Abendausgabe Nr. 1�7 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 94 Btsuflrtebtnaunatn und«njefaenuMlf« finb in der Morgenausgabe angegeben BebaKion: STD. 68. ciadeaflrobe 3 ?ernsprech«r> VSnhoft ZSZ- MT ZsL'tfdccff«: Sozialdemokrat Berlin berliner Volltslklcrkk (iv pksnnig) Sonnabenö 23.�pril1927 «erlag und Änzetsenabtetlun,, Geschäftszeit«ib bis 6 Uhr »erleger: DaciDdcts-Seclag Berlin STD. 68, Glnbenftrab* 8 Zerafprecher s VSnhoft 292— 291 Zcntralorgan der Sozialdemokrat! feben Partei Deutschlands Pleitegeier über Japan. Gewaltige Zusammenbrüche.— Moratorium.— Vergleich mit Deutschland. Daß ein Land von einer jähen Wirtschaftskrise erfaßt wird, ist trotz der starken Verflechtung der Weltwirtschaft nicht sonderlich aufregend. Die Krise gehört nun einmal zum Kapitalismus wie das Amen zum Vaterunser. Höchstens Speziafjsten und Fachzeitschriften können sich daher ein- gehend mit den zahlreichen kleinen und größeren Krachs be- fassen» die in den mehr als 60 Staaten der modernen Welt und den großen Kolonialländern bei jeder Krise vorkommen. Was sich jedoch in Japan abspielte, war eine Finanz- katastrophe großen Stils, die auf dem Boden einer protektionistischen Wirtschaftspolitik erwuchs und endete— bisher mit einem Regierungswechsel, einer all- gemeinen Schließung der Börsen auf zwei Tage, einem staat- lich angeordneten Zahlungsaufschub von drei Wochen. Niemand kann noch die abschließende Bilanz aus dem Wirr- warr ziehen. Hunderte von Millionen Goldmark sind offenbar verloren, die Notenpresse mußte mit Milliardenbeträgcn zur Beruhigung der erregten Gläubiger herhalten, die seit Tagen die Bankschalter bestürmen. Freilich— die japanische Währung hat unter dieser Finanzkatastrophe kaum gelitten. Der Den hat nur geringe Kurseinbußen und notiert in Berlin noch jetzt mit über zwei Mark um wenige Pfennige niedriger als vor zwei Wochen. Man weiß jedoch, oder ver- mutet mit großer Aussicht auf Wahrscheinlichkeit, daß die neugebildete Regierung Tanaka mit den Notenbanken ein Abkommen getroffen hat, wonach die Währung durch Devisenverkäufe im Ausland gestützt wird. Wer die gleiche Praxis aus dem von Havenstein in Deutschland während des Ruhrkriegs angewandten System in Erinnerung hat, der kennt noch die Folgen solcher Kursregulierungen: die wahre Lage wird verschleiert. Und so trägt auch das japanische Regierungsmanöver dazu bei, dos Bild der Situation noch zu trüben, anstatt es zu klären. Der Hergang der großen Wirtschafts- und Finan�krife läßt auch andere interessante Vergleiche zu. Mit zäher Ener- gie hat das japanische Volk die Umwandlung vom Agrar- zum Industriestaat vollzogen und ist innerhalb weniger Jahr- zehnte nicht nur zur politischen, sondern auch zur i n d u- striellen Großmacht im fernen Osten geworden. Nach dem Weltkriege, den es ohne Einsatz wesentlicher Opfer mit gutem Gewinn überstanden hatte, erfolgte der Rückschlag zu- nächst mit der Weltwirtschaftskrise von 1920/21, dann mit der gewaltigen Erdbebenkatastrophe im September 1923, die dem Volk wie seinem Staat und seiner Wirtschaft schwere Wunden schlug. Zur Tilgung der angewachsenen Staatsschulden und zur Sanierung seiner Finanzen befann sich Japan auf das altbeliebte Mittel der selbstgenügsamen Wirtschaftspolitik: Erzeugung für den eigenen Bedarf unter Ausschaltung der fremden Konkurrenz. Diese neuerdings von den deutschen Hochschutzzöllnern bei uns wieder aufgestellte Parole mußte herhalten, um den Wiederaufbau auf Kosten der breiten Volksmassen rasch finanzieren zu können. Und es schien auch, als ob es glücken sollte. Zwar gab es Rückschläge: doch die gingen vorüber, ohne allzu viele Spuren zu hinterlassen. Erst viel später erkannte man, daß unter der Oberfläche sich Krankheitserscheinungen angesammelt hatten, die durchbrechen mußten, sobald die Lage am Geldmarkt sich zu- spitzte. Das trat am 15. März d. I. ein, als die Schwierigkeiten der Banken so offenkundig wurden, daß die Regierung selbst mit besorgten Erklärungen vor das Parlament trat. Darauf- hin stellten die für ihrGeld fürchtenden Banken dieGewährung von Krediten ein. Das erste Opfer wurde der Suzuki- Konzern, ein gewaltiges Handels- und Industrieunter- nehmen mit Umsätzen, die weit über eine Milliarde Mark jährlich betrugen und die iich auf fast alle Welthandelsartitel, von Getreide und Baumwolle bis zu Tabak und Metallen erstreckten. Dieser Konzern, frer nicht weniger als etwa dreißig industrielle Tochtergesellschaften besitzt, war schon seit langem oerschuldet, hatte sich aber dank der Wechselkredite der Notenbant Formosas von Taiwan immer wieder über Wallsr gehalten. Jetzt brach infolge dci' Kreditbescbränkungen der R i e se n k o n ze r n mit einem Scblage zusammen. Ein verantwortliches Kapital, das einschließlich der Be- teiligungen an anderen Unternehmungen sich auf rund eine h a l b e'M i l l i a r d e Gold mark belaufen dürfte, war bedroht. Ungeheuer aber waren die Wirkungen auf die Gläubigerbanken und auf die mittelbar interessierten Kreile. Ein panikartiker Ansturm der Bankengläubiger auf die Kossen setzte ein. Die Regierung mußte, nachdem eine ganze Reihe von Kreditinstituten die Zahlungen eingestellt hatte, mit„A u s n a h m e v o r s ch ü s s e n", also ungedeckten oder nur teilweise gedeckten Krediten einspringen, um.die Panik einzudämmen- Das Moratorium, das jetzt auf 21 Tage verhängt wurde, betrifft alle größeren Zahlungen mit Aus- nähme der Löhne, der kleinen Bankeinlagen und der Schulden der Lokalbehörden. Wieviel nun endgültig verloren ist, wird sich erst später übersehen lassen. Sicher scheint, daß der Betrag mehrere Hundert Millionen Pen(doppelt soviel Mark) betragen wird, ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, die den übrigen Beteiligten, der Regierung vor allem aus der überhasteten Kreditgewährung und der übereilten Noten- «usgabe erwachsen müssen. Das ganze Bild des Zusammenbruchs erinnert peinlich an die Borgänge» die die Katastrophe des größten Moskauer Einflüsse in Ehina. Reuter veröffentlicht die in der Pekinger Botfchaft beschlagnahmten Urkunden. London, 23. April.(WTB.)„Times" meldet aus Peking: Dokumente, die in den Sowjetgebäuden entdeckt wurden und über deren Echtheit nicht der geringste Zweifel bestehen kann, zeigen, wie eng Moskau mit der Kanlonbcwcgung verbunden ist. Der Be- richterstatter führt u. a. folgenden vom 22. Februar 1927 datierten Brief des Schatzmeisters der Sowjetbotfchaft in Peking an den bolschewistischen General bei den Kontonesen, G a l e n s, an. Dieser besagt:„Die Botschaft hat Ihnen durch Kurier 13 324 Golddollar in Begleichung Ihrer Bezüge für Januar und Februar gesandt. Ihr Märzgehalt wird Ihnen mit nächstem Kurier übermittelt werden. Am 15. Februar hat die Botschaft 10 009 Dollar an die Familie B o r o d i n s überwiesen und eine weitere Summe von 1000. Wir haben soeben ein Schreiben Borodins erhalten, be- sagend, daß Sie diesen Betrag zurückbehalten haben. Ist dies wahr? Bitte antworten Sie gleich." Moskau bezahlte eine Revolte gegen Tschangsolin. Peking. 23. April.(Reuter.) Gestern abend wurde hier eine von den chinesischen Polizeibeamten in der Sowjetbotschaft beschlag- nahmte Urkunde veröffentlicht, aus welcher hervorgeht, daß Kuofunglin, einer der Untergenerale Tschangtfolins, von der Sowjetregierung 400 000 Dollar als Belohnung seiner Em- pörung gegen seinen Vorgesetzten im Jahre 19 2 5 erhalten hatte und nach der endgültigen Beseitigung Tschangtsolins einen weiteren Betrag bekommen sollte.(Wie erinnerlich, wurde nach anfänglichen Erfolgen Kuofunglin gefangengenommen und hingerichtet.) Absage des Generalstreiks. Hongkong. 23. April.(WTB.) Die Kantonregierung hat den Arbeitern befohlen, dem Generalstreikbesehl der Allgemeinen Ar- beiterunion nicht nachzukommen. Der Streik mußte daher für heut« vormittag 10 Uhr abgesagt werden. Die Politik Tschiangkaischeks. Paris, 23. April.(WTB.) Der Sonderberichterstatter des „Petit Paristen" in Schanghai hat von General Tschiangkaischek Er- klärungen über dfe von ihm geplante Politik erhalten. Tschiang- kaischek vertritt darin folgende drei Grundsätze: 1. Er hofft, daß die Mächte dem chinesischen, vom Bolschewismus befreiten Nationalismus ihre Unterstützung nicht versagen werden. 2. Er ist bereit, sich mit Marschall Tschangtsolin zu verständigen, wenn dieser sich zu den von Sunjatsen aufgestellten nationalen Grundsätzen bekenne. 3. Er wird die für die Nankinger Zwischen- fälle verantwortlichen Personen bestrafen und Genugtuung geben durch Entschädigung der Opfer bzw.»hrsr Hinterbliebenen. Im übrigen betonte Tschiangkaischek» daß er gegen die bolsche- wistischen Elemente in seinem Heere energisch vorgehen werde: der russische General Gallen sei bereits geflüchtet, gegen Borodin habe er einen Haftbefehl erlassen. die Räuberbande der mexikanischen Kirche. Tie Urheber des Zugüberfalls entlarvt. Mexiko, 23. April.(WTB.) wie die Regierung o s f i, i e l l bekannt gibt, wurden in der Nähe von Dondiego, einer Stadt in Guanojuato dreizehn Mitglieder der Räuberbande, die vor einigen Tagen einen Eisenbahn zug überfallen hatte, getötet und drei ge- sangen genommen. Zn der Derössentlichung der Regierung werden die Räuber als„katholische E x t r e m i st e n" bezeichnet. Re- gierungstruppen sehen die Verfolgung der Aufständischen fort, die von einem früheren General Gallegos Desci geführt werden. Mexiko. 23. April.(WIR.) Der Erzbifchof von Mexiko und zwei Erzbischöse sowie fünf Bischöfe wurden auf Der- sügung der Regierung ausgewiesen. In politischen Kreisen wird hervorgehoben, daß die Ausweisung erfolgt ist. weil der Episkopat Ausstände begünstige und damit für den Heber- fall auf den Eisenbahnzug verantwortlich sei, an dem Vertreter der Liga für religiöse Freiheit sich als Anführer beteiligt hätten. * Daß die aufftändifche kacholifche Kirche an dem grauenhaften Zugüberfall beteiligt ist, wurde bereits durch die Erklärung eines Bischofs bestätigt. Dieser bestritt nur,„daß, wenn katholische Priester an dem Raubübersall beteiligt seien, sie nicht auf Befehl des Episkopates gehandelt hätten". Damit ist also auch von katho- lischer Seite zugegeben, daß Angehörige der Kirch« sich an einem gemeinen Massenmord beteiligt haben. Wir werden auf den barbarischen Kampf der Kirche gegen den Staat in Mexiko noch aus- führlich zurückkommen. Die legale putsththeorie. Sodektstern im Verhör.— Die pntschistischen Kampfverbände als Flnchtverbände. E. K. Leipzig. 23. April.(Eigener Drahtbericht.) Di« heutige Bormittagssitzung steht im Zeichen des Soden- sterns, dessen Zeugenvernehmung mehrere Stunden beansprucht. Senatspräsident Niedner allerdings scheint nicht mehr einen Prozeh gegen Wiking und Olympia, sondern einen Prozeß gegen den Zeugen Käsehage zu führen. Er bringt das rein äußerlich schon dadurch zum Ausdruck, daß er bei der Konfrontierung Soden- stern mit Herrn Käsehage diesen daher ohne„Herrn" anredet. Den Auftakt der Sitzung bildet«ine Räubergeschichte, mit der die Verteidigung offenbar Sensation machen will. Sie stellt einen Beweisantrag, daß im November 1923 der damalige Chef des Landespolizeiamtes Genosse Grzesinski durch zwei Geheimpolizisten 20 000 Stück Infanteriemunition nach Kassel geschickt habe, wo Scheidemann die Sendung in Empfang genommen habe. Ministerial- rat Schönner bittet, den Antrag als gänzlich unerheblich abzulehnen, fragt im übrigen, ob die Berteidigung behaupten wolle, daß dies« Munitionssendung, falls sie überhaupt geschehen wäre, zu umstürz- lerischen Zwecken erfolgt sei. Auch hier ist auffällig, wie Herr Niedner die Wikinganwälte breiteste Ausführung machen läßt, während er den Vertretern der preußischen Regierung bei jeder Ge- legenheit dos Wort abschneidet. Nunmehr wird der Zeuge v. Sodenstern vernommen. Er ist Redakteur der„Deutschen Zeitung" und war Bezirksleiter des Wikingbundes für Berlin und Brandenburg. Er ist ein kleines Männchen, mit einem beinah« mongolisch anmutenden Gesicht, dessen Züge nach ollem anderen als nach germanischer Rassereinheit aus- sehen. Sodenstern bestreitet selbstverständlich, die Ausführungen ge- macht zu haben, die der Zeuge Käfehage zu Protokoll gegeben hat. Er beruft sich auf seine Darstellung in der„Deutschen Zeitung", wo- nach es sich lediglich bei den Besprechungen gehandelt habe um die Frage, wie man sich im Falle eines kommunistische» putsche» verhalten und die Mitglieder der vaterländischen verbände in Sicherheit bringen könne. Dabei erklärt er aber, daß auch ein Bekanntwerden seiner Aeuße- rung«n in dieser Form für ihn durchaus„unerwünscht" gewesen sei. Die Briefe, in denen Sodenstern angibt, den Inhalt der Mahraunschen Denkschrift zu kennen und in denen er nicht die Aeußerung bestreitet, die ihm teils in den Mund gelegt wird, sondern vielmehr bestätigt, erklärt Herr v. Sodcnstern auf sehr eigenartige Weise: Er habe den Inhalt der Denkschrift nicht ge- kaimt, aber kennen lernen wollen. Da ihm da» trotz seiner vorzüglichen Beziehungen zum Reich». wehrminislerium(ein Broder de» Herrn v. Sodenstern ist dort tätig!) nicht geglückt sei. habe er in dem Brief den Anschein erwecken wollen, als kenne er die Denkschrift, damit die Empfänger ihm ohne weiteres den Inhalt der Denkschrift verrieten. Gegenüberstellung Käfehage-Soüenstern. Aeußerst lebhaft gestaltet sich die Gegenüberstellung zwischen Käsehage und Soden stern. Auch diesmal wollen die vielfältigen Versuche Niedners, den Zeugen käfehage zum Umfall zu bringen, nicht glücken. Noch einmal schildert käfehage äußerst drastisch den T e r r o r i s m u s, der von den Dater- ländischen auf ihn ausgeübt worden ist und der der Grund seiner deutschen Jnflationskonzerns begleiteten. Zwar hatte die deutsche Regierung keine„Erdbebenwechsel" gegeben. Aber sie hatte es noch im Jahre 1924 vorgezogen, der ge- samten Ruhrindustrie ohne Gegenleistung über 700 Millionen Mark zuzuwenden. Diese unmittelbare Subvention bewirkte, daß der Stinnes-Konzern bei seinem Zusammenbruch dem Reich gegenüber keine Schulden hatte. Auch sein Ende fiel in die Zeit großer Geldknappheit, der die Banken zu einer Revision in der Kreditgewährung zwang. Und nicht anders wie die Suzuki-Gruppe in Japan, so versank der Riesenbau de» Slinnes-Konzerns unter großen Vermögens- Verlusten für die ihm nahestehenden Geld- und Kreditgeber. Staatliche Siröpevtwn, Hochschutzzollmaßnahmen, Lohndruck, hohe Preise— keines dieser bewährten Mittel kapitalistischer Wirtschaftspolitik gegen die Fehler eigener Wirtschaftsführung wirkte mehr. Nur daß im Falle Stinnes die deutschen Groß- danken sich rechtzeitig genug zurückgezogen hatten, um sich später aus der großen Vermögensmasse einigermaßen schad- los halten zu können. Wie die Riesenpleite in Japan endigen wird, wie große volts- und staatswirtschaftliche Verluste sie bringt, kann man nicht übersehen. Das jevoch zeigt sie auch dem entfernt stehenden Beobachter: wie innerlich morsch ein Wirt- schaftssystem ist, das trotz weitgehender staatlicher Hilfe derartige Zusammenbrüche unvermeidlich macht und dessen Fäulnis in allen Teilen der Welt zutage tritt. obschwZchendsn Aussagc vor dem Untersuchungsrichter war. Man lzat sein gutgehendes Geschäft zum Bankrott gebracht, er hat den Offenbar u ngseid keiften müssen, ist aus seiner W o h- nung exmittiert worden und jetzt durch den Boykott seiner früheren Kundschaft vollkommen mittellos, während es ihm vorher laut seiner Steuerakten wirtschaftlich recht gut gegangen ist. Menschlich wird das Verhalten Käsehages durch diese Tatsache durchaus begreiflich. Es ist nicht schön, aber schließlich auch noch menschlich zu verstehen, daß Käschage gegen die Ordensleitung eine Zeitlang ocrstiinmt gewesen ist und sich, wie er sagt, an ihr hat rächen wollen, well diese entgegen der Versprechung der Geheim- Haltung sein Protokoll anderen Stellen zugänglich gemacht und dadurch in die Oeffentlichkeit gebracht hatte, was die Ursach« zu seinem wirtschaftlichen Ruin werden sollte. vre Theorie See Putschisten. Rechtsanwalt Martin stellt an Sodenstern nochnials die Frage, ob der ganze Aufmarschplan wirklich nur dem Zweck dient«, die Mitglieder der Vaterländischen Verbände im Falle eines Kommu« nistenputsches in Sicherheit zu bringen. In energischer Form macht er darauf aufmerksam, daß dieses persönlich« Feigheits- ziel doch kaum sehr vaterländisch aussehe. Aber nach den Soden- sternschen Ausführungen muß man wirklich bald schließen, daß die vaterländischen Kampsverbände als einziges Ziel die Flucht vor dem Feinde gehabt haben. Schließlich gibt Sodenstern zu, daß man sichderReichswehr habe zur Verfügung stellen wollen, aber nur, wenn man gerufen würde. Er muß weiter freilich zugeben, daß di«s nur nach lie stimmten Zusicherungen und unter b e st i m m t e n Bedingungen, nämlich unter der Bedingung der Einsetzung einer nationale» Regierung und der persönlichen Sicherftellung gemeint war. Da muh selbst Herr Riedner etwas empört ausrufen: Sie waren olso bereit, das Vaterland im Augenblick der äußersten Gefahr im Stiche zu lassen, wenn man auf Ihre parteipolitischen Wünsche nicht einging? Das Verhör des Zeugen v. Sodenftern wendet sich jetzt seinen allgemeinen staatsrechtlichen Doktrinen zu, wie er sie auch in Artikeln niedergelegt hat, nämlich der Einführung der Diktatur aus sogenannten, legalen(gesetzmäßigen) Wege. lind n»n ereignet sich das Seltsame: Theoretisch gibt Herr Sodenstern jetzt nur das als seine Ziele und Auffasiungen zu, was er nach Anficht de» Zeugen SSsehoge in der belrefsenden Sitzung gesagt hak, wo» er selber aber gesagt zu haben bestreitet. Herr Sodenstern macht längere Ausführungen darüber, wie noch seiner Auffassung eine nationale Regierung über den Artikel 48 der Verfassung auf verfassungsmäßigem Wege die Diktatur einführen könne. Seine staatsrechtlichen Ausführungen sind freilich derart kraus und lächer- lich, daß selbst Herr Riedner hiergegen verschiedene Einwände machen und dartun muß, daß sich so leicht denn doch nicht die Weimarer Dersassung über den Hausen werfen ließe. Aber es hilft nichts: die Sodenftern und Genossen haben den oersassungsmäßigen Putsch ausgeklügelt und lassen sich von ihren hirnverbrannten staatsrecht- lichcn Vorstellungen nicht abbringen. Der Kernpunkt der Vorstellung ist der, daß der Artikel 48 der f Reichsverfassung dem Reichspräsidenten das Recht gibt, das par- lamenl beliebig oft aufzulösen und die ganze übrige Verfassung nach Gutdünken außer Krasl zu sehen. Hiergegen streiten Götter selbst vergebens. Sodenftern macht dann noch Ausführungen darüber, was er unter Wehrverbänden versteht und zieht putzigerweise zum Vergleich die freien Gewerkschaften heran! Von militärischer Ausbildung will er als alter Generalstabsoffizier nichts wissen, weil sie bei den privaten Vereinen doch zu keinem Erfolg führen. Merkwürdig nur, warum der Wiking das bei den Akten befindliche 50 Seiten um- fassende Exerzier- und Uebungsreglement herausgegeben hat. Auf den Zeugen Sodenftern folgt der Major v. Knauer, der Verfasser des berühmten Auftnarjchplanes gegen Berlin. Der Herr leidet offenbar an Angstpsychose, denn er glaubte im Jahre lS2K— wenn man seiner Aussage Glauben schenken will— ernstlich, daß in Berlin über Nacht die Münchener Räterepublik von ISIS ausbrechen würde. Damals hat er nämlich bei der Einnahme von München mitgekämpft' und nun hat er immer die Bilder jener Zeit vor Augen, die er in pathetisch entworfenen Müchener Bilderbogen ausgiebig jetzt zum besten gibt. Daß sich die Zeiten von 1919 ge- ändert haben, ist Major v. Änauer entgongen. Er hat den Aufmarschplan nur gemacht, um den nationalen Sampsoerbänden. die eigentlich Fluchloerbände heißen mühten, zum rechtzeitigen Ausrücken aus Verlin zu verhelfen. Alle Beruhigungsversuche der preußischen Regierungsvertreter schei- tern an der fixen Idee des Zeugen. Danach setzt eine längere Diskussion über die Frage ein. ob die Zeugen von Soden st ern, Luck, Pittinghausen, v. K n a u« r und K ä s e h a g o zu vereidigen sind. Beide Par- teien sind einig, daß käsehage vereidigt werden muß. während bc-� züglich der anderen wegen ihrer eventuellen Eigenschaft als Mit-" tätiger Meinungsdifferenzen bestehen. Ablenkung. Hugenberg lästt das Reichsbanner Krieg gegen Ungarn führen. Bor dem Staatsgerichtshof in Leipzig tragen die Vertrete» der Putschverbände Wiking und Olympia den dümmsten Schwindel vor, um ihre offenkundigen Putschpläne zu verbergen. Der hugen- bergsche„Tag" sekundiert mit einem gegen das Reichsbanner ge- richteten Ablenkungsversuch. Er behauptet, das Reichsbonner wolle gemeinsam mit dem österreichischen Schutzbund Krieg gegen Ungarn und Italien führen. Es ist nichts zu dumm für die Verteidigung, der Putschverbände, nichts zu dumm für die Leser der Hugenberg-Presse, nichts zu dumm, als daß es die Bertreter der Putschverbände nicht glauben, Herrn N i e d n« r als Argument vorsetzen zu können. Geschrei öer Gestellten. Reaktionäre Lockspitzelpolitik— kommunistische Will- fährigkeit. Die„Rote Fahne" antwortet auf unsere Veröffentlichung der kommunistischen„Instruktion" für den 8. Mai mit hyste- rischem Geschrei:„Ein Schandstreich des Stahlhelm-Vorwärts, infame Verleumdung und Hetze gegen die Kommunisten, infame Behauptungen des Vorwärts." Aber die„Instruktion" ist echt. Die„Rote Fahne" druckt sie selbst ausdrücklich ab, und diese„Instniktion" spricht für sich. Worin besteht also die„Verleumdung"? Darin, daß wir geheime Pläne der Kommunisten öffentlich gemacht haben? Und die„Hetze"? Ist es Hetze, wenn wir die Arbeiter warnen, für die kommunistische Führung d i e Köpfe hinzuhalten? Es bleibt dabei: die Kommunisten wollen am 8. Mai dem.Stahlhelm" und der übrigen reaktionären Gesell- schaft i n d i e H ä n d e s p! e l e n. Im selben Zeitpunkt, an dem vor dem Staatsgerichtshos wieder einmal festgestellt wird, daß die Rechtsputschisten auf kommunistische Putsche warten und sie provozieren wollen, wenn sie ausbleiben, wollen die Kommunisten ihnen die Möglichkeit zur Provokation im größten Stile geben. Stahlhelmausmarsch in Berlin: das ist eine Provokation für die Berliner Arbeiterschaft— aber nur Dummköpfe oder Feinde der Arbeiterbewegung lassen sich provozieren. Die kommunistische Bezirksleitung ist auf die Stahlhelmprovo- kation eingegangen. Selbst provoziert, organisiert sie nun wieder die Provokation des Angreifers. D a s ist es, worauf die Reaktion wartet! Die Kommunssten find wahrhaftig dümmer als die Reaktion, und gehen auf diese Lockspitzelpolitik bereitwillig ein. Aber es ist ihnen ja gar nicht ernst mit dem Kampfe gegen die Reaktion. Ihr Kampf gilt nicht der Reaktion, sondern der Sozialdemokratie. Sie wollen blutige Köpf« sehen, um dar- Güöenhall. Das glänzt wie Gold und dunkelt rasch wie der Sonnenschein, der über die Stufen sagenhafter Gewölbe zittert. Und dieses Flimmern und Dämmern haftet auch in den Seelen derer, die in G i l d e n h a I l, inmitten der märkischen Landschaft am R u p p i n e r See leben. Wollen und hosten, Glauben und Zweifeln ringen miteinander i» ihren Seelen. Die Natur dort draußen, die Abgeschlossenheit, das Fürfichfein macht Menschen besinnlich. Die eigene Persönlichkeit wird als Problem bewußt. Das ist es, was auch das Handwerk dieser Menschen, Gildenhaller Hand- werk, adelt, in ihren Werkstätten gewordenen Hausrat, von Markt- wäre unterscheidet, persönliche» Gesicht gibt, das man wiedererkennt, wo immer es auftauche. handwerkschaft Gildenhall e. G. m. b. h. nennt sich die Gemein- schast von Meistern, die sich in der G i l d e n h a l l- F r e i l a n d- Siedlung zusammengeschlossen haben. Eine Arbeitsorganisation innerhalb der Siedlungsgenossenschaft. Volkswirtschaftlich eigen- artiges Unternehmen. Bodenrechtlich gebundener Schollenbesitz, genossenschaftlich gebundene Arbeitskrast und Genossenschaft als sitt- liches Prinzip: Das Mitglied ist verpilichtet, sich beständiger Selbst- erziehung und achtbarer schlichter Lebensführung, naturgemäßer Lebensweise zu befleißigen. Noch die Satzung von 1923 verpflichtet: innerhalb der fünf Jahre nach Uebernahme einer Heimstätte jährlich 250 Arbeitsstunden in der beruslichen oder in einer im Einverständ» nis mit den Vertretern der Genossenschaft gewählten anderen Arbeit (Garten-, Wegebau, öffentliche Dienstleistung u.a.m.) ohne Vergütung als genossenschaftliche Selbsthilfe zu leisten. 1921 gegründet, umfaßt die Siedlung heute 75 Heimstätten (rund 350 Einwohner). Das Bauprogramm für 1927/1028 schätzt 20 bis 30 neue Heimstätten. Einige zukunftsweisende Zahlen: Der Landbesitz setzt sich zusammen aus etwa 145 000 Quadratmeter Boden, die, vorbehaltlich eines Rückkaufrechtes, der Siedlungsgefellschast Brandenburg(Wohnungsfürsorge-Gesellschaft) überlassen sind,— 24 000 Quadratmeter Boden in Händen der „Deutsches Freiland E. B. Eden" und 237 000 Quadratmeter Eigen- land der„Gildenhall- Frciland- Siedlung". Von diesen 400 000 Quadratmetern Land sind erst 30 000 Quadratmeter bebaut. Der Eigenbesitz von Gildenhall ist noch beinahe ganz unbebaut. Bauland wird im Erbbaurecht(auf 100 Jahre) aufgelassen. Die Grundrente für bebautes Land bis zu 5 Pf. pro Quadratmeter, für unbebautes bis zu 3 Pf. berechnet. Leitmotiv: Arbeit und zwar eigener Hände Arbeit: Hand- Wert. Doch zwischen Hand und Wert waltet wägend und kühn wagend, künstlerisch neugestaltend, dos Gehirn, der Geist. Ziel und Grenze geben Gebrauchszweck und Vouökonomie. Unser Haus ist eng. Das Möbel darf nicht mehr als nöti� Raum beanspruchen. Damit ist der ästhetische Charakter des Gildenhaller Handwerks, Gildenhaller Hausrats, bestimmt: durch Sachlichkeit streng. Klar, sparsam, einfach. Hausrat dieser Art bleibt nicht wirkungslos auf den Ehoratter derer, d-e damit umgehen müssen. Unsere Zeit er- fordert kühle Sachlichkeit und Knappheit. Wir sind Antipoden des Barocks. Es ist derselbe Geist in allen Wertstätten Gildenhalls, worin die Meister in voller Selbständigkeit und Freiheit ihre Persön- lichkeit entwickeln können— in den Werkstätten der Baumeisterci, Zimmerei, Tischlerei, Drechslerei, Malerei, Nadclstickerei, 5zand» Weberei, Töpferei, Bildhauerei, Kunst- und Grobschmiede, Stell- macherci, Schuhmacherei, Lichtbildnerei, Bootswerft usw. Jeder Meister ein Typ, und die Gesellen: freie Burschen. Jugend, die dem Gestern trotzt und das Morgen erobert. Schwieriger ist der Absatz. Für diese Aufgab« schuf man unter Führung der Provinz Brandenburg die Hausrat Gildenhall G. m. b. h.". Sie arbeitet im Rahmen der Hausratsbewegung, die 1918 entstanden ist. Sie dient in ihrer Art der idealen Aufgabe der Gildenhaller: Pflege zeitgemäßer Wohnkultur: Kampf dem Kitsch, dem staubigen Ballast. Geschmocksbildung und Erziehung zur Sach- lichkeit. Die Hausrat G. m. b. h. will dem Volk dienen, muß dem- gemäß auch billig absetzen oder, sofern Qualitätsarbeit und gutes Material dieses Prinzip erschweren, Zahlungserlcichterungen ge- währen. Die Gesellschaft betreibt das Teilzahlungsgeschäft für den Minderbemittelten als soziale Ein- r i ch t un g und nicht etwa als eine besondere Art der Prositmocherei. Hausrat Gildenhall ist keine Erwerbsgesellschast, sondern eine gemein- nützige, deren Aufgabe auch insofern auf dem Gebiete des Siedlungs- wefens, der Siedlungsreform liegt, als sie Gesamtausstattungen für Siedlungswohnungen und Zkleinfthäuser im Sinne von Gildenhall liefert und im Interesse der Volkskulttir den Siedlern auch mit Rat zur Seite steht. Die Geschäftsstelle befindet sich Berlin W. 35, Potsdamer Straße 118a. Sühnentunft von /lnno öazumal. Das Wallner-Theater, das es die ganzen 6H Jahrzehnte seines Bestehens in der Auswahl der Stücke wahrhastig nicht leicht gehabt Hot, greift jetzt in die unterste Schublade der Bühncnliteratur und holt den alten Schwank von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg„Auf der Sonnenseite" ans Licht der Rampe. Blumenthal und Kadelburg— im Bühnenjargon Blumentohl und Kabliau genannt— gehörten noch vor wenigen Iahren zu den erfolgreichsten Lustspielautoren. Es ist interessant, heute zu sehen, wie sich das Vorkriegsdeutschkand amüsiert hat. Was für unkomplizierte,' hormlose und stubenreine Gemüter, du lieber Himmel, müssen wir Mitteleuropäer gewesen sein.„Auf der Sonnen- seite" behandelt«in Thema, dos uns heute noch nicht einmal fern liegt, die Sehnsucht eines reichgewordenen Handwerkers, traft seines Geldbeutels in die„besseren" Gesellschastskreis« zu kommen. Die Autoren fühlen sich berufen, in sozialer Gesinnung und Kinder- iesebuchmoral zu machen. Dem Töpfermeister Heinrich Wulkow ist natürlich ill der pikfeinen Umgebung, die er sich mit vieler Mühe geschaffen yat, höchst unbehaglich zumute; er sehnt sich heimlich nach altgewohnter Derbheit und Natürlichkeit. Statt bauchoufreizender Delikatessen, langt er nach Hammelrippchen mit grünen Bohnen. Was Blumenthal und Kadelburg da mit vieler Mühe auseinander- setzen, wissen wir längst. Auf so blödsinnige Weise wie der Lust- spielheld wird sobald keiner sein saueroerdientes Geld herauswerfen, um sich lauter Unbequemlichleiten auf den hals zu laden. Was di« aus neue Hetze gegen die Soziaidsmokratie ableiten zu können. Diese niedertwichtige Methode ist der Arbeiterschaft so bekannt, daß sie sich hüten wird, die Köpfe hinzuhalten, während die „führenden Herrn" in der Masse verschwinden. Die Berliner Arbeiterschaft läßt sich weder vom„Stahl- Helm" noch von den Kommunisten provozieren, A r b e i t f ü r die Reaktion zu leisten. Sie wird am 1. Mai im impo- santen Aufmarsch des roten Berlin zeigen, daß an ihrer Macht das hysterische Gekreisch und die Provokationen von rechts und links wie Seifenblasen zerplatzen. Sesferung für üie Ninüerheitsvolker. Tschechische und polnische Maßnahmen. Zwei erfreuliche Nachrichten kommen aus Prag und Warschau: Der tschechische Unterrichtsminister Dr. h o d z a, der letzthin schon in einer Rede geradezu sich von der Tjchechisierungspolitik, wenigstens für sein Verwaltungsgebiet losgesagt, hat angeordnet, daß voni nächsten Schuljahr, d. h. vom 15. September 1927 an. in den Prager L o 1 k s schulen auch die deutsche Sprache gelehrt werden soll. Selbstverständlich gilt das nur für die höheren Schul- klassen und geschieht vor allem im Interesse der Tschechen selbst: ihr Sprachgebiet ist auf drei Seiten vom deutschen umschlossen, hängt nur im Osten über die Slowaken, Polen und Ukrainer mit der weiten Slawenwelt zusammen, die freilich bis an den Stillen Ozean reicht. Aber sei es auch eine Zwcckmaßnahme praktischer Nützlichkeit— sie leitet eine vernünftigere Behandlung der deutschen Minderheit ein. Und die polnische Regierung hat bestimmt, daß die Minder- heitsschulen ihre Sprache auch im Berkehr mit den st a a t 1 i ch e n Behörden anwenden dürfen. Das ist ein bedeutender Fortschritt, denn durch den Zwang auf Minderheitsschulen, mit den Behörden nur in der Staatssprache zu verkehren, konnten diesen bestimmte Lehrkräfte vom Staate leicht aufgedrängt werden! Wir hoffen, daß diese beiden Nachrichten nicht noch dementiert werden: beide stammen aus sonst ziemlich bewährter Quelle. Die politisierten Untersuchungsatten. Die Tifziplinarverhandlung gegen Dr. Knstmann und Dr. Caspar». Vor dem Großen Disziplinarsenat des Kammergerichts für richterliche Beamte wird am 11. Mai die Disziplinarvcrhandlung gegen die Gerichtsassessoren Dr. K u ß m a n n und Dr. C a s p a r i ihren Anfang nehmen. Voraussichtlich wird die Verhandlung eine Dauer von fünf Tagen haben. Es handelt sich hierbei um die Vor- gänge in der von der Staatsanwaltschaft I geführten ErmitUnngs- suche gegen die Brüder Barniat und den verstorbenen Minister stöfle, die bekanntlich in der Hauptsache in den Händen der beiden damaligen Staatsanwaltschoftsassessoren war. Bei Dr. Kußmann kommt auch dessen Strafverfahren wegen der Weitergabe von Akten an Hauptmann a. D. Knoll in Frage. Dr. Easpari wird insbesondere vorgeworfen, daß er in seiner bekannten Eingabe vom Juni 1925 zu weit gegangen sei, in der gewisse Angriffe gegen Beamte des Justizministeriums gerichtet worden waren(„dem Druck der Strafe sich gefügt habe")."Die Angeschuldigten, die durch die Rechtsanwälte Franz Themol und Dr. Rotter verteidigt werden, wollen für ihre Behauptungen einen Wahrheitsbeweis an- treten. Die Verhandlungen werden unter völligem Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt werden. Verbot kommunistischer Malseiern in Bayern. Die Polizeidirek- tion München hat die von der Ortsgruppe München der Kommunisti- scheu Partei für Sonntag, den 1. Mai, geplante Maifeier v e r- boten, sowie den Anschlag des die Maifeier ankündigenden Plakates untersagt. Das Bezirksamt Straubing hat ebenfalls eine von der KPD. für den 1. Mai einberufene Volksversammlung mit dem Thema„Die Bedeutung des 1. Mai" verboten. Die„Töchter der amerikanischen Revolution" ,md andere „patriotische" Gesellschaften Amerikas protestierten bei Gouverneur Füller gegen eine Begnadigung Saccos und Vanzettis. beiden Autoren an Lebensauffassung verzapfen, ist vollständig miß- verstandenes, verniedlichtes und verspießtes Sozialempfinden. Niemand von den Zuschauern ist unbekannt gewesen, wo? die Autoren beweisen wollen, weil alles selbstoerständliä) ist. Merkwürdigt, daß sie sich trotzdem offenbor aufs beste unterhalten. Das mag an der geschickten Bühnentechnik und an der flotten und frischen Regie des Karl Gregor liegen. Den Töpfermeister Wulkow gibt Edgar Konisch, lustig und mit sympathischer Trottel- haftigkeit. Die beiden Barone(die in derartigen Lustspielen nie fehlen) spielen Friedrich Ernst mit der nötigen vornehmen Bla- siertheit und Otto Zedier«in wenig zu forsch und aufdringlich, aber beide doch recht annehmbar. MetaIögcrals Frau Wulkow stellt mit feiner Komik«inen aufgedonnerten Raffketyp auf die Beine. Das Publikum spendet begeistert Beifall. _ ErnstDegner. Mathematik des Unsinns. Im Komödicnhaus wird ein Mann nach dem Rezept gehörnt, das die Franzosen N a n c e y und Arton anfeben. Der Manager, den sie für diese edle Tat aus- wählen, heißt Theo, den heute der geniale Spaßmacher Kurt Bois spielt.„Theo macht alles!" heißt das Stück. Indem Theo alles macht, zeigt er wieder einmal, daß die Mathematik dieses Un- sinns ebenso schwierig ist wie die Mathematik der Gleichungen fünf- ten Grades. Darum ist es auch Unsinn, nach der Kontingentierung des französischen Stückcimports zu schreien. Wie man auch drehen und auslegen mag, es gibt eben in Deutschland niemand, der ein« solche haarsträubende Verwirrung für zwei Stunden in die Köpfe bringen kann. Der Schwank der Franzosen ist miserabel und er ist doch wieder glänzend. Man staunt immer wieder, wie das gemacht wird. Wenn der Esel am Schlüsse selber seine Frau in die Arme des Jünglings legt, der fest«nlschlossen ist, ihm die zierlichen Hörner aufzusetzen, dann überwindet diese absolute Mathematik der Un» sinnslogik jeden Widerstand. Uebrigens hüpft Kurt Bois ganz entzückend im Stile dieses Hokuspokus herum. Er hat eigentlich noch keine schlechten Clownsmaniere.1 angenommen. Er zeigt noch Grazie und tanzende Gewandtheit, ohne daß er sich bemüht, seine Matadorentüchtigkeit allzu ausdringlich ins Gedächtnis zu bringen. Herr Hermann, Herr Stahl-Rachbaur und Fräulein B a r d müssen sich einen besonderen Schwung geben, damit sie Schwankkomödianten werden. Der junge Herr Bois hat das alle» im Plut.__ M. H. ErstaussSbruageu der Woche, vlensk. Renaissuiteetb.:.flelz- linge."— Ml'lw. T h. i. d. K I- lt c r st r.:.Simlon und Dalila.-— Donnerst. Deutsches K ü» ft l e r t h.:„kldieu Mimi.'— Sonnad. Oper tttn Platz der Republik:.Die Macht deS Schicksal«.'' — Moat. R o s e t h.:.Der Better auS DwgSda.' Zlranla-Vortrige. Mont., Dienst.(5, 7), Mittw.(5), Donnerst, bis Sonnt.(5, 7):,Moana. der Sohn der Slldser�— Moni bi» Sonnt.(3):„D o r iv ä r t S 1 m n e u c n B e r I i n".— Mittw. 17): ,D i e DeutscheRtl-Rudolssee-Kassa-ExPedition lS2S/A." Ein perez- Abend jmdet am 24. in G e r e ch t S F e st s ä I e n.?Inr KönigSgraben 2(am Alexanderplatz). statt. SS wirken mit: Fr. Frieda Blumenttzal, I. Seszinsli, Gad Ehelaso, J. Turner u. a. Mbau öer Krisenfürsorge? Verderbliche Pläne des Reichsarbeitsmiuisteriums. Noch beträgt die Zahl der Arbeitslosen eine Million. Unter ihnen sind hunderttausende, die infolge der langen Dauer ihrer Erwerbslosigkeit nicht mehr vom Reiche unterstützt werden, sondern der K r i s e n f ü r s o r g e der Gemeinden anvertaut sind. Um so arlarmierender muß daher die Nachricht wirken, daß der Rechisblock eins neu« sozialpolitisch« heldentot vorbereitet, indem er die Krisen- fürsorge abbauen will. Der Reichsarbeitsminister hat sich die Möglichkeit vorbehalten, bei Besserung der Lag« auf dem Arbeitsmarkt einzelne Berufe oder Bezirke von der Verlängerung der Bezugsdauer auszunehmen. Er will für einzelne Bezirke oder Berufe die Unterstützungsdauer um einige Wochen verkürzen und damit einer Reihe von Arbeits- losen den Zutritt zur Krisenfürsorge, der von einer Bezugsdauer der Erwerbslosenunterstlltzung von 52 Wochen ab- hängig ist, v e r f p e r r e n. Es ist bereits vorgesehen, daß der Ber- waltungsrat der Reichsarbeitsverwaltung diesen Plan beraten soll. Die Pläne, die auf«inen Abbau der Krisenfürsorge hinauslaufen, stellen eine Ungeheuerlichkeit dar: denn wen trifft man mit diesem Abbau? Gerade die schwächeren Schichten unter den Arbeit- nehmern, die älteren und schwächeren Leute, die von seder Derschlechterung des Arbeitsmarktes immer zuerst und am längsten heimgesucht werden. Die Besserung aus dem Arbeitsmarkt ist gewiß nicht zu leugnen, ober sie ist doch noch lange nicht so, daß sie einen Abbau der Krisenfürsorge rechtfertigt. Welche Bezirke und welche Berufe sollen denn von der Verlängerung der Bezugsdauer ausgenommen werden? Die Bauarbeiter, Metallarbeiter, Land- arbeiler? Wir haben gerade im Baugewerbe und in der Landwirt- schaft doch auch sehr viele Arbeitskräfte, die nicht als eigentliche Bau- arbeiter oder Landarbeiter angesprochen werden können. Wie sollen da nun die Abgrenzungen vorgenommen werden? Werden nicht die Arbeitskräfte aus den Berufen, die in der Fürsorge schlechter gestellt werden, abwandern? Man braucht nur diese Fragen aufzu- werfen, um zu sehen, daß das Vorhaben des Reichsarbcits- Ministeriums zu großen Unzuträglichkeiten führen muß. Die organisierte Arbeiterschaft wird jedenfalls diesen Plänen, die eine weitere Verschlechterung der sozialen Fürsorge bedeuten, den stärksten Wider st and entgegenstellen. Echan jetzt aber ist der schärfste Protest gegen die sozialreaktionären Absichten am Platze, für die das Arbeitsministerium sich einsetzen will. Demokratifther Parteitag. Gegen Kulturreaktion und feudale Futterkrippenwirtschast Den Abschluß der gestrigen Beratungen auf dem Hamburger Parteitag der Demotraten bildete ein großes Referat der Reichs- lagsabgeordneten Frau Dr. B ä u m e r über die Demokratische Partei in Regierung und Opposition, harte Worte fielen dabei über die Personalpolitik des Rechtsblocks: Wem unter dem Eindruck des schwarzrotgoldenen Schimmers der Richtlinien schönere Illusionen noch blühten, der wird durch die letzten Vorgänge im Reichsmini st«rium des Innern wohl geheilt sein. Wenn die Deutschnationalcn im Sinne der Richtlinien Hüter der Republik sein wollen, so ist ein Grund, den republikanischen Ministerialdirektor der Versassungsabteilung zu entlassen, um so weniger erkennbar, alz ja die Deutschnationalen es immer entrüstet abgelehnt hoben, sich in ihrer Perfonalpolitik von reinen Futtertrippenrücksichten leiten zu lassen. Mir scheint, daß diese Personalveränderung im Reichsministerium des Innern die Sachlage, den Sinn der Koalition auf das drastischste kennzeichnet. Das Zentrum nimmt die Kultur- a b t e i l u n g und überantwortet dastir die Versassungsabteilung dem pommerschen Uradel. Rednerin erklärte dann, daß die Demokratische Partei zurzeit ihren Dienst an der Republik nur in der Opposition leisten könne und wairdte�fich scharf gegen die reakionären Absichten auf dem Gebiete der Schul- und Konkordatspolitit. Der früher« Reichsfinanzmimster Dr. R e i n h o l d verteidigte seine Steuersentungspolistk gegen die deutschnationale Kritik. Er wies darauf ihn, daß gletch nach dieser Kritik die angeblich ver. schleuderten Reserven bald wieder vorhanden waren, als man sie zu einer L i e b e s ga b« n p o l i ti k für die süddeutschen Staaten brauchte. Di« Verlängerung des vorläufigen Finanzausgleichs auf zwei Jahre sei ein Fehler gewesen. Di« notwendige Verwaltung?- resorm könne nur durch eine Staatsreform im Sinne des ge- gliederten Einheitsstaates gelöst werden. Notwendig sei ein Ab- bau der Einkommen- und Zucker st euer bei gleichzeitiger Erhöhung der Dranntweinbelastung. Reinhold trat auch sür die Abschaffung der Kapitalertragsteuer ein. Die Zölle dürften, um die Lebenshaltung nicht zu verteuern, nicht weiter gesteigert«erden.— lieber Wirtschasts- und Sozialpolitik sprach dann Abg. Erkelenz, über Mittelstandspolitik Dr. B o l l i n g e r> Bremen. �Normale Entwicklung" ües Salkankonflikts. England tut nichfs, um seinen Ausbruch zu verhindern. Varls, ZZ. April.(Eigener Drahlbericht.) vo,„Echo de Vatis" läßt sich aus London melden, daß das Foreign Office entschlossen sein soll. In keiner weise mehr in den Italienisch- jugoslawischen Konflikt einzugrelseu und den Ereignissen Ihren normalen(!) Lauf zu lassen. Man habe Anlaß, zu glauben. daß der englische Dotschafter in Rom Anhänger einer Valiflk der Neutralität England» den Ereignissen in Italien und Jugoslawien gegenüber sei und daß er seine Regierung bestimmt habe, keinerlei Interventionen mehr weder In Rom noch in Veigrad die Hand zu reichen. DU englische Regierung habe vielmehr das größte Interesse, sich die italienisch« Freundschaft zu erhallen. 3a hiesigen diplomatischen Kreisen wird hingegen viel Hoffnung aus eine neue Intervention d« englischen Diplomatie in Rom gesetzt, da man die Ansicht vertritt, daß in einer Demarche in Rom Mussolini bestimmt werden könnte, aus direkte Verhandlungen mit Belgrad einzugehen, die er bisher hartnäckig abgelehnt habe. Moskau reifebereit. ES wartet auf die Einladung nach Genf. Moskau, 23. April.(DTB.) Zu der in der europäischen Presse erörterten Frage, ob eine neue Einladung an die Sowjetunion zur Teilnahm« an der Wirtschostskonferenz zu senden sei, bemerken die Iswestija, die früheren Einladungen, die in einer politischen Lage erfolgten, als die Einladenden bestimmt wußten, daß keine Sowjetdelegierten nach Genf reisen würden, hätten keinesfalls dem wirklichen Wunsch der Dölkerbundsführer(!)«nt. sprachen. Di« Teilnahme von Sowjctdelegierten an der Konserenz im gegenwärtigen Augenblick sei nur dann möglich, wenn ihnen die Oj eichen Bedingungen gewährt würden, wie allen anderen Teilnehmern, die sich im Laufe eines vollen Jahre», dos seit der Arbeit der vorbereitenden Kommission verflossen sei, auf die Kon- ferenz vorbereitet hätten. Andernfalls könnte eine Teilnahme der .Sowjetunion an der Konferenz keinerlei Wirkung erzielen. fim öem ithtn t Einzelheiten zur Verhaftung Jener 16jährige Willi Hinze, dem es gelang, eine Weltstadt mehrere Wochen hindurch ununterbrochen in Atem zu halten, indem er durch erschwindelte Unfallmeldungen von den Angehörigen der angeblichen Opfer Geld erpreßte, hat bereits ein sehr bewegtes Leben hinter sich. Das wahre Leben eines Taugenichts, allerdings in einem viel böseren Sinne, als es der Held in jener bekannten köstlichen Novelle Eichendorffs„Aus dem Leben eines Taugenichts" geführt hat. Hinze trug bei seiner Verhaftung in einer Gastwirtschaft in Charlottenburg noch den Smoking des Professors, in dem er zuerst in einem Kino festgenommen worden war. Nur hatte er sich einen Ueberzieher verschafst, um nicht aufzusalle». Aus dem Revier verweigerte er jede Aussage. Noch gestern abend wurde er vernommen. Er zeigt keine Spur von Reue und behauptet, daß er lediglich, um leben zu können, Leuten Geld abgenommen habe, die es entbehren könnten. Arbeiten, jag- er zynisch, habe keinen Zweck. Die Schwindeleien seien ihm durch die Warnungen der Zeitungen und die Maßnahmen der Kriminalpolizei sehr erschwert worden. Hinze ist ein überspannter Vrahlhans, der, wie er zugibt, fast nur Nick-Earter-Romane und dergleichen gelesen hat. Er besuchte die Gemeindeschul« in Neukölln bis zur ersten Klasse, war dann eine Zeitlang aus dem Rittergut eines Grafen, um sich zum Diener auszubilden, hatte daran aber bald keinen Gefallen mehr, kam wieder nach Berlin und wurde, weil er eine gute Figur hat, als Page in mehreren großen Lokalen Unter den Linden beschäftigt. Die Fortbildungsschule war ihm, wie er sagt, ein„Greuel". Er„schwänzte" sie deshalb regelmäßig, und Ein Srunnengerüst eingestürzt. Bier Arbeiter verletzt. In der Bessemerstraße 1 zu Tempelhof ereignete sich heute vor- mittag-ein folgenschwerer Einsturz eines Brunnengerüstes. Vier Arbeiter wurden mit in die Tiefe gerissen und trugen mehr oder minder erhebliche Verletzungen davon. Durch die Feuerwehr und das Städtische Rettungsamt wurde den Verunglückten erste Hilfe zuteil. Auf dem Gelände der Schultheiß-Patzenhoser- Brauerei in der Bessern er st raße 1, wird gegenwärtig ein großer Tiefbrunnen angelegt, der bis zu einer Tiefe von etwa sechs Metern schon fertiggestellt ist. Im Innern des Brunnenschachtes ist ein Hängegerllst angebracht, dos mit mehreren Drahtseilen am Brunnenrand befestigt ist. heut« vormittag waren vier Arbeiter auf dem Gerüst im Innern des Sckiachtes tätig. Aus bisher noch ungeklärter Ursache riß plötzlich ein Drahtseil. Der Be- lastung hielten die übrigen Seile nicht stand und das Gerüst mit den vier Arbeitern st ü r z t e in die Tiefe. Die Abgestürzten hatten zum Teil schwere Verletzungen erlitten. Di- Feuerwehr und zwei Wagen des Städtischen Rettungsamtes sorgten für den Ab- transport der Verunglückten. Der 40jährigc Maurer Willi S u b t« aus der Admiralstr. 30 und der 27jährige Maurer Wilhelm Otto aus der Müllerstr. 166 fanden im Schöncberger Krankenhaus Aufnahme, wo innere Verletzungen und Knochenbrüche festgestellt wurden. Ein weiterer Verletzter, der ZNjährige Maurer Otto Koppen aus der Gartenstr. 19,'wurde in dos Urbonkrankcnhau, übergeführt. Am glimpflichsten kam der Z2jähngc Maurer 21 r t u r 51. aus der Markusstraße 19 davon, der sich mehrere Verstauchungen zuzog und nach Behandlung auf der Rettungsstelle 41 in seine Wohnung gebracht werden konnte. Eine Untersuchung über die Ursach« des Unglücks ist sofort eingeleitet worden._ »der empörte Zahrschemschnorrer." Eine Zuschrift der Rcichsbnhnbirektion Berlin. In Nummer 181 unseres Blattes veröffentlichten wir unter der Ueberschrift„Der empörte Fahrscheinschnorrer" die schöne Geschichte von jenem seltsamen Antisemiterich aus dem Ber- liner Westen, der seine„Schlogt-die-Iuden-tot"-Gesinnung dazu aus- nutzen wallte, um sich und seinen Söhnen Freifahrtschein« sür«ine Reise an den Rhein zu erschnorren. Wir erhalten nun ein Schreiben von der Deutschen Reichsbahngesellschoft, Reichsvahndircktion Berlin, dem wir folgendes ent- nehmen: Die Angelegenheit sei, so heißt es, nicht von der hauptocrwal- iuno der Deutschen Reichsbahngesellschaft, sondern von der Reichs- bahndirektion Berlin behandelt worden. Die Reichsbahn- direttion Hobe die Eingabe nicht vervielfältigt, sondern lediglich den Magistrat verständigt und hierbei die Bestimmungen über die Fahrpreisermäßigung für mittellose Kranke in Erinnerung gebracht, zumal aus Meldungen von Eisenbahndie n st- stellen bekannt geworden sei, daß gerade mit dieser Fahrpreis- ermäßigung osscnsichtlicher Mißbrauch getrieben wird. In dem Schreiben an den Magistrat sei gesagt worden, daß die Reichsbahndirettion Berlin, ohne die tendenziös anmutenden Angaben des Einsenders, die gleichzeitig eine eigennützige Absicht erkennen ließen, als richtig zu unterstellen, den Anlaß benutze, auf die Beachtung der Bestimnuingen hinzuweisen. Der Antrag des Einsenders auf Bewilligung eines Freifahrtscheines sei, so sagt man weiter, abgelehnt worden. Im übrigen habe es sich für die Reichsbahndirektion selbstverständlich um ein« rein geschäst- liche Angelegenheit gehandelt, nämlich lediglich um die Feststellung, ob«ine Fahrpreisermäßigung zu unrecht in Zlnjpruch ge- nommen werde. Wie man daraus, so schreibt die Dtrektion, sür die Reichsbahn eine politische oder Rassefrage tonstruier«n könne, sei gänzlich unerfindlich. Zum Schluß werden wir ersucht, hiernach eine Berichtigung in der nächsten Ausgabe unserer Zeltung ausjuiiehmen— wiewohl das Schreiben der Reichsbahndirektion in keiner Weise den presse- gesetzlichen Slnforderungen einer Berichtigung entspricht. Es werden Dinge angefochten, die wir nicht behauptet haben. und indem man Nichtbehauptetes bestreitet, gibt man das Wesentliche, was wir schrieben, zu. Wie liegt die Sache nach der Darstellung der Reichsbahndirektion Berlin? Ein völkischer Wüterich hat ein unflätiges Schreiben, das von völlig unbewiesenen Beleidigungen beut- scher Staatsbürger strotzt, an die Hauptverwaltung der Reichs- bahn gerichtet. Anstatt an den Rand des Schreibens den einzig gehörigen Vermerk:„Gesuch ablehnen! Z. d. A." zu setzen, gibt die Hauptverwaltung den Wisch an die ihr unterstehende Reichs- bahndirektion Berlin weiter. Und die Reichsbahndirektion— unsere Behauptung, sie sei es gewesen, die den Brief des famosen Herrn H. vervielfältigte, ziehen wir reumütig zurück!— leitet den gleichen Wisch an den Magistrat Berlin, von dem aus er im Instanzenzuge an die Bezirksämter der Stadt Berlin gelangt. Von wo also ging diese skandalöse Geschichte aus? Vom Betrieb des Herrn Dorpmüllerl Und mehr haben wir nicht bebauptet. Daß der Schnorrversuch des Herrn H. um Freifahrtscheine geglückt sei, ist von uns niemals gesagt worden. Aber eine kleine Frage haben wir noch: Di« Reichsbohndirektion Berlin erwähnt in ihrem Schreiben,„aus Meldungen von Eisenbahndienst- stellen sei bekannt geworden, daß gerade mit der Fahrpreis- ermäßigung offensichtlicher Mißbrauch getrieben wird". Warum hat ines Taugenichts. des Unfallschwindlers Hinze. dafür gab es einen Haufen Strafmandate. Endlich kam er in F ü r. sorgeerziehung. Die paßte ihm natürlich gar nicht. Bei der nächsten Gelegenheit entwich er. Nachdem er zuletzt dem Trans- porteur vom Lindenhof in Lichtenberg entwischt war, besaß er, wie er behauptet, noch 60 M., für die er sich einen Ueberzieher onschassen und auch in kleinen Holels und Herbergen absteigen konnte. Mit dem Mädchen, das bei seiner Festnahme mit ihm in der Theaterloge saß, traf er sich wiederholt nach seiner Flucht. Seine Mutter auf- zusuchen, wagte er nicht. Es gelang ihm aber, sie ein paarmal durch den Fernsprecher zu erreichen. Die Frau ist entgegen seiner Be- Häuptling durchaus nicht krank. Hinz« rechnet damit, daß er mit 1 Jahr Gefängnis davonkommen wc�de. Von dem erbeuteten Gelde habe er, soweit er es zum Leben nicht brauchte, Schmucksachen gekauft. Diese habe er versteckt, um sie nach Verbüßung der Strafe zu verkaufen. Das ist aber sicher nur Prahlerei. Wenn ihm Schwindeleien anderer Art nicht gelangen, so meldete Hinze, wie er behauptet, Zeiiungsredaktionen erdichtete Unfälle und erhielt dafür, bevor sein« Angaben geprüft werden tonnten, vorab schon ein« Meldegebühr. Angeblich wollte er sich erschießen. Eine Schußwaffe wurde nicht bei ihm gefunden. Wahr- scheinlich hat der Bursche auch mit Zuhälterkreisen in Verbindung gestanden und dort Unterschlupt gefunden. Seine Mutter, eine biedere Frau, die über, den mißratenen Sohn sehr niedergeschlagen ist, erschien heute aus dem Polizeipräsidium und brachte ihm einige Kleidungsstücke, so daß ihm der erschwindelte Smoking abgenommen werden konnte. Der Ertappte wird noch heute dem Unter. suchungsrichter vorgeführt, und dann, seiner Gemeingefährlich- keit wegen, wohl so sicher untergebracht werden, daß ihm ein Ent- schlüpfen nicht noch einmal glückt. � die Reichsbahndirektion ausgerechnet das blödsinnige Schreiben des Herrn H. und nicht, wie es doch viel natürlicher ist, die sachlichen Meldungen ihrer Dienststellen dem Magistrat übermittelt? Auf Grund solchen sachlichen Materials wäre etwaigen Mißständen abzu- helfen,— auf Grund eines ungehörigen Wisches aber nicht. Denn daß gerade wir jeden Mißbrauch einer sozialen Vergünstigung aufs schärsste verurteilen, bedarf keiner Erörterung. Haushaltbalancierung öurch hunöefteuererhöhung. Der Stadthaushaltplan für 1927, dessen endgültige Festsetzung noch aussteht, sieht eine neue Erhöhung der Hunde st euer vor. 2'/! Millionen Mark mehr soll die Hundesteuer bringen, damit im Haushalt das Gleichgewicht zwischen Einnahme und Ausgabe erreicht wird. Die 2'A Millionen sollen einkommcn, wenn erhöhl wird die Steuer für den ersten Hund von 60 aus 80 M., sür den zweiten von 120 auf 160 M., sür den dritten von 180 aus 240 M., für den vierten und jeden weiteren Hund von 240 auf 320 M. Die Erhöhungen sollen schon vom 1. Juli ab in Kraft treten. Der Ma- gistrat ersucht die Stadtverordnetenversammlung um ihr« Zustimmung zu dieser Hundesteuererhöhung. Aus eine Mehr- h e i t sür die beabsichtigt« neue Schröpfung der Hunde- besitzet hat er nicht zu rechnen. Der Haushaltausschuß wird ihm andere Wege zeigen müssen, auf denen man zur Balancierung des Haushalts gelange» kann. Stadtverordnetenwahl in Trebbin. Uns wird geschrieben: Während im Reiche die Wahlen zu den kommunalen Körperschaften erst 1928 stattfinden, müssen in Treb- bin die Neuwahlen schon in diesem Jahre vorgenommen werden, da die Legislaturperiode bereits 1923 begann und infolgedessen jetzt abgelaufen ist. Die„vereinigten bürgerlichen Par- t e i c n"(von den Deutschnationalen bis zu den Demokraten) suchen ihre bisherige Mehrheit im Stadtparlament unter ollen Umständen zu halten. In einem inhalrlosm Flugblatt malen sie den ..Schrecken einer Linksmehrheit" an die Wand. Die Kommunisten machen in der von ihnen herausgegebenen Wahl- zeitung gegen die Bürgerlichen scharf und pöbeln dann in der üb- lichen Weis« die sozialdemokratische Fraktion an. Den Bürgerlichen erweisen sie den größten Dienst, indem sie die Mitgliederzahlen der einzelnen Arbeiterorgcrnisationen im Orte sn den schwärzesten Farben schildern. Von der Ortsgruppe des Reichsbanners, die etwa 60 Mit- gliedcr zählt, behaupten sie sogar, sie befände sich„in der Auf- j o s u n g". 2luch über die Mitgliedszisser der SPD. werden völlig falsche Angaben gemacht, desgleichen sind die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften und sonstiger Vereine zum Teil erheblich vermindert worden. Es gehört schon ein ziemliches Maß taktischer Un- klugheit und politischer Dummheit dazu, um in einer Agitätionsscbrist, die angeblich den Arbeiterinteressen dienen soll, derartiges„Material" zu bringen. Verantwortlich für diesen Unsinn zeichnet der Reichstagsabgeordnete Ernst T o r g l e r. Ueber diese Angelegenheit wird noch nicht das letzte Wart gesprochen sein. Die werttätige Bevölkerung Trebbins aber wird daraus die Lehre ziehen und am morgigen Sonntag geschlossen sür die s o z i a l d e m o k r a- tische Liste stimmen. Verkehrspropaganda. Die Reichszcntrole sür Deuts che Verkehr»- Werbung lud zur Besichtigung ihrer Sonderschau an Werbe- Material nach der Wochenend-Ausstellung ein. Ein ganzer Pavillon und mehrere Vitrinen enthalten reichhaltiges Propagandamaterial in Form von künstlerischen Plakatentwllrsen, Ricsenphotos zur Schmllckung von Bahnhöfen und Reisebureaus, außerdem Bertehrsbücher der verschiedensten Reiseziele in deutschen wie auch in vielen ausländischen Sprachen, die in ihrer klaren, über- sichtlichen Form ein praktisches Orientierungsbuch darstellen und in eigens konstruierten Automaten gesondert nach den verschiedenen Gegenden— für einen Groschen pro Heft erhältlich sind. Dies« Automaten sollen aus Bahnhöfen und in Reisebureaus aufgestellt werden, um dem breiten Publikum als Reisebehelf zu dienen. Die Werbearbeit der Gesellschaft erstreckt sich natürlich auf da» In- und Ausland. Es wurden ferner einige Propagandasilme:„Ein Aus- slug von Berlin nach Potsdam",„Winter im Riesengebirge" u. a. m. gezeigt. Die örtliche Propaganda der einzelnen Städte und Ver- kehrsorgamsationen steht in ergänzendem Zusammenhang mit der Tätigkeil der bisherigen Reichszentrale. Es geschieht auch von dieser Seite alles, die Schönheit der Heimat ins richtige Licht zu setzen. wer ist die Tote? Von der Iungsernbrücke sprang gestern ein unbekanntes Mädchen in den Kanal, nachdem sie einen kupferfarbenen Mantel und eine blaue Strickjacke abgelegt hatte, und ertrank. Ein Fischer konnte nur noch die Leiche bergen, die nach dem Schauhause gebracht wurde. Die Tote ist etwa 18— 25 Jahre alt, 1,63 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und ein rotes volles Gesicht und trug eine blau-weiß-braun-weiß gestreifte Jacke, einen schwarzen Rock, ein weißes Hemd ohne Zeichen, helle Strümpfe und hellgrüne Spangenschuhe. Auf einem Finger trug sie einen Ring mit der Gravierung E. K. Setbstmord oder Unglücksfall? Bei K ö n i g» w u st e r» hausen wurde gestern abend der 56jährige Schiffseigner K a r l Z i m m e r m a n n aus der Bernitzstraße 37 zu Hamburg- B a r m b e ck auf den Gütergleisen von einem Rangierzug über- fahren und auf der Stelle getötet. »Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt de? heutigen Postaujlage bei, Um öas Serufsausbilöungsgesch. Eine Gegenaktion der Unternehmer. Unter der neutralen Firma.Arbeitsausschuß für Berufsausbildung" organisieren die Unternehmer ihren Feldzug gegen das Berufsausbildungsgcsctz. Hinter diesem Ar. beitsausschuß steckt insbesondere der Reichs verband der deutschen Industrie und die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberoerbände. Das Ergebnis der Beratungen des Ausschusses besteht in einem „G eg c n e n t w u r f eines Gesetzes zur beruflichen Ausbildung von gewerblichen Lehrlingen". Zwar wünscht der Ausschuß für die weitere geschäftliche Behandlung, daß der breiteren Oeffentlichkeit von den Einzelheiten noch nichtKenntnis gegeben wird! wir halten es jedoch für sehr erforderlich, daß dies geschieht. Der Gegencntwurf der Unternehmer enthüllt nicht nur ihre volkswirtschaftliche Verantwortungslosigkeit, er ist gleichzeitig ein Beitrag zum Kapitel ihrer Doppelzüngigkeit. Der Reichs- t a g hatte bekanntlich am 2. Juli bei der Verabschiedung des Kündi- gungsschutzgesetzes für Angestellte in einer Entschließung unter an- dercm von der Reichsregierung gefordert, daß Hoch st zahlen für das Halten von Lehrlingen im Handelsgewerbe festgesetzt werden. Das ist bis heute nicht geschehen, obwohl die gesetzlichen Grundlagen für den Erlaß solcher Vorschriften vorhanden sind. Bei den Beratungen über diese Frage im Reichsarbeitsministerium forderte der Vertreter der Unter- nehmer Vertagung bis zur Verabschiedung des Bsrufsaus- bildungsgesetzes. In dem Gegenentwurf der Unternehmer sind jedoch die Handlungslehrling« ausgeschaltet worden, mit der fadenschoinigen Begründung, weil diese Regelung zweckmäßiger im Anschluß an das Handelsgesetzbuch erfolgt. So besteht für die Unternehmer wenigstens die Möglichkeit einer weite- ren Verschleppung, nachdem die ungeheuren Miß- stände gerade im kaufmännischen Lehrlingswesen nach den amtlichen Feststellungen der Gewerb«, und Handelsauf- fichtsbeamlen und den Erhebungen des Zentraloerbandes der Ange- stellten nicht mehr geleugnet werden können. Die Unternehmerdenk- schrift zeigt aber auch gleichzeitig in ihren Anmerkungen, daß der Deutsche Industrie- und Handelstag in den Fragen der Berufsausbildung am rückständigsten ist. Der Gegenentwurf der Unternehmer will jedoch außerdem auch alle Zugendlichen ausnehmen. In der Ausbeutung der jugendlichen Arbeitskraft waren sie von jeher Meister. Kein Wunder, daß ihnen die bescheidenen Schutz- Vorschriften des Regierun gsentwurfs aufs tief st e verhaßt find. Der Hinweis, daß die Regelung des Verhältnisses des Unternehmers zu den jugendlichen Arbeitnehmern im Arbeits- schutzgesetz erfolgen wird, zeigt nur, wie wenig die Unternehmer den Zusammenhang zwischen Lehrlingen und Jugendlichen begreifen wollen und wie verantwortungslos sie sich in der Berufsausbildung dieser Jugendlichen fühlen. Ausbeutung der jugendlichen Arbeitskraft ist Trumpf, Probleme der Berufsausbildung sind pule Flausen. Nachdem die Unternehmer so den Geltungsbereich ein- geschränkt und damit die Wirksamkeit des Gesetzes säst voll- ständig aufgehoben haben, soll die Inkraftsetzung dieses Wenigen durch ein bes anderes Einführungsgesetz noch weiter verschleppt werden. Prüft man den Unternehmerentwurf auf den Inhalt seines materiellen Rechts, so ist auch hier seine geringste Sorg« die Eiche- rung der Berufsausbildung und ein ausreichendes Schutzrecht der jugendlichen Arbeitskraft. Während der Regierungsentwurf grundsätzlich eine Auswahl der Betriebe auf ihre Eignung zur Berufsausbildung fordert, verlangen die Unternehmer, daß alle Betriebe ohne weiteres als Lehrbetrieb« anerkannt werden. Nur wenn der Betrieb noch Art und Umfang zur Berufs- ousbildung ungeeignet ist oder wenn Tatsachen dafür vorliegen, daß der Inhaber oder sein Vertreter beruflich nicht fähig sind, den Lehr- lingen die für die Berufsausbildung nötigen Kenntnisie und Fähig- keiten zu übermitteln, ist die Aberkennung der Eignung zur Aus- bildung von Lehrlingen durch die gesetzliche Berufsvertrctung aus- zusprechen. Diese gesetzliche Berufsvertrewng segelt auch im Unter- nehmerentwurf unter der Flagge der Selbstverwol- t u n g der Beteiligten und der Gleichberechtigung der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer. In Wirklichkeit sind die gesetzlichen Berufs- Vertretungen die Handwerks-, Handels- und Gewerbe- k a m m e r n, also reine Unlernehmervertrelungen, die durch ihre Organe ihr« Aufgaben und Befugnisie auf Grund des Berufsausbildungsgesetzes ausüben. Nur bei bestimmten Anordnun- gen und Maßnahmen, die gegenüber dem Regierungsentwurf wesentlich eingeschränkt sind, ist ein Beschluß des zu errichtenden Ausschusses, der nur ein Organ der gesetzlichen Berufsvertretung ist. herbeizuführen. Der Ausschuß setzt sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der Unternehmer und der Arbeitnehmer zusammen. Die gesetzliche Berussoertrewng/ also die Unternehmer, bestellt den Vorsitzenden ohne Stimmrecht. So steht es geschrieben im§ 74 des Unternehmerentwurfs. Bei jeder Abstimmung muß die Zahl der Vertreter der Unternehmer und der Arbeitnehmer gleich sein. Es wäre also zu befürchten, daß die Forderungen der Unternehmer bei rückgratfesten Vertretern der Arbeitnehmer keine Mehrheit im Ausschuß finden. Die Unternehmer wissen sich zu helfen. Da der Vorsitzende ohne Stimmrecht von der Handwerks-, Handels- oder Gewerbekammer bestellt wird, dürfen die Unternehmer zu ihm Ver- trauen haben. Großmütig gestehen sie ihm im 8 75 ihres Entwurfs deshalb zu, daß der Vorsitzende ohne Stimmrecht bei Stimmengleichheit mit seiner Stimme entscheidet. Der Stein der Weisen wäre also gefunden. Der Unternehmerentwurs enthüll solcher Kostbarkeiten noch viele. Wir wollen es uns ersparen, heute auf alle Einzelheiten einzugehen. Für seinen Geist ist kennzeichnend, daß der Lehrling dem väterlichen Erziehungsrecht des Lehrherrn unterworfen ist. Diese Unternehmeraktion beweist nur wieder einmal, wie der ökonomische Fortschritt durch eine qualittttive Steigerung der Arbeitskraft vermöge ausreichender Berufsausbildung von der Macht und besseren Einsicht der Arbeiterklasse abhängt. Textilarbeiterstreik in Gstfachfen. Bautzen, 23. April. siVTB.) Nachdem die seit Wochen an- dauernden Verhandlungen über die Schafsung eines neuen R a h m e n t a r i f e s für die ostsächsische Textilindustrie gestern endgültig gescheitert sind, haben die Gewerkschasten den Streik beschlossen. Zn Neugersdors, dem Blillelpunkle der Lausiher Textilindustrie, haben heule vormittag die meisten Belegschaften für den 30. April�gekündigl. Au» dem ganzen Zillauer und Löbauer Bezirk gehen gleich« Meldungen ein. Zn der Oberlausih sind 45 000 Textilarbeiter vorhanden. Der Arbeitskamps droht den Umfang de» Zohres 1921 zu erreichen. Zur Tarifoereinbarung öer Reichsarbeiter. Die Besprechung zwischen dem Reichssinanzminister und den Organisationen der Reichsarbeiter zur Neuregelung der Löhne und der Arbeitszeit am Freitag führte zu einer Vereinbarung, die im wesentlichen folgendes bestimmt: Solange und soweit während der Geltung des Zusatzabkommens (zu§ 2 des Reichstarifoertrags) die wöchentliche Mindestdienstzeit der mit den Arbeitern zusammen tätigen Beamten 48 Stunden übersteigt, gilt die gleiche Arbeitszeit, jedoch nicht über 5 4 Stunden hinaus, für die unter den Tarifvertrag fallenden Arbeiter. Wird die wöchentliche Mindest dien st zeit der Be- a m t e n während der Gültigkeit der vorliegenden Vereinbarung herabgesetzt, so treten die Vertragsparteien unverzüglich in neue Verhandlungen über eineNeuregelung derArbeits- zeit ein Soweit die wöchentliche Arbeitszeit des Arbeiters 48 Stunden überschreitet, ist jede überschüssige Stunde neben dem Stundenlihn mit einem Zuschlag abzugelten, welcher für die 49. b i s 51. Stunde 15 P r o z., f ü r d i e 52. b i s 54. Stunde 25 P r o z., für die 55. bis 60. Stunde 50 Proz. beträgt. In den Städten, in denen die Wochenarbeitszeit der Arbeiter ent- sprechend derjenigen der Beamten nur iS'/i Stunden beträgt(Berlin, Hamburg. München, Köln), wird der Lohn vom 1. April ab nur für tatsächlich geleistete Arbeits stunden gezahlt. Sofern Arbeiter bereits am 1. April 1927 im Reichsdienst an den vorgenannten Orten tätig waren, wird ihnen, solange die Mindestdienstzeit der Beamten nicht herabgesetzt wird, eine Wochenzulage in Höhe des Lohnes für VA Stunden einschließlich Soziallohn neben dem nach den allgemeinen Bestimmungen errechneten Gesamtwoch-n- bezuge, jedoch unter Wegfall des Zuschlages für über 48 und nicht über 51 Stunden hinaus geleistete Arbeitsstunden(von 15 Proz.) gewährt. Di« Lohnsätze für männliche Arbeiter werden vom 1. April 1927 ab in allen Gruppen Ii m 4 Pf. für die Stunde erhöht. Ab 1. Oktober 1927 werden die Lohnsätze der männlichen Arbeiter um einen weiteren Pfennig erhöht. Die Lohnsätze der Lohngruppe 1 werden auf 75 Proz. der Lohnsätze der Lohn- gruppe 1 festgesetzt. Arbeiterinnen der Lohngruppe 2 erhalten den Lohn der Lohngruppe 1 mit einem Zuschlag von 2 Pf., Arbeite- rinnen der Lohngruppe 3 den Lohn der Lohngruppe 1 mit einem Zuschlag von 9 Pf. Die durch die Vereinbarung geregelten Punkte können erstmals.zum 31. März 1928 gekündigt werden. Die Organisationsoertreter ließen bei den Besprechungen keinen Zweifel darüber, daß die Vereinbarungen bezüglich der materiellen Auswirkung durchaus nicht befriedigen, und sie erwarten, daß bei der noch zu erfolgenden Nachprüfung der Löhne an den einzelnen Orten von dem Finanzministerium das nötige Ent- gegenkommen gezeigt wird. Der Finanzminister ließ auch, nachdem ihm die Lohnzahlen der einzelnen Orte bekanntgegeben wurden, er- kennen, daß er die Löhne, wie sie zurzeit für die Reichsarbeiter gezahlt werden, als nicht genügend betrachtet, und er sprach den Wunsch aus, daß ihm noch weitere Unterlagen zur Verfügung gestellt werden. Dos wurde von den Organisationen zugesagt. Die Ver- Handlungen über die Nochprüfung der örtlichen Löhne sollen am Donnerstag, dem 5., und Freitag, dem 6. Mai, im Reichs- sinanzministerium vor sich gehen. Bezeichnend an der ganzen Aussprache war, daß der Finanz- minister von seinen Referenten nicht genügend unterri-qtet worden war. Er gab daher auch die Versicherung ab, bei ähnlichen Fällen in Zukunft den Organisationsvertretern auf Wunsch jederzeit zur Verfügung zu stehen._ die gestheiterten verhanölungen in �ssen. Bochum. 23. April.(Eigener Drahtbericht.) Im Zechcnverbands- gebäude in Essen fanden am Freitag Lohnverhandlungen für den Ruhrbergbau statt. Die Gewerkschaften fordern elne Lohn- erhöhung von 90 Psg. je Schicht für alle erwachsenen Arbeiter und einen Zuschlag von 28 Proz. für Heber. arbeit ab 1. Mai für alle Arbeiter, also auch für die acht Stunden unter Tage Arbeitenden. Außerdem wurden noch einige Eingruppierungen in die Lohnordnung. verlangt. Die Forderungen wurden von den Gewerkschaftsvertretern mit der eingetretenen Preissteigerung, der erhöhten Leistung und den günstigen Jahresabschlüssen der Bergwerksgesellschaften begründer. Weiter wurde daraus hingewiesen, daß die Löhne der Bergarbeiter hinter denen anderer Berufe zurückständen. Die Zechenverbandsvertreter lehnten diesmal im Gegensatz zu ihrem früheren Verhalten nicht jede Lohnerhöhung ob. Sie erklärten, daß sie geneigt seien, in der Lohnfrage entgegenzu- kommen. Bei der Höhe der Forderungen habe es aber keinen Zweck, ein Angebot zu machen, da eine Einigung doch ausgeschlossen sei. Bei der großen Differenz müsse der Schlichter entscheiden. Trotz wiederholter Ausforderung der Gewerkschaftsvertreter, e i n Angebot zu machen, lehnten die Unternehmervertreter das als zwecklos ab. Sie teilten nur noch mit, daß sie ihrerseits bean- tragten, einige weitere Zechen unter die Randzechenklauscl zu bringen, für Lehrhauer der Abzug von 5 Proz. so lange gelten soll, bis sie den Hauerschein erhielten und Ortsälteste aus dem Gc- dinge eine höhere Bezahlung erholten sollen. Die Verhandlungen waren damit gescheitert. Betriebsratswahlen in der Berliner Stadtbank vnd in der Sparkasse. Die Betriebsratswahlen in der Berliner Stadtbank und Spar- kasi« haben auch in diesem Jahre keine Veränderung erfahren. Der alte Betriebsrat hat sich voll behauptet. Gewählt sind sechs ordent- liche und sechs Ergünzungsmitglieder, die allesamt dem Allg� meinen Verband der Deutschen Bankangestellten angeschlossen und Mitglieder der Sozialdeinokratischen Partei sind. Setzerstreit in Brüssel« Brüssel. 22. April.(TU.) Der Personal der Brüsseler Zeitung ,Le XX. Siecle" ist in den Streik getreten, da sich diese Zeitung aus Ersparnisgründen die Platte mit den Börsennotierungen von der Amsterdamer Zeitung„Sie Matin" schicken lieh. Die Zeiwng ist in beschränktem Umfang erschienen. Die estnischen Gewerkschaften für Amsterdam. Ein in Reval tagender Kongreß der Gewerkschaften Estlands hat noch Meldung des OE. die Gründung eines Al lest« i- schen Zentralverbondes der Gewerkschasten be- schlössen, dem die Leitsätze der Amsterdamer Int er- nationale zugrundegelegt werden. Die Gründung bedeutet ein Abrücken von den Prinzipien det Moskauer Gewerkschastsinter- nationale(Profintern). Die Versuche der Linksgruppen auf dem Kongreß, gegen die Neugründung zu opponieren, hatten nicht den geringsten Erfolg._ Die Disser einen im Hackepeter.Zum guten Happen". Inhaber ZNewes, Neukölln. Hermannstr. 160, bestehen weiier. Herr Mewe» hat durch seine Handlungsweise zu erkennen gegeben, dag er die organisierten Arbeiter. Angestellten und Beamten sehr gering ein- schätzt: sonst hätte er sich nicht erlaubt, die organisierten Kellner zu entlassen, um organisanonsunsähige Gelbe zu beschäftigen. Der Betrieb ist für organisierte Arbeitnehmer gesperrt. Zentralverbans der Hotel-, Restaurant- und Cafcangestellten, Zweigoerern Groß- Berlin. Elsasser Str. 86/88, Z Tr. Die Sparkasse der Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten A.-G. Berlin, wallstr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9—3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabend, von 9—1 Uhr geöffnet, Theater See Woche. Vom 24. April bis 2. Mai 1S27. «-»«lmbak' 2<, 25., 26., 30. Eewittkr übet Gottland. 27., Ä., 1. Staunt- fptel. 29. Nachi-snl. 3. SJoIponc.- Oper am Platz d« Republi!: 24. Frau ohne Schatten. 25. Versieqelt. Spanisches sscst. 26. Carmen. 27. Madame Buttrrfln. 28. Capalletia Rusticana. Baiazzi. 29. Salome. 30.(3um ersten Malet Macht des Schicksals. 1. Zlosenlavalier. 2. Wo«eck.—«chansptelhaa»: 24., 25., 26., 29., 30., 1. Ein besserer Herr. 27, Wildschütz. 28. Peer Ennt. 2. Faust« wollen. Theater am Nallendorsplatz: Drei arme lleine Mädels.— Theater in der ttöniggrätzer«tratze: Die Schule von Uznach.—»«mödienhan»! Theo macht alles!—«rohes Dchanspielhan»: Wie«inst im Mai.— Theater»«» Westea»! Wissen Sie schon...— Stadt, vper Charlottenburg: 24. Turanbot. 2a. Der Troubabour. 26., 2. Der Prophet. 27. Jugend im Mai. 28. Carmen. 29. Der fliegend- Holländer. 30. Siegfried, i. Di- Boheme.—«»milch- vprr- Sünden der Welt.— Deutsche,«ünstler-Th-ater: 25., 26., 27. Geschlossen. Ad 28 Adieu Mimi.— Lnstspiclhau»! Surr-— ein Junge!— Lesfing-Theater: Der Patriot. — Theater am«arsürstendam«: Die«leine auf Besuch.— Trianaa-Theater: Müllers.—«esidea,. The-ter: Der Autowildling.— Z-atral-Tdrater: Der blonde Zigeuner.— Theater in der«ammaahaatenstratzr: Berlin wie es weint und lacht.— Metropol. Theater: Di- Zirkusprini-Mn.— Berliner Theater: Der Hampelmann.— Di- T-ibLa«: Spiel im Schloß.—«leiae» TKrate«: Die oalden« Galeere.— Wallner Theater: Auf der Sonnenseite.— Nenaissaaee- Theater: 24.. 25. Der 13. Stuhl. Ab 26. Feiglinge.— Walhalla-Theater: Die von der Liebe leben.— Rose.Theater: Bis l. Die beiden Nachtigallen. 2. Der Better aus Dingsda.— stasivo. Theater: Pimpelhuber, der Millionenerbe.— Theater i« der«losterstrahe: 24., 25., 26.. 28., 1., 2. Liebe. 27.. 2». Simion und Delila. 30. Vfarrhauskomödie.— Theater i» der LStzowstrahe: Die Frau ohne Mann.— Theater im Ad«iral»palast: Vir» 1« ferairie.— Wintergarten: internationale» Variete.— Seala: Internationales Variete.—»eich»hallea. Theater: Stettiner Sänger.— Theater am«ottbnste, Tar: Elite.Sänger. Nachmittaa»v»rstellung«n.«chaiispielhan«: 24., l. Napoleon. — Theater am Schiffbauerdamm: 24. Da» Grabmal des unbekannten Colbaten. — l. Der Geizige.— Thalia-Theate,: 24., 1. Der Biberpelz.—«rohe» Schau. spielhau»! 24., 1. Wie einst im Mai.— Theater de» Westen,: 24., I. Wisse» Sic schon...—«»mische vper: 24., 1. Sünden der Welt.— Triana». Theatee: 24., l. Klubleute.— Theater i» der«ommandaatenstrahe: 24., 1. Die bedroht- Unschuld.—«erliaer Theater: 24., l. Der Hampelmann.— Di« Tribüne: 23., 30., 11 Uhr Nachtvorstellung: Spiel im Schloß.— vallner-Theater: 24., i. Der Herr Senator.— Walhalla-Thrater: 24., 1. Die von der Liebe leben.— Theater i« der«lastrrftrahe: 24. Iphigenie. I. Pension Schäller.— Theater im«hmiral»palast: 24., l. im I» fernnie.— Seal»: 24., 30., 1. Internationale» Variete.— Aeich»hall»» Theater:----—- Tar: 24., 1. Elite. Sänget. Ltettiner Sänger.—' Theater am«ottbuffer Berantwortlich fllr Politik: Birtor Schill! Wirtschaft:».«l>»i-lhöf«r: Dewrrkschaftsbeweguna:«riebt,«tzkarn: Feuilleton:«. K. Dil»«-: Lokale» und Sonstige»: Fritz«arstodt; Anzriaen: Th.»lack«! sämtlich in Berlin B erlag: Bormärts-Verlag D. m. b. H.. Berlin Druck' Borwärts-Buchdruckeret und Vrrlagsanstalt Paul Singer u Co., Berlin SW 68, Lindenftrah« 3. WÜRSTCHEN* BOCKWURST M Etwas pz Besonderes! | ,Be(emia-Ruhebetten wrtirtl und mlüri. türschwersl BrIaMunp.KeiDEInljeiten I 2» Jahre Garantie. Ueoerall erhiltlieh ■ Berliner Feder-Matratren-Fabf tt F L__ Berlin 0.27, KraotstraSe 4-5 &iC(igste Ttausutascfis SBeauem, Elegant ■vsm HcuSen HALBSTeife llkM D. R.P Q26eraCf zu haben Auf Teilzahluns Kinderwagen Kleine'*«equeme Aniahlung! ♦ Abrablnnxl CAHNITZER ScH8nliaiJ«er Allee 82.1 am Hochbahnhot Nordring Konkurrenzlos!!! Netoliaetten...... 10.50 an mli Powieranliaien..|o.-. Iduak-CbalseimiOaes.'! 24!-" cnauelonöue-Oeöiea. wamihenanä«..... 3.-„ Paienimetratzen... 0.-; Freisendanx! Ratenzablangl Göhr» Berlin, Pappelallee 12 Pankow, Schmldtstr. 1.