Mbendausgabe Nr.ISH ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. HZ B«,ugsb«dinmnMN und«n»i«npr«is» Und in der Morgcnausgab« ong«gebeu «edottioa: STD. 68, ClnOenftca&e i Fernsprecher> VSnhofs 202— 261 lel.-Adress«: Sozlaldemokratver»» sw W Derlinev VolKslrlÄkt (iG Pfewiig) Freitag 22. �pcU 1 927 «erlog und Anzelgenabtriluugi SkschSstszelt dl, S Uhr -Zerleger:«ocnäcia- Leriag GmbH. Oetlin Sw 63, eladenstrntz, 9 Fernsprecher- vSnhoft 2S2— 261 Z�entralorgsn der Sozi aldcm okrati fehen parte» Deutfchlands Englanös China-Militarismus. Kein Mensch denkt an Verhandlungen.— Die Truppen sind für den Kampf im Innern bestimmt. London. 22. April. 3n Anbeirachi der sortgesehien Truppen- transporke nach China nimmt ein Teil der liberalen englischen Presse seht scharf gegen die Politik des konservativen Kabinetts Stellung. Auch Blätter, die den Chinakurs der Regierung bisher unterstützt haben, beteiligen sich an diesen Angriffen. 3n der Tat gewinnt man mehr und mehr den Eindruck, als ob England beab- sichtigt, Truppen in das Innere Chinas zu werfen. Der ..Manchester Guardian" erblickt darin eine Aenderung der bis- herigen Regierungspolitik und verweist insbesondere darauf, daß in den Aemtern heute kein Mensch mehr daran denke, ernsthast mit den Machthabern in China Verhandlungen zu führen. Der zweiseilige Charakter der englischen Politik, den man noch vor wenigen Monaten verspürt habe, sei nicht mehr vorhanden und er- seht durch eine Politik rein militärischen Charakters. 150 ausländische Kriegsschiffe! Die Zahl der augenblicklich vor h an kau befindlichen frem- den Kriegsschiffe beträgt insgesamt 43. die Zahl der vor Schanghai liegenden Schisse ist wesentlich größer. Zm ganzen liegen in chinesischen Gewässern nicht weniger als 150 fremde Kriegsschiffe. Tschiangkaischek verhandelt mit Tschangtsolin und den Kommunisten. London, 22. April.(MTB.)„Daily Telegraph" meldet aus Schanghai: Der Krieg zwischen dem Norden und dem Süden ist zeitweilig eingestellt; aktive Verhandlungen haben seit Tagen zwischen Tschiangkaischek und Tschangsolin stattgefunden. Cz wird erklärt, wenn die Behörden in H a n t a u der Kontrolle Nankings zustimmen, so werde Tschiangkaischek versuchen, den Konflikl freundschaftlich beizulegen. Wenn jedoch Wider- stand erfolge, würden Zwangsmaßnahmen angewandt werden. Es wird angenommen,„da Nanking jetzt die äe kscto-Regierung ist". daß die Mächte ihre Note der Nankinger Regierung überreichen werden. Das nationale Hauptquartier sagt voraus, daß die Regie- rung sofort allen Forderungen nachkommen werde, da sie wenigstens für den Augenblick nicht beabsichtig«, die Gefahr irgend- welcher Schwierigkeiten mit den Mächten auf sich zu nehmen. „ü'.mcs" meldet au» Schanghai: Tschiangkaischek genießt in Nanking die offene Unterstützung der bekanntesten Mitglieder der Kuomintang und der I n t e l l i g e n z. Auch die Mittelklasse ist vollkommen auf seiner Seite. Es wäre jedoch ein Irrtum, anzu- nehmen, daß die kommunistische Macht gebrochen sei. Reuter meldet... Schanghai, 21. April.(Reuter.) Die neu« Regierung Tschiang- kaischeks in Nanking hat die Hankauer Regierung vollständig ver- drängt. Tschiangkaischek hat B o r o d i n und alle seine Mitarbeiter sowie drei kommunistische Minister entlassen. Das nächste Ziel Tschiangkaischek» besteht darin, die Mächt« zu besänf- tigcn(!), die Kommunisten zu entfernen und der Drohung des Vor- morsches Tschangsolins zu begegnen. Kanton, 22. April.(Eh. Nt.) Hier traf eine Delegation der kommunistischen Gewerkschastsinternationale ein. Tschiangkaischek erklärte ihr, daß die Ausschließung der chinefi- fischen Kommunisten aus der Kuomintang erfolgt wäre, um die Unruhen innerhalb der Nationalbewegung zu beenden. Die von Sunjatjsn in ihren Grundzügen festgelegte und von den Parteitagen bestätigte Politik der Kuomintang erlerdet nicht die gering st e Veränderung. Die Lockspitzelpolitit öes„Wiking*. Zeugenvernehmung in Leipzig.- Sodenftern wollte einen kommunistischen Putsch provozieren.— Ehrhardt zur Stelle. E. K. Leipzig. 22. April.(Eigener Drahtbericht.) Das Puppenspiel um Ehrhardt hat jetzt eine überraschende Wen- dung genommen. Derselbe Rechtsanwalt Bloch, der gestern Ehrhardt als unabkömmlich entschuldigte, kündigt heute bei Beginn der Sitzung an, daß er Ehrhardt auf 12 Uhr mittags geladen habe. Pathetisch verkündet Herr Bloch mit Beziehung auf eine Bemerkung, die der Bertreter des preußischen Staatsministeriums getan hat, daß Herr Kapitän Ehrhardt eine Röntgendurchleuchtung seiner Persönlich- keit nicht zu scheuen habe. Man wird darüber geteilter Meinung sein können. 3m übrigen bleibt zweiselhast, ob Ehrhardt überhaupt als Zeuge vernommen werden könne. Die Vertretung der preußischen Regierung behält sich einstweilen ihre Anträge vor. Der Vorsitzende N i e d n e r wirft aber schon jetzt die Frage auf, ob Ehrhardt nicht als Vertreter der«inen Partei, nämlich des Wikings zu betrachten fei, weshalb er als Zeuge nicht in Betracht komme. Dieselbe Zweifelsfrage ergibt sich übrigens bei den als Zeugen geladenen Herren Oberst L u ck und v. S o d e n st e r n. Nunmehr wird der angefochtene Beschluß des Kleinen Senates vom 13. Oktober 1926 verlesen. Dieser Beschluß erklärt bekanntlich das von der preußischen Regierung ausgesprochene Berbot der Verbände Wiking und Olympia für ungerechtfertigt. Die Begrün- dung ist außerordentlich lang. Man staunt über die Naivität, mit der Herr Niedner und seine Beisitzer— der Beschluß ist ein- stimmig ergangen— die faulen Ausreden der Wikingleute K n a u e r, L u ck usw. geglaubt haben. Zwischendurch wird die Verlesung unterbrochen. Ministerialrat S ch ö n n e r kündigt neues Material an. In Schmalkalden hat eine Durchsuchung stattgefunden und ergab. daß der Mklng dort»roh des Verbotes fortbestehe. Bei dieses Gelegenheit wurde neues wichtiges Material gefunden. Ministerialrat Schönnen regte weiter an zu entscheiden, ob nach dem vorgetragenen Material überhaupt noch eine Zeugenvernehmung not- wendig sei oder ob nicht das vorgelegte Material bereits genüge. Der Vorsitzende hat Bedenken gegen eine Beschlußfassung in diesem Stadium. Es erfolgt nun der Aufruf der auf- 10 Uhr ge- ladenen Zeugen. Zunächst ist die Gruppe des Jungdeutschen Ordens da vertreten durch Mahraun, Bornemann, General Salzenberg, Käfehage, sodann die geladenen Wiking und Olympia, vertreten durch ein Dutzend Personen, von denen es niemand unter dem General oder Obersten a. D. tut. Im Zivil machen sich die Gestalten der Luck, Soden st ern, Knauer usw. so imposant, wie sie sich der Laienverstand als Führer des Wikingbundes vorstellt, fjferr Senatsprästdent Niedner zerfließt natürlich vor diesen militärischen Größen in Höflichkeit, die man gegenüber linksstehenden Angegriffenen keineswegs gewohnt ist. Er bedauert außerordentlich, daß die Zeugen bis 12 Uhr haben warten müssen. Außerordentlich merkwürdig ist die Eidesbelehrung, die Herr N i e d n e r gibt. Er weist nämlich die Zeugen darauf hin, daß über ihr« Vereidigung Beschluß gefaßt werden wird und meint: Wenn Sie dann schwören sollen, können Sie ja immerhin Ihre Aussage vor der Beeidigung noch widerrufen. Die Zeugen werden vermutlich daraus die Lehre ziehen, daß sie erst die Wahrheit zu sagen brauchen, nachdem das Gericht ihre Be- «idigung beschlossen hat. Wenn man an Ehrhardt und seine merk- würdige Auffassung des Eides denkt, ein äußerst bedenkliches Vor- zeichen. Ehrharüt zur Steve. Um 12 Uhr ist Ehrhardt tatsächlich zur Stelle. Er steht wohlgenährt und gut gepflegt aus. Ihm zur Seite nimmt sein Adjutant Lieb ig Platz. Auf die Frage des Vorsitzenden erklärt Ehrhardt, daß er feit seiner Rückkehr aus dem Auslande, also seil Rlai 1926 gesetzlicher Vertreter des Wiking ist. Es erhebt sich eine Debatte darüber, ob E h r h a r d t der Ver- Handlung beiwohnen darf. Die preußischen Vertreter haben B e- denken, weil Ehrhardt auch als Zeuge in Frage kommt. Das Gericht steht auf dem Standpunkt, daß Ehrhardt als g e s e tz- Richer Vertreter nicht gleichzeitig Zeuge sein könne. Rechtsanwalt RIartin meint, das träfe nach der Zivilprozeß- ordnung, aber nicht nach der Strafprozeßordnung zu. Schließlich kommt aber eine Einigung dahin zustande, daß Ehrhardt der Verhandlung beiwohnen darf. Auch L i e b i g darf es, obwohl er nach Angabe der preußischen Vertreter als Zeuge für das neue Material in Frage kommt. Rechtsanwalt Sack ist sehr neugierig und will durchaus das neue Material jetzt schon kennen lernen. Die Bekanntgabe wird jedoch noch zurückgestellt. Wie wir erfahren, handelt es sich bei dem in Schmalkalden beschlagnahmten Material um neue Urkunden, aus denen hervorgeht, daß die Ortsgruppe den Wiking trotz des Verbots fortsetzt« und dabei den Mitgliedern unbedingte Gehorsamspflicht und unbedingte Schweigepflicht auch gegenüber den Behörden auseclegte. Nunmehr wird endlich in die Zeugenvernehmung ein- getreten. Erster Zeuge ist Herr Käsehage vom Jungdeutjchen Orden. Er hat seinerzeit vor dem Bundeskanzler Bornemann ein sogenanntes Protokoll über die Besprechung der Führer der Vaterländischen Verbände in Berlin am 11. März 1926 abgegeben. Aus diesem Protokoll ist namentlich wichtig die Erklärung S o d e n st e r n s, der ausführte: ein Putsch der Rechtsseite sei zum Scheitern verurteilt, solange nicht ein Kommunistenputsch vorangehe. Wenn dieser kommunistenpulsch nicht von selber komme, so müsse er eben erzwungen werden, indem die großen Firmen ihre Arbeiter aussperrten und aus die Straße setzten. Die Vaterländischen Verbände sollten sich zu Anfang dieses provozierten Kommunistenputsches passiv verhalten und erst der Regierung zu Hilfe kommen, wenn diese mit der Errichtung einer nationalen Diktatur einverstanden sei. Käsehage soll angeblich die Ausführungen dieses Protokolls später widerrufen haben. 3n der heutigen Verhandlung bleibt er aber durchaus dabei, daß seine An- gaben in allen wesentlichen Punkten richtig sind. Cr ist als Geschäfts- führer des Jungdeutschen Ordens, Gruppe Berlin, ständig zu den Sitzungen der Vaterländischen Verbände hinzugezogen worden. Das in Frage kommende Schriftstück sei allerdings kein während der Sitzung abgefaßtes Protokoll, sondern ein nach der Sitzung für die Ordenslegung angefertigter Bericht. -Wikings wollte provozieren. Käsehage erklärt, daß er auch nur insofern das Protokoll be- richtigt habe, als S o d e n st e r n vielleicht in den einzelnen Punkten sich etwa vorsichtiger ausgedrückt habe. Deä Sinn habe er durchaus richtig wiedergegeben. Es sei keine zusammenhängende Rede ge- wesen, sondern eine Unterhaltung. Sodenstern habe den hier in Frage kommenden Gedankengang auch nicht nur das eine Mal ge- äußert, sondern ihn öfters ausgesprochen, namentlich in den Sitzungen, die etwa alle 14 Tage in der Bülowstrahe abgehalten wurden. Senatspräsident Riedner macht den merkwürdigen Einwand: Wenn v. Sodenstern nur gesagt habe, eine nationale Umwälzung habe nur dann Erfolg, wenn ein kommunistischer Putsch vorangehe, so sei dagegen vielleicht gar nicht» einzuwenden.(!!!) Es fragt sich nur, ob v. Sodenftern auch noch geäußert habe, der kommunistische Putsch müsse eventuell provoziert werden. Käsehage: Er hat bestimmt gesagt, wenn der Putsch nicht kommt, dann muß dafür gesorgt werden. Er hat gesagt:„Dann muß er eben kommen!" Ich konnte das nicht anders auffassen, als daß dieser Putsch künstlich herbeigeführt werden sollte. So offensichtliche Mühe sich Senatspräsident Riedner auch gibt, den Zeugen zu erschüttern, bleibt er doch fest bei seiner Aus- sage._ Verfassungsbruch in Württemberg? Reichstagsabg. Hoernlc verhaftet. Die„Rote Fahne" meldet, daß die Redakteure der„Süd- deutschen Arbeiterzeitung", Reichstagsabgeordneier H o e r n l e und Max Hammer, sowie ein Sekretär der„Roten Hilfe" am Donnerstag verhaftet wurden. Hammer fei schließlich wieder freigelassen, Hoernle dagegen in Haft behalten worden. Der Grund für diese Verhaftung bestehe in einem Abdruck von drei Briefen russischer Arbeiter und Rotarmisten an die politischen Gefangenen Württembergs. Die betreffende Ausgabe des Blattes wurde beschlagnahmt. Die Anklage gegen die.verhafteten Personen lautet auf„Vorbereitung zum Hochverrat". Die kommunistische Reichstagsfraktion habe bereits Protest gegen die Berhaftung ihres Mitgliedes Hoernle bei dem Reichstagspräsidium erhoben. Sie bezeichnet die Ver- Haftung als willkürlich, da sie unter Immunitätsbruch erfolgte. Ob das Vorgehen der württembergischen Polizei gegen die „Süddeutsche Arbeiterzeitung" notwendig war, läßt sich ohne Kenntnis der Briefe nicht beurteilen. Aber es Ist bekannt, daß neben der bayerischen Regierung das württembergische Kabinett Bazilles den Kommunisten gegenüber häufig Methoden anwendet, die mit dem Geist der Reichsverfassung nicht mehr zu vereinbaren sind. Wenn sich die Nachricht von der Verhaftung des Reichstags- abgeordneten Hoernle bestätigen sollte, so handelt es sich hier ohne weiteres um einen glatten Verfassungsbruch, der nicht geduldet werden kann. Die Mitglieder der Parlamente sind immun. Ihre Verfolgung darf nur in die Wege geleitet werden, wenn das zuständige Parlament seine Einwilligung dazu gegeben hat. Das Vorgehen der wllrttembergischen Polizei bedeutet deshalb zu gleicher Zeit einen Anschlag auf die Rechte des Reichs- rag»._ Reichsslnanzminister Dr. Köhler hat sein Mandat zum Badischen Landtag niedergelegt, da er seinen Wohnsitz mit seiner Familie endgültig nach Berlin verlegt. Die Räumung Saarlouis' von französischem Militär scheint bevorzustehen. Die Einberufung zweier Reservejahrgänge in Albanien soll nur rein polizeilicher Natur sein— sagt die albanische Gesandtschaft in Paris. Dillig davongekommen ist der italienische Lockspitzel Viola, der unter den Italienern in Frankreich„wirkte". Er ist auf Anord- nung des französischen Innenministeriums nur über die italienische Grenze abgeschoben wanden. Mein und dein. Ter schimpfende Caesar vor Gericht. Ein Arzt namens Caesar hatte in der Zeit des Volks- begehren? in einer Publikation gesagt, nur Leute, die auf den Un- terschied von Mein und Dein keinen Wert legen, kämen für die Eintragung in die Listen in Betracht. Genosse Z a p p a y- Niesky O.-L., hatte darauf gegen den Arzt eine B e- seidigungsklage anhängig gemacht. Der Arzt wurde je- doch in erster Instanz und vor dem Berufungsgericht unter Be- rufung aus Z 193(Wahrung berechtigter Interessen) freige- sprachen. Genosse Zappay gab sich dämit nicht zufrieden und er- reichte jetzt vom 2. Strafsenat des Oberlandesgerichts in Breslau folgendes Urteil: „Das angefochtene Urteil wird mit den zugrunde- liegenden Feststellungen aufgehoben und die Sache zur an- derweitigen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an die Strafkammer des Landgerichts in Görlitz zurückgewiesen." In der Begründung des Urteils wird u. a. darauf hingewiesen, ..daß die Feststellungen des Vorderurteils so lückenhaft sind, daß sie nicht für die Anwendung des Z 193 des StGB, ausreichen. Der An- geklagte hat nach den Feststellungen des Berufungsgerichtes die Ver- öffentlichung nicht im eigenen Namen als Privatperson, sondern im Austrag des„Nationalverbandes deutscher Offiziere" als dessen Mitglied veranlaßt. Er hat mithin bei seiner Bekanntmachung fremde Interessen wahrgenommen. Der Schutz des Z 193 StGB, kann ihm daher nur zugebilligt werden, wenn es sich nicht nur um ein berechtigtes Interesse seines Verbandes, sondern auch um eine seine Person nahe angehende Sache handelte. Beides ist vom Vorderrichter nicht näher geprüft und dargetan worden...." Am Schluß der Begründung heißt es:„Daß die Aeußerung wie in der Revisionsbegründung ausgeführt wird, hier nur bei Ge- legenheit der Wahrnehmung berechtigter Interessen fiel, ist abwegig. Denn nach der Urteilsbegründung benutzte der Angeklagte die Er» widerung auf die öffentlichen Anschläge gerade dazu. um der Beteiligung an der Eintragung in die Listen entgegenzuarbeiten. Dem Görlitzer Gericht wird damit Gelegenheit gegeben, die infame Beleidigung, die sich der Dr. Caesar erlaubt hat, wenigstens nachträglich zu sühnen. Um üen Einheitsstaat. Debatte auf dem demokratischen Parteitag. Auf dem Hamburger demokratischen Parteitag sprach nach dem Referat Kochs Oberbürgermeister Dr. Luppe als Korreferent. Er führte aus: 1919 hatten wir alle gehofft, ein großes Stück weiter zum Ziele des Einheitsstaats zu kommen, als dann in Weimar erreicht wurde. Seitdem find noch manche rückläufige Bewegnugen zu verzeichnen, wie sie in der ersten bayerischen Denkschrift auch zum Ausdruck kommen, und es schien, als wenn der Gedanke des Einheitsstaates nicht vorankommen könne. Aber namentlich die finanziellen Nöte von Reich, Ländern und Gemeinden haben den Gedanken des Ein- hcitsftaates wieder besonders lebendig werden lassen. Stark ist aber die Gefahr, daß wir uns zwar dem Einheitsstaat nähern, aber vor- her die Dezentral i l a t i o n, die Selbstverwaltung, z e r t r ü m. m e r n. Würde dies« Zertrümmerung vollkommen sein, dann wäre ein Resultat erzielt, das wir nicht wollen. Wir wollen, daß auch im Einheitsstaat die kulturellen Eigenarten sich auswirken können. Daß zur Schaffung des notwendigen Einheitsstaates Preußen nicht zerlPLmirtert zu werden braucht, ist heute selbstoerständlich. Der umkehrte Gedanke, daß die anderen Länder alle in Preußen auf- gehen sollten, wird auch nicht zum Ziele führei�. Für die Durchführung des Gedankens des Einheitsstaates sind zwei Weg. e gang- bar. Einmal, daß die Zuständigkeit des Reiches aus- gedehnt wird; zum anderen muß der Weg beschritten werden, daß die Länder freiwillig im Reiche aufgehen. Die Länder müssen in ihrer Selbständigkeit bestehen bleiben: aber P a r- l a m e n t e und Regierungen der Länder müssen ver- schwinden und die betreffenden Aufgaben der Länder auf Reichs- tag und Reichsregierung übergehen. Dann kann das Reich eine wirkliche Dezentralisation durchführen. Es muß auch der Weg ge- Catina. Von Max D o r t u. Catina, ja!, die war meine erste Liebe. Sie war dreizehn, ich war vierzehn. Meine Eltern betrieben in Maderno am Gardafee ein kleines deutsches Gasthaus. Das lag gegen den See hin, an der Piazza. Sluf der Piazza stand der marmorne Heilige Ercoliano. Der See war blau, weiß schäumte die Woge auf die Piazza. Rechts stiegen die Weinberge hinauf zu Monte Maderno— besten altes Kirchlein sang täglich dreimal sein wehmütiges Lied, mit dem ver- rosteten Glockenspiel. Ueber Monte Maderno stieg die kühne Dolomit- zacke des Monte Pizzoecolo, wie eine spitze Nadel, die der goldenen Sonn« ins schöne Bein stechen wollte. Auf der Piazza standen Maulbeerbäume, drin pfiff nachmittags der Südwind, die Ora— die Punkt zwei Uhr einfetzte. Wenn Markt war, brüllten auf der Piazza die großen weißen Ochsen— und das Gasthaus meiner Eltern war voller Bauern und Viehhändler, ich selbst mußte be- dienen: Wein und Käse und gebratene Ente herumtragen— das tat ich nicht gern«— ich war zu stolz dazu— nicht um meinetwillen, sondern um Catinas willen, denn sie war doch meine Angebetete, sie war dreizehn, ich vierzehn— sie sah mich„bedienen", ich kam mir in meiner Liebe zu ihr durch dieses„Bedienen" gedemütigt vor. Und sie? Sie lächelte, sanft und schüchtern— und doch alles sagend, sie war eine kleine Mona Lisa. Catina!, Catina!, du dreizehn Jahre, ich vierzehn. Catina wohnte nebenan, an ihrem Hause blühten vom Balkon herab! die roten und die weißen Hängenelken— sommers wie winters. Catinas Mutter war eine gelbe, vergrämte Frau. Und der Voter? Der war in Amerika. Eines Tages kam der Vater un- erwartet aus Amerika zurück. Aber wie!? Betrunken! Sternhagel besoffen— trugen ihn drei oder vier Saufkumpane ins Haus— seine Frau weinte— aber Catina!, die lächelte— sie lächelte mir aus den braunen sanften Augen ihre Liebe zu wie immer, trotz des betrunkenen Vaters. Das gab meinem Herzen einen Stich, dieses Mädchen mußte kein« Ehre im Leibe haben— ich!, der ich mich vor ihr schämte Gäste zu bedienen, ich war anders— sie aber blieb kalt lächelnd wie eine Marmormadonna— wo ihr der Vater be- trunken ins Haus getragen ward. Das war mir zu viel! Ich liebte Catina nicht mehr, sie lächelte und blinzelte zwar weiter, ich aber wies ihr den Rücken. Meine Liebe war ein Segel- boat geworden, das mir mein Dater fürs„Bedienen" geschenkt hatte, mit dem Boote fuhr ich bei Sonn« und Sturm auf den See hinaus, ich fischte auf Carpioni, auf Lachsforellen— aber ich fing nichts. Catina!, meine erste braune Liebe, die hatte ich vollkommen vergessen— wegen ihres Sichnichtfchämens für den betrunkenen funden werden, wie Preußen im Reiche aufgehen kann und wie Reichsregierung und Reichstag die Verwaltung Preußens übernehmen können, so daß der bisherige Dualismus oerschwindet. In der Aussprache nahm als erster Redner der preußische Finanzminister Dr. höpter-Aschosf das Wort: Das Verhältnis des Reiches zum größten Lande Preußen berge viele Schwierig- leiten in sich. Die Reibungen zwischen den beiden verwaltungszenlralen des Reichs und Preußens verschlängen ein Drittel der ganzen Arbeitskraft, die im preußischen Ministerium überhaupt aufgewandt werden müsse. Die jetzige Gliederung des Reiches fei unhaltbar. Die Verhandlun- gen über den Finanzausgleich zwischen dem Reiche und Preu- ßen hätten zu erschütternden Kämpfen geführt. Eine Zerschlagung Preußens komme nicht in Frage, da man damit dem Reiche seinen stärksten Rückhalt nehmen würde. Auch die Neubildung und Um- bildung von Länderstaaten in Reichsländer lehnte der Redner ab und bezeichnete Kompetenzer Weiterung im Reiche als notwendig. Ministerialdirektor Pöhsch- Sachsen wies darauf hin, daß be- reits die Weimarer Verfassung die Wandlung vom Bundesstaat zum Einheitsstaat gebracht habe. Der deutsche Einheitsstaat müsse aus der Grundlsage der Selbstverwaltung aufgebaut werden. Der Red- ner lehnte die Bildung eines besonderen preußischen Norddeutsch- lands ab. Als letzter Diskussionsredner betonte Oberbürgermeister Löß- Berlin, der heutige Parteitag sei als ein« Reaktion auf die Politik der jetzigen Reichsregierung anzusehen. Es herrsche der Eindruck vor, als ob diese neue Reichsreeierung eine föderal! st ische Politik treiben wolle. Die bisherig« Reichspolitik und auch die Politik vieler Länder habe eine Bedrohung und teilweise einen Abbau der Selbstverwaltung gebracht. Bei einer Kom- petenzerweiterung im Reiche müsse eine neue Selbstverwaltung geschaffen werden. Bor allem sei aber notwendig, die Beamten am Einheitsstaat zu interessieren. Die Aussprache wird heute fortgesetzt. Staatsrat gegen Landtag. Einspruch gegen die Gehaltserhöhung der Gewerbe- und Handelsschullchrer. Der preußische Staatsrat hat gestern mit kl gegen 4 Stimmen gegen die vom Landtag beschlossene Novelle zum Gesetz über das Diensteinkommen der Gewerbe- und Handels- l e h r e r und-lehrerinnen Einspruch erhoben. Der Einspruch wird folgendermaßen begründet: In dem Gesetz wird durch die neue Fassung den planmäßig an- gestellten Lehrern und Lehrerinnen, ferner den hauptamtlichen plan- mäßig angestellten Leitern und Leiterinnen von Schulen mit weniger als vier hauptamtlichen Lehrpersonen die Möglichkeit der Auf- rückung nach Besoldungsgruppe.A10 gewährt. Eine solche Aufrückungsmöglichkeit würde zu Berufungen der Mittel- schullehrer der gesamten Volksschullehrer und anderer Beamtengruppen Veranlassung geben. Die daraus für die S t a a t s- lasse sich ergebenden Mehrbelastungen würden sehr erheblich sein. Das gleiche gilt für die Belastungen der Gemeinden und der beitrags- Pflichtigen Gewerbebetriebe. Entscheidend ist aber grundsätzliche Erwägung, daß der nach der Erklärung des Finanzministers beab- sichtigten Besoldungsreform durch eine derartige einzel- gesetzlich« Regelung zugunsten bestimmter Gruppen nicht vorgegriffen werden darf. Nach der Regierungsvorlage sollte weiter den Lehre- rinnen das Grundgehalt um 19 Proz. gekürzt werden. Nach§ 1 Absatz 6 des vom Landtage beschlossenen Entwurfs soll diese Kürzung nur Platz greifen,„soweit ihnen nicht dasselbe Arbeitsmaß zugeteilt ist wie den Lehrern". Damit würde, nach Ansicht des Aus- schusses, ein für die gesamten Volksschullehrerinnen geltender Satz für tue Gewerbe- und Handelslehrerinnen verlassen werden. Auch für dies«— an verschiedenen Stellen wied«kehrende — Vorschrift liegt ein ausreichender Anlaß nicht vor. Sollte sich bei der Besoldungsreform die Notwendigkeit ergeben, eine Vorschrift der gedachten Art vorzusehen, würde sie zugunsten aller Lehrerinnen Platz greifen müssen. Die preußische Regierung wird trotz des Einspruchs den 29-Mark-Staatszuschuß an die Gemeinden zahlen, weil die dazu erforderlichen Mistel bereits in den Etat eingestellt worden sind. Vater. Aber schön war sie, die Catina!, dreizehn Jahre, weiße und rote Nelken, Augen wie blanker Bernstein, Hände wie von heller Bronze, die Lippen glühten wie Rosen.. Zu bemerken ist noch— daß ich später selber ein Säufer ward. Die verlassene Catina hatte sich an mir gerächt, durch heiße Gebete zu ihrer Madonna. wochenenöe in öer Schule. Die Bestrebungen zur Schaffung eines deutschen Wochenendes, das gerade für den Großstädter zu einer Notwendigkeit geworden ist, müssen unvollkommen bleiben, wenn nicht auch die Schule sich dieser Bewegung anschließt. Einmal durch Hinweise und Belehrungen im Unterricht, durch Anfertigen von freigewählten Aufsätzen, Zeichnun- gen, Besprechungen von Reiseplänen, wodurch die Idee schon bei der Jugend volkstümlich gemacht werden kann, vor allem aber durch Umstellung des Stundenplans, damit Lehrer und Schüler neben den theoretischen Wochenenderörterungen auch praktisch an dieser Wohltat teilhaben können. Darum muß die Forderung an die Schulbehörden erhoben werden: Veranlaßt für das Sommer- semester die Schließung sämtlicher Groß-Berliner Schulen Sonn- abends um spätestens 11 Uhr vormittags, damit die Schüler rechtzeitig ins Frei« kommen und ein wirkliches Wochenend genießen können. Lieber zwei Grommatikstunden in der Woche weniger, und dafür Licht, Luft und Sonne in Hirne und Herzen der Heranwachsenden! Studienassessor Dr. WillyBlumenthal. Neues von den INarstanälen. Kann man denn über diese Gebilde überhaupt noch Neues sagen? Es ist schon soviel über sie gesprochen und geschrieben worden, von den phantasievollsten Vor- stellungen als Bauwerke vernünftiger Marsbewohner bis zur Eni- stehung durch optische Täuschungen, daß es kaum möglich erscheint. noch wesentlich Neues beizubringen. Das hat aber der Physik- Professor Z e h n d e r aus Basel in einem Vortrag über die physikalischen Grundlagen der Marskanäle, den er in der Treptow- St ernwarte hielt, getan. Er stellte dar. wie sich der Mars allmählich aus einem Gasball zu seiner gegenwärtigen Gestalt entwickeln mußte. Dabei erhielt er eine Atmosphäre, die fast gar keinen Wosserdampf enthält, sondern im wesentlichen Sauerstoff und Stickstoff, wie die unserige, aber sie ist viel dünner, so daß wir bis auf sein« Oberfläche ungleich wie bei den anderen großen Planelen hindurchblicken können. Aus dieser Oberfläche mußten sich Risse, Spalten und bergartige Verwerfungen bilden, durch die das flüßige Magma in großen Mengen aus dem Innern herausströmt« und zur Erstarrung kam. Besonderen Anlaß zu solchen Verwerfungen Konnte ein auf den Mars stürzender Planetoid geben. Bei der großen dort herrschenden Kälte, die Zehnder auf fast 299 Grad schätzt, muhte die Rinde spröde und rissig werden, aber die Schwere hielt die Bruchstücke in kilometerbreiten Spalten zu- sammen. Die Schatten solcher Verwerfungen sind es, die wir als die kanalartigen Striche wahrnehmen. Längs dieser Bergzüge ziehen Wolken hin, die ebenfalls Schatten werfen, die den ersteren fast parallel verlaufen und so den Anlaß zu der zeitweiligen Ver- Wie die Siedlung verzögert wird. Unverständliche Praktiken einer Behörde. Oft schon wurde Klage darüber geführt, daß das S i e d l u n g s- werk nicht recht vorwärts schreitet, weil die Bureaukratie immer wieder neue Schwierigkeiten ausfindig macht, die die Durchführung der Siedlung hinauszögern. Eine sozialdemokratische Anfrage im Preußischen Landtag berichtet jetzt von folgendem Fall: Im Jahre 1919 stellten 33 Kleinbauern der Stadt Lieberose, Kreis Lübben, beim Kulturamt in Kottbus einen A n- liegerfiedlungsantrag auf Ueberlassung von insgesamt 132 Morgen guten Ackers und Wiese aus dem Besitzstand der etwa 69 999 Morgen großen Standesherrschaft des Grafen von der S ch u l e n b u r g auf Lieberoje. Der Magistrat der Stadt Lieberose hat sich diesem Antrag angeschlossen und das Kulturamt in Kottbus hat ebenfalls das Siedlungsbedürfnis anerkannt. Acht Jahre schleppt sich bereits das Verfahren hin, ohne daß die Wünsche der Anlieger Berücksichtigung fanden. Zu einem Augenscheintermin hat der Ministerialrat von B o t h einseitig den Grafen von der Schulenburg geladen, während die Siedler ab- gewiesen wurden. Das Ergebnis des Verfahrens war, daß der Ministerialvertreter den leichtesten Boden als fiedlungsfähig erklärte. Bei der Annahme dieses An- gebots laufen die Anlieger Gefahr, auf dresem Boden Kapital und Arbeitskraft nutzlos zu vertun. Angesichts der M i ß w l r t f ch a f t auf der Besitzung des Grafen von der Schulenburg hat die Eni- scheidung der Kulturbehörden bei den Anliegersiedlern eine durch- aus verständliche Empörung hervorgerufen. Selbstverständlich verlangen die sozialdemokratischen Fragesteller das Einschreiten der Regierung gegen eine derartige Verschleppung des Siedlungswerkes. Es wäre in der Tat hohe Zeit, daß diejenigen Ministeriolbeamten, die nicht genügend Tatkraft zur Durchführung ihrer für die Volkswirtschaft so wichtigen Aufgab« ausbringen, ein- mal energisch zur Ordnung gerufen werden. Drbeiterverfolgung im Sowjetstaat. Verbanntenlos wie unterm Zarismus. Die von einer Gruppe parteiloser Arbeiter Ekaterinoslaws illegal herausgegebene„A r b e i t e r st i m m e" berichtet in ihrer Nummer vom 4. April über politische Massenverhaf- tungen von Arbeitern in der Ukraine im Monat Februar. Ver- haftet wurden: in Ekaterinoslaw 317, in Charkow 284, in Makajewki 216, in Odessa 171, in Kiew 149, in Mischaidnoprowsk 198. Von diesen Verhafteten sind bereits 18S Mann zur Verbannung verurteilt. In dem gleichen Blatt steht eine Korrespondenz von Verbannten im Gouvernement Wjatka, die zum Holzfällen im Walde komman- diert sind. Die Verbannten klagen, daß sie wie S r ä f l i n g e behandelt werden, in antisanitären und stacheldrahwmzäunten Lehmhütten wohnen müssen und unter Bedeckung zur Arbeit ge- trieben werden. Die Ernährung sei mangelhaft und minderwertig, sämtliche Verbannten litten deshalb unter Skorbut. Der Lohn betrage 69 Proz. des Verdienstes eines freien Arbeiters und werde ganz für den Unterhalt einbehalten, Seife, Zucker und Tabak nicht verabfolgt!_ Der ehemalige Regierungspräsident Springorum ist nach längerem Krankenlager gestorben. Springorum ist dadurch bekannt geworden, daß er als Regierungspräsident von Wiesbaden im Juni 1919 mit eigener Lebensgefahr den berüchtigten S c p a- rationsführer Lorten aus dem Wiesbadener Regierungs- gebäude hinausgeworfen hat. Springorum wurde damals von den Franzosen zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt, die tt,$nr Mainz verbüßen mußte. Der schweizerische Schulfachmann für die Oberschlesienkommission. Der Schulinspektor des Kantons Luzern. Maurer, ist zum schweizeri- schen Schulfachmann für die gemischte Kommission für Oberschlesien ernannt worden. Er wird dem Präsidenten dieser Kommission als Sachverständiger für die Prüfung der Eignung der Kinder zum Be- such der Minderheitsschulen in Oberschlesien auf Grund der Be- schlüsse des Völkerbundsrates beigegeben. Koppelung der sogenannten Kanäle geben.— Es wird abzuwarten fein, was die Astronomen zu dieser Erklärung von physikalischer Seite sogen. �t. Die produktive Erwerbslosenfürsorge der Stadt Verlin für Schauspieler, welche der Bühnengenossenschaft übertragen ist. hat sich auch kulturell werwoll ausgewirkt. Sechzehn kleine und kleinste Städte der näheren und weiteren Umgebung Berlins, welche bisher nie oder selten nennenswerte dramatische Kost erhielten, sind seit Oktober, in sich ständig wiederholender Folge, mit folgenden Stücken bespielt worden:„Renaissance",„Der zerbrochene Krug" und „Lottchens Geburtstag"..Lolportage",„Meisterboxer"(in der Faschingszeit).„Elga" und„Wenn der junge Wein blüht". Es wurden insgesamt 195 Erwerbslose beschäftigt. Die Gesamtleitung hatte Werner Bernhardy. Puppen als Friedensboten. Wie alljährlich, so fand auch in diesem Jahre mit Beginn des April das japanische Puppenfest statt. Die diesjährigen Puppenfestlichkeiten nehmen insofern eine Aus- nahmestellung ein, als sich hier zum ersten Male auch nichtjapanische Puppen daran beteiligt haben, und zwar gleich in Zehntaufenden.\ Es besteht in Amerika ein Verband, der von dem bekannten Finanz- mann Vanderlip geleitet wird, dessen Aufgabe es ist, die freund- schaftlichen Beziehungen zwischen japanischen und amerikanischen Kindern drirch einen organisierten Puppenaustaufch zu fördern. Von amerikanischer Seite wurde denn auch mit der Absendung von Tausenden dieser Boten der Freundschaft und des Friedens der erste Schritt in dieser Sache getan. Jede Äustauschpuppe bekam«inen Namen, einen Personenausweis, auf dem der Name des Kindes, in dessen Besitz die Puppe sich bisher befunden hatte, zu lesen war. Von den Puppen wurden die 48 schönsten sozusagen als off zielle Repräsentanten der Vereinigten Staaten ausgewählt. Diele hatte man nach Abschluß der Feierlichkeiten in das kaiserliche Museum in Tokio gebracht, wo sie nunmehr als sichtbare Zeichen des amerikani- schen Freundschaftswillens ein beschauliches Dasein führen. Ein Museum der Presse. In Pariser Tageszeitungen wird in letzter Zeit mehrfach angeregt, ein Museum der Presse zu schaffen. In der Leitung der französischen Presseausstellung, die dieser Tage eröffnet wird, hat man diesen Gedanken bereits aufgegriffen; gewisse Teile der Ausstellung sollen eventuell den Kern des künftigen Museums bilden. Allerdings ist bereits während der Vorbelprechun- gen ein Streit um die Priorität der Anregung entstanden, der unter Umständen den ganzen Plan noch zum Scheitern bringen wird. Spielplanänderung. Wegen Erkrankung im Personal findet die lür den 23. vorgesehene Slussührung von.Der Provticl" in der Städtischen Oper nicht statt. An deren Stelle wird.Turantot" gegeben. Professor«raehner, der Leiter des llädliichen Nöntgen. und Licht« inltitulcs im Bürgerhospital zu Köln, einer der bekanntesle» deutschen Radiologen, ist im Alter von 59 Jahren g e st o r b e n. Internationale Gefellschast für empirische Philosophie. In Berlin ist eine Ortsgruppe der Internationalen kAelellschasi für empirische Philosophie gegründet worden, und zwar unter Teilnahme von tÄrai von Area, Max Teri, Pros. Paul Fleischmann. Dr. A. Hcrzberg, Pros. Friedrich Kraus, Prof E. Lejchte, Prof. Joseph Petzold u. a. Hesiügelbörsen auf öer Straße. Der geplanten Bebauung des Scheunenviertels werden hier die zahlreichen Geflügelbörsen über kurz oder lang weichen müssen, die sich hauptsächlich in der Hirtenstraße zu einer stattlichen Front nie- driger Bretterbuden zusammenballen. Seit 1921 bilden diese „Börsen* die Zentrale des Tauben- und Kaninchen- Handels für ganz Berlin und Umgebung. Auch alle Arten von Hühnern findet man hier; angefangen von den schwarzen„Mi- norka*, die als Eierleger geschätzt werden, über schwarze, weiße und höhne, die bis zu 28 Pfund wiegen, Gänseküken, besonders von den umwohnenden Juden als Schlachtware begehrt, junge Enten und Hühnerküken, die mit ihren Glucken zusammen verkauft werden. Groß ist auch die Auswahl unter den K a n i n ch e n r a s s e n. „Holländer* und„Chinchillas", deutsche weiße Riesen, die bis zu 13 Pfund, und deutsche Riescnschecken, die bis zu 16 Pfund wiegen, füllen die Ställe. Durchschnittlich wird das PfundKaninchen mit einer Mark berechnet. Im Herbst ist die Saison für die Meerschweinchen, die dann von den verschiedenen medizinischen Instituten in großen Mengen zu Versuchszwecken gekauft werden, während zur Osterzcit die 6 bis 8 Wochen alten Kaninchen als „Osterhasen" guten Absatz finden. Im Frühjahr überwiegt der Verkauf vonLegehühnern. Den ersten Platz aber nehmen die Tauben ein. Bon der Unmenge bestehender Taubenrassen (man schätzt 12t)) kommen für den Berliner Handel etwa 15 Rassen in Frage. Die Zahl der privaten Taubenliebhaber in Berlin ist sehr groß, und die Nachfrage nach guten„Böcken" oder„Täubern" hält die Händler dauernd in Atem. Betritt man das Innere einer solchen„T a u b e n b ö r s e", so staunt man über die Mannigfaltigkeit der Tauben, die teils paarweise in Einzelkäfigen stecken oder sich zu vielen Dutzenden in geräumigen Sammelkäsigen herum- tummeln.„Koburger Lerchen",„Weißblattkröpfer",„Rote Strasser- tauben",„Magdeburger Wetßschwänze" in allen Farben, Calotten mit blauein Kopf,.Lachtauben",„Mohrenköpfe" und wie sie sonst noch heißen, werden mit geschicktem Griff aus dem Sammelkäfig hervorgeholt und dem Interessenten in einem besonderen Käfig zur Besichtigung vorgesetzt. Fünf bis sieben Mark ist der Durchschnittspreis für ein Pärchen der gang- barsten Taubenrassen. Für besonders hochgezüchtete Pärchen zahlen aber Liebhaber gern das Zehnfache. Auch sorg- sälttge Pfleg« kann nicht immer verhindern, daß Krankheiten, wie Schnupfen, Diphtherie, den Bestand dezimieren. Auch Ungeziefer (Milben) setzen den Tauben zu. Gegen die im Scheunenviertel so häufigen Ratten Helsen die in jeder„Börse" vorhandenen Katzen, die das Federvieh vollkommen ungeschoren lassen. Unterschlagungen eines Polizeibeamten. Der flüchtige Revierstellvertreter. Der Polizeioberwachtmeister T., der in einem Polizeirevier des Bezirks Alexander angestellt war, ist seit Mittwoch mittag flüchtig, da man Unregelmäßigkeiten in seiner Kassenfüh- r u n g entdeckt hatte. Die eingeleitete Untersuchung der Kriminal- polizei läßt erkennen, daß außer Geldbeträgen auch Akten von dem Flüchtigen unterschlagen worden sind. Eine Unter- suchung seines Schrejbtisches ergab, daß T. die eingegangenen Sum- men sür Strafmandate und wahrscheinlich auch Päßgelder nicht abgeliefert, sondern für sich verbraucht hat. Aus dem Fehlen der Belege für die Strafmandate schließt man, daß T. die dazu ge- hörigen Akten beseitigt hat. T., der als Stellvertreter des Revier- Vorstehers einen großen Teil aus den Geschäften wahrzunehmen hatte, genoß bisher das uneingeschränkte Vertrauen seiner Borge- setzten. Bislang ist es nicht gelungen, eine Spur des Flüchtigen zu finden. Mitteilungen werden an die Dienststelle? III im Polizei- dicnstgebäude, Georgenkirchstraße 30— 30a, entgegengenommen. * wie wir noch kurz vor Redaktionsschluß erfahren, ist I. im Laufe des vormittags in seiner Wohnung in Berlin verhaftet worden. Cr wurde dem Polizeipräsidium zugeführt und von Kriminalkommissar Konthock einem eingehenden verhör unter- zöge», über dessen Ergebnis bis zur Stunde Einzelheiten noch nicht b.kannt sind. Es hat den Anschein, daß die Versehlungen, die T. zur Last gelegt werden, nicht den Umfang haben, wie zuerst angenommen wurde._ Falsches Mordgerücht. Das Gerücht von einem Kapitalverbrechen war heute morgen in Wilmersdorf verbreitet. Die katholische Heiligkreuzkirche in der Hildegardstraße 3, die an der Straßenfront liegt, wurde nachts von einem 51 Jahre alten Heinrich Kruse aus Steglitz bewacht. Als AufeMhaltsraum diente ihm die Pförtnerloge am Eingang des Gebäudes. Hier wurde der Wächter heute morgen tot a u s g e- funden. Das Gerücht, daß er einem Verbrechen zum Opfer ge- fallen fei, veranlaßte das 155. Revier, die Kriminahnspenlon Wilmersdorf zu alarmieren, die alsbald mit einem Arzt erschien. Dieser stellte fest, daß der Mann einem Herzschlag erlegen ist. Die Leiche wurde beschlagnahmt. » Zu der Ehetragödie in der Scharren st raße, über die wir berichteten, wird mitgeteilt, daß der Berwaltungsinspektor a. D. Gustav K u n tz e im Krankenhause in der veigangenen Nacht der Schußverletzung, die er sich selbst beibrachte, erlegen ist. Seine Frau liegt noch so schwer danieder, daß sie nicht vernommen werden konnte. Ermäßigte Preise ans der Wochenend-Ausstellung. Um den Besuch der Großen Ausstellung„Das Wochenende", die täglich von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends(Einlaß bis 9 Uhr) ge- öffnet ist, weitesten Kreisen möglich zu machen, hat das Berliner Messeamt auch diesmal einen ermäßigten Eintrittspreis von 1 Mk. pro Person bei geschlossenen Führungen von mindestens 20 Personen(Vereine, Verbände, Organisationen jeder Art) täglich in der Zeit von 9 Uhr früh bis 4 Uhr nachmittags mit Aus- nähme der Sonntage festgesetzt. Die Führungen sind min- bestens einen Tag zuvor telephonisch unter Westend 5308/9 bei'der Hauptkasse der Swsstellung(Hall) anzumelden. Angesichts der langen Dauer der Großen Ausstellung„Das Wochenende" in allen Ausstellungshallen am Kaiserdamm hat sich die Ausstellungsleitung entschlossen, mit Rücksicht darauf, daß in i en Ausstellungskomplex sowohl der Funkturm als auch die neuen Gartenanlagen um den Funkturm einbegriffen find, Dauerkarten auszugeben, und zwar zum drei maligen Besuch zum ermäßigten Preise von 3 M.(statt 4.50 Mk.), sowie zum sieben maligen Besuch zum ermäßigten Preise von 6 M.(statt 1050 M.). Diese Dauerkarten sind jedoch nur an den Ausstellungskassenzu lösen. herbiljugeviiwelh« Neukölln Nnmelbungen werden in den vorwärts- Weditioncn, Neckarstr. 2, Siegfriedstr. 25/26, von 2—6 nachm. und im Pnilcidurcau. Neckarftr. 3(SPD.), von 5—7 abend» gegen Zahlung emer Anmeldegebühr von 50 Ps. entgegengenommen. Der verräterische ßingerabüruck. Aufklärung eines Raubmordes. In ihrer Wohnung wurde am 6. d. M. in Klein-Mochbern bei Breslau die 72 Jahre alte verwitwete Gutsbesitzerin Pauline Michling, geb. Utz, ermordet und beraubt. Die alte Frau war mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen worden und lag tot auf dem Fußboden. Außer schweren Kopfverletzungen hatte sie auch mehrer« Rippenbrüche erlitten. Alle Behältnisse waren erbrochen, Briefschaften und Papiere lagen zum Teil zerrissen umher. Auch die Taschen der Toten waren durchsucht und umgedreht. An barem Geld« waren, wie die Dreslauer Kriminalpolizei fest- stellte, nur 5 Mark geraubt worden. Der Mörder mußte der Frau bekannt gewesen sein, weil sie sehr vorsichtig und mißtrauisch war, bei Tag und Nacht ihre Tür mit einer Kette gesichert hielt und keinen Unbekannten einließ. Der Erkennungsdienst der Breslauer Kriminal- polizei fand nun an der Glasscheibe eines Bildes, das der Mörder von einer Kommode herabgenommcn hatte, als er diese aufbrach, Fingerabdrücke. Mit Hilfe dieser Abdrücke engte sie den Kreis ifcr Personen, die als der Tat verdächtig in Betracht kommen konnten, immer mehr ein. Sie übersandte dann die Abdrücke zu einer Ueberprüsung dem Erkennungsdienst des Berliner Polizeipräsidiums und der stellte bald fest, daß es sich um Abdrücke eines 26 Jahre alten Händlers und Fahrstuhlführers Max R o ß m a n n handelt, der bei seinen Eltern in Klein-Mochbern gewohnt und nach seiner Verheiratung den Ort verlassen hatte. Die Breslauer Kriminalpolizei nahm sofort die Ermittlungen nach dieser Richtung auf, entdeckte Roßmann in Laskowitz bei Ohlau, verhaftete ihn und brachte ihn nach Breslau in das Gerichtsgefängnis. Als Motiv wird angenommen, daß Roßmann sich durch das Verbrechen Geld für feine bevorstehende Hochzeit verschaffen wollte. Frau Michling besaß zwar keine großen Mittel, es war aber bekannt, daß sie aus Aufwertungen erhebliche Beträge zu er- warten hatte. Der Mörder hat wohl angenommen, daß diese oder jene Aufwertung bereits ausgezahlt worden war. Das war jedoch nicht der Fall. Roßmann bestreitet noch die Tat, kann aber das gegen ihn beigebrachte Beweismaterial bisher nicht widerlegen. Er behauptet auch, daß er niemals in der Wohnung der Ermordeten gewesen sei. Sein Alibtbeweis wird noch nachgeprüft. * Man schreibt uns aus dem Riesengebirge: In Mittel- langenau im Riesengebirge ereignete sich eine gräßliche Mordtat. Ein unbekannter Raubmörder drang nachts nach 2 Uhr in die Aus- gedingestube des Wirtschaftshofes Friedrich, wo die 70 Jahre alte Mutter und der 13jährige Enkel schlief. Bei Ausführung des Raubes erwachte die Greisin. Der Mörder ergriff ein Bügel- eisen und ermordete damit die alte Frau durch Hiebe auf den Kops. Dann legte er Feuer in die Stube, sloh aus den Dachboden und sprang durch die Giebeltür ins Freie. Der 13jährige Junge war von ihm nicht bemerkt worden, erwachte durch den Rauch, schlug Lärm und die HausbeiSdHner konnten das Feuer löschen, entdeckten aber, als man die Großmutter retten wollte, den Mord. Wieviel an Werten geraubt wurde, steht noch nicht fest. Arbetterfporkler als Retler. Bei dem gestrigen Sturm trug sich auf dem Rummelsburger See ein Bootsunglück zu, das ernste Folgen haben konnte. Die Lehrlinge A. H ö l k e und R. W ö r n e r kenterten in einem Paddelboot und wurden von einer Bierermann- schaft des Berliner A r b e i t e r- R u d e r v e r e i n s„Freiheit" gerettet, denen es unter vieler Mühe gelang, die Verunglückten zu bergen. Verlängerung der Linie 15. Vom 23. d. M. ab wird die Linie 15 vom Ringbahnhof Neukölln über Bergstraße, Britz, Nudower Straße, Rudower Allee bis zu dem Städtischen Krankenhaus Neukölln(in Buckow) weitergeführt und da- mit eine unmittelbare Verbindung von dort nach dem Halleschen Tor, Potsdamer Platz und nach Moabit geschaffen. Der Endpunkt der Linie 48 Rudower Straße, Ecke Iahnstraße, wird gleichzeitig nach dem Ringbahnhos Neukölln verlegt. Gefängnis und 225 000 Mark Geldstrafe sür Schwarzbrenner. Di« Trierer Strafkammer hat die höchsten Strafen ausgesprochen, die bisher gegen Schwarzbrenner verhängt wurden. Es hatten sich zwei Brüder zu verantworten, weil sie Branntwein gebrannt hatten, ohne ihn zur Steuer anzumelden.'».Sie er- hielten je einen Monat Gefängnis und zusammen rund 2 2 5 0 0 0 M. Geldstrafe. Der Zleischerverbanö 1 �26. Auf dem Wege der Verschmelzung. Die Rücksichtslosigkeit der Fleischermeister gegen ihre Arbeiter ist weit stärker ausgeprägt als ihre Achtung vor dem gesetzlichen Arbeiterschutz. Zumal die Arbeitszeit will jeder einzelne so festsetzen, wie es ihm am besten patzt, so daß trotz Arbeitszeitverord- nung und tariflich geregelter Arbeitszeit das Personal ineist weit länger, bis zu 16 Stunden täglich oder 90 Stunden wöchentlich, arbeiten muß. Die Arbeitslosigkeit, die im Jahresdurchschnitt 17,8 Proz. betrug und damit die Ziffer der Vorkriegszeit weit überschritt, wird dadurch nicht geringer. Den Bestrebungen, die Läden an Sonn- und Feiertagen mehrere Stunden offenzuhalten, konnte der Verband ersolgreich entgegentreten. Die Lehrlingsverordnung ist in Preußen durch Mitwirkung des Vertreters des Hirsch-Duncker- schen Fletschergesellenbundes verschlechtert worden, obgleich die Zahl der Fleischerlehrlinge die der Vorkriegszeit bei weitem übersteigt. Im Höchstfalle dürfen zwei Lehrlinge gehalten werden. vielfach werden aber sogar bis zu sechs Lehrlinge gehalten, und es bedarf sehr vieler Anstrengungen des Verbandes, bis die behördlichen Stellen eingreifen und Abhilfe schasfen. Die Beschäftigungsmöglichkeit wird durch die unzureichende Schlachtvieh- und Fleischoersorgung in Verbindung mit der Zoll- Politik eingeengt. Die Einfuhr von Gefrierfleisch trägt mit dazu bei. Die Einfuhr lebenden Schlachtviehs war verhältnismäßig gering. Mit der Einfuhr dänischer Rinder seit dem Herbst 1926 hat sie sich vermehrt. Da aber die Schlachtungen nur in einzelnen an der Wasserkante gelegenen Schlachthäusern er- folgen, ist diese Einfuhr auf den Beschäftigungsgrad ohne Einfluß. Bis zum Jahresschluß bestanden im Reiche etwa 85 bis 90 Konsum fleischereien. Das Bestreben der genossen- schaftlichen Fleischoersorgung geht weiter, und wenn erst noch die größeren Konsumvereine Fleischerei und Wurstfabrikation in eigener Regie betreiben, werden die Vorteile auch sür den Verband nicht ausbleiben. Trotz aller Schwierigkeiten und Hemmungen hat der Verband guke Fortschritte gemacht. Der Mitgliederstand.hat sich vermehrt. Die Einsicht, daß hoher Beitrag auch hohen Gewinn bringt, bricht sich immer mehr Bahn. Die Werbezeit im Herbst 1926 hat einen Mitgliedergewinn gebracht, da sich viel mehr Helfer in den Werbedienst stellten als sonst. Wenn auch über die Verschmelzung zum Industrie- verband nichts Besonderes öffentlich berichtet wurde, die Vor- arbeiten, die in den Händen einer Kommission liegen, blieben im Gange. Die Einnahmen der Hauptkasse betrugen rund 411 234 M. Die Ausgaben betrugen rund 310 373 M., darunter 79 862 M. für Unterstützungen, 4497 M. für Rechtsschutz, 55 117 M. für Lohn- bewegunaen, 56 940 M. für Agitationszwecke, Bildungsveranstaltungen, Literatur und dergleichen und 33 590 M. für das Verbands- organ. Aus den Lokalkaffen wurden etwa 20 000 M. für Unter- stützungszwecke verausgabt. Das Gesamtoermögen ist beträchtlich gestiegen, da der Verband 1926 von größeren Streiks verschont blieb. Das wird nicht so bleiben, denn die Unternehmer wollen Arbeits- Zeitverlängerung und Lohnabbau, möglichst auch die Beseitigung des Tarifzwanges. Bewegungen ohne Arbeitseinstellungen waren in 92 Fällen in 179 Orten und 10 253 Betrieben nüt 20 014 Beschäftigten zu erreichen. Bewegungen mit Arbeitsein- stellungen in drei Fällen mit 102 Beschäftigten. Erreicht wurde eine Arbeitszeitverkürzung für 424 Personen von 3322 Stunden pro Woche, an Lohnerhöhung für 4722 Personen 8753 M. pro Woche. Am Jahresschluß bestanden 67 Tarifverträge für 21 070 Beschäs- tigte, darunter 3097 weibliche. Nur in ganz vereinzelten Fällen besteht noch eine tarifliche Arbeitszeit von mehr als 8 bMpiv 48 Stunden, im Höchstfälle beträgt diese 54/ Stunden. In. Grajpnu betrieben besteht durchweg die 8- bzw. 48stündige tarifliche Arbeitszeit. Die Wertfchätzmig der tariflichen und gesetzlichen Bestimmungen begreifen zu lernen und den Nutzen daraus richtig zur Anwendung zu bringen, ist die Pflicht der Gewerkschaftsmitglieder. die Lohnverhanülungen im Nuhrbergbau. Heute begannen die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Unternehmer und den Vertretern der Bergarbeiter über die Neu- regelung der Löhne. Die Bergarbeiterverbände haben be- kanntlich die Lohnordnung für den rheinisch-westfälischen Bergbau zum 30. April gekündigt. Ihre Forderungen machen sie erst bei den Verhandlungen geltend. Da es sich in der Hauptsache um einen Ausgleich für die durch Erhöhung der Wohmmgsmicte und die sonstige Berteuerung der Lebenshaltung handelt, werden die Verhandlungen auch dann kaum irgendwelche Ueberraschungen bieten, wenn es zu keiner Einigung kommt und das Reichsarbeits- Ministerium eingreifen muß. Die Manöver, die die Unternehmer vorgenommen haben, Häufung der Lagerbestände, Einlegung von Feierschichten in großem Umfang«, Arbeiterkündigungen und Klagen über angeblich zu hohe Löhne der Bergarbeiter, zu starte soziale Belastung und eventuell notwendige Erhöhung der Kohlenpreise, haben wir bereits hin- gewiesen. Die Bergarbeitervertreter kennen die Weise, kennen den Text und kennen auch ihre Verfasser. Sie werden sich dadurch nicht irre machen lassen. Freilich, der Reichsarbeitsminister hat feste Pro- zente, über die er auch bei den Bergarbeitern nicht hinaus- gehen wird. Verhandlungen auch im oberschlesischen Bergbau. katlowih. 21. April.(TU.) Heute fanden Lohnoorhandlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern der oberschlesischen Gruben statt. Trotz mehrstündiger Konferenzdauer ist es zu keinem Ausgleich gekommen, so daß die Berhand- lungen verschoben werden mußten. Eine Streikgefahr besteht angeblich jedoch augenblicklich nicht. Ergebnislose verhanölungen bei öer Straßenbahn. Die gestern mit der Straßenbahn geführten Verhandlungen über den Neuabschluß des Lohnabkommens sind wiederum ergeb- nislos verlausen. Auch hier verknüpften die Vertreter der Straßenbahn die Lohnverhandlungen mit der hierbei nicht zur De- batte stehenden Arbeitszeitfrage. Daneben erklärten sie, wie es bisher fast bei jeder Lohnbewegung in den Verkehrsbetrieben der Fall war, daß sie nicht eher ein positives Angebot machen könnten, bevor nicht die Verhandlungen bei den beiden anderen Vcrkehrsunternehmen erledigt seien. Man muß schon anerkennen, daß es die Straßenbahn mit der Zeit zu einer Routine im Berschleppen von Verhandlungen gebracht hat, die so leicht von keinem privaten Unternehmer übertrosfcn werden kann. Lohnerhöhung für die Kohlenarbeiter. Im Berliner Kohlengroßhandel ist in freier Vereinbarung mit den Arbeitgebern eine Lohnerhöhung für die Kohlenarbeiter festgesetzt worden, und zwar wird der Stundenlohn, der bisher 1,02 M. betrug, für die Zeit vom 1. April bis 30. September auf 1,08 M., also um 6 Pf., erhöht. Für die Zeit vom 1. Oktober bis 29. März�1928 ist weiter« eine gesehen. Erhöhung der Stundenlöhne um 2 P f. vor- Teilstreiks in der Grünberger Metallindustrie. Wie uns aus Grünberg in Schlesien mitgeteilt wird, ist es dort am Donnerstag infolge von Lohndiferenzen in der Metallindustrie zu Teilstreiks gekommen._ Der Konflikt in der Rheinschiffahrt. Der Schiedsspruch vom 6. April über Löhne und Arbeitszeit wurde von dem im deutschen Vertehrsbund organisierten Personal angenommen, der Schiedsspruch über den R a h> mentalis jedoch abgelehnt. Die Mitglieder des Verbandes der Maschinisten und Heizer lehnten beide Schieds- s p r ü ch e ab. Auch die Arbeitgeber lehnten die Schiedssprüche ab. Damit hat auch das zweite Schlichtungsverfahren nicht zur Beendigung des Konfliktes geführt, vielmehr zu seiner Verschärfung. Aus den holländischen Gewerkschaften. Der Allgemeine Niederländische Bauarbeiterverband zählte am Ende des ersten Quartals rund 15 OM Mitglieder. Ein Manifest an die niederländischen Textilarbeiter, das dieser Tage vom Allgemeinen Niederländischen Textilarbeiterverband her- ausgegeben wurde, fordert die Textilarbeiterschaft zu einer Aktion für die Erringung ausreichenden Urlaubs bei Weiter- Zahlung des Lohnes auf. Ende Mai findet in Enfched« eine große Kundgebung für die Forderung des bezahlten Urlaubs statt. Schutz des tschechoslowakischen Arbeitsmarktes. Srag, 21. April.(WTB.) Wie die Prager Presse meldet, hat linisterium für Soziale Fürsorge den Entwurf eines Gesetzes zum Schutze des inländischen Arbeitsmarktes aus- gearbeitet, der sich an die analoge Gesetzgebung Oesterreichs und Deutschlands anlehnt. Das Gesetz nimmt besonders Rücksicht auf die Einwanderung von Arbeitskräften aus diesen beiden Staaten, weil sie als Konkurrenz in erster Linie in Betracht kommen. Die Arbeitszeit in Kanada. SAB. Das amtliche Organ des kanadischen Arbeitsministeriums vom Januar 1927 veröffentlicht die Ergebnisse einer Erhebung über die Arbeitszeit in den gewerblichen Betrieben, die anläß- lich der Betriebszählung von 1924 veranstaltet wurde. Die Zäh- lung hat 40 000 Betriebe mit 501 724 Arbeitern erfaßt. Davon hatten 33,5 P roz. eine tägliche Arbeitszeit von 8 Stunden und weniger, 35,5 P r o z. eine Arbeitszeit von 9 Stunden, 26,9 P r o z. eine solche von 10 Stunden und nur 4L Proz. ar- beiteten über 10 Stunden täglich. Die Zahl der Handwerkslehrlinge in Groh-Dertln betrug nach dem Bericht der Handwerkskammer vom 31. März 1927: 67 738 gegen 63 876 am 30 September 1926. Die Zahl der nicht unter- zubringenden Lehrlinge sei beträchtlich gewesen. Nun, in den nächsten vier Jahren wird sich die Zahl der keine Lehrstelle findenden Schul- entlassenen mindestens recht stark vermindern. Die würstchenfabrlk h. �ricke 2l.-<5., Wehrstadl bei Halberstadl, weigert sich, einen Schiedsspruch anzuerkennen, der eine Stundenlohnerhöhung von 4 Pfennigen als Ausgleich für die Ver- teuerung der Lebenshaltung vorsieht. Trotzdem die übrigen Halber- städter Würstchenfabriken mit dem Zentraloerband der Fleischer Lohnerhöhungen vereinbart haben. Wer Halberstädter Würstchen essen will, ist also keineswegs auf die Fabrikate der H. Fricke A.-G. angewiesen, die an der Banderole»m die Dose kenntlich sind, mit einem die Dose haltenden Bären. Man lasse sich von der Firma H. Fricke A.-G. keinen Bären aufbinden. Berlin ist eines der Hauptabsatzgebiete, daneben Köln und das Ruhrgebiet, Leipzig und das Vogtland. Zuzug von Fleischergesellen nach Halber st adt- Wehr- st e d t ist f e r n z u h a l t e n. Die Arbeitslosigkeit in Oesterreich geht jetzt ebenfalls etwas zurück. Mitte April wurden insgesamt 190 981 unterstützte Arbeits- lose gezählt. Im Begleich zur letzten Zählung am 31. März 1927 ergibt-sich eine Abnahme um 17365, gegenüber dem Höchststand vom 28. Februar 1927(244 267 unterstützte Arbeitslose) eine Abnahme um 53 286 Personen. Die Zahl der Arbeitslosen in England betrug am 11. April 1 078 300, das sind 4541 mehr als in der Vorwoche und 53 911 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Verantwortlich für Politik: und Victor Schiff; Wirtschaft: G. iilingelhöser; Csitotn; Feuilleton: Ä. 8. Tischer: Lokales ", Glocke; sämtlich in Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret Verlagsanstalt Paul Einger u Co., Berlin SW 68, LindenstraKe 3. Sierz» 1 Beilage. UaliHligam, BaMraBe 19 Vom 22. bis 21. April SCI Kl mit Koma TaLsadge und(«nald Colmau Da; cilfkLBsiprasramin. DiantoSaäfibnanldiau Vom 22. bis 2J. April Asta Nielsen in LASTER Da i erstkl. B»iprc;ram. Bit zule BBImensdun [SMilia- Palast, flatestraBe 64 Freitag, den 22. bis 26. April DieTedesbarke außerdem Die Bliilte dBS SlillKM yiktBria-Liditi!ililtfteai8rFAneheu4ser Freitag, d. 22. bis Montag, d. 25. April £aiii!streicher wider Willen femer: Diü gtM HSMI Xof flld Ab 16 Bilder Wmm MMIl1iMM99 Freitag, d. 22. bis Montag, d. 25. April Oer Soldat der Marie Auf der Bühne Henry Bender persönlich In der Revue: Lichtenberg, was nagste nu? Passag2-Li[]its5iele,Be�»s2 Freitag, d. 22., bis Montag, d. 25. 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