Nr. ISS ♦ 44.?ahrg. Ausgabe A Nr. 95 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Dknnla. monatlich , Reichsmark oorau» zahlbar. Unter«reuzdanb für Deutschland. Dcutia. Saar- und Memelaebier Oesterreich. Sitauen. Luremdur, «,S0 Reichsmarl, für da» übria« -Ausland bchll Reichsmark pro Monat. Der.SorisSrts* mit der Mustrier» ten Sountagsbeilag«»Boll und Zeit' sowie den Beilagen.Unterhaltung uno Wissen'..Aus der Zsilmwelt', »ikrauenftimme'.»Der Rinder- freund'..Lugend-Borwärts' und .Blick in die Bücherwelt' erscheint wochentüglich zweimal, Sonntag» und Montags einmal. Telegramm-Adresse: .Sozlalvemotral Berlin» Morgenausgabe Derlinev VolKsvlstt (�10 Nkunnig) Anzeigenpreise: Die e i n s n a I t t a« Nonvareille. zeile 80 Pfennia. Reklame, eile 5,— Reichsmark.»Rlelne An, eigen' da» fettgedruckte Wort 2S Pfennia fzuIZMa ,wei fettacdrucktr Worte). iedes wriiere Wort 12 Pfennia. Stellenaefuche das erlie Wort tZ Pfennig.>ede» weitere Wort !0 Pfennia. Worte über 15 Sud)- Naben zählen für zwei Worte. 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Die Führer der Arbeitgeber haben jedes Entgegen- kommen so gut wie abgelehnt, trotzdem außerordentlich günstige Be- triebsergebnisse in der Braunkohlenindustrie vorliegen. Gnädig wollen die Arbeitgeber höchstens den in den Tagebau, und in den Mraumbetrieben beschäftigten Arbeitern die elfstündige Ar- b e i t s z e i t in verklausulierter Form gewähren. Recht interessant ist das Bekenntnis einer schönen Seele, das dem deutschnationalen Abgeordneten Leopold entschlüpft ist: danach bedeutet Schicht- zeit Arbeitszeit, d. h. auch die Pausen sind mit Arbeits- leistungen auszufüllen. Damit haben die Arbeitgeber eine jahrelang geübte Praxis ungewollt zugestanden. Im übrigen soll es beim ?> w ö l f st u n d e nt a g bleiben. Abgeordneter Leopold be- zeichnete die Forderungen der Bergarbeiter auf Verkürzung der Ar- beitszeit als eine, auf Jahre hinaus undurchführbare Theorie, deret- wegen man sich nicht die ganze Industrie zerschlagen lassen könne. Bei einer solchen Einstellung der Arbeitgeber braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Verhandlungen gescheitert sind und der Reichsarbeitsminister nunmehr die Parteien zu Schlichtungsverhand- lungen nach Berlin geladen hat. Ausflüchte üer Arbeitgeber. Wird das Reichsarbeitsministerium bei den Verhandlungen den Bergarbeitern des mitteldeutschen Braunkohlengebietes Gerechtigkeit widerfahren lassen und der Zwölfstundenschande ein Ende machen? Wird es den Ruf der Bergarbeiterschast nach Verkürzung der Ar- beitszeit. der sich in der soeben stattgefundenen Urabstimmung der Bergarbeiter über di« Arbeitszeit so überaus eindrucksvoll geäußert hat, überhören? Der Arbeitgebervcrband sür den mittel- deutschen Braunkohlenbergbau hat in den letzten Wochen der Ocssent- lichkeit und dem Reichsarbeitsministerium gegenüber fortwährend behauptet, die Forderungen der Bergarbeiter auf Verkürzung der Arbeitszeit sei keine Forderung der Arbeiter, sondern nur eine For- derung der Gewerkschaftsführer. Die Gewerkschaften haben daher eine Urabstimmung in Form einer Sammlung von Unter- schriften vorgenommen. Die Arbeiter haben also ihren Willen nicht unter dem Schutz einer geheimen Abstimmung, sondern mit voller Namensunterschrist offen und mutig bekundet. Das Ergebnis der Urabstimmung ist außerordentlich überraschend. Die Antwort üer Arbeiter. Wie das vorläufige Ergebnis bereits zeigt, haben sich bisher von 78 000 beschäftigten Arbeitern über 60 OM durch Namensunterschrift gegen die zwangsweise eingeführte zwölsstündige Arbeitszeit und für die Wiedereinführung der tariflichen achtstündigen Arbeitszeit ausgesprochen. Die Resultate wichtiger Reviere stehen noch aus, so daß das Endergebnis die für den Achtstundentag ab- gegebene Stimmenzahl noch wesentlich erhöben wird. Da etwa 10 Proz. der Belegschaften als trank zu betrachten sind und sich an der Abstimmung nicht beteiligen tonnten, ergibt sich, daß sich durch- schnittlich 90 bis 95 Proz. der Braunkohlenberg- a r b e i t e r für die Beseitigung des Zwölfstundentages ausgesprochen haben. Das Resultat ist um so beachtenswerter, als gerode in den Revieren, wo di« gelben Wertsvereine noch festen Boden haben, fast durchweg bis zu 100 Proz. Unterschriften geleistet wurden. Gibt es eine bessere Kennzeichnung der Hohlheit der von den Arbeitgebern mit so großen Kosten aufgepäppellen Wertsoereine? Die Arbeitgeber des mitteldeutschen Brauntohlengebiets haben durch die Urabstimmung eine vernichtende Schlappe erlitten. Die einmütige Kundgebung der mitteldeutschen Braunkohlenarbeiter muß für das Reichsarbeitsministerium eine ernste Warnung fein. Das Reichsarbeitsministerium soll schlichten. Will es schlichten und den Frieden stiften, dann muß der Wille der mitteldeutschen Braunkohlen- bergarbeiter respektiert werden. Wird dieser Wille nicht respektiert, dann wird der latente Kriegszustand im mitteldeutschen Braun- kohlengebiet verewigt und die Folge mutz sein, daß eines Tages die Empörung gegen« die Zwölfstundenschande zu einer Explosion führt. Neue Truppentransporte nach China. Feng marschiert gegen Tschiangkaischek.— Blutiger Bürgerkrieg. London, 20. April.(Eigener Drahlbericht.) Me die lehlen ans China eintreffenden Meldungen besagen, hat das vorgehen Tschiangkaischek» gegen sämlliche des Kommunismus verdächtige Elemente in Schanghai in den lehlen Tagen an Intensität sehr zu- genommen. Die Anzahl der hingerichteien..Agi- l a t o r e a" beträgt nach Meldungen der amtlichen britischen Agentur über hundert. Die lehlen Opfer sind der Präsident und sechs Führer des Seeleuleverbandes, die am Dienstag im Hofe de» militärischen Hauptquartiers heimlich hingerichtet worden sind. Tschiangkaischeks Untergebene sind nach dieser Meidung entschlossen, �keinerlei Barmherzigkeit gegenüber den Kommunisten aufkommen zu lassen". Die militärische Lage Ist weiter unklar. Der als Nachfolger Tschiangkaischeks zum Oberbefehlshaber ernannte„christliche" Ge- neral Feng hat den Vormarsch aus Nanking angeordnet. Seine Truppenverbändc onlerstehen dem Kommando seines llnlersührers, des Generals Tschang Sen Tsching. Aus Grund eines kurz nach Millernacht ergangenen Befehls sind am Mittwoch weitere starke englische Truppen- konlingenle, bestehend aus einem Znsanleriebalaillon, zwei Artilleriebatterien, einer Fliegerstaffel und 5t Truppentransport- autos, in Souihamplon als Verstärkung für das Expeditionskorps in Schanghai eingeschifft worden. 3n militärischen Kreisen ist man der Auffassung, daß diese neuen Verstärkungen nicht ans Verwendung in Schanghai selbst, sondern auf geplante Operationen im asseneu Felde hindeuten. Die Lazarellausrüstung. welche den Truppentransport begleitet, besteht n. a. aus 200 Betten und kann für eine Aufnahme von S00 Verwundeten erweitert werden. Einigung in Lyon. Resolution Fanre angenommen. Pari». 20. April.(Eigener Drahtbericht.) Die Resolution»- kommission des ssziälistischen Parteitages in L y o n tagte vom Diens- tag abend bis Mittwoch morgen um 7 Uhr, ohne zu ein«? einhettlichen Entschließung zu gelangen. Rur R e na u d« l zog die von Ihm eingebrachte Entschließung zurück, während die Delegierten Paul Faure, Compere-Morel, Bracke und Zyromsti auf ihren Entschließungen beharrten. Der Kongreß wird infolgedessen s e l b st zu einer Entscheidung berufen sein. Im Laufe der Mtttwoch-Morgensstzung referierte Grumbach unter gespannter Aufmerksamkeit der Zuhörer über den Fall M a u r i n. Dieser Delegierte, der auch die Resolution über ein Zu- sammengehen der Partei mit den Kommunisten billigt, hat in seinem Blatte„Etincelle" zahlreiche Mitglieder der Partei, besonders Blum und Paul Boncour sowie mehrere ausländische führende Sozialisten, heftig angegriffen und verleumdet: so hatte er Breitscheid heftig angeklagt und, wie Grumbach feststellte, den„kaiserlichen Sozialisten" genannt, weil er die Zusammenhänge der deutschen Reichswehr mit den Sowjets aufgedeckt haben sollte. Grumbach schlug vor, M a u r i n die Fähigkeit, sozialistischer Parteidelegierter zu sein, auf die Dauer von zwei Jahren zu entziehen. Maurin verteidigte sich in einer längeren Rede, die zu zahlreichen Zwischenrufen Veranlassung gab. da der Redner zum Teil die Angriffe gegen Blum und Paul Boncour, die nicht anwesend waren, wiederhotte. Der Kongreß wird im Lauf« der Schlußsitzung, die bis tief in die Nacht zum Donnerstag hinein dauern dürste, auch über diesen Fall eine Entscheidung treffen. In später Abendstunde wurde dann doch noch eine Einigung erzielt: Bei der Abstimmung über die politische Hattung der Partei wurde mit 2352 der abgegebenen Stimmen die Tages- ordnung Paul Faure angenommen, die, wie der Autor dieser Tagesordnung in der Begrüßung erNärte, eine E i n h e i t s- front mit den Kommuni st en mit dem gleichen Recht a b- lehnt, wie eine solche mit den bürgerlichen Parteien, denn die Sozialisten dürsten keine Bindungen mit anderen Parteien ein» gehen. Eine von der linksstehenden Opposition«ingebrachte Tagesordnung Bracke-Zyromski erhielt 747 der abgegebenen Stimmen und die von der extremen Linken, der Richtung MauÄn, vor. geschlagene 185. Sieben stimmberechtigte Delegierte haben sich an der Abstimmung nicht beteiligt. 80 waren abwesend. Koalitionssorgen öes Zentrums. In Preuße« bleibt alles beim alten. Auf Hindenburgs Drängen— diese Tatsache darf nicht vergessen werden— hat sich das Aentrum bereit- gefunden, mit den D e u t s ch n a t i o n a l e n eine neue Koalition im Reiche zu versuchen. Bor Hindenburgs Eingreifen hatte Marx nach verschiedenen Möglichkeiten ge- sucht, eine Regierung zu bilden, die seiner Tradition als republikanischer Kandidat bei der Reichspräsidentenwahl mehr entsprechen würde, als die des„Besitzbürgerblocks", wie Dr. Wirth die jetzige Mehrheit getauft hat. Das Zentrum hat sogar den Bolksparteiler Curtius kalt ablaufen lassen, als er in Hindenburgs Auftrag ein Kabinett zu bilden unternahm. Es wollte selbst die Führung behalten. Wie das geschah, ist noch in aller Erinnerung. Marx ist der Kanzler in einem Kabinett, in dem zahlenmäßig die Deutschnationalen vor- herrschend sind und die ebenso konservativen bayerischen Bolksparteiler den Ausschlag geben. Seit einigen Monaten ist dos Bürgerblockkabinett am Ruder. Es hat sogar den Etat für 1927 verabschieden können. Dr. Köhler aus Baden hat seinen guten republika- Nischen Ruf in die Masse geworfen, um diesen Etat fertig- zubringen. Die Streichung der Kinderspeisungen, die Ab- lehnung einer ausreichenden Kriegsteilnehmerfürsorge, Streichung wichtiger Kultur- und sozialpolitischer Leistungen — das alles unter dem Druck der Deutfchnatio- n a l e n. Die strebten nicht zur„Futterkrippe", um hun- gernden Kindern und darbenden Vaterlandsverteidigern zu geben, was ihnen zukommt, sondern nur, um ihre altbe- kannte Vetterleswirtschaft pflegen zu können. Auf solchen Etat der Unmoral und der Gefühlskälte hat gerade das Zentrum wenig Anlaß, stolz zu sein. Denn auch in seinen Arbeiterkreisen wird der Widerspruch emp- funden, der zwischen den für die Reichswehr bewilligten Hunderten von Millionen, zwischen den Eeneralspensionen und dem Bettelgroschen klafft, die das Reich für die Ber- krüovelten, die Witwen und Waisen des Weltkriegs auszu- werfen geruht. Das Zentrum hält es deshalb für nützlich, schon heute den deutschnationalen Koalitionsgefährten das volle Maß an Verantwortung zuzuweisen. In einem Leit- aufsatz der„Germania", der„Zentrumsgedanken zur neuen Koalitwn" überschrieben ist, wird daran erinnert, daß seit dem Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung sich in den grundlegenden Fragen der Innen- und Außenpolitik nichts geändert habe. Die deutschnationalen Propheten, die ein hörbares Herumwerfen der Politik ankündigten, seien Lügen gestraft: Aber das andere große Gesetz, das die neue Koalition verab- schiedet hat, der Etat für 1927/28, trägt zweifellos die Spuren der neuen Mehrheit. Und da die Politik nicht nur von den Parteien und vom Parlament, sondern auch zu einem guten Teil von der Bureaukratie gemacht wird, so gehört auch die Personalpolilik hierher, und hier haben es die Denlschnalionalen zweifellos ver- standen, mit einem recht kräftigen Griffel ihre Handschrift zurück- zulassen. Das ist höflich umschrieben dasselbe, was sonst im Volke s o ausgedrückt wird: Die neuen Herren haben nichts Eiligeres zu tun gehabt, als ihre Vettern in die wichtig st en Posten zu bringen, obgleich durch die Verabschiedung der bisherigen Amtsinhaber der Pensionsetat wieder erheblich be» lastet wird! Es scheint, als wenn die„Zentrumsgedanken" der„Ger- mania" schon erhebliche Z e n t r u m s s o r g e n um die Wir- kung der Bürgerblockpolitik zum Ausdruck bringen sollen. Denn das Zentrum ist noch immer eine Partei, die trotz Stegerwald nicht reine Bürgerblockpolitik treiben kann, ohne an die Grundlagen seiner Existenz zu rütteln. Es ist eine politische Partei, deren Angehörige im wesentlichen durch welt- anschauliche Tradition zusammengehalten werden. Aber diese Tradition kann auf die Dauer nicht die großen sozialen Gegensätze übertünchen, die in seinen Reihen sich je länger, je mehr auftun. Die christlichen Arbeiter, einst von kirchlicher Seite als Prellbock gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften in Sonderorganisationen zusammengefaßt, haben es im Laufe der Jahre verlernt, in jedem Sozialdemo- kraten einen„schwarzen Mann" zu sehen. Aber sie haben es nicht verlernt, in dem Kassenschrank der Schwerindustrie das Gegenteil eines sozial fühlenden menschlichen Herzens zu er- blicken. Die Stimme der Zentrumsarbeiter läßt sich heute nicht mehr unterdrücken. Kriegs- und Nachkriegserlebnisse haben das Ihrige dazu beigetragen, diese schon vorhandene Entwicklung eifrig zu fördern. Das Zentrum kann es sich nicht leisten, eine rein arbeiter- feindliche Polltik zu treiben wie seine augenblicklichen Reichs- toalitionsgenossen. di» Deutschnationalen attpreuhischer Prä- gung und di« Bolkspartei von Gnaden der Schwerindustrie. Seme Wähler würden das auf die Dauer nicht ertragen, so eifrig auch manche Wortführer aus dem Industriellenlager es dazu reizen mögen. Das Zentrum muß deshalb um seines Bestandes und seiner Bedeutung willen Rücksichten auch auf die christlichen Arbeiter nehmen, die sich noch zu ihm be- kennen, denen die Gemeinsamkeit mit Grundbesitz und Schwerindustrie aber je länger je mehr als eine Fessel er- scheint. Vorsichtig abwägend suchen deshalb die„Zentvumsge- danken" der„Germania" den deutschnationalen Reichs- genossen begreiflich zu machen, daß es auch für sie ein Ende ihrer Wünsche gibt. Das Zentrum müsse seine eigenartige Stellung behalten, sowohl mit rechts wie mit links operieren zu können: Die D e u t s ch n a t i o n a l e n freilich möchten uns ein für allemal dem geschilderten Dilemma entziehen, indem sie uns auf die Koalition der sogenannten bürgerlichen Par- teien bedingungslos festlegen. Daher auch das Bemühen, uns aus der„Umklammerung" durch die Sozialdemokratie in Preußen zu befreien. Sie zerbrechen sich schon ihren Kopf dar- über, wie wir wohl die W o h l k ö m p f e des kommenden Jahres, die ja gleichzeitig in Preußen und im Reich« ouszufechten sind, bc- stehen können, wenn wir hier mit den Sozialdemokraten, dort mit den Deuifchnationalen in Koalition gestanden haben. Dazu ist zu- nächst zu sagen: wenn wir schon die große politische Leistung fertig- bringen, gleichzeitig mit zwei so verschiedenen Koalitionen zu re- gieren, dann werden wir wohl auch imstande sein, die wahltaktischcn Folgerungen daraus zu ziehen. Voraussetzung ist immer, daß wir uns nicht in Widersprüche mit uns selbst oerwickeln. Ein Bedürfnis, die wahltakiische Situation in dem Sinne, wie es die Deutschnotio- nalen gern« sähen, zu„vereinfachen", besteht jedenfalls, soviel wir sehen, bei uns nicht. 3m Gegenteil glauben wir. daß die erdrückende Mehrheit unserer Anhänger einen Bruch der Koalition 'n Preußen nicht wünscht, daß sie darin vielmehr eine Art Garantie für dos verbleiben des politischen Schwergzwichl» in der Mitte fleht, was sowccht im Jntercsie der Gesamtheit wie auch unserer eigenen Partei liegt. Ein gutes Mittel, um Hin« homogene Zen- trumspolitik im Reich und in Preußen trotz der Verschieden- heil der Koalitionen zu gewährleisten, erblicken wir in der engen Fühlung und Zusammenarbeit zwischen den beiden Zen- t r u m s f rä k t i o n e n, die ja beschlossene Sache ist. Vom Siandpnnkt des lavierenden Führers aus gesehen mag dieser Ausweg als der einzig mögliche erscheinen. Aber es ist doch nur ein N o t b e h e l f, der sich angesichts des beut chnationalen Machtstrebens aufzwingt. Die Erfahrungen der ozial gesinnten Zentrumsteile— und es gibt ihrer noch immer sehr viele— mit dem robusten„Herrn-im-Haufe"- System, das Volkspartei und Deutschnationale darstellen, sind sicher von der Art, daß nach einer„Garantie" Umschau ge- halten werden muß. Daß diese Garantie nur in Preußen und seiner Weimarer Koalition gefunden wirk), ist ein Zeichen von der schweren Belastung, die die Bürgerblock- Politik für weite Schichten der Zentrumswähler mit sich bringt. Die Sozialdemokratie kann die Sorgen verstehen, die dem Zentrum aus seiner Koalition mit den geschworenen Ar- bciterseinden erwachsen. Sie kann vor allem das Miß» trauen begreifen, mit dem die Arbeiterwähler des Zentrums die Entwicklung ihrer Partei im Reichstage be- nbochten. Und sie wird nichts tun, um diesen Zwiespalt ver- tuschen zu helfen, in den die Zentrunisleimyg ihre Partei � führest für nötig erachtete. ♦rVr-*' rV.t. t*i>• 1.,. Umorientierung! Deutschnationalcr Vorstsst gegen Ttresemann. Im Zusammenhang mit seinem Bestreben, eine mög- lichst rasche Räumung der noch besetzten Gebiete zu erreichen, hatte Reichsaußcnminister Dr. Stre emann in einem Dsterartikel an die Vernunft der fronzö ischen Staatsmänner appelliert. Er fand dabei die Unterstützung der„Ger- m a n i a". Die„Deutsche Tageszeitung" wendet sich in einem grundsätzlichen Artikel, der nicht ohne Einverständnis mit den leitenden Kreisen der deutschnationalen Partei ge- schrieben zu sein scheint, gegen diesen Borstoß: Auch wir sind der Ansicht, daß ein deutsch-ftanzösischer Aus- gleich, der auf einer gesunden und tragfähigen Grundlage, d. h. also auf wahrer Gleichberechtigung beider Teile, ruht, gerade auch für Frankreich zugleich die beste und weitsichtigste Politik wäre. 3m Gegensah zo den hier angeführten Stimmen(gemeint sind die Ar- tikel Stresemanns und der„Germania". Anm. der Red.) haben wir ober aus den Erfahrungen der Nachkriegsjahre und vor allem auch aus den Ereignissen nach Locarno, die unsere Voraussagen fast in jeder Einzelheit bestätigt haben, die lleberzeugung gewonnen, daß von Frankreich eine Politik ehrlichen Ausgleiches für absehbore Zeit nicht erwartet werden kann. Frankreich treibe gegenüber den besiegten Staaten eine Riedcrhaltungspolitik. Es habe gezeigt, daß es selbst nicht an einen Dauerfrieden und nicht an die Wirkung der Lo- carno-Politik glaubt. Deshalb: Wenn unsere bisherigen Taten nicht genügt haben, so werden Vernunftgründe und Worte es erst recht nicht schaffen. Die Gegenseite kann nur dadurch zur Besinnung gebracht werden, daß sie die Ueberzeugung gewinnt, daß Deutschland sich nicht bei dem Wortbruch seiner Vertragsgegner beruhigen wird, und daß äußerstenfalls mich mit einer Umoricmtierung der gesamten deutschen Politik gerechnet werden muß. Gerade bei der gegenwärtigen ge- spannten Weltlage kann das weder für England noch für Frankreich gleichgültig fein. Schwache Anläufe zum Wiederselbständigwcrden der deutschen Politik sind ja schon gelegentlich unternommen worden. Man hat sie aber bisher nicht ernst genommen. Es ist deshalb unbedingt nötig, daß auch der deutsche Außenminister und ihm nahe- stehende Kreise der ösfentlichen Meinung Deutschlands mit aller Deutlichkeit erkennen laflcn. daß wir nicht ewig mit uns spielen lassen werden. Der Artikel schließt mit einer Kriegsdrohung: Krieg und Frieden hängen schließlich nicht nur von den Friedenswünschen der Völker ab. Auch die schönst«» Frieden». beteuerungen genügen nicht. Nur der dient auf lange Sicht wirklich dem Fried«», der Verhältnisie schafft, die für die Völker auch tat- sächlich tragbar sind. Die Mächte ernten heute in China die Früchce einer Politik, die sich weigert«, rechtzeitig berechtigte natio- nale Forderungen eines großen Volkes zu erfüllen. Nur dadurch ist China auch russischen Verlockungen zugänglich geworden. Will man im Herzen Europos einen noch schwereren, noch Verhängnis- volleren Fehler begehen? So lächerlich dieser Hinweis auf China ist, so grotesk sich die Drohung mit der Bolschewisierung Deutschlands aus-' nimmt, an den D e u t s ch n a t i o n a l e n hat es nicht ge- legen, wenn die Folge des Ruhrcinfalls nicht chinesische Zustände waren. Ihre Außenpolitik ist stets den Einflüstcrungen politischer Babanquespieler zu- gänglich gewesen. Und das macht die Ausführungen der „Deutscheil Tageszeitung", in denen durch die Betonung ihrer Grundsätzlichkeit der Stempel einer besonderen Bedeutung auferlegt wird, gemeingefährlich. Außenminister Dr. Strelemann bemüht sich, die Räumung der Rheinlande aus friedlichem Wege durchzu- setzen. Er unternimmt einen Schritt, um die ins Stocken ge- ralene Bewegung neu zu beleben, und findet dabei die Unter- stützung aller vernünftigen Politiker, mögen sie sonst in noch so scharfem Gegensatz zu der Regierung stehen. Stresemann hofft im Sommer dieses J'ahres so weit zu sein, um die offiziellen Räumungsverhandlungen wieder aufnehmen zu können. Und da kommt nun die stärkste Re- gierungspartei und haut mit der Faust auf den Tisch: Ist nicht! Vernunftpolitik ist nicht. Verständigungspolitik ist nicht. Umorientierung der gesamten deutschen Politik, zeigt die gepanzerte Faust und Schluhl Reichsoußenminister Dr. Stresemann wird wissen, an wen er sich zu wenden hat. wenn ihm wieder einmal das Konzept verdorben wird. Außenpolitik?- Intereßentenpolktik! Dänenhetze im Blatt des Grafen Westarp. Die„Krell zzeitung" stellt die Behauptung auf, Dänemark stehe im Zeichen der Einheitsfront gegen das Deutschtum. 1. B ewe i s: Auf der letzten Tagung der dänischen Grenz» verbände ist die Bildung eines„na tionalen General. st a b e s" gegen das Deutschtum beantragt worden. Nebenbei wird bemerkt, daß dieser Antrag mit Pauken und Trompeten abgelehnt worden ist. 2. Beweis:„Politiken" hat behauptet, das deutsth-schles- wigfch« Kreditinstitut Vogelgesang habe Bankrott ge- macht und sei vom Herrn von Doorn finanziert worden. Das Institut ist aber weder pleite noch vom Herrn von Doorn finanziert. 3. B e w ei s: In Dänemark läuft«in angeblich deutsch- feindlicher Film„Großvolk"(man denke an„Volk unterm Kreuz"), ein franzosenfreundlicher Kitschfilm und Chaplins be- kannte Kriegsparodie. Nebenbei wird bemerkt, daß die dänisch« Filmzensur die Kriegsparodie beschlagnahmt und alle Stellen, die in Deutschland Anstoß erregen könnten, herausgeschnitten hat. ö. Beweis: König Christian hat zwar Hindenburg einen Besuch abgestattet, aber er hat dann in Nizza mit sranzö- fischen Alpenjägern fraternisiert, die seinerzeit in Schleswig-Holstein gelegen haben. Man traut seinen Augen nicht recht bei dieser kühnen Beweis- führung. Aber man versteht alles, wenn man sich der Müh« unter- zieht, das Skriptum bis zu Ende durchzustudieren. Denn da kommt der Schreckensschrei: Dänemark betreibt Revision der deut- schen Lebensmittelzölle und das muß verhindert werden, koste es, was es wolle. Der Sinn des Ganzen: Dänemark ist deutschfeindlich, es hat deutschfeindlich zu sein, weil es ein Konkurrent der deutschnotio- nalen Großagrarier ist, und mag darüber der außenpolitische Porzellanladen zertöppert«erden.' Deutschnationale Außenpolitik, deutschnationale Interessenten- Politik!_ Mieter über die Wohnungswirtschaft. Die Preußischen Mieter verlangen Aufrechterhaltung der Zwangswirtschaft. In Hannover traten die Vertreter der preußischen Mieterverein« im Reichsbund Deutscher Mieter e. V. zu einer Tagung zusammen, die sich fast ausschließlich mit der Wohnungs- und Mietenpolitik beschäftigte. Einstimniig wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: „Die ungeheure wirtschaftliche Not, die in der gewal- tigen Arbeitslosenzahl ihren Ausdruck finde, sowie der all- gemeine wirtschaftliche Niedergang erforderten, daß die P l a n w i r t- schaff im Wohnungswesen im vollen Umfang« aufrecht- erhalten bleibe. Der Reichstag und die Einzellandwge sowie die Reichsregierung und die Regierungen der Länder werden er- neut ersucht, von dem weiteren Abbau der Miet«rschutzgesetzgebung, der weiteren Erhöhung der Misten und der weiteren Erhöhung der Hauszinssteuer Abstand zu nehmen. Die Gemeinden sollen aus der Zwangslage bestell werden, ein« fortwährende Erhöhung der Gruntwennögenssteuer vorzunehmen. Die Freigabe der Gewerberäume zeige mit erschreckender Deut- lichkeit, welche großen wirtschaftlichen Schäden durch ein« überstürzt« Lockerung der Mieterschutzgesetzgebung, die nur dem Be- sttzer Borteil bringe, hervorrufe. Die Rechtslage werde durch das bisherige Durcheinander in Verordnungen und Berfügungen immer undurchsichtiger für Hausbesitzer und Mieter. Der Berbandstag fordert deshalb erneut die Aufhebung der Der- fügungdespreußischenDolkswohlfahrtsministers vom 11. November 1S2S. Erfordert weiter im Interesie der Erhallung des inneren Friedens des deutschen Volkes auf das dringendste die Aufrechterhallung des Reichsmietengesetzc» und des Mieterschutzgesetzes, die bekanntlich am 3«. Juni 1927 ablaufen." Friseur und Monarchie. Bon Peter Scher. I. In München schein« die Wahrnehmung dynastischer Belange in die waffengeübtcn Hände der Friseur« gelegt zu sein. Als ich'mich heute inorgcu rasieren ließ, eröffnete mir der Bader, indem er mit urwüchsiger Kraft das Messer in meine bestoppelte Backe hieb, daß es so nicht weiter gehen könne. Niemals! Es werde auch so nicht weiter gehen, sondern anders: „In zw«, Jahr' spätestens ham mir die Wehrpslicht wieder!" jauchzte er, ungestüm an meinein Kinn sägend. „Wieso spätestens in zwei Jahren?" „Halt so— der Alfons hat's mir gestern gesagt!" Der Alfons ist ein königlicher Prinz. „So— der Alfons? Derkehren Sie in so feinen Kreisen?" „O mei," sagte der Darbier und stieß mit Kraft kristallene Stift« in die frisch gesägten Wunden,„o mei, der Alfons! Zu'n Zllfons ko'ft reden, wia da's ums Mäu is— da feit st nix!" Und er berichtete, dqß der Alfons im Deteranenoerein nicht nur jedem eine Denkmünze verliehen, sondern auch allen, die ti hören wollten, die beruhigende Zusicherung gegeben habe, spätestens in zwei Jahre» wär'o wieder so weit. „Für was haben Sie denn die Denkmünze gekriegt?" „Für woos?" Er grübelte eine Zeitlang und sah abwesenden Blicks auf mein wundenbedecktes Gesicht. Dann sagte er:„Dafür, daß mir im veteranenocrein san!" Ich kenne den Friseur seit längerer Zeit; er ist ein gnroltiger Schimpfer, und wenn die Erinnerung an die große Zeit ihn über- mannt, gebroücht er Wendungen, die erst kürzlich den Regienrngs- rat Moosrainer veranlaßt haben, sein Rasterabonnement(inklusive Kopfwaschen) auszugeben..... aber daß der Alfons ihm persön- lieh versichert hat, spätestens in zwei Iahren— das ist denn doch.. Hurna! Darüber fommt kein Mann weg. Ich seh« mich betrübt im Spiegel. Wemi Alfons doch ge- Ichwiegen hätte! Aber an uns Unbeteiligten geht's ja immer aus! Mein blutiges Gesicht klagt Alfons an. IT. Ein anderer Münchener Friseur ließ eines Tages, als er mir den l�üpf wulch, einen io heftigen Seufzer nach der Monarchie fahren, daß ich mich teilnehmend nach dem Stand seiner Welt- anschouung erkundigte. Es stellte sich heraus, daß er ein Mann von altem Schrot und Korn war. „Im Kaiserreich," sagte er, indem er mit leidenschaftlich zucken- den Fingern meine Kopshaut massierte,„im Kaiserreich war halt doch ein anderes Leben.", Ich gestand, diese Wendung schon einmal gehört zu haben, und er fuhr erfreut fort: „Der Kaiserbart— wissen S', der vom Haby— dees war a säubern« Arbeit! Mit an Kaiserbart host zum Friseur geh» müass'n, rbs d'as woll'n hast oder net— ja, ja, der Kaiserbart!" Er oerfiel in ein wehmütiges Sinnieren und auch mich durch. schauerte es, denn das Shampoon, des schwärmenden Meisters Hand entrinnend, floß mir zum Halse hinein und über den Rücken. „Seg'n S'," sagte er ausschreckend,„damals wiar i dem Kaiser den Schnurrbart brennt Hab....." „Was?" sagte ich,„Sie haben dem Kaiser....?" „Mit eigener Hand," erwiderte er,„das war anno acht zu Hannover...." Er berichtete den Hergang des Ereignisses und setzte wehmütig hinzu:„Die zwoa Brenneisen hob ich mir aufg'hoben... Woll'n S' as sehng?" Ich wollte mir das denn doch nicht entgehen lassen und ließ mich nach beendeter Prozedur in die gut« Stube führen. Und so wahr mir Gott helfe— da lagen unter einem Glassturz, wie man sie über Uhren oder Limburger Käse stülpt, die beiden Brennscheren, mit denen der Meister anno acht den Kaiser Wik» Helm II. den Schnurrbart emporgebändigt hatte. Ein Zettel mit dem Datum lag dabei. Monarchisten oder Museen, die es interessiert, können von mir jederzeit die Adresse des Barbiers erfahren. Als wir noch einer stillen Andacht vor den Reliquien hinaus- gingen, mußten wir an der Zlbteilung für Aubikopfbehandlung vorbei. Der Meister verbeugte sich im Weitergehen sehr tief vor einer Kundin, aber dann flüsterte er mir ins Ohr:„A Schand is, daß d' als solider Mann mit solchene Neuerungen Geld verdiena muaßt!" „Das ist die neue Zeit!" bemerkte ich originell, aber der Meister schüttelte den Kopf und gestand aus tiefster Seele:„Für an Kaiser» bart gebot i dees ganze Bnbigjchwerl... a guat's Arbeiten war dees, mein liaba Herr, a guat's Arbeiten... aba dees is vor» bei... dees kimmt nimma!" Es geht schon las! Die Prüfungsausschüsse, in deren Hände die Durchführung des Gesetzes zur„Bewahrung der Jugend vor Schmutz und Schund" tzelegt werden soll, sind noch nicht einmal ge- bildet, und schon ist die erste Denunzierung zu oerzeichnen. Das Organ des Iungdeutschen Ordens,„Der Iungdeutfche", bringt in seiner Nr. 73 vom Sonntag, dem 27. Mörz, eine Besprechung des im 2lrbeiierjugend-Derlc:g, Berlin, erschienenen Sprechchorwerks „Seid geweiht!" von Bruno Schönlank. In dieser Besprechung heißt ei: »Es ist erlchütternd, zu beobachten, wie i» diesem zur Aus- führung als Thorspiel bestimmten Gedicht politisches Gift tropf««» weise den Herzen deutscher Kinder eingeträufelt wird. Es ist ein« Berfeuchung der jungen Generation, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann. Hier hätte das Jugendschutzgesetz«in- mal Gelegenheit zu einem festen Zugriff! Denn gerade die gelungene Kunstsorm einiger dieser Verse macht die m ihnen zum Ausdruck gelangende Demagogie immer gefährlicher." Der Iungdeutfche Orden an der Spitze der Mucker und Reaktiv- näre! Nachdem er so tatkrästig vorangegangen ist. werden seine Geistesverwandten nicht lange mehr ruhen, und die Oeffentlichtell wird wohl in nächster Zeit erleben, wie ein großer Wettbewerb im Denunzieren besonders politisch mißliebiger Schriften beginnt. Aber den ersten Platz kann man dem Iungdeutschen Orden nicht mehr streitig machen. Das Lebenswerk de» Physiologen Pawlow. Das langerwartete Lebenswerk des weltbekannten russischen Physiologen Pawlow, „Vorlesungcn über die Funktionen der Hemisphären des Großhirns", ist soeben in Leningrad erschienen. Dieses Buch ist die Frucht einer 25jährigen Forscherarbeit Pawlows und seines großen Schüler- kreises. Es wird hier in einer systematischen Zusammenstellung eines umfangreichen Experimentiermaterials versucht, unter Ausschaltung des Begriffs der„psychischen Erscheinungen", den Deweis zu erbringen, daß die bedingten Reflexe und die ausgleichenden Wechselbeziehungen des höheren Nervensystems aus einer exakten mechanischen Grundlag« fußen. Die Sowietkritik erblickt in diesem Werk« Pawlows eine physiologisch« Begründung und Bestätigung der marxistischen These, wonach das Sein das Bewußtfein bestimme und begrüßt es als Markstein in der Entwicklung der materialisti- schen Weltanschauung, als theoretisch konsequente Widerlegung des idealistischen Subjektivismus. Das Buch enchält die Lehr« von den Typen der Nervensysteme(den Charakteren), von den physiologisch«» Grundlagen der Pädagogik, neue Heilverfahren für funktionelle Neu- rosen, Hysterie und Neurasthenie und eine Reih« höchst interessanter experimenteller Daten über Schlaf, Traum und Hypnose. Pawlow faßt die Quintessenz und die praktische Auswirkung seiner Forschung»- ergebmsse in folgenden Schlußsatz zusammen:„Wir haben nun das unbestreitbar« Recht, zu sagen, daß die Erforschung dieses äußerst komplizierten Gegenstandes den richtigen Weg betreien hat und daß ihr ein zwar nicht baldiger, doch jedenfalls voller Erfolg bevorsteht." MedererSfsmmg der«othedrale w Keim». Die vollständig renoviert« Katbedraic in Reim» tvüd am HimmcljahrtStage für den Gottesdienst wieder geöffnet werden. 5000 Ehescheidungen in eln-m Monat. Ainllichen Angaben zufolge wurden in Leningrad in den letzlen drei Monalen 4934 Eben geschieden. In den zentral gelegenen Rcgistrlcrableilungen find die geschiedenen Eben zu 25 Pro,, von einer Dauer von Ist, Wochen bi« Ist, Monalen gewesen. Ein all« weinstock. In Novara(Italien) wurde dieser Tag« ein Wein- stock festgestellt, der wobl der älteste der Welt lein dürste. Dieser Deinstock. der auf dem Gebiet der Gemeinde Pombia stebt. trügt seit dem Jahr 1673 Neben Am Ruft mißt der Rebstock jänsundvierzig Zentimeter im Umfang. Der IabreSerlrag. den dieser Stock üeserl. schmaust zwischen 200 und 500 Kilogramm Trauben. Ilugzeuge zum Säet». Da» LandwirtschaftSministerium von Manitoba (Kanada) benutzt Flugzeuge, um moorig« Gebiete deS nordamerilaniichen Kontinents mit Reis beiäen zu lassen. Man will den biSdcrigen vuSsubr« artiteln an Geflügel auch noch die llussutzr von Eulen hinzufügen, die man mit den» Reis in verftärltem Max« ausziehe» will. Die oft-obecschlesische Schulreglung. Die Strafbcfehlc sind aufgehoben— die Geldstrafen werden nicht zurückgezahlt. kailowih. 20. April.(MTB.) In einer Bespreclping zwischen dem Wojwodcn und dem Geschäftsführer des Deutschen Doltsbunde-, Abgeordneten lllitz, hat der Wojwode folgende Erklärung abgegeben: Der Erlaß polizeilicher Strafbefehle gegen Eltern, die ihre Kinder für die deutsche Minderheitsschule angemeldet und sie nicht cer polnischen Schule zugeführt haben, ist mit dem?. April ein- g e st e l l t worden. Die Schulleiter haben Anweisung erhalten. neu« Anträge auf Berhängung von Schulstrafen nicht mehr zu stellen. Die Polizeibehörden sind angewiesen worden, noch bei ihnen schwebende S ch u l st r e i t s a ch e n einzustellen. Der Gerichts- behörde ist der Völkcrbundsratsbeschluß vom 12. März 1927 mit- geteilt worden. Der Wojwode wird wegen der Beliandlung der vor Gericht schwebenden Schulstrassachen mit dem Präsidenten des Appellations- gerichts verhandeln. Auf die Regelung seitens der I u ft i z- behörde hat jedoch der Wojwode keinen entscheidenden Einfluß. Der Wojwode hat die Ausstellung neuerListen derjenigen Kinder angeordnet, welche sich im Schulstreik befinden. Diese Kinder sollen baldmöglichst den Minderheitsschulen zugeführt werden. Die etwaige spätere Sprachprüfung durch den schweizerischen Schulfachmann wird dadurch nicht berührt. Bei der Unterredung wurde auch die Rückzahlung bereits bezahlter Strafen angeschnitten. Der Wojwode stellte sich, wie schon früher einmal betont wurde, auf den Standpunkt, daß eine Rückzahlung bezahlter Strafen nicht in Frage kommen dürfte. Der Abgeordnete Ulitz bestritt die Richtigkeit dieses Standpunktes, der unhaltbar sei, weil die betreffenden Erziehungsberechtigten im Be- wußtsein ihres guten Rechts gehandelt hätten. Cr gab dabei dem Wunsch« Ausdruck, daß in diesem Punkte eine gütliche Regelung zustandekommen möchte. Ist polen Hastbarl Prozeß wegen des Eisenbahnunglücks im Korridor. Aus Anlaß des E is e n b a h n u n g l ü ck s bei Stargard im so- genannten polnischen Korridor in der Nacht zum 1. Mai 192S hat die deutsche Regierung wiederhast, zuletzt mit Noten der deutschen Gesandtschaft in Warschau vom S. August 1926 und 5. Fe- bruar 1927, die polnische Regierung um Stellungnahme zur Frage ihrer Haftung gebeten. In einer Note vom 31. März teilt nunmehr das polnische Ministerium des Aeuheren mit, daß die polnische Eisenbahnoerwaltung eine Hastpflicht nichtanerkenne. Die Frist für die Geltendmachung von Ansprüchen aus Anlaß des Eisenbahnunglücks läuft am 30. April ab. Von einer Anzahl der Geschädigten ist bei dem hierfür zuständigen polnischen Ge» r i ch t Klage gegen den polnischen Staat erhoben worden. Der erste dieser Prozesse wird demnächst zur Verhandlung kommen. Zasthistifther prestezwang. Strengste Borzensur. Aus Mailand berichtet man uns: Wir sind in der Lage, aus durchaus zuverlässiger Quelle mit- zuteilen, welche Befehl« die Präfekten in den letzten Monaten der ital.enischen P re s s e gegeben haben. Hier einige Proben: 5. August 1926. Es ist jede Nachricht über da, Interview zu verhindern, das der Dichter T a g o r e der Wiener„Neuen Freien Presse' gewährt hat. In diesem Interview dementiert Tagore, dem Faschismus fem« Sympathie bezeugt zu hoben, wie die italienische Presse behauptet hatte. 20. August 1926. Der Ministerpräsident befiehlt, daß keine Zeitung sich mehr mit der Wiederkehr der Goldlira be- schäftigt. 30. August 1926. Es ist verboten, Nachrichten über den Erwerb von Kriegsmaterial in Italien durch fremde Staaten Zu geben. 16. September 1926. Befehl des Ministerpräsidenten, sed« Polemik mit der französischen Presse zu unterlassen. 21. September 1926. Befehl, nichts bekanntzugeben vom Besuch des ägyptischen Außenministers in Rom zur Regelung der Dscherobubfrag«(Tripolis). 23. September 1926. Befehl des Ministerpräsidenten, über das wirtschaftliche und politische Eindringen Italiens in Al- banien nichts bekanntzugeben. 24. September 1926. Ueber die Reise des Ministerpräsidenten ist nichts zu veröffentlichen. 13. Oktober 1926. Ueber die Diebstähle italienischer Soldaten in den Hotels von Meran ist nichts zu veröffent- lichen. 6. November 1926. Ueber den Zusammenbruch der Bank von Pordenone ist nichts zu veröffentlichen. 9. November 1926. Es ist untersagt, etwas von der Beschlag- nähme unb Zerstörung von katholischen Vereins- Häusern und die Verhaftung von Abgeordneten be- kanntzugeben. 15. November 1926. Es ist verboten, den Brief des Povolari- Abg. de<3 o s p e r i, der die Nachricht der„Agenzia Stesoni' dementiert, zu veröffentlichen.(Stefan! hatte gemeldet, daß de Gasperi dem Faschismus seine Anerkennung ausgesprochen habe.) 25. Februar 1927. Es ist nichts zu melden von der Abreise des Unterstaotssekrctärs Grandi nach San Remo zu einer K o n f e- renz mit Strefemann. Wie man sieht, selbst die fast allein noch existierende Faschisten- presse wird geknebelt, wie das sonst nur unter dem Zarismus oder im Weltkrieg praktiziert worden ist! Verstbworung oüer Spkonage. Eine Eutdecknng der Tscheka. ZNoskau, 20. April.(Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Die Staatspolizei hat eine monarchistische G> u p p c aufgedeckt und aufgehoben, die sich Anhänger des ehemaligen Großfürsten Nikolai Nikolajewitfch nannte. Wie aus dem beschlagnahmten Material er- sichtlich ist. stand die Gruppe in keinerlei Beziehungen zu irgendwelchen Schichten der Bevölkerung. Sie trieb vornehm- lich Militärspionage zugunsten einiger der tätigsten aus- limd'schen Spionagedienste. Die Untersuchung ergab, daß diese konterrevolutionäre Gruppe Geldmittel aus a u s l ä n d i f ch e n Q u« l l e n bezog. Führer der Gruppe war der In Paris befindliche frühere wcißgardiftifche Ge- neral Kutepow. Die Dokumente, die sich im Besitz der Unter- fuchungsorgan« befinden, und die Aussagen der Verhafteten er- weisen das große Interesse, das ausländische Spionagedienste nicht nur für Gewinnung von Quellen zu militärischen Spionagezwecken. sondern auch fiir die Unterstützung der Versuche, eine sowjet- feindliche Organisation innerhalb der Sowjetunion zu schaffen, hatten. Aus dem Unterfuchungsmaterial ist jedoch ersichllich. daß diese Versuch« keinen Ersolg hatten. Die Untersuchung wird Warum Soöenrefsrm! Soziale, fhmtiz- und agrarpolitische Probleme der Bodenreformbeweguug. Schwerin, 20. April.(Eigener Drahtbericht.) Im weiteren Ber- lauf der Tagung des Vlind-s'Deutscher Bodenveformer sprach Medi- zinalrat Dr. Engelmann- Kiel über das Thema„Die K a t a- strophe verdeutschen Familie'. Er zeigte die Zusammen- hänge zwischen Landflucht, Arbeitslosigkeit, Geburtenrückgang und Zunahme der Ehescheidungen (1905: 6900: 1924: 23 251 Ehescheidungen in Preußen). Eine Folge der Zerstörung der Familie sei das zunehmende Kind erelend. Es gelt« die Familie zu retten. Boraussetzung hierzu fei ein Erfolg der Bodenreform. Als nächster Redner sprach Dewcrbeoberrat B a tz k e- Berlin über die Möglichkeiten, die Bodenreform in den Unterrichts- plan der Berufsschulen aufzunehmen. Es fei ein« wichtige Aufgabe der Berufsschulen, die in das Berirfsleben hinaustretenden Schüler zu Staatsbürgern im Sinne der Bodenreform zu erziehen. Den letzten Abschnitt der programmäßigen Vorträge eröffnete der anhallinische Landtagsabgeordncte B a u m e ck: r- Leopoidshall. Er sprach über die Grundwert st euer in Anhalt, ihre Geschichte und ihre Erfahrungen. Die anhaltinisch« Grundsteuer entstand im Jahre 1920, wurde dann 1923 und später 1925 revidiert. Nach der jetzigen Fassung bleiben Grund st ücke bis zu einem Wert von 3000 M. frei. Die höchste Belastung ergibt bei Besitzungen von über 200 000 M. Wert«ine Steuer von 5 M. pro Morgen bei einem Morgenwert von 1000 M. und 2,50 M. bei einem Morgenwert von 500 M.: bei Besitz von 10 000 Morgen beträgt die Steuer auf den Morgen 1,50 M., bei einem Morgen- wert von 1000 M. und 0,75 M. auf einen Morgenwert von 500 M. Der Gesamtertrag ergibt 3 Millionen M. Alles in allem sei zu sagen, daß die Steuer, die unter großen Kämpfen zustande gekommen ist, sich bewährt habe. Es stel/e zu hoffen, daß die Errungenschaften, welche der Bund deutscher Bodenreformer in ihr sah, durch alle Stürm« sich hindurchgerettet haben. Eeheimrat Prof. Dr. E r m a n- Münster behandelte sodann die Einwendungen gegen das Bodenreformgesetz. Dieses sei eine Stootsnotwendigkeit des Bodenreformgesetzes, eben» so wie das Städtebaugesetz. Das Dodenrefonngesetz des Reiches soll dem preußischen Siädtcbaugesetz ebenso wie dem Reichsheim- stättengesetz den Weg bahnen. Von den Einwendungen gegen das Bodenreformgesetz sei besonders die wichtig, daß das Bodenreform- gesetz die Zweidrittelmehrheit erforderte, die Artikel 76 der Reichsverfassung für verfassungändernde Gesetze vorschlägt. Das sei ein Irrtum, denn das Bodenresormgesetz führe nur Art. 153 der Reichsoerfassung aus. Weitere Einwände erklären sich nur dadurch, daß man den Entwurf überhaupt nicht an den zuständigen Stellen gelesen bade. Den Abschluß bildete ein Bortrag van Dr. Adolf Damaschke über Erbpacht und Bodenreform. In Mecklenburg wird ein Kampf für die Aushebung des Erbpachtrechts geführt. Damaschke untersuchte die Gründe, aus denen eine Aufhebung gefordert wurde. Er wie- darauf hin, welche Gefahren das freie Eigen- t u m namentlich auch auf dem Gebiet der Verschuldung und der Zusammenziehung gehabt und wie das sogenannte freie Eigen- tum zu Abhängigkeit geführt habe entweder vom Großgrundbesitz oder vom Leihkapital. Er berief sich auf Freiherrn vom Stein und Ernst Moritz Arndt, die einst vor Freilassung des Bodens gewarnt hätten, und ebenso auf Bismarck, der schon 1879 die Ein- sührung der Erbpacht in Preußen aefordert habe, und auf Miguel, der 1890 erklärt habe:„Durch das Rentengutsgesctz wird der Fehler, den das preußische Gesetz mit Aufhebung der Erbpacht gemocht hat, wieder gutgemacht." Anzuerkennen sei das Gefühl der lln- gleichheit der Erbpächter gegenüber dem Rittergutsland. Wäre ganz Mecklenburg In Erbpacht vergeben und rechne man den Hektar im Durchschnitt nur 50 M., so würde der ganz« ordentliche Etat von Mecklenburg überreichlich gedeckt und alle Gebäude-, Gewerbe-, Einkommen- und Umsatzsteuern würden über- flüssig werden.— Dem Vortrag Damaschkes folgte eine sehr lebhafte Aussprache, die die Tagung beschloß, nachdem Entschließungen im Sinne der Referate zur Annahme gelangt waren. voraussichtlich neues Material hinsichtlich der Enthüllung der finan- ziellen Machenschaften und der ausländischen Beziehungen der auf- gedeckten monarchistischen Gruppe zutage fördern. Republikanertag in München. Antirepublikanischc Hetze des Oberland-Bundes. Alünchen, 20. April.(Eigener Drahtbericht.) Das Münchener Reichsbanner hat für den 28. und 29. Mai 1927 einen großen s ü d> bayerischen republikanischen Tag einberufen, zu dem aller Voraussicht nach eine stattliche Zahl von auswärtigen Repu- blikanern nach München kommen wird. Dieser Umstand sowie die unleugbare Tatsache des ständigen Wachsens der republikanischen Gedankens auch in der reaktionären Hochburg München lassen natür- lich die Gegner nicht mehr ruhen. Zunächst versuchen sie es mit den bewährten Mitteln, die willfährige bayerische Polizei gegen diese Kundgebmig zu mobilisieren. Mit welchen unfairen Mitteln dabei gearbeitet wird, zeigt ein Aufruf des bekannten„Oberland'- Bundes, der es für eine„ungeheuerliche Heraus- forderung" hält, daß in München am Fuße der deutschen Alpen, in denen ein fremder Feind deutsches Volt unterdrückt, eine große pazifistische Kundgebung stattfinden soll. Der Zweck dieser Hetze— ein Verbot der Reichsbannerveranstaltung durch die bayerische Re- gierung— dürfte jedoch nicht erreicht werden. * Alünchen, 20. April.(Eigener Drahtbericht.) Seit Jahren wer- den gegen den ersten Vorsitzenden des Frontkriegerbundes, den Feuer- werks-Oberleutnant a. D. Hubert Alletter, aus den Reihen der eigenen Mitglieder schwere Anschuldigungen erhoben. Man erzählte sich ganz offen, daß Alletter Mitgliedsgelder für seinen eigenen Bedarf verwendet habe. Dies führte vor zwei Jahren zur Streichung des Frontkriegerbundes. Es gelang aber Alletter, der ein I n t i m u s d e s G e n e r a l s L u d e n d o r f f ist, den Bund wieder mühsam zusammenzuflicken. Die Anschuldigungen gegen ihn scheinen sich neuerdings noch mehr verdichtet zu haben, denn am 27. April wird vor dem Landgericht München l gegen Alletter ein Prozeß wegen fortgesetzten Vergehens der Untreue und Unterschlagung verhandelt. Preußen und die Sierfteuerregelung. Das Neichsgesetz ist vorläufig rechtswirksam. Die Neichsregierung hat das Gesetz über die B i e r st e u e r- gemeinschaft veröffentlicht und es dadurch rechtswirtfam werden lassen. Die preußische Regierung wird trotzdem den ange- kündigten Einspruch vor dem Staatsgerichtshof erheben. Augen- blicklich wird dieser Einspruch im Finanzministerium ausgearbeitet. Es handelt sich darum, ob das Gesetz entgegen der Auffassung der Reichsregierung verfassungsändernd ist oder nicht. �öfle und die Girozentrale. Späte Kritik eines Direktors an der Barmat-Bank. Im weiteren Verlaus des Va rm a t p r oz esse s gab der Zeuge Direktor Max T h i e m e über die Barmats Merkurbank, bei der er beschäftigt war, eine sehr ungunstig« Schilderung. Das führte zu einem lebhaften Zusammenstoß zwischen Henry B a r m a t und dem Zeugen. Henry Barmat sprang plötzlich auf und wandte sich erregt an den Vorsitzenden:„Wie die Ausführungen des Zeugen zu bewerten sind, geht daraus hervor, daß er zwar von Juden Brot genommen hat und trotzdem gesagt hat. die Juden müssen alle raus aus Deutschland. Ich sage das nur, weil der Herr Oberstaatsanwalt vorhin gelacht hat.' Vors. (sehr scharst:„Lassen Sie doch ihre frechen Bemerkungen und sagen Sie nur das, was Sie zu sagen haben." Der Zeuge Direktor T h i e m e bekundet dann weiter, er hätte fast jeden Tag Henry B. einen«toß Wechsel und Akzepte vorlegen müssen. Bors.:„Warum haben Sie sich denn immer an die jungen Leute. Klenske und Henry Barmat, gewandt und nicht einmal an Julius Barmat direkt, um ihm klaren Wein über den Stand des Unternehmens einzuschenken?' Zeug e:„Julius B. war Autokrat und ließ sich nicht überzeugen. Man hätte sich der Gefahr ausgesetzt, von ihm sofort entlassen zu werden!' Bon Geheimrat T h l e m e von der Kurmärkischen Darlehnskasse und von deren Präsidenten, v. Winterfeldt. wurde die Darstellung von den Kreditverhand- lungen im wesentlichen bestätigt. Das Gericht griff dann noch einmal auf den 1 0- M i l l i o n e n- Kredit Barmats bei der Deutschen Girozentrale zurück. Aus den Akten stellte der Borsitzends fest, daß von der Girozentrale beispielsweise ein Betrag von 2 Millionen für den Freistaat M c ck- l e n b u r g angefordert, aber tatsächlich der Amexima gegeben worden ist. Ueber dies« Transaktionen sollen noch besondere Ber- uehmwigen ersetzen. Aus Veranlassung des Vorsitzenden schilderte dann Julius Barmat, wie die Üebernahme des Iv-Millionen-Kredits, den die Girozentrale aus eigenen Mitteln gegeben hatte, durch die Post zu- stand« gekommen sei. Direktor Müller von der Girozentrale bestritt gegenüber seiner Darstellung energisch, daß er die Anregung zur Üebernahme des Kredits durch die Post gegeben habe, während Barmat bei seiner Darstellung blieb. Henry Barmat be- kündete, daß er am 1. Oktober morgens zwischen 9 und XW Uhr mit den Briefen, in denen Dr. Höste seine Einwilligung unterschreiben sollte, in die Wohnung des Ministers gegangen sei, um die Unter- schrist zu holen, und zwar sei dies auf Veranlassung von Dr. Bern- stein geschehen. Trotz mehrfacher Vorhalte erklärte Henry Barmat, daß er bei dieser Gelegenheit gor nicht mit Dr. Höste viel gesprochen habe, der einen Teil der Briefe unterschrieben habe. Lange- Hegermann dagegen betonte, Höfle hätte es in einer Unter- redung mit ihm so dargestellt, daß Henry Barmat ihn gewissermaßen in der Wohnung mit einem Schriftstück überfallen habe. Lange-.Hezermann habe dem Minister noch Vorwürfe gemacht, und Hos lc habe gemeint, daß die Unterschrift keine feste Zu- sage auf den Kredit darstellen sollte. Henry Barmat b e- stritt aber, den Minister gewissermaßen überiallen zu haben. Der Borsitz ende bemerkt«, daß die Girozentral« mit der ersten Zusicherung des Ministers nicht eiiwerstanden gewesen sei, und daß Henry Barmat dann am 14. Oktober im Postministerium von Dr. Höste eine neue Zusicherung haben wollt«. Auch hierzu erklärte Henry Barmat, daß er nichts mit Dr. Höfle ge- sprachen habe, soirdern dem Minister nur den verschlossenen Brief mit den Schriftstücken zur Unterschrift ins Zimmer geschickt habe. Im übrigen entsinn« er sich nicht mehr genau dieses Vor- gangs. Vors.:„Haben Sie denn nicht mit Ihrem Bruder Julius darüber gesprochen und die Briefe gelesen?' Henry Barmat: „Da» ist möglich.' Vor f.:„Sie entsinnen sich doch sonst so genau, Herr Barmat. Wie oft sind Sie denn im Postministerium gewesen?" Henry Barmat:„Es ist möglich, ein- bis zweimal." Julius Barmat bemerkte hierzu, daß der Minister doch über die Kreditverhondlungen orientiert gewesen sei. Er, Barmat, sei übrigens auch in der Girozentrale gewesen und habe Direktor Müller gefragt, warum denn eigentlich der Kredit gekündigt sei. Es sei doch abgemacht worden, den Kredit der Amexima zu ver- längern, wenn die Post der Girozentrale das Geld verlänger«. Direktor Müller habe darauf gesagt:„Daß das Geld von der Post ist, sogen wir gar nicht unseren Leuten, sonst laufen sie ja alle zum Postminister und wollen Kredit." Vors.:„Vielleicht liegt hier der ganze Widerspruch, daß Sic, Herr Direktor Müller, nicht die Tat- lache offen zutage treten lassen wollten, daß der Kredit an die Amexima ging." Direktor Müller bestritt aber, die von Barmat angesührt« Aeußerung getan zu haben. In einer längeren Auseinandersetzung versuchte nun das Ge- richt, dann nochmal von Henry Barmat eine genaue Schilderung über die Zusammenkunft im Reichspostministerium mit Minister Höfle wegen der Unterschrift der Zusage zu erhalten. Landgerichts- rat R o s e m a n n:„Es ist doch eine kolossale Dreistigkeit, daß der Bote Henry Barmat mit einem verschlossenen Brief zum Minister kommt, von dessen Inhalt Barmat nichts gewußt haben will, so daß sich der Minister erst überlegen muß, um was es sich denn eigentlich handelt." Julius Barmat:„Minister Höste wußte ja über die Verhandlungen mit der Girozentral« Bescheid. Außerdem hat es ja die Girozentrale angeregt, daß wir uns an Höfle wenden sollten." Vors.:„Außerdem waren Sie doch aber mit Hösle be- freundet?" Julius Barmat:„Meine Freundschaft mit Minister Höste war nicht größer als die von Direktor Müller.' Vors.(ironisch):„Das wird sich vielleicht später herausstellen.' Die Verhandlung wurde dann auf heute vormittag vertagt. Gin Personenzug überfallen. t87 Personen erschlagen oder verbrannt. Mexiko. 20. April.(MTB.) Nach einem Berichi von Associated Preß ist gestern auf der Elsenbahnlinie zwischen Mexiko und Guadaljara bei Limon im Staate Zalisco ein Personenzug von Räubern zur Entgleisung gebracht und verbrannt worden. 170 Insasse,, des Zuges sowie die gesamte aus 17 Soldaten bestehende militärische Eskorte sind entweder von den Räubern erschlagen worden oder mit den Trümmern de» Zuges verbrannt. Associated Preß bezeichnet die Tat als eine der schlimmsten, die in Mexiko je vorgekommen sind. Mexiko. 20. April.(WTB-) Zu dem Uebersall auf einen Personenzug in Mexiko wird noch gemeldet, daß die Banditen den Zug zum Halten zwangen, indem sie die Lokomotive zur Entgleisung brachten. Sie töteten zunächst die militärische Eskorte des Zuges und schlössen dann die Passagier« in die Wagen ein, die sie mit Petroleum begossen und in Brand setzten. Wer von den Fahrgästen aus dem brennenden Zug zu flüchten versuchte, wurde niedergeschossen. Der Zug wurde von den Flammen völlig zerstört. Während die Zahl der Opfer in den ersten an die Eisenbahnbehörden in Mexiko gelangten Mel- düngen auf mehr als 180 oeranschlagt wurde, nimmt man jetzt an, daß diese Zahl unter Umständen zu hoch gegriffen ist. Es sollen sich keine Arncrilaner unter den Ermordeten befunden haben. Llm Sie �lusführungsbestimmungen. Erneuter Kampf um das ArbeitSzeitnotgesetz. Ueber die Ausftlhrungsbestunnmngen zum Arbeitszeitnot- gesetz fanden am Mittwoch im Reichsarbeitsministerhim Besprechungen mit den Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer statt. Die Vertreter der Ar- beitgeber waren auffallend stark vertreten und bestürmten unermüdlich die Vertreter des Arbeitsministeriums mit Anträgen, die darauf hinauslaufen, das Arbeitszeitnot- gefetz für die Unternehmer noch genießbarer zu machen. Das Reichsarbeitsministerium wird jetzt die endgültige Fassung der AusfüHrungsbestimnumgen formulieren. Diese gehen dann an den Reichsrat. Nach Zustimmung des Reichsrats werden die Ausführungsbestimmungen gegen Ende des Monats heraus- konimen. Das Arbeitszeitnotgesetz muh bei seiner großen Unklar- h e I t und seinen vielfachen juristischen Unmöglichkeiten heillosen Wirrwarr anrichten, wenn nicht wenigstens durch die Ausführungsbestimmungen an den strittigen Stellen einigermaßen Klarheit geschaffen wird. Finden die Wünsche der Unternehmer bei der Gestaltung der Ausführungsbestimmungen auch nur einigermaßen Berücksichtigung— und nach den Erfahrungen beim Kampf um das Arbeitszeitnotgesetz muß damit gerechnet werden—, dann wird das Arbeitszeitnotgesetz für die Arbeiterschaft gerade- zu zu einer Ungeheuerlichkeit. Der Kampf gegen diese Ungeheuerlichkeit muß dieshalb von der Arbeiterschaft mit kalt- blutiger Entschlossenheit aufgenommen werden. die Kraflörofchkenführer streiken! Die gestrigen Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium zur Vermeidung des Streiks im Berliner Kraftdrofchkengewerbe haben sich von vormittags �10 Uhr b'i abends 7 Uhr hingezogen. Der Vertreter des Reichsarbeitsministeriums machte den Unternehmern nachdrücklich den Ernst der Situation klar und war bemüht, die Parte en zu einer Verständigung zu bewegen. Die sehr zahlreich vertretenen Unternehmer jedoch ließen jedes Entgegen- kommen vermissen und behaupteten immer wieder, daß ihre Betriebe unrentabel seien, ohne dafür Beweise zu erbringen Sie mußten zugeben, daß der Lohn der Fahrer durchaus unzureichend ist und dringend einer Aufbesserung bedarf. konnten sich aber nicht dazu verstehen, eine sofortige Lohnerhöhung vorzunehmen. Die Unternehmer machten verschieden« Kompromißvor- schlüge, die von der Verhandlungskommission jedoch als völlig unannehmbar abgelehnt werden mußten. Nach diesen stundenlangen Beratungen wurden schließlich die VerHand- lungen ergebnislos abgebrochen. Die Unterhändler be- richteten über die Verhandlungen in den Versammlungen, die am Bormittag wegen der schwebenden Verhandlungen vertagt worden waren und die allein schon infolge der langen Dauer der VerHand- lungen sehr ungehalten und aufs äußerste erregt waren. In allen Versammlungen wurde fast einmütig beschlossen, als Antwort auf das Verhalten der Unternehmer sofort in den Streik zu treten und solange im Streik zu oerharren, bis die Unternehmer den ersten Schiedsspruch anerkennen, der für die Fahrer zwei Mark Garantielohn plus 25 Prozent der Bruttoeinnahme pro Tag vorsah. Ain Schlüsse der Versammlungen meldeten sich bei der Organisation eine Anzahl Unternehmer, die sich unierschriftlich bereit erklärten, diese Forderung anzuerkennen. Es ist zu erwarten, daß der Streit mit einem vollen Erfolg beendet werden wird, wenn die Fahrer die Einmütigkeit weiterhin zeigen werden, die sie gestern durch ihre Beteiligung an der Protestdemonstration zur Schau trugen. Die Funktionäre kommen heute, Donnerstag, vormittag 10 Uhr, im Gewertschaftshaus zu einer Besprechung zusammen, in der u. a. auch die Streikleitung zu wählen ist. Zu dieser Zusammenkunft muß jeder Betrieb mindestens einen Funktionär entsenden. die verhanülungen für Sie Reichsarbeiter erfolglos. Aussprache mit dem Finanzminisier. Bei den Verhandlungen für die Reichsarbeiter, die gestern, Mittwoch, im Reichsfinanzministerium weitergeführt worden waren. ist wiederum kein Ergebnis erzielt worden. Der Vorschlag, der den Organisationen vom Reichssinanzministerium vorgelegt wurde, war überhaupt nicht geeignet, irgendwie die Verhandlungen zu fördern. Die Vertreter der Organisationen erklärten da- her, daß sie die Verhandlungen als gescheitert be- trachten und unterbreiteten den Regierungsvertretern den An- trag, daß nunmehr baldigst eine Aussprache mit dem Finanzminister selber stattfinde. Diese Aussprach« soll, wie wir hören, vermutlich am kommenden Freitag erfolgen. Die Sefoiüungsfraae üer Seamten. Kundgebung des ADV. Der erweitert« Vorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes hat sich mit der durch die Ablehnung aller Besoldungsanträge im Reichstag geschaffenen Lage befaßt. Er stellt fest, daß die Beamtenschaft kein Verständnis mehr dafür hat, daß Regierung und Reichstagsmehrheit sie ständig unter Anerkennung"ihrer Notlage mit dem Hinweis auf eine kommende Besoldungsreform vertrösten, jeden Dorschlag zu einer auch nur bescheidenen Erhöhung- ihrer Bezüge aber stets ablehnen. Die vom Reichsfinanzminister bekannt- gegebenen Steuereingäng« des abgelaufenen Etatsjahres mit einem Mehrertrag von einer halben Milliarde Mark gegenüber dem Vor- anschlag beweisen erneut, daß Möglichkeiten zu Hilfs- mohnahmen sehr wohl vorhanden sind. Der Bundesvorstand erwartet daher, daß sich der Reichstag nach seinem Wiederzusammentritt im Mai neuer- dings mit der Besoldungsfrage befaßt. Er fordert, unbeschadet der für dos Ends des Jahres in Aussicht genommenen Reform des Besoldungswesens, die alsbaldige Erhöhung der Gehälter für die Beamten in den unteren und mittleren Gruppen rückwirkend ab 1. April. Die seit langem anhaltende Preissteigerung gerade der Massenbedarfsartikel hat die Not und Verschuldung der genannten Veamtengruppen bis zu einem Grade erhöht, der es unmöglich macht, eine Gehaltsaufbesserung bis zum Jahresende zu verweigern. Noch keine Lohnregelung im öaugewerbe. Die Berliner Bauunternehmer verschleppen sie. Trotzdem alle Teilnehmer an den Verhandlungen sich bereit erklärt hatten, für die Vereinbarung vom 6. April einzutreten, um— wie ausdrücklich festgestellt wurde— eine schnelle Erledigung der strittigen Lohnfrage herbeizuführen, brachten die Bauunternehmer es fertig, diese Vereinbarung abzulehnen. Es kam zu dem Spruch de» Tarifamt« am 13. April, den sowohl der Arbeitgeberverband des Betonbaugewerbes wie der des Tiefbaugewerbes ablehnte. Aber auch der Verband der Bau- geschäfte konnte sich nicht zu einer klaren Entscheidung auffchwingen. Die den Spruch ablehnenden Verbände haben jetzt das Haupt- tarifamt zur Entscheidung angerufen. Das bedeutet praktisch eine Verschleppung der Entscheidung über die Lohn- frage bis zum 25. April, an welchem Tage das Haupttarifamt zu- fammentritt. Daß nach der Vereinbarung der Verhandlungs- kommission der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vom 6. April und dem fast gleichlautenden Spruch des Takifamts vom 13. April das Haupt- tarifamt einen anderen Spruch fällen würde, wird doch wohl von den Unternehmern selber nicht erwartet. Der Zweck der Uebung kann nur sein, die Angelegenheit aus durchsichtigen Gründen zu verschleppen. Das Verhalten der Unternehmer zeigt, wie wenig die Oeffent- lichkeit auf die Redensarten der Unternehmer vom„reibungslosen Arbeiten" als erstem Erfordernis für die Förderung der Bautätigkeit geben kann. Das Haupttarifamt sollte bei seiner Entscheidung dieses Verhalten besonders würdigen. Selbstverständlich haben d i e Berliner Bauhüttenbetriebe die durch den Spruch fest- gesetzte Lohnregelung in ihren Betrieben beachtet. Auch einige andere einsichtsvoll« Unternehmer haben den erhöhten Lohn bereits ab ö. April ausgezahlt. Auch diese Tatsache wirst em bezeichnendes Licht auf die reaktionäre Haltung der Einspruch erhebenden Arbeitgeberverbände. Der Lohnkampf in Norwegen. vorläufige Einigung in der Papicrinduslrie. Oslo, 2l>. April.(Eigener Drahtbericht.) Die norwegische Papier- industrie, in der zum Mittwoch nach Ostern eine Aussperrung angekündigt war, wird vorläufig weiter arbeiten. Arbeit- nehmer und Arbeitgeber haben einem provisorischen Tarif zu- gestimmt, der eine Lohnherabsetzung von S P r o z. bringt, und im übrigen die Bestimmungen des alten Tarifs aufrechterhält. Nach diesem neuen Tarif soll so lange gearbeitet werden, bis die in den nächsten Tagen beginnenden Verhandlungen zu einer end- gültigen Einigung geführt haben. Da die norwegisch« Papierindustrie eine der Haupt- exportindustrien des Landes ist, würde ein Konflikt eine Bedrohung der eben stabilisierten Valuta bedeutet haben. Deutscher vaugewerksbuud. Fachgruppe der Töpfer. Heute, Douneretaa, 6 Uhr, Ltreiluerlammlung im grußeu Saal de» Semerk- sch-stshäuscs. Di« Sontra lle slndet heute uoch iu den Bezirte» statt, gur Versammlung haben nur Baugeweriabuudmitglieder Zutritt. Di« Streltlertuug. Freie Sewerkschastajugeud. Heute, Donnerstag, 7% Uhr, tagen die Gruppen: itöpenick: Gruppenheim Zugendheim Grünauer Str. 5. Distuslions- abend:„Was wir Ostern erlebten."— Frantfurtcr Allee und Landsbcrgcr Platz: Jugendheim Litauer Str. lS, Zimmer S. Ausspracheabend:„Unser Oftertrenen."— Lichtenberg: Sruppenhcim Jugendheim Parkau« 10. Lied, Spiel, Tan,.— Tempelhaf: Gruppcnheim Lpzcum Germaniastr. 4/S.„Hohn- stein". Erinnerungen.— Siidostea; Gruppenhcim Zieichenberger Str. 66(Feuer. wehrhaus). Erlebnisse der Ostcrsahrt.— Moabit: Gruppenheim Städtisches Jugendheim Bremer Ecke Wiclesstratze. Unser Ostcrkresfrn.— Gesundbrunnen: Gruppcnheim Eothenburger Straße(Bote Schule). Ernste und heiter« Berichte von unserem Zugendlreffen.— Wedding I: Jugendheim Turlner Ecke Seestraße. Bortrag:„Ethik und Moral."— Rordring: Mädchenadend.— Zeppclinplatz: Jugendheim Turiner Ecke Seestraße. Sächsische Fröhlichkeit. Maler. Funktionärkouferenz aller im Baugewerbe beschäftigten Kollegen morgen, Freitag, 7',4 Uhr, im Gewerkschaftshaus Engelufer 24i25, Saal 5. Bericht und Stellungnahme ,u den Lohnperhandlungen. Diskussion und Ber- schieden«». Der Borstaad. Verantwortlich für Politik: Biet»» Schiss: Wirtschaft: G. Klingelhöser: Gcwerlschailsbeweguna: Friede,«tzkorn: Feuilleton: it. K. Dilcher: Lokales und Sonstiges: Fritz Karftädt; An, eigen: Th. Glocke: sämtlich in'Berlin Verlag: Borwärts-Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singe» u Co.. Berlin SW 66. Lindenstraße 3. Hierzu! Beilaoe»»ad..Uuterbaltuna»ad Wistcn-. WERTHEIM Leipziger Str.(Vereend-AbL) Könlgetr. Roeentbaler Str. Moritzplatz Donnerstag, 21., bis Sonnabend, 23. April, ab 3 Uhr: In allen 4 Geschäften 'JtäffMijfHdtt' EiniiUt für Kinder nur In Begleitung Erwachsener Damen' Kleider imprSgn. Henenstoff 29m mit Rücken- So tiel hellfarbiger Rips 3 geheuerliche Empfind'ichkeit des narvus manckibulnris mit bewegten Worten ans Herz legte. daß ich drittens, nachdem ich den zitternden Stepka auf meinen Armen zu seinem Betle getragen hatte, mich lebhaft danach sehnte, wieder wie einst Rekruten auszubilden, um damit gegen den Fonschritt der Menschheit im allgemeinen und in der Wissenschaft im besonderen zu fechten. Was aber Stepka anbelangt, so ist kurz zu sagen, daß er von dieler Stund« an ein boshaftes, zynisches, heimtückisches Geschöpf geworden war, in dessen Augen ich manchmal so etwas wie die Hölle zu sehen glaubte. Ich aber, meine Lieben, hatte das Bedürfnis, diese Geschichte des armen Stepka dem vorauszuschicken, was ich über die Erlebnisse eines gequälten kleinen Menschenkindes noch zu sagen habe. Das Haus, in dem d«r aus dem Dienste der Stadt New Bork in den von Buenos Aires übernommene Konstabler James Braxton das ohnmächtige kleine Frauenzimmer ab- geliefert hat, ist nicht das offizielle Seemannsasyl, das bekanntlich weiter nördlich vom Eingang der Call« da Nina- davia in die Allstadt Legt. Das Haus, in dem die kleine Sif am Nachmittage des folgenden Tages erwacht, ist ebenfalls ein Asyl... oh, ich habe gegen die Ehrenhaftigkeit des Hauses absolut nichts einzuwenden. Es ist ein von der sonst sicher untadeligen und auf viele gute Taten zurückblickenden„Gonkedortttion ok pood works" unterhaltenes Haus. Und es hat eben nur an den ungünstigen persönlichen Konstellationen gelegen, wenn die Beglückungsversuche dieses Hauses im vorliegenden Falle auf ungünstigen Boden gefallen sind. Item: die kleine Sif erwacht noch abgrundtiefem, ihrer unsäglichen Erschöpfung entsprechendem Schlaf am nächsten Tage. Der Raum, in dem sich das vollzieht, ist ein weiß- getünchtes Zimmer mit vergitterten, auf den Hafenkai schauenden Fenstern und einer Photographie der Mosesstatue des Michelangelo als einzigen Schmuck an den Wänden. Die akustischen Phänomene, wie sie nach diesem übrigens nicht vollkommenen Erwachen verzeichnet werden, bestehen in Schreien, in Lachen, dem Singsang von Weiberstimmen, wie sie mehr auf die Isola Maciel, als in ein solches Haus ge» hören. Dann zerschellt draußen auf der Treppe ein Stoß von Porzeltanaeschirr, dann kann man energische Mißfallensäuße» rungen, Weinen, das Maulen einer Weiberstimme hören. Dann hackt jemand unten auf dem Klavier im Dreivierteltakt die Beethoven-E-Moll-Sinlonie herunter, dann erfindet das verblödete Hirn dazu einen eigenen Idiokentert: Was ich nicht weiß, was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, macht mich nicht heiß.... Bis aus Weinen, Schreien, Harmoniumspiel, Beethoven und dem Gedröhn der Lastwagen draußen ein akustischer Sumpf wird, in dem man in seiner großen Erschöpfung tief, tief versinkt. Nach dem Sonnenkringel zu urteilen, der auf Bater Moses' Hörnern spiell, ist es nun doch schon später Nach» mittag, als sie aufgerüttelt wird. Sie erwacht, sieht vor ihrem Bett ein waschleinenes ältliches Frauenzimmer mit weißen Haaren. Pferdegebiß und einer Stimme, die zum akustischen Bestandteil des Jüngsten Gerichts gehören könnte. ..Ins Bad!" Da ein Protest gegen diese Stimme überhaupt nicht möglich scheint, so steht die kleine Sif auf, erhält einen bleuen Mantel, zu dem nur der Strick fehlte, um sie zu jener» ncit Regelmäßigkeit als Delbrück in zahnärztlichen Wartezimmern anzutreffenden büßenden Magdalena zu machen, wozu ihr blondes Haar und das schon mehrfach erwähnte süße Gesicht allerlei bellragea könnte». (Fortsetzung folgt.) Vie Geliebte ües Kommerzkenrats. Gine Mlinchctter ErPress craffire in Berlin. „Do» Schicksal der Angeklagten ist da» einer abenteuerlich ge» sinnten Dame, die erst durch ihre Reize Geld verdiente und dann an ihren früheren Liebhaber mit Geldansprüchen herantritt." Mit diesen Worten charakterisierte der Staatsannxilt die wegen versuchter und vollendeter Erpressung angeklagte Frau M. Die seht schon stark angejahrte Frau hatte einst in Berlin einen Modesalon und lernte hier im Jahre 1914 einen angesehenen Mllnchener Kommerzienrat kennen, mit dem sie einige Jahre ein Verhältnis unterhielt. Nachdem die Beziehungen gelost waren, verkaufte Frau M. ihr Geschäft und ihre Wohnungseinrich- tung, da sie dem Spiel mit Leib und Seele oerfallen war. Als das Geld verspielt war. wandte sie sich an ihren ehemaligen Freund um chilse, die ihr auch mehrfach gewährt wurde. Eines Tages erschien sie in München, um größere Geldbeträge aus ihrem Opfer heraus- zulocken. Da der Kommerzienrat Furcht vor seiner Ehe- trau hatte, traf er durch einen Rechtsanwalt im Jahre 1919 ein Abkommen mit der Erpresserin und zahlte ihr öOOV Mark, wobei aber ausdrücklich von ihr anerkannt wurde, daß sie keinerlei rechtliche Ansprüch« gehabt habe. Der Kommerzienrat hatte aber vergeblich auf Ruhe gehofft, denn auch diese Summe war bald in den fänden der Spielerin zerronnen. Im Jahre 192S begann sie mit dem Kommerzienrat eine Korrespondenz und drohte mit einem Skandal. Sie berief sich auf die Beziehungen zu Di- p l o m a t e n und Kommuni st en und drohte auch, den Kom- merzienrat bloßzustellen. Roch schlimmer wurde ihr Vorgehen, als sie sich an die Ehefrau des Kommerzienrats wandte und drohte, durch die Enthüllung„der Schandtaten des Vaters" die bevorstehende Ehe der Tochter zu stören. Nachdem der Kommerzienrat aus diese Weise jahrelang gepeinigt worden war, rief er endlich den Schutz der Ge- richte gegen diese dauernden Erpressungsoersuche an. Zu ihrer Der- teldigung behauptete die Angeklagte, daß sie mit Recht Ansprüch« an den Kommerzienrat gehabt habe. Er habe sie um ihre Existenzaebracht, denn er habe verlangt, daß sie ihr Berliner Geschäft verkaufe, da er sie dauernd bei sich in München haben wollte. Das Gericht hielt alle Behauptungen der Angeklagten für unbewiesen. Es wurde ihr aller ihre Notlage zugute gerechnet und nur auf drei Monate Gefängnis erkannt. Um ihr Opfer zu schützen, wurde der Angeklagten eine dreijährige Bewährungsfrist gegeben, jedoch wurde ihr die Bedingung auferlegt, von weiteren Verfolgungen ihres Opfers abzulosien. Gegen üen Sauftoffwucher. Eine Verlautbarung des Magistrats. Der M a g i st r a t hat, wie das städtische Nachrichlenamt mit- teilt, sich in seiner gestrigen Sitzung mit den P r e i s st e I g e- runhen aus dem Berliner Laustofsmarkt beschäsligt und einmütig der Meinung Ausdruck gegeben, daß die dem Berliner Baumarkt zuzuführenden öffentlichen Mittel nicht dazu d a sind, den Boustofserzeugern und Baustofshändlern zusätzlich« Konjunkturgewinne zuzuführen. Di« städtischen Korper- schaften hoben für da, Baujahr 19L? besonder« Mittel zur Der- fügung gestellt, um den Arbeitsmorkt zu beleben, den Wohnung». losen Wohnraum zu beschassen und den dringendsten Bedarf an Verkehrsgelegenhelten, Schulräumen und Krankenhäusern zu decken. Da der Magistrat in den gegenwärtig oerlon«en Baustofspreisen bereits eine Uebersteigerung feststellen muß. hat er den Bau- kommissar der Stadt Verlin beoollmächttgt, dringend« Dorftellungen bei der Reicks» und Staatsregierung zu erheben und von sich au» lrfort Verhandlungen auf Senkung der Preise mit den zuständigen Organisationen der Baustofferzeuger, der Daustosf- Händler, den Lauunternehmern und den Vertretern der Gewerkschaf- ten einzuleiten. Sollten diese Verhandlungen nicht zu einem be- friedigendem Ergebnis führen, so wird sich der Magistrat genötigt sehen, weitergehende Maßnahmen zu ergreifen und auch nicht davor zurückzuschrecken, diejenigen Betriebe und Unternehmungen, die an den übersetzten Preisen festhalten, von jeder direkten und Indirekten Auftragserteilung für die nächsten drei Jahr« auszuschließen. Zestwochen in Wien. Wien Hot recht schwere Zeiten hinter sich, an deren Folgen es immer noch arg zu knabbern hat: trotzdem aber behauptet es siegreich seinen Platz als alte lhilturftadt und hält auch mit der Neuzeit und ihren Verbesserungen und Vervollkommnungen auf den verschiedensten Gebieten wacker Schritt Nun rüstet e» zu einer Veranstaltung, die all seinen Freunden ein Bild des Schaffens auf künstlerischem und sportlichem Gebiet geben soll, ein Rückblick auf das alte lieb« Wien mit seiner unvergänglichen kulturellen und rein menschlichen Bedeuwng. Mit seinen großen M e i st e r n de r M u s i k, mit seinen Stätten v o l k» t ü m lichen Frohsinns, seiner schönen Umgebung, kurz das Wien von einst übergehend auf die jetzige Zeit und ihre Anforderungen. Ein ungeheueres Aufgebot musikalischer Dar- bietungen harrt der Gäste. Ein Zyklus von Mozart bis Richard Strauß gelangt im Opernhaus zur Aufführung, ferner m» Reihe großer Sinsomekonzerte, darunter die Ausführung der Beethooenschen IX. in der Beethoven.Stadt Baden bei Wien. Im Mesiepalast und dm Museen sind Kunstausstellungen, rm Burgthcater klassische und moderne Aufführungen und die be- rühmte Wiener Operette fehlt selbstverständlich auch nicht. Aus sportlichem Gebiet werden Kämpse aller Sportarten zwischen Inter- nationalen Gegnern ausgetragen, ebenso finden pferdesportliche Beranstattungen statt. Di« ganze Wiener Bevölkerung soll werbend für ihr Heimatfest ,n der Weise wirken, daß jeder Fremd« oder Besuch der Ausstellung einladet, zu welchem Zwecke !.-�'�",�rem'n°.rk.hr.kommission»inen propagandistischen B-i der gestern in der Ö ftVr- her etil? i' � Q.!tt stattgefunden«» Vorbesprechung � a f � begrüßte der österreichische Ge- ä" v0" t$'1 Anwesenden, dann teilte der Sekretär der E Wiener Fremdenverkehrskommission. Kurt»ronfeld. das Fest. «nrfl™ lu®trlinern den Mund wässerig. DI- 1 3uni) nehmen mit einer Sängerfeler von �'"fcn J,Drt � s'stl'ch erleuchteten Wimer Nachaus um Abend des 4. Juni ihren Anfang. DaS Loch am Kaiser-Frauz.Josef.Plah. � nichtamtlicher Stelle wurde die Melduno verbreitet, daß stch am Kaiser-Franz-IosepH-Platz. an der Neuen Wache, der Fa h r- dämm gesenkt habe und ein über zwei Meter langes, ein Meter dr«ttes u«d«in Meter tiefes Loch entstanden sei. Als Ursache für die Erdsenkung wurde vermutet, daß der Bruch des Fabrdammc» durch eine Grundwassersenkung aus Anlaß de» Opemdaus- umbaue, entstanden sei. Das Bezirksamt Mitte, in dessen Bereich die Unfallstell« liegt, hat eine eingehende Besichti- 5.1115-» ffX1' Nachprüfung vorgenommen und hierbei fol- aendes sestgestellt: Dekanntlach zog sich in früherer Zeit quer über die Straße Unter dm Linden der sogenannte Festungs- ftl» JLI.' Graben wurde später überwölbt und die Straße » � X£ �rubergeführt. Diese- Gewölb» besteht noch An der Einbruchsstelle ist später einmal ein Wasserrohr ver- legt und da» G?wolbe an dieser Stelle durch einen Schlitz geöffnet worden. Di« bei dieser Gelegenheit entstandene Oeffnung des alten Graben» wurde mit Erde zugeschüttet, die jetzt seitlich abgesackt zu sein scheint. So konnte ein Nachgeben und Einbrechen de, Ajvhalt- Pflaster»»rfolgen. Die Angaben über die Größe treffen qleichfalls Nicht zt-. Nach genauen Feststellungen Handell es sich um ein L o ch 55�. Zentimeter Länge, 40 Zentimeter Breite und oo igentuneter Tiefe. Es handelt sich um eine, wenn auch bedauer- l,che, aber unvermeidliche rein lokale Erscheinung. Das Bezirksamt Unerfreuliches vom„Wochenende"! Wir veröffentlichen im solgenden einige Zuschriften, die sich aus die WochcnendanSllellung beziehen. Sie laffen gerade aus der in ibnen enihailencn Kritik das grotze LMereiie der Berliner Bcvölteiung an dieser größten MesseveranstaUung de» Jahre« erlennen. Die Wochenendausstellung soll dem Gedankm eines frohen. gesunden und billigen Wochenendes dienm. Wie verhall es sich hierzu, wenn von d«r Leitung der unerhörte Eintrittspreis von 1,50 M. gefordert wird? Zehntausende mußten vor dm Toren der Ausstellung an den Ostertagen wieder kebrt machen. Ein Arbeiter mit seiner Familie, zusammen vier Personen, sagte mit Recht, er könnte doch nicht einen ganzen Tagelohn allein für den Eintrittspreis bezahlen. Die Inhaber der Pensionen, Gast- und Logierhäuser in den Ausflugsorten vor den Toren Berlins werden mit Recht seit dem Auflauchen des Wochenendgedankens an äußerste Herabsetzung der Preise für Ueber- nachtung und Bewirtung für Wochenendl«r gemahnt. Müssen sie nicht, wenn sie die Ausstellung besuchen, zu ähnlichen hohm Preisen wie hier ermuntett werden? Dem Eintrittspreise entsprachm am 1. Ostersonntag die Extra preise. Die Beförderung zur Aus- sichtspiattfornl des Funkturms kostet« früher, als der Funkturm noch nicht in die Ausstellung mit einbezogen war. 50 Pf. Jetzt werden n«ue Billetts mit stark erhöhten Preism ausgegeben. während man für di« alten öO.Pf.-Billetts, auf denen noch die Be- rechtigung für die Fahrt aus die Plattsorm verzeichnet war, gnädig. lich zu Fuß di« 70 Meter hohen Treppen zum Besuch des Funk- turmrestaurants erklettern darf. Auch für alle sonstigen Bedürfnisse werdm doppelte Preise gefordert, z. B. in den Restaurants für Bier und Speism. Ja selbst die Toilettenfrau des Funk- restaurant« nahm an den Ostertagm 20 Pf. und hatte bei dem großen Ansturm etwa 150 bis 200 M Tageskasse, also annähernd das Wochengehalt eines Ministers. Für di« Auskunster- teilung war niemand da. man mußte sich den Führer zum Preise von 1 M. kaufm. Angesichts dieses Verhaltens der Aus- stellungsleitung muß man doch einmal nach den Unkosten einer solchen Beranstaltung fragen. Den Hauptteil des belehrenden. wissenschaftlichen und unterhaltenden Materials liesert« kostenlos die Stadt Berlin aus ihren Sammlungen. Schulen und statistischen Aemtern. den Restanteil trogen die ausstellenden Firmen, die ge- wiß auch noch hohe Platzmiete zahlen müssen. Ist eine solche Be- Wucherung des sbeuerzahlenden Berliners, der selbst den Aus- stellungsinhalt durch seine städtischen Aemter hergibt, erlaubt? Könnte die Stadt sich nicht in Zukunst vor Beteiligung an solchen Ausstellungen Garantien bezüglich der Preise geben lassen? Wo- hin fließen die ungeheuren(mehrere 100 000 M. allein an den beiden Ostertagen) Einnahmen? Dr. L. Saboteure öes Vocheneuües. Während in Berlin unter Mitwirkung von Behörden und Presse Propaganda für den Wochenendgedanken gemacht wird und zurzeit zur Förderung dieser Idee eine Ausstellung ausgebaut worden ist, wird in Gegenden, die für das Wochenende in Frage kämen, diese Bewegung von den DeHörden geradezu sabotiert. Als Beweis diene Ihnen folgendes: Ich besitze X Wegstunde von Phöbens, d. Hovel entfernt ein etwa ÄO Quadratmeter großes Pachtland Ich beabsichtige dort ein kleines Holzhaus, Größe<5X3, bauen zu lassen(ohne Fundamente). Als ich dem Amtsvorsteher zu Phöben mein Baugesuch übergab, wurde mir gleich bedeutet, daß dem Antrage wohl nicht stattgegeben werden würde, da in nächster Zeit vom Landrat(oder Regierungspräsidenten) ein Wohn- laubenoerbot für Ferch, Werder. Phöben usw. er- lassen werdm würde! Als ich nach dem Grunde des Derbotes fragte, wurde mir gesagt, Phöben hätte doch.wahrscheinlich mal"(!) eine Zukunst als Villenort und da würden später diese Holzbuden unschön wirken! Bemerken möchte ich noch, daß bereits unmittelbar bei dem Dorf viele sogenannte Anglerbuden stehen und gerade jetzt auf dem Höhenzug eine neue Anglerkoloni« entsteht. P. K. Vochenenünepp l Das jedem Berliner als„Reppkow" bekannte Buckow in der Märkischen Schweiz hat einen neuen Plan ersonnen, die erholungs- durstigen Besucher zu neppen. So beschließen die weisen Stadtväter von Buckow, daß die Erhebung einer Kurtaxe vom 3. Tage des Besuches ab, jetzt dahin erweitert werden soll, daß von jedem Be- sucher, der sich nur«inen Tag bzw. Nacht im Orte aufhält, eine Kurtaxe zu entrichten ist. Zwar bedarf dieser Beschluß noch der Zustimmung des Reglerungsprästdenten, doch muß jetzt schon mit aller Entschiedenheit gegen diese tolle Zumutung protestiert werden. Traf die Kurtaxe bisher»n der Hauptsache solche Leute, di« sie zahlen konnten, so bedeutet dieser Beschluß, wenn er rechts- kräftig wird, in erster Linie eine Belastung der wandern- den Jugend, denn die am Orte befindliche Jugend- Herberge soll von der Kurtaxe nicht befreit werden. Betrögt der hier zur Erhebung gelangende Betrag auch nur 0,15 M. pro Tag. so ist dennoch zu fordern, daß diesem Unfug ein Strich durch die Rechnung gemacht wird. E. K. hat alsbald erwogen, ob es nicht zweckmäßig ist, die ganze Graben- Überwölbung zu beseitigen und den ehemaligm Graben ordnungs- mäßig zu verfüllen. Der Schaden an der Unfallstelle wird in wenigen Tagen befestigt sein. Weil der Mann nicht heimkam. Die 35 Jahre alte Ehefrau des Monteurs M. au« der Oldm- burger Str. 34 ist mit ihrer Tochter in den Tod gegangen. Die Frau war nervenkrank und die Eh« war wohl etwas getrübt. In der Nacht zu Dienstag kam M., der am Sckissbauerdamm eine Werkstatt betreibt, nicht nach Hause. Er schlief in der Wohnung seiner Mütter. Di« ausgeregt« Frau aber mochte darüber wohl ander« Gedanken gehabt haben und beschloß, mit ihrer 12 Jahre alten Tochter Hildegard an- dem Leben zu scheiden. Gestern mittag wurden Hausgenossen durch einen starken Gasgeruch auf die tm 4. Stock de« Seitenflügels gelegene Wohnung aufmerksam und de- nachrichtigten das 24. Revier und die Feuerwehr. Manchffnet« mit Gewalt und fand Mutter und Tochter bei geöffneten Gashähnen im Schlafzimmer tot in den Betten liegen. Ein Arzr stellt« fest, daß der Tod schon einige Stunden vorher eingetreten sein mußt«. In einem Schreiben hinterließ die Frau, daß sie mit ihrer Tochter freiwillig in den Tod gegangen sei. Die Leichen wurden, nachdem der Ehemann von seiner Arbeitsstelle herbeigerufen worden war. beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Das Brandenburger Tor demnächst fertig. Die Wiederherftellungsarbciten am Brandenburger Tor. die mehrere Monate in Anspruch genommen haben, nähern sich.setzt merklich ihrem End«. Sowohl die Arbeiten an der Bronze- q u a d r I g a, die ein neues Bronzegerüst im Innern erhasten hat, wie auch die Steiirmetzarbeiten an den Gesimsen, wo die stftad- Haft gewordenen großen Steinblöck« zu einem beträchtlichen Tell durch neue Platten ersetzt werden mußten, sind jetzt vollendet. In den letzten Tagen ist man bereits daran gegangen, dl« großen stabilen Rüstungen, die das Bauwerl völlig mnkleideten, abzumontieren, so daß jetzt schon dos wiederhergestellte Hauptgestm» und die Reliefs, die auch einer Auffrischung und Reparatur unterzogen worden sind, wieder sichtbar sind. Die reno» vierten Teile des historischen Gebäudes heben sich schon durch Ihre hellere Färbung ganz beträchtlich von dem verrußten unteren Teil« der Säulen und den beiden Torgebäuden ab, und man will es äugen- scheinlich den Witterungseinslüssen überlassen, hier«inen Ausgleich zu schaffen. Da an den Säulen selbst und den Toreingängen keine allzu langwierigen Ausbesserungsarbeiten notwendig sind, dürft« die Renovierung des Brandenburger Tore« in Bälde zu End« geführt sein und damit auch die Derklcidung völlig beseitigt werden. Sonderzug zur Baumblüte nach Guben. Am kommenden Sonntag, dem 24. April, wird dl« Reich». bahndirektion Berlin bei ausreichender Beteiligung einen Sonderzug zu ermäßigten Fahrpreisen nach Guben verkehren lassen. Der Zug fährt ab Charlottenburg 6.22 morgens, ab Bahnhof Zoo 6.29, ab Dahnhof Friedrichstraße 6.42, ab Bahnhos Alexanderplotz 6.50, ab Schlesischer Bahnhof 7.00 und trifft in Guben 9.28 ein. Die Rückfahrt erfolgt nach genau 12stündlgem Aufent- halt um 9.28 abends. Der Zug trifft wieder ein in Berlin, Schle- sischer Bahnhos 12.17 nachts, Bahnhof Alexanderplatz 12.22, Bahn. Hof Frledrlchltmßc 12.33, Bahnhof Zoo 12.45 und Bahnhos Char- lottenburxi 12.52. Di« ermäßigten Fahrpreis« betrogen für di« Hin- und Rückfahrt in der 2. Klasse 11,60 M.. in der 3. Klasse 7,80 M. und in der 4. Klosse 5,90 Mk. Der Fchrkartenverkouf beginnt am Donnerstag nachmittag ausschließlich bei der Fahrkartenausgabe des Bahnhofs Friedrichstroße. SlahlhelmenttSuschungen über Potsdam. Im Programm de» Stahlhelmtages war ein Ausflug nach Potsdam am 9. Mai vorgesehen. 20 000 Stahlhelmer wollten ein gesellige» Beisammensein auf dem Potsdamer Luftschifshasen arrangieren, nachdem vorher da» Essen der Stadt Potsdam ein- genommen war. Aber aus diesem Programm wird nicht». Erstens hat di« Stadt Potsdam da» geplante Essen abgeblasen und zweitens bekommen die Stahlhelmer nickt den Potsdamer L u s t s ch i f f h a f e n zur Verfügung. Nun wollten si« auf das Bornstedter Feld. Aber aucy dieses wird ihnen nicht bereitgestellt. Eine Berlinerin im Riesenaebirge abgestürzt. Eine Berliner Aerztin glitt, wie au» Breslau ge- meldet wird, auf dem Zlckzackweg des Koppenkegels au» und riß dabei einen neben ihr stehenden sechzehnjährjaen Schüler mit. Beide stürzten auf der schrägen Felswand etwa 50 0 Meter tief in den Melzergrund ab. Nur mit vieler Müh« konnten sie ge- rettet� werden. Während die Aerztin mit unbedeutenden Hautabschürfungen davonkam, hat der Schüler neben einem Beckenbruch schwere Verletzungen erlitten, die seine sofortig« Ueberiühnmg In das nächste Krankenhau» notwendig machten. Ein liebenswürdiger Ehemann. Vor dem erweiterten Schöffengericht Neukölln hatte stch gestern der Sandblöser P. aus der Münchener Str. 17 wegen schwerer Körperverletzung zu verantworten. Die Verhandlung, die einen traurigen Einblick in zerrüttete Eheoerhältntsse bot. ergab folgendes Bild: Am 8. Januar kehrte der Angeklagte gegen 4 Uhr nachts in betrunkenem Zustand von einer 5tneiptour zurück und befahl seiner bereits schlafenden Ehefrau, sofort aufzustehen und beiden Nachbare- leuten Kaffee zu kochen. Um allen Streit aus dem Wege zu gehen. tat dies die Ehefrau, und als die Eheleute gegen 6 Uhr wieder in ihre Wohnung zurückkehrten, mußte die Ehefrau ihre Bereitwillig- keil schwer büßen. Ihr« Bitte an den Mann, sich jetzt wenigstens zur Ruhe zu begeben, war der Grund zu einer schweren Ausein- andersetzung, tn deren Verlauf der Angeklagte seine schwächlich« Chesrau mit Händen und Füßen und einem Feuer» haken derart mißhandelte, so daß sich ein« sofortige Ueber- führung in-in Krankenhaus als notwendig erwies. Hier wurden dann Wunden von 5— 7 Zentimeter Länge, Quetschungen und Blut-- «rgllsse von der Größe eines Stiefels. Knochenbrüch«. Sehnenrisse usw. festgestellt. Der Angeklagte, der im wesentlichen den Tatbestand zugab, entschuldigte sein Verholten mit seiner Nervenkrankheit und versuchte, die Schuld seiner Frau in die Schuhe zu schieben. Der Staatsanwalt, der tn scharfen Worten da» bestialische Verholten Verhalten de, Angeklagte,! mißbilligt«, beantragte eine Gefängnis- strafe von 1 Jahr und sofortige Hoftllbersührüng. Da» Gericht gab diesem Antrag statt und erkannte aus die bean- tragt« Strafe. Da Fluchtverdacht vorlag, wurde der Angeklagt« so- fort verhastet. Vor dem Abschsnß des Basdorfer Prozesses. Nachdem gestern noch die Angeklagten da» letzte Wort erhalten hatten, setzte Amtsgerichtsrat Burckert die Urteilsverkündung der Basdorfer Siedlungsskandalaffär« auf Mittwoch, den 2 7. April, fest. Dom Staatsanwalt war gegen die angeNogten Direktoren der Vasdorfer Bodengesellschast Marx und llieiß je neun Monate Gefängnis beantragt worden. Das F rlehrich-Eberl-Heirn, wie die Sozialistische Ar- beiterjugend zum Andenken an den verstarb«»«» Reichspräsidenten Ihr Reichsferienheim nennt, ist als schmuckes Modell feit gestern im Schaufenster derGeschäsls,'teile des Bücher. k r e i f e s, Lelle-AUianoe-Platz 6, ausgestellt. Das Modell zeigt die Gebäude und den Park des Heim» und vermittelt dem Beschauer einen ausgezeichneten Eindruck von dem schönen Anwesen, Her» steller des Modells ist ein Mitglied der Sozialistischen Ardeiter- jugend, der junge Modelltischler Hans Eberling, Weimar. Eberling hat da» Modell während seiner Erwerbslosigkeit aneeferttgt und dein Verband der Sozialistischen Arbeiterjugend zum Geschenk gemacht. Wohnungen für Studenten. E« liegen zum neuen Semester so viele Gesuche um Freiwohnungen von bedürftigen Studierenden bei un» vor, daß das Akademische Wohnungsamt sich wiederum veron- laßt steht, an die Berliner Einwohnerschaft die herzi ehe Bitte zu richten, un» für diese Studenten unentgeltliche Zimmer, solche mit Gegenleistung oder ganz b i l l i g e Z i m m e r zu 15 und 20 M. zu überlassen Meldungen nehmen entgegen: Akademisches Wohnungsamt des Studentenwerk« Berlin e.V., Universität, West- flügel, E ngang Universitätsstraße(Fernsprecher Norden 2920—2922) und Wohnungsfürsorgeamt der Technischen Hochschule, Charlotten. bürg, Berliner Straß«(Fernsprecher Steinplatz 9000). Eine Verkäuferinnen schule für Hermann Tietz. Wie gemeldet wird, hat die Firma Hermann Tietz j» C h a r l o t t« n b u r g Grundstück« erworben, auf denen sich unter anderem bisher die Manteuffel-Schule befand. Die Firma beabsichtigt, tn diesem Gebäude eine Schule für Verkäuferinnen zu errichten. hellpädagogische Woche der städllschen Schulbehärde. Das au«. führlich« Programm ist erschienen und erhältlich durch Magistrats- Schulrat A. Fuchs, C 2, Stadthaus. Sprechchor sflr prolelariich« Jeierstunden. Die Urbunzssilind« findet in dieser Woche am Freitag, abends 7'/, Uhr, im Gejanosaal der Sophien- ichule. Weinmeillertlr. 18(17, bat,. ■einfac�sJks WUttz/Z gegen/ -wirkt•ffäppanJbl die Naturkatastrophe in Nordamerika. Das größte Hochwasser seit IVO Jahren. Die nordamerikani�chen Staaten Illinois, Nebraska, Missouri, Oklahoma und Texas lind, wie wir bereits kurz mitteilten, in der Nacht zum Mittwoch von einem schweren Wirbelsturm heimgesucht worden, der ungeheure Verheerungen anrichtete Besonders gelitten hat die Stadt Centerville in Illinois, wo unter mehreren Häusern auch das Schulhaus zusammenstürzte. 45 Schüler, die an einem Abendunterricht teilnahmen, wurden unter den Trümmern verschüttet. 25 von ihnen konnten, wenn auch teilweise schwer ver- letzt, lebend geborgen werden. Der Lehrer wurde durch einen Balken getötet. Tausende von Personen sind insolge des Unglücks obdachlos. Der Sachschaden deträgt viele Millionen. Der gesamte Umfang der Zei-störung konnte noch nicht sestgestellt werden, da die Verbindung mit dem zerstörten Gebiet unterbrochen ist. Das Hochwasser des Mississippi nimmt immer weiteren Umfang an. Nördlich von Memphis ist das Land viele Kilometer breit überschwemmt: die Länge des Ueberschwemmungsgebietes beträgt 160 Kilometer. Etwa 35 0C0 Menschen sind durch das Hochwasser obdachlos ge- worden. Die Deiche des Mississippi sind teilweise bis zu 5 Kilo- meiern weggespült. Es handelt sich um das grähle Hochwasser, das in den Dereinigten Staaten seit 100 Zahrea beobachtet wurde. Hochwasser der Elbe. Das Gebiet der mittleren Elbe, das im vergangenen Jahre durch gewaltige Ueberschwemmungen großen Schaden erlitten hat, ist wiederum durch Hochwasser gefährdet. Das Frühlahrshochwasser hat sich plötzlich so rasch eingesteM, daß in der Gegend um Wittenberge wieder weite Land- striche unter Wasser gesetzt sind. Zwischen verschiedenen Dörfern ist die Verbindung völlig unterbrochen. Besonders schwer betroffen ist die Lenzer Wische, wo etwa 150 000 Morgen besten Bodens vom Hochwasser bedroht werden. Tag und Nach» arbeitet die Landbevölkerung, um den Sommerdeich gegen die ständig wachsenden Fluten zu verstärken. Bei Tangermünde ist das Hochwasser bereits über die Sommerdeiche hinweggegangen und überflutet das dahinterliegende Land in einer Brest« von zwei Kilometern. Die Herbstbestellung gilt bereits als verloren. Auch die Havel Ist auf weite Strecken kilometerweit über die Ufer getreten. Im Unterlauf der Oder sind ebenfalls große Teile des weiten Tales überschwemmt._ Kaupen, öer Nauberhauptmann von Alitau. Zum Tode durch den Strang verurteilt. Nach vierzehntägiger Verhandlung vor dem Kriegsgericht in Mi tau(Lettland) wurde der ZSsährige Ans Kaupen zu- sammen mst seinem Komplicen Pebalga zum Tode durch den Strang verurteilt. Sechs Jahre hindurch hatte er die Land- straßen unsicher gemacht. Etwa 20 Menschenleben und 2 0 0 Raubüberfälle trägt er auf seinem Gewissen. Gewissen?! Das war es eben, was diesem vorstellungsarmen Banditen fehlte. Es schwieg in ihm, als das Kriegsgericht für ein Verbrechen, dos e r be- gangen haste, irrtürlich einen Unschuldigen zum Tode ver- urteilte, einen anderen wegen eines wiederum von ihm begangenen Raubmordes lebenslänglich ins Zuchthaus schickte und in einem dritten Falle ein Unbeteiligter acht Monate in Untersuchungs- Haft sich verzehrte. Drei Justizirrtümer wegen eines Bandstenl Wie war aber Kaupen Bandst geworden? Sohn eines Klein- bauern in der Nähe von Mitau, lernte er Tapezierer und ging. neunzehnjährig, beim Ausbruch des Wellkrieges nach Rußland: nahm hier an Schlachten teil und kämpfte später im Bürgerkrieg in den Reihen der Roten Armee. In die Heimat zurückgekchrt, desertterte er aus dem lestischen Heere. So wurde er im Jahre 1920„Wald- b rüder". Jetzt begann sein Doppellebe». In Lumpen gehüllt, mst .Revolver und Gewehr ausgerüstet, eine Maske vor dem Gesichr. tauchte er auf der Landstraße auf, überfiel, raubte und plünderte und verjubelle dann wie ein Kavalier in Gesellschaftsanzug und Lock- schuhen das erplünderte Geld in Riga in Tanzdielen. Seit 1923 arbeitete er aber fleißig und bescheiden bei seinem früheren Lehr- Herrn als Tapezierer, um gleichzeitig während seiner eigenmächtigen zwei- bis dreitägigen Abwesenheit die Landstraßen unsicher zu machen. Am hellen Tage hielt er die Leute auf der Landstraße an, stellte sie in Reih und Glied auf, veranlaßte sie, Brieftaschen und Wertsachen herauszugeben, durchsuchte sie dann alle und erlaubte ihnen schließlich weiterzuziehen. Einer gegen zwanzig! Weigerte sich jemand, seinen Anordnungen nachzukommen, so schoß er. Auto- mobile und sogar einen Personenzug brachte er zum Stehen, tötete den Lokomotivführer, nahm den Leuten in den Wagen die Pässe ab, durchsuchte ihre Taschen, plünderte den Postwagen und war auf und davon. Einen Polizeibeamten zwang er fünf Stunden lang, ihm beim Plündern behilflich zu sein. Monatelang operierte er an ein und demselben Ort und blieb trotz- dem für die Polizei unauffindbar. Stieß sie aber auf ihn, so eröffnete er Feuer, blieb aber stets unter den Kugeln der Beamten unversehrt. Während seines dreijährigen Lebens in Mstau haste er hier hinter- einander drei Bräute, die er reich beschenkte. Reichte das Geld nicht, so ging er auf Raub aus. So entschloß er sich z. B. den Schnell- zug Berlin— Riga in die Luft zu sprengen, als seine Braut ihn um ein Darlehn von 15000 Rubel bat. Das Astentat lunkwinlm, Sehr vernünftig äußert sich Ministerialdirektor K a e st n e r über die Bildungsorbeit unserer Volksschulen. Vor allem begrüßt er die seit der Revolution eingeführte Grundschule, in der sich alle Schichten des Volkes begegnen. Die Arbeit müsse dahin gehen, den Kindern die Schule angenehm zu machen und sie von dem ab- schreckenden Ruf einer Zuchtanstalt zu befreien. Außerdem warnt der Redner die Eltern davor, ihre Kinder unter allen Umständen in höhere Schulen zu schicken.— Professor S ch ö n e che n entdeckt die Pflichten, die der Mensch gegen den Frühling hat, und die be- sonders darin bestehen,- die Natur zu schonen, nicht ganze Wälder von einem Sonntagsausflug nach Hause zu bringen und die Wälder nicht mit Eierschalen und Butterbrotpapieren zu pflastern.— Man kann sodann die Feststellung machen, daß sich ab und zu das Niveau der Vorträge über Frauenfragen hebt. Ola Alsen wendet sich gegen den puritanischen Geist, der in Geselligkeit und Tanz «inen verwerflichen Luxus erblickt. Gerade die Geselligkeit müßte in dieser Zest, in der fast jeder unter den schweren wirtschaftlichen Verhältnissen leidet, wenn auch nur in bescheidenem Rahmen gepflegt werden. Sehr oft hält Geselligkest den Menschen vor übereilten Derzweiflungsschristen zurück. Weniger wesentlich benimmt sich Iaro Iaretzki in seiner Plauderei„Kunst und Kullur im allen Berlin". Er spricht zunächst über die lsterarischen Salons der Henriette Hertz und Rahel Varnhagen und dann unterhallsam und mst viel Liebe über die Bauwerke Berlins, die aus dieser Zeit übrig geblieben sind. Ren�e Stobrowa liest als Funkprinzessin Märchen von Andersen zu betont, neckisch, zu sehr auf Kinder- Publikum unter sechs Iahren zugeschnitten. Der heitere Abend gestaltet sich nicht besonders unterhaltsam. Auch der flott aespielten Ouvertüre„Zur schönen Galathee" singt Frieda Weber-Fleßburg allerlei Sinnig-Sentimentales, u. a. auch von Meyer-Helmund und Toselli. Vielleicht wäre«» der Funkstunde einmal möglich, diese sogenannten heiteren Abende tatsächlich' mit einem heiteren Programm zu versehen. F. S. mißglückte, er tötete aber den Weichensteller und raubte ihn aus. Kaupen plünderte und mordete in der Regel allein: nur in wenigen Fällen war sein Komplice Pebalga mit ihm. Dieser war e» auch, der ihm die beiden Bauernhöfe zeigte, in denen er zusammen acht Menschen umbrachte. Des Rätsels Lösung für das unerhörte frech- dreiste Räuber- und Doppelleben Kaupens ist aber vielleicht in seiner Detektiv-Lektüre zu suchen— er selbst behauptete das wenigstens. Noch im Gefängnis waren Sherlock Holmes und ähn- liche Literatur das einzige, womst er seine Zeit kürzte. Seinen Taten in Freihest entsprach sein Benehmen im Gerichtssaal. Als verstünde er nicht, was für ihn auf dem Spiel stand: erst ganz zum Schluß der Gerichtsoerhandlung überfiel ihn plötzlich eine tierische Angst. An eine Begnadigung dieses Räubers ist nicht zu denken. 7000 Reichspoft-Kraftwageu. Die Reichspost hat im Jahre 1926 ihr Kraitwagennetz in außer- ordentlich starkem Maß« ausgebaut. Die Strecke, die von ihren Kraftwagen regelmäßig gefahren wird, ist nach einer Mitteilung des Reichspostministers im Laufe des Jahres 1926 um nicht weniger als 16 bis 17 Proz. erweitert worden und beträgt jetzt insgesamt 28 000 Kilometer. So groß ist die Gesamtstrecke, die die Reichspost von 7000 Kraftfahrzeugen auf zusammen 1500 Linien befahren läßt. Typhuserkrankungen an der Ostgrenze. Frankfurt a. d. 0., 20. April.(TU.) In dem dicht an der polnischen Grenze gelegenen Städtchen D r i e s e n ist plötzlich eine ganze Reihe von Personen an Typhus erkrankt. Die zuständigen Stellen haben sofort umfassende Hilfsmaßnahmen veranlaßt. Bluttat eines Siebzehnjährigen. Süchteln(Kreis Kempen), 20. April.(WTB.) Im hiesigen Krankenhaus stahl ein noch nicht 18jähriger Bursche einem 71jährigen Kranken nachts 60 M. Am darauffolgenden Morgen durchschnitt der Bursche, weil er eine Entdeckung fürchtete, dem Bestohlenen die Kehle. Nach der Tat taufte sich der Mörder in München-Gladbach einen Anzug. Der Mörder wurde nach semer Rückkehr verhaftet. Erdbeben auf den Philippinen. London, 20. April.(TU.) Wie aus New Bork berichtet wird, ist Luzon, ein« der am stärksten bevölkerten Philippinen- Inseln, von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden. Rache des betrogenen Ehemannes. In Z a r i k o bei Preß- bürg spielte sich ein blutiges Familiendrama ab. Der Landwirt Iakura, der seine Gattin mit ihrem Geliebten bei einem Stelldichein ertappte, fesselte die Frau und hängte sie an einem Türpfosten auf. Gleich darauf erhängte er sich an dem Nagel, an dem die Leiche seiner Gattin bereits hing. Von einer Granate zerrissen. Auf dem Schlachtfeld bei Dixmuiden fanden drei Maurer eine Granate. Als sie diese berührten, explodierte das Geschoß und tötete sie. Schweres Fährnnglück aus der Oka. Wie aus Moskau gemeldst wird, ist auf dem Fluß Oka eine Fähre mit 23 Bauern und 16 Pferden untergegangen. Nur«in kleiner Teil der Bauern tonnte gerestet werden. Ei» Deutscher in Mexiko ermordet. Der deutsche Farmer Leon Schweitzer wurde in Eordobo von Räubern ermordet. Er haste eine beträchtliche GÄdsumme bei sich. Schweres Eisenbahnunglück in Kanada. In Kanada wurden bei einem Güterzugunglück 56 Meilen westlich von Hornepayne sieben Personen getötet. In einem der verunglückten Güterzüge befanden sich 38 Rennpferds, die sämtlich ums Leben kamen. kkwttiMat War es nicht immer 50,dass das, was derEINE gewanavomANDEREN bezahlt werden mussfc nicht nur im Spiel sondern auch im wirtschaftlichen Lebenl Wäre es nicht eine wunderbare Einrichtung, wenn jeder, der am Spiel beteiligt istnur gewinnen und keiner verlieren könnte sowohl der Verbraucher, der die Ware konsumiert, wie auch derMrbeUer. dessen Hände sie bilden und derjabrüymt.der sie entstehen lässt? Das Mittel, welches solch wunderbare Wirkung hervorbringt, heisst RAT 1 0 N ALI SI ERLING. Das bedeutet Twjlüirimg wirtschaftlicher Jlr- heitsinethoden, dadurch Senkung derUnkpskn, dadurch Verbesserung der Leistung und dadurch Steigerung des MsuUes Wird es konsequent angewendetdann bringt jede Steigerung des Absatzes eine weitere Senkung der Unkosten und damit eine weitere Verbesserung derLeistung* Wer hat ruul bei öer Ratbaalifüruas unfern lIWrjMj-�nhttunu em meisten gnooWen? Wir geben$emzu,dass sie für uns ein grosser Auch unsere Arbeiterhaben durch die- Vorteil ist denn für den kleineren Gewinn- RATI ONALl S I E RU N G unserer Betriebe Anteil hat una die stark gestiegene Umsatz- gewonnerusie erzielen auf leichtere Weise Ziffer vollauf entschädigt. einen höheren Lohn als frühe»; vmgrößtmSewmllhst bkröocrstch-Laucher stlbst-� Er erhält für 5 Pfennig eine Zigarette, Overstolz- Fabrikation für diesen Preis . die er vor der Rationalisierung unserer niemals hätte kaufen können, •O-H"©» Sinfenbntigcti ffic diese Rubrik sind «er»«» SB 68.«tudeustratz» Z. partemachrlchten für Groß-Serlin Net»»u da» Bezirlisekretariat. 8. Hol. 2 Tre». recht»,»» richte» 6. tkrei» Prenzlauer«erg.«rbelterwohlsahrt: Heute, Sonntrstaa, 2l.«peil, """ Helferinnen, und Helferbesprechung iiber Hausbesuch« und Bericht» ii 1 Ubr, «rstattung im Zimmer 30, Danziger Str. 64. zur Hoüischule." Referent Oberstudienbireltor Dr. Fritz Kursen. 2.„Willlilrakt de» Kultusministeriums und was tun mir?" Erscheinen aller ist Pflicht, besonder» auch der Mitglieder der Schuldeputation. I. Krei» Kreuzbera. Kommunale Kommission! Sonntag, 24. April, vormittag» U Uhr, Besichtigung der Kraftwerk« Rmnmelsburg unter Fllhrung des Herrn Direktor Dr. Wellmann. Sämtliche interessiert« Genossinr garten, llebersetzen vom Kaiserbad bis Rummelsburg. Treffpunkt lOhb Uhr am Kaiserbad. 2. Mit der Stadtbahn bi» Etralau-Rummel». bürg und etwa 20 Minutrn Weg bis zum Werk. 7. Krei, Eharlottenburg. Eonnabend, 23. April, in den Germania- siilen, Spreestr. 13, Fahnenweihe. Mitwirkende: Sozialistische Arbeiter. sugcnd, MSnnerchor„Harmonie". Weihcrede: Stadtrat Albert Horlitz. Anschließend Tanz bt» 3 Uhr. Ansang 7sh Uhr. Karten zu TS Pf. einschließlich Steuer bei den Gruppenführern und an der Kasse. 14. Krei» Neukölln. Freitag, 22. April, 3 Uhr, Sitzung de» Bildung». auoschusse» im Porteibureau Neekarstr. 3. II. Krei» Treptow. Arbeiterwohlfahrt: chreitag, 22. April, 714 Uhr, in der Schule Niederschlneweide, Berliner Straße, I. Kursusabend:»Die Arbeit des Prüfers." Referentin Minna Todenhagen. heute. Donnerstag. 21. April: 38. Abt. 8 Uhr Abholen der Handzettel und Flugblätter bei Bartusch, 88, durch die Bezirksführer. Alle Bezirksführer müssen er. cheincn. Kontrolle durch Sinzeichnung. I«. Abt. Charlottenburg. Die Genossen werden ersucht, die Karten zur Mai- feicr vom Genossen Habermann, Fviedbergstr. 23, sofort abzuholen. »6. Abt. Neukölln. 714 Uhr in der Aula der Knabenmittelschule, Donau- jlitbi""-'""' W 120, Mitgliederversammlung. der Klassen im Weltcnausmaß/' Bortrag:„Der___ Referent Wilhelm Land«. Alle glieder müssen erscheinen. Nöntgental.Zepcrnick.Schwonebe«. 3 Uhr bei Basener gahlabend. aller Genossinnen und Genossen ist Pflicht. Kamps Mit. Erscheinen Morgen, Freitag. 22. April: I. Abt. 714 Uhr bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. U, wichtige Funktionär. sstzung. 32. Abt. Konferenz aller auf kommunalem Gebiet« ehrenamtlich tätigen Ke. nossinnen und Genossen. Referent Bezirksvorsteher Haas«. Bollzählige« Grichelnen wird erwartet, auch sämtlicher Funktionäre, da anschließend »ine kurze Funktionärsstzung zur Besprechung wichtiger Parteifragen statt. findet. 33.«bt. Pünktlich 8 Uhr bei Borkowski, Schreinerstr. 32, Funktionärfltzung. Sehr wichtige Tagesordnung. Ab 7 Uhr rechnen die B-zirksführ-r mit dem Kassierer ab. 124». Abt. Mahlsdors-Süd. 3 Uhr bei Dietz, Uhlandstraße, MitgNeberversamm. lung Bericht vom B«,lrk»p-rt»itag. Zahlreiche, Erscheine» sämtlicher Genossinnen und Genossen wird erwartet. 7.«bt. Frauenveranstaltiingen. Freitag, 22. April, 714 Uhr. In Eorni« Festsälen.»ortrnstr. 3, ü..• ,!Tr0B ln d-r Gesellschaft." Referent Genosse Brendel. 13«. Abt. Neiaickendors-Vst. Heute, Donnerstag, 21. April, 714 Uhr, in der Baracke Lindowcr Straße Frauenabend. Arbeitsgemeiuschaft der kiaderfreuude Groh-Derva. ''.". Y"-" �ui;iiqöT iüon«ahAhor Iungfl'rnh-ide 10 Minuten spater) und Sonntag früh 7,20 Uhr ab Lehrter Bahnhofs Jugendliche unter 20 Jahren, die auf Ermästsgungsfahrscheine fahre« lvolli'N. silld von den K?Ki«s«»itbPN hia OO m/. irv- Jungsozialisken heute. Donnerstag. 2l. Aprll: t t? t 1 1! 1 1 II,,,, Sruppenkonfere», 714 Uhr im Roten Saal Belle.Allianee�tr. 7/10, Zd«. Tagesordnung: Borbereiwng zur Kcneraloersammlung. Jede Gruppe entsendet zwei Bertreter. Achtungl«>4 Uhr ebenda Arbeits. ausschußschung Am Montag, 23. April. 7 Vi Uhr, Generalversammlung im Saal des Bezirksamtes Kreuzberg, Borckstr. 11. gemelnschaft.— Gruppe Daniigcr Str. M l Haas«. Arbeit» Grnppe Eharlottenburg: M- Gr»?)» Prenzlauer Werg: Pünktlich 3 Uhr im Jugendheim «2 Bortrag:.Grundfragen der Psychologie." Referent Dr. Ernst g: 3 Uhr im Jugendheim Rofinenstr. tzrenzlauee Berg: Pünktlich 3 Uhr im I Sterbetafel der Groß-öerliner partei-Grganisation 22'9!'t- Unser langjähriger Genosse, der Steinmeß«ustao ott«, Feh. warnstr. l5>. ist tut Alter von«3 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenken. Eliiäscheming heute. Donnerstag, 21. April, vormittags 1114 Uhr, im»rema. torium Gerichtstraße. Rege Beteiligung ist erwünscht. Vorträge, vereine unö Versammlungen. sy&a Keidisbnnner.Sctlwar? 7tot-Gold� 'W.wR �'lchiiktsstelle? Berlin 6 14, Sebastianstr. 87«, Hof 2 Tr. Prenzlauer Berg! Kameradschaft Nordkap Do., b. 21., 3 Uhr, Ber. ...* sainmlung bei Cachetzke, Schioclbeiner Str. 10. Bortrag.— Die Ein. äscherung des Kameraden Adolf Kolbcrg findet am Fr., d. 22., nachmittag» 3 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Vollzählige Beteiligung.— Tie,. garten: Kameradschaft Hansa Do., d. 21., 8 Uhr, Vollversammlung bei Berger, �B°Üowstrgßs.— Neukölln. Britz: Erste Kameradschaft 2. Zug Do., b. 2L, Uhr, Zugversammlung im Lokal Witte, Reutcrstr. 47, Ecke Lcnoustrah» aSMfre soz'aldemokratiscki« Arbeiterorganisation Pool« Zto», Ortegruv»« ? I?' �»Kncrstag 21. April, 142 Uhr, im Heim Linicnstr. 13« Iii Vortrag Ui,ct: ira ßid,tt psllcho-naiytisch.» .«j'«;«;»' Sozialisten" spricht am Donnerstag, 21. April, 3 Uhr, «v i•i.00'!'«tguiannftt. 69, Genosse Pfarrer Karl Schmidt über: ' e�!' Zf'�isten� Zutritt frei für jedermann. «rbeiter.R-di-Nvb Ortsgruppe Wcdding: D»nn»r«ta-, 21. April,«artrag Bpp acttlttT" 0" verhalte ich mich beim»au meine, de, Zugendgericht�elfer. Versammlung am Montag, ZZ. April, h'i«""'"S1 8S- Jagesorbnimg: Aerztliche' ngerzeige zur Behandlung verwahrloster Jugendlicher. Referentin Frau Dr. E-I-u»om Hofe, psychiatrische Sachberateria im Landesjugendamt Berlin. Aussprache. Am tg.Avril ver'Gied n ich schwerem eiden meine iiede Schwester lilse Schiomer Eeb, Rosenleld Lcit. Fltrsorcerin de» Jugendamts Berlin-Mitte Sie stand allezeit in Lüdeck und hier treu in den ioztalistischen Reihen. Beriin. den 20. April>927. 31IvI,»erI»Irai Roaeofcld. 2. ätr».— Krei« llcrlin••,»)€. Nach ictlwereni Leiden verstarb am 19. Avrtl uniere Genoistn. die leitende Fürsorgerin de» Jugendamt» Berlin- Mitte Elise Schiomer geb. Rosenfeld. Wir verlieren in cht eine treue Ratgeberin und ardeitsfreudiae De- nofstn. deren Andenken wir stet» in Ehren hatten. Einäscherung Donnerstag. 2l.AprU. oormi» ag« tl>/, Uhr, Krematorium Wilmersdorf Am IS April verschied nach langem, schwor em Leiden uuser lieber Sohn ind Bruder Bruno Neft im Atter von 26 Jahren. Die» zeigt an ia tiefer Trauer Heinrich Neft und Familie. Die Einäscherung findet am Sann» abend, dem 23. April, nachmittag, 1'/, Uhr. im Krematorium Gcrichi- ltraße Natt. zor Miete W O.Anskaclienlr.l S esonders »Irkoa Und die KLEINEN ANZEIGEN In „V erwlrt," und iroudem n uniiö n Holzhänser - Rroapelrte»eatte! MUn-NwAwek. Wal*. a.Wa Post-Abonnenten Vn Alt rrgelmSßlge Zustellung Art.Vorwärts" im nächsten Monat leine uullebfome Unter brechtmg er- lelllet, bitten wie unser« Post-Abonaente», Aas vezugSgeiA für Arn kommenAeo Monat zu bezahlen/ sotalA Ale Post mlt Aer elaztehuag beginnt,«sur AbonnemtittSerneueruagen noch Aem t4. erhebt Ale Post eine VerspätuagSgebühr von LS Pfennig. Vortoarts-Verlag G.m.b.H. «elkofirf» im Lokal -entlicher Lichtbildervortrag Donnerstag, 21. April, 3 Uhr, Straße. Thema: 1..Wie schütz« ich mich »rsoege. Oeffentlicher Licht Buschkrug, Britz, Rudower z gegen die Gefahren de« zweckmäßig gegen die Gefahren de» täglichen Lebens?" Referent Karl Schutz, Berlin. 2.„Die Grundlagen ber modernen Berufsberatung." Referent Fried- rich Sachtleben. Alle Einwohner der Siedlung Britz find zu diesem Dortrag eingeladen. Eintritt frei. Arbeiter- Samaelterkelo»»« Berli»«.«„ Abt. fflrtblmg. Donnerstag, 2t. April, 714 Uhr, Schule Schulstr. 9««urfu» in Wiederbelebung. An- ßchließend kSl______. I_____ Dresdener Garten, Dresdener Str.__ W______.._ erledigt die Geschäfisfielle: Rub. Schlosser, Berlin O 17, Breslauer Str. 1. Berliaer Aebeitee-Sidachkl»». Abt.««s»ndbeuo»e». Der au» Anlaß de» 2. Internationalen Arbeiter-Cchachklub» in Berlin Schachmeister Hanse» wirb om Donnerstag, 21. April, Koloniestr. 147, ein« Simultanporstellung geben. Gäste tritt frei. ließend Mitgliederversammlung. Freie Kannfahrer Berlin e. B. Bootshans: Köpenick, Wendenschloßstraße tädtischer Sportplatz). Nächste Mitgliederversammlung am 21. April im .....~'---------- 45. Aufnahme neuer Mitglieder. Anfragen Sozialtstistbe flrbeiterjugenö Groß- Verlin. Bezirk«» rsteud»fitz»»g heute, Donnerstag, pünktlich 143 Uhr. heuie. Donnerstag, abends 7VÜ Uhr: Narben: schule Putiusser Str. 3.„Demokratie und Diktatur."— Schön- Hanse, Berstabt: Jugendheim Driesener Str. 22.„Wir und unsere Eltern"— Kipenicker Biertrl: Schule Wrangelstr. 123. Heiterer Abend.— Lankwitz: L Gemeindeschule, Schulstraße.„Rückblick auf die Osterfahrt."— Lichterselde: Jugendheim Lichterfelde-Weft, Albrechtstr. 14».„Führer und Leiter."— Zehlru- bors: Slldschul«, Wilhelmstraße.„Warum 1. Mai?"— Wittenau: Jugendheim Rosenthaler Str. 13.„Wie entstand unsere Erde?"— Osten: Aelterengruppe Zusammenkunft im Jugendheim Tilsster Str. 4.„Sozialismus und Wehrmacht." Sämtlich« jünger« Parteimitglieder sind hierzu besonders«ingeladen. Beginn 3 Uhr. Lerbebeziri Lichtenberg: Werbebezirksporstandsfitzung im Jugendheim Schorn weberstr. 22.. Hefenheid«: Marge», Freitag, Iugendfeirr in Rabe» Festsälen, Fichtestraße. Beginn 7 Uhr. Eintritt 30 Pf. Die Gruppen de» Werbedezirks Kreuzberg beteilige» sich daran. Sport. Nennen zu Mariendorf am Aliliwoch. dem 20. April. 1. Rennen. 1. Diana Mag owa»aprv>>»«rmrntrag w de« a?"*-«�b«?uck.r. (Privatstatistik) Kartoffeln d» 148, S Doppelztr. 186 Doppelztr. 180 Doppelztr. Weizen. 20,7. 27,8.«0.S Roggen. 17,1. 2S,S.. 81,0 Gerste. 13,1. 24,7„ 82,4 Hafer. 16,2, 21,7„ 22,7, Dieses Zahlenbild läßt die Vorsicht, mit der wir von jeher der amtlichen Ernte statt st ik gegenüber. stehen, vollauf berechtigt erscheinen. Hier wird wiederum und zwar diesmal von einem Landwirt der klare Nach- weis erbracht, daß die Verhältnisie in der Praxis wesentlich günstiger aussehen, als sie von der amtlichen Erntestatistit sehr oft .dargestellt werden. Wenn may die Angaben der Reichsstatistik den- jenigen über die Werke der Zuckerfabrik Zeitz gegenüberstellt, ergibt sich eine Differenz von durchschnittlich S0 Propent, gegenüber denjenigen über die Kreise Zeitz und Weißenfels«ine Differenz von 33� bis S0 Prozent. Das Bild bekommt ein noch anderes Aussehen, wenn wir de- rechnen, wie sich die G esa m t e r n t e in den beiden Kreisen Zeitz und Weißenfels einmal nach der Reichsstatistik. dann nach der pri- oaten Statistik ausnimmt. Die Gesamternte in den beiden genannten Kreisen beträgt: Nach der Reichsstatistik Nach der Privatstatistik Kartoffeln.. 1 036 680 Doppelztr. 1 266 400 Doppelztr. Weizen... 233 112. 819783 Roggen... 148968. 220383, Gerste... 103 079. 140 666 Hafer... 162 379. 204 782 Bei diesen Feststellungen ist es verlockend, einen weiteren Schritt zu tun und auszurechnen, welcher Erntewert sich bei., den genannten Produkten nach der Reichsstatistik und nach der ptt- vaten Statistik ergeben würde. Wir stützen uns dabei auf die für' das Jahr 1925 errechneten Durchschnittspreise, die sich auf 1,89 M. bei Kartoffeln, auf 12,18 M. bei Weizen, auf 10 M. bei Roggen, auf 11,73 M. bei Gerste und 9,84 M. bei Hafer belaufen. Der Wert der Ernte beträgt: Kartoffeln Weizen. Roggen. Gerste. Hafer Nach der Reichsstatistik Nach der Privatstatistik .. 1969 041 M. 2 372 696 M. .. 2 900 204„ 3 894 408. .. 1489 580. 2 203 800. .. 1209 116, 1650 012. .. 1 604 329. 2015 064. 9 062 270 M. 12 137 870 M. Berechnet man also den Wert der Ernte in den Kreisen Zeitz und Weißenfels nach den Ernte- Ziffern der Privat statt st ik, ergibt sich gegen- über einer auf der Grundlage der Reichs st ati st ik durchgeführten Berechnung eine Differenz von über 3 Millionen Mark! Sollte es in den anderen Kreisen ähnlich aussehen— und wir zweifeln nicht daran, ob- wohl ein Rübenbaugebiet etwas andere Bedingungen hat—, fo ist die Verwendung der amtlichen Erntestatistik zur Berechnung der Rentabilität landwirtschaftlicher Betriebe nicht nur gewagt, sondern außerordentlich bedenklich. Das Ergebnis einer solchen Berech- nung verdient mit großem Mißtrauen betrachtet zu werden. Angesichts dessen ergibt sich die unabweisbare Not- wendig keit. unter Hinzuziehung oller«ine objektive Prüfung gewährleistenden Kreis«, auch von Arbeitervertretern, dazu über- zugehen, die Umstände, unter denen die Angaben der Reichsstatistik entstehen, einer genauen Nachprüfung zu unterziehen. Ae neue leichte ■Misdurngz nacattsTäbake/n dar neuesten Ernte, frisch manipultech gibt unserer" köstliches Aroma, bekömmliche/ Qualität und glatten weißen Brand fiARBATY Amerika gegen öie Kaliinüuftrie. Der Znhalt der Anklage— Annullierung der Abkommen gefordert. Der Inhalt der Anklage, die die amerikanische Regierung gegen die Vertreter der deutschen und der französischen Kaliindustrie 'in New Nork anhängig gemacht Hot, liegt jetzt vor. Die ameri- Ionische Kolieinsuhr von mehr als einer Million Tonnen komm« mit mehr als 90 Proz. von den sranzösischen Gesellschaften und vom deutschen Kalisyndikat. Da diese allein über große Kaliloger ver- fugen, seien die Verbraucher der Vereinigten Staaten von den euroväischsn Erzengergruppen fast völlig abhängig. Das Abkommen vom August 1924 zwischen de» deutsch- französischen Gruppen und die Vereinbarungen zwischen dem deutschen Kalisyndikat mit der Potash Importing Corporation in New Dort teilten einerseits das amerikanische Absatzgebiet auf und andererseits bestünden feste Vereinbarungen für Preise, Lreierfristen und Abnahmebedingungcn. Alle diese Abmachungen stellen eine Einschränkung des Handels l�nd Wettbewerbs dar und sollen eine Pr e i s st c i g e r u n g für das noch den Vereinigten Staaten importierte Kali bewirken. Damit liege ein Verstoß gegen das Gesetz vom 2. Juli 1890 zum Schutze „an Handel und Gewerbe gegen ungesetzliche Beschränkungen und Monopole vor und gegen das Ergänzungsgcsetz vom 12. Februar 191.1, die„Wilson Tarifs Slct.* Wesentlich für die Erhebung der Anklage sei die Vereinbarung der europäischen Gruppen, ab 1. Mai 1927 für 10 Jahre den Kaliabsotz in den Vereinigten Staaten zu 70 Proz. für Deutschland und zu 30 Proz. für Frank- reich aufzuteilen. Dies« Aufteilung sollte durch einseitig« Fest- legung der Preise und sonstigen Verkaufsbedingungen unter Hinzu- Ziehung einer einzigen amerikanischen Verkaufsgesellschast ergänzt werden, deren Vertreter ausschließlich als kaufmännische Agenten der europäischen Gruppen anzusprechen seien. Auch diese Ab- machungen seien in der Zlbsicht erfolgt, den Handel und den Weit- bewerb zu beeinträchtigen und die Preise für Kali in den Ver- einigten Staaten zu erhöhen. Die Staatsanwaltschaft verlangt deshalb, daß alle den amerikanischen Absatz be- treffenden Bestimmungen der deutsch-französischen Abkommen und der Vertrag mit der amerikanischen Verkaufsgesellschast annulliert werden. Diese Klage der amerikanischen Regicrimg enthält keineswegs überraschende Dinge. Das einzig Ueberraschende ist die Klage s e l b st. Denn das berühmte Antikartellgesetz von 1890 ist nur außerordentliä) selten angewendet worden und hat darüber hinaus die Monopolisierung des amerikanischen Marktes durch große amerikanische Trustunternehmungen nicht verhindern können. Dos Auftreten der amerikanischen Regierung würde deshalb komisch wirken, wenn man nicht mit Recht politische Absichten hinter dieser Klage vermuten dürfte. An der Preispolitik, die die devtschiranzösischen Erzeuger in ihtem amerikanischen Verkaufs- aeschäft befolgen werden, dürfte die amerikanische Regierung wohl kaum etwas ändern können. Denn wenn Amerika zugibt— was auch zu bestreiten müßig wäre—, daß es die europäischen Kali- importe für seine Landwirtschaft braucht, dann ist das natür- liehe Mondpol Europas auch dann wirksam, wenn die Schasfunq einer Verkaufsorganisation in den Vereinigten Staaten ver- hindert wird. Es wird deshalb der Schluß gerechtfertigt sein, daß die ameri- kanische Regierungskloge weitgehend als ein Wahlmonöver anzusehen ist, um die durch das Veto des Präsidenten Coolidge gegen das Schutzgesetz für Agrarprodukte verstimmten Farmer für sich zu gewinnen. Jedenfalls dürfte' die jetzt von den Dereinigten Staaten gewählte Methode zur Kartellbekämpfung nicht geeignet sein, die angestrebte Niedrighaltung der Kalipreise herbeizuführen. Internationalen Kartellen Mahnung zur Vorsicht sein. »smm».'v r«sww Gleicher Gewinn bei kleinerem Absah. Wir haben früher schon mitgeteilt, daß die vom AEG.-Konzern beherrschte Nationale A u t o m ob i l< G e s e l l s ch a f t in Berlin für 1928 aus das frühere Kapital von 10 Millionen Mark(jetzt auf 12 Millionen er- höht) wieder wie im Vorfahre 8 PrpZ. Dividende verteilen wird. ?n ihrem Geschäftsbericht ist die Feststellung interessant, daß, obwohl die Gesellschaft die gleichen Gewinne aufweist, der Absatz im ver- gangenen Jahre kleiner war. In der Gewinn- und Verlustrechnung zeigt sich ein Rückgang des Bruttoertrages von 4,53 auf 3,86 Mil-. lioncn Mark. Aus der anderen Seite sind die llnkosten von 2,92 auf 2,37 Millionen und die Abschreibungen von. 0,79 aus 0,67 Mil- liondn ermäßigt. Danach wird ein Reingewinn van 0,83� gegen 0,86 Millionen ausgewiesen, so daß der Reingewinn nur ge- � ringsügig verringert ist. Die etwas ermäßigten Zlbschreibungen tun der NAG., die ihre Anlagewerte sehr niedrig zu Buch stehen hat, nicht weh. Auch jetzt weist die Bilanz die'Anlagen insgesamt mit 7,67 gegen 7,87 Millionen noch um 200 000 Mark gegen das Vorjahr niedriger aus. Da kaum abzunehmen ist, daß bei ver- ringertem Absatz die Vorräte und fertigen Waren zurückgegangen sind, dürfte in der um 0,72 Millionen Mark verringerten Bewertung der Vorräte(8,51 Millionen) auch noch eine Sonderabschreibung stecken. Aus der Ende vorigen Jahres von den Siemens-Schuckert- werten übernommenen Fabrikation der Protoswerk« verspricht sich der Geschäftsbericht besonders deshalb größere Wirkung, weil zugleich eine gut ausgebaute Verkaufsorganisation übernommen wurde. Die Einkaussverbände und Konzerne im Textileinzelhandel. In den letzten Jahren haben die Einkaufsorgonisationen für die Groß- und Kleinverkäufer, besonders von Textilien, bekanntlich ein« riesen- haste Ausdehnung genommen. Für die Struktur Veränderungen im.Handelsgewerbe, in dem der massenhafte und billige lV r'® Konkurrenzsähigkeit immer wichtiger geworden lst, sino diese teils auf genossenschaztlicher. teils auf Koiyzerngrund- läge ge.chancnen Organisationen von entscheidender Bedeutung. Es ist deshalb{ehr erfreulich, daß die Schristleitung der„Textilwochc" ein« Uebersicht veröffentlicht hat, in der die wichtigsten Zusammenschlüsse im Textllhandei zum gemeinsamen Einkauf dargestellt werden. Namen, Sitz, Gründungsjahr, Organjfationsaufbvu, der erfaßte Warenkreis� das Kapital, der Vorstand und teilweise mich die Mit- glteder werden für sämtliche Organisationen bekanntgegeben. Die Liste soll durch Nachträge dauernd auf dem lausenden gehalten werden. Das Verzeichnis ist in der Verlagsaesellschaft„Tertilwoche' A.-G. erschiene» und wird zum Preise von 1,90 M. abgegeben. Krise in der französischen Fahrradindustrie. Die gegenwärtige Wirtschoftstrists in Frankreich wirkt sich besonders im Fahrradgeschäft aus, wo etwa 50 Proz. der Fabriten zu umfangreichen Feierschichten gezwungen sind. Eine größere Zahl von Fahrradfabriken hat sogar völlig ihre Produktion eingestellt. Andere wiederum arbeiten höchstens 40. 38 und selbst 30 Stunden in der Woche. Die Lagervorräte haben sich beträchtlich vermehrt und auch die Exportmöglichkeiten sind zurzeit stark eingeschränkt. Neuerungen der Invaliöenverficherung Von August Karsten. Der Reichstag hat noch fast endlosen Beratungen die Aende- rnngen in der Invalidenversicherung beschlossen. Das Ergebnis der langwierigen Beratungen kann allerdings nicht befriedigen. Das Los der Invalidenrentner ist zwar etwas leichter ge- worden: die Leistungen stehen aber noch immer in keinem Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten. Die Mehraufwendungen von etwa 200 Millionen Mark im Jahr sind sicher eine stattliche Summe, oerteilt auf die 3,4 Millionen Renten- e m p f ä n g er komint aber nur ein ganz bescheidener Einzelbetrog heraus. Eine Uebersicht über die erfolgten Aenderungen zeigt am besten. wie ungenügend die Leistungen nach wie vor sind. Die Steige- rungssätze für ordnungsmäßig oerwendete Beitragsmarken bis zum 30. September 1921 sind verdoppelt worden. Bisher gab es für Beitragsmarken in der Lohnklasse I nichts, in der Lohnklasse II 2 Pf., in der Lohnklasse III 4 Ps.. in der Lohnklasse IV 7 Pf. und in der Lohnklasse V 10 Pf. Jetzt wird auchsürdieBeiträge der Lohnklasse I ein Steigerungssotz von 2 Pf. ge- zahlt: die übrigen Steigerungssätze betragen 4, 8, l4 und 20 Pf. Für die jetzt lausenden Renten wird die Summe des Steigcrungssatzes verdoppelt. Dos bedeutet im Durch- schnitt eine Renkenerhöhung von etwa 5 RI. monoklich. Im günstigsten Falle kann eine Rentenfteigerung von 12 bis 13 Mark herauskommen. Die Forderung der Sozialdemokratie, den Reichszuschuß und den Grundbetrag zu erhöhen, wurde a b g el c hn t. DerGrund- betrag ist jetzt 14 M. und der Reichszuschuß 6 M. monatlich, so daß die Minde streute 20 M. beträgt. Die Sozialdemokratie hatte weiter gefordert, daß die Hinterbliebenen von Versicherten, die bereits vor dem 1. Januar 1912 verstorben oder invalide geworden waren, Anspruch auf Hinter-. bliebenenrente hoben sollen. Am 1. Januar 1912 ist die Hinterbliebenenfürsorge in der Invalidenversicherung eingeführt morden: die Hinterbliebenen derjenigen, die keine der damals er- höhten Beiträge mehx entrichtet haben, hatten jedoch keinen An- spruch auf Rente, was vom sozialen Standpunkt aus eine große Härte war. Es wäre recht und billig gewesen, wenn jetzt dem sozial- demokratischen Antrag stattgegeben und das Los der älteren Witwen erleichtert worden wäre. Die Regierungsparteien hoben den Antrag aber abgelehnt und sind der sozialdemokratischen Forderung nur soweit entgegengekommen, daß die Hinterbliebenen der Rentenempfänger aus der Zeit vor 1912 Renkenanspruch erhalten, wenn der Rentenbezug des Versicherten wenigstens bis. zum l. Januar 1924 währte. Die Hinterbliebenen aller Invaliden, die. vor dem 1. Januar 1924 gestorben sind, erhalten also keine Hinte r-bliebenenrente. Abgelehnt wurden ferner der'sozialdemokratische Antrag, Witwenrente allen Witwen, also auch den nicht invaliden Witwen, zu gewähren, und der Zus.itzontrag, den nicht invaliden Witwen wenigstens die halbe Witwenrente zu geben. Dagegen wurde die Bestimmung aufgenommen, daß 6 5jährige Witwen. ou s AriJÖ aoglckV R'f w e i t er e,s Witwenrente, erhalten, was bisher niir"dcr Fall roffr, wennsie selbst invalide waren. Die Sozial- demorrcflür wällte'HnsK'�e�W ic Mr?inf u�rü fig' Sein'Neigerüngs- sätzen sür Zeiten nachgewiesener Krankheit oder militärischer Dienst- leistungen. Die Regierungsmehrheit war dagegen. Der Kriegs- t e i l n eh m e r erhält also für dicZcit, die er im Kriege war. k e i n e R e n t e n st e i g e r u n g: Versicherte, die zu Hause bleiben konnten und Beilräge zur Invalidenversicherung zahlten, er-� halten sür diese Beiträge auch erhöhte Renten. Während die neuen Rentenberechnungen mit dem 1. April in Kraft traten, tritt für diejenigen, die schon jetzt Rente beziehen, die Rentenxrhöhung e r st mit Wir- kung vom 1. Juli ein. Den Antrag der Sozialdemokraten, die Rcntenerhöhungen für alle am 1. April in Kraft treten zu lassen, lehnten die Blockparteien ab. Die entstehenden Mehrkosten der Neuregelung von fast 200 Mil- lionen Mark werden in der Weise aufgebracht, daß das Reich rund 125 Millionen trägt und durch Beitragserhöhung 75 Mil- lionen jährlich mehr aufgebracht werden sollen. Die Sozial- demokrotcn wollten die Kosten für die von ihnen verlangten höheren Rentenleistungen, vor allem für die Erhöhung des Grund- b e t r a g e s, durch Erhöhung der Beiträge aufgebracht wisien. Die sozialdemokratischen Anträge aus Schaffung von 11 Lohnklossen mit einer wöchentlichen Beitrogsleistung von 30 Pf. bis 3„30 M.(bei über 60 M. Wochenlohn) wurden aber abgelehnt. Selbst die Kom- munisten stimmten gegen die Beitragserhöhung. Sie wollten die Arbeiter nicht belasten, haben aber dabei mit den bürgerlichen Par> teien dafür gestimmt, daß auch die Arbeitgeber von einer stärkeren Beitragserhöhung verschont geblieben sind. Es ist ein ganz falscher Standpunkt, gegen Beitragserhöhungen in der In» validenvcrsicherung aufzutreten, da ja die gesamten Deitragsein- nahmen den Versicherten zugute kommen, die Arbeitgeber aber die 'Hälfte zu zahlen haben. Der Rechtsblock hat folgende Regelung der Lohnklosien und Beiträge durchgesetzt: Lohnklasse I(bis wöchentlich 6 M) 30 Pf. Beitrag II-. 12, 60. . III.. 18.»0.. . IV.. 24. 120, V,. 30. 150. . VI.. 36. 180. Vit")(über 36 200 Anträge auf Gewährung der Invalidenrente bei Vollendung, des 60. statt des 65. Lebensjahres wurden auch von den Sozialdemo- traten abgelehnt. Die Herabsetzung der Altersgrenze auf das 60. Lebensjahr würde sofort etwa eine Million neuer Renten- empsänger bringen und eine sofortige Mehrausgabe von jährlich 270 Millionen Mark bedingen. Es kann aber nicht der Zweck der Invalidenversicherung sein, älteren Slrbeitslosen eine Rente zu geben. Zur Unterstützung der'Arbeitslosen ist die kommende Ar- beitslosenversicherung da. Den alleren Zlrbeitslosen wäre außerdem mit einer Herabsetzung der Altersgrenze ein schlechter Dienst ge> leistet. Sie würden vom Bezüge der höheren Arbeitslosenverssche- rung und der anschließenden Krisenfürsorge ausgeschaltet werden. Bei den zur Verfügung stehenden knappen Mitteln müssen zunächst «inmyl die wirklich Erwerbsunfähigen eine ausreichende Rente erholten. Erst wenn eine angemessene Rentenhöh« erkämpft ist, kann die Altersgrenze h e r ab g es e tz t. werden. Eine Altersrente, die zum Leben Nicht ausreicht, Hot keinen Wert. Der ArbeitsmaiKt würde nicht entlastet werden, da durch eine Rente von 30 M. im Monat kein Erwerbsfähiger vom Arbeitsmartt aus- gefchaste). wirh,-.,........ ... Hätte sich' die Sozialdemokratie der Arbeits.inöaliden nicht mit' allem Nochdruck angenommen, so wciren selbst ine. jetzt beschlossenen Rentenerhöhungen, so mangelhaft sie auch sind, nicht g e k o in m e n. Das Erreichte ist allerdings nur ein kleiner Schrilt auf dem Wege zum Endziel, die Invalidenversicherung in den Stand zu setzen, Renten, die zum Lebensunterhalt ausreichen, zu zahlen. Auf dem Wege zu' diesem Ziel wird die Sozialdemokratie nach wit vor der Anwalt der Arbeitsinvaliden und deren Hinter- bliebenen sein. *) Die neue höchste Lohnklasse tritt erst am 1. Januar 1928 in Kraft. »Du sollst nicht falsch' Zeugnis reden.' Ob christlich oder nicht, dieses Gebot gilt für jeden anständigen, geistig normalen Menschen, es ist Gemeingut aller Kulturmenschen. Seine strenge Beachtung müßte aber in erster Linie von oll denen erwartet werden, die ihr christliches Bekenntnis als'Aushänge- s ch i l d gebrauchen. Wenn man sich auch in unseren Gewertschästs-. kreisen nach allen Erfahrungen längst nicht mehr der Erwartung hingibt, daß in den christlichen Gewerkschaften dieses Gebot auf alle Fälle besonders sorgfältig beachtet' würde, so bedeutet dies noch lange kein Verzicht daraus, uns gegen Uebertretungen dieses Gebots zu wenden, die die freien Gewerkschaften in den Äugen der.christ-' lichcn Gewerkschaften herabsetzen sollen. In einem„Die Gewerkschaften und der Kommunismus? über- sthriebenen Artikel des„Deutschen" finden wir folgende Sätze: „Nicht nur die christlichen, sondern auch die syzialdemokra- tischen Gewerkschaften bemühte» sich, die wirtschaftlichen und sozial- politischen Fragen vom Standpunkt der Gesamtwirtschaft aus nüchtern und sachlich zu beurteilen. Nun scheint hier eine Wen- dung einzutreten. Die christlichen Gewerkschaften gehen zwar ihren Weg weiter, aber die„freien" Gewerkschaften nähern sich wieder der alten unheilvollen Phraseologie. Seit sich die Kommunisten nicht nur in weltfremden theoretischen Phrasen erschöpfen, sondern auch a» den kleinsten Tagesstreit der Arbeitnehmer Feuer legen, werden die„freien" Gewerkschaften nervös." Die Stelle, aus die es hier ankommt, haben wir fett gedruckt. Irgendeinen Beweis sür diese Behauptung zu erbringen, hielt der Artikelschreiber im„Deutschen" für überflüssig. Wie steht es mit der eingetretenen Wendung in Wirklichkeit? Abgesehen von den deutschnotionalen Bindungen, die die Christlichen eingegangen sind, sind deren Führer in die arbeiterfeindliche Bürgerblockregiernng eingetreten. Die Folgen zeigten sich beim Arbeitszeitnolgesetz. Hier trenmen sich die Führer der christlichen von den übrigen Gewerk- schasten, aus politischer Rücksichtnahme aus den Bürgerbsock. Und weil nun die Vertreter der freien Gewerkschaften zu der gebundenen und für die Arbeitnehmerschaft keineswegs vorteilhaften Haltung der christlichen Gewerkschoftsführsr bei der Schaffung des verunglückten Arbeitszeitnotgesetzes ausgesprochen haben, was dazu zu sagen war, kommt der„Deutsch c" zu der Unterstellung, die freien Gewerkschaften näherten sich„wieder der ölten unheilvollen Phraseologie". Wir begreifen schon, daß„sür die ch r i st l i ch e n Gewerk- schasten die Situation(in die sie gehrocht wurden, nicht nur) rein agitatorisch gescljen, nicht günstig ist". Die Verlegenheit, in der sich die christlichen Gewerkschoslspolitiker befinden, mag noch so groß sein, sie entschuldigt deshalb noch lange nicht derartige Behauptungen. Wenn dann der„Deutsche" aus den letzten Vorgängen den Schluß zieht:„Und es erweist sich erneut, wie unheil- voll die enge Verbindung eines großen Teils der gewerkschaftlichen Bewegung mit dem politischen Parteilebcn ist", dann dürfte diese Folgerung auf die christ- lich-deittschnationalen Verbindungen durchaus zutreffen. Der freigewerkschaftlichen Bewegung könnte es nur willkommen sein, wenn es richtig wäre, daß die christlichen Gewerkschafter ge- wöhnt seien, schärfer nachzudenken. Allein, der Generalsekretär der christlichen Gewerlschasten, Herr Otto, wird es dann schwerlich fertig bringen, unsere Kritik an dem Arbeitszeitnotgesez als„Phrasen sreig-werkschaftlicher Lautsprecher" abzutun. Das BerbindlichkeitSspiel mit den Zigarrcnmacher». Es ist zwar beendet, dieses Spiel, allein es muß doch festgestellt werden, daß es den im Zentrolverband christlicher Tabakarbeiter organisierten Zigarrenarbeitern ebensowenig gefallen hat wie etwa den sreigewerkschastlich organisierten Arbeitern. In der von einer Bezirkskonferenz der ch r i st l i ch e n Tobak. arbeite r am Ostermontag in Krefeld gefaßten Entschli«. ß u n g wird bedauert,„daß das Reichsarbeitsministemim den am 2 5. März 1927 gefällten Schiedsspruch nicht für ver» kindlich erklärt hat. Die Konferenz stellt fest, daß die i m zweiten Schiedsspruch vorgesehen« Lohnerhöhung den be- rechtigtcn Forderungen der Arbeiter nicht entspricht, und sie be. dauert es lebhast, daß das Reichsarbeitsministerium diesen Schiedsspruch für verbindlich erklärt hat". Die Fabrikanten beantworteten bekanntlich den ersten Schieds- spruch mit der Aussperrungsandrohung. Wüßten sie, daß die Tabakorbeiter stark genug organisiert sind, um«ine derart unmotivierte Brüskierung sofort mit dem Streik zu beantworten, dann hätten di« Herren ihre Drohung mit Aussperung nicht gewacst. CbloroJont-Zdhnbürs'erl 7ü' Pi�. und Mk. 1.25. Chlorodcnt-2ahnp- i Zohannisbrol und Zuweleng«wicht. Das Wort Karat, das man bekanntlich für das Gewicht der Juwelen anwendet, stdmmt aus dem Wort« Karateion, mit dem die alten Griechen die Frucht des Io- hannisbrotbaumes(Ceratonia siliqua) bezeichneten und woraus die Araber dann das Wort KirSt mochten. Daß die Bezeichnung unseres Iuwclengewichts nun totsächlich vom Johannisbrot herstammt, er- klärt sich damit, daß die reifen, fast immer gleichgroßen Samen der Frucht in alkt-r Zeit als Gewichtseinheiten— also ebenso wie das heurige Karat noch— für Gold und Juwelen verwendet wur- den. Während dos Karat als Goldeinheitsgewicht nur mehr wenig im Gebrauch ist, werden die Edelsteine fast allgemein nach dem Karat' bewertet.• � mt Million Liier Weine gelangen ohne Preiserhöhung zum Verka�H. Ffllnst« Aptalvcin buj, 13 j; Ltr. 0.75 Echter Tarrajoiu»tia,... Ltr.*.30 Mterlchaimisbeerwalm«; Ltr. 0.95 Echter Btischaawein sis.. Ltr.*»0 Feicßar Kirscüweiu. 1«% Ltr. 1. 10 Echter Mtlaga sü..... Ltr. 1.50 Echter Erdhearweta.ux Ltr. 1.45 Echter iasel Samcs saß.. Ltr 1 90 cchlor Aplslvsill-urvovI«.Ltr. 0.50 Echter SanBtOmachtmiohfr8W.L. 1.90 Ori�teal 1922 WaibTetee..Fi. 1.50 Ordinal 1921 Woibtalne. FL 1.00 galll ZaulöN! 1921 SordeaiiF FI. 2.25 1924, 25, 26 Weihwetes FL 1.15 fernste Rotweins...... fl 0.05 Echte fioideam-Weteg... fl 1.50 KWZSsrüsAZens Liier Wriwsse» reJaelcr Aquavit für Kenner.......'h Fl. 2.10 Liter 2.35 Feiaster Weiabraad Verscba.••• stern.>/, fl 2.35 Liter 2.99 Echter deutscher Weinbrand»- stern. FL 2.10 Liter 3.95 Alle Zdelllhöre bis 38 0/n....... fl 3.10 Liter 3.95 Kostproben gratis Ausschank direkt vom FaB. 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