Kampfspuren des gestrigen Tages. Franziskanerpriester ziehen vorüber auf elenden Kleppern, und fette eingeborene Weiber, von der Tageshitze, dem Hängemattendasein erlöst, schmiegen sich in die Polster lackstrahlendcr Viktorias: und ,'nter der Wagcndecke benützt, was sie übrigens nicht beachtet, der ihr gegenübersitzende Diener Theodorowitsch die Gelegen? heit, um seine Knie an das ihre zu presien. Und unzweideutige Bemerkungen schwirren von Mund zu Mund, und Parfüme sind da, die beinahe schon einen flandrischen Gasangriff bedeuten, und alles... Männer- blicke und Lachen und der Duft des Weiberfleifches und das Knie der Kreatur da mit dem Hundehalsband des Oberst Miramon: alles staut sich in der heißen, stillen Luft zwischen der gotischen, barocken, maurischen Darbarenar6)itektur dieser Häuser zu einer Wolke von Wollust und Sündhaftigkeit, saugt sich fest an dem Fleisch des schönen, blonden Geschöpfes, das davongefahren wird als die Beute eines gierigen Reoenants und eines geilen Knechtes. Oh, es ist nicht mehr der Oberst Miramon, den sie fürchtet: es ist das Gefühl, dem brutalen Leben dieser Stadt nicht gewachsen zu sein, es ist die Vorahnung irgendeines im- bekannten Grauens, das sich zu bergen scheint in dem Dunkel der hereinbrechenden Nacht. Neue Kampfspuren jetzt, eine Straßensperre, die man nach einigem Aufenthalt passieren darf, ein neuer Trupp politischer Verbrecher, der unter Trommelschlag abgeführt wird. Und dann wird, wie es immer so geht in oen Tropen, mit einem Schlage der Schalter des großen Himmelslichtes umgedreht, und vor ihnen liegt unter aufzischenden Bogenlampen die Plaza del Mayo. Die Trümmer einer gestern von den Aufständigen besetzt gewesenen und nun zerschossenen Wannamaker-Filiale schwülen in der Dunkelheit, der Duft verbrannter Wolle mischt sich mit dem Dust des Peau d'Espagne,», wie sonst um diese Zeit schmettert von ihrem Podium die Militärkapelle den Freiheitsmarsch über den Korso. Dann wechselt der Oberst Miramon ein paar Worte mit dem Chauffeur, und dann, vorüber an den Marquisen der Straßencaf6s. an Soldaten, die zum Weitergehen mahnen, forciert der Wagen die Promenierenden, biegt hinüber zu der Säulenfassade der Kathedrale, hält. „Ihren Arm, Madame.. Ein von Bewaffneten notdürftig abgesperrter freier Platz, darüber die bleichen Monde der Bogenlampen. Diesseits der republikanischen Infanterie mit den nachgeahmten Europa- uniformen der schwatzende, girrende Korso, jenseits auf dem harten, heißen Bette des Asphaltes die dreihundert Toten, die man nach Landcssitte ausgestellt hat... „Wenn ich Sie bitten darf.. Eine lange, lange Reihe, sich verlierend vor der Front der Gaffer, scharf beleuchtet von dem kreidigen Lichte. Junge und Alte. Menschenkinder aller Rassen: schmächtige, vor acht Tagen vielleicht eingewanderte und ahnungslos in die politische Maschinerie hineingezogene Laufdiener aus irgendeinem kleinen sächsischen Nest und pockennarbige Lancheros mit dem im Tode noch unveränderten Blutdurst ihrer Raste auf grin- senden Gesichtern. Aus verwehten europäischen Armeen Abenteurer mit dem prachtvollen Trotz des Iünglingstodes, und Neger dann und wieder Neger: herkulische Stiere mit anthropoiden Schädeln, aus deren Zügen der Haß gegen die knechtende Nasse auch im Tode noch nicht gewichen ist... jeder einer Menschenmutter Sohn, die in ihren Wehen an den Welterlöser dachte, hingepfeffert auf den Asphalt von anderen Menlchensöhnen. Steife Arme, die in der Totenstarre noch zu drohen scheinen... andere, kindliche Glieder, die um Erbarmen bitten... oh, Gnade, Menschensöhne, Gnade, Gnade... Mit ihren nackten Hälsen die großen stummen Geier, die wie versteinert auf den Häuserfirsten warten— die Geier wissen schwerlich um Erbarmen, und ebensowenig weiß es der Korso dieser Stadt, und vielleicht weih darum nicht einmal der steinerne Sohn Maria, der vor dem Kirchcnportal seine barocken Glieder krümmt: o ja, aus allerlei höchst persönlichen Gründen bin ich der wahrscheinlich sehr unpopulären Änschau- ung, daß selbst einmal erbarmungslos gewesen sein muß, wer Erbarmen wirklich kennen will... Und während der Korso gaffend und schwatzend vorüber- gleitet an den Iustistzierten, während der Oberst Miramon die Soldaten ausfragt und erfährt, daß die drei Jungen hier ... diese da, Senjor... sich umfaßt und die Gebete ihres Landes gesprochen hätten, daß der Neger Guzman Sayavadra dem Feuerpikett verächtlich die Rückseite gezeigt und im Tode noch„Merde* geschrien habe: ja, währenddessen steht das kleine Weib, das die Witwe Grandjean erwürgte, gerade unter einem der Kandelaber da mit dicken Tränen in den Augen und gerungenen Händen, und in einer Haltung, die von der des Korsos jedenfalls erheblich abweicht. Und am Ende ist es nur jenes Entsetzen über das, was hier zu sehen ist, und vielleicht auch aus Kindeserinnerungen jeners Bers von dem Gott, der allen armen Kranken helfen soll: sicher ist jedenfalls, daß sie auffällt inmitten dieser Um- gebung, daß die Offiziere halb mokant und halb bewundernd sich gegenseitig aufmerksam machen auf sie, und daß es dann plötzlich eine wohlbekannte Stimme ist, die sie aufschrckt aus dieser deplacierten Stellung... „Sie beten, Madame?" Ja, vielleicht ist es diese unverhohlene Ironie, die ja schließlich recht hat vorn Standpunkt des Korsobesuchers aus, vielleicht das verletzende Lachen der Dame in Schwarz dort oder der„Crachat", den der Infanterist Horatio Azucar in seiner Verächtlichkeit für dieses Mitleid auf den Asphalt setzt. In jedem Falle aber geschieht es hier, daß sie zum ersten Male offen sich auflehnt gegen den, der sie bislang wehrlos machte in Grauen und Vergewaltigungskünsten: Empörend, den Anblick da Ihr zuzumuten, empörend und unritterlich... So laut schreit sie es, daß es die ganze Plaza del Mayo hört, sie hat höchst wehrhafte Hände... es steht durchaus zu befürchten, daß sie ihm ins Gesicht speit vor lauter Protest und Ekel. Da man, ohne ihre Worte zu verstehen, ringsum zu lachen beginnt, da dieses kleine Geschöpf laut genug protestiert, um auf die Dauer des Orchesters da an der Fortsetzung der Freiheitshymne zu hindern, da endlich der Oberst Miramon als Mann von Welt nichts so fürchtet, als eine Szene auf der Plaza del Mayo, so tut er das Klügste, was er hier tun kann: er gibt dem Chauffeur einen Wink, reicht der kleinen Sif den Arm... der Wagen verläßt die Plaza mit ihrem Duft von Blut und Kokottenparfüm. Das einförmige, steinerne Elend dieser stupiden, New Bork imitierenden Straßen, die schmierigen Kneipen des Dock- Viertels, die endlosen Zäune der Lagerplätze von La Boca, die letzten unheiligen Häuser, in der die ungeheure Stadt zerfasert und sich auflöst« i '" iL(Fortsetzung folgt.) Die ,$ilmföanfp{e(erin'* Lilian Harvehs Doppelgängerin. Anfangs war sie Haustochter einfacher ehrlicher Leute; im Traume sah sie sich als Filmstar: Toiletten, erstklassige Restaurants, Hotels. Caf�s, Autos, hohe Gehälter und reiche Freunde. Sie wurde aber nur eine klein« Tänzerin mit einem hübschen Gesicht und einem zierlichen Figürchen; alles andere blieb aus. Nur ein halbes Jahr war sie verheiratet, dann lies sie dem Mann davon. Ihre Phantasie gaukelte ihr aber wie ehedem die Karriere eines Filmstars und das Verhältnis mit einem Man« vor. Deshalb legte sie sich den Namen einer bekannten Filmschauspielerin zu und sesielte die Männer an sich, von denen ii« oder minder große Beträge borgte. Diese gewährten idr»er»»>»!ne Getällig- leiten für ihre Gefälligkeiten. Hörten diese aber auf, so waren die Männer dabei die Hereingefallenen. Der„Filmstar' gehört« schon einem anderen oder der Beutel des anderen gehörte ihr— bis zum nächsten. Zwei Fälle zur Illustration: Da verirrte sich z. B. ein Re- gierungsrat a.D. an einem Wochentag nachmittags in ein Kino in der Friedrichstraße. Ganz„zufällig' befand sich auch die kleine Tänzerin hier. Sie gab sich als Lilian H a r o e y aus. Interessiertes Filmgespräch, darauf in ein Cafe; das Filmgespräch löste eine Ge- schästsunterhaltung ab: der Regierungsrat würde so gern in ein Film- unternehmen 100 000 M. stecken. Nichts einfacher als das; auch bei ihr, der„Tochter eines reichen schwedischen Tuchfabrikanten', wären in der nächsten Zeit 80 000 M. flüssig.„Aber denken Sie nur, ich und meine Kollegin, die Lucie Dorain«, sind in Babelsberg der- maßen beschäftigt daß uns für private Angelegenheiten überhaupt keine Zeit bleibt. So habe ich auch heute die Bank versäumt; 3000 Mark wollte ich abheben.'„Aber bitte, steht zu Diensten, wieviel?' „50 M. würden mir genügen.' Kleine Zärtlichkeiten während der Autofahrt, Verabredung für den nächsten Tag in der Wohnung der Freundin in der Puttkamerstraße. Vor dem Abschied ein weiteres Darlehen von 50 501.; am nächsten Tage in der lputtkamer- straße:„Ach, ich bin heute wieder nicht zur Bank gekommen; ich muß meine Schneiderin bezahlen.'„Aber bitte...' 120 M. bar, ein Scheck von 300 M.. Und so bei jedem Zusammentreffen. Dann folgte eine Fahrt nach Halle zur Filmausnahme, zuerst geht«ine Geldsendung dorthin, dann eine Absage und eine Mahnung, die geliehenen 1270 M. zurückzuzahlen. Zurück kommt aber nur eine beleidigte Antwort. Das Ergebnis: Kündigung der Freundschaft. Jetzt erst findet der betrogene Liebhaber die richtige Lilian Harvey in ihrem Hotel.„Ach, Herr Regierungsrat, ich werde am Telephon unaufhörlich inkommodiert, auch Briefe und Anfragen erhalte ich. Wollen Sie bitte der Sache auf den Grund gehen!" Strafanzeige wegen Betrugs: 1270 M.; alle Ge- fälligkeiten sind also von der falschen Lilian Harvey gratis erwiesen worden.— Der zweite Fall: Ein stellungsloser Kauf- mann lustwandelte durch die Chausseestraße. Ihm entgegen kam die Angeklagte. Verständnisvolle Blicke.„Kommst du mit?' Ab- stciaequartier: 5 M. Honorar. Wieder ist sie die Filmschauspielerin, wieder war die Bank geschlossen, wieder Darlehen und schließlich Strafanzeige. Dieser Kavalier rechnete auch sofort die 12 M. Liebes- Honorar in die Summe ein, um die er betrogen fein wollte. Die Angeklagte spielt vor Gericht die Naive; sie erklärt, die Kavaliere hätten alles freiwillig gegeben und bittet um Milde. Die Berufungs- instanz läßt es bei der ersten Strafe:«in Jahr Gefängnis unter Anrechnung von 6 50tonaten Untersuchungshast. Das Straf- register weift schon mehrere ähnliche Vorstrafen auf. Dies die galanten Abenteuer der„Filmschauspielerin', Die Ulkten verbrannt. Drei weitere Personen festgenommen. Zu den Aktenbeseitigungen des Kanzleiangestellten Georg Müller vom Amtsgericht Charlottenburg erfahren wir, daß ihm jetzt drei weitere Verfehlungen nachgewiesen werden konnten. Noch der Aufdeckung der beiden ersten Fälle, über die wir damals berichteten, hatte Müller hoch und Jjeilig versichert, daß er sich weiter nichts habe zuschulden kommen lassen. Man glaubte dieser Versicherung aber um so weniger, als Müller ein sehr unruhiges Leben führte, viel in Kneipen verkehrte und auch andeutete, daß er bald hier, bald dort Geld abzuholen habe. Man ging diesen Spuren nach und ermittelte so drei Männer, deren Akten Müller gegen Be» Zahlung auf die Seite geschafft hatte. So hatte«in 41 Jahre alter Kaufmann und Hausbesitzer H a n l e r aus Niederschöneweid« wegen Hehlerei neun Monate Gefängnis zu verbüßen, vorläufig aber Strafaufschub erhallen. Als die Akten dieses Mannes in Müllers Hände kamen, trat er an Handler heran mit dem Anerbieten, sie gegen ein Honorar von 300 M. zu vernichten. Der Kaufmann ging auf den Vorschlag ein, gab eine Anzahlung und verbrannte mit Müller zusammen die Akten in einem Ofen in seiner Wohnung. Den Rest des Geldes konnte er nicht in bar zahlen, gab aber an Müller Wurst und Spirituosen im Wert« von etwa 150 M. Später begnügte er sich damit, kleine Raten in Höhe von 5 M. abzuzahlen. In ähnlicher Weise ging der ungetreue Angestellte bei einem Automobilhändler Steßter in Westend zu Werke. Dieser war wegen Ausfuhrvergehens zu einer Geldstrafe von mehreren tausend Mark verurteill worden, konnte aber trotz bereits erfolgter gerichtlicher Mahnung nicht zahlen. Auch bei'chm erschien Müller, bot die Beseitigung der Akten an und verlangte dafür 300— 400 M. Wieder gab er sich zunächst mit einer kleinen Anzahlung zufrieden und verabredete mit dem AutoHändler eine Zusammenkunft in einem Restaurant. Hier oerbrannten beide gemeinsam im Ofen die Akten. Noch ein dritter Fall von Aktenbeselligung konnte nachgewiesen werden. Ein Kaufmann Am st er, der in einem westlichen Vorort wohnt, hatte 1000 M. Geldstraf« zu zahlen, besaß aber nicht die Mittel. Für 150 M. versprach Müller, die Akten zu den er- ledigten Sachen zu legen und so dem Kaufmann die Zahlung der Strafe zu ersparen. Im Lause des gestrigen Tages wurden die drei Männer fest- genommen und dem Vernchmungsrichter vorgeführt. Ihnen wird Beamtenbestechung zur Last gelegt. Die kirchturmspitze im Keller. Kirchturmspitzen befinden sich ausschließlich aus der Spitze des Kirchturms. Daher doch der Name. Aber selbst von dieser Regel muß eine Ausnahme erlaubt sein und den 5Ruhm, im Besitz dieser Ausnahme zu sein, genießt natürlich Berlin. Aber die meisten Berliner wissen garnicht, daß sich die K i r cht u r m l p i tz e des Turms der Petrikirche in dem Keller eines Privat- Hauses befindet. Wie das zugegangen, konnte man am Sonntag auf einer hochinteressanten Wanderung durch Alt-Bcrlin kennen lernen, die der Vorsitzende des Vereins für die Geschichte Berlins Dr. Lederer veranstaltet und auf der er selber den Führer und Er- kläre? niachte. Im Jahr 1734 stürzte der Turm der alten Pctri- tirche— die jetzige ist erst in den Jahren 1846— 1852 von Strock erbaut— ein und die Turmspitze, eine sandsteiuerne Krone, saufte wie ein Meteor auf das Eckhaus Brüderstraße und Scharrenstr. 9a. durchschlug das Dach und sämtliche Stockwerke bis in den Keller. Dort liegt die alte Turmspitze noch heute, wohl betreut von den In- habern der Firma Bartels und Rusch, eine ungewöhnliche Kuriosität. Weiter führte dann die Besichtigung durch die Breite Straße, mit einem schnellen Blick auf das schönste Berliner Renaissance- portal des ehemaligen Ribbeckschen Hauses zum Schloß. Die Be- sichtigung galt ober nicht dem Innern, sondern den beiden großen keineswegs nach Gebühr gewürdigten Höfen. Der zweite S ch l o ß h o f besonders, das Werk Andreas Schlüters, wirkt wie «in großer prachtvoller Freilust-Festsool. Schlüter schus hier sein archilekwniscye, Meisterwerk.— Dann ging es durch die Burg. straße zum Hotel König von Portugal, da» durch Lefsings Minna von Barnhelm und Fritz Reuters Reis« nach Belügen berühmt geworden. Der letzte dort noch vorhanden« ubertreppt« Kellerhal« soll demnächst leid« oerschwinden. Da« allerälteste Berlin« Kirchlein, die Heillgengetsttopell«, Me seinerzeit, um sie zu erhalten, als Hörsaal in die Handelshochschule mit ein- bezogen, wurde besichtigt. Als Beispiel rühmenswerter Haus- pflege gilt das Haus zu den drei Linden, Klosterstr. 87. Einst stand hier ein Absteigehaus der Bischöfe von Lebus, später wurde es kurfürstliche Gcheimkanzlei, dann ging es ganz in Privatbesitz über. Der jetzige Inhaber der Firma Fetschow, Eugen Prcuß, hat es sich angelegen sein lassen, alle Hausdokumente zu sammeln. Seine Geschäftsräume gleichen einem sehenswerten kleinen Museum für Alt-Berlin, gewiß eine rühmenswerte Seltenheit in dieser nüchternen Stadt. Weniger wegen seines unscheinbaren Aeußeren und Inneren als wegen seiner Geschichte ist das Haus Klo st er- st r a tz e 76 berühmt, das jetzt die Zollverwaltung birgt. Der älteste Teil des Berliner Schlosses geht bekanntlich nur bis zum Jahr 1451 zurück. Borher aber stand schon das Haus in der Klosterstraße und es war unter dem Namen Hohes Haus markgräfliche und kurfürstliche Residenz. Später diente es als Lager- haus höchst profanen Zwecken und jetzt ist es von einem bekannten Berliner Warenhaus angekauft worden»nd wird wohl demnächst der Spitzhacke zum Opfer fallen. Das wäre sehr schade, denn mit diesem Bauwerk ist auch ein wichtiges Stück Berliner Stadt- und Bolksgeschichte verbunden. So vermittelte die Führung Dr. Lederers eine Fülle von wertvollen geschichtlichen Einblicken in die Bevgangcnheit unserer Stadt._ verhängnisvolle Vergeßlichkeit. Die fehlende Gasverschranbung. Gestern nachmittag wurde der in dem Hause Elsasier Straße 26 wohnende 50jährige Hotelportier F. Bachmann und der 28jährige Schlosser Erich Mallue in dem mit Gas gefüllten Schlafzimmer ihrer gemeinsamen Wohnung bewußtlos aufgefunden. Die zuständige Rettungsstelle wurde benachrichtigt, die einen Arzt an die Unglücksstelle entsandte. Gleichzeitig mit dem Arzt trafen Polizeibeamte in der Wohnung ein. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche hatten nur bei Mallue Erfolg. Bei Bachmann konnte der Arzt nur noch den bereits eingetretenen Tod f e st st e l l e n. Seine Leiche wurde beschlagnahmt und in das Schauhans gebracht. M. fand im Hedwigs- krankenhaus Ausnahme, wo er sehr bedenklich daniederliegt. Der Fall schien zunächst etwas rätselhaft, da alle Gashähne verschlossen und auch im übrigen die Gasleitung völlig dicht war. Die weiteren Ermittlungen ergaben jedoch, daß die Gasmengen aus der unterliegenden Wohnung nach oben ge- drungen waren. Die Wohnung war vor einigen Tagen von den letzten Mietern geräumt worden, die bei der Abmontage der Lampen in grober Fahrlässigkeit vergaßen, die Gas- leitungen ordnungsgemäß mit Stöpseln zu oersehen. So konnten größere Gasmengen ungehindert ausströmen, die ihren Weg nach oben nahmen und das Unglück verursachten. 3n der Atittetlung über die Errechnung d« Hauszlnssteu« für Berlin ist in der AuSrechnungsgleichung ein Druckfehler unterlaufen. _.. 330 X 100..,.. 230 X 100 Statt--—- muß eS herßen: Morphkumfochtl Die gefälschte» Rezepte. 1 S0 500 Die volksbllduugsSmler Prenzlauer perg und 5rledrlch»haln veran- flalten am Dienstag, dem 19.«Ipril(3. Ofterfeiertag), abends 8 Uhr, im s a a I b a u Friedrichshain, SIm Friedrichshain 1S/S3, sein Drittes Sinfoniekonzert zum Gedächtnis Ludwig van Beel- bcvenS mit nachstehendem Programm: Ouvertüre.Leonore Nr. 3' Violinkonzert. Sinfonie Nr. 7. Mitwirkende: Berliner Sinfonieoichester Dirigent: Jafcha Horenstein. Joses WolfSthal, von der StaatZoper(Violine) Einsührender Bortrag: Dr. HanZ Fischer. Karten je 75 Pf. einlchlietzlich Garderobe und Liedertext- zu haben bei den beiden VolkSbildungSämtern. und deren Verkaufsstellen,(siehe Anschlagfüulen.) Die wesentlichsten Borträge dieses Tages behandelten medizinische Themen oder standen doch wenigstens im Zusammenhang damit. Denn die„Sterblichkeitsforschung als Grundlage der Lebensversicherung', über die Prof. Dr. Alfred Man es be- richtete, schlug ohne Frage mindestens ebenso sehr in das Gebiet der Medizin wie in das der Dersicherungswissenschaft. Sehr be- achtenswer waren aber vor allem die Ausführungen Prof. Or. meci. Alfred Lewandowstis, der die„Soziale Krantenhausfür- sorge' behandelte. Bedeutet lkesserung der sozialen Lage der Be- oälkerung Minderung der Erkrankungen überhaupt, so bedeutet sinn- gemäß die soziale Fürsorg« wenigstens beschleunigte Krankheits- Heilung. Ist also Besserung der sozialen Gesamtlage das Ziel, so ist soziale Forsorge eine Etappe dazu. Prof. Lewandowski zeigte ein- dringlich an Beispielen, was soziale Krankenhausfürsorg« für den einzelnen bedeuten kann. Er wird von den drückendsten Sorgen entlastet, gesundet dadurch rascher und gründlicher und hat darüber hinaus größere Gewähr für eine dauernde Heilung. Soll die Für- sorg« aber diese umfassende beabsichtigte Wirkung haben, so ist es nötig, daß sie die Erkrankten nicht mrr während der Zeit ihres Krankenhausaufenthaltes berät und unterstützt, sondern daß ihre Hilfe sich auch noch auf die Krankenhausentlassenen erstreckt. Be- sonders muß hier entweder Aufenthalt in Heilanstalten oder aber Rückkehr zur Berufsarbeit vermittelt werden. Erst in Verbindung mit so umfassender Fürsorge kann Krankenhausbehandlung wirklich erfolgreich werden. Aus dieser Erkenntnis heraus ist die Kranken- Hausfürsorge auch bereits in zahlreichen deutschen Großstädten ein- geführt, wenn sie auch gewiß oft noch sehr ausbaufähig und vcr- besserungsbedürftig ist. Dr. Frey, Direktor im Reichsgesundheits- amt, sprach zu dem Thema„Das Meeresklima im Dienst der Ge- sundung der deutschen Jugend'. Er erörterte in seinem Vortrag nicht nur die verschiedenen Heilerfolge des MeeresUimos, sondern er wies auch darauf hin. daß es Fälle gibt, bei denen ein Sceaufenthalt nicht angebracht ist. Wertvoll war, daß d« Redner die Bedeutung von Winterkuren am Meere hervorhob, die in weiten Kreisen des Publikums noch immer unterschätzt werden. Der Abend fand mit Sinfonie von Schubert und Haydn, von Georg Zell geleitet, einen musikfrohen Abschluß. T e s. Ein Chemiker S. hat lange Jahre hindurch Rezepte gefälscht, um sich Heroin und Morphium zu verschassen. Gestern hatte nun das Schöffengericht Berlin-Schöneberg zu entscheiden: War der Gift- süchtige, als er die Rezepte fälschte, zurechnungsfähig oder nicht?. Und wie hat er gefälscht! Es lag Methode darin. Er stellte Rezepte auf den Namen wirk- lich existierender Offiziere aus, unterschrieb sie je nachdem mit dem Namen des nicht existierenden D''. Braun— es sei sein Freund, ein nicht mehr praktizierender Stabsarzt, sagte er in der Apotheke— oder mit dem Namen des ebenfalls nicht existierenden Dr. Schreiber; auch den entsprechenden Stempel setzte er aus das Rezept. Zu seiner Verfügung standen ja alle Apotheken Berlins; jedoch nicht mehr als zweimal im Monat erschien er in ein und derselben Apo- theke. So fielen die Rezepte nicht weiter auf. Suchte der Apo- theker im Adreßbuch den Namen des Ojfiziers nach, so fand er ihn. Zlls S. aber einmal noch der Adresse des Dr. Braun gefragt wurde, erschien er das nächste Mal nicht mehr in der Apotheke. Ein an- deres Mal passierte ihm das Unglück, daß er das Rezept mit dem Namen des Dr. Braun unterschrieb, jedoch den Stempel des Dr. Schreiber darauf setzte. Selbst als die Polizei in einer Apotheke gelegentlich einer lllevision drei verdächtige Rezepte mit dem Namen Broun vorfand, konnte S. hier ruhig, weiter fein Heroin beziehen. Zum Derhängnis wurde ihm aber die Revision einer anderen Apo- theke. Jetzt beschloß die Polizei, den Spuren des Fälschers nach. zugehen und so wurde S. oerhostet. Wie war er aber zu seiner verhängnisvollen Sucht gekommen, der er etwa 20 Jahre frönte? Gegen einen Nervenschmerz hatte chm ein Arzt Morphium oerschrieben. So wurde er M o r p h i n i st. Das Gift bezog er als Chemiker direkt aus der chemischen Fabrik. Im Jahre 1920 trat aber das Opiumgesetz in Kraft. Nun begann er zu fälschen. Die Rezepte stellte er auf Vorrat her aus Furcht vor den Qualen, die ihm bei einem Gistmangel drohen könnten. Entziehungskuren hatten bei ihm keinen dauernden Erfolg; augenblicklich ist er aber nach einer Behandlung durch einen Spezialarzt Dr. F r a e n k e l geheilt. War er also' zurechnungsfähig, mußte er nicht zwangsläufig sich das Gift verschaffen? Die Ladung des Dr. Fraenkcl als Sachverständigen hatte dos Gericht verweigert; in einem fchrist- lichen Gutachten erklärte er aber, dem ollgemein herrschenden Standpunkte entsprechend, daß dem S. als giftsüchtigen Rezeptfälscher zweifelsohne der 8 51 zuzubilligen sei. Der bekannte Pharmakoloa« der Berliner Universität, Prof. Joachim oglu, der gestern als Sachverständiger geladen war, meinte allerdings, daß der§ 51 in diesem Falle nicht in Betracht käme. Der Professor ist aber mcht Psychiater. Der Staatsanwalt beantragte dem Gutachten des Sach- verständigen gemäß 1 Jahr Gefängnis wegen schwerer Urkundenfäl- schung. Gegen eine Bewährungsfrist wolle er nichts einzuwenden haben. Trotzdem der Berteidiger die Ladung des Prof. Fraenkcl beantragt batt«, verurteilte das Gericht den Angeklagten zu einem Monat Gefängnis: sollte sich aber der Angeklagte im Laufe von drei Iahren des Giftgenusses ohne ärztliche Verordnung ent- halten, so braucht er die Strafe nicht zu verbüßen: er Hab« die Fälschung nicht aus verbrecherischer Gesinnung, son- dern aus krankhafter Neigung begangen. Wäre unter solchen Umständen die Zubilligung von§ 51 nicht doch am Platze gewesen?__ Werbefeier der Arbeiterjugeud. Um der schulentlassenen Jugend das Leben und Treiben der Ar. beiterjugend zu zeigen, veranstaltete der Bezirk Friedrichshain- Andreasplatz der Arbeiterjugend am Sonnabend in der Aula der Schule Friedenstraße eine Werbeseier. Das vielseitige Programm bot den Kräften aus den eigenen Reihen Raum zur freien Be- tätigung. Mit einem Musikvortrao wurde die Feier eingeleitet, dann sprach ein Jugendlicher den Prolog„An die Arbeiterjugend' von Otto Krille. Die Genossin Hanna Kühne gab mit ihrer Ansprache ein Bild vom Wollen und Wirken der Arbeiterjugendbewegung. Ihre Worte fanden reichen Beifall. In die Gedankengänge des Kampfes der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus führte das Zwiegespräch„Brüderlichkeit' von Ernst Toller, dos zwei Jugendlichen schwere Rollen zuwies, denen sie aber gerecht wurden. Im zweiten Teil„dem lustigen', sollte das Leben und Treiben der Arbeiterjugend an chren Sonntagen dargestellt wer» den. Zuerst folgten in bunter Reihe heiter« Siezitationen. Dieser Teil des Programms war geschickt zusammengestellt. Es wurde immer nur ein Gedicht von jedem Jugendlichen vorgetragen. Da. durch wirkten recht viele Kräfte im Programm mit. Das Bühnenspiel „Blühende Erde', das die Bekehrung eines Nörglers und Zweiflers zur Lebensfreude zum Inhalt hat, war wirkungsvoll eingerahmt durch Vorführungen der Volkstanzgruppe. Mit dem Gesang „Brüder zur Sonne' schloß die schön« Werbefeier, die den Schul» entlassenen ein Bild vom Wirken der Arbeiterjugend gab. Auch den Eltern von den Schulentlassenen und von den Jugendlichen hatte das Programm sehr gut gefallen. Der lebhafte Beifall nach den ein» zelnen Vorführungen war Beweis dafür. Zum Thema:„Nene märkische Hansfafsaben." Unter dem Titel:„Neue märkische Hausfassade n" berichteten wir vor etwa acht Tagen, daß die Zeit der grausamen „Stukkatur' genannten Gipsankleberei gottlob zu Ende gegangen und durch die Anwendung von farbigem Kratzputz ersetzt sst. Hierzu teilt uns ein Leser des Vorwärts', der Genosse Anton Teut» hold, Berlin NW. 21. Turmstroß« 35, mit, daß er eine E r» f i n d u n g gemacht hat, die ohne Zweifel von großem Interesse ist. Auf einem Untergrund von Gips oder Zement trägt er in einer etwa einen Zentimeter dicken Schicht farbiges Steinmehl auf. In dem Bilde, das er gewählt hat, müssen die Grenzlinien zwischen den einzelnen Farben scharf eingeschnitten werden. Im übrigen indessen ist dos Versahren das gleiche wie beim Kratzputz. Das Verblüffende ist aber: Das hergestellte Bild ist unverwüstlich, es sei denn, daß jemand einen Zentimeter tief kratze und die Ober. fläche des Bildes förmlich auskehle. Bei ein« ordnungsgemäßen Reinigung bleibt das Bild vollkommen unversehrt. Auf die interessante Erfindung wird noch zurückzukommen sein. bietet die Qewäht* für ein Wasch mitt-el ohne schädliche Substanzen, das die Wasche durchaus schont und schneeweiß macht, OulhoMpsows Seifenpulvei* Die Rache öer Tajchenöiebe. Verbrecher und Polizei. Unter der schweren Beschuldigung, mit Verbrechern, und zwar Taschendieben, unter einer Decke gesteckt zu haben, hatte sich gestern der seit dem Jahre 1921 bei der Berliner Kriminalpolizei im Taschen- diebstahlsdezernat beschäftigte Kriminalgehilfe Franz Labus vor dem erweiterten Schöffengericht Mitte zu oerantworten. Cr bestritt jede Schuld und bezeichnete es, daß er auf der Anklagebank sitze, als einen Racheakt des Verbrechertums, das er in zahllosen Fällen zur Strecke gebracht habe.„Die Beschuldigungen gegen Beamte, die erfolgreich gegen sie vorgegangen sind, sind namenllich bei den aus dem Osten stammenden internationalen Taschendieben eine nicht seltene Erscheinung", so sagte der als Zeuge vernommene frühere langjährige Dezernent zur Bekämpfung der Taschendiebe beim Berliner Polizeipräsidium, Kriminaloberkommissar Dr. R i e m a n n, aus. Labus wurde beschuldigt, mit„Soldaten- Walter", dem wiederholt vorbestraften Saijcr, einem Mitglied der sogenannten Zentrumskolonne, seit Jahren in Verbindung gestanden und ihn über den Stand seiner Angelegenheiten gegen Bezahlung informiert zu haben. Im Februar vorigen Jahres war ein Maurer- meister aus Charlottenburg auf einer Bierreise in angetrunkenem Zustande in einer Schankwirtschaft in der Linienstraße gefleddert und seiner goldenen Uhr, sowie einer Brieftasche beraubt worden. Der Verdacht lenkte sich auf.Soldatenwalter" und� ein Ehepaar Moritz, das ebenfalls zur„Zunft" gehört, in deren Beglestung der Beraubte gewesen war. Das Ehepaar wurde festgenommen, und Sager wurde durch einen Steckbrief gesucht. Zu diesem Zwecke wurde im Polizeipräsidium eine sogenannte Graukarte niedergelegt. Frau Moritz suchte die alleinige Schuld auf Sager zu schieben und sagte aus, daß Sager sehr sicher sei, weil er„oben" einen Beamten bab«, der ihm auch schon von der belastenden Aussage des Ehemannes Moritz Kenntnis gegeben habe. Der Beamte hätte ihm auch bereits die Steckbriefkarte ausgehändigt. Bei den Nachforschungen stellte sich heraus, daß die Graukarte in der ollgemeinen Dienstabtcilung des Polizeipräsidiums fehlte und daß nur das zweite Exemplar der Graukarte in der Steckbricfzentrale vorhanden war. Sager wurde bald darauf festgenommen und wiederholte seine Anschuldigungen gegen Labus. Er erweiterte sie noch dahin, daß Labus ihm schon seit 1924 in ähnlicher Weise Hilfe geleistet und gegen Strafver- solgungen gedeckt habe. Zum Beweise für die Richtigkeit seiner An- gaben berief er sich auf seinen Freund B e r n d t. und dieser be- stätigte. daß er gesehen habe, daß Sager dem Beamten einmal 15 Mark ausgehändigt hätte. Den letzteren Vorgang gab der Angeklagte zu, erklärte aber, daß es sein eigenes Geld gewesen sei, denn in einem Gespräch habe ihm Sager das Geld als geschickter Taschendieb aus der Tasche genommen und ihm nachher zum Beweise dafür, wie leicht auch ein Kriminalbeamter bestohlen werden könne, das Geld wieder ausgehändigt. Die beiden Belastungszeugen Sager und Berndt verwickelten sich in eine ganze Reihe von Wider- s p r ü ch e n. Rechtsanwalt Dr. Diamant bezeichnete es als eine Ironie des Schicksals, daß er jetzt den Beamten zu vcr- leidigen habe, der in zahllosen Fällen als Belastungszeuge gegen von ihm verteidigte Taschendiebe aufgetreten sei. Daß die Zentrums- kolonne gesprengt und fast restlos jetzt im Gefängnis sitze, sei in der Hauptsache das Werk dieses von feinen Vorgesetzten als besonders erfolgreichen Beamten bezeichneten Angeklagten gewesen. Er sei zweifellos das Opfer einer Clique von Taschendieben. Landgerichtsdirektor Arndt erklärte in der Urteilsbegründung, daß das Gericht angesichts der Tatsache, daß der Angeklagte als besonders tüchtiger Beamter in den Kreisen der Taschendiebe, mit der größten Gewissenhaftigkeit geprüft habe, ob er des schweren Amtsverbrechsns und der Bestechung schuldig sei. J£s habe aber keinen Beweis dafür gefunden. Die Aussagen von Sager und Berndt seien so wider- svruchsvoll und unsicher, daß sie wenig Glauben verdienen. Das Verschwinden der Graukarte könne auch auf andere Weise vor sich gegangen sein. Bei diesem Belastungsmaterial war«ine Verurteilung des Angeklagten undenkbar, und er mußte daher auf Kosten der Staatskasse sreigesprochen werden. Verhaftung eines falschen Gaskontrolleurs. Ein falscher Gaskontrolleur, der auch andere Rollen mit Erfolg ipielle, trieb seit längerer Zeit in ganz Groh-Berlin sein Unwesen. Wenn er nicht„kontrollierte", so„reparierte" er immer„im Auf- trage des Gaswerks". Auf jeden Fall aber stahl er bei seinen Besuchen, was ihm erreichbar war. Mit Ausweis- papieren, die er bei diesen Gelegenheiten mit erbeutete, mietete er sich dann auf einige Tage ein, während er sonst ohne Wohnung war. Ließen ihn die Wirtsleute einmal allein, so bestahl er auch sie und verschwand Diese Einmietediebstähle verursachten den Eigentümern der Ausweispapiere, auf die er sich auch polizeilich an- melden ließ, stets Scherereien, den» gegen sie erstatteten die be- stohlenen Wirtsleute immer Anzeige. Zuletzt versuchte es der Schwindler, ebenfalls mit gestohlenen Papieren, auch bei Wohl- tätigkeitsan st alten mit allerlei Vorspiegelungen über seine Notlage. Auch damit hatte er Glück. An einer Stelle, auf der ihm weitere Unterstützung zugesagt worden war, lohnte er das Eni- gegenkommen damit, daß er eine Uhr stahl, die einer der dort tätigen Damen gehört. Trotzdem war er so drei st, noch einmal zu kommen, um sich nach dem Stande seiner Sache zu erkundigen. Jetzt aber ließ man ihn festnehmen und die Kriminalpolizei, bei der er wieder mit falschem Namen durchzukommen versuchte, entlarvte ihn als einen 2S Jahre alten Werkzerignunder W i l h e l m B ü t t n e r, Ser auch schon das ganze vergangene Jahr hindurch von diefeit Schwindeleien und Diebereien gelebt hat. Zum Berliner Dezirksparteikag. In dcni Bericht über den Berliner Bezirksparteitag ist nachzutragen, daß auch noch der Ge- nasse Max Tolksdorf-Köpenick als Delegierter zum Parteitag in Kiel gewähll worden ist. Die Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten gibt bekannt, daß die Geschäftsräume am Ostersonnabend geschloffen sind. Zwei ZuMlare. Genosse Gotilieb Jank. 1. Abteilung, wird heute TS Jahre alt. Er itt einer der alten Garde der in seinem engeren WirtnngSlrciS die iür die Partei in ersier Linie notwendige Kleinarbeit verrichtete und in keiner Verlammlung fehlte. Heute lebt er als Sozial- rentncr in bescheidenen Verhältnissen.— Desgleichen vollendete vor einigen Tagen der Genosse Zllbin K r a m e r, Weissenleg, sein 75. Lebensjahr. Genosse Krämer war besonders während des SozialistengescheS ruhrig tätig, hat alle seine Härten am eigenen Leibe zu spüren belommen. Der Verkäufer Hugo Schmidt ist am t 5. April 2ö Jahre ununter- brachen aus dem Anhalter Bahnhos(Bahnhossbuchhandlung) tätig. Der«u-schuh der Berliner Stadssynode bittet nn» zu dem heutigen Inserat, miiznteilen, daß Einwendungen gegen die Höhe der Kirchensteuer, sowie Antrage aus Stundung, Ermäßigung oder Erlass der Kirchenstencr nicht beim Finanzamt, sondern mündlich bei den znitändigcn Kirchen- gemeinden, stbrijllich bei dem geschäflssübrenden Ausschus! der Berliner Stadtshnode, Eharlottenburg 2. Marchstr. 4/5, anzubringen sind. Ein neue» Verfahren zur Zelluloseherstellung? Der ungarische Ingenieur Bela Dorner hat ein patentiertes Verfahren zur Her- stellung hochwertiger Zellulose aus Mais st roh an eine amerikanische Gruppe von Großkapitalisten verkaust. Die Ameri- kaner hoffen, den Farmern eine neu« Einnahmequelle oerschaffen zu können, da das Maisstroh bis jetzt als wertlos galt. Das Arkeil Im Prozeß Schultheiß rechtskrästig. Der Fuhrunter- »ehmer Friedrich Schultheiß in Frankfurt a. M, der wegen schweren Raubes und Totschlag, vom Schwurgericht zu IS Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist, hat heute die Erklärung abgegeben, daß er die Strafe annehme. Auch die Staatsanwaltschaft hat aus Einlegung der Revision verzichtet. Somit ist das Urteil rechtskräfttq. Schwerer Schlffsunfall in der Ostsee. Der Uetensener Motor- logger„Berta B r e e d e" aus Kopenhagen, der sich mit einer Ladung Eisen unterwegs nach Stettin befand, sank infolge Sturmes auf der Höhe von Arkona. Zwei Mann der Besatzung ertranken. Der Kapitän wurde schwer oerletzt von einem zu Hilfe geeilten Hamburger Dampfer gerettet. Sport. Rennen zu Strausberg am Dienstag, dem 12. April. I.Rennen. 1. Dnielkop(L. Broda), 2. Capua(Schreier), S. Spiritist (Schoening). Toto: LS: 10. Platz: 12, 12, IS: 10. Ferner liesen: Ktllewit, Lori, Duroano, Adolpbus. 2. R c n n e n. I. Mainberg(M Jentzsch), 2. Leander(Bäsch), 3. Traunegg Toto: 24:10. Platz: 10, 12, 12:10 Ferner liesen: Logarithmus, Amers- soort, Almeido, Hazard. Lord Bat. First Fruit, Sonja. Hofpracht. 3. R e n n e n. 1. Boltazar(Moritz), 2. Laus(Müschen), 3. Morgenpracht (v. Boecke). Toto: 28: 10. Platz: 10, 12, 10: 10. Ferner liesen: Hiltrud, Nana, Diestel R., Dsdä. 4. R c n n e n. 1. Fliegender Fuchs(Albers), 2. Transuse(Staudinger), 3. Komadin(Bleuler). Toto: 32: 10. Platz: 13, 20, 20: 10. Ferner liesen: Schneeberg, Volker, Rückgrat, Nettelbcck, Arnuls, Nutria, Heliotrop. 1. Totila(Müschen), 2. Rache(Ackermann), 3. Na Berthe Toto: S3: 10. Platz: 22, 13: 10. Ferner liefen: & Nennen. (Leutn. v. Horn). Orplib, Jogull. S. R e n n e n. l. Franzis(Pasch), 2. Lizenz(Schönfisch). 3. Thema (Mbers). Toto: IS: 10. Platz: 10. 17, 13: 10. Ferner liesen: Türkin, Burschenschast, Alsterlust, Lebensmut. 7. R e n n e n. 1. Dau(Wurst). 2. Dame(Mesa), 3. Treuhcr, (Männchen). Toto: 50:10. Platz: 27, 243, 45:10. Ferner liesen: Valid, Argonaut, Schierke, Mirabelle, Theano, Ardoritln. Die Osser-Radrenven. An beiden Osterfelertagen werden in Berlin Radrennen vor sich geben. Den ersten Feiertag hat fich die Olympia- bahn reserviert, während die R ü t t» Ä r e n a am zweiten ihre Pforten öffnet. Rütt bringt eine Stunde Fliegerrennen, eine Stunde Tauerrennen und eine Stunde Mannichastsrenncn. Am Ablauf erscheint internationale Klasse: es starlen im.Grossen OsterpreiS"— vier Dreier- läuft über je 1000 Meter— der französische Fliegermeister S ch i l I e S, der Schweizer Exweltmeister K a u s s m a n n, der Hannoveraner F i n k e und der Krejelder Schömberg. Von den Dauersabrern sind zu- nächst verpflichtet M i q u e l und Paul Koch. Ein Ausscheidungssahren für Berussslieger und ein Stunden-Mannschastsrennen für Amateure um- nahmen das Programm. Monafe aerren-Anzfige von 50.— an Herren-Nänfel von 45.— an Herren-Gummimäntel von 19.50 an Damen- fldnlel von 28.— an Damen-Kleider von 16.— an Damen-Hosifime von 39.— an Lofliringer Strafte 67 I9LI9U Franüfurler Allee 336 Ä WL\m*K NAC Hl Tlugr» Banmgörfncr Bei liizvS O 16, Kopt- tücKcrsfr.y 3 >»5� IMor ilrpl«l<• ¥erlc» aller auherhalb aus Montage be- findlichen Kollegen der Metall-, industrie. Die Tag««ordnuna wird in der Dersammlung delannlgegeben. _ Mitglied»buch legitimiert. OMT Da» Trscheine.l aller Monteur« wird destimmt erwartet. LsUeMver*****[ voaueralag. den 14 April, abend» r Ahr, tm verband»hause, Clnlea- ft taste 83'S» Branchen Versammlung aller Sollegen an« den Innung»- betrieben Tagesordnung- Bericht banden Verhandlungen Uber den Siahmentarij. Ohne Milglied«buch kein gutritt. Achtung! Velriedsrüke Die B-lrlebsräte- Zeitschrift Nr. 7 ist erschienen und kann gegen Vorlegung der Llgitimationsiarte he» Betriebsrats- obmanne» in unserem Bureau, Zimmer 5, «der nach i Uhr im Zimmer 4 entgegen, genommen werden 5tt{),nnfl! cnÄiofe mm- ökillker uvd volieler vonn»r»«aa, den 14. April, nachm. 2 Ahr, bei Laaser, vouslher Str. 2» «w Versammlung All»»rwerbsi. ltolleae» müssen erscheinen. _ Ortsverwaltnop III Hlttvocb, den 13. April 2, DBr V�tbnur SOPfg. BeünEuTkai�JShdec�aüinff.rDieSXämayffbstvom kleinenCbco'' oder„Die JRasna-J/bst vom lustigen tttpsTputis. Bekanntmachung. (Kirchensteuer I9S7.) Die Berliner Stadtshnode erhebt auf Grund ihre» kirchen- und staalSalifsichtlich genehmigten Be- schlusfe» vom 14. März 1927 für daS Rechnungsjahr 1927(1. April 1927 bis S1. März 1923) von de» kirchensteuerpflichtigen Evangelischen de» Berliner StadtsynodalverbandeS als Kirchensteuer 8 v. Hundert der Einkommensteuer 1986 tmd zwar in der Form von Zuschlägen a) zu der im Einkommensteuerbescheid festgefetzten Einkommensteuer für daS Kalenderjahr 1923 oder für diejenigen vom Kalenderjahre abweichenden Steuerabschnitte, die im Kalenderjahre 1923 ge- endet haben; b) soweit die auf den Arbeitslohn entfallende Ein- kommensteuer nicht veranlagt wird, zu den im Kalenderjahr 1926 gemäst KZ 7V, 73, 74 des Ein« kommensteuergefetzeS einbehaltenen und nach Z 77 vorschriftsmäßig abgeführten oder verwendeten Lohnsteuerbelrägen. Die zu entrichtenden KirchensteuerbetrSg« find in vier gleichen Raten fällig, und zwar für die Nur- lohnsteuerpflichtigen ff. oben unter dj am 15. Mai 1927, IS. August 1927, 1b November 1927 u.1S.Februar1923, für die übrigen Kirchensteuerpflichtigen gleichzeitig mit den Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer am 19. April 1927, 10. Juli 1927, 10. Oktober 1927 und 10. Januar 1928. Kirchensteuerbeträge LiS zu 1 RM einschließlich werden nicht erhoben.» Bei gemischten Ehen wird der evangelische Teil nur von der Hälfte der Einkommensteuer des Ehe- manneS zur Kirchensteuer herangezogen, sofern nicht beide Eheleute selbständig Einkommensteuer ent- richten.' Die Erhebung der Kirchensteuer erkolgt durch di« Reichsfinanzverwaltung. Zahlungen find an die zuständige Finanzkasse zu leisten. Eine Abholung der Kirchensteuer durch Steuer- erbeber findet nicht statt.— Rechtzeitige Zahlung erspart Unkosten und Aerger. Charlottenburg, den 9. April 1927. Der güschäftsführende Ausschuß der Berliner Stadtfynode. D. Lurghart. SprUzpampen «pM zum Reklame- r preis v.tJT M. an l»» Selksl- nhWIii. Pilhnaow. imliudu verkauft HrflSer* Laltum Pimfaknlt, Srlii 0. 21. Alexanderstr. 14 2.1. r.Mtb. iiunritzkrU« Auf Teilzahlung Kinderwagen Kleine Anzahlung! Bequeme Abzahlung S CAMNITZER Schönhauser Allee 82,1 am Hochbahnhof Nordring Nr. 174 ♦44. Jahrgang 2. Beilage ües vorwärts Mittwoch. 1Z. �tpril 1927 Verstaatlichung öes Kredits. Die Ansichten eines Bankfachmanns. „Für den jetzigen Stand der deutschen Volkswirtschaft ist die Feststellung von Bedeutung, daß die P r> v a t b a n k w i r t s ch a f t in den Iahren nach dem für Deutschland unglücklichen Kriegsende versagt hat: denn der reine Profitzweck der Privatbankwirtschaft hat der volkswirtschaftlichen Wohlfahrt nicht entsprochen— es wurde schlechthin auch zu spekulativen und konsumtiven Zwecken, zu Fabrikationen überflüssiger Artikel K r e d i t h i l f e gewährt und das in einer Zeit des wirtschaftlichen Abstiegs und Niedergangs, wo es angebracht gewesen wäre, die Wirtschaft nach dem Zusammenbruch besonders zu stützen.... Es fehlte jede Kapitalfürsorge,, jede Kapitalmarktkontrolle.... Die heutige Volks- Wirtschaft leidet unter einer Desorganisation des Geld- und Kredit- Wesens... Die Verstaatlichung als praktische Notwendigkeit. Diese Worte finden sich nicht etwa in einer sozialistischen Streit- schrift, sondern in einem Buche, das aus der wissenschaftlichen und praktischen Erfahrung eines Bankmannes die Notwendigkeit herleitet, die vollkommen zerfahrene, weil privatkapitalistisch ein- gestellte Kreditpolitik durch eine vollkommenere, gemeinwirt- schaftliche Organisation zu ersetzen. Die Schrift hat einen Mitarbeiter der Deutschen Reichsbank, Dr. Robert Deumer, zum Verfasser.(„Die Verstaatlichung des Kredits", 371 Seiten, Verlag Duncker u. chumblot, München-Leipzig 1926.) Das gibt ihr nach einer Richtung eine besondere Bedeutung. In dem grotzen Apparat des Zentralnoten- und-bankinftituts hat der Verfasser beobachten können. wie sehr K o st e n durch planvolle Vereinfachung des Betriebes g e- spart werden können und wie weit die Organisation des Geld- Verkehrs denkbar ist, ohne die chauptaufgab« einer gemeinwirtschaft- lichen Organisation zu vernachlässigen, die in der möglichst voll- kommenen Versorgung der gesamten Wirtschaft mit Krediten unter dem Gesichtspunkt größter Produktivität der Gesamtwirtschaft besteht. Sozialisierung und Verstaatlichung. Gerade unter Berücksichtigung dieser Tatsachen ist der R a d i k a- l i S m u s auffallend, mit dem Deumer an die gemeinwirtschaftlich« Uniformung de« Kredits herantritt. Wie bei jeder Sozialisterung, so muß man auch bei dieser zwei ganz verschieden« Problemkreise unterscheiden: das Ei.gentumsproblem und die Organi- sationsfrag«. Verstaatlichung bedeutet an und für sich noch keine Sozialisierung, zumal dann nicht, wenn sie lediglich den Zweck verfolgt, dem Staat neue Einnahmequellen zu erschließen. Hinzu- treten muß diejenige Organisation, dl« dem Kunden de» enteigneten Betriebe» dl« höchste Leistung bei niedrigsten Kosten, dem im Betrieb tätigen Arbeiter und Angestellten wirklich soziale Arbeltsverhältnisse und das Recht auf Mitwirkung im Produktions- oder Derteilungs- prozeß gibt. Skaalsmonopol gegen Privalmonopol. Deumer fordert nun rund heraus die Enteignung sämt« licher privaten Banken, um die Verstaatlichung des Kredit- wesens durchführen zu können. Warum? Die Konzentration im Bankwesen ist so fortgeschritten, daß ein privates Monopol mit allen Nachteilen einer auf Profit gestellten Wirtschaft tatsächlich besteht. Di« Umwandlung in ein st a a t l i ch e s Monopol entspricht nur der zwangsläufigen Entwicklung: diese kann die Ueberlassung einer solchen Wirtschaftsmacht an Private nicht mehr dulden, sobald sich daraus für die Allgemeinheit schwere Schäden ergeben, sobald vor allem mit der Verstaatlichung die Voraussetzungen für«ine großzügige Kostensenkung geschaffen werden können. Ausgenommen von der Verstaatlichung sollen nur Geldgeschäfte sein, die entweder zins- oder provisionslos Zustandekommen oder solche, die nur die Stundüng in der Warenbezahlung betreffen. Alle bankmäßigen Geschäfte jedoch, ob sie von Kredit- oder Hypotheken- banken ausgeübt werden, sollen dem Staat übereignet werden. Der Verfasser verweist darauf, wie bei der Schaffung anderer Staats- Monopole— Eisenbahn. Post— die gleichen Beweggründe und die gleichen Ersolgsaussichten vorlagen. Daß Deumer zugleich die Verstaatlichung der kommunalen Spar- und Girokassen verlangt, während er gleichzeitig die ländlichen Kreditgenossenschaften und die Stadtschasten aufrecht- erhalten und nur lose dem System des verstaatlichten Kredits anpassen will, erscheint als abwegig solange, wie noch der kommunale Kredit- bedarf und seine Befriedigung besonderen Gesetzen unterliegen. Zur kechuischeu Durchführung. Zu der Organisation des verstaatlichten Kredits macht Deumer positive Vorschläge, als deren wesentlichste Punkte die folgenden festgehalten seien: Zusammenwirken der gegenwärtigen Bankleiter und der öffentlichen Organe mit der übrigen Wirtschaft, Aufrechterhaltung der bestehenden Firmen unter Beseitigung der unnötigen Filialen, BeteUigung der verantwortlichen Leiter am Ge- winn, Vereinheitlichung des Zahlungsverkehrs, Schaffung von Ein- heitspfandbricfen, Ausweise zur Herbeiführung der öffenllichen Kontrolle usw. Die Verwaltung der staatlichen Betriebe erfolgt nicht auf kameralistischer Grundlage, sondern in Form einer selbständigen Gesellschaft, deren Kapital dem Staat gehört und deren Gewinne diesem zufließen. Eine Zweckschrifk.— Ihre gegenwärtige Bedeutung. Es würde viel zu weit führen, wollte man Deumers Vorschläge im einzelnen kritisch würdigen. Vieles wäre da zu beanstanden, insonderheit die außerordentliche starke Beteiligung der Interessenten an der Bankenaufsicht, während die Mitwirkung der letzten Ver- braucher vernachlässigt zu sein scheint: diese wäre jedoch eine der Bedingungen, die allein es wahrscheinlich machen, daß ein verbilligter Kredit dem Volksganzen und nicht nur der Unternehmerrente der kreditnehmenden Kreise zugute kommt und daß im übrigen bei der Kreditverteilung nicht nur die Interessen des Großbesitzes, sondern auch volkswirtschaflliche Gesichtspunkte beachtet werden. Teilweise mag die Konstruktion des von Deumer entwickelten staatlichen Kreditsystems von Momenten beeinflußt sein, die sich aus der Zielsetzung der Schrift ergeben. Sie war zur Lösung einer Preisaufgabe gedacht. die unter Aufrechterhaltung der individualistischen und kapitallstischen Betriebsweise nur die Beseitigung ihrer Auswüchse und Mißstände im Interesse der National- und Gemeinwirtschaft will(Staatsmutualismus). Hieraus dürfte sich das Streben erklären, in der Verfassung eines verstaatlichten Kreditsystems die gegenwärtig wirkenden Wirtschaftskräfte stärker zu berücksichtigen als es wahrscheinlich im Interesse des lEnderfolges nötig ist. Aber gerade der Umstand ist wichtig, daß Deumer, obwohl er von„Dollsozialisierung" nichts wissen will, die Bankenoer- st ap t l i ch u n g für notwendig, nützlich und volkswirtschaftlich vorteilhaft hält und das mit vielen Einzelheiten zu beweisen vor- mag. Selbst wenn man ihm nicht in allen Punkten seiner Beweis- führung folgen kann und will, bleibt doch die Tatsache übrig, an der weder die Behörden noch die organisierte Arbeiterschaft vorübergehen kann: daß nämlich nach uninteressienem Urteil unser Kredit- wesen unzulänglich ist und durch planmäßige, unter staat- licker Führung durchführbare Vereinfachung verbilligt und ver- bessert werden kann. Das ist der Sinn dieser Schrift, die auch unseren öffentlichen und privaten Bankleitungen zu denken geben sollte. S—«. tveltrvkrtsä'astskonferenz und internationale Kartelle. Eine Denkschrift des Reichsverbandes der Industrie. Ein wichtiger Punkt auf der am 4. Mai in Genf beginnenden Weltwirtschastskonferenz wird die Behandlung der internationalen Kartelle und die Vorsorge sein, die zum Schutz der Verbraucher und der letzten. Konsumenten gegen internationale Monopole auch von der Arbeiterschaft gefordert worden ist. Für den Reichsverband der deutschen Industrie hat Dr. L a m m e r s, der Vorsitzende des Deutschen Enqueteausschusses und Mitglied des Genfer Komitees für Industriefragen, eine Vorarbeit geleistet. Einer von der Kartell. stell« des Reichsverbandcs veröffentlichten Denkschrift über die „Äartellgesetzgebung des Auslands" schickt Lammers eine Einleitung voraus, die wohl als Stellungnahme des Reichsver- bandes der Deutschen Industrie zu den Verhandlungen auf der Weltwirtschaftskonferenz angesehen werden darf und des- halb Beachtung verlangt. Die Diskussion über die internationalen Kartelle sei heute Mode geworden. Sie sei einer der„Hauptgänge in der Speisenfolge einer wirtschaftspolitischen Geistesmahlzeit. Europäische Wirtschaftsver- ständigung und Zollunion bildeten vielfach den mehr oder weniger genießbaren Nachtisch". Nach dieser keineswegs sehr würdigen Kennzeichnung der internationalen Kartellprobleme.ehnt die Denk- schrift es ab, daß die deutsche Industrie ihren zeitlichen und organi- latorischen Vorsprung in der Kartellierung zu einer Wirtschaft- lichen Hegemonie ausnutzen wolle, was der deutschen In- dustrie vielfach unterschoben werde. Deutschland sei zweifellos politisch in der Zukunft im Spiel der Mächte als der schwächere Teil anzusehen, für den ganz besondere Vorsicht geboten sei. Nach dem Beispiel der europäischen Rohstahlgemeinschaft, wo der Kartell- vertrag und der deulsch-sranzösische Handelsvertrag eng ver- koppelt wurden, meldet Lämmer? auch ausdrücklich die Notwendig- keit der Vorsorge auf handelsvcrtraglichem Gebiete an. wo eine Regelung durch internationale Kartelle erfolgen solle. Von deutscher Seite könnten„internationale Kartelle von größerer Be- deutung niemals ohne aufmerksame Prüfung des ganzen Kom- plexes der Handelspolitik und gegebenenfalls nicht ohne ausdrückliche Kautelen für die Ausbalancierung der letzteren ab- geschlossen werden. Die deutschen Stellen werden gewarnt, die ausländischen Stimmen kritiklos zuviel Vertrauen schenken, wo diese Vorzüge der deutschen Jnduftrieorganisation preisen.„Jeder Schmeichler lebt aus Kosten desjenigen, der ihn anhört." Die Quittung über Rcparationskonto dürfte in einem solchen Verhalten nicht ausbleiben. Eine deutlich ablehnende Stellung nimmt die Denk- schrift des Reichsverbandes der Deutschen Industrie auch zur Frage der Kontrolle der internationalen Kartelle und Monopole ein. Die Kontrollfrage, der nicht nur die Arbeiterschaft, sondern auch die verarbeitende Industrie und die bsdi�endsten Autoritäten des Auslandes mit Recht eine entscheidende v"llle beimessen, wird als hoffnungslos bezeichnet,..so lange nicht der solidarische Gedanke der Völker in der staatspolitischen Formung konkrete Ge- stalt angenommen hat". Es ist schon heute wichtig festzustellen, daß sich der Reichsverband der deutschen Industrie damit i n scharfem Gegensatz zu der auch auf der Weltwirtscktafts- konferenz sicher sehr starken Strömung setzt, die ausdrücklich die Organisation einer ausreichenden Kontrolle zum Schutze der Der- braucher der letzten Konsumenten und der Arbeitcrschast will. Noch kürzlich hat das Mitglied der Sorbonne in Paris, Professor Oualid, gerade den Standpunkt der Arbeiterschaft nachdrücklich zu seinem eigenen gem�t. Diese Stellungnahme des ReichsoerbandesZjD?.' Deutschen In- dustrie ist deutlich genug. Wenn deshal�der Reichsverband sagt, daß die durch Kartellierung im Wege vertraglicher Sclbstbe- schränkung erstrebte Sicherung gesunder Produktionsverhältnisse nicht die Produktion zum Endzweck habe(lies Gewinne), sondern die Hebung des Lebensstandards der Menschen im Wege der Ver- billigung des Produktes und damit der Steigerung des Konsums, so wird man mit Recht diese„Zielsetzung" als leere Theorie oder bestenfalls als frommen Wunsch bezeichnen dürfen. Jedenfalls dürfte nach dieser Stilübung feststehen, daß di« Vertreter der deutschen Industrie in Gens zur Frage der inter- nationalen Kartellkontrolle sich absolut ablehnend verhalten werden. Konsumgenoffensthastlicher Jortschritt im Mä-cz. Die Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend berichtet für den Monat März über einen Mitgliedcrzugang von 1555: die Zahl der Mitgliederaufnahmen im laufenden Geschäftsjahr er- höht sich dadurch auf 16 913, der Mitgliederbestand auf 149 146.— Der Märzumsatz beläuft sich aus 3 579 473 Mark, was einer Steigerung gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres um 631 869 Mark oder 21,3 Proz. entspricht. Eine besonders günstige Entwicklung weisen di« Fleischauvgabcstellen mit 72 Proz. und die „Hoffnung-Bekleldungs-Industrie G. m. b. H.(Tochtergesellschaft der Konsum-Genossenschaft Berlin) mit 66 Proz. Umsatzvcrmehrung auf. Das Netz der Flcischabgobestellen wird durch eine am Donners- tag, dem 14. April 1927 erfolgende Neueröffnung in der Grohsied- lung Britz, Fritz-Reuter-Allee 46, erweitert.— Die Sparkasse der K. G. B. vermochte ihren Einlagebestand um 589 346 M. auf 14 574 992 M. zu erhöhen._ Zollkrieg Gesterreich-Tschechoslowakei. Aber ein„halber". Deutschösterreich hat im November vorigen Jahres den Handelsvertrag mit der Tschechoslowakei teilweise gekündigt, weil man der Ansicht war, daß dieser Vertrag allzu ungünstig sei. Mtt dem 15. April treten, da die inzwischen geführten Vorhand- lungen ergebnislos geblieben sind, die„Zusatzabkommen" zu dem Handelsvertrag, entsprechend der Kündigung, außer Kraft: der Handelsvertrag selbst ober, ein Meistbegllnstigungs- vertrag(der außerdem noch Bestimmungen über Niederlassungsrccht usw. enthält) bleibt b estehen, damit auch die Meistbegünstigung. Es kommen also nur die vertraglichen Zoll- bindungen für einzelne Warenpositionen in Fortfall. Weder wird ein eigentlicher Handelskrieg mit Ein- und Ausfuhrverboten, Kampfzöllen usw. ausbrechen, noch wird ein vertragsloser Zustand entstehen wie zwischen Deutschland und Polen. Soweit in D.r» trägen zwischen einem der beiden Länder mit dritten Staaten Ver- tragszölle festgelegt sind, bleiben sie auch jetzt für den tschechisch- österreichischen Handelsverkehr in Gellung. Aber auch dieser„halbe" Zollkrieg bedeutet natürlich eine außer- ordentliche Erschwerung der beiderseitigen Handelsbeziehungen und er wirkt sich auch gegenüber anderen Staaten, beispielsweise gegenüber Deutschland insofern aus, als der Export nach Oesterreich und nach der Tschechoslowakei bei solchen Waren, für die die Ver- tragszölle jetzt weggefallen sind, die höheren autonomen Zölle zu zahlen hat. Weiter ist zu befürchten, daß die d e u t s ch- t s ch e ch i- KsAt-vIeMkrsm VXMHSKMitMMWHMMWWÜiW illlllil'1 III i1 iWllllli Hände in kurzer Zeit rein weih. Wirksam erprobte unschädliche Mittel gegen unschöne Hautfarbe, Sommersprossen, Leberflecke, gelbe Flecke Mll genauer Anweisung in allen Tlilorodont-Verlaufsstellen zu haben. ..Maro" so» wie iiloro- seife bleichen Gesicht und ZUM OSTERFEST sch e n Handelsvertragsserhandlung«», die Anfang April nach längerer Pause wieder aufgenommen wurden, während der Dauer des Zollkrieges nicht vorankommen werden, da die Tschechoslowakei jedenfalls jcjjt keine neuen Zollzugeständnisse, die auf dem Wege der Mcisibcgünstigungsklauscl auch für Oesterreich Geltung erhalten würden, bewilligen will, solange sie eben mit Oesterreich im Handelskriege steht. Do im übrigen der Export der Tschechoslowakei nach Oesterreich vielfach größer ist als der Warenverkehr in umgekehrter Richtung, wird die Tschechoslowakei unter dem Wirtschaftskonslikt jedenfalls mehr zu leiden hoben, als Oesterreich, und sie wird früher oder später wohl zu einem Nachgeben derart bereit sein müssen, daß sie Oesterreich günstigere Zölle gewährt. Das Fortbcstehen der Meist- begünstigungsklausel ist insofern von großem Nutzen, als jetzt auf beiden Seiten keine eigentlichen Kampfmaßnahmen getroffen werden können. Es wird dem Wirtschaftskonflikt ein großer Teil seiner Schärfe genommen. Die Sohlcnoersorgung Berlins im vergangenen Zahre. Obwohl der schlechte Beschäftigungsgrad der Industrie, die Einfuhrsperre für polnische, der Ausfall der englischen Zufuhr während sieben Monaten und der selten milde Winter einen Rückgang des Berliner Kohlen- verbrauch» und eine Erschwerung der Versorgung erwarten ließen, Hot nach den Wirtschaftsberichten des Statistischen Amtes Berlin die Versorgung der Stadt nur eine ganz geringe Berminderung, und zwar um 0,6 Proz., erfahren. Die Verschiebung in der Der- 'orgung Berlins, die durch den Ausfall der englischen und polnisch- oberschlesischen Kohl« mit mehr als SOOOOO Tonnen und durch den Mehrverbrauch von 232 000 Tonnen Steinkohle in der Belieferung Berlins eintrat, ist außerordentlich interessant. Nach den Her- kunftsgebreten der Steinkohle ergab sich folgende Dcrschiebung« Es lieferten l02Z 1926 England....... 16,9 Proz. 9.5 Proz. Westfalen....... 23,1, 30,0, Sachsen....... 0,4, 0,3. Deuisch-Oberschlesien... 42.0, 46.4. Polnisch-Oberschlesien.. 7.5,—, Niederschlesien..... 10,1„ 13,8. Danach haben das Ruhrgebist, Niederschlesien und Deutsch- Oberschlesien in der Hauptsache jene Teile der Berliner Kohlenoer- sorgung an sich gezogen, die früher auf England bzw. Polen ent- fielen. Dabei ist bemerkenswert, daß die Mehrzufuhr vom Ruhr- gebiet weit überwiegend auf dem Wasserwege erfolgte. Während die Bahnzufuhren aus Westfalen gegenüber dem Vorjahre sich nur um 8,4 Proz. erhöhten, stiegen die Schiffszusuhren um nicht weniger als 145 Proz. Insgesamt hat Verlin im vergangenen Jahr« 5,9 Millionen Tonnen Kohl« verbraucht. Ein günstiger Abschluß aus der reichseigenen Industrie. Zu den Jnduftriewerken des Reiches, die von der„Viag" verwaltet werden, gehört auch das Jnnwerk Bayerische Aluminium A.-G. in Tögina(Bayern). Es trägt die Bezeichnung Almniniummerk heute zu Unrecht, da seine Alumimumfabrik ab 1. Januar 1925 an die ebenfalls reichseigene Vereinigte Aluminiumwerke A.-G. über- tragen worden"ist. Das Jnnwerk erhielt dafür 3,2 Mill. Mark Aktien der Vereinigten Aluminiumwerke, die in der Innwerksiilanz unter Beteiligungen erscheinen. Die Aluminiumfabrik ist aber ein wichtiger Käufer für den �om Innwerk erzeugten elektrischen Srrom geblieben. Die Stromerzeugung ist im letzten Jahre von 390,06 aus 464,64 Millionen Kilowattstunden, also um fast zwanzig Prozent g e st e i g e r t worden. In der Gewinnrechnung hat sich der vermehrte Stroniabsatz in der Erhöhung des Betriebsgewinnes von 2,76 auf 3 Millionen' ausgewirkt. Die Beteiligung an den Alumi- niumwerken hat 0,24 Millionen Mark erbracht. Der Betriebsgewinn dürfte aber hoher sein, da die von der Viag aus einer Amerikaanleihe vermittelten Baudarleben von 18,36 aus 17,50 Millionen verringert wurden. Auf der anderen Seite sind die Handlungsunkosten von 0.24 auf OVO Millionen erhöht, die Zuweisung an den Erneue- runzsfonds wurde von 0,56 auf 1,03 Millionen erweitert, so daß nach Zahlung von 1,04 Millionen Zinsen ein von 0,86 a u f 0,90 Millionen erhöhter Reingewinn verbleibt. Daraus wird an den Reichsaktionär auf dos Kapiwl von 13,2 Millionen wie im Vorjahre eine Dividende von 6 Proz. verteilt. tndw. Coeivc& Co. zehn Prozenl Dividende. In der Ludwig Loewe& Co. Aktiengosellschast wurde beschlossen, der Generaloer- sammlung die Verteilung einer Dividende von 10 Proz. auf das Aktienkapital von 15 Millionen M. aus dem mit 1 819 837 M. ausgewiesenen Reingewinn vorzuschlagen. Die Abschreibungen be- tragen 1 290 235 M. Verkäufe Dürtopp.Nähmaschlnrn gkgrn Z-Mart. Wochenraten. Wlostt, Brunnensteahe 1K5, i wischen Zlosenthalervlah und Jnvali- ensiraße._ Norden 1X8.__ ttlavviportwagen, Kinderwagen, Me. tallbetten mit Polsterauflage lk�O, Ruhebetten, Kinderbetten. Aicsenauo- wähl. 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Außerdem gibt es in der Stadt noch ein Kino und zwei oder drei Behörden; aber am Ende jeder Straße ist das Meer und alles andere ist nichts Im Devgleich dazu. Auf dem Strand sind Neste ausgespannt und Boote ruhen sich aus— auf dem Rücken oder auf dem Bauch. Manch- mal rollt eine lange, schcumlose, wie Glas geschliffene Welle heran und verläuft sich zischend im Sand. In der Stadt gibt es ein Museum... Wenn die Griechinnen auf ihre Männer warten und das Abend- essen bereiten, unterhalten sie sich darüber, daß der alte Stawraki, der jetzige Museumsaufscher, und früher einfach ein reicher Mann, daß dieser Stawraki der Enkel eines Schmugglers fei, der sich ein schönes geräumiges Haus gebaut hatte und auf den Tischen und Diwans all die Wunderdinge und Raritäten ausbreitete, die er in fremden Ländern gesammelt hatte. Darunter war auch ein persischer Schal, weiß und rosa wie Rosen im Schnee. Sein Sohn Hadrian hatte schon keinen so anstößigen Beruf mehr. Er lebte in einer großen Sfpdt. in Odessi. Dort hatte er einen Laden, in dem Kanarienvögel und Korallen verkauft wurden. Aber sein Sohn, der auch Hadrian hieß, dachte gar nicht mehr daran, den Laden zu übernehmen. Er verkaufte ihn, richtete einen Obst- bandet ein, aber selber oerkaufen tat er nicht, sondern nahm einen Geschäftsführer. Er selbst fuhr ins Ausland, lebte sehr lange dort, heiratete aber nicht. Dann kehrte er in seine Heimatstadt zurück, setzte das Haus seines Großvaters instand, er schmückte es auch wunderbar aus. Der persische Schal seines Großvaters litt nicht mehr Einsamkeit; er hatte eine ganze Kollektion Kameraden, eben- solche persischen Schals wie er. Außerdem gab es dort Bilder, Statuen, alte Möbel, Sp'tzen und Minerale. So lebte der junge Stawraki bis er alt wurde. Aber dann kam die Revolution. Das Haus des Hadrian Stawraki wurde in ein Museum um- gewandelt und sein früherer Besitzer zum Aufseher gemacht. Als Wohnung wurde ihm ein Eckzimmer zugewiesen, in dem früher ein« große weiße Statue lebte, die ein nacktes Mädchen mit einem Spiegel darstellte. 2. Es ist Sonntag und im Museum sind besonders viel Besucher. Die Tochter der Krämerin Diamando ist schon ganz außer Atem. Sie muß nämlich Eintrittskarten verkaufen und den Besuchern Schinne, Stöcke und sogar Pfeifen abnehmen.. Die letzte Lorschrift wird besonders streng befolgt seit dem Vorfall mit dem Fischer iEb'ist', der vor dem Bild des italienischen Malers Eonaletto stehen- blieb und ausrief: Ein schauderhaftes Boot! Lerflucht will ich fein, wenn man darin gegen den Wind rudern kann! Und dabei stieß er mit feiner Pfeife so stLrk gegen die alte Lein- wand, daß auf der zarten Oberfläche des Meeres ein Loch entstand. Worauf der Vorsitzende des„Fifcherburcaus", ein junger russischer Bursche Pavel Sujew. ihm vorwurfsvoll sagte: „Genosse Christo, wir hielten Sie für einen bewußten Menschen, aber Sie haben das Gegenteil bewiesen. Ist es denn überhaupt denkbar, einen Gegenstand der Kunst auch nur mit dem Finger zu berühren? Auf keinen Fall!" Die Arbeiterin Dorotschka Reußmann, braungebrannt, stürmisch, eine begeisterte Sportlerin, die auf dem internationalen Weit- schwimmen alle Rekord« geschlagen hat, steht vor einem Gemälde, das eine Spanierin darstellt, in einem steisen Kleid, mit perlen- geschmückten Haaren, und erklärt ihren Freundinnen: „Denkt euch doch nur. wie das war, wenn sie sich alle zwei Stunden ihr Haar machten und sich nie richtig wuschen. Und das Kleid... Natürlich haben sie wie Parasiten gelebt. Aber... sie blickt in das Gesicht, sieht darin ein leises Lächeln und fügt fast flüsternd hinzu,— aber sie ist doch sehr schön. Da geht der alte Stawraki vorbei und Dorotschka Reußmann verstummt. An einer anderen Wand steht ein Pionier'! vor dem Abguß des David von Michelangelo. Er steht breitbeinig da, die Arme auf dem Rücken verschränkt. Seine Mütze ist in den Nacken geschoben, seine rote Krawatte ist fest über der Brust verknotet. Schließlich knipst er mit den Fingern und ruft aus:„Ein begabter Alter!" „Wer?" fragt streng Stawraki, der seinen Ohren nicht traut. Aber der Pionier ist nicht so leicht einzuschüchtern wie die Arbeiterin Dorotschka Reußmann. „Na, Michelangelo, natürlich," antwortet er.„Was doch der Bursche für einen Bizeps hat. Und die Beine! Ja, Guissen Sie, der würde bei einem Wettrennen jeden Rekord schlagen, auf jeder Strecke, sogar wenn er Vorsprung gibt." Z. Der einäugige Afanassij, jetzt Museumswächter und gleichzeitig Köchin, Waschfrau und Zimmermädchen des allen Stawraki, bringt auf einem kleinen Tablett das Abendbrot: dicke Sahne in einer flachen Steingutschale, Gebäck, Butter und Wabenhonig auf einem Weinblatt. Ein köstliches Abcndinahl, das auch ein Grieche der Antike nicht ablehnen würde. Außerdem bringt Afanossij noch einige Briefe, den gestempelten Fang, den das Meer des Lebens heute auf den Schreibtisch des allen Stawraki angeschwemmt hat. Stawraki schraubt den Docht der Petroleumlampe tiefer, ver- zehrt langsam sein Mahl und überfliegt die erhaltenen Briefe. Sie sind uninteressant. Zwei, drei von seinen Kollegen. Einer von der Zentralbehörde, eigenllich kein Brief, sondern eine offizielle Berord- nung über die Ausfüllung von Fragebogen durch die Besucher(ein Formular ist beigelegt). Der Alle lächelt ironisch und legt die offi- zielle Verordnung beiselle. Und hier endlich ein richtiger Brief. Auf einem gewöhnl'chen Kuvert ist mit blassen, ausdruckslosen Buchstaben die Adresse geschrieben. Cr öffnet den Brief und liest:„Lieber, teurer Onkel!"— Er hält inne und blickt auf die Lampe; Onkel, ja wessen Onkel ist er denn? Und dann fällt es ihm ein. Ja, in der Tat, er hatte eine Nichte, sie hieß Aglaja. Soviel er sich erinnern Mitglied des Verbandes der 14- bis ISjährigen Kinder. lonirte, war mit ihr irgend etwas nicht ganz In Ordnung. Ach ja: sie hatte einen Kommunisten geheiratet. Nun, was will sie denn von ihm. diese Aglaja, mit dem Profil der byzantinischen Kaiserin Theodora. Sie kränkelt, schreibt sie. Ihr Mann ist in die tatarische Republik geschickt worden, um dort Genossenschaften zu gründen, und sie und die Kinder müssen unbedingt ans Meer. Und da fiel ihr d«r liebe, teure Onkel ein, und sie hofft, daß er ihr die Gastfreund- fchaft nicht verweigern werde. Stawraki überlegt sehr lange. Einerseits wird das natürlich mit vielen Umständlichkeiten verbunden fein, aber andererseits war Aglaja als Kind so drollig und entzückend. Sie liebte Früchte und Märchen. Einmal, als sie eine Kokosnuß sah, fragte sie: „Wenn das ein Ball ist, warum springt er nicht, und wenn es ein 2lffe ist, warum hat er keinen Schwanz?" Hadrian Hadrianowitsch weckt Afanassij, der in einem Kammer- chen unter der Treppe schläft, in das das Mondlicht wie ein Dolch durch das schmale Fenster dringt. Er gibt ihm einen Zettel, Geld und sagt: „Das bringst du morgen auf das Telegraphenamt." Und schon im Fortgehen fügt er hinzu:„Und bringst das Zimmer, wo die alten Rahmen stehen, in Ordnung." sSchlnß folgt.) die Entlassenen. o. S e u d e l l:„Man kann mir doch unmöglich die Zusammenarbeit mit llniergebenen zumuten, die 1S20 über ihre Eidespflichlen besser- orientierl waren, als ich. ihr jehigcr Minister!" Kleine Tragsöie im H�elchtssaal. Don R e a r. Bor dem Richter steht ein junger Arbeiter. Knapp 18 Jahr« mag er alt sein. Er steht bleich und scheu hinter den Schranken, die so unangenehm an einen Käfig gemahnen, nur daß man dort Menschen hineinsperrt. Der Zuschauerraum ist wie immer besetzt, denn ez finden sich merkwürdiger Weise stets Leute, die ohne ein amtliches oder berufliches Interesse ihre Neugier und Sensationslust dadurch befriedigen, daß sie zusehen, wie einer ihrer Mitmenschen in den Maschen der Justiz zappelt und kunstgerecht erlegt wird. Es kostet ja nichts, man schlägt billig die Zeit tot und hat es im Winter noch obendrein warm. Die Justizwachtmeister sitzen schläfrig an ihrem kleinen Tischchen. Die find abgebrüht und sehen gleichgültig aus, sie haben das alles ja schon so oft erlebt. Der Angeklagte ist ein richtiger Prolet. Er hat es nicht gelernt, Verbeugungen zu machen, er kann nicht gewählte Ausdrücke gebrauchen, er redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und durch seine Worte klingt ein geheimer Groll. Der Richter aber ist ein würdiger Herr mit Schmissen im Gesicht und beseell von der nötigen amtlichen Entrüstung. Sicher hat er nie in seinem Leben mit einem Arbeiter an einem Tisch gesessen und seine Sprache und Lebensweise ist ihm fremd wie die der Hottentotten. Sein Gesicht ist gerötet von innerer Wut und seine Stimme ist scharf und hart, wie die eines erbar- mungslofen Feindes Der Angeklagte hat keinen Verteidiger und ist also hilflos dieser ihm unverständlichen Maschine ausgeliefert, die eben zu laufen beginnt. Die Beweisaufnahme nimmt ihren An- fang. Ein paar Zeugen, biedere Leute, werden vernommen. Das Auge des Gesetzes in Gestalt eines uniformierten Schutzpolizisten erscheint vor dem Zeugentlsch. Mechanisch nimmt der Richter die Eide ab, in denen Göll zum Zeugen gegen ein armseliges Menschen. find aufgerufen wird. Der Staatsanwalt sitzt unbeteiligt an seinem Platz und arbeitet in seinen Akten. Und nachdem alle Zeugen aus- gesagt haben, wissen wir alle im Saal, was der Angeklagte aus- gefressen hat. Er ist ein Maurer und an einem heißen Augusttag hat er sich auf dem Bau ein bißchen stark unter Alkohol gesetzt. Das war gewiß nicht schön von ihm, aber er ist ja noch ein blut- junges Kerlchen, und es war sehr heiß an jenem unseligen Tage. Als es Feierabend war und der junge Bursche schon einen ziemlichen sitzen hatte, kam der Polier und gebot ihm, die Arbeitsstätte j)u ver- lassen. Er aber weigerte sich ixssen, es gefiel ihm in seinen, jugend- lichen Uebermut, den Polier zu ärgern und er blieb. Schließlich holte der Polier die Polizei. Und alsbalo erschien ein handfester Schutzmann, der dasür zu sorgen hat, daß alles seinen geregelten Gang geht und die heilige Ordnung nicht gestört wird. Der jung«, angetrunkene Maurer aber kümmerte sich nicht darum, der Alkohol machte ihn vergessen, daß es gefährlich ist, gegen den Stachel zu lecken. Cr pflaumte den Beamten an, wobei er vergaß, daß amtliche fersvnen niemals Spaß verstehen, weil sonst der Staat aus den ugen gehen würde. Und als das Auge des Gesetzes bös« wurde, gab e» einen Wortwechsel, bei dem der Junge seinem Groll Luft macht« und seiner Meinung etwas deutlich Ausdruck gab. Wobei er wiederum vergaß, daß eine amtliche Person sehr empfindlich gegen- über deutlich geäußerten Meinungen ist. Schließlich packte der Schutzmann den Delinquenten derb am Kragen, was der vcrständ- licherweifs als unnötig empfand und wogegen er sich nach Kräften wehrte. Abermals aber vergaß er, daß der Staat von feinen Bllr« gern verlangt, daß der, den er einmal in feinen Klauen hält, mucks». mäuschenstill sich in fein Schicksal ergibt. Und so hatte der vom beklage öes vorwärts ?Ilkohol Beseligte, als er auf der Wachs ankam, bereits gegen diverse Paragraphen der heiligen Ordnung oerstoßen. Das olles wurde in der Verhandlung aufgerollt. Nur von dem Katzenjammer, den der Ucbeltäter am Tage nach der Tat aller Wahrscheinlichkeit nach verspürt hat, wurde nicht gesprochen. Das Gesicht des Richters hatte sich während der Aussagen der Zeugen womöglich noch mehr versinstert und schließlich schnauzte er den Angeklagten an, wie ein preußischer Feldwebel seine Rekruten. Er stoß geradezu über vor sittlicher Eni- rüstung. Wie konnte so ein Lausejunge es wagen, einen Beamten, einen Vertreter der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung an- zugreifen! Seine Seele erbebte wie der Busen einer beleidigten Jungfrau bei dem Gedanken, daß durch diese Tat auch seine Ruhe, die Sicherheit eines fteuerzahlenden Bürgers gefährdet ward. Der Zlngeklagte machte in seiner Hilflosigkeit ein trotziges Gesicht und alles, was er ungeschickt sagte, erboste den Mann am Richtertisch, dessen Aufgabe ist zu richten über feine Mitmenschen. Und als der Richter sich mit txn zwei Schöffen zur Beratung zurückzog, wußten wir alle, daß es ein hartes Urteil geben würde, weil hier nicht ein gütiger Richter seines Amtes waltete, sondern ein verärgerter Spicher, dem die Seele eines jungen'Arbeiters fremd und rätselhaft ist. Und wir wunderten uns gar nicht, als wir hörten, daß man den jungen, bisher imbcscholtencn Burschen wegen einer jugendlichen Unbesonnenheit ins Gefängnis schickte, wo er bestimmt nicht besser wird. Und als ich den Gerichtssaal verlieh, mußte ich daran denken, wie anders die Sache ausgegangen wäre, wenn etwa ein Student wegen ähnlicher Vergehen vor dem Richter gestanden hätte. Und ich dachte daran, wie oft Ich während meiner Studentenzeit beob- achtet hotte, daß betrunkene Kommilitonen noch vis! tollere Dinge getrieben hatten und kein Hahn hatte danach gekräht. Vor dem Gerichtsgebäude betrachtet man dann nachdenklich das Denkmal der Gerechtigkeit, diese imposante Dame mit den verbundenen'Äugen. Und während man in die Elektrische steigt, denkt man mit etwas bitterem Lächeln:„Wie symbolisch, daß sie blind ist!" S!umenzucht an öer Riviera. Aller Kamps im Leben des Menschen gilt wohl hauptsächlich der Befriedigung der beiden größten Bedürfnisse: des nach Rah- rung und de- nach Liebe. Die Notwendigkeit der Nabrungs beschassung ist es auch sicherlich gewesen, die oftmals den Grund- stein zu irgendeiner Industrie gelegt hat. Jedoch beginnt die. deren Entstehungsgeschichte hier geschildert werden soll, mit einem Roman. Hätte nicht ein armer französischer Weinbauer gewagt, um die Hand eines oermögenden Mädchens zu werben, ständen heute vielleicht nicht in Grass e") große Destillerien. Kein blumenbeladener Zug würde Frankreich verlassen, um nach allen größeren Städten Euro- pas lieblich duftende Veilchen oder Narzissen, goldene Mimosen usw. zu bringen. Nicht zu vergessen, die materielle Seite, Frankreich wäre um Millionen Franken ärmer. Vor ungefähr 100 Jahren wurde Parfüm ausschließlich in Doris hergestellt, und zwar aus Blumen, die man eigens zu diesem Zwecke aus Italien importierte. Der Süden Frankreichs war zu dieser Zeit zum größten Teil mit Wein und Oliven bebaut. In der Nachbarschaft von G'-asse loa da- Besitztum eines Landjunkcrs de Mirepoix. Er war einzig und allein durch die Person seines Verwalters bekannt, denn dieser Bapiiste de Sonne bürdete den kleinen Weinbauern soviel Steuern wie nur irgend möglich auf. Kamen dann diese mit Beschwerden zu ihm, lo war er es, der de Mirepoix dafür veraniwortlich machte. Das Geld aber wanderte in feine eigens Tasche. Dann kam die Revolution und brachte Der- önderungen, wie sie eben Revolutionen zu bringen pfle---,,. De Mirepoix starb, seine Wttwe floh nach Deutschland. Baptiste de Sorme ließ das Besitztum seines ehemaliaen Herrn in fein Eigentum über- gehen. Baptiste de Sorme aber hatte eine Tochter Mary, für diese hielt er eifrig Umschau nach einem reichen Freier. Seine Wahl siel auf einen sehr vermögenden Gutsherrn, der allerdings schon kl! Jahre alt war und außerdem schielte und lahmt«. Seine Tochter hatte bereits anderes mit sich beschlossen. Sie wünschte Lescant, einen sungen armen Farmer, zu heiraten, der einen kleinen Wein- berg und fünf Kühe sein eigen nannte. Als sie dem Vater ihre Heiratspläne mitteilte, halte er nur ein Lachen dafür und sagte: „Gewiß, wenn er mit 2t> 000 Fronken zu mir kommt, habe ich gegen eine Heirat nichts einzuwenden." Mary erzählte ihrem Liebsten, was der Vater gesagt hatte, als sie gerode beieinander in Lcscants Garten standen, in dem zur selben Zeit die Provencerosen in üppioller Fülle blühten. Lescant antwortete ihr, während er auf die Blumen deutete:„Wenn ich diese Blumen in Gold verwandeln könnte, würde es mir nicht schwer sollen, 20 000 Franken zu be- schaffen." Am anderen Tage stand Lescant in seinem Garten und riß sämtliche Weinstöcke und Oliven aus, dann begann er Veilchen und Narzissen zu pflanzen. Nachbarn, die ihm bei dieser Arbeit zuschauten, glaubten, er sei verrückt, denn sie hielten es für un- möglich, daß er Abnehmer für seine Blumen finden würde. Jedoch die Parfümeriesabriken in Baris kauften ibm seine Blumen ab und baten um größere Lieferunge». Jährlich kaufte Lescant mehr und mehr Land, das er nur mit Blumen bebaute, denn er konnte die große Nachfrage nach diesen kaum befriedigen. Als die Nachbarn sahen, wie gut sein Unternehmen gedieh folgten sie seinem Bcisviel und pflanzten ebenfalls Blumen. Die Blumen- zncht erwies sich als ein bedeutend einträglicheres Geschäft als der Weinbau. Lescant heiratete seine Mary, ihre Nochkommen aber pflanzen sicherlich noch heutzutage Blirmen In Graste. Aussterbende Tiere. Zu der Nachricht, daß der Storch im Aus- sterben begriffen ist, wird uns geschrieben: Die Oessentlichkeit be- schäftigt sich viel zu wenig mit der Tatsache, daß die Tierwelt Europas aufs ärgste gefährdet ist. Hin und wieder hört man davon, daß der Sorch ausstirbt. Auch von der Schwalbe wird mit Recht berichtet, daß sie vam Untergang bedroht ist. Aber damit ist die Anzahl der Tierarten, die geschützt werden müssen, wenn sie nicht völlig aussterben sollen, noch lange nicht erschöpft. Schon seit Jahren wird festgestellt, daß eine Anzahl der schönsten Dögcl, w-e Fischreiher, Birkhuhn, Kiebitz und Strandläuser, sich in erschrecken- der Welse vermindern. Auch der Eisvogel, und sogar die bisher häufige Wachtel haben in den letzten Jahre» erheblich abgenommen, so daß das allmähliche Verschwinden dieser Vögel zu befürchten ist, wenn nicht eifrige Schutzmaßnahmen getroffen werden. Sowie eine Vogelsorte sich nicht vermehrt, ist sie gefährdet. Sogar vom Adler ist zu berichten, daß er allem Anschein nach sich vermindert, ohne daß allerdings eine Ursache dasür einzusehen ist. Das gleiche gilt für die Birkhühner. Von Tieren, die fast völlig verschwunden sind, ist in erster Reihe die Wildkatze zu nennen, deren Austreten in den deutschen Wäldern heute bereits eine große Seltenheit ist. Nicht so schlimm verhall es sich mit dem Marder. Aber sowohl der Edel- als auch der Baummarder ist nicht mehr so häusig anzutreffen wie in früheren Zeiten, und es ist sehr vernünstig, daß in manchen Pro- vinzen die Jagd auf Wildkatze und Marder überhaupt verboten ist. Noch vor einigen Jahrzehnten hätte man es nicht für möglich gehalten, daß der Dachs und die Otter bei uns jemals seltene Tier« werden würden. Aber schon im Kriege und insbesondere in den ersten Jahren nach dem Kriege sind diele Tier« in vielen Gegenden Deutschlands fast völlig verschwunden, während sie in anderen sellen geworden sind, auch wenn sie früher zu den häufigsten Wildarteu gehörten. Um diese Schädigung unseres Wilbbestandes zu vertun- dem, sind einheitliche und systematische Maßnahmen notwendig, durch die ein geordneter Tierschutz gewährleistet ist. ') Stadt in der Provence. Einlendungen für biefc Rubrik sind Bcriia SW 68, Lindenstrahe 3, Parteinachrichten für Groß-Serlin flct» an da» Sejirfsfefretociat Z. Hol, 1 Step, recht»,»» richten. Die Funktionäre werden ersuchf, heute In den INitgllederver. Sammlungen und Zahlabenden aus die am Donnerstag abend in der«Neuen Welt" slattjindende öffentliche Kundgebung hinzuweisen und dafür Sorge zu tragen, dafj die Kundgebung zahlreich besucht wird. * r. ftrci» Tirrgarirn. Sannctsinfl, 14. ffptil, 8 Uhr, b«l Scümpet, Firn». burger 6tc. 3, Sitzung de» engeren M-i-siomitees. heute, Mittwoch, den tZ. April: S.«dt. TA Uhr im Rsfenth-Ier Hof, Rosenthaler Str. 11-1Z,»iitgNeder. Versammlung. Dortrag:„Wohnungsbau und Sozialdemokratie." Referent Ernst Rüben. IZ. Abt. TA Uhr ffahlobenbe bei Hoffmann, Ltralauer Allee IT; Wagner, Stralauer Allee 31; Kienitz, SiMon-Dach-Str. 24. «5.«bt. Tempelhof. T\ Uhr Zahlabende. 1. Bezirk: Vehr, Borussiastr. T«. 3., 4. Bezirk: Lokal„Zur Linde", Werder-, Ecke Friedrich-Karl-Stratze. Dortraa:„Wehrmacht und Sozialdemokratie." Referent Erich Fraeniel. 8. Bezirk: Lokal Lange, Ringbahnstr. 4. 7. Bezirk: Happeldt, Äottlieb, Dunckel-, Ecke Germaniasiratze. Bericht vom Bezirksparteitag. tz«. Abt. Adlershof. Die für heute angefetzte Mitgliederversammlung mutz umstiindehalber ausfallen. Weitere Einladungen erfolgen noch. 118.«bt. Lichtenberg. TA Uhr Zahlabend im 1. Bezirk bei Sonell, Jung-, Ecke Scharnweberstraße. ttl. Abt.«arlshorst.?>„ Uhr im Lokal„Deutsches Haus", Stolzenfelsstratze, Mitgliederversammlung. Dortrag:.JZndienfahrt." Referent Senosse Furt» wÄngler.«äste mid Freunde der Bewegung sind eingeladen. 04. Abt. Mahl-dorf. 8 Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen� Bericht vom tgliederversammlung. Dortcag:.Lndienfahrt. Referent Der ngler. Mäste imd Freunde der Bewegung sind eingeladen. . t. Mahl-dorf. 8 Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen. B Bezirksparteitag. Ausgabe der Billett» und Plakate zur Maifeier. Er» scheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Abt. Buchhol,. IVA Uhr Zahlabend bei Rossack, Hanptstr. 71. Bericht vom 138. Abt. Reinickendorf-Vst. Tttz Uhr Zahlabende. 1. Bis 8. Bezirk: Baracke Lindauer Straße. 7. bi» 10. Bezirk: Steinbach, Schillerpromenade 48. 183. «bt. 11. bi» 14. Bezirk: Spindler, See-, Ecke Hansastraße. 18., 16. Bezirk: Neumann, Provinzstraße, Ecke Pankower Allee. 17. bi, 21. Bezirk: Brück- ner, Frühling-, Ecke Provinzstraße. 146a Wittenau. 8 Uhr im Lokal Schulz, am Bahnhof. Mitgliederve». sammlung. Dortrag:„Das Konkordat." Referent Kurt Romminger. De» richt von Bezirksparteitag. Berichterstatter Willg Boges. Derschiedenes. Morgen, Donnerstag, den 14. April: ». Abt. TA Uhr bei Hübner, Wilsnacker Str. 34, wichtige FunktionZrsitzung. Bericht vom Bezirkstag. Die Bezirksfllhrer rechnen dortfelbst ab, refp. leisten Akontozahlungen und nehmen die Maimarien in Empfang. >bt. 124» Mahlsdorf-Süd. 8 Uhr bei Dietz, Uhlandstr. 18, wichtige Funktionär- sttzung. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-Verlia. Achtung! Die Helferschule am Donnerstag, 14. April, fällt aus. Keei» Tiergarten: Treffpunkt zur Gruppeuwanderung am Freitag, 1.3. April, morgens 6 Uhr, am Ufa-Theater, Turm-, Ecke Stromstraße. Fahrt bis Kauls- dorf, Wanderung zum Heidesee. Nur 30 Pf. Fahrgeld mitbringen. | Sterbetafel üer Groß-Serliner parteiaGrga?isation 11. Abt. Unsere Genossin Wilhelmine D o l d t, Tile-Wardenberg-Str. 28, ist am Sonnabend verstorben. Beerdiauna am Donnerstag, 14. April, nach- mittags 1 Uhr, auf dem Iohannis-ttirchhof, Plötzensee. Um rege Beteiligung wird gebeten. Sozialistische firbeiteriugenü Groß-Serlin. Liefert die Berichtsbogen für da« 1. Quartal ab! Abrechuung der Beiträge, Ausgabe des„Jugend voran" und der„Arberter- Jugend" heute, Mittwoch, von S bis 7 Uhr. Zcltscheinanmeldungen können vorgenommen werden(1/—). heute, Mittwoch. 7% Ahr: Acfnnfcbrnnncn; Schule Gotenburger Str. 2: Einfilhrungsabenb.— »edbing: Zugeiidßeim Luxemburger, Ecke Genter �Etraße:� Einsilhriin�sabend. Mitgliederoersammlung.— Friebrichshoin: Jugendheim Diestelmeyer Str. Z: F-Hrtenbesprechung.— Rosenthaler Dorstadt: Jugendheim Gipsstr. 23»: Osler- sahrtbesprechung.— warschauer Viertel: Jugendheim Tilsiter Str. 13: Ein- silhrungsadend.— Reichenberaer viertel: Jugendheim Reichenberger Str. 66: ..Eelebnisse au, der Jugend der SAI."— Südwest: Jugendheim Bezirksamt Kreuzberg:„Demokratie oder Diktatur?"— Spandau:?l,oendhe>m Lindenuser 1, Z. 8; Vorbereitung zur Osteelahrt.— lempelhof-Raeiendorf: Lvzeum, Ger- maniaste. 4- 6: Iugendtag und Ostersahrt."— Friedrichshagen: Jugendheim Scharnweberstr. 8»: Osterfahrtbesprechuna.— Friedeichsfeld«! Schloß-, Ecke Berliner Straße:„Was ist Kavitalismns?"— Kaulsdorf: Schule Adolfstraße: lll-Minuten-Referate.— Ren. Lichtenberg: Lyzeum, Brinz-Albert-Straße: Mit- gliederverfammlung und Bortrag:„Unser Wandern." »4. Abt. bürg. Karfreitag, 15. April, Besichtigung de« Großkraftwerkes Rummels- Treffpunkt vormittag» 9 Uhr Eomeniusplatz. Zungsozialisten. Achtung! Die Arbeitspläne fllr Mai sind unverzüglich an Ben Genoffen Bruno Neumann, Berlin SO. 33, Dörlitzer Str. 72, zu senden. Kottbuffee Tor: Treffpunkt zur Harzfahrt morgen, Donnerstag, abend» 16 Uhr pünktlich Koiiduffer Tor— Britz: Treffpunkt zur Osterfohrt morgen, Donnerstag, nachmittags pünktlich 8.26 Uhr Zahn-, Ecke Rudower Straße. Zehlendorf: Alle Iugendgenoflen»und-genossinnen beteiligen sich an der Beerdigung der Genossin Ella Spielhaaen morgen, Donnerstag, nachmittag, 2 Uhr, auf dem Friedhof Spanbauer Straße. Weebebezirk Teltowkanal: Ostertreffen in Groß-SchSnebeck. Treffpunkte Donnerotag abend 8 Uhr, Freitag früh 8 Uhr, Sonnabend abend 8 Uhr und >416 Uhr Stettlner Borortbahnhol. Genoffen, die nicht angemeldet sind, nehmen Rückfohrkarten. Fahnen und Musikinstrumente mitbringen. „staatl. Fachlnaen" ist eines der besten Mittel zur Erhaltung her Sefunb- heit, namentlich bei Leuten mit sitzender Lebensweise und zu reichlicher Er- nährung. Fachinaen verjüngt gleichsam den Körper, indem e» die Grundlage zu neuer Lebenskraft schafft.___ »effrrberlchf»et«ffenfsithrn Tveklerdlmststelle für Bfrsin und Umgegend. (Rachdr.»erb.). Wichfeind bewölkt mit Niederfchlägen in Schauern. Kühl und mäßige südwestliche Winde.- Für velllschlaiid: Ueberall unbeständig und ziemlich kühl. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.SchwarzRot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Sebasiianstr. 37/38, Hof 2 Tc. Donnerstag, 14. April. Friebrichshoin: Radfahrerabteilung: Oster. fahrtbesprechung 8 Uhr bei Rosti», Memeler. Ecke Pillau.'r Stratz-. Weitere Pressebenachrichtigung erfolgt nicht. Wilmersdorf: Achtung l Kamerad» fchaft West(Grunewald-Halenfee) 8>,� Uhr bei Sandmann, Westfälische Str. 4... Kameradschaftsversammliing. Wahl des Kameradschaftsiührer.— srellag. 18. April. Prenzlauer Berg: Kameradschaft»Arnswalder Platz 8 Uhr Werneuche. ner Schloß Versammluiiz. Kamerodsckiaft Humannplatz 8 Uhr BersammlunE bei Pohst, Lychener. Ecke Stargarder Straße.- Bernau: Dorm, v Uhr Rad» fahrer. Fahrt in Richtung Freienwalde a. d. 0. Wildau: Berf amml'tng der Dubian. Restaurant„Zum grünen Baum".--»reuzberg: Do., d. 14.. 6� Uhr. müssen alle erwachsenen Kameraden zum Saalschutz vor der„Reuen JBclr, Hasenheide, sein. Der Badeabend fällt nicht aus.— Reukolln-Britz:-0., d. 14., Vi? Uhr, zum Saalschutz„Neue Welt". Der»inderchor de» Berliner Bollschor,(Mitgl. d. DA«».) übt leden Donnerstag naäfmittag von 5� bis 7� Uhr im Andreas»N e«ngvmnasium, Koppenftr. 76. Mitgliedsbeitrag wöchentlich 5 Pf. Kinder von Erwerbslose frei. Aufnahme von Edjulkindern jeden Alters ebenda.», Der Männcrchor Harmonie Charlottenburg lMitgl. d. DASB.) rickitet filv die schulentlassenen Mitglieder seiner Kinderabteilung noch eine Zu gen o» abt eilung ein, der ssch Mädchen und Knaben im Alter von 14 fahren an aufwärts noch anschließen können. Meldungen sind zu richten an EMuiz, 51irchstr. 33—34.— Am 1. O st e r f e i e r t a g, nachmittags 4 Uhr, veranstaltet der Kinder- und Männer6)or im großen Scale des Etablissements„Zum span« dauer Berg" ein Konzert. Eintritt 30 Pf. Jugendliche frei! German- �nvli5n-8i»cjel>. Donnerstag 8 Ug Eai6 Leon, Nollendorw ay. Vortrag des Herrn P. McDonald- Dublin, in englischer Sprache über das Thema: „lrdand of to-dayu. Gäste willkommen. yjOfimul memammm bilden nU Gitnze« ela■••«tbebrUrb»« Ter- kebrnaltlH. Moll»,»«TTrlk»»!» und■p*r- »»» In» Bekriebo■•i«, d»nm d«rf«•«iir u»lt i•nlklMilfBB BAlfM«BAgtrftAlBl werden. (pnfineiihl Reifen utoffäfe' töic« vs? Frillsllnil kommt u. Stipc* -- Gordercbe mus» erneuert werden! Kommen Siexn mir. Eine Fülle ««liöner Neuhel* ftenisftSMp Sic bereit�est« SIR_ föy«; esSfSf-�Sv Süri« Volks büh ne Iktilit in SOlovplitl »Uhr: Cewllier Ober Gollland Morgen 7',, Uhr; Faust. id. in Sdiflkuwlinn I Uhr Tragödie der Liebe. 1 Komische Oper! Allobendllch 6'/« Uhr: fünden der Weit Di« weltstfidtische 1 James- Klein» Revuel 1 250 Mlivlrkeade, Theaterk l | ab 10 Uhr ununterbr. geCffnei.l Wallner-Theater S'l, Uhr Der Operettenerf»lg 8', Uhr ECüsse � Nacht — ERIK CHARELL BRlKCkl—| Oe««1*- \5.uV,et -72""e/e, jUlredüraini. Camilla Splri: Tägi. 8 Uhr Könnt» neebm. B ühi ■ ngrktrnt so halbe» Frelstra «rooaea flipVicaspt«llic«o Staits-TMr Opsrohan» n. Platt a.Ropahl. 8 U.; Royal Palaee Meister Pedros Pnppensplel Schauspielhau« SU.rBia boaserer Herr Schiller« Theater I; Prlnt Friedrich r. Homburg MW! tz!l Charlettenburg VI, Uhn Carmen Abonn.- Turnus 1. Norden 10334—37 SU. Ende 11 U. Der Arzt am Sdieldeweö ühstücken Kammerspiele Norden 10334—37 8 Uhr Lockvögel Die- Komödie Sismarc» 2414. 751f 8 Uhr, Ende 10'/, U. Mannequins Nacht vorsl eil unj Täglich 11 Uhr; üem; Was Sie wollen Preise 2, 3, 4 u. 3 M. Tbeit.(.Nilltiihirlpi. Kurfürst 2001 8 Uhr: Ei4>pjn!t Drei arme kleine Mädels flptrwfie m Weiter Rilto Trlanoo-Tneattr Max Adalbert 8 Uhr In Znh. 2391 „JHIIlera" Stg. S'/fnchm.l-ftM, In Ujlbtrt ii. HIuHnh" IiHnkort-Üiiiu Ots. K!lastlcr-Th. LetrteVerstelluag Oennersfag 8 Uhr Oer Zarewl'sch tidirj lnl». tlti C>n Lcielng-Thcater 8 U.: Der Patriot ItMN. lltck» K—- Vlennesmn�hgüUiS�.-� Morgenmahlzeit, v ittages abhang- Bsa» einmal eine Woche lang P» Ptg.» �__ � CASINO-THEATER 8 Uhr: Nur noch bis 14. April t Familie Habenichts I Ab 16. April: Eine neae Itullite Poifc. Gutschein: Faut 1 Mk_ Sessel 1,30 Mk. Reichshallen«Theater AIlib»ndlleh8U Snitin nachm. 3 Uhr. Stettiner Sänger Dts wMtaolltÄpril-Frngrairal Nachmittags: Hat HC iiwe ' Preise, 1e« Programm attnholf» Brelt'i i BaamblSte, Varletd, Iserert u. Teat. Pbllliarutoiile 8 Uhr: BB8tllB?8D-ZykllB d.Phllharmon.Orch. SirifDl Dr. Kurt Singer anlir otfillijer him:r««z de» BerUEcr aenic-ctor» sei.: B.r»iz'p.P.lhtetz, Dr.C. Sngstid. Hbb. id*i. besonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im „V or w ä ris" und irottdem nnmigR Arbeiter. Angestelite. Beamte besucht die Veranstaltungen der „No-Va-Co" Karlshorst, D utsches Haus TreskoweUee(amBahnh.) Jed. Dianstag Pankow, Konzerthaas Breitestraße 34 Jeden Mittwoch Cöpenick Staditheater Friearichstr.6 Jeden Freitag u. Sonntag Tegel, Vereinshaus(Hamuseck) Hauptstraße 6 Jeden Sonntag Netslands»Varl»46- Kommission der Intern. Artisten. Los* E. V. Täglich 8 Uhr: Z« klmh IffitMCt !»«reth m«»Iii Irnt liltrei», Hill, lUilh*. Ii i Kill«, i. hin ■letrepol■ Thrm Täglich 8 Uhr: Zirtütiriozetsifl Thalia-meal er 8 Uhr: Oer mutig« Seetahrer Sf\lA Neiicnderi 736» I Uhr Variete- Nenheitenl - iruwnn-iüJiur Th.Köaigträls. Si. Hasenheide 2110 8 Uhr; Die Sdinle i.Omadi aäOQtPm�Rhnas Norden 6304 8 Uhr: Das zwelle leben ihm, Christinn. RiDi Walhalla. nscoi 81',. Iiiihtriwtt 11,'K Die von Der Uebc leben l Eil Still 4a Ltbtst flr im lid rrfi irtit>, 1 Ilm Ittwllidi Ww» litrltt' Kose-Tkeater 8'/. Uhi. Ol« beiden Kachlletallen 2 Tepplcha «rniz»tbc. 38.— u 37.68. Stieg enbrito» »osttn Ca.4»:thikrh Ttppicht u. Biudtn. bis»0'A tranrVp: Febrtktopplch• Berk. FrisbriSiIlroßo 208 Eckt Zimmtriraßt IltliaosatgqHtSBaH Arbeiter, Angestellte mi Beamte sollen sich nach den Beschlossen des Gewcrktdiafls- kopgreises, des Afabundes. des Al tera, deutschen Beamtenbandes and der GenossenschefMaEe nur verstdiem bei dem eigenen Unternehmen der Volksfürsorae Gcwcrksditifindi- GeRossensmattlldie Versldterun �s-ÄälicHäcscSlsiüafS Auskuntl erteilt bzw. Material versendet kostenlos die Rechnungsstelle I Berlin S 42, Ritterslr 126, oder der Vorstand der Vo'ksfQrsorge In Hamburg 5, An der Alster 58�39. W