Nr.lSI ♦ 4».?ah?a. Ausgabe A Nr. 92 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Mennia, monatlich S- Reichsmarl voraus jaiilbac. Unter Kreuzband für Deutschland. Dcnzia. Saar- und Mcmelaebiet Oeiicrreich� Litauen. Lurembur« 4,50 Zieichsmark, für das ildriae Ausland S.Zi> Reichsmark pro Monat. Der»Vorwärts' mit der illustrier. UN Sonntagsbeilage»Volk und Zeif loroie den Beilagen»Unterhaltung uns Wissen'.»Aus der Silmroclf, »sscaucnftimme*.»Der Kinder- freund"...Iugend-Vorwärts' und »Blick in die Bücherwelt" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adressr: »Sozialdemokrat verlin" Sonntagsausgabe Derliner Volksblettt �1S Pfennig� Anzeigenpreise: Sie«inivaltige Ronvareille- zcile 80 Dfenni». ReNamezeile 5,— Reichsmark.»Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 25 Pfennig szuläfstg zwei lettaedrucktc Wort«). jedes wettere Wort 12 Pfrnnia. Stellengesuche das erste Wort Ui Pfennig, jedes weitere Wort ist Pfennig. Worte über 1b Buch» staben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt steile 50 Pfennig. isamilienanzeigen für Abonnenten steile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Rummer müssen bis eii Uhr nachmittags im Sauvtaeschäft, Berlin SW 58. Linde». strafte 3. abgegeben werden. Seäsfne! von SM Uhr früh bis b Uhr nachm. Zentralorgan der Bozialdemokratifcben Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: ö erlin SW. H8, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Sonntag, den 17. April 1937 vorwarts-verlag G.m.b.H., öerlin SW. b8, Lindenstr.Z Postscheckkonto: Berlin 37 53«— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellte» and Beamten Wallftr. 55: Diskoata-Sesellschaft. D-»osttcnkasse Liadensir. 3. Der Sieg des Gebens. Von Elnrn Bohrn�SGuG. Auferstehung! Sieg des Lebens, in brausenden Akkorden und holden Syymphonien verkündet. Alles um uns drängt zu neuem Vlühen, zum Licht, zur Schönheit. Nun muß die Hoffnung auch das verzagteste Menschenherz erhellen und Sehnsucht nach neuem Menschentum auch aus verschütteten Bronnen steigen. In diese Zeit legte die christliche Kirche ihr Osterfest. Ein heiliges Symbol richtete sie auf: das zermarterte, verhöhnte, zeriretene Menschentum, verkörpert in einem Menschen, muß den Leidensweg gehen bis zum Kreuz. Muß den schmachvollen Tod erleiden, an Gott und Welt verzweifelnd, um am dritten Tage aufzuerstehen zu neuem, sieghaftem Leben.„Friede sei mit euch!" grüßt Jesus feine furchtsamen und mutlosen Jünger, aber am fünfzigsten Tage nach Ostern verläßt er diese Erde, um das auferstandene Menschentum, das„ewige Leben" in den Himmel zu retten. So hat es die Kirche immer oerstanden, mit menschlichsten Symbolen die Menschen zu gewinnen. Ihre Sehnsucht nach Erlösung in den Glauben an das göttliche Wunder abzulenken und ihre Hoffnung auf den Himmel zu verweisen.„Friede seit mit euch!" grüßt auch sie die Armen und Leidvollen, aber es ist kein Gruß der Gerechtigkeit, der Gleichberechtigung aller zur Teilnahme an den Kulturgütern friedlicher Entwicklung: es ist kein Gruß zum Schutze des heiligen Menschenlebens. Es ist nur die Mahnung zum Stillesein, zur Zufriedenheit im irdischen Kampf, zum Tragen und Entsagen, weil nach diesem Leben der himmlische Friede winke. Die arbeitende Menschheit geht noch immer den Weg gen Golgatha. Ihre Schädelstätte heißt: Kapitalismus: ihr Kreuz: Krieg, Arbeitslosigkeit, Ausbeutung, Not! Was hat die christliche Kirche getan, um diesem Elend abzuhelfen? Die Mahnung zur Gedlud, die Tröstung auf den Himmel ist keine Hilfe. Viele Menschen mag sie dazu bringen, ihr hartes Dasein besser zu ertragen, aber die Ursachen des menschlichen Niederganges hat sie damit keinen Schritt zurückgedrängt. Man könnte im Gegenteil sagen, sie hat die Unterdrücker nur noch mutwilliger und rücksichtsloser gemacht, weil sie sich unter dem Schutz der Kirche sicher fühlen. In keinem Lande kämpft die Kirche für das R e ch t der Armen und in Deutschland gar hat sie sich mit den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Feinden der besitzlosen Volksmassen verbündet, zum Kampf gegen den sozialen und kulturellen Aufftieg dieser Massen. So macht sie ihr Erlösungssymbol selber zum Spott, tanzt um das goldene Kalb und betet die Macht an. Deni, der die Wahrheit sagt, der für Gerechtigkeit und Glück auf Erden mut- voll eintritt, schallt von der Kirche und ihren Verbündeten auch heute noch das: kreuzige, kreuzige ihn! Um. so lauter soll u n s e r Ostergruß erklingen. Wir rufen zum Kampf gegen alle' Unterdrücker des Menschentums: weil wir den Frieden der Menschheit wollen. Durch den letzten Krieg ist für alle Götzendiener am Gelde der arbeitende Mensch und sein Leben noch wertloser geworden und darum fordern w i r mehr als je die Anerkennung der menschlichen Arbeitskraft als des höchsten Kullurwertes. Dar- um verlangen wir ihren Schutz vor allem in einer Arbeits- zeit, die noch Raum läßt für die Freude an dem Werden und Blühen der Natur, an dem Genuß unvergänglicher Kunst- schöpfungen. Die dem arbeitenden Menschen die Möglichkeit gibt, seinen Geist zu schulen an den Werken großer Denker, sein Wissen zu bereichern an den Fortschritten der Wissenschaft und Technik, um mit diesen Werten der Entwicklung des Menschentums zu dienen. Wir fordern Arbeit für alle, die Kraft und Willen zur Arbeit haben. Es ist die Vankerotterklärung der kapi- talistifchen Wirtschaft, daß sie Millionen Hände und Hirne, die unermeßliche Werte schaffen könnten, nicht beschäftigen kann: daß sie damit diese Millionen gleichzeitig als Ver- braucher ausschaltet. Um so hartnäckiger wehrt sie sich gegen ihre Ueberwindung durch den Sozialismus.- Sammelt Mil- liarden Goldreserven und geht kalt-hohnend vorbei an der Not der Arbeitslosen, an dem körperlichen und moralischen Unter- gang taulender alter und junger Menschen. Im Deutschen Reichstag haben die Interessenvertretcr des Kapitalismus die Mehrheit und seitdem e� ihnen gelungen ist, ihre Bürgerblockregierung zusammenzubringen, zeigen sie in der Gesetzgebung rücksichtslos ihre Macht. Haben wir es nicht erlebt, wie das A r b e i t s z e i t n o t g e s e tz nur versucht, der bedrängten kapitalistischen Wirtschaft Hilfe zu bringen auf Kosten der Arbeiterschaft? Haben wir nicht den Entwurf einer Arbeitslosenversicherung kennen gelernt, deren Unterstützungssätze ein Hohn auf alle menschlichen Bedürfnisse sind? Haben wir es nicht erlebt, daß für die Speisung hungernder Kinder gehandelt und gefeilscht wurde zuerst um fünf, dann um eine Million, während aus den Erträgnissen der B i e r st e u e r den süddeutschen Ländern jährlich über 4V Millionen zufließen werden, um auf diese Weise zu noch stärkerem Bierkonsum anzuregen? In dem Entscheidungskampfe zwischen kapitalistischer und sozialistischer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung sind den Kapitalvertretern alle Mittel recht, die das Volk wehrlos machen. Hunger, Verzweiflung, Alkohol sind ihnen gute Helfer. Und sollten die Hungernden revoltieren, so sind Soldaten und Maschinengewehre da, denn für m i l i- tärische Zwecke sind vom Bürgerblock ja 6 9 0 Mil» lionen Mark bewilligt worden. Deutschland ist entwaff- net für einen Krieg nach außen: seine hunderttausend Mann sollen und können nichts anderes als Grenzschutz sein. Aber sicher würde die Bürgerblockregierung nicht zögern, sie auch als inneres Heer zu verwenden. Der Ostergruß: Friede seit mit euch! gilt für die kapi- talistische Weltordnung nicht. Europa muß besorgt sein um den Frieden und Asien steht in Flammen. Ita- liens Mussolini sucht die Gelegenheit zu kriegerischem Ruhm: seine Idee der Gewaltherrschaft geht heute gefährlicher um als je in den Iahren nach deni Kriege: Frankreich hat die gesetzliche Grundlage zum Heresdienst des ganzen Volkes geschaffen: England ist an dem chinesischen Krieg beteiligt und Rußland, die stärkste Heeresmacht Europas, steht wartend daneben. Wo ist die endliche Erlösung von dieser Kriegsgefahr, die sich immer wieder in den Unsicherheiten und Schwankungen des Wirtschaftslebens auswirkt und damit wieder die Arbeiterschaft am schwersten trifft? Die vorbereitende Abrüstungskommission des Völkerbundes, die jetzt in Genf getagt hat, ist ziemlich ergeb- nislos verlaufen. Kein Staat will sein Kriegsmaterial be- schränken(wie Deutschland es beantragte, weil wir nichts haben, das ins Gewicht fiele), höchstens die Rüstungsaus- gaben. Das ist wenig in einer Zeit drohender Gefahr. Der Völkerbund ist sicher ein Schritt zur friedlichen Verständigung der Völker, aber die Erlösung von Kriegsgefahr und ihren unheilvollen Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben ist er nicht. Die arbeitende Menschheit kann sich nur selbst erlösen. Als Erzieherinnen der neuen Generation sind vor allem wir Frauen und Mütter berufen, an dem hohen Werk zu helfen. Selber durchdrungen von der welterlösenden Idee des Sozia- lismus, müssen wir unsere Kinder zu denkenden, verantwor- tungsvollen und freien Menschen heranwachsen lassen, die sich so gegen jede Unterdrückung auflehnen, wie sie selber niemand unterdrücken. So stolz und frei sollen sich die neuen Menschen entwickeln, daß ihnen jede Gewaltanwendung verächtlich ist. Das erfordert viel Mut und sittliche Größe, aber nur in un- beirrbarer Selbstbeherrschung wachsen ganze Sozialisten, die gewillt und fähig sind, die Verantwortung am eigenen Volk und Staat, an Menschheit und Welt zu tragen. Der Menschheit Ostertag muß kommen. Wir schwer und dunkel die Zeit auch ist, wir haben dennoch den Mut und die Kraft, an die Erlösung durch den Sozialismus zu glauben, weil wir sie w o l l e n! i33lad)t ernst mit dem Frieden! Von Ludolf BreitsGeid. Die Freude am Osterfest wird nicht nur durch die Vorgänge in der inneren Politik, sondern auch durch die Geschehnisse auf internationalem Gebiet einigermaßen getrübt. Auch diesmal müssen wir unsere Zweifel der Botschaft der Engel entgegensetzen: „Christ ist erstanden! Freude dem Sterblichen, Den die verderblichen Schleichenden, erblichen Mängel umwanden." Die verderblichen, schleichenden, erblichen Mängel sind nicht von uns genommen. Der Menschheit großer Auferstehungstag scheint noch sehr fern. Selbst die fürchterlichsten Erlebnisse des Weltkriegs haben die große Erneuerung nicht gebracht, wenn auch mancherlei Ansätze zu einer Umgestaltung vorhanden sein mögen. In Ostasien ist Krieg wieder das Losungswort, über dem Balkan hängt eine Konfliktswolke, die dem Frieden Europas gefährlich werden kann, die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich macht in der letzten Zeit kaum Fortschritte, und in G e n f sieht es mit dem Versuch, eine der wesentlichsten Vorbedingungen für die A u f r e ch t e r h a l- tung des Friedens durch die allgemeine Einschränkung der Rüstungen zu schaffen, übel genug aus, obwohl ein Scheitern der vorbereitenden Konferenz durch den uncrmüd- lichen Eifer und die Geschicklichkeit unseres belgischen Genossen de Broucküre noch einmal verhindert worden ist. Gerade diese Schwierigkeiten von Genf sind geeignet, uns am schwersten zu bedrücken, denn die Hoffnung bestand, daß mit den unerhörten Opfern des Krieges zum wenigsten die Verringerung der Rüstungslast erkauft worden sei. Last im Sinne der finanziellen sowohl wie der mora- lischen Bürde. Und auch als zunächst nur die Entwaffnung der Besiegten vorgenommen wurde, schwand der Glaube an eine bessere Zukunft noch nicht, �umal da sich im Völkerbunds- statut die Bundesmitglieder zu dem Grundsatz bekannt hatten, daß die Aufrechterhaltung des Friedens eine Herabsetzung der nationalen Rüstungen auf das Mindestmaß erfordere, das mit der nationalen Sicherheit und mit der Erzwingung inter- nationaler Verpflichtungen durch gemeinschaftliches Vorgehen vereinbar sei. Eine internationale Abrüstungskommission wurde eingesetzt, ein vorbereitender Ausschuß sollte die Grund- lagen für ihre Arbeiten schaffen, Unterausschüsse verhandelten und verhandelten, aber bisheuteistsogutwienichts erreicht! Ueber keinen der wesentlichen Punkte ist eine Einigung erzielt, um die Methoden wird ein lebhafter Kampf geführt, These steht gegen These, die Vertreter der verschiede- neu Regierungen beharren jeder auf ihrem Schein, und es gehört ein gewaltiger Optimismus dazu anzunehmen, daß auf der entscheidenden Konkerenz eine Uebereinstimmung über mehr erzielt werden könne, als über in ihrer Allgemeinheit nichtssagende Formeln. Auf die Streitfragen im einzelnen soll hier nicht ein- gegangen werden. Es handelt sich sicher um ernste und schwierig zu lösende Probleme, und niemand wird verkennen, daß hier eine Aufgabe gestellt ist, die nicht im Handumdrehen erledigt werden kann. Soll man die militärischen Ausgaben beschränken oder die Effektivbestände verringern? Sollen die Reservestreitkräfte mitberücksichtigt werden, und wie? Auf welche Art sollen die Seerüstungen behandelt werden? Ist eine internationale Kontrolle möglich und erträglich? Das alles sind Fragen, die eine umständliche und tiefgreifende Diskussion erfordern. Aber leider läßt sich der Eindruck nicht abweisen, als ob die Verschiedenheit der Auffassungen über den einzuschlagenden Weg nicht zuletzt deshalb eine so große Rolle spielt, weil es an dem gutenundentscheiden- d e n W i l l e n f e h l t, zu einem Ergebnis zu gelangen. Nur die Waffen in der Hand des anderen sind bedenklich, die eigenen dienen ausschließlich der nationalen Sicherheit. Im Verlauf der langwierigen und unerquicklichen Ver- Handlungen ist einmal auch ein Wort gesprochen, das deutlich genug den Wunsch verrät, die Behandlung des ganzen Themas einstweilen hinauszuschieben. Es wurde gesagt, daß die Abrüstung nicht am Anfang, sondern am Ende stehe. Zuerst müßten die Nationen zu einer allgemeinen Verständigung gekommen sein, die ihnen die Furcht vor einem Angriff des Nachbarn nehmen, dann erst sei der Moment gekommen, den Nüstungspanzer abzulegen. Ist eine solche Ansicht stichhaltig? Gewiß soll das Ber- ständigungswerk noch ausgebaut werden, aber der Wert aller Vertrüge wird beeinträchtigt, wenn das gegenseitige Miß- trauen fortbesteht, und das Mißtrauen des einen erhält seine stärkste Nahrung aus der militärischen Stärke des anderen. Wir machen uns wirklich das verhängnisvolle Wort nicht zu eigen, nach dem Verträge nur Fetzen Papier seien, aber die Grundlag« internationale� Abkommen muß doch die Ueber- zeugung sein, daß der Partner nicht gewillt ist, an die Gewalt zu appellieren, und diese Ueberzeugung wird so lange auf schwachen Füßen stehen, als er sich der Mittel zur Gewalt- anwendung nicht entäußert. Rüstungen bedeuten nicht ohne weiteres Krieg, aber sie sind eine Gefahr für die Aufrechterhaliung des Friedens. Ein Heer, das sich stark genug fühlt, bat das Streben, sich im..Ernstfall" zu bewähren. Der Offisisr wird der Manöver und Paraden überdrüssig, er will Karriere und Lorbeeren. Der unzufriedene Mili- t a r i s m u s drüiki Staatsmänner und Diplomaten an die Wand. Die Erfahrungen aus den Jahren vor ISI-l sollten uns warnen. Das uns ani meisten naheliegende Argument gegen die Zurückstellung der Abrüstung hinter die Verständigung bietet aber Deutschland. Wir haben gemäß dem Versailler Vertrag entwaffnet, wir haben das Lacarno- abkommen unterzeichnet» wir haben Schiedsoer- träge mit Frankreich, Belgien, Polen, der Tschechoslowakei und einer ganzen Reihe anderer Staaten geschlossen, und trotz- dem sehen wir keine Rückwirkungen bei unseren Nachbarn, insonderheit nicht bei den Franzosen, die zu allem Ueberfluß daran gehen wollten, ihre gegen Deutschland gerich- teten Ostfestungen zu verstärken. Man mag einwenden, daß man nicht an den ernsten Friedenswillen zum mindesten eines Teils des deutschen Volkes glaube, aber gerade der Verzicht auf die Ausführung des Artikels 8 des Völkerbundsstatuts wird die Berständi- gungsgeneigtheit der bisher Widerstrebenden nicht erhöhen. Wir brauchen nur einen Blick in die Rechtspresse zu tun. Deutschland, so schreibt die„Kreu.zzeitung", werde sich die Frage vorlegen. ,ob es sich noch länger am Narrenseile l)er- umführen lassen und nochjänger einer Institution angehören wolle, die ihren eigenen Satzungen diametral zuwiderhandle. Die„Hamburger Nachrichten" verlangen Ausgeben der bis- üerigen Zurückyallung und atlives Vorgehen, und andere Organe der Deutschnationalsn reden eine ähnliche Sprache. Die übrigen Mächte müssen sich in der Tai darüber klar werden, daß Deutschlandnichtdauernd in seiner gegenwärtigen Ausnahmestellung gehalten werden kann. Rüsten die anderen nicht ab, so wird sich bei uns im Lande die Bewegung zugunsten einer Aufrüstung verstärken. Das Versagen der Genfer Konferenz würde auch rmseren Machipolitikern Wasser auf die Mühle liefern. Das wäre verhängnisvoll, aber noch bedenklicher scheinen uns die Folgen zu sein, die ein Fiasko für den Völkerbund als solchen nach sich ziehen würde. Wenn der Artikel 8 leere Deklamation bleibt, dann muß das Vertrauen zu der ganzen Institution aufs schwerste erschüttert werden. Was sie dann nach leisten kann, wird sich nicht über Halbheiten er» heben Wer daher den Völkerbund will, muß die baldige Ein- lösung der bei seiner Gründung gegebenen Zusicherungen wollen. Aber sie werden nur zu erlangen sein, wenn sich die Rationen selber der Sache mehr als bisher annehmen und ihre Regierungen vorwärts treiben. Was in Genf monatelang unter der Finna von Sachverständigen �ufammengesessen hat, Generale und Admirale, das waren S a ch v e r st ä n d i g e für Rüstung, aber nicht für Abrüstung, und die Kabinette stehen ihrerseits zum großen Teil unter dem Ein- fluß von Interessenten der Waffenfabrikation und der Waffen- Verwendung. Die Völker, und nicht zuletzt die arbeitenden Massen müssen die„Experten" beiseite drängen und ihrem Willen nach Befreiung von dem Albdruck des bewaffneten Friedens deutlichen Ausdruck geben. Hier ist eine der dringlichsten Aufgaben der politischen und gewerkschaftlichen Internationale. Verfassung, wie ich sie auffasse. €?in Geständnis zur schwarzblauen Pcrsonalpolitik. Die„K r e u z e i t u n g" schreibt in der Verteidigung des Beamtenschubs im Reichsinnenministerium die folgenden Sätze: „Nun handelt es sich aber bei der Besetzung der beiden Mtmsterialdirettorposten im Reichsministerium des Innern gerade um zwei Stellen, die, man möchte sagen, in Rücksicht auf das Schul- g e f e tz, wie auch auf die Verlängerung des Republik- fchutzgefetzes und anderer Lerfaffungsfragen aktuell politisch sind. Daß jedoch der sozialdemokratische Staatssekretär Schulz nicht in der Lage ist. ein S ch u l g e s c tz zu entwerfen, das den Wünschen des Zentrums und der Deutsch- nationalen entspricht, liegt doch auf der Hand, und daß ein ganz linksstehender Ministerialdirektor wie Herr Brecht nicht Ber- »assungsfragen ini Sinne der jetzigen Re- gierungskoalition erledigen kann, wenn er sich nicht selbst verleugnen will, ist doch asienbar." Da haben wir das Geständnis der Politisierung der Lemter. Mehr noch: die Verfassung ist die Verfassung, sie ist Grundgesetz, und es soll an ihr nicht gedreht und gedeutelt werden noch dem Motto: wie ich sie auffasse. Verfassungs- fragen müssen im Sinne der Verfassung erledigt werden, nicht im Sinne der Deutschnationalen! Herr v. K a m e k e ober, der neue Leiter der Verfassungsabteilung, soll sie nach dem Geständnis der„Kreuzzeitung" unter parteipolitischem Gesichtspunkte behandeln. Was heißt es denn, Verfassungsfragen„im Sinne der jetzigen Regierungskoalition erledigen? Heißt das in jenem Geiste, der" Herrn v. Keudell von der Souveränität der Länder reden ließ? Haben die Deutschnationalen den Eid auf die Verfassung geleistet mit dem Vorbehalt: wie ich sie auffasse? Wird sie Herr v. K a m e k e im Geiste eines Iohan- niter-Ehrenritters auffassen, und Herr v. K e u d c ll im Geiste eines Kapp-Landrates? Der reaktionäre Charakter der schwarzblauen Personal- Politik konnte nicht stärker unterstrichen werden. wieöer MilltärkontroUe? Neue Meinungsverschiedenheit. Seit 3!. Januar ist die Militärkonirolle über Deutschland benbet. Den Ententebotschofteii in Berlin wurden von ihren Regierungen militärische Sachverständige zugeteilt, mit denen in letzter Zeit insbesondere über die Schleifung der O st f« st u n g e n verhandelt worden ist. Die Alliierten haben ver- langt, daß die Sachverständigen die Du r ch f ü h r u n g der letzten Enlwaffnungsllaufeln an Ort und Stelle überwachen könnten. Im Gegensatz hierzu erklärt die Reichsregierung, daß sie zwar verpflichtet sei, die Ententeregieningen von dem Gang der, Entfesti- gungsarbeiten zu unterrichten, aber keineswegs die Neuein- führung des mit dem öl. Januar abgelaufenen unerträglichen Zustande? zu dulden brauche. Der Wortlaut des Genfer Protv- tolle gibt der Reichsregierung anscheinend recht. das Steuerunrecht ües Sürgerblocks. Württemberg zieht die Schlußfolgerung. Sluttgark, 16. April.(Eigener Drahtbericht.) D e finanzielle» Zuwendungen des Reiches m> die süddeutschen Staate» auf Grund des Bierfteuergeseges haben, wie zu, erwarten war, nur dazu bei- Zur Volksbühnen-„Krise". Eine Erwiderung an Toller von S. Zlestriepke. In der Karsreitagnummer des„Vorwärts" hat Ernst Toller sich zur„Volksbühnenkrise" geäußert. Dankenswert ruhig und sachlich. Aber deshalb noch nicht überzeuaend. In der„Desavvuierung" Piscatvrs durch den Vorstand der Volksbühne sieht er im Einverständnis mit einem Mitarbeiter der „Germania" eine„grobe Ungehörigkeit", denn es sei eine„öffentliche Pflichtverletzung" gewesen, daß der Vorstand sich nicht schon während der Proben von der Inszenierung des Welkfchen Stückes überzeugt habe. Nun, in Wirklichkeit liegen die Dinge doch so: Es ist nicht die Ausgabe de» Vorstandes, sich in den inneren Betrieb des Theaters hineinzumischen und etwa Proben zu kontrollieren. Das würde sich auch kauni ein Künstler gefallen lassen. Don einer„Pflichtocr- fäumnis" kann also keine Rede sein. Daß der Vorstand die Hmeintragung einer parteipolitischen Propaganda in die angenommenen Werke durch hinzugedichtete Filmstreifen und ähnliche „Einlagen" nicht wünsche, war Herrn Piscator zur Ge- nügc bekannt. Er Hot trotzdem das, was ihm schon einmal verwehrt worden war, gewagt. Es lag also für den Vorstand durchaus kein Anlaß vor. besonders zarte Rücksicht auf Piscator zu nehmen. Aber wenn der Vorstand gegen seine Inszenierung des „Gewitters über Gottland" öffentlich Stellung nahm, so gewiß nicht, um Piecotor zu ärgern oder bloßzustellen. Sondern— in voller Anerkennung der künstlerischen Fähigkeiten Piscators— lediglich deshalb, weil tatsächlich durch sein Vorgehen eine Dichtung ver- gcwoltigt, ein wichtiges Prinzip der Volksbühne verletzt und die dringende Gefahr heraufbeschworen war. daß die Volksbühne— bei einem Stillschweigen der verantwortlichen Leitung— in ihren Grunds« st en erschüttert würde. Toller möchte es so darstellen, als ob der Vorstand der Tradition der Volksbühne entgegengehandelt habe, indem er die Ueberpartcilich- keil der Volksbühne in Schutz nahm gegen den Piscatorsche» Versuch, ein Stück ohne innere Notwendigkeit für eine aufdringliche parte!- politische Propaganda auszuschlachten. Aber dann kennt Toller die Geschichte der Volksbühne schlecht. Die Ideen des russischen Proletkult, mit denen sich Piscator eng verwachsen fühlt, sind der Berliner Volksbühne immer fremd gewesen. Gewiß. sie sah stets ihre Aufgabe darin, den arbeitenden Masse» in ihrem Ringen um Befreiung und Ausstieg beizustehen. Aber nicht durch das willkürliche Hineintragen einer Klassenkampfpropaganda in die zur Aufführung kommenden Kunstwerke, und nicht durch einseitige Pflege einer bestimmten Tendenzdramatik. Der Spielplan der Volksbühne war von allem Anfangs an bestrebt, der Zuhörerfchajt alles nahe zu bringen, was an großer und lebendiger Dichtung vorhanden war, — selbstverständlich unter gebührender Berücksichtigung der in den Ideen der Zeit wurzelnden Dichtung. Ganz im Sinne dieser Tradition hat auch der derzeitige Vorstand der Volksbühne jederzeit sein Amt aufgefaßt. Er hat sich'wahrhoftlz nie gescheut, Werke auszuführen, in denen. eine starke, auch"eine ganz klare„revolutionäre" Gesinnung ihren künstlerischen Ausdruck fand,(Denu wenn er auch kein einseitig für eine bestimmte Parteiaussassung festgelegtes Theater will, so weiß er selbstverständlich, daß große Kunstwerke auch immer mehr oder weniger in einer bestimmten Gesinnung wurzeln, und ihren Wert vielleicht gerade dadurch haben, daß sie auch in ihnen zum Ausdruck kommt.) Der Vorstand ist sogar ernsthaft immer bemüht gewesen, neue Werke ausfindig zu machen, in denen— trotz fehlender Reife und Ausgeglichenheit— Zeitprobleme gestaltet wurden. Er hat sich keineswegs gescheut, dabei die Spießbürgerlichkeit gewisser Mitglieder- kreise(proletarischer wie nichtproletarischcr!) vor den Kopf zu stoßen. Aber allerdings konnte der Vorstand der Aufführung von Werken immer nur dann zustimmen, wenn es sich um Dokumente künstle- rischcn Könnens handelte, und selbstverständlich durfte er über der Pflege der jüngeren Dichtung die Pflege der älteren, heute noch lebendigen Dramatik�nicht vergessen. Es ist eine völlige Verdrehung des Sachver- Halts, wenn es heute vielfach so hingestellt wird, als ob der Vorstand der Volksbühne ein Hort reaktionärer Tendenzen wäre. während die.Opposition" dafür kämpfe, daß„auch" die junge, aus den sozialen und politischen Erschütterungen der Zeit schöpfende Dichtung neben den älteren Werken zu Worte komme. Der Vor- stand der Volksbühne steht durchaus auf dem Standpunkt, daß jene „Zeitdichtung" zu pflegen ist. Aber wogegen er angehen muß, das sind die Forderungen gewisier Kreise, Werke wie Shakespeares „Lear", Strindbergs„Traumspiel" und ähnliche mehr als„unzeit- gemäß" aus dem Spietplan zu verbannen und diesen ganz in den Dienst einer oft künstlerisch mehr als problematischen politisch- sozialen Tendenzdichtung zu stellen. Wogegen er sich wehren muß, ist vollends die willkürliche Zurechistutzung von Dichtungen, damit sie dem Pitblikum eine bestimmte politische Tendenz vorführen. Wenn der Vorstand der Volksbühne sich gegen solche Zumutun- gen wendet, so tut er das weiß Gott nicht bloß aus„Rücksichtnahme auf den bürgerlichen Teil des Publikums", wie es bei Toller heißt. Er weiß— und die Abstimmungen in der Ordner- wie Delegierten- Versammlung des Vereins hoben es erneut handgreiflich bewiesen—, daß er bei dieser Stellungnahme zumindest auch neun Zehntel der proletarischen Mitglieder hinter sich hat. Er weiß, daß der .Leitdichtung" auch nur so bei den Massen Doden zu erobern ist: wollte er anders handeln,— es würde bald überhaupt keine Möglich- keit mehr vorhanden fein, ein.Zeitstück" zu spielen, weil das Publi- kum auf und davon wäre. Darüber hinaus aber handelt es sich um eine Ueberzeugung— die Ueberzeugung von Menschen, die in ihrem Herzen sicher hundertmal so stark den Willen der proletarischen Massen um eine gesellschaslliche Umordnung mitempfinden, wie die Freunde Piscators im„Berliner Börsen-Courier" und an ähnlichen Stellen, daß die um ihren Ausstieg kämpfenden Schichten auch jene gewaltigen Bildungswerke brauchen, die in Hunderten älterer Werke lebendig sind, selbst wenn diese nicht zu aktuellen Zsitproblemen Stellung nehmen und keine politisch-revolulionäre Tendenz predigen. Die Voltsbühne Hot keine Erziehungsanstalt für Politiker mit be- stimmtsr Richtung zu fein, sie soll vor allem den Menschen bilden, der dann auch als Politiker schon seine Pflicht zu erfüllen wissen wird. Gewiß, die Volksbühne ist(wie es in dem„Volks- bühncnprogramm" heißt), berufen, mitzuarbeiten am Aufbau einer neuen, von freiheitlichem Geiste erfüllten Gcmeiufchaftskulturj aber wcht, indem sie(wie wieder jenes getragen, das Steuerunrecht in den Einzclstaaten noch zu verstärken. Wie das Stuttgarter deutschnationale Blatt zuverlässig erfahren haben will, wird die württembergische Regierung diese Zu Wendungen dazu benutzen, die staatlichen Katast er steuern out Grund, Gebäude und Gewerbe von 7 Proz. auf 5 Proz., also u in 2 P r o z. z u s e n k e n. Dadurch wird wiederum dem fundierten Besitz ein besonderer Vorteil zugewendet, namentlich aber der Landwirsschaft, deren Anteil an der Einkommensteuer sehr gering und die von der Gebäudeentschuldungssteuer völlig befreit ist. Di- Festbesoldcten, Arbeiter, Angestellte und Beamte, die bei jeder Lohn- zahlung mit dem letzten Pfennig erfaßt werden, haben natürlich wieder das Nachsehen Der Hau öes Neckarkanals. Treibereien gegen die Fortführung der Arbeit. Aus Heidelberg kommt die überraschende Meldung, daß bei der dortigen Neckar-Baudirektion die tekegraphische Anweisung vom Reichsvcrkehrsminlsterium eingctrosfcn sei, an der Staustufe Heidelberg sowie an den anderen noch zu beginnenden Staustuscn vorläufig alle weiteren Arbeiten einzustellen, bis das Reichskabinett über die Fortführung des Neckarkanals Beschluß gefaßt habe. Wie wir aus Grund von Informationen an zuständiger«telle mitteilen können, stammt diese Meldung aus den der U n i o e r- fität Heidelberg nahestehenden Kreisen, die den Bau des Neckarkanals schon seit langem Schwierigkeiten zu be- reiten versuchen. Das Reichsverkehrsministerium hatte in der vorigen Woche sein Einverständnis mit der Vergebung der nächsten fälligen Arbeiten ausgesprochen. In einer Sitzung des Reichs- kabinetts, in der die Frage gar nicht aus der Tagesordnung stand, haben nun die Minister Dr. C u r t i u s und Stresemann Einwendungen hiergegen erhoben und eine nochmalige Erörterung des Projekts gewünscht. Ihre Einwände decken sich mit denen der ge- nannten Heidelberger Kreise, die sich, nachdem sie mit ihren letzten Vorstellungen beim badischcn Kultusministerium abgeblitzt waren. an C u r t i u s gewandt haben, der Abgeordneter sür Heidelberg ist. Das Reichsverkehrsministerium hat jetzt den anderen Ministerien eine nähere Darlegung seiner Stellungnahme zum Kanalprojekt zu- gehen lassen. Das Reichsoerkehrsministerium wird in einer Sitzung. die gleich nach Ostern stattfinden soll.chie Frage nochmals beraten, da das Reichsverkehrsministerium den Wunsch hat, daß durch einen formellen Beschluß der gesamten Regierung den Quertreibereien gegen den Kanalbau endlich ein Ende bereitet wird. Die württembergische Regierung hat, als sie von diesen Vorgängen hörte, erneut zugunsten des Kanalbaues Stellung genommen und ihre Aeußerung nach Berlin weitergegeben. Die Opposition gegen den Kanalbau ist übrigens gerade jetzt um so unbegreiflicher, als zurzeit in Heidelberg ein« große Arbeits- losigkcit herrscht und schon aus diesem Grund? eine Verzögerung der Arbeiten vermieden werden sollte. Deutsch-polnische verftänöiaungskonferenz. 21. biS 23. Mai in Berlin. Am 21.. 22. und 23. d. M. tagt in Berlin die dritte deutsch- polnische Verständigungskonserenz unter Mitwirkung der Gesellschaft der Freunde(Quäker). Die erste Konserenz wurde zu Danzig im Juni l9ZS abgehasten: die zweite, zu der die deutschen Delegierten als Gäste der Polen eingeladen waren, im Februar 1926 in War- schau. Im Oktober waren 22 junge Deutsche acht Tage lang als Gäste polnischer Jugend in Warschau. Jetzt kommen die p o l n i. lchen Delegierten als Gäste der Deutschen nach Berlin. An der diesjährigen Konferenz nehmen etwa 20 polnische und etwa 20 deutsche Delegierte teil. Es werden in der Hauptsachs kusturelle Fragen �besprochen. Das Programm umfaßt auch bis Besichtigung von Sehenswürdigkeiten, einen Begrüßungsabend für die polnischen Gäste, an zwei Tagen geschlossene Konferenzen der Teilnehmer, Theaterbesuch und einen Abschiedsabend, aus dem polnische Konferenzteilnehmer sprechen werden.— Die Geschäfts- stelle des deutsch-polnischcn Konferenzkomitees ist in dem Quäker- bureou, Berlin NW 7, Prinz-Louis-Ferdinand-Straße 5. Programm betont) die Kunstpflege außerkünstlerischen, etwa parteipolitischen Gesichtspunkten unterordnet, sondern alles in ihrem Spielplan vereinigt, was von allgemein menschlicher Bedeutung und für Menschen unserer Zeit lebendig ist. alles was dazu beitragen kann, die Menschen reif und klar zu machen! Es hat sich jetzt zur Genüge gezeigt, daß der Vorstand der Volks- bühne in dieser Auslassung fast die Gesamtheit aller gewählten Ver- treter der Mitgliedschaft hinter sich hat. Don einer.Krise" der Organisation ist danach kaum»och zu sprechen. Aber freilich, wenn gewisse außerhalb der Volksbühne stehende Kreise auch weiterhin— in der Regel unter völliger Verkennung des Sachverhalts, ohne Ahnung von den wirklichen Verhältnissen— durch solche Behauptun- gen und törichte Angriffe Verwirrung stiften, kann das auf die Dauer ohne Schädigung der Bewegung nicht abgehen. Um so notwendiger ist es, daß alle diejenigen, die eine Erhaltung und ge- sunde Fortentwicklung der Volksbühne wollen, gegen gewisse kommu- nistische„Erobcnmgsabsichten" ihren Mann stehen und wie bisher werbend und aufklärend für die Volksbühne eintreten! viel Lärm um nichts. Die neue Komödie des Deutschen Künstlertheaters „Skandal in Amerika" von Hans Ios6 Rehfisch ist ein Beweis für den ungeheuren Fleiß, den man heutzutage auf- wenden muß, um ein modernes Stück auf die Beine zu stellen. 33 Solodarfteller, darunter mehrere Prominente, und etwa SO Komparsen, ungerechnet Kapellmeister und Orchester, bemühen sich, eine prima Borstellung zustande zu bringen. Und in der Tat, die Bühnen- bilder des Benno von A r e n t sind hervorragend und erfreueit ebenso wie die kostboren Gewänder der Hauptschauspielerinnen das Auge, fast wie die besseren Revucaussührungen. Leider wird in dem pompösen Bühnenwerk sehr viel gesprochen. Hätte der Autor groß- mutig auf den roten Faden, der sich durch das Stück als Handlung zieht, verzichtet, so wäre man befriedigter aus dem Theater gegangen. Die Sache fängt surchtbar ausregend an. Es dreht sich um die dioidendenträchtige Ausnutzung von Petroleumquellen in einem phantastischen Revolutionsländle Südamerikas. Weitausladende Ziele, Intrigen, Dämon Weib, Verrat, es ist schrecklich sensationell. Geschosse» wird drei- bis fünfmal. Und dann— hier offenbart sich der sublime Geist des ernstmerncnden Literaten— bringt es Herr Dr. Rchfisch fertig, den fpannunggelodenen Theatergast mit endlosen TIraden über Weltanschauung, Wert der Freiheit und Patriotismus so zu übersuttern, daß er den roten Faden der Handlung als Gummi- band empfindet, der die Handlung immer weiter dehnt. Die Hand- lang ist übrigens genau so verworren, wie man es von den mo- dernen Operetten gewohnt ist. Es bricht eine Revolution aus, und man weiß zum Schluß nicht, warum und wieso. Das Stück ist ein Feuerwerk mit buntschillernden Funken von Äcistreichelcicn. Aber das Feuerwerk ist offenbar naß geworden. Die hübschen Wortspiele schlagen nicht ein, wenn ein Akt 80 Minuien dauert. Im übrigen kennen wir bereits die abenteuerlickien Gestalten, wie sie Herr Dr. Rchfisch schon im„Duell am Lido" ans Licht der Rampe ge- zogen hat. Es bemühten sich um den Erfolg Sybille Binder, die eine Gräfin oder Kokotte oder fo etwas ähnliches zu ipiele» hatte, China an Sie Welt. Ein Aufruf des GrwcrtschaftsbundeS. London, den 16. April.(Eigener Drahlberichl.) Der All- chinrsische Gewerkschnslsverband wende! sich mit einem Ausrus on rille Gcwerksii>asken der ganzen well gegen die drohende Znter- venlion der ZNächle. Der Aufruf weist einleilend darauf hin, dah dem Allchinesischen Gewerkschaflsoerband 2 200 000 Arbeiter angehören. Dann werden die Vorgänge der leisten Zeil Im einzelnen geschildert und schliehlich wird darauf verwiesen, dafj die Arbeiter- bewegung den gegenwärtigen Kamps durchführen werde, toste es. rvas es wolle. Die Zeil fei für immer vorüber, wo Kriegsschiffe, Gewehre und Korruption wicksam zur Versklavung gebraucht werden konnten. Der Aufruf schließt: ..lihr werdcl verstehen, daß es heute unmöglich ist, ein Volk von 400 Millionen Menschen niederzuzwingen, und daß jeder versuch, dies dennoch zu tun. die Zerstörung aller Zivilisation zur Folge haben muß. Ihr Gewerkschaftler habt keinen Streit mit uns chinesischen Arbeitern! Ihr habt nichts als Freundschaft für uns, dessen sind wir sicher! Und Ihr, die Ihr die Mehrheit zusammen mit den Bauern in ollen Ländern seid, habt es in Eurer Macht. diesem Krieg gegen uns ein Ende zu machen und die drohende Katastrophe abzuwenden, wir rufen Euch zu:..Zurückziehung aller Kriegsschiffe und bewaffneter Kräfte aus Ehina! Errichtung eines brüderlichen Bundes zwischen den chinesischen Gewerkschaften und den Gewerkschaften des Westens! Verhindert den Krieg gegen die chinesische Revolution: sie ist ein Teil des gewaltigen Kampfes sür die Freiheit des Menschengeschlechtes! Macht ein Ende mit den Se- waltlaken der Imperialisten!" Unbefr!eSigsnöe Kantonnote an Jrankreich. Paris, 16. April.(Eigener Drahtbericht.) Die Presse vcrösfent- licht eine Inhaltsangabe der Antwortnote der Kanton- Regierung on die französische Regierung. Die Rote behandelt hauptsächlich vier Punkt:: 1. wird die Forderung auf E u t s ch ä d i- gungen bc st ritten, soweit nicht genau festgestellt ist, daß die Schäden tatsächlich von Südtruppen und nicht durch die englisch- ainerikanische Beschießung verursacht worden sind: 2. wird die Forde- rung nach B e str a f u n g der Schuldigen von dem Ergebnis einer von der Kanton-Regiening einzuleitenden Untersuchung abhängig gemacht und die Bildung einer aus Franzosen und Chinesen gebildeten Untersuchungskommission vorgeschlagen, unter dem Bor- behalt jedock,. daß nicht nur die Ereignisse in Nanking, sondern auch die Schanghaier Vorkommnisse im Sommer 1 0 2? der Kommission unterbreitet werden: 3. soll auch die offizielle Entschuldigung des Oberkommandierenden der Cüdarmee von dem Ausgang der Untersuchung abhängig gemacht werden: 4. erklärt die Kanton-Regierung, daß sie. wie immer, sich verpflichte, Leben und Eigentum der Fremden Zu achten und jede Gewaltanwendung ihnen gegenüber zu unterdrücken. Sie benutzte jedoch die Gc- legenheit zu der Erklärung, daß die beste undeinzigeSicher» b e i t sür die Fremden die sei, auf die für China erniedrigenden KonzessionsvertrLge z u verzichten. Offiziös erklärt man diese Rote als vollkommen unbe- friedigend und als Verschleppung der ganzen Angelegenheit. Einzig die Erklärung, daß die Kanton-Regierung den Schutz des Lebens und Eigentums der Fremden übernehme, sei befriedigend, laele aber Le i n e praktische Garantie. Man sagt, daß das frlmzösische Auswärtige Amt sich mit den übrigen in China interessierten Mächten in Verbindung setzen würde, zumal die Kanton- Regierung den einzelnen Staaten verschiedene Roten hat zugehen lassen. Schanghaier Konununisten von Franzosen verhaftet. Schanghai, 16. April.(s)ovas.) Die französische Pakizei hat zwei Personen festgenommen, die versucht haben, eiuen a n t i- kommunistischen chinesischen Führer, der in der französischen Konzessionszone wohnt, zu ermorden. Nach Dokumenten, die bei einer Haussuchung nach ihrer Verhaftung entdeckt worden sind, Rudolf Forster, Grete Walter und Ralph Artur Robert», der einen Staatspräsideitzen zu spielen hatte und sich hübsche sahrige Bewegungen ausdachte, Erich Wiese, Anton Point- ner, Paul Lange und Paul Henckels(ein täuschend echter Nigger). Der Skandal in Amerika wäre beinahe zu einem Skandal in der Nürnberger Straße ausgewachsen. Auf den ersten Pfiff er- schien mutig der Verfasser vor der Rampe. Als Zeitangabe hat er geschrieben„Zeit: heute und morgen". Ich glaube nicht, daß das Morgen sehr lange dauern wird. Ernst Degner. „Die kleine auf Besuch." Eine komplizierte Berlobungs- geschichte mit reizendem Anfangsakt, unmöglichem Mittelftück� und Ende, mit einem saloppen Durcheinander von aristokratischen, bürgerlichen und kleinbürgerlichen Manieren, mit lustigen Situs- tionen, Tanzszencn und Couplets. Unter diesen schlugen die Lieder von der Tiergarlenbank, von der Hosenheide und von den Küssen Waldemar» in der Vertonung von Robert Gilbert schnell ein und verlangten Dakapos. Man nabm textlich auch älteren Aufguß gern als neu und gut hin, weil es Ostern war. Wie sollte aber auch eine Operette nicht siegen, wenn K a r l w e i ß und Trude Lieste die Hauptrollen spielen. Sie haben auch sür die blödesten Dmge eine Niedlichkeit in einen Charme, die jeden Gutwilligen entwasfnen. Durch diese beiden Liebling« wird„Die Kleine" im Theater am Kursürstendamm sehr lange auf Besuch bleiben. K. S. Ein Ehamäleon-Raum. Im„Sanatorium" des Londoner Zoo, dem großen Tiertrankenhaus, das für die Insassen dieses Tiergartens in letzter Zeit errichtet worden ist, befindet sich ein eigener Raum, in dem nur Chamäleons Aufnahme finden. 70 dieser seltsamen . Vettern der Eidechse, die durch den Wechsel ihrer Färbung sprich- wörtlich geworden sind und durch die Schleudertraft ihrer Zunge sich curszeichnen, haben hier Unterkunst gefunden. Alle Bedingungen, die diesen Tieren das Leben angenehm machen, sind in dem Chamö- leon-Raum ersüilt. Sie leben in einer tropisch heißen, fruchten Luft. die ihnen durch eine Warmwalserleitung gewährt wird, und erhalten ultraviolettes Licht durch eine Reihe von aufgestellten Lampen. Man bat nänrlich gefunden, daß die ultraviotetten Strahlen für die Gs- schöpfe der Tropen besonders wichtig sind: es kommt nur darauf an, dieses Licht richtig zu dosieren, damit nicht eine allzustarke Bestrah- lung erfolgt. Seitdem die Chamäleons sich in diesem Raum befinden, erfreuen sie sich einer vortrefflichen Gesundheit, während sie vorher in England kurz nach der Ankunft fast immer starben. Es sind Der- treter von ackst verschiedenen Arten dieser Gattung, darunter zwei Familien mit Jungen. Sechs Awergchamäieons sind erst kürzlich nach dem Londoner Zoo gebracht worden. Die Fahrt war für den Er- oberer dieser seltenen Tier«, Dr. Hopkins, recht beängstigend, als der Vorrat an Schiffssliegen zu Ende ging. Glücklicherweise stellte sich heraus, daß die Zwergchamäleons auch Schwaben als Nahrung nahmen, und diese konnten chnen in genügender Menge geliefert werden. Ein Chamäleon verzehrt etwa sechs bis acht dieser Tiere am Tag.___ Ostpreußen- Soallmisslelluog der Vensichen kaastgemeinschafl i» Schloß$ währeud der vstorseiertag» vo» 10 dtt• Uhr geöffnet. Mussolini-Hethlens Albrecht Habsbnrg soll es sein. Der ungarische Ministerpräsident ist nun auf der Heimkehr von der langbestrittenen, dann ausgeführten und desto länger aus- gedehnten Besuchsreise nach Rom, wo vorher auch der ungarische Kultusminister gewesen war. Dieser Gehilfe Bethlens, Graf Klebelsberg mit Namen, hat es fertig gebracht, auf dem ehe- maligen Mailänder Redaktionsschreibtifch Mussolinis einen Lorbeerkranz niederzulegen an der Stelle, wo die wüsteste Kriegshetze gegen das damals noch Italien verbündete Ungarn getrieben worden ist! Offenbar ist diese tncchtselige Huldigung die richtige Vorbereitung für die Aktion Bethlens in Rom gewesen, deren Ergebnis der italienisch- ungarische Freundschastsoerirag wurde. Natürlich ohne Geheimklouseln und ebenso sicher auf Ber> Wendung des ungarischen Volkes als Kanonenfutter des italienischen Imperialismus. Immer bestimmter treten nun die Gerüchte auf, daß sowohl Mussolini als auch der B o t i k a n und die hochmögendo konservative Regierung Großbritanniens mit der Ein- setzung A l b r e ch t s als König von Ungarn einverstanden sei. Seit langem geht in Ungarn der Kampf zwischen jenen, die den Albrecht als„Wahlkönig" haben wollen und den„Legitimisten", die on der hausgefetzmäßigen Thronfolge festhalten, wonach des letzten Königs Karl ältester Sohn Otto, heute ein Junge von etwa 14 Iahren, König werden müsse. Die Anhänger des Wahlkönigtums, das aber nur für den ersten König gelten soll, möchten den Lcgitimismus durch die Krönung Albrechts erledigen, und sie rechnen wohl auch, daß die andere nN achfolge st aaten der Habsburger Monarchie An solch einem Wahlkönig nicht dieselbe Gefahr für sich sehen werden, wie in dem„legitimen" Thronfolger. Man hat nämlich immerhin noch gewisse Befürchtungen, daß die Tschechoslowake! und Südslavien gegen die Wiederaufrichtung der Monarchie in Ungarn starten Widerstand leisten würden. Als B e st ä t i g u n g dafür, daß die Königsmacherei energischer betrieben wird, kann man folgende Meldung ansehen, die uns aus Wien zugeht: Der Leoitimistensührer Graf Julius A n d ra s j y veröffentlicht im Bvdopestcr„Est! Courier" Aeußcrungen in der Form eines Interviews, worin er sich gegen gewisse italienische Pläne ausspricht und erklärt, Ungarn werde durch den Bethlen-Mussoli- Nischen Vertrag in eine Lage kommen, die es zwingen würde, s o z u tanzen, wie Mussolini p f e i j e. Ungarn sei aber ein so schwacher Staat, daß kein Tropfen ungarischen Blutes für fremde Zwecke vergossen werden dürfe. Die Legitimisten wissen also ganz gut, wohin der Kurs gehr. Ob sie allein ihn verhindern können, ist recht zweifelhaft. sollen die Sowjets SS 000 Dollar für Propaganda unter den ausländischen Militärpersvnen, die zur Desertion und zum Eintritt in eine sowjetistische Fremdenlegion aufgefordert werden, verausgabt haben. Acht K a n t o n e r Agenten, die mit einem französischen Dampfer angekommen sind, um kommunistische Propa- ganda zu betreiben, sind auf Antrag der chinesischen Behörden fest- genommen worden. Die Lage in Schanghai ist unverändert. Der Verkehr nachts ist untersagt. Wenn, wie man voraussieht, Tschangkaischeksich von denKommunisten trennt, wird die Lage sich festigen. Die Durchsuchung der russischen Gebäude in Peking. Amsterdam, 16. April.(Eigener Drahtberichi.) Auf die schrist- liche Anfrage des Abg. Genossen A l b a r d a wegen der Haltung des niederländischen Gesandten in Peking l>at der Außenminister schriftlich erwidert, daß nach dem telegraphischen Bericht des Ge- sandten, die chinesische Behörde um Zustimmung zu einer Lzaus- suchung in den innerhalb des Gesandischastsviertels gelegenen Gebäuden der Russischen Bank und der Chinesischen O st b a h n nachgesucht hatte:„Dieses Ansuchen wurde mit der der Behörde bekannten Tatsache begründet, daß diese Einrichtung zur Her- vorruf u ii g von Unruhen und als Unterschlupfflir Verschwörer benutzt wurden. Nach reiflicher Erwägung haben die diplomatischen Vertreter der sogenannten Protokollmächte im Hinblick auf die Panik, die sich der chinesischen und aus- landischen Bevölkerung nach den Vorkommnissen in H a n k a u und Nanking bemächtigt hatte, und in Anbetracht dessen, daß diese Einrichtungen der chinesischen Rechtssprechung unterliegen, ein- st i m m i g beschlossen, die nachgesuchte Mitunterzeichnung des Be- fehlsschreibcns nicht abzulehnen. Der niederländische Gesandte als Dcuien des diplomatischen Korps setzte seine Handzcichnung unter das Befehlsschreiben. Die chinesische Polizei hat bei der Haussuchung auch das neben der Bank gelegene Gebäude betreten, das während des Kaiserreiches als Kaserne der Gcsandtschostsmacht gebraucht wurde. Da eine Erlaubnis da,zu nicht erteilt war. haben die Vertreter der Protokollmächte dagegen sofort protestiert. Der Gesandt- hat im Rahmen seiner Befugnis und in Ausführung eines Beschlusses der Vertreter der Proiokollmächte gehandelt. Die niederländische Regierung hat er in dieser Angelegenheit vorher nicht zu Rate ge- zogsn. Zu besonderen Maßnahmen, um soweit wie möglich zu vor- hindern, daß als Folge der Ereignisse in Peking, Niederland in Ver- Wicklungen einbezogen wird, bestand keine Veranlassung. Der Standpunkt der Regierung, daß Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas sorgfältig vermieden werden muh, ist dem Gesandten bekannt." Abreise der Sowjetbotschrrst auA Peking. Peking. 16. April.(MTB.) Heute morgen sind 30 Mitglieder der hiesigen Sowjetbotschaft abgereist. Sacco- vanzetti. Sozialistische VersammlungSkamPagnc in Nordamerika. New Park. 16. April.(MTB.) Die sozialistische Partei und der Eivic-Elub hiellen Versammlungen ab. welche die b e d i n g u n g s- l o s e Begnadigung Saccos und Vanzettis sowie die Erhebung der Anklage gegen den Richter Thayer verlangten, der den Prozeß gegen die beiden Italiener leitete. Smetona will sich beliebt machen. Aufhebung der Nachtstrasiensperre in Kowno. Riga, 16. April.(Eigener Drahtüericht.) Der litauische Staats» putschprasidsnt S m e t o n a hat eine Botschaft an das Aolk er« lassen, in der er die Haltung der Regierung und die Auflösung des Parlaments zu rechtfertigen versucht. Die Botschaft schließt mit dem Ausruf zur Eintracht und zum politischen Burgfrieden. Gleichzeitig ist die nächtliche Straßensperre, die seit dem Staat». streich von 1 Uhr nachts bis 5 Uhr morgens über Kowno verhängt war, aufgehoben worden. Litiruisch-polnischcr Arbeitcrzusammcnschluß. Marschau. 16. April.(Eigener Drahtbericht.) Wie der sozial!- stisch«„Robotnit" berichtet, hat anläßlich der Tagung der lettischen Gewerkschaften in Riga, on der für Polen Abg. Z u l a w s k i teilnahm, mit der litauischen Delegation über- einstimmend die Notwendigkeit organisatorischer Bezie» y u n g e n zwischen der Arbeitcrschast Polens und Litauens aner- kannt. Ferner wurde sestgestellt, daß weder da- feindselige Vor- hältnis beider Staaten noch wirtschaftliche, politische oder territoriale Fragen der Annäherung der polnischen und» der litauische» Arbeiter. schaft im Wege stehen können. Hierzu bemerkt der„Robotntk", daß in bezug auf die W i l n a- Frage zwar noch gewisse Gegensätze be- stehen, aber die litauische Arbeiterschaft niemals eine mili- tärische Lösung dieser Frage in Betracht gezogen habe. Der südslawische Ministerpräsident Asunowilsch ist wieder einmal zurückgetreten, was die Erweiterung der Regierungskoalition er- Mögliche« soll. Grubenkataftrophe in Sellien. 26 Opfer geborgen. Brüssel, 16. April(TU.) heule ereignele sich auf der Grube Estinncs Aval bei Möns ein schweres Bergwerksunglück durch schlagende Wetter. Möns, 16. April.(MTB.) Um 6 Uhr abend» waren 2 6 Opfer der Schlagwetlerkataslrophe auf der Grube Estinnes Aval geborgen. Renn Bergarbeiter befinden sich noch in der Grube. Hermann Müller in Wien. Besichtigung der Gemeindcwohnhäuser. Wien, 16. April.(E!g. Drahtb.) Der Vorsitzende der sozialdemo- kratijchen Neichstagsfraktion Ken. H e r m a n n M ü l l e r, der zu dem österreichisch-deutschcnLänderwcttspiel dcr Arbeitersportler undz» einer Anschlußkundgebung in Wien weilt, besuchte am Sonnabend eine Reihe von Wiener G e m e i n d e b a u t e n. Müller wurde überall von den Mietern und von Mitgliedern des Republikanischen Schutzbundes begeistert begrüßt. Im E b e r t- H o f er- widerte er auf eine an ihn gerichtete Ansprache u. a., er freue sich darüber, daß es der Wiener Sozialdemokratie gelungen sei, ein s o großes Kulturwerk zu schaffen, um der Arbeiterschaft bessere Wohnungen zu ermöglichen. Er zweifle nicht, daß dieses große Werk dazu beitragen werde, der österreichischen Sozialdemokratie am 24. April zu einem großen Wahlsiege zu verhelfen. Dieser Sieg werde auch den Tag, den wir olle herbeisehnen, den Tag des Zusammenschlusses der beiden deutschen Republiken, näher- rücken. Zwangsgewerkschasten. Das Ideal aller Arbciterfeinde. Di« italienische„Gazetta Ufficiale" veröffentlicht das Dekret, das die Beiträge zu den staatlich anerkannten Syndikaten regelt. Wie bekannt, ist der Beitrag für olle, auch für die NichtMitglieder, obligatorisch, auch sür die, die wegen „unzulänglicher nationaler Gesinnung" in die Syndikate nicht auf- genommen werden. Das Dekret, das aus 66 Paragraphen besteht, setzt zunächst die Verpflichtung aller Unternehmer fest, die Durchschnittszahl der von ihnen beschäftigten Arbeiter im ersten Halbjahr 1S27 bis zum 1?. Juli dcr jyndikalen Organisation ihres 51relses anzuzeigen. Bei der Handelskammer jeder Provinz wird eine Kommission aus Vertretern der verschiedenen Gewerbe gebildet, die diese Anzeigen sichtet, einmal in bezug auf ihre zahlenmäßige Genauigkeit, dann im Hinblick auf die Kategorien, der die Arbeiter, Angestellten, Betriebsleiter zuzu- weisen sind. Die von dieser Kommission beschlossene Einordnung in die verschiedenen Gruppen wird durch öffentlichen Anschlag bekannt- gegeben. � Die Höhe des Beitrags ist für das laufende Jahr auf 0,333 Lire für je 100 Lire Lohn für die i n d u st r i e l l e n Unternehmer und auf die gleiche Quote für die Slrbeiter oder Angestellten festgesetzt, so daß die Regierung 6.6 pro Mille vom Arbeitslohn des ganzen Landes einbehält. Der Unternehmer behält den Beitrag der Ar- bcitcr vom Lohne zurück und zahlt diesen und den eigenen Beitrag alle vierzehn Tage: der Beitrog dcr Angestellten und die diesem ent- sprechende Quote der Unternehmer wird monatlich eingezahlt. Die Ucberweisung erfolgt durch Postscheckkonto. Rückständige Beiträge werden in derselben Weise eingetrieben, wie rückständige Steuern. Auch für den H a n d et wird der Beitrag als Zuschlag zur Steuer berechnet, in dem Verhältnis von 0,5 für die stcuerpftichtigen Einkommen von weniger als Z000 Lire, 0,65 Proz. bis zu 10 000 Lire, 1 Proz. bis 20 000 Lire und ein Fixum von 2S0 Lire für die höheren Einkommen aus Handelsbetrieben. Die Betriebe des Transportwesens— zu Lande, zu Wasser und zur Luft— werden zur Beüragsleistung herangezogen, indem der faschistische Zentraiverband einen Gesamtbeitrag von 6400 Lire von allen Unternehmern und Arbeitern erhebt. Es bleibt dem Verbands vorbehalten, welchen Teil er den Mitgliedern, welchen den Nichtmitgliedcrn auferlegen will. Für die Banken wird das mittlere Einkommen der Ange- stellten zugrunde gelegt, wovon 0,333 Proz. den Angestellten. 0,333 Proz. den Unternehmern zur Last gelegt werden. Das Mi- nisterium dcr Korporationen kann aber den Beitrag der Unternehmer erhöhen. Bleiben die f r e i e n B e r u f e, für die besondere Kommissionen die Listen aufstellen. Wer nicht in den offiziellen Listen dcr Berufs- tätigen eingetragen ist— so etwa die Journalisten, die wegen ihrer politischen Gesinnung gestrichen wurden—. muß seine Berufstätig- keit selbst anzeigen. Die Kommission kann natürlich auch die zur Beitragsleistung heranziehen, die diese Anzeige unterlassen sollten. Ein annähernder Voranschlag dessen, was die Korporationen auf diese Weise vom Arbeitseinkommen an neuer Steuer erheben, läßt sich noch nicht machen: immerhin kann man sagen, daß 6 vom Tausend des Arbeitseinkommens einer Nation von 40 Millionen eine Summe von Hunderten von Millionen ergibt. Diese Summe dient der Schaffung eines r c in burcaukratischen Organs und in einem kleinen Prozentsatz dem Hilfokassen- und Bildungs- wej«. Maifeier 1 �27. Die Ortsausschüsse des ADOS? des AsA-Bundes und des ADV. haben einmütig beschlossen, die diesjährige Kundgebung am l. Mai im Lust garten stattfinden zu lassen. Der A u s m a r s ch erfolgt nach Bernsen resp. Zndustriegruppen: das geschieht, damit die Organisationen eine Kontrolle über die Beteiligung ihrer Mitglieder und Berufsangehörigen auszuüben ver- mögen. Zu diesem Zweck wird eine Kontrollmarke aus- gegeben, die in das Milgliedsbuch geklebt wird. Die S a m m e l p l ä lz e für die Industriegruppen und Berusc werden rechtzeitig bekanntgegeben. Die unterzeichneten Ortsausschüsse rufen die Arbeiter. Angestellten und Beamten Berlins schon heute auf, in allen Versammlungen, Betrieben und'Bureaus für die Kundgebung am l. Mai rege Propaganda zu entfalten. Diese Kundegbung mutz zu einer wirkungsvollen Demonstration des arbeitenden Berlins und zu einer machtvollen Gegendemon- stralion gegen den faschistischen Aufmarsch am S. Mai werden. Arbeiter, Angestellte und Beamte, wir erwarten von Euch, datz Ihr Eure Pflicht tun werdet. Die Ortsausschüsse des ADGB.. AfA-Bundes und des ADV. Christliche posttionsschwäche. Klage gegen die reaktionäre Fronde. Noch autzen hin fühlen sich die parlamentarischen Vertreter der christlichen Gewerkschaften durch ihren Eintritt in den Bürgerblock ziemlich gehoben. Doch schon bei der ersten Probe aufs Exempel, dem Arbeitszeitnotgesetz mußten sie erfahren, daß jedes Ding seine zwei Seiten hat und sie innerlich so wenig dabei gewonnen haben, daß sie ihre geschwächte Position mit allen Mitteln zu verteidigen gezwungen sind. Die guteAbsicht, für ihre Mitglieder, für die Arbeitnehmcrschaft, günstigere Lebensbedingungen zu schaffen, soll den ChriMchcn nicht bestritten werden. Doch nachdem sich ihre Führer mit dem Bürgerblock verbunden haben. müssen sie dabei allerlei Rücksichten nehmen und suchen sich unter Berufung auf„die Erdenschwere wirtschaftlicher Realitäten" damit abzufinden und ihre Mitglieder darüber zu beruhigen. Man wettert gegen die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften, daß sie das N 0 t g e s e tz und das Verhalten der Christlichen bei seiner Schaffung kritisierten ohne auf deren veränderte politische P 0 s i t io n die zarte Rücksichtnahme zu üben, die man im christlichen Lager vielleicht erwartet hatte. Stegerwald selber mußte zugeben, daß das Arbeitszeitnotgesetz ein „unvollkommenes" Gesetz ist. Er sucht zwar diese un- angenehme Tatsache zu erklären, doch wird sie dadurch nicht geändert. Er behauptet, die Sozialdemokratie hätte auch nicht mehr erreicht, wenn sie in der großen Koalition gewesen wäre. Dieser Vergleich hinkt nicht nur deshalb, weil ja doch nun die Christlichen Gelegenheit hatten zu zeigen, daß sie durch ihre schmieg- samere Taktik größere Erfolge erzielen können. Die Frage ist so zu stellen, ob nicht mehr erreicht werden tonnte, wenn die Vertreter aller drei Gewerks chastsrichtungen beim Notgesetz an einem Strang gezogen hätten. Ob dann nicht ein besseres Gesetz geschaffen worden wäre, ist eine Frage, die kaum verneint werden kann. Statt dessen aber den freien Gewerkschaften den Vorwurf zu machen, sie huldigten dem „alles oder nichts" und mit der gründlichen Belehrung, datz dieser Standpunkt unhallbar, offene Türen einzurennen, zeugt doch nur für die Verlegenheit, in der man sich als Teil der Koalitionsregierung befindet. Die vordem so„unpolitischen" christlichen Gewerkschaften erinnern daran, daß sie im Jahre 1920 von der Bildung einer eigenen christlich-nationalen Arbeitnehmerpartei Abstand genommen haben. Ihre Vertreter verteilen sich jetzt auf die verschiedensten Parteien des Reichstags. Weniger„V e r t e i- Achtung, Genossinnen! Ostertreffen am dritten Osterfeiertag, Dienstag, den tg. April, in Sadowa, Restaurant Sansjouci, nachmittags Z Uhr.— kaffeekochen— Konzert— Unterhaltung. l u n g" wäre mehr. Man gibt zu, daß hierin eine g e wi s s e Schwäche liegt, tröstet sich aber damit, daß in dieser Verteilung andererseits auch eine gewisse Stärke liege, die sich bisher bei der Sozialgesetzgebung der lchten Zeit„als die Schwäche ausschallend und überwiegend" gezeigt habe. Zur Regierungskoalition wird in dem„Politisch gewerkschaft- lichen Zeitungsdienst" eine Aeußerung von Bechly in der„Handels- wacht" zitiert, die die Stellung der Christlichen in der Koalition dahin präzisiert: „Neben dem ständigen sozialdemokratischen Ansturm von links werden wir uns wappnen müssen gegen die zahl- reichen und mächtigen Gegner in, bürgerlichen Lager, die zwar immer mit großem Geschrei und lauter Kritik die bürgerliche Koalition gefordert haben, nicht aber deswegen, weil sie das neue Deutschland schaffen helfen wollten, sondern um so bald wie möglich den Obrigkeitsstaat des wilhcl- minischcn Zeitalters wieder ins Leben zu rufen." Nachdem der Artikel des genannten Zeitungsdienstes das rcak- tionäre Treiben an verschiedenen Beispielen aufgezeigt hat, komm: er zu dem Schluß: „Reißt ober die reaktionäre Fronde... die Führung an sich, dann wird die christlich-nationale Arbeiterschaft den Weg nicht mehr mitgehen." Nun, wir werden erfahren, wie weit sie diesen Weg mitgeht und welche Früchte sie dabei erntet. Auch die christlichen A r- beitergewcrkschaften insbesondere werden zwischen Worten und Taten, zwischen Erwartungen und Erfolgen Vergleiche anstellen und daraus ihre Schlüsse ziehen. Eine geschwächte Position kann auf die Dauer nicht gehalten werden, da sie aus lauter Entschuldigungen nicht mehr herauskommt. Keine Aussperrung öer Aiaarrenarbeiter. Der zweite Schiedsspruch verbindlich erklärt! Vom Reichsverband der Zigarrenhersteller war der am 12. April erneut gefällte Schiedsspruch anerkannt und zugleich der Antrag ge- stellt worden, diesen verschlechterten Schiedsspruch für verbindlich zu erklären. Auch die gestrigen, von dem neu- bestellten Schlichter geführten Verhandlungen führten zu keiner Einigung. Von den Vertretern der Arbeiter wurde darauf hingewiesen, daß der neue Schiedsspruch vollständig ungenügend- sei und dringend gefordert, die Verbindlichkeit nicht auszusprechen. Einmal sei die Ferienfroge zum Schaden der Zlrbeiter geregelt. Bis heute gelten generell vier TageFcrien, während nunmehr praktisch nur bis vier Tage Ferien gewährt würden. Weiter aber entspreche die Regelung der Lohnzuschläge für die über 48 Stunden hinausgehende Arbeitszeit nicht einmal den Bestim- mungen des Arbeitszeitnotgesetzes, indem für die 49 bis 54. Stuirdo nur 15 Proz. Lohnzuschlag gezahlt werden sollen. Noch schlimmer stehe es mit der vorgesehenen 7i£prozentigenLoHn- erhöhung, da in dieser Lohnerhöhung die Abgeltung der 2l1prozentigen Mietsteigerung enthalten sein soll. Nach allgemein geltenden Leistungen hätten die Zigarren- arbeiter in Groß-Berlin einen durchschnittlichen Stunden- lohn von 41� Pf. Nach dem Schiedsspruch erhöhe sich dieser Stun- denlohn a u f 4 4 � Pf., also um Pf. pro Stunde. Bei 290 Ar- beitsstunden im Monat betrage die monatliche Lohnerhöhung 6,50 M., demgeoenüber betrage die 20prozentige Mieterhöhung bei einer Friedensmiete von 25 M. monatlich 5 M., so daß nur eine Lohnerhöhung von 1,5 0M. monatlich übrig bleibe. Der Schiedsspruch sei ungenügend und könne unmöglich für verbindlich erklärt werden. Der Vertreter des Reichsverbandes der Zigarrenhersteller blieb dabei, keine besseren Zugeständnisse machen zu können. Der jetzige Schiedsspruch sei unter Protest aner- k a n n t und er ersuche darum, den Schiedsspruch für verbindlich zu erklären. Eine andere Vereinbarung sei auch nicht möglich, da er dazu nicht kompetent sei. Die Einigungsverhandlungen waren damit gescheitert. Das Arbeitsministerium hat darauf den verschlechterten Schiedsspruch für verbindlich erklärt. Die in der deutschen Zigarrcnherstellung beschäftigten Arbeiter werden nun d" Aufgabe haben, ihre Organisationen weiter auszubauen, um d.. passender Gelegenheit sich jene Lohnverbesserungen zu erringen, die für sie unbedingt erforderlich sind. Arbeiter- und Angestelltenbetriebsrätc! Arbcilsrechllicher Zvformalionsobend für Betriebsräte im Hör- saal der Berliner Gewerkschaftsschule, Engelufer 24/25, 2. Hof, 1 Treppe rechts, am Mittwoch, dem 20. April, abends 7 Uhr. Leiter des Abends Genosse Dr. B r ö ck c r vom Vorstand des ADGB- Die Arbeiter- und Angestelltenbetriebsräte werden gebeten, pünktlich teilzunehmen. Weitere Jnformationsabende am 3., 17. und 31. Mai im Saal 3 bzw. Saal 5 des Gewerkschaftshauses, Engclufer 24/25. Zimmerer! Am ti!. AprilC Kuosts. neue Färb., Mtr Wolldruck parte Chind-Musterg. 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Ferienstimmung ergreift auch die Erwachsenen, und nur der Geldbeutel legt der Nciscphantasie Zügel an. Die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse lassen so manchen ohne die wohltätige Ausspannung, die schon ein Wandertag auslöst. Das vier-Tage-Vochenenöe. Dah Ostern mehr als jedes andere Fest zu einer größeren Tour lockt, liegt in der Spanne von vier Tagen, die sich von Kar- freitag bis zum zweiten Feiertag ausdehnt. Nun ist die Welt der Arbeit zwar noch nicht dahin gelangt, den zwischen den Feiertagen «ingeklemmten Sonnabend allgemein als arbeitsfrei anzusehen, aber es gibt doch Ausnahmen, bei denen Urlaub gewährt wird. Jene Kreise vor allem, die nicht zu rechnen brauchen, sperren am Sonn- abend einfach zu: ihre Reiselust geht auf Italien oder Südtirol, wo die Sonne schon ein wenig stärker brennt als in unserer Zone. In der Vorkriegszeit war es z. B. für München, Stuttgart, Karlsruhe usw. Modesache, die Osterzeit im südlichen Tirol zu verleben: jetzt haben Geldknappheit und Mussolinis Gewaltherrschaft abschreckend auf diese Gelüste eingewirkt. Wer in deutschen Landen den Früh- ling suchen geht, darf den warmen Mantel nicht vergessen: das launenhafte Wetter wanet in höheren Regionen gern mit Schnee- bescherung aus. Zwei freie Tage. Das ist das Durchschnittspensum für die Millionen Stadt- bewohner. Die früher« unschöne Berliner Sitte, am Karfreitag auf dem Spandauer Bock dem Gambrinus reichliche Opfer zu bringen, hat vernünftigeren Vergnügungen Platz gemacht. Wer es nur einigermaßen einrichten kann, eilt die beiden Feiertage hinaus auf mehr oder weniger ausgedehnte Wandcr- und Fahrtour, mit Eisenbahn und Dampfer, Post- und Straßenomnibus, mit Unter- giund, Auto, Motorrad, Zweirad, mit Straßenbahn, Equipage und Droschke, auch zu Fuß sowie im Kanu, Segel- und Motorboot. Ist diese Liste der modernen Fortbewegungsmittel erschöpfend? Fehlt da nicht das Luftvehikel, noch eine Spezialität für reiche Leute, und ist andererseits der alte„Kremser", einst auch Torwagen genannt, nicht heute noch«in willkommenes Fahrzeug für geruhsame Damen und Herren, die gern ihr eigenes Fäßchen Bier, unterm Langbaum schaukelnd, mit sich führen, und dieses und die mitgebrachte„kalte Küche" im Walde, auf gehauenen Baumstämmen und Baumstümpfen sitzend, mit einem Appetit vertilgen, der bei der Befriedigung im Restaurant eine hohe zweistellige Ziffer zur Folge hätte. Auf dem Waldboden wird auch ein Tänzchen riskiert, sicherlich gesünder als in den staub- und raucherfüllten Tonzfälen der Lokale. Das Un- angenehme dieser Art des Genusses des zweitägigen Osterausfluges ist immer die Unterbrechung der Naturkneiperei durch die not- gedrungen in der«tadtwohnung zu verbringend« Nacht. Nach zwei Richtungen macht sich dieses Unangenehme geltend: einmal, die Rück- fahrt am ersten Tage mit ihren oft geschilderten Schrecknisien, und zweitens die erhöhte Ausgabe durch das zweimal zu lösende Billett. Andererseits wäre die Ersparung der einen Fahrkarte nicht so groß, daß man für dieses gesparte Geld im Hotel des Ausflugsortes übernachten könnte. Hier muß die Wochenendbewegung die ein- wandfreie Lösung bringen. Die kosten für die Unterbringung für eine oder zwei Nächte müffen so klein sein, daß sie im Verhältnis zu den Gesamtkosten:.Fahrgeld, Lebensunterhalt, Vergnügungen, eine verschwindend kleine Summe darstellen. Man darf gespannt sein, wie sich diese Forderung auswirken wird. t Der eine freie Tag. Von einem altpreußischen Politiker, der 1848 sich für die Frei- hcit begeisterte, wird erzählt, daß er pathetisch ausgerufen habe, « wolle jedermann als Bruder an sein Herz drücken, nur einen möge man ihm lasten, der ihm die Stiefel putze. Und dieser eine, der seine Arbeit verrichten muß. wenn alle anderen feiern, ist heute in Tausenden und Hunderttausenden von Exemplaren vorhanden. Da sind die Gas- und Elektrizitätsarbeiter, die Angestellten der VerGhrsinstitute, die Beamten der Schutzpolizei, die der Telegraphie »nd die Damen von der Telephonie. Dann das Heer der Wirte, Kellner, Musiker, der sonstigen Angestellten bis zum Liftboy und zur Toilettenfrau herab. Unterscheiden wir Beamte und selbständige Berufe mit ihren Arbeitern, so stt es eine Forderung der modernen Zeit, daß die Feiertage jedenfalls den Beamten zugute kommen sollen, der Dienst so organisiert werden muß, daß sie bei zwei Feier- tagen«inen ganzen Tag frei haben. Ist dies auch wirklich der Fall oder hat der moderne Sparsamkeitstrieb die wohlbegründeten Rechte der Beamten illusorisch gemacht? Wenn bei dem schweren Tele- phoniedienst an beiden Vormittagen der zwei Feiertage die Arbeit ein und derselben Beamtin gefordert wird und ein Verschonen mit zwei Nachmittagen als Vergünstigung angesehen werden muß, so ist hier zweifellos auf die Gefühle der Beamtinnen keine Rücksicht genommen. Macht sich überhaupt von den Millionen, die in Feier- und Frühlingsstimmung sich vergnügen, der eine oder der andere wohl Gedanken über das Los derer, die an solchen Tagen in dunklen Zimmern oder draußen, vom Lärm der Fahrgäste umlost, ihrer Arbeit nachgehen? Meist nur dann, wenn Kritik sich glaubt be- tätigen zu mästen... jst es doch ein alter Brauch, daß der un- schuldige Beamte das auszubaden hat, was eine weife Behörde an- zuordnen für nötig gehalten hat. Gerade solche lusthungrigen Massen richtig zu behandeln, will gelernt sein, und es wäre zweck- mäßig, wenn auch die höheren Beamten sich selbst draußen von der Wirkung chrer Dekrete zu überzeugen Gelegenheit hätten. keine �eierstunüe ist das Los vieler, die auf dem weiten Gebiete des G a st w i r t s- gewerbes tätig find. Bei ihm kann jeder Feiertag ein„goldener Sonntag" fein, wenn ein günstiges Wetter jedem der zahlreichen Ausflugsorte ein Maximum von Gästen zuführt. Die von der Wan- derung oder der Fahrt ermüdete und auch ungeduldig gewordene Menge will rasch ihre Lebensgeister ausfrischen, und aus den„Ober" hageln Bitten und noch schwerere Beschwörungen, daß er schnellstens serviere. Welche langen Wege dabei oft zurückzulegen sind, wie langsam die Ausgabe in der Knffeeküchs sich abspielt— das wird im Augenblick der Erregung nicht bedacht. Da heißt es, alle Kräfte anspannen, um der Wirtschajt die Gäste zu erhalten: der Sommer ist immerhin lang genug, um die Einbuße empfindlich zu machen, wenn unbefriedigte Gäste in Zukunft das Lokal meiden oder gar im Bekanntenkreise davor warnen. Dem bedienenden Geist winkt nun zwar nach den Feiertagen eine gewisse Ruhe- und Erholungs- pause, nur der nächste Tag nach dem Fest wird es nicht sein, da> es doch immer noch Leute gibt, die in der glücklichen Lage sind, sich einen„dritten" Feiertag zu letzten. Es steht zu hoffen, daß die Wochenendbewegung auch auf dem Restaurationsgebiele etwas refor- mierend wirken wird. Wenn große Scharen schon am Sonnabend sich ins Freie begeben können, werden sie nach draußen zugebrachter Ruhe über ihre Zeit und ihre Verpslegungsansprüche viel sach- gemäßer disponieren können, so daß die für Wirt wie Gäste gleich unangenehme Ausregung beim Masteneinfall hungriger und durstiger Personen sich oft vermeiden lasten wird. Einen Fingerzeig liefert schon die Ankündigung von festem pensions- bzw. verpflegungspreis für ein oder zwei Tage Wochenende durch verständige,«ntschluß- freudige Gastwirte. Alle beteiligten Faktoren, von der Behörde an bis zum letzten„fliegenden Händler", müsten dahin streben, daß den aus der Steinwüste entflohenen Gästen das kurze Eintagsleben in der Natur zu einem Feste der Ruhe werde, dann wird sich das Wochenende einer veredelnden Einwirkung auf unsere Sitten rühmen dürfen. « Gäste und Ausflügler haben aber nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Die Natur muß ihnen etwas Heiliges fein: sie müssen sich auf den Standpunkt der alten Griechen stellen, daß in den Bäumen und Pflanzen die Götter leben. Wanderwege, die mit fortgeworfenem Stullenpapier oder gar zerschlagenen Bierslaschen bedeckt sind, Ruhebänke, aus denen die achtlos gepflückten Wiesen- blumen, in der heißen Hand des Wandernden bald oerwelkt,»n Mengen zurückgelassen worden sind, gehören leider noch nicht ganz der Vergangenheit an. Und Kochfeuer sollten auch nicht so angelegt werden, daß Waldbrände entziehen können. Alles dies sind Binsen- Wahrheiten, aber sie müsten so lange wiederholt werden, bis sie wirkliches Allgemeingut geworden sind. Die Abgeschlostenheit vieler märkischer Gegenden wird aushören, wenn Feiertag« und Sonntage richtig ausgenutzt werden. Daß der Bauer, der den Großstädter vielsach nur als„Hamsterer" kennen gelernt hat, Verstößen gegen das, was er seine Kulturanschauung nennt, durchaus kritisch gegen- übersteht, ist begreiflich. Uebertriebene Nacktkultur z. B. wäre kein zweckmäßiges Propagandamittel für das ersehnte Leben in der Natur. Festtage auf dem Meflegelänöe. ferr-* Der Üampter vor dem Funkturm auf der Wochenend-Ausstellung Das gehört auch zu dem Thema„Ostern vor den Toren", wenigstens im weiten und weitesten Sinne, was die dr e i M es s e- hallen zum Thema„Wochenende" und„Wohlsein draußen" jetzt zeigen. Das ganze große Gelände am Bahnhof Witzleben ist in den Dienst jener Bewegung gestellt worden, die seit geraumer Zeit alle Gemüter beschäftigt. Man ist nur ein wenig erschrocken darüber, wieviel doch dazu gehören soll, uns ein und einen halben Tag zwischen Wald, Wiese und Wasser glücklich zu machen. Aber gründlich, wie wir nun einmal sind, brauchen wir ein« Riesen- ausstellung, um die Fähigkeit, frei und froh zu werden, aus dem ff zu lernen. Es ist ein redliches und echtes Stück Arbeit, das da draußen geleistet worden ist. es ist ein guter Wille dagewesen, d»r alles fleißig zusammenfaßte, ob er aber überall den Weg weisen tonnte, der aus den wirtschaftlichen Nöten in das Wochenendziel, sonnige Freiheit führt, kann im Augenblick nicht entzchieden werden. Es sind leider noch immer zu viel Voraussetzungen nötig, um sich der schönen Mittel bedienen zu können, die einem hier vorgeführt werden. Ueber all« bisherigen Geländemaß« hinaus sind diesmal zirka 50 000 Quadratmeter vodenfläche von Hallen und Freigelände in Anspruch genommen worden. Es konnte nicht die Aufgabe des Berliner Messeamtes sein, sich mit dem sozial-rcchtlichcn Problem der Idee des Wochenendes auseinanderzusetzen. Man hat jedoch im psychologisch richtigen Moment die Aufgabe begriffen, den Berlinern lind den in den Mauern der Reichshauptstadt weilenden Fremden einmal im modernsten Werberahmen— nämlich dem einer großen Ausstellung— zu zeigen, welche Möglichkellen über jede foz.ol- rechtliche Diskussion hinaus schon heute vorhanden sind, das Wochen- ende richtig, gut und billig zu verleben. Vor acht Monaten be- gannen unter der Leitung des Anregers der Ausstellung, des Leiters der Presse- und Werbeabteilung im Berliner Messeamt, Karl Detter, die ersten organisatorischen Vorbereitungen der Ver- anstaltung, und knapp vier Wochen vor dem Erösfnungsdatum der Ausstellung begannen die umfassenden Aufbauarbeiten des Werkes. In der Neuen Autchalle zeigt sich den Eintretenden das Bild der Arbeiterstadt, das man durch einen Stadlbahnbogen und das dahiwer errichtete Brandenburger Tor verläßt, um schnell im Grünen zu sein. Ein Panorama der Reichsbahn und der Berliner Berkehrsgejellschaften zeigt das Weichbild von Berlin im Umkreis von 40 Kilometer mit allen in Frage kommenden Berbin- düngen und der Angabe der Fahrzeiten und Fahrpreise unfr weiterhin in einem großen Rundbild die deutsche Landschaft von Schle, sien bis an die Oftsee und von Mitteldeutschland bis an die Nordsee. Die Mark Blanden bürg selbst ist in zahlreichen Ständen, die von Städten und Ortschaften aller Teile der Provinz mit Landschafts- bildern Kunst, und Gewerbeerzeugnissen ausgestattet sind, oeran. schaulicht. In einer Front von über 50 Metern ist in hübscher und lustiger Weise das Freibad Wannjee mit seinem Leben und Treiben ausgebaut. Der Ausflugsverkehr„Einst und Jetzt" wird sym- bolisiert durch einen alten Berliner Kremser und ein Hochrad auf der einen, durch Iunkers-Fluozeug, Rundfahrtauto und Motorrad mit Soziussitz auf der anderen Seite. Das zwischen der Neuen AutoHalle und der Funkhalle liegende Freigelände weist eine Märkische Tugendherberge, einen Dorfkrug mit Seglerheim und einen Märkischen Obslwciuausschank aus. Ein 25 Meter langer und 7 Meter breiter Dampfer, aus den man über eine Wasserfläche aus«inen Landungssteg gelangt und der als Ausstellungscase«ingerichtet ist, propagiert zusammen mit der Aus- stellung der Wasserfvortindustrie das Wochenende auf, den Wasser- flächen der Mark. In der Funkhalle werden die Möglichkeiten für ein Wochenendprogramm mit weiteren Zielen durch Ausstellungen der Nord- und Ostseebäderverbände und des Bundes der Deutschen Verkehrsvereine gezeigt. Hier sind auch die Arbeitersport- und An- geslelltenverbönde, kleingartenverein« durch Stände vertreten. Eine besondere Abteilung„Der Sport am Wochenende" ist von allen namhaften Sportorganisationen und dem Museum für Leibes- Übungen beschickt. Der Bedarf des Wochenendlers wird in zahl- reichen Ständen der einschlägigen Industrien und Gewerbe gezeigt. Aus der Galerie des Funkhauses ist das Ergebnis des Schülerwettbewerbes der Groß-Berliner Schulen zu dem Gedanken des Wochen« endes, ferner die Entwürfe des Tdeenweltbewerbs für Wochenend- Häuser und die Ausstellung„Das Wochenende im Ausland" unter- gebracht. Von der Funkhalle gelangt man auf das Freigelände a« Funkturm, das von Professor Straumer in einem modernen Aus- stellungsgarlcn für zirka 4000 Personen noch neuesten gartenarchitek. tonischen Ideen angAegt ist. Hier ist binnen acht Tagen eine Kolonie von zirka 60 Wochenendhäusern aller Größen und Systeme entstan- den, die sich um einen Teich gruppiert, aus dem ein gebrauchsfertige» Hausboot schwimmt. Di« Besucher dieser Ausstellung können sich dabei nicht nur über die Einrichtung der Häuser selbst, sondern auch über die mit genauester Kalkulation angegebenen bindende« Preise der Lauben und Villen informieren. Die Alte Antohalle ist vom Berliner Messeamt mit Hilfe de» Malers Pirchan in einen Schneepalast mit zwei Stisprungschanze» und Rodelbahnen sowie einem Skiübungsgelände von über 8000 Quadratmetern unter Verwendung des neuen„künstlichen Schnees" verwandelt und so zu einer neuen Attrvttlon für Berlin gestaltek worden. Am Tage wird hier Gelegenheit zu wintersportlicher De- tätigung gegeben, während abends durch Musik, S.chneeballett und Sportvorführungen für Unterhaltung gesorgt wird In uniurterbrochener Reihe werden während der acht Wochen der Ausstellungsdauer graste sportliche Veranstaltungen von den die Ausstellung beschickenden Verbänden inszeniert: Tvachtenschauen und Volkstänze aus verschiedenen Landestellen sollen auf dem Freige- lande und im Vortragssaal des Funkhauses vor fich gehen, wo übri- oens bei freiem Eintritt zu jeder Tageszeit Filme und Vorträg« zu? Vorführung gelangen werden. Ein großer Propagandaum- zug der Arbeitsgemeinschaft märkischer Wander. verbände in den ersten Togen des Mai soll die Idee des Wochen. endes auch in den Straßen Berlins propagieren. Zahlreiche Ber. kehrsorganisationen und Reisegesellschaften haben stch bereits als Treffpunkt die Wochenendausstellung erwählt. All dieser Aufwand an Mühe und Geld soll in erster Linie der Werbung für die Idee des Wochenendes gelten. Wir werden auf Einzelheiten in dieser Ausstellung, die auch für jeden Werktätigen viel Wichtiges und Wesentliches bringt, noch wiederholt im Laufe der nächsten Wochen zurückkommen. Das Ergebnis des Wocheaendhaus-Weklbewerbes. Das Preisgericht für den vom Berliner Mesieamt in Verbindung mit dem Bund Deutscher Architekten, Landesbezirk Brandenburg, ausgeschriebenen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für Wochenendhäuser Hot seine Arbeiten beendet. Es waren Z 2 4 Eni» würfe eingegangen. Die drei ersten Preise zu je 2000 M. erhielten: a) D. Gascad D i e p o l d, gemeinsam mit Paul Maria C a n t h a l: b) Christoph u. Unmack A.-G., N i e s k y, O.-L., gemeinsam mit Architekt jklau» Hoffmann: c) Zlrchitekt Hans R e i ch o w. Die drei zweiten Pre'f« zu je 1000 M. erhielten: a) Heinz Stoff- regen, Architekt, VDA., Berlin W.: b) Deutscher Holzhausbou Dieckmann A.-G., Berlin: c) Dipl.-Ing. Harry Rosenthal, Architek, VDA., Berlin-Wilmersdorf. Sämtliche 324 Entwürfe und zugehörigen Modelle bleiben während der Dauer der Ausstellung Berlin 1927„Das Wochenende' auf der Galerie des Funkhauses aus- gestellt._ Segen üas politische Nowöptum. Der Magistrat für den Schutz Berlins. Der Berliner Mag! st rat hat an den Polizei» Präsidenten entsprechend der Entschließung der Stadtver- ordnetenoersammlung vom 31. März d. I. wegen der Sicherung von Ruhe, Sicherheit und Ordnung auf den Straßen nachstehendes Schreiben gerichtet: „Auch wir halten die gegenwärtigen Zustände für dringend obänderungsbedürftig. Es geht nicht länger an, daß sriedliche Bürger dem Rowdytum schuhlos ausgeliefert sein sollen. Des- gleichen müssen Mittel und Wege gegen die häufigen Zusammen- stoße politischer Parteien und Parteigruppen gefunden werden, zumal auch bei diesen sehr oft Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen und verletzt werden. Das Gefühl der Unsicherheit wird durch die Tatsache verstärkt, daß die Polizei in recht vielen Fällen die Schuldigen nicht zu ermitteln vermochte, um sie der Bestrafung zuzuführen. Die Polizei muß diesen Zuständen durch vorbeugende Maßnahmen und schärferes Einschreiten sowohl im Interesse der Bürgerschaft als auch im Interesse des Ansehens der Stadt Berlin ein Ende machen. Wir bitten deshalb dringend, alsbald alle geeigneten Schritte zu unternehmen, um«ins Besserung der unhalt- baren Zustände herbeizuführen. Von dem Veranlaßtcn bitten wir uns Nachricht zu geben. Eine Abschrift dieses Schreibens haben wir dem Herrn Minister des Innern zur Kenntnisnahme überfandt." Die»Werüersthen�. Sie kornnren nicht mehr auf dem Wasserwege. Die Werdersche Obstzüchtergenossenschaft hat den Vertrag mit dem Bezirksamt Mitte, im Lustgarten in den frühen Morgenstunden ntit Obst zu„markten", gekündigt, weil sie von der Markt- hallendirettion in der Zentralmarkthalle entsprechenden Raum zugewiesen bekommen hat. Mit dem althergebrachten Der- fahren, das beliebte Werdersche Obst auf dem Wasserwege nach Berlin zu bringen, wird dadurch gebrochen: Eisenbahn und Autos übernehmen nunmehr ausschließlich den Transport. Der Transport des Obstes war früher, vor der Zeit der Dampf- maschin«, recht beschwerlich. Das erste Transportmittel war die Kiepe, in der die Früchte bis Potsdam und Berlin getragen wurden. Dann benutzte man den bequemeren Wasserweg. In großen Booten, den sogenannten Schuten, die, von Frauen gerudert, bei günstigem Wetter auch gesegelt wurden, ging es dieHavel ent- lang nach Berlin. 1848 erhielt Werder auf der Berlin— Magde- burger Eisenbahn Bahnverbindung mit Berlin. Für den Obst- transport wurde indessen von diesem Verkehrsmittel wenig Gebrauch gemacht. Der Wasserweg war dem Obst durch die frische Luft zu- tröglicher. Bis 1850 hielt sich die Schute. Dann kam ein„auf Sif. Das Weib, das den Mord beging. 22] Roman von Arih Reck-Rlalleczewen. Die Außentür dann und endlich, immer auf Strümpfen noch, der Gang über den heißen Gartenkies. Hinter dem Gartenportal mit den zwei Steinsphinxen, als man außer Hörweite ist,«in Lauf, was die Füße hergeben wollen. Vor ihnen auf der ungeheuren, stillen Wasserfläche schwimmen die Lichter der fernen Stadt.... Oh, unheilig können die Nächte dieses Landes fein, dessen Erde mehr Blut gesoffen hat, als irgendein anderer Teil des Erdballes... unheilig... unheilig und voller wispernder Dämonen, als könnten sie nicht zur Ruhe kommen, die vor vierhundert Jahren geschlachteten Opfer sener spanischen Er- oberer: manchmal raschelt in dem dichten Eukalyptus, in dieser helllosen Botanik rechts und links von dem Wege etwas, was man lieber nicht sehen mag. Manchmal, wenn auf diesem ihr unendlich erscheinenden Wege die Blitze des verfolgenden Ge- witters ausslainmen, dann ist es ihr, als habe sie da in der sekundenlangen Lichtpause ein rätselhaftes Ding gesehen, das unabänderlich neben ihr geht: ja, dann klammert sie sich angstvoll an ihren Begleiter, versichert sich, daß der Diener Theodorowitsch, wenigstens ein Mensch von Fleisch und Blut, ein Mensch mit zu langen Breeches und ihren armseligen Schwedenkronen in der Tasche ist. Dann wieder oersinkt der Weg in dem Walde, der Mond ist völlig verschwunden hinter der aussteigenden Gewitterbant. Und da ist es denn wieder die Angst vor dem Lebenden, die Angst vor diesem gellen Lümmel, der sie weiß Gott wohin lockt. Dann nimmt sie einen verzweifelten Anlauf zu Mut, faßt wieder nach dem Dolche, befiehlt dem anderen, gefälligst voraus zu gehen. Der kleine Kerl duckt sich, pfeift vor sich hin, gehorcht. Um zwölf Uhr holt das Gewitter sie ein: ein ungehöriger Regensturz mit Wasiermasien, die ihr fast den Atem b«'nehmen, sie in wenigen Sekunden durchnäßt haben, die alte Erde fort- zuschwemmen drohen. Dann ist das alles urplötzlich, wie es gekommen ist, vorüber, ein greulicher, roter, abnehmender Mond aeht auf, der so aussieht, als erhäng« sich jemand in dieser Stunde. Gegenseitigkeit' gebauter Dampfer als Schlepper. 18S1 wurde bei der Koppeschen Maschinenfabrik ein eigener Dampfer für 11 700 Taler bestellt, der dann die regelmäßigen Schleppzüge über- nahm. Diefe Transporte boten mit ihrer Besatzung, zu der auch die Frauen und Töchter der Obstzüchter gehörten, stets ein gern ge- fehenes Bilö. Für den Verkauf war den„Werderjchen' zuerst ein Platz zwischen Friedrichs- und Herkulcsbrücke angewiesen(die Herkulesbrücke stand früher auf dem Gelände in der Nähe des Bahnhofs Börse und überspannte den Graben), jpäter auf der West- feite der Brücke am Museum. In den letzten Jahrzehnten haben die „Werderfchen' ihren Platz mehrfach ändern müssen. Bis 1919 be- fanden sich ihre Plätze rechts und links von der Markthalle 4 am Reichstagsufer. Nachdem die Reichspofwerwaltung, die das Ge- bäude der Markthalle gekauft, das Postscheckamt erbaut hatte, mußten die„Werderfchen' auch diesen Platz räumen. Seit dem Jahre 1918 fanden sie am Urbcmhafen Unterkunft, bis ihnen feit dem Jahr« 1920 der Platz am Lustgarten zugewiesen wurde, mit dessen Aufgabe wieder eine Periode All-Berliner Gewohnheiten der Ge- schichte anheimfällt._ Der empörte§ahrs g e n und den Bezirksämtern der Stadt Berlin zugehen lassen, damit den angegebenen Mißständen nachgegangen werde! Einen Wisch, der von unbewiesenen Beleidigungen zahlreicher deutscher Staatsbürger wimmelt! Wir weisen da nur auf die hitlerianischen Wendungen vom„sich über diesen famosen Trick lustig machen', von der„echt Mischen Unoerschämthett' und von den„Schmarotzern, die am Ziel um so mehr schlemmen' hin. Gar nicht zu reden von der Herabsetzung der deutschen Aerzte jüdischer Konfesston, die ohne auch nur eine Spur des Beweises eines glatten Betruges be- schuldigt werden, und erst recht nicht zu reden von der Berun- glimpfung der bestehenden Staatsform, die in dem Passus von„der heutigen glorreichen Republik' liegt! Wir haben viel vom Betrieb des Herrn Dorpmüller erwartet. Diese fast unglaubliche Geschichte hätten wir aber selbst dort nicht vorausgesetzt! Liefe's Gstern. Karfreitag ist's und es regnet gleichförmig, monoton vom bleiern gefärbten Himmel. Die österliche Feiertagsstimmung, wenn sie auch nicht gerade Purzelbäume schlagen soll, leidet natürlich arg unter dem schlechten Wetter. Nun ist's wieder einmal Essig mit dieser kleinen Freude. Diese Gedanken stehen deutlich auf den Gesichtern der Menschen, die hastig die Straße emlangeilen. Eck« Dorotheen- und Friedrichstraße steht ein alter, müder Droschkengaul. Gesenkten Hauptes, scheinbar in tiefem Sinnen, achtet er nicht all der Darüber- eilenden mit ihren großen und kleinen Sorgen. Unentwegt klatscht ihm ber häßliche Rogen auf den spärlich bebeckten Buckel, die dürstige Mähne flattert triefend und zerzaust im Winde und die armen Beine stehen hölzern und ungelenk, als wären sie künstlich und dann noch falsch eingeschraubt. Teilnahmslos blicken die Augen ins Leere, die Ohren sind unempfindlich geworden für die Geräusche ihrer Um» gebung: das Schwatzen der Menschen, das grelle Tuten der Autos, dies alles geht vorüber, als wäre es gar nicht vorhanden oder schon immer so gewesen. Müde, stumpf, besoelt von dem einen großen Wunsch nach Ruhe! Da plötzlich kommt Leben und Bewegung in das arme Wrack. Die Ohren stutzen sich, die lebensblinden Augen leuchten auf, der ganze Körper strafft sich, wird jung und geschmeidig. Hinter dem Pferde tönt es mit alter, zittriger Männerstimme:.Liese, Lieseken!' Soviel Wärme liegt im Ton, als riefe eine Mutter in banger, liebevoller Sorge nach ihrem Kind. Herrchen kommt an- gestapft, auch alt und klapprig, auf schweren, hohen Stiefeln und bringt die Mahlzeit. ,Lat zwar schon for heute jenug jehabt, aber det arme, olle Tier in dem ollen Dreckwetter, und Ostern is et ooch noch. Woll'n wa man bald nach Hause zuckeln, meine jute Olle, wird doch kcen Ielchäft mehr stni� Nu man noch een Feicrtaqshappcn, is ja bloß eenmal Ostern in eenem Jahre und det nächste Mal? Ob wa da beede noch mitmachen?!' Liese war vollauf eines Sinnes mit ihrem Gebieter, fraß mit sichtbarem Wohlbehagen die Exiraportion und dann trotteten die beiden Allen im langsamen Trab in die ersehnte Behausung. Schwere Verkehrsunfälle. Ein schwerer Straßenunfall ereignete stch gestern nachmittag gegen!44 Uhr on der Ecke Prinzen-Allee und S o l d i n e r Straße im Norden Berlins. Der 30iährig« Arbeiter Her. mann B., der in der Prinzen-Allee 38 wohnt, wurde beim Usber- schreiten des Fahrdammes von einem Geschäftsauto erfaßt und überfabren. Der Verunglückte wurde von Passanten zur naheliegenden Rettungsstelle und von dort in das Nirchow-Kronken- haus geschafft. Aerztlich« Hilfe war bereits vergebens: B. starb an den Folgen schwerer innerer Verletzungen kurz nach der Einlieicrung. Die Schuldfrage bedarf noch der Klärung.— Auf dem Bismarckplatz in'Lichterfelde wurde der 47-� jährige Kaufmann Franz B. aus der Verlängerten Wil- Helmstraße zu Lichterfelde von einem Privatauto über- fahren. B. fand im Dinzenz-Krankenhaus Aufnahme, wo ein Schädelbruch und innere Verletzungen festgestellt wur- den. Der Verunglückte starb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben.— Schließlich trug sich noch ein weiterer schwerer Unfall, bei dem zwei Personen erheblich oerletzt wurden, an der Ecke Frankfurter Allee und Kreuziger st raße in Lichtenberg zu Die 24jährige Frau Gerta S. aus der Frankfurter Allee 64, die zusammen mit ihrem zweijährigen Kinde Werner den Fahrdamm an der Straßenkreuzung über- schreiten wollte, wurde von einem in schneller Fahrt herankommen. den Privatautomobil überfahren. Beide zogen sich er- hebliche Verletzungen zu und mußten zur nächsten Rettungsstelle ge- bracht werden, wo ihnen erste Hilfe zuteil wurde. garinefässeni und verfaulten Getreidesäcken ein Berauschter oder Sterbender, mit den Lauten stöhnender Bewußtlosigkeit. Die kleine Sif sieht ihren Begleiter verstohlen an: Was will dieser Mensch, was hat er, dieser Leporello eines fray- würdigen Don Juans eigentlich für eine Veranlassung, sie zu retten? Und wohin führt dieser endlose Weg? Sie denkt verzweifelt nach, ohne einen Ausweg zu finden, wird sehr mullos in dem Bewußtsein der raschen rohen Taten, die hier hinter diesen verfaulten Brettern geschehen sini� und noch geschehen werden... Dann endlich endet der Engpaß auf einem morschen Holzkai, über dem eine Meite Bogenlampe brennt. Schmie- rige, greulich grün bemalte Küstenschoner schlafen hier in scheinbarer Verlassenheit. DerFluß, stagnierend in diesem toten Arme, liegt als giftige schwarze Brühe zwischen dem faulenden Holz. Ein riesiger Eisenarm— man kann es nicht unterscheiden, ob es der Arm eines Ladekrans oder ein Tor ist— versperrt den Weg. Und hier, wo man ganz von ferne kreischende Saxophone, das Klagen liebestoller Katzen, wo man Geschrei hören kann, von dem man nicht weiß, ob es von einer Messerstecherei oder einer Vergewaltigung kommt: hier geschieht es. daß der Diener Theodorowitsch ganz merkwürdig unmotiviert zwei Takte mitten aus einem modischen Gassenhauer pfeift, daß es gleich darauf mit der Fortsetzung dieser Takte antwortet, daß da Zwilchen den Schiffsrümpfen ein Kahn sichtbar wird, den ein Mann mit einer lanaen Stange heranstakt.� Dann legt sich das Boot an den zerfal- lenen, halb eingestürzten Kai, dann werden ein paar hastige spanische Worte zwischen den beiden gewechselt, und dann fordert der Diener Theodorowitsch sie kurzerhand zum Ein- steigen auf. „Es geht nicht weiter hier...* Ja, daß es hier nicht weiter geht, daß dieses Eisengitter da den Weg versperrt, und daß der einzige Rückzug durch jenen heillosen Engpaß zwischen den Zäunen führt: das alles sieht sie selbst. Wohin aber fährt dieses Boot, wohin? Sie sieht �ein, daß sie für den Notfall wehrlos ist gegen die beiden Männer, sie zögert einen Augenblick. Da hat der Mann im Boot kurzerhand ihren Arm qefaßt... ganz lanft, ohne die Geste der Gewalttat schiebt der Diener Theodora- witsch sie nach vorne: sie ist wohl oder übel ins Boot ge- lprungen. das Boot hat sich in Bewegung gesetzt, die Fahrt über den Styx beginnt. (Fortsetzung folgt.) y Dke üeutsche Zisthverforgung. Eine Gefrieranlage an Bord eines Schiffes. Vor einigen Tagen Hai der Reichstag die Mittel für einen Versuch bewilligt, dessen voraussichtliches Gelingen von gröbter Be. deutung für die Seefischoersorgung Deutschlands werden dürfte. Bekanntlich liegen die besten Fangplätze bei Island, im Weißen Meer, den Neufundlandbänken und an der afrikanischen Küste. Die deutschen Fischdampfer haben also viel längere Reisen als ihre ausländischen Konkurrenten. Da der Fisch sich aber nur be- grenzte Zeit hält, so kommt es häufig vor, daß reiche Fänge vom Handel nicht schnell genug verteilt werden können und die Ver- roertung als Fischmehl, sogar als Dünger nötig wird, zum Schaden der Reeder und der deutschen Nahrungsmitteloersorgung. Auch der Verkauf der von deutschen Schissen gefangenen Fische in England wird häufig dadurch nötig, daß widrige Winde die rechtzeitige Rück- kehr verhindern. D-e Gefrieranlagen an Land können nur dann Nutzen bringen, wenn der Fisch vor kurzer Zeit gefangen worden ist. Dänen und Norweger haben ihre Fangplätze vor der Tür und können einen Fisch gefrieren, der nur einen oder oder zwei Tage alt ist. Zurzeit geben diese Umstände den Ausländern eine Ueberlegenheit, die durch dieses Beispiel bewiesen wird. Eine größere Menge so gefrorener Fische wurde als gewöhnliches Fracht- gut mit der E i s e n b a h n nach Rom geschickt und nach neuntägiger Reise von Sachverständigen begutachtet und gekostet. Die Fische hatten das Aussehen von völlig frischen Fischen und standen ihnen auch im Geschmack nicht nach. Dieser Vorsprung kann für Deutschland nur durch Gefrieranlagen an Bord der Schiffe ausge- glichen werden. Versuche damit sind in Frankreich und England ohne Erfolg gemacht worden. Die Anlage für das neue deutsch« Gefrierschiff, nach den Ideen des bekannten Kältetechnikers Professor Plank von der Maschinenbaufirma B o r s i g in Tegel und den Deutschen Werken Kiel nach jahrelangen Versuchen gebaut, läßt er- warten, daß die Schwierigkeiten überwunden sind. Das Schiff wird also die volle Fangzeit von 45 Tagen ausnützen können und ein hochwertiges Nahrungsmittel mitbringen, dessen Qualität sicher dazu beitragen wird, das hier und da noch bestehende Vorurteil gegen den Genuß von Seefischen zu beheben und die dringend nötige Steigerung des Konsums herbeizuführen. Das Verfahren des Gefrierens besteht darin, daß man die Fische in einer Reihe von Kästen, in die sie von Deck aus, nach der Größe sortiert, eingebracht werden, gefrieren läßt, sie kurz abspült und dann in die Lagerräume des Schiffes bringt. Diese ähneln denen der Fleischwansportschifse und sind auf eine Temperatur von unter Null Grad Celsius gekühlt. Ist nicht genügend Absatz vorhanden, kann der Fisch an Land in die vorhandenen Kühlhäuser gebracht und dort bis zum Verkauf aufbewahrt werden. Es ist zu erwarten, daß dadurch jede Schädigung der bestehenden Fischereisl�tte oermieden wird, ja daß der Seefischgenuß weiter popularisiert wird. Ebensowenig werden die Kühlhäuser geschädigt. Das neue Ge- frierschiff soll ja Helsen, große Fänge restlos für die menschliche Nahrung auszunutzen und sie für die Zeit knapper Zufuhren auf�u- bewahren, wofür die Hilfe der Londlühlhäuser unentbehrlich bleibt. Das Schiff wird etwa in Jahresfrist der Reederei übergeben werden: kaum ist zu bezweiseln, daß es sich bewähren wird. Schlamm im Trinkwasser. Eine Folge der neuen Wasserznleitungen. Seit einiger Zeit machen sich im Süden und Südwesten Berlins recht unangenehme Nebenerscheinungen in der Trinkwasserversorgung bemerkbar. Das sonst kristallhelle und klare Wasser hat namentlich gegen Mittag in der Zeit des erhöhten Verbrauches eine bräun- liche. trübe Färbung, und wenn das Wasser in Gläsern oder Karaffen einige Minuten steht, setzt sich am Boden ein feiner diinkelbrauner bis schwarzer Schlamm ab. Diese Tatsache hat zu manchetlei Gerüchten Anlaß gegeben, und an manchen Stellen wurde das Trinkwasser nur noch abgekocht genossen, weil nach den Er- kahrungen in Hannover vielfach die irrige Ansicht austauchte, daß das Berliner Leitungswasser infiziert sei. Di« Direktion der Städtischen Wasserwerke teilt dazu mit, daß die augenblickliche Ver- schlammung des Leitungswassers in manchen Straßenzügon, die ja tatsächlich vorhanden ist, eine zwar unangenehme, aber ungefährliche Erscheinung sei. Sie ist dadurch entstanden, daß die bisher von den Lichtenberger Pumpwerken über das Zwischenpumpwerk Lands- berger Allee gespeisten Rohrnetze seit einiger Zeit an das große aus der Wuhlheide kommende Wasserrohr angeschlossen sind. Durch die Veränderung der Strömungsrichtung und G e- schwindiakeit sind in den Hauptrohren Schlammnester losgerissen worden, die zum großen Teil aus Eisenoxyd de- stehen und die sich im Laufe der Jahre in den Leitungen gebildet hatten. Dieser feine Schlamm ist nun in Bewegung und hat zu den oben geschilderten Unannehmlichkeiten geführt. Es sei nochmals betont, daß die Erscheinung an sich ungefährlich ist. doch lasten die Wasserwerke durch besondere Fachleute an den Stellen, an denen die Schlammbildung besonders stark auftritt, die Leitungen über- wachen. Die Wasserwerke wollen nunmehr, um dem Uebelstand zu steuern, von der Wuhlheide aus verstärkten Druck geben und die Hauptrohre einige Zeit lang sich in den Landwehrtanal ergießen lassen, um eine gründliche Säuberung der Leitungen vorzunehmen. Es kann also damit gerechnet werden, daß in absehbarer Zeit der Uebelstand beseitigt werden wird. Ferienfahrte» der„Natukfreunde". Der Touristenverein„Die Naturfreunde", Zentrale Wien, oeranstattet auch in diesem Sommer wieder längere F e- rienfahrten, und zwar durch das Fichtelaebirge vom 25. Juni bis 6. Juli. Bahnfahrt bis Kirchenlamitz(Bayern). Wanderung über Selb, Thierstein, Wunsiedel, Schönbrunn, Besichtigung der Luisenburg und Kossenin, Habersteine. Schneeberg(der höchste Berg des Fichtelgebirges). Rudolfsteine, Bischofsgrün, Berneck mit herrlicher Umgebung, am Main entlang zur Main- und Raab- Quelle und weiter über Ochsenkopf nach Bayreuth.?lnsrogen an Bruno Damnik, Berlin N 65, Lüderitzstrahe 58.— Durch den Schwor zwald geht es vom 25. Juni bis zum 1l>. Juli: Heidel- berg, Karlsruhe, Moosalbtol, Freudenstadt, Kniebis, Wildschap- bachtel, Schiltach, Schandelhöhe, Triberger Wasserfälle, Furt- wangen, Brand, Turner, Ravennaschlucht, Höllcntal, Feldberg, Feld- see, Frciburg, Ottenhofen, Hormsgriinde, Hundseck, Sand, Ba° dener Höhe, Geroldsauer Wassersall, Baden-Baden. Anfragen an Franz Maspfuhl, N 65, Brüsseler Straße 14. Beide Wanderungen eignen sich auch für Teilnehmer, die nur acht Tage Urlaub haben. Die Fahrt Vorarlberg— Tirol— Oberbayern geht vom 23. Juli bis 7. August. Ab Berlin mit der Dahn nach Fricdrichshafcn, Dampferfahrt über den Boden- see, Wanderung von Bregenz über Schröck«»(Bregenzerwald), Arlbergbahn, Fernpaß, Naturfreunde-Haus, Musauer Alm, Schloß Neuschwanstein und Hohenschwangau. Garmisch- Partenkirchen. Mittenwald, Innsbruck, Steinach am Brenner, Naturfreunde-Haus Tribulaunhütte, Brixlegg, Erzherzog-Johann-Klause, Landl, Bayrisch- zell, Schliersee, Naturfreunde-Haus Rohrauerhaus, Tegernsee, München, Berlin. Teilnehmerkarte 17l) Mark. Hin- und Rückfahrt mit Nebenbahnen und Autofahrten, Besichtigungen. Quartier mit Morgenkaffee und Abendessen(warm). Anmeldungen bis 15. Juni mit Anzahlung 30 M. an Karl K i st n e r, Berlin SW. 29, Gneisenaustr. 25. Die letzte Tour führt durch das B e r ch t e s- gadener. Salzburger und Tiroler Land vom 13. August bis 28. August. Mit der Bahn ab Verlin nach Berchtesgaden. Anmeldungen bis 15. Juni mit 30 M. Anzahlung an Richard Walter, Neukölln, Siegfriedstr. 55. Da zu beiden Wanderungen nur eine beschränkte Teilnehmerzahl mitgenommen werden kann, empfiehlt es sich, Anmeldungen sofort zu erledigen. Zweites Internationales flrbeiter-Schachturnier. Am Karfreitag mit der letzten Runde wurde das Internationale Meisterturnier beendet. Sieger wurde der Russe Genewsky mit 7 Punkten. Der Oesterreicher Fischer wurde Zweiter mit 6 Punkten und Czach, Berlin, mit 5% Punkten Dritter. Es folgen Nagy. Ungarn, mit 5. Dr. Szigett, Oesterreich, 4M, Subareff, Rußland, 4, Frick, Fraind, Tschechoslowakei, 3X, Ragendorf, Ungarn, 3K, Michel, Schweiz, 3, Schafsartzik, Deutschland. 3 Punkten. In der B-Gruppe brachte es der noch jugendliche Rüste Ragosin aus 8K Punkte. Zweiter ist der Ungar Pickler mit 6% Punkten: es folgen Leßmann, Rußland, S, Teslenko, Rußland, 6. Bischost, Deutschland, 4, Glasatschoff, Rußland, 3X, Grothe, Deutschland, 3, Rosenberg, Oesterreich, 2M, Osten, Deutschland, 2H, und Baltin, Lettland, 54 Punkt«. eänder-Mannschastswettkämpse. In der ersten Runde spiellen Rußland— Deutschland 5X: 2M(2 H.); Oesterreich— Dänemark 6: 4, Ungarn— Dänemark 2J4: 4M(3 H.); Oesterreich— Rußland 3M:4M(2f).). Mannschaslshaupkturnier A. Gruppe I: Berlin 1—6. Kreis 6:4, 8. Kreis— Oesterreich SM:4H. Gruppe II: 2. Kreis— 7. Kreis 7M: 2M. Leipzig— 7. Kreis 4: 6. Mannfchaftshauplturnier B. 3. Kreis— Spandau 7%: 2M, Berlin II— Dresden 17:3. Mannschaftsnebenlurnler. Gruppe I. Dresden II— Berlin- Nord 5M:4M. 7. Kreis II— 1. Kreis II 9M:M. Gruppe II: 1. Kreis 1. Bez.— Dresden-Heide 5M:4H; 7. Kreis(Breslau)— Berlin III 5M:4M. Gruppe III: Berlin-West— Bückgen 6:4; 6. Kreis, 4. Bez.— Berlin-West 6: 4. Die S tadloerordnetenverfammlung hat auch iu dieser Woche keine Sitzung. Auf dem Ariedhos erschlagen. Gestern vormittag besuchte die dreißigjährige Architektenfrau Hildegard Grevel. Schöneberg. Feurigstr. 61, das Grab ihres vor zwei Monaten verstorbenen Daters auf dem Alten Friedhof in Potsdam. Frau Grevel schmückte gerade das Grab mit Osterlilien, als ein starker Weststurm sich in Potsdam erhob. Der Sturm riß aus 15 Meter Höhe einen Ast herunter, der Frau Grevel auf der Stelle erschlug. Zum Beginn der die»sährigeu Sportfliegerei veranstaltet die Fliegerschul« Bornemonn morgen. 3M Uhr nachmittags, auf dem ..Wassersportplatz Lustschiffhasen" ein großes, noch von den Vorjahren her vielseittg bekanntes ErS ffn u na ss ch au fl i e g e n. Aus der Fülle des reichhaltigen Programms seien der Aufstieg eines Frei- ballons, ein Luftreigen, Loopings. Rollings, Trudeln. Dallonrammen usw. genannt. Einige Spannung dürften die F a l l s ch i r m a b- spränge auslösen, da ihr« Landungen auf dem Templiner See erfolgen sollen. Auf der Vorortbahn ver- kehren vom Potsdamer Bahnhof ab bis Charlottenhos, der Wannsee- und Stadtbahn Sonderzüge, desgleichen stellen sich die Straßenbahnen (Linie A), die Omnibusse der„A b o a g" ab Potsdam(Hauptbahnhof), sowie die Dampfer der S t e r n- Gesellschaft mit verstärktem Ver- kehr in den Dienst der Sache. Die Veranstaltung findet bei jeder Witterung statt. Der Deutsche Arbeitersängerbund. Gau Berlin. Bezirk ö. ver- anftaliet am Montag, dem 13. April(2. Osterfeiertag), vormittags 10 Uhr, eine Morgenfeier in Nordend(„Sanssouci"). Da» Bolksbildungsaml Prenzlauer Berg und Friedrichshain veranstaltet am Dienstag, dem 19. April, abends 8 Uhr. im Saal- bau Friedrichshain einen Beethoven-Abcnd mit dem Berliner Sinfonie-Orchefter(Dirigent Sascha Hören- stein) und Joseph Wolfsthal(Violine) als Solisten. Eintritt einschl. Garderobe 75 Pf. Programm: Ouvertüre Leonore 3, Violinkonzert und VII. Sinfonie. Schwerhörig«. Am Mittwoch, dem SO. April, abends 71/. Ubr, im Jugendheim, Lindenstr. 3: Milgliederversammlung der 40. Abt. Lichtbildcr- Borlcag des Ken. Dr. Roeder über:.Die sozialgelundhcitlichcn Ein- richtungen eincS GefundheitSamtS'. Interessenten und Freunde sind ein- geladen. Elite-Sänger. In ihrem Aprilprogramm bringen die Slite-Jänger am Kottbusser Tor als Einleitung ein Potpourri.Aus der letzten Schlager kiste, da» von den Herren Rieh, Naumann, N a t t i n i und Becker hervorragend gesungen wird. In ihrer bumor- vollen Vortragsweise gefielen Erich Mattini und Aisons Borne- mann, dieser in seiner Groteske.Da« StistungSscir und.Wer bat den Käse zum Bahnhot gerollt". AI» ausgezeichneter Sopransänger bewährt sich Hennings mit dem Lied der Kursürstin aus dem.Vogel- Händler" und dem Vortrag„Ein Walzer von Strauß". Großen Bei- lall fanden in ihren Ducitcn.Slelldtchein in Spanien und Berlin" Hans N e n ö und Naumann. Wie immer wurde Schorsch R u s s e l Ii, der samose sächsische Komiker, mit stürmischen Bcisall cmpiangcn. Stürmische Heiterkeit erregte dos Liederspiel»Lenz und Liebe". Den Schluß dildeie ein Schwank„WertherS Leiden", das uns einen schüchternen und gutmütigen Studenten der Theologie in manchen Verlegen beitcn vor- lührte Wie un» Direltor Nötiger miltetlt. hat er sich enllchlosscn, an den Wochenlagen von Montag bt» Freitag von abends k Uhr ab Sin. trittSkarten für die Erwerbslosen bei Vorzeigung der Stempel- und Jnvaiidenkurte zum Preise von 50 Pf. für da» Billett abzugeben, um so auch den Erwerbslosen jür billige» Geld einige sröhlichc Siunden zu er- möglichen. Folgenschwere Explosion von kwillbomben. In G a l a tz (Rumänien) erfolgte am Freitag früh eine furchtbare Explosion, bei der acht Personen mit vier kleinen Kindern getötet wurden. Der Bewohner eines Hauses befaßte sich mit der Herstellung von Knallbomben und wollte, als er erfuhr, daß die Polizei von seinen Puloervorräten Kenntnis erhalten hatte, das Material fort- schaffen. Dabei sing das Pulver Feuer und explodierte. Ueberall Hochwasser! Eine schlimme Oskerüberraschuag. Sturmwetter und Hochwasser im ganzen Reich, das ist die wenig erfreuliche Nachricht des Ostersonnabends! Wir geben nachstehend die einzelnen Meldungen wieder: Koblenz: Am Karfreitag wütete im ganzen mittleren Rheinland ein schwerer Sturm. Namentlich in der E i f e l wurde großer Schaden angerichtet. Der Sturm war von starken Regengüssen, untermischt mit Hagelschauern, begleitet. Frankfurt a. Oder: Der Wasserstand der Oder ist so hoch, daß die Schleusentore im Bruch sich automatisch ae- schlössen haben. Dadurch ist das Abfliehen des Dränagewajjers und der infolge andauernder Niederschläge sich bildenden Feldwässer zum Oderstrom hin unterbrochen. Innerhalb der Deiche stehen die Buhnen, Wiesen und Weiden vollkommen unter Wasser. Mit einem raschen Abfluß der Wassermengen kann nicht gerechnet werden, da vom Ober- und Mittellauf des Stromes ein weiteres Steigen gemeldet wird. Die Frühjahrsbestellung muhte not- gedrungen»ausgesetzt werden. Ob sie noch rechtzeitig genug wird fortgesetzt werden können, ist fraglich. Dessau: Das Gelände zwischen Dessau und Roßlau im Bereiche der Mulde und Elbe gleicht infolge des Hochwassers bereits einem g r o ß e n S e e. Die Wasserbauverwaltung rechnet mit einem weiteren starken Steigen, so daß die Straßenverbindung Dessau- Jonitz unterbrochen werden wird. Görlitz: Infolge der Regengüsse der letzten Tage führt die Neiße Hochwasser. Der Wasserstand ist in den letzten 24 Stunden von 1,70 auf 2,20 Meter gestiegen. Drei gauz besonder» preiswerte Mittelmeerreise», die erste nach den Kanari. schen Znsein und Madeira, die zweite durch den ganzen Orient und die dritte nach Algerien, Tunesten und Spanien, veranstaltet da» Mittelmeer-Reise. bureau in Berlin W.«, Nronenstr. S, und Hamburg 36, Esplanade 22, im kommenden Sommer während der Schul- und Serichtsfcrien. Die Fahrpläne dieser Reisen stnd so interessant gehalten, daß sie nicht mehr Itbertroffen werden können. Alles Nähere enthält der Epezialprospekt Nr. 12, den die genannten Bureaus an Interessenten kostenfrei versenden. Bei der Firma Srbr.«rumach Berlin, lköniastraße, feierte am Sonnabend, 1«. April, der Montageinspektor Braun sein Äjähriges Srschäft». lubiläum. Bad Landeck in Schlesien. Große» Interesse wird der Einrichtung von Pauschalkuren entgegengebracht. Eine Pauschalkur stellt ssch in der Hochsaison, da» ist in der Feit vom lö. Mai bis Id. September, auf 27d M., in der anderen Zeit des Jahres 240 M. In dieser Summe stnd eingeschlossen: Wohnung, Verpflegung, die Kosten für den Arzt sdrei Konsultationen), 13 Thermalbäder oder Duschen und die Kurtaxe. Zugrundcgelegt ist ein Aufenthalt von 28 Tagen. Soll der Kuraufenthalt kürzere Zeit dauern, so verringern ssch die Kosten cnt- sprechend bei der Verpflegung und gegebenenfalls bei den Bädern, jedoch wird ärztlicherseits von einer kürzeren Kurdauer abgeraten. Es besteht auch die Möglichkeit, anstatt Thermalbäder auch Moorbäder zu nehmen, es werden daitn zwei Thermalbäder einem Moorbad mit Neinigungsbad gleichgerechnet. Als Pflcgestütte>ür Leibesübungen gewinnt Landeck immer mehr an Bedeutung, fo findet am 24. April der Gauwaldlauf sämtlicher Sportverbände des Gaues Dlatz in Landeck statt, und am 14. August das Eaubundesfcst der Turnvereine desselben Gaues. Die weltbekannte Firma Heinrich Fraack Söhne, G. m. b.$., Berlin W.— Lndwigsburg— Salle— Nenß, feit nielen Iahren führend auf dem Gebiet der Kaffee- Zusah» und-Ersaß-Industrie, bringt dem Bedürfnis der Zeit entsprechend, unter der Bezeichnimg„Kaffee Eold", Karlsbader Kaffee-Dewürz, ein neues Erzeugnis in den Handel, wie sie sich ausdrückt:„Für die feine Küche". Es darf als feststehend angesehen werden, daß die Firma Heinrich Franck Söhne, G. m. b. L.. auch mit diesem Kaffeegcwürz ein erstklassige« Produkt geschaffen hat, das sich den bekannten, feit Iahren eingeführten Spezialitäten �Aeä't Franck" mit der Kaffeemühle und„Kornfranck" in Beschaffenheit und Zweck- Mäßigkeit würdig zur Seite stellt. Die Gewißheit, ein erstklassige, Kaffee» gewürz zu erhalten, wird die zahlreichen Freunde Franckschcr Erzeugnisse gern bereit finden, auch die neue Spezialität zu versuchen. Warum Geld fortwerfe»? Di« Straßenbahn kostet setzt iß Pf. Das macht wöchentlich 2,86 M. Wenn Sie sich ein OpefiFahrrad mit dreifähriger Garant,-: kaufen, so kostet dasselbe wöchentlich nur 3 M. Sie sparen nicht nur Fahrgeld, sondern brauchen sich nicht die Cache» vom Leibe reißen zu lassen, wie dies oft beim Sturm auf die Straßenbahn geschieht. Eilen Sie noch beute zu der Opel-Niederlage der Shcrlock-Gesellschaft m. b. H., Hackesche: Markt 2—3, und kaufen Sie sich sofort ein Opel-Fahrrad. vortrage, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Keschäst, stelle: Berlin E 14, Scbastlanst?. 87/58, Hof 2 Tr. Ganvorstand. Arbeitsfreie Kameraden werden gebeten. Dt., d. 16., vorm. ln Uhr, bei der Instandsetzung des Bootsplatzes in Köpenick, Wendenschloßstr. 122, freiwilligen Arbeitsdienst zu verrichten.— TicrgarUn: Mi., d. 26., 3 Uhr, findet die Einäscherung des Kam. Fiebiger in der Gericht» straße statt. Antreten 7 Uhr Vhk. Putlitzstraße. Fahnen mit Trauerflor. Erscheinen Ehrenpflicht. Die Versammlung oon Fortschritt fällt aus.— Prcnz. 1 �„ m CO„ m a. �. s. �: r � �... eil?: w«ia«? � r,„: 2. Sektion: MI., d. 26., Scktionssitzuna be! Bostln. Memeler Str. 7. 7. Sektion: Mi., d. 26.. 7>/h Uhr, Comcninssiilc. Memeler Straße. Vortrog des Herrn Dr. Rehr:..Das Wandern zu Wasser, mit Lichtbildern. Kameraden de» Kreis» verein» willkommen.— Adlershof: Do., d. 21.. pünktlich 8 Uhr, beim Kam. Lchngut, Sedanstr. 3. Mouaisverfammlung. Kam. Jung spricht über„Dir Notwendigkeit des Reichsbanners." Restlose Beteiligung ist Pflicht. Gäste können eingeführt werde:-. Bi«che»isck>«r Perrin Sroß»B«rl>a. 1«. April. Gruppe Eharlvttenburg: EdeN.Polast, Kaiser-Friedrich-Str. 24. Prof. Vtolinaar:„Die Gcwisscnsklauscl zum Impfgesch," mit Lichtbildern. Wilmersdorf! Restaurant„Zur Lauenburg", Laucnbnrgkr Str. 21. Dr. med. Stcintcl:„Geschlechtskrankheiten und das mediko-tapitalimsche Erstem," mit Lichtbildern. Rcinickendors-Ost: Kastanien. Wäldchen, Rcsidenzstr. Il.6. Möller:„Das Ncrucnsnstem, die Bipchemie und der Hcilvorgang," mit Lichtbildern.— 26. April. Lankwitz: Lehmanns Festfäle, Kaisxr»WiIhclm.Str. 26— 31. Wille:„Krebs," mit Lichtbildern. Fricdrlchsfeldc: Restaurant Dempcl, Gudrun». Ecke Doznerstr. 7. Möller:„Das Nervenspstem, die Biochemie und der Heilnorgang, mit Lichlbildcrn., Roscnthaler und Oranienburger Vorstadt: Sesellschaktshaus, Ewinemilnder Str. 42. Dr. med. Stctntcl:„Geschlechtskrankheiten und das mediko-kopital-stische Enstem," mit Lichtbildern. Wildau: Restaurant„Grüner Baum", Schwartzkopffstraße. Hnman»:„Biochemische Winke in Krankheitsfällen."— 21. April. Hermsdorf: Restaurant„Zur Hütte", am Bahnhof. Tcsmer:..Arterienverkalkung. Grünau: Gcmeinschaftshaus. Alter Sutshof. Friedrich:„Wir und die Gesetzgebung."— 22. April Lohcnncuendorf: Lindemanns Gesellschaftshans. Tesmcr:„Atmen und Tönen." Tenipclhof: Restaurant„Zum Kurfürsten, Berliner Straße. Mötkcl:„Licht, Luft und Lonne," mit Lichtbildern. Verband für Freidenkcrtum Hermsdorf und Kultur, und Sportkartcll. Dienstag, 16. April, 8 Uhr, Iugcndzimincr der Turnhalle, Kursus über„Pro. lctarische Dcltanfchouung." Manbolinenklnb.Sonate l»67". Dienstag abend Uhr im Restaurant Rohrodorf. Kaslanicnallec 12. Damen und Herren als Mitspieler willkommen. Arbeitcrncrei» für Biochemie und Lebcnsrcform i. V. P. Mittwoch, H. Pfarrer über„Geschlechtskrankheiten". Eintritt frei. Fragenbcantwortwng. Deutscher Reichsverbend»ur Bekämpfung der Impfung. Am Freitag, 22. April, 7% Uhr, in Haverland« großem Festsaal, Neue Fricdrichstr. zz, Eingang Rochstraße(zwischen Bhf. Dörse und Alexonberplatz), Diskussionsabend. Referent Professor Dr. Heinrich Molenaar, Neustadt a. d. Haardt(Rhelnpfalz). Einheitsverbaud sozialistischer Handel» und Gewerbetreibender»nd sonstiger Bernfc. Donnerstag. 21. April, Ronatsversammlung im Gerne rlschaftshauo, Engelufcr 24—2.1, Konierenzsaal. Bortrag des Genossen Amberg über Bor. kchrsfragen. Gäste willkommen. Berliner Verein für Einhcitskurzfchrift E. B. Uebungen jeden Mittwoch abend van ZHZ bis VjlÖ Uhe im Friedrich-Wilhelm.Ghmnasium,»ochstr. 13. Bereinsheim: Wilbelmohoi, Anhaltstr. 12. Nähere Auskunft erteilt Herr Wilhelm Knoop, Halenfe», Bornimer Str. 8. Uhland ö268. 2PlNDI.LRSFS.t.0 BEI CÖFEN-ICK/ BERLIN btütenreine Kleidung. Darum schicken Sie bitte die zumFärben.chemischReinigenoder Waschen gewählten Stücke unverzüglich in die nächste Filiale oder Annahmestelle von \ Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 17. April: Vorm. 9: Morgenfeier. Nachm. 12— I2.S0: Oster-Tnrmninsik. 1.10: Aus ..raust" von J W. v. Goethe. 3.30: Mirchen. 4.30— 6; Etti-Kammerorchester. 6L0: Begegnungen mit gefährlichen Tieren(Bengt Berg). 7.30: Luftfahrt und Erfinder. 8: Sendespiele;„Das Dreimäderlhans", Singspiel von Dr. A. M. Willner und Heinz Reichert. Montag, 18. April: Vorm 9: Morgenfeier. 11.30— 12.50 nachm.; Platzkonzert. 1.10: Die Stunde der Lebenden. 2.30: Die Geschichte der deutschen Feldpost. 3: Die Bedeutung der landwirtschaftlichen Produktionsstatistik für Erzeuger, Handel und Verbraucher. 4—6: Fnnk-Frühlingsfahrt nach Westerland. 7.30: Das Wochenende in der humoristischen Dichtung. 8: Fortsetzung der Funk-Früh» lingsfabrt nach Westerland. Anschließend Tanzmusik. . Dienstag, 19. April: Vorm. 11— 12.25; Orchester des Caf6 Vaterland. Nachm. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4; Die ewige Stadt und ihre Kunstschätze. 4.30— 6: Kapelle Gebrüder Steiner. 6.20: Stunde mit BüchcrA. 6.50: Der deutsche Luftverkehr im Jahre 1927. 7.30: Uebertragung aus der Städtischen Oper Charlottenburg„Die Jüdin", Große Oper in 5 Akten von F. Halevy. Mittwoch, 20. April: Nachm 1.30—2: Glockenspiel der Parochialkirche. 3.30: Frauenfragen und Franensorgen. 4z Kunst und Kultur im alten Berlin. 4.30: Jugendbühne. 5— 6: Ettd-Kammerorchester. 6.30: Di« Arterienverkalkung. 7.05: Zwiegespräch mit einer Blumenfreundin. 7.30: Aus der Bildungsarbeit unserer Volksschule. 8: Hauptformen der Lebensversicherung. 9: Heiterer Abend. 10.30— 12.30; Tanzmusik. Donnerstag, 21. April: Nachm. 12.30: Die vierfei Stande für den Landwirt. 4: Unter den wilden Rothäuten des peruanischen Urwaldes. 4.30— 6: Berliner Funkkapelle. 6.30: Die gegenwärtigen Arbeiten am Mittellandkanal. 7: Spanisch. 7.30: Der Beamte in den Verkehrs- und Wirtschaftsunternehmungen der öffentlichen Hand 7.55: Naturerkenntnis und Kulturfortschritt. 8.30; Lyrik unserer Zeit (Becher). 9.15: Kammermusik. 10.30— 12.30; Tanzmusik. Freitag, 22. April: Nachm. 3.30: Die Frau in der Volksvertretung. 4: Wesen und Aufgabe der Berliner Sprachheilschulen. 4.30: Balladen. 5—-6: Konzert. 6.30: Die Frauen der deutschen Literatur. 7.05:„Wissen Sie schon das Neueste?" 7.30; Die orientalische Dichtform. 7.55: Das künftige deutsche Strafgesetzbuch. 8.30: Orchesterkonzert. 10.30—12.30: Tanzmusik. Sonnabend, 23. April: Nachm. 12.30; Di© Viertelstunde für den Landwirt. 4: Wetterzeichen am geistigen Horizont. 4-30— 6: Kapelle Gebrüder Steiner. 6.30: Medizinisch- hygienische Plauderei. 7.05: Journalistcncrlebnlssc aus zwei Jahrzehnten. 7.30: Einführung in die Staatsbürgerkunde. 7.55; Künstler und Publikum im Wandel der Zeiten. 8.30: Lustiges Wochenende. Anschließend„Der Mann Im Regen", Einakter von Arnolt Lippschi tz. 10.30— 12.30; Tanzmusik. Königswusterhausen. Sonntag, 17. April:• Uebertragungen aus Bertin. Montag, 18. April: Uebertragungen aus Berlin. 4 und 8: Uebertragungcn aus Hamburg. Dienstag, 19. April: Nachm. 4— 4,30; Chinesische Jugend und chinesische Schulen(Dr. Meli). 4.30—5: Erziehungsberatung(Dr. Klopfer). 5—5.30; Grundfragen der Staaten- künde: Reichsstaaten und Raumpolitik(Dr. R. Berger). 5.30—6: Logisches Denken und seine Bedeutung für das Leben.„Die Hauptregeln der Logik" (Dr. Falkenfeld und Fr. Suse Byk). 6— 6.30: Aus der Praxis des Mietsschöffengerichts(Amtsgerichtsrat Dr. Schubart). 6.30— 6.55: Spanisch für Anfänger(Q. van Eysercn und C. M. Alficri). 6.55—7.20: Zum 45. Todestage von Charles Darwin(Prof. Dr. Zimmer). Ab 7.30: Uebertragung aus Berlin. Mittwoch, 20. April: Nachm. 12— 12.30; Einheitskurzschrift für Schüler(Prof. Dr. Amsel und Oberschullehrer Westermann. 12.30— 12.40; Mitteilungen des Reichsstädte- bondes. 2.30— 3: Das Leinen im Haushalt, seine Behandlung und seine Wäsche (Georg Müller). 3.30— 4: Einheitskurzschrift für Anfänger(Prof. Dr. Amsel und Oberschullehrer Westermann). 4—4.30: Chinesische Jugend und chinesische Schalen(Dr. R. Meli). 4.30—5: Englisch für Fortgeschrittene(Stud.- Rat Friebel und Lektor Mann). 5— 5.30: Der Bau und das Leben der Pflanzen: Das Blatt der Pflanzen(Prof. Dr. Kurt Krause). 5.30— 6: Das deutsche Kunstlied bis Schubert(Dr. Mersmann). 6— 6.30; Technischer Lehrgang für Facharbeiter: Flächen- und Raumrechnung(Gewerbeoberlehrer Mayer). 6.30 bis 6.55: Englisch für Anfänger(Stud.-Rat Friebel und Lektor Mann). 6.55 bis 7.20: Die Vercdclungswirtschaft der deutschen Landwirtschaft und ihre Grundlagen vor und nach dem Kriege(Oek.-Rat Dr. Keiser). 7.20— 7.45: Die Kultur Europas im Zeitalter der Renaissance und Reformation: Das Erwachen des Bürgertums(Dr. Krammer). Ab 8.15: Uebertragung aus Leipzig. Donnerstag, 21. April: Nachm. 2.30—3: Hausfrauenwünsche zum Wohnungsbau: Zweckentsprechende Inneneinrichtung(Zentrale der Hausfrauenvereinc Qroß-Berlin). 4— 4.30; Berufsberatung; Student und wirtschaftliche Selbsthilfe(Dr. Schcndcl). 4.30— 5: Die Fortbildungslehrgänge für Mittelschullehrer und-lehrerinncn in Kiel und Dortmund(OberschuUehrcr Westcrmann). 5—5.30: Alte deutsche Einen Vortrag, ben man mit grobem Vergnügen hört«, hielt Oberregierungsrat Jakob Scheret, der über den„Charakter in unserer Zeit" sprach. Er definierte den Begriff„Charakter" klar und eindeutig und stellte fest, daß neben anderen Eigenschaften Pflichtgesühl, Wahrhaftigkeit und Sachlichkeit für einen charakter- vollen Menschen wesentlich seien. Der wirkliche Charakter trägt seine strengen Grundsätze nicht auf der Zunge, sondern er befolgt sie, und besonders die bei Scheincharakteren sehr beliebte Wendung:„Ich habe diese Grundsätze, aber..." ist ihm fremd. Seine Sachlichkeit erstreckt sich auf Freunde wie auch Feinde und nie treibt er Vettern- Wirtschaft. Man mußt« aus Grund dieser Ausführungen dem Vor- tragenden recht geben, daß zurzeit wenigstens im öffentlichen Leben, Charaktere zu den allergrößten Ausnahmen zählen.— Dr. Karl Sonnenschein versuchte in seinen Ausführungen„Weltstadtpro- bleme" etwas von der Atmosphäre Berlins zu spiegeln. Doch blieben die mit starkem Pathos gezeichneten Bilder allzu sehr in subjektiven Betrachtungen stecken, um wirtlich lebendig zu werden.— Der K o s l eck s che B l ä s e r ch o r, der das Abendprogramm bestritt, hatte leider Kompositionen gewählt, die für ein Blasorchester sehr wenig geeignet waren. Es sollte Menschen von Musikgeschmack widerstreben, Werke wie das Mendelssohnsche„Frühlingslied" oder das Andante aus der Q-Dur-Sinfoni« von Haydn in der Bearbei- tung für Blasorchester zu bringen. Dagegen überraschte das Nach- mitiagsprogramm der Kapelle Gebrüder Steiner durch eine erfeulich verständige Musikfolge, die nur geringe Schönheitskorrekturen not- wendig gehabt hätte, um alle Ansprüche an eine geschmackvolle Unter- Haltungsmusik zu befriedigen. tes. Städte in Ostenrop«(Prof. Dr. Votel). 8.30—6: JapM. seht VoHrston«nd seine Kultur im Wandel der Zeiten(Major a. D. Dr. Trautz). 6—6.30: Grundsätze und Bedeutune der Wanderatfcstellungen der Deutschen Landwirtschaits» Qesellschaft(Major a. D. Mayer-Schalbura). 6.30— 6,55 Spanisch für Fort» geschrittene(G. van Eysercn und C. M. Alficri). 6.55— 7.20: Uhland zum 140. Geburtstage. Einleitung: Prof. Werner. Rezitation: Ilse Fischer-Ramin. 7.20—7.45; Aus der Prosa deutscher Staatsmänner und Gelehrter: Frhr. vom Stein(Dr. Hans Roseler). Ab 8.30: Uebertragung ans Berlin. Freitag, 22. April: Nachm 12—12.30: Französisch für Schüler(Lektor Ciande Grander nnd G. van Eyseren). 3—3.30: Ratschläge für Wanderfahrten(Dr. Brnstmann). 3.30—4: Einheitskurzschrift für Eortgeschrittene(Prof. Dr. Amsel und OberschuUehrcr Westermann). 4—4.30: Die unblutige Jagd mit der Kamera(Bengt Berg). 4.30—5: Die Kunst des Sprechens(B. K. Qraef). 5—6: Einführung in das Verständnis der Architektur(Dr. Paul Zucker). 6—6.30: Planmäßige Lehrlingsansbildung in der Industrie(Dr.-lug Harm). 6.30 6.55: Englisch für Fortgeschrittene(Stud.-Rat Friebel und Lektor Mann). 6.55—7.20: Die Entstehung und Verwaltung des Reichshanshaitsplanes(Reg.-Rat Dr. Spiel- hagen). 7.20—7.45: Wissenschaftlicher Vortrag für Acrzte. Thema and Name des Dozenten werden in den ärztlichen Fachzeitschriften bekanntgegeben. Ab 8.30; Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 23. April: Nachm. 3—3.30: Französisch für Anfänger(Lektor Claude Grander und G. van Eyseren). 3.30—4: Esperanto(Postrat Behrendt und Frl. Moelke). 4—4.30: Meister Eckard und dl? deutsche Mystik(Prof. Dr. L. Schreyer). 4.30—5: Volkswirtschaftliche Bt.i.äge zum Geschichtsunterricht(Dr. Herta v. Bremen). 5—5.30; Urlaubshygiene der Beamten(Geh.-Rat Falkenberg). 5.30—6: Sorgenkinder des Arbeiters(Dr. Würzburger und Er. Dr. Wieoer). 6—6.30: Technischer Lehrgang für Facharbeiter; Rechnerische und mathematische Grundlagen(Stud.-Rat Thiel). 6.30 6.55: Zahnzerfall, die ver- breitetste Volksseuche(Dr. Lichtwarck, Hamburg). 6.55—7.45: Chorkultur von der Prärie bis zn St. Peter io Rom(Dr. Heinitz, Hamburg). Ab 8-30: Uebertragung ans Berlin. Sport. Rennen zu Strausberg am Sonnabend, dem tS. Aprit. l. Rennen 1. ftioifina(Ackermann), 2. FaUer 3. Cambrena drohung der staatlichen Ordnung Mexikos gedeutet: amerikanischer Waffenschmuggel soll gegenrevolutionären Kräften zur Macht ver- helfen. Zm Schatten des Weltkriegs. .�lles das vollzieht sich Im furchtbaren Schatten des zwar längst "hergegangenen, aber noch lange nicht überwundenen Weltkriegs. 5 Weltkrieg, der asiatische und afrikanische Armeen auf die euro- Kriegsschauplätze führte, hat der sklavischen Ergebung der ..."ialvölker in die schicksalhaste Gebundenheit der Ausbeutung durch das eindringende Kapital«in Ende gesetzt. Die Welt des europäisch-amerikanischen Kapitalismus sucht zur Ueberwindung des schwersten Weltkriegserbes, der die ganze Welt umfasienden Wirt- schaftskrise, in der„Erschließung und Durchdringung" gerade dieser Völker Ersatz für die Geschäfts- und Absatzmöglichkeiten, die der Weltkrieg in der alten Welt zerstört hat. Der Kampf um die Selbstbestimmung der unterdrückten Völker, der Kampf des europäisch-amerikanischen Kapitals um neue Märkte—, sie begegnen sich, da der Völkerbund ein zu schwaches, ein zu kapita- listisches Instrument geblieben ist. mit der Waffe in der Hand. Nene Kräfte. Kann man angesichts so düsterer Zeichen von einem Früh- ling der unterdrückten Völker der Erde sprechen? Kann man einen Wandel in den Weltkrästen entdecken, der Epoche macht, wie man zu sagen pflegt? Wer aufmerksam zusieht und auf die wirk- lich bewegenden Mächte achtet, welche die Weltereignisse gestalten. dem wird es— trotz alles Anscheins vom Gegenteil— unmöglich sein, die neuen Kräfte zu übersehen, die sich überall in der Welt regen und entfalten, und die eine neue, ganz veränderte Lage schaffen! Es ist ein Erwachen aus tiefem Schlaf bei den unterdrückten Völkern, eine neue Bewußtseinslage ist im Entstehen. die ihnen sagt, daß nationale, soziale und wirtschaftlich« Unter- drückung und Ausbeutung durchaus kein natürliches, ewig zu tra- gendes Schicksal sei, und dieses neue Bewußtsein muß früher oder später unfehlbar auf die Herrscher zurückwirken und sie zum Roch- denken über den Sinn und Unsinn ihrer imperialistischen Mittel zwingen. Zumal in den imperialistischen Ländern selbst st a r k e Gegenkräfte auf den Plan treten, breite Schichten, die sich zur Ueberzeugung durchgerungen haben, daß die imperialistische Politik ihres Heimatlandes verderblich ist: sie ist unsittlich, weil sie die Menschenwürde mißachtet, und ist unfruchtbar, weil sie nur Widerstände der Unterdrückten wachruft, die zu Katastrophen führen müssen. Diese Schichten— vornehmlich sind es die organisierten Massen der Arbeiterschost— sind sich auch bewußt geworden, daß die soziale und wirtschaftliche Ausbeutung der überseeischen Länder, die ihnen aufgezwungenen Kulilöhne, die Kaufunfähigkeit der Ein- geborenen, aus die Dauer auch ihre eigene Lage erschweren. Sie wollen die Freiheit, vor allem auch die wirt- schaftliche Selbstbestimmung der unterdrückten Völker, weil der wachsende Wohlstand freier Völker auch die Wirtschaftskrise schneller und erfolgreicher zu lösen vermag, als das mit den brutalen Ausbeutungsmethoden des kapitalistischen Imperialismus möglich wäre. Das Erwachen des Bewußt. feins der unterdrückten Völker zusammen mit dem Erstarken dieser Gegenkräfte in den imperialistischen Ländern selbst— dies ist der große Wandel, der sich vorbereitet. Diese Kräfte schicken sich jetzt an, in der Arbeiterinternationale und in den Parlamenten den Kampf mit den imperialistischen Mächten aufzunehmen. Der Kampf gegen die Armut. Das Erwachen der unterdrückten Völker ist zunächst ein Er- wachen ihres nationalen Bewußtseins und bedeutet den Kampf gegen die Fremdherrschaft. Deshalb find die kolonialen Bewegungen in erster Linie nationalistisch und bestrebt, der nationalen Selbstbe- stimmung Geltung zu verschaffen. Doch schöpft diese Bewegung ihre Stärke und ihre Spannkraft überall aus den Tatsachen des"wirt- schafilichen und sozialen Elends als Folge der fremden Herr- schaft, der es nur auf Erzielung hoher Kapitalrenten durch den Raubbau an den Naturschätzen und den Menschen ankommt. Der groß« Kampf in China gegen die imperialistische Unterdrückung hat hier seine wichtigsten Grundlagen. Denn wenn auch die nächsten Ursachen des unbeschreiblichen chinesischen Massenelends in der Zer- splitterung des immensen Staatsgebiets, im Mangel einer geordneten Verwaltung in der Abenteurerherrschaft und oen Requisitionen der Generale und ihrer Söldnerheers, im Fehlen von Transport- Mitteln usw. zu suchen sind, so weiß man andererseits auch, welche Schuld die imperialistischen Mächte an diesen Verhältnissen tragen. Sic haben den furchtbaren Konflikt zwischen traditionell chinesischer und importierter europäischer»Kultur" erzeugt. Sie waren es, die durch die Unterstützung und Bewaffnung der Söldnerheere und ihrer Generäle die Geschäft« der Kapitalmagnaten besorgen ließen vnd die Ordnung in der Staatsverwaltung, die Schaffung von Ver- kehrsmitieln durch die Auspowerung des Landes verhinderten. Für die elenden Llrbeitsverhältnisse in der jungen chinesischen G r o ß t n d u st r i e ist das ausländische Kapital ebenfalls verant- wörtlich: denn wenn die Ausbeutung in den vom chinesischen Kapital geleiteten Fabriken außerordentlich groß ist, so ist sie in den vom europäisch- ctmerikanisch-japanischen Kapital beherrschten Betrieben noch größer. Und ähnlich verhält es sich in Britisch- Indien, im französischen Indo-China, in Holländisch. Indien. Ueb'er die Hölle der Bergwerke Holländisch-Indiens wurden wir kürzlich, als Aufstände der unglücklichen Eingeborenen mit europäischen Maschinengewehren unterdrückt wurden, aus er. schütternden Darstellungen unterrichtet. Junge, aber vielverheihende Gewerkschaftsbewegungen in China und Britisch-Jndien haben erst seit kurzer Zeit den Kampf um die Besserung der menschenwürdigen Arbeitsverhältnisse aufgenommen. In Mexiko sind die Gewerkschaiten das stärkste Bollwerk gegen die mit dem Großgrundbesitz und dem amerikanischen Oelkapital paktierende Gegenrevolution, energisch unterstützt von den Gewerkschaften der Vereinigten Staaten. Wenn die Regierung der Vereinigten Staaten ihren imperialistischen Methoden gegenüber Mexiko Zügel anlegen mußte, so war dies schon eine Folge dieses Gegendrucks. Und auf den philippinischen Inseln hat der mutige Abwehrkampf der einheimischen Regierung dem weiteren Vordringen der amerika- nischen Eroberung, wie es scheint, Einhalt geboten. Landfrage und Industrialisierung. Di« fortschreitende lapitalistische Durchdringung der Rohstostge- winnung in den tropischen Gebieten und die Schaffung von Groß- industrien in den überseeischen Ländern, die mit den alten Industrien Europas in Konkurrenz treten, haben der imperialistischen Politik eine Fülle neuer Probleme und Schwierigkeiten erwachsen lassen. Um große kapitalistisch« Kulluren für Baumwolle, Gummi, Palmöl usw. im Großbetrieb zu errichten, werden die Bauern ihres Landes und mit List und Gewalt ihrer Nahrung beraubt. Wie dies noch in jüngster Zeit in Indochma geschah, darüber konnte man sich kürzlich aus französischen Parlamentsberichten informieren. Auf den Philippinischen Inseln steht zurzeit noch ein Landesgesetz, das die Regierung der Vereinigten Staaten jetzt ab- zuschassen trachtet, der Enteignung der Eingeborenen für die Zwecks des Gummikapitols im Wege. In den belgischen und englischen Kolonien Afrikas geht das Bestreben der Herrscyermächte dahin, das Land dem Besitz der Eingeborenen zu entziehen, um dort kapita- listische Pflonzenkulwren im Großbetrieb zu errichten. Dadurch will man sich zugleich die notwendigen Arbeitskräfte und die industrielle Reservearmee für die junge koloniale Industrie sichern. Weil die reichen Naturschätze des afrikanischen Kongos wegen der fehleirden Arbeitskräfte nicht ausgebeutet werden können, soll die Vertreibung der Neger von der Scholle den Bergmagnaten Helsen. Das Elend der indischen Landarbeiter treibt diesen in die junge städtische I n d u st r i e, wo er als Lohnkuli unter grauenhaften Ver- Hältnissen fein Leben fristet. Wohin dieses System der Proletari- sierung führt, sehen wir in Südafrika, wo das Industrisprole- tariat im Gold- und Diamantenberabau dem größten Elend preis- gegeben ist, während das Land, aus dem die Eingeborenen vertrieben wurden, nicht bebaut werden kann. In Südafrika hat man wenig- stens die verhängnisvollen Wirkungen der Enteignung eingesehen und versucht jetzt, durch Landeszuteilung an die Eingeborenen einiger- maßen abzuhelfen. Worauf es für Europa ankommt, ist die Fest- stellung: die Kolonialvölker könnten, statt mit dem industriellen Europa auf Grund von Kultlöhnen zu konkurrieren, mit unserer Hilfe, unter Mitwirkung europäisch-amerikanischen Kapi- jals und moderner Technik sich zu blühenden Agrarländern mit kaufkräftiger Bevölkerung entwickeln und die Pro- dukte Europas kaufen, wenn ihnen nicht der Boden von den im- perialistischen Mächten geraubt würde! Sofern sie aber eigene In- dustrien schaffen, könnten auch diese so betrieben werden, daß sie der Kauskraftstärkung und dem Wohlstand der einheimischen Bevölkerung dienen, was der ganzen Welt nützlich wäre. Gefahren auf dem neuen Wege. Dieser Weg wird durch die imperialistische Macht- und Unter- drückungspolitik versperrt. Am furchtbarsten sind die Barrikaden des Imperialismus in dem jetzt erwachenden China wirksam, wo die politische Freiheit und wirtschaftliche Selbstbestimmung von vier- hundert Millionen Menschen Europa friedliche Aufbaumöglichkeiten geben könnten, die die Last der Weltwirtschaftskrise in ungeahnter Weise mildern könnten, statt sie durch machtpolitischcn Wahnwitz zu verewigen. Hat doch das gewaltige China mit'einer Bevölke- rung von der Größe Europas insgesamt zum Beispiel nicht mehr moderne Verkehrsmittel als das kleine Oesterreich. Schon hat Eng- land die politische Anerkennung der neuen Mächte in China zuge- stehen müssen. Das ist ein großer Erfolg. Aber man darf sich darüber nicht täuschen, daß alle Erfolg« der kolonialen Emanzipation gefährdet, die alten imperialistischen Tendenzen gestärkt werden können, wenn man nicht die Eigengesetzlichkeit des kolonialen Emanzipationstampfe» beachtet. Diese Gefahr geht heute von der K o m mu nistischen Internationale aus, die in China dieselben Spattakusmethoden propagiert, die in Europa die Kraft und Einheit der Arbeiterklasse gelähmt und der Reaktion in den Sattel geholfen haben. Allerdings muß der Völkerbund mit seinem Mandatssystem heute noch eher als Instrument des Imperialismus, denn als Werkzeug zu seiner Ueberwindung angesehen werden. Soll das aber anders werden, so muß die Arbeiterklasse in der alten kapitalistischen Welt um ihren Sieg über die. Mächte de» Kapitals, um die Herrschaft des Friedens im Völkerbund kämpfen. Das aber verlangt zähesten, wohlbedachten Kampf, Schritt für Schritt, Position nach Position. In diesem Kampf mit den kapitalistischen Mächten im eigenen Lande, in diesem Kampf zur Eroberung des Völkerbundes �für den Frieden Schulter an Schulter mit den aufstrebenden -Kräften der unterdrückten Völker zusammenzuwirken, das ist die Aufgab«, die der europäischen Arbeiterklasse durch den Emanzi- pationskampf der unterdrückten Völker heute gestellt ist. Einigung zwischen Preußen unü öem RWE. Eine wichtige Etappe. Wie wir hören, steht der heftige Konkurrenzkampf, der bisher zwischen den staatlich preußischen Elektrizitätswerten und dem RWE.(Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk) geführt worden ist, vor seinem Ende. Es ist zwischen d«m Staate Preußen, vertreten durch den Handelsminister Dr. Schreiber und dem RWE., vertreten durch Dr. Vogler, zu einer Lerständi- gung und Umgrenzung der beiderseitigen Jnter- essensphären gekommen. Di« Verständigung erstreckt sich auch auf die den beiden Elektrizitätsunternehmungen gehörigen Braun- tohlcngruben in Braunschweig und bei Aachen. Bei den Interessen im Bezirk Aachen handelt es sich um die Vrauntohlenindustrle-Sl.-G. Zukunft Weißweiler, die mit einem Kapital von rund 13L Millionen Mark arbeitet. Der preußische Staat besitzt ungefähr S8 Proz. des Aktienkapitals, die Braunkohlen- industrie-A.-B. Zukunft hat ihrerseits das Kraftwerk Zukunft A.-G. in Weißweiler und die Roertalsperrengesellschaft m. b. H., Aachen. für 50 Jahre gepachtet. Bei den braunschweigischen Interessen handelt es sich um die Braunschweigischen Kohlenbergwerke A.-G. Helmstedt, die über zahlreiche Braunkohlenbergwerke in Hötens- leben, Oschersleben und Harbke und vor allen Dingen über die Ueberlandzentrale Helmstedt A.-G. in Helmstedt und dl« Braun- schweiglsche Elektrizitäts-Betriebs-A. m. b. H. in Schöningen ver- fügt. Das Kapital der Gesellschaft beträgt rund 12,7S Millionen Mark. Daran sind die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke und die reichseigenen Elektrowerke mit je 37,5 Proz. beteiligt. Soweit die preußische Elektrowirtschast in Frage kommt, sollen minmehr die preußischen Elektrizitätswerke in einer staatseigenen Aktieugestllschaft nach Art der Preußischen Bergwerksaktiengesellschaft sPreußag) zusammengefaßt, werden. Eine Vorlage hierüber dürfte unmittelbar nach den Osterferien dem Preußischen Landtag zugehen. Die Belebung des /lrbeitsmarktes stockt. Nur 2S00 Erwerbslose weniger. Die fühlbare Erleichterung des Berliner Arbeitsmarktes der letzten Wochen hat sich in der Woche zum 16. April nur in erheblich geringerem Ausmaß fortgesetzt. Der Rückgang der Erwerbslosigkeit ist der kleinste, der seit dem 5. März d. I. festzustellen war. Die Zahl der Erwerbslosen sank nur um 2564 auf 227 382 Personen. Möglich, daß der Karfreitag und die Osterfeiertage Neueinstellungen behindert haben. Aug dem Bericht des Landesarboitsanits Berlin ist hervorzuheben, daß die Aufnahmefähigkeit der Metall« Industrie stark nachgelassen hat und die Belebung im Baugewerbe nicht wesentlich fortgeschritten ist. Es waren 227 382 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein- getragen gegen 229 946 der Vorwoche. Darunter befanden sich 150037(152175) männliche und 77 345(77 771) weiblich« Per- sonen. Erwerbslosen unter st ützung bezogen 85 813(90 803) männliche und 35 285(37 159) weibliche, insgesamt 121 098(127 962) Personen. Außerdem wurden noch 36 082(36726) Personen durch die Erwerbslosenhilfe der Stadtgemeinde Berlin und 32 823(23 325) Personen durch die K r i s e n f ü r s o r ge unterstützt. Bei Notstandsarbeiten wurden 7206(8151) Personen beschäftigt, Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 13. April berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts war mit 134,8 gegenüber der Vorwoche(134,9) nahezu unser- ändert. Von den Hauptgruppen haben die A g r a r st o f f e mft 135,8 ebenfalls keine nennenswerte Aenderung zu ver- zeichnen, während die Kolonialwaren um 0,7 Proz. auf 126,8 angezogen haben. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ist um 0,4 Proz. auf 129,5 zurückgegangen, dagegen hat diejenige der industriellen Fertigwaren um 0,4 Proz. auf 142,9 angezogen. Rekorderzeugung von Roheisen im Rlärz. Der Monat März hat für die deutsche Roheisenproduktion einen neuen Rekord ge- bracht. Gegenüber dem Monat Februar ist die deutsche Produktion von 966 909 auf 1 083 859 Tonnen gestiegen. S e l b st die Ianuarerzeugung mit l 059 798 Tonnen wurde noch um über 26000 Tonnen übertroffen. Diese Mehrerzeugung gegenüber Januar entfiel voll aus R h e i n l a n d- W e st f a l e n. Die Er- höhung der Eisenpreise, die den stürmischen Widerspruch der ganzen Oeffentlichkeit und aller Verbraucher hervorgerufen hat, dürfte also nur auf den Willen der Ruhrindustrie zurückzuführen sein, von der Konjunktur auf das Gründlichste zu profitieren. Eine scharfe Erklärung gegen die Erhöhung der Eiseapreise. Nach dem Märzbericht der blechverarbeitenden Jndu- st r i e n blieb die Geschäftslage im vergangenen Monat nach wie vor unbefriedigend, auch wenn die Absatztätigkeit auf dem Inlands- markt bei einigen Z w'e i g e n der Bl«chverarbeitung etwas leb- h a f t e r wurde. Scharf wendet sich auch die blechoerarbeitende Industrie gegen die beabsichtigte Erhöhung der Cisenpreise:„Sollte im Gegensatz zu der bisherigen Haltung der Gedanke der Preis- erhöhung auch in einsichtigen Walzwerkskreisen Eingang finden, so kann vor einer solchen Preispolitik nur dringend gewarnt werden. Kein Eisenbearbeitcr ist so töricht, sich der Hoff- nung hinzugeben, daß er eine kommende Eisenpreiserhöhung würde abwälzen können. Um so mehr tritt die deutsche eisenver- arbeitende Industrie nach wie vor geschlossen gegen eine Preiserhöhung ein." Die Schwerindustrie und Oeffentlich- keit werden diese Stimme der Biechverarbeiter zu beachten haben. Besonders bemerkenswert ist der Hinweis darauf, daß es„ein- sichtige Walzwerkskreise" gibt, die die Preiserhöhung nicht wollen. Diese werden im Ruhrmontantrust nicht zu suchen sein. Dannt dürste allmählich ganz klar werden, daß es die Ueberkapitali« sierung ist, die die Vereinigten Stahlwerke A.-G. zum Preis- treiber macht, nicht aber die Selbstkosten, wie die Schwerindustrie die Oeffentlichkeit glauben machen möchte.. Zinssenkung für die Reichszwischenkredite zum Kleinwohnung«- bau. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst auf Grund eines Runderlasses des Ministers für Volkswohlfahrt mitteilt, beträgt der Zinssatz für die Kredite auf Grund des Reichsgesetzes über die Bereit- stell.ung von Krediten zur Förderung des Kleinwohnungsbaus und gemäß der Verordnung über- di« Verwendung des Kredits feit dem I. Februar d. I. 6 Proz. gegenüber einem bis dahin geltenden Satze von 6� Proz. Die zwischen dem Preußischen Staat und den Realkreditinstiluten abgeschlossenen Darlehnsverträge erfahren infoweit eine Abänderung. Die Realkrsditanftalten haben den Kredit zu dem gleichen Zinsfatz, zu dem sie ihn erhalten, an die Bauherren weiterzugeben. Der Verwaltungskostenbeitrag bleibt in der bisherigen Höhe bestehen. Wegen einer baldigen weitergehenden Herabsetzung des Zinssatzes ist der Reichsqrbeitsminister ern«ut an den Reichsfinanzminister herangetreten. Der Einzelhandel wehrt sich. Das International« Arbeftsamt hatte Ende vorigen Jahres ein« von uns in dem Artikel«Der Segen der K o n su m v e r e t n e"(Nr. 540 des„Vorwärts") be- rücksichtigte Denkschrift veröffentlicht, die die wohlfeilere Versorgung der Bevölkerung durch di« Konsumgenossenschaften nachwies. Den Organisationen des deutschen Einzelhandels war diese Denkschrift sehr schmerzlich. Die Hauplgemcinschaft des deutschen Einzelhandels hat deshalb den Vertretern Deutschlands auf der internationalen! Weltwirtschaftskonferenz eine Gegendenkschrift als Material zuge- leitet, um die Ueberlegenheit des Einzelhandels zu beweisen. Die Denkschrift liegt uns noch nicht vor. Hoffentlich ist sie mit dcnjelben gründlichen Methoden bearbeitet, die die Denk« jchrist des Internationalen Arbeitsamts anwendete. Jedenfalls dürste es der Hauptgeincinfchaft sehr schwer fallen, die Fest- stellungen des Internationalen Arbeitsamts ins Unrecht zu fetzen, Das Bestehen dieser Gegendenkschrift sei zunächst verzeichnet. Ein Einheitsschema für die Zahlungsbilanzen. Die Internatio- nale Handelskammer hat durch ihren in Paris tagenden Arbeits- ausschuß einen vorläufigen Entwurf emes einheitlichen Schemas für die Aufstellung der Zahlungsbilanzen ausarbeiten lassen. Dieser soll zunächst den Ausschuß der Internationalen Handelskammer für einen internationalen Zahlungsausgleich vorgelegt werden. Diese Bemühungen sind gewiß zu begrüßen. Doch scheint es uns fast noch notwendiger zu fein, daß sich die Wissenschaft darüber einigt, aus welchen Posten eine Zahlungsbilanz zusammengesetzt sein darf und insbesondere über die Grundlagen, nach denen bie einzelnen Posten zu berechnen sind. Schließlich kann auch«in Schema der Zahlungsbilanz nichts Sonderliches leisten, wenn für ihren Inhalt noch die festen Begriffe und damit die Möglich- keit richtiger Rechnungssätze fehlen. Frankreich verringert seine Zinslast. Diskontermäßigung. Wie aus Paris gemeldet wird, hat das Finanztomitee der Amortifierungskasse' beschlossen, die staatliche Zinslast für die sogenannten Bonds der nationalen Verteidigung herabzusetzen. Es wird vorgeschlagen, die Bonds mit zweijähriger Laufzeit statt mit 6 nur mft 5 und diejenigen mit einjähriger Lauszeit statt mit 5 nur mit 4 Proz. zu verzinsen. Dieser Vorschlag der Amortisierungskasse, die im vorigen Jahre bekanntlich vom Parlament unabhängig gemacht wurde und besondere Einnahmen zur Tilgung der schwebenden Schulden zugeteilt erhielt, sind als ein w i ch t i g e s G l i e d zur Sanierung der französischen Währung anzusehen.— Aus Paris wird weiter gemeldet, daß die Bank von Frankreich den Diskontsatz von 5 Vi auf 5 Proz. herabgesetzt hat, gleichzeitig den Satz für Lombarddarlehen von 7 auf 6 Proz. Krisenwirkungen und Zinsbelastung des Staates bekämpft Poincare also gleichzeitig. Arbeitsvermittlung/ Arbeitslosenversicherung. Der Neuaufbau der Organe. Der Bevollmächtigte der Berliner Ortsvenvallung des Metall- arbeiterverbandes, Genosse Otto Z i s k a, Mitglied des Verwaltungs- Ausschusses des Landesarbeitsamts, schreibt uns: Nach vielen vergeblichen Versuchen, bei der Schosfung der Arbeitslosenversicherung einen zweckentsprechenden Ausbau der Ver- waltungsorgane der'Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung zu schaffen, hat jetzt das Reichsarbeitsministerium, einem Beschlüsse des Sozialpolitischen Ausschusses folgend, neue Vorschläge gemacht. Es besteht die Absicht, dasVerwaltungsorganalsReichs. behörde aufzubauen, von der Voraussetzung ausgehend, daß da» durch mit geringstem Kostenaufwand eine möglichst einheit- liche Durchführung gewährleistet werden kann. Die Landesarbeitsämter und die ö f s e n t l i ch e n Ar- beitsnachweise sollen Zweig st ellen dieser Reichsbehörde werden. Der Aufbau der einzelnen Organe soll im Prinzip der gleiche bleiben, wie er im 2lrbeitsnachweisgesetz vorgesehen ist. Ver- treter der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerorgamsationen sowie Vertreter der Behörden sollen zu gleichen Teilen die Ausschüsse bil- den. Gemeinden und Gemeindeverbände sollen ebenfalls an den Ausschüssen der Landesarbeitsämter beteiligt fein. Bei der Ueberprüfung des bisherigen Aufbaus entsteht zwangs- läufig die Frage, ob neben der Reichsanstalt auch alle bisheri- gen 28 Landesarbeitsämter weiter bestehen müssen. Bei der Beurteilung können nur sachliche Motive mahgebend sein. In der Presse wurde bereits diese Frage aufgeworfen und gleich- zeitig die Meinung vertreten, dah von den bestehenden 900 Arbeits» nachweisen ungefähr 200 fortfallen könnten. Dabei wurde be. sonders darauf hingewiesen, daß es sachlich nicht zu begründen sei, i n Berlin zwei Landesämter, eins für Berlin und eins für Bran- denburg weiter bestehen zu lassen. Die Beseitigung des Landesarbeitsamts Berlin ist praktisch unmöglich. Es hat seinen Wirkungskreis in dem wichtigsten Industriebezirt Deutschlands mit einer Bevölkerungsziffer von vier Milliarden. Das Landesarbeitsamt Berlin hat im Jahre 1925 von 4 698 612 besetzten Stellen i m R e i ch e 870 484 vermittelt, das sind 18,5 Proz., ziemlich ein Fünftel der von 22 Landesarbeitsämtern besetzten Stellen. Die Zahl der besetzten Stellen in Preußen betrug im gleichen Zeitraum 2 678 884. Der Anteil Berlins betrug hier 22,4 Proz. F a st ein Drittel aller in Preußen besetzten Stellen entfallen auf Berlin. Selbst die großen Industriezentren wie Sachsen und Rheinland stehen erst an zweiter bzw. vierter Stelle in der Vermittlungstätigkeit. Wenn also irgendeine Zusammenlegung sachlich notwendig wäre und diese muß reiflich überlegt werden, käme vielleicht eine Zusammenlegung bzw. Umgruppierung der übrigen Provinzlandesarbeitsämter in Frage. Es wäre durchaus möglich, den Bereich des Landesarbeitsamts Berlin auf sein wirtschaftliches Aus» strahlungsgebiet zu erweftern. Eine gegeben« Grenze wäre das Ge» biet, für das das Landesarbeitsgerichc Berlin neuerdings zuständig geworden ist. Der nördlich« Teil des fetzigen Landesarbeitsamts Bran- denburg könnte aus allgemeinen Zweckmäßigkeitsgründen und aus wirtschaftlichen Erwägungen mit Mecklenbur g u n d Vor. pommern zusammengelegt werden, der südliche Teil auf der Linie Frankfurt— Berlin. Berlin— Finsterwalde mit Schlesien, der verbleibende Rest mit der Provinz Sachsen. Die Gebiete hoben eine fast einheitliche wirtschaftliche Struktur, so daß bei Be» 'rücksichtigung ähnlicher zusammenhängender wirtschaftlichen Voraus» fetzungen die Verringerung der Zahl der bestehenden Landesarbeits- Ömtcr möglich erscheint. -• Das Wirtschaftsgebiet Berlin zeigt aber auch, soweit die A r. b eitsl o s en vers ichrrüng in Frag« kommt, eine wesentlich -�andere Wirtschaftliche Struktur, als sie in Brandenburg in Erschei» nung tritt. Die mit der Arbeitslosenversicherung weiter im Zu- sammenhang bleibende Einrichtung der Notstandsarbeiten, die in Berlin zentral vom Landesarbeitsamt geleitet wird, läßt eine Zusammenlegung nicht zu. Eine Anzahl anderer Faktoren, deren Weitläufigkeit eine eingehende Besprechung an dieser Stell« ver- hindert, sprechen ebenfalls dagegen. Eine Vereinigung beider Landesämter mühte auf diesem Gebiete geradezu katastrophale Wir- kungen haben. Aehnlich liegen die Dinge bei der direkten Arbei tsver- m i t t l u ng. Berlin mit seiner konzentrierten Industrie sah sich ver- pflichtet, die Facharbeitsvermittlung im Landesarbeits. omt zusammenzufassen und nur die Vermittlung ungelernter Arbeitskräfte den einzelnen Bezirken zu überlassen. Eine Zusammen- l e g u n g des Landesamts Berlin mit Brandenburg würde den Zu» stand schassen, daß die gesamte Vermittlung in den anderen Gemein- den zentralisiert wird, gleichgültig, ob Facharbeiter oder ungelernte Arbeitskräfte: der bisherige Zustand in Berlin bei einer Zusammen- legung der Landesarbeitsämter müßte aber ebenfalls fortbestehen. Ein unmögliches Verhältnis. .iNxratbt man nur dem Nackmieie de, Deutschen Mutztervecbandes. Berlin, gom- mandantenstr. KZ?«. Dönhoff 3277-78. «elchiistizelt 9—6, Sonntag» 10—1 Uhr Auf Wunsch: Vertreterlesuch. Diese wenigen Besspiele zeigen bereits, daß es selbst bei einer vielleicht möglichen Verringerung der 22 Landesarbeitsämter für dasWirtschaftsgebiet Berlin eine unbedingte Notwendig- keit ist, ein s e l b st ä n d i g e s L a n d e s a r b e i t s a m t zu be» halten, wenn die Berliner Arbeiterschaft bei der Durchführung der Aufgaben des Landesarbeitsamts nicht erhebliche Nachteile er- leiden soll. . Was sagen Sie �rbeitsnachweisbeamten I Die in der Reichsgewerkschaft Deutscher Kommunalbeamten (ADB.) organisierten Beamten und Festangestellten der Berliner Arbeitsämter lArbeiisvermsttler, Berufsberater, Beamte der Er- werbslofenfürsorg«) nahmen am Dienstag in einer Versammlung Stellung zu der durch die bevorstchende Neuorganisation des Arbeitsnachweiswesens entstandenen Lage. Genosse Stock wies einleitend auf den Aufbau der Landesarbeitsämter und der örtlichen Arbeits- ämter hin, die nach dem Entwurf der Reichsarbeits- Verwaltung(Märzentwurs) einer neu zu bildenden Reichs- a n st a l t für Arbeftsvormttttung und Arbeftsiosenversicherung angegliedert werden sollen. Ob durch diese Organisation d i e Selbstverwaltung der Interessenten(Arbeitnehmer und Arbeitgeber) größer sein wird als bei der heut« bestehenden Organ!» sation, das wunde nicht nur von Stock, sondern auch vom Referenten und allen Diskussioncsrednern stark in Zweifel gezogen. Noch dem vorliegenden Entwurfs kann nur mit einer starken Bureaukratisierung des gesamten Arbeitsnachweiswesens gerechnet werden. Genosse Soldes behandelte sodann in«wem ausführlichen Referat die Frage: Welcher rechtliche Schutz wird den Be- amten und Festangestellten durch das neue Gesetz über die Arbeits- losenversicherung gewährt? Er ging auf die entsprechenden Besttm- mungen des Gesegentwurfs ein und berichtete über die Besprechun- gen der Gewerkschaften mit dem Präsidenten der Reichsarbeitsverwaltung, Dr. S y r u p, wegen der Herausgabe von Uebergangs- best immun gen, durch die auch die Rechte des zur Reichsanftalt übertretenden Personals gesichert werden sollen. Nach einer leb- haften Aussprache fand folgende Entschließung einstimmige Annahme, in der die Versammelten den Erlaß von Ueber- gangsbestimmungen fordern, in denen folgendes geregelt wird: 1. Sämtliche Beamten, Festangestellten und Angestellten des Landesarbeitsamtes Berlin und der Bezirksämter 1 bis 20 sind von der Reichsanstalt mit allen Anwartschasten, Rechten und Vorteilen, die ihnen aus chrer Tätigkeit im Dienst der Stadtgemeinde Berlin und deren Rechtsvorgängern erwachsen sind, ohne Rücksicht auf ihr Lebensalter zu übernehmen. 2. Mindestens übernommen werden müssen die am 1. April 1927 im Landesarbeitsamt Berlin und in den Bezirksarbeitsämtern 1 bis 20 beschäftigten Beamten, Fe stanze st eilten und Angestellten. 3. Die von der Reichsanstalt übernommenen Kündigungs- b e a m t e n und Fisstangestelltcn sind in das lebenslängliche Beamtenoerhältnis zu überführen. 4. Die Besoldungsdienstalter für die Beamten und Festangestell- ten sind zu übernehmen, desgleichen die Vergütungsdienstalter für die Angestellien. 5. Die Ueberführung des Landesarbertsamtes Berlin und der Bezirksarbeitsämter 1 bis 20 zur Reichsanstalt stellt für die nicht mitübernommenen Beamten und Festangestellten keinen wichttgen KündigungsgrunB im Sinne de»§ 626 BGB. dar. 6. Be! der Aufstellung bir Dienstordnung haben die Gewerk- schaften mitzuwirken.�__ Segen öen /iebeitssihutzgesetzentwurf. Der Beirat der Lebensmittel-«nd Getränkearbeiter. Die Tagung des Verbandsbeirots des Lebensmittel- und Ge- tränkearbeiterverbandes am 12. April in Berlin nahm nach einem instruktiven Vortrag des Genossen Nörpel, der die Unmöglich- keiten und Widersprüche des Arbeitsschutzgesetzentwurfs aufzeigt«, e i n st i m m i g folgende Entschließung an: .Der Verbandsbeirat erklärt zu dem Entwurf eines Arbeits- schutzgesctzes, daß derselbe für die Arbeiterklasse in der vor- liegenden Form unannehmbar ist. Die Z§ 9 bis 15 über die Arbeitszeit in der vorgeschlagenen Fassung bedeuten die vollständige Beseitigung des ge- setzlichen Achtstundentages, an dessen Stelle die Möglich- keit der Ausd/Hnung der täglichen Arbeitszeit durch ander« Ver- teilung der Arbeitszeit bei Vorbcreitungs- und Ergänzungsarbeiten, bei Arbeitsbereitschaft und durch Mehrarbeit ohne Höchstgrenze tritt. Eine solche Regelung widerspricht den L-bensinteressen sowohl der Arbeiterklasse als auch der Wirtschaft. Der heutige Stand der Rationalisierung und der Arbeitslosigkeit erfordert gebieterisch die gesetzliche Fe st legung des achtstündigen Hoch st» arbeitstages. Insbesondere wertden wir uns gegen die Lesttnmumgen des Entwurfes, durch die unsere Mitglieder unter ein Ausnahmerecht gestellt werden. Die für den Verband der Lebensmittel- und Getränkearbetter zuständigen Industriezweige(Getränke- und Mühlen- i n d u st r i e) dürfen nicht durch Z 10 Absatz 1 Ziffer 7 unter die Saisonbetriebe gebracht werden. Die schwere Arbeit des Fahrpersonals kann unter keinen Umständen als A r b e i t s b e r e i t s ch a f t im Sinne des Z 13 Ab- satz 1 und 3 gelten, zumal auch noch durch die Bestimmungen des Z 12 Absatz 1 Ziffer 1 für die Pflege von Arbeitstieren usw. Vorbcreitungs. und Ergänzungsarbeiten zugelassen werden sollen, so daß die tägliche Schichtdauer bis auf 16 Stunden ausgedehnt werden kann. Eine solche Regelung bedeutet geradezu eine Vernichtung der Arbeitskraft. Unannehmbar ist auch die Anwendung des§ 28 Absatz 2 Ziffer 2 und des§ 29 Absatz 1 Ziffer 1 und 4, wodurch die Sonntagsruhe weitgehend aufgehoben werden kann. Weder für das F a h r p e r I o n a l der Brauereien noch für die Arbeiter der Wind- und Wassermühlen besteht eine unbedingte wirtschostliche Notwendigkeit zur Sonntagsorbeit. Vollkommen unmöglich ist auch die Bestimmung des§ 16 Ab- satz 1 Ziffer 2. der die Betriebe bis zu drei Arbeitern, die dem Hausholt des Arbeitgebers angehören, von dem Arbeits- schutzgefetz überhaupt ausnehmen will. Die'Konserenz erwartet von ollen Verbandskollegen, daß sie einmütig ihre ganze Kraft einsetzen, um die noch außerhalb unserer Organisation stehenden Berufsangehörigen für die Organisation zu gewinnen und zu tätigen Verbandsmitgliedern zu erziehen. Denn nur sehr starke Gewerkschaften werden in der Lage lein, die Absichten der Reichsregierung auf tatsächliche Aufhebung jedes Arbeitszeitschutzes abzuwehren bzw. durch Tarifverträge die Ueberschreitung des Achtstundentages und die Aufhebung der Sonn- tagsruhe zu verhindernd_ Vom Töpferstrcik. Nachdem am Mittwoch der Streit der Töpfer auf der ganzen Linie ausgebrochen war, hatte sich die dem Verband Sozialer Baubetriebe angefchlossene Töpferhütte sofort bereit- erklärt, die Forderungen der Töpfer restlos z u bewilligen, die bekanntlich dahin gehen, den Stundenlohn von 1,50 auf 1,70 M. und den Akkordberechnungssatz von 135 aus 160 Proz. zu erhöhen. Infolge dieser veränderten Situation hatte die Streikleitung gegen eine Stimme beschlossen, eine Bersammlung der Streikenden einzuberufen und ihr entsprechend den Organisation?- stählten zu empfehlen, die Arbeit bei der Töpferhütt« wieder aufzunehmen. Darüber hinaus sollte bei allen Firmen, die die Forderungen ebenfalls restlos bewilligen, gleichfalls die Arbett ausgenommen werden. Die zu gestern vormittag nach dem Gewerkschaftshaus ein- berufene Streitoersammlung war von der Notwendigkeit dieses Beschlusses nicht zu überzeugen und lehnte die Vor- schlüge der Streikleitung mit großer Mehrheit ab. Demzufolge wird auch die Töpferhütte weiter bestreikt, wie überhaupt der Streit allgemein weitergeführt wird. Streikbeschluß in der saarpfälzischcn Fertigindustric. St. Zagbert. 16. April.(MTB.) Bei der Urabsttmniung, die gestern in der saarpfälztschen Fertigindustrie über den Lohn» a b b a u vorgenommen wurde, stimmten die Arbeiter in ihrer großen Mehrheit für den Streit als letztes Mittel gegen den Lohnabbau. In B i« r b a ch bei Dingler stimmten 90 Proz. und in den beiden großen Rohrbacher Betrieben 85 Proz. und 95 Proz. für den Streik. Bei Kasser in St. Ingbert wurde der geplante Lohn- abbau vorläufig zurückgezogen. Der Schiedsspruch in der Rheinschisfahrt ist von der Arbeit- geberseite abgelehnt. Die ArbeitneHmeroerbänd« haben sich noch nicht erklärt, sondern Verlängerung der Erklärungsfrist bis zum 22 d. M. verlangt. Zn der polnischen Metallindustrie ist ein neuer, auf sechs Monate laufender Lohnvertrag abgeschlossen worden, der die bisherigen Arbettslöhn« um 7 Proz. erhöht. Die Sparkasse der Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten A.-®, Berlin. Wallstr. 65. ist täalich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. Der•flotte Chevios Mp �izug'Itotr Der fesche Bamen-Kostüm-ftoff engiischerArt, reineWolle -.rmr.14-12.-lUM Koch 4« IcelessseSw"4*' Gertraudterutc 20/21 «ssssssss«»<&€«€€€«« Unserem lieben Denoffen und unserer J 1 lieben Genossin 'kledsrärniiirrleäsvsllgllÄ ! unsere herzlichNen«BIMmflnsifte jr j zur SllbcrHochzellt &«).a.91. Bezirk der 97. Abtlg. Neukölln r. »SSASSSSS 0» SHgrHeSHH» aocHoe««« 25 gvHMHKK* coooooe» g Unseren beben Genosseik q Bemhanl Dittridi ond seiner Gattin o iowie Jf Walter Jatubswski und Gattin ÜJ Die herzlichsten GlBaeoanscho q zur silbernen Qodjzril.£ Die Oenosslnnen und Cenossen« der 34 Abteilung. a «HMK&O »»»»»»»»»«»»«»»» Unserem uerelirten Parteigenossen Fritz Schuppe IMSS zur Silberhuchzell die herzNchsien GlSawansch«. Die Geuosilnuen u. Genossen des a 96. u. 98. Bezirks der 93. Adlig, m »»»»» 0»S»?»«»»»» I I Zn der Frühe de» 14. April oerstarb insolge eine» Herzschlag» mein lieber Man», unser guicr Vater Heiurich Fiebiger im 55. Leden»iadre. Zn tiestter Trauer stlara Fiebiger, geb. ÄrzywinsS. Reinhold Fiebiger. Rudolf Fiebiger. Hei», Fiebiger. V-riin NW. 14. April 1937. Die Giniischerpng fintet am Mild woch. dem 30 April, abend» t Uhr, Im siremaiorium Gerichtstraee statt 4-2293„Empor zum LichtM SÄmArbeiter-Sängerction 4-8767 Jagdchor ans»Die Jahreszeiten" »Weihe des Gesanges" Leitung: Muslkdir. R. H. Joseph Chor des Landvolks aus »Die Jahreszeiten" Berliner Volkschor, Dr. E. Zander Homocordplatten überall erhältlich, sonst schreiben an QomophOD- Company G. m. b. H.. Berlin SV S8. Alexandrlnenstr. 108 raiBclaeiB Sie_ Möbel? Geben Sie zur fi>cBlm, SficalfiMzea* Stfr. SV-ZÄ Gegründet 1898 Efn Konde von t-slni nolae Orcanlensir. Sic finden bei Palm: Auswahl in gediegenen QualliÄtsmöbeln, durch groben Umsatz konkurrenzlos niedrige Preise. 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Hier dachte es sich in seinem verzauberten Schloß Amfortas, den König unheilbaren Leides, hierhin trugen die Engel die Blutstropsen Christi, die sie in einer Schale auffingen, und schon von fern er- blickt der Wanderer über der Burg, starr und unüberwindbar, die mächtigen Felscnhäupter der Penoscos, die„Wächter des heiligen Gral*. Noch gleiten wir am Ufer des Flusses zwischen Gemüsefeldern, Arbeiterkolonien, Wein- und Olioengärten, aber schon hebt sich die Zahnradbahn im Sprung über das Wasser, klettert einer Gemse gleich von Felsplatte zu Felsplatte. Fallend sinken Häuser, Iohannisbrotbäume, Agaven in die Tiefe zurück. Entgleitet die Erde uns? Wir breiten die Hände aus— da hält der Heine Zug neben einem hohen jahrhundertealten steinernen Tor. Es ist das Tor des uralten Benediktinerklosters von Montserrat, eines der berühmtesten Klöster Spaniens. Aber wer auf dieser steilen Höhe einer klösterlichen Abgeschiedenheit zu begegnen glaubt, findet sich überrascht einer fast amerikanischen Pilgerindustrie gegen- über. Sechs gewaltige Gebäude heben sich am Abhang des Felsen bis zu acht Stockwerken hinauf, riesenhaft« Paläste von Sandstein mit Hunderten von Fenstern, die an die Hotelpaläste eines Schweizer Gebirgsortes erinnern. Das Kloster wurde der Sage nach zu Ehren eines wundertätigen Marienbildes gegründet, das Petrus selbst nach Spanien brachte: während der Maurenherrschaft in einer Grolle verborgen, wurde es 88t) durch Hirten wieder ent- deckt. Um die alle Mariensäule, unter den Bogengängen des Klosters, stehen jetzt am Ostersonntag mit lichtblitzenden Augen die Automobile, die von Minute zu Minute wie Kettenhunde fauchend unter dem Torbogen hervorjagen. In über 1200 Zellen können 2000 Pilger nächtigen. An zahllosen Gängen reihen sich diese luftigen Räum« aneinander, in denen man nach Art eines amerika- nischen Hotels mit Selbstbedienung sich selber versorgt. Für wenige Peseten erhält man Wäsche und Zimmer, Teller und Kochgeschirr, in der großen Klosterkantine sind alle Fleisch- und Gemüseerzeug. nisse des Landes zu haben. In grohzügig-industrieller Weise ist die Klosterverwaltung so bedacht, für die vielfachen Wünsche der Pilger zu sorgen, deren Gesamtzahl jährlich auf 90 000 geschätzt wird. Nicht einmal mehr die früher üblichen Wachskerzen zur Er- hellung der„Klosterzellen* sind heute erforderlich, dies« werden elektrisch beleuchtet und allein die zwerghaften Waschgefäß« erinnern noch an die primitive All des Pilgers. Hinter der Basilika unter den Klostergärten ein einsamer Weg. Nur wenige Pilger beleben den schmalen Platz, der wie die Altane einer Burg am Abgrund hängt. In sanften Terrassen steigend, hebt sich die weinrote tonige Erde,«ine gewaltige halbkreisförmige Arena, bis tief nach Aragonien hinein, bis zu der schneebedeckten Balustrade der Pyrenäen. In der Üiiefe der Fluß, im Osten die Berge durchbrechend, wo zwischen den Hügeln das Meer erscheint. rund und leuchtend, ein« geschliffene, enzianblaue Schale. Wie von der Hand eines Riesen wahllos ausgestreut liegen Städte, Dörfer. einsame Häuser an den Hängen und doch zerstören sie nicht den urweltlichen Eindruck dieser Erde. Ja. hier gestanden zu haben, heißt auf einem Gipfel des menschlichen Daseins stehen, obwohl dieser Blick nicht völlig umfassend ist: aber auch im Bilde der Natur gilt wie in der Malerei jenes träumerische Ausdeuten der unsicht- varen Linien durch die menschliche Vorstellungskraft, die durch kein« Wirklichkeit übellroffen werden kann. Der Wanderer, der auf der letzten Höhe verloren im Elan steht, sieht hier noch den „gesägten*, den heiligen Berg der Katalanen, steil über sich auf- Gsterfcchrt. Vom Erleben elnbs bayertsst>en Gefangenen. Wenn Menschen verstummen, beginnen die Stein« zu reden. Nichts dürfte mehr das Wesen übermenschlicher Größe in sich tragen als der Bürgerklleg. Wer nicht weiß, was das heißt, ist wohl daran—, besser aber noch, wer es weiß und den Mitmenschen Kenntnisse vermitteln kann. Der kann es vielleicht, der das eigene Ich überwindet und die Stein« selbst sprechen läßt. Sie sollen reden. S o erlebte damals ein Land sein Schicksal. So wurden Straßen, Gebäude. Landschaften, Gefängnisse und Glocken zu Handelnden in einer Tragödie des Geistes— und die Menschen zu Kulissen. So sei es nach acht Jahren versucht— weil es Tag für Tag. Stunde sür Stunde sich fast mit dem deckte, was wir zum größten menschlichen Geschehen aller Zeiten rechnen. Weil es in die Kar- wache fiel. Und sei wiedergegeben ohne Weh, ohne Anklage, ohne Ver- bitterung— well all dies aufhört, wenn die Steine sprechen—, dann, und dann erst, beginnen die Ideen. » Nacht auf den Gründonnerstag. Deutschlands schönster Nachausbau, das Augsburger Wunderwerk des Elias Holl. Erregte Besprechungen in den verschwenderisch kostbaren Rats- zimmern. Fremde— und auch der„eine* darunter. Mitternacht. Straße leer. Und zwei Matrosen bemächtigen sich dessen, der dies alles erlebte, und schaffen ihn in die Kaserne. Das majestätische Ulrichsmünstcr im Mondschein. Einst große Abtei. Damals noch Kaserne mit Ställen. Revolutionäre befreiten Kunstwerke, auch Klöster. Gründonnerstag. Hoher Priester? Nein, Stadt- kommandant. Bei freiwilliger Schutzhaft soll kein Einmarschieren der Regierungstruppen stattfinden. Es muß also sein, es gibt keine Entscheidung..., ragen, dem Auge ein Wegweiser, der gewaltig«inbricht in das Unendliche des Weltraums. Durch die nachtkalle Dämmerung klingt aus der Klosterkirch« die Ostermesse. Zu beiden Seiten des Altars zwei große Kerzen- stöcke, wie zwei hohe brennende Büsche. Dreißig Knaben im Alter Osterballade. Von Franz Rothenfelder. Es hat kein Lüftchen sich geregt, Als sie den Herrn vom Kreuz genommen, Und als sie ihn ins Grab gelegt, War alle Erde stumm beklommen. Da« war des Reichen Felsengrab, Der schon im helfenden Erbarmen Die erste Erdenstalt dem Armen Der heimatlosen Liebe gab. Au» Gräbern wankte fahler Laus. Der heilige Vorhang hing zerrissen. Drei kreuze ragten purpurn auf. von einem Grabe ward uns Wissen. Doch lodert Schmerz im gleichen Brand Am Heilandslod und Schächersterben, Es weint ein einziges verderben Am Menschentod aus Menschenhand. Es hat kein Reicher sonst gehört, Was um das heilandsgrab erklungen. And was des Armen Blut empört. Ward von den Armen nicht gesungen. Das war nicht, was die Glocke rief, Das wußte nicht von heiligen Tagen. And von Maschinen ward erschlagen, was heilandslraum iu Winkeln schlief. Uns Lebende hält Felsenlast In vieler Reicher-Gruft begraben. Der Tod ist tausendfältige Hast, Das Leben will den Frieden haben. Und tönt nicht über Menschenuachl' Das All die ewige Liebeswelse? Der Mond vollendet heilige kreise. Selbst leblos, alles Lebens Wacht. Rur das vollenden zeugt Beginn: Das ist das heilige Geschehen. Du Volk, und deines kreuze» Sinn Will mehr als nur dies Auferstehen. Aus deinen ersten Dstersängen Wird Tag der fernen Menschheit groß— Doch laß erst deine Blüten drängen Aus deiner Erde bleichem Schoß. IUUUUUUXJUJIJUUJU)JU)vs~UJIU��� von acht bis virzehn Iahren betreten die Kapelle, wie die Priester in schwarze Röcke gekleidet, mit dem weißen Chorhemd darüber: es sind die Schüler der„Escolania**, der Schule für geistliche Musik. Immermehr Frauen drängen in die Kirche, das Haupt mit dem schwarzen Schleier bedeckt. Jetzt erhebt sich der Gesang der Knaben, ernst und getragen in hellem Sopran. Von unsichtbarer Hand zerrissen, teilt sich über dem Hauptaltar der Vorhang und zwischen Abschied vom alten Vater. Rebellenuniform angezogen,„Faust* eingesteckt. Den Vater nach Iahren blind und sterbend wieder. gesehen. Sprecht, Steine— ihr seid barmherziger als Menschen. Und größer. * Als Gefangener auf der Fahrt durch die eigene Heimat. Doch — Schutzhaft. Verbrieft: kein Gefängnis. Ziel unbekannt— und: was noch? Dörfer der schwäbischen Landschaft. In dem«inen Kirchgänger, in den anderen nicht. Welten, bunt-durcheinandergewürfelt. Wem das Dorf gehört hatte, der hatte auch diese Welten nach Kon. fessionen geschaffen. Revolutionäre befreien. Erlebnis: Das Ulmer Münster, der selbstgefälligst« und höchst wohlerzogene Riese, darf in Annäherung erlebt werden. Käthe- dralen vor dem geistigen Auge. Kunst ist ewig und läßt das un- bekannte Ziel vergessen. Ulm. Gasthof. Ins Hotelzimmer gesperrt. Draußen Soldaten- wacht. Um Mitternacht ein Soldat:„Ulmer Spartakisten wollen dich befreien.* Und das da? Der Gefangene deutet mißtrauisch aus den Revolver des Soldaten. „Nichts darin*— und der Soldat wird rot. Menschen lügen. Steine reden ewige Sprache. Mein einziger Gefährte fft das Münster über der Donau. * Karfreitag. Wirt mit schmerzlichem Blick und großem Eierkuchen.(Hab Dank sür beides I) Neu« Anfahrt. Entzückende Donaustädtchen. Mittendrin italienische Kullur. Ein Glockenturm, von oben bis unten mit Fresken bemalt. Und Barock. Jubelnder, leuchtender Barock, der mit den Engeln und Heiligen singen und tanzen geht. Wie schön ist meine Heimat! Und das muß ich erst jetzt er- fahren? Wo es vielleicht—— Nein, der Tag ist zu schön— was will denn unser junges Rebellentum gegenüber dem Ewigen, das die Freude schafft? Wie klein sind wir?- und wie groß alles, was Menschen Freude den Emporen erscheint in einer Nische das Bild der heiligen Jung- frau. Es ist ein roh geschnitztes Holzbild, die Mutter mit dem Chrsswsknaben auf den Knien, aber doch nicht ohne Liebreiz des Gesichtes, von Alter vollkommen schwarz geworden: deshalb wird sie von den katalanischen Landleuten auch die„dleguerra"(Die Negerin) genannt. Das Holzbild ist in kostbare weißseidene Ge- wänder gehüllt, auf dem Kopf glüht die steinbesetzte Krone. Nun erscheinen zwischen den Emporen zu feiten des Gottesbildes die Gestalten einzelner Beter. Eine junge Frau berührt schüchtern das hellige Gewand, ein junger Mann folgt ihr: inbrünstig mit ge, schlossenen Augen drückt er die Lippen auf die Schulter der Jung- frau: denn die' Gottesmutter von Montserrat gill den Katalanen als die Mutter der Fruchtbarkeit und wird von den Neuvermählten um den Segen der Ehe angefleht. Ein Duft von geschmolzenem Wachs steigt auf, eine hohe Kerze neigt sich, von der Hitze getrosten, wie ein gebrochener Blütenstengel und verlischt. Inbrünstiger schwillt der Gesang der Knaben zur Decke auf, da antwortet ihm aus dem Hintergrund des Gewölbes wie aus dem Innern der Nacht selbst der dunklere Chor der Männerstimmen, so strömt der Doppelgesang in fugenartigem Aufbau, an alte italienische Kirchenmusik erinnernd, gleichförmig und doch unendlich edel fast eine Stund« lang dahin, bis ihn schließlich ein Allegro befreiend ablöst, zart und schwebend wie eine Gavotte voll Liebreiz und lächelnder Anmut. Am Morgen im weißen Sonnenbrand zur Höhe hinauf. In den Talsenkungen, in einer Höhe von tausend Metern, immergrüne Haine, Buchsbaum, Rododendron und Myrten. An die Hänge ge- klammert verlassene Kapellen und Einsiedeleien, in denen einst ein frommer Büßer seine Schuld gegen Gott oder wie Juan Garin seine Verbrechen gegen eine Frau sühnte. Was uns in den Stein, bildungen des sächsischen Erzgebirges wie eine spielerische Gebärd« anmutet, nahm hier heroische Formen an. In bachantischem Zug stürmen die Gestalten der Felsen vorüber. Ein Weinseliger lacht mit zugekniffenen Augen, sein gewaltiger Bauch scheint vor Lust zu bersten. Die„Flöten* jauchzen, drohend erhebt der„verzaubert« Riese* sein Haupt. Plötzlich an einer Wegbiegung grinst uns der „Csp cke mort* entgegen, die leeren Augenhöhlen tief in den Felsen gebohrt, ein scheußlicher Totenkopf. In finsteren Kutten schwankt eine Prozession von Mönchen vorüber. Ragt hier nicht die Stirn Bolzocks, die schmcrzverzerrten Gesichter der..Bürger von Calais*, die die Natur, ein blinder Rodin, mit Wasser und Wind durch die Jahrtausende formte, und denen das angstvoll schlagende Menschenherz Gefühl und Namen gab? Noch zwei Stufen und die Erde liegt unter uns. Unbegrenzt kreist sie, eine gewaltige Scheibe. Nur im Süden das flache Meer, darüber im Sonnendunst fern, drei kleine schwarze Wolken, die Baleoren. Unter unseren Füßen aber tobt wild die gehügelt« Erda auf,«in« vom Orkan gepeischte Flut, in Wellen höher und höher steigend, bis sie fern in den schneebedeckten Hängen der Pyrenäen in einer weißen Schaumkette gegen den blauen Himmel brandet. Wolken schieben sich über die unendliche Bühne. Die Nacht ruft uns. Die Stund« ist es, da der Einsiedler seine brettern« Hütt« gegen den Sturm an einen eisernen Ring im Felsen zu fesseln pflegte: aber seine Klause ist zur Weinschenk« geworden und wo aus den Tälern einst die Schalmei des Hirten klang, tönt heute die Hupe. Nur der Heilige auf dem Dach der Kapelle von St. Ieronimo hebt einsam die segnenden Hände in das sternlose Dunkel. Da blitzen lief unter uns in den Dörfern von Monristol, von Manresa und Collobato die Lichter auf. Ist der Nachthimmel in die Täler ge- funken? Geht das Siebengestirn auf der Erde aus? Orion und Wassermann leuchteten aus der Tiefe, eine weiß« Milchstraße zieht sich den Fluß entlang, bis um Mitternach das Dunkel sie verschluckt. Nur ein letztes Licht am höchsten Hang der Berge will nicht ver- löschen. Einsam steht es wie der Abendstern über der schwarzen Tief«. machen will— wenn sie es in eigener Not tun: herrliche Rebellen. Wider das Schlimmste aus Erden: dde Freudlosigkeit. Ich will lernen. Wie bin ich dankbar. Karfreitagszauber. * Karfreitagszauber. Rast im Barockstädtchen. Unterkunft in einem aufgelassenen, leeren Gefängnis aus dem Mittelalter. Die Zelle tiefschwarz. Wände und Decke. Das Grauen. Zolle der zum Tode Verurteilten. Karfreitagszauber. Jawohl, denn«in alter höherer Beamter, der nicht helfen darf, leistet nur aus Menschenliebe Gesellschaft— und lächelt artig. Meine Heimat hat doch mehr als nur Steine. Ostersonntag. Es ging weiter am Auferftehungstag«. Am Tage der Auf» erstehung des Herrn. Bamberg. Vor Iahren hatte mir ein hoher Geistlicher di« Schatzkammer gezeigt. Ich denke daran, während die Auserstehungs- glocken vom romanischen Wunderdom läuten. Ich sitze, rechts und links einen Gendarm, auf einem ofsenen Auto— und bin ge- fesselt. Und die Auferstehungsglocken läuten. Menschen ballen die Fäuste und fluchen mir nach. Rasende Fahrt auf der Landstraße. Ich überlege: mich mit dem Kopf voran--? Nein. Jetzt nicht mehr. Und ich fluche. Aber da taucht auch schon Deutschlands schönster Klosterbau auf, das Zuchthaus von Ebrach, das mich entz-ückt. Nie habe ich soviel des Herrlichen ge- sehen, nie mein« Heimat so sehr kennen gelernt. Wie bin ich glück- lich—, wie lächle ich—, auch noch, als ich di« Mörderzellc des Tesängnisbaues betreten hatte, die mir zuliebe ausgeräumt worden war. Ich bin müde. Und heut ist Auferstehung-tag. Die Freude in mir läßt mich nicht meine Lage erkennen. Ich lache noch tagelang. Und erst als ich am Fronleichnamstag einer Prozession nach- sehen will und mich am Gitterfenster hochziehe—, da. da erhasch« ich auch noch ein« Fahnenstange— und die unsichtbare Meng« betet und singt, während der Posten das Gewehr auf mich anlegt—• ja, da merk« ich erst so ganz, daß meine Heimat ein chrsslliches Land ist,, Volk und Frühling. Von Dr. Else£oewecke��Lfo>bns. Die Sehnsucht nach Sonne und Frühling durchzieht in ewig wiederkehrendem Rhythmus das Leben der Menschen, sie findet in der lyrischen Dichtung aller Völker ihren Ausdruck. Noch deutlicher als die Literatur aber zeigen die alten Sitten und Bräuche, wie tief der Lebenseinschnitt war, den die Wiederkehr der Sanne und des Lichts für unsere Vorsahren bedeutete. Der Frühling war gleichbedeutend niit der Ohnmacht der winterlichen Dämonen, die in den zwölf Nächten um Weihnachten spukten, die man an Fastnacht durch Lärm zu verscheuchen suchte. Vor allem aber aus wirtschaftlichen Gründen war für den Menschen der damaligen Zeit das Wiedererwachen der Natur«in großes Erlebnis. Denn jetzt begann das chinaustreiben des Viehs und das Säen der Saat, deren Erträgnisse ihn vor dem Hunger bewahrten. Der primitive Mensch lebte zu Beginn des Frühlings in der beständigen Furcht, die Sonne könne im neuen Jahr nicht die gleiche Wärme ausstrahlen wie im vergangenen. Er wollte ihr daher durch Analogiezauber gleichsam helfen, indem er durch Abbilder der Sonne, durch Höhenfeuer, brennende Sonnenräder und Sonnenscheiben die Felder beleuchtete. Dieser Sonnenritus führt uns in das Dämmer- licht ältester Menschheits- und Kulturgeschichte hinab. In Felsen- höhlen de- skandinavischen Nordens, die aus der Bronzezeit, also um etwa 2000 o. Chr., stammen, fand man eine Anzahl von seit- samen Zeichnungen, die an die Felsenwände gemalt waren. Ab- bilder der Sonne waren es, Sonnenräder, vielleicht ein Ausdruck der Sehnsucht im Dunkel eisiger Nächte, voll primitiver Ausdrucks- kraft wiedergegeben. Ueberreste dieser Zauberhandlungen haben sich an vielen Orten Deutschlands bis heute erhalten. Im Odenwald, ,n Franken und Sachsen wird um die Osterzeit ein Rad mit Stroh umwickelt, das man anzündet. An einer Wagenachse, die durch seine Mitte geht, wird dann das Rad den Berg hinabgerollt. Nach dem Volksglauben wird dos Feld so weit fruchtbar, als der Schein des Feuers fällt oder der Rauch getrieben wird. In Schwaben springt man mit brennenden Fackeln über die Saatfelder und ruft:.Same, Same, reg dich, Same, Same, streck dich!"' Aus dem gleichen Gefühl heraus, daß man die Saat durch Sonnenzauber und Beschwörungs- forme! zu neuem Leben erwecken könne, nennt man in Arol den Brauch„Kornaufwecken*. Auf ähnlicher Grundlage beruht das Werfen brennender Scheiben, das sich in Oberdeutschland findet. Auch hierbei wurden Zaubersprüche gemurmell oder Lieder gesungen. Ein anderer interessanter Brauch ist dos Todaustragen, das Haupt- sächlich im fränkisch-thüringischen Mitteldeutschland bekannt ist. Die slawischen Völker haben diese Sitte teilweise von uns übernommen. Eine Strohpuppe, oft vom Aussehen einer alten Frau, wird getötet durch Enthaupten, Zersägen oder Verbrennen. Damit will man den Dämon des Winters, der das Keimen der Saat verhinderte, ver- Nichten. In Italien und Frankreich, in Spanien und Südslawien werden Puppen zersägt. Die Zigeuner bezeichnen diesen Brauch, dessen ursprünglicher Sinn vergessen ist, als Dankopfer an die Schattenkönigin, die bei Frühjahrsbeginn verschwinde.— Das Christentum konnte dies« uralten, tief eingewurzelten Sitten nicht ausrotten, es konnte sie nur ins Religiöse umdeuten.„Judas ver- brennen" nennt man das„heilige Feuer", das am Karsonnabend von den katholischen Priestern geweiht wird. In Bayern wird zum Teil heute noch das im heiligen Osterfeuer verkohlte Holz zu kleinen Kreuzchen verarbeitet und mit Palmzweigen in die Aecker gesteckt. Dann besprengt man die Felder unter Gebeten für ein gutes Wachs- tum mtt Weihwasser. In ganz Europa hat das Vertreiben des Winters Veranlassung zu dramatischen Aufführungen gegeben. In Frankreich, Italien, in Oesterreich und der Schweiz kennt man Kampf- und Wettspiele oder Gerichtsverhandlungen, in denen der Winter oerurtellt wird. In Shakespeares.Liebesleid und-tust" ist ein interessantes Beispiel für den Wechselgang zwischen Frühling und Winter überliefert. Dabei wurde, wie auch vielfach in Deutschland, Ball gespielt, oder man warf Ostereier in die Höhe, Sitten, denen vielleicht ein Analogie- zauber zugrunde liegt, der die Sonne zum Höhersteigen veranlassen sollte. Das Osterei ist das Sinnbild der Fruchtbarkeit. An vielen Orten legt der Bauer heute noch Eier oder Eierschalen in den Acker, im allen Glauben, daß ihre Fruchtbarkeitstraft sich dem Feld mstteile. Noch mcht einwandfrei erklärt ist der Kinderglaube, daß gerade der Osterhase die Eier lege. Früher nahm man an, der Hase sei das heilige Tier einer Ostergottheit gewesen. Neuere oolkskundliche Forschungen haben jedoch dies« Deutung zurückgewiesen und eine einfachere Auffassung an ihre Stelle gesetzt, die der Wahrheit näher kommen dürfte. Die Ostereier sind bemalt oder aus Zucker und Schokolade verfertigt, also in den Augen der Kinder etwas Außer- gewöhnliches, das nicht den Hühnern zugeschrieben werden kann. Gerade in der Osterzeit jedoch sind in der Nähe der Dörfer viele Hasen zu sehen, die Schonzeit haben und draußen auf den Feldern noch wenig Nahrung finden. Es liegt deshalb sehr nahe, daß man den Kindern die Hasen, die sie selbst oft im Kohlgarten sahen, als Spender der unter den Sträuchern versteckten Ostereier bezeichnete. An vielen Orten, vor allem in Ostdeutschland, verbindet man das Schenken der Ostereier mit dem Schlag der Lebensrute, der so- genannten„Schmackoster". Besonders weibliche Personen werden mit der mit bunten Bändern geschmückten Weidenrute geschlagen. In Süddeutschland nennt man diesen Brauch„pfeffern oder „kindlen". Auch hier handelt es sich ursprünglich um einen Frucht- barkeitszauber. Durch die Berührung mit dem jungen, der lebendigen Pflanze entsprossenen Zweig wollte man deren Frucht- barkeitskraft aus den Menschen übertragen. Einen humorvollen Bericht von der Anwendung dieser Sitte hat uns Immermann in der Hochzeitsschilderung feines„Münchhausen" hinterlassen. Schon während der Traurede ziehen die Anwesenden Prügel aus der Tasche, und kaum hat der Pastor sein Amen gesprochen, so tanzen die Knüppel aus dem Rücken des jungen Ehemannes, von kräftigen Fäusten munter geführt. Man erklärte diese seltsame Sitte damit, daß er die Wirkung der Schläge spüren solle, um seine jung« Frau später damit zu verschonen. An anderen Orten sagte man, der Ehe- mann müsse für seinen Austritt aus der Iunggesellenzunft bestraft werden. In Wirklichkeit handelt es sich auch hier um den alten Frühlings, und Fruchtbarkeitszauber. Ein höchst eigenartiger Brauch ist uns von den ukrainischen Bauern überliefert. Diese rollten ihren Pfarrer im Frühjahr über die Saatfelder, in der Hoffnung, daß dessen besondere Kräfte zum Gedeihen der Saat beitrüge. Leistete er Widerstand, so warfen sie ihm vor, er wolle die zukünftige Ernte verhindern. Diese oft seltsam anmutenden Frühlingsbräuch« werden auch heute vielfach auf dem Land« ausgeübt, wenn sie auch durch die fortschreitende Industrialisierung stark zurückgegangen sind. Der moderne Großstädter begnügt sich damit, sie verständnislos zu be- lächeln, weil er nicht weiß, daß es sich um die letzten Reste einer agrarischen Religion handelt. Und doch sollte jeder, der wirklich Geschichte treiben und die kulturgeschichtliche Vergangenheit der Völker kennen lernen möchte, nicht an diesen Bräuchen vorüber- gehen. Denn alles Kulturgut flammt auf im Osterfeuer, und im Todaustragen und Fruchtbarkeitszauber birgt sich primitivste, längst überholte Denkweise, die uns lehrt, wie die Menschen früherer Jahr- hunderte die Geheimnisse und Rätsel der Natur zu lösen versuchten. Das ist der Frühling in Berlin. Von Alfred Stetzsch«. Am Parkeingang steht ein Mann, der hantiert an einem Ding, das wie eine Granate aussteht, aber sehr friedlichen Zwecken dient: der Mann photographiert mit ihr. Für einen Groschen. Und die Mütter, die mit ihren Neugeborenen die erste Ausfahrt machen, lassen sie rasch einmal.knipsen"— für einen Groschen. Das runde Bildchen wird dann in einen kleinen Messtngring gebracht und stolz als Brosche getragen. Wenn Voter nach Hause kommt, freut er sich darüber. In dem Park wimmelt es von Kinderwogen. Frauen, Mäd- chen und Säuglingsschwestern schieben die Gefährte, die mehr oder minder elegant sind, mtt quietschenden Rädern über den Kies. E» ist eine friedliche Parade, die die Mütter aneinander vorbeidefilieren lassen. Kritisch wird alles betrachtet: die Wagen und die kleinen Insassen, die in ihnen sitzen und mit den Patschhändchen nach dem Manu winken, der in seinen Händen eine große bunte Traube hält, die über seinem Haupte schwebt. Es sind Ballons. Ein anderer trägt einen Riesenstrauß, der aus vielen kleinen Mühlen besteht, deren Libellenflügel sich schwirrend im Winde drehen. Und ein altes Männlein geht von Bank zu Bank und hält ollen einen Kasten hin. in dem sich Pfefferminzplätzchen befinden.„Tüte zehn Pfennig, nur zehn Pfennig!" wehklagt das Männlein, das sich ein warmes Essen verdienen will. Er selbst muß an einer Reihe von denen vorbei, die auch nichts haben: junge Arbeitslose, die, an einem Gitter lehnend, ihr« Zigaretten rauchen und mit allen Mädchen anbandeln wollen. Kräftige Jugend, die zur Untätigkeit verdammt ist und nicht weiß, was sie mit ihrer Kraft und ihrer Zeit anfangen soll. „Zeit ist Geld," höhnt ein Sprichwort. Wenn es die Wahrheit sagen würde, dann hätten die alle sehr viel Geld— schon ein« ganze Zettlang. Nicht weit von den Jungen sitzen die Alten auf Bänken, die im Halbkreis stehen und die im Park al» die„Allenecke" bekannt sind. Da fitzen Lokomotivführer und Postbsamte, die ihr Ruhegeld haben, und dann, dürftiger gekleidet und schlechter er. nährt, Sozial- und Invalidenrentner. Di«„Altenecke macht aber alle» gleich. Denn ehe man ins Grab mutz, wird man friedlicher und hat sich noch viel zu erzählen. Viel von dem langen Leben, das am Ende noch so unverständlich geworden ist, und nur versöhnt durch den Frühling, der wieder so schön ist wie er immer war. In einer anderen Ecke sitzen alte Weiblein und stricken mtt zitterigen Fingern graue und schwarze Strümpfe. Denn hinter Frühling. Sommer und Herbst wittern sie schon wieder den Winter, der kaum vergangen ist. Auf der wetten Rasenfläche blühen die Krokusse— weiß, lila und gelb— und in den Sträuchen, und auf den Bäumen rumoren die Vögel. Selbst den Spatzen, diesen prosaischen Pferdeäpfeljägern. scheint der Frühling im Balg zu sitzen, denn sie machen einen Heidenkrach.... Stundenlang sitzen die Alten da, stundenlang quietschen die Kinderwagen über den Kies, schilpt das Federvolk auf den Bäumen und Sträuchern und amüsiert sich das Kinderoolk in den Sand- kästen. Stunde um Stunde verrinnt. Glockenschlag auf Glocken- schlag hallt vom nahen Kirchturm, dessen Uhrzeiger im roten Abend- sonnenschein zu glühenden Armen geworden sind.— Die aus der Altenecke sind aufgestanden, und die Mütjer fahren ihre Kinder nach Hause. Nur die jungen Burschen lungern noch herum. E- dunkelt. In den Nischen des Rosengartens sitzen sung« Pärchen. Die Rosen blühen längst noch nicht: kaum daß die Knospen zu sehen sind. Aber in den jungen Herzen hat der Früh- ling«in rotes Licht angesteckt. Ganz dunkel ist es im Park. Lampen flammen auf. Auf einer Tafel steht:.Beim Eintritt der Dunkelheit wird der Park ge- schlössen!" Der Wächter läutet eine Glocke. Di« im Rosengarten hören nichts. Bis der Wächter selbst kommt.„Na. ausstehen!— Feierabend!" Langsam stehen die Pärchen auf. langsam gehen sie — fest umschlungen— hinaus. Der Wächter folgt ihnen langsam hinterher. Erzengel Michael vertreibt Adam und Eva aus dem Paradies. Im Rosengarten blühen die Rosen noch lang« nicht.,,, pril l»27 Gesunöheitsfchau! Don Siadtarzt Dr. Alfred K o r a ch. Eine periodische Untersuchung bestimmter Gruppen gesunder Menschen hat in gewissem Umfange schon bisher stattgefunden. Die Säuglings- und Kleinkinderfürsorgeärzte sind es gewohnt, in be- stimmten Zeitabständen die ihrer Obhut anvertrauten Kinder zu untersuchen und den Müttern gute Ratschläge für die Pflege und Ernährung der Kinder zu erteilen. Die Schulärzte arbeiten in ähn- licher Weise. Wir besitzen serner Erfahrungen, die in den ver. schiedensten Ländern bei den militärischen Musterungen gemacht wurden. Bei den sportärztlichen Untersuchungen und in den Ehe- beratungsstellcn werden mancherlei wichtige Ergebnisse gezeitigt. Schließlich haben die amerikanischen Lebensversicherungsgesell- schaften seit längerer Zeit in umfassender Weise regelmäßige Unter- suchungen der bei ihnen versicherten Personen veranstaltet und hier- bei so beträchtliche Erfolg« erzielt, daß sich— vor ganz kurzer Zeit— auch die führenden deusschen Lebensversicherungsgesell- schaften veranlaßt sahen, regelmäßig wiederkehrende, kostenfreie Untersuchungen ihrer Klientel in die Wege zu leiten. So beachtlich alle die Veranstaltungen und die hierbei gemach- ten Erfahrungen sind, so dürfte dennoch von wirklich entscheidender Bedeutung für die Lösung des Problems der periodischen Untersuchung Gesunder, wie die Verhältnisse in Deutsch» lond liegen, allein die Sozialversicherung sein. Sie bildet in ihrer vielgestaltigen Organisation ganz sicherlich das Fundament für den Aufbau und den Ausbau künftiger Untersuchungen gesunder Per- scnen. Die Gesundheitsfürsorge der Krankenkassen erstreckt sich heut- zutage erfreulicherweise großenteils auf Maßnahmen, die der Krank. heitsvcrhütung dienen. Gerade in diesem Sinne wäre periodische Untersuchung Gesunder besonders zu begrüßen. Derartige vor- beugende Maßnahmen besitzen aber nicht nur einen großen sozial- hygienischen Wert und eine erhebliche Bedeutung für den einzelnen zu betreuenden Menschen. Sie erzielen auch einen beträchtlichen finanzwirtschaftlichen Nutzeffekt, sie sind im Interesse der Kassen- finanzen zweckmäßig: denn ihre Wirksamkeit hat die Einsparung vieler vermeidbarer Ausgaben für Krankenbehandlung zur Folge. Die regelmäßige Untersuchung aller Krankenkassenmitglieder in be- stimmten Zeitabständen, die„Musterung der Gesunden' zu organi- sieren. ist vielleicht die wichtigste Aufgabe der Krankenkassen für die nah« Zukunft. Die wirtschaftlichen Verhältnisse gestatteten es bisher nicht, daran zu denken, daß die Krankenkassen eine so gewaltige neue Aufgabe übernehmen. Auch die ernste theoretische Erörterung dieses Problems blieb während des Krieges und in den Iahren der Nach- kriegszeit stark im Rückstand. Man sollte zumindest jetzt daran gehen, alle erstmalig auszunehmenden Krankenkassenmitglieder und diejenigen Gruppen von Versicherten, die bekanntermaßen als „schlechte Risiken' in Frage kommen, einer Untersuchung zuzu- führen. Allmählich könnte man dann die eine Altersklasse nach der anderen einer regelmäßig wiederkehrenden Untersuchung zu- führen. Der Nutzen, der aus der periodischen Untersuchung Gesunder erwächst, dürfte in dreierlei Beziehung wahrzunehmen sein. Er liegt einmal auf dem Gebiete der Erziehung zur Gesundheit. Die Menschen müssen immer mehr lernen, daß die Erhallung eines gesunden Körpers ihr« moralische Pflicht ist. Weiteste Dolkskreise werden, wenn sie diese Ueberzeugung einmal genossen haben, auch leichter verstehen, daß die Krankenkassen nicht nur dazu da sind, in mehr oder weniger ernsten Krankheitsfällen in Anspruch genommen zu werden, sondern die Aufgabe haben, sich ebenso fürsorglich wie um die Krankheiten.- so auch um die Gesundhell der Mitglieder zu lümmern. Die umfasssnde periodische Untersuchung Gesunder wird mindestens einmal, bei manchen Altersgruppen lieber zweimal im Jahre stattzufinden haben. Sie wird sich in vorbildlichen Formen und unter Vermeidung möglichst jeglicher Wartezell der zu unter- suchenden Personen vollziehen müssen. Die besten Aerzte werden als Untersuchende gerade gut�genug sein. Das Bureaupersonal wird vermehrt werden müssen. Schreibwerk und Kartotheken werden anwachsen. Die Kosten, die aus der Veranstaltung einer nur ein- maligen jährlichen Untersuchung aller erwachsenen Reichsange. hörigen entstehen würden, dürften sich auf ungefähr 50 Millionen Mark belaufen. Trotzdem wird aber— angesichts der großen vor- beugenden Wirkung dieser Untersuchungen— der finanzielle Nutzeffekt für die Krankenkassen ein ganz bedeutender sein. Die periodische Untersuchung Gesunder wäre aber auch die Krönung des großen Werkes moderner Gesundheitsfürsorge, das in letzter Zeit überall da sichtbar geworden ist, wo aus sozialhygieni- schem Gebiete etwas Tüchtiges geleistet wird. Die planmäßige ge- sundheitsfürsorgerische Betreuung der heranwachsenden Jugend hat sich immer mehr herausgebildet. Es wächst ein« Jugend heran, die an periodische körperliche Untersuchung gewöhnt ist. Wir müssen auf dem Gebiete der Menschenwirtschaft so ökonomisch verfahren wie nur möglich. Welcher Grund könnt« ober dafür maßgebend sein, zwar bei den Säuglingen, den Kleinkindern und den Schulkindern die periodische Untersuchung für notwendig zu halten, bei der großen Menge der Bevölkerung, die im Erwerbsleben steht, die Dringlich- Parteitag 1927. Der Parteivorstand beruft hiermit den diesjährigen P a r- t e i t a g zum 22. Mai und folgende Tage nach Kiel, Gewerk- schaftshaus, Legienstraße 22, ein. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Bericht des Parteivorstandes: n) Allgemeines. Berichterstatter: Otto Wels. b) Agitation, Organisation und Kasse. Berichterstatter: Fr. Bartels und K. Ludwig. 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: Fried- rich B r ü h n e. 3. Das Agrarprogramm. Berichterstatter: Dr. B a a d e und Regierungspräsident Krüger- Lüneburg. 4. Die Tätigkeit der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion. Berichterstatter: Robert Schmidt. 5. Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Republik. Referent: Dr. H i l f e r d i n g. 6. Bericht über die sozialistische Arbeiter-Internationale. Berichterstatter: Artur Crispien. 7. Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag statt- finden soll. 8. Erledigung der Anträge, soweit sie durch die vorstehende Tagesordnung noch nicht erledigt sind. *• « Im Anschluß an den Parteitag findet in Kiel eine ßrauenkonferenz statt. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Jahresbericht. Berichterstatterin: Marie Iuchacz. 2. Wohnungsnot und Wohnungsreform. Referentin: Dr. Herta Krauß- Köln. Der Parteitag fetzt sich zusammen aus den in den Be- zirksverbänden gewählten Delegierten, der Vertretung der Reichstagsfraktion, den Mitgliedern des Parteivorstandes, des Parteiausschusses und der Kontrollkommission. An der Frauenkonferenz sind zur Teilnahme be- rechtigt: Ein bis zwei Delegierte aus jedem Vezirksverband, die weiblichen Delegierten des Parteitages, die weiblichen Mit- glieder der Retchstagsfraktion und je ein weibliches Mitglied der Landtagsfraktionen, ferner Genossen, die von den Bezirks- leitungen mit Mandaten zur Konferenz versehen sind. Anträge für die Tagesordnung des Partei- tages werden nur behandelt, wenn sie von Parteiorga- n i s a t i o n e n gestellt und spätestens bis zum 29. April beim Parteivorstand eingereicht sind, damit sie laut Organisations- statut§ 13, Absatz 2 spätestens am 24. April im„Vorwärts" veröffenllicht werden können. Zum Parteitag gestellte Anträge müssen jeder für sich auf ein besonderes Blatt Papier, einseitig beschrieben und mit der Angabe, zu welchem Punkt der Tagesordnung gehörig, ver- sehen sein. Wegen Wohnungsbeschaffung müssen sich die Delegierten rechtzeitig beim Lokalkomitee melden. Adresse: Otto Egger st edt, Kiel, Legienstraße 22. Gastkarten für den Parteitag werden von dem Lokal- komitee in Kiel ausgegeben; Zutrittskarten für die Bericht- erstatter der Presse nur vom Parteivorstand, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Der Parteivorstand. keit jedoch verneinen zu wollen? Gegenüber der Jugendfürsorge ist die Erwachsenensürsorge ganz zweifellos allzu stark ins Hintertreffen geraten. Jugendfürsorge und Erwachsenenfürsorge sind keine Gegensätze. In Zeiten wirtschaftlicher Miseren kann aus Gründen der finanziellen Kollision das eine Arbeitsgebiet das andere stark, zurückdrängen, empfindlich benachteiligen. Das ist geschehen. Nach- dem die verschiedenen Zweige der gesundheitlichen Jugendfürsorge in einem organischen Zusammenhang gebracht worden sind, strebt dieser zu einer weiteren Verknüpfung: mit der Fürsorge an den Schulentlassenen, an den Lehrlingen, mit den Spezialfürsorgen mannigfacher Art, dann auch mit der Fürsorge für die chronisch Kranken, die Siechen und Altersgebrechlichen. Schließlich bleibt dann noch die neue Aufgabe, die große Masse der berufsfähigen und berufstätigen Bevölkerung, einschließlich der Hausfrauen, in den Kreis der Gesundheitsfürsorge restlos einzube- ziehen und durch die Krankenkassen einer periodischen Gesundheits- schau zuzuführen. Die Frage der Musterung der Gesunden ist aber nicht allein ein Krankenkassenproblem, sondern«in Staatsproblem, ein Volks- Problem(auch in finanzieller Hinsicht!). Der Hinweis auf die finanziellen Schwierigkeiten der Jetztzeit kann nicht als durch- schlagend bezeichnet werden(siehe Reichswehretat!)� Die Beurteilung der Rangfolge bei den verschiedenen Geldauswendungen öffentlicher Körperschaften wird in Deutschland allenthalben außerordentlich stark vernachlässigt. Wenn Gesundheitswirtschaft und Menschenökonomie erst einmal die ihnen gebührende Wertschätzung im öffentlichen Leben erfahren werden, dann wird es kaum mehr nötig sein, auf den besonderen Wert der periodischen Untersuchung gesunder Men- schen hinzuweisen. Zurzeft kann aber nicht vernehmlich genug die Wichtigkeit der Veranstaltung solcher Untersuchungen betont werden, deren planmäßige Durchführung gerade im Interesse der proleta- rischen Bevölkerungskreise sehr lebhaft zu begrüßen wäre. Parteinachrichten ffSm für Groß-öerlin Einsendungen sör diese RnbrU sind II Jß slet» an da» Beztrt»Ietretariat. verlt» SB 68. Lindeastrabe 3, 7. Hos, 2 Treu, rechts, ,» richten 13. Kreis. Mittwoch, 20. April, 8 Uhr, Fraktionssitzung im Kommisswns- sitzungszimmcr II, parterre. heule, Sounkag, 17. April: Dienstag. 19. April: Bi. Abt. Charlotte» barg. Gemeinsames tiaffeekochen im Lokal Karlslust in Spandau. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr Kirchhof-, Ecke Berliner Straße. Nachziigler treffen sich im Lokal. Fahrverbindung: Straßenbahnlinie IS4 bis Etadtpark. Mittwoch, 20. April: 130. Abt. Tegel. Bezirk Keiligenfe«, Ncu-Sciligensc«, Siedlung am Bahnhof Heiligensee und Sdmlzendorf. 8 Uhr im Lokal Hermann Klaar in Schulzen. darf Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht vom Bezirkspartei- tag. Berfchiedenes. Alle Genossinnen und Genossen mstssen erscheinen. Frauenveranstaltungen: 2. Srei» Tiergarten. Die Genossinnen, die am Kaffeekochen in Sadowa teil» nehmen wollen, treffen sich am 3. Feiertag um ih2 Uhr Bhf. Bcllevue. 4. Krei» Prenzlauer Berg. Alle Genossinnen treffen sich Dienstag, 19. April, nachmittags 2zh Uhr, in Sadowa, Restaurant Sanssouci, zum Kaffeekochen. 7. Krei» Charlottenburg. Die Genossinnen treffen sich am Dienstag, 19. April, zwischen 2 bis 0 Uhr in Spandau, Lokal Löbcll, Hakenfelde, Endstation Linie 154. 3«. und 38. Abt. Dienstag, 3. Feiertag, Ostertreffen der Parteigenossinnen in Sadowa, Restaurant Sanssouci. Treffpunkt 2 Uhr Schlesischer Bahnhof, Eingang Madaistraße. III. Abt. Bohnsdorf. Dienstag, 19. April, IMi Uhr, bei Hcimann, Walters» dorfer Str. 100, Heiterer Abend. Portragende Lisa Albrccht. 128./130. Abt. Pankow. Der Frauenabend fällt am Dienstag, 19. April, wegen de» Ostertreffcns aus. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde: Groß-Berlin: Meldungen zur Helferfährt am Sonnabend, 23. April, müssen bis zum Mittwoch, 20. April, in Händen der Genossin Warmuth sein.— Di« § elferschule findet am Donnetstag, 21. April, in Neukölln, Nogatstraßc, statt. hema:„Sozialpädagogik." Referent Dr. Kurt Löwenstein. Gruppe Tcmpclhof: Nächster Heimnachmittaa am Donnerstag, 21. April. Wichtige Besprechungen für die Maifeier lKakao). 82. Abt. Steglitz. Das Spielen fällt am Dienstag, 19. April, aus. Dafür Ausflug am Mittwoch, 20. April, nach Waldschloß Scehof. Treffpunkt nach- mitwg» I Uhr Rathaus, Straßenbahnlinie 177. Iungfozialiflen: Gruppe Ziergarten: Dienstag, 19. April, 8 Uhr, bei Triimper, Flensburger Straße S, Diskussionsabend. | Sterbetafel üer Groß-öerliner Partei-Grganifation 12. Abt.(Kreis Tiergarten). Auf dem Heimwege vom gahlabend verstarb in der Nacht zum 14. April an Herzschlag unser treuer Genosse Heinrich F i e b i g e r im 55. Lebensjahre. Der Partei 23 Jahre angehörend, hat er stets seine Pflicht für die Partei erfüllt. Einäscherung Mittwoch, 20. April, abends 8 Uhr, Krematorium Gerichtstraße. Rege Beteiligung wird erwartet. Treffpunkt der Parteigenossen 7 Uhr vor Bhf. Putlitzftraßc.— Die Abteilungs» leitung._ Sozialistische flrbeiterjugenü Groß-Serlin« Dienskag. 19. April, abends 7% Uhr: Brnnaenplatz: Schule Wiesen-, Ecke Pankstraße:„Stellung der Jungarbeiter. schaft im Betriebe."— Glsuadbruaaea: Jugendheim Gotenburger Str. 2. Der Heimabend fällt au».— Bedding-Rord: Jugendheim Turiner, Ecke Scestraße: Fahrtencrlebnisse.— Nordost II: Jugendheim Danziger Str. 62; Fahrtenbericht. — Scnefelber-Biertel: Schule Danziger Str. 23:„Unsere Dsterfahrt.— Schöne- berg I: Jugendheim Hauptstr. 15: Fahrtenerlebnisse.— Eharlottenburg: Jugend. heim Rosinenstr. 4: Bunter Abend.— Steglitz I: Jugendheim Albrechtstr. 47: Heimabend.— Tempelhos-Mariendorf: Mariendorf, Dorsstr. 7: Jugendtag- »nd Fahrt-nberichte.— Reulölla I: Jugendheim Sander», Ecke Hobrechtstraßc: Bunter Abend.— Neukölln II: Jugendheim Bergstr. 29: Fahrtenbericht.— Neukölln III: Jugendheim Steinmctzstr. 114: Fahrtenbericht.— Neukölln V: Lyzeum, Richardplatz:„Zweck und Ziele der SAI."— Reukollo VI: Schule Hcrtzbergplatz: Fahrtenbericht.— Neinickcndoef.Ost: Seebad, Residenzstraße: „Vorkämpfer des Sozialismus."— Pankow: Jugendheim Görfchstr. 14: lO-Minuten-Referate. Mittwoch. 20. April, abends 7% Uhr: Nofenthaler Vorstadt: Jugendheim Gipsstr. 23s: Fahrtenerlebnisse.— Baltenplatz: Jugendheim Tilsiter Str. 45, im Saal:„Reichsausfchuß der beut- fchen Jugendverbände und die Forderungen der arbeitenden Jugend.— Peter» burger«iertcl: Jugendheim Ebertnstr. 12(Eingang Hof):„Jugendbewegung rechts und links."— Reichcnberger Biertel: Jugendheim Reichenberger Str. 66: „Auf großer Fahrt."— Südwest: Bezirksamt»reuzbcrg, Porckstraße:„Eoziali. stifche Erziehung," 1. Teil.— Tempelhof-Marlendorf: Liizeum, Germania- straße 4—6:„Scruelle Fragen," 2. Teil.—«aulsdorf: Schule Adolfstraß-: „Bauernkriege."— Lichtendera-Mitte: Jugendheim Dossestr. 22:„Warum sind wir gegen den Krieg?"— Llchtenberg-West: Jugendheim Echarnwebcrstr. 29: „Wirtschaftspolitik Amerikas." Werbcbezirk Neukölln: Wcrbebezlrlsfunktionärsitzung im Jugendheim Berg- straße 29(nicht Kanner Straße). Aufforderung zur Zeichnung aui 6% Anleihe des Freistaates Sachsen von 1927 im Nennbetrage von Rm. 50 Millionen auf Peingoldbasis, reichsmundelsicher. Auslosbar ab 19.30 zu pari mit 2% Jährlich zuzüglich ersparter Zinsen. Gesamt- oder Tcilkundignng bis 30. September 19.35 ausgeschlossen. Der Preistaat Sachsen hat an die unterzeichneten Banken und Bankfirmen von oben genannter 6% Anleihe des Freistaates Sachsen nom. Rm. 45 Millionen auf Peingoldbasis begeben. Die für die Aufnahme der Anleihe erforderliche Genehmigung des Sächsischen Landtages fst durch Landtagsbeschluß vom 6. April 1927 erteilt. Die Verzinsung erfolgt mit 6% Jährlich, zahlbar In halbjährlichen Raten a;n 1. April und 1. Oktober eines Jeden Jahres; der erste Zinsschein umfaßt den Zeitraum vom 1. April bis 30. September 1927 and ist »m 1. Oktober 1927 fällig. Die Tilgung der Anleihe erfolgt ab 1930 durch Auslosung zu pari mit 2% Jährlich zuzüglich ersparter Zinsen, so daß die Tilgung in längstens 24 Jahren erfolgt ist. Tilgung durch Rückkauf ist ausgeschlossen. Das Sächsische Finanzministerium hat auf das Reckt der Gesamt- oder Teilkündigung bis 1935 verzichtet. Die Gesamt- oder Teilkündigung ist erstmalig für den 1. Oktober 1935 bei. vorausgegangener halbjährlicher Kündigung zulässig. Die Rückzahlung des Kapitals und die Einlösung der Zinsscheine erfolgt bei Fälligkeit in gesetzlichen Zahlungsmitteln bei der Kasse der Staatsschulden Verwaltung in Dresden und bei den unterzeichneten Bank- firmen. Für jede geschuldete Reichsmark ist der in Rdchswährung ausgedrückte und amtlich bekanntgegebene Preis von V*:»« kg Feingold zu zahlen, der für den 15. des der Fälligkeit vorangehenden Monats gilt. Die Umrechnung in deutsche Währung erfolgt nach dem Mittelkurs der Berliner Börse auf Grund der letzten diesem Tage vorausgehenden amtlichen Notierung für Auszahlung London. Ergibt sich aus dieser Umrechnung für das Kilogramm Feingold ein Preis von nicht mehr als Rm. 2.820,— und nicht weniger als Rm. 2.760,—, so ist für jede geschuldete Reichsmark eine Reichsmark in gesetzlichen Zahlungsmitteln zu zahlen. Die Anleihe wird an den Börsen zö Berlin, Dresden, Frankfurt a. Main, Hamborg, Leipzig, Chemnitz und Zwickau eingeführt werden, Die Stückelung erfolgt in Abschnitten von nom. Rm. JOO, 500, 1000 und 5000. Eintragung in das Sächsische Staatsscbuldenbuch ist zulässig. Die unterzeichneten Firmen legen hiermit die vorbezeichneten Rm. 45 Millionen 6% reichsmOndelsichcre Sächsische Staatsanleihe von 1927 auf Feintjoldbasis unter folgenden Bedingungen zur öffentlichen Zeichnung auf: I. Zeichnungen werden von den unterzeichneten Firmen und deren sämtlichen| Niederlassungen vom 19. bis 26. April d. J. entzesenseiioimil«!. Vorzeiiigei Zzichr.ungsschhß bleifcl vorbchalien. Z. Der Zcichnuntsprtit betrkst 95,75% zutDelich SchluDsctirinstempel. Die BczahluiiK hat am 5. Mai d. J. zuzüglich Stückzinsen vom I. April 1927 abzüglich Kapilulertragsstentr zu erfolgen. 3. Die Zuteilung auf die gezeichneten Beträge bleibt dem Ermessen der Zefchnnngsstellen vorbehalten, Zeichnungen mit sechsmonallicher Sperrverpfllchlung werden vorzugsweise berücksichtigt werden. 4. Die Zeichner erhalten zunächst Xassenqnittisngen, gegen deren Rückgabe die Ausbändigung der endgültigen Stücke nach deren Eertigsteliimg erfolgt. Wünsche auf Zuteilung in bestimmten Stücken werden— soweit angängig— berücksichtigt werden. Berlin/Dresden, Im April 1927. Chemnitz. Essen, Frankfurt, Hamburg, Vbln. Leipzig. München, Oldenburg. Schwerin. Weimar. Preußische Staatsbank(Seehandlung). Sächsische Staatsbank. Mendelssohn& Co. Reichs-Kredit-Gesellschaft Aktiengesellschaft Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G. Berliner Handels-Qesellschaft. S. Bleichröder. Deutsche Girozentrale— Deutsche Kommunal bank— Deutsch-Südamerikanische Bank Aktiengesellschaft. I. Dte�fus& Co. Hardy& Co. F. W. Krause& Co., Bankgeschäft Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Kommanditgesellschaft auf Aktien. Mitteldeutsche Creditbank. Allgemeine Deutsche Credit-Anstalt, Abteilung Dresden Commerz- und Privat-3ank, Aktiengesellschaft, Filiale Dresden. Credit- und Depositenbank für Sachsen, Aktiengesellschaft. Darmstädter und Nationalbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien, Filiale Dresden. Deutsche Bank, Filiale Dresden. Direction der Disconto-Gesellschaft, Filiale Dresden. Dresdner Bank. Dresdner Handelsbank, Aktiengesellschaft. Girozentrale Sachsen, Oeffentliche Bankanstalt. Kroch jr., K. G. a. A. Sächsische Bank zu Dresden. Stadtbank Leipzig. Gebr. Arnhold. Bayer& Heinze. Bondi& Maron. Philipp Elimeyer. S. Mattersdorff. George Meyer. Simon Hirschland. Deutsche Vereinsbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien. Lazard Speyer-Eilissen. L. Behrens& Söhne. Norddeutsche Bank in Hamburg. M. M. Warburg& Co- A. Levy. Sal. Oppenheim jr.& Cie. Bayerische Hypotheken- und Wechselbank. Bayerische Vereinsbank. Merck, Finck& Co. Oldenburgische Landesbank. Mecklenburgische Bank. Thüringische Staatsbank. ort, Ihr Frau'n, und laßt Euch sagen— Nach "Ozonil müßt Ihr stets fragen! stellt auf dem Gebiet der selbsttätigen Waschmittel eine Sonderklasse dar. Besser, müheloser und schonender als, bisher wird die Wäscht mit Ozonil selbst tätig gereinigt. y- vif„ r: Ni V-V X■;•-• V T'y. ALLEINIGE HERSTELSä��MptlKEN VON Dr.THOMPSON'S SEIFENPULVER, DUSSELDORF L C Smitli Schreibmaschinen gehören wegen ihrer vielseitigen Vorzüge in jedes Bureau. V erlangen Sie unverbindliche Vorführung von Abteilung D. Corona Sdireibmasdiinen-Gesellsdiaft m.b.H./ Berlin S W 68, Markgraf cm tr. 76-77(Dönh. 7373) ? Preis OenMMMtr-VeiW Stontan, acnlS.Upcil(Oflnmoniog). •ocmlflop» lOJIUc.im„JugenOfaal- bc*])(tbaal>sf)ait!» Ctnienflt.»3 85 IW Konferenz �88® der auf Montage arbeitenden Rohrleger und Helfer. Taziusrdlinng- l. Bericht llder den Stand der Taritbewecunp. 2. 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Im Bathauie ju Beriiii. itonigtlrahe 15/18, Eingang Illden- »raKe. zimmer l0S. Tagesard Ii ung: >. Tätigieitsdcricht. 2. Abnahme der Iahresrechnung 1928. 3. Berjchiedenes. Ausragen oder Beschmrrden. zu deren Erlediaung Atteneinsicht oder anderweit« Aeitstellmigen erforderlich sind, müssen mindesten« 3 Tage vorher beim Barstgrn- den de» Borstaade» eingereicht werden. Bor der Slhung findet um ll Uhr in demselben Zimmer de» Nothause- die Übliche Bcrdesprrchuug unter drn Au». tchugmitgliedern statt. Pllnt.liches Srtcheinen ist dringend not- wendig, da die Benutzungszeit de» Zimmer- bcschrantt ist. Berlin, den 9. April lS27. ver Vorsitzende de» Vorstandes der vetriednkronlen- tass« der Sladl verlla. kii MMsüsliiüWiIiZlI l8 Jahre im Zentrum bestchcnd, ver» tSusltch. Zentrum 73Z0. — MfldlCB-'i roh emailliert Hüffie Lotiaien 42 H. so n. .. CbrisUne 15„123„ mit Anrichte Ricsenaustvaiil roher, lackierter, lasiertet KOchen, einzelner Kleiderund KQchenschränke. 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April 1927, in �Derselbe enthält«. a. Bestimmungen über den Inhalt der Abmeldungen trrncr wird der Borsland ermachtiai, Im allae- meinen, wie auw Illr destimmle Beiriebe den wirtlichen Arbelle verd, tust al» Drunb- lohn z» bestimmen. BcUer wird al, Sterbeqelb beim Tode»ine» verstchetlrn da» 3« t.« M(einschl. Lehrlinge ohne Ent. gelt) Grundlohn 120 M Stufe 11 übet 1,50 dt» 2.50 JH. Grundlohn 2 M. Stufe III über 2,50 bis 3,50 M.»rund- iohu 3 M. Stute IV über 3.50 bt, 4,50 JR.(Stund- lohn 4 M. Chife V über 4J0 bi» 5�0 JJ2.(Stund. lohn 5 M Stufe V! über 5�0 dt» 0�0 JH.»runb- lohn 6 JH. Stufe VII über 0�0 bi« 7�0 M. Grund- lohn 7 M. Siule VI» über 750 bi» 3�0 M»rund- lohn 8 W Stute IX über«2» bi» 9.50 M.«rund- iobn SM___ Stute X über 9,50 M»runblobn 10 JH. Für Lehrlinge ohne Entgelt deteägt der Beitrag zwei Drittel de» B-strage» der Tlufe!. Eine CrhShtin« de, Prozentsätze, der Beiiräge hat nicht stattgefunden__ Berlin-Zehtendort. den 14. April 1927. Ort vorslon» »er Ungemeinen Ortetrontentasse (ür Zehlendort und Umgegend E«U Stet». Vorsitzender. diach lane! ädriger klinischer ffälig- keli im LiÄtiscden Krankendaui Am Urban habe ich mich al» —« Chirurg— niedergelassen. Br. med. s. Kuttner SW 61, Belle- Wliance-Plalzn Femsprecher; Lützow 8426 Sprechstunden; 11-12,4-0, Sonnab.12— 2 Privatklinik ab Anfang Mai: „Klinik in der Btiiowstr�23 Konkurrenzlös!!! detaubciien...... 10.50 an mit Poisieranfloteo■ so.-. Sola.......... 50.—. smiof-Chatjelamtne*- 24—, r.nuseionüHe-DetKe«• j» WanOfietiSnOe..... g-—» PaieutmairelzeB..•• o—, Freisendoog! Ratenrahlang! Oöbr» Berlin, Pappelallee 12 Pankow, Schmldlvtr. 1. Telephon: Moritzplatz 10547-43, Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin S 14, Wallstraße 65/ Berliner Stadtbank, Girokasse 1. Berlin C 2. MQhlendamm 1 Berliner- ElehfriSier-«cnossensdiali Berlin N 24, Elsässer Str. 86-88 1 Filiale Westen, Wilmersdorf ernsprechcr Morden 65 2j u. 65 26 I Landhaussiraße 4. 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Um die Liebe dieses Jungen ringt sie, wirst ihren Zuhälter hinaus, denkt daran, sich eine bürgerliche Existenz zu schassen und kann e« nicht verhindern, daß der Geliebte zu der jungen Dirne geht. Aus Eisersucht läßt sie durch ihren alten Freund das Mädchen ermorden. In dieser Ueberredungsszene entwickelt Braun dialektische Ueberlegenheit und beweist psycholo- gischen Blick, und diese Szene bleibt beispielsweise im Film wir- kungslos. Die Manuskriptbearbeiter Leo Heller und Ruth G o e tz halten sich bis auf den Schluß eng an die dramatische Vor- läge, verbreitern nur die Basis des Geschehens, sie wollen den indivi- duellen Fall verallgemeinern, daher am Ende die schöne Sentenz: „So enden wir olle." Hinzu kommen Szenen in Ludenkneipen und auf der Straße, die Stimmung und Milieu schassen sollen, ein paar Figuren sind hinzuerfunden. Das alles ist sehr diskret in den Ab- lauf der eigentlichen Tragödie eingefügt worden. Der Film muß komprimieren und kann deshalb nur eine psychologische Entwicklung auf ihrem Höhepunkt vorführen, damit vergröbern sich aber die Um- risse. Das zarte, hingebungsvolle Werben der alten Dirne um den jungen Manne fällt fort, in wenigen Augenblicken hat man sich bereits gesunden, und so geht es weiter. Ist der Stoff nun auch im Grunde unfilmisch, so bietet er doch«ine Rolle für Asta Nielsen, und dies allein ist ein zureichender Grund. Asta Nielsen operiert zuerst alles Sentimentale fort. Nur einmal zeigt sie die verkitschte Sehnsucht der alten Dirne, wenn das sieche, alte Männchen auf dem Klavier einen Schmachtfetzen herunterklimpert. Sie betont auch nicht das demütige Betteln vor der jungen Konkurrentin, sie fordert. Und dann, als man ihr das Liebste genommen hat, versteinert sie Im Schmerz, sitzt da wie eine Rachegöttin, wie eine Medusa. Aber immer bleibt sie doch die Dirne, inimer ist sie von der Atmosphäre dieser Welt umgeben, in einer kleinen Geste, in einem Zucken des Mundes läßt sie erkennen, daß sie zu den Geächteten gehört. Ganz groß ist die Leistung, vor der man sich neigt. Neben Asta Nielsen hält sich nur noch H o m o l k a, ein gutmütiger, tappsiger Lude, der nur äußerst widerwillig das Derbrechen begeht. Der Regisseur Bruno Rohe gibt die Handlung verhältnismäßig konzentriert, kann ober nicht die Widerspenstigkeit des Stoffes bezwingen. Nächtliche Straßen- fzenen sind sehr gut gesehen und sehr weich photographiert, aber die Photographie beschränkt sich nur auf diese weichen verwaschenen Konturen. Eine Stimmung wird überspitzt, und ebenfalls herrscht ständig abgedämpfte Beleuchtung, was zu betont auf Stimmungs- mache abzielt und auf die Dauer ermüdet, denn die Szenen er- halten dadurch«in zu gleichmäßiges Gesicht. Vielleicht verfilmte man nur die..Dirnentragödie", um Asta Nielsen herauszusetzen, im allge- meinen sollte man jedoch Stofie wählen, die auf Spannung und Tempo gestellt sind, der Film ist sür psychologische Exkursionen un- geeignet.' F. S. «gm „Venus im ftotf.' (Bedapalaft„Atrium".) Der Titel sst eigentlich irreführend(denn warum ist ein weib» licher Rechtsanwalt gleich eine Venus?) und doch wieder bezeichnend, denn die darin angeschnittene Frauenfrage wird natürtch nur lust- spielmäßig genommen. Wenn der deutsche Film«in Lustspiel auf- zieht, muß man schon zufrieden sein, wenn nicht allzuviel Geschmack- losigkeiten, Triv alitäten und längst überalterte Motive geboten werden. Unser Lustspiel sst wenigstens modern, sogar höchst aktuell, nicht ohne Witz, wenn auch übermäßig lang geraten und dadurch £melkflvy�/ fftilast Kurffürstendamm 68 des neuen Ewefilms der Südfilm A.-G. Regte: iaap Speyer mit X v. Szöreshi, Mta Asther, Mla Pankau. Hansnierendorf, Helene HaWer. Dien KOrtt «• a. w. Täglich 7°° u. 9" Anbeiden Feiertagenab 5«J etwas ermüdend. V a j da hätte das Manuskript konzentrierter an- legen können, aber er hat wenigstens für gute Gelegenheiten für den Regisseur Robert Land und die Darsteller gesorgt. Das Milieu ist erfreulich neu: der Wirkungskreis eines weiblichen Rechtsanwalts, der natürlich in Ehescheidungssachen großen Erfolg hat, selbst aber absolut Männerfeindin ist. Da bedingt es die Praxis, daß sie durch Heirat mit einem Engländer englisches Staatsbürgerrecht erwirbt. Der entsprechende(Geschgfts-)Mann, der jederzeit zur Scheidung sich bereit ervären muß, ist bald gefunden; in Wahrheit sst er längst unheilbar in die Rechtsanwältin verliebt. Die Reize des Lufsspiels bestehen nun darin, daß der sogenannte Ehemann unter allerlei Tricks und Vorwänden das Herz femer Frau erobert und zum wirtlichen Ehemann avanziert. Georg Alexander versteht es ausgezeichnet, sich in die Ehe hineinzuspielen: er macht auch an der Riviera und im Ballsaal gute Figur.(Trotzdem sollte man einmal einen neuen Liebhaber bringen.) Di« Männerfeindin, die langsam, aber sicher der Liebe unterliegt, wird von Carmen B o n i verkörpert. Der Film hat hier eine ausgezeichnete Entdeckung gemacht. Die Darstellerin hat ein sehr feines, nie aufdringliches Mienenspiel, be- sonders ausdrucksvoll sind ihre Augen, man glaubt ihr ihren Beruf, und man wird Zeugin, wie sie Schritt für Schritt zur Liebe erwacht. Max Hansen gibt einen amüsanten Gerichtsberichterstatter, der sich als Ehestijter zusammen mit der reizenden Eoi Eva pro- ouziert. Ida W ü st sst als Bureauvorsteher einfach knorke. Voran ging ein ausgedehntes Beiprogramm: Willi Rosen trägt seine gespritzten und gejazzten Couplets vor, Paul Morgan gibt eine Gastrolle als Telephonopfer(um die Hälft« zu kürzen). Dazu noch Wochenschau und Jazzkapelle. D. „Lieb mich unö die Welt ist mein!" (Alozarlsaal.) Man hat eine Novelle von Rud. Hans Bartsch verfilmt und das ergab Lyrik mit Schmalz und Ansichtspostkartenphotographien. Das herzige Wiener Mädel wurde in einer Ausmachung a la Schießbudenfigur vorgeführt. Die Darsteller weinten andauernd dicke Kullertränen, die Zuschauer seufzten hörbar und die Musik spielte unentwegt„Lieb' mich und die Welt ist mein".. Eigentlich müßte tn diesem Falle dos Publikum aufgefordert werden, den Refrain mitzusingen, damit wenigstens etwas Leben in die Bude kommt. So haben nämlich von all' den unmöglichen Zwischentiteln nur die Worte volle Gültigkeit, die da behaupten:„Da dehnen sich Minuten zu Stunden." Und Einfälle werden verwertet! Einfälle!—? Als der alte, edle Professor, obwohl er fünf Minuten vor der Trauung steht, nicht geheiratet wird, sondern die junge holdselige Braut sich ihren Oberleutnant Leopold von Aichinger noch aus dem fahrenden Eisenbahnzug holt, zerreißt der Herr Professor seinen schönen weißen Schlips. Das ist der Filmausdnick für geknickte Männerwürde. Und das brachte der Regisseur E. A. Dupont fertig, den wir immerhin eine. Reihe unserer besten deutschen Filme verdanken. Wenn dieses Filmchen eine Entwicklung dieses Regisseurs vorstellen soll, dann kann man nur bitten, lieber Dupont, lasse den Ozean zwischen uns, schicke auch bitte kein« amerikanisierten Werke, denn schließlich sind die Berliner keine amerikanischen Cowboys, die 11 X Monate des Jahres bei der Herde verbringen und dann während ihrer vierzehn- tägigen Stadtanwesenheit aus naiver Freude an der Abwechslung ein dankbares Filmpublikum abgeben. Das Ufa-Programm läßt an Dürftigkeit mal wieder yichts zu wünschen übrig. Im Ufa-Magazin, das man kaufen muß, um ein Programm zu erhalten, kann man zwar spaltenlange Starreklamen lesen, aber die Darsteller des zur Uraufführung gelangenden Filmes (ohne Rollenangabe) werden nicht vollständig aufgezählt, e. b. „Schön ist üie �lugenSzeit.� (Piccadilly.) Es ist die einfache Geschichte von der Liebe eines kleinen Studenten zu der Tochter seiner Wirtin. Die Handlung spielt irgendwo in Frankreich oder in Italien, dort also, wo es kein Korps- studententum, kein Solamanderreiben und ähnliche ernsthafte Be- schäftigungen gibt. Eine große Weltdame trübt das Liebesglllck, der Student verläßt fein Mädchen, aber am Tage nach dem be- ftandenen Examen sehen sie sich wieder, versöhnen sich und nehmen Abschied voneinander für ewig. Manches erscheint übertrieben, viele Typen sind zu sehr Schablone und mit zu billigen Mitteln herge- richtet. Der Regisseur G e n i a kokettiert oft zu betont mit süß- lieblichem Kitsch, doch in entscheidenden Momenten wird er durchaus wesentlich. Der Abschied der beiden Liebenden ist in großen Linien gegeben, und hier entgeht Genta der Gefahr, vollkommen bei Courths-Mahler zu landen, hier genügt eine kurze Andeutung. Unter- stützt wird Genia durch den prachtvoll jugendlichen und natürlichen Walter S l e z a ck und durch die Italienerin Carmen B o n i, die das Mädchen durchaus lebensvoll gestaltet, ohne Schmachtblicke und Tränenergüsse. Man kann also auch Alt-Heidelberg-Motive be- handeln, wenn der Regisseur den Mut findet, Wesentliches zu geben. — t. „die stcben Töchter üer Zrau G�urkovlcs." (Ü.-T. Surfürstendamm.) Franz Hercegs„Sieben Töchter der Frau Gyurkovics" haben zu einem sehr netten Filmlustspiel Verwendung gesunden. Es ist auf Schwindeleien, Verwechslungen und Zufälligkeiten aufgebaut, es ist und tut ganz belanglos und dennoch klingt dann und wann kritisierender Hohn auf. Ragnor Hylten gleich Cawallius führt straffe Regie, geschickt werden die Darsteller von Verwechslung zu Verwechslung geführt. Bild für Bild ist auf eine leicht parodistisch angehauchte Lustigkeit gestimmt. Dabei ist der Text sehr nett ab- gefaßt und als endlich, nach sechs Akten voller Verwicklungen, zwei Töchter sich verlobt haben, ist der Zuschauer noch guter Laune und hat sogar das ungetrübte Bewußtsein, sich amüsiert zu haben. Betty Balsour steckt voll Drolleri«, Keßheit, Uebermut und hat zu alledem noch sehr viel persönliche Grazie. Lydia Potechina nutzte alle Komik aus, welche die Rolle einer so besorgten Mutter zu bieten vermag. Harry Halm und Willi Fritsch brauchten nur recht liebenswürdig und liebenswert zu sein: und das waren beide.— g. Seilage öes vorwärts „ Hotelratten." (Emelkapalaft.) In dem Kontinenlalhotel verschwinden täglich Brillamen uiw Schmuckstücke, sür jeden Beteiligten eine peinvolle Affäre. Niemand weiß, wer der Dieb ist, routinierte Kinobesucher ahnen allerdings. daß das Gewissen des Herrn Alfred G e r a j ch nicht ganz sauber sein kann, denn Gerasch hat nun einmal eine stille Liebe für elegant auf- gezogene Dunkelmänner. Aber dann bricht bei Gerasch der chevalereske und liebenswürdige Niels A ft h e r ein. Der Zuschauer gerät in heillose Verwirrung, wer ist der Richtige? Und dann schließt Asther mit Gerasch einen seltsamen Vertrag. Herr Gerasch alarmiert nämlich mitnichten die Polizei, sondern engagiert Herrn Asther für die Starrolle, sich mit der Tochter des Millionärs Mierendorff zu verloben Das tut er aus lauterer Basheit, da Helene H a l l i e r seine Bewerbung abwies. Im Hintergrund lauert finstere Rache. Und alles kommt dann, wie es kommen mußte, trog des Unfugs, den der gewichtige Oberkellner Julius von S z ö r e g h i anstellt. Der Fall wird außerdem noch durch das Auftrete:! einer vornehmen Baronin, Ellen K u r t i, restlos verwirrt, wozu auch einige Harm- lose Liebesoffären ihr Bestes beitragen. Aber im letzten Moment erscheint ein von Niels Asther verfolgter, kleiner Pavian, der seinem Besitzer Alfred Gerasch vor den erstaunten Anwesenden ein Kollier zusteckt. Nun ist alles klar. Niels Asther und die Baronin sind Polizeibeamte und verhaften bereitwillia Herrn Gerasch. Der scharfe Blick des Kinorouliniers hat nicht n-'irogen, auch darin nicht, daß Asther das zart erglühende Millionentind als glücklicher Bräu- tigam an die frisch gestärkte Frackbrust drückt. So ist eben das Leben und der Abenteurerfilm, der in diesem Falle mit einer sauberen und raffinierten Arbeit aufwartet. Tatsächlich hat Dr. Jo- Hannes Brandt ein ausgezeichnetes Manuskript geliefert. Der ver- zwickte Aufbau bleibt doch übersichtlich, daß Erwartete wird durch sehr geschickte Episoden bis zum letzten Moment hinausgeschoben, Spannung und Tempo erlahmen nicht. Vor allem fehlen unbe- herrschte Gefühlsergüsse, das liebevoll« Knien in Sentimentalität. Iaap Speyer, der Regisseur, nimmt diese aufregenden Dinge ganz leicht, behandelt sie mit unaufdringlicher Ironie, entgeht auch der naheliegenden Gefahr, sich bei der Milieuschilderung ins Breite zu verlieren und unentwegt in Bar- und Diclenlietrieb zu machen. Ihm und den Darstellern ist es zu danken, daß hier ein spannender und unterhaltender Abenteurerfilm von Qualität entstanden ist. F. S. „Kolonlal-Skanüal." (Tauenhienpalasl.) Die deutsche Filmindustrie muß klotzig viel Geld haben. Dieser Gedanke drängt sich einem unwillkürlich auf, wenn man diesen „Kolonialskandal" betrachtet. Der Titel ist knallig und die Handlung ist noch knalliger. Man fährt tatsächlich nach Japan und China, um dort Kientopp zu spielen. Es wird nicht der geringste Versuch gemacht, die Handlungen mit dem dortigen Volksleben zu verweben, sie aus der Landschaft heraus entstehen zu lassen. Im Gegenteil, man scheint koloniale Kenntnisse(seit wann ist überhaupt Japan Kolonie?) aus Groschenliteratur und Erlebnissen vom Kurfürsten- dämm gesammelt zu haben, um für diesen Film die undiskutierbare Handlung zu konstruieren. Der Regisseur Georg Jacoby hat die tausend Aureguvgen, die da draußen auf ihn eingestürmt sein müsse-n, für seinen Film nicht zu verwerten verstanden. Die Hafenaufnahmen, die er zeigt, hat jedes gute Archiv vorrätig, Beerdigungssitten usw. bringen Filmwochenschauen, warum werden sie also in diesen Film gestopft, der doch ebenso gut unter dem Titel„Die Moritat in der Tauentzienstraßc" daheim gedreht sein könnte. Oder sollte gezeigt werden, daß die europäischen Vergnügungsreisenden schon allein durch ihre Anwesenheit in China und Japan die Landschaft ver- schandeln? Carl Meinhard zeigt als Fu-Chow große Charakter!- sicrungskunst, aber sie bleibt in diesem Film vertane Müh'. Ferner ist es jammerschade um die schöne Elgn Brink, die einst zu Hoff- nungen berechtigte und jetzt in derartigen Rollen beschäftigt wird. e. b. UfC/tTMitC 9 BERLIN LU0W16SBURQ HALLE 1�1 NEUSS Vitt. R Kakao Pralinen. -i!!»» Ufa-Theater KÜRFÜRSTEN GAMM 26 T«L: Bismarck 6179 An beiden Feiertagen: v. 7, 9« Die sieben TSchter der Frau Gyurkovics Hauptrollen: Willy Frlt5ch, Betty Ealfour, Lydia Potcchina Ufa-Theater M OZAßTS AAL Tel.: KurfürBt 2094 An beiden Feiertagen; v. 7. 6« Lieb' mich und die Weit ist mein Regie; E. A. Dupont In den Hauptrollen: Mary Philoin, Norman Kerry Ufa- Theater KAHHERLICHTSPIELE Wesen Umbau seschiossen ==-'=rf Ufa-Thealer SCHÖNEBERG Tel.: Stephan 3338 An beiden Feiertagen: ». 7. O Buster Keaton Der Boxer Jugendliebe haben Zutritt Ufa-Theater FRIEDRICHSTR. 160 Tel.; Merkur 3947 An beiden Feiertagen «. 7, 9 Pola Ncgrl Wie werde ich meine Frau Eos Ufa-Theater ALEXANOERPL. 46-48 Tel, Alexander 4936, 4334 An beiden Feiertagen ». 7. 0 Eichberg- Film der Ufa Durchlaucht Radieschen Regie: Richard Eichberg Hauptrolle; Xenia Desni UFA-PAVILLON am Nolfendorf«Platz Tel. Lütroir 3153 und Kollendorf 8376 An beiden Feiertagen 3, 6, 9 18. Wocha Metropolis Erste Vorstellung ermäßigte Preise Vorverkauf A. Wertheim und Ufa-Pavillon UFA-PALAST am ZOO Tel. Nollendorf 62, 1397, 5250,• 281 An beiden Feiertagen ». 7. 9« 3ackle Coosan m isekie der AuOenseiter Auf der Bühne: Der große Varlet6-Teil Jugendliche haben Zutritt Uffa-LSchtsplela FRiEDRICHSHAIN Ecke Bötzows! raßo Tel. Königstadt 5564 An beiden Feiertagen «. 7. S llurelilzijeii! Radlesctien Regie: R chard Eichberg Hauptrolle: Xenia Dosni TURMSTRASSE Ä Tel Hansa 4882. t60ö An beiden Feiertagen 8. 7. 9 Die CsardasiOrstln In der Hanptrolle: Liane Haid BOhnenachatt. Uta-Palast KONIGSTADT Schönhauser Allee 10-11 Tel Norden 8067 An beiden Feiertagen: 5,7,9 Ourcblaucbt Radlescben Regie: Richard Elchberg Hauptrolle Xenia Deani GLORIA-PALAST Tel. Bismarck 9035. 7643 An der Ged&chtniakirehe An beiden Feiertagen: «. 7. 9� Danas Berg der berühmte Forscher spricht zu seinem Film Abu-Markub Jugendliche haben Zutritt Ufa-Theater WEINBERSSWE6 16-18 Toi. Nor'en 1865 An beiden Feiertagen; S. 7, 9 Heb' mich und die Welt ist mein In den Hauptrollen: Mary Phllbin, Norman Kerry BOhnenschau Ufa-Theater MMWW STR. 14 Tel. Humboldt 1734 An beiden Feiertagen: «5. 7. 9 Ourcblaucbt Radieschen Regie: Richard Eicht» arg Hauptrolle. Xenia Oesai Bühnanschau Ufa-Theater WEISSENSEE Antonplatz Tel. 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Du mein Heimnllmib" ri i Regie: James Bauer mit Gerd Briese» Vivian Gibson Dietrich Ulpfts« Evelyn Holt. ßOhnenscheu: Das deutsche Lied Staats-Theater Opernhaus a> Platz d.Republ 6*/- Uhr- Mel.ter- »luxer Montag 7V, Uhr: Zlgeunerbaroa Schausplelhan» 2". Uhr: Napoleon Heute und morgen 8 U.: Ein besserer Herr Schiller. Theater Heute und morgen 8: Prinz Friedrich v. Homburg Städtiidie Opei Cherlottenburg 7'/, Uhr: Zanberfiöte Montag 7'/, Uhr: Turandof Abonn.- Turnus I. GemsAii Theater Norden 10334—37 8 U Ende N U. Der Arzt am smeldeweä Katamerspiele Norden 10334—37 8'/<. Ende nach 10 Lockvögel Die Komödie BIsmarcK 2414, 8 Uhr, EndeiO'/.U. Mannequins Nacbtvnrsi ellaac Tiglich 11 Uhr: Rem: WacSie volles Preise 2, 3, 4 u. 3 M. Thait. i-Holioadoffpl. Kurfflrst 2001 5 Uhr Eidegtiult Drei arme kleine jfädels Ootrfilt m Villa Helle n«roj»oi. lUeoi. Täglich 8 Uhr ZiilnißiiiizeuiD —. ttük CMARELL BRINÖT: Alfred Braun, Camilla Spira, Weslermeler, Bendov, Kupfer, Denen Grones Schaaspielhaas 0■ C«B THEATil-miSSTEUaiSIG NA6DCBUAG •1923 lentral Theater Täglich 8 Uhr: Der blonde Zismer OeeritU von 8»die iieeel. tlfengan. Klelg. Htiebd, bri. Vilfn. r.(hin. SCÄIA Nollendorf 7360 8 Uhr VaricIC- 2 wich. 3" und S Uhr. Nachm. 3*> zu ermäBIgt Preis. das ganze Progr. Volks büh ne Tliisler am Bilovjlali 8 Uhr; Tranmspiel Morgen 3 und 8 Uhr Traninspiel TL am Sdlifftanerdsum 3 Uhr: Oes Grateal des ssiebaantea Soldaten 8 Uhr: Irasödie der liebe {Komische Oper Allabendlich SVg Uhr; Bünden der Welt Die weltstidtische j iaanes» Klein- Revue ISO Mitwirkend« An beiden Feiertag. 3 /, Uhi halbe Preise u. 1 Und frei CASINO-THEATER* Uhr: Pimpalkuber der Millionen-Erbe 1 Gutschein; Paut 1 ML, Sessel 1�0 Mk. Kennen m Karlshorst Ostermontag, den 18. April 1927 nachm. 3 Uhr Osterpreis— Ausoleicb L I I G Schauburg a. Potsdamer Platz G\ Ab deitiev PelBrla�en aü 4'°°"|jbblji" 1 111 1" t. Imke o. Widetzky Wldetzkysches Ensemble Uraufführung: Täglich 7°°. 9 uikahn-nu» Des. KQnstler-Th. Täglich 8 Uhr Skandal in Amerika Lessing-Theater SU.: Der Patriot WrjiBr, Ratw Nach dem berflhmten Theaterstftck „Die nackte Frau" Ton Henri Batadlle Begie. LEONCE PERRET In den Haaptr ollem LOUISE LAGRANGE IWAN PETRO WITSCH NITA NALDI Earopa» Produktion der Deelig Mwrikalisthc Illustration t Kapellmeister Dr. Ginseppe Becce Uraufführung Dienstag, den 19. April| y] jg1»! GlOß/A-PALASr feiitÖS'�Ös�t *4 flenle'�Är8- Je* X.*-i- S Uhr Das gigarüschste lant-Sduit�cl»Da Itita l�'iBeniinr�,! leheasiiste Wirklichkeit kiel.«Preise SOPf-M6.-Ug, 1 ■«Sek« 80Pl-M8.-Uoge'J •teile, e» is u., Drei»ass.rordenlllob pnlawert« MITTELMEER-REISEN Bit den 16000 Tods Crossen Nordamerika-Dampfer .Polanlfder BalUc-Ameriea-LIolegemtn Pre.p.Nr.12; L Nach■adeln n. den Canar. Inseln. 4,-26. Joll, TOS Hamburg Ober 13 Zwtscheohaten nach Oenaa. t Grosse Orlentrrle«, 27. Joll-ll Ans., ton Genna durchs(aase Östliche Ulttelmeet nach Venedig. 5. Nach Nsrdafrlka o. Spanien, 21. Aug.— U.ßept, t. Venedig üb.ganz Nordvestalrikan. Span. n. Harn bg. Brnndpreis M. 393,- pro Geis« iiU f inllil. IcmllsMll. MITTELMBCR.Rgl SC BUREAU Barlln» 8, Krnnsntfr. 8- Hambart 3». Csplaaada 22 nnd all. anderen bedeutenden Seleabnreana #•—•••§ 1 Lastspielbaus 1 8'/, Uhr: Giids ThMidw Rorra-einlooge![ ———• womaiio-TDeoi. Täglich 8V, Uhr: An beld. Feicnagco Nachm. 4 u. abs.81/« Die von der Liebe leben! Jajailidi Um Zitritt! Vorzeig, zahlt tägl, auch an den Feiertagen, nur halbe Kassenpreise. ftnunkr-BlikKe Th.Könlgerätr. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: DioSdiultv.llziiad) HomOdlealmni Norden 6304 Ostermontag I Zum 29. Male: 8 Uhr: Das zwclle leben Freitag z. I.Male: Theo madit alles Trlinon-Tlieater Max Malbert 8 Uhr in Znb.239l „Jlüllepn'- Stg. 3'/, nchm.l-6M. An beiden Osler- feiertagen: Vn Mtlbtti ii. flitoh'' ThaiUi-Thealer Täglich 8 Uhr Der mntwe Seefahrer AUSSTliLUNC MIENCHEK 1 9 2 T DAS BAYERNANDWERK (□□QSBBiQaDSSIiaiSB N.u nraflnnti Tanz- Parket» Orlg. Onuglna Täglich: GROSSE KONZERTE Potsdamer Platz von 1 Uhr mittags bis 2 Uhr naehtal Orlg. Douglas Jan Band WAeheirtlleh flnd.n Pr.ls-Tanzkonkurr.nz.n In Chnrl.slen, Fezfrott und Walz.r statt I KEM PIN SKIBBE TRIEB Idealer siebe aacb lolgende Seite. W ja � Jr'J1 W Wl' � W vv w v v w V V M W V � d«e KaM Hag UegSiV den yag-pccckcherr wiedeo bor kka»«K?UK7 MAIN 11. Juni bis 28. August INTERNATIONALE AUSSTELLUNG: „MUSIK IM LEBEN DER VÖLKER" SOMMER DER MUSIK; Richard-Wagner-Woche-Veranstaltungen für evangelische, katholische und judische Musik/ Musikfest der Internationalen Gesellschaft fUr neue Musik/ Woche;„Jugend- und Volksmusik"/ Internationales Arbeiter-Musikfest/ Richard- StrauB- Festspiele/ Zahlreiche Konzerte berühmter deutscher und ausländischer Orchester und Chöre, Jazz-Neger-Musik usw. Ausstellungsleitung Haus Offenbach, Platz der Republik ras Berliner Thealer M» Direktion; Walter Bromme K|n Tägl 8 Uhr: Der unbestreitbar L.-Z große Operetten.chlager Der Hampelmann Siegfr. Arno, Hella Kflrly,| Arthur Hell usw. An beiden Osterfeiertagen 2 Vorstellungen S'/i u. 8 Uhr, nachm. die ganze vorstellg. zu halben Preisen Vorrerkauf ab II Uhr ununtbr. Dönhoff 170-2. Wallner" Theater S't, Uhr Oer Operetlenerfolg S1;, Uhr Nacht In der An beiden Ostertagen ZV, Uhr nachm. ner Herr Senator Vorzeiger dieses zahlt auf allen Pützen die Hälfte, statt 1—6 M. nur 0,50-3,00 M. Heute und morgen rL a. ü. Osterfelcrfag ~ Vorstellungen Zu.» Uhr, nachmittags' dla gaeza Vorstelluei— kalbea Preisen CT 1. I '2 IbialBrUdsiirabpalad Vivelafemmeil Pariaer Revue vom Palaea-Theater, Parle L JennyGolder/Spadaro i u. Harry Pllcer u.a. Jae Reichshallen-Theater Allabdl. 8 U. Ii Ufa Fwrtagn nachm.> U. Stettiner Sänger Das vunileniiille Ipril-Prograoiiiil Nachmittags: BalbC Preise, volle« Programm Dönhoff-Brett'l: BaamblBtc, Varl et 6, Konzert u. Tanz. Berliner nUfTriO Neukölln. W Lahnstr.74/7Sl Arbeiter. Anflestellte, Beamte besucht die Veranstaltungen der „No-Va-Co11 Karlshorst, Deutsches Haus Treskowailee(amBahnh.) � ed. Dienstag Pankow. Konzerthaus Breitestraße 34 Jeden Mittwoch Cöpenlck, Stadttheater Friedrichstr.6 Jeden Freitag u. Sonntag Tegel, Vereinshaus(Hamaseck) Hauptstraße 6 Jeden Sonntag Notalanda«Variett-Kommission der Intern. Artlaten�Loje B. V. Bettffedern aus erster H-ab, Pfd. grau 00 Pf., gischi. SO PF. Rupf - 175. Halbbaun« 2.75, 4, wich. Riaumtupf 4. best» 5, Daune 7, weiß K-i0, Schleißdaune 3.50-5, Oberbett ia tidit. Inlett 8 Pfb 12 18,«iflen 3 Pf b. 3.50, 5 60 au w. gegen Nachn. Mustez-Prei»I. frei. lein ZU lifo. Nichipaflenb zurück. Böhm. Bettfedcrnspezlalhaus Stchsel& Stadler, Berlin S 12 Lanbodergee Sit. 43. Hygienische Dampf reiulgunz grati» karten an den Au» ak, Ein tri itapreis für die gesamte Ausstellung 1�0 Mt, Kinder u. Stud. 75 Pf g. Führung von Schulen und Verbänden, sowie Eintritt an Volkstagen zu besonderen Bedingungen. Alle Ansstellnngsbesncher haben bis 8 Uhr abends das Recht zum freien Eintritt in die große Attraktion der Ausstellung-Dae Wochenende"„BERLINER S C H N E E P A L A S T_ Alte ÄotobaUe. Ttglieh geöffnet von 9 Uhr vormittaga bis 10 Uhr abends (Einlaß hü 9 Uhr abends), Kartenrerkaaf an des Sdultem der Stadtbahn, Hochbahn nnd In den Straßenbahnen 53, 73, 75, 93. ISotDllUUg ftUtka TT ULUOUCllUO p, AA M-t AX A AU a_< �'. Täglich au S'/.Uhr im.Schneepalast": Das große Programm„ Sehn ee sport am Wochenende", Eintritt 1.50 Uk, für Aussteliangsbeeucher tum ermäßigten Preiie von 1.— M. Kose-7tieater 4 Uhr: Robinson 8V< Uhn Die beiden Nachtigallen PUUbarmome vr, Uhr: I. u. 2 Otterfeiertag KONZERT des Philharm. Orch. Dirigent: Prof. Julius Prflver neaHrt.Iöttb.Tar tKattbusei SU Zögt. 8 XL Stg. nachm. 8 ■ Programm letacbraiaai! nemaadTarslumiat Inferieren brlnut ERFOLQl III Ostersonntag, 17. April 3 nur (hti�hmrU! DAS HAUS.FDa AUE ROLÄND WEM AG BEttLIH���EwS JTCEBSnU Ct»t 5420 Wohnung■Sport Wochenende MusterhSuser Kalserdamm-Aussteliung: Haus-Stand No. 28-29 (direkt am Funkturm) und Kaisardamm, Ecke KBnlgeweg (am Lletzensnepark) r n m 40 rn. an � ca. 300 Landparzellen, prima Gartenboden. 20 MJn.v.Bahn.Verkäufer Sonntagt Im Restaurant„Zu den drei Linden", direkt am Bahnhof Fredersdorf. �flU. Bieter. Seriin�Goniardsto� Quedlinburg die alte schöne Stadt Kostenloae Auskunft d. Verkehrsamt- Schutz und Heilt I sofort durch nicht fettende «jraiTIX Einreibung M. 1�0 Ladvrstorlnm KrsicNen. Leipzig, Rohslrahe 13. Berliner Konzerthaus 88 I. Osterfeleriag: W_ GR. DOPPELKONZERT ausgeführt von Kapelle des DL Bai., lafanterfe-Reglmenl 9 Leitung: Obermusikmeister Berdien. ■■ m m— i- Berliner Koaxerlhaos.Orchestcr „ClOU" Dirigent: Kapellmstr. Hermann Män necke. 2 und 1 Osterfeiertag: Qr. Doppalkonzert/ aesellschaftsabend/ Tanz NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN Be}$ain�See MITTELMEERFAHRT 1927 mit D o p p e I a c h r a u b c a d a o p f e r «LütZOW« 8716 Brotlo. Reg..Tons vom 13. Mai bis 10. Mai 1927 Fahrpreis: BN. 438.— nodhaher PFINGSTFAH R T 1927 in die Ostsee mit D o p p c I sc b r a a b e o d a ra p f t r •LütZOW« 8716 BrutiO'Rcg.'Toat vom 4. loni bis 13. foall927 Fahrpreis: BN. HB.— uodhaher NOR WEGENFAHR TEN 1927 mit O op p e I* c b r a o b ce d a n p f c r »Sierra Cöraoba« 1I46S Bnmo�eg�Tom I.Reise: 7. Juli bia 25. fall 1927 2. Reise: 28. jali bia 15. Aaguat 1927 Fahrpreis; BW. 49*.— oadhaher mit Doppelsch ranbeadampfer »LütZOW« 8716 Bratto-Rcg.'Tooa 3. Reise: vom 29. Juli bis 16. Aueost 1927 Pa�rgir_eJjnJiJl�JIJ��L�J!Ll£jL2JLLI POLARFAHRT 1927 mit Doppclecbraobeadampfcr »Stuttgart« 13 367 Brn tto>R eg.*T OOS vom 22. fall bia 17. Aagatt 1927 PahforeisiBB�fM�— undhßber SKANDINAVIEN- OSTSEEFAHRTEN 1977 I. Reite: 30.|ali bist2.Aagaat 1927 mit D o pp c I e ch r a o b c o d a m p f c r »Madri Hindern.> Nachvzeislich sind mit gutem Heilerfolge folgende ltranlheiten behandelt und I qehcilt worden: Hol«- und Lungen. Tuberkulose und ttuturrh, Bronchialkatarrh,, Vroachialaschma: Ztruchhusieu: Herzerweiterung, Herzfehler und Herzklappen-. sedier. Herzasthma: M-nenerweitcrnng»nd-senkung, Magen- und Darm-, katarrh, ucroöie Maoenschwäch«, Magengeschwüre; Ttuhloerstopfung; Leber- crkrankung, Gallensteine. Selbsucht: Leber, und Mil,auschw«IIunq: Sicht und Rhcumaiiomu», rheumatische und nerpös« ktopfschmerzen, Tchlaslostgkcit: Kr- krankunqcn de» Reroensnstcm», Rerpenschwäche, Renrasihenie, Hysterie, Reue. algie. Ischias, Trigeminns-Neuralgie, Migräne, RiiSenmarkerkrankunge»! Stofswechselkrankheiien, Inckerkrankheit. harnsanre Diathef«, jsettsncht! Sr- krantungen des Blutes, Leukämie, Chlorose und Anämie: Nieren- und Blasenleiden: Erkältnngskrankheitr», Inflnenza, Srippe; Schnppenflecht«, ""--*-■-■ fLnpus); , stein»nd starb unkel: str-mpfad-rn. Muttermale: Resselsncht. Rose; Brandwunden: DrSsenschwel- lungeu jeder Art: vhren- und R-senlelden, Stirn- nnd»iefernhöhleapereite- rung: Adcrnperkalkunq:«folgen von Schlagausall. Lähmungen bei stindern nnd Erwachsenen:»inderkranlhci!«a, Skrophulofe; Frauenleiden jeder Art; Sefchlechtskrankheiten nnd deren Folgen bei Männern und Frauen. Bon den Hunderten Geheilten Nnd hier nur einig« wegen Raummangel» an- geführt: 1. S. Rönsch. Sattler. Bln.. Frankfurter Allee 16«, Rheumatismus. geheilt. 2. Fr.«. Hohdorf, Bln..«olberger Str. 2««9, Rerpen. unb stnochcnhautentzündunq. vollständig gelähmt, geheilt.!>. L. Ritter, Bln.- Friedenau. Svonbolzstr. S«, v. Beinleiden geheilt.«. H. M. verner. stouf- n:a»n. Bln. N.. Eottlchrdstr. 2. v. Lungenleiden. Blafenkatarrh geheilt. S. stnabe W. Mulack. Bln.. Fwinglistr. ZS, v. Rll-kengrotverkrümmung mit Lähmunascrschcinungen. Magen- u. Dormkatarrh geheilt. 6. Fr. M. Weine«, Bln., Auguststr. 21. v. Muskelentzstndung u. Herzschwäche geheilt. 7. Fr. I. Hönisch, Bln.. Lstberke? Str. 13, Blinddarmfistel, geheilt.». Fr. Hermann. Dln.-Schöneberg. Feurigstr. 12, Blinddarmfistel, geheilt, b. Fr. A. Heide- körn. Bln.. Gohlerstr. Zt. Gelenkrheinnottsmu». Rückenschmerzen n. Reur- astheni»,«eheilt. 10. S. v. Bürger. Rentter, Bln.. Reichenberger Str. Ith, D'.tiienschwellnna, geheilt. 11. S. Paul, Bln.. Reichenberger Str. 1Z1. Magen- u. Nervenleiden, geheilt. 12. Fr. o. Blihner. Bln.-Reukälln, Sarzer Str.«7. strilmps«, geheilt. 13. S. v. llagc«,«aufmann. Bln., Wichertstr. tl, Magen-, Leber- u. Nierenleiden, geheilt, lt. Fe. S. Baselia. Bln.. Bflugstr. 5. Nnqenaeschwstr« n. Blutarmut, geheilt. 15. Frl. Lietow, Bln..«olberger Str. 22/22. Gelenkrheumatismus, geheilt. 16. Fr. Ww. Fritschler, Bln., Marienburger Str. 48 Darmgeschwulst, geheilt. 17. Fr. Hedwig Stern. Bln.-Echöneberg, Thorwaldsenstr. 10, Seberanschwellung, »lallenblascncntzSndung. aeheilt. 1». Fr. A. Rohrmoler. Bln., Breslaner Str. 1, Herzerweiterung. Herznenrose. allg. Nervenschwäche, geheilt. 12. Fr. Bartsch, Bln.-Eov-nick, Rosenstr. 2, schwer« Blutvergiftung u. Sandverelte» rung. aeheilt. 20. S. v. Oehme. Schlächtermeister, Bln.. Thaerstr. 41 Herz. ii. Magenleiden. Leber- n. Milzanschwellung, oeheilt. 21. Fr. A.°' thncr Bln., Dolziqer Str. 2t. Magen-, Leber- u. Gallensteinleiden, Gelb tt. gg. heilt. 22. Herta Fabel. Lllbbenav-Evreewald, tuherkulSler«no.tenfrah, «niegelenksentzündung, aeheilt. 23. H. Röhr, Rittergutsbeügcr, Ernstwalde, «rs.«arvowen. Oswr.. schwer- Blutvergiftung n. Geschwüre, geheilt. 2t. H. C. Leopold. Bln.-Friedenau, staiserollee 122. eitrige Sungenkistel geheilt. 2Z. S. E. Michaelis. Gastwirt. Bln.-Tharlottcnbutg, Waststr. 87, Leberleiden. Gallensteinleiden,«belbsucht geheilt. 26. H. Polizeiasststent R.»ramm, Bln.,«ochhannstr. 26. vonMagengeschwllren. Magenerwetterung n. Senkung mit 30 Behandlungen geheilt. wir kdnnen lagen, dah durch die Hnr in nnlerer HellanflaN selbst die ältesten, bartnSNigften Leiben noch zur Heilnng gebracht werden und daz alle, die ihr höchstes Erdenglllck, die«stesnnbdei», bereits verloren zu haden glauben, wieder in den Dollbesitz derselben gefetzt werden. Briefliche Vriginal-Anerkenmmgen von UNS geheilter Patienten stehe» im Wattezimmer derAnstalt zur Einstcht.-HSE Getrennte Sehanblnngsränine für Damen nnd Herren! deine briefliche Sehandlnngk Professor Dr. med. P. Nisfelshy, Arzf, mir im Aaslandc ernannt, promoviert nnd approbiert. Mllglicd der iniernaiionalen Vereinigung von Acrzlcn a. Nainrärzlcn. Berlin S016, BrückenstraBe 10 b, 2. Hon» oon der Rungestrahe, I Minute nun vhf. Zannowlhdrllcke. Langjährige fachmännische ärztliche vehandlung nnd Leikong. 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