Msnöausgabe Nr. 177 ❖ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. SS Bewssbebinaunwn und«lueifltnwtif« lind in der Morgenaussabe angegeben Nadaktion: SV). 68. Cindenftcafie 3 Acrnsprecher, VLnhoft 8g2- 2g? TaU-Adresfe: Sozlaldamokra» verlio 5« Derliner Daltefcl&ff (lO Pfennig) Donnerstag 14. �pril 1927 Verlag und il nzeigenadteilun«, EelchSftszelt S'� bis 5 Uhr Verleger: Vorn>arls-V«rlag GmbH. Sarlln SV). 68, cindeastrahe 3 Fernsprecher: VSnhosl 2S2— 2SZ �entralorgan der Sozialdemokrat! feben Partei Dcutfchlands Bürgerkrieg in Schanghai. Blutige Kämpfe und Masfenstreik.- Vordringen der Nordtruppen. Paris. U. April(Eigener Drahtberlchl). Aus Schanghai wird gemeldet, daß als Protest gegen die Erstürmung des Haupt. quartiers der kommunistischen Gewerkschaften am Dienstag durch die nationalen Truppen am ZIlltlwoch mehr als l00 000 Arbeiter in Schanghai die Arbeit niedergelegt haben. Die ganze Zn- dustrie ist lahmgelegt und besonder» der Strahenbahnverkehr ist völlig eingestellt, vor mehreren Fabriken ist es auch von neuem zu Zusammenstöhen zwischen Arbeltern und nationalen Truppen ge- kommen, wobei über 50 Arbeiter ums Leben gekommen sind. Aus Schanghai wird weiter gemeldet, dah die Erfolge der Nordtruppen zunehmen. Sie haben am Mittwoch den Knotenpunkt der Eisenbahnlinie von Tientsin pau Kin beseht, ohne aus Widerstand zu flohen und warten dort das Eintreffen von Verstärkungen ab, um Nanking anzugreifen. Die roten Truppen haben Tschingkiang ge- räumt und so den Nordlruppen denwegnach Schanghalge- dsfnet. Japan veröoppelt seine Manüschurei-Truppen. London. 14. April.(WIR.)„Times" meldet au» Tokio: Die einzige(!) Grundlage der Gerüchte über eine Mobilmachung in Japan ist die Talsache, dah die D i v i s l o n. die die in der M a n d- schüret in Garnison liegende Division ablösen soll, in diesem Jahr im Ap r i l stall wie sonst im M a i hingeht und dah da» Datum der Zurückziehung der abgelösten Division noch nicht festgeseht ist. Japan wird also vorläufig zwei Divisionen stall einer in der Mandschurei haben. Keine Sowjettruppen nach Gstaslen gesanöt. Moskau, 18. April. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion ist ermächtigt, zu erklären, dah alle in der ausländischen Presse verbreiteten Gerüchte über eine Verschiebung von Sowjettruppen nach dem Osten oder eine Truppenzu- sammenziehung an der Grenze der Mandschurei usw. eine lügnerische und provokatorische Erfindung darstellen. Die friedliche Haltung der Sowjetregierung sei mit besonderer Klarheit In ihrer Note an die Pekinger Regierung vom 9. April dargelegt worden. Amerika gegen eine Dangtseblockade. New Jork, 13. April(MTB.). World erfährt im Staats- depardement, dah der Vorschlag des britischen Botschafters, die Dangtsehäsen zu blockieren, falls die Forderungen der Note an die Kantonregierung nicht erfüllt würden, von Kellogg abgelehnt wurde. Die Regierung der Vereinigten Staaten sei bemüht, die bestehenden Reibungen zu vermindern statt sie zu verschärfen. China und Abrüstung im Unterhaus. London, 14. April.(wTv.) Chamberlain leille mit, dah die britischen Truppen in China seht insgesamt 16 Infanterie. b a t a i l l o n e mit den notwendigen hilsstruppen umfassen. Auher- dem seien vier Bataillone aus dem Wege nach China. Das Flotten- personal einschliehlich eine» Bataillon» Marinetruppen umfasse ungefähr 14 000 Mann. Der Arbeiterführer C l y n e s fragte den Premierminister, ob er irgendeine Erklärung über die Verhandlungen in Genf abgeben und ob er versichern könne, dah die britischen Vertreter nicht durch starre Anweisungen behindert würden. B a l dw i n erwiderte:„Ich glaube, die Abgabe einer Erklärung im gegenwärtigen Stadium würde wenig Vorteil haben, insbesondere, da ziemlich eingehende Berichte über die Verhandlungen in der Preste erschienen sind. Ich kann versichern, dah der britische Vertreter in dauernder Ver- b i n d u n g mit seiner Regierung gestanden hat, und daß die Vor- schlüge, die er vorgelegt hat, wohl erwogen worden sind. Es ist in der Tat richtig, wenn man sagt, dah Zugeständnisse in wich- tigen Punkten in den meisten Fällen von britischer Seite ge- kommen sind."(!) Die Genfer Vorkonferenz geht weiter! Erfolgreicher Bermittlungsvorfchlag de Broncköres. G e uf. 14. April.(Eigener Drahtberlcht.) Der zähen Ausdauer und dem Ersindungsgeist des Genossen Brouckere ist es heule, also im letzten Moment, vor der In» Auge gesahten Tagung ge- lungen, auf dem die Beratungen der vorbereitenden Abrüstungs- kommifsion weitergeführt werden können bis zur gänzlichen Beendigung der ersten Lesung der Konventionsentwürfe. Er schlug für das weitere Verfahren eine Teilung der Abrüstungskon- venlion vor: einen ersten Teil, der die ganze Konvention». ongelegenheit mitsamt den auch für die Vereinigten Staaten annehmbaren Sonlrollbedingungen umsaht, und einen zweiten Teil mit weitergehenden Sonlrollmahnahmen für die Mitgliedflaalen des Völkerbundes. Der französische Delegierte war nicht besonders erfreut, weil er an eine Einigung auch nur unter den Völkerbundsstaaten zweifelt und die französische Regierung für die kommenden politischen Unterhandlungen der Regierungen ihre günstige Position, d. h. weitest- gehende Bereitwilligkeit zur gegenseitigen Abrüstungskontrolle so sichtbar wie nur möglich erhalten möchte. Lord C e c i l, der den Vorschlag de Brouckere» unterstützte, wünscht andererseits vor allem durch eine Wetterführung der Beratungen bis zur wirlschaftskonfcrenz(4. Mai) den schlechten Eindruck einer Ver- lagung der Kommission zu verhindern und Genosse de Brouckere hofft zweifellos die verschiedenen Auffassungen über die Mahnahmen unter den völkerbundsstoalen bis auf diejenigen Italiens, die weniger in Betracht kommen, ziemlich berücksichtigen zu können. So wurde beschlosien, zunächst acht Tage Osterferien zu machen und vom nächsten Donnerstag an weiter zu tagen. „Die Abrüstung eine Nechtspsticht.� Genf, 14. April.(WTB.) In seiner Begründung unterstrich der belgische Delegierte die Notwendigkeit, die Arbeiken fortzusehen und die erste Lesung zu einem Abschluh zu bringen. wobei er aus die Verpslichtung aller Unterzeichner des v e r s a i l l e r Vertrages aus Grund 2lrlikel S de» völkerbundspaklcs hinwies, die eine moralische und juristische Verpflichtung für alle Unter- Zeichner darstelle. Die Schulü üer anüeren. Cccil verteidigt Englands Haltung in der Abrüstung. Genf, 13. April.(WTB.) Bei einem Presseempfang wandte sich Lvrd Robert Eecil sehr entschieden gegen die Behauptung, dah England daran schuld sei, daß der Vorbereitungsausschuh für die Abrüstungskonferenz mit seinen Arbeiten nicht weitergekommen sei. Er bezeichnete es als völlig unwahr, daß die englische Regierung den Abrüstungsgedanken nicht ernst nehme. Nicht weniger verkehrt sei es, von einem Bankerotte der gegenwärtigen Arbeiten zu sprechen, und zwar mit der einzigen Begründung, dah man sich tn der Frage der Seeabrüstung nicht sofort einigen konnte. Eecil verteidigte im übrigen vor allem den englischen Vorentwurf Uber die Seeabrüstung, der nicht nur den Vorteil gehabt hätte, ein« vollständigere Abrüstung zur See zu ermöglichen, als der französische und sich ohne weiteres in das Washingtoner Abkommen einfüge, sondern auch den weiteren Vorteil, dah er gerade die be- sonderen Interessen der zur See schwächsten Staaten am besten ge- schützt hätte. In bezug auf die Landabrüstung unterstrich er be- sonders den Umstand, daß England die Einbeziehung der frisch aus- gebildeten Reserven verlangte, aber mit dieser Forderung Frank- reich und anderen Kontinentalmächten gegenüber nicht durchdringen tonnte, obwohl es vollständig klar sei, dah der Wert der kaum ent- lassenen Reservisten im Kriegsfall nicht geringer sei, als der kurz vor Abschluh ihrer Ausbildung stehenden Mannschaften. Er gab schließlich der Meinung Ausdruck, dah ohne die Ein- reichung des englischen Borentwurfes die wochenlangen Debatten kaum zu einem Ergebnis und vor allem zu einem weniger ehrlichen Ergebnis geführt hätten, als es jetzt, wenn auch noch nicht ab- geschlossen, immerhin bereits vorliege. Dieses Ergebnis stelle in der ganzen Weltgeschichte den w i ch t i g st e n S ch r i t t auf dem Wege zur Abrüstung dar. Boncour warnt vor„banalem Optimismus". Genf, 14. April.(WTB.) Paul B o n c o u r gab bei einem Empfang der internationalen Presse der Meinung Ausdruck, dah die Auseinandersetzung über das Abrüstungsproblem für die nächste Zeit außerhalb des Vorbereitungsausschusses und vor allem bei den Regierungen selbst liege. Eine Fortsetzung der hiesigen Aussprache wäre nutzlos, obwohl er dazu bereit sei. Um aber zu einem Ziel zu gelangen, müsse zunächst zwischen den Ka- binetten verhandelt werden. Solange nicht von ihnen eine Ver- ständigung über die wichtigsten Fragen, vor allem über die See- a b r ü st u n z, aber auch über die Kontrollsrage erzielt sei, erscheint Nml Boncour die Annahme der zweiten Lesung wenig wahr- scheinlich. Auch die gleichmäßige Regelung der Begrenzung der Effektiobestände bei Land-, Luft- und Seestreitkräften, die im Augenblick noch umstritten ist, erscheint ihni in dieser Hinsicht mah- gebend. Auf französischer Seite verhehlt man sich nicht, daß Eng- land in der Kontrollfrage, vor allem in bezug aus die Verpflichtung, sich im voraus jeder Kontrolle aus eigenem Boden zu unterwerfen, lange nicht so weit geht wie Frankreich. Angesichts der augenblick- lichen Lage, in der weder in der Flotten- noch in der Kontrollfrage das Kernproblem gelöst ist. warn Paul Boncour vor jedem„b a- nalen Optimismus", obwohl er andererseits der Meinung ist, daß die bestehenden ollerding«: noch tief greifenden Unstimmiz- leiten überwunden werden können. Paul Doncour glaubt, dah die gegenwärtigen Abrüstungsverhandlungen am meisten durch den Umstand belastet werden, dah die S i ch e r h e i t» f r a g«. die eine Voraussetzung für die Durchführung der Abrüstung sei, seit dem Abschluß des Locarno-Vertrages noch keine weiteren Fort- schritt« gemacht hat. Nach seiner Auffastung hätten, da das Genfer Protokoll nicht zustande kam, wenigstens die regionalen Sicherheitsverträge auf den Balkan, das Baltikum und das Mittel- meer ausgedehnt werden müssen. der Kurs öer Weltwirtschaft. Weltwirtschaftskonferenz und Arbeiterschaft. Von Wilhelm Eggert. Als die sechste Völkerbundsversammlung sich für die Ein- berufung einer Weltwirtschaftskonferenz entschloß, ließ sie sich von dem Gedanken leiten,„die Natur der internationalen Wirtschafts st örungen zu untersuchen und die besten Mittel aufzuzeigen, um diese zu überwinden und Konflikte zwischen den Völkern zu vermeiden". In diesen weitgefaßten Rahmen spannt sich die Tagesordnung der Konferenz. Was während des Krieges und in der Nachkriegszeit störend in die Weltwirtschaft eingedrungen ist, das soll die Konferenz, ent- sprechend der Zielsetzung durch den Völkerbund, bloßlegen und Mittel der Beseitigung aufzeigen. Wie wird nun die Kon- ferenz diese geschichtliche Aufgabe lösen und welche besonderen Fragen ergeben sich für die Gewerkschaften? Ein Hauptpunkt steht natürlich im Vordergrund. Das ist die Stabilisierung aller Währungen. Die arbeitende Klasse, Dulder und Opfer der Währungserschütte- rungen, muß Bürgschaft für feste Währungsverhältnisse in der Welt fordern. Das unberechenbare Element der Unruhe, wie es durch die Möglichkeit von Währungserschütterungen ge- geben ist, muß aus der Weltwirtschaft verschwinden. Eine Garantie hierfür könnte durch Vereinbarungen und metho- dische Zusammenarbeit der Zentralnotenbanken der Wirt- schaftsmächte sehr wohl geschaffen werden. Man darf sich aber über die Schwierigkeiten einer solchen Aktion nicht täuschen. Sie zeigen sich schon bei den Beratungen im Vorbe- reitenden Ausschuß für die Weltwirtschaftskonferenz. Beson- ders sind es die einzelnen Länder, welche sich in das Recht ihrer Finan?hoheit und Finanzgebarung von niemandem hin- einreden lassen wollen. Vorausgesetzt, daß die Konferenz gründlich mit dem Operationsmesscr dem Währunasübel zu Leibe geht, bleibt immmerhin die Frage offen, ob die einzel- nen Länder hier, wie es notwendig ist, mittun werden. Zugänglicher scheinen die Länder, wenigstens einiae von ihnen, einer Bekämpfung des üppig wuchernden Pro- tektionismus. Aber auch hier wird es sich nur um. Vorarbeiten handeln können und diese werden nach der Festi- gung der Währung bei der Schaffung eines einheitlichen internationalen Zolltarifschema-, beginnen muffen. Die Zolltarife Eurovas unterscheiden sich heute in ihrem Aufbau und in ihrer Gliederung durchaus. Noch viel- gestaltiger und wirrer ist das Bild der Zolltarife der Welt. Durch ein einheitliches Zolltarifschcma wird man unendlich? Schwierigkeiten beseitigen. Da nun die einzelnen Länder darauf schwören, daß ihr eigenes Schema das allein beste ist, darf man auch hier die Hoffnungen nicht allzu hoch fvanncn. Im Zusammenhang mit dem einheitlichen Zolltariischema müßten einheitliche Zollvorschriften vereinbort und Richtlinien für den allmählichen Abbau d e r Z ö l l e festgelegt werden. Wir glauben allerdings nicht. daß der Zollabbau selbst beim besten Willen aller Beteiligten schnell durchzuführen ist. Selbst von der Intereffensvhäre der arbeitenden Klaffen, deren wirtschaftliche Organisationen, die Gewerkschaften, für das Prinup des Freihandels kämpfen, aus betrachtet, muß der Zallabbou etappenweise er- folgen, um ein Wirtschaftschaos zu verhüten, das schlimmer wäre als der Zollprotcktionismus. Vermutlich wird die Kon- ferenz allgemeine Richtlinien dieser Art ausstellen. Vielleicht auch dürfte sie Konventionen der mitteleuro- päischen Länder empfehlen. Jede dahin zielende Arbeit wird von den Gewerkschaftsvertretern auf der Konferenz leb- Haft unterstützt werden. Liegen doch alle diese Anfangs- arbeiten auf dem Wege der internationalen Arbeitsteilung und Wirtschaftsverftändiguna, denen die wirtschaftliche Tätig- keit der Gewerkschaften gewidmet ist. Die Konferenz wird.selbstverständlich an dem Arbeits- l o s e n v r o b l e m in den europäischen Ländern nicht vorbei- gehen können. Es gibt merkwürdigerweise Wirtschaftswissen- schaftler, die sagen, die Gewerkschaften seien durch die Hoch- Haltung der Löhne und Gehälter schuld an der Wirtschgfts- krise und der Erwerbslosigkeit. Sie behaupten, weil die Ge- rverkschaften Löhne und Gehälter hochhalten, können die Preise nicht sinken, die Erzeugnisse nicht konsumiert werden, die Wirtschaftskrise nicht ablaufen und das Millionenheer der Erwerbslosen nicht in die Betriebe zurückgebracht werden. Diese Lehre übersieht unbegreiflichcrweisc den Umstand, daß trotz des Sinkens der Produktionskosten infolge einer gigan- tischen Rationalisierung die Preise im allgemeinen hoch ge- blieben sind. Sie übersieht vor allen Dingen die Wirkung der Preiskartelle in den einzelnen Ländern. Gerade dieser Umstand dürfte zu Kontroversen auf der Konferenz führen. Für die Gewerkschaften bleibt aber das Erwerbs- losenproblem in erster Linie ein Problem der staatlichen Für- sorge jedes Landes. In den einzelnen Ländern müssen Preise und Realeinkünfte der Verbrauchermassen, müssen Pro- duktion, Leistung und Arbeitszeit in Ein- klang gebracht und ausgeglichen werden. Gewiß kann durch internationale Hilfsmaßnahmen auf dem Gebiet der Freizügigkeit und des Niederlassungsrechts die Erwerbstätig- keit gemildert, aber nicht endgültig beseitigt werden. Sie bleibt das einzelstaatliche Problem, dessen Lösung in den Län- dern erkämpft werden muß. In der internationalen Kartellierung sehen die Gewerkschaften eine weitere privatkapitalistische Ent» wicklungsphase. Sie ist doch nur der Ausdruck dafür, dast gewisse einzelstaatliche Industriezweige in die Weltwirtschaft hineinwachsen. Der Prioatkapitalismus, der jahrzehntelang die internationale Arbeiterbewegung bekämpft hat, tritt nun selbst auch organisatorisch aus dem Rahmen nationaler und kontinentaler Grenzen hinaus in den breiteren Rahmen der Weltwirtschaft. Die Gewerkschaften wollen eine solche Ent- Wicklung nicht hindern. Sie haben aber auch keinen Anlaß, sie zu fördern. Wo sich aber diese Entwicklung vollzieht, for- dern die Gewerkschaften eine st ändige Aufsicht inter» nationaler Kartellverelnharungen, die sich aus einzelstaatlichen Kontrollämtern gegenüber monopolisti- schen Unternehmerorganisationen zweckmäßig aufbauen muß. Zum mindesten muß mit der Kontrolle internationaler Kar- telle zugleich die Kontrolle monopolistischer Unternehmungen in den einzelnen Ländern organisiert werden. Die Konferenz wird in ihrer weiteren Zielsetzung nur dann Erfolg haben, wenn sie keine vorübergehende Erscheinung bleibt und für die Bearbeitung weltwirtschaftlicher Streitfragen eine dauernde Organisation schafft, einen Verwaltungs- Organismus unter der Oberhoheit des Völkerbundes, der seine Arbeiten im einzelnen ergänzt und endgültig durchführt. Die Schaffung eines solchen internationalen Wirtschaftsorgans ist die allerwichtigfte Aufgabe der Weltwirtschaftskonferenz. Es hätte über die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Welt zu wachen, die Produktions- und Handelsstatistiken zu fördern» den Gedanken der wirtschaftlichen Zusammenarbeit unter den Völkern zu pflegen und die Vermittlung des Ausgleichs handelspolitischer Konflikte der Länder zu übernehmen. Gleich dem Internationalen Arbeitsamt mit seinen Arbeits- konferenzen müßte das Internationale Wirt- s ch a f t s a m t in periodischen Konferenzen die letzten wirt- schaftlichen Probleme erörtern und ihre Lösung anstreben. Die Weltwirtschaftskonferenz wird einen Sinn und Zweck haben, wenn sie so den Beginn der weltwirtschaftlichen Zu- sammenarbeit einleitet. Das Tempo einer solchen Zusammen- arbeit— dieses Wort richtet sich besonders an die Arbeiter- schaft— wird nicht von der Weltwirtschaftskonferenz oder von einem künftigen Wirtfchaftsamt bestimmt, sondern von den lebendigen und organisierten Kräften der Wirtschaft in den einzelnen Ländern. die Zinanzmißwirtschast ües Reiches. Zur Kritik des Reichsrates. In der gestrigen Sitzung des Reichsrates, über die wir bereits berichtet haben, wurde vor Verabschiedung des Reichs- Haushaltes scharfe Kritik an der Führung der Reichsfinanzen geübt. Ministerialdirektor Sachs erklärte als Berichterstatter, daß zur Herstellung des Gleichgewichts in der ursprünglichen Regierung?- vorläge S2S Millionen infolge der Steuersenkung des vergangenen Frühjahrs fehlten. Im Jahre 1928 werden neben diesem Betrag auch die U e b e r s ch ü s s« sowie der Betriebsmittelfonds nicht mehr da sein, die jetzt zur Deckung herangezogen worden sind. Ferner werden die Münzgewinee fortfallen. Rechnet man dazu noch die zu erwartenden Mehrausgaben für Reparationen, so werden im Jahre 1928 nicht weniger als 1,4 Milliarden Mark fehlen, ohne daß die großen Ausgaben berücksichtigt worden sind, die der Reichstag selbst als dringlich anerkannt hat, so die Be- amtenbesoldung, eine bessere Versorgung der Kriegsbeschädigten und der Liquidotionsgeschädigten. Unter diesen Umständen wurde die Finanzlage des Reiches als außerordentlich ernst bezeichnet. Diese Kritik des Reichsrates b e st ä t i g t die Ausführungen, die die sozialdemokratischen Redner zum Reichshaushall gemacht haben. Wenn nicht große Ersparnisse in der Verwaltung und insbesondere beim Heeresetat erzielt werden, schliddert die Finanzwirtschaft des Reiches unweigerlich in eine Pumpwirtschaft hinein. Anstatt nun an überflüssigen Ausgaben zu sparen, hat der Rechtsblock noch erhebliche Sonderzuwendungen für Bayern und andere süddeutsche Staaten übrig gehabt, während gleichzeitig die sozialen Ausgaben rück- sichtslos zusammengestrichen wurden. Die Kritik des Reichsrates ist Ein öleististstrich. Von Jodok. Zu Ostecn hat man so seine kleinen Verpflichtungen. Jeder kennt ein paar Kinder in seiner Nähe, denen er einige Kleinigkeiten schenkt. Ich habe meinen Osterbedarf in diesen Tagen im Warenhaus gedeckt. Am lustigsten sind eigentlich die kleinen Küken, die ich erstanden habe. Spottbilliges Zeug: das ganze Dutzend eine einzige Mark, aber ich weiß, daß sie für hundert Taler Spaß machen werden. So ein Küken hat die Größe einer Streichholzschachtel. Es steht kerzengerade auf seinen beiden breit auslaufenden Watschel- deinen, und die hölzernen Flügelchen bammeln etwas melancholisch an seinen beiden Hüften herunter. Bekleidet ist es mit aufgemalten schwarzen Kniehosen, die sich über ein wohlgemästetes Bäuchlein spannen und mit einem weißen Leibchen, das in der Halsgegend von einer phantastisch geschlungenen himmelblauen Künstlerkrawatte überdeckt wird. Auf seinem kahlen Köpfchen aus intensivstem Goreon- Logis-Zettel-Gelb, gondelt«in forsches Tirolerhütchen, das eine schwungvolle Vioatschleife verschönt. Das Ganze blickt aus zwei kullrigen Augen, über den scharf nach vorn stoßenden spitzigen Schnabel hinweg, furchtbar ahnungslos, furchtbar selbstherrlich, in die große weite Welt hinaus... Ein hübsches, nettes, anspruchsloses Ostergeschenk. solche Küken! So recht was für Kinder, die daran ihre Freude haben sollen. Indessen: ich habe an einem der Küken etwas entdeckt. Nicht viel, keinen Schönheitsfehler, nur: an dem weißen Leibchen ein paar hingekritzelte Bleistiftlinien. Dies« Linien bestehen aus einem senk- rechten Strich, von dem, in der Nähe seines oberen Endes, zwei Querstriche abzweigen. Diese Linienanordnung hat ungefähr die Form einer Fahne und weist alle Merkmale hingeworfener Flüchtigkeiten auf. Ich ahne, was es auf sich hat mit diesen Strichen. So unauf- fallend sie sind, eine so nebensächliche Rolle sie in der Gesamt- erscheinung des Küken auch spielen: sie versetzen mich aus der Atmosphäre fröhlichen Kinderlachens und harmloser Gebefreudigkeit in irgendein kleines Dörfchen. In diesem Dörfchen hocken, in langer Zeile aneinandergeperlt, schmucklose, niedrige Häuser. In diesen Häusern sind kahle Zimmer, mit knarrenden Dielen, mit abbröckeln- den Wänden. Darin steht ein Tisch. Um ihn herum sitzen bleich«, hohlwangige, freudlose Menschen... viel Kinder darunter... und diese Menschen schneiden, kleistern, malen. Weiße Leibchen, weiße Leibchen, weiße Leibchen... schwarze Hosen, schwarze Hosen, schwarze Hosen...: jeder immer seines, jeder immer dasselbe. Stundenlang, abendelang, nächtelang immer, immer dasselbe: grüne Hütche», grüne Hütchen, grüne Hütchen... rote Schleifen, rote Schleifen, rote Schleifen... Heimarbeit, Heimarbeit. Einer von ihnen zählt ab. Jedes zehnte Küken, jedes hundertste, jedes tausendste, also im Grunde berechtigt. Es ist erforderlich, daß beizeiten die Oeffentlichkeit auf das Mißverhältnis von Einnahmen und Ausgaben des Reiches aufmerksam wird, damit der Reichstag nicht wieder bei Ausitellung des nächsten Etats vor vollendeten Tatsachen steht. die Deckung üer Harmatkreöite. Der Wert der Aktienpakete. Heute wurde im B a r m a t-P r o z« ß die Verhandlung fort- geführt bei der Bewertung der Effekten, die als Deckung für den Kredit der Girozentrale gedient hatten. Unter dem 4. Juli hatte Klenske an die Deutsche Girozentrale ein Schreiben gerichtet, in dem eine Reihe von Aktienpaketen als Unterlage für den geforderten Kredit angeboten wurden, u. a. das Aktienpaket der Julius Wolfs A.-G., das mit einer Million bewertet worden war. während der tatsächliche Wert nach dem Gutachten des Sachverstän- digen höchstens ISO OOO Mark betragen hätte. Dies Aktien- paket ist schließlich aber nicht als Deckung gegeben worden, die An- klage vertritt aber den Standpunkt, daß die hohe Bewertung die Deutsche Girozentrale veranlaßt hat, den Kredit zu geben und die Amexima als sicher anzusehen. Auf die Frage des Vorsitzenden, wer diese Bewertung vorgenommen habe, erklärte der Angeklagte K l e n s k e. ihm seien die Werte so angegeben worden, v o n w e m, wisse er nicht mehr, vielleicht von Dr. Bernstein. Auch Julius B a r m a t erklärt«, daß er das Paket nie bewertet habe. Der Vor- sitzend« hielt dann Klenske vor, daß er in dem Schreiben an die Girozentrale geschrieben habe:„Wir machen daraus aufmerksam. daß wir die Werte der heutigen Zeit entsprechend niedrig angesetzt haben.* Klenske erklärte hierzu, daß er von den Verhandlungen über den Zehnmillionenkredit gar nichts gewußt, sondern geglaubt habe, daß es sich lediglich um 2% Millionen handelte. Auch Bar- m a t wies darauf hin, daß die Girozentrale ja die Deckungen habe prüfen wollen. Die Bewertungen seien nicht aus der Luft ge- griffen, sondern aus Akten genommen. Der Vorsitzende be- tonte, daß die Angeklagten Staub und Rabbinowicz, von denen der eine allerdings gegenwärtig verreist sei, nach Ostern zu diesem Fragenkomplex gehört werden sollen. Rechtsanwalt Julius- b e r g e r machte noch darauf aufmerksam, daß Klenske und Barmat über diese Dinge nichts wüßten, sondern daß die Angeklagten Staub und Rabbinowicz, wenn auch nicht juristisch, so doch wirtschaftlich dafür verantwortlich seien.__ Lehrertagung gegen Konkoröat. Für die Simultans.chule. Frankfurt a. O- 14. April(MTB.) Das Ergebnis der großen Provinzial-Lehrertagung in Frankfurt a. Oder, die an 1000 Vertreter der märkischen Lehrerschaft hier versammett sah. waren zwei bedeutsame Entschließungen. Zur Frage des Kon- k o r d a t s nahm die Versammlung folgende Entschließung an:„Die Brandenburgische Lehrerschaft erblickt eine schwere G e- föhrdung der Staatsrechte darin, wenn nicht durch Staats- gesetz sondern durch Konkordat das Verhältnis des Staates zu den Kirchen geregelt werden soll. Mit größter Entschiedenheit v e r- wahrt sie sich dagegen, daß etwa durch Konkordat den Kirchen Rechte und Einflüsse in den öffentlichen Schulen eingeräumt werden und dadurch der reichsgesetzlichen Regelung vorgegriffen wird. Sie erwartet, daß der Staat nie und nimmer sich seiner alleinigen Hoheitsrechte über die Schulen beraubt. Jede Abhängigkest der Schule von außer st aatl ich en Einwirkungen muß die Aufwärtsentwicklung des Schulwesens hemmen und schwersten? schädigen.* Zu dem Reichsschulgesetz faßte man die folgende Entschließung, die unter allgemeinem Beifall e i n st i m m i g an- genommen wurde:„Die Brandenburgische Lehrerschaft hält die religiöse Unterweisung der Kinder für einen wichtigen Bestandtell des gesamten Erziehungswerks und weist den Vorwurf der Religions- feindlichkeit mit Entschiedenheit zurück. Für die reichsgesetzliche Regelung des Verhältnisses zwischen Staat, Schule und Kirche gilt folgendes: 1. die allgemeine öffentliche Volksschule ist ausschließlich eine Veranstaltung des Staates und steht unter staat- licher Aufsicht. 2. Sie ist grundsätzlich für Kinder aller Be- kenntnisse und Weltanschauungen gemeinsam. 3. Religion ist ordentliches Lehrfach. 4. Lehrer und Schüler erhalten volle Gewissensfreiheit durch die Möglichkeit der Ablehnung des Religionsunterrichts.* ich weiß nicht, jedes wievielte, bekommt einen Vermerk: ein paar flüchtige Bleistiftstriche. Eine neu« Serie ist damit beendet, steht bereit fürs Verpacken, kann hinausgehen in die Welt und bringt ein paar armselige Groschen ein, von denen man heute noch nicht weiß, ob man sie fürs tägliche Brot, für die notwendigste Kleidung oder für die rückständige Miete wird verwenden müssen. Ich sehe es mir recht genau an, das kleine Bleistiftzeichen. Ja, gewiß, es hat die Form einer Fahne, aber diese Fahne hat die Form eines Notsignals. Ein Glück, daß die Kinder, die ich beschenken will, die Sprache des Bleistiftstriches nicht oerstehen. So werden sie sich hoffentlich während der Ostertage recht ergötzen an dem weißen Leibchen, den kullrigen Augen und dem feschen Hütchen, währenddessen anderswo Kinder zu dieser Stunde vielleicht in endloser Einförmigkeit malen: weiß« Leibchen, weiße Leibchen, weiße Leibchen... grüne Hütchen, grüne Hütchen, grüne Hütchen... wie man einen Strom über Serge transportiert. Los Angeles hat jetzt mit dem einzigartigen Unternehmen begonnen,«inen wesentlichen Teil des Colorado-Flusses über eine Ent- fernung von mehr als 400 Kilometer durch Wüsten und über hohe Gebirge zu seinem Gebrauch zu transportieren. Dieses Unternehmen, das vom Ingenieuerstandpunkt aus nur von dem Panama-Kanal übertroffen wird, soll sieben bis neun Jahre zur Ausführung in An- spruch nehmen und wird etwa 17S Millionen Dollar kosten. Edgar Lloyd Hampten, der im„Scientific American* die ersten näheren Angaben über diesen gigantischen Plan macht, meint, daß er sich nur mit dem Aquädukt des Owens-Flusses vergleichen läßt, einer Leistung, die ebenfalls von Los Angeles 1903 unternommen und fünf Jahr« später beendet wurde. Auch damals schon war es unbedingte Not- wendigkeit, die Wasserversorgung von zwei Millionen Menschen durchzuführen, da sich die Bevölkerung und die Industrien in diesem Gebiet so überraschend schnell vergrößerten. Jetzt muß man bereits wieder Wassermangel befürchten, da nach Ablauf der nächsten zehn Jahre ein« Bevölkerung von zehn Millionen Menschen ohne neue Maßnahmen an Wassermangel leiden würde. Die Ableitung des Colorado-Flusses erfordert ein viermal so großes System als die des Owens-Flusses. Für die Arbeiten werden Wasserleitungen, Telephon- «inrichtungen, Anlagen für elektrisches Licht und Kraft notwendig, die für jede Strecke der 400 Kilometer benutzt werden können. 60 verschiedene Arbeiterlager werden auf der Strecke eingerichtet in Zwischenräumen von etwa acht Kilometer, und Heimstätten für 5000 Arbeiter müssen geschaffen werden. Das Wasser, wie es aus dem Fluß kommt, wird zunächst in ein Infiltrations-Reservoir geleitet, mit dessen Bau am Westufer des Colorado bereits begonnen ist. Es dehnt sich nach Süden über 30 Kilometer aus: fein Südende bildet den Anfang der eigenllichen Wasserleitung, die aus Stahl und Beton m t� einem Durchmesser von 18 Fuß gebaut wird und in den Aufnahme-Reservoiren der Vorstädte von Los Angeles endet. Eine solche Anlage wäre schon an und für sich eine schwierige Unternehmung, aber erhöht werden diese Italien weicht aus. Ter Tirana-Vertrag geht Jugoslawien nichts an! Rom. 14. April.(Agenzia Stesani.) Das Pressebureau des Ministerpräsidenten veröffentlicht folgende Erklärung: Aus Anlaß einer von der jugoslawischen Agentur Avala in Bei- grad veröffentlichten Mitteilung, in der von direkten Ver- Handlungen gesprochen wird, welche in dieser Woche zwischen Rom und Belgrad beginnen sollten, hält es die ttalienische Re- gierung für richtig bekanntzugeben, daß noch keine Fühlung- nahm« zwischen dem jugoslawischen Gesandten in Rom und dem Minister des Aeußern Mussolini stattgefunden hat, daß noch kein Datum für eine eventuell« Unterredung festgesetzt ist und daß c» sich In jedem Falle nicht darum handelt. Vorbesprechungen oder Verhandlungen über einen Vertrag wie denjenigen von Tirana, der den jugoslawischen Staat nicht betrifft, einzuleiten, sondern, daß es sich einzig und allein um Besprechungen handelt, die die a l l g c- meinen Beziehungen zwischen den beiden Staaten klären. » Diese unmittelbar von Mussolini stammende Erklärung ist geradezu eine Provokation an die Adresse der jugo- slawischen Regierung. Sie besagt kurz und bündig: über Albanien verhandeln wir nicht mit Belgrad! Worüber soll aber denn sonst zwischen Rom und Belgrad ver- handelt werden, wenn nicht über den Vertrag von Tirana und über seine Auswirkungen, d. h. über die Einkreisung Jugoslawiens, die durch die Schaffung eines italieni- schen Vasallenstaates auf dem östlichen Ufer der Adria ganz konkrete Formen angenommen hat? Das ist die Kernfrage der italienifch-ferbifchen Beziehungen, und die Ablehnung Mussolinis, darüber mit Belgrad zu verhandeln, bedeutet eine neue Sabotage des Friedens durch den Faschismus. Neue italienische Alarmmeldungen. Das„Giornale dItalia* verbreitet neue alarmierende Meldungen über jugoslawische Mobilmachungsmaß- nahmen an der albanischen Grenze. Vermutlich hat Italien selbst etwas Böses vor und sucht durch die Haltet-den-Dieb-Taktik die öffentliche Meinung von seinen eigenen Dorbereittmgen abzulenken. Sie werüen nicht alle. Monarchistische Kundgebung einer Auslaudsvertretung Die Zeitung„L a P r e n s a* in Santa Cruz de Teneriffa brachte in Nr. 3/338 des vorigen Monats folgende Nachricht unter dem Titel„Erlauchte Reisende*: Der Ex-König von Sachsen, Friedrich August von Wettin, der die Absicht hat, sich eine Zeitlang in Teneriffa aufzu- halten, traf gestern hier ein. In seiner Begleitung reiste seine Tochter, die Erbprinzessin von Sachsen. Di« er- tauchten Reisenden wurden von dem deutschen Konsul, Herrn Jakob Ahlers und seiner Frau Gemahlin sowie zahlreichen Mitgliedern der deutschen Kolonie empfangen. Nach einem gemeinsamen Frühstück im Haus des Konsuls be- gaben sich die Gäste nach Puerto de la Cruz, wo sie im Hotel Martinez Wohnung nahmen. Es fehlt nur noch, daß die Spesen solcher„republikanischer" Repräsentation aus dem Etat des Auswärtigen Amts bezahlt werden. Man ist von den deutschen Auslandsvertretungen ja allerlei gewohnt. Herr Ahlers in Santa Cruz hat z. B. im vorigen Jahre den vormaligen und für das übrige Volk abgedankten Krön pk i n. zessin ebenfalls einen offiziellen Empfang bereitet. Will das Auswärtige Amt weiter dulden, daß von eigenmächtigen Ausländ:- Vertretern in der Welt der Eindruck hervorgerufen wird, als seien die Ex-Monarchen nur in Urlaub geschickt, um jederzeit wieder- zukehren? Dielleicht äußert sich Herr Stresemann einmal dazu. Die Auslieferung des Abg. Ulih an die Gerichte ist vom schle- fischen Sejm mit 23 gegen 17 Stimmen abgelehnt worden. Der Staatsanwalt hotte die Aushebung seiner Immunität verlangt, weil er polnischen Militärdienstpslichtigen über die Grenze geHolsen Schwierigkeiten noch dadurch, daß der Aquädukt durch Wüsten und über Berg« geführt wird: es sind Abgründe zu überwinden. Ein- schnitte in Felsmassen und Tunnels müssen gemacht werden. Im ganzen werden 80 Kilometer Tunnel durch die Gebirge führen, von denen einer 40 Kilometer lang fein wird. Der Colorado-Aquädukt muß hohe Gebirge überklettern, bevor er zu der Stadt Los Angeles hinabsteigen kann. Sein Anfang liegt nur 289 Fuß über dem Meeresspiegel, sein höchster Punkt aber 1706 Fuß. Das Wasser muß durch riesige Pumpanlagen in einer Reihe von Stufen über eine Strecke von 110 Kilometr gepumpt werden. Der Erfinder. Zum Kapitel Titel und Orden erzählt Bruno Manuel in seinem soeben im Sibyllen-Vcrlag erschienenen amüsan- ten Anekdotenbuch„Nackte Tatsachen* eine hübsche Geschichte: Graf Bernstorsf weilt« als deutscher Botschafter in einer amerika- nischen Gesellschaft, in der viele Diplomaten und Würdenträger zum Platzen behängte Brusthälften vor sich herschleisten. Sämtlicke Orden konnte man da Revue passieren lassen. Es schillerte, daß einem die Augen übergingen. Den Vogel aber schoß ein amerika- nischer Millionär ab. Neiderfüllt« Blicke waren auf einen Orden in der Nähe seines Blinddarms gerichtet, der olles Dagewesene in den Schatten stellte. Er funkelte und glitzerte nur so von Brillanten, Diamanten, Smaragden und Saphiren. Alle Welt war neugierig. zu erfahren, wo es solche wertvolle Orden zu ergattern gab. Bern- storsf übernahm es, den Beneideten auszuhorchen.„Sie haben da wohl einen außerordentlich hohen Orden?* fragte er. Der andere warf sich stolz in die Brust und erklärte:„dfy own invention!" (Eigene Erfindung.) In der Tat: warum soll sich nicht jeder so schmücken und— lächerlich machen dürfen, wie er Lust hat. Die Thealerausstellung Magdeburg wird am 14. Mai eröffnet werden. Die Feier wird von der Deutschen Welle, Berlin, von der Berliner Funkstunde A.-G. und anderen Sendern übertrogen wer- den. Am Nachmittag wird ein großes Festkonzert gegeben, das von sämtlichen deutschen Sendern weitergeleitet wird. Von interessanten Rundfunkübertragungen während der Deutschen Theaterausstellung seien die Sendespiele erwähnt, die die Funkstunde cnn 28., 29. und 30. Juni von Magdeburg aus übertragen wird. Zu diesen Spielen kommt die Berliner Funkstunde mit ihrem Stabe von rund 150 der besten Künstler nach Magdeburg und veranstaltet hier ain 28. Juni ein großes Festkonzert, am 29. Juni eine Sendespieloper und am 30. Juni ein Konzert mit Sol.sten. Deutsches Lust-Monopol in Derfien. Die Iunkers-Werke er- hielten voin persischen Parlament ein dreijähriges Monopol zum Betrieb der Lustlinien Teheran-Enseli(ein Hasen am Kaspischen Meer) von 280 Kilometern, Tehcran-Buschir(am Persischen Golf) von 650 Kilometern und Tenheran-Ouartou. Persien besitzt über- Haupt keine Eisenbahnlinien, jedoch verkehren gegenwärtig auf den wichtigsten Straßen und Pässen Automobile. Für den Personen- Schnellverkehr und die Briespostbesörderung hat deshalb der Luft- verkehr in Persien eine große Zukunft. ver Berliner vollichor gibt ein KarstcitagSkonzert in der.Zieuen Welt-, Halenbeide 108/114, unter Leitung von Dr. Ernst Zander und unter Mit! Wirkung der Kammermufikoereinigung der Staatstapell«. Werte von Mozart. Bach, Paleftrma, Schubert, BrahmS u. a. lammen zu Gehör. Anfang 7 Uhr� wirth gegen Stegerwalö. Das Signal zum Sturm auf Prcußcn. In der neuesten Nummer der Zeitschrift„Deutsche Republik" schreibt Joseph Wirth zu den vielerörterten Drohungen Stegerwalds: „Anlöhlich der Verabschiedung des Arbeitszeitnotgesetzes hat Herr Adam St.egerwald im Reichstag, wie er selbst an- kundigte, eine„hochpolitische" Rede gehalten. Hochpolitisch spricht der verantwortliche Führer. Herr Stegerwald ist noch nicht zum Vorsitzenden der Fraktion gewählt worden, er spricht also so gewisser- maßen für sich selbst, deutlicher gesagt, als Gewerkschaftsführer. So wie er kann jeder im Zentrum in Zukunft„hochpolitisch" sprechen. Der ein« als Führer der Agrarier, der andere als entschiedener Re- publikaner, der andere im Namen des Mittelstandes, der vierte im Namen der Jugend und wie man das noch ergänzen mag. Niemand kann's verwehren und auch uns ist ebenso ein offenes Wort gestattet. Der„Erfolg" im Reich läßt die Reaktion nicht zur Ruhe kommen. Es geht zwar im Reich mit gedämpftem Trommelklang. Außenpolitisch gefällt uns die Resignation, die die heutige Regierung zur Schau trägt, durchaus nicht. Es fällt der Rechten sehr schwer, auf der Stelle zu treten und doch gibt«s heute keine andere Methode angesichts der weltpolstischen Verwicklungen. als sich mit Geduld zu wappnen und auf der Stelle zu treten. Dielleicht wird die Rechtsregierung später außen- politisch nichts anderes getan haben, als auf der Stelle getreten zu sein und das wird noch das Beste sein, was man ihr außen- politisch nachsagen kann. Da nach außen vorläufig wenig zu tun ist und blinder Eifer nur schaden kann, kann die Aktivität nach innen sich ausleben. Herrn Dr. Stegerwald gebührt der Ruhm, den Auftakt dazu gegeben zu haben. Er wies in seiner Polemik gegen die Sozialdemokraten auf die Möglichkeit hin, die Sozialdemokraten aus der preußischen Regierung heraus- zudränge n. Kaum war ihm dieses Wort entfahren, mächt' er's im Busen gern bewahren. Er hat der Rechten eine neue Chance eröffnet. Wieder, wie immer, gegen seinen Willen. Der Kamps um die Regierung in Preußen hebt an. Slegerwald gab ungewollt das„hochpolitische" Signal. Hermann Müller ist im„Vorwärts"(Nr. 179) die Antwort nicht schuldig geblieben! Er erinnert Stegerwald an seine kurze Ministerpräsidentschaft in Preußen und folgert:„Was würde das Zentrum in einem reaktionären Preußen bedeuten?" Die.Kölnische Zeitung" hat es der jetzigen preußischen Regierungskoalition bescheinigt, daß sie Auf- lösung und Wahlkampf wagen kann. Will Stegerwald die Auflösung des Landtages und, wenn ja, was hofft er damit zu erreichen?" In der Tat ist das der entscheidende Punkt: Wenn die neuen Koalitionsaenossen des Zentrums von der Reichs- regierung aus auf Preußen einen Druck ausüben wollen, so müssen sie das mit allen Konsequenzen tun. Stegerwald scheint zu denjenigen Politikern zu gehören, die sich dieser Konsequenzen nicht bewußt sind. Stahlhelmmann Vobis. Ter Ermordung eines Reichsbanuermannes angeklagt. Köln, 13. April.(Eigener Dvahtbericht.) Vor dem Düsseldorfer erweiterten Schöffengericht begann jetzt der große Prozeß gegen den Stahlhelm mann Vobis wegen Ermordung des Reichsbo. nnermannsErdmann anläßlich eines Zusammen- stoße? zwischen Stohlhelmleuten, Reichsbannerkameroden und Kommunisten. Gleichzeitig sind noch elf weitere Stahlhelm- l e u t«, meist in sehr jugendlichem Alter, und zehn Rote Front» kämpser angeklagt. Den Angeklagten wird vorgeworfen, an einem Zusammenstoß am 26. Juli 1926 beteiligt gewesen zu sein, in besten Verlaus der Stahlhelmmann Vobis den Reichsbannerkameraden End- mann durch mehrere Messerstiche so schwer verletzte, daß Erdmann wenige Stunden später verstarb. Nach den bisherigen polizeilichen Ermittelungen haben die S t oh lh e lm l e u t« in geradezu un- glaublicher Weiss provoziert. Bereits Pfingsten 1926 hatte Vobis die Ausstellung eines Waffenscheins beantragt. Das wurde jedoch von der Düsseldorfer Polizei abgelchnt. Trotzdem trug Vobis ständig einen Revolver, mit dem er auch an dem Unglücks- tage blindlings um sich schoß. Im Verlaus der Auseinandersetzungen waren die Stahl- helmerinderMehrzahl. Sie benahmen sich außerordentlich frech und provokatorisch. Vichts lief mit einem Revolver in der Hand und einem Dolch in der anderen Hand ständig umher und verletzte einen Arbeiter ohne jeden Anlaß durch Messerstiche in den Magen. Als der Reichsbanncrmann Erdmann versuchen wollte, den Streit zu schlichten, stürzten sich drei Stahlhelmleute ohne jeden Anlaß auf ihn, wobei er d r e i M e s f e r st i ch e in die rechte Brustseite und in den Rücken erhielt, an deren Folgen er im Laufe der Nacht verstarb. Von der Staatsanwaltschaft sind 49 Zeugen ge- laden, so daß mit längerer Progeßdauer zu rechnen ist. Stahlhelm-pleite. Ein verkrachtes Sportunternehme«. Im Mai 1924 hat der Stahlhelm in Magdeburg-Neustadt ein Fort gekauft, um die notwendige Staffage für seine Soldaten- spielerei zu haben. Als Erwerberin trat die Stahlhelm-Sportplatz G. m. b. H. auf. Der Preis für das Fort war bereits recht be- trächtlich: er betrug 127 500 Mark. Von Anfang an war das Grund- stück mit Hypotheken überlastet, es sollte ausgebaut werden zu einer großen Sportplatzanlage mit Schießständen, außer- dem wollte man eine Bundesschule errichten. Jetzt stellt sich heraus, daß das ganze Unternehmen pleite ist, nachdem bereits erhebliche Gelder von den Mitgliedern für den Ausbau aufgebracht worden sind. Handwerker und Lieferanten warten auf die Zahlungen, die ihnen die Stahlhelm-Gesellschoft schuldet. Auch die beiden Magde- burger Firmen, die zum Erwerb und zum Ausbau des Forts Hypotheken gewährt haben, verlieren aller Boraussicht nach das ganze Geld. Die Stahlhelm-Sportplatz G. m. b. H. ist in Konkurs gegange». die Anlage kommt am 29. April zur Versteigerung. Die Gründung war seinerzeit mit großem Tamtam betrieben worden— heute ist sie gänzlich zusammengebrochen. Seit Herbst 1926 konnte die Stahlhelm-Gesellschaft keine Zinsen mehr bezahlen, selbst mit der Grundcrwerbssteuer ist das famose Unternehmen noch im Rückstände. Der ganz« Vorfall ist ein Beweis mehr dafür, wie b r ü ch i g die Stahlhelm-Organisation geworden ist und wie wenig Vertrauen sie selbst bei ihren Geldgeber-» heute noch besitzt. Sonst hätte dieser aussehenerregende Konkurs nicht eintreten können. Man versteht daher, weshalb der Stahlhelm es nun auf große Demonstrationen anlegt. Er muß neue Mitglieder werben, neue Geldquellen erschließen. Nachdem er aber wieder bewiesen hat, daß er nicht einmal geschäftlich zu arbeiten versteht, wird ihm das letztere schwer fallen, wenn die Geldsuche der Reaktionäre nicht noch weiter durch das aufgeregte Getue der Kommunisten künstlich pnterftützt wird. Dieser Schanöflsck Derlins versihwinöet. faste des alten Scbeuaeaviertels am Büiowplati, Rund um die Volksbühne am Bülowplatz liegen ein halbes Dutzend wüster, verwahrloster Plätze mit elenden Buden, die den größten Gegensatz zu dem vornehmen Bau der Volksbühne bilden. Sie gehören zum„S ch e u n e n v i e r t e l", jenem Schand- fleck Berlins, der feit jeher lichtscheuem Gesindel Unterschlupf bot und der imn endlich oerschwinden soll. Die Firma Schrobsdorfs will aus diesen Plätzen moderne Wohnbauten aufführen, zu denen erste Architekten die Entwürfe liesern. Auch ein Bad und ein großes Volkskino sollen sich hier erheben. Vorläusig bieten die zwischen der Linien-, Hirten- und Meydingerstrahe gelegenen zukünftigen „Bauplätze" ein trauriges Bild von Verkommenheit. Ein Blick über windschiefe Plankenzäune zeigt mit Tümpeln übersäte wüste Flächen, in den Ecken oerdorrte Christbäum«, Mist und Gerümpel aller Art. Knapp neben der Volksbühne hat ein Althändler seine Niederlage: Berge von faulenden Papierresten, Obst, Kisten und Fäsiern bezeichnen sein Reich. Auf dem Platz gegenüber, der an das Restaurant„Volksbühne" stößt, haben Zigeuner ihre Wagen auf- gestellt. Hunde liegen faul in der Sonne, eine schwangere Zigeuner- srau macht sich erbötig, aus der Hand die Zukunft zu lesen oder sich mit Familie für 29 Mark vor den Wagen photographieren zu lassen, der Mann klagt über die hohe Pacht und die Jüngste sucht aus dem nahen Müllhausen einige schmackhafte Bissen. Draußen auf der Grenadierftraße fühlt man sich nach Galizien versetzt. Bärtige Juden in schwarzem Kaftan strömen aus der einige Häuser weiter befindlichen Synagoge. Da Sabbath ist, sind alle die zahl- reichen Feinbäckereien, Geflügel- und Eierhandlungen geschlossen. Wer vor der Geflügel- und Taubenbörse in der Hirtenstraße staut sich das Publikum. In Käfigen aller Art stecken die Tauben, Hühner und Kaninchen, und gegen unbekümmert um die Zuschauer ihren Privatgeschäften nach, die von Hunger und Liebe diktiert werden. Weiter in der belebten Hankestraße drängt sich Holzbude an Holz- bude.„Heeresmaterial aller Art",„Pariser Haarkünstler",„Besohl- Anstalt",„Foto Atelier",„Erfrischungshalle" locken die Aufschriften. Endlich landet man vor dem grünen Rasendreicck, das dem Eingang der Volksbühne einige Distanz gibt. Auf Bänken und auf den Stufen, die zur Volksbühne führen, sonnt sich friedlich allerhand Volk unter der zu Häupten prangenden Devise:„Die Kunst dem Volke". Hetzer in üer Schlinge. Die Affäre Haus vom Wohnungsamt Wedding. Die vom„Vorwärts" am Mittwoch abend gebrachte Mel- dung, daß in die Affäre des Beamten Haus vom Wohnungsamt Wedbing ein Journalist Hartwig verwickelt ist, und daß die in der bürgerlichen Presse erschienenen gänzlich unbe- gründeten Angriffe gegen Stadtrat Fabiunke und Bureauvorsteher Mielke gerade auf diesen Journa- listen Hartwig zurückzuführen sind, wird jetzt auch von der„Vosst- schen Zeitung" und von der„Roten Fahne" wiedergegeben. Die „Vossische Zeitung" und von der„Roten Fahne" wiedergegeben. Die unter dem Nomen Harry Hardt für die„Neue Berliner Zeitung" (12-Uhr-Blatt) schrieb, inzwischen bereits in Haft genommen worden sei. Wie wir hören, trifft diese Meldung nicht zu. » In anderen Blättern haben wir bisher noch kein Wort über die von uns an die Oeffentlichkeit gebrachte neueste Wendung der Affäre Haus gesehen. Wir sind wirklich darauf gespannt, wie die Blätter der rechtsstehenden Parteien, nachdem ihr Gewährsmann Hartwig, der Verbreiter der infamen An- griffe gegen Fabiunke und Mielke, entlarvt worden ist, s i ch herauszulügen versuchen werden. Für diese Meute war es ein gefundenes Fressen, wieder einmal über einen sozial- demokratischen Stadtrat herfallen zu können, ober damit ist es nun vorbei. Die Hetzer zappeln jetzt selber in der Schlinge, nicht nur der Journalist Hartwig, der dem Beamten Haus zahlungsfähige Wohnungssucher zuwies, sondern auch diejenigen, die nachher auf Hartwigs Angaben hin die v e r- logene Hetze gegen Fabiunke und Mielke mit- machten. Als Verteidiger des Beamten Haus meldet sich bei uns«in Rechtsanwalt vr. jur. Walter Hermann Stern mit der Bitte, mitzuteilen, daß er nicht Syndikus des obengenannten Mittagsblattes ist._ Besseres Wetter in Sicht! In gar mancher Familie wird mit wachsendem Aerger all- morgendlich das anhaltende nasse Wetter sestgestellt. Wenn der B e r- l i n c r Wetterdienst, wie wir hoffen, recht behält, dann können wir unsere Leser trösten. Karfreitag zwar soll der Regen im wesentlichen noch anhalten, für die Ostertage selb st aber ist ein Umschwung zu erwarten. Zwar wird das Wetter nicht vollkommen heiter sein, aber die allgemeine Prognose lautet: Bei wechselnder Bewölkung wird die Sonne sich durchsetzen, m i l- des, zeitweise aufheiterndes, vorwiegend trocke- n e s Wetter ist zu erwarten. Bon Süden nämlich schiebt sich Warmluft nach Osten vor und oerdrängt den Regen im Interesse eines guten Derlaufs unserer Osterausflüge. Hoffen wir also das Beste! Falsches Mordgerücht. Das Gerücht von einem Kapitalverbrechen war gestern im Zentrum der Stadt verbreitet. An der Schloßsreiheit in der Nähe des Nationaldenkmals wurde eine stark verweste Leiche eines Mädchens aus der Spree gelandet, die eine goldene Kette um den Hals hatte. Von der Kleidung ist. nur noch ein brauner Strumpf und die Krempe des Hutes vorhanden. Die Tot« ist eine 22 Jahre alte Ellen von G l i e z i n s k y, die aus Burg bei Magdeburg nach Berlin gekommen war und hier am 5. Oktober vorigen Jahres ins Wasser gegangen ist, nachdem sie Abschiedsbriefs geschrieben hatte. Ihr Mantel und ihre Handtasche wurden damals an der Friedrichsgracht aufgefunden. Die übrigen Kleidungsstücke sind ohne Zweffel von Bootshaken von der Leiche nach und nach abgerissen worden. Zu dem Mord an dem Hausmädchen Ahrendt wird mitgeteilt, daß die Nachforschungen, die die Mordkommission und der Reichswasserschutz gestern bis in den Abend hinein veranstalte- ten, bisher keinen Erfolg hatten. Pakete sind weder im Park, noch im Wasser gefunden worden. Es sind ober noch nicht alle Wassert ä'ufe abgesucht worden. Der Reichswasserfchutz setzt heute das Abfischen noch fort, und auch die Gebüsch« des Parkes werden von Kriminalbeamten noch weiter gründlich durchsucht. hastentaffung in üer öanöerolenfälscheraffäre. Der in die Banderolenfälscheraffäre verwickelte frühere Inhaber der Zigarettenfabrik Data, Krakauer, ist auf Antrag seiner Ber- teidiger am gestrigen Mittwoch abend gegen Erhöhung seiner Kau- tion um 5999 M. aus der Haft entlassen worden Krakauer war bc- kcmntlich schon vor Wochen oerhaftet, dann gegen Stellung einer Kaution von 5999 M. wieder freigelassen und schließlich vor einiger Zeit auf Grund der weiteren Ermittlungen erneut festgenommen worden. Seine EntHaftung erfolgt« jetzt, weil nach dem Stand der Untersuchung keine Verdunklunqsgefahr zu befürchten ist und Flucht- verdacht nicht vorliegen soll. Gestern abend teilten wir mit, daß in der Angelegenheit der Banderolenbetrügereien der viel- fach erwähnte Franz A p i s d o r f den Behörden schon von früher her verdächtig sei. Herr Apisdorf sendet uns hierzu eine Berichti- gung, nach der er mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun habe. Er sei in dieser Sache weder angeklagt, noch jemals vernommen worden: auf ihm ruhe keinerlei Verdacht. Auch früher habe er nie- mals etwas mit Banderolenschiebungen zu tun gehabt. Er sei un- bestraft und unbescholten. Wir geben dieser Berichtigung aus Loyalitätsgründen Raum. Unser- Informationen entstammten einer Berliner Korrespondenz. Ofterfahrten des„Baldur". Das M o t o r k a b i n e n s ch i f f„Baldur" des gemein- nützigen eingetragenen Vereins„Grüne Heimat" nimmt mit Kar- f r e i t a g seine billigen Erholungsfahrten auf den märkischen Ge- wässern mit Uebernachtung auf dem Schiff wieder auf. Es sind auch in diesem Jahre schon wieder sämtliche Wochentags- fahrten vom 1. Mai bis zu den großen Ferien und nach den- selben bis Mitte September vollständig von Schulen belegt, so daß also Schulen, die in diesem Jahre noch eine Fahrt mitzumachen wünschen, dies nur im Laufe des Septembers noch ausführen können. Jedoch ist bei der großen Nachfrage auch hierfür u m- gehende Anmeldung erforderlich. Von Sonnabend abend bis Montag früh unternimmt das Schiff außerdem die beliebten und augenblicklich ganz besonders aktuellen Wochenend- fahrten. Von diesen sind ebenfalls schon einige von den Vcr- einen und Verbänden fest bestellt und für die restlichen Wochen- endfahrten ist auch die Nachfrage eine sehr rege. Vereine, die ihren Mitgliedern diese einzigartige Erholung ermöglichen wollen, dürfen daher nicht lange mit der Anmeldung zögern. Außerdem wird zu Ostern«ine zweitägige Fahrt nach Brandenburg, desgleichen zu Pfingsten eine dreitägige Fahrt nach dem Plauer See unter- nommen. Alle Preise sowie auch die für die Verpflegung sind alleräußerst mäßig gehalten, wie es durch den' gemein- nützigen Charakter des Unternehmens bedingt ist. Anmeldungen zu allen Fahrten nimmt die Geschäftsstelle, Berlin C. 2, Breite- straße 36, Aufgang IV, entgegen. Sarsrelkags-Freikonzerk der Schuhpolizei.'Das Kommando der Schutzpolizei veranstaltet am Freitag, dem 15. April, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße, ein Festkonzert für Kriegs- beschädigte, Kriegerhinterbliebene, Klein- und Sozialrentner gegen freien Eintritt. Unter Mitwirkung des Sinfonie- Orchesters und des Gemischten Chors der Schutz- polizei sowie der Konzertsängerin P a u l i n e D o b er t, die sich der guten Sache zur Verfügung gestellt hat, soll den A e r m st c n Berlins eine Ofterfreude bereitet werden. Die Leitung liegt in den Händen CamilloHildebrands. Das Programm, das der Karfreitagsstimmung Rechnung trägt, enthält Werke von Wagner, Bach, Lifzt und Händel. Die Eintrittskarten sind restlos in Verbindung mit dem Landeswohlfahrtsamt den Bezirkswohlfah-ts- ämtern und der freien Wohlfahrtspflege zugeführt worden. Erdbebenkatastrophe in Chile. Rem Port, 14. April.(TU. Nach Meldungen des„Universal Service" wurden durch ein Erdbeben in Santiago de Chile viele Hunderte von Personen verwundet. Zahlreiche Häuser wurden völlig zerstört. Tote wurden bisher nicht gemeldet. Auch in Valparaiso hat das Erdbeben Schaden angerichtet, der jedoch nach den bisherigen Meldungen nicht allzu erheblich zu sein scheint. Nach einer Meldung der„Europa Preß" sind bis jetzt in Santiago 5 9 Tote und 129 Verletzte festgestellt worden. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, und „Der ftindersreund" liegen der heutigen Postauflage bei weitere Setriebsrätewahlen in Serlkn. Im Tiemens-Konzern. Bei der Siemens u. Halste A.-G. B l o ck w e r k erhielt bei den Arbeitern die sreigewertschaftliche Liste(die Zahlen des Vorjahres sind eingeklammert) 777 Stimmen(368): die ch r i st- l i ch e Liste erhielt 29(67) Stimmen: Wertsgemeinschast(Gelbe) 7 0(78) Stimmen. Ungültig waren 46(63) Stimmen, wahlberechtigt 1349(1537). Die Mandate im Betriebsrat oerteilen sich wie solgt: freie Gewerkschaften 8 und 3 Ergänzungsmitglieder(9 und 3), die übrigen Liften erhielten kein Mandat.(Im vorigen Jahre fielen sie ebenfalls aus.) Bei den Angestellten erhielt die Liste der freien Gewerk» schafien 165(193) Stimmen, die Liste des bürgerlichen Mifchmafch 139(158) Stimmen. Ungültig waren 7(1), wahlberechtigt 481 (447). Von den Mandaten im Betriebsrat entfallen auf freie Ge- werkschaften 2 und 2 Ergänzungsmitglieder(2 und 2), die andere Lifte 1 und 3 Ergänzungsmitglieder(1 und 3). Dieses Wahlergebnis zeigr mit aller Deutlichkeit, daß man es verstanden hat, all die Arbeiter abzubauen, die nicht der gelben Organisation angehören, und trotzdem ist es den Gelben nicht gelungen, in den Betrieb einzudringen. Die Gelben haben wohl schon vorher mit einer Niederloge gerechnet, da sie nur drei Mann auf der Kandidatenliste der Belegschaft prüfen- lierten. Die christliche Fraktion hatte ebenfalls ihren ge- samten Mitgliederbestand von sechs Mann an der Zahl auf der Kandidatenliste nominiert. Um so erfreulicher ist es, daß die Belegschaft sich mit übergroßer Mehrheit für die freigewerkschastliche Liste eingesetzt hat. Im Siemens-Schuckert-F r ä s en b a u T e m p e l h o s fand bei den Arbeitern keine Wahl statt, da nur eine fretgewerk- s ch a f t l i ch e L i st e eingereicht war. Bei den Angestellten tobte um so heftiger der Wahlkampf, da die Firma im Vorjahre drei freigewerkschaftliche Angestelltenratsmitglieder fristlos entlassen hat. Diese halten beim Gewerbe- sowie beim Landgericht Klage geführt, urteilt, die drei Entlassenen wieder ein, und Kaufmannsgericht und die Firma wurde ver- zustellen, da die Zustimmung des Angestelltenrats zur Entlassung fehlte. Um der freigewerk- schaftlichen Richtung das Wasser abzugraben, wurde nunmehr ver- sucht, bei der jetzigen Angestelltenratswahl eine G e g e n l i st e auf- zustellen, die sich aus Bureauoor st ehern, Direktions- fekretärinnen usw. zusammensetzte und von leitenden Ange- stellten sehr warm empfohlen wurde. Die Wahl ergab hier folgendes Resultat: Wahlbeteiligung 133 Proz. Abgegebene Stimmen für die Liste der freien Gewerkschaften 39, sür die Liste der Firma 18 Stimmen. 1 Stimme war ungültig. Mandate im Betriebsrat erhalten demnach freie Gewerkschaften 2 und 2 Ergän- zungsmitglieder(2 und 3), Firmenlist« 3 und 1. Im Siemenskonzern steht nur noch die Wahl zum Gesamt- betriebsrat aus, deren Ergebnis für die freien Gewerkschaften nach den bisher vorliegenden Resultaten der Betriebsratswahlen nicht ungünstig ausfallen dürfte. Bei Ludwig Loewe u. Co. Die Belegschaft der Firma Ludwig Loewe u. Co. A.-G., Berlin, chuttenstraße 17— 19, hat seit Iahren bei der Betriebsratswahl eine gemeinsame freigewerkschosliche List«(Arbeiter und Angestellte) auf- gestellt und dadurch es etwaigen Gegnern so schwer gemocht, mit Gegenlisten zu kommen, daß sie nicht erst den Versuch machten. In diesem Jahre versuchten etliche Angestellte, denen das ge- meinsame Arbeiten schon immer ein Dorn im Auge war, ebenfalls eine Liste zusammenzubekommen. Es sei dahingestellt, ob aus eigenem Antrieb oder auf höhere Weisung, jedenfalls waren sie sich darüber klar, daß es nichr so einfach ist, eine Bresche in die Ein- heitsfront zu schlagen. Sie machten sich deshalb an die Wortführer der KPD. innerhalb des Betriebes heran, um diese zu veranlassen, mit den deutschnationalen und sonstigen Angestellten eine beson- dcre Liste aufzustellen. In der Betriebsversammlung der Angestellten rief der Wort- sührer der gegnerischen Liste pathetisch aus, daß er noch vor kurzem in seiner letzten Tätigkeit in einem Betriebe in Hanau m i t der KPD. sehr gut gearbeitet habe, warum solle dies nicht auch hier möglich sein? Unsere Gewertschaftskollegen von links hoben es abgelehnt, mit den Herrschaften zu paktieren. Sie muhten nun eine eigene Liste bringen, die aber nur ein paar Angestellte ent- hielt. Eine nähere Bezeichnung der Liste unterließ man oder schämte sich der richtigen Benennung. Mit welchen Mitteln diese Angestellten organisatorisch arbeite- ten, zeigte ein Flugblatt, das auf rotem Papier(I) her- gestellt war und in großen Lettern die Ueberschrist.Offener Brief an die Belegschaft" trug. Der Inhalt dieses Pamphlets ist ein Wust von Anschuldigungen gegen den Wahlvorstand. Die Wahl am 5. April ergab für die neue Liste ganze 163 Stimmen, während die Liste 1 der sreigewerkschaftlichen Arbeiter und Angestellten 2281 Stimmen aufbrachte. Natürlich sind auch die auf Liste 2 entfallenen Stimmen noch zu viel, weshalb alles daran gesetzt wird, um auch die 163 irregeleiteten Arbeitnehmer bis zu den nächsten Wahlen zu dem Standpunkt der freien Gewerkschaften zu bekehren. Die mit großem Pamp eingeleitete deutschnationale Aktion ist kläglich zusammengebrochen._ UrWahl bei den Gemeindearbeitern. Die Leitung der Sektion Gesundheitswesen im Der- bände der Gemeinde- und Staatsarbeiter war durch Urwahl zu be- stimmen. Die ziemlich stark vertretene kommunistische„Opposition" — angefeuert von dem Geschrei der„Roten Fahne— lieh nichts unversucht, um die Sektionsleitung in ihre Finger zu bekommen. Auf die gewerkschaftliche Liste entfielen jedoch 2392 Stimmen, auf die Liste der Opposition 1793 Stimmen. Die Sektionsleitung bleibt damit weiterhin in den Händen der„Re- formisten". Immerhin bietet der Umstand, daß die Opposition nahezu 43 Proz. der Stimmen erhielt, unseren Genossen alle Ver- anlassung, auch nach ihrem Wahlerfolg auf dem Posten zu sein. öetriebsräteversammiung der Steinürucker. Die Berliner Ortsverwaltung des Verbandes der Lithographen und Steindrucker hiell am Dienstag im Gewerkfchaftshaus eine gut besuchte Betriebsräteversammlung ab. Zunächst berichtete Rohberg über die Groß-Berliner Be- triebsrätetonferenz am 27. März: deren Stellungnahme zum Ar- beitszeitnotgesetz schloß sich die Versammlung der Lithographen durch einstimmige Annahme folgender Entschließung an: „Die Betriebsräteversammlung des Verbandes der Litho- graphen, Steindrucker und oerwandten Berufe fordert von allen Mitgliedern der Organisation die Jnnehaltung des Acht- stundentages trotz Arbeitszeitnotgesetz. Ange- sichts der immer noch großen Zahl von Arbeitslosen besteht sür uns der alte Kampfruf: 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Erholung und 8 Stunden Ruhe." Dann hielt Landa einen sehr lehrreichen und fesselnden Vor- trag über den gigantischen Kampf der Klassen in der Welt. Es hat noch keine Generation gegeben, die, wie die jetzige, so weltumstürzende Ereignisse miterleben mußte, so führte der Redner aus. Staaten wurden von Grund auf geändert. Europa hat seine V o r m a ch t st e l l u n g in der Welt schon jetzt fast völlig verloren. Diese Vormachtstellung hat Amerika allmählich an sich zu bringen verstanden, nicht zuletzt durch seine reichen Boden- schätze wie Oel und dergleichen. Jenseits des Ozeans laufen jetzt zum allergrößten Teil die Fäden zur Leitung der Geschicke der ganzen Welt zusammen. Allenthalben ist eine vermehrte Industrialisierung zu beobachten, die durch die ständig fortschreitende Entwicklung der Technik nicht unwesentlich beeinflußt wird. Es liegt ganz in der Natur der Sache, daß sich dadurch auch die Klassengegensätze in allen Staaten verschärft haben. Selbst der ferne Osten ist davon nicht verschont geblieben. Es gibt eben keine Welt- geschichte ohne Klassenkämpfe. Auch bei uns in Deutschland hat sich das Bürgertum zum Kampf gegen die Arbeiterklasse vereinigt. Es geht bei uns nicht nur um die Frage: Republik oder Monarchie?, fondern vor allem auch darum, ob es uns gelingt, durch Zusammen- fassung aller Kräfte allmählich auf die wirtschaftlichen Verhältnisse den gehörigen Einfluß zu bekommen. Unser Ziel ist die wirtschaftliche Demokratie. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es eine unbedingte Notwendigkeit, die Macht der gewerkschaftlichen und politischen Organisationen nach dem Muster der österreichischen so zu stärken, daß sie allen Anstürmen der Gegner trotzen können. Die Gewerkschaften waren bisher und� werden auch weiter der stärkste Hort für die Arbeiterschaft sein. die Ausbeutung des Menschen durch mit seiner ganzen Person einsetzen. Nach dem mit Beifall aufgenommenen Vortrag wurde noch zu reger Beteiligung an der Maifeier aufgefordert und die Ein« richtung von Betriebsrätetursen besprochen. Für den Kampf gegen den Menschen muß sich jeder Ueberstunüen im Nelchsbahnbetrieb. Infolge der überlangen Arbeitszeiten und des dadurch bedingten hohen Kranken st andes des Reichsbahnpersonals, gehen „tüchtige" Dienststellenleiter dazu über, von den Betriebs- und Beamtenräten die Zustimmung des Personals dazu einzuholen, die Zahl der geleisteten Sonntagsdien st stunden sich von der Arbeitszeit an Wochentagen nicht abziehen, sondern bezahlen zu lassen. Wenn die Personalvertretungen darauf eingehen würden, dann würde das Wochensoll von S4 Stunden in der Regel auf 63 Stunden steigen. Die Verwaltung tut so, als od ihr von dem übergroßen Angebot von Arbeitskräften nichts bekannt ist. Es existieren Dienststellen, auf denen etwa 2SbisZ3Proz. desgesamtenPersonals ertrankt sind. Trotzdem muß die Arbeit der Fehlenden von dem übrigen Personal mitgeleistet werden, obwohl im Eisendahnbetriebe eine scharf« Rationalisierung eingeführt worden ist. � Will die Verwaltung diesen Zuständen nicht endlich dadurch abhelfm, daß sie die schon viel zu lang« dauernde Einstellungs- sverre aufhebt und dafür sorgt, daß der Aussall an erkrankten Arbeitskräften wenigstens annähernd ausgeglichen wird? Di« heutig« Methode muß zwangsläufig dazu führen, daß der Krankenbestand immer höher wird._ Der Rheinschiffahrtsschiedsspruch abgelehnt. Duisburg, 14. April.(WTB.) Die Arbeitgeber haben den Schiedsspruch in der Frage der Rheinschiffahrt abgelehnt. Bon den Arbeitnehmern liegt bis jetzt eine Erklärung nicht vor. Sie haben die Verlängerung der Erklärungsfrist bis zum 22. April gefordert. Lohnverhandlunge« in Sachsen. Bei den Verhandlungen über den Schiedsspruch zum Lohn- tarif sür die sächsische Metallindustrie im sächsischen Ar- beitsministerium lehnten die Arbeitgeber jede Lohnerhöhung über den Schiedsspruch hinaus ab und beantragten die Ver- bindlichkeitserklärung. Die Arbeitnehmer wandten sich daaegen. Der letzte Entscheid siegt nun in den Händen des Schlichters. Die Verhandlungen zwischen dem Deutschen Metallarbeiter- verband und den Sächsischen Hüttenwerken sind eben- falls ergebnislos verlaufen. Beide Parteien einigten sich auf ein frei zu wählendes Schiedsgericht. Auch die Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeber- verband Sächsischer Gemeinden und dem Gemeinde- arbeiterverband sind gescheitert Der Gemeindearbeiterverband forderte eine Erhöhung des Stundenlohnes um 13 Pf., während der Arbeitgeberverband nur 3 Pf. pro Stunde bewilligen wollte. Die Verhandlungen werden am Donnerstag vor der Be- zirksschiedsstelle fortgesetzt.— Die Lohnverhandlungen der Verwaltungsarbeiter mit der sächsischen Regierung blieben gleichfalls ohne Erfolg. Die Arbeitnehmer fordern 13 Pf. Stundsnlohnerhöhung, die Regierung will nur 21b Pf. bewilligen. ab 1. Oktober nochmals IIb Pf. Die Arbeitnehmer werden den Schlichtungsausschuß anrufen. Schiedsspruch im Baugewerbe der Provinz Sachsen. Halle a. d. S., 14. April.(TU.) Das Tarifamt für das Bau- gewerbe im Bezirk Sachsen-Anhalt-Magdeburg hat folgenden Schiedsspruch gefällt: Die Bezirkslohntafel wird mit Wirkung vom 14. April 1327 wie folgt geändert: In der Klasse I wird auf den jetzt gültigen Facharbeiterlohn ein Aufschlag von 8 Pf., in den Klassen II und III von 7 Pf., in der Klasse IV von 6 P f. und inderKlasseV von5Pf. gewährt. Mit Wirkung vom 29. September 1327 wird ein Zuschlag von 3 Pf. für den Facharbeiterlohn aller Klassen gewährt. Die Erklä- rungsfrist läuft bis zum 16. April. polen kommt nach! Mit dem Achtstundentag in den Gruben. In Deutschland ist durch Schiedsspruch für den Ruhr- bergbau erneut die Sieben st undenschicht unter Tage— mit einer Stunde Ueberarbeit festgesetzt. Hinter diesem Echternacher Sprung kann auch Polen nicht zurückbleiben. Das Arbeitsministerium hat daher, wie uns aus Warschau gemeldet wird, eine Verordnung erlassen, durch die vom 1. Mai ab die Achtstundenarbeitszeit in den ober« schlesischen Gruben wieder eingeführt wird. Warum aber führt man in Polen nicht auch die„Sieben- st undenschicht" wie in Deutschland ein— mit einer Stunde Ueberarbeit? Das kostete doch nicht mehr! Muß man denn in Polen ehrlicher sein und den Acht« stundentag im Untertagebergbau einen Achtstundentag nennen anstatt einen Sieben stundentag mit einer Stunde Ueberarbeit! vie englische Arbeiterschaft«ehrt sich. Gegen Verschlechterung des Gewerkschaslsrechlv. London, 14. April.„Daily Herald" zufolge bestätigt es sich, daß die Konserenz der Vollzugsausschüsse der Ge- werkschaften am 29. April, drei Tage bevor die Gewerkschaftsvorlage Parlament zur zweiton Lesung gelangt, zusammentreten werden. Gleichzeitig mit dem Parlamentär, schen Kamps soll ein roßer Feldzug von Kundgebungen und Ver- sammlunge» in ganz England durchgeführt werden. Gesten, wurden vom Generalrat des Gewerkschaftskongresses und hierauf in einer Vollsitzung de«„Gewerkschaftsverteidigungs- a u s f ch u f f e s", der aus Vertretern des Generalrates, des Landes- Vollzugsausschusses der Arbeiterpartei und der Parlamentsfraktion der Arbeiterpartei besteht, die Pläne für diesen Feldzug besprochen. Sorge« des englischen Bergarbeiterverbandes. London. 14. April.(WTB.) Der Vollzugsausschuß des Berg- arbeiteroerbandes erwog in seiner heutigen Sitzung einen Bericht der Delegierten des Verbandes über die kürzliche Sitzung des Dollzugsausschusies der Bergarbeiter-Internationale in Berlin, der die gesamten Fragen der künftigen Be- Ziehungen zwischen dem britischen Verband und der Internationale auswarf. Ferner wurde die Froac enger Arbeitsoereinbarungen zwischen den rusjischen und den britischen Bergarbeitern erörtert. Ein Be- richt wurde erstattet über die Zusammenkunft in Berlin zwischen den russischen Bergarbeitern und den Beamten des britischen Verbandes, und es wurden Pläne erwogen für die Bildung eines enalifch-rufsischen Ausschusses, der tätig fein soll, bis die Internationale bereit ist, den Anschluß der Bergarbeiter in allen Ländern anzunehmen. Deutscher Baugewerkebuud, Fachgruppe der Töpfer. Am Sonnabend, lS. April. vorm. 9 Uyr, im großen Saal de» Sewerlschaftedoufes Streilversammlunz. Tagesordnung wird in der Berjammlung bekanntgegeben. Di« Streiiion- tro II karten werden den Kollegen im Bestibill übermittelt: ohne dieselben kein Di« SNetkleitung. gutritt. Veraniwortlich für Politik:«ietor Schisl! Wirtschaft:». Kliugelhöser! ' Lokale» Dewerkschoft-beweauna: Friede,«ftliru: Feuilleton:*. 5. Dtscher: Lob und Sonstige»: Friß Karstädt! Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin Verlag: VorwSrts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u So.. Berlin EW 68, Lindcnstraße 3. Hierzu die Beilage Kulturarbeit". Keines kauft so billig als vio Do, läufst nur zur Do in Kol — SpirHuosen— UkSre, Weinbrand billiger deworden Liter-/,»« I,Iü2re,»»:»> llulllktili..3,70 3,73 ,,70 Eierwelabrand... 4,25 3,30 ,.85 Weinbrand, alter CeBe 4,— 3,— IM Weinbrand(Verschnitt) 3,— 2,45 IJO i Walaga, Tarragona, Sekte, WciBweir, Rot wein, illn setir bil'ig. und rillt nuhn Setitn ntht Alle Preise verstehen sich mit Flasche. Vorzeiger dies. Annonce erhält 4°/c in bar. Nur Gr. 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Sonntag Tegel, Vercinshaus(Hamoseck) Hauptstraße 6 Jeden Sonntag Notatands-Varleti.Kommission der Intern. Artisten» Log« E. V. RAD I OG W0RSTCHEN*BOCKWUR3. Etwas ganz Basonderes! □ m 40 Pia, an 1 ca. 300 Landparzellen, prima Qarten- boden. 20 Min.v.Bahn.Verkäuler Sonntags Im Restaurant„Zu den drei Linden", direkt am Bahnhot Fredersdort. IUI. Bleuer. Berlin C, Gontardstr. 5. ZurNeuciiiridKiing, Dmzog oder Benovienmg Ihrer Wohnung empfiehlt sich Dekorateur Alfred Walter Lager und Anfertigung von Dekorationen und Gardinen aller Art Bett-.Ttsdi' i Di wondedten äußerst billig nur NeoHölln« Seldiowcr Str. 6 IL Etage, Kein Laden! Tel. Nkl. 2529 Ostfer�esdhenke Damenstrilmpfe Seidenflor, priraa Qualität, alle mod Farben................ 2.45, J.90 l.SO KünstL Seide............ 4.33, 2.75 0.95 Waschseide„Bember*" 4.23. 2.65, 1.90 Kascbmir-Wolle.......... 5.50, 3.65 2.60 Kindcrstriimpfe, ür. 1, schw. u. färb. 0.35 jede weitere Größe+ 5 Pf. 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Als die Organisation des jungen Proletariats hat die Sozialistische Arbeiterjugend auch die Pflicht, diesen soeben der Kindheit Entwachsenen den Weg in die große Heerstraße der sozialistischen Arbeiter- bcwegung zu weisen. Und das ist das Erfreulichste an der Mehrzahl der Per- anstaltungen: die Eltern und die erwachsene Arbeiterschaft überhaupt nahmen in großer Anzahl Teil an den eifrigen Darbietungen der Jungen. Sie zollten dem ehrlichen Kampf- willen und dem natürlichen Frohsinn, die aus diesen Kund- gebungen hervorleuchteten, den wärmsten Anteil. Immer konnte der Beobachter feststellen, wie ergriffen die Alten waren, wenn von den vertrauten Zielen der Bewegung ze- sprachen wurde. In diesem Punkt erwies sich am vollkom- mensten die enge Iusammengchörigkeik von alt und jung in der sozialistischen Bewegung. Aber mehr noch ließ die Werbewochc die Größe und Bedeutung der Aufgaben erkennen. die in Angriff zu nehmen und zu bewältigen der jungen und der kommenden Generation zukommt. Bor einigen Jahr- zehnten noch war der Sozialismus mehr oder weniger nur ein Zauberwort, das die arbeitenden Menschen mit tiefem Glauben an die Befreiung der Menschheit erfüllte. Der Gedanke Sozialismus erfüllte die ersten Berfechter unserer heute so starken sozialistischen Bewegung und hob sie empor über den dumpfen Alltag. Arbeiter, Frauen und Jugend werden immer mehr er- faßt von der Flamme sozialistischer Begeisterung. Ueberall in der Welt bricht sich der Sozialismus Bahn und erleuchtet die dräuende Finsternis unserer Zeit. Die zerrissene und aus vielen Wunden blutende Menschheit wird immer wieder zu- sammengeführt durch die bezwingende Kraft des sozialistischen Zukunftsgcdankens. Heute steht die politische und gewerk- schaftliche Arbeitnehmerbewegung durch ihren politischen und sozialen Fortschritt in vielen Ländern bereits vor der In- angriffnahme erster praktischer Versuche zur Gestaltung künf- tiger Gesellschaftsordnung. In Kultur und Wirtschaft regen sich die Geister. Aber viele Baumeister sind von- nöten, um den gewaltigen Bau Sozialismus auszurichten. Ueberall in den Zellen unseres öffentlichen Lebens muß der Geist der werdenden Zeit hineingetragen werden. Wer anders, als die heranwachsende Jugend soll diese Pionier- arbeit leisten? Die Sozialistische Arbeiterjugend ist die Schule dieser Pioniere. In vielen Iahren hat sich die arbeitende Jugend in gemeinsamer ausdauernder Arbeit die Methoden angeeignet, die zur Bewältigung eines reichlichen Arbeitsgebietes beitragen sollen. Und unter Betonung der Selbstverwaltung und Selbsterziehung, lernend aus den Er- fahrungen der alten Generation, schafft sie mutige und kühne Sireiter für die große Bcwegung. Mancbes Hemmnis läßt die Begeisterung und die Zähigkeit für die Sache in un- geahntem Maße wachsen. Der Wille zu neuer Menschheit ist in den Reihen dieser jungen Garde lebendig. Bildung und Wissen, von altersher die Fundamente jedes Fortschritts, vermittelt die Jugendorganisation. Darüber hinaus weckt sie im jungen Menschen die Fähigkeit eigener Denkarbeit. �Sie entfacht in ihm das gewaltige Gefühl der Zusammengehörig- keit mit den Kameraden und Gleichaltrigen. Das ist die Dorstufe zu jenem Klassenbewußtsein späterer Jahre, das gepaart mit Erkenntnis und kritischem Urteil erforderlich ist für das Gelingen jeglicher politischer und gewerkschaftlicher Bewegung. Gewiß kein bequemer Pfad, sondern eine rauhe Straße führt durch eine unwirtliche und harte Zeit zu unserem Menschheitsziele. Wohl wird mancher noch verzagen und auf die Mitarbeit auf halbem Wege verzichten. Aber die Jugend rüstet und wird mit Freude den langen Eroberermarsch an- treten. Als junge Armee wird sie das Banner vorantragen zu den von fern schon grüßenden Gipfeln der Borberge des Zukunftslandes. Viele Mädchen und Burschen haben in diesen Tagen die Brücke in das Leben überschritten. B-ruf- und Erwerbsarbeit stehen vor den Jungen. Einem großen unbekannten Etwas werden sie anvertraut und irgend- wo geschieht eine Landung. Aich) hier tritt die Sozialistische Arbeiterjugend wieder in Erscheinung, sie zeigt sicher« Stellen des Ueberganges. Sie leitet den jungen Menschen in seine freie Gewerkschaft, die er benötigt zur Sicherung seines wirt- schaftlichen Daseins, sie bietet ihm einen Halt in den Stunden des Zweifels und der Verzagtheit und zeigt ihm vor allen Dingen den Weg zur sozialistischen Arbeiterbewegung. Gleich- bedeutend mit Kultur- und Fortschritlswille ist dieser Weg. Die organisierte Arbeiterschaft hat selbst ihr lebendigstes Interesse daran, daß die kommenden Geschlechter diese Richtung einschlagen. So wird die Sozialistische Arbeiterjugend in ihrer nunmehr einsetzenden Arbeit der Sammlung und Werbung vertrauen auf die willige Unterstützung ihrer er- wachsenen Kampfgenossen in den Arbeiterorganisationen. Denn nur in engstem Zusammenwirken mit ihnen besteht die ' Möglichkeit eines vollen Erfolges. Heute klopft die junge Garde an eure Pforten, schenkt ihr Gehör, unterstützt sie, helft ihr die arbei» tende Jugend in der jungen Arbeiter- bewegung zusammenzufassen! Aus starken Gruppen der Sozialistischen Arbeiterjugend werden zahl- reich? und mutige Wegbahner sür die politische und gewerk- jchaslliche Bcwegung heranreisen. L. D. Saperifther Volksbühnentag. Beharrlich, wohlüberlegt, wenn auch unter größeren Schwierig- leiten als im übrigen Reiche, gewinnt in Boyern die Idee des Eemeinschaftstheaters mehr und mehr Anhänger. Das zeigte der zweite bayerische Bezirkstag des Verbandes der deutschen Volksbühnenoereine am Sonntag, dem 10. April, in Regensburg, der eine erfreuliche Delegiertenzahl zusammenführte. Vertreten waren München, Nürnberg, Würzburg, Regensburg, Augsburg, Bayreuth, Bamberg, Weilheim, Traunstein, Penzberg, Freilassing, Peissenberg, Hof, Schweinfurt, Aschaffenburg. Erlangen. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Bezirksver- bandes Bayern, Landtagsvizepräsident Erhard Auer, gab Kunstschriflsteller Hermann Eßwein ein durchgearbeitetes Referat über das Thema: Die Volksbühne als Kultur- t r ä g e r i n. Eingangs stellte der Redner fest, daß die Volksbühnen- bcwegung in Bayern leider dadurch stark gehemmt fei, daß ein Teil der Presse die Ideen der Volksbühne ihren Lesern nicht genügend oder gar falsch nahebringe. Die Volksbühnenbewegung erstrebe die Vermittlung edlerer Genüsse an alle, stei von politischen Neben- Merken: weltanschauliche Sonderbildung überlaste sie den dafür zu- ständigen Organisationen. Zweckaufgabe der Volksbühne sei, die Kunst um der Kunst und de? Volkes willen zu pflegen. Das klafsisch-hiftorische Theater im Sinne des Ursprünglichen und das zeitgenössische dramatische Schaffen müßten bei der Auswahl der Stücke an erster Stelle stehen. Künstlerisch wertvolle, der Volks- bühnenidee naheliegende Tendenzwerke, geschmackvolles Unter- Haltungstheater und kulturbildnerischer Film brauchten nicht ausge- schlostcn zu sein, aber nicht nur das Was, sondern auch das Wie sei entscheidend. Hier heiße es nicht gegen die Fachleute, sondern mit ihnen, und verirrendem Dilettantismus u?rd abwegigem Laien- spiel könne er nicht das Wort reden. Lieber soll« man an Plätzen, die kein gutes Theater zur Verfügung haben, schöne Dichtung wirksam vorlesen. Auch das Inst tut der Landesbühne, das keine paritätisch« Spielplanpciitik treibe, bedürfe der Kontrolle und künstlerischen Hebung. Freilich, Theaterfragen seien solche des Ein- flustes, darum müßten die Masten in die Volksbühnenbewegung. Der Staat müsse tatkräftiger Helsen. Nach diesem, mit einmütigem Beifall aufgenommenen Dortrag übermittelte der Vorsitzende des deutschen Gesamtoerbandcs Kurt Vaake die Grüße des Hauptvorstandes. In der Aussprache wurde zu der Ablehnung des Laienspiels durch den Redner Stellung ge- nommen. Eßwein gab den Befürwortern zu bedenken, daß b«i an- geregten mittelalterlichen Mysterienspielen der heutige Laie nicht mehr der des Mittelalters sei. Der Ex stenzkampf der Berufsschau- spieler dürfe nicht durch das qualitativ fast immer fragwürdige Laienspiel erschwert werden. Musitschriftsteller Dr. Alfred Einstein vom Kunstbeirat der Münchener Volksbühne behandelte die Frage der W a n d e r o p c r. Nach Abwägung der Schwierigkeiten an kleineren Plätzen— Aus- wähl geeigneter Stücke, technische und künstlerische Hindernisse— kam er doch zu der Schlußfolgerung, daß die Wanderoper zu er- streben sei. Der Organisationsbericht der beiden Sekretäre für Süd- und Nordbayern gab Einblick in die erfpießliche Arbeit und gute Ge- währ für das Fortschreiten der Bewegung. Im Anschluß an die Debatte zum Geschäftsbericht wurde eine Entschließung angenommen, in der es unter anderem heißt: „Der zweite in Regensburg tagende sehr stark besuchte Bezirkstag der bayerischen Volksbühnenoereine bewnt die Notwendigkeit einer künstlerisch hochstehenden Landeswanderbühne und einer wertvollen Landeswanderoper, die allen Organisationen zu gleichen Bedingungen zur Verfügung steht und ernsthafte Arbeit auf dem Gebiete der Theaterkultur leistet. Die Staatsverwaltung hat für die Unterhaltung dieser Einrichtungen ausreichend« Zuschüsse bereitzustellen. Soll die Vereinigung bayerischer Theatcrgemeinden fortgeführt werden, so hält der Bezirkstag ihre Erweiterung durch Eingliederung der zum Verband der deutschen Volksbühnenoereine gehörigen Besucherorganisationen für notwendig. Natürlich müssen die Theatergemeinden des Volksbühnenverbandes bei ihrem Eintritt in die Vereinigung bayerischer Theatergemeinden verlangen, daß sie in der Leitung dieser Organisation eine angemessene Vertretung erhalten und daß es die Vereinigung unterläßt, künftighin für Sondereinrichtungen einer bestimmten Richtung, von sich aus Pro- paganda zu machen. Der Bezirkstag regt schließlich noch an. die ganze Vereinigung bayerischer Theatergemeinden dadurch überflüssig zu machen, daß der bayerischen Landesbühne unter Beteiligung der beiden Zentralen innerhalb der kulturellen Vefucherorganisationen ein neuer Rechtsträger gegeben wird. Er verweist hier besonders auf das Beispiel der württembergischen Volksbühne, die auf der Basis einer gemeinnützigen G. m. b. H. unter paritätischer Beteiligung des Volksbühnenverbandes und des Bühnenvolksbundes geführt wird und bei der sich diese Beteiligung der Besuchervcrbändc bestens be- währt hat." Der Generalsekretär des Deutschen Volksbühnenverbandes, Dr. N e st r i e p t e, hielt einen Vortrag über Volksbühnen- tagend Theaterausstellung in Magdeburg 192 7. Er gab Einblick in die großzügigen Gestaltungspläne der bevor- stehenden deutschen Theaterschau. Die deutsche Volksbühnenbewegung wird auf dieser Ausstellung in einer besonderen Halle ihre Kultur- arbeit der letzten Jahrzehnte plastisch vor Augen führen. Als Vorsitzender der Bezirksgruppe Bayern wurde Erhard Auer einstimmig wiedergewählt, der bisherige Vorstand bestätigt. Theater für Kinder. Von Trude E. Schulz. Für das Kind haben alle Märchen noch den beglückenden Wert von Wirklichkeiten. Der graue, enge Tag fließt in sie über, wird weit, bunt, erlebensreich. Es wäre grausam, wollte man das Kind lehren, an seine nüchterne Begrenztheit zu glauben, ehe ihm von selbst diese Erkenntnis aufgeht. Jedes Kind, zumal jedes Kind der ärmeren Schichten, kommt früh genug in Konflikt mit unserer Wirk- lichkeit. Aber das wird ihm nur undeutlich bewußt, solange es seine Wirklichkeit noch hat, die beglückende Welt der Träume und Märchen. Was dort Spannung war, löst sich hier in Entspannung. Hier werden Kranke im Augenblick gesund, Wunder oder tapfere Taten verwandeln Not und Sorge i» Glück und Wohlstand, jedes Leid findet sein gutes Ende. Manches Kind würde ohne diesen tröstlichen Glauben in Verzweiflung oder dumpfe Resignation fallen und seelisch verkrüppeln. Und wie Tiere und Menschen unbewußt die Nahrungsstosfe suchen, die ihren Körpern besonders zuträglich sind, so sucht das Kind auch die Kost, die seinem Geist zuträglich ist. In dieser Tatsache liegt wohl der tiefste Grund für das Verlangen nach Märchenftofsen oder mindestens nach solchen, die außerhalb der Erlebnismöglichkeiten des Kindes liegen. Man muß das begreifen, um die Bedeutung einer Theateraufführung für das Kind zu ermessen. Diese Verkörperung all der phantastischen Dinge schafft ihnen ein Höchstmaß von Wirklichkeit, die das Kind mit seiner ganzen Märchcnsehnsucht aufnimmt und bis in iede Einzelheit zu verarbeiten versucht. Eine Theateraussührung ist nicht, wie manche Menschen glauben, für das Kind nur Unterhaltung für einen Nachmittag, sondern«ine Erregung zittert davon im Kinde nach und zieht unabsehbar weite Kreise. Daher ist es sehr wesent- lich, was und wie man eine Sache dem Kinde auf der Bühne vor- setzt. Hier wird noch viel gesündigt. Der Inhalt der Werke ist oft alles andere als kindlich. Es gibt eine Reihe von Theaterstücken, die erziehungsbeflisiene Eltern locken wollen, und in denen die kindlichen Hauptpersonen zu den besten Hoffnungen berechtigen, daß aus ihnen einst die oft zitierten Normal- menschen werden. Sie leben schon jetzt in der Well der Verbote, die überall Warnungstafeln aufpflanzt: Du sollst nicht. Damit kann ein Kind aber höchstens zur Heuchelei und zur Lüge erzogen werden. Viel besser sind da lustige Streiche auf der Bühne, übermütige Ausgelassenheit, Auswertung der Abenteuerlust, aus denen es das Recht auf seine Kindlichkeit begreift und doch auch die Grenzen dieses Rechtes. Aber alle diese Stücke, die ihren Stoff aus einem mindestens wirklichkeitsmäglichen Gebiet nehmen, bleiben auf der Kinderbühne in der Minderzahl. Im allgemeinen herrscht die phantastische Fabel, die höchstens eine wenig ins Auge springende reale Basis hat. Hier machen es sich die Verfasser meist sehr bequem. Sie gehen von deni Standpunkt aus, daß alles, was„Märchen" heißt, Lektüre für Kinder sei. In Wahrheit aber sind durchaus nicht alle Märchen für Kinder §«eignet. Häusig triumphiert darin der Schlechte durch Lüge und alschheit, oder wenn das böse Prinzip besiegt wird, so ist es nicht selten durch einen Menschen verkörpert, der auf eine Art den Tod erleidet, die ein mittelalterlicher Henkersknecht erfunden haben könnte. Kein vernünftiger Mensch wird aber wünschen, daß so der Nutzen des Betruges den Kindern beigebracht werde oder daß sie die Berechtigung der primitivsten Rachegefühle erkennen lernen. Daher gehören natürlich auch keine Soldaten- oder gar Kriegsszenen auf die Bühne Auch daß den Kindern ein Märchenkönig als der beste, klügste und gütigste Mann vorgeführt wird, ist heute nicht reckt am Platze. Für die Generation, die nach unseren Kindern aufwächst, mag das wieder eine durchaus berechtigte Bühnen- erscheinung sein. Wir aber haben es noch zu schwer, unseren Kindern, entgegen den irrigen Auffasiungen mancher Lehrer, klar- zumachen, daß wir nicht nur in einer Republik leben, sondern auch, daß das die zweckmäßigste Staatsform für unser Land ist. Ein Fehler noch wird in den Märchenstücken häufig gemacht. Die Verfasser gehen zu freigebig mit Spuk um, der oft in den gräulichsten Ungestolten erscheint und den Kindern nicht nur auf der Bühne, sondern lange Zeit danach in den Träumen noch die schreck- iichsts Angst einjagt Man darf eben nicht vergessen, daß das Kind, solange noch Aufführungen des Kindertheaters für sie in Frage kommen, eine ganz besonders unkritische Einstellung zu dem Ge- schehen auf der Bühne hat. Zu den Aufführungen der Stücke läßt sich noch manches sagen. Das Kind braucht Bühnenbilder, die leicht und klar zu übersehen sind. Denn es achtet noch auf jede Einzelheit und gewinnt erst daraus seine Anschauung. Gibt es aber zuviel zu sehen, so ermüdet das Kind, ehe es fertig ist, und bleibt unbefriedigt. Daher soll man auf alles überflüssige Nebenher verzichten und der Phantasie des Kindes einige Entfaltungsmöglichkeit gönne». Man glaubt gar nicht, wie bescheidene Andeutungen eines Prunksaales, eines Waldes, einer Wiese genügen, um daraus die glanzvollste Wirklichkeit ent- stehen zu lassen. Auch die Schauspieler werden den Kindern einen großen Ge- fallen tun, wenn sie von jedem Zuviel absehen. Bewußt kindliche Darstellung gerät meist ins Kindische, rein menschliche Gestaltung da- gegen wird selten vertagen. Man hat mehrmals versucht, Stücke sür Kinder ausschließlich von Kindern aufführen zu lassen. Doch kann das nur im Laientheater in Frage kommen, wo die Spielsreudigkeit von den Darstellern auf die Zuschauer überspringt. Aber kindliche Berufsschauspielcr geben mit seltenen Ausnahmen eine verlogene, affektierte Darstellung und bleiben dem naiven Inhalt des Stückes viel ferner als Erwachsene. Jedenfalls ist es notwendig, in einer Zeit, in der man soviel über Kindcrerziehung redet und schreibt, und in der sogar einiges davon in die Tat umgesetzt wird, an einem so wichtigen Erziehungs-' mittel im modernsten Sinne, wie es das Theater jür Kinder där- stellen kann, nicht mehr blind vorüberzugehen. Bisher ist es in diesem Sinne so gut wie gar nicht geschützt und verwertet worden. Sollte ich Beispiele für eine gute Kinderaufsühruna zitieren, ich wäre in Verlegenheit, wenn nicht— vor etwa zwei Iahren— die Volksbühne ein in jeder Hinsicht musterhaftes Kinderftück herausgebracht hätte. Es hieß„Siegfried, der tapfere Schneiderjunge" und stellte durchaus keine geniale Dichtung dar. Aber es war von Liebe und Verständnis für das Wesen des Kindes erfüllt. Alle jugendliche Sehnsucht nach Wunder, Abenteuer, Heldentaten und einem glück- lichcn Ende fand Berücksichtigung, und alles war getragen von der Idee eines schönen, freien Menschentums. Werk« dieser Art aber brauchen wir dringend für unsere Kinderbühnen. /lrbeiterkonzerte. Frühjahrskonzcrt des Fricdrich-Hcgar-Chorcs. Unter Mitwirkung des Berliner Konzertorchesters des DMV. veranftallete der Friedrich-Hegar-Ehor(M. d. DAS.) in der Neuen Welt sein erstes Frühjahrskonzert. Beethovens„Eg- mont-Ouvertüre" leitete den Abend ein. Es folgten dann die präch- tigen Uchmann'schen Ehöre„Stunn",„Das heilige Feuer" und„Tord Folefon. Obwohl schon oft gehört— diese Gesänge bilden die Säulen jedes Arbciterchors— wird man immer wieder gepackt und tief ergriffen von der elementaren Wucht der Empfindung, die einen» aus Worten und Musik entgegenströmt. Der zweite Teil des Pro- gramms brachte Tfchaikowfky's Ouvertüre„18l2". Ein Stück Weltgeschichte voll erschütternder Tragik, ausgedrückt in einem un- erhörten Reichtum musikalischen Empfindens. Man sieht die fran- zöstsche Armee als Opfer napoleonischer Herrschsucht auf ihrem Rück- zug aus Rußland, das Hinfinken der Kraftlosen, hört von ihren er- sterbenden Lippen das Lied der Heimat, das sich in seiner Phrasie- rung durch das ganze Werk zieht, um zum Schlüsse, vermischt mit slawischer Melancholie, in einem gewaltigen Klangbilde zu verhallen. Den Abschluß und Höhepunkt des Abends bildete die Aufführung einer„sozialistischen Kantate" von Hemme, Text nach dem Dänischen von A. C. Meyer. Die außerordentliche Wirkungskraft liegt hier weniger im rein Künstlerischen, als in der lcbenswarmen Urfprünglichkeit, mit der die dänischen Komponisten dem Notschrei des Volkes und dem Kampfruf fürs Besierwerden in tiefftempiundenen Worten Ausdruck verleihen. Der mächtige, kraftvolle Ehorgesang, der in den letzten Zeilen des Werkes in die Internationale überleitet, wirkte sehr stark. Die Solisten des Abends. Gertrud Wolff(Sopran) und Will» Bnel(Bariton), Chor und Orchester boten prächtige Leistungen. Der ausverkaufte Saal spendete ehrlichen, reichsten Beifall. X— s. Unzulängliche Kriegsopferfiirforge. Zum S. Gautag des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten. Am g. und 10. April fand in Frankfurt o. d. Oder der 8. Gautag des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegs- teiinehmer und Kriegelhinterbliebenen, der weitaus größten Kriegs- opferorganifation, statt, der von 108 Delegierten beschickt war. Neben zahlreichen Bertretern von Behörden, waren auch die Sozial- demokratische Partei und der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund vertreten. Der Gauleiter N o e l t c, Berlin, wies bei der Eröffnung auf die Tatsache des zehn- jährigen Bestehens des Reichsbundes hin. Das �jauptprogramm des Reichsbundes fei eine vom sozialen Geiste ge- trogene Rentenoersorgung und Fürsorge, denn das Verhalten der deutschen Unternehmer sei häufig sehr unsozial gegenüber den Kriegsbeschädigten. Der Reichsbund habe sich durch seine energische Vertretung der Kriegsopfer überall durchgesetzt. Hierdurch habe ollein der Gau im Berichtsjahre eine Zunahme von mehr als 6000 Mitgliedern zu verzeichnen. Nach Erledigung des Geschäftsberichts sprach der Landrat Dr. F o t h, Strelitz, über das Thema„Die Kriegsopfer im Verhältnis zu Staat und Gesellschaft". Die Oesfentlichkeit stehe den Kriegsopfern jetzt nicht nur gleichgültig, sondern geradezu ablehnend gegenüber. Der Grund hierfür sei, daß die kosten für die Kriegsopscrfürsorge als lästig empfunden werden. Die Kriegsopferfrage werde aber noch auf lange Zeit hinaus Problem bleiben und Staat und Gesellschaft werden sich notwendig damit beschäftigen müssen. Der Referent warf die Frage auf, woher dieser Wandel komme und erklärte es damit, daß, wenn auch seit 1918 ein Wandel in der Staatsform und der Methode der Willensbildung des Bolkes im Staat nicht eingetreten fei, so doch sich der Staatsinhalt wesentlich verändert habe. Er stellte dabei den Satz auf, daß nicht die Staatsform, sondern der Staatsinhalt es sei, den die Kriegsbeschädigten beeinflussen müßten. Trotz der befriedigenden äußeren Form(Republik, Demokratie) sei der Slaatsinhalt sür Kriegsopfer äußerst unbefriedigend. Die Haltung des Parlaments sei mehr denn je ablehnend. Es seien zwar 92 Millionen bei den Ausgaben für Kriegerhinterbliebene im vergangenen Jahre eingespart worden, aber diese seien nicht für die Kriegsopfer, fondern anderweitig verwendet worden, trotzdem der Reichtstag im Jahre vorher sogar die Forderung aufgestellt hotte, an anderen Stellen zugunsten der Kriegsopfer Einsparungen zu machen. Die Kriegsopfer liegen im Kampfe mit Staat und Gesellschaft. Sie haben auf ihrer Seite das Recht und die Moral. Sic streiten einen guten Kamps, den Kampf um den befriedeten Staat, die befriedete Gesellschaft und die befriedet« Menschheit. Die fesselnden Ausführungen des Referenten fanden lebhafte Zu- stimmung der Delegierten. Am zweiten Verhondlungstag sprach der Bundesvorsttzende P f ä n d n e r, Berlin, über„Versorgung und Fürsorge". Er führte aus, daß man im neunten Jahre nach Abschluß des Krieges feststellen müsse, daß die Versorgung der Kriegsopfer nicht so sei, daß sie im allgemeinen befriedigen könne. Seit dem Jahre 1920 sei durch schematische Abfindungsmaßnahmen die Zahl der Kriegsbeschädigten von 1 S34 000 auf 73S 000 gemindert worden. Die dadurch eingesparten Mittel seien aber für Rentenerhöhungen für die Uebriggebliebenen nicht benutzt, sondern für andere Zwecke aus- gegeben worden. Die Regierungsparteien haben alle Erhöhungs- antrüge mit dem Hinweis auf den ZNangel an Mitleln abgelehnt. Fest stehe aber, daß zweifellos im Rahmen des Reichshaushalts an manchen Stellen gespart werden könne, um so die notwendigen Mittel für die Kriegsopfer freizubekommen, so insbesondere bei der Reichswehr. DerBau vonKriegsfchiffen könne eingeschränkt werden, auch sei keine besondere Rechtspflege für die Reichswehr notwendig. Der Redner verlangte unter allgemeiner Zustimmung Beseitigung des gegenwärtigen Be- dürfnisprinzips und Einbau der Zusatzrenten in die allgemeinen Renten. Das bisher den Leichtbeschädigten und Ab- gefundenen zugefügte Unrecht müsse wieder gut gemacht werden. Die Fürsorge stellen müßten für ihre eigentliche Aufgabe, der sozialen individuellen Fürsorge, insbesondere für die große Aufgabe der Erziehung und Berufsausbildung freigestellt werden. Der Redner sprach serner über das Siedlungsproblem. Verlangt müsse werden, daß bei der Kapitalabfindung bei Tilgung des Kapitals die Rente wieder aufleben müsse: das fei besonders für das Alter sehr notwendig. Vom Reiche müsse in der Siedlung mehr Entgegen- kommen verlangt werden, als es bisher gezeigt habe. Die bisher zur Verfügung stehenden Mittel von jährlich IVi Millionen Mark seien keine durchgreifende Hilfe. Es gäbe allein Z9SS0 tuberkulöse Kriegs beschädigle. die Rente beziehen. Wollte man nur jedem eine Ergänzungshypothek von 2000 Mark geben, dann brauchte man allein bei dem gegenwärtigen Tempo 32 Jahre, um nur die Lungen- kranken unterzubringen. Der Reichsbund verlasse sich bei der Sied- lung nicht allein auf die öffentliche Hilfe, sondern sei zur. tat- kräftigen Selb st hilf« übergegangen. Aus den Rücklagen seiner Sterbekasse Hove er gegen selbstschuldnerische Bürgschaft der Gemeinden bis jetzt Zwischenkredite an seine Mit- glie der im Gesamtbetrag von 1i4 Millionen Reichsmark gegeben. Der Reichsbund steh« bei seinen Forderungen auf dem Boden der Verfassung von Weimar. Er wisse, daß auf diesem Boden oerant- wortliche Mitarbeit möglich sei, nicht aber im Obrigkeitsstaat. Zu dieser Mitarbeit im öffentlichen Leben und der Mithilfe bei der Neugestallmrg der wirtschafllichen Verhältnisse sei er durchaus bereit, denn nur dadurch könnten auch die berechtigten Forderungen durch. gesetzt werden. Der Gautag beschäftigte sich dann noch mkt einer großen Zahl von Anträgen, aus denen immer wieder zu erkennen war, daß der Staat noch, vieles durchführen müsse, um den Belangen der Kriegs- opfer gerecht zu werden. Nach der Wahl der Delegierten zum Bundestag, der in der Zeit vom 22. bis 25. Mai in h a m b u r g stattfindet, wurde die bedeutungsvolle Tagung geschlossen. Die Folgen der Mieterhöhungen. Die Klagen großer Hausbesitzkonzerne und ihrer Verwaltungen über Mietrückstände sind immer ein guter Gradmesser für die Wirt- schaftslage der Mieter. Bon diesen Seiten hört man, daß, wie nicht anders zu erwarten war, die Rück stände wieder stark an- geschwollen sind und in den hauptsächlich von Kleinmietern be- wohnten Häusern durchschnittlich den fünften Teil der Mieten aus- machen. Das wäre vermieden worden, wenn man dem sozialdemo- kratischen Antrage, das Sperrgesetz für die 100prozentige Friedens- miere bis zum 1. April 1928 zu verlängern, stattgegeben hätte. Sich gar nicht zu melden, wenn nicht gezahlt werden kann, ist verkehrt. Es ist dringend zu empfehlen, nicht zu warten, bis die volle Miete beisammen ist, sondern frühzeitig Teilzahlungen anzubieten. Der Hausbesitzer ist zwar nicht verpflichtet, Teilzahlungen anzunehmen, aber in den weitaus meisten Fällen wird das Zlngebot nicht abgelehnt. Der bewiesene gute Wille zum Zahlen nach Kräften ist stets ein Abwehrmittel gegen etwaige spätere gericht- liche Klagen. Schäferhundschau. Die Ortsgruppe„Wannseebahn" des Vereins für deutsche Schäferhunde hielt am Sonntag in der Schloßbrauerei Schöneberg eine Ausstellung für reinrassige Schäferhunde ab, zu der sich 58 Hunde eingesunden hatten. Der Nachmittag brachte sehr interessante Vorführungen von Polizechunden, bei denen sich freilich des öfteren beim Lautgeben herausstellte, daß die Hunde, die schon seit 8 Uhr morgens auf dem Gelände verweillen, völlig heiser waren. Es hatte inzwischen ja auch gar zu viel gegeben, was zu bekläffen war. Der bekannte Rennhund Luchs v. Bären- sprung wurde u. o. mit seiner Tochter gemeinsam vorgeführt. Ein wahrhaft sportlich schneidiges Familienidyll. Luchs v. Bärensprung nahm auch einwandfrei die höchste höhe der Kletterwand, und zwar 2 Meter 95 Zentimeter. Seine Kollegen schieden, obwohl sie gleich- falls gute Leistungen zeigten, vorher aus. Bei der Mannarbeit wurde der Pseudoverbrecher von einem Hunde gebissen, erfreulicher. weise nicht erheblich Sonst zeigte aber gerade die Mannarbeit, daß die Hunde nicht nur schuß. und hiebfest, sondern daß sie auch fest im Appell sind. �(Befhäfte'JbQtfger* föeziwfc füden-Weften. veulsüie Warenverfllebs- fie$€llsdiaU für Beamte und Angesfellle A.-6. (Am Untergrundbahnhof Klosterstraße) SGClill C 2, KIOStGPStPSßG 75(lm Haus der ehemaligen Kunstschule) Anschluß an erste Fabriken fast ailer Branchen.— Lieferung von Waren aller Art an Beamte und Angestellte. Wirklich billige Preise Anerkannte Qualitätswaren Bei Barzahlung Verdatung det Reich ibank-DIikonitatzei Zum Osterfest: Herren-, Damen-, Kinder- Kleldong, WSjche, Baumwollwaren, Wollwaren, Trikotagen, Sirfimpie, Schuhwaren, Möbel, Kleinmöbel, Teppiche, Korbwaren, Beleucfaiungtkörpcr, Fahrräder usw. usw. Auf Wunsch: Sofortige Autbändigung der Waren I ohne Anzahlung (ente Zahlung am 1. 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