n?.179 ♦ 44.?ahrg. Ausgabe A Nr. 97 Bezugspreis. WijöettiliÄ Pfennia. mona;li4 8,— Reichsmarl voraus jafllbot. Uiiier Sltciubanfi für Deutlckia»». Sy.uj;n, Saar, und äRemelaebiet Cclicttcid). Litauen. Lurembur, 4.5u Zieichsinarl. füt ba« übtifl« Ausland SLll Reichsmark vro Munal. Der„Vorwärts� mit bei Mustrier» tcu Sonntagsbeilage„Boll und Zeit' iowie den Beilagen»Unterhaltung uno Wilsen'.»Aus der isilmwelt*. »irraucnltimme'.»Der Sinder» freund'...Iugend-VorwSrts' und »Blick in die Bilcherioelt' erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Tclearamm-Abrelle: »Sozialeemotra» Berlin' Morgen airsgave Rerltner VolKsblatt (lO Pfennig� Anzeigenpreise: Die einivaltia« NonvareiUe» zeile SV Biennig. Rellamezeil«� 8,— Reichsmart.»Slelnc Anzeigen' das fettgedruckte Wort 2ö Pfennig izuläffia zwei iettaedrucktc Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Siellenaeluche das erst» Wort Id Pfennig, jedes weitere Wort lv Pfennig. Worte über 18 Buch- gaben zählen für zwei Wort«. Arbeitsmarlt Zeile SV Pfennig. jfamilienanzeigen für Abonnenten Zeile«V Pfennig. «nzeigen für die nächste Rmnmer Müllen bis«li> Uhr nachmittags im Sauvtaeschäft. Berlin SW W. Linden» straheZ. abgegeben werden. Geöffnet von Slb Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der öozialdcmokratircben parte» Deutfcblands Neüaktion und Verlag: öerUn SW. öS, �inöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff SSÄ— 207. Sonnabend, den 16. April 1927 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., öerlin SW. HS, Linöenftr.3 Poftschecktonto: Berlin»7 8«— Bankkonto! Bant der Arbeiter. Angestellte» nnd BeamZe». Wallftr. 18: Biskoato-Seselllchalt. Dcrosttcnkaste Lindcnstr. 8. Moskau gegen Tfthiangtaifthet. Aber weiter für die Kuomintang-�Partei! Moskau. 15. April. lTelegraphenagoniur der Sowjewnion.) Die Sommunistische Internationale verössenlllcht einen Ausruf, in dem Ischiangkaischek zum Verräter an der chinesischen Revolution, zum Feind der Arbeiterbewegung und der chominlern erklärt und als Verbündeter der Imperialisten bezeichnet wird. Der Aufruf verweist auf die sich vollziehende Vereinigung der k ipitalislischen Kräfte gegen die chinesische Revolution und gegen die Sowjetunion und fordert die Werktätigen der ganzen Welt und die vulerdrürklen Völker auf. gegen die Vorbereitungen eines neuen Wellkriege» zu protestieren, die Zurückziehung der fremden Truppen aus China zu verlangen und mit ollen Mitteln die Beförderung von Waffen und Truppen zu verhindern. .? r a w d o" erklärt. Tfchangkallschek und seine Anhänger seien der Mittelpunkt der nationalen Konterrevolution geworden. Tschang- koitschek erhebe sich Schulter an Schulter mit Tschang. t f o l i a gegen die Revolution. Cr habe bereits früher die Möglich. kiU angedeutet, sich mit Tschongtsolin zu verständigen. Der Schang- hiier Umsturz ziehe eine neue tiefe Furche in der gesamten Geschichte des chinesischen Freiheitskampfes. Tschangtaitschek habe die Masten herausgefordert, und diese seien bereit, die Herausforderung anzunehmen. Die Kommunistische Partei Chinas werde sich noch fester und mit größerer revolutionärer Entschlossenheit im Kuomintang zusammenschließen. Sie werde noch beharrlicher mue Kräfte sammeln, um über die in Schanghai erlittene Ried er- lege zum endgültigen Sieg zu schreiten. �» Wenn man die Telegramme der Korrespondenten von Telegraxhenagenturen und Zeitungen in China miteinander vergleicht, dann ergibt sich meist ein unklares und wider- spruchsvalles Bild, sowcchl hinsichtlich der militärischen Lage rie auch der politischen Borgänge. Ist es den Bericht- erstattern an Ort und Stelle nicht möglich, sich ein klares und einwandfreies Urteil über Ereignisse zu bilden, deren r?lativ nahe Zeugen sie sind, so muß man in der Stellung- nähme zu den chinesischen Dingen von Europa aus erst recht vorsichtig sein. Deshalb wollen wir in der Bewertung der Vorgänge, die sich seit der Einnahme von Schanghai durch die National- crmee dort abspielen, jetzt Zurückhaltung üben. Niemand kann von hier aus wissen, wie es dazu gekommen ist, daß dieselben Kantontruppen, die erst vor wenigen Wochen alz Befreier der Schanghaier Arbeiterschaft dort be- jubelt wurden, sich plötzlich gegen die Gewerk- s ch a f t e n mit der gleichen Schärfe gewendet haben wie die nordchinesischen Generale S-untschuangfang und Lipau- tschen in der Zeit, als diese Schanghai gegen den vorrücken- dcn Tschiangkeischek noch verteidigten. Die Kommunistische Internationale, und mit ihr� die Note Fahne", sind natürlich mit ihrem Urteil über diesen Szenenwechsel schnell fertig: Tschiangkeischek ist eben ein Verräter, ein Werkzeug des englischen Imperialismus und überhaupt steht der rechte Flügel des Kuomintang im Dienste des ausländischen Imperialismus. Man ist von bolsche- w istischer Seite an solche plötzlichen Kopssprünge nachgerade gewöhnt. Wir erleben es ja feit Jahren in allen kommu- nsstiüssen Parteien der Welt und nicht zuletzt in Deussch- land, daß gefeierte und allmächtige Führer eines Tages für Berräter und Lumpen erklärt werden. Warum soll das Schicksal von Maslow, Katz und Ruth Fischer und tntti viiantt nicht auch einen chinesischen General ereilen? In- dessen pflegten solche Kaltstellungen und Vcrfehmungen bis- her nicht ganz plötzlich zu erfolgen. Der Oberbefehlshaber der Kantonarmee, Tschiangkeischek, wurde jedoch noch vor wenigen Wochen in den kommunistischen Blättern aller Länder als der� siegreiche Führer der revolutionären Armee Südchinas überschwenglich gefeiert, die„Rote Fahne" brachte wiederholt�sein Bild, eine Ehre, die sonst nur Lenin oder Thälmann zuteil wird. Und jetzt sitzt derselbe Heros der chinesischen Revolution in der bolschewistischen Hölle neben Ruth Fischer, Tschangtsolin, Ehamberlain, Katz und den Ge- 'samtvorständen der Soffalistischen und der Amsterdamer Internationale, und sie warten dort allesamt auf das revo- lutionäre jüngste Gericht. Wir, die wir die revolutionäre Begeisterung für die sudchinesischen Generale niemals so devot zur Schau getragen haben, wie die Kommunisten, wir sagen ganz nüchtern: es ist sehr wohl möglich, daß Tschiangkeischek ein chinesischer Galiffet ist: es ist aber auch sehr leicht möglich, daß die von den Sowjetrussen beeinflußte Taktik der Schanghaier Ge- werkschaftsführer Tschiangkeischek in diese Galiffet-Rolle hin- eingedrängt hat. Die beliebte Parole vom„W e i t e r- treiben der Revolution" ist bisher von den Bot- schewisten überall dort ausgegeben worden, wo die Reoolu- tion bereits gesiegt hatte, und sie hat regelmäßig die Auf- er stehung der Konterrevolution zur Folge ge- habt. Manche Vorgänge, die sich seit der Eroberung von Schanghai dort abgespielt haben, erinnern, soweit Urtelle und Vergleiche von hier aus statthaft sind, an die wahn- witzige Taktik des Spartakusbundes unmittelbar nach dem Siege der deutschen Revolution. Die Bewaffnung der Schanghaier Arbeiterschaft, die Fortsetzung des Generalstreiks nach dem Einrücken der Kan- tontruppen und all die weiteren typisch spartakistischen Er- scheinungen der chinesischen Revolution sind jedoch um so eigenartiger, als ja die Kommunistische Partei Chinas— unter ausdrücklicher Zustimmung des Präsidiums der Kom- munistischen Internationale— den Standpunkt vertritt, daß das chinesische Volk nicht reif sei für die Diktatur des Proletariats. Dies ist erst vor ganz wenigen Tagen in einem Manifest der KP. Chinas erklärt worden, in dem außerdem betont wurde, daß unter diesen Umständen von einer Selb- ständigkestserklärung der chinesischen Kommunisten keine Rede sein könne: die KP. Chinas werde weiter einen Teil der Kuomintangpartei bilden. Auffastend ist, daß auch jetzt, wo Tschiangkeischek gegen die SchanAhaier Kommunisten so grausam vorgeht, und wo» nach den Korten der„Roten Fahne", die„rechten Kuomin- tang-Führep" Verrat an der chinesischen Arbeiterschaft be- gehen, Mosl�lu nach wie vor daran festhält, daß die cknne- sischen Kommunisten im Kuomintang verbleiben sollen. Danach sollen nach dem Wunsche und mit dem Segen der Moskauer Internationale die Henker und die Gehenkten, die Werkzeugs des britischen Imperialismus und die Be- freier vom angelsächsischen Joch, die Weißgardisten und die revolutionären Kämpfer, in der einen und derselben Partei verbleiben! Es ist gewiß nicht leicht, sich in den chinesischen Er- eignissen auszukeynen: aber es ist womöglich noch schwerer, sich in der kommunistischen Taktik gegenüber den chinesischen Ereignissen zurechPufinden!. Tschevs Antwort an Amerika. Die jetzt veröffenstichte Antwortnote des Kantonaußemnirnsters Tschen an die Derckinigten Staaten besagt im wesentlichen, daß die Nationalregierung bereit ist, alle angemessenen und notwen- digen Reparationen für die persönlichen Verletzungen amerikanischer Staatsangehöriger in Nanking und ihre sachlichen Schäden zu leisten, außer in den Fällen, wo nachgewiesen werden würde, daß dies« Schäden durch kritische und amerikanische Kriegsschiffe oder durch Lockspitzel der Nordarmee verursacht worden seien. Was die Be- straf ung der verantwortlichen Truppenführer betrifft, so wurde ihre Schuld an den Vorgängen bereits bestritten, indessen soll eine Untersuchung durch eine internationale Kommission stattfinden, um die Schuldfrage zu klären. Tschen schlägt vor, daß sowohl die geforderten Bestrafungen wie auch die verlangte Entschuldigung durch Tschiangkeischek von dem Ergebnis dieser Untersuchung abhängig gemacht und daher einstweilen zurückgestellt werde. Zum Schluß erklärt die Kantonregierung ausdrücklich, daß sie für den Schutz des Eigentums und des Lebens der Ausländer eintrete, macht aber darauf aufmerksam, daß dieser Schutz durch dos Weiterbestehen von ungerechten Verträgen erschwert wird, die mit der Größe und der Kraft der chinesischen Notion unverein- bar seien. primo fährt nach Marokko. Madrid. 15. April.(MTV.) Der gestern abend abgehaltene k a b i n e l k s r a 1 hat sich mit den letzten aus Marokko einge- lrosfenen Rachrichten beschäftigt. Obwohl die Lage dort sich ein wenig gebessert hat, wird Primo de RIvera entsprechend seinem bereits gefaßten Beschluß heute nach Marokko abreisen. Die Vorbereitungen sür die Entsendung von Truppen sind im Gange, jedoch werden diese Streitkräfte nur im Fall unbedingter Rolwendigkeit nach Marokko eingeschifft werden. Mrü Jugoslawien Üen vö'lkerbunü anrufen? Erregung in Belgrad über Mussolinis Erklärung. Belgrad. 15. April.(MTL.) Nintschitschs Organ.Wreme" schreibt: Das gestrige Kommunique der Agenzia Stefan! mit der Erklärung, der Vertrag von Tirana berühre Jugoslawien nicht, trägt nicht dazu bei, eine günstige Atmosphäre für direkte Verhand- lungen zu schaffen. Das Kommunique sst sonderbar und im jetzigen Augenblick unverständlich.„Wreme" deutet an. daß der Völkerbund doch wetde eingreifen müssen. Di« offiziöse„Samouprava" fragt, ob In de» neuerlichen Reihe jugojlawienfeindlicher Artikel im„Giornale d'Italia" nicht System liege und die Absicht verfolgt werde, die gegenseitigen Be- Ziehungen zu trüben. Unterirdische Millionen. Mysterien im Reichshaushalt.— Zur Vorbereitung des neuen Etats. Der Reichshaushalt, der den Rahmen für die Tätigkeit und den Aufgabenkreis der Reichsregierung bilden soll, ist unter unrühmlichen Begleitumständen verabschiedet worden. Gleich darauf beginnen in den Aemtern die Vorarbeiten für die Festsetzung des n ä ch st j ä h r i g e n Etats. Der ver- abschiedete Reichshaushalt hat nun sowohl nach verschieden- ster Richtung zu scharfer Kritik Anlaß gegeben, und diese Kritik wurde in zahlreichen Punkten selbst vom gegen- wärtigen Reichsfinanzminister Dr. Köhler geteilt. Wenn der Etat des Reiches im nächsten Jahre klarer, über- sichtlicher, sozial gerechter und vor allem für die breite Masse des Volkes leichter kontrollierbar werden soll, so ist es not- wendig, daß die E t a t s k r i t i k in der Zwischenzeit fort- gesetzt und ausgebaut wird. Das Volk, das von der Re- gierung die Erfüllung seiner Wünsche zu fordern hat, muß mehr als bisher an den Fragen der Etatsgestaltung teil- nehmen, muß es durchsetzen, daß der Wille des Parlaments nicht durch eine machtbewußte Bureaukratie in fein Gegenteil umgebogen wird. Eine Reihe von Fehlern der gegenwärtigen Hrnmhalts- führung des Reiches ist bereits in diesen Spalten Gegenstand der Kritik gewesen. Gewisse„Ermächtigungen" beeinträch- tigen die Klarheit und Durchsichtigkeit des Etats und tragen dazu bei, die Macht der Geheimräte noch zu erhöhen. Die Uebertragbarkeit von Mitteln von einem Etatsjahr auf das andere, die gegenseitige Deckungsfähigkeit von Etatstiteln, die Möglichkeit, nachgeordneten Dienststellen Mittel„zur Selbstbewirtschaftung" zu überweisen, alle diese Freiheiten wurden bisher meist anstandslos bewilligt: sie durchlöcherten die Kontrolle des Etats. Man kann es verstehen, daß die einzelnen Verwaltungen nicht lässig gewesen sind, auf so leichte und bequeme Art ihren Machtbereich gegenüber dem Parlament zu erweitern. In der Inflationszeit hatten all diese etatsrechtlichen Ermächtigungen ihren Sinn verloren und die Verwaltungen hatten sie fast ausnahmslos fallen lassen. Seit 1924 aber ist man wieder eifrig am Werk, sie auf- und auszubauen, so daß, wenn es in diesem Tempo weitergeht, sie bald denganzen Etat durchziehen, ja überwuchern werden. So sind z. B. im Wehretat für 1927 in der H e e r e s a b t e i l u n g 33 P r o z., bei der Marine fast 40 P r o z. der fortlaufenden Ausgaben als Übertrag- bar genehmigt. Auch die großen Sammelfonds bei den verschiedenen Verwaltungen schwellen an Zahl und Höhe immer mehr an: neuerdings findet sich sogar am Schluß der ohnehin schon weitmaschigen Zweckbestimmungen mehrfach noch ein„usw.", das dan nso ziemlich alles deckt, was die betreffende Verwaltung mit den bewilligten Geldern zu tun beliebt. Eine weitere Ermächtigungsformel lautet:„Die Ein- nahmen fließen den Mitteln zu." Sie hat bisher weder in den Beratungen des Reichstags noch in der Presse wesentliche Beachtung gefunden, obwohl sie in ihrer Wirkung auf das Etatsbild und seine Verschleierung kaum unterschätzt werden kann. Gemäß den Vorschriften der Reichshaushaltsordnung wird der Reichshaushalt nach dem reinen Brutto- prinzip aufgestellt: die Einnahmen sind auf ds? Ein- nahmeseite, die Ausgaben auf der Ausgabeseite veranschlagt. Die Reichshaushaltsordnung bestimmt, daß Einnahmen und Ausgaben getrennt voneinander in voller Höhe im Haus- haltsplan veranschlagt werden müssen. Rur die Kosten von Versteigerungen, von Beurkundungen von Rechtsgeschäften, Besitzwechselsteuern und derartige Ausgaben dürfen vorweg von den anzugebenden Einnahmen abgezogen werden. Weitere Abweichungen sind nur ausnahmsweise zu- lässig. Sie sind im Haushaltsplan besonders aufzuführen und unter Angabe der geschätzten Einnahmen und Ausgaben zu begründen. Der von zwei Mit- gliedern des Reichsfinanzministeriums herausgegebene Kom- mentar zur Reichshaushaltsordnwng gibt für diese Vorschrift eine treffende Erläuterung. Die gesetzgenden Körper- schaften haben ja für ihre Entschließungen über die Ausnahmen nur dann eine ausreichende Unterlage, wenn sie die Gründe für die Abweichung kennen und sich ein Bild von der Höhe der Bruttoeinnahmen und- ausgaben machen können. Der Reichshaushalt entspricht diesen Bor- schriften in keiner Weise. Bei keinem Etats- titel, bei dem im Reichshaushaltsplan für 1927 die Ein- nahmen den Mitteln wieder zufliehen, werden die Gründe angeführt, die zu solcher Abweichung vom Bruttoprinzip zwingen. Bei keinem dieser� Titel wird auch nur der Versuch gemacht, die Bruttoeinnahme zu schätzen. Das Parlament,'das noch der Reichshaushaltsordnung gerade über diese ver- schlungenen Ausnahmefälle Klarheit sollte gewinnen können, wird vollständig im Dunkeln gehalten. Die Dinge werden dadurch noch schlimmer, daß man nicht wehr von einzelnen Ausnahmefällen reden kann. Im Reichshaushalt für 1927 ist bei nicht weniger als 82 T i t e l n die Ermächtigung erbeten und bewilligt worden, wonach„die Einnahmen den Mitteln zufließen". Dem- entsprechend ist auch der Gesamtbetrag, den diese 82 Titel ergeben, außerordentlich hoch. Er beträgt rund 309 M i l- l i o n e n, genau 285 36� 825 Mark. An dieser Summe sind von den 20 Verwaltungen, die der Reichshaushaltsplan um- faßt, 12 gar nicht beteiligt,- dagegen entfallen auf das Reichs- Ministerium des Innern und das Reichswirtfchaftsministe« rium kleine, unter 1 Million bleibende Summen, auf das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft 2,7 Millionen Mark, auf den Kriegslastenetat 10, auf den Etat der Allgemeinen Finanzverwaltung 15, auf das Arbeitsministerium 50,8, auf das Wehrministe- rium 62,4(Heer 56,8, Marine 5,6) und auf das Reichs- Verkehrsministerium sogar 144,4 Millionen Mark. Daß die Einnahmen, die aus diesen rund 300 Millionen eingehen und an die 82 in Betracht kommenden Fonds ohne weiteres wieder zurückfließen, nicht gering sein können, er- hellt ohne weiteres aus der Höhe der Beträge. Wie hoch sie sind, weiß kein Mensch im Reichstag oder in der Regierung. Die einzelnen Dezernenten wissen Bescheid nur über die ihnen unterstellten Fonds. Den Gesamtllber- blick hat niemand. Wir fragen: Sind diese Verhältnisse überhaupt noch vereinbar mit dem in der Reichshaushalts- Ordnung festgelegten Bruttoprinzip und der Vorschrift, daß von diesem Bruttoprinzip nur in Ausnahmefällen und nur unter genauer Darlegung der Gründe abgewichen werden darf? Wie sehr diese und die früher von uns kritisierten Etats- ermächtigungen aceignet sind, das Etatsbild zu verdunkeln, dafür zeugt ein Borgang aus jüngster Vergangenheit. Bei der Beratung des Etats des Reichsverkehrsministeriums stand kürzlich im Reichshaushaltsausschuß ein Titel zur Beratung der für die Fortführung eines angefangenen Kanalbaues 1 Million Mark als siebenten Teilbetrag verlangte. Bei diesem Titel war ständig die Ermächtigung gegeben, daß die Einnahmen den Mitteln zufließen. Ein Mitglied einer Regierungspartei fragte an, warum denn für das große Unternehmen nur 1 Million angefordert werde: er habe ausgerechnet, daß in diesem Tempo die Fertigstellung ein Jahrzehnt und länger dauern werde. Prompt er- widerte der Regierungsvertreter, daß man nicht mehr be- nötige, da außer der angeforderten Million noch mehrere Millionen aus früheren Iahren zur Ver- f ü g u n g stehen. Trotz dieser verblüffenden Antwort wurde ein sozialdemokratischer Vorstoß, die Ermächtigung wenig- stens in diesem Fall zu streichen, abgelehnt. Man begnügte sich mit dem gänzlich unverbindlichen Wunsch an die Re- gierung, eine Liste der bei den Baufonds ausgegebenen und noch zur Verfügung stehenden Beträge zu erhalten. Dieser Vorgang ist ein neuer Beweis für die altbekannte Tatsache, daß die bürgerlichen Parteien zwar die Macht, aber nicht den Willen haben, gegenüber der geheimrätlichen Bureaukratie das B u d g e t r e ch t des Reichstags zu festigen. Im Bürgerblock gilt das noch weniger als vorher. Die etats- rechtliche Kritik der Sozialdemokratie hat denn auch bisher einen praktischen Erfolg nicht gezeitigt. Immerhin haben die von der Sozialdemokratie aufgeworfenen etatsrechtlichen Fragen, die bisher überhaupt kaum besprochen wurden, nun- mehr in allen Beratungen einen breiten Raum eingenommen. In diesen Beratungen haben zwei Minister, Dr. G e ß l e r und Dr. Köhler, die Berechtigung der sozial- demokratischen Kritik anerkannt, die großen Sam- melfonds als unerwünscht und die vielen Uebertragbarkeits- ermächtigungen nicht gerade als Leuchttürme be- sonderer Sparsamkeit bezeichnet. In der Tat sind die vielen im Reichshaushaltsplan der Verwaltung gewährten Ermächtigungen mit dem Budgetrecht des Reichstags un- vereinbar: sie stehen mit Sinn und Geist der Reichshaus- baltsordnung in Widerspruch. Werden nun gar bei ein und derselben Etatsposition mehrere verschiedene Er- mächtigungen zugleich gewährt, so kann von irgend- welcher Bindung der Verwaltung und von einer Kon- trolle des Parlaments über die Etatsgebarung überhaupt nicht mehr die Rede sein. Die Sozialdemokratie wird daher in den kommenden Jahren ihre Etatskritik verschärfen und mit noch größerem Nachdruck fortsetzen. Die Dinge liegen so kraß, daß auf die Dauer auch der praktische Erfolg nicht ausbleiben kann. Mehr Schutz für üie Arbeitskraft! Ter Mangel der Kontrolle in den Betrieben. Im Jahre 1325 hat die Zahl der Unfälle in den gewerb. lichen Betrieben nach den Berichten der preußischen Gewerbeouf- sichtsbeamten um rund 43 Proz. zugenommen. In einzelnen Be- zirken betrug die Steigerung gegen das Dorjahr sogar 50 bis 65 Proz. Die Gesamtzahl der gemeldeten Unfälle war mit 326 000 um 38 000 höher als im Jahre 1324. Diese Zahlen zeigen, wie die im Jahre 1325 beginnend« Rationalisierung mit dem verschärften Arbeitstempo sich auf die Gesundheitsverhältnisse in den Betrieben auswirken mußte. Daß es keineswegs nur eine besiere statistisch« Erfosiung der Unfälle ist. die die Zahlen größer erscheinen läßt, ol» sie in Wirklichkeit sind, das geht schon aus der Tatsache hervor, daß 2600 Betriebsunfälle mit tödlichem Aus- gang verzeichnet werden mußten, 400 mehr als im Vorjahr. Ebenso war die Zahl der gewerblichen Erkrankungen sehr groß. Ueber die Gründe dieser unsozialen Arbeitsverhältnifle schreibt die„Gewer rfchafts-Zeitung", das Organ des Allgemeinen Deutschen GewerkschoftSbundes: Im Jahre 1325 sind von 100 Betrieben in Preußen nur 33,3 einer Revision durch die Gewerbeaufsicht unterzogen worden, während vor dem Kriege die Hälfte aller Betriebe kon- trolliert wurden. Reben der Erweiterung des Aufgabengebietes mag die Personaleinschränkung und die Kürzung der Reisekosten in der letzten Zeit aus dieses außerordentlich dürstiae Resultat nicht ohne Einfluß gewesen sein. Eine befriedigend« Durchsührung der Arbeiter- schutzbestimmungen ist so nicht zu erreichen. Wenn jeder gewerbliche Betrieb— abgesehen von den vielen Werkstätten der Heimarbeiter, die auch noch von der Gewerbeaussicht zu betreuen sind— im Durchschnitt nur jedes dritte Jahr einmal besichtigt werden kann, dann muß sich das nachteilig auf den gesamten Arbeiterschutz aus- wirken. Die jetzige geringe Ueberwachung der Betriebe läßt schon erkennen, wie hättfig und oft schwer gegen Leben und Gesundheit der Arbeiter verstoßen wird. Wahr- scheinlich doppelt so hoch dürfte die Zahl der Mängel in der Betriebssicherheit sein, die n i ch t zur Kenntnis der Behörden kam. Nicht die Feststellung der vielen Mißstände aus diesem Gebiete, sondern ihre Beseitigung, hauptsächlich jedoch ihre Verhinderung muß das Ziel der Gewerbeaufsicht sein. Ohne Vermehrung des Personals, ohne Bereitstellung von Mitteln zur Durchführung der Betriebs- kontrollen, ohne Aenderung der richterlichen Auffasiung über die Notwendigkeit eines guten Arbsiterschutzes kommen wir nicht vor- wärts. Warum zögern die verantwortlichen Stellen hier onzu- packen? Ist das Ziel nicht der Mübe wert, hat nicht Schutz und Erhaltung von Leben und Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung auch für die Allgemeinheit größte Bedeutung? Die wirtschasttichen Verhältnisse dürfen nicht als Vorwaud dienen zum Raubbau an der Arbeitskraft der Bevölkerung. In der Tat ist es hohe Zeit, daß die B e h ö r d e u Ich die wirk- sam« Durchführung des Arbeiterschutz«? mehr als lstsher ange- legen sein lassen. Die Sozialdemokratie hat dazu wieder- holt ihre Forderungen in den Parlamenten gestellt. Je mehr die Rationalisierung fortschreitet, desto dringender wird auch der Ausbau der Gewerbeaufsicht, wenn verhindert werden soll, daß Amerika- Nische" Methoden im übelsten Sinne di« schwersten Gefahren für die Arbeitsfreudigkeit und die Arbeitsfähigkeit der im Betriebe Tätigen ertöten. Die Glasscheifernaruhen in Nordböhmen haben zunächst dem Arbeiter Renner aus Morchenstern zwei Wochen Arrest, verschärft mit zwei Fasten, wegen Hausfriedens- b r u ch s eingetragen, von der Anklage der Beschädigung fremden Eigentums wurde er freigesprochen. Im Gablonzer Bezirk sind jetzt sogar Versammlungen gegen die(von uns schon gekennzeichnete) Ver- waltungsreform verboten. „wetm wie unseren Kaiser hätten..." Karfrcitagsschmus eines Pastorcnblattcö. Jedes deutschnatiotialo Blatt bringt zum Karfreitag einen gefühlt vollen Leiter mit christlichem Augenaufschlag, zumeist aus der Feder eines mehr oder minder hohen Geistlichen. Auch der„Rcichsbote'. das rückständigste aller dcutschnationalen Pastorenblätter, bringt einen solchen Leiter. Ihn zeichnet der Gcneralsuperintcndent— bald wird er„Bischof" heißen— 0. V i t s. Er beginnt mit dem schönen Satz:„Wir grüßen dich, du stiller, heiliger Karfreitag!" Um diesen Gruß recht würzig zu machen, bringt der„Reichs- böte" zur Erbauung seiner Leser noch einige psesfrige Sachen gegen Demokratie und Republik. Wie sollte es auch anders sein, die evan- gelische Kirche hat noch immer nicht genug Anhänger durch Kirchen- austritt verloren. Ihre Wortführer treiben die Gläubigen sehenden Auges davon. In all dem Haß, der da zum Karfreitag gegen die Republik gespritzt wird, fällt fast angenehm ein angeblicher Brief aus, den ein deutsches Mädchen aus Amerika geschrieben haben soll. Der ist wirklich süß und rührend! Er ist wert, auch anderen zu Gesicht zu kommen, als nur den wenigen Landpastoren, die den„Reichsboten" lesen. Das angebliche deutsche Mädchen er- zähll von zwei deutschen Arbeitern, die ihr in der natürlich amcri- konischen Eisenbahn begegneten, und die Heimweh hatten: „Ja, unser Deutschland!" sprachen sie dann. Der eine be» merkte:„Und wenn wir unseren Kaiser hätten, der erste wäre Ich. der mit weib vnd Kindern zurückkehren würde, und wenn ich hungern müßte. Aber als unser Kaiser noch am Ruder war, ist keinem eingesallen, auszuwandern!"— Die Gesichter von diesen Männern werde ich nie in meinem Leben vergessen. Bei den Worten„unser Kaiser" belebten sich ihre schlaffen Gesichtszüge und ein Leuchten trat in ihre so müden Augen. Gerne hätte ich jedem die Hand gedrückt, aber ich konnte nicht, das Bild meines Kaisers, wie ich es seit meiner KUldheit im Herzen trage, stand zu gewaltig vor mir. Mein einziger Wunsch war nur:„Könnte dies alles mein Kaiser hören!" Der Brief ist sicher erfunden und zwar recht dumm er- funden. Zwar paßt solche christliche Erfindung eigentlich recht schlecht zum Karfreitag! Doch deshalb ist es gut, daß„mein Kaiser" das nicht olles zu hören bekommt. Denn er könnte leicht feststellen, wieviel wirkliche oder doch vorgeschützte Unkenntnis in den Spotten feiner getreueften Presse zu Hause ist.„Mein Kaiser" weiß sicher, daß während seiner„Friedeneregierung", das ist in den Jahren 1888 bis 1313 einschließlich, nicht weniger als 1 Million und 60 000 Deutsche den deutschen Staub von den pantossela ge- schüttelt und den weg nach llcbersec gesucht Habens Er weiß wahr. scheinlich auch, daß viel« der amerikanischen Soldaten, die 1318 den Krieg gegen Deutschland entschieden, Söhne von solchen Deuischen gewesen sind, die während der Monarchie vor den Herr» lichen Zeiten flüchteten und in Amerika eine zweite Heimat fanden. Das alles weiß natürlich das„christliche" und deutschnationale Blatt auch. Der angebliche Brief des angeblichen deutschen Mäd- chens aus Amerika liest sich zwar für atte Tanten süß und gesühl- voll— er zeigt aber, wie ehrlich diese Sorte von Christen gerade am christlichen Feiertag es mit der historischen Wahrheit nimmt! personalveränöerung in Preußen. Der neue Vizepräsident von Hannover. Zum Bizepräsidenten der Regierung in Hannooer wurde Oberregierungsrat M a s u r- Schneidemühl bestimmt. Masur gehört der Sozialdemokratischen Partei an. Er übernimmt in.Hannover die Stelle des Genossen Dr. v. Harnack, der als Regierungsoizc- Präsident nach Köln gegangen ist. Preußens Fürsorge für den Osten. Der preußische Minister des Innern setzt unmittcl- bar nach Ostern seine Reise durch den Osten Preußens fort. Er besucht vom dritten Osterfeiertag an bis Ende der Woche die Grenz- mark Posen-Westpreußen, beginnend am Mittwoch in Schneide- mühl. j Tageslauf eines Weltbürgers. Der Scneraltekretiir der Paneuropiiischen Union in Frankreich, Froneis Delaisi, hielt als Gast der Paneuropitischen Union tn Belgien einen Vortrag, der im Bprilhcft von Coudenhove. 5t a l e r g i s Zeitschrift„Paneuropa" in deutscher Sprache veröffentlicht wird und dem wir den folgenden Abschnitt entnehmen. Wenn Herr Durand am Morgen aufsteht, dann wäscht er sich mit einer Seife, die aus einer Essenz vom Kongo herg«stellt wird, und trocknet sich mit einem Handtuch von Baumwolle aus Louisiana ab. Dann kleidet er sich an: sein Hemd und sein Hemd- kragen sind aus russischem Lein, seine Hose und seine Weste sind aus Wolle, di« vom Kap oder aus Australien kommt. Er wählt eine Krawatte, deren Seid« aus japanischen Kokons hergestellt ist. Das Leder seiner Stiefel ist aus der Haut eines argentinischen Ochsen, welche durch deutsche chemische Produkte gegerbt worden ist. In seinem Speisesaal, der mit einem holländischen Büfett aus ungarischem Holz geschmückt ist, bedient er sich eines Besteckes, dessen Kupfer von Rio Tiuto, dessen Messing von Detrott und dessen Silber aus Australien eingeführt worden ist. Auf dem Tisch steht sein Frühstück, frisches Weißgebäck au» Weizen, der entweder aus der Beauce oder aus Rumänien oder Kanada stammt. Er verzehrt Eier, die gerade aus Marokko gekommen sind, eine Schnitte Pökelfleisch, dos vielleicht in gefrorenem Austand aus Argentiniett importiert wurde, grüne Erbsen aus kalifornischen Konserven. Zum Dessert nimmt er englisch« Konfitüren(aus französischen Früchten und Kubazucker) und er trinkt schließlich ein« ausgezeichnete Tasse Kaffee aus Brasilien. So gestärkt, eilt er an seine Arbeit. Ein elektrischer Trambohnwagen(den ein Motor von Thomson Houston vorwärts bewegt) bringt ihn in fem Amt. Nachdem er dort die Kursberichte aus Liverpool, London. Amsterdam oder Yokohama durchgesehen hat. diktiert er sein Tagespensum in eine Schreib- Maschine englischer Herkunft und unterschreibt mtt einem amerika- nischen Griffel. In seinen Betriebsräumen erzeugen Maschinen die in Lothringen nach deutschen Plänen hergestellt, mit englischer Kohle betrieben und die mit Rohprodukten aus aller Welt gespeist werden, „Pariser Spezialartikel" für seine brasilianischen Käufer. Und er gibt Austrag, daß die Ware mit dem ersten deutschen Frachtdampfer, der den Hafen von Cherbourg anläuft, nach Rio de Janeiro expediert wird. Dann geht er zu seinem Bankier, um einen Guldenbetrag von einem holländischen Käufer einzukassieren und gleichzeittg einen Pfundbetrog zu kaufen, um seinen englischen Lieferanten zu be- zahlen. Der Bankier benützt diese Gelegenheit, um ihn darauf auf- merksom zu machen, daß er augenblicklich über«in großes Guthaben verfüge und daß die Petroleumwert« im Steigen feien. Er rät ihm daher,«in Geschäft zu machen, und Herr Durand läßt sich gerne überreden. Da man aber nicht alle Eier in denselben Korb legen soll, gibt er Auftrag, gleichzeitig vier Schlüsse„Royal Dutch" und zehn Schlüsse einer französischen Gesellschaft zu taufen, welche eine Zweiggesellschaft der„Standart Oil" ist. Sehr bxsncdigt über den Verlauf seines Tages, kehrt er heim und schlägt seiner Frau vor, den Abend im Theater zu verbringen. ' Madame wirst sich sogleich in rbr schönstes Kleid(von Pogum Lwüttd). fetzt di« hübsch« Pelzhaube au».Blaufuchs auf(aus Tibi. rien) und vergißt auch ihre Diamanten(vom Kap) nicht. Zunächst soupieren sie in einem ttalienischen Restaurant. Bon dort gehen sie in das„Russische Ballett" oder in die Singspielhalle zu Roquel Meller, soserne sie es nicht vorziehen, ein Stück von Gabriele d'Annunzio anzusehen, in dem Ida Rubinsteln in der Inszenierung von Batst spielt. Nachdem sie noch das„Kaukasische Kcckarett" auf- gesucht haben, wo ein« Negerjazzband spielt, kehren sie noch Hause zurück, und H«rr Durand schläft, ermüdet von seinem so anstrengen- den Tag, unter seinem Oberbett(dessen Federn norwegische Gänse gespendet haben) ein und träumt, daß Frankreich ein großes Land ist, welches sich selbst genügen und welches der übrigen Welt ein Schnippchen schlagen könne. Der Jall Secher vor üem Reichsgericht. Aufforderung des Schutzoerbandes deutscher Schriftsteller an den Oberreichsanwalt. Der Schutzoerband deutscher Schriftsteller, der als überportsi- liche Organisation alle Interessen der Schriftsteller vertritt, ersucht den Herrn Oberreichsanwall, den Dichter I. R. Becher als Verfasser des Romans„(ChCl= Ch) 2 As(Levistte) oder„Der einzig gerechte Krieg" vor dem hohen Reichsgericht in den Stand des An- geklagten zu versetzen. I. R. Becher wurde wegen drei beanstandeter Schreiben im Juli 1325 oerhaftet und nach Erlaß der sog. Hindenburg-Amnestie wieder entlassen. Das Verfahren mußte also als eingestellt gellen. Wegen der Verbreitung von Bechers neuem Roman, die erst nach der Amnestie stattfand, wurden di« Buchhändler Reimann und Domnig angeklagt und verurteilt. Trotz der inzwischen eingetretenen Amnestie wurde au» den früher beanstandeten Schriften eine „Fortgesetzte Handlung" hergeleitet und zwar zuungunsten de» Buches, während der Begriss der fortgesetzten Handlung sonst zugunsten des Angeklagten und besonder» der Strafabmessung vor- gesehen ist. Während als Beweisstücke der Anklage zusammenhang- los herausgerissene Stellen benutzt wurden, hätten zugezogene Sach- verständige zweifellos dahin geurteilt, daß jedes dichterische Werk als neuer schöpferischer Akt und als Offen- barung einer neuen inneren Gestaltung anzusehen ist. Das Buch ist eingezogen worden, ohne daß der Verfasser als verantwortlicher Urheber in seiner Sache gehört worden wäre. Da kein Verleger, besonders unter der Drohung der fortgesetzten Hand- lung noch ein Werk von Becher zu veröffenttichen wag«n kann, muß seine schriftstellerisch« Existenz in materieller und ideeller Hinsicht als vernichtet gelten. Der Schriftsteller I. R. Becher hält es mit Pflicht und Ehre für unvereinbar, daß andere für den Inholt seiner Schriften unverantwortlich« Personen statt seiner angeklagt und ver- urteilt werden. Nachdem er sich während des zwei Jahre schwebeudsn Ver- fahren? mehrfach ohne Erfolg angeboten hat, erwartet der Schutz- verband deutscher Schrijisteller vom Herrn Oberreichsanwalt, daß der Schriftsteller I. R. Becher aus völliger Rechts- und Schutzlosigteit wenigstens in die Rechte des Angeklagten versetzt werd«, 2-..«*.. • Die Arbeiten am Pergamon-Museum. Im preußischen Kultus- Ministerium und in den Berliner Museen sind zurzeit neue Er- wägungen und Berfuche darüber im Gange, wi« das Hanptstück des künftigen Pergamon-Mufeums, der groß« Reliestries am Altar, am wirkungsvollsten aufgestellt werden kamt. Der bisherige Plan, nach dem dies Glanzstück der Antiken-Abteilung nicht als zusammen» hängender Fries, wie einst am Allar selbst und auch in dem kleinen früheren Pergamon-Museum, zu sehen wäre, sondern die Abwicklung an der Altar-Rekonslruktion unterbrochen und die Reliefs auf die Musenmswände hinübergezogen wären, befriedigte niemandem. Neu« Gedanken zur Besserung find aufgetaucht, unter Einbeziähung des oberen Raumes, der für die Aufitellung des Telephos-Friefes aus Pevgamon dienen sollte. Ehe eine Entscheidung über die Frage gefallen ist, sind die Arbeiten an der großen Mittettreppe des Per- gamon-Museums, die zum Telephos-Saal hinaufführen sollte, vor- läufta unterbrochen worden. Im Augenblick fft übrigens der Direktor der Antiken-Abteilung, Goheimrat Theodor Wiegand, in Pergamon selbst zum Abschluß der deutschen Grabungen ein« getrosten. Mehrer« hundert Arbeiter sind angeworben, die Feld- bahnen und Zufahrtsstraßen zu den Grabungsfeldern werden wiederhergestellt, und in den nächsten Tagen sollen die Schürfungen beginnen. Dritte» Konzert des„Zungen Chors". Chor der Jugendlichen, Chor der frischen Stimmen, des frohen Musizierens, des bequemen Lernens. Dos Jm-Kopf-behalten ist diesen Iungens und Mädels noch ein« leichte Hirnarbeit. Bei anderen Chören, denen der Er- wachsenen, ist der Schädel schon besetzt von tausend anderen Erinnerungen und Vorstellungen. Das Auswendigsingen ist da viel seltener. Und doch ist erst in solcher Frecheit eine Eiirstimmung mit Text und Noten vollkoimnen zu erreichen. Der„Junge Chor" hat das Glück, in Heinz T! essen einen zieloollen. in der Sache strengen, im Wesen aber sanften, gütigen Erzieher zu besitzen. Man hört ordent- lich das gute Einoernehmen zwischen Chor und Dirigent, zwischen Kindern und väierlichem Freund heraus. So weiß er denn auch am besten, was diesen Stimmen gut tut, was ihren Herzen frommt, welche Grenzen seinem Material gesanglich und inhaltlich siezogen sind. Gesänge aus dem 16. Jahrhundert, fröhlich, verliebt, einfältig. herzhaft in der Melodie, primitive Geaenwartslieder aus der Feder des natürlich schreibenden, gesangsmSßig empfindenden Metallarbeiters Walter R 0 h d e(deren kunstvollerer Satz wohl eist Tiessens Konto kommt): Volkslieder, Kinderlieder, schließlich als Krönung ein paar Tendenzchöre. Die Stimmung im überfüllten Haus der Sing- akademie ist glänzend. Auch, als Frau Pegko-Schubert sehr kraftvoll und tonschön mit dem etwas fahrigen Johannes Strauß die Kreutzerfonate erekutiert Ein schöner Erfolg des Chors und seines Führers, ei» Erfolg, der immer wieder neu errungen werden muß, da ja die Kräfte der Mutation wegen oft oder ständig wechseln. Um so anerkennenswerter die Stabilität der exakten Leistung. K. S. Mchtige Ausgrabungen ln Sizl.icn. Während der Arbeiten zur Anlage eine? Sportplares bei Znralus lu man auf eine im Felsen ausgehau-ne Kammer gellotzon. die überaus nzerivolle antike Kuiiliiveile zeigte. Der Boden ist mit einem t'räcbtigcn Molail belegt und aus einem Teil der Wand besiiideii sich sehr schöne Malereien. Aus der Wand entdeckte man auch einen Plan von Syrakus mit Wiedergabe seiner Denkmäler und im Mittelpunkt der Kammer befindet sich eine Säule mtt einer Statue der Minerva in vergoldet« Bronze. Reform öes Dawes-Plans? Vorschläge eines amerikanischen Bankiers und ihr Echo bei der Reaktion. Der„Vorwärts" verzeichnete vor einigen Togen die aufsehen- erregende, von der Regierung dementierte Meldung, wonach eine Nesonn des Dawes-Planes ins Auge gefaßt fei. Airgekündigt war, daß Deutschland Monopole für Tabak und Zucker einführen, das Spiritusmonopol erweitern, die R e i ch s p o st in eine Aktiengesellschaft verwandeln und das Verkehrsmonopol ausbauen sollte. Die völkische„Deutsche Zeitung" bezeichnete diese Pläne als Absichten der Regierung: diese stritt alles ab, wir betonten, daß aller Wahrschein- lichkeit noch die Meldung durch eine Indiskretion der vom Rechtsblock geförderten reaktionären Beamten in die Rechtspresse gelangt ist. Jetzt stellt sich heraus, daß der amerikanische Großbankier Kahn, der dieser Tage in Berlin gewesen ist, tatsächlich solche Vorschläge gcniacht und in einem Briefe dem Reparationsagenten unterbreitet hat. Die Vorschläge gehen davon aus, daß Deutschland seine Iah- rcsleistungen nicht zahlen kann. Ihr genauer Wortlaut ist nicht bekannt. Trisft es jedoch zu, daß Kahn mit seinen Vorschlägen die Reparationszahlungen auf ein geringeres Maß als bisher b e- grenzen will, so hätte nach unserer Meinung die Regierung die Pflicht, derartige Pläne auf dos sorgfältigste zu prüfen und dem deutschen Volke jeden unnötigen Konflikt zu ersparen. Und ein Konflikt ist unabwendbar, wenn man es dem Zufall überläßt und den Zeitpunkt abwartet, wo die U n e r f ü ll b o r k e i t der Re- parationen den Wirtschaftern zwar erkennbar wird, der Diplomaten- bureaukratie aber nicht glaubwürdig erscheint. Dann wird der Re- parationsagcnt als ein Beauftragter der Staaten auf seinem Schein b e st e h e n müssen, während er es nicht brauchte, sofern die Aus- landsstaaten durch eine sachliche Diskussion auf diesen Konflikt zwischen der Zahlungsforderung der Entente und dem Zahlungs- willen Deutschlands vorbereitet ist. Deutschland hat also ein starkes Interesse an einer fach- lichen Prüfung solcher Vorschläge. Wir selbst haben anläßlich der ersten Meldung, die die Regierung zu bestreiten suchte, bereits unsere Bedenken gegen den neuen Plan ausgedrückt. Was aber tut die reaktionäre Press«? Gerade sie, die sonst immer die R e v i s i o n des Dawes-Planes vertritt, lehnt jede Diskussion über Kahns Vorschläge ab. Ann in Arm mit den Völkischen tritt die Scherlpresse gegen eine neue„25er- sklavung" Deutschlands auf. Diese Wirkung des Briefes von Kahn muß überraschen. Wie kann denn von einer neuen Versklavung die Rede sein, wenn— um in der Sprache der Reaktionäre zu reden— die Sklaoenketten Deutschlands gelockert werden sollen? Nun, der Grund ist nicht schwer zu erraten. Ausbau der Mo- nopole oder gar Schaffung neuer Staatsbetriebe bedeutet den Reaktionären ein schwerer Angriff auf das private Eigentum. Die Dcutschnationalen haben schon früher den Be- weis geliefert, daß sie auf die„nationalen Belange" pfeifen, wenn der Geldsack bedroht ist. Ihr Reichssinanzminister Schlieben Hot, um den Besitz von Steuern zu entlasten, die Zölle und Ver- brauchssteuern mit einer Mehrheit, die sich aus den heutigen Re- eierungsparteien zusammensetzte, erhöht. Der Erfolg war, daß sich für die beiden nächsten Reparattonsjahre die Zahlungspflicht Deutschlands um volle 500 Millionen Mark erhöhte! Erst der demokratische Finanzministcr R e i n h o l d vermockite diese leichtfertig bewirkte, durch deutschnationale Finanzpolitik herbeigeführte frei. willige Mehrleistung um 200 Millionen Mark zu senken. Uebrig blieben immerhin noch als Folge des deutschnationalen Manövers Mehrleistungen in Höhe von Zyv Millionen Mark, die das deutsche Volk über die Dawes-Forderungen hinaus zu zahlen hat! Die Beweggründe der Deutschnationaken für ihren damaligen Reparationsfanatismus waren dieselben wie diejenigen, die jetzt die Rechtsparteien veranlassen, jede Erörterung des Repara- tionsproblems abzulehnen. Damals galt ebenso wie heute die Der- teidigung des Großkapitals mehr als nationale Ehre, Sklavenketten und Tributzahlungen. Dasselbe Spiel wird heute getrieben, wo das Privateigentum nicht von Steuern, sondern von einer Diskussion über Monopole bedroht werden könnte. Lieber sabotiert man «ine Herabsetzung der Reparationspflichten, als daß man auch nur ernsthaft über neutrale Dorschläge diskutiert. Das ganze ist ein Stück deutschnationaler Befreiungs- Politik, die die ganze Lügenhaftigkeit der reaktionären Demagogen aufs Neue enthüllt. Wir sind gespannt, ob der Außen- minister Stresemann und der Finanzministcr Köhler ihren Koalitionssreunden auf diesem Wege folgen. Kommunistischer Schwindel überall. Auch in Deutschösterrcich. Für den Wahlkampf in Deutschö st erreich hatten die K o m m u n i st e n nach berühmtem Muster in einem„offenen Brief" der Sozialdemokratie ange- boten, für ihre Kandidatur zu stimmen, wie diese das k o m» niunistsfche Wahlprogramm annehmen würde. Selbstverständlich wurde das abgelehnt. Nachträglich hat dann der Führer der kommunistischen Opposition, Joseph Frey, enthüllt, wie es zu diesem An- gebot gekommen ist. Auf der Reichskonferenz der Kommu- nisten sei die überwiegende Stimmung dafür ge- wesen, sozialdemokratisch zu wählen. Da hätten das Zentralkomitee und der„Kominternvertreter", ein sehr junger Wiener Student, der mit der Vertretung der Kommu- nistischen Internationale, betraut ist, ein angebliches Telegramm aus Moskau vorgelegt, in dem die Kommunistische Internationale verlangt haben soll, ein„A n- fjebot mit unerfüllbaren Bedingungen" zu testen, um mit der Ablehnung dieses Angebots ihre selbständige Kandidatur vor den Arbeitern zu rechtfertigen. Unter dem Drucke dieses Telegramms sei der„Offene Brief" mit dem bewußt und absichtlich unannehmbar gestalteten Wahlprogramm beschlossen worden. Diese Darstellung Freys hat das Kommunistenblatt be- stritten. Darauf veröffentlicht Frey folgenden Bericht des Obmannes der kommunistischen Lokalorganisation Voitsberg, Joseph Rohry, der bei der Reichskonferenz anwesend war: Bei Eröffnung der Reichskonferenz schlug der Komintern- Vertreter nach einem zweistündigen Referat vor, die Kommu- nistische Partei müsse„laut Beschluß der Komintern(Kommunistische Internationale. D. Red.) ohne jedes Angebot selbständig in die Wahlen gehen, so wie im Jahre 1923. Die darausfolgende Dis- k u s s i o n zeigte, daß ein sehr großer Teil der Delegierten nicht für diese Taktik war. sondern für ein Einheltsangebot an die Sozial- demokralie, und zwar nicht als Manöver, sondern al» ein ehrliches Angebot mit vom Standpunkt der großen Massen wirklich an- nehmbaren Bedingungen. Als dies immer schärfer zutage trat, zogen sich die Zentralkomiteemitglieder und der Kominternvertreter unaussällig zu einer Sitzung zurück. Als sie nach einer halben Stunde zurückkamen, ergriff der Kaminternvertreter das Wort. Er erklärte, soeben sei ein Telegramm aus Moskau gekommen, das die endgültige Entscheidung bedeute und diese Eni- scheidung besage: Wir werden keine Listerstoppelung oder Einheitsliste mit der Sozialdemokratie machen. Wir werden ein Angebot an die Sozialdemokratisch« Partei machen, aber nur als Manöver! Das heißt, wir werden ihr so l ch e Forderungen stellen, die das Pro- gramm der Kommunistischen Partei sind, die die Sozialdemokratische Partei daher nicht annehmen wird! Und weil wir wissen, daß das die Sozialdemokratische Partei ablehnen wird, müssen wir schon von heute ab die Vorbereitungen für die selbständige Kandidatur beginnen. Diese Darstellung stützt Frey noch durch einen zweiten, von dem kommunistischen Arbeiter Georg Eder(Kagran) unterzeichneten überein st immenden Bericht. Es ist mithin kein Zweifel mehr möglich, daß der„Offene Brief" ein gemeines Schwindelmanöver gewesen ist. Die Kommunistische Parteileitung war von Anfang an ent- schloffen, der Seipel-Liste durch selbständige Kandidaten zu helfen. Um diese Schädigung der Arbeiterklasse vor den Arbeitern zu rechtfertigen, hat sie den Schwindel mit den „unerfüllbaren Bedingungen" aufgeführt. Und um diese Schwindeltaktik bei ihren eigenen Parteigenossen durchzu- setzen, hat sie sich das„Telegramm aus Moskau" erfunden. Tschechifcber Parteitag. Im Zeichen der Opposition gegen den Rechtsblock. Prag. 14. April.(Eigener Bericht.) Vom 15. bis zum 18. April findet in Prag der 15. Partei- kongreß der Tschechoslowakischen Sozialdemokratie statt. Der Parteivorstand hat einen umfangreichen Bericht heraus- ßegebcn. in dem die dreijährige Periode seit dem letzten Parteitag in Mahrisch-Oftrau in politischer, wirtschaftlicher. internationaler und organisatorischer Hinsicht geschildert wird. Auf dem letzten Parteitag wurde beschlossen, daß der nächste Kongreß über ein neues Parteiprogramm be- schließen soll. Damals wurde eine prinzipielle Erklärung als Grundlage der Diskussion angenommen. Aber der diesjährige Kongreß wird inmitten eines erbitterten Kampfes der Partei gegen die Politik der Rechtskoalition tagen. Es wird dem Kongreß ein Antrag vorgelegt, die Diskussion über das Parteiprogramm zu o e r t a g e n, weil die Beratungen über die neue politische Situation— es ist der erste Parteikongreß, bei welchem die parlamentarische Fraktion im tschechoslowakischen Staate als Opposition auftritt — viel Zeit in Anspruch nehmen wird und dadurch würde für die Programmdiskusison nicht die erforderliche Zeit vor- handen sein. Es soll ein außerordentlicher Parteitag einberufen werden und zwar im nächsten Jahre, wo die Partei das fünfzigjährige Jubiläum des ersten Kongresses 1878 feiern wird. Den Vorsitz des Kongresses wird gewesener Präsident des Abgeordnetenhauses Abg. T o m a f ch e k führen. Zum Bericht des Parteivorstandes spricht der neue Parteisekretär Senateur V. Dundr, über die politische Lage und den Kampf gegen die Reaktion spricht Abg. Gen. Dr. Meißner, über die internationale Situation und die Arbeiterinternationale Senateur Dr. S o u k u p, über das neue Parteiprogramm Abg. Gen. S t i v i n, über die wirtschaftlichen und sozialen Fragen Abg. H a m p l, Vorsitzender des Parteivorstandes. Der Kongreß soll auch ein Manifest für die kommende Ar- beiterolympiade bzw. das internationale Arbeiterturnerfest werden. Das neue Parteiprogramtn, das dem Kongreß be- reits als fertiggestellter Entwurf mit der Bestimmung, diesen in den Organisationen zu diskutieren, vorgelegt wird, besteht aus einer prinzipiellen Erklärung, dann einem aus- führlichen Aktionsprogramm und aus einem be- sonderen Programm für die G e m e i n k�e p o l i t i k und die Agrarfrage. Nach dem ausgegebenen Bericht des Vorstandes zählt die Partei 3022 Ortsgruppen, d. h. 766 mehr als vor drei Iahren, mit 144953 Mitgliedern, davon 16 Proz. Frauen. Die Zahl der Jugendscktionen hat sich um 60 Proz. vermehrt, ihr Mitgliederstand um über 100 Proz. Die Partei hat 30 Bezirksvorsteher, 435 Bezirksräte, 595 Gemeindevor- steher und 10 241 Mitglieder der Gemeindeverwaltungen, so daß jeder zehnte oargnisierte Genosse in der Selbstverwaltung tätig ist. Bon den Parteimitgliedern sind 80 Proz. Arbeiter oder Angestellte. Interessant ist, daß Proz. der Parteimitglieder konfessionslos sind, im Pilsner Kreis sogar 60 Proz. Zum Parteitag sind schon einige auswärtige Gäste an- gemeldet._ öethlens Stellvertreter. Prälat Vass. Genosse K a l l a y, Direktor der Arbeiterkrankenkajs« in Mis- tolez, seit Monaten wegen gesprächsweiser Beleidigung Horthys verhaftet und angeklagt, wird auch der üblen Nachrede gegen den Vizeministerpräsidenten Prälat Vass beschuldigt. Kallay versucht den Wahrheitsbeweis und beruft sich dazu auf folgende Mitteilung des Abgeordneten Markgraf Pallavicini im Parlament: In Budapest wurden zwei Kroftwagenführer, deren Wagen zusammengestoßen waren, vom Wachmann zur Slusweisleistung ausgefordert. Dem einen Wagen entstieg eine sehr elegante, schöne Dame, die Schauspielerin Irene Biller. Im Hintergrund des Wagens sah der Wachmann noch eine Frauengestalt. Er fragte die Schauspielerin:„Wer ist diese Dame in Schwarz?" Antwort:„Das ist mein Mütterchen!" Der Wachmann steckt« seinen Kopf durch das Fenster und stellte fest, daß das Mütterchen im schwarzen Gewände der Minister und Prälat Dr. 25 a s s war. Seit diesem Borfall werde der Minister im Parlament nur noch„Mütterchen" genannt.(Dieser Vass hat in der von gläubigen Katholiken streng innezuhaltenden Fastenzeit ein sabelhastes Bankett gegeben.) Zur Vernehmung von Zeugen wurde die Verhandlung vertagt, der Direktor Kallay in Haft behalten. Neuer Lohnvorsthlag im Haugewerbe. Die Lohnverhandlungen für das Berliner Baugewerbe waren bekanntlich gescheitert: es mußte deshalb am 13. April das Tarifamr sprechen. Die Verhandlungen gestalteten sich überaus schwierig. Die Unternehmer vertraten den Standpunkt, daß der Lohn der gelernten Bauarbeiter in Höhe von 5 8 R e i ch s m a rk in der Woche an sich schon zu hoch sei. Sie meinten weiter, daß die Lohnerhöhung so, wie sie gefordert, viel zu früh eintrete. Di« Verhandlungskommission trat dieser Auffassung aus das schärfste entgegen. Es käme dem Tiefbauvcrband und dem Betonverband nur auf eine Verschleppung an. Das Tarifamt müsse einen Spruch fällen, der den Bauarbeitern den Lohn von der ersten Lohn- wache im April an sichert. Kein Tarifamt dürfe sich zu dieser offenbar beabsichtigten Verschleppung hergeben. Dieser Auffassung konnte sich das Tarifamt nicht verschließen. Es kam ein einstimmiger Spruch zustande, der wieder- holt, daß den Bauarbeitern, also auch den Bauhilfs- arbeitern und Tiefbauarbeitern mit Wirkung vom 6. April der erhöhte Lohn zu zahlen ist. Allerdings erfuhr der Vorschlag vom 6. April insoweit eine Korrektur, als den Tiefbauarbeitern jetzt nicht sieben, sondern nur sechs Pfennige, dafür aber ab 28. September statt drei Pfennige vier Pfennige Lohnerhöhung gezahlt werden sollen. In der O b l e u t e v e rs a in m l un g der Maurer und Hilss- arbeiter, die am Donnerstag abend im Gewerkschaftshause zu diesem Ergebnis Stellung nahm, plädierte Genosse D r ü g e- müller für Annahme des Spruches. Zwar Hütten die Zim- m e r e r erklärt, daß sie nicht z u st im m e n werden, jedoch hat der Baugewerksbund bei seiner Entscheidung auch die Interessen der ungelernten Arbeiter zu wahren. In lebhafter, sachliche» Aussprache wurde an dem Verlzaltcn der Ilntcrnchmer, besonders derjenigen des Tiefbau und Betonbaues, scharfe Kritik geübt. Von allen Rednern wurde die Haltung der Verhandlungskommission trotz verschiedener Auffassung über die Lage durchweg gebilligt. Schließ- lich stimmten die Obleute gegen 11 Stimmen der Zlnnahme des Spruches zu. Arbeitsnachweis unS Arbeitslosenversicherung. Der Deutsche S t ö d t e t a g und der Deutsche Landkreis- i a g beabsichtigen, in größerem Kreise zu der Neuorganisation des Arbeitsnachweises und dem Ausbau der Zlrbeitslosenversicherung Stellung zu nehmen. Sie haben daher eine Arbeitsnachweis- tagung zum 22. April nach München einberufen. Ein- ladungen sind außer an Städte und Landkreise an die R-ichsregie- rutig, die Regierungen der größeren Länder, den Reichstag, den Vorläufigen Reichswirtschaftsrat, die Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer und in der Sozialpolitik führende Per- sönlichkeiten ergangen. Auf der Arbeitsnachweistagung soll insbesondere zu den Plänen der Reichsregierung Stellung genommen werden, die eine Reichs- anstatt als Träger von 2lrbeitsnachwcis und Ar- beitslosenversicherung und neue Reichsbchördcn vorsehen, die Zweigstellen der Reichsanstalt werden sollen. Der Streik der Linoleumleger beendet. Die Unternehmer hatten den Tarif gekündigt mit der Forderung, den Tariflohn von 1,40 M. auf 1,20 M. herabzusetzen und die Akkorblöhne um 25 Proz. zu kürzen. Der Manteltarif sollte ebenfalls verschlechtert und die Ferientage von 4— 14 Tage aus 2—7 Tage festgelegt werden. Die Verhandlungen am Dienstag ergaben, daß die Üntcr- yehmcr ihre Forderungen zurückziehen mußten. Der Tariflohn sollte jedoch 1,45 M. betragen und die Akkordlöhne sollten nicht erhöht werden. Das Ergebnis dieser Verhandlungen wurde auf Vorschlag der 25«rhanlÄungsromm!ssion einstimmig abgelehnt und der Streit beschlossen.> Die vollkommene Arbeitsruhe führte zu neuen Verhandlungen am Mittwochs die das Ergebnis hatten, daß der Mindestlohn ab 7. Zlpril bis 30. September 1927 1,5 0 M. beträgt. Die Akkordlöhne werden um 7 Proz. erhöht. Ml. Oktober erfolgt eine weitere Erhöhung um 5 P f. und die Akkordlöhne entsprechend. Der M a n t e l t a r i f wurde bis 15. April 1928 verlängert. In der�Dersummlung wurde nach einem Bericht des Kollegen Blume vüm Sattlerverband das Ergebnis nach Empfehlung der Kommission zur Annahme gegen 6 Stimmen angenommen. Ein Beweis dafür, daß die Kollegenschast die Einstellung der Kom- Mission vollkommen anerkannte und ihr ein fast einstimmiges Vertrauensvotum ausdrückte. Beteiligt waren an der Bewegung rund 300 Arbeiter. öetriebsratswahleu im mittelöeutschen Sergbau. . Bis jetzt liegen die Ergebnisie der Bctriebsratswahlen aus 62 Betrieben vor. Insgesamt find bisher 7217 Stimmen ab- gegeben worden, wovon die freien Gewerkschaften 6 316 Stimmen erhalten haben. Mandate erhielten: Freie Gewcrk- schoften 332(davon der Bergarbeiterverband 26 8), die Christen eine, die Hirsch-Dunckerschen drei, die Polnische Benifsvcr- cinigung eins, die Gelben und Werksgemeinschaftcn neun, Sonstige (Unorganisierte) sieben. Die verhältnismäßig niedrige Stimmcnzahl ergibt sich daraus, daß auf einer Anzahl von Beirieben überhaupt keine Wahlen vor- genommen wurden, weil nur eine Liste eingereicht war. Die Füh- rung der freien Gewerkschaften mit dem Bcrgarbeiter-Verband an der Spitze ist unbestritten. Sie Kaden von 353 Mandaten allein 332 erhalten. Die Hoffnung der Arbeitgeber auf Erfolge ihrer Schutztruppen ist zuschauden gemacht worden. Unfälle bei Gleisarbeiten. In einer jüngst ergangenen Verfügung an die einzelnen Reichsbahndirektionen weist die Hauptverwaltung der Reichsbahn-Gesellschaft darauf hin, daß in der Unfall- statistik die Entgleisungen, deren Ursachen auf die Beschaffenheit des Oberbaues zurückzuführen sind, einen großen Raum einnehmen. Die Zahl der Unfälle habe schon Ende Oktober 1926 fast die hohe Zahl des ganzen Jahres 1925 erreicht. Die Hauptoerwal- tuna stellt fest, daß fast ein Viertel der Unfälle durch unsachgemäße Ausführung der Gleisarbeiten verursacht worden sind. Auch wir haben an dieser Stelle oftmals auf diese Dinge hin- gewiesen und dabei betont, daß die Unfälle, welche durch unsach- gemäße Slusführung von G'.ns irbeiten heroorgeruscn werden, darauf zurückzuführen sind, daß die Reichsbahnverwaltung ihr altes ein- gearbeitetes Stammpersonal einfach aus' die Straße setzte und an deren Stelle gerade bei Gleisaibciten landsremdo Unter- nehmer bevorzugte. Dadurch wurden die Arbeiten nicht nur teurer, sondern auch s ch l e cb t e r. Gelegentlich des großen Eisenbahnunfalles bei Leiferd- hat sich dann die gesamte Presse dem hier vertretenen Standpunkte angeschlossen. Damals erklärte der Herr Generaldirektor, daß die Qualität des Oberbaues nichts zu wünschen übrig lasse. Dabei hat der Abgeordnete Krüger, Merseburg, in der Reichstagssitzung vom 11. März dieses Jahres festgestellt, daß noch heute zirka 9000 Kilometer des Schienennetzes her Reichsbahn den An- sprüchen, die man billigerweisc an sie stellen könnte, nicht genügen. Die Reichsbahnverwaltung weist dann weiter daraus hin, daß noch immer eine viel zu hdhe Zahl von Bahnarbeitern nn Betriel« verunglücken. Die Zahl der Unfälle dürfte noch der Meinung der Hauptverwaltung im Rechnungsjahre 1926 ebenso hoch sein, wie sie im Krisenjahre 1925 gewesen ist. Ganz entschieden muß aber die Behauptung der Hauptverwaltung zurückgewiesen werden, daß in den meisten Fällen eigene Unvorsichtig- k e i t der Verunglückten vorlag. Man sieht nach dieser Darstellung der Hauptverwaltung förmlich, wie die Arbeiter in die fahrenden Züge hineinlaufen, um sich die Knochen abfahren zu lassen. Nicht Unvorsichtigkeit, sondern das bei der Reichsbahn eingeführt« A n- treibersystem, verbunden in i t überlanger Ar- beitszeit sind die Ursachen der Unfälle. Wenn„Der Deutsche Eisenbahner" in einer einzigen Nummer sür den kleinen Bezirk Mainz 10 schwere derartige Unfälle nachweist, dann ist klar erkennllich, daß die Zahl der Betriebsunfälle im Reichsbahn- betriebe ganz erheblich gewachsen ist. Nachdet.i die Hauptverwaltung durch die Macht der Tatsachen gezwungen worden ist, ganz offiziell zuzugeben, daß die u n- sachgemäße Ausführung der Gleisarbeiten die Ursache vieler Betriebsunfälle ist, muß von der Hauptverwaltung verlangt werden, daß sie die Quelle dieser Unfälle verstopft, d. h., daß sie die landfremden Unternehmer entläßt»ich ihr oltes eingearbeitetes Stammpersonal wieder an deren Stelle setzt. Durch VerkürMng der Arbeitszeiten und menschenwürdige Behandlung des Personals muß sie die Unfallziffcrn des Eisenbahnbetriebes vermindern._ Schwcrlasttragvcrbot in RuUand., JUL. Die Gesetzgebung in Sowjetrußland sieht vor, daß Lasten bis zu 5 Pud, was 80 Kilogramm entspricht, ohne mecha- nische Hilfsmittel getrogen werden dürfen. Nach einer Ber- ordnung des Polkskommisiariats der Arbeit vom 14. Februar 1924 müssen den Lastträgern spezielle Vorrichtungen(Karren, Roll- wagen usw.) zur Verfügung gestellt werden, sobald Lasten von mehr alsS Pud Gewicht fortbewegt werden sollen. Ebenso ist in der Verordnung vorgeschrieben, daß beim Lastentragen auf größere Entfernung Rollwagen und Karren bereitgestellt werden müssen. Die Lasten dürfen auf dem Rücken nicht weiter als 30 Faden(4,687 Faden— 10 Meter) getragen werden. Wöhrend der Arbeitszeit der Lastträger müssen periodische Arbeitspausen eingeschaltet werden, die als Arbeitszeit in Anrechnung gelangen. Frauen und Jugendliche unter 18 Jahren werden zum Tragen von schweren Lasten nicht zu- gelassen. Das Höchstgervcht der von Frauen zu tragenden Lasten soll 1 Pud(16 Kilogramm) nicht übersteigen. Auch in Rußlaich sind die physiologischen Folgen des Tragens schwerer Lasten von Aerzten studiert worden. Von 623 beob- achteten Lastträgern hatten 170(28,7 Proz.) Rückgratsverkriim- mungen, 129(20,7 Proz.) Plattfüße, 76 Arbeiter(12,2 Proz.) Leistenbrüche uich 230 Arbeiter(38,4 Proz.) Arteriosklerose. Die durch- schnittliche Dauer, während welcher ein Lastträger seinen Dienst ver- richten kann, beträgt in Rußland neun Jahre. Der russische Verband der Lebensmittelarbeiter ist an die Regierung herangetreten mit der Forderung, es fei das Höchstgewicht der zu tragenden Lasten von 8 0 K i l o- gramm auf 50 Kilogramm herabzusetzen. Erneute Differenzen lm Hackepeter.Zum guten Happen", Jnh. Mewes, Neukölln, Hermannftr. 160. Nachdem die Sperre über diesen Betrieb kaum aufgehoben war, da der Inhaber den Tarif« vertrag und die Organisation anerkannt hatte, ist Herr Mewes wori- brüchig geworden. Er hat die nichtorganisationsfähigcn Kellner wieder eingestellt und die Organisierten entlassen. Die erneute Differenz sollte durch erneute Verhandlungen beizulegen versucht werden, allein Herr Mewes ist zu diesen Verhandlungen nicht erschienen. Die Differenzen sind um so schwerer zu bewerten, als der Arbeitgeber als Hinterhalt den Berliner Kellneroerein hat. Der Betrieb ist für organisierte Arbeitnehmer erneut gesperrt. Zentraloerband der Hotel-, Restaurant- und Case-Angestelltcn. Die' Sparkasse der Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten A..G„ Berlin, wallstr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 0— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 0— 1 Uhr geöffnet. Dcxtschci S°lzarb«it-r»erband. Nixsetzcr: Versammlung am Donnerstag. 21. April, nachmittags S Uhr, im Sitzungssaal des Verbandshauses, Runge. straße 30, Hof parterre. Verantwortlich wr Politik: Vietor Schiff! Wirtschaft: S. Klingelhöscr; ffeuillelon: Ä. i. Difcher: Lokale» Glocke: sämtlich in Berlin. ______ Druck: Vorwärts-Buchdruckeroi unk» Bcrlagsanstalt Paul Singer u Co.. Berlin SW 68, Lindcnstraße 6. Hier,» 1 Beilage. Ihre Handschrift bessert sich sofort, wenn Sie die von Heintze u. Blanckertz in Berlin erfundene Ly-Feder Nr. 605 benutzen. Ohne die geringste Druckanwendung entstehen von selbst beim Schreiben mit der Ly-Feder Haar- und Grundstriche. rveater l-ttHttpleiej ■fw. fcr! >leic| »»»»>> Staats-Theater Opernhsus a. Platz d.Repabl. RUhr: TOSCA Schauspielhaus R: Der Barbier ron Sevilla Schiller- Theater R Uhr: Per Cynt Sltlsdie Opei Charlottenburg VI, Uhr: Hoffmanns Erzählungen Abonn.-Turnus I. Oeotsdies Theater Norden 10331—37 8 U. Ende 11 U, Der Anl am Sdieldewed Karamerspiele Norden 10334—37 RVi, Endenach 10 Lockvögel Die Komödie BismarcK 2414. 7311 RUhr, Ende 10'/, U. Maaneqnins Nachtvorstellung Täglich 11 Uhr: RemiWasSievoilei Preise 2, 3, 4 u. 5 M. Tbeit. LÜolltadarfpl. Kurfürst 2091 RUhr Eodimull Drei arme kleine Mädels Onmth m Walter lallo Sillnbgrt-SiUuo Ott. KQuitler-Th Täglich 8 Uhr Skandal in lüserilla Fvitn. Biliar. Rabtr'i Letslng-Tbeater 8 U.: Der Patriot Wmnir. Horb« Lustspielhaut 8'/, Uhr: Celda TblaUdat «««««»«« Trlinon-Theiler Max Adalbert RUhr in lajtr.239i „Müller»" Stg-S'/jHchm-l-OM. An beiden Oster- feiertagen: Kai Uilbot Ii. Kloblnb" -.arnowUnf-iähBii» Th. KSnigträtz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: Sie Sdiulev.üznadi HomOdleiUiaui Norden 6304 8 Uhr: Das zweUe leben Nollendorf 7360 8 Uhr Varlck- Sonnabend u. an Heid. Feiertagen 2 Vorstellg. 3a und S Uhr. Nachm.>" zu ennäSigt Preis. das ganze Pro-r. U�£r haben eine besondere Abteibmg geschaffen, die Jedem Amateur-Photographen zur Begutachtung der von ihm aufgenommenen Bilder zur Verfugung steht und die ihm sagt, wie er in Zukunft bessere photographische Aufnahmen und Bilder machen kann, Wünschen Sie von dieser Einrichtung Gebrauch zu machen, so schicken Sie bitte Ihre Bild-Abzüge(keine Platten oder Films) an unsere Abteilung„Bildkritik" franko mit Rädeporto ein, und Sie haben in einigen Tagen unser fachmannisches UrieiL Sie sehen, wer Agfa-Cameras, Agfa-Films, Agfa-Platten and Agfa-Papier verbraucht, hat ganz besondere Vorteile. � /• V Europa* Meoiendste Werke(/(/ für die Uersletiung phoiograph. Artikel PentraN Theater ptrallt in Hvtia Rnapl Immn». Ilaii. Hiiaitdi. Bart, Willm, r. Ihtan Kose-7heater 8'/, Uhr: Dia balden Hachtlgailea Berliner Theater Direktion: Walter Bromme Tlgl 8 Uhr; Der unbestreitbar große Operettanschlag er Der Hampelmann Siegfr. Arno, Hella Kürty, Arthur Hell usw. An beiden Osterfeiertagen 2 Vorstellungen 3V,u. 8Uhr, nachm. die ganze vorstellg. zu halben Preisen Vorverkauf ab II Uhr unnntbr. I Dönhott IM-2, TD etil Täglich RV, Uhr: An beld. Feiertagen Nachm. 4 u. abs.R1. Die von der Liebe leben I liigadlidM taim Iitrltl Vorzeig, zahlt tägl., auch an den Feiertagen. nur halbe _ Kassenpreise. ■ten-opol- Theai. Täglich 8 Uhr: Zlrtotprlmpnln nuilira.lBtlb.T8r Kettbuaai tu ZäßL H U Stg. nachm. S ile-Hnger Pragramm ctsehieiea I Rlemandvariäumeta Thalia'Tneaier 8 Uhr; Der mndde Seeiabrar Wintep Carlen RdUchen gestattet I 2 An den beiden Feiertagen O Voroteliungen 4 »xta.}1/,: Enndb. Preise I . ERIK CHARELL BRINGT:• Alfred Braun, Camilla Spira. Wesiermeler, Bcndow, Kupier, venera Grones Sdiatuplelhaat Volks büh ne Theater am tülowplati 8 Uhr Tranmspiel Morgen 8 Uhr: Tranmspiei Th. am Sdiiffhaeeniaiiia 8 Uhr: Tragödie der Liebe. Refchshalleii'Theater AIIabdl.8U. Ig bsituFiitrlijn naebm. 3 U. Stettiner Sänger Nachmittags; Ha übe Preise,»öUes Programm Bönhoff.Brett'l: B au mblüiep Variete Konzert u. Tanz. An den rOsler-FeIertagen ins Theater iJtiiiiralspalast Viva la femme! Pariser Revue vom Palace-Theater. Paris Jenny Golder/ Spadaro u. Harry Pilcer u. a. Än beiden Osterfeiertagen Vorstellungen 3o 8:/4libr. Nadimitt. dieganzeVorstellg. JB m n halben Preisen .21 DrftciUg grublgsun Wällner-Theater 8'/, Uhr Der Operettenerfolg 81< Uhr Küsse£■ Nacht An beiden Ostertagen 3l/j Uhr nachm. Der Herr Senator CASINO-THEATER« uhr: Pimpelkuber der Hillionen-Erbe Gutschein: Faut I Mk, Sessel IJO MJr, ! Komische Operl Allabendlich 8>/, Uhr: Bünden der-Welt Die weltstädtische | James- Klein» Revue l ISO Mitwirkende An beiden Feiertag. 3 i, Uh halbe Preise u. I Kind frei. ] .8 Terüsiseo Sie Hiebt: Heute 8 Uhr Uraufführung: ss. Ben Hur ss, USCMUSIM Wu KMwhSCtX I Karten retklxeWg lösen. fanstamURM fowncr�rtlM: eos�ii�e.- Sdjwiiiirhn« Qt: 30 I!?.Ä 3.- VarmfeaW Utlkb»b 10 Vbr Sonnabend, den 16. April nachm. 3 Uhr 0 es Union-Kinbs Berlin NW 7, Schadowstr. 8. Annahme von Vorwetten in der Zentrale, Schadowstraße 8, >n allen Berliner Filialen und be den griJfi. Rennvereinen im Reicne Auszahlung der vollen Total. sator- quoten ohne jeden Ab/ug. Schriftliche Aut räge u Anträge aui Kostenlose Errichtung von Konten sind nur an die Zentrale zu, ichten. Telegramm-Adresse: Wettannahme Berlin, Schadowstr 8. Nr.17H»44.�ahrgtMg Heilage öes vorwärts Sonuabeuö, 16. �tpril 1627 9er Kampf um öas Süögelänöe. Ein Vorschlag der Kleingärtner! Die Kleingärtner des Südgeländes in Schöneberg veranstalteten am Donnerstag in der Schloßbrauerei zu Schöneberg eine Protest- k'.indgebung gegen die geplante Bebauung des Südgeländes durch ein amerikanisches Konsortium. Die Kleingärtner waren der Einladung so zahlreich gesolgt, daß der große Saal der Schloßbrauerei nicht alle Teilnehmer aus« nehmen konnte. Troß des sehr schlechten Wetters mußte im Garten eine Paralleloersammlung abgehalten werden. Die einzelnen Kolonievereine waren zur Versammlung mit ihren Bannern er- schienen. Die Banner wurden auf der Bühne aufgestellt, und nach Begrüßungsworten durch den Borsißenden des Bczirksverbandes der Klcingartenvereine. den Genossen Balte, sprach als erster Redner der Provinzialvorsißende der Kleingartenverein«, Genosse Rhein» hold. Er gab in seinen Ausführungen ein Bild der Kleingarten- bewegung im allgemeinen und führte dann aus, daß die Bebauung des Südgeländes schon darum sehr überlegt werden müste, well durch diese Bebauung die einzig« Lunge Schönebergs oerschwinden würde. Genosse Rheinhold begrüßte den Borschlag, den die Kalo- nisten dem Magistrat überreichen wollen. Nach diesem Plan sollen die Grundstücke an den bereits vorhandenen Straßen bebaut werden, das Hinterland als Dauergarten- gelände erhalten bleiben. Genosse Damrowfti, der zweite Redner des Abends, gab«inen Ueberblick über die Entstehung der Kleingärten im Südgelände. Er führte aus, daß mit dem Verlust dieser Anlagen die gesamte Bevölkerung des Bezirks Schöneberg be- troffen würde. Die Anlagen im Südgelände, vor allem die Spiel- pläße, find der Gefamtbcvölkerung zugänglich und werden gern als Erholungsstätte benutzt. In der anschließenden Aussprache kamen die Vertreter der ein- z«ln«n Parteien zum Wort. Der Vertreter der Kommunisten, G r o t h, begrüßte den Plan der Amerikaner. Unter stürvnschein Gelächter der Versammlung mußte er abtreten, als er auf einen Zuruf„es oerschwänden die Grünflächen durch die Bebauung" er- widerte:„Grünflächen können durch Niederreißung alter Häuser in anderen Bezirksteilen geschaffen werden." Genosse Mendt als Vertreter unserer Partei begrüßte den Vorschlag der Kleingärtner und versprach, sich als Dezernent der Kleingartenonlagen im Bezirk Schöneberg für die Randbebauung und die Erhaltung eines Teiles der Dauergärten einzusetzen. Eine Entschließung, die die Ausführungen der beiden Referenten wiedergab, wurde ein- stimmig angenommen. Die überschwemmte Laubenkolonie. Eine unangenehme Ueberraschung erlebten am Donnerstag abend Laubenkolonisten in der Kolonie„G r o ß ft a d t b a u e r" in der Herzbergstvaße zu Lichtenberg. Gegen 10 Uhr plätscherten plötzlich erhebliche Wassermengen gegen die leichtgebauten Wohnlauben. Da man an ein« Sintflut nicht recht glauben wollte, die Wassermengan aber eher noch zu- als abnahmen, wurde man schließlich unruhig und stellte fest, soweit dies in der Dunkelhell möglich war, daß sich über das Laubengelände ein einziger großer See hinzog. Die Feuerwehr wurde gerufen, die zwar keine Hilfe, aber doch des Rätfels Lösung brachte: Unmittelbar an die Kolonie grenzt nämlich«in sogenannter„R e g e n s a m m l e r", in dem die Regeiünengen, die der Boden nicht mehr aufnimmt, abfließen. Dieser Regensammler erwies sich feit langem als z u klein und sollt« durch einen größeren ersetzt werden. Die Bauten dafür sind seit einiger Zell im Gang und sollten demnächst beendet werden. Die starken Regenfälle der letzten Tag« führten dem alten Sammelbecken indes so starke Wassermengcn zu, daß ein Teil gestern abend plötzlich e i n st ü r z t e und das Wasser sich in einem Sturzbach über das Gelände ergoß. Ins- gesamt ist eine Fläche von etwa 10 bis 12 Morgen völlig überflutet. Einzelne Lauben stehen bis zu etwa Meter Höhe unter Wasser. Der Sachschaden, den die Kolonisten erlitten haben, ist sehr erhebllch. Durch Abzugsgräben sollen die Wasserinen- gen abgeleitet werden. Die Tote vom Grunewalüturm. Wahrscheinlich doch Selbstmord! Ueberraschend schnell ist es der Mordkommission gelungen, die P e r f ö n l i ch l i ch k c i t der am Grunewaldturm gelandeten Toten festzustellen. Es ist eine 20 Jahre alte Hausangestellte Helene Haim, die aus Marklissa stammte und bei einer Familie in der Camminer Straße in Stellung war. Wie man dort erfuhr, wohnte in derselben Straße ein« Tante des Mädchens, die sie wiederholt besuchte. Dieser Verwandten gegen- über klagte die Haim des öfteren, daß sie sich schwer krank fühle, wollte aber nichts Genaueres sagen. Sie ließ auch beiläufig die Bemerkung fallen, daß sie, wenn es ihr„nicht mehr passe", ins Wasser gehen werde. Die Tante, die wußte, daß die Nichte in ärzt- licher Behandlung war. hoffte für sie das Beste und legte daher ihren leicht hingeworfenen Worten keine große Bedeutung Wk. Am 26. März d. I. trug Helene Haim abends noch den Abfalleimer auf den Hof und leert« ihn in den Müllkasten. Von diesem kurzen Gang kehrte sie nicht zurück und ließ auch nichts mehr von sich hören. Trotzdem sie ohne Hut und Mantel nur in Hauskleid und Schürze war. muß sie noch am selben Abend in den Grunewald hinausgefahren fein und den Tod im Wasser gesucht haben. Die ganzen Umstände bei dem Verschwinden des Mädchens sind aber so eigentümlich, daß es nicht ausgeschlossen ist, daß doch eine noch unbekannte andere Person ihre Hand im Spiel ge- habt hat. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei werden deshalb auch nach dieser Richtung hin noch fortgefetzt. Die Obduktion wird möglicherweise die noch fehlende Klacheit schaffen. Personen, die vielleicht über den Umgang der Helene Haim Auskunft erteilen können, werden ersucht, sich bei der Mordkommission Braschwitz- Lobbes im Zimmer 8Za des Polizeipräsidiums zu melden. Der Gprung aus dem Fenster. Gestern morgen um 5 Uhr sprang die 30 Jahre alte Gertrud Neu- mann aus einem Fenster im ersten Stock des Hauses Auguflstr. 26b auf die Straße hinab. Sie hotte aus noch unbekannten Gründen mit Hausbewohnern Streit bekommen. Als diese sich anschickten, sie z u oerprügeln, lief sie die Treppe hinauf in ihre Wohnung. Ihre Gegner folgten ihr aber und in ihrer Angst sprang sie z u m F« n st e r hinaus. Sie wurde nach dem Hedwigskrankenhaus gebracht, konnte aber, da die Berletzungen nicht schwer waren, bald wieder nach Hause entlassen werden. « Allt schweren Kops- und Gesichtsverlehunaea wurde Freitag morgen um 3 Uhr der 25 Jahre alte Arbeller Walter Thiede' aus der Berliner Straße zu Neukölln aufgefunden. Passanten sahen den jungen Mann an der Ecke der H o b r e cht- und L�e n a u- st r a ß e besinnungslos daliegen und brachten ihn nach dem Buckower Krankenhaus. Thiede gibt an. daß er mit mehreren Männern i n Streit geraten und von diesen zu Boden geschlagen und miß- handelt worden sei. Der erste fiktienbauverein. Eine Gründung des deutschen Mietervereins. Der Gau Berlin im Bund deutscher Mieterverein« hat als Spitzenorganisation der Groß-Berliner Mieterverein« eine g e- mernnutzige Aktiengesellschaft mit einem Kapital von einer Million Mark gegründet, deren Ausgab« es fein soll, preis- werte Wohnungen für die minderbemittelte Bevölkerung zu errichten. Di« Beschaffung der notwendigen Kapitalien ist durch die Anlehnung an«in Berliner Bankkonsortium gesichert. Diese Neugründung ist insbesondere auch deswegen bemerkenswert, da sie m Deutschland die erste Gründung ist, die den gemeinnützigen Wohnungsbau im Wege eines Akttenbauverems lösen will. Dachstnhlbrattd tu Charlottenburg. Mehrere Löschzüg� der Feuerwehr würden gestern früh gegen ü4 Uhr nach der Lietzenallee 8 zu Eharlottenburg ge- rufen, wo in dem D a ch ft u h l eines größeren S i e d l u n g s- Hauses, das von mehreren Familien bewohnt wird. Feuer aus- gebrochen war. Als das Feuer von den oben wohnenden Mietern entdeckt wurde, stand bereits ein Teil dos Dachstuhles in hellen Flammen. Die Feuerwehr wurde gerufen, die mit mehreren Lösch zügen unter Lettung der Bauräte L e b b e und Scheele anrückte. Don drei Seiten wurde das Feuer, das sich inzwischen auf den ganzen Dachstuhl ausgebreitet hatte, an- gegriffen. Dem tatkräftigen Eingreisen d?r Wehren gelang es, die unter dem Brandherd liegenden Wohnungen zu schützen, die aller- dings unter Wasserschaden stark gelitten haben. Nach ziemlich zweistündiger Löschtäti�keit war die Gefahr be- I e i t i g t, und die Aufräumungsorbeiten, die bis 8 Uhr morgens dauerten, konnten vorgenommen werden. Die Entstehungsursache ist noch ungeklärt. Das Verfahren wegen des Wannseeunglncks. Das Verfahren gegen die verantwortlichen Leiter der im vorigen Jahre am 16. Juni auf dem Wanizfee veranstalteten Rote- K r e u z- U e b u n g. bei der bekanntlich"der zwölfjährige Schüler Wilhelm Jähnke aus der Beerenftraße 10 zu Zehlendorf ertrank, ist, wie wir erfahren, noch immer nicht so weit gediehen, daß die Voruntersuchung abgeschlossen werden konnte, da die Er- mittlungen auch jetzt noch ihren Fortgang nehmen. Die Entscheidung darüber, ob die Potsdamer Staatsanwaltschaft in diesem Fall Anklage erheben wird, dürfte erst im Laufe des Frühjahrs fallen. Wie erinnerlich, wurden seinerzeit die Namen des Turn- lehrers Friedrich Zehmter aus Zehlendorf und des Sanitäts- rats Dr. P r i tz e l als die für die Beaufsichtigung und den Verlauf der Veranstaltung Verantwortlichen genannt. Es wäre wünschenswert, wenn die Angelegenheit jetzt bald ihre gerichtliche Klärung fände._ Wilmersdorf ohne Krankenhaus. Wozu früher kein Geld da war! Immer wieder klingt bei den Verhandlungen in � den Ausschüssen, Deputationen und der Bezirksoersammlung bei unseren Vertretern des„Besitzbürgertums" mehr oder weniger verhüllt die Trauer über das durch die Eingemeindung nach Groß- Berlin„verlorene Glück" der Wahrung partitularistifchcr Belange hindurch.— Gelegentlich der letzten Bezirksversammlung vor der Osterpause enllud sich dieser Schmerz in beweglichen Magen über die Absichten der„bösen" Zentrale, durch eine straffe Gliederung der Berufsschulen und Zusammenfassung oer zusammengehörigen und verwandten Berufsgruppen in einheilliche, zentrale Schuleinrich- tungen das Kosten und Energie zersplitternde Durch- und Nebeneinander zum Segen und endlichen Ge- d e i h e n dieses Schmerzenskindes des Groß-Berliner Schulwesens — zu beseitigen. Daß die beweglichen Klagen über die vermeintliche Zerschlagung„wohlgefügter Schulsysteme", die„Lahmlegung lang- jähriger, muhevoller Schularbett" usw.— post festurn vorgebracht wurden, hinderte die betrübten Lohgerber nicht, ihre Protestreden angesichts eines halben Dutzends von Jnnungsmeistern, die den Zu- Hörerraum„füllten"— zu hallen.— Unser« Genossen begrüßen bei aller Anerkennung der treuen, hingebenden Arbeit, die an unserer bisherigen Wilmersdorfer Berufsschule geleistet wurde, doch die vorstehend gekennzeichnet« Differenzierung und Zentralisierung, da wir davon überzeugt sind, daß sie dem Gesamtwohl des Nach- wuchfes der schaffenden Bevölkerung Groß-Berlins dient. �— Eine eigenartige Ironie des Geschicks will es, daß die oft geschmähte Zen- tralverwaltung dann doch immer wieder angerufen werden muß, wenn es gilt, Unterlasfun gs- oder Begeh ungsfünden vergangener Zeiten wieder gutzumachen. Der westliche Dauerwald st reifen um das Häuiermeer wird immer schmaler, Stück um Stück wurde niedergelegt, die Proteste der werktätigen Volksschichten verhallten ungchört. Die wundervollen kleinen Seen des ehemaligen Waldgeländes, der Halen-, Hubertus-, Hertha-, Diana- und Königsee sind von prächtigen Dillen umschlossen worden, nur von fern schaut das schönheitshungrige Auge der sonntäglichen Spaziergänger den klaren Wasserspiegel: nicht genug damit — nun werden die Wohnstrotzen der Besitzenden fast bis an den Gruncwaldsee vorgetrieben. Und jetzt, da es fast nichts mehr zu retten gibt, erschöpfen sich die Rechtsparteien in Resolutionen, um bei der Zcntralverwallung die„dauernde Erhaltung aller noch vorhandenen Waldteile" zu ermöglichen!— Und, während das reiche Wilmersdorf früher kein Geld zur Er- richtung eines der Großstadt entsprechenden Kronkenhauses hatte— denn die primitive Behelfseinrich- tung in einem ehemaligen Privathause in der Achenbachsttoße ist eine stete Quelle von Verlegenheiten unh Aergernissen der verschie- dcnsten Art—, machen jene Kreise, die früher die Alleinverfügung über den gefüllten Geldbeutel hatten, sich jetzt zu 5)ütern der sozialen Belange und fordern von Groß-Berlin schnellstens den Bau eines großen Krankenhauses. Aber die Schichten des Proletariats, die auch im„vornehmen" Westen infolge der wirt- schoftlichen Röte zurzeit zisternmäßig ganz anders in die Erscheinung treten als in der Vorkriegszeit, werden erkennen, was sie von diesen Sirenenklängen zu halten haben. Unsere Genossen innerhalb und außerhalb der Bezirkskörperschaftcn hoben«in gutes Gewissen: sie haben von jeher ihre Stimme erhoben stir das Recht der wirt- fchattlich Schwachen, und wenn sie an Zahl zu klein waren, um mit ihren Forderungen im DreiklasseNparlament durchzudringen, so erfüllt es sie mit gerechtem Stolz, daß es nunmehr die Genossen ihrer Weltanschauung sind, die in Groß-Berlin ihre ganze Kraft einsetzen sür eine wahrhaft soziale, den Bedürfnissen der gesamten schaffenden Groß-Berliner Bevölkerung gerecht wer- dende Kommunalpolitik. � Wer im Leben vorwärts kommen will, besuche die Fort- bildungskurse sür Erwachsene. Unter dieiem Motto versucht das Bezirksamt Schöneberg, anschließend an die bisherigen Kurse, den Berufstätigen auch im Vierteljahr April— Juni zu helfen und ver- anstaltet billige Kurse in Gut Deutsch, Französifch, Englisch, Spanisch, Buchführung und Einheitskurzschrift. Sie beginnen in der Woche vom 26. bis 30. April in der Berufsschule, Schöneberg, Mühlenftr. 15. Nähere Auskunft in den Verkaufsstellen: Buch- Handlungen Dobbertin, Haupsttr. 140: Gertrud Sieg-Beuck, Goltz- ftraße 8:„Leck"(Rikolaische Buchhandlung), Rheinstr. 65: Auch- Handlung am Bayerischen Platz£5/14 und bei dem Schulhaus- meifter der Berufsschule, Mühlenftr. 15, sowie an den Anschlag- säulen des Bezirks. Die Wanatskarlen-Hauptausgabestelle der Straßenbahn, Leip- ziger Platz 14. und das Fundbureou in der llrbanstr. 167 bleiben am Sonnabend, dem 16. April(Ostersonnabend), geschlossen. Der Funkturm bleibt anläßlich der heute vormittag 10 Uhr statstindendcn Eröffnung der großen Ausstellung„Das Wochenende" ab heute nur noch für Ausstellungsbesucher zugänglich. Lezlrksbildungsausschuß Groß-verlla. Nächste Theatervorstellung am Sonntag, dem 17. April, nachmittags 3 llfir, in der Voltsbiihne am Bülow- v'ap. Aufgcsührt wird:, F a u st � Der Tragödie erster Teil, von Goethe. Preis der Karte einschliefzlich Kleiderablage und Programm 1,20 M. Karten sind im Theater zu haben. Die neue leichte MtscKuruj; mir dusTkb Aken dar muasten Ernte, frisch mdntpuUcch gibt unserer* G0LD-5ABA-44 köstliches Aroma, bekömmliche Qualität und glatten weißen Brand / GAR BAT Y # Der entlarvte Juwelenräuber. Die iutcrnationale Polizei. Als ein gefährlicher Einbrecher und Räuber entpuppt sich imme'. mehr der Koch cherbert Sandowfki, dessen Juwelenschatz noch immer besonders die amerikanische Kriminalpolizei beschäftigt. Aus New Jork sind jetzt bei der hiesigen Kriminalpolizei mit Finger- abdrücken und anderen Merkmalen weitere Mitteilungen über das Treiben des Schwerverbrechers eingegangen. Sandowfki ist in den verschiedensten Gegenden Amerikas nicht nur unter den Warnen„John Neider",„Wider" und„Lapensit", sondern auch als„John Roman" und„John Rohman" aufgetreten. Er führte stets Schußwaffen bei sich und ist auch wegen Einbruchs mit Waffengewalt bereits bestraft. Sein erster in Amerika aufgedeckter Einbruch fällt in den Oktober des Jahres Illlll. Damals nahm Sandowfki bei einer Familie in Lawrence Stellung als Schlächter an, arbeitete aber nicht länger als 8 Tage und v e r. schwand dann mit Juwelen im Werte von 150 0(10 Dollar. Diese wurden ihm bei seiner Festnahme zum größten Teil wieder abgenommen. Im August des Jahres 1920 versuchte er aus dem Gefängnis zu Clenton auszubrechen, wurde aber gefaßt und erhielt eine Zusatzstrafe von VA Jahren Zuchthaus. Als Fassadenkletterer betätigte er sich in der Nacht zum 30. No- vember 1925 bei einem Mister Taylor auf dessen Besitzung in Mount Kieco, wo gerade die Hochzeit der Haustochter gefeiert worden war. Cr stieg an einer Wand empor und gelangte von einer Säule aus in die Behausung. Die Juwelen, die er dort erbeutete, ge« hören zu denen, die ihm jetzt in Berlin abgenommen worden sind. Durch einen klaren Fingerabdruck an der Säule wurde die Persönlichkeit des Einbrechers festgestellt. Auch an anderen Stellen kundschaftete Sandowfki derartige Gelegenheiten aus. die ihm große Beute in sichere Aussicht stellten. Der Staats- onwalt Rowland aus Witheplains im Staate New Dort kommt jetzt nach Berlin, um sich für weitere Aufklärung persönlich mit Kriminal- kommissar Trettin in Aerbindung zu setzen und zugleich das Aus- lieferungsoerfahren einzuleiten. Er hat sich bereits eingeschifft. Der vorlaute Kavalier. Unliebsames Aussehen erregte kürzlich ein„junger Herr", der mit einer.Dan,«" in einem Kino in der Prenzlauer Allee«ine ganze Loge innehatte. Er kritisierte die Vorstellung und einzelne Bilder so laut, daß man allgemein auf ihn aufmerksam wurde. Der Unwille der übrigen Zuschauer veranlasste endlich den Geschäfts- führe r, einen Schupobeamtcn zu holen, der den Störenfried zur Feststellung seiner Person nach der Wache mitnahm, weil er an Ort und Stell« sich nickst ausweisen wollt«. Dazu hatte der jung« Mann, der tadellos gekleidet war, nur daß ihm der Smoking etwas zu weit war, wie sich bald ergab, alle Veranlassung, denn er ent- puppt« sich als ein g e r i e b e n c r S ch w i n d l e r der seit einem Vierteljahr die Berliner Aerzte heimsuchte. Festgestellt wurde er als ein 17 Jahre alter Willy Hinze aus Berlin, der vor einem halben Jahr aus der Fürsorgeanstalt entwichen war. Cr lockte unter der Vorspiegelung, daß ein Angehöriger schwer er- krankt sei, Aerzte noch irgendeiner Straße hin. Dann kehrte er bald darauf in die Wohnung des Arztes zurück und erbat sich von der Gattin des Arztes angeblich in dessen Auftrag 100 Mark zur Beschaffung einer Lampe oder fönst eines Gegenstandes, der drin- gend gebraucht werde. In einem Falle spiegelte er der Gattin eines Professors vor, daß dieser ihn aus einer Klinik nach Hause ge° schickt habe, um seinen Smoking und ein weißes Hemd zu holen. Der 5)err Professor habe noch eine Operation vorzu- "nehmen und könne nicht mehr nach Hause kommen, um sich für eine Abendveranstaltung umzukleiden. Diesen Smoking trug Hinze, al» er im Kino festgenommen wurde. Der Schwindler verübte seine Streiche in der Woche durchschnittlich drei- bis viermal und erhielt in den allermeisten Fällen auch die er- rn- «n. Sommersprossen M ßFiVilfäX SPWTlCSC'�IZSiiSlKSl gelb« Flecke im(befiehl und an den Händen zu beseitigen durch Bleichen mit «lototrem und RUroseife. Unschädlich und seit Jahren bewährt. Mit genauer Anweisung in allen Chlorodont-Verkaussstcllen zu haben. Heien«, 100 Mark. Mst dem erbeuteten Geld« lebte er stets einen guten Tag und wohnte bald hier, bald da in einem Hotel. Seine „Dame" hatte keine Ahnung, welcher Art ihr„Kavalier" war. Internationales flrbeiter-Schachturnier. Turnierstand am Karfreitag abend: Gruppe A.: G e n e w sk y- afrtv»h 7«(<4-t A r. R fT j ft<4i„ TtaiiHrfz, Rußland 7X, Fischer. Deutschösterreich 6, C z a ch- Deutsch z i g i t i- Deutschösterreich N a g y- Ungarn(lli land 5V:, Dr. S z i „..,,, ag, (und eine Hängeoartie), S u b a r e f f- Rußland 4. F ritsch >c«i 3�, Ragendors- Ungarn 3(1), Schaff- ~-—-•.—— Gruppe B.; Tschechoslowakei„„ a r tz i k- Deutschland 3, Michel- Schweiz 1 Punkt, v.. R o g o s i n- Rußland 8�, P i ck l e r- Ungarn 6%, Lehmann- Rußland 6, T e s l e n k o- Rußland 5K(1), B i s ch o f f- Deutschland 3�5(1), Glasatschoff- Rußland 3%, G r o t h e- Deutschland 3, Osten- Deutschland 2K(2) Punkte, L a l t i n- Lettland. Länderwettkamps: Deutschösterreich(10 Spiele) siegt mit(04 über die Dänen mit 3'/i Punkten. Rußland siegt mit 5% über Deutschland mit 2'/* Punkten, jedoch sind noch zwei Hängepartien auszutragen. Ungarn war spielfrei. Furchtbarer Selbstmord einer Fünfzehnjährigen. Einen schreck- lichen Selbstmord beging die erst 15 Jahre alte Hausgehilfin Anna G erst n er in Saaz, ein armes uneheliches Kind. Sie warf sich vor einen Zug und wurde von einem Manne, der ihre Absicht erkannt aber zu spät Hilfe gebracht hotte, als furchtbar verstümmelte Leiche gefunden. Beide Arme und beide Beine waren vom Rumpfe getrennt. Ehe der Arzt erschien, hatte die Unglückliche ausgelitten. Sie war zuletzt bei vollem Bewußlfein und rief laut nach ihrer Mutter. Das Motiv der Tat ist in Trübsinn zu suchen. Die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger bringt im Interesse der Notstondsaktian für die erwerbslosen Bühnen- angehörigen.Die Wölse" von Romain Roland, Revo- lutionsdrama in drei Akten, heraus. 50 Mitwirkende. Regie: Ober- regisseur Emil Lind. Freitag, den 22. April, abends 8 Uhr, Orpheum. Hasenheide 32/38. Eintrittspreis 0,80 M. Schweres Vergwerksunglück in Amerika. In der Nähe von Oklahoma City hat sich nach einer Meldung aus New Dork ein schweres Bergwertsunglück ereignet, bei dem 21 Per- fönen getötet wurden. ?»leeligiöse Gemeinde. EoNnlaa vormittag II Uhr, Pappelallee lä. Fest. »ortrag des Herrn A. Domden:„Äuterstehung". Harmonium:«Die Himmel rühmen"(Deelhoven). Gaste willkommen. „Die»hufilalüchen Grundlage» der Rarelauäle" lautet da» Thema de» Vortrage-, den Prof. Dr. L. 8 e n d e r. Basel IN der Treptow-Sternwarte am Mittwoch, 20. April, abend» 8 Uhr. im„Verein von Freunden der Treptow, Sternwarte" unter Vorführung von Lichtbildern halt. Gaste haben gegen Lösung einer starte Zutritt. Nach den vier Wagner-Sonntagen, die im Zeichen des„Rings" standen, brachte nun der stille Freitag vor Ostern noch das Bühnen- weihfeftspiel„Parsifal". Diese Häufung von Wagner-Werken gerade an solchen Tagen, die dem arbeitenden Publikum Muße für den Rundfunk geben und daher grundsätzlich gestaltet werden müßten, ist vielleicht zu bedauern. Die gesetzliche Porschnft, am Karfreitag nur ernste Darbietungen zu geben, hätte sich auch bei einem ab- wechslungsreicheren Tagesprogramm erfüllen lassen. So aber blieben die Funkteilnehmer, die auf die kirchlich« Morgenandacht verzichteten und die für das schwere Wagner-Werk kein Verständnis aufbringen konnten, den ganzen Tag ohne Rundfunk. Die Aufsührung des Fest- spiel? ist in technischer Hinsicht sehr geglückt. Chor und Orchester klangen ausgezeichnet einheitlich und behielten auch stets das richtige Klangverhältnis zu den Solostimmen. Barbara K e m p als Kundry bewies sich wieder als treffliche Funksängerin. Ihre kultivierte Stinime kommt vor dem Mikrophon fast noch besser als auf der Bühne zur Geltung. Fritz S o o t war ein stimmlich recht zusriedenstellender Parsifal, auch die übrigen Mitwirkenden ver- dienten alles Lob. Generalmusikdirektor Prosesior Dr. Max von Schillings leitete wie an den übrigen Wagner-Abcnden das Funkorchester. te». Fährschiffe Deutschland— Schweden. Zur Förderung des Ausflugverkehrs zwischen Deutschland und Schweden haben die Deutsche Reichsbahngesellschast und die Scbwedischcn Staatsbahnen aus der Fährstrecke Saßnitz-Hafen— Trälleborg dreitägige Rückfahrkarten Saßnitz— Trälleborg zum«infachen Fahrpreis— 1./2. Klasse 18 M. und 3. Klasse 12 M.— in Saßnitz und aus den deutschen und schwedische?, Fährschiffen eingeführt. Die Karten gelten für die Hinfahrt ob Saßnin um IS.Iö Uhr oder 2.05 Uhr. für die Rückfahrt ab Trälleborg am 3. Tage, letzte Fährfahrt um 22,58 Uhr. Die ermäßigten Fahrkarten werden an allen Tagen bis Ende September ausgegeben. Zu Ostern gelten die Karten vom 15. April(Karfreitag) b,s zum 18. April. Die Ursache des Zustzusammenstoßes in Brünn. Die kommisstonellcn Erhebungen der Generalinspektion des Eisenbahnministcriums über das Eisenbahnunglück ,m Brunner Hauptbahnhos sind beendet und haben ein überraschendes Ergebnis insofern gehabt, als die Annahme, der Zugführer des Zuges von Austerlitz hätte durch seine Nachlässigkeit den Zusammenstoß ver- schuldet, nicht bewiesen ist. Die Hauptschuld an dem Unglück lrägt die Unzulänglichkeit der Anlage des Brünncr Hauptbahnhofes. Bon den Jnspeltionsorganen wurde sestgestellt, da.z der Zugführer das Halt-Signal von seinem Platz auf der Lokomotive aus nicht sehen konnte.__ Bora Schneesturm überrascht. In der Röhe der Station G j e i l o der Bergen-Bahn wurden nach einer Meldung aus Oslo fünf low rjsten von einem Schneesturm überrascht. Zwei der jungen Leute konnten nur noch als Leichen geborgen werden, die übrigen wurden in gänzlich ermattetem Zustand aufgefunden. Scheintot begraben. Wie aus Belgrad berichtet wird, wurde bei Aushebung eines neuen Grabes aus einem Dorfsriedhof der Insel Brazzo die Entdeckung gemocht, daß vor Jahresfrist ein che i n t o t e r Bauer begraben wurde. Die Leiche wurde in zu- ammengekauerter Haltung anfgesunden. Nachforschungen ergaben, >aß Dorfbewohner mehrere Tage lang nach dem damaligen Begrab- nis R u f e und Stöhnen aus dem Grabe gehört, aber aus Furcht und Aberglauben nichts unternommen haben. V* « � O.S.81 WRIGLEY AG. frankfürt EXPRESS 5TUBEN EUROPAHAUS KÖNIGGRÄTZER-STRASSE„8/1,9 KAFFEE AUS ORIGINAL- EXPRESSO" MASCHIN EN KUCHEN oder TORTE 25i5 V0R2UGL. EIS mit SAHNE 46-4 OSCREME-SODAFÖNTAINE WüMMMeiN-Ve« Für die Beilragszahlung ist da» Bureau vom 12. April ad nur noch Freitag- und Montag» bis 7 Uhr abend» geöffnet. An allen Übrigen Tagen, auch«»»». abend», werden die Bnreauränme um « Uhr geschlossen.« fV Der vsterfetertage wegen bleiben untere Bureau» heute Freitag, den id., Sonnabend, den 18. und Montag, den 18. April, geschlossen. Mrtmg! MellMvkMe älE: Sonnabend, den 1«. April(Oster- fonnabend). nachm. S Uhr. im„Bolen- »Haler Hof-, Bosenthoier Str. 11,12 Sw- Versammlung aller außerhalb auf Montage befindlichen Kollegen der Metall- industrie. Die Tage.orbnung wird in der Versammlung betanntgegebe». Mitgliedsbuch legitimieri. Da» Erscheinen aller Monieure erwarter. Verkäufe Trotz Zeilzahlung sofort Ninderwagen, Klappwaaen. flindeeb-Iten. Metallbetten. Korbmöbel. Dall lbrotze Frantkurtee- Ii ratze 47.___________________• Klappsportwageo, Kinderwagen, Mo. tallbetten mit Polfterauflage 16,50, Ruhebetten, Kinderbetten. Rieseilaus- wahl. Ratenzahlung. Spezialgeschaft, Schönhauser Allee 5, Schönhauser Tor.* Tafelwagen, Dezimalwagen, Gewichte preiswert. Georg Wagner, Köpenickrr. strage nne 71, Hof. Kein Laden, dafür billigere Preise. /sselcieutungzzlütite, Flldthe uia Billig, trotzdem auf Teilzahlung. HeerenoeNeidung, Damenbetlerdung, Wasche, Sardinen, Tischdecke», Diwan, decken usw. 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