�benöausgabe Nr. 153 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 40 ©»juasttrtteminsni und«nirigntuteif« lind in tut Morztnauzgad« ongegtbcn Be&afflon: S1D. 68, Cinfienftrabc 3 ?«ri>sprech«r> VSahoN ZSZ- 2g? Sozlaldemotral SerUo Derlinev Volksbl�kt (�10 pksnnig) Dienstag 1�. /lpril 1927 Verlag and Anieigenadtetlun», EelchSftszetI bi» 6 Übt verleget: vorwar«». Verlag Gmby. Serlin Zw 68, vlndeastrad» 8 Fernsprecher> vinhoft 262— 26? �entralorgan äer 8o2ialäemoki'atifcken Partei Veutfcklancls Eine dritte Partei in China. Tschiangkaischek sagt sich von der Kuomintang los. Loudo», lS. April.(Eigener Drahkbericht.) Die schon seit Tagen gehegten Erwartungen über die Absichten Tschiangkaischeks sind inzwischen«vahr geworden. Der General hat nach der Säube» rung der verschiedensten Städte von den Kommunisten nunmehr in Nanking eine neue dritte Regierung Ehinos gegründet. Es ist vorläufig schlver, den Ausgong dieses Staatsstreiches vorauszusagen. Immerhin ist man von der allgemeinen Anarchie nicht mehr weit entfernt. Die neue Negienmg in Nanking. L o n d o n. lg. April. sWTB.).Times" berichtet aus Schanghai: Eine von Tschiangkaischek einberufene Kuomintangtonserenz verkündete gestern in öffentlicher Sihung die formelle Errichtung einer neuen Regierung in Banking. An die verschiedenen Organi- sationen und an die Schanghaier Gilden und die Handelskammer ist die Aufforderung ergangen, zur Jeier der Einsehung der Regierung eine Versammlung abzuhalten. In hankau befürchtet man einen Augriff Tschankaischeks. 7000 Mann Truppen sind ihnen enlgegengesandt worden. * Der Zerfall der Südregierung hat über Ostern reißende Fortschritte gemacht. Das Zentralkomitee der Partei in H a n k a u hat den Oberbefehlshaber Tschiangkaischek aus der Partei ausgeschlossen und ihm den Oberbefehl entzogen. In Nanking dagegen hat Tschiankaischek sich von der Kuomin- lang losgesagt. Dieser Staatsstreich folgt auf die Ueberwälti- gung der Kommunisten, die ihm in Nanking, Schanghai, Hangtschau, Amoy, Liatan und selbst in Kanton ge- glückt zu sein scheint. An die Stelle der einheitlich geführten nationalen und sozialen Bewegung des Südens tritt die Anarchie. China zerfällt nicht mehr in zwei, es zerfällt jetzt in drei Herr- schaftsgebiete: das Gebiet des No rdens, mit Peking als Sitz der nominellen Zentralregierung und dem diplomatischen Korps der Mächte, das K ü st e n g e b i e t, mit Nanking als Basis des Südgenerals Tschiankaischct, und das innere Südgebiet, mit Hankau, dem Sitz des radi- kalen Flügels der ehemaligen Kuomintang. Die Folgen dieses Zerfalles machen sich sofort international bemerkbar. Bisher war wenigstens Südchina imstande, die Mächte im Schach zu halten, sie zur grundsätzlichen Anerkennung der be- rechtigten Freiheitsziele Chinas zu zwingen. Letzt hat sich ihre Haltung bereits versteift. Japan ist zwar augenblick- lich attionsunfähig, weil das Kabinett über einen Finanz- skandal zu Falle gekommen ist. Aber vermutlich wird der Einfluß der Opposition steigen und damit eine england- freundliche, gegen China intransigente Richtung ans Ruder kommen. Unabhängig von dieser Entwicklung in Japan aber haben die Gesandten der Mächte ihren Regierungen be- reits ein scharfes Vorgehen empfohlen: sie schlagen vor, der Kantonregierung oder wer ihr Nachfolger sein wird, ein Ultimatum zu senden, um sie zur Sühne für die Vor- gänge in China zu zwingen: dabei sollen sogleich„Sank- tionen" für den Fall der Nichterfüllung angedroht werden. Dieser Vorschlag ist zurzeit Gegenstand eines Meinungsaus- tausches zwischen den Kabinetten. Zugleich arbeiten die Ad- miräle der vor Schanghai liegenden Flotten den Plan einer Blockade der Jangtsestädte aus. Die chinesische Freiheitsbewegung hatte den Imperialis- mus bisher in die Defensive gedrängt. Ihre Radikalisierung hat ihren Zerfall heraufgeführt. Und sofort gehen die im- perialistischen Mächte dazu über, um für die Aufrechterhal- tung ihrer Privilegien zu kämpfen. Artillerie, Tanks, Flugzeuge... San Diego, 13. April.(MTB.) Ein dritter amerikanischer Chinatransport ist mit 100 Offizieren, 1560 Mann, 5 Tanks sowie Artillerie und Flugzeugen nach China in See gegangen. Schanghai, 19. April.(Reuter.) Gestern nachmittag wurden hier f ü n s Tanks zur Verteidigung der sranzöfischen Konzessions- zone gelandet. Die britischen Kreuzer Vindictive und Carlisle find von hier nach Hankau abgegangen. Peking, 13.. fstpril.(Reuter.) Vier japanische Zerstörer wurden gestern in Tientsin erwartet. Der Besuch steht in Zusammen- hang mit der Durchsuchung des japanischen Dampfers Tschoan Maru durch nordchinesische Truppen, gegen die die japanische Regierung protestiert hat. SoZialijlisthe Gjkerparteitage. Lyon- Prag— Utrecht. MilitärSebatte in Lpon. Park», 13. April.(Eigener Drahtbericht.) Die Debatten des sozialistischen Parteitages waren bisher von der Frage der Organi- sat on der Armee und der Verteidigung im Kriegsfalle beherrscht. Paul Boneour, der nicht anwesend war, begründete in einem Schreiben an den Kongreß seine Abwesenheit mit seiner physischen Erschöpfung. Er fei in den letzten Wochen an den Abrüstungs- debatten in Genf ständig teilzunehmen gezwungen gewesen und müsse sich daher während der Ostertage vor der Rückkehr nach Genf un- bedingt Ruhe gönnen. Im übrigen gibt er seinem Erstaunen darüber Ausdruck, daß sein Entwurf über die Organisation der Nation im Kriegssalle soviel Kritik bei der Partei hervorruf«, obschon er doch von der Parlamentsfraktion der Partei einstimmig gebilligt worden sei. Die gleichen Auffassungen vertrat auch der am Oster- montog früh tn Lyon eingetroffene Abg. Renaudel. Er ver- teidigte den Gesetzentwurf warm, und widerlegte dl« Auffasiung, als ob der ganze Heeresorganisationsentwurf sozialistischen Ursprungs fei. Er fei es nur insoweit, als er die Mobilisation aller Kräfte der Nation im Falle des Angriffs von außen fordere: dieser Fall lieg« nur dann vor, wenn der Völkerbund den Angriff feststellt. Dieser Auffassung widersprachen Bracke und besonders der frühere Sekretär der EGT. d u M o u l i n. Sie entwickelten die Gründe, weshalb der Entwurf in Arbeiterkreifen soviel Ablehnung gefunden habe. Sie sei besonders auf die oorge- sehene industriell« Mobilisation zurückzuführen, die Im Kriegsfälle die ganze Ration den Militärbehörden unterstelle. Der Entwurf sehe keinerlei Garantien dagegen vor, denn er werde von der Partei in die Praxis umgesetzt, die im gegebenen Falle zufällig die Regierung in der Hand habe. Deshalb solle über diesen Teil des Entwurfs«inaußerordentlicherNational- rat der Partei die Entscheidung treffen. Die Frage selbst wird der Resolutionskommission überwiesen. Sie soll auch das Datum festsetzen, an dem der Nationalrat zur Entscheidung über diese Frag««inberusen werden soll. Bei der darauffolgenden Debatte über den Bericht der Soziali st ischen Internationale brachte Renaudel«in« Entschließung ein, in der die Sozialistische Internationale aufgefordert wird, für eine allgemeine und gleichzeitige Abrüstung der Völker unter Kontrolle des Völkerbundes zu Lande, zu Wasser und in der Luft einzutreten. In der Nachmittagssitzung begann der Kongreß die Hauptfrage per Tagung, die allgemeine Politik zu diskutieren. Der Abgeordnete Compere-Morel wendet sich nach lebhafter Kritik an der Politik der Radikalen Partei gegen jede Zusammen» arbeit mit dieser und tritt für eine Annäherung an die Kommu- nisten ein. Die Forffetzung der Debatte wird um Mitternacht aus Dienstag vormittag vertagt. Oer tschechische Parteitag. In Vertretung der Sozialistischen Arbeiterinternational« und der reichsdeutschen Sozialdemokratie hat Abg. Gen. Dr. Adolf Braun den Präger Osterparteitag der tschechoslowakischen Sozialdemokratie begrüßt. Abg. Gen. Taub sprach für die deuffche Sozialdemo- kratie in der tschechoslowakischen Republik. Den Vorsitz führte Abg. Gen. T o m a s ch c k. Die politische Debatte ergab Uebercinstimmung darüber, daß die Partei keineswegs um jeden Preis in der Regierungsmehrheit sein müsse, wenngleich sie danach streben müsse, an der Regierung teilzunehmen. Die Opposition der Partei gegenüber der bürgerlichen Regierung sei nicht Selbstzweck. Diese Opposition sei auch keineswegs negativer Art und verfolge nicht agitatorische Ziele. Der gegenwärtig regierenden tschechisch-deutsch- bürgerlichen Koalitton wurde vorgeworfen, daß sie zu schwach und «inseitig und zur Lösung der nationalen Probleme nicht i m st a n d e sei. In diesem Sinne ist auch die Enffchließung gehalten, die das Vorgehen der Partei gutheißt Außerdem wurde der Vollzugsausschuß der Partei aufgefordert, im geeignten Zeit- punkt mit den anderen sozialistischen Parteien die notwendigen Verhandlungen über eine Zusammenarbeit einzuleiten. Abg. Gen. Dr. Derer forderte die Einhaltung der bisherigen Linie der Politik der Kleinen Entente, da diese allein den Frieden in Mitteleuropa sicher« und das Wort„Mitteleuropa den mitteleuro- päischen Nationen" verwirkliche. Abg. Gen. Hampl wünschte Eni- Politisierung der Frage der Anerkennung Rußlands und besprach auch die Frage der Herabsetzung der Arbeits- zeit. In einer Resolution wurde erklärt, die Partei würde die Verschlechterung der Sozialoersicherung als un- freundlich« Haltung gegenüber der Arbeiterschaft ansehen, für deren Folgen sie die Verantwortung ablehnen müßte. Hollänütsther Parteitag in Utrecht. Amsterdam. 13. April.(Eigener Drahtbericht.) Ostern tagte in Utrecht der Parteitag der holländischen Sozialdemokratie. Er ge- nehmigte u. a. mit 478 gegen 363 Stimmen die Beteiligung der Fraktion an der alljährlichen Eröffnung der Kammer durch die Königin. Ein neues Kommunalprogramm wurde angenommen. Sozialistifther Schulaufbau. Wiens Einheitsschulprogramm. Von Wilhelm Paulsen. Die sozialpolitischen Leistungen Wiens legen Zeugnis ab von der Größe der Kraft, die dem Sozialismus innewohnt, wenn er die Möglichkeit hat, sich ungestört zu entfalten. Die mächtigen Wohnhausbauten, die allmählich dein Stadtbild das Gepräge geben, die glanzvollen Fürsorgeveranstaltungeil sind der Ausdruck eines sittlichen, begeisterten Willens, der sich nur unter dem Einfluß der helfenden und beglückenden Idee unserer Weltanschauung auszuwirken vermag. Eins der Glanzstücke in der Reihe sozialer und soziali- stischer Werke ist die Schulreform. Wie in Wien kein Schulkind mehr hungert, kein Kind mehr auf Lumpen geboren wird— jede Mutter, ob reich oder arm, hat das Recht auf eine Wäscheaussteuer—, kein Kind wegen Mangels an Für- .sorge mehr zugrunde geht, so wird in Wien durch die g e i st i g e Fürsorge auch keine Intelligenz mehr verloren gehen. Wien baut die Schule der sozialen Gerechtigkeit, jedes Bildungsprivileg wird endgültig beseitigt. Es verwirft grundsätzlich alle Hinleitungs- und Ucbergangs- klaffen, alle gesonderten Begabten- und Aufbauschulen, jene Schein-, Not- und Verlegenheitslösungen, die nur bezwecken, einigen wenigen Intelligenzen der ausstrebenden Klassen eine bevorzugte Bildung zu gewähren, um auälenden Mahnungen und Gewissensregungen zu entgehen. Es verzichtet auf Tests und alle Mechanismen der Intelligenzprüfungen, um die g e i st i g e G e s a m t s u b st a n z der Masse gleichsam lebend zu erfassen und damit das Quantum geistiger Energie zu gewinnen,, das zur Regeneration der Gesellschaft erforder- lich ist. Die Organisation ist frappierend einfach. Mit je vier Jahrgängen folgen einander Unter-, Mittel- und Oberstufe: Grundschule, allgemeine Mittelschule, Obermittel- schule(Mittelschule ist höhere Schule). Van der Grundschule treten alle Kinder, soweit sie nicht wegen Anormalität der Hilfsschule überwiesen werden, in die allgemeine Mittelschule ein. Sie ist die Pflichtschule, in der jedes Kind vom 1(1. bis zum 14. Lebensjahre verbleibt. Da sie alle Intelligenzen ohne Ausnahme, schwächere und' stärkere auf- nimmt, muß ihre innere Gliederung den verschiedenen Begabungen und Entwicklungseigentiimlichkeiten der Kinder angepaßt werden, ohne daß der Einheitscharakter derSchulezer stört wird. Der Unterricht in Religion (soweit Schüler an ihm teilnehmen), Zeichnen. Musik, Hand- arbeit, Körperpflege ist darum gemeinsam, Schulwanderungen und Schulfeste sind gemeinschaftliche Veranstaltungen, in den wissenschaftlichen Fächern aber teilt sich die Schule in zwei Züge. In den zweiten Zug werden alle Schüler aufgcnom- men,.die im Durchschnitt deutlich schwache Leistungen auf- weisen, langsam arbeiten und einen schweren Entwicklung?- rhythmus zeigen. Das Lehrprogramm beider Züge ist gleich, seine Stoffe tragen in Auswahl und Darbietung lediglich der Aufnahme- fähigkeit und der Arbeitsweise der Schiller Rechnung. Die Lehrer unterrichten grundsätzlich in beiden Zügen. Ver- setzungen in den ersten Zug wie umgekehrt vom ersten zurück in den zweiten sind jederzeit möglich. Keine Begabungs- bewegung bleibt unberücksichtigt. Erst in der dritten Klaffe des ersten Zuges(also im siebenten Schuljahr) setzt die Fremdsprache ein. Wer auf sie verzichtet, genießt einen erweiterten Unterricht im Deutschen und in den naturwissen- schaftlichen Fächern. Auch in der Mathematik wird eine Gliederung nach einem erweiterten und einem Pflichtpensum vorgenommen, um erhöhten wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen. Ans der vierten Klaffe des ersten Zuges erfolgt, m'e i stöhne Prü- f u n g, der Uebergang zur Obermittelschule, soweit die Schüler für das Hochschulstudium und Fachstudium die er- forderliche Reife besitzen und nicht Ins Wirtschaftsleben über- treten. Selbst spätreife Schüler des zweiten Zuges können durch Prüfung im letzten Augenblick die Aufnahme in die Oberstufe erzwingen. Diese Neuorganisation hat die Probe bereits bestanden, im September 1926 trat die erste Schülergeneration der allgemeinen Mittelschule in die Oberschule über, die Resultate waren überraschend glücklich. Wien hat so mit einem Schlage alle Einwendungen. Bedenken, offene und geheime Widerstände der Einheitsschulgegner besiegt. Seine Schulen entlassen gegen bisher mehr als die dreifache Zahl � Befähigter und Hochbefähigter in die führenden Stellen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens oder in die Akademie und höheren Fachschulen. Ohne Rücksicht auf den Besitz! Die freien Benife, Arbeiter und niederen An- gestellten sind gleichmäßig auf beide Klassenzüge verteilt, von der Zahl der in öffentlicher Fürsorge stehenden Schüler finden sich sogar Z8 Proz. im Klassenzug I. In die staatlichen Erziehungsheime(Bundes- erziehungsanstalten), die im wesentlichen den gleichen Schul- typ der allgemeinen Mittel- und Oberschule und das Glöckel- sche K r o n st ü ck der Schulreform darstellen, werden nur gut und höher Befähigte, Knaben und Mädchen, auf- genommen. Die erste Generation steht bereits vor der Reife- Prüfung. Im Bedürftigkeitsfall gewährt Oesterreich allen Schülern den vollen Lebensunterhalt. Der Beruf der Eltern wird grundfätzlich trff nach der Aufnahme festgestellt. Die soziale Mischung der Intelligenzen ist in diesen Schulen fast restlos geglückt'. Die Statistik der einen Anstal! zählt z. B. von 854 Schülern 50. die einen vollen Freiplatz innehaben, 65 zahlen ein Zehntel des nicht hohen Verpflegungssatzes, 47 zahlen zwei Zehntel, etwa ebensoviele drei bis sechs Zehntel, der volle Satz wird nur von 17 entrichtet. Von den Eltern waren IS ungelernte Arbeiter und Bedienerinnen. 40 qualifizierte Arbeiter, 8 Hausangestellte, 171 kleine An- gestellte, 28 kleine Gewerbetreibende und Handwerker, i kleiner Bauer, 62 Lehrer, 9 freie geistige Berufe, 1 Groß- bauer und 21 höhere Beamte und Angestellte(in diese Zahlen sind einige Externe mit einbegriffen). Man kann getrost sagen, daß von diesen Schülern nur eine geringe Zahl die höhere Schule aus eigener Kraft besucht hätten, alle übrigen wären für die geistige und materielle Wirtschaft des Staates verloren gewesen. Sie wären durch besitzendes Mittel- und Untergut verdrängt worden. Aus dieser Feststellung allein geht die ungeheure wirtschafts- und kulturpoli- tische Bedeutung der Einheitsschule unwiderlegbar hervor. Technische Schwierigkeiten und Fragen der Verfassung hindern Wien, das Schulwesen auf einmal umzubauen. Einst» weilen bestehen die alten Anstalten neben den neuen fort. Die letzteren sind planmäßig über die Stadt verteilt und nehmen bereits in 288 Klassen 10000 Schüler auf. Im all» mählichen und beharrlichen Entwicklungsprozeß wird dos Werk des völligen Neuaufbaus vollbracht sein. Wien hat als, dann seine schulpolitische Sendung erfüllt, zumal es neben der organisatorischen auch die innere, pädagogische Aufgabe, die geistige Umstellung der Schularbeit, nicht versäumt, ja auch auf diesem Gebiet die entschiedene Führung übernommen hat. Es wird in Zukunft nicht allein die gerechteste, sondern auch die leistungsfähigste Schule der Welt besitzen. Zu verdanken hat es dies seinen klugen politischen Führern, der Tüchtigkeit und Arbeitssreudigkeit seiner Lehrerschaft und der politischen Reife seiner wählenden Massen. Die Schulreform ist in Wien zur Volksbewegung geworden, ihr Siegeszug wird darum unaufhaltsam sein. Nicht gewogen- aber zu leicht befunden. Was die ReichSmarine alles kann. Ein junger Mann, der zur Marine wollte, schrieb ein Gesurft an die Schiffsstammdivision der Ostsee. Er erhielt folgend« Antwort: Schiffsstammdioision der Ostsee Br. Nr.... Kiel, den,.. 18Z7. Auf Ihre Eingabe um Einstellung in die Reichsmarine erlaubt sich die Schiffsstammdioision zu erwidern: Durch den Versailler Friedensvertrag ist die Wehrmacht des Deutschen Reiches außerordentlich niedrig festgesetzt, die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft und Deutschland gezwungen worden, die Soldaten 12 Jahre dienen zu lassen. Diese einschneidenden Be- stimmungen bringen es mit sich, daß in jedem Jahre nur sehr wenig Rekruten eingestellt werden können. Aus der hohen Zahl der wehrfähigen Bewerber kann daher nur der kleinere Teil eingestellt, der größere muß aber leider ab- gelehnt werden. Von einer solchen Ablehnung werden auch leider Sie be- troffen, und zwar aus folgendem Grunde: Ihre Größe und Gewicht entsprechen nicht den von hier gestellten Anforderungen für den Dienst alz Berufssoldat in der Reichsmarine.' Die Schiffsstammdioision ist daher zu ihrem Bedauern nicht in der Lage, von Ihrem Anerbieten Gebrauch machen zu können. Der junge Mann war zu leicht befunden worden— nur hatte man ihn vorher nicht gewogen. Nun fragen wir: woher wußte die Schiffsstammdioision in der Ostsee Gewicht und Größe? Konnte man nicht wenigstens eine andere faule Ausrede erfinden? Einigung üer öeutschen Sozialisten Polens. Vorbereitende Beschlüsse in Königshütte. Breslau, 13. April.(Eigener Drahtbericht.) In Königshütte tagte Ostern der Parteitag der deutschen Sozialisten in Polen. Er beschäftigte sich vor allem mit der organisatorischen Einigung zwischen den deutschen Genosien Ostoberschlcsiens, des Lodzer und der übrigen deutschbesiedelten Bezirke Polenz. Ein endgültiger Beschluß über den Sitz des Parteivorstandes der gemeinsamen Organisation bleibt einem zukünftigen Einigungsparteitag vorbehalten. In einem Kon- greßbeschluß wird die Op�ofitionsstellung der deutschen Sozialisten gegen die jetzige polnische Re° g i e r u n g und die Zusammenarbeit mit den freien Gewerkschaften und allen sozialistischen Parteien Polens als zweckmäßig bezeichnet. Gefordert wird Abwehr jeder Verschlechterung der Sozialgesetz- gcbung. Erkämpfung der nationalen Autonomie und Ab- schluß von Handelsverträgen mit den Nachbarstaaten. Außer mit den Sozialisten der anderen Nationen wollen die deut- scheu Sozialisten auch mit den radikalen Bauernparteien der polnischen Linken zusammengehen. Die Komplottfabrik in Italien. Poleizeiausweise für alle Feinde des Staates. Aus Mailand wird uns berichtet: Die VerHaft un gen und Deportationen verdächtiger Elemente nehmen in Italien immer noch ihren Fortgang. Daß zwei oder drei Freunde, die früher zusammen in irgendeiner Oppositions- parte! gekämpft haben, sich in einem Cafe trefen, genügt, sie auf der Straße von Polizisten verhaften zu lassen und den mehr als aus- reichenden Vorwand dafür zu bieten, ein Verfahren gegen sie einzu- leiten, das in neunzig von hundert Fällen mit der Verbannung oder mit der Verweisung vor das faschistische Militär- Sondergericht in Rom endet, wo sie sich dann wegen Kom- plott gegen die Sicherheit des Staates oder anderer schwerer Be- schuldigungen zu verantworten haben. Wenn man sich die Stimmung vergegenwärtigt, die nach dem Attentat von Bologna durch die Auf- lösung der Parteien und die Versuche ihrer Wiederherstellung ent- standen sind, begreift man unschwer, daß die Polizei sich befugt fühlt, eine Unmenge harmloser Bürger dem Gefängnis zu überantworten. In den letzten Tagen wurden in Mailand einige 3 0 A r- 6 ei i er, vorwiegend Kommunisten, fest genommen, die sich versammelt hatten, um gewerkschaftliche Fragen zu be- sprechen. Die Besprechung war am Sonntag, aber am Dienstag und Mittwoch darauf wurden alle Teilnehmer vom ersten bis zum letzten verhaftet. Offenbar hatte ein Spion der Mailänder Polizei ge- naue Angaben gemacht. Die Person, die diese Versamnüung in ihrem Hause beherbergt hatte, wurde ebenfalls verhaftet und ihr Haus be- hördlich geschlossen. Die Festgenommenen werden vor das S o n d e r- gericht in Rom gebracht und im günstigsten Falle auf eine mör- derische Insel verbannt werden. Die Maschine zur Komplott-Fabrikation, die der italienischen Polizei teuer genug �u stehen kommt, funktioniert demnach hervorragend. Ihr Betrieb wird durch den Spionage- d i e n st erleichtert, der seine vielfältigen Verzweigungen ins- besondere in den Fabriken und den Bureaus hat und so das Lebensziel derer erschwert und gefährdet, die dem Regime nicht folgen wollen. Die Vorladungen Verdächtiger, Arbeiter, Angestellten und Gewerbetreibenden vor die Polizeidirektionen im ganzen Lande zur Ausstellung der polizeilichen Personalausweise dauern fort. Ans diesen Ausweisen wird ein Stempel mit folgender Bemerkung aufgedruckt:„Ausgestellt im Sinne des Gesetzes über die öffentliche Sicherheit." Diese Ausweiskarte ist also ein sichtbares Zeichen, daß ihr Träger ein gegen die Ordnung wider- setzliches Clenient darstellt. Wer im Besitz' dieser Karte an einen Ort betroffen wird, der nicht sein Wohnort ist, wird sofort verhaftet und von der Polizei an seinen Wohnort zurückgebracht. Diese Karte verschafft einem auch die Logis- verweigerng durch den Hotelier, der keine Scherereien mit der Polizei haben möchte. Sie ist der Höhepunkt der D e r f o l- g n n g, läßt niemanden eine Sekunde aus den Augen, denunziert jeden Pollzeibeamten und Faschisten als gefährliches Subn j e t t, hindert jeden, seinem Berufe nachzugehen, und liefert jeden der Willkür des ersten besten Polizisten und des letzten Faschisten aus, der beleidigen und demütigen will. Die Außenpolitik der Sowjetunion. Rykoff läßt Borodin fallen.— Für allgemeine Abrüstung. Moskau. 19. April.(Meldung der Telegraphenagentur der Sowjetunion.) In seinem dem Rätekongrcß erstatteten Bericht er- klärte Rykoff: Wiederholte Versuche, einen A n t i s o w j c t- block zu bilden und einen militärischen Konflikt zwischen der Sowjetunion und China zu provozieren, schaffen eine überaus ver- wickelte Lage. Die englische Note enthätt keinerlei konkrete Beschuldigungen gegenüber der Sowjetregierung. Keine ein- zige der Ursachen der englisch-sowjetrussischen Spannung ist jemals zwischen beiden Regierungen erörtert worden, da die englische Re- gierung sachlichen Verhandlungen ausgewichen ist. Indem die englische Regierung ihre Rote absandte, verfolgte sie den Zweck, die westeuropäischen Staaten gegen die Sowjetunion zu- sammenzuschließen. In diesem Sinne hatte die Note einen gewissen Einfluß aus die italienische Regierung, die das b e f s a r a- bische Pro to toll ratifizierte, was von der gesamten Presse als sowjetfeindlicher Akt ausgelegt wurde. Rykoff wies dann den Vorwurf wegen der Nichtzugehörigleit der Sowjetunion zum Völkerbund zurück und erklärte: In der ganzen Zeit seines Bestehens war der Völkerbund lediglich ein Werkzeug zur Festigung der Herrschaft ge- wisser Staaten über andere. Die Sowjetunion unterstützt jede wahr- hast pazifistische Bewegung, bezweifelt jedoch, daß vom Völkerbund einberufene Abrüstungskonserenzen wirklich auf den Frieden hin- zielen. Der Sinn der in Genf einberufenen Konserenzen gipfelt darin, die militärische Gewalt der zurzett herrschenden Mächte zu wahren. Die Sowjetunion ist bereit, gänzlich abzurüsten, falls alle Mächte dies tun. Die Sowjetregierung hat wieder- holt ihre Ansicht über die Abrüstung geäußert, die auf die Forde- rung der Entwaffnung aller Armeen, Abschaffung der Kriegs- industrie und Kontrolle der Werktätigen über den jkriegsetat hin- ausläuft. Zu den Ereignissen In Ehina bemerkte Rykoff: Die Zustimmung der Mächte zum Uebersall auf die Sowjetbotschaft in Peking be- deutet einen Versuch, die Sowjetunion zum Krieg gegen China herauszufordern. Die Sowjetregierung wird auf diese Provokation nicht eingehe«. lieber B o r o d i n bemerkte R ykoff, daß er in keiner Hin- ficht der Vertreter der Sowjetregierung sei und keinerlei Vollmachten habe. Rykoff führte als Beispiel die Heranziehung anderer Ausländer als Berater an und sprach darüber seine Verwunderung aus, daß die Sowjetregierung An- griffen ausgesetzt ist, wenn die nationale Regierung als Berater einen sowjetrussischen Bürger berufen hat, für dessen Handlungen die Sowjetregierung ebensowenig eine Derantwortuna trage, wie die betreffenden ausländischen Regierungen für Handlungen ihrer Bür- ger verantwortlich sind. Zu den Beziehungen zwischen Sowjetrußlaud und Deutschland erklärte Rykoff: Diese Beziehungen wurden nach dem Rapallooertrvg erheblich ausgebaut und gefestigt. Die deutsche Regierung hat die nach Locarno erschienene Mitteilung, daß Deutschland sich verpflichte, durch sein Gebiet im Falle eines Krieges mit der Sowjetunion den Durchzug von Truppen zu gestatten, offiziell dementiert. Die Sowjet- regierung geht davon aus, daß Deutschland sich nicht zu feindlichen Aktionen ausnutzen lassen wird. Die Ge- Währung eines Dreihundertmillionenkredits von feiten Deutschlands an die Sowjetunion erweist, daß die F r e un d s ch a f t s p o l i t i k, die von beiden Regierungen noch Rapallo durchgeführt wird, sich auf dem Gebiete wirtschaftlicher und kultureller Beziehungen voll- kommen bewährt. Requiem. Von Albert Buesche. Ich habe einen Toten gesehen. Es ist ein junger Mann von einigen 20 Jahren. Er hat das Gesicht eines Schwärmer». Es könnte das eines Mönche» fein. Doch es ist zu sehr von den Mühsalen dieser Welt durchfurcht. Das Gesicht ist schmal, die Backenknochen treten hervor. Ein Asket? Es kann auch vom Hunger fein. Der Mund ist etwas geöffnet. Die Lippen sind dünn und haben sich von verschwiegenen Leiden in sich zusammengezogen. Die Augen sind offen, sie sind kalt und hart. Aber diese Kälte ist nur der Hauch des Todes. Es muß in ihnen geglüht haben. Sie haben gelebt. Ihre Frage an die Welt ist stumm geworden, aber sie frage» weiter. Die Hände, an abge- zehrten Armen. liegen lang und seingliedrig aus einer grobe» Woll- decke. Sie tragen Spuren zu schwerer Arbeit. Der übrig» Körper ist dedeckt. Man wird sich hüten, die Brust mit der kleinen Schußwunde zu zeigen. E» wäre peinlich. Der Kopf ruht auf schneeweißem Kissen. Es ist ein schöner Anblick. Da» soll er auch sein. Schade, daß es nicht mehr gelungen war, die Hände zu falten. Di« Leichenstarre war schon zu weit vorgeschritten, als er in'» Schauhaus gebracht wurde. Wer kennt den Toten? Der sich In der Nacht vom 2. zum 3. März in den städtischen Anlagen erschossen hat? Zweckdienliche Mitteilungen an die Kriminalpolizei. Die Photographie mit Unterschrist hängt mitten im Schaufenster der Zeitung, zwischen den anderen Biiderneuigkeiten des Tages. Die Leute drängen sich um die Photographie. Wer kennt den Toten? Es gehen alle gleichgültig auseinander. Tage gehen vorüber. Das Bild hängt noch Immer an derselben Stelle. Die Leute drängen sich nicht mehr darum. Sie kennen es und wollen es nicht mehr sehen. Rur die wechselnde Nachbarschaft interessiert: Japanische Ringkämpfer, dem belgischen Kronprinzenpaar wird ein Diadein überreicht,* ein preisgekrönter Zuchthengst. Wer kennt den Toten? Niemand scheint ihn zu kennen. Er ist inzwischen schon in die Anatomie gewandert. Es war höchste Zeit, wenn er noch gerettet werden sollte. Zu seinen Leb- zeiten hatte keiner daran gedacht. Jetzt bedeutete seine Erhaltung etwas für Studenten und Studentinnen. Die Photographie ist jetzt auch verschwunden. Es hat niemand den Toten gekannt. Niemand? Irgend jemand wird ihn gekannt haben, doch bekennt er sich nicht. Dielleicht wird er auch wissen, weshalb der Tot« sich eine Kugel In die Brust geschossen hat. Aber er wird es nicht sagen, vielleicht weil er sich schuldig fühlt. vaterlänöifther Unterricht. Im Autobus. Mein Nachbar: Typus besserer, mittlerer Beamter aus der Pro. vinz mit zwo Sprößlingen: Günther der Quartaner und liorftchen der Dreikäsehoch. Am Brandenburger Tor beginnts:„Dort, Jungs, ist das Palais des Fürsten Blücher, der ist ein Enkel des Gensralfeldmarfchalls Fürst Blücher— er wohnt aber jetzt nicht hier....." Die Blicke der„Jungs" suchen, sie sehen nur Häuser, eines grauer als das andere. Weiter durch den Tierearten. Am kleinen Stern.„Dort, Jungs. ist dos�Schloß Bellevue, da hat unsere Kaiserin in der großen Zeit gelebt." Die„Jungs" hören nur so halb hin.� Das Flitzen und Tuten der Autos macht ihnen entschieden mehr Spaß akv Geschichten aus großer Zeit. „Da, hier, das ist der große Stern." Horstchen, der sich inzwischen mit seiner Nase beschäftigt hatte. wa» bei dem Stuckern gar nicht so leicht wie sonst gehen wollte, fragt harmlos: ,�Papi, warum heißt denn das: großer Stern?" Darauf der Papi, nach einem kleinen Seitenblick:„Na, das heißt eben so." Horstchen schien sich aus der Antwort nicht viel zu machen: fein Gesichtsausdruck verriet, daß er an solche geistvollen Antworten seines Herrn Vaters gewöhnt war. „Dort links Ist der Rosengarten, und das schöne Denkmal in der Mitte ist unsere gute Kaiserin Auguste Viktoria.— Wie heißt unsere jetzige Kaiserin?" Der letzte Sag war im Tone eines Paukers ge- fragt, der eine Aufgabe, die schon„sitzt", schnell nochmnl durchnimmt. Günther sandte seinem Erzieher einen mitleidsooll-demütigen Blick zu, Horstchen, dem es endlich gelungen war, den Zeigefinger in die Rase zu bekommen, glotzte verständnislos. Eine Antwort erfolgte nicht. „Hermine", herrschte der Vlondling seine„Jungs" aus gepreßter Kehle an. Die beiden Knaben schauten angestrengt zum Fenster hinaus. Sie schienen keine Lust zu haben, den Autobussahrgästen eine kaiser- liche Lektion vorzureiten. Ihre Blicke schweiften in den frühlings- grünen Tiergarten, den kleinen Vögeln nach. Wie schön müßte das fein, jetzt dort........ Aber davon spürte ihr Papa nichts....... O, ihr Jungens, ich hoffe daß das abschreckende Beispiel„Papis" seine Wirkung tun wird und ihr nicht auch solche Nußknacker werdet, wi« euer treudeutsch-dämlicher Erzeugerich. H. F. K. Chinesischer Protest gegen kunstraub. Eine Anzahl wissen- schaftlicher Institute Chinas, denen die bedeutendsten Gelehrten des Landes angehören, veröffentlicht einen geharnischten Protest gegen die fremden wissenschaftlichen Expeditionen, die in den letzten Jahren eine große Menge alter Reliquien der chinesischen Kultur und G«. schichte fortgeführt haben. Die Erklärung fordert, daß diese Zeug- nisse der Vergangenheit auf dem chinesischen Gebiet verbleiben und deren Erforschung der chinesischen Wissenschaft vorbehalten wird. „Wir geben zu," heißt es in dem Protest,„daß wissenschaftliche Expeditionen nach Babylon und an die Stätten anderer heute ver- schwundener Kulturen gesandt werden, aber wir können nicht billi- gen, daß ein Volt, wie das chinesische, das feine souveränen Rechts genießt, seiner Reliquien durch Fremde beraubt wird. Wenn auch gegenwärtig die chinesischen wissenschaftlichen Gesellschaften ver- hindert sind, selbst Expeditionen vorzunehmen, so werden doch solche Unternehmungen in großem Maßstab organisiert werden, wenn es die Verhältnisse in China wieder gestatten." Der vertehrsschuhmann in der Wüste Sahara. Der französisch« Generalgouverneur von Algier hat nach einer Mitteilung aus Paris, dem Zuge der Zeit folgend, Vorschriften für den Automobilverkchr in der Wüste Sahara erlassen, und auf diese Weise gewissermaßen einen Bertehrsschutzmann in der Sahara für notwendig erklärt. Dieser Bertehrsschutzmann hat allerdings andere Sorgen als sein Kollege am Potsdamer Platz, denn der Automabiloertehr in der Sahara hat andere Erfordernisse sowie andere Gefahren. In der Sahara ist es vor allen Dingen notwendig, für das Leben der Reisen- den zu sorgen, das weniger durch einen ungewöhnlich starken Vcr> kehr und durch Zusammenstöße gefährdet sit. als durch Gefahren, die von Naturgewalten ausgehen. Da die Wüste einen Durchmesser von 2500 Kilometern hat, so ist es für die Reisenden in erster Reih« notwendig, genügend Wasser im Automobil zu haben. Die sengen« den Strahlen der Sonne machen diese Vorschrift besonders wichtig. In zweiter Reihe ist es notwendig, daß die Autos mit genügend Ersatzmaterial versehen sind, denn wenn«in Automobil eine Panne hat, die nicht sofort behoben werden kann, dann sind die Automo- bilisten in diesem Sandmeer verloren. Auch für genügend Benzin ist zu sorgen. Endlich Ist es aus Sicherheitsgründen notwendig, daß die Automobiltouristen möglichst nnr in Gruppen fahren und sich bewaffnen, um gegen Uebenälle geschützt zu sein. Die französischen Kontrollbeamten sind angewiesen, streng darauf zu achten, daß alle diese Vorschriften von den Automobilisten befolgt werden, andern- falls ist ihnen die Ausreise zu untersagen. Einstweilen ist der Lluto- mobiloerkehr in der Wüste noch nicht sehr gewaltig. Es haben sich aber bereits mehrere Gesellschaften gebildet, die einen ziemlich regel- mähigen Automobilverkehr für dle Sahara organisieren wollen bzw. berett» organisiert haben._ Die tvalerle Zleumann.Meee»dorf. Lllhowslr Z2, erSffitet orn 51. eine SluSstellimg mit Kollektionen von Adolf Dietrich, Jorg Klemm und L-ewz B a t t k». Alle drei Maler stillen zum eiitcnmal in Berlin aus. Dietrich lebt als Holzsäller in einem Dots am Bodrnlec. Klemm bat Dandmalerelen aus Stemgrund nach einem neuen Malversabren geschaffen. Lilly lfreud-ZNarlö veranstaltet am 21. im Renalisanee-Tbeaier eine Mornenländilche Matlnö. in welcher sie außer chinefl'chen und japanischen Gedichten auch Klaiund»„Geisha Offen' zur Utausjilhrunz bringen wird. Musik: Friedrich Holländer. VIe«rllnduag«>n»r.Kordlschea Akademischen 5trt«i(»flemrin(ck>aff wurde im Anschlug an eine in Berlin am ti. und S. Apill ftaitgefundene Tagung sämtlicher für den Norden irterellicrler deutscher Hochsieiillebier beschlossen. Den Vorstand bilden die Vroicssoren D r e» d n e r-Eharlotten- bürg, M e r t c r. Kreisswald und N c e l e l- Berlin. Tie Gelchäsissührun, wurde dem Nordischen Institut der Universität GreiiSwald tibcrlragen. Die Tagung, sorderte das Ermöglichen von Studienreisen und wechseiseitiaeti Austausch von deutschen und skandinavischen Studierenden. Wie besucht man öie WochenenöjchauZ p—- FOHRER DURCH DTE AUSSTELLUNG: Neue Autohalle(mit F.hrenhof): Ausstellunp der Stadt Berlin. Mit dem QroB-Kraftwapen ins Woehenende. Mit Fahrrad, Motorrad und Kleinauto ins Woehenende. Gestern und heute: Ins Wochenende mit dem Kremser� Hoehrad, Fiugseug, Motorrad. Wog« iur Stadt hinaus: GroUes Verkehrs-Panorama. Freibad Wannsee. Die schöne Mark Brandenburg, Kollektiv- und Eiur-el-Ausstelhmgen. Im Obergeschoß; Das Wochenende und die bildende Kunst. Sonderausstellung des Mirklschen Museums. Land- «chafts-Wettbewerb, Photographen. Märkische Natur. Aus der Märkischen Vorgeschichte. Funkhallc: Berg und Meer: Keiehssontrale für deutsche Verkehrswerbung; Der Bedarf des Wochenendlers; Mit Musik ins Wochenend». ßonder-AussteUunpen: Ideen-Wettbewerb für Entwürfe und Modelle von Wochenendhäusern, ßohülerwettbowerb. Da* Wochenende im Auslande. Sport am Wochenende. Funkhallc Freigelände: Das Woehenende auf den märkischen Gewässern. Funkturm-Freigelände: Wochenend-Uaus-Kolouie. Alte Autohalle: Berliner Sehneepalast. die Katastrophe öer„fötamc'» Eine Erinnerung. Des größte Schiffeunglück der Weltgeschichte, bei dem über 1600 Menschen ertranken, ruft in diesen Tagen die Er- innerung wach an die Schreckensnachrichten, die die Welt vor fünf- zehn Iahren in Erregung versetzten. Der 16. April 1912 war der schwärzest« Tag in der Geschichte der internationalen Schiffahrt und wird es hoffentlich bleiben, da Wissenschaft und Technil seit diesem Unglück ihre Errungenschaften aus dem Gebiete der Schisfssicherung derart gefördert haben, daß nach menschlichem Ermessen Katastrophen von dem Ausmaße des �Titanic"-Unterganges ausgeschlossen er- scheinen. Ein Angehöriger der Besatzung des Lloyddampfers „Bremen�, der kurze Zeit nach der Katastrophe die Unglücksstelle der„Titanic" passierte, schildert im folgenden sein eigenes Er- lebnis: Am 13. April 1912 ging der damalige 29 990- Tonnen- Lloyd- dampfer„Bremen", der letzt unter dem Namen„chekuba" unter amerikanischer Flagge fährr, von Bremerhaven aus in See. Als die Nordsee und der Kanal durchquert waren, wurde ein drahtloses Teleoramm aufgenommen, das uns die Nachricht von dem Schiffs- unglück brachte: daß die„Titanic", ein englisches Schiff und damals der größte Dampfer der Welt im Ozean, auf einen Eisberg gestoßen und gesunken sei. In seemännischen Kreisen war schon Monate vor der ersten Ausfahrt vieles von der„Titanic" mit seinen Riesen- ausmaßen an Styiffsraum und Einrichtungen geredet worden und man wartete mt Spannung auf den Verlauf der ersten Fahrt, aus der sie den Weltrekord verbessern und damit das„Blaue Band des Ozeans" gewinnen wollte, das zu der Zeit von Deutschland verteidigt wurde. Eine große Zahl prominenter Persönlichkeiten Amerikas waren nach Europa gekommen, um mit dem Riesenschiff die erste Fahrt zu machen. Es sollte ihre Todcsfahrt werden. Auf der Route nach New Port waren Eisberge. Nach Eintreffen der Unglücksbot- schoft ließ die Schiffsleitung der„Bremen" alle Borstchtsmahnahmen trefsen. Es wurden Temperaturmessungcn vorgenommen und die stetig« Abnahme der Wärme ließ auf die Nähe der großen Kälte aus- strömenden Eisberge schließen. Den Passagieren waren, um un- nötige Aufregung zu vermeiden, die Einzelheiten des Unglücks vor- enthalten worden. In der.Ozeanzeitung", die an Bord herausge- geben wurde, dürft« nichts von d«n Einzelheiten der Katastrophe er. scheinen. Als dann an einem der nächsten Tage um die Mittagszeit der erste Eisberg In Sicht kam, am Horizont wie ein gewal- tiger Edelstein im smaragdenen Ozeanwasser funkelnd und bald dar- auf unter etwa 15 bis 29 auf der, auf den die„Titanic" gejagt ist, legte sich ein eisiges Grauen auf die Gemüt:r. Durch«inen Wust von Trümmern und Hunderten von Leichen mußte sich unsere„Bremen" hindurchwühlen. Hier hotte der Tod reiche Ernte gehalten. Das Unglück war gerade in dem Augenblick jäh hereingebrochen, als die größten gesellschaftlichen Zusammenkünsi« an Bord stattfanden, um oie Dinerzeit am Abend. Der größte Teil der Leichen war daher in Gesellschaftstoilette. Sie standen, weil sie Mit Schwimmgürieln umgeben waren, meistens aufrecht im Wasser, als wenn sie noch lebten. Die Menschen waren trotz der Rettungs. gürtel in d e r K ä l t e, die die Eisberge ausströmten, elend um- gekommen, während andere mitgesunken und noch nicht wieder an der Oberfläche erschienen waren/ Der amerikanische Bergunos- dampfer„M a c a i B c n n e t", der un» am Abend begegnete, hat die Leichen aufgefischr und noch Halifax gebracht, wo auch die Ueber- lebenden gelandet waren. Der deutsche Dampfer„Frankfurt", der während de« Unglücks in nicht allzu weiter Ferne war. hat auf die Notrufe der„Titanic" dem Schiff funkenteiegraphisch Hilfe an- geboten, aber die Engländer hatten das Angebot, vielleicht auch in dem Glauben, daß ein solches Riesenschiff nicht sinken könne, ab- gelehnt. Als wir dann nach drei Tagen in New Park ankamen, wurde die„Bremen" von Zeitungsreportern gestürmt, die Neuig. kciten von dem größten Unglück auf dem Mecre erfahren wollten. Anpesichts der Freiheitestatue Amerikas und der Wolkenkratzer des Geschäftsviertels Manhattan am Hudson wurden von Schiffen aller Nationen Rettunasmanöver geübt, worin sich die schreckensoolle Stimmung der Tag« widerspiegelte. In einem nach Jahren ge- fällten Spruch wurde als Ursache des Untergangs„höhere Gewalt" angegeben, doch geht man nicht fehl, wenn man als tatsächliche Ur- fache' die Sorglosigkeit der Schisfsleitung und die Rekordsucht an- nimmt. Dem„Blauen Band des Ozeans' war ein grausiges Opfer gebracht!_ Der Unfall des französischen Flugzeuges bei«pandau Die Untersuchung des Unfalles, von dein am gestrigen Ostcr- montag dos von Paris kommende sranzösische Farman-Flug- zeug bei Spandau betrossen wurde, hat ergeben, daß bei der Ma- ichine«in Bruch der Benzinleitung eingetreten war, der zu sofortiger Notlandung zwang. Da das Flugzeug sich nur in ver- hältnismäßig geringer Höhe befand, blieb dem französischen Piloten keine Zeit, einen geeigneten Landungsplatz zu suchen. Entgegen anders lautenden Meldungen ist übrigens keiner der In- fassen ernstlich verletzt. Zum Vergleich mag daraus hin- gewiesen werden, daß bei den deutscherseits auf den internationalen Strecken eingesetzten dreimotorige» Flugzeugen ein« derartige Ma- schinenstörung durchaus nicht zur sofortigen Landung zwingt, da auch bei Auefall eines Motor, das Flugzeug ohne jede Schwierigkeit den nächsten Flughasen erreichen kann. Öfter-Flugschau. Auf dem Sportplatz Luftschisshafen fand am Ostermontag die traditionelle Flugveranstaltung der Fliegerschule Borne- mann statt. Trotz des unbeständigen Wetters hatten sich mehrere tausend Zuschauer eingesunden. Durch das Ausfallen einzelner Pro- grammnummern wurden indes viele, die etwas Außergewöhnliches zu sehen hofsten. stark enttäuscht. Sb sielen das»ollonrammen und der Abschuß eines Fesselballons aus, ohne daß dafür überhaupt eine Erklärung abgegeben wurde. Nun zu dem, was Steigt wurde. Kurz nach V,* Uhr startete der Freiballon„Eule" des Berliner Ver- »in» sür Lustschis, ahrt, um bei dem diesigen Wetter bald den Blicken der Zuschauer zu entschwinden. Bon der aus sechs Flugzeugen bc- stehenden 2 u n g f l i» g e r st a s s» l de» Deutschen Luftsahroerbandes wurden bekannte„Reitertunststückchcn' in der Lust, u. a. ein Lust- reigen, Looping», Trudeln, Einzelkunstslüg» zu zweien, vieren und mit sechs Flugzeugen vorgeführt. Den Beschluß der Leronstaltung bildete ein Fallschirmabsprung des Fallschirmpiloien B ä h r au» Altonck, der nach einem gelungenen Absprung im Templiner See landete und von hinzueilenden Booten wohlbehalten aus dem Wasser gefischt wurde. Unerfindlich bleibt, warum man gerade den Sportplatz Lustschiffhafen, aus dem weder ein Flugzeug starten noch landen kann, also dem denkbar ungeeignetsten Ort, für eine der- ortige Veranstaltung wählen konnte. Ein„feiner Kunde". Bei einem Möbelfabrikonten bestellte vor einiger Zeit ein alter Herr, der sehr ehrwürdig auesah.«ine ganze Einrichtung für seine neuerbante Villa in Lichterfcldc. Mit einem Sachverständigen der Fabrik besichtigte er das Haus und suchte dann possende und zweck- mäßige Stücke aus. Bei einem erneuten Besuch bot er, ihm aus einer augenblicklichen„Verlegenheit" zu helfen, weil er seine Brief- tasche habe liegen lassen. Mit Rücksicht auf da? gewinnbringende Ge- schüft gab man ihm gern 399 M.«eitdem ließ er sich nicht mehr sehen. Aus dem Möbelgeschäft wurde nichts, die neuerbaute Dilla gehörte dem Auftraggeber gor nicht. Neuerdings taucht« derselbe Mann in Baumschulen und großen Gärtnereien aus und machte als Gärtner irgendeines Gutes Bestellungen von durchschnittlich 799 bis 899 M. Hier ließ er sich Provisionen zahlen. Die Kriminalvolizei stellte sest, daß man es mit einem 63 Jahre alten früheren Gärtner Hans B l ä i i n g zu tun hatte, konnte ihn aber nirgends finden. Jetzt endlich ließ ein Gärtnereibesitzer. der in den Zeitnngcn von den Streichen des.Gntsgärtners" gelesen hatte, den Mann fest- nehmen, als er auch ihm für einen großen Auftrag eine Provision abnehmen wollte, Sonntagsruhe- Vochenenüe! Aus Angestelltenkreisen schreibt man uns: Wir Berliner haben da draußen am Kaiserdamm zurzeit eine Ausstellung herrlicher Dinge, die, wenn sie Allgemeingut würden, einen Kultursortschritt ersten Ranges darstellten. Abgesehen von der Geldsrage, die hier noch nicht erörtert werden soll, ist all dieses vorläufig ein schöner Traum, haben wir doch ein gut Teil Vorbedingungen zu dem idealen Wochenende, wie es un« dort gezeigt wird, zu erfüllen und da ist an erster Stelle die Sonntagsruhe. Nicht wie sie jetzt ist, sondern wie sie sein soll. Tausende von Angestellten und Arbeitern sind heute noch gezwungen, am Sonntag vormittag, den schönsten Stunden des Tages, in den Lebensmittelgeschäften, vor allem den Ladenfleische- reien. tätig zu sein. Unbedingte Forderung ist, daß diese Geschäfte an Sonntagen geschlossen zu halten sind. Von den In- abern und ihren wirtschaftlichen Bereinigungen ist in dieser Hinsicht eine Abhilf« zu erwarten. Auch die Behörden versagen, und olle Vorschläge scheiterten am kleinlichen Egoismus eines Teiles der Ge- schästsinhaber. Wir möchten da» kaufende Publikum zur Mithilfe aufrufen. Ihm zurufen:„Im Interesse oller Sonntags in den Ver- kaufsstellen Tätigen, macht eure Einkäufe am Sonnabend und meidet Sonntag» die Geschäfte." Jeder Arbeiter und Sozialdemokrat sorge in setner Familie dafür! Gerade in den von der arbeitenden Be- völkerung bewohnten Stadtteilen ist der Eonntagskaus äußerst rege. In allen großen Städten, wie Hamburg, Bremen ist all das schön erreicht und alle Beteiligten sind zufrieden. Stehen die Geschäfts- inhaber und ihre Angestellten dann Sonntags allein im Laden und das kausende Publikum bleibt aus, so werden sie einer Schließung ihrer Geschäfte geneigter sein und wir haben«inen weiteren Schrill zum Wochenende getan. Hausfrauen, Konsumenten, macht eure Einkäufe am Sonnabend im Interesse eurer Arbeitebrüder und -schwestern._ Irühlingserwachen bei Sen Merzten. Zu den Ueberresten aus dem Preußen des Dreiklassenwahlrechts, des Aufemhaltsverbots»fw. gehören auch die Aerztekammern und die ihnen angeschlossenen Ehrengerichte. Obwohl es der preußischen Londtagsfraktion bei der Beratung de» Aerztekammergesctzc, noch nicht gelungen ist, diese der Rctcheversassung widersprechenden Aerztc- kommcrn und Ehrengerichte zu beseitigen, tonnte sie wenigstens doch durchsetzen, daß das Proportionalwahlrecht für die Aerztckammer- mahlen eingeführt wurde. Aber jetzt beginnt es sich auch unter den Merzten selbst zu regen, und es tritt eins neue Organisation der Aerzte unter dem Namen„A e r z t l i ch e Sezession E. 33." auf den Plan, die auf Grund der Reichsverjassung sich an die Parlamente zur Abschaffung dieser Standesorgantsationeii wenden. So verlangt sie B« s e i t i g u n g d e r ärztlichen Ehren- g e r i ch t e, denn nach§ 195 RB.(Reichsverfassung) sind Zlusnahme- gerichte unstalthnst und die militärischen Ehrengerichte aufgehoben. Aus Grund de« ß 121 RL. ist die w! r t s cd a s l l i ch e Freiheit des einzelnen zu sichern und deshalb die Sluflösung des Deutschen Aerztevereinibundc« und der ihn bildenden 33ekrine notwendig, da diese heule noch jeden Arzt, der ihnen mißfällt, mit Hilfe der be- rühmten„Standesordnung der deutschen'Aerzte", die hier eingehend gewürdigt wurde, um seine Existenz bringen kann. Die Standes- ordnung für die deutschen'Aerzte verstößt auch gegen den 8 118 RB., nach dem jeder Deutsche das Recht hat, innerhalb der Schranken der allgemeinen Gesetze auf jede Art seine Meinung frei zu äußern.% l Absatz D der Standesordnung dagegen macht die Sleußerung wissenschaftlicher, politischer oder religiöser Ansicht straf- bar, falls sie nicht in einwandfretcr Art geschieht, was früher schon zu Maßregelungen sozialdemokratischer Aerzte als Sozialdemokraten führte. Ferner verlangt die„Aerztliche Sezession" Wiederherstellung der Kuriersreiheit. die durch das kürzlich beschloisene Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten gröblichst durchbrochen wurde. Sie legt Gewicht darauf, daß hinter ihr keinerlei kapitoli- stifche Interessenten gruppen stehen, wie das leider heut- ziitage so oft bei scheinbar rein ärztlichen Gesellschaften der Fall ist. Es fei nur an die Deutsch« Gesellschaft zur Bekämpfung des Kur- pjuschertums und an die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten erinnert, hinter denen die bekannten Farben- und Salvarsanfabriken stehen. Die Aerztliche Sezession kommt mit ihren Bestrebungen dem Bedürfnis vieler Aerzte entgegen, endlich frei zu kommen aus den Fesseln jener Standesordnung, die im In- teresse einer kleinen Elique die freie Meinung des einzelnen Arztes auf brutalst« Weis« unterdrückt Da dies, Neuörgantsation nur Paragraphen der Reichsverfassung für die Aerzteschast in Krast setzen will, darf ihr schon im Interesse des Ansehens der Republik ein Erfolg nicht oersagt bleiben. Der Sahnverkehr an üen Feiertagen. IVz Millionen weniger Fahrgäste als im Borjahre. Mit dem Osterwetter war ee diesmal wie mit der Lotterie. Man hosfte immer noch auf das große Los eines schönen Wetters und doch kam eine regelrechte Niete heraus. Mal lugte die Sonne zeitweise aus dem Wölkenschleicr hervor, aber die wenigen Strahlen, die die Erde erreichten, vermochten keine Ausslugelust zu erzeugen. Es blieb unbeständig und Regenschirm und'Wettermantel waren die Begleiter der vielen, die dennoch hinausfuhren und den Frieden da oben nicht recht trauten. Betrogen um ihre Hoffnungen sindjiuch die vielen Besitzer der in der Umgebung Berlins gelegenen Sommer- lokale, von denen die wenigsten auf ihre Kosten gekommen sein inögcn. Recht interessant sind darum einige Zahlen über den Verkehr auf der Stadt- und Ringbahn, die, an denen der Vorjahren gemessen, für sich sprechen. An: ersten Feiertag wurden 938 662 und cm Ostermontag 1 916 856, also an beiden Festtagen etwa 2 999 999 Fahr- gaste befördert. Die Zahl der Reisenden im Vorjahr an beiden Tagen betrug dagegen 3,5 Millionen, da» sind rund VA Millionen Fahrgäste mehr.— Ganz gut abgeschnitten hat Werder, wohin z» der beginnenden Baumblüte allein durch die Bahn etwa 56 999 Ausflügler befördert worden sind. Der Fernverkehr hält sich etwa aus der Höhe des Vorjahres. Vom 13. bis zum 16.'April haben 359 999 Personen Berlin den Rücken zugewandt. Die Nnchsrage zu den Fernzügen war im Vorverkauf sehr stark, blieb aber iin weiteren Verlauf bei dem anhaltenden trüben und kühlen Wett.'r weit hinfev den gestellten Erwartungen zurück. Adolf Kolberg gestorben. Wieder hat der Tod einen von den Alien dahingerafft. Stet» bereit, sein ganzes Können und Wissen sür die Partei und Gewerkschaft einzusetzen, war er ein unermüdlicher Kämpfer für die Interessen des Proletariats. Sldolf Kolbsrg wurde am 28. Mai 1867 in Prcnzlau geboren und erlernte dort das Tischterhandwerk. Als Ilebizehnsähriger kam er nach Berlin und schloß sich bald darauf seiner Berufsorganisation an. Einige Zeit später wurde er auch Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Noch im vorigen Jobre konnte er sein 39iähriges Porteijubiläum begehen. Lange Jahre mar er als Funktionär in der Partei tätig. 1917— 1918 war er vorübergehend Parteisekretär iin 6. Berliner Reichstagswahlkreis. 1923 wurde er zum Bezirksvemdneten im Bezirk Prenzlauer Berg ge- wählt. Ein Kämpfer ist dahingegangen, im Befreiungskampf werden wir seiner ehrend gedenken.____ Falsche» INakdgerücht. Heute mittag kurz»ach 12 Uhr wurde auf dem Bürgersteig vor dem Hause Flottwellstr. 6 ein junger Mann mit z e t r ü m m e r t e in Schädel tot ausgefunden. Die Politei wurde sosort benachrichtigt, die einen Mord mutmaßte. Wie ober die Feststellungen ergaben, war der Tote ein 29j ähriger Schneider WitllSievert aus Waldow bei Lübben, der hier bei Verwandken zum Besuch wellt, aus dem vierten Stockwert auf die Straße gestürzt, ohne daß es von irgend semand bemerkt wurde. Fabritjeuer in Oberschöneweide. Mehrere Löschziige der Feuer- wehr wurden heute früh nach der Wilhelminenhofstraße 83—85 ac- t ufen, wo in der T r a n s i o r m a t o r e n s a b r i k der AEG. Feuer ausgebrochen war. Vermutlich durch Selbstentzün- dung war ein Exhaustor und ein Fabritraum, in dem Späne lagerten, in Brand geraten. Wegen der Gefährlichkeit des Feuers mußte aus mehreren Schlauchleitungen länger« Zeit Wasser gegeben werden. Es gelang, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, bevor es größere Ausdehnung an- nehmen konnte. Eine ganze Hochzeitsgesellschaft verunglückt! Nur die Braut blieb unverletzt! Am zweiten Osterfeiertag trug sich in der Niederlausitz, auf der Ehausse« zwischen Finstenvalde und Luckau»in schweres Auto- unglück zu. Eine Hochzeitsaesellschakt aus Sonnewalde, die in einem Lastkraftwcgen von der Feier in Luckau zurückkehrte, verunglückte in einer scharfen Kurve. Der Chauffeur versuchte im letzten Augen- blick noch mit voller Kralt zu bremsen. Trotzdem überschlug sich der Wagen und begrub die Insassen unter sich. Sämtliche Teil- nehmer der Hochzeitegesellschoft wurden ver- letzt. Einig« von ihnen lebensgesährlich! Unversehrt blieb nur die Braut. Ein« Frau starb bereit» wenig« Stunden nach dem Unglück. Dle Ermittlungen haben bisher nicht ergeben, ob der Wagenführer die Alleinschuld an dem Unglück trägt. Die /lmfterüamer Internationale. Das fünfte Jahrbuch. Es trifft sich gut, daß ausgerechnet in dem Augenblick, wo die „Rote Fahne' ihren Leser» allerhand ungereimtes Zeug über den politischen und finanziellen Bankerott und über die Attionsunsähigkeit der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale erzählt, das S. Jahr- buch des Internationalen Gewerkschaftsbundes erschienen ist. Das Jahrbuch, das jetzt in zwei Teilen erscheint, ist in drei Sprachen: Englisch, Französisch und Deutsch, abgefaßt. Der Teil I des 5. Jahrbuchs(1927) umfaßt wichtiges statistisches Material, und zwar von einer so außerordentlichen Reichhaltigkeit, daß es nicht nur einen vorzüglichen Ueberblick über die Entwicklung der ganzen freigewerkschaftlichen Bewegung der großen Kulturländer der Erde, sondern auch ein geradezu unentbehrliches Nach- schlagematerial bietet. Di« Uebersicht über die Gesamtmitgliederzohl läßt deutlich erkennen, daß der Tiefpunkt der Jahr« 1923 und 1921 endgültig überwunden ist und die Arbeiterschaft da, wo sie nicht durch Diktatur oder Faschismus in ihrer Bewegungsfreiheit ein- geengt ist, sich überall wieder auf sich selbst zu besinnen beginnt. Die Gesamtmitgliederzabl der dem JGB. angeschlossenen Organi- sationen stieg von 13,1 Millionen am 31. Dezember 1921 auf 15,3 Millionen am 31. Dezember 1925, und hat. wenn auch noch keine abschließenden Ziffern vorliegen können, seither entsprechend weiter zugenommen. Davon«ntsallen auf Großbritannien 4,3, aus Deutschland 4,1 Millionen Mitglieder, wozu bei Deutschland noch 399 000 Mitglieder der AfA-Berbände kommen, so daß Deutschland wieder an erster Stelle steht. Im Verhältnis zur Gesamt- beoölkerung steht Oesterreich mit 807 000 Mitgliedern obenan, auch Belgien mit 552 000 Mitgliedern steht im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung nicht unoünstiq da. Von anderen Ländern ent- fallen aus Frankreich 005 000, Polen 224 000. Schweden 384 000, Spanien 235 00/1, Dänemark 239 000, T s ch e ch o- s l o w a k c i 358 000 und Niederlande 190 000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter. Reichhaltiges Adrelsenmaterial aus den verschie- -enen Ländern ergänzt diese Angaben. Außerdem gibt der erste Teil eine Uebersicht über die 26 Internationalen Berusssekretarlate. von denen die Metallarbeiter- Internationale mit 2,5 Mil- lionen Mitgliedern die größte Organisiertenzifser aufweist. Ihr folgen die T r a n s p o r t a r b e i t e r- Internationale mit 2, die B e r g a rb e i t e r-Internationale mit 1,9 und die TeStil- o r b e i t e r- Internationale mit 1,3 Millionen Mitgliedern. Die Bauarbeiter- Internationale zählt 938 000, die Fabrik- a r b e i t e r- Internationale 844 000, die Holzarbeiter- Jnter- nationale 711000 und P r i v a t a n g e st e l l t e n- Internationale 695 000 Mitglieder. Insgesamt sind 14,7 Millionen Organisierte in den Berufssekretariaten zusammengeschlossen. Darüber hinaus sind dem JGB. gegenwärtig noch das Jnter- nationale gewerkschaftliche Arbeiterinnenkomitee, das Aktionskomitee gegen Krieg und Militarismus, das Jnter- nationale gewerkschaftliche Komitee für Jugend- und Bil- dungsfragen, die Kommission zur Untersuchung der Verhält- nisse zwischen dem JGB. und den internationalen Berufssekretaria- ten, das Komitee zur Behandlung der Wanderungsfrage und ein Revisionsausschuß angeschlossen. Das Jahrbuch ist für jeden, der sich über die Weltbewegung der freiorganisierten Arbeiterschaft unterrichten will,«ine ausgezeichnete Quelle der Belehrung. Damit zugleich auch eine Quelle der Stärkung und Ermutigung gegenüber dem Aufmarsch de» Unternehmertums, wie gegenüber der hämischen Kritik der kommunistischen Maulwürfe. Die inner« R e- organisation in der Verwaltung des JGB., dem es doch ebensowenig wie irgendeinem anderen Unternehmen versagt sein kann, seinen Betrieb zur rationalisieren und sparsamer arbeiten zu lasten, als Svmptom für den Bankerott der Amsterdamer Gewerk- schafts-Internet'onale auszugeben, das bringen nur die Moskauer fertig. Der JGB. ist die stärkste Internationale der Welt und die ibm angeschlosienen Organisationen erfasien 35 Proz. der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter der Welt. Der Vormarsch der organisierten Arbeit ist unverkennbar und dos beste Unterpfand dafür, daß das Proletariat trotz der Stein- klötze. die die Wächter des Kapitals herangewälzt haben, das Grab der Knechtschaft und Unterdrückung sprengen und seine Ostern feiern wird. Die Eisenbahner zur Arbeitszeit. kkoulerenz in Hamburg. Zu Karfreitag hatte de? Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands c'ne Kanferenz der Betriebs- und Be- a m i e n r ö t e des Bezirks Altona-Mecklenburg im Ge- werkschaltshaus in Homburg einberufen. Nach einem Vortrag von Prof. Ei che» leer über„Finanzwirtschaftliche Erscheinungen in den enropäitchen Staaten' behandelte B r e u n i g- Berlin die verschiedensten Rechtsfragen der Beamten und Arbeiter im Reichs- bahnbctriebe. Die Konferenz nahm dann Stellung zu dem Ergebnis der Be- wegunq bezüglich einer Verkürzung der Arbeitszeit und Lohn- und Gehaltserhöhung und sprach dem Einheitsoerband die volle An- erkennung aus für die energische Durchführung der Bewegung. Daß die tögl che achtstündige Arbeitszeit nicht erreicht worden ist, wurde bedauert, aber es wurde gleichzeitig beschlossen, daß bei der nun«inzusetzenden Regelung der Arbeitszeit sür die in dem Schieds- fpruch vorgesehenen Abteilungen die tägliche achtstündige bzw. wöchentlich 48 stündige Arbeitszeit auch tat- sächlich durchgeführt werden muß Die Konferenz sprach die Erwartung aus, daß auch die Reichs- bahnverwaltung anerkennen werde, daß in den Werkstätten die achtstündige Arbcitsze t in Anwendung gebracht wird. Soweit Ueber stunden unvermeidlich sind, dürfen nicht mehr als drei Stunden in der Woche geleistet werden. Die tägliche Arbeitszeit darf auch einschließlich der im Schiedsspruch genannten drei Ueber- stunden 8', 4 Stunden oder 51 Stunden wöchentlich nicht über- schreiten. Die Funktionär« des Einheitsverbandes der Eisenbahner in Frankfurt a. M. hatten bereits am 13. April als Ergebnis ihrer Stellungnahme zu der beendeten Lohnbewegung u. a. be- schlössen: „Die ab 25. April geltende besondere Vereinbarung zum§ 3 des Lohntarifvertrages(Arbeitszeit) ist nur als«ine Etappe zum Ziel der völligen Wiedererkämpfung des Achtstunden- t a g e s zu betrachten. Die Funktionäre sind willens, geschlossen hinter den Verbandsinstanzen bei dem Kampf zur restlosen Rück- eroberung des Achtstundentages zu stehen.' einer zentralen Arbeitslosenkasse wurde von der Mehr- zahl der Organisationen in ablehnendem Sinne beantwortet. — Zur Kartell- und Trustbildung wurde dem Dolkswirtschafts- departement der schweizerischen Regierung eine begründete Eingabe zugestellt, die die Stellungnahme der Gewerkschaften darlegt.— Di« Unterhandlungen mit dem Verband Schweizerischer Konsumvereine betr. Schaffung einer Gewerkschoftsbank nähern sich dem Abschluß. Es darf mit dem Zustandekommen des Unternehmens gerechnet werden, und es wird den Verbänden die Beteiligung empfohlen.— Ein erneuter Versuch, in der Offsetfrage eine Verständigung zwischen Typographen und Lithographen herbeizuführen, erscheint angesichts der intransigenten Haltung der beiden Zentralvorstände aussichtslos. Oer flrbeitskampf in Norwegen. In Norwegen stehen 4 5 0 0 0 A r b e i t« r vor der Aussperrung. Die außerordentliche Generaloersammlung der Arbeitgeber in Oslo beschloß, ab 27. April weitere 15000 Arbeiter auszusperren Die Verhandlungen über die Tariferneuerung in der Papierindustrie wurden von den Arbeitgebern ge- sprengt, so daß ab Mittwoch 18000 Arbeiter der Papier- industrie ausgesperrt werden. Dom 27. April ab dürfte die Gesamtaussperrung 45 000 Arbeiter der wichtigsten Industrien umfassen. Der Norwegische Gcwerkschaftsbund hielt kürzlich eine außergewöhnlich« Konferenz ab, um die Gegen- mahnahmen der Arbeiterschaft festzusetzen. Wie verlautet, ist mit einen, Sympathie st reik der Transportarbeiter zu rechnen. Kommt es dazu, dann hätte Norwegen einen Arbeitskamps von einer Ausdehnung, die einem Generalstreik gleichkäme. Vom Schweizerische« Gewerkschaftsbund. (JGB.) Ein« Ausschußsitzung de» Schweizerischen Gewerk- schaftsbundes genehmigte einstimmig die Jahresrechnung 1926 und das Budget für 1927. Den vom Bundeskomitee auf vielfach ge- äußerten Wunsch ausgearbeiteten und nunmehr bereinigten Ent- würfen von Normolstatutcn für G e w e r t s ch a f t s k a r t e l l« und Arbeiterunionen erteilte der Ausschuh seine Genehmi- gung.— Eine Umfrage unter den Verbänden betr. die Schaffung Einigung in der schwedischen Holzindustrie. Stockholm. 19. April.(TU.) Der für heute angesagte Streik in der schwedischen Nutzholzindustrie ist im letzten Augenblick durch eine Einigung zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern ver- hindert worden._ Bekämpfnng der Gewerkschaften in Portugal. (JGB.) Der portugiesische Diktator C a r m o n a versucht aus der kürzlich vereitelten Revolution wenigstens so weit Kapital zu schlagen, daß er unter dem üblichen Vorwand«kommunistischer Um- triebe' die Gewerkschaften unterdrückt. Verschiedene Arbeiterführer sind verhaftet und die L o k a l« der portugiesischen Sozialisten auf unbestimmte Zeit geschlossen worden, was die vor der Revolution mit so viel Erfolg eingeleitete Kampagne der Liga der Anhänger oer Amsterdamer Richtung äußerst erschwert. Die bonaside Gewerkschaftsführer weisen darauf hin. daß es in Portugal wohl Kommunisten gibt, die von Moskau unter- tützt werden, ihre Zahl ist jedoch so klein, daß von der Organisierung irößerer Aufstände von ihrer Seit« keine Rede sein. Wenn Carmona ich des Argumentes„kommunistischer Umtriebe' bedient, o ist dies höchstens ein Beweis dafür, daß er bei seinen Unter- drückungsmaßnohmen sin schlechtes Gewissen hat und des- halb nach Ausflüchten sucht._ Kommunistische Quertreibereien in Amerika. Die internationale Kürschnergewerkschaft der Dereinigten Staaten und Kanadas hat die kommunistische Vereini- gung der Kürschner aufgelöst, weil deren Führer Ben- lamin Gold der kommunistischen Workers Party es gestattete, während des letzten Kürschnerstreiks maßgebenden Einfluß auf die Führung der Bewegung auszuüben: ferner haben gewisse Mitglieder Fonds in ungehöriger Weise verwendet. Die internationale Gewerkschaft hat die Veremigung und die vier lokalen Gewerkschaften angewiesen, sofort sämtliche Fonds und sonstiges Eigentum der American Federation os Labour auszuliefern, die es in Verwahrung nehmen wird. Allem Anschein nach verfolgt die Federation of Labour die Absicht, die New- Po r. ker Kürschner unter dem Banner der Federation neu zu organisieren. Gold erklärte, daß er an die Unterstützung aller Pelzarbeiter in den Vereinigten Staaten»nd Kanada appellieren wird. Beide Seiten haben sich aus einen erbitterten Kampf vor- bereitet. Die international« Kürschnergewerkschast hat für die neue Vereinigung ein neues Hauptquartier eröffnet: die Gewerkschafts- Mitglieder werden aufgefordert, sich bei der neuen Vereinigung ein- zutragen und der alten die Beiträg« zu verweigern. Türkisches. Bor einiger Zeit berichteten wir über einen Streik der in einer Zunst vereinigten selbständigen Hafenarbeiter, die allein oder ge- meinschaftlich ein Boot(Mahonen) besaßen und von der Hafen- Monopolgesellschaft bedrängt wurden. Di« Streikenden wurden da- mal? verhaftet und sind nunmehr wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und die Beamten dieser Gesellschaft JU Gefängnis» strafen verurteilt worden. Außerdem wurde die Hafengesellschast verstaatlicht und die Kameradschaft gezwungen, der Gesellschast ihre Mahonen zu verkaufen._ Eine internationale Liga der Seeleute ist von der Transport- arbeiterinternationale errichtet worden. Der Anschluß an diese Liga steht jedem Seemann offen, der die Aktion der Transportarbeiterintcrnationale für den Achtstundentag unterschreibt und daran mitzuarbeiten bereit ist. Durch Kauf einer Karte von 30 Cent, nach holländischem Geld berechnet, können die Seeleute Mitglied werden. Sport. Gjler-Naörennen... Auf der Olympiabahn... Zwei Renntage in Berlin, die es jedoch nur bedingt waren: Auf der Olympiabahn wußten am ersten Feiertag nur drei Fahrer zu interessieren. Bon den Stehern seien Maronnier und K r u p k a t, von den Fliegern nur Buschenhagen(und in diesem Zusammenhang noch Frankenstein) genannt. Der Rest war Schweigen... Maronnier gewann„Die Stunde' mst 70,380 Kilometer vor Bauer(70,010), Krupkat(68,810— Defekt) und Danderstuyst (64,900 Kilometer gefahren). Sawall zog es vor, aufzugeben!— Krupkat, der im 25-Kilom«ter-Lauf in 20 Min. 50 Sek. den ersten Platz belegte, war nur durch Defekt im Laus um«Die Stunde' ins Hintertressen geraten, denn seine Form im 25-Kilometer- Rennen war groß. Sawall blieb hier 270 Meter zurück vor Bauer (670), Maronnier(980) und Banderstuyft(3220 Meter zurück).— Das große Fliegertreffen holte sich Buschenhagen (35 Punkte) vor Frankenstein(30), Lorenz(19) und Hahn(16). Bei den Amateuren sicherten sich Wette und K ü h l die Plätze. ... vnd bei Walter Rütt. Regenschwere Wolken trugen dazu bei, daß die Rütt-Arena am zweiten Feiertag nur mäßig besucht war. Di« schönen Fliegerkämpse, hauptsächlich vom französischen Fliegermeister Maurice Schilles und von den beiden Deutschen Fricke und Scham- berg bestritten, hätten eine volle Bahn verdient. Die� zwei Läufe der Dauerrennen jedoch bildeten eine Angelegenheit für sich. Sie verliefen— besonders der erste— mehr als monoton. Kein Wunder, daß das Publikum Protest machte! Der«Große Osterpreis für Flieger' brachte vier Dreierläuse. Im e r st e n erschienen Schill«, Fricke und Schamberg am Start. Sicher wußte der Franzose Schamberg und Fricke hinter sich zu lassen. Im zweiten Lauf schlug Fricke ganz her- vorragend Kaufmann und Schamberg in dieser Reihenfolge. Gleich hinter dem Ziel kam Schamberg unerheblich zu Fall. Fricke traf dann im dritten Lauf auf Schilles und Kaufmann. Schilles und Fricke wußten hier schön« Kampfesmomente zu zeigen, doch mußte sich der Hannoveraner mit einem zweiten Platz vor Kaufmann, der überhaupt stark nachgelassen hat, begnügen. Der viert« und letzte Lauf vereinigte Kaufmann, Schilles und Schamberg. Frankreichs Farben waren auch hier wieder in Front! Im Ge- samtklassement siegte Schilles(12) vor Fricke(8), Scham- berg(5) und Kaufmann(4 Punkte).— Ueber die beiden Läufe der Dauerrennen über je 25 Kilometer sind wenig Worte zu verlieren. Gemeldet hatten M i q u« l- Frankreich, D u s s y- Amerika, N e i fa t i- Tunis und Koch- Berlin. D u f f y und auch Koch verstanden nicht Rolle zu fahren, zeigten vielmehr Dinge, die mit Sport, auch wenn er beruflich ausgeübt wird, wenig, sehr wenig zu tun haben! Nessati fuhr ein gleichmäßiges Tempo, war jedoch kein ernsthafter Gegner für M i q u e l, der beide Läufe, einmal vor Koch, Neffati und Dussy und ein andermal vor Koch, Dussy und Nefsati, gewann. Im zweiten Lauf hätte der Araber Deiekt und belegte nur den vierten Platz. Das Gesamt- resultat: Erster: Miquel, 50 Kilometer, zweiter: Koch, 48,585, dritter: Nefiati 45,545 und vierter: Duffv 43,640 Kilo- meter gefahren.— Mehrere Fliegerrennen, so ein Aus- scheidungsfahren, das Mühlbach gewann,«in Vor- gabefahren über vier Runden, das den alten Henry Mayer (50 Meter Vorgabe) �ls Sieger sah und endlich ein Rekord- fahren über eine Runde mit fliegendem Start, das sich Schilles mit 15'/,« Sekunden holte— der Rekord, den Bob Spears- Australien am 8. August 1926 mit 15'/» Sekunden aufstellte, ist so- mit nicht geschlagen— umrahmten das Programm. Bei den Amateuren, die ein Stunden-Mann- schaftsrennen nach Scchstageart zu erledigen hatten, domi- nierten K ü h l- W e t t e(Concordia). Sie bedeckten 4 0,240 Kilometer. Verantwortlich fQc Politik:«ictor Schill! Wirtschaft:».»liagelhsfer: Sewerkschaft-lbeweauna: Kriedr. Stzkor»: Feuilleton: R. ch. DIschee: Lokale» und Eonstige»: Fris, Narstädt: Anzeigen: Td. Slotke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Berlagoanslalt Paul Singer» Co.. Berlin SW 88, Lindcnstrage 8. Bomliolüt-Ilieater. BaWraße 19 Ad Dienstag, den 19. April Sie Warenhansprinzessin mit Hella Moja Dn glitt Biiprazraniiii. Die mtkl.Bllhileiisltmi BalMniieHßKictiispielß.BdästrJ Ab Dienstag, den 19. April Fassadengespenst und Die Heiratsffalle Du pteliipnjfainin. Dit tnlli'.BOImiiidiat Coocordia- Palast, AodreasstraSe 64 Vom Dienstag, den 19.— 21. April Laster der Menschbeit außerdem LiCllt Im Osten riktonaUditlilWtteto�M" Diens'ag, 19. bis Donnerstag, 21. April Jenny Haiseiqulst in Bas Rädchen ohne tfeimat Ferner: Bfihnenschan. RShm. Piltir. Ersattteilc rtlslitttgrilU. ÜMl. PumpenfabriK Berlin N 65, BeiaidieDilorfer Str. 95 tdiwarzßrAillßr.FrankfQtterAiießiiS Dienstag, 19. bis Donnerstag. 21. April Fred Thomaon mit seinem Wunderhengst„SllberkSnlg" in Der Teufelsjäger Aus der BOhne: ChampagtierKlrU. Passagß-liilitipißlß,B.��Jk,;<.2 Dienstag, 19. bis Donnerstag, 21. April Eine tolle Nacht femer Im Wirbel der Fluten BQhnenscbau Nclallbcflcn 1050 Sclilafclialselonps24.- Fabrikpreise Ratenzahlung AHSir Berlin, Pappelallee 12 UvaEI Pankow, Schmidtstrl frei jeder Hahnstation. JDaä 3. ßenmi-deit 3.. Im// B e 1 1 o n i auf ZRlII Ä»"*