Mbenöausgabe Nr. 175 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe E Nr. 87 Bezussbcdlngunlien und Anzelgonvrtis« sind in der Morgenousaab« angegeben ncdottion: STB. 68, ciodenftrah« 3 Zernsprecher- Vönhoff 202- 202 lel.-Adresse: Sozinldemokratverllii Derlinev Volkslilnkk Tentralorgan äer SosialclemoKratif�en Partei Veutfcklancis (iv pksnniz) MiLwoch 13. fiprilm? Lcrlag und flnjttgenadttttung) ® c f d) äf t ä jctt SM, dl» S Uhr Verleger: VorwSrts-verlog Ginby. verlin SW SS, clndenstrnhe Z Zernsprecher: VSnhoft 202— 201 Noröchma trumpft auf. Die Sowjetforderungen werden abgelehnt.- Beunruhigung in Japan. Paris, 13. April.(Eigener Drahlberlchl.) Aus Peking wird geineldek. das Marschall Tschangtsolin und die Mitglieder der Pekinger Regierung erklärt haben, dafj sie nicht gewillt sind, ans die in der S o w j e l n o t e über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen vorgetragenen Forderungen einzugehen. Die Pekinger Regierung wird sich wahrscheinlich daraus beschränken, ihren diplomatischen Vertreter aus Moskau ebenfalls abzuberufen. Die durch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen geschossene Lage hat nach den hier vorliegenden Meldungen starke Beunruhigung in Tokio ausgelöst. Der japanische Kriegs- minister, der beabsichtigt hatte, die japanischen Truppen in der japanischen Konzession in Tienlsin zurückzuziehen, hat diesen Plan ausgegeben und im Gegenteil die Truppen verstärken lassen. Kanton antwortet den Mächten einzeln. h a n k a u. 13. April.(Reuter.) Der nationale Minister des Aeugereu T scheu wird die Forderung der fünf protokollmächte über die Vorfälle von Ranking in vier Einzelnoten beantworten. Die Mächte, deren Kriegsschisse Ranking beschossen haben. werden eine Antwort erhalten, in welcher die Frage der Gewalt- täiigkeiten der nationalen Truppen umgangen und den Mächten der Vorwurf gemacht wird, dajj sie durch das Bombardement ohne jeden Grund Menschen getötet und die Häuser der Zivilbevölkerung zerstört haben. Italien und Frankreich sollen Roten erhalten, in denen die Zahlung von Schadensersatz zugesichert wird. Auch die Rote an Japan soll, wie man glaubt, persönlich gehalten sein, um zu versuchen. Japan von England und den Vereinigten Staaten zu trennen. England freut sich über die Kämpfe iu der Kuomintang. London, 13. April.(EP.) Die ausgedehnte Razzia der Unter. gcbenen des Generals Tschiangkaischek in Schanghai gegen die chine- fischen kommunistischen Organisationen hat nach englischen Meldungen die Spaltung in den.Reihen der Kantonesen erheblich erweitert. Nach Meldungen des„Daily Telegraph" ist der Außenminister Tschcn von Tschiangkaischek abgerückt. Das geht deutlich aus einem Leitartikel der„Times" hervor, in dem sie die weitere Verantwortlichkeit für die Erfüllung der Forderungen der Mächte lediglich dem Außenminister Tschen zu- schreiben. Auch die„Daily News" weist darauf hin, daß es Tschen möglich sein müsse, eine befriedigende Antwort auf die Note der Mächte zu geben, daß aber diese Angelegenheit dadurch erschwert worden sei, daß die Mächte gleichzeitig auch dem General Tschiang- kaischek die Noten überreicht hätten. In den„Times" wird die all- gemeine Auffassung dahin wiedergegeben, daß die kantonesische Gefahr für Nordchina auf ein Minimum gesunken sei. Diplomatenfrauen verlassen Peking. Paris, 13. April.(MTB.) Nach einer Meldung des„New Park herald" aus Peking haben die Frau des amerikanischen Gesandten in Peking sowie die Frauen mehrerer anderer Mitglieder der amerikanischen Gesandtschaft angesichts des wachsenden Ernstes der Lage die Stadt verlassen. Russischer Aufmarsch i« der Sowjetmongolei? Paris, 12. April.(Eigener Drahtbericht.) Verschiedene Blätter melden, daß vier Sowjetdivisionen an der chinesisch-mon- golischen Grenze stehen und der Ausbruch von Feindseligkeiten befürchtet wird. Man glaubt in Paris, daß bei Ausbruch von russtsch-chinesischen Feindseligkeiten eine japanische bewaff- nete Intervention unvermeidlich sein wird. Die Nach- richten, die von bereits im Gange befindlichen Kämpfen melden, werden hier nicht bestätigt. Russisch-amtlich werden diese Truppenkonzentrationen bisher entschieden in Abrede gestellt. Süüslawien gegen Zaschistenkapital. Italienische Klage über die Verdrängung der Italiener aus Dalmatien. Bulgarische Banden gemeldet. Rom. 13. April.(Agenzia Stefani.)„Giornale d'Italia" wendet sich gegen ein vom südslawischem Parlament verabschiedetes Gesetz über das Vermögen und die Geschäftstätigkeit von Italienern in Dalmatien. Dieses Gesetz sei für alle wirt- schaftliche Betätigung von Italienern in Dalmatien unbedingt prohi- bUiv Man müsse es als eine scharfe politische Waffe betrachten, um das italienische Element in Dalmatien durch Methoden, die auch zur Zeit der österreichischen Verfolgungen unbekannt waren, e n d- gültig zu entwurzeln. Dalmatien habe fast nirgends eine Breite von mehr als 5 Kilometern. Die italienische Bevölkerung sitze in der Hauptsache an der Küste. Wenn man also den Auslän- dern verbiete, innerhalb der Zone von öl> Kilometern von der Küste Besitzungen zu haben und Geschäfte zu betreiben, so werden da- durch alle Italiener betroffen. Der italienische Besitz in Dalmatien einschließlich der Inseln stelle etwa ein Drittel der Bodensläche und die Hälfte des ganzen Privatbesitzes in den an Jugoslawien abgetretenen Gebieten dar. Bon den neuen Gesetzen werden nicht nur Privatpersonen, sondern auch bedeutende italienische Gesellschaften betroffen. Es gibt dort Unternehmungen, die nur dann leben und arbeiten tonnen, wenn sie die Möglichkeit haben, sich nach Erschöpfung der im Abbau begriffenen Lager oder falls die Anlage neuer Kraft- quellen notwendig wird, weiter auszudehnen. Alle sind vor die Entscheidung gestellt worden, entweder darauf zu verzichten, Italiener zu sein und sich als solche zu bezeichnen, oder umzukommen. Aber das neue jugoslawische Gesetz steht auch in direktem und offenem Widerspruch zu den zwischen Italien und Jugoslawien bestehenden Verträgen, z. B. zu der Konvention von 1879, die die italie- nischen Staatsangehörigen den jugoslawischen gleichstellte und die im Jahre 1924 auf Grund von Artikel 12 des Vertrages von St. Ger- inain durch eine Verordnung der Belgrader Regierung auf ganz Jugoslawien ausgedehnt wurde. Damit bildet das neue Gesetz eine Berlctzung der von allen Mächten festgesetzten internationalen Rechts- ordnung. Spätere Abkommen, die jedoch von Jugoslawien nicht ratifiziert worden sind, waren dazu bestimmt, diesen Schutz näher zu umschreiben. Welchen Beweis seiner Loyalität, so fragt das Blatt zum Schluß, gibt also Jugoslawien gegenüber Italien, wenn es die Ratifizierung dieser neuen Abkommen unterläßt und die Durch- sührung einer seit SO Jahren bestehenden friedlichen Konvention einstellt? Wir wollen die Antwort abwarten, um die Wahrheit der Behauptungen Spalaikowitschs zu beurteilen." Bulgarische Banden unterwegs? Belgrad. 13. April.(MTB.) Nach einer Meldung der„Vreme" aus Prizren(Südserbien) sind an der jugoslawisch-albamschen Grenze Banden in Stärke von zwölf Kompagnien, die unter b u l g a r i- scher Führung stehen sollen, beobachtet worden. Man befürchtet Einfäll« in jugoslawisches Gebiet. Ertappte Geheimbünüler. Hannover, 13. April.(Eigener Drahtbericht.) In Schmal- k a l d e n wurde am 10. April bei einem Max Bischof, der bei einem Amtsgerichtsrat wohnte, eine polizeiliche Haussuchung vor- genommen. Die Ursache bildete der Verdacht, daß die Ortsgruppe Schmalkalden des in Preußen verbotenen Wiking-Bundes noch fortbesteht. Tatsächlich wurden Schriftstücke, Mitgliederlisten und Rundschreiben der Ortsgruppe Schmalkalden gefunden, die er- gaben, daß diese Organisation noch fortbesteht. Auch Pistolen und Gewehrmunition wurden beschlagnahmt. Die Angehörigen der Schmalkaldener Ortsgruppe werden sich wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutz der Republik bald vor dem Reichsgericht zu ver- antworten haben._ Wolüemares tritt zurück. Der Rechtskurs verschärft sich. Riga, 13. April.(Eigener vrahlbericht.) Der litauische Ministerpräsident Moldemares ist noch am Dienstag abend, nachdem er die Auflösung des Sejm durch den Staatspräsidenten erwirkt halte, von seinem Amt zurückgetreten. Es verlautet, daß der gegenwärtige Wehrminister Oberst Merkys nunmehr beauftragt werden wird, eine rein nationalistische Regierung ohne Beteiligung des christlich-demokratischen Blocks zu bilden. Diesem Kabinelt. von dem man behauptet, daß es bis auf weiteres ohne Parlament diktatorisch regieren wird, soll der bisherige Ministerpräsident als Außenminister angehören. Die Reichsbahn lehnt abl Morgen neue Verhandlungen. während die Eisenbahnerorganisationen trotz allerlei Bedenken dem Schiedsspruch vom S. April zugestimmt haben, hat die Hauptverwaltung der Reichsbahn ihn abgelehnt. Es ist zu erwarten, daß schon morgen im Reichsarbelks- Ministerium neue Verhandlungen vor sich gehen über eine Verbind- lichkeitserklärung de» Schiedsspruches, der für die Lohngruppen I bis VII eine Erhöhung des Stundenlahnes um 4 Pf-, für Arbeiterinnen um 3 Pf. vorsieht. Eine Ganöhi-Gewerkschaft. Cawupur und Agra. Von Franz Josef Furtwängler. Cawnpur, wohin uns der Weg von Benares führte, ist wieder eine Stadt der Textilindustrie und hat als solche auch ihre Arbeiterorganisation. Diese steht im Zeichen des Ma- hatma Gandhi, was bedeutet, daß ihre Führer und Urheber politisch unter seiner Fahne sind. Mit einem Hoch auf Gandhi und einem zweiten auf die Delegation wurden wir am Bahn- hos empfangen und von der dazugehörigen Iugendsporttruppe mit Fahnen ins Hotel geleitet. Ebenso seltsam als erfreulich war mir die Wahrnehmung, daß diese„G a n d h i- G e- w e r k s ch a f t" zahlreiche Mohammedaner umschließt, die in dieser Nordprovinz ziemlich zahlreich sind. Da dies Hindu- »nohammedanische Zusammenwirken in der Arbeiterbewegung eine von uns vielfach festgestellte Tatsache ist, wage ich zu be- haupten, daß die Gewerkschaften hier das beste Brecheisen zur Zerstörung des unseligen Glaubenszwistes sind. Ueber- Haupt entwickeln sich allmählich aus der Buntheit und Wirrnis unserer Eindrücke die Linien eines klaren Bilde? von der ge- werkschaftlichen Bewegung in diesem Lande, wobei mehr als die Quantität des Vorhandenen das daraus Entstehende, not- wendig Kommende scharfe Beachtung verdient— und wiederum ebensosehr wie der aufquellende Arbeiterkampf selbst die Art, wie Negierung und Unternehmer darauf reagie- ren, sich damit abfinden bzw. dagegen ankämpfen. Dies letztere möchte ich unsere interessanteste Beobachtung in Indien nennen. Unsere Funktionärkollegen in Cawnpur haben die Weihe empfangen, um bei den Arbeitern das erforderliche Vertrauen zu haben. Der eine von ihnen hat als„Agitator" bereits gesessen, der andere wird zum gleichen Endzweck„über- schattet". In einer Versammlung wurden uns die Geschichte des Verbandes und feine Kämvfe, sowie die Klagen der Mitglieder über die Arbeitsverhältnisse am Orte vorgetragen. Auch diese Gewerkschaft ist— wie alle, die wir bisher kennenlernten, aus Anlaß eines Streiks entstanden. Streiks verschärfen die vorhandene Grnndstimmung, schaffen die Not- wendigkeit und geben infolge der Arbeitsruhe die Gelegen- heit zu Zusammenkünften und Beratungen, so daß es nur einer Führerinitiatioe zur Organisationsbildung bedarf. Erst nennen sich dann alle Streikberechtigten„Verbandsmit- glieder": später geht die Mitgliederzahl auf einen Bruchteil als stabiler Bestand zurück. Der Notierung wert ist jedoch der Umstand, daß die einmal entstandene Organisation nicht wieder verschwindet, auch dann nicht, wenn der Streik mit einer Niederlage endigte. Auch nach dem Abflackern der Ge- relztheitsstimmung verbleibt stets eine bedeutende Glut kon- stanten Organisationswillens. Dieser Verband entstand im Jahre 1919 und ist seither dem Allindischen Gewerkschaftskongreß angeschlossen, der ihn bereits in Kampfzeiten finanziell unterstützte. Der Vorstand — � zur einen Hälfte Intellektuelle, zur anderen Arbeiter— wirkt ehrenamtlich. Statt einem vollbezahlten Bureaugc- Hilfen, wie andere Verbände im Lande, hat dieser einen hauptamtlichen Agitationsangestellten, einen stämmigen, bär- tigen mohammedanischen Weber. In der persönlichen Unter- Haltung ist Ali die Sanftmut selber, mildlächelnd und wort- karg. Von der Tribüne dagegen redet er mit einer Gewandt- heit und Zugkraft, iwß alle Fabrikherren der Stadt wütend sind,„weil er die Leute verhetzt� und noch dafür bezahlt wird". Um diese Bezahlung, die wenig höher ist als sein früherer Weberlohn, ist er nicht zu beneiden, auch verdient er sie bei der Rührigkeit, die er entfaltet, schon mit der körperlichen Leistung. Er fft übrigens der einzige Gewerkschaftsführer unserer Bekanntschaft, der des Enalifchen nicht mächtig ist: aber dafür zündet sein Hindostanisch um so besser. Beschrei- bung verdient sein Bureau. Dies hat er selbst erbaut, indem er an der Stelle einer Brandruine vier Pfähle in die Erde rammte, diese durch ein Schilfdach verband und sich unter dessen Schutz und Schirm mit einem Tisch»n� zwei Stühlen einmöblierte. Wertvollere Schriftstücke seinen Bureautätig- keil trägt er, in sein großes, farbiges Umschlagtuch gehüllt, stets bei sich. In dem Ernst und Opfermut, mit dem diese Leute wirken, ist solche Primitivität mehr imponierend als komisch oder lächerlich. Die Vcrbandsbeiträge sind, bei der Armut dieser Arbeiterschaft, außerordentlich niedrig, weshalb auch Unterstützungen nicht gewährt werden können außer in Streikfällen, und selbst dann wird der Hauptteil der Hilfe mit Reisspenden sympathisierender Bauern und Swarajisten be- stritten. Die uns vorgetragenen Beschwerden aus den Betrieben waren etwa dieselben, wie wir sie leider überall vernehmen mußten: Schlechte Behandlung, willkürliche Geldstrafen in Form von Lohnabzügen, Verweigerung von Urlaub selbst bei Todesfällen in der Familie, Fehlen jeglicher Hygiene im Be- trieb, Annahme von Bestechungsgeldern für die Einstellung: Dinge, von denen der Delegationsbericht im einzelnen han- dein wird. An einem der folgenden Abende sollten wir auf Ersuchen des Rektors urch der Studenten der indischen Hochschule in der ökonomischen Fakultät Vorlestmgen über Themen aus der modernen Arbeiterbewegung Halten. Auf den Einwand, daß wir in unserem eigenen Lande zur untersten Kaste der Sudras (Arbeiter) gehören und sicherlich ausgelacht werden würden, wenn es uns einfiele, über die Pultdcckel der Hochschulen hin- weg zu predigen, erhielten wir die schlagfertige Antwort: „Hier bei uns gehört derjenige au den Brahamen(der ober- sten Kaste), welcher befleißigt ist, die geistigen Grundlagen seines Volkes zu begreifen." Wir konnten dem freundlichen Bitten nicht länger widerstehen und sagten zu. Nach Schluß unserer Vorträge muhten wir in dem schlichten Speiseraum des Internats an der indischen« Abendmahlzeit teilnehmen. Um die herzlich wohlmeinenden Gastgeber nicht zu verletzen, verzehrte ich nicht nur Orangen und Bananen, sondern schluckte mit Mut auch das zuckrige und fettige Backwerk. Daß ich dabei von einem Eisbein fern im Abendland träumte, sahen mir die feinwitternden Inder an und waren darüber sehr amüsiert. ch Agra, weiter landaufwärts und abseits vom Ganges ge- legen, ist die Stadt der mohammedanischen Bauwerke und Kaisergräber aus dem sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert. Für uns bedeutet es ein zweitägiges Verschnaufen von Ver- sammlungen und Fabriken. Das unbestritten, ja unvergleich- lich Schönste der Stadt ist der T a j M a h a l, der ganz in weißem Marmor errichtete Tempel, den einer der Mogul- kaiser in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Grabmal seiner im Wochenbett verstorbenen Lieblingsfrau erbauen ließ. Reisebücher heißen das Werk ein Gedicht in Marmor. Man könnte den mit Worten nicht zu beschreibenden Bau eine versteinerte Vision nennen. Graf Keyserling in seinem Reisetagebuch sagt, der Tempel würve seine Einzigartigkeit verlieren, wenn an Umgebung oder Atmosphäre das Geringste anders wäre als es ist. Ich glaube, er hat recht. Dies blütenweiße Frauengrabmal, das vier schlanke Minarettürme, wie die Kerzenständer eine Leichenbahre, umstehen, könnte nimmermehr ohne Tötung des eigenen Bildes grauen Nord- landhimmel zum Hintergrund haben. Und niemals einen anderen Vordergrund als das lange, großartig perspektivisch wirkende, steingesaßte Wasserbecken, in welchem der weiße Palast sich als Reflex verdoppelt, während an dem Bassin entlang das strenge, aufrechte Zypressenspalier wie ein düsterer Schicksalsweg harter Wirklichkeit auf diese zwiefache Illusion zuführt. Doppelt wundersam! Di« Reihen lebender Bäume stehen härter da, als der leblose Steinbau,— und das Marmorwert über dem Erdboden wirkt nicht schwerer, nicht shoff- hafter, nicht„wirklicher", als fein Spiegelbild im Wasser. Beides, das Ganze eine Erscheinung aus einer Welt ohne Gegensatz von Traum und Wirklichkeit. Nichts Gleiches und nichts Aehnliches hat die an Schöpfungen der Baukunst vieler Zeitalter so reiche Erde. Wie erdenstaubig wirkt selbst die Erinnerung an Napoleons prunkvolle Ruhestätte im Anblick dieses lichten Glanzbildes, welches Liebs über das Grab er- stellt hat. Am selben Tage sahen wir mal andere Bauten aus der mohammedanischen Kaiserzeit, vor allem dem Grabtempel Akbars. So unsagbar weit sie alle hinter dem Taj Mahol zurückstehen— untereinander wetteifem sie an Größe und Pracht. Einige zeigen merkwürdige Stilverschmelzungen islamischer, hindustischer, abendländischer und sogar chinesischer Bauweise. Doch eines Ortes sei Erwähnung getan, wo der Führer in un, mehr Eindruck hinterließ als das Gezeigte. Zwanzig Meilen vor der Stadt draußen ist eine Feste, die, früher eine große Stadt umfassend, heute ein Dorf einschließt. Fathpur Sikri war im sechzehnten Jahrhundert Kaiser Akbars Residenz, von diesem unter dem Einfluß seines Scheichs Selim erbaut. Der große Scheich liegt hier begraben, und auch über seiner Gruft erhebt sich ein weißer Marmortempel. Eine be- hördliche Anschlagtafel am Burgeingang teilt mit, daß der offizielle Führer, der gegen frei vereinbarte Geldgeschenke die Sehenswürdigkeiten erklärt, ein Nachkomme Scheich Selims sei. Der schlanke, alternde Mann mit dem kurzgeschnittenen Mohammedanerbart, dem Fez und dem enganliegenden langen Rocke imponierte uns nicht so sehr durch seine aristokratische Herkunft, als durch die Qualitäten seiner eigenen Person. Er spricht nicht nur das vollendetste Englisch, sondern memoriert Höfliche Politik. Don Paul Gutmann. In einem großen demokratischen Verlag erscheint seit kurzem ein neues Wochenblatt, dessen einleitender Artikel für Höflichkeit in der Politik eintritt. Unter bekannten Parteiführern verschiedener Richtungen ist auch der Graf R e v e n t l o w, der ein Loblied auf die höfliche Politik anstimmt. Er ist gegen das schriftliche und mündliche Schimpfen, gegen persönliche üble Nachrede, Schnüffelei und Einmischung, wie er sagt, hoffentlich auch gegen die Provo- kationen auf der Straße, gegen Ueberfälle auf Andersgesinnte, gegen das noch unlängst so beliebte Mittel des Ministermords. Aber in demselben Atem, wie er diese Engelstöne anhebt, schlägt er die Kesselpauke des Rassenkampfes als eines„Kulturkampfes", von dem er sagt, er„wird mehr und mehr in den Mittelpunkt aller öffent- lichen Fragen und bis zu einem gewissen Grade auch des gesell- schaftlichen Lebens treten". Vergessen wir nicht, woraus das Wort Höflichkeit entstanden ist. Es besagt nichts anderes als den äußeren Schliff, wie er im Verkehr bei Hofe unter Höflingen üblich ist. Diese Höflichkeit, die nichts andres ist als Vorsicht und eine schlaue Derstcllnngskunst, um den Gegner zu überlisten, wurde bekanntlich in der Renaissance, der Blütezeit verschlagener Diplomatie und des Iesuitismus jeder Art, zu einer hohen Kunst erhoben. Eine berühmte Anleitung zum voll- endeten Höfling verfaßte der italienische Gesandte Graf Castiglione in seinem„Cortegiano", und der spanische Schriftsteller und Rektor des Iesuitenkollegiums zu Tarragona, Balthasar Gracian, gab Lebensregeln heraus, um die Höflichkeit in den Dienst egoistischer Verlogenheit zu stellen. Die Mittel des Höflings sind nickst die plumpen Mittel jugendlicher Schwarmgeister und vaterländischer Mörder. Je weniger aggressiv die Höflichkeit jener jesuitischen Diplomaten ist, umso größer ist ihre Gefährlichkeit. Gracian gibt sogar in seiner Fuchsschlanheit den Rat, sein Talent, seine Klugheit. sein Besserwissen dem Gegner zu verbergen, um ihn sorglos zu machen und seinen Neid nicht zu erwecken. Hinter jener an- genehmen Höflichkeit kann sich ein Abgrund von Verworfenheit und rohester Selbstsucht verbergen. Reventlow witzelt über jene Politiker, die, obwohl sie gut miteinander bekannt sind, grußlos am Anders- gesinnten vorbeigehen, zusammen im Fahrstuhl stehen oder einander die Tür vor der Nase zuschlagen. Gewiß, das sind harmlose Kaninchen, die den Methoben der Füchse nicht gewachsen sind. Aus ihrer brüsken Abweisung spricht lediglich die Angst vor dem Raub- tiergebiß der anderen! Ihnen Sanftmut zu predigen, erinnert an die bekannte Fuchspredigt gegenüber dem Raben in der Lafontaineschcn Fabel. Für wie dumm hält der Fuchs den Raben, dem er mst den säuselnden Tönen der Höflichkeit den Rassenkampf als den„Mittel- Werte aus der indischen, persischen, arabischen Literatur im Urtext, und seine Vertrautheit mit der Geschichte des Orients ist durchaus anderer Art als die üblichen, auswendig gelern- ten Fremdenführerlitaneien. Jetzt führt er„gegen frei ver- einbarte Geldgeschenke" blasierte Europäer ans Grab seines Ahnen und wiederholt zum tausendsten Male die Geschichte vom großen Kaiser Akbar und seinem Scheich. Wie rasch ver- ging hier die Muselmanenherrlichkeit! Dann kamen die noch heute kriegerischen Hindu-Mahratten, und im blutigen Ringen verblich des Halbmonds Glanz. Doch auch die Sieger wur- den müde im Kampf, und der lachende Dritte, der heute das ganze große Indien regiert, hatte gar leichtes Spiel, die Städte hier im Sturme zu nehmen. Demnächst werden es hundertfünfundzwanzig Jahre, daß dies geschah. Jubiläen stimmen zum Rückblick, aber auch zum Ausblick. Ich dachte an die Länder der gelben Menschheit und der aufgehenden Sonne, an das unberechenbare Rußland, an Indien, das große braune Kind, das eben jetzt sich, dem Lauschenden nur vernehmbar, im Schlummerbett räkelt, und an Lloyd George, der einmal drastisch aber richtig sagte, dies Land sei von sechzigtausend Beamten und sechzigtausend Soldaten weißer Rasse regiert. Wer weiß. Ein zweiter Mahatma, nicht ganz so vedisch-christlich und king-fromm wie der in der Bombay Presidency, ein Blutströpfchen vom Mekkapropheten in den Adern, und— Scheich Selim wird unterm Marmorblock auf- horchen. Worte unö Taten. Bolkspartei gegen Deutschnationale.— Lehren des Stresemann-Prozeffcs. Die parteiamtliche„Nationalliberale Korre- spondenz" widmet dem Ausgang des Stresemann-Prozesses eingehende Würdigungen, die nach verschiedener Richtung hin von politischem Interesse sind. Im Gegensatz zu den wieder- holten Behauptungen der deutschnationalen Verleumder, eigentlich sei Herr Stresemann gar nicht das Ob- j e k t der Veröffentlichungen über die angeblichen Schiebungen gewesen, erklärt diese Korrespondenz: Die vielen Beweiserhebungen über angebliche Schiebungen, über Kettenhandel und Korruption waren allerdings nicht ganz vergeb- lich; in einem ganz bestimmten Falle wurde ein politischer Kettenhandel mit gestohlenen Akten, wurden unsaubere politische Ausschlachtungsgeschäfte, wurde das, was man als politische Korruption bezeichnen darf, einwandfrei erwiesen. Wir meinen das unsaubere Kaufgeschäft, das sich auf den Erwerb und die eigen- tümliche Ausnutzung gestohlener Akten zur Vernichtung politischer Gegner bezieht. Es ist gerichtskundig durch eidesstattliche Versiche- rungen der Zeugen Kranz und Oberregierungsrat G o e b e l fest- gestellt worden, daß die Hauptgeschäftsstelle der Deutschnationalen Volkspartei auf Anweisung ihres Hauptgeschäftsführers Dr. Weiß 5000 Goldmark für den Erwerb und die Ausschlachtung gestohlener Akten gezahlt hat. Diese Akten sind fälschlicherweise als „Akten der Deutschen Werke" bezeichnet worden, noch zuletzt in den Erklärungen des deutschnationalen Hauptgeschäftsführers Dr. Weiß und des Herrn Stein-Rumpelstilzchen. Zn Wirklichkeit, das haben die Verhandlungen in Plauen ergeben, befanden sich in diesem gestohlenen Aktenmalerial auch jene sogenannlen Beweisstücke, mit denen Stresemann erledigt werden sollte. Diese Tatsache kann durch keine Erklärung aus der Welt geschafft werden. Diese Feststellungen decken sich mit den Mitteilungen, die wir an Hand authentischen Materials über den ganzen Vor- gang machen konnten. Die Korrespondenz wendet sich aber dann weiter gegen die Versuche derHugenberg-Presse, die Sache so darzustellen, als ob man willkürlich die Be- weiserhebung eingeschränkt habe, um nicht Stresemann zum Angeklagten zu machen. Sie zitiert dann folgende schönen Beispiele deutschnationaler Kampftaktik: Wie weit die Versuche zur Irreführung der Oeffentlichkeit ge- gangen sind, dafür nur einige Beispiele.„Das deutsche Volk", eine punkt aller öffentlichen Fragen und bis zu einem gewissen Grade auch des gesellschaftlichen Lebens" anpreist. Das heißt Krieg bis aufs Messer gegen jeden Andersblütigen oder, da das Messer den Methoden der Höflichkeit nicht entspräche, Krieg mit den feinsten Mitteln politischer Giftmischerei. Man braucht den Gegner nicht anzurempeln, aber man entzieht ihm die öffentlichen Aemter oder verhängt über ihn den kalten gesellschaftlichen Boykott, worin jene Herren eine unübertroffene Meisterschaft von altersher haben. Hat man je schlauere Fuchstöne gehört?„Ich glaube, daß dieser Kampf, wie lang er auch dauern mag, ein Kampf ums Ganze sein wird" aber sofort darauf die treuherzige Meinung:„ich glaube, daß so manches erreicht werden kann, was jetzt zu beiderseitigem Mißvergnügen fehlt"---- Die plump-naive Schlauheit eines Grafen Reventlow könnte uns gleichgiltig sein, wenn sie nicht geradezu sinnbildlich uns den Gegensatz zwischen seiner und unserer Welt enthüllte. Sicherlich war die Gesellschaft um Ludwig XVI. höflicher als das Volk, das sie aufs Schafott führte. Man ist heute wieder soweit, den geräuschlosen geölten Gang der Maschine für wertvoller zu halten als ihren Nutzen für die Allgemeinheit. Daß unsere Politik menschlich ist und die andere höflich sein will, darin besteht der Unterschied. Möglichst geräuschlos und elegant sich des Gegners entledigen, das ist die neue Politik, eine Politik auf Gummirädern. Nur keinen proletarischen Lärm schlagen. Man kann sich der Republik auch anders bemächtigen. Die Wagen des neuen Kurses sind mit prima Stoßdämpfern versehen und tragen die Farben der schwarzrotgold- weißroten Höflichkeit. Opernhaus unö Staatsbauverwaltung. An dem Millionenumbau des Opernhauses Friedrichs des Großen ist kaum noch etwas durch Kritik zu bessern. Aber dieser wirtlich schwere Fall muß eine Lehre für die Zukunft sein, nicht nur für die Berliner Denkmalpflege, vor allem für diejenige staat- liche Stelle, die ihr Konto auch diesmal wieder belastet hat. Der Bund Deutscher Architekten hat in mehreren.Kundgebungen Kritik geübt. Die beamtete Architektenschast hat entrüstet die Berwaltungs- instanzen verteidigt. Im Bundesorgan aber weist Prof. Dr.-Ing. Ed. Jobst Siedler von der Berliner Technischen Hochschule jetzt mit fluten Gründen auf die grundsätzliche Wichtigkeit der Frage hin. Die Staatsbauverwaltung versucht' ihr Verhalten dadurch zu rechtfertigen, daß sie betont, sie habe nur den Auftrag ihrer vor- gesetzten Behörde ausgeführt. Der Finanzminister charakterisiert die Bauverwaltung als ein technisches Ausführungsorgan, das die ihr von der Staatsverwaltung— in diesem Falle vom Kultus- minsster und Finanzminister— zugewiesenen Aufträge selbständig auszuführen hat, und vergleicht sie in dieser ihrer Funktion mit Privatarchitekten, die in äbnlicher Weise von der Staatsverwaltung herangezogen feien. Der BDA. ist allerdings der Ansicht, daß selbst der Privatarchitekt sich nicht nur als Ausführunflsorgan seines Auftraggebers, sondern in erster Linie als fein sachverständiger Berater betrachten müsse. Wieviel mehr müßte man von der Bau- sogenannte katholische Wochenzeitung für das gesamt« deutsche Volks- tum. deren geistiges Haupt der deutschnationale Reichstagsabgeord- nete Unioersitätsprofessor Dr. Spahn— Professor der Geschichte— ist, stellt in einem Artikel„Dunkle Sachen von Erzberger bis Strese- mann" u. a. die irrsinnige Behauptung auf, L i t w i n sei der Schwiegersohn des französischen Generals Rollet. Nicht minder grotesk ist die zu bestimmten tendenziösen Zwecken verbreitete Behauptung, der Prioatsekretär des Herrn Reichsaußenministers, Herr Henry Bernhard, sei der Sohn des Chef- redakteurs der„Vossischen Zeitung". Man könnte über alle diese Dinge nur lachen. Wenn man aber feststellen muß, daß bis heute die nicht minder groteske Behauptung, Frau S t r e s e m a n n sei die Tochter eines tschechischen Geschütz- und Muni- tionslieseranten und gleichzeitig die S ch w e st e r P o i n- c a r e s, immer noch herumgetragen wird, dann bleibt nur der Schluß übrig, daß alle diese tollen Nachrichten nur deshalb verbreitet werden, weil ihre Erfinder damit rechnen, daß sie in völkischen und deutschnationalen Kreisen tatsächlich geglaubt werden. Diesen Kreisen wird dadurch nicht gerade das Zeugnis besonderer Julelli- genz ausgestellt: aber das geniert die Nachrichtenfabrikanten nicht, wenn nur etwas hängen bleibt. Und gerade von diesem Gesichtspunkte aus müssen wir feststellen, daß auch im Zusammen- hang mit dem Plauener Prozeß der Versuch, die össentliche Meinung irrezuführen, Pressekorruption zu treiben in weitestem Um- fange unternommen und durchgeführt worden ist. Wie man sieht, ist die Epistel über die deutschnationale Schlechtigkeit, die hier geschrieben wurde, recht deutlich. „Politischer Kettenhandel mit gestohlenen Akten",„irrsinnige Behauptung",„krasse Korruption",„verleumderisches Ge- schwätz",„Pressekorruption"— diese Vorwürfe wiegen schwer, wenn sie von der Deutschen Volkspartei sozusagen amtlich gegen ihre deutschnationalen Koalitionsge- nassen erhoben werden. Man ist mit Worten nicht sparsam. Aber die Taten?— Während die„Nationalliberale Korrespondenz" solche Klagetöne ausstößt, assistiert Herr Stresemann dabei, wie die politischen Gesinnungs- freunde der Stein-Rumpelstilzchen, Dr. Weiß und Kon- sorten, reaktionäre Beamte in die höchsten Stellen des Reiches bringen. Krimmelle Sowfet-Kommuniften. Eine interessante Liste. Die eigenartige Zusammensetzung der russischen Kommunistisch c.i Partei ist bereits des öfteren Gegenstand von Erörterungen gewejcn. In keinem Zwesten Lande ist ja in so kurzer Zeit eine Partei mic einer so großen Anzahl von Mitgliedern entstanden, wie dies bei der Kommunistischen Partei der Fall war, höchstens käme noch in dieser Hinsicht die faschistische Partei im Lande Mussolinis in Betracht. Hier wie dort ist es ja die alleinherrschende Partei: daher der Zulauf zu ihr von oft sehr verdächtigen Elementen. Die Zahl der wirtlichen Kommunisten in Rußland ist ja bekanntlich äußerst gering. Alles andere find Mitläufer. Wie diese aber mitunter aussehen können, darüber führen eine beredte Sprache die Listen der ausgeschlossenen Mitglieder. Ein« Pariser Zeitung weiß über die Zusammensetzung solch einer Liste für das Leningrader Gouvernement Interessantes zu berichten. Im Jahre 1S2S wurden hier aus der Kommunistischen Partei SSl> Mitglieder ausgeschlossen. Bei 287, also 40 Proz., bildete die Ursache des Ausschlusses Unterschlagung von Geldern: einige von ihnen hatten bereits die zweit« Unterschlagung begangen. III waren wegen der verschiedensten kriminellen Verbrechen ausgeschlossen. Oft waren sie bereits schwer kriminell, als sie in die Partei eintraten: unter diesen Kriminellen befindet sich eine Anzahl rückfälliger Diebe. 87 Mitglieder sind wegen Holiganentums, d. h. Rowdytum in Ver- bindung mit Trunksucht, ausgeschlossen worden. Ungefähr 60 bis 70 haben sich der Spritbrennerei, der Bestechlichkeit, des Schmuggels, der Desertion und dergleichen mehr zuschulden kommen lassen. Der Rest von etwa 150 ist wegen verschiedener anderen Ursachen aus- geschlossen. Zehn von den Ausgeschlossenen gehörten früher der zaristischen Polizei und der Gendarmerie an. Verwaltung eine derartige Selbsteinschätzung voraussetzen! Die Bau- Verwaltung hätte die Bedenken unterstreichen müssen, die gleich nach Bekanntwerden des Umbauprojektes in der Oeffentlichkeit wach wurden und auf die die Akademie der Künste, die Akademie des Bauwesens, eine große Zahl hervorragender Baukünstler und Kunst- gelehrter und nicht zuletzt der Bund Deutscher Architekten hinwies. Die Bauverwaltung hätte auch die städtebauliche und Wirtschaft- liche Seite stark betonen müssen. Sie konnte daraus hinweisen, daß hier in dem mehr musealen Zentrum der Stadt ein Opernhaus nicht am Platze sei, daß ein derartiges Gebäude in eine ganz andere Gegend der Stadt gehöre, wenn es seine Aufgabe erfüllen solste. Sie konnte beweisen, daß selbst bei Aufwendung großer Mittel doch durch den Umbau des Knobelsdorfffchen Hauses nie und nimmer das staatliche Opernhaus geschaffen werden könne, das die Reichs- Hauptstadt Berlin als Weltstadt brauche und das über kurz oder lang doch gebaut werden müsse. Mit einem Wort, die Staatsbau- Verwaltung mußte, wenn sie ihre eigene Bedeutung betonen wollte, sich zum Führer aller der Stimmen machen, die eindringlich vor dem Umbau warnten, und konnte— nur falsch beraten und falsch geführt— sich in die Position eines reinen Ausführungsorgans drängen lassen. Die Staatsbauverwaltung hatte wohl auch selten wie hier, als„vom Bauherrn" die Opernhausfrage aufgerollt wurde, Gelegenheit, sich die Sympathien und die Achtung aller künstlerisch und kulturell interessierter Kreise zu erringen. Aber diese Gelegen- heit wurde verpaßt. Weswegen? Weil die Bauverwaltung so töricht war, die ihr gegebene hochbedeutsame Stellung als erste Beraterin des Staates in allen Fragen der Baukunst zu verkennen und gering zu achten, und sich in der viel weniger bedeutsamen Stellung eines technischen Ausführungsorgans zu gefallen. Das Verhalten des Geheimrats Fürstenau, des Vertreters der preußischen Staatsbauverwalwng, in diesem Falle ist aber— und das ist dos bedauerliche— symptomatisch. Hier liegt auch die ganze Schwäche der Bauverwaltung an sich. Aber die Bauverwaltung hat diese ihre eigene Blöße noch nicht einmal erkannt. Das Petroleum geht zu Ende. Ein Viertel der Handelsschiffe der Erde werden heute bereits mit Oel betrieben. Die Verwendung des Oeles als Heizstoff ist noch nicht alt und dennoch wirft man schon heute die Frage auf, wie lange das Oel ausreichen wird. Ge- messen an dem gegenwärtigen Konsum in den Vereinigten Staaten wird der Oelvorrat Amerikas in acht Iahren erschöpft sein. Neue Oelquellen sind nicht bekannt. So bleibt nur als Hilfsmittel: Spar- samere Wirtschaft. Heute werden jährlich 75 Millionen Barrels Gasolin verbraucht, 50— 60 Millionen Barrels Dieselmotoröl Und 20 Millionen Barrels zu Brennzwecken. Im gleichen Maße darf der Verbrauch nicht weitergehen, weshalb die Sachverständigen die In- dustrie vor die Aufgab« stellen, eine Methode zu erfinden, nach welcher der Derbrauch des Oels ökonomischer gestallet wird als bisher. „Der gespaltene Mensch«', ein neue? Sprechchorwerk von Bruno S ch ö n l a n t erscheint in den nächsten Tagen im BolkSdübnen-Verlaq (Berlin NW. 4c>, Platz der Republick 7). DaS Werk wird von dem Sprech. und BewegungSchor der Berliner Volksbühne auf dem verbandstage der deutschen BolkSbühnenvereine in Magdeburg ausgejührt. Krisenzölle in dänemark. Zusammenarbeit zwischen Konservativen und Bauern- liberalen. Kopenhagen, den 12. April(Eigener Drahtbericht). Drei Monate sind die Nachfolger des Kabinetts S t a u n i n g nunmehr am Ruder. Man kann nicht sagen, daß sie mehr erledigt haben als die Verlängerung einiger Luxusabgaben und Zölle, bzw. die Erhöhung gewisser nordschleswigscher Rept:- lienfonds. Geplant hatten sie desto mehr. Ihr Sparprogramm ist so umfangreich, daß sie darüber das neue Budget nichr zur vor- geschriebenen Zeit, bis 1. April erledigen konnten und nnt einem Nctetat arbeiten mußten. Von einem schnellen Eingreifen der Regierung zugunsten der Wirtschaft kann aber so wenig die Rede sein, daß sogar die industriellen Kreise innerhalb der konservativen Partei oppositionelle Regungen bekundeten und mit einer Reihe von Zollanträaen versuchten, ihre Wirtschastspolitik der Regierung auf- zudrängen. Das Kabinett blieb jedoch kühl, obwohl die Minister von ihren Stimmen abhängig sind. In dieser Situation veranlaßte die Sozialdemokratie die Parteien und die Regierung ihre Karten aufzudecken. In einer Interpellation erinnerte die sozialdemokratische Fraktion die Regierung an chr Wahloersprechen, die Wirtschasts- krise mitgrößterEnergiezu bekämpfen und stellte die pein- liche Frage, was sie zur Erfüllung dieses Versprechens zu tun ge- denke. Die Interpellation war indirekt auch an die beiden anderen bürgerlichen Parteien, die Konservativen und Radikalen gerichtet, denn sie hatten ihren Wählern versprochen, ihrerseits dafür zu sorgen, daß schnellstens wirksame Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise getroffen würden. Die Antwort des Ministerpräsidenten M a d s e n- M y g d a l auf die sozialdemokratische Anfrage war so, wie man sie nach den außerordentlich scharfen persönlichen Angriffen, die er und einige sozialdemokratische Führer in Versammlungen und Presse ausgetauscht hatten, erwarten konnte: grob und höhnisch dem Inter- pellanten Stauning seine eigene Ministerzeit vorhaltend. Verschärft wurde die Agressioität des liberalen Kabinettführers dadurch, daß er die Gewerkschaften beschuldigte, mit ihrer Lohnpolitik und ihrem Festhalten am Achtstundentag die Krise zu erschweren. So offen hatte bisher kein Bauernliberaler seinem Mißvergnügen mit dem Aufwärtsstreben der städtischen Arbeiter Ausdruck gegeben, und dieser Ausfall gegen Sozialdemokratie und Gewerkschaften hätte allein schon genügt, die Mißstimmung, die in konservativen Kreisen mit dem Kabinett Madsen-Mygdal entstanden war, zu zer- streuen. Aber der Ministerpräsident benutzt die Gelegenheit, in nicht zu deutelnden Worten den Konservativen zu verstehen zu geben, daß sein Kabinett nunmehr bereit sei, die freihändlerischen Prinzipien der Bauernliberalen beiseite zu setzen und den Preis von„Krisen- Zöllen" für fortgesetzte konservative Unterstützung zu zahlen. Mit dieser mehr an die Konservativen gewandten Regierungsäußerung zur Interpellation war es selbstverständlich, daß die Sozialdemokratie ein Mißtrauensvotum gegen das Kabinett stellt«. Aber ebenso sicher war von vornherein dessen Ablehnung von einem kon- strvativ-bauernliberalen Block. Fraglich blieb die Haltung der Radikalen. Man hatte manchmal in der Sozialdemokratie wohl gehofft, daß sie wegen der Ablehnung von Abstrichen des Kabinetts an den sozialen Budgets und nach der protektionistischen Rede des Ministerpräsidenten für die sozialdemokratische Tagesordnung stimmen würden. Aber es zeigte sich, daß die Radikalen die klare Scheidung in Rechts und Links, die der Verlauf der Debatte gebracht hatte, nickst sehen und nicht mitmachen wollten. Sie verfielen auf den Ausweg, einen eigenen Antrag einzubringen, der von der Regierung die Bildung eines„Erwerbspolitischen Ausschusses" zur Ausarbeitung von Richtlinien für die Bekämpfung der Wirtschaftskrise verlangte. Dafür stimmten nur die Antragsteller. Aber ihren durchsichtigen taktischen Zweck sich eine selbständige Haltung, einen begründeten Rückzug aus der Feuerlinie der aufeinanderplatzenden Gegensätze von Rechts und Links zu ermöglichen, erreichten sie trotz- d'-m. Mit 75 Stimmen der Konservativen und Bauernliberalen gegen 53 Stimmen der Sozialdemokraten und bei 18 Enthaltungen der Radikalen und des„Rechtsoerbandcs"(Bodeureformer) wurde dann die sozialdemokratifcheTagesordnung abgelehnt. Dieser Ausgang war zu erwarten, wohl niemand in der dänischen Sozialdemokratie hatte gehofft, die Regierung auf den eisten Hieb zu fällen. Was aber zu erreichen war, nämlich ein klares Bild darüber, wohin Regiening und bürgerliche Parteien steuern, wurde erreicht, vielleicht bis auf di« radikale Partei, die noch einmal verstanden hat, sich alle Wege offen zu halten. Das Kabinett aber und seine Partei, die Bauernliberalen, haben sich entscheiden müssen und dafür gestimmt, daß nebendensozialen Einschränkungen die Zollverteuerung gesetzt wird Die brüchig gewordene Zusammenarbeit zwischen Konservativen und Bauernliberalen ist damit wieder aufgerichtet. Justiz unü Polizei. Ein Vortrag des Vizepolizeipräsidenten Dr. Weiß. In der Juristischen Gesellschaft sprach kürzlich der Dizepolizei- Präsident Dr. Weiß über die Beziehungen zwischen Kriminalpolizei und Justiz. Den Ausgangspunkt für seine Erörterungen bildete ge- wissermaßen der berüchtigte Magdeburger Fall Tenholt-Kölling. Die Frage, di« damals aufgeworfen wurde, ging dahin, ob der Untersuchungsrichter befugt sei, einem bestimmten Polizei- beamten nach seinem Gutdünken gewisse Austräge zu erteilen. Das Ministerium des Innern hat sich damals auf den Standpunkt ge- stellt, daß die Wahl des Beamten der Kriminalpolizei obliege und daß der Untersuchungsrichter ollein das Recht habe, an sie das Er- suchen zu richten, durch einen Beamten einen bestimmten Auftrag zu erfüllen. Dr. Weiß charakterisiert« die Doppel st ellung der Kriminalpolizei, die einerseits ein Teil der Verwaltung ist, und die andererseits als Hilfsorgan der Staatsanwaltschaft mit der Justiz verbunden ist. Diese Doppelstellung hat dazu geführt, daß die einen die Kriminalpolizei aus der Verwaltung herausnehmen wollten, um sie der Staatsanwaltschaft unterzuordnen und daß wieder ein anderer Gesichtspunkt die Staatsanwaltschaft unter einem Dach mit der Kriminalpolizei sehen wollte. Der Redner entschied sich für den zweiten Standpunkt. Er glaubt, daß die Staatsanwalt- schast, di« jetzt zu einer einfachen Anklagemaschine geworden ist, durch eine feste Verbindung mit der Kriminalpolizei gewinnen würde. Andererseits muß festgestellt werden, daß die heutige Gesetz- gebung nicht mehr dem modernen Kriminalpolizeiapparat entspricht. Der 8 152 der Gerichtsverfassung, laut dem der Staatsanwoll- schast gewiss« Kriminalbeamte als Hilfsbeamte beigegeben werden solle», ist veraltet. I» der Praxis wendet sich die Staatsanwalt- schast im Bedarfsfälle a» die Behörde mit dem Ersuchen, einem Beamten den einen oder anderen Auftrag zu erteilen. Beraltet ist auch der 8 163 der Strafprozeßordnung, der der Kriminalpollzei nur in unaufschiebbaren Fällen selbständig zu handeln erlaubt. Würde die Kriminalpolizei entsprechend dieser Forderung vorgehen, so wären vielleicht zwanzigmal so viel Staatsanwälte nötig. In Wirklichkeit geht die Kriminalpollzei in allen Fällen, in denen An- zeige erstattet wird, selbständig vor. Erst nachdem sie ihre Ermitt- lungen zu Ende geführt hat, gibt sie die Sache der Staatsanwalt- schaft ab. Nur in den Fällen, in denen bei der Beurteilung des Kriminalfalles rechtliche Gesichtspunkte maßgebend sind, informiert sie die Staatsanwaltschaft früher. Es erscheine notwendig, daß die veraltete Gesetzgebung der Praxis der Kriminalpolizei angepaßt würde. Der Magdeburger Fall konnte nur aus einer gewissen Un- kla.rheit der herrschenden Gesetze entstehen. Er bilde jedoch nur einen Ausnahmefall. In Wirklichkeit wickeln sich die Beziehungen zwischen Kriminalpolizei und Justiz fast reibungslos ab. der Nutznießer öer Nechtsblockpolitik. Bayern verteidigt seine Ansprüche. München, 13. April.(Eigener Drahtbericht.) Mit einer fast halbjährigen Verspätung trat der bayerische Landtag am Dienstag zur Entgegennahme der Staatshaushaltspläne zusammen. Der Finanzminister legte vereinbarungsgemäß zwei Haushaltspläne für 1927/28 und für 1928/29 vor. Der ordentliche Haushalt für 1927 weist in Einnahmen und Ausgaben je 797 Millionen Mark, jener für 1928 je 749 Millionen Mark aus. Beide Haushalte sind also in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen. Die Gesamtausgaben haben sich für 1927 gegenüber dem Vorjahr um 38 Millionen Mark, für 1928 um 45 Millionen Mark erhöht. Im außerordentlichen Haushalt sind im Jahre 1927 81 Millionen Mark und im Jahre 1928 39 Mit- lionen Mark angefordert. Hiervon werden 16 Millionen Mark durch Reichsvorschüsse gedeckt, während der Hauptbetrag von 95 Millionen Mark durch das Land aufzubringen ist. In seiner Budgetrede wandte sich der Finanzminister scharf gegen die Behauptungen in außerbayerischen Blättern, daß Bayern euren übermäßig großen Verwaltungsapparat habe und betonte, daß Bayern bei den Finanzausgleichverhandlungen kein Geschenk verlangt noch erhallen habe. Das Gegenteil bleibt trotzdem richtig und ist oft bewiesen worden. Sarmat-Kreüite unü ihre Deckung. Aus den Vernehmungen im Barmat-Prozesi. Im weiteren Verlauf der gestrigen Verhandlung erklärte Ober- staatsanwalt Sturm, daß das nach den Behauptungen der Ver- teidigung verschwundene Kassenmemorial, sowie der Aktenband „Finanztonsortium" aufgefunden worden seien, und zwar hätten sie nicht bei der Staatsanwaltschaft, sondern bei der Merkur- Bank gelegen. Der Angeklagte K l e n s k e betonte hierzu, daß die überreichte Mappe nicht mit der gesuchten identisch sei. Aus der weiteren Aktenverlesung ging noch hervor, daß auch die Merkur- Bank Barmats Mitte August 1924 einen Kredit von 2 M i l- lionen von der Deutschen Girozentrale erhalten hat Als Sicherheiten waren für 1 Million notierte Effekten, ein Wechsel über 2 Millionen mit der Bürgschaft der Garantiebank sowie die Uebertrogung von 149 Tonnen Stahl gegeben worden, die der Amexima gehörten und auf dem Magerviehhof in Friedrichs- felde lagerten. Nach einem Gutachten der Merkur-Bank wurde der Stahl auf 1 259 999 Mark geschätzt, während der Sachverständige der Girozentrale den Wert auf höchstens 499999 Mark bezifferte. Das Gericht wandte sich dann dem zweiten Kapitel dieses Ab- schnitt? zu, das sich mit der Bewertung der Deckungen befaßt. Neben einigen Hypotheken, die auch von der Anklage für vollwertig angesehen werden, war das Aktienkapital der Donau- l ä n d i s ch e n Werke u. a. als Deckung gegeben worden, das die Amexima zu 89 Proz. besaß und mit 8 Millionen bewertet hatte. Weder Julius Barmat, noch Klenske konnten die Frage des Vor- sitzenden beantworten, wer diese Bewertung vorgenommen hätte, sie mutmaßten vielmehr, daß sie von dem Finanzkonsortium I. Roth oder von dem Angeklagten Rabbinovitz gemacht worden sei. Direktor L i ch t e n st e i n von der Merkur-Bank, der die Werke, die in Wöllersdorf bei Wien liegen und im Kriege für den öfter- reichischen Staat Kriegsmaterial herstellten, besichtigt hatte, erklärte auf die Frage des Vorsitzenden, welchen Eindruck er von dem Betrieb erhallen habe, kurz und bündig:„Den einer großen Pleite." Es hätten mindestens Hunderttausende dazu gehört, die Werke wieder in Betrieb zu setzen. Von der Verteidigung Barmats wurde demgegenüber ein Gutachten überreicht, das von dem Vorbesitzer stamint, und das das Unternehmen durchaus günstig schildert. Heamtenrecht und Arbeitsrecht. Eine grundsätzliche Klarstellung. Nachdem sich unsere Monarchisten, Antirepublikaner und sonstige Anhänger des alten Systems von der offenen Bekämpfung der Re- publik durch Putsche und Umsturzversuche umgestellt haben auf die Parole:„Hinein in den Staat", ist der Kamps um die Seele der Beamtens ch/i f t aufs neue mit besonderer Heftigkeit eni- brannt. Die Reaktionäre haben sehr richtig erkannt, daß sie ihren realpolitischen Zielen und materiellen Interessen sehr gute Dienste leisten könnten, wenn sie durch den Einfluß aus die Beamtenschaft, den sie erstreben, die öffentliche Verwaltung in die Hand bekämen. Bei der mangelnden politischen Erziehung der im Obrigkeit?- siaat aufgewachsenen Beamtenschaft glauben sie daher, die Beamten- schaft am ehesten dadurch für sich gewinnen zu können, daß sie ihr die Sozialdemokratie, die Haupllrägerin des neuen Staates, als Feind des Beamtentums hinstellen. Auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Interessen der Beamten muhten allerdings diese zu durchsichtigen Zwecken unternommenen Angriffe gegen die Sozialdemokratie mehr und mehr oerstummen: denn selbst die größten Gegner der SPD. können die Tatsache nicht vor dem llrieil der Beamten verdecken, daß die Sozialdemokratie, besonders in ihrer praktischen Arbeit in den Parlamenten, sich in hervorragendem Maße um die Sicherung der wirtschaftlichen Existenz der Beamten bemüht. Die Märchen von der„Gleichmacherei" de: Sozialdemokratie, die auch die besser bezahlten Beamten, wenn es nach ihr ginge, möglichst auf das Lohnniveau der Arbeiter herab- drücken wolle, verfangen nicht mehr. Man versucht daher jetzt, der Beamtenschaft won einer anderen Seite beizukommen. Man hat sich zu diesem Zweck das Gebiet des Beamten- rechts ausgesucht und will der Beamtenschaft einreden, daß die Sozialdemokratie Gegnerin der durch die Versasjung und die Ve- omtengesetze gesicherten Rechtstellung der Beamten sei. Besonders ein Satz hat es diesen Gegnern der SPD. angetan, der sich in dem auf dem Berliner Parteitag im Jahre 1924 beschlossenen Beamten- Programm der SPD. findet. Er lautet:„Die Sozialdemokratie tritt ein für Schaffung eines einheillichen, zeitgemäßen Beamtenrechts auf Grundlage folgender Forderungen: s) Wahrung der öffentlich- rechtlichen Stellung der Beamten im Rahmen des allge- meinen deutschen Arbeitsrecht s." Mit dieser Forderung von der Eingliederung des veamlenrechts in das Arbeitsrcch' will man beweisen, daß die Sozialdemokratie die heutig« Recht- stellung der Beamten beseitigen und sie in ein den Rechtsverhältnissen der Arbeiter völlig gleichartiges Verhältnis bringen wolle. Leider gibt es auch in den Reihen der parteigenössischen Beamten einzelne, die sich zwar jene Behauptung nicht zu eigen machen, jedoch der Meinung sind, daß die Forderung nach Eingliederung des Beamten- rechts in das Arbeitsrecht dem Beamtentum abträglich sei und zu einer Beeinttächtigung seiner heutigen Rechtstellung führe. Eine solche in den eigenen Reihen der Partei verbreitet« Auffassung muß sich aber schließlich zu einer Unterstützung jener gegen die Partei gerichteten Angriffe auswirken. Es ist daher am Platze, einmal klarzustellen, was jene Forderung in Wirklichkeit bedeutet. Zunächst wird gegen sie eingewandt, daß eine arbeitsrecht- lich« Ausgestaltung des Beamtenoerhältnisses schon deswegen unmöglich fei, weil das Beamtenrecht dem öffentlichen Recht angehöre, das Arbeitsrecht jedoch p r i v a t r e ch t l i ch e r Art fei. Diese Gegenüberstellung ist jedoch völlig unzutreffend. Die Unter- scheidung zwischen öffentlichem und bürgerlichem Recht bezieht sich auf die an den Rechtsverhältnissen beteiligten Personen. Rechts- formen, die dem öffentlichen Recht angehören, sind ausschließlich Personen des öffentlichen Rechts zugänglich, in erster Linie also dem Staat. Die Einteilung jedoch, die zwischen dem Arbeitsrecht und den nicht zum Arbeitsrecht gehörenden Rechtsgebieten unterscheidet, ge- winnt ihr« Einteilungsmerkmale aus den T a t b« st ä n d e n der durch die Rechtsnormen geregctten Lebensverhältnisse. Es gibt neben den privatrechtlichen Bestandteilen des Arbeitsrechts eine ganze Reih« von arbeitsrechtlichen Gesetze», di« zweifellos öffentlich- rechtlichen Charakter haben. Das Beamtenrecht erleidet daher in seinem öffenttich-rechtlichen Charakter nicht im geringsten eine Ein- büße, wenn man es dem Arbeitsrecht angliedert. Daß jedoch das Deamtenrecht auch fainem Wesan nach zum Arbeitsrecht gehört, ergibt sich aus folgender Usberlegung: Der Staat könnte sich zur Erledigung bestimmter Geschäfte seine Bürger in der Form des Ehrenamtes oder der öffentlichen Dienst. Pflicht verpflichten. Dieses Verfahren reicht jedoch nicht aus, um die Kräfte zu gewinnen, die zur Erfüllung der staatlichen Zlufgaben notwendig sind. Er braucht also noch eine gewisse Zlnzahl von Personen, die sich hauptberuflich der Erledigung solcher staat- lichen Aufgaben widmen. Bei der Bedeutung dieser im Interesse der Allgemeinheit zu erfüllenden staatlichen Funktionen ist es not- wendig, die mit ihrer Ausübung betrauten Personen in ein enges Rechlsverhällnis zum Staat zu bringen, d. h. ihr« Anstellung und Beschäftigung in besonders umfassendem und ausreichendem Maßeß rechtlich zu regeln. Die �u diesem Zweck erlassenen Gesetze stellen das B e a ni t e n r e ch�, dar. Trotz seines öffentlich-rechtlichen Charakters ändert sich daraß-jztz- nichts, daß der Zweck, weswegen der Staat Beamte annimmt, der ist, sich menschliche A r b e i t s k r ä s t e zur Erfüllung seiner Aufgaben zu verschaffen, und da dies der Sinn und Inhalt des zwischen Beamten und Staat begründeten Verhältnisses ist, gehören die dieses Verhältnis regelnden Normen zum Arbeitsrecht. Daran ändert auch die besondere T r e u v e r p f l i ch t u n g des Beamten zum Staat, auf die so häufig Hingewiejen wird, nichts. Selbstverständlich verlangen wir und verlangt gerade die Sozial- demokratie, daß die Beamten sich mit dem Staat, dem sie dienen. innerlich verbunden fühlen und ihr bestes Können bei der Erfüllung ihrer Obliegenheiten hergeben. Es ist jedoch falsch, einen unüber- brllckbaren Gegensatz zwischen dieser, wie man sagt, personenrcchl- lichen Bindung des Beamten und dem angeblich nur schuldrecht- lichen Verhältnis des Arbeiters im Arbeitsrecht zu konstruieren. Auch der Inhalt des Arbeitsverhältnisses eines Arbeiters er- schöpft sich keineswegs in dem fchuldrechtlichcn Zlustausch von Lohn gegen Arbeit und umgekhrt. Vielmehr geht auch der Arbeiter eine Fülle von personcnrechtlichcn Bindungen ein und stellt sich mit seiner ganzen Person in den Organismus des Betriebes. Der Unterschied zwischen ihm und dem Beamten liegt nicht im Wesen seiner Stellung innerhalb eines solchen Organismus, sondern er ist ein linterschied des Grades. Die besondere B ccutung der staatlichen Aufgaben fordert ein besonderes!Nah an Pflichtgefühl und demgemäß umgekehrt auch besondere Sicherungen der Stellung des Beamten. Die wichtigsten hiervon sind: die lebenslängliche Anstellung und die Pensions- und Hinterbliebenenvsrsorgung. Der eingangs zitierte Satz aus dem Beamtenprogramm der SPD. be- deutet keineswegs, daß dem Leamfcn diese Sicherungen genommen oder auch nur geschmälert werden sollen. Was durch sie vielmehr erstrebt wird, läßt sich folgendermaßen ausdrücken: Das Berufsbeamtentum mit lebenslänglicher Anstellung und Pensionsverforgung bleibt bestehen. Die Bestimmungen des Arbeitsrechts finden aus das Beamtenverhältnis soweit Anwendung, als sich nicht aus der besonderen Natur des Beamtenverhältnisses oder dem hierauf beruhenden Beamtenrecht etwas anderes ergibt. Zu den hiernach auf das Beamtenverhältnis anzuwendenden arbeits- rechtlichen Regetungen würden u. a. folgende gehören: Wahrnehmung der vermögensrechtlichen Ansprüche(Arbeitsgerichtsgesetz), das Arbeitsschutzrecht(in erster Linie die Arbeitszeitregelung), das Koalitionsrecht, die Betriebsoertretungen. Dagegen wären die be- sonderen Bestimmungen über den Beginn und die Beendigung des Beamtenoerhältnisses, über die Versetzung, über di« Dienststrafen, über die Besoldung u. a. m. wie bisher durch besondere Beamten- gesetzt zu regeln, di« in ihrer theoretischen Grundlage von der arbeitsrechtlichen Auffassung auszugehen hoben. Zum Schluß sei darauf hingewiesen, daß auch heute schon Beamte zum Teil arbeitsrechtlichen Bestimmungen unterstehen, so z. B. in der Invaliden- und Angestelltenversicherung bei Ausübung einer ent- sprechenden Tätigkeit. Sie sind nur versicherungsfrei, wenn sie eine Anwartschaft auf Pension und Hinterbliebenenoersorgung haben. Wenn die Sozialdemokratie also jene Forderung von der Ein- glivderung des Beamtenrechts i» d«s Arbeitsrecht vertritt, so be- schwört sie damit keineswegs irgendwelche Gefahre» für die Beamten- schaft und ihre Rechtstellung herauf, sonder» sie erstrebt damit, auch die Beamten an dem Fortschritt der sozialen Eni- wicklung teilnehmen zu lassen. Es wäre an der Zeit, daß mag. sich dies endlich einmal allseitig klarmachen würde. Dr. Hans Lotte r Ein Jahr llanüarbeiterrechtssthuh. Für die Landarbeiter hat der Rechtsschutz eine ganz besondere Bedeutung. Der Herrenstandpunkr ist bei manchem Arbeitgeber noch außerordentlich stark betont, während das Arbeitsverhältnis auf dem Lande noch eine ziemliche persönliche Abhängigkeit mit sich bringt. Hinzu kommt, daß gegebenenfalls mit zeitraubenden Ent- fern un gen zu rechnen ist, die Landarbeiter im schriftlichen wie im mündlichen Ausdruck nicht besonders bewandert sind und ihnen zur Inanspruchnahme eines Rechtsanwalts das nötige Kleingeld fehlt, ganz abgesehen von der Kenntnis der besonderen Verhältnisse der Landarbeiter. Der Deutsche Landarbeiterverband hat sich daher den Rechtsschutz für seine Mitglieder zur besonderen Ausgabe ge- macht und seine Rechtsschutzeinrichtungen gut ausgebaut. Dem vom Verbandsoorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes heraus- gegebenen Bericht über feine Rechtsschutztätigkeit im Jahre 1926 entnehmen wir: Die Gau- und Kreisleiter des Verbandes haben 6 6 3 3 R e ch t s s ch u tz f ä l l e erledigt, die von 13 398 Mit- gliedern anhängig gemacht wurden und in S647 Fällen er- ( o l g r e i ch, in 986 Fällen dagegen erfolglos waren. Die aus- gefachte»? Gesamtsumme betrug 455755 Mark, durchschnittlich 34 M. pro Kopf der Beteiligten. Das in den 5647 erfolgreichen Fallen Gewonnene läßt sich allerdings nicht in jedem Falle nach Mark und Pfennig berechnen, zumal nicht aus den Streitigkeiten auf sozialgesetzlichem Gebiete. Auch bei den meisten Wohnung?» räu mu n gsklagen, Mietklagen und teilweise nicht einmal bei den Kündigung?» und Entlohn ungs st reitig» k e i t e n kann der Erfolg ziffermnäßig festgestellt werden. Der Betrag von nahezu einer halben ZNillion Mark ergab sich fast ausschließlich aus den Lohnstreitigkeiten. In 3723 Fällen handelte es sich um Lohn- und Tarisstreitfälle, von denen 3317 für die Mitglieder erfolgreich waren. Ein Beweis init dafür, wie rigoros die landwirtschaftlichen Unternehmer den Ar- beitern selbst in der an sich am wenigsten strittigen Lohnsragc gegen- übertreten. Die meisten Klagen stammen aus Ost preußen und aus Mitteldeutschland. Bielfach wurde mit aller Raffinesse versucht, eindeutige tarifliche Bestimmungen sinnwidrig auszulegen. Insbesondere in Schlesien werden seit Iahren alle juristischen Spitzfindigkeiten ausgeboten, um die Landarbeiter in ihren tariflichen Rechten zu benachteiligen. Bei der Berliner Rechtsschutzabteilung wurden 1288 Fälle anhängig gemacht und mit Uebernahme des Restes vom Jahre 1925 1391 Fälle erledigt. Darunter waren 88 Lohnstreitfälle, wovon 68 mit teilweisem oder vollem Erfolg durchgeführt wurden. In diesen 68 Fällen ist für die Mitglieder Deputat- und Varloh» in einer Gesamtsumme von 47 399 M. herausgeholt worden. Die Zusammenstellung ergibt: 6633 erledigte Fälle durch Gau- und Kreisleiter, 1391 Fälle von der Rechtsschntzabteilung des Vcr- bandes, zusammen 8924 Fälle, bei denen insgesamt 593 154 Mark für die Mitglieder herausgeholt wurden. Damit ist ein erneuter Beweis für die Leistungsfähig- keit der freigewerkschaftlichen Organisation er- bracht. Diese Feststellungen zeigen deutlicher als alles andere, daß die Gewerkschaften nicht etwa überflüssig, son- dern zu einer Lebensnotwendigkeit der schaffenden Bevölkerung geworden sind. Die unorganisierten Arbeiter sollten dieser Tätigkeit des Deutschen Landarbeiterverbandes beson- dere Aufmerksamkeit widmen und die Nutzanwendung für sich daraus ziehen. vle Tischlerausfperrung bei LknöftrSm. Di« Firma Lindström A.-G., Schlesische Straße 26, sperrte am 18. Februar alle in der Abteilung Tischlerei beschäftigten Holz- arbeiter aus, weil die Holzarbeiter den geltenden Tariflohn forderten. Als die Geschäftslage infolge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch bei Lindström ungünstig lag, wurden den Facharbeitern die Löhne b i s a u f 8 5 P f., d. h. bis etwa 39 Proz. gekürzt. Nachdem eine allgemeine Belebung des Arbeitsmarktes einsetzte und der Ge- schäftsgang sich auch bei der Finna Lindström besserte, wurde ihr wiederholt durch den Betriebsrat nahegelegt, einen Lohnausgleich zu gewähren. In brutaler Weife lehnte die Direktion jedes Ent- gegenkommen ab. Da Mitte Februar die Forderung erneut unter Hinweis auf das für das Holzgewerbe allgemein geltende Lohn- abkommen gestellt wurde, sind sämtliche Holzarbeiter auf die Straße gesetzt worden. Dieser Kampf tobt nunmehr schon seit mehr als neun Wochen und die Ausgesperrten sind entschlossen, ihn durch- zuhalten. Die Firma Lindström bemüht sich, die im Betriebe bisher her- gestellten Musikschränke und Grammophone von außer- halb zu beziehen und auch in anderen Betrieben anfertigen zu lassen. Es bedarf daher der äußersten Wachsamkeit aller Holzarbeiter, daß Streikarbeit für Lindström unterbunden wird. Auch dieser Firma muß gezeigt werden, daß tarifliche Vereinbarungen zu erfüllen sind, andernfalls sie durch Kampf erzwungen werden. I Ms dem Slemenskonzern. Steigerung der llufallziffern. Eine zu Freitag nachmittag einberufene Betriebsversammlung der Siemens u. Halste A.-G., Blockwerk, beschäftigte sich mit Werk- angelegenheiten. Zunächst wurde eine Uebersicht über das ver- flossene Geschäftsjahr gegeben, aus der hervorging, daß die B e- legschast um etwa 39 Proz. vern, indert worden ist. Im Verlauf dieses Abbaues erfolgten viele Einsprüche gegen diese Ent- lassungen, weshalb der Arbeiterrat in verschiedenen Fällen Klage beim Gewerbegericht erhob, wobei er nur in einem einzigen Falle abgewiesen wurde. Merkwürdig berührte das Verhalten des Firmenvertreters vor dem G ew e rb e g« ri ch t. der sich stets weigerte, Vergleiche abzuschließen, und zwar deshalb, weil er angeblich einmal in seiner akademischen Ehre gekränkt worden sei. Der Vertreter des Metallarbeiterverbandes. mann kritisiert« noch das Verhalten der E des letzten Geschäftsjahres. Ein Mitglied der Mission berichtet« dann über seine diesbezügliche Tätigkeit im Betriebe. Es sei notwendig, mehr als bisher darauf zu achten, daß an den Maschinen die vorschriftsmäßigen Schutzvorrichtungen vorhanden sind. Ein Mitglied des Gesamtbetriebsrates wies auf den Geschäftsbericht der Betriebskrankenkasse hin, wo- nach im Jahre 1926 insgesamt 1639 Betriebsunfälle mit 45 913 Krantheitstagen im Siemenskonzern sich ereignet haben. Das bedeutet gegen 1925 eine Steigerung der Un- fälle um 25 Proz. und der K r a n k h s i t e t a g e um 59 Prozent. Dabei war die Belegschaft Im Jahre 1925 schnittlich u m 8836 Personen stärker als im Berich! Zugegeben, daß noch viele Arbeiter- die Unfallver- hütungsvorschriften nicht genügend beachten, so beweist doch die Steigerung der Unfallzisfern, daß auch im Siemenskonzern die Rationalisierung nur auf Kosten der Arbeiterschaft geht. Die Versammlung beschäftigte sich dann weiter mit internen Betriebsangelegenheitcn. Genosse K a h- iclben während U n f a l l k o m- durch- BetriebSratswahlen im Bankgewerbe. Die Betriebsratswahl am Dienstag bei der Dis conto, Gesellschaft kann als ein Erfolg für den Allgemeinen Veband der Deutschen Bankange st eilten bezeichnet werden. Trotz des von den gegnerischen Verbänden mit aller Schärfe geführten Wahlkampfes konnte der Allgemeine Verband seine Mehr- heit im Betriebsrat voll und ganz behaupten. Der Betriebsrat setzt sich wie folgt zusammen: Allgemeiner Verband 19 Sitze, Deutscher Bankbeamtenverein 4 Sitze, Deutschnationaler Handlungs- gehilfenverband 1 Sitz, Vereinigung der Oberbeamten 1 Sitz. Lohnerhöhung der Metallformer. Am Montag wurde vor dem Schlichtungsausschuß zwischen dem Metallarbeiteroerband und der Vereinigung Berliner Metall- gießereien über den Neuabschluß des am 1. April abgelaufenen Lohnabkommens J)ec Metallformer verhandelt. Obwohl sich die Unternehmer zu einer Lohnerhöhung bereit erklärten, war in freier Verhandlung keine Einigung zu erzielen, da die Unternehmer den Abschluß eines Lohnabkommens bis zum 31. Dezember verlangten. Es wurde dann ein Schiedsspruch gefällt, der ab 4. April eine Erhöhung sämtlicher bestehenden Löhne um 5 Pf. pro Stunde und der A k k o r d e um 4 Proz. vorsieht. Dieses Abkommen soll mit vierzehntägiger Frist zum Ende jeden Monats kündbar sein. Zu diesem Schiedsspruch nahm Montag abend im Gcwerkschafts- Haus eine stark besuchte Versammlung der Metallformer Stellung. Nach dem Bericht des Branchenleiters Genossen Bredow über die Verhandlungen und einer eingehenden Aussprache wurde der Schiedsspruch gegen eine starke Minderheit angenommen. Da auch die Unternehmer dem Schiedsspruch zugestimmt haben, sst die Zulage bei der nächsten Lohnzahlung fällig. Lohnerhöhung für Brcttertrager. Vom Verkehrsbund war das Lohnabkommen der Bretter- träger und Holzplatzarbeiter zum 31. März gekündigt und einer der seit den, letzten Lohnabschluß eingetretenen Teuerung entsprechende Lohnerhöhung gefordert worden. Der nach den er- aebnislos verlaufenen Verhandlungen angerufene Schlichtungeaus- schuß hatte einen Schiedsspruch gefällt, der ob 1. April bis 31. März 1928 eine Erhöhung der Stundenlöhne um 8 Pf. und der Akkorde im gleichen prozentualen Verhältnis vorsah. Da dieser Schieds- spruch von beiden Parteien abgelehnt worden war, hatte der Schlichter den Streitfall an sich gezogen und die Parteien zu Montag zu Verhandlungen geladen. Beide Parteien kamen überein, einen vom Schlichter gefällten Schiedsspruch als bindend anzuerkennen. Der jetzt gefällte Schiedsspruch sieht mit gleicher Geltungs- dauer wieder vorige Schiedsspruch eine Erhöhung der Stundenlöhne von 95 Pf. auf 1,95 M., also um 19 Ps. pro Stunde vor und eine Erhöhung der Akkordprcise im gleichen prozentualen Verhält- nis. Die Löhne der Kutscher erhöhen sich von 55 aus 56 M. Ebenfalls festgelegt wurde, daß die im Akkord tätigen Arbeiter mindestens 25 Proz. über ihen Stundenlohn verdienen müssen. Die Sparkasse der Bank der Arbelker. Angestellken und Beamken A.-G� Berlin, Wallstr. 65. ist täolich mit Ausnahme von Sonnabend von 9—3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. verantwortlich wr Politik: Victor Schifft Wirtschaft:(9. Nliagelhtfcr! Scwertfchaftobeweauna: ÄrlcSt.«»lorti: iteuilleton: ft. 8. Dilcher: Lokales und Sonstiges: Fritz ltarstödt: Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin Berlaa: Borwärts-Berlag E. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckcret und Berlagsanstalt Paul Singer» Co. Berlin EW KL, Lindcnstraße 3. 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Ebner Wiener Sängerknaben Ja, nun soll man hier etwas sehreiben, was sich in der Schönheit und Besonderheit des Krieb- nisses eigentlich jedem deutenden Wort entzieht!— Nie habe ich von einem Knaben einen so'chen Sopran gehört— frauenhafte Weichheit und Fülle, von einem berückenden Timbre, einem Scinneiz und Glanz, wie er auch bei berühmten Sängerinnen nur selten zu finden ist.(Man dachte zuweilen an Lotte Lehmann). Das Publikum war hingerissen. (DAZi. Berlin war entzückt— Vor dem unge- | wöhnlich großen und klangschönen Sopran des kleinen Mathias Schneider müßte sich manche routinierte Opernsängerin beschämt verstecken.(BT.) ( Letzte Wiederholung Oründonnersiaz 9 Ufr, iu der Philharmonie(Der Der f barbier). I Bote ft Bot«. Wenbeim, uiToiUleitoarF Auch Teilzahlung. Sptill- sthitidl, otu für idtoirt tili» tn-iligi mrln. Isdilas IB Hü(t., GnSS und Bflin, wenn Intl. folz«t?I!l. In 15 Tagen sied Daantasfbsrs Hnlerfoiga l Bestälignng nnd RefBrenzen, arrtl. empfohlen. 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Haus hatte in einem Teil der Rechtspresse Anschuldigungen gegen Stadtrat F a b i u n k e und Bureauvorsteher M i e l k e er- hoben. Di« eingehende Untersuchung durch Burgermeister Leid ergab, daß es sich bei diesen angeblichen Verfehlungen um völlig einwandfreie, nach seder Richtung hin korrekte aktenkundige Zu- weisungca gehandelt hat, die Haus zum Teil selbst als verantwort- licher Beamter bearbeitet und befürwortet hat. Haus, der sich nicht gescheut hat, seinem Dezernenten, Stadtrat Fabiunke, aus selbst ge- fälschten Akten Bortrag zu halten, bestritt zunächst, diese Klschungen begangen zu haben und bezichtigte damit einen Beamten des Wohnungsamtes. Daraufhin erfolgte dann eine Gegenüber- stellung. Dabei konnte Haus seine schweren Beschuldigungen gegen den makellos dastehenden Beamten nicht aufrechterhalten. Haus gestand, den Beamten zu Unrecht bezichtigt sowie die Fälschungen selbst vorgenommen zu haben. Die angestellten Ermittlungen ließen erkennen, daß Haus mit Wohnungsschiebern in Verbindung gestanden haben mußte, die ihm zahlungskräftige Wohnungsuchende zu- führten. Dieser Verdacht hat sich nun in einer überraschenden Weise bestätigt. Als diese Mittelsperson entpuppte sich ein Jour- nalist Hartwig, der für ein Berliner Mittagsblatt arbeitet. Hartwig ist bereits überführt, in mehreren Fällen gegen vorherige Zahlung erheblicher Geldbeträge die Zuweisung einer Wohnung bei Haus vermittelt zu haben, obgleich die wohnungsuchenden gar nicht in den Bereich des Wohnungsamtes Wedding gehörten. Derselbe Journalist Hartwig hat sich nicht gescheut, bereits Anfang März, als die Verhaftung des Haus bevorstand, einen Brief an den Bürgermeister Leid unter Beifügung eines angeblich ihm eingesandten Artikels zu richten, in dem er um Unter- suchung der in dem Artikel angeführten Wohnungssachen ersuchte. Dieser von Hartwig an Bürgermeister Leid übersandte Artikel ent- hielt dieselbe n Anschu'ldigungen und benannte genau dieselben Fälle über nicht korrekte Wohnungszuweisungen durch Stadtrat Fabiunke und Bureauoorsteher Mielke, die jetzt in einem Teil der Rechtspresse mit wahrer Wollust wiedergegeben wurden. Jetzt ist klar, warum Hartwig bereits damals als Ver- trauensmann des Haus auftrat. Er wußte, daß es mit einer An- klage gegen 5iaus auch ihm an den Kragen ging, deshalb glaubte er, durch die in jenem Artikel enthaltenen Anschuldigungen s i ch selbst und Haus zu entlasten. Nun wundert man sich auch nicht niehr, daß Haus als Verteidiger ausgerechnet den Syndikus des Mittagblattes genommen hat. Beschämend für die Rechtspresse ist, daß sie die Verleum- düngen gegen Stadtrat Fabiunke und Bureau- Vorsteher Mielke aufnahm, ohne sich mit dem zu- ständigen Bezirksamt in Verbindung zu setzen. Nun hat sich ihr Gewährsmann als Wohnungs- s ch i e b e r entpuppt. Wir werden sehen, ob jene Zeitungen jetzt den Sachverhalt bekanntgeben werden. Die Iagü ohne Wils. Empörter Ttudicnrat und beleidigter Bürgermeister. Wegen Beleidigung des Bürgermeisters von Treuenbrietzen, Herrn I., mußte sich der ZKjährige Studienrat Martin L. aus Berlln-Schönebera vor dem Potsdamer Schöffengericht verantwor- ten. Die Stadt Treuenbrietzen hat ihr eigenes Jagdrevier 1925 an einen Treuenbrietzen er Jagdverein oerpachtet. Der Angeklate pach- tete dieses Jagdrevier von dem Jagdverein für eine jährliche Pachtsumme von 600 M. Aber der Herr Studienrat erlebte mit seinem Jagdrevier große Enttäuschung, denn weit und breit war kein Wild zu sehen. Im ganzen erlegte der Angeklagte für seine K00 M. mit großer Mühe zwei Hasen und ein Reh. Der Studienrat versuchte es nun mit einer Treibjagd. Zahlreiche Herren folgten der Einladung. Aber was war die Beute? Vier ganze Hasen. Nun riß dem Studienrat die Geduld, und am 29. November richtete er ein Schreiben an den Landrat des Kreises Zauch-Belzig in Form einer Beschwerde gegen die Stadt Treuen- brietzen. In diesem Schreiben beschwerte sich der Angeklagte, daß man ihm eine Jagd ohne Wild verpachtet habe. Weiter heißt es: „Ist der Iagdoertrog der guten Sitte entsprechend geschlossen? Ich werde durch einen Rechtsanwalt den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten. Ich werde von dieser Schamlosigkeit der Jagd- presse Mitteilung machen. Bei solchem allem Anstand und allen Sitten hohnsprechenden Vertrage kann einem nur das arme Wild leid tun." Der Magistrat der Stadt Treuenbrietzen fühlle sich da- durch beleidigt, denn die Beleidigung konnte nur gegen den Bürger. meister gerichtet sein. Die Stadt stellte daher Strafantrag. In der Vechandlung kam zur Sprache, daß der Angeklagte mit der Stadt Treuenbrietzen nichts zu tun hatte. Wenn er sich betrogen fühlt, so konnte er nur gegen den Jagdoerein Treuenbrietzen vorgehen, denn von diesem hat er die Jagd gepachtet. Der Staatsanwalt beantragte wegen Beleidigung ISO M. Geldstrafe. Das Urteil erging dem- gemäß.__ Fever in einer Gasanstalt. Mehrere Löschzüge der Feuerwehr wurden heute früh kurz vor 4 Uhr nach der M u l l e r str. 1 8 4 s gerufen, wo in den Kellereien des zu den Gaswerken gehörenden Beamtenhauses Feuer ausgebrochen war. das an Heizmaterialien und ande- rcn leicht'brennbaren Gegenstänten reiche Nahrung fand. Trotz der außerordentlich starken Verqualmung gelang es. den schon ziemlich ausgedehnten Brandherd zu l o t a l i s i e r e n und das Feuer nach längerem Wassergeben zu löschen. Die Entstehungs- Ursache ist noch unbekannt. � Immer noch Nackttänze. Die Nackttanzbetriebe haben durch die Einführung der 8 Uhr- Polizeistunde einen schweren Schlag erlitten. Sie sind ihm so gut wie alle erlegen, der Betrieb lohnt nicht mehr. Nur ein Unter» n e h m e r hält hartnäckig noch aus, Herr Siegismund K o h n k e, so oft auch seine Betriebe schon ausgehoben worden sind. Jetzt ließ er wieder an zwei Stellen nackt tanzen und die ständige Stütze seiner Kunst,„K n o ch e n- E l l y", hatte sich auch hier wieder in seinen Dienst gestellt. In den Hinterräumen e i n e s Hotels in der Dorotheenstrahe verkehrten nur Ausländer. Kohnkes Schlepper wandten sich nur an diese und spiegelten ihnen vor, es handele sich um ein ganz anständiges Unternehmen, für dos sie die polizeiliche Erlaubnis hätten. In der vergangenen Nacht über- raschten die Kriminalbeamten 18 Personen, die durch ihr Er- scheinen durchaus nicht unangenehm berührt waren. Die Gäste hatten schon gemerkt, daß es sich bestimmt nicht um einen erlaubten Betrieb handelte, waren aber doch noch nicht zu dem Entschluß ge- kommen, die ungemütliche Stätte zu verlassen. So kamen sie nun aus der Verlegenheit heraus und sparten auch noch das Geld für die Zechen.— Leute aus der Provinz lockten Kohnkes Schlepper ferner nach der A u g u st st r a h e. Hier spekulierte er auf den Ruf des„A u g u st t e l l e r" in dem Hause Nr. 3. Das ist ein Keller. der früher in ganz Berlin als Sammelpunkt durchaus nicht zweifelhafter Gäste bekannt war. Mit der Einschränkung der ..Bouillonkeller" verschwand zunächst auch der„Augustkeller". Als Tngesspeisewirtschast wurde er dann wieder ausgemacht. Kohnke aber rechnete mit seinem alten Ruf und rechnete damit richtig. Die Schlepper fanden innner wieder Provinzler, die die ehemalige Stätte des Gruselns als„Sehenswürdigkeit" gern einmal auf- suchten, zumal da ihnen gesagt war, daß dort nur Bier ausgeschenkt werde. Das stimmte nun allerdings nicht, es herrschte vielmehr S e k t z w a n g. Zu Sen Nackttänzen diente auch hier ein traulich eingerichteter Hinterraum. Die Beamten trafen hier 23 Personen und stellten sie fest. Aber auch Kohnke, der sehr vorsichtig ge- worden, wurde diesmal„geschnappt" und festgenommen. Das amerikanische Bauprojekt. In der letzten Zeit berichteten wir wiederHoll über die Vor« schlüge zum Wohnungsbau, die der Stadt Berlin von der amerikanischen Firma Chapman und Compagnie, New Park, ge- macht worden sind: 14 000 Zwei- bis Bierzimmerwohnungen in hochstöckigen Gebäuden sollen mit einem Betrage von rund ISO Mil- lionen Mark finanziert werden. Schon damals sagten wir, daß diesen Vorschlägen grundsätzlich Sympathie gebührt. Der gleichen Ansicht war man auch in einer Versammlung der Ortsgruppe Berlin des Reichsbundes deutscher Mieter, die gestern abend im Spaten- bräu in der Friedrichstraße stattfand. In einem längeren Referat setzte Architekt P a u l s e n die Bedingungen des amerikanischen Pro- lektes auseinander, und er kam zu dem Schluß, daß die Stadt Berlin alle Veranlassung habe, die Verhandlungen fortzusetzen. Lebhaft wurde in der Aussprache darüber geklagt, daß die Kommunal- Verwaltung bisher zu wenig zur Bekämpfung der Wohnungsnot getan hat. Eine Entschließung bewegte sich in gleichem Sinne. Neue Spuren in der Banderolenschieberaffäre. Die weiteren Ermittlungen in der Banderolenschieberaffäre Sir« und Genossen haben zur Aufdeckung neuer Spuren ge- führt, die allem Anschein nach, wie schon neulich angedeutet wurde, nach Sachsen, und zwar nach Dresden laufen, wohin sich der Ber- liner Untersuchungsrichter voraussichtlich in den nächsten Tagen be- geben wird. Im übrigen soll mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versucht werden, eine 2!uslieferung des flüchtigen Fabrikanten K a tz k i aus Belgien— er hält sich mit seiner Braut bei Ver- wandten in Eupen auf—, herbeizuführen, da Katzki als einer der Hauptbeteiligten für den weiteren Fortgang des Verfahrens un- bedingt gebraucht wird. Vor allen Dingen wird es auch wichtig sein, ihn mit dem neuerdings wieder verhafteten Jungermann zu konfrontieren, da dieser— übrigens ein sehr vermögender Mann— behauptet, mit Katzki nur im regulären Geschäftsverkehr gestanden, keineswegs aber hinsichtlich der Banderolenschiebungen etwas mit ihm zu tun gehabt zu haben. Katzki hatte seinerzeit, als man ihn zuerst festnahm, eine sehr erhebliche Kaution gestellt, die er dann aber im Stich ließ, da ihm der Boden in Deutschland zu he.iß wurde. Der>n dieser Affäre viel genannte Franz Apisdorj soll übrigens den Behörden schon von früheren Banderolen- betrügereien sehr verdächtig sein. Bei allen diesen ErmitUungen stieß man immer wieder auf seine Person, und es scheint, als ob er auch in dieser Asfäre wieder einer der Hauptbeteiligten ist. Der Kaufmann Kurt K o h n aus Berlin, dessen Verhaftung in Düsseldorf wir meldeten, ist inzwischen auf Grund einer Hast- beschwerde wieder freigelassen worden, da bei ihm angeblich keine Verdunklungsgefahr vorliegen soll. Dagegen wurde in Köln ein gewisser Bartoldy unter dem Verdacht der Beteiligung an diesen Fälschungen festgenommen. Auch in anderen Städten, vor allem in Hamburg, von wo leitende Kriminalbeamte gestern in dieser Angelegenheit nach Berlin gekommen waren, dürften weitere Ver- hastungen bevorstehen, da sich durch die bisherigen Vernehmungen und aus den beschlagnahmten Korrespondenzen immer neue Spuren ergeben. Vom Tcppichhändlcr zum Teppicheinbrecher. Als ein Fachmann entpuppte sich ein Einbrecher, der lediglich Teppiche stahl und fest einem halben Jahr den ganzen Westen von Groß-Berlin unsicher machte. Am Sonnabend wurde am Prager Platz ein gut gekleideter Mann, der im Begriff stand, eine fremde Wohnung mit einem Dietrich aufzuschließen, von einer Haus- angestellten überrascht. Er ergriff die Flucht, das Mädchen oerfolgte ihn aber, und so gelang es, ihn zu ergreifen. Die Krimi- nalpolizei stellte ihn fest als einen 31 Jahre alten Martin Brrchn, der früher«in bekannter Teppichhändler war. Das Sonderdezcrnat B.9 klärte nun bald die vielen Teppichdiebstähle im Westen auf. Alle hat der verhaftete Bruhn auf dem Kerbholz. 30 gestohlene Teppiche wurden wieder entdeckt, und zwar in Pfandleihen, wo der Einbrecher sie sofort versetzt halte. An die SO Einbrüche konnten ihm nachgewiesen werden. Die Vernehmungen und Gegenüberstellungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Schafbock-Schau. 99 Schafböcke, die Elite aus den Stammzüchtereien der Prooli>z Brandenburg, gaben sich�auf dem Magerviehhof in Friedrichs- felde ein Stelldichein. Schafkundige Augen betrachteten jedes Tier auf seinen Bau, dann wurde auf das Fell gepustet, damit man die Dichte der Wolle gewahrte und wenn daraus der Bock losgelassen wurde und Reißaus nahm, begutachteten die Richter seinen Gang. Die meisten Presse holte sich die Schafzüchterei M e r z d o r f bei Schwiebus, die ungehörnte Böcke zeigte. Der Verband der Schaf- züchter sieht darauf, möglichst frühreife schwere Tiere mit vieler und guter Wolle zu ziehen. Das Zuchtmaterial der Provinz Branden- bürg ist berühmt, so kaufte u. a. die Sowjetregierung 1200 Zuchtböcke an, zudem wurde ein Handelsvertrag auf fünf Jahre abgeschlossen, da Rußland nur drei Viertel seines Eigen- bedarfes an Wolle decken kann. Dieses war die zweite Eichau: die erste fand im Vorjahre statt, die die Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg veranstaltete. Riesenhotelbranö in New �ork. Ein S8 stöckiger Neubau in Flammen. New Vork. den 13. April.(TU.) Im Reubau des „Relherland Höfels" In der fünften Avenue, im feudalsten Wolkeukrahervlerlel. brach gestern abend im 3 4. Stock- wert Feuer aus. Da die umliegenden Wolkenkratzer nicht hoch genug waren, um von dort aus an den Herd des Feuers heranzukommen, tonnte die Feuerwehr erst eingreisen, als das Feuer die 25. Etage erreicht halte. Das Hotel„Relherland" zählt i n s ge s a m l 38 Stockwerke. Das Gebäude gleicht einer Riesensackel, die weithin sichtbar ist. Riesenmassen umlagern das Gebäude und bevölkern den nahegelegenen Zentralpark. Tausende von Polizisten haben die größte Mühe, die Menschenmassen einigermaßen von dem gefährlichen Brandort zurückzuhalten. Brennende Balken. Türen und Fenster fallen andauernd aus die Straßen und umliegenden Dächer, wodurch die Arbeit der Feuerwehr auss äußerste gefährdet wird. Der gesamte Berkehr muhte umgelegt werden. Das Feuer war bis zu den äußersten Vororten von Long Island sichtbar. Wirbelsturm in Texas. Bisher 200 Tote und zahlreiche Verlebte. Rem Jork. 13. April.(TU.) Räch einer Meldung des „Universal Service" Ist Texas von einem schweren Tornado(Wirbel- stürm) heimgesucht worden. Visher wurden 200 Tote und zahlreiche verwundete gemeldet. Die Ortschaft Rock Springs ist völlig zerstört; nur drei Häuser blieben unbeschädigt. Der Tornado kam vom Süden her. wo er gleichfalls Tod und Zerstörung verbreitete. Ein hilsszug des Roten Kreuzes ist � unterwegs. Die Bergung der Toten und verwundeten macht außer-' ordentliche Schwierigkeiten, da sie meistens unter den Trümmern begraben sind. Todessprung aus dem Flugzeug. Mannheim, 13. April.(TU.) Am Dienstag nachmittag entstand auf einem über der Stadt Germersheim kreuzenden s r a n- zösischen Militärflugzeug ein Vergas erbrand. Em initsliegender Flugschüler sprang aus Verwirrung über die Motor- störung in einer Höhe von 300 Metern aus dem Apparat und blieb zerschmettert am Boden liegen. Der Führer des Flug- zeuges konnte den Apparat in, Gleitflug auf den Boden setzen. Ein zufällig vorübergehender Bellheimer Einwohner befreite den bewußt- losen, aber sonst völlig unversehrten Flieger aus den Trümmern des Flugzeuges. Sühne für das 3t«to«ng!ülk von Tscherbeney. Glah, 13. April.(WTB.) Gestern wurde vor dem großen Schöfsengericht der A u t o f ü h r e r E in i l I a n s a, der das schwere Autounglück in Tscherbeney, bei dem 7 Menschen getötet und 58 verletzt wurden, verschuldet hat, wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit und gesährlicher Körperverletzung und Vergehens gegen das Kraftfahrgesetz zu einem Jahr Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe verurteilt.» Noch ist m gelt, für das Oltttfeft moderne Bellciduna zu billiasten Preisen ju erstehen. Da« alideiannle Enejtiaihans sllr Serren» und Nncidermobcn, C. Joseph, Bln.-EchSnebera, Haupt str. t. Ecke<ürunen!alds>r.. unletdält reichhaiilfle Lager tu Sieaßen- und Sportanzügen sowie Mtintetn troh bewittirt guter Oualitiileu ,u bMtgsten Preise». 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