flg. 100 ♦ 44.7ahrg. Ausgabe A Nr. 102 Vezogspret». BB4entIid) 70 Stenai«, llwvatlick Aeichsmart ooraa» Hchlixtt. Unter SUeiubanb für Beutfüoni, Scnii*.$aa> unb äRemelatbiet, Orütttetd) Litauen Luxem dura 4,50 Aeichamatl. für da» übcts« Sluslanb bM Reichsmark pro Monat. Der JSenottls* mit der Muftrier. ten Tonntazsbeilag«»Boll und �eif lowie de» Beilagen»Untetballun« uns Willen�.Äu» der Isilmwelf, »Frauenstimme�.Der Linder» freund".Lugend-BorwZrts" und �Zlick in die Bücherwelt" erscheint wocheniSglich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal. Telegramm-Adresse: .Sazialdetnofrat L erlin" Morgenansgabe lZ ) Derlinev VolKsblakt Anzeigenpreise: Bi«»inipaltia« NonpSreiNe- »eile 80 Bfennia, Rcflam-,-!:« t.r- Reichsmark,.LIeine An, eigen" da» fettaedruckie Wart 25 Blennin ktulSslia»oei settaedrnefte Worte),, jedes nieitere Wort 12 Bfennia, Liellenaeluche das erii« Wort li Bfennig, iede» weitere Wort 10 Bfennia. Worte über 15 Buch» llaben»äkilen für ,wel Worte. Ardeltsmarkt Zeile 50 Bsennig, Familienan, eigen für Abonnenten Zeil« 40 Blennio. Ansefgen für die nlchite Nummer mülfe» di» ftfc 115 r nachmittag« im HauptgefchLft. Berlin SWK8. Linden» straiieZ. abgegeben werden. GeSsfnet oan 8>4 llbr früh bis 5 llbr nach». ZcntmXorgnn der Sozialdemokrat» fcbcn partd Dcutfchlands Redaktion und Verlag: ö erlin SW. öS, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 29*4—297. Freitag, den 89. April 1987 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. öS, Lindenstr.Z Veftscheckkont»! Berlin»7 554- Bankkonto! Bank der Ardliter. AngefteUte» nn» Beamten. Walftr. 45: Bi»kollto>S«s«IIchast, Denositenkaile Lindenftr. 5, Kultnrpolitisihe Kämpfe. Die Vorbereitung deS Reichsschnlgesetzes. Die einzig« sichtbare Arbeit der nsuen Reichsregierung zur Lorbereitung des Reichsschulgesetzes schien bisher lediglich darin zu bestehen, daß sie den Staatssekretär Schulz in den einstweiligen Ruhestand versetzt hatte..Lrcuzzeilung" und „Germania" waren sich ausnahmsweise einmal darin einig, daß eine solche Maßnahme die unvermeidliche Voraussetzung sei. wenn man mit dem Reichsschulgesetz überhaupt voran kommen wolle. Zwar war diese Begründung nur ein Borwand. Sie sollte offenbar von der Oeffentlichkeit den Machtanspruch des Zentrums auf die Stelle eines Ministerialdirektors im Reichsministerium des Innern schamhaft verhüllen. Denn für die dienstlichen Arbeiten im Reichsministerium des Innern kam Schulz, nachdem er als Mitglied des Reichstags von dem ihm nach der Verfassung zustehenden Recht der Selbstbeurlaubung einmal Gebrauch gemocht hatte, so wenig in Be- tracht wie der deutschnationale Abgeordnete Schultz-Brom- berg während der Ausübung feines Reichstagsmandats je- mals gleichzeitig richterliche Funktionen ausgeübt haben dürfte. Nunmehr aber scheint man auch an die sachlichen Vorarbeiten für das Reichsschulgesetz heranzugehen. Gleich nach dem Wiederzusammentritt des Reichstags im Mai will man den Entwurf schon fertig vorlegen— eine Botschaft, der man mit einigem Fug und Recht den Glauben versagen darf. Wer die Schwierigkeiten des Reichsschulge�etzes kennt, wird sich kaum vorstellen können, wie die Schaffung des Entwurfs in wenigen Wochen möglich sein soll, noch dazu unter einem Minister, der sich zwar recht vietl mit Stahl- helmfragen und ähnlichen Angelegenheiten beschäftigt hat, von dem man aber bisher nicht weiß, ob und inwieweit ihm diese staatserholtende Tätigkeit auch noch Zeit zu pädagogi-- schen und schulpolitischen Studien gelassen hat. Vor ollem wollen die Länder bei der Vorbereitung eines Reichsschulgesetzes, dessen eigentliche Last gerade sie später zu tragen haben, gehört werden. Es bedeutet für die Länder auch keine Vereinfachung und Erleichterung, wenn, wie es nach den uns zugegangenen Meldungen den Anschein hgt, die Reichsregieriing sich dadurch aus der Affäre zu ziehenbeabfichtigt.daßste alle besonders schwierigen Fragen der heiß umstrittenen Materie den Ländern zur Regelung überlassen will. Abgesehen davon, daß eine solche Verlegenheitsmaßnahme der Reichsregierung die Gefahr in sich schlösse, die sinnlose Vielgestaltigkeit des deutschen Schul- wesens noch weiter zu zersplittern, würde sie nur bewirken, daß der erbitternde Schulkampf, nachdem er sich ungefähr ein Jahrzehnt im Reich hat austoben können, nunmehr in jedem Land eine nicht minder erbitternde endlose Wieder- holung finden müßte, eine Aussicht von solcher Unerfreulich- keit, daß sich die Länderregierungen und nicht nur sie allein mit Entschiedenheit dagegen wenden werden. Aber so inhaltslos auf Kosten der Länder kann die Reichsregierung den Entwurf trotz alledem nicht gestalten, daß die wichtigsten grundsätzlichen Fragen in den Erörte- rungen des Reichstags nicht doch ihre eingehende Beratung finden müßten. Wenn nach den bisher bekanntgewordenen Mitteilungen die Gleichberechtigung der drei Schularten durebgesetzt werden soll, wenn man ferner in der Bekenntnis- schule für den Gesamtunterricht den„Geist des Bekenntnisses" durch Gesetz oerordnen will, so werden allein diese beiden Fragen ebenso endlose wie unerquickliche Debatten hervor- rufen, für die„Vorgänge" in den Beratungen des Reichs- tags über den ersten Entwurf genügend vorliegen. Eine ge- waltsame Erledigung des Gesetzentwurfs aber verbietet sich, auch wenn sie bei der inneren Zerrissenheit der Reichs- regierung in der Schillfrage durchzusetzen wäre, zum min- besten in der Frage der Gleichberechtigung der drei Schul- arten, da es sich dabei um eine ganz offene und unbe- streitbar« Aersassungsänderung handelt, die nur bei Zustimmung der Sozialdemokratie zu erreichen wäre. Daß aber die sozialdemokratische Fraktion Lust haben sollte der schwarzblauen Schulreaktion die heißesten Kastanien aus dem Feuer zu holen, das anzunehmen, dazu sollte selbst die politische Erfahrung und der durchdringende politische Scharf- sinn des geaenwärtigen Reichsinnenministers nicht aus- reichen. Den Schlüssel zur Lage hält d a s Z e n t r u m in der fond. Es scheint die Absicht zu haben, seine vorübergehende Koalition mit den Rechtsparteien rücksichtslos dazu zu be- nützen, seine konsessionellen Schulwünsche durchzusetzen, selbst wenn dies nur unter Abkehr von den Weimarer Verein- barungcn und den in ihnen zum Ausdruck gelangenden Grundsatz der gegenseitigen Duldung � möglich sein sollte. Das Zentrum wird sich dabei keiner Täuschung darüber hin- «eben, daß ein solcher Frontwechsel einen Kampf kultureller rt wachrufen wird, wie ihn Deutschland in gleicher Leiden- fchaftlichkeit noch nicht erlebt hat. Denn aber ein solcher Kampf mit einem Sieg der tul» t Unternehmergelö für Stahlhelmtag. 39 Mark für jeden Stahlhelm-Teilnehmer. Unter der Führung der Schwerindustrie des Ruhrgebiets habe« sich, wie der„Soztaldem. Pressedienst" erfährt, die industriellen verbände bereikerklärt. jedem Teilnehmer an der am 8. Mai stottsiudendeu Berliner Skahlhelmtagung fünfzig Mark sSll M.) zukommen zu lassen. Da damit ge- rechnet wird, daß fich aus dem rheinisch- wesisälischen Industriegebiet etwa zehnlausend Mann an dem Berliner Stahlhelmaus- marsch beteiligen, läßt sich leicht ausrechnen, um wieviel die Unternehmer ihr Bankkonto zur größeren Ehre des Stahlhelm» erleichtern müssen. Polizei unü Stahlhelmtag. Mne Erklärung des Polizeipräsidiums. Der poNzeipräsidenl teilt mit: llm PollzeiprSsidium fand gestern mittag unter dem Vorsitz des Polizeipräsidenten eine B e» fprechuag oller in Frage kommenden Dienststellen des Präsl» diums über die für de« 7. und S. Mai zu treffenden Maßnahmen stall. Das Ergebnis dieier Besprechung ist dahin zusammenzosassea, daß die Polizei, die fest entschlossen ist. mit allen ihr zu Gebole stehenden Mitteln das in der Verfassung jedem Staatsbürger ge» währleistete Versammlungsrecht zu schützen, bis ins kleinste hinein alle Vorbereikungen gelrosfen hat. um einen rohigen und ungestörten verlaus des Stahlhelmtages sicherzustellen. Für die Durchführung aller an diesem Tage gestellten Aufgaben steht eine ausreichende Anzahl von Polizeibeamte n zur Verfügung und außerdem ist ein enges Zusammenarbeiten zivlfthen Schuhpolizeibeamten und Kriminalbeamten vorgesehen. Darüber hinaus ist Vorsorge getroffen, daß für besondere unvorher- zusehende Fälle noch starke Reservcn vorhanden sind. Ein Stahlhclm-Tcmenti. Die Pressestelle des Stahlhelms bezeichnet die von de/„Roten Fahne" veröffentlichlen Sonderrichtlinien für den Stahlhelmtag als eine grobe Fälschung. Olutgericht in Peking. Die Verhafteten aus der Pekiuger-Sowjetbotfchaft hingerichtet. Peking. 2S. April.(Reutet.) Der Kommunistensührer Dtlatschao sowie siebzehn wettere Personen, die bei der Haus- fvchvag in den Gebäuden der Sowjetbotschaft festgenommen worden waren, sind heute nachmittag hingerichtet worden. Man glaubte, sie würden durch ein besonderes, zu diesem Zweck eingesetztes Gericht abgeurteilt werden. Offenbar hat sich aber die Polizei von ihrer Schuld überzeugt, nachdem das Gericht selbst die Untersuchung geleilet hotte, und hat die Hinrichtung be- fohlen. Die verhafteten wurde« tm hauplpolizeigcbäude erhängt. Einer halbamtlichen Mitteilung zufolge hat ein außer- ordentliches geheimes Gericht während der letzten drei Tage getagt und die des eandcsverrals angeklagten Kommunisten zum Tode verurteilt. Bis jetzt sind 20 Sommonisten hingerichtet worden, darunter eine Frau. Hankaucr Tfcheka? Der Leiter crurordet? Riga, 28. April.(TU.) Wie ans Moskau berichtet wird, wurde der aus hankau in Schanghai Inkognito eingetroffene Leiter der Tschekas Mitglied der Hankauer Regierung, Sun-Pai-wang, auf einer der Hauptstraßen des Chinesenviertels angeblich von An- hängern Tschiangkaischeks ermordet. Tschiangkoischek hat weitere 15 Kommunisten wegen Propaganda dem Gericht übergeben. Kantoncr Billigung für Dschiangkaischek. Kanton. 28. April.(Chines. Rachr.-Ag.) Eine von rund 3000 Personen besuchte Versammlung billigte einstimmig die Beschlüsse der N a n k I n g regierung zur Frage der Partei reinigung und erklärte sich mit den Maßnahmen gegen die Kom- munisten einverstanden. Tsthiangkaisthe? marschiert auf Hankau. London, 28. April.(Eigener Drahtbericht.) Die letzten großen Meldungen aus China lassen eine große Schlacht zwischen Tschiangkaischeks und den hankautruppen in der Nähe von Kiukiang und auf dem Iangtsefluß zwischen hankau und Nanking für die nächsten Tag« erwarten. Tschiangkaischeks erste Armee ist 35 Kilo- meter von Kiukiang, das von der sechsten Armee der Hankanregie- rung verteidigt wird, entfernt. Die Armee der Hankauregierung in der Provinz honan soll eine ernste Niederlage erlitten hoben und auf dem Rückzüge sein. SowjetruPsche �rbeiterverfolgung. Rotangeftrichencr Zarismus. Dem»Sozialistischen Voten" berichtet man aus Rischni- Nowgorod: In Nischni-Rowgorod wohnten 15 bis 20 ehemalige politische Gefangene, die bereits in verschiedenen„Polil-llsolaloren",„Konzentrationslagern" u. S. ihre„Strafen" verbüßt haben, darunter drei auf den Solowchki-Znseln. Die örtliche GPU.(Tscheka) suchte nur nach einem Vorwand, um diese gefährliche Gruppe zu zerstreuen. Ein ehemaliger Verbannter, der Odessacr Arbeiter Genosse R a d k o p. der nach Derbüßung seiner Verbannung„frei" in Kasan wohnie, kam für einige Tage nach Mschni-Rowgorod und besuchte einen Freund, mit dem er die Verbannung gemeinsam verbüßt hotte. Dies hat genügt, um die Tscheka zu veranlassen, den Zugereisten. seinen Freund und weitere 13 Sozialisken zu vcr- haften. Sie wurden beschuldigt, bei der„Flucht eines Verbrechers" geholfen zu haben. Dabei kannten die meisten den Zugereisten nicht und haben ihn auch nie gesehen, da erersl am Vorabend nach Rischni-Rowgorod gekommen war. Räch zwei Monaten wurden olle Verhasteten für drei Zahre in eine neue Verbannung geschickt. Genosse Rad- kop ebenfalls für drei Zahre in den„Polil-Zsolator"(Gefängnis) In Rischni-Uralfk. Unter den 14 Verbannten sind die meisten Sozialdemokraten, zwei Soziairevoluiionäre, die übrigen Mitglieder kleinerer sozio- listischer Gruppen. turpolitischen Rechten enden sollte, so wird sich wiederum im Zentrum niemand darüber im Zweifel befinden, daß damit für den Schulfrieden in Deutschland, und damit für den inneren Frieden der jungen Republik überhaupt, noch nichts erreicht, wohl aber sehr viel verloren wäre. Die beiderseitigen Kontrahenten für das Weimarer Schulkompromiß— auf der Zentrumsseitc waren es Grosbcr. hintze und Burlage— waren sich darin einig, daß ein Schulgesetz, das gegen den Willen großer Volksmassen mit Gewalt oder mit parlamen- tarischen Schlichen durchgesetzt werde, niemals Ruhe bringen. sondern nur neue Verbitterung erzeugen werde. Und das Zentrum selber hat in jahrzehntelangen Kämpfen früherer Zeiten bewiesen, daß es nicht zur Ruhe kommt und anderen keine Ruhe läßt, solange es sich in Herzens» und Gewissens- fragen vergewaltigt fühlt. So liegt die kulturpolitische Zukunft düster vor uns und der kaum in den Anfängen vorhandenen Festigung der siin- gen Republik drohen neue Gefahren. Wöhrend für die Sammlung aller Republikaner, besonders der erwerbstätigen Schichten, die erbitternden religiös-konfesiionellen Gegensätze früherer Zeiten allmählich hätten gegenstandslos werden müssen, indem die Republik allen Konfessionen und Weltan- schauungen gleiches Recht und gleiche Freiheit unter ihrem Dach einräumt, werden durch die republikfeindlichc Rechts- kraliiion alte kulturelle Gegensätze wieder neu aufgerissen und vertieft. Für die Weimarer Schulvereinbarungcu im Jahre 1919, in einer Zeit der größten außenpolitischenNote, galt der Grundlatz: Ueberzeugen können wir uns nicht, ver- gemaltigen dürfen wir uns nicht, also müssen wir uns dul- den. Jetzt, in einer Zeit der außenpolitischen Beruhigung, scheint man nach dem Grundsatz handeln zu wollen:„Heber- Zeugen können wir uns nicht, zum Dulden haben wir keine Lust mehr, also vergewaltigen wir, solange wirdleMachthaben!" Wer solchen Wind sät, möge sich nicht über den Stunn wundern, den er dereinst ernten wird! Möeutsthe Soliöarität. ! will es plötzlich wieder nicht gewesen sein. Die Alldeutschen haben auf der Versammlung ihres Hauptvorstandcs in Käthen dem Plauener Rechtsanwalt Müller, dem Beleidiger Stresemanns, ihre Anerkennung ausgesprochen. Man las darüber in der„Deutschen Zeitung": „Der Vorsitzende begrüßte die Versammlung und entbot dem Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses. Rechtsanwalt Dr. Zl r t u r Müller aus Plauen, besonderen Gruß, indem er sich unter lebhaftester Zustimmung de« Auftrags entledigte, den der Ausschuß ihm erleilt hat, Dr. Müller den Dank des Alldeutschen Verbandes für seinen Kampf um die Reinheit und Reinigung des öffentlichen Lebens auszu- sprechen." Erste Phase: Solidarität der Alldeutschen mit Rechts- anmalt Müller. Darauf schlug die„Nationalliberale Correspondenz" Lärm und behauptete, E l a ß, der Borsitzende des Alldeutschen Ber- bandes, stehe hinter Müller. Heute liest man in der.deutschen Zeitung" unter der Ucberfchrkfft„Die Alldeutschen und Strese- mann": „ZLir sind in der Lage festzustellen, daß die Behauptung der „Nationalliberolen Korrespondenz" der Wahrheit wider« spricht, da weder Lustizrat Clcß, noch der Alldeut« sche Verband chcrrn Rechtsamvalt Dr. Artur Müller zu seinem Kampf« gegen Herrn Stresemann veranlaßt haben! ebenso» wenig haben sie bei der Beschaffung der Akten mitge- wirkt, die im Plauener Prozeß eine so große Rolle gespielt haben. Justizrat Claß wird der„Nationalliberolen Korrespondenz" eine Besichtigung zugchen lassen, sobald er den Wortlaut ihrer wahcheitewidrigen Ausführungen vorliegen hat." Zweite Phase: Die Alldeutschen schwächen ihre Solidarität Mit Rechtsanwalt Müller ab. Wenn man das Vorgehen Müllers für sittlich recht hält, wenn man ihn. Dank und Anerkennung ausspricht, warum der Eifer, sich hinterher zu distanzieren? Man wird doch nicht erzählen, es fei Bescheidenheit, die Herrn(Ei a si und den Alldeutschen Verband zu so auffälligem Berichtigungs« eifer veranlaßt? Zu einer öffentlichen Erklärung, die so gehalten ist, als ob es sich um ein Abrücken von einer faulen Sache handle? Gestern Dank und Anerkennung, heute Diswnzierung. Alldeutsche Treue!_ Um die Studentenschaft. SQann wird mit dem völkischen Sumpf aufacräumt? Der völkische Vorstand der Deutschen Studentenschaft hat seine neue Affäre. Da rührt man die Trommel für eine G e- iollenen.Gedenk-Stiftung. Ätwa 37 000 M. gehen ein. Aber die Herr«» vom völkischen Vorstand denken gar nicht daran, die eingehenden Gelder ihrem vorgesehenen Zweck zuzuführen. Bewahre. Die netten Sümmchen gehen in die gemeinsame Kasse des Vorstandes, die schon einmal Gegenstand eines peinlichen Unter- fchlagungsskandals war. Damals versuchte der erlauchte Vorstand die Schuld ans einige Lotterbuben abzuwälzen. Aber siehe da: die Lotterbuben verschwanden, die Lotterwirtschaft blieb. Blieb, wie die Unschuldsmiene der gekränkten Ehrenmänner. Als vor einiger Zeit die Presse mit dem Finger aus den neuen Skandal zeigte, erfolgte ein entrüstetes Dementi. Die republikanische Presse, die sich alle Nase lang mit völkischen Der« leumdern herumschlagen muß, schwieg daraufhin. Die völkischen Herren liehen die Frist, die ihnen republikanischer Anstand ließ, nicht ungenutzt. Wertpapiere, Guthaben, Postscheckkonten und Scheckanweisungen des Deutschen Hochschulrings wurden zusammengekratzt, um den Skandal zu vertuschen. E» half alle« nichts, Eine Untersuchung durch die Kriminalpolizei ergab, Heulende verwische. Von Hermann tiieber. Unsere mimosenhaft empfindsamen deutschnationalen Zoitgenossen fühlen sich wieder einmal auf den Schlips getreten. Im Landtag haben sie sich durch«ins Dame beschweren lassen, in Potsdam haben sich die„Dereinigten Vaterländischen Verbände" zu einer Protest- kundgebung entschlossen, im„Cokal-Anzeiger" wimmert Herr Ludwig Eternaux:„Allenthalben sind Hände am Werk«, Erinnerungen zu tilgen, die Unzähligen teuerster Herzeuebesitz sind.. Und warum di«se Weheklagen? Wegen„umfangreicher Der» Änderungen", die die preußische Krongutsverwaltung im Park von Sanssouci vornimmt.„Unter anderem sollen die beiden Stand- vilder Friedrichs des Großen abgebrochen und an Plätze versetzt werden, die außerhalb der eigentl chen Parkschöpfungen des Königs liegen. Ohne Rücksicht aus die erheblichen Kosten sind die Arbeiten bereits im Gange. Wir unterzeichneten Einwohner Potsdam» empfinden diese durch nichts gerechtfertigte Maßnehme als einen Eingriff... als eiue bewußte Herausforderung... fordern Ein- stellung der Arbeiten und Wiederherstellung der Denkmäler in ihrer alten Form." Wodurch die„erheblichen Kosten" noch erheblicher und zu dem nutzlos zum Fenster herausgeworfen wären. Die Sorge für das Bolksverniögen klingt�besonders glaubhaft bei den Potsdamern, die ihren Hohenzollern gar nicht genug Millionen zuschanzen können. Und wie steht'e mit dem„Eingriff" und der„Herausforderung"? Die Krongutsverwaltung im Dienste des Finanzministeriums versucht seit Jahren, die Schlösser Friedrichs II. im Park von Sans» louci in ihrer ursprünglichen Form wiederherzustellen. Sie betrachtet das, seitdem diese Werke in Staatsbesitz Übergegangen sind, als ihre kulturelle Pflicht und wird darin gerade von dem„denkenden Volks- teil", den der.Lokal-Anzeiger" gern unter seinen Lesern entdecken möchte, lebhaft unterstützt. Wenn dieser pietätvolle Bolkstell, der den Behörden in den Ann fälll. wirklich denken könnte, dann müßte ihm die Erkenntnis aufdämmern, daß an der ungeheuer mühsamen unh allerdings kostspieligen Arbeit des Finanzministeriums die Noch- feiger des Bauherrn von Sanssouci schuld sind, die das kostbare Ber« mächtnis in einer geradezu schamlosen Art verwaltet haben. Eine kleine Uebersicht mag dies erweisen. Friedrich Wilhelm II. ließ, kaum daß sein Oheim die Augen geschlossen hatte, dos Sterbe- zimmer herausreihen und in klassizistischem Stil umbauen. Die mundervollen Kolonnaden von Knobelsdorfs, Friedrichs Meister- orchitekien, die die lange Allee zwischen Sanssouci und Neuem Palais unterbrochen, ließ er wie altes wertloses Gerümpel abbrechen. Friedrich Wilhem III-, der das Barocktheater im Stadtschloß zer- Start hat, kümmerte sich nicht um Sanssouci. Um so mehr taten es eine Söhne und sein Urenkel. In den vlerzsaer Jahren ließ Friedrich Wilhelm IV., wie sein Geistesverwandter Ludwig II. von Bayern vom Baukoller besessen, Schloß Sanssouci und Umgebung radikal verändern. Ausgerechnet der Sommersitz des Alten Fritzen bskain einen„Damenflügcl" in Biedermeierstil, die Neuen Kammern wurden verändert, die oberste Terrasse mit Marmorbalustraden und Basen beladen, die zu der schlichten Weinlaube aus dem 18. Jahrhundert paßten wie eine brutale Faust auf ein schönes Auge, und zu Füßen daß ein Sonderkonto für die Gefallenen-Gedenk-Stifwng, wie es der Ordnung entsprochen hätte, nicht eingerichtet worden war. Der preuhische Unterrtchtsminister muhte es infolgedessen ablehnen, die Verantwortung für die Erhebung von Zwangsbeiträgen zu- gunstcn der Stiftung zu übernehmen. Der Fall ist klar. Nach dem Unterschlagungsskandal hatte der völkische Vorstand der Deutschen Studentenschast allen Anlaß, in der Kassenführung peinliche Sorgfalt walten zu lassen. Um so mehr, als er sich in seinem antisemitischen Feldzug als den Borkämpfer für rassereines Deutschtum auf- führte. Er hat das nicht getan. Er hat sich trotz des»och nicht oer- jährten Skandals Machenschaften zuschulden kommen lassen, dt« mit einer sauberen Geschäftsführung nicht zu vereinbaren sind. Er hat dadurch, wie der Entschluß des Kultusministers zeigt, die Deutsche Studeiitenschast finanziell empfindlich ge- schädigt. Er hat nach der zerrüttenden und irrsinnigen Ber- fassungskampagne gegen den Kultusminister nun auch noch den moralischen Kredit der Deutschen Studentenschaft v e r- n i ch t e t. Eine Körperschaft, die unter einer derartigen Führung steht, ist nicht mehr kreditfähig. Der Fall ist klar. Der jetzige Vorstand der Deutschen Studenten- schast muß verschwinden. Hätte er ein Fünkchen Ehrgefühl, ein Mindestmaß von Berantwortungegefühl im Leibe, würde er nach dieser Affäre von selb st zurücktreten. Was geschieht statt dessen? Der völkische Vorstand der Deutschen Studentenschaft sucht einen Schutzschild und findet einen solchen wahrhaftig im Deut, schen Hochschulring. Wenn der Deutsche Hochschulring so großmütig war, am Vortage der Untersuchung das letzte Loch in der— sagen wir einmal nicht ordnungsgemäß seinem Zweck zugeführten Summe zu stopfen, gut, man wollte die Deutsch« Studentenschaft und ihren völkischen Vorstand vor dem Verdacht einer neuen Unterschlagungsaffäre bewahren. Ehren- Haft. Nichts dagegen einzuwenden. Aber dann— zum Teufel noch mal, mußte man den Brüdern die Faust unter die Nase holten: Schluß endlich, verschwindet! Statt dessen Deckungsoersuch in der „Deutschen Zeitung", dem Blatt Claßscher Wohlanständigkeit: Neue ginkshetzo gegen die Studenten, Verleumdung, der Kultusminister hat festgestellt, daß alles in bester Ordnung ist! Lüge statt Reinigung. Und die Studenten, die von ihrem Vorstand auf den Hund ge« brachte Deutsche Studentenschaft? Ja. da» ist da« Er« staunlichste an dieser Geschichte. Schweigen. Nichts rührt sich. Ist man etwa einverstanden mit dieser Lotterwirtschaft oder findet sich kein Mutiger, der es wogte, mit den Herren deutsch zu sprechen, weil sie sich ein» völkisch-antlsemitische Mast» oorgeknüpft haben? Deutsche Studentenschaft! Keine Zußßottz des Volkerbundes. Sondern nur Sonderabzeichen für Diplomaten- flugzeuge. Senf. 28. April.(Eigener Drahtbertcht.) Dt« Internationale Luftfahrtverkehrskonferenz in Londlm hat einer Anregung des Berkehrsausschusses des BSlkerbundsrat» gemäß beschlossen, daß Flugzeuge, die sich in dringenden Völkerbundsange. kgenheiten nach Genf begeben(beispielsweise bei eiliger Einberufung des VölkerHundsrats in Konfliktsfällen), als besonderes Zeichen«inen schwarzen Streifen durch die Landeszeichen führen werden. Die weitergehende Nachricht der„Morning Post", wonach der Völkerbund sich eine eigene Luftflott« anschaffe, entbehrt jeder Grundlage. �us dem verleumdersumpf. 2000 Mark Geldstrafe für eine« deutschnationalen Parteibeamten. Hildesheim. 28. April.(TU.) Vor dem hiesigen Schöffengericht kam heilte ein Beleidigungsprozeh des Oberbürgermeisters a. D. L e i n« r t- Hannooer gegen den deutschnationalen Parteigeschäftsträger Mohrenweiser zur Verhandlung. Mohrenweiser sagte In seiner Vernehmung, Leinerf Hab« für die der Terrasse muhte«ine große Fontäne angelsgl werden mit Rund» danken darum, trotzdem schon marmorne Figurengruppen aus dem 18. Jahrhundert den Rundplatz genügend markierten. Zu allem Ueherfluß ist in die Allee, die von der Hofgärtnerwohnung her kommt, ein« riesige Marmorvase gepflanzt worden, di«„Draki-Vase" mit dem Sockelrelief vom Denkmal Friedrich Wilhelms III. im Berliner Tier- garten, einem stillosen Monstrum aus d«m Jahre 1SSS. Und als hätte man es darauf angelegt, die beherrschende Wirkung des Terrassenaufbaues um jeden Preis zu vernichten, fetzt« Wilhelm I. mitten davor im Jahre 18KS eine Marmorkopic von Rauchs Friedrich- Denkmal Unter den Linden. Abgesehen davon, daß einem diese Figur den Blick versperrt, ist sie als verkleinert« UeÄcrtragung einer Bronze- sigur in ein fremde, Material— aus technische» Gründe» mußte man den Pferdcbauch noch extra stützen— eme Geschmacksbarbarei schlimmster Art. Und damit Willi im Reig«n der Baltzorne nicht fehle, hat dag Sterbezimmer Friedrichs«inen Marmorklotz von Harro Magnussen bekommen, der den sterbenden Fridericus vorstellt, und vor die Neptunsgrott« wurde»ach berühmtem Vorbild, um zu vcr, hindern, daß man das architektonische Werk für sich genieße, der jugendliche Fridericus von«inern anderen Eiegesallee-Lieferanten, von Max Uphues, gepflanzt. Der sterbende Fridericus ist entfernt. Nun soll all der übrige Marmorbollast folgen, damit Knobelsdorsfe Gchbpftmg wieder für sich selber spreche» kann. Die Frjedrich-Figuren, Rundbänke. die Droti-Base sollen verschwinden. Anstott daß nun di« Verehrer des„Großen Friedrich" sich über diese heilsame Rein«ung und die Wiederherstellung seiner Schöpfung freuen, erheben sie ein Zeter- geschrei. Man erkennt daran, was ihnen gp Aulturwerten der fridcrizianischen Zeit liegt. Der Bandolismus und d e Unbildung ihrer geliebten Hohenzollern wird ist Sanssouci stillschweigend korrigiert. Das können Lakaienseelen nicht verwinden. Der Mensch und der Paragraph. Die nachfolaenden beiden kleinen Seschichten stellen«ine wort. adttuc Url>«rI«Kung au- t>»r Moskau«!„Prawda" dar. LI«»nt, ballen als» auiycnkilche und dabei r»«indrucksv-ll««ulturschild«. eungen, daß j-d«r iiammentax übcrflosstz crschcint. In diesen Tagen war ich in einer Moskauer Apotheke Zeuge der folgenden Szene: Gegen Abend wurde in die Apotheke ein Wann mit einem verrenkten oder gebrochenen Bei» hereingebracht! er war bleich, stöhnte und lieh sich kraftlos, fast ohnmächtig, auf die Ehaise- longue in der Eck« nieder. Der Arzt schnitt den Stiesel aus dem vcr» letzten Fuße auf, holte JBerbandsstoft und ein Fläschchcn aus der Handtasche hervor: der Feldscher oder Sanitäter, der zusammen mit ihm hereingekommen war. zog au» einer Tasche ein Blatt Papier und einen Bleistift. Er tot das schnell und besorgt, mit der Miene eines Menschen, der die Hauptrolle bei einer Sache spielt. Der Arzt bestrich den Fuß mit Salbe und fing an, einen Verband anzulegen. Der Mensch stöhnte gequält und biß sich di« Lippen blutig. Der Sanitäter aber stand da mit den, Papier, schrie dem Kranken ins Ohr und leckte den Bleistift an. „Hallo, Bürger: Ihr Familienname? Ihr Alter? Ihre soziale Abstammung? Ihr Beruf?" Verschacherung städtischer Werke 100 000 M. vom Rhenania-Konzern erhalten. Er berief sich auf die Reichstagsabgeordneten Logemann und Katz als Zeugen. Der letztere habe ein Schreiben des Rhenania-Konzerns in Händen, aus dem hervorgehe, daß Leinert das Geld erhalten habe. Das Gericht lehnte einen Antrag auf Vernehmung des Reichstagsabgeordncten Katz ob und verurteilte den Angeklagten ZU einer Geldstrafe von 8000 W. oder für je 20 M. einen Tag Gefängnis.. Das Recht der Sozialrentner. Ei» Rundschreiben des ReichsarbeitSmiuisters. In der Absicht die Gefahr zu beseitigen, daß bedürftig« In» validenrentner, die bei der Rentenzahlung am 1. Juli die erhöhte Invalidenrente erhalten, eine Kürzung der Fürsorgerenta um den- selben erhöhten Betrag erdulden müssen, ist, wie wir erfahren, vom R«ichsarbeitsministenum ein Rundschreiben an die Länder hinausgegangen, in dem ausdrücklich davor gewarnt wird, daß die Fürsorgeunter st ützung schematisch um die Erhöhung der Invalidenrente gekürzt wird. Eine solche Kürzung wer nicht die Absicht des Gesetzgeb«rs und sie entspricht nicht dem Sinn und dem Recht der Fürsorgepflichtoerordnung. Es ist absolut nicht angängig, daß dl« Länder aus der Erhöhung der Invalidenrente jetzt Vorteile für sich herausschlagen. Hoffentlich genügt das Rundschreiben des Reichsarbettsmini» steriums, um von vornherein üble Praktiken gegenüber hilssbedürfii« gen Jnoalidenrentnern unmöglich zu machen. Der Haushaltsplan für München. Eine 08-Mlllionen-AnleihL, ZNünche«. 28. April.(Eigener Drahtbericht.) Der am Donners- tag vorgelegt« Haushaltplon der Stadt München ist mit rund 860 Millionen Mark ausbalanciert. Dazu kommt für das laufende Jahr ein Anleihenbedarf von SS Millionen Mark, die im«esenllichen für die Erneuerung und den Ausbau der stadt- eigenen Werksbetriebe(Straßenbahn, Elektrizität»- und Gaswerke) verwendet werden. Unter den Ausgaben interessieren 4,« Mil- bone» für den Wohnungsbau, Sch Millionen für den Neubau eines Musikhauses, 1 Million Zuschuß für den Bibliotheksneubau des Deutschen Museums und 1 Million für den neuen Flughafen und 650 000 Mark Zuschuß für die Aktiengesellschaft, die den Tierpark wieder errichtet. Die sozialdemokratische Stadtfraktion lehnt den Haushall ab, weil die bürgerlich« Mehrheit(Deutschnational« und Bayerisch« Bolkspartei) ihre fortwährend« Defizitwirtschaft im wesentlichen durch die Erhöhung gerade derjenigen Gebühren auszugleichen oersucht, die die minderbemittelten Be. völkerungsschichten am schwersten treffen. Die Mußfaschiften mucken auf. Im römischen Pressevercin. London, 28. April.(RD.) Wie der„Time?" aus Rom ge- meldet wird, sind innerhslb des faschistischen Syndikats der Iour- »allsten heftige Differenzen entstanden«n Anschluß an eine Kundgebung, zu der L n t e r l a n d i. d-r Herausgeber de» faschistischen „Jl Tevere" und Präsident der römischen Sektion des Journalisten. syndikates, sämtlich« Mitglieder dies«» Syndikate» komm an« d l e r t" hatte. Asti nur 50 von 380 Mitgliedern der Anordnung Interlondis Folge leisteten, forderte er die übrigen 300 auf. über ihr Fehlen Rechenschast zu geben. Lm Anschluß daran vex» öfsentlichte der Herausgeber de»„jZmpero", Settimelli, einen geharnischten Artikel gegen Jnterlandi» Aktion, Auf diesen Artikel hin hat Jnterlandi den unverzüglichen Ausschluß Settimelli» aus dem Berussoerhand angeordnet. Di« Pressefehde zwischen beiden nimmt ihren Fortgang, wybei Settimelli durch zahl- reiche Austrittsextlärungen bisheriger Mitglieder des faschistischen Syndikats der Journalisten unterstützt wird, „Dachdecker," kam es stöhnend aus dem Munde des Berum- glückten, während er krampfhaft mit den Fingern im Dioan wühlt«. „Dach..„ o Gott!" „Wo arbeiten Sie? Ihre Anstellung? Di« Nummer Ihre» Ver- bsudsbuches? Hallo, hören Sie?" Dem Kranken wurde übel. Man ließ ihn in ein Fläschchen riechen. Der Sanitäter beugte sich erwartend über ihn und hiett den Bleistift wieder bereit. Kaum hatte der Kranke die Augen g«- öffnet und wieder gestöhnt, da schrie der Sanitäter abermals:„Sind Sie verheiratet? Das wievielte Mal erleiden Sie einen Unfall? Hallo!" Ich dacht«, baß er jetzt unbedingt fragen werde, was dieser Mensch vor der Februarrevolution getrieben habe: ob er keinen Rang in der alten Armee hatte, und was für sittlich« Ansichten sein« Groß- mutier vertrat in der Zeit, als Otschakoff und die Krim erobert wurden. Ich dachte weiter, selbst wenn man«inen sterbenden Menschen halten, ihm sogar Kampfer einspritzen müßte, werde man erforschen, pb er nie vorbestraft gewesen ist und was für Immobilien er besitzt, was seine Frau, di« Ellern und die Verwandten bis zur dritten Generation besitzen. Das«in« steht fest, daß man ihm nicht eher zu sterben gestatten wird, bevor nicht all« Rubriken der Enguej« ausgefüllt worden sind. Wenn er ganz zuletzt seinen Geist auf» gehend, erleichtert die Auge» schließen wird, dann wird man ihn noch fragen, das wjemelte Mal ihm„dieses"»assiert setz„Sind Hi« schon einmal früher gestorben, und wenn nicht, weshalb?" So ist die Macht des Papierchens. Wäre es möglich, daß ein Mensch stürbe. ohne die Spuren von Fragebogen und Paragraphen zu hinterlassen?! » Im Gouvernement W o l o d g a, im Dörfchen Pogiblowa. hqite sich ein zweijährioes Mädchen mit einem Span ins Auge gestochen. Dos Aug« schwoll sofort an, tränte und begann auszu- fließen. Das Kind wurde ins Krankenhaus gebracht, das sich lm Dorfe Grjasowez. zwanzig Werst vom Hcimaldars entfernt, befand. Der Arzt untersuchte es in der Ambulanz, wusch und v:r» band das Auge und faote, daß das Kind dringend«ine sofortige Operation benötigt« und deshalb gleich in der Klinik belassen werden müßt«. Es stellt« sich aber heraus, daß das Rind nur dann ins Krankenhaus aufgenommen werden könnt«, wenn man ersten, di« Bescheinigung brächte, daß e» tatsächlich aus einer vauernfamil'e stammte, und zweitens die Bestätigung dafür, daß d'« Steuern für diesen Bauernhof bezahlt worden seien. Di« vor Aufregung halst verrückt gewordene Mutter lief in der Kanzlei von einem Regi. stratyr zum anderen, schwor bei allen HeUlgen, daß die Steuer ihre, Gehöfes schon vor Weihnachten bezahlt worden wärt, und bat, daß man doch auf ihr« verarbeiteten Hände schauen möchte, um zu er- kennen, daß sie wirklich«ine Bäuerin und keine Gutsbesitzerin oder Generalsfrau wäre. Sie weint«, drohte und fleht« abwechselnd und war bereit, jeden, der ihrem Kinde dos Augenlicht retten würde. auf den Knieen darum zu bitten. Umsonst war ihr Flehen. Geben Sie da? Papier!! Sie nahm das Kind und ging wieder zwanzig Werst zunick ins Dörfchen, um die Bescheinigungen zu holen. Im Dorfe bekam sie die Beschönigung, aber darauf stand:„Ohne Stempel nicht gültig." Nach dein Stempel mußte ins Raynkoinitee der Dörfer gefahren werden. Der Porsitzende war mit dem Petschaft verreist, und man mußte warten. ftuf öen Totenmseln. Ein Brief aus der TcportationShöllc. Aus Mailand berichtet man uns: Ein Brief, der auf geheimen Wegen in Freundeshände gelangt ist, lehrt uns das martervolle Dasein der politischen Ber. bannten auf der Deportationsinsel Ustica kennen. Der Brief lautet: Insel llstica. im April 1S27. Mein Lieber! herzlichen Dank für Deinen Kartcngrub, den ich mit großer Freude als Zeichen der Anhänglichkeit und des Yedenkens erhallen habe. Eine St mme, ein Gruß aus der Ferne ist ein Heller Lichtstrahl in di« Finsternis des Lebens, das zu führen wir hier gezwungen sind. Mit mir zusammen Hausen hier der frühere Abgeordnete E o n o a aus Verona, sein Kollege R o m i t a aus Turin, Fiorio aus Mailand und mehrere Kommunisten, Anarchisten und Aepublikancr. Ustica ist eine kleine, im Mittelmeer verloren liegende Klippe volkani- schsn Ursprungs. Wir sind lOW Bewohner, 600 wegen g e- meiner Verbrechen Deportierte(eine Sammlung von Uebeltätern jeder Art), 60 saschistische Milizsoldaten,<10 Corabi' nicri.«tma 30 Wächter und Beamte und ungefähr 40 Araber, ebenfalls politische Verbannte, da sie sich gegen die italienische Fremdherrschaft in ihrer afrikanischen Heimat aufgelehnt haben. Es sehst alles: Elektrisches Licht, Trinkwasser, und wenn der Dampfer wegen der vielen Stürme nicht herankommen kann, find wir sogar von dem allernotwendigsten Bedarf entblößt, der auch noch sehr teuer bezahlt werden muß. Die Regierung gibt uns täglich 10 Lire, die aber bei weitem nicht ausreichen, um Esicn, die Wohnung bezahlen und sich sauber halten zu können. Noch tragen wir unsere Zivilkleider, aber bald, wenn sie abgenutzt sein werden, werden wir gezwungen sein, Sträflings» kl ei der anzuziehen. Trotz alledem geht meine Gemütsver- fasiung hoch wie der Himalaya und mein« Hoffnung wie der Montblanc. Schreibe mir öfter und denke daran, daß örtlich« Zensur besteht und noch eine andere, die die Briefmarken Deiner Kart« abgerissen hat, um zu schnüffeln, ob Du unter ihnen nicht einig« Pläne irgendwelcher Art aufg«zeichn«t hast." Die in München von„Freunden der Förderung gemein» nütziger, politischer, wirtschaftlicher und kultureller Beziehungen zwischen Deutschland und Italien' herausgegeben«„N o r d s ü d- Korrespondenz* mit noch näher bezeichnendem Untertitel „Römischer Depeschendienst' beklagt sich in ihrer Nr. 16 vom 8. d. M. bitter darüber, daß man im antifaschistischen Lager kein Verständnis für ihre edle Ausgabe aufzubringen vermöge und ver- spricht, auch„ehrlichen Gegnern des Faschismus ihre Spalten gern zur Verfügung zu stellen'. Dieser Brief ein«. Unglücklichen, dessen„Verbrechen' darin bestanden hat, seiner politischen Ueber» zeugung treu zu bleiben und sich gegen jede Tyrannisierung seiner Volksgenossen durch die brutale Minderheit zu erklären, bietet der „Nordsüd-Korrespondenz' und ihrem verantwortlichen Redakteur Dr. Friedrich M ö h l die gewünschte Gelegenheit, einen ehrlichen Gegn«r des Faschismus zu Wort« kommen zu losten. Wir geben ihr den Abdruck des Briefes frei. Der britische Gewertschastskampf. Auch die Industrielle Alltanz gegen die Bill. Londoa, 28. April.(Eigensr Drahtbericht.) Di« Konferenz dsr Sewerkfchaftsvor stände über den Kampf gegen das Gewerkschaftsgesetz wird am Freitag zusammenteeten. Dieser Kons«- renz werden SO Dlstriktskonserenze» sokgen, uij, da? Borgehen in den einzelnen Bezirken zu«rganisieren. Das Gewerkschaftsoer- teidiguirgskomite« hat beschlosten, für die Dauer des Kampfes gegen das Anti-Gewerkschaftsgesetz die Wochenschrift„The British Woxker' herauszubringen; so hat auch die während des General- sireits erschienene Arbeiterzeitung geheißen. Der Generalrat der Industriellen Allianz, eine aus Arbeitern und Unternehmern bestehend« Orgonisatlon hat den Mim- sterpräfidenten aufgefordert, das Anti-GcwerkschaftsK-setz zurückzu- ziehen. bis er wiederkehrte. Dan» tonnte nicht gleich ein anderes Gespann aufgetrieben werden, dos das müde Pferdchen ablöste. Unterdessen wurde es Nacht. Am folgenden Morgen war das Auge des Kindes ausgelaufen. Kein« Bescheinigung konnte den Krüppel in«inen gesunden Menschen verwandeln. Das ist die grausige, erschütternde, grenzenlose Macht des Paragraphen. Es ist poch gut, daß nur« i n Auge ausgelaufen mar. Der Mensch konnte überhaupt erblinden oder vielleicht sogar sterben, nur weil ihm das Papierchen fehlte, oder well die Nummcx und der Stempel auf der falschen Seite de» Papiers stand. Es ist grauenhaft! Was ist der Mensch? Der Paragraph ist die Haupt- sachc! Der Paragraph muß ausgesührt werden. Jetzt folgendes; Der Paragraph ist kunstgerecht ausgeführt. aber der Mensch, der lebendige Mensch ist nicht mehr da. Was ist teurer?_ Neue Wandertheater des Volksbühnenverbandes, Der Verband der deutschen Solksbühnenvereine wird im laufenden Jahr neue verbandseigeu« Wanderbühnen übernehmen, und zwar eine für Ostpreußen und wahrscheinlich einx weitere für Hannover. Aus dem Frankfurter Kiiiistlsrtheater scheidet der bisher beteiligte Bühnen» volksbund aus, io daß dieses für Baden, Hessen und dik Rhein- prooinz maßgebende Wandertheater nur noch vom Verband der deutschen Bolksbühnenvereine in Gemeinsamkeit mit dem Rhein- Mainischen Verband für Bolkebilduna geführt werden wird. Dez weiteren verfügt der Bolksbühnenverband bekanntlich über das Ost- deutsche Landestheater für Brandenburg und Pommern, da» Schle, siiche Landestheatcr}n Schlesien und'das Mitteldeutsch? Landes, theater für Sachsen-Anhalt. � Varls reinigt felae Luft. Der Pariser Polizeipräsekt hat eine besondere Kommission eingesetzt,-m deren Spitze Prof. Henriot steht. die die besondere Aufgabe hat. die Pariser Lust von dem Gasdunst der Automobile und dem Rauch der Fabriken zu reinigen. Es sind bereits verschieden« Projekl« vorgelegt, darunter eines, das durch künstliche Ozonstäubung die schädlichen Echwefelverblndungen in der Luft ausscheiden soll. � Jrfie Sozialistische 8«chichnle. D»e nächste»nd lech!« Vortrag in d'esem Tenieiler nudet am ZannobenS, den 7. Mai, abends 7';, Utjv. im fiooen «aal des ebemaligen H-rrendauic� Leipziger«trotze Z. flott,»cupffc Dr. B r« i t s ch e i». M. i- R. lptlcht»der da? Ttzem«:.Toztaltttisch- Auiunpoütil'.— Korten zum Preist von t.0 Pf, fmd an folg,»den Stillen zu baden: Guican d»S BczlrlsbilbunosaustchusieS, Lindenftr»';« Z, 2. Hof, I Tievpeii,((immer 6.-- Buchli-nblung vi. H. W. Tie» Nackt.. LindenNratze 2.— Verband der graphischen Hilfsarbeiter. Rittc-ftrane Ecke Luisenufer.■»- kigairengefchait Ho« Ich, Engelpier 24/25, GewetkschaflSbauS. — Tabakvertried. Örtfrlärailc 6.— Verlag deZ Verbandes der deutschen Duchbiucker, Dreibundslraße d.»söeltsreude, Pflcherfluben', PotSdaneer «trabe>04.— Berliner tSewcrlich iftSkommiiüon. Engetufex Zt/Z», Gewcrt- ch°ftsh«j,K— sowie tn allen.PorwchtS-'Zpcditionen. Zu dm Sa rmeriplelen findet ab M a n t a g, den?. M a i, vis ein- fchlletzljch Montag,»cn 9. Mai.»in achttSgigeS«a'lfpiel flott. Zur Auf. fuhrung gelangt.Revue zu Bieren«. Komödie in fßnf Bildern von Klaus Mann In den Hauptrollen find beichäftigt: Stlau« Mann, «rlt. Mann. Pameta Wedelind und Gustav Gruend- gens. Vübn-nbildcr: Theo. Sternhetw. Der Gehekmbunö Chamberlam-Muffolmi und die Kourödie britischer„Demarche" tn Rom. Paris. 28. April.(Eigener Drahtbericht.) Hier erhält sich hart- näckig das Gerücht, daß bei der vorjährigen Zusammenkunft in Livorno Ehambcrlain und Mussolini weitgehende Ab- machungen über verschiedene internationale Fragen, di« beide Länder besonders auch Frankreich berühren, getroffen haben. Dar- a u f sei, so wird behauptet, dt« vielbemerkte Untätigkeit der englischen Diplomatie und die gewiß beabsichtigte Unwirksam- k e i t ihres„Eingreifens' in Rom im jugoslatvisch-ttalienischen Kon- flikt zurückzuführen. Italien meldet �ufstanS in Montenegro. pari». 28. April.(TU.) Da, Pariser Spätabendblatt ,La Presse' gibt unter Borbehaft eine Meldung aus Tirana(!)»'«der. wdnach nach Meldungen von der Grenz« in Montenegro soeben ein sehr bedeutsamer Aufftand ausgebrochen fei. Di« Aufständischen sollen unter Führung früherer montenegrinischer Offiziere an mehre- ren Stellen die ihnen entgegengesqndten serbischen Truppen geschlagen haben. Ein nafonales Komitee soll«inen Appell an den Völkerbund gerichtet haben, in dem erklärt werde, daß di« Friedenskonferenz niemals die gewaltsam« Annexion gewollt habe, die von dem serbischen Heere angewandt worden sei. Albanische Truppen sollen die Grenze überwachen, um jede Abteilung zu ent- waffnen, die die Neutralität Albaniens zu verletzen suche. veutfth-süöflawlfcher IreunSschafisvertrag. Der„Soz. Pressedienst' erfährt, daß der fugoslawische Gesandt« in Berlin, Professar B a l u g d s chi t s ch, in der kommenden Woch, dem Reichsaußenminister den Abschluß«in«, Frsund» schaft»« und Schied?vertrag«s mft Deutschland vor- schlagen wird. Es soll sich nach den Wünschen der jugvslawischen Regierung dabei um einen ähnlichen Vertrag handeln, wie ihn Deutschland kürzlich mit Italien abgeschlossen hat. E» gilt als selbst. verständlich, daß die Reichsregierung auf ein derartiges Angebot eingeht. i pariser po!izei-Mai. Nur die Schutzleute dürfe« demonstrieren. pari». 23. April.(Eigener Drahtbericht.) Innenminister Sarraut hat sämtlichen Präfeiten«in Zirkular zugehen lassen, in dem ersucht wird, in allen Bezirken am t. Mai gegen jede kom- munistische Propaganda und kommunistische Manisestation mit allen gesetzlichen Mitteln vorzugehen und sie zu unterdrücken. In Paris selbst hat der Polizeipräsekt sämtliche öffentlichen Umzüge verboten. Der Polizei sind ferner außerordentliche Weisungen erteilt worden gegen den Bertri« b von kommunistische» Broschüren und antimilitaristische» Aufrufen. Neue Toöesurteile in Litauen. Wegen Vorbereitung eines MilitäraufstandeS- fi o ro n o. 26. April.(WTL.) Vach einer Meldung der ..Litauischen Rundschau' verurteilt« da, Kriegsgericht den Kesmabg. Dä. Josef p a j a u s i s, den Obcrleuknant Erich Tornau und de» Sergeanten S ch e m a i t i s wegen vorbercikung ein« mUiiarlschea Aufstande» zum Tode durch Erschießen. Von den weiteren 19 Angeklagten wurde ein Sergeant zu 12 Jahren, et» Feldwebel und ein Schreiber zu je S Zahlen Zuchthaus verurteilt. Sämtliche militärischen Augeklagten wurden degradiert und au» de« Leere ausgeschlossen. Pajaujip. Tornau und Schemaitis habe« an den Senatspräsidenlen ein Gnadengesuch gerichtet, de«, wie das Blatt wissen will, mit ziemlicher Sicherheit siottgegeben werden wird. Juternierung oder Auswanderung! Kowno. 28. April.(TU.) Im Konzentrationslager Worm, sollen zurzeft 130 Personen, darunter neun Frauen, für die Dauer des Kriegszustandes interniert fein. Den Internierten ist anHeim- gestellt, sich ins A u s l o n d zu begeben. »Unbeeinflußte" Wahlen„unter /lufflcht"� Amerikanisch« Vermittlung i« Niearagua. Managua, 28. April.(WTB.) Drei Vertreter der aufständischen Liberalen sind auf einem amerikanischen Torpedobootszerstörer nach Managua abgereist, um mit der tonserpativen Gegenpartei in Friedensperhandlungen«inzutreten. Es verlautet, daß der in besonderer Mission hier weilend« frühere amerikanische Krieg,» sekretär Stimson die folgende Lösung vorschlagen wird: 1. Präsident D iaz bleibt bis Dezember 1928 im Amt. 2. Beide Parteien liefern sofort die Waffen ab. 3. Die Liberalen werden aufgefordert, an der Regierung teilzunehmen. 4. Im Jahre 1928 finden unter der Aufsicht(1) der Vereinigten Staaten unbeeinflußte Wahlen(!) statt. Briand hat gestern sein 2Sjähriges Parlamentsjubiläum gefeiert, Aus diesem Anlaß sandte ihm auch Et res«mann ein Glück« wunschtelegramm. In seinem Danktelegramm hat Briand die letzte» beiden Jahre als die fruchtbringendsten feines politischen Lebens bei zeichnet. privattvirtfihast gegen Hemeinwirtfthafl Eine Berliner Erinnerung zum Kampf um die Gasfernversorgung. Der Kampf der privaten Wirtschaft gegen die öffentliche Wirtschaft, insbesondere die der Gemeinden, ist viele Jahrzehnte oft und entstand, als unter dem Drucke sozialdemokratischer Gemeindevertreter hier und da eine Gemeinde sich anschickt«, im Jnteresie ihrer Bewohner den„gemeinnötigen' Bedarf auch aus solchen Gebieten zu decken, die wie Wasser-, Gas». Elektrizitätsroerke und Berkehrzunterneh münzen mit Aussicht auf Gewinn betrieben worden können. Dogegen ist die gemeindliche Regie aus solchen Gebieten, di«. wie Kanalisationswerke mit anschließenden landwirtschaftlichen Betrieben u, a.. di« für da, Leben der Gemeinde zwar die gleich« Bedeutung haben und schwieriger zu leiten sind als die genannten, bei denen aber wenig oder gor kein Gewinn zu«r» warten ist. von der privaten Wirtschaft niemals bestritten worden, Der beste und sicherst« Bundesgenosse der Privatwirtschaft in ihrem Kampf gegen jede Erweiterung der gemeindlichen Betätigung war in der Zeit vor dem Kriege in den preußischen Gemeinden da» Dreiklassenwahlrecht. das unbedingte Gewahr für rein privatrechtlich eingestellte Majorität«» in den Gemeindevertretungen bot. Immerhin, die sozialdemokratische Propaganda für die ge- meindliche Regie, vor allem bei den großen Monopolbetrieben, hatte eine solche Durchschlagskraft, daß die öffentliche Meinung und viel- fach auch die Magistrate, deren Mitglieder durch ihr Amt und ihre Tätigkeit privatwirtschaftlichen Forderungen vorurteilsfreier gegen- überstanden, sich mit unseren Auffassungen zu befreunden ansingen- Mehr und mehr kam in den letzten Jahren vor dem Kriege, gefördert durch das kräftig pulsierende, aufwärtsstrebende Wirtschaftsleben Deutschlands, in die Gemeinden ein frischerer Zug. Der Kreis der gemeindlich«» Betätigung erweiterte sich nach den Anträgen der Sozialdemokratie, wenn auch häufig unter schweren Reibungen und Schwierigkeiten. Selbst Berlin, wo die sozialdemokratische Auf- klärungsarbeit wegen der kommunalen Zerrissenheit, der Herrschast des engstirnigen Kommunaliberalismus unh der Feindschaft der preußischen Staatsbehörde� schwieriger war als Irgendwoanders, konnte sich der neuen Strömung nicht ganz entziehen. Der Krieg griff wje überall auch in diese gemeindliche Aufwärtsbewegung mit rauher Hand ein, bewirkt« eine vollkommene Umwälzung' aller städtischen Arbeit und türmte vor den Gemeinden Schwierigkeiten auf, die anzufassen sie bis dahin fast ausnahmslos abgelehnt hatten. Solche Schwierigkeit«» ergaben sich u. a. auch bei der Gas- ve r s o r g u n g insolge der durch den Krieg bedingten ungeheuren Verteuerung und Knappheit guter Kohle, der Unmöglichkeft, wie bisher englische Kohle zu beziehen, und der Abhängigkeit her Ad» nehmer von den Diktaten des rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat«. Die Berliner Verhältnisse in den Kri«g»jahren ähnelten--- durch den Krieg verschärst—• in mancher Beziehung denen, in denen sich heut rheinische Gemeinden befinden, deren Kampf gegen die Monopolherrschaft des Syndikats in diesen Spotten wiederholt geschildert worden ist. Die Berliner Sozialdemokratie darf für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, damals schon mit ganzer Kraft Pläne betrieben und durchgesetzt zu haben, deren Berwtrtlichung heute unter sehr viel einfacheren Berhkiftnisien den Gemeinden Köln und Frankfurt als Ruhmesblatt angerechnet wird. Der verstorbene frühere Direktor der Berliner Gaswerke S ch i m m i n g. ein weitblickender, kluger Mon», entwickelt« im dritten Jahre des Krieges in der Gasdeputation feinen Plan, im Jnteresie der Verbilligung der Gaserzeugung die Betriebsform der Berliner Gaswerke zu ändern und von dem gewöhnlichen Gas- anstallsbetrieb auf den Kokereibetrieb überzugehen. Solch« Um- gestaltung des technischen Betriehe, her Gaswerk« fei aber nur z» empfehlen, wenn die Stadl sich durch Ankauf von Gruben und Felder» die für diesen Betrieb notwendige« Kohle« auf lang« Zeil gesichert habe. Der kühne, weitausschaueiche Plan rief bei den bürgerlichen Stadt- oerordneten der Deputation zuerst geradezu Entsetzen hervor. Aber Schimming ließ nicht locker. Nachdem«r tue grundsätzliche Zu- stimmung der sozialdemokratischen Mitglieder der Deputation zu seinen Ideen festgestellt hotte, trat er zu diesen in nähere Beziehung und in unzähligen Besprechungen wurde jeder weitere Schritt in dieser Sache gemeinsam beraten und vorbereitet. Es gelang hep Bemühungen Schimwiugs, mehrere einflußreiche Magistrats» Mitglieder, vor allem den Oberbürgermeister Wermuth. für den Plan zu gewinne», und nach unendlichen Bemühungen und Ber- Handlungen unterbreitete der Magistrat im März und Apnl lös? den Stadtverochneten zwei große Kohlenosrlog«». Zur Gewinnung der für den Kokereidetrleb erforderlichen Fettkohlen sollte hie Masorftät der 3900 Kuxe des Bergwerks Trier und zur späteren Ergänzung der Kohlenvorräte die Kuxe der Berg- Wertsgesellschaft Röchling angekauft werden. Der Besitz der Bergwerksgesellschast Trier besteht aus zwei Gebieten, von dsnen das«ine nördlich der Lippe bei Dorsten, das andere im Osten des westfälischen Industrlereviers westlich von Hamm liegt. Es waren der Stadt 1503 Kuxe zum Preis von 14 500 M. pro Kux angestellt. Die Gewerkschaft Röchling umsaßt die Kohlcnfelder zwischen Werne und Herbarn in der Nähe von Hamm in der Größe pyn 21 preußi- schen Maximalfeldern mit etwa 45 Millionen Quadratmeter Flächen- inhalt. Diese Kohlenseldcr sind durch ihren großen Reichtum an Fettkohlen besonders wertvoll. Als Preis für die 1009 in Frage kommenden Kux« der Gewerkschaft Röchling wurde» 8,4 Millionen gefordert- D'e letztere Vorlage wurde zuerst beraten und bei der Abstimmung mtt geringer Mehrheit angenommen. Um so erbitterter wurde der schärfste Druck auf diejenigen Mit- glieder ausgeübt, die bei der Abstimmung über di» Rächling-Vorlage mjt der Sozialdemokratie gestimmt hatten: Im Laufe der sehr eingehenden Beratungen wurde aus Antrag der Sozialdemokratie ein um 2909 W, pro Kux billigerer Prei? ausgehandeft und alle Sachverständigen gehört, die von den Gegnern der Borlage namhaft gemacht worden waren. Sie alle sprachen sich für die'Durchführung des gryßaugelegten. für Berlin sehr günstigen Planes au». Die Gegner machten demgsgen- über für die Ablehnung gellend, daß der Ankauf dieser Kuxe ein für eine Stadtgemeinde zu spekulatives Geschäft sei. Auch der um 2099 M. herabgesetzte Preis von 12 599 M. pro Kux erscheine noch zu hoch, und schließlich vertrat man die Ansicht, daß von Berlin auseinsogroßesWerknichtgeleitetwerdenkönne. Si« beharrtcn bei diesen Auffasiungen trotz aller Gegenreden der sozialdemokratischen Mitglieder und der Sachverständigen. Z>« wahr«. iinau»g«fprochene Adlehnungsgrunh war natürlich der, haß man der Privatwirtschaft ein derartig lukratives Geschäft wie da, der kohlenbeliefmmg Berlins nicht entziehen wollte. In der Abstimmung wurde der Ankauf des Bergwerks mft 57 gegen 47 Stimcmn bei drei Enthaltung«» abgelehnt. Damtt»ar der sorgfällig bedachte Plan zum Scheftern gebracht. Denn wenn Berlin durch den Ankauf der Röchling-Felder nunmehr auch im Besitz von hochwertigen Kohlenvorkommen sich befindet, so kommen dies» vn- erschlosirnen Felder für praktische Zwecke zunächst nicht in Pctrack». Im ungeheuren Geschehen des Wellkrjeges ist die geschildert- Kohlenaktron Berlins, die ohne das Wirken der Sozial» d«M o k r a t i e nicht hätte eingeleitet werden können, meist unbeachtet geblieben Nachdem jetzt das Vorgehen von Köln und Frankfurt, die, in gleicher Weife w>s Berlin in 1917, als Ab- wehrmaßnahme gegen Monopolgelüste des Syndikat» Steinkohlen- selber erworben haben, von weiten Kreisen mit Aufmertsomkeit oerfolgt und zustimmend oder scharf ablehnend besprochen wird, erschien es angebracht, die weit größeren Pläne Berlin? der Oeffentlichkeit ins Gedächtnis zurückzurufen, wenn si« schließlich auch nur i» dem Umfang zur Durchführung gelangten, wie das jetzt in Köln und Frankfurt geschehen ist.'' Hugo Heimqnn. Gegen die /lrbeiterfthast. Die Sozialpolitik des Bürgerblocks. Noch ist das Rundschreiben des Reichsarbeitsminister» an die obersten Landesbehörden, worin die ersten Schritt« zum Abbau der Erwerbslosensursorge mitgeteilt wurden, in frischer, unangenehmer Erinnerung, da beeilt sich das Reichsarbeitsministerium, eine Vor- läge zum Abbau der Srisensürsorge fertigzustellen, die bei der gesamten Arbeiterschaft einen Schrei der Empörung auslösen muß. Für das Spinnstoffgewerbe, das Bervielfältigungsgewerbe und die Gärtnerei ist die Höchstdauer In der Erwerbslosenfürsorge vom Reichsorbeitzminister auf 26 Wochen festgesetzt worden. Wohl wer- den, wie wir hören, dadurch die Arbeitslosen der betreffenden Ge- werbe, die bereits in der Krisenfürsorge sind, nicht ohne weiteres daraus entfernt: aber allen anderen Arbeitslosen der genannten Gewerbe ist damit der Zutritt zur Krisenfursorge oerriegelt. Dieser erste Schritt genügt dem Relchsarbeitsministerium noch nicht. Es hat desbolb eine Vorlage ausgearbeitet, durch die der Abbau der Krisenfürsorge sasl aus der ganzen Linie in Angriff genommen werden soll. Aus der strisenfürsorge sollen neben den Arbeitslosen de» Spinnstosfgewerbes. des Vervielfältigunosgewerbes und der Gärtnerei herausgenommen werden: Landarbeiter. Forstarbeiter, d«e Arberter des Baugewerbes und seiner Hilssindustrien, die Arbeiter. schaft der Baustoffindustrie und die Housgehilfen. Zu der Herausnahme bestimmter Berufe aus der Krisen- fürsorge gesellt sich eine sol-be bestimmter Bezirke. In allen Bezirken der öffentlichen Arbeitsnachweis«, wo die Zahl der Haupt- Unterstützungsempfänger der Erwerbslosenfürsorge und der Krisen- fürsorge zusammen seit mindestens zwei Wochen 1,5 Proz. der Einwohnerschaft nicht erreicht, soll die Krisenfürsorge ebenfalls abgebaut werden Selbst das genügt der Rechtsregierung nicht. Um das Maß unerträglicher Zumutungen voll zu machen, verlangt die Vor- läge, daß überall dort, wo die Krisenfürsorg« einmal abgebaut ist, später aber die Zahl von 1,5 Proz. wieder erreicht wird, der Abbau trotzdem bestehen bleiben soll. Las Vorgehen der Rechtsregierung ist von nicht zu über- bietender Brutalstät. Die Arbeitsmarktlage der einzelnen Bezirke und Berufe ist zu verschieden, und man kann dabei unmöglich durch einen Federstrich in der Arbeitslosenunterstützung gleich ubuiu rasa machen. Was soll die Bestimmung, daß alle Bezirke der öffentlichen Arbeitsnachweise, wo die Zahl der Hauptunterstützungs- empfänger an 1.5 Proz. der Einwohnerschaft nicht mehr heranreicht, aus der Krisenfürsorge herausgenommen werden? Es kann solche Bezirke geben: die Arbeitslosigkeit in verschiedenen Berufen dieser Bezirk« aber kann trotzdem noch immer sehr hoch sein. Schließ- lich mutet der überstürzt« Abbau der Krisenfürsorge um so eigen- artiger an, als doch seinerzeit bei der Schaffung der Krisenfürsorge ausdrücklich erklärt wurde, daß diese Fürsorge nicht etwas Vor- übergehendes, sondern etwas Dauerndes darstellen soll. Deshalb sieht sie ja auch der neue Arbeitslosenversicherungsentwurs vor. Schon Mitte Mai soll die Abbauvorlage in Kraft treten. Der Reichstag muß gegenüber diesem Abbauwahnsinn seine Stimme erheben, wenn er sich nicht eines Verbrechens an der Arbeiter- schaft schuldig machen will. Das Vorgehen der Reichsregierung— trotz aller Warnungen der Gewerkschaften, auch der christlichen Gewerkschaften, die durch den neuen sozialreaktionären Kurs immer stärker kompromittiert werden— kommt einer glatten Verhöhnung der Arbeiterschaft gleich. Will man die Arbeiterschaft bewußt provozieren? die Antwort üer Polizeibeamten. Eine Reform Zörgicbels.- Der Bezirk Berlin des freigewerkschaftlichen Allgemeinen Preu- ßischen Polizeibeamtenverbandes hatte zu Donnerstagabend nach den Kammersälen eine Dolloersammlung der Berliner Polizeibeamten einberufen, die, wie der starke Besuch zeigte, überaus reges Inter- esi« fand. Auf der Tagesordnung stand: Stellungnahme zu der neuen Dienstregelung der Berliner Polizei- beamten. � Der Versammlungsleiter, Genosie Hilde brandt, erklärte, daß die Polizcibeamtenschaft mit größter Genugtuung und Befriedi- gung und dankbar die Absicht des Berliner Polizeipräsidenten be- grüßt, nun endlich eine Neuregelung des Dienstes eintreten zu lasten. Dann gab Genosse Hildebrandt im Auftrage des Verbandes noch folgende Erklärung ab: „Bei den Rechtszeitrmgen, insbesondere„Lokal-Anzeiger� und „Deutsche Tageszeitung", hat unser� Aufruf eine Wirkung ausgelöst, die uns zwingt, hierzu ganz kurz Stellung zu nehmen. Das Deutsche Reich ist eine Republik, die Hauptstadt der deutschen Republik ist Berlin, und daß am S. Mai in Berlin Buhe und Ordnung nicht geskörl. die Republik nicht verhöhnt, beschmutzt wird oder republikanische Bürger angegrisfen werden, dafür zu sorgen ist die Ausgabe der Polizei. Unsere Losung für den S. Mai lautet: Alle Kraft für Aufrecht- n«hallung der Ruhe und Ordnung, alle Kraft für die Republik und mit aller Kraft gegen alle Feinde der Republik!" D Die Ausführungen Hildebrandts wurden mst stürmischem Beifall aufgenommen. In seinem Vortrag über die neue Dienstregelung führte der Verbandsoorsitzende, Genoste B e t n a r e ck, aus, daß die Polizei lest Jahren um ein« solch« Dienstregelung kämpft, die die 48-Stunden-Woche mit achtstündiger Ablösung vorsieht. Bei der Staotsumwälzung ISIS fiel der damaligen staatlichen Schutzmann- schaft diese Kulturerrungenschaft der freien Gewerkschaften so ziem- sich mühew» In den Schoß. Die Beamtenschaft verstand es jedoch nicht, diesen Erfolg zu hallen. Den Feinden des Achtstundentages gelang es, nach verhältnismäßig kurzer Zell bei der Polizeibeamten- schaft wieder den 21stündigen Dienst einzuführen. Trotzdem ließ die fortschrittlich eingestellte Beamtenschaft nicht nach, um ihrer be- rechtigten Forderung Nachdruck zu verschaffen. Nachdem der neue Berliner Polizeipräsldent Z ö r g I e b e l sich in seinem Wirkung?- kreis genügend informiert und sich auch über die Dienstregelung unterrichtet hat, wird nunmehr ab 13. Mai beiderBerliner Polizei die 48.Stunden-Woche mit achtstündiger Ablösung eingeführt werden. Dadurch wird der Straßen- aufsichtsdienst der Berliner Polizei nicht nur eine erhebliche V e r- st ä r k u n g erfahren, sondern die Veamien werden auch körperlich nicht so in Mitleidenschaft gezogen werden und ihre Funktionen körperlich und geistig frischer verschen können. Da diese Dienstregelung aber nur für die Einzeldienstbeamten der Reviere gilt, kann sie nur als Teilregelunq angesprochen werden, denn ähnlich so, wie sich der 24stündige Hälftendienst bei den Revierbeamten auswirken mußte, wirkt sich die derzeitige Dienst- rcgelung bei den kasernierten Bereitschaftsbeamten aus. Der 2. Verbandsvorsitzend«. Genosse K l e n z, erläuterte die grundsätzlichen Ausführungen des Referenten und setzte die Einzelheiten der neuen Dienstregelung auseinander. Er schilderte vor allen Dingen die Hindernisse, die der Beamtenausschuß in der Dienst- regelung zu überwinden hatte. Zum Schluß wurde im Sinne der beiden Referat« einstimmig eine Entschließung angenommen. öerliner Maiüemonstration. An die Berliner AfA-Mitgliederl Aus vielfach« Anfragen und im Anschluß an die vorangegangenen Maiaufrufe der gewerkschaftlichen Spitzenorganisatianen machen wir bekamst, daß alle Mitglieder der Berliner AfA-Gewerkschaften, gleich- viel, in welchen Verwaltungsbezirken sie wohnen, sich ausschließlich am 1. Mai Punkt 11 Uhr am gemeinsamen Sammel- punkt aller Berliner AfA-Gewerkschaften Gneisenau-, Vorck- straße(Mittelpromenade) einzufinden haben. Gemäß den Entscheidungen der Berliner AsA-Körperschaften kommt für die AfA-Mitglieder, gleichviel, ob es sich um jugendliche oder ältere Kollegen handell, ein Anschluß an andere oder sonstige Demonstrationen und Gruppen nicht in Betracht, sondern ausschließ- lich eine Beteiligung der gesamten Berliner frei- gewerkschaftlichen Angestelltenschast an dem einen Zuge, dessen Sammelpuntt oben angegeben worden tst. Es ist dringend notwendig, diesen Hinweis genau zu beachten, weil es für uns daraus ankommt, jede Zersplitterung zu oermeiden und die geeinte Kraft des AfA-Bundes zu zeigen. Weiter ist es erforderlich, daß all« Zugteilnehmer strengste Disziplin wahren und den Weisungen der Zuglestung und der Ordner unbedingt Folge leisten. Das Mitbringen von Stöcken, auch von Spazierstöcken, ist verboten. Plakate und Transparente dürfen im Zug nur mitgesllhrt werden mit Zustimmung der Zugleitung oder der Leitung der einzelnen AfA-Gewertschasten. Weoen des Rückmarsches ergehen die Anordnungen an die Zug- teilnehmer durch d'« Ordner. M a i k o n t r o l l m a r k en erhallen nur die Zugteilnehmer. Allgemeiner freier Angestelltenbund, Ortskartell Berlin. Flatau. R ö s n e r. Ein unoeheuerlicher Schiedsspruch. Elfstundcnschicht in der Kaliindustrie. Dos Wolffbureau meldet: In der MaMellarif- und Arbeitszeit- strestigkell in der Kaliindustrie wurde nach zweitägigen VerHand- lungen im Reichsarbeitsministerium ein Schiedsspruch gefällt, der den Monteltarif mit einigen Abänderungen zugunsten der Arbeitnehmer wieder in Kraft setzt. In der Arbeitszeitfragc ist eine Regelung getroffen, die die Schichtzell in einschichtigen Be- trieben vom 1. August ab aus tO'/i ölenden, in Fabriken, Kessel- und Maschinenhäusern und sonstigen durchgehenden Betrieben vom 1. Januar(!) ob aus elf Stunden herabgesetzt. Für die über acht Stunden hinaus totsächlich geleistete Arbeitszeit ist vom 1. Mai ab ein Lohnzuschlag von 15 Proz. festgesetzt. Der Mantellarifoertrag läuft unkündbar bis zum 31. Dezember 1828. die Arbeitszeitrege- lung bis zum 31.?uli 1328. Die Frist zur Erklärung über Annahm- oder Ablehnung des Schiedsspruchs läuft am 29. April ab. e> Die Kaliindustri« ist die Industrie der spekulativen Ueberge- winne. Ihre Arbeiterschaft gehört zur am schlechtesten enllohnten und am schwersten arbeitenden Deutschlands. Sie muß vielfach stundenlange Wege zur Arbeitsstätte zurücklegen. Hält man sich diese Tatsachen vor Augen, dann erfaßt man erst das Schändlich!: dieses„Schiedsspruchs". Nach dem Liebesdienst der Preiserhöhung, den Herr Curtius den Spekulanten der Kaliinüustrie erwiesen hat, ist dieser Schiedsspruch ein« Ungeheuerlichkell. Achtung. Zimmerer! Die Baugesellschaft Süd-Ost, G. m. b. H.. Treptow, Isingstr. 9, führt in derselben Straße einen größeren Neubau auf. Die Zimmerarbeiten sind dem ehemaligen Gemüse- Händler Josef Kolodziej. Neukölln, Kaiser-Friedrich-Straße 99 199, übertragen. Dieser Herr hat zwei Kameraden, darunter den Ver- trauensmann, gemaßrcgelt. Kameraden, die Baustelle Isingstraße sowie alle anderen Baustellen sind gesperrt, liebt Solidarität mit den Streikenden. Zentraloerband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. SPD.-Fratti,» der Arbeiter, Angestellte» und Beamten de, Bezlrls- amt» Lichtenberg. Mitgliederversammlung heute abend 7 Uhr im Lokal|j von Wcgencr, Frankfurter Allee AK. Sicferent Bürgermeister Genosse Gr. Eiggel. Lhema:„Die Arbeit der Cozlalbemotratie in der kom. r?, munalen Verwaltung. Der Arattionavorstand. f] _'•_ ■ H IM m-f r? � Freie Gewerkschastajugend. Heute, Freitag, 7 Vi Uhr, tagen die Gruppen: Sermaavplatz lNeukälln 2): Druppcnhcim Juacndhenn Sanderstr. U, Ecke walbcr Str. 10, flimmer 12. Vortrag:„Wie stehen wir zum Wcrtsport t"— gcppeNnplatz(Dcdding Z), Sruppenheim Stadt Zugendheim Turiner, Ecke See. straße. Tortrag:„Aufbau der FGZ." Achtung, Zimmerers Wir geben hierdurch folgende Bezlrkzversanunlung:» bekannt: Heute, Freitag, tagt der Bezirk 1. Sonnabend tagen die Bezirke 10, 12, 13 und 17 abends 7 Uhr. Das Ericheinen aller Mitglieder ist Pflicht. gentralverband der Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Berlin u. Umg. Verantwortlich fstr Politik: Victor Schiff! Wirtschaft:(8.«lingeihSs-r: Gewerkschaftsbeweauna: Friede Gdkar«: Feuilleton: St. S. Tlfchec: Lokale» und Sonstiges: Fritz Karstadt! Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin Verlag: Borwärts-Verlag G m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Bau! Singer u Eo, Berlin SW 68. Lind-nstraße 3. Hierzu 3 Beilagen,„Stadtbeilage' und.Unterhaltnag»ad Wissen". WERTHEIM Leipziger Str. KönlgstraBe Rosenthaler Str. Moritzplatz Obst, Oernüse, Fleisch und Fische werden nicht zugesandt ninniTinmimiininninniimni RESTAURANT WERTHEIM LEIPZIGER PLATZ GEÖFFNET 10-8 UHR FrQhstUcksgadeck, Mittagstisch von 12 bis 3 Uhr. Kaltes Büffet Reichhaltiges Kuchenbuffet zum Nichmittags-Kaffeo. Thoatergedeck ab 61/, Uhr. tnmimiimnnmmininniiniiummiminMii Frische Ananas.....»»'«•»«* 95 p». Rhabarber.. 3 Piund 25 w. Frische Morcheln pm 40«■ Blatt-Spinat 2 Pfund 35Pf. Kranzfeigen...Pfund 25 ff Salat.. Kopf 15 Pf« u. 20 Pf- TafelSpfel....Pfand 40p( Blumenkohl Kopi von 20Pf-aD Zitronen.... v°»«nck 40 Pf Kartoffeln neue 3 Pfi 58 pi Bananen..... Prand 58 Pf. Kalifornische Aepfel kw«««. 4t Phmd 15.75 Frisches Fleisch Pfund Pfund Hammel, dicke Rippe Kalbskamm, Brust... Kalbsnierenbraten... Schweinebauch Schweinekamm u. Blatt*•»»* Schmorfleisch" Kaßler Speer u. Kamm.......... Pfund Liesen ptd. 75 p/. Gehacktes ptd. u Rücken, mit Beilege Piund 92 Pf. 80p,. 88p,. 82 p, 88 p,. Im Iis 7 5 Pf. Prima Ochsenffleisch, gefroren Suppenfleisch............... 50 pt. Kamm u. Brust..........»<.»<* 55«. Bruch-Reis.......... wund 19?»- Auszugmehl..Piund 2 4 Pst Sosn. Pflaumen Pfd. 28 Pf. Valencia-Reis. Pfund 26 Pf Backobst zemiscbt.pu. 42 Pf. Hartgrieß.... Pfund 29 pl Kalif. Pflaumen Piund 48Pf. Makkaroni Bruch, piund 42Pf. KalHorn. Birnen Pfund 65Pf. eehrannt. Kaffee 22« Haushalt-Micch, Pwr.a 2.60 Sonder-Misch..Piund 3 m Olympia-Misch. Hund 3.40 Globus-Misch.. Pfund 3.80 Residenz-Misch. pm 4 20 Elite-Mischung Pfund 4.60 Rotwurstpreßsack..... iwlio Landleberwurst Pfund 1,10 Mettwurst SXunpSnd 145 Dampfwurst...Pfund 1,10 FiletWUrSt•.•.Pfund 1.50 Mortadella.... Piund 1.30 Bierwurst•••• Pfund 1.50 Mettwurst erob«. wimd 1.30 Schinkenspeck Pfund 1.65 Jagdwurst.... ptund 1,45 Zervelat u. Salami 1.70 KSnldiiraic, HoMBibaler Ztrahe, MorlispUls: Mettwurst»ekch». Pfand 1.25 Fetter Speck.. Pfund 1.10 Lederwurst«afn«. Pfand 1.40 Magerer Speck Pfund 1.25 Konserven>„ � e u 1x1 j o■'i Dose Gemischt. Gemüse fam 1.45 Schnitt- und Brech- Qrönkoh,........ sqpl Kaiserschoten[�87 pi- 1.58"�oJ" Gemöse-Erbsen 55*-°80Pf Junge Erbsen-Kr(em 1.40 R„iac-h™ �"• v»- Jg. Erbsen m.K.rot.«n 62 Pf- iffSwemÄ* 73 Pf- 1.35 KonfltOren, 2 Pfund-Eimer Ananas 1.65 Orangen, Johannisb. 1.15 Pflaumen 1.10 Erdbeeren, Himbeeren, Aprikosen, Kirsch 1.45 Wein Preise für»/, Hasche ohne dies 1922 Laubenheimer miida- Tischwcin......... 1.25 1925 Edesheimer Schloß blumig, pikant...... 1.35 1922 Piesporter Falkenberg»priizigcr Mosel... 1.60 1924 Roxheimer Neuberg Riesling btfBeffffner 1.80 1924 Oppenheimer Goldberg sehr gehaltvoll, uumig 2.30 1924 Oomaine St Coloma milder Roiwem..... 1.15 1922 Chät. La Grolst Hcblldicr Bordeaux....... 1.60 Fruchtschaumwein vorzOglicha QuallilL mit Flasche.. 1.30 �noTltsl-fluvtSF(Hausmarte) feiner Trauoensekt, Flaschen-» u öpeziai uuvee �z,ung. ausachiieSilch Banderolensteuer � Mr vwkurent Lampe's Wormser Traubensaft Riesling 1.80 Oppenheimer 2.20 Roter 1.80 9 Sölten Wein und Spüüuoscn vom Faß Limburger% Holländer•-• Pfund 63Pf. Edamer pfd. 68 voiifeii 95 pl Emmenthaler a Rinde Schachtel 225 Qramm» dPL Steinbuscherwiiwid. 95 Pf. Schweizer nt 98Pt.'flS; 1.45 50«. 42 Pk. Presd Tilsiter vontei», Pfd. 1.1 0 1.20 Kokosfett> Pfund-Tafel 58 Pt Margarine...Pfand 53Pt Tafelbutter..-Pfund 1.83 Dänische Butter Pfd. 1.95 Kabeljau u. Seelachs 18 p,. Fischfilet..................... 30p,. Zander ge,rotm.............. Ptund 65 p,. Karpfen lebend. Hechte mxk, ptmd los Lebende Aale starke PKtmd l9Sen Lebende Krebse........ Iio Geflügel u. Wild Junge Tauben.......... sa<* 85*. o* Brat- u. Suppenhühner pt-nd lioan Enten nütfi qcsMadtM.......... Pfand 1 35 an Hirschblätter............. rw 95 p,. Rahblätter............... Iss SCheSSf ische geräuthen.. Pfund 45 Pk. Seelachs istflck, Pfund 48 Pt Makrelen.... Pfund 52 Pt Voll-BBcklingeD»'-p«. 48Pt Lachs m sracken. Piund 1.85 Holl. Kakao Iso Speisaschokolade........... Tafel iou oramm 27 Pt Milchschokolade m»«ranien HaselnDssen, Tafel lOOaramm 33Pt Sorkenschokolada. Kanoa«. n Qr. 35 Pf ea. isoor 65Pt Sandgebäck l* Pfand 25 Pt Piaud gsrr. Nr. 200* 4 4. Jahrgang !♦ Heilage öes vorwärts 5reitag, 20.�pril?927 Herlin im Kinanzausgleich. Kampfansage des Oberbürgermeisters gegen die Parteien der Rechten. Die Schädigung Berlins durch den preußischen Finanzausgleich wurde gestern in der Berliner S t o d t v e r- ordnetensitzung gründlich und ausgiebig erörtert. Die Deutsch- nationalen, die Deutsche Volkspartei und die Wirtschaftspartei unter- nahmen in Anfragen einen Sturm gegen den Oberbürgermeister, der zu einem Aussrager des„Berliner Tageblatt" sich abfällig über die chaltung der rechtsstehenden Parteien des Preu- ß Ischen Landtags geäußert hatte. In der Stadtverordneten- sitzung gab ihnen Oberbürgermeister B ö ß die verdiente Antwort mit einer Schärfe, die man von ihm bisher nicht gewöhnt war. Seine Rede, die eine offene Kampfansage bedeutete, wurde von ihnen mit lärmenden Zurufen begleitet. Ein Antrag der Demokraten, den die sozialdemokratische Fraktion und die Zentrumsfraktion unter- stützten, erhob Einspruch gegen die Haltung der Rechten des Preuhi- schen Landtags und gegen den Preußischen Städtetag. Kräftig geißelte auch unser Ssnosie Cz e m i n s t i das Treiben der rechts st ehen- den Parteien, die sich in der Frage des FZnanzausgleichs als übel st e Schädlinge Berlins betätigt haben. Ihnen hat die Berliner Bevölkerung es zu danken, daß die Mittel der Stadt nicht ausreichen, die wichtigsten Aufgaben zu erfüllen. In der weiteren Debatte nahm Oberbürgermeister B ö ß nochmals das Wort zu einer scharfen Entgegnung auf die Ausführungen der Redner von rechts. Die Abstimmung über den Antrag mußte vertagt werden. In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung gab der Bor- steher, Genosse haß. bekannt, daß an Stelle des verstorbenen Ge- nossen Hecht Genosse Kermes getreten ist. Dem im„Vorwärts" bereits mitgeteilten Drlllglichreilsanirag der iozioldcmokralischen Arakkiou wegen des Vouftoffwuchers. der vom Magistrat ein Einschreiten verlangt, wurde von der rechten Seite widersvrochen. so daß er in dieser Sitzung nicht beraten werden konnte. Bei einer Vorloge wegen vorzeitiger Freigabe weiterer Baumittel wurde ein sozialdemokratischer Antrag auf Einsetzung einer gemischten Deputation zur Beratung der Gestaltung der Boustofspreise fast einstimmig ange- nommen. Ebenfalls zugestimmt wurde der Uebernahme einer Bürgschaft für ein Darlehen in höhe von l Million Mark für den Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen zum Ausbau des Sportforums. Die Vorlage auf Erhöhung der Hunde st euer wurde dem Haushaltsausschuß überwiesen. Die ebenfall» von uns bereits mitgeteilt« Vorlage wegen Finanzierung von Wohnungsbauten durch«ine st ä d t i s ch« Anleihe, die ein Teilergebnis langer Be- ratungen der städtischen Körperschaften ist. möchten die Deutsch- nationalen noch in einem Ausschuß beraten, hiergegen wandte sich Genosse Cohraann. Die Ausschußberatung wurde von der Linken abgelehnt und mit derselben Mehrheit gelangte die Vorlage zur Annahme. Gegen eine Vorlage auf Uebernahme einer Bürgschaft für ein von der Voltsbühne bei der Sparkaffe der Stadl Berlin aufzunehmendes Darlehen A non 200 000 Mark äußert« Stadtverordneter Cofpari(D. Vp.) Bedenken, die Stadtflzndiku» Dr. Lange als unbegründet zurückwies. Stadtverordneter Delhleffsen(Dnat.) behauptete, die Volksbühne ver- folge„politische" Ziele. Für die Stadtverordnete Arau hoffmonn- Civtnuer(Komm.), die den Fall Piscator heranzog, Ist die Volks- bühne nicht revolutionär genug. Genosse Alatau zeigte die halt- losigkeit ihrer Bemängelungen und trat für die Uebernahme der Bürgschaft ein. die denn auch in namentlicher Ab- stimmung mit 85 Stimmen der Linken gegen 74 Stimmen ange- nommen wurde. Der Streit um den preußischen Ainanzansgleich und Asußerunzen des Oberbürgermeisters hierzu, hatten den Deutsch- nationalen, der Deutschen Dolkspartei und auch der Wirtschaftsparte! Anlaß zu Anfragen an den Magistrat gegeben. Dazu log ein Antrag der Sozialdemokraten, der Demokraten und des Zentrums vor, der Einspruch erhob gegen d'e Benachteiligung Berlins im Finanzausgleich, die im Landtag besonders auf die Deutschnationalen und auf die Deutsche Volkspartei zurückzuführen war. Nach Begründung der Anfragen durch Dechleffsen fDnat.) und kinschsr(Wp.) führte Merten(Dein.) in der Begründung des An- träges aus, daß Berlin durch das Verhalten der rechtsstehenden Parteien aufs schwerste geschädigt wurde. Er rügte die hql- tung des Preußischen Städtetages, der hinter den Kulissen gejjen Berlin gearbeitet habe. Es sei zu erwägen, ob Berlin nicht aus dem Städtetag austreten solle. Oberbürgermeister Löß beantwortet die Anfragte dahin, daß der Magistrat sich einstimmig hinter seine Ausführungen gestellt habe. Scharf wandte er sich gegen die rechtsstehenden Parteien des Land- t a g e s. die keine Rücksicht auf die finanzielle Notlage Berlins ge- nommen haben, obwohl Berlin in einer Denkschrift gezeigt habe, wie in den letzten Jahren wichtige Aufgaben wegen Mangel an Mitteln unterbleiben mußten. Trotz klarer Lage der Ding« haben die Parteien der Rechten gegenüber Berlin ein« Stellung eingenommen, die Berlin auf schwerste schädigt. Es sei für Berlin nicht länger möglich, viele Millionen an andere Gemeinden abzugeben, und dieser Zustand dürfe nicht dauernd festgelegt werden. Die Berliner Bürgerschaft dürfe sich das nicht länger ge- fallen lasten. Das der Stadt Berlin zugefügte Unrecht müste wieder gut gemacht werden. Cr werde seinen Mann stehen im Kampfe zur Wiedergutmachung dieses Unrechtes.— C a sp a r i(D. Vp.) versucht, an dem Verhalten der Rechten eine Mohrenwäsche vorzunehmen. Dem Oberbürger- ineister warf er vor, daß er in unzulässiger Weise in den Kampf der Parteien eingreise. Abfällig äußerte er sich auch darüber, daß Oberbürge'-meister Döß sich einmal über das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold freundlich geäußert habe. Das Verhalten des Städtetages versuchte der Redner dagegen zu verteidigen.— Fabian(Dnat.) tadelte die Schärfe, mit der der Oberbürgermeister hier gegen die Parteien der Rechten aufgetreten sei. Die Stadt Berlin habe über- Haupt ihr« Forderungen in brüsker Weise durchzusetzen versucht. Er möchte dem Mogistrat selber die Schuld am Ausgong des Streites um den Finanzausgleich zuschieben.— Kämmerer Longe trat ihm entgegen und wandte sich gegen die Haltung des Städte- tages. Die Angriffe der Rechten auf den Oberbürgermeister wurden auch durch Merten(Dem.) gekennzeichnet. Genoste Ezeminski ging näher auf die Schädigung Berlins durch den Finanzausgleich ein. Viele Millionen aus den von den Einwohnern Berlin aufge- brachten Steuern werden der Stadt bei der Steuerverteilung ent- zogen. Unser Redner stellte fest, daß die Sozialdemokraten die besten Vertreter der Stadt Verlin sind. Wenn Steuererhöhungcn notwendig sind, so liege die Schuld an den Bürgerlichen, weit sie dasür eintreten, daß die Einnahmen der Stadt Berlin für das Land oerwendet werden sollen. Das Land schiebt auch viel« hilfsbedürftige an die Wohlfabrtspfleg« der Stadt Berlin ab. Es ist unrecht, daß die Steuereinnahmen Berlins so beschnitten werden. E« Ist die allerhöchste Zeit, dem Preußi» schen Städtetag Batet zu sagen. Der Städtetag ist kein« Interessenvertretung der Städte mehr; man gewinnt den Eindruck. daß sich die übrigen preußischen Städte gegen Berlin verbündet haben, um es finanziell zu schädigen. Für die Forderungen Berlins sind im Staatsrat und im Landtag die Sozial- demokratcn geschlossen«ingetreten. Zu der Rede des Oberbürgermeisters äußerte sich Genosse Ezeminski zu- stimmend und«r sagte ihm volle Unterstützung in dem Kampf« für Berlin zu. Schwenk(Komm.) bemerkte zu dem Verhalten des Städtetages, daß es das Dümmste sei, was eine Organisation tun könne, daß sich die Mitglieder gegenseitig, bekämpfen. Auf einen Antrag von F a- b i o n(Dnatl.), der die Feindschaft der Deutschnationolen gegen Berlin unverhüllt hervortreten ließ, antwortete Oberbürgermeister vöß unter dem Lärm der Rechten. Er geißelte das Treiben der rechtsstehenden Presse, die mit sensationellen Artikeln auf unver» ständige Leser zu wirken versucht. Nach einem Versuch von Schwarz ..., JV(Fortsetzung folgt.) Am 1. Rai in den Marien! Das ist die Parole des gesamten arbeitenden Berlin. Die Arbeiterschaft muß vollzählig am Platze sein. Welchem Jugendleitcr ist es möglich, so oft seine Arbeit zu ver- säumen, um allen behördlichen Anordnungen Folge zu leisten? Mit der Förderung jugcndpslegerischer Bestrebungen haben solche Maß- nahmen sicherlich nichts ty tun. Der 1. Mai. Ei» Titst bc£ Volkes und der Republik. Dieser 1. Zstai muß werden wie bisher kein anderer in Berlin. Sellen war ein Tag so günstig gelegen wie dieser. Es ist Sonntag. Zeder hat Zeit. Zeder kann kommen. Und jeder muß kommen. Niemand darf zu Hause bleiben. Niemand darf sich ausschließen. Kopfarbeiter und Handarbeiter vereint müssen sich hier zu einer einzigen großen Kampfsront zusammenMiehen. . Der Plah am Lu st garten, bis ISIS für die Blassen des arbeitenden Volkes unerreichbar, sieht seit dieser Zelt dem Volk zur Verfügung. Am Sonntag, dein l. INai, muß dieser plah sich für die Blassen der Demonstrierenden als zu klein erweisen. Iür den Schuh der Arbeit, für den Schuh der Arbeiten- den gilt es einzustehen. Aber diesmal soll auch gezeigt werden, daß die Arbeilenden gewillt sind, für die Republik einzustehen. Blänner und Frauen von Berlin, macht diesen Tag zu einer überwältigend großen Heerschau des Broletarials. das gewillt ist, für die Republik und den Sozialismus zu kämpfen. Zeigt der Reaktion, daß das republikanische und sozialistische Berlin von keiner wie immer gearteldn Sturmkolonne erobert werden kann! Sozialöemokratie und Republik. Einer Anregung des Genossen O. Frank, des Kreisvor- sitzenden, folgend, hatte die letzte Kreisoertreter-Versammlung beschlossen, in großen Versammlungen Siellung zu nehmen zu den Problemen der Gegenwart, die das Interesse der Parteimitglieder dauernd wachzuhalten, wie z. B. die Wohnungsfrage und das Ver- hältnis der Sozialdemokratie zum Staat. Die erste dieser Versamm- lungen fand am 22. April'1927 in der Aula des Schiller-Lyzeums statt. Genosse K l ll h s sprach über das Thema„S o z i a l d e m o- kratic und Republik". Aus der Geschichte der Arbeiter- dewegung wies er nach, daß die Umgestaltung der Gesellschaft und die Erringung eines freien Voltsstaats von Ansang an ein program- matischcs Ziel unserer Bewegung gewesen ist. Der militärisch« Zu- sammenbruch hat uns 1918 den Volksstaqt gebracht, und Aufgabe der Partei und der Parteigenossen ist es, in diesem Staate Einfluß zu gewinnen auf Gesetzgebung und Staatsverwaltung, um den Forderungen der sozialen Entwicklung zu genügen. Die Bürgerblock- regierung sucht diese Entwicklung' aufzuhalten, aber ihre Ve- mühungen werden sich als vergeblich erweisen; denn aufzuhalten ist die Entwicklung nicht. Sic wäre weck erfolgreicher, wenn nicht die Zersplitterung in christliche, sozialdemokratische und kommunistsche Gruppen die Kraft der Arbeiterbewegung lähmte. Ohne diese Zer- splitterung würden sich die Machtgelüste der Rechtsparteien nicht hervorwagen können. Zwar sind die Putschpläne an dem republikanischen Willen der Arbeitermassen gescheitert, dafür sind jene Par- teien jetzt um so eifriger am Werke, die Republik in ihrem Sinne umzugestalten, um möglichst viele Machtpositionen mit deutschnatio- nalen Männern zu besetzen und die republikanischen Beamten zu ver- drängen. Dieser Machtwille muß auch bei der So- zialdemokratie herrschend werden, obgleich sie es schwerer hat, für diese Posten die geeigneten Persönlichkeiten vorzu- schlagen Wichtig ist es, die Verwaltung der Länder mit republika- Nischen Beamten zu durchsetzen. Unsere Partei ist auf Gedeih und Verderb mit dem heutigen Staat verwachsen. Darum wäre es falsch, auf' eine Koalition in Preußen zu verzichten. Wir sind in der Regierung nötig, um den freien Dolksstaat zu retten und um die Republik zu erfüllen mit demokratischem Machtwillen und sozio- listisch«m Gedankengut! Reicher Beifall bewies dem Redner, daß die Berfommlung einig war in dem Bestreben, eine solche Staatspolitik zu unterstützen. -st Ein- Fruhlingsfeier. In der vollbesetzten Aula des Sophie- Charlotte-Lyzeums beging die Sozialistische Arbeiterjugend Char- lottenburgs ihre Frühlingsfeier. Die neueingetretenen Jugend- lichen hatten dabei zum erstenmal Gelegenheit,"das Wirken ihrer Gemeinschaft in größerem Rahmen zu erleben.— Genosse D i e d e r i ch feierte in feiner Ansprache den Frühling und die Jugend. In bunter Reih« wechselten Rezitationen, Reigentänze und an- sprechende Lieder zur Laute, gesungen von der Genossin G r ä v e n- stein. Dazwischen bot die kleine, aber sauber spielende Zupfkapelle Konzertstücke. Zum Schluß gab's den Wirtshausakt aus den „W e b e r n". Eifrig waren die jungen Schauspieler bei ihrer Sache. Besonders die revolutionären Szenen fanden bei den Zuhörern starken Widerhall. Und als nach den letzten Worten auf der Bühne: �.A, jeder Mensch hat halt a Sehnsucht", die jungen Darsteller zu ihren Genossen im Saale traten und aus frischen Kehlen die Inter- nationale erklang, da fühlte wohl jeder, daß die Sehnsucht aller Jungen, Kämpfer zu sein für ein schönes Ideal, in Erfüllung gehen wird. Die Aufforstung des Flugplatzes Biesdorf. Ueber den Zlo.n des Lichtenbevger Bezirksamtes, das Gelände des ehemaligen Flugplatzes in Biesdorf aufzuforsten, sind die Siedler, die auf diesem Gelände Kleingärten errichtet haben, empört, weil ihnen angeblich versprochen worden sei, daß sie das gepachtete Gelände käuflich oder mindestens in Erbpacht erwerben könnten. Das Bezirksamt hat das Gelände mit Verträgen, die 192 9 ab- lausen, verpachtet. Bei der Verpachtung und auch bei späteren Verhandlungen ist den Siedler» ausdrücklich erklärt worden, daß nach Ablauf der kurzfristigen Verträge eine weitere Verpach- tung nicht mehr in Frage kommen werde. Das Bezirks- amt hat das Gelände auch nur für Kleingartenzwecke verpachtet. Ein-teil der Siedler scheint allerdings über die Art der Ueberlassung des Geländes nicht richtig informiert gewesen zu sein. Ei,� Anzahl Siedler haben entgegen den polizeilichen Bestimmung auf dem Gelände größere Wohnlauben errichtet. Das Bezirksamt hat den Plan, das cfanze Gelände des ehemaligen Flugpla�es wieder auf- Fuforften lM') der ganzen Bevölkerung damit Erholunasanlagen zu schaffen. Bl-Her ist diese Ausforstung erst geplant. Bindende Beschlüsse sinv vom Bezirksamt noch nicht gefaßt. Das Bezirksamt teilt uns mit, daß es selbstverständlich ist, daß. wenn diesem Projekt nahergetreten wird, die Entschädigungen an die Siedler und die Ilmerbringung der Siedler auf anderem Gelände erst geregelt wird. Die Lumpendiebe vom Wedding. Kö-linstraße im Wedding— die Gasse des Elends, der Iuqend- verwahrlosung. der Kriminalität. Straße der Lunipensaniniler und Lumpenaufkauser. Lumpen als Symbol der Rot, des Verbrechens. des Lasters.... Auf der Antlagebank vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte fünf junge Lumpendiebe aus der Köslinstraße Sie holten die Säcke mjt Lumpen heimlich von den Aufkäufern und ver- kauften sie bei der Konkurrenz. Sieben vollendete Diebstähle, ein versuchter im Laufe eines Monats; der Gesamtwert der Lumpen kaum IM Mark: bekommen haben sie dafür natürlich noch weniger Das chaupt der Bande ein mehrfach, selbst mit Zuchthaus vorbe- strafter 2Sjähriger: lichtlos«' Jugend, Vaterlosigkeit, Mißhandlungen durch den älteren Bruder. Tod der Mucker, frühe Abirrungen vom geraden Weae— jetzt ein Ritter von der traurigen Gestalt. Von seinen Diebstählen hat er wenig Freude— während der Rede des Berteidigers schluckt«r Tränen; er ist»auf die Lumpen" gekommen — die zweijährige Gefängnisstrafe und die drei Jahre Ehrverlust nimmt er ohne Widerrede hin. Sein Komplize in sechs Fällen B. erhält ein Jahr Gefängnis; die Jugendfürsorge keimt ihn schon seit Jahren: er bittet um' Bewährungsfrist, sie wird ihm aber abge- schlagen, da er vorbestraft ist. Der Dritte, L., ist nur einmal vor- bestraft. Auch hier die elendesten Proletarieroerhälcknsse zu Hause — 9 Monate Gefängnis. S. und T.s Teilnahme an einem der Diebstähle wird mit je drei Monaten Gefängnis quittiert; der eine hoffte 73 Ps. zu bekommen, der andere nicht viel mehr. Der Vor- sitzende zu T.:„Was haben Sie sich dabei gedacht?"„Nichts habe ick) mir gedacht. Zu Hause sind acht Kinder, der Vater ist arbeitslos. In der Not frißt selbst der Teufel Fliegen." Diese wenigen Lumpen! Sie sind doch nichts wert! Ja, aber diese wenigen Lumpen haben den fünf Burschen insgesamt vierJahre dreiMonate Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust eingebracht. Die LunipenankSufer können nun ruhig schlafen; die Wcdding- kolonne der Lumpendiebe ist hinter Schloß und Riegel.— Daß aus ihr nur nicht einmal eine bösartigere Weddingkolonne wird! Sozialistische Arbeiterjugend Gro�- Berlin Freie Turncrsdiaft Gr.-Bcrlin, Jugendgruppen Jungsozialistische Vereinigung der SPD, Sonnabend, den 30. April, absndt 7 Uhr, Spielplatz am Friedricitthatn KUNDGEBUNG „Für Jugendsdiutz and Jujjendrecht, für den Sozlalitma* gegen den Fasdütmn«!** Anschlietjend Fackelzug zur Weber wiese. • Treffpunkte der Werbebezfrke: Moabit: SVj Uhr Kleiner Tiergarten.— Wedding und Reinickendorf: 6 Uhr Brunnenplatz(Amtsgericht).— Prenzlauer Bern: 0>, Uhr Danziger Straße, Ecke Schönhauser Allee(Weißensee: 5", Uhr Antonplatz).— Friedrichshain: 6ast Lichte» Heeg. Fried richsselbe. vereins-FranenabteNura, Sonnabend, 30. April, 8 Uhr, Abtetlungsversammlung bei Ritter, Schillerstr. IS. Sport. Rennen zu Grunewald am Donnerskag, dem 28. April. 1. Rennen. 1. 81 melius(Schmidt). 2. Rosancio(Ebert). 2 Rennen. 1. Schneekönig(HghneS), 2. yrrlehi«(Zn-bmeier), 3. Volker(Narr). Toto: 21:10. Platz: IS, 35:10. Ferset liefen: Gatanm. .Geliolrav, Galberon. ü 3. Rennen. I. Damfalke(Varga). 2. Forno(Williams). Toto: 10: tN. 4. R e n n e n. 1.«onradin(Schmidt). 2. Schncebera(Kchrke). ß. Licht (Sajdik). Toto: 37; 10. Platz: 13, 20, 15: 10. Ferner liefen: Delloiia, T-ifi, Victoria, Mainfabrt. Hmone. Caianova. Torte. 6. Rennen. 1. Leseis(Grahl). 2. Parsisal iBiedermannl. 3. Rolen- kelch(Luder). Toto: 17: 10. Platz: n, zz i3;io. Ferner Uesen: R-ttelbect, Rivalin, Erlkomg II. Volksrache. S. Rennen. 1. Versephone(Schmidt). 2. AnienophiS(yuguenin), 3. PompeiuS(Kobl). Toto: 13:10. Platz- 11. 18:10. Ferner liesen: Fürslenbranch, Laufjunsie. „ Iii? c~n,e n\} �'chkatze(TarraS), 2. Coro Buße(fflvnblth), 3. Tdalhsia (Fentzlch). ioto: 36:10. Platz: 13,11,23:10. Ferner liesen: Traun»-, g, Gaudium, �Role Marie. Herzog. Christoph, Morgenstetu, Felsenquelle, FraSqutta, Landrichter, Kronprinz. Lnzusansgaden sind Immer eine große Belastung des Etat». Um so an. genehmer ist das„Eleetrola�.Ratensnstem, das die Anschaffiing der„Elcetro'a". Musik-nstemnente für ledcrmann wesentlich erleichtert. Die Electrola-Gesell. schaft m. b. H., Berlin W. 3, Leipziger Str. 23, gestattet Vorspiel ohne Kauf. zwang. Wellerderichf der Sffenlllchen weNerdleostfieUe für verstn nnd Umgenenb. fDJathbr. verb.) Wollig bis heiter und unbeständig. Nachts sehr kstbl. Strichweise Nachtirostgesabr.— Iür veuffchlood: Im Westen und Süden wollig bis heiter ohne erhebliche Niederschläge- Uebuall unbeständig und lühl. Die Arbeiten öes neuen Derlin. Zuknnftsarbeit im Bezirk Weitzensce. Weißensee ist ein etwas vergessener Bezirk der Weltstadt. Es Hot mit 4700 Hektar eine Ausdehnung wie fünf Jnnenbezirke. Vor Jahrzehnten ober war Weißensee ein beliebter Ausflugsort. Das große Restaurant von Stormeker am Weißen See war das Ziel von Tausenden von Berlinern. Stromeker war den Berlinern vor zwanzig Jahren, was uns heute der Lunapark ist. Die Maifeiern und Parteioeranstaltungen bei Stormeker werden den alten Ge- nassen unvergessen sein. Damals ging die Pferdebahn nur bis zum Königstor, und von dort mußte gewandert werden. Zwischen Weihen- see und Berlin liegt ein langer Gürtel unbebauten Geländes, das iür die Industrie als Lagerplatz dient. Dieser Gürtel schließt Weißen- see von der Weltstadt ab. Er macht diesen Bezirk gleichsam zu einem idyllischen Provinzstädtchen. v!e Ver?ehrsverhältnisse. Weißensee hat heut« rund 60 000 Einwohner. Im letzten Jahr hat sich die Einwohnerzahl um etwa 7000 erhöht. Die Wohnbau- tätigkeit hat im Bezirk Weißensee in den letzten Iahren stärker ein- gesetzt. Es ist damit zu rechnen, daß die Steigerung der Beoölke- rangszisfer noch Jahre hindurch anhalten wird. Durch die städtische Baugesellschast und durch die private Bautätigkeit werden im Laufe des Jahres 3000 neue Wohnungen geschaffen. Gegenüber dem Jahre 1926 bedeutet diese Ziffer eine Zunahme von rund 2000 Woh- nungen. In den früheren Jahren war die meist proletarische Bevöl- tcrung Weißensees in. den Industrien des Bezirks beschäftigt. Die Industrie in Weißensee ist in den legten Jahren stark zurückgegangen, io beschäftigen frühere Großbetriebe heute nur noch einen geringen Prozentsatz ihrer früheren Belegschaft. Der größte Teil der Weißen- seer Bevölkerung ist heute in den Fabriken der Innenstadt beschäf- ügt, und der Bezirk hat zur schnelleren Beförderung der Arbeiter, wie fast alle Außenbezirke, in den letzten Iahren das Verkehrs- netz erweitern müssen. Nur drei Straßenbahnverbin- düngen und zwei Autobuslinien, die nicht einmal bis in das Herz des Bezirks fahren, stellen die Verbindung mit den übrigen Bezirken dar. Um eine schnellere Verkehrsverbindung zu schaffen, hat der Bezirk den Wunsch, einen Ausbau der Unter- grundbahn nach Weißensee zu schaffen. Die Pläne hierfür sind seit langem fertiggestellt. Bei dem Umbau des Untergrundbahnhofs Alexanderplatz wird«in Bahnhof mit eingebaut, der später dem Anschluß von Weißensee an das Untergrundbahn- netz dienen soll. Der Bahnhof Alexanderplatz wird, wie der Bahnhos Nollendorfplatz, dreistöckig gebaut. Bon hier aus gehen dann die Linien noch Danziger Straße, nach Lichtenberg und nach Weißen- s c e. Leider fehlt jede Stroßenbahnverbindung nach den Nachbar- bezirken Pankow und Lichtenberg. Die Weihenseer Arbeiter müsfen- rrenn sie in den beiden Nachbarbezirken beschäftigt sind, jeden Tag zeitraubende Fahrten machen, um an ihren Arbeitsplatz zu ge- langen. Der Bezirk will eine Querverbindung schaffen und hat dazu schon die Straßen, durch die die neue Verbindung gelegt werden soll, ausgebessert. Es wäre erwünscht, wenn diese Quer- Verbindungen, wie sie auch von den anderen Bezirken geplant sind, einheitlich in der Art der Außenringe gestaltet würden. Für die zu Weißenfee gehörenden Orte Malchow und Hohenschön- b a u f e n wünscht der Bezirk Ausbau einer Straßenbahn- linie. Linien 60, 61, 62 oder 72 kämen für Malchow und die Autobuslinien 8 oder 14 für Hohenschönhausen in Frage. verwaltungs- und Schulbauten. Weißensee hat kein ZentralverwaltungsgebSude. In den verschiedensten Gebäuden— räumlich weit voneinander ge- «rennt— sind die einzelnen Verwaltungen in Miethäu- i e r n, einem Ledigenheim und dergleichen untergebracht. Das kleine Rathaus konnte nur die Bezirkskafsenoerwoltung aufnehmen, selbst der Bürgermeister und einzelne Stadträte sind in einer früheren Villa untergebracht. Die Berwaltungsarbeit ist naturgemäß durch diese Zersplitterung sehr erschwert und verteuert. Ein Heer von Boten hält den Berkehr zwischen den einzelnen Verwaltungen auf- recht. Der Dezirk hat den Wunsch, ein Derwaltungs- gebäude zu errichten, das alle Dienststellen und auch die Polizei aufnehmen kann. Die Schulbouten, die längst nicht mehr ausreichend sind, sind in einem trostlosen Zustande. Eine regelrechte Unterrichtserteilung ist durch fliegend« Klassen und Barackenschulen, die noch von der Kriegszeit her in Weißensee stehen und jeder sanitären Einrichtung ermangeln, erschwert Die zentralen Stellen in Berlin haben ihre Zustimmung zur Errichtung eines Lyzeums und einer Berufs- und Handelsschule in Weißensee gegeben. Des weiteren soll eine Baracke zur vorläufigen Aufnahme einer Berufsschule, ein Schulgebäude für die 8. Volks- schule und eine Doppellurnhalle für die Volksschule Wörthstraße gebaut werden. An Ausbauarbeiten für Schulgebäude ist vorgc- lehen die Anlage einer Kanalisation in den Schulen Rölckestraße, ein Anbau an die Volksschule in der Langhansslrahe und Wörthstraße. Der Bezirk hat einen bestehenden Kinderhort ausgebesiert uird die Verschickung der Kinder in die Ferienkolonie ausgebaut. Das vor- handene Ferienheim Birkholzaue wurde vergrößert und ausgebaut. Für die Jugend wurde ein Jugendheim geschaffen. Eine dringende Abhilfe bedürfen die Zustände in der Feuer-. wehr. Die Dampfsp�itze der Feuerwehr ist in einem völlig unzu- reichenden Gebäude untergebracht. Der Bau eines Feuer- wehrdien st gebäudes ist vom Magistrat bewilligt. §reibaö am Grankesee. Der Bezirk plant die Anlage und Einrichtung eines Natur- bades am Orantefee und Umgestaltung des urnliegenden Brachgeländes zu einer öffentlichen Erholungsstätte für die Bevölke- rung des Nordostens von Berlin. Die gesamte Anlage liegt im Grün- gürtel von Groß-Berlin und ist bequem über Weißensee mit mehreren Straßenbahnlinien und über Hohenschönhausen mit der Linie 66 in je IS Minuten zu erreichen. Der Bezirk will dem von der Natur nur sehr karg bedachten Nordosten Berlins auf künstliche Weise Frei- und Grünflächen schaffen, die als Lungen der werktätigen Bevölkerung dienen sollen. Die Gesamtfläche des Orankefees beträgt 4,5 Hektar und bietet bequem für 6000 Personen Badegelegenheit. Der große vorgelagerte Strand ermöglicht Tausenden von Menschen Gelegenheit zum Luft- und Sonnenbaden. Das Master des Beckens kann durch eine Zentrifugalpumpe mittels einer provisorischen Lei- tung in den Regenkanal der Buschallee gepumpt werden und fließt dann durch diesen Kanal nach dem„Weißen See' ab. Nach Trocken- legung sollen der seit vielen Jahren abgelagerte Schlamm und die Algen und sonstigen Gewächse mit dem Wurzelwerk entfernt werden. Das gewonnene Erdreich wird zur Verbreiterung der Strairdanlagen und zum Auffüllen der großen Tiefen benutzt. Die neue Seesohle soll ganz allinählich abfallen, so daß auch eine große Menge von Nichtschwimmern ziemlich weit in den See hineingehen kann. Nach Beendigung der Reinigungsorbeiten und Einbau des Rettungssteges wird das Becken vom„O b e r s e e", der etwa 2,50 Meter höher liegt, wieder aufgefüllt. Im Anschluß an den Bade- strand ist ein Grünstreifen, der als Luft- und Sonnenbad dienen soll, vorgesehen. Für die nichtbadenden Besucher ist eine See- promenade mit geräumigen, erhöhten Sitzplätzen mit Ueber- blickinöglichkeiten über den Strand und den See hinaus gevlant. In unmittelbarer Nähe«lnd auf dem gleichen Grundstück befindet sich ein Restaurant mit Sonimer- und Wintersaal, Terrassen, Garten- anlagen usw., so daß keine besonderen Restaurationsräume errichtet werden brauchen. Am Badestrand sind acht Trinkwasserstellen ge- plant. Der Bezirk hat die frühere Rennbahn Weißen- see aufgekauft und als Spiel- und Sportplatz um- gebaut. Am„Faulen See' wurde ein Stadion errichtet und das Wäldchen am Faulen See als Erholungsanloge her- gerichtet. * Weißensee konnte in den letzten Jahren auf allen Gebieten der Kommunalverwaltung erhebliches leisten. Vor der Eingemeindung war Weißensee sehr arm. Erst langsam konnten die Spuren dieser Armut durch die Unterstützung des großen Berlin beseitigt werden. Es wäre aber zu wünschen, daß diese Unterstützung in noch größerem Ausmaße vor ollem den Bezirken mit proletarischer Bevölkerung zuteil wird. Der tzaushalt öer Staüt Serlm. Im Lichte sozialdemokratischer Politik. Die Einnahmen. Sämtliche Zweige der städtischen Verroaltung haben ihr« be- sonderen Einnahmen, aber kein einziger Zweig kommt mit diesen Einnahmen aus außer zweien: der Werksverwaltung und der S t e u e r v e r w a l t u n g. Die natürliche Folge davon ist, daß diese beiden auch für den Bedarf aller übrigen Derwaltungs- zweige aufzukommen haben. Die Ueberschüste der Werke und die städtische« Steuern decken die gesamten Ausgaben der Stadt auf sozialem und kulturellem Gebiet« wie für Zwecke des Straßenbaues und des Verkehrs. Es ist bedauerlich, daß der größte Teil dieser Einnahmen seinem Wesen nach eine indirekte Besteuerung der Bevölkerung bedeutet. Solange aber die M e h r h e i t s v e r h ä l t n i s s c im Reiche und in Preußen ein« sozialere Finanzpolitik unmöglich machen, muß sich der Kommunalpolitiker mit dieser Tatsache a b- finden und innerhalb des gegebenen Rahmens eine möglichst soziale Verteilung der Lasten zu erreichen suchen. Die städtischen Werke sollen im Jahre 1927 insgesamt 44 Millionen Mark an die Stadt abliefern. Diese Summe entspricht durchaus dem, was auch vom Standpunkt sozialdemokratischer Politik aus verantwortet werden kann. Wir hüten uns davor, die vor- handenen Betriebs der Stadt zu Abgaben zu zwingen, die ihre innere Rentabilität irgendwie gefährden könnten. Denn wir wissen, daß kommunale Werk« eine Etappe auf dem Wege zur Gemeinwirtschaft datftellen und daß alles getan werden muß, um ihr« Lebensfähigkeit und ihre Konkurrenzfähigkeit gegen- über privatkapitalistischen Betrieben zu erweisen. Aber wir können andererseits bei der augenblicklichen Lage der Gemeinden nicht auf erhebliche Zuschüsse aus den Werken verzichten. Die Sozialdemo- kratie hat der Heranziehung der Werke zur Balancierung des Etats darum stets zugestimmt, soweit dadurch keine Tariferhöhung erforderlich wurde und soweit die Abgaben auch vom wirt- schastlichcn Standpunkt der Werke aus verantwortet werden konnten. Sie hat es durch diese ihre Politik erreicht, daß die Berliner städtischen Werke in ihrer überwiegenden Mehrzahl innerlich kerngesunde Wirtschaftsbetriebe geworden sind, die auch in Kreisen, die alles andere eher als sozialistisch ge- sinnt sind, dem Gedanken des gemeinwirtschaftlichen Betriebes Freunde geworben haben. Man braucht nur an den Kampf Um die mit höheren Tarifen und unzulänglichen technischen Mitteln arbeitenden privaten Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke im Südwesten Berlins zu denken oder an die Vereinheitlichung der Der- kehrsunternchmungen der Stadt. Daß die geforderten Abgaben der Werke ohne Gefährdung ihrer Rentabilität geleistet werden können, steht außerhalb jedes Zweifels. Es darf vielleicht daran erinnert werden, daß der Rohüberschuß der Straßenbahn allein fast ebensoviel beträgt wie die Abgaben aller Werke zusammen- genommen. Die Werk-abgabcn decken ungefähr den zehnten Teil des gesamten Bedarfs aller städtischen Verwaltungen. NeunZehntel sind durch Steuern aufzubrinaen. Der Steuerhaushalt bat sich gegenüber d«r Borkriegszeit völlig oerschoben. Während früher der lokale Zuschlag zur Einkommensteuer, also eine direkte Steuer, das Rückgrat des gesamten Ste-uersolls ausmachte, ist heute die vom Staate zu- gewiesene Einkommenfteuerauote längst nicht mehr der ausschlag- gebende Faktor im Steuerhaushalt. Durch die Einkommensteuer wird n i ch t einmal ein Viertel des Bedarfs gedeckt. Der Kamvf Berlins um eine gerechte Verteilung des Gesamtauskommens aus der Einkommensteuer ist noch in frischer Erinnerung. Der ver- einigten Phalanx der Deutschnationalen, der Volkspartei und des Zentrums haben es die schaffenden Massen Berlins zu verdanken, daß van der in Verlin selbst aufgebrachten Steuersumme in Höhe von 110 Millionen nur knappe 90 Millionen in Berlin ver- bleiben, daß also volle 20 Millionen durch andere, i n» direkte Steuern aufgebracht werden müssen. So ist es dahin gekommen, daß heute der Steuerhaushalt der Stadt auf drei annähernd gleichstarken Pfeilern ruht: neben dem Anteil an der Reichseinkommenfteuer auf der Grundsteuer und der Gewerbesteuer. Sie sollen sämtlich nach dem Vor- anschlag des Magistrats rund je 90 Millionen einbringen. Die Be- denken, die gegen eine Erhöhung d«r Grundsteuer vom Standpunkt der zur Miete wohnenden Bevölkerung, gegen eine Erhöhung der Gewerbesteuer vom Standpunkt aller Verbraucher aus sprechen, sind hier bereits«ingehend dargelegt worden. Die Sozialdemo. kratie kann und wird ihre Hand dazu nicht bieten, weil sie eine erhöhte Belastung der breiten Massen der werktätigen Be- völkerung Berlins für untragbar hält. Fünf weitere Steuern, die insgesamt etwa 100 Mil- lionen einbringen, bilden die Ergänzung des Steuerhaushalts. Voran die Steuern auf Grunderwcrb und Wertzuwachs mit zu- fammen über 30 Millionen, an deren Erhaltung die Sozialdemo- kratie nicht rütteln lassen wird, so kräftig auch gerade jetzt der Ansturm der„Interessenten' gegen die„wirtschaftsschädi- gende' Höhe der Steuer einsetzt. Weit schwieriger liegen die Vei- Hältnisse bei der B e r g n ü g u n g s-, der Getränke- und schließlich der Hundesteuer, die letzten Endes doch von den breiten Masten getragen werden mästen. Ein Abbau wird zurzeit noch nicht möglich seim er würde auch bei der Vergnügungs- und Getränkesteuer sicherlich nicht den Konsumenten zugute kommen. (Charakteristisch für die Politik des Bürgerblocks, ist. es„ daß die Wein steucr den Gemeinden entzogen ist, während die Bier- steuer aufrechterhalten ist. Die Sozialdemokratie wird alles daransetzen, um den Etat ohn« jede Erhöhung einer Steuer, die die breiten Masten belasten könnte, zu oerabschieden. Sie wird gleichwohl verlangen, daß alle dringenden Aufgaben der Stadt im laufenden Jahre e r- DER CROSSE UNSERER FABRIK ENTSPRICHT DIE CROSSE UNSERER AUSWAHL! C>-sr-- füllt werden, weil sie der Ueberzteusflmg ist. daß dies im Rahmen des jeingen Haushaltsplanes möglich ist. Wenn es Ujr gelingt, da» Gleichgewicht im Etat auf dieser Grundlage herzustellen. so darf sie dies als eine« der größten Erfolg« konse- ouenter sozialdemokratischer Politik im neuen Berlin buchen. Ieöee Serliner zahlt jährlich für Serli«: (in runden Ziffern) Mark Einkommensteuer.............. 30,00 Gewerbesteuer(obmäUbat).......... 20,00 Miete(nmgelegie Grund« und HauSstntsteuer)... lS.OO Tarifprerie lAnteil an den Ueberschüjfen der Werke).. 10/ 0 BergnügungSsteuer............. 3.00 Hundesteuer.............. 8,00 Biersteuer................. 3,00 Brantweinsteuer■.• 1.00 Insgesamt: 76,00 Vas Gleichgewicht. Ertrag und Bedarf im ordenNichen Haushalt Berlins. Bedarf Ertrag l) Darunter 30 Mll. Umsatzsteuer, 1 Mll. SchanNoi»«Ifion»st«ue- *) Dänin. c; 25 Mll Hauszin»-, 18 Will,»runderwerb»-, 13 MUl. Sert- jumoctzsfttuer. �lus den Bezirken. 4. Bezirk— Prenzlauer Berg. An der Bezirksverordnetenversammlung am 20. ilpril widmete der Vorsteher den verstorbenen Genossen Hecht und Kölberg«inen Nachruf, in dem er ihre Tätigtest im Dienste der Arbeiterschast und ihre kommunale Tätigkeit mit warmen anerkennenden Worten schildert«. Die Versammelten hatten sich während dieses Nochrufes zu Ehren der Verstorbenen von ihren Plätzen erhoben. Für den Genossen Hecht fft Genoffe Kermes in die Stadtverordneten- Versammlung und Genosse L i n s e n b o r t h in die Bezirksverord- netenversommlung einberufen. Als Frattionsvvrsitzender fft Genosse L i t t o u e r gewählt. Don den für eine einheitliche Schulverfassungs- feier vom Bezirksamt petrofsenen Maßnahmen nahm die Versammlung Kenntnis. Aus eine Anfrage der KPD.-Fraktion betreffs des gefährlichen Zustande» der Bürgersteig« in der Cantianstraß« berichtete Stadtrat Genosse Weber, daß das Bezirksamt bestrebt fei, die bestehenden Mißstände abzustellen und daß dazu bereits Ver« Handlungen eingeleitet worden find, die aber auf große Schwierig« keilen stoßen. Von einer Vorlage über die vorläufig« Haushalts- Wirtschaft für 1927 wurde Kenntnis genommen. Für die erstmalige Einrichtung der Säuglingssürsorge stelle in der Star« garder Straße wurden au» Dorbehallsmstteln 1666.36 M. be- willigt. Auf einen erneuten Versuch des Bezirksamts zur Errichtung ein«s zweiten Ausgange» am Hochbahnhof Danziger Straße hat die Hochbahngesellschaft mitgeteilt, daß über die für die nächst« Zell in Aussicht genommenen Bauausführungen mst dem Magistrat«in Programm aufgestellt und darin ein zweiter Aufgang für den Bahnhof Danziger Straße noch nicht vorgesehen sei. Da, Dezirk». amt wird für das nächste Etatsjahr erneut diesen Antrag stellen. 6. Bezirk— Kreuzberg. Wie bereits in der gestrigen Morgenausaab« kurz berichtet wurde, fand am vergangenen Mittwoch in der B-zirksversammlung die Ersatzwohl für den infolge Ueberallerung in den Ruhestand ge- treten»» Stadtrat und stellvertretenden Bürgermeister Genoffen Bruns stall. Zur engeren Wahl standen außer dem unbesoldeten Stadtrat Genoffen Hermann S ch w e i k a r d t der oolksparteiliche Bezirkskämmerer Dr. G r u n o w, der deutschnationale Stadtrat Brandt und der kommunistische unbesoldete Stadtrat Gäbet. In der der Wahl vorausgegangenen Aussprache gab der Kommunfft Fröhlich die Erklärung ob. daß die KPD. auf keinen Fall für einen Bürgerlichen stimmen und trotz geringer Aussichten an ihrem Kandi- daten festhalten werde. Diese Erklärung veranlaßte den redseligen Lolksparteiler Dr. F a l tz zu der etwas gewundenen Erklärung, daß die Dolksparieiler ursprünglich für den Kommunisten stimmen woll- ten, nach Fröhlichs Ausführungen aber sich besonnen hätten. Sie werden auch nicht mehr an dc'm eigenen Kandidaten Dr. Grunow festhalten, sondern weiße Zettel abgeben. Der wahre Grund dieser Erklärung ist ober der, daß die Demokraten und Zentrumsverord- neten den Volksporteilern die taste Schuller gezeigt und die Parole ausgeaeben hatten, geschloffen für unseren Kandidaten zu stimmen. Der Deuffchnationale Schulze plädierte für den eigenen Kandidaten Brand. Die Wahl ergab für Genossen Schweikardt3ö Stim- m e n, für Brandt 18 Summen der Deutschnationolen und Volks- parteiler, welche also trotz der Erklärung von Dr. Faltz keine �weißen Zettel abgaben, und 11 Stimmen für Gäbel, so daß Genoffe Schwei- kardt bereits im ersten Wahlganq gewählt wurde. Nach diesem Ergebnis entfernte sich die Rechte. Zur Untersuchung des Todes- falles des Frl. K r o n« r t im Kronkenhaus Gitschiner Straße wurde ein Ausschuß eingesetzt. An einen anderen Ausschuß ging ferner ein Antrag der KPD. betr. Bewilligung von Sonderbeihilsen für Erwerbslose. Einer Vorlage des Bezirksamts, neben den zurzeit bestehenden drei Säuglings- und Kleinkinderfür. sorge stellen im Bezirk noch drei weitere einzurichten. stimmte die Versammlung zu. Ein Antrag der KPD., der verlangte, daß vom Bezirksamt dem Stahlhelmtag am 8. Mai kenerlei Dorsckub geleistet werde, gab dem Bürgermeister Genoiwn Dr. Herz Ge- leger.best zu der bestimmten Erklärung, daß selbstverständlich im De- zink Kreuzberg dieser Veranstaltung weder direkte noch indirekt« llnterstützung durch die städtischen Behörden zuteil werde. Genoffe Dr. Herz stellte außerdem fest, daß dies« Hallung einheitlich für all« zwanzig Dezirksämter gelte. 8. Bezirk— Spandau. Die Vezirisversammlung beschäftigte sich bei der Erledigung ihrer Tagesordnung sehr«ingehend mit der Vorlage über Ausbau des Friedhofes in den Kiffeln zu einem Sammelfriedhof. Obgleich die zuftändioen Deputationen und Ausschüsse sowie das Bezirksamt sich bereits für die Annahme der Vorlage entschieden hatten, glaubten die bürgerlichen Parteien, noch einmal die Gründe vorbringen zu müssen, die gegen die Anlage eines Sammelfriedhofes sprechen. Es wurden angeführt: Unterbindung der Bautätigkeit, die Gefahren durch die Nähe des Wasserwerkes, daher Verlegung des Sammel» friedhofe» nach Pausin, Seeburg oder Weinberge. Es wurde von allen ihren Rednern Verweisung der Vorlage an einen Ausschuß beantragt. Der Redner der sozialdemokratischen Fraktion entkräftete die angeführten Gründe und entwickelte die Gesichtspunkte, die die Sozialdemokratie veranlaßten, für die Vorlage zu stimmen. In der Abstimmung wurde der Ausschuß antrag der Bürger- lichen mit großer Mehrheit abgelebnt und die Vor- lag« angenommen. Der linken Mehrheit ballen sich auch die beiden Vertreter der Wirtschaftspartei angeschloffen. Außerdem gelangten noch verschiedene Anträge zur Annahme, die sich auf Verbesserung der Verkebrsverhältnisse für die neue Straßenbahnlinie 75 und die Omnibuslinie nach Staaken bezogen. 12. Bezirk.— Steglitz. Die letzte Bezirksverordnetenversammlung vor den Ostertagen zeichnete sich durch bemerkenswerte Kürze aus. Unter Mitteilungen verlas der Vorsteher ein Gutachten der Akademie des Städte- baues über die Umgestaltung des Platzes an der Dreifaltigkeits- kirche in Lankwitz, das sich lobend über den Plan des Dtadtbau- rats Freymüller äußert. In einer früheren Sitzung war ein kommunistischer Antrag über die Benutzung des Steglitzer Pump- werk, an einen Ausschuß oerwiesen worden. Genoffe Klose stellte bei der Behandlung dieses Antrages fest, daß die Antragsteller in den Aiieschußfftzungen gar nicht anwesend waren. So groß fft ihr wirkliches Interesse für die Exmittierten, denen das Wert nutzbar gemacht werden soll! Entsprechend dem Ausschußantrag wurde beschlossen, ein vorhandenes Dureauhaus für Exmittierte umzubauen. Die Anfragen wurden dahin be- antwortet, daß Räume für den Arbeitsnachweis noch nicht gefunden seien, daß aöer weiter gesucht werde. Ein Luftbad ist auf dem Sportplatz m Lichterfelde geplant. Eine länger« Debatte entspann sich über den deutschnationalen Antrag, die Anschaifuiigsgeselllchast, die bereits zusammengebrochen sei, abzubauen. Unterstützt wurde dieser Antrag von der Wirtschaftspariei. Man zog sich wiederum auf den»Schutz des Mittelstandes"' zurück und behauptet«, daß des- wegen die Aiffchasfungsgesellschaft abgebaut werden müsse. Genoffe Rohrbeck und Genoffe Heinig wiesen dagegen auf die Jen- tralisation der Kleintaufleute in Einkaufegesellschoften hin und be- tonten, daß Geschäfte mit jvielen Filialen doch auch nicht jeder Filiale den besonderen Einkauf für ihren Bedarf überließen. So kann auch dos große Gemeinwesen Berlin nicht jedem Bezirk über- lassen, dort einzukaufen, wo er wolle. Der deutschnationale Antrag wurde infolge dieser Beweisführung abgelehnt. Wichtig war der einstimmige Beschluß, das Grundstück in der Bismarckstraße, Stein- stroße, Woltkestraße der Gemeinnützigen Baugesellschnst Heerstraße zum Bau von Kleinwohnungen zu überweisen und zu verpachten. Angenommen wurden ferner zwei Anträge, einer der Demokraten auf Einfluß der Bezirke auf die Organisationsänderung von Groß-Berlw und einer unserer Genoffen auf Abschaffung der Gehallsklaffen 2 und 3. die einer Stadt wie Berlin unwürdig find. 18. Bezirk— weißensee. In der Bezirksverordnetenversammlung vom 20. April gab zunächst der Vorstcher, Genoffe Thiele, unter anderem bekannt, daß die KPD. an Stell« ihres bisherigen Vorsitzenden Griebel den Bezirksverordneten Böttcher gewähll hat. Eine lebhafte Aus- spräche rief die Vorlage des Bezirksamtes über die Errichtung eines Nebenwochenmarktes in der Großen Seestraße, zwischen Schön- und Parkstraß«. hervor. Bezirkvoerordncler Thiele(Wp.) sprach im Namen der Handel- und Gewerbetreibenden gegen die Vorlage und bracht« ein Protestschreiben der Weißenseer Geschäftswelt zur Vorlesung. Genosse Jahn sprach die Zustimmung unserer Fraktion aus. Die Borlag« des Bezirksamtes wurde mll großer Mehrheit ange. nommen. Nunmehr nahm die Versammlung davon Kenmnis, daß bei der Verteilung der restlichen Zusa�hypothekenmillel für 1926 dem Be- zirk noch 282 Wohnungen grundiätzlich genehmigt worden sind. Es kommen hierfür folgende Lauvorhaben in Betracht: Gemein- nützigs Heimstätten Spar- und Bau A.-G.(Gehag) in Berlin auf städtischem Gelände an der Buschallee 142 W o h- nungen. Charlottenburger Baugenossenschaft, e. m. b. H., aus dem privaten Gelände an der Straßburgsbraße, Metzstraße und Lindenallee 80 Wohnungen, Allgemeiner Wohnungsbauverein für Groß-Berlin auf privatem Gelände an der Berliner Allee(Schule) 60 Wohnungen. Für 1927 sind w e i r e r e 360 Wohnungen vorgemerkt, die durch die Pankower Heimstättengesellschaft in der Roedern- stroße ausgeführt werden sollen. Mit der Hergabe des erforderlichen Geländes erklärte sich die Bezirksoersammlung einverstanden. Ein geselliges Kreisbeisammensein veranstaltete die 69. Ab- teilung in Wilmersdorf vor kurzem im Viktoria- garten, das um 7 Uhr begann und etwa 160 Mitglieder und Freunde unserer Partei bei Musik und Tanz bis 1 Uhr nachts zu- sammenhielt. Für die Darbietungen waren erste Künstler ge- mannen worden. Die Pianistin Erna Klein spielte Stücke von Grieg, Schubert und Mendelssohn. Es gelang ihr, trotz des wenig guten Klaviers die Zuhörer ganz in ihren Bann zu ziehen. K ä t e Wegner-Preissr fang mit ihrer schönen, gut durchgebildeten Stimme Lieder von Schubert und Volkslieder. Als Conferencier wirkte Theo Morel, der von vornherein die Zuhörer in eins gute Stimmung brachte. Desonderen Beifall erntete er durch seinen glänzenden Dortrag von politisch-satlrischen Dichtungen von Glah brenn er. Weine rt und aus dem Bürgerspiegel. Großen Anklang fanden auch die Darbietungen des Zauber- künstlerg Fred Morro. Als nach Schluß des künstlerischen Teils ein riesiger Schinken als Haupttreffer einer kleinen Verlosung— als Trostpreise waren verschiedene gute Bücher von Parteigenosien gestiftet worden— durch den Saal getragen wurde, war der Jubel groß. Die aufgelegten Lose wurden im Handumdrehen verkauft. Der Hauptgewinn fiel einem schon seit einem Jahre arbeitslosen Parteigenossen zu, was allgemein« Befriedigung auslöst«._ Vorträge, vereine und Versammlungen« # Reichsbanner»Schwarz Rot-Gold". SefchSftsftell«? Berlin! Erwerbsloie Kameraden Arbei:»dienst So.» d. W.> 2'A Uhr, ltäniksbank.— ÄMajSetg: So., d. 30., 6 Uhr, Sitzung der erweiterten technischen Leitung bei«repp. Planufcr 75(Ecke Äm Urban). 7)4 Uhr Sitzung de» erweiterten«reianorslandes mit den Funktionären im gleichen Lokal.— Wiuterigortobteiluug! So., d. 30., 3 Uhr, wird die Schule Skilauf im Schnee» Palast(Wochencnd-Ausstcllung) von unserer Wintcrsportabicilung vorgeführt. Rege Teilnahm« erwünscht.— Treptow! 2!m Sonntag, d. 1., nachm. 3 Uhr, Antreten(ohne Retchsbannerkleidung) mit Abzeichen an der Wiener Brllckc. Aktive und passiv« Kameraden müssen dort antreten.— Ticrgart«»: Sonniaa. d. 1., 3., 15. Mai. fällt Halenlec au».— wedding. Die Einäscherung de» ver- stordenen Kam. Herzderger, Üftinjenall«. findet am Sonnabend. 30. Avxjl, vorm. IOMi Uhr, im Krematorium Scrlchtstrohe statt. Die Kameraden riefen fich um 10 Uhr bei Müller, Uferstr. 12. Frei religiös« Ocnuind« Berlin, c. Ortsgruppe Köpenick. Der Borberei- tunasunterricht der freireligiäfcn Gemeinde, Ortsgruppe Köpenick, zur Jugend. weih« findet feden Mittwoch nachmittag von 3H— 5)4 Uhr im Jugendheim Grünauer Str. ä statt. Berein für Sinhcitnknrzlchrift zu Eharloitenturg. Freitag abend TA bi» 9H Uhr Anfänger-, Fortgefchrillcne. und Rrdefchrift-Lchrgänge, Sicuienz-Oher- realschnle, Schlonstr. 27 I. Reich»buud der Kriegedefchidlgten.«rieg-teilnebmer nud Nriegerhintcr. bliedcnen, Bezirk Zentruni. Montag,£. Mai, findet im Rofcnthaler Hof. Rofenthalcr Str. 12, die Monataverfammlung statt. Referat Kam. Schwarz: »Die Stellung der Kriegsopfer zur Staatsform und zum Frieden." Ardeiter-Elterndund Berlin-Weihenle«. Jugendweihe in weihcnfce. Der Borbcrcitungsiinterricht für die Herdstjugendweihe beginnt heute. Freitag, nackMittag« von 4—0 Uhr, im Schulhaus Wilhclmstraße. Anmeldeformulare flnd dort auszufüllen. Tonriftenverein»Die R-turfrennde". Ortsgruppe Berlin,«. B.. Zentral« Wien.«dt. Eh-rlottcnbu«! Freilag, 2g. April. 8 Udr. im Heim Spreestr. 80, »Di« Revolution von 1S4L.— Abt. SrluudSruuneu: Freitag, 2S. April, 8 Uhr, im Lcim Lortzingstr. 1«, Zimmer 1, Hrimabend,—«dt. Südost: Freitag. im Heim ltovfftr. 55,»Sexuelle Fragen".— Ortsgruppe Berlin! Sonnabend. 30. April, beteiligen stch sämtlich« Abteilungen geschlosiro an der Jugendlchud- demonstration.— Abt. Wrdding: Sonntag, 1. Mai, Heidsspiel«. Tref'nuntt 4 Uhr See», Ecke kütticher Straße.— Gcmlfchtcr Ehar, Freitag, A. April, 8 Uhr, Alt-r-heim Danziger Str. 02.— Photoz-meinich-st- Montag, 2. Mai. mu». PilrOTch M7 U�t am Untergrundbahnhof Alexanderplatz. Fahnen und Musikinstrument« mitdringen. Nachzügler 7 Uhr aus der Spielwiese im Friedrichehsiit.■■■■■■ Kaiser s Sonderangebote Freitags und Sonnabends in unseren 107 GroO-Berliner Filialen % l Kaisens Kaffee„Marke Kaffeekanne Extra" neu eingetührt M. 2�0 das** Pfund-Paket Kaiser s Kaffee„Marke Kaffeekanne"................. M. 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Die gestrige Tagung des Vereins hat aber gezeigt, daß allein mst taktischen Gesichts- punkten noch nichts oder doch nur wenig getan ist und daß Herr Lange sich von seinen Gegenspielern in eine tage hat treiben lassen, in der er nicht mehr wie bisher die wahren Interessen seiner In- dustrie. des Maschinenbaus, mit dem Nachdruck vertreten kann, wie man das bisher gewohnt war. Das Wirtschoftsprogramm des Rechtsblocks scheint ungefähr das folgende Gesicht zu haben: Zuerst werden die unumgänglichen sozialpolitischen Abschlagszahlun- gen geleistet: st« bestehen in der Duldung der Welle von Lohner- hohungen, die die Arbeiterschaft sich jeßt überall im ganzen Land« erkämpft. Sie bestehen weiter in kleineren sozialpolstischen Reformen ohne erheblich« Bedeutung wie dem sogenannten.Arbeitszeitnot- gefeß' und der Besserstellung einzelner Gruppen von Invaliden- rentenempsängern. An diese sozialpolitischen Abschlagszahlungen wird man vielleicht zur Beruhigung der Gemüter noch eine schein- bar« Verschärfung der Kartellgesetzgebung anknüpfen, die man dann sofort in der praktischen Auswirkung wieder zunichte machen wird. Nachdem man so anscheinend ein« überraschend liberale Politik «.'trieben hat, wird man zur Befriedigung der handelspolitischen Aünsche der stärksten Koalitionsparteien übergehen. Dabei werden .''c Weinfrag« im Handelsvertrag mit Frankreich und die Schweinefrage im Handelsvertrag mit Polen die größte Rolle spielen: an diesen Fragen wird man die für Deutschland ungemein wichtigen Verträge mit Polen und Frankreich scheitern lasten, ob die. Scheitern nun wie gegenüber Polen in der Fort- setzung des Zollkrieges oder wie gegenüber Frankreich in einer Vermehrung der Zä£I der Provisorien ohne Definitivum seinen Ausdruck finden wird. Gleichzeitig wird man die Belastung der Verbraucher durch erhöhte Lebens mittelzölle weiter steigern. Als weiter« Last für die Arbeiterschaft kommt hinzu das Stocken des Exports nach Frankreich und Polen: die hierbei erlitten« Einbuhe an Absatz schätzt der Verband Deutscher Maschinen- bauanstalten auf zusammen SSV Millionen, die etwa 200 000 A r- beitern Beschäftigung geben könnten, die ohne sie noch arbeitslos bleiben müssen. Die Kosten für ihre Unterstützung, die sich auf rund 200 Millionen Mark jährlich belaufen, trägt ebenfalls zum größten Teil die Arbeiterschaft: hinzukommt ihre Einbuße an Löhnen, die diese 200 000 sonst bezogen hätten(nochmals 200 Millionen), und die erhöhten Ausgaben für die Waren, deren Preise und Zölle durch den Nichtabschluß der Verträge künstlich hochge- halten werden. Dahin gehören insbesondere Mehrausgaben für Be. tleidung: denn die Textilzölle sind ein» der wichtigsten sorgsam ge- schonten Kompensationsobjekte gegenüber Frankreich mit einer Massenbelastung von vielen Millionen Mark. Obendrein kann man mit Sicherheit erwarten, daß das neue Regime durch eine Senkung der Hauszinssteuer den Hausbesitzern ein. Kroßes Geschenk machen ....6->wird, das zur Einschränkung des öffentlichen Woh. nungsbaus führen dürfte. So will man der Arbeitnehmer. schast mit der einen Hand nehmen, was man ihr jetzt mit der anderen zu geben scheint. Zudem hat man mit der 20prozentigen Mistserhöhung von ihrem Einkommen schon eine Milliarde vorweg mit Beschlag belegt, die zum größten Test de» Hausbesitzern zu- stießt. So ist es deutlich, daß die Arbeiterschaft keinerlei vorlest von dem neuen Regime not und daß die Lohnerhöhungen, die die Industrie jetzt allgemein als Vorwand für erhebliche Preissteigerungen benutzt, nur Erhöhun- gen des Nominallohns, nicht des Reallohns sind, zumal wenn man die Preissteigerung der letzten Monate in Betracht zieht. Das alles dürfte auch dem Taktiker des Maschinenbaus nicht unbekannt ge- blieben sein. Aus lauter Taktik hat er sich aber verpflichtet ge- suhlt, in seiner gestrigen Rede sich zunächst gegen die sozialpolitischen Abschlagszahlungen der Regierung zu wenden, als sei nicht das andere"Programm schon völlig klar. Herr Lange tut damit der Schwerindustrie den Gefallen, sich mit ihr in eine sozlalposisisch reaktionäre Einheitsfront zu stellen. Er. der bisher wohlweislich das Unternehmerintereste seiner Mit- glieder in den Vordergrund gestellt hat, entdeckt jetzt ihre Arbeit- gebersolidarität mit der übrigen Industrie. '!lLas ist die Konsequenz dieser Haltung? Die Recht« In der Regierung kann triumphieren. Jetzt kann sie den Arbeitnehmern im eigenen Lager sagen:.Seht, so sieht die Sozial- Politik der freihändlerischen Maschinenindustrie aus." Sie wird Ihnen jetzt einreden, daß Freihandel und sozialpolitische Reaktion zusammengehörten. So wird es ihr möglich sein, die Gesamtheit ihrer Anhänger für ihr handelspolitisches Wahnsinnsprogramm zu gewinnen. Herr Lange, der geschickte Taktster, hat mst seiner sozial- politischen Taktik die handelspolitischen ünkeressen des ZNaschinenbcius preisgegeben und der Schwerindustrie einen großen Dienst geleistet. Ihr Bündnis mit der Landwrrischaft ist schon perfekt: daß die Verarbeiter im gleichen Augenblick sich zu Trägern der von der Schwerindustrie ausgegebenen Parole machen, sichert den Erfolg des Bundes, der der wirtschaftliche Hintergrund der neuen Koalstion ist. Die Seiten- spränge der Verarbeiter werden den schwarzblauen Block auch in der Handelspolitik zusammenschweißen und allmächtig machen. Herr Lange hat mit seinem Trost im Gefolge der sozialpolitischen Reaktion dieser Koalstion die deutsche Handelspolitik ausgeliefert. Damit hat er die Jmeresten nicht nur der Arbeiterschaft und der deutschen Volkswirtschaft, sondern auch seiner Industrie aujs schwerste geschädigt. Und das alles aus Taktik...l Die Tagung üer Maschinenbauer. Die gestrige Tagung de» Vereins deutscher Maschinenbau- anstalten haste drei Höhepunkte: Die schon gestern mitgeteilte Be- grüßungsansprache des Reichsaußenministers, in der Dr. S t r e I e- mann den scharfen Wider st reitzwischendenInteressen der deutschen Außen- und Handelspolitik, die er selbst repräsentiert, und dem engherzigen Gewinn, und Renten- partitularismus der Schwerindustrie und des Großagarriertums, die Herr Schiel« vertrstt, vor aller Oeffentlichkest unterstrich. Die beiden anderen Höhepunkte waren das Plädoyer des Geschäftsführer» Direktor Lange vom VDMA für die Maschinenindustrie und die Red« des bekannten Betriebs- und Bilanzwissenschaftlers Ernst Schmalenbach von der Kölner Universität über die geschäjllich« und finanzielle seile der Rationalisierung. Warum die Prosesiorenweishell des Herrn Gustav Caflel kein Höhepunkt der Tagung jem konnte, haben wir schon gestern angedeutet. Ge- lehrsamkeit kann so systematisch und logisch rein sein, daß sie un- fruchtbar wird für alle Praxis. Hier war sie es. Die einzige ver- nünftige Konsequenz, die aus der ebenso gelehrten wie unfrucht- baren Red« von Gustav Cassel zu ziehen ist, lautet, daß es ver- geblich ist in einer Zeit, deren Kämpfe allein noch um die ver- nünftige planmäßige Organisation des Erzeugen- und Verteilen? geht, für einen zwar sehr kultivierten, aber sinn- losgewordenen Liberalirm uszu werben. Prof. Cassels Plädoyer für die schrankenlose Bewegung der Arbeitskraft und für die Nioellierung der Löhne war so theoretisch, daß es selbst bei den Maschinenfabrikanten kein Unheil anzurichten braucht, hat doch der größte Teil der Hörer dos Murmeln des Professors nicht verstanden. Um so ernster muß die Oeffentlichkest mit Direktor Lange und seinen Ausführungen zurBilanzund Kritikderdeutschen Wirtschaftskrise rechten. Direktor Lange und mit ihm der VDMA. ist nicht ohne Verdienste. Er hat sehr früh für seine Industrie die gründlichste Rationalisierung auch da gefordert, wo sie den Fabrikanten und Aktionären Opfer zumutet. Er hat für seine Industrie in Fragen der Handelspolitik auch da Vernunft bewiesen, wo andere Länder für ihre Maschinenindustri« Zollschutz verlangten. und er war nicht unter die sozialpolitischen Scharfmacher gegangen: Er hatte es auch nicht nötig, denn die Krise der Myschrnenindustrie war die denkbar schwerste, und ihre Belegschaften standen ohnehin unter dem Druck der hinter ihnen stehenden gewaltigen Reserve- armee von Arbeitslosen. Um so mehr muß heute vor der Oeffent- lichkeit unterstrichen werden, daß Direktor Lang« im Namen der deutscheu Maschinenindustrie das sozialpolitische Krlegsbell hoch emporhob und proklamierte, daß nur niedrige Löhne der Weg zur Aus- saugung der Arbeitslosigkeit sein könnten und daß der beginnende Konjunkturaufschwung durch die Lohn- und Arbestszsitbewegung unzeitig abgedrosselt werde. Es mag richtig sein, daß die verarbeitend« Industrie keinen Pakt mitoer eisen- schaffenden Industrie geschloffen hat derart, daß die Ma- jchinenindustn« in die Front der sozialpolitischen Reaktionäre ein- zuschwenken hat. nachdem die Eisenindustrie auf die Erhöhung der Eisenpreis« nach langem Kampfe verzichtete. Nach- dem aber Direktor Lange selbst die alles weniger als arbeiterfreund- liche Politik des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns vom Stand- punkt der Industrie als„B r a u n s ch e Krisenpolitik" ablehnte, bleibt«» bei der Tatsache, daß die Maschinenindustrie durch Herrn Direktor Lange heute ossiziell in die Front der sozialpolitischen Reaktion eingereiht worden ist. Es ist ein- fach nicht wahr, wie Herr Direktor Lange behauptet«, daß Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen deshalb verhängnisvoll seien, weil der Rationalisierungsprozeß noch viel Kapital ver- schlinge. Wahr ist vielmehr, daß erst jener Abwand, zu dem die Unternehmerklasse gezwungen wird, sie auch zu jenen Kapital. auswendungen anreizt, die die Rationalisierung voraus- setzt und zur Bedingung hat. Wenn das Hochheben des sozialpolitischen Kriegsbeile» der Preis wäre, um den die Maschinenindustrie ihre sonstigen an sich vernünftigen Forderungen der Oeffentlichkest der Kapitalisten und der übrigen Wirtschaft plausibel machen kann, so müßte das wahrlich das Ansehen des Vereins deutscher Maschinenbauanstalten sehr erschüttern. Es ist m u t i g, daß Herr Lange die private B a n k e n w i r ts ch a f t in Deutschland eine monopo- l i st i s ch e genannt hat. gerade weil es gefährlich ist, das öffent- lich auszusprechen. Es ist auch gut, daß er die Rationalisierung der deutschen Staatsoerwallung verlangt in dem Sinne, daß nicht 80 Minister und 210 0 Parlamentarier zum großen Teil überflüssige Kosten machen, und daß er das Deutsche Reich mit einem Betrieb verglichen hat, dessen 18 Abteilungen darum streng voneinander geschieden sind, damit die gleichen Waren in grün- weißes, weißblaues und schwarzweißes Papier eingewickelt werden, und daß Herr Lange von dem Reichsernährungs- minister Schiele fordert, daß er Reichsminister nicht nur sür die Ernährung der Landwirtschaft, sondern auch für die des ganzen Volkes sein solle. Aber die deutsche Maschinen- industrie hat an der Aufstellung solcher Forderungen kein besonderes Verdienst, denn die Durchführung dieser Forderungen schlägt auch bei ihr in ersparten Kosten und höheren Gewinnen zu Buche, so sehr das in diesem Falle zugleich auch der ganzen Vollswirlschast zugute kommt. Jedenfalls aber schneidet sich die Maschinenindustrie in das eigene Fleisch, wenn sie für die Erhebung dieser Forde- rungen dos sozialnalitijche Kriegsbeil noch böher hebt, als es bisher von den meisten Mitgliedern auch des VDMA. schon geschehen ist. Prof. Ernst Schwalenbachs Rede über die geschäslliche und finanzielle Seile der Rakionallflerung zeigte, wo zwischen den weltfremden Theorien von Prof. Cassel und dem gewiß nicht ganz durchschnilllichen Jnteressentenplädoyer van Herrn Direktor Lange die gut wisfenschckstliche und zugleich gut praktische Mitte liegen kann. Es ist Schwalenbachs Recht, ein Fernd des Marxismus zu sein, obwohl gerade dieser allen Problemen vernünftiger Betriebsorganisation mehr V e r st ä n dn i s entgegenbringt als das Unternehmertum, das zu vernünftiger Organisation erst gezwungen werden muß. Aber Pros. Schmalenbach ist auch«in Feind des Unternehmer- d ü n k e l s und der Unternehmerdummheit, wo er ihr begegnet, und deutschen Unternehmern ihr« Unzulänglichkeit mit viel Witz nahe- gebracht zu haben, war«in öffentliches Verdienst. Er sprach klar aus, daß Arbeitslose entweder beschästigt oder aus Kosleu der Industrie unterhallen werden müssen. Für die K a p i t a l b i l d u n g sei es grundsätzlich gleichgültig, ob sie bei dem Arbeiter erfolge oder beim Unternehmer." Aus den S t a a t schimpfen sei billig, kost« gar nichts und mache immer«inen guten Eindruck, und wenn es auch wahr sei, daß der Staat vielfach durch seine Steuerpolitik die private Kapitalbildung hindere, so sei an die von den Unternehmern sabotierte Ergänzungssteuer Erzbergers zu erinnern, die gerade die Kapitalbildung dadurch för- d e r n wollte, daß sie den Luxusverbrauch einer besonderen und scharfen Besteuerung unterwarf." Wer die staatliche Bureaukratie besonders in der öffentlichen Wirtschaft wie das Unternehmertum bekämpfe, dürfe die Bureaukratie in der Privatwirtschaft nicht über- sehen, die hier nicht geringere Orgien feiere als beim Staat«. Diese Bemerkungen wurden eingeflochten in den sachlichen Vor- trag über die Rationalisierung, der auf einem hohen Niveau stand. Schmalenbach mochte der Tagung begreiflich, daß die Maschinen- industrie dafür verantwortlich sei, daß Deutschlands Wirtschaft den Uebergang zur F l i e ß a r b e i t. die kein Problem von heute sei. .richtig bewältige. Deutlicher als bisher werden sich in der Zukunft unter der Herrschaft des.Fließarbeiteprinzips drei Typen in der Produktionsmillelindustrie: herausbilden: Fabriken für die Ge- s a m t a n l a g e von Werken. Einzel Maschinenfabriken, von denen die ersteren weitgegend normalisierte Element« beziehen, und Normalienfabriken, die der Typisierung der Produktion aus allen Stufen zu dienen hätten. Viel mehr als bisher müsse auch das Rechnungswesen rationalisiert werden, und vor allem müsse der dezentralisierte Betrieb zu übersichtlicher Erjolgsrechnung in den einzelnen Abtellungen erzogen werden. Die Tagungen der deutschen Maschinenbauer sind im öffentlichen Leben Deutschlands immer von einer besonderen Bedeutung gewesen. Die Bilanz der diesjährigen Tagung kann deshalb nicht befriedigen, weil sie im Widerspruch mit den eigentlichen Interessen der Maschinenindustrie, die dreiviertel Millionen Arbeiter beschäftigt, und deren Gedeihen von dem wach- senden Wohlstand der breiten Massen abhängig ist, die schon bestehende sozialpolitische Spannung noch vertieft hat. Es ist nicht die Arbeiterschaft, die das zu bedauern hat. Die Arbeiterschaft führt um so lieber und um so erfolgreicher ihre Kämpfe, ja klarer die Fronten sind. Die Arbeiter- schast wird sich auch nicht abhalten lassen, trotzdem die Polllik der EisenmonopoNsten und der Schweragrier zu bekämpfen, die auch die eisenverarbeitende Industrie aufs Schwerste schädigt. Sie verlangt dafür von der eisenverarbeitenden Industrie keinen Dank. Aber die eisenverarbeitend« Industrie muh wissen, daß die Arbeiterschaft auch eine bewußte Verbreiterung der sozialreaktionären Front nicht fürchten wird. wenn den Worten von Herrn Longe auch Taten folgen sollten. SIE KAUFEN IN UNSEREN GESCHÄFTEN FUß WENIG GELD SCHÖNE und GESCHMACKVOLLE SCHUHE ERCED la Berlin: Frledrichetr. 01/ Leipziaer Str. 77(Dtebofl�iati)/ Potsdamer Str. 55 ✓ Turmstr. 05/ Gr. Frankfurter Str. 102/ Brunnenetr. 194 Stelgenöe Umsätze der kousumverekve. Von Zentralverband deutscher Konsumvereine liegt die Umsatz. staiistik für den Monat März vor, zu der 57 Konsurngenossen» schatten mit 1 634 251 Mitgliedern, also rund de Hälfte der Gesamt» Mitgliedschaft, berichtet haben. Die Wochenumsätzc sind im Monat März wieder ununterbrochen gestiegen. Bon der ersten bis zur vierten Woche stieg der absolute Umsatz der berichtenden Ge- nossenschaften von 9.29 auf 10,13 Millionen. D:e wichtigere Ziffer ist der Umsatz pro Kops. Er erhöhte sich vom 7. März bis zum 2. ilprll von 6,05 auf 6,61 Mark pro Kopf. Im Monatsdurchschnitt ergab sich gegenüber dem Monat Fe» brnar eine Erhöhung von 6,t4 c-uf b,23 M. pro Kopf der Mit» gliedar. Gegenüber dem Monat März vorigen Jahres ist der Kopf» umfatz um 1,30 M., also um nicht weniger als 26,4 Proz. erhöht. Den höchsten durchschnitllichen Wochenumsatz erzielte der Verband sächsischer Konsumoereine und der Verband nordwestdeutscher Kon» sumvereine mit 8,28 bzw. 7,76 M.. den niedrigsten wieder der Verband südwestdeutscher Konsumvereine mit 4,03 M. und Ostbeul» scher Konsumvereine mit 4,98 M. jBieht man auf die seit Beginn 1926 zurückgelegte Entwicklung zurück und sieht man von dem Ostermonat März 1926 und dem Weihnachtsmonat 1926 o b so hat auch der März d. I. den ununter. brachen ansteigenden Anteil pro Kopf weiter erhöht. Es ist die Tatsache zu verzeichnen, datz die gewaltige Krise des Jahres 1926 die Anziehunoz. und Schlagkraft der Konsumvereine nur noch gesteigert hat. Seit Januar 1926 bi» März 1927 ist der Umsatz pro Kops von 4,37 auf 6,23 M. erhöht worden, also um 1,8-5 M. oder um nicht weniger als rund 43 Proz. Jede Besserung der Wirtschaltslage kann diese Entwicklung nur beschleunigen, und die Arbeiterschaft darf auf den Beweis stolz sein, daß ihre Selbstversorgung in eigenen Betrieben Krise wie Konjunktur in gleicher Weise dienen müssen. 50 Proz. Dividende im Chemlekrusi. Der Auisichtsrat der I. G. Farbenindustrie hat nicht, wie vermutet, eine Oiotbende von 12 Proz� sondern nur von 10 Proz. der Generalversammlung vor- zuschlagen beschlossen. Die Betriebsüberschüsie sind gegenüber dem Vorjahr von 168,56 aus 186,07 Millionen Mark erhöht. Die Unkosten sind von 45,19 auf 42,11 Millionen Mark gesunken! Nach der sehr beträchtlichen Erhöhung der Abschreibungen von 55.77 auf 75,23 wird ein Reingewinn von 70,52 gegenüber 68,04 Millionen ausgewiesen. Allein die um 20 Millionen erhöhten Ab- schreibungen zeigen schon, datz ein sehr viel höherer Rein» gewinn und eine grötzer« Dividend« hätten zur Verteilung stehen können. Wir kommen auf den Geschäftsbericht noch ausführlich zurück. Zum Zusammenbruch der Mologa IL-®, fand eine ausserordentliche Generalversammlung statt, in der nach den gesetzlichen Borschriften Mitteilung über den Verlust von mehr als dem halben Aktienkapital gemacht wurde. Sie erfolgte nach einer Vereinbarung zwischen russischen und deutschen Stellen unter Ausschluss der Oefsenllichkeit, weil nach dem Wunsch der Beteiligten vor A b s ch l u h der Verhandlungen keine eingehenden Erklärungen gegenüber der Oesfentlichkeit gemacht werden sollen. Vom Staats- sekretär Dr. Hemmer, dem ossiziellen Verhandlungssührer in Mos- kau, wurden vier Gründe für den Zusammenbruch der Mologa angegeben: die Ausstattung mit Kapital sei unzulänglich gewesen, die falsche Kalkulation der Gestehungskosten habe auf dem Weltmarkt zur Konkurrenzunfähigkeit geführt, die Freigabe des russischen Marktes sei wegen der unpassenden Holzpraduktion als Ersatz ungenügend gewesen und die Bezahlung der 25 000 Mann starken Belegschaft habe zu großen Soziallasten und arbeitsrechlkichen Konilikten geführt. Die Firma Himmelsbach sei nicht durch die Mologa zusammengebrochen. Ihr Zusammenbruch habe aber denjenigen der Mologa beschleunigt. Das Aktienkapital von drei Millionen fei verloren. Von den gewährten 16 Millionen Krediten (russische und deutsche) soll ein Teil zu relten sein. Die Geschästc- aussicht sei noch nicht genehmigt, die Mologa werde aber liquidiert. Es sei noch unbestimmt, ob Rußland selbst oder ein aus- wärtiges Unternehmen die Mologa-Konzession übernehme. Um die Gefrierfleischeinfuhr. Daß die Stellung des Fleischer- gewerbes in der Frage der Gssrierslsijjcheinfichr durchaus keine einheitliche ist, bewiesen die Aeußerungen der Verwaltung der Haslaa in ihrer Generalversammlung. Di« Handelsgesellschaft Fleischerocrband A.-G. ist ein Unternehmen, deren Aktien in der Hauptsache sich in Händen der Fleischerorganisationcn und ein- zelner Fleischer befinden. Sie arbeitet mit einem Aktienkapital vmr 1.21 Millionen Mark und beschäftigte sich in der Hauptsache mit dem Gefrierfleischhandel. Bekanntlich ist für die Einfuhr von zollfreiem Gefriersleisd) das Jahres kontingent auf 120000 Tonnen festgelegt. Die Hailag selbst besitzt von allen Händlern das weitaus größte Kontingent. Zlngabcn über die Höhe zu mackjen, lehnte die Gesellschast ab. Sie erzielt« im Jahre 1926 einen Rein» gewinn von 146 544 M., aus dem eine Dividend« von 14 Proz.(!) in Vorschlag gebracht wird. Die Verwalmng lehnt es ab, in den Streit um die Eeirierfleischtomingentierung als Interessent Stellung zu nehmen. Sie erkennt an, daß die Kon- tingentierung Nachteile im Gefolge hat und daß sie den Kontingent- firmen trog der gesetzlich festgelegten Gewinnbeschränkung erheb- lichen materiellen Nutzen gebracht hat. Ob diese Unzuträglichkeiten mit Hilse der Kontingentbeseitigung verschwinden werden, das stehe auf einem anderen Blatte. Im übrigen deckt sich der Standpunkt der Verwaltung im wesentlichen mit dem. den wir kürzlich zum Ausdruck gebracht haben. Angesichts der erzielten Dividende ist das begreiflich. Die Lothrlngea-vergbau 2L-®. hat erhebliche Gewinn« erzielt. verwendet sie aber zu Abschreibungen und bleibt dividendenlos. bat es entdeckt« weshalb der Kuchen so gut schmeckt: Darum 2- goldene Backregeln: I. Man nehme zum Kudicnbadscn statt 1 Pfd. Mehl ein für allemal nur 3/4 Pfd. Mehl und'/e Pfd. Mondamin. Dann wird der Kuchen zarter« lockerer und Icchcrcr, dabei aber billiger, weil man weniger Eier und Butter braucht! 2. Vor dem Anrühren ist das Mehl« nachdem man es mit dem Mondamin vermischt bat« mehrmals durchzusieben! Du r«Jcei Mosd« ml»(sicmali lote) kotiei 95 plA. Haturafesraucn,«5c»h.< datran* v o jp f« 5 s* e*•< Getanntuiachnng. t&kd U dtJisJsJL 59'64-79-90-100 Musw. Wodienraten von 4 Mark an/ Katalog aufWumcb gratis Mifa- Fabrikverkaufstellen: Berlin VW 7, Schiffbauerdamm 1, Leiter; Erich Aberger.» Berlin-Neukölln, Friedelstr. 27. Leiter: Erich Aberger. Berlin O J4. Petersburger Straße S, Leiter: Carl Dähn.» Bln.- Charlottenburg, Tauroggener Straße 12, Leiter; Paul Charlet.» Bln.-Charlotten- borg, Kaiserin-Augusta- Allee 44, Leiter; Paul Chattet» Bln.-Panko*-, Schloßstrttße IS. Leiter; M. Oolle.» Berlin SW 51. Belle-Alliancc-Str. 6, Leiter: Filiale Berlin.» Berlin SW 68, Alexandrlnettstraße 15, Leiter; M. Tliamme.» Bln.-Schöneberg, Barbarossastraße 42, Leiter: F. Tybus. «chäfepi).--2-- # Ihr Bruch+ wird Immrr gräfter. wenn Sie ein sAItchtfitzrndee nnb Ißftioe« Feberbruchdan» aber Gummiband tragen. Durch solche Bänder verschlimmert sich das Bilden und kann zur Todesursache werden. f(£« entsteht Brucheinklemmung, die oneriert werden muh und den Tod rcbner: Dr. Hertz. Tröfsnung Beginn des Programms 4 Uhr. Tintrilt 60 Pf. 1. Kreis Eharlsttenbnrg. Die Senofstnnen und Vienossen, web DemonstrationszUgen ihrer Gewerkschast nicht beieiliar» kör (ich Sonntag, 1. Mai, vormittag» 10(4 Uhr, am Lülhelmplatz. tt Krei« Söbdaeberq-griebena». Sbnnti™'-- an den treffen Die Wewerksi itt-o» t»,,...._______..... W. ag, 1 Mai, Maifeier in der Schloß. brauerel Schönebirg, Häuptstr. 1 22—! l4i Mitwirkende: Hrdeitsgemeinschaft tsgemeinscho isÄt vohm-wchuch, Schvneberger Männerchor Freundschaft. Liedertafel West, Arveitrrtugenb, Arbeitersportler. Festansprache: Clara M. d. 9. Ad 4 Uhr großes Eartenkonzrrt. Abend, 7� Uhr sprechen im großen Saal« Genosse Furtwängler(Mitglied der Tertilarbeiterdelegation nach Indien) Uber.Das erwachende dhina* und das Mitglied der Kuomintang-Partei Hstung Kwang Euen Uber»Der Ireiheitickam�f � in er- Freiheit-� Dunkelhei �..>_________________ WMI. de, Aui«Bt;(,,7 Erwerbelöf« Parteimitglieder frei. Di«»asseeküch« 3 Uhr aeöfsnet. 72. Krei» Steglitz, Lankwitz, Lichter jelde. All« Genosstnnen und Genossen che- te.lig?» sich an unserer Maifeier in her Gemeinde festhalle in Lankwitz. äigung ist ad Auf«Uhr ndefesthalle schaft d-uts- sehr pünktlich 6 Uhr. Ende l Uhr. Eintrittspreis nur M Pf. Intl. Steuer und Tanz. Karten bei allen Funktionären. 73. Krei, r«M»«lhos, Rarieodorf. Marienseldc, Lichtenrade. Die Genosstnnen und Genossen, die Mitglieder de» Verbandes fllr Freidcnkertum und 74. Dorfstraße Tempelhos(Leitung Den Feld mit den Kindersreunden zu spi Krei,«enkNl». Sonntag, l. Mai Sieuey spielen. ig. 1. Mai, Maifrier in sämtlichen Räumen der Welt. Orchesterkonzert, Männerchor.Ficht». Georginia", Frei« fift Reukölln u. o. Festredner: Stadtverordnetenvorstsher Zp- Hanne« Haß. Einlaß 2 Uhr. Ansang 4 Uhr. Eintritt 60 Ps. Die Ge. nosstnnen und Genossen sorgen durch Massenbesuch dafür, daß die Mai- frier zu einer wuchtigen Demonstration gegen de» Stahlhelmtag wird.— All» Denosstnnen und>.~. Genossen, die ine —____ ,,_________________..._.:tgf>eder des Verbandes für Frei denkertum und Feuerbestattung sind, werden gebeten, heute, Freitag. 2». April, in Erbe, FestsLIen, Hasenheide, vollzählig an der Seneralver. 17. Krei» Ä�tMchertz. Sonntag, 1. Mai, nachmittag» 4 Uhr. Maifeier bek Schsnert(Inhaber Ernst Renelt) in Stralau, Kqnaststraße. Festredner: Franz Stimmin». tt. Keei»«ciniäerdors. Heule. Freilag. 29. April: 73. AN. Achtung, Bezlrkssührerl Di- Maikarten sind bi» Sonnabend, 30. April, abend», beim Genossen Oberg, Woldenberger Str.?7, adzu- 4tz, Gen»sstnne>» und Genossen, die Mitglieder bei Verbandes fllr Frei- denkertu» und Feuerbestattung stnb, beteiligen sich an der Generalvcr. sammlung im Gewertschastshau», Eugeluier 24—26. Am Sonntag, 1. Mai, schließen stch d" MitgNeder ihrer Gewerkschaft an. 73.»bt.»Ilmersbsrs. Sämtliche Genossinnen und Genossen, die Mitglieder de, Verbandes vir Freidenkertum und Feuerbestattung sind, werden gebeten. bestimmt bei Kuliart, Laubenburger Straße, adend» 7sh Uhr zu Frieden»». Sämtlich, Genosstnnen und Genossen, dl» Mstglieder de» erscheinen. «. Abt. Fried lab«, »ur von 4—« Uhr aiveranstoltung 34. tag. Ii Rai. treffen st« alle Genosstnnen und Genosse:.,......... ihre»»ewerkschasten beteiliaen, vormittag« pünktlich 10 Uhr bei« Handserystr. 60— 61. Arbeitslos« Genossin erhalten Eintrittskarten Maifeier beim«-ffi-rer Genossen Goebel, Milhelmshöhcr Str. 24. ArbaitoaMatoschast d«,«iabeesrenn», in stchlendors. Freitag Spiesen in der Rvrdfchule. Die Gruppe nimmt an der M, im L.nbenpar« am eonntag nachmittag 3 Uhr teil. Morgen. Sonnabend. ZV. April: 31. Abt.«• Genossinnen und Genomen, welch« am X. Mai al» Helfer täti, sind, trefsen stch bei Trümper, ,,.«»sburger Etr. 3. Achtung! Desgleiche» nehmen hie arbeitslosen Genossen Freikarten zur Maifei, r oon 6—7 Uhr b-,«eraer. Levetzowstr. 21. in Empfang Abt. Di« Genossinnen und Genossen werden dringend gebeten, sich an der Demonstration der EAI. auf der Spielwiese im Friedrichshain abend» 6 Uhr i»cht zahlreich zu beteiligen. «dt. Eharlotteuturg. 6 Uhr wichtig« Fnnktionärsitznng Im Jugendheim Rostnenstr. 4. Niemand darf fehlen. «dt. Lichters, ldr. Alle Vezlrisillherr rechnen ihre Karten zur Maifeier nachmittag, mit dem Abtellungskalstercr in dessen Wohnung ab. Sticht »daerechnrte Karten gelten al» ver'atist und find zu dezaglen. Die Be- »irlsfllhrcr d»o 42. und 66. Bezirks können auch bafeldft ihreu Stempel In Empfang nehmen. zur Maifeier treffen sondern bereit» schon EiiUeiluug. 733. Abt. Bohnsdorf. Elternversamwlung abends 7lh Uhr im Lokal Keimann, Bältirsdorier Straße. Vortrag des Genossen Weigelt llber Sä Gründung einer Freien Schulgemeinde." nossinnin und Genossen werden gebeten. 333. Abt. Rirderschönhanjen. 8 Uhr pünktlich wichtig« Fu: Lokal«lindt. Am griedensplatz.~..... :e Eltern und interessierten Ge- vollzählig zu erscheinen. ... Funktioii Riemand dars fehlen. ttionärstßung im Sonatog, 1. Mai: 3. Abt. Di«(Genossinnen und Genossen treffen sich zur Demonstration nach dem Lustgcrten vormittags 11 Uhr vor dem Lokal Schilling, Rungestr." Jede' a«-----------—-—<—-—->—■' bei I !.tglied ist verpflichtet, entweder bei seiner Gewerkschast oder . Abteilung an der Der........ 33. Abt. Treffpunkt der Genossen, bei der Abteilung an der Demonstration teilzunehmen. 3 Treffpunkt der Genossen, besonder» aber der Genossinnen, die nich im stuge ihrer Gewerkschaften marschieren, vormittag« 11 Uhr Leopoldplatz Sammelplatz der Metallarbeiter, 16. Bezirk. 3». Adt. Ave Genossinnen und Genossen, die an der Demonstration der De» werkschasten nicht teilnehmen können, treffen stch vormittags U. Uhr vor dem Bezirksamt. Danziger Etr. 64. 74. Abt. gehlendors. Die Genosstnnen und Genossen trefsen sich zur Demo» stration noch dem Lustgarten vormittags l01h Uhr am Bahnhof Zehlendorf- Mitte. Fahrt bis Großgörschrnstraße, Wannseebahn. Daun anschließe» an den Zug 26, BfA-Bund. Maiseier im Lindenvark, geHiendorf. Ab 3 Uhr Belustigungen fllr Kinder, Festansprache, Rezitationen, turnerisch- Ausführungen des Turnverein»„Borwärt»", Volkstänze der Arbeiter- lugend. Teilnahme ist Ehrenpflicht. »4. Abt. Lankwitz. Für alle Genossinnen und Genossen, die nicht am Auf- marsch der Gewerkschaften teilnehmen, ist Treffpunkt für die Maidemou. stration Mohren», Ecke Eharlottenstraße, gegen 11« Uhr. Abfahrt ad Bahnhos Lankwitz mit dem guge 10.67 Uhr. Um recht zahlreich- Bcteili. ming wird gebeten. 101. Abt. Treptow. Maifeier im Lokal Ritschke, Am Treptower Park 26. Beginn nachmittags 4 Uhr. Gemeinsamer Abmarsch mit Musik und Tom- baurkorp» um BVj Uhr pünktlich von der Wiener Brücke. Referent Genosse Albert~"' 103., 164.! der i Ecke Rathausflraße," nach dem Festlokal in Niederschöneweide, Restaurant Kyffhäuser. Antreten um 3 Uhr nachmittags. Festrede: Stadtrat Albert Sorlitz. Erscheinen aller Genossen und Genosstnnen ist Pflicht. 307. Abt. Falkcabera bei SrLsa«. Malfeier im Demeinfchastshau«, Gut Falken. derg, unter Mitwirkung der EAI. und der»Inderfreundegrupp«. Fest- redner: Stadtverordneter Hermann Lempert. Di« Genossinnen und Ge» nosse» von Alt.Glienicke und Bohnsdorf sind hierzu herzlichst eingeladen. Aniäna nachmittag» 4 Uhr. 308. Abt. Köpenick. Maifeier in den Gefamträumen des Stadttheater». Mit» wirkende: Orchester des Arbeiter-Musikerverdandes, Männer- und Ge- mikchtcr Thor..Köpenick", Heinrich Witte vom Stoatstheater Berlin, Fest- ansprach«: Alexander Stein. Darbietungen de» Arbeiter-Turnveretn» „Eiche" Saalösiaung 6 Uhr. Beginn 6 Uhr. Ab S Uhr Tan,. Eintritt 60 Pf. 331. Abt. Karlshorft. Maiseier im großen Saale de» Deutschen Hanse«, Stokz�ifelsstrafic. Programm: Sefangsvorträge des Gesangverein,„Fichie- Georginia"(Mitgl. d. DASB.). turnerische Vorführungen der >ert Falkenberg. t-, 105. Abt. Oberschön-weid«. Riedcrschöneweide,«dl-rkh-s. Anläßlich Maifeier Umzug mit Musik von Oberschöneweib«, Marktplatz, Edison., Turnerschaft, Abt. Karlshorst. Festansprache: Bürgermeister Paul Miel! Gemütliche» Beisammensein mit Tan:...... Als Gäste beteiligen stch die Fri-drichsfelbe. Abt. 123, 133»»nd 134» Kauledars, Kaul-bors.Süd«nb Kaulsdorf-Sud, M Anfang Uhr. Eintritt 60 nnen und Genossen der Abteilung ... wmm_________„._e«b. Mai. seier im Lokal Sanssouci, KauI«dorf.Eüd, Moltiestraßc. Beginn nach. mittags 4 Uhr. Vorher Demonstrationsumzug durch Mahlsdorf-Süb und Kaulsdorf.Süd mit Musik. Festredner! Erich Fraenkel. 134. Abt. Mohlsdorf. Maifeier nachmittag, 4 Uhr im Lokal Ander», Bahnhof. straße»7. Festrebe, sportlich- Darbietungen, GesangsvortrSa«, Tanz. 123. Abb Seißensee. Maifeier abend» 6 Uhr in her Stadtholl«, Pistorlu». straße, verbunden mit einer Ehrung der Parteijubilare. Konzert. Rezi. tationen, Ehorgesana. Festrede: Regierungsrätin Hedwig Wachenheim. 137.«dt. Hobenschöndouien. Maif«i-r abend» 6 Uhr im Lokal Korn, Berliner Straße 03. Vormittags beteiligen sich die Genossinnen und Genossen an Demonstration der Gewerkschaft! Ab ten. 134. Abt. Bnch. Maifeier im Varkschloßrestavrant Göpfert, am Bahnhof Buch. 4 Uhr bei günstiger Wittrrung große» Garienkonzert. Festrede, Ge- DMOftl"»" 1*'■— .»sfi WM..WWWWWM Schönau sind herzlichst eingeladen. Ende 1 Uhr. 136. Abt. Neinickend» rs-vst. Treffpunkt zur Maidemonstration vormittags 10 Uhr Residenz», Ecke Seesiraße. Abmarsch 10hl Uhr. Rote Fahnen sind »itzuorinzkn. Di« Rachmittagsfeier der Abteilung findet um 6 ------------------ im Echützenhau», Residenzftr. 1, statt. Festredner: Bürgermeister Karl Lei Schsttz«,_____ I______ M>... 137. Abt. RcinIckendorf.Weft. Di« Genossinnen und Genossen, die an der Demonsirationn nach dem Lustgarten teilnehmen, treffen sich vormittags 30hh Uhr Bolkshaus, Echarnwederstr. 114. 138. Abt. Kermsdorf. Maifeier Im Lokal Hundsdörfer, Bismarckstr. 70—71. Festredner: iOiartin Stein. 180. Stift 110. Abt. Tegkl-Dorsigwalt«. Sonntag, 1. Mai, nachmittags 2 Uhr, Ausflug nach Echulzendorf, Restaurant Hermann Klaar. Sammelplätze: Tegel, Sirchplatz: Borsigwalde: Lokal Woitschach, Ernststr. 1. wen?" Juagsozlalisten. heute. Freitag. 29. April: Witte: 8 Uhr in der Schule Gtpsstr. 23». Tortrag:„Etatsfragen", Referent Dr. Kurt Bloch. Parteiocnossen als Gäste Willkomm. n.— —'est» dbrunae»: 8 Uhr im Jugendheim des Led.g.mheims, Am (ang Orthstr. 10, Laden, Vortrag:.Mormierung". R eferent Achtunal Genossen, welch« Mitglieder der Freidenker sind. 2.»_________ Gruppe Weddina-Sesu» btru»»e»! 8' Uhr im Brunnenplatz. Einga »ermann Rudat. beteiliaen stch an den Heu: ist unbedingt«rs»,derli>. an der Kundgebung für sam mit der EAI. pün nach dem Spielplatz im Fr, lich. Morgen, abend stattfindenden Neuwahlen. Die Teilnahme n, Sonnabend, SO. April, beteiligen wir un» chutz unnd Iugenbrecht". Treffpunkt gemein- llhr abends am Brunnenplatz zum Abmarsch >rich»hain. Sozialiftische flrbeiterjugenü Groß-Serlin. heule. Freitag. 29. April, abends TA llhr: Moabit n: Jugendheim schule Stephanplatz.„Unsere Arbeiterlugend."— Nordost l: Zugendheim Reue Königstraße.„Illnaste Arbeiterdichtung."— Rordoft II: Zugenoheim Danziger Str. 62.„Die Bedeutung des 1. Mai."— Rosenthalu Borstadt! Jugendheim Gormann., Ecke Zehdenicker Straße.„Hol- ländische Jugendbewegung."— Seneselder-Liertel: Jugendheim Danziger Straße 23.„Die Bedeutung des I. Mai."— Veißensee: Jugendheim Park- straße 36.„Gefahren de»"■---'..— herzlichst eingeladen. de» Kampfe»." Parteioenossen und Zungsozialisten sind — St»l»»«r«iertel! Jugendheim Goßlcr Str. 61. ..Di« Bedeutung de» 1. Mai für die Arbeiterschaft." Spandau: Jugendheim Linbenufcr l.„Die Bedeutung der Maifeier."— Britz! Jugendheim Rathau», Ehausseestr. 4tz.„Der Sozialismus in der Familie."— Renkölla V und VI: Prob« zur Berbefeier in Zossen im Zuaendhrim siiogat. straße 63. Genossen und Genossinnen anderer Abteilungen können sich auch daran beteiligen.— Renkdll» Vi tz Uhr Zusammeniunft der Aelterengruppcn 4, 5_unb 8 im Jugend heim Rogatstr. 68. Aussprach«:„Unsere Fahrt am 7. und Sämtliche Teilnebmeer mllsscn erscheinen.— Renkölln VI: Funk. .------""—- •Str. 8. Mai." Straß« 31.„Bauernkriegen— iirepww: Jugendheim CLfenstt. 3.„Die B deutung de, 1. Mai für die arbeitend« Zugenii."— Buchholz: Schule Berlin, Straße. Borstandssidung.— Riebe rschönhaule«: Schul- Blankenburg, Straße 70—71.„Bedeutung ber Autgaben der SBZ."— Pankow: Zugendhei: Görschstr. 14.„Die Bedeuning des 1. Mai." — Treptow: Jugendheim Elsenstr� 3.„Die Be> — M L liner blankenburger Wedblug und veddiNK-Rord: Ledigenheim Schönstedtstr. 3, Werlo llchtbildernortrag! hinein in die«Az.l" Alle Eltern und Partei genossen find hierzu d«r«Iich«ingeladen. Unlostenbcitrag 10 Pf. Falkplatz: Aula be» Gymnasiums Gleimftr. 4S, Elternabend. Ge- sang, Musik, Rezitationen, Ansprach«, Hans. Sache-Spiel. Alle Partei. genossen und Parteigenossinnen sind herzlich eingelabe». Eintritt frei. Bcrbeiezirk Prenzlaner Berg: Alle Genossinnen und Genossen beteiligen sich am Elternabend ber Gruppe Fallplatz. Realgymnasium GIcimstr. 46. Wcrbebrzirl»reu, derg: Jugendheim Lindenstr. 8, Kursus für Kassierer und Revtsoren. Ebendort um 8 Uhr Krcisvorstandssitzung. Jede Gruppe muß vertreten sein. Teltowkanal: Jugendheim Steglitz, Albrechtstr. 47, Borstandssitzung. All« 1. Borsitzenden müssen erscheinen. Um 8 Uhr tagt die Aelterrngmipp«. lenköll»! Sitzung de» Wanderausschusses im Jugendheim Steinmetzstraß.. Alle Freideniermit. Neukölln: Sitzung de» Wanderausschusses im Jugend Sämtlich« Wanderleit-r der Gruppen müssen erscheinen. glieder besuchen die Mitgliederversammlung bei Kliem, H Hasenheide. llderaidt man nur de« Rachwet, de» Deutschen Musikerverbande». Dertin. Kam- mondanlenln:. 63,64 Dönhoff 3217-73. Selchäftszett 9—5, Sonntag» 10— 3 Uhr Aul Wunsch: Lertrelerbesuch. '-M oufdetOßeiföieAechtGme bi dos untrügliche Kennzeichen, das sie ozo KARNAUBA besieht Dieses harte Bdelwadis ermög- Bdii in Verbbufunrr mliatter/einsietn reinen TetpenibM eine haudizorie Verieibmg, bi also Sufiersi ausgiebig im Gebrauch. Sie dringt in die Millionen feinster Poren des Leders ein und madii es ebsoloi flentsete Kepubllkaner-�eiciisbimil OrlsBrgppe Berlin der Saramelpanki der dcmokraütch and sozial elngeslellien Republikaner Anmeldungen nimmt entgegen und Auskunft erfeilt der ehrenamiliche GesdiäiislOhrer Sürgehneislsr Kssslsin Berlin-Lichterfe!de-West HortensIentiraBe 40. Telephon: Brettenhoch Nr. 0602 ■BiaBBBWWilkto'ldaBSa DtR KLElRiTEROCKHAUi Preis M. 33,- 4 o eh In itatensihlua« Zo beliehen durch J.H.W. DIetz N&cM. G.m.b.H. Serlin SW. 68, LlndenstraBe 2 (Abteilang Sertlment) und»tzmtl. Varwlrts-ADsrahestellr* latfon su rauben. 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Platz d.RcpttbI. 8 Uhr: Salome Schauspielhaus 8U.;Eln besserar Herr ScbUlcr-Tbaater 8 Uhr: Razzia StUtiidie Opei Chsrloltenburj 7>i, Uhr: DerflleOende Holländer Abonn.-Tnmns III Tritnon-Theater Max Adalbert 8 Uhr in Iatr.2391 Müller»" 1. Uli flruiflbnngl Dodo maebts (bpilh V Kur« Zorlig neu. Täglich 8>/4 Uhr: Die von der liebe leben! hgndlliät käaa ZuMtll Vorreiger zahlt nur halbe Kassenpr. OeütJdiBtTlieater Norden 10334�37 8 U Ende 11 U. Der Arzt am Sdieldewed Die Komödie BismarcK 241«. 75 It 8 Uhr, Ende 10'/, U. lititi 3 Anfföhrnngin Manneqnlns Nechtvorsiellunp Tigl.11 U, Endel U. Reviis: Was Sie wollen Preise: », S, 4 PBÜ 3 MM. Kammerspiele Norden! 0334-37 S'/fc Ende nach 10 Lockvögel Ab Montag, den 2: bis Montag, den 9. Gastspiel JarnnTiefM" Tbest. LlalleMoriii. Kurfürst 2091 8 Uhr kakpinli Drei arme kleine Rädels Ognettim Willr Rollt '.■Ilnborg-Umio Ots. Künstler-Tb. 8 Uhr: Adieu Miml tessing Theater SU.; Der Patriot (umr. Rertim Lustspiclhaus lititi VorstellDigiD t't, U.; üoldo Thnktkr Bnrra-einJinige Dlenstar, 3. Mal Premiere Boliby's letzte lacht lentral Theater Täglich s Uhr; Der blonde Zigenner ütontte no Kiitla Roopl. tllinnaoo. Riol». Hilsiuä. Sjrt, f iilm. t. hin Nollendorf 7360 S Uhr Variete- iTenheiten! Volks büh ne riiiite an Büliiplati 8 Uhr: Nachtasyl Morgen 8 Uhr: Gewitter DtterOotfland Tb. an SdiiffbastnliBii s Uhr Tragödie der Liebe. {Komische Operl Allabendlich s1/, Uhn f Sfinden der Welt 1 1 Die nlbtldliubi James-Kleln-Rerucl 1»50 Mitwirkende/ Theaterk.l ab 10 Uhr ununterbr. geöffnet.! Reichshallcn-Theater Allabdl.SU Sonrtags nachm. 3 U. Stettiner Sänger Preise, nittag! ,»OUl «9 Programm Dönhoff• Brett*! i Baumblflie, Vsrletä, Konzert u. Tanz. D A> IWOlHCNENDf! 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Was natürlich nicht ausschloß, daß in der Provinz in den einzelnen Städten immer „strebsame Roiwildjäger" sich fanden, welche die Hag als Spezialität betrieben. Die sozialistischen Arbeiter der ganzen Welt rüsteten zum inter- nationalen Kongreß in Poris. Seit dem Kriege von 1870.'71 war es der erste„Internationale�. der in Frankreich stattsinden sollte. Eine Reihe bürgerlicher Zeitungen In Deutschland bekamen um die„berufsmäßigen Heger* und„blutrünstigen Agitatoren*, die sie so oft dahin gewünscht hatten, wo der Piesier wächst, große Besorgnis. Man warnte.ernstlich' vor der Reise nach Paris. Der Haß gegen alles Deutsche wäre noch so groß, daß die deutsche Regierung für Leben und Gesundheit derjenigen, die sich mutwillig in Gefahr begeben,„keinerlei Verantwortung und Garantie übernehmen könne'. Rührend war diese Teilnahme mit einem Male für die. welche man elf Jahre mit Polizei, Staatsanwalt und Gefängnis verfolgt« von der Familie gerissen, von Haus und Hof verjagt, ja zu Tod« gehetzt hatte. Doch diese Teilnahme war sehr durchsichtig. Bei allen Forde- rungen der Arbeiter im deutschen Vaterlande nach menschenwürdigen Zuständen« Verkürzung der Arbeitszeit usw. wies man immer auf die Konkurrenz des Auslandes, die es„leider' unmöglich macht«, mancher Forderung, über die sich samt„sprechen* ließe, näher. zutreten. Wenn aber nun die Arbeiter sich zur Erkämpsung dieser Forde. rung international verbinden würden, mit welchen Ausflüchten sollt» man dann denselben ausweichen? Aber noch mehr stand aus dem Spiel. Wenn man im Herzen des„Erbfeindes' dahinter käm, daß das Revanchegeschret nur von Interessenten des Krieges und der Armeen künstlich propagiert und geschürt wird, müßte es den Besuchern Frankreichs klar werden, daß die Kriegshetzer in jedem Land« dieselben fragwürdigen Nutznießer der die Völker erdrückenden Rüstungen sind. Solche Erkenntnis wollte man verhindern, da die Zurückkehren- den natürlich über das, wo» sie gesehen und gehört hatten. b«richt«n würden. Daber die liebenswürdige Fürsorge und das„Graulichmachen'. Beides tonnt« aber nicht verhüten, daß Deutschland aus dem Kongreß mit 81 Delegierten vertreten war. Durch meine politische Tätigkeit und de» daraus resultierenden sogenannten Hochverratsprozeß war ich nach der Provinz Sachsen verschkagen. Bei der 87er Wohl kandidierte ich für den Zeitzer Kreis, gründete später in Halle den„Zeitzer Volksboten', besten Redakteur ich wurde. Auch die Kreise Zeitz-Weißenfels-Raumvurg, Mansseld und Merseburg hatten beschlossen, einen geineinsamen Delegierten zu entsenden. Doch in diesen Kreisen herrschte da» Sozialistengesetz noch in seiner ganzen Schärf«. Dersammlungsverbotc, Konfiszierung von Schriften und Prozesse hagelten nur so. Es war daher nicht möglich, die Wohl in einer Versammlung oder Konferenz offiziell vorzunehmen. Wir mußten«in« gemeinschaftliche Eorpora (geheim) der drei Kreis« abhalten. Dieselbe fand in d«m Graben einer wenig frequentierten Ehaustee statt. W-r hatten die Erfahrung gemacht, daß man auf otfener Land- straße vor Ueberrumvelungen lich am ersten sichern tonnt«. Eine Stell«, von wo aus die Ehauste« nach beiden Richtungen weit zu übersehen war, bot jede Garantie. Eine Aktentasche mit einigen Landkarten und der Auischrist „Wanderklub Gut zu Fuß' dienten als Deckmantel. So bald sich was Unbekanntes nahte, wurde die Klubhymne„Das Wandern Ist des Müllers Lust' angestimmt. In diesem Chausseegraben wurde ich als Delegierter kür den Pariser internationalen Sozialistenkongreß einstimmig gewählt und Ansang Juli fuhr ick von Halle, wo ich bis zum Fall des Sozialist««- pesetzes wohnte, über Brüstet nach Poris ab. Meine näheren Freunde wunderten sich, daß ich gar keine Reisevorbereitungcn traf. Ich nahm fast nichts an Wäich« oder sonstigem Bedarf mit, sondern freute mich daraus, dort echte französische Sachen zu tauten. Auf ein paar Mark Geld brauchte Ich damals noch nicht zu sehen, denn ich lebte noch nicht von„Arbeitergroschen dos Schlcinmerleben«in«» Hetzers', sondern nährte mich als Vergolder und Landschaftsmaler nicht schlecht. Später als alleiniger Rsdakieur einer täglich erscheinend«« Zeitung bei 18 Mark Wochengehalt mit der Verpflichtung, pro Woche drei selbstgeschriebene Leitartikel zu bringen, verboten sich solch« Extravaganzen von selbst. Rur eines schasste ich mir zur Reise an. um mich nicht schütz- und schirmlos rn die„Krallen des Erbfeindes" zu begeben. Ich kaufte mir einen neuen Regenschirm, denn der alte war wieder einmal weg. Ich besitze nämlich die prosestorale Gewohnheit, nur so viel« Schirme zu gebrauchen, wie ich mitnehme. Wenn ich mal einen wiederbringe, ist es sicher ein Versehen. Al» ich auf der Reise Brüstet erreicht baltc, war mein neuer Schirm schon auf und davon. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, in Paris mir einen echten französischen zuzulegen. Als ich auf der Rückreise in Verviers ankam, war auch der durch die Binsen ge- gangen: ein Beweis dafür, daß der„dcutsch-sranzösisch« Auegleich' damals schon möglich war.--- Mit großen Erwartungen hatten wir die Reil»»ach Paris onge- freien. In einer freien Republik konnten die unter einem elfjährigen Zwangsausnahmezustand Lebenden mal wieder frei aufatmen. Allerlei Pläne hatte ich mir bereits zurechtgelegt, wie ich Parts kennenlernen und genießen wollte. Nur wer da weiß, was es heißt, auf Schritt und Tritt„Spitzel' aus den Fersen zu haben und außerdem«in« stadt-, Polizei- und gerichtsbekannte Persönlichkeit zu sein, degreist das Wonnegefühl, das einen packt, wenn man in einer großen Weltstadt jenseits der Vogesen ankommt, frei, ungehemmt und unertannt. Mit diesem Gesühl verließ ich in Pari» den Bahnhof, um zu dem Trefflokal zu pUgern. Noch keine hundert Schritte war ich vom Bahnhos entfernt, als ein Herr, der mir entgegenkam, wie angewurzelt vor wir stehen blieb: „Menschenstind. Hossmann! rief er.„wie um olles in der Welt kommen Sie nach Paris? Ich muß dagestanden haben wie«in ertappter Verbrecher, dar stck im Auslande schcm geborgen fühlt und plötzlich von Kriminalisten festgenommen wird.--- TT"..,„_ Alle meine eben noch so liebvoll gepflegten Illusionen gingen in Brüche. Von dem, was er mir erzählte, daß er auf der Weltausstellung zu tun habe, und wie er sich freue, jetzt einen Menschen in Paris zu wissen, mit dem er abends plaudern könne, um die Muttersprache nicht zu verlieren, begriff ick ebeniowenig wie ich mir da- Lokal merkte, wo wir uns abends treffen sollten Leider habe er jetzt keine Zeit, aber heute abend wollen wir uns gründlick ausplauschen, auch über den Zweck meines Hierseins usw.— Und dann war er ebenso schnell meinem Gesichtswinkel entschwunden als er austauchte. Mir ging«» wie so oft. In meiner Erinnerung stand fest: Ich kenne ihn. Aber über das Wieso und Woher konnte ich mir beim besten Willen nicht Rechenschaft geben. Und so setzte sich natürlich Das Ende üer �lbrüstungs-Konferenz. Resultat: slus Sem Gefieüer öes FrieSeneengels schnitten Sie diplomaten sich Feöern, um neue Rüstungspläne zu entwerfen! als erster Gedanke die Frage nach dem Puilkamerschen„Nicht- Gentleman' bei mir fest. Selbstverständlich hatte ich unter diesen Umständen gar kein Interesse, mir die angegebene Adresse zu merken, denn daß ich nicht hinging, stand längst bei mir fest. „Na. Hofsmann, wollen Sie nicht mit?' sagte Bebel, der in diesem Augenblick mit Vollmar, Wilhelm Werner und Adolf Geck vorbeiging und mich durch sein« Anrede aus meinen Gedanken riß. Ich schloß mich an, und wir landeten auf einem Boulevard, wo wir an den aus den Bürgsrsteig gestellten Nestaurationstischen Platz nahmen. Wohl waren einig« französische Genossen zur Stelle, aber mit den Arrangements besonders betreffs der Wohnungen haperte es stark. Schließlich machte sich unser Ritter Georg von Vollmar mit August Bebel auf den Weg. um Quartier zu machen, und hießen uns warten, bis sie wieder"zurück wären. Mit allerlei Betrachtungen, schlechten und guten Witzen über die schicken Französinnen vertrieben wir uns die Zeit. Monsieur Gareon bekam viel zu tun, denn wir hatten von der langen Fahr, und Mutters gepfetferter Futterkist« alle«inen echten deiiifchon Durst mitgebracht, und oersuchten diesen mit einem vorzüglichen Bier, das in Kelchen ausgeschenkt wurde, zu löschen. Frig Geyer probierte sein in Ktein-Paris an der Pleitze er- worben-s Französisch, um ein„deutsch-französisches Abkommen" wegen eines gemeinsamen Kaffes zu tresscn. Gutmütig lächelnd hörte der Garöon Fritz Geyer eine Welle an und sagte schließlich: „Sprechen Sie man ruhig deutsch, dann werden wir uns über Ihren gewünschten Leipziger Blüinchen-Kaffee viel leichter verstän- digen, Herr Geyer.' Fritz war natürlich ebenso platt wie Ich vonn Bahnhof. Da Geyer über das Worum und Woher gleich Feststellungen machte, erswb sich, daß der Gar�on ein Badekellner aus Ostends war, drei sprachen beherrschte und mehrere Winter im Wartesaal des Leipzigers Bahnhofs serviert hatte.--- _(Schluß folgt.) nnf üer mexikanischen Eisenbahn. Der u.brrtall«uf den EisrnSahiijug Sri Suadatalara, b«> Sem M weit Qbw 160 tau ft-gedc» haben soll. b«Irnck>t«t wicbrr-inmal bi« ungchrr« Sit».ati0n in INrriko. In d«!N Such von® e 0 r 8' H u z h Bönning„Im Zauber mexikanlslhtr sVwdticr" sBro-t. bau-, Leipzts) tindin wir»in» ini«r«»sant» Et-lle, bi» ein allgemeines Bild der mexikanisch,» Siimdahn gib: und»elgt, welche Kchusimab- nahmen st- gegrn Uebersiille rituberischcr Bande» zu ir-Iscn vsl-zi. Da dies» Schilderung jetzt besonders aktuell ist, druiien wir si» mit Erlaubnii de» Berlage» g. tzl. Droethau» abi Unangenehm« Dinac darf man überall in der Welt von einigen Menschen erwarten. In Manzanillo erwarteten wir sie bald von allen Menschen ohne Ausnahme. Teilweise ist dos der häufigen Anwesenheit leichler Beute in Gestalt von Touristen zu vordanken: teilweis« mag es daraus zurückzusührcn sein, daß Manzanillo vor nicht langer Zelt ein Mittelpunkt des Aufuande« war. Man hat e» beschosi-n geplündert und verbrannt. Die Einwohner, die sich einmal auf diese, einmal auf jene Seite schlugen, halsen bei der allacmcincn Räuberei und Zerstörung. Die ganze Gegend vorn Haien einige hundert Kilometer landein- wärts bi» Guadalajara schien sich noch nicht von diesen Zuständen erholt zu haben. Sogar jetzt noch sollte es vs» Räuberbanden wimmeln. D!« Eisenbahnfahrt gewährte uns allerdings keinen Ein- blick ins Räuberunwesen, was nicht weiter verwunderlich war, denn auf die Lokomotive folgten fünf Lastwagen mit Ausguck. Die Be- mannung bestand aus mehreren Zügen mexikanischer Soldaten mit guten deutschen Gewehren und wohlgcsvickten Patronengürtelii. Außerdem ging eine Wachabteilung andauernd durch die Personenwogen. Diel« Heeresmacht wurde noch dadurch verstärkt, daß jeder Reisende ein« oder zwei Feuerwaffen bei sich trug. Unter der Jack« sah man den durch einen Pistolenhalster verursachten Höcker, und unter der Weste wate oft der schwere Patronengürtel hervor. Man glaubte sich wirklich in die Zeit der Waldläufer versetzt. Niemand schien indessen unangenehme Zwilchenfälle zu erwarten. Ganz im Gegenteil. Auf der mexikanischen Eilenbahn wird nick's ernst genommen, nicht einmal der"Fahrplan. Eigentlich sollten wir um 12 Ubr aus Manzanillo abfahren: aber der Zugführer hatte eben erst angcjangen zu frühstücken. Die Reisenden waren allem Anschein nach ähnlich beschäftigt, denn als wir einstiegen, war«» wir in der ersten Klasse ganz allein. Eine halbe Stunde später pfiff der Loko- motivsührer. Nach etwa zehn Minuten fuhr ein Wagen vor. den wir onsäng- lich für einen Gepäckkarren hielien. Außer zwei Männern auf dem Kutschbock sah man nur Bündel, Körbe und Packen. Aber das Gepäck regte sich: es bekam Beine und wandelte. Zuletzt entstieg«In Herr in engen Hosen und kurzer Jacke dem Gefährt. Außer einem Spazierstock trug er keine Last. Cr strich seinen Schnurrbart und klop'te auf jede Tasche, während Gepäckträger seinen Angehörigen � die Bündel und Kosser abnahmen. Dann führte er den großen An» marsch zum Zuge. Alle paar Meter blieb man stehen, um irgend etwa» zu kaufen. Roch bevor sie den Bahnsteig erreichten, hatten sie alles gekauft, was sich denken läßt: stark gewürzte Speisen, die in Tortillas einge- wickelt waren, Kückenpaltelen. Süßzeug, Obst von allen Sorten, die es in Mexiko gibt, und«ine Traube winziger roter und blauer Ballons. Dieser verlockende Leckerbissen war mexikanischer Kau- gummi. Man steckt eine der bunten Kugeln zwischen die Zähne, erfreut sich an einer kleinen Explosion und kaut dann eine Stunde oder«ine Woche lang, je noch Neigung. Dieser Kaugummi verliert niemals den Wohlgeschmack. Cr hat keinen zu verlieren. Die Familie stürmte unseren Wogen, als gälte es, jeden Geviert- zoll zu besetzen. Zwei kleine Mädchen rannten an ein Ende, zwei kieine Buben an» ander«: der Voter wählte Mitte rechts, die Mutter Mitte links. Der verbleibende Raum füllte sich mit Handköfferchen, Säcken. Bündeln, Beuteln, Deckenrollen. Mänteln und Schirmen. Dann begannen die Verhandlungen. Die Gnädige wagt« zu bemerken, bah sich der gnädige Herr auf der Sonnenseite befände: der gnodtge Herr geruhte zu erwidern, daß dt? Sonne nach«enigen Stunde» von der anderen Seite scheinen werde. Das Gepäck war augenscheinlich seiner Meinung, denn es häufte sich um ihn, aui ihm. unter ihm, allseits von ihm. Die Mutter hatte kein« Zeil zu Widerlegungen. Sie eilte geschäftig zum jüngsten hombredto, um seinen schmutzigen Pfoten eine» alten Lananenstummel zu entreißen. Da er heult«, mußte sie«ine Handtasche ausreißen und ein« frisch« Banane herausholen. Aber auch dar andere wollte Bananen. Und so ging es immerfort. Inzwischen harten sich fünf andere Familien auf dem Schlacht- selb eingesunden. Körbe, Taschen und Säuglinge lagen so dum durcheinander, daß ich mir wegen dos Auseinanderklauben- Sorg« mochte. Ein fürchierliches Gemengsel und Gewürg« entstand draußen wie drinnen. Den Zug entlang kribbelte ein ebenso stimmungsvoUec wie stimmbegabter Ameisenhaufen. Die Lokomotive fuhr fort zu pseife». Der Schaffner forderte Nachzügler aus, sich zu beeilen. Dann durckbebie ein Erdstoß den Zug. Für einen � Augenblick erstarrte alles zu Schweigen. Jeder griff nach dem zunächst gelegene«! Stützpunkt: eine Glocke bimmelte, und die Wellblechwänve des Bahn- Hofs bewegten sich achteraus. Wenn man bedenkt, daß die Cisenbahnichwellen ans echtem Mahagoni bestehen, so überkommt«inen wohl dos Gefühl unsag- barer Uepvtgke!!. Nicht so, wenn man die nähere Uy, gebung mustert. Die aus dem Kehrichthoufen ameritanifcher Lagerhäuser zusammen. gelesenen Wagen sind an der eisenumzäunten Plattform kenntlich. an der hängenden Petroleumlampe, an der schwingenden Notleine und an den geflochtenen Sitzen. Obgleich un« ein« Reise von dreißig Stunden bevorstand, waren nirgends Schlafgelegenheiten zu entdecken. Auch der Speisewagen fehlte, oder, besser gesotz«, der ganz« Zug war«in einziger Speiie- wagen. Esten bildete cke Hauptumerhaltung. Wahrscheinlich hatten die meisten Fahrgäste vor der Abreise gefrühstückt: ober sie begannsn sogleich wieder;ü futtern. In Manzanillo hatten sie alles Sichtbar? und Erreichbar« aufgekaust: aus jedem Bahnhos an der Strecke setzten sie die Kauferti fort. Sie beluden sich mit Tamalen, Tortillas, Bananen. Pisang, Papayen, Kuchen, Kerzen und kleinen Schachteln mit gummtartigein Käie. Außerdem hatten sie Rietenkörbe mitge- bracht, in die sie hineintaten, was ihnen nicht schmeckte, und denen sie entnahmen, was ihren unersättlichen Gaumen reizte. Selbstverständlich bedurste man irgendeines Getränkes, um diese Berge hinunterzuspülen. Im Zug konnte man süßliche Brauselimo- nade und Bier von wandelnden Verkäufern erhalten. Aber das genügte nick». Doter oben, auf der Hochsläche, gab es Vulque. eine kreidige Brühe aus gegorenem Agavcnsast. Große Kürbisflasche» davon wurden zu den Fenstern hercingercicht: ein Glas, das sich immer wieder füllte, ging von Mund zu Mund. Der Dust des Taüakrauchs mischte sich mit dem der Apfelsinen. Papier, Obichalen, leere Schachteln, Flaschen, Asch«, Zigaretten- stümpse schmückten den Fußboden. Säugltnae winselten, Kinder lckrien, Weiber gackerten, Männer lachten Wie würden sich doch die..Lente' darüber freuen. Nichts Ist zwangloser und aemeinbürgerlicher als das Reisen mit der mexikanischen Eisenbahn. Fremde gibt es nicht. Jeder plaudert mit jedermann: man tauscht Blumensträuße und Knopslochblumen aus: man teilt dos Eisen und vrnauscht die Säuglinge. Gäbe es nickt«ine zweit« Klasse für die. Pcon», der Kommunismus wäre fertig._____ Druckmaschine statt Fibel. In französischen Schulen wird neuer. dings der Versuch gemacht, zum ersten llnterricht im Lesen und Schreiben eine einfache Druckereieinrichtung mit Handbetrieb an Stelle der herkömmlichen Fibel zu verwenden. Man glaubt, daß die Kinder aus diesem Wege rascher über die Schwierigkeiten der ein- zelnen Buchstabensormen hinweg zum Erfassen ganzer Worte und Sätze vordringen können. Dieser Versuck bewegt sich auf der gleichen Linie wie die in Deutschland jetzt vielfach eingeführte Verwendumi von hölzernen Buchltabenkormen, die von den Kindern gelegt poerden. MenjKnabgabe ▼orbehaltcn Fische ohne Kopi, 4 C i. nanx., Pfd. I0P1. ohne iicpf.* c - i. lapf. *ZMÄU' ÖrtUfUiv i.gaiia., Pid, "..... ß..... Pfund SOpi. [fjf�.e.PlllBd 35pf. SilHbßl? getrorpn, Ptd. 65�J* • Nur Leipziger Sir* Alexander- platx, Frank} artet ALle0 PJachetweren Kieler Fchbmklinge �42?,. ....... Pfand 45?t. SMWch. p..nd 4Ip. Räucherlachs i. btttck. 4 13 Plund 1 jCarafigllra Eimer ca. 2 Pfund Erdbper........ Kirsüi.......... n Az»,..... I ö Johann3�bcer...|«f 15 Opangan........| G Pflaumen........ 1,13 PKaumeRtnuss... 1.05 V2er7ruch:........ SO pi. 96 WPstejiwiMeit'H' Sülzwurst...... pfud 90Pf. Spetkwurst..... Pfund 90pi. Berl. Mettwurst ptnnd 98?'. Höusm.-Leberwursf Pfd. 1 1,0 Fleischwurst........ piandl w Jagdwurst......... Pfand t 20 Knoblauchwurst., ptundl" Hildesheimer..... pmndl20 Magerer Speck.. Pfand l38 Mettwurst n-Br-Art, Pfd. 1 15 Bierwurst.......... pmndl50 Holsi.Zerv.u.SalamiPtd.l70 Schinken wursl Hoist,pid.lw Teewurst...... ptandl70 Pomm. Salami... Pfand Z88 OftHrnjit' OSjl Kopfsalat gr.KOpfe, Stck. 1 5pt. Rhabarberstark.g Pfd. 25pf Spinat.......... s pinnd 20pf. Radieschen....« Bond IOpi. Alg.-Nierenkart.zpf. 35pl Blutapfelsinen z Pfd. lOCPf. Zitronen Dutzend 40, 50?.'. Amerik. Äpfel Pfund 48?«. Bananen........ Ptnnd 58pt Ananas........ piiind95i SvisKss msim Berliner Schlachthansware PiSclivelnescblBlen..piUd98pt. Po. Scbweinesdiolterlilan ptund S8 pt. Pa. Scbweioebancb°. Beug. ptd. 86 p. Pa.Schwemß!iainffloh.B«ii. p.d. 1,10 PiKassler............... Pfand 1,15 PiLUeSEB............... Pfand 76 Pf Pa.PMenlStt bratfertig, Pfand 72pt. Paiislieiü m. Spltib., mild gep., Pfd. 56pf POhelriPPCbED mild...... Pfand 78 Pf. penflsisöt............ Pfand 74pt. Sdmtorilelscb Keula, oh. In. Pfd. 1,10 Sötabelleisdi............ Pfand 1,18 GülSSCb gemischt......... Pfand 88pt. Gehacktes................ Pfund 80?.. OebSeDhaCken oh. Knochen, Ptd. SOpt. KtÜbS-KaiB! ohne Be>f«ga. Pfd. 78p.. Kalbsniereobratenoh. BeiL.ptd.SSp.. Kalbshlaltnnd-linisl..... ptund SO?. Kalbsksülea is»pid. ech*. ptd. 96pi. Pa. Rindert SlS selbetansgel. Pfd. 52pt. Grefi?ie*> Heise J Pa-Ocbsenschmorflsiscb.n..m.OOpt. Pa. Ocbsengolascb o. Kn...pfd.6$pi E Pa. Ocbsensoiipeolleiscb..pfd 52?.. 1 Pa. Oebsettbrnst......... Pfund 58"., Pa. RtuiiiiiGlileisch....Pfand 78?, Pa. Bamnteir&cliee..... ptund 86p.. i Pa. PaiDiiielkeDleo..... pwnd 96?,.| Pa. finheoler........... Pfand 20?,. Pa. PJnflarhenBn........ pfnnd 48p,. Pa. SÖHV.'KCDIB m.Feltbjels.w.fr.Pfi). 42?' WSlgaWNergerorenP.nndl"' aiiiiiiiiiitiiititMniiiiniMiiiniiiiiiiiiiiiinnniiiiiniiniiiuiiuinmiitinMi fövUwivi&WHKm' CusveMHuer�d.gr:?b!:l 10 iniiiiuniniiiiiitiMiiMHiuiiiitMiiitiiiniiiiiiiiittnHHiiHittmiiiMiiii BosnischePjlaumen. eiund 28?,. Badcobsf Fanffmcht..... Pfund 45 Pf. Kaiiforn. Ringäpfel..ptund 65pt. Kaliforn. Birnen...... ptnnd 65pt sdess-Makkaroni i.pfd..Patet 65f,. Kaliforn. Pfirsiche....Ptun, 85?,. !jii!tiiin|nntiinnitiiU|miHiiiiimHiirmtmiiiminntiiiniiuimiitiifimiiuniiitiiiiiiiiiiimntiiniiiimiiimmniiiniiiimiimui(ntnitiitifts I Frisch gebrannter Kaffee p1Dnd 22,0 1 �i.i»iiiiiiiniHUMmt;>fniiiiiiHniiiniimiii!i»nmininmHHiiiin»:iHinnii!nitii!nni'iiiii!tim'i"i""t''"">i"""iiimii!iiii'.iiiiiiiin»ii:t" Eier-Brudimakkaroni pü 45p,. Eier-Schnillnudeln....ptnnd 45?,. Eier-Fadennudeln....piucdSOp,. Eier-Suppeneinlage ptnnd 50?,. SnH# Frühslückskäse stock 1 Ort. Romalour....... pinnd 20pt. 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