Ur. 321. Cvfdjehit täglich außer Montag». «rei» pränumerando: Viertel- lährlich 3,30 Marl, monatlich '.10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei in'» Hau». Einzelne Nummer i Pfg. Sonntags-Nununer mit illustr. Sonntags-Beilage„Neue Well" io Pfg. Posi-Nbounement: 3,30Ml. proQuartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für das übrige Ausland sMl. pr.Monal. Eingelr. '» der Post- ZeitungS- Preisliste für IS95 unter Nr. 712». 12. Jahrg. JnserlionS-Eebühr beträgt für dl« sünfgespaltene Petttzeile oder deren Raum«0 Pfg., für Vereins- und DerfammlungS- Anzeige» 20 Pfg. Jnserale für die nächste Ntnumer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden, Die Expedition ist an Wochen- tage» bis 7 Uhr Abends, a» Sonn- und Festtage» bis s Uhr Bor- mittags geösfnet. Lrriisprrcher: Amt 1, Ur. 1508. Telegramm-Zibltssti «Koilaidemotiral f evllul' Verliner Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Dev 30. Srpkeinbev in Rom. Von Enrico Ferri. I. Vergangenen Juli brachte eine der unbedeutendsten Puppen des italienischen Parlaments, einer jeuer nliuisteriellen Deputirten, die unter allen Ministerien ministeriell sind, einen Gesctzesvorschlag ein, ivelcher den 30. September dieses Jahres, als den 25. Jahrestag des Einzuges der italienischen Truppen in Rom und des Endes der � weltlichen Macht der Päpste für ein Nationalsest erklärte— jener Päpste, die viele Jahrhunderte hindurch die Entartung der katholischen Kirche und ihre Abirrung von der menschlichen Soziallehre des Mannes von Nazareth mit ihrem Namen und ihrer Unfehlbarkeit ge- heiligt hatten. Obgleich in den Parlamenten die Gcsetzesvorschläge der Abgeordneten sehr wenig Aussicht ans Erfolg haben und selbst in den dringendsten Fällen auf die lange Bank ge- legt werden, so hatte der Antrag bezüglich des 20. September ausnahmsweise ein günstigeres Schicksal. In wenigen Tagen war er von der Regierung, d. h. von Herrn Crispi, an- genommen, von der Parlamentskommission gebilligt und von der Deputirteukammer zum Beschluß erhoben— und zwar beinahe mit Einstiminigkeit trotz des offenen Wider- standes einiger ehrlicher, offenherziger Reaktionäre, und trotz des versteckten Widerwillens vieler sogenannter Liberalen, welche die bittere Pille nur unter dem Drucke des Crispi- scheu Herrscherwillens verschluckten. Der Senat, der den Wind wittert, nahm den Antrag noch schneller an und ein großer Theil der„öffentlichen Meinung" begeisterte sich unter dem Einfluß der Minister- Presse für diesen neuen Beweis eines antiklerikalen Libe- ralisntus der Regierung. Die Stadt Rom, die seit den Päpsten nur em großes archäologisches Museum und ein Komplex von möblirten Zimmern für die Pilger des Batikails und des Quirinals*) ist, hat mit lebhafter Freude die Gelegenheit zu längeren Festen ergriffen, die jetzt schon beginnen und die noch über den 20. September hinaus dauern werden— unter großem Zusammenströmen von Italienern, die mit Freuden sich die billigen Extra-Fahrpreise auf den Eisenbahnen zu nutze machen, um einen mehr oder weniger ernstgemeinten Liberalismus zur Schau zu tragen und während der wenigen Tage der Vergnügungsreise das alltägliche Elend der wirthschaftlichcn und moralischen Krisis zu vergessen. ') Im Vatikan thront der Papst, im Quirinal der König von Italien. fNachdrulf verboten. Skizzen Ans dem sudmnvviknttiftszen Hinkevlnnve. 45 „Gefällt Ihnen die Karte...?" „Sie ist eine sanbere Arbeit.. „Danke für das Kompliment.. „Was hätten Sie etwa..." „Die Karte habe ich allerdings gefertigt nach meinen Messungen. Genug Arbeit hat es gekostet, zwischen den Bälimeil nmherznvisiren.. Winterfeld betrachtete seinen Mann von oben bis unten. Ein verschlossenes Jndianergesicht, dessen Mienen nichts verrathen, weder Scherz noch Ernst, und denen man nicht ansehen kann, ob ihr Besitzer Haß oder Liebe hegt. „Das ist allerdings überraschend," sagte er dann, und sein Auge flog noch einmal über das Blatt in seiner Hand. „Warum überraschend?... Glanben Sie, daß ein brauner Indianer nicht ebenso etwas leisten kann wie ein Weißer.. „Sie verstehen englisch... die Schrift der Karte ist in englischer Sprache.. „Ja, die Sprache habe ich im Chaco gelernt." „Im Chaco?" fragte Wmterfeld noch erstaunter. „Nun die Sache ist natürlicher als sie aussieht.... ini Chaco lernte ich den verstorbenen Dr. Wilson kennen... wie, das interessirt Sie nicht... er hat mir auch das Zeichnen lind die Landvermessung beigebracht... und da jeder Indianer, wie Sie wissen ein geborener Feldniesser ist, ivenil alich nicht mit Feder und Lineal, so lernte ich es leicht; und es machte mir Spaß, unfern Kamp aufzunehmen, als ich wußte, wozu Dinte und Feder dienen.. verzeihen Sie niir, daß ich sage, unfern Känip.. ich vergaß ganz, daß Sie ans den Kamp Anspruch machen..." Winterfeld fühlte sich dem Indianer unterlegen bei der Art, wie er die Unterhaltung führte und sie mit einem Worte ans den Gegenstand seines Kommens lenkte. Sein Gegenüber warangenscheinlich ein gewandter Mensch und schien es daraus abgesehen zu haben, mit ihm zu spielen. „Sie wissen vielleicht, daß ich früher Feldmesser war," Während der Somniermonale pflegt Rom verödet zu sein, und da es weder industrielle noch laudwirthschastliche Hilfsquellen hat, werden die Klein-Krämer und Klein- Bourgeois durch die Feste einen recht nöthigen Ersatz für die in den langen Ferien des Parlaments 1394 und 95 ausgefallenen Einnahmen finden. Gegen alle Geivohnheit wird die ganze königliche Familie im Quirinal sein; intcrnatioilale Tnrnivettspiele werden stattfinden. Der nationale Schützenverband wird da sein— die Turner- und Schützenvereine führen beiläufig in unserem Italien ein verkümmertes Leben und werden von der herrschenden Klasse nicht gern gesehen, weil sie ge- wissermaßen die Schutz-Lymphe gegen jene soziale Pockeil- kraukheit sind, die man stehendes Heer nennt, von der die hohen Herren aber meinen, daß sie nothwendig sei. Ein ganzer Wald von Denkmälern z. B. für Garibaldi, Cavour, Minghetti, die Gebrüder Cairoli, den dramatischen Dichter Pietro Costa, außerdem eine Gedenksäule für das Erbrechen des Heiligen Thorrs, ferner ein Werk, das wahrhaftig des alten Roms würdig wäre: die neuen Brücken und die Kais längs der Tiber— werden emgeweiht werden, eine wahre Sintfluth von Kongressen und von mehr oder weniger schwulstigen, hochtrabenden und ernsten Reden wird hereinbrechen, gerade so wie bei allen diesen offiziellen Feierlichkeiten, die sämmtlich über einen Leisten geschlagen zu sein scheinen.... Und dailn— wird man wieder in das ab- wcchslungslose Einerlei des täglichen Lebens zurückkehren. Das ist in kurzen Umrissen die Chronik dieser Gedenk- feier eines Ereignisses, das indessen doch eine große geschicht- liche Bedeutung besitzt. Doch welches find die inneren Gründe und die tief- liegenden Wurzeln dieses offiziellen Aufloderns des anti- klerikalen Liberalismus? Und welche Konseqnenzen wird es für das politische und soziale Berhältniß Italiens haben? Die politische und parlamentarische Seile dieser Gedenk- feier hat zum persönlichen Faktor den mehr oder minder vcr- steckten Willen Crispi's. Doch dieser ist seinerseits nur „die lauge Hand" von Kräften, die weniger sichtbar aber bei weitem mächtiger siild, als die gewaltsamen Seiten- sprünge seiner ministeriellen Macht. Zlinächst haben die Frei-Maurer— bei denen Crispi einer der Großwürdenträger>var, und deren Großmeister Lcmmi ein persönlich und politisch eng verbundener Freund Crispi's ist— alle ihre Hebel in Bewegung gesetzt, um eine neue antiklerikale Denionstration ins Werk setzen zu lassen, nachdem sie ihr Zentralbureau im Palast Borghese, der alten Residenz des Papstes Paul III., eingerichtet hatten. Uebrigens ist der Antiklerikalismus eine der natnr- gemäßen Eigenthümlichkeiten der nationalen Revolution in sagte er, indem er that, als hätte er den letzten Satz nicht gehört,„was für topographische Jeichcn sollen eigent- lich die rothen Kreuze sein, deren ich hier eine Menge sehe..." „Durchaus keiue topographischen Zeichen... es sind private Erinnerungsstätten vergangener Ereignisse, nichts weiter... hier ," und er wies ans das Kreuz un- weit des Arrego hin,„bin ich einmal füsilirt geworden.." „Sie sind füsilirt..." „Ich bin allerdings füsilirt geworden, in allem Ernst; es hat mir glücklicherweise nicht das Lebe» gekostet, wie Sie sehen, habe aber doch einen Schuß in die Brust be- kommen, der ganz dailach aussah, als wenn er ans mir einen stummen Menschen gemacht hätte; wäre beinah auch für immer stumm geblieben, wie man es gewollt hatte, weiln... nun es waren eben Geschichten, wie sie damals im Kriege vorkamen... Die übrigen Kreuze bezeichnen Stellen, wo etwas Aehnliches passirt ist, und wo ich Skelette aufgelesen habe nach dem Kriege von gefallenen Soldaten, die die Aasgeier übrig gelassen... man trifft sogar heute noch ab und zu morsche Knochen in den Wäldern von San Fernando und besonders in Cerro Desgracias. Wenn ich einmal etwas treffe, begrabe ich es auf derselben Stelle und setze auf die Karte ein Kreuz... doch entschuldigen Sie, daß ich Ihre Zeit unnöthig in An- spruch nehme. Sie wünschten Frau Wilson zu sprechen.. gestatten Sie, daß ich Sie zu ihr führe.. sie erwartet Sie schon." Er öffnete die Thür, die zum nächsten Zimmer führte und nöthigte ihn hinein. German Winterfcld sah in einen dunkeln Raum und hielt seinen Schritt etwas zurück. „Sie werden sich nicht daran stoßen, daß die Stube dunkel ist. Die Sennora vermag nicht ins Licht zu sehen und verbringt heute den ganzen Tag in einem dunklen Raum." Winterfeld trat zögernd näher. Es dauerte eine ge- räume Zeit, � bis er sich einigermaßen an das Dunkel ge- wöhnte, und der Richter berührte leise seilte Schulter, um ihn zurecht zu weisen. Das Zimmer hatte zwei Fenster. Das eine war ganz dunkel, so fest waren die Jalousien ge- schloffen, das andere ließ durch einige Spalten ein wenig Italien, die gerade in der weltlichen Macht des Papstes das größte Hinderniß für ihr patriotisches Ideal und für die geschichtliche Zauberkraft des erhabenen Namens Rom sah. So sprach schon Garibaldi, dieses Gefühlsgenie, das mit so wunderbarer Feinheit die Regungen der Volksseele erkanilte— das Wort, welches die Losung wurde: Roni oder den Tod! Zwischen 1348 und 1870 hatten Verschiedene daran gedacht, die nationale Unabhängigkeit mit der Selbständig- keit des Kirchenstaates versöhnen zu können, der so viele Jahrhunderte bestanden hat— sie schlugen einen Bund der Staaten Italiens vor und wollten Rom dem Papste lassen. Abgesehen von dem Papst, wäre das nicht übel ge- wesen, denn das Bundessystem ist das einzige, welches den Bedürfnissen der sozialen und politischen Umgestaltung ent- spricht, die durch die Einförmigkeit erstickt wird, welche die unansbleibliche Uebertreibung der nationalen Einheit ist: doch der Einheitsgeist war nach der Propaganda Mazzini's nicht mehr von der italienischen Bewegung zn trennen, sie entwickelte sich in einem mehr und mehr antiklerikalen Sinne und richtete wie hypuotisirt die Augen auf die „Ewige Stadt". Als im September 1870 das Kaiserreich Napoleon's des Kleinen gestürzt war und die französische Besatzling, die in Civitavecchia, nahe bei Rani lag, keinen Grund mehr zum Bleiben hatte, war die italienische Regierung doch un- entschlossen und selbst der Konig wagte nicht, die Truppen über die römische Grenze zn schicken. Unter dem Drucke eines parlamentarischen Briefes, der dem Ministerrath von mehreren Abgeordilcten der Linken, darunter Crispi, Cairoli, Manciili:c. überreicht wurde, und unter dem Drucke von Volksversammlungen beschloß das Ministerium der. Rechten den Einmarsch der italienischen Truppen in Rom. Der König Viktor Emmanuel sandte einen Brief an den Papst Pius IX., in welchem er ihm sagte, er sei zu diesem Schritt gezwungen, den er in vertraulichen Gesprächen als eine böse That bezeichnete, aber er bleibe trotz alledem des Papstes gehorsamer Sohn. Der Kriegsrath der Kardinäle beschloß, mit den päpst- lichen Schlüsselsoldaten den italienischen Truppen Widerstand entgegenzusetzen oder doch— so zu thun. Nach einigen Kanonen- und Flintenschüssen drangen die italienischen Truppen durch die Brefche des Heiligen Thores(Porta Pia) ein, und die weltliche Macht des Papstes fiel wie ein dürres Blatt vom mächtigen Baum der Kulturgeschichte. Licht durchscheinen und verbreitete so eine beschränkte Hellig- keit über einen kleinen Raum. Er öffnete weit die Augen und als sich seine Pupillen erweitert hatten, entdeckte er an dem ganz gefchlossenen Fenster auf einem Halbsopha eine anscheinend weibliche Gestalt, die sich in halbliegender Stellung in einen Shawl gehüllt befand, ohne daß es ihm möglich war, irgend etwas von ihren Zügen zu erkennen, ja ohne auch nur sagen zn können, ob es eine ältere oder eine jüngere Person war. Das Gemach war ein Franengemach; das sah er aus den dunkeln schattenglcichen Möbelftücken, die er an den Wänden bemerkte, und aus einer Fußbank, die vor dem helleren Fenster stand. „Geben Sie dem Herrn einen bequemen Sessel, Don Matias", sagte die Frau auf dem Sopha mit einer klaren wohlklingenden Stimme in spanischer Sprache.„Sie ver- zeihen, mein Herr, daß ich Sie in einer solchen Lage hier empfange; aber Sie werden es gewiß thun, wenn Sie er- fahren, daß ich seit einigen Jahren leidend bin. Es genirt Sie wohl auch nicht, wenn Don Matias hier bleibt; er weiß um alle meine Geschäfte und ist seit langer Zeit mein Vormund und Rathgeber gewesen." Matias Patina schob Winterfeld einen Polsterstuhl hin und ging dann selber an das Fenster, wo er sich auf einen anderen Stuhl niederließ. „Ich bin Ihnen sehr dankbar, Sennora, daß Sie mir erlaubt haben, Sie zn sprechen, umsomehr, da ich hören muß, daß Sie nicht gesund sind. Leider hängt niein Her- kommen mit der unerquicklichen Sache zusammen, die Sie ja schon kennen... Es thut mir leid, daß ich Sie deshalb beunruhigen muß..." „Sie haben also wirklich die Sache mit dem Campo Cerro Desgracias noch nicht aufgegeben, nachdem Sie von der ersten Instanz in Asuncion gestern abgewiesen sind," sagte Matias von seinem Fenster der,„ich hätte Sie wirk- lich für geschickter in juristischen Materien gehalten; oder glauben Sie in der zweiten etwas auszurichlen... Wenn Sie sich nur nicht täuschen..." „Sie haben recht, Don Matias; aber hätte ich geivnßt, wie die Verhältnisse lagen, hätte ich selbstverständlich diesen unsinnigen Prozeß nicht begonnen, oder den Kamp über- Haupt nicht gekauft..."(Fortsetzung folgt.) Ttcjs bei vothweudigenvtlse antiklerikalen Geistes ströninng, die, ivenn auch in beschränktem Maße, das Prinzip der Gedankenfreiheit gegenüber der hundertjährigen und tyrannischen Macht des Dogmas zur Geltung brachte durch eine lange und ruhmvolle Kette von Helden- und Märtyrerthum hindurch, cutgeht die italienische Revolution doch nicht den unerbittlichen Gesetzen des historischen Mate- rialismus und kann, den Thalsachcn entsprechend, selbst in den zeitgenössischen Symptomen nur im Lichte der wissen schafllichen Anffassungsmethode, die uns Marx gegeben gedeutet und begriffen werden. Eine Thcilung Italiens in mehrere Staaten mit inehreren Zollgrenzen hätte eine zu uuvortheilhafte Wirth schaftslage hervorgerufen, als daß die italienische Bour geoisie, mehr oder weniger bewußt von den wirthschaftlichen Nothwendigkeiten getrieben, nicht alles daran hätte wenden müssen, um zugleich mit der nationalen Einheit alle diese Hindernisse der Produktion und Zirkulation der land- wirthschaftlichen und industriellen Erzeugnisse abzuschaffen. und nm sich zugleich von den Polizci-Chikauen zu befreien, ivclche die„ausländischen"*) Regierungen fast ausschließlich die Bourgeoisklasse fühlen ließen. Bauern und Arbeiter standen in wirthschaftlicher Hin ficht sogar besser unter den ausländischen Herrschern, und die Aristokratie andererseits befand sich vollkomnien im Ge- folge der kleinen Könige und Großherzöge, so daß, wie auch Garibaldi, der gewiß unter dem Impuls der edelsten Motive und der idealsten Begeisterung für das Einigungs- werk handelte, in seinen M e ni o i r e n bekannt hat, die italienische Revolution sowohl in dem Parlament von Picnwnt nach 1848 als auch auf den Schlachtfeldern ans- schließlich das Werk des Bürgerthums ist, das wahrhaft er- hebende Beispiele von Opfcrniuth und Heldenhaftigkeit einzelner gegeben hat, obgleich es dabei allerdings auch als Klasse ein gutes Geschäft machte. Thatsächlich war es nämlich nicht blos die Zolleinheit — die beiläufig in Deutschland der nationalen Einheitsbewegung vorhergegangen war—, welche die ökonomische Gewrunprämie der Revolution bildete; es galt auch den sechshundert Millionen Kirchen- und Klostergüter, welche von der herrschenden Klasse weggenommen und zu Schleuderpreisen verniöbelt wurden, ohne daß die Nation den geringsten Vortheil davon hatte. Es war ein richtiger Beutezug der neugebackenen Patrioten, die in den Parlanrentcn, rn den Banken, im Patrimonium der Kirche, in den Eisenbahnen, in der Tabaksregie und so weiter Millionen rrnd Milliarden geraubt haben. Pulitifrhc Mebevfirhk. Berlin, 20. September. Mit der Verzeichnung von Krisengerichten vergnügt sich fortgesetzt die bürgerliche Presse. Die eine Zeitung behauptet heute, daß„Onkel Chlodwig" geht, ivcil er kein Umsturzgesctz machen, der Kaiser aber eins haben will. Morgen berichtet eine andere aus ebenso„guter Quelle" das gerade Gcgentheil. Daraus, daß der Kaiser in Begleitung zweier Euleubnrgs zur Jagd- nach Rominten gereist ist, wird dann in Erinnerung an die Folgen des vorjährigen Jagdaufcnthaltes in Liebenburg ein böses Vorzeichen für den ReichskaHler gedeutet. Ein anderes Blatt läutet dem Staatssekretär des Aeußern, Herrn v. Marschall, das Lucanus- Glöcklein. Herr v. K i d e r l e n- W ä ch t e r, weiteren Kreisen bekannt ge- worden durch sein Duell mit einem Kladderadatsch-Redakteur, wird als sein Nachfolger bezeichnet. In den Bismarck- Blättern wird natürlich für jede Vakanz ein„starker Manir" empfohlen. Doch ist es recht unwahrscheinlich, daß ihr Ideal Graf Herbert Bismarck die Hand wieder auf die Klinke des auswärtigen Amtes legen darf. Darauf deutet eine in der„Natioir" mitgctheilte Reminiszenz über die Ungnade der Faniilie Bismarck hin: Der Schlußakt des Bismarck'schen Familiendrainas soll sich damals auf dem Kaserneuhof der Gardedragoner in der Bellealliance- straße abgespielt haben. Dort war der Kaiser zu einer Festlich- keit und auch Graf HerbertBismarck als früherer Ofsizier des Regiments war erschienen. Fürst Bismarck hatte seinen Ab- schied. Der Kaiser fragte den Grafen Herbert:„Was werden Sie thun?"—„Ich folge meinem Vater."—„Ich dachte, der preußische Adel folgt seinem König"; und der Kaiser drehte dem Grafen Herbert den Rücken. Seitdein haben die Bismarcks den Fuß nicht wieder in de» Bügel bekommen.— Tas Kant'sche Sittengesctz führt der nationalliberale „Hannoversche Kourier" gegen die Konservativen ins Gefecht. Nicht genug, daß sie mit diesen um den Vor- kämpf für die„göttliche Weltordnung" rivalisirt, in welchem Wettkamps wir den„staatserhaltenden Parteien" gerne das Feld räumen, hat das nationalliberale Blatt die Dumm- dreistigkeit, im Namen des Kant'schen Sittengesetzes von den Konservativen zu verlangen, daß sie Stöckcr den Lauf- paß geben. Nun ist gerade die nationalliberale Partei von ihrer Begründung an nur ein Schlag ins Gesicht gegen dieses Gesetz. Die ganze Erfolgsanbetung, der sie ihre Entstehung verdankt, ihre ganze Gefolgschaft zur Bismarck- Politik, ihre Förderung des Militarismus, ihre Unter- stützung der Ansnahmegesetzgebnng, ihr Sedaurummel, jede Lebcnsregung dieser Partei ist unvereinbar mit dem Kant- schen Sitzengesetz. Wenn sich eine Partei ans das Kant'sche Sittengesetz bemsen kann, so sind wir es; wir, die„Rotte", welche dieselben Grundsätze der Moral für das öffentliche wie für das private Leben verkünden, wir, die die Freiheit als oberstes Sittengcsetz verkünden, und die Gleichheit alles dessen, was Menschenangesicht trägt, proklamiren, die den „ewigen Frieden" und die Abschaffung des Militarismus nicht ivie Moltke für einen Wahn, und nicht einmal einen schönen Wahn erklären, die im Kant'schen Geiste den Sedan- rummel bekämpfen;- Worte reinen Kant'schen Geistes waren es, die Johann Jacoby in seiner berühniten Rede am 14. September 1870 sprach, wegen der er nach Lötzen ge- führt wurde, ebenso wie Kant selbst von dem liederlichen, frönimelnden König Friedrich Wilhelm II. gemaßregell wnrde.— Das„Bauernlegen" wird heute noch praktizirt von den Edelsten der Nation im Wettbewerb mit Höfeschlachten- den Landwucherern wie in der guten alten Zeit. Unter Bezugnahm« auf eine Nachricht der„Kölnischen Zeitung" von dem allmäligen Verschwinden des Dorfes Nidange in Lothringen wird dem„Würzburger Geueral-Auzeiger" ge schrieben r In Unterfranken, drei Stunden von Miltenberg, lag noch vor 10 Jahren das Dorf O h r e» b a ch; dasselbe ist heute bis auf das Schulhaus verschwunden, das als Försterwohnung dient. Das Land wurde vom F ü r st e n von Leiningen angekauft und aufgeforstet, die Bewohner sind nach'Amerika ausgewandert.„In Rudolph's Orts- lexikon vom Jahre 1863 sieht das Kirchdorf Ohrenbach, U/r Meile nordwestlich vom Amorbach, noch mit 220 Einwohnern aufgeführt. Gleichfalls in Unterfranken liegt die sog. Wüste Aber- mannsdorf, von der Rückert singt:„Es ist eine Wüstung gelegen ist Aberniannsdorf genannt, sie heißt noch ein Dorf bis heute. aber die ältesten Leute haben das Dorf nicht gekannt." Der Sage nach ist es in den Erdboden hinein verschlungen worden. In Deutschland treiben es die Zierden der Aristokratie also genau wie die englischen und schottischen Aristokraten unterstützt von amerikanischen Millionären, es mit der Bauernaustreibung zu machen pflegen. In Westdeutschland werden die Bauern zur Zluswanderung veranlaßt durch Auf- kauf ihrer Höse und Umwandlung der Aecker in Forsten; in Ostdeutschland werden die Häusler durch billigere polnische Arbeitskräfte ersetzt. Und diese Entvölkerung und Eutnationalisirung des deutschen Vaterlandes wird bemerk- stelligt durch die„Edelsten der Nation", die Patrioten und Stützen der Gesellschaft.— Dem Hofprcdiger a. D. Ttöcker hat jetzt auch der P a r t c i r a t h der d e n t s ch- k o n s e r v a t i v e n Wahlve reine Berlins ein Vertrauensvotum ertheilt. Bei fast vollzähliger Anwesenheit der Mitglieder wurde e i n st i m m i g beschlossen: „Wir sprechen dem Herrn Hofprediger a. D. und Landtags abgeordneten Stöcker, als dem Vertreter Berlins im Gesammt- vorstände der konservativen Partei für seineu gegenwärtig wie früher gegen die verderbliche m i t t e l p a r t e i l i ch e Politik geführten Kampf unsere volle Anerkennung und Zu- stimmung aus. Wir erkennen auch in dein Herrn Hosprediger Stöcker zugeschriebene» Brief aus dem Jahre 1683 nicht die Absicht, Kaiser und Kanzler von einander zu trennen, sondern viel- mehr den berechtigten Wunsch, Seine Majestät den Kaiser in seinen eigenen fürstlichen Anschauungen gegenüber der da- maligen inneren Politik des Reichskanzlers zu stärken. Damit fallen für unsere Auffassung die verleumderischen Anklagen der gegnerischen Presse in sich selbst zusammen. Daß die braven Parteiführer somit feierlichst die Hintertreppenpolitik billigen, stellt den sittlichen Werth ihres Kampfes für Ordnung, Sitte und Religion erst in das rechte Licht.— Der deutsche Sedansffektakel war Wasser auf die Mühle der französischen Chauvinisten. Mit Wollust haben sie die„nationalen" Reden und Zeitungsartikel unserer Mordspatrioten abgedruckt und in Tausenden und Abertausenden, die nicht mehr an Revanche dachten, ingrimmigen Zorn erregt. Es war das eine Wirkung, die jeder ver- nünstige Mensch voraussehen mußte und die wir, als der unglückliche Gedanke einer monatelangen Kricgs-Jubiläums feier auftauchte, sofort voraussagten. Natürlich bleiben die französischen Chauvinisten den deutschen die Antwort nicht schuldig. So schreibt man jetzt ans Frankreich: Die plebiscitären(royaliftischen) Komitees des Seine Departements haben bescylossen, Gedenkfeiern der Schlachten von Valmy(Kanonade zwischen Franzosen und Preußen am 20. September 1792) und von Jena (14. Oktober 1806) zu veranstalten, die als eine Antwort auf die deutsche» Festlichkeiten zur Erinnerung au 1870/71 dienen 'ollen. Es werden also heute in Frankreich die„Kanonen von Valmy" wieder losknallen. Und von der Valmyer Schlacht agte einst ein gewisser Göthe, der�dabei�war, zu seiner llmgebung: Diese Schlacht bedeutet„eine Weltwende". Es ivar die siegreiche Revolution. Von den Schlachten des deutsch-französischen Krieges ivird niemand sagen, daß sie eine Weltwende bedeutetei». Sie brachten blos eine Reaktions-Episode.— Ein bösartiger Schtvupper ist der„National- Zeitung" pnssirt bei dem Versuche, ihre staatsmännische Weisheit in der Beurtheilinig englischer sozialpolitischer Verhältnisse zu bethätigen. Bringt sie da folgende Mit- theilung: „In England versucht die sozialistisch geleitete „nationale freie Arbeiter- Assoziation" dar- zuthun, daß der Gewerkvereins-Kongreß kein Recht gehabt habe, Ich für die berufene Vertretung der englischen Arbeiter aus- zugebe», indem sie sich zugleich darüber beklagt, daß der radikale Londoner Grafschaftsrath die Gewerkvereinler unbillig bevor- zuge. Die Zahl der de» Gewerkvereinen angehörenden Arbeiter nehme jährlich ab. Das Vereinigte Königreich habe nach dem letzten Zensus eine Bevölkerung von 37 732 922 Seelen. Auf die Jndusirie-Arbeiter kommen 9 02S 902. Zähle man die im Trausporldienst Beschäftigten 1 171 990 und die land- wirthschaftlichen Arbeiter, 1>40 143 hinzu, so komme die Zahl von 11 333 033 heraus. Wie viele Gewerkvereinler gebe es nun? Die 677 Gewerkvereine zählte» 1 270 789 Mann. Also 11000 000 Arbeiter und ein Zehntel Gewerkvereinler. Wie wollen nun die Gewerkvereine sich erdreisten, die Arbeiterschaft Englands darzustelle»? So die„freie Arbeiter- Assoziation". Es kommt indeß nicht blos auf die Zahl, sondern auch auf die Organisation an." Nun ist die Free Labour Assoziation, was sich das taatsniännische Blatt in sein schlechtes Deutsch mit„freie Arbeiter-Assoziation" übersetzt, ein von kapitalistischen Unternehmern gegen die sozialistisch angehauchten Gewerk- schaftcn gegründeter Streikbrecherverein. Und nun passirt dem deutschen Kapitalisteublatt das Malheur, diesen ganz nach seinem Herzen gestalteten Verein anzugreifen, weil es ihn in seiner Oberflächlichkeit für einen — sozialistischen hält. Nein, Sie schätzenswerther Meister sozialpolitischer Unwissenheit, die kapitalistische Free Labour Association trägt ihren Namen nur als heuchlerische Maske, um Arbeiter zu ködern, wie das als Filiale der„National-Zeitung" erscheinende Unternehmer- reptil„Deutsche Arbeiterzeitung" den seinen. Es ist nun zwar kein besonderer Beweis von Geschick, daß es der Free Labour Association gelang, die„National-Zeitung" zu täuschen; wir glauben aber kaum, daß die„Deutsche Ar- beiterzeitung" selbst einen so winzigen Erfolg bei englischen Unternehmern erringen könnte. Dazn schwitzt diesem Blättchen doch der Reptiliencharakter zu merkbar aus allen Poren.— *) Die revolutionäre Bewegung schöpfte ihre Kraft zum theil daraus, daß die Herrscher Italiens Ausländer(Oesterreicher, Franzosen— Bonrbonen— tc.) waren. Sie kämpfte gegen die „Fremdherrschaft", wie die Deutschen zu Ansang des Jahr- Hunderts. Deutsches Reich. — D i e Beschränkung des Beschwerderechts er Hamburger Strafgefangenen hat zu einer Interpellation in der Hamburger Bürgerschaft geführt. Dieselbe lautet: „Nach diversen Artikeln einer hiesigen Zeitung soll ein Erlaß des Präses unserer Gefängniß-Teputation in den hiesigen Stras- aiistalten angeschlagen sein. Derselbe lautet wie folgt: „Die Beschwerde ist selbst dann unberechtigt und disziplinar- widrig, wenn der Beschwerdeführer in dem einen oder anderen Falle die Strafe wirklich nicht verdienthätte. Auch eine unverdiente Strafe, die im Disziplinarwege auferlegt wird, muß mit Bc- scheidenheil und Ergebung hingenommen werden. Beschwerden gegen die Entscheidung des Direktors in Disziplinarsachen giebt es nicht. Solche werden bei mir nie Gehör finden und jedesmal scharf, wenn nöthig, mit der schärfsten Strafe geahndet werden." Die Bürgerschaft ersucht den Senat um Auskunft darüber, ob und wie weit diese Miuheilunge» auf Wahrheit beruhen." Der Antrag ist, wie üblich, im Vorivege an den Senat über« wiesen. Hoffentlich wird bald eine Rückäußerung erfolgen. — Dem G e n o s s e n W e s s e l, so schre!btdis„NiederrhelN. Volkstribüne" in Crefeld, ist seit dein 16. d. M. vom Landgerichts- Präsidenten Witte der Zutritt zu den Gerichtsverhandlungen, wie er den anderen hiesigen und auswärtigen Journalisten gestattet ist, veriveigert worden. Gründe:„Die Haltung d e r„N i e d e r- rheinischen V o l k s t r i b ä n e", wie Herr Witte unserem Redakteur ans dessen persönliche Beschwerde hin antwortete. Wir werden ans dieses Vorgehen die Antwort nicht ersparen.— Oefsentlichkeit giebt's nicht, sagte Herr Brausewetter l— — Zur Sozialistenverfolgung. Von der „Thüringer Tribüne sind noch zwei Nummern wegen Majestäts- beleidignng konfiszirt. Es handelt sich bis jetzt um die Nummern 211, 212, 213 und 214. — Planmäßige Verhetzung durch die sozialdemo- kratische Presse deduzirt der„ N e i ch s- A n z e i g e r" aus einer angeblich irrlhümlichen Mittheilung des in Magdeburg er- scheinenden„Landboten", der sich über die Schießübungen im freien Felde aufgehalten hatte. Selbst wenn dessen Mittheilnngen irrthümlich waren, was wir nicht hier beurtheilen könne», so ist es doch keineswegs gerechtfertigt, das als planmäßige Verhetzung zu bezeichnen. Aber jetzt sucht man der Sozialdemokratie aus allem einen Strick zu drehen.— — D i e K ü r z u n g der Schulpflicht soll von Herrn Dr. Bosse, dem gegemvärtige» Kultusminister geplant werden. Das ist auch ein Zeichen der Zeit. Zu viel Bildung macht nachdenklensch und Nachdenken fördert die Umsturzbestrebungen. Selbst der Kultusminister Dr. Goßler— so rasch ändert sich's heute— hat sich noch 1383 in der„Zeitschrift des königl. Statistischen Bureaus" gegen jede Herabsetzung der achtjährigen Schulzeit erklärt.„Ein früherer End- punkt der Schulzeit", Heist es dort,„würde freilich vielen Eltern willkommen sein, aber vorzugsweise denjenigen, vor deren egoistischer Absicht der Staat die Kinder schützt, indem er ihnen in der Schule den Grund für ihre dereinstige Erwerbsthätigkeit legt. Solchen Eltern nachzugeben, hat die Unterrichtsverwaltung keine Veranlassung. Für die große Mehrzahl der arbeitenden Bevölkerung, namentlich auf dem Lande, bleibe nach dem Abgange von der Schule jede geistige Anregung oder Weiter- bildung auf dasjenige beschränkt, was ihnen die Kirche biete. Der Minister begründet dann die achtjährige Schulpflicht und einen gute» Unterricht, namentlich in den Realien, und fordert, daß die Schule ein gewisses Maß sittlicher Reife den Kindern gewähre. Bei vorzeitigem Abgang würden sie vielleicht erfahren, daß auch die frömmste Gesinnung, die besten Grundsätze nicht Stand halten, wenn Unwissenheit und Erwerbsunfähigkeit die Führung eines geordneten Lebens unmöglich machen." — Die Verhaftung des Herrn von Hammer- st ein in Sistrans soll jetzt durch die Berliner Staatsanwalt» schaft, sowie dessen Auslieferung von der österreichischen Re- gierung verlangt sein.— Wird wohl zu spät kommen!— — Z urEhrenrettung des verstorbenen Herrn ü t h l e i n, der von Herrn v. Hammerstein der Unterschlagung des sogenannten Stöcker-Fonds bezichtigt wurde, hat Graf Finckenstein- Trossin jetzt namens des Komitees der „Kreuz-Zeitung" an die Tochter jenes Beamten ein Schreiben gerichtet, das in der„Kreuz-Zeitung" selbst und anderen kon« servativen Blättern veröffentlicht wird. Es lautet: „Sehr geehrtes Fräulein! In der Presse ist in letzter Zeit mehrfach der Name Ihres verstorbenen Herrn Vaters, des Herrn Kanzleiraih Güthlein, in Verbindung mit dem Name» des früheren Chefredakteurs der„Neuen Preußischen Zeitimg" Frhrn. v. Hanunerstein genannt worden, und zwar in einer Weise, welche geeignet sein kann, das Andenken Ihres auch von uns hoch- geschätzten verewigten Herrn Vaters, des königl. Kanzleiraths Güthlein, zu verunehren. Wir nehmen nun gern, und zwar ohne darum ersucht worden zu sein, unsererseits Gelege»- heit, auf eigene Veraulassung Ihnen zu erklären, daß das Komitee der„Neuen Preußischen Zeitung" keinerlei Ver- anlassung hat, an der vollständigen Ehrenhaftigkeit Ihres ver- ehrten Herrn Baters zu zweifeln, und zwar im besonderen auch nicht, soweit die Verwaltung von irgend welchen Fonds dabei in Frage kommt. Ihr Herr Vater ist vielmehr ein in jeder Beziehung ehremvcrlher Beamter gewesen, dem wir ein dankbares Andenken bewahren werden. Wir überlassen Ihnen selbstverständlich weiter gern, von diesem Briefe jeden Ihnen geeignet erscheinenden Gebrauch zu machen." Erstaunlich bleibt es immer, weshalb nicht schon zu der Zeit, als dem Komitee die Güthlein-Verleumdung bekannt geworden sein mußte. Schritte zur Ehrenrettung jenes Ver- storbenen gcthan wurden. Herrn Stöcker's Verle�enheitsansreden gegenüber behauptet die„Köln. Ztg.", daß ihr die Güthlein-Ver- leumdung schon Slnsang März zur Kenntniß gekommen sei. Da haben es das Komitee und Herr Stöcker doch auch schon ge- wüßt. Aber noch am 22. Mai hat Herr v. Hammerstei» iin Reichstag unter tosendem Beifall der Rechten seine Integrität gegen Anzweiflungen von der linken Seite des Hauses zu ver- cheidigen gewagt.— — Freiherr von Münch. Gegen den ehemaligen, der Pddeutschen Volkspartei in Württemberg zugehörigen Reichstags- abgeordneten Freiherrn von Münch, der nach längerer Beobachtung sür geisteskrank erklärt worden ist, hat die Staatsanwaltschaft zu Rottivcil den EntmündigungZantrag gestellt.— — Hilfskräfte für die Volkszählung in Preußen werden nach einer Bekanntmachung des königlich preußischen statistischen Bureaus nicht mehr verlangt.— Frankreich. — Neue Provokation er» in Carmaux. Man chreibt uns aus Paris unterm 19. September: Nicht genug, daß die Direktion der Kohlenwerke von Carmaux nach Ausbruch des den Glasarbeitern aufgedrungenen Streiks nur S Tage pro Woche arbeiten ließ, um ihre Arbeiter dafür zu strafen, daß sie sich ver- pflichtet hatten, an jedem Zahltag den Lohn eines Tages für die Streikenden abzugeben, hat sie eben wieder einen neuen Streich ausgeführt, der allem Auscheine nach nur darauf angelegt ist, die Grubenarbeiter zum Streik zu treiben. Demnächst findet nämlich in Limoges ein Gewerkschafts- Kongreß statt, zu welchem die Grubenarbeiter von Carmaux den Genossen C a l- v i g n a e als Delegirten wählten. Nun hat aber die Gruben- Kompagnie, an deren Spitze Baron Reille und dessen Schiviegcrsohn Marquis von Solages stehen, Genosse» Calvignac den von ihm zum Besuche des Kongresses nachgesuchten Urlaub verweigert. Wer nun weiß, daß der Marquis von Solages. an dessen stelle Genosse Janrös zum Abgeordneten von Carmaux gewählt worden ist, neben seiner Stellung als Leiter der Kohlenwerke zugleich Mitglied des Ver- waltungsrathes der Glashüttenwerke von Carmaux ist, für den leht es außer allein Zweifel, daß die Urlaubsverweigernnq keinen anderen Zweck verfolgt, als die Grubenarbeiter zum Sireik a« prcrojncn. Tie kapitalistischen Blätter werden zwar ein- wenden, daß mau rou den Unternehmern nicht verlangen könne. d rp sie cineS Kongresses halber nicht ihren Betrieb stören können. Tas sind aber nur faule Ausfluchte. In einem Kohlenwerk, wie überhaupt in Großbetrieben, kann und darf es nicht ans die Arbeitskraft eines Einzelnen ankonunen, weil sonst schon einzelne Krankheitssälle den Betrieb stören würden. Das wäre auch eine sonderbare Gruben-. Hütten-, Eisenbahn- oder sonstige groß- industrielle Unternehmung. ,vo durch ein mehrtägiges Ausbleiben des einen oder andern, selbst höher qualifizirten Arbeiters irgend eine Störung im Betriebe einträte. Nein, die Verweigerung des von Ealvignnc nachgesuchten Urlaubs ist eine direkte Provokation. Doch werden die Grubenarbeiter, die das Spiel der Herren Reille und Solages durchschaut haben, nicht in die ihnen gestellte Falle gehen. Genosse Innres hat diese Provokation dem Arbeits- minister bereits zur Kenntniß gebracht und in dem bezüglichen Schreiben daraus hingewiesen, daß es sich da wiederum zeige. daß es den Herren darum zu thun ist. die gewerkschaftliche Organisation zu zerstören oder zu hemmen. Herr Dupuis- Dutemps wird zwar eben so wenig etwas gegen die Gruben- kompagnie unternehmen, wie er dies gegen die Glaskompagnie thul, aber die öffentliche Meinung wird wenigstens wissen, mit im, sie es zu halten hat.— — Madagaskar-Opfer. Ans Paris, 19. September n ird geschrieben: Gestern ist der von Madagaskar kommende Dampfer„Concordia" von Algier nach Marseille in See ge> gangen. Von den erkrankte» Soldaten des Expeditionskorps, die er in Majunga eingenommen, starben unterwegs 43(38 Europäer und S Kabyle») oder ein Fünftel des ganzen Krankentransports. Ter„Shamrock", der letzten Sonntag von Majungo in Toulon eintraf, hatte ebenfalls 41 Todesfälle auf der lieber- fahrt zu verzeichnen. Die Schuld an dieser großen Sterblichkeit soll die Fahrt durch das Rothe Meer tragen, die in den Sommermonaten und bis zum Oktober sogar den Gesunden gefährlich ist. Die Zeitungen verlangen des- halb energisch, daß die Regierung, dem Beispiel der Engländer folgend, die ihre Krankentransporte von Indien in jeiwr Zeit um das Kap der Guten Hoffnung gehen lassen, die Transporte durch das Rothe Meer einstelle oder die Kranken in den Sanatorien von La Röunion zurückbehalte.— Senator Ranc hat den Kriegsminister von seiner Absicht, ihn wegen dieser Krankentransporte zu i n t e r p e l l i r e n, in Kenntniß gesetzt.— Holland. — Die neue Legislaturperiode steht, wie die ver- gangene, unter dem Zeichen der Wahlrechtsausdehnung. Der van Hauten' sche Entwurf hat von keiner Seile volle Zustimmung erhalten. Vielmehr sind alle Parteien darüber eniig, daß seine Mängel unzählbar sind und daß er jedenfalls unpraktischer ist, als der Entwurf des Exministers T a k a r n P o a t o l i e t. Trotzdem scheint man in parlamentarische» Kreisen nicht abgeneigt, den Entwurf zum Gesetze zu erheben, es sei denn nur, um endlich mal einen Schritt weiter zu kommen. Von demokratischer Seite wird denn auch eine Bewegung vor- bereitet, die auf eine möglichst schnelle und weite Ausdehnung des Wahlrechtes abzielt. Die liberalen und radikalen Parteien haben sich behufs dieser Propaganda mit den verschiedenen Arbeiter- organisationen— auch der sozialdemokratischen Arbeiterpartei— verbunden. Rur die katholische Arbeiterorganisation, die den Schwarzröcken völlig unterworfen ist, hat sich geweigert, dem Bündniß beizutreten.— Der Fabrikant Stork, der 20 Arbeiter wegen einer antimonarchischen Demonstration entlasten hat(er behauptet jetzt, es seien, nur vier gewesen), hat Nachfolger gefunden. Aus deniselben Grunde wurden auch in der Fabrikstadt Enschede einige Arbeiter entlassen, und zwei Lehrer in Helder, die sich geweigert hatten, an dem Feste zum Geburtstage der Königin lbeilzunehmen, habe» deswegen von der Behörde eine deutliche Weisung erhalte», um ihre Entlastung einzukommen, widrigen- falls würden sie dieselbe ungefragt bekommen. Die Papiere des Hanfes Oranien standen nie so hoch.— Dänemark. � Die sozialdemokratische Fraktion im dänischen Parlament zählt bekanntlich 8 Genosten. Das ist an sich keine �ansehnliche Zahl unter 114 Mitgliedern, welche die Kammer zählt, aber die Stellung unserer dänischen Genosten ist eine außerordentlich günstige. Die beiden gegnerischen Parteien sind nämlich jede 53 Mann stark, und in allen wichtigen Fragen geben unsere Genossen den Ausschlag, so daß sie in der That ein Recht haben, sich, wie der„Kreuz.Zeitung" heute aus Kopen- Hagen geschrieben wird,„als Herren der politischen Situation zu betrachten".— Italien. — Um dem nationalen September-Rummel auf die Beine zu helfen, hat C r i s p i eine A m n e st i e veranlaßt, die etwas weiter geht, als ursprünglich beabsichtigt war. Ein Telegramm meldet: Rom, 20. September. Eine amtliche Bekanntmachung des Justizministeriums veröffentlicht gelegentlich des 20. Sep- tembers einen Amnestie- Erlaß für die von den Militär- gcrichten in Sizilien und Massa Carrara zu Haftstrafen von weniger als 10 Jahren Verurtheilten. Den zu über IV Jahren Verurtheilten, welchen bereits am 14. März dieses Jahres ein Drittel ihrer Strafe erlassen wurde, wird jetzt ihre Haftzeit um ein weiteres Drittel verkürzt. Ob die Amnestie, so weit sie geht, eine unbedingte, ist aus dem Telegramm nicht klar ersichtlich. Ist unter Haft strafen auch die Zwangsarbeit und das Zuchthaus zu verstehen? Selbst wenn dies der Fall wäre, würde eine große Zahl von Gefangenen ausgeschlossen sein, die wie B o s c o zu 16 und wie de F e l i c e zu 13 Jahren verurtheilt sind.— Kuba. — Der Aufstand ist fortwährend im Wachsen und die spauischen Truppen waren neuerdings genöthigt, verschiedene Punkte zu räumen. Zum theil hängt dies wohl mit den Truppenkonzentrationcn zusammen, die Martinez Campos an- geordnet hat. Allein diese Truppenkonzentrationen selbst sprechen für die wachsende Macht der Insurgenten, die mit immer größeren Massen operiren und denen deshalb mit kleinen Truppenabtheilnngen nicht mehr beizukommen ist. Ein schwerer Schlag hat die Spanier betroffen, indem eins ihrer Kriegsschiffe in den kubanischen Gewässern, der „Sanchez Baraigtogui", durch Kollision mit einem Kauffarlheischiff untergegangen ist, wobei ein Kontre- Admiral und 36 Mann ertranken. Es sollte uns nicht wundern, wenn sich herausstellte, daß das betreffende Kauffartheischiff ein amerikanisches Fahrzeug mit Mannschaft und Munition für die Insurgenten war. Marschall Martinez Campos hat die Frist, bis zu welcher er den Aufstand erstickt haben will, abermals verlängert— bis zum Mai des nächsten Jahres, lind er braucht auch wieder mehr Truppen. Vor acht Wochen genügten ihm I00 0V0 Mann, vor vier Wochen brauchte er 150 000 Mann und heute fordert er 200 000 Mann. Im M a i wird er noch niehr fordern— wenn er dann noch auf Kuba ist. Inzwischen ist unter den Kubanern, die sich dem Aufstand noch nicht angeschlossen haben, eine H o m e r u l e- P a r t e i aufgetaucht, welche Autonomie haben will, ähnlich wie sie für Irland erstrebt wird. Und es wäre nicht unmöglich, daß die spanische Regierung in ihrer Roth nach diesem Strohhalm griffe und Kuba die Autonomie zugestände. Freilich, wenn nicht alle Anzeichen trügen, ist es auch hierfür schon zu spät.— Indien. — Zu einer Soldaten Meuterei kam es in der portugiesischen Kolonie G o a. Ein Telegramm des Reuter'schen Bureaus meldet darüber.' Bombay, 20. September. In Goa kam es zu einer ernsten Soldatemneuterei, da der Verwalter der Kolonie die von den nach Afrika abgehenden Truppen geforderten Bürgschaften Hinsicht- lich ihres Soldes verweigerte. Mehr als 500 Mann mit ihren Offizieren widersetzten sich der Einschiffung und erschossen zwei Wachtposten. Darauf marschirten sie mit Waffen und Schießvorrath in die Provinzen der Novas Conquistas. Es ist nicht genügende Mannschaft zur Unterdrückung der Meuterei vorhanden. So das Telegramm. Wie aus ihm hervorgeht, sollten die Truppen für die Eroberung neuen Kolonialgebiets in Afrita ver- wandt werden. Statt neue Kolonien zu gewinnen, werden die Portugiesen nun vermuthlich ihre beste Kolonie verlieren, die sie schon mehr als ein Jahrhundert besessen haben. Eine gesunde Strafe für den Landhunger, der ebenso fluchwürdig ist, wie der „verfluchte" Goldhunger.— Chnrn. Das Himmlische Reich ist durch den Krieg mit Japan aus seiner steinernen Unbeweglichkeit herausgeschleudert worden. Ueberall gährt es in dem ungeheuren Reich, das mehr Einwohner enthält als alle Staaten Europa's zusammengenommen; aber das Land ist so unbekannt und die Verkehrsmittel sind so unvoll- kommen, daß man nur selten und nur fetzenweise Nachrichten über die Vorgänge im Innern erhält. Begreiflicherweise wendet — wie das bei allen rückständigen Völkern der Fall ist— der Zorn der Massen sich gegen die Ausländer. Wurden die„Frem- den" doch sogar in unserem europäischen Reich der Mitte noch bis in die neueste Zeit, nebst„Juden und Polen", als die Urheber aller nationalen Uebel betrachtet. Von Christeninetzeleien in China hatten wir schon verschiedentlich zu schreiben. Zu Ende ist's damit noch nicht, und es wird lange, lange dauern, ehe die vierhundert Millionen Menschen, die in das chinesifche Liiesenreich eingepfercht sind, sich miteinander abgefunden, gegenseitig erträgliche Ver- Hältnisse geschaffen und dauerhaste Zustände gegründet habe». Jetzt ist der Koloß in der Auflösung begriffen, und wir können froh sein, wenn der Streit um die zerstreuten Glieder nicht zu einem Weltkriege führt. Die neueste Depesche über die Dinge in China lautet:„Die „Times" melden aus Hongkong, daß der Aufstand im Gebiete von Swatau sowohl gegen die Dynastie als auch gegen die Ausländer gerichtet und als ein Wiederaus- bruch der aufrührerischen Bewegung im April d. I. zu be- trachten sei. Den in den Swatan-Distrikt gesandten Truppen ge- lang es nicht, die Leiter des Ausstandes gefangen zu nehmen; sie sind nunmehr zurückgezogen worden. Eine Baseler Missions- station ungefähr 70 Meilen westlich von Swatau ist am Montag zerstört worden."— — Die Halbinsel Liaotung, aus der die Japaner durch die famose Aktion der„Vereinigte» Staaten von Europa"— hinausgedrängt werden sollten, ist noch in japanischem Besitz Die Japaner erklärten bekanntlich, die Räumung erst vorzunehmen, wenn China die Kriegskoslen bezahlt habe. Das ist noch»ichl geschehen, die Dinge haben sich aber inzwischen so gestaltet, daß es sehr unwahrscheinlich ist, ob die Japaner sich überhaupt zur Räumung entschließen und es nicht auf einen Kampf mit Ruß- land ankommen lasten, in welchem sie jetzt weit bessere Chancen hätten, als unmittelbar nach dem Friedensschluß. Die Chinesen, welche einem Telegramm znfolge nach Petersburg gekommen sind, um dort das 5!riegshandwerk zu lernen, werden bei einem neue» Konflikt niit Japan den russischen Protektoren schwerlich viel Dienste leisten.— Die polizerlithe Kiktion gegen den Fennen� und Wlüdchen- Vildnngsneeein erlebte am Freitag vor dem Schöffengericht am Landgericht I ihr gerichtliches Nachspiel. Nicht weniger als 21 Personen waren wegen Uebertretnug des Vereinsgesetzes angeklagt. Ihnen wurde zum Vorwurf gemacht, vom 2. April 1892 an, in den Jahren 1892 bis 1835 zu Berlin, Charlottenburg und Weißensee als Vorsteher, Ordner und Leiter eines politischen Vereins„Frauenspersonen" als Mitglieder auf- genommen zu haben— Vergehen gegen Z 16,3a der Verordnung vom II. März 1850(§ 47,3 des Strafgesetzbuches). Nach An- ficht der Anklagcbehörde war dieser Verein mit allen seinen Filialen lediglich ein politischer Verein und sein Zweck, politische Gegenstände in Versammlungen zu erörtern. Der Apparat, den die Staatsanwaltschaft aufgeboten hat, um dies nachzuweisen, ist wirklich nicht klein; 30 Polizeibeauite sind geladen, welche die einzelnen Punkte der Anklageschrist erhärten sollen. Von der Verlheidigung sind eine Anzahl Ent- lastungszeugen geladen, meistens sind dies Referenten von solchen Versammlungen, in denen angeblich politische Gegenstände ver- handelt wurden. Wege): der großen Zahl der am Prozeß Be- theiligten ist der kleine Schwurgerichtssaal zur Verhandlungs- stätte bestimmt. Vorsitzender ist der Amtsgerichtsrath Schmutter; die Verlheidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte Heine und Dr. Herzseld. Zu Beginn der Verhandlung richtet der Vorsitzende die Frage an die erste Angeklagte, Frau M e s ch, ob sie wisse, was Politik ist und ob es ihr bekannt gewesen sei, daß die in Rede stehenden Vereine keine politischen Gegenstände erörtern durften. Frau Mesch erwidert, daß das letztere auch nicht geschehen sei. man habe darum jedesmal die Referenten darauf aufmerksam gemacht, daß politische Themata von der Erörterung ausgeschlosteu seien.— Erster Zeuge ist der Polizeilieutenant v. Maltzahn. Er hat eine Versammlung des Hauptvereins, vom 19. Januar I8V3 überwacht und soll bekunden, daß dort von der„Beseitigung des Kapitalismus durch Herbeiführung vernunftgemäßer Erziehung" ge- sprechen worden ist. Der Z e u g e kann sich dessen erst er- i n n e r n, n a ch d e m e r v o n s e i n e m, d a m a l s a n d i e vorgesetzte Behörde eingesandten Bericht Kennt- n i ß genommen hat. Rechtsanwalt Heine fragt, ob be- stimmte Maßregeln zur Erreichung des erwähnten Zieles vor- geschlagen sind. Der Zeuge kann darüber nichts aussagen. Mit den nächsten Zeugen ist es ebenso. Der Polizei- Lieutenant v. Herford weiß nach Durchsicht seines Berichts auch, daß in einer späteren Versammlung des Vereins über den„sozialdemokratischen Zukunflsstaat" debattirt wurde.— Verlheidiger: Weiß der Zeuge das aus eigener Wissenschaft, oder auf grund des vorgelegten Berichts.— Vorsitzender: Ich ersuche, solche Fragen nicht zu stellen. Das Gericht hält eine derartige Frage für unerheblich und nur geeignet, die Verhandlung in die Länge zu ziehen. Ich bitte den Vertheidiger, streng sachlich sich zu halten, da sonst Strafe wegen Ungebühr verhängt wird.— Vertheidiger: Es liegt mir daran, festzustellen, ob es Zweck des Vereins war, politische Gegenstände zu erörtern, oder ob ein Redner vielleicht einmal ge- legentlich auf das politische Gebiet abgeschweift ist.— Vors.: Politik in diesem Sinne ist alles das, was nicht eine einzelne Person, sondern die gesamnite Oeffentlichkeit angeht.— Nach diesem Urtheil des Amtsgerichtsraths, das er im Laufe der Verhandlung verschiedent- lich wiederholte, nahm die Zeugenvernehmung ihren Fortgang. Die Herren überwachenden Beamten erinnerten sich der Vor- gänge in den diversen Versammlungen regelmäßig, wenn sie den ihnen vom Vorsitzenden übergebenen Bericht durchstudirt hatten. Der Herr Vorsitzende gab den Zeugen die Interpretation des Begriffs Politik in der oben geschilderten Form. Der frühere Fußgendarm R ö t t i n g e r hat bei einer Versammlung Reden gehört,„wie sie bei den Sozialdemokraten üblich sind"; aus Einzelheiten kann er sich nicht besinnen. Die damalige Referentin Frau Scholz, die sich unter den Angeklagten befindet, bestreitet auf das Gut- schiedenste, sich im Sinne der Aussage des Zeugen geäußert zu haben.— Durch Gerichtsbeschluß wird dem Vertheidiger dann der Bescheid, daß die Frage, ob ein Vorstandsmitglied oder ein beliebiger Theilnehmer einer Versammlung über„politische Themata" gesprochen haben soll, unerheblich� ist und deshalb künftig unterbleiben muß. Interessant ist noch die Aussage des früheren Gendarm B r a a tz aus Weißensce; derselhe deponirt, daß in einer Versammlung am 29. Januar 1893 dort am Orte über Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gesprochen wurde. Als dem Zeugen entgegen gehalten wird, daß die Filiale Weißensee erst im April des Jahres gegründet worden ist, erklärt er: es sei dies eine Versammlung eines anderen Frauenvereins gewesen; auf den Namen kann er sich nicht besinnen. Von den Entlastungszeugen wurden vier vernommen. Sie haben sämmtlich Referate wissenschaftlichen Inhalts in Vereinsversammlnngen gehalten, so z. B. über:„Volksbildung", „Die Nervenschwäche und das weibliche Geschlecht",„Der Kamps mit dem Tode",„Lungenschwindsucht",„Erziehungsmethoden" u. dergl. Die Redner bestreiten ohne Ausnahme, daß sie in ihren Referaten oder daß die Diskussionsredner ihres Wissens„Politik" getrieben hätten. Danach wurde die Beweisaufnahme geschlossen.— Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hielt die Anklage in vollem Umfange aufrecht und beantragte gegen Frau Mesch 50 M. und gegen jede der anderen Angeklagten 25 M. Geldstrafe; außerdem Schließung des Vereins. In längerer Rede bekämpfte der Rechtsanwalt Heine die Anklage und die Ausführungen des Amtsanwalts. Er wies nach, daß sich die Angeklagten getreu ihrem Prinzip wohl mit sozialen Fragen beschäftigen konnten, ohne daß man ihnen des- halb Erörterung politischer Gegenstände nachreden könne. Nach der Deduktion des Vorsitzenden, der alles das zur Politik rechnet, was die Allgemeinheit betrifft, könne man unmöglich verfahren, da sonst etwa die Diskussion über die Einführung der Krinoline unter Uniständen auch als politische Erörterung an- gesehen werden müsse. Die Wissenschaft umfasse viele Gebiete des öffentlichen Lebens, sollte das alles Politik sein? Der Redner würdigt die einzelnen Zeugenaussagen auf ihren Werth und kommt zu dem Schluß, daß Freisprechung geboten erscheine, da jedenfalls der Beweis dafür nicht erbracht sei, daß es Zweck des Vereins war, politische Propaganda zu treiben. Rechtsanwalt Dr. Herz selb schloß sich diesen Ausführungen an. Er hielt es nicht für angebracht, einen Verein, der doch nur lobenswerthe Ziele verfolge, kurzerhand zu schließen. Der Amtsanwalt replizirte darauf, daß der Verein in frivoler Weise gehetzt habe; aus einer Stelle der Anklageschrift gehe hervor, daß im Verein sogar davon gesprochen worden sei, daß die heutigen Arbeiter schlimmer daran seien, wie die Sklaven des Alterthums. Der Spruch des Gerichts lautete auf 25 Mark Geldstrafe für die Hauplübelthäterin Frau Mesch und 15 Mark für jede der 20 anderen angeklagten Frauen und Schließung des Vereins. Die Definition, die von der Vcrtheidigung bezüg- lich des Wortes„Politik" gegeben sei, wäre falsch, führte der Vor- sitzende aus; es sei dazu nicht nothwendig, daß konkrete Maß- nahmen zur Beseitigung bestehender Uebel empfohlen würden; es gebe noch eine theoretische Politik, und diese käme hier in Frage. Das Gericht habe angenommen, daß der Hauptzweck des Vereins sich nach dieser Richtung be- wegt habe. Wenn die Angeklagten das nicht wollten, so hätten sie das jederzeit verhindern können. Das Gericht habe es auch für nöthig gehalten, daß die Schließung des Vereins und seiner sämmllichen Filialen verfügt werde. Pa vkei- Aufruf. Die Unterzeichneten, denen Friedrich Engels seinen brief- lichen und literarischen Nachlak testamentarisch anvertraut hat, richten hiermit an alle diejenigen, welche Briese aus der Feder von Engels im Besitz haben, die Bitte, ihnen dieselben entweder im Original zu leihen oder abschriftlich zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich darum, diese Briefe, von denen eine Anzahl einen hohen zeitgeschichtlichen Werth hat, zusammenzustellen und aus ihnen, resp. mit ihrer zweckentsprechenden Ver- öffcntlichung das Bild der außerordentlichen Eigenschaften und Bethätigungen des Verstorbenen zu vervollständigen, den Schatz von Belehrung und Anregung, den sie enthalten, auch weiteren Kreisen zugängig zu machen. Selbstverständlich bleibt es den Eigenthümern der Briefe überlassen, Stellen, deren Veröffentlichung ihnen aus persön- lichen Gründen nicht wünschbar erscheint, von derselben auszu- schließen und wird allen derartigen Vorbehalten gewissenhast Rechnung getragen werden. Berlin und London, September 1395. A. Bebel, Berlin W., Gr. Görschenstr. 40. E d. B e r n st e i n, London W. C., Red Lion Square 29. Die Parteipresse der verschiedenen Länder wird um Abdruck des obigen Aufrufs gebeten. Von der Agitation. Seit Februar dieses Jahres wurden im Greifswald- Grimmener Wahlkreise über 5000 Broschüren seitens der Parteigenosten verbreitet; damit berichtigt sich unsere Angabe, daß in ganz Pommern in dieser Zeit 5000 Broschüren zur Vertheilung kamen. Delegirte zum Parteitag. Sch neeberg-Stollberg: Temmler aus Geyer. Braun sch weig-Stadt: Brunke. Breslau-Ost und W e st: Bruno Geyser, C. Tietze, Gieß« man», Bruhns, Alice Geyser. Mannheim: Keil. Kiel: Brecour. Pforzheim: Dr. Rüdt. Hannover(berichtigt): Rauch, Kutsche(Ersatzmann: Wiehle). Genosse Seifert erhielt von seinen Wählern durch einen Beschluß der Parteiversammlung im 19. sächsischen Wahlkreise (Schneeberg-Stollberg) ein Vertrauensvotum. Die Versammlung erklärte: In Erwägung, daß sein Verhalten am 2. September in Chemnitz hinlänglich geklärt ist, spricht die Versammlung sich dafür aus, daß das Vertrauen in unseren Genosten Seifert durch- aus nicht erschüttert ist. Constanzer Parteiversammknng ans Schweizer Bode«. Am 10. September hielt Genosse Bebel in Kreuzlingen bei Constanz eine Volksversammlung ab, die so stark besucht war, daß viele Hunderte keinen Platz mehr fanden. Anfangs war beabsichtigt, die Versammlung in Constanz abzuhalten und hatte der nationalliberale Stadtrath in Rücksicht darauf, daß die Ver- sammlung sich mit den badischen Landtagswahlen beschäftigen sollte, die städtische Turnhalle zur Verfügung gestellt. Als er aber nachträglich Hörle, daß auch Bebel in dieser Versammlung sprechen sollte, zog er schlennig seine Zusage wieder zurück. Unsere Ge- nosten waren nunmehr genöthigt, die Versammlung auf dem benachbarten schweizerischen Gebiet in Kreuzlingen abzuhalten. Dort erfuhr der Constanzer Stadtrath durch Bebel eine Ab- kanzelung, die er nicht hinter den Spiegel stecken dürfte. Unserer Sache hat das„liberale" Verhalten des Constanzer Stadtraths in Stadt und Umgegend sehr erheblich genützt. Ter pommersche Parteitag beschloß, die Provinzial- Karteitage künftighin blos alle zivei Jahre stattfinden zn lassen. di« LalidöMilUttschllfts- V«rcttie sprach sich der poimiiersche Parteitag aus, er forderte de» Breslauer Parteitag direkt auf, solchen Gründungen entgegenzutreten, um eine. Zer- splitlerung der Parteikräfte zu vermeiden. Eine Parteikonferenz des Wahlkreises Dortmund- Hörde findet am 29. September statt. Polizeiliches, Gerichtliches ic. — AufgelösteGewerkschafts-Versanrmlung. Am 18. d. M. wurde in Schedewitz bei Zwickau eine Versamm- lung der Porzellanarbeiter durch den überwachenden Kassirer des Gemeinde-Älmles. Herrn Reichel, aufgelöst, weil in der Diskussion der Kolporteur Müller auf die am Sedautag gefallenen Kaiser- worte zu spreche» kam; der Beamte vermuthele, daß Redner die- selben kritisiren wollte. Scinnntllche Mittheilungen von Organisationen, vor allein solche über Ausstände oder Aussperrungen, müssen stets den Stempel der betreffenden Organisation tragen. Bildhaner. Jeder Zuzug von Dresden, Berlin und Stuttgart(Steinbildhauer), Elberfeld, Görlitz(Holz- bildhaner) und F ü» f k i r ch e u(Poes) in Ungarn(Modelleure und Gipsbildhauer) ist fernzuhalten! Achtung, Korbmacher! Ueber die Werkstatt des Korb- machermeisters Lukas in Friedrichsfelde ist die Sperre verhängt worden, weil er für die Firma Zwerner in Friedrichsfelde Arbeit liefert. Auch die Drahtkorb-Werkstatt von Krause bleibt bis auf weiteres gesperrt. Die Sperre der Firma Zwerner in Friedrichs- felde muß unverändert fortdauern, weil der Firmeninhaber mit den Verbandsmitglieder» nichts zu thun haben will. Deshalb bitten die Friedrichsfelder Kollegen den Zuzug bis aus weiteres zu unterlassen. Nach Tarif wird bei Ziverner nicht gezahlt. Gustav Bennemann, Kassirer, Friedrichsfelde, Louisenstr. 13. Glasarbeiter. Zuzug ist fernzuhalten nach Oldenburg; Nienburg a. d. W., Stadthagen, Ibbenbüren, S w a n o(Italien), T o r e t t a bei Livorno(Italien), A n t o n i- w a l d und W i e s e n t h a l bei Herrn Hüttmaun's Söhne snr Glasmacher und Bracie d i Brala(Portugal) für Glasmacher und Schleifer. Porzellanarbeiter. Die Sperre ist bis auf weiteres über folgende Orte verhängt: Albersweiler, Köppels- d o r f(Dressel u. Koch), Königszelt, Sophienau(Char- lottenbrunn), Schweidnitz(Majolikafabrik von Krause), S t a n o w i tz. Mitglieder, welche in diesen Orten in Arbeit treten, werden vom Verbände ausgeschlossen. Die Sperre ist bis auf weiteres ferner über folgende Orte verhängt: Turn-Teplitz: Ernst Wahliß für Maler und Dreher; C h o d a u: Richter, Fenkl und Hahn, für Maler; Schlacken werth: Pfeiffer u. Löwenstein, für Dreher, Former und Maler; Frankfurt a. O.: Th. Paetsch, Sorgau; Grohn- Vegesack; Fünfkirchen, W. Zsolnay. Von Brünn, wo 1390 Emaillearbeiter streiken, ist Zuzug fernzuhalten. Die Firma Benzenberg n. Ko. in Barmen sucht im „Sprechsaal" Maler. Diese Firma hat den Malern eine Lohn- reduzirung angekündigt und will sich wohl gefügigere Arbeiter sichern. Also Achtung! Töpfer. In Bukarest ist nur die Firma Beege ge- sperrt; Bielefeld, Wilhelmshaven Geschäft von Dähne; Wien Firma L. C. Hartmuth; für Werkstuben- Arbeiter; nach Nürnberg Firma Kittler wegen Lohnabzug; nach Hildes heim wegen Maßregelung; nach Seen bei Winterthur(Schweiz), wegen Lohndifferenzen im Geschäft von A. Peter. Werftarbeiterstreik in Glasgow(Schottland). Dem Beispiele der Eisenarbeiter in Belfast folgend, verlangen die hiesigen Werstarbeiter 10 pCt. Lohnerhöhung. Die Arbeitgeber erklären, eher die Betriebsstätten schließen zu wollen, als die Forderung zu bewilligen. Der Ausstand von 30 000 Arbeitern in Glasgow ist daher sehr wahrscheinlich. Der Streik in Bialystok soll nach Angabe der„Vossischen Zeitung" mit ungünstigem Ausgange für die Arbeiter be- endet sein. Soziale Mebevflchk» Für Vereinheitlichung der Arbeiterversichernng sprach sich in Form eines Antrages zum Breslauer Parteitage die letzte Mannheimer Parteiversammlung aus. Wo hört das Züchtigungsrecht der Dienstherrschaft aus? Das Schlagen mit einem Peitschenstock, welches blut- unterlaufene Striemen hinterläßt, ist nach Ansicht des Brauns- berger Schöffengerichts einem Dienstherrn erlaubt. Der Feststellung dieses Rechtsgrundsatzes liegt der folgende Sachverhalt zu gründe. Der Besitzer Klafky, Abbau Braunsberg, überfiel in der Nacht seinen Knecht im Bette und bearbeitete diesen mit einem Peitschenstiel derart, daß der Ueberfallene, nur mit dem Hemde bekleidet, die Flucht ergreifen und bei einem Nachbar- besitzer Unterkommen suchen mußte. Seiner Heldenthat wegen stand Klafky am 7. d. M. vor dem Schöffengericht und wurde— freigesprochen,— weil er die„G r e n z e der erlaubten Züchtigung nicht überschritten habe."— Der Arzt, welchen der Knecht als Zeuge angegeben, war nicht geladen und hat der Knecht jetzt gegen das freisprechende Urtheil des Schöffengerichts Berufung eingelegt.— Auch das Dienst- mädchen des Klafky, welches zwei Strafmandate von je 6 M. erhalten, weil es Sonntags auf einige Stunden ohne Erlaubniß sich entfernt und hiergegen die richterliche Entscheidung beantragt war, wurde am selbigen Tage zur Zahlung verurtheilr. Es lebt sich doch herrlich unter diesem samosen Gesinde- Verorduungs- gesetz! Wer wollte den Kanzler Leist, wenn er die unkultivirten schwarzen Weiber in Afrika gezüchtigt, vcrurtheilen, wenn bei uns noch dem Dienstherrn die Züchtigung mit dem Peitschenstiel zusteht und die hinterlassenen stngerdicken Striemen noch nicht über das„Erlaubte" hinausgehen?! Veofammlungen. Nixdorf. Bier höchst wichtige Punkte standen auf der Tagesordnung einer öffentlichen Volksversammlung, die am 19. September unter starkem Andrang in den„Viktoria- sälen" stattfand. Zunächst sollten die s i e b e n sozialdemokrati- schen Gemeindevertreter über ihre Thätigkeit Bericht erstatten. Diese hatten auf dem Podium Platz geuoniineii, ließe» aber durch ihren Kollegen Müller erklären, sie hätten zu spät(erst am Tage vorher) erfahren, daß von ihnen eine Berichterstattung verlangt werde, sie seien nicht genügend hierzu vorbereitet und ersuchten deshalb, diesen Punkt bis zu einer späteren Versamm- lung zu vertagen. S i e g e r i st empfahl, diesem Wunsche Rech- nung zu tragen, da dann die Berichterstattung jedenfalls eine genauere sein würde; indeß legten die Genoffeu weniger Werth auf eine solche, als vielmehr auf eine Rechtfertigung seitens der Gemeindevertreter speziell über ihr Verhalten an- läßlich des„Sedanfestes" und bei Gelegenheit der Grundstein- legung zum Denkmal Wilhelm I. Zu ersterem Zweck seien, wie Retzerau hervorhob, 2000 M. mehr aus dem Sleuersäckel be- willigt worden; von einem Protest der sozialdemokratischen Gemeindevertreter hiergegen habe man nichts gehört. Gemeliide- Vertreter Müller erklärt nunmehr, sie hätten dadurch Protest gegen die Errichtung des Denkmals erhoben, daß sie nicht dafür gestimmt hätten. Mit der Bewilligung von 2000 M. für die Schulfeier am Sedantage sei es eine eigene Sache ge- wesen; er hätte sich dagegen gewandt, aber genau betrachtet: für wen war die Feier? Für die Kinder der Gemeinde- Mitglieder und nur sehr wenige habe» gefehlt. Selbst wenn die Geuoffen vorher in einer Versammlung beschlossen hätten, ihre Kinder nicht hingehen zu lassen, so wären diese doch ge- gangen.(Widerspruch.) S ch i p k e warf die Frage auf, weshalb die Kinder gezwungen werden, sich an„patriotischen" Festen zu beiheiligcn, während man ihnen andererseits behördlich den Be- such von Arbeitersestlichkeiten, wo ihre Eltern dabei sind, unter- sagt?(Zurufe.) Hoppe verlangte nunmehr, daß alle Ver- treter sich zur Sache äußern, doch diese verzichten aufs Wort und deshalb fährt Hoppe fort:- Wer die Berichts der Zeitungen verfolgt habe, werde zugeben, daß die fozialdcmokra- tischen Vertreter manches Gute vertraten, dies könne jedoch die zuletzt gemachten Fehler nicht aufwiegen. Bei ihrer Kandidatur über ihre Stellung zum Erfurter Programm befragt, hätten sie alle dasselbe rückhaltlos anerkannt und nunmehr diese „Stegmüllerei"? Das käme aber daher, weil sie zumeist mit ihren Wählern keine Fühlung gehalten hälten. Gegen die Kinder- feier mußten sie entschieden protestiren, statt dessen habe nur Müller das Wort ergriffen, und gemeint,„der Platz für die Schulseier werde zu klein sein".(Heiterkeit.) Der Gemeinde- Vertreter Schenk habe sogar ein Schriftstück unterzeichnet, welches bei der Grundsteinlegung zum Denkmal Wilhelm I. mit vergraben wurde. Eine derartige Handlungsweise verdiene die schärfste Berurtheilung, wenn man bedenke,"was die Sozial- demokratie unter der Regierung dieses Monarchen zu erdulden hatte, er erinnere nur au die Leiden der Genoffen unter den 12 Jahren des Ausnahmegesetzes— wie kann da ein sozial- demokratischer Gemeinde- Vertreter(Schenk) seinen Namen zur Verherrlichung dieses Mannes hergeben.(Zuruf.) Doch wie gesagt: die Vertreter haben die Fühlung mit ihren Wählern verloren, sie seien in sozialdemokratischen Versammlungen oder Volksfesten mit wenigen Ausnahmen nicht zu sehen, wohl aber zum theil in Kriegervereincn oder bei Schützenfesten.(Zuruf: Lüge!) Sollten sich die Gemeinde- Vertreter nicht rechtfertigen können, so bewiesen sie, daß sie nicht niehr mit sozialdemokrati- scheu Arbeitern fühlen, dann aber sei es besser, leine als eine derartige Vertretung im„rothen Hanse" zu haben.(Beifall.) Gemeindevertreter Müller hätte gewünscht, daß die Parteigenossen sich mehr an den Sitzungen als Zuhörer betheiligt hätten; die Zeitungsberichte seien meist so knapp, daß sie kein klares Bild der Verhandlungen geben; er glaubt sich korrekt verhallen zu haben. Retzerau vernrtheilte es, daß bei Gelegenheit des„Sedanfestes" auch andere Genossen gegen die Partciprinzipieu verstoßen haben. Gemeindevertretcr Schenk sucht das Unterschreiben des fraglichen Schriftstückes durch eine durch seinen Umzug hervorgerufene, augenblickliche Zer- strenung zu entschuldigen. Krüger erachtete eine Bericht- erstaltung über die letztjährige Thätigkeit der Vertreter für wichtiger als den zur Debatte stehenden einzelnen Punkt, doch beschloß die Versammlung auf Autrag S i e g e r i st, nur über diesen weiter zu verhandeln und die Erledigung der übrigen Angelegenheiten zurückzustellen. S i e g e r i st, als nächster Redner, war im Gegensatz zu Hoppe der Ansicht: die Kinder hätten eventuell durch Schulstrafen zur Betheiligung am„Sedan- fest" gezwungen werden können, doch hielt er die Weisung der Lehrer, in Schärpen u. dgl. Tand zu erscheinen, für einen Uebergriff; hierzu hätten sie dann auch ärmeren Kindern das Geld geben müssen. Damit solche Stegmüllcreien nicht wieder vorkommen, sollten die Vertreter bei wichtigen Angelegenheiten vorher ihre Wähler befragen und zu diesem Zweck Versammlungen einberufen. Thomas hatte sich bereits ein anderes Urtheil gebildet, er warf die Frage aus: wie verhalten sich die Genossen zu derartigen Vertretern? Deren Handlungsweise be- zeichnete er als d i r e k t gegen d ä s P r i n z i p g e r i ch t e t. Seien sie dem Posten nicht gewachsen, so solllen sie ihn nieder- legen. Derselbe Vorwurf treffe die Genossen, welche ihre Kinder den„Rummel" mitmachen ließen. Redner beantragte kurzer Hand: Die Gemeindevertreter s a in m t und sonders aufzufordern, ihre Mandate nieder- zulegen.(Bravo!) Inzwischen war auch eine diesbezügliche Resolution eingegangen, die Müller veranlaßte, namens seiner Fraklionskollegen zu erklären: sie würden der Aufforderung in corxoro nachkommen.(Vereinzeltes Bravo.) Krüger und Ilse wandten sich dagegen, daß für die Fehler einzelner alle Vertreter büßen sollten. Gemeindevertreter Schröder bestritt die Beschuldigungen, daß sie Geld zum Denkmal bewilligt oder daß einer von ihnen sich an Kriegervcreins-Festen betheiligt hätte. Hoppe solle Beweise bringen. Daß übrigens das Sedanfest, an deni seine Kinder betheiligt waren, jeder nach seiner Weise auf- gefaßt und gefeiert habe, bewiesen die Gesänge bei der Heimkehr; die einen sangen die„Marseillaise", andere die„Wacht ani Rhein!" Hoppe stellte sofort richtig, daß er nicht gesagt habe, die sozialdemokratischen Vertreter hätten Gelder zum Denkmal be- willigt; doch habe nur Ali ü l l e r den Zeitungsberichten nach das Wort hierzu genommen. Er finde es bedauerlich, daß Schröder seine Kinder zu einem Fest des Nationalhasses gesandt habe. Vertreter Schulz soll sich in vollem Wichs am Schützensest belheiligt haben, könne djes widerlegt werden, so wolle er den Vorwurf gern zurücknehmen. Potany suchte die Genossen zu entschuldigen, deren Kinder am„Sedanrummel" theilnahmen, sie thaten es ihren Kindern zn liebe, denen vom Lehrer angedroht war, daß sie, falls sie nicht kämen, am anderen Tag etwas zu erwarten hätten.(!?)(Hört, hört!) N i m m r i ch beantragte, eine Kommission zur genaueren Untersuchung des Verhaltens jedes der Gemeindevertreter zu wählen. Thomas be- stand ans sofortige Mandatsniederlegung, widrigenfalls man annehmen müsse, daß sich die Rixdorfer Genoffen mit diesen„Stegmüllereien" einverstanden erklären würden. Genieindevertreicr Hesse erklärte nunmehr, er habe geglaubt, stets das beste der Partei im Auge gehabt und gethan zn haben, da aber tüchtigere Kräfte vorhanden seien, lege er gern sein Amt freiwillig nieder. Hierauf gaben nach und nach auch die Genossen Müller. Schi mm käse, Schulze, Schenk, Fricke und Schröder die gleiche Erklärung ab. Bei einigen wurde die Mandatsnicderlcgung mit Bravorufen begleitet. Der Aeußerung Schröder'?: es scheine Verralh im Spiele zu sein, traten nocknnals Hoppe und Thomas entschieden gegenüber. Wenn Verrath im Spiele sei, so könne er doch nur bei den Geineindevertretern gesucht werden.— Nachdem ein dritter Gendarm, der unbefugt eingetreten war, vom Vorsitzenden zum Verlassen des Saales aufgefordert worden war, wurde die Resolution zur Albstimmung gebracht und mit großer Majorität angenommen, ebenso ein weiterer Antrag: „Ucbergang zur Tagesordnung." Der 2. Punkt betraf den Rixdorfer Arbeitsnachweis. O st e r m a n n berichtete, daß die Gemeindevertretung die Wünsche der sozialdemokratischen Volksversammlung, die sich seinerzeit mit dieser Angelegenheit beschäftigte, ignorirt, und von den gewählten Personen ins Kuratorium nur ihn(Oftermann) und Schröder als Vertreter bestätigt habe. Zwei weitere Ver- treter für die Arbeitnehmer bestätigte sie aus dem Lager der Hirsch- Dunker'schen Gewerkvereine. Ihm sei darauf von einer öffentlichen Versammlung des Rixdorfer Ge- werkschnsts- Kartells nahe gelegt worden, sein Amt im Kuratorium niederzulegen. Er habe bisher drei Sitzungen beigewohnt; inzwischen sind Lokalitäten gemiethet und zwei Vorsitzende(Spazier, Arbeilgeber, und Bauer, Hirsch- Dunker'scher Gewerkvereinler) gewählt worden. Sei die Ver- samnilung der Ansicht, daß etwas Ersprießliches durch den Arbeitsnachweis zu erzielen wäre,' so ersuche er dies auszn- drücken. In der Diskussion bezeichnete Retzerau den Arbeits- nacknveis als todtgeborenes Kind; der Arbeitslosigkeit, die immer krasser werde, könne er doch nicht steuern. Da außerdem die Gemeindevertretung die Wünsche der Arbeiterschaft nicht berücksichtigt habe, so beantrage er gegenüber dem Arbeitsnachweis zur Tagesoidnung überzugehen und die Angelegenheit als erledigt zu betrachten. Nachdem Hesse konstalirt, daß die sozialdemokratischen Vertreters gegen das ZuflütldekoMttien des Arbeitsnachweises in seiner jetzigen Form gestimmt hätten, fand der Antrag Retzerau's ein- stimmige Annahme. Ten 3. Punkt:„Freigabe der Lokalitäten der Vereins- brauerei" ersuchte Retzerau namens der Lokalkommission von der Tagesordnung abzusetzen, da die Sache noch nicht geregelt ist. Der Oekonom N e n m a n n hatte sich selbst an die Kommission gewandt und die ihm gestellten Bedingungen akzeptirt und unterschrieben; er muß aber durch den Einfluß der übrigen Rixdorfer Saalbesitzer auf die Brauerei wohl wankelmüthig ge- worden sein, da er bisher den Forderungen der Arbeiterschaft bezw. der Kommission noch nicht nachgekommen sei. S i e g e r i st resumirte die Entstehungsgeschichte und den Verlauf des Bier- krieges. Bekanntlich sei die Vereiusbrauerei das Karnikel ge- wesen, das angefangen habe. Das Lokal müsse so lange, wie es nur im Bereich der Möglichkeit liege, gesperrt bleiben.(Theil- weiser Beifall.) Hoppe hielt dem entgegen, daß der Boykott aufgehoben und somit die Alngelegenheit in ein anderes Stadium getreten sei. Erfüllt der Oekonom die Bedingungen, muß Frei- gäbe des Lokals erfolgen, ziehe er seine Iknierschrift zurück, so sei das seine Sache, jedenfalls lasse sich aber die Koni- Mission und die hinter ihr stehende Arbeiterschaft nicht ein zweites Mal an der Nase herumführen.— Dem Antrag der Lokal- Kommission, diesen Punkt abzusetzen, wurde hierauf zugestimmt. Der letzte Punkt:„Das Vorgehen der Rixdorfer Sicherheils- beamten" fand ebenfalls keine Erledigung. Die Zeit hierzu war zu kurz. Der herannahenden„Polizeistunde" wegen beantragte Retzerau die Vertagung, damit das Vorgehen der Beamten genau beleuchtet werde und eventuell eine Kommission gewählt wird, welche das einschlägige Material sammelt und alle Schritte unternimmt, um Remedur zn schaffen. Er erinnere nur kurz daran, daß 2 Richtersprüche bewiesen, daß manche Gendarmen gar nicht die Befähigung zur tteberwachung von Versamiiilungen besitze� daher erklärten sich so manche Versammlungsanflösungen. Redner streifte ferner die letzten Vorgänge am Richardplatz; er behauptete, daß die Behandlung, welche steuerzahlende Bürger durch einzelne Genieindediener, Nachtwächter ic. erfahren, stehe mit unserer Auffassung von Recht und Menschenwü'-de in schärfstem Kontraste und es wäre an der Zeit, daß die Praxis der Rixdorfer Beamten durch den Vertreter des Kreises, eventuell auch im Reichtage zur Sprache gebracht werde.(Großer Beifall.) Der Vertagungs- antrag wurde angenommen und die Versammlung hierauf ge- schloffen. Vor dem Lokale hatten sich außer einigen Polizei- beamten in Zivil noch 7 Geudarmeii postirt, denen keine Ver- anlaffintg zum Einschreiten gegeben wurde. Gevirhks-'Ieiiuttg. Eine für die Presse nicht unwichtige Entscheidung hat am 19. September der dritte Strafsenat des Reichsgerichts in der ersten Sitzung, die er im neuen Reichsgerichts-Gebäude ab- hielt, gefaßt. Vom Landgericht Erfurt sind am 7. Juni der Redakteur Ernst Morgenstern vom„Erfurter Tageblatt" und unser Parteigenosse Theodor Hut h von der Thüringer „Tribüne" wegen Beleidigung des Gemeindevorstehers Möller von Jlverzehofen zu je 30 M. Geldstrafe verurtheilt worden. Gegen dieses Urlheil hatte nur Huth Revision eingelegt. Beide Augeklagten haben am 5. Januar aus der„Nord- Häuser Zeitung" einen Artikel abgedruckt, in welchem die Beleidigung erblickt wurde. Die darin enthaltene Behauptung, der Gemeindevorsteher Möller habe im Gemeinderathe beantragt, jede Prostituirte mit einer Steuer von 40 M. zn belegen, wurde von der Anklage als geeignet erachtet, Herrn Möller verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung herabzusetzen. Nun wurde aber auf Antrag des Angeklagten festgestellt, daß Herr Möller in der That beantragt hatte, jedem Hauswirth, der eine Prostituirte beherberge, eine Steuer von 40 M. aufzuerlegen. Das Gericht sah hierdurch den Beweis der Wahr- heit als erbracht an, da als selbstverständlich anzunehmen sei, daß die Hauswirthe die Steuer auf die Dirnen abgewälzt haben würden. Eine Bestrafung der Angeklagten erfolgte aber doch, weil in einem Zusätze des Artikels über das Motiv des Herrn Gemeindevorstehers zu seinem Antrage etwas wenig schmeichel- hastes gesagt war.— In seiner Revision führte der An- geklagte Huth aus, es sei rechtsirrthümlich, wenn das Gericht ein- mal den Wahrheitsbeweis als erbracht ansehe, dann aber ein neben- fächlichesMomcnt als strafbar erachte. Der Wahrheitsbeweis brauche sich nicht auf alle Einzelheiten zu erstrecken, es genüge, wenn die behauptete Thatsache ihrem wesentlichen Inhalte nach er- wiesen sei. Erwiesen sei aber, daß Möller eine Steuer von 40 M. für jede Dirne beantragt habe. Das Unmoralische liege darin, daß die Prostitution überhaupt als Steuerquelle benutzt werden solle.— Herr R e i ch s a n w a l t Schumann erklärte olgendes: Das Urtheil gefällt mir nicht und ich halte es für be- denklich. Es ist festgestellt, daß dem Gemeindevorsteher in dem Artikel eine Handlung imputirt worden ist, durch welche er, wie das Gericht selbst sagt, sich in der öffentlichen Meinung herabgewürdigt und ver- ächllich gemacht hat, also etwas gethan hat. was sich mit seiner Stellung und seineu Pflichten nicht vereinbaren läßt. Wenn der Beweis erbracht ist, daß Möller eine derartige Steuer beantragt hat, so kann die weitere Bemerkung des Artikels, Möller habe ejue reichliche Einnahme aus dieser Steuer prophezeit, nicht als elbständige Beleidigung angesehen werden. Sie hat eine Be- deutung nur in Verbindung mit der vorausgeschickten wahren Thatsache. Von welchem Motiv Möller ausgegangen, ist ganz belanglos. Das Urtheil muß selbst einräumen, daß, wenn ein derartiger Vorschlag gemacht wird, der Anschein erweckt wird, als ob die Prostitution gefördert werden solle.— Das Reichs- gericht erkannte sodann auf Aufhebung des Urtheils gegen "") und sprach ihn kostenlos frei. Wege» fahrlässiger Tödtung hatte sich kürzlich die 48 Jahre alte Waschfrau Müller vor dem Landgericht in Leipzig zu verantworten. Die Angeklagte pflegte ans dem Fensteriims ihrer im vierten Stockwerk gelegenen Wohnung Blumentöpfe aus- zustellen, ohne daß diese besestigt und vor dem Herabfallen ge- sichert worden wären. Im Juli d. I. war einer der Blumen- löpse herabgestürzt und hatte ein 14 Monate altes Kind eines Bankbeamten, das gerade im Kinderwagen an dem Hause vorbei- ' ren wurde, so unglücklich auf den Kopf getroffen, daß das nach wenigen Stunden starb. Das Gericht vernrtheilte die Angeklagte zu 3 Monaten Gefäugniß. Ein grober UufiigSprozeff w e g e n der Else Groß. Ter Breslauer„General-Auzeiger" berichtet: Endlich hat das Ober-Landcsgericht den Rechtsstreit eiitgillig entschieden, ob der rühere Besitzer des Panoptikums Eppmann sich des groben Nu- sugs dadurch schuldig grnwcht hat, daß er die Figur de» Else Groß im Origiualkostüm ausstellte. Ein Frauenvereiii in Breslau nahm hieran Anstoß. Die Polizei belegte Eppmann init einer Geld» strafe. Rechtsanwalt Schreiber erhob im Auftrage Eppmanu's gegen das Strafmandat Einspruch. Das Schöffengericht sprach Eppmann frei. Der Staatsanwalt legte hiergegen Berufung ein. Das Landgericht sprach Eppmann abermals frei. Der Staats- anivalt legte abermals Berufung ein. Nun entschied auch die letzte Instanz für Freisprechung des Angeklagten und verwarf die Revision des Staalsauwalts. Die Sache ist hiermit endgillig entschieden. DezreMzen und letzte Ltttcherchken. Skagen, 20. September.(W. T. B.) Die an der hiesigen Küste ausgetriebenen Leichen wurden als die des Obersteigers Bätzel und des Matrosen Hannemann von S. M. Torpedevoot 8 41 erkannt. Madrid, 20. Septbr.(W.T.B) Die Leichen des Kontreadmirals Parejo und des Kapitäns Jbnnez, welche beide bei dem Unter- gange des Kreuzers„Barcaiztegui" ertrunken sind, wurden heute Nacht ans dem Wasser gezogen. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Für den Jnseratcntheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin. Hierzu 1 Beilage. Beilage zum„Vomiirts" Berliner Volksblatt. Ur. 22h Sonnabend, den 31. September 1893. 13. Jahrg. UokAles. Die Kameel-Juschrift scheint dem fortschrittlichen Vereins- Publikum doch schwerer im Magen zn liegen, als den mannes- nmlhigen Stadtverordneten Richtcr'schen Schlages. Aus einer Versammlung des Bezirksvereins„Fortschritt" weiß die„Volks- Zeitung" zn berichten, daß ein Herr Dr. Bernstein sein Be- dauern über den bekannten„Standpunkt" der Stadtverordneten ausgesprochen habe. „Es sei etwas anderes, ob man sich persönlich beleidigt suhle und deshalb klage, etwas anderes, wenn man die Beleidi- guug abwehre um der Konsequenzen willen. Im Lande werde man die„Noblesse" der Fraktionen nicht begreifen und den Schaden davon werde die freisinnige Partei habe». Die kommunale Thätigkeit der Berliner Stadtverordneten begegne im Lande naturgemäß einem viel geringeren Verständniß, als ihre Stellungnahme zu allgemeinen Fragen; und da vermisse man oft de» großen Zug, eine übergroße Aengstlichkeit mache sich gellend, und gerade diese Rücksichtsmeierei werde im Lande nicht begriffen." Die Versammlung, so berichtet die „Volks-Zeitung". nahm diese Ausführungen mit dem größten Beifall auf. Das Blatt giebt sodann seiner Meinung in folgender Glosse Ausdruck: „Die Herren Stadtverordneten werden daraus ersehen, daß man in der Wählerschaft ihre unzeitgemäße„Großmuth" gegen einen rüpelhaften Anonymus ganz und gar nicht versteht. Man spricht von dem„Verfasser und Urheber der Inschrift", als ob derselbe bereits ermittelt worden sei. Wenn die Herren Stadtverordneten ihn kennen, warum sagen sie nicht, wer es i st? Darauf kommt's ja gerade an. die Persönlich- k e i t des intellektuellen Urhebers f e st z u st e l l e n; und eben dazu sollte man die Gerichte in Anspruch nehmen. Ist die Persönlichkeit des Biedermannes unzweifelhaft festgestellt, dann, aber auch erst dann, mag ihn die Stadtverordneten- Versammlung lausen lassen. Jetzt lacht er sich ins Fäustchen, die freisinnigen Stadtverordnete» aber haben in der That, wie Herr Dr. Bernstein ganz zutreffend ausgeführt hat, wieder einmal eine Unterlassungssünde begangen, die dem Freisinn nach außen hin wieder bedeutend geschadet hat und w e i t e r s ch a d e n w i r d! Es ist, als ob manche Kreise des Freisinns förmlich mit Blindheit geschlagen sind. Weiß die„Volks-Zeitung" denn wirklich nicht, daß die Stadlverordnetenmehrheit trotz alledem und alledem vor Geistern wie Karlchen Mießnick den heillosesten Respekt hat? Auch in ihrer Ausgabe vom Freitag Abend liest die„Volks- Zeitung" den Mannesmuthigen tüchtig den Text. Sie erzählt zunächst sarkastisch: „Die Kameel-Jndustrie schießt, wie es scheint, üppig in die Halme. Dieser Tage wurde, wie wir hören, dem Inhaber eines der kurulischen Sessel im Rothen Hause Hierselbst in Form einer Denkmünze ein niedliches Erzeugniß der P r ä g e k u n st zugestellt, auf welchem mit dem Datuni des 2. Mai, als des Tages der Ablehnung des Dreihnnderttansend-Mark-Geschenks an die Kaiser Wilhelm-Kirche, verschiedene Kameele in naturgetreuer Reproduktion abgebildet sind. Das Ding gleicht weniger dem allgemeinen Ehrenzeiche» als einem D u k a t e n." Bei dem fortschrittlichen Organ tritt dann die richtige Er- kenntniß zu tage, daß der politische und moralische Gewinn aus der Kameel-Angelegenheit, wie schon so oft aus anderen Affären, von der Sozialdemokratie davon getragen werde: „Und wie hübsch ist man dabei der Sozialdemokratie in die klug gestellte Fa l l e gerathen! Die Indolenz der freisinnigenMehr- heit gegen die Kameel-Beleidigung hat man in der Sozial» dem o k r a t i e für den gegenwärtigen Stadtverordneten- Wahlkampf gebraucht, erhofft, e r w artet. Das offizielle Parteiorgan der Sozialdemokratie hat durch seine gesucht kühle Behandlung der Frage— obwohl doch auch die sozial- demokratischen Stadtverordneten zu den„Kameelen" gehörten— die freisinnige Großmuth begünstigt. Jetzt, nachdem die Falle zugeklappt ist, nachdem der einzige freisinnige Protestler unter dem stummen Beifall der freisinnigen Mehrheit durch den nationalliberalen Baurath Kyllmann sozusagen„zugedeckt" werden konnte— jetzt giebt es für die sozialdemokratische Agitation kein wirksaineres Thema, als das Inschriften- Intermezzo in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung. Herr Gröber hat, wie wir mit Bedauern koustatiren müssen, wieder einmal recht behalten mit dem Ausspruch: die Sozialdemokraten haben ein Schiveineglück. Die Kameel-Dukaten aber werden wahrscheinlich im Kurse steigen." So die„Volks-Zeitung". Wir haben uns ihr gegenüber nur gegen den Borwurf der„gesuchten Kühle" zu verwahren. Von der vaterlandslosen und glaubenslosen Rotte wird doch selbst der geniale Inspirator der Kameel-Jnschrift wissen, daß es eine Art Sakrileginm wäre, an sie überhaupt mit einer Forde- rnug, wie die vom 2. Mai dieses Jahres heranzutreten. In solchen Dingen stehen Sozialdemokraten nach staats- und glaubensretterischer Auffassung doch wahrlich außer allein Spiel. Sedan i« der Justiz. Wunderbar sind die Wege, die man in der Justizverwaltung wandelt! Nachdem wir gestern die merkwürdige Verfügung zur Sprache gebracht haben, in der die Nicht- Kombattanten, denen»och kein Mindestverdienst garantirt ist, darüber aufgeklärt werden, daß ihnen keine Entschädigung für den Sedantag zugestanden werden solle, ist am selben Tage, also am Freitag, noch den Kauzleibeamten im Gerichtsdienst abermals eine Verfügung zur Kenntnißnahme vorgelegt worden. Das neue Schriftstück enthält die freudige Botschaft, daß die von einer Entschädigung für den Sedantag ausgeschlossenen An- gestellten nunmehr doch einen halben Tagelohn als Entschädigung erhalten sollen. In unserer Bescheidenheit wollen wir die An- »ahme ausschließen, daß diese neueste Verfügung in Zusammen- hang mit unserer gestrigen Mjtthdliuig steht. Eine Ermahnung an die Kulturvölker Enropa's. I» einem hiesigen Lokalblatte steht wörtlich das folgende zu lesen: „Dieser Tage wurde eine anscheinend halb o ff i z i ö s e Meldung bekannt, wonach es sich bei den neulichen Besuchen des Kaisers und der Kaiserin im Atelier des Malers Herrn Professor Knackfuß iu Kassel um die„Bestellung bez>v. Anfertigung eines Gemäldes" gebandelt habe. Diese Meldung ist, wie ans Kassel mitgelheilt wird, unrichtig, vielmehr Handell es sich um die Ablieferung einer früher bestellten Arbeit. Es ist dies kein Gemälde, sondern eine von Herrn Prof. Knackfuß nach einem eigenen Entwürfe des Kaisers ausgeführte Zeichnung. Der Inhalt derselben bildet, wie hinzugefügt sein möge, in allegorischer Ein- kleidung eine Ermahnung an die Kulturvölker Europa's zur Einigkeit im Hinblick aus biege- meinsamen, der europäische» Gesittung drohen- den Gefahren. Die Zeichnung ist nicht zum Geschenk für den Kaiser von Rußland, sondern zur Veröffentlichung bestimmt und wird voraussichtlich schon in kurzer Zeit in heliographischer Vervielfältigung in den Kunsthandel kommen." Widertvärtig ist die Art, wie gelegentlich des jetzigen jüdischen Neujahrsfestes der„Gottesdienst" den Frommen in Israel angekündigt wird. Unter anderem stand im Auzeigentheil hiesiger Blätter zu lesen: Der Kantor„ist hochmusikalisch„ge- bildet"", ferner„für gute Kantoren und Prediger ist gesorgt", nach dem bekannten Muster, wie die„Staatsb. Ztg." bemerkt, „für gute Speisen und Getränke ist gesorgt". Um recht großen Zulauf zu erhalten, fügte einer dieser Unternehmer seiner Empfehlung hinzu:„Neu!! Gasglühlicht-Beleuchtung. Neu!!" Selbst jüdische Fachblälter sollen, wie das antisemitische Blatt zn melden iveiß, entrüstet über diese geschäftsmäßige Ausnützung der jüdischen Feiertage sein. Die brave» Charlottenburger. Unterm 4. September war bei der Charlottenburger Stadtverordneten- Versammlung eine Petition der Atheistischen Gesellschaft eingegangen: Die Stadtverordneten-Versammlung möchte sich mit dem Magistrat der Petition auschlteßen, ivelche vom Berliner Magistrat an den Unterrichtsminister gegangen ist betreffend die Behandlung der Dissidentenkinder. Es wurde darüber zur Tagesordnung über- gegangen, nachdem Stadtverordneter Hubatsch darauf hingewiesen, daß es nicht d e r W ü r d e d e r B e r s a m m l n n g an- gemessen sei, in dem Schatten Berlins zu wandeln!! Der Vorstand der Armee-Konservenfabrik in Hasel- Horst giebt folgendes bekannt: Der diesjährige Winterbetrieb ivird Anfang November beginne» und am 24 Oktober von 7 Uhr früh ab das Arbeitspersonal zur Einstellung bestimmt. Bei dem großen Andrang von Arbeitsuchenden, der sich jetzt schon brieflich geltend macht, ohne daß derartigen schriftlichen Meldungen Folge gegeben werden kann, muß vor übertriebenen ? Hoffnungen gewarnt werden. Auswärtige haben keine Aus- icht, eingestellt zn werden, da in Spandan eine übergroße Zahl beschäftigungsloser Arbeiter und Arbeiterinnen auf Ein- stellung wartet. Die Armee- Konservenfabrik wird bei der Ein- stellung folgende Grundsätze beobachten: Erstens werde» die früher im Betriebe ausgebildeten und als brauchbar bewährten Leute eingestellt, zweitens finden die in liolonie und Dorf Hasel- Horst'wohnenden Arbeiterfamilien vorzugsweise Berücksichtigung, und drittens werden die im Lause des Sommers von anderen königlichen Instituten wegen Arbeitsmangel mit guten Zeugnissen entlassene» Leute angenommen. Der Arbeiter- bedarf wird aber voraussichtlich schon durch die Leute der ersten und zweiten Kategorie gedeckt werde». Zln Ausweis- papieren sind von den Arbeitsuchenden, welche persönlich zu er- scheinen haben, beizubringen: I. Polizeiliches Unbescholtenheits- Zeugniß, 2. Arbeitszeugnisse für die letzten zwei Jahre, 3. Aerzt- liches Gesundheitszenguiß vom Monat Oktober. Briefliche Anerbietungen vor dem Termin sind erfolglos. Auch persönliche Anmeldungen werden vor dem Termin nicht angenommen. Es ist drastisch, wie hier wieder einmal unsreiivillig der bei anderen Gelegenheiten so krampfhaft geleugnete Nothstand offiziell anerkannt werden muß. Die autokratische» Gelüste der Firma N a u ck».Hart- mann, die sich bislaug vornehmlich gegen die sozialdemo- kratischen und Arbeitervereine kehrten, welche Versammlungen an den Anschlagsäulen bekannt geben wollten, scheinen nunmehr endlich auch in bürgerlichen Kreisen unangenehm empfunden zn werden. Wir lesen in der„National-Zeitung": „Die Firma Nanck u. Hartmann war von verschiedenen Ber- liner Theatern angegangen worden, der Regie der Charlotten- burger Anschlagsäulen, selbstverständlich gegen Bezahlung, so viel Exemplare der Theaterzettel zur Verfügung zu stelle», wie von dieser gewünscht werden. Die Firma hat dies abgeschlagen und hat dieses Verhalten mit dem Autorenrecht begründet, das sie an den Zetteln besäße. Der Einwurf eines Bühnenleiters, daß Nanck u. Hartmann doch nur die Drucker des in seinem Bureau festgestellten Textes wären, daß mithin allein dort der Autor, der Rechte haben könnte, zu finden sei, vermochte die Firma in dieser ihrer Ansicht nicht zu erschüttern. Einige Herren wollen das Gericht anrufen, um eine Entscheidung darüber herbei- zuführen, ob das der Firma für Berlin erlheilte Monopol so weit ausgedehnt werden dürfe, um ihren geschäftliche» Jnter- essen, die sie iu einer Nachbarstadt wahrnehmen wolle», Schwierigkeiten zn bereiten." Ter Kotzekampf für Ordnung, Religion n»d Sitte, über den von Zeit zu Zeit neuerdings immer noch Mittheilungen in die Presse gebracht wurden, soll, wie das„Berliner Tage- blatt" berichtet, in einem Punkte in bezeichnender Weise zum illbschluß gekommen sein. Das Blatt meldet:„Das Verfahren iu der Privatklage des Herr» v.!kotze gegen Herrn v. Schräder ist seitens des Gerichts eingestellt worden, da Verjährung an- genommen wird. Selbstverständlich kann es sich hier nicht um Verjährung im eigentlichen Sinne, sondern nur um Versäuniung der dreimonatigen Antragsfrist handeln. Die Frist beginnt nach § öl des Strafgesetzbuches mit dem Tage, seit welchem der zum Antrage berechtigte von der Handlung und von der Person des Thäters Kenntniß gehabt hat. Es fragt sich also, wann Herr v. Kotze davon Kenntniß erlangt hat, daß die Insinuation, er, Herr v. Kotze, sei der Verfasser der anonymen Schmähbriefe, aus Herrn v. Schräder zurückzuführen sei. Außerdem kommt i» betracht, ob Herr v. Kotze nicht durch außerhalb seines Willens gelegene Umstände, z. B. durch das gegen ihn eingeleitete kriegs- erichlliche Verfahren, verhindert war, die dreimonatige Antrags- rist einzuhalten." O, welche Lnst, Soldat zu sein! Die„Verl. Abendpost" berichtet: Ein Gefreiter des Leibgardehusaren-Regiments in Potsdam, Link, hat am Mittwoch auf der Rückkehr vom Manöver Selbstmord verübt. Die Rebenumstände der verzweifelten That sind recht trauriger Art. Link hatte auf dem Marsche sein Pferd „naß"geritten und war dafür vom Rittmeister dadurch gestraft ivorden, daß er zwei Tage auf dem Weitermarsch neben seinem Pferde einhergehen sollte. Diesem Befehl zuwider bestieg er schließlich aber doch wieder das Pferd, angeblich weil er die Füße sich durch- gelaufen hatte. Diese Zuwiderhandlung wurde gemeldet und Link wegen Insubordination mit 3 Tagen Mittelarrest und Degradation bestraft. Es war durch ärztliche Untersuchung seines Zustandes festgestellt worden, daß seine Füße zwar angegriffen waren, daß er indeß immer noch hätte gehen können. Die Strafe nahm sich der Gefreite so zu Herzen, daß er sich am Mittwoch in dem Dorfe Schönwalde bei Spandau, wo eine Abiheilung des Regiments einquartirt worden war, mittels seines Karabiners eine Kugel in den Kopf jagte. Link diente im vierten Jahre und war jederzeit ein tüchtiger Soldat. Gegen die Aermstcn und Elendesten. Eine polizeiliche Streife wurde am Freitag Morgen um 53/4 Uhr in der Gegend des Humboldthasens gemacht. Die wohnungslosen Personen, die dort zu nächtigen pflegen, suchen, seitdem die Nächte kühler geworden sind, mit Vorliebe wieder einen wärmeren Unterschlupf auf und suchen namentlich auf den Kähnen unterzukommen. Von einem Kahne im Humboldthafe» wurde nun ein junger Man» aufgescheucht, der sich seiner Feststellung durch die Flucht ent- ziehen wollte. Dabei stürzte er jedoch ins Wasser und wurde, bis man ihn herausziehen konnte, so mitgenommen, daß man ihn mit einer Droschke in ein Krankenhaus bringen mußte. Hier wurde er als der 17jährige Kellner Karl Simon, der sich ohne Wohnung in Berlin aufhält, festgestellt. Ob Simon noch besondere Veranlassung halte, die Polizei zu meide», ist noch nicht ermittelt. Von den Verunglückten des 1. Garde- Feldartillerie- Regiments, die im Manövergelände bei Radewitz unter das Gepäck eines hochbeladenen umgestürzten Wagens geriethen, ist der Fahrer Kennemann wieder hergestellt und am 18. d. M. zur Reserve entlassen worden. Die Fahrer Hemke, Kriege! und Rammelt sind vom Lazareth in Prenzlau, wohin alle fünf Ver- unglückte gebracht worden waren, hierher übergeführt worden und werden in der Kaserne als Revierkranke behandelt. Der Fahrer Brockmann, der Verletzungen am Schädel und an der Brust davongetragen hat, liegt im Garnisonlazareth zu Prenzlau noch schwer darnieder. Wiederum ein lliiglücksfiill im Trausportgetverbe. Schwer verunglückt ist gestern Nachmittag gegen 4 Uhr der 43 jährige Arbeiter Ferdinand Schodfisch aus der Müllerstr. 31. Der Mann rutschte au der Ecke der Pank- und Thurneysserstraße von einem beladenen Lastwagen herab und kam so unglücklich zu Falle, daß ihm ein Vorder- und ein Hinterrad über den Körper ging. Schwer verletzt wurde er von einem Schutzmann mit einer Droschke in ein Krankenhaus gebracht. Es wird nicht berichtet, ob auch hier wieder, wie in so manchen, im Transportgewerbe passirten Unglücksfälle», eine durch übermäßig ausgedehnte Arbeitszeit eingetretene Ermüdung und Ueberanstrengung ihr Theil Schuld an dem Vorfall trägt. Eil« eigenes Mistgeschick stieß dieser Tage einem Operateur zu, der einer Dame den Haken einer Häkelnadel aus dem Finger, in den er sich eingebohrt hatte, entfernen wollte. Einige Ramsch- bazare gaben neuerdings ihren Kunden eine Art Häkelnadel zu, deren Gebrauch nicht ohne Gefahr ist. Es sind Nadeln, die an beiden Enden mit einem Haken versehen sind und nach dem Gebrauch wie ein Schiebe- Federhalter zu- sammengeschoben und so verkürzt werden. Bei diesem Zusauunenschiebe» hatte die Dame sich den einen Haken tief in den Finger gestoßen, ein Unfall, der bei diesen Nadeln häufiger vorkommt. Der Operateur stieß nun die Nadel durch die Haut hindurch, uiu dann die Spitze mit dem Widerhaken abzuschneiden. Dabei drang ihm aber der Haken in den eigenen Finger, so daß er durch die Nadel mit der Dame verbunden war. Ein dritter Mann mußte kommen, um die Nadel in der Mitte durchzn- schneiden, so die Verbindung zu lösen und dann die Operation zn vollenden. Zwei Mädchen haben, wie der Polizeibericht schon kurz ge- meldet hat, am Mittwoch im Wasser den Tod gesucht, aber nicht gefunden. Wir erfahren hierzu noch folgende Einzelheiten: Beide Mädchen haben aus Lebensüberdruß gehandelt, der aller- dings bei dem einen, der 21jährige» Emma Schade aus der Potsdamerstr. 26 in Charlottenburg, unerklärlich ist. Diese sprang von der Freiarchenbrücke in den Kanal hinab. Ein Arbeiter, der zufällig des Weges kam, rettete sie und brachte sie in das Maschinenhaus der Wasserwerke, von wo sie, nachdem man ihre Kleider getrocknet hatte, von der Mutter nach Hause geholt wurde.— Die ziveite Lebensnüide hatte sich beim Wirthshaus Belvedere an der Jannowihbrücke in die Spree gestürzt, über das Geländer der Landnngsbrücke der„Stern"-Dampfer hinweg. Der Kellner Karl Lange und der Heizer Rudolf Heinrich holten sie, nachdem sie den Rettungsball verschmäht hatte, mit einem Bootshaken wieder heraus und brachten sie auf die Wache des 22. Reviers in der Holzmarktstraße. Von dort führte man sie mit einer Droschke in ein Krankenhaus über. Das Mädchen ist mehrfach mit der Polizei in Berührung gekommen und hatte keine Wohnung. Ein Schornsteinfeger, der vor etwa vierzehn Tagen in einem Bäckerschornstein in der Scharrenstraße dadurch zu Schaden kam, daß sich der im Schornstein befindliche Ruß ent- zündet hatte, als der Schornsteinfeger in dem schlecht gebauten Schlot sich gerade festgeklemmt hatte, ist seinen Wunden erlegen und gester» von der Unfallstation in der Wilhelmstraße aus zur Ruhe bestattet worden. Polizeibericht. An» 19. d. M. vormittags wurde am Mariannen. Ufer ein Kutscher durch einen Schlächterwagen über- fahren und am Hinterkopfe schwer verletzt.— In der Pankstraße fiel nachmittags ein Arbeiter beim Absteigen von einem in der Fahrt besindlichen Steinwagen hin, wurde überfahren und am Fuße bedeutend verletzt.— Auf einem Neubau in der Klopstockstraße glitt ein Arbeiter beim Umlegen eines etwa sechs Zentner schweren Steinblockes ans, gerielh dabei zum theil unter denselben und zog sich erhebliche Verletzungen am Kopfe, an der Schulter und am Oberschenkel zu.— Auf dem Opernplatze fuhr gegen Abend der Führer einer Droschke in der Trunkenheit gegen einen Arbeits- wagen und wurde dabei, ebenso wie eine in seinem Wagen sitzende Frau, auf den Damm geschleudert. Er trug nur un- erhebliche Verletzungen im Gesicht davon, während die Frau an der Schulter und an den Füßen bedeutend verletzt wurde.— Im Lause des Tages fanden sechs unbedeutende Feuer statt. Witternngsübersicht vom 20. September 1895. Wetter- Prognose für Sonnabend, den Sl. Sept. 1895. Trockenes, ziemlich heiteres Wetter mit mäßigen Nordwest- lichen Winde», etwas kälterer Nacht und wenig veränderter Tagestemperatur. Berliner Wetterburean. Zutun und Mistenfrszuft. Das Lessiug-Theater erbrachte am Donnerstag den Beweis. wie genügsam das„gebildete Berlin" in seinen dramatischen Anfordernuge» ist. Ein dreiaktiger Schwank von C. Laufs und W. Jacob y:„Der große Komet" hielt das Premiörenpublikum den Abend über in dauernder Heiterkeit, und wäre das Zusannuenspiel noch etwas lebendiger gewesen und der Schlußeffekt von de» Verfassern weniger schleppend entwickelt worden— wer weiß, ob der Abend nicht zu den erfolgreichsten der Saison zählen könnte. Das Stück beruht auf der naiven Voraussetzung, eine Zeitungsnachricht finde in einem ganzen Dorfe Glaube», daß in acht Tagen ein Komet erscheinen und de» Untergang der Welt herbeiführen werde. Da lösen sich alle Bande der göttlichen Weltordnung: ein Backfisch wirft sich, weil die Welt ja doch in acht Tagen untergehe, einem jungen Schwerenöther kurzerhand selber an de» Hals; eine heirathslüsterne alte Jungfer kommt trotz allen unlauteren Wettbewerbes nicht an den Mann; ein Pantoffelheld erinnert sich seiner Manncsivürde und fordert seiner Ehehälfte Hmisschlnssel und Portemonnaie ab, dem reichen Vetter wirft er trotzig Grobheiten ins Gesicht, weil die Erbschleicherei nunmehr zwecklos geworden; ei» Hausknecht verweigert seinem Herrn, der vom ehemaligen Kollegen durch eine llteihe äußerer Glücks- nmstände sich zu einen» nunmehr„durch Bildung und Besitz maß- gebenden" Hansbesitzer eutivickelt hat, Dienst und Gehorsam; holt sich zum fröhlichen Endeans dessenKellerdenfeinstenTropfenundent- deckt bei»» lustigen Gelage sein echt bürgerliches Herz in dem natürlich mit dröhnenden» Beifalle begrüßten Witze:„So st e l l e er sich den B e b e l' s ch e n � u k u n f t s st a a t vor!" Im Schluß- akt löst sich dann alles in ge>vohnter bürgerlicher Großmnth auf, Also— ein Nichts an Inhalt, aber ein mit allen alten Kalauern gespicktes Nichts, das man vielleicht nicht gerade in» Lessing- Theater gesucht hatte, das aber,»vie der Beifall»nd die heitere Stinnnnng beivies, sich in seiner Adresse doch nicht geirrt hatte. Zu danken haben es die Verfasser dem vortrefflichen Spiele, vor allem der Frau v. Pöllnitz und der Herren Guthcry, Schönfeld und Sauer. VeefAirnnlunfgett. Bauarbeiter. In der Versammlung der Freien Verein!- gung der Bauarbeiter Berlins, welche ain 1ö. September in der Badstr. 12 tagte, hielt der Kollege Gaßinan» einen Vortrag über Unfallverhütungs- Vorschriften und»vie dieselben von den Bau- untcrnehinern befolgt»verde»». Die Versammlung beivilligte den streikende» Vergolder» Berlins 10 M. Unterstützung. Die nächste Versammlung findet am 13. Oktober bei Wille, Andreas- straße 26, statt. Sattler. Von der Firma G. Scholz Nachfolger geht uns folgende Berichtigung zu: „In Ihrer he»ltigen Nummer sub Spitz marke„Sattler" heißt es an» Schlüsse des Referates: „Der Schöneberger Fabrikant habe, so wurde berichtet, Plakate anheften lassen des Inhalts,„daß er»vegen der „rheinischen S ch in u tz k o» k u r r e n z" nicht»»»ehr als ec. jc. Dem gegenüber bemerke ich: Das noch heute angeschlagene „Original-Plakat" lautet:„Die rheinischen Fabriken haben bei den stattgehabte» Submissionen so niedrige Preise gestellt, daß ich g e z>v u n g e» bin, um m i t k o n k u r r i r e n zu können, den Akkordpreis für Patronentasche» bis auf»veiteres ze. ic. Merkwürdig ist nur, daß Referent»vcislich verschiveigt,»vie- viel meine Leute trotz meinem angeblichen„Trick" verdienen. Fe-ir«lisii>>'««iimrivd«. Sonntag, 12. Scptsnibir, vormilla,»?«'/. Uhr, Mosenihalorflr. es: Bortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über:„Die Erund- sähe und Bestrebungen der Gemeinde." Um io3/- Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Waldccl Manasse:„Elanbcnsgebote und Nalurgesehe". Per-i» Ber liner Schirmuiacher. Sitzung am Sonnabend, den 21. Sept, abends o Uhr, tut Lokal bei Nöllig, Neue Frtedrtchstr. u. Allgiiuiln« Kraitken- und tzterbekafl'« der Uletollarbeiter.(6. H. Filiale Berlin zS Mitgllederversatnmlung Tonnabend, den 2». September, abends 8»; Uhr, Manteuffelstr. 40. Kassenberrcht. Vortrag des Hrn. Dr. Sachs. Allgenirine Äranken und Kterbrkasse der Nietallarbeiter. iE. H. Filiale Berlin 4.) Heute, Sonnabend, den.21. September, abends Ssj Uhr. Milglieder-Veriatninluiig bei H. Born, lileine MarluLstr. lo. Tagesordnung: Kafsenangelegsuheiten. Allgeineiiie Kranken- nnd Stcrbelialpe der Nlrtallarbeiter.(E. H. Filiale Berlin n.) Sonnabend, den 11. September, abends 9 Uhr, bei Diele, Lothringerstr. 6?: Milglleder-Versammlung. Allgemeine Kranke»-»nd Kterbekafs« der Nlrtallarbeiter.(E. H. Filiale Berlin e.) Sonntag, den 22. September er., vormittags Ivb Uhr, bei Marlen, Ackerslr. 128, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Kassenbericht. Abrechnung über das Stiftungsfest. AUgernei»« Kranken-«nd Kterbekasse der NtetaUarbeiter.(E. Filiale Eharlottenburg.) Mitgliederversammlung Sonnabend, den 2l. Sept., abends ssj Uhr, int Restaurant Lehder, Bismarckstr. 74. Allgrnteiiie Kranken-»nd KterbeKalte der Metallarbeiter,(ffi. H. Filiale Nixdorf.) Berfammluna am Sonnabend, den 2». September, abends 8 Uhr, Ziethenftr. 00 bei Preßler. Kassenbericht Verschiedenes. Lnchverein der Ahrmarher»»d ueriuandten Ärrnfagenossen. Heute Sonnabend, im Lokal des Herrn Paschv e r u n d 40 l e i ch t v e r»v n n d e t. Ein Wolff'sches Telcgramn» giebt dem Vorfall folgende Dar- stellnng: Wie die Chemnitzer„Neuesten Nachrichten" melden, stieß in der vergangenen Nacht auf der Strecke zivischen Freiberg und Oederan ein Militär- Extrazng,»velcher das 133. Infanterie- Regiment aus den» Manövergcläude in seine Garnison Zwickau bringen sollte, auf einen Güterzug. Fünf Wagen des Militär- zuges und zivei Wage» des Güterzuges sind zertrümmert. Nach den Berichten der„Neuesten Nachrichten"»vären noch in der Nacht in z>vei Zügen 45 Verwundete und 8 Todte nach Chemnitz ge- bracht worden. Die Verunglückten gehören zumeist der 1. Koinpagnie des Regiments an. Zum ttntergang des deutschen Torpedoboots. Aus S k a g e n»vird berichlet: Ain Freiing»vurden 2 Leichen auf den Strand bei Karred aufgetrieben; beide trugen Marine-Uniform und rühren wahr- scheinlich von dem in der Jammerbucht gesunkenen deutscken Torpedoboote her. Dieselben»vurden hierher übergeführt. Auch auf den Starholmstrand ist gestern eine Leiche a»»fge- trieben. Vom Salzschacht in FriedrichShalf. Der„Schwäbische Merkur" berichtet aus Jagstfeld, daß die Rutschungen in dun Salzschacht in Friedrichsholl fortdauern. Die Bodenrisse sind jetzt IVs Meter breit; die 40 Meter hohe Esse des Schacht- gebäudes droht einzustürzen. Der etlva einen Kilometer vom Schachtgebäude entfernte, aber höher als die Grube gelegene Bahnkörper Jagstfeld-Untergriesheim senkte sich auf der einen Seile. In Bordeaux ist der Elektriziiätspavillon in der Nacht zum Freilag durch Feuer zerstört worden. Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bei jeder Ansrage eine Chiffre tZivei Buchstaben ober«tue Zahl) anzngeben unrer der die Anlworr eriheiti werden soll. Die juristische Sprechstunde findet am Montag Mittivoch, Freitag und Sonnabend abends von 7—8 Uhr statt. Pankow. Unsere Mittheilung, daß in Preußen keine Halbe- Thalerstncke geprägt»vorden sind, ist eine irrige. Wie wir jetzt belehrt»verden, ist diese Münzsorte im vorigen Jahrhundert»och angefertigt»vorden; so hat uns ein derartiges Geldstück aus dein Jahre 17S0 vorgelegen. Briefkasten der Expedition. Für die Familien der im Essener Meineidsprozeß Vernrtheiltrn gingen bei»»ns ferner ein: I. 30,—. Rotte Pseifenbriider vom Klub„Wahrer Jakob" 1.00. N.— ,40. 4. Wahlbezirk Stadtbezirk 93 6,—. Gesang- verein Zukunft I in Steglitz 12, 3ö. F. 168 Regensbnrg 3,—. Rauchklub Gemüthlichkeit'ö,—. Eine Rotte, Wallmann's Druckerei, Lichterfelde 1,—. I. M. Oesterreicherin I,—. Eine Rotte aus der Weißenburgerstraße durch R. R. 1,—. Summa 61,65 M. Bereits quitlirt 8539,23 M.; in Summa 8600,93 M. 23. Bild. Neue Welt können Sie haben; Bild, ist uns nicht bekannt. Für deiiJnhalt der Inserate übcr> nimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Sonnabend, den 21. September. Gpernhan».(Kroll's Theater.) Martha. ichansvielhan». Das Winterniärchen. «ntfchr» Theater. Romeo und Julia. berliner Theater. Der Pfarrer von Kirchfeld. Lesstng- Theater. Der große Komet. Friedrich-HUilhelmstäbt. Theater. Die Reise nach dein Mars. Neue» Theater. Frau Müller. Vor- her: Der Eisbrecher. tchiiler- Theater. Ultimo. «stdenz-Theater. Der Rabenvater. Aber die Ehe! Adolph Crnst- Theater. Parade- bummler. Central-Thrater. Eine tolle Nacht. Aleranderpliih-Thrat-r. Em Kiud der Liebe. Vorher: Wahn und Wahusiuii, oder: Sie ist ivahlisiiinig. Uational-Theater. Der Obersteiger. TheaterUnterdrnLindrtt.I'sKliaoi. Cavallerio. rasticana. American- Theater. Bulgarien in Berlin. Die Millioueuerbin von Rixdorf. Apollo- Theater. Spezialitäten-Vor stellnng. Peichohallen-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. zriedrild-Wilsielinstiidt. Thtilier Ä5/Ä6. Chansikeestr. 25/26. Gesammt-Gastspiel der Liliputaner. Heute 2 Vorstellungen. Nachmittags 3 Uhr und Abends 7�/2 Uhr: Z»in 25. und 36. Male. Mit vollständig neuer und glänzender Ansstattung. Die Neise M] Hein Mars. Kinder nachmittags auf allen Plätze» lialbe Preise._ Adolph Ernst-Theater. VlirlMlnnlllltt. Gesangsposse in 4 Akten von Eduard Jacobson n. Leon Treptoiv. Konplets von Ed. Jacobson und Gustav Görß. Musik von Gustav Steffens. In Szene gesetzt von A d o l p h E r n st. Anna Bäckers, Josefine Dora, Ida Schlüter, Adolph Ernst, Guido Tielscher, Karl Weiß, Georg Worlitzsch. Aufaug 7V2 Uhr. jfg- Kein Aufgeld."Wv Schiller-Theater. (VkallnSr»Tirester.) Sonnabend Rachinittag: Göh von Kerlichingrn.— Abends: Ultimo. Sonntag Nachmittag: Minna von Karnhelm.— Abends: Götz von Kerlichinge». Veutrsl-Mesler. Alt- Jakobstr. 30. Emil Thoiitas a. G. Zum 17. Male: Cme toi!? WU Große Ausstattung-posse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Wllh. Mannstfidt und Julius Freund. Musik von Jnlins Einödshofer. In Szene gesetzt v.Dir. KjcllardSäcIuüts. _ Anfang 7V2 Uhr._ Alexanderplatz-Theater Alrranderstr. 40. Direktion: Max Samst. Um 8'/2 Uhr: Gin Kind der Siede. Sittenbild in 4 Akten v. Max Halftern. Vorher um 7Vs Uhr: Wahn und Wahnsinn oder Sie ist wahnsinnig. Schallspiel in 2 Akten von Melesville. Bearbeitet von W. Lenibcrt. Regie: Max Samst. Morgen: Dieselbe VorsteNnng. Sonnlag Nachmittag: Schnecwittch«» und die sieben Zwerge. Concerthaus Sanssouci Eotibuserstrasse 4 a. Sonntag, 22. September: Grosse Eröffnungs-Soiree der all- beliebten Stettiner (Meysel, Pietro, Britten, Steidl, Krone, Bühl und Schräder). Anfang 7 Uhr. Entree 56 Ps. Großartiges Eröffmings-Progranim. Von nun finden die Soireen der Stettiner Säuger jeden Sonntag und Vonnerstag in Sanssouci statt! Montag, den 23. September: Victoria-Branerei. Dienstag, 24. September: Erste Soiree im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee. Mittwoch. 25. September: Erste Soiree in» prächtig reuovirten großen Kouzertsaal der lfonballe, Friedrichstraße 112(nahe Oranienburger Thor). u 1» K n s Ä Mstalt für volksthnmliche Naturkunde. Am Landes-Ausstelluitgspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5— 10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. _ Näheres die Anschlagzettel. 2 Capaeitaten in der Specialitäteuwelt sind?????? 1. Das Mannweib Mlle. Mary Arniotis, das Schäiiheits-Modell. 2. 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IBXi NrMung, VrldlxÄuev! 2020 Crtjit Beschluß der Versaimnlung vom 19. d. M. sind die'»ol Lips-Sileiksuvn und liloelelioui'v verpflichtet, wöchentlich von ihrem Arbeitsverdienst zur Unterstützung der streitenden Steinbildhauer Berlins und Dresdens 5» Pf. zu entrichten, jedoch wird erwartet, daß Kollegen, welche materiell besser gestellt sind, der guten Sache ein höheres Opfer bringen. Es wird ersucht, für jede Werkstatt einen Kollegen mit der Sammlung der Gelder zu betrauen, welche täglich bis abends 9 Uhr, bei der Lohw koininisston. Annenstr 16, abgeliefert werden können. Der Vorsta«d. Deutscher Holzarbeiter-Verbaud. (ZlaKIstS»« Berlin.) Sonntag, den 22. September 1895, vormittags 9v, Uhr, im Loltnle des Herrn Dieft, Mrderstr. 17: Bezirks-Versamniliiny für den Osten. Tages-Ordnung: 1. Vortrag 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Kollegen ist erwünscht. diU. Die Bürstenmacher, Drechsler und Bautischler sind besonders ein geladen._ Mittwoch, den 25. September, in der Ressource, Kommandantenstr. 57: Ausserordentliche General- Versamiulung. Die Zahlstelle bei Hoffmann, Reichcnbergerstr. 16, ist verlegt nach Wanteulfetftr. tili bei B r ö d en f e l d, die Zahlstelle 9, bisher bei Bugge. Lübeckerstraße, nach KirKenstr. 28, Ecke Stephanstraße. 77/13 __ Die Grtsvermaltung. Verband der Möbelpolirer. Nächste» Montag, abend» 8 Uhr, Maldemarstraste 75: IPST Versammlung."WE Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen Triitolvitz über: Die Elektrizität im Dienste der Menschen. 2. Diskussion. 3. Ausgabe der Billets k 25 Pf. zu dein am 13. Oktober bei Keller statlstndenden Stiftungsfest. 4. Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich zu erscheinen, auch Nicht Mitglieder haben Zutritt. 145/12 Der Vorstand. ! Wrstenmacher I Große öffentliche Versammlung der Bürsten- und Piuselmacher am Sonntag, den 22. September, vormittag. IDVs Uhr, bei Behlitz, Bergstrasse 12. Tages-Ordnung: I. Stellungnahme der Bürstenmacher zur Lohnbewegung. Referent I. Wiedemaim. 2. Diskussion. 2. Verschiedenes. 77/5 Die Herren Unternehmer sind zu dieser Versammlung eingeladen. Rege Betheiligung erwartet_ Der Dertrauensmamr. WeiiWing der Maler. Wlltirer. Anstreicher etc. Den Mitglieder» der Filiale Bixdorf zur Nachricht, daß die Zahlstelle stch von jetzt ab bei T h o m a», Krrgstr. 162, befindet. Dir Zahlftuude» find Sonntag, vormittag» von 10—12 Uhr. 124/8_ Der Filialvorstand. Achtung! Maurer! Zenttal-Uerliand der deatschen Maurer Filiale II Derli». Den Mitgliedern zur Kenntniß, daß am Sonntag, den 22. Sep tember, vormittags lOVe Uhr, Im Lokale des Herrn Kohn, Beuthstr. 22, unsere 136/3 regelmässige Versammlung stattfindet. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen vLbno. 2. Diskussion. 3. Ver schiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Achtung! Vergolder! Achtung! Montag, den 23. September, abends 81/- Uhr, Große öffentliche Versammlung der Vergolder. Tagesordnung: Die Situation unseres Streiks. 227/7 Die Agitationskommission. Klempner!! Sonntag, den 22. September, vorm. t0 Uhr, Große öffentliche Uersammlnng in Pautenkerg's Salon, Oranienstraße 180. Tages-Ordnung: 1. Neuwahl des Vertrauensmannes. 2. Ist es möglich, die neunstündige Arbeitszeit in unserem Gewerbe durchzuführen?(Referent wird in der Ver- sammlung bekannt gemacht.) 3. Diskussion. 4. Verschiedenes.— Die Kollegen der Bauwerkslelle von Dietrich, Mariannenstraße, sind zu dieser Versammlung ganz besonders eingeladen. Kollegen, agitire jeder für diese Versammlung. 115/17 Der Dertranrnsman». R. Köhler, Ratiborstr. 19, 3 Tr. Achtung! Schrauhen-, Fa�ondreher und Berufsgenossen Berlins. Dienstag, den 24. September, abends S1/* Uhr, im Restaurant Henke, Naunynstr. 27, Große öffeiitlichejBersammlung. Tages-Ordnung: I. Die Preisdrückerei und die jetzt so günstige Geschäftslage unserer Branche. Sieserent Genosse Bäther. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. HS. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Urrtranensman». 115 16 Restaurant Pferdebucht bei Köpenick. Das am Sonntag, den 15. September, ausgefallene Fest findet bei gutem Wetter Sonntag, den 22. September statt. Hierzu ladet freundlichst ein i82b W. Magdeburg. VelAM.TMml.TMM. (Filiale Norden.) Sonnabend, den 21. Septbr., abends 8V2 Uhr. bei Meier. Müllerstr. 7: U e r s a in m l n n g. Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Lage in unserem Gewerbe. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes Um zahlreiches Erscheinen bittet 156/19 Die Ortsverwaltuug. Achtung! Achtung I Rixdorf. Ceffentliche Versammlung der 131b Bstn- 1 getverbl.Silststrdeiter am Sonntag, d. 22. d. M., vorm. 11 Uhr. bei Hrn. Schütz, Prinz Handjerystr. 11 Tages-Ordnung: I. Vorlesung. 2. Wahl der Delegirteu um Kartell. er Cinbernfer. Robert Heinemann Alai't Berndt'8 WurßeWe empfiehlt nach wie vor alle» Freunden und Bekannten seinen vorzüglichen rrubsUicßs-, Hittags- und Abondtisch Jeden Sonnabend von 6 Uhr ab tt. Eisbeine. Für gute Biere ist selbst verständlich bestens Sorge getragen. Um zahlreichen Besuch bittet Hariin Berndt Oranien- u. Alexandrinenstraßen- Ecke 2 Gärte», Kegelbahn, Tanzsaal, gute Getränke a.d. Nordbahn und Küche empfiehlt de» (im Dorf). Genossen A. Bergemann. Die Eröffnung seines Weiss- n. Bairisclibier- Lokals, Granlenstraste 184, zeigt Freunden und Bekannten hierdurch an mit der Bitte um geneigten Zuspruch. Metzner, 32588' Oranienstr. 184. Ackitsiim'kt. W?" Achtung!"WV Parpetbodenleger! Die Kollegen der Firma Bosen» feld& Cie. haben wegen Lohn differeuzen die Arbeit niedergelegt Zuzug ist strengstens seruzuhalte». 76/17' Die Verßstatt-Kontrollkommission d. Dentscben Holzarbeiter Verbandes. AWng! Achtung! Chirurgische Branche! Der Streik bei der Firma Desritt& Herz, Georgenkirchstr. 24, dauert unverändert fort. Zuzug ist fernzuhalten für Gürtler, Schleifer Dreher und Galvaniseure. 43/8 Arbeitsloser Gen. sucht Komp. zum Straßenhandel mit Wagen, Adalbert straße 86, 4 Treppe» links. 177b Papier» Zuschneider find, dauernde Beschäftigung Frdor Karfunkelstei» Uachf.» Landsbergerstr. 16. Provisions Reisende zum Verkauf von Petroleum in Fässern und Kannen suchen sS292L' Illingbeil& Co., Stephanstr. 39. Sttberdrucker» ein durchaus ff!!>|lÜ!l!ti||kf, sowie (tllilie auf f e i« st» Montiruna»- arbeiten geübt» Silberaedeiter bei hohem Gehalt und dauernder Stelle gesucht. Offerten unter H. G. 35 durch Haasenstein& Vogler, A.-G., Frankfurt a. M., erbeten. H' Ein stiller Junge wird als kaut» bursche gesucht. Demselben wird Gelegenheit gegeben, sich als Gehilfe auszubilden. Offerten unter.Lauf- bursche" an die Exped. d. Vl. Konditor-CehilM, 2 jüngere SZIalstrer u. 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Um zahlreichen Besuch bittet 142/1 Der Vorstand. Achtung! Tapezirtt! Achtung! Sonntag, den 22. September 1895, im Neuen Klub haus, Kommandantenstr. 72, oberer Saal,_ Tanz-Kränzchen, arrangirt vom Allgemeinen Deutschen Tapezirer-Verein. Gesang- und komische Uorträge. Anfang 6 Uhr. Billet 39 Pf. Zu zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein Ende?? 177/7 Die Drtsveruealtung. Achtung! Achtung! Fachverein der Holz- und Bretterträger Berlins und Umgegend. am Sonntag, den 22. September, vormittags Wh Uhr, bei Herrn Kraatz, Schönleinstraße Nr. 6, Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Ausnahme neuer Mitglieder. 3. Ver- schiedenes. Der Dorstand. Achtung! Achtung! Verbatlii aller ill i>er Textiliildilstrie besch. Arb/ll. Arbeiterillllell. (Filiale III Dekateure.) Sonntag, den 22. September, vormittags 10 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27e, Mitglieder- Versammlung."WU Tages-Ordnung: 1. Vortrag.(Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) Diskussion. 3. Bericht der Kommission über beide Vergnügen. 4. Ver- schiedenes. 11/1 Der Vorstand. Verbsua aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 25. September, abends �9 Uhr, im Lokale von Sanssouci, Kottbnserftraße Nr. 4, Krauchen-Uersammlung aller in den Lampen-, Metall- nnd Kroncemaaren-Fabrikett, sowie in den Metalldrückereien beschäftigten Arbeiter. Tagesordnung: I. Vortrag des Genossen A. Hoffmann über die kapitalistische Sünvfluth. 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Verbaudsangelegenheiten und Verschiedenes.— Um zahlreiches und püukt- liches Erscheinen ersucht 111/3 Der Vorstand. elle�Alliance-Theater Belle-Alliance-Strasse No. 7/8. Eomitag, dc« SS. September 1893, nachmittags 3 Uhr: Vollis-Vorltellung unter Regie von lulius Türk. — Zum dritten Male:— Die geSWke Sunt» e. Drama in 5 Auszügen von Otto Ernst. 7 Beginn der Vorstellung st Uhr.— Beginn der Verloosung 2 Uhr.'�Ki Eintrittskarten ä 60 Llfg. in folgenden Erfchäften: Horden, Brnst Beyer, Zigarren- Handlung, Veteranenstraßs 13 x U. Asknort, Zigarren> Handlung, Diedenhofenerstraße 3; V. Winkelmann, Zigarreiv Handlung, Ackerstr. 153; Emil Diecke, Reftaurateur, Lothringer- traße 67; Ä. Hinze, Zigarren.Handlung, Pankstr. 14a; Hermann Vogel, Zigarren- Handlung. Demminerstr. 62. Nordosten i Franz Niemeyer, Zigarren-Handlung, Weberstraße 19; H. Uamlock(fr. Gumpel), Zigarren-Handlung, Barnim- traße 42. Osten, F. Wilke, Restaurateur, Andreasstr. 26: Hax Kotbe, Zigarrenhandlung, Koppenstr. 99; E. Böhl, Restaurateur, Frankfurter Allee 74. Adolph Holtmann, Blumenstr. 14. Slldosten, E.Arndt, Zigarren-Handlung, Skalitzernr. 197; C. Böhlerl, Zigarren-Handlung, Mariannenslr. 5; L. Tolksdort, Gastwirth, Soranerstr. 17, Ecke Görlitzerstraße; 0. Hiob, Zigarren- Handlung, Köpnickerstr. 39a; 9. Hoch, Zigarren-Handlung, Pücklerstr. 53; Barl Scholz, Wrangelstraße 32; Angnal Henke, Naunynstraße 27. SUden i J. Gädicke, Zigarren-Handlung, Gräfestraße 93; G. Schulz, Zigarren-Handlung, Adiniral« straße 49»; W.Börner, Zigarren-Handlung, Ritterstraße 15; H. Baake, Buchhandlung, City-Passage, Dresdenerstr. 52/53; H. Bergner, Restaurateur, Annen- traße 16; Bureau der Holzarbeiter und bletallarbeiler, Annenstr. 39. Südwesten: A.Ochs, Zigarren-Handlung, Lindenstr. 59; d. Windthorst, Zigarren- Handlung, Junkerstraße 1; Albert Böttger, Zigarren-Handlung, Zossenerstr. 21; Fritz Znbeil, Lindenstr. 196; Abromeit, Gärtner, Vlucherstr. 69; F. Schröder, Kreuzbergstraße 15; Freygang, Schützenstrabe 18/19. Westen, A. Faller, Restaurateur, Pallasstr. 16; 0. Behrend, Restaurateur, Blumenthaistraße 5. Nordwesten(Moabit): W. Reddemann, Seifengeschäst. Pritzwalkerstr. 3. Centrum s Albert Löwenberg, Zigarren-Handlung, Nene Schönhauserstr. 18; F. Harsch, Zigarren-Handlung, Gipsstr. 5; Bruno Scheithauer, Musikalien- Handlung. Rvsenthalerstr. 64. 228/13 Die Besucher der Bolksvorstellung habe» das Recht, unentgeltlich den Belleallianeetheater-Garten zu besuchen. Konzerthaus Sanssouci, Kottbuser- Strasse 4a. Soniiabend, de» 28. September 1895: Stif tungstest des Besangvereins„Kreuzberger Harinonie". (Mitglied des A.-S-B.) Groste» Dokal- und Instrumental-Konzert mit darauf folgendem Vanz. Die Musik wird von Mitgliedern der„Freien Vereinigung" ausgeführt. Freunde nnd Gönner des Vereins ladet hierzu ein Das Komitee. Eintritt» borten sind zu habe»: 135b Hasel, Barutherstraße 5. liudtke, Zoffenerstraße 19. Tissler, Manteuffelstraße 117. Schmauch, Marheinecke Platz 14. NB. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß die n ä ch st e U e b u n g s« st u n d e am Donnerstag, bei M ö h r i n g stattfindet. Zwanzig, Fürbringerstraße 27. Hasenjäger, Friedrich straße 249. Jnhre, Waldemarstraße 35. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.