MbenSausgabe Nr. 195 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 94 »MuosJebinfliinstn und«n, eigen iir«ts, find in der Morgenausgabe angegeben RabaMon: Sw. SS, Ciabenffrob** Zernsprecher- VSnho» 292- 297 Tel.. Adresse: Sojlaldcinoftat Sctlin Derlinev (lO Pfenr dt» 5 Übt »erleg er: vorwar»». Verlag(Dmbt). Verlin STD. 68, Llndeaslrob» 3 Fernsprecher> VSnhofs 292— 297 Zcntralorgan der Sozialdemokrat» feben parte» Deutfcblands Geheime verhanölung in Leipzig. Das Spiel mit dem Gedanken der legalen Diktatur. E. K. Leipzig. 26. April(Eigener Drahtbericht). Die heutigen Verhandlungen sind streng geheim. Den Beteiligten ist vom Gericht Schweigepflicht auferlegt. Die Zeugen und die Presse, die«uif 12 Uhr vormittags geladen waren, warten vergeblich auf den Wiederbeginn der öffentlichen Verhandlungen. Es wird vor- läufig unter Ausschluß der Oefscntlichkeit weiter verhandelt. Aus der langen Dauer der gestrigen Beratung über den Ausschluß der Qeffentlichkeit kann man wohl schlußfolgern, dnß die Ansichten über diese Frage im Senat sehr geteilt gewesen sind und daß ein Teil der Beisitzer wohl kaum mit dem Ausschluß der Oeffentlichkeit einver. standen gewesen sein dürfte. Dem Vernehmen nach soll die heutige Dormittagsverhandlung sich um den Fall Claß gedreht haben. Diese Verhandlung gibt Anlaß zu einigen Bemerkungen. Im Verfahren Claß handelt es sich bekanntlich um die Bestrebungen rechtsradikaler Kreise im Frühjahr 1926, den Reichspräsidenten Hindenburg zur Einführung der Diktatur zu bewegen. Die Wiking-Zeuren Soden st ern und Friedrich haben ja ziemlich unverblümt zugestanden, daß da» Ziel des Wiking die Einführung der Diktatur gewesen ist. Insofern waren ihre Aussogen von erheblicher Be- deutung. Sie haben nur die etwas komisch wirkende Einschränkung gemacht, daß die Einführung der Diktatur auf gesetzlichem Wege erfolgen sollte. Die Oeffentlichkeit hat ein großes Interesse daran zu erfahren, wie sich der Reichspräsident diesen Bestrebungen gegenüber verhalten hat. Durch den Zeugen K ä s e h a g e ist bekannt geworden, daß Herr von S 0 d e n st e r n sich in der Märzsitzung der Führer der Baterländischen Verbände gerühmt hat, H i n d e n b u r g sei für den Gedanken der nationalen Diktatur ge- wonnen. Wir haben schon vordem darauf hingewiesen, daß diese Behauptung Sodensterns zweifellos über das Tatsächliche hinausgeht. Immerhin verlangt die Behauptung der rechtsradikalen Zeugen, daß man in ihren Kreisen an die verfassungsmäßige Möglichkeit ge- glaubt hat, über den Artikel 48 der Re chsoerfassung unter Auflösung des Reichstages eine Diktatur herbeiführen zu können, eine b«- schleunigte Klärung der Sachlage. An sich kann ja gar kein Zweifel vorhanden sein, daß nach dem Wortlaut und Sinn der Verfassung eine Verfassungsänderung über Artikel 48 unmöglich ist, daß die Einführung der Diktatur auf gesetzlichem Weg« ein Hirn- gespinst der rechtsradikalen Kreise ist. Aber immerhin muß nach- geprüft werden, wie weit diese Vorstellung in Rechlskreisen Wurzel gefaßt hat, wie z. B. die deutschnationalen Minister Keudell, Hergt usw. zu dieser Frag« stehen. Es muß hier eine entschiedene Er- klärung gerade der jetzigen Regierung vor dem Reichstag verlangt werden und namentlich, was durch die VerhaDhlungen immer dringender als notwendig erscheint, ist, ein A u s f ü h r u n g s g e s e tz zu Artikel 48 zu schaffen, das den Rechtsradikalen auch den letzten Borwand abschneidet, ihre Diktaturpläne auf Verfassung?- mäßigem Wege durchsetzen zu wollen. 71 gegen$4. Tas Stimmenverhältnis im Nationalrnt.— Endgültiges Ergebnis erst im Mai bekannt. w i e n. 26. April.(WTV.) Dieendgültigeverteilung der Mandate für den Rationalrat wird erst in der Woche nachdem 8. M a i durch die hauptivahlbehärde festgestellt werden, da erst dann die Berechnungen über die 13 Neststimmcnmandate, die nach dem ersten Ermitlluvgsversahren übrig geblieben, abgeschlossen sein »verden. Vach uichtofsiziellen Berechnungen dürsten von den Reslstimmen- Mandaten die Einheitsliste 6, die Sozialdemokraten 4 und der Landbund 3 erhalten. Das Gesamtergebnis der vationalralswahlen dürfte demnach sein: Einheitsliste 85. Sozialdemokraten 71. Landbund 9 Mandate. Das Verhältnis der bürgerlichen Mandate zu den sozialdemokratischen wäre dann im neuen vationalrat 94 gegen 71 Stimmen gegen 97 gegen 68 im allen Valionalrat. * Für unsere reichsdeutschen Wahlbegriffe ist es gewiß erstaunNch, daß der große Zuwachs an sozialdemokratischen Stimmen in Wien sich zwar in dem Gewnn von zwei Nationalratssitzen ausdrückt, aber bei der gleichgebliebenen Zahl unserer Gemeinderatssitze unberücksichtigt geblieben zu sein scheint. Dies erklärt sich einmal daraus, daß die Sozialdemokratie bei der Mandatszuteilung im vorigen Mal besonders gut weggekommen ist, während diesmal ein großer Teil des Zuwachses sozusagen leer ausgeht. Das mag wieder daran liegen, daß nicht die ganze Stadt für den Gemcinderat einen Wahlkreis bildet, sondern auch dafür die Nationalrats. Wahlkreise gelten. Endlich aber ist zu bedenken, daß der Verlust der Christlich-Sozialen zum Teck dadurch ausgeglichen worden ist, daß sich die Großdeutschen und andere kleine Parteien, die voriges Mal noch selbständig aufgetreten waren, diesmal dem Mischmasch eingegliedert haben. Wir sehen davon ob, die Personen der Neugewählten namentbch aufzuzählen: es sind zu allermeist dieselben, die auch bisher schon im Nationalrat saßen. Aber ein Durchfall muß doch als recht er» steulich registriert werden: der de» Wimer Rechtsanwalts Dr. Walter Riehl, der sich feit seiner Jugend vom eifrigen Sozialdeinokraten zum Pogromhetzer. Mieterschutzbekämpfer und Schimpfbold herüberentwickelt hat, um nun endlich Abgeordneter zu werden. Die Macher der Einheitsliste haben diesen Hakenkreuzler zunächst in dem stark jüdischen II. Wiener Eeme ndebezirk(Leopoldstadt) ausgestellt, ihre Gesawtaussichten dadurch aber bald so bedroht gesehen, daß Riehl in einen„arischen" Bezirk verpflanzt wurde. Die„Arbeiter- Z itung" hat in den letzten Tagen einige der widerlichen Hetzreden R chls veröffentlicht und ihr Bekanntwerden scheint zu dem starken Summenverlust der Einheitsparteien gerade in diesem Wahlkreis er- hcblich beigetragen zu hoben. Riehl muß sich jetzt wieder schön ge- dulden, bevor er die Immunität für seine Pogromhetzerei miß- brauchen kann! Faschismus gegen voikerbunö. Muffolini will erst gefragt»Verden, wenn der Völker- stund Italiener zu BundeSstcamtcn ernennen will. Di« italienische Regierung hat dem Parlament einen Gesetz- entwurf vorgelegt, nach dem jeder italienisch« Staatsangehörige, der in dm Dienst einer auswärtigen Regierung«der eines internatio- nalen Instituts tritt, zunächst die Genehmigung der italienischen Regierung einholen muß. Das„Journal de Gen�vc„. das große dem Völksrbundsfekre- tariat nahestehmde Blatt, sieht in diesem Gesetzentwurf eine ernste Gefährdung des Völkerbundes. Es betont, daß die Funktionäre des Völkerbundes und de» Internationalen Arbeitsamtes In erster Li7»ie dem Völkerbünde zu dienen haben und nicht Der» treter ihrer Regierungen seien. Es bestehe die Gefahr, daß der italienische Gesetzentwurf Nachahmung in verschiedenen anderen Staaten finden werde. Durch das italienische Gesetz würden die Funktionäre des Völkerbundes in direkte Abhängigkeit von ihren Regierungen gebracht und in ihrer Stellung« nähme nicht mehr frei sein. Das Statut des Völkerbundes mache ausdrücklich die Verabschiedung von Beamten durch den General- sekretär des Völkerbundes von dem Vorliegen besonderer Umstände abhängig. Nach dem neuen italienischen Gesetz würde die Re- gierung das Recht haben, die Beamten jederzeit ohne be- sondere Begründung zurückzurufen. Das„Journal de Gen�ve" erklärt zum Schluß, daß unter all den Gefahren und Schwierigkeiten, die der Völkerbund in den letzten Jahren durchlebt habe, dieses Gesetz, seinen Folgen nach, die schiverste Bedrohung des Völker- bundes bedeute.�_ Die«Friesensmacht�üer Sowjetunion. Woroschiloss über die Pflicht zur Wachsamkeit. vkoskau, 25. April.(WTB.) Der Kriegs- und Marinekommissar Woroschiloff erklärte auf dem Rätekongreß, daß die verstärkten Rüstungen der Mächte, auch der nächsten Nachbarn der Sowjet- union, diese zu besonderer Wachsamkeit zwängen. Woroschiloff hob den außerordentlich friedlichen Eharakter der Politik der Sowjetregierung hervor und dementierte entschieden die Mel- düngen über eine angebliche Konzentrierung der Sowjet- truppen in der Mandschurei sowie die Erklärung des englischen Kriegsministers im Parlament, daß die Sowjetunion sich angeblich zu einem chemischen Kriege aktiv rüste. Der zahlenmäßige Bestand der Roten Armee halte sich auf dem Niveau frllhererIahre. Auf dem Gebiete der technischen Rüstungen und der chemischen Ver» teidigung bleibe die Sowjetunion hinter den westeuropäischen Staaten zurück. Woroschiloff betonte das Erstarken der lebendigen Kräfte der Armee und das Wachstum ihres politischen Be- wuhtseins, sowie die Verbesserung des Zustandes der Flotte und sprach die Ueberzeugung aus, daß die bewaffneten Kräfte der Sowjet» union es verstehen würden, ihre Pflicht zu erfüllen. Die mexikanische Räuberbande gestellt. 60 Banditen getötet. Mexiko. 26. April.(WIV.) 60 Mlkglieder der Rauberbande, die den Zugübersall bei Guadalasera ausführte. wurden nach fünfstündigem Kampf mit den Bundestruppen bei Elguitarrero im Staate Zalisco getötet. vie Moröparole: lebe öer König ehristus.� Das Auswärtige Am't von Mexiko übermittelt der Presse folgende für sich selbst sprechende Mitteilung: „Am 19. April überfiel eine Räuberbande unter Führung der katholischen Priester Dega, Pedroza und Angulo sowie des Rechtsanwalts Lic. Loza, de» Beauftragten des Bundes zur Ver- teidigung der Religion, einen aus Guadalajera kommenden Zug und beschossen ihn unter den Rufen„Es lebe der König C h r i st u s!", bis sie die schwache Begleitmannschaft, die die Be- deckung des Zuges bildete, überwältigt hatten. Darauf töteten sie zahlreiche Passagiere, indem sie die Mehrzahl von ihnen m» t Messer« niedermachten und dann den Zug in Br«nd st e ck t e n. in dessen Innern fast alle übrigen Passagiere»erbrannten. Die Zahl der Toten und Verwundeten beträgt mehr als 156, dar- unter viel« Kinder In einem Falle verlor ein Passagler fünf Kinder, seine Frau und seine Schwiegermutter. Die Regierung trifft mit größter Energie alle Maßnahmen zur Bestrafung der Schuldigen und zur Verhinderung der Wiederholung ähnlicher Vorkommnisse." Justiz ohne öinöe. Der Sieg des faschistischen Lockspitzeltnms. Eine Justiz, die sich die Binde von den Augen löst, um genau zu sehen, wer auf der Anklagebank sitzt: ein Gegner der Herrschenden oder ihr Freund und Diener, eine Justiz des P a r t e i ha s ses und der P a r t e irache hat im Zani- boni-Prozeß von' Rom ihr Urteil gefällt, dieselbe Justiz, die vor einem Jahre die Mörder Matteottis nur um wenige Monate ihrer Freiheit verkürzte. Es ist ein Urteil, das Italiens Rechtsverhältnisse dem letzten Balkan- staat zu Seite stellen. Praktisch ist es völlig gleichgültig, ob man einen fünfundsechzigjährigen kranken Mann wie Ca- p e l l 0, ob man den kriegsverletzten Z a n i b 0 n i auf fünf oder auf dreißig Jahre dem Kerker überliefert. Es ist gleich- gültig, denn weder der alte General noch der an der Luft- röhre und am Kehlkopf verletzte Zaniboni könnten eine fünf- jährige Zuchthausstrafe überleben. Aber für den guten Namen der Nation, für die Ehre der italienischen Justiz ist es wahr- haftig nicht gleichgültig, daß es möglich war, soviel Niedrig- keit, soviel Servilismus, soviel Henkercifer aufzubieten, wie das Sondergericht durch fein Urteil bestätigt hat. Denn, es fei laut gesagt, daß gegen Capello in Vorunter- suchung und Verhandlung kein Belastungsmaterial zutage ge- treten ist, außer den Aussagen des Polizeispions Quaglia. Man hat dem alten Manne, der an Am�inn pectoris leidet, einen absolut blödsinnigen Jnsurrektionsplan untergeschoben, hat dann gefunden, daß, wenn schon einmal ein im Dienst ergrauter General zum Insurgenten wird, er doch wenigstens die Absicht haben müsse, sich.selbst zum Dik- tator aufzuwerfen, kurz, man hat da einen Hinter- treppenroman ausgeklügelt, im Vergleich zu dem die Jndianergefchichten unserer Knaben Photographien der Wirk- lichkeit sind. Erschwerend hat man es dem General angerech- net, daß er im Auftrag des Freimaurerordens gehandelt habe: da aber notorisch dem Anschlag Zanibonis von Anfang bis zu Ende das Geld gefehlt hat, was bei einem Unterneh- men des Ordens doch nicht hätte der Fall sein können, so war es wieder„erschwerend" für Capello, daß er das Geld aus eigener Tasche gegeben hat. Aus den Verhandlungen ist mit aller Deutlichkeit hervorgegangen, daß Zaniboni trotz seines Hastens durch ganz Italien keine Helfershelfer hat finden können und keine Mittel, daß er eben auf Grund dieser Tatsache sich entschloß, allein zu handeln. Das ist natürlich wieder erschwerend für Zaniboni, dessen Verbohrtheit es zeigt, aber zu d e m Schluß, daß dieser Mann ohne Helfers- Helfer und ohne Mittel doch unmöglich gleichzetig Capello zum Mitschuldigen und Geldverforger haben konnte, reichte es bei dem Sondergericht Mussolinis nicht. Man hat es bei diesem Prozeß abgelehnt, die ein Jahr- nach der dem Gericht unterbreiteten Handlung gesetzlich ein- geführte Todesstrafe'rückwirkend zu machen. Aber man hat die ganze Abwürgung der italienischen Frei- h e i t der Bürgerrechte ganz unbewußt rückwirkend gemacht. Man hat es als entsetzliche Missetat hingestellt, wenn sich irgendwo drei Menschen in einem Hause trafen, hat das ganze Verfahren in dem Sinne geleitet, als wäre jedes Wirken gegen den Faschismus ein Verbrechen, hat den Geist der No- oemberdekrete von 1926, die dem Attentat von Bologna folg- ten, rückwirkend gemacht für das Tun der Angeklagten, die damals schon längst im Gefängnis saßen. Im Grunde waren Capello und Zaniboni des Antifaschismus ange- klagt und sind als Antifaschisten verurteilt worden. Anderes hat man ihnen nicht nachgewiesen. Was Zaniboni betrifft, so hatte er sich schon durch seine kühne Aufrichtigkeit selbst als Zielscheibe der faschistifchen Rache dargeboten. Seine Verurteilung wegen versuchten Mordes zu 15 Iahren Zuchthaus konnte einem gewissen rudimentären Rechtsgefühl genug tun. Aber einer scharfen juristischen Analyse, auf die früher die italienische Rechts- fprechüng so stolz sein durfte, halten die Schuldbeweise gegen Zaniboni nicht Stand, aus dem einfachen Grunde, daß es kein Gesetz gibt, das den Willen zu einer verbrecherischen Tat bestraft. Die zur Verwirklichung der Tat getanen Schritte waren nicht zweckmäßig, obwohl sie Zaniboni zweck- mäßig erschienen. Es war nicht zweckmäßig, ein im Solde der Polizei stehendes Individuum mit den Vorbereitungen eines Attentats zu betrauen. Als Zaniboni am Morgen des 4. November verhaftet wurde, hatte er noch keine strafbare Handlung begangen. Seinem im Sinne des Gesetzes ver- brecherischen Willen waren die Wege zur Verwirklichung nur durch ein Werkzeug gebahnt worden, das im Einvernehmen mit der Polizei handelte. Trotzdem können wir es verstehen daß man Zaniboni nicht hat freisprechen wollen. Er wäre tatsächlich dem Rc- gime gefährlich gewesen: außerdem hätte, bei der faschistischen Vorliebe für Lynchjustiz, keine Polizei ihm das Leben sichern können. Vor allem konnte ein faschistisches Gericht die faschistische Polizei nicht in dem Maße bloßstellen, daß es den Spitzel Spitzel nannte. Quaglia war ein Patriot in gutem Glauben. Und er wird lange leben auf Erden und nie Geldsorgen haben.... Der Verteidiger Zanibonis hat am Schlüsse seiner Rede ein furchtbares Wort gesprochen, als er zum Gericht sagte: „Ihr seid dag Gewissen der faschistischen Re- v 0 l u t i 0«". Das Wort beleuchtet eine geschichtliche Situa- tion:� es trifft das Regime tiefer als ein Attentat. Jene Offiziere im Schworzhemd, die das Urteil schon in der Tasche hatten, sind unter dem Hieb nicht errötet..Scham- los schuf den schlechten Mann mitleidig die Natur." Und das Gewissen der faschistischen Revolution hat sich schleierlos. ge- zeigt, in seiner blutrünstigen Rachgier. Nicht die Rachgier des Pöbels, der trunken wird durch die eigne entfesselte Ge- walt, im Staub der Straße, gefährlich und gefährdet; nein, die kalte, feige Rachgier gegen Wehrlose, feierlich drapiert in die Toga des Richters, sicher und geschützt in den heiligen Hallen der Justiz. Dies ist das Gewissen der faschisti- schen Revolutionl_ Eine hervorragende Ehe. Deutsche Volkspartei gegen dentschnationale Volkspartei. Die Deutsche Volkspartei und ihr Führer Stresemann werden von den Deutschnationalen en eanaille behandelt. Stresemann wird nach der Methode Helfferichs im Kampf gegen Erzberger auf persönlichem Gebiete attackiert, er soll mürbe gemacht und niedergehetzt werden. Von seinen Koalitionsfreunden im Bürgerhlock. Es scheint ihm allmäh- lick der Geduldsfaden zu reißen. Die„Nationalliberale Kor- respondenz", der amtliche Pressedienst der Deutschen Volks- partei, richtet an die deutschnationale Parteileitung die folgende Note; „Gut zwei Wochen sind es her, daß im Plauener Prozeß das Urteil gefällt wurde. In diesem Prozeß wurde bekanntlich durch eidesstattliche Versicherung des deutschnationalen Oberregierungs- rates A o e b e l und des Zeugen Kranz erwiesen, daß die si a u p t- geschäftsstelle der Deutschnationalen Volks- partei auf Anweisung ihres Hauptgeschäftsführers Dr. Weiß 5000 Mark für den Erwerb und die Äusschlachtung gestohlener Akten gezahlt hat. Es wurde in diesem Prozeß gleichzeitig durch eidesstattliche Versicherung derselben Zeugen und des Herrn K n o l l erwiesen, daß„diese Akten fälschlicherweise als Aktenstücke der Deutschen Werke" bezeichnet waren. In Wirklichkest befanden sich in diesem gestohlenen Aktenmaterial auch jene sogenannten Beweisstück«, mit denen Stresemann auf kaltem Wege erledigt und beseitigt werden sollte. Die entgegenstehenden Erklä- rungen des deutschnationalen Hauptgeschäftsführerg Dr. Weiß und des Herrn Stein-Rumpelstilzchen von der Hugenberg- Zentrale sind damit als objektiv falsch abgetan worden. Mit diesem gestohlenen Aktenmaterial ist aber nicht nur in Plauen, sondern schon lang« vorher in Wort und Schrift der persön- liche Kampf gegen Stresemann gesührt worden. Er wird damit weitergeführt! Hat sich nicht während des ganzen Prozesses und darüber hinaus mindestens«in Teil der deutschnatio- nalen Presse einer Berichterstattung und Beurteilung über die unerhörten Angriffe auf den Führer der Deutschen Volkspartei be- fleißigt, die man nur als schlimm st e Tendenzmache be- zeichnen kann? Haben nicht deutschnationale Zeitungen — sofern sie sich selbst einigermaßen zurückhielten— durch Randbemerkungen ihre Leser darauf aufmerksam gemacht, wo sie die schlimmsten und ausführlichsten Tendenzberichte erhalten tonnten! Hat nicht das von dem Mitglieds der deutschnationalen Reichstagssrattion Prof. Dr. Spahn geleitete Wochen- blatt„Das Deutsche Volk" sogar das lächerliche Märchen verbreitet, Litwin sei der Schwager des französischen Generals Rollet? Eine Richtigstellung haben wir im„Deutschen Volk" noch nicht gelesen. Auch die Parteileitung der Deutschnationalen Volkspartei schweigt sich über diese Dinge aus. Hat sie wirtlich nicht das Empfinden, hier gründlich ein- und durch- greifen zu müssen? Glaubt sie talsächlich, daß sie sich einer ö f f e n t» lichen Stellungnahme zu diesen dunklen Dingen e n t- ziehen könnte? Wir können nicht annehmen, daß sie sich in diesem Irrtum befindet und bitten deshalb um Antwort, sofern die Parteileitung der Deutschnationalen Volkspartei überhaupt Wert auf ein Nachbar- liches Verhältnis zur Deutschen Voltspartei legt." Das ist ein reizender Krach in der Bürgerblockehe; Herr Stresemann mußte wissen, mit wem er sich verheiratete. Er kannte die Machenschaften der deutschnationalen Ver» Stuöentenmäöel. Von Jodok. Seit der massivsten deutschen dramatischen Gemlltstiste, Wilhelm Meyer-Försters„Alt-Heidelberg", hatte den Studentenmädels die Zuckerbäckerphantasie eines nicht gerade in allen Dingen ideal denkenden Bürgertums einen Schmelz von Romantik überzogen. Er, der Student: dessen Gegenwart, Freiheit, Sorglosigkeit und Gesellschaftsfähigkeit und dessen Zukunft Gesichertheit des Lebens im Schutze des Landesherrn zum Schutze des Landesherrn war, und sie, das klein« Dummchen, dessen Gegenwart die Stelle im Geschäft und dessen Zukunft der Tischler in der Vorstadt war.... An der Unvereinbarkeit dieser beiden Daseinsformen hatten sich immer wieder Tausende von Phantasien entzündet. Und die Herzen haben für das Dummchen geschlagen, das es doch so gut meinte und doch so schuldlos daran war, daß alles einmal vor- überging. War das nicht tragisch? Es war es nie. Im Begriff de» „Studentenmädels" lag die Anerkennung der Unterschiedlichkeit der gesellschaftlichen Schichten, die Anerkennung der Berechtigung einer moralifchen Gliederung nach Ständen. Das Studentemnädel war schon zu Meyer-Försters Zeiten die sozial Entwurzelt«, die Geschlechtsverirrte, der weder Mitleid noch Umwebung mit roman- tischem Firlefanz, der nur Verachtung gebührte. Sie konnte nicht einmal das triftig« Argument der Prostituierten: materielle Not Ins Feld führen. Sie oerriet die Liebe eines bunten Bandes, einer Bezeichnung, eines albernen Dünkels wegen. Sie wollte ein„besseres Verhältnis" sein und gab um der Meinung der Welt willen die Ehre einer Gesellschaftsklasse preis. Und gar heute! Zu denken, daß es immer noch das arme Arbcitsmädel gibt, das Couleur trägt und von Mensur faselt und Bierjungen und unbedingter Genugtuung und das weiß, daß es nicht als voll angesehen wird und weiß, daß es einmal verlassen wird, aber dies daransetzt für die Befriedigung, vorübergehend im Älanze eines höheren Gesellschaftsnioeaus zu stehen. Gar heute noch! Wo neben soundso vielen strebsamen Gtudikern, die gewiß auch einmal in der Republik gut zu verwenden sein werfden, der Typ zum mindesten des Couleurstudenten der politische Intrigant, der Hasser des Arbeitsmannes und der politische grüne Junge voller Anmaßungen und Narrheiten ist. Gar heute noch! Studentenmädel! An dem Tag«, an dem im Bewußtsein der Volksgesamtheit der Flimmer deiner Romantik abgewischt sein und sich herausgeschält haben wird, das stupide Gesichtchen eines Gänschens bei den Mildgesinnten und die häßliche Fratze einer-Ge- sinnnungsverräterin bei den Strengen-- ja, an dem Tage wird vieles besser in Deutschland sein, weil die Boltsgesamtheit dann besser sehen gelernt hat., i■>..... leumdungspraktit längst. Seine Partei hat trotzdem alles getan, um die Partei der systematischen Verleumdung und der inneren Unehrlichkeit in die Regierung zu bringen. Sie hat sich seit Jahren für den Bürgerblock geradezu prostituiert. Und nun weint sie über das wenig nachbarliche Verhältnis der Deutschnationalen zur Volkspartei und droht mit Kündi- gung. Eine hervorragende Ehe, der Bürgerblock! Der Lanübunü macht§lausen. Und läht es sich in aller Oessentlichkeit bescheinige». Unsere Leser wissen, daß anläßlich der diesjährigen Wahlen zur Landwirtschaftskammer im Teltower Kreise eine Revolte der Kleinbauern und Gärtner gegen die den Großgrundbesitz protegierende Verbandsleitung ausgebrochen war. Strafe muß fein, dachte die Verbandsleitung und die„Rädelsführer" wurden mit einem Brief des Vorstandes bedacht, worin sie auf Grund eines„ein- stimmigen" Beschlusses zum Austritt aus dem Landbund aufgefordert werden. Sonst— Ausschluß! Die betreffenden Herren stellten nun in der am 2. Osterfeiertag abgehaltenen Versammlung des 6. Landbundbezirks durch Befragen dreier Vorstandsmitglieder fest, daß der Beschluß nicht„einstimmig" gefaßt sei. Die Versammlung faßte darauf ohne jede Stimment- Haltung folgenden Beschluß: „Der S. Landbundbezirk nimmt zur Kenntnis, daß das Schreiben des Kreislandbundes von Anfang April 1927 eine Unwahrheit enthält t. Der Bezirk erklärt, daß er sich mit den betreffenden Herren solidarisch fühlt. Er erklärt sich ferner gegen den Ausschluß dieser Herren und verlangt Revision des dahingehenden Vorstandsbeschlusses." Da das„Kreisblatt" diesen Beschluß veröffentlicht hat, kann man von einer in aller Oessentlichkeit vollzogenen moralischen Stäupung der Landbund-Gewaltigen reden. Thüringer Negierungsnöte. Eine Stimme Mehrheit für die künftige Regierung. Weimar, 2S. April.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag soll die neue Regierung Leutheußer vom Thüringer Landtag ge- wählt werden. Sie hat zahlenmäßig von den öS Stimmen nur 23 hinter sich und kann nur leben mit Zustimmung der vier deutschnationalen Abgeordneten und bei Stimment- Haltung des Vertreters der Volksrechtspartei und der beiden Nationalsozialisten. In diesem Falle könnte das Kabinett zur Not 27 gegen 26 Stimmen der Sozialdemokraten und Kam- munisten bei drei Stimmenthaltungen für sich buchen. Sßahlhelmmann vobies. Strafantrag im Düsseldorfer Stahlhelmprozeh. In dem seit Wochen vor einem Düsseldorfer Gericht stattfinden- den Prozeß gegen den Stahlhelmmann Vobies, der im Juli 1926 den Reichsbannerkameraden Erdmann erstach, beantragte der Staats- anwall am Montag eine Strafe von 2 Iahren 3 Monaten Gefäng- nis. Gegen die der Mithilfe beschuldigten weiteren 19 Angeklagten lautet« der Antrag ebenfalls auf Gefängnisstrafen. �ImperialiftischeZiele liegen uns völligfern� Coolidge Über die amerikanische Auhenpolitit. New Sott, 26. April.(MTB.) Präsident Eoolidge hielt im Biltmore-Hotel eine Rede vor der ainerikanischen Presse, in welcher er zunächst auf die Macht der Presse hinwies, die in den inter- nationalen Beziehungen dadurch Unheil stiften könne, daß sie ständig die anderen Völker kritisiert und ihnen falsche Motive unterschiebt. Das gleiche Unheil, so führte Coolidge weiter aus, kann die Presse auch stiften, wenn sich ihre ständigen Angriffe gegen die amerikanische Politik richten, denn dadurch wird im Aus- lande der Anschein erweckt, daß die ösfentliche Meinung Amerikas nicht hinter der Regierung steht.(I) Um Sie Welt in 10 Tagen. „Bitte, ein Flugbillett um die Well!" Dies Ersuchen wird man in nicht zu langer Zeit an den Schaltern der großen Flugplötze aus- sprechen dürfen, ohne irgendwelche Verwunderung zu erregen. Bald werden die Fluglinien, die den ganzen Erdball umspannen, so aus- gebaut sein, daß einer Wektreis« durch die Lust nichts im Weg« steht. Wie die verschiedenen Routen aussehen werden und in wie kurzer Zeit sie zurückgelegt werden können, zeigt eine Ausstellung von Harry Harper in einem Londoner Blatt.„Wenn man von London frühmorgens fortfliegt," schreibt er,„so ist man am Abend in Berlin und sährt mit dem Nachtflugzeug weiter nach Königsberg. Bon hier steigt man in einen eleganten Lufteilzug, der mit Schlafwagen und einem Büfett für die Reise über Moskau nach Peking aus- gestattet ist. Chinas Hauptstadt wird von London aus in 6l> Stunden erreicht. Don dort aus führt der Luftweg nach Tokio, wo man sich in ein großes Luftflugzeug einschisft, das In 80 Stunden über den Stillen Ozean nach San Franziska fliegt. Dann bringt uns ein Expreßflugzeug in 30 Stunden nach New Park. Hier steigt man wieder in ein luxuriös ausgestattetes Lustschiff um. mit dem man in 60 Stunden nach London fliegt. So wird die Weltreise in etwas über 10 Tagen zurückgelegt. Daß dies möglich fein würde, hat sich Phineas Fogg, Jules Vernes Phantasiereisender, der die Well in 80 Tagen umfuhr, nicht träumen lassen. Wenn man eine länger« Route einschlägt, so fliegt man von London über Pari» nach Konstantinopel in einem prachn- gen Orient-Luftexprcß. Von hier steigt man in ein Flugzeug um, da» nach Kairo fährt. Von dort geht die Fluglinie nach Bagdad und Karachi. Der weitere Weg fuhrt über Delhi noch Kalkutta. Hier findet man ein Luftschiff, da» mit allen Bequemlichkeiten der großen Ozeandampfer ausgestattet ist. und fliegt weiter über Rangoon und Singapore nach Port Darwin an der Küste Australiens. Von hier steigt man in ein» der australischen Flugzeuge über, die den Reisenden rasch nach Melbourne tragen. Bis dahin braucht der Luftreisende 130 Stunden oder etwa» mehr als ö Tage. Die nächste Luststrecke führt in einer 20stündigen Reise mit dem Flugichisf nach Auckland auf Neuseeland, wo man wiederum eins der großen Luft- schiffe besteigt, die mit Eßsalon», Schlafkabinen und Promenadendeck ausgestattet sind, und auf denen man sogar tanzen kann. In diesem fliegenden Hotel überquert man den Stillen Ozean bis nach Panama. Dort angekommen, steigt man in«in Flugschiff über, da« an der Küste bis Pernambuco fliegt, und dort erreicht man den Flugdienst quer über den Südatlaniischen Ozean. Mit einem dieser Luft- dampfer ist man in etwa 60 Stunden In Sevilla, wo jetzt ein großer Flughafen errichtet wird. Von hier au« kehrt man im Flugzeug nach London zurück und hat diesen Flug um die Well in nicht mehr al» 17 Tagen zurückgelegt._ Die tatsächliche Schuhfrist. Im Streit» um d'e Dauer der Schutz- stist wird allzuoft vergessen, wie lange der Urheberrechts' che Schutz für ein Kunstwerk denn nun eigentlich dauert, wenn er 30 oder 50 Jahre auch nach dem Tode des Schöpfers w'rksam ist. Z. B. Wagners Lohengrin, 18S1 veröstentlicht, war 62 Jahre lang geschützt; der Tristan, 1860 in der Partitur erschienen, allerdings erst 18SS zuerst ausgeführt, immer noch 43 Jahre; die Meistersinger von 1863 bis Die ausländische Pokllik der Dereinigten Staaten hat die Freundschaft und das Wohlwollen gegenüber allen Völkern zum Grundprinzip. Was unser« im Auslande lebenden Mitbürger anbelangt, so vertreten wir den international aner- kannten Standpunst, daß sie Recht auf Schuld haben, und zwar zunächst auf den Schutz des Ausenthaltsstaates, nötigenfalls aber auch auf den Schutz der amerikanischen Regierung. Dies ist auch die Ursache für unsere Meinungsverschiedenheiten mit Mexiko, die jedoch demnächst beigelegt werden dürften, da mir der mexikanische Botschafter Tellez kürzlich versicherte, daß Mexiko nicht die Absicht habe, amerikanisches Eigentum entschädigungslos zu konfiszieren. Gegenüber den Regierungen diesseits des Panama- kanals(also gegenüber Mittelainerika. D. Red.) fühlen wir uns in besonderer Weise moralisch veranlwortlich. Wir haben seinerzeit den Präsidenten von Mexiko Obregon mit Waffen und Munition unterstützt und wir tun jetzt ein gleiches für den Präsidenten von Nicaragua, Diaz. Di« Anwesenheit unserer Truppen in Nicaragua hat die Wirkung gehabt, daß größere Städte vor Plünderung und Elend bewahrt blieben. Ich habe ferner Stimson nach Nicaragua entsandt, um ein genaues Bild von der dortigen Lage zu erhalten. Imperialistische Ziele liegen uns völlig fern.(!!) Dies gilt auch von China, wo unsere Politik stets frei von jeder Aggression gewesen ist, was sich schon daraus ergibt, daß wir in China keine Konzessionen haben und niemals chinesisches Gebiet besetzten. Unsere Freundschaft zu China ist sprichwörtlich. Für die gegenwärtige Not des chinesischen Volkes haben wir volles Mitgefühl. Wir hoffen, daß die Bestrebungen für Freiheit, Einigkeit und den natio- nalen Geist wie ein« starke republikanische Regierung in Erfüllung gehen. Unsere Kriegsschiffe in den chinesischen Gewässern sollen lediglich das Leben und Eigentum der amerikanischen Staats- ongehörigen schützen. Der bedauerliche Zwischenfall von Nanking hat uns gezwungen, mit den anderen Mächten eine Note zu über- reichen: die chinesische Antwort ist versöhnlich und in einigen Punkten entgegenkommend gehalten. Die Entwicklung des letzten Jahrzehnts hat Amerika in eine ganz neue Stellung zu der übrigen Welt gebracht. Dies wird uns nicht hindern, stets die hohen Ideale der traditionellen Politik Amerikas hochzuhalten, für Gerechtigkeit einzutreten und zugleich auch den Völkern, die um eine Besierung ihrer Lage und für ein größeres Maß von Freiheit kämpfen, Geduld und Ermunterung zu erweisen. Um diese großen Aufgaben durchführen zu können, be- darf es der ständigen Hilfe und Opfer eines einigen Amerika. Dreißig Jahre New gorker �vorwärts". Ei« sozialistisches Weltblatt. Die sozialistische Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten feierte am 24. April das 30jährig« Jubiläum der jüdischen sozialistischen Tageszeitung„Vorwärts". Während die sozialistische Partei Amerikas organisatorisch noch ziemlich schwach ist, hat sich das im Jahre 1897 vom Genossen Abraham Cahan begründete be- scheiden« Blättchen zu einem Welt blatt entwickelt und gehört nun mit zu den größten und bestgeleiteten Tageblättern Amerikas. Es hat eine Auflage von über 250 000, besitzt seinen eigenen, vierzehn st öckigen Wolkenkratzer usw. Die Zeitung hat auch eigene Korrespondenten in ollen europäischen Ländern und zählt unter ihren Mitarbeitern in England Macdonald, Snowden, Bertrand Rüssel, in Frankreich Longuet, tn Deutschland Karl Kautsky, Eduard Berksstein, Breitscheid usw. Das Jubiläums- fest wurde in außerordentlich feierlicher Weise ln dem größten Saal New Porks begangen. Zehntausende Arbeiter wohnten dem Fest bei, al» Festredner sprach Macdonald, der sich jetzt in Amerika aufhäll._ Für die völlige Streichung der Schulden sprach in einem New Porter Club der englische Wirtschaftspolitiker Sir George Paish. Der Weltkrieg habe für Europa einen jährlichen Einkommens- verlust von fast fünf Milliarden Goldmark zur Folge gehabt. Paneuropäische Versammlung ln Budapest gesprengt. Die konstituierende Versammlung der ungarischen poneuropäischen Union ist durch eine Gruppe nationalistischer Hochschüler gestört und schließlich gesprengt worden. 1913 noch 4S Jahre. Die Frist war bei Wagner kurz, da er ver- hältnismäßig früh starb. Sie kann aber auch viel länger fein. Grill parzers Sappho erschien schon 1813 und war bis 1902 geschützt; da der Dichter sein Iugendwerk um 54 Jahre selbst überlebte; und HObbets Judith, 1841 erschienen, erfteute sich eines ö2jährig«n Schutzes. Die Novellen von Storm, in den 1870er Iahren gedruckt. z. B..Aquis subratrsus 1877, durften 41 Jahre lang nicht nachgedruckt werden— auch hier wie bei Fontane ist die Schutzfrist(bei Fontane läuft sie bis 1928) ungewöhnlich kurz, da die Hauptproduttion sich in die letzten Lebensjahrzehnte der Dichter zusammendrängt.„Soll und Haben" war von 1865 ab 70 Jahr« lang geschützt. Freytags .Journalisten" sogar 71 Jahr«. Der grün« Heinrich, 1855 zuerst fertig, wurde erst nach 65 Iahren frei. Menzels Flötenkonzert darf erst 1935 frei reproduziert werden, 83 Jahre nach seiner Ensstehung, Böcklin wird 1931 frei, seine Hauptwerte sind dann fast alle 60 Jahre alt. Und wenn, was wir nicht denken wollen, Richard Strauß heute stürbe, wäre der Rosenkavalier mindestens 46 Jahre, die Salome mindestens 52 Jahre unter Schutz. Ist das nicht lange genug? Renntiere in den Alpen. Eine Herde von 12 Nenntieren wird von Norwegen nach den französischen Alpen gebracht, um sie dort zu akNimatisteren. Man will die Tiere im Winter zum Schlitten- ziehen benutzen und bosft, mit ihrer Hilfe auf manche malerische Punkte zu gelangen, die zu Pferde oder im Kraftwagen nicht er- reicht werden können. Nach der Aussage von Sachverständigen könnte das Nenntter leicht in verschiedene Hochoebirge Europas ein- geführt werden. Die Renntiere, von denen ledes 840 M. tostet, merden von dem französischen Ackerbauministerlum eingeführt. (Einbürgerungsversuche, dt« tn Deutschland mit Renntieren gemacht wurden, hatten keinen sonderlichen Erfolg.) Ein mongolischer Frauenstaat. Der russische Forschungsreisende Kasloff hat aus seiner letzten Erpedition in der Mongolei einen Boltsstamm gefunden, dessen Verfasinng die eines Frauenstaates ist. Nach Kaslosfs Bericht sind sämtliche Regierungsämter in Händen von Frauen. Parallel damit geht die Einrichtung der Polyandrie; die wohlhabenden Frauen des Stammes haben durchweg mehrere Männer, von denen manche als Sklaven verwandt, die bevorzugten jedoch im Harem gehalten werden. «veimssdarbtetungen«igltzcher verg-rtellersänger. Lim Ralimen de« vom MSnnera-ian�verein ,?!,meiilo«- am Donnerstag, abend» 8 Ubr. im Taalbau FiiediichSbain abzuhaltenden OpeenabcndS wird da» auf der Durtreiie besindl'-be T»I»,lilnttt> der engli'chcn Seraarbeiier eine Reihe englilchcr Kampt-, Volt», und Kunillieder singen. Der Eilö» iälll der Unterstlltzungetasse der ausgesperrten Bergarbeiter ,u. SintrittSprei» 50 P[. «in neue» VÜhnenmerk von wolfgang tvoeh. Vollgang Koeh. der?luior de« mit Srsolg autgelührte» echau'piel».Renbaldt van Mneilenau', la» am Sonnabend in«einem Kreils lein eigen» iiir die l50-?abrteier de» „kitten fttn kenknige»* geichnebene» Bühnenwerk„Finken trug, ein lzenil»«» Bilderbuch". Da« Wert, da» der Bübnentunli völlig neue Vege weist, wird am 12. Juni aus der Frellichtbüdn« in Finkenkrug urausgejiihrt. Säle Dorsch» Gaslsplel in vudapest verboten. Heute sollte in Budapest ein zehntägige»«Fassspiel der Berliner Schaulplelerin Käte Dorsch mit ibrcr Trupp- beginnen. Gestern teilte iedo» der Direktor de« Phönir-Tbealer« Frau Dorsch out, daß der Sudapester Semewderat das Easlspiel oerboten habe. Millionenbetrug vereitelt! Die erfolgreichen Ermittlnngsmethoden der Kriminalpolizei. Zwei raffinierte Schiebungen sind bei einer h'esigen größeren Bank aufgedeckt und die Täter verhaftet worden. Es handelt sich um den an sich nicht hohen Gesamtbetrag von 5000 Mark. Die Art der Ausführung aber läßt erkennen, daß die beiden kleinen Schiebungen ohne Zweifel nur„Probearbeiten" waren, die zur Bor- bereitung eines größeren Schlages dienen sollten. Bemerkenswert und hochinteressant ist auch, daß man hierbei einmal einen Ein- blick in die Arbeitsmethoden der Kriminalpolizei erhält, die denn auch zum Erfolg geführt haben. Man sieht daraus, daß dos Gewerbe der Herren Diebe und Betrüger immer unrentabler wird. Ein Kunde der Bank gab eines Tages den Auftrag, gewisie Papiere zu verkaufen und den Erlös seinem Konto gulzüfchreiben. Er erhielt auch ordnungsgemäß die Schlußnote. Erst nach einem Bierteljahr kam man, als der Kunde die Bank persönlich besuchte, wieder auf dieses Geschäft zu sprechen. Jetzt ergab sich, daß der Be- trag von 300 Mark wohl durch alle Bücher gegangen, aber nicht in der Kasse war. Die eingehenden und langwierigen Ermittlungen der Kriminalpolizei führten endlich zu der Feststellung, daß die 3000 Mark auf das Konto eines Zofef Großmann bei einer hiesigen kleinen Bank überwiesen worden waren. Dieser Großmann aber hatte den Betrag bald nach dem Eingang abgehoben, sein Konto aufgelöst und war nicht zu finden. Ein Beamter oder Angestellter der Bank mußte bei der Schiebung sein« Hand im Spiel gehabt haben, war ober auch nicht herauszufinden. Da kam fünf Monats später eine neue Schiebung ans Licht, die 2000 Mark betrug. Sie betraf einen anderen Kunden der Bank, der Erlös für die Eji... war auch einer ankeren kleinen Bank überwiesen, aber wieder a, das Konto Joses Gcoßmaua. Die Bergleichung der Handschristen zeigte nun, daß man es mit demselben Empfänger wie früher und auch mit demselben Mann von der Bank zu tun hsoen mußte. Großmanns Konto war wieder aufgelöst. Weil alle Nachforschungen nach einem Josef Großmann in Groß�Dcrlin erfolglos blieben, so richteten die Kriminalbeamten ihr Augenmerk jetzt auf die Träger des Namens Groß, weil man mit der Möglichkeit einer Namensfälschung durch Verlängerung rechnete. So kam man nach iVi Jahren endlich aus die richtige Spur, einen 56 Jahre alten Joses Groß aus der Galoaniftraßc, der früher bei «Inem Wachinstitut angestellt war. Die Handschriften von Briefen, die dieser Groß von anderen Leuten erhalten hatte, wurden nun ver- glichen mit Handschriften von Beamten und Angestellten der Bank. die in Betracht kommen konnten, und so fand man endlich heraus, daß nur ein 4t Jahre alter Fritz Dorcherk der ungetreue Angestellte der Bank sein konnte. Borchert wurde in der Bank festgenommen und gab bei einem eingehenden Derhör die Verfehlungen auch zu. Der Plan war von ihm ausgegangen. Daß er Absichten auf weitere Schiebungen gehabt hatte, bestreitet er zwar. Das ganze Verfahren und die„technische Derbesserung" in dem zweiten Fall lassen aber sicher darauf schließen. Es hätte schließlich auch ein Mlllionenschlag gelingen können, wenn nicht die Vorbereitungen aufgedeckt worden wären. Groß, der in seiner Wohnung festgenommen und von der Dienststelle v t eingehend verhört wurde, ist ebenfalls geständig. Beide wurden dein Untersuchungsrichter vorgeführt. der Toü öes Ministers tzofle. Gerichtsarzt Thiele vor dem Disziplinargericht. Nach dem Tode des ehemaligen Reichspostministers Dr. Höste im Moabiter Untersuchungegesängnis wurden schwere Borwürfe gegen den amtierenden Gerichtsarzt Dr. Thiele lgut, der an dem fraglichen Tage den bereits schwerkranken Minister nur einmal flüchtig gesehen und dann, als sich der Zustand des Patienten ver- schlimmerte, dem Pflegepersonal telcphonische Anweisungen über die Behandlungsmethode Dr. Höfles gegeben hat. Gleichzeitig liefen auch von anderer Seite Beschwerden über Dr. Thiele ein, die ihm vorwarfen, daß er sich um Patienten im Untersuchungsgefängnis nicht genügend gekümmert, an anderen Fällen falsche Angaben über den Zustand von Untersuchungsgefangenen gemacht habe. Diese Beschwerden führten zu einem Disziplinarverfahren, das augenblicklich vor dem Disziplinorfenat des Kammergerichts unter Borsitz von Senatspräsident Meyer stattfindet. Die Anklage wird von Oberjustizrat Lemkes, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Strafvollzugsamtes, vertreten. Dr. Thiele wird von den Rechts- anwälten Dr. Heinrich Werthauer und Dr. Kneifel verteidigt. Dr. Thiele wird vorgeworfen, daß er seine Amtspflichten nicht genügend wahrgenommen, und daß er sich Nachlässigkeit in seinem Dienst habe zu Schulden kommen lassen. Die ersten Fälle, die gestern zur Sprache kamen, betrafen einen Untersuchungsgefangenen Zachler, der in seiner Anzeige gegen Dr. Thiele behauptete, daß dieser ihn nicht genügend untersucht und einem vorhandenen Darm- leiden keine Bcachkung geschenkt habe. Zachler beruft sich darauf, daß er so heftigen Blutverlust in der Zelle gehabt habe, daß sogar die Matratze über und über mit Blut bedeckt gewesen sei. Trotzdem habe Dr. Thiele nichts getan, um ihn in das Lazarett überführen zu lassen. In einem zweiten Fall wurde Dr. Thiele vorgeworfen, daß er bei einer Frau Schwangerschaft festgestellt habe, ohne daß die betreffende Gefangene sich überhaupt Mutter gefühlt habe, während er in einem dritten Fall die Schwangerschaft einige Monate zu spät erkannt habe. Der Disziplinarsenat hatte eine An- zahl medizinischer Sachverständiger geladen, die sich über die ein- zelnen Punkte der Anklage eingehend zu äußern hatten. In der gestrigen Verhandlung wurde Dr. Thiele durch den von der An- klage geladenen medizinischen Gutachter Professor Trembur erheblich belastet, der in den einzelnen Fällen das Vorgehen und die An- vrdnungen Dr. Thieles für fehlerhaft vom medizinischen Standpunkt aus betrachtet, erklärte. In der heutigen Verhandlung wandte man sich dann dem Fall H ö f l e zu. Reichsminister Höfle hatte sich Narkotika in größeren Mengen zu verschaffen gewußt und sie an seinem Todestage in den frühen Morgenstunden in sehr großen Mengen«Ingenommen. Dr. Thiele erschien an dem fraglichen Tage, einem Sonntag, mittags nur für kurze Zeit im Untersuchungsgefängnis und stattete Dr. Höfle eine flüchtigen Besuch ab. Am Nachmitag sah dann der Gerichtsarzt Dr. S t ö r m e r ebenfalls Dr. Höfle für kurze Zeit, der jedoch annahm, daß Dr. Thiele dem Pflegepersonal bereits An- ordnungen über die Behandlung Höfles gegeben hätte. Als sich gegen Abend der Zustand des Ministers so erheblich verschlimmerte, daß die Gefangenenwärter ernste Besorgnisse bekamen, riefen sie bei Dr. Thiele in dessen Wohnung an. Thiel« kam jedoch nicht ins Gefängnis, sondern gab telephonisch eine De- Handlungsanweisung. Diese Tatsache wird Dr. Thiele besonders zur Last gelegt. Er hätte auf die Nachricht, daß das Befinden des Kranken sich stark verschlimmert habe, obwohl es Sonntag war, ins Untersuchungsgefängnis fahren müssen und nach Ansicht der medizinischen Sachverständigen, besonders des Professors Lewin, hätte er als Arzt sofort die Anwendung des Magenschlauches verordnen müssen, um das im Körper Höfles befindliche Gift durch Ausspülungen zu beseitigen. Daß er die Ausspülung des Magens bei Minister Höfle Unterlasten hat, wird ihm als besonders schwer- wiegender Kunstfehler angerechnet. Die Verhandlung über den Fall Höfle wird auch am Mittwoch noch fortgesetzt werden, so daß das Urteil gegen Dr. Thiele vermutlich erst am Mittwoch abend oder am Donnerstag zu erwarten ist._ Anerkennung von tvohlfahrtspflegern. Neue Borschriften des WohlfahrtSministers. Wie der Amtlich« Preußische Pressedienst einem Runderlaß des Bolkswohlfahrtsminlsters entnimmt, können Wohlfahrtspsleger(Für- sorger, Sozialbeamte), die auf dem Gebiete der Jugendwohlfahrts- pflege oder der Wirtschafts- und Berufsfürsorge oder der all- gemeinen Wohlfahrtspflege tätig sind, die staatliche Anerkennung als Wohlfahrtspsleger(Fürsorger, Sozialbeamte) für das betreffende Hauptfach erhalten, falls sie den Lehrgang einer von dem Minister zur Ausbildung von Wohlfahrtspflegern(Fürsorgern, Sozial- beamten) versuchsweise zugelassenen Anstalten besucht und nach be- standencr Prüfung sich mindestens ein Jahr in praktischer sozialer Arbeit, die auf einem Gebiete des für die Prüfung ge- wählten Hauptfaches liegen muß, bewährt haben. Wohlfahrtspsleger(Fürsorger, Sozialbeamte), die m i n d«- stens3Jahre auf einem Gebiet der Jugendwohlsahrtspfkcge oder der Wirtschafts- und Berufsfürsorge oder der allgemeinen Wohl- fahrtspslege hauptberuflich tätig sind, können die staatliche Anerkennung als Wohlfahtrspfleger für das betreffende Hauptfach durch Teilnahme an einem von dem Minister zur Borbereitung von Wohlfahrtepflegern auf die staatliche Prüfung zugelassenen Nach- schulungslehrgang und bestehender Abschlußprüfung er- werben. Unter welchen Boraussetzungen in ganz besonderen Einzelfällen bei Nachweis von in mehr als sünstährtger Tätigkeit erworbenen Erfahrungen, hinreichenden theoretischen Kenntnissen und hervor- ragender Eignung ausnahmsweise die staatlich« Anerkennung als Wohlfahrtspsleger ohne Ablesung der Prüfung erteilt werden kann, wird vom Minister entschieden werden. Sozialistenehrung in Sukarest. Strastentaufe und Sozialisten. Man kann nicht sagen, daß es allzu häufig Veranlassung gibt, aus Rumänien etwas Erfreuliches zu melden: Der Terrorismus der Faschistenrcgierung des Generals Averescu ist von uns oft genug gegeißelt worden! Jetzt aber erhalten wir aus Bukarest die Nachricht, daß die sozialdemokratische Fraktion des Gemeinde- rats im vierten Bezirk der rumänischen Hauptstadt den Antrag.ge- stellt hat. drei Straßen nach Führern der rumäni» schen Sozialdemokratie ,u benennen. Es handell sich um die verstorbenen Genossen Mille, den Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus in Rumänien. Dobrogeanu- G h e r a. den Verfasser der„Reoibagia"(„Die neue Hörigkeit"), eines Werkes, das in der sozialistischen Beurteilung der Agrarfrage einzig dastehend ist, und Frimu, den durch die Reaktion«rmor- beten Vorkämpfer der rumänischen Arbeiterschaft. Der Antrag wurde angenommen. Bravo! Selbstmorüverfuch von Mutter und Tochter. Eine Tat religiösen Verfolgungswahns. Gestern abend versuchten die 49 Jahre alte Ehefrau des Rohr- legers Ernst Hönicke und ihre 27 Jahre alte Tochter Erna in der Jeverstr. 22 zu Steglitz sich mit Gas zu vergiften. Beide gehörten fett einiger Zeit einer religiösen Verein! gung an und waren in dieser so stark beeinflußt worden, daß sie immer mehr an Verfolgungswahn litten. Sie bildeten sich namentlich ein, daß sie demnächst sterben müßten und kamen so auf den Ge- danken, ihrem Leben selbst ein Ende zu machen. Hönicke hatte den Erscheinungen zunächst keine Bedeutung beigelegt, stand ober jetzt doch im Begriff, einen Arzt zu Rate zu ziehen, weil sich das Leiden der beiden Frauen von Tag zu Tag verschlimmerte. Als er gestern von der Arbeit heimgekehrt war, legte er sich ermüdet auf ein Ruhe- sofa und schlief ein. Kurz nach 9 Uhr erwachte er und bemerkte zu seinem Schrecken, daß die ganze Wohnung mit Gas an- gefüllt war. In der Küche fand er feine Frau und feine Tochter besinnungslos auf dem Fußboden liegen. Sie hatten zuerst den Zuleitungsschlauch durchschnitten und die Hähne aufgedreht, und dann hatte jede ein Ende des Schlauches in den Mund genommen. Hönicke riß die Fenster auf und rief die Rettungsstelle, das 192. Re- vier und die Feuerwehr zu Hilf«. Sanitätsrat Dr. Scholz von der Rettungsstelle und Samariter der Feuerwehr machten mit dem Sauerstoffapparat Wiederbelebungsversuch«, die dann auch Erfolg hatten. Mutter und Tochter wurden nach dem Auguste-Viktoria- Krankenhaus gebracht. * Gestern nacht gegen 3 Uhr wurde die Feuerwehr auf den Alarm„Menschenleben in Gefahr" nach der Höchste st r. 9 ge- rufen. Von Hausbewohnern wurde an einem Wohnungsfenster starker Feuerschein wahrgenommen. In wenigen Minuten war das ganze Haus alarmiert. Di« Wohnungsinhaberin. ein Fräulein Em ni a Welk, gab auf Anrufs keine Antwort, so daß das Schlimmste besürchtet werden mußte. Die herbeigerufene Feuer- wehr drang in die verqualmte Wohnung ein, wo man Fräulein W. leblos ausfand. Ein Teil der Wohnungseinrichtung brannte, konnte jedoch nach kurzer Zeit gelöscht werden. Der erste Befund ließ vermuten, daß Fräulein W. den Erstickungstod gefunden hatte. Die ärztliche Untersuchung der Leiche und die Feststellung der Kri- minalpolizei ergaben jedoch einwandfrei, daß Fräulein W. Selbst. m o r d verübt hatte. Die Gashähn« waren geöffnet, so daß größere Mengen Gas ausströmten, die ihren Tod herbeiführten. Durch ein« brennende Petroleumlampe waren Gardinen in Brand geraten, von wo sich das Feuer weiter ausbreitete. Emma Welk istdieSchwesterdesDichtersEhmWelk. dessen„Gewitter über Gottland" in der Volksbühne soviel von sich reden machte.____ Direktor Kuhnert wird ausgeliefert. Kürzlich wurde, wie wir mitteilten, der 29 Jahr« alt« Bank- direktor Max Kuhnert in Poris verhaftet. Man hatte dem K. die Beseitigung gerichtlicher Strafakten, die seine früheren Verfehlungen betrafen, nachgewiesen. Di« von deutscher Seite auf diplomatischem Wege beantragte Auslieferung schien zunächst zweifelhaft zu sein. Es stand nicht fest, ob Frankreich auf die Beschuldigung des Ver» brechen? der Anstiftung zur Attenbeseitiaung ausliefere. Wie jetzt bekannt wird, hat die zuständige Pariser Kammer die Aus- lieferung beschlossen. Kriminolkommistar Kanthack wird mit einem seiner Beamten in den nächsten Tagen nach Paris fahren, um Kuhnert nach Berlin abzuholen. Der Kampf um die ErwerbslofeN'Kohleukarte. Wie«ine Himmelsbotfchaft wirkt« die jüngst ergangene Vi- kanntmachung des Magistrats, daß auch noch im April— Kohlen- karten für Erwerbsloj, zur Verteilung kämen. Unter den Vielen, die sich darum demühten, befand sich auch«in» jetr Ottober 1924 stellungslose, olletnstehend», älter, kaufmännisch« A n« gestellt«, die zurzeit trank ist und daher doppelt«tn«r warmen Stube bedarf. Si« war um dieser Vergünstigung oorstellig g«. worden, hotte jedoch den Bescheid erhalten, da sie zurzeit b a u» k r a n t geschriebrn sei und daher nicht unter die Erwerbs. lojen-Unterstützungsempfänger zählt. Ein Beamter verwies sie ans Wohlfahrtsamt, dos wiederum seinerseits einzig und ollein die Erwerbslofen-Fürforge als kompetent bezeichnet« und ihr riet, noch. mals dort ihr Hell zu versuchen. Wieder lief die Aermst« dahin, wieder vergebens. Der Beamte verweist sie an den Vorsteher, dieser an den Dezernenten, der ihr erklärt, daß nur Karten sür laufende Unterstützungsempsänger vorhanden seien. Dabei bezog die Frau aber bis 7. April T>. I. fortlausend die Unterstützung der Stadt und• ist nur vorübergehend krank geschrieben. Vielleicht wäre es doch möglich, in besonders dringlichen Fällen, vom toten Buchstaben der Vorschriften Abstand zu nehmen und diesen vom Schicksal ohnedies Verfolgten ein wenig Wärme,— in des Wortes tiefster Bedeutung— zu spenden. Gefängnis für die Beleidiger Dr. Schachts. In Moabit fand gestern wieder ein Beleidigung, p r o z e ß de» Reichsbankpräsidenten Schacht gegen zwei Vertreter de» Auf. wertungsgedankens Leer und Roll statt. Vor dem Gerichtssaal hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, so daß Polizei- beamt« zur Aufrechterhaltung der Ordnung aufgeboten werden j mußten. Der Staatsanwalt hatte wegen fortgesetzter Be. l e i d i g u n g und übler Nachrede je fünf Monate und eine Wocke Gefängnis beantragt. Als Dr. Schacht nach diesem Antrag das Gerichtsgebäude verließ, wurde er mit lauten Beschimpfungen von der erregten Anhängerschar seiner Prozeßgegner verfolgt. Das Urteil lautete wegen öffentlicher Beleidigung des Reichsbank- Präsidenten auf je zwei Monate Gefängnis. Ein neues Jugendheim für Moabit. Der Verwaltungsbezirk Tiergarten hat für den nördlichen Teil ein neues Jugendheim erhalten, das den Jugendlichen von Moabit willkommen sein wird. Aus dem Grundstück Lehrter Straße 18/19 ist in einem Fabrikgebäude ein reichlich großer Raum in vier kleinere zerlegt worden, die man recht freundlich und behaglich eingerichtet hat. Bei der Eröffnungz- feier gedachte Bürgermeister Doflein in seiner Ansprach« auch des Malers Eugen Lindenberg, der mit seinen Gemälden aus der Mark Brandenburg die Räume geichmückt hat. Stadtrat Dr. Ianke, der Dezernent für die Jugendpflege im Bezirk, konnte mitteilen, daß schon für die fünf Haupttage von Montag bis Freitag das Heim, das 200 Besucher aufzunehmen vermag, voll oergeben ist. Sonn- abend und Sonntag sind ja in der wärmeren Jahreszeit die Tage, an denen die Jugend den Heimen gern fernbleibt und lieber in die Wälder hinauszieht. Lehrer Kaiser, der im Bezirk die Arbeit an den erwerbslosen Jugendlichen leitet und auch die Leitung des Heims hat, sprach über die Erfolge dieser Arbeit. Mancher der zum Heim kommenden Jugendlichen bringt, sagt« er, die Zügellosigkeit der Straße mit. Aber es gelingt, auch die Zügel- losen in die Gemeinschaft hineinzuziehen und ihr einzuordnen. Er berichtete über die erfolgreichen Bemühungen, die erwerbslosen Jugendlichen in Lehrgängen zu beschüstigen, die ihrer beruf- lichen Fortbildung dienen. Die Notstandsaktion der Schauspieler. Ein leeres Haus! Wie hohl und unwahr klingt ein jedes Wort, das Lachen verzerrt sich zur Fratze und aus allen Ecken und Winkeln grinst der arme, verhöhnte, buntbemalte Hanswurst. Und zu dem rein ideellen Manko kommt hier in diesem Falle das horte, unerbittliche Minus in der Kaste. Di« Schauspieler spielen ja nicht für feste Gage, sondern auf Teilung der abendlichen Ein- nähme. Und da kommt, selbst bei gutem Besuch, auf den einzelnen herzlich wenig, geschweige bei einem schlecht gefüllten Hause. Helft ihnen durch den Besuch der Borstellungen. 8 0 P f g. kostet der Platz und man sieht wirklich gute Stücke bei guter, künstlerischer Darstellung. Zurzeit werden Romain Rolland'»„Die Wölfe" gespielt, eist Revolutionsdrama aus der Zeit der großen französischen Revolution, das bei ssiner kürzlich erfolgte» Premier« sehr viel Beifall fand. Die Vorstellungen finden am 27., 28.. 29. April, 4., 3.. 6., 11.. 12. und 13. Mai nach der Datumsfolgs in folgend?» Sälen itatt: Saalbau Hochscbulbraverci, Märchenbrunnen, Sckiloß- brauerei Schöneberg, Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee, Lindners Konzerthaus Pankow, Stadthalle Weißensee, Krieger- vereinshaus Chausteestraße, Andreas-Festsöl« und Prachtsäle Treptow abends 8 Uhr statt. Trauerfeier für Paul Rathan. Zu Ehren des vor kurzem ver- storbenen Dr. Paul Nathan wurde am Montag— on dein Tage, an dem er sein 70. Lebensjahr vollendet bätt«— eine Trauerfeier im Hilssverein der deutschen Juden veranstaltet. Den Hilssverein der deutschen Juden gründete Paul Nathan vor einem Vierteljahrhundert zusammen mit Dr. James Simon, um planvoll Schutz und Hilfe für die Juden Osteuropas betreiben zu können. James Simon, der Vorsitzende des Vereins, hielt dem verstorbenen kie Gedenkrede, die in schlichter Sachlichkeit das Wirken Nathans schildert«. Für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde habe Nathan, führte er aus. von dem Tage an sich eingesetzt, wo er— Im Jahre 1883 al»«in Sechsundzwanzig- jähriger— zuerst im öffentlichen Leben auftrat. Vom Kampf gegen den Antisemitismus gelangte Nathan zur Betrachtung der allgemei- nen Lag« der Juden in Europa und zu Bemühungen, den Kultur- stand der Juden Osteuropas zu heben. Simon gedachte auch der politischen Arbeit Nathans in der von ihm gegründeten Zeitslbriit ..Nation" und in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Daß Paul Nathan, der als bürgerlicher Demokrat begonnen hatte, später zur Sozialdemokratischen Partei übertrat und ihr im letzten Jahrzehnt seines Lebens angehört hat, erwähnte der Redner nicht. ZlnkUemIkett als Judenmorder. In W i l n a wurden am Sonntag zwei jüdisch« Kausleuie. der 23jährige Kantorowicz und der 20jährige Zablocki aus Baranowicz. voneiner GruppeAntisemiten geknebelt zum katholischen Friedhof gebracht und dort ermordet. Genosse Professor«rolsatin hält im Rohmen der von der Uni' Heilung silt Er d t u n d e und Eugenik veranstalteten Bor- tranSreihe amvonnerttna. dem ZS.TlUril. nachm. von 5— 7 Ubr. Im Zeu« tralinstltut sür Erziehung und Unterricht, Potsdamer Dlr. 120, einen Dortrag über Gehaltszahlung. Famiiienlöbne und Eltern- schaHSversicherung im D i e n lt der Eugenik. Nach ibm spricht RmtSgerichlSrat Dr. Schubert über Rasserbtiqiene und Recht.—?lm Mittwoch, dein 27. April, abend» 8 Uhr, an derselben Stelle: Bortrag de» OberschuleatS Dr. Kurz-Bremen: Kinherzabl und wirtichaitliche Lage im Eliernbau» der biemsschen Schulkinder imit Lichtbildern).— Am Freitag, dem 29. April, nackm. S— 7 Ubr: Pros. Weiteniiöfer-Derlin: Rassenhhgiene und Eheresorm. Retior Tbiede-Berlin Beamtenbesoldung und die For- derungen der PevölkerungSpolitik und Raflenhhgiene. Parteigenossen, Gewerkschaftler! Schiedsspruch für öle Hochbahn. 8. 5. Unter dem Vorfitz des Gewerberates Körner hat sich gestern der Schlichtungsausschutz Grotz-Berlin mit den Lohnforderungen der �ochbahner beschäftigt und in später Abendstund««inen Spruch gefällt. Mit Wirkung vom 1. April wird der Stunden- lohn sur die männlichen Angestellten über 24 Jahre um 5 P f. und ab 1. Ottober um weitere 3 Pf. erhöht. Die Ar- beiter unter 2 4 I a h r e n und die Arbeiterinnen erhalten eine Aufbesserung um 4 Pf. und ab 1. Oktober eine weitere um 3 Pf. pro Stunde. Das Verkehrspersonal hat folgende Zuge- ständnisse erhalten: In der Spitzengruppe, die jetzt nach einem Dien st alter von 16 I a h r e n, nicht wie früher nach 20 Iahren, erreicht wird, beträgt die Gehaltserhöhung ab 1. April 17. 50 M.. Zugbegleiter erhalten 1 3, S l> M. und am 1. Ok- tober weitere 3,50 M. Die übrigen Angestellten werden ab l. April im GeHall um 11.50 M. und ab 1. Oktober um 6,00 M. heraufgesetzt. Die weiblichen Angestellten erhalten ZulageninHöhevon9,L0M. bzw. 6,50 M. Die sozio- len Zuschläge werden um einen Pfennig erhöht. Die Frage der Arbeitszeit wird bei der Hochbahn noch in besonderen Verhandlungen geregelt werden. Der Schlichter hat den Arbeitnehmern empfohlen, auf Grund des Hochbahnerschiedsspruches nochmals mit ihrer Direktion zu verhandeln. Diese Besprechungen finden wahrscheinlich noch heute statt. Aull) mit der Direktion der Straßenbahn soll die Lohnerhöhung in freier Verein- b a r u n g festgesetzt werden. keine OetriebseinfteUung der kraflüroschkenbefltzer. Die Aussperrung der Srafdroschkeuführer unkerbleibl. Infolge der»Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches für das Berliner Autodroschkengewerbe sind von den etwa 10 000 5krast- droschkenfiihrern vom Scheberakonzern 1400 Fahrer ausgesperrt worden und von den Innungsbetrieben, die nur teilweise ausgesperrt haben, 400 Fahrer. Bekanntlich haben die Kraftd-oschkenbesitzer beschlossen, von morgen ab ihre Betriebe stillzulegen und damit sämtliche Angestellte auszusperren, falls ihrer Fordening auf Nunimernsperr« nickst stattgegeben wird. Wir sagten schon, doh dieser Stillegungsbeschlutz nicht besonders ernst zu nehmen fei, da die Unternehmer, abgesehen von dem S ch e b e r a- k o n z e r n. der nichts mehr auszusperren hat, sich den Luxus einer Betriebesiillegung nicht allzu lange leisten können, und der Beschlutz hauptsächlich als Druckmittel gegen den Berliner Polizeipräsidenten gedreht war. Inzwischen sind Verhandlungen im preußischen Innenministerium vor sich gegangen. Nach dem uns vor- liegenden dürftigen Bericht scheint es. daß man im Ministerium des Innern zu einem befriedigenden Ergebnis gelangt ist und die angedrohte Stillegung damit gegen st andslos geworden ist. Die seit Freitag voriger Woche ausgesperrten Kraftdroschken. führer werden hoffentlich für den sünfiägigen Lerdienstausfall ent- schädigt._ Stillegung Ses krastürolchkenverkehrs in dresüen. Die Streikbrecher werden ausgesperrt. Dresden, den 25. April.(Eigener Drahtbericht.) Bei den neuen Verhandlungen im Dresdener Ärastdroschlensührerstreik, die dieser Tage im sächsischen Arbeitsmmisterium stattfanden, erklärtet, sich beide Parteien bereit, die strittigen Punkte, Lohn, Urlaub und Kronkenlohn, einem Schiedsgericht mit drei Ilnpartei- iscfien zu unterbreiten, das bindend entscheiden sollte. Die Unter- neymcr lehnten aber alle Vorschläge der Unparteiischen und Arbeiter- Vertreter ab: sie schlugen als Garantielohn vor: für sofort 42,60 M. (wie im Schiedsspruch), für die Zeit ab l. August 43,50 M. und ab 1. Dezember 45 M. Diese Neuregelung soll bis zum 31. August 1928 laufen. Der Vorschlag stellt eine glatte Verhöhimg der Arbeiterver- treter dar: diefe erklärten deshalb, sich an den Verhandlungen nicht longer beteiligen zu können. Die Starrköpfigkeit der Unternehmer hat also die Verhandlungen wiederum zum Scheitern gebracht. In einer Versammlung der im Deutschen Verkehrsbund organisierten Krasidroschkenführer, in der die Hallung der Verhandlungsführer einstimmig gebilligt wurde, kam in sehr scharfer Form die Ent- rüstung über das Verhalten der Arbeitgeber zum Ausdruck. Dresden, 26. April.(WTB.) Nachdem die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ergebnislos verlausen sind, gibt die Interessengemeinschaft der Dresdener Kraftdroschken- besitzer bekannt, daß sie sich genötigt sähen, zumal wiederHoll Aus- schreitungen gegen die arbeitswilligen Ehauffeure vorgekommen seien, dieyahrten der«twa70bisS0nochin Beirieb befindlichen Kraftdroschken nunmehr gänzlich e i n z u st« l l e n._ der be- Es der u. ZUM Streit im Wollkonzern. Leipzig, 26. April.(Eigener Drahtbericht.) Die Arbeiter Norddeutschen Wollkämmerei in Delmenhorst und Bcchrenseld finden sich schon seit mehreren Wochen im Streik. ist deshalb der Versuch gemacht worden, die Arbeiten nach Sächsischen Wollgarnsabrik vormals Titel Krüger in Leipzig zu verlegen, die dem Konzern der Nord- deutschen Wollkämmerei angehört. Diesen Versuch, die Arbeiter des einen Konzernbetriebes gegen die Arbeiter des anderen auszuspielen, hat die Belegschaft von Titel u. Krüger mit dem Akt der Solidarität beantwortet und die Arbeiterschaft der Ringspinnerei und der S e lfa k t o ra b t e i lu n g hat die Arbeit ge- schlössen niedergelegt. Zuzug nach Leipzig ist streng st ens fernzuhalten. Zechenbesitzer und /lrbeitszeitnotgesetz. Wie sie es auslegeu. Esten, den 25. April.(Eigener Drahtbericht.) In der VerHand- lung am Montag über das Mehrarbeitsabkommen der Bergbauange st eilten gab der Zechenverband einleitend be- kannt, daß er die Angestellten-Rahmentarife im Ruhrbergbau kün- d i g e n werde. In den eigentlichen Verhandlungen über die Arbeits- zeit zeigten sich weitgehende Meinungsverschieden- h e i t e n über die Auslegung des Arbeitszeitnotgesetzes. Der Zechen- verband besteht unter Berufung auf das Arbeitszeit- n o t g e s e tz darauf, daß in der Arbeitszeitfrage der Bergbauange- stellten alles beim alten bleiben soll. Er verlangt, daß darüber hinaus die Arbeitszeit der Angestellten in nicht durch- gehenden Betrieben zwei Stunden länger als die Arbeits- zeit der unterstellten Arbeiter sein soll. In der Frage der Bezahlung der Ueberarbeit gingen die Auffassungen der Tarifparteien vollständig auseinander. Die Parteien haben den Schlichter ange- rufen, der voraussichtlich am 3. Mai die Verhandlungen ausnehmen wird._ Der Tariftampf in der Laufitzer Textilindustrie. Löbau. 26. April.(Eigener Drahtbericht.) Die schweren Tarif- kämpfe der Texiilarbciter in der Oberlausitz scheinen zu einem um- fangreichen Streit zu treiben, sosern die Unternehmer ihren Herrenstandpunkt nicht verlassen. Im Neugersdors- Zittauer Bezirk sind— wie bereits gemeldet— bisher insgesamt 8000 Kün- digungen erfolgt. Im Bautzner Gebiet haben Kündigungen noch nicht stattgefunden. Auch in K i r s ch a u ist eine Entscheidung noch nicht erfolgt. Im Bezirk Ka m e n z- Pulsnitz wurden am Sonn- abend rund 2400 Kündigungen ausgesprochen. Im R ü d e r- t a l werden 20 Betrieb« betroffen, in der Stadt Kamenz sechs. Ins- gesamt dürsten bisher rund 10 000 Kündigungen erfolgt sein. Ein Teil der Unternehmer hat mit den Belegschaften Sonder- abmachungen über Manteltarif, Urlaubssrage usw. getroffen.— Jedenfalls steht die Arbeiterschaft vor folgenschweren Entscheidungen. Einigung in der bayerischen Metallindustrie. Der Schiedsspruch vom 13. April(vgl. Nr. 185 des„Vorwärts"'). der für die unier den Haupttarif des Nürnberg-Fürther Arbeitgeber- kartells(NFAK.) fallenden kaufmännischen Ange st eilten, Techniker und Werkmeister eine Erhöhung der Mindestgehaltssätze einschließlich der Lehrlingsvergütungen um 7l4 Proz. mit Wirkung vom 1. April 1927 vorsieht, ist sowohl vom NFAK. als auch von den mitbeteiligten Angestelltenorganisationen angenommen worden. In der Annahmeerklärung gegenüber dem Landes- schlichter brachte der Zentralverband der Angestellten im Einverständnis mit seiner Tarifkommission seine ernstesten Be- denken zum Ausdruck, vor allem auch wegen der langen Bindungs- frist, da die Gehaltstafel mit Monatsfrist erstmalig zum 29. Februar 1928 kündbar ist._ Verhandlungen in der westoberschlesische« Eisenindustrie. TU. meldet: Die Metallarbeiteroerbände haben die Lohnordnung für die oberschlesischen Eisenhütten gekündigt und Verbesserungen gefordert. Zunächst verlangten sie eine Auspleichszuloge für die am 1. April eingetretene Mietsteigerung in Höhe von 20 Proz. für den Monat April. Des weiteren sorderten sie für die Zeit ab 1. Mai Lohnerhöhungen, die sich zwischen 30 und 47 Proz. be- wegen. Am 13. April fanden zwischen dem Arbeitgeberverband und den Metollarbeiterverbänden Verhandlungen über die Lohn- forderungen statt. Die Arbeitgeber waren bereit, über eine Lohn- erhöhung zu verhandeln, wenn die Mctallarbeiterverbände ihre Forderungen auf eine verhandlungsfähige Basis reduzieren. Die Gewerkschaften hielten an ihren Forderungen in voller Höhe fest. Infolgedessen war es der Arbeitgeberseite mit Rücksicht auf die außer- gewöhnliche Höhe der Lohnforderungen nicht möglich, Gegenvor- schläge zu unterbreiten. Die Verhandlungen mußten deshalb en g e b n i s l o s abgebrochen werden. Di« Metallarbeiterverbände erklärten daraufhin, daß sie den Schlichter anrufen werden. Eine Verhandlung vor dem Schlichter hat jedoch, wie der„Industriekurier" meldet, bis jetzt noch nicht statt- gesunden. Es ist deshalb abwegig, schon jetzt von einer Arbeits- niederlegung zu sprechen, da das eingeleitete Schlich- tungsverfahren noch in keiner Weise zum Abschluß gelangte und es auch noch gar nicht abzusehen ist, welche Ergebnisse es zeitigen wird.(In Oberschlesien scheint das Schlichtungsverfahren sehr langsam vor sich zu gehen. Red. d.„V.".) Beigelegter Kampf in der Pariser Autoindustrie. Paris, 25. April.(Eigener Drahtbericht.) Die Aussperrung bei den Citroen-Werken ist am Montag trotz starker kommunistischer Propaganda beigelegt worden. 95 Proz. der Arbeiter sind wieder eingestellt worden. Polier», Werk- und Schachtuieisterband, Bezirkzverein Groß-Berlin. Morgan Mittwoch, adends 7':, Uhr, in dm Sophiensälen. Sophiensir 17/18; General. Versammlung„Die wirtschastliche Lage unserer Mitglieder�, Referent: Kollege Otto Fiedler.- Kassenbericht._ Der Borstand. Mus See Partei. ZNai-Schristen. Soeben erscheint das M a i h e f t der„A r b e i t e r- I u g e n d". Es läßt schon in seiner äußeren Gestalt erkennen, daß es vorwiegend dem Feiertag der Arbeit gewidmet ist. Das Titelblatt bringt diesmal einen wuchtigen Linolschnitt eines jungen Künstlers, der den Maizug der Jugend symbolisiert. Im Hauptblatt sind Text und Illustrat onen stark aus den M a i f e i e r t a g eingestellt. Franz K l ü H s behandelt in einem Aufsatz„Die Internationale und der Maigedante", die Geschichte der Maifeier und ihre diesjährige polit sche Bedeutung. Der Verbandsvorsitzende, Max W e st p h a l, veröffentlicht einen Aufsatz unter dem Titel:„Die Partei ruft Euch", der sich vor ollem an die älteren Iugendgenssen wendet, die den Maitag zum Anlaß nehmen sollen, die Mitgliedschaft in der Partei zu erwerben. Im direkten Zusammenhang mit der Maifeier stehen auch die Illustrationen des Hauptblattes, die die Bilder vom vorjährigen internationalen Jugendtag in Amsterdam wiedergeben, der- ja eine der eindrucksvollsten internationalen Kundgebungen für die Gedanken des Maifeiertags war. Im übrigen ist das Hauptblatt ausgefüllt mit Notizen aus der Politik, aus der Gesetzgebung, aus der Bewegung und aus dem Lager der Gegner. Mit seinen Beilagen„Die Arbeitsgemeinschaft" und.Kultur und Leben" bietet das Heft eine Fülle von Belehrung und Unterhaltung. Auch unsere Frauen dürfen am 1. Mai nicht abseits stehen und die neue Nummer 9 der„F r a u e n w e l t" weiß sehr geschickt auf die Wichtigkeit dieses Tages hinzuweisen. Ein« Schilderung mit zahlreichen Illustrationen aus dem Leben der Berliner Konsum- genossenschaft zeigt besonders klar die Bedeutung des Zu- sammenschlusses der Arbeiterschaft auch für den Haushalt und somit im besonderen für die Aufgaben der Frau. Arbeiten, die früher jeden Einzelhaushalt einzeln belasteten, werden billiger und rationeller durch die Genossenschaft ausgeführt und immer deutlicher wird die künftige Ablösung des Kleinhoushalls durch den Großbetrieb. Die „Frauenwelt" bringt außerdem wertvolle Anregungen für Küche, Kleidung und Hygiene und wird dadurch zum unentbehrlichen Rat- geber für jeden ProletarierhaushaU. Vcraniwortlich für Politik: Lictor Schiff: Wirtschaft:<9. Klingrlhifer: Gewerifchoflsbewrauna: Rrwht. ffhiom: ffmiOettm: K 8. SIschrr: Lokale» und Sonstiges: Frift Karftödt! Anzeigen: Th. tblodt; sämtlich in Berlin Verlag: Borwärls-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Einger u Co.. Berlin SW 68, Lindenstrahe 3. »IMM-MM. Mm 19 Des j-roSen Erfoljes wegen verlangen Kormn Tnlinndgc in KIKI Das erslkl. Dtipm-fam Di; große �hnensdisn »ZlIllMU-WWs.öM.IK Ab Dienstag, den 26. bis 28. April 7.Schlager.Prog;ramm Gefährliche Frauen und Verrat Das ffssk'. ßcipiogramni. Dia große Mtaindn ViktcriaLiüil!iiiötiieat6rFÄ.i««r Dienst, d. 26., bis Donnerst, d. 28. April De guten Eiftljts wegen rxJi 3 lege retlingeil Landstreicher wider Willen ferner: Die große Revue: Auf und Ab 16 Bi'der. [ootonlia- Palast, AmMraBe 64 Dienstag, den 26. bis 28. April Kinderseelen klagen Euch anl dam: Mit Faltboot und Sthl ltea in Eisnoar Mattet AM.fMWet Allem Vom 26.-28. April Pola Itegri in Hotel Stadt Lemberg Auf der BOhne Henry Bcndei persönlich in der Revue: Llelitenberr. was sasste no? Pattage-Llditspiele.BeSlsTsg Vom 26.-28. April Das Lebenslled pemer: Der Cowboy-Kavalier BühncnschatL. Billig >•••••••••••••••• speMiieiv..... SDßMiier nach.... DDenDdreiieiier„ seliagscnaien sausleren.. Bumocnen HomDOiiscnwen» Zückemosen Bscner......... itiiiciiDeciier...... cm. ...38 ...65 Katleekannen ih Moccakanncken... Teekannen. Bitte die Preise in; : unseren Schaulenstern: zu beachten. •eeeeeeeee�eeeeeeeee! leeeeeeeeeeeeo 85 Terrinen S ,D!ekd. 2.110 lerrinenzf"rr". oBk OS-. 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