Kr. 198 4 44. fofrrg, Ausgabe A Nr. 101 Bezugspreis. köibentli» 70 Mexsia. monatlich 8.- Reichsmart voraus«ohldar. Unter SreuZdand tür Deutichlan», Toiüi». Saar, und Memetaedi«. Oellcrreich Litauen. Luremdur« «L0 Sieichsmait. Itir da» Itdrla» Susland b.so Zieichsmart oro Mona». Der.BorwSrt»' mit der wustiler. ten Sonntagsbeilage.Boll und?eit� towie den Beilagen»Unlerdaltung und Wilsen'.»Äu» der Mlmwell', .nraucnslimme'.Der itinder» Ireund'.Lugend-LorwSrts' und .Blick in die Biilberwelt' erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal. Tilegramm-Sdresse: »SojlaldciBOftat Berlin" Morgen ansgabe w-w#. Verltnev Volksblatt (lO Pfennig) Anzeigenpreise: ®te»inivaltta« Nonvaroill-» geile 80 Biennia. Reklamezeile 8.— Reichsmark,»iilelnc An, eigen" da» kettaedruckie Wort 25 Bienni» szulällia zwei scttacdruckie Wortes. jede» weitere Wort 12 Bkennia. ktellenaesuch« da»«rlie Wort 18 Psennia, jede» weitere Wort 70 Dtennia. Worte Uber 15 Buch- Naben»äblen für zwei Woktg. tlrbeitsmarkt!icile 60 Pfennig. ikamilienanzeiacn für Abonnenten iieile<0 Pfennig. »nzeigen kür die nächste Nummer müsfen bi»«>4 llbr nachmittaa» im Kauvtaefchäft. Berlin EW 68. Linden. NraNe 8. abgegeben werden. Geöffnet von 8l4 Uhr früh bis 5 llbr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratirchen Partei Deutfchlanda Reüaktion und Verlag: Serlia EW. 6$, Linöenftraße 3 Fernsprecher: Dönhoff ÄSÄ— ÄV7. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SW. SS, Linöenstr.Z Boflfchecklout»! Berlin 87 58»— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestelten nn» Beamten, walftr. 85:»iiiovto-Gelcllfcholt. Dcvofitcnlaüe Lindenste. 8. Rosenberg begründet seinen /lustritt. Völliger Zusammenbruch der Politik der Komintern. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Arthur Rosenberg hat seinen Austritt aus der Kommunistischen Partei mit einem Schreiben begründet, das er an das Zentralkomitee der KPD. gerichtet hat. Dieses Schreiben hat folgenden Wortlaut: Derlin-Steglitz, den 26. April 1927. An das Zentralkomitee der KPD., Berlin C., Kleine Alexanderftraße 28. Werte Genossen! Der vollständige Zusammenbruch der Kominternpolitik in China unm.Uelbar nach der großen Niederlage in England nötigt zu einer Ueberprüfting der Organisationsform der internationalen Arbeiter« bewegung. Es zeigt sich immer mehr, daß die unaufhörlichev Niederlagen der Z. Zolernalionale nicht allein aus äußeren Ursachen zu erklären sind, sondern daß hier ein Grundfehler des Systems vorliegt. Das moderne Sowjetrußland beruht auf dem Kompromiß des qualifizierten rufst- schen Arbeiters mit dem besitzenden Bauerntum und darüber hinaus auf der national-russifchen Demokratie. Daher wäre Sowjet- rußland der natürliche Berbündete der nationalen Freiheitsbewegun- gen des Auslandes sowie der gemäßigten kompromißbereiten auf- bauwilligen sozialistischen Ardeiterschichten. Di« kommu- nistischen Parteien außerhalb Rußlands dagegen müssen sich, um ihr« Sonder exi st«nz zu rechtfertigen, aus die ärmsten, radikalsten, t o m p r o m i ß f e i n d.l i ch st e n und onti- nationalen Arbeit er schichten stütz e it. Auf der anderen Se'tr soll aber die Komintern die politische Linie Sowjetrußlands nicht durchkreuzen. So ergeben sich untragbar« Wider- s p r ü ch e. Aus den Widersprüchen entstehen die ständigen taktischen Schwankungen. die Fehler, die Niederlagen. Widersprüche dieser Art waren es, aus denen sich die Niederlage der deutschen Revolution 1923 erklärt. Derselbe Gegensatz war für die Entwicklung in England und in China maß- gebend. Wenn man es versucht, gleichzeitig mit dem englischen Generalrat und mit Cook, gleichzeitig mit der bürgerlichen Kuomintang und mit den Schanghaicr Arbeitern zusammenzugehen. so muß man Katastrophen ernten. Die groß« Wen- dung der sowjetrussischen Innenpolitik auf dem 14. Parteitag der Bolschewiki hätte als logische Folge dl« Aufläsung der Z. ZalernaNonale haben müsien. Die klugen Staatsmänner, die heute Sowjetrußland führen, wissen dies ohne Zweifel genau so gut w> ich. Sie sehen ohne Zweifel«in, daß die Weiterexistenz der Kom- intern sowohl S o w j e t r u ß l a n d, al» auch die Ar- beiter der anderen Länder schwer schädigt. Aber sie sind noch so sehr die Gefangenen der Ideologie von gestern, daß sie das Notwendige noch nicht tun können. So erklärt sich die falsch« Politik auch unter dem neuen Kurs der Komintern, so erklären sich die Niederlagen in England, China usw. und die unmögliche Situation der KPD. auf dem Essener Parteitag und danach. Eine ernsthafte Reform der Sominlern ist unmöglich, well sie die Grundlage ihrer Existenz selbst beseitigen müßte. Noch Essen und nach Schanghai könnte ich die Linie der Komintern nur unter bewußter Täuschung der deutschen Arbeiter- schast vertreten. Da ich mich zu einer solchen Täuschung nicht her- geben kann, erkläre ich hiermit meinen Auslrllt aus der SPD. Auf mein Reichstagsmandat lege ich an sich geringen Wert. Aber bei dem bunten Wechsel der Führergruppen und politischen Tendenzen in der KPD.(je nach der gerode von der RKP. gewünschten Taktik) und bei der wachsenden Z e r- setzung der Partei wäre es ein reines Hasardspiel, in welche Hand mein Mandat bei einer Niedcrlegung kommen würde. Da ich meine Wähler einem solchen Lotteriespiel nicht aussetzen will, werde ich mein Mandat als parteiloser Soziollst vorläufig weiter ausüben." Mit bestem Gruß gez. Arthur Rosenberg. Dr. Rosenberg hatte, wie jetzt weiter bekannt wird, schon aus dem Essener Parteitag schwere Zusammenstöße mit der Parteileitung, bei denen es sich nicht nur um den Chinakurs der Komintern, sondern auch um die innere Politik der KPD. handelte. Rosenberg forderte eine sachliche Arbeiter- Politik unter Verzicht auf alle scheinradikale Phraseologie und verlangte, daß der Gegensatz zur Sozialdemokratie und den Gewerkschaften Allmählich oerschwinden müsse. Da aber die KPD. einzig und allein davon lebt, daß sie bei verzweifelten und verblendeten Arbeitern den Haß gegen die Sozial- demokraiie und die Gewerkschaften schürt, stießen seine Forde- rungcn natürlich auf schärfste Ablehnung. Jetzt hat Rosenberg die Konsequenz aus diesen unlösbaren Gegensätzen gezogen, Zudem er der Kommunistischen Partei den Rücken kehrte. Sein Austritt aus der KPD. hat deshalb so große De- deutung, weil er einmal den kommunistischen Arbeitern zu denken gibt und weil er außerdem ein Symptom der Abkehr von Moskau ist, die sich jetzt in gewissen intellektuellen Kreisen vollzieht Rosenberg, der 38 Jahre alt ist und seit 13 Iahren an der Berliner Universität als Privatdozent für alte Geschichte wirkt, ist der Typ jener Intellektuellen, die, durch Krieg und Revolution in die Politik hineingerissen, zunächst beim äußer- sten Raditalismus Anschluß nahmen, dann aber bei näherer Beschäftigung mit den politischen Problemen zu wesentlich veränderten Anschauungen gelangten. Sein Austritt ist ein Anzeichen des geistigen Zusammenbruchs der Kommunistischen Partei, der über kurz oder lang auch ihr physisches Ende zur Folge haben muß._ Vorbereitung öes britischen Vorgehens. Gegen die Hantnuregierung. London, 27. April.(Eigener Drahtbericht.) Wie an» Peking gemeldet wird, ist die dortige Diplomatie der Auffassung, daß Großbriiannien nunmehr allein vorgehen wird, fall» der Wider- stand der vereinigten S.'aalen und Japans gegen ein Ultimatum unter Androhung von Strasmaßnahmen gegen die Hankau-Regierung unüberwindlich sein sollte. Es verlautet serner. daß eine ernste Meinungsverschiedenheit zwischen der Washingtoner Regierung und ihrem voischasler in Peking besteh«. Der Botschafter in Peking � soll ein entschiedener Anhänger des Zusammen» gehen» mit Großbritannien um jeden Preis sein. 3m übrigen meldet das britische amiliche vureau aus Peking, es bestehe die Möglichkelt. daß England Zwar nicht mit Amerika und Japan, aber mit Frankreich und Italien gemeinsam vorgehen werde. Das britische Kabinett trat am Mittwoch zur Besprechung der chinesischen Situalioa zusammen. Die Kommandeure der britischen Streitkräsle, auch der Lusisahrllruppen und der Flotte, waren an- wesead. Im Unterhaus wollte man wissen, daß die Z u r ü ck e r o b e- rung der Konzession von hankau nach einem Vom- bardemeot im vorde gründe dieser Besprechungen gestanden habe. Es ist vielleichl kein Zufall, daß' die„North EHiaa Daily News". das führende britische Vlalt Schanghais, nach einem wütenden An- griff aus die amerikanische Regierung eine sofortige Aktion der Mächte in hankan verlangt und die britische Regierung nachdrücklich auffordert, allein vorzugehen, wenn die übrigen Mächie hierzu nichi bereit seien. Ans Schanghai wird gemeldet, daß Tschiangtaischeck von den dortigen chinesischen Banken eine Anleihe von 600 000 Pfund Sterling„gewährt" und weitere 100 000 Pfund Sterling in Aussich» gestellt worden sind. Als Sicherheil sollen gewisse Zoll- ewkünfle Schanghais dienen. Die mlliiärische Lage ist melier undurchstchllg. Gerüchte wollen wissen, daß sich die Südtruppen in honan geweigert hätten, zu kämpfen und die Situation der haakauer Regierung äußerst schwierig sei. Schiedsspruch im öerliner Saugewerbe. Die Taktik der Unternehmer durchkreuzt. Nachdem die Unternehmer und die Zimmerer den Spruch de» Tarifamies für das Berliner Baugewerbe abgelehnt hatten. mußte auf Antrag der ablehnenden Parteien das hauptiaris- o m t culscheiden. Dieses kam gestern abend zu folgende« für beide Parteien bindenden Spruch:.Der Lohn der Maurer und Hilfsarbeiter wird ab 20. April um 7 Pfennig pro Stunde erhöht.� Die durch Spruch dep Tarifamies vorgesehene Lohnerhöhung um 3 Pfennig im herbst tritt nicht erst am 28. September, sondern bereit» am 31. A u g u st ein. Der Spruch des Torisamles für die Tiefbauarbeiter erfährt Insofern eine Aenderung, als die Lohnerhöhung nicht 6 und 4 Pfennig, fondern 4 und 6 Pfennig beträgt. Auch für die lief- bauarbciter wird die Lohnerhöhung im herbst bereits ab 31. August zur Auszahlung gebracht. Für die Zimmerer wurde auf ihren Antrag, wie vor dem Tarifami, ein besonderer Spruch gefällt, der die Löhne mit Wirkung vom 20. April bis zum 7. September um 7 Pfennige erhöht. Heber die Zulage im herbst muß für die Zimmerer nochmals verhandeli werden. Damit Hai der Baugewerksbund einen schönen Erfolg er- zielt. Die Absicht der Beton- ond Tiesbaunnternehmer, die Lohn- erhöhung zu verschleppen und eine Nachzahlung technisch fast unmöglich zu machen, ist durch die Entscheidung des haupllarifamies zufchaaden geworden. Schieles Zollwucher. Eine Frage an das Zentrum. Drei Monat« seit der Regierungsbildung— und die berühmten Richtlinien mitsamt der schönen Regierungs- ertlärung des Herrn Marx sind— ein Fetzen Papier. Der Triumph des Zentrums über das„kaudinische Joch" war von kurzer Dauer und der linke Flügel des Zentrums ist der Betrogene.... Herr Westarp fährt im Lande herum und bekennt die Monarchie: in Presse und Versammlungen erneuern die Deutschnationalen die nationalistische Agitation und kündigen die Unterwerfung Stresemanns unter die Beschlüsse des Kabi- netts an, in dem ihre skrupellose Rücksichtslosigkeit täglich an Boden gewinnt. Die deutschnationalen Nationalisten und Militaristen auf Urlaub erklären ihren Urlaub für beendet, Herr Westarp schickt sich an, die Innen- und Außen- Politik deutschnational umzugestalten. Dazu paßt trefflich das Getöse um Konkordat und Schulgesetz. Den Deutschnationalen ist Christentum und Konfessionsschule wirklich nicht so wichtig. Zwar sehen sie gern eine Stärkung der protestantischen Kirche. Ist diese doch besonders in Ostelbien praktisch nicht viel anderes als eine Hilfsorganisation der deutschnationalen Parteiorganisation. Aber sonst ist diesen robusten Herrschaften das Christentum, von dessen Grundsätzen! ihre Raff- und Machtpolitik wahr- haftig noch nie bestimmt worden ist, ein treffliches Mittel, das Zentrum bei der Stange zu halten: wie der plötzlich arran- gierte Kampf um Konkordat und Schule für diL schlauen Prälaten Brauns und Leicht das Mittel war, das Zentrum in die Rechtskoalition hineinzustoßen, ahne daß die christlichen Gewerkschaften sich recht wehren konnten. Ging es doch nicht um Republik, Demokratie, Sozialpolitik, sondern natürlich um Religion.... Und den Deutschnationalen ist es auch gar nicht eilig. Je länger sie die Schutfragen in der Schwebe halten, desto sicherer halten sie das Zentrum bei der Stange. Unterdessen erledigen sie, was ihnen wichtiger ist. Wie die Deutschnationalen schon einmal monarchistische und nationalistische Ueberzeugung beurlaubt hatten und in die Regierung Luther gingen, um den Z o l l t a r i f zu machen und die Getreidezölle zu erhöhen, so beeilen sie sich jetzt auch, die Ernte in die agrarischen Scheuern zu bringen. Herr S ch i e l e ist an der Arbeit und er ist, weiß Gott, ein fleißiger und tüchtiger Arbeiter! Den M e h l z o l l hat er bereits von 1t> M. auf 12,50 M. als autonomen und auf 11,50 M. als Vertragssatz erhöht, Zum�erstenmal seit 1903 ist die Spanne zwischen Getrcidezoll und Mohlzoll über 5 M. gesteigert worden. Es handest sich in erster Linie um eine Erhöhung der Kartellprämie für die großen kapitalistischen Mühlen, um eine Beschleunigung der Vertrustung der Mühlenindustrie auf Kosten der kleinen Mühlen und der Masse der Konsu- menten. Aber Herrn Schiele geht es noch um anderes. Er will die G e t r e i d e z ö l l e auf 6 M. bringen, den Satz, den die Agrarier in den schwedischen Handelsvertrag hinein- gebracht hatten. Er wird erzählen, daß der Mehlzoll ja doch den Brotpreis bestimmt, daß also eine Erhöhung der Getreide- zölle für die Konsumenten keine neue Belastung bedeutet. Dann ist das Ziel der Ostelbier erreicht: der Vrotwucher ge- steigert selbst gegenüber deip Brotwuchertarif Bülows! Deshalb der plötzliche Ueberfall mit dem Mehlzoll im Handels- politischen Ausschuß. Und das Zentrum— auch feine Arbeiteroertreter— hoben diesen Ueberfall geschehen lassen! Dieses war der erste Streich.... Jetzt kommt die Er- höhung des Zuckerzolls um 50 Proz., von 10 ans 15 M. Die Belastung des Zuckers durch Steuer und Zoll ist in Deutschland viel zu hoch, der Konsum deshalb viel zu gering. Ausdehnung des Konsums ist deshalb das gemein- same Interesse der Arbeiter wie der Rübenbauern. Die Ermäßigung der Zucker st euer war bereits zu- gesagt. Fraglich war nur, ob deshalb eine Erhöhung der Alkoholsteuer nötig wäre. Aber der Fusclkcnsiim ist den korn- brennenden Ostelbiern wichtiger als der Zucker. Die Steuer- politik der Rechtsregierung hat schon allein durch die gewissen- lose Liebesgabe für die bayerische EiAnstaatlichkeit die Finanzen so verschlechtert, daß für die dringend notwendige Herabsetzung der Steuern auf Lebensmittel kein Geld da ist. Der Rechtsblock verweigert die zugesagte Herabsetzung der Zucker st euer und in demselben Augenblick wagt der deutschnationale Zollwucherer eine Verteuerung des Zuckers durch Zollsteigerunq vor- zuschlagen. Und das obwohl von einer Notlage der Industrie keine Rede sein kann, der Zuckerpreis sowohl im Inland, als auch auf dem Weltmarkt in ständigem Steigen begriffen ist. Schiele wird dabei allerdings wie bei jeder Volksfcindlichkeit die Unterstützung der Deutschen Boltspartei finden. Denn Herr Dr. Zapf ist ein einflußreiches Mitglied dieser Partei und Herr Dr. Zapf ist Auffichtsratsvorsitzender des großen Konzerns der süddeutschen Zuckerfabriken. Aber selbst, wenn Herr Schiele den Widerstand des Finanzministers überwände imd die Zuckersteuer etwas her- abgesetz? würde, um die verieuernde Wirkung des Zolls aus- zugleichcn, so ginge der Konsument leer aus. Die Steuer- senkung würde durch die Zollerhöhung mehr als wettgemacht, der Zuckerpreis keineswegs sinken. Der Teil des Zucker- Preises, der bisher in die ö f f e n t l i ch e n Kassen ginge, würde jetzt als gesteigerter Profit den Zuckerfabriken und den daran beteiligten Großgrundbesitzern zufließen. Es kommt der dritte Streich.... Die.zollfreie Einfuhr von bestimmten Mengen Gefrierfleisch ist den Agra- riern schon lange ein Dorn im Auge. Herr Schiele will die Zollfreiheit beseitigen und einen mäßigen Zoll einführen. Man kennt die Mäßigkeit der Großagrarier und man kann nicht früh genug vor diesem Attentataufdas bißchen Fleischkonsum der Armen warnenl Ist erst das Gefrierfleisch verzollt, so muß natürlich auch der Zoll auf Vieh und Frischfleisch erhöht werden. Herr Schiele hat ja diese Erhöhung in seiner Ekatrede bereits als Ziel seiner Politik proklamiert'. Noch immer nicht genug! Als vierter Streich plant dieser gefährliche Arbeiterfeind aus Ostelbien die Erhöhung des Kartoffelzollsl Der ganze Zoilwucher muß es fein, das ist der wahre Inhalt der deutschnationalen Poli- tik, zu der die tönenden monarchistischen, außenpolitischen, christlichen Reden die notwendige, der Ablenkung dienende Begleitmusik machen. Der ganze Zollwucher und deshalb rücksichtslose S a b o- tage der Handelspolitik! Wir wissen, daß Herr Schiele darauf aus ist, die Konzessionen, die die deutsche Regierung den Polen in bezug auf die Schweineeinfuhr zu machen bereit war. zurückzunehmen. Schiele will den polnischen Bertrag, dessen Zustandekommen wegen der protek- tionistisch-nationalistiscken Strömungen in Polen schwer ist, verhindern» weil der Abschluß agrarische Konzessionen bedingt und ohne diesen nicht zu haben ist. Hierbei kann man übrigens den Zollwucherer und den Parteipolitiker in Idealkonkurrenz erblicken. Di« polnischen Verhandlungen sind nach ihrem törichten Abbruch nur durch die Bemühungen Stresemanns wieder in Gang ge- kommen und durch den deutschen Gesandten in Warschau, Ra u s ch e r, gefördert worden. Gelingt es Herrn Schiele, die Berhandlungen zu zerschlagen, so ist Herr Stresemann bla- miert und der Sozialdemokrat Rauscher hat seine geringe Eignung für den polnischen Posten erwiesen. Der Sozial- demokrat muß weg, natürlich nicht, weil er einer der wenigen noch existierenden Republikaner im diplomatischen Dienst ist, sondern weil er den Handelsvertrag nicht zustande gebracht hat. Ein neues Kapitel deutschnationaler Personalpolitik wäre vollendet.... Die Verhandlungen mit der Tschechoslowakei stocken: bei Frankreich ist Herr Schiele vom Glück be» günstigt: da braucht er zunächst nicht viel zu tun. Der neue protektionistische französische Tarif kommt ihm zu Hilfe und erschwert den Fortgang der Verhandlungen aufs äußerste. Nicht uninteressant ist für Herrn Schiele die Verhandlung mit Kanada. Hier hofft er einen höheren Mehlzoll als endgültigen Vertragszoll, vielleicht auch eine Erhöhung der Getreidezölle erzielen zu können. Das ist die Handelspolitik des Zollwucherers Schiele, des wirtschaftspolitischen Herrn des Kabinetts. Denn in diesem Kabinett hat er keinen Widerstand. Am wenigstens hat er ihn von Herrn C u r t i u s zu be- fürchten. Macht Herr Schiele agrarischen Schutzzoll, so wird ihn Herr Curtius durch industriellen kompensieren. Wirt» schaftspolitisch ohne jede Einsicht, politisch ohne Willen und Grundsatz ist Herr Curtius der bequemste Kollege, den sich der sehr einsichtige und sehr willensstarke Schiele nur wünschen kann. Herr Curtius wacht unterdes darüber, daß die Export- fähigkeit der deutschen Industrie nicht durch rasche Lohn- steigerung erschüttert wird. Daß der Zollwucher vielleicht etwa--- mit der Lohnhöhe zu tun hat, ist diesem hervorragen» den Vertreter der Deutschen Volkspartei wohl noch gar nicht zum Bewußtsein gekommen. „Der Prophet/ Neueinstudierung in der Städtischen Oper. Dieser.Prophet' galt einst viel im eigenen Lande seiner Schöp- fer Scribe und Meyerbeer. Auch in Deutschland gelang es nicht einmal dein Bilderstürmer Wagner ganz, die Liebe zur pomp- haften Theatralik des Werkes auszurotten. Kriegerisches, Legen- däres, Kirchliches, sogar wie etwas menschlich-mütterliche Opfertragit fesselt die Aufmerksamkeit auch da, wo die Iustamenttechnik des Franzosen auf die Nerven fällt, und die Krönungsszene, das Bachanal, die Wiedertäuferszene spekulieren nicht umsonst auf den eingefleischten Trieb der Menschen, in der Oper etwas Auhergewöhn- liches zu sehen, etwas nicht Alltägliches zu erleben. Aber mit dem Erleben ist es nicht weit her. Ueberall knacken die Gelenke einer komplizierten, auch im Gesühlston aufgedonnerten, verlogenen Seelen- Maschinerie. Meyerbeer hat eine Musik aus seinem genialen Aermel geschüttetr, die über die Opernerfindung seiner Zeit weit hinausgeht, die versucht, schwungvoll, großartig, erschütternd zu wirken. Wo die Musik Begleitung zu einem lebenden Bild ist, wie etwa in der Domszene zu Münster, im Volkstanz, in der kleinen Rcvolutionsszene des ersten Akts, da wirk: sie als kräftige Unter« streichung sinnlicher Begebenheiten. Wo sie aber selbständig Men- schen, Leidenschaften, Stimmungen und Temperamente spiegeln soll, wo sie aus dem Dekorativen ins Bombastische zurückstrebt zu einer leisen, charakterisierenden, melodischen Cigenbewegung, da trifft sich das Süßliche mit dem Banalen, das innerlich Erregte mit dem äußerlich Geneigten, das Genialische eines kleinen Einfalls mit dem Dilettantismus einer Durchführung so kraß und eng, daß die Tra- gödie zur Farce wird. Mit einer seltsamen Unbekümmertheit und Roheit arbeitet das Orchester, das in langen Partien zu nichtesagen. der Phraseologie verurteilt ist. Plötzliche Effekte, einst viel ge- priesen, versangen nicht mehr, seit wir den aus ganz anderer Leidenschaft heraussoringenden Effekt Derdischer Musik kennen, lieben gelernt haben. Die?>per im schlimmen Sinne meldet sich im„Pro- pheten' als Typ an: große Staatsaktion. Platatstil, Moritat, die Menschen an Drähten auf- und abgezogen, dazu«ine sinnlich ge- pfefferte, aber von keines künstlerischen Kulturgewissens angekränkelte Begleitmusik. Dieser Typ lebt von der Maschinerie, vom Handwerk der Dekoration, vom Ingenium des Darstellers. Als Frau O n e g i n, menschlich groß als Mutter, bezwingend in der Fülle ihrer machtvollen, dennoch zart differenzierenden Stimm«. ihre Kavatine gesungen hatte, war der rauschende Publitumsbeifall da. Sie beweist in Spiel und Gesang, daß man auch an der Grenze zwischen Dathos. Empsindelei und Trivialität nicht straucheln muß, so man Menschliches glaubhaft machen kann. In dieser Beziehung überragte Frau O n e g i n ihre Umgebung(und Meyerbeer). Grete Stückgold, bei der eine scharfe Höhe durch Indisposition erklärt war, wirkte anmutig und innig.?ies« Theaterwüiige hatte er nicht. Ohne solche Leidenschaft, auch sinnliche, verpufft die Rolle. Meyerbeer wußte, welch einem wir- kungsvollen Dekorationshelden er da die Glorie des Auserwählt m Und Her? Stresemann? Er weiß schon, daß es zwischen Außenpolitik und Handelsvertragspolitit gewisie Zusammenhänge gibt. Aber was soll er tun? Muß er doch untätig zusehen, wie von Woche zu Woche das verantwor- wngslofe Gerede der deutschnationalen Abgeordneten, das sich verstärkende Geschrei ihrer Presse die außenpolitische Stimmung verschlechtert, das Mißtrauen nicht etwa nur in Frankreich, sondern auch in England und viel- leicht am meisten in den Bereinigten Staaten steigert. Da muß er halt auch noch den Schiele in Kauf nehmen. Nach dem verunglückten Ausflug in die innere Politik liest er feit seiner Rückkehr aus Kanossa Goethe und hat unleug- baren Erfolg beim— Bühnenklub. Doch zurück zum Ernst und damit zum Zentrum. Bei der Verabschiedung des vorläufigen Zolltarifs hat das Zentrum erklärt, daß eine Erhöhung der Sätze, insbesondere der Zölle auf Lebensmittel nicht mehr stattfinden solle. Seitdem sind im Doriahre die Getreide- zölle von 3 auf 5 M.. erhöht, jetzt der Mehlzoll gesteigert worden. Was bevorsteht haben wir gezeigt. Es ist ein unerhörtes Attentat auf den Reallohn, es ist die Verminderung der Kaufkraft der arbeitenden Massen, der Arbeiter, Angestellten und Beamten, auch der christlichen, zu- gunsten der Grundrente und der Kartellvrämie! Das ist die Auswertung des„Binnenmarktes" wie sie der Zollwucherer Schiele versteht. Während man den christlichen Gewerk- schaften vom Religionsunterricht erzählt, der von niemandem bedroht ist, steigert sich von Tag zu Tag die Bedrohung der Lebenshaltung der christlichen Arbeiter. Und so fragen wir das Zentrum und besonders die Führer der christlichen Gewerkschaften: Wie steht Ihr zu dem Zollwucher des Ministers Schiele? Seid Ihr einver- standen, daß entgegen Eurem verpfändeten Wort die Lebens- mittelzölle erhöht werden sollen? Ihr habt die B e r- antwortung, denn gegen den vereinten Willen aller Arbeiter gibt es keine Politik in Deutschland. Der Sozialvolitik der Rechtsregierung habt Ihr selbst das Prädikat ungenügend erteilt. Wollt Ihr jetzt der Senkung des Real- lohns durch den deutschnationalen Zollwucher zustimmen? Wir bitten um Antwort! Gefahren für üie Jnvaliöenrentner. Erhöhung der Richtsätze in der Fürsorge ist notwendig. Di« Erhöhung der Inoalidenrentm bedeutet im wesentlichm einen Ausgleich für die feit der letzten Regelung eingetretene Der« teuerung der Lebenshaltung. Deshalb sind auch einige Aenderungen auf fürsorgerischem Gebiete unabweisbar. Die besonders hilfsbe- dürftigen Invalidenrenwer erhaltm aus Mitteln der WoHlfaHrts- pflege eine Unterstützung, deren Höhe sich nach bestimmten Richt- sätzen regelt. Auf die zurzell bestehenden Richtsätze werden bekanntlich De r. sicherunpsrenten angerechnet. Wird an der Höh« des Richtsatzes nichts geändert, dann wird der bedürftige Rentner bei der Rentenzahlung am 1. Juli wohl die erhöhte Invalidenrente erhallest und um denselben erhöhten Betrag die Kürzung seiner Fürsorge- rente erdulden müsien. Die Erhöhung der Inoaliden-Witwenrenten käme auf diesem Wege den Gemeinden zugute. Soll es dazu nicht kommen, soll den Aermsten der Rentner geholfen werden, stnd schnellstens Sicherungen notwendig. Für die Kleinrentner ist der Bersuch gemacht worden, derartige Sicherungen zu schaffen dadurch, daß die bewilligten 25 Millionen Mark für die Kleinrentncrfürsorge nicht auf die bestehenden Richt- satzleistungen angerechnet werden dürfen. Die Arbeitsinvaliden und Witwen find nicht minderen Rechtes. Die Erhöhung der Invaliden- renten muß denen zugute kommen, für die sie bestimmt ist: den bedürftigen Invaliden und Witwen. Das kann im Augenblick nur geschehen durch Erhöhung des Richtsatzes in der Fürsorge mindestens um den Betrag der Durchschnittser- höhung der jetzigen Invalidenrenten ab 1. Juli dieses Jahres. oerlieh. Darin ist er groß: ober Enderlein nicht sein Prophet. Sehr ausgeprägt die drei Wiedertäufer Nitsch, Pechner und K a n d l. Die Dekorationen die gleichen wie unter Hartmann. Die Regie war unauffällig aus Tietjens Händen in die seines Assistenten Müller ge- gangen, ohne Unruhe, ohne Aufregung zu stiften: die musikalische Leitung von Walter auf R e u ß. Hier wäre-in größerer Auf. schwung bei aller Sachlichkeit der Haltung gut gewesen. Wie soll man aber von einem Wagner-Iünger verlangen, daß er den toten Meyerbeer zum Leben weckt? Die Frauengestalten auf der Bühne sorgten dafür, daß in Anwandlung eines schwachen Heldenmuts der Tote nicht noch einmal getötet wurde. Das simple Strohfeuer am Schluß des Werks verpuffte wirkungslos. Hier hätte der Maschinen- direktor aus der vollendeten Ruhe seines Herzens eine Mördergrube machen sollen. Das Publikum jubelte Frau Onegin zu. Kurt Singer. Der jüdische Arbeilerkulkurverein„Perez* wollte in Gerecht? Festsölen am Königsgraben durch einen„großen literarisch- künstlerischen Abend" seinen Taufpaten, den jüdischen Dichter I. L. Perez, feiern. Zu berichten ist über einen guten Einfühxungsoortrag, der darauf hinwies, daß Perez nicht nur Schilderer des jüdischen Milieus, sondern vor allem des jüdischen Menschen, der jüdischen Seele ist. Seine Werke behalten ihre Wirkung auch in der Uebersetzung und sind dadurch Imstande, wirk- lich ein Teil der Weltliteratur zu werden, was sie ihrem Inhalt nach gewiß zu sein verdienen. Trotzdem aber die Möglichkeit, die Werke zu übersetzen, so besonders betont wurde, übermittelte man sie an diesem Abend In jiddischer Sprache, die vielen Großstadtjuden nicht mehr geläufig ist. Bielleicht werden später auch noch deutsche Uebertragungen gebracht. Der Referent erlebte es nicht mehr. Denn die laut Eintrittskarte auf 8 Uhr festgesetzte Veranstaltung begann in Wahrheit„pünktlich" um HlO Uhr. Diele vertrieben sich die Wartezeit in dem ungeheizten Saal mit Rauchen. Nach 10 Uhr herrschte«ine Atmosphäre, in der man kaum noch sehen oder atmen konnte und der man hustend und mit tränenden Augen entfloh. Sz- Fußgängerrazzia in Paris. Die Pariser Verkehrspolizei hat in den letzten Togen Razzien auf Fußgänger veranstaltet, die die einzelnen Norschnften für Ueberschreitung der Straßen und Plätze nicht einhalten. Am ersten Tage stnd über 1500 Personen namentlich fest- gestellt worden, von denen 52 der weiteren polizeilichen Bestrafung zugeführt werden mußten, da sie den Anordnungen der Verkehrs- polizei Widerstand entgegengesetzt haben. Zentralheizung einer ganzen Stadt durch vulkanische Kräfte. Reykiavik, die Hauptstadt Islands, wird voraussichtlich in kurzer Zeit eine Heizung erhallen, wie sie keine andere Stadt der Well auf- zuweisen hat. Es werden hier die durch vulkanische Kräfte erzeugten heißen Quellen Islands dazu verwendet, für ganz Reykjavik eine Zentralheizung zu schaffen. Island ist beianntlich durch die große Anzahl seiner Vulkane— es gibt hier 29 Vulkane, darunter 7 noch tätige— und seiner heißen Quellen ausgezeichnet. Die berühmtesten unter ihnen sind die Geiser, in denen die heiße Wassersäule bis in eine Höhe von mehr als 30 Meter steigt. Das Wasser hat hier in der erreichbaren Tief« des Kanals eine Temperatur von 127 Grad. „Gröbere?* Selüte. Tönende Reden— aber nichts dahinter. Der sogenannte Stahlhelmführer— im Zivilberuf Selterwasserfabrikant— S e l d t e hat sich sein Borbild aus Italien geholt. Kürzlich hatte er eine bombastische Rede gehalten, wo- nach er hunderttausend Mann nach Berlin„werfen" wollte, um dem„frechen, roten Gesindel" die Stahlhelmpracht zu zeigen. Dann wollte er die Mannen wieder fortnehmen, aber später würden sie ganz in Berlin bleiben. Das war natürlich Reklame geredet. Die Stahlhelmer haben zwar schon vielfach, als sie in der Mehrheit waren, Prügeleien provoziert und ihr Mütchen an Wehrlosen gekühlt. Aber— in Berlin bleiben sie in hoffnungsloser Minderheit. Man würde sie in Berlin ausgelacht und unter sich gelassen haben, wenn nicht— die K o m m u n i st e n ihnen zu Hilfe gekommen wären. Es war Seldtes erste Er- oberung, daß die Kommunisten ihm auf seinen Leim kletterten und nun erst die Reklametrommel für die„Faschisten" rührten, als ob sie bezahlt würden. Die zweite„Eroberung"»steht noch aus, sie dürfte auch etwas schwerer fallen. Denn jedermann weiß, daß die Kom- munisten ebenso wie die„Vaterländischen" im o r g a n i s a- torischen Zerfall begriffen sind und nur durch bomba- stische Erklärungen und durch Radau noch einigermaßen Auf- merksamkeit auf sich ziehen können. Berlin ist, das dürften auch der„Stahlhelm" und feine zahlungskräftigen Gönner wissen, in erdrückender Mehrheit republika- n i s ch. Daran wird weder ein„Rot Front" noch ein„Front Heil" etwas ändern. Die Sozialdemokratie lehnt es ab.das demokratische Recht auf die Straße einseitig für die Kommunisten zu reservieren. Sie denkt an die jämmerlichen Umzüge der Nationalisten für die Fürstenmillionen, sie weiß, daß auch der Stahlhelmspuk wie jene im Gelächter der Berliner untergegangen wäre. Nur die KPD. mit ihren Kas- sandrarufen und deren freiwillige Helfer in den Spalten ge- wisser Boulevardblätter gaben dem Spuk eine Bedeutung, die ihm nicht zukommt. Allerdings werden sich die Republikaner von der„Rot- Front-Heil"-Brüderschaft nicht überraschen lassen. Deshalb hat das Reichsbanner Alarmbereitschaft angeordnet und sonst einige selbstoerständliche Sicherungsmaßnahmen ge- troffen. Damit hat das Reichsbanner allerdings in ein Wespennest gegriffen. Die ganze deutschnationale Presse fällt nun.über das Reichsbanner, den republikanischen Bund her und fordert den Innenminister auf, die Alarmbereitschaft des Reichsbanners zu verbieten! So enthüllen sie ihre geheimen Absichten mehr, als die kommunistischen Retlamechefs das konnten. Sie wissen, daß ihre Posaunen an den republikanischen Mauern von Berlin zer- schellen werden, bevor sie zum Tönen kamen. Aber sie sollen sich ruhig, um mit der„Deutschen Tageszeitung" zu reden, von der preußischen Polizei„unter strenger Bewachung durch Berlin" führen lassen. Sie werden das Reichs- banner nicht provozieren, aber auch nicht«inschüchtern können. Und hinter dem Reichsbanner steht die große fozialdemokra- tische Arbeiterschaft Berlins, die sich weder durch Seldtx noch durch Pieck.irreführen läßt. Sic demonstriert am 1. Mai gegen Faschismus und für republikanische Freiheit! Das Gnüe üer Mologakonzession. Wie gemeldet wird, hat sich die russische Regierung entschlossen, die Mologakonzession zurückzunehmen und das Unternehmen in russischer Regie fortzuführen. Die llebernahme soll zum 15. April rückwirkend erfolgen, so daß die bis zum 1. Mai verlängerten russischen Mologawechsel nicht gezahlt zu werden brauchen. Die Vermögenswerte der Mologa sollen erheblich größer sein als die russischen Forderungen, die sich auf 12K Millionen Mark belaufen. Der diesen Betrag übersteigende Vermögenswert soll an die deutsch« Mologa A.-G. überwiesen werden, die liquidiert wird. Neben diesen berühmten heißen Quellen gibt es noch eine große An- zahl anderer, die sich in der Nähe von Reykjavik befinden mit einer Temperatur von über 100. Grad. Ein gewaltiger technischer Plan ist von dem Minister Thorlakson ausgearbeitet worden, um diese heißen Quellen durch Röhren in die Stadt Reykjavik zu leiten und auf diese Weise eine natürliche Zentralheizung zu schaffen. Die Quellen liefern Im Jahr ungefähr 10 Milliarden Liter Heihwasscr. Während der 6— �stündigen Ueberführungsdauer wird sich das Wasser voraussichtlich um 20 Grad abkühlen, so daß es immer noch heiß genug ist, um auch während sehr kalter Tage in besonders kalten Wintern eine genügende Heizung zu ermöglichen. Von größter Bedeutung wird diese Anlage auch für die Verpflegung der Be- wohner werden, denn es können durch die heißen Röhren gewaltige Gewächshäuser geheizt werden, in denen es möglich sein wird, das bisher fehlende Gemüse auf diesem unfruchtbaren Lande zu erzeugen. und zwar in Massen und zu sehr billigen Preisen, denn die Heizung für die Gewächshäuser ist ja völlig kostenlos. Die Kosten der Hei- zung werden nämlich bereits vollständig von der Bevölkerung ge- tragen, die durch diese Art der Heizung billiger ihre Stuben war», erhält, als es jemals durch Kohlen und Holz geschehen könnte. Das Frieden sgelübde der Kopfjäger. Die Häuptlinge der Raga- stamme in Rord-Birma. die als Kopfjäger berüchtigt sind, haben sich vor den Mitgliedern der britischen Antisklavereünission ringe- funden und ein feierliches Gelübde abgelegt, daß sie die Kopsjagden und Menschenopfer aufgeben wollen. Diese Stämme, die Schlangen als ihre höchste Gottheit verehren, glauben die Wut der göttlichen Tiere nur dadurch besänftigen zu können, daß st- ihnen die Schädel von Menschen darbringen. Es ist gewiß ein Zeichen der fort- schreitenden Zioilisation, wenn die Führer dieser primitiven Wilden letzt ihren guten Willen so feierlich bezeigen. Die merkwürdige Ber- sammlung wurde von einer Expedition einberufen, die unter der Leitung von T. P. Dewar in diesem unwegsamen und noch uner- forschten Gebiet bis tief ins Innere vorgedrungen ist, um das Ende der Sklaverei und Kopfjägerei herbeizuführen. Bon Shibwiyang im Kaschingebiet drangen sie, vielfach durch Regen und Gewitter ge- hemmt, über ein« vom Urwald bedeckte Gebirgskette zum Namyung- Kha-Fluh vor und beriefen die Häuptlinge nach einer größeren Ansiedlung von 20 Häusern, Ngalang Sa, zusammen. Drei Tag- lang kamen die Häuptlinge aus der Umgebung zusammen, Haupt- sächlich auf Beranlassung eines Nagahäuptlings, den die Mission schon früher für sich gewonnen hatte. Dieser hatte einen Fall der Blutrache schon vorher auf friedliche Weise beigelegt und damit ge- zeigt, daß man auch ohne ewiges Morden in den einzelnen Familien auskommen kann. Dieser Häuptling La Ring ist sehr einflußreich, und seinem Wirten war es hauptsächlich zuzuschreiben, daß die Führer der Kopfjäger gelobten, allen ihren Einfluß«inzusetzen, um weitere Menschenopfer zu oerhindern. Haas Reimaua veranstaltet auf Einladuna der BolkSbühneE V noch einen»weiten Vorlese.«bend i» diesem Jahre. Der?lbend sindel am Montag, dem Z. Mai. abend? 8 Ubr. im Bürgersaal des Bat- Kaufes, Eingang König tlrahe, statt und betitelt sich.sächsische Orgien". harten zum Preise von 1 Mk. in den GeschästSstellen der Polksbühne, an den Tietz'schen Theaterlasse» usw. die einheitliche Putschaktion. Wiking. Olympia und die anderen Gehcimbündc. E. K. Leipzig, 27. April(Eigener Drahtbericht.) Nach Schluß der Beweisaufnahme hat der Staatsgerichtshof noch zwei sehr merk- würdige Beschlüsse gefaßt, nämlich einmal den Zeugen K ä s e h a g e nicht zu vereidigen und zweitens als wahr zu unter/tellen, daß Olympia im Jahre 7925(im Gegensatz zu 1924) keine Waffen besessen habe. Der Sinn dieser Beschlüsse ist zweideutig, bestimmte Vor- aussagen über das Urteil lassen sie nicht zu.. Warum die öünöe verboten werben mußten. Di« Nachmittagssitzung beginnt mit den Plädoyers. In aus- gezeichneten, juristisch präzisen und klar verständlichen Ausführungen legt Ministerialrat Schönuer dar, worauf es hier eigentlich an- kommt: nach§ 14 in Verbindung mit Z 7 Ziffer 4 des Republik- schutzgesetzes kann verboten werden: eine geheime oder ftaats- rechtliche Verbindung, zu deren Zwecken es gehört, die ver- fassungsmäßige republikanische Staatsform zu untergraben. Es muß also der Beweis darum geführt werden, daß der Wiking entweder geheim oder staatsfeindlich ist. Es genügt, daß eins von beiden bewiesen wird, wenn auch die preußische Regierung beides zu beweisen gedenkt. Geheim ist«in« Organisation nach 8 128 StGB, entweder, wenn ihr Dasein, ihre Verfassung oder ihr Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden soll, oder ober, wenn den Führern unbedingter Gehorsam gelobt wird. Auch hier genügt ein Beweis, um die Verbindung zu einer geheimen zu stempeln, es sollen aber auch hier beide Betveise ge- führt werden.— S t a a t s f e i n d l i ch ist nach§ 129 StGB, eine Organisation, zu deren Zwecken es gehört, die Vollziehung von Gesetzen durch ungesetzliche Mittel zu verhindern. Zu den hier gemeinten Gesetzen gehört auch als oberstes Gesetz die Reichsverfassung. J)abm wir also bewiesen," fährt Ministerialrat Schönner fort,„daß der Wiking geheim oder staatsfeindlich war, so brauchen wir nur noch dazu zu beweisen, daß es zu seinen Zwecken gehörte, die republikanische Staatsform zu untergraben. Nach der eigenen Definition des Staatsgerichtshofes genügt hierzu„jede Tätigkeit von längerer Dauer, die sich gegen die Verfassung richtet". Daß ungesetzlich e M i t t e l angewandt werden, ist dabei nicht erforderlich. Mit dieser Darlegung hat Ministerialrat Schönner den funda- mentale« juristischen Irrtum aufgedeckt, auf dem der Be- schluh des kleinen Senats beruhte. Diese? Beschluß verlangte nämlich (im Gegensatz zum Urteil des Staatsgerichtshofes in Sachen der O. C.), daß eine Untergrabung der Verfassung mit ungesetz- lichen Mitteln nachgewiesen werden müßte.— Im übrigen will aber die preußische Regierung auch beweisen, daß der Wiking über den Tatbestand des Gesetzes hinaus auch tatsächlich den Sturz der Verfassung mit gewaltsamen Mitteln angestrebt hat. Wiking, G.£. und örigaöe Ehrhardt. Regierungsrat Zonich erhall sodann das Wort, um besonders den Charakter des Wiking als Geheimbund nachzuweisen. Er geht von der Entstehungsgeschichte des Wiking aus. Der Wiking ist eine Forsetzpog der 0. C. und diese eine Fortsetzung der ausgelösten Marinebrigade Ehrhardt. Er beweist das an Hand einer ..CILÜM.Reihe ppn Dokumenten und der Aussage des Referendars Friedrich. Die verschiedenen Namen sind nur eine Anpassung an die jeweiligen Verhältnisse. Die führenden Persönlichkeiten(Ehrhardt, Killinger, Kautter) und die Ziel« sind aber stets die gleichen ge- blieben. Daß die 0. E. gegen das Republikschuhgefeh verstoßen hat, ist durch das Urteil des Staalsgerichlshoss in Sachen Hossmann und Genossen(O. E.) festgestellt. Man hat nur danials angenommen, daß beim Inkrafttreten des Rcpublikschutzgesetz die O. C. faktisch nicht mehr e x i st i c r t habe. Durch die jetzige Verhandlung, namentlich durch das Zeugnis des Referendars Friedrich, ist diese Ansicht als Irrtum erwiesen. Die O. E. hat sortbestanden und ist dann in den Wiking übergeleitet worden. Der Grund ist völlig klar: Nachdem Rathenau und Erz- berger von Mitgliedern der O. C. ermordet und die Existenz der O. C. den Behörden bekannt geworden war, konnte die Organisation unter diesem Namen nicht mehr fortgeleitet werden. Als Deck- mantel schuf man den Wiking. Aber es steht fest, daß lange Zeit noch für den Wiking im internen Gebrauch der Name O. C. ge- bräuchlich war.(Vergleiche Fememordprozeß Wilms.)�— Brigade Ehrhardt, O. C. und Wiking bilden also eine einheitliche Bewegung, deren verfassungsfeindlicher Charakter erwiesen wird durch ihre Beteiligung am K a p p- P u t s ch 1920, am Hitler- Putsch 1923, und die nur die Wachsamkeit der preußischen Re- gierung verhinderten Versuche von 192Ü. hinzu kommt, daß die Raihenau- und Erzberger-Mörder Schulz. Tillesscn, Fischer, Kern. Tcchow usw. sämtlich Mitglieder der O. C. waren. Jetzt versuche Ehrhardt den Eindruck einer geistigen Um- st e l l u n g hervorzurufen. Mit dieser Behauptung kann er aus den keinen Eindruck machen, der die Geschichte der Bewegung und das Material kennt. In allen Verlautbarungen Ehrhardt«, auch in den jüngsten, wird die gesetzmäßige Betätigung bei Wahlen usw. immer nur als Provisorium aufgestellt, weil zu anderen Taten die nationale Bewegung augenblicklich� zu schwach sei. Daher die Worte:„U m- gehungsmanöver", von allen Uebeln das kleinste wühlen, ..wir müssen das Parlament erobern oder beseitigen usw." Ehrhardt verdient aber auch persönlich keinen Glauben. Er hat 1926, um seine Amnestierung zu erwirken, an eine hochstehende Persönlichkeit geschrieben, er(Ehrhardt) stehe dem Bund Wiking nah« und dieser Bund Wiking hätte keine Beziehungen zu anderen Organisationen. Zn Wirklichkeit war aber Ehrhardt der diktatorische Leiter de» Wiking und die anderen vaterländischen verbände hotten sich ihm. unterstellt. (Hier hat Ehrhardt also systematische Derschleierungstaktik getrieben. An der noch viel drofterischen Meineidsaffäre Ehrhardts und der Prinzessin Hohenlohe geht der'preußische Vertreter vorüber.) Sodann zählt Regierungsrat Janich noch einmal die Fülle des Materials auf, aus dem die militärische Betätigung des Wiking, die systematische Geheimhaltung und die unbedingte Gehorsams- Pflicht hervorgeht. Mit Recht ruft er aus:„Waren das Entgleifun- gen einzelner Ortsgruppen, so hat der Bund Wiking nur aus ent- gleisten Ortsgruppen bestanden, denn wo auch die preußische Regierung gesucht hat, hat sie derartiges Material ge- funden." Auch die P, licht des unbedingten Gehorsams ist durch zahllos« Urkunden erwiesen, auch der Zeug« Referendar Friedrich Die überflWge Portoerhöhung. Die Post hat reichliche Ueberschttsse.— Steigender Postverkehr.— Wirtschafts- feindlicher Fiskalismus. Die angekündigte Erhöhung des Brief- und Paket- portos hat in stürmische Proteste die wirtschaftlichen Verbände ausgelöst. Prüft man die von der Post für diese so einschneidend« Maßnahmen angegebenen Gründe, so fallen sie in nichts zusammen. Das gilt zunächst für die Behauptung, die allgemeine Wirt- s ch a f t s l a g e sei bisher der Post abträglich gewesen. Schon für den November vorigen Jahres konnte das Statistische Reichsamt feststellen, daß, abgesehen von leichten Schwankungen, während der Sommermonate, der Postverkehr im. Verlaus des Jahres 1926 eine ständige Steigerung aufwies, so daß der Briefverkehr des November den des Januar um 27,8 Proz. übertraf. Januar und Februar 1927 zeigten gegenüber dem November 1926 eine weitere Steigerung, so daß die Zahl der auf- gelieferten Vriefsendungen. die sich im Januar 1926 auf 24,68 Mit- lionen Stück belief, im Januar 1927 die Höhe von 22,88 Millionen, im Februar von 33,16 Millionen Stück erreichte. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich also in diesem Zahr eine Steigerung de» Briefverkehrs von mehr als 30 Proz. Ein entsprechendes Bild zeigen die Zahlen für Pakete, Zahl- karten ufw. und Telegramme, die sich aus der folgenden Tabelle ergeben: Jan. 26 Jan.27 Febr.2g Febr.27 Nufgeliererte Pakete(in 1v00Stck.) 16 817 20 349 18 000 21740 Eingezahlte Zahlkarten und Poftanweiinngen(in Mill. Rm.). 1423 1 622 1303 1467 Telegramme(in 1000 Stck.) 2 483 2 7ö6 2 378 2 670 Angesichts dieser Entwicklung ist es unverständlich, wenn die Post jetzt den Versuch macht, diese stark« Verkehrssteigerung ab- zuleugnen, die in Wahrheit«inen Rekord seit Bestehen der deutschen Reichspost erreicht haben dürfte. Zn diesem Augenblick muh eine Portoerhöhung völlig unbegründet erscheinen, es sei denn, daß man sich von den unsinnigen Argumenten über- zeugen läßt, die der„sachverständige"' Berichterstatter des Reichs- tags, der deutschnationale Abgeordnete Geheimrat Q u a a tz, vor- gebracht hat, um eine Notlage der Post zu beweisen. Geheimrat Ouaatz, das Klageweib unter den deutschen Wirtschaftspolitikern, wies daraus hin, daß der Betriebsüberschuß der„notleidenden" Post nicht die gleiche Höhe von 20 bis 23 Proz. erreiche, der bei der Reichsbahn seftzustelle» fei. Ouaatz vergaß dabei, daß die Reichs- bahn in fünf Jahren ihr Kapital einmal, die Post dagegen mehr als viermal umsetzt. Will die Post also einen Verhältnis- mäßig gleich hohen Betriebsüberschuß erzielen wie die Reichsbahn, so bedarf sie dazu nur eines Gewinns von 6 Proz. ihres Umsatzes. Leider ist«ine genau« Nachweisung dieses Ueberschusses nicht möglich, da die Post aus bisher unbekannt gebliebenen Gründen seit Dezember 1926 es unterlassen hat, ihre Ausgaben ge- gliedert bekanntzugeben. Daher weiß-man nicht, wie groß der Anteil der Aufwendungen für werbende Anlagen in den Monaten Dezember 1926 bis Februar 1927 an den Gesamtausgaben gewesen ist. Für die ersten acht Monate des Betriebsjahres 1926�27 erreichten die monatlichen Anlageausgaben der Reichspost die Durchschniltshöhe von 9,8 Millionen Mark. Legt man diesen Betrag auch für die Monate Dezember 1926 bis Fehruar 1927 zu- gründe, so ergibt sich für die ersten elf Monate des Geschäftsjahres 1926/27 das folgende Bild der Betriebsrechnung: VetriefiSeinnabmen.. 1562 Mill. M. Betriebsausgaben... 1420 Mill M. Ueberfchuß.. 133 Mill. M. Der wirkliche Ueberfchuß dürfte also im Zahre 1926/27 die höhe von 146 Millionen Mark überschritten haben, während in den Reichshaushaltsplan nur 70 Millionen Mark eingesetzt waren. Der Ueberfchuß der Post ist also größer als not- wendig und wird obendrein im Jahre 1927/28 noch durch die Mehr. einnahmen aus der Reform der Fernsprechgebühren und durch die starke Verkehrssteigerung gegenüber dem Vorjahre erhöht werden. Für die Postfinanzen ist demnach die Portoerhöhung gänzlich ungerechtfertigt. Das wird jedoch noch deutlicher, wenn man die Ergebnisse der ersten beiden Monate dieses Jahres mit denen des Vorjahres oergleicht. Es betrugen(in Millionen Mark): Jan. 1926 Jan. 1927 Febr. 1926 Febr 1927 Einnahmen.. 148,2 159,7 122.7 134,6 Ausgaben.. 144_ 136,5 139,9 129 9 Uebersckuß.. 4,2 23,2— 4,7 Zuschuß...—— 17,2— Nach den Angaben des Statistischen Reichsamts betrugen die gesamten Einnahmen der Post im vergangenen Jahre 1713,5 Millionen Mark. Auf die Monate Januar und Februar entfielen also insgesamt 15V Proz. der Posteinnahmen. Nimmt man an, daß auch im"Jahre 1927 die Einnahmen dieser beiden Monate in dem gleichen Verhältnis zu dem Gesamtergebnis stehen werden, so ergibt sich rechnerisch für 1927, ohne die geplante Portoerhöhung, bereits eine voraussichtliche Gesamteinnahme von rund 1863 Millionen Mark, also ein Mehr von rund 150 Millionen Mark gegenüber dem Vorjahr. zu dem noch der Mehrertrag aus der Telephorrreform hinzukommt. Grob gerechnet besteht also alle Aussicht, daß im Geschäftsjahr 1927/28 der Betriebsüberschuß der Post sich auf rund 300 Millionen Mark belaufen wird, von denen das Reich für seine Zwecke nur 70 Millionen in Anspruch nimmt, so daß der Post für Neuanlagcn 230 Millionen bleiben würden. Bedenkt man, daß die Post zur Erzielung eines dem lieber- fchuß der Reichsbahn entsprechenden Gewilin 6 Proz. auf ihren Umsatz verdienen müßte, so erscheinen ihre Gewinne ungewöhnlich groß. Die 140 Millionen Ueberfchuß von 1926 entsprechen mehr als 8 Proz. des Po st Umsatzes, und die voraussichtlichen 300 Millionen von 1927 sind über 16 Proz. ihres voraussichtlichen Umsatzes. Der Gewinn der Post erreicht also schon beim heutigen Gebührensystem eine außerordentliche höhe. Die Notwendigkeit einer Portoerhöhung kann also weder mit der Verkehr sentwicklung, noch mit der Finanzlage der Reichspost begründet werden. Viel eher scheint die Post mit ihrer Gebührenpolitik schon letzt stille Reserven für den Reichsetat des Jahres 1928/29 zu schaffen. Der Finanzminifter Dr. Köhler ist wahrscheinlich der eigentliche Vater der Portoer- höhung, der Postminister nur. sei» ausführendes Organ. Die Porto- erhöhung ist als eine Erhöhung der Lost an indirekten Steuern zu betrachten, die schon jetzt ungeheuerliche Ausmaße angenommen hat und deren wahre höhe im Reichshaushalksplan 1927/23 künstlich verschleiert wurde. Der Plan der Portoerhöhung entspringt einem Fiskalismus, der zu einer Steigerung der Generolunkosten der ganzen deutschen Wirtschaft mit allen ihren Folgen für Pro- duktion und Konsum führen muß. hat sich zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet gefühlt. Der Wiking ist also eine Geheimverbindung gemäß Z 128 StGB. Rechtsanwall Martin, als Anwalt der preußischen Regierung. beginnt mit dem Nachweis, daß für die Bestätigung des Verbotes nur eine absolute Mehrheit, keine qualifizierte Zweidrittcl- mehkheit notwendig ist. Dann zog der Rechtsanwalt«ine Parallele zwischen den: italienischen Faschismus und der Ehrhardt-Bewegung. die frappante Aehnlichkeit miteinander aufwiesen. Das. Wesen des Faschismus ist dasselbe wie bei der völkischen Bewegung. Beide Hab« als Ziel die völkische Diktatur. Ehrhardt hoffte mit seinem Aufruf zur Einhell in der vaterländischen Bewegung auf ein Zluf- gebot von 200 000 bis 300 000 Mann, und wenn er dann mit ihnen das Abenteuer, nämlich den Marsch von D ö b e r i tz nach Berlin wiederholt«, dann, so denkt Ehrhardt, wird sich ja zeigen, ob die Reichswehr auf uns schießen wird. Ich glaube, wenn 200 bis 300 Träger des Eour le Möritc und zehn Inhaber des goldenen Verwundetenabzeichens dabei mitmarschieren, dann wird es sehr fraglich sein, ab ein Reichswehrossizier den Mut haben wird,„F e u e r" zu kommandieren. Man Hab« sich bemüht v. H i n d c n b u r g. davon zu über- zeugen, daß ihm die Reichsverfassung gestatte, die nationale Diktatur zu errichten. Die Absicht der Verbände sei es nicht gewesen, für einen Kommunisten-Putsch bereit zu stehen, denn dafür hätten Reichswehr und Polizei genügt, sondern man wollte zur Unlerslühung der Reichswehr bereit fein, wenn sich der große Kamps um die Verfassung entspann, wenn die gesamte Arbeiterschaft zur Wiederherstellung der Verfassung ausstehen würde. „Wiking" und„Olympia" sind die Organisationen derjenigen ge- wesen, die den Staatsstreich vorbereiteten. Clah und Genossen tonnten ohne sie ihr Ziel nicht erreichen. Dieselbe Frage hat beim Hitler-Putsch bei Kohr, Lossow und Sciffer eine Rolle ge- spielt. Der Staatsgerichtshof wird sich ein großes Verdienst um unser össentliches Leben erwerben, wenn er feststellt, daß es aufgelegter Schwindel ist, wenn man behauptet, der Reichs- Präsident dürfe mit dem Zlrtikel 48 die Verfassung auf- heben. Er darf sie nur schützen. Und wenn der Staatsgerichlshof die Entscheidung trifft, daß„Wiking" und„Olympia" als ftaats- feindliche Verbindungen zu verbieten sind, dann wird er sich ein noch größeres Verdienst erwerben, denn er wird vor aller Welt feststellen, daß derartige Untergrabungen der Verfassung von einer starken Staatsgewalt nicht geduldet werden, und daß es rechtens in Deutsch- land ist, wenn solche Verbände verboten werden. Nach einer kurzen Pause ergriff noch-einmal Ministerialrat Schönner das Wort, um sich mit dem Fall„Olympia" zu beschästtgen. Er führte u. a. aus: Es bleibt alles beim Allen, ob Brigade Ehr- Hardt, ob die OC. unseligen Andenkens, die Deutschland mit den Morden anErzberger und Rathenau schweres Weh zu- gefügt hat, oder ob der Bund„Winking", diese Ueberzeugung wird auch nicht erschüttert durch die Person des Kapitän Ehrhardt. Ich nehme nicht an, daß er sich grundlegend geändert hat. 1921 hat er erklärt, er werde niemals mehr einen Putsch machen, trotzdem aber stand er 1923 auf Lossows Befehl zum Marsch nach Berlin bereit. Daß dieser Marsch nicht erfolgt ist, das ist nicht Ehrhardts \. Verdienst, sondern lag an den Verhältnissen in München. Die Lage in München hat sein Gesellenstück gemacht. Wehe Deutschland, wenn Ehrhardt sein Meisterstück macht. Das zu verhindern, dazu soll der Spruch des Staatsgerichtshoss bei- tragen Vidcant consuies, nc quid detrirnenti res publica capiat. Wegen der vorgerückten Stunde brach der Vorsitzende dann die Verhandlung ab. Die Verhandlung wurde aus Freitag vormittag 95-5 Uhr vertagt. Demnach ist das Urteil für Freitag nachmittag zu erwarte». Mißbrauch ftuöentischer Selbstverwaltung. Veruntreuungen bei der Deutschen Studentenschaft. Kaum hat sich die Oefsentlichkeit über die verschiedenen Unter- schlagungen beruhigt, die infolge der einseitigen völkischen Partei- Wirtschaft in der studentischen Selbstverwaltung eingerissen waren, da wird ein neuer Fall bekannt, der bisher dementiert, nunmehr aktenkundig bewiesen vorliegt. Es handelt sich daruin, daß die für die sogenannte G e f a l l e n e n g e d e n t st i s tu n g von den Studenten zwangsweise erhobenen Gelder beim Vorstand der Deutschen Studentenschaft nicht ordnungsmäßig verwaltet worden find, sondern für andere Zwecke, wahrscheinlich für den politisch- völkischen Kampf ihre Verwendung gefunden haben. Eine plötzliche Revision durch die Berliner Kriminalpolizei hat nämlich ergeben, daß bei dem Vorstand der Deutschen Studenten- schaft ein Sonderkonto sür die Gefallenengedenkstistung nicht ein- gerichtet worden war. sondern daß die eingelaufenen Gelder in eine gemeinsame Kasse geslossen sind. Für die Gefallenen- gedenkstistung waren für den Stiftungszwcck, nämlich die Unter- stützung des Auslandsstudiums, 37 000 M. eingegangen, von denen etwa 20 000 M. durch Wxrlpapiere, etwa 7000 M. durch ein Bar- guthaben, etwa 4800 M. durch Guthaben auf Postscheckkonto und 6748 M. durch einen am Vortage der Untersuchung vom Deutschen Hochschulring(der völkischen Studentenorganisä- tion) ausge st eilten Scheck' gedeckt gewesen siitd. Es dürste einleuchten, daß die Ausstellung dieses Schecks im letzten Augenblick nur ein Verschleierungsmanöver darstellt. Es wäre zu wünschen, daß in diese dunkle Afsäre möglichst bald Licht gebracht wird. öelgische fiusweisungspraxis. Protest der Sozialisten. Brüssel, 27. April.(Eig. Drahtber.) In der Interpellationsdebatte über Ausweisungen ausländischer Kommuni st en und Antifaschisten bekämpften die sozialistischen Redner die Hallung des Iustizministers, der Einslüstcrungen italienischer Agenten folge. Der Justizminister antwortete, Ausweisungen wegen poli- tischer Gründe kämen nur in seltenen Ausnahmefällen vor, und nur, wenn Ausländer aufreizende Agitation betrieben oder fremde Regierungen öffentlich angriffen. Abg. Genosse Sommcrhousen klagte über grundlose Ausweisung mehrerer Deutscher aus Eupen.Mvlm.edy und legte einen Antrag vor, der jordert, daß jedem Ausländer vor seiner Zlusweisung Gelegenheit gegeben werde, sich zu verteidigen. Um den Schiedsspruch km Ruhrbergbau. Die Arbeiter nehmen an. die Unternehmer lehnen ab. Lochum. 27. April.(Eigener Drahlberichl.) Die vier Berg- arbeilerverbönde haben den Lohnschledsspruch angenommen und beim Reichsarbeilsminisierium verbindlichkeitser- k l ä r n n g beanlragt. Essen, 27. April.(WTL.) Der Zechenverband Hai den vom Schlichler gestern gefälllen Lohnschledsspruch abgelehnt. Diese Ablehnung wird niemanden überraschen. Es ist eine alte, reichlich abgebrauchte Politik der Zechenbesitzer, nicht nur in direkten Verhandlungen jedes Zugeständnis abzulehnen, sondern auch jeden Schiedsspruch abzulehnen, der den Bergarbeitern Zu- geständnisse macht. Den Zcchenbesitzern geht es glänzend. Den überarbeiteten, immer noch schlecht bezahlten Bergarbeitern sollen aber Teuerung und Mietsteigerung nicht abgegolten werden. Das ist die Moral der Zechenbesitzer. Die Lohnregelung bei der Straßenbahn. Auch hier 3 und 3 Pfennige. Mittwoch vormittag wurden die Verhandlungen mit der Straßenbahn über den Neuabschluß des Lohnabkommens fortgesetzt. Noch längeren Auseinandersetzungen kam es schließlich zu einer Vereinbarung, die eine Lohnerhöhung ab 1. April u m 5 Pf. und ab 1. Oktober bis 31. März 1928 um weitere 3 Pf. vorsieht. Die A k k o r d b a s i s für die Werkstattarbeiter soll um die gleichen Beträge erhöht werden, desgleichen wurden einige Unebenheiten des Tqrifes beseitigt, die sich im Laufe der Zeit als Härten für einzelne Gruppen des Personals erwiesen haben. Zu diesem Verhandlungsergebnis werden die Funktionäre der Straßen- bahner am Montag Stellung nehmen. Polizeistunde und versammlungsrecht. Eine notwendige Korrektur. Wir hatten seinerzeit über das Vorgehen eines höheren Polizei- beamten berichtet, der eine Mitgliederversammlung der Berliner Ortsoerwaltung des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafäangestellten, die nach Arbeitsschluß stattfand, verhinderte. Dieses Vorgehen hat nunmehr seine Korrektur erfahren. Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Durch den Runderlaß vom 16. Oktober v. I. sind die Orts- Polizeibehörden allgemein ermächtigt worden, bei nachgewiesenem Bedürfnis für einzelne Veranstaltungen eine Verlängerung der Polizeistunde zuzulassen. Der preußische Minister des Innern spricht in einem neuen Runderlaß die Erwartung aus, daß von dieser Ermächtigung bei Anträgen der Arbeitnehmer im Gast- wirtsgewerbe auf Verlängerung der Polizeistunde für Berufs- Versammlungen in wohlwollendem Sinne Gebrauch ge- macht wird. Je nach dem Bedürfnis ist die Polizeistunde durch die Ortspolizeibehörde zu verlängern oder ganz aufzuheben. Von der Erhebung einer V e r w a l t u n g s ge b ü h r für die Verlängerung der Polizeistunde ist in Fällen dieser Art wie bisher abzusehen. ver Konflikt in der oflsächflsthen Textilindustrie. Verhandlungeu am Moalag im Reichsarbeitsministerium. Zittau, 27. April.(MTB.) Der Reichsarbeitsminister hat in der Rahmentarisstreitigkeit der ostsächsischen Textilindustrie die Parteien für Montag, den 2. Mai, zu einer Einigungsverhandlung nach Berlin geladen. Schiedsspruch für die Kartonnagenkndustrke. Lohnerhöhung um 6 und 2 Pfennige. Für die Aartonnagenindustrie wurde ein Schieds- spruch gefällt, der in der Lohnklasse I eine Erhöhung des Spitzen- lohnes von 86 auf 86 Pf. für die Zeit bis zum 1. Oktober und von da ab bis zum 1. April 1928 eine weitere Erhöhung auf 88 Pf. vorsieht. Erklärungssrist bis zum 3. Mai. Samtenmternationale und IGS. Zulassung zum pariser Kongreß. Das Bureau des Internationalen Gewerkschaftsbundes war dieser Tage zu einer Sitzung zusammengetreten. Nach Besprechung mit dem Vorstand der Beamteninternationale wurde in der Vorstands- sitzung des JGB. beschlossen, die Beamteninternationale zum Pariser Kongreß zuzulassen. Ihr offizieller Anschluß an den Internationalen Gewerkschaftsbund soll auf ihrem Nürnberger Kongreß erfolgen. Lohuregelung für Geschäfts- und Joduftriehäufer. Durch Schiedsspruch des Schlichtungsausschuffes Groß-Berlin wurden die Lohnsätze der Hausange st eilten in Geschäfts- und Induftriehäuscrn ab 10. April um 5 b i s 15 Proz. erhöht. Der Schiedsspruch wurde von den Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- organisationen angenommen. Tansabzüge sind im Bureau des Deutschen Portierverbandes(Sektion VIl des Deutschen Verkehrs- bundes), Berlin W 30, Bayreuther Straße 31 und Engelufer 24/25, Zimmer 32, gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches zu haben. Vorstandswahl der Lebensmittel» und Getränkearbeiter. In der zum gestrigen Tage einberufenen Sitzung der erweiterten Ortsverwaltung des Ortsoereins Berlin des Verbandes der Lebens- mittel- und Getränkearbeiter wurde folgendes Wahlergebnis bei der Wahl des engeren Vorstandes festgestellt: Abgegeben wurden insgesamt 3736 Stimmen. Ungültig waren 24 Stimmen. Von den gültigen Stimmen erhielt die Liste H o- da p p(Richtung Amsterdam) 1853 Stimmen, die Liste Traut- m a n n.(Richtung Moskau) 1859 Stimmen. Ungefähr ein Drittel der Mitglieder hat sein Wahlrecht nicht ausgeübt. Der Hauptvor- stand, der über die Bestätigung der neugewählten Ortsoerwaltung beschließen muh, wird auch über einen eingegangenen W a h l p r o. t e st Beschluß fassen. Aus diesen Zahlen jfeht hervor, daß die In der„Roten Fahne" veröffentlichten Zahlen falsch sind. Nur der Fahrlässigkeit eines großen Teils der Mitglieder verdanken die Kommunisten die frag- würdig« Mehrheit von 6 Stimmen, die aber auch noch unter die kritische Lupe zu nehmen ist._ Internationale Arbeiterinnenkonferenz. Die Tagesordnung der Internationalen Konferenz gewerkschaft- licher Arbeiterinnen, die am 29. und 30. Juli vor dem Internatio- nalen Gewerkschaftskongreß in Paris zusammentritt, ist wie folgt zusammengesetzt worden: 1. Schutz der Arbeiterinnen. Äerichterstat- terin Genossin B u r i o u s. 2. Die gesellschaftliche Bedeutung der Frauenarbeit. Berichterftatterin Genossin Hanna. 3. Heimarbeit. Berichterstatterin Genossin D a r l e y. Gehaltserhöhung der württembergische» Angestellte» Stulkgarl, 27. April.(Eigener Drahtbericht.) Für die württemberaischen Industrieangestellten und die Angestellten des Groß- und Einzelhandels wurden durch Derein- b a r u n g vor dem Schlichtungsausschuß die Gehälter des bis- herigen Gehaltsabkommens ab 1. April 1927 um 6 Proz., ab 1. Oktober um weitere 2 Proz. erhöht. Etwa schon gewährt« Zu- lagen oder Beihilsen können angerechnet werden. Das Abkommen läuft M» 81. März 1928 mit vierwöchiger Kündigungsfrist. An de« Abkommen sind beteiligt auf der einen Seit« die Vereinigung württembergischer Arbeitgeberverbände, auf der anderen Seite die Angestelltenverbände aller Richtungen, mit Ausnahme des Deutsch- nationalen Handlungsgehilsenverbandes. Zwangsschicdsgcrichte i« Norwegen. Oslo. 27. April.(MTB.) Das Odelsthing began die Beratung der Vorlage über die Zwangsschiedsgerichtsbarkeit bei Arbeits- streitigkeiten. Der Sozialminister empfahl die Besristung des Ge» setzcs auf zwei Jahre. Die Arbeiterparteien stimmten gegen die Vorlage._ Die Differenzen im Hackepeter„Zum guten Happen", Inhaber Mewes, Hermann st raße 160, haben sich verschärft. Herrn Mewes wurde auf dem Bureau des Zentraloerbandes mitgeteilt. daß die Kellner Gustav Borwn, Kanner Straße 20 1, und Oskar K i o n t k«, Berlin, Bernauer Straße 96 IV, als Mitglieder nicht aufgenommen werden. Trotzdem haben sich beide durch Vorspiege- lungen falscher Tatsachen Mitgliedsbücher des Zentralverbandes er- schwindelt. B. wurde das Buch bereits wieder abgenommen. Kioatke verweigerte die Annahme des eingeschriebenen Brieses, worin ihm mitgeteilt wurde, daß die erschwindelte Mitgliedschaft nicht an- erkannt wird und das von ihm gezahlte Geld gegen Rückgabe des Buches zu seiner Verfügung steht. Am Sonnabend haben zwei Zentralverbändler Handzettel in der Hermannstroße oeneilt. Mewes ließ sie durch die Polizei feststellen. Einem der beiden, einem Arbeitslosen, zerriß Mewes den Ueberzieher. Der Zentralverband denkt nicht daran, sich durch Herrn Mewes Hakenkreuzler oder Gelbe als Mitglieder aufzwingen zu lasten, damit der Tarifvertrag weiter umgangen werden tonn. Zentraloerband der Hotel-, Restaurant- und Cafeangestellten, Zweigverein Groß-Berlin, Elsasser Straße 86/88 III, Freie Gewerkschaslsjugend. Hauptft �ards�ergcr$1«$! Srurpenheim Jugendheim Litauer Str"lg, Zimmer 3. Volks- tanzabcnd.— Licktenbcrg! Eruppcnheim Jugendheim Parlaue 10. Bartrag: „Nacktkultur."— Tempelhof: Jugendheim Luzeum Scrmaniastr. 4—6. Vortrag: „Gewcrkschaftskämpfe einst und letzt.— Lüdosten: Eruppenheim Reichcnberger Straße 3«(Feuerwehrhaus). Bortragsfortsetzung:„Das Betriebsrütegesetz."— Spandau: Öjruppenheim Jugendheim Lindenufer 1. Bortrag:„Soziales Wandern."— Moabit: Sruppcnheim Etädt. Jugendheim Bremer, Ecke Wiclefstroße. Bortrag:„Das Arbcitsgcrichtsgefetz."— Sefundbrunnen: Gruppenheim Not« platz: Jugendheim Turincr, Cdc Secstraße. Mädels, ein Abend für euch! Diskussionsvortrag:„Die Stellung der Frau in der Gesellschaft." Jugead-bteilun» de» BeNeidungaaibeiterverbaudc»: Jugendheim Sebastian- straße 37—38, Hof Part., Zugendvcrsammlung. Bortrag:„Gewerkschaftliche Jugendbewegung." Achtung, AEG.. Brunnen straße! Am Freitaa, 29. April, 8 Uhr, bei Gellert. Hussitenstr. 33, wichtig- Zusammenkunft aller EPD.-Geirosseii. Bollzähl'S" Besuch unbedingt ersvrderlich. Der Zraktioa«o»rsta»d. SPD..«e»-fl«u de» B«,irk»amt» Lichtenberg! Am Freitag, 2g. April, 7 Uhr, bei Wegener, Frankfurter Allee 236, Bersammlung aller SPD.» Arbeiter,.Angestellten und-Beamten. Bürgermeister Genosse Siggel spricht über„Die Zusammenarbeit der Sozialdemokraten w der kom. munalen Verwaltung." Vollzähliger Besuch wird erwartet. Parteiau». weis legitimiert. Der Fraltionsnorfiand. Berantwortlich für Politik: Victor Schilf: Wirtschaft:«.»li-gelhSfer; Dewerkschaftsbeweaung: Friede,«tzkarn: Feuilleton:*. s. Dlfcher: Lokale» und Sonstiges: Fritz«arstädt: Anzeigen: Th. Slo»«: sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts-Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buckdruckeret und Perlagsanftalt Paul Singer u Co. Berlin SW 88. Lindenstraße 3. 101)1 Hierzu 2 Beilagen.„Uni-rhalt-ng und wisse»" und..Frauen stimme".'**....' WERTHEIM Leipziger Str.(Versand�Abt) Könlgetr. Rosenthaler Str. MdrKzplatz Ausnahme-Preise Donnerstag, Freitag, Sonnabend Damenkleid Indanthren farbig. Klelder- kretonne, schöne Blumen- mtuier, Größe 42 bis 43 590 Damenkleid bedrucki. Woschkzcpo, weil. taltenrock, schwarz-weiß a. andere Musler, Gr. 42-40 9 75 Frauenkleld Voll- Volle, gededtieMusier, mit langen Aermeln Größe 44 bis SO Ißso Kinderkleid Indanthren gefärbt, zweifarbig, Lg. SO-IS, Lg. SO 3 90 (Jede weit Gr. SO Pj. mehr) Bluse gestreifter Zephir, offen and geschlossen tu tragen 225 Damen-Hut welcher Gamln, dreifarbig, aus filzsirelfen genäht 425 Damen- Strümpfe Mako oder Kunstseide 90 Pf. Damen-i Strümpfe „ Hemberg"- Waschseide In modernen Farben 2 35 */ Voll-Volle bedruckt, moderne Kletder- musier, Meter 78 Pf. Wollmusselln u. Wollkrepp bedruckt Meter 1 45 Schlüpf- Schürze /. Damen, gestreift Zephir 2 75 Damen- Handschuhe Leinen u. Schweden Imitiert, mit Manschetten 1 45 Hemd- Belnkleld fein gewirkt 75 Pf. Wäsche- Garnitur mit Stickerei u. Motiv Bernd und Beinkleid 2M) Sachthemd 4M Zu-» sammen 10m Hemdhose mit Stickerei 275 Hemdenpasse Spltzenaustührung ./ 20 Pf. Halbstore Ztomtne, mit gewebtem Töll-Fuß 95 Pf. Kaffeedecke farbig kariert_ Größe tOOXXIO 1 20 Drell- Tischtuch Größe ItoXtßO cm 1 90 Oberhemd gestreift, mit gefüiierier Brust, Kragen and Klappmanschelten 3 90 •« \ Ns. Jahrgang 1. Seilage öes Vorwärts Donnerstag, 28. �pril 1927 Die namenlose Gasse. In der Front der altersgrauen Häuser„An der Fischer- b r ü ck e"' klafft unweit vom Mühlendamm«ine Lücke. An Stelle eines hochaufgeschossenen, engbrüstigen Hauses stößt ein armseliger Schuppen seinen niedrigen Giebel gegen den Bürgersteig vor. In die verwitterte Tür des Schuppens sind Monogramme und Herzen geschnitten. Alt« Plakatreste flattern daneben, so daß man kaum die Hausnummer 6 bemerkt, die über dem Eingang zur„namen- losen Gasse" angebracht ist. Dieser öffentliche Durchgang, der auf dem anderen Ende in die Fischerstraße mündet, ist so schmal, daß man mit den Ellenbogen an den Geräteschuppen streift, in denen die noch vor 40 Iahren hier ansässigen Fischer ihre Netze auf- zubewahren pflegten. Heute lagern Leitern und wertloses Gerümpel in den langgestreckten Schuppen, die sich an die kahlen hohen Mauern des Nachbarhauses lehnen Ihnen gegenüber steigen, wie geschaffen für Filmausnahmen, zwei graue, verkommen aussehende Hinterhäuser in die Höhe. Das erste, ein einstöckiger, vornüber- geneigter Bau von grünlich-grauer Farbe, beherbergt Wohnungen von rührender Primitivität. Zu erreichen sind sie auf steilen Holz- treppen, deren Stufen jeweils eine tiefe Höhlung aufweisen. Ratten und Mäuse sind hier häufige Gäste. Das zweistöckige Haus nebenan, vor dem sich der Durchgang um ein weniges verbreitert, wirkt dagegen bedeutend vornehmer. Breitausladende Steintreppen, neben denen die Kellertüren aufgepflanzt sind, führen zu den hohen Ein- gängen. Wacklige Blumenkästen hängen hie und da vor den nüchter- ncn Fenstern. Seit nahezu hundert Iahren befindet sich hier zu «bener Erde eine Tischlerwerkstatt. Daneben eine Töpfe- rei, deren Kacheln hinter trüben Fenstern aufgestapelt sind. Seit lS18 erhellen drei Easlatcrnen den Durchgang, der von 6 Uhr früh bis 8 Uhr abends geöffnet ist. Vordem tat's eine einzige Petrolum- lampe. Sie beleuchtete nur spärlich den Winkel, der an die Töpfer- Werkstatt stößt, und wo vor 30 Jahren die Schönbornsche Bonbon- fabrik hinter einem Bretterverschlag ihre Tätigkeit entfaltete. Die großen Steinfliesen, mit denen die Mitte des Durchgangs gepflastert ist, münden endlich in das Haus Nr. 30 in der Fischerstraße. Blickt man hier auf die Häuserschlucht zurück, so taucht gerade im Aus- schnitt der Turm des neuen Stadthauses auf. Ueber der Schlucht aber schwebt die allbeherrschende Antenne. Von der Fischerstraße aus präsentiert sich der Eingang nüchterner. Die braune Tür in dem mit grauer Oelfarbe gestrichenen Haus trägt die Ueberschrist „Durchgang", die abends von einer altmodischen Hängelaterne be- leuchtet wird. Passanten gehen aus und ein, und die Zeit scheint in dieser„namenlosen Gasse" stillzustehen. Der gefällige Chauffeur. Raubüberfall auf einen Kassenboten. Derbrecherischer Leichtsinn hat den bis dahin unbescholtenen 3Sjährigen Chauffeur R. zum Raubhelfer des Zuchthäus» l e r s G u l s k i gemacht, als dieser mit einem Komplizen am 5. Februar etwa um>410 Uhr morgens auf der Wilhelmshavener Straße in Moabit den Kassenboten Friese von der Erwerbslosenstelle in der Wiclesstraße übersiel. Die beiden Räuber sind bis heute un- auffindbar: der Chauffeur R. aber, auf dessen Auto sie sich aus dem Staub« gemacht haben, wurde heute vom Schöffengericht Berlin» Mitte zu zwei Iahren Gefängnis verurteilt. Wie aber war der Chauffeur R. in die Gemeinschaft des Zuchthäuslers Gulski gekommen und warum hatte er sich bereit erklärt, ihm bei seinem Raubüberfall Beihilfe zu leisten? R. hatte eines Tages einen Herrn und dessen Dame nach dem Eierhäuschen' in Treptow zu fahren. Er durfte hier mit seinem „Kunden" eine Tasse Kaffee trinken und erhielt nach erledigter Rück- fahrt ein gutes Trinkgeld. So war es weiter nicht ver- wunderlich, daß er sich auf den Vorschlag seines Fahrgastes, ihn auch in Zukunft zu fahren, gern bereit erklärte. Und wirklich, die Fahrten wiederholten sich einige Male. Zwischen Gulski, der auch seinerseits vorgab, Schlosser zu sein, und R. entwickelte sich so etwas wie freundschaftliche Beziehungen. Als dann R. eines Tages von G. in besten Wohnung bestellt wurde, erfuhr er hier, daß dieser ver- haftet sei. Bald darauf erschien G. aber unerwartet bei R. und erzählte ihm, daß er aus dem Zuchthaus entsprungen sei. Trotzdem braiH R. seinen Verkehr mit G. nicht ab: er wies ihm auch nicht die Tür, als dieser einige Tage später ihn bat, das Auw zu einer „Sache" zur Verfügung zu stellen: die Nummer sollt« geändert werden. R. lehnte ab. Aber schon in den nächsten Tagen war G. wieder da und nun gelang es ihm, R. zum„Mitmachen" zu über- reden: er würde ihn nur an Ort und Stelle zu bringen und später fortzuschaffen haben. In der Wilhelmshavener Straße angelangt, stieg G., der noch einen zweiten Mann mitgebracht hatte, aus und R. fuhr nun ganz langsam in der Richtung, in der sich beide ent- fernt hattem Einige Augenblcke später hörte er Hilferufe und schon sprangen mit Revolvern in der Hand Gulski und sein Komplize in das Auto und fort ging es. Di« beiden Räuber hatten aber m der Zwischenzeit dem Kastenboten F. aufgelauert, der täglich um diese Zeit aus der Filiale der Dresdner Bank in einem ledernen Beutel das Geld für die Erwerbslose nfürsorge» stelle abholt«. Dem alten Mann waren eben erst zwei Leute aufgefallen, die ihn anfangs überholt hatten und dann umgekehrt waren. Da erhielt er schon einen Schlag ins Genick. Er fiel hin und nun versuchte der eine der Räuber ihm den Beutel mit den 9000 M. zu entreißen, während der andere mit dem Stiefel seinen Kopf bearbeitet«. Der alte Mann gab den Beutel nicht her: auf seine Hilferufe hatten sich im Nu Leute angesammelt: die Räuber waren gezwungen, die Flucht zu ergreifen. R. aber wurde aus Grund einer Anzeige den Behörden ausgeliefert. Der Staatsanwalt hob mit Recht in seinem Plädoyer hervor, welch gefährliches Werk- zeug das Auto beim Begehen von Verbrechen sei. Trotz der Reue, die der Angeklagte zeigte, erkannte das Gericht aus Gründen der Abschreckung auf eine zweijährige Gefängnisstrafe. Die aufmerksame Verkäuferin. Ein mißlungener„Uhrentausch". Ein dreister Ladendiebstahl wurde gestern nachmittag um 2 Uhr in dem Uhrengeschäft von Andreas Huber in der Tauentzien- ftraße 18 verübt. Hier erschien ein Mann in mittleren Jahren, der nicht übertrieben elegant gekleidet war, aber doch den Eindruck eines zahlungsfähigen Kunden machte. Er wünschte Armbanduhren zu sehen und entschied sich nach längerem Auswählen für eine, die 2100 Mark kosten sollte. Im Laufe des Gespräches erwähnte er wie beiläufig, daß er in einem Iuwelengeschäft Unter den Linden und in einem anderen in der Lützowstraße schon größere Einkäufe gemacht habe. Ohne daß der Kunde etwas davon merkte, rief man bei den genannten Firmen telephonisch an und erhielt die Bestätigung der Angaben. Somit schien alles in Ordnung zu sein. Der Käufer zog jetzt einen Brief- Umschlag aus der Tasche und versah ihn mit Namen und Adresse einer Dame, die angeblich die Empfängerin der Uhr sein sollte. Er er- klärte weiter, daß er noch>m Laufe des Mittwoch, sonst aber am Donnerstag kommen und den Kaufpreis bezahlen werde. Vor den Augen der Verkäuferin steckt« er die Uhr in den Umschlag, legte ihn auf den Tisch und verließ das Geschäft. Er hatte kaum die Tür hinter sich geschlossen, als der aufmerksamen Verkäuferin plötzlich der Verdacht aufstieg, daß sie es mit einem Schwindler zu tun gehabt hatte. Sie riß den Briefumschlag auf und fand darin— in Papier eingewickelt— einige Kupfermünzen und einige Glasscherben. Während sie mit lauten Rufen den Hausdiener alarmierte, eilte sie auf die Straße hinaus, um den Dieb zu ver- folgen. Sie sah noch, wie er auf einen fahrenden Autobus aufsprang. Ihre und des Hausdieners Haltrufe wurden w«der von den zahlreichen Pastanten noch von dem Autobusschaffner im ge- ringsten beachtet. Dem Hausdiener, der ein tüchtiger Läufer ist, gelang es, den Autobus einzuholen und aufzuspringen, aber erst an der gewohnten Haltestelle am Wittenbergplatz gab der Schaffner das Klingelzeichen. Jetzt konnte der Dieb doch einem Schupoposten übergeben werden. Auf der Reoierwache in der Bayreuther Straße wurde der Ertappte festgestellt als ein 44 Jahre alter Alexander Habrotwski aus Budapest. Er will erst kürzlich nach Berlin gekommen sein und keine feste Wohnung haben. Die gestohlene Uhr tonnte ihm wieder abgenommen werden. In den beiden anderen Geschäften hatte er nichts gestohlen. Seine Ein- täufe dort hatten wohl nur den Zweck, die Geschäftsleute sicher zu machen und ihn bei einer telephonischen Nachfrage als kreditwürdig hinzustellen. Unter den Linden und in der Lützowstraße hatte er sich die gewählten Gegenstände zurücklegen lassen und wollte sie am Donnerstag abholen._ Das Urteil im BaSdorfer Siedlungsskandal. Gestern nachmittag wurde in dem Prozeß wegen des Bas- dorfer Siedlungsskandals.der das Erweiterte Schöffen- gericht Mitte in einer Reihe von Sitzungstagen beschäftigt hatte, das Urteil gefällt. Das Schöffengericht hat die Angeklagten Kauf- leut« Marx und N e iß nur wegen Betruges gegenüber der Preußischen Staatsbank schuldig befunden, dagegen von der Anklage eines Betruges an den 75 Bas- dorfer Siedlern freisprechen müssen, wie Amts- gerichtsrat Burtert betonte, weil nicht jede unredliche Handlung rechtlich als Betrug zu fasten sei. In der Handlungsweise der An- geklagten gegenüber den Siedlern konnte nur ein Vergehen nach den Bestimmungen der Konkursordnug wegen Gläubigerbcoorzugung einerseits und Gläubigerbenachteiligung andererseits, im letzteren Falle der Siedler, nach§§ 233 und 241 des StGB, bei dem An- geklagten Reiß erblickt werden. Das Schöffengericht verurteilte MarxzuKMonaren Gefängnis und NeißzulJahr Gefängnis. In der ausführlichen Urteilsbegründung wurde ge- sagt, daß es sich um ein recht verwickeltes Bild schwieriger recht- licher und wirtschastticher Vechältnisse handele, in die schwer hinein- zuleuchten war. Gif. Das Weib, das den Mord beging. 80j Roman von Zrih Reck-ZNalleczewen. Dann freilich ist man doch schon so entkräftet vom Hunger, daß man einschläft. Und wie sonst erscheint am Morgen die alte Mary mit ihrer Schicksalsfrage, wie sonst erhält sie auch an diesem Morgen keine Antwort, wie sonst wird die kleine Eis auch an diesem dritten Hungertag während der Säube- rung ihrer Zelle herausgeführt/ Und daß an diesem Tage die Nachbarin, die kleine Peggy Straker, ihr bei der kurzen Begegnung ein blitzschnelles, ein leider unverständliches Zeichen macht, ist alles. Ja, was weiß die kleine Sif von der Dankbarkeit einer kleinen, von ihr nicht gezüchtigten Dirne, was weiß sie von der Solidarität, die alle Insassinnen dieses frommen Hauses — ob gebessert oder nicht— verbindet zu einer Gemeinschaft von Schwestern... was weiß sie, wie sehr die Signale dieser Nacht ihr eigenes Schicksal geklopft haben? Es ist zu bemerken, daß an diesem Tage, am dritten, die Angst vor dem Schmallippigen sie wieder foltert. Heute ahnt man es nur, wer sie ist... in ein paar Tagen wird man es wissen, wird aus Europa der Haftbefehl da sein, werden an diesen Armen Handschellen sitzen... Da. wie gesagt, Peggy Strakers Signale in der letzten Nacht für einen ganz anderen Verlauf gesorgt haben, so ge- schieht folgendes: als sie an diesem dritten Abend von der �alblinden und ziemlich wackligen Schwester Marguerite in oen Saal der„Gebesserten" gebracht ist. wird sie. als sich besagte Schwester zur Säuberung ihrer Z«lle entfernt hat, in einem abgründigen Deutsch angesprochen von irgendso- einer breithüftigen, resoluten Leteranerin des Hauses:„Haste was angestellt?" Schweigen, verängstigtes mißtrauisches Schweigen... „Haste was angestellt, denn mußte verdampfen.. Ja, wie und wann herauskommen aus diesem Hause? Und da, als die Frage mit einer gänzlich ratlosen rührenden Handbewcgung beantwortet wird, da geschieht es, daß die andere sie einfach am Arme nimmt, den großen gemeinsamen Schrank des Schlaffaales öffnet, und sie hineinbugsiert:„Da hältst« dich ruhig, bis die Alte durch is. Nachher machste, daß du wegkommst." Ja, was weiß die kleine Sif, weswegen, als die sowieso halbblinde Schwester Marguerite sie holen kommt, in allen oberen Etagen das elektrische Licht plötzlich nicht brennen will? Was weiß sie, wer heute an ihrer Statt die Strafzelle Nr. 4 bezieht, was weiß sie, wie gesagt, von dem Korpsgeist, der kleine Novizinnen und diese alten Routiniören verbindet Seiner einzigen, gegen Jsmael P. Hobfon und die Schwester ary gerichteten Front? a wartet sie, eingesperrt zwischen der Wäsche, den Kleidern dieser armseligen Dirnen, kann kaum atmen in dieser Enge, muß lange, lange warten, bis sie befreit wird. Mehr als elf Uhr ist es, als die Tür geöffnet wird:„Jetzt machste rasch, daß du fortkommst..." Ein Posten bei der nach dem Gange führenden Tür, im Fenster ein zweiter Posten, der nach etwaigen Passanten aus- späht... der ganze Saal der„Gebesserten" Hilst bei dieser Flucht. Eine Wäscheleine ist am Fensterkreuz befestigt, und wie man die Mittelstange des Fenstergitters entfernen kann, wissen die„Gebesserten" aus alter Praxis, und der Platz vor dem Zollkai dort unten ist um diese Stunde nun schon ganz still... „Unten bei den Schlächterbuden bleibske'ne Weile, biste siehst, daß die Luft rein ist. Nachher machste, daß du weiter- kommst.. Der Versuch einer Dankesrede.„Quatsch nich und ver- schwinde schleunigst..." Dann schindet man den Körper glücklich hindurch durch die Eisenstangen, dann ist ein leiser Signalpfiff zu hören, dann wird man zur Abfahrt ermuntert mit einem leichten Stoß. Dann ist's ja nicht allzuweit hin- unter bis auf das Pflaster, dann sieht man sich noch einmal um nach dem Hause der„Coakedoratkm of good works" und setzt über die Straße und kann sich gerade noch zur rechten Zeit, während da eben zwei Wachtleute um die Ecke biegen, verkriechen in eine der verlassenen Fleischerbuden... Appetitliche Stätten sind es nicht, die Fleischstände dieser südlichen Städte... hier, wo tagsüber die Sonne nieder- prasselt und die Luft füllt mit unbeschreiblichen Gestänken und Aasfliegen. Große Ratten, vor denen man sich doch so entsetzlich fürchtet, balgen sich um fortgeworsene Rinderdärme, und was hier dicht neben ihr so klebrig den Boden bedeckt, ist wohl eine halb eingetrocknete Blutlache, und dann sind es wieder die Schritte Unsichtbarer, die um die Bude schleichen, weiß Gott, was sie hier suchen... Nein, nicht hier bleiben... drüben, jenseits der Straße beginnt der Zollkai, beginnt das unübersehbare Feld der Eisenbahnwagen, in dem man sich leicht wird verstecken können... Ein Uhr nachts ist es schon, als sie sich hinüberschleicht. Am Tor ist ein Wächter mit schiefsitzendem Käppi eingenickt, zwei deutsche Steuerleute tragen ein Grammophon in eine der nahen Kneipen, rufen ihr ein paar deutliche, aber von Herzen kommende Worte nach. Da beginnt sie zu laufen und verschwindet zwischen den langen Reihen der Güterwagen... Ein Wagen steht da mit offener Schiebetür... es schadet nichts, daß er nach Chilesalpeter riecht: man schwingt sich auf das Trittbrett, kriecht in eine Ecke, rollt sich zusammen und ist fertig mit diesem Tage. Und jetzt erst, nachdem die Erre- gung der letzten Stunden abgeklungen ist... jetzt erst ist es Hunger, der entsetzliche Hunger, der schmerzhaft in den Ein- geweiden wühlt, ihre Träume steigert zu wütenden Halluzina- tionen: zwei Baumstämme, wie Walzen gegeneinander ge- preßt, drehen sich... splitternackt, behaart am ganzen Leib wie ein Affe steht oben der fast schon vergessene Schwager Lex, schüttet aus einer Tüte Massen von Schmetterlingen in die Walzen... greulicher Brei zerquetschter Leiber bedeckt den Boden... Aufgefahren, für drei Minuten erwacht, wieder einge- schlafen. Im Traum an der Hand geführt von einem großen, hageren Mann in hechtblauem Mantel... an der Hand ge- führt bis zu einer weiten Wiese. Riesige fleischfarbene Blu- men wachsen mit dicklichen, obszön geöffneten Blütenblättern, in einem Bachbette fließt etwas, was träge schwappt wie ge- schmolzenes Fett. Und Schläfer liegen ringsum, haben ihre Oberkleider von sich geworsen, liegen verdauend da mit ge- blähten Bäuchen und gespreizten Beinen: Männer, kreisrund beinahe vor Feistheit wie große Wanzen, schmatzend mit speckigen, im Schlafe noch geilen Gesichtern, mit riesigen Hintern, die sich wie geblähte Ballons zum Himmel strecken... „Fatalada," sagte der Mann im blauen Mantel,„du mußt „Fatalada" rufen, wenn du Hunger hast..." „Fataladal" schreit, noch im Traume, die kleine Sif, „Fatalada!" Aufgewacht von dem eigenen Geschrei und dem wüten- den Hungerschmerz der Eingeweide. Dagelegen mit offenen Augen. Dann gehen Schritte die Reihe der Wagen entlang, kommen heran, sind ganz nahe, enden auf dem Trittbrett des Wagens. Dann erscheint dort jemand, der mit schmieriger Oellampe das Innere des Wagens ableuchtet, das kleine schmutzige, vom Boden sich nicht sonderlich abhebende Sif- Bündel nicht einmal bemerkt, verschwindet, weitergeht. Schritte verhallen. (Fortsetzung folgt.) Die neue yochwassernot. Die Elbe fallt! Wenn nicht alle Anzeichen trügen, ist die l)ochwasserwell« der Clbe im Abebben, Das Elbhochwasser, das am Dienstag seinen höchsten Stand mit 4,(58 Metern am Wittenberger Vegel erreicht hatte, ist bereits um 15 Zentimeter gefallen. Da auch vom Ober. lauf des Flusses weiteres Fallen gemeldet wird, dürfte sich die Flut langsam verlaufen. Immerhin wird es noch Wochen dauern, bis die überschwemmten Ländereien wieder vom Wasier frei sind,— Im Mündungsgebiet der Havel, der Stepnitz und Karthane sowie der Löcknitz ist das Hinterland in eine end- lose weit e Wasserwüste verwandelt worden. Diele taufend Morgen Wiesen, Weiden und Ackerland stehen unter Wasier. Aus St ro dehne bei Havelberg wird berichtet, daß 6000 Morgen überflutet sind. Infolge der neuen Hochwalserkatastrophe stehen die Landwirte geradezu vor dem Nichts; das Vieh können sie unter den gegebenen Umständen nicht länger halten. Die meisten Land- wirte mußten nach der Vernichtung der vorjährigen Ernte ihr Vieh bei anderen hilfsbereiten Landwirten unterbringen. Schwere Vor- würfe werden immer wieder gegen die verantwortlichen amtlichen Stellen laut, daß sie mit der Elbe- und Havel- regulierung nicht vorwärtskommen. ZMe Schäden des Sommerhochwassers 1926. Der preußische Minister des Innern hat auf eine Kleine Anfrage der Abaeordnsten Hecken und Genossen folgende Antwort erteilt: 1. Die Schadenfeststellungen anläßlich des Sommerhochwassers 1926 sind im ganzen Staatsgebiet im wesentlichen abgeschlossen. 2. An beihilfefähigen Schäden sind festgestellt worden: Oberichlesien.......... 3 015 000 M. Niederschleiien......... 22 600 000, Grenzmark Posen-Westpreußen... 180 000, Brandenburg........•. 26 800 000, Sachsen............ 22 000 000, Hcssen.Nasiau......... 1 361 000, Hannover........... 9 850 000, lVestfalen........... 337 000, Pommern........... 2 940 000„ Insgesamt... 89 083 000 M. 3. Folgende Mittel sind bisher zur Verfügung gestellt worden: AuS Reichsmitteln........ 4 191 000 M. , StaalSmiiteln........ 15 031 000, , Provinziasmitleln...... 9 787 000, , Mitteln der Kreise und Gemeinden 7 463 000, . Mitteln deS Herrn Reichspräsidenten 130 000„ JnSgelamt>..-. 36 602 900 M, 4. Anträge auf Ueberweisung von Ergänzungszuschllssen für Schulverbände sind in den durch die Hochwasierschätzcn betroffenen Gebieten gestellt worden. Diese Anträge konnten indessen nur nach Maßgabe der bei Kap. 118 Tit. 36 des Staatshaushaltsplanes zur Verfügung stehenden, ohnehin sehr stark in Anspruch genommenen Mitteln berücksichtigt werden. 5. Zur Verhütung von Hochwassergefahren ist ein umfassen- des Regulierungs- und Deichbauprogramm auf- oestellt worden, das nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel durchgeführt wird. Dieses Programm er- streckt sich auf die in der Anfrage Nr. 1193 namentlich erwähnten Flußoebiete der Elfter und der Luppe. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Antwort des preußischen Innenministers auf«ine Kleine Anfrage einiger Land- tngsabgeordneter entnimmt, sind den durch das Hochwasser im Spreewald Geschädigten aus öffentlichen Mitteln erneut 4 5 0 0 0 0 M. gewährt worden, von denen der Staat 187 500 M. zur Verfügung gestellt hat. Der Ausbau der! D o r fl u t e r im oheren Spreewald, der den beklagten Mißständen zum größten Teil Abhilfe verschassen soll, wird durch. den hierzu verpflichteten Pro- vinzialverband demnächst erfolgen, nachdem als erst« Rate einer staatlichen Beihilfe 300 000 M. durch das vom Landtag am 4. April dieses Jahres verabschiedete Anleihegesetz zur Verfügung ge- stellt worden sind. Rettung aus Seenot. Die Rettungsstation Villau der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger meldet: Von dem kurischen Kahn..M a ri e', Kapitän V o r ch a r d. gesunken im Frischen Haff, mit Holzladung ri-m Heydekrug nach Elbing, vier Personen gerettet durch Motorrettungsboot„Hamburgs. Auf dem Stettiner Haff sind zwei Seoler im Sturm gesunken. Die Besatzungen konnten gerettet werden. Die Vesatzuna eines dieser Sealer, der Besitzer, dessen Frau und Kind, hatten sich von dem linkenden Kahn in ihren Rettungsbooten entfernt. Sie wurden nach längerer gefahrvoller Fahrt von einem zufällig vorbeikommenden Schoner aufgenommen. Der Segler war in sinkendem Zustande von einem Minensuchboot ins Schlepp genommen worden, konnte jedoch nicht mehr in den Hafen eingebracht werden. * Neun Malrosen bei Kronstadt ertrunken. Nach einer Meldung aus Leningrad kentert« bei Kronstadt während einer U e b u n g s- fahrt ein mit neun Matrosen besetztes Boot. Das Boot ging unter und sämtlich« Insassen ertranken. 5<>zriali»ti»die Arbeiterjugend Grofj-Berl'n Freie Turn crschaft Gr.-BerHn, Jugendgruppen Jungsozialislische Vereinigung der SPD. Sonnabend, den 30. April, abends 7 Uhr, Spielplciz am Frledridishain KUNDGEBUNG «Für Jugendschutz und Jugendrcdit, für den Sozialismus gegen den Faschismus 1" Anschließend Fackelzug zur Webcrwicse. « Treffpunkte der Werbebezirke s Moabit: SV, Uhr Kleiner Tiergarten.— Wedding und Re nickendon f, Uhr Brunnenplatz(Amtsgericht).— Prenzlauer 6er': 6', Uhr Danziger Straße, Ecke Schönhauser Allee(Weh'ensce 51, Uhr Antonplatz).— Friednchshain; 6'/, Uhr Helsingforser Platz(Bhf. Warschauer Brücke).— Kreuzhere: 6" 4 Uhr Marianncnplalz.— Sc' öreherir. Westen. Teltow- kanal, Oberspree, Müggelsee- 5'» Uhr Bahnhof Alexanderplatz(Ausg. Dircksen- straße).— Neukölln: 6'< Uhr Bahnhof Neukölln.— Lichtenberg; S3, Uhr Bahnhot Stralau- Rummelsburg.— Pankow: S3, Uhr Pankow, Marktplatz. t e n Hof hinab, wo es regungslos liegen blieb. Die Ver- unglllckte, die noch schwache Lebenszeichen von sich gab, wurde durch einen Wagen des Städtischen Rettungsamtes in das Urbankranken- haus gebracht, doch trat bereits auf dem Wege dorthin der Tod ein. Die Leiche wurde beschlagnahmt.— Einem bedauerlichen Unfall fiel aestern nachmittag der 66jährige Bootsverleiher Adolf H. aus der Knorrpromenade 1 zu Lichtenberg unter eigenartigen Begleitumständen zum Opfer. H., der an der Parkstraße in Steglitz am Teltowkanal einen Boots- st a n d hat, war mit dem Waschen einiger Boote beschäftigt. Er wurde von einem Herzkrampf besallen und siel ins Wasser. Obgleich sofort Hilfe zur Stelle war, fand H. den Tod. Staötratswahl im öezirk Kreuzberg. Bei der in der gestrigen Bezirksversammlung im Verwaltungs- bezirk Kreuzberg stattoefundenen Wahl eines besoldeten Stadtrats und stellvertretenden Bürgermeisters wurde unser G e"n o s s e Her- mann Schweikardt im ersten Wahlgang mit unseren Stim- inen und den Stimmen der Demokraten und des Zentrums gewählt Bei der Sladlverordnekenwahl in Trebbin war eine Wahl- beteiligung von fast 80 Proz. zu verzeichnen. Es wurden insgesamt 1869 gültige Stimmen abgegeben, davon für die S o z i a l d e m o- traten 647, für die Kommunisten 329 und für die vereinigten Bürgerlichen 893. Die Sozialdemokraten erhalten demnach fünf, die Kommunisten zwei und die Bürgerlichen acht Sitze, io daß die bürgerliche Mehrheit mit einem Mandat aufrechterhalten bleibt. In ihrer Montag-Ausgabe feiert die„Rote Fahne" den „Sieg", den die Kommunisten durch Erringung eines zweiten Sitzes davongetragen haben, während die Sozialdemokraten einen Sitz ver- loren haben sollten. Es ist aber festzustellen, daß gegenüber der Wahl im Jahre 1923 eine Verminderung der Gelamt- Mandate um drei eingetreten ist. Von den 18 Sitzen der bis- herigen Stadtverordnetenversammlung hatten unsere Genossen sechs inne; sie haben also jetzt bei fünfMandaten ebenfalls den dritten Teil, so daß von einem Verlust nicht aesprochen werden kann. Di« Kommunisten haben auf Kosten der Bürgerlichen einen Zuwachs zu verzeichnen Auf diese Stimmen aus dem Lager der Indifferenten und der verärgerten Spießbürger können die Kommu- nisten wirtlich nicht sonderlich stolz sein. Todesfturz beim»�ensterputzeu« Einen tragischen Tod fand gestern nachmittag die 2 1 j ä h r i g e Stenotypistin Elise Sch. Das junge Mädchen war in der im dritten Stockwerk gelegenen«llerlichen Wohnung mit dem Putzen der Fenster beschäftigt. Es verlor plötzlich da» Gleichgewicht und stürzte kopfüber auf den asphaltier- Dr. Wolfgang Cohn behandelte„Probleme der deutschen Arbeitszeitgesetzaebung" hauptsächlich von der wirtfchaftspolitischen Seit«, ohne nach scharf umrissenen Formulierungen zu streben. So gewann sein Vortrag erst für solche Hörer Bedeutung, die dem Stoff vertraut gegenüberstanden und aus den lose aufgezählten Angaben ein Ergebnis herauszurechnen wußten.— Ueber die Arbeiten der Enquetekommission berichtete allgemeinoerstänRich Dr. Kurt Z i- l e n z i g« r unter dem Titel„Die Untersuchung der beut« scheu Wirtschaft".— Populät wie immer diskutierte Geh. Justizrat Prof. Dr. E. H e i l s r o n eine Reihe„Rechtsfragen des Tage«!''.— W. P l ö g e r sprach am Nachmittag über die verschie- denen Maßnahmen, die zur„Hebung und Bergung von Schiffen" getroffen werden.— In dem Zyklus„Frauenfragen und Frauensorgen" gab Anny Juliane Richers Ratschläge für die Lebensführung der.Hausfrau im Nebenberus": doch kam sie über eine freundlich-bürgerliche Plauderei kaum hinaus.— Eva Helberg ist eine nette Funkprin,zessin und Märchentante, die aber noch gewinnen wurde, wenn sie be.m Bortrag ihrer unzeitgemäßen Neigung zur Naivität nicht manchmal die Zügel schießen lassen würde. Die nicht sehr bedeutenden Geschichten von Sophie Rein- h e i m e r klangen dadurch gar zu überzuckert.— Das gute musikalische Programm dieses Tages sei besonders gerühmt. Ein kllnst- lerifch wertvolles Nachmittagskonzert wurde von der Sopranistin Emmy Sikora, dem Cellisten Olwin Sandow, dem Pia- nisten Hermann Jahn-Schultz« und Bruno Seidler- W i n ck l e r trefflich bestritten. Der Abend war anspruchsloser, von der Funkkapell« Willy Weiß und Theodor Makebes flott vor- getragener Musik gewidmet. Tes. Der Morü an Sem potsüamer Kassenboten. Ter Täter entdeckt? Die Potsdamer Kriminalpolizei verhaftete am Mittwoch- vormittag den 20 Jahre alten Arbeitslosen Ewald Humbeutel unter dem Verdacht, den städtischen Kassenboten Hammer- m e i st e r ermordet zu hoben Der Verhaftete hat sich schon seit längerer Zeit in den Kreisen, in denen er verkehrt, durch Aeuße- rungen verdächtig gemacht. Er bestreitet selbstverständlich die Tat, muß allerdings die Aeußerungen zugeben, zumal seine Freunde sie bestätigt haben. Auf alle Fälle besteht der dringend« Verdacht, daß Humbeutel von der Tat weiß. Unter dem Verdacht des Mordes an Hammerstein sitzt auch ein gewisser L e r m seit einiger Zeit in Untersuchungshaft._. Reue Slraßenbahnverbindung nach dem Stadion. Die Linie 53 wird vom 28. April d. I. ab vom Reichskanzlerplatz ab wieder aus dem clten Weg zum Bahnhof Heerstraße und weiter über die Heerstraße bis zum Stadion durchgesührt. Damit ist eine zweite ständige Straßenbahnverbindung von der Stadt zum Stadion und zur Rennbahn Grunewald geschaffen und den Anwohnern des Bahn- Hofs Heerstraße die Verbindung nach dem Wittenbergplotz und dem Potsdamer Platz wiedergegeben. Das überhorte Notlianal. Sechs Arbeiter vom D-Zug überfahren. Gestern nachmittag um 3 Uhr 34 Min. fuhr der D-Zug 2 bei der Signalbrücke vor dem Bahnhos Ahlen in Westfalen in eine dort arbeitende Rotte der Gleisumboukolonne, wobei vier Arbeiter getötet und zwei leicht verletzt wurden. Das Wetter war klar. Der Lokomotivführer hat wiederholt Signole gegeben, doch konnte er den Zug nicht mehr rechtzeitig zum halten bringen. Der Vorarbeiter will ebenfalls wiederholt die Arbeiter auf das herankommen des Zuges durch Rotsignale aufmerksam gemacht haben. Die Arbeiter haben aber die Signale offenbar wegen des starken Geräusches der Stopfmaschinen und des aus dem benachbartm Gütergleis in derselben Richtung wie der D-Zug fahrenden Güterzuges 51ZS überhört. Die Ramen der Getötelen sind: Wilhelm hermening aus Dankersen bei Minden, Heinrich Bleke aus Meißen bei Minden. Wilhelm Doepking aus Dankersen und h e r m a n a R u l h o w s k y aus Hannover-Linden. Dieser Unfall sollte Veranlassung sein, über eine Verbesserung der Signalabgabe ernsthaft nachzudenken. Die Verbesserung der Arbeitsmittel, die beim Gleisbau verwendet werden, zwingt dazu, das idyllische Signalhorn durch wirksamen« Mittel zu ersetzen. Das Eisenbahnunglück von Sellinzona. Einstellung des Prozesses. Der Prozeß über die Schuldfrage an dem Eisenbahnunglück von Vellinzona vom Jahre 1924 ist nach einem Beschluß der Staats- anwaltschafi von Bellinzona nun endgültig eingestellt worden. Als die im November 1925 begonnenen Verhandlungen gegen vier Eisen- bahnangestellte nach einigen Tagen bereits abgebrochen wurden, weil die Schuld der Eisenbahnbeamten sehr zweifelhaft geworden war. dagegen die Verantwortung der Bundesbahnen für die ungenügende Anlage des Rangierbahnhofes von Bellinzona sehr deutlich zutage trat, glaubt« niemand an eine Wiederaufnahme des Prozesses. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden n»chmals Gutachten eingezogen, die den ichweiAerifchen Bundesbahnen und dem Gericht die Einstellung des Prozesses gegen die vier Eisenbahnbeamten als ratsam erscheinen ließen._ 50 0/o Fahrpreisermäßigung Swinemiinde— Pilla». Seit der vor kurzem erfolgten Wiederaufnahm« der Fahrten im Seedien st Swinemünde— Pillau und Zoppot-Neufahrwasser werden Rückfahrkarten zweiter bis vierter Klasse von Berlin, Stettin und Eberswalde über Swine- münde Seeweg nach Zoppot(Neufahrwasser), Pillau und Königs- berg(Pr.) ausgegeben. Die Gültigkeit der Fahrkarten zweiter und dritter Klasse(Eilzug) erstreckt sich von Sonnabend nachmittag 2 Uhr (Abfahrtszeit für Berlin Stettiner Bahnhof) bis Dienstag vormittag 10.14 Uhr(Ankunftszeit für Berlin Stettiner Bahnhof), während die Fahrkarten vierter Klasse von Sonnabend früh 7.30 Uhr(Abfahrtszeit für Berlin Stettiner Bahnhof) bis Dienstag nachmittag 3.05 Uhr(Ankunftszeit für Berlin Stettiner Bahnhof) gelten. Für die See st recke Swinemünde— Pillau und Swinemllnde— Zoppot(Neufahrwasser) wird eine Fahrpreiser- Mäßigung von 50 Proz. gewährt, die bei Berechnung des Preises der Rückfahrkarten berücksichtigt worden ist. Der Sliefvalsr als Mörder. Am Montagmorgen fand in Efferen bei Köln die Frau eines Arbeiters ihre 14jährige Tochter blutüberströmt mit einer Schlinge um denHchls tot im Bett auf. Der Stiefvater des Mädchens wurde ackf dem Stall- speicher gefunden und verhastet. Er will die Tat deshalb begangen haben, weil er in fortwährendem Streit mit dem Mädchen gelebt habe, durch den ihm das Familienieben unerträglich geworden sei. Reuer Zugübersall in Mexiko. In dem mexikanischen Staate Guanajuazo haben Räuber bei der Stadt L a s s o l a s abermals einen Personenzug überfallen. 12 Reisende, 1 Soldat der Begleit- Mannschaft und 1 Heizer des Zuges wurden von der Bande getötet. Iie neue kidfse. MiscKufuj-, nur aus labakm der muesfen Ernte, frisch manipultett, gibt unserer GliLD-SABA-4� köstliches Aroma, behömmlicKc- Qualität und glatten weißen Brand Otk- X?144�/ GARBÄTY Sanöit als Leiter üer Kriminalpolizei. Folterungen in Rußland. Ein Dandenführer nls Leiter der Kriminalpolizei ist wohl doch noch nicht dagewesen. In Sowjetrustland ist aber diez möglich ge- worden. So berichtet die„Prawda" vom 14. April daß die Staatsanwaltschaft soeben die Untersuchung gegen die Kriminal- palizei des Vucharaer Rayons abgeschlossen hat. bei der sich lange .?eit die unglaublichsten Dinge ereigneten. Etwa im Juli vorigen Jahres wurde nämlich als Leiter der Kriminalpolizei ein früherer Vandenführer ernannt.(Die Sowjetregierung hatte hier jahrelang mit Banden zu kämpfen, die die Einwohner ausplünderten und töteten.) Dieser eigenartige Leiter der Kriminalpolizei erwählt« zu seinen Helfern seine früheren Bandengenossen, und so entstand eine neue Bande, diesmal aber ausgerüstet mit staatlicherr» Gewalt- Mitteln. Iadgarchodschajeff— so hieß der Bandit in der Maskerade des Kriminalbeamten— verhastete nun wahllos Leute, hielt sie wochenlang fest, mißhandelt« sie aufs ärgste, schreckte selbst vor Folterungen nicht zurück So weisen manche Verneh- mungsprotokolle Blutflecken auf. Einen der Verhafteten ließ er erschießen, fünf andere wurden zu Tode ge- prügelt, zwei verloren den Verstand unter der Folter. Während seine Untergebenen die Verhasteten peinigten, spielte Jadgarchod- schajesf mit seinen Mitarbeitern Karten. Als er verhaftet wurde, fand man in seinen Folterkammern 155 Leute, von denen 51 schwere Körperverletzungen aufwiesen: einige waren un- fähig die Arme zu bewegen, andere zeigten Augenbeschädigungen. Biele von den Verhafteten wiesen psychische Störungen auf. Dieser Leiter der Kriminalpolizei hatte sechs Monate so gehaust.. Nun wird er samt seinen hohen Gönnern, die leitende Stellungen ein- nehmen, dem Gericht übergeben. Im ganzen sind es 35 Mann. Die„Vrawda" schreibt, daß dem größten Teil der Beschuldigten die Todesstrafe drohe. Zo-n Deg'nn der Bade- und Belfefalfon ist da« nach amtlichen Quellen beaibeitete Ztcichs- Bäder- Adreßbuch in dritter Auslage soeben n ich i ciien. Aus etwa 1000 Seilen tAroßguarttormat wüd Auskunft grgebcn über rund 1500 deutsche Heilbäder, Lustturorte. Sommerfritchen rind auch über viele als Reiseziele gern aufgesuchte Städte. TaS Reichs- Aädci-Adreßbuch unterrichtet über Bedeutung all dieser Orte, über ihre geographische Lage, ihr Klima, über die Sehenswürdigkeiten und Unter. ballungsilätten, über Hotels, Pensionen, VerkebrSmillel usw.. weiter über die Art der in den Bädern zu bebandelnden Krankheiten, über Kurmiltel, Knrzeit, Kuriaxe, Heilerfolge usw. Beigegeben sind dem Buch eine Reihe allgemeinverständlicher Aussätze über Bäderwesen und Gesundheitspflege. viele schöne Abbildungen aus den wichtigsten Orten und auch Karten sür Freunde deS WandernS. Der Preis des Buches ist srcilich mit 15 Mark so doch, daß nur bei gut gesülltem Geldbeutel eine Anschaffung möglich ist. MM|. MeMsW S. ZemSeNkM � x. Freitag, den 29. April, abends 7)� Uhr, finden in allen Be- zirken die INitgliedervcrsammlungen zur Wahl der Unlerbezirks- leitungen und der Delegierten zur Berliner Generaloersammlung statt. Unbedingte Pflicht aller Verbandsmitglieder ist es, pünktlich in den Versammlungen anwesend zu sein. Bezirk t! Roscnthaler Hof, Zlosciithaler?tr. 11—12.— Bezirk 2: Arminiuo- ballen, Bremer Etr. 73.— Bezirk 3: Pharussäle, Mllllcrstr. 142.— Bezirk 4: Prachtsäle am Märchenbrunnc», Friedrichshain 2S— 32.— Bezirk 5: Andreas- Fcstsäle, Andreasstr. 26.— Bezirk 6: Gcwcrkschaftshaus, Engrlufcr 24—25.— Bezirk 7: Ahlerts Festsäle, Charlotlcnburg, Berliner Str. 88.— Bezirk 8: Vcreinshaus„Palme", Spaiidau, Ritterstr. 12.— Bezirk S: Lokal Nulka, Lauen. burger Str. 21, Ecke Ilhlandstraße.— Bezirk>0: Lindenvark, Fehlendorf-Mitte, 44. O* v* K* v.„t- PI..-.1� CT. �. V.. t v. 1 O C\1„ Festsäle< früher Sllicm), H Bezirk 15: Kyffhäuser, Nicderschönewcide, Berliner Straße.— Bezirk 16: Welt- Restaurant, Hirschgarten.— Bezirk 17: Lichtenberger Vcreinshaus, Frankfurter Allee 233.— Bezirk 18: Wirtshans zum Pfcrdemarkt. Weißcnfee, Schön- straße 75—83.— Bezirk 13: Ecfcllschaftshaus Pankow, Berliner Str. 132.— Bezirk 26: Ramlows Kastanienwäldchen, Echönholz-Reinickendorf. vortrage, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner. Schwarz- Rot-Gold" Gefchäftsstelle: Berlin E 14. Sebastianstr 37/38, Hol 2 Tr Eauoorstand. Die Gaugcschäftsstelle ist während der Sommer- Monate, vom 1. Mai bis 1. Oktober, wie folgt geöffnet: Montags, Mittwochs und Donnerstags von 3—5, Dienstags und Freitags von 3—6 und Sonnabends von 3—1 Uhr.— Fricdrichshain: Bläferchor: Ucbungsstunde Fr., d. 23., 7Zi Uhr, in den Comeniusfälen. Sämtliche Bläser müssen erscheinen.— Köxenck: So., d. 33., von 6 Uhr ab im Wilhelmshof, Hirfchgartenstr. 1, Uebungs» fport. Republikaner können als Eäste teilnehmen.— Lichtenberg nebst Untergruppen: Eo., d. 33., Arbeitsdienst.. Sämtliche Kameraden müssen zwecks namentlicher Feststellung auf dem Arbeitsplatz erscheinen. Arbeitslose treffen sich 8 Uhr vormittags dortselbst. Arbeitsdienst am Sonntag fällt aus.— Wcißenfee: So., d. 33., Funktionärsitzung. Wichtige Tagesordnung. « Verein 29. April bruchstr dircktor Prof. Dr. Paul Hildcnbrandt). Sport. Rennen zu Ruhleben, am Alilkwoch, dem 27. April. 1 Rennen. 1. Möglich(F. Bahr), 2. Charade(I. MillS), S. LwiuS fM. RingiuS). Toto: I2S: 10. Platz: 57, 32, 103: 10. Ferner liefen: Eilelfried, Dina WattS, Struwelpeter, Marie Louise, Terraria, Johannis- feucr, Punier, Else B. I, Ludwig R. 2. Rennen. 1. Nvordwykas. 5. Rennen t. Ecklleui sBesitzer», 2. Morgentau(F. Brandts, 3. Goudilcr jun. iTh. Retzkis. Toto: 70: 10. Platz: 55, 2l. 27:10. lern«! liefen: Friedrich Rex. Langemann, Monzanares, Esst, Radiola, Malmö, CoriolauuS, Keiriganjun., Erika. Dolina. 6. R e n n c n 1. Willy A.(G. Jauß jun.), 2. Kapellmeister lM. RingiuS), 3, Karneoal(I. MillS). Toto: 13:10. Platz: 11, 16: 10, Ferner Uesen: Harry W., Trotleur. 7. R e n n e n. 1. Kluck sJ. MillS), 2. Ter Beste sCh MillS). 3. Ollch V. (B. Heckert). Tolo: 44: 10. Platz: 16, 13:10. Ferner lies: Tudora. 3. Rennen. 1. Propeller(Besitzer), 2. Dilemma/4 Uhr: Sünden der Welt I |Dli«ilhlUtisdn James-Kleln-Rcvuel 1 250 Mitwirkende- Theaterk.l [ ab 13 Uhr ununterbr. geöffnet.l > ERIK CHARELL BRINGT:. Alfred Brann, Camilla Spira, Bendow, Westermeier, Kupfer, venera Grones Sdianspielhaut Reichshallen-Theater Allabdl. 8U Sonrtags nachm. 3 U. Stettiner Sänger Das wundervolle Hpril-PrograniiB! Nachmittags: B a i b C Preise. Volles Programm Dönhoff• Brett'l: Danmblfiie, Varletd, Konzen u. Tsnz. D A> WOCHENENDE AUSSTELLUNO AM KAISERQAMM Mftrldsdie Heimat Verkehrspanorama/ Kunstausstellung/ Die Landsdiaft tn der Photographie/ 300 Wodicnrnd- hausmodclIe/SdiüIcrerettbeirerb Der Bedarf des Wochenendlers Wochenendhaus-Kolonie TSgl. 9 Uhr?m. bis 10 Uhr abdt. Einlaß bis 8 Uhr Eintritt 1,50 M./ Schüler 78 Pf. Alte Autohallc: BERLINER SCHNEEPALAST T ägLvon 9 Uhr vm. bis 8 Uhr abds. Ab 8,30 Uhr: Groß. Sehne esp ort- Abend- Programm/ SdmcebaUctt/ Grober Ski- und Ilodclbetxieb. Einlrill 1.50 Mm für Aaubllonsibeuchtr 1 M. ZU Iii Donnerstag, d. 28. April nachmittags 3 Uhr vllnte» Variete £wc*v gevtattd CASINO-THEATER-> unr- Pimpelhuber der Millionen-Erbe Gutschein: Faut I Mk., Sessel 1,50 Mk. Wal In er �Theater S'/t Uhr: Oer LnitspUlcrfolg; flnlfletSonncnstue neatai. Rodt. Ter tKantu»! st« Zigt 8 Q. Ztg. nachm. 8 tmm Prepimm zun .ctsdueenil NlemanUnriSumeot ■ Wo speist man' fiai n.DUUä? Nur aroBBerlinl Alexanderplaiz. 0 Pampei TT*. Mim. Fill #I�P%Ers«tzlei la nillisügra � Halilaiikc.., Pumpenfabrik Berlin N 65, Belnidiendorfer Sir. 95 IS. Eiderlettkäse 9 Pfd. M. 6,30 frko. Damplkfisefabrlh Rendsburg. (Der gute«avlISN KanlabaK��rsr" m C. Btfcker, Berlin 1 Lichtenberger Straße 22. Kgsi. 3661 Sport'Stiefel Wanderstiefel xs Bergsteiger nur in dem betonnten Dpezialge>chätt Hn«• n Bettln K A h r Spl'ke'marfl 7 • Mjail*. o. b. Brücke Zentral- Theater Täglich 8 Uhr; Der blonde Zigeuner Opinttem Kailii Kgopl. Alferraann.«lein, Hainisdi, Bant. Wüfan.«. Oslaa. "lllh TAUENTZIEN PALAS''' LUDWIG KLOPF tR 4� Ca�ß- dsslerr XemixOesni OreFo. Orrl.i/ 4o/?" »ergr. Erlol iBeuBOf! Kein Fltmi Vorverkaul lagllch ab 10 Uhr! maila-Ttieaier 8 Uhr: Der mnflne Seelanrer pfetroDoi- neu. Täglich 8 Uhr: ZirkDiprinzeisin Trlanon-Iheater Max Adalbert 8 Uhr in ZnlT.2391 1. Mii Orinffllbningl Dodo raachts Oprutt« v. Kurt Zorllg ivamaiio- neu Täglich 8'/, Uhr. Die von der Uebe leben! lpzrMt« tiian lothtt! Vorzeiger zahlt nur halbe Kassenpr. Rose-Theater 8V. Uhr Die beiden Nachliqallen Lusispielhaus lititi VorstelliDgen S'l, Uhr: l-pldt Tiiehdiei Burra-eiBJunge l2)-cirTTeri,orLdL'>Cez�cerT- I gnhnrHinP-giiJTOTii-t�Soxierisfaflfe .iAwuiiiiiNiiiiiliiiiiMiiuuiMwuHimimiiHmiuHiiuwiiiiiiiiiiiiiiiimiuumuiimmuiKwX.'.WD \ Gummi-Mäntel i f. DsrneB, Köporfewob«. Ra*- IQ M laninrsrsch. Farbon�M�T.- Gummi-Mäntel i für Dsmsn. Corercost. Köper ' vi. Kaschmir, moderne Fsr-•€«l � bea, flotte Formen. M 36.- 'Gabard.-Mäntel i f. Dsmen, Btranaziorffth. Qua- gA_ iiUU.. rorach. Form• M. 33.-— Gabard.-Mäntel , für Damen, reine Welle, sehr_ I spsrL Färb. u. Form.. M 52.- Xoden-Mäntel für Dsmea, Impr&gnierter Ksmelbssrloden i. riet Färb. QQ— o. flotten Sportformen.. Gummi-Mäntel für Herren, Köper- nnd|A cfl Covercoatgewebe. M. 19.-■ Gummi-Mäntel für Herren, Köper n. Kasch- 0 f— mir, flotte Form. II. 33.-• Gabard.-Mäntel für Herren, In dnnkelinode und dunkel grau, Schlüpfer- Äjl � form...... M/tU. Gabard.-Mäntel für Herren, in eleganten... Modefarben, zweireihig, mit J| f � Rückengurt. M. 89.-, 69.-• Loden-Mäntel für Herren, imprägn. Strich- Q y � loden in grau u. grün M. 30.- Loden-Mäntel für Herren, prima Kamel- haarloden in modernen For- dü man und Farben.. M. 47.- A % Q I I 4 Mod. Rips- Mäntel gute Auiführung, mit der beliebten Pliisee- und Rürchengarnitur, in den neuesten Mode-Farben Hcrrcnstoff- Mäntel die grobe Mode. Elegant In Form und Verarbeiiung. In«ehr«chö- nen und modernen Mustern Kunstscidcne Mäntel die vornehmen, modernen Mantel für das Frühjahr. Aus apart gemusterter Ware in mod. Formen Moderne Mäntel aus den Modestoffen Shetland und Kasha, in hübscher Verarbeitung und sehr kleidsamen Formen Waschseid. Kleider in jugendlichen Formen, Back- fischkleider. In schönen modernen Mustern u. flotter Verarbeitung Rastseidene Kleider In neuartigen, modernen Ausführungen, mit den reizvollsten, verschieden artigsten Garnierungen Popelin-Kleider in vielen entzückenden Ausführungen und modernen Macharten Prachtvolle Modefarben Nadunittaas- Kleid. aus dem beliebten Vdouiine und Crtpe de chine, m. langen Aermeln. Falten- und Pllssee- Gamierung 14" 17" 19" 13" 250 yso 9" 19" I t Neues ' u. extra sdiOn; der jugendl Beckfisch- Mental aus Rlpsm.grohem Kragen u. Stulpen aus eingesogenem Peau, von Ripsblenden gehalten. Schöne Blume 50 17 I WW f | das ist— in wenigen I Worten— der Erfolg« wenn Sic bei ans kaufen! Wer wollte es nicht? Und wer könnte es nicht bei �unseren sprich- | wörtlich gewordenen niedrigoiPreiseii fcSCi* 1 Königstr. 33 Chausseestr. 113 AmBM. Aleicanderpl. Belm Slellinar Bahnhof Oranienstr. 40 Am O r a n I c n• P lal■ /Die neueste /Elegans der I Mode; farbige Uebertleh- Westes Kasha- thnL Jumper- Icleld; dazu passend Krawatte und Aufpuls. Metati-Sutasch j umsieht flott f die Rips- Weste 00 15 j Er gebort dam Sie elegant su kleiden: der moderne Mantel aus wundervoll da massler- ter Kunstseide: grober Puffen- krag.. Stulpen und Randsaum aus Peau Ganz a gutem Futter jgij00 JNsdulrud. von Wort und Bild'erbolenTI Die obigen Angebote»«eben ab Donnerstag sur VerfOgungl— Schriftliche Bestellungen können nicht berücksichtigt werden I WMUMMlMW iMBenoaMsmUglieDei! Arellog, den 2g. Sfptll. ahenba T Uhr, in untecec ftnltacableilnna. Linien- ftratje 10? (gcflcnübct dem BerdanbsHause) Lichtbildvortrag des Reglerungsrais SB o I d I übet„SBiffcu schädliche BetrlebasEHrung". Xonnabcnh, den 30. Mprlf. abend» 0 Uhr, In unlerer Aalturadteilung, Cinicnftr. 197 fgegenüdee dem PerdandSbaus») Filmvortragsabend für alle In der Knorrbremse and In den Befrieden de» 1.. 2. und Z. Bezirk» beschSiflslen Lehrlinge, jugendl. Arbeiter u.Arbetlertnnen. Vrogramm: 1. Ansprache. 2. Sätet nicht mehr(fluliut-SUtn). 3. Industrie in Niima(Aus der Technik) imF" eintritt IrefSHI Iuaendkollegenl erscheint alle zu dieser Veranstaltung Die Ortsucrmaftang. Netallbetten Stahlmatratzen, Kinderbetten gintlg n Pili. Kai. liSOir. Elsenmöbelfahrik Muhlf.Thür. des Dnion-Xlobs Berlin NW 7, Scbadowstr. 8. Annahme von Vo rw e» t an in der Zentrale, SchadowatraBe 8, In allen Berliner Filialen und bei den grOB. Rennvereinen im Reiche. Auszahlung der vollen Totahsator- quoten ohne jeden Abzug. Schriftliche Auf'rtge u Anträge auf kostenlose Errichtung von Konten sind nur an die Zentrale zu richten Telegramm-Adresse:• Wettannabme Berlin, Schadowslr 8 LJUERGENS ALEXANDER PLATZ Achtung! Billiger Fleisch- und Wurslverkauf billig und gut Thaerslr. 40. SdiOnltanser Alice 33 M zur Niete WüO.Ansbachcrstr.l Eine Million liier Weine gelangen ohne PreisorUBbung zam Vsrkauf. Felnsier Apfglwslo sun. is% ur, 0.75 EChtsr Tamtona sau.. EöUärißhannisliearwslnu t Ur. 0.99 f Biaslar Eirubvelii. i«% Ltr. 1. 10 Esbtgr Erdb«ar»Bin. u% Ltr. 145 rcblgr ÄptelWBiB zur Bowle, Ltr. 0.80 Orllilnal 1922 Welbweiaa.. fi. 1.50 Ballt Snuteni 1921 Bordcau fi. 5.95 Fzliuts üntwalaa...... Fi. 0.95 _____________ Ltr. 1.30 Eüiier Griacliaavem-an.. Ltr. 1.40 Ecdlar Malaiia saa..... Ltr. 1.50 Edüer lue) Ismai sub.. Ltr. 1 90 Fällgr SälUllOmsebtmichfröM. L. 1.90 Oiitloal 1921 Walivelna. fl 1.90 1924, 25, 26 Waigwln».FL 1 15 Eiftta Bordaau-Velsa... Fi. 1.30 �nnderlfansea!! liier iplrliiaosen relsslsp Aquavlt(tlr Konner.......'h FL 2.1tl Lltor 2.85 falnsler Wetaäriad Varssbn.•••stsrn.>/, fl 2.35 utor 2.99 üciitor dsiuscbgr Weinbrand Et-rn.>/. FL 3.10 Liter 5 95 Alle Sdomöre bis 33%.......'s. fl 3.10 utec 3.95 Kostproben gratis AusstfianH direkt vom Fa3. Eduard SQssklnd Kaopegesthärit SrunncnatraSa 42.03 Steglitz, Schluastr. 1dl Borltn, Fot»rabur< NvuteatlB. Oarlincr Str. 18 Iterlla, Chnnsao»»..-. Monblt, WllsameUnpStr. 38 Horlla, MOlIerstr. 17» neriin. SrBannnr Str. 18 Berlin, Knppenstr. 87 Cbarlotlenbnrg, WKmeredorTer StraBe IS 7 Ltafornneen räch aoswlrta und Berlin frei Haus von Mark 10.— an. Korbflasohen, Kraken«ad Flaacbaa werden gnUehrn. 60 DEUTSCHE BANK KAPITAL UND RESERVEN 115 MILLIONEN REICHSMARK Bilanz am 31. Oazembar 1936 AKTIVA Bargeld, Sorten, Zinsscheine und Outhaben bei Noten- und Abrechnungsbanken............ Nostroguthabenbei Banken und Bank- firmen........... Wechsel........... Vorschüsse auf Waren und Warenverschiffungen......... Reports- und Lombard-Vorschüsse. Eigene Wertpapiere....... Beteiligung an Qemelnschafts-Unter- nehmungen.......... Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen..... Schuldner in laufender Rechnung. (auäerd.; Schuldner aus geleisteten Bürgschaften RM. 87,988�7SJ4) Bankgebäude.......... Sonstiger Grundbesitz...... Mobilien............ Reichsmark 58,640.853 174,576,627 405,678,416 124.647,074 174,926,633 53 43 938,469,605 30,000,000 15,000.000 2A372.639 798,227,725 52 1,853,069,9711.0 PASSIVA Aktienkapital Reserve.. Gläubiger in laufender Rechnung.. Akzepte............ (auBerdem: geleistete Bürgschaften RM 87,988,575�4) Unerhobene Dividende...... Uebergangsposten der eigenen Stellen untereinander......... Dr.Qeorg von Siemens-Wohlfahrtsfond Zur Verteilung verbleibender Utber- schuß............ Reichsmark 150,000,000:— 70-315,904!— 220,316,904— 68 57 1,509,010,094 93,213,169 140,549 1,742,770 2�02�99 26.444.064 40 03 1,853,069,971170 Oawinii» und Verlust-Rechnung am 31. Dezember 1926 SOLL Handlungs-Unkosten Stenern............ WohIf«hrtseinrichtung.,Penslon«n und Abfindungen, sowie Versicherungsbeiträge für die Beamten.... Abschreibung, auf Bankgebäude.. „ sonst. Grundbesitz „ Mobilien.... Zur Verteilung verbleibender Ueber- schuß............ Reichsmark 80,170,934154 1 1,461, 663;89 6�88,784.45 884,746 42 231,120,23 254,561109 26,444,084 03 126,035394172 HABEN Vortrag aus 1925.... Zinsen und Wechsel.. Gebühren....... Sorten und Zinsscheine. Wertpapiere...... Oemeinschafts-Qeschäfte Dauernde Beteiligungen. Reichsmark 1308.184 99 45,377,866 30 66,119,535 44 1,012,917 47 4,085,040 12 6,097,202 12 1335,148,44 126,035,894:72 Verkäufe Tafelwagen, Dezimalwagcn, Gewichte prelawerf. Georg Wagner, lläpenicker. str-i- nur 71. Hos.«ein Laden, dafür hilligere Preise.__ Spart,,»« 26, Hauszelte 57 Mark Vootsplanen dif eitsabethufer 5. lirkleitlühgsslüclte� Wasch? ui». Getragene verrengarderod«, Lveziali- tüt Dauchklguren, fpetibillia. Nah, Gar. mannfttflfic 25128. früher Mulackslrahe.• ______ VsaudleihhSnser. Friedrichstrad» 243, —-eile 57 Mark, Drunewaldstraße 72. Halbumfanst na» Doli« u. Iakobowski �zefneue Herrenengüge, Hcrrenuhren, I' Mäfcheuerkauf.' übtreibuns» ist xekfllirlicli unä verboten. Verboten ist ferner«t!e Anpreisung empfängnis- CaaftngpM* Lest deshalb das verhütender MittcM Ouulälla Buch von Margaret Sanger„Die neue Mutterschaft". Es klärt Euch über die Regelung der Geburten auf. 2,80 Mark als Nachnahme vom Sibyllen- Verlag, Dresden-A., FrauenstraBe 2 a. Lerfclh von hcditfMflntcn Gelell. fchofisanzügen. Rofenihaleritrast, 4 Norden 8893._• Wenig getragene RtadonMla«, Smo- klnganzügs. Gehrodanzüg«, Iackeitaa. üge. Sadardntemäntel. Gummimäntel. .utawap-Anzüge Taillenmänlcl, lür sede Figur passend. Spezialitäl! Bauch. anzüge. fpottb,?!g Halpern. Zivt-7r. thalerstrag»<. erste Stage.» Stannenereegend! zehni Feberdetten____ Inenlagerl Diwandeckenl Herren Prachtlappich, I Stand 23,—! » USbel Zweiuadsüaszig Anrichteküchcn, Besen. schränke, Adwaschtische. Herabgesetzte Preise,«ahlungscrleichierung. Kamer. ling,«altauicualle« 56.• Mc- ife. t. Moebef-Baebel, Moritzplatz. Berkauf im Fabrikgebäude. Niedrigste Preise. Eichene Schlafzimmer 493. Speisezimmer, mo- deines Büsetl, große Anrichte, 335. Standuhren 95. Lederstühle 16. Schreib. tische 95. Bücherschränke 54—80. Runde ischc 45. Besichtigung erdeten. Patcntmatratzea„Prlmlsstma. talldctten, Auflegematratzen, llhals: longues. Walter, Stargarderstratze ach! zehn, Spezialgeschäft. K«s»»ihii»zlFszmeJ,l« Oha« Anzahlung. Pianos in grogrr Auswahl, neue und aebrauchle, mit herrlicher Tonlüllc. Laiigiähriger Daranlic» schein, kleine Ralcnzahlun». Lerer, Brunnenltratz« 191. 1 Treppe, am Rosen» thalerplatz.__* Linipianos. Ilderaus preiswert. Piano. str.' fabrik Link. Brunncnstratz« 85. Drei Mork Wochenrat«. 15 Mark An» zahluna. kür»In erslilafügea Rarkenrad. Fahrradhau» Zentrum Linien- flratz» ntunztbn.__* Rennmaschinen. Salb. und Bezetträder, erst- Niedrige Anzohlung. kleinste Fahrräder, rennet, Touren» kfasslg. Niedri«.._ I..W....... I Naten. Niederlage der Baltia-Fahrrad. werke, Dresdenerstrahe III. KsufgeHueKe tzahngebilt«. Sildersachen.«Inn Biel, Luedülber Goldfchmelze lldrüiionat. «ävcnickerstrahe 39 ILdalbLilftrahe).* Unterricht Technische Privatschul- Dr. Werner, Regicrunas-Baumeillcr, Berlin. Ncan- derslrah« 3. Molchlnendau. Slcklro'eid- Nlk. Hochbau. Abcndlehreäna«. Tages» lchraänae." VerHChiecßeneS GewcrkschakisHaus Braunlage, Laute bergerstrahe 28, Logis von 1,23 Mo an. Preiswerte Penston. Fünfzehul Geidtneni. anzügel Paletotol Monatsgarderobc Teilzahlung ohne Abzadlungsoreifel i («ein» Dersatzwore!) Psand'eid-Ber- kaufshaus. Schönhauser Alle, 115 INorb-! ring).___*1 Psaudleihe. HSchstbeleihun». Lange, MotiAplah AIGinaerhous» Arbeltemärkl a Wenig getragene hochelegante Herren aarderode, spoitbiMger Berkaus. Ee legenheltokäuf» in eleganter neuer Gar dcrobe und bardware. Pelzwaren,«eine Leihhana, Friedrichslraß» am Halleschen Tor.* Lom» 2, Bettenveekans! Reue#,75! 15,-1 Prachtvoll, 22301 27301»«»Wäsche I Steppdecken! TMdecken! Inlettsl Alle: spottbilllgl«eine Lombardware hau», Brunnenstrahe 47. .es Leih- »»«UeehaiNgsbolv ! Meistee für die Elemente« und Bat. 'teriefadrckatlon, langlähriger F"-..... fad« Stellung. Offerten unter Postamt Grünau.___ Perfekte Blufennäherlni-.en auf ele- ganten Genre im und auher dem Haufe sowie perfekte flink, Handnäherln iw Hanfe»erlangen Carsten» u. Lachmann, S. m. d. H., Leipziger Str. 89.__ Fingerfertige junge Mädchen für leichte, saubere Arbeit stellt ein Muster- schmidt, Aasseriorstrahe 48/47. Nr.IHS» 44. Jahrgang 2. Leilage öes Vorwärts voanerstag, 2S. Bpril 1927 Große Verluste im Hmg-Konzern. Dreiviertel des Aktienkapitals verloren.— Die Verlustquellen im Konzernaufban. Die Ving-Werke vormals Gebrüder Bing A.-G., Nürnberg. sind eine der größten europäischen Unternehmungen, die wesentlich auf den Haushalts- und Einrichtungsbedars der breiten Massen eingestellt sind. Sie verfügen über eine während des Krieges und der Inflation großzügig ausgebaute Eigen- Produktion von unzähligen Haushaltsartikeln(auch Bureauwaren und-Maschinen), die durch eine Absatzorganisation im Weltmaßstab nachdrücklich unterstützt wird. Die Absatzrichtung müßte dem Konzern an sich eine verhält- njsmäßig große Stabilität verleihen, insbesondere wenn man be- rücksichtigt, daß die reale Kaufkraft der breiten Massen in allen Teile» der Welt zwar noch erheblich geringer ist als in der Vor- kriegszeit, daß sie aber seit 1924 doch im allgemeinen nicht unerheb- lich gestiegen ist. Unter diesen Umständen war die seinerzeitige Um- ftellung des Bing-Konzerns auf ein Goldkapital von 13,76 Mil- lionen Mark kaum als unvorsichtig zu bezeichnen. Um so überraschender ist der Abschluß für das Jahr 1926, der einen Bilanzvertust von 6,75 Millionen, also rund die Hälfte des Aktien- kopitals, ausweist. Der tatsächliche Berlust beziffert sich aber auf 10,21 Millionen, da vor der Feststellung des Bilanzverlustes die ordentliche Reserve von 2,25 und der vorjährige Gewinnvortrag von 1,21 Millionen zur Verringerung des Verlustes aufgelöst worden sind. Einem Gewinn von 1,21 Millionen im Jahre 1925 steht also für das Jahr 1926 ein Verlust von 16,21 Millionen gegenüber. Man übertreibt nicht, wenn man angesichts des Kapitals von 13,76 Millionen den Verlust von rund drei Viertel als einen f i n a n- ziellen Zusammenbruch bezeichnet. Dieser Zusammen- bruch kann sich unmöglich aus der Verringerung der Umsätze und aus schlechten Preisen allein erklären, wenn es auch sicher ist, daß die Weltkonkurrenz sich für den Bing-Konzern verschärft hat und daß die riesenhafte Arbeitslosigkeit in Deutschland während des Jahres 1926 den Absatz der Bing-Werke stark gedrosselt haben wird. Es ist eben eine Tatsache, daß bei größerer Verringerung des Masieneinkommens die Familienväter und die Hausfrauen in erster Linie an Einrichtungsgegenständen, nicht am lebensnotwendigen Bedarf sparen. Man wird deshalb die Ursachen des finanziellen Zusammenbruchs in der Kon- Zernorganisation selbst erblicken müssen und. insbesondere in der mächtigen Angliederung von fabriziereilden Werken und Tochter- gesellschaften, die der Bing-Konzern während und zum Teil auch noch nach der Inflation vorgenommen hat. Die Erfahrung, die die selbst produzierenden Worenhousgesellschaften mit ihren angegliederten Fabriken gemacht haben, dürfte sich im Bing-Konzern wiederholen: daß nämlich in Krisenzeiten die Angliederung eigener Fabriken bei Gesellschaften, die sofort mit dem Massenabsatz in Verbindung treten, die Verlustrisiken häuft. Der Vorteil des massenhaften billigen Einkaufs geht ebenso verloren, wie der Finanz- bedarf der angegliederten Produktionsunternehmungen die herein- kommenden Gelder schnell aufsaugt und zur Inanspruchnahme großer Bankkredüe zwingt. Der Bing-Konzern scheint darüber hinaus aber auch den Anschluß verpaßt zu haben, in dem Sinne, daß er sich nicht rechtzeitig wenigstens von einem großen Teil der fast zwei Dutzend Tochtergesellschaften freigemacht hat. Die Sanierung, die im Bing-Konzern nun beschlosien worden ist und die weit über das hinausgeht, was früher von der Verwaltung zugegeben worden ist, ist außerordentlich scharf. Das Aktienkapital von 13,76 Millionen wird auf 3,44 Millionen, also ein Viertel, zusammengelegt und durch Neuausgabe von Aktien auf 16 Millionen wieder erhöht. Drei Viertel des Aktien- kopitals werden also verloren gegeben. Der über den Buchverlust von 6,75 Millionen erzielte Kapitalerhöhungsgewinn soll außerdem für Sonderabschreibungen auf die Werksanlogen und wahrscheinlich auch auf die Beteiligungen benutzt werden. Es ist noch unklar, woher der Konzern neu« Mittel bekommen wird, wenn es auch möglich ist, daß die erheblich gestiegenen Aufträge und Umsätze den laufenden Bedarf schon heute zum größten Teil selbst finanzieren. Das Beispiel des Bing-Konzerns ist recht interessant. Man kann ihn kaum als eigentlichen Inflationskonzern ansprechen, da er im großen und ganzen mit den angegliederten Fabriken und Tochtergesellschaften im Rahmen seines alten Absatzes und der eigenen Rohstoff- und Materialversorgung geblieben ist. Der Fall Bing-Werke enthüllt aber auch in sehr deutlicher Weise das große Risiko, das ein auf die Befriedigung von Massenbedarf nicht vordringlich st er Art gerichteter Konzern in Zkrisen- Zeiten läuft, wenn ihm durch die Vorgliederung von Produktions- stufen deren Verlustgefahren a u f g e w ä l z t werden, die sonst die einzelnen Unternehmungen selbst zu tragen hätten. Unü wieder Erhöhung der Sierpreise. Dem uhermutigen Braukapital sind Grenzen zu setze«! Der Deutsche Brauerbund, die Spitzeno�ganisation der Brauereien, scheint es daraus anzulegen, die Verbrauchermassen zu provozieren. Es ist bekannt, daß die traurige Finanz- läge der Gemeinden, nicht zuletzt durch die länder- und inhustrie- freundliche Finanzpolitik des Reiches, die Aufhebung der Gemeinde- bierstsner zum 31. März unmöglich gemacht hat. Der Brauerbund stellt in einer Zuschrift an uns zwar in Fettdruck fest, daß nach seiner Meiming Bier„das Volksgetränk der breiten Masien des werktätigen Voltes" sei. Er braucht aber nicht mehr als ein knappes Dutzend Zeilen, um dann eine neue Bierpreiserhöhung anzukündi- gen,„da selbstverständlich die Brauereien die von ihnen erhobenen Gemeindebiersteuern entsprechend ihrem Charakter als Verbrauchssteuern abwälzen müssen". Es ist nichts Neues, daß die deutschen Brauereigesellschaften zu jenen Unternehmungen in Deutschland gehören, die der Haser sticht, weil es ihnen zu gut geht. Es wirkt wie Hohn, wenn in einem gleichzeitig versandten Lagebericht über die Brauereiindustrie gesagt wird, daß die Mehrproduktion von Bier im Monat März außer durch das bessere Wetter durch die Abnahme der Ar- beitslosigkelt und durch die im Zusammenhang mit der Mietssteigerung erfolgten Lohn- und Gehaltsverbesserungen v e r- u r s a ch t worden sei. Das deutsche Braukapital freut sich darüber, daß es ihm richtig gelungen ist, die letzte Bierpreiserhöhung auf die breiten Massen abzuwälzen und dadurch zu verhindern, daß die durch die Lohnkämpf« und durch die Konjunkturbesserung er- zielte Steigerung der Massenkauftraft den übrigen Industrie im entsprechenden Maße zugute- kommt. Das deutsche Braukapital hält die seinerzeit bei der ersten Bierpreiserhöhung, die bekannllich doppelt so hoch war als die Steuerlast, einkalkulierte höhere Lohnquote durch die geringfügigen Lohnerhöhungen bei den Brauereien für völlig abgegolten und bringt es fertig zu behaupten, daß durch diese Lohnerhöhungen die zwingende Notwendigkeit der seiner zeitigen Preisheraufsetzung erwiesen war- den sei. Man muß wirklich schon de? Kategorie der Brauerei- Unternehmer angehören, um zu solchen Behauptungen fähig zu sein. Es macht in der Tat den Eindruck, daß sich das Braukapital als absoluter Herr der Lage fühlt. Da es nun einmal so ist, daß dos Bier von den Masien aus tausend und einem Grunde bevorzugt. wird, werden den Bierkonsumenten Daumen- schrauben angesetzt, wo es nur möglich ist. Die Unbetümmerthest ist zu bewundern, mit der sich das Braukapital als S t a a t i m S t a a t e gebärdet, den das, was die übrigen Industrien zum Wiederaufbau der Gesamtwirtschaft beizutragen haben, einfach nichts angeht. Allerdings ist es der famose Rechtsblock, der den Ueberumt des Braukapitals durch die zarte. Rücksichtnahme auf den bayerischen ILierpartitularismus noch, stützt..7 Es ist k ennes w e g s ausgemacht,'Mir-Neutsch« Brauerbund behauptet, daß«ine Produktionsabgabe, wie die Bier- steuer, auch eine Verbrauchssteuer in dem Sinne sein muß, b«-> sonders in Krisenzeiten, daß sie auf die Verbraucher ab- gewälzt wird. Sollte das aber aus traditionellen Gründen heute von den Regierungsstellen anerkannt werden, so ist für die Oeffentlichkeit die Zeit gekommen, an eine Steuer zu denken, die das Braukapital besonders erfaßt und weniger leicht abzuwälzen in der Lage ist. Im übrigen gehört die Brauerei- industrie zu jenen Industrien, die so stark konzerniert sind, daß allen Ernstes daran gedacht werden muß, wie ihrer Monopol- ftellung gegenüber einem breiten Massenkonsum ein Ende gemacht werden kann. Die jetzt wieder ange- kündigte Bierpreiserhöhung sollte wirklich der Anlaß sein, darüber nachzudenken, wie man die Besteuerung des Bierkonsums tatsächlich zum Nutzen der Allgemeinheit durchführen kann, ohne dem Braukapital seine Monopolstellung und seine Monopolgewinne immer wieder zu garantieren. Subventionen unü kekn Ende. Krumme lvege des Krupp-Konzerns. Wie aus dem Reichswirtschaftsministerium berichtet wird, hat sich das Reich grundsätzlich bere t erklärt, dem Krupp-Konzern den beantragten Reichskredit in Höhe von 2 Millionen Mark zu gewähren. Voraussetzung ist, daff auch von Preußen und der Stadt Essen ein Kredit von je einer Million Mark bewilligt wird. Als Zweck des 4-Millionen-Kred.ts wird angegeben, daß der Krupp-Konzern in die Lage versetzt werden soll, die Renten- anspräche gegen die Kruppsche Pensionskasie zu befriedigen, mit anderen Worten die Aufrechterhaltung der„freiwilligen Zuwendun- gen" an die Pensionäre während der nächsten beiden Jahre zu erleichtern. Der Soweit der Inhalt der Meldung. Es mutet komisch an. daß hier von freiwilligen Zuwendungen der Firma Krupp an die Pensionäre die Rede ist. Tatsächlich hat die Firma Krupp die Gelder des Pensionsfonds, wie alle Industreunternehmungen mit Pensions- kassen, in ihren Betrieben arbeiten lassen und daraus Gewinn ge- zogen. Der Krupp-Konzern beruft sich offenbar unter Zurückweisung seiner mindestens moralisch zwingenden Verpflichtung auf das formelle Recht. In diesem Falle würden die Pensionäre ohn- mächtig das ihnen von der Firma Krupp bereitete Los hinnehmen müssen. Aber scheinbar kann sich der Krupp-Konzern doch nicht der moralischen Verpflichtung für die Zuwendungen entziehen. Nach der seit Monaten notorisch glänzenden Finanzlage bei Krupp scheint es ober fast unglaublich, daß sich der Krupp-Konzern diese Unterstützungen wieder aus öffentlichen Mitteln, das heißt also von den breiten Massen der Steuerzahler selb st, finan- zieren läßt und sicher weder zu lächerlichen Zinsbedingungen, weil sich ja sonst das Kreditgeschäft für Krupp nicht lohnt. Man muß wirklich staunen, wie f e l b st v e r st ä n d l i ch es den beteiligten öffentlichen Stellen scheint, dem Krupp-Konzern für seine privaten Verpflichtungen Kredite zu ge- währen. Aber aus der letzten Zeit ist diese öffentliche Subvention dds Krupp-konzerns nichi der einzige Fall. Es ist wenig beachtet worden, daß die Firma'Krupp keineswegs ganz auf jene Subvention zum Ausbau eines Gußstahlwerkes verzichtet hat, die seinerzeit vom Reiche unter dem Druck der öffentlichen Meinung abgelehnt worden ist. Der Krupp-Konzern hat nur einen anderen Weg dafür gesucht. Er läßt sich nämlich neben seinen Hochofenanlagen von der Stadt Essen die dazu erforderliche Hafenanlage bauen, und zwar akonto öffentlicher Notstandsarbeiten, wofür der Krupp-Konzern an die Stadt Essen eine Pacht in Höhe der Zinsen für die Baukosten zahlen soll. Da es sich auch hier um niedrig verzinsliche öffentliche Gelder handelt, hat der Kruppkonzern für«inen erhebbchen Teil der ihm vom Reich verweigerten Kredite doch sein Ziel erreicht. Die Subventionspolitik, die der Krupp-Konzern auf Kosten der Oeffentlichkeit seit langem durchzusetzen sucht, geht also nach wie vor lustig weiter, und der Krupp-Konzern erreicht seine Ziele auf krum- men Wegen, wo ihm die geraden Wege verlegt werden. Es wird die Aufgabe des Reichstags und der Länderparla- m e n t e sein, von ihren Regierungen für diese Subventionen Rechenschaft zu fordern._ Die Lage der Reichsbank. Leichler ZNonatcschluß? Wenn man nach dem Wochenausweis der Reichsbank zum 23. April urteilen darf, so ist für Ende April eine verhältnismäßig leichte Lage auf dem Geldmarkt zu erwarten. Die in der dritten Aprilwoche eingetretene Entlastung der Reichsbant ist ziemlich groß. Die Kapitalanlage in Wechseln, Schecks und Lombarddar- lehen ist um 143,2 aus 1783,6 Millionen zurück gegangen. W i.......'~' 1674,( die auf 16,6 Millionen gesunken. Zusammen mit der Erhöhung der Kundengclder auf Girokonto um 151,8 auf 791,4 Millionen drückt sich in diesen Veränderungen eine wirklich fühlbare Erleichte- rung des Reichsbankstatus aus Zugleich find die Bestände an deckungsfähigen Devisen ebenfalls um 7 auf 169,1 Millionen erhöht worden. Ihren Ausdruck findet diese Entlastung in einem starken Rückfluß an Zählungs mittel«. Insgesamt sind 313,6 Mil- lionen Reichsbanknoten und Rentcnbankscheine aus dem Verkehr in die- Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 254,2 aus 3 146,7 Millionen, derjenige an Ren- teodookscheiuen 5L.L. auf 966,2 Millionen ermäßigt. Die Gold- bestände verringerten sich in nur unerheblichem Maße auf 1856,3 Millionen Mark. Die Verbesserung der N o t e n d e ck u n g ist natur- gemäß beträchtlich: diejenige durch Gold stieg von 54,4 auf 58,8 Proz. und die durch gold- und deckungsfähige Devisen zusammen von 59,2 auf 64,2 Proz. Man wird die Gründe dieser Eni- l a st u n g der Reichsbank weniger in inländischen Konjunkturvor- gängen als in äußeren Momenten zu suchen haben. Wenn es auch den Anschein hat. daß die Geldnachfrage aus der deutschen Wirtschaft gegenüber den Vorwochen etwas nachgelassen hat, so dürfen doch die Diskontermäßigungen in London, in Schweden und jetzt auch in Belgien, denen für London noch«ine zweite folgen soll, den Hauptgrund für die Entspannung abgeben. Es werden nicht nur Auslandsguthaben deutscher Firmen hereingezogen: die gegenüber Deutschland entstandene Zinsspanne führt auch beträchtliche Aus- landsgelder nach Deutschland hinein. Eine neue Tochter der Deutschen Bank. Die im Prinzip schon länger beschlossene Verschmelzung der Lübecker Privatbank mit der Deutschen Bank ist jetzt in der außerordentlichen General- Versammlung des Lübecker Instituts beschlossen worden. Das Vermögen der Lübecker Privatbank geht an die Deutsche Bank über, die den Lübecker Aktionären für das Eineinhalb-Millionen-Kapital die halbe Summe in Aktien der Deutschen Bank gewährt. Ein Kartell gesprengt. Am stärksten hat sich bisher das Wieder- austreten der englischen Kohle auf dem Weltmarkt und die dadurch auch in Mitteleuropa verschärfte Konkurrenz bei den polnischen Kohlenzechen ausgewirkt. Mit großer Mühe und unter Mithilfe der polnischen Regierung kam es vor nicht langer Zeit zu einer allge- meinen polnischen Kohlenkonvention. Dieses Kartell ist jetzt gesprengt worden. Drei der Dombrowaer Kohlenkonoention angehörende Gruben sind ausgetreten und haben sofort die Preise ermäßigt. Krisen sind also immer noch die Prüfsteine für Kartelle. v Ferngaswlrtschas« aus mitteldeutscher Braunkohle. Die vom „Vorwärts" vor einigen Wochen als bevorstehend angekündigte Gründung einer Gesellschaft zur Erzeugung und Verteilung von Braunkohlengas des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaues ist am 26. AprU in Leipzig erfolgt. >>>>» MB>>».»»»>■■ ■■■■■■■■■■■■■»■■ »»»»»»»»»»IM»», D», ,»»,»»»»»»»»»»»»»»»»»»,»» ■■■■■■■■■■■■;■■■■■■■■■■■■■■■■■»».»»■■■■■■ •■■■'■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ ,»»II,»»»»»»»»»«»»»»»»»»»»»»»»»»»■■ II .»».»»...»»»»»»»»»»».»»»-».»».»»»».».»».»»»--»»»»»»»»»»,».»W.»»»».» -k-y■■'« �.?- /-«»w-!■?•»"j t-' b.-V i.■ c-< Hb_-__»■■-»■ v,...* .<- ,x-«r..<■ Allen Hausffrauen zur Kenntnis! .Dr. Oeiker's Puddingpulver werden jetzt in noch besserer Qualität hergestellt als bisher und zwar durch Verstärkung des � Aromas und durch Zusatz von feinstem Reispuder.— Auch enthalten Dr. Oetker's k. Puddingpulver die für den Körperaufbau und die Blulbildung notwendigen mineralischen Salze. Infolge groben Umsatzes sind Dr. Oetker's Puddingpulver stets überall in frischer Ware zu haben.— 1 Stück 10 Pfennig._. � �, Dr. A. Cetker, Bielefeld. Soimfag darf niemand bei der Kundgebung im Lustgarten fehlen! Die Lohnkämpfe üer Landarbeiter. Die erzielten Erfolge. In der neuesten Nummer des„Landarbeiters" berichtet der Verbandsvorswnd des Deutschen Landarbeiterverbandes über die von der Organisation im Jahre 1926 geführten Lohn- und Tarif- bewegungen. Gezählt wurden 280 Bewegungen. Davon waren 239 An- g r i s f s- und AI Abwehrbewegungen. Die Angriffsbewegungen erstreckten sich auf 313193 Betriebe mit insgesamt 2 622 759 Beschäftigten: die Abwehrbewegungen 25 684 Betriebe mit 126 639 Beschäftigten. Insgesamt wurden von den unter Leitung der Organisation stehenden Angriffs- und Abwehrbewegun- gen 340 879 Betriebe der Land- und Forstwirtschaft, sowie des Weinbaues mit 2 749 398 beschäftigten Personen berührt. Di« Zahl der dabei mit einbegrisfenen weiblichen Arbeiter beläuft sich auf 1 026 733. Die Bewegungen wurden geführt: in 178 FUlen zwischen den Vertretern der Organisationen der Arbeiter und Arbeitgeber, in 96 Fällen vor Schlichtungsausschüssen und sonstigen Einigungs- instanzen und in 6 Fällen zwischen den einzelnen Arbeitgebern und ihren Arbeitern. Ueber das Ergebnis der Bewegungen wird berichtet: Bei den Angriffsbewegungen wurde erreicht pro Woche für 389 349 männliche Arbeiter eine Lohnerhöhung von 506 188 M. und für 338115 Arbeiterinnen eine Lohnerhöhung von 263 828 M. Auf den Kopf der beteiligten männlichen Arbeiter umgerechnet er- gibt das einen durchschnittlichen wöchentlichen Mehrverdienst von 1,30 M., auf den Kopf der beteiligten weiblichen Arbeiter umgerech- net einen durchschnittlichen wöchentlichen Mehrverdienst von 79 Pf. Außerdem wurden noch für 13 271 Beteiligte sonstige Derbesserungen erzielt. Bei den Abwehrbewegungen wurde für 16 872 Ar- beiter und Arbeiterinnen eine Arbettszeitverlängerung von 32 390 Stunden pro Woche abgewehrt. Das bedeutet, daß auf jeden der Beteiligten wöchentlich zwei Stunden entfallen. Außerdem wurden noch für 92161 Beteiligte eine wöchentliche Lohnkürzung von 103 167 M. oder pro Kopf und wöchentlich etwa 1,11 M., und für 17 598 Personen sonstige Verschlechterungen durch die Organisa- tion abgewehrt. Leider mußten bei dem Abwehrkampf auch MIß- erfolge mit in den Kauf genommen werden. Für 57Z3 Personen trat eine Arbeitszeitverlängerung von 12 753 Stunden und für 14 320 Personen eine Lohnkürzung von 13 537 M. pro Woche«in. Für Durchführung der Bewegungen wurden von her Organisa- tion 144 737,65 M. verausgabt. Außerdem wurden noch 16 351,40 M. Maßregelungsunterstützung ausgezahlt. Diese Angaben lassen erkennen, daß der Deutsche Landarbeiter. verband auch auf dem Gebiete der Lohnpolttik und des Lohnkampfes mit ansehnlichen Leiswngen aufwarten kann. Der Arbetterschaft, ganz besonders aber den Landarbettern. ist durch den Deutschen Landarbeiterverband ein neuer Beweis für die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation erbracht worden. Generalversammlung üer Sattler. Die Orksverwallung Holl wieder auf. In der zu Dienstag abend nach dem Gewerkschaftshaus ein- berufenen Generalversammlung des Verbandes der Satller, Tope- zierer und Portefeuiller erstattete zunächst der erste Bevollmächtigte Genosse Blume den Geschäftsbericht vom ersten Vierteljahr 1927. Er betonte, daß im Gegensatz zum ganzen Vorjahre, wo in keiner einzigen Branche Lohnerhöhungen durchgesetzt werden konnten und alle Kräfte für die Abwehr der Unternehmerangrisse eingesetzt werden mußten, im ersten Quartal dieses Jahres in allen Branchen zum Angriff übergegangen wurde. In der Lederwarenbranche tonnte nach zweimaligen Verhandlungen eine Erhöhung der Mindest löhn« von 5 Pf. ob 25. März und von welteren 4 Pf. ab 28. September bis 28. März 1928 durchgesetzt werden. In der Tapcziererbranche wurde«ine Lohnzulag« von 5 Pf. ab 15. März und weiteren 5 Pf. ab 1. Oktober bis 31. Dezember vereinbart In der Trelbriemenbranche wurden die Löhne durch einen Schiedsspruch des tariflichen Schiedsgerichts für die Zeil vom 1. April bis 30. September um 5 Pf. pro Stunde erhöht. Die in der K a r o s s e r i e b r a n ch e Beschäftigten erhielten durch«inen verbindlich erklärten Schieds- fpruch eine Lohnzulage von 6 bzw. 4 Pf. Für die Zelte- und Plänebranche gelang es, den feit einiger Zeit bestebenden tarif- einen Schiedsspruch des Manteltarif sür die Zeit vom losen Zustand zu beseitigen. Durch Schlichtungsausschusses wurde der frühere wieder in Kraft gesetzt und der Lohn 4. März bis 30. September um 6 Pf. erhöht Die Linoleumleger haben durch einen eintägigen Streit eine Erhöhung der Tariflöhne vom 7. April bis 30. Sep- tember um 10 Pf. und ab 1. Oktober bis 15. April um weiter« 5 Pf. durchgesetzt. Nach allem kann gesagt werden, daß die Organisation mit Cr- folg bemüht war, das im Vorjahre nicht Erreichte wieder auf- zuholen. Trotz dieser Erfolge ist aber in der M i t g l i« d e r b e w e- gung im ersten Quartal kein Fortschritt zu verzeichnen gewesen. Der Mitgliederbestand ist sogar etwas zurückgegangen, was aber durch Neuaufnahmen und Nachzählungen im April schon wieder wettgemacht worden ist. Genosse Blume machte zum Schluß auf das Mitteilungsblatt aufmerksam, das auf Beschluß des Orts- vorstände? ab 1. April monatlich herausgegeben wird. Der Kassierer W e y h e r, auf dessen 2öjährige Tätigkeit in der Ortsverwaltung Genosse Blume ebenfalls ehrend hingewiesen hatte, tonnte über eine gesunde Entwicklung der Kassen- Verhältnisse hinweisen. Der Bestand der Lokalkasse erhöhte sich im Quartal von 44 520 M. auf 49 936 M. In der anschließenden Diskussion wurde über die Tätigkeit der Ortsverwattung kein Wort der Kritik verloren. Von den Kom- Laubenkolonisten Bs ist aaser Bestreben, die Leabenkolonien Oroß• Berlins, soweit sie Irgend darcb Boten erreicht werden können mit dem„Vorwärts" zu beliefern. Wir bitten deber eile Leser anseres Blattes, welche die täglich zweimalige Zu- stellang der Zeitung in die Laubenkolonie wünschen, Ihre genaue Adresse unter Angabe, wo die Kolonie liegt, der Spedition oder der Hauptezpedition mitzuteilen. Vorwärts Verlag Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Telephon: Dönhoff 292—297 m u n i st« n wurde gegen die Amsterdamer Gewert- schaftsgenossen Klage darüber geführt, daß sie den Wahl- kämpf bei der Urwahl der Ortsverwaltung unfair geführt hätten. Sie beantragten wetter, eine Pressekommisfion von je zwei Der- tretern der beiden Richtungen zu wählen, die dafür sorgen soll�, daß beide Richtungen in dem Mitteilungsblatt berücksichtigt und es nicht zum Fraktionsblatt der Amsterdamer Richtung werden solle. Genosse Blume erklärt« in seinem Schlußwort, daß er die feste Ab- ficht habe, ein rein gewerkschaflliches Mitteilungsblatt herauszugeben, das kein Fraktionsblatt werden wird, wie etwa das Mitteilungsblatt der kommunistischen Offenbacher Ortsverwattung. Er wies wetter nach, daß die Amsterdamer Gewerkschaftsgenossen den Wahlkampf nicht unfair geführt hatten, sich allerdings gegen die verleumderischen, beweislosen Behauptungen der„Opposition" gewehrt hätten. Der Antrag auf Wahl einer Pressekommission wurde gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt. Eine Entschließung, die vom ADGB. die Fortführung des Kampfes um den Achtstundentag sor- dert, wurde als eine glatte Selbstverständlichkeit einstimmig angenommen. Ebenfalls einstimmig wurden die bisherigen Revi- soren wiedergewählt. parteinachrichten kintendungea für dies« Rubrik sind Bccli» SW 68. Sinbcnttrafit 3, für Groß-öerlin Ret« an das Bezirkssekretarial 2. Kot, 2 Trev- rechts, in richten l. Suis Mitte. DI« EliernbeirStelltzung im Monat April fällt an«. Nächsie Versammlung wird rechtzeitig bekanntgegeben. 2. Suis Tiergarten. Die Genossinnen und Genossen, welche an der Demon- stration nach dem Lustgarten teilnehmen, werden ersucht, spätestens vor- mittags IMj llbr sich im«leinen Tiergarten einzufinden.— Alle Ee- nossinnen und Genossen, welche sich zur Mitarbeit am l. Mai zur Ber- ftigung gestellt haben, werden gebeten, sich am Sonnabend, A>. April, von 7— S Uhr bei Trllmper, IZlensburger Str. 8. zwecks Arbeitseinteilung fitr den l. Mai bei dem Maikomitee dortselbst zu melden. X«reis Dcdding. Arbeiterwohlfahrt! Di« fsir Donnerotag, 28. April, fcsi- gesetzt««reissitzung findet umständehalber nicht statt. Näherer Termin wird hekanntgcaeben. Die Aktenausgabe findet am Tonnerotag, 28. April, ebenfalls nicht statt. Ss wird gebeten, alle noch in den Abteilungen be- findlichcn Akten bis zum Donnerstag, Z. Mai. fertig zu bearbeiten und sisitzung der Arbeiterwohlkahrt mitzubringen. Achtung, Genossinnen und Genossen! Freitag, >., W �|_______ ch, in den Prachtsälen am Märchenbrunnen, Am Fricdrichohain, Gaugeneralversammluna des Verbandes fstr Freidenker- > tum und Fcuerbcstatlung.«ein Genosse darf fehlen. 7.«reis Charlottenbnrg. Bildnngsansschntz: Sitzung am Montag. S. Mai, 7Vi Uhr, im Jugendheim Roüncnstr. 4.«arten für die Aufiührung «Traumspiel" von Strindberg in der Volksbühne am Sonnwg. 8. Mai, Jur«rcisausschuhsitzung der Ar! iuis Prenzlauer Berg. Achtu 2». April, 7 Uhr püitkilich. in können, treffen sich am Sonntag, l. Mai. vormittags 10i4 Uhr, am Wilhelmplatz.— Freitag, 29. April, VA Uhr, Generalversammlung des Verbandes für Freidcnkcrtum und Feuerbestattung In Ahlcrts Festsälen. Berliner Str. 88. Wichtige Tagesordnung. Neuwahlen. Mitgliedsbuch des Verbandes ist mitzubringen. kl.«reis Schöncberg-Friedenan. Die Genossinnen und Genossen, welche nicht zu den Sammelpunkten ber Gewerkschaften gehen, treffen sich zur Demon- stration nach dem Lustgarten am l. Mai vormittags 11 Uhr Eiscnachcr. Ecke Hauptstraße. 18.«reis Tempelhof. flu der heute, Donnerstag, 28. April, im Seebad Marien- darf einberufenen Sitzung des Bildungsausschusses werden die Mitglieder dringend gebeten, pünktlich ,U erscheinen, damit die Tcmpelhofer Genossen noch an der Funkiionärkonfercnz teilnehmen können. ~;«ls Treptow. T' stattung ml pffhäuser in Ricderschöneweide erscheinen. Neuwahlen. Für alle Mit. 13.«re Feuerbe Treptow. Die Mitglieder des Verbandes für Freidrnkertum und müssen restlos am Freitag, 2«. April, 7ih Uhr, im Lokal I 17. Suis Lichtenberg. Heute, Donnerotag, 28. April, 8 Ar. in der Bibliothek. Weichsclstr. 28. Sitzung deo Vildungsauoschusses. Die Ordner zur Mai, feiet müssen ebenfalls erscheinen. Morgen, Areikag, 29. April: 4l. Abt Alle Mitglieder beteiligen sich an der Freidenkerversammlung mq 7 Uhr im großen Saale des Eewerkichaftshauses, Engelufer 24— 2ü. «7. Abt. Pünktlich S-h Uhr treffen sich alle Mitglieder zur Freidenkerver. sammlnnq im Gewerkschastohaus, Engelufer 24— 2S. 79. Ait. Schöneberg. Sämtliche Genossinnen und Genossen, die Mitglieder deo Verbandes für Freidenkcrtum und Feuerbestattung sind, müssen um IV, Uhr im Lindcnpark restlos zur Generalversammlung erscheinen.— «u der am Sonntag, 1. Mai. stattfindenden Ma-demonstrat>on treffen sich alle Genossinnen und Genossen, die sich nicht bei ihrer Gewerkschaft be- teiligen, vormittags pünktlich Ist Uhr bei Groß, Sedanstr. 17.— Di««artc.i zur Maifeier in der Echloßbrauerci müssen von den Bezirksführern und «assierern bis Sonnabend abend, 8". April, beim Abteilungokasnerer Genossen Wilhelm Martin. Sedanstr. 49. abgerechnet werden. Arbeitslos erhalten vom Genossen Bauhoff, Gotcnstr. 09, Eintrittskarten zur Maifeier kostenlos. glieder gilt am 1. Mai der Aufruf der Gewerkschaften zur«undgebung im Lustgarten.—«rbeiterwohlfabrt: Der letzte«ursusabend findet um- ständehalber erst om Freitag, 6. Mai, statt. 4. Abt. Treffpunkt zur Demonstration am I. Mai vor dem Lokal Stegner, Blumen str. 99, vormittags 11 Uhr.. �.. r ,,..... , Abt. Die Genossinnen und Genossen, welche am 1. Mai als Helfer tatig sind, müssen unbedingt am Sonnabend, 30. April,■!~ Uhr, bei Trümper. Flcnodurger Str. 8, zu einer wichtigen Besprechung erscheinen. Desgleichen können die arbeitslosen Genossen Freikarten zur Maifeier am Sonnabend, 88. April, von o— 7 Uhr beim Genossen Lerrichcn, Wilsnacker Str. 40, in Empfang nehme», ippötcre Ausgabe erfolgt nicht.. 12. Abt. Die arbeitslosen Genossen nehmen am Sonnabend. 80. April, die Freikarten zur Maifeier von 7— g Uhr bei Schmidt, Wiclefstr. 17, in Empfang. 14., 13., l«. Abt. Treffpunkt am Sonntag, 1. Mai, pünktlich 11'4 Uhr. zur Demoiiftration jiach dem Lustgarte,� Brunnen., Eck« Stralsundcr Straße. 54. 80.«bl«»Snc�rg."°Ä�wng? Maifeiul All- Mitglieder, die nicht mit ihren Gewerkschaften demonstricreu, treffen sich am Sonntag, l. Mai, vormittags 11 Uhr, Eisenachcr. Ecke Hauptstraße. Es wird nochmals darauf hin. gewiesen, daß die Einlaßkarten zur Nachmittaasfeier in der Schloßbrauerci bis Freitag, spätestens Sonnabend, beim Abtcilungskafsiercr abzurechnen 101. Abt. Treptow. Sonnabend, 80. April, nachmittags 3 Uhr, bei Nitschke, Am Treptower Park 26, Sitzung des Bildungsausschusses. Abends 7Zz Uhr müssen alle Helfer zur Einteilung in der Spedition, Graetzstr. 30, er- scheinen. Gleichzeitig können dort die arbeitslosen Genossen ihre Eintritts- karten in Empkailg nehmen Bezirksausschuß für Ärbeiterwohlfahrt. Heute, Donnerstag, 28. April, nach- mittaas 5'i Uhr. im Sekretariat, Lindenstr. 8,«urfus zur B-rbereitung der fchulwissenschaftlichen Prüfung. 5 rauevveranslaltungen: 98. Abt. Neukölln. Heute, Donnerstag, 28. April, 7ZH Uhr, Frauenabend. Vortrag ber Genossin Hennn Newald. 3.«reis Wedding. Freitag, 29. April, VA Uhr, bei«replin, Pankstr. 42. Funktionärinnrnkonferenz. Vortrag:»Di« Frau in der Organisation." Neferentin Minna Todenhagrn. 4.«reis Prenzlauer Berg. Heute, Donnerstag, 28. April, 8 Uhr, bei«lug, Danziger Str. 71, Funktionärinnenkonferenz. Vortrag:»Mutter, und «inderschiitz im Arbeitszeitgesetz." Neferentin Gertrud Hanna, M. d. L. Interessterl« Genossinnen sind eingeladen. Iungsozialislen: Spielgemeinschast: Heute. Donnerstag, 28. April, Vi Uhr, Treffen Inva- lidenftraße. Ecke Alt-Moabit, zur Generalprobe der Revue»Gewitter über «ülz.Germanien" im lllap. Alle Mitwsrkenden müssen erscheinen.— Gruppe Renkölln I nnd II: Heute, Donners'ag, 28. April, 8 Uhr, in der Volksbücherei, Eanghoferstraße, Arbeitsgemeinschaft:»Das Verhältnis zwischen Reich, Staat und Länder." Referent Etudienrat Erwin Marnvardt.— Gruppe Prenzlau r Berg: Heute, Donnerstag, 28. April, 8 Uhr, im Altersheim Danziger Etr. 62, Vortrag:»Die Aufgaben unserer jungen Sozialisten." Referent Genosse Flatau. Elternbeiräte und Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer K- und Lehrerinnen Deutschlands, Vrtsgrnvp« Berlin. Vollversammlung ß am Freitag, 29. April. 7 Uhr, im Bezirksversammlungssaas«reuzberg, iöi Borckstr. 11. Tagesordnung: 1...Landschulbeime der Stadt Berlin." 6-? Referent Etadtichulrat Rvdahl. Lichtbilderrortrag dazu: Refer:nt Hein. K rich Mäcke. Verschiedenes. Alle Elternbeiräte und varteiauiössischen " Lehrer und Lehrerinnen werden dringend gebeten, bestimmt zu er. t-1 scheinen. eFSgCz Arbeitsgemeinschaft der«Iiiderfreunde Eroß-Berlin. Umzugshalber fällt die Sprechstunde am Freitag, 29. April, aus. Die«reife, welche noch Mark n haben wollen, müssen sich dieselben von der Genossin Warmuth, Am Bahnhof Westend 2, abholen. Sozialistische flrbeiterjugenü Groß-Serlin. Heule, Dotinerskag, Uhr: »Warum 1. Mai?"—«öpeuicker Viertel: Schule Wrangelstr. 128.»«unst und Proletariat."— Friedenau: Schule Offenbacher Str La.„Der 1. Mai— der Weltfeiertog der Arbeit."— Schöneberg III: Jugendheim Hauptstr. 15.„Die Frau in Beruf und Ehe."— Wilmeredorfi Werbeabend w der Aula der Hind'n. burg-Schule.— Lankwitz: Gemelndeschulc Schulstraße.„Der 1. Mai als Welt. feiertag."— Britz: Mitgliederversammlung. Erscheinen ist Pflicht— W.ttenau: Jugendheim Rosenthalcr Str. 18.»Der 1. Mai als proletarischer Weltseiertag." Bedding und Wedding.Nord: Morgen, Freitag, 716 Uhr, Ledigen, heim Echönstedtstr. 1, Werbelichtbildervortrag:»Hinein in die SA3.!" k Alle Eltern und Parteigenossen sind hierzu herzlich eingeladen. Un, g kostcnbeitrag 10 Pf. Fallplatz: Morgen, Freitag, 744 Uhr, Aula des Gymnasiums Gleim. strafte 49, Elternabend. Gesang, Musik, Rezitationen, Ansprache. Hans- Sachs-Spiel. Alle Parteigenossen und Parteigenossinnen sind herzlich eingeladen. Eintritt frei. Berdebezirk«reuzberg: Morgen, Freitag,«ursus für«afsierer und Revi. soren im Iugendheim Lindenstr. 8. Beginn Vi Uhr. Ebenda um 8 Uhr Werde- bezirksvorstandssitzung. Jede Göuppe muß vertreten sein. cbzv Kornrnf» 211 uns! Wir lieben eine enxMnrate Aras waML gufer.floftvCTarbeiieferWind- iacken für jeden Zwedt vorräÜZ. Trofi unserer heguemen bedinaunaen kaufen Sie bei«ns Irälligi! Anzahluno Bruimeitslr.197 AM»OSENTALER PLATT Windjarfftucrxx Damen aJHercen Bu rechen o-Mäddien ausguieair Sfofien in.. und. AclsI Monatsraten Kottbuser Damm 103 rranKfurier Allee 350 ChlbaSdharrenstrS ECKE WILMERTOORFERSTR Unterhaltung uitö AAjssen Seilage öes vorwärts Der Jall Rosenberg. Das ist ja balö so, als ob �geateu See Sovrgeoiste� in üer Komintern selber sitzen...! das /lmselgehölz. Von Max Barlhel. In einer Frühlingsnacht wurden die alten Landwehrleute von jungen Grenadieren abgelöst. Das war am Rande der Argonnen. Den ganzen Vinter lag die Landwehr im Sturm und ewigen Regen, im Trommelschlag der Geschütze, aber nun kam die Ablösung. Die Tornister wurden gepackt, die Mäntel gerollt, auf den verwilderten Schädeln glänzten die Stahlhelme: der Marsch in das Hinterland begann. „Mann, das gibt bald dicke Luft,' sagte der Grenadier Sommer- schuh, der in den Wald marschierte, zu seinem Freunde Gerlach. „Dicke Luft und mit dem Frühling wird's bald vorbei sein, trotzdem der kleine Wald da drüben wie eine Insel durch die Nacht schwimmt.' Er zeigte nach einem kleinen Wald zwischen den Linien, der„das Amselgehölz' hieß.„Siehst du, auch der Franzmann weiß, daß Ablösung kommt. Hörst du seine Nachtigallen zwitschern?' „Ich höre sie zwitschern,' antwortete Gerlach, duckte sich schnell, denn eine Kugel zwitscherte in bedenklicher Nähe von der anderen Seite herüber, wo ein französischer Posten in die Nacht hinein- geschossen hatte, weil er die Unruhe der Ablösung bemerkte, weil sein Herz nach Heimkehr verlangte oder vielleicht auch, weil er den Sternenfrieden nicht ertragen konnte. Sommerschuh und Gerlach waren gute Freunde. Sie liebten den Krieg nicht. Wer von den getiteinen Soldaten hat jemals den Krieg geliebt? Manchmal aber verlockte sie doch das Abenteuer, der schwarze Glanz fremder Länder, die unbekannten Städte und die großen Fahrten durch Europa. Bis jetzt waren sie durch die Kämpfe unversehrt gegangen. An den eigenen Tod dachten sie nicht. Der Tod war so grauer Alltag geworden, daß sie keine Angst mehr vor ihm hatten. Vor dem Grabenstück der Grenadiere stand vernichteter Wald, dahinter aber blaute am Rande einer freien Wiese das Amselgehölz. An manchen Tagen fiel kein Schuß. Nur in den Nächten raste in den Argonnen das prasielnde Feuer großer Gefechte. Der Frühling entfaltete sich immer mehr und mehr. Nach einiger Zeit wurden Gerlach und Sommerschuh auf eine Nachtpatrouille geschickt. Den Streiszug führte der Unteroffizier Klemm, ein junger Lehrer aus Berlin. Die Nacht war mondhell. Der Sterne blühten im blaßblauen Himmel. Aus den Wiesen stieg der Wohlgeruch der Gräser und Blumen. Letzte Verabredungen gingen flüsternd von Mund zu Mund, dann warfen sich die drei Söldaten auf die Erde und krochen nach dem Wiesenland, das vor dem Amselgehölz lagerte. Kein Laut war zu Hörem Die große Stille zwischen zwei Feuerübersällen war da, das gewallige Nichts, in dem man die Musik der Sterne zu hören glaubt. Unter Blumen und Gräsern lagen die drei deutschen Soldaten, als sich aus dem Amselgehölz zwei Schatten lösten und sich auf der Wiese langsam vorwärts schoben. Das waren zwei französische Soldaten. Einmal hob einer von ihnen suchend den Kops und man sah ein schönes knabenhaftes Gesicht unter dem im Mondlicht schimmernden Stahlhelm. Das Gesicht gehörte Claude Benoit, einem jungen Gymnasiasten aus Paris, der sich freiwillig an die Froi�t gemeldet Halle. Der zweite Mann der französischen Patrouill» war ein Fabrikarbeller aus Lille namens Pierre Morriot.. „Still, ganz still sein,' flüsterte Klemm Gerlach zu, der sich bewegt Halle.„Mensch, so sei doch endlich still, oder willst du durchaus eine blaue Bohne in den Bauch haben?' Gerlach antwortete nicht. Er preßte sich noch tiefer in die Blumen und Gräser, atmete mit weiten Nüstern den kühlen Duft der Frühlingserde ein, vergaß den Krieg und war ganz erfüllt von der lichtquellenden Stunde zwischen den Gräben. Auch der junge Claude hatte nur diese schöne Nacht im Sinn, als er durch das kühle Gras kroch und den Mond am Himmel sah. Der Frieden fiel auch in Morriots Herz, der Frieden verzauberte auch Sommerschuh und Klemm. Immer näher kamen die Franzosen. Nun waren sie noch zwanzig Meter von der deutschen Patrouille entfernt. Wenn es nach dem Hauptmann Neukrantz gegangen wäre, hätten jetzt einige Schüsse gekracht und das Blut wäre über die Blumen und Gräser gespritzt. Aber es ging nicht nach dem Hauptmann Neukrantz. Der junge Claude richtete sich noch einmal empor und starrte über die deutsche Patrouille hinweg nach den anderen Gräben. Der Mond schüttete sein Licht wie eine Tarnkappe auf die Deutschen. Der junge Mensch sah vor sich den zerschosienen blauen Wald, er sah nicht den Tod, der jede Sekunde ausbrüllen konnte. Morriot wurde unruhig und flüsterte seinem Kameraden einige Worte zu, der warf sich wieder ins Gras und dann krochen die Franzosen nach dem Amselgehölz zurück. Die Deutschen atmeten aus. Sie blieben noch einige MinMcn liegen, ganz still und ganz unbeweglich und bewegten sich langsam, langsam bis an den Rand des Gehölzes. Die Franzmänner waren verschwunden. Klemm fand einen verlassenen Postenstand und zeichnete ihn auf der Karte ein. Geisterhast wie sie gekommen, huschten sie durch die Ngcht zurück, tauchten unter im Wald und atmeten auf. Eine kleine Weile standen sie in dem Wald, sahen durch die zerfetzten Daumkronen den Mond treiben, fern, bleich und kühl, eine unbegreifliche Welt mit riesigen Kratern, schroffen Gebirgen und absonderlichen Schluchten, sie passierten den eigenen Doppel- posten und erreichten endlich den Graben. „Was Neues, Klemm?' fragte der Hauptmann. „Nichts Neues, Herr Hauptmann,' meldete der Unteroffizier. „Wir fanden einen verlassenen Posten am Amselgehölz, den habe ich auf der Karte eingezeichnet.' „Ist gut, Klemm.' antwortete Neukrantz. Dann gab er dem Unteroffizier eine Hand voll Zigaretten.„Schöne Nacht, heute, was?' sagte er dann. „Sehr schöne Nacht. Herr Hauptmann.' antwortete Klemm. In den folgenden Nächten gingen noch viele Patrouillen von beiden Seiten vor die Gräben. In einer Nacht wurde auch ge« schössen. Der Grenadier Kraus wurde tot zurückgebracht. Langsam wich der Frieden von dieser Stellung. Fast jeden Morgen prasiell« ein französischer Feuerüberfall in die deutschen Linien. An einem Tage hatten sie sieben Tote. Auch die deutschen Geschütze begannen zu sprechen. Einmal schaukelte eine Mine durch die Luft und setzte sich feurig vor den Unterstand des Hauptmanns. Im französischen Graben fiel Pierre Morriot drch Herzschuß. Claude Benoit weinte .zum ersten Male im Feld, dachte an seine Mutter, an die Stadt Paris, an den Frieden. Anfang Juni begann der Kanipf um das Amselgehölz. In der drillen Morgenstunde schössen sie die Geschütze ein. Vier Stunden lang trommelten sie nach den französischen Gräben, z-rtrichterten die Linien, verschütteten die Stollen und Unterstände und streiften mit feurigen Flügeln auch das Amfelgehölz. Als die Kanonade begann, flohen die Vögel in' schwarzen, schreienden Schwärmen. Auch die französischen Geschütze trommellen, heulten und winselten. Im Hinterland stiegen die Flieger steil in den Himmel, stießen dann wie blitzschnelle Raubvögel zur Erde und ließen Bomben regnen. Drei französisch« Flugzeuge stürzten brennend ob aus den weißen Wolken krepierender Schrapnelle. Auch zwei deutsche Flieger wurden vernichtet. In den Bereitschaftsstellungen lagen auf beiden Seiten die Soldaten wie ergebenes Schlachtvieh. Die Kompagnie mit Klemm, Sommerschuh und Gerlach wurde, als das Trommelfeuer aufhörte und dos Sperrfeuer einsetzte, als Flankenstoß gegen das Amselgehölz geworfen. Das kleine Gehölz lag noch unberührt zwischen den Feuern und sollte, um die Front- linien zu verbessern, genommen und zu einem Stützpunkt aus- gebaut werden. Klemm stürzte mit seinen Leuten aus dem Wald. Im selben Augenblick brach im Amselgehölz die erste Mine auf. Dann verwandelte sich der Wald in einen Krater. Ganze Bäume flogen in die Luft, Büsche, Sträucher, Wolken von Rauch und Feuer mit dem dumpfen Niederfall prasselnder Steine und Erd- inossen. „Los, los, los,' brüllte Klemm,„lauft, was ihr laufen könnt; wenn wir erst über die Wiese sind, wird's besser.' Das wollte er schreien, ober der dumpfe Donner krachender Granaten überdeckte seine Stimme. Und als die Granaten einmal nicht mehr so furchtbor heulten, da schrie Klemm nicht mehr. Da war er tot. Mitten auf der Wiese hatte ihm im letzten Sprung eine Granate den halben Kopf weggerissen. Sommerschuh und Gerlach keuchten weiter. Sie sahen und wußten nicht, daß Klemm tot war. Sie wußten ja selbst nicht, was sie taten. Sie liefen wie unter fremdem Willen. Sie liefen um ihr Leben. Als sie den Wald erreichten, das Amselgehölz, die ehemalige Insel des Friedens, da standen sie mitten in einer Hölle. Die Franzosen hatten den ganzen Wald unterminiert und sprengten ihn in die Luft, als die deutschen Soldaten über die Wiese stürmten. Aufkrachte der Wald, die Bäume, die kleinen Hügel, die Quellen, die grünen Büsche, die Gräser und die Blumen. Nichts war mehr da als schwarzer Qualm und zuckendes Feuer, dumpfes Fallen entwurzeller Bäume,'peitschender Sturz unzähliger Acste und rieselnde Wolken schwarzer und gelber Erde. Nichts war zu hören als ein teuflisches Konzert des Todes, ein Masiengebrüll der Vernichtung, die dunkle£rommel des Grausens. Als der Wald in die Luft gesprengt war, setzten die Franzosen mit ihrem Gegenstoß ein. Auch der junge Claude stürmte vor, lief wie von guten Geistern behütet, und als er auf der kleinen Wiese stand, die noch immer grünte und blühte, als sei nichts geschehen, da erst fand der Tod den Weg zu ihm. Ein Maschinengewehr be- gann zu hämmern und zerfetzte ihm die Brust. Claude warf die Arme weit auseinander, fiel hin und stürzte auf den Unteroffizier Klemm. Schon einmal hatten sich diese beiden Männer gegenüber gelegen. Damals lebten sie noch. Sie hatten sich nicht gekannt, und vielleicht wären sie in friedlichen Zeiten Freunde geworden, denn Klemm kannte und liebte Paris, und Bennoit war von Goethe und Beethoven begeistert. Vielleicht hättest sich dies« beiden Menschen einmal getrofsen und sehr gut verstanden, aber nun lagen sie, von der Schlacht gefressen, tot auf einer kleinen Wiese zwischen den Linien. Ihr Blut vermischte sich, strömte und fiel in die Blumen und Gräser. Da lagen sie nun, der junge Claude und der junge Älemml Gerlach wurde von seinem Freunde getrennt und stürzte In einen Granattrichter. Eine verirrte Kugel streifte ihn. Lange lag er ohnmächtig in der Grube, und als er wieder zu sich kam, war der Kampf um das Amselgehölz schon lange entschieden. Der Vorstoß war zusammengebrochen, das Amselgehölz war nicht erobert, war in die Luft gesprengt und jetzt auch ein Schlachtfeld wie da oben im mörderischen Wald die kahlen Berge und die grauenvollen Täler. Wandert das Klima? Di« Menschen unserer Tage gefallen sich so oft kn dem Ruhmes. glänz« ihres technischen und witzenschnftlichen Könnens, da» sie be- sähigt, sich die Dinge im weitesten Umfange Untertan zu machen. Aber so gewaltig die Errungenschaften der modernen Technik und Wissenschaft auch sein mögen, den Jaunen des Wettergottes stehen wir beinahe noch genau so ohnmächtig gegenüber, wie es bei unseren Vorvätern der Fall war. Wir müssen uns Regen, Schnee, Hitze und Kälte gefallen lassen, wie sie immer der Wettergott über uns schickt. Nun ist es ja im allgemeinen so bei uns, daß jede Jahreszeit ihr charakteristisches Klima zu haben pflegt. So war c» wenigstens noch bis vor wenigen Jahren. Sell einigen Jahren aber macht sich eine Entwicklung bemerkbar, die man nicht anders, wenigstens als Laie. deuten kann, als daß in den Faktoren, die das Klima bestimmen, irgendwelche Verschiebungen eingetreten sind, die zur Folge haben, daß wir in den letzten Jahren bei den einzelnen Jahreszeiten das charakteristische Wetter beinahe in das Gegenteil umgekehrt sehen. Die Winter waren durchgehend sehr milde, beinahe frühlingshast, die Sommer anormal, stürmisch und regnerisch, dafür aber als Zugabe Hitzegrade, die man sonst in unseren Landstrichen'nicht gewöhnt war. Alles in allem Vorgänge, die wirklich den Schluß zulassen, daß die Klimata auf einer Wanderung begriffen sind, wodurch wir nun hier in Europa tn den letzten Jahren eine durchschnittliche Wetterlage hallen, die sonst wesentlich südlicher vorzuherrschcn pflegt. Natürlich hat sich die Wissenschaft dieser Erscheinungen ange- nommen und versucht, ihnen Deutung zu geben und eine Erklärung für sie zu finden. Die nächstliegende Annahme für solch eine Der- fchiebung des Klimas, so meint der Leipziger Professor Dr. Erich Marx, wäre die, daß die Stellung der Erdachse zur Ekliptik sich ini Laufe der geologischen Zeiträume verändert hat. Die Ekliptik, die Ebene, in der sich die Erde um die Sonne bewegt, ist gegen den Aequator der Erde um 23 bis 24 Grad geneigt. Diese Neigung verursacht zunächst den normalen Wechsel der Jahreszeiten. Wir haben die langen heißen Sommertage, wenn die Sonne hoch über dem Aequator steht, während die südliche Halbkugel bei demselben Stande Winter hat. Geht die Sonne unter den Aequator, so kehren sich die Verhältnisse um. Wäre diese Neigung der Ekliptik gegen die Aequatorlinie nicht vorhanden, so würde die Sonnenwärme über» Haupt nicht an die Pole herankommen, während jetzt etwa 42 Pro;. der Sonnenstrahlen am Aequator auf die Pole kommen. Je größer nun die Neigung der Ekliptik wird, um so mehr Wärme erhalten die Polargegenden, bis herunter zum 45. Breitengrad, während die Aequatoriallinien an Wärme verlieren. Wenn auch die moderne Wissenschaft eine geringe Zunahm« der Neigung der Ekliptik seit einem Zeitraum von etwa 9000 Jahren für nicht ganz ausgeschlossen Hütt, so steht es dennoch nicht fest, wird im Gegenteil eher noch angezweifelt, daß die Klimaänderungen und vor allem die Klima- änderungen, die in den verschiedenen geologischen Epochen haben fest- gestellt werden können, ihre wesentliche Ursache in der Aenderung dieser Achscnneigung der Erde gegen die Ebene der Sonnenbahn haben sollen. Solche Klimaänderungcn haben aber tassächlich stattgefunden und sie haben ganz andere Ausmaße gehabt, als die Anormalitäten, deren Zeuge wir in den letzten Jahren gewesen sind. Wenn niaii bedenkt, daß einst auf Spitzbergen riesige Wälder von üppigster Vegetation gestanden haben, an Stellen, die heute unter ständigem Eis und Schnee liegen, so kann man crmessen, wie groß dort der Umschlag im Klima gewesen sein muß. Daß Täuschungen in dieser Hinsicht ausgeschlossen sind, beweisen die üppigen Kohlenlager eben dort in Spitzbergen', die sonst gar nicht anders erklärt werden könnten. Die Gründe nun, die nach verschiedenen Theorie» nichb nur für diese katastrophal anmutenden Klimaverschiebunge», sondern auch für die Aenderungen im Kliina unserer Zeit theoretisch veränt- wortlich gemacht werden, sind verschiedene. Professor Dr. K. 5k noch vom Meteorologischen Institut in Berlin ist der Meinung, daß die Veränderungen des Klimas in den letzten Jahren sich ganz zwanglos mll der Verschiebung der Hauptklimagürtel und zwar nach Norden zu erNären lassen. Die Wetterlage in irgend einem Landstrich sei nicht etwas Selbständiges für sich, sondern hänge mit allen klima- tischen, atmosphärischen und auch geologischen Vorgängen des ge- samten Erdballs und seiner Atmosphäre ab. Physiker haben eine Hypothese aufgestellt, wonach die Klimaänderungcn durch Schwan- kungen des Kohlensäuregehalis unserer Atmosphäre erklärt werden sollen. Der Kohlensäuregeholt der Luft beträgt nur 9,93 Volum- Prozent des Luftmeeres. Diese geringe Beimengung ist zweifellos im Laufe der geologischen Epoche verhältnismäßig großen Schwankungen, besonders durch vulkanische Ausbrüche, unterworfen gewesen. Ebenso dürste der Kohlensäuregehalt der Luft sehr wesentlich durch die jährliche industrielle Kohlenoerbrennung beeinflußt werden. Ist doch festg«stellt, daß allein in einem Jahre auf diese Weise eine Kohlensäurentenge an die Luft abgegeben ist, die ein Achthundcrtstcl der gesamten Kohl.'nmenge des Luftmeeres betrögt. Auf diese Weise würden sich also ganz zwanglos die Klimataverändcrungen der letzten Jahre genau so erklären, wie sich die Klimakatastrophen in den ver- schiedenen geologischen Epochen erklären lassen. Der Einfluß des Koblensäuregehalts auf unser Klima beruht auf der Eigenschaft der Kohlensäure, die Wärmestrahlung entweder zu verschlucken, oder zurückzuwerfen, jedenfalls sie also nicht durchzulassen, während die Luftstrahlen, ohne sich zu erwärmen, durch die Kohlensäure hindurch- gehen. Wie die Kohlensäure, so verhält sich auch der Wasserdampf. Der Physiker Arrhenius hat berechnet, daß, wenn die geringe Menge Kohlensäursbetmengung aus dem Lustmeer oerschwände, sich die Temperatur auf der Erde um rund 21 Proz. erniedrigen würde. Eine Verminderung des Kohlensäuregehalts auf die Hälfte würde die mittlere Temperatur der Erde um 4 Grad erniedrigen, eine Ver» doppclung würde sie um 4 Grad erhöhen. Wenn auch mit dieser Er- flörung das letzte Wort über die Veränderung unseres Kldnas nicht gesprochen ist, so w'rd man doch von einer Wanderung des Klimas schlechthin nicht reden können, ebenso wenig wie die Befürchtung berechtigt wäre, daß aus dem anormalen Klima eine Wcltkatastrophe sich entwickeln könne. �„ Größte Auswahl! S p o rtanzug?� mit»rttch«», grau».»tatm jemup." Manchester Sportanzuc, 9fj_ Jackett«eflittert, brau»,«ra»,»Nb" 4teMaer Svortanzua � Brcechei, Knickeitack.»d. lana« Hol» Herren- Windjacken au» Kraltischen wetterfeften Stasfrn K � 27.- 24.- 22�0 lt.- 15.- 11.-"• Damen-Windiacken.. tmpiian. Stoffe, t» terschted. Fort. II tt.{formen... 21.- 18.- 15.— Breeches c« für Dar»«» 1550. für Herren.,, Billigste preise! Gummimäntel »arzilal. aummiert, f. Dame» 1450, 1 1I für Hrrrm........ Bon-lu'Qn Wettermäntel tmprüa». Strichlote», für Dame»».Ich— Herren..... 87.- 21.--lu* Ruderjacketts blau«hettot SS.-,»lau, Hofe». Oeltuchspe�ialjacke s_ für Paddler 1550. Südwester Motorradschutzanzug iq so imp. Paumtoollstoff 27.— 21.— 18.— Leder- Sportjacke cn brau», schwarz«tro»,» tviJ» Stutze reine Bei«, neuest» Bullet. R e i s e d e ck mit tarierter rtfetw»»» G ch l a f ö e ck wolhalttg»»«»«»» p u l l o v engNsch Rucksäcke für Herren UN» Dame»,«tt Leder« rieme», gute Qualität...... Wanöertzemöen für Herr«», zute Qualität..,, Untergrundbahn. Sfetiiner fcnhnhrvf ßciGrücHivAG ßerlinNA nur QnjuJfsefkT�bö Commerz- und Prival-Bank Aktfengosellschaft Bilanz, abgeschlossen am 31. Dezambar 1926 AKTIVA Katse, fremde Oeldsorfen, Zlnsdcheine und Guthaben hei Noten- und Abrechnungsbanken....... Wechsel........... Nostroguthabcn bei Banken und Bank firmen............ Reports und Lombards gegen börsen gängige Wertpapiere...... Vorschüsse auf Waren und Waren Verschiffungen........ Eigene Wertpapiere....... Konsortialbeteiligungen..... Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen... Debitoren in laufender Rechnung Bankgebäude......... Sonstige Immobilien...... PASSIVA Aktienkapital...... Reservefonds I..... Reservefonds Ii..... Kreditoren....... Akzepte und Schecks.. Dividenden-Rückstände. Gewinn........ R.M 22 464 156,02 194456 796,23 82 461 288,93 128 884 901,03 57 935 250,85 13 876 278,22 6 720 354,65 3855 98650 365 702 438,37 23 500 000,— 2 594 000.— 902 452 450,60 RM 42 000 000,-| 21 000 000,- I 000 000,- 789 168 627,70 1 41 177 548.071 56 587.68 I 8 049 687,151 902 452 450,60 I Gewinn- und Verlust-Rechnung flr da» ST. Beschäfttjahr, abgaaehlsaasn am 31. Oeeember 1826 I VERLUST Hanjdlungs-Unkosten... Steuern und Abgaben.. Gewinn...... RM 39 677 704,84 6 285 020,84 8 049 687.15 54 01241253 O B W I N N Qewinnvortrag von 1925..... Zinsen, Wechsel, Sorten und Zins scheine........... Provisionen.......... Wertpapier- und Konsortiäl-kontö! RM 1 529 540,13 24 046 804.18 26 197 672.43 2 238 396.09 w IS v I r k s a m sind die I• KLEINEN ANZEIGEN in derGesamtaniiage «cs aVerwäru"«ad kommen: